MATR Telu 健 MEATHE F MKO Stel Wirit Gb 49.16 2 Domenichino gem. 85 Stahlstich v. Carl Mayer's Kunst- Anstalt Nbg Ich war im Geisté am Tage des Herrn, und hörte hinter mir eine starke Stimme, wie einer Posaune. Offenb.1, 10. Verlag von Canl Mayer m Nürnberg. Gesangbuch d für die evangelische Kirche in Württemberg. Stuttgart. 1870. Verlags- Comptoir des neuen evangelischen Gesangbuchs. thandpunts ув 4916 123 Preise für ungebundene Exemplare: Gesangbuch mit Anhang. Gesangbuch ohne Anhang Anhang allein Univ.- Bibl. Giessen • 24 fr. 19 fr. 5 fr* Das Jahr 1841, welches in der Geschichte von Württemberg durch) die unvergeßliche Feier der 25jährigen gesegneten Regierung unseres geliebten Königes ausgezeichnet ist, hat eine besondere Bedeutung für die Zukunft der evangelischen Kirche des Landes erhalten. Die neue christliche Liedersammlung für öffentlichen und häuslichen Gebrauch, welche hier den Gemeinden dargeboten wird, ist, nächst einem neuen Kirchenbuche, auf der im Frühling dieses Jahres hiezu berufenen Synode, welche mit einer namhaften Zahl von Geistlichen aus allen Theilen des Königreichs verstärkt worden war, durch Prüfung des zuvor erschienenen und in mehr als 6000 Abbrücken bereits verbreiteten Entwurfs, und der von allen Seiten darüber eingelaufenen Ansichten und Wünsche, zu Stande gekommen. Ein Zeitraum von fünf Jahren hat an der Vollendung dieses Buches gearbeitet, und eine gewissenhafte Berathung der vielfachen Bedürfnisse des Gottesdienstes, und der mannigfaltigen Denk- und Empfindungsweisen des Glaubens in der evangelischen Kirche hat jeden brauchbaren Wink, jede gewichtige Stimme von da und dort, aus hohem und niederem Stande gerne benüßt, und so ein Werk ausgeführt, zu welchem in brüderlichem Geist Unzählige mitgewirkt haben, das mithin als die Frucht einer gemeinschaftlichen Handreichung der Kirche selbst betrachtet werden darf, und fortan zur Pflege der Einigkeit im Geiste durch das Band des Friedens aller Orten beitragen müsse. Der schönste Schmuck und nicht die geringste Kraft der evangelischen Kirche sind ihre geistlichen Lieder und Choräle. Sie hat von beiden mit jedem Jahrhundert eine ansehnliche Zahl und in eigenthümlichem Ton und Gepräge hervorgebracht, und hat auch aus früheren Zeiträumen und aus andern Kirchen das schönste sich dankbar zugeeignet. Es mußte demnach, einem in den deutschen Ländern wieder allgemein erwachten Bedürfniß gemäß, darauf gesehen werden, zu dem Guten, was bereits in dem seit dem Jahr 1791 geltenden Gesangbuch steht, noch manches andere, was in den älteren Sammılungen von Alt- und Neu- Württemberg von entschiedenem Werth und noch in theurem Ansehen unter dem Volke war, hinzuzufügen und solches alles in einer Gestalt aufzubewahren, welche weder die ursprüngliche Form jener Lieder verwischt, noch dem Geschmack und der Ausdrucksweise der jetzigen Zeit ganz zuwider lautet. Ebenso war aber auch daran gelegen, die besten und erbaulichsten Lieder des jüngsten Zeitramme in dieser neuen Sammlung zu vereinigen, und dadurch vieles, was bisher nur wenigen bekannt, einer allgemeinen IV Verbreitung werth erschien, in unsere christlichen Familien und Ge meinden einzuführen. Es möge nun dieses Buch jedem nach seinem Bedürfniß dienen und recht vielen gleich jenem Hausvater( Matth. 13, 52.) seyn, der aus seinem Schatze neues und altes hervorträgt, und in beidem denen die es mit Andacht gebrauchen, eine Gabe des Geistes zum ewigen Leben darreichen. Und weil doch die Hauptsache ist, daß christliche Erbauung gestiftet, lebendiger Glaube an Gott und an Jesum Christum genährt werde, und Gottes Wort reichlich unter uns wohne, wozu wir dem Herrn singen sollen in unserem Herzen( Ephes. 5, 19.): so durften in dieser Sammlung auch nur solche geistliche liebliche Lieber seyn, welche das Herz mit dem erfüllen, wovon sichs gebühret, daß der Mund übergehe und wir unter einander reden und uns selbſt lehren und vermahnen als mit Pfalmen und Lobgesängen( Coloff. 3, 16.). Es wird daher auch wohl in keinem, wie verschieden sie sonst von einander lauten müssen, der evangelische Geist und das Bekenntniß der Kirche vermißt werden. Auch sind die Schriftstellen über jedem Lied ein Fingerzeig, wie der Inhalt dieser Gesänge noch im einzelnen mit den Aussprüchen des göttlichen Worts jusammenhänge. Daher kann ein fleißiger Gebrauch dieser Lieder nicht wohl ohne den Segen einer fortwährenden Hinweisung auf die christlichen Heilswahrheiten und einer häufigeren Beschäftigung auch mit dem Buch des Lebens selbst bleiben. Die Stimmen einer gläubigen Andacht, einer aufrichtigen Buße, eines kindlichen Dankes und Vertrauens, einer ungefärbten Liebe Gottes und des Nächsten, welche in diesen Liedern aus so vielen Herzen hervortönen, und aus manchem, das in unserm Lande sich noch ein besonderes Gedächtniß der Anhänglichkeit und Verehrung gestiftet hat, werden in noch viel mehreren Herzen einen wohlthuenden, erhebenden und veredelnden Anklang wecken. Und so möge auch dieses Gesangbuch unter dem Aufsehen des Herrn der Gemeinde, dem wir seinen Lauf empfehlen, das Wohl des Landes, das nur in Gottesfurcht gedeiht, und die Seligkeit der Seelen, die nur aus dem Glauben kommt, vermehren, und den theuren Wahlspruch( Ps. 119, 89. Sef. 40, 8. 1 Petri 1, 23. 25.), mit welchem in den Tagen unserer Väter der herzogliche Reformator von Württemberg den evangelischen Glauben und Gottesdienst aufgerichtet hat, auch unter dem milden und gerechten Scepter seiner Königlichen Enkel erproben, daß Gottes Wort bleibet in Ewigkeit! - Inhalt. I. Allgemeine Gebtlieder( auch Lob- und Danklierer). II. Lieder von Got A. Gottes Wesen nd Eigenschaften 34-57. Dreieinigkeit 3-37. Herrlichkeit Gites 38. 39. Allmacht 41. Allgegenwart.nd Allwissenheit 42-44. Treue 45-4772. Heiligkeit 48. Gerechtigkeit 9. 50. Gnade und mgmuth 40. 51. 57. 64. Güte und Lie 52-56. Weisheit 7374. B. Schöpfung, trhaltung, Regierung( Engel) 38-76. III. Sünde und Glösung IV. Adventlieder V. Weihnachtlier Erscheinung nd Darstellung Christi VI. Lehramt unWandel Jesu VII. Paffionslied Rathschluß r Erlösung 129. 130. Allgemeineßetrachtungen 131. 132. 139. 161. 361. Fußwaschur 133. Gethseman134. 135. Seht, wel ein Mensch! 136. 137. Verurtheilg Jesu 138. Jesus am reuze 140-143. Die sieberWorte 144. 145. Der Scheer 146. Maria ur dem Kreuze 147. Segen diTodes Jesu und Dank dafür 148-160. Grablegy Jesu 162. 163. VIII. Osterlied IX. Himmelfrt und himmlische Serrlichkeit Ghrifti X. Pfingstlier XI. Die Kire Chrifti Die neinschaft der Heiligen 216-218. Um Bbreitung des Evangelium8 219-224. XII. Das Wrt Gottes XIII. Die hagen Sakramente A. Diell. Taufe. Taufbundes- Erneuerung 237-245. B. Dajeilige Abendmahl 246-262. XIV. Das( bet( fiehe auch 1. Allgemeine Gebetliever) XV. Der des Herrn und der Gottesdienst Beiinweihung von Kirchen Betinsegnung von Geistlichen. Nr. 1-33 34-76 77- 88 89-101 102-114 115-119 120-128 129-163 164-178 179--192 193-203 204-224 225-236 237-262 263-268 269-278 279. 280 281-283 IV SERRES ET BA54 Ve me Be 13 un Se ſtif we del du fet de lel 3, fo: B ül in of $ 5 B dr tv n d € VI XVI. Die Heilsordnung A. Buße und Bekehrung 284-311.. B. Glaube und Rechtfertigung 312-327. C. Göttlicher Frieve 328-344. XVII. Christlicher Sinn und Wandel A. Liebe zu Gott und Christus 345-363. B. Bertrauen auf Gott( f. auch XVIII. Trostlieter) 364-376. C. Nachfolge Chrifti 377-383. D. Heiligung. Himmlischer Sinn 384-421. E. Nächstenliebe 422-431. Allgemeine Fürbitte( s. auch Nr. 6. 198.) 432. 433. Christliche Freundschaft 434. Inhalt. F. Einzelne Tugenden und Pflichten 435-460. a) Weisheit 435-437. b) Wachsamkeit und Treue 438-444. c) Demuth und Geduld 445-449. d) Wahrhaftigkeit( Gib) 450. 451. e) Genügsamkeit 452-457. Mäßigkeit und Keuschheit 458-460. Trostlieder XVIII. In allgemeiner Noth( f. auch XVII. B. Bertrauen 2c.) XIX. Lieder für besondere Verhältnisse und Zaten A. Hausstand( Trauungslieder) 494-502. Für Eltern 503-505. Für Kinder 506-513. Berufslieder 514-516 Für Dienstboten( f. auch Nr. 500.) 517. Dank für die Gesundheit 518. Dank für die Genesung 519. Geburtstag 520. Für das Alter 521-523. Für Wittwen 524. B. Fürst und Vaterland 525-529. C. Jahreswechsel 530-535. Jahresschluß( f. auch Nr. 584.) 530. 531. Neujahr 532-535. D. Jahreszeiten 536-548. Frühling und Sommer 536-538. Gewitter 539. 540. Ernte 541-544. Bei Mißernten 545. 546. Herbst und Winter 547, 548. E. Tageszeiten 549-584. Morgenlieder.( Schluß der Woche 563.) 549-63. Abendlieder.( Schluß der Woche 583. 584.) 564-584. ( Nr. 584 auch am Schlusse des Jahrs. XX. Die letzten Dinge A. Vorbereitung auf den Tod 585-595. B. Sterblieber 596-615. C. Begräbnißlieder 616-631. D. Auferstehung und Weltgericht 632-640. E. Ewiges Leben 641-651. Nr. 284-3 345461-45 492. 4 494-58 385-651 I. Allgemeine Gebetlieder. Eigene Mel.( Jef. 6, 3.) 60 1. Herr Gott! dich loben wir;| menschlich Geschlecht; Du hast dem Herr Gett! wir danken dir; Dich, Tod zerstört sein Macht Und all Bater in Ewigkeit, Ehrt die Welt Christen zum Himmel bracht; Du weit und breit; All Engel und Him- sitzst zur Rechten Gottes gleich Mit melsheer, Und was dienet deiner aller Ehr ins Vaters Neich; Ein Ehr, Auch Cherubim und Sera- Richter du zukünstig bist Alles, das phim Singen immer mit hoher todt und lebend ist. Stimm:, Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott! Heilig ist unjer Gott, Der Herre Zebaoth!" 4. Nun hilf uns, Herr, den Dienern dein, Die mit dein'm Blut erlöset seyn, Laß uns im Himmel haben Theil Mit den Heiligen in ewgem Heil; Hilf deinem Volk, Herr Jesu Christ, Und segne, das dein Erbtheil ist, Wart und pfleg ihr zu aller Zeit Und heb sie hoch in Ewigkeit. 2. Dein göttlich Macht und Herr93 lichkeit Geht über Himmel und Erden 34 weit; Der heiligen zwölf Beten Zahl, Und die lieben Propheten all, Die theuren Märtrer allzumal Loben dich, Herr, mit großem Schall; Die ganze werthe Christenheit Rühmt dich auf Erden allezeit; Dich, Gott Vater, im höchsten Thron, Deinen rechten und einigen Sohn, Den heiligen Geist und Tröster werth Mit rechtem Dienst sie lobt und ehrt. 344 3. Du, König der Ehren, Jesu Christ, Gott Vaters ewiger Sohn du bist; Der Jungfrau Leib nicht haft verschmäht, zu lösen das 5. Täglich, Herr Gott, wir loben dich Und ehr'n dein'n Namen stetiglich. Behüit uns heut, o treuer Gott, Für aller Sünd und Missethat! Sey uns gnädig, o Herre Gott, Sey uns gnädig in aller Noth; Zeig uns deine Barmherzigkeit, Wie unsre Hoffnung zu dir steht; Auf dich hoffen wir, lieber Herr! In Schanden laß uns nimmermehr! Amen. Luther, g. 1483 † 1546. Eigene Miel.( Sir. 50, 24-26.) 2. Nun danket alle Gott Mit| fort und fort; Und uns aus aller Herzen, Mund und Händen, Der Noth Erlösen hier und dort. große Dinge thut An uns und allen Enden; Der uns von Mutterleib Und Kindesbeinen an Unzählig viel zu gut Bis hieher hat gethan. 3. Lob, Ehr und Preis sey Gott, Dem Vater und dem Sohne Und dem, der beiden gleich Im höchsten Himmelsthrone, Dem einig höch sten Gott; Als es anfänglich war und ist und bleiben wird Jetzund 2. Der ewig reiche Gott Woll uns bei unsrem Leben Ein immer fröhlich Herz Und edlen Frieden geben; und immerdar! Und uns in seiner Gnad Erhalten Evangelisches Gesangbuch. Nindart g. 1586+ 1649. 1 1. Allgemeine Gebetlieder. Eigene Mel.( Pf. 57, 8c. 103, 1-5. 5 Mos. 32, 10.) 3. Lebe den Herren, den mächtigen König der Ehren; Stimme, du Seele, mit ein zu den himnilischen Chören! Kommet zu Hauf; Psalter und Harfe, wacht auf, Lasset den Lobgefang hören! 2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, Der dich auf Adlersgefteber so sicher geführet, Der dir beschert Was dich erfreuet und 5. Lobe den Herrn und seinen nährt; Dank es ihm innigst gerüb- hochheiligen Namen, Lob ihn, was ret! ( 2 Mef. 19, 4.) in mir ist, mit dem erforenen Sa3. Lobe den Herren, der fünftlich men! Er ist dein Licht; Seele, verund fein dich bereitet, Der dir Ge- giß es ja nicht; Lob ihn in Ewigkeit! sundheit verliehen, dich freundlich| Amen. 2. Neander, g. um 1640 † 1688. hätte Und einen tausendfachen Mund! Ich stimmte damit um die Wette Vom allertiefsten Herzensgrund Ein Loblied nach dem andern an Von dem was Gott an mir gethan. Eigene Mel. Pf. 145.) 4. daß ich tausend zungen| großen Bunder zu erhöhn, Die allenthallen um mich stehn! 5. Lob sey dir, o mein Gott und Vater, Für Leib und Seele, Hab und Gut! Lob sey dir, mildester Berather, Für alles was dein Lieben thut, Daß mir in deiner weiten Welt Beruf und Wohlseyn ist bestellt! 10 6. Mein teuster Jesu! sey gepriesen, Daß bein erbarmungsvolles Herz Sich mir so hülfreich hat bewiesen Und mich durch deinen To3. Ihr grünen Blätter in den Wäldesschmerz Bom Sündenelend hat dern, Bewegt und regt euch doch befreit Und dir zum Eigenthum gemit mir! Ihr schwanken Gräser in weiht. den Feldern, Ihr Blumen, laßt doch eure Bier Zu Gottes Ruhm belebet seyn Und flimmet lieblich mit mir ein! 2. Was schweigt ihr denn, ihr, meine Kräfte? Auf, auf, braucht allen euren Fleiß Und stehet munter im Geschäfte Bu Gottes, meines Herren, Preis! Wär jeder Puls mein Leben lang Und jeder Odem ein Gefang! geleitet; In wie viel Roth Hat nicht der gnädige Gott Ueber dir Flügel gebreitet! 4. Ach alles, alles was ein Leben Und einen Odem in fich hat, Soll sich mir zum Gehülfen geben; Denn mein Vermögen ist an matt, Die 4. Lobe den Herren, der sichtbar dein Leben gesegnet; Der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet! Denke daran, Was der Allmächtige kann, Der dir mit Liebe begegnet. 7. Auch dir sey ewig Lob und Ehre, O heilig werther Gottesgeist, Für deines Troftes filße Lehre, Die mich ein Kind des Lebens heißt! Was gutes sell an mir gedeihn Das wirkt bein göttlich Licht allein. 8. Wer überströmet mich mit Se gen? Bist du es nicht, o reicher > I. Allgemeine Gebetlieder. Gott? Wer schützet mich auf meinen| stehn? Wie wollt ich auch im tiefften Wegen? Du bist es, Herr Gott ze- Leiden Nicht triumphirend weiter baoth! Du trägst mit meiner Sün- gehn? Und gings auch in den Tod denschuld Unsäglich gnädige Geduld. hinein, So will ich doch nicht trau9. Demüthig füß ich deine Ruthe, rig seyn! Womit du mich gezüchtigt haft; Wie viel thut sie mir doch zu gute! Sie ist mir eine sanfte Last Und macht mich fromm und zeugt dabei, Daß ich dir lieb und theuer sey.( Ebr. 12, 6.) 10. Ich habe ja mein Lebetage Es schon so manchesmal gespürt, Daß du mich unter vieler Plage Getreu lich haft hindurchgeführt; Denn in der größesten Gefahr Ward ich dein Trostlicht auch gewahr. 11. Wie sollt ich nun nicht voller Frenden In deinem steten Lobe 3 12. Ich will von deiner Güte singen, So lange sich die Zunge regt; Ich will dir Freudenopfer bringen, So lange sich mein Herz bewegt; Ja, wann der Mund wird kraftlos seyu, So stimun ich nech mit seuf zen ein. 13. Ach nimm das arme Lob auf Erden, Mein Gott, in allen Gnaden hin! Im Himmel soll es besser werden, Wann ich bei deinen Engeln bin; Da bring ich mit der selgen Schaar Dir tausend Hallelujah dar! Menger, g. 1658 † 1734 Eigene Mel.( Pf. 103, 1-13.) 5. Womit soll ich dich wohl lo- send, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafilr! dest ben, Mächtiger Herr Zebacth? Sende mir dazu von oben Deines Geistes Kraft, mein Gott; Denn ich fann mit nichts erreichen Deine Gnab und Liebeszeichen. Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! sida 2. Herr! entzünde mein Gemüthe, Daß ich deine Wundermacht, Deine Gnade, Treu und Güte Froh erhebe Tag und Nacht, Da von deinen Gnadengüssen Leib und Seele zeugen müssen. Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! 3. Denk ich, wie ich dich verlaffen, Wie ich häufte Schuld auf Schuld, So möcht ich aus Scham erblassen 6. D wie haft du meine Seele Vor der Langmuth und Geduld, Stets gesucht zu dir zu ziehn! Daß Womit du, o Gott, mich Armen ich nicht mein Heil verfehle, Soll Hast getragen aus Erbarmen! Tau| ich zu den Wunden fliehn, Die 4. Ach ja, wenn ich überlege, Mit was Lieb und Gütigkeit Dn durch so viel Wunderwege Mich geführt die Lebenszeit, So weiß ich kein Biel zu finden Noch die Tiefen zit ergründen. Tausend, tausendmal sey bir, Großer König, Dank dafür! 5. Du, Herr, bist mir nachgelaufen, Mich zu reißen aus der Gluth; Denn da mit der Sünder Haufen Ich nur suchte irdisch Gut, Hießest bu auf das mich achten, Wonach man zuerst soll trachten. Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! 1. Allgemeine Gebetlieder. mich ausgefühnct haben Und mir| Oft getragen väterlich, In den ThäKraft zum Leben gaben. Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! ( 1 Petri 2, 24.) 7. Ja, Herr, lauter Gnad und Wahrheit Sind vor deinem Angedir, sicht! Du, du trittst hervor in Klarheit, In Gerechtigkeit, Gericht, Lässest une in deinen Werken Deine Güt und Allmacht merken. Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! lern, auf den Hügeln Wunderbar errettet mich; Schien mir alles zu zerrinnen, Ward ich doch der Hülfe innen. Tausend, tausendmal sey Großer König, Dank dafür! 11. Fielen tausend mir zur Seiten Und zur Rechten zehnmal mehr, Ließest du mich doch begleiten Durch der Engel starkes Heer, Daß den Nöthen, die mich drangen, Ich jedennoch bin entgangen. Tausend, tausendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! ( Pf. 91, 7.) 8. Bald mit lieben, bald mit leiden Kamst du, Herr, mein Gott, zu mir, Nur mein Herze zu bereiten, Ganz sich zu ergeben dir, Daß mein gänzliches Verlangen Möcht an dei nem Willen hangen. Tausend, tau sendmal sey dir, Großer König, Dank dafür! 12. Vater, du haft mir erzeiget Lauter Gnad und Gütigkeit; Und du haft zu mir geneiget, Jesu, beine Freundlichkeit; Und durch dich, o Geist der Gnaden, Werd ich stets noch eingeladen. Tausend, tausend mal sey dir, Großer König, Dank dafür! 9. Wie ein Vater nimmt und gibet, Nachdems Kindern nützlich ist, So hast du mich auch geliebet, Herr, mein Gott, zu jeder Frist Und dich meiner angenommen, Wenns aufs äußerste gekommen. Taufend, tau sendmal sey bir, Großer König, Dank dafür! 13. Tausendmal sey dir gefungen, Herr, mein Gott, folch Lobgesang, Weil es mir bisher gelungen; Ach laß meines Lebens Gang Ferner noch burch Jesu Leiten Nur gehn in die Ewigkeiten; Da will ich, Herr, für und für Ewig, ewig danken dir! Getter, g. 1661 † 1735. 10. Mich haft du auf Ablereflügeln Mel. Nun ruhen alle.( 1 Tim. 2, 1-4.) 6. Herr, höre; Herr, erhöre!| heit spotten, Beut allen deinen Feinden Truß. Breit deines Namens Ehre An allen Orten aus; Behüte alle Stände; Durch deiner Allmacht Hände Beschüße Kirche, Land und Haus. 3. Gib du getrene Lehrer Und unverdroßne Hörer, Die beide Thäter sey'n; Auf pflanzen und begießen Laß dein Gedeihen fließen Und Früchte reichlich ernten ein. 4. Dit wollst uns hoch beglücken, Mit hellen Gnadenblicken Auf 2. Ach laß dein Wort uns allen Noch ferner reichlich schallen Zu unsrer Seelen Nutz, Bewahr uns vor den Rotten, Die deiner Wahr I. Allgemeine Gebellieder. unsern König sehn; Ihn schützen auf| ten, Da nach dem Brod der Hunger dem Throne, Auf seinem Haupt die ruft. Krone In vollem Glanze lassen stehn. 5. Laß alle die regieren Ihr Amt getreulich führen! Schaff jedermann sein Recht; Daß Fricd und Treu fich müssen In unsrem Lande füssen; Sa segne Mann, Weib, Herrn und Knecht. 9. Gedenke voll Erbarmen Der Leibenden und Armen; Verirrte bring herein. Die Wittwen und die Waisen Wollst du mit Troste speisen, Wenn sie zu dir um Hülfe schrei'n. 10. Komm als ein Arzt den Kranten, und die im Glauben wanken Laß nicht zu Grunde gehn. Die Alten heb und trage, Damit sie ihre Plage Geduldig können überstehn. 11. Die Reisenden beschütze; Bleib der Verfolgten Stütze; Die Sterbenden begleit Mit deinen Engelschaaren, Daß sie im Frieden fahren zu Zious Frend und Herrlichkeit. 12. Nun, Herr, du wirst erfüllen Was wir nach deinem Willen In 8. Laß alle giftgen Seuchen Von Demuth jetzt begehrt. Wir sprechen unsern Grenzen weichen, Gib uns gläubig Amen In unsers Jesu Nagefunde Luft. Laß Mißwachs, theure men, So ist gewiß der Wunsch geZeiten Sich nicht bei uns verbrei- währt! Schmolk, g. 1672 1737. ( Pf. 85, 11: c.) 6. Erhalt in jeder Ehe, Beim Glücke wie beim Wehe, Rechtschaffne Frömmigkeit. In Unschuld und in Tugend Gedeihe unsre Jugend zu deines Reiches Dienst bereit. 7. O Vater, wend in Gnaden Krieg, Feuer, Wasserschaden Und Sturm und Hagel ab! Bewahr des Landes Früchte und mache nicht zu nichte Was deine milde Hand uns gab. Mel. Chriftus, der ist.( Luca 24, 29. Joh. 15, 5.) stings and 7. Ach bleib mit deiner Gnade| Gnad und all Vermögen Reichlich Bei uns, Herr Jesu Christ, Daß in uns vermehr! uns hinfort nicht schade Des bösen Feindes List! 2. Ach bleib mit deinen Worten Bei uns, Erlöser werth, Auf daß uns hier und dorten Sey Güt und Heil beschert! 3. Ach bleib mit deiner Klarheit Bei uns, du werthes Licht; Umgürt uns mit der Wahrheit, Damit wir irren nicht! s 5. Ach bleib mit deinem Schutze Bei uns, du starter Held, Daß uns der Feind nicht trutze, Noch uns bestrickt die Welt! 6. Ach bleib mit deiner Treue Bei uns, du Herr und Gott; Bestänbigkeit verleihe, Hilf uns aus aller Noth! 7. Ach bleib mit deinem Frieden Bei uns auch noch im Tod Und sprich uns zu, den Müden:„ Ihr 4. Ach bleib mit deinem Segen Bei uns, du reicher Herr; Heil, seyd versöhnt mit Gott!" Steegmann, g. 1588 † 1632. V. 7 neuerer Zusap. 6 I. Allgemeine Gebetlieder. Mel. Dieweil ich auferstehe.( Ps. 119, 94. 1 Mos. 49, 18.) 8. So lang ich hier noch walle,| 6. Fühl ich mich schwach im Beten, Soll dieß mein Seufzer seyn, Ich und ist mein Glaube klein, Soll sprech bei jedem Falle: Herr, bilf mich sein Geist vertreten: Herr, mir, ich bin dein!" hilf mir, ich bin dein!" 7. Wenn ich in Leidenstagen Bei seiner Ruthe wein', So will ich findlich sagen:, Herr, hilf mir, ich bin dein!" 2. Weim Morgens ich erwache Und schlafe Abends ein, Befehl ich Gott die Sache: Herr, hilf mir, ich bin dein!" 3. Geh ich an die Geschäfte, So bitt ich zum Gedeihn Ihn um Ver stand und Kräfte: ,, Herr, hilf mir, ich bin dein!" 4. Will sich mein Fleisch vergehen, Betrogen von dem Schein, So halt ich an mit flehen: ,, Herr, hilf mir, ich bin dein!" 9. Macht auch mein Herz mir Granen, Der Herr sey nicht mehr mein, So seufz ich voll Bertrauen: ,, Herr, hilf mir, ich bin dein!" 10. Jn meinen letzten Stunden Schäß ich mich heil und rein Durch meines Heilands Wunden; Er hilft mir, ich bin sein! Ph. Fr. Hiller, g. 1699+ 1769. Mel. Valet will ich.( Klaglieber 8, 22-24.) 9. Beherrscher aller Welten! Jm| Der mich bisher erfreut, Mich bringen und bewegen Zur thätgen Dank barkeit!? 4. Gib, daß ich dir vertraue, Der du die Liebe bleibst, Auch wann du mich auf rauhe Und steile Pfade treibst. Wenn in Gefahr und Schmerzen Mein Geist will muthlos seyn, So flöße meinem Herzen Geduld und Hoffnung ein. 5. 3um Besten soll mir dienen Das Leiden dieser Zeit; Noch ist sie nicht erschienen Die große Herrlichkeit Und Wonne, die die deinen Dereinst beglücken soll; Sie säen unter weinen, Und ernten freudenvoll. 5. Wenn mich die Sünden tränken, So kann ich noch allein An den Verfühner denken: ,, Herr, hilf mir, ich bin dein!" Staube bet ich an; Wie könnt ich bir vergelten Was du an mir ge than? War nicht an jedem Morgen, Gott, deine Gülte neu Und machte mich von Sorgen, Von Gram und Kummer frei? 2. O Gott, wie viele Sünden Hast du mir schon verziehn! Ach laß mich Gnade finden Und segne mein Bemühn, Mich selber zu bezwingen, Zu thun was dir gefällt, Das Kleinod zu erringen, Das ewgen Werth behält. 8. Will Satan mich berauben, Und macht die Welt mir Pein, Ruf ich getroft im Glauben: ,, Herr, bilf mir, ich bin dein!" 3. Gott! alle meine Tage Sind Zeugen deiner Huld; Wie oft traf eine Plage Mich nur aus eigner Schuld! Omöchte doch dein Segen, Eberhard Friebrich, Prinz von Sohenlohe- Kirchberg, g. 1737+ 1801. . I. Allgemeine Gebetlieder. Mel. Herr! wie du willt.( Pf. 5, 2. 3. 18. 1 Stön. 3, 9-13.) 10. Gott! deine Güte reicht so| 3. Ich bitte nicht um Ehr und weit, So weit die Wolken gehen; Ruhm, So sehr sie Menschen rühDu frönst uns mit Barmherzigkeit ren; Des guten Namens EigenUnd eilst, uns beizustehen. Herr, thum Laß mich nur nie verlieren. meine Burg, mein Fels, mein Hort, Mein wahrer Ruhm sey meine Vernimm mein Flehn, mert auf Pflicht, Der Ruhm vor deinem mein Wort, Denn ich will vor dir Angesicht, Und frommer Freunde beten. ( Pf. 36, 6.) Liebe. 2. 3ch bitte nicht um lleberfluß Und Schätze dieser Erden; Laß mir, so viel ich haben muß, Nach deiner Gnade werden; Gib mir nur Weisheit und Verstand, Dich, Gott, und den, den du gesandt, Und mich selbst zu erkennen. Eigene Mel.( Jerem. 29, 11-14.) 11. Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig, Lege mich vor deinen Thron; Schwache Thränen, Kindlich Sehnen Bring ich dir, du Menschensohn; Laß dich finden, Laß dich finden, Bin ich gleich nur Asch und Thon. Gib 2. Sieh doch auf mich, Herr, ich bitt dich, Lenke mich nach deinem Sinn; Dich alleine Ich nur meine, Dein erkaufter Erb ich bin. Laß bich finden, Laß dich finden; dich mir und nimm mich hin. 3. Herr, erhöre; Ich begehre Nichts, als deine freie Gnad; Die du gibest, Wo du liebest, Und man dich liebt in der That. Laß dich finden, Laß dich finden; Der hat alles, der dich hat. 7 4. So bitt ich dich, Herr Zebaoth, Auch nicht um langes Leben; Im Glücke Demuth, Muth in Noth, Das wollest du mir geben. In deiner Hand steht meine Zeit; Laß du mich nur Barmherzigkeit Vor dir im Tode finden. Gellert, g. 1715 † 1769 4. Nein, voll Wonne, Wie die Sonne, Ist, o Seelenfreund, dein Herz; Ich nur finde Noch der Sünde Tödtend Gift in mir mit Schmerz. Laß dich finden, Laß dich finden, Schaff in mir ein reines Herz. 5. Tief in Nöthen Hilf mir beten, Kindlich beten, Herr, vor dir; Ach erscheine, Wann ich weine, Bald mit deiner Hülfe mir! Laß dich finden, Laß dich finden, Denn mein Herz verlangt nach dir. 6. Dieser Zeiten Eiteffeiten, Reich thum, Wolluft, Ehr und Freud Sind nur Schmerzen Meinem Herzen, Welches fucht die Ewigkeit. Laß dich finden, Laß dich finden, Großer Gott, ich bin bereit! 3. Neander, g. um 1640 1688. Mel. Herr Chrift, der einig.( Joh. 1, 9. 12. Jef. 38, 17. Mal. 4, 2.) 12. Herr Jesu, Gnadensonne,| Licht und Wenne Mein blödes AnWahrhaftes Lebenslicht! Laß Leben, gesicht Nach deiner Guab erfreuen 8 I. Allgemeine Gebellieder. Und meinen Geist erneuen; Mein| bösen Lüste, Auf daß ich für und Gott, versag mirs nicht! 2. Vergib mir meine Sünden Und wirf sie hinter dich; Laß allen Zorn verschwinden Und hilf mir gnädiglich; Laß deine Friedensgaben Mein armes Herze laben; Ach Herr, erhöre mich! 3. Vertreib aus meiner Seelen Den alten, eitlen Sinn Und laß mich dich erwählen, Daß ich mich fünftighin zu deinem Dienst ergebe Und dir zu Ehren lebe, Weil ich erlöset bin. 4. Beförbre dein Erfenntniß Sn mir, mein Seelenhort, Und öffne mein Verständniß Durch dein lebendig Wort; Damit ich an dich gläube Und in der Wahrheit bleibe, Ja wachse fort und fort. 5. Mit deiner Kraft mich rüste, 3u freuzgen die Begier Und alle für Der Sündenwelt absterbe Und nach dem Fleisch verderbe, Hingegen leb in dir. 6. Ach zünde deine Liebe In meiner Seele an, Daß ich aus innrem Triebe Dich ewig lieben kann, Und dir zum Wohlgefallen Beständig möge wallen Auf rechter Lebensbahn. 7. Nun, Herr, verleih mir Stärke, Verleih mir Kraft und Muth; Denn das sind Gnadenwerke, Die dein Geist schafft und thut; Hingegen all mein sinnen, Mein lassen und beginnen 3ft böse und nicht gut. 8. Darum, du Gott der Gnaden, Du Vater aller Treu, Wend allen Seelenschaden Und mach mich tägich neu! Gib, daß ich deinen Willen Getreulich mög erfüllen, Und steh mir kräftig bei. Gotter, g. 1661 † 1735. Eigene Viel.( Jak. 1, 17.) 13. Gott, bu frommier Gott,| ten Kraft Und Nachdruck ohn VerDu Brunnquell aller Gaben, Ohn druß. den nichts ist was ist, Von dem wir alles haben! Gesunden Leib gib mir, Und daß in solchem Leib Die Seele unverletzt, Nein das Gewissen bleib. 2. Gib, daß ich thu mit Fleiß, Was mir zu thun gebühret, Wozu Freunde, die mit Nath Und That mich dein Befehl In meinem Standemir nahe sind. führet. Gib, daß ichs thue bald, 5. Laß mich mit jedermann In Zu der Zeit, da ich soll, Und dann Fried und Freundschaft leben, So gerathe mirs Durch deinen Segen weit es christlich ist. Willst du mir wohl. etwas geben An Reichthum, Gut und Geld, So gib auch dieß dabei, Daß von unrechtem Gut Nichts untermenget sey. 3. Hilf, daß ich rede stets, Womit ich kann bestehen, Laß kein unnützes Wort Aus meinem Munde gehen; Und wenn in meinem Amt Ich re- 6. Soll ich auf dieser Welt Mein den soll und muß, So gib den Wor- Leben höher bringen, Durch manchen 4. Find't sich Gefährlichkeit, So laß mich nicht verzagen; Gib einen Heldenmuth, Das Kreuz hilf selber tragen. Gib, daß ich meinen Feind Mit Sanftmuth überwind; Gib I. Allgemeine Gebetlieder. 9 sauren Tritt Hindurch ins Alter| jenem Tag aufwecken, Wollst du dringen, So gib Geduld; vor Sünd Und Schanden mich bewahr, Auf daß ich tragen mag Mit Ehren graues Haar. auch deine Hand zu meinem Grab ausstrecken; Laß hören deine Stimm, Duf meinen Leib hervor Und führ ihn, schön verklärt, Zum anser7. Laß mich an meinem End Aufwählten Chor. Christi Tod abscheiden; Die Seele nimm zu dir, Hinauf zu deinen Freuden. Dem Leib ein Näumlein gönn Bei frommer Christen Grab, Auf daß er seine Ruh An ihrer Seite hab. 8. Wann du die Todten wirst An 9. Gott Vater, bir sey Preis Hier und im Himmel droben; Herr Jesu, Gottes Sohn, Ich will dich allzeit loben; O heilger Geist, dein Ruhm Erschall je mehr und mehr; Dreieinger Herr und Gott, Dir sey Lob, Preis und Ehr! 3. Heermann, g. 1585 † 1647. V. 9 späterer Zusaß. Mel. Mein Jesus lebt.( Nom. 8, 28 2c. Pf. 111, 1. 4. 9. Jef. 54, 10. Weish. 3, 9. 1 Joh. 4, 9. 10.) 14. Herr von unendlichem Er-| weicht und fällt, So lebt doch Gott, barmen, Du unergründlich Liebes- der Glauben hält. meer! Ich danke dir mit andern 5. Für deine theuren Sakramente, Armen, Mit einem ganzen Sünder- Die Siegel deiner wahren Schrift, heer, Für deine Huld in Jesu Christ, Wo Gott, damit ich glauben könnte, Die vor der Welt gewesen ist; Ein Denkmal feiner Wunder stift't, 2. Für dein so allgemein Erlösen, Für diese Gnaden in der Zeit Dankt Für die Verfühnung aller Schuld, dir mein Herz in Ewigkeit. Für deinen Ruf an alle Bösen Und für das Wort von deiner Huld, Ja für die Kraft in deinem Wort Dankt dir mein Herze hier und dort; 6. Ja Mund und Herze soll dir danken; Doch bittet auch mein Herz und Mund: Laß weder Mund noch Herze wanken, Und gründe mich auf diesen Grund, Erhalte nur durch deine Tren Auch bis ans Ende mich dabei. 3. Für deinen heilgen Geist der Liebe, Der Glauben wirkt in unsrem Geist, Für dieses Glaubens Kraft und Triebe, Wodurch sich deine Macht erweist, Für die Befestigung darin Dankt dir mein neugeschaffner Sinn; 4. Für dein so tröstliches Verspre chen, Daß deine Gnade ewig sey; Wenn Berge stürzen, Hügel brechen. So bleibt dein Bund, und deine Treu; Wenn Erd und Himmel 7. Laß mir bein allgemein Erbarmen, Das allgemeine Lösegeld, Den allgemeinen Ruf der Armen, Den allgemeinen Troft der Welt, Die Mittel, welche allgemein, Den festen Grund des Glaubens seyn. 8. Du gabst ja mir auch solche Gnaden, Auch ich, ich habe Theil baran; Ich lag ja mit in gleichem I. Allgemeine Gebetlieder. Schaden, Für mich ist auch genug| Unsträflich dir zum Lobe seyn; Vergethan; An deinem Worte, Trost sichere mein Herz daneben: Es reiße und Heil Gehört mir mein besond- keine Lust noch Pein Mich von der res Theil. Liebe Gottes hin, Weil ich in Christo Jefu bin. 11. Tod, Leben, Trübfal, Angst und Leiden, Was Welt und Hölle in sich schließt, Nichts soll mich von der Liebe scheiden, Die da in Chrifto Sesu ist. Ja, Amen! Vater aller Tren, Zähl mich den Auserwähl10. Laß mich in Liebe beilig leben,| ten bei. Ph. Fr. Hiller, g. 1699+1769. 10 9. An diesem kann ich nun erkennen, Daß ich dein Kind in Gnaden bin; Du willst mir selbst die Ehre gönnen, Du gabst den Sohn für mich dahin, Der war den Sündern zugezählt, In dem die Sünder auserwählt. Mel. Wie selig bin ich.( Pf. 51, 12. Luc. 11, 13.) der Zeit, Ich fleh um deinen Geist, Gott, den zu meiner Seligkeit Dein theures Wort verheißt. 15. Nicht um ein flüchtig Gut| 4. Bertrauen hab ich dann zu dir, Dann schenket auch Geist Das freudige Bewußtseyn mir, Daß du mir gnädig seyyst. 5. Er leite mich zur Wahrheit hin, Zur Tugend stärk er mich und zeige, wenn ich traurig bin, Auch mir als Tröster sich. 6. Er schaff in mir ein reines Herz, Berfiegle deine Huld, Und er bewaffue mich im Schmerz Mit Muth und mit Geduld! Ch. Fr. Neander, g. 1723 † 1802. Eigene Mel.( Job. 14, 13. 16, 13. Habak. 2, 14.) 3. Bis wir singen mit Gottes Heer: Heilig, heilig ist Gott, der Herr! Und schauen dich von Angesicht In ewger Freud und selgem Licht. 2. Die Weisheit, die vom Himmel stammt, O Vater, lehr er mich, Die Weisheit, die das Herz entflammt Zur Liebe gegen dich. 3. Dich lieben, Gott, ist Seligkeit; Gern thun was dir gefällt, Wirkt reinere Zufriedenheit Als alles Glück der Welt. 16. Herr Jesu Christ! dich zu uns wend Und deinen heilgen Geist uns send, Mit Hülf und Gnad er uns regier Und uns den Weg zur Wahrheit führ. 2. Thu auf den Mund zum Lobe dein, Bereit das Herz zur Andacht fein; Den Glauben mehr', stärk den Verstand, Daß uns dein Nam werd wohl bekannt. 4. Ehr sey dem Vater und dem Sohn, Dem heilgen Geist in Einem Thron! Der heiligen Dreifaltigkeit Sey Lob und Preis in Ewigkeit! Wilhelm, Herzog von Sachsen- Weimar, g. 1598+1662. Mel. O Gott, du frommer ic. oder: Ach Gott, verlaß mich nicht.( Nehem. 13, 31. Luc. 23, 42. Röm. 8, 32.). 17. Ach Gott, gebente mein,| das schöne Wort, Das mich allein mag Gedenke mein zum besten! Dieß ist trösten. Ich fürchte keine Noth Und I. Allgemeine Gebetlieder. 11 keine Angst noch Pein, So lang ich| 6. Ach Gott, gedenke mein Mit rufen kann: Ach Gott, gedente mein! 2. Ach Gott, gedenke mein! Wie könnt ich sichrer leben, Als wenn du, Vater, willst Ob deinem Kinde schweben, Wenn ich von deinem Schutz Kann unvergessen seyn? Drum bitt ich allezeit: Ach Gott, gedenke mein! reichem Trost und Segen! Behüte jedes Haus, Gib Glück auf unsern Wegen; Flöß mir den reinen Trieb Des heilgen Geistes ein; Erhör mich, wenn ich ruf: AchGott, gedenke mein! 7. Ach Gott, gedenke mein! Ge denke mein im Leiben, Wann alles mich zuletzt Verläßt bei meinem Scheiden, So bitt ich, lasse dir Die Seel befohlen seyn In meiner Todesnoth; Ach Gott, gedenke mein! 8. Ach Gott, gedenke mein! Ja, ja, du willst gedenken; Du hast dem Schächer dort Die Gnade wollen schenken, Daß er noch selben Tag Im Paradies sollt feyn, Drum rufich anch mit ihm: Ach Gott, gedenke mein! 9. Nun, Gott gedenket mein, Er denket mein im besten; Dieß ist das schöne Wort, Das mich allein mag trösten. Jetzt fürcht ich keine Noth Und keine Angst noch Pein; Mein Rufen ist erhört, Mein Gott geAdam, 1700. 3. Ach Gott, gedenke mein! Blick her zu deinem Kinde, Weil ich sonst nirgends Ruh Und Rettung beffer finde, Auch keine Hülfe weiß, Denn nur bei dir allein; Drum ruf ich allezeit: Ach Gott, gebente mein! 4. Ach Gott, gedenke mein! Zwar nicht an meine Sünde, Wodurch ich mich des Rechts Der Kindschaft selbst entbinde; Ach nein, im besten laß mich dir befohlen seyn, Gedenk an Gnad für Recht; Ach Gott, gedenke mein! 5. Ach Gott, gedenke mein! Bin ich ein Uebertreter, So ist mein Jesus da Als meiner Seele Retter. Will Sünde, Höll und Tod Den Untergang mir dräun, So hilft er, weil ich denket mein! ruf: Ach Gott, gedenke mein! Mel. Herr Jesu Christ, mein's.( Pf. 25.) 18. Nach dir, o Gott, verlanget| doch von meinem schweren Sündenmich, Mein Gott, ich denke stets an dich; Zieh mich nach dir, nach dir mich wend, Aus Zion deine Hülfe send! 2. Die Sonnenblum folgt ihrer Sonn, So folg ich dir, o meine Wonn; Nur wünsch ich, daß ich könnte hier Ganz frei von Sünden folgen dir. 3. Doch leider hat der Sünde Gift Solch Uebel in mir angestift't, Daß fich der matte Geist nicht kann Davor recht schwingen himmelan. 4. Ach, wer wird mich befreien joch? D Herr, ich sehne mich nach dir, Befreie mich und hilf du mir! 5. Es ist mein Will nach dir gericht't, Dech das Vollbringen mir gebricht; Und wenn ich auch hab guts gethan, Klebt doch unreines noch daran. 6. Gedenke, daß ich bin dein Kind, Vergib und tilge meine Sünd, Daß ich zu dir mit freiem Lauf Mich schwingen könne himmelauf. 7. Den Sinn der Welt rett in mir aus, Sey du mur Herr in meinem 1. Allgemeine Gebetlieder. Haus; Den Schild des Glaubens| Lust, Bleib mir auf ewig unbewußt, mir verleih Und brich des Feindes Pfeil' entzwei. Was fortan mich vergnügen soll, Deß ist allein der Himmel voll. 8. Nach dir, mein Gott, laß mir forthin Gerichtet seyn den ganzen Sinn; Ich eigne dich mir gänzlich zu Und such in dir nur meine Ruh. 9. Hinweg, hinweg, du schnöde seyn! 12 10. Ach alles was mich reißt von dir, Du höchstes Gut, das treib von mir; In dir, mein Gott, in dir allein Laß hinfort meine Freude Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig, g. 1633 † 1714. Mel. Mein Jesu, ter tu mich.( Serem. 18, 19. Ps. 121. Weish. 3, 9.) 19. Herr! habe Acht auf mich| Neid, Menschengefälligkeit, Unlautre Und reiß mich kräftiglich von allen Dingen; Denn ein gefesselt Herz Kann sich ja himmelwärts Durchaus nicht schwingen. * 2. Herr! habe Acht auf mich; Schaff, daß mein Herze sich Im Grund bekehre; Trifft vom verborgnen Bann* Dein Auge noch was an, Herr, das zerstöre! 3of. 7, 13 2. 3. Herr! habe Acht auf mich; Hast du allmächtiglich Den Strick zerrissen, So laß, dem Feind zu Trutz, Mich deinen starten Schutz Nun stets genießen. 8. Herr! habe Acht auf mich; Die Liebe nennet dich Israels Hüter; Du schlässt und schlummerst nicht, Dein blizend Angesicht Schlägt Feinde nieder. 9. Herr! habe Acht auf mich; Dein Herz ist mütterlich, Das heißt dich wachen; Das Kind liegt sorgenlos, Sanft in der Mutter Schoos, Die wirds schon machen. 4. Herr! habe Acht auf mich: Die Schlange mühet sich, Mit ihren Tücken Ein Herz, das du befreit, Von der Einfältigkeit Bald zu verrücken. ( 2 Cor. 11, 3.) 10. Herr! habe Acht auf mich; O zeuch mich ganz in dich Mit Leib und Seele; Dein bin ich, du bist 5. Herr! habe Acht auf mich; Die mein, Du, den ich mir allein Zum Welt legt listiglich In solchen Din- Hort erwähle. gen, Die sie unschuldig nennt, Weil sie sich selbst nicht kennt, Viel Netz und Schlingen. Triebe. 7. Herr! habe Acht auf mich Und laß mich ritterlich Den Kampf bestehen, Wenn Satan, Sünd und Welt, Mich stürmend überfällt, Nicht übergehen. 11. Herr! habe Acht auf mich Beim letzten Kampf, wann ich Von hinnen scheide; Führ mich durch dein Geleit In deine Herrlichkeit, 6. Herr! habe Acht auf mich; Tödt in mir mächtiglich Die Eigen- Zur ergen Freude. liebe, Trägheit, Luft, Furcht und Röthnische Lieder. Eigene Mel.( Pf. 38, 22 2c. 143, 10.) 20. Ach Gott, verlaß mich nicht!| führe mich, dein Kind, Daß ich den Gib mir die Gnadenhände; Ach| Lauf vollende Zu meiner Seligkeit; I. Allgemeine Gebeilieder. 13 Sey du mein Lebenslicht, Mein| weiche nicht von mir; Ach Gott, Stab, mein Hort, mein Schutz; Ach Gott, verlaß mich nicht! verlaß mich nicht! 2. Ach Gott, verlaß mich nicht! Regiere du mein wallen; Ach laß mich nimmermehr In Sind und Schande fallen! Gib mir den guten Geist, Gib Glaubenszuversicht, Sey meine Stärk und Kraft; Ach Gott, verlaß mich nicht! 4. Ach Gott, verlaß mich nicht! Komm gnädig mir entgegen; Ach Vater, kröne doch mit reichem Himmelssegen Die Werke meines Amts, Die Werke meiner Pflicht, zu thun was dir gefällt; Ach Gott, verlaß mich nicht! 5. Ach Gott, verlaß mich nicht! Ich 3. Ach Gott, verlaß mich nicht! bleibe dir ergeben; Hilf mir, o großer Ich ruf aus Herzensgrunde: Ach Gott, Recht glauben, chriftlich leben Höchster, stärke mich In jeder bösen Und selig scheiden ab, 3u sehn bein Stunde! Wenn mir Versuchung Angesicht; Hilf mir in Noth und naht Und meine Seel anficht, So Tod; Ach Gott, verlaß mich nicht! Salomo Frand, g. 1659+ 1725. Eigene Mel.( Joh. 15, 7. Matth. 6, 19-21. 1 Cor. 13, 13.) 21. Urquell aller Seligkeiten,| raubte, Hinblickt, wo sie wonnevoll Die in Strömen sich verbreiten Durch der Schöpfung weit Gebiet, Bater, hör mein flehend Lied! Alles wieder finden soll; 7. Starken Muth im Kampf des Christen Mit der Welt und ihren Lüsten; Sieg dem Geist, und wenn er siegt, Demuth, die im Staub sich schmiegt; 2. Nicht um Güter dieser Erde, Des erhabnen Geists Beschwerde, Um die Weltluft femm ich nicht, Bater, vor dein Angesicht. 3. Schätze, die mich nicht verlassen, Wann ich sterbend werd erblassen, Tugenden, des Christen werth, Sind es, die mein Herz begehrt. 4. Geber aller guten Gaben! Festen Glauben möcht ich haben, Wie ein Meerfels unbewegt, Wenn an ihn die Woge schlägt; 5. Lieb, aus deinem Herzen stammend, Immer rein und immer flammend, Liebe, die dem Feind verzeiht Und dem Freund das Leben weiht; 6. Hoffnung, die mit hohem Haupte, Wenn die Welt ihr alles 8. Duidung, alle Lebensplagen Mit Gelaffenheit zu tragen; Stilles Harren, bis der Tod Mich erlöst auf dein Gebet; 9. Seelenruhe, Muth im sterben, Wann die Lippen sich entfärben, und der letzte Seufzer spricht: O mein Jesu, laß mich nicht! 10. Willst du, Herr von meinem Leben, Diese Seligkeit mir geben, So wird auch die Leidensnacht Mir zum heitern Tag gemacht. 11. Immer will ich beten, ringen, Stille barren, Dank dir bringen, Bis dein Ruf einst meinen Geist Zu dir, Vater, kommen heißt. I. Allgemeine Gehetlieder. 12. Seele, gib dich nun zufrieden:| Nur vergiß nie sein Gebot: ,, Sey geJesus kommit und stärkt die Mülden; treu bis in den Tod!"( Offenb. 2, 10.) Schubart, g. 1739 † 1791. 14 Eigene Mel.( 2 Petri 3, 9. Jerem. 29, 11.) er du das Loos von mei-| 4. Selbst aus des Lebens Bitterteiten Weißt du mein Glüd mir zu bereiten Und schaffst aus Finster. niffen Licht; Du bahnft vor mir die rauhen Stege Und leitest mich auf meinem Wege, Wenn Licht und Leitung mir gebricht. 5. Drum soll vor dir mein Herz sich stillen; Ich weiß, daß ohne deinen Willen Kein Haar von meinem Haupte fällt. Auf dich allein kann ich vertrauen Und meiner Zukunft Hoffnung bauen In dieser unbeständgen Welt. sviran ( Matth. 10, 30.) 6. Ja, Herr, es sey mein ganzes Leben Bloß deiner Leitung übergeben, Bis dieser Leibesbau zerbricht. Ob Berge fallen, Hügel weichen, Und Welten sich zum Einsturz neigen, So weicht doch deine Gnade nicht! 22. Der nen Tagen Und meines Lebens Glück und Plagen Mit Gült und Weisheit mir bestimmt, Dir, Gott, dank ich mit frohem Herzen, Das seine Freuden, seine Schmerzen Aus deinen Segenshänden nimmt. 2. Du haft im Lauf von meinem Leben Mehr Glück als Leiden mir gegeben, Mehr guts, als ich verdient, beschert. Muß ich den Abend lang auch weinen, Läßst du mir doch die Sonne scheinen, Wann kaum der Morgen wiederkehrt.( ps. so, s.) 3. Soll ich nach deinem Wohlgefallen Durch mancher Prüfung Enge wallen, Die Fleisch und Blut mir schwerer macht, So darf mein Herz doch nicht verzagen; Ich weiß, du bist bei meinen Plagen Stets auf mein wahres Wohl bedacht. ( 3ef. 54, 10.) Pazte, g. 1727 † 1787. Viel. Herr Jesu Christ, mein's.( Buc. 11, 9. 10. Pf. 25, 4 xc.) 23. Gott, Bater in dem Him| ken sey Und alles was zur Sünde mel! sprich Dein Wort des Segens räth, In mir besiege durch Gebet. über mich, Daß ich im Frieden jeden 5. Laß deines Sohnes GnadenTag Beginnen und vollenden mag. schein Beständig mir im Herzen seyn; 2. Herr! was mir deine Hand be- Sein Leben, Wort und Krenzesbild stimmt, Was sie mir spendet oder Sey meiner Seele Sonn und Schild. nimmt, Glück oder Weh, das gelte 6. Fällt mir ins Herz dein Lebensmir Als Segen und Geschenk von dir.wort, Dann wirke du, daß es sofort Im Innern auffeimt, Wurzel schlägt Und Frucht für dich und andre trägt. 3. Gib mir ein Herz, durch Gnade fest, Das dich in allem walten läßt und unbedingt mit Kindesmuth In deinem Vaterwillen ruht. 7. Bedroht mich Trübsal und Gefahr, So rette du mich immerdar; Und laß mich, wenn ich Hülfe fand, Demüthig füffen deine Hand. 4. Hilf, daß ich züchtig, flug und tren In Worten, Sinn und Wer I. Allgemeine Gebetlieder. 15 8. Sinkt aus der Hand mein Wan-| 9. Schent mir im letzten Augenderstab, Geh ich ins finstre Chal blick Ein Borgefühl von jenem Glück, hinab, So nimm, o Gott, mein Das du nach Tageshitz und Laſt Heiland, dann Dich meiner Seele Den deinen dort bereitet hast. herzlich an. Bürbe, g. 1753 † 1831. Mel. Mein's Herzens Jesu.( Spr. 30, 7-9. 1 Tim. 6, 6-10.) 24. Ach Gott des Himmels! laffe mir Und allen auf der Erden Den uns so väterlich von dir Beschiednen Theil stets werden; Gib jedem immerbar nach Noth Sein zugedachtes täglich Brod Und ein genügsam Herze. 3. Gib, daß uns keine Sorge frißt; Laß ein abgöttisch Geizen, Das alles Uebels Wurzel ist, Uns nicht zu Lüften reizen; Laß mich die Lüge nicht zum Schild, Das Gold mir nicht zum Gözenbild, Den Bauch zum Gott nicht machen. Laß mich nicht daran hangen. Die Zeit ist kurz, uns ruft das Grab; Laß mich das haben was ich hab, Als wenn ich es nicht hätte. 2. Gib Mäßigkeit und Dankbar- lich zu verwalten; Es eilt ja schon keit, Wann du uns viel beschieden; Und wann uns weniger bereit, So mach uns doch zufrieden. Leg uns nur deinen Segen zu; Wo man dir traut, erstattest du Durch Segen alle Mängel. der Tag herzu, Da willst du, daß ich Rechnung thu Bon allen deinen Gütern. 4. Laß mich nicht Ehre, Lust und Geld, Mir selbst zum Strick verlangen; Gebrauch ich etwa dieser Welt, 5. Ach präge stets mir in den Sinn, Daß ich, um hauszuhalten, Gesetzt in deine Güter bin, Sie red6. Gib Frieden und Zufriedenheit Auf allen unsern Wegen; Verleih uns fromme Obrigkeit Und kröne sie mit Segen; Die Untern lehre insgemein Gewissenhaft, gehorsam seyn Und für die Obern beten. 7. Laß deiner Gnade Sonnenschein In unfrem Lande glänzen; Laß keine Feinde bei uns ein Und schütze unsre Grenzen; Laß deiner Engel starke Schaar Um uns bei drohender Gefahr Zur festen Mauer werden. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Schmücke dich.( Joh. 14, 13 c. 21. Matth. 6, 33.) 25. Herr! err! vor dem die Engel| Darf im Sohn dich Vater nennen, tnieen Und in selger Andacht glithen; Herr! dem Sonne, Mond und Sterne Willig dienen nah und ferne; Herr von unzählbaren Reichen, Großer König ohne gleichen! Du vergönnst auch mir zu beten, Kindlich vor dich hinzutreten. Und du blickst, wie Bäter pflegen, Mir voll Lieb und Huld entgegen; Hörst, was ich von dir begehre, Trodnest meines Jammers Zähre, Gibst mir noch vor meinem flehen Ueber bitten und verstehen. 2. Alles darf ich dir bekennen, 3. O so höre, Bater, böre Was ich bemuthvoll begehre: Laß mich I. Allgemeine Gebetlieder. inniglich entbrennen, Dich zu su-| Führer, Gib auch mir, Gott, zum chen, zu erkennen, Daß mich, wo ich bin und lebe, Deine Herrlichkeit umschwebe, Und ich dich in Freud und Schmerzen Immer trag in meinem Herzen. Regierer, Daß ich keinen Pfad erwähle, Drauf ich meines Ziels verfehle; Daß ich treu nach Wahrheit ringe, Jede Sündenluft bezwinge, Christlich froh sey, christlich leide, Christlich fromm auch einst abscheide. 4. Er, der für uns wollte sterben Zur Erlösung vom Verderben, Jesus, bleibe meine Freude, Daß ich nie von ihm mich scheide; Mag der Weltfinn auch das sehnen Meines Herzens stolz verhöhnen, Halt mich fest in diesem Glauben, Laß mir nichts dieß Kleinod rauben. 6. Willst du, Herr, zum Geistesleben Auch noch Erdengut mir geben, Gib Gesundheit, Muth und Kräfte, Segen zum Berufsgeschäfte, Daß ich, Dilrftige zu laben, Immer mög ein Scherflein haben, Und daß Liebe, Fried und Treue mich bei 5. Deinen Geist, der Schwachen| deinem Volk erfrene. 16 Eigene Mel.( Pf. 31, 6.86, 11.) 26. Herr! wie du willt, so schicks| dorten Was dient zu meiner Seligkeit; Wend ab all Ungerechtigkeit In meinem ganzen Leben. 3. Soll ich einmal nach deinem mit mir Im leben und im sterben; Allein zu dir steht mein Begier, Laß mich, Herr, nicht verderben! Erhalt mich nur in deiner Huld, Nath Von dieser Welt abscheiden, Sonst wie du willt; Gib mir Ge- Verleih mir, Herr, nur deine duld: Dein Will, der ist der beste. Gnad, Daß es gescheh mit Freuden. Mein Leib und Seel befehl ich dir; O Herr, ein selig End gib mir Durch Jesum Christum! Amen. Bienemann, g. 1540 † 1591. 2. Zucht, Ehr und Treu verleih mir, Herr, Und Lieb zu deinen Worten; Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr Und gib mir hie und Fröbing, 8. 1746 † 1805. Eigene Mel.( Pf. 136, 1-4. Str. 50, 24. 25.) 27. Nun danket all und bringet| 4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt, Doch bleibet gütgen Muths, Die Straf erläßt, die Schuld vergibt Und thut uns alles guts. Und 5. Er gebe uns ein fröhlich Herz, Erfrische Geist und Sinn werf all Angst, Sorg, Furcht unt Schmerz In Meerestiefe hin. 6. Er laffe seinen Frieden ruhn Auf unsrem Vaterland; Er gebe Glück zu unsrem Thun Und Heil in allem Stand. Ehr, Ihr Menschen in der Welt, Ihm, den da preist der Engel Heer Allzeit im Himmelszelt! 2. Ermuntert euch und singt mit Schall Gett, unfrem höchsten Gut, Der seine Wunder berall Und große Dinge thut; 3. Der uns von Mutterleibe an Frisch und gesund erhält, Und wo kein Mens& h mehr helfen kann, Sich selbst zum Helfer stellt; I. Allgemeine Gebetlieder. 7. Er laffe seine Lieb und Güt| wir scheiden von der Erd, Verbleib Um, bei und mit uns gehn; Was er unser Theil. aber ängstet und bemüht, Gar ferne von uns stehn. Juo din e 8. So lange dieses Leben währt, Sey er stets unser Heil; Und wann 9. Er drücke, wann das Herze bricht, Uns selbst die Augen zu Und zeig uns drauf sein Angesicht Dort in der ewgen Ruh. Gerharb, g. 1606+ 1676. 17 Mel. 2 Allein Gott in ter Höh.( 5 Dios. 32, 3. 4. Pf. 34, 2-10.) 28. Sey Lob und Ehr dem höch-| terhänden leitet er Die seinen stetig sten Gut, Dem Vater aller Güte, hin und her. Gebt unsrem Gott Dem Gott, der alle Wunder thut, die Ehre! Dem Gott, der mein Gemüthe Mit seinem reichen Troft erfüllt, Dem Gott, der allen Jammer stillt; Gebt unfrem Gott die Ehre! ( Pf. 91, 9. 10.) 6. Wenn Trost und Hülfe mangeln muß, Die alle Welt erzeiget, So kommt, so hilft der Ueberfluß, Der Schöpfer selbst, und neiget Die Vateraugen denen zu, Die nirgendwo sonst finden Ruh. Gebt unfrem Gott die Chre! 7. Ich will dich all mein Lebenlang, O Gott, von nun an ehren, Man soll, Gott, deinen Lobgesang An allen Orten hören; Mein ganzes Herz ermuntre sich, Mein Geist und Leib erfreue dich; Gebt unfrem Gott die Ehre! dil mox sid 3. Was unser Gott geschaffen hat, Das will er auch erhalten, Darüber will er früh und spat Mit seiner Gnade walten. In seinem ganzen 8. 3hr, die ihr Christi Namen Königreich Ist alles recht und alles nenut, Gebt unfrem Gott die Ehre; gleich; Gebt unfrem Gott die Ehre! Shr, die ihr Gottes Macht bekennt, 4. Ich rief dem Herrn in meiner Gebt unfrem Gott die Ehre! Die Noth: ,, Ach Gott, vernimm mein falschen Götzen macht zu Spott, weinen!" Da half mein Helfer mir Der Herr ist Gott, der Herr ist vont Tod Und ließ mir Trost er- Gott; Gebt unfrem Gott die Ehre! scheinen. Drum dank ich, Gott, drum dank ich dir, Ach danket, dantet Gott mit mir, Gebt unsrem Gott die Ehre! 5. Der Herr ist nun und nimmer nicht Bon seinem Volk geschieden; Er bleibet ihre Zuversicht, Ihr Segen, Heil und Frieden. Mit MutEvangelisches Gesangbuch. 2. Es danken dir die Himmelsheer, O Herrscher aller Thronen; Und die in Lüften, Land und Meer In deinem Schatten wohnen, Die preisen deine Schöpfersmacht, Die alles also wohl bedacht. Gebt uns rem Gott die Ehre! 9. So kommet vor sein Angesicht Mit jauchzen Dant zu bringen, Bezahlet die gelobte Pflicht Und laßt uns fröhlich fingen: Gott hat es alles wohl bedacht und alles, alles recht gemacht! Gebt unfrem Gott die Ehre! I. 3. Echüp, g. 16:10 † 1690. 18 1. Allgemeine Gebellieder. Eigene Mel.( Pf. 146. 4 Mof. 23, 19. 1 Sam. 15, 29.) 29. Lobe den Herren, o meine| auch sein wallend Herze ruhn? Er Seele! Ich will ihn loben bis in sinnt und sorgt aufs allerbest; Wohl Tod; Weil ich noch Stunden auf dem, der sich auf ihn verläßt! HalErden zähle, Will ich lobsingen mei- lelujah, Hallelujah! nem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat, Werde gepriesen früh und spat; Hallelujah, Hallelujah! 6. Siehet er Seelen, die Unrecht leiden, Er ists, der ihnen Recht verschafft; Hungrigen will er genug bescheiden, Was ihnen dient zur Lebenskraft; Die hart Gebundnen macht er frei, Und seiner Gnad ist mancherlei. Hallelujah, Hallelnjah! 7. Sehende Augen gibt er den Blinden, Erhebt die tief gebeuget gehn. Wo er kann gläubige Seelen finden, Die läßt er seine Liebe sehn. Sein Aufsehn ist des Fremdlings Truk; Wittwen und Waisen hält er Schutz. Hallelujah, Hallelujah! 2. Fürsten sind Menschen, vom Weib geboren, Und sinken wieder in den Staub; Ihre Anschläge sind auch verloren, Wann nun das Grab nimmt seinen Raub. Weil denn kein Mensch uns helfen kann, Rufe man Gott um Hülfe an. Hallelujah, Hallelujah! 3. Selig, ja selig ist der zu nennen, Deß Hülfe der Gott Jakobs ist, Welcher vom Glauben sich nicht läßt trennen Und hofft getreft auf Jesum Christ! Wer diesen Herrn zum Beistand hat, Findet am beten Rath und That. Hallelujah, Hallelujah! 8. Aber der GottesvergeßnenTritte Kehrt er mit starker Hand zurück, Daß sie nur machen verkehrte Schritte Und fallen selbst in ihren Strick. Der Herr ist König ewig. lich; Zion, dein Gott forgt stets für dich! Hallelujah, Hallelujah! 4. Dieser hat Himmel, Meer und die Erden Und was darinnen ist, gemacht. Alles muß treulich erfüllet werden, Was er uns einmal zugedacht. Er ists, der Herrscher aller Welt, Welcher uns ewig Glauben hält. Hallelujah, Hallelujah! 9. Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen Deß, der so große Wunder thut; Alles was Odem hat rufe Amen Und bringe Lob mit frohem Muth! Ihr Kinder Gottes, lobt und preist Vater und Sohn und nicht thun? Kann auch der und heilgen Geist! Hallelujah, Wahrheit Kraft veralten? 5. Sollt er was sagen, und doch nicht halten? Sollt er was reden, KannHallelujah! Herrnschmid, g. 1675 † 1723. V. 5 neuerer Zufaß. Eigene Del.( Pf. 103.) 30. Nun lob, mein Seel, den| hat die Schuld vergeben, Heilt deine Schwachheit groß, Beschirmt dein armes Leben, Nimmt dich in seinen Schoos, Mit Trost dich überschüttet, Herren, Bas in mir ist den Namen sein, Deß Gnaden stets sich mehren; Bergiß es nicht, o Herze mein! Er 1. Allgemeine Gebetlieder. 19 Berjüngt dem Adler gleich; Schafft| Mensch vergehet, Sein End das ist Recht und treu behütet, Die leiden ihm nah. in sein'm Reich. 161 id( p. 78, 37: c.) 2. Er hat uns wissen lassen Sein heilig Recht und sein Gericht, Anch seine Güt ohn Maßen; Ihm man gelts an Erbarmung nicht; Den Zorn läßt er bald fahren, Straft nicht nach unsrer Schuld, Will Gnade nimmer sparen, Zeigt Blöden seine Huld; Sein Mitleid ist so labend Für die so fürchten ihn; So fern der Oft vom Abend, Ist unsre Sünde hin. 4. Die Gottesgnav alleine Bleibt stet und fest in Ewigkeit, Sie bleibt bei der Gemeine, Die steht in seiner Furcht bereit; Sein Bund ist nicht veraltet, Er herrscht Himmelreich. Ihr starken Engel, waltet Des Lobs und dient zugleich Dem großen Herrn zu Ehren Und treibt sein heilig Wort; Mein Herz soll auch vermehren Sein Lob an allem Ort. 5. Sey Lob und Preis mit Ehren Gott Bater, Sohn und heilgem 3. Wie Väter sich erbarmen, Geist! Der woll in uns vermehren Wenn ihre schwachen Kinder schrei'n, Was er aus Gnaden uns verheißt, So thut der Herr uns armen, Wenn Daß wir ihm fest vertrauen, Uns wir ihn fürchten findlich rein. Gott gründen ganz auf ihn Und kindlich kennt uns arme Knechte, Er weiß, auf ihn bauen Mit Herzen, Muth wir sind nur Staub, Ein nichtiges und Sinn; Daß wir ihm treu auGeschlechte, Wie Blum und fallend hangen Bis zu der letzten Stund. Laub; Der Wind darüber wehet, Das laß er uns erlangen! Amen So ist es nimmer da; Also der von Herzensgrund! Graumann( Poliander) g. 1487 † 1541. B. 5 späterer Zusap. Mel. Du, Gott, bist über.( 1 Petri 4, 12. 13. Gbr. 2, 17. 18.) wirds dein göttlich Herz. 31. Dir dankt mein Herz, dir| Wär alles fühllos gegen mich, Nie jauchzt mein Lied, Dein freut mein Glaube sich! Im Himmel, den mein Aug einst sieht, Lebst, Hei land, du für mich. 5. Herr! nirgends find ich eine Lieb Wie deine, nah und fern: Du liebst bis in den Tod; o gib, Daß ichs recht glauben lern. 6. Der Liebe unerhörte Macht, Für wen hat sie so tren Den Kampf mit Welt und Tod vollbracht? Für mich, nun werd ich frei! 2. Du hast dieß Thränenthal gesehn, Wo ich ein Pilger bin; Dort, wo du jego thronest, gehn Des Pilgers Wege hin. 3. Auf Erden warst du auch ge prüft Durch Kummer, Angst und Weh; O Trost, wenn ich, in Angst vertieft, Durch schwere Proben geb! 4. Ich weiß, voll Mitleid neigst du dich Zu deiner Brüder Schmerz; 7. Ich fürchte nichts, so lang ich Rub In deiner Gnade find; Dein Geist ruft meinem Herzen zu: ,, Sieh, du bist Gottes Kind!" 8. Bricht dann die Trübsal bei mir 1. Allgemeine Gebetlieder. ein, So tröst ich mich mit dir Und| kleid Mein Elend alles aus; Mein spreche: ,, ich bin nicht allein, Der Schmuck wird deine Herrlichkeit, Vater ist bei mir!" Mein Ort des Vaters Haus; ( Joh. 16, 32.) 9. Was ich noch kämpfe, bahnet mir Den Weg zum Himmelreich; Du machst mich erst im Kampse dir Und dann im Siege gleich. 11. Mein Umgang aller Himmel Heer, Die Wonne mein Gefühl, Mein Tagwerk ewig Preis und Ehr, Die ich dir bringen will. Schöner, g. 1749 † 1818. 10. Einst zieh ich mit dem Sterbe20 Tour Mel. Nun ruhen alle.( Ps. 8, 5. 1 Mies. 32, 10.) 32, Dir bank ich für mein Le-| 5. Du ließest Trost mich finden, ben, Gott, der du mirs gegeben, Ich danke dir dafür! Du hast, durch Huld bewogen, Mich aus dem Nichts gezogen, Durch deine Güte ich hier. und sahst doch meine Sünden Vorher von Ewigkeit. DHöchster, welch Erbarmen! Du sorgest für mich armen Und bist ein Vater, der verzeiht. 6. Für alle deine Treue, Für das deß ich mich freue, Lobsinget dir mein Geist. O herrliches Geschenke, Daß ich durch ihn dich denke, Daß er dich heute dankbar preist! 2. Du, Herr, hast mich bereitet, Mich väterlich geleitet Bis diesen Augenblick; Du gabst mir frohe Tage Und selbst der Leiden Plage Verwandeltest du in mein Glück. 3. Ich bin, Herr aller Dinge, Der Treue zu geringe, Mit der du mich bewacht! Damit ich Staub und Erde Auf ewig glücklich werde, Hast du schon ewig mein gedacht. 7. Daß du mein Leben fristest Und mich mit Kraft ausrüstest, Dieß, Bater, dank ich dir; Daß du mich liebreich führest, Mit deinem Geist regierest, Dieß alles, Bater, dank ich dir. 4. Du hörtest schon mein sehnen 8. Was mir in diesem Leben Noch Und zähltest meine Thränen, Eh nützt, wirst du mir geben; Du gibsts, ich bereitet war; Noch eh mir ward ich hoff auf dich. Dir, Vater, dir be das Leben Von deiner Hand gege- befehle Ich meinen Leib und Seele; ben, Herr, wogst du schon mein Herr, segne und behüte mich! Theil mir dar, Nach Gellert. Eigene Mel.( Röm. 16, 20. Sob. 14, 23.) 33. Gott, ber Bater, wohn uns| Entfliehn des Teusels Listen, Mit bei Und laß uns nicht verderben, Mach uns aller Sünden frei Und hilf uns selig sterben; Vor dem Teufel uns bewahr; Halt uns bei festem Glauben Und auf dich laß uns bauen, Aus Herzensgrund vertrauen, Dir uns lassen ganz und gar; Mit allen rechten Christen Waffen Gott's uns fristen! Amen, Amen, das sey wahr, So singen wir Hallelujah! ( Eph. 6, 10 sc.) 2. Jesus Christus, wohn uns bei Und laß uns nicht verderben ze. 3. Heilger Geiste, wohn uns bei Und laß uns nicht verderben zc. Suther, g. 1483 † 1546. II. Lieder von Gott. ng II. Lieder von Gott. A. Gottes Wesen und Eigenschaften. Eigene Mel. Wiatth. 28, 19. Eph. 4, 5. 6.). 34. Wir glanben all an einen Gott, Schöpfer Himmels und der Erden, Der sich zum Vater geben hat, Daß wir seine Kinder werden. Er will uns allzeit ernähren, Leib und Seel auch wohl bewahren; Allem Unfall will er wehren, Kein Leid soll uns widerfahren; Er sorget für uns, hüt't und wacht, Es steht alles in seiner Macht. 2. Wir glauben auch an Jesum Christ, Seinen Sohn und unsern Herren, Der ewig bei dem Vater ist, Gleicher Gott von Macht und Ehren; Von Maria, der Jungben in Ewigkeit. Amen. frauen, Ist ein wahrer Mensch ge21 boren Durch den heilgen Geist im Glauben; Für uns, die wir war'n verloren, Am Krenz gestorben und vom Tod Wieder auferstanden durch Gott. 3. Wir glauben an den heilgen Geist, Gott mit Vater und dem Sohne, Der aller Blöden Tröster heißt Und mit Gaben zieret schöne; Die ganz Christenheit auf Erden Hält in Einem Sinn gar eben; Hie all Sünd vergeben werden; Das Fleisch soll auch wieder leben; Nach diesem Elend ist bereit Uns ein LeLuther, g. 1483 † 1546. Mel. Wie schön leucht't.( Ps. 100, 2. Luc. 1, 47.) wer wird geben? Meine Eine, Wahre Freude, Wahre Weide, Wahre Gas be Hab ich, wenn ich Jesum habe. 35. Was freut mich noch, wenn| wo ist mein Theil? Gibst du nicht, du's nicht bist, Herr Gott, der doch mein alles ist, Mein Trost und meine Wonne? Bist du nicht Schild, was decket mich? Bist du nicht Licht, wo finde ich Im Finstern eine Sonne? Keine Reine, Wahre Fren de, Auch im Leide, Auch für Sünden Ist, Herr, außer dir zu finden. 3. Was freut mich noch, wenn du's nicht bist, O Geist, der uns gegeben ist 3um Führer der Erlös ten? Bist du nicht mein, was sucht mein Sinn, Führst du mich nicht, wo komm ich hin? Hilfst du nicht, wer will trösten? Meine Eine, Wahre Freude, Trost im Leide, Heil für Schaden 3ft in dir, D Geist der Gnaden! 2. Was freut mich noch, wenn du's nicht bist, Mein Herr, Erlöser, Jesu Christ, Mein Friebe und mein Leben? Heilst du mich nicht, wo find ich Heil? Bist du nicht mein, na Ph. Fr. Hiller g. 1699 1769. B. 3 neuerer Zusap. Eigene Mel.( Luc. 1, 46 c. 68 c. 2, 14. Bf. 138, 2.) 36. Allein Gott in der Höh sey| Wohlgefallen an uns hat; Nun ist Ehr Und Dank für seine Gnade, Darum, daß nun und nimmermehr Uns rühren kann ein Schade! Gott groß Fried ohn Unterlaß, All Fehd hat nun ein Ende. 2. Wir beten an und loben dich 22 II. Lieder von Gott. Für deine Ehr und danken, Daß| Gottes, heilger Herr und Gott, du, Gott Bater, ewiglich Regierst Nimm an die Bitt in unsrer Noth, ohn alles Wanken; Ganz ohne Erbarm dich unser aller! Maß ist deine Macht, Allzeit geschieht was du bedacht. Wohl uns des guten Herren! 3. D Jesu Christ, Sohn eingebor'n Deines himmlischen Vaters, Verfühner derer, die verlor'n, Du Stiller unsers Haders! Lamm Mel. Wie schön leucht't.( Offenb. 7, 11 c. 19, 4-9. Jes. 6,3.) 37. Hallelujah! Lob, Preis und| 3. Hallelujah! Gott, heilger Geist, Ehr Sey unfrem Gott je mehr und Sey ewiglich von uns gepreist, mehr Für alle seine Werke; Von Durch den wir neu geboren, Der Ewigkeit zu Ewigkeit Sey in uns uns mit Glauben ausgeziert, Dem allen ihm bereit Dank, Weisheit, Bräutigam uns zugeführt, Den Kraft und Stärke! Klinget, Sin Hochzeittag erkoren! Heil uns, get: ,, Gnädig, herrlich, Heilig, bei Heil uns! Da ist Freude, Da ist lig, Heilig ist Gott, Unser Gott, Weide, Himmlisch Manna, Und ein der Herr Zebarth!" Hewig Hostanna! 4. Obeilger Geist, du höchstes Gut, Allerheilsamster Tröster! Vor Satans Macht nimm uns in Hut, Die Jesus Christ erlöset Durch Marter groß und bittern Tod; Wend allen Jammer ab und Noth; Darauf wir uns verlassen. Nach Decius um 1524. 2. Hallelujah! Preis, Ehr und Macht Sey auch dem Gotteslamm gebracht, In dem wir sind erwählet, Das uns mit seinem Blut erkauft, In dessen Tod wir sind getauft, Das sich mit uns vermählet. Heilig, Selig 3st die Freundschaft Und Gemeinschaft, Die wir haben Und darin wir uns erlaben. 4. Hallelujah! Lob, Preis und Ehr Sey unfrem Gott je mehr und mehr Und seinem großen Namen! Stimmt an mit aller Himmel Schaar Und singet nun und immer dar Mit Freude Amen, Amen! Klinget, Singet: ,, Gnädig, herrlich, Heilig, heilig, Heilig ist Gott, Unser Gott, der Herr Zebaoth!" Darmstätter Gesangbuch von 1698.( Vielleicht von Graffelius.) Mel. Es ist das Heil.( Jes. 45, 5. 6. Pf. 95, 1-8.) 38. Der Herr ist Gett, und kei-| auszusprechen? wer ermißt Die Dauer seines Lebens? Wir Men schen sind von gestern her; Eh noch die Erde war, war er, Und eher als die Himmel. ner mehr; Frohlockt ihm, alle From men! Wer ist ihm gleich, wer ist wie er, So herrlich, so vollkommen? Der Herr ist groß, sein Nam ist groß, Er ist unendlich, grenzenlos In seinem ganzen Wesen. 2. Er ist und bleibet wie er ist; Wer strebet nicht vergebens, Ihn 3. Um seinen Thron her strömt ein Licht, Das ihn vor uns ver hüllet; Ihn fassen alle Himmel nicht, Die seine Kraft erfüllet. Er A. Goltes Wesen und Eigenschaften. 23 bleibet ewig wie er war, Verborgen,| Allgegenwärtig breitet sich Dein und auch offenbar In seiner Werke Wundern. Fittig über alle; Du bist voll Freundlichkeit, voll Huld, Barmherzig, gnädig, vell Geduld, Ein Vater, der verschonet. 7. Unsträflich bist du, heilig, gut Und reiner als die Sonne; Wohl dem der deinen Willen thut, Denn du vergiltst mit Wonne. Du hast Unsterblichkeit allein, Bist selig, wirst es ewig seyn; Hast Freuden, Gott, die Fülle. 8. Dir nur gebühret Lob und Dant, Anbetung, Preis und Ehre; Kommt, werdet Gottes Lobgesang, Ihr, alle seine Heere! Der Herr ist Gott, und keiner mehr! Wer ist ihm gleich, wer ist wie er, So herrlich, so vollkommen? Cramer, g. 1723 † 1788. 4. Wo wären wir, wenn seine Kraft Uns nicht gebildet hätte? Er kennt uns, kennet was er schafft, Der Wesen ganze Kette; Bei ihmn ist Weisheit und Verstand, Und er umspannt mit seiner Hand Die Erde samt dem Himmel. 5. Ist er nicht nah? ist er nicht fern? Weiß er nicht aller Wege? Wo ist die Nacht, da sich dem Herrn Ein Mensch verbergen möge? Um senst hüllt ihr in Finsterniß Was ihr beginnt; er siehts gewiß, Er sieht es schon von ferne. 6. Wer schützt den Weltbau ohne dich, O Herr, vor seinem Falle? Eigene Mel.( 2 Mof. 15, 2 sc. Pf. 139.) 39. Gott ist mein Lied! Er ist| 6. Er ist um mich, Schafft, daß der Gott der Stärke; Herr ist sein Nam, Und groß sind seine Werke, Und alle Himmel sein Gebiet. ich sicher ruhe; Er schafft was ich Vor oder nachmals thue, Und er erforschet mich und dich. 7. Er ist dir nah, Du sitzest oder gehest; Ob du ans Meer, Ob dn gen Himmel flöhest, So ist er allenthalben da. 8. Er kennt mein flehu Und allen Rath der Seele. Er weiß, wie oft Ich gutes thu und fehle, Und eilt mir gnädig beizustehn. 2. Er will und sprichts, So find und leben Welten; Und er gebeut, So fallen durch sein Schelten Die Himmel wieder in ihr Nichts. 3. Licht ist sein Kleid, Und seine Wahl das Beste. Er herrscht als Gott, Und seines Thrones Feste Ist Wahrheit und Gerechtigkeit. 4. Unendlich reich, Ein Meer von Seligkeiten, Ohn Anfang Gott, Und Gott in ewgen Zeiten, Herr aller Welt, wer ist dir gleich? 5. Was ist und war In Himmel, Erd und Meere, Das kennet Gott; Und seiner Werke Heere Sind ewig vor ihm offenbar. 9. Er wog mir dar Was er mir geben wollte; Schrieb auf sein Buch, Wie lang ich leben sollte, Da ich noch unbereitet war. 10. Nichts, nichts ist mein, Das Gott nicht angehöre. Herr, immerdar Soll deines Namens Ehre, Dein Lob in meinem Munde seyn. 24 II. Lieder von Gott. 11. Wer kann die Pracht Von| Frenden Empfangen wir ans beiner beinen Wundern fassen? Ein jeder Hand. Staub, Den du hast werden lassen, Verkündigt seines Schöpfers Macht. 12. Der kleinste Halm Ist deir Weisheit Spiegel, Du, Luft und Meer, Ihr, Auen, Thal und Hügel, Ihr sehd sein Loblied und sein Pfalm. 14. Kein Sperling fällt, Herr, ohne deinen Willen; Sollt ich mein Herz Nicht mit dem Trofte stillen, Daß deine Hand mein Leben hält? 15. Sst Gott mein Schutz, Will Gott mein Netter werden, So frag ich nichts Nach Himmel und nach Erden Und biete selbst der Hölle Trutz! 13. Du tränkst das Land, Filhrst uns auf grülne Weiden; Und Nacht und Tag Und Korn und Wein und ( Pf. 73, 25.) Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. Es glänzet ver Christen.( Pf. 54, 8. 30h. 1, 16. Jef. 28, 16.) 40. Gott lebet! sein Name gibt| 3. In linden und leichten, erträg Leben und Stärke, Er bleibet der seinigen Sonne und Schild; Sobald ich, so oft ich sein Regen vermerke, So fühl ich mich innig mit Kräften erfüllt. Sein bin ich ganz eigen, Das muß sich wohl zeigen; Laß alles was widrig und trotzig ist kommen: Mir wird doch mein Ruhm und mein Gott nicht genommen. lichen Tagen Vermeinet ein jeder gefaffet zu seyn, Ist aber ein ernstliches Treffen zu wagen, So stellet sich furchtsame Blödigkeit ein. Nur Gottesbekannte Und Schirmesverwandte Sind tüchtig, in allerlei Fällen zu stehen Und allem was feindlich, entgegen zu gehen. 4. Wer glaubet, der fleucht nicht; 2. O Seelen, vernehmet den göttes muß ihm wohl gehen: Es birget lichen Willen! Das Höchste, das sich vor ihm die Furcht und Gefahr, Veste, das gibt er so gern; Eröffnet das Herz nur, so wird er es füllen, Versucht es, erkennet und lobet den Herrn! Seyd ihr noch entfernet, So sehet und lernet, Was manche an seinen durchbringenden Gaben, Ja felber an ihm, dem Lebendigen, haben. Und ehe die Trägen den Gegner er sehen, So wird er des Siegs unt des Preises gewahr; Er sieht sich berufen Von Stufen zu Stufen, Und weil er auf Gottes Verheißung sich lehnet, So wird er mit himme lischem Segen gefrönet. Dr. 3. 2. Bengel, g. 1687 † 1752. Mel. Nun banket alle Gott.( Pf. 8. 2 41. Wie herrlich ist, o Gett, Dein Ruhm in allen Landen! Die Himmel und ihr Heer Sind durch bein Wort entstanden; Du sprichst, und es geschiebt; Gebeutst, so steht c. Apostelg. 14, 17. Sprüche 23, 26.) es da! Mit Allmacht bist du mir Und auch mit Güte nah. 2. Du bist der Gott der Kraft, Dich preisen Erd und Meere, Und Himmel predigen Die Wunder deiner A. Gottes Wesen und Eigenschaften. Ehre. Dich bet ich dankbar an;| Ein Gott, der gern verzeiht; Mein Heil kommt von dem Herrn, gnädig, Gott, bist du! Du hörst der Menschen Flehn Und du errettest gern. ( Pf. 19, 2.) 3. Wenn ich die Himmel seh, Dic du, Herr, ausgebreitet, Der Sonne Majestät, Den Mond, den du bereitet, So sprech ich: ,, was ist doch Der Mensch, daß du sein denkst, Und daß du täglich uns Unzählig gutes schenkst?" 25 Wie 6. Herr! dein Gebot ist Heil, Dein Weg ist Fried und Leben; Wie sollt ich dir, dem Gott Der Liebe, widerstreben? Umsonst lockt mich die Welt, Die breite Straßen zieht; Ich haffe ihren Weg, Weil mich dein Auge sieht! 7. Auch wenn kein Mensch mich sicht, Will ich die Sünde fliehen, Denn du wirst alle Welt vor dein Gericht einst ziehen. Ich will, wann sich mein Fleisch Hinsehnt, wo du nicht bist, Bedenken, daß mein Leib, O Gott, dein Tempel ist. 4. Wie Schafe lässt du uns Auf grüner Ane weiden, Nährst uns mit Speis und Trank, Füllst unser Herz mit Frenden. Du sahst mich, eh der Grund Der Welt geleget war, Stundst meiner Mutter bei, Als sie mich dir gebar. 8. Was frag ich außer dir Nach allem Glück der Erde, Wenn ich 5. Du wogst mein Glück mir dar nur deiner Huld, Gott, versichert Und Leiden, die mich üben; Und werde? Wie sanft ist dein Gebot: meiner Tage Zahl 3st in dein Buch ,, Gib mir dein Herz, mein Sohn, geschrieben. Du bist der Frommen Und wandle meinen Weg; Ich bin Schuß, Du bist der Müden Nuh, dein Schild und Lohn." Nach dem Lüneburger Gesangbuch. Mel. Gott, mein Gott, bir will ich singen.( Pf. 139. 1 Petri 3, 12.) Triebe voll Dankbar, eifrig, guten Muthes Deinem Tempel laufe zu: Alles das durchschauest du. 42. Herr, allwissend und all-| nicht wollen soll; Wo ich guter sehend, Deiner Welt unendlich nah! Vor dir bin ich, stehend, gehend, Siß ich wo, so bist du da. All mein denken, all mein sorgen, So ge- 3. Ja du schaffst was ich beginne, heim, so schwach es sey, Steht vor Und dit gibst mirs an die Hand; dir entdeckt und frei, Nichts ist dei- Was ich irgend schönes sinne, Ist nem Aug verborgen; Du bist um gewiß nicht mein Verstand; Was und an um mich, Waltend, wach und väterlich. - ich jeden Tag verrichte, Sey es wichtig oder klein, Leitest du, Gott, 2. Jeden Weg, Herr, den ich ma- weislich ein; Meinen Nath machst che, Jedes Wort, das aus mir fließt; du zunichte. Droht Versuchung dort Wo ich hoffe, weine, lache, Womein und hier, Hältst du deine Hand Herz durchkümmert ist; Wo ich, ob mir. voll erhitzten Blutes, Will was ich 4. Deine Einsicht zu ergründen, 26 II. Lieder von Gott. Reicht der Menschen Witz nicht hin;| dir durchdacht, Jeder Stunde Luft Deines Waltens Art zu finden, Ist und Plage, Jeder Schickung Sonzu viel für meinen Sinn. Deine derheit Bis zum Rand der Lebens. Nähe, deine Ferne, Deine Größe, zeit. die die Welt Denkt, schafft, trägt, bewegt, erhält, Ist, je mehr ich forsch und lerne, Einem schwachen Wurm zu schwer, Welcher ist von gestern her. ( Biob 25, 6.) 8. O wie sind die Werke wichtig, Die dein Wort ins Leben rief! Und wie ist dein denken richtig, Reich und scharf, genau und tief! Welche liebende Gedanken Wendest du, mein Gott, an mich Schonungsvoll und väterlich, Ohne Maß und Zahl und Schranken! Durch die Nacht erwäg ich dieß, Und kein Schlaf thut mir so süß. 5. Führ ich durch des Himmels Breiten Zu der Sonn- und Ster nenbahn; Lief ich durch der Länder Weiten Hin, so weit man laufen kann; Flög ich, als mit Adlersflügeln, Wo der junge Morgen blüht, Wo des Tages Licht verglüht An den goldbemalten Hügeln; Zög ich gar dem Grabe zu Und der Höll: auch da bist du! 6. Schlich ich mich auf öde Heiden, In die Wüsten, fern am Meer, Würdst du mich auch da begleiten, Ja mich führen selbst daher. Spräch ich: ,, Dunkel soll mich decken!" Ist die Nacht dir nicht auch Tag? Und vor deinem Aug- wer mag Sich in Finsterniß verstecken? Meines Herzens tiefster Grund, und Sorge sind dir kund. 7. Schon mein Gott in Mutter leibe, Hast du mich zur Welt gebracht; Schon bedacht war, wo ich bleibe, Schon die Herberg angesagt; Alle meine Lebenstage, Meine erst und letzte Nacht Waren schon von 9. Manche wollen, Gott der Göt ter, Deine Werk und dich nicht sehn; Möge doch der Nath der Spötter Bald und ganz zu Grunde gehu, Die dein Gnadenwerk nicht spüren, Bom Gefühl der Gottheit los, Nur in ihrer Thorheit groß, Gute Seelen gern verführen! Hilf mir, wie fie mich verschmähn, Allzeit ihnen widerstehn. 10. Gott! du kennest Herz und Sinnen, Siehe recht genau auf mich Und erforsche mein beginnen; Et Wunschwan lieb und fürcht ich dich, Etwan fiehst du manche Blöße Und mich noch nicht treu genug, Etwan stedt noch wo ein Trug, Etwan ist mein Herz noch böse;- Gott, da wende mich noch heut Auf den Weg der. Seligkeit! Lehmus, 1707 † 1788 Mel. Was Gott thut.( 2 Chron. 16, 9. Jef. 40, 27 2c. Pf. 34, 16.) 43. Der Vater kennt dich! kenn| er nur dein, Bist du nur sein, auch ihn, Erkenn ihn wohl, o Seele! Mag dich die Welt verkennen, Er Ob finstre Wolken dich umziehn, wird sein Kind dich nennen. Den höchsten Freund erwähle. Ist 2, Der Vater kennt dich! sey dein Univ.- Bibl. Giessen 1 A. Gottes Wesen und Eigenschaften. Schmerz In deiner Brust verborgen,| täuscht nicht Lug Noch FrevlerEs weiß um ihn das Baterherz, Ihm flage deine Sorgen. Zu Gott empor! Vernimmt kein Ohr, O Christ, dein banges sehnen, Dein Vater zählt die Thränen. trug; Was Nächte dicht umgeben, Muß einst ans Licht sich heben. 5. Der Vater kennt dich! segnest du Geheim die Armen, Kranken? Verklärst du einsam deine Ruh Durch himmlische Gedanken? Dich sieht der Geist, Der Vater heißt; Kein stilles thun, kein sinnen Kann seinem Aug entrinnen. 3. Der Vater kennt dich! deine Kraft, Dein Heil hat er ermessen. Der allen Wesen Freude schafft, Der sollte dein vergessen? Nicht wähne fern Die Hand des Herrn; Wenn Hülf und Lust dir frommen, Wird seine Stunde kommen. 6. Der Vater kennt dich! sey die Bahn Der Zukunft nicht verkündet; Des lieben Vaters Blicke sahn Was 4. Der Vater kennt dich! laß die hier kein Aug ergründet. Mit fromMacht Der Sünde nie dich beugen; mer Schen Sey ihm getreu; Der Gott schaut bich, wo kein Richter ewgen Liebe Fligel Trägt dich auf wacht; Verehre diesen Bengen! Ihn 3ions Hügel. Freudentheil, g. 1771. 27 Eigene Mel.( Pf. 139.) 44. Dewger Geist, deß Wesen| Flammenange muß die Tiefen Des alles füllet, Und den kein Ort in seine Grenzen hüllet, Der unumschränkt Sich niedersenkt Mit seiner Kraft in alle Dinge, Dem nichts zu groß, nichts zu geringe! 2. Kein Salomo kann einen Tempel bauen, Von welchem man dich könnt umschloffen schauen; Denn schon deinSaum Füllt dessen Naum; Es müssen Himmel, Meer und Erden Ein Schauplatz deiner Ehre werden. 3. Will unser Fuß hinauf in Wolten steigen, So wird dein heller Glanz daselbst sich zeigen; Steigt er hinab In Höll und Grab, Senkt er fich zu des Meer Gründen, So wird er dich, du ihn da finden. 6. Vor Menschen bleibt jetzt manches thun verborgen, Dir aber ist die Nacht ein klarer Morgen; Und dein Gericht Wird an das Licht Und an die helle Sonne bringen, Was Finsternisse jetzt umringen. 7. O Auge, das nicht Trug und Falschheit leidet! Wohl dem, der auch verborgne Sünden meidet, Der, los und frei Von Heuchelei, Vor dir und Menschen redlich hanvor deinem Licht verstecken; Es brin- delt Und unter deiner Aufsicht get ein In Mark und Bein, Dein wandelt! 4. Dein Auge sieht was Nacht und Abgrund decken, Es kann sich nichts Herzens und der Nieren prüfen. 5. Du weißt und hörst was deine Kinder beten, Du siehst, wenn sie verborgen vor dich treten; Macht gleich ihr Mund nicht alles kund, So kannst du selbst des Herzens sehnen Mit Segen und Erhörung frönen. 28 II. Lieder von Gott. 8. Erforsche selbst die innersten| und Sinn Zur Wahrheit hin, Sey Gedanken, Ob sie vielleicht von dei du der Leitstern meiner Füße, Bis ner Nichtschnur wanten; Lenk Herz ich, mein Licht, die Augen schließe. fistun Rambach, g. 1693+ 1735. Mel. Es ist genug.( 1 Cox. 10, 13. 1, 9. Weish. 15, k.) Ließ er den Eingebornen sterben. Gott ist getren! 45. Gott ist getreu! sein Herz,| Damit wir möchten nicht verderbent, sein Vaterherz Verläßt die seinen nie; Gott ist getreu! im Wohlseyn und im Schmerz Erfrent und trägt er sie. Mich decket seiner Allmacht Flügel, Stürzt ein, ihr Berge, fallt, ihr Hügel! Gott ist getreu! 6. Gott ist getreu! er, deß ich ewig bin, Sorgt für mein ewig Wohl; Er rufet mich zu seinem Himmel hin, Will, daß ich leben soll. Er reinigt mich von allen Sünden Und läßt mich Troft durch Christum finden. Gott ist getren! 7. Gott ist getren! stets hat sein Vaterblick Auf seine Kinder Acht; Er sieht mit Lust, auch wenn ein irdisch Glück Sie froh und dankbar macht. Was uns zu schwer wird, hilft er tragen, Und endlich stillt er 2. Gott ist getreu! er ist mein treu ster Freund, Dieß weiß, dieß hoff ich fest, Ich weiß gewiß, daß er mich keinen Feind zu hart verfuchen läßt. Erstärket mich nach seinem Bunde In meiner Prüfung trübsten Stunde. Gott ist getreu! 3. Gott ist getreu! er thut was er verheißt. Er sendet mir sein Licht; Wenn dieses mir den Weg zum Le- alle Klagen. Gott ist getren! ben weist, So irr und gleit ich nicht. Gott ist kein Mensch, er kann nicht liigen, Sein Wort der Wahrheit kann nicht trilgen. Gott ist getreu! 4. Gott ist getren! er handelt vä terlich, Und was er thut, ist gut, Die Trübsal auch; mein Vater befsert mich Durch alles was er thut; Die Tribsal gibt Geduld und Stärke Zum Fleiß in jedem guten Werke. Gott ist getren! 8. Gott ist getreu! mein Herz, was fehlt dir noch, Dich Gottes stets zu Freun? Sey Gott getren und fürchte nichts, mag doch Die Welt voll Falschheit seyn! Selbft falscher Brüder Neid und Tücke Gereicht am Ende mir zum Glücke. Gott ist ge tren! Ji( 1 Mof. 87.) 9. Gott ist getreu! vergiß, o Seel, es nicht, Wie zärtlich treu er ist! Gott tren zu seyn, sey deine liebste Pflicht, Weil du so werth ihm bist. Halt fest an Gott, sey treu im Glauben, Laß nichts den starken Troft dir rauben: Gott ist getren! Liebich, g. 1713 † 1780. 5. Gott ist getreut! er hat uns selbst befreit Von unsrer Sündennoth Durch seinen Sohn, durch dessen Heiligkeit Und blutgen Opfertod. Mel. So führst du doch. 46. Gott ist getreu! er selbst Hats oft bezeuget; Hier ist sein Wort, ( Pf. 40, 11. 146, 5 2c.) das gilt doch ewiglich. Er hat zu mit sein Baterherz geneiget, Fest A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 29 so blind; Fehl ich, Gott zeigts, Gott hilft, Gott ist getreu! glaub ich es, niemals verläßt er mich.| Und bin nun nimmer wie die Welt An meiner Treu ermangelt man cherlei; Das wußte der mit mir den Bund gemacht, Und der mein Elend pünktlich überdacht, Und schenkt mir doch das Wort: Gott ist getreu! 5. Gott ist getreu! wie oft hat er mein flehen Nach Wursh erhört in großer Kümmerniß! Worinnen 2. Gott ist getreu! das hab ich dei- ich noch muß auf Hoffnung säen, nem Munde Ost nicht geglaubt, du Geduld, das kommt zuletzt, zuletzt frommes Baterherz! Ich ängstigte gewiß! Selbft mein Gefühl, daß ich mich in der Prüfungsstunde Und so elend sey, Und meine Furcht häufete vergeblich meinen Schmerz; vor'm Rückfall wirket er, Nur daß Eh ichs gedacht, da war die Nother brünstiger mich beten lehr, Und vorbei; Das hab ich nun so oft und hilft doch immer durch. Gott ist viel erlebt, DSchande, wenn mein getreu! Herz aufs nene bebt! Ists nicht noch heute wahr: Gott ist getreu? 3. Gott ist getreu! ich wags auch 6. Gott ist getreu! will mich schon Trägheit quälen, Er trägt, er treibt, er schenkt mir neue Kraft. Gott ist heut mit Freuden Auf dich, o Vagetreu! will mir der Glaube fehlen, ter, denn ich bin dein Werk; Mein Jesu, auf dein Leben und Verscheiden; Gott, heilger Geist, auf deine Gnad und Stärk. Ich bin nichts werth, o das bekenn ich frei! Weg, Eigenwerk, dein Schimmer reicht nicht weit; Mein Element ist nur Barmherzigkeit, Daraus entspringt der Trost: Gott ist getreu! Läßt er sein Werk doch nicht, der alles schafft. Gott ist getreu! ob noch so mancherlei Daheim und draußen mich und andre kränkt, Kenn ich doch den, der alles weislich lenft, Der mich auch kennt und liebt. Gott ist getreu! ( Pf. 138, 8.) 7. Gott ist getreu! ach drücke die drei Worte, Dreieinger Gott, boch tief in meinen Sinn, Mit welchen ich dann wohl an jedem Orte Auf jeden Fall in dir gewappnet bin. Es werde deine Treu mir stündlich neu; Nur laß auch mich dir immer trener seyn, Bis ich vollendet einst vor dir erschein Und ewig rühmen tann: Gott ist getreu!) Muthmann, t 1747. 4. Gott ist getreu! ich fühls an meiner Seelen, An welcher er bis her so viel gethan; Ich kann sein Werk und Treue nicht verhehlen: Durch seinen Geist lieb ich die schmale Bahn, Sein Wort, sein Reich; und immer wird mir nen Sein Bild, wo ichs an seinen Kindern find; Mel. Wo Gott, ber Herr.( Ps. 145.) 47. Es muß ein treues Herze| nicht anders seyn als gut, Daher seyu, Das uns so hoch fann lieben, fleußt seiner Glite Fluth Auf alle Da wir doch alle, groß und klein, Wasseine Werke. gar nicht gut ist, üben; Gott muß 2. Drum, Herr, so sollen dir auch 30 II. nun All deine Werke danken, aus die Heilgen, deren Thun Sich hält in deinen Schranken, Die sollen deines Reichs Gewalt Und unvergängliche Gestalt Mit vollem Munde rühmen. Lieder von Gott. Vor-| fränken, Besorgt und fürchtet Tag und Nacht, Gott hab ihn gänzlich aus der Acht Gelaffen und vergessen! 3. Sie sollen rühmen, daß der Ruhm Durch alle Welt erklinge, Daß jedermann im Heiligthum Dir Dienst und Opfer bringe. Dein Reich, das ist ein ewig Reich, Dir selbst ist deine Herrschaft gleich, Der du kein End erreichest. 4. Der Herr ist bis in unsern Tod Beständig bei uns allen, Erleichtert unsre Kreuzesnoth Und hält uns, wann wir fallen; Er steuert man chem Unglückslauf Und hilft uns wieder freundlich auf, Wann wir dahin gefunken. 7. Nein, Gott vergißt der seinen nicht! Er hat zu große Treue Und neigt zu uns sein Angesicht, Daß er zuletzt erfreue. Gehts gleich bisweilen herb und schlecht, Ist er doch heilig und gerecht In allen seinen Wegen. 6. Du meinst es gut und thust uns guts, Auch da wirs oft nicht denken. Wie mancher ist betrübten Muths, Verzehrt sein Herz mit 8. Der Herr ist nah und stets bereit, Wo man ihn findlich ehret; Und wer nur ernstlich zu ihm schreit, Der wird gewiß erhöret. Gott weiß wohl, wer ihm hold und treu, Und solchem steht er dann auch bei, Wann ihn die Angst umtreibet. 9. Den Frommen wird kein Trost versagt, Gott thut was sie begehren; Er mißt das Unglück, das fie plagt, 5. Herr! aller Augen sind nach Und zählt all ihre Zähren Und reißt dir Und deinem Stuhl gekehret; sie endlich aus der Last; Den aber, Denn du bists ja, der alles hier Soder sie fränkt und haßt, Den stürzet väterlich ernähret; Du thust auf deine milde Hand, Machst froh und satt was auf dem Land, In Meer und Lüften lebet. er zu Boden. 10. Dieß alles und was sonsten mehr Lob, Dank und Preis kann bringen, Das soll mein Mund zu Ruhm und Ehr Dem Höchsten täg lich singen; Und also thu auch im merfort Was lebt und webt an jedem Ort; Das wird Gott wohlgefallen! Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Werde munter.( Gbr. 12, 14. 1 Petri 1, 15-19. 1 Cor. 1, 30.) 48. Gott! vor dessen Angesichte| 2. Heilig ist dein ganzes Wesen, Nur ein reiner Wandel gilt, Ewges Und kein böses ist an dir; Ewig Licht, aus deffen Lichte Stets die bist du so gewesen, Und so bleibst du reinste Klarheit quillt! Laß uns doch für und für; Was dein Wille wählt zu jeder Zeit Strahlen deiner Heilig- und thut, Ist untadelhaft und gut, teit So durchHerz und Seele bringen, Und mit deines Armes Stärke Wirkst Daß auch wir nach Heilgung ringen. dr stets vollkommne Werke. A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 3. Herr! du willst, daß deine Kin-| 5. Uns von Sünden zu erlösen, der Deinem Bilde ähnlich sey'n. Nie besteht vor dir der Sünder, Denn du bist vollkommen rein; Du bist nur der Frommen Freund, Allem bösen bist du feind; Wer beharrt in seinen Sünden, kann vor dir nicht Gnade finden. 4. O so laß uns nicht verscherzen| Was du uns haft zugedacht, Schaffe in uns reine Herzen, Tödt in uns der Sünde Macht! Denn was sind wir, Gott, vor dir? Du bist heilig, aber wir Sind verderbt, und wer kann zählen, Großer Gott, wie oft wir fehlen! 2. Du bist des Satans Werken feind Und haffest gottlos Wesen; Der ist gewißlich nicht dein Freund, Der sich zum Zweck erlesen Was dein gerecht Gesetz verbeut, Und der sich wahrer Heiligkeit Von Herzen nicht befleißet. 31 3. Du liebest das was recht und gut, Und bist ein Freund der From men; Wer glaubt und deinen Willen thut, Wird von dir aufgenommen; Sein Werk und Dienst gefällt dir wohl, Ist er gleich nicht so, wie er soll, Nach dem Gesetz vollkommen. 4. Du öffnest deine milde Hand, Das Gute zu belohnen, Und gibest, Gabst du deinen Sohn dahin; O so reinige vom Bösen Durch ihn unsern ganzen Sinn! Gib uns, wie dein Wort verheißt, Gib uns deinen guten Geist, Daß er unsern Geist regiere Und in alle Wahrheit führe. Nach Zimmermann. Mel. Es ist gewißlich.( Pf. 5, 5. 2 Gor. 5, 9. 10. Röm. 2, 6-11.) 49. Gerechter Gott! vor dein| als ein Liebespfand, Den Frommen Gericht Muß alle Welt sich stellen Und sich vor deinem Angesicht Ihr Urtheil lassen fällen. Du schaust von deinem hohen Thron, Ohn alles Ansehn der Person, Auf alle Menschenkinder. schöne Kronen. So zeigest du vor aller Welt, Daß es dir herzlich wohlgefällt, Wenn man das Gute liebet. 6. Jede Neigung und Begierde, Jede That sey dir geweiht; Unsers Wandels größte Zierde Sey rechtschaffne Heiligkeit! Mach uns deinem Bilde gleich; Denn zu deinem Himmelreich Wirft du, Herr, nur die erheben, Die im Glauben heilig leben. 5. Doch bleibt auch, was die Bosheit thut, Bon dir nicht ungerochen: Ein Abgrund voller Qual und Gluth Wird denen zugesprochen, Die sich mit Sündenlust befleckt, Ja, deine Hand ist ausgestreckt, Sie hier bereits zu strafen. 6. Der Untergang der ersten Welt, Die aus der Art geschlagen, Das Feuer, das auf Sodom fällt, Egyptens lange Plagen, Und andre Wunder deiner Macht Bezeugen, wann dein Zorn erwacht, Wie du nach Werken lohnest. 7. Bleibt hier viel böses ungestraft, Viel gutes unbelohnet, So kommt ein Tag der Rechenschaft, Der keines Sünders schonet; Da wird fich die II. Licder von Gott. Gerechtigkeit, Die jedem die Vergel| 9. Und weil vor dir, gerechter tung beut, Am herrlichsten beweisen. Gott, Kein Sünder kann bestehen, 8. Gerechter Gott! laß meinen Sinn, Der nicht des Mittlers Blut und Wie du das Gute lieben; Nimm alle Tod Zum Schild sich ausersehen, Lust zur Sünde hin; Wirk inniges be- So gib mir die Gerechtigkeit, Die trüben, Wenn sich dieß Uebel in mir mich von deinem Zorn befreit, Durch regt; Dein Herz, das lauter gutes sein Verdienst zu eigen. hegt, Sey Vorbild meines Herzens. Nambach, g. 1693 † 1735. 32 Mel. Wer weiß, wie nahe.( Gal. 6, 7. 8. Rém. 8, 12 2c. Pf. 7, 12.) 50. Gott richtet immerdar auf| Blutes seyn. Gott selber legt auf dich die Last: ,, Verdammlich ist wer Brüder haßt!" Erden, Sein Auge schläft und schlummert nicht; Gerecht wird er erfunden werden, Auch wenn der Mensch ihm widerspricht; Die Welt von Anfang zeigt es klar, Daß Gott ist Richter immerdar. 6. Verträumst du deine edlen Tage Mit eitlem Werk und schnödem Scherz, So sey gewiß, daß Pein und Plage Dir immer tiefer gehn durchs Herz. Kein Baum, der nur mit Blättern prangt, Die Frucht 2. Die böse Saat bringt böse Früchte; Saat auf den Geist wird Heil empfahn. Folg nicht dem lo- ists, was der Herr verlangt. denden Gesichte Der Sünden, die sich schmeichelnd nahn: Die Lust entflieht, mit ihrer Flucht Reift für den Tod die Sündenfrucht. 3. Erziehst du sorglos deine Kinder, Bereitelst du ihr Herz schon früh, So ziehst du fitr die Erde Sünder Und tödtest für den Himmel sie, Und büßest selbst früh oder spät, Was Geiz und Leichtsinn ausgesät. 4. Streckst du nach Ehr und goldnem Glanze Trugvolle Hände gierig aus; Berderbest du der Unschuld Pflanze, Befleckest Seele, Amt und Haus, Dann hast du hier schon Seelenqual, Die deutet auf das Todesthal. 5. Lebst du in Scheelsucht, Groll und Hader, So ists ein Mord dir im Gebein; Alsdann wird dir in teiner Ader Ein Tropfen frohen 7. Sprich nicht: ,, es hat nichts zu bedeuten, Ich thu was tansenden gefällt;" Du wirst ja nicht von schwachen Leuten Gerichtet, nein, vom Herrn der Welt! Der Sünde schont er ewig nicht; Nach seinem Wort geht das Gericht. 8. Gott folget dir auf jedemSchritte, Er sprenget Riegel auf und Thor; Und auch der Lauheit matte Tritte Bringt strafend er ans Licht hervor. Vor ihm hüllt uns kein Dunkel ein, Ihn täuschet nicht der frommeSchein. 9. Gott richtet recht! drum fleh, o Seele, Bußfertig ihn aus voller Brust: Herr, wer kann merken seine Fehle? Bekehr mich von der Sün denlust; Vergib und stell durch deinen Sohn Mich einst gerecht vor deinen Thron! Nach Würkert. A. Gottes Wesen und Eigenschaften. Mel. Zeuch mich, zeuch mich.( Jef. 54, 10. Hefet. 37, 26. ac.) 51. ,, Weicht, ihr Berge, fallt,| Welcher alles übersteigt. Mein Erihr Hügel! Gottes Gnade weicht| barmer, sprich mir du Dieß in allen mir nicht; Und der Friede hat dieß Nöthen zu! Siegel, Daß Gott seinen Bund nicht bricht!" Dieses macht mich unverzagt, Weil es mein Erbarmer fagt. 2. Das sind Worte für die Blöden, Die sind alles Glaubens werth; Das heißt an die Herzen reden, Das ist Trost, wie man begehrt: Gottes Gnade weicht dir nicht, Weil es dein Erbarmer spricht. 33 3. Hier ist Kraft für alle Müden, Die so manches Elend beugt. Man find't Gnade, man hat Frieden, 5. Gib mir einen starken Glauben, Der dein Wort mit Freuden faßt, So kann mir der Tod nicht rauben Was du mir geschenket hast. Auch die Hölle nimmt mir nicht Was mein Heiland mir verspricht. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Eigene Mel.( Ps. 25, 8-10. Micha 7, 18 xc.) 52. Der Herr ist gut, in dessen| so groß, Er hat so Kraft als NeiDienst wir stehn, Wir dürfen ihn in Demuth Vater nennen; Wenn wir nur tren auf seinen Wegen gehn, So sehn wir ihn von zarter Liebe brennen. Dieß Wort gibt uns im Kampfe Kraft und Muth: Der Herr ist gut! gung, uns zu schützen; Umschließet uns der ewgen Liebe Schoos, So können wir im stillen Frieden sitzen; Das macht sein Schuß, daß man hier sicher ruht: Der Herr ist gut! 5. Der Herr ist gut! wer dieß im Glauben schmeckt, Wird nimmermehr aus seinem Dienste gehen; Hier wird erst recht, was Freiheit sey, entdeckt, Hier kann der Geist im rechten Adel stehen. Nichts ist umsonst was hier der Glaube thut: Der Herr ist gut! 6. Der Herr ist gut! er sieht in Gnaden an Den armen Dienst der Knechte, die ihn lieben; Er gibt mehr Lohn, als man erwarten kann; Rein fühler Trunk ist unvergolten blieben, Er gibt dafür die ganze Segensfluth; Der Herr ist gut! 2. Der Herr ist gut! er will der Sünder Schuld Nicht unerbittlich mit dem Schwerte rächen; Es ist bei ihm ein Reichthum der Geduld, Er heilet gern der Irrenden Gebre chen; Er segnet uns durch seines Sohnes Blut: Der Herr ist gut! 3. Der Herr ist gut und theilt sich willig mit, Sein Wesen ist ein Brunnen edler Gaben! Er geht uns nach und fragt bei jedem Schritt, Ob wir nicht was von ihm zu bitten haben? Wo ist ein Herr, der so mit Knechten thut? Der Herr ist gut! 4. Der Herr ist gut! tein Elend ist Evangelisches Gesangbuch. 4. Wenn mich meine Sünden schmerzen, Und der Strafen lange Pein, Ach so rede meinem Herzen Deinen Trost und Frieden ein: Daß du mir in Jesu Christ Ewig ein Erbarmer bist. ( Matth. 10, 42.) 7. Der Herr ist gut und bleibt es bis zum Tod, Wir sollen ihm in 3 34 seinen Armen flerben; Er will uns führen aus der letzten Noth Und alles, was er hat, uns laffen erben, Und Ruhe geben, wie er selber ruht: Der Herr ist gut! 8. Der Herr ist gut! fallt nieder II. Lieder von Gott. vor dem Thron; Wir sind zum Segen herzlich eingeladen. Lobt unsern Gott, lobt seinen lieben Sohn, Lobt seinen heilgen Geist, den Geist der Gnaden; Lobt ihn für alles was er ist und thut, Der Herr ist gut! Nach Nambach. V. 7. 8 neuer Zusap. c. Röm. 2, 4. 1 Joh. 4, 10. 19.) ehren und seine Gülte nicht ver stehn? Er sollte rufen, ich nicht hören, Den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will ist mir ins Herz geschrieben, Sein Wort bestärkt ihn ewiglich: Gott soll ich über alles lieben Und meinen Nächsten gleich als mich. 5. Dieß ist mein Dank, dieß ist sein Wille: Ich soll vollkommen seyn, wie er; Je mehr ich dieß Gebot Eigene Mel.( Klagl. 3, 22. 53. Wie groß ist des Allmächtgen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt? Der mit verhärtetem Gemüthe Den Dank erstickt, der ihm gebührt? Nein, seine Liebe zu ermeffen, Sey ewig meine größte Pflicht! Der Herr hat mein noch nie vergeffen, Vergiß, mein Herz, auch seiner nicht! 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Langmuth mich erfülle, Stell ich sein Bildniß in geleitet? Er, dessen Nath ich oft vermir her. Lebt seine Lieb in meiner warf. Wer stärkt den Frieden i Gewissen? Wer gibt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel guts genießen? Ists nicht sein Arm, der alles schafft? 3. Blick, o mein Geist, in jenes Leben, Zuwelchem du erschaffen bist, Wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gett ewig sehn wirft wie er ist. Du haft ein Recht zu diesen Freuden, Durch Gottes Gilte sind sie dein; Sieh, darum mußte Chriftus leiden, Damit du könntest selig seyn. 4. Und diesen Gott sollt ich nicht Seele, So treibt sie mich zu jeder Pflicht; Und ob ich schon aus Schwachheit fehle, Herrscht doch in mir die Sünde nicht. 6. Gott! laß deine Gült und Liebe Mir immerdar vor Augen seyn; Sie stärk in mir die guten Triebe, Mein ganzes Leben dir zu weihn; Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen, Sie leite mich zur Zeit des Glücks, Und sie besieg in meinem Herzen Die Furcht des letzten Augenblicks! Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. Du Liebe meiner Liebe.(@pb. 3. 16-19. 1 3o. 4, 16.) 54. Singet Gott, denn Gott ist| bis zum Höllengrund; Nun er fich Liebe, Liebe, die ba ewig währt; Einge durch des Geistes Triebe Wer es an sich selbst erfährt! Wenn Gott läßt den Eifer brennen, Brennt er läßt Liebe nennen, Wird es allen Himmeln kund. 2. Liebe, die er in Erkenntniß Sei nes Sohnes uns bezeugt; Liebe, A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 35 welche das Verständniß Aller Men| ben, Ob sie mein Verstand nicht schen übersteigt, Du bist weit: ob allen Kindern; Du währst lang: auf alle Zeit; Du reicht tief: zu armen Sündern; Du führst hoch: zur Herrlichkeit! faßt, Laß den Feind mich dir nicht rauben, Der uns als Geliebte haßt! Liebe, laß es mir gelingen, Dich zu kennen, wie du bist! Liebe, lehr mich ewig singen, Wie es Gottes 3. Liebe, die mein Herz darf glau- würdig ist! Mel. Sesu, du mein liebstes.( Sir. 17, 28. Pf. 103. Eph. 1, 3-12.) 55. Abgrund wesentlicher Liebe,| dein Wort verspricht; Schenkst uns Gott! du allerhöchstes Gut, Das aus unerforschtem Triebe Uns so gerne gutes thut; Unergründlich Meer der Gnaden, Sonne wahrer Freundlichkeit, Quell des Trostes in dem Leid, Arzt für unsrer Seele Schaden! Meine Seele flehet dich: O du Liebe, liebe mich! deinen Sohn der Liebe Auch zum Bürgen meiner Schuld, Er ward Mensch aus freier Hulb, Starb für mich aus heißem Triebe. Meine Seele flehet dich: Wunderliebe, liebe mich! 5. Diese Liebe soll mich lehren, Daß ich sey sein Eigenthum; Diese Liebe soll ich hören Durch sein Evangelium; Und sein Beispiel soll auf Erden Meines Wandels Richtschnur seyn, Ja auch in der höchsten Bein Mir zum steten Vorbild werden. Meine Seele flehet dich: Heilge Liebe, liebe mich! 2. HuldreichWesen, laß dir danken, Preisen dich von Herzensgrund! Deine Huld ist ohne Schranken, Unaussprechlich für den Mund, Wunderherzlich für die Sünder, Für uns Kleine viel zu groß, In der Größe grenzenlos, Väterlich für alle Kinder. Meine Seele flehet dich: Große Liebe, liebe mich! 3. Du hörst mein Gebet und Sehnen; Was mir noth, besorgest du, Zählst und sammelst meine Thränen, Siehest meinem Seufzen zu; Weißst und schaffest mein Betrüben, Schickst und linderst meinen Schmerz, Prüfst, erfährst und kennst mein Herz, Meinen Glauben und mein Lieben. Meine Seele flehet dich: Süße Liebe, liebe mich! Ph. Fr. Hiller, g. 1699+ 1769. 4. Sünden willst du mir vergeben, Gnade, Hülfe, Trost und Licht, Ja sogar ein ewig Leben Ist es, was 6. Diese Liebe hat durch sterben Meinen Tod zunicht gemacht, Mir das Leben vom Verderben Durch ihr Auferstehn gebracht; Ja mir steht der Himmel offen Durch der Liebe Himmelfahrt; Denn ein Glaube rechter Art Darf ein himmlisch Erbtheil hoffen. Meine Seele flehet dich: Sohn der Liebe, liebe mich! 7. Du hast mir den Geist gegeben, Daß er mich erleuchten soll; Dieser heiligt unser Leben, Macht die Herzen Troftes voll, Lehrt die Thoren, stärkt die Müden, Er erquickt die elend sind, Und versiegelt deinem 36 II. Lieder von Gott. Rind Geinen Himmelstheil durch| Meine Seele flehet dich: Höchste Frieden. Meine Seele flehet dich: Liebe, liebe mich! Geist der Liebe, liebe mich! 8. Nicht nur gibst du mir im Leben Was man irgend wohlthun heißt, Du hast mir dich selbst gegeben, Dich mit deinem Sohn und Geist. Herr, wer kann genugsam danken? Deiner Liebe großes Licht Faffen Erd und Himmel nicht, Denn sie hat nicht End noch Schranken! Meine Seele flehet dich: Gett der Liebe, liebe mich! 10. Wie die Väter sich erbarmen, Wenn sie Kinder weinen sehn, Also läsfest du uns Armen Dein Erbarmen offen stehn. Gib mir doch ein solch Gemüthe, Das in deiner Liebe steht, Wacht und schlummert, liegt und geht Und nur lebt von deiner Güte. Meine Seele flehet dich: Treue Liebe, liebe mich! 11. Schließ mein Leben und mein Sterben Nur in deine Liebe ein; Laß mich einst mit deinen Erben Auferstehn und selig seyn; Denn dein Lieben ist das Leben, und die ewig süße Rub; Ewig kann man nichts dazu Außer deiner Liebe ge ben. Meine Seele flehet bich: Selge Liebe, liebe mich! Ph. Fr. Hiller. g. 1699 † 1769. Mel. Wer nur den lieben.( Ephes. 1, 3-12. Jerem. 31, 3.) 4. Wie wohl ist mir, wenn mein Gemüthe Empor zu dieser Quelle steigt, Von welcher sich ein Strom der Güte Zu mir durch alle Zeiten neigt, Daß jeder Tag sein Zeugniß gibt: Gott hat mich je und je geliebt! 5. Wer bin ich unter Millionen Der Kreaturen seiner Macht, Die in der Höh und Tiefe wohnen, Daß er mich bis hieher gebracht? Ich bin ja mur ein dürres Blatt, Ein Staub, der keine Stätte hat. 9. Wie der Himmel ob der Erden Herrlich, groß und lieblich ist, Läßst du deine Gnade werden, Wo du recht gefürchtet bist. Wie der Abend von dem Morgen, Also ist von dir, dem Herrn, Unfre Uebertretung fern, Wenn wir für die Seele sorgen. 56. Geht hin, ihr gläubigen Gedanken, Ins weite Feld der Ewigkeit, Erhebt euch über alle Schranken Der alten und der neuen Zeit; Erwägt, daß Gott die Liebe sey, Die ewig alt und ewig neu. 2. Der Grund der Welt war nicht geleget, Der Himmel war noch nicht gemacht, So hat Gott schon den Trieb geheget, Der mir das Beste zugedacht; Als ich noch nicht geschaffen war, Da reicht' er schon mir Gnade dar. 3. Sein Rathschluß war: ich sollte leben Durch seinen eingebornen Sohn; Den wollt er mir zum Mittler geben, Den sandt er mir von seinem Thron, In deffen Blute soll ich rein, Geheiliget und selig sein. ( Pf. 8, 4 tc.) 6. Ja freilich bin ich zu geringe Der herzlichen Barmherzigkeit, Wo mit, o Schöpfer aller Dinge, Mich deine Liebe stets erfreut; Ich bin, o Vater, selbst nicht mein, Dein bin ich, Herr, und bleibe dein! 7. Im sichern Schatten deiner A. Gottes Wesen und Eigenschaften. 37 Flügel Find ich die ungestörte Ruh.| ben, Der du mich unaufhörlich liebst? Der feste Grund hat dieses Siegel: Wer dein ist, Herr, den kennest du! Laß Erd und Himmel untergehn, Dieß Wort der Wahrheit bleibet ftehn. 8. Wenn in dem Kampfe schwerer Leiden Der Seele Muth und Kraft gebricht, So falbest du mein Haupt mit Freuden, So tröstet mich dein Angesicht; Da spür ich deines Geistes Kraft, Die in der Schwachheit alles schafft. Sollt ich mit Undank dich betrüben, Da du mir Fried und Freude gibst? Verließ ich dich, o Menschenfreund, So wär ich selbst mein ärgster Feind! 11. Ach könnt ich dich nur besser ehren, Welch edles Loblied stimmt' ich an; Es sollten Erd und Himmel hören, Was du, mein Gott, an mir gethan! Nichts ist so tröstlich, nichts so schön, Als, höchster Bater, dich erhöhn. 9. Die Hoffnung schauet in die Ferne Durch alle Schatten dieser Zeit; Der Glaube schwingt sich durch die Sterne Und sieht ins Reich der Ewigkeit; Da zeigt mir deine milbe Hand Mein Erbtheil und gelobtes Land. 10. O sollt ich dich nicht ewig lie12. Doch nur Geduld, es kommt die Stunde, Da mein durch dich erlöster Geist Im höhern Chor mit frohem Munde Dich, Quell der Liebe, schöner preist; Drum eilt mein Herz aus dieser Zeit Und sehnt sich nach der Ewigkeit. Joh. Gottfr. Hermann, g. 1707 † 1791. Mel. An Wasserflüssen.( Luc. 13, 6-9. 19, 41-44. 2 Petrt 3, 9.) 57. Getreuer Gott, wie viel| 3. Du gibst dem Sünder Zeit und Geduld Erzeigest du uns Armen! Wir häufen täglich Schuld auf Schuld, Du häufest dein Erbarmen. Was ist des Menschen Lebenslauf? Er ist verkehrt von Jugend auf, Sein Sinn ist dir entgegen; Und doch, o Vater, suchst du ihn Von seinen Sünden abzuziehn, Zur Buße zu bewegen. 2. Der Menschen Elend jammert dich; Wenn sie sich selbst verstocken, So willst du sie doch väterlich Durch Güte zu dir locken. Wie trugest du so lange Zeit Die alte Welt mit Gültigkeit, Bis sie die Fluth verheeret! Wie lange sahst und riefest du Dem Volk einst in der Wüste zu, Bis sich ihr Herz bekebret! Naum, Der Strafe zu entgehen; Du läffest auch den argen Baum Nicht ohne Pflege stehen; Du wartest sein und suchest Frucht, Und wenn du gleich umsonst gesucht, Hörst du nicht auf zu bauen; Du schoneft sein von Jahr zu Jahr, Und Jesus bittet immerdar, Eh er wird abgehauen. 4. Gerechter Gott! so große Huld Erzeigst du frechen Sündern, Und haft nicht weniger Geduld Mit deinen schwachen Kindern; Sie werden ja, wenn Fleisch, und Welt, Und Satan ihnen Netze stellt, Oft sicher, matt und träge, Sie straucheln, sie verirren sich, Sie fallen oft, verlaffer dich Und deine heilgen Wege. 5. Wohl hättest du, o Herr, das 38 II. Lieder von Gott. Recht, Sie wieder zu verlaffen, Und| kann, Leit uns durch dein Erbarmen; einen ungetreuen Knecht In Ewig- Sieh künftig auch geduldig an Die keit zu bassen. Doch nein, das kann Schwachheit deiner Armen! Was dein Herze nicht, Das von Erbarmen hülf es, wenn dein Herz bisher wallt und bricht, Wenn deine Kinder Boll Gült und Huld gewesen wär, fehlen! Es hat Geduld, so lang es Und nun sich wenden sollte? Wenn kann, Es nimmt sich ihrer Schwach- deine mächtge Gotteshand, Die bisheit an Und wacht für ihre Seelen. her Strafen abgewandt, Uns nun 6. Du rufest ihnen in Gefahr, So verderben wollte? oft fie irre gehen, Reichst ihnen deine Hände bar, Von Sünden aufzu stehen; Du lockest fie mit Baterhuld, Versprichst, durch Jesum ihre Schuld Barmherzig zu vergeben, Gibst reichlich Glauben, Geift und Kraft Und dann am Ziel der Pilgerschaft Ein ewig Freudenleben. 7. Langmuth, der nichts gleichen 8 Drum, etge Güte, trag uns noch Um Christi Todesschmerzen! Erwecke recht und rühre doch Die trägen, sichern Herzen, Daß deine Huld und Batertreu Uns ja kein Schild der Bosheit sey, Daß wir das Arge hassen Und uns noch in der Gnadenzeit Den Reichthum solcherGültigkeit Zur Buße leiten lassen! 3immermann, g. 1702 † 1783. B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung.or Mel. Mein's Herzens Jesu.( Jef. 40, 26.) 58. Wenn ich, Schöpfer, deine| lichkeit, Gott, deine Gülte reicht so weit, So weit die Wolken reichen! Macht, Die Weisheit deiner Wege, Die Liebe, die für alle wacht, Anbetend überlege, So weiß ich, von Bewunbrung vell, Nicht, wie ich dich erheben soll, Mein Gott, mein Herr, mein Vater! 4. Dich predigt Sonnenschein und Sturm, Dich preist der Sand am Meere; Bringt, ruft auch der geringste Wurm, Bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, Mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht, Bringt unfrem Schöpfer Ehre! 2. Mein Auge sieht, wohin es blickt, Die Wunder deiner Werke. Der Himmel, prächtig ausgeschmückt, Preist dich, du Gott der Stärke; Wer hat die Sonn an ihm erhöht, Wer kleidet sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Himmel reg nen? Wer schließt den Schoos der Erde auf, Mit Vorrath uns zu segnen? O Gott der Macht und Herr 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand So wunderbar bereitet, Der Mensch, ein Geist, den sein Verstand Dich zu erkennen leitet, Der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, 3st sich ein täglicher Beweis Von deiner Güt und Größe. 6. Erheb ihn ewig, o mein Geist, Erhebe seinen Namen! Gott, unser B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 39 Vater, sey gepreist, Und alle Welt| dien ihm gern; Wer wollte Gott sag Amen, Und alle Welt fürcht nicht dienen! ihren Herrn Und hoff auf ihn und Gellert, g. 1715 † 1769. Eigene Mel.( Pf. 104.) 59. Herr! vir ist niemand zu| Gebirg entquellen Die Brunnen, vergleichen, Kein Lob kann deine Größ erreichen, Kein noch so feu riger Verstand. Pracht, Majestät, und Ruhm umgeben Dich, aller Wesen Quell und Leben; Licht ist dein strahlenvoll Gewand. In hohen unermesnen Fernen, Wohin kein sterblich Auge schaut, Hast du weit über allen Sternen Dir deinen höchsten Sitz erbaut. werden Bäch und schwellen Zu Strömen und zu Seen an; Aus ihnen schöpft das Volk der Felder Erquicung, daß sein Durst sich stillt; Auch rieseln Waffer durch die Wälder, Erfrischen und erfreun das Wild. 5. Viel schattenvolle Bäume grüinen An deinen Waffern, und aus ihnen Ertönt der Vögel Lust und Dank; In ihrer Zweige Schutz verborgen, Frohlocken sie dir jeden Morgen, Tönt dir des Abends ihr Gesang. Mit deinem segensvollen Thane Wird jeder steile Berg erquickt; Auch grünen fröhlich Feld und Aue, Mit deinen Früchten reich geschmückt. 2. Wie bist du, wenn du, Gott der Götter, Herabfährst, wenn du in dem Wetter Einhergehst, uns so fürchterlich! Du kommst, und Wolken sind dein Wagen; Dein Wagen donnert, willig tragen Die Fittige des Sturmes dich. Die Engel fliegen gleich den Winden Vor dir voran, Herr Zebaoth! Wie Flammen, die sich schnell entzünden, Sind deiner Allmacht Diener, Gott! 3. Als du allmächtig sprachst: ,, es werde!" Da gründeteft du fest die Erde, Vor Alters war die Tief ihr Kleid; Auf allen Bergen stunden Wasser, Du schalt'st ste, da entflohn die Wasser, Durch deines Donners Kraft zerstreut. Der Berge Gipfel, Herr, erschienen, Erhoben durch 6. Durch dich entsprießt, damit die Heerden Der sichern Flur gefättigt werden, Das Gras und kleidet schön das Land. Uns blühn die Kräuter, und der Segen Der Saaten reifet uns entgegen Und füllt des frohen Schnitters Hand. Brod gibst du für des Menschen Leben, Und unsre Herzen zu erfreun, Gibst du von traubenvollen Reben Mit milder, reicher Hand den Wein. 7. Herr! bu gebeutft im Lauf zu dein mächtig Wort, Die Thäler san- eilen Der Erde, und das Jahr zu ten unter ihnen An den für sie be- theilen, Schufst du den Mond durch stimmten Ort. 4. Nun steht der Wasser Wuth umdämmet, Daß ste, durch deinen Nun gehemmet, Die Erde nicht verwisten kann; Du sprichst, und dem deine Macht. Die Sonne sinkt, und aus den Wäldern Hebt sich das Wild und sucht auf Feldern Sich seine Nahrung in der Nacht. Der Mensch, ermattet von Geschäften, II. Lieder von Gott. Verläßt sein Werk und suchet Ruh;| Ruhm ist ewig, deine Stärke Schuf Der Tag kommt, und mit neuen Kräften Eilt er der Arbeit wieder zu. 8. Wie wimmelts in den weiten Meeren Von großen und von kleinen Heeren! Herr, deine Weisheit hat kein Ziel! Und wer mißt deine Huld und Stärke? Mit staunen seh ich deine Werke, Wie schön sind fie, wie groß und viel! Herr, alles wartet auf der Erde, Im Meer und in der Luft auf dich, Daß es von dir gesättigt werde; Du segnest, sie erquicken sich. 40 9. Dein Odem tödtet, und beseelet; Die Welt, die deine Huld erzählet, Erneuert sich auf dein Gebot. Dein Meer Zeugen von des Schöpfers Ehr; Meine Seele, finge du Und bring auch dein Lob herzu! 2. Seht das große Sonnenlicht, Wie es durch die Wolken bricht! Mondesglanz und Sternenpracht Loben Gott in stiller Nacht. Eigene Mel.( Pf. 19, 1-7.) 60. Himmel, Erde, Lust und| 4. Seht, wie durch die Lüfte hin Frisch und froh die Vögel ziehn! Feuerflammen, Sturm und Wind Seines Willens Diener sind. 3. Seht, wie Gott der Erde Ball Hat gezieret überall! Wälder, Flur, und jedes Thier Zeigen Gottes Finger hier. und bewahret deine Werke; Sie sind dein Wohlgefallen, Gott! Du schaust die Erb an, fie erzittert! Du tastest an der Berge Höhn, Und Berg und Fels, durch dich zersplittert, Sind Flammen, dampfen und vergehn! 10. Erheb, erheb, o meine Seele, Gett, meinen Schöpfer, und er zähle, Verkündige sein Lob der Welt! Ihm finge deine Jubellieder; Der Fromme halle sie ihm wieder, Dem Mächtigen, der uns erhält! Frohlockt ihm, alle seine Heere, Ihm weihet euren Lobgesang! Der Herr ist würdig, Preis und Ehre Zu nehmen, Lob und Ruhm und Dank! Gramer. g. 1723 † 1788. Auch zeigen alle Daß du ein Herr 5. Seht ber Wasserwellen Lauf, Wie sie steigen ab und auf; Von der Quelle bis zum Meer Rauschen sie des Schöpfers Chr. 6. Ach mein Gott, wie wunderbar Stellst du dich der Seele dar! Drücke tief in meinen Sinn, Was du bist, und was ich bin! 3. Neander, g. um 1640+ 1688. Mel. Gott Vater, Herr.( Jef. 40, 26-31. Offenb. 4, 11. Pf. 148.) 61. Gott! Erd und Himmel| Lauf, So sind auch alle Stern be samt dem Meer Verkünden deine reit, 3u preisen deine Herrlichkeit. Kraft und Ehr; 3. Die Thier und Vögel aller Berg und Thal, Welt, Und was sich in dem Meer feyst überall. aufhält, Zeigt uns frei an ihm selber an, Was deine Kraft und Weis heit kann. 2. Die Sonne geht uns täglich auf, Es hält der Mond auch seinen B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 41 4. Du hast den Himmel ausge-| 7. Wie herrlich ist, Herr, und wie streckt, Mit Wolkenbeeren überdeckt schön, Was du geschaffen, auzusehn! Und seiner Wölbung Majestät Mit güldnen Sternen übersät. Doch wie viel lieblicher bist du, Herr, unser Gott, in deiner Ruh! 5. Du bists, der alle Ding regiert, Den Himmel und das Erdreich ziert, So wunderbar, daß es kein Mann Erforschen noch ergründen kann. 6. Wie möcht doch unsre Blödigfeit Ausgründen deine Herrlichkeit, So wir doch Dinge nicht verstehn, Womit wir allezeit umgehn! 8. Du schließeft Erd und Himmel ein, Dein Herrschen muß voll Wunder seyn; Du bist ein Herr in Ewigkeit, Von unnennbarer Herrlichkeit. 9. O Vater, Sohn und heilger Geist, Dein Name, der Allmächtig heißt, Sen bochgelobt in Ewigkeit! Amen wir sprech'n mit Innigkeit! Böhmische Brüder. Mel. O Gott, du frommer.( Joh. 1, 1-4.) Gott! du gabst der Welt| Macht rührt mein Gemüthe; Doch ists noch nicht genug: Ich seh des Schöpfers Güte; Denn kein Geschöpf ist da, Dem er nicht gutes thut; Ja, was er macht und will, Ist alles föstlich gut. 62. Im Anfang Licht und Leben. Nun hast du die Natur Mir als ein Buch gegeben, Drin viel zu lesen ist Von deiner großen Pracht, Von deiner weisen Huld, Von deiner Wundermacht. 2. Dewge Majestät, Vor dir will 6. Gott! wie wohl wird mir, ich mich beugen! Bon deiner Herr3u bir binanfzusehen, Hoch über lichkeit Seh ich die Himmel zeugen; Ich seh die Sonne stehn, Sie spiegelt sich im Meer, Ich schau die Wolken an, Den Mond, das Sternenheer. 3. DieLuft, dasFirmament Schufft du aus Finsternissen; Es träuft, so bald du willst, Von milden Regengüssen; Und wenn dein Ruf gebeut, So blitzt und donnert weit Der Wetter Sturm und Nacht, Du Gott der Herrlichkeit! 4. Die Weisheit und die Kunst, Die Ordnung, das Regieren Kann man auf jedem Blatt, An jedem Steine spüren; Die Mannigfaltigfeit, Die doch zusammenstimmt, Die macht, daß Aug und Herz In Wunderfreude schwimmt. 5. Die Weisheit bet ich an, Die alles weg Vor deinem Thron zu flehen. Doch trübt die Sündenschuld Mein armes Menschenherz, Und find ich keinen Trost Bei dem ges heimen Schmerz. 7. Hier schweigt der Himmel still, Die Erde sagt nicht weiter, Das tiefe Meer verstummt, Die Sonne macht nicht heiter, Vis daß ein andres Buch Ich noch von oben her Zu meinem Trost empfang, Und mich dein Geist belehr; 8. Das ist das heilge Buch, Darinnen steht geschrieben: Das Wort, das alles schuf, Kam in die Welt mit lieben, Voll Wahrheit, Gnad und Huld, Ward Wiensch hier in der Zeit, Mein Leben, Licht und Troft, Gelobt in Ewigkeit! 42 II. Lieder von Gott. 9. In deine Welt will ich Und in| darin Dein Sohn mir ward bewußt, bein Wort mich senken; Die Schöpfung, Herr, soll mich Zu Dank und Ehrfurcht lenken; Doch deine Schrift, Die zieh mich ewig hin An deine Baterbrust! Diel. Ich dank dir schon.( 1 Mos. 1, 26. 27. 2 Theff. 2, 13. 14.) 63. Tritt her, o Seel, und dank| bunten Vöglein Munterfeit Ergötzet dem Herrn Filr seine tausend Gaben, Mit denen er dich frei und gern Geziert hat und erhaben! 2. Er hat aus nichts dich berge bracht, Wie seiner Hulb gefallen, Zu seinem Bilde dich gemacht, Dich ausgeschmückt vor allen. 3. Für dich hat er die ganze Welt Erschaffen und erbauet, Für dich ist ste so wohl bestellt, Und was man brinnen schauet. 4. Dir trägt die Erde Brod und Wein, Dir Arzenei für Schmerzen, Dir hegt fie Thiere groß und klein, Dir Gold in ihrem Herzen. 5. Dort läuft und strömt das Waffer dir, Da stebet es dir stille, Bringt Perlen und Korallenzier Und Fische dir in Fülle. 6. Die Luft erquickt dich jederzeit Von außen und von innen; Der Nach einem Pennsilvanischen Gesangbuch. V. 9 neuer Zusaß. nicht fingen? Sollt ich ihm nicht dankbar seyn? Denn ich seh in allen Dingen, Wie so gut ers mit mir mein'. Ists doch nichts als lauter Lieben, Was fein treues Herze regt, Das ohu Ende hebt und trägt Die in seinem Dienft sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 2. Wie ein Adler sein Gefteder deine Sinnen. 7. Dir fährt die Sonn des Tags herein Auf ihrem goldnen Wagen; Dir macht des Mondes Silberschein Die Nächte gleich den Tagen. 8. Zu deinen Diensten sind bereit Der Engel große Schaaren, Sie wachen jetzt und allezeit, Daß sie dich treu bewahren. 9. Und was noch mehr: er steht nicht an, Willst du nur Gnade finden, Die Schmach, die du ihm angethan Mit tausendfachen Sünden. 10. Er gibt den eignen Sohn für dich, Er liebt dich wie sein Leben Und will sich endlich ewiglich Dir schenken und ergeben. 11. Drum bant, o Seele, dant dem Herrn Für seine tausend Gaben, mit denen er dich frei und gern Geziert hat und erhaben! Angelus Silestus, g. 1624+ 1677. Eigene Mel.( Pf. 145. Epb. 5, 19 xc.) 64. Sollt ich meinem Gott| Ueber seine Jungen stredt, Also hat auch hin und wieder Mich des Höchsten Arm bedeckt, Alsobald in Mutterleibe, Da er mir mein Wesen gab Und das Leben das ich hab Und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 3. Sein Sohn ist ihm nicht zu theuer, Nein, er gibt ihn für mich hin, Daß er mich vom ewgen Feuer B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. Durch sein theures Blut gewinn!| nicht Aus so mancher Angst genesen. O du Brunnen ohu Ergründen, Alles Ding währt seine Zeit, GotWie will doch mein schwacher Geist, tes Lieb in Ewigkeit. Ob er sich gleich hoch befleißt, Deines Grundes Tiefe finden! Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 8. Wie ein Vater seinem Kinde Sein Herz niemals ganz entzeucht, Ob es gleich bisweilen Sünde Thut und aus den Schranken weicht, Also hält auch meine Schwächen mir mein frommer Gott zu gut, Will mein Fehlen mit der Ruth, Und nicht mit dem Schwerte rächen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 9. Seine Strafen, seine Schläge, Ob mirs gleich oft bitter scheint, Dennoch, wenn ichs recht erwäge, Sind es Zeichen, daß mein Freund, Der mich liebet, mein gedenke Und mich von der schnöden Welt, Die mich hart gefangen hält, Durch das Kreuze zu ihm lenke. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 4. Seinen Geist, den edlen Füh rer, Gibt er mir in seinem Wort, Daß er werde mein Regierer Durch die Welt zur Himmelspført; Daß er mir mein Herz erfülle Mit dem hellen Glaubenslicht, Das des Todes Nacht durchbricht Und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 5. Meiner Seele Wohlergehen Hat er ja recht wohl bedacht; Will dem Leibe Noth entsteheu, Nimmt ers gleichfalls wohl in Acht. Wenn mein Können, mein Vermögen Nichts vermag, nichts helfen kann, Kommt mein Gott und hebt mir an, Sein Vermögen beizulegen. Alles Ding währt seine Zeit, Got tes Lieb in Ewigkeit. 6. Himmel, Erd und ihre Heere Hat er mir zum Dienst bestellt; Wo ich nur mein Ang hinkehre, Find ich was mich nährt und hält, Thiere, Kräuter und Getreide, In den Gründen, in der Höh, In den Büschen, in der See, Ueberall ist meine Weide. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen Und ermuntert mein Gemüth, Daß ich jeden lieben Morgen Schaue neue Lieb und Gült. Wäre mein Gott nicht gewesen, Hätte mich sein Angesicht Nicht geleitet, wär ich 43 ( Ebr. 12, 5 sc.) 10. Das weiß ich fürwahr und lasse Mirs nicht aus dem Sinne gehn: Christenkreuz hat seine Maße Und muß endlich stille stehn. Wann der Winter ausgeschneiet, Tritt der schöne Sommer ein; Also wird auch nach der Pein, Wers erwarten kann, erfreuet. Alles Ding währt seiue Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 11. Weil denn weder Ziel noch Ende Sich in Gottes Liebe find't, Ei, so heb ich meine Hände Zu dir, Bater, als dein Kind, Bitte: wollst mir Gnade geben, Dich aus aller meiner Macht Zu umfangen Tag und Nacht Hier in meinem ganzen Leben, Bis ich dich nach dieser Zeit Lob und lieb in Ewigkeit! Gerhard, g. 1606 † 1676. 44 II. Lieder von Gott. Brind Mel. Was Gott thut.( Ps. 71. Weish. 3, 9.) BR 65. Mein Gott! du bist und| sorgst für mich aufs beste. In Lieb bleibst mein Gott, Das macht mir tausend Freuden. Es kann mich weder Noth noch Tod Von deiner Liebe scheiden; Denn hab ich dich, So werden mich Die Flammen nicht ergreifen, Die Fluthen nicht ersäufen. und Leid Bist du bereit, Mir Rath und That zu geben, So lang ich werde leben. 2. Du bist mein Gott von Jugend auf In Freud und Leid gewesen; Es war mein ganzer Lebenslauf Zum Segen auserlesen. Wie manche Noth, Die mir gedroht, Hat deine Hand gewendet Und Hülfe mir gesendet! 3. Du bist mein Gott, und bis hieher Willst du noch immer walten. Da meiner längst vergessen wär, Hast du mich doch erhalten, Gespeist, getränkt Und sonst beschenkt Mit vielen Gnadengaben, Die Leib und Seele laben. 4. Du bist mein Gott auch künftighin, Darauf vertrau ich feste; Du änderst nie den treuen Sinn Und 5. Du bist mein Gott; kein Elend kann mir diesen Troft benehmen, Und geh ich gleich auf rauher Bahn, Will ich mich doch nicht grämen. Der Weg zu dir Ist dornig hier, Und führt mich doch zum Ziele, Wenn ich auch Schmerzen fühle. 6. Du bist mein Gott; auch wenn der Tod Mir alles andre raubet; Stirbt gleich der Leib, es hat nicht Noth; Wer nur an Jesum glaubet, Der findet dort Den sichern Ort, Wo uns ein beßres Leben Auf ewig wird gegeben. 7. Du bist mein Gott, drum fren ich mich, Ich werde zu dir kommen, Sobald nach meinem Sterben ich Der letzten Angst entnommen. Mein Gott ist mein, Und ich bin sein! Nichts soll mir diesen Glauben Aus meinem Herzen rauben! Schmolk, g. 1672 † 1737. Mel. Løbt Gott, ihr Christen.( Eph. 5, 19. 20. Mich. 7, 18-20.) 66. Ich finge bir mit Herz und| zelt Hoch über uns gesetzt? Wer ist Mund, Herr, meines Herzens Lust!| es, der uns unser Feld Mit Thau Ich sing und mach auf Erden kund und Regen netzt? Was mir von dir bewußt. 2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad Und ewge Quelle feyst, Daraus uns allen früh und spat Viel Heil und gutes fleußt. 5. Wer wärmet uns in Kält und Frost? Wer schützt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Del und Most 3u seiner Zeit gewinnt? 3. Was sind wir doch, was haben wir Auf dieser ganzen Erd, Das uns, o Bater, nicht von dir Allein gegeben werd? 4. Wer hat das schöne Himmels6. Wer gibt uns Leben, Kraft und Muth? Wer hält mit seiner Hand Des güldnen Friedens werthes Gut In unsrem Vaterland? 7. Ach Herr, mein Gott, das B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 45 Gott, der Ursprung aller Ding, Ist selbst und bleibt dein Gut. kommt von dir, Du, du mußt alles| sing Und habe guten Muth! Dein thun! Du hältst die Wach vor unsrer Thür Und läßst uns sicher ruhn. 8. Du nähreft uns von Jahr zu Jahr, Bleibst immer fromm und tren Und stehst uns, wenn wir in Gefahr, Mit Huld und Stärke bei. 9. Du strafft uns Sünder mit Geduld Und schlägst nicht allzusehr; Ja endlich nimmst du unsre Schuld Und wirfst sie in das Meer. 10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, Wirst du gar leicht erweicht Und gibst was uns zum Trost gedeiht Und dir zum Preis gereicht. 11. Du zählst, wie oft ein From mer wein', Und was sein Kummer sey; Und keine Thrän ist dir zu klein, Du hebst und legst sie bei. 12. Du füllst des Lebens Mangel aus Mit dem was ewig steht, Und führst uns in des Himmels Haus, Wenn uns die Erd entgeht. 13. Wohlauf, mein Herze, Lob und 14. Er ist dein Schatz, dein Erb und Theil, Dein Glanz und Freudenlicht, Dein Schirm und Schild, dein Hülf und Heil, Schafft Rath und läßt dich nicht. 3. Viele mühen sich um Sachen, Die nur Sorg und Unruh machen Und ganz unbeständig sind; Ich will nach den Gütern ringen, Die mir 15. Was kränkst du dich in deinem Sinn Und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf fie bin Auf den, der dich gemacht! 16. Hat er dich nicht von Jugend auf Versorget und ernährt? Wie manchen schweren Unglückslauf Hat er zurückgekehrt! 17. Er hat noch niemals was versehn In seinem Regiment, Nein, was er thut und läßt geschehn, Das nimmt ein gutes End. 18. Ei nun, so laß ihn ferner thun Und red ihm nicht darein, So wirst du hier im Frieden ruhn Und ewig fröhlich seyn. Gerhard, g. 1606 † 1676. Eigene Mel.( Jerem. 17, 7. Pſ. 3, 9.) der Welt nicht find't. 67. Alles ist an Gottes Segen| wahre Ruhe bringen, Die man in Und an seiner Gnad gelegen, Ueber alles Geld und Gut. Wer auf Gott die Hoffnung setzet, Der behält ganz unverletet Einen freien Heldenmuth. 2. Der mich hat bisher ernähret Und mir manches Gut bescheret, Ist und bleibet ewig mein. Der mich wunderbar geführet Und noch leitet und regieret, Wird hinfort mein Helfer seyn. 4. Hoffnung kann das Herz erquicken, Was ich wünsche, wird sich schicken, So es anders Gott gefällt. Meine Seele, Leib und Leben Hab ich seiner Gnad ergeben Und ihm alles heimgestellt. 5. Er weiß schon nach seinem Willen Mein Verlangen zu erfüllen, Es hat alles seine Zeit; Ich hab ihm nichts vorzuschreiben; Wie Gottwill, so muß es bleiben, Wann Gott will, bin ich bereit. 6. Soll ich hier noch länger leben, 46 II Lieder von Gott. Will ich ihm nicht widerstreben, Ich| dische vergehet Und fährt wie ein verlasse mich auf ihn; Ist doch Strom dahin! nichts, das lang bestehet, Alles irNürnberger Gesangbuch von 1676. 23-25. Jerem. 10, 23. Sprüche 16, 9.) däucht, und bring zum guten Ende, Was du selbst angefangen haft, Durch Weisheit deiner Hände. 7. Ist gleich der Anfang etwas schwer, Und muß ich gleich ins tiefe Meer Der bittern Sorgen treten, So treib mich nur ohn Unterlaß Zum seufzen und zum beten. 8. Wer fleißig betet und dir traut, Wird alles, davor sonst ihm graut, Mit tapfrem Muth bezwingen; Sein Sorgenstein wird in der Eil In tausend Stücke springen. 3. Gib mir Verstand aus deiner Höh, Auf daß ich ja nicht ruh und steh Auf meinem eignen Willen. Sey du mein Freund und treuer Rath, Was gut ist, zu erfüllen. 9. Der Weg zum Guten ist fast wild, Mit Dorn und Hecken ausgefüllt; Doch wer ihn freudig ziehet, Kommt endlich, Herr, durch deinen Geist Dahin, wo Wonne blühet. 4. Was dir gefällt, das laß auch mir, O meiner Seele Sonn und Zier, Gefallen und belieben; Was dir zuwider, laß mich nicht In Werk und That verüben. 10. Du bist mein Vater, ich dein Kind; Was ich bei mir nicht hab und find, Hast du zu aller Gnüge. So hilf nun, daß ich meinen Stand Wohl halt und herrlich siege. 5. Ist's Werk von dir, so bilf zum Glück; Ift's Menschenthun, so 11. Dein soll seyn aller Ruhm treibs zurück Und ändre meine Sin- und Ehr, Ich will dein Thun je nen; Was du nicht wirkst, pflegt von mehr und mehr Aus hocherfreuter sich selbst In kurzem zu zerrinnen. Seelen Bor deinem Volk und aller 6. Tritt du zu mir und mache Welt, So lang ich leb, erzählen. leicht Was mir sonst fast unmöglich Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. In dich hab ich gehoffet.( Pf. 73, 68. Ich weiß, mein Gott, daß all mein Thun Und Werk auf deinem Willen ruhn, Von dir kommt Glück und Segen; Was du regierst, das geht und steht Auf rechten, guten Wegen. 2. Es steht in keines Menschen Macht, Daß sein Rath werd ins Werk gebracht, Und ihn sein Gang erfreue; Des Höchsten Rath, der machts allein, Daß Menschenrath gedeihe. Mel. Ach wann werd ich dahin kommen.( 1 Sam. 2, 6-8. Jerem. 32, 19.) 69. Gott der Macht, in deinem| Bölker werden, und verschwinden, Ruhme Reinem, als dir selbst, befannt! Aus verborgnem Heiligthume Waltest du mit starker Hand. Alles Fleisch vergeht wie Hen. 3. Neiche schmetterst du zur Erbe, Königsstühle stürzen ein; Hirten rufft bu von der Heerde, Herrscher ihres Volts zu seyn. ( Luc. 1, 52) 2. Sterne glänzen, und erblinden; Berge wehst du weg wie Spreu; B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. 4. Wenn du anfängst auszugleichen,| von Fluthen und vonWinden FruchtHerr, was kann vor dir bestehu? los die vereinte Wuth. Alle Berge müffen weichen, Alle Thale sich erhöhn! 7. Und ob alles sich empöret, Ringsum alles untergeht, Dieser Bau bleibt unzerstöret, Und die Stadt des Herrn besteht. 5. Was der Menschen Kunst erhoben, Ist auf leichten Sand gestellt; Du gebeutst, es ist zerstoben, Wie das Laub im Herbste fällt. 6. Aber wo auf Felfengründen Dei8. Selbst der Feinde Trotz und Mühe Muß dir ebnen deinen Pfad; Darum bmm, o Herr, und ziehe nes Tempels Maner ruht, Droht Ein in deine Gottesstadt! Garve, g. 1763 † 1841. - Wiel. Du, Gott bist über.( Pf. 13, 6. 107, 1-22.( ol. 1, 12-14.) 70. Du bists, bem Ehr und| für die Freuden, welche mir Dein Ruhm gebührt, Und dieß, Herr, milder Segen gibt. bring ich dir. Mein Schicksal haft bu stets regiert, Und stets warst du mit mir. 7. Dir dank ich es, daß die Natur Mich nährt und mich erfreut; Ich schmeck in jeder Kreatur, Gott, deine Freundlichkeit. 2. Oft wenn nach Trost die Seele rang, Und Trost mich Armen floh, Rief ich voll Sehnsucht: Herr, wie lang?" Und wurde wieder froh. 3. Wenn ich in Schmerz und Krank heit sank Und rief: ,, Herr, rettentich!" So halfst du mir; mit welchem Dank, Mein Gott, erheb ich dich? 4. Betrübte mich des Feindes Haß, So klagt ich dir den Schmerz; Du halfft mir, daß ich ihn vergaß, und gabst Geduld ins Herz. 47 5. Wenn ich der Tugend Pfad verfor Und mich verschuldet fab, Rief ich zu dir, mein Gott, empor, Und Gnade war mir nah. 6. Herr! für die Leiden dank ich bir, Durch die du mich geübt, Und 8. Ich danke dir für deinen Sohn, Der für mich Sünder starb, Und der zu deinem Gnadenthron Den Zzugang mir erwarb. 9. Wie sehr liebt Gott der Menschen Wohl! Erheb ihn, Volk des Herrn! Die Erd ist seiner Güte voll, Er hilft und rettet gern; 10. Er hilft und läßzt die Traurigkeit Bald vor uns übergehn; Und will nach kurzer Prüfungszeit Zum Himmel uns erhöhn. 11. Vergiß nicht, Seele, was bein Gott Bisher an dir gethan; Verehr und halte sein Gebot Und bet ihn ewig an! Nach Gellert. Mel. Alle Menschen.( Pf. 37.) 71. Zürne nicht auf ftolze Sün- du sie welten schauen, Wie das Gras ber, Die der Luft im Schoose ruhn; Neide nicht des Glückes Kinder, Die mit lachen arges thun. Bald wirst wird abgehauen, Wie das grüne Kraut vergeht, Wenn der Wind von Morgen weht. 48 II. Lieder von Gott. 2. Hoffe du auf Gott und bleibe| Sünder Schaar verderben, Wird Wo sein Rath dich hingestellt; Was dein Same Länder erben. Wer Gott er bir befohlen, treibe; Wandre red- nimmt zur Zuversicht, Den gereut lich durch die Welt. Ueberlaß ihm es ewig nicht. deine Wege, Fleb, daß er dich segnen möge; Und er segnet dich gewiß, Machet Licht aus Finsterniß. 3. Wer nach Geistesfrüchten ringet Und nach ewgem Gnadenstand, Wer Gott reine Opfer bringet, Bleibt bestehn und erbt das Land; Gott hat Lust an seinem Wege, Leitet ihn mit Vaterpflege; Kommt ihn eine Schwachheit an, Stärft ihn Gott, der stärken kann. 4. Frommer Fleiß ist nie vergebens, Wird mit Schanden nie bestehn; Während meines ganzen Lebens Hab ich Fromme nie gesehn, Daß sie schmählich umgekommen; Gott, der sie in Schutz genommen, Ließ sie niemals betteln gehn Noch mit Schmach im Mangel stehn. 6. Rede Wahrheit, lehre Gnade, Spende Troft und Unterricht; Geh genau auf Gottes Pfade, Seygewiß, du gleitest nicht. Wollen Menschen troben, höhnen, Sey getroft: Gott wird dich krönen, Der der Frommen Recht erhöht, Wenn der Sünder untergeht. 8. Ach, es kommen schwere Tage, kommen sie auch nicht sogleich; Auf die Sünder wartet Plage, Angst und Fluch im Todtenreich. Aber Gott 5. Thue gutes nur und bleibe Ju weiß der Gerechten Sache herrlich der Demuth, sanft und mild; Was durchzufechten; Heil beströmt sie nah der Glaube fordert, treibe; Gott ist und fern, Denn sie stehen in dem seiner Kinder Schild; Muß der Herrn! Lehmus, g. 1707 † 1788. sanfter Hand Ein Hirt durchs Pilgerland Der dunkeln Erde, Uns, seine kleine Heerde. Hallelujah! 7. Einen Stolzen sah ich prangen, Wie ein grüner Lorbeer strotzt; Kaum war ich vorbeigegangen, Als er plötzlich ausgetrotzt. Er ist weg mit seinen Sünden, Weg, wer will ihn wieder finden? Hochmuth reichet nirgends zu; Bleibe fromm, so bleibest du. Mel. Auferstehn.( Pf. 23.) 72. Ja fürwahr, uns führt mit| Aus Sturm und Wellen Zur Kühlung leiser Quellen. Hallelujah! 4. Freundlich blickt sein Aug auf uns herab; Sein sanfter Hirtenstab Bringt Trost und Friede; Er wachet sich nicht müde. Hallelujah! 5. Ja fürwahr, er ist getreu und gut! Auch unsre Heimath ruht In seinen Armen. Sein Name ist Erbarmen! Hallelujah! F. A. Krummacher, g. 1767 † 1845. 2. Wenn im Dunkel auch sein Häuflein irrt, Er wacht, der treue Hirt, Und läßt den seinen Ein freundlich Sternlein scheinen. Hallelujah! 3. Sicher leitet aus des Todes Graun Er uns auf grüne Au'n, B. Schöpfung, Erhaltung, Regierung. Miel. Gott des Himmels.( br. 10, 35. 36.) 73. Unerforschlich sey mir im mer Meines Gottes Weg und Rath, Und die Nacht sey ohne Schimmer, Die mich hier umschattet hat; Ist doch alles was er thut, Wie's auch scheine, weis und gut.( 3ef. 45, 15.) 2. Sollt ich das von Gottmur loben, 5. Hier in meinem Pilgerstande Wo auch ich schon Weisheit seh? Sey mein Theil Zufriedenheit; Dort Ifts nicht ein Geschenk von oben, in meinem Vaterlande Wohnt die Wenn ich seinen Weg versteh? Fre- wahre Seligkeit. Find ich dort gewiß velt nicht wer öfters flagt, Daß ihm Gott mehr Licht versagt? mein Heil, O so sey mein Weg hier steil! 3. Soll ein Vater unterlaffen Was dem Kinde Thorheit ist? Wiffe, Mensch, Berklärte faffen Das wo du im Dunkeln bist! Hier sollst du dem Herrn vertraun, Glauben hier, und dort erst schaun. 74. Mein Gott, wie bist bu so verborgen, Wie ist dein Nath so wunderbar! Was helfen alle meine Sorgen? Du haft gesorget eh ich war. Mein Vater, führ mich immerdar, Nur selig, wenn auch wunderbar. 2. Kein Mensch kann, Herr, dein Antlitz sehen, Wir blicken dir nur hinten* nach; Was du bestimmt, das muß geschehen Bei unsrem Glück und Ungemach. Mein Vater, führ mich immerdar, Nur selig, wenn auch wunderbar. 2 Mof. 83, 23. 3. Herr! wer kann deinen Rath ergründen? Dir bleibt allein der Weisheit Preis! Du kannst viel tausend Wege finden, Wo die Vermunft nicht einen weiß. Mein Vater, führ mich immerdar, Nur selig, wenn auch wunderbar. Evangelisches Gefangbuch. 49 4. Soll er deine Wünsch erheben Zu Beherrschern seiner Welt? Soll der Heilige dir geben Was den Lüften nur gefällt? Wohl uns, wenn er nicht gewährt Was ein thöricht Herz begehrt! Mel. Wer nur den lieben.( Jef. 45, 15. 55, 8. 9.) 6. Wenn du auch auf rauhen Wegen Wandelst, Seele, klage nicht! Was hier schmerzet, wird dort Segen; Was hier Nacht ist, wird dort Licht. Dann erst faß ich Gottes Sinn, Wenn ich ganz vollendet bin. Cramer, g. 1723 † 1788. 4. Gott! deine heiligen Gedanken Sind himmelweit von Menschenwahn; Drum leite mich in deineit Schranken Und führe mich aufrechter Bahn. Mein Vater, führ mich im merdar, Nur selig, wenn auch wunderbar. 5. Dir will ich mich ganz überlaffen Mit allem was ich hab und bin; Ich werfe, was ich nicht kann fassen, Auf deine Macht und Weisheit hin. Mein Vater, führ mich immerdar, Nur selig, wenn auch wunderbar. 6. Hilf, daß ich nie von dir mich kehre, In Glück und Unglück, Frend und Leid. Schick alles, Herr, zu deiner Ehre Und meiner Seele Seligkeit. Ja, Bater, fülhr mich immerdar, Nur selig, wenn auch wunderbar. Nach Sal. Frand, g. 1669 1725, 50 II. Lieder von Gott. Engel. Viel. O du liebe meiner Liebe.( Matth. 18, 10. Luc. 15, 10. Ebr. 1, 14.) 75. Um die Erd und ihre Kin-| 3. O wer wollte sich nicht scheuen der Schwebet still die Geisterwelt. Vor der stillen Uebelthat? Nicht mit Einst nach der Vollendungsstunde, Scham zurüldketreten Vom verborg Wenn der dichte Schleier fällt, Einft, nen Sündenpfad? Ist es möglich, wenn wir hinüberschwebenlleber diese daß der Pilger Sein erhabnes Ziel Sterbenszeit, Reichen Brüder uns vergißt, Wenn ihn der Gedanke die Hände, Brüder in der Ewigkeit. rühret, Daß er unter Engeln ist? 2. Reine Wesen, Himmelskinder, Schön in erger Heiterkeit! Ach, der Glaube ist so selig, Daß ihr unsre Freunde seyd, Daß euch unser Schicksal rühret, Daß ihr uns zur Seite steht, Unfre frommen Wünsche segnet Und des Sünders Thränen ſeht! 4. Auf, mein Geist, in jene Welten, Wenn die Erde dich umstrickt! Auf, zu jenen Freigebornen, Wenn dich deine Knechtschaft drückt! Strebe muthig zu dem Ziele, Aus der Fin sterniß zum Licht! Gett und Engel sind dir nahe, Kämpfe, ringe, weiche nicht! Eperl, um 1800 Mel. Nun ruben alle.( Pf. 91. Matth. 18, 8-10.) 76. Du, Herr der Seraphinen,| Himmelewach; Laß sie auf meinen Dem alle Engel dienen Und zu Ge- Wegen Die Hand mir unterlegen, bote stehn, Du wundergroßer Mei- So bleib ich frei von Ungemach. ster Der reinen Himmelsgeister, 5. Doch, sollen sie nicht weichen, Mein Mund soll deinen Ruhm er- So laß mich ihnen gleichen In wahhöhn! rer Heiligkeit. Wie sie die Kinder lieben Und sich in Demuth üben, So mach auch mich dazu bereit. 2. Die Fürsten und die Thronen, Die in dem Himmel wohnen, Gibst du zu meiner Wacht; Sie sehn dein Angesichte Im höchst vollkommnen Lichte, Doch nehmen sie auch mich in Acht. 6. Sie thun ja deinen Willen, Den laß auch mich erfüllen; Sie leben keusch und rein; O laß mich nichts beflecken, Und mich an allen Eden 3. Ich preise deine Güte Mit dauk- Stets diese reinen Geister scheun! barem Gemüthe Für diese Wunder- 7. Zuletzt, Herr, wann ich scheide, schaar; Ich rühme deine Rechte Für diese deine Knechte, Die mich beschirmen vor Gefahr. So führe mich zur Freude Auf ihren Armen ein; Da werd ich dich erst loben und in dem Himmel droben Dir und den Engeln ähnlich seyn. Schmelf, g. 1672 † 1737, 4. Laß ferner mich behüten Vor aller Feinde Wüthen Durch diese III. Sünde und Erlösung. um III. Sünde und Erlösung. dag Mel. Herr Jesu Christ, bu böchstes.( 1 Mos. 3.) 77. Der ersten Unschuld reines| richte. Vergebens wülsch' es gern Glück, Wohin bist du geschieden? sich rein, Der Kläger ruft: die Du flohst, und kehrest nicht zurück Schuld ist dein; Und horch, der Mit deinem süßen Frieden! Dein Ewge richtet!" Edengarten blüht nicht mehr, Verwelft durch Sündenhauch ist er, Durch Menschenschuld verloren. 6. Die Strafe schont, o Sünder, nicht, Ihr Fuß wird nicht verziehen. Du flichest Gottes Aug und Licht, Und kannst ihm nicht entfliehen. Und dennoch lockt die Sünde noch Und drücket dich mit argem Joch, Wenn kein Erlöser rettet. 2. Ach, wider Gottes Prüfungswort Und den Befehl der Liebe Reißt bald zum Ungehorsam fort Die Macht bethörter Triebe! VomSchlangenwort der Lust versucht, Bergällt der Mensch durch ihre Frucht Sein Glück, sein Herz, sein Leben! 3. Frei will er seyn, sein eigner Gott, Will thun was ihn gelüstet, Bald auch mit Deutelei und Spott Zum bösen Schritt gerüstet! Die Unschuld flieht, und innre Schmach Folgt auf dem Fuß der Sünde nach Und flüchtet in das Dunkel. 51 7. Nehmt, was die Schrift euch lernen hieß, zu Herzen, wie zu Ohren: Der Unschuld blüht ihr Paradies; Durch Schuld geht es verloren! Der Flammencherub tritt bervor Und schließt des Paradieses Ther; Wer will den Cherub zwingen? 8. Heil, Heil, daß uns ein Held erschien, Ein Heiland allen Sündern! Den Schlangenkopf zertrat er kühn, Der Sünde Sieg zu hindern. Im Glauben nehmt den Netter an, führt euch seine Siegesbahn, Auf, kämpft an seiner Seite! 4. Wer kann mit schnödem Henchelspiel Vor Gott die Blöße decken? Wo bist du?"-rufts im Abendfühl,- ,, Umsonst ist dein Verstecken! Was thatst du?" ruft der alles sieht, Dem keine Nacht die Sünd entzieht, Der allgerechte Richter. 5. Ach, neu verjüngt sich fort und fort Des ersten Falls Geschichte! Das Herz, verführt durch Schlangenwort, Verfällt dem Schuldge- des ewgen Lebens! 9. Er führt ins Paradies zurüc Den schuldentladnen Schächer; Der Arge flieht vor seinem Blick Und zittert vor dem Nächer; Das Schwert des Cherubs droht nicht mehr; Voir neuen Eden winket her Der Baum Garve, g. 1763 † 1811 Eigene Mel.( Rom. 3 und 5. Luc. 11, 28.) 78. Durch Adams Fall ist ganz| Ohn Gottes Trost, Der uns erlöst verderbt Menschlich Natur und Wesen. Dasselbe Gift ist uns vererbt; Wir konnten nicht genesen Hat von dem großen Schaden, Dar. ein die Schlang Eva bezwang, Den 3ern auf sich zu laden. 52 III. Sünde und Erlösung. 2. Weils denn die Schlang dahin| verflucht, Sein Heil ist ihm noch gebracht, Daß Eva abgefallen Von ferne, Der Trost bei einem Men Gottes Wort, das sie veracht't, Und schen sucht, Und nicht bei Gott dem dadurch zu uns allen Gebracht den Herren. Denn wer ihm will Ein Tod, So war je noth, Daß uns ander Ziel Ohn diesen Tröster stenun Gott sollt geben Den lieben den, Den mag gar bald Satans Sohn Bom Gnadenthron, In dem Gewalt Mit seiner List erschrecken. wir möchten leben. 3. Wie uns hat eine fremde Schuld 7. Wer hofft auf Gott und dem vertraut, Wird nimmermehr zu In Adam all verhöhnet, So hat uus Schanden; Denn wer auf diesen eine fremde Huld In Christo all ver- Felsen baut, Ob ihm gleich stößt föhnet; Und wie wir all Durch zuhanden Biel Unfalls bie,- Hab Adams Fall Sind ewgen Tods ge- ich doch nie Den Menschen sehen storben, Also hat Gott Durch Christi fallen, Der sich verläßt Auf Gottes Tod Erneut was war verdorben. Trost; Er hilft den Gläubgen allen. 4. So er uns nun den Sohn geschenkt, Da wir noch Feinde waren, Der für uns ist ans Kreuz gehenkt, Getödtet, aufgefahren, Auf daß wir sey'n Bon Tod und Pein Erlöst, so wir vertrauen Auf diesen Hort, Des Vaters Wort, Wem wollt vor'm sterben grauen? 8. Ich bitt, o Herr, aus Herzensgrund, Du wollst nicht von mir nehmen Dein heiligs Wort aus meinem Mund, So wird mich nicht be schämen Mein Sünd und Schuld; In deine Huld Sekz ich all mein Vertrauen, Wer sich nur fest Darauf verläßt, Der wird den Tod nicht schauen. 5. Er ist der Weg, das Licht, die Pfort, Die Wahrheit und das Leben, Des Vaters Rath und ewigs Wort, Den er uns hat gegeben zu einem Schuß, Daß wir mit Trutz An ihn fest sollen glauben; Darum uns bald Kein Macht noch G'walt Aus seiner Hand wird rauben. 6. Der Mensch ist gottlos und 9. Herr! meinen Füßen ist dein Wort Ein Licht, deß acht' ich gerne, Es weiset auf den Weg mich fort; So dieser Morgensterne In uns aufgeht, So bald versteht Der Mensch die hohen Gaben, Die Gottes Geist Gewiß verheißt, Wenn wir die Hoff nung haben. Spengler, g. 1479 † 1534. Mel. Erhalt uns, Herr.( Hieb 14, 1.2. Joh. 8, 12.) 79. Was sind wir arme Men-| allein! Seit sich der Mensch vom schen hier? Gleich einem Schatten Licht verlor, Seitdem steht ihm der fliehen wir; Je größer sich der Schat- Tod bevor. ten macht, Je früher bricht herein die Nacht. 2. Woher kommt solches Flüchtigseyn? Von unsrem Abfall kommts 3. Doch fürchtet sich der Glaube nicht; Er weiß ein andres Lebenslicht: Wenn Jesus in die Seele scheint, So wird man mit dem Licht vereint. III. Sünde und Erlösung. 4. Bleibt eine Scele ohne dieß,| nah; Was finster ist vertreib allda. So bleibt sie in der Finsterniß, Wo- Liebt gleich die Welt die Finsterniß, raus sie auch an jenem Zag Nicht Mach meinen Gang im Licht gewiß. zu dem Licht gelangen mag. 5. O ewges Licht! ich bitte dich: Erlenchte und belebe mich Noch hier durch deiner Gnade Schein, Ein wahres Kind des Lichts zu seyn. 6. Sey du stets meinem Herzen 7. Dann schließ ich sterbend einst voll Ruh, Als Kind des Lichts, die Augen zu, Und im erwachen schan ich dann Dein Licht mit klaren Augen all. 53 Ph. Fr. Hiller, g. 1699+ 1769. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht.( Rom. 7, 18-25. Gal. 5, 16 c. 24 2c. Jerem. 17, 14.) 80. Hilf, Erbarmer, schaue her,| 6. Aber eilig fliehn dahin Diese Höre meines Herzens Klage! Ich bin arm und gnadenleer, Stündlich drückt mich neue Plage; Selbstsucht, Stolz, und Unverstand Reißen mich aus deiner Hand. himmlisch süßen Stunden; Mein erschrockner, blöber Sinn Fühlet schmerzlich neue Wunden, Kämpft mit Dürre, Lauigkeit, Sinft zurück in Sicherheit. 2. Wann erscheint der Tag einmal, Daß ich dich nicht mehr betrübe Und schon hier im Pilgerthal Dich mit festem Herzen liebe? Wann zerbricht die böse Kraft Der verkehrten Leidenschaft? 3. Seufzend such ich neue Huld: Schenke mir des Geistes Stärke; Hebe durch dein Blut die Schuld, Bane deine Gnadenwerke Doch in wir recht dauernd auf; Fördre metnen Glaubenslauf! 7. Bald flammt eignes Fener auf, Von Naturkraft angeblasen; Bald hemmt meinen Himmelslauf Ungeduld, des Zornes Nasen, Kleinmuth, Angst, Verschloffenheit, Menschenfurcht und Blödigkeit. 8. Oft wenn ich vom Fall erstand, Fiel ich unvermuthet wieder; Mich erhebet Gottes Hand, Und ich sinke neu danieder; Und der Fleischessinn zerreißt, Was erbauet hat der Geift. 4. Oft erscheinen mir zum Trost 9. Dir, mein Heiland, sey's geStunden, da ich dich empfinde, Da tlagt, Wie der Todesleib mich drüber Feind, umsonst erbost, Drehet det! Traurig hab ich oft gefragt, deinem armen Kinde, Da den schar- Kummervoll in Staub gebücket: D fen Kampf und Krieg Deine All- wer löset endlich noch Mich von diemacht frönt mit Sieg; sem Todesjoch? 5. Da der neu belebte Geist, Heiß in Lob und Dank entzicket, Sich gewaltig dem entreißt Was ihm oft das Ziel verrücket; Da des neuen Lebens Glanz Ihn mit Sehnsucht füller ganz. 10. Du, Herr Jesu, mußst esthun; Siehe meine Kräfte schwinden! Wie ich bin, kann ich nicht ruhn, Tilge du die Macht der Sünden; Führe mich an deiner Hand, Bringe mich ins Vaterland! III. Sünde und Erlösung. Mel. Herzlich thut mich.( Joh. 14, 6.) 81. Aus irdischem Getümmel,| heit, Die alles uns erhellt, Denn Christus ist die Wahrheit, Er ist das Licht der Welt. 3. Wer gibt uns hier schon Freuden, Die niemand rauben kann? Wer zeiget uns im Leiden Den Himmel aufgethan? Wenn vor dem Tod wir beben, Wer gibt dem Herzen Ruh? Heil! Christus ist das Leben, Führt uns dem Vater zu. Asschenfeldt, g. 1792. 54 Wo nichts das Herz erquickt, Wer zeigt den Weg zum Himmel, Dahin die Hoffnung blickt? Wer leitet unser Streben, Wenn es das Ziel vergißt? Wer führt durch Tod zum Leben? Der Weg heißt Jesus Christ. 2. Hier irren wir und fehlen, Gehüllt in tiefe Nacht. Durch wen wird unsern Seelen Ein wahres Licht gebracht? Von oben kommt die KlarViel. Jesu, Kraft der blöden Herzen; ober: Herr, ich habe mißgehanvelt. ( Eph. 2, 12-18. 2 Theff. 1, 11 2c. Jef. 45, 23 2c.) 82. Ach, was sind wir ohne| Sey in Finsterniß das Licht, Deffne unfre Herzensaugen, Beig dein freundlich Angesicht; Spiel, o Sonn, mit Lebensblicken, So wird sich das Herz erquicken. Jesus? Dürftig, arm und jämmerlich! Ach, was sind wir? voller Elend! Jesu, ach erbarmte dich! Laß dich unsre Noth bewegen, Die wir dir vor Augen legen. ( Off. 3, 17.) 6. Tritt den Satan, starker Jesu, Unter unsern schwachen Fuß. Komm zu mir auch eingegangen Mit dem holden Friedensgruß, Daß ich Himmelsfreude spüre, Und kein Leid mich mehr berühre. 2. Ohne dich, getreuer Jesu, Ist hier alles Finsterniß Und gequält mit steten Schmerzen Durch derSünde giftgen Biß. Mein Gewissen ist erwachet, Und der Abgrund flammt und frachet! 3. Ohne dich, geliebter Jesu, Kommt man nicht durch diese Welt, Welche fast auf allen Wegen Unsern Füßen Netze stellt; Sie kann trotzen und fann heucheln und hält uns mit ihrem Schmeicheln. 7. Laß den Geist der Kraft, Herr Jesu, Geben unsrem Geiste Kraft, Daß wir brünstig dir nachwandeln Nach der Liebe Eigenschaft; Ach Herr! mach uns selber tüchtig, So ist unser Leben richtig. 4. Ach wie kraftlos, theurer Jesu, 8. Dann wird Lob und Dank, Richten sich die Kranken auf! Unsre Herr Jesu, Schallen aus des Her Macht ist lauter Unmacht In dem zens Grund, Dann wird alles trimüden Lebenslauf; Denn man sieht umphiren, Und dir fingen Herz und uns, da wir wallen, Defters strau- Mund; Dann wird auf der ganzen cheln, oftmals fallen. 5. Darum stärk uns, liebster Jesu, Erden Jesus hochgelobet werden! Lackmann, † 1713. Eigene Mel, oder: Es ist das Heil.( Ser. 14, 8. 1 Joh. 5, 12. Apoftg. 4, 12.) 83. Such, wer da will, Ein| Mein Herz allein Bedacht soll seyn, ander Ziel, Die Seligkeit zu finden; Auf Christum sich zu gründen. Sein III. Sünde und Erlösung. 55 Wort ist wahr, Sein Werk ist flar;| Sucht ihn allein, Denn wohl wird Sein heilger Mund Hat Kraft seyn Dem der ihn herzlich ehret! und Grund, Den Feind zu überwinden. 4. Mein höchster Ruhm, Mein Eigenthum Sellst du, Herr Jesu, bleiben! Laß mich doch nicht Von deinem Licht Die Eitelkeit vertreiben. Wer dich nicht läßt, Der stehet fest; Wer treu dich liebt Und dein Wort übt, Deß Grund wird nie zerstäuben. 5. Wend von mir nicht Dein Angesicht, Laß mich im Kreuz nicht zagen; Weich nicht von mir, Du höchste Zier, Hilf mir mein Leiden tragen. Hilf mir zur Freud Nach diesem Leid; Hilf, daß ich mag Nach aller Klag Dort ewig Lob dir sagen! Weissel, g. 1590 † 1635. 2. Such, wer da will, Nothhelfer viel, Die uns doch nichts erworben; Hier ist der Mann, Der helfen kann, Bei dem nie was verdorben; Uns wird das Heil Durch ihn zu Theil, Uns macht gerecht Der treue Knecht, Der für uns ist gestorben. ( Jef. 52, 18. Cap. 53.) 3. Ach sucht doch den, Laßt alles stehn, Die ihr das Heil begehret! Er ist der Herr, Und keiner mehr, Der euch das Heil gewähret; Sucht ihn all Stund Von Herzensgrund, Mel. Jefu, hilf fiegen.( Pf. 24, 8 c. 1 Tim. 1, 15. Hebr. 9, 11-15.) 84. Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude! Er, der von Anfang gewesen, ist da; Gottheit und Menschheit vereinen sich beide; Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah! Himmel und Erde, erzählets den Heiden: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden! 2. Jesus ist kommen! Nun springen die Bande, Stricke des Todes, die reißen entzwei. Jesus erlöst uns vom knechtischen Stande, Er, der Sohn Gottes, er machet recht frei, Bringt uns zu Ehren aus Sünd und aus Schande; Jesus ist kommen, nun springen die Bande!( 30h. 8, 88.) 3. Jesus ist kommen, der König der Ehren; Himmel und Erde, rühmt seine Gewalt! Dieser Beherrscher kann Herzen bekehren, Deffnet ihm Thüren und Thore fein bald. | Denkt doch, er will euch die Krone gewähren; Jesus ist kommen, der König der Ehren! 4. Jesus ist kommen, ein Opfer für Sünden; Sünden der ganzen Welt träget dieß Lamm, Sündern die ewge Erlösung zu finden, Litt es und starb es am blutigen Stamm. Abgrund der Liebe, wer kann dich ergründen? Jesus ist kommen, ein Opfer für Sünden! an a 5. Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden; Komme, wen dürftet, und trinke, wer will! Holet filr euren verderblichen Schaden Heilung aus dieser unendlichen Füll! Alle Verlornen sind hieher geladen; Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden! 6. Jesus ist kommen, sagts aller Welt Enden; Eilet, ach eilet zum III. Sünde und Erlösung. Gnadenpanier! Schwöret ihm Trene| o Jesu, du wollst uns vollenden! mit Herzen und Händen, Sprechet: Jesus ist kommen, sagts aller Welt wir leben und sterben mit dir! Amen, Enden! 56 Mel. Freu bich febr.( Sob. 3, 16. Rom. 8, 32. Marc. 16, 16.) 85. Emge Liebe! mein Gemüthe| Gibst du deinen heilgen Geist, Der Waget einen kühnen Blick In den da mächtig in uns schwachen Seine Abgrund deiner Güte; Send ihm Gotteskraft erweist. Denen, die geeinen Blick zurück, Einen Blick voll beuget stehn, Die ihr Unvermögen Heiterkeit, Der die Finsterniß zer- sehn Und zum Thron der Gnade eilen, strent, Die mein blödes Auge drü- Kommst du reichlich mitzutheilen. det, Wenn es nach dem Lichte blicket. 2. Ich verehre dich, o Liebe, Daß du dich beweget hast Und aus einem freien Triebe Den erwünschten Schluß gefaßt: Der im Fluch versenkten Welt Durch ein theures Lösegeld, Durch des eignen Sohnes Sterben, Gnad und Freiheit zu er6. Du tilgst niemand zum Ver derben Ohne Grund aus deinem C Buch; Die in ihren Sünden ster ben, Laden selbst auf sich den Fluch. Wer nicht glaubt an deinen Sohn, Der hat ewgen Tod zum Lohn; Sein muthwillig Widerstreben Schließt ihn aus von Heil werben. und Leben. 3. D ein Rathschluß voll Erbar7. Liebe! laß mich dahin streben, men, Voller Huld und Freundlich- Meines Heils gewiß zu seyn; Nichte feit, Der solch einer Welt voll Armen Gnade, Trost und Hülfe beut! Liebe, die den Sohn nicht schont, Der in ihrem Schoose wohnt, Um die Sünder zu erretten Aus den schweren Sündenfetten! selbst mein ganzes Leben So nach deinem Willen ein, Daß des Glaubens Frucht und Kraft, Den dein Geist'in mir geschafft, Mir zum Zengniß dienen möge, Ich sey auf dem Himmelswege. 8. Laß mich meinen Namen schauen In dem Buch des Lebens stehn; Alsdann werd ich ohne Grauen Selbst dem Tod entgegen gehn; Keine Kreatur wird mich, Als dein Erbgut, ewiglich Deiner Hand entreißen können Noch von deiner Liebe trennen. Rambach, g. 1693 † 1735. RO 4. Du hast auch, o weise Liebe, Einen Weg dazu bestimmt, Darauf sich ein jeder übe, Der am Segen Antheil nimmt: Wer nur an den Mittler gläubt Und ihm treu ergeben bleibt, Der soll nicht verloren gehen, Sondern Heil und Leben sehen. 5. Diesen Glauben anzufachen, also posit daß Eigene Mel.(! Tim. 2, 4-6.) 86. Nun frent ench, liebe Chri-| Was Gott an uns gewendet hat steng'mein', Und laßt uns fröhlich springen, Daß wir getroft und all in Ein' Mit Lust und Liebe singen, Gar und seine süße Wunderthat; theur hat ers erworben. 2. Dem Teufel ich gefangen lag, III. Sünde und Erlösung. 57 gieng in meiner armen G'stalt, Den Teufel wollt er fahen. Im Tod war ich verloren; Mein heimlich führt' er sein Gewalt, Er Sünd mich quälte Nacht und Tag, Darin ich war geboren; Ich fiel auch immer tiefer brein, Es war kein guts am Leben mein, Die Sünd hat mich beseffen. 7. Er sprach zu mir: ,, halt dich an mich, Es soll dir jetzt gelingen; Ich geb mich selber ganz für dich, Da will ich für dich ringen; Denn ich bin dein, und du bist mein, Und wo ich bleib, da sollst du seyn, Uns soll der Feind nicht scheiden." 11 8. Bergießen wird er mir mein Blut, Dazu mein Leben rauben; Das leid ich alles dir zu gut, Das halt mit festem Glauben. Den Tod verschlingt das Leben mein, Mein' Unschuld trägt die Slinde dein; Da bist du selig worden." 9. ,, Gen Himmel zu dem Vater mein Fahr ich von diesem Leben; Da will ich seyn der Meister dein, Den Geist will ich dir geben, Der dich in Trübniß trösten soll Und lehren mich erkennen wohl Und in der Wahrheit leiten." 3. Mein gute Werk, die galten nicht, Es war mit ihn'n verdorben; Der frei Will haßte Gottes G'richt, Er war zum Gut'n erstorben; Die Angst mich zu verzweifeln trieb, Daß nichts denn sterben bei mir blieb; Zur Hölle mußt ich sinken. 4. Da jammert' Gott von Ewigfeit Mein Elend ohne Maßen; Er dacht an sein Barmherzigkeit Und wollt mir helfen laffen; Er wandt zu mir das Vaterherz, Es war bei ihm fürwahr kein Scherz: Er ließ sein bestes fosten. 77 5. Er sprach zu seinem lieben Sohn: Die Zeit ist, zu erbarmen; Fahr hin, mein's Herzens werthe Kron, Und sey das Heil dem Armen: Hilf ihm aus seiner Sünden Noth, 10. ,, Was ich gethan hab und geErwürg für ihn den bittern Tod lehrt, Das sollt du thun und lehUnd laß ihn mit bir leben!" seren, Damit das Reich Gott's werd vermehrt Zu seinem Lob und Ehren; Und hüt dich für der Menschen G'satz, Davon verdirbt der edle Schatz; 6. Der Sohn dem Vater g'horsam ward, Er kam zu mir auf Erden Von einer Jungfrau rein und zart, Er wollt mein Bruder werden. Gar| Das laß ich dir zuletze!" Luther, g. 1483 † 1546. Mel. Die Tugend wird.( ph. 2, 5-7. br. 2, 14. 15.) 87. Was wär ich ohne Dich| mein Herz sich tief betrübte, Wem gewesen? Was würd ich ohne Dich nicht seyn? 3n Farcht und Nengsten auserlesen, Stünd ich in weiter Welt allein! Nichts wüßt ich sicher, bas ich liebte; Die Zukunft wär tin dunkler Schlund, Und wenn thät ich meine Sorge kund? 2. Einsam verzehrt von Lieb und sehnen, Erschien' mir nächtlich jeder Tag; Ich folgte nur mit heißzen Thränen Dem wilden Lauf des Lebens nach; Ich sände Unruh im III. Sünde und Erlösung. Getümmel Und hoffnungslosen| es helle, So war nur Unruh der Gram zu Haus; Wer hielte ohne Gewinn. Ein eisern Band hielt an Freund im Himmel, Wer hielte da der Erde Die bebenden Gefangnen auf Erden aus? feft; Furcht vor des Todes Richterschwerte Verschlang der Hoffnung Ueberrest. 3. Hat Christus mir sich fund gegeben, und bin ich seiner erst gewiß, Wie schnell verzehrt ein lichtes Leben Die bodenlose Finsterniß! Für alle seine tausend Gaben Bleib ich sein demuthvolles Kind, Gewiß, ihn unter uns zu haben, Wenn zwei auch nur versammelt sind. 4. O geht hinaus auf allen Wegen Und holt die Irrenden herein; Stredt jedem eure Hand entgegen Und ladet froh sie zu uns ein! Der Himmel ist bei uns auf Erden, Im Glauben schauen wir ihn an; Die Eines Glaubens mit uns werden, Auch denen ist er aufgethan. 5. Das Herz, des Lebens reichste Quelle,- Ein böses Wesen wohnte drin; Und ward in unfrem Geist 58 6. Da kam ein Heiland, ein Be freier, Ein Menschensohn voll Lieb und Macht, und hat ein allbelebend Feuer In unsrem Innern angefacht. Nun sahn wir erst den Himmel of fen, Als unser altes Vaterland, Wir lernten glauben nun und hof fen Und fühlten uns mit Gott verwandt. 3. Glanz der Herrlichkeit! Du bist vor der Zeit Zum Erlöser uns geschenket Und in unser Fleisch ver-| senket Nach erfüllter Zeit, Glanz der Herrlichkeit! 4. Großer Siegesheld! Tod, Sünd, 7. Noch steht in wundersamem Glanze Der heilige Geliebte hier; Gerührt von seinem Dornenkranze und seiner Treue, weinen wir. Ein jeder Mensch ist uns willkommen, Der seine Hand mit uns ergreift Und, in sein Herz mit aufgenommen, 3ur Frucht des Paradieses reift. Novalis, g. 1772 † 1801. Mel. Seelenbräutigam.( Joh. 10, 11. Rol. 1, 19. 20.) 88. Wer Ser ist wohl wie du, Je-| Höll und Welt Hast du herrlich übersu, süße Ruh? Unter vielen auser wunden, Und ein ewig Heil erfun foren, Leben derer die verloren, den Für die Sünderwelt Durch dein Und ihr Licht dazu, Jesu, süße Blut, o Held! Ruh! 2. Leben, das den Tod, Mich aus aller Noth zu erlösen, hat geschmecket, Meine Schulden zugedecket Und mich aus der Noth Hat geführt zu Gott! 5. Höchste Majestät, Priester und Prophet! Deinen Scepter will ich küffen, Ich will sitzen dir zu Füßen, Wie Maria thät, Höchste Majestät! 6. Laß mich deinen Ruhm, Als dein Eigenthum, Durch des Geistes Licht erkennen, Stets in deiner Liebe brennen, Als dein Eigenthum, Allerschönster Ruhm! 7. 3euch mich ganz zu dir, Daß dein Lieben mir Ganz durchströme Herz und Sinne, Und mein Elend IV. Adventlieder. ganz zerrinne, Süßes Heil, in dir;| Seele gib, Wohne du in mir. 8. Deiner SanftmuthSchild, Deiner Demuth Bild Mir anlege, in mich präge, Daß kein Zorn noch Stolz sich rege; Denn vor dir nichts gilt Als dein eigen Bild. 9. Steure meinem Sinn, Der zur Welt will hin; Daß ich nicht mög von dir wanken, Sondern bleiben in den Schranken, Sey du mein Gewinn, Gib mir deinen Sinn. 10. Wecke mich recht auf, Daß ich meinen Lauf Unverrückt zu dir fortsetze, Und mich nicht in seinem Netze Satan halte auf; Fördre meinen Lauf. 11. Deines Geistes Trieb In die jahr Macht wiederum aufs neue Mit reichem Segen offenbar Des großen Gottes Treue; Von neuem will er seinen Bund, Den alten, ewgen, Glaubensgrund, Durch seinen Geist uns lehren. 59 Daß ich wachen mög und beten, Freudig vor dein Antlig treten; Ungefärbte Lieb In die Seele gib. 12. Wenn der Wellen Macht In der trüben Nacht Will des Herzens Schifflein decken, Wollst du deine Hand ausstrecken; Habe auf mich Acht, Hüter in der Nacht! 13. Einen Heldenmuth, Der da Gut und Blut Gern um deinetwillen lasse Und des Fleisches Lüste hasse, Gib mir, höchstes Gut, Durch dein theures Blut. IV. Adventlieder. Mel. Nun freut euch.( Rol. 3, 16 2c. Pf. 28, 9.) 89. Gottlob! ein neues Kirchen-| unsern eignen Ruhm dahin, Denn sie bewies den alten Sinn Noch stets mit neuen Sünden. 2. Auf, Zion! Preis und Ehr und Ruhm Dem höchsten Gott zu fingen; Dein königliches Priesterthum Muß Dank zum Opfer bringen. Gelobt sey Gott, der durch sein Wort Die Christenheit und diesen Ort Zu seinem Tempel weihet! 3. Wir sind nicht werth der neuen Huld Des Gottes aller Gnaden. Des alten Menschen alte Schuld, Die wir auf uns geladen, Nimmt 14. Solls zum sterben gehn, Wollst du bei mir stehn, Mich durchs Todesthal begleiten Und zur Herrlichkeit bereiten, Daß ich einst mag sehn Mich zur Rechten stehn. Freylinghausen, g. 1670+ 1739. 4. Ach Herr! gib uns den neuen Geist, Daß wir durch deine Güte, Die sich an uns aufs neu erweist, Erneuert im Gemüthe, Den neuen Menschen ziehen an, Der dir allein gefallen kann In seinem ganzen Leben. ( Eph. 4, 22 tc.) 5. Hiezu erhalt uns, Herr, dein Wort Samt Tauf und Abendmahle, So wandern wir mit Freuden fort In diesem finstern Thale. Herr! segne dieses Kirchenjahr, Laß Kirche, Schul, Tauf und Altar Uns deine Wege zeigen. 6. Gib deinen Hirten Kraft und 60 IV. Adventlieder. Geist Zu reiner Lehr und Leben,| Das Kirchenjahr auf Erden; Dabei Dein Wort, das Gottes Weide befehlen wir es dir, Wie wir es enheißt, Der Heerde rein zu geben. ben werden. Hier bleibt die Kirche Laß alle Hörer Thäter seyn, Damit noch im Streit, Kommt aber einst fein heuchlerischer Schein Des Glau die Ewigkeit, Dann wird sie trium bens Kraft verleugne. phiren.d 3019 Hecker, g. 1699 † 1743. 7. So halten und vollenden wir Mel. Aus meines Herzens.( Sachar. 9,9. Matth. 21, 8-11. 25, 1-13.) 90. Auf, auf, ihr Reichsge-| 4. So geht mit schnellen Schritten, nossen! Der König kommt heran; Empfaht ihn unverdroffen Auf sei ner Wunderbahn. Ihr Christen, geht herfür, Laßt uns vor allen Dingen Ihm Hosianna singen Mit heiliger Begier. Den König anzusehn, Dieweil er fommt geritten Start, herrlich, sanft und schön; Nun tretet all heran, Den Heiland zu begrüßen, Der alles Kreuz verfüßen Und uns erlösen kann. 2. Auf, ihr betrübten Herzen, Der König ist sehr nah; Hinweg all Angst und Schmerzen, Der Helfer ist schon da! Seht, wie so mancher Ort Hochtröstlich ist zu nennen, Da wir ihn finden können Im Nachtmahl, Tauf und Wort. 5. Der König will bedenken Die, so er herzlich liebt, Mit köstlichen Geschenken, Als der sich selbst uns gibt In seinem Geist und Wort. O König, hoch erhoben, Wir alle wollen loben Dich freudig hier und dort! 3. Auf, auf, ihr Vielgeplagten, 6. Nun, Herr, du gibst uns reichDer König ist nicht fern; Seyd fröhlich, Wirft selber arm und schwach lich, ihr Verzagten, Dort kommt der Morgenstern! Der Herr will in der Noth Mit reichem Trost euch speisen, Er will euch Hilf erweisen, Ja dämpfen gar den Tod. Und liebest unvergleichlich Und gehst den Sündern nach; Wir wollen dir allein Die Stimmen hoch erschwingen, Ein Hosianna fingen Und ewig dankbar seyn! Rift, g. 1607 † 1667. Mel. Jesus, meine Zuversicht.( Matth. 21, 5.) 91. Sieh, dein König komunt| ja dein Wort voran, Daß mein zu dir!" Seele, das sind frohe König kommen kann. Worte; Sprich: mein König, komm 3. Komm und räume alles aus zu mir, Sieh, ich öffne dir die Was du hasfest und mich reuet; Pforte, Zeuch mit deiner Sanftmuth| Komm und reinige dein Haus, Das ein, Was du findest, das ist dein! 2. Komm, ich bin dein Eigenthum Schon seit deinem Wasserbade; Komm, dein Evangelium Werde 4. Komm in deinem Abendmahl, mir ein Wort der Gnade; Du schickft| Das du uns zum Heil gegeben, die Sünde bat entweihet. Mache selbst mit deinem Blut Alles wieder rein und gut. IV. Adventlieder. 61 Daß wir schon im Erdenthal Mit| mit, Deinen Geist, der dich verklädir als im Himmel leben. Romm, ret, Der mich im Gebet vertritt Herr Jesu, leb in mir, Und mein Leben sey in dir! Und des Königs Willen lehret; Daß ich bis auf jenen Tag: ,, Komm, Herr Jesu!" rufen mag. 5. Komm und bring den Tröster Ph. Fr. Hiller, g. 1699+ 1769. Amor i ug ned mein Gott, Mein Tröster, groß von Rath! Mel. Macht hoch die Thür.( Ps. 68, 5. Pf. 24. Marct 11, 1-10.) 92. Macht hoch das Thor, die| lauter Heil und Wonn. Gelobet sey Thüren weit: Es kommt der Herr der Herrlichkeit, Ein König aller Königreich, Ein Heiland aller Welt zugleich, Der Heil und Leben mit sich bringt; Deßhalb mit frohem Jauchzen fingt: Gelobet fey mein Gott, Mein Schöpfer, reich an Gnad! 2. Er ist gerecht, ein Helfer werth, Sanftmüthigkeit ist sein Gefährt, Sein Königsschmuck ist Heiligkeit, Sein Scepter ist Barmherzigkeit; All unsre Noth zum End er bringt; Deßhalb mit frohem Jauchzen singt: Gelobet sey mein Gott, Mein Heiland, stark von That! 4. Macht hoch das Thor, die Thüren weit, Das Herz zum Tempel sey bereit; Die Zweige der Gottseligkeit Stedt auf mit Andacht, Lust und Freud! So kommt der König auch zu euch, Bringt Heil und Leben mit zugleich. Gelobet sey mein Gott, Voll Rath, voll That, voll Gnad! ( 3er. 32, 18 tc.) 5. Komm, o mein Heiland, Jesu Christ! Des Herzens Thür dir offen ist; Ach zieh mit deiner Gnade ein, In Freundlichkeit auch uns erschein! Dein heilger Geist uns schirm und leit Den Weg zur ewgen Seligkeit! O Heiland, dir o Herr, Sey ewig Preis und Ehr! Weissel, g. 1590 † 1635. 3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt, Die diesen König bei sich hat! Wohl allen Herzen insgemein, Wo dieser König ziehet ein! Er ist die rechte Lebenssonn, Bringt mit sich Mel. Valet will ich.( Matth. 21, 1-9. Luca 19, 10. 4, 18 2c.) 93. Wie soll ich dich empfangen| Und deinem Namen dienen, So gut Und wie begegnen dir, O aller Welt Verlangen, O meiner Seele Zier? es kann und weiß. Jesu, Jesu, setze Mir selbst die Leuchte bei, Damit, was dich ergötze, Mir fund und helle sey! 2. Dein Zion streut dir Palmen Und grüne Zweige hin, Und ich will dir in Psalmen Ermuntern meinen Sinn; Mein Herze soll dir grünen In stetem Lob und Preis 3. Was hast du unterlaffen Zu meinem Trost und Freud, Als Leib und Seele saßen In ihrem größten Leid? Als mir das Reich genommen, Da Fried und Freude lacht, Da bist du, mein Heil, kommen Und hast mich froh gemacht. 4. Ich lag in schweren Banden, Du kommst und machst mich los; 62 IV. Adventlieder. Ich stund in Spott und Schanden, mit Willen, Ist voller Lieb und Luft, Du kommst und machst mich groß| All Angst und Noth zu stillen, Die Und hebst mich hoch zu Ehren Und ihm an euch bewußt. schenkst mir großes Gut, Das sich nicht läßt verzehren, Wie irgend Reichthum thut. 8. Auch dürft ihr nicht erschrecken Bor eurer Sündenschuld; Nein, Jesus will sie decken mit seiner Lieb und Huld. Er kommt, er kommt den Sündern Zu Trost und wahrem Heil, Schafft, daß bei Gottes Kindern Verbleib ihr Erb und Theil. 9. Was fragt ihr nach dem Schreien Der Feind und ihrer Tüd? Der Herr wird sie zerstreuen In einem Augenblick. Er fommt, er kommt, ein König, Dem aller Feinde Hand Auf Erden viel zu wenig Vermag zum Widerstand. 10. Er kommt zum Weltgerichte, Zum Fluch dem, der ihm flucht; Mit Gnad und süßem Lichte Dem, der ihn liebt und sucht. Ach komm, ach komm, o Sonne, Und hol uns allzumal zum ewgen Licht und Wonne In deinen Freudensaal! Gerharb, g. 1606 † 1676. 5. Nichts, nichts hat dich getrieben Zu mir vom Himmelszelt, Als dein geliebtes Lieben, Damit du alle Welt In ihren tausend Plagen und großer Jammerlast, Die kein Mund fann aussagen, So fest umfangen hast. 6. Das schreib dir in die Herzen, Du hochbetrübtes Heer, Bei denen Gram und Schmerzen Sich häufen mehr und mehr; Seyd unverzagt, ihr habet Die Hülfe vor der Thür: Der eure Herzen labet Und tröstet, steht allhier. 7. Ihr dürft euch nicht bemühen Noch sorgen Tag und Nacht, Wie ihr ihn wollet ziehen Mit eures Armes Macht; Er kommt, er kommit Eigene Mel.( Pf. 33, 4. Habak. 2, 3.) 94. Gott sey Dank in aller| Das du unter schwerer Last Für die Welt bereitet hast. 5. Sey willkommen, o mein Heil, Dir Hosjanna, o mein Theil! Richte dir auch eine Bahn, Herr, in meinem Herzen an. Welt, Der sein Wort beständig hält Und der Sünder Trost und Nath Zu uns hergesendet hat! 2. Was der alten Väter Schaar Höchster Wunsch und Sehnen war, Und noch mehr als sie erbat, Ward erfüllt nach Gottes Rath. 3. Hier ist mehr als Davids Sohn! Unvergänglich ist sein Thron! Licht der Seelen, ewges Heil Ward durch Jesum uns zu Theil. 6. Zeuch, bu Ehrenfönig, ein, Es gehöret dir allein, mach es, wie du gerne thust, Rein von aller Sündenluft. 7. Wie du huldreich, als du kamst, Unsre Rettung übernahmst; Also sey auch deine Treu Mir mit jedem 4. Menschenfreund, wie dank ichs bir! Schente dieses Heil auch mir, Morgen neu.#C** | IV. Adventlieder. 8. Deine Wahrheit leuchte mir,| Herz. Hilf zum treuen Tugendlauf Herr, bei allem was ich hier Zur Meiner Schwachheit mächtig auf; Befördrung meiner Ruh Denke, wünsche, wähl und thu. 10. Daß ich, wenn du, Lebensfürst, Herrlich wiederkommen wirst, Froh dir mög entgegensehn Und gerecht vor dir bestehn. Nach Held, um 1640. 9. Trifft mich Traurigkeit und Schmerz, Tröste dann mein zagend Mel. Vom Himmel hoch.( 4 Mof. 24, 17. Joh. 12, 36.) 95. Komm, Himmelsfürst, fomm, Wunderheld, Du Jakobs stern, du Licht der Welt! Laß abwärts flammen deinen Schein, Der du willst Mensch geboren seyn. 2. Komm an von deinem Himmelsthron, Wir harren dein, o Got tes Sohn! Komm, o du zwiefach edler Held, Geh muthig durch dieß Thal der Welt. 63 4. O höchster Fürst, dem Vater gleich, Besieg allhier des Fleisches Reich, Denn unser Geist, in Fleisches Haft, Sehnt sich nach deiner Himmelskraft. 5. Von deiner Krippe glänzt ein Strahl, Der leuchtet durch dieß finstre Thal, Er gibt der Nacht so hellen Schein, Der stets wird unverlöschlich seyn. 3. Du nahmest erdwärts deinen 6. Entzünd auch unsers Glaubens Lauf, Und stiegeft wieder himmel- Licht, Damit die Lieb erlösche nicht auf; Die Abfahrt war zum Todes Zu dir die ganze Lebenszeit, O Sonne thal, Die Rückfahrt war zum Ster- der Gerechtigkeit! nensaal. Joh. Franck, g. 1618 † 1677. men, In dieser Gnadenzeit, Weil unser Heil ist kommen, Der Herr der Herrlichkeit; Zwar ohne Stolz und Pracht, Doch mächtig zu verbeeren Und gänzlich zu zerstören Des Teufels Reich und Macht. 2. Kein Scepter, keine Krone Sucht er in dieser Welt; Im hohen Himmelsthrone Ist ihm sein Reich bestellt. Er will hier seine Macht Und Majestät verhüllen, Bis er des Baters Willen Im Leiden ganz vollbracht. 3. Ihr Mächtigen auf Erden, Mel. Aus meines Herzens.( Sachar. 2, 10. Sef. 42, 1-3. Pf. 2, 10-12.) 96. Nun jauchzet, all ihr From-| Nehmt diesen König an! Soll euch geholfen werden, So geht die rechte Bahn, Die führt zum Himmelslicht; Sonst, wo ihr ihn verachtet Und nur nach Hoheit trachtet, Ist nah das Strafgericht. 4. Ihr Armen und Elenden In dieser bösen Zeit, Die ihr an allen Enden Müßt haben Angst und Leid, Seyd dennoch wohlgemuth, Laßt eure Lieder klingen Und lobet Gott mit singen, Der euer höchstes Gut. 5. Er wird nun bald erscheinen In seiner Herrlichkeit Und ener Leid und weinen Verwandeln dann in 64 IV. Adventlieder. Freud; Er ists, der helfen kann.| stets sein gewärtig, Er ist schon auf Macht eure Lampen fertig Und seyd der Bahn! Mich. Schirmer, g. 1606 † 1673. ( Luc. 3, 4-6.) 3. Ein Herz, das Demuth liebet, Bei Gott am höchsten steht; Ein Herz, das Hochmuth übet, Mit Angst zu Grunde geht; Ein Herz, das richtig ist Und folget Gottes Leiten, Das kann sich recht bereiten, Zu dem kommt Jesus Christ. 4. Ach mache du mich Armen In dieser Gnadenzeit Aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit! Zeuch in mein Herz hinein Und wohn auf immer drinnen, So werden Herz und Sinnen Dir ewig dankbar seyn. Thilo, g. 1607+ 1662. Miel. Von Gott will ich. 97. Mit Ernst, ihr Menschen kinder, Das Herz in euch bestellt, Damit das Heil der Sünder, Der große Wunderheld, Den Gott aus Gnad allein Der Welt zum Licht und Leben Gesendet und gegeben, Bei allen tehre ein. 2. Bereitet doch fein tüchtig Den Weg dem großen Gast; Macht seine Steige richtig, Laßt alles was er haßt; Macht eben Bahn und Pfad, Die Thale rings erhöhet, Erniedrigt was hoch stehet, Was krumm ist macht gerad! Mel. Valet will ich dir geben.( Matth. 25, 1-13.) 98. Ermuntert euch, ihr From-| sieht die Bäume blühen,* Der men, Zeigt eurer Lampen Schein! schönste Frühlingsschein Verheißt Der Abend ist gekommen, Die Erquicungszeiten; Die Abendröthe finstre Nacht bricht ein; Es hat sich zeigt Den schönen Tag vom weiten, aufgemachet Der Bräutigam mit Davor das Dunkel weicht. Pracht; Auf! betet, fämpfet, wachet, Bald ist es Mitternacht. Matth. 24, 32 C. soub 5. Begegnet ihm auf Erden Ihr, die ihr Zion liebt, Mit freudigen Geberden Und seyd nicht mehr betrübt; Die ihr Geduld getragen Und mitgestorben feyd, Sollt nun nach Kreuz und Klagen Mitleben sonder Leid. 11.) 2. Macht eure Lampen fertig Und füllet fte mit Del Und seyd des Heils gewärtig, Bereitet Leib und Seel. Die Wächter Zions schreien: Der Bräutigam ist nah; Begegnet ihm in Reihen Und singt Hallelujah! 3. Ihr Flugen Jungfraum alle, Hebt nun das Haupt empor Mit jauchzen und mit Schale 3um frohen Engelchor. Die Thür ist auf geschlossen, Die Hochzeit ist bereit; Auf, auf, ihr Festgenoffen, Der Bräutgam ist nicht weit! 4. Er wird nicht lang verziehen, Drum schlafet nicht mehr ein! Man ( 2 Tim. 2, 6. Hier sind die Siegespalmen, Hier ist das weiße Kleid, Hier singt man Frendenpsalmen Im Frieden nach dem Streit; Hier steht nach Wintertagen Der Weizen wieder grün, Und die im Tode lagen, Sieht man zum Leben ziehn. 7. O Jesu, meine Wonne! Komm bald und mach dich auf, Geh auf, IV. Adventlieder. verlangte Sonne, Und fördre deinen Lauf! O Jesu! mach ein Ende Und führ' uns aus dem Streit; Wir he65 ben Haupt und Hände Nach der Erlösungszeit! Nun ruhen alle.( 1 Tim. 1, 15. Pf. 24, 7-10.) 99. Wie lieblich flingts ben| 5. Wie süß ist deine Lehre, Wie 3. Wie reich sind deine Gaben! Wie hoch bist du erhaben Auf deinem Königsthron! Ee singen, jauch zen, dienen Dir alle Seraphinen, Du wahrer Gott und Menschensohn. 4. Wie bist du von den Banden Des Grabes auferstanden, Haft Höll und Tod besiegt; Bist unter Himmelsschaaren So herrlich aufgefab ren, Vis alles dir zu Füßen liegt! Laurentii, g. 1660 † 1722. Ohren, Daß du bist Mensch ge- groß ist deine Ehre, Wie herrschest boren Und mein Erlöser bist! Wie du allein! Wer wollte nicht, o Kölieblich, wie erquickend, Wie selig, nig, In Ehrfurcht unterthänig Und wie entzückend Ist doch dein Name, gern in deiner Gnade seyn? Jefu Chrift! 2. Wie groß ist deine Stärke, Wie wunderbar die Werke, Wie heilig ist dein Wort! Wie ist dein Tod so tröstlich, Wie seine Frucht se köstlich, Mein Fels des Heils, mein Lebenshort! 6. ,, Erweitert Thor und Thüren, Laßt Ehrenpforten zieren, Empfangt ihu in der Welt Und jauchzet ihm entgegen, Damit zu eurem Segen Der Ehrenkönig Einzug hält!" 11 7. Wer ists, wer läßt sich hören Als König aller Ehren? Der Herr der Herrlichkeit! Der ist es, der kommt prächtig, Der Herr, der stark und mächtig, Der Herr, der Sieger ist im Streit." 8. Sey hochgelobt den Frommen! Du kommst, sey uns willkommen, Im Namen unsers Herrn! Der Herr ist Gott, der eine, Der uns bestrahlt alleine Als unser Licht und Morgenstern. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. meinen.( Luc. 19, 29 2c.) sperren, Doch du gewannft ihn ohne Schlacht. 2. O mächtger Herrscher ohne Heere, Gewaltger Kämpfer ohne Speere, D Friedensfürst von großer Macht! Oft wollten dir der Erde Herren Den Weg zu deinem Throne Evangelisches Gesangbuch. Mel. Der du das Loos von 100. Dein König kommt in niedern Hüllen, Sanftmüthig, auf ihn der Eflin Füllen, Empfang i Grden, Doch aller Erde Neiche wer3. Dein Reich ist nicht von dieser froh, Jerusalem! Trag ihm entgegen Friedenszweige, Bestreu mit Maien seine Steige; So ists dem Herren angenehm. den Dem, das du gründest, unterthan. Bewaffnet mit des Glaubens Worten, Zieht deine Schaar nach den vier Orten Der Welt hinaus und macht dir Bahn. 4. Und wo du kommest hergezogen, Da ebnen sich des Meeres Wegen, Es schweigt der Sturm, von 5 66 V. Weihnachtlieder. dir bedroht. Du kommst, auf den| nen Frieden, Dagegen sich die Welt enpörten Triften Des Lebens neuen empört. Bund zu stiften, Und schlägst in Feffel Sünd und Tod. 5. O Herr von großer Huld und Treue, D komme du auch jetzt aufs neue Zu uns, die wir sind schwer verstört! Noth ist es, daß du selbst hienieden Kommst, zu erneuen dei-| großen Vaters Haus! 6. O laß dein Licht auf Erden siegen, Die Macht der Finsterniß erliegen, Und lösch der Zwietracht Glimmen aus; Daß wir, die Völfer und die Thronen, Vereint als Brüder wieder wohnen In deines Rückert, g. 1789. Mel. Nun banket alle Gott.( Matth. 11, 2-6. Luc. 10, 23 2c.) 101. Er ist gekommen, er, Auf Arme seine Lehren, Und was er lehrt, ist Heil; Er ists: die Tauben hören, Der Blinde sieht und schaut Voll Dank zu Gett hinauf, Der Lahmen Füße gehn, Die Todten stehen auf. den die Bäter harrten, Und länger dürfen wir nun keines andern warten, Er, der Propheten Wunsch, Den Könige so gern Sehn wollten, er ist da, Wir haben ihn zum Herrn! 2. Uns ist der Sohn geschenkt, Er, 5. Er ist gekommen, uns Dem welcher kommen sollte, Der Völker| Vater zu versöhnen Und mit BarmLicht zu seyn, Der uns erlösen wollte; Er ist erschienen, dankt, Bringt Ruhm und Ehre her; Wer ist ein Helfer, wer Immanuel, als er?| chen Kraft, Der Müden Stärke seyn. herzigkeit Die Gläubigen zu krönen, Gott ist mit uns! er will Die Traurigen erfreun, Er will der Schwa3. Gott ist mit uns! wir sehn Den Sohn, den eingebornen, Des Vaters Herrlichkeit, Den Netter der Verlornen, Der Neuevollen Trost; Ihr Sünder, nehmt ihn an! Er ist allein der Herr, Der selig machen kann. 4. Gott ist mit uns! nun hört Der 6. Gott ist mit uns! er ist's, Auf den die Väter harrten; Lobfingt, wir dürfen nun Nicht eines andern warten; Er schließt den Himmel auf, Er nimmt die Sünder an; Frohlockt und betet ihn Und seinen Vater an! Cramer, g. 1723 † 1788. V. Weihnachtlieder. Mel. Der Tag, der ist so.( Jef. 9, 6.) 102. Hallelujah! denn uns ist| Wenn nicht zu unser aller Heil Dieß bent Ein göttlich Kind geboren; Von ihm kommt unsre Seligkeit, Wir wären sonst verloren. Am Himmel hätten wir nicht Theil, und Ehre. Kind geboren wäre. Liebster Hei land, Jesu Christ, Der du unser Bruder bist, Dir sey Lob, Preis ( Original: Ein Kindelein, so löbelich zc., oder: Der Tag, der ist so freuden reich zc., nach dem Lateinischen: Dies est lætitie etc., mehr als hundert Jahre ver Luther in kirchlichem Gebrauch.) V. Weihnachtlieder. Mel. O daß ich tausend Zungen.( Joh. 1, 4 c. Tit. 2, 11-14) 103. Dieß ist die Nacht, da mir erschienen Des großen Gottes Freundlichkeit; Das Kind, dem alle Engel dienen, Bringt Licht in meine Dunkelheit; Und dieses Welt- und Himmelslicht Weicht hunderttausend Sonnen nicht. 2. Laß dich erleuchten, meine Seele, Versäume nicht den Gnadenschein; Der Glanz aus dieser kleinen Höhle Streckt sich in alle Welt hinein, Er treibet weg der Trübsal Nacht, Der Sünden und des Todes Macht. 3. In diesem Lichte kannst du sehen Das Licht der klaren Seligkeit; Wann Sterne, Sonn und Mond 67 vergehen, Vielleicht in einer kurzen Zeit, Wird dieses Licht mit seinem Schein Dein Himmel und dein Alles seyn. 4. Laß nur indessen Helle scheinen Dein Glaubens- und dein Lebenslicht! Mit Gott mußt du es trenlich meinen, Sonst hilft dir diese Sonne nicht; Willst du genießen diesen Schein, So darfst du nicht mehr dunkel seyn. 5. Drum, Iefu, schöne Weihnachtsonne, Bestrahle mich mit deiner Gunst, Dein Licht sey meine Weihnachtwonne Und lehre mich die selge Kunst: Wie ich im Lichte wandeln soll Und sey des Weihnachtglanzes voll! Nachtenhöfer, g. 1624 † 1685. Mel. Vom Himmel hoch.( Ps. 118, 23. 24.) 104. Dieß ist der Tag, den| Auf den die Bäter hoffend sahn, Dich, Gott gemacht, Sein werd in aller Welt gedacht; Ihn preise was durch Jesum Christ Im Himmel und auf Erden ist. Gott, mein Heiland, bet ich an! 6. Du, unser Heil und höchstes Gut, Vereinest dich mit Fleisch und Blut, Wirst unser Freund und Bruder hier, Und Gottes Kinder werden wir. 5. Herr, der du Mensch geboren wirst, Immanuel und Friedefürst, 7. Gedanke voller Majestät, Du bist es, der das Herz erhöht! Gedanke voller Seligkeit, Du bist es der das Herz erfreut! 2. Die Völker haben dein geharrt, Bis daß die Zeit erfüllet ward; Da sandte Gott von seinem Thron Das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. 3. Wenn ich dieß Wunder fassen will, So steht mein Geist vor Ehrfurcht still, Er betet an und er er- 8. Durch Eines Sünde fiel die mißt, Daß Gottes Lieb unendlich ist. Welt, Ein Mittler ifts, der sie er 4. Damit der Sünder Gnad erhält; Was zagt der Mensch, wenn hält, Erniedrigst du dich, Herr der der ihn schützt, Der in des Vaters Welt, Nimmst selbst an unfrer Schooße sitzt? Menschheit Theil, Erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil. 9. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, Den Tag der heiligsten Geburt, Und Erde, die ihn heute sieht, Sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied. 68 V. Weihnachtlieder. 10. Dieß ist der Tag, den Gott| sum Christ gemacht, Sein werd in aller Welt Erden ist! gedacht Ihn preise was durch JeEigene Mel.( Luc. 2, 10. 11. Röm. 8, 31-34.) 105. Fröhlich soll mein Herze| Liebt ihn, der vor Liebe brennet, Schaut den Stern, Der euch gern Licht und Labsal gönnet. springen Dieser Zeit, Da vor Freud Alle Engel singen. Erd und Himmel, nehmts zu Ohren! Jauchzend ruft Alle Luft: Christus ist geboren! 2. Sollt uns Gott nun können hassen, Der uns gibt, Was er liebt Ueber alle Maßen? Gott gibt, uns rem Leid zu wehren, Seinen Sohn Von dem Thron Seiner Macht und Ehren. 7. Die ihr schwebt in großen Leiden, Sehet, hier Ist die Thür Zu den wahren Freuden. Faßt ihn wohl, er wird euch führen An den Ort, Da hinfort Euch kein Kreuz wird rühren. 3. Sollte von uns seyn gefehret, Der sein Reich und zugleich Sich uns selbst bescheret? Sollt uns Gottes Sohn nicht lieben, Der erschien Und nimmt hin Was uns will betrüben? 4. Er nimmt auf sich was auf Erden Wir gethan, Gibt sich dran, Unser Lamm zu werden; Unser Lamm, das für uns stirbet Und bei Gott Für den Tod Leben uns er wirbet. 5. Nun, er liegt in seiner Krippen, Ruft zu sich mich und dich, Spricht mit süßen Lippen: ,, Lasset schwinden, liebe Brüder, Was euch quält, Was euch fehlt, Bring ich alles wieder!" bene Im Himmel und auf Gellert, g. 1715 † 1769. 6. Ei so kommt mit offnen Händen! Stellt euch ein, Groß und klein, Kommt von allen Enden! 8. Wer sich fühlt beschwert im Herzen, Wer empfind't Seine Sünd Und Gewissensschmerzen, Sey getrost: hier wird gefunden, Der in Eil Machet heil Deine tiefsten Wunden. 9. Die ihr arm seyd und elende, Kommt herbei, Füllet frei Eures Glaubens Hände! Hier sind alle guten Gaben Und das Gold, Dran ihr sollt Eure Herzen laben. 10. Süßes Heil, laß dich umfangen, Laß mich dir, Meine Zier, Unverrückt anhangen! Du bist meines Lebens Leben; Nun kann ich Mich durch dich Wohl zufrieden geben. 11. Ich will dich mit Fleiß be wahren, Sch will dir Leben hier Und mit dir heimfahren; Mit dir will ich endlich schweben Boller Freud, Ohne Zeit, Dort im andern Leben.idnüs Gerharb, g. 1606 † 1676. Mel. Lobe den Herren, den mächtigen.( Jes. 49, 13.) 106. Jauchzet, ihr Himmel, ba, Gett will so freundlich, so nah froblocket in englischen Chören! Singet dem Herren, dem Heiland der Menschen, zu Ehren! Sehet doch Zu den Verlornen sich kehren. 2. Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Enden der Erden! Gott V. Weihnachtlieder. 69 und der Sünder, die sollen zu| mein Sinn Innigst sich freuen darin Freunden nun werden. Friede und Und sich in Demuth versenken? Freud Wird uns verklindiget heut, Freuet euch, Hirten und Heerden! 3. Sehet dieß Wunder, wie tief sich der Höchste geneiget; Sehet die Liebe, die ganz sich als Liebe nun zeiget! Sie wird ein Kind, Trägt und vertilget die Sünd; Alles anbetet und schweiget. 6. König der Ehren, aus Liebe geworden zum Kinde, Dem ich auch wieder mein Herz in der Liebe verbinde, Du sollst es seyn, Den ich erwähle allein; Ewig entsag ich der Sünde.sind 1 7. Trener Immanuel, werd auch in mir nun geboren! Komm, o mein Heiland, denn ohne dich bin ich verloren! Wohne in mir, Mach mich ganz eines mit dir, Der du mich liebend erkoren. 8. Menschenfreund Jesu! dich lieb ich, dich will ich erheben, Laß mich doch einzig nach deinem Gefallen nun streben; Herr, nimm mich hin, Hilf mir in findlichem Sinn Ewig4. Gott ist im Fleische! Wer kann dieß Geheimniß verstehen? Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen! Tretet herzu, Sucht bei dem Sohne die Ruh, Die ihr zum Vater wollt gehen. 5. Haft du denn, Höchster, auch meiner noch wollen gedenken? Du willst dich selber, dein Herz voll Erbarmen mir schenken? Sollt nicht lich dir nur zu leben! Tersteegen, g. 1697 † 1769. Wiel. Ach, was soll ich Sünder.( Eph. 2, 5 2c. Sacharia 2, 10. Pf. 71, 22 2c. Joh. 1, 3. 14.) 107. Freuet euch, erlöste Brü-| dein Bild, das wir verloren, Kehre der, Denn des Vaters Wort und Licht, Das durch alles Dunkel bricht, Bringet das Verlorne wieder, Und in unser Fleisch und Bein Hüllet sich die Liebe ein! wieder bei uns ein, Daß wir Menschen Gottes sey'n! 4. Uns verlangt, auf dieser Erden, Durch der Liebe Wunderkraft Zu des Lichtes Bürgerschaft Wiederum 2. Der die Himmel aufgebauet Und gebracht zu werden; Daß uns unser der Erde Grund gelegt, Der dieKrea- Vaterland Künftig wieder sey beturen trägt, Ward als Mensch wie kannt. wir geschauet; Er, der alle Welt er- 5. Nun dein paradiesisch Leben füllt, Ward in Armuth eingehüllt. Dringet wieder in uns vor, Und der 3. Werde auch in uns geboren Wille geht empor, Deinen Namen Und durchleuchte du uns ganz, O zu erheben; Nun in dir wir können du himmlisch reiner Glanz; Und ruhn, O wie selig find wir nun! Richter, g. 1676 † 1711. Mel. Nun lob, mein Seel.( Luc. 2, 10 c. 1 Joh. 5, 11 2c. 1 Stor. 15, 58.) 108. Vom Grab, an dem wir| Lobgesang Empor zum Himmel wallen, Soll, Jesu Christ, dein schallen; Dir opfre jede Seele Dank! Univ.- Bibl. Giessen V. Weihnachtlieder. 70 Und jeder der Gebornen Erfreu sich, Mensch zu seyn; Und jeder der Verlornen Rühm es, erlöst zu seyn! Zum Heiland uns gegeben Erschienst du, Gottes Sohn; Mit dir erschien das Leben, Mit dir des Himmels Lohn. 2. Kommt, laßt uns niederfallen Vor unsrem Mittler, Jesus Christ, Und danken, daß er allen Erretter, Freund und Bruder ist. Er, gleich der Morgensonne Mit ihrem ersten Strahl, Verbreitet Licht und Wonne Und Leben überall. Durch ihn kommt Heil und Gnade Auf unsre Welt herab, Er segnet unsre Pfade Durchs Leben bis zum Grab. der Sünder Und der Verlornen Hort; Nun sind sie Gottes Kinder, Und Gottes Erben dort. 4. O du, dem jetzt die Menge Der Engel und Verklärten singt, Vernimm die Lobgesänge, Die dir dein Volk im Staube bringt! Auch du warst einst auf Erden, Was deine Brüder sind, Ein Dulder der Beschwerden, Ein schwaches Menschenkind. D laß auch uns auf Erden Dir gleich gesinnet seyn, Bis wir einst himmlisch werden Und dein uns ewig freun. 5. Bald sind wir zu dem Lohne Der Himmelsbürger dort erhöht, Dann sind wir nah dem Throne 3. Frohlockt, ihr Mitgenossen Der Und schauen deine Majestät. Nicht Erde und der Sterblichkeit! Uns ist mehr aus dunkler Ferne Dringt nun aufgeschlossen Der Eingang zu dann der Dank zu dir, Weit über der Herrlichkeit. Auf unsre Erd her- Sonn und Sterne Erhaben, jauchnieder Kam Gottes ewger Sohn; zen wir, Und mit der Himmel Heere Nun hebt er seine Brüder Empor zu Schallt unser Lobgesang: Dem EwiGottes Thron. Er war das Heil| gen sey Ehre, DemWelterlöser Dank! Sturm, g. 1740 † 1786. Mel. O Gott, du frommer.( Joh. 1, 1-14.) 109. Du wesentliches Wort,| bei Gott, eh geleget Der Grund Vom Anfang her gewesen, Du Gott, der großen Welt, Da sich dein Herz von Gott gezeugt, Von Ewigkeit er- beweget Zur Liebe gegen mich. Und lesen Zum Heil der ganzen Welt, weil du selber Gott, So machst du O mein Herr Jesu Christ, Willkom- in dem Fleisch Sünd, Höll und men, der du mir zum Heil geboren Tod zu Spott. bist! 4. Was hat, o Jesu, dich Von Anfang doch bewogen? Was hat vom Himmelsthron Dich in die Welt gezogen? Ach, deine große Lieb Und meine große Noth Hat deine Gluth entflammt, Die stärker als der Tod! 5. Du bist das Wort, wodurch Die ganze Welt vorhanden, Und alle Dinge sind Durch dich zum Licht 2. Komm, o selbständigs Wort, Und sprich in meiner Seele, Daß mirs in Ewigkeit Um Troste nimmer fehle. Im Glauben wohn in mir Und weiche von mir nicht; Laß mich auch nicht von dir Abweichen, schönstes Licht! 3. Du wesentliches Wort, Warst V. Weihnachtlieder. 71 erstanden. Ach so bin ich, mein Heil,| alles Unkraut aus Und brich des Auch dein Geschöpf und Gab, Der Feindes Waffen. Das Bös' ist nicht ich ja, was ich bin, Von dir empfan- von dir, Es hats der Feind gethan; gen hab. Du aber führe Herz Und Fuß auf ebner Bahn. 6. Gib, daß ich dir zum Dienst Mein ganzes Herz ergebe, Auch dir allein zum Preis Auf dieser Erde lebe; Ja, Jesu, laß mein Herz Ganz nen geschaffen seyn Und dir bis in den Tod Gewidmet seyn allein! 7. Laß nichts mehr in mir seyn, Was du nicht selbst geschaffen, Neut Mel. Lobt Gott, ihr Christen.( Jeh. 3, 16.) 110. Also hat Gott die Welt| 5. Du, Sohn ves Allerhöchsten, geliebt, Daß er aus freiem Trieb Uns wirst Auch mir durch Rath und seinen Sohn zum Heiland gibt; Wie That Ein Helfer und mein Friedehat uns Gott so lieb! fürst Auf dieses Lebens Pfad. 6. Was mir zum Seligseyn gebricht, Schafft deine Lieb auch mir: Ver sühnung, Leben, Trost und Licht; Wie viel hab ich an dir! 2. Was sein erbarmungsvoller Nath Schon in der Ewigkeit zu unfrem Heil beschlossen hat, Vollführt er in der Zeit. 3. Er, unser Freund und bestes Gut, Der alle segnen kann, Des Höchsten Sohn nimmt Fleisch und Blut, Dech ohne Sünde an. 8. Das Leben ist in dir Und alles Licht des Lebens; Laß an mir deinen Glanz, Mein Gott, nicht seyn vergebens; Weil du das Licht der Welt, Sey meines Lebens Licht, O Jesu, bis mir dort Dein Sonnenlicht anbricht! Laurentii, g. 1660+ 1722. 4. Ich freue mich, mein Heil, in dir, Du wirst ein Mensch wie ich, Daß ich mit Gott sey, Gott mit mir; Wie sehr beglückst du mich! 7. Dein Mangel wird mein reiches Theil, Dein Leiden stillt mein Leid; Durch deine Demuth, Herr, mein Heil, Gewinn ich Herrlichkeit. 8. Gelobt sey Gott, gelobt sein Sohn, Durch den er Gnad erweist! Lobt, Engel, ihn vor seinem Thron, Erheb ihn auch mein Geist! Nach Hecker. Eigene Mel.( 2 Kor. 8, 9.) 111. Gelobet feyst du, Jesu| Der liegt in Marien Schooß; Er ist Christ, Daß du Mensch geboren bist, Von einer Jungfrau, das ist wahr; Deß freuet sich der Engel Schaar. Hallelujah! ein Kindlein worden klein, Der alle Ding erhält allein. Hallelujah! 4. Das ewig Licht geht da herein, Gibt der Welt ein'n neuen Schein; Es leucht't wohl mitten in der Nacht Und uns des Lichtes Kinder macht. 2. Des ewgen Vaters einig Kind Jetzt man in der Krippe find't; In unser armes Fleisch und Blut Ver- Hallelujah! fleidet sich das ewig Gut. Hallelujah! 5. Der Sohn des Vaters, Gott 3. Den aller Weltkreis nie beschloß,| von Art, Ein Gaft in der Welt hie V. Weihnachtlieder. 72 ward; Er führt uns aus dem Jammerthal Und macht uns Erben in sein'm Saal. Hallelujah! 7. Das hat er alles uns gethan, 6. Er ist auf Erden kommen arm, ein groß Lieb zu zeigen an; Deß Daß er unser sich erbarm Und in freu sich alle Christenheit Und dank dem Himmel mache reich Und sei- ihin deß in Ewigkeit. Hallelujah! Luther, g. 1483 † 1546. nen lieben Engeln gleich. Hallelujah! Eigene Melodie.( Luc. 10, 23. 24. Pf. 53, 7.) 112. Wir singen dir, Jmma- dein; Du liegst an einer Menschennnel, Du Lebensfürst und Gnaden- brust, Und bist doch aller Engel Luft. quell, Du Himmelsblum und Mor- Hallelujah! genstern, Du Sohn der Jungfrau, Herr der Herrn! Hallelujah! 2. Wir singen dir mit deinem Heer Aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr, Daß du, o langgewünschter Gast, Dich nunmehr eingestellet haft! Hal lelujah! 8. Du bist der süße Menschenfreund, Doch sind dir so viel Menschen feind; Herodes achtet dich für Greul, Und bist doch nichts als lauter Heil. Hallelujah! 9. Ich aber, dein geringster Knecht, Ich sag es frei und mein' es recht: 3. Von Anfang, da die Welt ge- Ich liebe dich, doch nicht so viel, Als macht, Hat manches Herz nach dir ich dich gerne lieben will. Hallelujah! geschmacht't, Dich hat gehofft so 10. Der Will ist da, die Kraft ist lange Jahr Der Väter und Pro- klein, Doch wird dir nicht zuwider pheten Schaar. Hallelujah! 4. Vor andern hat dein hoch begehrt Der Hirt und König deiner Heerd, Der Mann, der dir so wohl gefiel, Wenn er dir sang auf Saitenspiel. Hallelujah! seyn Mein armes Herz; und was es kann, Wirst du in Gnade nehmen an. Hallelujah! 5. ,, Ach, daß der Herr aus Zion käm Und unsre Bande von uns nähm; Ach, daß die Hülfe bräch herein, So würde Jakob fröhlich seyn!" Hallelujah! 11. Und bin ich gleich der Sünde voll, Hab ich gelebt nicht wie ich soll,- Ei, kommst du doch deßwegen her, Daß sich der Sünder zu dir kehr! Hallelujah! 12. So fass' ich dich nun ohne Schen, Du machst mich alles Jammers frei, Du trägst den Zorn, er würgst den Tod, Berkehrst in Freud all Angst und Noth. Hallelujah! 13. Ich will dein Hallelujah hier Mit Freuden fingen für und für, Und dort in deinem Ehrensaal Solls schallen ohne Zeit und Zahl: HalleGerhard, g. 1606 † 1676. 6. Nun, du bist hier, da liegest du, Hältst in der Krippe beine Ruh; Bist klein, und machst doch alles groß, Bekleidst die Welt, und kommst doch bloß. Hallelujah! 7. Du kehrst in fremder Wohnung ein, Und sind doch alle Himmel| lujah! V. Weihnachtlicder. Mel. Allein Gott in der Höh.( Tob. 9, 2. 2 Tim. 1, 9. 10.) 113. Ich steh an deiner Krippe| mer weint Und keinen Trost kaun hier, O Jesu, du mein Leben! Ich komme, bring und schenke dir Was du mir haft gegeben; Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Muth, nimm alles hin Und laß dirs wohlgefallen! finden, Rufft du mir zu: ,, ich bin dein Freund, Ein Tilger deiner Sünden, Dein Fleisch und Blut, der Bruder dein, Du sollst ja guter Dinge seyn: Ich fühne deine Schulden!" 2. Da ich noch nicht geboren war, Da bist du mir geboren Und haft mich dir zu eigen gar, Eh ich dich kannt', erkoren; Eh ich durch Gottes Hand gemacht, Hat er schon bei sich selbst bedacht, Wie du mein solltest werden. 73 4. Ich sehe dich mit Freuden an Und kann nicht satt mich sehen, und weil ich nun nicht weiter kann, So bleib ich finnend stehen; O daß mein Sinn ein Abgrund wär Und meine Secl ein weites Meer, Daß ich dich möchte faffen! 5. Wenn oft mein Herz vor Kum6. Du fragest nicht nach Lust der Welt Noch nach des Leibes Freuden; Du hast dich bei uns eingestellt, An unsrer Statt zu leiden, Suchst meiner Seele Herrlichkeit Durch dein selbsteignes Herzeleid, Das will ich dir nicht wehren. 3. Ich lag in tiefster Tobesuacht; 7. Eins aber, hoff ich, wirst du Du wurdest meine Sonne, Die mir, Mein Heiland, nicht versagen: Sonne, die mir zugebracht Licht, Daß ich dich möge für und für Sn Leben, Freud und Wonne. O Sonne, meinem Herzen tragen. So laß es die den werthen Schein Des Glau- deine Wohnung seyn, Komm, komm bens schickt ins Herz hinein, Wie und kehre bei mir ein Mit allen deischön sind deine Strahlen! nen Freuden! 8. Zwar sollt ich denken, wie gering Ich dich empfangen werde: Di bist der Schöpfer aller Ding, Ich bin nur Staub und Erde! Doch bist du ein so frommer Gast, Daß du noch nie verschmähet haft Den, der sein Herz Dir öffnet. Gerhard, g. 1606+ 1676. Mel. Schwingt, heilige Gedanken.( 1 Joh. 1, 7. Luc. 14, 16-24.) 114. Der heilge Christ ist| gefangen, Erlöst ist Herz und Sinn. kommen, Der theure Gottessohn; Deß freun sich alle Frommen Am höchsten Himmelsthron. Auch was auf Erden ist, Soll preisen hoch und Loben Mit allen Engeln droben Den lieben, heilgen Christ. Die Sündenangst ist weg, Der Glaube geht zum Himmel Numaus dem Weltgetümmel Auf einem sichern Steg. 3. Nun sind nicht mehr die Kinder Verwaist und vaterlos! Gott rufet selbst die Sünder In seinen Gna2. Das Licht ist aufgegangen, Die lange Nacht ist hin; Die Sünde liegt! denschooß. Er will, daß alle, rein 74 V. Weihnachtlieder. Von ihrem alten Schaden, Ver-| euch den Vater weiset, Der heilge tranend seinen Gnaden, Gehn in Christ ist da! Erruft euch insgemein den Himmel ein. Mit süßen Liebesworten: ,, Geöffnet sind die Pforten, Ihr Kinder kommt herein!"&. M. Arndt, g. 1769 † 1860. 4. Drum freut euch hoch und preiset, Ihr Seelen, fern und nah! Der Erscheinung Chrifti. Mel. Ach, was soll ich Sünder.( Matth. 2, 1-12.) 115. Wer im Herzen will er-| 5. Ach, wie weit sind die zurülde, Die nur fragen in der Welt: Wo ist Reichthum, Gut und Geld? Wo ist Ansehn bei dem Glücke? Wo ist Wollust, Ruhm und Ehr? Und nach solcher Thorheit mehr. fahren Und darum bemühet ist, Daß der König Jesus Christ Sich in ihm mög offenbaren, Der muß suchen in der Schrift, Bis er diesen Schatz antrifft. 2. Er muß gehen mit den Weisen, Bis der Morgenstern aufgeht Und im Herzen stille steht; So kann man sich selig preisen, Weil des Herren Angesicht Glänzt von Klarheit, Necht und Licht. 3. Denn wo Jesus ist geboren, Da erweiset sich gar bald Seine göttliche Gestalt, Die im Herzen war verloren; Seine Klarheit spiegelt sich In der Seele träftiglich. 4. Alles Fragen, alles Sagen Wird von diesem Jesu seyn Und von dessen Gnadenschein, Dem sie fort und fort nachjagen, Bis die Seele in der That Diesen Schatz gefunden hat. 6. Ja, unselig stud die Herzen Und in ihrem Wandel blind, Die also beschaffen sind, Weil sie diesen Schatz verscherzen Und erwählen einen Schein, Dernichts hilft in Todespein. 7. Jesu! laß mich auf der Erden Ja nichts suchen, als allein, Daß du mögest bei mir seyn, Und ich dir mög ähnlich werden In dem Leben dieser Zeit und in jener Ewigkeit. 8. Nun so will ich mit den Weisen, Welche die verkehrte Welt Höhnet und für Thoren hält, Dich anbeten, rühmen, preisen, Liebster Jesu, und vor dir Treulich wandeln für und für! Flitner, g. 1618 † 1678. Eigene Mel.( Jef. 60, 1. Joh. 1, 11. 8, 12.) 116. Werde Licht, du Volt| scheinet lichter Tag, Und ein strah der Heiden! Werde Licht, Jerusalem! Dir geht auf ein Glanz der Freuden Bom geringen Bethlehem. Er, das Licht und Heil der Welt, Christus hat sich eingestellt. lenvoller Stern Führt uns sicher zu dem Herrn. 3. Aber ach, von deinem Volke Wirst du, Heiland, nicht erkannt, Und des Irrthums finstre Wolke Ueberschattet noch dein Land; Ueber Salem strahlt dein Licht, Aber Sa2. Ehe dieses Licht erschienen, Das die Völker wünschten, lag Dicke Finsterniß auf ihnen; Doch unslem kennt dich nicht. Erscheinung Chrifti. 75 4. Weise kommen anzubeten, Auch| Täglich uns dein Geist und Wort; Herodes fragt nach dir, Aber fragt nur, dich zu tödten, Wo du seyst, voll Blutbegier; Gern vergöffe seine Wuth, Odu Herr der Welt, dein Blut! Gib uns Muth zum guten Streite, Daß wir siegen fort und fert, Stets an deiner Seite gehn, Nie verzagend stille stehn. 8. In des Leidens Finsternissen Leucht uns deines Trostes Licht! Ach, in unsern Kümmernissen, Jesu, ach verlaß uns nicht, Bis uns in der Ewigkeit Deines Lichtes Glanz erfreut! 9. Wandern wir im finstern Thale Endlich näher hin aus Grab, Dann sey unser Licht und strahle Himmelstroft auf uns herab, Daß wir ohne Furcht und Graun Unserm Tod entgegen schaun. Mubre, g. 1736+ 1810. V. 7 neuer Zusatz. 5. Ach verwerfet doch, ihr Sünder, Den nicht, der euch retten kann; Kommt und werdet Gottes Kinder, Betet euren König an! Eilt zu ihm und säumet nicht, Macht euch auf und werdet Licht! 6. Nun wir eilen mit Verlangen, Dich zu ehren, sind bereit, Dich, o Heiland, zu empfangen; Zeig uns deine Herrlichkeit! Unsre Kniee beu gen sich, Unser Glaub umfasset dich, 7. Auf des Lebens Pfad geleite Mel. Lobt Gett, ihr Christen.( Matth. 2, 1-12.) 117. Auf, Seele, auf und säu-| führet dich zum Lichte fort Aus aller me nicht! Es bricht das Licht herfür; Der Wunderstern gibt dir Bericht, Der Held sey vor der Thür. 2. Geh aus von deinem Vaterland, Zu suchen solchen Herrn; Laß deine Angen seyn gewandt Auf diesen Morgenstern. 3. Gib Acht auf dessen hellen Schein, Der aufgegangen ist, ErHier ist Immanuel!" führet dich zum Kind hinein, Das beißet Jesus Christ. 4. Er ist der Held aus Davids Stamm, Der alle Feinde schlägt; Er ist das theure Gotteslamm, Das unsre Sünde trägt. 5. Drum mache dich behende auf, Befreit von aller Last, Und laß nicht ab in deinem Lauf, Bis du bießt Kindlein haft. 6. Halt dich im Glauben an das Wort, Das fest ist und gewiß; Das Finsterniß. 7. Drum sinke nur vor seinem Glanz Jn tiefste Demuth ein, Und laß dein Herz erleuchten ganz Bon solchem Freudenschein. 8. Bring willig ihm zum Opfer dar Dich selbst mit Leib und Seel, Und singe mit der Engel Schaar: 9. Hier ist das Ziel, hier ist der Ort, Wo man zum Leben geht; Hier ist des Paradieses Pfort, Die wieder offen steht. 10. Hier fallen alle Sorgen hin, Zur Luft wird jede Pein; Es wird erfreuet Herz und Sinn, Denn Gott ist wieder dein. 11. Der zeigt dir einen andern Weg, Als du vorhin gekannt: Den stillen Ruh- und Friedenssteg Zum ewgen Vaterland. M.Müller, g. 1673-1704. 76 V. Weihnachtlieder. Darstellung Christi. Mel. Valet will ich.( Luc. 2, 25-32.) 118. Herr Jesu, Licht der Hei den, Der Frommen Schatz und Lieb! Wir kommen jetzt mit Freuden Durch deines Geistes Trieb In diesen deinen Tempel Und suchen mit Begier, Nach Simeons Erem pel, Dich, Gottes Sohn, allhier. 2. Du wirst von uns gefunden D Herr, an jedem Ort, Wo man mit dir verbunden Durch dein Verheißungswort; Vergönnst noch heut zu Tage, Daß man dich gleicherweis' Auf Glaubensarmen trage, Wie hier der fromme Greis. 3. Sey unsre Hülf und Wonne, Ein finderno Del in Pein, Im Dunklen unsre Sonne, Im Kreuz ein Gnadenschein, In Zagheit Gluth und Feuer, In Noth ein Freudenstrahl, In Banden ein Befreier, Ein Stern in Todesqual! 4. Herr! laß uns auch gelingen, Daß einst, wie Simeon, Ein jeder Christ kann singen Den süßen Schwa nenton: Mir werden nun im Frie den Die Augen zugedrückt, Nachdem ich schon hienieden Den Heiland hab erblickt." 5. Ja, ja ich hab im Glauben, Mein Jesu, dich geschaut; Kein Feind kann mich dir rauben, Dräut er auch noch so laut. Ich wohn in deinem Herzen, Und in dem meinen du, Uns scheiden keine Schmerzen, Nicht Angst noch Tod dazu! 6. Hier will es oft mir scheinen, Du sehst mich strafend an, Daß ich vor Angst und Weinen Dich kaum erkennen kann; Dort aber wirds geschehen, Daß ich von Angesicht Zu Angesicht soll sehen Dein immer klares Licht. Joh. Frand, g. 1618 † 1677. Eigene Mel.( Luc. 2, 22 2c. Rom. 13, 11 2c.) Aus ihr sich nach dem Himmel sehnt, Der opfert rechte Gaben. 119. Wohlauf, mein Herz,| fürchtet, sich der Welt entwöhnt, verlaß die Welt, Dem, der für dich sich dargestellt, Nun dich auch darzustellen! Er ist das Licht, drum sey 4. Wer auf die Treu. Gottes baut, gewiß, Er wird auch deine Finster- Im Glauben seinen Heiland schaut, niß Durch seinen Glanz erhellen. 2. Ach, du sollst ihm ein Tempel seyn! Er selbst macht dich von Sünden rein Und hat Lust, hier zu wohnen; Doch, finstres Herz, auf, werde Licht! Denn Jesus wohnt in Seelen nicht, Die ihrer Lüste schonen. Der kann in Frieden fahren. Der Heiland hält was er verspricht, Er wird sich ihm in seinem Licht Dort herrlich offenbaren. 5. Herr! mache mich gerecht und rein Und laß mich stets voll Glaubens seyn, Um heilig dir zu leben, Bis du auch mich, wann dirs gefällt, Im Frieden wirst aus dieser Welt Zu deiner Wenn erheben. 3. Wer dich begehret, Gottessohn, Vom Geist erweckt, wie Simeon, Zu seinem Heil zu haben, Gott Joh. Ad. Schlegel, g. 1721 † 1793. VI. Lehramt und Wandel Jefn. VI. Lehramt und Wandel Jesu. Mel. Ach fey mit deiner Gnade.( Luc. 2, 41-52. Matth. 3, 17.) 120. Der niedern Menschheit| man in jeder Frage, In jeder Antwort fand! 11. Wohl ruft am dritten Morgen Ihn dort die Mutter an: ,, Warum, zu schweren Sorgen, Hast du uue das gethan?" 12. Er spricht aus heilgem Wissen: Wie kommts, daß ihr nicht wißt, Daß ich in dem seyn milssen, Das meines Vaters ist?" 13. Zwar seine Eltern beede Verstunden nicht das Wort, Doch stille trug die Rede Maria mit sich fort. Hülle Trägt er, des Menschen Sohn; Doch wohnt in ihm die Fülle Der ganzen Gottheit schon. 2. Er wandelt hier auf Erden Nicht mächtig und nicht reich, Und duldet viel Beschwerden, Doch ist er Gott schon gleich. 3. Der Engel heilge Chöre Thun sein Erscheinen fund; Da opfert Dank und Ehre Der Hirten Herz und Mund. 4. Nun endlich fährt im Frieden Von hinnen Simeon; Und Hanna rühmt hienieden Von Gottes Troft und Lohn. 5. Auch bringen aus der Ferne Die Weisen, wunderbar Geführt von einem Sterne, Gold, Weihrauch, Myrrhen dar. 6. Und vor Herodis Morden Ist in Egyptenland Das Kind errettet worden Durch Gottes starke Hand. 7. Schon zeigt sich in dem Knaben Die Gnade mannigfalt; 3hm leuchten Gottes Gaben Aus Antlitz und Geftalt. 8. Wie Gottes Wohlgefallen Den Heiligen umgibt! Wie von den Menschen allen Der Holde wird geliebt! 9. Wie wundern sich die Lehrer, Als er zum Tempel eilt Und in dem Kreis der Hörer Mit ernstem Fleiße weilt! 14. Er folget ihrem Schritte Mit muntrem Sinn, und geht Hinab zur armen Hütte Im kleinen Nazareth. 15. Er bleibt nach Gottes Willen Den Eltern unterthan, Und wächset so im Stillen Zum großen Werk heran. 16. O lernet Lernbegierde Und Gottesfurcht allda Und jeder Tugend Zierde, Ihr Kinder, fern und nah! 17. Wohl dem, der Gottes Wege In jungen Jahren geht Und nie zum Guten träge, Nie müd ist zum Gebet! 18. Und bist du groß erzogen, So bleibe wie dieß Kind, Daß Engel dir gewogen, Dir hold die Menschen sind. 19. Gehorche Jefu Lehre, So wird die Jugend rein, Dein Alter Glück und Ehre, Dein Ende selig Nach Febbersen; vermehrt. 10. Wie preist an jenem Tage So mancher den Verstand, Den seyn. 78 VI. Lehramt und Wandel Jesu. Mel. Höchster Formirer.( Joh. 13, 1. 1 Joh. 4, 19.) 121. Jesu, du Sohn der unendlichen Liebe, Göttlicher Freund in der Sterblichen Reihn! Sind es doch ganz unerforschliche Triebe, Die dich den Sündern zum Eigenthum weihn. Sie zu verföhnen Und sie zu krönen, Stellst du bei Menschen als Bruder dich ein. 2. Wunder! das Wort ist nun Abrahams Sprosse, Von der Vergänglichkeit menschlich umschränkt; Wunder! der Herr ist der Armuth Genosse, Der den Gefallnen das Himmelreich schentt. Uneingeladen Wehrt er dem Schaden, Der die Verirrten zum Abgrund versenkt. 3. Kaum in bie Linnen des Elends gewunden, Sah ihn sein Bethlehem freundlich und hold, Wie ihm in heiligen, nächtlichen Stunden Forschende Weise die Gaben gezollt. Daß wir uns nahen, Jesum em pfahen, Ists, was der Stern ob der Hütte gewollt. 4. Heil sey dir, daß du die Jahre durchlaufen, Die dich in Demuth und Sanftmuth geübt! Herzen der Sünder für dich zu erkaufen, Haft du geduldet, geheilt und geliebt. Derer die fragten, Derer die klagten, Hast du nicht Einen verschmäht und betrübt. 5. Wunder erzeigen und Guaden verbreiten Machte dich müde, doch ohne Verdrieß. Heil auf Verbannte und 3öllner zu leiten, Däuchte bir unter Berlästrungen süß, Bis die Verschwörung Und die Empörung Dich als ein Schlachtschaf zur Marter verstieß. 6. Noch da dich Schauer des Todes umhüllte, Schlug dir vor Liebe die seufzende Brust! Liebe wars, die dich am Abend erfüllte, Als du dich, deiner Verklärung bewußt, Dienend bemühteft, Aufgeschürzt knietest Sündern zu Füßen; o heilige Lust! 7. Liebe! bu dienteft, du schmachteteft, warbest, Als dich am Delberg die Hölle geschreckt. Liebe! du liebtest, du littest und starbest Nackt und mit Dornen und Schande bedeckt, Da du, verlaffen, Noch im Erblaffen Offene Arm uns entgegen gestredt. 8. Laß es mich, Heiligster, nimmer vergessen, Was du schon sterbenb für Liebe geübt! Laß es in Andacht mich stündlich ermessen, Daß du für mich dich zu Tode betrübt; Laß mich dich lieben, Dir, Herr, verschrieben, Der du mich, eh ich dich kannte, geliebt! Lehmus, g. 1707 † 1788. Mel. Wachet auf! ruft.( Joh. 13, 15. 14, 13. 14.) 122. Heiligster Jesu, Heil-| Ach bilde mich nach dir, Du mein alles! Jefu, bilf du, Hilf mir dazu, Daß ich auch heilig sey wie du! gungsquelle, Mehr als Krystall rein, flar und helle, Du lautrer Strom der Heiligkeit! Der Glanz der hohen Cherubinen, Die Heiligkeit der Seraphinen Ist gegen dich nur Dunkelheit. Ein Vorbild bist du mir; 2. O stiller Jesu, wie dein Wille Dem Willen deines Vaters stille Und bis zum Tod gehorsam war, So mache du auch gleichermaßen VI. Lehramt und Wandel Jesu. Mein Herz und Willen dir gelassen,| Rachgier aus! Niemand kann deine Ach stille meinen Willen gar! Mach mich dir gleichgesinnt, Wie ein gehorsam Kind, Stille, stille; Jesu, hilf du, Hilf mir dazut, Daß ich fein stille sey wie du! Sanftmuth messen, Bei der kein Eifer dich gefressen, Als der um deines Vaters Haus. Mein Heiland, ach verleih Mir Sanftmuth und dabei Guten Eifer; Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich sanftmüthig sey wie du! 3. Wachsamer Jesu, ohne Schlum mer, In großer Arbeit, Müh und Kummer Bist du gewesen Tag und 6. Würdigster Jesu, Ehrenkönig! Nacht! Du mußtest täglich viel aus- Du suchtest deine Ehre wenig Und stehen, Des Nachts lagst du vor| wurdest niedrig und gering; Du Gott mit Flehen, Du hast gebetet wandeltest ertieft auf Erden, In und gewacht. Gib mir auch Wach- Demuth und in Knechtsgeberden, samkeit, Daß ich zu dir allzeit Wach Erhubst dich selbst in keinem Ding; und bete. Jesu, hilf du, Hilf mir Herr, solche Demuth lehr Auch mich dazu, Daß ich stets wachsam sey je mehr und mehr Stetig üben; wie du! Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich demüthig sey wie du! 7. Nun, liebster Jesu, liebstes Leben, Mach mich in allem dir ergeben Und deinem heilgen Vorbild gleich! Gib, daß dein Geist mich ganz durchdringe, Daß ich viel Glaubensfrüchte bringe Und tüchtig werd zu deinem Reich. Ach zeuch mich ganz zu dir, Behalt mich für und für, Trener Heiland! Jesu, hilf du, Laß mich wie du Und wo du bist einst finden Ruh! Graffelius, over Arnold. 4. Gültigster Jesu, o wie gnädig, Wie liebreich bist du, wie gutthätig, Selbst gegen Feinde wie gelind! Sein Sonnenlicht erscheinet allen, Dein Regen muß auf alle fallen, Ob sie dir gleich undankbar sind. Mein Gott, ach lehre mich, Damit hierinnen ich Dir nacharte; Jesu, hilf du, Hilf mir dazu, Daß ich auch gütig sey wie du! 5. Du sanfter Jesu, warst unschuldig Und littest alle Schmach geduldig, Vergabst und ließst nicht Mel. Wachet auf! ruft.( 1 Joh. 2, 6. 2 Timoth. 1, 13. 14.) 123. Gläubiger Jesu! auf Vertrauen Wolltst du dein Reich alleine bauen, Das dir der Vater zugesagt. Von außen, innen ganz beraubet, Hast du doch stille fortgeglaubet Und bliebst im Zagen unverzagt. Herr! ich vertraue dir; Nur bitt ich: schenke mir Deinen Glauben; Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich so gläubig sey wie du! 79 2. Darmer Jeful reich an Gaben, Wolltst du doch selber Mangel haben, Warst in der Welt gering und klein; Nun, Herrscher Himmels und der Erden, Ich will, um reich in dir zu werden, Ja gern der Allerärmste seyn. Was Armuth an dem Geist In deinem Worte heißt, Sey mein Reichthum. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, So willig arm zu seyn wie du! 80 VI. Lehramt und Wandel Jesu. 3. Trauernder Jesu! deine Seele,| ich reden sollte, Und werd of gar Voraus gesalbt mit Freudenöle, zum Zorn bewegt. Ach gib mir Ward doch betrübt bis in den Tod. deinen Sinn, Wann ich verleumdet Hilf, daß ich mich mit Zittern freue, bin, Daß ich schweige. Jesu, Jesu, Mein Trauern stille Freude seye; Hilf mir dazu, Daß ich auch schweiDas beste Brod ist Thränenbrod. gen mag wie du! Es ist fürs Trauerkleid Ein weißes schon bereit Deinen Treuen. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich im Trauern sey wie du! 4. Friedfertger Jesu! in dem Frieden, Den du den deinen nur beschieden, Liegt fir den Geist vollkommne Nub. Nur ein in dir verföhnt Gewissen Kann recht in Liebe Frieben schließen, Und solchen Sie gern rufst du zu: Mein Friede sey mit dir! Im Frieden komm zu mir, Kind des Friedens! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich den Frieden lieb wie du! 7. Freundlichster Jesu! zu erquicken Mit Werken, Worten und mit Bliden, War stets dein liebreich Herz bedacht. Den Jüngern wuscheft du die Füße Und heiltest freundlich schnell die Risse, Die Satan unter sie gemacht. Du bringst durch Einen Blick In Petri Herz zurück Seinen Glauben. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich so freundlich sey wie du! 8. Jesu, Lamm Gottes! für uns Sünder, Für uns verlorne Adamsfinder Vergoffest du bein heilig Blut; Kein Engel, Seraph, die dir dienen, Konnt unfre Missethat verfühnen, Du kamst, du starbst, machst alles gut. Dein Blut nur reinigt mich), Drum heißest du auf dich Stets mich schanen. Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich in deinem Tode ruh! 9. Herrlicher Jesu! lauter Freude Wächst, grünt und quillt auf jener Weide, Da du der Hirt der Schafe bist. Das Brod des Lebens soll der haben, Das Lebenswasser soll den 6. Schweigender Jesul falsche laben, Der durch dein Blut gerei Zeugen Hast du mit nnerschrocknem nigt ist. Laß mich seyn einen Gast, Schweigen Und ohne Antwort wi- Den du berufen hast, Dort zu woh derlegt. Ich kann nicht schweigen, nen; Mein ganzer Sinn Steht nur wie ich wollte, Ich schweige, wann dahin; Hilf, daß ich ewig bei dir bin! Phil. Fr. Rieger, g. 1723+ 1782 und Phil. David Burk, g. 1714 † 1782. 5. Trenester Jesu, ewge Wahrheit, Du lautres Herz voll Liebesklarheit, Richt unser ganzes Herz zu dir! Nichts falsches hast du je erzenget, Der Held in Israel nicht leuget; Dein Ja ist Amen für und für; Mach mich einfältig, treu, Ohn Arg und Heuchelei, Ganz durchläutert! Jesu, Jesu, Hilf mir dazu, Daß ich wahrhaftig sey wie du! Land Mel. Gott sey Dant.( 1 Petr. 2, 21-25. Phil. 2, 5-8.) 124. Jesus Christus gab sich| Thuns, Sein Wort stellet ihn uns uns Selbst zum Vorbild alles| dar: Ich soll seyn wie Jesus war. VI. Lehramt und Wandel Jesn. 81 2. Sein Verleugnen lehrt mich| 6. Wenn er mäßig aß und trant klein, Seine Demuth niedrig seyn; Und es heiligte mit Dank, Spricht Seine Sanftmuth: stete Huld; Sein mir sein Exempel zu: Wie er lebte, Gehorsam: die Geduld. lebe du! 3. Wie er ohne Haß geliebt, Stets getröstet, nie betrübt Und auch Fein den Guts gethan, Weist er mich zu gleichem an. 4. Wenn er Gottes Willen that, Wenn er stets zum Vater bat, Wenn er nichts als Wahrheit sprach, Heißt das: folge du mir nach! 5. Wenn er allzeit standhaft blieb, Nur das Wort vom Reiche trieb, So bezeugt er mir dabei, Daß mir das ein Beispiel sey. 2. Uleber seine Feinde weinen, Jedermann mit Hülf erscheinen, Sia) der Blinden, Lahmen, Armen Mehr als väterlich erbarmen, Der Betrübten Klagen hören, Sich in Andrer Dienst verzehren, Sterben voll der reinsten Triebe: Das sind Proben wahrer Liebe! 7. Lieber Meister, lehr michs nun! Ohne dich kann ich nichts thun; Unter deines Geistes Zucht Bringt mein Glaube solche Frucht. Wiel. Schmücke dich.( 1 Petri 2, 21 sc. Joh. 10, 12 2c. 27 2c.) 125. Heiland! beine Men| pflegtest du zu eilen, Das Gebetne schenliebe War die Quelle deiner Triebe, Die dein treues Herz bewogen, Dich in unser Fleisch gezogen, Dich mit Schwachheit überdecket, Dich vom Kreuz ins Grab gestrecket; O der ungemeinen Triebe Deiner treuen Menschenliebe! 3. O du Zuflucht der Elenden! Wer hat nicht von deinen Händen Segen, Hülf und Heil genommen, Der gebeugt zu dir gekommen? wie ist dein Herz gebrochen, Wann dich Kranke angesprochen! O wie Evangelisches Gesangbuch. 8. Viele folgen ihrem Sinn; Aber, Herr, wo soll ich hin? Du bist Christus, Gottes Sohn; Wer dir folgt, hat großen Lohn! 9. Gabst du nach vollbrachtem Lauf Deinen Geist mit Beten auf, Gib auch, daß durch deine Treu Mein End wie dein Ende sey! Pb. Fr. Hiller, g. 1699+ 1769. mitzutbeilen! 4. Die Betrübten zu erquicken, Zu den Kleinen dich zu bücken, Die Unwissenden zu lehren, Die Verführten zu bekehren, Sünder, die sich selbst verstocken, Ernst und liebreich zu dir locken: Das war täglich dein Geschäfte Mit Verzehrung deiner Kräfte. 5. O wie hoch stieg dein Erbarmen, Da du für die ärmsten Armen Dein unschätzbar theures Leben In den ärgsten Tod gegeben; Da, zur Marter du erlesen, Aller Schmerzen Ziel gewesen, Und den Segen zu erwerben, Als ein Fluch hast wollen sterben! 6. Deine Lieb hat dich getrieben, Sanftmuth und Geduld zu üben, Ohne Schelten, Drohen, Klagen Andrer Schmach und Last zu tragen, 6 82 VI. Lehramt und Wandel Jesu. Allen freundlich zu begegnen, Für| Mit Gerechtigkeit gepaaret, Durch die Lästerung zu segnen, Für der Vorsichtigkeit bewahret. Feinde Schaar zu beten Und die Mörder zu vertreten. 8. Herr! laß deine Liebe decken Meiner Sünden Meng' und Flecken. 7. Demuth war bei Spott und Du haft das Gesetz erfüllet, Des Hohne Deines Lebens Schmuck und Gesetzes Fluch gestillet; Laß mich Krone, Diese machte dich zum Knechte wider dessen Stürmen Deiner Liebe Einem fündigen Geschlechte; Diese Schild beschirmen, Heilge meines Demuth, gleich den Tauben Ohne Herzens Triebe, Salbe sie mit deiFalsch, voll Tren und Glauben, ner Liebe! Nambach, g. 1693+ 1735. Mel. Vater unser im.( Joh. 14, 6-17.) 126. Lehrer, dem kein Leh-| 5. Das Lehramt, welches du geführt, Hast du mit Heiligkeit geziert, Mit Wundern hast du es bestärkt, Woraus man deine Allmacht merkt, Ja endlich, als es Gott geschickt, Ein blutig Siegel drauf gedrückt. 6. Nachdem du hingegangen bist Wo aller Weisheit Ursprung ist, So setzest du, du ewges Wort, Dein Lehramt durch die Knechte fort, Die dir dein Vater zugeführt Und die mit Gaben er geziert. 7. Du aber sendest deinen Geist, Den du den Gläubigen verheißst, Der allen Seelen, die er liebt, Erkenntniß, Licht und Weisheit gibt, Dein Wort in Herz und Sinnen schreibt Und bei den deinen ewig bleibt. rer gleich, An Weisheit, Lieb und Eifer reich, Gefallner Sünder Licht und Nath, Prophet, berühmt durch Wort und That, Gesalbet durch des Vaters Hand Und uns zu unsrem Heil gesandt! 2. Du kamst aus deines Vaters Schooß und machtest alle Siegel los, Worin sein Rath verborgen war; Durch dich ward alles offenbar Und an das helle Licht gestellt, Was Dunkelheit umschlossen hält. 3. Du wiesest uns die wahre Spur Zu Gott, dem Schöpfer der Natur, Du hast den Weg uns recht gezeigt, Darauf man zu dem Himmel steigt; Was du vom Vater selbst gehört, Das hast du unverfälscht gelehrt. 4. Du sahest in der Gottheit Licht Von Angesicht zu Angesicht, Was nach der ewgen Liebe Nath Man fünftig zu erwarten hat; Du sagst es deutlicher zuvor, Als jemals der Propheten Chor. 8. Ach laß, o himmlischer Prophet, Mich schauen deine Majestät; Mach mich vom Eigendünkel frei, Damit ich dir gehorsam sey; Du sollst mein höchster Lehrer seyn, Führ mich in deine Schule ein! Nambach, g. 1693 † 1735. Mel. Ringe recht.( Jes. 63, 9. Eph. 5, 2.) 127. Immer miß ich wieder| Wie mein Herr so sanft gewesen, lesen In dem alten heilgen Buch,| Ohne List und ohne Trug. VII. Paffionslieder. 2. Wie er hieß die Kindlein kommen, Wie er hold sie angeblickt Und sie auf den Arm genommen Und sie an sein Herz gedrückt. ou 3. Wie er Hülfe und Erbarmen Allen Kranken gern erwies, Und die Blöden und die Armen Seine lieben Brüder hieß. 4. Wie er keinem Sünder wehrte, Der bekümmert zu ihm kam, Wie er freundlich ihn bekehrte, Ihm den Tod vom Herzen nahm. 83 5. Immer muß ich wieder lesen, Les' und freue mich nicht satt, Wie er ist so treu gewesen, Wie er uns geliebet hat; 6. Hat die Heerde sauft geleitet, Die sein Vater ihm verliehn, Hat die Arme ausgebreitet, Alle an sein Herz zu ziehn.. 7. Laß mich knien zu deinen Füßen, Herr, die Liebe bricht mein Herz; Laß in Thränen mich zerfließen, Selig seyn in Wonn und Schmerz. Loutse Hensel. Mel. Alle Menschen.( Joh. 10, 1-30.) 128. Jeju! frommer Men| 4. Heerden ihren Hirten hören, schenheerden Guter und getreuer Hirt, Laß mich eins von denen werden, Die dein Ruf und Stab regiert. Ach, du hast aus Lieb dein Leben Für die deinen hingegeben, Und du gabst es auch für mich: Laß mich wieder lieben dich! Folgen seiner Stimm allein; Hirten sich zur Heerde kehren, Wenn sie rufen groß und klein. Wenn du rufest, laß mich eilen, Wenn du dränest, nicht verweilen, Laß mich achten stets auf dich; Jesu, achte du auf mich! 2. Heerden ihren Hirten lieben, 5. Höre, Jesu, und erhöre Meines schwachen Glaubens Stimm; Mich Und ein Hirt liebt seine Heerd, Laß auch zu dir rufen lehre, Wenn sich uns auch so Liebe üben, Du im Him- naht des Wolfes Grimm. Laß mein Rufen dir gefallen, DeinenTrost herniederschallen; Wenn ich bete: höre mich!" Jesu, sprich: ,, ich höre dich!“ mel, ich auf Erd. Schallet deine Lieb hernieder, Soll dir meine schallen wieder; Wenn du rufft: ,, ich liebe dich!" Ruft mein Herz:„ dich liebe ich!" 6. Höre, Jesu, und erhöre, Wenn 3. Schafe ihren Hirten kennen, Dem ich ruf, anklopf' und bitt; Jesu, dich sie auch sind wohl bekannt. Laß mich von mir nicht kehre, Bald in Gnaauch für dich entbrennen, Wie du bist den zu mir tritt! Ja, du hörst; in für mich entbrannt; Da der Wolf mit deinem Namen Ist ja alles Ja und offnem Rachen Mich zur Beute wol- Amen. Nun, ich glaub und fühle len machen, Riefeft du: ,, ich kenne schon Deinen Trost, o Gettes Sohn! dich!" Ich rufauch:„ dich kenne ich!" S. von Birken, g. 1626+1681. VII. Paffionslieder. Mel. Schwing dich auf.( Jef. 52, 13-15. Cap. 53.) 129. Siehe, mein geliebter| Ohne Tadel, schlecht und recht Auf Kuecht, Der wird weislich handeln, der Erde wandeln. Sein getreuer, VII. Paffionslieder.. frommer Sinn Wird in Einfalt| Weil er sterbend Tod und Grab gehen; Aber dennoch wird man ihn Mächtig überwindet. An das Holz erhöhen." 84 2. Hoch am Kreuze wird mein Sohn Große Marter leiden, Viele werden ihn mit Hohn Als ein Greuel meiden. Aber seiner Leiden Kraft Wird die Welt durchdringen Und den Geist, der Leben schafft, In die Herzen bringen." 3. Run! was hat er denn gethan? Was sind seine Schulden, Daß er muß von jedermann Solche Schmach erdulden? Hat er etwan Gott betrübt Bei gefunden Tagen, Daß ihm dieser jetzo gibt Seinen Lohn| heilgen Namen. mit Plagen? 4. Was ihn also trifft und schlägt, Trifft ihn unfertwegen! Daß er . solche Bürden trägt, Ist für uns zum Segen Und befreit uns vom Gericht, Daß wir Friede haben Und in seinem Angesicht Leib und Seele laben. 5. Wie ein Lamm läßt er sich hin Zu der Schlachtbank leiten, und hat in dem frommen Sinn Gar kein Widerstreiten. Er finkt in den Tod hinab, Den er selbst doch bindet, 6. Er wird aus der Angst und Qual Bald herausgerissen, Tritt den Feinden allzumal Ihren Kopf mit Füßen. Wer will seines Lebens Läng' Irgendwo umschränken? Seiner Tag und Jahre Meng' Ist nicht auszudenken! 7. Ja er ist für fremde Sünd In den Tod gegeben, Auf daß du, o Menschenkind, Durch ihn möchtest leben; Daß er mehrte sein Geschlecht, Den gerechten Samen, Der Gott dient' und Opfer brächt Seinem 130. Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld Der Welt und ihrer Kinder, Es geht und büßzet in Geduld Die Sünden aller Sünder; Es geht dahin, wird matt und frank, fant Ergibt sich auf die Würgebant, Entzieht sich allen Freuden, Es nimnt 8. Denn das ist ihm höchste Freud Und des Vaters Wille, Daß den Erdfreis weit und breit Sein Erkenntniß fülle; Damit der gerechte Knecht, Ein vollkommner Sühner, Gläubig mache und gerecht AlleSündendiener. 9. Große Menge wird dir Gett Zur Verehrung schenken, Dafür, daß du dich mit Spott Für uns laffen kränken. Hilf, Herr, daß wir mehr und mehr Auf dich sehn und hören Und mit Luft, zu deiner Ehr, Unsern Glauben mehren! Gerharb, g. 1606+1676. Eigene Mel.( Joh. 1, 29. Jes. 53. Gal. 3, 13. Röm. 6, 10. 11.) und Tod Und spricht: ich wills gern leiden! 2. Das Lämmlein ist der große Freund Und Heiland unsrer Seelen, Den, den hat Gott zum Silnden. Feind Und Sühner wollen wählen: ,, Geh hin, nimm dich der Sünder auf sich Schmach, Hohn und Spott, an, Dein Tod ists, der sie retten Angst, Wunden, Striemen, Streuz tann von meines Bornes Ruthen! VII. Pasionslieder. 85 Die Straf ist schwer, der Zorn ist| Freudenopfer bringen; Mein Bach groß, Du kannst und sollst sie ma- des Lebens soll sich dir Und deinem chen los Durch Sterben und durch Namen für und für In DankbarBluten." keit ergießen, Und was du mir zu 3. ,, Ja, Bater, ja von Herzens- gut gethan, Das will ich stets, so grund, Leg auf, ich wills gern tra- tief ich kann, In mein Gedächtniß gen; Mein Wollen hängt an deinem schließen. Mund, Mein Wirken ist dein Sagen!" Wunderlieb, o Liebesmacht! Du kannst, was nie ein Mensch gedacht, Gott seinen Sohn abbringen! O Liebe, Liebe du bist stark, Du streckest den in Grab und Sarg, Vor dem die Felsen springen! 4. Du läsfest ihn am Kreuzesstamm Der Sünde Greuel büßen, Du läßst ihn schlachten als ein Lamm, Daß Herz und Adern fließen; Das Herze mit der Seufzer Kraft, Die Adern mit dem edlen Saft Des reinen Opferblutes. O füßes Lamm, was soll ich dir Erweisen dafür, daß du mir Erzeigest so viel Gutes? 5. Mein Lebetage will ich dich Aus meinem Sinn nicht lassen, Dich will ich stets, gleichwie du mich, Mit Lie besarmen fassen; Du sollst sern meines Herzens Licht, Und wenn mein Herz in Stücke bricht, Sollst du mein Herz verbleiben; Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, Hiemit zu deinem Eigenthum Beständiglich verschreiben. 6. Ich will von deiner Lieblichkeit Bei Nacht und Tage singen, Mich selbst auch dir zu aller Zeit Zum 7. Auf, armes Herz, erweitre dich! Dir soll ein Kleinod werden; Kein Schatz wie dieser findet sich Im Himmel und auf Erden; Weg mit den Schätzen dieser Welt Und allem was dem Fleisch gefällt, Ich hab ein beßres funden! Herr Jesu Christ, mein großes Gut Ist dein für mich vergoßnes Blut, Das Heil in deinen Wunden! 8. Das soll und will ich mir zu Nutz Zu allen Zeiten machen: Im Streite soll es seyn mein Schutz, In Traurigkeit mein Lachen, In Fröhlichkeit mein Saitenspiel, Und wenn mich nichts erquicken will, Soll mich dieß Manna speisen; Im Durst solls meine Quelle seyn, Mein Umgang, wo ich bin allein Zu Haus und auf den Reisen. 9. Wann endlich ich soll treten ein In deines Reiches Freuden, So soll dieß Blut mein Purpur seyn, Ich will mich darein kleiden; Es soll seyn meines Hauptes Kron, In welcher ich will vor den Thron Des ewgen Baters gehen Und dir, dem er mich anvertraut, Als eine wohlgeschmückte Braut An deiner Seite stehen. Gerhard, g. 1606 † 1676. Eigene Mel.( Jes. 53, 5. 1 Petri 2, 24.) 131. Jesu! deine Passion Will| ken. In dem Bilde jetzt erschein, Jesu, ich jetzt bedenken; Wollest mir vom Himmelsthron Dazn Andacht schen meinem Herzen, Wiedu, unser Heil zu seyn, Littest große Schmerzen. 86 VII. Passionslieder. 2. Gib, daß ich recht sehen mag| Und nicht wollen meiden, Was mein Deine Angst und Bande, Deine Heiland büßen mußt mit so großen Schläge, deine Schmach, Deine Leiden? Kreuzesschande, Deine spitze Dor nenkron, Deine tiefen Wunden Und den Tod, o Gottessohn, Den du dort empfunden! 3. Aber laß mich nicht allein Deine Marter sehen; Laß mich auch die Ursach fein Und die Frucht verstehen. Ach, die Ursach war auch ich, Ich und meine Sünde, Diese hat gemartert dich, Daß ich Gnade finde! 4. Jesu! lehr bedenken mich Dieß mit Buß und Neue; Hilf, daß ich mit Sünden dich Martre nicht aufs neue. Sollt ich dazu haben Lust 5. Wenn mich meine Sünde quält Mit viel bittern Schmerzen, Du, der sich ins Mittel stellt, Reiche Trost dem Herzen! Dich und deine Passion Laß mich gläubig fassen; Liebst du mich, o Gottessohn, Wie kann Gott mich haffen? 6. Gib auch, Jesu, daß ich gern Dir das Kreuz nachtrage, Daß ich Demuth von dir lern Und Geduld in Plage; Daß ich dir geb Lieb um Lieb. Indeß laß dieß Lallen, Bis es kommt aus reinem Trieb, Jesu, dir gefallen! S. von Birken, g. 1626 † 1681. Eigene Mel.( Jes. 63, 9. Eph. 5, 2.) 132. bu Liebe meiner Liebe,| 4. Liebe, die mit ihren Armen Du erwünschte Seligkeit, Die du dich aus höchstem Triebe In das jammervolle Leid Deines Leidens mir zu gute, Als ein Opfer, eingestellt Und bezahlt mit deinem Blute Alle Missethat der Welt! Mich zuletzt umfangen wollt; Liebe, welche mit Erbarmen Mich so treulich und so hold Ihrem Vater übergeben, Die noch sterbend für mich bat, Daß ich ewig möchte leben, Weil mich ihr Verdienst vertrat! 5. Liebe, die für mich gestorben Und ein immerwährend Gut An dem Kreuzesholz erworben, Ach wie denk ich an dein Blut! Ach wie dankich deinen Wunden, Schmerzenreiche Liebe du, Wann ich in den letzten Stun den Sanft in deinen Armen ruh! 2. Liebe, die mit heißen Thränen An dem Delberg sich betrübt; Liebe, die mit Sorg und Sehnen Unaufhörlich fest geliebt; Liebe, die den eignen Willen In des Vaters Willen legt, Und den Fluch der Welt zu stillen, Treu die Last des Kreuzesträgt! 3. Liebe, die mit starkem Herzen Schmach und Lästerung gehört; Liebe, die in Angst und Schmerzen Bis zum Tod blieb unversehrt; Liebe, die sich liebend zeiget, Wo der Athem geht zu End, Liebe, die sich liebend neiget, Da sich Leib und 6. Liebe, die sich todt gekränket Und für mein erfaltet Herz In ein taltes Grab gesenket, Ach wie dank ich deinem Schmerz! Habe Dank, daß du gestorben, Daß ich ewig leben kann, Und der Seelen Heil erwor ben; Nimm mich ewig liebend an! Seele trennt! Angelus Silesius, g. 1624+ 1677, VII. Paffionslieder. Mel. Nun sich der Tag.( Joh. 13, 34 35.) 133. Der du noch in der letzten| 2. Erinnre deine kleine Schaar, Nacht, Eh du für uns erblaßt, Den deinen von der Liebe Macht So schön gepredigt haft: Die sich sonst leicht entzweit, Daß deine letzte Sorge war Der Glieder Einigkeit! N. Ludw. Graf v. 3inzendorf, g. 1700+ 1760. Mel. Mein Gott, zu dem ich.( Marc. 14, 32-39.) 134. Du u gehest in den Garten 6. Du wirfst voll Zuversicht und beten, Mein trauter Jesu, nimm Liebe Dem Bater dich ans trene mich mit! Laß mich an deine Seite Herz, Und rufft aus stärkstem Hertreten, Ich weiche von dir keinen zenstriebe mit heißen Thränen him. Schritt; Ich will an dir, mein Leh- melwärts. Ach, Glaub und Liebe rer, sehn, Wie mein Gebete soll sind mir noth, Sonst ist mein Beten geschehn. alles todt! 2. Du gehst mit Zittern und mit 7. Geduldig Lamm, wie hältst du Zagen Und bist bis in den Tod bestille Und im Gebete dreimal an! trübt. Ach, dieses soll aus Herz mir schlagen, Daß mir die Sünde so beliebt; Drum willst du, daß ein Herz voll Neu Mein Anfang zum Gebete sey. 3. Du reißest dich von allen Leuten Und suchst die stille Einsamkeit. So muß auch ich mich wohl bereiten Und fliehen was mein Herz zer streut; Zeuch mich von aller Welt allein, Daß nur wir zwei beisammen sey'n. 87 4. Du wirfst dich knieend hin zur Erden, Fällst nieder auf dein Angesicht. So muß die Demuth sich geberden; Drum brüst ich Erd und Staub mich nicht Und beuge mich in Niedrigkeit, Wiedu, voll Trauer, Angst und Leid. 5. Du betest zu den lieben Vater, Nufft: Abba, Abba! wie ein Kind. Dein Vater ist auch mein Berather, Sein Vaterherz ist treu gesinnt, Drum halt ich mich getrost an dich Und rufe: Abba, höre mich! Dabei ist auch für mich dein Wille, Daß ich soll thun, wie du gethan; Hilft Gott nicht gleich aufs erste Flehn, So darf ich wieder vor ihn gehn. 8. Dein Wille senkt sich in den Wil len Des allerbesten Vaters ein; Darein muß ich auch mich verhüllen, Dafern ich will erhöret seyn; Drum bet ich in Gelasfenheit: Was mein Gott will, gescheh allzeit! 9. Obgleich die Jünger dein vergessen, Gedenkst du doch getreu an sie, Und da dich alle Martern pressen, Sorgst du für sie mit steter Müh. Mein Beten bleibet ohne Frucht, Wenn es des Nächsten Heil nicht sucht. 10. Nun, du erlangest auf dein Flehen Trost, Kraft, Sieg, Leben, Herrlichkeit; Damit hast du auf mich gesehen, Daß ich zur angenehmen Zeit Auf ernstlich Beten frendenvoll Den gleichen Segen ernten soll. 88 VII. Paffionslieder. 11. Mein Jesu! hilf mir stets so treten Und werde stets von ihm erbeten, Wie mich dein heilig Vorbild hört; So bet ich mich zum Himmel lehrt, So kann ich frei zum Vater ein Und will dir ewig dankbar seyn! Schmolk, g. 1672+ 1737. Mel. Herzlich thut mich.( Joh. 1, 29.) 135. Du, dessen Augen flossen, So bald sie Zion sahn, Zur Frevelthat entschlossen, Sich seinem Falle nahn! Wo ist das Thal, die Höhle, Die, Jesu, dich verbirgt? Berfolger seiner Seele, Habt ihr ihn schon erwilrgt? wildem Ton: Auf uns, auf Söhn und Töchter Komm seines Blutes Lohn!" 5. Zur hohen Schädelstätte Trägt er fein Krenz hinan; Sie freuzgen ihn,-o bete, Mein Geist, mit Wehmuth an! Noch höhnt in frechen Mienen Sein Volk des Dul ders Schmerz: Er ruft: ,, bergieb es ihnen!" Und Mitleid bricht sein Herz. 2. Welch jammervolles Klagen Seufzt in Gethsemane? Wer ist der Mann der Plagen, Der langsam Sterbende? Ist unter Menschenfindern Ein Heiliger wie er? Und doch bebt er gleich Sündern Und siuft und trägts nicht mehr! 3. Ach, wie er tief im Staube Bedeckt mit Angstschweiß liegt, Und doch sein starker Glaube Im heißen Kampfe siegt! Schon kommt der Mörder Notte, Die kein Erbarmen rührt, Die ibn zu Hohn und Spotte, Ihn, ach zum Krenze führt! 4. Sein Bolk im heißen Grimme Erweicht sein Anblick nicht, Nicht fremden Mitleids Stimme, Die von dem Nichtstuhl spricht. Er ist schwachen Lobgesang. ihr Hohngelächter, Sie drobn mit 6. Es bricht, und matt von Kummer Sinft auf die Bruft zur Ruh Sein Haupt; nun schließt der Schlummer Sein müdes Auge zu. Am Kreuze ruht die Hülle; Der Geist schwebt, sanft entrückt, 31 Gott, wo ihn die Fülle Des hohen Lohns erquict. 7. O Freund der Menschenkinder Hier liegen wir gebückt; Wie hoch hat uns, die Sünder, Wie hoch dein Tod beglückt; Dich ehre unser Glaube, Anbetung sey dein Dank; Hör ihn, vernimm vom Staube Den Ramler, g. 1725 † 1798. Mel. Ach Gott, verlaß mich nicht.( Joh. 19, 5. 2 Cor. 5, 21.) 136. Sebt, welch ein Mensch| Ach sehet feine Wunden! Habt ihr, ist das! O Blicke voller Thränen, ihr Sünder, nicht Den Heiligen geO Antlig voller Schmach, Olippen| bunden? Sind eure Lüfte nicht Die voller Sehnen, D Haupt voll To Dornen, die er trägt? Ists eure desschweiß! O Seele voller Noth! Bosheit nicht, Die an das Kreuz D Herze voll Geduld, O Lieb voll ihn schlägt? Angst im Tod! 3. Seht, welch ein Mensch ist das! Ach opfert Thränenfluthen, Denn 2. Seht, welch ein Mensch ist das, VII. paffionslieder. 89 gure Sünde macht Das Herz des| Ach sieh uns an in Gnaden! Wenn Heilgen bluten; Geht nicht vorüber wir uns voller Buß In Jammerhier, Wo Schmerz ist über Schmerz; thränen baden, So laß den Blick Seht durch die offne Brust In eures vom Kreuz In unsre Seele gehn, Jesu Herz! Und dein vergoßnes Blut Für uns beim Vater flehn. 6. Seht, welch ein Mensch ist das! So werden wir dich schauen Und unsern ganzen Trost Auf dein Verdienst nur bauen. Wenn nun dein du für uns erträgst, Uns unver- Haupt sich neigt, So sterben wir gefsen seyn! mit bir, Wenn unser Auge bricht, 5. Seht, welch ein Mensch ist das! So leben wir dafür! 4. Seht, welch ein Mensch ist das! Ach ja wir wollen sehen, Was dir, du Menschenfreund, Durch Menschen ist geschehen! So lang ein Auge blickt, So lange soll die Pein, Die Mel. Herzlich thut mich.( Joh. 19, 2. 1 Joh. 2, 6.) vergeben, Die Strafe geht dahin, Daß ich in jenem Leben Der Ehre fähig bin. 137. Dent ich der Dornen trone Um meines Heilands Haupt, So dankt dem Menschensohne Mein Herz, das an ihn glaubt, Es wallt 3. Mein Heil, was soll ich sagen? von heißem Triebe, Ruft ihm be- Ich bin auf ewig dein! Lehr mich wundernd zu: O Iefu, welche Lie be, O welch ein Mensch bist du! 2. Mein Herr! das ist die Schande, Die mein Stolz hat verdient; Dech in so niedrem Stande Hast du mich ausgefühnt. So wird die Schuld für solche Plagen Dir herzlich dankbar seyn. Mir sey vor deinem Throne Dein ewger Ruhm erlaubt Und die erworbne Krone Des Lebens auf dem Haupt! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Schmolk, g. 1672+ 1737. Eigene Mel.( Jef. 53, 4. 5. Röm. 6, 10 2c.) du erduldet! 138. Herzliebster Sesu! was Jesu, habe dieß verschuldet Was haft du verbrochen, Daß man ein solch scharf Urtheil ausgesprochen? Was ist die Schuld? in was für Missethaten Bist du gerathen? 4. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe, Der gute Hirte leidet für die Schafe; Die Schuld bezahlt der König, der Gerechte, Für seine Knechte. 5. Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt, Der Böse lebt, der wider Gott mißhandelt, Der Mensch verwirkt den Tod, und ist entgangen, Der Herr gefangen! 6. D große Lieb, o Lieb ohn alle 2. Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet, Ins Angesicht geschlagen und verhöhnet, Du wirst mit Essig und mit Gall getränket, Ans Kreuz gehentet! 3. Was ist die Ursach aller solcher Plagen? Ach, meine Sünden haben dich geschlagen! Ich, mein Herr VII. paffionslieder. 90 Maße, Die dich gebracht auf diese Marterstraße! Sch lebte mit der Welt in Lust und Freuden, Und du mußt leiden! 7. Ach großer König, groß zu allen Zeiten, Wie kann ich gnugsam deine Treu ausbreiten! Kein Menschenherz vermag es auszudenken Was dir zu schenken. 8. Ich fanns mit meinen Sinnen nicht erreichen, Womit doch dein Erbarmen zu vergleichen! Wie kann ich dir all deine Liebesthaten Im Werk erstatten? 9. Doch etwas ist, das wirst du gern annehmen: Wenn ich des Fleisches Litste will bezähmen, Daß sie Mel. Herzlich thut.( 1 Cor. 15, 22. Gal. 6, 14. Offenb. 3, 10.) 139. Du, meines Lebens Le-| 4. Mein Heiland wird verrathen, Geführt zu Spott und Qual; Ach meine Missethaten, Die brachten allzumal Ihn vors Gericht des Hei den Und in der Feinde Hand; Ich wars, ich sollte leiden Was da mein Bürg empfand. ben, Du, meines Todes Tod, Für mich dahin gegeben In tiefe Seelennoth, In Martern, Angst und Sterben Aus liebender Begier, Das Heil mir zu erwerben, Nimm Preis und Dank dafür. aufs neue nicht mein Herz entzünden Mit alten Sünden. ( Gal.5,24.) 10. Weil aber dieß nicht steht in eignen Kräften, Fest die Begierden an das Krenz zu heften, So gib mir deinen Geist, der mich regiere, Zum Guten führe. 11. Ich werde dir zu Ehren alles wagen, kein Kreuz mehr achten, keine Schmach noch Plagen, Nichts von Berfolgung, nichts von Todesschmerzen Nehmen zu Herzen! 12. Wann dort, Herr Jesu, wird vor deinem Throne Auf meinem Haupte stehn die Ehrenkrone, Dann will ich dir, wenn alles wird wohl klingen, Lob und Dank singen! Joh. Heermann, g. 1585 † 1647. 2. Ich will jetzt mit dir gehen Den 5. ,, Seht, welch ein Mensch!" er Weg nach Golgatha, Laß mich im stehet Geduldig, wie ein Lamm; Und Geiste sehen, Was da für mich ge- nun wird er erhöhet, Ein Fluch, am schah. Mit innig zartem Sehnen Kreuzesstamm, Bollendet da sein Begleite dich mein Herz, Und meine Büßen, Der Welt, auch mir zu Augen thränen Um dich vor Liebes- gut; Aus Händen, Seit und Füßen schmerz. 3. Ich komm erst zu der Stätte, Wo Jesus niedersank Und ringend im Gebete Den Kelch des Leidens trank; Die Angst, die ihn durchbringet, Traf ihn durch mein Bergehn, Der Tod, mit dem er ringet, Den sollt ich selbst erstehn. Quillt sein Versöhnungsblut. 6. Du bittest für die Feinde; Mein Jesu, wer war ich? Du denkst an deine Freunde; Gedenk, Herr, auch an mich! Du machst den Schächer selig, Verheißest ihm dein Reich; Das macht mich Sünder fröhlich, Mich, der dem Schächer gleich. VII. paffiouslieder. 7. Du klagst voll Angst im Herzen: ,, Mein Gott verlässet mich!" Du dürftest in den Schmerzen, Und niemand labet dich. Nun kommt der Leiden Ende, Du rufft: ,, es ist voll bracht!" Befiehlst in Vaters Hände Den Geist; es war vollbracht! 8. Ich seh mit Lieb und Beugen Des Heilands letzten Blick, Ich seh sein Haupt sich neigen, Das war mein ewig Glück; Mein Bürge stirbt, ich lebe, So todeswerth ich bin; Er gibt sich mir, ich gebe Mich ihm zu eigen bin! 10. Erhalt mir deinen Frieden Und deines Heils Gemuß, So lang ich noch bienieden In Schwachheit wallen muß, Vis endlich dir zu Ehren, Der mich mit Gott versöhnt, Dort in den obern Chören Mein Hallelujah tönt! von Wobeser, g. 1727 † 1795, und von Bruiningk. 91 9. D bu, an den ich glaube, Und den mein Geist umfaßt, Der du im Todesstaube Für mich gelegen hast! Auf dein Verdienst und Leiden Vertrau ich ganz allein, Darauf werd ich einst scheiden Und ewig bei dir seyn. Mel. Sieh, hier bin ich.( Joh. 15, 13. 14. Gal. 5, 24.) 140. Nube hier, mein Geist, ein wenig, Schan dieß Wunder, ach wie groß! Sich, dein Herr, der höchste König Hängt am Kreuze bleich und bloß, Den sein Lieben Hat getrieben Hieher aus des Vaters Schooß. 2. Wie dich Jesus liebt von Her zen, kannst du hier am Kreuze sehn; Schau, wie bittre Todesschmerzen Ihm durch Leib und Seele gehn! Wie die Schrecken Ihn bedecken, Wie er schwebt in tausend Wehn! 3. Dieß sind meiner Sünden Früchte, Die, mein Heiland, ängsten dich; Dieser Leiden schwer Gewichte Lag auf dir, mein Heil, für mich, Daß die nöthen, Die dich töbten, Mich nicht quälen ewiglich. 4. Du, du hast für mich befrieget Sünde, Tod und Höllenmacht, Alle Feinde ganz besieget, Gottes Willen ganz vollbracht, Durch dein Ster ben Mich zum Erben Deines Lebens dort gemacht. 5. Ach, ich Sündenkind der Erden! Jesu, stirbst du mir zu gut? Soll dein Feind erlöset werden Durch dein eigen Herzensblut? Ich muß schweigen Und mich beugen. Für dieß unverdiente Gut! 6. Leib und Leben, Blut und Glieder, Alles giebst du für mich hin; Sollt ich dir nicht schenken wieder Alles was ich hab und bin? Ich bin deine Ganz alleine, Dir verschreib ich Herz und Sinn. 7. Zeuch durch deines Todes Kräfte Mich in deinen Tod hinein! Laß mein Fleisch und sein Geschäfte, Herr, mit dir gefreuzigt seyn, Daß mein Wille Werde stille Und die Liebe heiß und rein! Tersteegen, g. 1697+ 1769, Mel. Nun ruhen alle( 1 Petri 2, 21-24.) Welt! sich hier dein| schweben, Dein Heil sinkt in den Leben Am Stamm des Kreuzes Tod; Der große Fürst der Ehren 141. 92 VII. Passionslieder. Läßt willig sich beschweren Mit| will ich thun: Es soll dein Tod und Schlägen, Hohn und großem Spott. 2. Tritt her und schau mit Fleiße, Sein Leib ist ganz mit Schweiße Des Todes überfüllt; Aus seinem edlen Herzen Vor unerschöpften Schmerzen Ein Seufzer nach dem andern quillt. Leiden, Bis Leib und Seele scheiden, Mir stets in meinem Herzen ruhn. 9. Ich wills vor Augen setzen, Mich stets daran ergößen, Ich sey auch wo ich sey; Es soll mir seyn ein Spiegel Der Unschuld, und ein Sie gel Derlieb und unverfälschtenTren. 10. Wie wir mit unsern Sünden Des Herrn Gericht entzünden, Wie Rach und Eifer gehn, Wie strenge Gottes Ruthen, Wie heiß der Strafe Gluthen, Will ich aus die sem Leiden sehn. 11. Ich will daran erblicken, Wie ich mein Herz soll schmücken, Mit stillem, sanftem Muth; Und wie ich soll die lieben, Die mich so sehr betrüben Mit Werken, so die Bosheit thut. 12. Wenn böse Zungen stechen, Mir Glimpf und Namen brechen, So will ich zähmen mich; Das Un> recht will ich dulden, Dem Nächsten seine Schulden Verzeihen gern und williglich. 3. Wer ist's, der dich geschlagen, Mein Heil, und dich mit Plagen So zugerichtet hat? Du bist ja nicht ein Sünder, Wie wir und unsre Kinder, Und weißt von keiner Missethat. 4. Ich, ich und meine Sünden, Die sich wie Körnlein finden Des Sandes an dem Meer, Die haben dir erreget Das Elend, das dich schläget Und deiner Martern ganzes Heer. 5. Ich bins, ich sollte büßen, An Händen und an Füßen Gebunden, in der Qual; Die Geißeln und die Banden Und was du ausgestanden, Hab ich verdienet allzumal. 6. Du setzest dich zum Bürgen, Ja läsfest dich erwürgen Für mich und meine Schuld; Mir lässest du dich 13. Ich will ans Kreuz mich schla trönen Mit Dornen und dich höh- gen Mit dir und dem entsagen Was nen, Und leidest alles mit Geduld. meinem Fleisch gefällt; Was deine Augen hassen, Das will ich fliehn und lassen, Geftel es auch der gan zen Welt. 7. Ich bin, mein Heil, verbunden All Augenblick und Stunden Dir überhoch und sehr; Was Leib und Seel vermögen, Das soll ich billig legen Allzeit zu deinem Dienst und Chr. 8. Nun, ich kann nicht viel geben In diesem armen Leben; Eins aber 14. Dein Seufzen und dein Sehnen Und so viel tausend Thränen, Die dir gefloffen zu, Die sollen mich am Ende In deinen Schooß und Hände Begleiten zu der ewgen Ruh. Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Herzlich thut.( Jes. 50, 6. Nöm. 5, 8-11.) 142. O Haupt voll Blut und| Hohn, O Haupt, zum Spott geWunden, Voll Schmerzen, vollerbunden Mit einer Dornenkron! D VII. paffionslieder. 93 Haupt, sonst schön geschmücket Mit| will ich nicht gehen, Wann dir dein höchster Ehr und Zier, Doch nun von Schmach gedrücket, Gegrüßet seyst du mir. Herze bricht; Wann dein Haupt wird erblaffen Im letzten Todesstoß, Alsdann will ich dich faffen In meinen Arm und Schooß. 2. Du edles Angesichte, Davor das Reich der Welt Erschrickt und wird zunichte, Wie bist du so entstellt, Wie bist du so erbleichet! Wer hat dem Augenlicht, Dem sonst kein Licht mehr gleichet, Solch Dunkel zugericht't. 7. Es dient zu meinen Freuden Und kommt mir herzlich wohl, Wenn ich in deinem Leiden, Mein Heil, mich finden soll. Ach möcht ich, o mein Leben, An deinem Krenze hier Mein Leben von mir geben, Wie wohl geschähe mir! 3. Die Farbe deiner Wangen, Der rothen Lippen Pracht Ist hin und ganz vergangen; Des blassen Todes Macht Hat alles hingenommen, Hat alles hingerafft, Und daher bist du kommen Von deines Leibes Kraft. 4. Mein Heil! was du erduldet, Ist alles meine Last, Ich, ich hab es verschuldet Was du getragen haft. Schau her, hie steh ich Armer, Der Zorn verdienet hat, Gib mir, o mein Erbarmer, Den Anblick Deiner Gnad! 8. Ich danke dir von Herzen, O Jesu, liebster Freund, Für deine Todesschmerzen, Da du's so gut gemeint! Ach gib, daß ich mich halte Zu dir und deiner Treu, Und wann ich nun erkalte, In dir mein Ende sey. 9. Wann ich einmal soll scheiden, So scheide nicht von mir; Wann ich den Tod soll leiden, So tritt du dann herfür! Wann mir am allerbängsten Wird um das Herze seyn, So reiß mich aus den Aengsten Kraft deiner Angft und Pein! 10. Erscheine mir zum Schilde, Zum Trost in meinem Tod Und laß mich sehn dein Bilde In deiner Kreuzesuoth; Da will ich nach dir blicken, Da will ich glaubensvoll Fest an mein Herz dich drücken! Wer so stirbt, der stirbt wohl! Gerhard, g. 1606 † 1676. 5. Erkenne mich, mein Hüter, Mein Hirte, nimm mich an! Von dir, Quell aller Gülter, Ist mir viel Guts gethan; Dein Mund hat mich begabet Mit wunderbarem Trost, Dein Geist hat mich gela bet Mit reicher Himmelskost. 6. Ich will hier bei dir stehen, Verachte mich nur nicht! Von dir Mel. Ach, was soll ich Sünder.( 1 Joh. 3, 5. 6.) 143. Jesu! dessen Tod und| Herr, in deine Seite dort, Und dein Leiden Unsre Freud und Leben ist, Der bu abgeschieden bist, Auf daß wir nicht von dir scheiden, Sondern durch des Todes Thür Zu dem Leben folgen dir; Blut, des Glaubens Hort, Aus der. Seit bervorgebrochen, Läßst du sehen uns dein Herz Boll von Lieb und voll von Schmerz. 2. Als ber scharfe Speer gestochen, 3. Deine Arme, ausgestrecket, Beigen deine Freundlichkeit, Zu VII. paffionslieder. empfangen die bereit, So bein| wer auch Zeichen gibt, Daß er bis Kreuz zur Lieb erwecket; Wer nicht in Tod dich liebt! unempfindlich ist, Sich in deine Arme schließt. 4. Als sich, Herr, dein Haupt geneiget, War es, um zu segnen mich; Da der Geist von dannen wich, Noch sich deine Liebe zeiget. Selig, 5. Laß die matte Seel empfinden Deiner Liebe süße Fluth; Wem nicht deines Leidens Gluth Kann sein kaltes Herz entzünden, Jesu, der muß wie ein Stein, Ohne Lieb und Leben seyn! Leibniz, g. 1646 † 1716. 94 Schuld! Mel. Jesu, der du meine.( Matth. 27, 46. Luc. 23, 34. 43. 46. Joh. 19, 26-30.) 144. Mittler! alle Kraft der| fershuld Tilge mein und seine Worte, Die du in der hohen Pein Vor der offenen Todespforte ließest deine Losung seyn, Bleibt mir, wann auch ich abscheide, Meiner Seele Füll und Weide; Nun ich so gerüstet bin, Zieht miche dir nach, zu dir hin. 2. Wenig Wort in langen Stun den Botest du vom Kreuze dar, Bis du alles überwunden Was dir in dem Wege war, zu dem Vater durchzudringen Und auch uns zu ihm zu bringen; Weil du, was uns selig macht, meist in stillem Kampf vollbracht. 3. Doch was deine Lippen sagen, Macht zu Gott gewisse Bahn; Was uns plagt, das war dein Klagen, Unsers Flehns nahmst du dich an. Dieß geschieht, um mich zu lehren, Wo auch ich mich hin soll fehren, Wann beim Heimgang mich der Geist Alles richtig machen heißt. 5. Deine Mutter, deinen Jünger, Welchen du, der dich geliebt, Haft du, Eintrachtswieberbringer, Gleich versorgt und gleich geübt. Gib, daß die, so ich verlaffe, Rechter Sinn zu sammenfaffe, Und in deiner Lieb und Treu Eins des andern Zuflucht sey. 6. ,, Heute"( unvergleichlichs Heutel) Heute solleft du gewiß"( Glanbe, rede, bete, streite!) ,, Seyn mit mir im Paradies!" Dieses lasse, wie dem Schächer, So auch mir, o Todesrächer, Wann der Augen matter Schein Bricht, den letzten Leitstern seyn. 7. ,, Ach warum bin ich verlassen, O mein Gott, mein Gott, von dir?" Sesu, wie ist dieß zu faffen? Klagst du so, wie gehts dann mir? Ja durch dieses scharfe Ningen Wirft du deinen Flüchtling bringen, Trotz der Sünden Scheidewand, Zum geheimen Priesterstand. 4. ,, Vater!" batest du, ,, laß diesen Ihren blinden Frevel nach!" Edle 8. Aber welch bedenklich Dürsten Langmuth, sey gepriesen! Nun, wie Klagt der ausgedörrte Mund Unsers soll ich eigne Nach Wider meinen reichen Lebensfürsten In der Schrift Nächsten hegen Und mir selbst den erfüllungsstund? Für die leczens. Weg verlegen? Jesu, deine Mitt- volle Kehle, Für die ächzensmatte VII. Paffionslieder. 95 ich zu dem Friedenshügel, Deffen Spur mir nun bewußt, Unverweilet aufwärts steige, Und daß alles in mir schweige, Außer deiner Worte Chor; Dieser hebet mich empor. 9. Nun, nun ist das Heil erworben, Denn du sagst: ,, es ist vollbracht!" Jesu, eh du noch gestorben, 12. Wahrheit prüfe, Licht durchLeuchtet schon die Siegesmacht! Laß scheine Noch einmal was in mir ist, nun immerhin ergehen, Was hie- Ob ich alles lauter meine, Daß dein nieden auszustehen; Mein Vollen- Sinn, o Jesu Christ, Mich erhalt der, du in mir, Und vollendet ich in Tod und Leben! Laß den Geist in dir! das Zeugniß geben, Daß ich Gnad und Glaubensgab Und sofort das Leben hab. 13. Nun so darf ich mit dir rufen, Nun, so werd ich auch erhört; Nun, so folg ich durch die Stufen, Wo der Eingang unverwehrt Zu dir führet und zu allen Die dir Hallelujah schallen; Du, du hast den Feind gedämpft, Ewig ist es ausgelämpft! Dr. 3. 2. Bengel, g. 1687 † 1752. Seele Bleibt, wann nichts den Stand mehr hält, Mir zum Labsal dieß bestellt! 10. ,, Vater," rufft du ,,, ich befehle Deinen Händen meinen Geist!" Rufft es laut aus tiefer Seele; So vertritt mich allermeist, Wann der letzte Zug vorhanden, Lös mich aus des Todes Banden, Nimm, Herr, deines Pilgrims wahr, Stelle mich dem Vater dar. 11. Diese fieben festen Siegel Drück, o Herr, in meine Brust, Daß| Mel. Jesu Hilf stegen.( 1 Tim. 2, 5. 6.) 145. Einiger Mittler und ewi| durch dieses die himmlische Pforte, ger Priester, Der uns am Krenze so herrlich vertrat, Der noch den Vater für böse Geschwister Sterbend, mit Thränen und Schreien erbat! Fehlt es mir immer im Danken und Beten, Laß mich doch immer dein Fürwort vertreten! Die mir die Sünde verschlossen, erbrachst! Sünder kommt, freut euch der süßeften Reden, Denn sie sind wahrlich der Schlüssel zum Eden! 4. Dank sey dir, daß du noch bei dem Erblasfen Diese so tröstlichen Worte gebraucht: ,, Mein Gott, ach mein Gott, du hast mich verlassen!" Weil du dich für mich verlassen gedaucht. Jesu, ich werde die Nede recht faffen; Gott wird mich niemals im Kreuze verlassen 5. Jesu, Dank sey dir dem Fürsten der Fürsten, Daß dich nur Essig und Galle getränkt! Weil nun bei deinem so tläglichen Dürsten Meine heilsdurstige Seele gedenkt: Kann mich das Dirsten der Hölle noch 2. Dank sey dir für die so zärtlichen Triebe, Die du der Mutter zum Besten noch fühlst, Da du sie sterbend der findlichen Liebe Deines geliebten Johannes empfiehlst! Jesu! du liebst bis ans Ende die deinen, Ach, so berathe auch mich und die meinen! 3. Dank sey dir für die so tröstlichen Worte, Da du dem Schächer ben Himmel versprachst, Weil du VII. Passionslieder. schrecken? Wollte nicht Jesus das| uns Leben und Frieden, Daß du Bitterste schmecken? die Seele dem Vater befahlst; Dieses Wort heißet der Gläubigen Seelen All in die Hände des Vaters befehlen. 96 6. Dank sey dir für die Erfüllung der Schriften, Da du gerufen: ,, nun ist es vollbracht!" Weil du, ein ewig Erlösen zu stiften, Selbst dich zum heiligsten Opfer gemacht. Gott ist verfühnet, die Sünde getödtet, Weil dieses Blut in dem Himmel nun redet. 7. Dank sey dir, daß du so selig verschieden, Da du all unsere Sünden bezahlst! Dadurch erwarbst du Mel. Nun ruhen alle.( Luc. 23, 42. 43. 1 Tim. 1, 15. 16.) 146. Der Schächer, sluchbela-| 4. Wie gut ist frühe Buße Und zu des Heilands Fuße Um sein Er barmen flehn; Im Glauben Herrn ihn nennen, Im Leben ihn be kennen, Im Leiden auf sein Leiden sehn! 2. Das ist die Wunderfache, Daß 5. Ich preise dein Erbarmen, Herr Jesus selig mache Wer vorher Sün- Jesu, der mich Armen In seine der war; Doch dient es nicht zum Grunde, Daß man die letzte Stunde Zum Beten, Buß und Glauben spar. den, kam sterbend noch zu Gnaden, Daß er noch Buße that, Noch glaubte, noch bekannte Und den die Welt verkannte, Als Herrn des Reichs der Himmel bat. 8. Jesu, ich wünsche mit dir nur zu sterben, Jesu mit dir nur vom Grab zu erstehn; Jesu, mit dir nur den Himmel zu erben, Jeſu, mit dir nur mich selig zu sehn, Jesu, bei dir nur auf ewig zu leben; Jesu, sprich Amen! nur du kannst es geben! Py. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. 3. Zur Warnung soll mirs dienen; Die Gnade ist erschienen, Mit Gnade scherzt man nicht! Hieng nicht der andre Schächer Am Kreuz auch als Verbrecher, Starb aber hin auf sein Gericht? Gnade nahm! Erhalte mich hierin nen Und nimm mich einst von hin nen Zu dir, wohin der Schächer fam. 6. So lang ich noch soll leben, Laß mir die Gnade geben Was keine Welt mir gibt; Auf Gnade laß mich sterben, Aus Gnaden laß mich er ben, Gedenke, daß du mich geliebt! Ph. Fr. Hiller, 8. 1699 † 1769. Eigene Mel.; oder: Ach was soll ich.( Luc. 2, 35.) 147. Schaut die Mutter voller 2. Wessen Auge kann der Zähren Schmerzen, Wie sie mit zerrißnem Bei dem Jammer sich erwehren, Herzen, Bei dem Kreuz des Sohnes Der des Höchsten Sohn umfängt? steht! Schauet ihre Trübfalshitze, Wie er mit gelaßnem Muthe, Wie des Schwertes blutge Spitze desmatt, in seinem Blute An dem Tief durch ihre Seele geht! Holz des Fluches hängt! VII. Passionslieder. 97 3. Für die Sünden seiner Brülder| Und dich zittern, bluten sehen, Wenn Leidet er, daß seine Glieder Unnenn- die Sünde mich versucht. bare Qual zerreißt. Für uns ruft er im Erblassen: Gott, mein Gott, ich bin verlassen! Und verathmet seinen Geist. 7. Gib mir Theil an deinem Leiden, Laß von aller Lust mich scheiden, Die dir solche Wunden schlug. Ich will auch mir Wunden schlagen, Will das Kreuz des Lammes tragen, Welches meine Sünden trug. Matth. 5, 29 1c. 4. Laß, o Jesu, Quell der Liebe, Deines Herzens heilge Triebe Strömen in mein Herz herab! Laß mich dich mein Alles nennen, Ganz für dich in Liebe brennen, Der für mich sein Leben gab. 5. Drück, mein König, deine Wunden, Die du auch für mich empfunden, Tief in meine Seel hinein. Laß in Reue mich zerfließen, Mit dir leiden, mit dir büßen, Mit dir tragen jede Pein. 6. Laß mich herzlich mit dir weinen, Mich durchs Kreuz mit dir vereinen; Aller Weltsinn sey ver- ins Paradies zu dir. flucht! Unterm Kreuze will ich stehen 8. Laß, wenn meine Thränen fließen, Mich den Gnadenglanz genießen Deines milden Angesichts. Decke mich durch deine Plagen Bor den Aengsten und den Klagen Einst am Tage des Gerichts. 9. Gegen aller Feinde Stürmen Laß mich, Herr, dein Kreuz beschirmen; Deine Gnade leuchte mir. Deckt des Grabes finstre Höhle Meinen Leib, So nimm die Seele Hin 2. Wie dunkel waren jene Stun den, O Herr, und welche Lasten brückten dich! Wie quoll das Blut aus deinen Wunden, Und ach, es floß zum Heil und Troft für mich Und ruft noch heute mir ermunternd zu, Daß du mich liebst, du frommer Dulder, du! Eigene Mel.( Ebr. 12, 1. 2.) 148. Ach sieh ihn bulden, blu-| Vaters Liebe kund, Er wird für mich ten, sterben! O meine Seele, sag ein Quell der Freuden, Ein Siegel ihm frommen Dank! Sieh Gottes auf den ewgen Friedensbund; So eignen Sohn und Erben, Wie mäch- wahr dich Gott für mich zum Opfer tig ihn die Menschenliebe drang! gibt, So feft steht es, daß er mich Wo ist ein Freund, der je, was er, herzlich liebt. gethan? Der so, wie er, für Sünder sterben kann? 3. So sollt es seyn: du mußtest leiden; Dein Tod macht mir des Evangelisches Gesangbuch. Nach Jacoponus, † 1306. 4. Dein bin ich nun und Gottes Erbe; Ich sehe in sein Vaterherz hinein. Wann ich nun leide, wann ich sterbe, Kann ich unmöglich je verloren seyn. Wenn Sonn und Mond und Erde untergehn, So bleibt mir Gottes Gnade ewig stehn. 5. Ja mir zum Trost und dir zur Ehre Gereicht dein ganzer Kampf, dein Kreuzestod; Bestätigt ist nun deine Lehre, Ich baue fest darauf in jeder Noth; Unschuldig littest du, 7 98 VII. Paffionslieder. doch Preis und Ruhm Ist auch im| 8. Was fürcht ich noch des Todes Kampf der Unschuld Eigenthum. 6. Ja, Herr, dein Vorbild kann mich lehren, Wie sanft und schön der Tod des Frommen sey. O laß mich dein Gebot verehren Und mache mich im Kampf der Tugend treu! Die Dankbarkeit bringt innigst mich dazu, Wer hat es mehr um mich verdient, als du? Schrecken? Du schliefft auch einst im Grab, o Seelenfreund! Mag sie doch meine Asche decken, Die Erde, wann des Todes Nacht erscheint, Der Gott, der dir das Leben wieder gab, Wälzt einstens auch den Stein von meinem Grab. 9. Nimm hin den Dank für deine Plagen, Mein Retter, den dir treue Liebe bringt! Noch heißern Dant will ich dir sagen, Wann dich mein Geist im Engelchor besingt; Dann stimmen alle Selgen fröhlich ein, Der ganze Himmel soll dann Zeuge 7. Nie will ich mich am Feinde rächen; Auch dieß lern ich, meinHeiland, hier von dir; Nie Gottes Schickung widersprechen, Wär auch sein Pfad jetzt noch so dunkel mir; Auf Dornen giengst du selbst zum Biele hin, Ich seyn! folge bir, weil ich dein Jünger bin.| 3. A. Hermes, g. 1736+ 1822. Mel. Ich hab mein Sach Gott.( Jef. 43, 24. 25. 44, 22.) 149. Nun ist es alles wohlge-| 5. Dein ist die Schuld, nimm dieß macht, Weil Jesus ruft: es ist voll bracht! Er neigt sein Haupt, o Mensch, und stirbt, Der dir erwirbt Das Leben, welches nie verdirbt, 2. Erschrecklich, daß der Herr erbleicht, Der Lebensfürst, dem niemand gleicht An Herrlichkeit! die Erde kracht, Und es wird Nacht, Weil er stirbt durch der Sünde Macht. 3. Die Sonn erlischt in ihrem Lauf, Der Heilgen Gräber thun sich auf, Der Vorhang reißt von oben an, Daß jedermann Ins Heiligthum nun schauen kann.u 4. Weil denn die Kreatur sich regt, So werd auch du, o Mensch, bewegt! Ein Fels zerreißt, und du wirst nicht Durch dieß Gericht Erschüttert, daß dein Herze bricht? in Acht, Daß Jesus ist ans Kreuz gebracht; 3hm, der für dich sein Leben gab, Folg in das Grab Und stirb dem Sündenleben ab. 6. Ach Vater, unter Pein und Hohn Erblaßt am Kreuz dein einger Sohn! Nun, dieß geschieht für meine Schuld, Drum hab Geduld Und schenk in ihm mir deine Huld. 7. Ertödte selbst in meiner Brust, Mein Heiland, jede böse Luft; Dein Tod, der mir das Leben schafft, Verleih mir Kraft, zu üben gute Ritterschaft. 8. Ich will zu deinem Krenze gehn Und fest im Glauben auf dich sehn, Dein Tod soll meine Zuflucht seyn; Auf ihn allein Schlaf ich einst sanft und selig ein.in Nach Laurentii. 504 Mel. Christus, ber ift.( Röm. 14, 8. 9.) 150. Sein Kampf war nun| Er hat mit Preis vollendet, Der geendet, Errungen war die Kron; eingeborne Sohn. VII. Passionslieder. 99 Hand. 2. ,, Nimm," spricht er, ,, Meine| meine Plage Stehn, Herr, in deiner Seele, Mein Vater, jetzt von mir, Du, dem ich sie befehle, Nimm ste hinauf zu bir!" 6. Mach mich nur fromm und weise In meiner Prüfungszeit, Und auf der Pilgerreise Noch reif zur Ewigkeit. 7. Nur dir, dir laß mich leben Und immer wachsam seyn, So darf ich nicht erbeben, Mein Heil, ich bin ja dein! 8. So geh ich froh entgegen Dem Tod und dem Gericht; Er ist durch dich mein Segen, Herr, meine Zuversicht! Röding, g. 1732 † 1800. 3. Der Vater Jesu hörte Und riß ihn aus der Pein Und nahm, wie er begehrte, Ihn in die Ruhe ein. 4. Ach wann ich einst am Ende Von meiner Laufbahn bin, Nimm auch in deine Hände, Herr, meine Seele hin! 5. Die Summe meiner Tage Ist, Jefu, dir bekannt; Mein Glüld und Mel. Die Tugend wird.( 2 Cor. 5, 15. 17.) 151. O drückten Jesu Todes-| ser tränkt. O Strom der Liebe, khar mienen Sich meiner Seel auf ewig ein! O möchte stündlich sein Versühnen In meinem Herzen kräftig seyn! Denn ach, was hab ich ihm zu danken! Für meine Sünden floß sein Blut, Das heilet mich, den Armen, Kranken Und kommt mir ewiglich zu gut. und helle, Mein Herz foll offen stehn für dich; O unerschöpfte Friedensquelle, Ergieß ohn Ende dich in mich! 4. Herr Jesu! nimm für deine Schmerzen Mich Armen an, so wie ich bin! Ich setze dir in meinem Herzen Ein Denkmal deiner Liebe hin, Die dich für mich in Tod getrieben, Die mich aus meinem Jammer riß; Ich will dich zärtlich wieder lieben, Du nimmst es an, ich bins gewiß. 2. Ein Glaubensblick auf Jesu Leiden Gibt auch dem blödsten Herzen Muth; Die Quelle wahrer Geistesfreuden Ist sein vergoßnes then res Blut, Wenn seine Kraft das Herz durchfließet, Sein Lieben unsern Geist durchdringt, Wenn seine Huld die Seel umschließet, Und ihr sein Trostwort Frieden bringt. 5. Wann einst mein Herz wird ftille stehen, So schließ mich ins Erbarmen ein; Dann werd ich dich von nahem sehen In deiner Klarheit ewgem Schein. Die Seele, die 3. Für mich starb Jesus; meine durch dich genesen, Ruht dann in Sünden Sinds, die ihn in den Tod deinen Armen aus Und läffet gern versenkt; Drum läßt er Gnade mir den Leib verwesen; Er wird dereinst verkünden, Die mich mit Lebenswas- ihr neues Haus. Nach Chr. Renatus, Graf von Zinzendorf, g. 1727 † 1752. Mel. Werde munter; oder: Freu dich sehr.( Joh. 14, 21. Röm. 8, 38 zc.) 152. Der am Kreuz ist meine| Welt! O daß ers doch ewig bliebe, Liebe Und sonst nichts in dieser Der mir jetzt so wohl gefällt! Nun, VII. Pasfionslieder. 100 mein Herz soll immerfort Fest bestehn auf diesem Wort, Sey es bei ter oder trübe: Der am Kreuz ist meine Liebe! Der am Kreuz ist 4. Aber wißt ihr meine Stärke Und was mich so muthig macht, Daß mein Herz des Fleisches Werke Und des Satans Grimm verlacht? Jesu Lieb ist mir gewiß, Seine Lieb ist stark und süß! Was ist, daß mich noch betrübe? Der am Kreuz ist meine Liebe! 2. 3war es ist mir unverborgen, Was die Lieb oft nach sich zieht: Schmach, Verfolgung, Noth und Sorgen, Kreuz und Armuth bringt sie mit; Ja wenn er, mein Heiland, will, Ist kein bittrer Tod zu viel! Doch es komme noch so trübe: Der am Kreuz ist meine Liebe! 3. Lieber wähl ich solche Plage Und der Liebe schweren Stand, Als ohn ihn die besten Tage Und der Ehre eitlen Tand. Heißt mich immer wunderlich, Spotte man auch über mich, Daß ich, was er haßt, Liebe! Leiden Die Vernunft ihr Denken hin, Mag sie wohl von außen weiden Sich an eigner Dichtung Sinn; Oder kommt es hoch, so kann Sie mit Klagen heben an Uleber Christi Bein und Schmerzen; Doch es heilet nicht die Herzen. nicht übe, meine Liebe! 2. Aber meines Geistes Sehnen Zielt auf die Gemeinschaft hin: Stets zum Sterben zu gewöhnen Den so tief verderbten Sinn. Mir soll Christi Schmach und Pein Nicht ein rührend Bild nur seyn, Nein, ins Herz will ich ihn schließen, Seines Todes Kraft genießen. - Mel. Freu dich sehr.( Röm. 6, 1-11. Gal. 2, 20.) 153. Richtet auf des Heilands| uns gegeben, Aufzustehn zum neuen 5. Diese Liebe lohnet endlich, Führt zu ihm ins Vaterhaus, Ist zur letzten Zeit erkenntlich Und theilt Kränz und Kronen aus. Ach, ach wollte Gott, daß doch Alle Welt dereinst sich noch Dieses in das Herz einschriebe: Der am Kreuz ist meine Greding, g. 1676, Leben. 4. Drum in meines Herzens Grunde Trag ich ihn, den Seelenfreund, Der zum ewgen Gnadenbunde Mit dem Glauben sich ver eint, Und durch seines Todes Kraft Neues Leben in uns schafft, Wie auf den erstorbnen Auen Wir beim Wehn des Lenzes schanen. 5. Alle Hoffahrt beugt sie nieder, Hebt in Kleinmuth mich empor, Gibt in Schwachheit Stärke wieder, Zieht aus 3weifeln mich hervor, Hält mich zwischen Luft und Leid In der rechten Mäßigkeit; Ja ich finde tieffte Stille, Wenn am Kreuze hängt mein Wille. 3. Dieß Geheimniß ist verborgen, Wird als Thorheit angefehn; Aber meine größten Sorgen Sollen auf dieß Wunder gehn. Meine Schuld 6. D geheimnißvolle Liebe, Die sich im Verborgnen schenkt, Wecke Wenn mein und Sündennoth Tilgt nur Christi neue Lebenstriebe, bittrer Tob, Nur durch ihn wird Sinn zum Kreuz sich lenkt! Alle VII. Paffionslieder. 101 Deines Lei-| mag vergehen, Bleibt dein Kreuz Alles andre| nur in mir stehen! Nach Arnold. Röm. 5, 1. 2.) Eigene Mel.; oder: Herr Christ, der.( 1 Petrt 1, 18 2c. 2, 24. 154. Wenn mich die Sünden| 5. Herr! laß dein bitter Leiden kränken, O mein Her Jesu Christ, So laß mich wohl bedenken, Wie du gestorben bist, Und alle meine Schuldenlast Am Stamm des Heilgen Kreuzes Auf dich genommen hast. 2. O Wunder ohne Maßen, Wenn man's betrachtet recht: Es hat sich martern lassen Der Herr für seinen Knecht; Es hat sich selbst mein Herr und Gott Für mich verlornen Menschen Gegeben in den Tod! Mich reizen für und für, Mit allem Ernst zu meiden Die fündliche Begier; Laß mirs nie kommen aus dem Sinn, Wie viel es dich gekostet, Daß ich erlöset bin! 6. Mein Kreuz und meine Plagen, Solls auch seyn Schmach und Spott, Hilf mir geduldig tragen. Gib, o mein Herr und Gott, Daß ich verleugne diese Welt Und folge jenem Bilde, Das du mir vorges stellt. 3. Was kann mir denn nun schaden Der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden, Die Schuld ist allzumal Getilgt durch Christi theures Blut, Daß ich nicht mehr darf fürchten Der Hölle Qual und Gluth. 7. Laß mich an andern üben Was du an mir gethan, Und meinen Nächsten lieben, Gern dienen jedermann Ohn Eigennutz und Heuchel. schein, Und wie du mir erwiesen, Aus reiner Lieb allein. Kraft und alles Heil dens sey mein Theil; 4. Drum sag ich dir von Herzen Jetzt und mein Lebenlang Für deine Pein und Schmerzen, O Jesu, Lob und Dank, Für deine Sanftmuth und Geduld, Für dein unschuldig Sterben, Für deine Lieb und Huld. 8. In meinen letzten Stunden Ström du mir Kraft und Nuh, Mir Heil aus deinen Wunden Und deinen Frieden zu. Du bists allein, auf den ich trau; Du wollest mich annehmen, Daß ich dich ewig schau! Gesentus, g. 1601+ 1671. Mel. Freu bich sehr.( Gal. 1, 3. 4. Rém. 6, 6. March 8, 34.) 155. Jesu! beine tiefen Wun-| Blut, So gedent ich an dein Leiden, den, Deine Qual und bittrer Tod Geben mir zu allen Stunden Trost in Leibs- und Seelennoth. Fällt mir etwas Arges ein, Denk ich bald an deine Pein, Die erlaubet meinem Herzen Mit der Sünde nicht zu scherzen. Bald wird alles wieder gut. Kommt der Feind und setzet mir Heftig zu, halt ich ihm für Deine Gnad und Gnadenzeichen; Bald muß er von dannen weichen. 3. Will die Welt mein Herze filh ren Auf der Sünden breite Bahn, 2. Will sich dann in Lüsten wei- Wo so viele sich verlieren, Ach dann den Mein verderbtes Fleisch und schau ich emsig an Deiner Marter VII. Paffionslieder. Centnerlast, Die bu ausgestanden| er mich fann töbten nicht. Daß ich hast! So kann ich in Andacht bleiben, Alle böse Lust vertreiben. an dir habe Theil, Bringet mir Trost, Schutz und Heil, Deine Gnade wird mir geben Auferstehung, Licht und Leben. 4. Ja für alles, bas mich fränket, Geben deine Leiden Kraft; Wenn mein Herz sich drein versenket, Schöpf 6. Hab ich dich in meinem Herzen, ich neuen Lebenssaft. Deines Trostes Du Brunn aller Gültigkeit, So beSüßigkeit Wendet mir das bittre sieg ich alle Schmerzen Auch in mei Leid, Weil du mir das Heil erwor nem leßten Streit. Ich verberge ben, Da du bist für mich gestorben. mich in dich; Wer kann da verletzen 5. Auf dich setz ich mein Vertrauen, mich? Wervertraut auf deine WunDu bist meine Zuversicht; Deinden, Der hat selig überwunden! Tob hat den Tod zerhauen, Daß Joh. Heermann, g. 1585 † 1647. Mel. Schmücke dich.( Gbr. 9, 14. 15. 1 Tim. 1, 15.) Kreuze Jesum hängen, Er muß deine Feffeln sprengen! 156. Sünder! freue dich von| nicht, dich selbst zu retten; Sieh am Herzen Ueber deines Jesu Schmer zen; Laß bei seinem Blutvergießen Stille Dankesthränen fließen. Er hat sich für dich gegeben, Such in seinem Tod das Leben; Nur von seinem Kreuze quillet Was dein Herz auf ewig stillet. 5. Sünder macht der Heiland selig, Seine Gnaden sind unzählig: Er gibt Buße, er gibt Glauben, Hilft den Lahmen, Blinden, Tauben. Wer sich nur will retten lassen, Der soll das Bertrauen fassen: Gnade strömt aus Jefu Wunden, Gnad ist auch für mich gefunden! 102 2. Ach wie groß ist dein Verderben! Ohne Jesum mußt du sterben: Blind und todt sind deine Kräfte, Sünde thun ist dein Geschäfte: Tod heischt des Gesetzes Rache, Es ift aus mit deiner Sache, Ja im Himmel und auf Erden Kann dir nicht geholfen werden. 3. Nichts kann all dein Opfer gelten Vor dem Richter aller Welten. Den der Dornenkranz gefrönet, Got tes Sohn, hat dich versöhnet, Seine Thränen, seine Wunden Haben Rath für dich gefunden; Shm alleine bleibt die Ehre, Daß er deinen Tod zerstöre. 4. Fühlst du nun die Macht der Sünden, Wie sie deine Seele binden, Wie fie dein Gewissen quälen, Wie der Jammer nicht zu zählen, O so tomm mit deinen Ketten, Wag es 6. Glaube nur dem Wort der Gnade, Oso heilet bald dein Schade, Und des Mittlers zarte Liebe Schafft in dir ganz neue Triebe! Sind die Sünden erst vergeben Dann kannst du auch heilig leben, Und der Gnade treues Walten Wird dich fördern und erhalten. 7. O so gib dem Sohn die Ehre Daß ihm aller Ruhm gehöre! Suche nicht erst zu verdienen, Was am Kreuz vollbracht erschienen; Suche nicht was schon gefunden; Preise fröhlich seine Wunden Und bekenn es bis zum Grabe, Daß er dich erlöset habe! Woltersdorf, g. 1725+ 1761. VII. Paffiouslieder. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes.( Apostelgesch. 7, 58.) auch in der Todesuoth, Damit ich Gnade spüre! 157. Ich danke dir für deinen| dich, mein Herr und Gott, zu mir Tod, Herr Jesu und die Schmerzen, Die du in deiner letzten Noth Em pfandst in deinem Herzen! Laß die Verdienste solcher Pein Ein Labsal meiner Seele seyn, Wann mir die Augen brechen. 3. Laß meine Seel in deinem Licht Ans ihrem Leibe scheiden, Auf daß doch sey vergeblich nicht An mir dein theures Leiden! Nimm sie hinauf, Herr Jesu Christ, Wo du zur Rechten Gottes bist, Und laß mich ewig leben! 2. Ich danke dir für deine Huld, Die du mir haft erzeiget, Da du beim Tilgen meiner Schuld Dein Haupt zu mir geneiget. Ach neige 103 Angelus Sileftus, g. 1624+ 1677. Mel. Lobsinge Gott, erheb' ihn.( Sacharia 13, 1. Jef. 12. Pf. 103, 10 c.) 158. Ich dante dir in glan-| Herz erst gefunden, Da hab ich Muth bensvoller Neue, Du Wundergott der unerhörten Treue, Für deinen Rath der unerforschten Triebe Und füiße Liebe. und einen Grund zum Hoffen Einst angetroffen. 2. Du sahest wohl die Lasten, die mich drücken, Du nahmest sie von meinem schwachen Rücken, Du dachtest gleich, dich eines solchen Armen Necht zu erbarmen. 3. Dein Sohn ists selbst, der solche Bürde träget, Du hast sie ihm, dem Stärkern, auferleget; Er stirbt, daß mich die Silnde nicht verdamme, Am Kreuzesstamme. 4. Herr Jesu Chrift! ich preise deine Liebe, In der du stirbst, daß ich lebendig bliebe; Dein Herz ent brennet gegen Menschenkinder, Die armen Sünder. 5. Für mich, gottlob! als wie für meine Brüder, Für mich, mein Haupt, das kleinste deiner Glieder, Für mich sind dir die Glieder so zerstochen, Das Herz zerbrochen. 7. Ich rühme dich und deine großen Gnaden, Wodurch du mich solch einer Last entladen. Wie wohl ist mir in deinenFelsenritzen Bor Mosis Blitzen! 8. Sie können mir zum Troft und Freude tangen, Ich schau hinein mit offnen Glaubensaugen Und rufe nun, je mehr ich solches prüfe: O welche Tiefe! 9. Jch bitte dich, o Jesu, durch dein Leiden, Durch jede Qual, die du bei deinem Scheiden Auf Golgatha am blutgen Krenz empfunden, Durch deine Wunden: 10. Ach laß mich doch die Sünden recht beweinen, Weil ihrer viel, wie Sand am Meer, erscheinen! Wie konnt ich doch so viele Greul verüben Und dich betrülben! 11. Jch flag es dir mit meinem schwachen Munde: Sie reuen mich von ganzem Herzensgrunde; Erbarme dich, laß Gnade auf mein 6. Du zeigest mir die Male deiner Wunden, Da hab ich dein und mein| Flehen Für Recht ergehen! 104 12. Ach handle nicht so wie ich es verschuldet! Du hast ja selbst so Schuld als Straf erduldet; Bergib mir doch die großen Frevelthaten Aus lauter Gnaden. VII. paffionslieder. 13. Herr! heile mich, soust heilt mich nichts auf Erden; Hilf mir, so wird mir recht geholfen werden; Erneure du den Bund, den ich zerrissen, Mir im Gewissen! Ph. Fr. Hiller, g. 1699+1769. Eigene Diel.( Ebr. 12, 1 c. 1 Petri 1, 18 2c. 22.) 159. Mit welcher Zunge, wel-| trüben, Für den bu littest, Jesu chem Herzen Dank ich dir, Herr, Christ? Wie nun nicht Gutes thun für deine Schmerzen, Für jede mir mit Freuden Und gerne für die verborgne Last; Für jeden Kampf, Brüder leiden, Für die du, Herr, den du gestritten, Den blutgen Tod, gestorben bist? Wie nun auch nur den du gelitten, Bekämpft und über- von Unrecht sprechen, Noch gegen wunden haft? Wer kennt der Leiden Schuldner strenge seyn, Wie mich Last und Menge? Wer sieht der Seligleiten Ziel? Wer gibt mir Zungen, wer Gesänge, Wer meinem Herzen gnug Gefühl? am ärgsten Feinde rächen, Wienun nur siebenmal verzeihn? 2. Da, wo dein Blut herabgefloffen, 5. Auf Golgatha will ich mich schwingen, Wann Nacht und Leiden mich umringen, Will da im Geift Lieg ich im Geist dahingegossen, Davor Jesu stehn; Will da dich, Unmöcht ich ganz Anbetung feyn. Ge- schuld, stille schmachten, Das Kreuz horsam bis zum Kreuzestode Warft erdulden, Schmach verachten, Da du; gehorsam bis zum Tode Soll bluten dich und schweigen sehn; Will ich, wie du, dem Vater seyn. Hier, da mit allen Seelenkräften In deine Jesu, hier sind meine Kräfte Hier Leidensnächte schaun, Will mit dir ist mein Leben, nimm es an! Dich an dein Krenz mich heften Und gleich lieben, dieß sey mein Geschäfte, dir lernen Gott vertraun. Wenn ich mit dir nur sterben kann. 3. Gefreuzigter! dein Leiden stärke Mich stets in jedem guten Werke, Im Tugendkampfe stärk es mich. So sehr mich Lust zur Sünde reize, Ich fliehe nur zu deinem Kreuze, Umfasse, Mann der Schmerzen, dich! Wie könnt ich sehn dich, Jesu, bluten, Wie sehn dein ausgespannt Gebein, Und nicht mit aller Kraft dem Guten, Und dir nicht ganz ergeben seyn? 4. Wie nun nicht alle herzlich lieben Und auch nur Einen noch be6. Und wann mich meine Sünden kränken, So will ich an dein Leiden denken, Will fließzen sehn deintheures Blut. Für mich auch ist dieß Blut gefloffen, Wer zu dir kommt, wird nicht verstoßen, Du starbst auch mir, auch mir zu gut! Auch ich kann Gnad und Leben finden; Mein Gott bleibt seinem Worte treu, Vergibt auch mir die schwersten Sünden, Macht mich von aller Knechtschaft frei. 7. Und in den bangen Todesstunden Blick ich empor zu deinen Wunden VII. Paffionslieder. 105 Und fürchte nicht das Strafgericht.| gab, Den Sohn, ihn, der mit seinem Wenn ich, wie du willst, heilig lebe, Nur dich zu lieben mich bestrebe, Dann bleibst du meine Zuversicht, Dann darf ich freudig zu dir blicken, Wann alles dunkel um mich ist, Dann wirst du meinen Geist erqui den, Wann mir der Tod die Augen schließt. Blute Mich ewig macht von Sünden rein! D Gott, wie wird mir. dann zu Muthe, Wie werd ich Dank und Woune seyn! 9. 8. Dann, dann wird alle Angst verschwinden, Ich werde muthig überwinden, Mich schwingen über Tod und Grab! O unaussprechliches Entzücken, Bon Angesicht den zu erblicken, Der in den Tod dahin sich Freude jener Ewigkeiten, Wo ich dich anschaun, dich begleiten, Dich hören, dich umfangen kann! Für deine Liebe ohne Schranken, Lamm Gottes, wie will ich dir danken, Wie bet ich, Liebe, dort dich an! D Ewigkeit der Ewigkeiten An deiner Seite, Jesus Christ, Der, mir die Stätte zu bereiten, Auf Golgatha gestorben ist! Lavater, g. 1741 † 1801. Eigene Mel.( 1 Petri 1, 18. 19.) 160. Lamm Gottes unschul-| 2. O Lamm Gottes unschuldig dig, Am Stamm des Kreuzes ge- u. s. w., Erbarm dich unser, o schlachtet, Allzeit erfunden geduldig, Jesu! Wiewohl du warest verachtet! All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unser, Jefu! o Jesu! 3. O Lamm Gottes unschuldig u. s. w., Gib uns den Frieden, o 2. Stell den Mittler unsers Bundes Uns in seiner Würdevor; Bring die Reden seines Mundes Vor das aufgeschloßne Ohr, Führ uns nach Gethsemane, Daß dort unser Aug ihn seh, Wie des Todes Nacht ihn schrecket Und ihn blutger Schweiß bedecket. 3. Zeig uns ihn, den Sanften, Decius, um 1524. Mel. Freu dich sehr.( Joh. 15, 26. 16, 14. Col. 2, 6. 7.) 161. Fall auf die Gemeinde| Reinen, Unter seiner Mörderschaar! nieder, Geist, der uns mit Feuer tauft! Wir sind alle Jesu Glieder Und mit seinem Blut erkauft. Lente du den ernsten Sinn Auf des Heilands Leiden hin; Hilf, daß wir es würdig feiern, Sein Gedächtniß fromm erneuern. Ach es gab auf Erden keinen, Welcher so verachtet war! Doch er hat der Frevler Hohn, Purpurmantel, Dornenkron, Alle Dual die er empfunden, Siegreich duldend überwunden. 4. Geh mit uns dem Opferlamme Auf dem blutgen Pfade nach, Zeig uns an dem Kreuzesstamme Seine Hoheit, seine Schmach; Um sein festes Gottvertraun Und des Heilgen Tod zu schaun, Trag uns auf der Andacht Flügel Zu dem nachtbedeckten Hügel. 5. Seine letzten Worte schreibe Uns ins Herz mit Flammenschrift, Daß 106 nun keiner troftlos bleibe, Den das Loos des Todes trifft; Seit ,, es ist vollbracht!" ertönt, Sind wir nun mit Gott versöhnt, Sind bestimmt, bei dem zu leben, Der den Geist Gott übergeben. 6. Du begnadigte Gemeinde, Blick VII. Pafsionslieder. Begräbniß Chrifti. Mel. O Traurigkeit.( Apostelg. 2, 27. 31. Joh. 11, 25. 26.) 162. Zur Grabesruh Entschlie-| 5. Hier werd ich einst, Bis du er fest du, Der du für uns gestorben scheinst, In sanftem Frieden liegen; Und am Kreuz uns schmerzenvoll Denn durch deinen Tod kann ich Ewges Heil erworben. Tod und Grab befiegen. 6. Ihr, die die Welt Gefeffelt hält, Zagt nur vor der Verwesung; Ich, ich hoff in Christo einst Meines Leibs Erlösung! 2. Du bist erblaßt, O Herr, und hast Doch in dir selbst das Leben! Gleich den Sterblichen hält dich Nun das Grab umgeben. 3. Doch freu ich mich: Dein Gott läßt dich nicht die Verwesung sehen; Bald wirst du aus eigner Kraft Aus dem Grabe gehen. zu deinem Haupt empor, 3u dem göttlich großen Freunde, Den zum Retter Gott erfor! Schöpfe Wonn und Seligkeit Dir aus seiner Leidenszeit; Neiß dich los vom Weltgetümmel, Und dein Wandel sey im Himmel! Nach Schubart. 4. Ja, ja du wirst, Mein Lebensfürst, Mich auch wie dich erwecken; Sollte denn mein glaubig Herz Bor der Gruft erschrecken? 7. Nein, nichts verdirbt! Selbst das was stirbt, Der Leib, wird auferstehen Und, zum Himmelsglanz verklärt, Aus dem Grabe gehen. 8. So sink ins Grab, Mein Leib, hinab, Ich will mich brum nicht kränken, Sondern, Jesu, mir zum Trost An dein Grab gedenken. nach Sal. Frand. Mel. Jesu, du mein liebstes.( 1 Cor. 15, 20-23.) 163. Amen! Deines Grabes| 2. Großer Erstling deiner Brilder! Friede Wird auch unser Grab durch- Ja du ziehest uns nach dir; Du, das wehn, Wann wir von der Wall- Haupt, ziehst deine Glieder, Weil fahrt müde Ruhn, um froher auf- du lebst, jo leben wir; Ja wir werzustehn. Amen! Fürst der Aufer ben auferstehen, Weil du auferstan stehung, Der des Grabes Siegel den bist, Werden dich, Herr Jesu brach, Zeuch durch Grab und Tod Chrift, Einst in deiner Klarheit uns nach Zu der Heiligen Erhöhung, sehen! Unsre Herzen harren dein; Wo dem Lamm, das uns versöhnt, Amen, ewig sind wir dein! Aller Himmel Loblied tönt! Garve, g. 1763+ 1841. VIII. Ofterlieder. Mel. Christus, der ift.( 2 Tim. 2, 11.) 164. Willtommen, Held im Wir triumphiren heute Um deine Streite, Aus deines Grabes Kluft!| leere Gruft. VIII. Ofterlieder. 107 2. Der Feind wird Schau getragen| 6. Du haft das Heil erworben, Wir Und heißt nunmehr ein Spott; Wir aber können fagen: Mit uns ist un ser Gott! preisen dich dafür. Sind wir mit dir gestorben, So leben wir mit dir. 7. Wir wollen ohne Grauen Mit dir zu Grabe gehn, Wenn wir nur dort dich schauen Und selig auferstehn. 8. Schwing deine Siegesfahnen Auch über unser Herz, Und zeig uns einst die Bahnen Vom Tode himmelwärts. 9. Was kann uns denn noch schaden? Des Todes Pfeil ist stumpf; Wir sind bei Gott in Gnaden Und rufen schon Triumph! Nach Schmolk. 3. Der Fried ist uns erstritten, Und jeder Schrecken flieht; In der Gerechten Hütten Erschallt das Siegeslied. 4. Theil uns des Sieges Beute, Den Trost nun reichlich aus; Ach komm und bring noch heute Dein Heil in Herz und Haus! 5. In deines Grabes Staube Liegt unsre Schuld bedeckt; Deß tröstet sich der Glaube, Daß ihn kein Feind mehr schreckt. Mel. Wenn ich nur meinen Jesum hab.( 2 Cor. 5, 17.) 165. Ich sag es jedem, daß Er| Geht in den Himmel aus, Und wer lebt Und auferstanden ist, Daß Er nur hört auf Seinen Rath, Kommt in unsrer Mitte schwebt Und ewig auch in Vaters Haus. bei uns ift. 6. Nun weint auch keiner mehr 2. Ich sag es jedem, jeder sagt Es sei- allhie, Wann eins die Augen schließt, nen Freunden gleich, Daß bald an al- Vom Wiedersehn, spät oder früh lenOrten tagt Das nenehimmefreich. Wird dieser Schmerz verfüßt. 7. Es kann zu jeder guten Thai Ein jeder frischer glühn, Denn herrlich wird ihm diese Saat In schönern Fluren blühn. 3. Jetzt scheint die Welt dem neuen Sinn Erst wie ein Vaterland; Ein neues Leben nimmt man hin Entzlickt aus seiner Hand. 4. Hinunter in das tiefe Meer Versant des Todes Graun, Und jeder kann nun leicht und hehr In seine Zukunft schaun. 5. Der dunkle Weg, den Er betrat, 8. Er lebt und wird nun bei uns seyn, Wenn alles uns verläßt; Und so soll dieser Tag uns seyn Ein Weltverjüngungsfest. Novalis, g. 1772 † 1801. Eigene Mel.( 1 Cor. 5, 7. 8. 15, 55-57.) 166. Chrift lag in Todesban-| 2. Den Tod niemand zwingen den, Für unsre Sind gegeben; Der ist wieder erstanden Und hat uns bracht das Leben; Deß wir sollen fröhlich seyn, Gott loben und dankbar seyn Und singen: Hallelujah, Hallelujah! konnt Bei allen Menschenkindern; Das macht alles unsre Slind, Kein' Unschuld war zu finden; Davon kam der Tod so bald Und nahm über ums Gewalt, Hielt uns in sein'm Reich g'fangen. Hallelujah! 108 VIII. Oferlieder. 3. Jesus Christus, Gottes Sohn,| unfre Thür, Das hält der Glaub An unsrer Statt ist kommen und dem Tod für; Der Würger fann hat die Sünd abgethan, Damit dem uns nicht rühren! Hallelujah! Tod genommen All sein Recht und ſein Gewalt, Da bleibt nichts denn Todsgestalt, Den Stachel hat er verloren. Hallelujah! 6. So feiern wir das hoh' Fest Mit Herzensfreud und Wonne, Das uns der Herr scheinen läßt; Er ist selber die Sonne, Der durch seiner Gnaden Glanz Erleucht't unsre Herzen ganz; Der Sünden Nacht ist vergangen. Hallelujah! 7. Wir essen und leben wohl, Zum süßen Brod geladen, Der alt Sauerteig nicht soll Seyn bei dem Wort der Gnaden; Christus will die Koste seyn Und speisen die Seel allein; Der Glaub will keins an4. Es war ein wunderlich Krieg, Da Tod und Leben rungen; Das Leben behielt den Sieg, Es hat den Tod verschlungen! Die Schrift hat verkündet das, Wie ein Tod den andern fraß; Ein Spott aus dem Tod ist worden. Hallelujah! 5. Hie ist das recht Osterlamm, Davon wir sollen leben, Das ist an des Kreuzes Stamm Aus heißer dern leben. Hallelujah! Lieb gegeben. Deß Blut zeichnet| Eigene Mel.( Pf. 118, 15. 16.) Verbessert von Luther. sungen Aller Himmel Chöre bir! Todesüberwinder, dir! 167. Preis den Todesüber winder, Sieh, er starb auf Golgatha! Preis dem Netter aller Sün der, Was er uns verhieß, geschah; Sieh, er starb auf Golgatha! Singt, des neuen Bundes Kinder, Aus dem Grab eilt er empor, Singet ihm in höhrem Chor! 4. Jetzt, da ich an dich nur glaube, Seh ich dunkel nur von fern, Ich, der Wanderer im Staube, Dich, die Herrlichkeit des Herrn! Dich, die Herrlichkeit des Herrn! Dennoch, wenn ich innig glaube, Wenn ich dürste, strömt mir Ruh Deines Tods und Lebens zu. 5. Gerne will ich hier noch wallen, Herr, so lange du es willst! Knieen will ich, niederfallen, Flehn bis du dich mir enthüllst Und mein Herz mit Kraft erfüllst, Dein hochheilig Lob zu lallen! Selig war stets, wen 3. Da in Morgendämmerungen dein Lob, Ewiger, zu dir erhob! Noch verhüllt die Erde schwieg; Da 6. Wann ich aus dem Grabe gehe, zu tiefern Anbetungen Gottes. En- Wann mein Staub Berklärung ist, gel niederstieg, Aber jetzt noch bebend Wann ich, Herr, dein Antlitz sehe, schwieg, Da erstundest du!- schnell Dich, mein Mittler, Jesu Christ, 2. Laßt des Dankes Harfe klingen, Daß die Seele freudig bebt! Laßt uns, laßt uns mächtig singen Dem, der starb und ewig lebt, Daß das Herz vor Wonne bebt! Preis und Ehre laßt uns bringen Dem, der starb und ewig lebt! Dem, der starb und ewig lebt! VIII. Ofterlieder. 109 Dich Verklärter, wie du bist, | du, der Sünber Heil, Ganz an deidann, wann ich auferstehe, Hab ich, nem Leben Theil! Klopstod, g. 1724 † 1803. Mel. Sollt ich meinem Gott nicht fingen.( 1 Cor. 15, 55. Rom. 6, 4.) 168. Größter Morgen, der die Erde Nach der tiefsten Nacht belebt, Der sie nach dem Wort ,, es werde!" Nochmals aus dem Nichts erhebt! Nach der Nacht voll düftrer Sorgen, Da man angst- und kummervoll Ohne Jefum leben soll, Bringt der allerschönste Morgen Jesum aus des Todes- Thor, Jesum, unser Licht, hervor. auf: er ist erstanden! Er, an den ihr doch geglaubt, Ist vom Tode nicht geraubt, Nein er lebt, ist frei von Banden Und mit Klarheit angethan; Betet euren König an! 5. Jauchz, o Erde, Himmel, tönet, Rühme, neu geschaffne Welt! Gott und Menschheit sind versöhnet! Seht, wie glänzt der große Held, Der des Abgrunds und der Höllen Und der Himmel Schlüffel führt, Und mit Ehr und Schmuck geziert, Seine Kirche sicher stellen Und nach tiefem Gottesplan Ewig selig machen kann. 2. Seht! ber Stein ist abgehoben, Und kein Kriegsknecht hütet mehr; Blickt nun selig froh nach oben: Jesus lebt, das Grab ist leer! Kommt und sehr wo er gelegen; Tuch und Binden findet ihr, Aber Jesus ist 6. Großer Hirte deiner Schafe, nicht hier, Engel rufen euch entge- Von den Todten ausgeführt, Dem, gen: ,, Sucht ihn, sucht den nicht im nach ganz erlittner Strafe Unsrer Grab, Der der Welt das Leben gab!" Schuld, der Preis gebührt! Nimm 3. Großes Haupt, so lebst du wie ihn von den Millionen Derer die der? Nur auf wenig Tage tobt? das Grab noch deckt, Derer die dein Nun erwachen Siegeslieber Mit Ruf schon wedt, Derer die im Himdem Oftermorgenroth! Engel müs- mel wohnen, Auch von uns hierunsen sie dir singen: Den ihr suchet, ten an, Wie dich jeder preisen kann! Jesus lebt!" Und die Gruft hallt: " Jesus lebt!" Und die nahen Felsen klingen: ,, Gottes Sohn, der todt war, lebt!" Und die Welt ertönt: er lebt!" 7. Hilf uns aus den Fesseln gehen, Da die Welt uns mit bestrickt; Laß uns geistlich auferstehen, Allem Sündendienst entrückt! Schenk uns Kraft zum neuen Wesen, Daß es 4. Lebt nun auf, ihr stillen Seelen, täglich Ostern sey, Dann kommt Die in Thränen ihr zerfloßt, Die einst der Tag herbei, Da du völlig ihr euch in Kummerhöhlen Ohne uns erlösen und zu dir erheben Licht und Kraft verschloßt! Lebt nun wirst, Auferstandner Siegesfürst! Lehmus, g. 1707 † 1788. Mel. Jesu, meine Freude.( Col. 2, 12-15.) 169. Aus des Todes Banden| Gottes Sohn! Jesus hat gefieren Ist der Herr erstanden, Mensch und Daß nun alles lieget Ursend sahn. 110 VIII. Oferlieder. Thron. Unser Freund hat alle| den Tod; Seine Pfeil und Bogen Feind Siegreich auf das Haupt geschlagen Und sie Schau getragen. Finden sich betrogen, Es hat keine Noth. Ob er trifft, Ists drum kein Gift; Nein, er muß mit seinen Pfeilen, Uns vielmehr nur heilen. 6. Darum mir nicht grauet, Wenn mein Geist anschauet, Daß ich in das Grab Meine mülden Glieder Werde legen nieder, Weil ich dieses hab: Daß mein Hort Mir 2. Daß er wollen sterben, War, uns zu erwerben Heil und Seligkeit. Solches ist geschehen, Und wir dürfen sehen, Daß auf turze Zeit Jesus sich Wahrhaftiglich In den Tod um unser Leben Hat dahin gegeben. 3. Freiheit von den Sünden Sol- diesen Ort Selbst mit seinem Leibe len wir nun finden und recht wer- weihe, Daß ich ihn nicht scheue. den frei; Weil der wiederkommen, 7. Laffet uns als Christen Sterben Der die Schuld genommen Auf allen Lüften Und der Eitelkeit! Denn sein Haupt so treu. Er kann nun so wir uns haben Lassen mit begraGnug für uns thun; Wenn wir ben Hier in dieser Zeit, So wird nur in ihm erfunden, Bleibt uns er, Der große Herr, Uns hervor Gott verbunden. auch mit sich führen Und mit Kronen zieren. 8. der großen Freude! Hängst du noch am Kleide Dieser Sterblich feit? Sollst du nicht hingegen Es getroft ablegen, Weil nach kurzer Zeit Jesus Christ Voll Willens ist, Uns zu kleiden mit der Sonne In des Himmels Wonne! Spener, g. 1635 † 1705. Mel. Jefu, du mein liebstes.( Offenb. 1, 4-6.) 170. Ueberwinder nimm die| Held und König tritt hervor! Laß Palmen, Die dein Boll dir heute bringt, Das mit frohen Osterpfalmen Den erkämpften Sieg besingt! Wo ist nun der Feinde Pochen, Und der Würger Mordgeschrei, Da des Todes Nacht vorbei, Und sein Stachel ist zerbrochen? Tod und Hölle liegen da! Gott sey Dant, Hallelujah! dir tausend Engel dienen, Denn nach harter Leidenszeit Ift dein Tag der Herrlichkeit, Höchste Majestät, erschienen! Erd und Himmel jauchzen da: Gott sey Dant, Hallelujah! 3. Theile, großer Fürst, die Bente Deiner armen Heerde mit, Die in froher Sehnsucht heute Vor den Thron der Gnade tritt. Deinen 2. Stecke nun dein Siegeszeichen Frieden gib uns allen, O so jauchder dunklen Gruft empor! zet Herz und Muth, Weil das Loos beinem Ruhme gleichen? uns wundergut Und aufs lieblichste schwieg 4. Was will uns nun schaden, Wenn uns Gott zu Gnaden Bei sich selbst gebracht? Mag bie Hölle dräuen, Dürfen wir nicht scheuen 3hre kurze Macht. Hier ist der, Vor dem das Heer Aller Feinde muß erbeben Und hinweg sich heben. 5. Laß mit allen Schrecken Nun die Hand ausstrecken Wider uns VIII. Ofterlieder. gefallen! Freud und Wonne grünen da, Gott sei Dank, Hallelujah! 4. Laß, o Sonne der Gerechten, Deinen Strahl ins Herze gehn! Gib Erleuchtung deinen Knechten, Daß sie geistlich auferstehn. Hält der Schlaf uns noch gefangen, Oso fördre du den Lauf, Rufe mächtig: wachet auf! Denn die Schatten sind vergangen, Und der helle Tag ist da!" Gott sei Dank, Hallelujah! 5. Tilg in uns des Todes Grauen, Wann die letzte Stunde schlägt, Weil du denen die dir trauen Schon bie Krone beigelegt. Gib uns in den höchsten Nöthen, Gib uns mitten in der Pein Deinen Troft und Glauben ein, O so kann der Tod nicht tödten, Denn die Hoffnung blihet da; Gott sei Dank, Hallelujah! 111 6. Zetge, wann der blöde Kummer Ueber Sarg und Grüften weint, Wie die Schwachheit nach dem Schlummer Dort in voller Kraft erscheint. Sind wir sterblich hier geboren, O so streift das fühle Grab Nur was sterblich heißt uns ab, Und der Staub ist unverloren: Unser Hirte hütet da; Gott sey Dant, Hallelujah! 2. Willig, Herr, trug deine Seele Mancher Leiden schwere Last Vis zum Tod, und in der Höhle Lag dein müder Leib erblaßt. Endlich frei von aller Plage Ruht er bis zum britten Tage; Da kam in das stille Grab Gottes Herrlichkeit herab. 7. Rufe die zerfallnen Glieder Endlich aus der dunklen Nacht, Wann der deinen Asche wieder In verkfärtem Glanz erwacht. Dann wirst du die Krone geben, Dann wird unsre volle Brust, Herr, mit engelgleicher Luft Ewig deinen Sieg erheben Und wir sprechen auch allda: Gott sey Dank, Hallelujah! Tabbel, g. 1706+ 1775. Mel. Womit soll ich dich).( 1 Cor. 15, 3-8. Nöm. 4, 24. 25.) 171. Herzog der erlösten Sün-| dein Grab beschützen, Sinken todtder, Dir dankt deine Christenheit, blaß vor den Blitzen, Da dein Leib, Dir, du Todesüberwinder, Dir, von Majestät Strahlend, aus dem du Herr der Herrlichkeit! Der du Grabe geht. todt warst, lebest wieder, Mit dir leben deine Glieder; Uns, die Tod und Grab erschreckt, Hat Gott mit dir auferweckt. 4. O mit welchen Gottesfreuden Steigst du aus des Todes Nacht! Ewig fern ist alles Leiden, Ganz dein großes Werk vollbracht. Liebreich eilest du, den deinen Im Triumphe zu erscheinen: Seht mich, Freunde, die ihr bebt; Jauchzet, euer Jesus lebt!" ff 5. Lebend, zu verschiednen Stunden Sahn sie, Herr, dich dort und hier; Sie berührten deine Wunden, 3. Und der Todte lebte wieder! Sprachen, aßen oft mit dir. Deinen Dir sang aller Engel Chor, Alle Troft und deine Lehren Ließest du Thronen sanken nieder, Herrlich sie wieder hören; Freudig beteten gingst du, Herr, hervor. Alle die bich an Die dich wieder lebend sahn. 112 VIII. Osterlieder. 6. Ja, du lebst, o Jesu, wieder,| 9. Jesus ist von Gott gekommen, Hallelujah ewiglich! Mehr als fünf- Der bei Gott im Anfang war; Bebt, mal hundert Brüder Sahn mit ihr Sünder, jauchzt, ihr Frommen! ihren Augen dich. Liebreich redest Alles was er sagt, ist wahr, Alles, du mit ihnen, Bift dem Paulus alles wird geschehen; Himmel wer selbst erschienen; Dein und deiner den eh vergehen, Eh ein Wort von Freunde Feind Sahe dich und ward Jesu Christ Nicht mehr wahr und dein Freund. göttlich ist. 7. Jesu! deines Lebens Zeugen Sagen laut: ,, er lebt!" der Welt, " Ihm soll jedes Knie sich beugen, Er ists, der Gericht einst hält;" Rufen laut in Schmerz und Banden: Jesus ist vom Tod erstanden!" Sie, die lebend dich gesehn, Heißen Todte auferstehn! ? 8. Gott die Sünder zu verföhnen Kamst du auf die Welt herab; Starbst, o fließet Freudethränen, Stundest auf aus deinem Grab! Jesus- dankt, versöhnte Sünder! -Ist des Todes Ueberwinder, Heil ist seiner Leiden Lohn, Jesus ist des Höchsten Sohn! 10. Jesus lebt! wer an ihn gläu bet, Ob er stürbe, stirbet nicht, Keiner der ihm treu verbleibet, Keiner kommt in sein Gericht; Wer hier starb, wird auferstehen, Wird unsterblich Jesum sehen, Freudig, wer sich ihm ergibt, Zitternd, wer ihn hier nicht liebt. 11. Haupt der deinen, unser Le ben, Herr der Menschen, Jesu Chrift! Unser Herz sey dir ergeben, Der du auferstanden bist! Frei und rein von allen Sünden Laß uns, daß du lebst, empfinden! Tief im Staube singen wir Dank und Hallelujah dir! Lavater, g. 1741 † 1801. Mel. O bu Liebe.( Rom. 6, 3-6. ph. 5, 14.) 172. Wandle leuchtender und| 3. Doch du selber, meine Seele, schöner, Ostersonne, deinen Lauf; Sag, wie feierst du den Tag, Da Denn dein Herr und mein Versöh- der Herr des Grabes Höhle Mit ner Stieg aus seinem Grabe auf. gewaltgem Arm durchbrach? Feierst Als das Haupt er sterbend beugte, du sein Auferstehen Auch in rechter Bargst du dich in nächtgen Fler; Ofterfreud? Kann man an dir selDoch jetzt komm hervor und leuchte, ber sehen, Welch ein hoher Festtag Denn auch er stieg längst empor! heut? 2. Erde, breite dich in Frieden Unter deinem Himmel aus; Denn dein Herr ist nicht geschieden, Er zerbrach des Todes Haus. Deine starten Felsen bebten, Als er seinen Geist verhaucht, Grüße nun den Neubelebten Wonnevoll in Licht getaucht! 4. Bist du mit ihm auferstanden Aus der Sünde Todesnacht? Hast du dich von ihren Banden Losge rungen, frei gemacht? Oder liegst du noch verborgen Und in deinen Sünden todt? Kündet deinen Ostermorgen Noch kein Helles Morgenroth? VIII. Ofterlieder. 113 5. D dann laß dich nicht bedecken| nur an erst aufzustehen, Fühlst du Länger mehr die finstre Nacht; Sieh, bein Herr ist, dich zu wecken Von dem Tode, aufgewacht! Komm, vom Schlaf dich zu erheben, Komm, der Fürst des Lebens ruft: Wache auf zum neuen Leben, Steig herauf aus deiner Gruft!" dich auch noch so matt, Der wird dir zur Seite gehen, Der dich auferwecket hat. 11 8. O bedenke und erwäge, Wie du gehn magst, nicht so lang! Solch Bedenken macht nur träge, Macht dich mehr noch schwach und krank. Keine Hülfe wird versagen Er, wenn nur du erst begannst, Wird dich auf den Armen tragen, Wo du selbst nicht gehen kannst. 9. Sieb, dein Herr ist anferstan den, Daß du könntest auferstehn, Aus der Sünde Haft und Banden In die schönste Freiheit gehn! Willft 7. Steig empor zum neuen Leben, du ihm dich nur ergeben, Streift Denn du schliefeft lang genug; er deine Ketten ab, Und du siehst Kraft zum Leben wird dir geben, dein altes Leben Hinter dir als Der für dich den Tod ertrug. Fang| leeres Grab. 6. Sieh, er reicht dir hilfreich, gnädig Die durchbohrten Hände hin, Macht dich der Betäubung ledig, Weckt mit Liebesruf den Sinn. Keine Strafe follst du schenen, Darum bleibe nicht zurück, Naff dich auf, dich zu erfreuen An des neuen Lebens Glück! Mel. Wir singen bir, Smmanuel.( 1 Cor. 6, 14. 2 Tim. 1, 9. 10.) wird zur Schand. Hallelujah! 173. Frühmorgens, da die| seiner Hand; Wer mich will hindern, Sonn aufgeht, Mein Heiland Christus, aufersteht; Vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Le ben wiederbracht. Hallelujak! 5. Lebt Jesus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt; Wenn mir gleich alle Welt stürb ab, Gnug, daß ich Christum bei mir hab! Hallelujah! 6. Er pflegt, er schützt, er tröstet mich; Sterb ich, so nimmt er mich zu sich, Wo er jetzt lebt, da komm ich hin, Weil seines Leibes Glied ich bin. Hallelujah! 7. Mein Herz darf nicht entsetzen sich: Gott und die Engel lieben mich; Die Freude die mir ist bereit, Vertreibet Furcht und Traurigkeit. Hallelujah! 8. Für diesen Troft, o großer 8 2. Nicht mehr als nur drei Tage lang Bleibt Gottes Sohn im Todeszwang; Den dritten Tag durchs Grab er dringt Und hoch die Sie gesfahne schwingt. Hallelujah! 3. Wunder groß, o starter Held! Wo ist ein Feind, den er nicht fällt? Kein Angststein liegt so schwer auf mir, Er wälzt ihn von des Herzens Thür. Hallelujah! Spitta, g. 1801 † 1859. 4. Kein Elend mag so mächtig sein, Mein Heiland greift allmäch tig brein, Er führt mich aus mit Evangelisches Gesangbuch. 114 VIII. Ofterlieder. Held, Herr Jesu, dankt dir alle| rem Fleiß Erheben deinen Ruhm Welt; Dort wollen wir mit größ und Preis! Hallelujah! Joh. Heermann, g. 1585+ 1647. Mel. Herr, wie bu willt.( Apostelgesch. 5, 30. 31. Rom. 6, 1-14.) 174. Wach auf, mein Herz, weit In dir, weil er gebunden Der Feinde Macht, daß du erstehst Und in ein neues Leben gehst Und Gott im Glauben dienest. 5. Laß weder Teufel, Welt noch Tod Dich scheu noch zaghaft machen; Denn Jesus lebt, es hat nicht Noth, Er ist noch bei den Schwadie Nacht ist hin, Die Sonn ist aufgegangen! Ermuntre deinen Geist und Sinn, Den Heiland zu umfangen, Der heute durch des Todes Thor Gebrochen aus dem Grab hervor der ganzen Welt zur Wonne. 2. Steh aus dem Grab der Süin- chen Und den Geringen in der Welt ben auf Und such ein neues Leben; Als ein gekrönter Siegesheld; Drum Bollführe deinen Glaubenslauf Und wirst du überwinden. laß dein Herz sich heben Gen Himmel, da dein Jesus ist, Und such was droben als ein Christ, Der geistlich auferstanden. 6. Ach mein Herr Jesu, der du bist Bom Tode auferstanden, Errett uns von des Satans List Und aus des Todes Banden, Daß wir zusammen insgemein zum neuen Leben gehen ein, Das du uns haft erworben! 3. Drückt dich ein schwerer Sorgenstein; Dein Jesus wird ihn heben; Es kann ein Christ bei Kreuzespein In Freud und Wonne leben. Wirf dein Anliegen auf den Herrn Und sorge nicht, er ist nicht fernt, Weil er ist auferstanden. 4. Wohlauf, mein Herz, fang an den Streit, Weil Jesus überwunden! Er wird auch überwinden winden! 7. Sey hochgelobt in dieser Zeit Von allen Gotteskindern, und ewig in der Herrlichkeit Von allen Uleberwindern, Die überwunden durch dein Blut; Herr Jesu, gib uns Kraft und Muth, Daß wir auch überLaurentit, g. 1660+ 1722. Mel. O daß ich tausend Zungen.( Luc. 24, 10. 23. Jes. 55, 6.) daß ich hätte mitem-| flommen Die trauernde Maria stand, 175. pfunden Die Freude, da der Engel tam, Und nun nach bangen Trauerstunden Die Jüngerschaar das Wort vernahm: ,, Sucht nicht im Grabe Jesum Christ, Der von dem Tod erftanben ist!" Und Jesus rief ihr freundlich zu: ,, Wen suchest du? was weineft du?" 3. O daß ich wäre mitgegangen Den stillen Weg nach Emmaus, Wo gleich von himmlischem Verlangen Das Herz entbrennt beim ersten 2. O daß ichs hätte mitvernom Gruß, Und nun beim letzten Sonmen, Als schwer gebeugt im Garnenstrahl Der Herr sich zeigt am tenland So ganz allein. so tief be- Abendmahl! VIII. Ofterlieder. 115 4. O daß ichs hätte miterfahren| zen war, Und Thomas rief voll Als dort die Jünger sorgenschwer, Heilsbegier: ,, Mein Herr und Gott, In dunkler Nacht beisammen was ich glaube dir!" 5. daß ich hätte mitgestanden, Als ihn umschloß die treue Schaar ren und hatten keinen Tröster mehr, 6. Welch ein Gefühl muß die Und nun ertönte freudenreich Die durchbeben, Die ihren Herru so viel Rede:" Friede sey mit euch!" beweint, Wenn gnadenreich im neuen Leben Der Heiland seinem Volk erscheint! O sey getreu! er naht auch Und Seit und Wunden wieder fan- dir, Im Schauen dort, im Glauden, Sein Bild, so wie's im Her-| ben hier. Möller, g. um 1800. Mel. Jesu, der du meine.( Luc. 24, i3 2c.) 176. Trauernd und mit ban| Wenn mich Tribsalewetter schrecken, gem Sehnen Wandern Zwei nach Emmaus, Ihre Augen sind voll Thränen, Ihre Seelen voll Verdruß; Man hört ihre Klageworte, Doch es ist von ihrem Orte Unser Jesus gar nicht weit Und vertreibt die Traurigkeit. 2. Ach, es gehn noch manche Herzen Ihrem stillen Kummer nach, Sie bejammern ihre Schmerzen, Ihre Noth und Ungemach! Manches wandelt ganz alleine, Daß es nur zur Gnüge weine, Doch mein Jesus ist dabei, Fragt: was man so traurig sey? 3. Oft schon hab ichs auch empfunden: Jesus läßt mich nie allein, Jefus stellt zu rechten Stunden Sich mit seinem Beistand ein; Wann ich mich in Leid verzehre, Gleich als ob er ferne wäre, O so ist er mehr als nah Und mit seiner Hülfe da! 4. Treufter Freund von allen Freunden, Bleibe ferner noch bei mir! Sucht die Welt mich anzufeinden, Ach so sey bu auch allhier! Wollst du mächtig mich bedecken; Komm, in meinem Geist zu ruhn, Was du willst das will ich thun. 5. Bin ich traurig und betrübet, Herr, so ruf mir in den Sinn: Daß mich deine Seele liebet Und daß ich dein eigen bin, Laß dein Wort mich fester gründen, Laß es auch mein Herz entzünden, Daß es voller Liebe brennt Und dich immer besser kennt. 6. Tröst auch andre die voll Jammer Einsam durch die Fluren gehn, Oder in der stillen Kammer Tiefbekümmert zu dir flehn! Wenn sie von der Welt sich trennen, Daß fie satt sich weinen können, Sprich dann ihren Seelen zu: ,, Liebes Kind, was trauerst du?" 7. Hilf, wann es will Abend werden, Und der Lebenstag sich neigt, Wann dem dunklen Aug auf Erden Nirgends sich ein Helfer zeigt; Bleib alsdann in unsrer Mitten, Wie dich deine Jünger bitten, Bis du sie getrö ftet haft; Bleibe, bleibe, theurer Gast! Lud. Ernst Sigmund Müller, g. 1766. Eigene Mel.( Hiob 19, 25-27.) 177. Jesus, meine Zuversicht| Dieses weiß ich; sollt ich nicht Darum Und mein Heiland ist mein Leben! mich zufrieden geben, Was die lange VIII. Ofterlieder. Todesnacht mir auch für Gedanken| 6. Was hier kränkelt, seufzt und macht? 2. Jesus, er mein Heiland lebt! Ich werd auch das Leben schauen; Seyn, wo mein Erlöser schwebt, Warum sollte mir denn grauen? Läffet auch ein Haupt sein Glied, Welches es nicht nach sich zieht? fleht, Wird dort frisch und herrlich gehen; Irdisch werd ich ausgesät, Himmlisch werd ich auferstehen; Hier fint ich natürlich ein, Nachmals werd ich geistlich seyn. 3. Ich bin durch der Hoffnung Band Zu genau mit ihm verbunden; Meine starke Glaubenshand Wird in ihn gelegt befunden, Daß mich auch kein Todesbann Ewig von ihm trennen kann. 7. Seyd getroft und hoch erfreut, Jesus trägt euch, seine Glieder; Gebt nicht Statt der Traurigkeit! Sterbt ihr: Jesus ruft euch wieder, Wann einst die Posaun erklingt, Die auch durch die Gräber bringt. 8. Lacht der finstern Erdenkluft, Lacht des Todes und der Höllen, 4. Ich bin Fleisch und muß daher Denn ihr sollt euch aus der Gruft Auch einmal zu Asche werden. Das Eurem Heiland zugesellen; Dann gesteh ich, doch wird er Mich erwecken wird Schwachheit und Verdruß Lieaus der Erden, Daß ich in der Herr- gen unter eurem Fuß. lichkeit Um ihn seyn mög alle Zeit. 9. Nur daß ihr den Geist erhebt Von den Lüften dieser Erden Und euch dem schon jetzt ergebt, Dem ihr beigefügt sollt werden; Schickt das Herz nur da hinein, Wo ihr ewig wünscht zu seyn! 5. Dieser meiner Augen Licht Wird ihn, meinen Heiland, tennen; Ich, ich selbst, kein Fremder nicht, Werd in seiner Liebe brennen; Nur die Schwachheit um und an Wird von mir seyn abgethan. Luise Henriette, Churfürstin von Brandenburg, g. 1627 † 1667. Mel. Jesus, meine Zuversicht.( Röm. 8, 11.) 178. Jesus lebt! mit ihm auch| Gnade hat er zugesagt, Daß der ich; Tod, wo sind nun deine Schre- Sünder sich bekehre; Gott verstößt den? Jesus lebt und wird auch in Christo nicht, Dieß ist meine mich Von den Todten auferwecken; Zuversicht. Er verklärt mich in sein Licht, Dieß ist meine Zuversicht. 2. Jesus lebt! ihm ist das Reich Ueber alle Welt gegeben; Mit ihm werd auch ich zugleich Ewig herrfchen, ewig leben. Gott erfüllt was er verspricht, Dieß ist meine Zuversicht. 116 3. Sesus lebt! wer nun verzagt, Kränket ihn und Gottes Ehre; 4. Jesus lebt! sein Heil ist mein, Sein sey auch mein ganzes Leben, Reines Herzens will ich seyn Und den Lüften widerstreben; Er verläßt den Schwachen nicht, Dieß ist meine Zuversicht. 5. Jesus lebt! ich bine gewiß, Nichts soll mich von Jesu scheiden, Keine Macht der Finsterniß, Keine Herrlichkeit, tein Leiden; Er gibt IX. Himmelfahrt Chrifti. 117 Kraft zu dieser Pflicht, Dieß ist| Welchen Trost in Tobesnoth Wird meine Zuversicht. 6. Jesus lebt! nun ist der Tod Mir ein Eingang in das Leben; IX. Himmelfahrt Christi. Miel. Wie schön leucht't.( Col. 3, 1-4.) 179. wundergroßer Sieges-| Schein Und Ueppigkeit verachten. held, Du Sündentilger aller Welt, Unart, Hoffart Laß uns meiden, Dein Werk hast du vollendet! Boll endet deinen schweren Lauf, Du fährst verklärt zum Vater auf, Der Chriftlich leiden, Wohl ergründen, Wo die Gnade sey zu finden. 4. Sey, Jesu, unser Schirm und dich herabgesendet; Wohnest, Thro- Hort Und gründ uns auf dein göttneft Hoch und prächtig, Waltest mächtig, Tod und Leben Sind in deine Hand gegeben! 2. Du, Herr, bist unser Haupt und wir Sind deine Glieder; nur von dir kommt auf uns Heil und Leben; Trost, Friebe, Frende, Licht und Kraft Und was dem Herzen Labsal schafft, Wird uns durch dich gegeben. Neige, Beuge, Ewge Güte, Mein Gemüthe, Dich zu preisen Und mich dankbar zu beweisen! es meiner Seele geben, Wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht! Gellert, g. 1715 † 1769. 3. Zeuch, Jesu, uns, zeuch uns zu dir! Hilf, daß wir künftig für und für Nach deinem Reiche trachten; Laß unsern Wandel himmlisch seyn, Daß wir der Erde leeren lich Wort, So sind wir nie verlassen. Laß suchen uns was droben ist; Auf Erden wohnet Trug und List, Es ist auf allen Straßen Lügen, Trügen, Angst und Plagen, Die da nagen, Die da quälen Stündlich arme Christenseelen. 5. Herr Jesu! komm, zeuch uns dir nach, Daß wir nach kurzem Ungemach Zur Freude dort gelangen; Du bist uns allen ja zu gut Durch dein vergoßnes theures Blut Ins Heiligthum gegangen. Dafür Soll dir Von uns allen Preis erschallen; Nimm am Ende, Herr, uns auf in deine Hände! Homburg, g. 1605 † 1681. Eigene Mel.( Joh. 20, 17. 14, 18-20.) 180. Auf diesen Tag bedenken| ist g'macht, Uns steht der Himmel wir, Daß Christ gen Himmel g'fah- offen! Christus schleußt auf mit ren, Und danken Gott in höchst'r großer Pracht, Vorhin war all's Begier, Mit Bitt: er woll bewahren verschlossen. Wers glaubt, deß Herz Uns arme Sünder hie auf Erd, ist freubenvoll, Dabei er sich auch Die wir von wegen mancher G'fährd rüsten soll, Dem Herren nachzuOhn Hoffnung han kein Troste. folgen. Hallelujah, Hallelujah! Hallelujah, Hallelujah! 3. Wer nicht folgt und sein'n Willen thut, Dem ists nicht Ernst 2. Drum sey Gott Lob, der Weg 118 IX. Himmelfahrt Chrift. zum Herren; Denn er wird auch| Treu und Lieb geht ihn'n nichts ab, vor Fleisch und Blut Sein Himmel Bis sie zusammen kommen. Hallereich versperren. Am Glauben liegts; lujah, Hallelujah! soll der seyn recht, So wird auch g'wiß das Leben schlecht zu Gott im Himmel g'richtet. Hallelujah, Hallelujah! 5. Dann wird der Tag erst freudenreich, Wann Gott uns zu sich nehmen Und seinem Sohn wird machen gleich, Als wir denn jetzt bekennen. Da wird sich finden Freud und Muth Zur ewgen Zeit beim höchsten Gut; Gott woll, daß wir's erleben! Hallelujah, Hallelujah! 3wick+ 1542. 4. Solch Himmelfahrt fäht in uns an, Wenn wir den Vater finden Und fliehen stets der Welt ihr Bahn, Thun uns zu Gottes Kindern; Die sehn hinauf, der Vater herab, An Viel. Schwingt, heilige.( Joh. 14, 2-4. Pf. 47.) 181. Der Herr fährt auf gen| 4. Laßt uns gen Himmel bringen Mit herzlicher Begier; Laßt uns voll Inbrunst singen: Dich, Jesu, suchen wir! Dich, o du Gottessohn, Dich Weg, dich, wahres Leben, Dem alle Macht gegeben, Dich, unsers Haup tes Kron! Himmel, Mit frohem Jubelton, Aus dieser Welt Getümmel Empor zu seinem Thron. Lobsingt, lobfinget Gott! Lobfingt, ihr Nationen, Dem Herrscher aller Thronen, Dem Herren Zebaoth! 2. Wir wissen nun vom Siege, Der unser Haupt erhöht; Wir wissen zur Genüge, Wie man zum Himmel geht. Der Heiland geht voran, Will uns zurück nicht laffen, Er zeiget uns die Straßen, Er bringt uns sichre Bahn. 5. Fahr hin mit deinen Schätzen, Du trügerische Welt! Wir fliehn aus deinen Netzen: Dort ist was uns gefällt! Der Herr ist unsre Zier, Der Herr ist unsre Wonne; Zu unsrer Lebenssonne, Zu Jesu ziehen wir! 3. Wir sollen himmlich werden! 6. Wann soll es doch geschehen? Der Herr bestellt den Ort; Wir ge- Wann kommt die liebe Zeit, Daß hen von der Erden Getroft zum Him wir ihn werden sehen In seiner mel fort. Ihr Herzen, macht euch auf! Wo Jesus hingegangen, Dahin sey bas Verlangen, Dahin sey euer Lauf! Herrlichkeit? Du Tag, wann wirst du seyn, Da wir zu seinen Füßen Anbetend ihn begrüßen? O Tag, brich bald herein! Nach Sacer. Mel. Freu dich sehr.( Joh. 20, 17. 14, 2. 3. Col. 3, 1. 2.) 182. Herr! du fährst mit| So in dir zurückefege, Daß ich stets Glanz und Freuden. Auf zu deiner dein bleiben möge. Herrlichkeit; Doch mich drücken noch die Leiden Dieses Lebens, dieser Zeit. Gib mir, Jesu, Muth und Kraft, Daß ich meine Pilgerschaft 2. Laß mir deinen Geist zurüce, Aber zeuch mein Herz zu dir; Wenn ich nach dem Himmel blicke, O so öffn ihn gnädig mir! Neige meinem IX. Himmelfahrt Christ. 119 Flehn dein Ohr, Trag es deinem Ba- 5. Dort bereit auch mir die Stätte ter vor, Daß er mir die Schuld ver- In des Vaters Hause zu, Rufst du gebe, Und ich mich bekehr und lebe. frühe oder späte Mich zu meines 3. Lehre mich die Welt verachten Und was in ihr eitles ist, und nach dem was dort ist trachten, Wo du, mein Erlöser, bist. Wollust, Ehrsucht und Gewinn, Soll mich dieß zurrungen. Erde ziehn, Da ich jenseits überm Grabe Eine größre Hoffnung habe? 4. Diese müsse nichts mir rauben, Du erwarbst sie theuer mir; Jetzo seh ich sie im Glauben, Dorten find ich fie bei dir; Dort belohnst du das Vertraun Deiner Gläubigen durch Schaun Und verwandelst ihre Leiden In unendlich große Freuden. 6. Kommst du endlich glorreich wieder An dem Ende dieser Zeit, O so sammle meine Glieder, Die Verwesung jetzt zerstreut; Heilge und verklär sie ganz, Daß der Leib im Himmelsglanz, Dann nicht mehr von Staub und Erde, Aehnlich deinem Leibe werde. Nach Caspar Neumann. Mel. Es ist das Heil.( Ebr. 7, 24. 25. Joh. 17, 24.) 183. Herr Sejut, deiner Glie-| mel ein, So werden auch die Glieder Ruhm, Du starkes Haupt der der Gewiß nicht ausgeschlossen seyn, Schwachen! Du hast ein ewges Du bringst sie alle wieder; Sie Priesterthum, Kannst allzeit selig werden da seyn wo du bist, Und machen; Du bist es, der Gebet dich verklärt, Herr Jesu Christ, erhört Und der des Glaubens Mit ewger Wonne sehen. Wunsch gewährt, So bald wir zu dir kommen. 5. 3euch uns dir nach, so laufen wir; Laß uns ein himmlisch Wesen Grabes Rub; Leucht auch mir in dieser Nacht Mit der Sonne deiner Macht, Die des Todes Macht bezwungen Und für uns den Sieg er2. Du läßst durch deine Himmel- In Worten, Werken und Begier fahrt Den Himmel offen sehen; Von nun an, Herr, erlesen. Zeuch Du hast den Weg geoffenbart, Wie wir zum Vater gehen. Der Glaube weiß und ist gewiß, Du babest uns im Paradies Die Stätte zubereitet. ( Joh. 14, 2.) 3. Du giengst ins Heiligthum hinein Kraft deiner heilgen Wunden Und haft ein ewig Seligseyn, Verherrlichter, erfunden; Du hast allein durch deine Macht Uns die Gerechtigkeit gebracht, Die unaufhörlich währet. 4. Gieng unser Haupt zum Himunser Herz dem Himmel zu, Dainit wir Wandel, Schatz und Nuh Nur in dem Himmel haben. 6. Was broben ist, laß fünftighin Uns unablässig suchen; Was eitel heißt, das lehr uns fliehn, Was fündlich ist, verfluchen. Weg Welt: dein Schatz und Freudenschein Ist viel zn elend, zu gemein Für himm lische Gemüther! 7. O Kleinod, das im Himmel strahlt, Nach dir nur will ich laufen! O Perle, die kein Weltkreis IX. Himmelfahrt Chrifti. zahlt, Dich will ich hier noch tau-| Himmel voller Seligkeit, Sey fen! O Erbtheil voll Zufriedenheit, mein aus Jesu Gnaden! Ph. Fr. Hiller, g. 1699+ 1769. Mel. Womit soll ich.( Eph. 1, 17-23.) 184. Siegesfürst und Ehren- 4. Geist und Kraft nun überflie könig, Hochverklärte Majestät! Alle Himmel sind zu wenig, Du bist drüber weit erhöht! Sollt ich nicht zu Fuß dir fallen, Nicht mein Herz vor Freude wallen, Wenn mein Glaubensaug entzüldt Deine Herr lichkeit erblickt? ßen, Laß sie fließen auch auf mich, Bis zum Schemel deinen Füßen Alle Feinde legen sich. Herr! zu deinem Scepter wende Alles bis zum Weltenende; Mache dir auf Erden Bahn, Alle Herzen unterthan. 120 5. Nun erfüllst du aller Orten 2. Weit und breit, du Himmels- Alles durch dein Naheseyn, Meines sonne, Deine Klarheit sich enthüllt Geistes ewge Pforten Stehn dir Und mit neuem Glanz und Wonne Alle Himmelsgeister füllt. Brächtig wirst du aufgenommen, Freudig heißt man dich willkommen; Schau, dein armes Kind auch hier Rufet Hostanna bir! offen, komm herein! Komm, du König aller Ehren, Du mußt auch bei mir einkehren, Ewig in mir leb und wohn, Als in deinem Himmels thron! 6. Scheidend bringst du mir dein 3. Sollt ich deinen Kelch nicht Leben, Gott und Himmel innig trinken, Da ich deine Klarheit seh? nah; Laß mich stets den Geist erheSollt mein Muth noch wollen sin- ben, Gleich als stündst du sichtbar ken, Da ich deine Macht versteh? da, Fremd der Welt, von Zeit und Meinem König will ich trauen Ohne Sinnen Bei dir abgeschieden drinFurcht und ohne Grauen, Nur innen, In den Himmel mit versetzt, Jesu Namen mich Beugen hier und Wo mich Jesus nur ergößt. ewiglich. Tersteegen, g. 1697 † 1769. Mel. Nun freut euch.( Joh. 17, 24. Col. 3, 1 sc. Matth. 6, 21.) auch stets mein Herz und Sinn; Nach ihm mich sehr verlanget. 185. Auf Christi Himmelfahrt| mein Schatz gekommen hin, Da ist allein Ich meine Nachfahrt gründe Und allen Zweifel, Angst und Pein Hiemit stets überwinde; Denn weil das Haupt im Himmel ist, Wird seine Glieder Jesus Christ Zur rechten Zeit nachholen. 3. Ach Herr! laß diese Gnade mich Von deiner Auffahrt spüren, Daß mit dem wahren Glauben ich Mög meine Nachfahrt zieren, Und dann einmal, wann dirs gefällt, Mit Freuden scheiden aus der Welt; Herr, höre dieß mein Flehen! Wegelin † 1640. 2. Weil er gezogen himmelan Und große Gab empfangen, Mein Herz auch nur im Himmel kann, Sonst nirgends Ruh erlangen; Denn wol Himmlische Herrlichkeit Chrifti. Himmlische Herrlichkeit Chrifti. Mel. Schmücke dich.( Phil. 2, 9-11. 2 Tim. 2, 11. 12.) 186. König, dem kein König| 4. In dem Reiche deiner Ehren gleichet, Deffen Ruhm kein Mund erreichet, Dem als Gott das Reich gebühret, Der als Mensch das Scepter führet, Dem das Reich gehört zum Throne, Als des Vaters eingem Sohne, Den so viel Vollkommenheiten Krönen, zieren und be- Dienst erweisen. gleiten! Kann man stets dich loben hören Bon dem himmlischen Geschlechte, Von der Menge deiner Knechte, Die dort ohne Furcht und Grauen Dein verklärtes Antlitz schauen, Die dich unermüldet preisen Und dir Ehr und 121 2. Himmel, Erde, Luft und Meere, Aller Kreaturen Heere Müssen dir zu Dienste stehen, Was du willst, das muß geschehen! Fluch und Segen, Tod und Leben, Alles ist dir übergeben, Und vor deines Mundes Schelten, Zittern Men schen, Engel, Welten. 3. In des Gnadenreiches Grenzen Sieht man dich am schönsten glänzen, Wo viel tausend trene Seelen Dich zu ihrem Haupt erwählen, Die durchs Scepter deines Mundes, Nach dem Recht des Gnadenbundes Sich von dir regieren lassen und wie du das Unrecht haffen. 5. Herr in allen diesen Reichen! Dir ist niemand zu vergleichen An dem Ueberfluß der Schätze, An der Ordnung der Gesetze, An Vortrefflichkeit der Gaben, Welche deine Bürger haben; Du beschüßest deine Freunde, Du bezwingest deine Feinde. 6. Herrsch auch, Herr, in meinem Herzen Ueber Lüfte, Furcht und Schmerzen! Laß dein Leben in mich fließen, Laß mich dich im Geist ges nießen, Ehren, fürchten, loben, lieben Und mich im Gehorsam üben, Siegen hier mit dir im Streite, Dort mit herrschen dir zur Seite! Rambach, g. 1693 † 1735. Mel. Auf, Triumph, es kommt die Stunde; oder: Ach was soll ich Sünder. ( Ebr. 1 und 2. Eph. 1, 21 2c. Phil. 2, 9-11.) 187. Jesus Christus herrscht| 3. Gott ist Herr, der Herr ist als König; Alles wird ihm unter thänig, Alles legt ihm Gott zu Fuß. Jede Zunge soll bekennen: Jefus sey der Herr zu nennen, Dem man Ebre geben muß! Einer, Und demselben gleichet keiner, Nein, der Sohn nur ist ihm gleich; Deffen Stuhl ist unumstößlich, Deffen Leben unauflöslich, Deffen Reich ein ewig Reich. 2. Gott, des Weltalls großer Meister, Hat die Engel wohl als Geister Und als Flammen um den Thron; Sagt er aber je zu Knechten: ,, Setze bich zu meiner Rechten?" Nein, er sprach es zu dem Sohn! 4. Nur in ihm( o Wundergaben!) Können wir Erlösung haben, Die Erlösung durch sein Blut. Hörts! das Leben ist erschienen, Und ein ewiges Versühnen, Kommt in Jestt uns zu gut. 122 IX. Himmelfahrt Chrift 5. Alles dieses nicht alleine, Die der, Und das Leiden geht zuvor. begnadigte Gemeine Hat auch ihn Nur Geduld! es folgen Freuden; zu ihrem Haupt; Er hat sie mit Nichts kann sie von Jesu scheiden, Blut erkaufet, zZu dem Himmel Und ihr Haupt zieht sie empor. reich getaufet, Und sie lebet, weil sie glaubt. 10. Ihnen steht ein Himmel offen, Welcher über alles Hoffen, Ueber alles Wünschen ist. Die geheiligte Gemeine Weiß, daß eine Zeit er scheine, Da sie ihren König grüßt. 6. Gebt, ihr Sünder, ihm die Herzen, Klagt, ihr Kranken, ihm die Schmerzen, Sagt, ihr Armen, ihm die Noth! Er kann alle Wunden heilen, Neichthum weiß er auszutheilen, Leben schenkt er nach dem Tod. 11. Auch bis dahin gibt er Nahrung, Leitung, Heilung und Bewahrung, Denn er pflegt und liebet fie; Ja bei seinem Kreuzesstamme Fraget sie, wer nun verdamme? Denn sie rühmet: Gott ist hie! 12. Jauchz ihm, Menge heilger 7. Eil, es ist nicht Zeit zumi Schämen! Willst du Gnade? du sollst nehmen! Willst du leben? es soll seyn! Willst du erben? du wirsts se- Knechte! Rühmt, vollendete Geben! Soll der Wunsch aufs Höchste rechte, Und du Schaar, die Palmen gehen: Willst du Jefum?. trägt, Und ihr Märt'rer mit der dein! Krone, Und du Chor vor seinem Throne, Der die Gottesharfen schlägt! er ist 8. Allen losgefauften Seelen Solls an keinem Gute fehlen, Denn sie glauben, Gott zum Ruhm. Werthe Worte, theure Lehren! Möcht doch alle Welt dich hören, Süßes Evangelium! 13. Sch auch auf den tiefstenStufen, Ich will glauben, reden, rufen, Ob ich schon noch Pilger bin: Jesus Chri stus herrscht als König! Alles sey 9. 3war auch Kreuz drückt Chrifti ihm unterthänig, Ehret, liebet, lobet Glieder Hier auf turze Zeiten nie- ihn! phil. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Wie schön leucht't.( Ebr. 6, 18-20.) 188. Hallelujah! wie lieblich| Ein Schatten nur von jenem Licht, stehn Hoch über uns die Himmels. Das dir vom holden Angesicht Aushöhn, Seit du im Himmel sitest, geht mit ewger Wonne! Sende, Seit du vom ewgen Zion dort Aus- Spende Deine hellen Lebensquellen sendest dein lebendig Wort Und Reichlich nieder, Großes Haupt, auf deine Heerde schützest! Fröhlich, deine Glieder! Selig Schaut der Glaube Von dem Staube Auf zum Sohne: Meine Heimath ist am Throne! - 3. Verhüllt den Erdkreis düstre Nacht, Ich weiß, daß dort ein Auge wacht, Das einst um uns 2. Die Sterne leuchten ohne Zahl; geweinet, Das einst für uns im Was ist ihr tausendfacher Strahl? Tode brach; Es ist bein Aug, es Was ist der Glanz der Sonne?| bleibet wach, Bis neu die Sonne Himmlische Herrlichkeit Chrifti. 123 6. scheinet. Ower Nunmehr Nimmer| Du bricht nicht das zerstoßne Rohr, flagte, Nimmer zagte, Seit du wa- Und wenn der Docht sein Del verchest Und aus Nächten Tage machest! lor, So tränfst du ihn aufs neue. 4. Wohin wir ziehn durch Land Im Licht Soll nicht Eine fehlen und Meer, Ein Himmel neigt sich von den Seelen, Die zum Leben drüber her, Dein Himmel voller Dir dein Vater übergeben. Gnaden. Da steigt erhörlich das selger König, Jesu Chrift! Gebet, Da wallt man sicher früh Wie wundervoll und heilig ist Was und spät Vor Feindeslist und Scha uns in bir geschenket! In dir, der den. Keiner Deiner Auserwählten, Gottes Kinder schirmt, Bleibt unser Geistbeseelten Bleibt verlaffen; Anker, wenn es stürmt, Auf ewig Treu will ihn dein Arm umfaffen. eingesenket. Hier, hier Sind wir 5. Wir fliehn zu dir mit allem Festgebunden; Schmerz, Zu dir, wenn sich das Fliehn in Eile; arme Herz Abhärmt in bittrer Neue; ewgen Heile! Unsere Stunden Dann hinauf zum Knapp, g. 1798. Mel. Lobe den Herren, den mächtigen.( Pf. 103, 1-5.) eigen gegeben den schuldigen Armen, Dir an der Brust Darf nun in Leben und Lust Jeder Erstarrte erwarmen! 189. Lamm, das gelitten, und sich das ewge Erbarmen Milde zu Löwe, der siegreich gerungen! Blutendes Opfer, und Held, der die Hölle bezwungen! Brechendes Herz, Das sich aus irdischem Schmerz Ueber die Himmel geschwungen! 2. Du hast in schauriger Tiefe das Höchste vollendet, Gott in die Mensch heit gehüllt, daß sein Licht uns nicht blendet. ,, Würdig bist du," Jauchzt dir die Ewigkeit zu, Preises und Ruhms der nicht endet!" 11 3. Himmlische Liebe, die Namen der Erde nicht nennen! Fürst deiner Welten, den einst alle Zungen bekennen! Giengest du nicht Selbst in der Sünder Gericht, Sünder entlasten zu können? 4. Wunder der Liebe! der einzige Reine von Allen Eint sich mit Seelen, die fündig im Staube hier wallen, Trägt ihre Schuld, Hebt mit unendlicher Huld Das was am tiefsten gefallen! 5. Menschensohn, Heiland, in dem 6. Mir auch ist süß überwindend dein Rufen ertönet; Herr, auch mein feindliches Herz hat dein Lieben versöhnet; Ja deine Hand, Zu dem Verirrten gewandt, Hat mich mit Gnade gekrönet. 7. Lobe den Herrn, meine Seele! er hat dir vergeben, Heilt dein Gebrechen, legt in dich ein ewiges Leben! Frieden im Streit, Wonnen im irdischen Leid, Weiß dir dein Heiland zu geben. 8. Schmilz, o mein dankender Laut, in die seligen Chöre Seiner Gemeinde, getrennt noch durch Länder und Meere, Doch von dem Band Himmlischer Liebe umspannt, Eins zu des Ewigen Ehre! 9. Jauchze, Natur, in des Frühlings beginnendem Wehen! Singe, 124 IX. Himmelfahrt Chrifli. du Welt, die das Werk der Erlö-| Dort am frystallenen Meer:, Ehre fung gesehen! Jauchze, du Heer sey Gott in den Höhen!" Meta Häußer Schweizer. Mel. Womit soll ich.( 1 Joh. 2, 1.2. br. 5, 7-10. 7, 25 2c.) 190. Großer Mittler! der zur| 5. Doch vergisfest du der Armen, Die der Welt noch bienen, nicht, Weil dein Herz dir von Erbarmen Ueber ihrem Elend bricht. Daß dein Vater ihrer schone, Daß er nicht nach Werken lohne, Daß er ändre ihren Sinn, Ach, da zielt dein Bitten hin! 73 Rechten Seines großen Vaters sigt Und die Schaar von seinen Knech ten In dem Reich der Gnade schützt; Dem auf dem erhabnen Throne, In der königlichen Krone, Aller Ewigkeiten Heer Bringt in Demuth Preis und Ehr. 2. Dein Erlösungswerk auf Erden| 6. 3war in deines Fleisches Ta Und dein Opfer ist vollbracht; Was vollendet sollte werden, Das vollführtest du mit Macht. Da du bist für uns gestorben, Ist uns Gnad und Heil erworben, Und dein siegreich Auferstehn Läßt uns in die Freiheit gehn. The dans gen, Als die Sünden aller Welt Noch auf deinen Schultern lagen, Hast du dich vor Gott gestellt, Bald mit Seufzen, bald mit Weinen Für die Sünder zu erscheinen; welcher Niedrigkeit Batest du zur selben Zeit! in niederschlagen, Und nun macht dein redend Blut Unsre böse Sache gut. 3. Nun ist dieses dein Geschäfte 7. Aber nun wird deine Bitte In dem obern Heiligthum: Die er Von der Allmacht unterstützt, Da worbnen Lebenskräfte Durch dein in der vollkommnen Hütte Die ver Evangelium Allen denen mitzutheitlärte Menschheit sitzt. Nun fannst len Die zum Thron der Gnaden du des Feindes Klagen Majestätisch eilen; Nun wird uns durch deine Hand Heil und Segen zugewandt. 4. Alle Namen deiner Frommen Trägst du stets auf deiner Brust; Und die gläubig zu bir kommen Sind und bleiben deine Lust. Du vertrittst die an dich glauben, Daß sie nichts dir möge rauben, Bittest in des Vaters Hans Ihnen eine Wohnung aus. 8. Großer Mittler, sey gepriesen, Daß du in dem Heiligthum So viel Treu an uns bewiesen; Dir sey Ehre, Dank und Ruhm! Laß uns dein Verdienst vertreten, wir zu dem Vater beten; Schließt die Lippen uns der Tod, Sprich für uns in letzter Noth! Wenn Rambach, g. 1693 † 1735. Mel. Nun bitten wir.( Soh. 14, 27. 28.) 191. Ach mein Herr Jesul dein Naheseyn Bringt großen Frieden ins Herz hinein, Und dein Gnadenanblick Macht uns so selig, Daß Leib und Seele darüber fröhlich Und bankbar wird. 2. Wir sehn dein freundliches Angeficht, Voll Huld und Gnade. Himmlische Herrlichkeit Chrift. 125 wohl leiblich nicht; Aber unsre| uns bald Mit deiner Friedens- und Seele Kanns schon gewahren, Du kannst dich fühlbar gnug offenbaren, Auch ungefehn. Siegsgestalt; Laß dein Bild uns immer Bor Augen schweben, Und dein wahrhaftiges Inunsleben Zit sehen seyn! ( Gal. 2, 20.) 3. O wer nur immer bei Tag und Nacht Dein zu genießen recht wär bedacht! Der hätt ohn Ende von Glück zu sagen, Und Leib und Seele müßt immer fragen: Wer ist wie du? 7. Ein herzlich Wesen und Kindlichkeit Sey unsre Zierde zu aller Zeit, Und die heilge Tröstung Aus deinen Wunden Erhalt uns Frieden zu allen Stunden Bei Frend und Leid. 8. So werden wir bis in Himmel hinein In bir vergniligt wie die Kinder seyn. Muß man gleich die Wangen Noch manchmal netzen, Wenn sich das Herz nur an dir ergößen Und stillen kann! 9. Du reichst uns deine durchgrabne Hand, Die so viel Trene an uns gewandt, Daß wir beim Ge dächtniß Beschämt da stehen, Und unser Auge muß übergehen Vor Lob und Dank. Gregor, g. 1723 † 1801. 1 Cor. 1, 31. 1 Chron. 30, 17.) 3. Efend bin ich und verdorben, In der Sünde fast erstorben; Sünder können nichts verdienen, Nichts vergüten, nichts verfühnen; Willst du in der ewgen Hütte Mich vergeffen in der Bitte, Nicht auf deinem Herzen tragen, Muß ich sterben und verzagen. 4. Du nur giltst im Heiligthume; und zu deiner Wunden Ruhme, Weil du für die Sünder litteft, Gibt der Vater was du bittest; Wenn schon Zornesflammen lodern, Darfst du noch Erbarmen fodern, Hülfe, wo die Engel trauern, Leben in des Todes Schauern. 4. Barmherzig, gnädig, geduldig seyn, Uns täglich reichlich die Schuld verzeihn, Heilen, stillen, trösten, Erfreun und segnen Und unsrer Seele als Freund begegnen, Ist deine Lust. 5. Ach gib an deinem kostbaren Heil Uns alle Tage vollkommnen Theil, Und laß unsre Seele Sich immer schicken, Aus Noth und Liebe nach dir zu blicken Ohn Unterlaß! 6. Und wenn wir weinen, so tröst Mel. Schmücke dich.( Ebr. 8, 1. 2. 192. An Dein Bluten und| Erbleichen, Un Dein Opfer ohne gleichen, An Dein priesterliches Flehen mahnet mich des Geistes Wehen. Und so wünsch ich, ewge Güte, Für mein Leben eine Blüt the, Einen Ruhm an meinem Grabe: Daß ich dich geliebet habe! 2. Hohepriester ohne Tadel! Lebensfürst von großem Adel! Licht und Herrlichkeit entfalten, Segnen heißt dein hohes Walten; Segnend trittst du mir entgegen, Und so wünsch ich einen Segen, Einen Ruhm an meinem Grabe: Daß ich dich geliebet habe! 126 X. Pfingslieder. 5. O wie groß ist dein Vermögen!| nest? Selger Pilger, dem die Kun Priesteramtes kannst du pflegen, de Tief ertönt im Herzensgrunde: Welten auf dem Herzen tragen, Christus, meine Lebenssonne, DenSünd und Hölle niederschlagen, ket mein im Haus der Wonne! Gräber öffnen, Todte wecken, Sie mit Himmelsblüthe decken Und hinauf zum ewgen Leben Auf der Rettershand erheben. 7. Lieben will ich, flehn und loben, Bis der Vorhang weggeschoben; Dann zu bir, bu Ewigreiner! Jesus Christus, bente meiner! 6. Was ist Reichthum, Lust und Eines schenke mir hienieben: Dei Ehre, Was ein Ueberfluß wie Meenen Geist und deinen Frieden Und re, Wenn du, Herr, mich nicht er den Ruhm an meinem Grabe, Daß kennest, Nicht im Heiligthume nen- ich dich geliebet habe! Knapp, g. 1798. X. Pfingstlieder. Mel. Kommt her zu mir.( Apostelgesch. 2.) 193. Es jaß ein frommes| uns mit heilger Gluth, Daß wir des Herzens blöden Muth Mit freier Rebe brechen. Häuflein dort Und wollte nach des Herren Wort Einmüthig Pfingsten halten. Ach laß auch jetzt im Christenstand, Herr Jesu, deiner Liebe Band Bei frommenGliedern walten! 2. Schnell fiel hernieder auf das Haus Ein starker Wind, der mit Gebraus Sich wundersam erhoben. O Gotteshauch, ach lasse dich Bei uns auch spüren kräftiglich und weh uns an von oben! 3. Er fiillete die Wohnung ganz, Bertheilter Zungen Feuerglanz Ließ sich auf jedem spüren. Ach nimm auch unsre Kirchen ein, Laß feurig unsre Lehrer seyn, Und deine Sprach uns rühren! 4. Sie wurden all des Geistes voll Und fingen an zu reden wohl, Wie er gab auszusprechen. Erfüll auch 5. Die Welt zwar treibt nur ihren Spott, Und wer nicht merkt die Kraft aus Gott, Spricht leider: ,, sie sind trunken." Den rechten Freudenwein uns gib, Erquick, o Herr, in deiner Lieb Was noch in Angst versunken. 6. Dein Licht treib in des Herzens Haus Mit hellen Strahlen gänzlich aus Die alten Finsternisse, Daß Bliudheit, Irrthum, falscher Wahn Und was uns sonst verleiten kann, Auf ewig weichen müsse. 7. Dein Feuer tödt in unsrer Brust Was sich noch regt von Sün denlust; Erwecke reine Triebe, Auf daß wir schmecken wahre Freub, Anstatt der schnöden Eitelkeit, In Jesu süßer Liebe. Aus dem Schaffhauser Gesangbuch von 1730. Eigene Mel.( Joh. 16, 13. 14.) 194. Komm, heiliger Geist,| den Gut Deiner Gläubigen Herz, Herre Gott! Erfüll mit deiner Gna- Muth unb Sinn, Dein' brünstig' X. Pfingslieder. 127 Lieb entzünd in ihn'n. O Herr!| Denn Jesum mit rechtem Glauben durch deines Lichtes Glast Zum Und ihm aus ganzer Macht verGlauben du versammelt hast Das trauen. Hallelujah, Hallelujah! Bolk aus aller Welt Zungen; Das 3. Du heilige Brunst, süßer Troft! feb dir, Herr, zu Lob gesungen. Hal- Nun hilf uns, fröhlich und getrost lelujah, Hallelujah! 2. Du heiliges Licht, edler Hort! Laß uns leuchten des Lebens Wort Und lehr uns Gott recht erkennen, Von Herzen Vater ihn nennen. O Herr, behüt vor fremder Lehr, Daß wir nicht Meister suchen mehr, gen. Hallelujah, Hallelujah! In dein'm Dienst beständig bleiben, Die Trübsal uns nicht abtreiben. O Herr! durch dein Kraft uns bereit Und stärk des Fleisches Blödigkeit, Daß wir hie ritterlich ringen, Durch Tod und Leben zu dir drinLuther, g. 1483 † 1546. Eigene Diel.( Joh. 14, 26. 1 Cor. 12, 3.) 195. Nun bitten wir den heili-| 3. Du süße Lieb, schenk uns deine gen Geist Um den rechten Glauben allermeist, Daß er uns behüte An unserem Ende, Wenn wir heimfahrn aus diesem Elende. Herr, erbarm dich unser! Gunst, Laß uns empfinden der Liebe Brunst, Daß wir uns von Herzen Einander lieben Und im Frieden auf Einem Sinn bleiben. Herr, erbarm dich unser! 2. Du werthes Licht, gib uns deinen Schein; Lehr uns Jesum Christ kennen allein, Daß wir an ihm bleiben, Dem treuen Heiland, Der uns bracht hat zum rechten Vaterland. Herr, erbarm dich unser! Luther. 4. Du höchster Tröster in aller Noth, Hilf, daß wir nicht fürchten Schand noch Tod, Daß in uns die Sinnen Doch nicht verzagen, Wenn der Feind wird das Leben verklagen. Herr, erbarm dich unser! Vers 1 schon im 13. Jahrhundert bekannt. Mel. Wie schön leucht't.( Nöm. 8, 26. 1 Cor. 12, 13.) 196.heilger Geist, kehr bei| Auch andre in der Christenheit Dein uns ein Und laß, uns deine Woh- wahres Zeugniß lehren. Höre, Lehnung seyn, O komm, du Herzens- re, Daß wir können Herz und Sinsonne! Du Himmelslicht, laß deinen nen Dir ergeben, Dir zum Lob uud Schein Bei uns und in uns fräftig uns zum Leben. seyn zu steter Freud und Wonne. Sonne, Wonne, Himmlisch Leben Willst du geben, Wenn wir beten; Zu dir kommen wir getreten. 2. Du Quell, braus alle Weisheit fließt, Die sich in fromme Seelen gießt, Laß deinen Troft uns hören; Daß wir in Glaubenseinigteit 3. Gib Kraft und Nachdruck deinem Wort, Laß es wie Fener immerfort In unsern Seelen brennen, Daß wir uns mögen nimmermehr Von deiner weisheitreichen Lehr Und treuen Liebe trennen. Schenke, Senke Deine Gülte InsGemüthe, Daß wir können Christum unsern Heiland nennen. 128 X. Pfingstlieder. 4. Sey stets bei uns mit deinem| 6. Du füßer Himmelsthau, gib Rath Und führ uns selbst auf rech- dich In unsre Herzen kräftiglich tem Pfad, Die wir den Weg nicht Und schenk uns deine Liebe; Daß wissen. Gib uns Beständigkeit, daß unser Sinn verbunden sey Dem wir Getreu dir bleiben für und für, Nächsten stets mit Lieb und Treu Wenn wir auch leiden müssen. Und sich darinnen übe. Kein Neid, Schaue, Baue, Was zerrissen Und Rein Streit Dich betrübe; Fried geflissen, Dich zu schauen Und auf und Liebe Müff' umschweben Und deinen Troft zu bauen. durchdringen unser Leben. 5. Stärt uns mit deiner Gottes- 7. Gib, daß in reiner Heiligkeit traft, zu üben gute Ritterschaft Wir führen unsre Lebenszeit; Sey In Drangsal und Beschwerden; unsers Geistes Stärke, Daß uns Auf daß wir unter seinem Schuk hinfort sey unbewußt Die Eitelkeit, Begegnen aller Feinde Truk Mit des Fleisches Lust Und seine todten freudigen Geberden. Laß dich Reich- Werke, ühre, Führe Unser Sin lich Auf uns nieder, Daß wir wie- nen Und Beginnen Von der Erden, der Trost empfinden, Alles Unglüc Daß wir Himmelserben werden. Schirmer, g. 1606 † 1673. überwinden. Mel. Zeuch mich, zeuch mich.( Röm. 8, 15 2c. 26. Jef. 11, 2.) 197. Komm, o komm, bu Geift| uns, daß des Vaters Zucht Einzig des Lebens, Wahrer Gott von Ewigfeit! Deine Kraft sey nicht vergebens, Sie erfüll uns jederzeit; So wird Geist und Licht und Schein In dem dunklen Herzen seyn. 2. Gib in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rath, Verstand und Zucht, Daß wir anders nichts beginnen, Denn was nur dein Wille fucht; Dein Erkenntniß werde groß Und mach uns vom Irrthum los. unser Bestes sucht. 5. Reiz uns, daß wir zu ihm treten Frei, mit aller Freudigkeit; Seufze in uns, wenn wir beten, Und vertritt uns allezeit; So wird unsre Bitt erhört, Und die Zuverficht gemehrt. 6. Wird uns dann um Trost auch bange, Seufzt das Herz voll Traurigkeit: ,, Ach mein Gott, mein Gott, wie lange?" so wende unser Leid, Sprich der Seele tröstlich zu- Und gib Muth, Geduld und Ruh! 3. Führ uns, Herr, die Wohlfahrtsstege, Die dein Wort uns fund gethan; Räume ferner aus 7. O du Geist der Kraft und dem Wege Was den Lauf verhin- Stärke, Der allein das Gute schafft, dern kann; Wirke Reue nach der Fördre in uns deine Werke Und That, Wenn der Fuß gestrauchelt hat. zum Kämpfen gib uns Kraft; 4. Stets laß unser Herz empfin- Schent uns Waffen in den Krieg den, Daß wir Gottes Kinder sey'n, Und erhalt in uns den Sieg! Die bei ihm nur Hülfe finden In der Noth und Seelenpein; Lehr 8. Herr! bewahr auch unsern Glauben, Daß kein Teufel, Tob X. Pfingslieder. 129 noch Spott Uns denselben möge rau| ben, So versichre uns je mehr, Als ben, Du bist unser Schutz und Gott; Sagt das Fleisch gleich immer Nein, Laß dein Wort gewisser seyn! des Himmelreiches Erben, Jener Herrlichkeit und Ehr, Die Gott gibt durch Jesum Christ, und die unaussprechlich ist. 9. Wann wir endlich sollen sier Eigene Vel.( Hesek. 36, 26. 27.) 198. 3euch ein zu deinen Tho-| 6. Du, Herr, haft selbst in Hänren, Sey meines Herzens Gast, Der den Die ganze weite Welt, Kannst du, da ich geboren, Mich neugebo- Menschenherzen wenden, Wie es ren hast, hochgeliebter Geist Des dir wohlgefällt; So gib doch deine Vaters und des Sohnes, Mit bei Gnad Zu Fried und Liebesbanden, den gleichen Thrones, Mit beiden Verknüpf in allen Landen Was sich gleich gepreist. getrennet hat. 2. Zeuch ein, laß mich empfinden Und schmecken deine Kraft, Die Kraft, die uns von Sünden Hülf und Errettung schafft. Entsündge meinen Sinn, Daß ich mit reinem Geiste Dir Ehr und Dienste leiste, Die ich dir schuldig bin. 3. Du bist ein Geift, der lehret, Wie man recht beten soll; DeinBeten wird erhöret, Dein Singen klinget wohl, Es steiget himmelan und läßt nicht ab im Steigen, Vis der sich möge neigen, Der Allen helfen kann. 7. Erhebe dich und steure Dem Herzleid auf der Erd; Bring wie der und erneure Die Wohlfahrt deiner Heerd. Laß blühen wie zuver Die Länder, so verheeret; Die Kirchen, so zerstöret, Nicht aus der Asch empor. 8. Beschirm die Obrigkeiten, Ban unsers Fürsten Thron; Gib uns getrofte Zeiten; Schmück, als mit einer Kron, Die Alten mit Verstand, Mit Frömmigkeit die Jugend, Mit Gottesfurcht und Tugend Das Volk im ganzen Land. 9. Erfülle die Gemüther Mit reiner Glaubenszier, Die Häuser und die Güter Mit Segen für und für. Vertreib den bösen Geift, Der dir sich widersetet Und, was dein Herz ergötzet, Aus unsern Herzen reißt. 5. Du bist ein Geist der Liebe, Ein 10. Richt unser ganzes Leben AllFreund der Freundlichkeit, Willst zeit nach deinem Sinn, Und sollen nicht, daß uns betrübe Zorn, Zant, wir es geben Zuletzt dem Tode hin, Haß, Neid und Streit; Der Feind- Wanns mit uns hie wird aus, So schaft bist du feind, Willst, daß durch hilf uns fröhlich sterben Und nach Liebesflammen Sich wieder thu zu- dem Tod ererben Des ewgen Lebens sammen Was unversöhnlich scheint, Haus. Evangelisches Gesangbuch. 4. Du bist ein Geist der Freuden, Das Zagen liebst du nicht, Erlenchtest uns im Leiden Mit deines Trostes Licht. Ach ja, wie manchesmal Hast du mit süßzen Worten Mir auf gethan die Pforten Zum güldnen Himmelsfaal. Gerhard, g. 1606 † 1676. 9 X. Pfingslieder. Miel. Freu dich sehr.( Eph. 1, 17-19. Pf. 143, 10.) 199. bu allersüßste Freude!| und züchtig, keusch und hell; Laß O du allerschönstes Licht! Der du mich fliehen was du fliehest, Gib uns in Lieb und Leide Unbesuchet mir was du gerne siehest. läsfest nicht, Geist des Höchsten, höchster Fürst, Der du hältst und halten wirst Ohn Aufhören alle Dinge, Höre, höre, was ich singe. 2. Du bist ja bie beste Gabe, Die ein Mensch nur nennen kann, Wenn ich dich erwünsch und habe, Geb ich alles Wünschen dran. Ach ergib dich, komm zu mir In mein Herze, das du dir, Da ich in die Welt geboren, Selbst zum Tempel auser foren. 6. Du bist, wie ein Lamm es pfleget, Frommen Herzens, sanften Muths, Bleibst im Lieben unbeweget, Thuft uns Bösen alles Guts; Ach verleih und gib mir auch Diesen edlen Sinn und Brauch, Daß ich Freund' und Feinde liebe, Keinen, den du liebst, betrübe. 7. Mein Hort, ich bin wohl zufrieden, Wenn du mich nur nicht verstößst; Bleib ich von dir ungeschie den, Ei so bin ich gnug getröst't! Laß mich seyn dein Eigenthum! Ich versprech hinwiederum, Hier und dort all mein Vermögen Dir zur Ehren anzulegen. 8. Nur allein daß du mich stärkest Und mir treulich stehest bei! Hilf, mein Helfer, wo du merkest, Daß mir Hülfe nöthig sey; Brich des bö sen Fleisches Sinn, Nimm den alten Willen hin, Daß er sich in dir erneue, Und mein Gott sich meiner freue. 9. Halt mich, wann die Kniee be ben, Wann ich sinke, sey mein Stab; Wann ich sterbe, sey mein Leben; Wann ich liege, bült mein Grab! Wann ich wieder aufersteh, Ei so bilf mir, daß ich geh Hin, wo du in ewgen Freuden Wirst bie Auserwählten weiden! 130 3. Du wirst als ein milder Regen Ausgegossen von dem Thron, Bringst uns nichts als lauter Segen Von dem Vater und dem Sohn. Laß doch, o du werther Gast, Gottes Segen, den du hast Und vertheilft nach deinem Willen, Mich an Leib und Seel erfüllen. 4. Du bist weise, voll Verstandes, Was geheim ist, ist dir fund, Zählst den Staub des kleinsten Sandes, Gründest auch des Meeres Grund. Nun du weißt auch zweifelsfrei, Wie verderbt und blind ich sey; Drum gib Weisheit und vor allen, Wie ich möge Gott gefallen. 5. Du bist heilig, läßst dich finden, Wo man rein und redlich ist; Fleuchst hingegen Schand und Sün den, Weil du lanter Klarheit bist; Mache mich, o Gnadenquell, Rein Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Jesu, du mein liebstes.( Nóm. 8, 13. 14.) 200. Geist der Kraft, der Zucht| Triebe Gottergebnen Seelen schenkt, und Liebe, Der sich in die From men senkt, Und die Wohlthat seiner Seelen, die das Arge haffen Und den Vorsatz festgestellt, Daß sie sich X. Pfingstlieder. 131 von Fleisch und Welt Nicht mehr| Treib mich auf der heilgen Bahn wollen treiben laffen, Laß auch mich in Freud und Bein Deines Triebs theilhaftig seyn! Stets zum Lauf und Wachethum an. 4. O wie sanft ist dieses Treiben Und wie fräftig doch dabei! Es läßt 2. Laß dein Licht den Sinn er niemand müßig bleiben, Es macht füllen, zu erkennen meine Pflicht; von der Trägheit frei! Es bezwingt Neige aber auch den Willen Durch mit Liebeskräften Das gefeffelte Gedein mächtiges Gewicht, Meine müth, Daß es sich mit Lust bePflichten zu vollbringen. Wann müht, Treu zu seyn in Lichtsgemir Kraft und Nachdruck fehlt, schäften; Es läßt weder Rast noch Wann mich Kält und Unmacht Ruh, Ja es nimmt beständig zu. quält, So laß Kräfte mich durch- 5. Geist der Kraft, der Zucht und bringen und regieren meinen Geist, Liebe, Treib anch mich zum Guten Das zu thun was du mich heißst. an; Mach durch deine starken Triebe Mir zum Laufen freie Bahn. So geh ich in Spott und Leiden, In die tiefste Schmach hinab, So geh ich durch Tod und Grab Zu des Paradieses Freuden. Ach wie süß, o Geist der Zucht, Ist mir deiner 3. Filhre mich zu Jesu Kreuze, Wann mein Sündenelend groß; Halt mich beim Versuchungsreize In der Gnade sichrem Schooß. Treib mich an, getrost zu kämpfeu Und durch einen ernsten Streit, Mit Gebet und Wachsamkeit Mei- Triebe Frucht! nen ärgsten Feind zu dämpfen. Rambach, g. 1693 † 1735. vb. 4, 30.) Mel. Erquicke mich.( Röm. 8, 2. 201. Gott, o Geist, o Licht| hilft mein eignes Trachten nichts. des Lebens, Das uns im Todes schatten scheint, Du scheinst und lockst so lang vergebens, Weil Finsterniß dem Lichte feind! O Geist, dem keiner kann entgehen, Dich lass' ich gern mein Innres sehen. O Geist, sey meines Geistes Leben: Ich kann mir selbst kein Gutes geben! 2. Entdecke alles und verzehre Was nicht in deinem Lichte rein; Wenn mirs gleich noch so schmerzlich wäre, Folgt doch die Wonne nach der Pein; Du wirst mich aus dem finstern Alten In Jesu Klarheit umgestalten. 4. Du Athem aus der ewgen Stille, Durchwebe sanft der Seele Grund, Füll mich mit aller Gottesfülle; Und da, wo Sünd und Greuel stund, Laß Glauben, Lieb und Ehrfurcht grünen, In Geist und Wahrheit Gott zu dienen. 3. Ich kann nicht selbst der Sünde steuern, Das ist dein Werk, du Quell des Lichts! Du musst von Grund aus mich erneuern, Sonst 5. Mein Wirken, Wollen und Beginnen Sey findlich folgsam deinem Trieb; Bewahr mein Herz mit allen Sinnen Untadelig in Gottes Lieb. Dein in mir Beten, Lehren, Kämpfen Laß mich auf keine Weise dämpfen. 132 X. Pfingslieder. 6. O Geist, o Strom, der uns| 7. Ich lass mich dir und bleib invom Sohne Eröffnet, und krystallen dessen Bon allen abgekehrt, dir rein Aus Gottes und des Lammes nah; Ich will die Welt und mich Throne In stille Herzen fließt hin vergessen, Dieß innigft glauben: ein, Ich öffne meinen Mund und Gott ist da! O Gott, o Geist, o finke Hin zu der Quelle, daß ich Licht des Lebens, Man harret deitrinke! ner nie vergebens! Mel. Gott sey Dank.( Hefet. 36, 27. 1 Cor. 12, 11.) 202. Geist vom Vater und vom Sohn! Weihe dir mein Herz zum Thron; Schenke vich mir immerbar, So wie einst der Jün gerschaar. 2. Geist der Wahrheit! leite mich; Eigne Leitung täuschet sich, Da sie leicht des Wegs verfehlt Und den Schein für Wahrheit wählt. 3. Geist des Lichtes! mehr' in mir Meinen Glauben für und für, Der mich Christo einverleibt Und durch Liebe Früchte treibt. 4. Geist der Andacht! schenke mir Salbung, Inbrunst, Gluth von Tersteegen, g. 1697 † 1769. 7. Geist der Heffnung! führe du Mich dem Himmelserbe zu; Laß mein Herz sich deiner freun Und in Hoffnung selig seyn. v. Wessenberg, g. 1774+ 1860. Viel. Alle Menschen.( Joh. 16, 14. 1 Cor. 12, 4. Gal. 5, 22.) 203. Geift bes Lebens, heilge| Der gering auf Erden gieng, Jhn, den Mittler und Versöhner, Der am Kreuz die Welt umfieng, Allen Herzen zu verklären, Ihn, ben großen Gott der Ehren, Dessen Herz von Liebe flammt, Groß zu machen, ist dein Amt. Gabe, Du, der Seelen Licht und Trost, Erntesegen, aus dem Grabe Unsers Heilande aufgesproßt, Uns gesandt vom Himmelsthrone, Vom erhöhten Menschensohne, Geist der Kraft und Herrlichkeit, Mache dir mein Herz bereit! 2. Einst bist du herabgefahren Als ein Sturmwind aus den Höhn, Ließest dich in wunderbaren Feuerzungen herrlich sehn; Aber jetzo wehst du stille, Ohne Zeichen, ohne Hülle Auf der Erde nah und fern, Als ein Athemzug des Herrn. 3. Ihn, den armen Nazarener, dir; Laß mein Bitten innig, rein. Und vor Gott erhörlich seyn. 5. Geist der Liebe, Kraft und Zucht! Wann mich Welt und Fleisch versucht, D dann unterstütze mich, Daß ich ringe; rette mich! 6. Geist der Heiligung! verklär Sesum in mir mehr und mehr; Und erquice innerlich Durch den Frieden Gottes mich. 4. Ja du nimmst es von dem seinen, Wenn du Lebensworte sprichst, Wenn du bald durch Flehn und Weinen, Bald durch Psalmen Hers zen brichst. Du bist seines Wesens Spiegel, Seiner Werk' und Worte Siegel, Zeuge, daß er lebt und liebt, Zeuge, daß er Leben gibt. 5. Ja deinStrafen und Erschüttern, XI. Die Kirche Chrifli. 133 Das des Lebens Grund erregt, Das,| Sanftmuth, Demuth, kensche Triewie Strahlen aus Gewittern, Stolze be; Ach wer ändert, reinigt sich, Geister niederschlägt, Mahnet, ihm Bleibt beim Heiland ohne dich? das Herz zu geben; Und dein gnadenvolles Weben Richtet in dem Glau- des, benslauf Matte Kniee tröstend auf. rein, 6. Was die Welt nicht kann erlan- des, gen, Was kein eitles Auge sieht, Soll von dir ein Herz empfangen, Das die Luft der Erde flieht; Frieden, von dem Kreuze quillend, Frieden, alle Klagen stillend, Hellen Blick in Gottes Rath, Frucht ans Jesu blutger Saat. At 9. O du Pfand des neuen BunGeist des Vaters, mild und Heilger Odem seines MunZeuch in unsre Herzen ein! Leib und Seele, Haupt und Glieder Kehren aus dem Tode wieder, Wo sich deine Gotteskraft Einen Six und Tempel schafft. 7. Was die Welt uns nie gelehret, Lehrest du den Glauben thun: Beten, bis der Herr erhöret, Und in stiller Hoffnung ruhn; Fleht die Seele bang und schwächlich, Ach dann seufzest unaussprechlich Du durch alle Himmel hin, Und er kennet deinen Sinn! 8. Was kein Mensch, kein eigner Wille, Keine Kraft der Welt ver mag, Wirkst du mühelos und stille, Geist des Herrn, am Gnadentag: Buße gibst du, Glauben, Liebe, 10. O wer innig möchte dürften Und zum Gnadenthrone gehn, Würde bald vom Lebensfürsten Dich, du höchstes Gut, erflehn! Selig, wer von dir geleitet, Sich auf Chrifti Tag bereitet, Wer dich, wann sein Stündlein schlägt, Unbetrübt im Herzen trägt!!! 11. Droben soll, wie Gottes Sterne, Leuchten Christi Jüngerschaar; O wer strebt aus dieser Ferne Nach dem großen Jubeljahr? Lehr uns, Herr, der Welt entrinnen, Halt in Jesu Herz und Sinnen, Zeig uns hier im Glauben ihn, Stell uns dort zum Schauen hin! Knapp, g. 1798. u XI. Die Kirche Christi. Mel. Wie groß ist.( Luc. 14, 23. Eph. 1, 22 c. 4, 4--6.) 204. Ich lobe dich! mein Auge| Klage: ,, Noch immer ist mein Haus schauet, Wie du auf diesem Erden kreis Dir eine Kirche haft erbauet Zu deines Namens Lob und Preis: Daß alle sich zusammen finden In einem heiligen Verein, Wo fie, er löst von ihren Sünden, Sich, Jesu, deines Reiches freun. nicht voll!" Zwar viele sind von dir geladen, Doch wenige nur auserwählt; Sie wandeln auf des Weltfinns Pfaden, Und mancher, den du rufest, fehlt. 3. Herr! unter Völkern vieler Zungen, Hast du dein Haus nun aufgeführt, In dem dein Preis dir wird gesungen, Das Glaube, Lieb und Hoffnung ziert; Wo alle unter 2. Du rusest auch noch heutzutage, Daß jedermann erscheinen foll; Doch hört man stets auch deine 134 XI. Die Kirche Thrißi. Christo stehen, Als ihrem königli-| gefallen, Und du gibst ihnen Heil chen Haupt Auf den sie alle freu- und Rich. dig sehen, Sie, deren Herz an Christum glanbt.d 4. Nicht eignem Werf gilt ihr Vertrauen, Es ruht auf dir und deinem Sohn; Er ist der Fels, auf den sie bauen; Er ist der Weg zu Sieg und Lohn; Er ist der Weinstock, sie die Neben, In ihm nur reifet ibre Frucht; Er ist ihr Licht, ihr Heil und Leben Durch Wahrheit, Lieb und fromme Zucht. 6. So weih uns denn zum neuen Leben, Daß wir nur deine Wege gehu, Buerst nach deinem Reiche streben Und niedern Listen widerstehn. Gib, daß wir als getreue Glieder Fest halten an dem Haupt und Herrn, Und dann auch alle. samt als Brüder In Lieb ihm folgen treu und gern. 7. Erhalt uns, Herr, im wahren Glauben Noch fernerhin bis an das 5. Ein Herr, ein Glaub und End. Laß nichts uns deine Schätze eine Taufe Vereinigt sie zum beil- rauben, Dein heilig Wort und Sa. gen Bund; Ein Ziel erglänzt dem trament. Erfülle deiner Christen Pilgerlaufe; Ein Fels ist ihres Herzen, D Gott, mit deinem GnaFriedens Grund; Ein Vater wal- dentheil, Und gib nach überwund tet über allen, Und allen, Gott, nen Schmerzen Uns droben einst bist Vater du, Dir streben alle zu das beßre Theil! Nach Fr. Kour. Hiller, g. 1662 † 1726. Mel. Nun bitten wir.( 1 Cor. 12, 12-27. Pf. 110, 3.) 205. Die Kirche Christi, die| 4. Die allgenugsame Hand des er geweibt 3u seinem Hause, ist weit und breit In der Welt zerstrenet, In Nord und Süden, In Oft und West, und doch so hienieden Als broben eins. Herrn Besorgt sie all in der Näh und Fern, Und wenn in der Demuth Sie ihn nur meinen, Eilt er im Geiste, sie zu vereinen Zu einem Leib. 2. Meist sind die Glieder sich unbekannt und doch einander gar nab verwandt. Einer ist ihr Heiland, Ihr Vater einer, Ein Geist regiert sie, und ihrer keiner Lebt mehr fich selbst! 3. Sie leben dem, der sie mit Blut erkauft Und mit dem heiligen Geiste tauft; Und im wahren Glauben Und trener Liebe Gebu ihrer Hoffnung lebendge Triebe Aufs ewge Gut. 5. So wandelt er durch die Gemeinden hin, Die schaun, wie Stern' um die Sonn, auf ihn; Und wo Glaube wohnet, Da steht er mitten Und füllt die seinen in Pilgerhütten Mit Gnad und Licht. 6. Geist des Herrn, der das Leben schafft, Walt in der Kirche mit deiner Kraft, Daß die Gottestinder Geboren werden, Gleich wie der Morgenthau, schon auf Erden Zu Christi Preis! Nach Spangenberg. XI. Die Kirche Chrifti. Eigene Mel.( Jer. 15, 16. Pf. 119, 43. Pf. 2.) 206. Erhalt uns, Herr, bei 4. D Gott, laß dir befohlen seyn deinem Wort Und steure aller Unsre Kirche, die Kinder dein; Im Feinde Mord, Die Jesum Chri- wahren Glauben uns erhalt Und stum, deinen Sohn, Wollen stür rett uns von der Feinde G'walt. zen von seinem Thron. 2. Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ, Der du Herr allerHerren bist! Beschirm dein arme Christenheit, Daß sie dich lob in Ewigkeit. 5. Laß alle Welt erkennen doch, Daß du, unser Gott, lebest noch Und hilfft gewaltig deiner Schaar Die sich auf dich verläffet gar. 3. Gott, heilger Geist, du Tröster werth, Gib dein'm Volk einen Sinn auf Erd. Steh bei uns in der letzten Noth, Leit uns ins Leben aus dem Tod. 6. So werden wir, die Kinder dein, Bei uns selbst und auch in der G'mein Dich, heilige Dreieinigkeit, Loben darum in Ewigkeit. V. 1-3. von Luther, 5. von Justus Jonas, 4. und 6. späterer Zusatz. 1682 qudi p 135 Miel. Alles ist an; oder: Ach was soll ich Sünder machen.( Matth. 6, 10. Joh. 10, 16.) 207. Großer Hirte deiner Heerden In dem Himmel und auf Erden, Treuer Heiland, Jesu Christ! Laß in diesen letzten Zeiten Sich dein Reich noch mehr verbreiten, Als bisher geschehen ist. 5. Flöße frih der zarten Jugend alle Wissenschaft und Tugend Nur durch dein Erkenntniß ein; Gib ihr Leben, nicht nur Wissen, Und behalt von Aergernissen Lehrer mi den Schülern rein. 2. Laß es sich zu deinen Ehren Kräftiglich in uns vermehren, Breit es, Herr, von Haus zu Haus Unter unsern Anverwandten, Unter Freunden und Bekannten Und in allen Ländern aus! 3. Gib dich allen zu erkennen, Die sich darum Christen nennen, Weil sie sind auf dich getauft. Laß dein Wort auch kräftig wirken, Unter Juden, Heiden, Türken, Denn du haft auch sie erkauft. 4. Gib dazu von Jahr zu Jahren Viel Evangeliftenschaaren, Treue Lehrer ohne Fehl, Die im Glauben, Wort und Leben Gründlich, kindlich dir ergeben, Heiliger in Israel I 6. Laß dein Wort die Sichern schrecken Und die Geistlichtodten wecken, Stürz die Selbstgerechtigkeit; Mach die Geistlichblinden sehend, Mach die Geistlichlahmen gehend, Mach dir selbst den Weg bereit. 7. Schenke den Erwachten Gnade, nicht zu ruhen, bis ihr Schade Necht entdeckt und schmerzhaft ist; Zeuch sie dann zu dir, dem Sohne, Daß vor deinem Gnadenthrone Sie sich laben, Jesu Chrift! 8. Wel ihre Schuld vergeben, Die laß ftets im Glauben leben, Der viel Geistesfrüchte bringt; Laß sie niemals stille stehen, Treibe sie, stets fortzugehen, Bis ihr Geist die Kron erringt. 136 XI. Die Kirche Chrifti. 9. Die am Ende sich befinden,| 10. Herr! so sammle deine Glie Denen hilf selbst überwinden; Zeig dem Glauben jenen Lohn, Den du denen aufgehoben, Die nach ausgestandnen Proben Siegreich stehn vor deinem Chron. der; Dann erscheine gnädig wieder Als der ewig gute Hirt, Da aus so viel tausend Heerden Eine Gottesheerde werden Und um dich sich stellen wird! Joh. Jat. v. Moser, geb. 1701 † 1785. Wiel. Dir, bir, Jehovah.( Mattb. 9, 37. 38. Luc. 12, 49.) 208. Wach auf, du Geist der| deffen Glanz und Schein; Ach ersten Zeugen, Der Wächter, die führe bald dadurch mit Haufen auf Zions Mauer stehn, Die Tag Der Heiden Füll zu allen Thoren und Nächte nimmer schweigen, Die ein! Ja wecke doch auch Israel bald unverzagt dem Feind entgegengehu, auf; Und also segne deines Wortes Ja deren Schall die ganze Welt Lauf. durchdringt Und aller Völker Schaaren zu dir bringt! 6. Herr! beßre deines Zions Stege Und öffne drinnen deinem Wort 2. O daß dein Feuer bald ent- die Bahn; Was hindert, räume aus brennte, Daß wir es sähn in alle dem Wege, Vertilge du den falLande gehn, Auf daß bald alle Welt ichen Glaubenswahn. Von Mietherkennte, Was zur Erlöfung ihr lingen mach deine Kirche frei, Daß von dir geschehn! O Herr der Ern- Kirch und Schul ein Garten Got te, stehe du darein: Die Ernt ist groß, ber Knechte Zahl ist klein! tes sey. 7. Laß jede hohe, niebre Schule 3. Dein Sohn hat ja mit flaren Die Werkstatt deines guten Geistes Worten Uns diese Bitt in unsern seyn! Ja fikze du drin auf dem Mund gelegt. O fiehe, wie an al- Stuhle, Drück du dein Bild dem len Orten Sich deiner Kinder Herz Geist der Jugend ein, Daß trene und Sinn bewegt, Dich herzin- Lehrer wir und Beter sehn ,. Die brünstig darum anzuflehn; Drum träftig vor dem Riß der Kirche hör, o Herr, und sprich:„ es soll stehn. geschehn!" 4. Herr! gib dein Wort mit großen Schaaren, Die in der Kraft Evangelisten sey'n. Laß eilend Hülf uns widerfahren Und brich in Satans Reich mit Macht hinein! breite, Herr, auf weitem Erden treis Dein Reich bald aus zu deines Namens Preis! 5. Laß schnell dein Wort die Welt durchlaufen, Es sey tein Ort ohn 8. Die Lieb ists, Herr, die zu dir flehet, Sie, die von deiner Lieb ein Fünklein ist, Von deinem Odem angewehet, O du, der du die Liebe selber bist! Wenn wir in schwacher Liebe zu dir flehn, Was wird nicht von der Liebe Quell geschehn! 9. Du wirst dein herrlich Werk vollenden, Der du der Welten Heil und Richter bist; Du wirst der Menschheit Jammer wenden, So XI. Die Kirche Chrifti. 137 dunkel jetzt dein Weg, o Heilger, zu dir zu flehn; Du thust doch über ist. Drum hört der Glaub nie auf Bitten und Berstehn! Bogatky, g. 1690+ 1774. Mel. Erhalt uns, Herr.( Luc. 24, 29.) 209. Ach bleib bei uns, Herr| Auf dieser Erd ist keine Ruh! Viel Jesu Christ, Weil es nun Abend worden ist, Dein göttlich Wort, das helle Licht, Laß ja bei uns auslöschen nicht! Sekten und viel Schwärmerei Auf Einen Haufen kommt herbei. 6. Den stolzen Geistern wehre doch, Die sich mit Macht erheben hoch Und bringen stets was neues her, Zu fälschen deine rechte Lehr. 7. Die Sach und Ehr, Herr Jesu Christ, Nicht unser, sondern dein ja ist; Darum so steh du denen bei, Die sich auf dich verlaffen frei. 8. Dein Wort ist unsers Herzens Trutz Und deiner Kirche wahrer Schut; Dabei erhalt uns, lieber Herr, Daß wir nichts andres suchen mehr. 9. Gib, daß wir leben in dem Wort Und darauf fahren ferner fort Von hinnen aus dem Jam merthal Zu dir in deinen Freudensaal. 2. In dieser letzten, bösen Zeit Gib uns des Glaubens B'ständigkeit, Daß wir dein Wort und Sakrament Nein b'halten bis an unser End. 3. Herr Jesu, hilf, dein Kirch erhalt! Wir sind sicher, arg, träg und kalt; Gib Glück und Heil zu beinem Wort, Daß es erschall an allem Ort. 4. Erhalt uns nur bei deinem Wort Und wehr des Teufels Trug und Mord; Gib deiner Kirche Gnad und Huld, Fried, Einigkeit, Muth und Geduld. 5. Ach Gott, es geht gar übel zu, V.1.2, von Selnecker, g. 1532+ 1592, B. 3-9. wahrscheinlich späterer Zusay. Mel. Es ift gewiflich an der Zeit.( Matth. 16, 18. Pf. 46, 5. 6.) 210. Die Feinde deines Kreuzes drohn, Dein Reich, Herr, zu verwüsten; Du aber, Mittler, Gottes Sohn, Beschiltzest deine Chri sten. Dein Thron bestehet ewiglich. Vergeblich wird sich wider dich Die ganze Hölle waffnen. 2. Dein Reich ist nicht von dieser Welt, Kein Wert von Menschenkindern; Drnm konnt auch keine Macht der Welt, Herr, seinen Fortgang hindern. Dir können deine Hafser nie Dein Erbe rauben; selbst durch sie Wird es vergrößert werden. 3. Weit wollst du deine Herrschaft noch In deiner Welt verbreiten, Und unter dein so fanstes Joch Die Bölter alle feiten; Vom Aufgang bis zum Niedergang Bring alle Welt dir Preis und Dank Und glaub an deinen Namen. 4. Auch deine Feinde, die dich schmähn, Die frevelnd sich empören, Laß deiner Gnade Wunder sehn, Daß sie sich noch bekehren. Lehr sie mit uns gen Himmel schaun, Und unerschüttert im Vertraum Aufdeine Zukunft warten. 138 XI. Die Kirche Chrifti. 5. Uns Christen aber wollest du| sam deiner Vorschrift seyn Und dann Fest in der Wahrheit gründen, uns deiner Gnade freun; Sey unDaß wir für unsre Seelen Ruh ser Heil auf Erden! In deiner Gnade finden; mach un- 7. So wird dein Volk dir unter fers Glaubens uns gewiß, Vor Irr- than Und lernt die Sünde meiden, thum und vor Finsterniß Bewahr uns, weil wir leben. 6. Ein reines Herz schaff in uns, Herr, Ein Herz nach deinem Billen; Lehr uns mit jedem Tage mehr Treu dein Gebot erfüllen, GehorUnd du führst es auf ebner Bahn Zu deines Reiches Freuden; Und herrlich wird in dieser Zeit, Noch herrlicher in Ewigkeit Dein großer Name werden! Münter, g. 1735 † 1795. Eigene Wel.( Luc. 9, 62. Offenb. 2, 4. 5. 10. 1 Joh. 4, 1 ac.) 211. Jahre fort, fahre fort,| dich leiten! Beide, das was gut Wandle, Volk des Herrn, im Licht; scheint und was schlecht, Prüfe recht, Mache deinen Leuchter helle! Laß prüfe recht! die erste Liebe nicht, Suche stets die Lebensquelle, Volk des Herrn, dring durch die enge Pfort, Fabre fort, fabre fort! 2. Leide dich, leide dich! Gottes Volt, leid ohne Scheu Triibsal, Angst mit Spott und Hohne; Sey bis in den Tod getreu, Siehe auf Die Lebenskrone! Leide, wann du fühlst der Schlange Stich; Leide dich, leide dich! 3. Folge nicht, folge nicht, Folge nicht der eitlen Welt, Wann sie dich sucht groß zu machen; Achte nicht ihr Gut und Geld! Ernst im Beten, ernst im Wachen Sieh dich für, wann sie viel Lust verspricht; Folge nicht, folge nicht! 5. Dringe ein, bringe ein, Zion, dringe ein in Gott! Stärke dich mit Geist und Leben, Sey nicht wie die andern todt, Sey du gleich den grünen Neben! In die Gotteskraft, für Heuchelschein Dringe ein, bringe ein! 4. Prüfe recht, prüfe recht, Brüfe weislich jeden Geist, Der bir ruft nach beiden Seiten; Thue nicht was er dich heißt; Laß nur deinen Stern 6. Brich herfür brich herfür, Gottes Volt, herfür in Kraft! Laß die Bruderliebe brennen; Zeige, was der in dir schafft, Der dich als sein Boll will fennen! Auf, er selbst hat aufgethan die Thür; Brich herfür, brich herfür! 7. Halte aus, halte aus, Gottes Volt, halt deine Tren, Laß nicht lau und träg dich finden! Auf, das Kleinod rückt herbei! Auf, verlasse was dabinten; Gottes Voll, imt letzten Kampf und Strauß Halte aus, halte aus! Joh. Eus. Schmitt, g. 1670 † 1715. Eigene Mel. Pf. 46. Matth. 28, 20. Jerem. 15, 20.) 212. Cin' feste Burg ist unser| Noth, Die uns jetzt bat betroffen. Gott, Em' gute Wehr und Waf- Der alt' böse Feind Mit Ernst ers fen; Er hilft uns frei aus aller jetzt meint; Groß Macht und viel XI. Die Kirche Chrißi. List Sein grausam Rüstung ist; Auf| Es soll uns doch gelingen! DerFürst Erd ist nicht sein's gleichen. dieser Welt, Wie sau'r er sich stellt, Thut er uns doch nichts; Das macht, er ist gericht't; Ein Wörtlein tunn ihn fällen. 4. Das Wort sie sollen lassen stahn Und kein'n Dank dazu haben! Er ist bei uns wohl auf dem Plan Mit seinem Geist und Gaben. Nehm'n sie uns den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib, Laß fahren dahin; Sie habens kein'n Gewinn! Das Reich muß uns doch bleiben! Luther, g. 1483 † 1546. 2. Mit unsrer Macht ist nichts gethan, Wir sind gar bald verloren; Es streit't für uns der rechte Mann, Den Gott hat selbst ertoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, Der Herr Zebaoth, Und ist kein andrer Gott; Das Feld muß er behalten! 3. Und wenn die Welt voll Teufel wär Und wollt uns gar verschlingen, So fürchten wir uns nicht so sehr, Mel. Kommt her zu mir.( 2 Chron. 20, 15. 2uc. 12, 32. 18, 7. 8.) Den er 213. Verzage nicht, o Häuflein| durch seinen Gideon, klein, Obschon die Feinde Willens seyn, Dich gänzlich zu verstören Und suchen deinen Untergang, Davor dir recht wird angst und bang; Es wird nicht lange währen. wohl fennt, dir helfen schon, Dich und sein Wort erhalten. 3. So wahr Gott Gott ist und sein Wort, Muß Teufel, Welt und Höllenpfort Und was dem thut anhangen, Endlich werden zu Hohn und Spott. Gott ist mit uns und wir mit Gott, Wir werden Sieg erlangen! Gustav Adolphs von Schweden Schlachtgefang bei Vügen, 6. Nov. 1632. eben Schichten bet Mel. Auf, Christenmensch.( Pf. 80, 15. 16.) 214. Wo regt sich noch ein| Mund, Und keiner wollt sich stellen; guter Geist Und will die Wahrheit Da trat ein Held auf Felsengrund, sehen, Wie sie die Palmen an sich Kein Wetter konnt ihn fällen; Er zog reißt, Wie ihre Fahnen wehen? in Gotteskraft einher:-, Und wenn Herein! beut ist in Ost und West die Welt voll Teufel wär!" Das schöne Siegs und Freudenfeft! 4. Der Zweifel schlich durch Mark und Bein, Wollt Gottes Werk zersplittern; Da hob der Glaube stark und rein Sein Haupt aus Ungewittern. Er siegt' und macht' die Welt zu Spott: ,, Ein' feste Burg ist unser Gott!" 5. Jett jagt man wohl nach Gut und Ehr, Das End ist Tod und Granen; Doch wer für Gott sich stellt 2. Dich tröste nur, daß deine Sach Ist Gottes, dem befiehl die Nach, Laß ihn alleine walten. Er wird 139 2. Die Welt war todt, die Herzen arm, Der Streit war aufgegeben; Da kam die Gluth, da ward es warm, Da braust' ein Sturm ins Leben, Der brach entzwei die Todtengruft, Webt' an die Brust mit Freibeitsluft. 3. Eiust sperrte Furcht der Chriften ** 140 XI. Die Kirche Chrifti. zur Wehr, Darf froh dem Höchsten| fahn,- ,, Das Wort sie sollen lassen trauen; Den armen Leib sie mögen stahn." an Möller, g. 1789. Eigene mel.( Psalm 12. Matth. 24, 12.) 215. Ach Gott! vom Himmel sieh darein Und laß dich deß erbarmen: Wie wenig sind der Heilgen dein, Berlassen sind wir Armen! Dein Wort man läßt nicht haben wahr; Der Glaub ist auch erloschen gar Bei allen Menschenkindern. 2. Sie lebren eitel falsche Lift, Was Eigenwit erfindet, Ihr Herz nicht Eines Sinnes ist In Gottes Wort gegründet; Der wählet dieß, der andre das, Sie trennen uns ohn alle Maß, Und gleißen schön von außen. 3. Gott woll ausrotten alle gar, Die falschen Schein uns lehren, Dar zu ihr Zung stolz, offenbar Spricht: " Trotz! wer will's uns wehren? Wir haben Recht und Macht allein, Was wir setzen, das gilt gemein, Wer ist, der uns soll meistern? 4. Darum spricht Gott:„ ich muß auf seyn, Die Armen sind verstöret, Ihr Seufzen bringt zu mir herein, Ich hab ihr Klag erhöret; Mein heilsam Wort soll auf den Plan, Getrost und frisch sie greifen an und seyn die Kraft der Armen." 5. Das Silber, durchs Feu'r sie benmal Bewährt, wird lauter fun den; Am Gotteswort man warten soll Deßgleichen alle Stunden; Es will durchs Kreuz bewähret seyn; Da wird sein' Kraft erkannt und Schein Und leucht't stark in die Lande. 6. Das wellst du, Gott, bewahren rein Für diesen argen G'schlechte, Und laß uns dir befohlen seyit, Daß sichs in uns nicht flechte; Der gott los Hauf sich umher find't, Wo diese losen Leute sind In deinem Volk erhaben. Luther, g. 1483+ 1546. Die Gemeinschaft der Heiligen. Mel. Es spricht der Unweisen.( Eph. 4, 15 2. Gal. 6, 2. 1 Cor. 12, 26.) 216. Ich glaube, daß die Hei-| 3. Doch in der neuen Kreatur Ist ligen Im Geist Gemeinschaft haben, Weil sie in einer Gnade stehn Und eines Geistes Gaben. So viele Christus machet rein, Die haben all sein Gut gemein Und alle Himmelsschätze. keiner klein noch größer; Wir haben einen Christus mur, Den einigen Erlöser, Das Licht, das Heil, den Morgenstern; Wort, Tauf und Nachtmahl unsers Herrn Ist allen gleich geschenket. 4. Da ist tein Knecht noch Freier mehr, Da sind sie alle Kinder; Der Reichthum macht hier keine Ehr, Die Armuth keinen Sünder. Gott sieht nicht die Personen an, Weil oft ein Reicher arm seyn kann, Der Arme reichan Gnaden. 2. Zwar nicht das gleiche Schicksal fällt Hienieden jedem Gliede; Es dauern noch in dieser Welt Die äußern Unterschiede: Dem einen fällt ein armes Loos, Der andre ist geehrt und groß; Das will ein Christ nicht ändern. Die Gemeinschaft der Heiligen. 5. Die Sonne der Gerechtigkeit| 9. So trägt ein Glied des andern Will allen Gnade geben; Der Geist gibt allen allezeit, Als Gottes Odem, Leben, Weil uns der Vater alle liebt, So wie der Himmel uns umgibt; Wir haben gleiche Güter. Last Um seines Hauptes willen; Wer seiner Brüber Lasten faßt, Lernt das Gesetz erfüllen. Der Herr voran im Vorbild geht; Sein königlich Gebot besteht In einem Wörtlein: Liebe! 6. Ein Himmel, eine Seligkeit, 10. Der Liebe Christi süßer Reiz Ein Vorbild und ein Hoffen, Ein Dringt alle seine Frommen, Wie er Recht, ein Vaterherz im Leid, Einaus Liebe unser Kreuz Für uns auf Segen steht uns offen. Uns führt sich genommen, Daß meine Armuth ein Weg dem Himmel zu, Wir hoffen seine Noth, Mein Kreuz sein Krenz, alle eine Ruh, Allein durch einen sein Tod mein Tod, Mein Spett Glauben. sein Spott ist worden. 7. Wir haben alle überdieß Gemeinschaft an dem Leiden, Am Kreuz, an der Bekümmerniß, An Spott und Traurigkeiten; Wir tragen, doch nicht ohne Ruhm, Allzeit das Sterben Jesu um An unfrem Todesleibe. 8. Wir leiden mit, wir ziehen an Ein herzliches Erbarmen; Und wenn das Herz nicht weiter kann, So seufzt es für die Armen. Denn solch ein Glied, dem durch sein Herz Nicht geht der andern Glieder Schmerz, Das hat gewiß kein Leben. 141 11. Wie ist der Heilige so groß, Der mir vorangegangen, Mit dem ich als ein Kreuzgenoß Gemeinschaft soll erlangen! Bedenk, o Seele, wer er ist! Er ist der Heiland Jesus Chrift, Der Sohn des Allerhöchsten. 12. Ich will mich der Gemeinschaft nicht Der Heiligen entziehen; Wenn meine Brüder Noth anficht, So will ich sie nicht fliehen. Habich Gemeinschaft an dem Leid, So laß mich an der Herrlichkeit Auch einst Gemeinschaft haben! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 Eigene Mel.; oder: O du Liebe.( Joh. 17, 20-23. 13, 34 2c.) 217. Herz und Herz vereint| und Stärke fehlt, Oso flehet um zusammen Sucht in Gottes Herzen die Wette, Bis sie Jesus wieder Nuh; Laffet eure Liebesflammen stählt! Lodern auf den Heiland zu! Er das Haupt, wir seine Glieder; Er das Licht, und wir der Schein; Er der Meister, wir die Brüder; Er ist unser, wir sind sein! 3. Tragt es unter euch, ihr Glieder, Auf so treues Lieben an, Daß ein jeder für die Brüder Auch das Leben laffen kann! So hat uns der Herr geliebet, So vergoß er dort 2. Kommt, ach kommt, ihr Got- sein Blut; Denkt doch, wie es ihn teskinder, Und erneuert euren Bund, betrübet, Wenn ihr selbst euch EinSchwöret unfrem Ueberwinder Lieb und Treu von Herzensgrund! Und wenn eurer Liebeskette Festigkeit 1769. 699+ 1769. + trag thut! 4. Einer reize doch den andern, Kindlich, leidsam und gering Unfrem XI. Die Kirche Chrißi. Heiland nachzuwandern, Der für| in wahrer Liebe dienen Und einander uns am Kreuze hing! Einer soll den andern wecken, Alle Kräfte Tag für Tag Ohne Sträuben darzustrecken, Daß er ihm gefallen mag. 142 gern erfreun. 8. Friedefürst! laß deinen Frieden Stets in unsrer Mitte ruhn; Liebe! laß uns nie ermüden, Deinen sel gen Dienst zu thun; Denn wie kann die Last auf Erden Und des Glaubens Ritterschaft Beffer uns verfüßet wer den, Als durch deiner Liebe Kraft? 9. Liebe! hast du es geboten, Daß man Liebe üben soll, O so mache doch die todten, Trägen Geister le bensvoll; Zünde an dieLiebesflamme, Daß ein jeder sehen kann: Wir, als die von Einem Stamme, Stehen auch für Einen Mann. 5. Hallelujah! welcheHöhen, Welche Tiefen reicher Gnad, Daß wir dem ins Herze sehen, Der uns so geliebet hat; Daß der Vater aller Geister, Der der Wunder Abgrund ist, Daß du unsichtbarer Meister Uns so fühlbar nahe bist! 6. Ach, du holder Freund, vereine Deine bir geweihte Schaar, Daß sie sich so herzlich meine, Wie's dein letzter Wille war! Ja verbinde in der Wahrheit, Die du selbst im We10. Laß uns so vereinigt werden, sen bist, Alles was von deiner Klar- Wie du mit dem Vater bist, Bis heit In der That erleuchtet ist. 7. So wird dein Gebet erfüllet: Daß der Vater alle die, Denen du dein Herz enthüllet, Auch in seine Liebe zieh; Und daß, wie du eins mit ihnen, Also fie auch eines sey'n, Sich Nik. 2. Zinzendorf, g. 1700 † 1760. V. 8 vielleicht von R. Fr. Harttmann. Mel. Nus meines Herzens.( Phil. 3, 13-16.) schon hier auf dieser Erden kein ges trenntes Glied mehr ist; Und allein von deinem Brennen Nehme unser Licht den Schein; Also wird die Welt erkennen, Daß wir deine Jinger sey'n. 218. Kommt, Brüder, laßt uns| noch besser gehen Zur stillen Ewiggehen, Der Abend kommt heran; feit. Ihr Lieben, sepd nicht bang, Es ist gefährlich stehen Auf dieser Verachtet tausendWelten, Ihr Loden öden Bahn; Kommt, stärket euren und ihr Schelten, und geht mur Muth, Zur Ewigkeit zu wandern, euren Gang. Von einer Kraft zur ondern; Es ist das Ende gut! 4. Gebts der Natur entgegen, So gehts wie Gott es will; Die Fleisch und Sinne pflegen, Die kommen nicht zum Ziel! Verlaßt die Kreatur Und was euch sonst will binden, Ja laßt euch selbst dahinten: Es geht durchs Sterben mur. 2. Es soll uns nicht gereuen Der schmale Pilgerpfad, Wir kennen ja den Treuen, Der uns gerufen hat; Kommt, folgt und trauet dem! Mit ganzer Wendung richte Ein jeder sein Gesichte Nur gen Jerusalem. 3. Der Ausgang, der geschehen, Ist uns fürwahr nicht leid; Es soll 5. Schmückt ener Herz aufs beste, Weit mehr als Leib und Hans; Wir sind hier fremde Gäfte Und ziehen Im Ausbreitung des Evangeliums. 143 bald hinaus. Das Kinderspiel am| Eins freuet sich am andern In diesem Weg Laßt uns nicht viel besehen, Durch Säumen und durch Stehen Wird man verstrickt und träg. fremben Land. Kommt, laßt uns findlich seyn, uns auf dem Weg nicht streiten; Die Engel selbst begleiten Als Brüder unsre Reihn. 9. Und sollt ein Schwacher fallen, So greif der Stärkre zu, Man trag, man helfe allen, Man pflanze Lieb und Ruh. Kommt, schließt euch fester an! Ein jeder sey der Kleinste, Doch auch wohl gern der Reinste Auf uns rer Pilgerbahn! 6. Ist unser Weg gleich enge, Führt über steile Höhn, Wo Disteln rings in Menge Und scharfe Dornen stehn; Es ist doch nur ein Weg! Laßt seyn, wir gehen weiter, Wir folgen unfrem Leiter Und brechen durchs Geheg. 7. Ja, Brülder, laßt uns gehen, Der Vater geht ja mit, Er selbst will bei uns stehen Auf jedem sauren Tritt; Er will uns machen Muth, Mit süßen Sonnenblicken Uns locken und erquicken; Ach ja, wir habens gut! 8. Kommt, laßt uns munter wan dern, Wir gehen Hand in Hand; 10. Es wird nicht lang mehr währen, Harrt noch ein wenig aus; Es wird nicht lang mehr währen, So kommen wir nach Haus; Da wird man ewig ruhn, Wann wir mit allen Frommen Heim zu dem Vater kommen; Wie wohl, wie wohl wirds thun! Tersteegen, g. 1697 † 1769 Um Ausbreitung des Evangeliums. Mel. Nun freut euch.( Matth. 13, 37 2c. Offenb. 15, 4.) zur Zeit, Die Wildniß ringsum öd' und weit; Heiland, hilf uns weiter! 219. Wir find vereint, Herr| reizen; Klein ist dein Garten noch Jefu Chrift, In deinem heilgen Namen, Der Menschensohn allein du bist, Der säet guten Samen; Der Acker ist die ganze Welt; O pflanze selbst im wüsten Feld Dir deines Reiches Kinder! 4. Gib uns durch deines Geistes Kraft, Herr Jesu, heiße Liebe, Die Eintracht, Muth und Eifer schafft, Daß sich ein jeder übe, Für sich und andre stets zugleich Nach dem verheißnen Gottesreich Vor allem Ding zu trachten. 5. Was wirds doch einst für Freude seyn, Wann deine Schnitter ernten, Und alle dann sich ewig freun, Die deiner harren lernten! Wir harren dein, o siege du In deinen Gliedern bis die Ruh Für Gottes Volk en scheinet! Rudelph Stier, g. 1800 2. Ja, Erstgeborner, ewger Fürst Der Könige auf Erden! Bon allen Heiden sollst und wirst Du angebetet werden! Das glauben und drum hoffen wir, Die du zum Werke rufft, von dir Auch unsrer Saat Gedeihen. 3. Schon sproßt manch Sämlein zart und still, Verspricht einst vollen Weizen. Wir danken, und solch Danken will Alsdann zum Bitten XI. Die Kirche Christ. Mel. Wie schön leucht't.( Matth. 24, 14.) 220. Was rührt so mächtig| 4. Des blut'gen Halbmonds Licht erbleicht, Des Oftens falscher Schim mer weicht Vor deiner Wahrheit Sonne! Schon blickt mit reuiger Begier Ein Häuflein Jakobs, Herr, nach dir, Ahnt der BergebungWonne. Ist die Fülle Aller Heiden Einst mit Freuden Eingegangen, Wird auch Jakob Heil erlangen. 5. Dein Geist erfüll die Boten all, Laß ihres Wortes Freudenschall Durch alle Länder bringen. Mit Kraft von oben angethan, Laß sie bekämpfen Sünd und Wahn Und Heil den Völkern bringen. Dieß nur Wolle Ihre Seele Und befehle Voll Vertrauen Dir das Werk, an 144 Sinn und Herz? Was hebt die Blicke himmelwärts? Wem schallen die Gesänge? Zu dir drängt sich aus fernem Land, Vereinigt durch des Glaubens Band, Der Völker frohe Menge, Heiland, Retter! Deine Wahrheit Füllt mit Klarheit Unsre Erde, Daß der Sünder selig werde. 2. Ein himmlisch Fener ist entflammt Durch dich, ber aus dem Himmel stammt Und uns zum Himmel leitet. Es glüht gewaltig fort und fort, Wo sich dein seligmachend Wort In Lanterkeit verbreitet. Glaube, Liebe Filllt die Seelen, Die dich wählen, läutert, reinigt, Bisdem fie banen. in dir sich alles einigt. 3. Herr! bu gibst Sieg, dich preisen wir, Der kalte Nordpol glüht von dir, O Licht, das allen scheinet. Des Negers Sklavenkette bricht, Der Inseln Menge jauchzt dem Licht, Das alle Völker einet. Falscher Götter Tempelhallen Sind zerfallen, Auf den Trümmern Siehet man das Kreuz nun schimmern. 6. Vertilge alle Eigensucht, Gemächlichkeit und Leidensflucht Und heilge dir die Herzen. Verleih zu jedem Opfer Muth, Für dich zu wagen Gut und Blut, Zu dulden Hohn und Schmerzen. Hilf uns, Heiland, Und vermehre Dir zur Ehre Deine Heerde, Bis dein Reich vollendet werde. Dr. Bahumater, g. 1774 † 1841. Mel. Nun komm' der Helden.( Matth. 9, 37 2c. 24, 14.) 221. Walte, walte nah und| des heilgen Todes That Ewig weggenommen hat; s fern, Allgewaltig Wort des Herrn, Wo nur seiner Allmacht Ruf Men schen für den Himmel schuf; 2. Wort vom Vater, der die Welt Schuf und in den Armen hält, Und aus seinem Schooß herab Seinen Sohn zum Heil ihr gab; 4. Kräftig Wort von Gottes Geist, Der den Weg zum Himmel weist Und durch seine heilge Kraft Wollen und Vollbringen schafft! 5. Wort des Lebens, stark und rein, Alle Völker harren dein; Walte fort, bis aus der Nacht Alle Welt zum Tag erwacht! 3. Wort von des Erlösers Huld, Der der Erbe schwere Schuld Durch Um Ausbreitung des Evangeliums. 145 6. Auf, zur Ernt in alle Welt! 7. Herr der Ernte, groß und gut, Weithin wogt das weiße Feld; Klein Wirk zum Werke Luft und Muth, ist noch der Schnitter Zahl, Viel der Laß die Völker allzumal Schauen Arbeit überall. deines Lichtes Strahl! Dr. Bahumaier, g. 1774 † 1841. ma a Mel. Jesu, der du meine Seele.( Jes. 21, 11. Pf. 2, 8. 67, 2 xc.) 222. Hüter! ist die Nacht ver- 4. Langsam und durch Schwierig. schwunden? Hüter! ist die Nacht keiten Waren wir gewohnt zu gehn; schier hin? Ach, wir zählen alle Plößlich bricht in alle Weiten Deine Stunden, Bis die Morgenwolken Hand aus lichten Höhn. Staunend blühn, Vis die Finsterniß entweichet, sebn wir dein Beginnen, Keine Zeit Bis der Sterne Schein erbleichet, ists, lang zu sinnen; Geh voran, Und der Sonne warmer Strahl wir folgen nach, Wo dein Arm die Leuchtet über Berg und Thal. Bahnen brach! 2. O du Gott der Macht und Stärke, Sieh uns hier verwundert stehn Ueber deinem großen Werke, Das vor unsrem Blick geschehn! Manches Thor hast du erschlossen, Manchen Lebensstrom ergossen Und uns oft vom Heidenland Frohe Botschaft zugesandt. 3. Immer tiefer, immer weiter In das feindliche Gebiet Dringt das Häuflein deiner Streiter, Dem voran dein Banner zieht. Wo wirs kaum gewagt zu hoffen, Steyn nun weit die Thüren offen, Mühsam folgt der schwache Tritt Deinem raschen Siegesschritt. gießen" Spricht der Herr „ aufs dürre Land; Kühlend sollen Quellen fließen In der Wüste heißem Sand! Wo jetzt Wandrer schmachtend ziehn, Soll ein Gottesgarten blühn!" 2. Ach, noch ist die Zeit der Dürre, Evangelisches Gesangbuch. Mel. Zeuch mich, zeuch mich.( Jes. 44, 3. Rom. 11, 25. 26.) 223. ,, Wasserströme will ich| Schwerer Fluch bedeckt das Land; Israel geht in der Irre, Seine Kraft ist ausgebrannt! Wo der Blick auch sehnend schweift, Spärlich kaum ein Früchtlein reift. - 5. Doch wenn wir uns selber suchen und nicht deine Ehr allein, Müßtest du uns nicht verfluchen? Könnte unser Thun gedeihn? Schenk uns einen reinen Eifer, Mach uns lauterer und reifer! Brich des eignen Geistes Thun, Laß in deinem Sinn uns ruhu! - 6. Welch ein Segen wird ersprie ßen, Wenn wir gehn an deiner Hand! Wenn uns deine Quellen fließen, Grünet bald das dürre Land. Nationen aller Orten Strömen her zu deinen Pforten, Fallen auf ihr Angesicht, Jubeln laut im ewgen Licht. Dr. Barth, g. 1799. 3. Dennoch wird das Wort des Treuen Herrlich in Erfüllung gehn; Jauchzend werden dann sich freuen Univ.- Bibl. 10 Giessen 146 XII. Wort Gottes. Die jest still mit Thränen sä'n, I auf rauhem Pfade ziehen Alle in Wann der Segensstrom des Herrn Alles füllet nah und fern. dem Kreuzesreich; Doch wer seinem König dient, Dem hat stets ein Kranz gegrünt. 4. Darum muthig stets, ihr Brüder! Eilet dem Verlornen nach; Sucht des Volkes Gottes Glieder Liebend auf in ihrer Schmach, Ladet sie von Berg und Thal Zu des Königs Hochzeitmahl! 5. Scheint es oft vergeblich Mühen, Segenloses Kämpfen euch, Denkt: 6. Herr! erhöre uns und sende Deinen heilgen Geist uns zu, Der uns Muth im Kampfe spende Und in Trübsal stille Ruh. Ja wir wollen dir vertraun; Du wirst Zion wieder baun! Sophie Herwig, g. 1810+ 1836. Wiel. Theuerster Immanuel.( Mal. 3, 1. Hagg. 2, 8. Joh. 10, 16.) 224. Eine Heerde und Ein Hirt! Wie wird dann dir seyn, o Erde, Wann sein Tag erscheinen wird? Freue dich, du kleine Heerde; Mach dich auf und werde Licht! Jesus hält was er verspricht. 2. Sliter! ist der Tag noch fern? Schon ergrünt es auf den Weiden, Und die Herrlichkeit des Herrn Nahet dämmernd sich den Heiden; Blinde Pilger flehu um Licht: Jesus hätt was er verspricht. 3. Komm, o komin, getrenter Hirt, Daß die Nacht zum Tage werde! Ach, wie manches Schäflein irrt Fern von dir und deiner Heerde! Kleine Heerde, zage nicht: Jesus bält was er verspricht! 4. Sieb, das Heer der Nebel flieht Vor des Morgenrothes Helle, Und der Sohn der Wüste kniet Dürstend an der Lebensquelle; Ihn umleuchtet Morgenlicht: Jesus hält was er verspricht. 5.Gräber stehen aufgethan; Rauscht, verborrete Gebeine! Macht dem Bundesengel Bahn, Großer Tag des Herrn, erscheine! Jesus ruft: es werde Licht! Sesus hält was er verspricht. 6. O des Tags der Herrlichkeit! Jesus Christus, du die Sonne, Und auf Erden weit und breit Licht und Wahrheit, Fried und Wonne! Mach dich auf, es werde Licht! Jesus hält was er verspricht. Dr. Fr. Ad. Krummacher, g. 1767+ 1845 XII. Wort Gottes. 26 Vel. Mein's Herzens Jesu.( Gbr. 1, 1. 2. Matth. 13, 1-23.) 225. Wir Menschen sind zu| und Licht Den Weg zu dir nicht dem, o Gott, Was geistlich ist, zeiget. nicht tüchtig; Dein Wesen, Wille und Gebot Ist viel zu hoch und wichtig; Wir wissens und verstehens nicht, Wenn uns dein göttlich Wort 2. Von jeher hast du ausgesandt Propheten, deine Knechte; Sie mach ten in der Welt bekannt Dein Heil und deine Rechte; Zuletzt ist selbst $ 18 899 XII. Wort Gottes. 147 dein eigner Sohn, O Vater, von| Auf Fels und Steinen kann das des Himmels Thron Gekommen, Wort Niemals zum Wurzeln komuns zu lehren. 3. Dieß Heil, das unser Danklied preist, Dein Wort, laß uns nicht rauben Und gib uns deinen guten Geist, Daß wir von Herzen glauben Und alles was dein Wort gebeut, Mit Treue, Lust und Emsigkeit Zu deiner Ehre üben. 4. Hilf, daß der Frevler frecher Spott Nicht unsern Glauben wendbe; Denn du bist ein gerechter Gott Und strafft gewiß am Ende. Erweck uns durch der Wahrheit Kraft, Und was fie Gutes in uns schafft, Das laß uns treu bewahren. 5. Der Sam' am Wege wird so-[ wirken immerfort Trost, Hoffnung, fort Bom Satan weggenommen; Lieb und Glauben! Gesenius, oder Denike. 226. Soll bein verderbtes Herz Zur Heiligung genesen, Christ, so versäume nicht Das Wort des Herrn zu lesen; Bedenke, daß dieß Wort Das Heil der ganzen Welt, Den Nath der Seligkeit, Den Geist aus Gott enthält. men; Und wenn es unter Dornen fällt, Hat Sorg und Wollust dieser Welt Bald seine Kraft ersticket. 6. Drum öffne, Herr, Verstand und Herz, Daß wir dein Wort recht fassen, Uns in der Freude wie im Schmerz Auf seine Kraft verlaffen; Daß wir nicht Hörer nur allein, Nein, auch desselben Thäter sey'n, Frucht hundertfältig bringen. Mel. O Gott, du frommer.( Luc. 11, 28. Eir. 11, 20.) 2. Merk auf, als ob dir Gett, Dein Gott gerufen hätte; Merk auf, als ob er selbst zu dir vom Himmel redte! So lies, mit Ehrfurcht lies, Mit Lust und mit Vertraun, Um mit dem frommen Ernst In Gott dich zu erbaun. 7. Laß sich dein Wort zu deiner Ehr, Gott Vater, weit ausbreiten! Hilf, Jesu, daß uns deine Lehr Erleuchten mög und leiten! Dheilger Geist, dein göttlich Wort Laß in uns 3. Sprich fromm: ,, o Gott, vor dem Ich meine Hände falte, Gib, daß ich dein Gebot Für ewge Wahrheit balte, Und laß mich deinen Nath Empfindungsvoll verstehn, Die Wunder am Gesetz, Am Wert vom Kreuze sebu!" 4. Er, aller Wahrheit Gott, Kann dich nicht irren lassen. Lies, Christ, sein beilig Buch, Lies oft, du wirst es faffen, So viel dein Heil verlangt; Gott ists, der Weisheit gibt Dem der sie redlichsucht Und aus Gewissen liebt. 5. Lics frei von Leidenschaft Und ledig von Geschäften, Und sammle deinen Geist Mit allen seinen Kräf ten. Der beste Theil des Tags, Des Morgens Heiterkeit, Und dann der Tag des Herrn, Der sey der Schrift geweiht. 6. Rihrt dich ein starker Spruch, So ruf ihn, dir zum Glücke, Des Tags oft in bein Herz, Jm Stillen 148 oft zurücke; Empfinde seinen Geist Und stärke dich durch ihn Zum wahren Edelmuth, Das Gute zu vollziehn. 7. Um tugendhaft zu seyn, Dazu sind wir auf Erden. Thu was die Schrift gebeut, Dann wirst du inne werden: Die Lehre sey von Gott, Die bir verkündigt ist, Und dann dasWort verstebu, Dem du gehorsam bist. 8. Spricht sie geheimnißvoll, So laß dich dieß nicht schrecken: Ein endlicher Verstand Kann Gott nie ganz entdecken; Gott bleibt unendlich hoch; Wenn er sich dir erklärt, So glaube was er spricht, Nicht was dein Witz begehrt. 9. Sich seines schwachen Lichts Bei Gottes Licht nicht schämen, Ist Weisbeit; die Vernunft Alsdann gefangen nehmen, Wann Gott sich offenbart, Ist der Geschöpfe Pflicht, Und weise Demuth ists, Das glauben was Gott spricht. XII. Wort Gottcs. 10. Drum laß dich, frommer Christ, Durch keine Zweifel kränken. Hier bist du Kind; doch dort Wird Gott mehr Licht dir schenken, Dort wächst mit deinem Glück Dein Licht in Ewigkeit; Dort ist die Zeit des Schauns, Und hier des Glaubens Zeit. 11. Verehre stets die Schrift, Und siehst du Dunkelheiten, So laß dich deinen Freund, Der mehr als du sieht, leiten; Ein forschender Ver stand, Der sich der Schrift geweiht, Ein angefochtnes Herz Hebt manche Dunkelheit. 12. Halt fest an Gottes Wort, Es ist dein Glück auf Erden Und wird, so wahr Gott ist, Dein Glück im Himmel werden. Berachte christlich groß Des Bibelfeindes Spott; Die Lehre, die er schmäht, Bleibt doch das Wort aus Gott! † 1769. Gellert, g. 1715 1715 † 176 Diel. O Gott, du frommer Gott.( Joh. 1, 8. Pf. 1, 1-3.) 227. Inbrünstig preis ich dich,| Lüften, Im Leben frohen Muth, Gott, für der Bibel Lehre, Die ich als dein Geschenk Anbetungsvoll verehre. Sie ist das Glück der Welt, Der Ruhm der Christenheit, Mein Kleinod, Trost und Licht Bis in die Ewigkeit. Im Kreuz Gelassenheit, Im Alter Troft und Kraft, Jm Tode Frendigkeit. 4. Der Fromme wird gestärkt, Der Sünder tief erschüttert, Der Zweifler wird beschämt, Des Spötters Seele zittert; Es tröstet sich am Grab Der seinigen der Christ, Wenn er vom Wiedersehn Im bessern Leben liest. 2. Zum Licht, in dem du wohnst, Kann die Vernunft nicht dringen; Mit Zweifeln und mit Wahn Müßt ich voll Unruh ringen, Hätt ich dein göttlich Wort, Den flaren Unterricht Von dir und deinem Sohn Und meiner Seele nicht. 3. Wie kräftig ist dein Wort! Gott, vielen tausend Christen Gab deine Bibel Sieg Sm Kampf mit bösen Und hellen Unterricht. 5. Hier lernt der Weiseste Der wahren Weisheit Schätze; Hier faßt der Blödeste Die göttlichen Gesetze; Hier findet jeder Stand Für jede Lebenspflicht In allen Fällen Rath XII. Wort Gottes. 149 quickt, Zu jedem guten Werk So willig und geschickt. ess 6. Wer fühlt nicht deinen Geist| rednerkunst Wird so kein Herz erUnd seiner Wirkung Stärke, Wer nicht des Glaubens Kraft Und Trieb zum guten Werke, Der mit dem lautern Wunsch Nach Licht und Frömmigkeit, Mit Ehrfurcht und Gebet DerSchrift dieAndacht weibt? 7. So kann kein menschlichs Buch, Gott, deine Größe preisen, So faßlich rührend nicht Den Weg zum Himmel weisen. Durch Menschen8. Zur Ehrfurcht für dieß Buch Laß deinen Geist mich rühren, Mich seine ganze Kraft An meinem Herzen spüren, Bis mich, mein Gott, bei dir In deiner Herrlichkeit Ein völlig helles Licht Umlenchtet und erfrent! Leber, g. 1757+ 1823. Eigene Miel.( Pf. 19, 8-12. Str. 4, 15. Rap. 24.) 228. Gott der Wahrheit und| flüsse, Und dein Knecht wird froh der Liebe! Dir sey Lob und Ruhm davon; Wer sie hält, hat großen gebracht, Daß man uns dein Wort Lohn. beschriebe, Das die Seelen selig macht. Lehre selbst mich herzlich danken, Schließ in meines Herzens Schranken Diesen beinen theuren Schatz, Als in einen Sammelplatz. 2. Nichts gleicht unsers Herrn Geseßen; Sie sind, wie er selber, rein, Sie erquiden, fie ergötzen, Sie begeehrt. leben in der Pein. Herr! dein Zeugniß, das ich preife, Ist gewiß, macht Thoren weise, Ja es ist des Herrn Befehl Nichtig und erfrent die Seel. hd 5. Höchster! dein Gebot ist helle, Dein Gebot, das ewig beißt; Es ist aller Weisheit Quelle, Die aus diefem Brunnen fleußt. Wer es liebt mit reinen Trieben, Den wird Gott auch wieder lieben; Hält man es von Herzen werth, Sr wird Gott dadurch 1 3. Die Gebote Gottes taugen ( Denn sie sind voll Kraft und Licht), Zu erleuchten unsre Augen; Sie enthalten jede Pflicht. Wer sie übet, den begleiten Sie in alle Ewigkeiten; Gottes Recht an seinen Knecht Ist wahrhaftig und gerecht. 4. Gottes Rechte zu vergleichen, Menschen, ist vergebne Müh; Nein, fie kann kein, Bild erreichen, Köstlicher als Gold find ste; Ihrer lebensvollen Süße Gleichen keine Honig6. Dieses ist das Buch des Bundes, Mit dem höchsten Gott gemacht; Dieß sind Worte seines Mun des, Durch die Menschen vorgebracht. Hier, vom Himmel ausgeflossen, Hat die Weisheit sich ergoffen, Ja bier strömet voll und hell Aller Seligteiten Quell. 7. Herr! für diese hohen Gaben, Die dein armes Kind nicht werth, Sollst du Dank und Ehre haben, Bis dein Ruhm sich ewig mehrt. Bater, der den Sohn uns gibet, Sohn, der bis zum Tod geliebet, Geist der Kraft in unfrem Streit, Sey gelobt in Ewigkeit! Ph. Fr. Hiller, 8. 1699 † 1769 Our 150 XII. Wort Gottes. Miel. Es spricht der Umweisen Mund.( 2 Mof. 20, 1 x. 5 Mof. 5, 6 2c. Jes. 66, 2.) 229. Herr! beine Rechte und| liebe; Sein Glück und Wohlfahrt Gebot', Danach wir sollen leben, jeden günn, Schau, ob ich jemand Wollst du mir, o getreuer Gott, dienen könn, Und thu es dann mit Ins Herze selber geben, Daß ich Freuden. zum Guten willig sey, Mit Sorgfalt und ohn Heuchelei, Was du befiehlst, vollbringe.ad pill ( Eph. 5, 3*.) 2. Gib, daß ich dir allein vertrau, Allein dich ehr und liebe, Auf Men schenbülf und Trost nicht bau, In deiner Furcht mich übe; Daß großer Lente Gnad und Gunst, Gewalt, 8. Gib, Herr, daß ich mich redlich Pracht, Reichthum, Wizz und Kunstnähr Und böser Ränke schäme, Mein Mir nicht zum Abgott werde. 3. Hilf, daß ich deinen Gnadenbund Aus deinem Wort erkenne, Auch nicht vergeblich mit dem Mund, Herr, deinen Namen nenne; Daß ich bedenke Tag und Stund, Wie stark mich meiner Taufe Bund Zu deinem Dienst verbinde. Herz von Geiz und Unrecht kehr Und fremdes Gut nicht nehme, Und von der Arbeit meiner Händ, Was übrig ist, auf Arme wend Und nicht auf Pracht und Hoffart. 4. Laß mich am Tage deiner Ruh Mit Andacht vor dich treten, Die Zeit auch heilig bringen zu Mit Danken und mit Beten; Daß ich hab meine Lust an dir, Dein Wort gern höre und dafür Herzinniglich dich preise. tisser 9. Hilf, daß ich meines Nächsten Glimpf Zu retten mich befleiße, Bou ihm abwende Schmach und Schimpf, Doch Böses nicht gut heiße. Gib, daß ich lieb Aufrichtigkeit Und Abschen habe jederzeit An Lästerung und Lügen. 5. Die Eltern, Lehrer, Obrigkeit, Die vorgesetzt mir werben, Laß ja mich ehren allezeit, Daß mirs wohl geh auf Erden; Für ihre Sorg und Tren laß mich, Auch wenn sie werden wunderlich, Gehorsam sepn und dankbar. 10. Laß mich des Nächsten Haus und Gut Nicht wünschen noch begehren, Was aber mir vonnöthen thut, Das wollst du mir gewähren; Doch daß es niemand schädlich set, Ich auch ein ruhig Herz dabei Unb deine Gnad behalte. 11. Ach Herr, ich wollte deine Recht' Und deinen heilgen Willen, Wie mir gebührt als deinem Knecht, Ohn Mangel gern erfüllen; Doch fühl ich wohl, was mir gebricht, Und wie ich das geringste nicht Vermag aus eignen Kräften. 6. Hilf, daß ich nimmer eigne Nach Aus Zorn und Feindschaft ülbe, Dem der mir anthut Kreuz und Schmach, Berzeihe und ihn 7. Unreine Werk' der Finsterniß Laß mich mein Lebtag meiden, Daß ich für böse Lust nicht müss' Der Hölle Qual dort leiden. Schaff in mir, Gott, ein reines Herz, Daß ich schandbare Wort und Scherz Nebstandern Sünden fliehe. XII. Wort Golles. 151 12. Drum gib du mir von deinem| O heilger Geist, hilf, daß ich dich Thron, Gott Vater, Gnad und Ven ganzem Herzen, und als mich Stärke; Verleih mir, Jesu, Gottes Chn Falsch den Nächsten liebe! Sohn, Daß ich thu rechte Werke; Denike, g. 1603+ 1680. Mel. Jesu, meine Freude.( Luc. 4, 18 2c. Apostelg 10, 43. 2 Cor. 1, 20.) 230. Wort des höchsten Mun-| Aller Welt Wird vorgestellt Dunch) des, Engel unsers Bundes, Wort, du warst nie stumm! Bald, da wir gefallen, ließest du erschallen Evan- 5. Kommt, zerknirschte Herzen, gelium; Eine Kraft, Die Glauben Die in bittern Schmerzen Das Geschafft, Eine Botschaft, die zum Lesetz zerschlug; Kommt zu dessen der guten Botschaft Lehre, Daß man sich bekehre. Gnaden, Der, für euch beladen, Alle Schmerzen trug! Jesu Blut Stärkt enern Muth; Gott ist hier, der euch geliebet Und die Schuld vergibet. ben uns von dir gegeben. ( Joh. 1, 1. Mal. 3, 1.) 2. Was dein Wohlgefallen Vor der Zeit uns allen Fest bestimmet hat, Was die Opferschatten Vorge bildet hatten, Das vollführt dein Rath. Was die Schrift Verspricht, das trifft Alles ein in Jesu Namen Und ist Ja und Amen. 3. Alles ist vollendet; Jesu Gnade wendet Alle Straf und Schuld. Je sus ist gestorben, Jesus hat erworben Alle Gnad und Huld. Auch ist dieß Fürwahr gewiß: Jesus lebt in Preis und Ehre! O erwünschte Lehre! 4. Uns in Sünde Todten Machen Jesu Boten Dieses Leben tund; Lieblich sind die Füße, Und die Lehren füße, Theuer ist der Bund! 6. Dieser Grund bestehet; Wenn die Welt vergehet, Fällt er doch nicht ein. Darauf will ich bauen, So soll mein Vertrauen Evangelisch seyn; Auch will ich Nun würdiglich In der Kraft, die mir gegeben, Evangelisch leben.( Phil. 1, 27. Rol. 1, 10.) 7. Jesu, deine Stärke Schaffet diese Werke; the du mir bei! Nichts kann mich nun scheiden; Hilf denn, daß mein Leiden Evangelisch sey; Laß auch mich Einmal auf dich Als ein Kind, mit dir zu erben, Evangelisch sterben. Feder, g. 1699 † 1743. Miel. Jesu der du.( Rom. 1, 16 c. Baruch 4, 1-4. Hef. 33, 11.) 231. Guter, gnädiger, getreuer| 2. Dein Geist, deinem Volk geUnd erbarmungsreicher Gott! Deine Huld ist groß und theuer, Du willst nicht der Sünder Tod; Für die Armen sind ohn Ende Offen deine Vaterhände, Und du zeigst, daß deine Treu Wundervoll und göttlich sey. geben, Wehte die Propheten an; Endlich hat der Sohn das Leben Selbst auf Erden kund gethan. Du sendst deiner Boten Schaaren, Deinen Rath zu offenbaren, Und an deines Sohnes Heil Nehmen auch die Heiden Theil, 152 XII. Wort Gottes. 3. Herr! bu rufft verirrte Sünder| thut Wunderkuren, Bildet nene Aus der Finsterniß heraus, Und Kreaturen und ist eine Gotteskraft, versammelst sie als Kinber 31 ber Die uns Seligkeit verschafft. Kirche, deinem Haus; Läsfest stets dein Wort erschallen, Wirkst durch deinen Geist in allen, Gibst uns Willen, Kraft und Licht Und den besten Unterricht. 7. Dieses Wort vertreibt die Schre den Sn ber bangen Sterbenszeit, Daß wir keinen Tod mehr schmecken Hier und in der Ewigkeit. Es fann aus den Dunkelheiten Unsern Geist zum Lichte leiten; Führt vom Kampfe zu der Ruh, Führet uns dem Himmel zu. ( Joh. 8, 51 sc.) 4. Dieß Wort zündet wahren Glauben In den finstern Seelen an; Dieses Wort hilft geistlich Tauben, Daß ihr Ohr recht hören kann: Ja es gibt den Geist der Gnaden, Heilet allen Seelenschaden Und spricht in der Sündenpein Trost von der Vergebung ein. 8. Was wir wollen, was wir han deln Nach Beruf, nach Stand und Pflicht; Wo wir leben, wo wir wandeln, Leitet uns dieß Lebenslicht. Dieses läffet treue Seelen Nie den rechten Weg verfehlen. Gott! wer deinem Unterricht Redlich folgt, der gleitet nicht. 9. Längst hätt ich vergeben müssen, Hätte nicht durch seine Kraft Mir in meinen Kümmernissen Dein Wort neuenTrost verschafft. Niemals wird mein Herz verzagen, Niemals über Mangel klagen, Hab ich dich nur, o mein Hort, Meinen Jesum und dein Wort! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769, 5. Ist das Kreuz am allergrößten, Zagt das Herz in Angst und Noth, So tann dieses Wort noch trösten, Es wirkt Leben selbst im Tod, Stillet die Gewiffensbisse, Lindert alle Kümmernisse Und befreit vom langen Schmerz Ein von Seufzen mattes Herz. 6. Dieses Wort stärkt unsre Seelen Als das rechte Himmelsbrod, Wenn uns Noth und Hunger quälen, Und ein ewig Darben droht. Dieses Wort Eigene Mel.; over: Ach Gott und Herr.( Sir. 14, 22 2c. Ps. 119, 105) 232. Gott ist mein Hort, Und nicht Dein Wort die Wahrheit lehrte? seinem Wort Soll meine Seele Gott, ohne sie Verstünd ich nie, Wie trauen; Ich wandle hier, Mein ich dich würdig ehrte! Gott, vor dir Im Glauben, nicht im Schauen. 4. Dein Wort erklärt Der Seele Werth, Unsterblichkeit und Leben; Daß diese Zeit Zur Ewigkeit Mir von dir sey gegeben. 2. Dein Wert ist wahr! Laß immerdar Mich seine Kräfte schmecken; Laß keinen Spott, O Herr, mein Gott, Vom Glauben mich abschrecken! 5. Gett, deinen Rath: Die Missethat Der Sünder zu verfühnen, Den tennt ich nicht, Wär mir dieß Licht nicht durch dein Wort erschienen. 3. Wo fänd ich Licht, Wofern mich XII. Wort Gottes. 153 Dein Wort gibt mir die Kräfte. 6. Nun darf mein Herz In Neu| Durch meine Müh Bermag ichs nie; und Schmerz Der Sünden nicht verzagen; Nein, du verzeihst, Lehrst meinen Geist Im Glauben ,, Vater!" sagen. 8. Herr, unser Hort, Laß dieß dein Wort Mir Licht und Freude geben! Es sey mein Theil, Es sey mir Heil Und Kraft zum ewgen Gellert, g. 1715 † 1769. Leben! 7. Mich zu erneun, Mich dir zu weihn, Ist meines Heils Geschäfte; Mel. Sollt es gleich.( Joh. 6, 63.) 233. Treuster Meister! beine| 4. Hilf mir, mich im Lieben üben Worte Sind die rechte Himmels- Und Gott über alles lieben; Meinen pforte; Deine Lehren sind der Pfad, Nächsten, gleich wie mich, Laß mich Der uns führt zur Gottesstadt. lieben inniglich. 2. O wie selig, wer dich höret, Wer von dir will sein gelehret, Wer zu jeder Zeit und Stund Schaut auf deinen treuen Mund! 3. Sprich doch ein in meiner Seele, Gib ihr Weisung und Befehle; Lehr fie halten bis in Tod Deiner Liebe sanft Gebot. 5. Lehr mich heilige Geberden, Laß mir deine Demuth werden, Geuß mir deine Sanftmuth ein, Laß mich klug in Einfalt seyn. 6. Also werd ich mich verbinden Ganz mit dir und Ruhe finden; Also werd ich in der Zeit Sepn gelehrt zur Ewigkeit. Ang. Stlefius, g. 1624 † 1677. Mel. Wenn mein Stündlein.( Luc. 8, 5-15. Ebr. 4, 12. 13.) 234. Mensch, wie ist dein| hat der Same keine Kraft zu sproffen und zu wachsen. Herz bestellt? Hab Achtung auf dein Leben! Was trägt für eine Frucht 4. Oft ist das Herz auch dornendein Feld? Sinds Dornen, oder vell, Mit Sorgen angefüllet; Oft Reben? Denn aus der Frucht kennt lebet es in Reichthum wohl, Da man die Saat, Auch wer das Landwird die Saat verhüllet; Ja sie erbejäet hat: Gott oder der Verderber. sticket ganz und gar Und wird nicht 2. Ist nun dein Herz gleich einem einmal offenbar; Das ist wohl zu Weg Und gleich den harten Straßen, betlagen! Da auf dem breiten Lastersteg Die Vögel alles fraßen? Ach prüfe dich; es ist kein Scherz! Stehts also um dein armes Herz, So bist du zu beklagen. 5. Doch ist, Gottlob! noch gutes Land Auf dieser Welt zu finden, Das Gott, dem Herrn, allein bekannt, Da in des Herzens Gründen Der Same, den Gott eingelegt, Wohl hundertfältig Früchte trägt; Das sind die rechten Herzen! 3. Ist auch dein Herz von Felsenart, Verhärtet durch die Sünden, So ist der Same schlecht verwahrt Auf solchen Felfengriinden. Ein Felsenstein hat keinen Saft; Drum weil es heute heißet noch; Hier muß 6. Wer Ohren hat, der höre doch, Und prüfe fich ohn Heucheln, Die 154 sich keiner schmeicheln! Die Zeit vergeht, das Ende naht; Fällt auf kein gutes Land die Saat, So mußt du ewig sterben! 7. Herr Jesu! laß mein Herze seyn, Zerknirschet und zerschlagen, Damit XIII. Sakramente. der Same bring hinein, Und laß ihn Früchte tragen, Die mir gen Himmel folgen nach, Da ich sie finde tausendfach; Das wünsch ich mit Verlangen! Laurentit, g. 1660 † 1722. Eigene Mel.( Matth. 18, 20. Jak. 1, 21. 22.) 235. Trener Heiland! wir sind| muthsbilde, Deiner stillen Thätigkeit, Deiner armen Niedrigkeit, Deines Wohlthuns Milde. hier In der Andacht Stille; Unsre Sinnen und Begier Lenke sanft dein Wille. Deines Wortes heller Schein Strahl' in unser Herz hinein, Uns mit Licht erfülle. 4. Zeige deines Wortes Kraft An uns armen Wesen; Zeige, wie es neu uns schafft, Kranke macht ge2. Kehr, o Jesu, bei uns ein, nesen. Jesu! dein allmächtig Wort Komm in unsre Mitte, Wollest Fahr in uns zu siegen fort, Bis unser Lehrer seyn, Hör der Sehn- wir ganz genesen. sucht Bitte: Deines Wortes stille Kraft, Sie, die neue Menschen schafft, Bilde Herz und Sitte! 5. O wie selig ist es, dir Kindlich zu vertrauen! llnerschüttert können wir Auf dich Felsen bauen. Herr! wir glauben in der Zeit, Bis die selge Ewigkeit Uns erhebt zum Schauen. Chr. H. Zeller, g. 1779+1860. 3. Von dir lernen möchten wir Deiner Sanftmuth Milde; Möchten ähnlich werden dir, Deinem DeMel. Werde munter.( Ps. 119, 50. Sir. 6, 37.) 236. Herr! bein Wort, die eble| 2. Hallelujah! Za und Amen! Gabe, Diesen Schatz erhalte mir, Herr, du wolleft auf mich sehu, Denn ich zieh es aller Habe Und dem größten Reichthum für. Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, Worauf soll der Glaube ruhn? Mir ists nicht um tausend Welten, Aber um dein Wort zu thun. ich mög in deinem Namen Fest bei deinem Worte stehn.. Laß mich eifrig seyn beflissen, Dir zu dienen früh und spat, Und mich stets zu deinen Füßen Sigen, wie Maria that! Nik. Lurwig, Graf von Zinzendorf, g. 1700 † 1760. Sakramente. Isple XIII. A. Die heilige Taufe. Mel. Chrift, unser Herr, zum Jordan.( Tit. 3, 4-7.) 237. Mehr sieht das Ang im| Wasch unser frant Gewiffen! O Taufen nicht, Als bloßes Wasser Geist, durchs Wasser und durchs gießen; Der Glaube sieht durch Blut Laß auf uns Gnade fließen böhres Licht Das Blut des Bundes und mach uns rein von Sünden! fließen. Oheilige, o theure Fluth, Nach Luther. A. Die heilige Tanfe. Mel. Mein Jesus lebt.( Tit. 3, 4-7.) 238. Dir, Herr, sey dieses| 2. Durch dieses Siegel beiner Kind empfohlen, Dir, dessen Tren Gnade Wird jedes Recht der Chriunwandelbar; Wir bringens, wie sten sein; Du weihst es in dem du selbst befohlen, Dir in der Heil- Wasserbade Zu deinem Kind und gen Taufe dar. Gib, Bater, gib an Erben ein. Sm Wasser, Bater, deinem Heil, An Jesu Christo gib ströme du, Ström ihm des Geistes ihm Theil! Gaben zu! Cramer, g. 1723 † 1788. 2. Ja es schallet allermeist Dieß dein Wort in unsern Ohren: Wer durch Wasser und durch Geist Nicht zuvor ist neu geboren, Wird von dir nicht aufgenommen Und in Gottes Reich nicht kommen. Mel. Liebster Jesu! wir sind hier, dich; ober: Meine Seel', ermuntre vich. ( Joh. 3, 5 2c. Rom. 5, 12-18.) h 239. Liebster Jesu! wir sind| erzeige dein Erbarmen, Daß es dein hier, Deinem Worte nachzuleben; Dieses Kindlein kommt zu dir, Weil du den Befehl gegeben, Frühe sie zu dir zu weisen, Denen du dein Reich verheißen. Kind hier auf Erden Und im Himmel möge werden. Bahn; 4. Hirte, nimm dein Schäflein an; Haupt, mach es zu deinem Gliede; Himmelsweg, zeig ihm die Friedefürst, sey du sein Friede; Weinstock, hilf, daß diese Rebe Auch im Glauben dich umgebe! 5. Nun, wir legen an dein Herz Was von Herzen ist gegangen; Führ die Seufzer himmelwärts Und erfülle das Verlangen! Ja den Namen, den wir geben, Schreib ins Lebensbuch zum Leben! 3. Darum eilen wir zu dir: Nimm dieß Pfand von unsern Armen; Tritt mit deinem Glanz herfür Und 155 Schmolk, g. 1672 1737. Mel. Theuerster Immanuel.( 2 Tim. 2, 19. Marc. 16, 16.) Sell, o Gett, bir Heilig, heilig will und sein Geist ist 240. Ewig, ewig bin ich dein,| neue Kreatur, Theuer dir, mein Gott, erkaufet; ähnlich werden; Bin auf dich, um dein zu sein, ich seyn: Jesus Bater, Sohn und Geist, getaufet, mein! Dessen soll mein Herz sich freun; Ewig, ewig bin ich bein! 4. Ich versprachs, gelob es noch, Brach zwar oft den Bund der Taufe, Kämpfte schon, und wurde doch Schwach im Kampf und matt im Laufe; Dennoch will noch Jesus mein, Gott will noch mein Bater Sie fol a S seyn! 3. Ich, ein Sünder von Natur, 5. Das ist Gottes Bund mit mir, Gnädig hat er mir verheißen: Mich Ich Gefallner soll auf Erden Eine soll keine Macht von dir, Keine 2. Welch ein göttlicher Gewinn, Daß ich durch der Taufe Gabe Nun dein Kind und Erbe bin, Daß ich dich zum Vater habe! Einft von allen Sünden rein, Ewig, Bater, ewig dein! 156 Sünde von dir reißen. Gott, ich will nur dein, meines Jesu seyn! XIII. Sakramente. Gott, mein| Wege Heilig und gewissenhaft Und Dein und im Glauben wandeln möge. Er wird mir die Kraft verleihn, Treu bis in den Tod zu seyn. 8. Höre mich, denn ich bin dein, Theuer dir, mein Gott, erkaufet, Bin auf dich, um dein zu seyn, Bater, Sohn und Geist, getaufet; Ewig, ewig laß mich dein, Ewig laß mich selig seyn! Gramer, g. 1723 † 1788. 6. Ich entsage, Satan, bir, Dir o Welt, und dir, o Sünde; Ich entfag euch, weicht von mir, Dem erlösten Gotteskinde! Eure Lust ist Schmach und Pein; Gott, nur Gott will ich mich weihn. 7. Wachen will ich, flehn um Kraft, Daß ich stets auf seinem Tanfbundes- Erneuerung. Mel, Mein Jesus lebt.( Rom. 6, 3 c. 5 Mof. 29, 9. Jef. 54, 10.) 241. Ich bin getauft auf dei-| gehn, Und hab ich einen Fall gethan, So nimm dein Kind zu Gnaden an. 5. Ich gebe dir, mein Gott, aufs neue Leib, Seel und Herz zum Opfer hin, Erwecke mich zu neuer Treue Und nimm Besitz von meinem Sinn. Es set in mir fein Tropfen Blut Der nicht, Herr, deinen Willen thut! 6. Weich, weich, du Fürst der Finsternisse! Ein andrer Herr hat mich erkauft; Ich bin ein Sündenfind, doch wisse: Ich bin auf Christi Tod getauft! Weich, eitle Welt, du Sünde weich, Gott hört es: ich entsage euch! 50 7. Laß diesen Vorsatz nimmer wanken, Gott Vater, Sohn und heilger Geist! Halt mich in deines Bundes Schranken Bis mich dein Wille sterben beißt; So leb ich dir, so sterb ich dir, So lob ich dich dort für und fir. Nach Nambach. nen Namen, Gott Vater, Schn und heil'ger Geist! Ich bin gezählt zu deinem Samen, Zum Volk das dir geheiligt heißt; Ich bin in Christum eingesenkt, Er hat mir seinen Geist geschenkt. 2. Du hast zu deinem Kind und Erben, Mein lieber Vater, mich erklärt; Du hast die Frucht von deinem Sterben, Mein trener Heiland, mir gewährt; Du willst in aller Noth und Pein, O guter Geist, mein Tröster seyn. 3. Doch hab ich dir auch Furcht und Liebe, Gehorsam zugesagt und Treu; Ich habe dir aus reinem Triebe Gelobt, daß ich dein eigen sey; Hingegen sagt ich bis ins Grab Der Sünde schnödem Wesen ab. 4. Mein treuer Gott! auf deiner Seite Bleibt ewig dieser Bund bestehn; Wenn aber ich ihn überschreite, So laß mich nicht verloren Mel. Mein Glaub ift.( 1 242. Ich bin in dir, und du in mir! Nichte soll mich, ewge Liebe, Petri 2, 9. 1 Joh. 2, 28.) dir In dieser Welt entreißen! Auf Erden, wo nur Sünder sind, Nennst A. Caufe.& aufbundes- Erneuerung. 157 du mich freundlich schon dein Kind,| Weil ich auf Erden walle; Drum O laß michs ewig heißen Und treu mit Wandel, Herz und Mund Bewahren deinen Friedensbund! führ mich, Jesu, treuer Hirt, Daß mich, was locket, schreckt und irrt, Nicht tringe je zu Falle! O daß, was ich dir heut versprach, Mir gebe tief und ewig nach! 2. Ich bin in dir, und du in mir; Dreieinger Gott, du haft zu dir Mich frühe schon berufen. Was mir, dem Kindlein, war bereit, Ergreif ich heut voll Innigkeit An des Altares Stufen Und sag: o Liebe, du bist mein, Ich will dein Kind auf ewig seyn! 3. Ich bin in dir, und du in mir, Noch wohn ich völlig nicht bei dir, 4. Ich bin in dir, und du in mir; Komm, Herr, mir deine Tugendzier Frühzeitig anzulegen, Daß mir des Lebens Glück und Noth, Ja selbst der letzte Feind, der Tod, Nur kommen mög im Segen. Mit dir will ich durchs Leben gehn, Dir leiden, sterben, auferstehn! 3. Wir bitten, Herr, für uns, Die Kinder samt den Alten: Laß jeden, was er hat, Im Glauben fest behalten; Daß keiner unter uns, Der deinen Namen nennt, Aufs neue für die Luft Der argen Welt entbrennt! Knapp, geb. 1798. Vel. Nun danket alle.( Ebr. 13, 9. Phil. 1, 6. Kol. 2, 7.) 243. Es ist ein föstlich Ding| 4. Was wir dir in der Tauf So Und Zeugniß deiner Treue, O Hei- fest und stark versprochen, Das land, daß das Herz Ju dir befestigt seye, Im Guten immer wachs', 3um Bösen nimmer kehr; Und dieses kommt allein Von deiner Gnade her. 2. Das Herz ist gar zu bös Und fängt wohl an zu wanken, Wenn es zum Guten kaum Gefasset die Gedanken. Steht es von deiner Hüllf O mein Erlöser, bloß, Wie wird durch Fleisch und Welt Sein Fall so schnell, so groß! bleibe künftighin( Ach gib es!) ungebrochen. Stärt unsre schwache Hand, Nicht auf den müden Fuß Durch Vorsatz und Gebet, Durch Wachsamkeit und Buß. 5. Was du durch deinen Geist, Im Guten angefangen, Dafür hab herzlich Dank! Ach laß es fortgelangen Zum Wachsthum und zur Kraft, Die keine Aendrung kennt, Und tröne selbst dein Werk Mit einem selgenEnd. 6. Hilf, Sieger, hilf uns doch In allem überwinden! Laß uns in deiner Lieb Die rechte Stärkung finden, Daß keine Kreatur, Nicht Trübfal oder Plag, Nicht Leben oder Tod Von dir uns scheiden mag. Fischer, g. 1695 † 1773. Mel. Machet auf! ruft. Gemeinde. ( Marc. 10, 14-16.) Kinder, Ihr Lobgefang sey dir gebracht! Freudig gehn sie dir entgegen, Weil bu ber Liebe reichsten Segen 244. Vor bir, Tobesilberwinder, Stehn deine theurerlösten Den Kinderseelen zugedacht. Dein XIII. Sakramente. 158 Auge sieht sie hier Im Jugend schmuck vor dir Knien und beten. Herr! sie sind dein; Laß ihre Neihn Dir an dein Herz geleget seyn! Chor der Kinder. 2. Friedefürst! ich ward erkoren Am ersten Tag, als ich geboren, Zu deinem felgen Gnadenkind; Du gabst mir des Himmels Gaben, Weil wir nichts Gutes eigen haben Und ohne dich verloren sind. O Jesu, meine Ruh! Ich greife freudig zn Nach den Gaben, Die du mir heut Zur Seligkeit Durch dein Erbarmen haft erneut. 4. O du Hirt erkaufter Seelen! Ich muß des rechten Wegs verfehlen, Wenn meine Seele von dir geht; Darum gib mir Licht und Stärke Und Glaubensmuth zum guten Werke, Zum Ningen, Wachen und Gebet, Bis ich den Pilgerstand Im 3. Laß dich halten und umfaffen, ewgen Vaterland Siegreich ende, Und Ich will dich ewig nicht verlassen, du, o Sohn, Der Treue Lohn Mir Verlaß auch du mich ewig nicht! reichst von deinem Gnadenthron. 150 Knapp, g. 1798. Schütze mich vor Welt und Sünde Und offenbare deinem Kinde Dein gnadenvolles Angesicht; Auf daß ich Tag für Tag In dir mich freuen mag Still und heilig, Und mich dein Mund Zu jeder Stund Erinnre an den Liebesbund. Gemeinde und Kinder. Eigene Mel.( Eph. 6, 10-17.) 245. Stärt uns, Mittler, dein| Kinder, Im Vertraun auf Jesu Tod Und in der Tugend! sind wir! Sieh, wir alle flehen: Laß, laß, o Barmherziger, Uns 3. Lockt uns die verderbte Welt bein Antlitz sehen! Wach über unsre Zu der Jugend Lüften, Dann, Herr, Seelen! Hier stehn und sprechen wollst du uns mit Kraft Aus der alle wir: Herr, dein Eigenthum sind Höhe rüsten. Laß streiten uns und wir! Heiliger Schöpfer, Gott; Hei- siegen; Die Triebe zu verbotner Luft liger Mittler, Gott; Heiliger Gott, Dämpfe früh in unsrer Brust! Hei Lehrer und Tröster; Dreieiniger figer Schöpfer, Gott; Heiliger Mitt Gott! Laß uns nie vergessen Unsern ler, Gott; Heiliger Gott, Lehrer theuren, heilgen Bund; Erbarm und Tröster; Dreieiniger Gott! Laß bich unser! uns alle Feinde, Alle Reizungen der Welt Weit überwinden! 4. In der Todesnoth laß uns, Deine Theurerlösten, Unsers Glanbens Zuversicht Unaussprechlich trösten; Zähl uns zu deinen Kinbern! Laß Kinder und Erwachene dein Sich im Himmel ewig freun! Heiliger Schöpfer, Gott; Heiliger Mittler, Gott; Heiliger Gott, Lehrer 2. Ach wie oft gelobten wir, Fest an dir zu halten, Aber treulos ließen wir Unsre Lieb erkalten! Stärk uns, o Herr, im Glauben! Beständig laß uns alle seyn, Die wir uns aufs neu dir weihn! Heiliger Schöpfer, Gott; Heiliger Mittler, Gott; Hei liger Gott, Lehrer und Tröster; Dreieiniger Gott! Stärt uns, deine B. Das heilige Abendmahl. 159 und Tröster; Dreieiniger Gott!| ren, heilgen Bund; Erbarm dich Laß uns nie vergessen Unsern then- unser! Münter, g. 1735 † 1793. B. Das heilige Abendmahl. Mel. Wachet auf! ruft.( 1 Cor. 11, 26-28.) 246. Her err! du wollst uns vor-| Leben Das Brod, das euch der Herr bereiten zu deines Mahles Selig- gegeben; Die Gnade Jesu sey mit keiten, Sen mitten unter uns, o Gott! Laß uns, Leben zu empfahen, Mit glaubensvollem Herzen nahen Und sprich uns los von Sünd und Tod. Wir sind, o Jesu, dein, Dein laß uns ewig seyn, Amen, Amen! Anbetung dir, Einst feiern wir Das große Abendmahl bei dir. 2. Nehmt und eßt zum ewgen. euch! Nehmt und trinkt zum ewgen Leben Den Kelch des Heils, auch euch gegeben; Ererbt, erringt des Mittlers Reich! Wacht, eure Seele sey Bis in den Tod getren, Amen, Amen! Der Weg ist schmal; Klein ist die Zahl, Die dort eingeht zum Abendmahl! Klopstock, g. 1724 † 1803. Mel. Ich dank dir schon.( 1 Cor. 11, 23-25.) 247. Als Jesus Christus in ,, Nehmt hin und trinket insgemein, Wollt ihr Gott wohlgefallen." der Nacht, Darin er ward verrathen, Auf unser Heil war ganz bedacht, Dasselbe zu erstatten, 2. Da nahm er in die Hand das Brod Und brachs mit seinen Fin- Kreuze werd vergießen." gern, Sah auf gen Himmel, dankte Gott Und sprach zu seinen Jüngern: 3. ,, Nehmt hin und eßt, das ist mein Leib, Der für euch wird gegeben; Und denket, daß ich euer bleib Im Tod und auch im Leben." 4. Deßgleichen nahm er auch den Wein Im Kelch und sprach zu allen: 5. ,, Hier geb ich euch mein theures Blut Im Kelche zu genießen, Das ich für euch und euch zu gut Am 6. Das macht euch aller Sünden frei, Daß sie euch nicht mehr kränken; So oft ihrs thut, sollt ihr dabei Au meinen Tod gedenken!" 7. DJesu! dir sey ewig Dank Für deine Treu und Gaben; Ach laß durch diese Speis' und Trank Auch mich das Leben haben! Johann Heermann, g. 1585 † 1647. Mel. Es ist das Heil.( Matth. 22, 2-14. Rom. 12, 2) 248. Gott macht ein großes| spricht die Sünder gnädig an, Sie Abendmahl Vom Reichthum seiner Gnaden, Und läßt in Christi Kirchensaal Die Gäste freundlich laden. „ Kommit," ruft er, ,, alles ist bereit! Kommt alle, die ihr hungrig seyd Und laffet euch erquicken!" sollen sich bekehren, und welcher wahre Buße thut, Der soll durch Christi theures Blut Gerechtigkeit erlangen. 2. So höre doch nun jedermann, Wer Ohren hat zu hören; Gott 3. Ach Gott, wie ists um uns bestellt! Wie treibts der Menschen Haufen! Sie wollen lieber zu der Welt, Als zu dem Himmel laufen, 160 XIII. Sakramente. Sie suchen schnödes Geld und Gut,| euch dieser Welt nicht gleich, Noch fol. Sie lieben ihres Fleisches Minth Und get ihren Lüften! Bedenket doch die thun was sie gelüftet. Ewigkeit Und forget in der Gnadenzeit Für euer Heil der Seelen. 4. Sie fahren in den Sünden fort Und wollen nicht verstehen, Daß fie 6. Ach lieber Gott! regiere mich, ja einen Seelenmord An ihnen selbst Daß ich von Herzen gläube, 3m begehen. Verachtet man das Him- Glauben auch beständiglich Bei deimelsmahl, So wird zuletzt der Hölle nen Worten bleibe, Bis einstens in Qual Zur Strafe brauf erfolgen. dem Himmelsfaal Dein überschweng5. Vor solchem Wesen hütet euch, lich Freudenmahl Mich ewig wird er Ihr gottergebnen Christen, Und stellt| gözzen! Neumeister, S. 1671+1756. Mel. Mein Jesus lett.( 1 Cor. 11, 28. Matth. 11, 28. Juh. 6, 53 2c. Jes. 61, 10.) 249. Laß irdische Geschäfte| gehen Als Gottes auserwähltes Kind Und selig an dem Orte stehen Wo andre Himmelsgäste sind; Weil ich mit Jesu augethan, Sieht Gott in ihm mich gnädig an. 6. Ach wie erquicket mich die Speise, Die meine Seele hier ge nießt, Da Jesus wunderbarer Weise Die theure Speise selber ist! Ach, stehe, wie dich Jesus liebt, Der dir sich selbst zu eigen gibt! 7. Ich kann nur Brod und Wein erblicken, Doch sieht der Glaub ein höher Gut: In, mit und unter beiden Stücken Empfang ich Christi Leib und Blut; Er sagt es selbst, er ist getreu, Drum bleibt mein Glaube fest dabei. stehen, Auf, Seele, mache dich bereit! Du willst zu Gottes Tische gehen; Doch prüfe deine Würdigkeit, Ob du dich als ein rechter Gast Zum Abendmahl geschicket haft? 2. Es will mir fast der Muth verschwinden, Ob ich dabei erscheinen kann; Ich finde viele tausend Sünden, Ach, die ich wider Gott gethan! Ich darf zu dieser Tafel nicht, Nicht unrein vor sein Angesicht! 3. Daß Gott erbarm, was soll ich sagen? Ich Sünder muß verloren seyn! Doch nein, ich darf noch nicht verzagen: Gott setzt den Tisch deßwegen ein, Daß er den Sündern Trost und Kraft Für ihre armen Seelen schafft. 4. Wie wohl ist mir in Gott zu Muthe! Gott tilget meine Missethat; Ich wasche mich in Jesu Blute, Der meine Sünd gebüßzet hat; Mein Glaub erlangt von ihm das Kleid Des Heils und der Gerechtigkeit. 5. Ju diesem Schmude will ich 8. Mein Jesus ist für mich ge storben, Mein Jesus lebet auch für mich, Mein Jesus hat mir Heil er worben, Darauf besteh ich festiglich Und halte mich an ihn allein: Mein Freund ist mein, und ich bin sein! Neumeister, g. 1671+1756. Viel. An Wasserflüssen.( Jerem. 31, 25. Joh. 15, 5.) 250. Ich tomme, Herr, und| D mein Erbarmer, würdge mich suche dich Mühselig und beladen. Des Wunders deiner Gnaden! Ich B. Das heilige Abendmahl. liege hier vor deinem Thron, Sohn| Schuld ist dir vergeben! Du bist in Gottes und des Menschen Sohn, Mich deiner zu getrösten. Ich fühle meiner Sünden Müh, Ich suche Ruh und finde sie Im Glauben der Erlösten. meinen Tod getauft Und du wirst dem der dich erkauft, Von ganzem Herzen leben." 2. Dich bet ich zuversichtlich an, Du bist das Heil der Sünder; Du haft die Handschrift abgethan, Und wir sind Gottes Kinder. Ich denk an deines Leidens Macht Und an dein Wort: ,, es ist vollbracht!" Du haft mein Heil verdienet, Du hast für mich dich dargestellt; Gott war in dir und hat die Welt In dir mit sich verfühnet. 3. So freue dich, mein Herz, in mir: Er tilget deine Sünden Und läßt an seiner Tafel hier Dich Gnad um Gnade finden. Du rufst, und er erhört dich schon, Spricht lieb reich: ,, sey getrost, mein Sohn, Die 161 2. Eil, wie Gottvertraute pflegen, Deinem großen Herrn entgegen, Der bei dir und all den seinen Will mit seiner Gnab erscheinen. Deffn' ihm bald die Geistespforten, Reb ihn an mit Glaubensworten: ,, Komm, ich will dich mit Verlangen. Als den liebsten Freund empfangen." Evangelisches Gesangbuch. 4. ,, Dein ist das Pfand der Seligfeit; Bewahr es hier im Glauben Und laß durch keine Sicherheit Dir deine Krone rauben. Sieh, ich vereine mich mit dir, Ich bin der Weinstock, bleib an mir, So wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich, Und durch die Liebe gegen mich Wird dir der Sieg gelingen." 5. Ja, Herr, mein Glück ist dein Gebot, Ich will es treu erfüllen, Und bitte dich durch deinen Tod Um Kraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an eifrig seyn, Mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn Und deinen Tod zu preisen; Laß mich den Ernst der Heiligung Durch eine wahre Bes serung Mir und der Welt beweisen! Gellert, g. 1715 † 1769. Eigene mel.( Matth. 5, 6. Joh. 6, 35.) 251. Schmüce dich, o liebe| 3. Ach wie hungert mein Gemüthe, Seele! Laß die dunkle Sündenhöhle, Menschenfreund, nach deiner Güte! Komm ans helle Licht gegangen, Ach wie pfleg ich oft mit Thränen Fange herrlich an zu prangen; Mich nach diesem Mahl zu sehnen! Denn der Herr, voll Heil und Ach wie pfleget mich zu dürsten Nach Gnaden, Will dich jetzt zu Gaste dem Trank des Lebensfürsten, Daß laden; Der den Himmel kann ver in diesem Brod und Weine Sich walten, Will jetzt Herberg in dir mein Herr mit mir vereine! halten. 4. Jesu, meine Lebenssonne! Jesu, meine Freud und Wonne! Jesu, du mein ganz Beginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen! Hier fall ich zu deinen Füßen: Laß mich würdiglich genießen Diese beine Himmelsspeise Mir zum Heil und dir zum Preise! 5. Herr! es hat dein treues Lieben 11 162 XIII. Sakramente. Dich vom Himmel hergetrieben, Daß| Hilf, daß ich doch nicht vergebens, du willig haft dein Leben Für mich in den Tod gegeben Und dein theures Blut vergossen, Welches deine Tischgenoffen Hier so wunderbar kann tränken, Deiner Liebe zu gedenken. Ober gar zu meinem Schaden Trete zu dem Mahl der Guaden! Laß bei diesem Trank und Essen Mich dein Lieben recht ermessen, Daß ich auch, wie jetzt auf Erden, Mög dein Gast im Himmel werden! Johann Frand, g. 1618 † 1677. Mel. Herr, wie bu willt.( 2 Tim. 2, 8. Matth. 26, 26-28.) 252. Haft im Gebächtniß Je-| seinigen auch frei gemacht und ewges Leben dir gebracht; Dank ihm für diese Liebe! 4. Halt int Gedächtniß Jesum Christ! Er wird einst wieder kommen, zu richten was auf Erden ist, Die Sünder und die Frommen; Drum sorge, daß du dann bestehst Und mit ihm in den Himmel gehst, Ihm ewiglich zu danken. 5. Mein Heiland, den der Himmel preist, Dich will ich ewig loben! O stärke dazu meinen Geist mit neuer Kraft von oben! Dein Abendmahl vermehr in mir Des Glaubens Kraft, damit ich dir Mit neuer Treue diene. 6. Jesu, wahres Brod des Lebens, fum Chrift, D Seele, der auf Erden Vom Himmelsthron gekommen ist, Ein Heiland dir zu werden! Vergiß nicht, daß er dir zu gut Pat angenommen Fleisch und Blut; Dank ihm für diese Liebe! 2. Halt im Gedächtniß Jesum Christ! Er hat für dich gelitten Und bir, da er gestorben ist, Das Heil am Kreuz erstritten. Errettung von der Sündennoth Erwarb er dir durch seinen Tod; Dank ihm für diese Liebe! 3. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, Der, von dem Tob erstanden, Nunmehr zur Rechten Gottes ist, Und von des Todes Banden Die Günther, g. 1650 † 1704. Mel. Ach was soll ich Sünder machen.( Joh. 6, 56. 57.) 253. Mit dem Haufen beiner| nahen, Deine Gnade zu empfahen? Frommen Will auch ich, o Heiland, tommen Zu des neuen Bundes Mahl. Alle Christen sind geladen; Reicher König! deiner Gnaden Ist tein Maß und keine Zahl. qui 3ch, der nichts als Fluch verdient! Ja, auch mir bist du gestorben, Leben hast du mir erworben, Mich durch deinen Tod verfühnt! 2. Welche große Seligkeiten Willst du, Mittler, uns bereiten! Seele, freu dich seiner Huld! Wenn dich Slind und Elend drücken, Gott ist hier, bich zu erquicken, Jesus tilgt auch beine Schuld! 3. Darf ich, Herr, ich Sünder 4. Den Gedanken darf ich wagen, Darf ihn laut voll Frenden sagen: Ich soll eins mit Jesu seyn! Um mir Gnade zu erwerben, Wollt er für mich Sünder sterben: Jesus und sein Heil ist mein! 5. Wer nur glaubt, wird nicht verloren, Er wird rein und neu B. Das heilige Abendmahl. uns noch die Sünde frent! geboren; Droben ist sein Vaterland.| wir fliehn den Weg des Lichtes, Wenn Freuet euch, erlöete Sünder! Gott ist Vater, wir sind Kinder, Hier ist der Erlösung Pfand; 7. Seele, dent an deine Würde, Und drückt dich des Leidens Bürde, Denk an deinen großen Lohn! Kämpfe wider jede Sünde, Streite männlich, überwinde, Deine Krone wartet schon! Lavater, g. 1741+1801. 6. Pfand von Christi Tod und Leben, Wenn wir ihm, nicht uns mehr leben, Siegel unsrer Seligleit! Aber Siegel des Gerichtes, Wenn Mel. Es ift das Hell.( 1 Mof. 28, 17. Offenb. 3, 20. Joh. 14, 23.) in Jesu leben soll, Und er in mir will leben! 254. Wie heilig ist die Stätte| mein Herz so freudenvoll, Daß ich hier, Wo ich voll Andacht stehe! Sie ist des Himmels Pforte mir, Die nun ich offen sebe. O Lebensthor, o Tisch des Herrn! Bom Himmel bin ich nicht mehr fern Und fühle Gottes Nähe. 5. O wär doch auch mein Herz geweiht zu einer heilgen Stätte, Damit der Herr der Herrlichkeit An mir Gefallen hätte! O wäre doch mein Herz der Ort, An welcheni Jesus fort und fort Aus Gnaden Wohnung machte! 2. Wie heilig ist dieß Lebensbrod, Dieß theure Gnadenzeichen, Bor dem des Herzens Angst und Neth Und alle Qualen weichen! D Brod, das meine Seele nährt, O Manna, das mir Gott beschert, Dich will ich jetzt genießen! 163 3. Wie heilig ist doch dieser Trant, Der mein Verlangen stillet, Der mein Gemüth mit Lob und Dank Und heilger Freud erfüllet! O Lebenstrank, o heilges Blut, Das einst geflossen mir zu gut, Dich will ich jetzt empfangen! 4. Welch unaussprechlich Glück ist mein, Welch Heil hab ich gefunden! Mein Jesus kehret bei mir ein, Mit ihm werd ich verbunden. Wie ist 6. Mein Jesu! komm und heile mich; Was sündlich ist, vertreibe, Damit ich nun und ewiglich Dein Tempel sey und bleibe. Von dir sey ganz mein Herz erfüllt; Herr, laß dein bheilig Ebenbild Beständig an mir leuchten! 7. Nun, du hast himmlisch mich erquickt, Du hast dich mir gegeben; In dir, der mich so hoch beglückt, Will ich nun stündlich leben! Laß mich, mein Heiland, allezeit, Bon nun an bis in Ewigkeit Mir dir ver einigt bleiben! Nach löscher, g. 1673 † 1749. Mel. Erquicke mich.( Luc. 22, 19 c. 1 Cor. 11, 26. Joh. 6, 53 2c.) 255. Mein Jesu, ber du vor| macht, Es preisen gläubige Geden Scheiden In deiner letzten müther Dich, Stifter solcher hohen Trauernacht Uns alle Früchte deiner Güter! Leiden Als letzten Willen hast ver2. So oft wir dieses Mahl genießen, 164 Wird dein Gedächtniß bei uns neu; Man kann aus frischen Proben schließen, Wie brünstig deine Liebe sey. Dein Blut, dein Tod und deine Schmerzen Erneuern sich in unsern Herzen. 3. Es wird bem zitternden Genießen. wissen Ein nenes Siegel aufgedrückt, Daß unser Schuldbrief sey zerrissen, Daß unsre Handschrift sev zerstückt, Daß wir Vergebung unsrer Sünden In deinen blutgen Wunden finden. ( Col. 22, 14.) XIII. Sakramente. 4. Das Band wird fester angezogen, Das dich und uns zusammen hält, Esfühlt die Freundschaft, längst gepflogen, Auf neue Stützen sich gestellt, Wir werden mehr in solchen Stunden Mit dir zu einem Geist verbunden. 6. Wir treten in genaure Bande Mit deines Leibes Gliedern ein, Wir müssen all in solchem Stande Ein Herz und eine Seele seyn; Der Geist muß mehr zusammenfließen, Da wir ein Fleisch und Blut ge( 1 Cor. 10, 17.) 7. Dein Leib muß uns zum Pfande dienen, Daß unser Fleisch, jetzt schwachheitsvoll, Einst herrlich aus dem Staube grünen Und unverweslich werden soll; Ja, daß du uns ein ewig Leben Nach diesem kurzen werdest geben. 8. Otheures Lamm, so eble Gaben Hast du in dieses Mahl gelegt! Da wir dich selbst zur Speise haben, Wie wohl ist unser Geist gepflegt! Dieß Mahl ist unter allen Leiden Ein wahrer Vorschmack jener Freuden. 9. Dir sey Lob, Ehr und Preis gesungen; Ja solche Liebe, warm und rein, Verdient, daß aller Engel Zungen Zu ihrem Ruhm geschäftig sey'n; Wird unser Geist zu dir er hoben, So wird er dich vollkommen loben. Rambach, g. 1693 † 1753. 5. Dieß Brod kann wahre Nahrung geben, und dieser Kelch er quidt den Geist, Es mehrt sich unser innres Leben, Wenn unser Glaube dich geneußt. Wir fühlen neue Kraft und Stärke In unsrem Kampf und Glanbenswerke. mi Diel. Schmücke dich.( 1 Cor. 11, 26. Gal. 2, 20.) 256. Komm, mein Herz, aus| Heiland habe, Bleibt mein alles bis zum Grabe, Und ich mag nichts andres wissen, Als sein Leiben zu genießen. Jesu Leiden Strömt auch dir ein Quell der Freuden; Stille hier dein sehnlich Dürsten An dem Mahl des Lebensfürsten! Daß ich einen Heiland habe Und in seinem Heil mich labe Und in sein Verdienst mich fleide, Das ist meines Herzens Freude! 2. Zwar ich hab ihu alle Tage, Wenn ich Sehnsucht nach ihm trage; Er ist auf der Himmelsreise Täglich meine Seelenfpeise. Daß ich einen 3. Aber ich will mit Verlangen Auch sein Abendmahl empfangen; Darf ich da mich ihm verbinden, Werd ichs tiefer noch empfinden, Daß ich einen Heiland habe, Der am Kreuz und in dem Grabe, Wie sein Wort mir sagt und schreibet, Mein Erlöser war und bleibet. 4. Ach wie werd ich oft so müde, B. Das heilige Abendmahl. 165 Wie entweicht der füße Friede! Weil mir der in dir begegnet, Def Sünd und Welt kann mich verwun den, Wenn mir dieses Licht entschwunden: Daß ich einen Herland habe, Der mit seinem Hirtenstabe, Sanft und mild und voll Vergeben, Mir nichts ist als lauter Leben. 5. Sey gesegnet, ewge Liebe, Daß du mir aus treuem Triebe, Da der Unglaub mich vergiftet, Solch ein Denkmal selbst gestiftet: Daß ich einen Heiland habe, Der den Gang zum Kreuz und Grabe, Ja den Schritt in Todes Nachen Gern gethan, mich los zu machen! 6. Heilges Brod, sey mir gesegnet, Weil mir der mit dir begegnet, Der mit seinen heilgen Wunden Die Erlösung mir erfunden! Daß ich einen Heiland habe, Der erblaßt und todt im Grabe Auch für meine Schuld gelegen, Will ich schmecken und erwägen. 7. Heilger Kelch, sey mir gesegnet, sen Blut mich läffet finden Die Vergebung aller Sünden! Daß ich einen Heiland habe, Der die matte Seele labe, Muß dieß nicht mein Dürsten stillen Und mein Herz mit Wonne füllen? 8. Gott! was branch ich mehr zu wissen, Ja was will ich mehr ge nießen? Wer kann mun mein Heil ermessen, Werd ich das nur nicht vergessen, Daß ich einen Heiland habe! Ich bin frei von Tod und Grabe; Wenn mich Sünd und Hölle schrecken, So wird mich mein Heiland beden. 9. Will hinfort mich etwas quälen, Oder wird mir etwas fehlen, Oder wird die Kraft zerrinnen, So will ich mich nur besinnen, Daß ich einen Heiland habe, Der vom Kripplein bis zum Grabe, Bis zum Thron, wo man ihn ehret, Mir, dem Sünder, zugehöret! Woltersdorf, g. 1725 † 1761 odsi Mel. Freu dich sehr.( Joh. 6, 51. 1 Cor. 11, 26-29.) 257. Herr! bu hast für alle 3. Gnadenvoll willst du mir schenSünder Einen reichen Tisch gedeckt, Wo dein Brod die armen Kinder Neu zuFreud undLiebe weckt. Hier erschein ich als ein Gast, Welchen bu gelaben haft; Laß mich nicht mit falschem Her ten Deinen Leib, dein theures Blut; Drum so laß mich wohl bedenken Was hier deine Liebe thut, Und verleihe, daß ich nicht Eff' unb trinke zum Gericht Was du doch zum Heil und Le zen Deine große Huld verscherzen.ben Mir im Abendmahl willst geben. 2. Höre mich, o Herr der Güte, 4. Wirke heilige Gedankten Ju der Mache mich vom Eitlen frei, Daß Seele, die dich ehrt; Halte meinen voll Andacht mein Gemüthe Und Sinn in Schranken, Wenn mich mein Herz bir heilig sey! Nur zu Furcht und Zweifel stört; Fühl ich dir steht mein Vertraun; Lehr mich immer Sündennoth, So erquicke gläubig auf dich schaun, Und laß mich dieß Brod, Dieser Kelch mit deinen Tisch auf Erden Mir des deinem Blute, Denn es floß auch Himmels Vorschmad werden.mir zu gute. 166 XIII. Sakramente. 5. Ohne dich ist ja tein Leben, Gib| mir dein Blut Einen rechten Freumir neue Lebenskraft! Ich bin mit denmuth, Daß ich meinen Trost im Gefahr umgeben, Du bists, der mir Glauben Mir durch niemand lasse Hülfe schafft. Arm an Geist komm rauben. ich zu dir; Laß dein Abendmahl auch 7. Tief will ichs zu Herzen fassen, mir Bei so mancher Last auf Erden, Daß dein Tod mein Leben ist; KeiHerr, zu großer Stärkung werden! nen meiner Brüder hassen, Der mit 6. Laß mich deine Liebe schmecken mir ein Brud genießt, Deiner will Und die Güter jener Welt; Oder ich mich erfreun, Bis ich werde bei wenn je Furcht und Schrecken Mich dir seyn Und die Fülle deiner Gadabei noch überfällt, So verleihe ben, Meinen Gott und alles haben! Casp. Neumann, g. 1648 † 1715. 40 no Mel. Schmücke dich.( Jvy. 6, 33-35. 15, 4-6.) 258. Jesus! Freund der Wien schenlinber, Heiland der verlornen Sünder, Der zur Sühnung unsrer Schulden Kreuzes schmach hat wol len bulden, Wer kann fassen das Erbarmen, Das du trägest mit uns Armen? In der Schaar erlöster Brüder Fall ich dankend vor dir nieder. 2. Ja auch mir strömt Heil und Segen, Herr, aus deiner Füll entgegen; In dem Elend meiner Sün den Soll bei dir ich Hülfe finden; Meine Schuld willst du bedecken, Mich befrein von Furcht und Schre den, Willst ein ewig selges Leben Als des Glaubens Frucht mir geben. Reben Muth und Kraft zum neuen Leben; Durch dich muß es mix gelingen, Reiche, gute Frucht zu bringen Und durch Frömmigkeit zu zeigen, Daß ich gänzlich sey dein eigen. 5. Nun so sey der Bund erneuet, Und mein Herz dir ganz geweihet! Auf dein Vorbild will ich sehen Und dir nach, mein Heiland, gehen; Was du hasfest, will ich hassen, Stets von dir mich leiten lassen; Was du liebest, will ich lieben, Nie durch Untren dich betrüben. 6. Doch ich kenne meine Schwä che, Schwer ist was ich dir verspreche; Werd ich dir auch Glauben 3. Mich, den Zweifelnden, den halten Und im Guten nie erkalten? Schwachen, Willst du fest im Glau- O steh du mir bei und stärke Mich ben machen; Ladest mich zu deinem zu jedem guten Werke! Hilf, daß Tische, Daß mein Herz sich hier ich die Luft zur Sünde Durch dich erfrische. So gewiß ich Wein ge fräftig überwinde. noffen, Ist dein Blut für mich gefloffen; So gewiß ich Brod empfangen, Soll ich Heil in dir erlangen! 4. Ja du kommst, dich mit den deinen In dem Nachtmahl zu vereinen; Du, der Weinstock, gibst den 7. Gib, daß ich und alle Christen Uns auf deine Zukunft rüsten, Daß, wenn heut der Tag schon käme, Keinen, Herr, dein Blick beschäme. Schaff ein neues Herz den Sündern, Mache sie zu Gottestindern, Die B. Das heilige Abendmahl. 167 bir leben, leiden, sterben, Deine| gel Chören, Herr, dich schaun und Herrlichkeit zu erben. ewigehren? Hallelujah 1 welche Freu8. Großes Abendmahl der From- den Sind die Früchte deiner Leiden! men, Tag des Heils, wann wirst Danket, danket, fromme Herzen, bu kommen, Daß wir mit der En- Ewig ihm für seine Schmerzen! Lavater, g. 1741 † 1801. Mel. Ach was soll ich Sünder machen.( Gbr. 3, 14. 1 Cor. 10, 31. 11, 26.) 259. Jeder Tag hat seine Pla-| 5. Drum in herzlichem Verlange, Jedes Herz hat seine Klage, gen Komm ich heute mitgegangen, Jedes Hans hat seine Laft; Aber Komme bittend allermeist: Daßß du Stärkung und Begabung Fließet mir zu eigen geben Wolleft, als allen aus der Labung, Herr, die dein wahres Leben, Deinen werdu bereitet hast! then heilgen Geist; 6. Daß gleichwie mit der Gemeine Hent ich als dein Gast erscheine, Du bei mir auch lehrest ein, Nicht als Gast nur Herberg nehmen, mit gesenkten Blicken Und gebeng- Nein in Gnaden dich bequemen ter Seele nahn! Mögest, immer da zu seyn! 2. Les' ich in des Herzens Mitte, Folg ich jedem meiner Schritte, Den ich rechts und links gethan, so kann ich dem Erquicken Heut nur 3. Aber du willst mit den deinen Dich im heilgen Fest vereinen Und ihr Wirth voll Gnade seyn; Dann wird dem lebendgen Glauben Frucht der Aehren, Saft der Trauben Wunderbar zum Heil gedeihn. 4. Ach wer sollte sich nicht gerne Aus der Nähe, von der Ferne In die Zahl der Gäste reihn? Ach wer hätte nie empfunden, Wie das trante Herz gesunden kann bei deinem Brod und Wein? 7. Tief gesegnet wall ich weiter, Weil du selbst mir Schutz und Leiter In des Lebens Lust und Qual; Was ich wünsche, was ich sinne, Was ich leide, was beginne, Sep mir ernst wie dieses Mahl! 8. Auch wodurch ich mich erfrische, Nähr und stärk am eignen Tische Oder in der Freunde Zahl, Sey mir dann, weil du zugegen Täglich bist mit Zucht und Segen, Heilig durch dein Abendmahl! Dr. Grüneisen, g. 1802. Mel. Nun laßt uns Gott, den.( Ps. 34, 9. 1 Cor. 11, 26.) 260. O Jesu, meine Wonne,| 3. Wie soll ich dirs verdanken, Du meiner Seelen Sonne, Du freundlichster auf Erden, Laß mich dir dankbar werden! Herr, daß du mich Kranken Gespeiset und geträntet, Sa selbst dich mir geschenket? 4. Ich lobe dich von Herzen Für alle deine Schmerzen, Für deine Schläg und Wunden, Die du für mich empfunden. 2. Wie kann ich gnugsam schätzen Dieß himmlische Ergötzen Und diese theuren Gaben, Die uns gestärket haben? 168 XIII. Sakramente. 5. Dir dant ich für dein Leiden, 8. Laß mich die Sünde meiden, Den Ursprung meiner Freuden, Laß mich geduldig leiden, Laß mich Dir dank ich für dein Sehnen Und mit Andacht beten Und von der deine heißen Thränen; Welt abtreten. 6. Dir dank ich für dein Lieben, 9. Jm Handeln, Wandeln, Es Das standhaft ist geblieben, Dirsen Laß nimmer mich vergessen, Das Wie herrlich ich beglücket Und himmlisch bin erquicket! dank ich für dein Sterben, mich dein Reich läßt erben. 7. Herr! laß mich nicht vergessen, Daß du mir zugemessen Die träftge Himmelsspeise, Damit mein Herz dich preise. 10. Nun kann ich nicht verderben, Drauf will ich selig sterben Und freudig auferstehen, O Jesu, dich zu sehen! Rift, g. 1607+ 1667. Mel. Wer nur den lieben.( 1 Cor. 10, 16. 17.) 261. Nimm hin den Dank für| Verlaß mich in Versuchung nicht; 201 deine Liebe, Du, mein Erlöser, Jesu Christ! Gib, daß ich dich nicht mehr betrübe, Der du für mich gestorben bist; Laß deines Leidens Angst und Pein Mir im mer in Gedanken seyn. Und dein für mich vergoßnes Blut Berleih mir auch im Tode Muth. 5. Und du, o heilige Gemeine! Wir aßen hier von Einem Brod, Wir tranken hier von Einem Weine Und haben Einen Herrn und Gott; 2. Heil mir! mir ward dein Brod Drum laßt uns Eine Seele seyn, gebrochen, Ich trank, Herr, dei- Den Liebenden durch Lieb erfreun; nes Bundes Wein; Voll Freude 6. Uns dulden, tragen, Freude hab ich dir versprochen, Bis in den machen Den Brüdern, zanken, Tod dir treu zu seyn; Sch habs gezürnen nicht! Wer stark ist, sey der lobt von Herzen dir, Schenk du nur deinen Beistand mir! Stab der Schwachen; Der Weise leihe andern Licht; Der Neiche trage Armer Last; Versöhnlich sey wen Bosheit haßt! 3. Laß mich voll Dankbarkeit er messen Was du für meine Seele thatst, Und nie der Liebe mich vergefsen, Mit der du mich vor Gott vertratst. Laß meinen Glauben thätig seyn Und mir zur Tugend Muth verleihn.id 7. Wie jetzt in Jesu Christi Namen Sein Volk vor ihm versam melt war, So kommen wir noch einst zusammen Bor ihm mit aller Engel Schaar; Und unaussprechlich freut sich dann, Wer, wie er liebte, lieben kann! 4. Im Streite hilf mir überwinden Und stärke mich zu jeder Pflicht; Bewahre mich vor nenen Sünden, Zollikofer, g. 1730 † 1788. Mel. Herzlich thut mich.( Joh. 6, 48-51. 2 Cor. 5, 15.) 262. Wie könnt ich Sein ver-| durch mein Herz genas? Ich lag geffen, Der mein noch nie vergaß? in bittern Schmerzen, Er schafft Kann ich die Lieb ermessen, Da- mein Leben nen; Und stets quillt XIV. Das Gebet. 169 aus dem Herzen Shm neue Lieb| 4. Er gibt zum heilgen Pfande und Treu. Mir seinen Leib, Sein Blut; Hebt mich aus Nacht und Schande, Füllt mich mit Himmelsmuth; Will selber in mir thronen Mit heilgem Gnadenschein: Sollt ich bei Ihm nicht wohnen? In Ihm nicht selig seyn? 5. Bei Frenden und bei Schmerzen Durchleuchte mich Dein Bild, Wie Du, o Herz der Herzen, Geblutet haft so mild! Mein Lieben und mein Hoffen, Mein Dulben weih ich Dir! Laß mir die Heis math offen, Und Dein Herz für und für! Kern, g. 1792 † 1835. 2. Wie sollt ich Ihn nicht lieben, Der mir so hold sich zeigt? Wie je mals Ihn betrüben, Der so zu mir sich neigt? Er, der ans Kreuz erhoben, Getragen meine Schmach, Ruft Er mir nicht von oben: „ Romm, folge du mir nach!" 3. Ihn will ich ewig lieben, Der mir aus Todesnacht, Von meinem Schmerz getrieben, Unsterblichkeit gebracht, Der noch zur letzten Stunde Mir reicht' die treue Hand, Daß mich kein Feind verwunde Im Lauf zum Heimathland. all bit- asid XIV. Das Gebet. Mel. Wunderbarer König.( Apoftelg. 17, 27. 28.) 263. Gott ist gegenwärtig! 4. Majestätisch Wesen! Möcht ich Laffet uns anbeten Und in Ehr- recht dich preisen Und im Geist dir furcht vor ihn treten! Gott ist in Dienst erweisen! Möcht ich, wie der Mitte: Alles in uns schweige die Engel, Immer vor dir stehen Und sich innigst vor ihm beuge! Und dich gegenwärtig sehen! Laß Wer ihn kennt, Wer ihn nennt, mich dir Für und für Trachten zu Schlag' die Augen nieder; Gebt gefallen, Liebster Gott, in allen! das Herz ihm wieder! 2. Gott ist gegenwärtig, Dem die Cherubinen Tag und Nacht gebüdet dienen; Heilig, heilig, beilig" Singen ihm zur Ehre Aller Engel hohe Chöre. Herr! vernimm Unsre Stimm, Wenn auch wir Geringen Unfre Opfer bringen. 5. Luft, die alles füllet, Drin wir immer schweben, Aller Dinge Grund und Leben, Meer ohn Grund und Ende, Wunder aller Wunder, Ich sent mich in dich hinunter! Ich in dir, Du in mir! Laß mich ganz verschwinden, Dich nur sehn und finden! 3. Wir entsagen willig Allen Eitelkeiten, Aller Erdenlust und Freuden. Da liegt Da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben, Dir zum Eigenthum ergeben; Du allein Sollst es seyn, Unser Gott und 6. Du burchdringest alles; Glanz vom ewgen Lichte, Leucht mir heiter ins Gesichte! Wie die zarten Blumen Willig sich entfalten Und der Sonne stille halten: Möcht ich so, Still und froh Deine StrahHerre, Dir gebührt die Ehre!! len fassen Und dich wirken lassen! 170 XIV. Das Gebet. 7. Mache mich einfältig, Innig,| 8. Herr! toim in mich wohnen: abgeschieden, Sanft und still in deinem Frieden; Mach mich reines Herzens, Daß ich deine Klarheit Schau im Geist und in der Wahrheit. Laß mein Herz Ueberwärts Wie ein Adler schweben nur leben! Laß mein Herz auf Erden Dir ein Heiligthum noch werden. Komm, du nahes Wesen, Dich in mir verkläre, Daß ich dich stets lieb und ehre; Wo ich geh, Sitz und steh, Und in dir| Laß mich dich erblicken Und vor dir mich bücken! Tersteegen, g. 1697 † 1769. Mel. Mein Gott, zu dem ich.( 1 Theff. 5, 17. Sach. 12, 10.) 264. Gott! gib mir deinen| Werte sehen, So sey mein RühGeist zum Beten, zum Beten ohne| men stets von dir; Und find ich in Unterlaß, Getroft im Glauben der Welt nicht Ruh, So steig hinzutreten, Wenn ich dein Wort mein Sehnen himmelzu. mit Freuden faff, Und auch im Glauben hinzuluien, Wenn ich in Furcht und Jammer bin. 4. Ist der Versucher in der Nähe, So lehr mich ihn im Beten fliehn; Wenn ich den Bruder leiden sehe, So lehr mich bitten auch für ihn; Und in der Arbeit meiner Pflicht Vergeffe dein die Seele nicht. 2. Im Schrecken über meine Sünde Sey dieß mein Ruf: er barme dich! So oft ich mich so schwach empfinde, Sey dieß mein Seufzen: stärke mich! Sink ich, so werde dieß mein Flehn: Herr, bilf, sonst muß ich untergehn! 5. Am Abend heiß mich mit dir reden, Am Morgen auch noch seyn bei dir; Und sterb ich, laß in letz ten Nöthen Noch seufzen deinen 3. Fühlt Seel und Leib ein Wohl- Geist in mir; Weckst du mich einst, ergehen, So treib es mich zumso bet ich dann Dich ewig auch im Dank dafür; Lässt du mich deine Himmel an. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769 Mel. Jesu, bilf fiegen.( Dan. 9, 18. Joh. 17, 9-11. 14, 13 2c. Ebr. 7, 24 2c.) 265. Jeju! hilf beten und bete,| mich, Mittler, nicht selber vertre ten, Sst es mit Beten vergeblich geschafft. Soll es gelingen, so mußt du mich lehren, Und muß dein Geist mir das Abba gewähren. du Treuer, Durch mich und in mir in allerlei Noth; Eigenes Opfer mit eigenem Feuer Rettet uns nicht vom Verderben und Tod! Nein, nur dein Opfer mit Danken und 3. Jesu, hilf beten, ach bleibe mir Flehen Darf bis ins innerste Hei- günstig! Tilge die Unluft, und wecke ligthum gehen.( 3 Moj. 10, 1 c.) mich auf; Mache mich munter, 2. Jesu, hilf beten, ach Jesu hilf andächtig und brünstig, Bringe beten! Siehe, mir mangelts an das Wirken des Glaubens in Lauf. Weisheit und Kraft; Wirft du| Mache mein Räuchwerk durch deine XIV. Das Gebet. Hand steigen, Laß bein begleiten des Fürwort nicht schweigen. im Sterben und Ringen Heftiger, kräftiger, findlicher seyn! Beten kann retten aus jeglichen Nöthen und aus dem Tode selbst:- Jesus hilf beten! Ph. Heinr. Weissensee, g. 1673+ 1767. Mel. Die Tugend wird.( Matth. 7, 7-11.) 266. Dein Heil, o Christ, nicht| daß Gott ihn nicht erhöret, Der spottet seines Schöpfers mur. zu verscherzen, Sey wach und nich tern zum Gebet! Ein findlich Flehn aus reinem Herzen Hat Gott, dein Bater, nie verschmäht. Erschein vor seinem Angesichte Mit Dank, mit Demuth, oft und gern, Und priife dich in seinem Lichte Und klage deine Noth dem Herrn. 2. Welch Glück, so hoch geehrt zu werden und im Gebet vor Gott zu stehn! Der Herr des Himmels und ber Erden, Bedarf der eines Men schen Flehn? Sagt Gott nicht: „ bittet, daß ihr nehmet?" Ist des Gebetes Frucht nicht dein? Wer sich der Pflicht zu beten schämet, Der schämt sich, Gottes Freund zu seyn! 3. Bet oft in Einfalt deiner See len; Gott sieht aufs Herz, Gott ist ein Geist. Wie können dir die Worte fehlen, Wofern dein Herz dich beten heißt? Nicht Töne sinds, die Gott gefallen, Nicht Worte, die die Kunft gebent; Gott ist kein Mensch! ein gläubig Lallen, Das ist vor ihm Beredtsamkeit. ( Off. 8, 3 sc.) 4. Jesu, bilf beten, ach laß es gelingen! Nichte Gedanken und Worte mir ein; Lasse mein Beten 4. Wer das was uns zum Frieden dienet, Im Glauben sucht, der ehret Gott; Wer das zu bitten sich erkühnet, Was Gott nicht will, entehret Gott. Wer täglich Gott die Treue schwöret, Und dann vergift was er beschwur, Und klagt, 171 5. Bet oft zu Gott und schmeckt in Freuden, Wie freundlich er, dein Vater, ist; Bet oft zu Gott und fühl im Leiden, Wie göttlich er das Leid verfüßt! Bet oft, wenn dich Versuchung quälet, Gott hörts, Gott ists, der Hülfe schafft; Bet oft, wenn innrer Trost dir fehlet, Er gibt den Müden Stärk und Kraft. 6. Bet oft, durchschau mit heilgemt Muthe Die herzliche Barmherzigfeit Deß, der mit seinem theuren Blute Die Welt, die Sünderwelt befreit! Nie wirst du dieses Werk ergründen, Nein, es ist deines Gottes That; Erfreu dich ihrer, rein von Sünden, Und ehr im Glauben Gottes Rath. The 7. Bet oft, entdeck am stillen Orte Gott ohne Zagen deinen Schmerz; Er schließt vom Herzen auf die Worte, Nicht von den Worten auf das Herz. Nicht dein gebognes Kuie, nicht Thränen, Nicht Worte, Seufzer, Psalmenton, Nicht dein Gelübd' rührt Gott; dein Sehnen, Dein Glaub an ihn und seinen Sohn! 8. Versäume nicht, in den Gemeinen Auch öffentlich Gott anzuflehn Und seinen Namen mit den seinen, Mit deinen Brüdern zu - 172 XIV. Das Gebet. erhöhn, Dein Herz voll Andacht| müsse fehlen; Er ist ein Christ und zu entdecken, Wie es dein Mitchrist werd erbaut! dir entdeckt, Und ihn zur Inbrunst zu erwecken, Wie er zur Inbrunst dich erweckt. 10. Bet oft zu Gott für deine Brüder, Für alle Menschen, als ihr Freund, Denn wir sind Eines Leibes Glieder, Ein Glied davon ist auch dein Feind. Bet oft, so wirst du Glauben halten, Dich prüfen und das Böse scheun, An Lieb und Eifer nicht erkalten Und gern zum Guten weise seyn. Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. Urquell aller Seligkeiten.( Ps. 65, 3. Matth. 7, 7.) 267. Dir verföhnt in deinem Sohne Liegen wir vor deinem Throne; Keiner fehrt mit trübem Blick Unerhört von dir zurück. 6. Alle sollten deiner Gaben Unerschöpften Neichthum haben; Ewig sollten alle dein, Guter Bater, sich erfreun. 9. Bist du ein Herr, dem andre dienen, So sey ihr Beispiel, sey es stets Und feire täglich gern mit ihnen Die felge Stunde des Gebets. Nie schäme dich des Heils der Seelen, Die Gottes Hand dir an vertraut; Kein Knecht des Hauses 2. Alles Fleisch von allen Enden Kommt mit aufgehobnen Händen, Kommt mit Hoffnung und Begier, Gott, der gern erhört, zu dir. 3. Du bist alles Guten Fülle; Daß wir beten ist dein Wille; Du verschmähst, o Bater, nicht Deiner Kinder Zuversicht. 4. Und du hast so vielen Segen, Weit mehr als wir bitten mögen; Reich und Kraft und Herrlichkeit, Gott, ist dein in Ewigkeit. 5. Was im Himmel und auf Erden Gut ist, ließ dein Wille werden; Eh es ward, da dachtest du Es schon beinen Kindern zu. 7. Sollten denn nicht deine From men Alle betend vor dich kommen, Der du allen Vater bist, Dem kein Ding unmöglich ist? 8. Allen hast du, Herr, ihr Leben Und was sie erfreut, gegeben Und versprichst, Unendlicher, Allen noch unendlich mehr. 9. Ja wir wollen zu dir nahen, Beten, glauben und empfahen! Unsrer Thaten Lobgesang Sey in Ewigkeit dein Dank. 10. Heil uns Christen! du be schiltzest Deine Kinder, du besitzest Herrlichkeit und Kraft und Reich; Wo ist dir ein Vater gleich? Münter, g. 1735 † 1793. Mel. In dich hab ich.( Pf. 31, 1-6.) 268. Auf dich hab ich gehoffet,| mir, Erhör mein Flehn, thu dich Herr! Hilf, daß ich nicht zu Schan- herfür, Eil, bald mich zu erretten! den mehr Und nimmer werd zu Ich lieg und steh, In Angst und Spotte; Das bitt ich dich, Erhalte Weh, Hilf mir aus meinen Nöthen. mich In dir, als meinem Gotte! 2. Dein gnädig Ohr neig her zu 3. Mein Gott und Schirmer, stel mir bei, Sey meine Burg, barin XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. 173 ich frei und ritterlich mög streiten,| In der Gefahr, Reiß mich aus Ob mich bedroht Mit Noth und ihrer Tücke. Tod Der Feind von allen Seiten. 4. Du bist mein Fels( sagt mir dein Wort), Mein Schild und Stärke, Hülf und Hort, Mein Heil und Kraft und Leben, Mein starker Gott In aller Noth!- Wer mag mir widerstreben? 6. Herr! meinen Geist befehl ich dir; Mein Gott, mein Gott, weich nicht von mir, Nimm mich in deine Hände! O wahrer Gott, Aus aller Noth Hilf mir an meinem Ende! 7. Preis, Chre, Macht und Herr lichkeit Sey Bater, Sohn und 5. Voll Trugs ist dieser Welt Ge- Geist bereit, Lobt seinen heilgen richt, Mit Lüg und fälschlichem Namen! Die göttlich Kraft Mach Gedicht; Sie spinnt viel Netz und uns sieghaft Durch Jesum ChriStricke. Herr! nimm mein wahrstum! Amen. Av. Reußner, g. 1480?+ 1572. 000 dan di! XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. Mel. O Jerusalem, bu Schöne.( 5 Mof. 5, 12.) 269. Hallelujah! schöner Mor- 5. Ich will in der Andacht Stille gen, Schöner als man denken mag! Heute fühl ich keine Sorgen, Denn das ist ein lieber Tag, Der durch seine Lieblichkeit mich im Innersten erfreut. 2. Süßer Ruhetag der Seelen, Sonntag, der voll Lichtes ist! Hel ler Tag in dunklen Höhlen, Zeit, in der der Segen fließt, Stunde voller Seligkeit, Du vertreibst mir alles Leid! 3. Ach wie schmeck ich Gottes Gite Recht als einen Morgenthau, Die mich führt aus meiner Hütte Zu des Vaters grüner Au! Da hat wohl die Morgenstund Edlen Schatz und Gold im Mund, dalin 4. Ruht nur, meine Weltgeschäfte, Heute gilts ein andres Thun; Denn ich brauche alle Kräfte, In dem höchsten Gott zu ruhn; Heut schickt feine Arbeit sich, Als nur Gottes Werk, filr mich. Heute voller Arbeit seyn; Denn da sammle ich die Fülle Von den höchsten Schätzen ein, Wenn mein Jesus meinen Geist Mit dem Wort des Lebens speist. 6. Herr! ermuntre meine Sinnen Und bereite selbst die Brust; Laß mich Lehr und Trost gewinnen; Gib zu deinem Manna Lust, Daß mir deines Wortes Schall Tief im Herzen wiederhall. 7. Segne deiner Knechte Lehren, Deffne selber ihren Mund, Mach mit allen die dich hören, Heute deinen Gnadenbund, Daß, wenn man hier fleht und singt, Solches in dein Herze dringt. 8. Gib, daß ich den Tag beschließe Wie er angefangen ist. Segne, pflanze und begieße, Der du Herr des Sabbaths bist; Bis ich einst auffenen Tag EwigSabbath halten mag. Krause, g. 1701. 174 XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. Mel. O Jerusalem, du Schöne.( Ps. 84, 2. 3. 118, 19 2c.) Thut mir auf die schöne| lige niir Mund und Ohr, das Herz zu dir empor. 270. Pforte, Führt in Gottes Haus mich ein! Ach wie wird an diesem Orte Meine Seele fröhlich seyn! Hier ist Gottes Angesicht, Hier ist lauter Trost und Licht. 2. Herr! ich bin zu dir gekommen, Komme du nun auch zu mir; Wo du Wohnung hast genommen, Da ist lauter Himmel hier; Beuch in meinem Herzen ein, Laß es deinen Tempel seyn. Beuch 4. Mache mich zum guten Lande, Wenn dein Saatkorn in mich fällt; Gib mir Licht in dem Verstande, Und was mir wird vorgestellt, Präge meinem Herzen ein, Laß es mir zur Frucht gedeihn. 5. Stärt in mir den schwachen Glauben; Laß dein theures Kleinod mir Nimmer aus dem Herzen rauben, Halte mir dein Wort stets für; Ja das sey der Morgenstern, Der mich führt zu meinem Herrn! 3. Laß in Furcht mich vor dich treten, Heilige mir Leib und Geist, Daß mein Singen und mein Beten Dir ein lieblich Opfer heißt; HeiSchmolt, g. 1671 † 1737. Mel. Mein Jesus, dem die.( 1 Mof. 2, 2. 3. 3 Mof. 26, 2.). cag 271. Beschwertes Herz, leg ab| mein Herz in dir erfreuet, Wenn er nicht stillt der Sünden Qual? Wie bet ich, wenn er meine Schal Mit reichem Weihrauch nicht bestrenet? 4. Mein Jesus hat mein Herz so theuer Zu seinemTempel eingeweiht; Hier ist dein Herd, hier ist bein Feuer, Die Fülle deiner Herrlich teit, Dein Heiligthum, dein Stuhl der Gnade, Dein Licht und Recht, das Himmelsbrod; Des Geistes Frucht und dein Gebot Erfüllen diese Bundeslade. 2. Auf, laß Egyptens eitles Wesen, Die Stoppeln und die Ziegel stehn! Du sollst das Himmels manna lesen Und in des Herren Tempel gebn, Ihm zu bezahlen 5. Wenn sich des Lebens Werktag' deine Pflichten, Und zur Vermeh- enden, So ruh, von allem Frohnrung seines Ruhms, Die Werke dienst los, Mein Geist in deinen deines Priesterthums In tiefster Andacht zu verrichten. Baterhäuden, Mein Leib in seiner Mutter Schooß, Bis beides feiern wird dort oben, Wo man in sichrem Frieden ruht, Nichts denfet, redet oder thut, Als dich zu lieben, dich Marperger, g. 1681 † 1746 die Sorgen; Erhebe dich, gebeugtes Haupt! Es kommt der angenehme Morgen, Da Gott zu ru hen hat erlaubt, Da Gott zu ruben hat befohlen und selbst die Ruhe eingeweiht; Auf, auf! du haft so manche Zeit Dem Dienste Gettes abgestohlen. 3. Mein Gott! ich bin vor dir er schienen Und gebe auf dein Winken Acht; Wie kann ich dir gefällig dienen, Wenn mich dein Geist zu loben. nicht tüchtig macht? Wie wird XV. Tag des fjerru und Gottesdienst. 20150 Eigene Mel.( Jef. 56, 2. Jat. 1, 27.) 272. Ja, Tag des Herrn, du| Stille, Mein Geist, vor deinem sollst mir heilig, Ein Festtag meiner Seele seyn! Gleich jenen ersten Christen heilig, Will ich den Tag der Ruhe weihn. Weit weg von allen eitlen Dingen! Zum Himmel soll mein Geist sich schwingen! Froh feir' ich mit der Christenheit Den Festtag der Unsterblichkeit. Schöpfer dich! Da frage dich: was sucht mein Wille, Was quält, und was erfreuet mich? Da, da ergründe dein Bestreben, Wäg alle Reden, prüf dein Leben; Da, Seele, wenn du redlich bist, Vergleiche dich mit Jesus Christ! 2. Sa mit den heiligen Gemeinen, Die heut vor deinem Antlitz stehn, Soll meine Seele sich vereinen, Herr, deine Liebe zu erhöhn. Wo sich die Heiligen versammeln, Will ich dein Lob mit Ehrfurcht stammeln; Dort sing ich in der Engel Chor Ein beßres Lied zu dir empor. 3. An diesem Gott geweihten Orte Erschallt der Gnade Stimme mir; Ich höre, Jesu, deine Worte, Und stille seufzt mein Herz zu dir; Da wirst du Lehrer mir und Tröster, Da kann ich mich, ich bein Erlöster, Weltheiland, deiner Liebe freun; Da lern ich dir ergebner seyn. 4. Die Schriften Gottes still zu Lesen, Ist heut mein Glüick und meine Pflicht. Wie blind wär ich, allweises Wesen, Verwärf ich dei nen Unterricht! Nein, nein, mit einfaltvoller Seele Erforsch ich, Vater, die Befehle, Die lauter Licht und Leben sind, Mit Dank und Demuth, als ein Kind. 5. Und sammeln sollst du in der 175 6. Da, da vergiß nicht deine Sün den, Diedu vielleicht noch nie bereut, Mit tiefer Neue zu empfinden, Bis Gott dein schmachteub Herz erfreut! Da, da erwäg des Vaters Güte, Da dank mit Freuden, mein Gemüthe, Dem Vater der Barmherzigkeit, Ja tief im Staube dank ihm heut! 7. Und ferne foll von meinem Munde Heut jede eitle Rede seyn! Nein, keine Gott bestimmte Stunde Will ich dem Tand der Erde weihn. Ich will zu Leidenden heut eilen, Mit ihnen ihren Schmerz zutheilen; Denn Sabbathfei'r ist: Gutes thun Und von der Last des Eitlen ruhn. 8. O Tag des Herrn, du Tag der Wonne, Du Tag des Segens für mein Herz! Bestrahle mich, o Le benssonne, So hebt mein Geist sich himmelwärts; Gott! segne meine Andachtsstille, Erfüll mit deines Geistes Fülle, Mit deines Angesichtes Glanz Mich heut, o Jesus Christus, ganz! Lavater, g. 1741 † 1801. Mel. Alle Menschen.( Matth. 18, 20.) 273. Jejul Seelenfreund der dei-| uns, wir sind beisammen, Gieße nen, Sonne der Gerechtigkeit, Wan- deine Geistesflammen, Gieße Licht delnd unter den Gemeinen, Die zu und Leben aus Ueber dieß dein deinem Dienst bereit, Komm zu Gotteshaus! 176 XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. 2. Komm, belebe alle Glieder, du selbst zugegen bist, Mild in jedes Dut, der Kirche heilig Haupt; Herz zu kommen. Was nicht wird Treibe aus was dir zuwider, Was von dir genommen, Taugt, und uns deinen Segen raubt! Komm, wär es noch so schön, Nicht in deine entdeck uns in der Klarheit Gottes Himmelshöhn. Herz voll Gnad und Wahrheit; Laß uns fühlen allzugleich: ,, Ich bin mitten unter euch!“ 5. Komm, o Herr, in jede Seele, Laß sie deine Wohnung seyn, Daß dir einst nicht Eine fehle In der Gotteskinder Reihn. Laß uns deines Geistes Gaben Reichlich mit einander haben; Offenbare heiliglich, Haupt, in allen Gliedern dich! 6. Was von dir uns zugefloffen, Müsse Geist und Leben seyn; Was die Seele hat genoffen, Mache sie gerecht und rein. Komm, o Jesu, 4. Laß auch unsern Lehrer sehen uns zu segnen, Jedem gnädig zu Nur auf dich, Herr Jesu Christ! begegnen, Daß in ewger Lieb und Laß die Hörer tief verstehen, Daß Tren Jedes dir verbunden sey! Nach Hahn, g. 1758+ 1819. 3. Laß sich die Gemülther kehren Zu dir, Glanz der Ewigkeit! Laß uns innigst mur begehren Was uns dein Erbarmen beut. Laß dein Licht und Leben fließen Und in alle sich ergießen, Stärke deinen Gnadenbund, Herr, in jedes Herzens Grund! Eigene mel.( Apost. 10, 33. Pf. 36, 10.) 274. Liebster Jesu! wir sind hier, Dich und dein Wort anzuhören; Lente Sinnen und Begier Auf die süßen Himmelslehren, Daß die Herzen von der Erden Ganz zu bir gezogen werden. 2. Unser Wissen und Verstand Ist mit Finsterniß umhüllet, Wo nicht deines Geistes Hand Uns mit hel lem Licht erfüllet; Gutes denken, thun und dichten Mußt du selbst in uns verrichten. 3. O du Glanz der Herrlichkeit, Licht vom Licht, aus Gott geboren! Mach uns allesamt bereit, Define Herzen, Mund und Ohren; Unser Bitten, Flehn und Singen Laß, Herr Jesu, wohl gelingen! Clausniper, g. 1619 † 1684. Mel. Mein Jesus lebt, was soll.( Col. 3, 16. Pf. 26, 6-8.) 275. Nech sing ich hier aus| dir hinan; Du hörst den Dank der dunkler Ferne, Gott meines Lebens, schwachen Lieder dir mein Lied; Wenn einst weit über alle Sterne Dich in verklärtes Auge sieht, Dann schallet dir im Jubelklang Der Ueberminder mein Gesang. Mit Vaterhuld Und meine Bes Nimmt durch ein 2. Wohl mir indeß! du schaust hernieber, Steigt mein Gebet zu und Gnaden an; serung und Ruh frommes Lied oft zu. 3. Froh wall ich hin mit meinen Brüdern Zu deines Tempels Heiligthum; Da schallt in dir geweihten Liedern Des Dantes Stimme XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. 177 dir zum Ruhm, Und dann durch-| wenn dir mein Lied erscholl, Ward bringet meine Brust Ein fromm seliger Empfindung voll; Gefühl der reinsten Lust. 4 Die Kraft von deinen Him melslehren Durchdringt und hebet meinen Geist, Wenn er, vereint mit heilgen Chören, Gott, deinen großen Namen preist, Anbetung dir und Ehre bringt Und Fülle der Empfindung fingt. 6. Doch ward, dich inniger zu loben, Oft, wenn sie kalt und träge war, Die Seele mehr zu dir erhoben, Wenn meiner Miterlösten Schaar Sich bis zu deinem Throne schwang Und dir aus vollen Chören sang. 7. Drum will ich mit den frommen Schaaren Auch gern zu dei5. Zwar hab ich auch in stillen nen Tempeln gehn, Wo einst auch Stunden, Wenn ich dir meine die versammelt waren, Die nun Freuden sang, Der Andacht Se- vor deinem Throne ftehn; Sie ligkeit empfunden, Die durch die schauten auch im dunklen Wort, frohe Seele drang; Mein Herz, Bon Angesicht schaun sie dich dort. Heinrich Erhard Heeren, g. 1728 † 1811. Mel. Ach, wann werd ich dahin kommen.( Matth. 18, 20. Soh. 17, 17.) 276. Jesu, Brunn des ewgen| ten, Hauch uns an mit deinem Lebens! Stell, ach stell dich bei uns Geist, Daß wir vor den Vater ein; Laß uns nun und nie verge treten, Wie's dein Mund die Kinbens Wirken und beisammen seyn. der heißt. 2. Du verheißest ja den deinen Daß du wollest Wunder thun Und in ihrer Mitt' erscheinen; Ach erfülle, erfülls auch nun! 7. Sammle die zerstreuten Sinnen, Wehr der Flatterhaftigkeit; Laß uns Licht und Kraft gewinnen Zu des Glaubens Wesenheit. 3. Herr! wir tragen deinen Namen; Herr! wir sind auf dich getauft, Denn du hast zu deinem Samen Unse mit deinem Blut er fauft: - 4. O so laß uns dich erkennen; Komm, erkläre selbst dein Wort, Daß wir dich recht Meister nennen Und dir folgen immerfort. 5. Bist du mitten unter denen, Welche sich nach deinem Heil vereintem Seufzen sehnen, sey auch unser Theil! 6. Lehr uns singen, lehr uns Evangelisches Gesangbuch. 8. D gefalbtes Haupt der Glieder! Nimm auch uns zu solchen an; Bring das Abgefallne wieder Auf die frohe Himmelsbahn. 9. Gib uns Augen, gib uns Ohren, Gib uns Herzen, die dir gleich; Mach uns redlich, neugeboren, Herr, zu deinem Himmelreich! 10. Ach ja, laß uns Christen Mit werden, Christen, die ein Licht der so Welt, Christen, die ein Salz der Erben, Wie's dem Vater wohlbe- gefällt! Annoni, † 1770. 12 XV. Tag des Herrn und Gottesdienst. Mel. Liebster Jesu, wir sind.( 5 Mos. 28, 1 und 6. Luc. 11, 28.) 277. Nun gottlob! es ist voll-| Wandeln fein auf Gottes Wegen; Gottes Geist uns ferner leite Und uns alle wohl bereite. bracht Singen, Beten, Lesen, Hören; Gott hat alles wohlgemacht, Drum laßt uns sein Lob vermehren; Unser Gott sey hochgepreiset, Daß er uns so herrlich speiset! 2. Weil der Gottesdienst ist aus, Uns auch mitgetheilt der Segen, Gehn im Frieden wir nach Haus, 3. Unsern Ausgang segne Gott, Unsern Eingang gleichermaßen, Segne unser täglich Brod, Segne unser Thun und Laffen, Segne uns mit selgem Sterben Und mach uns zu Himmelserben! Schenk, g. 1634 † 1681. 178 Eigene Mel.( 2 Cor. 13, 13.) 278. Ach fey mit deiner Gnabe| uns nicht bliebe, Fiel' uns die Welt zu schwer. Bei uns, Herr Jesu Christ, Auf daß uns nimmer schade Des bösen Feindes Lift! 3. Ach heilger Geist, behalte Gemeinschaft allezeit Mit unsrem Geist, und walte Du bis in Ewig teit! Garve, g. 1763 † 1841. 2. Ach sey mit deiner Liebe, Gott Vater, um uns her! Wenn diese Bei Einweihung von Kirchen. Mel. Wie schön leucht't.( Joh. 17, 17. 1 Mof. 28, 17.) 279. Gott Bater! aller Dinge| Licht! Wend her dein göttlich Angesicht, Daß wir erleuchtet werden. Gieß über uns und dieses Haus Dich mit allmächtgen Flammen aus, Mach himmlisch uns auf Erben, Lehrer, Hörer, Kinder, Bäter! Früher, später Gehts zum Sterben, Hilf uns Jesu Reich ererben! Grund, Gib deinen Vaternamen kund An diesem heilgen Orte. Wie lieblich ist die Stätte hier! Die Her zen wallen auf zu bir; Hier ist des Himmels Pforte! Wohne, Throne Hier bei Sündern, Als bei Kindern, Voller Klarheit; Heilge uns in bei ner Wahrheit. 2. Sohn Gottes, Herr der Herrlichkeit! Dieß Gotteshaus ist dir geweiht, Olaß birs wohlgefallen! Hier schalle dein lebendig Wort, Dein Segen walte fort und fort, In diesen Friedenshallen. Einheit, Reinheit Gib den Herzen; Angst und Schmerzen Tilg in Gnaden Und nimm von uns allen Schaden. 3. D heilger Geist, bu werthes 4. Dreieinger Gott! Lob, Dank und Preis Sey dir vom Kinde bis zum Greis Für dieß dein Haus gesungen! Du hasts geschenkt und auferbaut, Dir ists geheiligt und vertraut Mit Herzen, Händen, Zungen. Ach hier Sind wir Noch in Hütten; Herr! wir bitten: Stell uns droben In den Tempel, dich zu loben. Knapp, geb. 1798. Bei Einsegnung von Geistlichen. Mel. Alles ist an.( Pf. 118. Joh. 8, 51. Offenb. 3, 11.) 280. Ziert das Thor mit frischen Zweigen, Lasset keine Glocke schweigen, Stimmt in frohes Loblieb ein; Solches Zeichen sey gegeben, Daß wir unsers Glaubens leben Und in Gottes Haus uns freun. 4. Jego führen sichre Pfade, Jedem winkt das Haus der Gnade, Orgeltöne laden ein; Aber sind, die heute kommen, Auch so fromm wie jene Frommen, Die dir dienten in der Pein? 2. Herr! in wildverwachsnen Hai- 5. Schenk uns doch in Haus und nen, Auf dem öden Feld von Stei- Hütte Guten Glauben, reine Sitte, nen, Oder in der Höhle Graun Wie dirs wohlgefallen mag! Hilf Hießest du die heilgen Männer Deine uns durch Gebet bereiten, Auch mit frühesten Bekenner Durch dein Gna- Bucht in Fröhlichkeiten Vor dir heildenwort erbaun. gen diesen Tag. 3. Wenn des Feindes Häscher ka- 6. Ob die Zeit auch wiederkehre, men, Litten sie für deinen Namen Wo man uns des Heilands Lehre Mit verklärtem Angesicht; Und in Wehren will mit frechem Muth, O tausend Seelen hallte Nach ihr Seuf- dann wollest deinen Haufen Du in zer:, Herr! behalte Ihnen diese solcher Drangfal taufen, Sey's mit Sünde nicht." ( pg. 5, 79.) Feuer oder Blut! 179 Bei Einsegnung von Geistlichen. Mel. Nun danket alle.( Pf. 68, 12. 2 Cor. 5, 19. 20. Mal. 2, 7.) 281. Herr Jesu! ber du selbst| sammelt, stärkt, Lehrt, tröstet und Von Gott als Lehrer kommen, Und erhält. wie du's in dem Schooß Des Vaters haft vernommen, Den rechten Weg zu Gott Mit Wort und Werk gelehrt, Sey für dein Predigtamt Gelobt von deiner Heerd! 2. Du bist zwar in die Höh Zum Vater aufgefahren, Doch gibst du noch der Welt Dein Wort mit großen Schaaren Und baust durch diesen Dienst Die Kirche, deinen Leib, Daß er im Glauben wachs' Und fest ans Ende bleib. 3. Hab Dank für dieses Amt, Durch welches man dich höret, Das uns den Weg zu Gott lind die Versöhnung lehret, Durchs Evangelium Ein Häuflein in der Welt Berufet, 4. Erhalt uns diesen Dienst Bis an das End der Erden, Und weil die Ernte groß, Groß Arbeit und Beschwerden, Schick selbst Arbeiter aus Und mach sie klug und treu, Daß Feld und Baumann gut, Die Ernte reichlich sey.( Matth. 9, 37 sc.) 5. Die du durch deinen Ruf Der Kirche haft gegeben, Erhalt bei reiner Lehr Und einem heilgen Leben; Leg deinen Geist ins Herz, Das Wort in ihren Mund, Was jeder reden soll, Das gib du ihm zur Stund. 6. Ach segne all dein Wort Mit Kraft an unsern Seelen; Laß deiner Heerd es nie An guter Weide 180 XV. Eag des Herrn und Gottesdienst. fehlen; Such das Berirrte selbst,| drinnen ist, erhalt, Daß es gestärfet Das Wunde binde zu, Das Schla- werde; Durchdring mit deinem Wort, fende wedk auf, Das Müde bring Bis einstens Heerd und Hirt Im zur Ruh.budala Glauben, Herr, an dich, Zusammen selig wird! 7. Bring was noch draußen ist, Zu deiner kleinen Heerde; Was Mel. Wie schön leucht't.( Eph. 4, 11-13. br. 13, 17. Sat. 1, 21.) 282. Jesu, Herr der Herr| 4. Herr! deinen Geist laß auf ihm lichkeit, Du König deiner Christen- ruhn, Hilf ihm sein Amt mit Freubeit, Du Hirte deiner Heerde! Du siehst auf die erlöste Welt, Regierst fie, wie es dir gefällt, Willst, daß sie selig werde. Uns auch Hast du Hier erwählet, Zugezählet Den Erlösten, Die du segnen willst und trösten. 2. Du rufest deinen Boten zu: ,, Geht, führt mein Boll dem Himmel zu, Pflegt sein mit frommem Triebe! Dringt ein mit Eifer und mit Kraft Ins Wort, das neue Seelen schafft Durch Buße, Glaub und Liebe. Lasset Euren Eignen* Seelen Ernft nie fehlen, Daß die Heerden Mit den Hirten selig werden!" Fischer, g. 1695 † 1773. •( Apostelg. 20, 28.) 3. Wir nehmen, als aus deiner Hand, Den Lehrer, der uns ist gesandt; Herr! segne sein Geschäfte; Die Seelen, die sich ihm vertraun, Durch Wort und Wandel zu erbaun, Schenk Willen, Weisheit, Kräfte. Lehr ihn, Hilf ihm Wir ken, leiden, Sünde meiden, Beten, wachen, Selig sich und uns zu machen. den thun, Wend ab was ihn betrübet. Wann er uns deine Wahrbeit lehrt, So gib ein Herz das willig hört, Sich gern im Guten übet. Lehrer, Hörer Laß in Freund schaft Und Gemeinschaft Feste stehen Und den Weg zum Leben gehen. 5. Wann einst dein großer Tag erscheint, Laß ihn, als unsrer See len Freund, Uns dir entgegen füh ren. Du hast die Seelen all gezählt, Du willst es nicht, daß Eine fehlt, Willst keine ja verlieren! Jesu! Hilf du, Reich die Hände, Daß am Ende Hirt und Heerde Treu vor dir erfunden werde. 6. So komm denn als ein Knecht des Herrn, O tomm im Namen unsers Herrn, Ju Jesu Christi Namen! Nimm, Hirte, nimm une bei der Hand, Führ uns zum ewgen Baterland! Gett mit dir! Amen, Amen! Mit dir Gehn wir Wie durch Freuden So durch Leiden, Zu dem Leben, Das uns Jesus dort will geben. Nach Bidkel, g. 1737 † 1809. Mel. Ja, Tag des Herrn.( Ps. 132, 9. 1 Cor. 3, 7. Tit. 1, 9. 2 Tim. 4, 2 c. Jej. 55, 10 2c.) 283. Umgürte bie, o Gott, mit| Stand, Die zu des Predigtamts Kräften In ihrem Amt, Beruf und Geschäften Dein gnadenvoller Nuf XVI. Hellsorduung. A. Buße und Bekehrung. 181 gesandt. Lehr du sie, so sind sie| Der alle harten Felder zwingt Und gelehret, Erneure, die bu, Herr, in die tiefsten Riffe bringt. bekehret; Hilf ihnen selbst, so wird allein Ihr Amt an uns gesegnet seyn. 2. Laß auf ihr Pflanzen, Säen, Bauen Des Geistes Kraft von oben her Zum reichlichsten Gedeihen thauen; Vermehr dein Reich je mehr und mehr. Mach sie zum Vorbild uns im Wandeln, Begleite du ihr Thun und Handeln; Mach sie für jeden Fall bereit Mit Weisheit, Muth und Tapferkeit. 5. Reich ihnen deines Geistes Waf fen, Der Feinde Grimm zu widerstehn; Laß sie beim Bitten und Br strafen Auf Menschengunft und Furcht nicht sehn; Gib, wenn sie lehren, Ueberzeugung; Gib, wenn sie warnen, tiefe Beugung! Gib, wenn sie trösten, Kraft und Licht Und felfenfeste Zuversicht. 6. Herr! wir trauen beiner Liebe, Die bis hieher mit Rath und That Die deinen aus Erbarmungsliebe In ihrem Amt geleitet hat; Du wirst das deine selbst bewachen und deinen Segen größer machen; Der Hirten sind die Schafe nicht, Nein, bein sind sie, o Seelenlicht! 7. Wir sind mit deinem Blut er kaufet, Drum denke an bein theures Blut; Wir sind in deinen Tod ge taufet, So schütze dein erstrittnes Gut. Dein Vater hat uns dir erwählet Und uns zu seinem Volk gezählet; Wir blicken, Herr, getrost auf dich; Weib und erhöh mus Lüneburger Gesangbuch. 3. Gib, daß von deiner ganzen Heerde, Die du selbst ihnen anver traut, Kein einziges verloren werde. Mach auch die Wüsten angebant; Laß in der umgebrochnen Erben Dein Wort zur Saat des Lebens werden, Daß es auf jener Ernte Tag Dir Früchte hundertfältig trag. 4. Dein Wort laß einem Strome gleichen, Der mächtig durch die Lande fleußt, Dem alle Felsen müssen weichen, Der alle Dämme nieder reißt; Der alles reinigt, alles beffert, Der alle dürren Gründe wäffert, ewiglich! XVI. Heilsordnung. A. Buße und Bekehrung. Mel. Wer uur den lieben.( Apoftelg. 17, 30. 31.) 284. Du hast ja dieses meiner| Sünde Mir doch bas Ziel so sehr Seele, Herr, gleich Anfangs verrückt, Daß ich nunmehr auch eingesenkt, Daß sie in dieser Leibes- gar nichts finde, Was meine Seele höhle Nach was Unendlichem sich recht erquickt; In dir allein ist wahre lenkt! Sie sucht und wünschet im- Ruh; Bring, Herr, mein armes merzu, Und findet nirgends ihre Ruh. Herz dazu! 2. Gerechter Gott! wie hat die 3. Ach mache von den Eitelkeiten 182 XVI. heilsordnung. XVI Der Welt, o Herr, mich ganz be| gen; Im Leben ists ein bloßer freit Und ziehe mich von allen Seiten Schein. Drum laß mich, Jesu, Zurück von der Vergänglichkeit; Da diese Zeit Anwenden für die Ewigkeit. mit ich durch solch Stilleseyn Zur 7. Laß mich nach dieser Ehre wahren Ruhe kehre ein. trachten, Daß ich nur dir gefällig sey, Und lerne diese Welt verachten, Die nichts ja hat als Täuscherei; Wer aber dir, o Gott, gefällt, Der hat das beste Theil erwählt. 8. Wie wird mich aller Reichthum trösten, Wenn ich die Welt verlassen soll, Und hätte ich des Allerbesten Gleich alle meine Habe voll? Das gegen dein getreuer Sinn Ist mir der seligste Gewinn! 9. Drum laß mich dich allein be halten, O Herr, mein allerhöchstes Gut! O Jesu, wann ich soll erkalten, So stärke meinen blöden Muth Und rede meiner Seele zu: ,, Romm, gehe ein in deine Ruh!" Frommann, g 1669+ 1715. ( Matth. 3, 10. Eph. 5, 14.) Mel. Mache dich, mein Geift. 285. Sichrer Mensch! noch ist| 4. Wann vor deinem Antlitz sich es Zeit, Aufzustehn vom Schlafe; Nah ist dir die Ewigkeit, Nahe Lohn und Strafe. Hör, Gott spricht! Säume nicht, Seinen Ruf zu hören Und dich zu bekehren. Jede Sünd enthüllet, Wann dann jede, jede dich Ganz mit Graun erfüllet; Dich nichts dann Stärken tann, Reine deiner Freuden, Was wirst du dann leiden! 4. Zench mich, o Bater, zu dem Sohne, Sonst bin ich ein verloren Kind, Daß er durch Glauben in mir wohne, Und ich in ihm die Ruhe find; Denn durch den Glauben ist er mein, Und ich bin durch den Glauben sein. 5. Sonst alles ist für nichts zu schätzen, Es mag auch heißen wie es will, Pracht, Reichthum kann mich nicht ergötzen Noch meine Seele machen still; Was Kinder bieser Welt erfreut, Bringt Gottes Kindern Traurigkeit. bir 6. Geehret seyn in Menschenaugen Und ihrer Gunst versichert seyn, Kann nichts an meinem Ende tau2. Noch tönt nicht zum Weltgericht Der Posaune Stimme; Noch sinkt dieser Erdball nicht Vor des Richters Grimme. Aber bald Bald erschallt Gottes Ruf: zu Erden Sollst du wieder werden! 3. Kommt nun, eh du es gedacht, In der Sünde Freuden Deines Lebens letzte Nacht, Was wirst du dann leiden, Wann dein Herz, Bon dem Schmerz Deiner Schuld zer rissen, Wird verzagen müssen! 5. Nach dem Untergang wirst du An des Grabes Stufen Bang um Troft und Seelenruh, Dann vergebens rufen: Rette, Gott, Mich vom Tod! Rette noch im Sterben Mich von dem Verderben! 6. Noch, noch wandelst du, D Christ, Auf des Lebens Pfade; Nahe zur Errettung ist Dir noch Jesu Gnade; Eil ihr zu! Du wirst Rub Für dein Herz empfinden Und Vergebung finden! Sturm, g. 1740+1786. A. Buße und Bekehrung. Eigene Mel.( Jes. 55, 6 sc. Jerem. 3, 12. 13.) 286. Kehre wieder, lehre wie-| Kreuzesstamme; der, Der du dich verloren hast, Sinke reuig bittend nieder Vor dem Herrn mit deiner Last! Wie du bist, so darfst du kommen Und wirst gnäbig aufgenommen. Sieh, der Herr kommt dir entgegen, Und sein heilig Wort verspricht Dir Vergebung, Heil und Segen; Kehre wieder, zaudre nicht! 183 Kehre wieder, fürchte nicht, Daß der Gnädge dich verdamme, Dem sein Herz vor Liebe bricht! 4. Kehre wieder! neues Leben Trint in seiner Liebeshulb; Bei dem Herrn ist viel Vergeben, Große Langmuth und Geduld. Faß ein Herz zu seinem Herzen: Er hat Trost für alle Schmerzen, Er kann alle Wunden heilen, Macht von allen Flecken rein; Darum fehre ohne Weilen Zu ihm um und bei ihm ein! 2. Kehre aus der Welt Zerstreuung In die Einsamkeit zurück, Wo in geistiger Erneuung Deiner harrt ein neues Glück, Wo sich bald die Stürme legen, Die das Herz so 5. Kehre wieder! endlich kehre In wild bewegen, Wo des heilgen der Liebe Heimath ein, In die Fülle Geistes Mahnen Du mit stillem aus der Leere, In das Wesen aus Beben hörst Und von neuem zu den dem Schein; Aus der Lüge in die Fahnen Jesu Christi heilig schwörst. Wahrheit, Aus dem Dunkel in die 3. Kehre wieder, irre Seele! Dei- Klarheit, Aus dem Tode in das nes Gottes treues Herz Beut Ver- Leben, Aus der Welt ins Himmelgebung deinem Fehle, Balsam für reich! Doch, was Gott dir heut den Sündenschmerz. Sieh auf den will geben, Nimm auch heute,- der voll Erbarmen Dir mit aus fehre gleich! gestreckten Armen Winket von dem Spitta, g. 1801. Mel. Durch Abams.( 2 Tim. 2, 19. Eph. 3, 16 2c.) lands Hand Berreißt das Band Womit du angekettet. 287. Wer sich auf seine| Allmacht, die dich rettet; Des HeiSchwachheit stützt, Der bleibt in Sünden liegen; Und wer nicht Kraft und Zeit benützt, Wird sich gewiß 3. Der erste Schritt im Christenbetrügen; Den Himmelsweg Und thum Heißt: von der Sünde schei schmalen Steg Hat er nie ange- den; Denn bei dem wahren Glau treten, Er weiß auch nicht In bensruhm Muß man die Weltluft Gottes Licht, Was Kämpfen sey meiden. Wenn Christi Geist Die und Beten. Seele reißt Aus ihren Todesbanden, So spürt sie Kraft, Die Jesus schafft, Mit dem sie auferstanden. 4. Mein Jesu! steh mir mächtig bei, Laß mich gefräftigt werden; Gerechtigkeit und Stärke sey Mein 2. Was jetzt die Welt nur Schwachheit heißt, Ist ihrer Bosheit Stärke; Dadurch vermehrt der böse Geist Sehr mächtig seine Werfe. Auf, Seele, auf! Lent deinen Lauf Zur 184 XVI. fjellsordunung. bestes Theil auf Erden. Du machst| Heuchelei, Im Streit stets siegreich gerecht Uns, dein Geschlecht, Und leben. willst zugleich uns stärken, Daß wir in dir Des Glaubens Zier, Die Macht der Gnade merken. 6. Gib Kraft, wo keine Kraft mehr ist, Gib Kraft, das Fleisch zu dämpfen! Gib Kraft, wenn Satans Macht und List Uns schwä chen will im Kämpfen. Wenn uns die Welt viel Netze stellt, Gib Kraft fie zu vernichten; So wird in Noth, Sa selbst im Tod Uns deine Kraft aufrichten. 5. Brich durch, o starker Gottessohn, Damit auch wir durchbrechen, Uns freudig nahn dem Gottesthron, Nicht mehr von Schwachheit spre chen! Denn deine Hand Will ja das Pfand Des Glaubens gern uns geben, Damit wir, frei Von Marperger, g. 1681 † 1746. Mel. Es ist gewißlich.( Matth. 23, 37. Offenb. 3, 3.) Mensch, ermuntre bei-| nimmst kein Bitten an! Er thut mehr als ein Bruder kann, Du spotteft seiner Liebe! 288. nen Sinn! Wie lange willst du schlafen? Auf, auf! die Stunden gehn dahin, Schon nahen Gottes 5. Du siehst, wie mancher SünStrafen; Vor ihm besteht der Sün- der fällt, Wenn Gott die Strafe der nicht, Und geht er mit dir ins Gesendet, Doch bleibest du ein Kind richt, Wo willst du Rettung finden? der Welt, Bon ihrem Tand ver2.Das eitle Wesen dieser Zeit Hat blendet! Des Nächsten Sturz er dich mit Nacht bedecket, Daß aus schreckt dich nicht; Du glaubst, daß dem Schlaf der Sicherheit Dich Gottes Zorngericht Dich niemals teine Warnung wecket. Du freuest treffen werde! dich der trägen Rub Und drückest gern die Augen zu, Dem Lichte zu entweichen. 6. Gott! laß in mir nach deiner Huld Der Gnade Licht entbrennen, Damit ich meiner Sünden Schuld Recht gründlich mög erkennen. D Jesu, Glanz der Herrlichkeit! Durch leuchte meine Sicherheit, Daß ich mein Elend schaue. 7. O heilger Geist! laß beinen Strahl Durch meine Seele bringen, Hilf, daß ich endlich mög einmal 4. Dein Heiland weinet über dich, Den Sündenschlaf bezwingen. Gott! Du lachst in deinen Sünden! Er thu mir Herz und Augen auf, Daß sucht und locket dich zu sich Du lässt mich der sichre Sündenlauf Nicht dich nimmer finden! Er fleht, du zur Verdammniß fibre. 3. Gott rufet laut, bu schlummerst fort; Er droht dir, boch vergebens, Er zeiget dir in seinem Wort Die Strafen jenes Lebens, Du aber merfest wenig brauf, Fährst fort in deinem Sündenlauf, Willst keinen Führer leiden! Eigene Mel.( Matth. 11, 29 sc. 7, 13.) 289. Kommt her zu mir," mit der Sünde Lohn Das Herz ist spricht Gottes Sohn, Ihr, denen schwer beladen! 3hr Jungen, Alten, A. Buße und Bekehruug. Frau und Mann, Ich will euch geben was ich kann, Will heilen euern Schaden!" 2. ,, Mein Joch ist sanft, leicht meine Last, Und jeder der sie willig faßt, Der wird der Höll entrinnen. Ich helf ihm tragen was zu schwer, Mit meiner Hilf und Kraft wird er Das Himmelreich gewinnen." 3. ,, Was ich gelitten und gethan In meinem Leben, schauet an, Das sollt ihr auch erfüllen. Was ihr gedenket, sprecht und thut, Das geht nur selig, recht und gut, Wenns geht nach Gottes Willen." 4. Gern wollt die Welt auch selig seyn, Wenn nur nicht wär die Schmach und Bein, Die alle Christen leiden! Doch mag es ja nicht anders seyn; Darum ergebe sich darein Wer ewge Pein will meiden. 5. Heut ist der Mensch jung, schön und stark, Ist morgen krank und liegt im Sarg, Wenn Gott ihn heißet sterben; Gleichwie die Blumen auf dem Feld Wird auch die Herrlichkeit der Welt In einem Nu ver derben. 185 8. Dem Reichen hilft nicht gro ßes Gut, Dem Jungen nicht sein stolzer Muth, Er muß aus diesem Maien! Wenn einer gäb die ganze Welt, Silber und Gold und alles Geld, Dech muß er an den Reihen! 6. Die Welt erzittert vor dem Tod; Wenn einer liegt in letzter Noth, Da will er erst fromm werden. Er schaffte dieß, er schaffte das, Der armen Seel er ganz vergaß, Die weil er lebt' auf Erden; 9. Gelehrten hilft nicht Witz nech Kunst; Die weltlich Pracht ist gar umsonst, Wir müssen alle sterben! Wer nicht in seiner Gnadenzeit In Jesu Christ sich macht bereit, Ewig muß der verderben! 10. Drum merket, die da wohlgesinnt Als gottergebne Kinder sind, Laßt euch die Müh nicht reuen! Bleibt stets am heilgen Gotteswort, Das ist der Seelen höchster Hort; Gott wird euch schon er freuen. 11. Schaut, daß ihr Guts um Uebles gebt; Schaut, daß ihr hier unschuldig lett, Laßt euch die Welt nur schelten, Laßt Gott die Nach und alle Ehr, Den schmalen Weg geht inimer her, Der Welt wird Gott vergelten. 12. Wenn es auch ging nach Fleisches Muth, In Gunst, Gesundheit, großem Gut, Ihr würdet bald erkalten. Drum schickt Gott Trübfal her und Schmerz Und will durch Züchtigung das Herz zur ewgen Freud erhalten. 13. Und was der ewig treue Gott In seinem heiligen Gebot Verheißt bei seinem Namen, Das hält und gibt er euch fürwahr! Er helf uns zu der Engel Schaar Durch Jesum Chriftum! Amen. 1 7. Und wenn er nimmer leben kann, So hebt er große Klagen an, Will schnell sich Gott ergeben; Ich fürcht fürwahr: die göttlich Gnad, Die er allzeit verschmähet hat Wird schwerlich ob ihm schweben! Wahrscheinlich v. Ringwaldt, g. 1530+ 1598, ober von Jörg Berkenmeyer - XVI. fjellsordnung. Eigene mel.( Ps. 130. Rom. 5, 20.) 290. Aus tiefer Noth schrei ich| Und seiner Gülte trauen, Die mir zufagt sein werthes Wort; Das ist mein Troft und treuer Hort, Deß will ich allzeit harren. zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen! Dein gnädig Ohr neig' Herr, zu mir Und meiner Bitt es öffne! Denn so du das willt sehen an Was Sünd und Unrecht ist gethan, Wer kann, Herr, vor dir bleiben? 4. Und ob es währt bis in die Nacht Und wieder an den Morgen, Soll doch mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht noch sorgen. So thut Israel rechter Art, Der aus dem Geist erzeuget ward Und seines Gottes harret. 5. Ob bei uns ist der Sünden viel, Bei Gott ist viel mehr Gnaden; Sein Hand zu helfen hat fein Ziel, Wie groß auch sey der Schaden. Er ist allein der gute Hirt, Der Israel erlösen wird Aus seinen Sünden allen. Luther, g. 1483+ 1546. 186 2. Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst, Die Sünde zu vergeben, Es ist doch unser Thun umsonst, Auch in dem besten Leben. Vor dir niemand sich rühmen kann, Deß muß dich fürchten jedermann Und deiner Gnade leben. 3. Darum auf Gott will hoffen ich, Auf mein Verdienst nicht bauen; Auf ihn mein Herz soll lassen sich Mel. O Gott, bu frommer.( Röm. 7, 18 2c. 8, 3 ac.) Jesu! sich darein Und| 4. Du, Jesu, du allein Kannst meinen Sammer wenden; Mein Können stehet nur In deinen starken Händen. Wo du mir nicht die Kraft Zum Leben gießest ein, So wird mein Sehnen selbst zu nichts als lauter Pein. 291. hilf mir Armen siegen; Mein Herz fühlt nichts als Tod, Mein Geist muß unterliegen: Das Wollen hab ich wohl, Doch das Vollbringen nicht, Weil es dem matten Geist An aller Kraft gebricht. 2. Die Sünd hat mich bestrickt, Der Tod hat mich gefangen, Wohin ich geh und seh, Nichts stillet mein Verlangen. Einst meint' ich hoch zu stehn, Nun lieg ich tief im Staub, Und mein erträumter Ruhm Wird nun des Spottes Raub. 3. Ich wirk, ich lauf, ich renn, Und weiß doch nicht zu finden Den Weg zur wahren Ruh Und mich zu überwinden; Mich schließt der Sünde Macht Recht in die Fesseln ein, Ich muß ein Sklav der Lust Und meines Fleisches seyn. 5. Drum, Herr, erbarme dich, Ich liege dir zu Füßen; Laß in mein schwaches Herz Den Strom der Gnade fließen! Ich fleh, ich laff' dich nicht, Bis deine Segenskraft In mir den Tod besiegt Und neues Leben schafft! 6. Du hast es zugesagt, Du willst mich gern erquicken, Wenn mein verkehrter Sinn Sich nur zu dir will schicken; Wenn er dir opfert auf Was ihm für Freude galt, Daß deine Liebe nur Gewinn' in mir Gewalt. A. Buße und Bekehrung. 7. So nimm denn alles hin; Ich will mir nicht mehr leben, Ich will mich ganz und gar In deine Führung geben. Ach faffe mich nur fest! Mach mich von Sünden frei, Damit forthin mein Herz Dein reiner Tempel sey. 187 8. Wirst du in mir, mein Heil, So kräftig dich verklären Und mich zu deinem Bild Durch Sterben neu gebären, So weicht die Unruh weg, Der Sünde Macht zerbricht, Ich finde Fried und Ruh In deinem Angesicht. Dippel, g. 1673 † 1734. Mel. Aus tiefer Noth.( Pf. 51, 3-14. Jef. 55, 6 2c. Sir. 5, 2 sc.) 292. Ich will von meiner| ward ich auch dabei, Missethat Zum Herren mich betehren; Du wolleft selbst mir Hülf und Nath Hiezu, o Gott, bescheren Uud deines guten Geistes Kraft, Der neue Herzen in uns schafft, Aus Gnaden mir gewähren. 2. Der Mensch kann von Natur doch nicht Sein Elend selbst empfinden, Ist ohne deines Geistes Licht Blind, taub und todt in Sünden; Verkehret ist Sinn, Will und Thun; Des großen Jammers wollst du nun, O Vater, mich entbinden! 3. Herr! tlopf in Gnaben bei mir an Und führ mir wohl zu Sinnen Was böses ich vor dir gethan. Du fannst mein Herz gewinnen, Daß ich aus Kummer und Beschwer Laff' über meine Waugen her Viel heiße Thränen rinnen. Daß ich nicht ficher lebt und frei, Gestäupt mit Vatersruthen. 6. Hab ich mich denn bis jetzt vor dir Gehorsams auch beflissen? Ach nein! ein andres saget mir Mein Herz und mein Gewissen; Darin ist leider nichts gefund, An allen Orten ist es wund, Von Sünd und Neu zerrissen. 7. Bisher hab ich in Sicherheit Fast unbesorgt geschlafen, Gedacht: es hat noch lange Zeit, Gott pflegt nicht bald zu strafen, Er fähret nicht mit unsrer Schuld So strenge, denn es hat Geduld Der Hirte mit den Schafen. 8. Dieß alles jetzt zugleich erwacht; Mein Herz will mir zerspringen! Ich fühle deines Donners Macht Und Feuer auf mich dringen; Es 4. Wie hast du doch auf mich ge- regt sich wider mich zugleich Des wandt Den Reichthum deiner Gna- Todes und der Hölle Neich, Die den! Mein Leben dank ich deiner wollen mich verschlingen! Hand; Du gabst auf allen Pfaden 9. Wo bleib ich denn in solcher Mir manches Gut, nebst Kleid Noth? Nichts helfen Thor und und Brod, Du machtest, daß mir Riegel! Wo flieh ich hin? o Morfeine Noth Bisher hat können schaben. genroth, Hätt ich doch deine Flügel! 5. Du hast in Chrifto mich er- Verbirg du mich, o fernes Meer, wählt Tief aus des Todes Fluthen; Bedecket mich, fallt auf mich her, Es hat mir sonst auch nicht gefehlt Ihr Klippen, Berg' und Hügel! An irgend einem Guten; Zuweilen ( Pf. 139, 7-12.) 188 XVI. heilsordnung. 10. Ach nur umsonst! und könnt| ja, du Gotteslamm, Der Menschen ich gleich Bis in der Himmel steigen, Könnt ich mich auch hinab ins Reich Der tiefsten Hölle beugen, So würde mich doch deine Hand Da sinden und von meiner Schand Und großen Sünde zeugen. 11. Herr Chrift! ich fleh zu dir allein, Du hast mein Heil erfunden; Laß mich in dir verborgen seyn Und bleiben alle Stunden; Du tilgtest Sünd am Krenzesstamm Mit deinen heilgen Wunden. 12. Hier ist mein Herz! o mach es rein Bon allen seinen Sünden; Laß es dir ganz geheiligt seyn, Ganz deine Lieb empfinden. O schaffe mich im Grunde neu, Daß ich, im Glaubenstampfe treu, Die Welt mög überwinden! Luise Henriette, Churfürstin von Brankenburg, g. 1627 † 1667. Mel. Sollt es gleich.( Luc. 15, 11-32.) 293. Auf will ich von Sünden| mich ganz von Herzen weihn, Mich stehen und zu meinem Vater gehen; Seele, Seele, es ist Zeit, Tob ist nah und Ewigkeit! 2. Sieh mich wieder zu dir kehren, Gott! ich will dein Rufen hören, Will in Zukunft dir allein Eigen und geheiligt seyn. in dir, mein Gott, erfreun. 5. 3ch will Sünde fliehn und haf sen, Nie dich, meinen Gott, verlas sen, Nie mich richten nach der Welt, Niemals thun was dir mißfällt. 6. Halt mich fest in deiner Gnade, Führe mich auf rechtem Pfade! Daß ich dir beständig tren Und im Guten standhaft sey. 7. Auf will ich von Sünden stehen Und zu meinem Vater gehen; Seele, Seele, es ist Zeit, Tod ist nah und Ewigkeit! 3. Vater! ich will nimmer fehlen, Ich will jene Straße wählen, Die du mit des Kreuzes Last Und mit Blut bezeichnet hast. 4. Ich will jene Freuden meiden, Die von deiner Liebe scheiden, Dir Eigene Mel.( Pf. 38, 2 c. 51, 1. br. 9, 14.) 294. Herr Jesu Christ, du 3. Fürwahr, wann alles mit höchstes Gut, Du Brunnquell aller kommt ein Was ich mein Tag beGnaden! Sieh doch, wie ich in mei- gangen, So fällt mir auf das Herz nem Muth Mit Schmerzen bin be- ein Stein, Und hält mich Furcht laden Und in mir hab der Pfeile umfangen; Ja ich weiß weder aus viel, Die im Gewissen ohne Ziel noch ein Und müßte gar verloren Mich armen Sünder quälen. seyn, Wenn ich dein Wort nicht hätte. 2. Erbarm dich mein bei solcher Last Nimm sie von meinem Herzen, Dieweil du sie gebüßet haft Am Krenz mit Todesschmerzen; Auf daß ich nicht mit großem Weh In meinen Sünden untergeh Noch ewiglich verzage. 4. Doch durch dein theures Wort erwacht Mein Herz zu neuem Lc. ben; Erquicung hat es mir ge bracht Ich darf nicht troftlos beben, Dieweil es Gnade dem verheißt, A. Buße und Bekehrung. Der sich mit tief zertnirschtem Geist| Der Uebertretung stillen, Zu dir, o Jesu, wendet. 5. So komm ich jetzt zu dir allhie In meiner Noth geschritten Und will dich mit gebeugtem Knie Bon ganzem Herzen bitten: Vergib es mir doch gnädiglich Was ich mein Lebtag wider dich Auf Erden hab gefündigt! 6. Bergib mirs doch, o Herr, mein Gott, Um deines Namens willen! Du wollst in mir die große Noth 189 Daß sich mein Herz zufrieden geb Und dir hinfort zu Ehren leb In kindlichem Gehorsam. 3. Ich bleibe steis im Dunkeln, Wo nicht der Gnade Strahlen funfeln, Die meine Finsterniß vertreibt. Wird mich dein Geist nicht lehren, Wird er mein Herz nicht selbst be7. Stärk mich mit deines Geistes Muth; Heil mich mit deinen Wunden; Wasch mich mit deiner Gnade Fluth In meinen letzten Stunden Und nimm mich einst, wanne dir gefällt, In wahrem Glauben von der Welt zu deinen Auserwählten! Ringwaldt, g. 1530+ um 1598. Miel. Wachet auf! ruft.( 1 Petri 1, 13. Pf. 145, 8. 9. 2 Mof. 34, 6. 7.) 295. Gott! der du allen gütig| fehren, So weiß ich, daß es thöricht Barmherzig, gnädig und langmi thig, Voll Treue, Huld und Liebe bist, Sieh, wie ich meine Sünde Mit reuendem Gemüth empfinde, Die groß und viel und greulich ist! Sieh, wie mich dieses schmerzt! Ich hab versäumt, verscherzt Deine Gnade, So viel Geduld, So große Huld, Und zwar aus meiner eignen Schuld. bleibt. Mein Bater! wo du mich Nicht leitest, irre ich; Jesu Gnade und deren Schein Soll nur allein Mein Leitstern, meine Weisheit seyn. 4. Herr, ohne deine Gnade Bleib ich stets auf der Sünde Pfade, Vor dir stets strafbar, o mein Gott! Wirst du mir nicht das Leben, Geist, Seligkeit und Kräfte geben, So 2. Vergib mir dieß Verbrechen; bleib ich bös, in Sünden todt. Drum Denn willst du unsre Sünden rä- ruf ich, Herr, zu dir: Gib deine chen, Wer will vor deinem Zorn Gnade mir, Gott der Gnaden! bestehn? Du drobst nach vielem Denn deine Kur Verbessert nur Die Lecken Ein Herz mit Blindheit zu so verdorbene Natur. verstocken, Das nicht auf deinen Wink will sehn. Vergib, o Bater, mir! Ach mein Herz seufzt zu dir: Gnade, Gnade! Ach gehe nicht In dein Gericht; Verbirg mir nicht dein Angesicht! 5. Laß alle meine Kräfte, Gedanken, Reden und Geschäfte Durch deine Grade heilig seyn. Laß meinen bösen Willen Nichts wollen, lieben und erfüllen; Was dieferwirft, fann nicht gedeihn. 3ft etwas recht vor dir, Zu solchem schenke mir Deine Gnade! Denn was beruht Auf Fleisch und Blut, Ist, guter Gott, vor dir nicht gut. 6. Herr! es sind Guadenwerke, 190 XVI. heilsordnung. A Der Liebe Gluth, des Glaubens| 8. Ach gib mir ein Verlangen, An Stärke, Der Hoffnung Troft, die schenke du! Mein einziges Vergnü gen, Mein Lebensfunk in letzten Zügen, Mein Ruhm, mein Segen, meine Ruh, Mein alles soll nur seyn, Gott, deine Gnab allein, Deine Gnade! Es bleibt dabei, Daß ich aufs neu Das was ich bin, aus Gnaden sey. deiner Gnade nur zu hangen, Wie sich ein Schiff am Anker hält! Ach laß bei deinem Fügen An deiner Gnabe mir genilgen In Schmach und Armuth dieser Welt! Was schwer und bitter ist, Erleichtert und ver füßt Christi Gnade. Der hat schon satt, Wer Gnade hat; Sie ist an alles Reichthums Statt. 9. Ich gehe wo ich gehe, Ich fitze, liege oder stehe, Ich wache oder schlafe ein, Ich lebe oder sterbe, Laß die Barmherzigkeit mein Erbe, Das Gute meine Folge seyn! Ich will in dieser Zeit und in der Ewigkeit Nichts als Gnade! Mein Herze schließt In Jesu Christ, Der aller Gnaden Urquell ist. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. 7. Nur du, Gott aller Gnaden, Wirkst alles guts, heilst allen Schaden; Was deine Gnade schafft, ist gut; Laß sie mir Demuth geben, Geduld im Kreuze, Kraft zum Leben, Versöhnlichkeit und sanften Muth, Der Klugheit eble Runft, Der Andacht heilge Brunst. Ohne Gnade Ist alles Pein; Laß sie allein Mein Leben, meinen Himmel seyn. Mel. Meine Armuth macht.( Eph. 5, 14. Luc. 1, 78 2c. Jes. 60, 1 2c.) 296. Hüter! wird die Nacht| dem deinen, Auch erscheinen, Der nach Licht und Rechte tracht't. der Sünden Nicht verschwinden? Hüter! ist die Nacht schier hin? 5. Wie kann ich des Lichtes Werke Wird die Finsterniß der Sinnen Ohne Stärke, In der Finsterniß Bald zerrinnen, Darein ich ver- vollziehn? Wie kann ich die Liebe hüllet bin? üben, Demuth lieben Und der Nacht Geschäfte fliehn? 12 ( Jef. 21, 11.) 2. Möcht ich, wie das Rund der Erden, Lichte werden! Seelensonne, 6. Ach daß länger meine Seele gehe auf! Ich bin finster, kalt und Sich nicht quäle, Zünd dein Feuer trübe; Jesu, Liebe, Komm, bein mir an! Laß mich finstres Kind schleunige den Lauf! der Erden Helle werden, Daß ich Gutes wirken kann. 7. Das Vernunftlicht kann das Leben mir nicht geben; Jesus und sein heller Schein, Jesus muß das Herz anblicken Und erquiden, Jesus muß die Sonne seyn! 8. Nur die Decke vor den Augen kann nicht taugen, Seine Klarheit 3. Wir sind ja im neuen Bunde, Da die Stunde Der Erscheinung kommen ist, Und ich muß mich stets im Schatten So ermatten, Weil du mir so ferne bist! 4. Wir sind ja der Nacht entnommen, Da du kommen, Aber ich bin lauter Nacht; Darum wollst du mir, A. Buße und Bekehrung. 191 kann nicht ein! Wenn sein helles| he taugen; Rühre meine Augen an; Licht den seinen Soll erscheinen, So Denn das ist die größte Plage, muß rein das Auge seyn. Wenn am Tage Man das Licht nicht 9. Jesu! gib gesunde Augen, Welsehen kann! Richter, g. 1676 † 1711. 297. Mel. Aus tiefer Noth schrei.( Ps. 32, 5. 1 Joh. 1, 9.) Bater der Barmhers| und des Menschen Sohn, Erbarm zigkeit! Ich falle dir zu Fuße: Berdich mein und mein verschon, Hör stoß den nicht der zu dir schreit Und an mein kläglich Seufzen! thut noch endlich Buße. Was ich begangen wider dich, Verzeih mir alles gnädiglich Durch deine große Güte! 4. O heilger Geist, du wahres Licht, Regierer der Gedanken! Wenn mich die Sündenluft ansicht, Laß mich von dir nicht wanken; Verleih, daß nun und nimmermehr Begier nach Wollust, Geld und Ehr In meinem Herzen herrsche. 2. Durch deiner Allmacht Wunderthat Nimm von mir was mich quälet; Durch deine Weisheit schaffe Rath, Worinnen mirs sonst fehlet. Gib Willen, Mittel, Kraft und Stärk, Daß ich mit dir all meine Werk Anfange und vollende. 3. O Jesu Christe, der du haft Am Kreuze für mich Armen Getragen aller Sünden Last, Wollst meiner dich erbarmen! O Gottes zum Leben! Mel. Aus Gnaden soll ich.( Gal. 6, 3-5.) 298. Wer bin ich? welche| das Verständniß, Recht einzusehn: ob ich den Pfad, Den Jesus mir gewiesen, geh Und ob ich auch im Glauben steh? wichtge Frage! Gott, lebre sie mich recht verstehn! Gib, daß ich mir die Wahrheit fage, Um mich so, wie ich bin, zu sehn. Wer sich nicht selbst recht kennen lernt, Bleibt von der Weisheit weit entfernt. 5. Und wann mein Stündlein kommen ist, So hilf mir treulich kämpfen, Daß ich des Argen Trotz und List Durch Christi Sieg mag dämpfen; Auf daß mir Krankheit, Angst und Noth, Ja selbst das letzte Leid, der Tod, Nur sey die Thür Denike, g. 1603+ 1680. 3. Ich bin ein Chrift nach dem Befenntniß; Doch bin ich das auch in der That? Herr! öffne selbst mir 4. Du kennest meines Herzens Tiefen, Die mir selbst unergründlich sind; Drum laß mich oft mein Innres prüfen, Mich fragen: bin ich Gottes Kind? Befreie mich vom falschen Wahn, Der auch den Kliig2. Ich bin ein Werk von deinen Händen, Du schufst mich, Gott, zu beinem Preis! Mein Leben nützlich anzuwenden, Das ist dein väterlichsten täuschen kann. Geheiß. Doch leb auch ich, dein Eigenthum, Wie mirs gebührt, zu deinem Ruhm? 5. Ist der, der selbst bei tiefem Wissen Des Herzens Zustand sich verhehlt, Auf wahre Besserung befliffen? Er, der nicht weiß, wie viel ihm fehlt! Sich selbst recht kennen ist Verstand; Drum mache mich mit mir bekannt. 192 XVI. heilsordnung. 6. Was mir zu meinem Heil noch| lernt. Gib mir zur Bessrung Luft fehlet, Mein Vater, das entdecke mir! und Kraft: Du bists, der beides in Hab ich der Wahrheit Weg erwählet, So gib, daß ich ihn nicht verlier. Erleuchte mich mit deinem Licht, So täuschen mich Verführer nicht. mir schafft. 8. Ich muß es einmal doch erfahren, Was ich hier war und hier gethan; Olaß michs nicht bis dahin sparen, Wo Reue nichts mehr helfen kann! Hier mache mich zum Himmel flug Und frei von schnödem SelbstDietrich), g. 1721 † 1797. 7. Doch, bin ich noch vom sichern Pfade, Der mich zum Leben führt, entfernt. So wecke mich durch deine Gnade, Daß ihn mein Auge suchen betrug! Mel. Die Tugend wird.( Röm. 7, 14-25.) 299. Gott! welcher Kampf in| 3. Der beste Vorsatz, den ich meiner Seele, Welch steter Wider- faffe, Verfliegt oft wie ein Traumspruch in mir: Der Geist will, daß gesicht; Ich thu das Böse das ich ich gutes wähle, Er sehnt sich heiß, haffe, Das Gute das ich liebe, o Gott, nach dir; Das Fleisch strebt nicht. Getrieben wie ein Schiff vom gegen diesen Willen, Es ringt nach Winde, Wenn Mast und SteuerSinnenlust allein, Und werd ich ruder brach, Fall ich in die Gewalt sein Gesek erfüllen, So wird nicht der Sünde; Zu späte Thränen fol fern die Sünde seyn. gen nach. 4. Wer löst mich von den Skla venketten? Wer schafft in meinem Innern Ruh? Nur du, Erlöser, fannst mich retten; Ich eile deiner Gnade zu! Mit dir, du Gottessohn, verbunden, Ist nichts verdammliches an mir; Ich wand!' im Geist unt kann gefunden, Lebst du in mir und ich in dir! 2. Bon doppeltem Gesetz regieret, Wie ist mein Wesen räthselhaft! Wenn mich der Wahrheit Strahl berühret, So schmeck ich Frieden, fühle Kraft; Doch wenn des Irrthums dunkle Schatten Mir rauben dieses reine Licht, Gleich fühl ich mich im Lauf ermatten: Ich will, - doch ich vollbringe nicht! Mel. Sieh, hier bin ich). ( 1 Tim. 1, 15.) 300. Meine Seele, Boller Fehle,| zen Such ich dich, mein Trost und Heil! Wie so lange Ist es bange Meiner Seele! komm in Eil, Laß dich nieder, Romme wieder, Meines Herzens bestes Theil! 4. Richtig wandeln, Weise han deln, Wollst du fünftig mir verleihn; Gib die Triebe Reiner Liebe Voller in mein Herz hinein. Welch ein Segen Ist zugegen, Wenn es Suchet in dem Dunklen Licht; Jesu! neige Dich und zeige Mir dein tröstlich Angesicht; Auf mein Flehen Laß dich sehen und verbirg dich länger nicht! 2. Ich empfinde: MeineSünde Sey an allem Kummer Schuld; Ich gestebe Dirs und flehe Um Bergebung und Geduld. Du, mein Leben, Kannst mir geben Neue Hülfe, neue Huld. 3. Ach von Herzen Und mit Schmer-| heißt: du mein, ich dein! A. Buße und Bekehrung. 193 5. Lehre, leite, Vollbereite Mich,| 6. Bis im Lichte Dein Gesichte wie du mich haben willt; Gib mir Klarheit, Geist und Wahrheit, Daß ich gleich sey deinem Bild; Daß man merke, Mein Stärke Sey in dir, und du mein Schild; Mir sich droben völlig zeigt, Wenn die deinen nicht mehr weinen Und die Klagestimme schweigt. Drum so zeige Mir bie Steige, Da man auf zum Himmel steigt! Magd. Sib. Rieger, g. 1707+ 1786. ( Ps. 51, 11-14 und 19.) Mel. Aus tiefer Noth schret. 301. Schaff in mir, Gott, ein| 4. Den heilgen Geist nimm nicht reines Herz, Mein Herz ist ganz verderbet! Es fühlt der Sünden großen Schmerz, Die ihm find angeerbet, Und die es hat gethan ohn Scheu; Ach mache, daß es wieder sey Wie du's zuerst erschaffen! von mir, Den bösen Geist vertreibe; Daß ich, nie mehr entführt von dir, Stets deine sey und bleibe! Beherrsche du Herz, Sinn und Muth Durch deinen Geist, so ist es gut In Leben und im Sterben. 2. Gib mir auch einen neuen Geist, Der wie du sey gesinnet, Der stets dir anhang allermeist Und, was du willst, beginnet. Gib, daß ich haffe Fleisch und Blut, Den Glauben üb' in sanftem Muth, Zucht, Demuth, Hoffnung, Liebe. 3. Verwirf von deinem Angesicht, Obgleich ich es verdienet, Mich, o getreuer Bater, nicht, Weil Jesus mich verfühnet! Ach laß doch nun und nimmermehr Mich, dein Kind, fallen also sehr, Daß du es von dir ftoßeft! 5. Mit deiner Hülfe tröste mich, Hilf und vergib die Sünden; Und sucht dann meine Seele dich, So laß dich von ihr finden Und dein Verdienst, Herr Jesu Christ, Darinnen Trost und Leben ist, Mich stets im Geist genießen. 6. Dein Freudengeist erhalte mich, Und stärke meine Seele, Damit sie nun und nimmer sich Mit Furcht und Zweifeln quäle. Sey du mein Freund, o Herr, allein, Ach laß mich deine Freude seyn Und führe mich zur Freude! Ludämilte Elif., Gräfin zu Mel. Nun laßt uns den Leib.( Pf. 51, 6. 103, 10. 143, 10.) ner Schuld. Noch bleibst du meine Zuversicht, Du Gott der Langmuth und Geduld! 302. An dir hab ich gesündigt,| Gericht, Vergist mir nicht nach meiHerr, Und übel oft vor dir gethan; Du siehst die Schuld, Allwissender, Sieh auch die Reue gnädig an! 2. Du kennst mein Seufzen, Gott! mein Flehn Und meine Thränen sind vor dir; Wann läsfest du mich Hülfe sehn? Wie lang entfernst du dich von mir! 4. Erfülle selbst, Allgütiger, Mein Herz vor dir mit Freudigkeit. Dn warest stets, Erbarmender, Und bleibst ein Gott, der gern erfreut. 5. Dir trau ich; lehre mich, wie gut, Wie heilig deine Rechte sind. 3. Geh, Herr, mit mir nicht ins Evangelisches Gesangbuch, 13 Schwarzburg- Rudolftabt, g. 1640 † 1672. 194 XVI. heilsordnung. Laß mich sie thun mit frohem Muth:| Und leite mich auf ebner Bahn. Er Du bist mein Vater, ich dein Kind. hört, der Herr, er hört mein Flehu 6. Herr! eile du mir beizustehu| Und nimmt sich meiner Seele an. Nach Gellert. Mel. Aus tiefer Noth schrei.( Ps. 130. Apoftelg. 3, 19. 20.) 303. Aus tiefer Noth laßt uns zu Gott Von ganzem Herzen schreien, Bitten: daß er durch seine Gnad Uns woll vom Uebel freien Und alle Sünd und Missethat, Die unser Fleisch begangen hat, Uns väterlich verzeihen. 2. Wir sprechen: Vater! sich doch an Die Armen und Elenden, Die Uebels viel vor dir gethan Mit Herzen, Mund und Händen. Verleih uns, daß wir Buße thun Und unsern Lauf in deinem Sohn Zur Seligkeit vollenden. 3. Herr! unsre Schuld ist überschwer, Muß unsre Herzen brechen; Doch deiner Gnaden ist viel mehr, Als ein Mensch kann aussprechen; Die suchen und begehren wir, In Hoffnung, daß du dort und hier Die Sind nicht werdest rächen. ( Röm. 5, 20 c.) 4. Du willst nicht, daß der Sünder sterb Und zur Verdammniß fahre; Du willst, daß er die Gnad erwerb Und sich darin bewahre. So hilf uns nun, o Herre Gott, Damit uns nicht der ewge Tod In Sünden widerfahre! 5. Wenn du nun ins Gerichte gehn Und mit uns wollteft rechten, D Herr! wie würden wir bestehn Und wer würd uns verfechten? O Herr! sieh une barmherzig an Und hilf uns wieder auf die Bahn Zur Pforte der Gerechten. 6. Wir opfern dir uns arm und bloß, Neumüthig und zerschlagen; nimm uns auf in deinen Schooß Und laß uns nicht verzagen! Dhilf, daß wir getroft und frei, Ohn arge List und Heuchelei Dein Joch zum Ende tragen. 7. Sprich uns durch deine Boten zu Und heile die Gewissen; Stell unser Herz durch sie zur Ruh, Thu uns dadurch zu wissen, Wie Christ vor deinem Angesicht All unsre Sachen hat geschlicht't, Den Trost laß uns genießen! 8. Erhalt in unsers Herzens Grund Deinen göttlichen Samen; Und bilf, daß wir den neuen Bund In deines Sohnes Namen Vollenden treulich in der Zeit, Und so der ewgen Herr lichkeit Versichert werden! Amen Böhmische Brüder. Mel. Mein's Herzens Jesu.( Hesekiel 36, 26. 27.) 304. Nimm bin mein Herz, 2. Nimm, o mein Heiland, nimm Gott, nimm es an! Ich bring es dir zur Gabe; Ich bring es dir so gut ichs kann, So schwach und arm ichs babe; Ich weiß doch, du verschmähst es nicht, So viel dem Opfer auch gebricht, Das ich dir willig weihe. es hin, Du Herz voll ewger Liebe! Mein Herz ist voller Eigensinn Und voll verkehrter Triebe; Es hängt an Welt und eitler Luft; Doch ist dirs auch, o Herr, bewußt, Ich kanns nicht selbst bekehren! A. Buße und Bekehrung. 195 3. Mach du's zu deinem reinen 6. Gib mir ein Herz, das deine Haus, Das dir gefallen könne; Was Zucht, Wenn sichs verfehlt, bald dir zuwider, reiß heraus, Daß dich spüret; Ein Herz, das keine Straße und mich nichts trenne! Entsündgesucht, Als die zum Himmel führet; mich mit deinem Blut, Gib mir den Ein Herz, das auch in Noth und Geist, dann werd ich gut, Dann Pein Zu dir die Zuflucht nimmt alfang ich an zu leben. lein Und auch im Kreuz dich preiset; 4. Herr, gib, und fost es immer 7. Ein Herz, das Freund' und hin Dem Fleische tausend Schmer Feinde liebt Und nichts haßt, als die zen, Herr, gib mir einen neuen Sünden; Ein Herz, das täglich mehr Sinn, Ein Herz nach deinem Her sich übt, Sich stets in bir zu finden; zen! Ein Herz, das dich mit Freu- Ein Herz, das immer droben ist ,. den ehrt, Das kindlich deine Stimme Dort, wo du bist, Herr Jesu Christ, hört Und deinen Namen fürchtet. Zu deines Vaters Nechten. 5. Gib mir ein Herz, das dich fortbin Mit Vorsatz nie betrübet; Ein Herz, das dich mit lautrem Sinn Aus allen Kräften fiebet, Ein Herz, das nur für dich entbrennt Und keine falsche Liebe kennt; Ein Herz voll Kraft und Glauben. 8. Herr! gibst du mir ein solches Herz, Was will ich mehr verlangen? Dann bleib ich fest in Freud und Schmerz An deiner Liebe hangen; Dann bin ich dein und du bist mein; Dann werd ich einst dort oben seyn Und selig dich umfangen. Eigene Weise.( 1 Joh. 1, 8. 9.) 305. Allein zu bir, Herr Jesu| 3. Ach stärke durch Barmherzigkeit Christ, Mein Hoffen steht auf Erden! Ich weiß, daß du mein Tröster bist, kein Trost mag mir sonst werden; Kein Menschenkind in weiter Welt, Kein Engel ist im Himmelszelt, Der mir aus Nöthen helfen kann; Dich ruf ich an, Von dem ich Hülfe kann empfahn. 2. Die Schuld ist schwer und über groß Und reuet mich von Herzen; Derselben mach mich frei und los Durch deine Todesschmerzen, Und nimm dich mein beim Vater an, Der bu für mich genug gethan, So werd ich los der Sündenlast; Mein Glaube faßt Was bu mir, Herr, versprochen haft. Ju mir ein recht Vertrauen, Damit ich deine Freundlichkeit Mög inniglich anschauen, Vor allen Dingen lieben dich und meinen Nächsten gleich als mich. Am letzten End mir Hülfe send, Damit behend Des Todes Graun sich von mir wend! 4. Ehr sey Gott in dem höchsten Thron, Dem Bater aller Güte, Und Jesu Christo, seinem Sohn, Der uns allzeit bebite, Und seinem werthen heilgen Geist, Der allezeit uns Hilfe leift', Daß wir ihm sey'n zum Lob bereit Hier in der Zeit Und borten in der Ewigkeit. Schneefing( Chiomusus) um 1534? H XVI. Heilsordnung. Mel. Herr Jesu Christ, mein's.( Matth. 14, 28--31.) 306. Hier bin ich, Herr, dul 4. Herr! ich bin deinem Petro rufest mir; Du ziehest mich, ich folge gleich: Dort fommt ein Sturm,- bir; Du forderst von mir Herz und ich sink! ach reich', Neich' schnell Sinn, Mein Heiland nimm, ach mir deine starke Hand, So wird nimm es hin! mein Fall noch abgewandt. 5. Du rufest mich; nun ruf ich dir, Mein Heiland, komm und hilf du mir! Mein Fuß ist müd und weigert sich; Herr, unterstütz und trage mich. 6. Flöß deine Kraft mir Müden ein, So werd ich fünftig stärker seyn; So folg ich dir, mein Herr und Gott, Durch Fluth und Gluth, durch Noth und Tod. Nach Rambach. 196 2. Ich hab oft deinen Wink verschmäht, Es ist mir leid, ich komme spät; Wie dank ich dir, o Gott der Huld, Für deine Langmuth und Geduld! 3. Nun aber säum ich länger nicht, Mich drängt und treibet meine Pflicht; Ich komm, ich komm voll Neu und Buß, Ach, aber ach wie wankt mein Fuß! Mel. Nun sich der Tag.( Sprüche 23, 26.) 307. Mein Gott! das Herz ich| Daß ich, von allen Sünden rein, bringe dir Als Gabe und Geschenk; Du forderst dieses ja von mir, Deß bin ich eingebent. 2. ,, Gib mir, mein Kind, dein Herz," sprichst du," Das ist mir lieb und werth; Es gibt dir anders keine Ruh Der Himmel und die Erd!" 3. Nun, du mein Vater, nimm es an Mein Herz, veracht es nicht; Ich gebs, so gut ichs geben kann; Neig zu mir dein Gesicht. 4. Zermalme meine Härtigkeit Mach mürbe meinen Sinn Und ziehe mich in Neu und Leid zu deinem Herzen hin. 5. Schenk, Jesu, mir nach deiner Huld Gerechtigkeit und Heil, Du trugst ja meiner Sünden Schuld Und meiner Strafen Theil. 6. In dich wollst du mich kleiden ein, Dein' Unschuld zieh mir an, Bor Gott bestehen kann. 7. O heilger Geist! nimm du auch mich In die Gemeinschaft ein, Ergieß um Jesu willen dich Tief in mein Herz hinein. 8. Dein göttlich Licht ström in mich aus Und Gluth der reinen Lieb; Lösch Finsterniß, Haß, Falsch heit aus, Schenk fiets mir deinen Trieb. 9. Hilf, daß ich sey von Herzen tren Im Glauben meinem Gott, Daß mich im Guten nicht mach scheu Der Welt List, Macht und Spott. 10. Hilf, daß ich sey von Herzen fest Ju Hoffnung und Geduld, Daß, wenn nur du mich nicht verläßst Mich tröste deine Huld. 11. Hilf, daß ich sey von Herzen tlein, Demuth und Sanftmuth üb', Daß ich von aller Weltlieb rein, Stets wachs' in Gottes Lieb. A. Buße und Bekehrung. 197 12. Hilf, daß ich sey von Herzen| 13. Nimm ganz, o Gott, zum fromm, Dhn alle Heuchelei, Damit mein ganzes Christenthum Dir wohl gefällig sey. Tempel ein Mein Herz hier in der Zeit, Ja laß es auch dein Wohnhaus seyn In jener Ewigkeit. Nach Schade. Mel. Es ist genug.( Sprüche 23, 26. Sesek. 11, 19. 20.) 308. Hier ist mein Herz! mein| des Erlösers Wunden Trost, Nuh und Seligkeit gefunden,- Mein gläubig Herz. 6. Hier ist mein Herz! Geist Gottes, schaff es rein Und mach es gänzlich neu; Weih es dir selbst zum heilgen Tempel ein; Mach es zum Guten treu; Hilf, daß es stets nach Gott verlange, Ihn fürcht, ihn lieb und an ihm hange, Mein neues Herz. 7. Hier ist mein Herz! es über denkt gerührt Die Hoheit deines Throns; Schenk ihm den Schmuck, der deine Knechte ziert, Die Demuth deines Sohns! Gib, daß es Stolz und Hoffart fliehe Und klein zu werden sich bemühe, Mein niedrig Herz. 11 Gott, ich geb es dir, Dir, der es gnädig schuf. Nimm es der Welt, mein Kind, und gib es mir!" Dieß ist an mich dein Ruf; Hier ist das Opfer meiner 2.ebe, Ich weih es dir aus treuem Triebe; Hier ist mein Herz! 2. Hier ist mein Herz! o nimm es gnädig an, Ob ihm gleich viel gebricht. Ich geb es dir, so gut ichs geben kann, Verschmäh die Gabe nicht! Es ist mit böser Lust beflecket, Mit Sünd erfüllt, mit Schuld be decket, mein fündig Herz. 3. Hier ist mein Herz, das bisher steinern war, Nun ists ein fleischern Herz; Es legt sich dir matt und zerbrochen dar, Es fühlet Angst und Schmerz, Es jammert bei der Last von Sünden, Es seufzt: wo soll ich Rettung finden? Mein reuig Herz. - 4. Hier ist mein Herz! Gott der Barmherzigkeit, Erbarme du dich sein! Die ganze Welt, sie stillet nicht sein Leid, Du bist sein Trost allein. Es fagt mit findlichem Vertrauen: ,, Ich werde Gott als Bater schauen," Mein hoffend Herz. 5. Hier ist mein Herz! es sucht in Christo Heil, Es naht zum Kreuze hin und spricht: ,, o Herr, bu bist mein Gut und Theil, Dein Tod ist mein Gewinn!" Es hat in - 8. Hier ist mein Herz! lehr es Gelaffenheit; Sein Glück sey sters dein Rath; Sein Wahlspruch sey im Wohlergehn und Leid: ,, Was Gott beschlossen hat!" Es glaube fest zu deinem Preise: Der Herr ist treu; mein Gott ist weise," Mein folgsam Herz. 9. Hier ist mein Herz! bewahr es, treuster Freund, Vor aller Feinde List! Gib, wann der Tod, der letzte Feind, erscheint, Daß start es, gläubig ist. Hilf mir, wann meine Augen brechen, Das treue Wort froh zu dir sprechen: Hier ist mein Herz!" Liebich, g. 1713+ 1780. XVI. heilsordnung. Eigene Mel.( Luc. 15. Ebr. 2, 17 2c, Jef. 1, 18. Pf. 95, 7 2c.) 309. Mein Heiland nimmt die| milden Fluß der Neuethränen Und Sünder an, Die unter ihrer Last der Sünden Kein Mensch, kein Engel trösten kann, Die nirgends Ruh und Rettung finden. Die mit sich selber im Gedräng, Daß ihnen alle Welt zu eng, Weil über sie der Stab gebrochen, Der Himmel ihnen abgesprochen, Die sehn die Freistatt aufgethan: Mein Heiland nimmt die Sünder an. 198 - denkt nicht, was sie sonst gethan! Mein Heiland nimmt die Sün der an. 4. Q solltest du sein Herze sehn, Wie sichs nach armen Sündern sehnet, Sowohl wenn sie noch irre gehn, Als wenn ihr Auge vor ihm thränet! Er streckt die Hand nach Zöllnern aus; Er eilet in Zachäi Haus; Wie stillet sanft er Magdalenen Den - 2. Sein mehr als mütterliches Herz Trieb ihn von seinem Thron auf Erden; Ihn drang der Sünder Noth und Schmerz, An ihrer Statt ein Fluch zu werden. Er senkte sich 6. So komme denn wer Sünder in ihre Noth, Und litt für sie den heißt Und wen sein Sündengreul bittern Tod. Nun, da er denn sein betrübet, Zu dem der keinen von sich eignes Leben Für sie zur Lösung hin- weist, Der sich gebeugt zu ihm be gegeben und für die Welt genug gegibet! Wie? willst du dir im Lichte than, So heißts: er nimmt die Sün- stehn Und ohne Roth verloren gehn? der an. Willst du der Sünde länger dienen, Da dich zu retten er erschienen? nein, verlaß die Sündenbahn! Mein Heiland nimmt die Sünder an. ( Hefet. 33, 11. ( Gal. 3, 13.) 3. Nun ist sein väterlicher Schooß Ein sichres Schloß bedrängter See len; Er spricht sie vom Gerichte los Und endet bald ihr ängstlich Quälen, ( S8 wird ihr ganzes Sündenheer 7. Komm nur mühselig und geWie in ein unergründlich Meer bückt, Komm nur so gut du weißt Durch sein Verbienft hinabgesentet; zu kommen! Wenn auch die Laft Der Geist, der ihnen wird geschenket, dich niederbrückt, Du wirst auch Führt sie zu Gott auf ebner Bahn; seufzend angenommen; Sieh, wie Mein Heiland nimmt die Siin- sein Herz dir offen steht Und wie er bir entgegen geht! Wie lang bat er mit stillem Fleben Sich liebend nach dir umgesehen! So komm denn, Sünder, komm heran; Mein Heiland nimmt die Sünder an. der an. ( Luc. 19, 1-10. 7, 36-48.) 5. Wie freundlich blickt er Petrum an, Ob dieser gleich so tief gefallen! Und dieß hat er nicht nur gethan, Da er auf Erden mußte wallen, Nein, er ist immerdar sich gleich, Gerecht, an Tren und Gnade reich, Und wie er unter Schmach und Lei den, So ist er auf dem Thron der Frenden Den Sündern liebreich zugethan! Mein Heiland nimmt die Sünder an. ( Luc. 22, 61.) - 8. Sprich nicht: ich habs t schlimm gemacht, Ich hab die Güter seiner GnadenSolang und schmählich A. Buße und Bekehrung. burchgebracht; Er hat mich oft| verträumet, Hat oft die Gnadenzeit insonst geladen I Wofern bu's versäumet; Dem wird hernach nicht jetzt nur redlich meinst Und deinen aufgethan! Heut komm, heut nimmt Fall mit Ernst beweinst, So soll dich Jesus an! ihm nichts die Hände binden, Und du sollst dennoch Gnade finden! Er hilft, wo sonst nichts helfen kann; Mein Heiland nimmt die Sünder an. 9. Doch sprich auch nicht: ,, es ist noch Zeit, Ich muß erst diese Lust genießen; Gott wird ja eben nicht schon heut Die offne Gnadenpforte schließen!" Nein, weil er ruft, so höre du Und greif mit beiden Händen zu! Wer seiner Seelen Heut 199 2. Keiner Gnade sind wir werth; Doch er hat in seinem Worte Klar und liebreich sich erklärt; Sehet nur, die Gnadenpforte Ist hier völlig aufgethan: Jesus ninunt die Süinder an. Mel. Jesus, metlne Zuversicht.( Luc. 15, 1-7.) 310. Jesus nimmt die Silnder| Sündern Gotteskinder; Glaubt es an! Sagt doch diesesTrostwort allen, Welche von der rechten Bahn Auf verkehrten Wegen wallen! Hier ist was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an. doch und denket dran: Jesus nimmt die Situder an. 5. Jch Betrübter komme hier Und bekenne meine Sünden, Laß, mein Heiland, mich bei dir Gnade zur Vergebung finden, Daß dieß Wort mich trösten kann: Jesus nimmt die Sünder an. 10. Ja zeuch uns alle recht zu dir, Holdselger Heiland aller Sünder! Erfüll mit heiliger Begier Uns, die von Gott gewichnen Kinder! Beig uns bei unsrem Seelenschmerz Dein aufgeschloßnesLiebesherz; Und wenn wir unser Elend sehen, So laß uns ja nicht stille stehen, Bis daß ein jedes sagen kann: Gottlob, auch mich nimmt Jesus an! Lehr, g. 1709 † 1744. 4. Kommet alle, fommet her, Kommet, ihr betrübten Sünder! Jesus rufet euch und er Macht aus 6. Nun so faff' ich frohen Muth, Auf dich werf ich meine Sünden; Dein am Kreuz vergoßnes Blut Läffet mich Vergebung finden, Daß ich gläubig sprechen kann: Jesus nimmt die Sünder an. 3. Wenn ein Schaf verloren ist, Suchet es ein treuer Hirte; Jesus, ber uns nie vergißt, Suchet treulich das Verirrte, Daß es nicht ver- 7. Jesus nimmt die Sünder an! berben kann; Jesus nimmt die Sün- Mich hat er auch angenommen, Mir den Himmel aufgethan, Daß ich selig zu ihm kommen und auf den Troft sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an! der an. Neumeister, g. 1671+1756. Mel. Aus tiefer Noth.( Rom. 2, 4-6. 8, 19-25. Luc. 19, 42.) 311. Herr! deine Trene ist so| Wir liegen senszend, arm und bloß groß, Daß wir uns wundern müiffen; UmGnade dirzuFilßen. Die Bosheit 200 XVI. heilsordnung. währet immerfort, Und du bleibst| thum dich betrübet! Gib deinem doch der treue Hort Und willst uns werthen Worte Kraft, Daß es in nicht verderben. solchen Herzen haft', Die hart sind wie die Felsen. 2. Die Sünden nehmen überhand, Du siehest selbst die Schmerzen, Die Wunden sind dir wohlbekannt Der sehr verkehrten Herzen; Die Schulden nehmen täglich zu; Es haben weder Rast noch Nuh, Die bir den Rücken kehren. 7. Laß doch die Welt erkennen noch Mit ihren blinden Kindern, Wie sanft und angenehm bein Joch Sety allen armen Sündern, Die fühlen ihre Sündenschuld Und wenden sich zu deiner Huld Und deines Sohnes Wunden. 3. Dein Auge stehet wider die So deiner Wege fehlen Und in dem gan zen Leben hie Den krummen Weg erwählen, Und suchen in dem Siindenwust zu büßen ihre Fleischesluft Nach dem verderbten Willen. ( Pf. 34, 17.) 4. Die Kreatur entsetzet sich, Und seufzet, frei zu werden, Sie wartet und thut ängstiglich; Der Himmel und die Erben, Und was hienieden weit und breit Sich quält im Dienst der Eitelkeit, Beweinet solch Ver derben. 5. Wir hoffen dennoch fest zu dir, Du werdest uns erhören; Wir flehen, o Gott, für und für, Du wollest doch bekehren Die fündenvolle, blinde Welt, Die sich für so glückselig hält, Da fie zur Hölle eilet! 6. Erbarme dich, o treuer Gott, Der du die Welt geliebet, Die Welt, die ganz in Sünden todt, In Irr-| 8. Die Heerde, die du hast er. wählt, Die setze du zum Segen Und schenke was ihr annoch fehlt, Zu gehn auf rechten Wegen. Herr! laß dein Auge, Herz und Hand Den deinen bleiben wohl bekannt, Die deiner Güte trauen. 9. Ein Vater und ein Hirte meint Es treulich mit den seinen; Du bist noch mehr der Sünder Freund, Du kannsts nicht böse meinen; Drumm tranen wir allein auf dich, Ach leite und Willen! du uns väterlich Nach deinem Rath 10. Hier sind wir deine Kinder schen Und freun uns auf das Leben, Da du uns willst die Gnadenkron Als deinen Erben geben. Wir hoffen, bald dein Angesicht zu sehen dort in jenem Licht, Da Christus uns wird weiden. Weydenheim, um 1660. B. Glaube und Rechtfertigung. Mel. D Gott, du frommer.( Ebr. 11, 6.) 312. Herr! ohne Glauben kann| ist nicht Menschenwert, Er kommt Dir niemand wohlgefallen, Ach davon deinem Geist. rum lege mir Vor andern Gaben allen Den wahren Glauben bei: Tenn der nicht nur so heißt, Der 2. Laß mich insonderheit, Daß du seyft, herzlich glauben; Was mir dein Wort verheißt, Das laß mit B. Glaube und Rechtfertigung. 201 niemand rauben: Daß du dem der| Regier und führe mich, So werd dich sucht, Stets ein Vergelter seyst, Und daß ihn deine Hand Aus allen Nöthen reißt. ich nimmer fehlen; Du sollst mein König seyn, Dem ich gehorchen will, Mein Lehrer und Prophet, Deß Willen ich erfüll. 6. Nichts müsse mich von dir, Mein Hohepriester, treiben; Laß. Jesu, dein Verdienst Den Grund des Glaubens bleiben, Daß meine Seele sich Hierauf getreu und fest, Als auf mein einzig Heil Und wahren Trost verläßt. 3. Herr! laß mich auf dein Wort Von ganzem Herzen trauen Und fest auf deine Tren Und Wahrheit immer bauen. Gib, daß ich dir in Noth Und Kreuz und Tod getreu Und durch des Glaubens Kraft Allzeit gehorsam sey). 4. Mein Jesu! laß mich dich Im Glauben wohl erkennen, Dich meinen Herrn und Gott, Trost, Schutz und Heiland nennen. Laß mich im Glauben thun Was uns dein Mund gelehrt, Daß dich Herz, Mund und That Als den Erlöser ehrt. 5. Mein König und Prophet! Komm, herrsch in meiner Seelen; 7. Ach Jesu! stärke mich In diesem meinem Glauben; Laß mir ihn weder Tod Noch Welt und Hölle rauben; Bleib in demselben stets Genau mit mir vereint, Daß ich sey dein, du mein, O theurer Seelenfreund! Peter Busch, g. 1682 † 1744 Eigene Mel.( Röm. 3, 23-28. Gal. 2, 16. 17.) 313. Es ist das Heil uns kom4. Nicht möglich wars, dieselbe men her Aus lauter Gnad und Art Aus eigner Kraft zu lassen, Güte, Die Werke helfen nimmer- Wie wohl es oft versuchet ward, mehr Zum Frieden dem Gemüthe; Dech mehrt' Sünd ohn MaDer Glaub sieht Jesum Chriftum ßen. Des Gleißners Werke Gott an, Der hat für alle gnug gethan; verdammt; Denn alles was vom Er ist der Mittler worden. Fleische stammt, Kann nimmer vor ihm gelten. 5. Doch das Gesetz erfüllt mußt seyn, Sonst wären wir verloren; Drum schickt' Gott seinen Sohn herein, Der ward ein Mensch geboren; Ganz hat er das Gesetz erfüllt, Damit des Vaters Zorn gestillt, Der über uns gieng alle. 2. Was Gott uns im Gesetz gebot, Das konnte niemand halten, Darum erhub sich große Noth In mancherlei Gestalten, Vom Fleisch wollt nicht heraus der Geist, Den das Gesetz will allermeist; Es war mit uns verloren! 3. Ein Wahn war vom Gesetz dabei: Essey darum gegeben, Als ob wir 6. Und weil es nun erfüllet ist könnten selber frei Nach Gottes Wil- Durch ihn, den Gott erlesen, So len leben; Ist es doch nur ein Spiegel lerne jetzt ein frommer Christ Des zart, Der uns zeigt an die fündig Art, In unsrem Fleisch verborgen. Glaubens rechtes Wesen; Er spricht dann:" lieber Herre mein, Dein 202 XVI. Heilsordnung. Tod wird mir das Leben seyn, Du| sten Knecht; Drau wir den Glau haft für mich bezahlet!" ben merken. 7. ,, Daran ich keinen Zweifel trag, Dein Wort kann nimmer lügen; Du sprichst ja, daß kein Mensch verzag, Und wirst fürwahr nicht trigen: Wer glaubt an mich und wird getauft, Dem ist der Himmel schon erkauft, Daß er nicht werd verloren." 11. Die Hoffnung barrt der rech ten Zeit, Was Gottes Wort zu sage; Wann das geschehen soll zur Freud, Setzt er nicht feste Tage, Er weiß wohl, wanns am besten ist, Und denkt an uns zu rechter Frist, Das soll man ihm vertrauen. 12. Ob sichs anließ', als wollt er nicht, Laß dich es nicht erschrecken; Denn wo er ist am besten mit, Da will ers nicht entdecken. Sein Wort laß dir gewisser seyn, Und ob dein Fleisch spräch lauter Nein, So laß dir doch nicht grauen! 13. Sey Lob und Ehr mit hohem Preis Um dieser Güte willen Gott, Bater, Sohn und heilgem Geist, Der wolle treu erfüllen Was er in uns begonnen hat, zu Ehren sei9. Die Sünd wird durchs Gesetz erkannt, Schlägt das Gewissen nieder; Das Evangelium kommt zur Hand Und stärkt den Sünder wiener Macht und Gnad, Daß heider; Es spricht: ,, eil nur zum Kreuz lig werd sein Name; herzu, Denn im Gesetz ist keine Nub, Mit allen seinen Werken." 14. Sein Reich zukomm, sein Will auf Erd Steh wie im Hint10. Gewiß, die Werke kommen melsthrone, Das täglich Brod her Aus einem rechten Glauben; noch heut uns werd, Wohl unsrer Denn das kein rechter Glaube wär, Schuld verschone, Wie wir den Dem man die Werk' wollt rauben: Schuldnern thun nach Pflicht, Auch Doch macht der Glaub allein geführ uns in Versuchung nicht, Lös recht, Die Werke sind des Näch uns vom Uebel! Amen. Speratus, g. 1484+ 1554. Mel. Es spricht der Unweisen.( Röm. 4, 5. Tit. 2, 13.14.) 314. O Mensch, der Himmel| 2. Was vor der Menschen Angeist zu fern, Durch Wert ihn zu sicht Nach dem Gesetz geschiehet, ersteigen! Wenn der Gehorsam Das gilt vor Gottes Aug noch unsers Herrn Nicht wird im Geist nicht, Weil er auf Glauben stehet. dein eigen, So wirst du nimmer- Wie kannst du aber ohne Geist, mehr gerecht Und bleibest ein un- Was Gott im Geist vollbringen nützer Knecht mit allen deinen heißt, Aus eigner Kraft erfüllen? Werken. 3. Wer nicht durch Christum wird 8. Gerecht vor Gott sind die al lein, Die dieses Glaubens leben; Dann wird des Glaubens heller Schein Durch Werke kund sich geben. Mit Gott der Glaub ist wohl daran, Und aus der Nächstenlieb sieht man, Daß du aus Gott geboren. B. Glanbe und Rechtfertigung. 203 gerecht, Der kann nicht selig wer-| 6. Du hast mich, Herr, durch den; Er ist und bleibt ein armer Knecht Dort und schon hier auf Erden; Er bleibet durchs Gesetz verslucht, So lang er ohne Glauben sucht Die Seligkeit zu finden. 4. Du, Jesu, giltst vor Gott allein Mit deinem Thun undLeiden. Bringt das der Glaub ins Herz hinein, So kann die Seel sich kleiden; Du selbst gibst ihr das Ehrenkleid, Den Braut schmuck der Gerechtigkeit; Damit wird sie bestehen. deinen Tod Bon meiner Schuld gereinigt, Hast mich nach schwerer Sündennoth Zum Leben dir vereinigt. Du deckeft meine Schande zu und bringest meiner Seele Ruh Und Gnade bei dem Vater. 7. Wo aber Glaub und Christus ist, Und Sünden sind vergeben, Da führt denn auch ein wahrer Christ Nach dem Gesetz sein Leben; Er wandelt fromm sein Lebenlang, Doch ohne Knechtegeist, ohne Zwang, Weil alles geht aus Liebe. 5. Was du, mein Herr, für mich gethan Im Leben und im Sterben, Da hat Gott Wohlgefallen dran, Das läßt mich nicht verderben; Das ist mein Licht, mein Trost und Ruhm, Durch Glauben wirds mein Eigenthum Und heiligt meine 8. Nun für so hohe Gnadengab, Herr Jesu, will ich danken, Und weil ich sonst kein Opfer hab, Als was du gibst mir Kranken, So nimm von meinem neuen Sinn Des Herzens Opfer gnädig hin und bring es vor den Vater! Presfovius, um 1690. Seele. Mel. Mein's Herzens Jesu.( Rom. 3, 22-26. Jac. 2, 26. Luc. 17, 10 2c.) Werken kräftig seyn, Sonft ist dein Glauben eitel! 315. Der Glaub ist eine Zu-| auch des Glaubens Schein In guten versicht Zu Gottes Gnad und Güte; Der bloße Beifall thut es nicht; Es muß Herz und Gemüthe Durchaus zu Gott gerichtet seyn Und gründen sich auf ihn allein Ohn Wanken und ohn Zweifel! 2. Wer so sein Herz macht stark und fest Im völligen Vertrauen, Auf Jesum Chriftum sich verläßt, Nicht auf sich selbst mag bauen, Der hat des Glaubens rechte Art Und kann zur selgen Friedensfahrt Sich schicken ohne Granen. 3. Das aber ist kein Menschenwerk; Gott muß es uns gewähren; Drum bitt, daß er den Glauben stärk Und in dir woll vermehren; Laß aber 4. Es ist ein schändlich böser Wahn, Des Glaubens sich nur rühmen, Und gehen auf der Sünderbahn, Das Christen nicht kann ziemen; Wer das thut, der soll wissen frei, Es sey sein Glaub nur Heuchelei Und werd zur Höll ihn bringen! 5. Drum laffe sich ein frommer Christ Mit Ernst seyn angelegen, Daß er aufrichtig jeder Frist Sich halt in Gottes Wegen; Daß sein Glaub ohne Heuchelei Ber Gott dem Herrn rechtschaffen sey Uud vor dem Nächsten leuchte! Gotter, g. 1661 † 1735. XVI. heilsordnung. Eigene Mel.( Eph. 2, 8. 9. 2 Tim. 2, 19.) 316. Aus Gnaden soll ich selig schreiben, Was Gott in seinem Worte preist, Worauf all unser Glaube ruht, Ist: Gnade durch des Sohnes Blut. 6. Aus Gnaden! doch du, sichrer Sünder, Dent nicht: ,, wohlan, ich) greife zu!" Wahr ists, Gott ruft verlorne Kinder Aus Gnaden zur verheißnen Ruh; Doch den geht seine Gnad nicht an, Der noch auf Gnade sündgen kann. 204 werden; Herz, glaubst du's, oder zlaubst du's nicht? Was willst du dich so blöd geberden? Ists Wahrbeit was die Schrift verspricht, So muß auch dieses Wahrheit seyn: Aus Guaden ist der Himmel dein. 2. Aus Gnaden! hier gilt kein Berdienen, Die eignen Werke fallen hin. Der Mittler, der im Fleisch er schienen, Hat diese Ehre zum Gewinn: Daß uns sein Tod das Heil gebracht Und uns aus Gnaten selig macht. 3. Aus Gnaden! merk dieß Wort „ aus Gnaden," So hart dich deine Sünde plagt, So schwer du immer bist beladen, So schwer dein Herz dich auch verklagt; Was die Vernunft nicht fassen kann, Das beut dir Gott aus Gnaden an. 7. Aus Gnaden! wer dieß Wort gehöret, Tret ab von aller Heuchelei. Nur wenn der Sünder sich bekehret, Dann lernt er erst was Gnade sey; Beim Sündethun scheint sie gering, Dem Glauben ists ein Wunderding! 8. Aus Gnaden bleibt dem blöden Herzen Das Herz des Vaters auf gethan, Wenns unter Angst und heißen Schmerzen Nichts sieht und nichts mehr hoffen kann. Wo nähm ich oftmals Stärkung her, Wenn Gnade nicht mein Anker wär? 9. Aus Gnaden! hierauf will ich 4. Aus Gnaden fam sein Sohn auf Erden Und übernahm die Sündenlast; Was nöthigt' ihn, dein Freund zu werden? Sprich, weß tu dich zu rühmen bast? Gab er sich sterben; Ich glaube, darum ist mir nicht zum Opfer dar Und nahm deinwohl. Ich weiß mein findliches Heil in Gnaden wahr? Verderben, Doch den auch ber mich 5. Aus Gnaden! dieser Grund heilen soll. Mein Geist ist froh, wird bleiben, So lange Gott wahr mein Herze lacht, Weil mich die baftig heißt. Was alle Knechte Jesu| Gnade selig macht! 317. Scheibt, g. 1709 † 1761. Mel. Allein Gott in.( 1 Cor. 1, 8. 9. Phil. 1, 6.) Gottes Sohn, Herr 2. Lehr du und unterweise mich, Jesu Christ, Du meiner Seele Le- Daß ich den Vater kenne, Daß ich, Len! Was mir zum Glauben nöthig o Jesu Christe, dich Den Sohn des ist, Kann ich mir selbst nicht geben; Drum bilf du mir von oben her, Den wahren Glauben mir gewähr Und daß ich brinn verharre. Höchsten nenne, Daß ich zugleich den heilgen Geist, Der uns den Weg zum Himmel weist, Bon ganzem Herzen ehre. B. Glaube und Rechtfertigung. 3. Laß mich vom großen Gnaden-| 7. Hilf, daß ich stets forgfältig heil Die recht' Erkenntniß finden: sey, Den Glauben zu behalten, Ein Wie der nur an dir habe Theil, Dem du vergibst die Sünden; Daß ich es such, wie sichs gebührt; Du bist der Weg, der mich recht führt, Die Wahrheit und das Leben. 5. Laß meinen Glauben trösten sich Des Bluts das du vergoffen; Und halt in deiner Gnade mich Beständig eingeschlossen. Gib, daß im Glauben ich die Welt Und was die Welt am höchsten hält, Allzeit für Schaden achte. 205 gut Gewissen auch dabei, Und daß ich so mög walten, Daß ich sey lauter jederzeit, Ohn Anstoß, mit Gerechtigkeit Erfüllt und ihren Früchten. 4. Gib, daß ich traue deinem 8. Herr! durch den Glauben wohn Wort, Es wohl zu Herzen fasse, in mir, Laß ihn sich immer stärken, Daß sich mein Glaube immerfort Daß er sey fruchtbar für und für Auf dein Verdienst verlasse; Daß Und reich an guten Werken; Daß mein lebendger Glaube mir Geer sey thätig durch die Lieb, Mit rechtigkeit verleih vor dir, Wenn Frenden und Geduld sich üb', Dem ich in Sünden zage. Nächsten treu zu dienen. 9. Insonderheit gib mir die Kraft, Daß vollends bei dem Ende Ich übe gute Ritterschaft, zu dir allein mich wende In meiner letzten Stund und Noth, Des Glaubens End durch deinen Tod, Die Seligkeit er lange. 6. Ist auch mein Glaub ein Senf- 10. Du haft entzündet, Jefn korn klein, so daß ich ihn kaum Christ, Das Fünklein in mir merke, Wollst du doch in mir mäch- Schwachen, Drum was von Glantig seyn, Daß deine Gnav mich stärke, ben in mir ist, Das wollst du stärDie das zerstoßne Rohr nicht bricht ter machen; Was du begonnen Und auch das Docht, das glimmet, hast, vollführ Bis an das Ende, nicht Auslöschet in den Schwachen. daß bei vir Auf Glauben folge ( 3ef. 42, 3.) Schauen. Denike, g. 1603+ 1680, Mel. Wer nur den lieben.( Apostelgesch. 4, 12.) 318. Ich weiß von keinem an-| Huh; Er ist mein Kleinod und mein dern Grunde, Als den der Glaub Theil, Und außer ihm weiß ich kein in Chrifto hat; Ich weiß von keinem Heil. andern Bunde, Von keinem andern Weg und Rath: Als daß man elend, arm und bloß Sich legt in seines Baters Schooß. 2. Ich bin zu meinem Heiland kommen Und eil ihm immer besser 34; Ich bin auch von ihm aufgenommen und finde bei ihm wahre 3. Ich bleib in Christo nun erfunden und bin in ihm gerecht und rein; Bleib ich mit ihm nur stets verbunden, So kann ich immer sicher seyn; Gott sieht auch mich in Chrifto an, Wer ists, der mich verdammen kann? 4. Ich fühle noch in mir die - 206 XVI. cilsordnung. Sünde; Doch schaben kann sie mir| treibe Und unabläffig zu ihm fleh, nicht mehr, Weil ich in Christo mich befinde; Wohl aber beuget sie mich sehr. Ich halte nichts gering und klein, Sonst bringt ein sichres Wesen ein. So bleib ich stets im Grunde stehn; Da kann mein Wachsthum vor sich gehn. 7. Sch bleib im tiefsten Demuths grunde Und will von Christo nim mer gehn; Ich bleib im allgemeinen Bunde, In allgemeiner Liebe stehn Und hang an Christo ganz allein; Dieß soll mein Grund auf ewig seyn! 8. O Jesu! laß mich in dir bleiben; O Jesu! bleibe du in mir. Laß deinen guten Geist mich treiben, Daß ich im Glanben folge dir; Laß mich stets fromm und wachsam seyn, So reißet nichts den Grund mir ein. Nach Bogazky. 5. Ich kämpfe gegen mein Ver derben In Glauben und in Christi Kraft; Der alte Mensch muß täglich sterben, Der noch nicht todt am Kreuze haft't; Dieß aber macht mich rein und klein Und lehrt zu Jesu ernstlich schrei'n. 6. Und da ich so in Christo bleibe, Stets vor ihm wandelnd auf ihn seh, Das Wort des Friedens fröhlich Mel. Die Tugend wird.( Jes. 55, 6 2c. Gal. 4, 4. 5.) 319. Ich suche dich, Herr, laß| rein und frei von Leiden, Mehr Glück genießen als ich weiß; Dieß find, o Gott, des Himmels Frenden, Dieß ist der Tugend hoher Preis! 4. Gib mir den Glauben deiner Streiter, Der durch die Liebe thätig sey. Mach, Jesu, mich in Hoff* nung beiter, Demüthig, keusch, versöhnlich, tren, Mitleidig, weich bei fremden Schmerzen, Heiß im Gebet, still gegen Spott, Zum Sterben reif, voll Ruh im Herzen, Arm vor der Welt, und reich in Gott. dich finden, Lant seufzt mein dür stend Herz nach dir! Verbirg beim Schreien meiner Sünden Dein gnädig Antlitz nicht vor mir. Was willst du mit dem Staube rechten? Du kennst mein fündiges Geschlecht; Ach, unter allen deinen Knechten Ist teiner, Herr, bor bir gerecht! 2. Ich will vor beinem Fluch nicht beben, Denn, mich mit Gnade zu erfreun, Starb Jesus; durch ihn werd ich leben, Er überwand, sein Sieg ist mein. Umsonst drohn nun des Abgrunds Flammen, Ich erbe meines Vaters Gut, Ich bin sein Kind, wer will verdammen? Für mich floß seines Sohnes Blut. 3. Ich soll, des Todes Macht entnommen, Den großen Lebensfürsten sehn Und einst mit allen seinen Frommen Durch alle Himmel ihn erhöhn, Von Sünden 5. Und wird der ernste Tag erscheinen, Der Tag des Todes und der Ruh, So führ, wenn meine Freunde weinen, Mich jenes Lebens Wonne zu! Dann sey mein Ende wie dein, Ende! Dir, den der Engel Loblied preist, Befehl ich in die treuen Hände Mit Freuden den erlösten Geist. B. Glaube und Rechtfertigung. Eigene Mel.( Ebr. 3, 16. 17.) 320. Ich ruf zu dir, Herr Jesu| Damit mein' Seel zu nähren, Mich zu wehren, Wann Unglück geht daher, Das mich bald möcht verkehren. Christ, Jch bitt, erhör mein Klagen; Verleih mir Gnad zu dieser Frist, Laß mich doch nicht verzagen! Den rechten Glauben, Herr, ich mein'; Und daß ich möge streben, Dir zu leben, Dem Nächsten nu zu seyn, Das wolleft bu mir geben! 2. Ich bitt noch mehr, o Herre Gott, Du kannst es mir wohl geben: Daß ich nicht wieder werd zu Spott; Die Hoffnung gib daneben; Voraus, wann ich muß hie davon, Daß ich dir mög vertrauen Und nicht bauen Auf eignes Werk und Thun, Sonst werd ich dich nicht schauen! 4. Laß mich nicht Lust noch Furcht von dir In dieser Welt abwenden; Beständig seyn ans End gib mir, Du hafts allein in Händen; Und wem du's gibst, der hats umsonst, Es mag niemand ererben, Noch erwerben Durch Werke deine Gnad, Die uns erlöst vom Sterben. 5. Ich lieg im Streit und wider. streb; Hilf, o Herr Christ, dem Schwachen! Bon deiner Gnad allein ich leb, Du kannst mich stärker ma3. Verleih, daß ich aus Herzens- chen. Kommt nun Anfechtung und grund Den Feinden mög vergeben; Gefahr, Wollst du mich nicht verVerzeih mir auch zu dieser Stund. lassen, Fest mich fassen; Behüt Schaff in mir neues Leben; Dein mich immerdar; Ich weiß, du wirsts Wert mein' Speis' laß allweg seyn, nicht lassen! Vielleicht von Speratus, g 1484 † 1554. ( 1 Soh. 2, 12. Pf. 130.) 4. Hier ist die Zeit der Gnaden, Der Angst sich zu entladen, Auf Gottes Wort zu ruhn, Die Seele zu erretten, Zu glauben und zu beten Und das in Jesu Namen thun. Mel. Nun ruben alle. 321. Die Sünden sind vergeben! Das ist ein Wort zum Leben Für den gequälten Geist; Sie finds in Jesu Namen, In dem ist Ja und Amen, Was Gott uns Sündern je verheißt. 2. Das ist auch mir geschrieben, Auch ich bin von den Lieben, Weil Gott die Welt geliebt; Auch ich kann für dieSünden Bei Gott noch Gnade finben; Ich glaube, daß er mir vergibt. 3. Mein Hauptgesuch auf Erden Soll die Vergebung werden; So wird mein Tod nicht schwer. O, in den Sünden sterben Ist ewiges Verderben; Denn wer will dann bestehen, wer? 207 5. Gott! gib, daß meiner Seele Der Trost doch niemals fehle, Daß du die Schuld vergibst: Wenn ich mich betend beuge, So sey dein Geist mein Zeuge, Daß du dein Kind in Chrifto liebst. 6. Wenn ich von hinnen scheide, So mach mir das zur Freude, Daß ich begnadigt bin! Im Glauben der Vergebung, In Hoffnung der Belebung Geh ich alsdann im Frieden Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769, hin. 1 XVI. heilsordnung. Mel. Mein Jesus lebt.( 1 Joh. 5, 2-5.) Vom hohen seyn. O mach in Mein Herz 322. Ich glaube, Herr,( hilf| die Kraft von seinem Blut Und meinem Glauben!) Daß du der spricht: das Himmelreich ist mein! große Jesus bist, Der, unfrem Feind- Herr! laß mich immer glaubig den Naub zu rauben, Himmel kommen ist. diesem Glauben stark und all mein Lebensmark! 2. Der Glaube machet arme Sünder In Freuden groß, in Demuth klein; Sie sollen Gottes fiebe Kinder, Geschwister seines Sohnes seyn. Herr! schenke solchen Glauben mir, Um solches Glück ruf ich zu dir. 3. Der Glaub ist thätig durch die Liebe, Wer glaubt, der liebet auch gewiß; Die Liebe gibt ihm Lichtestriebe, Er lebt nicht mehr in Finsterniß, Er hat und liebt des Geistes Zucht; Herr! hilf zur Wurzel und zur Frucht. 208 8. Der Glaub ist noth; es ist un möglich, Daß man sonst Gott gefallen kann! Doch ist sein Vaterherz beweglich, Er gibt, klopft man nur herzlich an, Den Glauben gern in reichem Maß; Herr, gib! ich bitt chn Unterlaß. 9. Ich glaube; Herr, hilf mir zum Glauben, O mach ihn von der besten Art, Daß mir kein Feind ihn 5. Der Glaube stärkt in Noth könne rauben, Und daß ich bleibe und Schmerzen Und zeuget einen drin bewahrt, Bis ich nach meiner Heldenmuth; Durch ihn wohnt Chri- Glaubenszeit Dich schauen darf in stus in dem Herzen; Man fühlt Ewigkeit. Annont, † 1770. Mel. Nun sich der Tag.( Pf. 89, 3. 4 Mof. 23, 19.) 323. Die Gnabe wird doch| 3. Hat er uns Gnade zugesagt, So bleibt er feft dabei; Und wenn uns Furcht und Zweifel plagt, So bleibt er doch getreu. 4. So glaubt es denn mein Herz getrost Auf diese Gnade hin, Daß Gott mich ewig nicht verstoßt, Weil ich in Jesu bin. 4. Der Glaube flieht das Weltgetümmel, Das eitle Wesen dieser Welt, Indem er sich zuni ewgen Himmel, Als wenn er ihn schon sähe, hält; Er ziehet an den neuen Sinn: Herr! dieser Sinn sey mein Gewinn. ewig seyn, Die Wahrheit doch gewiß, Bräch auch des Himmels Feste ein Und sänk in Finsterniß! 6. Der Glaube machet Luft zum Sterben, Bersüßt des Todes Angst und Pein; Er machet uns zu Christi Erben Und führet uns zum Frieden ein, Die Seele kommt in ihre Ruh; Herr Jesu! hilf mir auch dazu. 7. Der Glaube hat ein edles Ende, Das ist der Seelen Seligkeit. Man drückt den Freunden noch die Hände Und spricht: ,, nun, seyd auch ihr bereit; Ich gehe vor, folgt munter nach!" Herr! gib mir diese Glaubenssprach. 2. Gott ist kein Mensch, den etwas reut Und sein Wort bricht er nie; Die Gnade währt nicht kurze Zeit, Nein, ewig währet sie. B. Glaube und Rechtfertigung. 209 5. In Jesu liegt der Gnade Grund,| nur in dir allein kann ich Erst groß Da nimmt der Glaube Theil; Mein und herrlich seyn. Heiland, an dem Kreuz verwund't, Macht meine Seele heil. 8. Herr! laffe nichts von mir geschehn, Die Gnade sey denn mit; Laß deine Gnade mit mir gehn Bis zu dem letzten Schritt. 6. D Gnade! daß mein Glaube dich Recht herzhaft faffen könnt, So lang, bis meine Seele sich Von meinem Leibe trennt. 7. Herr! deine Gnade mache mich In mir recht arm und klein, Denn Mel. Valet will ich.( 2 Tim. 1, 12.) 324. Ich weiß, an wen ich| 3. Er, den man blutbedecket," Am glaube, Ich weiß, was fest besteht, Wenn alles hier im Staube Wie Rauch und Staub verweht; Ich weiß, was ewig bleibet, Wo alles wankt und fällt, Wo Wahn die Weisen treibet Und Trug die Klugen hält. Abend einst begrub, Er, der von Gott erwecket, Sich aus dem Staub erhub; Der meine Schuld verföhnet, Der seinen Geist mir schenkt, Der mich mit Gnade krönet Und ewig mein gedenkt! 4. Drum weiß ich, was ich glaube, Ich weiß, was fest besteht Und in dem Erdenstaube Nicht mit zu Staub verweht; Es bleibet mir im Grauen Des Todes ungeraubt; Es schmückt auf Himmelsauen Mit Kronen einst mein Haupt! E. M. Arndt, g. 1769 † 1860. Mel. Auf, Christenmensch.( 1 Joh. 2, 4-6. 4, 16.) 325. Wer Gottes Wort nicht| 3. Durch Jesum rein von Missehält und spricht: ,, Ich kenne Gott," that, Sind wir nun Gottes Kinder trüget, In solchem ist die Wahr- der; Wer solche Hoffnung zu ihm heit nicht, die durch den Glauben hat, Der flieht den Nath der Sünsieget. Wer aber sein Wort glaubt der, Folgt Christi Beispiel als ein und hält, Der ist von Gott, nicht Christ Und reinigt sich, wie Er von der Welt. rein ist. 4. Alsdann bin ich Gott augenehm, Wenn ich Gehorsam übe; Wer die Gebote hält, in dem f wahrlich Gottes Liebe. Ein täglich thätig Christenthum, Das ist des Glaubens Frucht und Ruhm. 14 2. Das ist das Licht der Höhe, Das ist mein Jesus Christ, Der Fels, auf dem ich stehe, Der diamanten ist, Der nimmermehr kann wanten, Der Heiland und der Hort, Die Leuchte der Gedanken, Die leuchtet hier und dort; 9. Kommt dann dein großer Tag herbei, So laß im Auferstehn, Daß deine Gnade ewig sey, Mich auch im Himmel sehn! Ph. Fr. Hiller, g. 1699+ 1769. 2. Der Glaube, den sein Wort erzeugt, Muß auch die Liebe zeugen; Je höher dein Erkenntniß steigt, Je mehr wird diese steigen. Der Glaub erleuchtet nicht allein, Er stärkt das Herz und macht es rein. Evangelisches Gesangbuch. 210 XVI. Heilsordnung. 5. Der bleibt in Gott, und Gott| Gott zu gehorchen treibet. Gott ist in ihm, Wer in der Liebe bleibet. die Lieb, an seinem Heil Hat ohne Die Lieb ists, die die Cherubim| Liebe niemand Theil! Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. O Gott, du frommer.( 2 Cor. 13, 5.) 326. Versuchet euch doch selbst,| er uns mit dem Tod, Wir zeigen Ob ihr im Glauben stehet? Ob ihm das Leben; Flucht er, so segnen Christus in euch ist? Ob ihr ihm wir; in Schande, Spott und Hohn auch nachgehet? In Demuth und Ist unser bester Trost Des Himmels Geduld, In Sanftmuth, Freund Ehrenkron. lichkeit, In Lieb dem Nächsten stets Zu dienen sey bereit? ( Matth. 5, 44 c.) 2. Der Glaube ist ein Licht, Im Herzen tief verborgen, Bricht als ein Glanz hervor, Scheint als der helle Morgen, Erweiset seine Kraft, Macht Christo gleichgesinnt, Erneuert Herz und Muth, Macht dich| 8. Man lernet nur dadurch Sein zu Gottes Kind. 7. Setzt Gott uns auf die Prob, Ein schweres Kreuz zu tragen, Der Glaube bringt Geduld, Erleichtert alle Plagen; Statt Murren, Ungeduld, Wird das Gebet erweckt, Weil aller Angst und Noth Von Gott ein Ziel gestedt. Elend recht verstehen, Wie auch des Höchsten Güt', Hält an mit Bitten, Flehen, Verzaget an sich selbst, Ertennet sich als nichts, Sucht bloß in Christo Kraft, Der Quelle alles Lichts; 3. Er schöpft aus Christo Heil, Gerechtigkeit und Leben Und wills in Einfalt auch Dem Nächsten wiedergeben. Dieweil er überreich In Christo worden ist, Preist er die Gnade hoch, Bekennet Jesum Chrift. 4. Er hofft in Zuversicht Was Gott im Wort zusaget; Drum muß der Zweifel fort, Die Schwermuth wird verjaget. Sieh, wie der Glaube bringt Die Hoffnung an den Tag, Hält Sturm und Wetter aus, Besteht in Ungemach! 5. Wir waren Gottes Feind': Er gibt vom Himmelsthrone Sein eingebornes Kind, Er liebt uns in dem Sohne, Sept Liebe gegen Haß; Wer gläubig dieß erkannt, Entbrennt in Liebe baid, Die allen Haß verbannt. 6. Wie uns nun Gott gethan, Thun wir dem Nächsten eben: Droht 9. Hält sich an Sein Verdienst, Erlanget Geist und Stärke, In solcher Zuversicht zu üben gute Werke; Steht ab vom Eigensinn, Flieht die Vermessenheit, Hält sich in Gottesfurcht In Glück und schwerer Zeit. 10. So prüfe dich denn wohl, Ob Christus in dir lebet? Denn Christi Leben ists, Wonach der Glaube strebet; Er machet erst ge recht, Dann heilig, wirket Luft 3u allem guten Werk; Sieh, ob du auch so thust? 11. O Herr! so mehre doch In mir den wahren Glauben, So kann mir keine Macht Die guten Werke - C. Gällicher Friede. 211 rauben; Wo Licht ist, geht der Schein| Gett und Herr, Bewahr mich und Freiwillig davon aus. Du bist mein mein Haus! Vielleicht von Breithaupt, g. 1658+ 1732. Mel. Schwing dich auf.( 2 Cor. 5, 15. Gal. 6, 1-1. Joh. 2, 17.) 327. Sollt ich jetzt noch, da dern Gottes Frieden? Gibt sie mir mir schon Deine Güt' erschienen, Dich verlassen, Gottes Sohn, Und der Sünde dienen? Mit den Lüsten dieser Zeit Wieder mich beflecken, Und nicht mehr die Süßigkeit Deiner Liebe schmecken?( Tit. 2, 11 a.) die Zuversicht, Daß ich trotz dem Grabe Deiner Ewigkeiten Licht Zu erwarten habe? 2. Hab ich doch allein bei dir Meine Ruh gefunden! Mittler, heiltest du doch mir Alle meine Wunden! Und ich sollte dein Gebot, Wie die Sünder, haffen und mein Recht an deinen Tod Wieder fahren laffen? 3. Nein, ich bin und bleib ein Chrift, Halt auf deine Lehren, Lasse mir nicht macht noch List Meinen Glauben wehren. Fielen tausend ab, nicht ich! Mags die Welt verdrießen; Sie wird mein Ver traun auf dich Mir doch gönnen müssen. 5. Rettet sie mich, wann vor Gott Einst die Völker stehen Und das Lebel und den Tod Ihm zur Seite sehen? Wann der Sichre, nun zu spät, Aus dem Schlaf erwachet, Und der Spötter, der hier schmäht, Glaubt und nicht mehr lachet? 6. O wie thöricht, wenn ich mich, Noch verführen ließze, Jesu, da ich schon durch dich Gottes Huld genieße; Da ich weiß, auf wessen Wort Ich die Hoffnung gründe, Daß auch ich unfehlbar dort Gnad und Leben finde! 7. Nicht das Leben, nicht der Tod, Trübsal nicht noch Freuden, Mein Erlöser und mein Gott, Soll von dir mich scheiden! Welt und Sünd und Eitelkeit Und des Fleisches Triebe, Alles überwind ich weit, 4. Zeigt sie mir ein Heil, wie du? Bringt sie Kraft den Müden, Den Bedrängten Trost und Ruh, Sün- Herr, durch deine Liebe! 2. Ruhe suchet jedes Ding, Allermeist ein Chrift. Du, mein Herz, Münter, g. 1735 † 1793. C. Göttlicher Friede. Eigene Mel.( Matth. 11, 28-30. Joh. 16, 33.) 328. Ruhe ist das beste Gut,| nach Ruhe ring, Wo du immer bift! Das man haben kann; Stille und O suche Ruh; In dir selber wohnt ein guter Muth Steiget himmelan. sie nicht; Such in Gott was dir geDie suche du! Hier und dort ist keine bricht! Gott ist die Ruh. Nuh, Als bei Gott, ihm eile zu: Gott ist die Ruh. 3. Ruhe gibt dir nicht die Welt, Ihre Freud und Pracht; Ruhe gibt nicht Gut und Geld, Lust, Ehr, Gunst und Macht; Keins reichet zu. XVI. heilsordnung. 212 Wenn du recht bekümmert bist, Suchst du das was droben ist; Gott ist die Nuh. und Huld Und in Lieb und Leid Sich gibt zur Nuh. Je zufriedener du bist, Desto näher Gott dir ist:, Gott ist die Nuh. 4. Ruhe geben kann allein Jesus, Gottes Sohn, Der uns alle ladet 9. Ruhe hat, wer williglich Christi ein Vor des Himmels Thron, Zur sanftes Soch Hingebücket nimmt auf wahren Ruh. Wer den Ruf vernom- sich; Ist es lieblich doch Und schaffet men hat, Dringe ein zur Gottesstadt, Nuh. Folge deinem Heiland gern, Gott ist die Ruh. Dann ist nie dein Friede fern; Gott 5. Ruhe bent er allen an Die be- ist die Ruh. laden sind. Arm' und Reiche, kommt heran, Mann und Weib und Kind, Shr findet Ruh! Traget ihr des Leides viel, Gott setzt allem Leid ein Ziel; Gott ist die Nuh. 6. Ruhe kommt aus Glauben her, Der nur Jesum hält; Jesus machet leicht was schwer, Nichtet auf was fällt, Sein Geist bringt Ruh; Gib im Glauben Herz und Sinn Seinem Geist zu eigen bin, Gott ist die Ruh. 7. Ruhe findet sich zumeist, Wo Gehorsam blüht; Ein in Gott gesetzter Geist Macht ein still Gemilth 12. Ach du Gott der wahren Nuh, Gib auch Ruhe mir! Was ich denke, Und Seelenruh. Darum selig, wer| red und thu, Streb nach Ruh in sich gibt, Daß er Gottes Willen übt! Gott ist die Ruh. dir; Gib Ruh dem Geist. Schließt sich dann mein Auge zu, So führ Leib und Seel zur Ruh, Dem Himmel zu! Nach Schade. 8. Ruhe wachset aus Geduld Und Zufriedenheit, Die in Gottes Zorn 10. Ruhe nirgends fieber bleibt, Als wo Demuth blikht; Was zur Niedrigkeit fein treibt Und hinunterzieht, Gibt wahre Ruh. Darum bleibe arm und klein, So wird Gott dir nahe seyn; Gott ist die Ruh. 11. Nuh entspringet ans dem Quell, Wo die Liebe fleußt. Ift das Herz nur klar und hell, Sanft und still der Geist, Da strömt die Ruth. Liebe, wenn du Ruh begehrst, Bis du seliglich erfährst: Gott ist die Ruh. Eigene Mel.( 2 Cor. 12, 9. Col. 1, 10-14.) 329. Mein Glaub ist meines| schlecht Zu deiner Ewigkeit ein Recht Durch deinen Tod erworben; Nun bin ich nicht mehr Asch und Staub, nicht mehr des Todes ewger Raub, Du bist für mich gestorben! Mir, der ich dein Erlöster bin, Ist dieses Leibes Tod Gewinn. Lebens Nuh Und führt mich deinem Himmel zu, O du, an den ich glaube! Ach gib mir, Herr, Beständigkeit, Daß diesen Trost der Sterblichkeit nichts meiner Seele raube! Tief präg es meinem Herzen ein, Welch Glück es ist, ein Chrift zu seyn! 2. Du haft dem sterblichen Ge3. Ich bin erlöst und bin ein Christ! Mein Herz ist ruhig und vergißt Die Schmerzen bieses Lebens. C. Göttlicher Friede. 213 Ich dulde, was ich dulden soll, Und| den. Mein Trost ist dieß: Gott hat bin des hohen Troftes voll: Ich leide nicht vergebens; Gott selber mißt mein Loos mir zu, Hier kurzen Schmerz, dort ewge Ruh. 4. Was seyd ihr, Leiden dieser Zeit, Mir, der ich jener Herrlichkeit Mit Ruh entgegenschaue? Bald ruft mich Gott und ewiglich Beloh net und erquickt er mich, Weil ich ihm hier vertraue. Bald, bald verrichtest du mich wieder auf. schwindet aller Schmerz, Und Himmelsfreuden schmeckt mein Herz! ( Rom. 8, 18) 5. Bin ich gleich schwach, so trag ich doch nicht mehr der Sünde schändlich Joch In meinem Lauf auf Erden, Ich übe findlich meine Pflicht; Doch fülhl ich es, ich bin noch nicht Was ich dereinst soll werEigene Mel.( Joh. 14, 27. 330. Friede, ach Friede, ach göttliche: Friede! Vom Bater durch Christum im heiligen Geist, Welcher der Frommen Herz, Sinn und Gemüthe In Christo zum ewigen Leben aufschleußt! Den sollen die gläubigen Seelen erlangen, Die alles verleugnen und Christo auhangen. 2. Richte deßwegen, friedliebende Secle, Dein Herze im Glauben zu Jesu hinan! Was da ist droben bei Christo, erwähle, Verleugne bich selbst und den irdischen Wahn. Nimm auf dich das sanfte Joch Christi hienieden, So findest du Ruhe und göttlichen Frieden. ( Matth. 11, 28 sc.) 3. Nahm doch der Mittler des Friedens viel Schmerzen, Die SünGeduld Und straft mich nicht nach meiner Schuld! 6. Der du den Tod für mich bezwangst, Du hast mich, Mittler, aus der Angst, In der ich lag, geriffen! Dir, dir verdank ich meine Ruh, Du heilest meine Wunden zu Und stillest mein Gewissen; Und fall ich noch in meinem Lauf, So 7. Gelobt sey Gott, ich bin ein Christ, Und seine Gnad und Wahrheit ist An mir auch nicht vergebens: Sein Wort hilft mir zur Heiligung; Die Gnade wirkt Erneuerung Des Herzens und des Lebens. Gott, präg es meinem Herzen ein, Welch Glück es ist, ein Christ zu seyn! Münter, g. 1735 † 1793. Phil. 4, 7. Jac. 1, 21-27.) der mit Gott zu verföhnen, auf sich, Nimm dieß, o Seele, recht fleißig zu Herzen Und siehe, was thut nicht dein Jesus für dich! Am Kreuze dort bringt er dir Frieden zuwege Und hilft dir, daß Jammer und Unruh sich lege. 4. Nun dafür bist du ihm ewig verbunden, Du sollst dafür gänzlich sein Eigenthum seyn! Er hat die ewge Erlösung erfunden und schließt in den Bund seines Friedens dich ein. Drum stehe, daß du dich ihm gänzlich ergebest Und nun in der Liebe von Herzen ihm lebest! 5. Wen er berufet zum Friedensgenoffen, Bon solchem begehrt er auch liebende Tren! Drum sollst du treulich und tapfer ausstoßen Was Jesus dir zenget, daß wider 214 XVI. Heilsordnung. Wort verwehret, So findest du Fries den und ewige Ruh! Ja selig, die also sich Jefu ergeben Und gläubig und heilig nach seinem Wort leben! ihn sey. Welt, Satan und Sünde,| selbige thul Haffe und lasse was sein die mußt du bestreiten, Was Jesu zuwider ist, fliehen und meiden. 6. Weislich und fleißig mußt du dich entschlagen Der Bösen Gesellschaft und fündigen Rott, Welche 8. Jesu, du Herzog der Friedensden weltlichen Lüsten nachjagen, heerschaaren, O König des Frie Nicht fürchten noch lieben den heilidens, ach zeuch uns nach dir, Daß gen Gott. Denn die sich zu solchen wir den Friedensbund treulich beGottlosen gefellen, Die fahren mit wahren, Im Wege des Friedens ihnen hinunter zur Höllen! dir folgen allhier! Ach laß uns ( Pf. 1, 1 c.) doch deinen Geist kräftig regieren 7. Liebe und übe was Jesus dich Und dir nach im Frieden zum Bater lehret Und was er dich heißet, das- hinführen! Grasselius, g. 1667+ 1724. Eigene Mel.( Röm, 8, 28. 34-39.) 331. Jeju, meine Freude,| verkehren, Bleibt mir unbewußt! Meines Herzens Weide, Jesu, meine zier! Ach wie lang, ach lange Ist dem Herzen bange Und verlangt nach dir! Du bist mein, Und ich bin dein; Außer dir soll mir auf Erden Nichts sorst lieber werden! 2. Unter deinem Schirmen Bin ich vor den Stürmen Aller Feinde frei. Laß von Ungewittern Rings die Welt erzittern, Jesus steht mir bei! Wenn die Welt In Trümmer fällt, Wenn mich Sünd und Hölle schrecken, Jesus wird mich decken! 3. Trotz des Feindes Lauern, Trotz des Todes Schauern, Trotz der Furcht dazu! Zürne, Welt, und tobe; Ich steh hier und lobe Gott in sichrer Ruh. Seine Macht Hält mich in Acht; Erd und Abgrund müssen schweigen Und vor ibm sich neigen. Elend, Noth, Kreuz, Schmach und Tod Soll mich, ob ich viel muß lei den, Nicht von Jesu scheiden. 5. Gute Nacht, o Wesen, Das die Welt erlesen, Mir gefällst du nicht! Gute Nacht, ihr Sünden, Bleibet weit dahinten, kommt nicht mehr ans Licht! Gute Nacht, Du Stolz und Pracht; Dir sey ganz, bu gottlos Leben, Gute Nacht gegeben! 6. Weicht, ihr Trauergeister, Denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein! Denen die Gott lieben, Muß auch ihr Betrüben Lauter Segen seyn. Duld ich schon Hier Spott und Hohn, Dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude. 7. Jeful ich befehle Dir jetzt Leib und Seele; Jesu! bleib in mir; Dir ich mich ergebe, Ich sterb oder lebe, Jesu, meine Zier. Jesu, du Mein Troft und Nuh, Meine Seel am letzten Ende Nimm in deine 4. Weg mit allen Schätzen; Du bist mein Ergöten, Jesu, meine Lust! Weg, ihr eitlen Ehren, Die das Herz Hände! Joh. Franck, g. 1618+ 1677. B. 7 fpäterer Zusaß. C. Göttlicher Friede. Mel. Mein Jesus lebt.( 1 Tim. 1, 15-17. Gbr. 6, 17-20.) 332. Ich habe nun den Grund 6. Wird alles andre weggerissen gefunden, Der meinen Anker ewig Was Leib und Seel erquicken kann, hält! Wo anders, als in Jesu Wun- Darf ich von keinem Freunde wissen ben? Da lag er vor der Zeit der Und scheine völlig ausgethan, Ist Welt, Der Grund, der unbeweg- die Errettung noch so weit, Mir lich steht, Wenn Erd und Himmel bleibet die Barmherzigkeit! untergeht. 7. Beginnt der Erde Last zu drücken, Und häuft sich Kummer und Verdruß, Daß ich mich noch in vielen Stücken Mit eitlen Dingen mühen muß, Darüber sich mein Geist zerstreut, So hoff ich auf Barmherzigkeit. 2. Es ist das ewige Erbarmen, Das alles Denken übersteigt, Deß, der mit offnen Liebesarmen Sich nieder zu den Sündern neigt, Dem stets das Herz vor Mitleid bricht, Wir kommen oder kommen nicht. 3. Wir sollen nicht verloren werden, Gott will, uns soll geholfen seyn; Deßwegen kam der Sohn zur Erden Und nahm hernach den Himmel ein; Deßwegen klopft er für und für So stark an unsers Herzens Thür. 215 ( Röm. 8, 34.) 5. An diesen Ruf will ich gedenken, Will ihm getrost und gläubig traun, Und wenn mich meine Sünden tränken, Nur gleich nach Gottes Herzen schaun; Da findet sich zu aller Zeit Unendliche Barmherzigkeit. 8. Muß ich in meinen besten Werken, Womit ich hier beschäftigt bin, Biel Schwachheit und Be fleckung merken, So fällt zwar alles Rühmen hin; Doch ist mir noch ein Trop bereit: Ich hoffe auf Barmherzigkeit. 4. O Abgrund, welcher alle Sünden 9. Es gehe mir nach dessen Willen, Durch Christi Tod verschlungen hat! Bei dem so viel Erbarmen ist; Er Das heißt die Wunden recht verbin- wolle selbst mein Herz mir stillen, den, Hier findet kein Verdammen Damit es das nur nicht vergißt! So statt, Weil Christi Blut beständig stehet es in Lieb und Leid In, durch schreit: Barmherzigkeit, Barmherzig- und auf Barmherzigkeit. feit! 10. Bei diesem Grunde will ich bleiben, So lange mich die Erde trägt; Das will ich denken, thun und treiben, So lange sich ein Glied bewegt; So sing ich ewig hoch erfreut: O Abgrund der Barmherzigkeit! Joh. Andr. Rothe, g. 1688 † 1758. Eigene mel.( Matth. 16, 24-26.) 333. Nicht eine Welt, die in| 2. Ich bin erkauft, ein Knecht des ihr Nichts vergeht, Nicht einen Schatz, der nicht kann ewig gelten, Nicht eitlen Ruhm hat sich mein Herz erfleht: Ich bin ein Christ, ich suche beßre Welten. Herrn zu seyn, Vor welchem sich der Erde Fürsten neigen; Er ist mein Friedefürst, mein Herr allein, Ich bin ein Christ, vor ihm will ich mich beugen. XVI. heilsordnung. 216 3. Stolz um mich her erhebet sich der Thor: Ich soll mit ihm der Götzen Lust genießen; Er lockt und droht; ich schenk ihm nicht mein Ohr: Ich bin ein Chrift, ich sitz zu Jesn Filßen. 4. Ihr rührt mich nicht, wenn eure Hand mir winkt, Daß sich mein Herz an dieser Welt ergötze, Die ihr den Tod in eure Adern trinft! Ich bin ein Christ, mich reizen ewge Schätze. 5. Zwar thränenvoll ist meines Laufes Bahn Und reich an Bein und arm an Erdenfreuden; Ich seh auf ihn, mein Mittler geht voran; Ich bin ein Christ, ich will mit Christo leiden. 6. Und kommt er dann nach lang gekämpftem Streit, Der Todestag, mich zu dem Herrn zu bringen, So sterb ich auch mit Muth und Heiters keit: Ich bin ein Christ, ich kann den Tod bezwingen.. 7. Und wann der Tag, der große Tag erwacht, Wann um mich her viel Auferstandne beben, So tret ich froh aus meines Grabes Nacht; Ich bin ein Chrift, ich werde ewig leben! Sturm, g. 1740 † 1786. Mel. Mein Salomo!( Joh. 14, 27. 2 Cor. 3, 18.) 334. Mein Friedefiirst! dein| 4. Je mehr das Herz sich zu dem freundliches Regieren Stillt alles Vater kehret, Je mehr es Kraft und Web, das meinen Geist beschwert. Seligkeit genießt, Daß es dabei der Wenn sich zu dir die blöde Seele Eitelkeit vergißt, Die sonst den Geist tehrt, So läßt sich bald dein Frie gedämpfet und beschweret; Je mehr densgeist verspüren; Dein Gnaden das Herz des Baters Liebe schmeckt, blick zerschmelzet meinen Sinn Und Je mehr wird es zur Heiligung er nimmt die Furcht und Unruh von weckt. mir hin. 2. Gewiß, mein Freund gibt solche edle Gaben, Die alle Welt mir nicht gewähren kann. Schau an die Welt, schau ihren Reichtum an, Sie kann ja nicht die müiden Seelen laben! Mein Jesus kanns; er thuts im Ueberfluß, Wenn alle Welt zurüde stehen muß! 5. Wann sich in mir des Herren Klarheit spiegelt Und seines Ange sichtes milder Schein, Dann wird das neue Leben recht gedeihn; Der Weisheit Tiefen werden mir entfiegelt; Es wird mein Herz in Got tes Bild verklärt, Und alle Kraft der Sünde abgewehrt. 3. D Seelenfreund! wie wohl ist dem Gemüthe, Das im Gesetz sich so ermüdet hat, Und nun zu dir, der Lebensquelle, naht Und schmeckt in dir die wundersüße Güte, Die alle Angst und alle Noth verschlingt Und unsern Geist zur sanften Nube bringt. 6. Was dem Gesetz unmöglich war zu geben, Das bringt alsdann die Gnade selbst herfür: Sie wirket Lust zur Heiligkeit in mir Und ändert nach und nach mein ganzes Leben, Indem sie mich aus Kraft in Kräfte führt Und mit Geduld und Langmuth mich regiert. 7. Es müffe doch mein Herz nur 1 C. Göttlicher Friede. 217 Christum schauen! Besuche mich,| in mir erreget, So laß mich doch bu Aufgang aus der Höh, Daß ich das Licht in deinem Lichte seh Und könne ganz auf deine Gnade bauen! dein treues Herz noch sehn, Und neue Kraft und Zuversicht erstehn. 9. So ruh ich nun, mein Heil, Kein Fehler sey so groß und schwer in deinen Armen, Du selbst sollst in mir, Der mir die Thür vermir mein ewger Friede seyn! Ich schlösse, Herr, zu dir! hülle mich in deine Gnade ein. Mein Element ist einzig dein Erbarmen; Und weil du selbst mir eins und alles bist, So ists genug, wenn dich mein Geist genießt! Richter, g. 1676 † 1711. 8. Wenn meine Schuld vor dir mich niederschläget Und deinen Geist der Kindschaft in mir dämpft; Wenn das Gesetz mit meinem Glauben kämpft Und lauter Angst und Furcht| Mel. Wer nur den.( 1 Tim. 1, 13 c. Rom. 5, 6-10. 1 Joh. 4, 10.), 335. Mir ist Erbarmung wi-| Erbarmung nennen, So ist mein derfahren, Erbarmung, beren ich ganzes Herz gesagt. Ich beuge mich nicht werth; Das zähl ich zu dem und bin erfreut Und rühme die Wunderbaren, Mein stolzes Herz Barmherzigkeit. hats nie begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut Und rühme die Barmherzigkeit! 4. Dieß laß ich kein Geschöpf mir rauben, Dieß soll mein einzig Rühmen seyn; Auf dieß Erbarmen will ich glauben, Auf dieses bet ich auch allein, Auf dieses duld ich in der Noth, Auf dieses hoff ich noch im Tod. 5. Gott, der du reich bist an Erbarmen, Nimm dein Erbarmen nicht von mir Und führe durch den Tob mich Armen, Durch meines Heilands Tod zu dir; Da bin ich ewig hoch erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. Ph. Fr. Hiller, g. 1699+ 1769. Mel. Mein Heiland nimmt.( Röm. 8, 32.) 336. Beschränkt, ihr Weisen| Ich arm, er reich an allen Gaben, bieser Welt, Die Freundschaft im- Ich fündevoll, und er ganz rein: mer auf die gleichen Und lengnet,- Mein Freund ist mein, und ich daß sich Gott gesellt mit denen die bin sein! ihn nicht erreichen; Ist Gott schon Alles, und ich nichts, Ich Schat ten, er der Quell des Lichts, Ich Erd und Staub, er hoch erbaben. 2. Mein gütiger Immanuel, Mein Mittler wußte Rath zu finden, Sich meiner hochbedrängten Seel, Die ihn herabzog, zu 2. Ich hatte Gottes Born verdie net, Und soll bei Gott in Gnaden seyn; Er hat mich mit sich selbst verfühnet Und macht durchs Blut des Sohns mich rein. Warum? ich war ja Gottes Feind! barmung hats so treu gemeint!! 3. Das muß ich dir, mein Gott, bekennen, Das rühm ich, wenn ein Mensch mich fragt; Ich kann es uur Er XVI. eilsordnung. verbinden; Er, dem ich nichts ver-| 6. Mein Freund ist meiner Seele gelten kann, Sah dennoch meinen Geist, Mein Freund ist meines LeMangel an, Er kommt vom Him- bens Leben; Nach ihm, der mich sein mel auf die Erde, Daß er mein eigen heißt, Und sonst nach keinem Freund und Bruder werde, Ein will ich streben, Dem ich mich, der Mensch wie ich, mein Fleisch und sich mir ergibt, Den ich, und der Bein: Mein Freund ist mein, und mich wieder liebt, Von dem ich nichts ich bin sein! mehr kann begehren, Der mir nichts beßres kann gewähren. Dieß Licht verdunkelt jeden Schein: Mein Freund ist mein, und ich bin sein! 7. Ohu ihn ist mir der Himmel trüb, Die Hölle finde ich auf Erden; Hingegen machet seine Lieb, Daß Wüsten mir ein Eden werden. Ohn ihn ist mir trotz aller Meng Die Zeit zu lang, die Welt zu eng; Ich bin, wann Feind' und Freunde fliehen, Wann sich die Engel selbst entziehen, 3war einfam, aber nicht allein: Mein Freund ist mein, und ich bin sein! 218 3. Gott, welcher seinen Sohn mir gab, Gewährt mir alles mit dem Sohne, Nicht nur sein Leiden, Kreuz und Grab, Auch seine Herrlichkeit und Krone. Ja was er redet, hat und thut, Sein Wort und Geist, sein Fleisch und Blut, Was er er beten und gelitten, Was er gewonnen und erstritten, Das alles soll mein eigen seyn: Mein Freund ist mein, und ich bin sein! 4. Ich finde Segen, Heil und Ehr Bei unfrem Bund auf seinem Pfade; Er heischet von mir sonst nichts mehr Als Glauben, und ich nichts als Gnade. O wohl der Wahl, die dieß gefügt! Sie reut mich nie, ich bin vergnügt In ihm, der mich erwählt zum Frieden; Drum bleibts bei beiden ungeschieden Ein Herz und Mund, ein Ja und Nein! Mein Freund ist mein, und ich bin sein! 5. Zwar kann er aller Christen Muth Mit seiner Liebe sattsam weiden; Wir dürfen um das höchste Gut Nicht eifern noch einander neiden, Durch unsern größesten Genuß Er schöpft sich nicht sein Ueberfluß. Drum will ich ihn zwar keinem leugnen, Doch mir vor allen andern eignen; Welt, zank dich um das mein und dein; Mein Freund ist mein, und ich bin sein! - - 8. Sein ist mein Leib, sein ist mein Geist, Die er mit seinem Blut er löste, Die er beschirmet, tränkt und speist, Bis er dort beide ewig tröste. Sein ist mein Denken, Muth und Sinn, Sein ist was ich vermag und bin; Ja was ich in und an mir habe, Ist alles seine Gnadengabe, Die macht mich auch vom Undank rein; Mein Freund ist mein, und ich bin sein! 9. Sein ist mein Glück und meine Zeit, Sein ist mein Sterben und mein Leben, Zu seinem Ehrendienst geweiht, Bon ihm bestimmt und ihm ergeben. Es tommet was ich lass' und thu, Von ihm her und ihm wieder zu. Sein sind auch alle meine Schmerzen, Die er so zärtlich nimmt C. Göttlicher Friede. 219 zu Herzen, Er fühlt und endet meine| die Weltposaune. Ob Erd und Him Pein, Mein Freund ist mein, und ich bin sein! mel bricht und kracht, Ob Leib und Seele mir verschmacht't, Ob mein 10. Nun zürn und stürme jeder Gebeine muß verwesen, So ist als Feind; Er hoffe nicht, daß ich er- Wahlspruch doch zu lesen Nur dieß staune. Der Richter selber ist mein auf meines Grabes Stein: ,, Mein Freund, Drum schreckt mich nicht Freund ist mein, und ich bin sein!" Wegleiter, g. 1659 † 1706. mel. Sich, hier bin ich.( Apostelgesch. 10, 36.) 337. Die Beschwerden Dieser| Schild uns in Gefahr; So wird Erden Häufen sich noch immerzu; Und im Streiten Dieser Zeiten Hat man nirgends wahre Ruh. Wo ist Friede Für uns Müde? Du bists, treuer Jesu, du! Frieden Uns beschieden, Weil der Heiland Sieger war. 4. Uns bekriegen Haß und Lügen Zwar von außen in der Welt; Doch von innen Kanns gewinnen Wer Geduld und Glauben hält; Nichts heißt Schade, Wenn nur Gnade Unser Herz zufrieden stellt. 5. O Erlöser! Noch viel größer Ist der Friede jener Stadt; Da sind Psalmen, Da sind Palmen, Die ein Ueberwinder hat; Nimm mich Müden Hin im Frieden; Dort wird niemand lebenssatt! Phil. Fr. Hiller, g. 1699+ 1769. Eigene Mel.( 1 Cor. 4, 4. 2 Cor. 5, 10. 1 Joh. 1, 7-9.) 338. Besitz ich nur Ein ruhi-| Für Lust der Sinne geben? Dieß ges Gewissen, So ist für mich Wenn andre zagen müssen, Nichts schreck. liches in der Natur. ließe Gottes Geist nicht zu! 2. Dieß sey mein Theil, Dieß soll mir niemand rauben! Ein reines Herz Von ungefärbtem Glanben, Der Friede Gottes nur ist Heil. 2. Sünden schmerzen Oft im Her zen, Und kein Fried ist im Gebein! Unverbunden Sind die Wunden; Jesu, dein Blut heilt allein! Dein Verfühnen Macht uns grünen, Du mußt unser Friede sein! 3. In der Eile Fahren Pfeile Oft vom Argen auf uns dar. Jesus schützet, Glaube nützet Als ein 3. Welch ein Gewinn, Wenn meine Sünde schweiget; Wenn Gottes Geist In meinem Geiste zeuget, Daß ich sein Kind und Erbe bin! 4. Und diese Ruh, Den Trost in unfrem Leben Sollt ich für Lust, 5. In jene Pein: Mich selber zu verklagen, Der Sünde Fluch Mit mir umherzutragen, In diese stilrzt ich mich hinein! 6. Laß auch die Pflicht, Dich selber zu besiegen, Die schwerste seyn; Sie ists; doch welch Bergnügen Wird sie nach der Vollbringung nicht! 7. Welch Glück, zu sich Mit Wahrheit fagen können: Ich fühlt in mir Des Bösen Luft entbrennen, Doch, Dank sey Gott, er schützte mich! 220 XVI. Heilsorduung. 8. Und welch Gericht, Selbst zu| Himmel schauen Und sagen: Gott, sich sagen müssen: Ich konnte mir Du Gott, bist mein Vertrauen! Den Weg zum Fall verschließen, Welch Glück, o Mensch, kann größer Und doch verschloß ich mir ihn nicht! seyn? Was kann im Glüdk Den Werth des Glücks erhöhen? Ein ruhig Herz Verfüßt im Wohlergehen Dir jeden frohen Augenblick. 10. Was kann im Schmerz Den Schmerz der Leiden stillen, Im schwersten Kreuz Mit Freuden dich erfüllen? Ein in dem Herrn zufriednes Herz. 11. Was gibt dir Muth, Die Gülter zu verachten, Wonach mit Angst Die niedern Scelen schmachten? Ein ruhig Herz, dieß größre Gut. 12. Im Herzen rein inauf zun - 13. Sieh, alles weicht, Bald wirst du sterben müssen; Was wird alsdann Dir deinen, Tod verfüßen? Ein gut Gewissen macht ihn leicht! 14. Heil dir, o Christ, Der diese Ruh empfindet Und der sein Glück Auf das Bewußtseyn gründet: Daß nichts verbanumlichs an ihm ist. ( Mtömer 8, 1.) 15. Laß Erd und Welt," kann der Fromme sprechen,„ Laß unter mir Den Bau der Erde brechen: Gott ist es, dessen Hand mich hält!" Gellert, g. 1715 † 1769, Eigene Mel.( Joh. 10, 11. 27 2c.) 339. Wie wohl ist mir, o 3. Will mich die Laft der Sünden Freund der Seele, Wenn ich in dei- drücken, Blitzt auf mich des Gesetzes ner Liebe ruh! Ich steig aus dunk Weh, So eil ich, Herr, auf dich zu ler Schwermuthshöhle Und eile dei- blicken Und steige gläubig in die Höh; nen Armen zu; Da muß die Nacht Sch fliehe, Herr, zu deinen Wundes Trauerns scheiden, Wenn mit den, Da hab ich schon den Ort gefunder Fülle selger Freuben Die Liebe den, Wo mich kein Fluchstrahl trefstrahlt aus deiner Brust. Hier ist fen kann. Tritt alles wider mich mein Himmel schon auf Erden! zusammen, Du bist mein Heil, wer Dem muß ja volle Gnüge werden, will verdammen? Die Liebe nimmt Der in dir suchet Ruh und Lust. sich meiner an! 2. Die Welt mag sich mir feindlich zeigen, Es sey also; ich acht es nicht. Will ste sich freundlich zu mir neigen, Ich flieh ihr trügend Angeficht. In dir vergnügt sich meine Seele, Du bist mein Freund, den ich erwähle, Du bleibst mein Freund, wenn Freundschaft weicht; Der Welt 4. Lenkst du durch Wüsten meine Reise, Ich folg und lehne mich auf dich; Du gibst mir aus den Wolken Speise Und tränkeft aus dem Felsen mich. Ich traue deinen Wunderwegen, Sie enden sich in Lieb und Segen; Genug, wenn ich dich bei mir hab! Ich weiß: wen du willst herr Haß kann mich doch nicht fällen, lich zieren und über Sonn und Weil in den stärksten Trübfalswel- Sterne filhren, Den filhrest du zu len Mir deine Treu den Anker reicht. vor hinab. C. Göttlicher Friede. 5. Der Tod mag andern düster| die mich wird decken, Sch eingeh scheinen; Ich seh ihn an mit frohem in die Sicherheit? Mein Licht, so Muth; Denn du, mein Leben, läsfest will ich denn mit Freuden Aus diekeinen, Deß Herz und Leben in dir ser finstern Wildniß scheiden Zur ruht. Wie kann des Weges Ziel Ruhe deiner Ewigkeit. mich schrecken, Da aus der Nacht, Deßler, g. 1660 † 1722. Mel. Aus Gnaden soll.( 1 Joh. 5, 4. 18. ps. 119, 165 2c.) Hilfst gern von seinem Fall ihm auf Und förderst seinen Tugendlauf. 340. Wer, o mein Gott, aus| hast, wenn er auch fehlt, Geduld, dir geboren, Ein neues Herz von dir empfängt, Und dir zum Eigenthum erkoren, Der Sünd entsagt und göttlich denkt Und göttlich lebt, Wegen, Liebt alle Menschen brüderwie felig ist Dein Kind, dein Eigen- fich; Was er nur thut, wird Heil thum, der Christ! 6. Er wandelt gern auf deinen und Segen, Auch freut er deines Beifalls sich. Mag doch der Sünder ihn verschmähn; Er wird von dir, o Gott, gesehn. 2. Befreit aus seinen Finsternis sen Und von der Sünde Sklaverei, Begnadigt, ruhig im Gewissen, Bom Fluche des Gesetzes frei, Sieht er in bir, mit dir vereint, Den Vater und den besten Freund. 3. Er darf, o Gott, von dir verlangen Was ihm dein eigner Sohn erwarb; Er wird es auch von dir empfangen, Weil Jesus ihm zum Seile starb: Licht, wo ers braucht, und Muth und Kraft Zum Kampfe feiner Pilgerschaft; 4. Zum sichern Siege deiner Stärke Und deinen Geist der Heiligung zu einem jeden guten Werke, Im Leiden Trost und Linderung, Und selbst in seiner Prüfungszeit Den Vorschmack jener Herrlichkeit. 221 5. Bereit zu helfen und zu trösten, Lenkst du mit väterlicher Huld, Was nur geschieht, zu seinem Besten Und 7. Versichert, daßß er selig werde, zufrieden hier mit seinem Loos, Ist für die eitle Lust der Erde Zu selig er, zu reich, zu groß, Und seine Wünsche, Gott, begrenzt kein Glück der Welt, so sehr es glänzt. 8. Er steht den Tod von ferne tommen Und zittert nicht, er ist sein Freund; Von dir zum Erben ange nommen, Frohlockt er, wann der Tod erscheint. Er endet fröhlich seinen Lauf Und schwinget sich zu dir hinauf. 9. Wie selig, wer aus dir geboren, Ein neues Herz von dir empfängt Und, bir zum Eigenthum erforen, Der Sünd entsagt und göttlich denkt Und göttlich lebt, wie selig ist Dein Kind, dein Eigenthum, der Christ! Cramer, g. 1723 † 1788. Mel. Wie groß ist.( 2 Cor. 1, 21 2c.) 341. Wie mächtig spricht in| wenn ich fehle, Tvägst mich als Bater meiner Seele, Herr, deine Stimme mit Geduld; Gibst deinen Geist, mich voller Huld! Du siehst erbarmend, zu regieren, Sprichst meinem Herzen XVI. heitsordnung. freundlich zu, Wirst niemals müde| ten, Mein Herz mit Troft und Freud mich zu führen, So viel ich falsche erfüllt? Tritte thu. 222 2. Erhalter deiner Kreaturen! Liebreicher Gott der ganzen Welt, Die deiner Güte reiche Spuren In jedem Sonnenstaub enthält! Mein Herz denkt nimmer so vermessen, Daß es dir, Vater, troten kann; Undankbar soll es nie vergeffen, Was du zu seinem Heil gethan! 4. Sein Dienft ist Leben meiner Seele, Gehorsam meine Seligkeit. Ich weine findlich, wenn ich sehle, Vor ihm, dem Vater, der verzeiht. Ich fühle jede meiner Sünden, Die weder Mensch noch Engel büßt; Wie selig kann ichs dann empfinden: Daß Christus mein Erlöser ist! 5. Den majestätischen Gedanken 3. Verfündigt' ich mich wohl mit Gäb ich für alle Welten nicht! Er Willen An meinem Vater, der verbleibet wahr, die Thronen wanken; gibt? Der mir Gebote zu erfüllen Er bleibet fest, die Welt zerbricht. Gegeben hat, weil er mich liebt? Es mögen fündigen und zittern, Die Der die Erfüllung kleinster Pflich- Kinder des Verderbens sind! ten Als eine Wohlthat mir vergilt Gott wird der Erde Grund erschütUnd statt mit Strenge mich zu rich-| tern, Sch bebe nicht, ich bin sein Kind! Krüger, † 1750. Mel. Wie schön leucht't.( 2 Cor. 5, 14. 15 und 17.) 342. Es ist Etwas, des Hei-| sen Quen ist die Lust, lands seyn, ,, Ich dein, o Jesu, und du mein!" In Wahrheit sagen können; Ihn seinen Bürgen, Herrn und Ruhm, Und sich sein Erb und Eigenthum Ohn allen Zweifel nenuen. Selig, Fröhlich Sind die See- 4. Schau, armer Mensch, zu dielen, Die erwählen, Ohn Bedenken| sem Glück Ruft dein Erlöser dich Ihrem Jesu sich zu schenken! zurück Von jenem Grundverderben; Er kam deßwegen in die Welt Und gab für dich das Lösegeld Durch Leiden und durch Sterben. Laß dich Willig Doch umarmen! Sein Erbarmen, Schmach und Leiden Sind ein Meer der Seligkeiten! 5. Von Stund an kann ich nicht mehr mein, Der Welt und ihrer Lüste seyn, Die mich bisher gebunden! Mein Herr, den ich so sehr betrübt, Der aber mich viel mehr ge liebt, Der hat mich überwunden 2. Schau an die Welt mit ihrer Lust Und alle die an ihrer Brust In heißer Liebe liegen! Sie effen, und sind doch nicht satt, Sie trinken, und das Herz bleibt matt, Denn es ist lauter Trügen. Träume, Schäume, Stich' im Herzen, Höllenschmerzen, Ewges Quälen Ist die Lust betrogner Seelen. - 3. Ganz anders ists, bei Jesu seyn, Mit seinen Heerden aus und ein Auf seinen Matten gehen! Auf dieDie Gottesmenschen nur bewußt, Im Ueberfluß zu sehen: Hülle, Fülle Reiner Triebe, Süßer Liebe, Fried und Leben, Stärke, Licht und viel Vergeben! C. Göttlicher Friede. 223 Nimm mich Gänzlich, Herr, schon| Durch deines werthen Geistes Kraft, heute Dir zur Beute Und zum Lohne Deiner blutgen Dornenkrone! 6. Ach mach mich von mir selber frei Und stehe mir in Guaden bei; Stärk meinen schwachen Willen Zu üben gute Ritterschaft, Den Vorsatz zu erfüllen; Bis ich Endlich, Schön geschmücket Und entrücket Allem Leiden, Bei dir darf in Salem weiden! Dr. Joh. Chr. Storr, g. 1712 t 1773. ( Röm, 8, 28-39.) Mel. Jesu! hilf fiegen. 343. Chriften erwarten in al-| bie Frommen; Glauben und Hoffen bringt Ehre bei Gott. Seele, ver langst du zur Ruhe zu kommen, Hoffe, der Angst und dem Zweifel zum Spott! Ob auch die göttliche Hülfe verborgen, Traue dem Höchsten und meide die Sorgen! 6. Gutes und alle erbetenen Galerlei Fällen Jesum mit seiner allmächtigen Hand; Mitten in Stür men und tobenden Wellen Führt er das Schiff ihres Glaubens ans Land. Wann sie die Nächte der Trübsal bedecken, kann doch ihr Grauen sie wenig erschrecken. 2. Jauchzen die Feinde zur Rech- ben Folgen dir bis man dich leget ten und Linken, Drohet und hauet ihr blinkendes Schwert, Lassen doch Christen die Häupter nicht sinken, Denen sich Jesus im Herzen verklärt; Wüthen die Feinde mit Schnan ben und Toben, Schauen sie dennoch voll Trostes nach oben. 3. Geben die Felder den Samen nicht wieder, Bringen die Gärten und Fluren nichts ein; Schlagen die Schloffen die Früchte barnieder, Brennen die Berge vom hitzigen Schein, Kann doch ihr Herze den Frieden erhalten, Weil es den Schöpfer in allem läßt walten. 4. Viele verzehren in ängstlichen Sorgen Kräfte, Gesundheit und Kürze der Zeit, Da doch im Rathe des Höchsten verborgen, Wann und wo jedem sein Ende bereit. Sind es nicht alles vergebliche Schmerzen, Die ihr euch machet, ihr thörichten Herzen? 5. Zweifel und Sorgen verderben ins Grab; Ja du wirst selber den Himmel noch haben! Ei warum sagst du den Sorgen nicht ab? Werde doch in dir recht ruhig und stille, Das ist des Vaters, des Ewigen Wille. 7. Freue dich, wenn du, statt freundlichen Blicken, Mancherlei Sammer erduldest und Noth! Wisse, was Gott will erhöhn und erquicken, Muß erst mit Jefu durch Tribsal und Tod. Willst du mitleben, so mußt du mitsterben; Anders kann keiner den Himmel ererben! 8. VölligeWonne, verklärete Freude, Himmlische Güter, undenkliches Heil Werden dir dort auf der ewigen Weide Unter den Engeln und Menschen zu Theil, Wann in der Herrlichkeit Christus wird kommen, Um sich zu sammeln die Heerde der Frommen. 9. Seine allwirksame Stärke bea weiset Jn ben Unmächtigen mächtige 224 XVI. heilsordnung. Kraft; Dann wird alleinig sein Na-| gib, daß ich dem Bater vertraue, me gepreiset, Wann er den Za- Wenn ich die Hülfe nicht sichtbarlich genden Freudigkeit schafft. Jesu! schaue. Eveling, † 1742. Eigene Mel.( Col. 3, 1-4. 2 Cor. 6, 4-10. 13, 4. Pf. 45.) 344. Es glänzet der Christen| ihnen holdselig und inniglich singen, Das muß denn ganz herrlich und prächtig erklingen! inwendiges Leben, Obgleich sie die Hitze des Tages verbrannt; Was ihnen der König des Himmels gege 5. Sie wandeln auf Erden, und ben, Ist feinem, als ihnen nur sel- leben im Himmel; Sie bleiben unber bekannt; Was niemand verspil- mächtig, und schützen die Welt; Sie ret, Was niemand berühret, Hat ihre erleuchteten Sinnen gezieret Und sie zu der göttlichen Würde geführet. schmecken den Frieden bei allem Getümmel, Sie haben, die Aermsten, was ihnen gefällt. Sie stehen im Leiden, Und bleiben in Freuden; Sie scheinen ertödtet den leiblichen Sinnen, Und führen das Leben des Glaubens von innen. 2. Sie scheinen von außen oft arm und geringe, Verschmäht von den Hohen, verlacht von der Welt; Doch innerlich sind sie voll herrlicher Din ge, Der Zierath, die Krone, die Jesu gefällt; Das Wunder der Zei ten, Die hier sich bereiten, Dem König, der unter den Lilien weidet, Zu dienen, mit heiligem Schmuce betleidet. 3. Sonst sind sie wohl Adams natürliche Kinder Und tragen das Bilde des Irdischen auch: Sie lei den am Fleische, wie andere Sünder, Sie effen und trinken nach nöthigem Brauch; In leiblichen Sachen, 3m Schlafen und Wachen Sieht man sie vor andern nichts sonderlichs machen, nur daß sie die Thorheit ter Weltlust verlachen.( 1 Cor. 15. 49.) 4. Doch innerlich sind sie aus göttfichem Stamme, Die Gott durch sein mächtig Wort selber gezeugt, Ein Funken, entzündet von göttlicher Flamme, Ein Leben, von oben her freunblich gesäugt; Die Engel sind Brüder, Die ihre Loblieder Mit 6. Wann Christus, ihr Leben, wird offenbar werden, Wann er sich einst dar in der Herrlichkeit stellt, So werden sie mit ihm als Fürsten der Erden Auch herrlich erscheinen zum Wunder der Welt. Sie werden regieren, Mit ihm triumphiren, Den Himmel als prächtige Lichter auszieren; Da wird man die Freude gar offenbar spüren. ( Matth. 13, 43. 2 Tim. 2, 11 ic.)" 7. Froblocke, du Erde, und jauchzet, ihr Hügel, Dieweil du den gött lichen Samen geneuß'st; Denn das ist des Ewigen göttliches Siegel, 3um Zeugniß, daß er dir noch Segen verheißt; Du sollst noch mit ihnen Aufs prächtigste grünen, Wann erst ihr verborgenes Leben erscheinet, Wonach sich dein Seufzen mit ihnen vereinet. 8. D Jesu, verborgenes Leben ber Seelen, Du heimliche Zierde der XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. inneren Welt, Laß deinen verborge| net, Hier heimlich mit Christo im uen Weg uns erwählen, Wenn gleich Vater gelebet, Dort öffentlich mit uns die Bürde des Kreuzes entstellt! ihm im Himmel geschwebet! Hier übel genennet Und wenig erkenNach Richter, g. 1676 † 1711. XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. A. Liebe zu Gott und Christus. Mel. Jesu! meine Freude.( Ps. 42. 2. 3. 43, 3 4. 73, 23 zc. Jat. 4, 8.) Kann mein Seligseyn nur hindern Und den Frieden mindern. 345. Augenugsam Wesen, Das| lein. Was ich mehr Als dich begehr, ich hab erlesen mir zum höchsten Gut! Du vergnügst alleine Völlig, innig, reine, Seele, Geist und Muth. Wer dich hat, Ist still und satt; Wer dir kann im Geist anhangen, Darf nichts mehr verlangen. 4. Was genannt mag werden Dro ben und auf Erden, Alles reicht nicht zu. Einer nur kann geben Frende, Trost und Leben, Eins ist noth: nur du! Hab ich dich Nur wesentlich, So mag Seel und Leib verschmachten, Ich wills doch nicht achten. 5. Komm, du selges Wesen, Das ich mir erlesen, Werd mir offenbar! Meinen Hunger stille, Meinen Grund erfülle Mit dir selber gar! Ich bin dein, Sey du auch mein, Bis du wirst in jenem Leben Dich mir völfig geben. 2. Wem du dich gegeben, kann im Frieden leben, Er hat was er will. Wer im Herzensgrunde Lebt mit dir im Bunde, Liebet und ist still. Bist du da, Uns innig nab, Muß das schönste bald erbleichen Und das beste weichen. 3. Hächstes Gut der Güter, Ruhe der Gemüther, Trost in aller Pein! Was Geschöpfe haben, Kann den Geist nicht laben, Du vergnügst al225 o Herr! Ich bitte: sey von mir nicht fern Mit deiner Hülf und Gaben! Die ganze Welt erfreut mich nicht, Nach Erd und Himmel frag ich nicht, Wenn ich nur dich kann haben; Und wann mir gleich mein Herz zerbricht, Bist du doch meine Zuversicht, Mein Trost und meines Herzens Theil, Deß Blut erworben mir das Heil. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr, Mein Gott und Herr, In Schanden laß mich nimmermehr! Evangelisches Gesangbuch. Tersteegen, g. 1697+ 1769. Eigene Mel.( Pf. 18, 2. 3. 73, 25 2c.) 346. Herzlich lieb hab ich dich,| 2. Es ist ja dein Geschenk und Gab: Mein Leib und Seel, und was ich hab In diesem armen Leben; Damit ichs brauch zum Lobe dein, zum Nutz und Dienst des Nächsten mein, Wollst du mir Gnade geben. Behiit mich, Herr, vor falscher Lehr, Des Satans Mord und Lügen wehr; In allem Kreuz erhalte mich, Auf daß ichs trag geduldiglich. Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, Mein Herr und Gott, Tröst meine Seel in Todesnoth! 15 226 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 3. Ach Herr! laß einst die Engel| Tod erwecke mich, Daß meine Augen dein Am letzten End die Seele mein sehen dich In aller Freud, o Gottes In Abrahams Schooß tragen; Den Sohn, Mein Heiland auf dem HimLeib in seinem Kämmerlein Gar sanft melsthron! Herr Jesu Christ, erhöre ohn alle Qual und Pein Ruhn bis mich! Erhöre mich! Ich will dich am jüngsten Tage. Alsdann vom preisen ewiglich. Schaling, g. 1532 † 1608. Eigene Mel.( Offenb. 22, 13. 16. 17. 20.) 347. Wie schön leucht't uns| und Blut Mich innerlich erquictet. der Morgenstern, Voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn Uns herr lich aufgegangen! O guter Hirte, Davids Sohn, Mein König auf dem Himmelsthron, Du hast mein Herz umfangen; Lieblich, Freundlich, Schön und prächtig, Groß und mäch tig, Reich an Gaben, Hoch und wundervoll erhaben! Nun ich Bitt dich! Blick mich Armen Voll Erbarmen An mit Gnaden; Auf dein Wort komm ich geladen. 5. Herr Gott, Vater, du starker Held! Du hast mich ewig vor der Welt In deinem Sohn geliebet: Dein Sohn hat sich mit mir ver traut, Mein Herz auf ihn mit Freuden schaut, In dem mich nichts betrübet. Preis dir, Heil mir! Himmlisch Leben Wird er geben Mir dort oben; Ewig soll mein Herz ihn loben. 2. O Kleinod, dem kein Kleinod gleicht, Sohn Gottes, den kein Lob erreicht, Vom Vater uns gegeben! Mein Herz zerfließt in deinem Ruhm; Dein süßes Evangelium Ist lauter Geist und Leben. Dich, dich Will ich Ewig faffen, Nimmer las sen; Brod des Lebens, Dein begehr ich nicht vergebens. 3. Geuß sehr tief in mein Herz hinein, Du Gotteslicht und Himmelsschein, Die Flamme deiner Liebe und stärk mich, daß ich ewig bleib, O Herr, ein Glied an deinem Leib In frischem Lebenstriebe! Nach dir Wallt mir Mein Gemüthe, Ewge Güte, Bis es findet Dich, deß Liebe mich entzündet. 4. Von Gott kommt mir ein Freudenlicht, Wann mich dein heilig Angesicht Mit Freundlichkeit anblicket. O Herr Jesu, mein trantes Gut! Dein Wort, dein Geist, dein Leib! 6. Spielt unsrem Gott mit Saitenklang Und laßt den süßesten Gesang Ganz freudenreich erschallen! Ich will mit meinem Jesu heut Und morgen und in Ewigkeit In steter Liebe wallen! Singet, Klinget, Jubiliret, Triumphiret! Dankt dem Herren, Ihm, dem König aller Ehren! 7. Wie freu ich mich, Herr Jesu Christ, Daß du der erst und letzte bist, Der Anfang und das Ende! Du, der sein Leben für mich ließ, Nimmst mich einst in dein Paradies; Drauf faff' ich deine Hände. Amen, Amen! Komm, o Sonne, Meine Wonne, Bleib nicht lange, Daß ich ewig dich umfange! Nach Bhil. Nicolal, g. 1556 † 1608. A. Liebe in Golt und Christus. Mel. Zeuch mich, zeuch mich.( 1 Joh. 4, 19 und 16.) 348. Liebe, die du mich zum Bilde Deiner Gottheit haft gemacht; Liebe, die du mich so milde Nach bem Fall haft wiederbracht, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 2. Liebe, die du mich erkoren, Eh als ich geschaffen war; Liebe, die du Mensch geboren Und mir gleich wardst ganz und gar, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewig lich! 3. Liebe, die für mich gelitten, Und gestorben in ber Zeit; Liebe, die mir hat erftritten Ewge Lust und Seligkeit, Liebe, bir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 4. Liebe, die du Kraft und Leben, Licht und Wahrheit, Geist und Wort; Liebe, die sich dargegeben Wir zum 227 3. Wie freundlich, selig, füß und schön Ist, Jesu, deine Liebe! Wenn Heil und Seelenhort, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 5. Liebe, die mich hat gebunden. An ihr Joch mit Leib und Sinn; Liebe, die mich überwunden Und mein Herz hat ganz dahin, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 6. Liebe, die mich ewig liebet, Die für meine Seele litt; Liebe, die das Lösgelb gibet Und mich kräftiglich vertritt, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! 7. Liebe, die mich wird entrücken Aus dem Grab der Sterblichkeit, Liebe, die mich einst wird schmücken Mit dem Laub der Herrlichkeit, Liebe, dir ergeb ich mich, Dein zu bleiben ewiglich! Angelus Silefius, g. 1624+ 1677. Mel. Ich ruf zu bir.( Jer. 31, 3. 1 Joh. 4, 19. Joh. 14, 15.) meinen Geist betrübe. Drum laß nichts andres denken mich, Nichts sehen, fühlen, hören, Lieben, ehren, Als deine Lieb und dich, Der du ste fannst vermehren. 349. O Jefu Chrift, mein| diese steht, kann nichts entstehn Das schönstes Licht, Der du in deiner Seelen So hoch mich liebst, daß ich es nicht Aussprechen kann noch zählen, Gib, daß mein Herz dich wiederum Mit Lieben und Verlangen Mög umfangen, Und als dein Eigenthum Nur einzig an dir hangen. 2. Gib, daß sonst nichts in meiner Seel Als deine Liebe wohne; Gib, daß ich deine Lieb erwähl Als meine Luft und Krone. Stoß alles aus, nimm alles hin Was mich und dich will trennen Und nicht gönnen, Daß mein Herz, Muth und Sinn In deiner Liebe brennen. 4. O daß ich wie ein kleines Kind Mit Weinen dir nachgienge, So lange, bis dein Trost gelind Mit Armen mich umfienge, Und deine Seel mir im Gemüth Mit voller, süßer Liebe Sich erhübe, Und also deiner Gült Jch stets vereinigt bliebe! 5. Du bist allein die rechte Ruh, In dir ist Fried und Freude; Drum, Jesu, gib, daß immerzu Mein Herz in dir sich weide; Sey meine Flamm und brenn in mir, Mein 228 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Balsam, wollest eilen, Lindern, hei mir immerfort Beisteh auf allen len Den Schmerzen, ber mich hier Seiten. Mit Seufzen läffet weilen. 8. Laß meinen Stand, darin ich 6. Ach Jesu, wenn du mir entsteh, Herr, deine Liebe zieren, Und weichst, Was hilft mirs, seyn gebo- wo ich etwan irre geh, Mich bald ren? Wenn du mir deine Lieb entzeuchst, Ist all mein Gut verloren. So gib, daß ich dich ohne Raft Wohl such und bestermaaßen Möge fassen Und, wenn ich dich gefaßt, In Ewigteit nicht laffen. zurechte führen. Laß sie mich allzeit guten Rath Und reine Werke lehren; Steuern, wehrenDerSünd, und nach der That Bald wieder mich bekehren. 9. Dein Lieben sex mir Freud in Leid, In Schwachheit mein Vermögen; Und wann ich nach vollbrachter Zeit Mich soll zur Ruhe legen, Alsdann laß beine Liebestren, Herr Jesu, mir beistehen, Luft zuwehen, Daß ich getroft und frei Mög in dein 7. Du hast mich je und je geliebt Und mich zu dir gezogen; Ch ich noch etwas guts geübt, Warst du mir schon gewogen. Ach laß doch ferner, ebler Hort, Mich diese Liebe leiten Und begleiten, Daß sie| Reich eingehen! Gerhard, g. 1606+ 1676. Mel. Aus Gnaden soll ich.( 1 Joh. 4, 19 und 10.) 350. Wie sollt ich meinen Gott| gnadenvoll, so freundlich an. O welch ein Gott! wie väterlich, mit welchem Eifer liebt er dich! 5. Ja, ja, ich seh es, ich empfinde Die Größe deiner Huld, o Gott! Denn du errettest von der Sünde Mich selbst durch deines Sohnes Tod; Ich war vor deinem Angesicht Ein Greul, und du verwarfst mich nicht! 6. Du riefft, ich ging bir nicht ent gegen, Du aber nahtest dich zu mir Mit deiner Huld, mit deinem Segen Und zogst mich väterlich zu dir. Wer gleicht an Liebe dir? wer ist So gut, als bu, mein Bater, bist? 7. Ja, dich will ich von ganzem Herzen, Mein Vater, lieben, dich allein! Ich will im Glück und auch in Schmerzen Mich einzig beiner Liebe freun; Und daß ichs könne, schenke du Mir Schwachen selbst die Kraft dazu. nicht lieben, Der seinen eignen Sohn mir gibt? Sollt ich nicht innig mich betrüben, Daß ihn mein Herz nicht stärker liebt? Was bringt mehr Wonn, als diese Pflicht? Wie groß ist Gottes Liebe nicht! 2. Er hat von Ewigkeit beschloffen, Mein Vater und mein Heil zu seyn; Und noch ist mir kein Tag verflossen, Der mirs nicht sagte: Gott ist dein! Er ist so väterlich gefinnt, Gib ihm dein Herz und sey sein Kind! 3. Gib ihm dein Herz! wer fanns beglücken? Wer selig machen? er allein; Nur er fanns heiligen und schmücken Und ewig durch sich selbst erfreun, Er fanns weit über allen Schmerz Erheben, gib, gib ihm dein Herz! 4. Bei ihm ist Seligkeit die Fülle, Und die, die er nur geben kann, Beut dir sein väterlicher Wille So A. Liebe zu Gott und Christus. 229 8. Gib, daß ich mich im Guten| Denn jeder ist wie ich dein Kind. übe Und heilig sey, weil du es bist! Gib, daß ich außer dir nichts liebe, Als was auch dir gefällig ist; Verhaßt sey jede Süinde mir, Denn Sünde ist ein Greul vor dir. 9. Bewahre mich auf deinem Wege! Gib, daß ich, brüderlich gestunt, Stets alle Menschen lieben möge, Mein Herz verschließe sich doch nie Vor ihnen, denn du liebst auch sie. 10. Nie müsse irgend mich ein Leiden, Und wär es auch der bängste Tod, Bon dir und deiner Liebe scheiden, Nie einer Freude Neiz, o Gott! Ich will dich lieben und nur dein Im Leben und im Tode seyn! Nach Schmolk, g. 1672 † 1737. Eigene Mel.( Röm. 8, 38. 39. Pf. 73, 25.) 351. Meinen Jesum lass| 4. Ich werd ihn auch laffen nicht, Wann ich nun dahin gelanget, Wo vor seinem Angesicht Frommer Christen Glaube pranget. Ewig glänzt ist meines Lebens Licht, Meinen Je- mir dort sein Licht; Meinen Jesum fum laff' ich nicht! ich nicht! Weil er sich für mich gegeben, So erfordert meine Pflicht, In ihm und für ihn zu leben; Er laff' ich nicht! 5. Nicht nach Welt, nach Himmel nicht Meine Seel in mir sich sehnet; Jesum wünscht sie und sein Licht, Der mich hat mit Gott versöhnet, Der mich frei macht vom Gericht; Meinen Jesum laff' ich nicht! 3. Laß vergehen das Gesicht, Höj 6. Jesum laff' ich nicht von mir, ren, Fühlen mir entweichen, Laß das letzte Tageslicht Mich auf dieser Welt erreichen, Wann der Lebensfaden bricht,- Meinen Jesum laff ich nicht! - 2. Jesum laff' ich ewig nicht, Weil ich soll auf Erden leben; Ihm hab ich voll Zuversicht, Was ich bin und hab, ergeben. Herz und Mund mit Freuden spricht: Meinen Jesum laff' tch nicht! Gel ihm ewig an der Seiten; Chrisice wird mich für und für Zu dem Lebensbrunnen leiten. Selig, wer mit mir so spricht: Meinen Jesum laff ich nicht! Reymann, g. 1607 † 1662. Mel. Herzlich thut mich.( Matth. 26, 33.) doch bist Du verklungen, und keiner denkt daran! 352. Wenn alle untreu wer| gen Hast Du so viel gethan, Und den, So bleib ich Dir doch treu, Daß Dankbarkeit auf Erden Nicht ausgestorben sey! Für mich umfieng Dich Leiben; Bergiengst für mich in Schmerz, Drum geb ich Dir mit Freuden Auf ewig dieses Herz. 3. Du stehst voll trener Liebe Noch einem jeden bei, Und wenn Dir keiner bliebe, So bleibst Du dennoch tren. Die treuste Liebe sieget, Am Ende fühlt man sie, Weint bitterlich und schmieget Sich findlich an dein Knie. 2. Oft möcht ich bitter weinen, Daß Du gestorben bist, Und mancher von den deinen Dich lebenslang vergißt; Von Liebe nur durchbrun- 4. Ich habe Dich empfunden; O 230 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. laffe nicht von mir! Laß innig mich| wieder himmelwärts, Und sinken verbunden Auf ewig seyn mit Dir! liebend nieder Und fallen Dir ans Einst schauen meine Brüder Auch Herz. Novalis, g. 1772 † 1801. Eigene Mel.( Joh. 14, 23.) 353. Ich will dich lieben, meine| Daß mir dein Glanz hat Licht ge bracht; Ich danke dir, du Himmels wonne, Daß du mich froh und frei gemacht; 3ch bante dir, du heilger Mund, Daß du mich sprichst gesund. Stärke, Ich will dich lieben, meine Zier! Ich will dich lieben mit dem Werte Und immerwährenber Begier; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht! 2. Ich will dich lieben, o mein Leben, Als meinen allerbesten Freund, Ich will dich lieben und erheben, So lange mich dein Glanz bescheint; Ich will dich lieben, Gotteslamm, Du Lieb am Kreuzesstamm! 6. Erhalte mich in deinen Stegen Und laß mich nicht mehr irre gehn; Laß meinen Fuß in deinen Wegen Nicht strancheln oder stille stehn; Erleuchte mir die Seele ganz, Du starfer Himmelsglanz! 7. Gib meinen Augen süße Thränen; Gib meinem Herzen reine Gluth; Laß meine Seele fich gewöh nen, zu üben das was Liebe thut. Laß meinen Geist, Sinn und Verstand Nur seyn dir zugewandt. 8. Ich will dich lieben, meine Krone, Auch in der allergrößten Noth, So lang ich in der Hütte wohne, Will ich dich lieben, Herr und Gott; Ich will dich lieben, schönstes Licht, Bis mir das Herze bricht! Angelus Silefius, g. 1624+ 1677. ( Joh. 17, 26.) 3. Wenn die Seraphim mit Schre den Sich vor seinem Glanz bebecken, Spiegelt sich sein Angesicht Jn der Seele, die ihn fennet Und von seiner Liebe brennet, Hier schon mit enthülltem Licht. ( 2 Cor. 3, 18.) 3. Ach, daß ich dich so spät erkennet, Du hochgelobteLiebe du, Und dichnicht eher mein genennet, Du höchstes Gut und wahre Ruh! Es ist mir leid und bin betrübt, Daß ich so spät geliebt! 4. Ich lief verirrt und war verblendet, Ich suchte dich, und fand dich nicht; Ich hatte mich von dir gewendet und liebte das geschaffne Licht; Nun aber ifts durch dich geschehn, Daß ich dich hab ersehn. 5. Ich danke dir, du wahre Sonne, Mel. Alles ist an. 354. O wie felig sind die Seelen, Die mit Jefu sich vermählen! Die sein Lebenshauch durchweht, Daß ihr Herz mit heißem Triebe Stündlich nur auf seine Liebe Und auf seine Nähe geht! 2. O wer fasset ihre Würde, Die bei dieses Leibes Bürde Im Ver borguen schon sie schmückt! Alle Himmel sind zu wenig Für die Seele, der ihr König Solches Siegel auf gebrückt. 4. Nach Jehovahs höchsten Ehren Wird in allen Himmelschören Nichts, das berrlicher, geschaut, Als ein Herz, das er erlesen, und mit dem das höchste Wesen Sich zu einem Geist vertraut. ( 1 Cor. 6, 17) A. Liebe zu Gott und Chriftus. 5. Drum, wer wollte sonst was lieben, und sich nicht beständig üben, Dieses Königs Freund zu seyn? Muß man gleich dabei was leiden, Sich von allen Dingen scheiden, Bringts ein Tag doch wieder ein. 6. Schenke, Herr, auf meine Bitte Mir ein göttliches Gemüthe, Einen königlichen Geist; Mich als dir verlobt zu tragen, Allem freudig abzusagen Was nur Welt und irdisch heißt. 231 7. So will ich mich selbst nicht achten; Sollte gleich der Leib verschmachten, Bleib ich Jesu doch getreu! Sollt ich keinen Troft erbliden, Will ich mich damit erquicken, Daß ich meines Jesu sey. 4. So werd ich in dir Bleiben für und für. Deine Liebe will ich ehren Und dein hohes Lob vermehren, Weil ich für und für Bleiben werd in dir. 5. Deinen Frieden gib Aus so großer Lieb Uns, den beinen, die dich kennen Und nach dir sich Christen nennen; Denen du bist lieb, Deinen Frieden gib. 6. Wer der Welt abstirbt, Emsig Mel. Wie schön leucht't. 356. Jesu, Jesn, Gottes Sohn, Mein Heiland auf dem Him8. Ohne Fühlen will ich trauen, Bis die Zeit kommt, ihn zu schauen, Und vorbei die letzte Nacht; Da mein Geist zum obern Leben Aus der Tiefe darf entschweben Und nach seinem Bild erwacht. ( Ps. 17, 15.) Nach Nichter, g. 1676 † 1711. Mel. Seelenbräutigam.( 1 Joh. 2, 28 und 6.) zu bauen, Der wird bald mit Fren den schauen, Daß niemand verdirbt, Der der Welt abstirbt. 355. Dir ergeb ich mich, Jesu,| sich bewirbt, Auf den Glauben fest ewiglich! Habe Dank für deine Liebe, Die mich zieht aus reinem Triebe; Jefu, ewiglich Dir ergeb ich mich! 2. Deiner Liebe Gluth Stärkt mir Herz und Muth. Wenn du freundlich mich anblickest Und mit deinem Geist erquickest, Macht mich wohlgemuth Deiner Liebe Gluth. 7. Nun ergreif ich dich, Du mein ganzes Ich! Nimmermehr will ich dich lassen, Sondern gläubig dich umfassen, Weil im Glauben ich Nun ergreife dich. 3. Meines Glaubens Licht Laß verlöschen nicht; Heile mich von Sünd und Schmerzen, Daß hinfort in meinem Herzen Ja verlösche nicht Meines Glaubens Licht! 8. Hier durch Kampf und Hohn, Dort die Ehrenkron; Hier im Hoffen und Vertrauen, Dort im Haben und im Schauen! Denn die Ehrentron Folgt auf Kampf und Hohn. 9. Jesu hilf, daß ich Allhie ritterlich Alles durch dich überwinde Und in deinem Sieg empfinde, Wie so ritterlich Du gefämpft für mich! 10. Jefu, meine Ruh, Ewge Liebe du! Dein ist all mein Thun und Wallen, Nichts als du soll mir gefallen, Ewge Liebe du, Jesu, meine Ruh! Drese, g. um 1630 † 1718. ( Joh. 21, 17. 1 Cor. 2, 9.) melsthron, Du meine Freud und Wonne! Du weißest, daß ich rede XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. wahr, Bor dir ist alles sonnenklar,| dem Leide Volle Freude Bei dir Ja klarer als die Sonne; Herzlich finden; Dann muß alles Trauern Such ich Dir vor allen Zu gefallen, schwinden. Nichts auf Erden kann und soll mir lieber werden. 232 2. Dieß ist mein Schmerz, dieß tränket mich, Daß ich nicht gnug kann lieben dich, Wie ich dich lieben wollte; Je mehr mich deine Liebe zieht, Je mehr erkennt mein Herz und sieht, Daß ich dich lieben sollte. Von dir Laß mir Deine Güte Jns Gemüthe Lieblich fließen, So wird sich die Lieb ergießen. 3. Durch deine Kraft treff ich das Ziel, Daß ich, so viel ich kann und will, Dir allezeit anhange. Nichts auf der ganzen weiten Welt, Nicht Pracht, Lust, Ehre, Freud und Geld Und was ich sonst erlange, Kann mich Ohn dich Gnugsam laben; Ich muß haben Neine Liebe, Tröstung, wenn ich mich betrübe. 7. Da werd ich deine Freundlichkeit, Die hochgelobt in Ewigkeit, In reiner Liebe schmecken Und sehu dein liebreich Angesicht Mit unverwanbrem Augenlicht Ohn alle Furcht und Schrecken. Reichlich Werd ich, Dann erquicket, Und geschmücket Mit der Krone Stehn vor deinem Himmelsthrone. Joh. Heermann, g. 1585 † 1647. Mel. Herzlich thut mich.( Pf. 73, 25-28.) 357. Von bir will ich nicht| mein Leben, Er? Bringt Kronen her und Güter, Bringt was ein Wunsch nur weiß, Dir, Labfal der Gemüther, Mein Jesn, bleibt der Preis! 3. Wenn bittres Leid mir sprießet In Furchen meiner Flur, Durch dich ists mir verfüßet, Verwandler der Natur! Soll heut ich Luft genießen, Des Lebens Freudenwein, 4. Denn wer dich liebt, den liebest du, Schaffft seinem Herzen Fried und Ruh, Erfreuest sein Gewissen; Es geh ihm wie es geh auf Erd, Wenn Kreuz ihn noch so hart beschwert, Soll er doch dein genießen. Endlich Wird sich Nach weichen, D weiche nicht von mir! In aller Dinge Reichen Gleicht teine Güte dir. Wenn ich gen Himmel flöge, Wenn ich zum Brunn des Lichts Durch serne Meere zöge, Geliebtres find ich nichts! 5. Kein Ohr hat jemals es gehört, Kein Mensch gesehen noch gelehrt, Es kanns niemand beschreiben; Was denen dort für Herrlichkeit Bei dir und von dir ist bereit, Die in der Liebe bleiben! Was hier Von dir Wird gegeben, Unser Leben Zu ergötzen, 3ft dagegen nichts zu schätzen. 6. Drum laff' ich billig bieß allein, O Jesu, meine Freude seyn, Daß ich dich herzlich liebe; Daß ich in dem was dir gefällt, Was mir dein Wort vor Augen hält, Aus Liebe stets mich übe; Bis ich Endlich Werd abscheiden Und mit Freuden Zu dir kommen, Aller Trübsal ganz entnommen. 2. Bringt Edelstein' und Schätze, Bringt Glück und Wonne her, Was ist, das mich ergöße, Fehlt mir A. Liebe zu Gott und Christus. 233 Noch will ich dir zu Füßen Ein| Welten dienen; Und Sterne sind trener Jünger seyn! dein Heer; Doch Demuth blüht und Liebe Zum Kranze deiner Macht; Es bleibt kein Auge trübe, Wo deine Milde lucht. 4. Geh ich durch Nacht und Nöthe, Bloß, hungrig und verbannt, Du bist mir Morgenröthe, Brod, Heimath und Gewand. Wird voll mein M Mund von Gaben, Glänzt um mich Herrscherschein, Ich kann es alles haben, Doch lieben- dich allein! 6. Weckt mich zum Kampf das Leben, So waffnet sie den Sinn; Will Schlummer mich umweben, Sie ist mir Wächterin; Und wird mein Leib erblassen, Ist sie des Frie dens Thür. Von dir will ich nicht laffen, O lasse nicht von mir! Dr. 3. F. v. Meyer, g. 1772+ 1849. Mel. Ach was soll ich Sünder.( 1 Cor. 6, 19. 20.) 358. Großer König, den ich| doch darinnen Eitle Lust und Furcht ehre, Der durch seines Geistes Lehre Angezündet mir sein Licht, Der jetzt und in allen Zeiten Durch viel tausend Gütigkeiten An viel tausend Herzen spricht! der Sinnen; Mache mich vollkommen frei! 5. Du läsfest Felsen grünen Und schaffest Saat im Meer; Dir müffen 5. Laß mich kräftig von der Erden Himmelwärts gezogen werden, Zeuch, o zeuch mich ganz zu dir; Daß ich ganz zu dir bekehret, Ganz von deinem Geist verkläret, Täglich habe dich in mir. 6. Mach mein Herz zu einem Garten, Wo der Tugend schönste Arten Stehn in voller Lieblichkeit; Deffne drin die Lebensquelle, Die ohn Ende sanft und helle Fließet in die Ewigkeit. 2. Sollt ich nicht daran gedenken, Dir mich wiederum zu schenken, Der du treulich mich bewachst, Und auch an dem trübsten Tage Meines Herzens bange Klage Schnell zu Licht und Freude machst? mise 3. Herr! mein Herz will ich dir geben; Dir soll es aufs neue leben, Denn du forderst es von mir; Dir soll es sich ganz verbinden Und den angewohntenSünden Ganz entsagen für und für.snit 7. Nun so will ich dir mein Leben, Jesu, ganz zu eigen geben, Stehe i mir in Gnaden bei; Gib, daß ich 4. Laß mich deinen Geist erneuen, zu allen Stunden Inniglich mit dir Dir zu einem Tempel weihen, Der verbunden, Dir zur ewgen Freude auf ewig heilig sey. Ach vertilge sey. Nach Angel. Silesius, g. 1624 † 1677. Mel. Nun ruhen alle.( Apost. 4, 12. Rom. 5, 11. Col. 2, 3. 6 xc.) 359. mein alles was ich liebe,| 2. Das Herz kann nichts ergrinMein alles was ich übe, Sey mein Herr Jesus Christ, Weil ich in ihm besitze Was einer Seele nütze, Was einem Menschen köftlich ist! den, Das nicht in ihm zu finden, Da wird es satt und voll; Denn dieß ist Gottes Wille, Daß alle Gottesfülle In ihm leibhaftig wohnen soll. 234 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 3. Ich harre und begehre Ohn| 7. Ihr Selgen ohne Mängel, Ihr Jesum teiner Ehre Und feines lichten Gottesengel, Ihr habt dieß andern Lichts; Von Weisheit, von selbst bezeugt! Ihm jauchzen alle Ergötzen, Von Herrlichkeit und Geister, Es sind vor ihrem MeiSchätzen Begehr ich ohne Jesum ster Der Auserwählten Knie' ge nichts. beugt. 4. Nur er soll mir auf Erden Zur Kunst und Weisheit werden, Mein Leitstern in der Zeit, Mein Schatz, der ewig währe, Mein Frieden, meine Ehre, Mein Himmel, meine Seligkeit. 8. Ihm will ich mich ergeben, In diesem Namen leben Und in ihm gläubig seyn; In ihm auch herzlich lieben, Geduld in ihm nur üben, In Jesu bet ich auch allein. 9. Ich will in Jesu sterben, Ich will in Jesu erben, In Jesu auferstehn, In ihm gen Himmel fahren Und mit den selgen Schaaren In seinem Licht ihn ewig sehn, 10. Weil ich zu allen Stunden Durch ihn mit Gott verbunden, Bei Gott und in Gott bin, So sey in Jesu Namen Auch dieses Lied num Amen! Mein Heiland, nimm mich bald dahin! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Wer weiß, wie nahe.( 2 Cor. 5, 14. 1 Joh. 2, 15-17.) gestellt. Ein jeder liebe was er will Ich liebe Jesum, der mein Ziel! 4. Sein Schloß kann keine Macht zerstören, Sein Reich vergeht nicht mit der Zeit, Sein Thron bleibt stets in gleichen Ehren Von nun an bis in Ewigkeit. Ein jeder liebe was er will, Ich liebe Jesum, der mein Ziel! 5. Sein Reichthum läßt sich nicht ergründen, Sein hoch und heilig Angesicht, Und was von Schmuck um ihn zu finden, Verbleichet und veraltet nicht. Ein jeder liebe was er will, Ich liebe Jesum, der mein Ziel! 6. Er kann mich über alles heben 5. Wird einst die Seele scheiden, Daß sie aus diesem Leiden In Salems Thore tritt, Bring ich als Schmuck und Krone Sonst nichts vor Gottes Throne Denn meines Jesu Namen mit. 6. Wenn ich das Weltgetümmel, Die Erde und den Himmel, Nur Jefum nicht verlier, So kann ich im Ertalten Das Beste doch behalten; An diesem Schatz genüget mir. 360. Ach sagt mir nichts von Gold und Schäßen, Von Pracht und Schönheit dieser Welt! Es kann mich ja tein Ding ergötzen, Was mir die Welt vor Augen stellt. Ein jeder liebe was er will, Ich liebe Jesum, der mein Ziel! 2. Er ist alleine meine Freude, Mein Kleinod und mein schönstes Vild, An dem ich meine Augen weide Und finde was mein Herze stillt. Ein jeder liebe was er will, Ich liebe Jesum, der mein Ziel! 3. Die Welt vergeht mit ihren Des Fleisches Schönheit bald zerfällt; Die Zeit kann alle das verwüsten Was Menschenhände hin A. Liebe zu Gott und Chriftus. 235 Und seiner Klarheit machen gleich;| entbehren, So lang ich wandre durch Er kann mir so viel Schäße geben, die Zeit, So wird er mirs doch Daß ich werd unerschöpflich reich. wohl gewähren Im Reiche seiner Ein jeder liebe was er will, Ich liebe Herrlichkeit. Drum thu ich billig Jesum, der mein Ziel! was ich will: Ich liebe Jesum, der mein Ziel! 7. Und ob ichs zwar noch muß Angel. Stlefius, g. 1624 † 1677. Mel. Die wir uns allhie.( Gal. 2, 20.) 361. Eines wünsch ich mir| 3. 3a, mein Jesu, laß mich nie vor allem andern, Eine Speife früb und spät; Selig läßts im Thränenthal sich wandern, Wenn dieß eine mit uns geht: Unverrückt auf einen Mann zu schauen, Der mit blutgem Schweiß und Todesgrauen Auf sein Antlitz niedersant Und den Kelch des Vaters trank. vergessen Meine Schuld und deine Huld! Als ich in der Finsterniß gesessen, Trugest du mit mir Geduld; Hattest längst nach deinem Schaf getrachtet, Eb es auf des Hirten Ruf geachtet, Und mit theurem Lösegeld Mich erkauft von dieser Welt. 2. Ewig soll er mir vor Augen stehen, Wie er als ein stilles Lamm Dort so blutig und so bleich zu sehen, Hängend an des Krenzes Stamm; Wie er dürstend rang um meine Seele, Daß sie ihm zu seinem Lohn nicht fehle, Und dann auch an mich gedacht, Als er rief: es ist vollbracht! 4, Ich bin dein! sprich du darauf ein Amen! Treuster Jesu, du bist mein! Drücke deinen süßen Jesusnamen Brennend in mein Herz hinein! Mit dir alles thun und alles lassen, In dir leben und in dir erblassen, Das sey bis zur letzten Stund Unser Wandel, unser Bund! Knapp, g. 1798. Apostelg. 4, 12. Joh. 21, 17.) Eigene Mel.( Luc. 10, 42. 362. Meinen Jesum ich er 3. Meinen Jesum ich erwähle, Weil wähle, Einen Liebern find ich nicht; er hold und heilig ist; Stündlich Seiner freut sich meine Seele, Je- suchet meine Seele Meinen Heiland, sus ist mein Lebenslicht. Darum, darum ruf ich dir mit Begier: Komm, o Jesu, hole mich, hole mich, Meine Seele liebet dich! 2. Meinen Jesum ich erwähle, Weil er meine Schuld gebüßt; Jesus tröstet meine Seele, Er ists, der den Tod verfüßt. Darum, darum ruf ich dir Mit Begier: Komm, o Jesu, hole mich, bole mich, Meine Seele liebet dich! Jesum Christ. Darum, darum ruf ich dir mit Begier: Komm, o Jesu, hole mich, hole mich, Meine Seele liebet dich! 4. Meinen Jesum ich erwähle; Er ists, dem ich in der Noth, Sterbend meinen Geist befehle; Jesus läßzt mich nicht im Tod. Darum, darum ruf ich dir Mit Begier, Komm, o Jesu, bole mich, bole mich, Meine Seele liebet dich! 236 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 5. Meinen Jesum ich erwähle,| ich dir Mit Begier: Komm, o Jesu, Ihm will ich einst rufen zu: ,, Jesu! hole mich, hole mich, Meine Seele mich zu denen zähle Die da haben liebet dich! ewge Ruh." Darum, darum ruf Schwämlein, g. 1632 † 1705. Eigene Mel.( 1 Joh. 5, 12. Pf. 73, 25 2c.) 363. Wenn ich Ihn nur habe, nem Herrn; Laffe still die an Wenn Er mein nur ist; Wenn dern Breite, lichte, volle Straßen mein Herz bis hin zum Grabe Seine wandern. Treue nie vergißt; Weiß ich nichts von Leide, Fühle nichts als Andacht, Lieb und Freude! 2. Wenn ich Ihn nur habe, Laff' ich alles gern, Folg an meinem Wanderstabe Trengesinnt nur mei3. Wo ich Ihn nur habe, Ist mein Vaterland, Und es fällt mir jede Gabe Wie ein Erbtheil in die Hand. Längst vermißte Brüder Find ich nun in Seinen Jüngern wieder. Novalis, g. 1772 † 1801. B. Vertrauen auf Gott. Mel. Herzlich thut mich.( Ps. 37, 5.) 364. Befiehl bu deine Wege| ist lauter Segen, Dein Gang ist Und was dein Herze kränkt, Der allertreusten Pflege Deß der den Himmel lenkt! Der Wolken, Luft und Winden Gibt Wege, Lauf und Bahn, Der wird auch Wege finden, Da dein Fuß gehen kann. lauter Licht; Dein Werk kann niemand hindern, Dein' Arbeit darf nicht ruhn, Wann du, was deinen Kindern Ersprießlich ist, willt thun. 2. Dem Herren mußt du trauen, Wenn dirs soll wohl er gehn; Auf sein Werk mußt du schauen, Wenn dein Werk soll be stehn. Mit Sorgen und mit Grämen Und mit selbsteigner Pein Läßt Gott sich gar nichts nehmen; Es muß erbeten seyn. 5. Und ob gleich alle Teufel Hie wollten widerstehn, So wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn; Und Was er ihm vorgenommen was er haben will, Das muß doch endlich kommen zu seinem Zwed und Ziel. 3. Dein' ewge Treu und Gnade, O Vater, siehet recht, Was gut sey oder schade Dem sterblichen Geschlecht; Und was du dann erlesen, Das treibst du, starker Held, Und bringst zum Stand und Wesen Was deinem Rath gefällt. 4. Weg' hast du allerwegen, An Mitteln fehlt birs nicht; Dein Thun 6. Hoff, e bu arme Seele, Hoff und sey unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, Da dich der Kummer plagt, Mit großen Gnaden rücken; Erwarte nur die Zeit, So wirst du schon erblicken Die Sonn der schönsten Freud. 7. Auf, auf! gib deinem Schmerze Und Sorgen gute Nacht; Laß fahren was das Herze Betrübt und traurigmacht; Bist du doch nicht Regente, hés 237 B. Vertrauen auf Gott. VZ entladen Von der so schweren Last, Die du zu keinem Schaden Bisher getragen hast. Der alles führen soll; Gott sitzt im| mindsten gläubst; Er wird dein Herz Regimente Und führet alles wohl. 8. Jhu, ihn laß thun und walten! Er ist ein weiser Fürst Und wird sich so verhalten, Daß du dich wundern wirst, Wenn er, wie ihm gebühret, mit wunderbarem Rath Das Werk hinausgeführet Das dich bekümmert hat. 11. Wohl dir, du Kind der Treue! Du hast und trägst davon, Voll Danks und ohne Neue Den Sieg und Ehrenkron; Gott gibt dir selbst die Palmen In deine rechte Hand, Und du singst Freudenpsalmen Dem der dein Leid gewandt. 9. Er wird zwar eine Weile Mitseinem Trost verziehn Und thun an seinem Theile, Als hätt in seinem Sinn Er deiner sich begeben, Und sollt'st du für und für In Angst und Nöthen schweben, Als frag er nichts nach dir; 10. Wirds aber sich befinden, Daß du ihm treu verbleibst, So wird er dich entbinden, Da du's am 12. Mach End, o Herr, mach Ende An aller unsrer Noth; Stärk unsre Füß und Hände, Und laß bis in den Tod Uns allzeit deiner Pflege Und Tren befohlen seyn, So gehen unsre Wege Gewiß zum Himmel ein! Gerhard, g. 1606+ 1676. Mel. Wo ist mein Schäflein.( Ebr. 11, 9. 10. 2 Cor. 4, 17, 18. 5, 4-9.) 365. Es halten eitele Gemü-| ergießet, So wird der engen Brust ther Die Erde für ihr Vaterland; Wer aber Jesum hat erkannt und die wahrhaftgen Himmelsgüter, Der fieht ganzen Kreis der Erden Für eine fremde Hütte an Und sehnet sich, erlöst zu werden von dieser rauhen Pilgerbahn. gar bang, Bis unsre Lebenszeit verfließet; Ach Gott, heißt es, wie lang, wie lang! 4. Da hat ein Paulus Lust zu scheiden; Ein Abraham ist lebenssatt; Da wird einHiob müd und matt Vor langem Sehnen in dem Leiden; Elias wünscht bei seinem Wandern zu schließen den betrübten Lauf; Von einem Morgen bis zum andern Sieht David nach der Hülfe auf. 2. Kein Fluß kann so zum Meere laufen, Kein Stein eilt so der Tiefe zu, Als wie ein Christ zur Himmelsruh Hinwegeilt von dem Erdenhau fen. Ob seine Füß die Welt berühren, So ist das Haupt doch in der Höh; Er sucht den Wandel so zu führen, Daß Herz und Sinn im Himmel steh. 3. Dieß Heimweh gottverlobter Herzen Vermehrt sich bei der Kreuzeslast; Man hat auf Erden keine Rast Bei Seelen- oder Leibesschmerzen. Wann sich die Trübfalsfluth 5. Doch ist dieß Eilen zu dem Himmel Gemäßigt mit Gelaffenheit; man wartet auf die rechte Zeit, Die zur Erlösung vom Getümmel Des Allerhöchsten Rath beliebet; Man setzt Gott weder Maß noch Ziel, Und wird das Herz gleich lang betrübet, So ist es ihm doch nie zu viel. 238 XVII. Chriftlicher Sinu and Wandel. 6. Der Herr, der über Tod und 7. Wir, die wir auf der Erde Leben Die unumschränkte Herrschaft wallen, Verlangen, daß zu rechter hat, Wird seinen Kindern nie zu Zeit Auch unser Abschied aus dem spat Die lang verlangte Freiheit Streit Dem frommen Gott mag geben. Ein selig End muß alles wohlgefallen. Du, Jesu, wollst wenden Was anfangs unerträglich uns Huld erweisen, Daß wir dazu Und Gott reicht selbst mit bereitet stehn, Und uns auch so der seinen Händen Den Lohn für allen Welt entreißen, Damit wir froh gen Jammer dar. Hinimel gehn. war, Marperger, g. 1681 † 1746. Eigene Mel.( Sir. 2, 3. Jej. 43, 1. 2. Pf. 23.) 366. Von Gott will ich nicht| schenkt uns Jesum Christ, Den eingebornen Sohn, Durch welchen Gott bescheret Was unsre Seelen nähret; Lobt ihn im Himmelsthron! 5. Lobt ihn mit Herz und Munde, Die er uns beide schenkt! Wie selig ist die Stunde Darin man sein ge denkt! Verderbt wird sonst die Zeit, Die man verlebt auf Erden; Wirsollen selig werden Und seyn in Ewigkeit. laffen, Denn er läßt nicht von mir, Führt mich zur rechten Straßen, Wenn ich geh in der Irr. Er reicht mir seine Hand: Den Abend wie den Morgen Will er mich wohl versorgen, Wo ich auch bin im Land. 2. Wenn sich der Menschen Treue Und Wohlthat all verkehrt, So wird mir bald aufs neue Die Huld des Herrn bewährt; Er hilft aus aller Noth, Befreit von Sünd und Schanden, Von Ketten und von Banden, Ja wenus auch wär der Tod. ( Pf. 118, 8c.) 3. Auf ihn will ich vertrauen In meiner schweren Zeit; Mein Helfer läßt sich schauen Und wendet jedes Leib; 3hm sep es heimgestellt! Mein Leib und Seel und Leben Sey Gott dem Herrn ergeben; Er machs wie's ihm gefällt! 6. Darum, ob ich schon dulde Hie Widerwärtigfeit, Wie ichs auch wohl verschulde, Kommt doch die Ewigkeit, Die, aller Freuden voll Und ohne Schrank und Ende, Durch Christi treue Häude, Mir einst sich aufthun soll. 7. Das ist des Vaters Wille, Der une erschaffen hat; Sein Sohn gibt uns die Fülle Der Wahrheit und der Guad; Sein beilger Geist im Fleiß Des Glaubens uns regieret und nach dem Himmel führet; Ihm sey Lob, Ehr und Preis! 4. Es kann ihm nichts gefallen, Denn was uns nützlich ist; Er meints gut mit uns allen Und Helmbold, g. 1532 † 1598. * Mel. Nun ruhen alle.( Ps. 55, 23. 1 Sam. 3, 18.) 367. In allen meinen Thaten| alles kann und hat; Er muß zu Laff' ich den Höchsten rathen, Der allen Dingen, Solls anders wohl * Anm. Das Lied hat auch eine eigene Wielobie, bet welcher aber die in Klammern stehenden Worte am Ende jeden Verses nicht gesungen werden dürfen. B. Vertrauen auf Gott. 239 gelingen, Selbst geben( guten) Rath| das Urtheil sprechen, Und haben und That. nech( mit mir) Geduld. 2. Nichts ist es spät und frühe 6. Leg ich mich späte nieder, ErUm alle meine Mühe, Vergeblich wach ich frühe wieder, Lieg oder alle Kunst; Er mags mit meinen ziehe fort, In Schwachheit und in Sachen Nach seinem Willen ma- Banden Und was mir stoßt zuchen, Ich stells in seine( Gnad und) handen, Da tröstet mich sein( heiGunft. ligs) Wort. 7. Hat er es dann beschlossen, So will ich unverdroffen An mein Verhängniß gehn; Kein Unfall unter allen Wird mir zu hart je fallen, Ich will( mit Gott) ihn überstehu. 3. Es kann mir nichts geschehen, Denn was Gott hat ersehen Und was mir selig ist, Ich nehm es wie ers- gibet, Was ihm von mir beliebet Das hab ich auch( getrost) erfiest. 4. Ich traue seiner Gnaden, Die mich für allem Schaden, Für allem Uebel schützt. Leb ich nach seinen Säten, So wird mich nichts ver letzen,( Und gar) Nichts fehlen was mir nützt. 5. Er wolle meiner Sünden In Gnaden mich entbinden, Durch streichen meine Schuld. Er wird auf mein Verbrechen Nicht stracks 8. Ihm hab ich mich ergeben, zu sterben und zu leben, So wie er mirs gebent. Es sey heut oder morgen, Dafür lass' ich ihn sorgen, Er weiß die beste( Stund und) Zeit. 2. Was helfen uns die schweren Sorgen? Was hilft uns unser Web und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen Beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid Nur größer durch die Traurigkeit. 3. Zu Gott sey deine Seele stille 9. So sey nun, Seele, seine Unt traue dem alleine Der dich ge schaffen hat. Es gehe wie es gehe, Dein Vater in der Höhe Weiß allen ( deinen) Sachen Rath. Flemming, g. 1609 † 1640. Eigene Mel.( Ebr. 10, 35. Pf. 37, 37-39. 62.) 368, Wer nur den lieben Gott| Und stets mit seinem Nath verläßt walten und hoffet auf ihn allezeit, Den wird er wunderbar er halten In aller Noth und Traurigteit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, Der hat auf keinen Sand gebaut. gnilgt; Erwarte, wie sein guter Wille Zu deinem Wohlergehn es fügt; Gott, der uns ihm hat auserwählt, Weiß doch am besten was uns fehlt. 4. Er kennt die rechten Freudenstunden, Er weiß wohl was uns nützlich sey; Wenn er uns nur hat tren erfunden Und merket feine Heuchelei, So kommt er, eh wirs uns verfehn, Und lässet uns viel guts geschehn. 5. Denk nicht in deiner Drangfalshitze, Daß du von Gott verlassen bist, Und daß ihm der im Schooße 240 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. sitze, Der reich und groß und mäch-| than Und stürzen und erhöhen tig ist. Die Zukunft ändert oft sehr kann. viel Und jetzet jeglichem sein Ziel. ( 1 Sam. 2, 7.) 6. Es sind ja Gott geringe Sachen Und seiner Allmacht gilt es gleich: Den Reichen klein und arm zu machen, Den Armen aber groß und reich; Er ists, der Wunder stets ge7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, Verrichte deine Pflicht getreu, Trau ihm und seinem reichen Segen, So wird er täglich bei dir neu; Denn wer nur seine Zuversicht Auf Gott setzt, den verläßt er nicht! Neumark, g. 1621 † 1681. Eig. Miel.( Ps. 4, 4. Jef. 28, 29. 55, 8 2c. 1 Cor. 1, 27-29.) 369. So führst du doch recht| Geist bei Todten Kraft und Leben selig, Herr, die deinen, Ja selig, und doch meist verwunderlich! Wie könntest du es böse mit uns meinen, Da deine Treu nicht kann verleugnen sich? Die Wege sind oft krumm, und doch gerad, Darauf du läßst die Kinder zu dir gehn, Da pflegts oft wunderseltsam auszusehn; Doch triumphirt zuletzt dein hoher Rath. 2. Du willst dein Werk nicht auf Gesetze bauen, So die Vernunft und gute Meinung stellt; Du kannst den Knoten mit dem Schwert zer= hauen, Und sanft auflösen, wie es dir gefällt. Du reißest wohl die stärksten Band entzwei; Was sich entgegensetzt, muß sinken hin; Ein Wort bricht oft den allerhärtsten Sinn, Dann geht dein Fuß auch durch Umwege frei. 3. Was unsre Klugheit will zu sammenfügen, Theilt dein Verstand in Ost und Westen aus; Was mancher unter Joch und Last will biegen, Setzt beine Hand frei an der Sterne Haus. Die Welt zerreißt, und du verknüpfst in Kraft; Sie bricht,- du baust; sie baut, - du reißest ein; Ihr Glanz muß bir ein dunkler Schatten seyn; Dein ichafft. 4. Wen die Vernunft oft fromm und selig preiset, Den hast du schon aus deinem Buch gethan; Und wem die Welt dieß Zeugniß nicht er weiset, Den führst du in der Still doch himmelan: Den Tisch der Pharisäer lässt du stehn Und speisest mit den Sündern, sprichst sie frei: Wer weiß, was öfters deine Absicht sey? Wer kann der tiefsten Weisheit Abgrund sehn? 5. Was alles ist, gilt nichts vor deinen Augen; Was nichts ist, hast du, großer Gott, recht lieb; Der Worte Pracht und Ruhm mag dir nicht taugen, Du gibst bie Kraft durch deines Geistes Trieb. Die besten Werke bringen dir kein Lob: Sie sind versteckt; der Blinde geht vorbei, Wer Augen hat, sieht sie, doch nie so frei; Die Sachen sind zu klar, der Sinn zu grob. ( Gir. 43, 36: C.) 6. O Herrscher! sey von uns ge benedeyet, Der du uns tödtest und lebendig machst. Wenn uns dein Wort der Weisheit Schatz verleihet, So sehn wir erst, wie wohl du für uns wachst! Die Weisheit spielt un B. Vertrauen auf Gott. * mit uns, wir spielen mit; Bei uns zu wohnen ist ihr lauter Luft; Die reget sich in deiner Vaterbrust Und gängelt uns mit zarter Kinder Schritt, d( Sprüche 8, 30 c.) 7. Bald scheinst du etwas hart uns anzugreifen, Balb fähreft bu mit uns ganz säuberlich; Geschiehts, daß unser Sinn fucht anszuschweifen, So weist die Zucht uns wieder hin auf dich. Da gehn wir dann mit blöden Augen hin, Du blidt nns an, wir sagen Beßrung zu; Drauf schenkt dein Geist dem Her zen wieder Ruh Und hält im Zanm den ausgeschweiften Sinn. ( Luc. 22, 81 ic.) 8. Du kennst, o Vater, wohl das schwache Wesen, Die Unmacht und der Sinnen Unverstand; Man kann ins fast an unsrer Stirne lesen, Wie es um schwache Kinder sey bewandt. Drum greifft du zu und hältst und trägest sie, Brauchst Baterrecht und zeigest Muttertren; Wo niemand meint, daß etwas beine sey, Da hegst du deine Schaf und fäßst sie nie. 241 von Gnade unterscheidet, Das eigne Licht von deiner Heiterkeit. Laß doch mein thöricht Herz dich meistern nicht, Brich ganz entzwei den Willen der sich liebt, Erweck die Lust die sich nur bir ergibt Und tabelt nie dein heimliches Gericht, 11. Will etwa die Vernunft dir widersprechen Und schüttelt ihren Kopf zu deinem Weg, So wollst du ihre Festung so zerbrechen, Daß ihre Höhe sich bei Zeiten leg! Kein frembes Feur** entzünde fich bei mir, Das ich vor dich in Thorheit bringen möcht, Womit ich gar dir zu gefallen dächt; Ach selig, wer fein Licht empfängt von dir! dad ( 2 Cor. 10, 4. 5.)( 3 tof. 10, 1 sc.) 12. So zich mich denn hinein in deinen Willen Und trag und heg und führ dein armes Kind! Dein innres Zeugniß soll den Zweifel stillen,* Dein Geist die Furcht und Lüfte überwind'! Du bist mein alles, denn dein Sohn ist mein, Dein Geist regt sich ganz kräftiglich in mir, Ich brenne nur nach dir in Heilsbegier; Wie oft erquickt mich deiner Klarheit Schein! Rom. 8, 15 ic.) 13. Drum muß die Kreatur mir immer dienen; Kein Engel schämt nun der Gemeinschaft sich. Die Geister die vor dir vollendet grül9. Also gehst du nicht die gemeinen Wege, Dein Fuß wird selten öffent lich gesehn, Damit du sehst was sich im Herzen rege, Wann du in Duntelbeit mit uns willst gehn. Das Widerspiel legst du vor Augen dar nen,* Sind meine Brüder und Von dem was du in deinem Sinne bast; Wer meint, er habe deinen Rath gefaßt, Der wird am End ein andres oft gewahr. si of 10. Ange, das nicht Trug noch Fencheln leidet! Gib mir des schar fen Blides Sicherheit, Der die Natur Gvangelisches Gesangbuch. erwarten mich. Wie oft erquicket meinen Geist ein Herz, Das dich und mich und alle Christen liebt! Ifts möglich, daß mich etwas noch betrübt? Komm, Freudenquell! weich ewig, aller Schmerz!( Ebr. 12, 22 20.) Arnold, g. 1666 † 1714 16 242 XVII. Chriftlicher Siun und Wandel. Mel. Wer nur den lieben.( Matth. 26, 39. Ebr. 12, 14.) 370. Ich bin in dir, mein Gott,| ist nicht dein Will; Daß solches zufrieden Und halte deinem Willen nicht geschehen sollt, Hat deines still; Was deine üte mir beschie Sohnes Tod gewollt. den, mit dem vergnüget sich mein Will; Mein Will ist zwar nicht ferner mein, Dieweil er dein be ginnt zu seyn. 4. Sein Tod verklärt mir deinen Willen, Dein Will ist: daß ich beilig sey. So will ich zwar; doch das Erfüllen Verhindert leider wwww. 2. Willst du mich auf das Siech- mancherlei: Bald will sich Unwill bett legen? Ich will; soll ich in mengen ein, Bald Muthwill mein Mangel seyn? Ich will; soll sich Beherrscher seyn. ein Unfall regen? Ich will; und willst du, daß ich wein'? Ich will; und gibst du mich dem Tod? Ich will! bein Will gescheh, o Gott! 5. Nicht so, mein Herz! was Gott dir gibet, Bös oder gut, nimm willig an. Weg Eigenwill! was Gott beliebet, Das sey mit Lust von 3. Willst du mich in dem Himmel mir gethan; Ja, ja, mein Herz ruht haben? Herr! dieß ist meines Wun- sanft und still: Es wählt, es will sches Ziel; Soll Tod und Hölle mich was mein Gott will! begraben? Ich weiß, Herr, dieß hon Sngolftetter, g. 1633 † 1711. Mel. Ermuntre bich, mein.( 1 Petri 5, 7.) 371. Du bist ein Mensch, das weißst du wohl; Was strebst du denn nach Dingen, Die Gott der Herr alleine soll und kann zu Stande bringen? Du fährst mit deinem Wiß und Sinn Durch so viel tausend Sorgen hin Und denkst: wie wills auf Erden Doch endlich mit mir werden? 2. Es ist umsonst! du wirst für wahr Mit allem deinem Dichten Und aller Sorgen großer Schaar Das kleinste nicht ausrichten; Es dient dein Gram sonst nirgends zu, Als daß du dich aus deiner Ruh In Angst und Schmerzen stürzest, Und selbst bein Leben fürzest. 3. Willst du was thun das Gott gefüllt Und dir zum Heil gedeihet, So wirf bie Sorgen auf den Held, Den Erd und Himmel schenet, Und gib dein Leben, Thun und Stand Nur fröhlich hin in Gottes Hand, So wird er deinen Sachen Ein fröhlich Ende machen. dar qu 4. Wie oft bist du in große Noth Durch eignen Willen kommen, Da dein bethörter Sinn den Tod Fürs Leben angenommen! Und hätte Gott dein Werk und That Ergehen laffen nach dem Rath, In dem du's angefangen, Du wärst zu Grunde gangen! 5. Der aber, der uns ewig liebt, Macht gut was wir verwirren; Er freut, wo wir uns selbst betrübt, Und führt uns, wo wir irren; Und dazu treibt ihn sein Gemüth Und die so reine Batergiit, In der uns arme Süinder Er trägt als seine Kinder.i d Indist 6. Ach wie so oftmals schweigt er du B. Vertrancu auf Gott. 243 still, Und thut doch was uns nützet,| gemuth, Und laß von Sorg und Da unterdessen unser Will Und Grämen! Gott hat ein Herz das Herz in Alengsten sitzet, Sucht hier nimmer ruht, Dein Bestes vorzuund da, und findet nichts, Will nehmen; Er fanns nicht lassen, fehn, und mangelt doch des Lichts, glaube mir, Sein Baterberz ift Will aus der Angst sich winden, gegen dir Und uns hier allzusammen Und kann den Weg nicht finden! Voll ewger Liebesflammen. 7. Gott aber geht gerade fort Auf seinen weisen Wegen, Er geht und bringt uns an den Port, Da Wind und Sturm sich legen; Hernachmals, wann das Wert geschehn, Kann erst der Mensch mit Augen sehn, Was der, so ihn regieret, In seinem Rath geführet. 8. Drum, liebes Herz, scy wohl372. Was von außen und von innen Täglich meine Seele brückt, Und hält mir Gemüth und Sinnen Unter seiner Laft gebückt, In dem allem ist dein Wille, Gott, der aller Unruh wehrt Und mein Herz hält in der Stille, Bis es deine Hüllf erfährt. Mel. O du Liebe meiner Liebe.( Pf. 62. Jef. 40, 31.) 2. Herr! du bist mein Fels auf Erden, Da ich still und sicher steh; Deine Hilfe muß mir werden, Wenn ich aufwärts zu dir seh; Dein Schutz ist mein Truß alleine Gegen Sünde, Noth und Spott, Denn mein Leiden ist das deine, Weil ich dein bin, o mein Gott! 9. Thu als ein Kind und lege dich In deines Vaters Arme; Bitt ihn In de und flehe, daß er sich Dein, wie er pflegt, erbarme; So wird er dich durch seinen Geist Auf Wegen, die du jetzt nicht weißst, Nach wohlvollbrachtem Ringen Aus allen Sorgen bringen. 3. Auf dich harr ich, wenn das Leiden Nicht so bald zum Ende eilt; Dich und mich kanns nimmer scheiden, Wenns gleich noch so lang verweilt. Und auch dieß mein gläubig Hoffen Hab ich nur allein von dir; Durch dich steht mein Herz dir offen, Daß du solches schaffft in mir. Gerbarb, g. 1606 † 1676 4. Bei dir isi mein Heil und Ehre Meine starke Zuversicht; Willst du, daß die Noth sich mehre, Weiß ich doch, du läßst mich nicht. Denlet mich der Feind zu fällen Und zu treten unter sich, Will ich auf den Fels mich stellen, Der erhält und schirmet mich. 5. Liebe Seelen, traut beständig Eurem ewig treuen Hort! Er ist Gott und ist lebendig, Bleibt euch nah an jedem Ort. Ist euch irgend Hülfe nöthig, Klopft nur an, er ist zu Haus Und zu jeder Hillf erbötig; Schüttet euer Herz nur aus! 6. Aber wie fanns dem gelingen, Der aufs Fleisch die Hoffnung stellt? Bei den Hohen und Geringen Ift kein Trost, der Probe hält; Traut doch lieber auf den Einen, Welcher Lieb und Allmacht hat; Daß er hel. fen kann den seinen, Das beweist er mit der That. 7. Eins mit dir, Gott, meine 244 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Daß dir Feste, Geh ich in der Stille hin,| schon ist er deine Stärke, Denn zuletzt kommt doch das Beste, gar nichts schaden kann, Dort verUnd das End ist mein Gewinn. gilt er alle Werke, Die du hier in Deine Allmacht hilft mir tragen, ihm gethan. L Deine Lieb versüßet mir Alles bittre, alle Plagen: Darum bin ich still zu dir. 8. Laß es nur, o Seele, gehen Wie es geht, und sorge nicht; Endlich wirst du dennoch sehen, Daß 9. Breit, o Herr, doch deine Güte Ueber mich, nimm mich in dich, So wird hinfort mein Gemüthe Stille bleiben ewiglich. Werde alles und in allen! Gib uns, daß wir dir allein Trachten allzeit zu geGott übt ein recht Gericht. Hier fallen, So wird alles stille seyn! Frande, g. 1663 † 1727. Mel. Valet will ich.( Ps. 16, 8. Röm. 8, 14 zc. 26. 2c. 31-39.) 373. It Gott für mich, so trete Gleich alles wider mich; So oft ich ruf und bete, Weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gett, Was kann mir thun der Feinde Und Widersacher Rott? 2. Nun weiß und glaub ich feste, Ich rühms auch ohne Schen, Daß Gott, der Höchst und Beste, Mir herzlich günstig sey, Und daß in allen Fällen Er mir zur Rechten steh Und dämpfe Sturm und Wellen Und was mir bringet Weh. 3. Der Grund, darauf ich gründe, Ist Christus und sein Blut; Das machet, daß ich finde Das ewig wahre Gut. An mir und meinem Leben Ist nichts auf dieser Erd; Was Christus mir gegeben, Das ist der Liebe werth. 4. Er ist mein Ruhm und Ehre, Mein Glanz und schönstes Licht; Wenn der nicht in mir wäre, Könni ich bestehen nicht! In ihm tann ich mich frenen, Hab einen Heldenmuth, Darf kein Gerichte schenen, Wie sonst ein Sünder thut. 5. Nichts, nichts kann mich ver dammen, Nichts macht hinfort mir Schmerz! Die Höll und ihre Flammen, Sie ängsten nicht mein Herz, Kein Urtheil mich erschrecket, Kein Unheil mich betrübt, Weil mich mit Flügeln decket Mein Heiland, der mich liebt. 6. Sein Geist wohnt mir im Herzen, Regieret meinen Sinn, Vertreibet Sorg und Schmerzen, Nimmt allen Kummer hin, Gibt Segen und Gedeihen Dem das er in mir schafft, Und hilft mir ,, Abba!" schreien In rechter Glaubenskraft. 7. Bin ich an meinem Orte Ein schwach und furchtsam Kind, seufzt und spricht er Worte, Die un aussprechlich sind Mir zwar und meinem Munde, Dem aber wohl bewußt, Der an des Herzens Grunde Erstehet seine Luſt. 8. Sein Geist spricht meinem Geiste Manch süßes Trostwort zu: Wie Gott bem Hülfe leifte, Der bei ihm suchet Nuh, Und wie er hab erbauet Ein' edle neue Stadt, Da Aug und Herze schauet Was es geglaubet hat. B. Vertrauen auf Gott. VZ 215 9. Da steht mein Theil und Erbe Bereit in Pracht und Licht; Wenn ich gleich fall und sterbe, Fällt doch mein Himmel nicht! Durchseufz' ich auch hienieden Mit Thränen manche Zeit, Mein Jesus und sein Frieden Durchfüßet alles Leid. 10. Die Welt, die mag zerbrechen, Du Gott, stehst ewiglich! Nicht gen Und kann nicht traurig seyn, Haß und Qual der Frechen Solltren- Ist voller Freud und Singen, Sieht nen mich und dich; Rein Hunger und lauter Sonnenschein! Die Sonne, kein Dürsten, Nicht Armuth oder die mir lachet, Ist mein Herr Jesus Pein, Kein Zorn von großen Für Christ, Das was mich singen machet, sten Soll mir zur Hindrung seyn! Ist was im Himmel ist! Gerharb, g. 1606 † 1676. 11. Kein Engel, keine Freuden, Keiu Throu noch Herrlichkeit, Kein Lieben und kein Leiden, Nicht Angst noch Fährlichkeit, Was man nur kann erdenken, Es sey klein oder groß, Der keines soll mich lenken Aus deinem Arm und Schooß! 12. Mein Herz beginnt zu sprinDiet. Was Gott thut. ( Srrüche 3, 5. 6.) 374. Auf Gott, und nicht auf| 4. Ist nicht ein ungestörtes Glück meinen Nath Will ich mein Glück stets bauen und dem der mich er schaffen hat, Mit ganzer Seele trauen; Er, der die Welt Allmächtig hält, Wird mich in meinen Tagen Als Gott und Vater tragen. Weit schwerer oft zu tragen, Als selbst das widrige Geschick, Bei dessen Laft wir klagen? Die größte Noth Hebt einst der Tod, Und Ehre, Glück und Habe Verläßt uns doch im Grabe. 3. Gott tennet was mein Herz begehrt, Und hätte, was ich bitte, Mir gnädig, eh ich bat, gewährt, Wenns seine Weisheit litte. Er sorgt für mich Stets väterlich; Nicht was ich mir ersehe, Sein Wille, der geschehe! 2. Er sah von aller Ewigkeit, Wie 5. An dem was wahrhaft glücklich viel mir niyen würde, Bestimmte macht, Läßt Gott es feinem fehlen; meine Lebenszeit, Mein Glück und Gesundheit, Ehre, Glück und Pracht meine Bürde. Was zagt mein Sind nicht das Glück der Seelen. Herz? Ist auch ein Schmerz, Der Wer Gottes Rath Vor Augen hat, zu des Glaubens Ehre Nicht zu be- Dem wird ein gut Gewissen siegen wäre? Die STEE Trübsal auch verfüßen. 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden! Was ist das Leiben dieser Zeit? Wie balb ists überwunden! Hofft auf den Herrn! Er hilft uns gern; Seyb fröhlich, ihr Gerechten, Der Herr hilft seinen Knechten! Gellert, g. 1715+ 1769. Sude Eigene Mel.( Jef. 30, 15. 40, 26 2c.) 375. Gott wills machen, Daß| ift; Laß die Wellen Höher schwellen, die Sachen Gehen, wie es heilsam Wenn du nur bei Jefu bist! 246 XVII. Christlicher 2. Wer sich kränlet, Weil er dentet, Jesus liege in dem Schlaf, Wird mit Klagen Nur sich plagen, Drin der Unglaub leidet Straf. ( Matth. 8, 23-27.) 3. Du Verächter! Gott, dein Wächter, Schläfet ja und schlummert nicht; Zu den Höhen Aufzusehen, Wäre deine Glaubenspflicht. ( Ps. 121.) 4. Im Verweilen Und im Eilen Bleibet stets sein Vaterherz; Laß dein Weinen Bitter scheinen, Dein Schmerz ist ihm auch ein Schmerz! 5. Glaub nur feste, Daß das Beste Ueber dich beschlossen sey; Wenn dein Wille Nur ist stille, Wirst du von dem Kummer frei. 6. Willst du wanten In Gedanken, Sent dich in Gelaffenheit; Laß den sorgen, Der auch morgen Herr ist über Leid und Freud. 7. Gottes Hände Sind ohn Ende, Sein Vermögen bat kein Ziel; Ists beschwerlich, Scheints gefährlich, Deinem Gott ist nichts zu viel. 8. Seine Wunder Sind der Zunder, Da der Glaube Feuer fängt; Alle Thaten Sind gerathen, Jedesmal wie ers verhängt. Sinn und Wandel. 9. Wann die Stunden Sich ge funden, Bricht die Hülf mit Macht herein; Und dein Grämen zu be schämen, Wird es unversehens seyn. 10. Eignen Willen zu erfüllen, Leidet sichs noch ziemlich wohl; Da ist Plage, Noth und Klage, Wo man leiden muß und soll. 11. Drum wohl denen, Die sich sehnen Nach der stillen Willensruh! Bald auch das Vollbringen zu. Auf das Wollen Fällt dem Sollen 12. Mehr zu preisen Sind die Weisen, Die schon in der Uebung stehn, Die das Leiden Und die Freu den Nur mit Hiobs Augen sehn. ( Piob 1, 5. 21.) 13. Nun so trage Deine Plage Fein getrost und mit Geduld! Wer das Leiden Will vermeiden, Häufet seine Sündenschuld. 14. Aber denen Die mit Thränen Küssen ihres Jesu Joch, Wird die Krone Vor dem Throne Ihres Heilands werden noch. 15. Amen, Amen! In dem Namen Meines Jesu halt ich still: Es geschehe Und ergehe Wie und wann und was er will! Herenschmid, g. 1675 † 1723. Mel. Nun laßt uns Gott, ten.( Matth. 14, 15-21.) 376. Die ihr bei Jesu bleibet,| rechnen dann die Menge, So find Deß Wort euch führt und treibet, wir im Gebränge. 4. Doch wenn wir mit Vertrauen Die ihr nicht von ihm gehet, Weil ihr sein Herz verstehet: Ihm auf die Hände schauen, So 2. Was speist euch boch, ihr Arnähret allerwegen Uns ein gehei men? Das göttliche Erbarmen! mer Segen. Das segnet ganz verborgen Auch ohne eure Sorgen. 3. Wenn wir von Tag zu Tagen Die Nothdurft überschlagen Und 5. Wie dieses mag geschehen, Das kann man nicht verstehen; Allein man sieht am Ende: Es gieng durch Gottes Hände! C. Nachfolge Chrifti. V 247 6. Man wundert sich und preiset| 7. Kommt her und singt zusamDen Herrn, der uns gespeiset; Man glaubt von Herzensgrunde Und dankt mit frohem Munde. men: Wir rühmen deinen Namen! Du, Herr, bist unser König, Dir sind wir unterthänig! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. and 19334 Tedsil C. Nachfolge Chrifti., Mel. Auf, Chriftenmensch.( Matth. 16, 24. 10, 58. 2 Tim. 2, 5.) der Seelen Fels und Hort Und führ euch zu der Himmelspfort." 377. Mir nach!" spricht Chri-| rein'gen und zu scheiden; Ich bin stus, unser Held, Mir nach, ihr Christen alle! Verleugnet euch, verlaßt die Welt, Folgt meinem Ruf und Schalle! Nehmt euer Kreuz und Ungemach Auf euch, folgt meinem Wandel nach!" 5. Fällts euch zu schwer, ich geh voran, Ich steh euch an der Seite, Ich kämpfe selbst, ich breche Bahn, Bin alles in dem Streite! Ein böser Knecht, der still mag stehn, Sieht er voran den Feldherrn gehn!" 6. ,, Wer hier sein Heil zu finden meint, Wirds ohne mich verlieren; Wer hier es zu verlieren scheint, Den werd ich dazu führen. Wer nicht mir nachfolgt in Geduld, Ift mein nicht werth und meiner Huld! 7. So laßt uns denn dem lieben Herrn Mit unfrem Kreuz nachgehen Und wohlgemuth, getrost und gern Im Leiden bei ihm stehen: Wer nicht gekämpft, trägt auch die Kron Des ewgenlebens nicht davon! Angelus Silestus, g. 1624 † 1677. 2. ,, Ich bin das Licht, ich leucht euch für Mit heilgem Tugendleben; Wer 311 mir kommt und folget mir, Darf nicht im Finstern schweben: Ich bin der Weg, ich weise wohl, Wie man wahrhaftig wandeln soll." 3. ,, Mein Herz ist voll Demiibigteit, Voll Liebe meine Seele; Mein Mund, der gibt zu jeder Beit Sauftmilthige Befehle; Mein Geist, Gemüthe, Kraft und Sinn Sst Gott ergeben; schaut auf ihn!" 4.„ Ich zeig euch, das was schädlich ist, zu fliehen und zu meiden, Und euer Herz von arger List Zu Mel. Jesu, du mein.( Joh. 11, 16. Nom. 6, 11. 8. Kap. 8, 17.) 378. Laffet uns mit Jefu zie-| 2. Laffet uns mit Jesu leiden, hen, Seinem Vorbild folgen nach; In der Welt der Welt entfliehen; Auf der Bahn, die er uns brach, 3mmerfort zum Himmel reisen; Irdisch noch schon himmlisch seyn, Glauben recht und leben rein, Glauben durch die Lieb erweisen! Trener Jesu, bleib bei mir; Geh voran, ich folge dir! Seinem Vorbild werden gleich! Nach dem Leide folgen Freuben, Armuth hier macht dort einfst reich; Thränensaat bringt Heil und Wonne, Hoffnung tröstet mit Geduld; Denn es scheint durch Gottes Huld Nach dem Regen bald die Sonne. Jesu! hier leid ich mit dir, Dort gib deine Freude mir. 248 3. Lasset uns mit Jesu sterben! Sein Tod wehret unfrem Tod, Rettet uns von dem Verderben, Von der Seelen ewger Noth. Laßt uns sterben, weil wir leben, Sterben unsern Lüsten ab, Dann wird er uns aus dem Grab In das Himmelsleben heben. Jesu! sterb ich, sterb ich dir, Daß ich lebe für und für. XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 4. Laffet uns mit Jesu leben! Weil er auferstanden ist, Muß das Grab uns wiedergeben. Jefu! unser Haupt du bist, Wir sind deines Leibes Glieder, Wo du lebst, da leben wir; Ach erkenn uns für und für, Seelenfreund, für deine Brüder! Dir, o Jesu, leb ich hier, Dort auch ewig einst bei dir! S. von Birken, g. 1626 † 1681. Eigene Mel.( 2 Tim. 2, 5.) Fleiß Aus Zagheit wird dem Feinde preis! 379. Auf, Christenmensch, auf| Wie spöttisch, wenn er noch mit auf, zum Streit! Auf, auf, zum Ueberwinden! In dieser Welt, in dieser Zeit ft keine Ruh zu finben; Wer nicht will streiten, trägt bie Kron Des ewgen Lebens nicht davon. 2. Der Satan kommt mit seiner List, Die Welt mit ihrem Prangen, Das Fleisch, durch Lust dich, wo du bist, zu fällen und zu fangen; Streitst du nicht wie ein tapfrer Held, Bist du dahin und schon gefällt! 5. Wer überwunden und den Raum Der Laufbahn wohl durchmeffen, Der wird im Paradies vom Baum Des ewgen Lebens essen. Er wird fürwahr von keinem Leid Noch Tod berührt in Ewigkeit! ( Off.%, 7.) 6. Wer überwunden, der soll nicht Aus Gottes Tempel gehen, Bielmehr drin als ein ewig Licht Und güldne Säule stehen; Der Name Gottes, unsers Herrn, Soll Des Feldherrn hast geschworen; Ge- leuchten von ihm rah und fern. denke, daß du als ein Mann 3um Streit bist auserforen; Gedent, daß ohne Streit und Sieg Noch keiner zum Triumphe stieg. 3. Gebenke, daß du zu der Fahn 4. Wie schmählich ists, wenn ein Soldat Dem Feind den Rücken kehret! Wieschändlich, wenn er seine Statt Verläßt und sich nicht wehret! ( Off. 3, 12.) 7. So streit denn wohl, streit fed und fühn, Daß du mögst überwinden; Streng an die Kräfte, Muth finden; Wer nicht will streiten um und Sinn, Daß du dieß Gut mögst die Kron, Bleibt ewiglich in Spott und Hohn! Angelus Sileftus, g. 1624 † 1677. Mel. Aus meines Herzens.( Joh. 21, 19. 1 Tim. 6, 12. 2 Tim. 2, 5.) 380. Dich frönte Gott mit| Triumph war dir dein Tod! Dein Freuden, Herr Jesu, nach dem Streit; Du giengst durch Schmach und Leiden Zu deiner Herrlichkeit. Kampf war ausgelämpfet, Dein stolzer Feind gedämpfet; Nun fuhrst du auf zu Gott. C. Nachfolge Chrißi. 249 2. Jch, Herr, dein Pilger, walle| werd ich voll Entzücken Auf meine Dir, meinem Führer, nach Und strauchte noch und falle; Denn ich bin müd und schwach. Du führst mich auch durch Streit, Durch Kummer und durch Leiden Zu meiner Zukunft Freuden, Zu deiner Herrlichkeit. 3. Wie du des Todes Schrecken Allmächtig überwandst, Als du, ihn ganz zu schmecken, Herr, im Gerichte standst, So stärkest du auch mich, Durchs finstre Thal zu gehen; Denn deine Frommen sehen Im finstern Thale dich. 4. Wenn ich einst bis zum Grabe Vollendet meinen Streit, Und gut gefämpfet habe Um meine Seligkeit, Wie werd ich dann mich freun, Wie| Krone blicken Und dann ganz selig seyn 1 2. Solls uns hart ergehn, Laß uns feste stehn Und auch in den schwer sten Tagen Niemals über Lasten flagen; Denn durch Trübsal hier Geht der Weg zu dir. 5. Drum harr ich hier und streite, Bis meine Stund erscheint, Und du stehst mir zur Seite, Mein Retter und mein Freund! Sinkt in dem Kampfe mir Mein Arm er müdet nieder, Dieß stärkt und hebt ihn wieder: Mein Lehn ist groß bei dir! 6. Erhalt mir den Gedanken: Groß set bei dir mein Lohn; So werd ich nimmer wanken Bon dir, o Gottes Sohn! So bleib ich dir getreu, Der sich für mich gegeben, Daß bald ein besser Leben Mein ewig Erbtheil sey. Münter, g. 1735 † 1793. Mel. Seelenbräutigam.( Joh. 14, 6.) 381. Jesu! geh voran Auf| 3. Rühret eigner Schmerz Irgend der Lebensbahn, Und wir wollen unser Herz, Kümmert uns ein fremnicht verweilen, Dir getreulich nach des Leiden, so gib Geduld zu zueilen; Führ uns an der Hand beiden; Richte unsern Sinn Auf das Bis ins Vaterland. Ende hin! 4. Drdne unsern Gang, Jesu, lebenslang! Führst du uns durch rauhe Wege, Gib uns auch die nöthge Pflege; Thu uns nach dem Lauf Deine Thüre auf. Nik. 2. Graf von Zinzendorf, g. 1700 † 1760. Mel. Werde munter.( 1 Joh. 2, 28.) 382. Bleibt bei Dem, der eu-| Denen ihr euch hier ergabt, Und retwillen Auf die Erde niederkam, Der, um euren Schmerz zu stillen, Tausend Schmerzen auf sich nahm! Bleibt bei Dem, der einzig bleibet, Wenn auch alles untergeht, Der, wenn alles auch zerstäubet, Siegend über'm Staube steht. der Mund hört auf zu sprechen, Der euch oft mit Trost gelabt, Und der Arm, der euch zum Stabe Und zum Schilde ward, erstarrt, Und das Auge schläft im Grabe, Das euch sorgfam einst bewahrt. 2. Alles schwindet; Herzen brechen, 3. Alles stirbt; das Ird'sche findet In dem Irdischen sein Grab; Alle 250 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Lust der Welt verschwindet, Und das| Staube Alles Irdischen und spricht: Herz stirbt selbst ihr ab. 3rd'sches Stütze dich auf mich und glaube, Wesen muß verwesen, Ird'sche Hoffe, lieb und fürchte nicht!" DaFlamme muß verglühn, Ird'sche rum bleibt bei Dem, der bleibet Fesfel muß sich lösen, Jrb'sche Blüthe lnb der geben fann was bleibt, Der, muß verblühn. wenn ihr euch ihm verschreibet, Euch ins Buch des Lebens schreibt! Spitta, g. 1801 † 1859. 4. Doch der Herr steht über'm Wiel. Werde munter.( Joh. 15, 4 c. 6, 68. Rom. 8, 38 2c. 14, 7 2c.) 383. Bei dir, Jesu, will ich| So in Frende wie in Leid; Bei dir bleib ich, dir verschreib ich Mich für Zeit und Ewigkeit! Deines Winks bin ich gewärtig, Auch des Russ aus dieser Welt; Denn der ist zum Sterben fertig, Der sich lebend zu dir hält. 5. Bleib mir nah auf dieser Erden, Bleib auch, wann mein Tag sich neigt, Wann es nun will Abend werden Und die Nacht hernieder steigt. Lege segnend dann die Hände mir aufs müde, schwache Haupt, Sprich dann: kind, hier gehts zu Ende, Aber dort lebt, wer hier glaubt!" 6. Bleib mir dann zur Seite stehen, Wann mir Grauen macht der Tod, Als das kühle, scharfe Wehen Vor des Himmels Morgenroth. Wird mein Auge dunkler, trüber, Dann erleuchte meinen Daß ich fröhlich zieh hin Wie man nach der Heimath Spitta, g. 1801+ 1859. bleiben, Stets in deinem Dienste stehn; Nichts soll mich von dir ver treiben, Deine Wege will ich gehn. Du bist meines Lebens Leben, Meiner Seele Trieb und Kraft, Wie der Weinstock seinen Reben Zuströmt Kraft und Lebenssaft.s 2. Könnt ichs irgend beffer haben Als bei dir, der allezeit So viel tausend Gnadengaben Für mich Armen hat bereit? Könnt ich je getroster werden Als bei dir, Herr Jesu Christ, Dem im Himmel und auf Erden Alle Macht gegeben ist! 3. Wo ist solch ein Herr zu finden, Der, was Jesus that, mir thut, Mich erkauft von Tod und Sünden Mit dem eignen, theuren Blut? Sollt ich dem nicht angehören, Der sein Leben für mich gab? Sollt ich ihm nicht Treue schwören, Treue Geist, bis in Tod und Grab? über, reist! 4. Ja, Herr Jesu, bei bir bleib ich, Heiligung.grenje davlat D. Wiel. Zeuch mich, zeuch mich.( Matth. 5, 3-16.) 384. Hört das Wort voll Erust| hellem Licht! und Liebe, Das zu euch der Hei- Herrn gebeut, land spricht, Hörts und prüft des ligkeit. Herzens Triebe Bei des Wortes 2. Nicht aus Was der Mund des Das ist enre SeSinais Gewittern D. felligung. IVX 251 Donnert hier des Herrn Gebot, Daß| Auf der Brüder Leiden sehn Und bie Herzen bang erzittern, Weil es Born und Strafe broht; Selig prei send thut sein Mund Euch den Sinn des Vaters tund: den Schwachen, Kranken, Armen Freudig eilen beizustehn! Noch vor Gottes Thron erfreut Einst auch ste Barmherzigkeit." 8., Selig sind die reinen Herzen, Die nicht Sünd und Welt umstrickt, Die mit schnöder Lust nicht scherzen, Weil nur Heilges sie entzückt! Einst im reinen Himmelslicht Schaun sie Gottes Angesicht." 9. Selig sind die Frieden bringen, Schuld und Kränkung übersehn, Feindeshaß mit Huld bezwingen, Für Verfolger segnend flehn! Trifft fie auch der Menschen Spott, Seine Kinder nennt fie Gott." 3. ,, Selig sind die geistlich Armen, Denn das Himmelreich ist ihr! Ihnen öffnet voll Erbarmen Gott der ewgen Gnade Thür; Da wird ohne Maß gewährt Was ihr sehnend Herz begehrt." ad 4. ,, Selig find die Leid empfinden Auf des Lebens schmaler Bahn! Ihre Traurigkeit wird schwinden, Reicher Trost wird sie umfahn; Denn sie wirkt zur Seligkeit Reue, welche nie gereut." 5. Selig sind die sanften Muthes Und in Demuth milde sind! Sie erfreuen sich des Gutes, Das kein Trok und Streit gewinnt. Durch der Sanftmuth stille Macht Wird das schwerste leicht vollbracht." 6. ,, Selig sind die hier mitSchmachten Dürsten nach Gerechtigkeit, Die nach Gottes Reiche trachten, Nicht nach Gütern dieser Zeit! Wo der Born des Lebens quillt, Wird ihr Seelenburst gestillt." 7., Selig sind die voll Erbarmen 10., Selig sind die als Gerechte Duldenkreuz, Verfolgung, Schmach, Als des Herrn getreue Knechte Bis zum Tod ihm folgen nach! Groß ist dort vor Gottes Thron Seiner Ueberwinder Lohn." 11. ,, Seyd ein Salz, ein Licht der Erde, Laßt der Wahrheit Früchte sehn, Daß durch euch verherrlicht werde Euer Bater in den Höhn. Ob der Erdball untergeht, Sein Gebot, sein Wort besteht!" Garve, g. 1763 t † 1841. Eigene Diel.( Luc. 10, 42. 1 Cor. 1, 30. Phil. 3, 8 2c. Pf. 139, 23 a.) 385. Eins ist nothi ach Herr,| 2. Seele! willst du dieses fluden, bieß eine Lehre mich erkennen doch! Suchs bei leiner Kreatur; Laß, Alles andre, wie's auch scheine, Ist was irdisch ist, dahinten, Schwing ja nur ein schweres Joch, Darunter dich über die Natur, Wo Gott und das Herze sich naget und plaget, Und die Menschheit in Einem vereinet, bennoch kein wahres Vergnüigen er- Wo alle vollkommene Fülle erscheijaget; Erlang ich dieß eine, das alles net, Da, da ist das beste, nothwenersett, So werd ich mit einem in digste Theil, Mein ein und mein allem ergützt. alles, mein feligstes Beil, 252 XVII. Chrißlicher Siun und Wandel. 3. Wie, dieß eine zu genießen,| 7. Nun so gib, daß meine Seele Sich Maria dort befliß, Als ste sich Auch nach deinem Bild erwacht: zu Jesu Füßen Boller Andacht nie- Du bist ja, den ich erwähle, Mir derließ; Ihr Herz, das entbrannte, zur Heiligung gemacht! Was nur einzig zu hören, Wie Jesus, dienet zum göttlichen Wandel und ihr Heiland, sie wollte belehren, Leben, Ist in dir, mein Heiland, Ihr alles war gänzlich in Jesum mir alles gegeben; Entreiße mich versenkt, Und wurde ihr alles in aller vergänglichen Luft; Dein Leben Einem geschenkt: aging fey, Jesu, mir einzig bewußt! O 8. Ja, was soll ich mehr verlangen? Mich beströmt die Gnadenfluth! Du bist einmal eingegangen In das Heilge durch dein Blut; Da hast du die ewge Erlösung er funden, Daß ich nun von Tod und Berbammniß entbunden; DeinEin gang die völlige Freiheit mir bringt, Im findlichen Geiste das Abba mun klingt. 9. 9, Bolle Gnige, Fried und Freude Jetzo meine Seel ergötzt, Weil auf eine frische Weide Mein Hirt, Jesus, mich gesetzt; Nichts füßeres kann mich im Herzen erlaben, Als wenn ich, mein Jesu, dich immer soll haben, Nichts, nichts ist, das also mich innig erquickt, Als wenn ich dich, Jesu, im Glauben erblickt! 10. Drum auch, Jesu, du alleine Sollst mein ein und alles seyn; Prüf, erfahre wie ichs meine, Tilge allen Heuchelschein; Sieh, ob ich auf bösem, betrüglichem Stege, Und leite mich, Höchster, auf ewigem Wege! Gib, daß ich nichts achte, nicht Leben noch Ted, Und Jesum gewinne; dieß eine ist noth! Schröber, g. 1666+ 1730. 4. Also ist auch mein Verlangen, Liebster Jesu, nur nach dir! Laß mich treulich an dir hangen, Schenke dich zu eigen mir! Ob viele zum größesten Haufen auch fallen, So will ich dir dennoch in Liebe nach wallen, Denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist! Was ist wohl, das man nicht in Jefu geneußt? 5. Aller Weisheit höchste Fülle In dir ja verborgen liegt; Gib nur, daß sich auch mein Wille Fein in solche Schranken fiigt, Worinnen die Demuth und Einfalt regieret Und mich zu der Weisheit, die himmlisch ist, führet. Ach, wenn ich nur Jefum recht kenne und weiß, So hab ich der Weisheit vollkommenen Preis! 6. Nichts kann ich vor Gott ja bringen, Als nur dich, mein höchstes Gut! Jesu! es muß mir gelingen Durch dein theures Opferblut; Die böchste Gerechtigkeit ist mir er worben, Da du bist am Stamme des Kreuzes gestorben, Da hab ich die Kleider des Heiles erlangt, Worinnen mein Glaube in Ewigteit prangt. Gig. Mel.( Ebr. 12, 4. 1 Tim. 6, 12. 2 Cor. 12, 9. Juh. 17, 19-24.) 386. Es toftet viel, ein Christ reinen Geistes leben; Denn ber zu seyn Und nach dem Sinn des Natur geht es gar sauer ein, Sich D. Heiligung. immerdar in Christi Tod zu geben; Und wenn man einen Kampf auch wohl aussicht, Das machts noch nicht! 2. Man muß hier stets auf Schlangen gehn, Die leicht ihr Gift in unsre Fersen bringen; Da kostets Müh, auf seiner Hut zu stehn, Daß nicht das Gift kann in die Seele bringen. Wenn mans versucht, so spürt man mit der Zeit Die Wich tigkeit. 3. Doch ist es wohl der Mühe werth, Wenn man mit Ernst die Herrlichkeit erwäget, Die ewiglich ein solcher Mensch erfährt, Der sich hier stets aufs Himmlische geleget; Es hat wohl Müh, die Gnade aber schafft Uns Muth und Kraft. 4. Man soll ein Kind des Höchsten seyn, Ein reiner Glanz, ein Licht im großen Lichte! Wie wird der Leib so stark, so hell und rein, So herrlich seyn, so lieblich von Gesichte, Dieweil ihn da die wesentliche Pracht So herrlich macht! 5. Da wird das Kind den Vater sehn, Im Schauen wird es ihn 253 mit Lust empfinden; Der lautre Strom wird es da ganz durchgehn Und es mit Gott zu einem Geist verbinden. Wer weiß, was da im Geiste wird gescheln? Wer mags verstehn? Chrift zu seyn Und nach dem Sinn des reinen Geistes leben; Denn der Natur geht es zwar sauer ein, Sich immerdar in Christi Tod zu geben; Doch führt die Gnade selbst zu aller Zeit Den schweren Streit.id 2. Du darfst ja wie ein Kind nur seyn; Du darfst ja nur die leichte Liebe üben; Oblöder Geist, schan doch, wie gut ers mein'! Das tleinste Kind kann ja die Mutter 6. Da gibt sich ihm die Weisheit ganz, Die es hier stets als Mutter hat gespüret; Sie frönet es mit ihrem Perlenkranz Und wird als Brant der Seele zugeführet. Die Herrlichfeit wird da ganz offenbar, Die in ihr war. 7. Was Gott genießt, genießt es auch, Was Gott besigt, wird ihm in Gott gegeben, Der Himmel steht bereit ihm zum Gebrauch, Wie lieblich wird es dort mit Jefu leben! Nichts höher wird an Kraft und Würde seyn, Als Gott allein. 8. Auf, auf, mein Geist, ermüde nicht, Dich durch die Macht der Finsterniß zu reißen! Was sorgest du, daß dirs an Kraft gebricht? Bedenke, was für Kraft uns Gott verheißen! Wie gut wird sichs doch nach der Arbeit ruhn! Wie wohl wirds thun! Richter, g. 1676 † 1711. Mel. Es loftet viel.( 1 Joh. 5, 3 sc. Marc. 9, 23.) 387. Es ist nicht schwer, ein| lieben; Drum fürchte dich nur ferner nicht so sehr; Es ist nicht schwer! ( Marci 5, 98.) 3. Dein Vater fordert nur das Herz, Daß er es selbst mit seiner Gnade fülle; Der fromme Gott macht dir gar keinen Schmerz, Die Unlust schafft in dir dein eigner Wille; Drum übergib ihn willig in den Tod, So hats nicht Noth! 4. Wirf nur getroft den Kummer hin, Der nur dein Herz vergeblich 254 schwächt und plaget; Erwecke nur zum Glauben deinen Sinn, Wann Furcht und Weh bein schwaches Herze naget; Sprich: ,, Bater! schau mein Elend gnädig an;" So ists gethan. XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 5. Erhalt dein Herz nur in Geduld, Wenn du nicht gleich des Vaters Hülfe merkest. Versiehst du's oft und fehlft aus eigner Schuld, So sieh, daß du dich durch die Gnade stärkest; So gilt dein Fehl und findliches Versehn Als nicht geschehn. 8. Auf, auf, mein Geift! was säumeft bu, Dich deinem Gott ganz findlich zu ergeben? Geh ein, mein Herz, genieß die süße Ruh, Im Frieden sollst du vor dem Vater schweben! Die Sorg und Last wirf nur getroft und kühn Allein auf ihn! ( 1 Petri 5, 7.) Richter, g. 1676+ 1711. Eig. Mel.( Matth. 7, 14. Jef. 30, 21. Joh. 3, 5. Matth. 11, 28 2c.) 388. Der schmale Weg ist breit| 4. Wer die Geburt aus Christo 6. Laß nur dein Herz im Glauben ruhn, Wann dich will Nacht und Finsterniß bedecken; Dein Vater wird nichts schlimmes mit dir thun, Kein Sturm barf dich, so schwer er genug zum Leben! Wenn man nur sacht und grad und stille geht, So wird man nicht so leichtlich umgeweht; Man muß sich recht hineinbegeben, So ist er breit genug zum frommen Leben. 2. Des Herren Weg ist voller Süßigkeiten, Wenn man es nur im Glauben recht bedenkt, Wenn man das Herz nur fröhlich dazu lenkt. Man muß sich recht dazu bereiten, So ist der schmale Weg voll Süßigkeiten. ist, erschrecken; Ja siehst du endlich ferner keine Spur, So glaube nur! ( Matth. 14, 30 zc.) 7. So wird dein Licht aufs neu entstehn, Du wirst dein Heil mit großer Klarheit schauen; Was du geglaubt, wirst du dann vor dir sehn, Drum darfst du nur dem frommen Vater trauen. O Seele, sieh doch, wie ein wahrer Christ So felig ist! 3. Du mußt erst Geist aus Geist geboren werden, Dann wandelst du des Geistes schmale Bahn; Sonst ist es schwer, und gehet doch nicht an. Weg, schnöder Sinn, du Schaum der Erden! Ich muß erst Geist aus Geist geboren werden. hat erlanget, Der folgt allein dem Herrn getreulich nach; Er leidet erst, er trägt erst seine Schmach, Eh er mit ihm im Lichte pranget, Wer die Geburt aus Christo hat erlanget. 5. Er wird mit ihm in seinen Tob begraben, Er wird im Grab auf eine Zeit verwahrt, Er stehet auf und hält die Himmelfahrt; Dann gibt ihm Gott des Geistes Gaben, Wenn er zuvor mit Chrifto ward begraben. 6. Derselbe Geist, der Chriftum hier geübet, Derselbe übt die Jünger Chrifti auch; Der eine Geist hält immer einen Brauch, Kein andrer Weg wird sonst beliebet; Der Jünger wird, wie Christus, hier geübet. 7. Und ob es gleich durch Tod und D. Heiligung. Dornen gehet, So triffts doch nur die Ferse, nicht das Herz. Die Traurigkeit läßt keinen tiefen Schmerz Dem der getroft und feste stehet, Obschon es oft durch Tod und Hölle gebet.. sig 8. Das sanfte Joch kann uns ja hart nicht drücken, Es wird dadurch das Böse nur gedrückt; Der Mensch wird frei, damit er nicht erstickt. Wer sich nur weiß darein zu schicken, Den kann das sanfte Joch zu hart nicht drücken. pod pu mas ud IVX 255 9. Die leichte Last macht nur ein leicht Gemüthe, Das Herz hebt sich darunter hoch empor, Es tritt mit freier Lebenskraft hervor Und schmeckt dabei des Herren Güte. Die leichte Laft macht nur ein leicht Gemüthe. 10. Zeuch, Jesu, mich, zeuch mich, dir nuchzugehen! Zeuch mich dir nach, zeuch mich, ich bin noch weit; Dein schmaler Weg ist voller Süßigfeit, Des Guten Füll ist hier zu sehen; Beuch, Jesu, mich, zeuch mich, dir nachzugehen! Richter, g. 1676 † 1711. Mel. Wenn ich nur meinen Sesum.( Rom. 6, 16. 8, 6. Joh. 8, 34-36.) 389. Wie gut ists, von der| Das Leben aber ist im Sohn, Der Sünde frei! Wie selig, Christi uns mit Gott verfühnt. Knecht! Im Sündendienst ist Sklaverei, Jn Christo Kindesrecht! 2. 3m Sündendienst ist Finsterniß. Den Weg erkennt man nicht; Bei Christo ist der Gang gewiß, Man wandelt in dem Licht. 5. O Heiland! dir nur dien' ich gern, Denn du hast mich erkauft; Ich weiß und will sonst feinen Herrn, Auf dich bin ich getauft. 6. Wen du frei machst, der ist recht frei; Du schenkst ihm alle Schuld; Und darum dank ich deiner Treu Und rühme deine Huld. 7. Jch bete au, Herr Jesu Christ, Und sage: ich bin dein; Nimm mich zu dir, denn wo du bist, Soll auch dein Diener seyn!" Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. 3. Im Sündendienst ist Haß und Leid, Man plagt und wird betrübt; In Chrifti Reich ist Freudigkeit, Man liebt und wird geliebt. 4. Die Sünde gibt den Tod zum Lohu; Das heißt ja schlimm gedient! int Mel. Alle Menschen.( Serem. 17, 14. Matth. 7, 7-11.) 390. Vater! heilig möcht ich| beten, leben, Rechtthun wäre meine Lust; nicht: Aber Lüste widerstreben Dem Gesetz in meiner Brust. Ach, die Unart meines Herzens Ist noch oft ein Quell des Schmerzens, Schwer brückt mich der Sünde Joch! Was ich nicht will, thu ich doch! 2. Sieh um Kraft mich Schwachen Meinem Vorsatz tran ich Lockende Begierden treten Zwischen mich und meine Pflicht; Selbst den süßen Andachtsstunden, Da ich, Bater, dich empfunden, Da ich nur von Liebe sprach, Folgten Sündentage nach. be 3. Tausendmal hab ich geweinet, Schmerzlich meinen Fall berent, 256 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Gläubig mich mit dir vereinet Und| Guten; Früh und spät ruf ich zu mich deiner Huld gefreut. Gnädig bir; Laß mein Herz nicht länger sahst du auf mich nieder; Aber bald bluten, Schenke höhre Kräfte mir. vergaß ich wieder, D du Lang Laß mein Flehn nicht seyn vergebens, muthsvoller, dich, Und mein Herz Sende doch den Geist des Lebens; bestegte mich. 3ieb mit neuer Kraft mich an, Daß ich dir gefallen kann. fles 7. Bäter, böse Bäter schenken Brod den Kindern, wenn sie flehn; Vater! und ich sollte denken: Du, du könntest mich verschmähn? Könntest erst den Sohn uns senden, Und dein Aug doch von uns wenden? Gäbst nicht auf die deinen Acht, Flehten sie gleich Tag und Nacht? 8. Gott! du hörst mein kindlich Flehen Und erquichst mein Herz mit Ruh. Leben werd ich, nicht vergehen; Meine Stärke, Gott, bist du! Uleberwinden, überwinden Werd ich durch dich alle Sünden, Und in jenen Himmelshöhn Nein vor deinem Antlik stehn. 4. Ach was kann ich dir verspre chen? Meint' ichs auch so redlich noch, Meine Zusag nicht zu brechen, Ich vergaß und brach sie doch. Oft schon hab ich es erfahren, Was Gelübd' und Thränen waren; Plötzlich, eh ich mirs verfah, War die Sünde wieder da. 5. Bater! du nur kannst mich retten, Wenn mich niemand retten tann. Beten will ich, brünstig beten: Schau mich mit Erbarmen an; Reiß die Wurzel meiner Schmerzen, Reiß die Sünd aus meinem Herzen! Tief im Staube bitt ich dich: Heilige du selber mich! 6. Sieh mich dürften nach dem Labater, g. 1741 † 1801. ( Jerem. 24, 7. Joh. 17, 15. 1 Joh. 5, 4.) Mel. Mein's Herzens Jefu. 391. Herr! laß mich deine Hei-| will mich dir entführen. Herr Jesu! ligung Durch deinen Geist erlangen. Du hast die Sinnesänderung Selbst in mir angefangen; Dein Geist wirkt Heiligung allein, Nur deine Kraft macht Herzen rein, Seit du zu Gott gegangen. nimm dich meiner an, Erhalt mich auf der Lebensbahn, Nur du wollst mich regieren. 4. Die Kraft von deinem theuren Blut Laß innig mich durchdringen, Dein Leben, o du höchstes Gut, Mir in das Herz zu bringen, Da mit bein Geist, der ewig frei, Allein mein innres Leben sey; Dann wird es mir gelingen. 2. Ich kann mich selber vor der Welt Nicht unbefleckt bewahren; Ich kann nicht thun was dir gefällt. Das hab ich oft erfahren. Ich will mich über geben dir, O mach ein neu Geschöpf aus mir In meinen Gnadenjahren! 3. Ich stehe täglich in Gefahr, Das Kleinod zu verlieren; Die Situde ledt mich immerdar Und 5. Laß mich in deiner Lieb allein Die Lebensnahrung finden; Vertreib aus mir den Lügenschein Der angewohnten Sünden. Nur die Gemeinschaft mit dem Licht Sev D. Heiligung. meine Lust und süße Pflicht; Dann wird die Knechtschaft schwinden. 6. Lösch alles fremde Feuer ans, Das in mir will entbrennen; Mach mich zu deinem reinen Haus, Laß nichts mich von dir trennen. Verbinde dich im Geist mit mir, Daß ich als eine Reb an dir, Nach dir mich dürfe nennen. zu üben, Nimmst du, Menschenkind, zu leicht! Ift dir nichts zurückgeblieben? Hast du denn das Ziel erreicht? Traue nicht dem falschen Schein, Willst du nicht betrogen seyn; Hast du alles wohl erwogen, Dich auf Gottes Wort bezogen? Mel. Werde munter.( Phil. 3, 12 2c. Matth. 5, 20. Lucă 18, 9-14.) 392. Das was christlich ist| schreiben für, Kann oft felbst, ob wirs schon preisen, Nicht das Christenthum beweisen. 2. Ehrbar seyn, die Laster fliehen, Davor auch ein Heid erschrickt; Um den Nächsten sich bemühen, Wenn daraus ein Nutzen blickt; Freundlich thun, den Zöllnern gleich; Seyn an guten Worten reich, Gibt noch keine rechte Proben, Die als Heiligkeit zu loben. ( Matth. 5, 46 sc.) 3. Wenn man ohne Anstoß lebet, Und das Aug nichts schelten kann; Wenn der Sinn nach Tugend ftrebet, Feindet grobe Lafter an, Lobt die Frommen, rühmt was gut, Hat im Leid gelinden Muth, Sollte zuber Zahl der Frommen Nicht mit Recht ein solcher kommen?- 257 4. Gottesdienst, Gebet und Feier, Eine mildgewöhnte Hand, Fleiß im Amt und reiche Steuer, Redlich keit, der Treue Pfand, Recht und Strafe mit Gebühr Dem Verbrecher Evangelisches Gesangbuch. 7. Laß mich in deiner Gegenwart Mit stillem Geist verbleiben; Mach mein Gefühl mir rein und zart, Das Böse abzutreiben; In dir laß mich stets grünend seyn, So führst du mich zum Leben ein, Wird gleich mein Leib zerstäuben. Nach Joh. Mich. Hahn, g. 1758+ 1819. 5. Nein, es ist ein göttlich Wesen, Eine geisterfillte Kraft: Von der Welt seyn auserlesen, Tragen Chrifti Jüngerschaft, Ohne Schatten, Schaum und Spreu Beigen, daß man himmlisch sey! Wer aus Gott ist neugeboren, Ist in diese Zahl erforen. 6. Seele, willst du recht erlangen, Was dich Christo ähnlich macht, Und nicht an dem Neußern hangen, Meid der Worte Schein und Pracht! Auf das Innre wend dein Aug, Prüfe, ob es etwas taug; Durch Verleugnung mußt du gehen, Willst du Gottes Reichthum sehen. 7. Wissen Gottes Sinn und Willen, Folgen Gottes Rath und Zucht, Seinen Durst in Jesu stillen, Zeigen schöne Liebesfrucht, Die der Glaub von selbst gebiert, Das ists was zum Ziele führt; Buß thun, glauben, heilig leben Ists, wonach die Christen streben. 8. Glaube ist ein großes Wunder, Weil er Jesum an sich zeucht, Ist des neuen Lebens Zunder, Eine Burg, dahin man fleucht; Wenn 17 Chriftlicher Sinn und Wandel. Daß das| Ohne Saft und Geistes Treiben,- Muß dein Selbstlob unterbleiben. 11. Ach Herr Jesu! laß uns wis sen, Wie man dir gefallen soll, Mach uns recht zu thun beflissen Und des wahren Lebens voll. Dei ner Gnade Ruf und Zug Deck une auf den Selbstbetrug, Da viel tau send sich bethören, Meinend, daß sie dir gehören. 258 XVII. uns das Gesetz vertlagt, Herz erschrickt und zagt, Hilft der Glaube überwinden und den Geist der Kindschaft finden. 9. Ist der Glaube angezündet, Duftet er wie eine Blum; Wer mit Gott sich eng verbindet, Sucht nicht Ruhm noch Eigenthum, Trägt vor kleinstent Sünden Schen, Brennt vor Liebe, niedrig, tren, Steht vor Gott ganz aufgedecket, Wo ein Heuchler sich verstecket. 10. Siehst du nun, gleich Namenchristen, An dir leeren Bilderkram Auf getünchten Schaugerüsten, Drauf kein wahres Wesen kam; Bist noch eitel, taub und blind, Leicht zum Bösen, wie der Wind, 12. Geuß den Geist in unsre Seelen, Durch das Wort, das feurig ist, Uns vom Irrthum loszuzählen Der im Fleisch ver borgnen Lift. Prif und siehe, wie es steh, Daß kein Schäflein untergeh; Laß das Urtheil einst erschallen: Daß wir dir recht wohl gefallen! Hedinger, g. 1664+ 1704. Mel. Mein's Herzens Jesu.( 1 Petri 2, 24.) 393. Dein bin ich, Herr, bir| 4. Dein Sohn erniedrigt sich und will ich mich Zum Opfer ganz er geben; Rechtschaffen, fromm und rein will ich Vor deinen Augen leben. Wie könnt ich eines andern seyn? Bin ich nicht durch die Schöpfung dein Und dein durch die Erlösung? 2. Ich fiel und wandte mich von bir, Bur Finsterniß vom Lichte; Doch wandtest du dich, Gott, zu mir Mit deinem Angesichte; Erbarmen war dein Angesicht, Mich von der Finsterniß ins Licht, Zu dir zurückzurufen. stirbt Zur Tilgung unsrer Sünden, Kämpft für die Menschen und er wirbt Uns Kraft, zu überwinden. Wie könnt ich eines andern seyn? Bin ich nicht durch die Schöpfung dein Und dein durch die Erlösung? 5. Durch ihn verfühnt und dir zum Ruhm Erkanft mit seinem Leiden, Will ich mich, als dein Eigenthum, Von dir nie wieder scheiden. Gekreuzigt werde mir die Welt, Getödtet was dir nicht gefällt, Damit ich dir nur lebe. 3. Dein, dein ist die Barmherzigkeit, Du liebest selbst die Sünder; ,, Seyd," rufst du ,,, heilig, mir geweiht Und meiner Gnade Kinder! Ihr irrt und sündigt; faffet Muth: Dort fließet der Verfühnung Blut, Von Sünden euch zu waschen." 6. Dieß wirke deine Kraft in mir; Ich habe kein Vermögen, Die Sünd und alles, Gott, was dir Verhaßt ist, abzulegen. Hier ist mein Herz, nimm ganz mich hin und gib mir einen neuen Sinn, Damit ich dir gefalle. D. Heiligung. 259 7. So werd ich, der ich finster war,| dann und lobe dich, Daß deine Gnad Ein Licht in deinem Lichte, Besteh und Treue mich Gerecht und selig einst mit der kleinen Schaar Der machte. Frommen im Gerichte, Frohlocke Cramer, g. 1723 † 1788. Mel. Theuerster Immanuel.( Maith. 6, 33. 16, 26. Phil. 3, 8-14.) 394. Seele, was ermüd'st du| seinem Reich erkoren. Suche Jesum vich In den Dingen dieser Erden, und sein Licht: Alles andre hilft dir Die doch bald verzehren sich Und nicht. zu Staub und Asche werden? Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 6. Schwinge dich fein oft im Geist Ueber alle Himmelshöhen; Laß, was dich zur Erde reißt, Weit von dir entfernet stehen. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 2. Sammle den zerstreuten Sinn, Laß ihn sich zu Gott aufschwingen; Richt ihn stets zum Himmel hin, daß ihn in die Gnad eindringen! Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 3. Du verlangst oft süße Rub, Dein betrübtes Herz zu laben, Eil der Lebensquelle zu, Da kannst du sie reichlich haben! Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 4. Weißst du nicht, daß diese Welt Ein ganz ander Wesen heget, Als dem Höchsten wohlgefällt, Und dein Ursprung in sich träget? Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 5. Du bist ja ein Hauch aus Gott Und aus seinem Geist geboren, Bist erlöst durch Christi Tod Und zu 7. Nahe dich dem lautern Strom, Der vom Thron des Heilands fließet Und auf die, so keusch und fromm, Sich in reichem Maß ergießet. Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. 8. Laß dir seine Majestät Immerdar vor Augen schweben; Laß mit brünstigem Gebet Sich dein Herz zu ihm erheben! Suche Jesum und sein Licht: Alles andre hilft dir nicht. rede du Und stille meine Sinnen! Sag an, ich höre willig zu, Ja lehre frei von innen; So schweigt mein Sinn mit seinem Tand, Und du bekommst die Oberhand Nach 9. Geh in Einfalt nur dahin, Du wirst schon das Ziel erblicken; Glaube: Gottes Vaterfinn Wird dich ewig dort erquicken. Such nur Jesum und sein Licht: Alles audre hilft dir nicht! Wolf, g. 1683+ 1754. Mel. An Wasserflüssen Babylon.( Gal. 2, 20.) 395. Du Wort bes Vaters,| deinem Nath und Willen. Dir räum ich all mein Innres ein, Das wollest du, ja du allein Mit deinem Geist erfüllen! 2. Um eins, mein Jesu, bitt ich dich, um das laß dich erbitten: 260 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Dein Herz, dein Herz, das gib in| wie man sonst den Mördern thut, mich, Ein Herz von guten Sitten! Für mich am Kreuz gehangen; Nun Ein Herz, das wie ein kleines denn, so überwind in mir Des Kind, Keusch, niedrig, gütig, Satans Werk', der Welt Begier rein, gelind, Einfältig und be- Und meines Fleisches Pochen; Führ dächtig; Ein Herz, das Leid im dein Gericht hinaus zum Sieg, Stillen trägt Und sich in Staub Bring mich zur Ruhe nach dem Krieg, und Asche legt, Ein Herz in Liebe Du haft mirs ja versprochen! mächtig; 7. O Leben, Arbeit, Leiden, Noth Des Heilands meiner Seelen, D meines Jesu Angst und Tod, Euch will ich mich befehlen! Geht in mich ein und laßt mich sehn Das Leben aus dem Tod erstehn In allen meinen Kräften; Hilf mir, o du schlachtet Lamm, An deines heilgen Kreuzes Stamm Den Leib des Todes heften. 3. Ein Herz, das Gott in Lauterfeit Und Gottes Kinder liebe; Ein Herz, das saufte Folgsamkeit Und wahre Demuth übe; Ein Herz, das mäßig, wachsam, klug, Das ohne Murren, ohne Trug, Mit dem wohl auszukommen; Ein Herz, das allenthalben frei Und ganz von nichts gefangen sey, Die Liebe ausgenommen. 4. Nur dieß bitt ich, o Herr, von dir Und bitt es deinetwegen; Ach siehe, diese Bitt ist mir Vor allem angelegen! Du bist mein Schöpfer, steh mir bei; Du bist mein Heiland, voller Treu, Auf dich bin ich getaufet; Du hast mich dir, o höchster Ruhm, Zu deinem Erb und Eigenthum Mit eignem Blut erkaufet; 5. Du bist mein Bürg und Herzensfreund, zu deinen Mitgenoffen Bin ich mit deinem Stamm vereint, Aus dir bin ich entsproffen; Ich bin zu deinem Bild gemacht Und als ein Kind bei dir geacht't, Ein Werk das ewig bleibet, An dem du Wohlgefallen trägst, Zu dem du zarte Neigung hegst, Das sich vom Himmel schreibet. 6. Du bist, mein Jesu, mir zu gut Bom Vater ausgegangen und, 8. Ach präge deinen Tod in mich, Der all mein böses Wesen In mir ertödte kräftiglich, So werd ich recht genesen. Gieß aus dir selber in mich ein Dein Leben, das so heilig, rein, Holdselig, ohne Tadel; Mach mich von aller Heuchelei, Ja allen Missethaten frei Und schenk mir deinen Adel! 9. Alsdann wird deine Majestät Mich ganz zum Tempel haben, Darin sie ihren Ruhm erhöht Durch ihre hohen Gaben. Es wird an folchem stillen Ort Die Weisheit ihr geheimes Wort Nach ihrem Willen führen, Und ihren Sizz je mehr und mehr Mit ihren Wundern, Pracht und Ehr Und großen Thaten zieren. 10. Wohlan, so lebe Gott in mir! In ihm ich leb und webe, Damit mein Herz ihn für und für Nach Würden hoch erhebe, Und meine Liebe ganz allein In Lieb und Leid, hii D. Heiligung. T in Lust und Pein An seiner Liebe| Prob In vollem Licht, zu Gottes hange; Bis ich nach wohlbestandner| Lob, Sein Anschaun dort erlange! Dr. Joh. Albr. Bengel, g. 1687 † 1752. Mel. O Gott, du frommer.( 1 Joh, 2, 15-17. Pf. 31, 6.) 396. Mein Schöpfer, dessen Hauch Mich todten Staub beseelte, Nach seinem Bild mich schuf, In Christo mich erwählte; Regiere, schüße mich Durch deinen heilgen Geist, Daß Sinn und Wandel dich, Gott, meinen Schöpfer preist. 2. Laß, da du heilig bist, Mich alle Lüste fliehen Und mich nur um den Schatz, Der droben ist, bemühen. Gib Stärke zu dem Streit, Herr, mit der Welt und mir Und Hoffnung zu dem Sieg, Er kommt allein von dir. 3. Laß mich, ich bin ein Christ, Nach Christi Lehre wandeln; Mein ganzer Gottesdienst Set glauben und recht handeln! Die Luft an dem Gesetz Ist mehr als Lust der Welt, Die nur der Frevler liebt, Der Thor für Freude hält. 261 5. Zm Himmel sey mein Herz, Denn diese Welt vergehet; Weh jedem deffen Sinn Mit ihr im Bunde stehet! Heil dem deß höchstes Ziel, Gott, dein Erkenntniß ist; Dein Friede bleibt sein Theil, Auch wenn er viel vermißt. 6. Wir sind ja, was wir sind, Aus unverdienten Gnaden; Nimm alle Lafter weg, Die der Gesellschaft schaben. Haß, Falschheit, Heuchelei Und Stolz und Bruderneid Sind unfrer Tage Pest; Und kurz ist unfre Zeit. 7. Herr, meine Burg, mein Fels, Mein Schutz in allen Nöthen! Früh such ich dich, des Nachts Will ich auch zu dir beten. Mein Stand seyy dir geweiht; Bei meines Amtes Pflicht Bergesse ja mein Herz Des Christen Pflichten nicht! 4. Erfülle du, o Gott, Mein Herz 8. 3uletzt erlöse mich, Von dieses mit frommen Trieben; Aufrichtig, Leibes Leiden; Laß meinen Geist wie mich selbst, Hilf mir den Näch- voll Trost Aus seiner Hütte scheisten lieben, Und segne meinen Feind. den; Herr! ihn befehl ich dir; Herr! was ich hab, ist dein; Laß Mich führe deine Hand Nach diemich im Unglück start, Im Glück ser Pilgerschaft Ins rechte Vaterbescheiden seyn. land. Nach Löwen, g. 1729 † 1771. Mel. Werde munter.( Phil. 3, 7-16.) 397. Unverwandt auf Chri-| 2. Wenn doch alle Seelen wüßten, stum sehen, Bleibt der Weg zur Seligkeit; Allen welche zu ihm flehen, Ist gewisses Heil bereit. Siehet man im Herzen an Was er für die Welt gethan, Und man glaubt daran mit Beugen, So bekommt man es zu eigen. Wie es dem so wohl ergeht, Welcher in der Zahl der Christen, Wahrer Glieder Jesu steht! Da geht man in seinem Glück Immer fort und nie zurück; man ist auf dem Lebenspfade Und nimmt immer Gnad um Gnade. 262 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 3. Aber freilich kann nichts taugen,| Sinn Ungetheilt auf dich nur hin Als nur das was Christus thut. Dann belebt uns deine Wahrheit Lassen wir ihn aus den Augen, Fin- Und das Auge wird voll Klarheit. den wir was fremdes gut, So er- 5. Bring uns völlig in die Schran fahren wir gewiß, Unser Licht seylen, Die dein Liebesrath gesetzt; Finsterniß, Unser Helfen sey Ver- Weder Worte noch Gedanken Werderben, Unser Leben lauter Sterben, 4. Wären wir toch völlig seine! Regte sich doch keine Kraft, Da der Heiland nicht alleine, Was sie wirkte, selbst geschafft! Sesu! richte unsern Mel. Ach wann werd ich dahin.( Matth. 16, 25. Pf. 73, 25.) 398. O wer alles hätt verloren,| Und hält ab, zu Gott zu kommen, In dem alle Güt ist ganz! 5. O daß wir Gott möchten finden In uns durch der Liebe Licht Und uns ewig ihm verbinden; Alles andre sättigt nicht! 6. O daß jeder Blick der Seelen Stets nur gieng auf Gott, den Herrn! Alle Sorg und alles Quälen Träte dem Gewiffen fern. 7. O du Abgrund aller Güte, Zeuch durchs Krenz in dich hinein Geist und Sinnen und Gemüthe, Ewig mit dir eins zu seyn! Arnold, g. 1666 † 1714. Mel. Meinen Jefum lass' ich nicht.( Matth. 11, 28-30.) 399. Sanft, o Christ, ist Jesu| Seine Leiden und Beschwerden, Joch, Und was kann bei ihm uns fehlen? O wie selig sind wir doch Durch den Retter unsrer Seelen! Welche Wonn und Herrlichkeit War- bens Augenblick? tet unser nach der Zeit! Dennoch sey ihm tren, denn dir Sollen ewge Freuden werden. Was ist gegen solch ein Glück Dieses LeAuch sich selbst, und allezeit Nur das eine hätt erforen, Welches Geist und Herz erfreut! 2. O wer alles hätt vergessen Und nichts wüßt als Gott allein, Deffen Güte, unermessen, Macht das Herz still, ruhig, rein! 3. Ower alles könnte lassen, Daß er, frei vom Eitlen all, Wanderte die Friedensstraßen Durch dieß thränenvolle Thal! den sonst für gut geschätzt. Herr! nur wer auf deiner Spur Geht als neue Kreatur, Kann dich lieben und erhöhen Und in deine Frend eingehen. 3. A. Rothe, g. 1688 † 1758. 4. O wer allem wär entnommen Was uns lockt mit eitlem Glanz 4. Schäme seines Wortes dich Nie 2. Freue deines Glaubens dich, vor Frevlern, nie vor Spöttern; Deines Gottes, seines Sohnes! Wenn sie ihn verschmähn, wenn sich Deine Seele rühme sich Ihrer Hoff- Sie, und ihren Wiz vergöttern. nung, seines Lohnes Frei, voll Muth Was vermag der Lästrer Spott Wiund unverstellt, Freudig vor der der Jesum, wider Gott? ganzen Welt. 3. Hat gleich sein Bekenntniß hier 5. Was vermag er, tobt er gleich Wider dich und deinen Glauben? 263 D. Heiligung. Kann| Könnte je dein Herz verführen, Deis nen Himmel und den Lohn Deines Glaubens zu verlieren? Nein, o Christ, nein, wanke nie; Fleh um Rettung auch für sie! 8. Sep getreu bis in den Tod; Denn du glaubest nicht vergebens. Nach dem Tode führt dich Gott Zu der Wonne jenes Lebens, Und auf einen kurzen Streit Krönt dich seine Herrlichkeit. Cramer, g. 1723 † 1788. Gottes Beifall, Gottes Reich doch keine Macht dir rauben. Halte dich an dem nur feft, Der die seinen nie verläßt. 6. Welchen Kampf hat nicht dein Herr Für dein ewges Heil gestritten! Jene Schaar der Märtyrer, Was hat die für ihn gelitten! Schmach und Marter, selbst den Tod Litten fle getroft für Gott. 7. Und der Spötter Witz und Hohn Mel. Aus Gnaden soll ich.( Sprüche 23, 17 2c. Sit. 1, 34.) 400. Vor bir, o Gott, sich findlich scheuen Ist unser Glück und unsre Pflicht; Kein Mensch kann deiner Huld sich freuen, Schent er dein heilig Auge nicht; Drum wirk in mir durch deinen Geist Die Furcht vor dir, die kindlich heißt. 2. In allem, was ich thu und denke, Laß, Herr, das meine Weisheit seyn: Daß ich mein Herz zur Sorgfalt lente, Vor jeder Sünde mich zu scheun! Denn wer noch Lust zur Sünde hat, Der fürchtet dich nicht in der That. 3. Gib, daßß ich stets zu Herzen nehme, Daß du allgegenwärtig bist, Und das zu thun mich ernstlich schäme Was dir, mein Gott, zuwider ift. Der Beifall einer ganzen Welt Hilft dem ja nichts, der dir mißfällt. 4. Laß immer dein Gericht mich scheuen Und wirke steten Ernst in mir, Mein Leben deinem Dienst zu weihen, Daß ich die Gnade nicht verlier, Die mich bei aller Miffethat So liebreich noch getragen hat. 5. Ja Bater, laß mit Furcht und Zittern Mich schaffen meine Seligkeit! Soll nichts mein ewig Glück erschüttern, So laß mich in der Guadenzeit Mit Vorsicht alles Unrecht fliehn, Mich nur um deine Huld bemühn. 6. Gib daß ich stets ein gut Gewiffen Vor dir zu haben, sorgsam sey, Und mache von den Hindernissen Der wahren Tugend selbst mich frei; Nie störe Furcht und Luft der Welt Mich, das zu thun was dir gefällt. 7. In deiner Furcht laß mich stets wandeln Und überall, wo ich auch sey, Nach deiner Vorschrift redlich handeln; Du hasfest alle Heuchelei! Wer dich von Herzen scheut und ehrt, Nur der ist dir, o Bater, werth. 8. In deiner Furcht laß mich einst sterben, So schreckt mich weder Tod noch Grab, So werd ich jenes Leben erben, Dazu dein Sohn sich für mich gab. Gott! deine Furcht bringt Segen ein; Ihr Lohn wird groß im Himmel seyn. Nach Schmolk, g. 1672+ 1737. XVII. Christlicher Sinn und Wandel. Mel. Eins ist noth.( Soh. 17, 10. 19. Rom. 6, 5-15.) 401. Herzog unsrer Seligkei- laß sich dein neues, erstandenes Le ten, Zeuch uns in dein Heiligthum, ben In unsern erstorbenen Herzen Da du uns die Statt bereiten Und erheben; Erzeig dich verkläret und zu deines Namens Ruhm Als deine herrlich noch hier Und bringe dein Erlösten siegprächtig willst führen! neues Geschöpfe herfür! Laß unsere Bitte bein Herze jetzt rühren; Wir wollen dem Vater zum Opfer dastehn Und mit dir durch Leiden zur Herrlichkeit gehn. 2. Er hat uns zu dir gezogen, Und du wieder zu ihm hin; Liebe hat uns überwvogen, Daß an dir hängt Herz und Sinn. Nun wollen wir gerne mit dir auch absterben Dem ganzen natürlichen Silnbenverderben; Ach laß in dein Sterben versetzet uns seyn, Sonst bringen wir nimmer ins Leben hinein! 5. Kehre die zerstreuten Sinnen Aus der Vielheit in das Ein', Daß sie wieder Raum gewinnen, Nur von dir erfüllt zu seyn! Ach wirf du die Mächte der Finsterniß nieder, Erneure die Kräfte des Geistes uns wieder, Daß er aus der Fülle der Gnaden sich nähr Und ritterlich gegen Versuchung sich wehr! 6. Lebe denn und lieb und labe In der neuen Kreatur, Lebensfürst, durch deine Gabe Die genesene Natur! Erwecke dein Eden uns wieder im Grunde Der Seelen und bringe noch näher die Stunde, Da du dich in allen den deinen verklärst, Sie hier noch des ewigen Lebens gewährst. 7. Gönne uns noch Frist auf Erden, Zeugen deiner Kraft zu seyn, Deinem Bilde gleich zu werden, In dem Tod zu nehmen ein Des Lebens vollkommene Freiheit und Rechte, Als eines vollendeten Heilands Geschlechte! Der Unglaub mag denken, Wir bitten zu viel: Du hörst unsre Bitten, thust über ihr Ziel! Arnold, g. 1666+ 1714. Mel. Freu dich sehr.( Offb. 2, 10. Rom. 8, 18. 1 Cor. 13, 13.) 402. Sey getren bis an das| 2. Sey getreu in deinem Leiden Ende, Daß nicht Marter, Angst und Noth Dich von deinem Jefu wende; Sey ihm treu bis in den Tod! Ach, das Leiden dieser Zeit Ist nicht werth der Herrlichkeit, Die dein Jesus dir will geben Dort in seinem Freudenleben. Und laß dich kein Ungemach, Keine Noth von Jesu scheiden; Murre nicht in Weh und Ach! Denn du machest deine Schuld Größer nur durch Ungeduld. Selig ist, wer willig träget Was sein Gott ihm auferleget! 264 3. Aber hier erdenkt die Schlange So viel Ausflucht überall; Bald macht sie dem Willen bange, Bald bringt uns die Lust zu Fall. Es bleibet das Leben am kleinsten oft kleben Und will sich nicht gänzlich zum Sterben ergeben; Es schützet die besten Absichten noch vor Und bauet so Höhen und Festung empor. 4. Drum, o Fürst des Lebens, eile, Führ das Todesurtheil aus, Brich entzwei des Mörders Pfeile, Reut das Unkraut völlig aus! Ach D. Heiligung. 3. Sey getreu in deinem Glan-| 5. Bleibe treu in deinem Hoffen! ben! Laß dir dessen festen Grund Traue fest auf Gottes Wort; Hat Ja nicht aus dem Herzen rauben;| dich Kreuz und Noth betroffen, Und Halte treulich deinen Bund, Den Gott hilft nicht alsofort, Hoff auf dein Gott durchs Wasserbad Fest mit ihn doch festiglich! Sein Herz bricht bir geschlossen hat. Ach, du giengest ihm gegen dich, Seine Hülf ist schon ja verloren, Wenn du treulos ihm vorhanden; Hoffnung machet nie zu geschworen! Schanden. ( Jerem. 31, 20.) 4. Sey getreu in deiner Liebe Gegen Gott, der dich geliebt! Auch die Lieb am Nächsten übe, Wenn er dich gleich oft betrübt; Denke, was dein Heiland that, Als er für die Feinde bat! Du mußt, soll dir Gott vergeben, Auch verzeihn und liebreich leben. 265 6. Nun wohlan, so bleib im Leiden, Glauben, Liebe, Hoffe nung fest!- ,, Ich will tren seyn bis zum Scheiden, Weil mein Gott mich nicht verläßt. Herr, den meine Seele liebt, Dem sie sich im Kreuz ergibt, Sieh, ich faffe deine Hände: Hilf mir tren seyn bis zum Ende!" Benj. Prätorius, um 1660. Mel. O Gott, du frommer.( Matth. 7, 21. Jak. 1, 25. Sir. 1, 34.) 403. Du sagst: ich bin ein| oft und viel gebrochen? Hast du als Chrift;" Wohlan! wenn Werk und Leben Dir dessen was du sagst, Beweis und Zeugniß geben, So steht es wohl um dich. Ich wünsche, was du sprichst, zu werden alle Tag, Das heißt: ein guter Christ. Gottes Kind Dich, wie du hast versprochen, In allem Thun erzeigt? Dem Guten nachgestrebt? Hat nicht der alte Mensch Bisher in dir gelebt? 5. Du sagst: ich bin ein Chrift, Weil Gottes Wort und Lehre Ohn allen Menschentand Ich fleißig les' und höre." Ja, Lieber, thust du auch Was dieses Wort dich lehrt? Nur wer es hört und thut, Der ist bei Gott geehrt. 2. Du sagst: ich bin ein Chrift;" Der ists, der Jesum kennet, Ihn seinen Gott und Herrn Mit Herz und Wandel nennet. Der liebet Christum nicht, Der noch die Sünde liebt, Ist auch kein Christ, ob er Sich gleich den Namen gibt. 3. Du sagst: ich bin ein Christ; Denn ich bin ja erkaufet Mit Christi Blut und selbst In seinen Tod getaufet." Ja wohl; haft aber du Gehalten auch den Bund, Den Gott mit dir gemacht In jener Gnadenstund? 6. Du sagst: ,, ich bin ein Christ, ich kenne meine Sünden Und laff' beim Beichtstuhl mich Von Zeit zu Zeiten finden." Zeigt aber sich, mein Freund, Ich bitte, sag es mir, Nach abgelegter Beicht Die Beßrung auch bei dir? 4. Hast du ihn nicht vorlängst Gar 7. Ach, du bleibst nach wie vor! Dein Thun und all dein Sinnen Wird oftmals ärger noch; Dein 266 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Vorsatz undBeginnen Geht nach dem| Uebermuth Dir Sinn und Herz re alten Trieb, Und was noch gut soll giere! Wenn an der Sanftmuth seyn, Jst, wenn mans recht besteht, Statt Sich zeiget Haß und Neid, Nur immer Heuchelschein. So bist du ganz gewiß Bom Christenthum sehr weit! 8. Du sagst: ,, ich bin ein Chrift, Lass' speisen mich und tränken Mit dem was Christus uns Im Abendmahl will schenken." Wohl; aber zeige mir, ob Christi Leib und Blut In bir zur Heiligung Auch seine Wirkung thut? 9. Du sagst: ,, ich bin ein Christ, Ich bete, les' und singe, Ich geh ins Gotteshaus; Sind das nicht gute Dinge?" Sie sind es; doch nur dann, Wenn man sie redlich übt Und durch kein falsches Herz Den heilgen Geist betrübt. 10. Bist du ein wahrer Christ, So mußt du seyn gesinnet Wie Jesus Christus war. Wenn reine Liebe rinnet Aus deines Herzens Quell, Wenn du demüthig bist Bon Herzen, wie der Herr, So fag: du seyst ein Christ. 11. So lang ich aber noch An dir erseh und spüre, Daß Stolz und 12. Du sagst: ,, ich bin ein Christ," Und rühmst dich deß mit Freuden Thust aber du auch mehr Als andre kluge Heiden? Ach, öfters nicht so viel, Als gutes sie gethan; Sie wer den dich dort einst Gewißlich klas gen an. 3. Bei gangbar'n Sünden ohne Ren, Bei schönen Lügen ohne Schen, 13. Sag nicht: ,, ich bin ein Chrift," Bis daß dir Werk und Leben Auch dessen was du sagst, Beweis und Zeugniß geben; Die Worte sind nicht gnug, Ein Christ muß ohne Schein, Das was er wird genannt, Im We sen selber seyn. 14. Ach Gott! gib Gnade nur, Mich ernstlich zu befleißen, zu seyn ein wahrer Christ, Und nicht bloß so zu heißen; Denn welcher Nam und That Nicht führt und hat zu gleich, Der kommet nimmermehr zu dir ins Himmelreich! Haßlocher, g. 1645 † 1726. Mel. Erhalt uns Herr bet.( Ps. 14. 1 Joh. 2, 15-17.) 404. Der Weltfinn will vom| Im süßen Schlummer ungeweckt Himmel nichts Noch von dem Erbtheil jenes Lichts; Er lebt dahin aufs Ungefähr, Wünscht, daß kein Gott noch Nichter wär. Noch vom Gesetz und Tod erschreckt. 4. Dieß liebt ihr Herz, das ist ihr Theil. O Leben ohne Gott und Heil! Wie blendet doch der Fürst der Welt, Bis er und sie ins Feuer fällt! 2. Den eignen Lüften zärtlich seyn, Nach dem Geschmack der Menschen fein, Der Tugend weder hold noch feind Und vom Gewissen gar kein Freund; 5. Ach Gott, mein Gott, erleuchte mich, Daß ich nichts liebe ohne dich! Ich mag kein Leben als bei dir; Der Welt bleibt nichts, du bleibeft mir! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. - D. Heiligung. Mel. O Gott, du frommer.( Tit. 1, 16. Matth. 7, 23.) 405. Wie muß, o Jesut, boch| 5. Dich, Jesu, sell mein Herz Den Bei falschen Christenheerden Dein Herrn und Heiland nennen, Und heiliges Verdienst Der Sünde nicht der Mund allein Vor MenSchutzbrief werden! Man treibet alle schen nur bekennen. Man soll dein Schand Und Laster ohne Schen Und Ebenbild In meinem Wandel schaun, meint, daß alles schon Durch dich Und dieser Wandel soll Den Nächgebüßet sey. sten auch erbaun. 6. Erleucht und stärke mich, Daß ich den Reiz der Sünde, Der in die Seele schleicht, Bekämpf und überwinde; Daß ich von Selbstbetrug, Bom Joch der Sünde frei, Und nichts als du allein Mein Herr und Meister sey. 2. Der heißt ein Glaubiger, Der nach dem Eitlen rennet, Wenn er nur mit dem Mund Im Tempel dich bekennet. Die Sünde, die ihn schwärzt, Soll fühnlich dir allein, Und was du je gethan, Ihm zugerechnet seyn. 3. Er trotzt auf diesen Wahn Als auf den wahren Glauben; Den soll ihm, ist sein Trost, Kein Teufel jemals rauben. Auch irret ihn gewiß DerSatan nicht hierin, Bestärket ihn vielmehr In dem verstockten Sinn. 4. Doch web der blinden Schaar, Die dieser Glaube wieget Und die ihr frecher Trost Mit Schrecken einst betrüget, Wann deine Donnerstimm Einst von dem Throne spricht: ,, Ihr Uebelthäter, weicht; Hinweg, ich kenn euch nicht!" 267 7. O laß mich nach dem Heil Mit Furcht und Zittern trachten, Und ja dein theures Blut Nicht frevelnd unrein achten! Berhüte, daß ich nicht Den Geist der Gnade schmäh, Noch je in Selbstbetrug Und sichrem Wahne steh. 8. So werd ich allem Reiz Der Sicherheit entfliehen; So wird der Glaube mich Dir immer näher ziehen; So sterb ich dieser Welt Und lebe nur in dir, Und du allein nur lebst mit deinem Geist in mir. Mel. Valet will ich.( Gbr. 13, 9. Eph. 4, 12-15.) 406. Ich soll zum Leben brin-| Hat selbst in seinen Leiden Zufriedenheit und Muth. gen, Für welches Gott mich schuf, Soll nach dem Himmel ringen; 3. Und wenn der Pilger Gottes Das, das ist mein Beruf. In einer Der Sünder Luft verschmäht, Wenn Welt voll Sünden Soll ich nur ihm er trotz ihres Spottes Auf seinem mich weihn, Sie fliehn, sie überwin- Pfade geht, Was wird ihm nicht den Und dann erft selig seyn. zum Lohne, Wenn er die kurze Zeit Getren war! welche Krone, Welch eine Seligkeit! In meiner frühsten Jugend Hat er mich das gelehrt. Schön, gött lich ist die Tugend Und meines Ei- 4. Das glaub ich; mich verlanget, fers werth! Jhr folgen reine Fren- Dein Kind, o Gott, zu seyn; Und den, Und wer, was Gott will, thut, meine Seele banget Doch nicht an 268 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. dir allein! Ich weiß, ich werde ster- Leben dringen, Für welches Gott ben, und liebe doch die Welt! Omich schuf. Herr, welch ein Verderben, Das mich gefangen hält! 5. Bald wall ich deine Wege Mit Lust, und plötzlich bin Ich ohne Kraft und träge, Ermüdet sink ich hin, Ich lasse nach zu ringen; Und doch ists mein Beruf: Ich soll zumı 6. Dir seufz ich anzuhangen, Er barmer, dir allein, Du hast es angefangen, Das gute Werk ist dein. Vollende, Gott, vollende Was mir dein Wort verheißt! In deine Baterhände Befehl ich meinen Geist. Cramer, g. 1723 † 1788. Mel. Freu dich sehr.( Pf. 119, 176. Eph. 4, 22-24. Phil. 1, 6.) 407. Jesu! laß mich nicht da| eher mich berücken, Bau ich ihnen wohl die Brücken. hinten, Suche dein verirrtes Schaf, Bis du mich wirst endlich finden; Wecke mich aus meinem hlaf. Laßß hinfort mir Ruhe nicht Bis mein Herz dir fest verspricht, Daß es nun im Tod und Leben Dir sich wolle ganz ergeben. 2. Ach wie viel und große Gnaden Hast du mir schon zugedacht! Doch, mir selbst zu Schand und Schaden, Nehm ich sie nicht treu in Acht. Deine Wahrheit halt ich auf, Laß der Sünde ihren Lauf; Ich erweck nicht meine Gaben Und hab oft mein Pfund vergraben. 4. Neg zum Bösen, träg zum Guten Zeigt sich mein verderbter Sinn; Will mir Satan was zumuthen, Neißt er mich gar leicht dahin; Denn mein Kampf ist schlecht bestellt; Und daß er und Fleisch und Welt Desto 5. Meine noch gewohnten Sünden Fordern einen harten Streit, Und es ist nicht zu ergründen, Was noch für Berdorbenheit Sich in meinem Herzen regt, Welches einen Zunder begt Mit Begierden untermenget, Der gern böses Feuer fänget. 6. Sorge, Zorn und Eigenliebe Und der argen Lüfte viel Geben oft dem bösen Triebe Bei mir ein gewonnen Spiel. Alles was ich hab und bin, Sollt für Gott ich geben hin, Und ich kann oft ihm zu Ehren Kaun ein Wörtlein überhören! 3. O wie manchen guten Funken 7. Jesu! laß dich nicht ermüden, Hat dein Geist in mir erregt, Den Suche mich noch wie bisher, Rufe mein Herz, in Lust versunken, Wie- mich zu deinem Frieden, ziehe mich der zu ersticken pflegt! Was ich nicht je mehr und mehr; Ach bestraf auch will, thu ich dann, Fange wieder durch den Geist Was du sündlichs vorne an, Und eh ich recht ange- an mir weißt, Daß ich stets an die fangen, Ist der Vorsatz schon ver- sem Werke Deinen Gnadenzug vergangen. merke. 8. Gib mir fleißig zu betrachten Meines Lebens Flüchtigkeit; Lehre mich es wichtig achten, Täglich seyn zum Tod bereit. Ach, das Ziel der Gnadenzeit Ist vielleicht schon nicht mehr weit, Und ich hab noch so viel D. Heiligung. 269 11. Treuer Jesu! miß dem Willen Auch Vollbringungskräfte zu; 9. Laß mich nicht so lange säumen, Hilf den Vorsatz bald erfüllen, MeiBis die Sünde mich verläßt; Und ne Schwachheit stärke du, Meine der Tod nach eitlem Träumen Erft Trägheit muntre auf, Bis ich schließe die Reue aus mir prest; Laß mich meinen Lauf; Hilf mir siegen, hilf Buße fangen an, Weil ich Sündemir kämpfen, Satan, Welt und thun noch kann; Buß soll mich zum Fleisch zu dämpfen. Tod bereiten, Nicht der Tod zur Buße leiten! ( Sir. 18, 22.) 10. Stell die Welt und ihre Lüste Mir in ihrer Blöße vor, Daß ich mich in diese Wüste Nicht vergaffe als ein Thor, Der das Wesen haben kann, Und nimmt dafür Schatten an, Den du rufft zum ewgen Ziele, Und er zankt um Kinderspiele. 12. Heile mich durch deine Wunbent, Mach mich rein mit deinem Blut, Daß ich in den letzten Stunden Fröhlich bleib in meinem Muth; Daß ich mit getreftem Sinn Ster ben achte für Gewinn, Durch den Tod ins Leben dringe Und so alles wohl vollbringe. Martin Wieland, um 1700. Sünden, So viel Feind zu überwinden! Mel. Valet will ich.( Matth. 24, 13. br. 12, 1-4.) 408. Wer ausbarrt bis ans Ende, Wird endlich selig seyn; Doch treffen harte Stände Noch bis zum Ende ein. Biel Feinde sind zu dämpfen, Biel Proben durchzugehn; Der Glaube muß im Kämpfen Bis an sein Ende stehn. 2. Nur etlich Gänge wagen Und dann im schweren Streit Erst noch am Sieg verzagen, Ist nicht die rechte Zeit; Da wird man erst zu Schanden! Wer aber kämpft getreu, Dem steht, der beigeftanden, Auch zum Ende bei. 3. Das frischt uns an, ihr Brilder; Verliert nur nicht den Muth, Legt nicht die Waffen nieder Und kämpfet bis aufs Blut! Wenn wir nur nicht erliegen In seiner Gegenwart, So werden wir doch siegen, Wenn auch die Hand erstarrt. 4. Herr! du kennst meine Schwäche; Nur deiner harre ich; Nicht das was ich verspreche, Was du sprichst, tröstet mich. Richt auf die laffen Hände Und stärk' die müden Knie' Und sage mir am Ende: Die Seligkeit ist hie!" Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Ich hab mein Sach).( Hesek. 36, 26 2c. Matth. 7, 13 2c. Galat. 6, 16.) 409. 3um Leben führt ein| breit, Darauf sie gehn zur Ewigkeit. schmaler Weg, Ein rauher Pfad und enger Steg. Nur in dem rechten Schrankenlauf Gehrs himmelauf; Wovon nichts weiß der große Hauf. O Spott aufs Evangelium! Ein Christenthum, Das nur ein Schatten um und um. 3. Wie theuer, Gott, ist deine 2. 3hr Weg ist lustig, weit und Güt, Daß du erleuchtet mein 270 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Gemüth Und selbst zur Buße mich| pflegt, Dasselbe schont und zärtlich gebracht, Als ich in Nacht Mit jenen begt, So gib mir neue Kräfte, daß fortgieng unbedacht. Ichs ernstlich haff Und freuzige ohn Unterlaß. 4. Laß mich nun desto treulicher Den Weg des Lebens gehn, o Herr; Und stehe mir allmächtig bei, Daß täglich neu Dein Wert bei mir im Fortgang fey. 9. Herr! mach du mich wie ich soll seyn; Ich weiß, hier gilt kein Heuchelschein. Gib in mich deine Lichtsnatur, Denn die gilt nur, Und eine neue Kreatur. 5. Wenn nur um seine Leibeshütt Ein andrer fich zuerst bemüht, So 10. Nach dieser Regel laß mich laß mich achten allermeist Auf mei- gehn, So daß auch andre können nen Geist, und daß ich dir Gehor- sehn, Daß mich der heilge Geist re sam leist! gier Und wohne hier, Und Jesus Christus auch in mir. 6. Gehn andre über Land und See, Durch Ungewitter, Wind und Schnee, Im Regen ilber Berg und Thal Viel hundertmal, Dem Bauch zu dienen überall: 11. Dieß wird geschehn, Herr Jesu Chrift, Wenn du nun auch geboren bist In mir, und deine Gottheit sich So gnädiglich Herniederlassen wird in mich. 7. So. laß mich um dein Kanaan All Müh und Arbeit wenden an, Und auch auf meiner Pilgerreif' Auf andre Weis' Erzeigen einen solchen Fleiß. 8. Wenn jene Schaar des Fleisches 12. Nun, mir geschehe wie du willt! Ich will dir einst in deinem Bild, Wann ich danach werd seyn erwacht Und neu gemacht, Lobsingen: ,, nun, es ist vollbracht!" Bearbeitet von Taffnger, g. 1691 † 1757. Mel. Was mein Gott will.( Gbr. 12, 1. 2.) 410. Oft flagt bein Herz, wie| Schmerz, mit dem er kämpft, Verwandelt sich in Freuden. 3. Des Lasters Bahn ist anfangs zwar Ein breiter Weg durch Auen; Allein sein Fortgang wird Gefahr, Sein Ende Nacht und Grauen. Der Tugend Pfad ist anfangs steil, Läßt nichts als Mühe blicken, Doch weiter fort führt er zum Heil, Und endlich zum Entzücken. schwer es sey, Den Weg des Herrn zu wandeln Und täglich seinem Worte treu zu denken und zu handeln. Wahr ists, die Tugend kostet Müh, Sie ist der Sieg der Liiste; Doch richte selbst, was wäre sie, Wenn sie nicht kämpfen müßte? (* Luc. 16, 19-31.) 2. Die, die sich ihrer Laster freun, Trifft die kein Schmerz hienieden? Sie sind die Sklaven eigner Pein Und haben keinen Frieden! Der Fromme, der die Lüste dämpft, Hat vergönnt, Nach unsers Fleisches oft auch seine Leiben; Allein der Willen, Wenn Wollust, Neid und 4. Nimm an, Gott hätt es uns D. Heiligung. 30% 271 Zorn entbrennt, Die Lüfte frei zu| Kraft, Drum muß es dir gelingen: stillen; Nimm an, Gott ließ' den Undank zu, Den Frevel, dich zu kränken, Den Menschenhaß:-was würdest du Bon diesem Gotte denlen? 5. Gott will, wir sollen glücklich seyn, Drum gab er uns Gesetze. Sie sind es, die das Herz erfreun, Sie sind des Lebens Schätze. Er redt in uns durch den Verstand Und spricht durch das Gewissen, Was wir, Geschöpfe seiner Hand, Fliehn oder wählen müssen. 6. Ihn fürchten, das ist Weisheit nur, Und Freiheit ists, sie wählen. Ein Thier folgt Feffeln der Natur, Ein Mensch dem Licht der Seelen. Was ist des Geistes Eigenthum? Was sein Beruf auf Erden? Die Tugend! was ihr Lohn, ihr Ruhm? Gott ewig ähnlich werden! 7. Lern nur Geschmack am Wort des Herrn Und seiner Gnade finden, Und übe dich getreu und gern, Dein Herz zu überwinden. Wer Kräfte hat, wird durch Gebrauch Von Gott noch mehr bekommen, Wer aber nicht hat, dem wird auch Das was er hat, genommen. 8. Du streitest nicht durch eigne Gott ist es, welcher beides schafft, Das Wollen und Vollbringen. Wann gab ein Bater einen Stein Dem Sohn, der Brod begehrte? Bet oft: Gott müßte Gott nicht seyn, Wenn er dich nicht erhörte! 9. Dich stärket auf der Tugend Pfad Das Beispiel selger Geister; Ihn zeigte dir und ihn betrat Dein Gott und Herr und Meister. Dich müsse nie des Frechen Spott Auf diesem Pfade hindern; Der wahre Ruhm ist Ruhm bei Gott Und nicht bei Menschenkindern. 10. Sey stark, sey männlich allezeit, Tritt oft an deine Bahre; Vergleiche mit der Ewigkeit Den Kampf | so kurzer Jahre. Das Kleinod, bas dein Glaube hält, Wird neuen Muth dir geben, Und Kräfte der zukünft gen Welt, Die werden ihn beleben. 11. Und endlich, Christ, sey unverzagt, Wann dirs nicht immer glücket; Wann dich, so viel dein Herz auch wagt, Stets neue Schwachheit drücket. Gott steht nicht auf die That allein, Erfieht auf deinen Willen; Ein göttliches Verdienst ist dein, Dieß muß dein Herze stillen! Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. Werde munter.( Offenb. 3, 11.) 411. Nicht der Anfang, nur| Der in Sturm und Wellen steht; das Ende Krönt des Christen Glan- Laßß mich nicht zurücke weichen, bensstreit. Ach getreuer Gott! voll Wenn mich Noth und Tod umfäht. ende Meinen Lauf in dieser Zeit; Sey mein Anker, der nicht bricht, Hab ich dich einmal erkannt, So Sey mein Stern und helles Licht, verleih mir auch Bestand, Daß ich, Daß ich nie von dir mich scheide Und bis ich einst erkalte, Glauben, Lieb am Glauben Schiffbruch leide. und Hoffnung halte. 2. Laß mich einem Felsen gleichen, 3. Es ist gut, ein Christ zu wer ven, Beffer noch ein Christ zu 272 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. seyn; Doch den besten Ruhm auf| Jesus, der mein Grundstein ist, Erden Gibt der Herr nur dem allein, Wird durch keine Macht beweget, Der ein Christ beständig bleibt Und Jhn verrücket keine Lift. Laß mich den Kampf zum Siege treibt; Sol- fest auf ihm bestehn, Nimmermehr chen wird mit ewgen Kronen Chri- zu Grunde gehn, Wenn sich Macht stus droben einft belohnen. und List bemühen, Mich von Christo abzuziehen. 4. Laß mich halten was ich habe, Daß mir nichts die Krone nimmt. Es ist deines Geistes Gabe, Daß mein Glaubensdocht noch glimmt; Lösche nicht die Fünklein aus, Mach ein helles Feuer braus; Laß es ungestöret brennen, Dich vor aller Welt bekennen. 5. Du hast meinen Grund geleget; Eigene Mel.( Luc. 13, 24. Offenb. 2, 4 2c.) 412. Ringe recht, wann Got-| 7. Nimm mit Furcht ja deiner tes Gnade Sich erbarmend zu dir kehrt, Daß tein Geist sich recht entlade Von der Last, die ihn beschwert. Seele, Deines Heils mit Zittern wahr, Denn in dieser Welt voll Fehle Schwebst du stündlich in Gefahr. 2. Ringe! denn die Pfort ist enge, 8. Blick aufs ewge Kleinod feste, Und der Lebensweg ist schnal; Al- Halte männlich was du hast. Necht les bringt dich ins Gebränge, Was nicht zielt zum Himmelssaal beharren ist das Beste; Rückfall wird zur schweren Last. 3. Kämpfe bis aufs Blut und Leben, Dring hinein in Gottes Reich; Will der Feind vir widerstreben, Werde weder matt noch weich. 9. Laß dein Auge ja nicht gaffen Nach der schnöden Eitelkeit; Bleibe Tag und Nacht in Waffen, Fliehe träge Sicherheit. 10. Laß dem Fleische nicht ben Willen, Gib der Luft den Zügel nicht; Willst du die Begierden stil len, So verlischt das Gnadenlicht. 4. Ringe, daß dein Eifer glühe, Daß die erste Liebe dich Böllig von der Welt abziehe; Halbe Liebe täuschet sich! 5. Ning mit Beten und mit Flehen, Halte damit feurig an; Laß den Eifer nicht vergehen, Wärs auch Tag und Nacht gethan! 6. Jesu! hilf mir dir anhangen, Wie das Schaf am Hirten hängt, Stets im Glauben dich umfangen, Wie mich deine Gnad umfängt. Kommt es dann zur letzten Noth, So verfiegle mir im Tod Was ich dir geglaubt auf Erden, Und laß es zum Schauen werden! Echmolk, g. 1672 † 1737. 6. Hast du dann die Perl errungen, Denke ja nicht, daß du nun Alles Böse schon bezwungen; O es ist noch viel zu thun! 11. Wahre Tren liebt ChristiWege, Steht beherzt auf ihrer Hut, Weiß von keiner Fleischespflege, Hält kein Unrecht sich zu gut. 12. Wahre Treu fommt dem Ge tümmel Dieser Welt niemals zu nah: Denn ihr Schatz ist in dem Himmel, Drum ist auch ihr Herz allda. D. Heiligung. 13. Dieß bedenket wohl ihr Streiter, Kämpfet recht und leidet euch, Dringet alle Tage weiter, Bis ihr kommt ins Himmelreich. 273 14. Eilet, zäblet Tag und Stun den, Bis der Heiland euch erscheint, Und wann ihr nun überwunden, Ewig euch mit Gott vereint! Winkler, g. 1670 † 1722. Mel. Aus Gnaden soll ich.( Phil. 3, 12-14. Matth. 18, 8 2c.) 413. Nicht, daß ichs schon errühren, Durch die der andern Tugriffen hätte! Die beste Tugend bleibt noch schwach; Doch, daß ich meine Seele rette, Jag ich dem Kleinod eifrig nach; Denn Tugend ohne Wachsamkeit Verliert sich bald in Sicherheit. gend fällt, So werde nichts dein Herz verfülhren; Doch jedes Herz hat seine Welt: Den, welchen Stand und Gold nicht rührt, Hat oft ein Blick, ein Wort verführt. 7. Oft schläft der Trieb in deinem Herzen; Du scheinst von Nachsucht dir befreit; Jetzt sollst du eine Schmach verschmerzen, Und sieh, dein Herz wallt auf und dräut Und schilt so lieblos und so hart, Als es zuerst gescholten ward. 8. Oft denkt, wann wir der Stille pflegen, Das Herz imStillen tugendhaft; Kaum lachet uns die Welt entgegen, So regt sich unfre Leidenschaft, Wir werden im Geräusche schwach Und geben endlich strafbar nach. 9. Du opferst Gott die leichtern Triebe Durch einen strengen Lebenslauf; Doch opferst du, wills seine Liebe, Jhm auch die liebste Neigung auf? Dieß ist das Auge, dieß der Fuß, Die sich der Christ entreißen muß! 10. Du fliehst, geneigt zur Ruh und Stille, Die Welt, und liebst die Einsamkeit; Doch bist du, forderts Gottes Wille, Auch dieser zu entfliehn bereit? Dein Herz haft Habsucht, Neid und Zank; Fliehts Unmuth anch, und Mäßiggang? 2. So lang ich hier im Leibe walle, Bin ich ein Kind das strauchelnd geht. Der sehe zu, daß er nicht falle, Der, wann sein Nächster fällt, noch steht! Auch die bekämpfte böse Luft Stirbt niemals ganz in unsrer Brust. 3. Nicht jede Besserung ist Tugend; Oft ist sie nur das Werk der Zeit; Die wilde Hitze roher Jugend Wird mit den Jahren Sittsamkeit, Und was Natur und Zeit gethan, Sieht unser Stolz für Tugend an. 4. Oft ist die Aendrung deiner Seele Ein Tausch der Triebe der Natur: Du fühlst, wie Stolz und Ruhmsucht quäle, Und dämpfft sie; doch du wechselst nur; Dein Herz fühlt einen andern Reiz, Dein Stolz wird Wollust oder Geiz. 5. Oft ist es Gunst und Eigenliebe, Was andern strenge Tugend scheint; Der Trieb des Neids, der Schmähfucht Triebe Erweckten dir so manchen Feind! Du wirst behutsam, schränkst dich ein, Fliehft nicht die Schmähsucht, nur den Schein. 6. Du denfft, weil Dinge sich nicht Evangelisches Gefangbuch. 11. Du bist gerecht; bist du bescheiden? Dist mäßig; liebst du auch 18 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Geduld? Du dienest gern, wenn] und streite, Denk nicht, daß du schon andre leiben; Bergibst du Feinden auch die Schuld? Von allen Lastern sollst du rein, Zu aller Tugend willig seyn! gnug gethan. Dein Herz hat seine schwache Seite, Die greift der Feind der Wohlfahrt an. Die Sicherheit droht dir den Fall, Drum wache stets, wach überall! 12. Sey nicht vermessen, wach Gellert, g. 1715 † 1769. 274 Mel. Wie wohl ist mir; ober: Mein Schöpfer, der mit Huld.( 2 Mos. 33, 14. Pf. 32, 8. Phil. 1, 10 2c.) 414. Gottes Sohn, du Licht und stille, Daß ich dir immer folund Leben, O trener Hirt, Imma- gen kann; Nur dein, nur dein nuel! Nur dir hab ich mich überge- vollkommner Wille Sey für mich ben, Nur dir gehöret Leib und Seel. Schranke, Ziel und Bahn. Nichts Ich will mich nicht mehr selber filh- soll mich ohne dich vergnügen, Laß ren, Du sollst als Hirte mich regie- mir nichts mehr am Herzen liegen, ren; So geh denn mit mir aus und ein. Ach Herr! erhöre meine Bitten Und leite mich auf allen Tritten, Ich gehe keinen Schritt allein. 2. Wenn du mich führst, kann ich nicht gleiten, Dein Wort muß ewig feste stehn; Du sprichst: ,, mein Auge soll dich leiten, Mein Angesicht soll vor dir gehn." Ja dein Erbarmen, deine Gülte Umfaff' allmächtig mein Gemüthe! O daß ich nur recht findlich sey, Bei allem zu dir gläubig flehe Und stets auf deinen Wink nur sehe, so stehest du mir täglich bei. Als deines großen Namens Ruhm. Das sey allein mein Ziel auf Erden; Laß mirs durch nichts verrücktet wer den, Denn ich bin ja dein Eigenthum. 5. Laß deinen Geist mich täglich treiben, Gebet und Flehen dir zu weihn; Laß mir dein Wort im Her zen bleiben und in mir Geist und Leben seyn, Daß ich nach deinem Wohlgefallen In Ehrfurcht möge vor dir wallen, Zeuch ganz zu die Seele hin. Vermehr in mir dein innres Leben, Dir unaufhörlich Frucht zu geben, und bilde mich nach deinem Sinn. dir 3. Du weißt allein die Friedens- 6. So lieb und lob ich in der wege, Auch das was mir den Frie- Stille und ruh als Kind in deinem den stört; Drum laß mich meiden Schooß; Ich schöpfe Heil aus deiner alle Stege, Wo Welt und Sünde mich versehrt. Ach daß ich nimmer von dir irrte, Noch durch Zerstreuung mich verwirrte, Auch nicht durch einen guten Schein! O halte meine Seele feste! Hab Acht auf mich aufs allerbeste, Lehr beten mich und wachsam seyn! 4. Herr! mach mich findlich. treu Fülle, Das Herz ist aller Sorgen los; Ich sorge nur vor allen Din gen, Wie ich zum Himmel möge drin gen! Jch bin zu deinem Dienst bereit; Ach zeuch mich, zeuch mich weit von hinnen; Was du nicht bist, das laß zerrinnen, Dreiner Glanz der EwigNach Bogatky, g. 1690 † 1774 feit! D. Heiligung. HYS Mel. Meinen Jesum laff'.( Gal. 6, 9. 2 Cor. 9, 6.) 415. Seelen, laßt uns Gutes| trägt zehenfältig Früchte, Klein gesät und dennoch dicht, Fehlet in der Ernte nicht. thun, Gutes, und nicht müde werden! Wann es Zeit ist, wird man cuhn, O wie sanft, von den Beschwerden! Aber ruhen nicht allein, Dort wird auch die Ernte seyn. 2. O daß wir an unsrer Zeit Auf die Ewigkeit hin lernten! Wer hier färglich ausgestreut, Wird auch wieder färglich ernten; Wer hier reichlich Gutes thut, Sammelt dort auch reiches Gut. 4. Lehr, o Gott, mich Gutes thun, Unb im Trenseyn nicht erliegen; Denn die Zeit dazu ist nun Und sie wird so schnell verfliegen; Wenn man gleich was Kleines thut: Ists nur gut, so ist es gut! 5. Stelle mir die Ernte für, Daß ich darf auf Hoffnung säen! Was wir thun und thun es dir, Läßst du nicht umsonst geschehen; Hat man kein Verdienst davon, Gibt die Gnade dennoch Lohn. 3. O daß nach dem Augenschein Keiner bloß das Säen richte! Man ches Körnlein scheinet klein, Und 275 Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Meinen Jesum laff'.( Matth. 26, 41. Pf. 14, 7. Luc. 4, 18 2c.) 416. Mein Erlöser! schaue| 5. Ach wo ist der neue Geist, Den doch, Wie mein armer Geist verstri- du willst den deinen geben, Der det, Mit geheimen Banden noch den Sünden uns entreißt Und uns Ganz bedränget und gedrücket; bringt ein reines Leben? Der mit Will ich los, so sinkt mein Herz Bald Herzenslust und Kraft Alles in und in Unmacht niederwärts. durch uns schafft? 2. Zwar es hat mich deine Gnad Groben Sünden längst entrissen; Ich hab auch nach deinem Rath Schon zu wandeln mich befliffen, Daß vielleicht ein andrer wohl Mich für fromm schon halten soll; 3. Aber bein genaues Licht Zeigt mir tiefer mein Verderben Und, wie ich nach meiner Pflicht Muß mir selbst und allem sterben, Und in wah rer Heiligkeit Vor dir leben allezeit. 4. Dieß ist auch mein Wille wohl; Aber ach, es fehlt Bollbringen! Was ich auch verrichten soll, Thu ich noch mit Laft und Zwingen. Seh ich dann mein Bestes an, So ists doch nicht rein gethan. 6. Ach wann wird mein Herz doch frei Ueber alles sich erheben, Und in reiner Liebestreu Nur von dir abhängig leben, Abgeschieden, willenlos, Von mir selbst und allem bloß? 7. Komm, du lang verlangte Stund! Komm, du Lebensgeist von oben! Ach wie soll mein froher Mund, Jesu, deine Treue loben, Wann mich deine Liebesmacht, Dir zu dienen, frei gemacht! 8. Laß dein Evangelium Mir Gefangnem Freiheit schenken. Ich will als dein Eigenthum Mich in dein Erbarmen senken; Ich will hoffen. warten, ruhn; Du wollft alles in mir thun. 276 9. Eignes Wirken reicht nicht zu, Du mußt selbst die Hand anlegen; Ich will still seyn, wirke du, Dämpfe| holfen seyn. XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Eigene Mel.( Eph. 6, 10-20. br. 4, 15. 16. Matth. 12, 20.) 417. Jesu, hilffiegen, du Fürste| in dein Wollen verhülle, Wo sich die des Lebens! Sieh, wie die Finster- Seele zur Ruhe hinlenkt. Laß mich niß dringet herein, Wie sie ihr dro- mir sterben und alle dem meinen, hendes Heer nicht vergebens Mäch- Daß ich mich zählen darf unter die tig aufführet, mir schädlich zu seyn! deinen. Schau, wie sie sinnet auf allerlei Nänke, Daß sie mich sichte, verstöre und kränke! 2. Jesu, hilf fiegen! ach wer muß nicht sagen: Herr, mein Gebrechen ist immer vor mir! Hilf, wann mich Sünden der Jugend verklagen, Die mein Gewissen mir täglich hält für; Ach laß mich schmecken dein fräftig Verfühnen, Und dieß zu meiner Demüthigung dienen. 3. Jesn, hilf siegen, wann in mir die Sünde, Eigenlieb, Hoffahrt und Mißgunst sich regt, Wann ich die Last der Begierden empfinde, Und sich mein tiefes Verderben darlegt. Hilf dann, daß ich vor mir selber erröthe Und durch dein Leiden die Sündenlust tödte. was sich sonst will regen! Kehr zu meiner Seele ein, So wird mir geTerfteegen, g. 1697+ 1769. 4. Jesu, hilf siegen und lege gefangen In mir die Liste des Fleisches und gib, Daß in mir lebe des Geistes Verlangen, Aufwärts sich schwingend durch heiligen Trieb; Laß mich eindringen ins göttliche Wesen, So wird mein Geist, Leib und Seele genesen.( 2 Petri 1, 4.) 5. Jesu, bilf siegen, damit auch mein Wille Dir, Herr, sev gänzlich zu eigen geschenkt, Und ich mich stets 6. Jesu, hilf fiegen und laß mich nicht sinken! Wenn sich die Kräfte der Lügen aufblähn Und mit dem Scheine der Wahrheit sich schminken, Laß doch viel heller dann deine Kraft sehn. Steh mir zur Rechten, o König und Meister, Lehre mich kämpfen und prüfen die Geister. 7. Jesu, bilf fiegen im Wachen und Beten; Hüter, du schläfft ja und schlummerst nicht ein! Laß dein Gebet mich unendlich vertreten, Der du versprochen, Fürsprecher zu seyn. Wann mich die Nacht mit Ermü dung will decken, Wollst du mich, Jesu, ermuntern und wecken. 8. Jesu, hilf stegen, wann alles verschwindet, Wann ich mein Nichts und Verderben nur seh; Wann kein Vermögen zu beten sich findet, Wann ich bin wie ein verschüchtertes Reh; Herr, ach dann wollst du im Grunde der Seelen Dich mit dem innersten Seufzen vermählen! 9. Jesu, bilf siegen und laß mirs gelingen, Daß ich das Zeichen des Sieges erlang; So will ich ewig dir Lob und Dank singen, Jesi, mein Heiland, mit frohem Gesang! Wie wird dein Namne da werden D. Heiligung. 277 gepriesen, Wo du, o Held, dich so| mich nenne des Himmelreichs Erben nächtig erwiesen! Dort in der Ewigkeit, hier in der 10. Jesu, hilf siegen, wanns nun Zeit! Jefu, dir bleib ich auf ewig kommt zum Sterben; Mach du mich ergeben, Hilf du mir siegen, mein würdig und stetig bereit, Daß ich I Heil, Trost und Leben! Schröder, g. 1666 † um 1728. Mel. Werde munter.( Micha 2, 13. Joh. 17. Nöm. 8.) Durchbrecher aller| durch alle Weltgeschäfte Durchgebrochen, stehen bloß! Weg mit Menschenfurcht und Zagen, Weich, Vernunftbedenklichkeit, Fort mit Scheu vor Schmach und Plagen, Weg des Fleisches Zärtlichkeit! 6. Herr! zermalme, brich, zerstöre Diese Macht der Finsterniß; 2. Ists doch deines Vaters Wille, Der preist nicht mehr deine Ehre, Daß du endest dieses Werk; Hiezu Der sie fort zum Tode riß! Heb wohnt in dir die Fülle Aller Weis- uns aus dem Staub der Sünden, heit, Lieb und Stärk, Daß du Wirf die Schlangenbrut hinaus; nichts von dem verlierest, Was er dir geschenket hat, Und es von dem Treiben führest Zu der süßen Ruhestatt. Laß uns wahre Freiheit finden, Freiheit in des Vaters Haus! 7. Wir verlangen keine Ruhe Für das Fleisch in Ewigkeit; Wie du's nöthig findest, thue Noch vor unsrer Abschiedszeit; Aber unser Geist, der bindet Dich im Glauben, läßt dich nicht, Bis er die Erlösung findet, Die dein treuer Mund verspricht. 418. Bande, Der du immer bei uns bist, Bei dem Schaden, Spott und Schande Lauter Luft und Himmel ist! Uebe ferner dein Gerichte Wider unsern Adamssinn, Bis uns dein 1o treu Gesichte Führet aus dem Kerker hin. - 3. Ach, so mußt du uns vollenden, Willst und kannst ja anders nicht! Denn wir sind in deinen Händen, Dein Herz ist auf uns gericht't, Sind wir gleich gering geachtet Bei den Leuten allezeit, Schnöd gemacht und gar verachtet In des Kreuzes Niedrigkeit. 4. Schau doch aber unsre Ketten, Da wir mit der Kreatur Seufzen, ringen, schreien, beten Um Erlösung von Natur, Von dem Dienst der Eitelkeiten, Der uns noch so hart bedrückt, Ob auch schon der Geist in Zeiten Sich auf etwas beßres schickt. 5. Ach erheb die matten Kräfte, Daß sie sich doch reißen los Und 8. Herrscher, herrsche; Sieger, fiege; König, brauch dein Regiment; Führe deines Reiches Kriege, Mach der Sklaverei ein End! Denn die Last treibt uns, zu rufen, Alle flehen wir dich an: Zeig doch nur die ersten Stufen Der gebrochnen Freiheitsbahn! 9. Laß, die theuer sind erworben, Nicht der Menschen Knechte seyn! Denn! so wahr du bist gestorben, Mußt du uns auch machen rein, 278 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Rein und frei und ganz vollkommen| Was dein Reich nicht kann ererben; Und verklärt ins beste Bild! Führ ins Paradies uns ein! Doch. Der hat Gnad um Gnad genommen, wohlan, du wirst nicht säumen, Laß Welchen deine Füll erfüllt. nur uns nicht lässig seyn! Werden wir doch als wie träumen, Wann die Freiheit bricht herein! 10. Liebe, zeuch uns in dein Sterben, Laß mit bir gefreuzigt seyn, Arnols, g. 1666 † 1714. - Himmlischer Sinn. Mel. Wachet auf! ruft.( Phil. 3, 20.) 419. Herr! welch Heil kann| bracht! Des Irrthums Nacht, Der Sünde dunkfre Nacht ist hin. ich erringen, In welche Höhn darf ich mich schwingen, Mein Wandel soll im Himmel sevn! O du Wort voll heilgen Bebens, Voll Wonne, Wort des ewgen Lebens: Im Himmel soll mein Wandel seyn! Ich fint erstaunend hin, Empfinde, wer ich bin, Wer ich seyn kann; Ich trage noch Des Todes Joch,- Im Him mel soll mein Wandel seyn! 4. Wenn die Seel in tiefe Stille Versunken ist, wenn ganz ihr Wille Der Wille deß ist, der sie liebt; Wenn ihr inniges Vertrauen, Ihr freudig Hoffen fast zum Schauen Emporsteigt; wenn sie wieder liebt Und nun wahrhaftig weiß, Dein Kampf und Todesschweiß; Gottver fühner, Dein Blut am Kreuz, Dein Tod am Kreuz, Verfühn, o Herr, verfühn auch sie: 5. O dann ist ihr schon gegeben Ihr neuer Nam und ewges Leben. Sm Himmel ist ihr Wandel dann! Stark, den Streit des Herrn zu streiten, Sieht sie die Krone schon vom weiten, Die Kron am Ziel und betet an: Preis, Ehr und Stärk und Kraft Seyy dem der uns erschafft, Ihm zu leben; Für uns verbürgt Bist du, erwürgt! Anbetung, Nuhm und Dank sey dir! ( Off. 2, 17.) 2. Schwing dich denn in diese Höhen Und lern im Lichte Gottes sehen, Wer du, verfühnte Seele, bist! Mit dem göttlichsten Entzücken Wirst du in diesem Licht erblicken, Wer, Seele, dein Verfühner ist! Du, durch sein Opfer rein Und stark, dich ihm zu weihn; Er, des Vaters Gleich ewger Sohn, Ruh, Heil und Lohn Der Glaubenden, ihr Herr und Gott! 3. Wort vom Anfang! Wunderbarer! O du der Gottheit Offenbarer! Den Erdkreis deckte Dunkelheit; Du erschienst, du Licht vom 6. Preis sey dem der auf dem Lichte, Wir schaun in deinem An- Throne Der Himmel sitzt; Preis gesichte Nun deines Vaters Herr- sey dem Sohne! Gott und dem lichkeit. Nicht Wahrheit nur, auch Lamme Preis und Dank! Weisheit Ruh Strahlst du uns, Gottmensch, sind und Gnad und Stärke, Herr, zu, Seelenfrieden! Du hafts voll- Herr, und Wunder deine Werke; Himmlischer Sinn. 279 Dir und dem Lamm sey Preis und| du heilig! Lobfingt dem Herrn Die Dank! Wie strahlt dein Angesicht ihr dem Herrn Gestorben seyd und Von Huld! doch im Gericht Bist sterben sollt! Klopstock, g. 1724 † 1803. Mel. Ich dank dir schon durch.( Ebr. 13, 14.) 420. Erheb, o Seele, deinen| 6. Dort ist das rechte Kanaan, Sinn, Was hängst du an der Erden? Hinauf, hinauf, zum Himmel hin, Denn du mußt himmlisch werden! 2. Was hat die Welt? was beut ste an? Nur Tand und eitle Dinge! Wer einen Himmel hoffen kann, Der schätzet sie geringe. Wo Lebensströme fließen; Blick oft hinauf, der Anblick kann Den Leibenstelch versüßen. 3. Wer Gott erkennt, kann der wohl noch Den Wunsch aufs Niedre lenten? Wer Gott zum Freund hat, denket hoch; So müssen Christen denken! 7. Dort oben ist des Vaters Haus; Er theilt zum Gnadenlohne Den Ueberwindern Kronen aus; Kämpf auch um Ruh und Krone. 8. Dort ists den Engeln süße Pflicht, Gott ihren Dank zu bringen; D Seele, sehnest du dich nicht, Mit ihnen Lob zu singen? 4. Kein Leiden, wenns auch schwer 9. Dort herrscht dein Heiland, Jesus Christ, Und du, frei von mich drückt, Schlägt meine Hoff- Beschwerden, Sollst ihm, durch nung nieder: Ich schau empor, und den du selig bist, An Klarheit ähnmich erquickt Der Herr doch endlich wieder. lich werden. 10. Laß denn, Erlöser, mich schon hier Mein Herz zu dir erheben; Laß mich, entschlaf ich einst in dir, Dort ewig mit dir leben! Liebich, g. 1713+ 1780. 5. Mein Theil ist nicht in dieser Welt, Ich bin ein Gast auf Erden, Ich soll, wann diese Hülle fällt, Ein Himmelsbürger werden. Mel. Ruhe ist das beste.( Phil. 3, 20. 2 Petri 1, 10. 11.). 421. Himmelan, nur him-| 3. Himmelan hat er dein Ziel Selbst melan Soll der Wandel gehn! Was die Frommen wünschen, kann Dort erst ganz geschehn, Auf Erden nicht: Freude wechselt hier mit Leid; Richt hinauf zur Herrlichkeit Dein Angefitt I hinaufgestellt. Sorg nicht muthlos, nicht zu viel Um den Tand der Welt! Flieh diesen Sinn! Nur was du dem Himmel lebst, Dir von Schätzen dort erstrebst, Das ist Gewinn. 4. Himmelan erheb dich gleich, Wenn dich Kummer drückt, Weil dein Bater, treu und reich, Stündlich auf dich blickt. Was quält dich so? Droben, in dem Land des Lichts, Weiß man von den Sorgen nichts; Sey himmlisch froh! 2. Himmelan schwing deinen Geist Jeden Morgen auf; Kurz, ach kurz ist, wie du weißt, Unser Pilgerlauf! Fleh täglich neu: Gott, der mich zum Himmel schuf, Präg ins Herz mir den Beruf, Mach mich getreu! 280 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 5. Himmelan wallt neben dir| 8. Himmelan führt dich zuletzt Alles Volk des Herrn, Trägt im Selbst die Todesnacht; Sets, daß Himmelsvorschmack hier Seine La- sie dir sterbend jetzt Kurze Schrecken stengern. Oschließ dich an! Kämpfe macht, Harr aus, harr aus! Auf drauf, wie sichs gebührt; Denke, die Nacht wirde ewig hell; Nach auch durch Leiden führt Die Hin- dem Tod erblickst du schnell Des melsbahn. Vaters Haus. 9. Hallelujah! himmelan Steig dein Dank schon hier! Einst wirst du mit Schaaren nahn, Und Gott naht zu dir In Ewigkeit. Aller Jammer ist vorbei, Alles jauchzt, verklärt und neu, In Ewigkeit! 10. Hallelujah singst auch du, Wann du Jesum siehst, Unter Jubel ein zur Nuh In den Himmel ziehst. Gelobt sey er! Dey vom Kreuz zum Throne stieg, Hilft auch dir zu deinem Sieg; Gelobt sey er! Schöner, g. 1749 † 1818. 6, Himmelan gieng Jesus Christ Mitten durch die Schmach; Folg, weil du sein Jünger bist, Seinem Vorbild nach. Er litt und schwieg; Halt dich fest an Gott, wie er, Statt zu klagen, bete mehr! Ertämpf den Sieg! 7. Himmelan führt seine Hand Durch die Wüste dich, Ziehet dich im Prüfungsstand Näher hin zu sich Im Himmelssinn; Von der Weltluft freier stets Und mit ihm vertrauter gehts Zum Himmel hin. E. Nächstenliebe. Mel. Gott, mein Gott, dir.( 1 Cor. 13, 1-8 und 13.) 422. Unter jenen großen Gü- Gesang, Sind ein Erz- und Schellenklang. tern, Die uns Christus zugetheilt, Ist die Lieb in den Gemüthern Wie ein Balsam der sie heilt, Wie ein Stern der herrlich blinket, Wie ein Kleinod, dessen Preis Niemand zu benennen weiß, Wie die Schönheit die uns winket, Und die Luft, die jedermann Zwingen und vergnügen 3. Was ich von der Weisheit höre, Der Erkenntniß tiefer Blick, Die geheimnißvolle Lehre, Und des Glaubens Meisterstück, So der Berge Grund versetzet, Und was sonst den Menschen ehrt, Das verlierèt seinen Werth, Alles wird für nichts geschäßzet, Wenn sich nicht dabei der Geist, Der die Liebe wirkt, erweist. fann. 2. Liebe kann uns alles geben Was auf ewig niützt und ziert, Und 4. Hätt ich alle meine Habe Mild zum höchsten Stand erheben Der den Armen zugewandt, Opfert ich die Seelen aufwärts führt. Men mich selbst dem Grabe, Schent ich schen oder Engelzungen, Wo sich nicht der Flammen Brand, Gäb keine Lieb erweist, Wie beredt man ich meinen Leib auf Erden Ihnen sonst fie preist, Wie beherzt sie zu verzehren hin, Und behielte angedrungen, Sind ein flüchtiger meinen Sinn: Würd ich doch nicht E. Nächstenliebe. besser werden, Bis mich wahre Lieb erfüllt, Die aus GottesHerzen quillt. 5. Glaubenssieg und Hoffnungsblüthe Führt uns tröstend durch die Welt, Bis das irdische Gebiete Und der Schöpfungsbau zerfällt; Nur der Liebe weite Grenzen Strecken sich in Ewigkeit; Alle die sich ihr ge weiht, Werden unaufhörlich glänzen. Glaub und Hoffnung bleiben hier; Liebe währet für und für. 281 6. O du Geist der reinen Liebe, Der von Gott du gehest aus, Laß mich spüren deine Triebe, Nimm dir hin mein Herz und Haus! Was in mir sich selbst nur suchet, Es nicht treu mit andern meint, Haß ist, und nur Liebe scheint, Laß mich halten als verfluchet; Lenke meinen ganzen Sinn, Geist der Lieb, zur Liebe hin! &. Lange, g. 1650 † 1727. Mel. Herzlich thut.( Marc. 12, 32 2c. 1 Joh. 4, 7. 8. 1 Cor. 13, 1 zc.) 423. Nicht Opfer und nicht| gen Hoch reden ohne Herz? Wen Gaben, Auch Ruhm und Ehre nicht Noch was sonst Sünder haben, Befreit uns vom Gericht. Nur Jesu Liebe bleibet, Sie ist von Ewigkeit; Was außer ihr uns treibet, Verschwindet mit der Zeit. Liebe nicht durchdrungen, Der ist ein todtes Erz. 4. Geheimnißvolle Lehren Und starker Glaubenssinn Stehn nicht bei Gott in Ehren, Wenn Liebe nicht darin. Der treibt nur arın Geschwätze, Wer kalt und liebeleer, Der größten Weisheit Schäße Darleget um sich her. 2. Sie gibt uns Kraft und Leben, Bricht jeden Bann entzwei, Lehrt helfen, trösten, geben, Macht von der Lüge frei. Sie muß gerecht uns machen, Los von der Sündenluft, Zum Beten und zum Wachen Bewegen unfre Brust. 5. Der Vater ist die Liebe, Der Sohn ist Lieb allein, Des heilgen Geistes Triebe Sind Liebe, heiß und rein; Das ist die Lebensquelle Vom Vater und vom Sohn:- Mach unsre Seelen helle, Du Strom von Gottes Thron! 3. Sie ist die höchste Zierde, Des Christenthumes Kern; Sie gilt als schönste Würde Und Krone vor dem Herrn. Was hilfts, mit Engelzun-| Joh. Rothe, g. 1805. Mel. Alles ist an.( 1 Joh. 3, 14-18. Hof. 6, 6. Eph. 5, 2.) 424. Nur wo Lieb ist, da| Auf des Herzens Sinn und Nath. ist Wahrheit; Ohne sie gibts keine Klarheit, Finster sind wir ohne sie. Heuchelnd wirst vor Gott du treten, Wenn du nicht bedenkst beim Beten, Daß er dich zum Bruder zieh. 2. Denke nicht, der Herzensprüfer Schau von deinem Wort nicht tiefer Hasfest du den Feind, so wisse, Daß das Reich der Finsternisse Deinen Geist gebunden hat. 3. Nur die Sünde sollst du hassen, Aber Sünder mild umfassen; Sie zu richten, ziemt dem Herrn. Freuts dich, daß sie sind gebunden? Spottest 282 du ob ihren Wunden? und hilf sie heilen gern! 4. Wenn sie deine Liebe schmähen, Zornig aus dem Weg dir gehen, Dann befiehl sie dessen Rath, Der, die Armen, Todten, Blinden Von dem Elend zu entbinden, Tausend Liebeskräfte hat. XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Komm leids, Gott zur Ehre Aus dem Auge dringt empor. 7. Wie die Sonn am Himmel stehet, Freud auf Gut' und Böse säet, Also sey dein Christenherz! Lern in Liebe Christo gleichen, Lern in Liebe ihn erreichen Unter Freu den, unter Schmerz! 5. Glaubs, dein Lieben und Ver- 8. In den trübsten Leidensstunden, zeihen Wird zum Frieden dir ge- Ueberdeckt mit Todeswunden Hieng deihen Bei dem Herrn, der Frieden am Kreuze Gottes Sohn, Litt für uns, ist. Nenn, o Mensch, nur wenn du für seine Feinde, Die er rufet zur Ge liebest, Wenn mit Christo du vergi- meinde, Todesqual und Mörderhohn. best, Dich mit seinem Namen: Christ! 9. Willst mit göttlichen Gefühlen Du 6. Selbst die Gabe die du gibest, in leeren Worten spielen, Und doch Wiegt nicht schwerer, als du liebest; Christi Jünger seyn? Geh zu ihm Liebe geht den Gaben vor. Schwerer und lerne leben, Lern im Leben das wiegt oft eine Zähre, Die voll Mit- Bergeben, Im Vergeben selig seyn! - Mel. Mein's Herzens Jesu.( Eph. 4, 1-6. Matth. 5, 22 2c. Rom. 12, 19.) 425. Ach Jesu! gib mir sanf-| 4. Komm, Bruder, komm, reich ten Muth, Nach deinem Wort zu her die Hand, Mein Herze dir verleben. Ich bin ein schwaches Fleisch gibet, Laß deinen Zorn nicht seyn und Blut; Sollt ich vir widerstre- entbrannt: Ein Christ den andern ben? Sollt ich noch üben Nach und liebet; Wer wie sein lieber Meister Zorn? Wie kann einChrist, ein süßer Born, Solch bitter Wasser geben? 2. Ein Vater hat nach seiner Macht Geschaffen uns zu Kindern; Ein Herr das Leben wiederbracht Uns, den erstorbnen Sündern; Ein guter Geist uns auch regiert Und zu des Himmels Freude führt, Wenn wir ihn nicht verhindern. thut, Der brennet von der Liebe Gluth, Drin er sich stetig übet. 5. Wir tragen all an einem Joch; Da wir uns Glieder nennen, Was wollen sich die Glieder doch An einem Leibe trennen? An rechter Lieb und Freundlichkeit kann man den Christen allezeit Als Gottes Kind erkennen. 3. Wie kann ich doch als Gottes Kind Den schwachen Bruder hassen, Da mir so große Schulden sind Von meinem Gott erlassen? Soll nicht auch mein Herz seynt bereit, Aus rechter Lieb und Einigkeit Den Bruder zu umfassen? 6. Wir haben alle Gottes Gnad In einem Herrn zu finden; Ein Born im heilgen Wasserbad Macht rein uns von den Sünden; Ein Leib und Blut uns alle speist; Wie sollte nicht ein Herz und Geist Uns allesamt verbinden? E. Nächstenliebe. 7. Da wir nun haben einen Geist, Wie kannst du ,, Racha" spre chen? Da dein Leib Gottes Tempel heißt, Wie kann ich ihn zerbrechen? Ach, Bruder, laß uns zürnen nicht, Daß uns nicht treff ein hart Gericht; Gott müßte selbst es rächen! 8. Du aber, Herr, erwecke mich Durch deines Geistes Triebe! Mit Lindigkeit erweise sich Am Feinde selbst die Liebe; Ein gütger Sinn HOLEST 283 und stiller Muth Ist auf des Gegners Haupt wie Gluth: Wer da feindselig bliebe? 3. Wie könnt ich hoffen, Trost im Tod, Huld im Gericht zu finden, Zu dir noch flehen: richte, Gott, Mich nicht nach meinen Sünden," Hört ich nicht deine Stimm in mir: ,, Wie du vergibst, vergibt Gott dir?" 9. Fällt jemand, strauchelt und begeht Was nimmer ist zu loben: Wenn mir der Wind zuwider weht, Sollt ich mit Zürnen toben? Gib, Jesu, daß ich allezeit, Entfernt von aller Bitterkeit, Ablege Sanftmuthsproben. - Maukisch, g. 1617 † 1669. Mel. Auf, Christenmensch.( Matth. 5, 44 zc. 6, 14 2c.) 426. Du schenkst voll Nach-| 5. Auch mein Beleidiger hat Theil sicht und Geduld Auch Bösen deinen Segen, Erzeigst uns allen gleiche Huld Im Sonnenschein und Regen. Hilf mir, zu meiner eignen Ruh, Die Feinde lieben, Gott, wie du. 2. Ich Sünder, dem noch Rache glüht Im heuchlerischen Herzen, Der noch sein Wohlgefallen sieht An seiner Feinde Schmerzen, Sch trete vor dein Angesicht, Du Gott der Lieb, und zittre nicht? Am Heiland aller Sünder; Mit Blut erkauft' auch ihn zum Heil Der Todesüberwinder; An mich und ihn ergeht der Ruf Des Gottes, der uns beide schuf. 6. O möchte Jesu Beispiel doch Mich Feindesliebe lehren! D könnt ich meinen Hasser noch zur Seligkeit bekehren! Wie herzlich wird es mich erfreun, Der Netter meines Feinds zu seyn! 7. Wie wird er mich am Weltgericht Dann Freund und Bruder nennen, Mir danken und sich ewig nicht Von meiner Seite trennen Und Gott erhöhen, dessen Hand uns für die Ewigkeit verband! 8. Wie gern will ich, Gott, auf 4. Sen, Seele, werth der Selig- dein Wort Haß und Verfolgung teit, Dich selbst zu überwinden. leiden! Wie gern verzeihn, da du Duld und vergib; denn Gott ver- mirs dort Vergiltst mit ewgen Freuzeiht, Und straft nicht deine Sünden. den! O Wonne, wenn sich dort Nicht Nache, Segen rufe du, Be- mein Feind Mit mir zu deinem Lob gnadigte, dem Feinde zu. vereint! Münter, g. 1735 † 1793. Matth. 18, 21-35.) Mel. Auf, Christenmensch.( 1 Joh. 4, 20. 21. 427. So jemand spricht: ,, ich| Brilder, Der treibt mit Gottes liebe Gott," Und haßt doch seine Wahrheit Spott Und reißt fie ganz 284 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. banieder. Gott ist die Lieb und| duld Mit meinen Brüdern tragen? will, daß ich Den Nächsten liebe gleich als mich! 2. Wir haben einen Gott und Herrn, Sind eines Leibes Glieder; Drum diene deinem Nächsten gern, Denn wir sind alle Brüder. Gott sen, schuf die Welt nicht bloß für mich, an, Mein Nächster ist sein Kind wie ich. 3. Ein Heil ist unser aller Gut; Ich sollte Brüder haffen, Die Gott durch seines Sohnes Blut So hoch erkaufen lassen? Daß Gott mich schuf und mich verfühnt, Hab ich dieß mehr als sie verdient? 4. Du schenkst mir täglich so viel Schuld, Du, Herr von meinen Tagen, Ich aber sollte nicht GeDem nicht verzeihn, dem du vergibst, Und den nicht lieben, den du liebst? 5. Was ich den Frommen hier ge than, Dem kleinsten auch von dieDas sieht er, mein Erlöser Als hätt ichs ihm erwiesen; Und ich, ich sollt ein Mensch noch seyn, Und Gott in Brüdern nicht erfreun! hat Und sieht die Brüder leiden Und macht die Hungrigen nicht satt, Läßt Nackende nicht kleiden, Der ist ein Feind der ersten Pflicht und hat die. Liebe Gottes nicht. 2. Wer seines Nächsten Ehre schmäht Und gern sie schmähen höret, Sich freut, wenn sich sein Feind vergeht Und nichts zum besten kehret, Nicht dem Verleumder widerspricht: Der liebt auch seinen Bruder nicht. Mel. Auf, Christenmensch.( 1 Joh. 3, 17. 18.) 428. Wer dieser Erde Gülter| eilt, dem Frommen beizustehn, 6. Ein unbarmherziges Gericht Wird über den ergehen, Der nicht barmherzig ist, der nicht Die rettet die ihn flehen. Drum gib mir, Gott, durch deinen Geist Ein Herz, das dich durch Liebe preist! Gellert, g. 1715+ 1769. 4. Wer harret, bis, ihn anzuflehn, Ein Dürftiger erscheinet, Nicht Der im Verborgnen weinet, Nicht gütig forscht, obs ihm gebricht: Der liebt auch seinen Nächsten nicht. 5. Wer andre, wenn er sie be schirmt, Mit Härt und Vorwurf quälet, Und ohne Nachsicht straft und stürmt, Sobald sein Nächster fehlet: Wie bleibt bei seinem Ungestüm Die Liebe Gottes wohl in ihm? 6. Wer für der Armen Heil und Zucht Mit Rath und That nicht wachet, Dem Uebel nicht zu wehDas oft sie dürftig Nur sorglos ihnen Gaben gibt: Der hat sie wenig noch geliebt. 3. Wer zwar mit Rath, mit Trost und Schutz Den Nächsten unter- ren sucht stützet, Doch nur aus Stolz, aus machet, Cigennut, Aus Weichlichkeit ihm nützet, Nicht aus Gehorsam, nicht aus Pflicht: Der liebt auch seinen Nächsten nicht. 7. Wahr ist es, du vermagst es nicht, Stets durch die That zu Lie: ben; Doch bist du nur geneigt, die Pflicht Getreulich auszuüben, Und E. Nächstenliebe. 285 Und| Gott ist die Lieb, und mir hat er sein Bild gegeben. Denk oft: Gott! was ich bin, ist dein, Sollt ich gleich dir nicht gütig seyn? Gellert, g. 1715+ 1769. wünscheft dir die Kraft dazu sorgst dafir, so liebeft du. 8. Ermattet dieser Trieb in dir, So such ihn zu beleben. Sprich oft: Mel. Der du das Loos. ( Rom. 12, 9 2c. 14 2c.) 429. Herr! febre du mich| 4. Du kennest meiner Liebe Schwädeinen Willen Mit Kindesfreudigkeit erfüllen: Dein Will ist lauter Seligkeit. An dir laß meine Seele hangen, Sey du mein einziges Verlangen, Du Freude mir, die nie gereut. che, Nur auf des Herzens Oberfläche Schwebt sie, und all mein Herz willst du! Ganz reine Lieb ist, Gott, dein Wille, Oströme mir aus deiner Fülle Der Liebe Himmelsfreuden zul - 2. O Liebe, lehre du mich lieben, 5. O Liebe, lehre mich mit FreuIn Demuth und Geduld mich üben, den Das beste thun, das schlimmste Mich jeder fremden Freude freun! leiden Und immer froh in Liebe Die Liebe ist der Menschheit Ehre; seyn! O Liebe, du bist Gottes O Liebe, Jesus Christus, lehre Leben, Liebe, deine Luft ist: Mein Herz dem deinen ähnlich seyn! geben, Und deine Freude: still er3. Mein Herz, das oft sich sträubt freun! und wendet, Sich oft mit Schein der Liebe blendet Und o wie oft noch haßt und dräut, O wer wird dieß mein Herz entzünden? Wer lehrt mich schnell und tief empfinden Die Freuden der Berföhnlichkeit? 6. O Jesus Christus! das Ent zücken Der Liebe quillt aus deinen Blicken, Aus deinem Herzen Freundlichkeit! O Liebe, daß ich Liebe wäre! O Liebe, Jesus Chriftus, lehre Mich deiner Liebe Seligkeit! Lavater, g. 1741 † 1801. Mel. O Gott, du frommer.( Pf. 133.) 430. Von dir, o treuer Gott,| 3. Laß eins dem andern stets Zum Muß Fried und Eintracht kommen, Der du uns gnadenvell Zum Frieden aufgenommen. Die Eintracht hast du lieb, Du lohnst ihr ewig wohl und lehrest, wie man sie Im Glauben üben soll. edlen Balsam werden, Daß ein bebrängtes Herz In allerlei Beschwerden Von seinem Nächsten Trost Und Hülfe kommen seh, Und daß ein Bruderherz Das andre nicht verschmäh. 2. Drum flehen wir zu dir Um deines Geistes Gabe, Daß jeder unter uns Ein Herz voll Frieden habe. Gib, daß wir allesamt Im Guten einig jep'n, So sammeln wir ge samt Die Frucht des Friedens ein. 4. Laß uns in Einigkeit Stets bei einander wohnen Und trag uns allezeit Mit gnädigem Verschonen. Laß unter deinem Volk Die Eintracht herrlich blihn, Bis wir auskrieg und Streit Zum ewgen Frieden ziehn. XVII. Christlicher Sinn nnd Wandel. Mel. Nun sich der Tag.( 2 Cor. 9, 7. f. 41, 1-4. Matth. 25, 34 2c.) 431. Chrift! wenn die Armen| Der wird durch deine Thüre gehn, Weil sie so gastlich ist. 286 manchesmal Vor deiner Thüre stehn, Merk auf,* ob nicht in ihrer Zahl Der Herr sey ungesehn! Sir. 12, 1-8. 2. Und wenn ihr matter Ruf so bang Erschallt zu dir herein, Horch auf, ob seiner Stimme Klang Nicht möchte drunter seyn? 3. O nicht so fest und eng verschließ Die Thüren und das Herz! Ach, wer den Heiland von sich stieß', Was träfe den für Schmerz! 4. Drum öffne gern und mitleidsvoll Dem Flehenden dein Haus, Und reiche mild der Liebe Zoll Dem Dürftigen hinaus; 5. Denn ehe du dichs wirst versehn, Ists dein Herr, Jesus Christ; 6. Und ehe du ihn noch erkannt, Der arm erschien vor dir, Erhebt er seine heilge Hand Zum Segen für und für: 7. Zum Segen über deinen Tisch Und über all dein Gut, Und über deine Kinder frisch Und deinen frohen Muth; 8. Zum Segen über deine Zeit, Die du hienieden gehst, Und über deine Ewigkeit, Da du dort oben stehst; 9. Dort oben, wo er dann die Thür Dir auf mit Freuden thut, Wie ihm und seinen Brüdern hier Du thatst mit frommem Muth. Hey, g. 1789. Allgemeine Fürbitte. Mel. Ach was soll ich Sünder.( 2 Theff. 3, 1. 2.) 432. Vater! sieh auf unsre| ihr geheimes Sehnen, Zähle ihre Brüder Auch von deinem Thron her- stillen Thränen, Laß sie sehn, was nieder, Wo man Hülf und Trost ge- du verheißt! winnt; Schütze sie in Schmach und 4. Laß sie deinen Ruf stets wecken, Schanden, Rette sie aus ihren Ban- Daß kein Locken und kein Schrecken den, Wenn sie in der Drangfal sind. Ihren Seelen schädlich sey. Steh 2. Unter ihrer Feinde Schnauben im Reden und im Schweigen, Im Gründ und mehre ihren Glauben, Erdulden und im Zeugen Ihnen Ihre Hoffnung und Geduld. Halte als Fürsprecher bei. fie bei deinem Sohne, Mach sie froh mit jenem Lohne, Tröste sie mit deiner Huld. 5. Jesu! der du selbst gelitten Und vor uns mit blutgen Schritten Aus der Welt zum Bater giengst: Zeige ihnen von dem Throne, Daß du dort die Lebenskrone Auch für ihr Haupt schon empfiengst. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Wann wir in höchsten.( Eph. 6, 18. 1 Tim. 2, 1-3.) 433. Für alle Menschen beten| Gib, der du aller Vater bist, Gib wir, Bater, wie für uns zu dir: jedem, was ihm heilsam ist. 3. Stärke sie mit Lebensworten, Sey ihr Licht in dunklen Orten, Fülle sie mit deinem Geist, Höre Chriftliche Freundschaft. 287 2. Du fandtest deinen eingen Sohn| Gib ihnen, Herr, zur Buße Zeit, Für alle von des Himmels Thron; Zu schaffen ihre Seligkeit. Verbreite, Herr, sein Licht und Recht Beim ganzen menschlichen Geschlecht. 6. Gib deinen Frommen frohen Muth, Bewahr ihr Leben und ihr Gut Und richte ihres Geistes Blick Stets bin aufs ewge Lebensglück. 7. Verlaß sie nie in Kreuz und Noth Und steh bei ihnen auch im Tod, Daß ihre Seel ohn Angst und Weh, Vollendet einft zur Heimath geh. 8. Hör unser findliches Gebet, Das allen Menschen Heil erfleht; Laß sie gesegnet seyn in dir, Daß wir dich preisen für und für. Nach Cramer, g. 1723 † 1788. 3. Bring alle Völker in dein Reich; Die letzten mach den ersten gleich Und schaffe bald zu deinem Ruhm Dir überall ein Heiligthum. 4. Auch die Verirrten bringe du Der Heerde Christi wieder zu; Mach sie im Glauben fest und treu, Daß auch ihr Wandel lauter sey. 5. Ach viele, viele tragen noch Des Sündendienstes schweres Joch; Christliche Freundschaft. Mel. Gott, mein Gott, dir.( Str. 6, 14-17.) 434. was wären meine| Von dem richtgen Pfade wanke, Freuden, Theilte sie kein Freund Mir voran zum Ziele wallt; Mit mit mir! Und wie trüg' ich meine der sanfteren Gewalt Milder Leiden, Irrt' ich öd' und einsam Freundschaft, wenn ich schwanke, bier, Wär ich wie in Wüsteneien Mein Fuß gleitet, strauchelt, fällt, Auf die Erde hingebannt, Lebt' Dann mich Schwachen fest erhält! allein und unbekannt; Müßte ohne 4. Dank, daß viel der bessern Freund mich freuen, Fände hier in Seelen, Mir ein Segen und der Freud und Schmerz Nie ein gleich- Welt, Mich zu ihren Freunden gestimmtes Herz? zählen, Von dir selbst mir zuges sellt; Die das Gute mit mir theilen, Das mir deine Güte schenkt, Gern, wenn mich ein Kummer kränkt, Meiner Seele Bunden heilen, Mich erheben, wenn ich sank; Preis dir, Vater, Preis und Dank! 2. Dank dir, Herr, mit Herz und Munde, Daß in treuer Freunde Schooß Mir so manche frohe Stunde Wie ein Augenblick verfloß! Dank für alle reine Freuden, Die mir deren Liebe gab, Die, bereit bis an das Grab Mit zu danken, mit 5. Dir geheiligt sey die Freude, zu leiden, Deine treue Vaterhand Die für mich aus Freundschaft Mir so unverdient verband! quillt, Voll Erquickung, wenn ich 3. Dank, daß du auf meinem leide, Immer rein und sanft und Wege Manchen Freund mir zuge- mild, Nur an frommer Freunde führt, Der, werd ich oft matt und Händen, Die, o Heiliger, fich träge, Ober wenn ich, leicht verirrt, dir Ganz zum Opfer weibn mit 288 XVII Chriftlicher Sinn und Wandel. mir, Sey mir wohl; o dann vollen-| 7. Hebe, wann der Tod die Bande den Schnellren Schritts wir unsern Die uns binden, nun zerreißt, Zu Lauf, Und der führt zu dir hinauf! der Freundschaft Baterlande, Zu 6. Alle die mich nah und ferne Lie- dem Himmel unsern Geist. Drüben ben, Allbarmherziger, Segne sie( bu laß uns wieder finden Was hier segneft gerne), Segne sie, Allgnädi- unsrer Lieb entfloh, Doppelt glück ger! Ihrer Seele stilles Sehnen, Ihr lich, doppelt froh, Himmlischer Bedürfniß, ihr Gebet, Das vielleicht uns dann verbinden Dort, o Vater, für mich jetzt fleht, Ihre Freuden, wo verklärt Unsre Freundschaft ewig ihre Thränen, Ihre leiseste Begier, währt! Alles, Herr, empfehl ich dir. Dr. Niemeyer, g. 1754 † 1828. F. Einzelne Tugenden und Pflichten. a) Weisheit. Mel. Herr Chrift, der einig.( 1 Cor. 2, 6. 7.) 435. Die Weisheit dieser Er-| selig sterben, mit dem wir ewig den Ist noch die wahre nicht; Sie wird zur Thorheit werden Im göttlichen Gericht. Herr! mache dir zum Preise Mich zu dem Himmel weise Und sende mir dein Licht. Seele, Daß ich deines Wortes Licht, Herr, allein zum Leitstern wähle Und ihm trau mit Zuversicht; Denn die Klugheit dieser Welt, Die der Thor für Weisheit hält, Fördert nicht mein Wohlergeben Und wird nie vor Gott bestehen. erben? Was hat man ohne ihn? 4. Gott nur als Gott erkennen, Das hat noch wenig Lohn; Man soll ihn Vater nennen In Jesu, seinem Sohn. Das sind die wahren Weisen, Die nur die Weisheit preisen Von Chrifti Kreuz und Thron. 2. Wüßt ich, was Schul und Staaten Auf Erden glücklich macht, Wie wäre mir gerathen, Wenn mein Gewissen wacht, Und ich bin nicht daneben, Auf ein unendlich Leben Zu meinem Heil bedacht? 3. Was helfen mir Verdienste, Wenn ich ein Sünder bin? Was nüßen mir Gewinnste, Wenn ich nicht den gewinn, Auf den wir 5. D Geist der Weisheit! präge mir meinen Heiland ein, Und richte meine Wege Auf dieses Ziel allein, So geh ich nicht verloren, So sterb ich nicht wie Thoren, So werd ich selig seyn. Ph. Fr. Hiller, g. 1699+ 1769. Mel. Werde munter.( Eph. 5, 15-17. Hiob 28, 28. Str. 1, 10. Jac. 3, 13-18.) 436. Gib die Weisheit meiner| 2. Weisheit ist es: danach trachten, Recht mit sich bekannt zu seyn, Sich nicht für vollkommen achten, Allen Eigendünkel scheun; Gern auf seine Fehler sehn, Sie gebeugt vor Gott gestehn, Eifrig stets nach Beßrung streben, und sich deß doch nie erheben. F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 3. Weisheit ist es: Christum eh-| Gottes Willen thun, Froh. in seiner ren, Ihm als Heiland ganz ver- Fügung ruhn, Und wann Leiden traun, So auf seine Stimme hören, uns beschweren, Ihn durch frohe So auf seinen Wandel schaun, Daß Hoffnung ehren. man falsche Wege flieht und mit Eifer sich bemüht, Seinem Bilde hier auf Erden Immer ähnlicher zu werden. 4. Weisheit ist es: alles meiden Was mit Reu das Herz beschwert, Und sich hüten vor den Freuden, Die der Sünde Dienst gewährt; Menschenruhm, der bald verbleicht, Luft, die im Genuß schon fleucht, Nicht für seinen Himmel achten, Nein, nach Gottes Nähe trachten. 5. Weisheit ist es: Gottes Gnade Sich zu seinem Ziel ersehn Und auf seiner Wahrheit Pfade Ewgem Heil entgegen gehn; Gern nach 289 6. Weisheit ist es: stets bedenken, Daß wir hier nur Pilger sind, Und sein Herz auf das nur lenken Was nicht mit der Zeit verrinnt; Seine Augen unverwandt Nach dem ewgen Vaterland Nichten und mit Eifer streben, Für die Ewigkeit zu leben. 7. Diese Weisheit ist auf Erden Unsrer Seele bestes Theil; Die von ihr geleitet werden, Deren Weg ist Licht und Heil. Diese Weisheit kommt von dir, Herr, verleihe sie auch mir; Laß sie mich zu allen Zeiten Auf den Weg des Friedens leiten. Nach Freylinghausen, g. 1670+ 1739. Mel. Gott des Himmels und der Erden.( Pf. 111, 10. 1 Cor. 1, 18-31.) 437. Eins nur wollen, eins| nennen, Ist oft blinder Unverstand; nur wissen: Jesum, Gottes Herrlichkeit, Und die Weltluft fliehn und missen, Heißt vor Gott Einfältigkeit. Ist ein Herz auf dieß gestellt, So gefällt es nicht der Welt. 2. Das ist Klugheit edler Seelen, Das ist geistlicher Verstand; Will ein Mensch das höchste wählen, Will er strecken seine Hand Nach dem Lebensbaum allein: Könnte er dann weiser seyn? 3. Einfalt ist es: eins erblicken Das dem Herzen ganz genug; Das was ewig fann erquicken, Nur verlangen, das ist klug. Sepst du vor der Welt alsdann Als ein Thor: was liegt daran? 4. Was die Menschen Klugheit Evangelisches Gesangbuch. Was der Weltsinn will gewinnen, Bringt um jenes Vaterland; Sollte das nicht Thorheit seyn? Dieses sieht die Einfalt ein. 5. Lieber aller Welt mißfallen, Als zum Himmel ungeschickt! Wo ist in den Dingen allen Etwas bas den Geift erquict? Gar nichts ist in dieser Welt, Das der Einfalt wohlgefällt. 6. Menschenaugen, die noch schielen Da und dorthin in der Welt, Heimlich noch mit Sünde spielen, Die dem Fleisch nur wohlgefällt, Diese kommen nicht zur Rast, Fühlten sie auch gleich die Last. 7. Einfalt sucht sich vorzusehen, Sammelt auf die Zeit der Noth; 19 290 XVII. Chriftlicher Sinu und Wandel. Wann sie muß von hinnen gehen,| dich nur sehn, Heißt dem rechten Geht sie dann nicht ohne Gott; 3iel nachgehn. Das ist Einfalt, das ist klug, Denn wer Gott hat, hat genug. 8. Einfalt trachtet dem vor allen Der sie theuer hat erkauft, Ihrem Heiland, zu gefallen, Daß er sie mit Feuer tauft. Hätte sie nicht Christi Licht, Hälf ihr alles andre nicht. 10. Tritt mir etwas vor die Augen, Das mir könnte schädlich seyn Und dem Geiste nicht fann tangen, Davon balte du mich rein, Daß es geb an mir vorbei, Ob es noch so scheinbar sey. 9. Treuer Jesu! meine Liebe Sey nur dir, nur dir geweiht; Alle meine Herzenstriebe Laß doch nimmer seyn zerstreut. Dich nur wollen,| bunden ewiglich! 11. Wohne, Herr, in meiner Seele, Fülle meinen Herzensgrund. Was ists dann, das mir noch fehle, Wenn ich bin in dir gefund? Ja durch Einfalt halte mich Dir verJoh. Mich. Hahn, g. 1758 † 1819. b) Wachsamkeit und Treue. Eigene Mel.( Phil. 2, 12 c. Marc. 13, 33-37. Eph. 6, 10-20.) 438. Mache dich, mein Geist,| Durch Gewalt bezwinge, Ober bereit! Wache, fleh und bete, Daß dir nicht die böse Zeit Plötzlich nahe trete; Unverhofft Ist schon oft Ueber viele Frommen Die Versuchung kommen. wenn sie sich verstellt, Wieder an sich bringe. Wach und sieh, Daß du nie Falsche Brüder hörest, Welt gunst nie begehrest. 6. Wache, nimm dich wohl in Acht, fann, wers nicht bewacht, Gottes Huld verscherzen; Denn es ist Voller List, Kann baldSchwachheit heuchel Bald in Stolz sich schmeicheln. 2. Aber wache erst recht auf Von| Trau nicht deinem Herzen. Leichtlich dem Sündenschlafe, Denn es folget sonst darauf Eine lange Strafe; Und die Noth Samt dem Tod Möchte dich in Sünden Unvermuthet finden. 3. Wache auf, sonst kannst du nicht Christi Klarheit sehen; Wache, weil sonst wird dein Licht Stets dir ferne stehen; Denn Gott will Für die Füll Seiner Gnadengaben Offne Augen haben. 7. Bete aber auch dabei Mitten in dem Wachen; Denn der Herr muß selbst dich frei Von dem allem machen Was dich drückt Und be stridt, Daß du schläfrig bleibeft Und sein Werk nicht treibest. 4. Wache, daß dichSatansList Nicht im Schlaf umstricke, Weil er sonst bebende ist, Daß er dich berücke; Denn Gott gibt Die er liebt Nur in seine Strafen, Wenn sie sicher schlafen. 5. Wache, daß dich nicht die Welt 8. Ja, er will gebeten seyn, Wenn er was soll geben; Er lädt uns zum Fleben ein, Wenn wir wollen leben Und durch ihn Unsern Sinn, Feind, Welt, Fleisch und Sünden Kräftig überwinden. F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 9. Doch wohl gut; es muß uns schon Alles glücklich gehen, Wenn wir ihn durch seinen Sohn Im Gebet anflehen; Denn er will Alle Füll Seiner Gunst ausschütten, Wenn wir glaubend bitten. 3. Man kann so manche Sünd Unwiffentlich begehen; Bor Gott kommt der Gebant Dem Werte gleich zu stehen. Ein arger Mensch verführt OftHunderte zumal, Drum wer steht, sehe zu, Daß er nicht plötzlich fall. Freystein, tum 1720. Mel. O Gott, du frommer; oder: Ach Gott, verlaß mich nicht.( 1 Petri 4, 17 c. Hefel. 33, 11-19. 18, 23 c. Lucă 12, 35 2c.) 439. Welch eine Sorg und| Nechtschaffen ist erschienen. Der Stuecht, ber seines Herrn Gebot weiß, und nicht thut, Wird doppelt Streich empfahn Für seinen Frevelmuth. 11 Furcht Soll nicht bei Christen wachen Und sie behutsam, klug Und wohlbedächtig machen! Mit Furcht und Zittern," heißts, ,, Schafft eurer Seelen Heil!" Wenn kaum der Fromme bleibt, Wie gehts dem fündgen Theil? 6. Man hat genug zu thun, Die eigne Seel zu retten; Wer noch viel andres hat, Wie kann er das 2. Der Satan geht umher Und vertreten? Je größer Amt und Gut, sucht, wen er verschlinge, Legt tau Je größer Pfund und Kraft, Je send Netz und Strick In unvergrößer bilde man sich ein die Remerkte Dinge. Die Welt ist blind, verführt, Und bind't sich selbst die Ruth; Ja, unser ärgster Feind Ist unser Fleisch und Blut. 4. Ihr sollet," spricht der Herr, Wie ich bin, heilig leben, Mir eure Seelen ganz, Nicht halbgetheilet geben; Viel Weise nach dem Fleisch Hab ich mir nicht erwählt; Viel Herr- Herr- Sager find Der Hölle zugezählt." 291 5. Und wird ein Frommer schlimm, So soll ihm das nichts dienen, Daß er vor solcher Zeit 10. Drum so laßt uns immerdar Wachen, flehen, beten, Weil die Angst, Noth und Gefahr Immer näher treten; Denn die Zeit Jft nicht weit, Da uns Gott wird richten Und die Welt vernichten. chenschaft. 7. Die ganze erste Welt Mußt jämmerlich vergehen; Acht Seelen sind allein Vor Gott gerecht ersehen. Der zehnte dankte nur, Daß er vom Aussatz rein; Ach möchten fünf doch flug, Und fünf nur thöricht seyn! 8. Des Richters Zukunft wird Gleich einem Blitz geschehen; Was unrein und gemein, Darf nicht in Himmel gehen. Selbst in der Zwölfe Zahl War ein verloren Kind; Nicht Stadt noch Dorf mag seyn, Wo nicht Verdammte sind. 9. Herr Gott! so oft ich dieß In meinem Geist bedenke, So bringt mir Furcht und Angst Durch Adern und Gelenke; So preif' ich deine Treu, Die mich noch heut erhält; Doch fleh ich desto mehr Für mich und alle Welt: 292 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 10. Sent deine wahre Furcht In aller Menschen Herzen; Laß nie mand mit der Buß Und wahrem Glauben scherzen! Muthwillen 12. Verleih Geduld und Trost Im schaffe weg, Trägheit, Vermeffen- Kämpfen und im Ringen, Sorgheit, Verstockung, Heuchelei, Bos heit, Unheiligkeit! fältge Wachsamkeit Und Kraft hin durchzubringen, Daß wir ohn Unterlaß In der Bereitschaft stehn Und einst mit Freudigkeit Vor deine Au11. Hilf stegen über das Was du schon überwunden; Zerstöre Satans Reich, Halt seine Macht gegen gehn. bunden. Laß uns mit Sorg und| Bebinger, g. 1664 † 1704. Eigene Mel.( Pf. 39, 5. 6.) 440. Ohne Raft und unver-| gedent der Ewigkeit Weislich niite diese Zeit. 7. Jede Stunde, da mein Geist Sich der Erde mehr entreißt, Bringt mir, flieht sie gleich dahin, Dennoch ewigen Gewinn. Fleiß Berleugnen, widerstehn, Anhalten im Gebet, Entfliehen und entgehn! weilt, Strömen gleich, o Seele, eilt Deine turze Pilgerzeit In das Meer der Ewigkeit. 2. Nimm auch Stunden wohl in Acht, Wirke Gutes; denn die Nacht, Da man nicht mehr wirken kann, 8. Jede Stunde, da ich hier Ankommt und rückt oft schnell heran.| dern nüße und vor dir Redlich handle, dauert dort Stets in ihrem Lohne fort. 3. Jetzt noch ist der Tag des Heils, Frei die Wahl des besten Theils. Stell dich dieser Welt nicht gleich, Werd an guten Werken reich. 4. Wenn du deine Zeit verträumst, Sie in träger Ruh versäumst, Sie verschwendest ohne Plan: Weh dir, naht dein End heran! 9. Laß mir diesen Werth der Zeit, Und des Frommen Thätigkeit Täg lich, Gott, vor Augen seyn, Daß ich Trägheit lerne scheun. 5. Der Versäumniß deiner Pflicht Folgt im göttlichen Gericht, Wann der Tod dich hingerafft, Eine strenge Rechenschaft. 6. Gott, du meiner Tage Herr, Hilf mir, daß ich Sterblicher, Einnen Eagen, O Mensch, eilt immer mehr herbei; Erkauf die Zeit und, statt zu flagen, Sie sey zu turz, gebrauch sie tren; O nimm mit dank 10. Steh mit deiner Kraft mir bei, Daß ich, meiner Pflicht getreu, Dir zum Preis und mir zum Glück, Nüze jeden Augenblick. 11. Dann vertausch ich diese Zeit Ruhig mit der Ewigkeit, Finde da vor deinem Thron Meiner Arbeit Gnadenlohn.. Dietrich, g. 1721+ 1797; nach Gellert. Mel. Wer weiß, wie nahe.( Ps. 90, 12. br. 3, 13.) 441. Der letzte Tag von dei-| barem Gemüth Der nahen Stunde wahr,- fie flieht! 2. Getäuscht von tausend Eitel feiten Versäumst du deines Lebens 3wed, Verschiebst dein Heil auf ferne ● F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 293 Zeiten Und wirfft so forglos Jahre| beiner Seele Heil zu sorgen Und suche weg; Und bist du denn, o Sterblicher, Des nächsten Augenblickes Herr? 3. Ein ewig Glück einst zu besitzen, Sollst du die kurze Lebenszeit Als deine Saatzeit weislich nüßen Und thun was dir dein Herr gebeut. Wie ruft er dir so freundlich zu: ,, Nur eins ist noth! was säumeft du?" Gottes Licht und Kraft; Sprich: o mein Gott, ich will allein Mein Leben deinem Dienste weihn! 6. Erleucht und stärke meine Seele, Weil ohne dich sie nichts vermag. Du schenkst, daß ich mein Heil erwähle, Aus Gnaden mir noch diesen Tag. Was ist nicht jede Stunde werth, Die deine Langmuth mir gewährt! 4. Drum eil, errette deine Seele Und denke nicht: ein andermal! Sey wacker, bet und überzähle gen Der Menschentage kleine Zahl; Sep fromm und wandle vor dem Herrn, Wär auch dein Ende noch so fern. 5. Mit jedem neugeschenkten Morgen Erwede dich, gewissenhaft Für 2. In den Zerstreuungsstunden, Die nach der Weltart sind, Holt man oft tiefe Wunden Und wird am Geiste blind. Man fühlt erst in der Stille Und durch der Gnade Zucht, Daß da des Fleisches Wille Die Weide nur gesucht. 3. Herr! zieh mich gleich den Kindern, Die man zu Haus behält, Das Böse zu verhindern, Worein der Leichtsinn fällt; Und bin ich dann 7. Hilf, daß ich in gesunden TaSchon oft zu meinem Grabe geb Und da, bei Frenden und bei Plagen, Auf dich und deine Zukunft seh; Damit ich, meiner Pflicht getreu, Des höhern Lebens fähig sey! Chrift. Fr. Neander, g. 1723 † 1802. Mel. Valet will.( 1 Cor. 15, 33.) aller Zeit das eine, Das gut und selig heißt. 442. in Ausblick in die Ferne| alleine, So lehre mich bein Geist Zu Der lichten Ewigkeit Macht, daß ich Vorsicht lerne In dem Gebrauch der Zeit. Wie bald ist viel verloren! Wie leicht das Heil verscherzt, Das mich, wie andre Thoren, zu spät am Ende schmerzt. 4. Da sag mir von dem Himmel, Wie's dort so herrlich klingt, Und wie das Lustgetümmel Der Welt nur Jammer bringt; So halten mich die Blicke Nach jener Herrlichfeit Von alle dem zurücke Was hier den Weltfinn freut. 5. Bin ich gern in Gedanken Schon jetzt mit dir allein: Wie wohl wirds thun dem Kranken, Wenn er muß einsam seyn! Dann ist mein Herz gewöhnet, Still mit dir umzugehn; Es darf, wohin sichs sehnet, Bu bir gen Hiramel sehn. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769 Mel. Ach wann werd ich dahin.( 1 Cor. 10, 12. Marc. 14, 38.) 443. Wer sich dünken läßt zu Es umschleicht uns wo wir gehen, steben, Hüte wohl sich vor dem Fall! Der Versucher überall. 294 XVII. Christlicher Sinn und Wandel. 2. Sicherheit hat viel' betrogen;| 7. Wohl dem der mit Wachen, Schlaffucht thut ja nimmer gut; Flehen Wandelt auf der schmalen Wen sie täuschend ülberwogen, Der Bahn! Der wird unbeweglich stehen, verlieret Kraft und Muth. Wann der Arge stürmt heran. 8. Selig ist wer seine Lenden Im mer läßt umgürtet seyn, Wer dem Licht in seinen Händen Stets be wahret hellen Schein! 3. Falsche Freiheit bringt Verder ben, Knechtschaft ist ihr sichrer Lohn; Wahre Freiheit zu erwerben, Flehe stets zu Gottes Sohn. 4. Petrus, welcher sich vermessen, Mit dem Herrn in Tod zu gehn, Hat der Warnung kaum vergessen, So muß er in Thränen stehn. 5. Ist der Geist auch noch so willig, Bleibt das Fleisch boch immer schwach; Gibst du nach, so trifft dich billig Deiner Feigheit bittreSchmach. 6. Wohl dem der mit Furcht und Bittern Ringet nach dem Seligseyn, Der ist sicher vor Gewittern, Die auf Sichre schlagen ein. 9. Selig wer mit reinem Dele Seine Lampe früh versieht! Der er rettet seine Seele, Wenn der Bräutigam verzieht. 10. O du Hüter deiner Kinder, Der du schlummerst nicht, noch schläfft, Mache mich zum Ueberwinder! Weh, wenn du mich schlafend träfft! 11. Seyy du Wecker meiner Sinnen, Laß mich stündlich wachsam seyn, Daß ich, wann ich muß von hinnen, Wachend auch mag schlafen ein. Freylinghausens Gesangbuch. Mel. O bu Liebe.( Matth. 24, 42 ac. Luc. 19, 12-24. Eph. 5, 14.) 444. Welche Stund im gan-| mich feine Zeit verschwenden, Hilf mir Seel und Leibeskraft Necht nach deinem Sinn verwenden, Daß mein Pfund stets Wucher schafft. zen Leben Ist wohl, da ich sagen kann:„ Ich darf noch nicht Abschied geben, Jetzt noch kommt mein Herr nicht an?" Herr! drum mache mich 4. Gib mir stündlich reine Triebe, bei Zeiten Mit dem Tode wohl be- Geuß die Lieb im Herzen aus, Mache kannt; Komm, mich selber heimzu- lauter Gegenliebe und rechtschaffnes leiten In mein liebes Vaterland. 2. Hilf mir, daß ich stündlich sterbe, Daß, kommt nun der Ted herbei, Ich im Tode nicht verderbe, Sondern voller Leben sey. Lehr mich alles fliehn und haffen Was uns in dem Tode reut, Nichts hingegen unterlassen Was im Tode noch erfreut. 3. Gib mir stündlich wahre Rene Und den rechten Glaubensgeist; Gib mir auch im Kleinen Trene, Die nur thu was du mich beißst. Laß Wesen draus. Laß mich stündlich wachen, beten, Auf dein Wort des Lebens sehn Und mit festem Muth zertreten Was dir will entgegenstehn. 5. Laß mich, Jesu, nicht verzagen, Wann das letzte Stündlein droht! Komm zu heben, komm zu tragen, Hilf mir fröhlich durch den Tod. Ja dein Geist, den du beschieden, Seyein sichres Pfand in mir; Und so nimm mich, Herr, im Frieden Und in wahrer Treu zu dir. Nach Bogazky, g. 1690 1774. F. Etuzeine Tugenden und Pflichten. e) Demuth und Geduld. Mel. O Gott, du frommer.( 4 Petri 5, 5. 6. Jef. 57, 15.) 445. Hinab geht Chrifti Weg;| 4. Hinab, ihr Händ, hinab! Hier Und du und dein Beginnen Willst aus vermesnem Stolz Bis an des Himmels Zinnen? Steigst ungenülg sam auf? Dein Heiland stieg herab! Wer mit ihm aufwärts will, Muß erst mit ihm hinab. stehen arme Brüder; Neigt euch zur Niedrigkeit Und labet Christi Glieder. Greift nicht in hohe Luft Nach Ruhm und stolzer Hab; Christ that den Aermsten wohl; Darum, ihr Händ, hinab! 2. Darum, mein Sinn, hinab, Verlerne nur dein Steigen! Was leicht ist, hebt sich schnell, Was schwer ist, muß sich beugen. Die Quelle, die sich senkt, Vermehret ihre Hab Und wird zuletzt zum Strom; Darum, mein Sinn, hinab! 3. Hinab, mein Aug, binab! Gott selber schaut hernieder Vom Thron aufs Niedrige; Der Stolz ist ihm zuwider; Je höher hier ein Aug, Je näher ists dem Grab Und sinkt in Todesnacht. Darum, mein Aug, hinab! 295 3. Demuth nimmt sich keine Ehre, Wenn sie noch so vornehm wäre; Merk es jeder eitle Thor! Aber weil 5. Hinab, mein Herz, hinab, So wird Gott in dir wohnen! Die Demuth lohnet er Mit goldnen Himmelskronen; Im Demuthsthale liegt Des heilgen Geistes Gab; O wohl dem, der sie sucht! Darum, mein Herz, hinab! 6. Hinab auch du, mein Leib! Du bist gemacht aus Erden; Durch Demuth sollst auch du Im Geist verkläret werden. O Gott, bereite mich Zum Himmel und zum Grab! Ich sehne mich hinauf, Ich sehne mich hinab! Ingolstetter, g. 1633 † 1711. Mel. Ach was soll ich Sünder.( Röm. 12, 6-16. Col. 3, 12-15. 1 Petri 5, 5.) 446. Trachtet nicht nach hohen| den Herrn fie preiset Und in Liebe Dingen! Nur der Demuth fanns Dienst erweiset, Ziehet er sie doch gelingen, Wenns das ewge Kleinod hervor. gilt; Sie kann vor dem Fall bewahren, In Versuchung und Gefahren Ift sie uns der beste Schild. 2. Demuth kann der Falschheit wehren Und das Sündengift verzeh ren, Das sich noch im Herzen regt; Bis die brüderliche Liebe, Die der Hochmutb machet tribe, 3mmer tiefre Wurzeln schlägt. 4. Was der Hochmuth sonst verhindert, Was die Gluth des Geistes mindert, Das bestegt ihr stiller Muth; Auch im Thun ist sie nicht träge, Darum braucht sie feine Schläge, Wie der Stolz, der wenig thut. 5. Demuth hofft mit frohem Herzen, Ist geduldig bei den Schmerzen; Bleibt zum Beten ungeschwächt; Schicket sich in alle Zeiten, Läßt sich still zum Ende leiten, Weil mit Gott ihr alles recht. 296 6. Demuth pflegt mit tausend Freuden Arme, Nackte zu bekleiden, Dienet ihnen in dem Herrn; Speiset, tränkt, erquickt und labet, Tröstet, schenket und begabet, Wartet, pflegt und herbergt gern. 7. Wenn der Feind verfolgt und fluchet, Segnet ste dafür und suchet, Wie sie nur sein Herz gewinnt; Ist XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Mel. Von Gott will ich.( Ps. 62. Ebr. 10, 36.) 447. Geduld ist euch vonnöthen, Wenn Sorge, Gram und Schmerz, Und was euch mehr will tödten, Euch schneidet in das Herz. D auserwählte Zahl! Soll euch der Tod nicht tödten, Ist euch Geduld vonnöthen Auch in der tiefsten Qual. 2. Geduld ist Gottes Gabe Und seines Geistes Gut, Der schenket ste zur Habe, Sobald er in uns ruht. Der edle, werthe Gast Erlöst uns mit denen welche weinen, Und in Fröhlichkeit erscheinen, In der Liebe gleich gefinnt. 8. Demuth wills mit denen halten Die sich nicht in Setten spalten, Wo der Stolz die Geister treibt. Wollet ihr die Kron erringen, Oso seht vor allen Dingen, Daß ihr bei der De muth bleibt! tet keinen Fall. 4. Geduld ist wohl zufrieden Mit Gottes weisem Rath; Läßt sich nicht leicht ermüden Durch Aufschub seiner Gnad, Hält frisch und fröhlich aus, Läßt sich getroft beschweren Und denkt: ,, wer wills ihm wehren? Ist er doch Herr im Haus!" von dem Zagen Und hilft uns treu- Und läßt sich nimmermehr Von seilich tragen Die allergrößte Last. ner Liebe kehren; Und stäupt er noch 3. Geduld kommt aus dem Glau- so sehr, So ist sie doch bedacht, Des ben Und hängt an Gottes Wort; Heilgen Hand zu loben, Spricht: Das läßt sie sich nicht rauben, Das ,, Gott, der hoch erhoben, hat alles ist ihrHeil und Hort; Das ist ihr hoher wohl gemacht!" Wall, Da hält sie sich geborgen, Läßt 8. Geduld erhält das Leben, VerGott, den Vater, sorgen Und fürchmehrt der Jahre Zahl, Dämpft und 5. Geduld kann lange warten, Vertreibt die lange Weil In Gottes schönem Garten, Durchsucht zu ihrem Heil Das Paradies der Schrift, Und schützt sich früh und späte Mit eifrigem Gebete Bor Schlangenlift und Gift. 6. Geduld thut Gottes Willen, Erfüllet sein Gebot Und weiß sich wohl zu stillen Bei aller Feinde Spott. Es lache, wems beliebt, Wirt sie doch nicht zu Schanden; Es ist bei ihr vorhanden Ein Herz, das nichts drauf gibt. 7. Geduld dient Gott zu Ehren vertreibt daneben Viel Angst und Herzensqual; Ist wie ein schönes Licht, Davon, wer an ihr hanget, Mit Gottes Hülf erlanget Ein fröhlich Angesicht. 9. Geduld ist mein Verlangen Und meines Herzens Lust, Nach der ich oft gegangen; Das ist dir wohl be wußt, Herr, voller Gnad und Huld! Ach gib mir und gewähre Mein Bitten, ich begehre Nichts andres als Geduld. F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 297 10. Geduld ist meine Bitte, Dic| Kommt dann der letzte Zug, So ich sehr oft und viel Aus dieser Lei- gib durch deine Hände Auch ein gebeshütte Zu dir, Herr, schicken will. duldig Ende, So hab ich alles gnug! Gerharb, g. 1606+ 1676. Wiel. Sollt es gleich.( Erh. 4, 1-3. Jak. 5, 7-11.) 448. Wer Geduld und De-| 6. Wenn es ihm nach Wunsch ermuth liebet Und sich denen recht ergiebet, Kann im Glild und Unglücksschein Immer guten Muthes seyn. 2. Er kann unbeweglich sehen Sein Glück hin und wieder gehen, Und ist allemal bereit Zu der gut und bösen Zeit. 3. Wenn das Unglück ihn mit Haufen Und mit Macht will über laufen, Stehet die Geduld ihm bei, Daß er unbeweglich sey. 4. Will ihn dann das Glüd angehet Und er jetzt zum höchsten stehet, Hält die Demuth ihn zurüd, Daß er scheut des Glückes Tülck'. 7. Will ihn alle Welt betrüben Und kein Mensch ihn herzlich lieben, Gibt den Troft ihm die Geduld, Daß er baran ohne Schuld. 8. Sißet er in hohen Würden, Ist von allen Kreuzesbürden Ganz erledigt, los und frei, Ist die Demuth doch dabei. Demuth ist für Sicherheit, Die Geduld für Traurigkeit. 9. Die Geduld verjagt basTrauern, lachen und ihn gar zu muthig ma- Demuth wehrt dem Glückeslauern, chen, Hält ihn Demuth zu der Erd, Daß er nicht hochmüthig werd, 5. Will sein Thun gar nicht be stehen Noch nach seinem Kopfe gehen, Faffet die Geduld ihn an, Daß er alles leiden taun. 10. Drum hab ich auch ausersehen, Mit den beiden umzugehen, Weil die Demuth mich ergößt, Und Geduld in Ruhe setzt. Anton Ulric, Herzog von Braunschweig- Lüneburg, g. 1633 † 1714. Mel. Nun ruhen alle.( 1 Mos. 32, 10. 1 Cor. 4, 7.) 449. Was ich nur Gutes ha| ge, Wie's deiner Weisheit wohlgebe, Ist deine milde Gabe, Du Ba| fällt. ter alles Lichts! Mein Daseyn und mein Leben Ward mir von dir gegeben, und ohne dich vermag ich nichts. 2. Sowohl Verstand als Kräfte 3u nützlichem Geschäfte Hab ich aus beiner Huld. Dein ists, wenn gute Thaten Demn Borsatz wohl gerathen; Ich bin allein an Fehlern schuld. 4. Sollt ich mich denn erheben, Wenn mir in diesem Leben Viel Gutes widerfährt? Was hat dich, Herr, bewogen, Daß du mich vor. gezogen? Bin ich auch jemals dessen werth? 3. Das Glütc, deß ich mich freue, Schaffst du nach deiner Treue, Du Herr der ganzen Welt! Du ordnest unsre Tage, Ihr Glück und ihre Pla5. Ich bin viel zu geringe Der Huld, Herr aller Dinge, Die du mir stets erzeigt; O laß michs nie vergessen, Wann sich mein Herz vermessen Zum Stolz und Eigendünkel neigt! 298 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. 6. Das nütlich anzuwenden Was| Das sey mein Fleiß auf Erden; du mit Vaterhänden Mir gütig zu- Dazu gib Demuth und Verstand. gewandt, Gehorsam dir zu werden, Gellert, g. 1715+ 1769. d) Wahrhaftigkeit.( Eid.) Mel. Ewigkeit, bu.( Ps. 139, 4. Matth. 5, 57. 10, 28.) 450. Gott! der du Herzensten-| 4. Gott! wann du nicht mein Gott ner bist! Herr! dem die Falschheit mehr bist, Dein Sohn nicht mehr Greuel ist, Und jede Lüg Verbrechen, mein Heiland ist, Dein Himmel Kein Wort spricht je ein falscher nicht mein Erbe; Wann mich beim Mund, Das bir, Allwissender, nicht Leiden dieser Zeit kein Trost vom kund; Du, Heiliger, wirsts rächen! Himmel mehr erfreut, Kein Trost Laß jederzeit mein Ja und Nein, mehr, wann ich sterbe; Wann Gott Wie's Christen ziemt, aufrichtig seyn. und Jesus nicht mehr mein: Dann besser, nie geboren seyn! 2. Und wann ich schwörend vor dir steh, Dir in dein heilig Antlitz 5. Nein, Ehre nicht, nicht Gut und seh, Die Hand zum Himmel hebe, Geld, Kein Fürstenthum und keine Wann ich zum Zeugen feierlich An- Welt Soll mich so weit verführen! rufe, Hocherhabner, dich, Durch den ich bin und lebe: Dann sey von Trug und Heuchelei Mein Herz und meine Zunge frei! Um alle Leiden dieser Zeit Will ich doch Gott und Seligkeit Muthwillig nicht verlieren. Wie klein mein Glück auch immer sey: Nur Gott und reines Herz dabei! 3. Wann Frevler dich auch da noch schmähn Und frech mit Lügen vor dir stehn, Dann laß mein Herz erschrecken! Weh dem der Gott und Gottes Macht Zum Siegel seiner Bosheit macht, Sie vor der Welt zu decken! Herz, schau den Gott mit Zittern an, Der Seel und Leib ver derben kann! 6. Gott! lehre mich bei jedem Eid Aus Furcht vor deiner Heiligkeit Die Wahrheit pünktlich sprechen. Beschwör ich heilig Amt und Pflicht, So laß mich auch im kleinsten nicht Die theure Zusag brechen! Auch dir, Gott, schwur ich treu zu seyn: Erhalt mich ewig, ewig dein! Bidet, g. 1737 † 1809. Mel. Herzlich thut.( Eph. 4, 25. 1 Petri 3, 10. 11.) 451. Wohl dem der richtig| 2. Wohl dem der Lügen baffet, wandelt, Der als ein Wahrheitsfreund In Wort und Werken handelt Und das ist was er scheint; Der Recht und Tréne liebet Und von dem Sinn der Welt, Die Trug und Falschheit übet, Sich unbefleckt er hält! Und der, so oft er spricht, So seine Reden fasset, Daß er die Wahrheit nicht mit Vorbedacht verletzet, Und der an jedem Ort Sich dieß vor Augen setzet: Gott merkt auf jedes Wort!" 3. Wohl ihn, daß sein Gemüthe, F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 299 Herr, deine Rechte übt! Ihn leitet| deiner Weisheit Licht, Herr, meine deine Güte, Er wird von dir geliebt; Du wirst ihn einft erhöhen, Wann bei der Wahrheit Licht Beschämt bie Falschen stehen, Geschreckt durch dein Bericht. Seele leiten, Damit ich meine Pflicht Mit Klugheit üb' und wisse, Wann ich für andrer Wohl Und für mich reden müsse, Und wann ich schweigen soll. 7. Wenn je mich zu bedrücken Des Feindes Anschlag gilt, Der sich bei bösen Tücken In guten Schein verhüllt, So stärke meine Seele, Daß sie nicht unterliegt, Und alles vir befehle, Durch den die Unschuld siegt. 8. Ein Herz voll Treu und Glauben, Das, Gott, zu dir sich hält, Das soll mir niemand rauben! So kann ich aus der Welt Einst mit der Hoffnung gehen: Ich werde als dein Kind Dich mit den Frommen sehen, Die reines Herzens find. Bruhn, g. 1727 † 1782. 4. Herr! drücke dieß im Leben Mir tief ins Herz hinein, Damit ich möge streben, Der Lügen Feind zu seyn. Erinnte mein Gewissen: Du haffest Heuchelei, Damit ich stets beslisfen Der Treu und Wahrheit sey. 5. O laß mich nichts versprechen, Was ich nicht halten kann, Zusagen mich nie brechen, Die ich mit Recht gethan; Nie mich den Stolz verleiten Und nie des Beispiels Macht, Als Wahrheit auszubreiten Was ich doch selbst erdacht. 6. Doch laß zu allen Zeiten Auch e) Genügsamkeit. Mel. Alles ist an.( Phil. 4, 6. 1 Tim. 6, 6-11. 17 2c.) 452. Nur für dieses Leben sør- nicht Sorgen mich verstricken Und gen, Machet keinen guten Morgen, Aber manche böse Nacht! Nur um jenes Leben sorgen, Bringt einst einen frohen Morgen, Wann man aus dem Grab erwacht. des Wortes Frucht ersticken, Sage mir: ,, der Herr ist nah!" 4. Reich an guten Werken werden, Das sey mein Gesuch auf Erden; Andre Sorgen taugen nichts! Laß in sehnlichem Verlangen Mich mit ganzem Herzen hangen An dem Erbtheil jeres Lichts! 2. Mein Gott! fehlt es mir an Gaben, Wünsch ich dieß und das zu haben: Lehr mich ohne Kummer seyn; Lehr mich, dir in Kindesbitten, 5. Da ist Neichthum, der recht Mein Verlangen auszuschütten, wichtig, Da ist Leben, das nicht flüchDenn du hörst und hilfst allein. tig; Jesu, dahin ziehe mich! Um die 3. Lehr mich, ohne ängstlich Kla- Güter jenes Lebens Ist das Ringen gen Dir vergnügten Dank zu sagen nicht vergebens, Unt dieFrucht wa Schon für das was wirklich da. Daß ewiglich. Bh. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Auf, Chriftenmensch.( 1 Tim. 6, 6-10. Matth. 6, 33.) 453. Wohl dem der befre| den! Wohl dem der sich mit Eifer Schätze liebt, Als Schätze dieser Er übt, An Tugend reich zu werden; 300 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Und in dem Glauben, deß er lebt,| 7. Dein durch den Geiz verhürtet Sich über diese Welt erhebt! Herz Schmeckt nie des Wohlthuns Freuden; Denn dich rührt keines andern Schmerz Und feines Armen Leiden; Und wo ist eines Standes Pflicht, Die nicht der Geiz entehrt und bricht? 8. Du bist ein Vater: und aus Geiz Entziehst du dich den Kindern Und läsfest dich des Goldes Reiz, Ihr Herz zu bilden, hindern, Und glaubst, du habst sie wohlbedacht, Wenn du fie reich wie dich gemacht. 2. Gott wehret seinen Kindern nicht, Hier Gilter zu besitzen. Er gab sie uns, doch auch die Pflicht, Mit Weisheit sie zu nützen; Sie dürfen unser Herz erfreun Und unsers Fleißes Antrieb seyn. ( Matth. 8, 19 ic.) 3. Doch nach den Gütern dieser Beit Mit ganzer Seele schmachten, Nicht erst nach der Gerechtigkeit Und Gottes Reiche trachten, Ist dieses eines Menschen Ruf, Den Gott zur Ewigkeit erschuf? 4. Der Geiz erniedrigt unser Herz, Erstickt die edlern Triebe; Die Liebe für ein schimmernd Erz Verdrängt der Tugend Liebe Und machet der Vernunft zum Spott Ein elend Gold zu deinem Gott. 5. Der Geiz, so viel er an sich reißt, Läßt dich kein Gut genießen; Er quält durch Habsucht deinen Geist Und tödtet dein Gewissen, Und reißt durch schmeichelnden Gewinn Dich blind zu jedem Frevel hin. 6. Um wenig Bortheil wird er schon Aus dir mit Meineid sprechen; Dich zwingen, der Arbeiter Lohn Unmenschlich abzubrechen; Er wird in dir der Wittwen Flehn, Der Waisen Thränen widerstehn. 9. Du haft ein richterliches Amt: Und du wirft dich erfrechen, Die Sache, die das Recht verdammt, Aus Habsucht recht zu sprechen; Und felbft der Eugend größter Feind Er kauft an dir sich einen Freund. 10. Gewinnsucht raubt dir Muth und Geist, Die Wahrheit frei zu lehren; Du schweigst, wenn sie dich reden heißt, Ehrst, wen du nicht sollst ehren Und wirst um ein verächtlich Geld Ein Schmeichler und die Pest der Welt. 11. Erhalte mich, o Gott, dabei, Daß ich mir gnügen laffe, Geiz ewig, als Abgötterei, Bon mir entfern und hasse! Ein weises Herz und guter Muth Sey meines Lebens größtes Gut! Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. Singen wir aus Herzensgrund.( Sprüche 30, 7-9.) 454. 3weierlei bitt ich von dir,| 2. Gib, daß ferne von mir sey LitZweierlei trag ich dir für, Dir, der alles reichlich gibt Was uns dient und dir beliebt; Gib mein Bitten, das du weißst, Eh ich sterb und sich mein Geist Aus des Leibes Banden reißt. gen und Abgötterei; Armuth ohne Troft und Licht, Und viel Reichthum gib mir nicht; Allzuarm und allzureich Jst nicht gut, ftürzt beides gleich Unsre Seel ins Sündenreich. 3. Laß mich aber, o mein Heil, F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 301 Nehmen mein bescheiden Theil Und| Und die Armuth wird zu groß, Wird beschere mir nach Noth Hier und beut mein täglich Brod. Auch ein wenig, da der Muth Und ein gut Gewissen ruht, Ist fürwahr ein großes Gut! es untreu leicht und stellt Nach des Nächsten Gut und Geld, Thut Gewalt, braucht Ränk' und List, Wirlet Schaden, stiftet 3wift, Fraget nicht, was christlich ist. 4. Denn sonst möcht im Ueberfluß Ich empfinden Ueberdruß. Dich verleugnen, dir zum Spott Fragen: Wer ist Herr und Gott?" Denn das Herz ist Frechheit voll, Weiß oft nicht, wann ihm ist wohl, Wie es sich erheben soll. 5. Wiederum, wanns stehet bloß Mel. Ach was soll ich Sünder.( Luc. 12, 15-21. Philipp. 4, 12. 13.) 455. Wenn ich mir auf viele| 3. Lehr mich bei den Nebengaben Jahre Einen großen Vorrath spare, Weß wird seyn mein Ueberfluß, Da ich soll gesammelt werden In ein Näumlein fühler Erden Und in turzem sterben muß? Mangel oder übrig haben, Satt seyn over hungrig seyn. Jesus hat uns mehr erworben: Was am Kreuz uns anerstorben, Bleibt im Sterben uns allein. 6. Ach mein Gott, mein Schat, mein Licht! Dieses beides ziemt mir nicht; Beides schändet deine Ehr, Beides stürzt ins Jammermeer; Drum so gib mir Füll und Hüll, nicht zu wenig, nicht zu viel, Also, wie dein Herze will. Gerhard, g. 1606 † 1676. 2. Herr! bewahr mich vor den Stricken, Wenn der Geiz mich will berücken; Das was da ist, sey gemug! Gib mir Vorsicht auf mein Scheiden Und mach auf die Ewigkeiten Mich durch deine Gnade flug. 4. Könnte man die Welt gewinnen, Führe dennoch arm von hinnen Wer nicht Theil am Himmel hat; Wer sich reich in Christo glaubet, Dem wird nichts im Tod geraubet: Nichts als Gott macht ewig satt! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Aus tiefer Noth schret.( Ps. 127, 2. Matth. 16, 26.) So weißest du als Bater wohl, Obs deinen Kindern nüße. 456. Ach treuer Gott! ich ruf| Wenn uns ein mehrer's werden soll, zu dir: Hilf, daß mich nicht bethöre Die böse Luft, die strebt in mir Nach Reichthum, Pracht und Ehre. Gib, daß ich an dein Wort mich halt Und dadurch jede Lockung bald In deiner Kraft besiege. 3. Wer wenig hat und das mit Recht, kann deine Huld behalten; Er bleibt in Demuth, recht und schlecht und läßt dich ferner walten. Sein weniges gedeiht ihm mehr, Als reicher Sünder Gut und Ehr, So sie mit Unrecht haben. 4. Ein Trost, der nur anf 2. Du, der den Thieren Nahrung schafft Und Futter gibt den Raben, Du läßst auch mich durch deine Kraft Trank, Brod und Kleidung haben. 302 XVII. Chriftlicher Sinn und Wandel. Reichthum steht, Wird unverhofft zu| niemals auf im Rauch Und sind in Schanden, Und wann es an das Gott gesichert auch Vor Dieben, Rost Scheiden geht, Dann ist erst Noth und Motten. vorhanden; Denn Geld und Gut errettet nicht Von Gottes ewigem Ge richt, Das einst die Sünder schrecket. 5. Ach, meine Seel kann ihre Ruh Im Zeitlichen nicht finden; Was ich da vornehm' oder thu, Muß wie ein Rauch verschwinden. Unsterblich ist die Seel; es muß Unsterblich seyn was ohn' Verdruß Sie soll mit Freude laben. 6. Drum selig wer sein Herz erhebt Gen Himmel von der Erde, Damit er reich, so lang er lebt, An ewgen Schäßen werde; Die fliegen glaubt; Ich will mich stillen: Mir fällt kein Haar vom Haupt Ohn Gottes Willen. In Jesu hab ich hier Das beste Leben; Und sterb ich, wird er mir Ein besres geben. Mel. Wer Jesum bei fich hat.( Hiob 1, 21.) 457. Es jammre, wer nicht| 3. Es zage, wer nicht hofft; 34 will mich fassen, Gott hat michs schon so oft Erfahren laffen: Er hört Gebet in Noth, Wann sie am größten; Sein Geist kann auch im Tod Mit Jesu trösten. 4. So wein' ich, wenn ich wein', Doch noch mit Loben; Das Loben schickt sich fein Bei solchen Proben. Man kann den Kummer sich vom Herzen singen. Nur Jesus frenet mich; Er hilft vollbringen. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. 2. Es sorge, wer nicht traut; Mir soll genügen: Wofür mir jetzo grant, Das wird Gott fügen. Er weiß, was nöthig sey, So mag er sorgen; Mir ist des Vaters Treu Auch nicht verborgen. 7. O höchstes Gut, sey hier und bort Mir Reichthum, Luft und Ehre! Gib, daß in mir sich fort und fort Das Sehnen nach dir mehre, Daß ich dich stets vor Augen hab, Mir selbst und Allem sterbe ab Was mich von dir will ziehen. 8. Hilf, daß ich meinen Wandel führ Bei dir im Himmel oben, Wo ich werd ewig seyn bei dir, Dich schauen und dich loben; So kann mein Herz zufrieden seyn Und findet, Gott, in dir allein Die wahre Ruh und Freude. Nach Denike, g. 1603+ 1680. gütig, Darum bitt ich dich demüthig: Bater! laß mich auf mein Flehn Deiner Gnade Beistand sehn; Laß mich nicht in Missethaten, Auch in Schlemmen nicht gerathen, Ach behüte immerhin Mich vor unverschämtem Sinn! f) Mäßigkeit und Keuschheit. Mel. Folget mir, ruft.( Sir. 23, 4 2c. Sprüche 23, 30.) 458. Gott! bu bist alleine| 2. Gib mir, denn du kannst es geben, Luft, in Mäßigkeit zu leben, Daß doch nie durch Böllerei Mein Gebet verhindert sey. Trunkenheit verderbt die Gaben, Die wir zur Erquicung haben, die kein Mensch des Leichtsinns voll Jämmerlich mißbrauchen soll. F. Einzelne Tugenden und Pflichten. 3. Alle Weisheit wird ersticket,| 5. Da wird böser Nath beschlossen, Sinn und Denken unterbrücket, Gut und Ehre wird verheert, Leib und Seele wird zerstört; Dein Geist, welcher Fromme liebet, Wird vertrieben, wird betrübet, Und dein schwerer Zorn erweckt, Der den Arm zur Strafe reckt; Del zur Wollustgluth gegosfen; Ja wer ist, der recht beschreibt, Was man da für Bosheit treibt? Laß mich, Vater, völlig sehen, Was für Lafter draus entstehen, Daß mir ja die Schwelgerei Lebenslang zuwidersey! 6. Laß mit Nüchternheit und Beten Und mit Dank mich vor dich treten, Daß mein Leib mitsamt dem Geist Dein gefällig Opfer heißt; So daß ihrer beider Gaben Täglich neues Wachsthum haben, Und zu dir, o höchstes Gut, Aufsteig eine reine Gluth. Nach Ph. Fr.Hiller, g. 1699+ 1769. 4. Lust zur Arbeit wird gemindert, Alle Munterkeit verhindert, Alles Nöthige verfäumt, Schand und Läst rung ausgeschäumt; Ernst und Vorsa liegt erstorben, Alles Gute wird verdorben, Und der Seele Kraft verzehrt, Wenn uns Böllerei beschwert. Mel. Vater unser.( Sir. 23, 4 xc. 1 Cor. 6, 19 2c. 3, 17.) Gott, der du mein Ba-| Und wann die Gluth hat ausge flammt, Das Herz verzagt macht und verdammt. 5. Entzeuch dem allem mein Geficht Was gegen deine Liebe spricht; Die sey mein Schutz! durch deine Hand Thu Aergernissen Widerstand; Schließ meine Sinnen selber zu, Versetze mich in heilge Ruh 459. ter bist Und schenkest was mir nöthig ist! Mein Leben steht in deiner Hand, Mein Odem ist dein Gnadenpfand; Du liebtest mich in deinem Sinn, Bevor ich etwas worden bin. 303 2. Wend ab was meinem Fleisch beliebt Und mir ein falsch Vergnügen gibt; Behüte mich vor schnöder Lust, Reiß die Gedanken aus der Bruft, Die unrein sind und feurig stehu, So bald die Augen irre gehn. 3. Vertilg in mir der Unzucht Gift, Das andre Laster übertrifft! Wer irgend fündigt, feblet sehr, Doch Wollust sündigt zwiefach mehr, Denn sie macht unfern Leib gemein, Der doch dein Tempel sollte seyn! 4. Wach über mich bei Tag und Nacht und hintertreib des Feindes Macht, Der Ehrbarkeit und keusche Zucht Durch böse Luft zu fällen sucht, 6. Laß, Herr, mich deine Wohnung seyn; Mach meine Seele völlig rein; Die Glieder im Bersuchungsstreit Zu Waffen der Gerechtigkeit; Führ du an meiner Statt den Krieg Und gib mir den erwünschten Sieg. 7. Wenn deine Furcht den Wandel zähmt, So ist an mir nichts unverschämt: Ein freches Auge weichet fort, Dem Ohr gefällt kein unrein Wort, Der Mund spricht nichts was schandbar heißt: Das wirk in mir durch deinen Geist! E. Lange, g. 1650+ 1727. Mel. Werde munter.( 1 Cor. 6, 15-20. Matth. 5, 8.) 460. Heilger Gott, der du be-| Schen, Der du haffest und verwehgebrest Keuschheit, Zucht und fromme rest Schnöde Lust und Schwelgerei! 304 XVIII. Troflieder. Ach, ich fleh durch Jesum Christ,| Licht; Der kann nicht vor ihm beDer der Seelen Heiland ist: Mache mich ihm gleich gefinnet, Was der Weltsinn auch beginnet! stehen, Dem die Reinigkeit gebricht. Soll mich nun der helle Schein Deines Angesichts erfreun, Herr, so reinge Geist und Glieder, Mach mir böse Lust zuwider! 6. Gottes Geift wird schon betrü bet Durch ein einzig schandbar Wort, Und wer sich in Lüsten übet, Treibt ihn völlig von sich fort. Wollust machet Sorg und Gram, Bringet une in Schand und Scham; Die in sol chen Sünden sterben, können nie dein Reich ererben. 2. Tilg in mir die schnöden Triebe, Tödte das verderbte Fleisch; Gib mir deine Furcht und Liebe, Dadurch mach mich rein und feusch. Unterbrich der Lüfte Lauf, Zieh mein Herz zu dir hinauf, Daß es nicht am Eitlen tlebe, Sich der Wollust nicht ergebe. 3. Meine Seel ist deinem Bilde Gleichgemacht und hochgeschäßt; Dein Sohn hat für sie voll Milde Einst sein Leben eingesetzt. Drum, o Bater, wär ich ja Mir nur selbst zum Fluche da, Wenn ich unkensch leben wollte Und dein Bild so schänden sollte! 4. Christus wohnet durch den Glauben Selbst i mir; sein heilgerten Sündlichen Gelegenheiten. Geift Lässet sich mein Herz nicht rauben, Das er seinen Tempel heißt. Darum steht er mir auch bei, Daß sein Tempel heilig sey, Daß ich ihm, an Seel und Leibe Keusch und rein, geheiligt bleibe. 8. Tödte meines Fleisches Triebe Und was sonst mein Herz befleckt, Weil dein Sohn am Kreuz voll Liebe Qual und Tod für mich geschmeckt. Treib die Lütste ganz von mir, Daß ich Leib und Seele dir Als dein Hei ligthum bewahre Und zu dir im Frie den fahre. Fr. Fabricius, g. 1642+ 1703. 5. Wer nicht rein, kann Gott nicht sehen, Denn Gott ist das reinste 7. Darum, Herr der reinen Schaa. ren, Laß mir deines Geistes Kraft Und die Gnade widerfahren, Die em reines Herze schafft. Sey du meines Herzens Gast, Mach die Sünde mir verhaßt; Auch entziehe mich bei Zei XVIII. Trostlieder. Eigene Mel.( 5 Mof. 32, 4. 2 Mos. 15, 26. Pf. 68, 20.) 461. Was Gott thut, das ist| gethan! Er kann mich nicht betrilgen; Er führet mich auf rechter Bahn; So lasf' ich mir genügen An feiner Huld Und hab Geduld; Er wird mein Unglück wenden, Es steht in seinen Händen. 3. Was Gott thut, das ist wohl gethan! Er wird nicht von mir wohlgethan! Es bleibt gerecht sein Wille; Wie er fängt meine Sachen an, Will ich ihm halten stille; Er ist mein Gott, Der in der Noth Mich wohl weiß zu erhalten, Drum laff' ich ihn nur walten. 2. Was Gott thut, das ist wohl XVIII. Troflieder. weichen Und als ein Arzt der helfen tann, Den Trank des Heils mir reichen Zur Arzenei: Gott ist getreu! Drum will ich auf ihn bauen Und seiner Güte trauen.( Ps. 116, 13.) 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Er ist mein Licht und Leben, Der mir nichts böses gönnen kann; Ich will mich ihm ergeben In Freud und Leid; Es kommt die Zeit, Da öffentlich erscheinet, Wie treulich er es meinet. 5. Was Gott thut, das ist wohl 305 | gethan! Muß ich den Kelch gleich schmecken ,, Der bitter ist nach meinem Wahn, Laff' ich mich doch nicht schrecken, Weil doch zuletzt Ich werd ergötzt Mit süßem Trost im Herzen, Da weichen alle Schmerzen. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Dabei will ich verbleiben! Es mag mich auf die rauhe Bahn Noth, Tod und Elend treiben: So wird Gott mich Ganz väterlich In seinen Armen halten: Drum laff' ich ihn nur walten. Rovigast, g. 1649 † 1708. Eigene Wiel.( Nöm. 8, 28-39.) 462. Warum sollt ich mich| schärft mit Maßen, Sein Gericht, denn grämen? Hab ich doch Christum noch, Wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, Den mir schon Gottes Sohn Beigelegt im Glauben? Kann mich nicht Ganz und gar verlaffen. 6. Satan, Welt und ihre Rotten Können mir Nichts mehr hier Thun, als meiner spotten. Laß sie spotten, laß sie lachen; Gott, mein Heil, Wird in Eil Sie zu Schanden machen. 2. Nichts hab ich hieher genommen, Da ich klein Bin herein In die Welt gekommen. Nichts wird einft auch mit mir ziehen, Wann ich werd von der Erd Wie ein Schatten fliehen. 3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben Ist nicht mein, Gott allein Ist es, ders gegeben; Will ers wieder zu sich kehren, Nehm ers hin; Ich will ihn Dennoch fröhlich ehren. ( Piob 1, 21.) 4. Schickt er mir ein Krenz zu tragen, Dringt herein Angst und Pein, Sollt ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden; Er weiß wohl, Wie er soll All mein Unglüd 7. Unverzagt und ohne Grauen Soll ein Chrift, Wo er ist, Stets sich lassen schauen; Wollt ihn auch der Tod aufreiben, Soll der Muth Dennoch gut Und fein stille bleiben. 8. Kann doch selbst kein Tod uns tödten, Sondern reißt Unsern Geist Aus viel tausend Nöthen, Schleußt das Thor der bittern Leiden Und macht Bahn, Daß man kann Gehn zu Himmelsfreuden. enden. 9. Allda will in süßen Schäßen Ich mein Herz Auf den Schmerz Ewiglich ergößen. Hier ist kein recht Gut zu finden! Was die Welt In sich hält, Muß wie Rauch verschwinden. 10. Was sind dieses Lebens GüEine Hand Voller Sand, 20 5. Gott hat mich in guten Tagen Oft ergött; Sollt ich jetzt Nicht auch etwas tragen? Fromm ist Gott und ter? Evangelisches Gesangbuch. XVIII. Crostlieder. Kummer der Gemüther! Dort, dort| Und dein Blut Mir zu gut In den sind die edlen Gaben Da mein Hirt, Tod gegeben; Christus, wird Mich ohn Ende laben. 12. Du bist mein, weil ich dich 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller fasse Und dich nicht, O mein Licht, Freuden! Du bist mein, Ich bin aus dem Herzen lasse. Laß mich, dein, Niemand kann uns scheiden: laß mich hingelangen, Da du mich Ich bin dein, weil du dein Leben Und ich dich Ewig werd umfangen! Gerhard, g. 1606 † 1676. 306 Mel. Jesu, meine.( Pf. 62, 73, 23 2c. Sef. 30, 15. Joh. 10, 27 zc.) 463. Meine Seel ist stille 3u| 4. Gottes Güt erwäge Meine Seel, und lege Dich in seinen Schooß; Lerne ihm vertrauen, So wirst du bald schauen, Wie die Ruh so groß, Die da fleußt Aus stillem Geift: Wer sich weiß in Gott zu schicken, Den tann er erquicken. Gott, deffen Wille Mir zu helfen steht. Mein Herz ist vergnüget Mit dem was Gott füget, Nimmts an, wie es geht. Geht die Bahn Nur himmelan, Und bleibt Jesus unge schieden, So bin ich zufrieden. 2. Meine Seele hanget An dir und verlanget, Gott, bei dir zu seyn, Will dich wirken lassen, Will nur dich umfaffen, Nur in dir sich freu'n; Von der Welt, Ehr, Luft und Geld, Dessen viele so befliffen, mag ste nichts mehr wisfen. 3. Nein, ach nein! nur einer Sag' ich, und sonst keiner Wird von mir geliebt: Jesus, der Getreue, In dem ich mich frene, Der sich ganz mir gibt! Er allein, Er soll es seyn, Dem ich wieder mich ergebe, Dem ich einzig lebe! 5. Still, o meine Seele! Was dich immer quäle, Sent in Jesu Bruft. Werde stark durch Hoffen; Was dich je betroffen, Trage du mit Luft; Fasse dich Ganz inniglich Durch Ge duld und Glauben feste: Endlich fommt das Beste! 6. Amen, es geschiehet! Wer zu Jesu fliehet, Wird deß Zeuge seyn: Wie Gott seinen Kindern Pflegt das Kreuz zu lindern Und ein froh Ge deihn Aufbewahrt, Bis, wer da harrt, Endlich aus dem schweren Leide Uebergeht in Freude. Schade, g. 1666+ 1698. Eigene Mel.( Ebr. 12, 5-7. Pf. 42, 12. 126, 5. 6.) 464. Schwing dich auf zu dei-| 2. Auf, ermanne dich und sprich: nem Gott, Du betrübte Seele! Warum liegst du, Gott zum Spott, In der Schwermuthshöhle? Merkst du nicht des Feindes Lift? Er will durch sein Kämpfen Deinen Trost, den Jesus Christ Dir erworben, dämpfen. Fleuch, du alte Schlange! Was erneust du deinen Stich, Machst mir angst und bange? Ist dir doch der Kopf zerknickt, und ich bin durchs Leiben Meines Heilands hingerlidt In den Saal der Freuden! 3. Hab ich was nicht recht gethau, XVIII. Croftlieder. 307 Ist mirs leid von Herzen, Dafür| kommt es doch Bon geliebten Hännehm ich gläubig an Christi Blut den; Schnell zerbricht des Kreuzes und Schmerzen; Denn das ist das Joch, Wenn es Gott will wenden. Lösegeld Meiner Missethaten, Da- 8. Kinder, die der Vater soll durch ist der ganzen Welt Und auch Ziehn zu allem Guten, Die gemir gerathen. rathen selten wohl Ohne Zucht und Ruthen. Bin ich denn nun Gottes Kind, Warum will ich fliehen, Wenn er mich von meiner Sünd Will aufs Gute ziehen? 9. Es ist herzlich gut gemeint Mit der Christen Plagen: Wer hier zeitlich wohl geweint, Darf nicht ewig klagen; Wem das Kreuz hier recht bewußt, Hat in Gottes Garten Ewiglich vollkommne Lust Endlich zu gewarten. 4. Stürme, Feind und Welt und Tod! Was könnt ihr mir schaden? Deckt mich doch in meiner Noth Gott mit seinen Gnaden, Der Gott, der mir seinen Sohn Selbst geschenkt aus Liebe, Daß nicht ewig Spott und Hohn Dort mich einst betrübe. ( Röm. 8, 31 c.) 5. Was ist unterm Himmelszelt, Was im tiefsten Meere, Was ist Gutes in der Welt, Das nicht mir gut wäre? Wem erglänzt das Sonnenlicht? Wozu ist gegeben Luft und Wasser? dient es nicht mir und meinem Leben? 6. Meine Seele lebt in mir Durch bie süßen Lehren, So die Christen mit Begier Alle Tage hören. Gott eröffnet früh und spat Meinen Geist und Sinne, Daß sie seines Geistes Gnad Freudig werden inne. 7. Ich bin Gottes, Gott ist mein! Wer ist, der uns scheide? Dringt das liebe Kreuz herein Mit dem bittern Leide, Laß es dringen: - 10. Gottes Kinder säen zwar Traurig und mit Thränen, Aber endlich bringt das Jahr Wonach sie sich sehnen. Ja, es kommt die Erntezeit, Da sie Garben machen; Da wird all ihr Gram und Leid Lauter Freud und Lachen! 11. Ei so faß, o Christenherz Alle deine Schmerzen, Wirf ste fröhlich hinterwärts, Laß des Trostes Kerzen Dich erleuchten mehr und mehr! Gib dem großen Namen Deines Gottes Preis und Ehr: Er wird helfen! Amen. Gerhard, g. 1606 † 1676. Mel. Nun laßt uns Gott, den.( Matth. 6, 25. Jef. 30, 15.) 465. Ich will nicht alle Mor| Nicht durchs Gebet erzwingen; Es gen Mein Herz mit schweren Sor gen Und kummervollem Zagen Zu Gottes Unehr plagen. läßt sich nicht erlaufen, Nicht durchs Geschenk erkaufen. 2. Es ist ihm größre Ehre, Wenn Ich dem Kummer wehre Und ruhig im Gemüthe Mich tröste seiner Güte. 3. Es läßt sich nicht erringen, 4. Beim Glauben, Warten, Hoffen Steht uns der Himmel offen, Die ganze Gottesfülle Genießt man in der Stille. 5. Sieh, wie in deinem Garten 308 XVIII. Croßlieder. Die Blumen ruhig warten, Der| Nimmt an was Gott beschieden, Sonne stille halten Und so sich froh entfalten: Und geht auf Pilgerwegen Dem frohen Ziel entgegen. 9. Ach wären wir dort oben Daß wir ihn könnten loben Mit den verklärten Zungen, Mehr als wir hier gesungen! 10. Doch wollen wir uns rüsten Im Geist mit frommen Christen, Daß uns sein Lob auf Erden Das füßste möge werden. Hosch, g. 1750+ 1811. 6. So wächst man in der Liebe Durch sanfte Glaubenstriebe, Wird stark in Gottes Frieden Und darf sich nicht ermüden. 7. Des Geistes Gottes Treiben Lehrt uns bei Christo bleiben, Gott herzhaft Vater nennen Und immer beffer tenuen. 8. So geht man hin im Frieden, Eigene Mel.( Pf. 25, 1-6.) 466. Sollt es gleich bisweilen| Schwer sey auch des Kreuzes Joch: Gott, mein Bater, lebet noch! scheinen, Als wenn Gott verließ' die seinen, O so glaub und weiß ich dieß: Gott hilft endlich noch gewiß! 2. Hülfe, die er aufgeschoben, Hat er drum nicht aufgehoben; Hilft er nicht zu jeder Frist, Hilft er bech, wann's nöthig ist. 3. Gleich wie Bäter nicht bald geben Wonach ihre Kinder streben, So hält Gott auch Maß und Ziel, Er gibt wie und wann er will. 4. Seiner kann ich mich getrösten, Wann die Noth am allergrößten; Er ist gegen seinem Kind Mehr als väterlich gefinnt. 6. Laß die Welt nur immer neiben; Will sie mich nicht länger lei den, Ei so frag ich nichts danach, Gott ist Nichter meiner Sach! 7. Will sie mich gleich von sich treiben, Muß mir doch der Himmel bleiben; Der ist, nimmt sie alles hin, Mir der seligste Gewinn. 8. Was die Welt liebt, will ich haffen, Ihr gern alles eitle laffen; Dafür, Trotz sey ihrem Spott, Wähl ich mir nur meinen Gott. 9. Ach Herr, wenn ich dich nur habe, Frag ich nichts nach andrer Gabe; Legt man mich gleich in das Grab, Ach Herr, wenn ich dich nur Chr. Titius, g. 1641 † 1703. 5. Will mir Satan bange machen, Ich kann seine Macht verlachen. hab! Mel. Was Gott thut.( Mal. 3, 16-18. 1 Petr. 3, 12. Jer. 31, 3.) 467. Gott lebt! wie kann ich| 2. Gott hört, wenn niemand hören will! Wie sollt ich bange sorgen: Mein Seufzen dringe nicht zum Ziel Und sey vor Gott verbor gen? Ruf ich empor, So hört sein Ohr, So steigt die Hülfe nieder Und schallt das Amen wieder. traurig seyn, Als wär kein Gott zu finden? Er weiß gar wohl von meiner Pein, Die ich hier muß empfinden. Er kennt meinHerz Und meinen Schmerz, Drum will ich nicht verzagen Und ihm nur alles klagen. XVIII. Troftlieder. 309 3. Gott sieht! wie flaget denn| gers sterben? Er hat ja Brod! mein Herz, Als säh er nicht mein Weinen? Vor ihm muß auch der tiefste Schmerz Ganz offenbar er scheinen. Kein Thränlein fällt, Das er nicht zählt, Ja werth und theuer schätzet, Bis er uns drauf ergötzet. Und wenn die Noth Uns nach der Wüste weiset, Wird man auch da gefpeifet. 4. Gott führt! drum geh ich rubig fort Auf allen meinen Wegen; Mag mir die Welt bald hier bald dort Arglistig Schlingen legen, So wird er mich, Ob wunderlich, Doch immer selig leiten, Daß nie mein Fuß kann gleiten. 5. Gott gibt! und wär ich noch so arm, Doch soll ich nicht verder ben. Was hilft mir denn mein steter Harm, Als müßt ich Hun- zu leben. Mel. Herr Jesu Christ, wahr'r Mensch.( Phil. 1, 23.) 468. Der Himmel hängt voll| wandt, Mit einem Fuß auf seinem Wolken schwer, Ich seh das blaue Rand: Zelt kaum mehr, Doch über Wolken hell und klar Nehm ich ein freundlich Auge wahr. 2. Es tobt der Sturm mit wilder Macht, Sie wird so dunkel oft die Nacht; Doch, wenn auch meine Seele bebt, Sie weiß, daß dort ein Heiland lebt. 6. Gott liebt! ob ich die Bater lieb In Schlägeu nicht gleich finde; Wie er ein lieber Vater blieb Am Kreuz bei seinem Kinde, So bleibt er mir mein Vater hier, Der je und je mich liebet, Obgleich sein Kreuz betrülbet. ( Ebr. 12, 5 sc.) 7. Gott lebt! wohlan, ich merke das; Gott hört! ich wille ihm klagen; Gott sieht! er setzt den Thränen Maß; Gott führt! ich darf nicht zagen. Gott gibt und liebt: Nur unbetrübt! Er wird mir endlich geben Auch dort mit ihm Schmoll, g. 1672 † 1737. 3. Sie zöge gar zu gern hinaus Ins große, weite Vaterhaus; Doch hält in seiner Kraft sie still, Bis er, bis er sie lösen will. 4. Die Erd ist mir ein morsches Boot, Das unter mir zu sinken droht; Ich steh, nach oben hinge5. Gebeutst du, Herr, mit einem Blick, So schleudr' ichs hinter mich zurück Und schwinge mich an deiner Hand Hinauf, hinauf und jauchze: Land! 6. Ich gienge gern, so gern zu dir! Doch wenn du mich noch länger hier In Sturm und dunklen Nächten läßst, So halt du mneine Seele fest; 7. Daß sie in Sturm und Nächten treu, 3u deiner Ehre wacker sey, Bis du mir rufft: muu ist mirs recht, Nun kannst du kommen, treuer Knecht!" Möwes, g. 1793 † 1834. Mel. Singen wir aus.( Psalm 30, 6. Tob. 3, 23.) 469. Auf den Nebel folgt bie| und Bonn, Auf die schwere, bittre Sonn, Auf das Trauern Frend Pein Stellt sich Troft und Labsal 310 XVIII. Croftlieder. ein; Meine Seele, die zuvor Sant| Ruben, bis ich kehr In das dunkle bis an des Todes Thor, Steigt Todtenmeer; gen Himmel nun empor. 2. Der, vor dem die Welt er schrickt, Hat mir meinen Geift er quickt; Seine hohe, starke Hand Reißt mich aus der Hölle Band; Alle seine Lieb und Gült Uebermir mein Gemüth Und erfrischet das Geblüt. 3. Hab ich vormals Augst gefühlt, Hat der Gram mein Herz zerwühlt, Hat der Kummer mich beschwert, Hat der Satan mich bethört: Ei so bin ich nunmehr frei, Heil und Rettung, Schuß und Treu Steht mir wieder treulich bei! 4. Gott läßt feinen traurig stehn, Noch mit Schimpf zurücke gehn, Der fich ihm zu eigen schenkt Und ihn in sein Herze senkt. Wer auf Gott die Hoffnung setzt, Findet endlich und zuletzt Was ihm Leib und Seel ergößt. 5. Kommts nicht heute, wie man will, Sey man nur ein wenig still, Ist doch morgen auch ein Tag, Da die Wohlfahrt kommen mag! Gottes Zeit hält ihren Schritt, Wann die kommt, kommt unsre Bitt Und die Freude reichlich mit. 7. Aber mein Gott wandt' es bald, Heilt' und hielt mich dergestalt, Daß ich, was sein Arm gethan, Nimimermehr gnug preisen kann. Da ich weder hie noch da Einen Weg zur Rettung sah, Hatt' ich seine 6. Ach, wie oftmals dacht ich doch, Da mir noch der Trübsal Joch Auf dem Haupt und Nacken saß Und das Leid mein Herze fraß: Nun ist keine Hoffnung mehr, Auch kein 8. Als ich furchtsam und verzagt Mich selbst und mein Herze plagt', Als ich manche liebe Nacht Mich mit Wachen frank gemacht, Als mir aller Muth entfiel, Tratst du, mein Gott, selbst ins Spiel, Gabst dent Unfall Maß und Ziel. 10. Allen Jammer, allen Schmerz, Den des ewgen Vaters Herz Mir schon jetzo zugezählt, Oder künftig auserwählt, Will ich hier in diesem Lauf Meines Lebens allzuhauf Frisch und freudig nehmen auf. 11. Ich will gehn in Angst und Noth, Ich will gehn bis in den Tod, Ich will gehn ins Grab hinein, Und doch allzeit fröhlich seyn! Wem der Stärkste will beistehn, Wen der Höchste will erhöhn, Kann nicht ganz zu Grunde gehn! Gerhard, g. 1606 † 1676. mel. Vieinen Jesum laß ich nicht.( Sef. 38, 15-17.) 470. Meine Seele sentet sich| Ziel und Ende, Lieget still und Hin in Gottes Herz und Hände willenlos In des liebsten Vaters Und erwartet rubiglich Seiner Wege Schooß. 9. Nun so lang ich in der Welt Haben werde Haus und Zelt, Soll mir dieser Wunderschein Stets vor meinen Augen seyn. Ich will all mein Lebenlang Meinem Gott mit Lobgesang Hiefür bringen Preis und Dank. XVIII. Croßlieder. 2. Meine Seele murret nicht, Ist| Trifft und ängstet nur die Heiden. mit allem wohl zufrieden; Was der eigne Wille spricht, Ist zum Tode schon beschieden; Was die Ungeduld erregt, Ist in Christi Grab gelegt. Wer Gott in den Schooße liegt, Bleibt in aller Noth vergnügt. 5. Meine Seele flaget nicht, Denn sie weiß von keinen Nöthen, Hängt an Gottes Angesicht Auch alsdann, wann er will tödten. Wo sich Fleisch und Blut beklagt, Wird der Freudengeist verjagt. 3. Meine Seele sorget nicht, Will vielmehr an nichts gedenken Was gleich spitzen Dornen sticht Und den Frieden nur kann fränken. Sorgen kommt dem Schöpfer zu: Meine Seele sucht nur Ruh. 4. Meine Seele grämt sich nicht, Liebt hingegen Gott im Leiden; Kummer, der das Herze bricht, 311 6. Meine Seel ist still zu Gott, Und die Zunge bleibt gebunden! Also hab ich allen Spott, Alle Schmerzen überwunden, Bin, gleich wie ein stilles Meer, Voll von Gottes Preis und Ehr. Winkler, g. 1670+ 1722. Mel. Wie schön leucht't.( Apost. 14, 22. 2 Cor. 4, 17. 18.) 471. Die ihr den Heiland| milder Frühlingsregen. Thränen, kennt und liebt, Ihn, der uns Se ligkeiten gibt, Die noch kein Ohr vernommen, Die noch in jenen ewgen Höhn Kein sterblich Auge je gesehn, Die in kein Herz gekommen: Freut euch! Sein Reich Bleibt euch allen! Bald wirds schallen: Kommt zum Lohne, Nehmt des Kampfes Siegeskrone! ( 1 Cor. 2. 9.) 2. Was flagt ihr denn? was zagt das Herz? Kurz ist und leicht der Erde Schmerz Und wirket ewge Freude. Ach groß und herrlich ist das Ziel, Der Wonne dort unend- fennst? Der du dich Christi Jünger lich viel, Getrübt von feinem Leibe! nennst? Was ists das dich beTraurig, Schaurig Ists hienieben; trübet? Froh kannst und sollst du Aber Frieden Wohnt dort oben, Wo immer seyn Und dich des ewgen die Ueberwinder loben. Lebens freun, Dich freun, daß er dich liebet! O sey Nur treu! O sey fröhlich, Hoffend selig Schon im Staube; Gotteskraft sey dir dein Sehnen Ang und Herzen Boller Schmerzen: Glänzt doch immer Uns der ewge Hoffnungsschimmer. 4. Drum sind wir froh; wir gehn im Licht, Und heiter ist das Angesicht Bei aller Noth hienieden. Im Heiligthum des Himmels liebt Uns Jesus Christus, und er gibt Der Seele heilgen Frieden. Wer kennt, Wer nennt Was wir erben Nach dem Sterben? Was uns gibet Der, der uns zuerst geliebet? 5. Was klagst du denn der du ihn Menken, g. 1768 † 1831. 3. Ein Blick auf jene Herrlichkeit Füllt unser Herz mit Troft und Freud Und tausendfachem Segen, Erquickt uns, wie der Morgenthau Glaube! Die dürre, fast versenkte Au, Wie AHMI XVIII. Troflieder. Mel. Herzlich thut.( Jef. 30, 15.) himmelein, Und wo er hingegangen, Da soll sein Diener seyn. 472. Ich habe viel gelitten, dende Verlangen Führt' Jesum Doch Jesus litt noch mehr; Was er so hart erstritten, 3st mir nun Kraft und Wehr. Hinan zu seinem Hügel Du müder Sinn hinan, Und lern in diesem Spiegel, Wie man er tragen kann. 4. Nur eines, was ich heische, Sey mir noch hier gewährt: Hilf, daß der Welt Geräusche nicht meine Seele stört. Doch kommts nach 312 2. Geh ein in seine Leiden, Gehdeinem Willen, So laß mich, kindein in seinen Tod Und laß dich lich, klein, Auch dann dein Bild erwillig scheiden Von aller deiner flillen Durch Harren und Verzeihn. Noth. Sey dir in ihm gestorben, 5. Ich hab ein neu Verlangen: So weicht was dich betrübt: Der Was du willt, will auch ich: Nicht hat die Ruh erworben, Der sich rauben, nur empfangen Mag ich sein selbst begibt. mein Wohl durch dich. Gott wohnt in meiner Seele, Erquickt mich täglich viel; Umsonst, daß ich mich quäle, Sein Himmel ist mein Ziel! 3. Was ist es das mir fehle, Schweigt erst mein Anspruch still? O süßes Loos der Seele, Die Gottes Rath nur will! Dieß dulvon Meyer, g. 1772 † 1849. Mel. Herr Jesu Christ, mein's.( Luc. 7, 13 2c.) weine nicht. 473. füßes Wort, das Jesus| spricht: 3ch bin dein Arzt, drum spricht Zur armen Wittwe: ,, weine nicht!" Es komme nie aus meinem Sinn, Zumal wann ich betrübet bin. 6. Raubt mir der Feind mein Gut und Hab, Daß ich muß fort mit meinem Stab, Sagt Jesus wieder: weine nicht; Dent, was dem Hiob dort geschicht! 7. Vertreibt mich des Verfolgers Hand, Gönnt er mir keinen Sitz im Land, Ruft Jesus in mein Herz und spricht: Dein ist der Himmel, weine nicht. 2. Es wird gerebet nicht ins Ohr Leis', sondern unter freiem Thor Laut, daß es höret jedermann Und sich darüber freuen kann. 3. Er redets aber zu der Zeit, Da Tod und Leben war im Streit; Drum soll es auch erquicken mich In Tod und Leben kräftiglich. 4. Wann Noth und Armuth mich ansicht, Spricht doch mein Jesus: weine nicht! Gott ist dein Bater, trau nur ihm, Erhört er doch der Raben Stimm. 5. Bin ich sehr kraftlos, krank und schwach, Und ist nichts da denn Weh und Ach, So tröstet Jesus mich und 8. Wann um mich Band' und Ketten schon, Wann Feind und falsche Freun de drohn, Spricht Jesus: weine nicht und glaub, Dir kann nicht schaden Asch und Staub. ( Matth. 10, 28.) 9. Reißt mir der Tod das Liebste hin, Sagt Jefus: weine nicht! ich bin, Ders wieder gibt; gebente bran, Was ich zu Nain hab gethan! XVIII. Troflieder. 313 10. Muß ich selbst ringen mit dem| 11. O füßes Wort, das Jesus Tod, Ist Jesus da, ruft in der Noth: spricht In allen Nöthen: ,, weine Ich bin das Leben, weine nicht! Wer nicht!" Ach klinge stets in meinem an mich glaubt, wird nicht gericht't. I Sinn, So fähret alles Trauern hin! Höfel, g. 1600 † 1683. Mel. Nun ruhen alle.( Tob. 3, 22. 23. Jcf. 30, 15.) 474. Mein Herz, gib bich zufrieden und bleibe ganz geschieden Von Sorge, Furcht und Gram: Die Noth, die dich jetzt drücket, Hat Gott dir zugeschicket; Sey still und halt dich wie ein Lamm. 2. Mit Sorgen und mit Zagen, Mit unmuthvollem Klagen Häufft dunur deine Pein; Durch Stilleseyn und Hoffen Wird, was dich jetzt betroffen, Erträglich sanft und lieblich feyn. 3. Kanns doch nicht ewig währen! Oft hat Gott unsre Zähren Mit einmal abgewischt; Wanns bei uns hieß:, wie lange Wird mir so angst und bange?" So hat er Leib und Seel erfrischt. 4. Gott pflegt es so zu machen: Nach Weinen schafft er Lachen, Nach Negen Sonnenschein; Nach rauhen Wintertagen Muß uns der Lenz behagen; Er führt in Höll und Him mel ein! 5. Judeß ist abgemessen Die Laft, die uns soll pressen, Auf daß wir werden klein. Was aber nicht zu tragen, Darf sich nicht an uns wagen, Und sollts auch noch so wenig seyn. 6. Der Herr will uns nur ziehen zu Kindern die da fliehen Das was er untersagt; Er will das Fleisch nur schwächen, Den Eigenwillen brechen, Die Lust ertödten die uns plagt. 7. Er will uns dadurch lehren, Wie wir ihn sollen ehren Mit Glauben und Geduld; Und sollt er auch in Nöthen Uns laffen gar ertödten, Uns doch getrösten seiner Huld. 8. Denn was will uns auch scheiden Von Gott und seinen Freuden, Cazu er uns ersehn? Man lebe oder sterbe, So bleiset uns das Erbe Des Himmels ewiglich doch stehn. 9. Ist Christus unser Leben, So muß uns, seinen Neben, Der Tod seyn ein Gewinn; Er mag die Leis beshöhle Zerbrechen, doch die Seele Schwingt froh sich auf zum Himmel hin. 10. Drum gib dich ganz zufrieden, Mein Herz, und bleib geschieden Von Sorge, Furcht und Leid! Vielleicht wird Gott bald senden Die dich auf ihren Händen Hintragen in die Herrlichkeit. ( Luc. 16, 22.) Freylinghausen, g. 1670+ 1739. Mel. Ach was soll ich Sünder.( Rom. 8, 17. 2 Cor. 4, 16-18.) 475. Endlich bricht der heiße| höchsten Frenden Werden nur durch Tiegel, Und der Glaub empfängt sein Siegel, Gleich dem Gold im Feu'r bewährt; Zu des Himmels tiefeleiden GottesLieblinge verklärt! 2. Unter Leiden prägt der Meister In die Herzen, in die Geister Sein XVIII. Croflieder. allgeltend Bildniß ein. Wie er dies| Droben bist du eine Würde, Die ses Leibes Töpfer, Will er auch des fünftgen Schöpfer Auf dem Weg der Leiden seyn. 314 3. Leiden bringt empörte Glieder Endlich zum Gehorsam wieder, Macht sie Christo unterthan, Daß er die gebrochnen Kräfte zu dem Heiligungsgeschäfte Sanft und still erneuern kann. 4. Leiden sammelt unsre Sinne, Daß die Seele nicht zerrinne In den Bildern dieser Welt, Ist wie eine Engelwache, Die im innersten Gemache Des Gemüthes Ordnung hält. 10. 3mGefühl der tiefften Schmer zen Dringt das Herz zu seinem Herzen Immer liebender hinan, Und um eins nur fleht es sehnlich: Mache deinem Tod mich ähnlich, Daß ich mit dir leben kann! ( Phil. 3, 10.) 11. Endlich mit der Seufzer Fille Bricht der Geist durch jede Hülle, Und der Vorhang reißt entzwei. Wer ermiffet dann hienieden, Welch ein Meer vonGottesfrieden Droben ihm bereitet sey! 12. Jesu! laß zu jenen Höhen Hel ler stets hinauf uns sehen, Bis die letzte Stunde schlägt, Da auch uns nach treuem Ringen Heim zu bir auf lichten Schwingen Eine Schaar ber Engel trägt. Nach Karl Fr. Harttmann, g. 1743 † 1815. 5. Leiden stimmt des Herzens Sai ten Für den Psalm der Ewigkeiten, Lehrt mit Sehnsucht dorthin sehn, Wb die selgen Palmenträger Mit dem Chor der Harfenschläger Prei send vor dem Throne stehn. 6. Leiden fördert unfre Schritte, Leiden weiht die Leibeshütte Zu dem Schlaf in tühler Gruft; Es gleicht einem frohen Boten Jenes Frühlings, der die Todten Zum Empfang des Lebens ruft. nicht jedem widerfährt. 8. Brilder! solche Leidensgnade Wird in mannigfachem Grade Jesu Jüngern fund gemacht, Wenn sie mancher Schmerz durchwühlet, Wenn fie manchen Tod gefühlet, Nächte seufzend durchgewacht. 9. Wenn auch die gesunden Kräfte Bu des guten Herrn Ge schäfte Wurden willig sonst geweiht: Oso ists für sie kein Schade, Daß sie ihres Führere Gnade Läutert in der Prüfungszeit. 7. Leiden macht im Glauben gründlich, Macht gebeugt, barmherzig, findlich; Leiden wer ist deiner werth? Hier heißt man dich eine Bürde, Mel. Nun ruhen alle.( Jef. 48, 17 2c. Sir. 2, 6-9. Pf. 145, 8. 9.) 476. Was ists, daß ich mich| 2. Er zählte meine Tage, Mein quäle? Harr Gottes, meine Seele, Harr und sey unverzagt! Du weißt nicht, was dir niitet; Gott weiß es und Gott schützet, Er schüßzet den der nach ihm fragt. Glück und meine Plage, Eh ich die Welt noch sah. Eh ich mich selbst noch lannte, Ehich ihn Vater nannte, War er mir schon mit Hülfe nab. 3. Die kleinste meiner Sorgen Ift XVIII. Croftlieder. 315 dem Gott nicht verborgen, Der alles| Glück verletzet, Wenns alle Welt fieht und hält; Und was er mir be schieden, Das dient zu meinem Frie ben, Wärs auch die größte Laft der Welt. auch schätzet, Das sey von mir, Herr, ewig fern! 6. Sind auch der Krankheit Plagen, Der Mangel schwer zu tragen, Noch schwerer Haß und Spott: So harr ich und bin stille zu Gott, denn nicht mein Wille, Dein Wille nur gescheb, o Gott! 7. Du bist der Müden Stärke, Und aller deiner Werke Erbarmst du ewig dich. Was kann mir widerfahren, Wenn du mich willst bewahren? Und du, mein Gott, bewahrest mich! Gellert, g. 1715+ 1769. 4. Ich lebe nicht auf Erden, Ganz glücklich hier zu werden; Die Lust der Welt vergeht. Ich lebe hier, im Segen Den Grund zum Glück zu legen, Das ewig, wie mein Geist, bestebt. 5. Was dieses Glück vermehret, Sey mir von dir gewähret, Gott, bu gewährst es gern! Was dieses Mel. Ach was soll ich Sünder.( Pf. 39, 10. 11 und 8. 43, 5.) 477. Fortgekämpft und fortge-| 5. Aus des Jammers wilden Worungen, Bis zum Ziele durchgedrungen Hat dich oft herausgezogen gen Muß es, bange Seele, seyn! Seiner Allmacht treue Hand. Nie Durch die tiefsten Dunkelheiten kann zu kurz ist seine Rechte; Wo ist einer dich Jesus hinbegleiten; Muth spricht seiner Knechte, Der bei ihm nicht er den Schwachen ein. Rettung fand? 2. Bei der Hand will er dich fassen, Scheinst du gleich von ihm verlassen, Glaube nur und zweifle nicht! Bete, kämpfe sonder Wanken; Bald wirst du voll Freude danken, Bald um gibt dich Troft und Licht. 3. Bald wird dir sein Antlitz scheinen; Hoffe, Harre bei dem Weinen, Nie gereut ihn seine Wahl. Er will dich im Glauben üben; Gott, die Liebe, kann nur lieben; Wonne wird bald deine Qual. 4. Wend von aller Welt die Blicke, Schau nicht seitwärts, nicht zurücke, Nur auf Gott und Ewigkeit. Nur zu deinem Jesus wende Aug und Herz und Sinn und Hände, Bis er himmlisch dich erfrent. 6. Schließ dich ein in deine Kammer, Geh und schütte deinen Jammer Aus in Gottes Vaterherz. kannst du gleich ihn nicht empfin den, Worte nicht, nicht Klage finden: Klag ihm schweigend deinenSchmerz. 7. Kräftig ist bein tiefes Schwei gen, Gott wird sich als Bater zeigen, Glaube nur, daß er dich hört; Glaub, daß Jesus dich vertreten, Glaube, daß, was er gebeten, Gott, sein Vater, ihm gewährt. 8. Drum so will ich nicht verzagen, Mich vor Gottes Antlitz wagen, Flehen, ringen fort und fort. Ja ich werd ihn überwinden, Was ich bitte, werd ich finden; Er gelobts in seinem Wort! Lavater, g. 1741 † 1801. XVIII. Troflieder. Mel. Was Gott thut.( 1 Petri 4, 12 c. br. 12, 1-5. Jak. 1, 12.) 478. Ein Chrift kann ohne| 4. Ein Christ kann ohne Krenz Kreuz nicht seyn; Drum laß dichs nicht betrüben, Wenn Gott versucht mit Kreuz und Pein Die Kinder die ihn lieben. Je lieber Kind, Je ernster sind Des frommen Vaters Schläge; Schau, das sind Gottes Wege! nicht seyn; Das muß uns immer wecken, Wir schliefen fonst in Sünden ein; Wie müßten wir erschrecken, Wann unbereit Die Ewigkeit Und der Posaunen Schallen Uns würde überfallen! 316 5. Ein Chrift kann ohne Kreuz 2. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht seyn; Es lehrt die Sünde nicht seyn, Gott wills nicht anders haffen Und unsern lieben Gott haben; Auch dieses Lebens Noth allein Mit rechter Lieb umfassen. und Pein Sind deines Vaters Ga- Die Welt vergeht, Und Gott beben. Solls denn so seyn, So geh es steht; Bedenks und laß dich üben, ein: Es kommt von Liebeshänden, Das ewge Gut zu lieben! Gott wird nichts böses senden. 3. Ein Chrift kann ohne Kreuz nicht seyn; Das Kreuz lehrt fleißig beten, Zieht ab vom eitlen Trug und Schein Und lehrt zu Jesu treten. Drum wirfs nicht hin Mit sprödem Sinn, Wanns nun zu bir gekommen; Es soll der Seele frommen! 6. Auch ich will ohne Kreuz nicht seyn; Was Gott schickt, will ich tragen! Schickts doch der liebste Vater mein, Sinds doch nur kurze Plagen Und wohlgemeint! Wer gläubig weint, Lebt dort in steten Freuden; Ich will mit Christo leiden! Dav. Nerreter, g. 1649+ 1726. Mel. Wer nur den lieben.( Offenb. 3, 19.) 479. Je größer Kreuz, je näher| Glaube; Die Palme wächset bei Himmel, Wer ohne Kreuz, ist ohne Gott; Bei dem verlarvten Weltge tümmel Vergißt man Hölle, Fluch und Tod: O felig ist der Mensch geschätzt, Den Gott in Kreuz und Trübsal setzt! der Last; Die Süßigkeit fleußt aus der Traube, Wenn du sie wohl gefeltert hast; Im Kreuze wächset uns der Muth, Wie Perlen in gefalzner Fluth. 4. Je größer Kreuz, je mehr Ge bete; Geriebne Kräuter duften wohl; Wenn um das Schiff kein Sturm wind wehte, So fragte man nicht nach dem Pol; Wo kämen Davids Psalmen her, Wenn er nicht auch versuchet wär? 5. Je größer Krenz, je mehr Verlangen; Im Thale steiget man 2. Je größer Kreuz, je beßre Christen; Gott prüft uns mit dem Probestein. Wie mancher Garten muß gleich Wüsten Ohn einen Thränenregen seyn! Das Gold wird auf dem Feuerherd, Ein Christ in mancher Noth bewährt! 3. Je größer Kreuz, je stärker XVIII. Croftlieder. 317 bergan; Wer durch die Wüsten oft| bie Gräber ziert, Bezeugt, man gegangen, Der sehnet sich nach habe triumphirt. Kanaan; Das Täublein findet hier nicht Stuh, So fleucht es nach der Arche zu. 6. Je größer Kreuz, je lieber Sterben; Man freut sich dann auf seinen Tod, Denn nan entgehet dem Berderben, Es stirbt auf ein mal alle Noth; Das Kreuze, das 7. Gefreuzigter! laß mir dein Kreuze Je länger und je lieber seyn; Daß mich die Ungeduld nicht reize, So pflanz ein solches Herz mir ein, Das Glaube, Lieb und Hoffnung hegt, Bis dort mein Kreuz die Krone trägt. Schmolk, g. 1672+ 1737. Mel. Die Tugend wird.( Matth. 11, 26-30. ff. 7, 17.) 480. Gefrenzigter! zu deinen Füßen Hebt aus dem Staube sich empor Mein Herz, wenn es von Gram zerrissen; Es fucht dein Herz, dein Aug und Ohr: Dein Herz, die Ruhestatt der Armen, Die niemand sonst erquicten kann, Dein Herz, das zärtlich, voll Er barmen Den Leidenden ist zuge than. 4. Dein Aug mit jenem Blick voll Gnade, Das du dem Petrus zugewandt, Daß er, verirrt auf dunklem Pfade, Dich guten Hirten wiederfand, Dein Aug begegne meinem Sehnen, Das aufwärts seine Seufzer schickt; Denn milder fließen meine Thränen, Wenn du mich, Jesu, angeblickt. 2. Du, unser heilger Blutsverwandter, Der einst so heiß für uns geweint; O du, mit jeder Noth bekannter, Erfahrner Arzt und Seelenfreund: Eröffne du dein Herz dem Matten Als eine stille Felsenkluft, Wo Kühlungen ihn sanft umschatten, Wenn oft ein Schmerz dem andern ruft! 5. D du, mein freundlichster Regierer, Seitdem ich wall im Pilgerland, Sey ferner noch mein treuer Führer Bis zu dem schönen Heimathland! Halt mir dein Ohr für ales offen Was ich dir klag im Kämmerlein, Und laß mich stets voll Demuth hoffen, Daß es soll ja und Amen seyn. 6. Du sahest segnend auf die 3. Wie sich aus deinen Todes- deinen, Herr, einst vom blutgen wunden Dein Blut zu meinem Kreuz herab; So sieh auch mich Heil ergießt, Das sey's in meinen an und die meinen In jeder bängsten Stunden, Was mir den Stunde bis zum Grab. Wie wird Leidenskelch versüßt. Das gib als uns seyn, befreit vom Staube, Balsam deinem Kranken, Den Der oft den Geist mit Angst beFrieden Gottes flöß ihm ein; Und schwert, Wann endlich Hoffnung, wenn des Glaubens Grund will Lieb und Glaube Die kühnsten wanken, So müss' ihm das zur Bitten sieht erhört! Stütze sevn. Nach C. A. Dann, g. 1758+ 1837 XVIII. Croftlieder. Mel. Wann wir in höchsten Nöthen seyn.( Ps. 30, 6. Gbr. 4, 15.) 481. Von dir, o Vater, nimmt| mein Flehn Und eiltest, bald mir mein Herz Glück, Unglück, Freuben oder Schmerz, Von dir, der nichts als lieben kann, Boll Dank und voll Vertrauen an. beizustehn; Du öffnetest mein Auge mir, Ich sah mein Glück und dankte dir. 318 2. Nur du, der du allweise bist, Nur du weißt, was mir heilsam ist; Nur du siehst, was mir jedes Leid Für Heil bringt in der Ewigkeit. 3. Ist alles dunkel um mich her, Die Seele mild und freudenleer: Bist du doch meine Zuversicht, Bist in der Nacht, o Gott, mein Licht. 4. Verzage, Herz, verzage nie! Gott legt die Last auf, Gott kennt fie; Er weiß den Kummer der dich quält, Und geben kann er was dir fehlt. 5. Wie oft, Herr, zagt ich, und wie oft Half deine Hand mir unverhofft! Den Abend weint ich, und darauf Gieng mir ein froher Morgen auf. 6. Oft sah ich teinen Ausgang mehr; Da weint ich laut und klagte sehr: ,, Ach schaust du, Gott, mein Elend nicht? Berbirgst du gar bein Angesicht?" 7. Dann hörtest du, o Herr, 8. Sagts alle die Gott je ge prüft, Die ihr zu ihm um Hülfe rieft, Sagts, Fromme, ob er das Gebet Geduldig Leidender verschmäht? 9. Die Stunde kommt früh oder spät, Wo Freud und Dank aus Leid entsteht; Vielleicht daß, eh du ausgeweint, Dir Gott mit seiner Hülf erscheint. 10. Wenn niemand dich erquicken kann, So schaue deinen Heiland an; Schütt aus dein Herz in seinen Schooß, Denn seine Huld und Macht ist groß. 11. Einst hat er auch, der Menschenfreund, Im Thränenthale hier geweint; Auf deine Thränen gibt er Acht Und dir zu helfen hat er Macht; 12. Und helfen will er, zweifle nicht! Hör, was der Treue dir verspricht: ,, Nicht lassen will ich, Seele, dich, Sey guten Muths und glaub an mich!" Lavater, g. 1741 † 1801. Eigene mel.( Matth. 6, 25 2c. Jef. 49, 15. 16.) 482. Warum betrübst du dich,| gebricht, Himmel und Erd ist sein, mein Herz, Bekümmerst dich und trägest Schmerz Nur um das zeitMein Vater und mein Herr und Gott, Der mir beisteht in aller Noth! lich Gut? Vertrau du deines Got- 3. Weil du mein Gott und Vater Der alle Ding er- bist, Dein Kind du nimmermehr tes Rath, fchaffen hat. 2. Er kann und will dich lassen nicht, Er weiß gar wohl was dir vergißst, Du väterliches Herz! Ich bin ein armer Erdenkloß, Auf Er den aller Hülfe bloß. XVII. Croftlieder. 319 4. Der Reiche bauet auf sein Gut;| 7. Alles was ist auf dieser Welt, Ich will vertraun auf Gottes Hut; Es sey Gold, Silber oder Geld, Ob mich die Welt veracht't, So glaub Reichthum und zeitlich Gut, Das ich doch mit Zuversicht: Wer Gott währt nur eine kleine Zeit Und vertraut, dem mangelts nicht. hilft doch nichts zur Seligkeit. 5. Ach Gott! du bist so reich noch 8. Ich danke dir, Herr Jesu heut Als je du warst von Ewigkeit, Christ, Daß mir das fund gewor Mein Trauen steht zu dir; Sey du den ist Durch dein wahrhaftigs nur meiner Seele Hort, So hab ich Wort; Verleih mir auch BeständigGnüge hier und dort. feit Zu meiner Seelen Seligkeit! 6. Zeitlicher Ehr ich gern entbehr, Des Ewigen mich nur gewähr, Das du erworben hast Durch deinen herben, bittern Tod; Das bitt ich dich, mein Herr und Gott. 9. Lob, Ehr und Preis sey dir gebracht Für alles wie du mich bedacht. In Demuth bitt ich dich: Laß mich von deinem Angesicht Ewig verstoßen werden nicht! Hans Sachs, g. 1494 † 1576. Mel. Die Tugend wird.( Sir. 11, 21. 3, 19 2c.) 483. Du flagst und fühlest| 3. Gott ist der Herr; und seinen die Beschwerden Des Stands, in dem du mühsam lebst; Du strebeft, glücklicher zu werden, Und stehst, daß du vergebens strebst. Ja klage mur; wer sollt es weh ren? Doch denk im Klagen auch zurück: Ist denn das Glück, das wir begehren, Für uns auch stets ein wahres Glück? Segen Vertheilt er stets mit weiser Hand, Nicht so wie wirs zu wünschen pflegen, Doch so, wie ers uns heilsam fand. Willst du zu denken dich erkühnen, Daß seine Liebe dich vergißt? Er gibt uns mehr als wir verdienen, Und niemals, was uns schädlich ist. 4. Verzehre nicht des Lebens 2. Nie schenkt der Stand, nie Kräfte In träger Unzufriedenheit; schenken Güter Dem Menschen die Beforge deines Stands Geschäfte Bufriedenheit; Die wahre Ruhe Und nütze deine Lebenszeit. Bei der Gemüther ft Tugend und Pflicht und Fleiß sich Gott ergeben, Genügsamkeit. Genieße was dir Ein ewig Glück in Hoffnung sehn, Gott beschieden, Entbehre gern Dieß ist der Weg zu Nuh und was du nicht haft; Ein jeder Stand Leben; Herr, lehre diesen Weg mich hat seinen Frieden, Ein jeder gehn! Stand hat seine Last. Gellert, g. 1715 † 1769. Eigene Mel.( 1 Tim. 6, 6-8.) 484. Nicht so traurig, nicht| gnng an deinem Gott: Hast du Gott, so sehr, Meine Seele, sey betrübt, Daß dir Gott Glück, Gut und Ehr Nicht so viel wie andern gibt. Habe so hats nicht noth. 2. Du nicht und kein Menschenfind Haben Recht an diese Welt; XVIII. Croftlieder. 320 Alle die auf Erden sind, Sind nur Gäst' im fremden Zelt; Gott ist Herr in seinem Haus: Wie er will, so theilt er aus. 3. Bist du doch nicht darum hier, Daß du Erde haben sollt; Schau den Himmel über diri Da, da ist dein edles Gold, Da ist Ehre, da ist Freud, Freud ohu End, Ehr ohne Neid! 9. Nun so gehe in den Grund, Deines Herzens, das dich lehrt, Wie viel gutes alle Stund Dir von oben sey beschert! Du hast mehr als Sand am Meer, Und willst doch noch immer mehr! 4. Der ist albern, der sich kränkt Um die Hand voll Eitelkeit, Wenn ihm Gott dagegen schenkt Schäße 10. Gott ist deiner Liebe voll Und von ganzem Herzen treu; Wann du wünschest, prüft er der Beständigkeit. Bleibt das Wesen wohl, Wie dein Wunsch beschaffen sey: Ist dirs gut, so geht ers ein, Ists dein Schade, spricht er Nein! mein Gewinn, Fahr der Schatten immer hin! 5. Schaue alle Güter an, Die dein Herz für Güter hält: Keines mit dir gehen kann, Wann du geheft aus der Welt; Alles bleibet hinter dir, Wann du trittst ins Grabes Thür; 6. Aber was die Seele nährt, Gottes Huld und Christi Blut, Wird von keiner Zeit verzehrt, Ist und bleibet ewig gut. Erdengut zerfällt und bricht, Seelengut verschwindet nicht. ist das dir unwerth wär, Ehrst und liebst sie allzumal; Keines gäbst du weg um Gold Wenn man dirs abnehmen wollt. 7. Ach wie bist du doch so blind Und im Denken unbedacht: Augen hast du, Menschenkind, Und haft doch noch nie betracht't Deiner Augen belles Glas; Siehe, welch ein Schatz ist das! 8. Zähle deine Finger her Und der andern Glieder Zahl, Keins 11. Ei so richte dich empor, Du betrübtes Angesicht! Laß das Seufzen, nimm hervor Deines Glaus bens Freudenlicht; Das behalt, Deines Kumwann dich die Nacht mers traurig macht. 12. Sebze als ein Himmelssohn Deinem Willen Maß und Ziel; Rühre stets vor Gottes Thron Deines Dankes Saitenspiel; Weil dir schon gegeben ist Weit mehr, als du würdig bist. 13. Führe deinen Lebenslauf Allzeit Gottes eingedenk; Wie es tommt, nimm alles auf Als ein wohlbedacht Geschenk. Geht dirs widrig, laß es gehn: Gott und Himmel bleibt dir stehn! Gerhard, g. 1605 † 1676. Mel. Wachet auf! ruft.( 2 Tim. 2, 11, 12.) 485. Jesus kommt, von allem großen Tage Verwandelt sich der Bösen Uns, seine Christen, zu erlösen; Er kommt mit Macht und Herrlichkeit. Dann, an seinem Frommen Klage In ewige Zu friedenheit. Sey fröhlich, Volk des Herrn! Er kommt, er ist nicht fern XVIII. Crofilieder. 321 ihm leiden, Dann ernten wir davon auch Freuden Mit ihm, dem Ueberwinder, ein! Laßt uns lämpfen, laßt uns ringen, Mit unfrem Haupt hindurchzudringen, Und da wo er ist, einst zu seyn! Die Hülfe schafft nur er; Sein großer Nam ist:" Herr, Unsre Stärke!" Die ihm vertraun Und auf ihn baun, Die werden seine Hülfe schaun. Dein Erretter; Dein Schmerz ist| 4. Wohl uns, wenn wir mit kaum Ein Morgentraum, Bald macht er ewgen Freuden Naum. 2. Augenblicke dieser Leiden, Was seyd ihr gegen jene Freuden Der unbegrenzten Ewigkeit? Seht die Kron am Ziele prangen Und kämpft und ringt, sie zu erlangen, Wie ihr dazu berufen seyd! Euch halt in eurem Lauf Rein Schmerz des Lebens auf, Ueberwinder! Das Ziel ist nah; Bald seyd ihr da, Dann singet ihr Hallelujah! 3. Der fich euch zum Volk erwählet, Der eure Thränen alle zählet, Stritt auch mit unerschöpftem Muth. Wie hat Jesus nicht gerungen, Wie tief war er von Angst durchdrungen, Wie seufzt' er laut, wie floß sein Blut! Doch sahn die Feinde nicht Auf seinem Angesicht Bange Schrecken. Er nahm den Lauf zu Gott hinauf: Da giengen ihm die Himmel auf. 5. Ja du kommst, von allem Bösen Uns, deine Christen, zu erlösen, Deß sind wir froh und danken dir. Auch in noch so trüben Tagen Soll unser Herz doch nie verzagen, Auf deine Zukunft hoffen wir. Wir wissen, wer du bist; Wir traun dir, Jesu Christ, Und sind stille. Wenn gleich die Welt Zu Trümmern fällt: Dein Arm ists, der uns ewig hält! ig Münter, g. 1735 † 1795. Vel. Nun ruhen alle.( Pred. 7, 15.) 486. Ich hab in guten Stun-| 4. Laß du mich Gnade finden Und alle meine Sünden Erkennen und bereun. Jetzt hat mein Geist nochkräfte; Sein Heil laß mein Geschäfte, Dein Wort mir Trost und Leben seyn. 5. Wenn ich in Christo sterbe, Bin ich des Himmels Erbe: Was schreckt mich Grab und Tod? Auch auf des Todes Pfade Vertrau ich beiner Gnade; Du, Herr, bist bei mir in der Noth. den Des Lebens Glück empfunden Und Freuden ohne Zahl; So will ich denn gelassen Mich auch im Leiden fassen; Ist wohl ein Leben ohne Qual? 2. Ja, Herr, ich bin ein Sünder, Und stets strafft du gelinder, Als es der Mensch verdient. Sollt ich, beschwert mit Schulben, kein zeitlich Weh erdulden, Das doch zu meinem Besten dient? 3. Dir will ich mich ergeben, Nicht meine Ruh, mein Leben Mehr lieben als den Herrn; Dir, Gott, will ich vertrauen, Und nicht auf Menschen bauen; Du hilfft und du errettest gern. Evangelisches Gesangbuch. 6. Ich will dem Kummer wehren, Dich durch Geduld verehren, Im Glauben zu dir flehn. Ich will den Tod bedenken; Du, Herr, wirst alles lenken, Und was mir gut iſt, wird geschehn. Gellert, g. 1715 † 1769. 21 XVIII. Croftlieder. Mel. Herr Jesu Chrift, du höchstes.( 1 Cor. 10, 13. Ebr. 12, 5 2c.) an, Damit ich nicht vergehe! Du weißt wohl, was ich tragen kann, Und wie es um mich stehe. Ich bin ja weder Stahl noch Stein, Und weht ein Lüftlein nur herein, So fall ich hin und sterbe. 487. Ach treuer Gott, barm- 6. Greif mich auch nicht zu heftig herzigs Herz, Deß Güte sich nicht wendet! Ich weiß, dieß Kreuz und diesen Schmerz Hast du mir zugesendet; Ich weiß, Herr, daß du mir die Last Aus Liebe zugetheilet hast; Wie könntest du mich hassen? 2. Denn das ist allzeit dein Gebrauch: Wer Kind ist, muß was leiden, Und wen du liebst, den stäupst du auch, Schickst Trauern vor den Frenden, Führst uns in Tiefen, thust uns weh, Und führst uns wieder in die Höh; Und so geht eins ums andre.( 1 Sam. 2, 6.) 3. Doch, liebster Bater, wie so schwer Ists der Vernunft, zu den ten, Daß du, wann du auch schlägest sehr, Nur wollest Gnade schenken! Wie macht doch Kreuz so lange Zeit! Wie ungern will sich Lieb und Leid Zusammen lassen reimen! 4. Was ich nicht kann, das gib du mir, O höchstes Gut der Frommen, Gib, daß mir nicht des Glaubens Zier Durch Trübsal werd entnommen. Erhalte mich, o starker Hort, Befestge mich in deinem Wort, Behüte mich vor Murren. 322 5. Bin ich ja schwach, laß deine Treu Mir an die Seite treten; Hilf, daß ich unverdrosfen sey Im Rufen, Seufzen, Beten. So lang ein Herz noch hofft und gläubt Und im Gebet beständig bleibt, So lang ists unbezwungen. 7. Ach Jesu! der du worden bist Mein Heil mit deinem Blute, Du weißest wohl, was Trübsal ist, Und wie dem sey zu Muthe, Den Kreuz und großes Unglüd plagt; Drum wirst du, was mein Herz dir klagt, Gar gern zu Herzen fassen. 8. Sprich meiner Seele herzlich zu Und tröste sie aufs beste; Denn du bist ja der Müden Nuh, Der Schwachen Thurm und Feste, Ein Schatten vor der Sonnengluth, Die Hütte, da man sicher ruht Im Sturm und Ungewitter. ( Jef. 25, 4.) 9. Ach laß mich schauen, wie so schön Und lieblich sey das Leben, Das denen, die durch Trübsal gehn, Du dermaleins wirst geben; Ein Leben, gegen welches hier Die ganze Welt mit ihrer Zier Durchaus nicht zu vergleichen! 10. Daselbst wirst du in ewger Lust Gar liebreich mit mir handeln, Mein Kreuz, das mir und dir bewußt, In Freud und Ehr verwan deln; Da wird mein Trauern Sonnenschein, Mein Nechzen lauter Jauchzen seyn; Das glaub ich, hilf mir! Amen. Gerhard, g. 1606+1676. Eigene Mel.( Pf. 77, 11. 2 Cor. 12, 9. 10.) 488. Gott! den ich als Liebe| legst Und des Leidens Higz erregft, tenne, Der du Krankheit auf mich Daß ich davon glüh und brenne; XVIII. Trostlieder. mein Gott, von dir. O verbrenne doch in mir Alles| dir, der mich geliebet; Alles kommt, was den Geist verhindert Und der Liebe Regung mindert, Die mich ziehen soll zu dir. 2. In der Schwachheit fe du kräftig, In den Schmerzen schaffe Muth, Daß mein Herz im Leiden ruht, Ob das Leiden noch so heftig; So ist Leiden mein Gewinst, So ist es der Liebe Wille, Den verehr ich sanft und stille: Leiden ist mein Gottesdienst. 323 4. Laß nur nicht den Geist ermüden Bei des Leibes Mattigkeit, Daß er sich zu aller Zeit Senk in dich und deinen Frieden. Laß in Ruh mit Freundlichkeit Mich gehorsam und bescheiden So auf meinem Bette leiden, Daß es meinen Geist erneut. 5. Dir empfehl ich nun mein Leben Und dem Kreuze meinen Leib; 3. Gott! ich nehms aus deinen Gib, daß ich mit Freuden bleib Händen Als ein Liebeszeichen an; An dich völlig übergeben; Denn so Denn in solcher Leidensbahn Willst weiß ich festiglich, Ich mag leben du meinen Geist vollenden. Auch oder sterben, Daß ich nicht mehr die Labung, die man mir 3n des kann verderben: Denn die Liebe reiLeibes Nothdurft gibet, Kommt von| nigt mich. Richter, g. 1676 † 1711. 2. Sie trachten nicht nach Schätzen Durch Sorge, Müh und Streit. Der Wald ist ihr Ergößzen, Die Federn sind ihr Kleid. Ihr Tisch ist stets gedecket, Sie sind gar wohlgemuth, Weil jedes, was ihm schmecket, Hat, so viel Noth ihm thut. 3. Sie bauen kleine Neste, Nicht große Schennen auf; Sind nirgends fremde Gäste Und kaufen guten Kauf. Ein jeder singt hinwieder, So gut er kann und mag, Dem Wirthe schöne Lieder Hindurch den ganzen Tag. 4. Der Mensch schlägt sich mit Mel. Valet will ich.( Matth. 6, 26-32.) 489. Rommt her und laßt uns| Grillen, Ist blinder als das Thier, hören Die Vögel durch den Wald, Sieht nicht auf Gottes Willen Und Wie sie den Schöpfer ehren, Daß forget für und für. ,, Was," spricht Berg und Thal erschallt. Sie er ,,, werd ich essen? Was trink ich singen ohne Sorgen, Sind freudig, Armer doch? Der Herr hat mein denken nicht, Ob ihnen auch den vergessen!" O Mensch, Gott Morgen Dieß oder das gebricht. lebet noch! - 5. Der diese Thierlein speiset Und durch die Winterzeit Ihr Körnlein ihnen weiset, Wann alles liegt beschneit, Wie sollte der nicht geben Was dir vonnöthen ist zum Unterhalt im Leben? Trau ihm nur als ein Christ! 6. Kommt, die ihr Gott nicht trauet, Daß er euch kleiden kann, Geht hin aufs Feld und schauet Die schönen Liljen an. Von wem kommt ihr Geschmeide? Auch König Salomo Mit Purpur, Gold und Seide Geschmückt, war doch nicht so. 7. Man siehet sie nicht spinnen, 324 XVIII. Croftlieder. Doch sind sie so geschmückt, Daß| weiß, er läßt mich nicht; Mein aller Künstler Sinnen Hierüber Fleiß darf ihm vertrauen In allem wird entzückt. Der Herr, der sol was gebricht. Sch sorge nicht für chermaßen Den Blumen Kleider morgen Noch was ich jetzt verzehrt, gibt, Wird nicht in Blöße lassen und lasse den nur sorgen, Der alle Den Menschen, den er liebt. Welt ernährt. 8. Auf ihn will ich fest bauen; Ich Buchholz, g. 1607 † 1671. Mel. Freu dich sehr.( Pf. 126.) Pilgerzeit, Führ uns, wenn wir treu gestritten In des Friedens stille Hütten. 490. Wann der Herr einst die| Pfad ist steil und weit; Kürze unfre Gefangnen Shrer Bande ledig macht, O dann schwinden die vergangnen Leiden, wie ein Traum der Nacht. Dann wird unser Herz sich freun, Unser Mund voll Lachens seyn; Jauchzend werden wir erheben Den, der Freiheit uns gegeben. 2. Herr! erhebe deine Rechte, Nicht auf uns den Vaterblick; Rufe die zerstreuten Knechte In das Baterhaus zurück. Ach, der Mel. Christus, der ift.( Offenb. 22, 21.) 491. Die Gnade fey mit allen,| mächtiger Erlöser, Du kommst, so Die Gnade unsers Herrn, Des Herrn, dem wir hier wallen Und sehn sein Kommen gern. 2. Auf dem so schmalen Pfade Gelingt uns ja kein Tritt, Es geh denn seine Gnade Bis an das Ende mit. 3. Auf Gnade darf man trauen, Man traut ihr ohne Reu; Und wenn uns je will grauen, So bleibts: der Herr ist treu! 4. Die Gnade, die den Alten Ihr Weh half überstehn, Wird uns ja auch erhalten, Die wir in unsrem flehn. 3. Ernten werden wir mit Freuden Was wir weinend ausgesät; Jenseits reift die Frucht der Leiden, Und des Sieges Palme weht. Unser Gott auf seinem Thron, Er, er selbst ist unser Lohn; Die ihm lebten, die ihm starben, Bringen jauchzend ihre Garben. Bürbe, g. 1753 † 1831. 5. Wird stets der Jammer größer, So glaubt und ruft man noch: ,, Du, komme boch." 6. Damit wir nicht erliegen, Muß Gnade mit uns seyn; Sie flößet zu dem Siegen Geduld und Glauben ein. 7. So scheint uns nichts ein Schade Was man um Jesum mißt; Der Herr hat eine Gnade Die über alles ist. 8. Bald ist es überwunden, Nur durch des Sohnes Blut, Das in den schwersten Stunden Die größten Thaten thut. 9. Herr! laß es bir gefallen, Noch immer rufen wir: ,, Die Gnade sey mit allen, Die Gnade sey mit mir!" Ph. Fr. Hiller, g. 1699+ 1769. XVIII. Trofilieder. In allgemeiner Noth. Eigene Mel.( 2 Chron. 20, 5-13. Pf. 91, 14-16.) 492. Wenn wir in höchster| Namen des Herrn Jesu Christ, Der unser Heil und Mittler ist. 5. Drum kommen wir, Herr, unser Gott, Und flagen dir all unsre Noth, Weil wir jetzt stehn verlassen gar In großer Trübsal und Gefahr. 6. Sich nicht an unsre Sünden groß, Sprich uns davon aus Gnaden los, Steh uns in unfrem Elend bei, Mach uns von allen Plagen frei; wir 7. Alsdann von Herzen wollen mit hohen Freuden danken Gehorsam seyn nach deinem dir, Noth und Bein Und wissen nicht wo aus noch ein Und finden weder Hülf noch Rath, Obgleich wir sorgen früh und spat: 2. So ist dieß unser Trost allein, Daß wir zusammen insgemein Anrufen dich, o treuer Gott, Um Rettung aus der Angst und Noth. 3. Wir heben unser Aug und Herz zu dir in wahrer Neu und Schmerz, Und bitten um Begnadigung Und aller Strafen Linderung; 4. Die du verheißest gnädiglich Wort, Dich allzeit preisen hier Allen die darum bitten dich Im und dort. Eber, g. 1511 † 1569.( Nach dem Latein. des Joach. Camerarius.) Mel. Vater unser im.( Esra 8, 22.) 325 493. Nimm von uns, Herr, du treuer Gott, Die schwere Straf und große Noth, Die wir mit Sünden ohne Zahl Verdienet haben allzumal; Schirm uns vor Krieg und theurer Zeit Vor Seuchen, Feu'r und andrem Leid! 2. Erbarm dich deiner bösen Knecht', Um Gnade bitten wir für Recht, Denn so du, Herr, den rechten Lohn Uns geben wollt'st nach unfrem Thun, So müßte ja die Welt vergehn, Und könnt kein Mensch vor dir bestehn! 3. Ach Herr Gott! durch die Treue dein Mit Trost und Rettung uns erschein, Beweis uns deine große Gnad Und straf uns nicht auf frischer That; Steh uns mit deiner Güte bei, Daß dein Gericht uns ferne sey. 4. Gedenk an deines Sohnes Tod Und seine bittre Kreuzesnoth, Die sind ja für die ganze Welt Der Uebelthaten Lösegeld; Deß trösten wir uns allezeit Und hoffen auf Barmherzigkeit. 5. Leit uns mit deiner starken Hand Und segne gnädig Stadt und Land; Gib uns allzeit dein heilig Wort, Den Argen schreck und treibe fort, Ein selig Stündlein uns verleih, Auf daß zu dir die Heimfahrt sey! Moller, g. 1547 † 1606. 326 XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. A. Haussland. XIX. Besondere Berhältnisse und Zeiten. A. Hansstand. Trauungslieder. Mel. Wie schön leucht't.( Marci 10, 6-9. br. 4, 16.) 494. Wie schön ists doch, Herr| uns betrübt, Jesu Christ, Im Stande, da dein Segen ist, Im Stande heilger Ehe! Wie steigt und neigt sich deine Gab Und alles Gut so mild herab Aus deiner heilgen Höhe, Wenn sich An dich Junge halten Gleich den Alten, Die im Orden Eines Standes einig worden. 2. Wenn Mann und Weib sich wohl verstehn Und unverrückt zu sammengehn Im Bunde reiner Treue, Da blüht das Glück von Jahr zu Jahr, Da sieht man, wie der Engel Schaar Jn Himmel selbst sich freue! Kein Sturm, Kein Wurm Kann zerschlagen, Kann zernagen, Was Gott gibet Dem Paar, das in ihm sich liebet. 3. Seyd guten Muths: nicht Menschenhand Hat aufgerichtet solchen Stand, Es ist Gott, unser Vater! Der hat uns je und je geliebt und bleibt, wann Sorge Der beste Freund und Rather; Anfang, Ausgang Aller Sachen, Die zu machen Wir gedenken, Wird er wohl und weislich lenken. 4. Zwar bleibts nicht aus, es kommt ja wohl Ein Stündlein, da man leidensvoll Die Thränen läffet fließen; Jedennoch, wer sich in Geduld Ergibt, deß Leid wird Gottes Huld In großen Freuden schließen. Wage, Trage Nur ein wenig! Unser König Wird behende Machen, daß die Angst sich wende. 5. Wohl denn, mein König; nab herzu! Gib Rath im Kreuz, in Nöthen Ruh, In Aengsten Trost und Freude; Deß sollst du haben Ruhm und Preis, Wir wollen singen besterweis' Und danken alle beide, Bis wir Bei dir, Deinen Willen Zu erfüllen, Deinen Namen Ewig loben werden. Amen. Gerharb, g. 1606 † 1676. Mel. Wie schön leucht't.( Ps. 127.) 495. Wo Gott ein Haus nicht| 2. Wenn Gott die Stadt nicht selber baut, Wo Gott nicht Braut selbst bewacht, Da gibt umsonst und Bräut'gam traut, Ist Rath der Wächter Acht, Und Feind und und Werk vergebens; Wo Gott Flammen wüthen. Wo Gottes des Hauses Gang regiert, Dem Hand nicht Ehen schließt, Wo er Bräutigam die Braut zuführt, Da nicht wird ums Ja begrüßt, Gibts quillet Luft des Lebens. Zählet, feine Friedensblüthen. Schauel, Wählet, Sorget, denket!- Wenns Trauet: Wer Gott dienet, Der Gott lenket, Die ihn fliehen, Wirds gelingen; nur grünet; Sonst wird niemand was erzwingen.| Müssen sich zu Tode mühen. A. Haussland. ( Tranungslieder.) 327 3. Umsonst springst du vom Lager| 4. Wohl dem, der von dem Geist auf Und eilst vor Tag mit bangem Lauf, Brod, Kleidung zu erjagen; Umsonst sitzst du bis Mitternacht Und denkst, es sey nicht gnug voll bracht, und ist und trinfft mit 3agen. Hülle, Fülle Edler Gaben Soll der haben, Der, begnadet, Jesum zu der Hochzeit ladet. Mel. Ringe recht, wenn Gottes.( Sprüche 16, 3. Eph. 5, 9. 10.) 496. Gottes Führung fordert| Verdienst laß nicht vergebens Auch Stille; Wo der Fuß noch selber rauscht, Wird des ewgen Vaters Wille Mit der eignen Wahl vertauscht. 2. Wer da leben will, der sterbe; Wer nicht stirbt, der lebet nicht! Ehe denn das Fleisch verderbe, Scheinet uns kein wahres Licht. 3. Beitlich, ewig,- geistlich, leiblich Bietet manchmal sich die Hand; Aber wie so unbeschreiblich Wird es eins im Cheband! regiert, Mit Christo seinen Ehstand führt Und Gottes Reich erbauet! Wohl dem, der fromme Kinder hat, Die er zum Heil der Vaterstadt 3m Geiste wachsen schauet! Jesu, Jesu, Laß geschehen Was wir flehen; Laß es Ehen, Die dein Werk sind, wohlergehen! Lehmus, g. 1707 † 1788. 4. Darum ist es unumgänglich, Jesus führ uns erst hinein, Will man hoffen, überschwenglich Darin unterstützt zu seyn. 5. Höchstes Vorbild alles Lebens, Welches heilig ist und rein: Dein an unfrem Leben seyn! 6. Was wir bisher auch versehen, Decke zu mit deinem Blut, Das für aller Welt Bergehen Gnug und überschwenglich thut. 7. Laß uns aber also handeln In des Lebens fiinftger Frist, Daß wir in dem Lichte wandeln, Herr, wie du im Lichte bist. 8. Unsern Stand laß mit dem Glanze Deiner Kraft umgeben seyn, Und ein jedes Kind zur Pflanze Der Gerechtigkeit gedeihn. 9. Stärk uns in des Lebens Leiden, Leit uns auf der Todesbahn. Derer Scheiden ist kein Scheiden, Die sich, Herr, in dir umfahn. Nik. Ludw. Graf von Zinzendorf, g. 1700+ 1760. V. 9 Zusaß. Mel. Wie schön leucht't.( Eph. 4, 1-3.) 497. Von dir, du Gott der lieben, Tren die Pflicht der Christen üben. Einigkeit, Ward einst der Ehe Bund geweiht; O weih auch sie zum Segen, Die hier vor deinem Angesicht Bereit stehn, dir den Schwur der Pflicht Und Eintracht abzulegen! Laß fie, Bater, Dir ergeben, Einig leben, Tren sich 2. Gott! der du sie verbunden hast, Mach' ihnen leicht des Lebens Last, Gib, daß kein Gutes fehle. Den Ehbund laß sie nie entweihn, Kensch laß fie, friedsam, zärtlich seyn, Ein Herz und eine 328 XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. Seele! Immer Laß sie Dir er-| Geschlecht sich deiner freun; Gib Und geben Einig leben, Einig handeln, selbst zu ihrem Fleiß Gedeihn, Fromm und heilig vor dir wandeln, ihr Beruf sey Segen! Laß sie, Va 3. O segne sie, der gern beglückt ter, Dir ergeben Glücklich leben, Und Segen uns von oben schickt, Freudig sterben: So sind sie des Auf allen ihren Wegen! Laß ihr Himmels Erben. Mel. Herr Jesu Chrift, dich 498. Wohl einem Haus, wo Jesus Christ Allein das All in allem ist! Ja wenn er nicht darinnen wär, Wie finster wärs, wie arm und leer! Eschenburg, g. 1743 † 1820. zu uns wend.( Jof. 24, 15.) 5. Wohl, wenn im äußerlichen Stand Mit fleißiger, getreuer Hand Ein jegliches nach seiner Art Den Geist der Eintracht offenbart! 6. Wohl, wenn die Eltern gläu 2. Wohl, wenn der Mann, das big sind Und wenn sie Kind und Weib, das Kind Jm rechten Glau- Kindeskind Bersäumen nicht am ben einig find, 3u dienen ihrem ewgen Glück! Dann bleibet ihrer Herrn und Gott Nach seinem feins zurück. Willen und Gebot! 3. Wohl, wenn ein solches Haus der Welt Ein Vorbild vor die Augen stellt, Daß ohne Gottesdienst im Geist Das äußre Wert nichts ist und heißt! 7. Wohl solchem Haus! denn es gedeiht: Die Eltern werden hocherfreut, Und ihren Kindern sieht mans an, Wie Gott die seinen fegnen kann. 8. So mach ich denn zu dieser 4. Wohl, wenn das Räuchwerk Stund Samt meinem Hause dies im Gebet Beständig in die Höhe sen Bund: Wich' alles Volk auch geht, Und man nichts treibet fort von ihm fern, Ich und mein und fort, Als Gottes Werk und Haus stehn bei dem Herrn! Gottes Wort! von Pfeil, g. 1712 † 1784. Mel. Sollt es gleich.( Ps. 127, 1. 2. Sprüche 10, 22.) - 499. Wo der Herr das Haus| Alles Sorgen, Rennen, Beben, nicht bauet, Wo mans ihm nicht Thut es nicht, wenns Gott nicht anvertrauet, Wo man selbst sich thut, Gott und seine treue Hut. helfen will, Steht das Werk bei Zeiten still. 4. Eilet früh aus eurem Bette, Ringt und wirket um die Wette, Sitzt falt, hungrig, ausgewacht Bis zur späten Mitternacht: 2. Wenn der Herr die Stadt nicht hütet, Wo der Feind bald schleicht bald wüthet, Wird sie, trotz der Wächter Fleiß, Flammen oder Mördern preis. 3. Alles Schaffen und Bestreben, 5. Euer Rechnen, Sorgen, Ringen Wird euch doch kein Glück erzwingen! Wer sich selber Hülfe schafft, Der verschmähet Gottes Kraft. A. Hausstand. ( Tranungslieder.) 6. Zieht Gott im Gebet zu Rathe,| Viel Gebete, Mülhet euch um Gottes Gnade, Lebt und liebt in ihn euch ein, Dann wird euer Werk gedeihn. 7. Schlafend gibt ers seinen Freunden, Gibt noch größres als sie meinten, Daß sie staunen, wenn sie sehn So viel Vorrath um sich stehn. reiches Brod, Starker Muth, wenn Uebel droht. 9. Sorgt nicht für den andern Morgen! Lernt für eure Seele sorgen, Trachtet nach der Ewigkeit: Gott ist nahe jederzeit! 10. Scheints, daß wenig Trost vorhanden: Nein, ihr werdet nicht zu Schanden! Nur der Sünder Haus zerfällt, Fromme bleiben Herrn der Welt! Lehmus, g. 1707+ 1788. Eigene Wel.; oder: So führst du doch.( Joh. 2, 2 2c. 1 Mof. 18, 19.) 500. O felig Haus, wo man| Füßen gern sich sammeln Und hordich aufgenommen, Du wahrer chen deiner süßen Rede zu, Und Seelenfreund, Herr Jesu Christ! lernen früh dein Lob mit Freuden Wo unter allen Gästen, die da stammeln, Sich deiner freun, du kommen, Du der gefeiertste und lieber Heiland, du! liebste bist; Wo aller Herzen dir entgegenschlagen, Und aller Augen freudig auf dich sehn; Wo aller Lippen dein Gebot erfragen, Und alle deines Winks gewärtig stehn. 4. O selig Haus, wo Knecht und Magd dich kennen, Und wissend, weffen Augen auf sie sehn, Bei allem Werk in einem Eifer brennen: Daß es nach deinem Willen 2. O selig Haus, wo Mann und mag geschebn; Als deine Diener, Weib in einer, In deiner Liebe deine Hausgenossen, In Demuth Eines Geistes sind, Als beide Ei- willig, und in Liebe frei Das nes Heils gewürdigt, keiner 3m ihre schaffen, froh und unverdrossen, Glaubensgrunde anders ist gesinnt; In kleinen Dingen zeigen große Wo beide unzertrennbar an dir Treu. hangen In Lieb und Leid, Gemach und Ungemach, Und nur bei dir zu bleiben stets verlangen An jedem guten, wie am bösen Tag! 1 5. D selig Haus, wo du die Freude theilest, Wo man bei keiner Freude dein vergißt! O selig Haus, wo du die Wunden heilest Und aller Arzt und aller Tröster bist; Bis jeder einst sein Tagewerk vollendet, Und bis sie endlich alle ziehen aus Dahin, woher der Vater dich gesendet, Jns große, freie, schöne Baterhaus! Spitta, g. 1801 † 1859. 8. Segnend tritt auf ihre Bitte Gott, der Herr, in ihre Mitte; 3. O selig Haus, wo man die lieben Kleinen Mit Händen des Gebets ans Herz dir legt, Du Freund der Kinder, der sie als die seinen Mit mehr als Mutterliebe begt und pflegt; Wo sie zu deinen 329 - XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. Mel. Zeuch ein zu deinen Thoren.( Col. 3, 14.) 501. Gott! but bist selbst die| Auf unsern Ehestand; Führ uns Liebe, Wer liebet ohne dich Und auf allen Wegen Durch deine Baterfolgt nicht deinem Triebe, Der hand; Stört uns der Seelenfeind, ladet Fluch auf sich. Du mußt So treib ihn in die Wüste, Hilf, der Anfang seyn Und auch das daß uns nicht gelüfte Was dir zu Ende machen Bei allen meinen wider scheint. Sachen Durch deinen Gnadenschein. 2. Wir opfern unsre Herzen Vor deinem Throne hier. Zünd an der Liebe Kerzen, Verbind uns erst mit dir Und gib uns deinen Geist, Der unsern Sinn regiere, Bum rechten Zweck uns führe, Der wahre Liebe heißt. 330 3. Du bist ein reines Wesen, Mach unsre Herzen rein; Was uns wird vorgelesen, Drück in die Seelen ein; Versiegle unsern Eid, Was wir vor dir versprechen, Das laß uns nimmer brechen Bis Grab und Tod uns scheid't. 4. Der Himmel träufle Segen 5. Gib uns vergnügte Herzen In Lieb und auch im Leid, Verfüße du die Schmerzen Des Kreuzes Bitterkeit; Schenkst du uns Thränen ein Und schlägst uns eine Wunde, So kommt doch wohl die Stunde, Da Wasser wird zu Wein. sind bereit, Dir, Herr, die ganze Lebenszeit Mit Seel und Leib zu dienen. Du sollst der Herr im Hause seyn; Gib deinen Segen nur darein, Daß wir dir willig dienen. Eine kleine, Fromme reine. Haus gemeine Mach aus allen! Dir nur soll sie wohlgefallen. ( Joh. 2, 1 tc.) 6. Laß uns im Frieden leben, Des Friedens Kinder seyn; Wann wir die Hand drauf geben, So schlage du mit ein; Dein Amen sey das Wort, Das Siegel unsrer Liebe; Wir folgen deinem Triebe, Hier ist der Segensort! Schmolf, g. 1672 † 1737. Mel. Wie schön leucht't.( Sof. 24, 15. Apostelg. 16, 31.) 502. Ich und mein Haus, wir| Neise Durch dieß Leben uns, die wir uns dir ergeben. 3. Gieß deinen Frieden auf das Haus Und alle, die drin wohnen, aus, Im Glauben uns verbinde; Laß uns in Liebe allezeit Zum Dulden, Tragen seyn bereit, De müthig, sanft, gelinde. Liebe llebe Jede Seele; Keinem fehle, Dran man fennet Den, der sich den deinen nennet. ( Joh. 13, 84 tc.) 2. Es wirke durch dein kräftig Wort Dein guter Geist stets fort und fort An unser aller Seelen; Es leucht uns wie das Sonnenlicht, Damit's am rechten Lichte nicht Im Hause möge fehlen. Reiche Gleiche Seelenspeise, Auch zur deine treue Hüllfe schaun Mit find 4. Laß unser Haus gegründet seyn Auf deine Gnade ganz allein und deine große Güte. Auch laß uns in der Nächte Graun Auf A. Haussland.( Für Eltern.) 331 Einer Welt nicht zu ersetzen. lichem Gemüthe; Selig, Fröhlich,| stille Gnadenfülle, Die mit Schätzen Selbst mit Schmerzen, In dem Herzen Dir uns lassen Und dann in Geduld uns fassen. 6. Und endlich flehn wir allermeist, Daß in dem Haus kein and5. Gibst du uns ird'sches Glück| rer Geist, Als nur dein Geist reins Haus, So schließ den Stolz, giere; Daß er, der alles wohl bedie Weltlust aus, Des Reichthums böse Gäste! Denn wenn das Herz an Demuth leer, Und voll von eitler Weltlust wär, So fehlte uns das beste: Jene Schöne, Tiefe, stellt Und gute Zucht und Ordnung hält, Uns alles lieblich ziere. Sende, Spende Ihn uns allen, Bis wir wallen Heim und droben Dich in deinem Hause loben. Spitta, g. 1801+ 1859. Für Eltern. Mel. Herr Jesu Chrift, dich zu uns.( Lucă 18, 15-17.) 503. Ihr Eltern, hört was 4. Gehorchet ihm und bringt sie Christus spricht: ,, Den Kindlein sollt ihr wehren nicht, Daß sie sich meinen Armen nahn, Denn ich will segnend sie empfahn." her, Daß man von Jugend auf sie lehr In Kirchen und in Schulen wohl, Wie man Gott gläubig ehren soll. 2. Auch ihrer ist das Himmelreich, Und was ist dem auf Erden gleich? Mit aller Weltlust, Pracht und Ehr Hat's bald ein End und ist nicht mehr. 3. Das Himmelreich sich nie verliert, Darein uns Jesus Christus führt Durch seine Lehr, dieß ewge Wort, Das uns macht selig hier und dort. 5. Habt ihr sie lieb mit treuem Sinn, So führet sie zu Jesu hin; Wer dieß nicht thut, ist ihnen feind, Wie groß auch seine Liebe scheint. 6. Was hilft den Kindern großes Geld, Wenn nicht ihr Herz ist gut bestellt? Wer sie zu Gott recht führen läßt, Der thut für sie das allerbest. Nach Helmbold, g. 1532+ 1598. Mel. Werde munter.( Pf. 115, 14. Sprüche 14, 26.) 504. Sorge, Herr, für unsre| Bei so manchem Unglücksfall, WolKinder, Sorge für ihr wahres Heil; Sind sie gleich vor dir nur Sünder, Haben sie an dir doch Theil: Sie sind in der Taufe schon Dir geweiht und deinem Sohn; Darum leite deine Gnade Sie auf ihrem Lebenspfade. left über ihnen walten Immerdar und überall. Bricht Gefahr für sie herein, Wollst du ihr Beschützer seyn; Wenn in Noth sie zu dir flehen, Laß sie deine Hülfe sehen. 3. Dringt auf sie von allen Seiten Der Verführer Schaar heran, Laß doch ihren Fuß nicht gleiten, Halte 2. Der du sie bisher erhalten 332 XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. sie auf rechter Bahn. Negt in ihrer| auf hin, Dir sich gänzlich zu ergeben eignen Brust Sich mit Macht die Und zur Ehre dir zu leben. böse Lust, Gib dann, daß sie muthig kämpfen Und den Reiz der Sünde dämpfen. 5. Schenke mir die Himmelsfreude, Daß ich einst am jüngsten Tag, Nach so manchem Kampf und Leide Mit Frohlocken sprechen mag: ,, Liebster Vater, siehe hier Meine Kinder all mit mir! Ihrer keines ist verloren, Alle für dein Reich erkoren!" Nach Schloffer, g. 1702 † 1754. Mel. Herr Jesu Chrift, dich.( Matth. 21, 15. 16. Ephef. 6, 4.) ( 3ef. 8, 18.) 4. Herr! erhalte deinem Reiche Unsre Kinder stets getreu. O daß feines von dir weiche Und dereinst verloren sey! Weck in ihnen from men Sinn, Lent ihr Streben dar505. Hilf, Gott, daß unsre| 6. O Geist der Gnad und des Kinderzucht Geschehe stets mit Nutz Gebets, Gieß dich in ihre Herzen und Frucht, Und aus dem Mund stets; Furcht Gottes gib in ihren der Kinder dir.Ein Lob ertöne für Sinn, Die aller Weisheit Anbeund für. ginn! 2. Laß unsre Kinder insgemein Den Eltern stets gehorsam seyn Und meiden allen Lügenhang, Den Eigensinn und Müßiggang. 7. Erleuchte sie mit deinem Schein; Laß sie zum Lernen willig seyn; An Gnad und Weisheit immerdar Zunehmen lieblich Jahr für Jahr. 8. Regiere sie ohn Unterlaß, Da mit sie zum vollkommnen Maß Des Lebens Christi wachsen fort Und Früchte bringen durch sein Wort. 9. Bollende sie in dieser Zeit 4. Behüte sie vor ergerniß; Mach3um Erbtheil in der Ewigkeit; fie des rechten Wegs gewiß; Wo Den Kindern, Heiland, sprichst ihnen ein Verführer naht Mit giftgem Reiz zur Miffethat. ja du So liebevoll den Himmel zu! 10. Und schließt sich einst ihr 5. Nimin ibre Seelen, Herr, in Erdenlauf, So nimm sie selig zu Acht, Beschirme sie mit deiner dir auf, Damit samt ihnen wir Macht, Damit sie dich verlassen zugleich Dich preisen dort in deinem nie; Dein Engel lagre sich um sie.| Reich. Viell. von Denike, g. 1603+1680. 3. Schenk ihnen deiner Wahrheit Licht Und segne ihren Unterricht, Damit durchs Wort aus deinem Mund Ihr Glaub erhalte festen Grund. Für Kinder. Eigene Mel.( Jef. 40, 11. Joh. 10, 14.) 506. Weil ich Jesu Schäflein| mich liebet, der mich kennt Und bei bin, Freu ich mich nur immerhin meinem Namen nennt. Ueber meinen guten Hirten, Der 2. Unter seinem sanften Stab Geh mich wohl weiß zu bewirthen, Der ich aus und ein und hab Unaus. A. Hausstand.( Für Kinder.) ZIX 333 sprechlich süße Weide, Daß ich kei-| seyn, Nun ich sein bin und er mein? nen Mangel leide; Und so oft ich durstig bin, Führt er mich zum Brunnquell hin. Denn nach diesen schönen Tagen Werd ich endlich heimgetragen In des Hirten Arm und Schooß; Amen, ja mein Glück ist groß! 3. Sollt ich denn nicht fröhlich Louise Henriette von Hayn, g. 1724 † 1782. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend.( Luc. 2, 51. 52.) 507. Nun hilf uns, o Herr| Hilf uns in deinem Willen ruhn, Jesu Christ, Der du einst hier Lehr uns nach deinem Vorbild thun. gewesen bist Ein freundliches und 3. Gib deinen Geist in unsre frommes Kind, Ohn alle Schuld, Brust; Hilf lernen uns mit Kinohn alle Sünd. deslust, Damit wir legen rechten Grund Und ewig stehn in deinem Böhmische Brüder. 2. Wir Kinder bitten eines nur, Versags nicht, Herr, der Kreatur: Bund. Mel. Auf, Christenmensch.( Marci 10, 13-16.) 508. Heil uns! des Vaters| fern!"- Die Mütter sahn beEbenbild, Der nun im Himmel klommen. Er aber sprach:„ ich seh thronet, Hat hier auf Erden hehr sie gern, Olaßt sie zu mir kommen, und mild Gewandelt und gewohnet, Und seyd auch ihr den Kindlein Und seine Huld und Herrlichkeit Um- gleich, Denn ihrer ist das Himmelhüllt ein schlichtes Pilgerkleid. reich!" 2. Er kam hernieder wunderbar, Die Menschen zu erlösen, Und wunderschön und freundlich war Sein Wort, sein Blick und Wesen. Ein stiller Glanz, ein himmlisch Licht Umfloß sein holdes Angesicht. 3. Er gieng im Land umher, sein Herz Boll Liebe und Erbarmen, Er heilte freundlich jeden Schmerz Und tröstete die Armen. Und was am lieblichsten erscheint, Er war der Kindlein Schirm und Freund. 4. Ihm gieng, den Säugling in dem Arm, Die Mutterlieb entgegen, Frohlockend hüpft' ein bunter Schwarm Von Kindlein an den Wegen, Und Jesus sah in stiller Ruh Dem fröhlichen Gewimmel zu. 5. Da rief ein Jünger: laßt sie 6. Und sieh, die Kindlein drängten dann Sich um ihn voll Verlangen, Und Jesus nahm sie freundlich an Mit liebendem Umfangen, Hob sie empor auf Arm und Knie Und segnete und herzte sie. 7. O hätt auch ich damals gelebt, Als er auf Erden wallte, Auch meine Thräne ihm gebebt, Wenn Preis und Dank ihm schallte, Getroft hätt ihn auch ich begrüßt Und seine Segenshand gefüßt! 8. Doch schauet er nicht ungefehn Voll Huld auf uns hernieder? Und einst von jenen Himmelshöhn Erscheint er herrlich wieder, Und sind wir dann den Kindlein gleich, Führt er uns in sein himmlisch Neich. Fr. A. Krummacher, g. 1767 T 1845. 334 XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. Mel. Vom Himmel hoch.( 2 Mof. 20, 12. Str. 3, 11. Sprüche 30, 17.) 509. Jhr Kinder, lernt von Anfang gern Der Weisheit Grund, die Furcht des Herrn! Was ihr bei Zeiten lernt und thut, Kommt jetzt und ewig euch zu gut. und aus, Der Fluch der Mutter reißt es ein, Denn Gott will selbst der Nächer seyn. 2. Hört die Verheißung, welche Gott Als Bater legt auf sein Gebot, Wenn er den Himmelsweg euch weist Und euch gehorsam werden heißt. 6. Ein Kind, das seinen Vater schmäht Und trotzig von der Mutter geht, Wird gleich dem Baume früh entlaubt und ruft sich Noth und Tod aufs Haupt. 11 7. Doch o wie süß, wenn Vatermund Und Mutterfreude geben fund: ,, Die liebste Blume, die ich find, Ist unser treues, frommes Kind!" 8. Den Vater lieb von Herzensgrund Und ehre ihn mit That und Mund; Vergiß nicht, wie du lange Frist Der Mutter sauer worden bist! 9. Gott! sende deinen Segensstrahl Eltern und Kindern allzumal; Halt sie verbunden in der 5. Des Vaters Segen baut ein Zeit, Verbunden in der Ewigkeit! Haus, Wo Kinder froh gehn ein 3. Ebr deine Eltern spät und früh; Dank ihnen ihre Lieb und Müh, Dann wirds dir wohl auf Erden gehn, Dann wirst du Gottes Himmel sehn." 4. So war auf seiner Erdenbahn Den Eltern Jesus unterthan; Er, dessen Stuhl die Himmel sind, War einst gehorsam als ein Kind. Knapp, g. 1798. Mel. Wie selig bin ich.( 1 Joh. 4, 19. 1 Cor. 6, 20.) 510. Daß ich in deiner Chri| 5. Ich kenne diese Welt noch stenheit, Mein Gott, geboren bin, Dir durch die Taufe bin geweiht, Wie sehr ist mirs Gewinn! nicht, Die Sünde drohet mir, Du aber ziehst mich durch dein Licht Zur Wahrheit und zu dir. 2. Nun ward ich in der Kindheit schon Mit dir und dem bekannt, Den du von deiner Himmel Thron Zum Heil der Welt gesandt. 6. Wie dank ich dir, Allliebender, Für diese Batertreu! Gib, daß dir immer inniger Mein Herz ergeben sey. 3. Ich lernte früh bereits verstehn, Was dein allweiser Rath Auch mir zum ewgen Wohlergebn Voll Huld geordnet hat. 7. Auch ich bin dir zum Eigenthum Durch deinen Sohn erkauft, Auch ich bin dir zum Dienst und Ruhm Auf sein Gebot getauft. 8. Dir will ich denn( o stärke mich!) Mein ganzes Leben weihn; So freut mein Herz sich inniglich Des Glücks, ein Christ zu seyn. Roppe, g. 1751 1791. 4. Erleuchtet durch dein heilig Wort Seh ich die sichre Bahn, Darauf wir uns so hier als bort Dem wahren Leben nahn. A. Hansstand.( Für Kinder.) z Mel. Sollt es gleich.( 2 Tim. 2, 22.) 511. Laß, o Jesu, meine Ju-| Gerne dir gehorsam seyn, Gerne gend Nur der Weisheit und der Tugend, Und mein Leben ganz allein Deinem Dienst ergeben seyn. lieben dich allein. 4. Gern will ich auch fleißig lernen; Gern mich überall entfernen, Wo zu einem bösen Spiel Leichtsinn mich verführen will. 2. Du wollst deinen, Geist mir geben, Der mich fromm und heilig leben Und zum Vater beten lehrt, Wenn er meinen Glauben mehrt. 3. Da kann ich auch mit Gebeten Gern vor dich, o Jesu, treten, in dein Reich mich ein! 5. Soll ich einst auch etwas leiden, Einst aus diesem Leben scheiden, Jesu, so gedenke mein Und nimm Mel. Wie selig bin ich.( Pf. 119, 9.) 512. Du kanntest schon und| entzückt, liebtest mich, Eh deine Hand mich schuf; Zu kennen und zu lieben dich, Ist, Vater, mein Beruf. 2. Dein sey der Jugend Blüthe, dein Die ganze Lebenszeit; Und mein sey deine Gnade, mein Noch in der Ewigkeit! 3. Mit Weisheit, ach ich dich, Erfülle den Verstand; naht mir ein Verführer sich, So beut mir deine Hand. 4. Der Jugendlüfte Eitelkeit Laß ferne von mir seyn, Der Tugend und der Sittsamkeit Und deiner Furcht mich weihn. 8. Nichts ist mein bester Vorsatz, nichts, Herr, ohne deine Kraft; Nichts gilt am Tage des Gerichts, Was deine Hand nicht schafft. 9. Zum Lernen gib mir Tren bitte und Fleiß, Laß Mühe nie mich Und scheun; So werd ich dir, o Herr, zum Preis Der Welt einft nüßlich seyn. 5. Ist mir von deiner Gültigkeit Ein Vorzug, Gott, verliehn, So laß mich Selbstgefälligkeit Als eine Thorheit fliehn. Pfeffel, g. 1736+ 1809 335 Beflecket oft das Herz, Und Sünde, die das Herz berückt, Wirkt Reue, Schand und Schmerz. 513. Jesu! als bu wiederkehr test Aus dem Heiligthum des Herrn, 6. Will meiner Jahre wallend Blut Mich eiligst hintergehn, So gib mir Weisheit, gib mir Muth, O Gott, zu widerstehn. 7. Die Luft, die unsern Sinn freun. 10. Du gabst mir Eltern, Lehrer mir; Ihr treuer Unterricht, Ihr lehrend Beispiel kommt von dir, Von dir, du höchstes Licht. 11. Hab ich sie nicht genug geliebt, Wie mir dein Wort gebeut, Und sie aus Leichtsinn oft betrübt; Vergibs! es ist mir leid. Mel. Gott der Wahrheit und der Liebe.( Luc. 2, 51. 52.) 12. Du sollst, Gott meiner Ju gend, noch Mein Gott im Alter seyn; Und so will ich auch sterbend noch Dich preifen, bein mich Dürr, g. 1743. Wo du seinen Willen hörtest, Bliebst du bei den Eltern gern, 336 XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. Warest willig, ihren Willen Treu| sie fromm und tüchtig werde, Lehrst und kindlich zu erfüllen, Und voll Demuth für und für; Gottes Gnade war mit dir. du sie in diesem Haus. Hilf daheim und bei den Spielen, Einsam oder unter vielen, Uns gedenken unsrer Pflicht; Kinderfreund verlaß uns nicht! Dr. Bahnmaier, g. 1774+ 1841. 2. Sieh, jetzt ziehet deine Heerde Aus der Schule fröhlich aus; Daß Berufslieder. Mel. Du deß sich alle Himmel freu'n.( Pf. 90, 17. Luc. 5, 4-11.) 514. Das walte Gott, der| 7. Trifft mich ein Unglück: un helfen kann! Mit Gott fang ich verzagt! Ist doch mein Werk mit die Arbeit an, Mit Gott nur geht Gott gewagt, Er wird mir gnädig es glücklich fort; Drum ist auch dieß stehen bei; Drum dieß auch meine mein erstes Wort: Das walte Gott! Losung sey: Das walte Gott! 2. All mein Beginnen, Thun und Werk Erfordert Gottes Kraft und Stärk, Mein Herz sucht Gottes Angesicht, Drum auch mein Mund mit Freuden spricht: Das walte Gott! 8. Er kann mich segnen früh und spat, Bis all mein Thun ein Ende hat; Er gibt und nimmt, machts wie er will; Drum sprech ich auch fein in der Still: Das walte Gott! 9. Gott steht mir bei in aller Noth Und gibt mir auch mein täglich Brod; Nach seinem alten Vaterbrauch Thut er mir Guts; drum sprech ich auch: Das walte Gott! 3. So Gott nicht hilft, so kann ich nichts, Wo Gott nicht gibet, da gebrichts; Gott gibt und thut mir alles Guts, Drum sprech ich nun auch guten Muths: Das walte Gott! 10. Nichts glücket ohne Gottes 4. Will Gott mir etwas geben Gunst; Nichts hilft Verstand, Wit hier, So will ich dankbar seyn oder Kunst; Mit Gott gehts fort, ge dafür; Auf sein Wort werf ich ausräth auch wohl, Daß ich kann sagen mein Netz Und sag in meiner Arbeit stets: Das walte Gott! glaubensvoll: Das walte Gott! 11. Theilt Gott was mit aus Gültigkeit So acht ich keiner Feinde Neid; Laß hassen, wers nicht lassen kann, Ich stimme doch mit Freuden an: Das walte Gott! 5. Anfang und Mitte samt dem End Stell ich allein in Gottes Händ; Er gebe was mir nützlich ist, Drum sprech ich auch zu jeder Frist: Das walte Gott! 12. Thu ich denn was mit Gottes 6. Legt Gott mir seinen Segen bei Nath, Der mir beistehet früh und Nach seiner großen Güt und Treu, spat, Dann alles wohl gerathen So gnüget mir zu jeder Stund; muß; Drum sprech ich nochmals Drum sprech ich auch von Herzens- zum Beschluß: Das walte Gott! grund: Das walte Gott! Johann Betichius, vor 1700. A. Hansstand.( für Dienstboten.) Mel. Du, Gott, bift über.( Zuc. 16, 10. Pf. 90, 17.) 515. 3ur Arbeit winkt mir| ich vor dir ein Schuldner blieb, mein Beruf; Du, dessen Güte mir Was wäre mein Gewinn? Die Kräft in Seel und Gliedern schuf, Ich fange an mit dir! 3. Herr! ohne dich ist kein Gedeihn, Vergeblich Müh und Schweiß, Laß deinen Segen mit mir seyn, Dann bringet Frucht mein Fleiß. 6. O daß, vom Joch der Trägheit frei, Mein Fleiß auch andern gern Zum Nutzen, nie zum Schaden fey! Wir dienen einem Herrn. 7. Kein Raum sey schnöder Weichlichkeit In meinem Thun vergönnt, Dem Sinn, der Müh und Lasten scheut Und nur nach Freuden rennt. 8. Nie will ich wie der faule Knecht Vergraben, Herr, mein Pfund; Dem Faulen wird mit vollem Recht Die Zornesruthe fund. 4. Gefahr für Leib und Seele broht Der träge Müßiggang; Zur 9. Mein Fleiß sey auch im kleinen Arbeit rief uns dein Gebot Austren, Mein Werk in Gott gethan, Gnade, nicht aus Zwang. Daß dermaleins ich fähig sey, Auch größres zu empfahn! Garve, g. 1763 t † 1841. 2. O stärke mich zu muntrem Fleiß, Gib Lust und Kraft dazu! Zum Nutzen mir, und dir zum Preis Gedeihe was ich thu. 337 5. Auch reiße mich fein falscher Trieb Zur Regsamkeit dahin! Wenn Mel. O Gott, du frommer.( Ps. 123, 2. Col. 3, 17.) ner Schuld zur Last; Auf daß du Nuhm dabei Von deinem Kinde haft. 516. Komm, Segen aus der| Als meinem Nächsten werd Aus eigHöh, Gib, Herr, mir Lieb und Stärke, Daß ich nur wachsam geh An jedes meiner Werke! Arbeitsam 3. Wo meine Füße gehn, Was seyn ist süß; Nur hilf auch du dabei, meine Händ arbeiten, Da will ich Daß Martha dieser Leib, Der Geist auf dich sehn, Als stündst du mir zur Maria sey. ( Luc. 10, 88 1c.) Seiten. Dein Geist regiere mich, Bis 2. Laß alles freundlich seyn, Voll alles was du willt In meinem Herzen Demuth, was ich sage, Es sey groß ist Und durch mein Thun erfüllt! oder klein; Und daß ich lieber trage, Grafin Benigna von Reuß, g. 1695+1751. Für Dienstboten. Mel. Nun ruhen alle.( Eph. 6, 5-9.) 517. Gott! beinen weisen Wil-| dien' ich treulich ihnen, So folg ich len Soll jeder hier erfüllen; Laß dir, mein Gott. Laß meiner Herrihn mir heilig seyn. Du haft auch schaft Willen Mich gern und tren mich auf Erden Zum Menschen las- erfüllen, Als deinen Willen, dein sen werden; Gebot. Kräfte weihn. 2. Ich soll hier andern dienen, Und Evangelisches Gesangbuch. Dir will ich meine 3. Lehr ohne bittre Klagen Des Lebens Last mich tragen und immer 22 338 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. auf dich sehn. Im Reden und im| Freude mir und Pflicht. Ich bin ja, Schweigen Will ich als Christ mich wo ich wandle, Bei allem was ich zeigen Und auf dem Pfad der Tu- handle, D Herr, vor deinem Angend gehn. gesicht. 4. Die Herrschaft will ich ehren Und ihren Nutzen mehren, Sie, wo ich kann, erfreun; Nie dein Gebot verletzen, Mich ihr nicht widersetzen, Und jeden Fehler gleich bereun. 5. Ich will sie redlich lieben Mit Vorsatz nie betrüben, Nie träg und müßig seyn; Ich will sie nicht be. lügen, Recht thun, und nie betrügen Und mich vor deinem Auge scheun. 6. In meinem Dienst auf Erden Stets tüchtiger zu werden, Seylich seyn. Dank für die Gesundheit. Mel. Einen guten Kampf hab' ich.( Str. 30, 14-17. Pf. 103, 1-4.) 518. Wer wohl auf ist und| mich des Lichts Und der Sonnen» gesund, Hebe sein Gemüthe Und er hebe seinen Mund Zu des Höchsten Güte. Laßt uns danken Tag und Nacht Mit gesunden Liedern Unfrem Gott, der uns bedacht Mit gesunden Gliedern. blicke; Mein Gesicht sieht überall, Mein Gehör das höret, Wie der Vögel süßer Schall Ihren Schöpfer ehret. 5. Händ und Füße, Herz und Geist Sind bei guten Kräften; Mein Vermögen sich erweist Freudig in Ge schäften, Die mein Herrscher mir bestellt In der Welt zu treiben, Also lang es ihm gefällt, Daß ich hier soll bleiben. d 2. Ein gesundes, frisches Blut Hat ein fröhlich Leben; Gibt uns Gott dieß eine Gut, Ist uns gnug gegeben Hier in dieser armen Welt, Da die schönsten Gaben Und das güldne Himmelszelt Wir noch fünftig baben. 3. Hätt ich aller Ehren Pracht, Säß im höchsten Stande, Wär ich mächtig aller Macht Und ein Herr im Lande, Reich an allem, was ergötzt: Wozu würd es nüßen, Wenn ich doch unausgesetzt Müßt in Schmerzen sitzen? 7. Du bist stets der Gerechte, Der Herr der Herrn und Knechte Und beider Trost und Heil; Der Niedrigste auf Erden Kann groß im Him mel werden, Hat Reichen gleich, Gott, an dir Theil. 8. Laß mich dieß recht ermessen; Nie meine Pflicht vergessen Und mei nes Russ mich freun; So wirst du, Herr der Welten, Es reichlich mir vergelten, Und ich werd ewig glück Lavater, g. 1741 † 1801. 4. Aber nun gebricht mir nichts Auch im Mißgeschicke; Ich erfreue 6. Ist es Tag, so sinn und thu Ich was mir gebühret; Kommt die Nacht und süße Ruh, Die zum Schlafe führet, Schlaf und ruh ich unbewegt, Bis die Sonne wieder Mit den hellen Strahlen regt Meine Augenlieder. 7. Habe Dank, du milde Hand, Die du von dem Throne Deines Himmels mir gesandt Diese schöne A. Hausstand.( Dank für die Genesung.) 339 Krone Deiner Gnade, die noch grünt,| Gott, zu jeder Stund Alles liebs beDie ich all mein Tage Niemals hab um dich verdient, Und doch freudig trage! nd Poz ginnen! 9. Halte mich bei Stärk und Kraft, Wann ich nun alt werde, Bis mein 8. Gib, so lang ich in mir hab Ein Stündlein hin mich rafft In das lebendig Hauchen, Daß ich solche Grab der Erde. Gib mir eine Lebenstheure Gab Auch wohl möge brauzeit Ohne fondres Leiden, Und dort chen. Hilf, daß mein gefunder Mund in der Ewigkeit Die vollkommnen Und die frohen Sinnen Dir, mein Freuden! Gerhard, g. 1606+ 1676. Dank für die Genesung. Mel. Wie groß ist.( efek. 33, 11. Luc. 5, 14.) 519. So wahr der Allerhöchste| Du sprachest freundlich mit mir Müden, Und ich vernahm dein Gnadenwort: ,, Nun gehe hin, mein Kind, im Frieden, Doch fündige nicht mehr hinfort!" ( 30h. 5, 14.) 5. O welcher Seligkeiten Menge Erweckte dieses Heil in mir! Mein Herz ward für den Dank zu enge Und brannt' und wallte nur von dir. Wie, Herr, vergelt ich dir die Tage, Die deine Huld mir nun gewährt, Und wo sich meine Pein und Plage In Ruhe, Kraft und Ruhm verkehrt? lebet, Will er den Tod des Sünders nicht, Deß Herz zerknirscht vor ihm erbebet Und sich sein eigen Urtheil spricht. Er züchtigt uns zu seiner Ehre Und unsrem Heil mit Bater. tren Nur, daß man sich zu ihm befebre, Zum bessern Leben tüchtig sey. 2. Liebreicher Gott! ich selber sehe Dein wahres Wort an mir erfüllt; Wenn ich mit Reu um Gnade flehe, Wird meiner Seelen Angst gestillt. Da meine Werke nichts verdienen, Bleibt beiner Gnade ganz der Preis; Die ist so herrlich mir erschienen, Daß ich es nicht zu zählen weiß. 3. Ich sah die Welt und alles schwinden, Und meine Kräfte starben schon; Ich fühlte tief die Macht der Sünden Und sah schon deinen Nichterthron; Da rührte dich mein ängstlich Sehnen, Mein Jammer brach dein Vaterherz; Es galcen für mich Jesu Thränen, Und mich erbat sein Blut und Schmerz. 4. Bald kam dein großer Trost her nieder, Der führte mich vom Tod herauf Und stärkte mich vollkommen wieder zu einem neuen Lebenslauf. 6. Ich weihe, was ich von dir habe, Mein Herz bir ganz zum Opfer ein; Es wird ja, Schöpfer, deine Gabe In deinen Augen theuer seyn. Nun weiß ich was es heiße: leben, Da ich, was sterben sey, erfuhr; Nun wird mir stets im Sinne schweben, Was ich dir in der Prüfung schwur. 7. Es ist genug, daß ich vor Zeiten Nach meines Fleisches Listen gieng, Und an den flüchtgen Eitelkeiten Mehr als an dir, o Vater, hieng. Ich bin ja darum nur genesen, Daß ich dieSeele bessern kann; Drum fang ich, Herr, ein ander Wesen Mit deiner Gnade Beistand an! Lüneburger Gesangbuch. XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. Geburtstag. Mel. Jesu, du mein.( Soh. 16, 27. Klagl. 3, 22 zc. Pf. 116, 12.) 520. Unveränderliche Liebe,| ganzen Lebenslaufe Hast du mir viel guts beschert: Deine Hand war, statt mit Blitzen, Stets mit Segen angefüllt, Unter beiner Langmuth Schild Konnt ich frei und sicher sitzen. Liebe, wie vergelt ich dir, Was bu guts gethan an mir? 6. Alle deine treue Sorgen Zielten auf mein Wohlergehn; Daher. hab ich jeden Morgen Deine Güte neu gesehn. Ströme der Begnadigungen Sind von meiner Kindheit auf Mit unausgesetztem Lauf In mein Innerftes gedrungen. Liebe, wie vergelt ich dir, Was du guts gethan an mir? 7. O wie ist mein kurzes Leben Deiner Wunder doch so voll! Könnt ich doch sie recht erheben, Wie du willst, und wie ich soll! Doch mein Auge wird geblendet Durch dein überschwenglich Licht; Meine Zunge zählet nicht Was du mir haft zugewendet. Liebe, wie vergelt ich dir, Was du guts gethan an mir? 8. Weil du denn so viel zu gute, Ewge Liebe, mir gethan, Auch alsdann, wann deine Ruthe Mich trieb von der breiten Bahn; O so sey mein ganzes Leben, Das ich führ in dieser Welt, Dir zum Opfer dargestellt Und zu deinem Dienst ergeben! Liebe, wie vergelt ich dir, Was du guts getban an mir? 9. Nimm zu deinem Eigenthume Leib und Seel und alles hin: Fortan leb ich dir zum Ruhme, Weil ich mein nicht ferner bin; Ich entfage Welt und Sünden, Ja der aller340 Brunn, den lauter Gnade füllt, Der mit ungehemmtemTriebe Ueber fluß und Segen quillt! Sieh, mein dankbares Gemüthe Schwingt durch deinen Gnadenzug Sich mit einem schnellen Flug In den Reichthum deiner Güte. Liebe, wie vergelt ich dir, Was du guts gethan an mir? 2. Dieser Tag, der mir die Pforten Dieses Lebens aufgethan, Trei bet mich, mit holden Worten, Liebe, dich zu loben, an. Er erscheinet als ein Zeuge, Der mir zu Gemüthe führt, Was mein Herz empfindlich rührt, Und erlaubt nicht, daß ich schweige. Liebe, wie vergelt ich dir, Was du guts gethan an mir? 3. Du hast mich mit deinen Händen, Liebe, aus der langen Nacht, Die sich heute müssen enden, An das Licht hervorgebracht. Wo viel tausend Schiffbruch leiden, Landete ich glücklich an; Liebe, das hast du gethan, Dafür dank ich dir mit Freuden! Liebe, wie vergelt ich dir, Was du guts gethan an mir? 4. Du bist mir entgegenkommen, Als ich noch am Ufer flund; Haft mich liebreich aufgenommen In den theuren Gnadenbund; Haft mich für dein Kind erkläret Und mir deinen guten Geist, Der ein Pfand der Erb schaft heißt, Eh ich dich noch bat, gewähret. Liebe, wie vergelt ich dir, Was du guts gethan an mir? 5. Du haft auch seit meiner Taufe Nicht zu lieben aufgehört; In dem A. Hansfand.( für das Alter.) 341 liebsten Lust, Laß an deiner Vater-| Liebe, nimm dieß Opfer an, Well brust Mich die wahre Ruhe finben. ich sonst nichts geben kann! Rambach, g. 1693 † 1735. Für das Alter. Mel. Chriftus, der ist.( Pf. 71, 9.) 521. Verwirf mich nicht im| laß dieß Wort allein Mir in dem Alter, Berlaß mich nicht, mein Gott!| Herzen schallen: Ich will dir gnäBist du nur mein Erhalter, So werd dig seyn!" ich nie zu Spott. 6. Wenn mich die Glieder schmerzen, So bleibe du mein Theil Und mach mich an dem Herzen Durch Christi Wunden heil. 2. Wie oft hab ich erfahren, Der Vater sey getreu; Ach mach in alten Jahren Mir dieses täglich neu! 3. Wenn ich Berufsgeschäfte Bon außen schwächlich thu, Leg deines Geistes Kräfte Dem innern Men schen zu. 4. Wenn dem Verstand und Augen Die Schärfe nun gebricht, Daß sie nicht viel mehr taugen, Sey Jesus noch mein Licht. 5. Will mein Gehör verfallen, So 7. Sind Stimm und Zunge blöde, So schaffe du, daß ich Im Glauben stärker rede: ,, Mein Heiland, sprich für mich!" 3. War Menschenrath vergebens, So warst du, Herr des Lebens, Mein Licht auf dunkler Bahn. Dich ließ ich thun und rathen, Denn du thuft große Thaten Und nimmst dich unsrer huldreich an. 8. Wann Händ und Füße beben, Als zu dem Grabe reif, Gib, daßß ich nur das Leben, Das ewig ist, ergreif'. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Nun ruhen alle.( Jes. 46, 4.) 522. Du, Herr von meinen| 4. ,, Bis zu des Alters Tagen Will Tagen, Hast mich mit Huld getragen Von meiner Jugend auf; Auf allen meinen Wegen Umgab mich, Gott, dein Segen, Auch selbst im schwersten Leidenslauf. ich dich heben, tragen Und dein Erretter seyn." Dieß hast du mir versprochen Und nie dein Wort gebrochen; Deß will ich mich auch immer freun. 2. Oft hatt ich große Sorgen; Doch, wie ein heitrer Morgen Durch dunkle Nächte bricht, So hab ichs auch erfahren: Du weißt uns zu bewahren Und führst durch Finsterniß zum Licht. 5. Du wirst in meinem Alter Mein Stab seyn, mein Erhalter, Nach deiner Vatertreu. Bin ich gleich schwach und müde, Bei dir ist Trost und Friede, Du stehst mir Schwachen mächtig bei. 6. Nach wenig bangen Stunden Hab ich ganz überwunden; Ich bin dem Ziele nah, Dem Ziele aller Leiden; O welche hohe Freuden Erwartet meine Seele da! 7. Ich harre froh und stille, Bis, 342 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Herr mein Gott, dein Wille Mich| Hände; Denn er hat mich mit dir nach dem Kampfe frönt. An meiner versöhnt. Laufbahn Ende Sink ich in Jesu Feddersen, g. 1736 † 1788. Eigene Mel.( Sir. 18, 22. 2 Petri 3, 9.) 523. Mein Alter tritt mit| mein Leben Dir recht zu Dienst und Willen sey; Sieh aber, wie ich mich dabei Umsonst bemühe zu erheben: Der schwere Weltsinn hält mich an, Daß ich nicht aufwärts kommen kann. 5. Ach liebster Jesu, einger Hort, Hilf du mit deiner Hülf mir fort Und biete mir die Hand der Gnaden. Du hast zuvor durch denen Tod Mich meiner schweren Todesnoth Und des zufünftgen Fluchs entladen; Gib, o mein Leben, nimmermehr, Daß ich mir selbst mein Heil zerstör! 6. Laß von der Welt Betrug und Schein Mich gänzlich abgewendet seyn Und dir, mein Heiland, fest anhangen; Entbind mich bald der großen Last, Womit der Leib die Seel umfaßt Und wie im Kerker hält gefangen; Und setze sie rein, froh und frei Dem Chor der heilgen Engel bei. 7. Da werd ich dir, mein Heil, hiee für Und, großer Himmelsvater, dir Nebst beinem heilgen Geist lobsagen. Macht herein: Der Augen Licht verliert den Schein, Das Haupt bückt sich hinab zum Grabe, Das Haar wird weiß, die Füße schwer; Erwäg ich dann, wie ich bisher, Gerechter Gott, gelebet habe, So werd ich angst und schreckenvoll Und weiß nicht, wo ich bleiben soll. 2. Der Tod ruft selbst mir öfters zu: Wohin, verwegner Sünder, du? Wann wirst du andern Sinnes werden? Wie lang gehst du dem Eitlen nach, Dem Traum, der Schmink', dem Ungemach, Dem Schatten dieser falschen Erden? Merkst du nicht, daß den Flüssen gleich Die Jahrszeit unvermerkt hinschleich'?" 3. ,, Bedente, daß du jetzo schon Wirst vor den strengen Richterthron Des großen Gottes kommen müssen, Der die all deine Werk und Wort, Ja auch des Herzens tiefsten Ort Wird richtig aufzudecken wissen. Hast du auf den nicht hier gesehn, Wie wirst du dort vor ihm bestehn?" 4. Dieß, großer Gott, ach alles dieß Hält mein Herz mehr als für gewiß Und wünschet sehnlich, daß du, der deinen Schutz und Port, O Jesu, nimm in Acht mein Wort Und laß mich so in dir betagen! Mein Morgen war der Welt gemein, Der Abend soll dein eigen seru! Otto von Schwerin, g. 1616 † 1679. Für Wittwen. Mel. Nun ruhen alle.( Pf. 68, 6. 146, 9.) 524. Auf Gott nur will ich| Trost und Freude, Mein Fels, den sehen, Er hört der Wittwen Flehen, ich umfassen kann. Sieht ihre Thränen an; In jedem Schmerz und Leide Jst Gott mir 2. Wie viel, die in der Kammer Dir klagten ihren Jammer, O Gott, B. Fürßt und Vaterlaud.( Für Wittwen.) 343 erhörtest du! Dein väterlicher Segen| nen Augen thun; Will mich der Welt Hielt sie: auf ihren Wegen Warentziehen, Lärm, Tand und Thorheit Friede, Sicherheit und Ruh.a fliehen Und nur in deinem Schooße 3. Wo seit viel tausend Jahren ruhn. Betrübte Wittwen waren, Die haft du treu gepflegt, Wenn sie dich nicht verließen Und gläubig dir zu Füßen Des Kummers schwere Last gelegt. 4. In dir will ich mich stärken: Dein Aug wird auf mich merken Und auf mein Flehn dein Ohr. Bei Tag und Nacht mit Flehen Will, Herr, vor dir ich stehen und seufzen still zu dir empor. 8. Dann eilen meine Tage Mit jeder Noth und Plage Leicht, wie ein Traum, dahin; Dann leg ich froh die Glieder Aufs Sterbebette nieder, Wenn ich zum Himmel reifer bin. 9. Dann find ich den ich liebte, Deß Tod mich einst betrübte, In meines Schöpfers Hand! Wo Freudenquellen fließen, Werd ich ihn dann umschließen Im thränenfreien Vaterland. 5. Ich will mein Joch nun tragen; Dir, Vater, darf ich sagen Was je mein Herz bedrückt; Bist du nicht in der Nähe, Du, den ich zwar nicht sehe, Und den mein Glaube doch erblickt? 6. Ja bis zum letzten Schritte, Ja wenn ich mehr noch bitte, Seh ich mit Luft auf dich. Dir, Heiland, zu gefallen, Unsträflich hier zu wallen, Sey mein Bestreben; stärke mich! 7. Mit Ernst und frohen Muthes Will ich nach Kräften gutes Vor dei B. Fürst und Vaterland. Mel. Nun danket alle Gott.( Pſ. 20, 7.) Unibi 525. Preis, Ehr und Lob sey bir, In deffen Schirm und Schatten Wir bis zur Stund allhier Viel Heil zu schmecken hatten, Der auch zu jeder Frist Allmächtig nah und fern Ein Herr und König ist Des Königs, unsers Herrn! 10. Fort auf dem heißen Pfade! Mich fühlt des Vaters Gnade; Er träget meine Noth. Nicht ewig werd ich weinen: Ich komme zu den meinen, Bald seh ich sie bei meinem Gott. 11. Kommt her, ihr meine Waisen, Den Herrn mit mir zu preisen, Der uns erhalten kann! Dir, Gott, will ich sie bilden; Schan, Herr, mit deiner milden Erbarmung deine Schafe an! Lavater, g. 1741 † 1801. 2. Du hast ihm lebenslang Den Obem tren bewahret, Und auf manch strengem Gang Dich huldvoll offen baret. Du hast in seiner Hand Das Scepter stark gemacht und unser Baterland Mit reichem Gut bedacht. 3. Du wollest deinen Geist Auf seine Stirne legen, Der klar ihn unterweist, Des hohen Amts zu pflegen. Du wollst Gerechtigkeit Und milder Gnade Lust Ihm stellen an die Seit, Ihm pflanzen in die Brust. 4. Du wollest allezeit In deinem Gleis ihn lenken, Und Zucht und Frömmigkeit In ihm dem Lande 344 XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. schenken; Auf daß er Vorbild sey| uns gescheh, Und seines Thrones Von jeder Tugendart, und Hülf Grund In unsern Herzen steh. und Schutz verleih, Wo man den Glauben wahrt. 5. Du wollest seine Treu Bergelten durch die Treue, Womit ihn täglich neu Ein gutes Volk erfreue; Daß dein Gebot im Bund Von ihm und 6. O segne, was wir flehn An seinem Jahresfeste, und gib zum Wohlergehn Ihm deiner Gaben beste! Gib, daß ers nie vergißt Noch wir, wie du so gern Ein Herr und König bist Des Königs, unsers Herrn! Grüneisen, g. 1802. Mel. Du, Gott, bift über.( Ps. 21. Sprüche 20, 28.) 526. In beiner Stärke frene| nicht durch Straf und Drang Der Bürger Heuchelei. sich Der König allezeit; Sein Auge seh, o Gott, auf dich, Sein Herz sey dir geweiht. 2. Begnadigt, Herr, mit deiner Kraft Und deines Geistes voll, Gedenk er stets der Rechenschaft, Die er dir geben soll. 8. Beglückter Bürger Liebe sey Sein edelster Gewinn, und kein gerechter Seufzer schrei Gen Himmel wider ihn. 9. Er fördre freudig deinen Ruhm Und denke stets daran: Auch sein Land sey dein Eigenthum, Und er dein Unterthan. 3. Der über Christen, Gott, von dir Zum Herrn verordnet ist, Sey deiner Kirche Schutz und Zier, Ein ächter Mensch und Christ. 4. Groß und voll Müh ist seine Pflicht, Und er ein Mensch wie wir; Ach, er bedarf vor andern Licht Und Rath und Kraft von bir! 10. Verloren dünk ihm Kraft und Zeit, Wenn er nicht Menschen nützt, Nicht täglich wohlthut und erfreut Und Fleiß und Künste schützt. 11. Um seinen Thron sey immerdar Necht und Gerechtigkeit. Beschütz ihn mächtig in Gefahr, Wenn Feins desmacht ihm bräut! 12. Auch ihm haft bu bestimmt das Ziel, Das er erreichen soll; Herr! mache seiner Tage viel Und jeden segensvoll. 6. Er zeig auf seinem Throne sich Als deinen treusten Sohn: Dem Lafter sey er fürchterlich, Der Tugend Schutz und Lohn. 13. Sein werd in jedem Flehn zu dir Mit Lieb und Dank gedacht; Er7. Er haffe den Gewissenszwang hör uns, Gott; dann jauchzen wir Als schnöde Tyrannei, Und fördre| Und preisen deine Macht! Cramer, g. 1723 † 1788. 5. Sey du sein Licht, sein Hort, sein Schild! Laß ihn dir ähnlich seyn, Laß menschenfreundlich ihn und mild Sein Bolt wie du erfreun. Obrigkeiten. Mel. Aus Gnaden soll ich.( Röm. 13, 1 c. 1. Tim. 2, 1 2c.) 527. Gott, Herrscher über alle| von dir: Den Menschen, die auf Thronen! Das ist ein weiser Nath Erden wohnen, Setzst bu die Obrig 345 B. Fürst und Vaterland.( Bitte um Frieden.) feiten für, So daß man nun an dei-| mahl hat; Daß man uns nicht die ner Statt Auch Sterbliche zu Nich Schrift darf wehren, Noch auch ein tern hat. Grab zur Ruhestatt, Das schaffst du, Gott, der an uns denkt Und Christen zu Regenten schenkt. 2. Daß ich mein Brod darf ruhig essen Und wandeln mag auf sichrer Bahn; Daß mich das Mordschwert nicht darf fressen, Der Räuber nicht entkleiden kann, Der Lästrer mir vergeblich bräut: Das schaffst du durch die Obrigkeit. 4. Gott! dir sey Dank für solche Güte, Du schützst durch deine Dienerin; Die ganze Welt ist dein Gebiete, Da stellst du Richterstühle hin. Es lobe dich, dich bete an Was König heißt und Unterthan. 3. Daß wir dein Wort im Frieden hören, Wobei man Tauf und NachtNach Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Bitte um Frieden. Mel. Herr Jesu Christ, du.( Pf. 85.) 528. Herr! ber du vormals| ten ganz verzagen! Doch ist ja Gothaft dein Land Mit Gnaden ange- tes Hülfe nah, Und seine Gnade blicket, Und wenn du Strafen ihm stehet da All denen die ihn fürchten. gesandt, Es wiederum erquicket; Der 5. Wenn wir nur fromm sind, du die Sünd und Miffethat, Die wird sich Gott Schon wieder zu uns alles Volk begangen hat, Uns väterwenden, Den Krieg und alle andre lich verziehen: 2. Willst du, o Bater, uns denn nicht nun einmal wieder laben? Und sollen wir an deinem Licht Nicht wieder Freude haben? Ach geuß aus deines Himmels Haus, Herr, deine Güt und Segen aus Auf uns und unsre Häuser! 3. Ach daß ich hören sollt das Wort Erschallen bald auf Erden: Daß Friede sollt an jedem Ort, Wo Chriften wohnen, werden! Ach daß uns doch Gott sagte zu Des Krieges Schluß, der Waffen Ruh Und alles Unglücks Ende! 4. Ach lehrte doch die böse Zeit Sich um zu guten Tagen, Damit wir in dem großen Leib Nicht möch10 Noth Nach Wunsch und also enden, Daß seine Ehr in unsrem Land Und allenthalben werd erkannt, Ja stetig bei uns wohne. 6. Die Güt und Treue werden schön Einander grüßen müssen; Das Recht wird durch die Lande gehn Und wird den Frieden küssen; Die Treue wird mit Lust und Freud Auf Erden blühn, Gerechtigkeit Wird von dem Himmel schauen. 7. Der Herr wird uns viel gutes thun, Das Land wird Früchte geben, Und die in seinem Schooße ruhn, Die werden davon leben; Gerechtigkeit wird wohl bestehn Und stets in vollem Schwange gehn, Zur Ehre seines Namens! Gerharb, g. 1606 † 1676. XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Dank für den Frieden. Mel. Nun danket alle Gott.( Pf. 46, 9-12.) 529. Herr Gott! dich loben| 4. Herr Gott! dich loben wir, Daß wir Für deine großen Gnaden, Daß du das Vaterland Von Kriegeslast entladen, Daß du uns blicken läßst Des goldnen Friedens Bier: Drum jauchzet alles Volk: Herr Gott! dich loben wir. 346 2. Herr Gott! dich loben wir, Die wir in bangen Tagen Der Waffen schweres Joch Und frechen Grimm getragen; Jetzt rühmet unser Mund Mit herzlicher Begier: Gottlob wir sind in Nuh! Herr Gott! wir dan ken dir. 3. Herr Gott! dich loben wir, Daß du die Pfeil' und Wagen, Schild, Bogen, Spieß und Schwert Zerbrochen und zerschlagen; Der Strick ist nun entzwei, Darum so singen wir Mit Herz, mit Zung und Mund: Herr Gott! wir danken dir. du uns zwar gestrafet, Jedoch in deinem Zorn Nicht gar hast weggeraffet. Es hat die Baterhand Uns deine Gnadenthür Jetzt wieder auf gethan; Herr Gott! wir danken dir. 5. Herr Gott! wir danken dir, Daß du Land, Kirch und Häuser, und unsers Fürsten Stamm, Auch dessen grüne Reiser Bisher erhalten hast! Gib ferner Gnad allhier, Daß auch die Nachwelt sing: Herr Gott! wir danken dir. 6. Herr Gott! wir danken dir Und bitten, du wollst geben, Daß wir auch fünftig stets In guter Ruhe leben. Krön uns mit deinem Gut, Erfülle für und für, O Bater, un sern Wunsch; Herr Gott! wir danken dir. Johann Franck, g. 1618+ 1677. C. Jahreswechsel. Jahresschluß. Mel. Seelenbräutigam.( Pf. 102, 24-29.) 530. Jeder Schritt der Zeit| werde, Dieß sucht Christenfleiß Als des Lebens Preis. Wallt zur Ewigkeit. Tage, kaum erst angebrochen, Werden, eh mans denkt, zu Wochen; Wohl dem der mit Fleiß Sie zu nüßen weiß! 4. Hab ich, halt ich ihn, Wenn die Zeiten fliehn, Diesen Schatz vor allen Schätzen, Den nicht Raub 2. Flüchtig durch die Zeit Schwe- noch Rost verletzen, Mehr als alles ben Freud und Leid; Wohin sind Gold, Das die Erde zollt? die Freudenstunden, Wohin Sorg und Schmerz entschwunden? Zielt nicht Freud und Schmerz Auf Gewinn fürs Herz? 5. Schatz von ewgem Werth, Schatz von Gott geehrt, Ach zu oft durch Lust und Sorgen Vor des Menschen Blick verborgen, Sey du mein Gewinn! Sonst fahr alles hin! 3. Ob die Welt vergeht, Ein Gewinn besteht. Daß vor jedem Gut der Erde Dieser Schatz erworben 6. Wohl mir, bist du mein! Weh C. Jahreswechsel.( Neujahr.) 347 mir, darb ich dein! Werd im heil-| meine, So eilt meine Zeit Froh zur gen Gottvereine Alle Tage mehr der Ewigkeit! Karl Bernh. Garve, g. 1763 † 1841. ( Ps. 126, 3. Luc. 2, 34 2c. 40. 52.) Mel. Von Gott will ich nicht lassen. 531. O Anfang sonder Ende,| 5. Die Herzen sind voll Gnaden, Du großer Herr der Zeit, Wir prei- Obgleich wir Zorn verdient, Doch sen deiner Hände Regierung hoch- hast du allen Schaden Durch Chrierfreut, Weil du uns noch ein Jahr stum ausgesühnt: Wenn wir bei Tag Mit Segen läsfest schließen Und wir und Nacht Mit Seufzen und mit bekennen müssen, Dein Thun sey Beten Vor deinen Thron getreten, wunderbar. Hast du es gut gemacht. 2. Die Kirch ist fest gegründet Durch Wort und Sakrament, Darin, stets neu entzündet, Dein Licht und Necht noch brennt. Dein Sohn, der ist der Stein, An dem die Feinde fallen, Er, der den deinen allen Ein Auferstehn wird seyn. 3. Das Land ist voller Segen Und trieft von Del und Most, Man schmecket allerwegen Der Felder eble Koft. Ist da und dort ein Schwert Durch unsre Seele gangen, So bast du nach Verlangen Auch wieder Trost beschert. 4. Die Häuser sind voll Güte, Die alle Morgen neu; Wo man sich treulich mühte, Da stund dein Sorgen bei. Die Kinder wuchsen auf Und wurden stark am Geiste, Weil Got tes Kind sie weiste Auf seiner Jugend Lauf. 6. Nun, Herr, dein ist die Ehre, Du heißest Wunderbar, Drum unser Flehen höre, Daß wir das alte Jahr, Befreit von aller Noth, In deiner Gnade schließen und in dem neuen wissen, Du seyst der alte Gott. 7. Laß dir die Alten dienen Wie Hanna, Simeon; Gib, daß die Jungen grünen Wie dein und Davids Sohn. Nimmt eins an Jahren zu, Das soll sich auch nicht schämen, 3m Guten zuzunehmen; Dieß alles wirke du! 8. Und wann wir das vollendet Was uns dein Wort gesagt, Und unser Lauf sich endet Jung oder wohlbetagt, Dann führ uns zu der Schaar Der deinigen bort oben, Dann wollen wir dich loben Im ewgen Friedensjahr. Echmolk, g. 1672+ 1737. Neujahr. Mel. Mein's Herzens Jesu.( Pf. 28, 9.) Dank ertheilen! 532. Gott ruft der Sonn und| Gott der Macht, Nuhm, Preis und schafft den mond, Das Jahr danach zu theilen; Er schafft es, daß man sicher wohnt, Und beißt die Zeiten eilen; Er ordnet Jahre, Tag und Nacht; Auf, laßt uns ihm, dem 2. Herr, der da ist und der da war! Bon bankerfüllten Zungen Sey dir für das verfloßine Jahr Ein heilig Lied gesungen, Für Leben, XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. Wohlfahrt, Trost und Rath, Für| Und laß mich nicht in Noth und Fried und Ruh, für jede That, Die Schmerz Die Glücklichen beneiden. uns durch dich gelungen. 3. Laß auch dieß Jahr gesegnet seyn, Das du uns neu gegeben; Verleih uns Kraft, die Kraft ist dein, In deiner Furcht zu leben. Du schützest uns und du vermehrst Der Menschen Glück, wenn sie zuerst Nach deinem Reiche streben. 5. Hilf beinem Volke väterlich In diesem Jahre wieder; Erbarme der Verlaßnen dich Und der bedrängten Brüder. Gib Glück zu jeder guten That Und laß dich, Gott, mit Heil und Rath Auf unsern Fürsten nieder; 6. Daß Weisheit und Gerechtigkeit Auf seinem Stuhle throne, Daß Tugend und Zufriedenheit In uns rem Lande wohne; Daß Treu und Liebe bei uns sey, Dieß, lieber Va ter, dieß verleih In Chrifto, deinem Sohne! Gellert, g. 1715 † 1769. 4. Gib mir, wofern es dir gefällt, Des Lebens Ruh und Freuden; Doch, schadet mir das Glück der Welt, So gib mir Krenz und Leiden; Nur stärke mit Geduld mein Herz, 348 Mel. Nun laßt uns Gott, den Herren.( Klagel. 3, 22-24.) 533. Nun laßt uns gehn und| 7. Gelobt sey deine Trene, Die alle Morgen neue! Lob sey den starken Händen, Die alles Herzleid wenden! treten Mit Singen und mit Beten Zum Herrn, der unfrem Leben Bis hieher Kraft gegeben. 2. Wir gehn dahin und wandern Von einem Jahr zum andern; Wir leben und gedeihen Vom alten bis zum neuen, 3. Durch so viel Angst und Plagen, Durch Zittern und durch Bagen, Durch Krieg und große Schreden, Die alle Welt bedecken. 4. Denn wie von treuen Müttern In schweren Ungewittern Die Kindlein hier auf Erden Mit Fleiß bewahret werden: 5. Also auch und nicht minder Läßt Gott ihm seine Kinder, Wann Noth und Trübsal blitzen, In seinem Schooße sitzen. 6. Ach Hüter unsers Lebens, Fürwahr es ist vergebens Mit unsrem Thun und Machen Wo nicht dein Augen wachen! 8. Laß ferner dich erbitten, O Vater, und bleib mitten In allem Kreuz und Leiden Ein Brunnquell unfrer Freuden! 9. Gib uns und allen denen, Die sich von Herzen sehnen Nach dir und deinen Hulden, Ein Herz, sich zu gedulden. 10. Schließ zu die Jammerpforten, Und laß an allen Orten, Wo Menschen Blut vergießen, Die Friedensströme fließen. 11. Sprich deinen milden Segen Zu allen unsern Wegen; Laß Großen und auch Kleinen Die Gnadensonne scheinen. 12. Sey der Verlaßnen Vater, Der Irrenden Berather, Der Unversorgten Gabe, Der Armen Gut und habe. C. Jahreswechsel.( Neujahr.) 349 Himmel führe. 13. Hilf gnädig allen Kranken;| uns hier herrlich ziere Und in den Gib fröhliche Gedanken Den hochbe trübten Seelen, Die sich mit Schwermuth quälen. 14. Und endlich, was das meiste: Füll uns mit deinem Geiste, Der 15. Dieß alles wollst du geben, O meines Lebens Leben! Dein Heil uns offenbare Zum sel'gen neuen Jahre! Gerhard, g. 1606+1676. Mel. Die Tugend wird; oder: Wie groß ist.( Ps. 143, 2. 1 Mos. 32, 10.) 534. Ach, wiederum ein Jahr| hier zu seyn! Zu oft ließ ich mein Herz erkalten, Zu oft verletzt ich meine Pflicht! Ich darf vor dir nicht Rechnung halten; Ich zittre: geh nicht ins Gericht! verschwunden! Ein Jahr, und kommt nicht mehr zurück! Ach mehr als achtmal tausend Stunden Sind weg als wie ein Augenblick! Weg meine Tugenden und Sünden! Doch nein, der Richter aller Welt Läßt jegliche mich wieder finden, Wann er vor seinen Thron mich stellt. 5. Nein, Vater, sie sind nicht zu zählen, Die Gnaden dieses Jahres, nein! Wie kann ichs dir und mir verhehlen? Ich bin nicht werth, mehr hier zu seyn! Wo fang ich an? Gott, welche Menge Bom ersten bis zum letzten Tag! Ich weiß, daß wenn ich Jahre sänge, Ich dir zu danken nicht vermag. 2. Gedanken, Worte, Thatenheere, Wie, dürft ihr Gottes Licht nicht scheun? Wenn ich dieß Jahr gestor ben wäre, Wo würd jetzt meine Seele seyn? Stünd ich verflärt bei Gottes Kindern? Wär ich von seiner Lieb entflammt? Wie, oder hätte mit den Sündern Der Allgerechte mich verdammt? 3. Den Gott, der liebt wie Väter lieben, Hat ihn mein undank nie betrübt? Den Gott, der mir so tren geblieben, Hab ich ihn auch so treu geliebt? Lebt ich für ihn nach seinem Willen, Stets als vor seinem Angesicht? Fromm öffentlich, und fromm im Stillen, Tren dem Gewissen und der Pflicht? 4. Nein, Vater, sie sind nicht zu zählen, Die Sünden dieses Jahres, nein! Wie kann ichs dir und mir verhehlen? Ich bin nicht werth, noch 6. Ich flehe dich, ach üb' Erbarmen, Gedenke meiner Sünden nicht Und zeig dem Neuenden und Armen, Der Gnade sucht, dein Angesicht! Wie freudig will ich dann mein Leben Von nun an deinem Dienste weihn! Wie eifrig will ich mich bestreben, Durch deinen Geist ein Chrift zu seyn! 7. Ich danke dir für alle Gnaden, Die du dieß Jahr der Welt erzeigt. Ach eile, Herr, die zu entladen, Die noch das Elend niederbeugt! Ja aller, aller Menschen Seelen Will ich, mein Heiland, Jesus Chrift, Aufs neue deiner Huld empfehlen, Weil du doch aller Heiland bist! Lavater, g. 1741 † 1801. 350 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. 4, 12.) feit. Mel. Jesus, meine Zuversicht.( Luc. 2, 21. Joy. 15, 4. 5. Apoft. 4, 1 535. Jesus soll die Losung| lich bei uns mehren, Auch fürs neue seyn, Da ein neues Jahr erschienen; Jahr uns beut Jesu Name SeligJesu Name soll allein Denen zum Paniere dienen, Die in seinem Bunde stehn Und auf seinem Wege gehn. 2. Jesu Name, Jesu Wort Soll in den Gemeinden schallen; Und so oft wir nach dem Ort, Der nach ihm genannt ist, wallen, Mache seines Namens Ruhm Unser Herz zum Heiligthum. 4. Unsre Wege wollen wir nun in Jesu Namen gehen; Geht uns dieser Leitstern für, So wird alles wohl bestehen, und durch diesen Gnadenschein Alles voller Segen seyn. 5. Alle Sorgen, alles Leid Soll sein Name uns versüßen; So wird alle Bitterfeit Uns zu Honig werden müssen. Jesu Nam sey Sonn und Schild, Welcher allen Kummer stillt. Schmolt, g. 1672 † 1737. 3. Sein Verfühnen und sein Heil Wollen wir im Glauben ehren; Also wird es uns zu Theil, Wird sich tägD. Jahreszeiten. Frühling und Sommer. Mel. Nun lob, mein Seel.( 1 Mof. 8, 22.) 536. Der Frühling ist erschie-| Fruchtbaren Regen schenken Und nen, Der Winter dünkt uns nur ein Traum! Nun liegt die Welt im Grünen, Und schneeweiß schimmert Heck und Baum; Hört, wie so froh die Lerche Ihr Lied erschallen läßt! Die Schwalben und die Störche Beziehn ihr altes Nest; Mit fröhlicher Geberde Geht nun der Mensch und streut Den Samen in die Erde, Der er auf Wucher leiht.( 3at. 5, 7.) 2. Wer aber gibt aufs neue Dem Samenkörnlein das Gebot: ,, Keim auf, wachs und gedeihe Und werde milden Sonnenschein. 3. Und wann sich Wolken thürmen, Und Wetter drohn mit Gluth und Fluth, Wird deine Hand uns schir men; Wir traun auf dich mit frohem Muth. Du hemmst des Sturmes Flügel, Du lenkst der Blitze Lauf Und stellst als Gnadensiegel Den Himmelsbogen auf; Er wölbt fich hoch und schimmert Am grauen Wolkenzelt; Und siehe, unzertrümmert Bleibt unser Haus und Feld. 4. Freut euch des Herrn, ihr FromHalm und Nehr und Brod!" Du men, Und beißt mit lautem Freu sprichst den Segen leise, Allmächti- denruf Das junge Jahr willkomger, und Es für men preist der den Friih schen Speise, Und Futter grüint fürs ling schuf! Seht, wie im BlumenVieh. Kein Zweifel soll uns frän- tleide Die Wiese lieblich prangt! Nur ten: Du wirst barmherzig seyn, der fühlt wahre Freude, Der Gott D. Jahreszeiten.( Frühling und Sommer.) 351 von Herzen dankt. Auf! jeder pflüg| sey Gott in der Höhe, Auf Erden und säe, Und singe froh dazu: ,, Ehr Fried und Ruh!" Bürde, g. 1753 † 1831. Mel. Werde munter.( Sob. 12, 24 2c. Matth. 16, 25., Gal. 2, 20.) nicht Er dich aus den Schranken Ueber alle Kreatur. 537. Laß dich nicht den Früh-| Bist du doch von Erde nur, Führt ling täuschen, Herz, der dich mit Lust umringt, Wo mit wonnigen Geräuschen Wald und Flur von Leben klingt! Diese Welt- sie muß vergehen; Früher noch, der Lüfte Naub, Wirst als Asche du verwehen, Herz, wie flüchtger Blumenstaub. 2. Willst du bis zum Wesen dringen: Wende vom Erschaff'nen dich! Willst du dich ins Leben schwingen: Einer zeigt als Führer sich, Der an solchem Frühlingsmorgen Hinter sich ließ die Natur Und, dem irdschengen Wachsen aus dem Erdentod; Blick verborgen, In der Himmel Himmel fuhr!( Marc. 16, 19.) 3. Was die Jünger dort empfanden,* Als ihr Auge flog empor, Fühl es, Herz, und aus den Banden Flüchte durch des Glaubens Thor! Mit den Ewigkeitsgedanken Eh Er konnt ins Leben dringen, Hat auch Ihm das Grab gedroht. Wenn aufs Leben du verzichtet, Dann beginnt dein Lebenslauf; Wenn du dich als Staub vernichtet, Stehst du erst als Wesen auf! G. Schwab, g. 1792 † 1850. 3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, Das Täublein fleugt aus seiner Kluft Und macht sich in die Wälder; Luc. 24, 50-53.) 4. Was auf Erden Ihn umgeben, War Ihm Bild und Ahnung bloß, Und Er athmete sein Leben Stets nur in des Vaters Schooß. Sieh auch du im Glanz der Erde Nur vom Himmel einen Traum! Gleichniß dir des Höchsten werde Haus und Heerde, Blum und Baum! 5. Deines innern Lebens SchwinEigene Mel.( Pf. 104.) 538. Geh aus, mein Herz, und| Die hochbegabte Nachtigall Ergötzt suche Freud In dieser lieben Sommerzeit An deines Gottes Gaben! Schau an der schönen Gärten Zier Und siehe, wie sie mir und dir Sich ausgeschmücket haben! und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Thal und Felder. 2. Die Bäume stehen voller Laub, Das Erdreich decket seinen Staub Mit einem grünen Kleide. Narzissen und die Tulipan, Die ziehen sich viel schöner an, Als SalomosGeschmeide. 4. Die Gluckhenn führt ihr Völklein aus; Der Storch baut und bewohnt sein Haus; Das Schwälblein speist die Jungen; Der schnelle Hirsch, das leichte Reh Ist froh und kommt aus seiner Höh Ins tiefe Gras gesprungen. 5. Die Bächlein rauschen in dem Sand Und malen sich an ihrem Nand Mit schattenreichen Myrten; Die Wiesen liegen hart dabei Und klingen 352 XIX. Besondere Verhältnisse und Betten. ganz vom Lustgeschrei Der Schaf'| Mund und Stimm Ihr Hallelujah und ihrer Hirten. fingen! 6. Die unverbroßne Bienenschaar 11. O wär ich da, o stünd ich Fleugt hin und her, sucht hier und schon, Liebreicher Gott, vor deinem dar Sich eble Honigspeise; Des süßen Thron Und trüge meine Palmen! Weinstocks starker Saft Bringt täg- So wollt ich nach der Engel lich neue Stärk und Kraft In seinem Weis Erhöhen deines Namens schwachen Reise. Preis Mit tausend schönen Psalmen. 12. Doch gleichwohl will ich, weil ich noch Hier trage dieses Leibes Joch, auch nicht gar stille schweigen; Mein Herze soll sich fort und fort An diesem und an allem Ort Zu deinem Lobe neigen. 7. Der Weizen wächset mit Ge walt, Darliber jauchzet jung und alt Und rühmt die große Güte Deß, der so überflüssig labt Und mit so manchem Gut begabt Das menschliche Gemüthe. 8. Ich selber kann und mag nicht ruhn! Des großen Gottes großes Thun Erwedt mir alle Sinnen; Ich finge mit, wann alles singt, Und laffe, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen. 9. Ach, denk ich, bist du hier so schön Und läsfest uns so lieblich gehn Auf dieser armen Erden: Was will doch wohl nach dieser Welt, Dort in dem reichen Himmelszelt Und gülbnen Schloffe werden? 10. Welch hohe Luft, welch heller Schein Wird wohl in Chrifti Garten seyn! Wie wird es da wohl klingen, Wo so viel tausend Seraphim Mit unverdroßnem 13. Hilf mir und segne meinen Geist Mit Segen, der vom Himmel fleußt, Daß ich dir stetig blühe. Gib, daß der Sommer deiner Gnad In meiner Seele früh und spat Viel Glaubensfrucht erziehe. 14. Mach in mir deinem Geiste Raum, Daß ich dir werd ein guter Baum, Den deine Kräfte treiben. Verleihe, daß zu deinem Ruhm Ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben. 15. Erwähle mich zum Paradies Und laß mich, deines Heils gewiß, An Leib und Seele grünen: So will ich dir und deiner Ehr Allein und keinem andern mehr Hier und dort ewig dienen. Gerhard, g. 1606+1676. Gewitter. Mel. Es ist das Heil.( Pf. 18, 8-17.) 539. Herr Bebaoth, bu starker| Himmel geht Und allenthalben Helb, Sehr prächtig ausgeschmücket, herrschet! Dem alle Welt zu Fuße fällt Und sich mit Zittern bücket Vor der so hohen Majestät, Die über alle 2. Wir hören, daß sich deine Macht In dicken Wolten reget, Daß dort und da dein Donner kracht, D. Jahreszeiten. Sommer.( Ernte.) 353 schehen. ( Deset. 33, 11.) Bald tief ins Erdreich schläget; Wir| Nechte vor, Sonst ists um uns gesehen, daß aus deinem Sik Herniederfährt der schnelle Blitz Bei starken Wassergüffen. 3. Hierüber will uns Muth und Sinn Fast ganz und gar versinken, Wir wissen nicht wo aus und hin, Weil du mit bloßem Winken, Ja stracks durch deine jähen Pfeil', Als Hagel, Blitz und Donnerkeil', Uns könnteft all verderben. 4. Doch aber, Herr, Herr, denke nicht, Gedenke nicht der Sünden, So wir gethan; laß im Gericht Den starken Eifer schwinden! Die Gnade hebe sich empor Und gehe deinem 5. Laß uns den harten Donnerschlag Die Glocke seyn zur Buße, Damit, wenn nun dein jüngster Tag Sich stellt auf schnellem Fuße, Wir allesamt bereitet sey'n, Und uns dein heller Gnadenschein Mit höchster Freud umgebe. 6. Halt über uns die starke Hand Und laß dir unsre Habe, Auch alle Früchte auf dem Land Als deine Gnadengabe Besohlen seyn; wir wollen dir, Herr Gott, du Helfer für und fülr, Mit Dank entgegen gehen. 541. Die Ernt ist da, es winkt der Halm Dem Schnitter in das Feld; Laut schalle unser Freudenpfalm Dem großen Herrn der Welt! Evangelisches Gesangbuch. Frenzel, g. 1609 † 1674. Mel. Nun sich der Tag.( Sir. 43, 12-17.) Rund, Was in der Tiefe lebt. 540. Du Schrecklicher, wer| bebt Und was um ihr erschüttert kann vor dir Und deiner Macht bestehn? Herr! du bist groß, und Staub sind wir; Du winkst, und wir vergehn. 2. Du lagerft bich in schwarzer Nacht; Die Völker zittern schon; Geflügeltes Verderben wacht Um deinen furchtbarn Thron. 3. Allmächtig schleudert deine Hand Den Blitz aus finstrer Höh; Und Fluthen stürzen auf das Land In einem Feuersee. 4. Seht, wie der Erde fester Grund Vom Zorn bes Donners 5. Den Herrn und seinen Arm erkennt Die zitternde Natur, Da weit umher der Himmel brennt Und weit umher die Flur. 6. Wer schützt mich Sterblichen, mich Staub, Wenn, der im Himmel wohnt Und Welten pflückt wie dürres Laub, Nicht huldreich mich verschont? 7. Wir haben einen Gott voll Huld, Auch wann er zornig scheint; Er herrscht mit schonender Geduld, Der große Menschenfreund! uz, 8. 1720 t 1796. Ernte Mel. Du, Gott, bist über.( Pf. 65, 14.) 2. O der du uns so freundlich liebst Und segnest unser Feld Und uns die reiche Ernte gibst, Gelobt sey, Herr der Welt! 3. Wer machte diese Menschenwelt 23 354 XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. Zum Bau der Erde flug? Der 9. Des Schnitters Tag ist lang Acker wär ein Distelfeld, Verlaffen von dem Pflug. und schwül, Doch freudig ist sein Muth, Sein Auge sieht der Garben viel, Den Schöpfer treu und gut. 4. O jede Kunst ist, Gott, von dir, Du hast sie uns gelehrt; Vor aller Weisheit danken wir Die Weisheit, die uns nährt. 10. Dein Segen ists, der alles thut; Wenn Halme färglich stehn, So laß uns mit getroftem Muth Auf deinen Reichthum sehn. 11. Bald schien es jüngst um uns gethan In unsrer Theurung Noth; Er sah die Ernte segnend an, Da gab sie reichlich Brod. 5. Er legte in ein Korn so klein Die sechzigfache Kraft, Gab ihm vom Himmel Sonnenschein Und milden Lebenssaft. 6. O Höchster, deine Wunder sind So gut, so zablenlos, So groß im Regen, Sonn und Wind, Im kleinsten Korn so groß! 12. Du öffnetest die reiche Hand, Die uns verschlossen schien, Und ließeft im entlegnen Land Ein Kornfeld für uns blühn. 7. Die Donnerwolke zog einher Und droht' Gewitterschlag, Das 13. Gott! welch ein Bild: die Kornfeld wallte wie ein Meer, ganze Welt, Wohin das Aug sich Stund auf und glänzt' im Tag. dreht, Ist nur ein einzges großes 8. Lobt ihn mit Furcht, den Feld Mit Menschenbein besät! Herrlichen, Der in Gewittern 14. Wohlauf! das Kornfeld gelkt wohnt, Lobt ihn mit Dank, den schon sehr, Bald wird die Ernte Gütigen, Der donnernd uns ver- seyn; Du sammelst ste, der Ernte schont! In ewge Scheunen ein. Joh. Ludwig Huber, g. 1723+ 1800. Mel. Nun lob, mein Seel.( Ps. 65, 10-14.) Herr, 542. Nun laßt den Herrn uns| da säet, Nichts, der da sammelt preisen Für alle Lieb und milde ein; Der Wind des Herren wehet, That; Laßt uns ihm Dank erweisen Es glänzt sein Sonnenschein, Er Für seiner Gnade treuen Rath! sendet seinen Regen und macht Er hat uns Frucht gegeben Gar uns freudevoll; An ihm nur ists fröhlich auf dem Land, Hat unser gelegen, Wenn Gutes kommen soll. armes Leben Erquickt mit reicher Hand. Mit Freuden ist gediehen Was wir gesäet aus, Und nach viel Fleiß und Mühen Auch wohl gebracht nach Haus. 3. Wann er denn nun gespendet Den Segen über Land und Stadt, Wann Frieden er gesendet, Daß friedlich man geerntet hat, Dann follen wir ihn preisen, Der in dem Himmel sitzt Und auf viel tausend Weisen Uns Sünder nährt und schützt; Dann sollen wir ihm danken Mit Herz, mit Hand und Mund, 2. Wer sollte nicht erkennen Was Gott an seinen Kindern thut? Wer follte nicht ihn nennen Das einzig allerhöchste Gut? Es ist nichts, der D. Jahreszeiten. Sommer.( Ernte.) Mit Werken, und nicht wanken| brod genießen Ein jedes ChristenVon seinem Gnadenbund. haus, Laß Lebenswasser fließen 4. Daß solches nun geschehe, Das Auf unsre Herzen aus; Daß wir wollst du helfen, treuer Gott! Gib nicht bloß auf Erden An Früchten ferner aus der Höhe Uns Segen, werden reich, Nein, dort auch BürLicht und täglich Brod. Laß Lebens- ger werden In deinem Himmelreich! Joh. Weber. Mel. O daß ich tausend.( Jer. 5, 24.) 543. Wir kommen deine| Brüder Noth; Und weil du Reich' Huld zu feiern, Vor deinem Antlitz und Arme liebst, So dien' auch uns zu freun, Bei reichlich ange- beiden was du gibst. füllten Scheuern Dir, Herr der Ernte, Dank zu weihn, Der du mit milder Vaterhand Aufs neu gesegnet unser Land. 4. Durch dich ist alles wohl gerathen Auf dem Gefild was wir bestellt. Doch reifen auch des Glaubens Saaten Auf deines Soh nes Erntefeld? Sind wir auch, wenn er auf uns sieht, Ein Acker, der ihm grünt und blüht? d 5. Der List des Feindes wollst du wehren, Wann er geschäftig Untraut streut; Die Frucht des Wortes laß sich mehren Zu deinem Ruhme weit und breit, Damit am großen Erntetag Ein jeder Garben bringen mag. 2. Dein Lob, das wir gerührt verkünden, Nimm es, o Vater, gnädig an Und tiefer stets laß uns empfinden, Wie viel du Gutes uns gethan; Auf daß der Dank für deine Treu Ein dir geweihtes Leben sey. 3. Und wie du selber nur aus Liebe Uns schenkest unser täglich Brod, So weckt in uns des Mitleids Triebe, Laß fühlen uns der 355 Mel. Mein Jesus lebt.( Pf. 65. 104. 145, 15 2c.) 544. Gott! von dem wir alles haben, Die Welt ist ein sehr großes Haus, Du aber theilest deine Gaben Recht wie ein Vater drinnen aus; Dein Segen macht uns alle reich: Ach lieber Gott, wer ist dir gleich? Liebich, g. 1713+ 1780. 2. Wer kann die Menschen alle zählen Die heut bei dir zu Tische gehn? Doch darf die Nothdurft Brod; feinem fehlen, Denn du weißt Weise allem vorzustehn Und schaffest, daß ein jedes Land Sein Brod empfängt aus deiner Hand. 3. Du machst, daß man auf Hoffnung säet Und endlich auch die Frucht genießt. Der Wind der durch die Felder wehet, Die Wolke so das Land begießt, Des Himmels Thau, der Sonne Strahl, Sind deine Diener allzumal. 4. Und also wächst des Menschen Speise, Der Acker reichet ihm das Es mehret sich vielfältger Was anfangs schien als wär es todt, Bis in der Ernte jung und alt Erlanget seinen Unterhalt. XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. 356 5. Nun, Herr, was soll man mehr bedenken? Der Wunder sind hier gar zu viel! So viel als du kann niemand schenken, Und dein Erbarmen hat kein Ziel; Denn immer wird uns mehr beschert, Als wir zusammen alle werth. 6. Wir wollens, auch keinmal vergeffen Was uns dein Segen träget ein; Ein jeder Bissen den wir essen, Soll deines Namens Denkmal seyn, Und Herz und Mund soll lebenslang Für unsre Nahrung sagen Dank. Kaspar Neumann, g. 1648 † 1715. Bei Mißernten. Mel. Was Gott thut. Klagl. 3, 24-26. und 31-33.) 545. Was Gott thut, das ist| 4. Was Gott thut, das ist wohlwohlgethan! Kinder. Wer auch nicht reichlich ernten kann, Den liebt er doch nicht minder; Er zieht das Herz Nur himmelwärts, Wann er es läßt auf Erden Beim Mangel traurig werden. So denken Gottes gethan! Es geh nach seinem Willen; Läßt es sich auch zum Mangel an: Er weiß das Herz zu stillen. Wer als ein Christ Genügsam ist, Der kann bei kleinern Gaben Doch Freud und Nahrung haben. 5. Was Gott thut, das ist wohl2. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Das Feld mag traurig gethan Im Nehmen oder Geben! stehen: Wir gehn getroft auf seiner Was wir aus seiner Hand empfahn, Genüget uns zum Leben. Er nimmt und gibt, Weil er uns liebt; Laßt uns in Demuth schweigen Und vor dem Herrn uns beugen. Bahn, Was gut ist, wird ges schehen. Sein Wort verschafft Uns Lebenskraft, Es nennt uns Gottes Erben: Wie können wir verderben? ( Hiob 1, 21.) 3. Was Gott thut, das ist wohl gethan! Wer darf sein Walten richten, Wann er, noch eh man ernten kann, Den Segen will vernichten? Weil er allein Der Schatz will seyn, Nimmt er uns andre Güter, Zum Heile der Gemüther. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Laßt in Geduld uns fassen: Er nimmt sich unser gnädig an Und wird uns nicht verlassen. Er, unser Gott, Weiß, was uns noth, Und wird es gern uns geben; Kommt, laßt uns ihn erheben! Nach Schmolt, g. 1672 † 1737. Mel. Wer nur den lieben.( Matth. 6, 25 2c. Nöm. 8, 32.) 546. Gott! der du groß von| noch so klein, Soll Mund und Herz doch dankbar seyn! Gnad und Gülte, Du gebest wenig oder viel: Hör, wie das dankbare Gemüthe Des Herbstes Zeit be singen will; Denn wär der Segen 2. Ists gleich uns dieses Jahr ergangen Wie einem, der im Weinberg sucht und säh gern viele Trauben D. Jahreszeiten.( Herbßt und Winter.) 357 ( 3ef. 65, 8.) hangen, Sieht aber nichts als bittre| Verderbs nicht, weil ein Segen Frucht; So ist doch auch das Wenge drin!" mehr, Als wir um dich verdient, o Herr! 6. Du kannst auch wohl das Wenge segnen; Wenn in der Wüste 3. Wir sind, wir müssens ja be- Mangel wär, So muß die Luft kennen, frommer Gott, selbst mit Manna regnen, Der dürre schuld daran, Daß deine Hand, Fels reicht Wasser her; Im Wittdie viel wollt gönnen, Ein meh- wen- Kab und ihrem Krug Ist So wenig immer Mehl und Del genug. Ist unser e this( 1 Rbn. 17, 10-16.) 7. Gedenke nur der lieben Armen; 4. Wie vielmal haben wir ver- Schließ auf der Reichen Herz und gessen, Daß du die Felder reich Hand Zu mildem, thätigem Erbargemacht! Wie oft mit Sünden un- men; Befiehl dem Himmel und ermessen Den reichen Segen durch Daß beides deine gebracht, und haben uns an deiner Und fünftig reiche Huld Mit unfrem Undank hoch ver schuld't! dem Land, Stimme hör Frucht gewähr. 8. Indeß sey herzlich hoch ges priesen Für das was dieses Jahr beschert! Was du im kleinen uns erwiesen, Jst größern Danks und Lobes werth. Dort, wo uns deine Fülle tränkt, Wird alles uns in dir geschenkt. Fischer, g. 1695 † 1773. reres nicht geben kann. auch der Früchte sey'n, Dank doch viel zu klein. 5. Verzeih, o Bater, uns in Gnaden Und segne du uns Speis' und Trank! Dem wird der Mangel selbst nicht schaden, Der wenig nimmt mit rechtem Dank Und hält das Wort in seinem Sinn: Herbst und Winter. Mel. O daß ich tausend.( Ps. 136, 1. 145, 16.) 547. Wie reich an Freude,| 3. Du lenkteft, Herr, der Winde Flügel, Des Regens und der Ströme Fluth; Du hieltest, Gott, des Blitzes Zügel, Der Elemente wilde Wuth; Schufft selbst die Schrecken der Natur Zu Zeugen deiner Güte nur. Glück und Segen Ist, Schöpfer, deine schöne Welt! Im Sturm, im Sonnenschein und Regen, Wirkt fort die Kraft die uns erhält, Die, nie veraltend, stets erneut, Mit tausend Gaben uns erfreut. 2. Uns eng aus der Verwesung Hülle Das Samenkorn gedeihend auf; In Scheunen liegt der Felder Fülle, Dein Vaterauge ruhte drauf; Im Segen floß des Landmanns Schweiß, und reiche Zinsen trug sein Fleiß. 4. Und neue Güter, neue Gaben Bringt auch der Herbst uns fern und nah; Uns zu ernähren, uns zu laben, Stehn prangend unsre Gärten da; Rings winken uns in Stadt und Land Geschenke deiner milden Hand. 358 XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. 5. Es bränget aus dem dunklen| funft grauen, Denn freundlich Laube Sich buntgefärbtes Obst lächelt sie uns an, Und deine Huld hervor; Es reift des Weines goldne und Batertreu Bewährt sich täglich, Traube, Ein Stärk- und Heiltrant, stündlich neu. uns empor; Von dir gesegnet und geschützt, Gebieh was uns erfreut und nützt. 6. Froh können wir zum Himmel schauen; Was ist das uns betrüben kann? Uns darf nicht vor der ZuMel. Ohne Raft und unverweilt.( Ps. 147, 16-18.) 548. In der stillen Einsam-| Und bedecket Land und See; Wehet feit Findest du ein Lob bereit; Großer Gott, erhöre mich, Meine Seele suchet dich! aber Gottes Wind, So zerfließet er geschwind. 6. O Beherrscher der Natur! 2. Der du alle Sterne führst Und Allem zeigst du Zeit und Spur; der Jahre Lauf regierst: Unverän- Frühling, Sommer, Herbst und derlich bist du, Nimmer still und Eis Nahn und fliehn auf dein doch in Ruh. Geheiß. 11 3. Diese talte Winterluft Kräftig| 7. Folgte deines Worts Befehl in die Herzen ruft: Seht, wo ist Auch so willig meine Seel! O daß, der Sommer hin? Nur der Herr Jesu, deine Lieb In mir lenkte erwecket ihn!" jeden Trieb! 4. Reif, wie Asche, nah und fern Streuet aus die Hand des Herrn; Wer kann bleiben vor dem Frost, Wann es weht von Nord und Ost? 5. Gleichwie Wolle fällt der Schnee E. 7. Laßt mild wie er zu seyn uns streben, So würdig seiner Liebe seyn Und unser ganzes Erdenleben Uns unsrer Brüder Glücke weihn! Sa, Wohlthun, Thätigkeit und Fleiß Sey seiner Huld und Liebe Preis! Echint, g. 1755 † 1835 549. Wach auf, mein Herz, und singe Dem Schöpfer aller Dinge, Dem Geber aller Güter, Dem frommen Menschenhüter! 2. Heut, als die dunklen Schatten Mich ganz umgeben hatten, Bebecteft du mich Armen Mit gött lichem Erbarmen. - 8. Friert da draußen alles ein Soll mein Herz doch brennend seyn; Leuchte, o mein Heil, in mir, D so glüht und lebt es dir! Nach J. Neander, g. um 1640+ 1688. Tageszeiten. Morgen. Mel. Nun laßt uns Gott, den.( Ps. 57, 8-11. 118, 25.) 3. Du sprachst: ,, mein kind, nun schlafe, Sch hüte meine Schafe; Schlaf wohl, laß dir nicht grauen, Du sollst die Sonne schauen." 4. Dein Wort, das ist geschehen, Ich kann das Licht noch sehen; Bon Noth bin ich befreiet, Dein Schutz hat mich erneuet.init E. Tageszeiten.( Morgen.) XIX 359 5. Du willst ein Opfer haben,| Der mich an diesem Tage Auf seinen Hier bring ich meine Gaben: In Demuth fall ich nieder Und bring Gebet und Lieder. Händen trage. 6. Die wirst du nicht verschmähen; Du kannst ins Herz mir sehen und weißt wohl, daß zur Gabe Ich ja nichts beßres habe. 7. So wollst du nun vollenden Dein Werk an mir und senden, Miel. Meine Armuth macht. 550. Seele! du mußt munter werden, Denn der Erden Blickt hervor ein neuer Tag. Komm, dem Schöpfer dieser Strahlen Zu bezahlen Was dein schwacher Dant vermag. 2. Doch den großen Gott dort oben Recht zu loben, Wollens nicht bloß Lippen seyn; Nein, es hat sein reines Wesen Auserlesen Herzen ohne falschen Schein. 3. Deine Pflicht, die kannst du lernen Von den Sternen, Deren Gold der Sonne weicht. So laß auch vor Gott zerrinnen Was den Sinnen Hier im Finstern schön gedäucht. 4. Schau, wie das was Odem ziehet Sich bemühet Um der Sonne holdes Licht; Wie sich, was nur Wachsthum spüret, Freudig rühret, Wann ihr Glanz die Schatten bricht! 5. So laß dich auch fertig finden, Anzuzünden Deinen Weihrauch; weil die Nacht, Da dich Gott vor Unglücksstürmen Wollen schirmen, 3st so glücklich hingebracht. 8. Sprich ja zu meinen Thaten, Hilf selbst das beste rathen, Den Anfang, Mitt' und Ende, Ach Herr, zum besten wende! 9. Den Segen auf mich schütte, Mein Herz sey deine Hütte, Dein Wort sey meine Speise Bis ich gen Himmel reise. Gerhard, g. 1606+ 1676. ( 1 Theff. 5, 5-8. Eph. 5, 13.) 6. Bitte, daß er dir Gedeihen Mög verleihen, Wenn du auf was gutes zielst; Aber daß er dich mög stören Und bekehren, Wenn du böse Regung fühlst. 7. Kränkt dich etwas diesen Morgen, Laß ihn sorgen, Der es wie die Sonne macht, Welche freundlich pflegt die Höhen Anzusehen Und auch in die Thäler lacht. 8. Es wird nichts so klein gesponnen, Das der Sonnen Bis ans End verborgen bleibt; Gottes Auge sieht viel heller Und noch schneller Was ein Sterblicher betreibt. 9. Denk, daß er auf deinen Wegen Ist zugegen, Daß er alle Sündenlust, Ja die Schmach verborgner Flecken kann entdecken Und errathen was du thust! 10. Wir sind an den Lauf der Stunden Festgebunden, Der entführt was eitel heißt, Und der dein Gefäß, o Seele, Nach der Höhle Eines Sterbgewölbes reißt. 11. Drum so seufz' ich, daß mein Scheiden Nicht ein Leiden, 360 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Sondern sanftes Schlafen sey, Und| die Sonne, Wann des Todes Nacht daß ich mit heißer Wonne Seh vorbei! von Caniş, g. 1654 † 1699. Mel. Ich dank dir schon.( Pf. 59, 17. 18.) 551. Mein erft Gefühl sey| 7. Laß deinen Segen auf mir Preis und Dank, Erheb ihn, meine ruhn, Mich deine Wege wallen, Seele! Der Herr hört deinen Lob- Und lehre du mich selber thun Nach gesang, Lobsing ihm, meine Seele! deinem Wohlgefallen. 2. Mich selbst zu schützen ohne 8. Nimm meines Lebens gnädig Macht Lag ich und schlief im wahr, Auf dich hofft meine Seele; Frieden. Wer schafft die Sicher- Sey mir ein Retter in Gefahr, heit der Nacht Und Ruhe für die Ein Vater, wann ich fehle. Müden? 9. Gib mir ein Herz voll Zuversicht, Erfüllt mit Lieb und Ruhe, Ein weises Herz, das seine Pflicht Erkenn und willig thue. 10. Laß mich als dein gehorsam Kind Dir zu gefallen streben, Gott selig, züchtig, fromm gesinnt Durch deine Gnade leben. 11. Laß mich, dem Nächsten beizustehn, Nie Fleiß und Arbeit scheuen, Mich gern an andrer Wohlergehn Und ihrer Tugend freuen. 12. Laß mich das Glück der Lebenszeit In deiner Furcht ge= nießen Und meinen Lauf mit Freudigkeit, Wann du gebeutst, beschließen. Gellert, g. 1715+ 1769. 3. Wer wacht, wann ich von mir nichts weiß, Mein Leben zu bewahren? Wer stärkt mein Blut in seinem Kreis Und schützt mich vor Gefahren? 4. Wer lehrt das Auge seine Pflicht, Sich sicher zu bedecken? Wer ruft dem Tag und seinem Licht, Uns wieder aufzuwecken? 5. Du bist es, Gott und Herr der Welt; Und dein ist unser Leben; Du bist es, der es uns erhält Und mirs jetzt neu gegeben. 6. Gelobet feyst du, Gott der Macht, Gelobt sey deine Treue, Daß ich nach einer sanften Nacht Mich dieses Tags erfreue! Mel. Herzlich thut.( 1 Kön. 3, 9-11. Joh. 16, 24.) 552. Es hat uns heißen treten,| begehre Im Namen Jesu Chrift; O Gott, dein lieber Sohn Mit Herzlichen Gebeten Vor deinen hohen Thron, Und uns mit theurem Amen Erhörung zugesagt, Wenn man in seinem Namen Nur bittet, fleht und klagt. 2. Darauf komm ich gegangen In dieser Morgenstund; Ach laß mich doch erlangen Was ich aus Herzensgrund Von dir, mein Gott, Und gnädig mir gewähre Das was mir nüßlich ist. 3. Nicht aber mir zu geben Bitt ich aus deiner Hand Geld, Gut und langes Leben, Nicht Ehr noch hohen Stand, Denn dieses ist nur nichtig Und lauter Eitelkeit, Vergänglich, schwach und flüchtig Und schwindet mit der Zeit. 4. Ich bitte mir zu schenken Ein E. Tageszeiten.( Morgen.) 361 fromm und keusches Herz, Das| Thun und Handeln Dir mag genimmermehr mag denken Auf Sünd und schnöden Scherz; Das stets mit Liebe flammet Zu dir, Gott, himmelan, Und alle Lust verdammet Der fündenvollen Bahn. fällig seyn; Laß vor der Welt mein Wandeln Seyn ohne falschen Schein. 6. So wird von jenen allen: Stand, Leben, Ehr und Geld, Auf meine Seite fallen So viel dir, Gott, gefällt; Man muß die Seel erst schmücken, So wirst du allgemach Denleib auch schon beglücken: Glück folgt der Tugend nach! Neumark, g. 1621 † 1681. 5. Hernach laß mich gewinnen Nach deiner großen Kraft Kunst, Weisheit, kluge Sinnen, Verstand und Wissenschaft; Daß all mein Mel. O Gott, du frommer.( 2 Cor. 6, 16. 1 Theff. 5, 23.) 553. Jejut, süßes Licht!| liebstes Leben! Ach wohn, ach leb Nun ist die Nacht vergangen; Nun in mir, Beweg und rege mich, hat dein Gnadenglanz Aufs neue Daß Leib und Seel und Geist Mit mich umfangen; Nun ist, was an dir vereine sich! mir ist, Vom Schlummer aufgeweckt Und hat sich, Herr, nach dir Verlangend ausgestreckt. 5. Mein Jesu! schmücke mich Mit Weisheit und mit Liebe, Mit Keuschheit, mit Geduld Durch deines Geistes Triebe; Kleid mit der Demuth mich Und mit der Sanftmuth an, So bin ich wohlgeschmückt Und föstlich angethan. 6. O daß mir dieser Tag Stets vor den Augen schwebe: Daß dein' Allgegenwart Mich wie die Luft umgebe! Damit mein ganzes Thun Durch Herz, durch Sinn und Mund Dich lobe inniglich, Mein Gott, zu aller Stund. 2. Was soll ich dir denn nun, Mein Gott, zum Opfer schenken? Ich will mich ganz und gar In deine Gnade senten Mit Leib und Seel und Geist An viesem ganzen Tag; Das soll mein Opfer seyn, Weil ich sonst nichts vermag. 3. Drum fiehe da, mein Gott, Da hast du meine Seele; Sie sey dein Eigenthum, Daß sie nur dich erwähle In deiner Liebe Kraft; Da haft du meinen Geist, Darinnen wollst du dich Verklären allermeist. 7. Ach segne was ich thu, Ja rede und gedenke! Durch deines Geistes Kraft Es also führ und lenke, Daß 4. Hier sey denn auch mein Leib alles nur gescheh Zu deines Na3um Tempel dir ergeben! Wähl mens Ruhm, Und daß ich unverihn zur Wohnung dir, O allerrückt Verbleib dein Eigenthum. Joachim Lange, g. 1670 † 1744. Eigene Mei.( Spr. 8. 17. Pf. 92, 2 2c. Klagl. 3, 22 2c.) 554. Die güldne Sonne, Voll| Grenzen Mit ihrem Glänzen Ein Freud und Wonne, Bringt unsern herzerquickendes, liebliches Licht. 362 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Mein Haupt und Glieder, Die| Rennen Nach Gut mit Sünde, Das lagen danieder; Aber nun steh ich, tilge geschwinde Aus meinem HerBin munter und fröhlich, Schaue| zen und wirf es hinaus! den Himmel mit meinem Gesicht. 7. Menschliches Wesen, Was ists? - gewesen! In einer Stunde Geht es zu Grunde, So bald die Lüfte des Todes brein wehn; Alles in allen Muß brechen und fallen; Hinmel und Erden, Die müssen das werden Was sie gewesen vor ihrem Bestehn. 2. Mein Auge schanet Was Gott gebauet Zu seinen Ehren, Und uns zu lehren: Wie sein Vermögen sey mächtig und groß; Und wo die Frommen Dann sollen hinkommen, Wann sie in Frieden Von hinnen geschieden Aus dieser Erde vergänglichem Schooß. 3. Lasset uns singen, Dem Schöpfer bringen Güter und Gaben; Was wir nur haben, Alles sey Gotte zum Opfer gesetzt! Die besten Güter Sind unsre Gemüther; Lie der der Frommen, Von Herzen gekommen, Sind Weihrauch, der ihn am meisten ergötzt. 4. Abend und Morgen Sind seine Sorgen; Segnen und mehren, Unglück verwehren, Sind seine Werke und Thaten allein. Wann wir uns legen, So ist er zugegen, Wann wir aufstehen, So läßt er aufgeben Ueber uns seiner Barmherzigfeit Schein. 5. Ich hab erhoben Zu dir hoch droben All meine Sinnen; Laß mein Beginnen Ohn' allen Anstoß und glücklich ergehn! Laster und Schande, Des Seelenfeinds Bande, Fallen und Tücke, Treib ferne zurücke! Laß mich auf deinen Geboten bestehn! 6. Laß mich mit Freuden Ohn' alles Neiden Sehen den Segen, Den du wirst legen In meines Bruders Hand, Güter und Haus. Geiziges Brennen, Unchriftliches 8. Alles vergehet; Gott aber stehet Ohn' alles Wanken; Seine Gedanken, Sein Wort und Wille hat ewigen Grund. Sein Heil und Gnaden Die nehmen nicht Schaden, Heilen im Herzen Die tödtlichen Schmerzen, Halten uns zeitlich und ewig gesund. 9. Gott, meine Krone, Vergib und schone, Laß meine Schulden In Gnad und Hulden Aus deinen Augen seyn abgewandt! Sonst, Herr, regiere, Mich lente und führe Wie dirs gefället! Ich habe gestellet Alles in deine Beliebung und Hand. 10. Willst du mir geben Womit mein Leben Ich kann ernähren, So laß mich hören Allzeit im Herzen dieß heilige Wort: Gott ist das größte, Das schönste und beste, Gott ist das süßste Und allergewißste Aus allen Schätzen der edelste Hort!" 11. Willst du mich fränken, Mit Galle tränken, Und soll von Plagen Ich auch was tragen: Wohlan, so mach es, wie dir es beliebt! Was gut und tüchtig, Was schädlich und nichtig Meinem Gebeine, Das weißt du alleine, Hast niemals einen zut bitter betrübt! 12. Trübsal und Zähren Nicht E. Tageszeiten.( Morgen.) 363 ewig währen; Nach Meeresbrau-| die Fülle Und selige Stille Darf ich sen Und Windessausen Leuchtet der Sonne erwünschtes Gesicht. Freude erwarten Im himmlischen Garten; Dahin sind meine Gedanken gericht't! Gerhard, g. 1606 † 1676. Eigene Mel ( Joh. 8, 12.) vergehn, Recht aufstehn. 555. Morgenglanz der Ewig-| Morgenröthe, Daß wir, eh wir gar keit, Licht vom unerschöpften Lichte! Schick uns diese Morgenzeit Deine Strahlen zu Gesichte Und vertreib durch deine Macht Unsre Nacht. 2. Deiner Güte Morgenthau Fall auf unser matt Gewissen; Laß die dürre Lebensau Lauter süßen Trost genießen, Und erquick uns, deine Schaar, Immerdar. 3. Gib, daß deiner Liebe Gluth Unsre falten Werke tödte; Und erweck uns Herz und Muth Bei erstandner 2. Segne heute mich vom neuen, Weil du segnen kannst und mußt; Denn mit Wohlthun zu erfreuen, Das ist deine Herzenslust, Und du machst die milde Hand Täglich aller Welt bekannt. Mel. Gott des Himmels.( Pf. 37, 17.) 556. Höchster Gott! durch dei-| Wandels Nichtschnur sehn. Leuchtet nen Segen konnt ich fröhlich und mir dieß Lebenslicht, O so fehl und gefund Diese Nacht zurüce legen; fall ich nicht! Also preist dich Herz und Mund; Denn du willst für alle Treu Nichts als daß man dankbar sey. 5. Segne mich in meinem Stande, Seuch mein Herz mit Klugheit an, Daß ich solchen ohne Schande Und mit Ehren führen kann. Gib dazu mein täglich Brod Und was irgend sonst mir noth. 6. Segne mich in Kreuz und Leiden Mit Vertrauen und Geduld; Segne mich in Glück und Freuden Mit dem Reichthum deiner Huld; Daß ich dir im Kreuz getren Und im Glück voll Demuth sey. 7. So will ich für allen Segen Lob und Ehre, Preis und Dank Dir zu deinen Füßen legen Und es thun mein Lebenlang; Bis ich mit den Engeln dort Vor dir jauchze fort und fort. Erdmann Neumeister, g. 1671 † 1756. 3. Segne mich mit deinem Geiste, Daß er heut mit seiner Kraft Meinem Glauben Beistand leiste, Daß er gute Werke schafft Und dem Bösen insgemein Mag ein wackrer Gegner seyn. 4. Ach du Aufgang aus der Höh! Gib, daß auch am jüngsten Tage Unser Leichnam aufersteh Und, entfernt von aller Plage, Sich auf jener Freudenbahn Freuen kann. 4. Segne mich mit deinem Worte, Schreib es in mein Herz hinein, Daß es mag an jedem Orte Meines 5. Leucht uns selbst in jene Welt, Du verklärte Gnadensonne! Führ uns durch das Thränenfeld In das Land der süßen Wonne, Wo die Luft, die uns erhöht, Nie vergeht. Knorr von Rosenroth, g. 1636+ 1689. XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu.( Pf. 19, 6. Klagl. 3, 22 2c.) 557. Die Morgensonne gehetj 4. Der Sonne Lauf nie stille steht Und ohne Säumen weiter geht; So sollen wir ohn Unterlaß Ihr folgen auf der Himmelsstraß. 364 auf Erfreut, zu wallen ihren Lauf. Kein Bräutigam kommt so geziert, Wie sie die goldnen Strahlen führt. 2. So viel der Himmel Sterne zählt Ist sie vor allen auserwählt, Es muß ein großer Herrscher seyn, Der ihr ertheilt den goldnen Schein. ( Six. 48, 5.) 3. Die Himmel rühmen Gottes Ehr Und geben uns die schöne Lehr, Daß wir ihn auch mit unsrem Mund Hoch preisen sollen alle Stund. Mel. Allein Gott in.( Sef. 60, 1. Eph. 5, 9. Col. 1, 10 zc.) Verleih uns Gnade, Kraft und Stärk Im Licht das uns erleuchtet. 558. Erheb, o meine Seele,| laß uns freudig gehn ans Wert, dich, Die Finsterniß vergehet, Schon zeigt der Glanz des Tages sich, Die Sonn am Himmel stehet; zu Gott erhebe deinen Sinn, Daß er sein Werk in dir beginn Und gnädig dich erleuchte. 5. Du zeigst, was zu verrichten sey Auf unsern Glaubenswegen. So hilf uns nun und steh uns bei, Verleihe deinen Segen, Daß das Geschäft von deiner Hand Vollführet werd in allem Land, Wozu du uns erleuchtet. 2. Im Licht muß alles rege seyn Und sich zur Arbeit kehren, Im Licht fingt früh das Vögelein, Im Licht zu Gottes Ehren, So soll der Mensch in Gottes Licht Aufheben billig sein Gesicht Zu dem, der ihn erleuchtet. 3. Nun laßt uns an die Arbeit gehn Und froh den Herrn erheben; In Christo laßt uns auferstehn Und zeigen, daß wir leben; Laßt uns in seinem Gnadenschein nicht eine Stunde müßig seyn! Gott ists, der uns erleuchtet. 5. Herr! deine Gnade, Güt und Treu Ist alle Morgen bei uns neu. Erleucht uns Herz und Angesicht Mit deinem Wort, dem Himmels licht. 6. So wollen wir dir allezeit Hier danken in der Christenheit, und dort mit deiner Engel Schaar Dich fröhlich loben immerdar. Harsdörfer, g. 1607 † 1658. 4. Ein Tag geht nach dem andern fort, Doch Gottes Werk bleibt liegen, Weil ohne That, mit leerem Wort So viele sich betrügen. Herr! 6. Ich flehe, Herr: mach mich bereit Zu deinem Wohlgefallen; Im rechten Brauch der Gnadenzeit Laß deine Kinder wallen; Sie fürchten Tod und Sünde nicht, Geboren aus dem ewgen Licht, Das allweg ihnen leuchtet. 7. Das Licht des Glaubens sey in mir Ein Licht der Kraft und Stärke; Es sey die Demuth meine Zier, Die Lieb das Werk der Werke; Die Weisheit sprech aus meinem Mund Und wohn in meines Herzens Grund; So bin ich recht erleuchtet. i E. Tageszeiten.( Morgen.) 365 8. Herr! bleib bei mir, du ewig| reich die goldne Stadt, Die deine Licht, Daß ich stets gehe richtig, Er- Hand gegründet hat und ewiglich freu mich durch dein Angesicht, Mach erleuchtet. mich zum Guten tüchtig, Bis ich erLackmann, † 1713. Eigene Mel.( Pf. 17, 5. 2 Mof. 23, 20.) 559. Gott des Himmels und| nun dein großer Tag Uns erscheint der Erden, Bater Sohn und heil- und dein Gericht, Ich davor erschrecke ger Geist, Welcher Tag und Nacht nicht. läßt werden, Sonn und Mond uns scheinen heißt, Dessen starke Hand 5. Führe mich, o Herr, und leite Meinen Gang nach deinem Wort; die Welt Und was drinnen ist, er- Sey und bleibe du auch heute Mein hält: Beschützer und mein Hort; Nirgends 2. Gott! ich danke dir von Herzen, als bei dir allein Kann ich recht beDaß du mich in dieser Nacht Vorwahret seyn. Gefahr, Angst, Noth und Schmerzen Haft behütet und bewacht; Ach bei aller meiner Schuld Trägst du mich mit Vaterhuld! 3. Laß die Nacht auch meiner Sünden Heut mit dieser Nacht vergehn. O Herr Jesu! laß mich finden Stets dein Herz mir offen stehn, Wo alleine Hülf und Rath Ist für meine Missethat. 4. Hilf, daß ich mit diesem Morgen Geistlich auferstehen mag Und für meine Seele sorgen, Daß, wann 6. Meinen Leib und meine Seele, Samt den Sinnen und Verstand, Großer Gott, ich dir befehle Unter deine starke Hand; Herr, meinSchild, mein Ehr und Ruhm, Nimm mich auf, dein Eigenthum! 7. Deinen Engel zu mir sende, Der des bösen Feindes Macht, List und Anschlag von mir wende Und mich halt in guter Acht, Der auch endlich mich zur Ruh Trage nach ein, Himmel zu! Albert, g. 1604 † 1668. Pf. 90, 17.) Mel. Werde munter.( 1 Thessal. 5, 8. und in deinem Lichte gehe. 560. Gott! du licht, das ewig| lich blind, Jesu, daß ich wieder sehe bleibet, Das ohn allen Wechsel ist, Das die Finsterniß vertreibet, Der du bleibest wie du bist; Ich verlasse meine Ruh; Rufe: werde Licht!" mir zu, Daß ich, der ich Nacht und Erde, Durch dein Licht verkläret werde. 3. Schenke mir, Herr, und gewähre, Was die arme Seele stillt; Ach erneure und verkläre Stets in mir dein Ebenbild! Sende mir den Geist der Kraft, Der ein neues Leben schafft, Daß ich himmlisch auf der Erde und ein Geist mit Christo werde. 4. Segne meiner Hände Werke, Fördre mich in meiner Pflicht; Bleibe meiner Schwachheit Stärke, Meines 2. Wecke, da der Leib geschlafen, Auch die Seele geistlich auf; Gib ihr deines Lichtes Waffen, Nicht und leite ihren Lauf; Laß mich seyn des Lichtes Kind; Hilf mir, weil ich geist 366 XIX. Besondere Verhältnisse und Zeiten. Lebens Kraft und Licht; Laß mein| deinem Angesichte Die verklärteSeele Lebensziel allein. Deines Namens steht Heller als der Sonnenschein, Ehre seyn; Hilf, daß ich stets wahre Schön, unsterblich, engelrein; Laß Liebe Gegen meinen Nächsten übe. sie seyn mit dir vereinet, Wann mein 5. Führ mich einst zu jenem Lichte lekter Tag erscheinet. Deiner höchsten Majestät, Wo vor Sal. Frand, g. 1659 † 1725. Mel. Nun banket all.( 1 Petri 2, 9.) 561. Das äußre Sonnenlicht| 5. Der Adler schaut gerade zu Die ist da Und scheint mir ins Gesicht; Gott ist noch mehr dem Geiste nah Mit seinem Lebenslicht. Sonne fröhlich an; Mein Geistes aug eröffne du, Daß ich dich schauen fann. 2. Ach wohn in mir, du Gottessonn, Mein Geist dein Himmel werd, Daß ich, o reine Seelenwonn, Ganz werd in dich verklärt. 3. Wann sich die Sonne offenbart, So weicht die Dunkelheit; Bertreib durch deine Gegenwart Die Sünd und Eigenheit. 4. Du bist ein Licht und wohnst im Licht: Ach mach mich licht und rein, Bu schauen, Herr, dein Angesicht Und dir vereint zu seyn. 6. Wer dich in deinem Licht erblickt In seiner Seele Grund, Der steht, wie Cherubim, gebückt Vor dir zu jeder Stund. 7. So laß mich wandeln, wo ich bin, Vor deinem Angesicht; Mein Thun und lassen immerhin Sey lauter, rein und licht. 8. Dein Auge leite meinen Gang, Daß ich nicht irre geh, Und bleib mir nah mein Lebenlang, Bis ich dich ewig seh. Eigene Mel.; oder: Freu dich sehr.( Ps. 17, 15.) zu dir hinauf Führ mich jeder meiner Tage, Jebe Freude, jede Plage; Tersteegen, g. 1697 † 1769. 562. Wenn ich einst von jenem| wacht ich auf, Danf bir, Herr!- Schlummer, Welcher Tod heißt, aufersteh Und, erlöst von allem Kummer, Jenen schönern Morgen seh: O dann wach ich anders auf! Schon am Ziel ist dann mein Lauf; Träume sind des Pilgers Sorgen, Großer Tag, an deinem Morgen! 3. Daß ich froh gen Himmel sehe, Wann mein letzter Tag erscheint, Wann zum dunklen Thal ich gehe, Und mein Freund nun um mich weint; Lindre dann des Todes Pein; Laß mein End ihm lehrreich seyn, Daßß ich ihn zum Himmel weise Und dich, Herr des Todes, preise. 2. Hilf, daß keiner meiner Tage, Vater meiner Lebenszeit, Einst mich im Gericht verflage: Er sey ganz von mir entweiht! Auch noch heute Klopfted, g. 1724 † 1803. Am Schluß der Woche. Mel. Die Nacht ist vor der Thür.( Ps. 90, 14.) 563. Die Nacht gibt gute Nacht;| Gott, der da beides macht, Soll Der Tag herrscht auf der Erden. hochgepriesen werden. Du, Herr E. Tageszeiten.( Abend.) 367 der ganzen Welt, Hast alles wohl| gläubig auf dir ruhn Und dein Gebestellt! bot umfassen. Gib mein bescheident Theil Am Kreuz und auch am Heil. 6. Versorge meinen Mund, Dech mehr die Seel erfülle; Erhalte sie gesund In ihrer Leibeshülle; Gib einen Gnadenblick Auch zu der meinen Glück! 2. Ja wohl, und mehr als wohl Hat mich dein Schild bedecket, Daß ich erkennen soll, Wie deine Güte schmecket, Und daß sonst keine Treu So groß als deine sey. 3. Ach laß dir meinen Dank In Schwachheit hier gefallen! Dein Lob soll lebenslang Aus meinem Munde schallen; Ich werde niemals mein Nur dein auf immer seyn. 4. Du wollst mich diesen Tag Ins Buch des Segens schreiben, Daß ich so leben mag, Wie mich dein Geist wird treiben; Durch dessen Leitung führ Mich mehr und mehr zu dir. 5. Mein Denken und mein Thun, Mein Wollen und mein Lassen Soll 7. Die Woche laufet nun Mit diesem Tag zu Ende; Drum hilf, daß ich mein Thun In deiner Kraft vollende, Daß morgen mich dein Tag Gesammelt finden mag. 8. Laß mich die kurze Zeit Des Lebens flüglich theilen, Und nach der Ewigkeit Mit frohen Schritten eilen; So leb ich, weil es gilt; So sterb ich, wann du willt. Schmolk, g. 1672 † 1737. Abend. Mel. Alle Menschen.( Sef. 12, 2.) 564. Gott! bu läffest mich er- Strahl der Gottheit scheinen Laß um reichen Abermal die Abendzeit; Das ist mir ein neues Zeichen Deiner Lieb und Gütigkeit. Laß jetzo mein armes Singen Durch die trüben Wolken bringen, Und sey auch in dieser Nacht Ferner auf mein Heil bedacht. mich und all die meinen, Die, was deine Liebe thut, Dankbar schätzen als dein Gut. 2. Neige dich zu meinen Bitten, Stoß nicht dieß mein Opfer weg. Hab ich gleich oft überschritten Deiner Wahrheit heilgen Steg, So verfluch ich meine Sünden Und will mich mit dir verbinden; Reiß du nur aus meiner Brust Alle Wurzel böser Luft. 3. Herr! es sey mein Leib und Leben Und was du mir sonst geschenkt, Deiner Allmacht übergeben, Die den Himmel selbst umschränkt. Einen 4. Laß mich mildiglich bethauen Deines Segens Ueberfluß; Schirme mich vor Angst und Grauen, Wende Schaden und Verdruß, Brand und fonst betrübte Fälle; Zeichne meines Hauses Schwelle, Auf daß keinen hier der Schlag Des Verderbers treffen mag. 5. Wirke du in meinen Sinnen, Stehe mir im Schatten bei, Daß mein schlafendes Beginnen Dir auch nicht zuwider sey. Schaffe, daß ich schon auf Erden Mög ein solcher Tempel werden, Der nur dir, und nicht der Welt Ewig Licht und Feuer hält! von Gants, g. 1654 † 1699. XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. Mel. Nun ruhen alle.( 1 Mof. 32, 10.) 565. Herr! ber du mir das| Und bort den Preis des Glaubens Leben Bis diesen Tag gegeben, Dich sehn. bet ich kindlich an; Ich bin viel zu geringe Der Treue, die ich finge, Und die du heut an mir gethan. 2. Mit dankendem Gemüthe Fren ich mich deiner Güte, Ich freue mich in dir. Du gibst mir Lust und Stärke, Gedeihn zu meinem Werke Und schaffst ein reines Herz in mir. 4. Ich weiß, an wen ich glaube Und nahe mich im Staube Zu dir, o Gott, mein Heil! Ich bin der Schuld entladen, Ich bin bei dir in Gnaden Und in dem Himmel ist mein Theil. 3. Gott! welche Rub der Seelen: Nach deines Worts Befehlen Einher im Leben gehn; Auf deine Güte hoffen, Im Geist den Himmel offen 5. Bedeckt mit deinem Segen Eil ich der Ruh entgegen, Dein Name sey gepreist! Mein Leben und mein Ende Ist dein, in deine Hände Befehl ich, Bater, meinen Geist. Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. Der Tag ist hin.( Ps. 112, 1. 4. 116, 7.) 566. Der Abend kommt, die| dieß und das verwirret! Es ist mir Sonne sich verdecket, Und alles sich zur Ruh und Stille stredket. O meine Seel, merk auf! wo bleibest du? In Gottes Schooß, sonst nirgends hast du Ruh! leid, es soll nicht mehr geschehn; Nimm mich nur ein, so werd ich fester stehn! 2. Der Wandersmann legt sich ermübet nieder, Das Vöglein fleugt zu seinem Neste wieder, Die Schäflein ziehn in ihre Hürden ein; Laß mich zu dir, mein Gott, gelehret seyn! 6. Da nun der Leib sein Tagwerk hat vollendet, Mein Geist sich auch zu seinem Werke wendet: Zu beten an, zu lieben inniglich, Im stillen Grund, mein Gott, zu schauen dich. 7. Die Dunkelheit ist da, und alles schweiget; Mein Geist vor dir, o 3. Ach sammle selbst Begierden Majestät, sich beuget. Ins Heiligund Gedanken, Die noch so leicht aus thum, ins Dunkel kehr ich ein; Herr! Schwachheit von dir wanken; Mein rede du, laß mich ganz stille seyn. Ruheplaß und Heimath, thu dich 8. Mein Herz sich dir zum Abendauf, Daß ich in dir beschließe mei- opfer schenket, Mein Wille sich in dich nen Lauf. 4. Recht väterlich hast du mich heut' geleitet, Bewahrt, verschont, gestärket und geweidet; Ich bins nicht werth, daß du so gut und treu; Mein alles dir zum Dant ergeben sey! gelaffen senket; Begierden, schweigt! Vernunft und Sinnen, still! Mein müder Geist im Herren ruhen will. 9. Dem Leib wirst du bald seine Ruhe geben; Laß nicht den Geist zerstreut in Unruh schweben! Mein treuer Hirt, führ mich in dich hinein: In dir, mit dir kann ich ver 368 5. Vergib es, Herr, wo ich mich heut verirret Und mich zu viel durch| gnüget seyn. E. Tageszeiten.( Abend.) 21X 369 10. Im Finstern sey des Geistes| Wonne; Deck mich bei dir in deiner Licht und Sonne, Im Kampf und Kreuz mein Beistand, Kraft und Hütte zu, Bis ich erreich die volle Sabbathsruh.se sid USTADE Mel. Nun ruhen 567. Die Sonne senkt fich nieder, Die stille Nacht kommt wieder Und mit ihr Schlaf und Ruh; Sie bringt uns neue Kräfte, Beschließt des Tags Geschäfte Und drückt die mülden Augen zu. 2. Noch wach ich und erzähle Mit tiefgerührter Seele, Herr, was du mir gethan. Dich preiset mein Gemüthe Für alle Gnad und Güte: Herr! nimm mein stilles Loblied an. 3. Von dir kommt jede Gabe, Das Leben das ich habe, Die Ruhe dieser Nacht. Du bist der Quell der Güter, Mein Schutz und treuer Hüter; Der, wann ich schlummre, für mich wacht. alle.( Pf. 27, 1.) Majestät heraus; Sie leuchtet dir zur Ehre Hoch über Land und Meere, Und deine Hand lenkt ihren Lauf. 6. Als Zeugen deiner Stärke Stehn lauter Wunderwerke In deiner Schöpfung da; Und du, der ste bereitet Und Mond und Sterne leitet, Bist auch im Staub mir innig nah. 7. Groß, wann der Morgen thauet, Groß, wann der Abend grauet, Groß in der stillen Nacht; Im Sonnenschein, im Sturme, Am Menschen und am Wurme Groß zeigst dit, Schöpfer, deine Macht! 8. Drum schwinde alles Grauen, Drum will ich findlich trauen, Denn du versorgst auch mich. Ja Bater, ich befehle Dir freudigLeib undSeele; Du bist mein Gott, ich hoff auf dich! 9. Laß dir mein kindlich Lallen Durch, Jesum wohlgefallen Und segne meinen Geist, Bis er, im Grund ernenert, Den großen Sabbath feiert, Wo aller Selgen Schaar dich preist. Vermehrt durch Junkheim, g. 1729 † 1790. Eigene Mel.( Pf. 121, 1 2. Klagl. 3, 57.) 568. Der Tag ist hin; mein| nicht versteh; Du bist gerecht, es Jesu, bei mir bleibe! O Seelenlicht, gehe wie es geh. der Sünden Nacht vertreibe; Geh auf in mir, Glanz der Gerechtigkeit, Erleuchte mich, o Herr, denn es ist Beit 1 3. Nur eines ist, das mich empfindlich quälet: Beständigkeit im Guten mir noch fehlet, Das weißt du wohl, o Herzenskündiger, Ich strauchte noch wie ein Unmündiger. 4. Vergib es, Herr, mir sagt es mein Gewisfen: Der Sünde Luft 24 4. Du läßt es finster werden Und hüllst den Kreis der Erden In tiefe Dunkelheit; Doch auch in dunkler Stille Wohnst du mit deiner Fille Und zeigst uns deine Herrlichkeit. 5. Du führst aus weiter Ferne Den Mond und tausend Sterne Mit Tersteegen, g. 1697+ 1769. 2. Lob, Preis und Dank sey dir, mein Gott, gesungen;- Dir sey die Ehr, wenn alles wohl gelungen Nach deinem Rath, ob ichs gleich Evangelisches Gefangbuch. 370 XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. hat mich von dir geriffen; Es ist| Und halt um mich mit treuen Augen mir leid; ich stell mich wieder ein, Wacht. Hier ist mein Herz! ich dein, Herr, und du mein! 6. Du schlummerst nicht, wann matte Glieder schlafen; Ach laß die Seel im Schlaf auch Gutes schaffen; Lebenssonn, erquide mejnenSinn, der Dich lass' ich nicht, mein Fels, Tag ist hin! 3. Neander, g. um 1640 † 1688. SPIS Mel. O bu Liebe.( Luc. 24, 29-32. Matth. 28, 20.) 569. Bleibe! es will Abend| 5. Bleibe, wenn ich gleich im Herzen Noch so träg zum Glauben bin, Denn ich lege dir mit Schmerzen Selbst die Unart redlich hin. Haft du nicht auch mit den Trägen Noch erbarmende Geduld? Sa, selbst auf betrübten Wegen Nahst du ihnen voller Huld. 5. Israels Schuk, mein Hüter und mein Hirte! Zu meinem Trost dein sieghaft Schwert ungürte, Bewahre mich durch deine große Macht werden," Jesu, bleibe du bei mir, Mit den deinigen aufErden Rufe jetzt auch ich zu dir; Bleibe mir statt taufend Sonnen, Denn dein Naheseyn im Wort Hat das Herz mir abgewonnen, Und dieß läßt dich nicht mehr fort. 2. Bleibe: du bist mein Erlöser; Ach was hab ich ohne dich? Da wird nur mein Elend größer, Und die Hölle schrecket mich. Ohne dich bin ich verloren; Aber deinVerfühnungsblut Hat mich wieder neu geboren, Weil es Wunder an uns thut. 3. Bleibe: denn du bist mein Leben; Außer bir ist alles tobt; Außer dir sind wir nur Reben, Welchen Gott das Feuer droht.* Meiner Seele schwache Triebe Gehen nur auf dich allein; Wenn nicht Jesus bei mir bliebe, Wollt ich lieber gar nicht seyn! ( 30h. 15, 6.) 4. Bleibe; mußt du mir schon sagen, Daß ich unverständig sey, Denn du kannst auch Thoren tragen Und bleibst unverändert tren; Ja ich will es selbst bekennen, Ja ich bins, doch bleib mir nah, Laß mir nur das Herz noch brennen, Daß ich fühl, du seyeft da. 6. Bleibe; hält auch meine Augen Jetzt noch ein geheimes Band, Daß sie nicht zu schauen taugen Dich in dem Verklärungsstand; Deffne mir indeß die Schriften, Daß ich Jesum glauben kann, Schauen geht ja bei Geprüften In der neuenStadt erst an. 7 Bleibe mir stets in Gedanken, Daß mein Herz dich nicht verläßt; Mach es, wann es wollte wanken, Durch die Gnade wieder fest. Bleibe bei mir, was ich schaffe; Bleibe bei mir, wo ich ruh; Bleibe bei mir, wann ich schlafe; Weicht mir alles, bleibe du! 8. Ja du bleibft; du haste verspro chen: ,, Ich bin bei euch allezeit;" Du haft nie ein Wort gebrochen, Brichsts auch nicht in Ewigkeit. Schlaft, ihr Glieder, wache, Seele! Jefus bleibt und hält die Wacht, Welchem ich euch frob befeble; Das ist eine gute Nacht! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. E. Cageszeiten.( Abend.) 31X Mel. Nun ruhen alle.( Hiob 8, 9. 1 Cor. 15, 10.) 570. Der Mond ist aufgegangen, Die goldnen Sternlein pran gen Am Himmel hell und klar; Der Wald steht schwarz und schweiget, Und aus den Wiesen steiget Der weiße Nebel wunderbar. Und suchen viele Künste, Und kommen weiter von dem Ziel. 5. Gott! laß uns dein Heil schauen, Auf nichts vergänglichs trauen, Nicht Eitelkeit uns freun. Laß uns einfältig werden Und vor dir hier auf Erden, Wie Kinder, fromm und fröhlich seyn. 2. Wie ist die Welt so stille Und in der Dämmrung Hülle So trau lich und so hold, Als eine stille Kam mer, Wo ihr des Tages Jammer Verschlafen und vergessen sollt. 3. Seht ihr den Mond dort stehen? 6. Wollst endlich sonder Grämen Aus dieser Welt uns nehmen Durch einen sanften Tod; Und wann du uns genommen, Laß uns in HimEr ist nur halb zu sehen; Und istmel kommen, Du unser Herr und doch rund und schön! So sind wohl unser Gott! manche Sachen, Die wir getroft belachen, Weil unsre Augen sie nicht sehn. 7. So legt euch denn, ihr Brüder, In Gottes Namen nieder; Kalt weht der Abendhauch. Verschon uns, Gott, mit Strafen Und laß uns ruhig schlafen, Und unsre kranken Brüder auch! Claudius, g. 1740 † 1815. 4. Wir stolze Menschenkinder Sind eitel arme Sünder Und wissen gar nicht viel; Wir spinnen Luftgespinste 371 Eigene Mel.( Pf. 121.) 571. Nun ruhen alle Wälder,| Legt Kleider ab und Schuhe, Das Bieh, Menschen, Städt und Felder, Es schläft die ganze Welt. Ihr aber, meine Sinnen, Auf, auf! ihr sollt beginnen Was euremSchöpfer wohlgefällt. Bild der Sterblichkeit. Die zieh ich aus; dagegen Wird Christus mir anlegen Das Kleid der Ehr und Herrlichkeit. 5. Das Haupt, die Füß' und Hände Sind froh, daß nun zum Ende Die Arbeit kommen sey. Herz, freu dich! du sollst werden Bom Elend dieser Erden Und von der Sünden Arbeit frei. 2. Wo bist du, Sonne, blieben? Die Nacht hat dich vertrieben, Die Nacht, des Tages Feind. Fahr hin! ein' andre Sonne, Mein Jesus, meine Wonne, Gar hell in meinem Herzen scheint. 3. Der Tag ist nun vergangen, Die güldnen Sterne prangen Am blauen Himmelssaal. Also werd ich auch stehen, Wann mich wird heißen gehen Mein Gott aus diesem Jammerthal. 4. Der Leib eilt nun zur Ruhe, 6. Nun geht, ihr matten Glieder, Geht hin und legt euch nieder, Der Betten ihr begehrt. Es kommenStund und Zeiten, Da man euch wird bereiten Zur Ruh ein Bettlein in der Erd. 7. Die Augen stehn verdroffen, Sm Nu sind sie geschlossen; Wo 372 XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. bleibt dann Leib und Seel? Nimm| singen: ,, Dieß Kind soll unverletzet sie zu beinen Gnaden, Sey gut für seyn!" the allen Schaden, Du Aug und Wächter Ifrael! 8. Breit aus die Flügel beide, O Jesu, meine Freude, Und nimm dein Kichlein ein! Will mich der Feind verschlingen, So laß die Engel Eigene Mel. 9. Auch euch, ihr meine Lieben, Soll heute nicht betrüben Ein Unfall noch Gefahr; Gott laff' euch sicher schlafen, Stell euch die güldnen Waffen Ums Bett und seiner Engel Schaar! Gerharb, g. 1606+ 1676. 572. Werde munter, mein Gemüthe, Und ihr Sinnen, geht herfür, Daß ihr preiset Gottes Güte, Die er hat gethan an mir, Da er mich den ganzen Tag Vor so mancher schweren Blag Durch sein gna denreiches Walten Hat beschirmet und erhalten. ( Pf. 56, 6-8.) Dir will ich mich ganz befehlen Diese Nacht und allezeit; Bleibe boch, mein Gott, bei mir, Weil es nunmehr dunkel schier; Daß ich nimmer mich betrübe, Tröste mich mit deiner Liebe! 6. Wann sich schon die Augen schließen Und ermüdet schlafen ein, Soll mein Herz dennoch geflissen Und auf dich gerichtet seyn; Meiner Seele mit Begier Träume stets, o Gott, von dir, Daß ich innig an dir hange Und auch schlafend dich umfange. 2. Lob und Dank sey dir gesungen, Vater der Barmherzigkeit, Daß mir heut mein Wert gelungen, Daß du mich vor allem Leid, Und vor Sünden mancher Art So getreulich haft bewahrt, Auch die Feind binweg getrieben, Daß ich unbeschädigt blieben! 3. Keine Klugheit fann ergründen Deine Güt und Wunderthat; Ja tein Redner kann verkünden Was dein Arm erwiesen hat! Deiner Wohlthat ist zu viel, Sie hat weder Maß noch Ziel; Ja du hast mich so geführet, Daß kein Unfall mich berühret. helt dr 4. Bin ich gleich von dir gewichen, Stell ich mich doch wieder ein; Denn dein Sohn ist einst verblichen Für mich in der Todespein. Ich verleugne nicht die Schuld; Aber deine Gnab und Huld Ist viel größer als die Sünde, Die ich immer in mir finde. 5. O du licht der frommen Seelen, D du Glanz der Herrlichkeit! 7. Laß mich diese Nacht empfinden Eine sanfte, süße Rub; Alles Uebel laß verschwinden; Decke mich mit Segen zu; Leib und Seele, Muth und Blut, All die meinen, Hab und Gut, Freunde, Feinde, Hausgenofsen Sey'n in deinen Schutz be schlossen! 8. Ach bewahre mich vor Schreden, Schütze mich vor Ueberfall; Laß mich Krankheit nicht aufwecken; Treibe weg des Krieges Schall! Wend ab Feu'r- und Wassersnoth, Pestilenz und schnellen Tod; Laß mich nicht in Sünden sterben Noch an Leib und Seel verderben. 9. du großer Gott, erhöre Was dein Kind gebeten hat! Jesu, den ich stets begebre, Bleibe ja mein Schutz E. Tageszeiten.( Abend.) 373 und Rath; Und mein Hort, du wer- ster heißt, Höre doch mein sehnlich ther Geist, Der du Freund und Trö- Flehen! Amen, ja es soll geschehen! Rift, g. 1607+ 1667. Mel. Allein Gott in der Höh.( Pf. 92.) 573. Ergreife nun dein Har- net. Wie weht ihn Wind und Zeit - er modert schon, Verflucht und unbethränet. fenspiel, Da Licht und Tag verdavon! Bald welket er, schwindet, Und sich der langen Arbeit Ziel Spät in den Schatten findet! Komm, Seele, dring zu Gottes Thron Und opfre deiner Lieder Ton, Vom Geist des Danks entzündet! 6. Ich bete dich im Dunkeln an, Doch in dein Licht entzücket, Gott, den ich nicht satt denken kann, Deß Name schon erquicket! Wie selig ist wer dich erkennt, Wer dich im Glauben Vater nennt, Wie hoch ist der beglücket! 2. Nie ist man schöner aufgewacht, Als unter Preis und Loben; Nie fängt man selger an die Nacht, Als wo das Herz, erhoben, Gott seine letzte Kraft noch schenkt, Die Spuren seines Raths durchdenkt Und seiner Liebe Proben. 3. Gott forgt und waltet spät und früh, Treu, wie ein Vater pfleget; Gott wacht, er schläft und schlummert nie, Er der den Weltbau träget. Wie ist ein Mensch so wohl daran, Der Gottes Wegen folgen kann Und sein Werk überleget! 4. Das ist nicht eines Sünders Thun, Der seine Zeit durchspielet, Den Tag verpraßt, und heimlich nun Noch seine Lüste fühlet; Deß Leben nur im Fleische blüht, Der Gott nicht kennt, sein Wert nicht steht Noch seinen Eindruck fühlet. 5. Doch du bleibst Gott, wenn er auch blind, Verzärtelt und verwöhnet, Frech, trotzig, stolz und weltgesinnt Dich und dein Thun verhöh7. Du hebst mein frohes Haupt empor; Wer ist es der mir schade? Nichts sieht mein Aug, nichts hört mein Ohr, Als allenthalben Gnade. Ich weiß mich mit dir ausgefühnt, Ich grüne, wie ein Palmbaum grünt, Im Alter noch gerade. 8. D möchte sich von Stund zu Stund MeinHerz in dir entzünden! O könnte doch mein Geist, mein Mund Genug des Lobens finden: Wie du so fromm, so gnädig bist, Und wie kein Unrecht an dir ist, Der Nachwelt 311 verkünden. 9. Das sey mein Tagwert jeden Tag, Das meiner Nächte Dichten! Ob mich der Schlaf umhüllen mag, Vergess' ich dein mit nichten. Gott! nimm dieß Abendlied von mir, Bald Morgens knie' ich nen vor dir, Mein Opfer zu entrichten. Lehmus, g. 1707 † 1788. Mel. Die Nacht ist vor der Thür.( Pf. 57, 2.) 574. Die Nacht ist niemands| ists der auch die Nacht Mir stets zur 11 Freundin macht. Freund," Doch, weil ich Jesum faffe, So fürcht ich keinen Feind Mit seinem Grimm und Hasse; Er 2. Heb alle Feindschaft auf, Freund, den mein Herze liebet; Und wo mein XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. Lebenslauf Dich hier und dort be-| Wacht Sich um mein Lager fügen, tribet, So tilge meine Schuld Mit Huld und mit Geduld. Und deiner Allmacht Schein Bei meiner Unmacht seyn. 5. Der Schlaf, des Todes Bild, Heißt mich ans Grab gedenken; Tod, komme, wann du willt, Ich will mich gar nicht kränken; Mich bringt der letzte Feind zu meinem besten Freund! 374 3. Zwar hab ich einen Feind, Der voller List und Tücke; Doch wo dein Antlitz scheint, Da fällt er bald zurücke. Troß Teufel, Sünd und Höll, Hier ist Immanuel! 4. Ich werde diese Nacht Als wie ein Todter liegen; Drum lasse deine Schmolt, g. 1672+ 1737. Mel. Ach was soll ich Sünder.( Pf. 39, 5-8.) 575. Ach mein Jesu! sieh ich| 4. Ach, ich muß mich herzlich schä men, Du erhältst und schützest mich Tag und Nacht so gnädiglich, Und ich will mich nicht bequemen, Daß ich ohne Heuchelei Dir dafür recht dankbar sey. trete, Da der Tag nuumehr sich neigt Und die Finsterniß sich zeigt, Hin zu deinem Thron und bete; Neige du zu deinem Sinn Auch mein Herz und Sinnen hin. 2. Meine Tage gehn geschwinde 5. Nun, ich komme mit VerlanWie ein Pfeil zur Ewigkeit; Auch gen, mein Herzensfreund, zu dir: die allerlängste Zeit Rauscht vorüber Neige du dein Licht zu mir, Da der wie die Winde, Fließt dahin als wie| Tag nunmehr vergangen; Sey du ein Fluß Mit dem schnellsten Wasser selbst mein Sonnenlicht, Das durch guß. alles finstre bricht! 3. Aber, Jesu, sieh ich Armer Nehme mich doch nicht in Acht, Daß ich dich bei Tag und Nacht Herzlich suchte, mein Erbarmer; O wie mancher Tag geht hin, Da ich kalt und träge bin! 6. Laß mich meine Tage zählen, Die du mir noch gönnen willt; Bon dir sey mein Herz erfüllt, So wird mich nichts können quälen, Denn wo du bist Tag und Licht, Schaden uns die Nächte nicht. Schlicht, g. 1681 † 1723. Mel. O bu Liebe.( Pf. 51, 6.) 576. Herr und Gott der Tag| aller Dinge, Mir in meiner Lebensund Nächte, Der du wachst im Himmelszelt Und voll Gnaden beine Rechte Ausstreckst über diese Welt, Sieh, wie deines Kindes Seele, Da der Tag sich nun geneigt, Sich nach deines Worts Befehle Dankend vor dir niederbeugt. zeit Und auch heute haft erwiesen; O daß ich recht dankbar wär! Herr, dein Name sey gepriesen; Dein Herz ferner zu mir kehr! 2. Bater! ich bin zu geringe Aller Treu und Gütigkeit, Die du, Wesen 3. Sich nicht an der Sünden Menge, Ach gedente nicht der Schuld, Die du könntest rächen strenge; Habe doch mit mir Geduld! Reinige, Herr, mein Gewissen; Leib und Seel dir E. Cageszeiten.( Abend.) heilig sey! Dein Geist mache mich| verlaffen, Unter tausend Qualen gefliffen, Dir zu dienen ohne starb. Scheu. 5. Drauf will ich mich schlafen legen, Laß mich dir empfohlen seyn; Vater! gönne mir den Segen, Halte Leib und Seele rein. Ja, dein Engel mich bewahre, Deine Gnade sey mein Schild, Bis ich einst zum Heiland fahre Und erwach nach seinem Bild. Nach Freylinghausen, g. 1670+ 1739. 4. Laß mich nicht dahiuten bleiben, Laß mich nicht zurüde sehn, Dein Geist müsse mich stets treiben, Un verrückt voranzugehn, Jenes Kleinov zu erfassen, Das mein Heiland mir erwarb, Als er dort am Kreuz, 375 Mel. Sesu, meine Freude.( Spr. 18, 10. 14, 26.) 577. Hirte deiner Schafe, Der| Und laß allen Jammer Ferne von von keinem Schlafe Etwas wissen uns seyn! Sey du Schloß und mag! Deine Wundermilde Diente Niegel, Unter deine Flügel Nimm mir zum Schilde Den vergangnen dein Kichlein ein; Deck uns zu Mit Tag: Sep die Nacht Auch auf der Schutz und Ruh, So wird uns kein Wacht, Und laß mich von deinen Grauen wecken, Noch der Feind Schaaren um und um bewahren! uns schreden. 2. Decke mich von oben Vor der Feinde Toben Mit der Baterhuld! Ein versöhnt Gewiffen Sey mein Rubekissen; Drum vergib dieSchuld! Jesus Christ Mein Mittler ist; Er hat das was ich verschuldet, Williglich erduldet. 3. Laß auch meine Lieben Keine Noth betrüben, Sie sind mein und dein! Schließ uns mit Erbarmen In den Vaterarmen Ohne Sorgen ein! Du bei mir Und ich bei dir! Also find wir ungefchieden, Und ich schlaf im Frieben. 4. Komin, verschließ die Kammer 5. Wie? wenn ich mein Bette Heut zum Grabe hätte? Jezzo roth- bald tobt? Drum, hast du's beschlos sen, Sterb ich unverdroffen, Herr, auf dein Gebot! Nicht will ich, Herr, wider dich! Hab ich Heil in dir gefunden, Sterb ich alle Stunden. 6. Nun wohlan, ich thue In vergnügter Ruhe Meine Augen zu; Seele, Leib und Leben hab ich dir ergeben, Treuer Hüter, du! Gute Nacht! Nimm mich in Acht! Uud erleb ich je den Morgen, Wirst du weiter sorgen. Schmoll, g. 1672+ 1737. Mel. Werde munter.( Pf. 19, 13. 109, 21. 26 und 27.) 578. Herr! es ist von meinem| allen Sachen Guten Feierabend machen. Leben Abermal ein Tag dahin; Lehre mich nun Achtung geben, Ob ich fromm geworden bin? Zeige mir auch ferner an, So ich was nicht recht gethan, Und hilf jetzt in 2. Freilich wirst du manches finden Das dir nicht gefallen hat; Denn ich bin noch voller Sünden In Gedanken, Wort und That. Ach wie 376 XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. oft vergieng ich mich, Mein Erbar| man gleich was bereiten, Uns zu mer, wider dich! Wer kann merken, schaden, wann wir ruhn, So zerwer kann zählen, Wann wir und störe du den Rath Und verhindere wie oft wir fehlen? die That, Wend auch allen andern Schrecken, Den die Bosheit will er wecken. 3. Aber, o du Gott der Gnaden, Hab durch Christum noch Geduld! Ich bin freilich schwer beladen, Doch vergib mir alle Schulb; Deine große Vatertreu Werd auch diesen Abend neu, So will ich, Herr, deinen Willen künftig mehr als heut erfüllen. 4. Heilige mir das Gemüthe, Daß mein Schlaf nicht sündlich sey; Decke mich mit deiner Güte, Und dein Engel steh mir bei; Lösche Feu'r und Lichter aus Und bewahre selbst das Haus, Daß ich morgen mit den meinen Nicht im Unglück müsse weinen. 5. Steure den gottlosen Leuten, Die im Finstern böses thun; Sollte Mel. Nun sich der 579. Gott! der du Gnad und Weisheit hast! Hast alles wohlgemacht; Du gibst den Tag zu Müh und Last, Und dann zur Ruh die Nacht. 2. Da geht die Seele nicht mehr aus, Zieht Thür und Fenster zu Und will, wie im verschloßnen Haus, Allein seyn und in Ruh. 3. Wie wohl ruht wer sich müd geschafft, Wen Hitz und Kummer traf; Wie fühlt der Kranke neue Kraft Auf einen sanften Schlaf! 6. Herr! dein Auge geht nicht un ter, Wann es bei uns Abend wird, Denn du bleibest ewig munter Und bist wie ein guter Hirt, Der auch in der finstern Nacht Uleber seine Heerde wacht; Darum hilf uns, deinen Schafen, Daß wir alle sicher schlafen. 7. Laß mich dann gesund erwachen, Wann es rechte Zeit wird seyn, Daß ich ferner meine Sachen Richte dir zu Ehren ein; Oder hast du, lieber Gott, Heut bestimmet meinen Tod, So befehl ich dir am Ende Leib und Seel in deine Hände! Kaspar Neumann, g. 1648+ 1715. Tag.( Pf. 3, 6.) 4. Da soll dir danken wer sich legt Und wer vom Lager steigt, Daß Gott, der alle Dinge trägt, So gütig sich bezeugt. 5. Noch mehr soll ich dir dankbar seyn In meinem Christenlauf; In Jesu Namen schlaf ich ein, Mit Jesu steb ich auf. 6. Sterb ich, so schlaf ich wie ein Kind, Das Gott besorgen mag; Denn die im Herrn entschlafen sind, Weckt er am jüngsten Tag. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Herzlich thut mich.( Luc. 2, 29. 30.) 580. Herr! es gescheh bein| Zum Tode wie zum Schlafe Bereitet möge seyn. Wille; Mein Leib eilt nun zur Rub, Es fallen in der Stille Die müden Augen zu. Erlaß mir Schuld und Strafe, Daß ich, von Sünden rein, 2. Laß, fern von Schreckensbildern Und wilder Träumerei, Die Seele nichts sich schildern Das ihrer un E. Tageszeiten.( Abend.) 377 Tod. werth sey; Laß frei von eitlen Sor- erwecken, Ein Schlaf ist nur mein gen Den Tag mich wiedersehn, Und auf den Kampfplatz morgen Mit neuen Kräften gehn. 4. Drum fahr ich hin mit Freuden Zu Jesu, meinem Herrn! Die Welt 3. Doch wann der Todesschlummer und ihre Leiden, D Gott, verlaff' Für mich in dieser Nacht Den Freu- ich gern. Wohl dem der bis ans den samt dem Kummer Ein schnel- Ende Sich als ein Chrift erweist; les Ende macht, Dann stärk mich, Mein Gott, in deine Hände Befehl wann das Schrecken Der letzten ich meinen Geift. Stunde droht! Du wirst mich aufvon Gronegt, g. 1731 † 1758. Mel. Jesu, der du.( Jes. 60, 20.) 581. Gott der Tage, Gott der Nacht ist vor dir wie der Tag; AlNächte! Unsre Seele barret dein, gewaltiger Gebieter, Du verwandelst Lehnet sich an deine Rechte, Nie Schmerz und Plag Unversehens in kannst du uns ferne seyn; Auch in Dank und Freuden; Ach laß alle die stiller Nächte Stunden Hat dich man- jetzt leiden, Bald erlöst aus ihrer ches Herz gefunden Und sich aus dem Pein Deiner Vaterhuld sich freun! Lärm der Welt Einsam bei dir ein- 5. Vater! dieser Nam erweitert gestellt. Jede Brust voll Angst und Schmerz; Wie der Mond die Nacht erheitert, Kommt die Ruh in jedes Herz Das nach deinem Troste weinet, Eh die Sonne wieder scheinet. O wie oft verwandelst du Bangen Schmerz in süße Rub! 2. Vater! viele Menschen weinen, Viele Krante schmachten nun; Aber du verläsfest keinen, Heißest wachen, heißest ruhn, Trocknest viele tausend Thränen Und erfüllst das heiße Sehnen Unzählbarer Leidenden, Die um Ruh und Lindrung flehn. 3. Vater! sende Muth den Schwachen, Licht in jedes dunkle Herz. Allen die bekümmert wachen, Lindre du den heißen Schmerz. Laß die Wittwen, laß die Waisen Deine Lieb und Treue preisen; Gönne Kranken sanfte Ruh; Sterbenden sprich Tröstung zu. 4. O du treuer Menschenhüter! 6. Jesus Christus! manche Nächte Hast du für uns durchgewacht, Und dem menschlichen Geschlechte Durch dein Wachen Ruh gebracht; Tröster! du willst deinen Kindern Auch durch Schlaf den Kummer lindern; Wachen oder schlummern sie, Weichst du doch von ihnen nie. Lavater, g. 1741 † 1801. Mel. Freu dich sehr.( Ps. 109, 21.) hier auch litten! 582. Sint ich einst in jenen| 3u berer Hütten, Die, mun glücklich, Schlummer, Aus dem keiner mehr erwacht, Geh ich aus der Welt voll Kummer, Todesruh, in deine Nacht: O dann schlaf ich anders ein; Weg aus dieses Lebens Pein Wall ich bin 2. Jezzo schlaf ich, aufzuwachen Noch für Tage dieser Zeit. Laß mich fertig stets mich machen, Vater, zu der Ewigkeit, Daß ich Wanderer 378 XIX. Besondere Verhältnisse und Beiten. dann sey Von der Last des Eitlen| liebet, um mich weint; Stärker als frei, Von den Bürden dieser Erde, mein Freund im Schmerz Sey mein Wann ich nun unsterblich werde. gottverlangend Herz, Daß ich, voll 3. Gerne laß den Tag mich sehen, von deinem Preise, Ihn zu dir gen Der als Retter mir erscheint, Wann Himmel weise. mit unerhörtem Flehen, Wer mich Klopstod, g. 1724+ 1803. Am Schluß der Woche. Mel. Wer weiß, wie nahe.( Pf. 74, 16.) 583. So ist die Woche nun| versprochen: Daß er, wenn ihm die Sünde leid, Nicht sterben, sondern gnadenvoll Wie ein Gerechter leben soll. ( Deset. 33, 11.) geschlossen, Doch treuer Gott, dein Herze nicht; Wie sich dein Segensquell ergoffen, So bin ich noch der Zuversicht, Daß er sich weiterhin ergießt Und unaufhörlich auf mich fließt. 6. Mein Glaube hält an diesem Segen Und will also den Wochenschluß Vergnügt und froh zurüde 2. Ich preise dich mit Hand und legen, Da mich der Trost ergößen Munde, Ich lobe dich so hoch ich muß: Daß ich ja soll in Christo dein kann, Sch rühme dich von Herzens- Und schon in Hoffnung selig seyn. grunde Für alles was du mir gethan, Und weiß, daß dir durch Jesum Christ Mein Dank ein süßer Weihrauch ist. 7. Doch da mein Leben zugenommen, So bin ich auch der Ewigkeit Um eine Woche näher kommen, Vielleicht am Ziele meiner Zeit; Soll es die letzte Woche seyn, So führe mich zum Himmel ein. 8. Wenn aber morgen ich aufs neue Den heilgen Sonntag feiern fann, So blick die Sonne deiner Treue mich auch mit neuen Gnaden an: Dann geh ich freudig in dein Haus, Da theilst du reichen Segen 3. Hat mich bei meinen Wochen tagen Das liebe Krenz auch mit besucht, So gabst du auch die Kraft zu tragen; Zudem es ist voll Heil und Frucht Durch deine Lieb, o Herr, zu mir, Und darum dank ich auch dafür. Nur eines bitt ich über alles, O du versagst mir solches nicht; Ge- aus. denke teines Sündenfalles Und geh| 9. So will ich jetzt im Vorans mit mir nicht ins Gericht, Weil Jesus meine Missethat Durch seinen Tod gebüßet hat. preisen Was du mir fünftge Woche gibft! Du wirft es mit der That be weisen, Daß du mich je und immer liebst Und leitest mich nach deinem Rath, Bis Leid und Zeit ein 5. Dein Eid ist ja noch nicht gebrochen, Du brichst ihn nicht in Ewigkeit, Da du dem Sünder haft| Ende hat. Erdmann Neumeister, g. 1671 † 1756. E. Tageszeiten.( Schluß der Woche, auch des Jahrs.) mat Am Schluß der Woche, auch des Jahrs. Mel. Herr, wie du.( Jer. 31, 3. 2 Cor. 5, 1 2c. Phil. 1, 21. 23. Off. 22, 17. 20.) 584. Gottlob! ein Schritt zur| 6. Ich bin vergnügt, daß mich Ewigkeit Ist abermals vollendet; zu dir im Fortgang dieser Zeit Mein Herz sich sehnlich wendet, O Quell, daraus mein Leben fließt Und alle Gnade sich ergießt zu meiner Seele Leben. nichts kann von deiner Liebe trennen Und daß ich frei vor jedermann Dich meinen Freund darf nennen, Und daß du dort, o Lebensfürst, Dich ganz mit mir vereinen wirst Und mir dein Erbe schenken. 2. Ich zähle Stunden, Tag und Jahr, Und wird mir fast zu lange, Bis es erscheine, daß ich gar, Leben dich umfange, Damit, was sterblich ist an mir, Berschlungen werde ganz in dir Und ich unsterblich werde. 379 3. Vom Feuer deiner Liebe glüht Mein Herz, das du entzündet; Du bists, mit dem sich mein Gemüth Mit aller Kraft verbindet. Ich leb in dir, und du in mir, Doch möcht ich, o mein Heil, zu dir Noch immer näher bringen. 4. O daß du selber kämest bald! Ich zähl die Augenblicke; Ach komm, eh mir das Herz erkalt' Und sich zum Sterben schicke! Komm doch in deiner Herrlichkeit; Schau her, die Lampe steht bereit, Die Lenden sind umgürtet! 5. Doch sey bir ganz anheimgestellt Die rechte Zeit undStunde, Wiewohl ich weiß, daß dirs gefällt, Wenn ich mit Herz und Munde Dich kommen heiße und darauf Von nun an richte meinen Lauf, Daß ich dir komm entgegen. 7. Drum preif' ich dich aus Dantbarkeit, Daß sich die Woch( das Jahr) geendet, Und also auch von dieser Zeit Ein neuer Schritt vollendet; Ach führ mich eilig weiter fort, Bis ich gelange an die Pfort Jerusalems dort oben. 8. Wenn auch die Hände lässig sind, Und meine Kniee wanken, So beut mir deine Hand geschwind Und halt mich in den Schranken Des Glaubens, daß in dir mein Herz Sich stärke, und ich himmelwärts Ohn Unterlaß aufsteige. 9. Geh, Seele, frisch im Glauben bran Und sey nur unerschrocken; Laß dich nicht von der rechten Bahn Die Lust der Welt ablocken, So dir der Lauf zu langsam däucht, So eile, wie ein Adler fleugt, Mit Flügeln füßer Liebe. 10. DJesu! meine Seele ist zu dir schon aufgeflogen: Du hast, weil du voll Liebe bist, Mich ganz zu dir gezogen. Fahr hin, was heißet Stund und Zeit, Ich bin schon in der Ewigfeit, Weil ich in Jesu lebe! Francke, 1663 † 1727. 380 XX. Die letzten Dinge. XX. Die letzten Dinge. A. Dorbereitung auf den Tod. Mel. Jesus, meine Suversicht.( Ps. 90, 12. Sir 1, 13.) 585. Meine Lebenszeit ver-| Dich dieß reine Herz erheben, Dann erschreckt dich kein Gericht: Gott ist deine Zuversicht! streicht, Stündlich eil ich zu dem Grabe; Und wie wenig ists vielleicht, Das ich noch zu leben habe? Dent, o Mensch, an deinen Tod, Säume nicht, denn eins ist noth! 5. Daß du dieses Herz erwirbst, Fürchte Gott und bet und wache, Sorge nicht wie frih du stirbst, Deine Zeit ist Gottes Sache, Lern nicht nur den Tod nicht scheun, Lern auch seiner dich erfreun. 2. Lebe, wie du, wenn du stirbst, Wünschen wirst gelebt zu haben! Güter, die du hier erwirbst, Wür den, die dir Menschen gaben, Nichts wird dich im Tod erfreun: Diese Güter sind nicht dein. 3. Nur ein Herz, das Gutes liebt, Nur ein ruhiges Gewissen, Das vor Gott dir Zeugniß gibt, Wird dir deinen Tod versüßen: Dieses Herz, von Gott erneut, Gibt im Tode Freudigkeit. ( 1 Cor. 4, 4.) 4. Wann in deiner letzten Noth Freunde hülflos um dich beben, Dann wird über Welt und Tod 6. Ueberwind ihn durch Vertraun, Sprich: ,, ich weiß, an wen ich glaube, Und ich weiß, ich werd ihn schaun, Denn er weckt mich aus dem Staube; Er, der rief: es ist vollbracht! Nahm dem Tode seine Macht." 7. Tritt im Geist zum Grab oft hin, Siehe dein Gebein versenken; Sprich:, Herr! daß ich Erde bin, Lehre du mich selbst bedenken; Lehre du michs jeden Tag, Daß ich weiser werden mag." Gellert, g. 1715 † 1769. Mel. O Sünder, denke wohl.( 2 Cor. 5, 1-10.) 586. So gehts von Schritt zu 3. Nun, ich verlaff' die Welt Und Schritt Zur großen Ewigkeit! So will zum Bater gehn; Hier bin ich unvermerkt verfließt Die turze Le nicht zu Haus, Will nicht zurüde benszeit! Wo blieb so mancher Tagsehn. Der kurze Rest der Zeit Soll Und wo so manches Jahr? Was dir gewidmet seyn: Ja, Bater, ich bleibt dem Sterblichen Von dem was gestern war? 2. Du, Gott der Ewigkeit, Der mir dieß Leben gab, Ich geb es dir zurück Und was ich bin und hab! Ich will nur leben dir, Dir will ich sterben auch; Gib, daß ich Zeit und Kraft Zu deinem Dienst gebrauch. bin hier Und dort auch ewig dein! 4. Bereite mich, und wann Dieß Leben ist vorbei, Du, Herr, mein bleibend Gut, Mein wahres Leben sey! Berlaß mich dann auch nicht Im letzten Augenblick, Daß ich auf Jesum seh Und nicht anf mich zurüd. 5. Der Feind hat nichts an mir, auf den Cod. 381 7. Ich zeuge, daß du bist Das ewig selge Gut, Darin der Geist allein Lebt und im Frieden ruht. Dich ehren nur ist Ehr, Dein Dienst ift Seligkeit, Und dazu wünsch ich mir Die ganze Ewigkeit. 8. Ich lege meinen Geist In deine treue Hand; Mein Heiland, du bewahrst Dieß dir vertraute Pfand. Mein letzter Athemzug Soll reine Liebe seyn! Ausgehend geh mein Geist In deine Ruhe ein! Nach Tersteegen, g. 1697 † 1769. Mel. Mein Jesu, den die.( Apoftelgesch. 4, 12.) 587. Wie thöright handelt doch| 4. Wie kann das Sterbliche verein Herze, Das außer Jesu Ruhe gnügen Die Seele, die unsterblich sucht Und sich mit tausendfachem ist? Soll das was ewig, unterliegen Schmerze Abmattet, und als auf Dem was nur dauert kurze Frist? der Flucht Nach einem Rauch und Wie kann, was irdisch, dich ergötzen, Schatten rennet, Bald dieß bald Da du zum Himmel bist gemacht? jenes ihm erwählt, Und doch des Du bist von Gott so hoch geacht't, rechten Zweds verfehlt, Weil es Und weißt nicht deinen Werth zu nicht seinen Ursprung kennet! schätzen! 2. Ein Stein kann keine Ruhe haben, So lang er in den Lüften schwebt; Ein Thier kann nicht im Meer sich laben, Wenns von Natur auf Erden lebt; DasBöglein schwingt sich in die Höhe; Das Wärmlein friecht in seiner Erd, Und alle Kreatur begehrt, Daß sie in ihren Ursprung gehe. A. Vorbereitung Das Herz in Jesu ruht; Tief in mein Nichts versenkt, Ist Jesus all mein Gut. O wie verbank ichs dir, Daß du zu mir gewandt Dein offnes Baterherz Und wurdest mir bekannt! 6. Dich, Vater, Sohn und Geist, Dich nenn ich meinen Gott, Nenn meinen Schöpfer dich, Mein Heil in Noth und Tod. Es ist mir herzlich lieb, Daß du bist, der du bist, Und daß mein ganzes Heil In deinen Händen ist. 3. Und du, der du von Gott gekommen, Ein Hauch und Strahl von seinem Geist, Hast also wenig dieß vernommen, Daß man dich billig thöricht heißt, Weil du auf Erden das willt finden, Was nur der Himmel geben kann. Umsonst greifst du dieß alles an; Die Thorheit ist nicht auszugründen. 5. O Schande, du gibst deinen Abel Und deine Herrlichkeit dahin! Dein Schöpfer, der dich ohne Tadel Geformt nach seiner Weisheit Siun, Muß selbst bei dir zurückestehen; Sein schönes Reich ist dir zu schlecht; Darum geschieht dir nur dein Recht, Wenn du dich mußt betrogen sehen. 6. Wie aber, wenn du gar daneben In Lastern suchest deine Lust Und, dich abkehrend deinem Leben, Der Sünd eröffnest Herz und Brust, Die Gott zum Tempel hat erforen, So dent, wie groß sey deine Schuld! Wie schmähst du nicht des Schöpfers Huld; Da wärst du lieber nie geboren! 7. Kehr dich zu Gott, verlaß die - XX. Die letzten Dinge. 382 Sünden, Sag ab der Thorheit dieser Welt; Dann kann dein Herz erst Ruhe finden, Wann dir der Himmel bloß gefällt. Die Erde wankt, drum muß man gleiten, Wenn man darauf zu ruhn vermeint, Wer aber sich mit Gott vereint, Hat Fried und Ruh zu allen Zeiten. 8. Da ruht das Kindlein recht mit Frieden Gar sanft in seiner Mutter Schooß; Der Wandersmann wird nach Ermüden Des Tages Last und Hiße los; Die Feffeln werden abgenommen, Die den Gefangenen gedrückt; Das Schifflein ist dem Sturm entrückt Und nun in seinen Port gekommen. 4. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Schöne! Wie ein Blümlein bald vergehet, Wenn ein rauhes Lüftlein wehet, So ist unsre Schöne; sehet! 9. Das Kichlein flüchtet zu der Hen nen, Das Schäffein, welches sich verirrt, Kann nun des Hirten Stimm erkennen Und wird der Heerde zugeführt; Der Sohn, der sich bisher ver loren und in der Ferne weggewandt, Wird von dem Vater nun erkannt Und gleichsam wieder neugeboren. Eigene Mel.( 1 Petri 1, 24. 1 Joh. 2, 17.) 588. Ach wie nichtig, ach wie| fämpft mit Riesen, Den muß heut ein Grab umschließen! flüchtig Ist der Menschen Leben, Wie ein Nebel bald entstehet Und auch wieder bald vergehet, So ist unser Leben; sehet! 6. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ssts mit unsrem Glücke! Wie sich eine Kugel drehet, Die bald da bald dorten stehet, So ists mit dem Glücke; sehet! 2. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Sind der Menschen Tage! Wie ein Strom beginnt zu rinnen Und mit Laufen nicht hält innen, So fährt unsre Zeit von hinnen. 7. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig 3ft der Menschen Ehre! Ueber bent dem man hat müssen Heut die Hände höflich küffen, Geht man morgen gar mit Füßen. 3. Ach wie nichtig, ach wie flichtig Ist der Menschen Freude! Wie sich wechseln Stund und Zeiten, licht| und Dunkel, Fried und Streiten, So find unsre Fröhlichkeiten. 8. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Wiffen! Solcher Witz der allerorten Sich gebläht mit prächtgen Worten, 3st gar balb zu1 Schanden worden. 5. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Stärke! Der als Löwe sich erwiesen, Gestern noch ge10. Drum weg mit allen eitlen Dingen! Ach gehe ein zu deiner Ruh und glaub, es muß dir hier gelingen, Sagst du nur Gott die Treue zu! Hier schmeckest du bereits den Frieden, Den alle Welt nicht geben kann: Dort gehet recht die Ruhe an, Da du von Gott nie wirst geschieden. von Bonin, g. 1682+ 1752. 9. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Dichten, Der die Künste liebgewonnen Und mandh schönes Wert erfonnen, 3ft er je dem Tod entronnen? 10. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig A. Vorbereitung auf den Tod. 383 durch Macht sehr hoch gestiegen, muß sich vor dem Tode schmiegen Und im Grab erniedrigt liegen. Sind der Menschen Schätze! Es| tig Ist der Menschen Herrschen! Der kann Gluth und Fluth entstehen, Dadurch, eh wirs uns versehen, Alles muß zu Trümmern gehen. 11. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Ist der Menschen Prangen! Der in Purpur, hoch vermessen, Ist gleich wie ein Gott gesessen, Dessen wird im Tod vergeffen. 13. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig Sind der Menschen Sachen! Alles, alles was wir sehen, Das muß fallen und vergehen;- Wer Gott hat, bleibt ewig stehen! 12. Ach wie nichtig, ach wie flüchVielleicht von Michael Franc, g. 1609 † 1667. Mel. Nun ruhen alle. 589. Was willst du, armes Leben, Dich trotzig noch erheben? Du mußt ohn Säumniß fort, Wie ferne von der Erden, Die schnellen Wolfen werden Zerflattert durch den rauhen Nord. 2. Das was man um dich spüret, Was dich betrüglich zieret, Dein Ansehn, deine Gunst, Ist nur ein Haus der Plagen, Und recht davon zu sagen: Ist nur ein Schatten, Rauch und Dunst. 3. Drum weil ich ja muß sterben, So will ich mich bewerben Um ein recht gutes Gut, Um ein standhaftes Leben, Das Christus mir kann geben Durch seiner Unschuld heilig Blut. ( Ps. 103, 15-18.) 4. Herr Jesu, Schreck der Höllen! Der du uns tausend Stellen Im Himmel eingeräumt: Nimm mich in deine Hände, Weil meines Lebens Ende Vielleicht sich nahet ungesäumt. Y 5. Eil aus der finstern Höhle Mit meiner armen Seele Und bring mich an das Licht, Da du, selbst Glanz und Sonne, Mit Strahlen deiner Wonne Verklärst mein blödes Angesicht. 6. So werd ich selber schauen Worauf wir hier nur bauen Durch Glauben an dein Wort, Und mit der Schaar der Frommen Aus Sturm und Wellen kommen zu dem gewünschten Friedensport. Dach, g. 1605 † 1659. Eigene Mel.( Ps. 39, 5 2c. Sir. 18, 22 2c. 26 2c. Joh. 11, 25 2c.). 590. Wer weiß, wie nahe mir| So lang ich leb auf dieser Erden, mein Ende? Hin geht die Zeit, her Schweb ich in steter Todsgefahr. kommt der Tod; Wie unvermuthet, Mein Gott, ich bitt durch Christi wie behende Kann kommen mein Blut: Machs nur mit meinem Ende Todesnoth! Mein Gott, ich bitt durch gut! Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 3. Herr! lehr mich stets mein End bedenken Und, ehe denn ich sterben muß, Die Seel in Jesu Tod versenken Und ja nicht sparen meine 2. Es kann vor Abend anders werden, Als es am frühen Morgen war; 384 XX. Die letzten Dinge. Buß! Mein Gott, ich bitt durch| Christi Blut: Machs nur mit mei Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! nem Ende gut! 4. Laß mich bei Zeit mein Haus bestellen, Daß ich bereit sey für und für Und sage frisch in allen Fällen: Herr! wie du willt, so schicks mit mir." Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 8. Ich habe Jesum angezogen Schon längst in meiner heilgen Tauf; Du bist mir auch daher gewogen, Haft mich zum kind genommen auf; Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! " 1 9. Ich habe Jesu Leib gegessen, Ich 5. Mach mir stets silße deinen hab sein Blut getrunken hier; Nun Himmel Und bitter diese schnöde fannst du meiner nicht vergessen, Welt; Gib, daß mir in dem Welt- Sch bleib in ihm und er in mir. getümmel Die Ewigkeit sey vorge Mein Gott, ich bitt durch Christi stellt. Mein Gott, ich bitt durch Blut: Mache nur mit meinem Ende Christi Blun: Machs nur mit mei- gut! nem Ende gut! 6. Ach, Barer! deck all meine Sünde Mit dem Verdienste Jesu zu, Damir ich hier Vergebung finde Und dort die lang gewünschte Nuh. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 10. So komm mein End heut oder morgen: Ich weiß, daß mirs mit Jesu glückt; Ich bin und bleib in seinen Sorgen, Mit Jesu Gnaden ausgeschmückt. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut: Machs nur mit meinem Ende gut! 11. Ich leb indeß in dir vergnüget Und sterb ohn alle Kümmerniß; Es gehe wie mein Gott es füget, Ich glaub und bin es ganz gewiß: Durch deine Gnad und Christi Blut Machst du's mit meinem Ende gut! Emilie Juliane, Gräfin von Schwarzburg- Rudolstadt, g. 1637 † 1706. 7. Nichts ist, das mich vou Jesu scheide, Nichts, es sey Leben oder Tod! Ich leg die Hand in seine Seite Und sage: mein Herr und mein Gott!" Mein Gott, ich bitt durch Mel. Ich hab metn Sach.( Jef. 38, 1. Pf. 39, 5. 90, 5 2c.) 591. Wie fleucht dahin der Menschen Zeit, Wie eilet man zur Ewigkeit! Wie wenge denken an die Stund Von Herzensgrund, Wie schweigt hievon der träge Mund! 2. Das Leben ist gleich einem Traum, Gleich einem nichtgen Wasserschaum, Dem Grase gleich, das heute steht Und schnell vergeht, Sobald nur Wind darüber weht. 3. Nur du, Jehovah, bleibeft mir Das was du bist; ich traue dir. Laß Berg und Hügel fallen hin, Mir ists Gewinn, Wenn ich nur bei dem Heiland bin. 4. So lang ich in der Hütte wohn, So lange lehr mich, Gottes Sohn! Gib, daß ich zähle meine Tag, Der Welt entsag, Daß, eh ich sterb, ich sterben mag! A. Vorbereitung auf den Tod. 385 5. Was hilft die Welt in letter| Das such ich nur, das bleibet mir Noth, Lust, Ehr und Reichthum in dem Tod? Bedenks, o Mensch, was läufest du Dem Schatten zu? So kommst du nicht zur wahren Rub. So dort wie hier; Herr Jesu! zieh mein Herz nach dir. 7. Was wirds da seyn, wann ich dich seh Und dort vor deinem Throne steh! Du unterdessen lehre mich, Daß stetig ich Mit klugem Herzen suche dich. 3. Neander, g. um 1640+ 1688. ( Sir. 7, 40. br. 9, 27.) - 6. Weg Eitelkeit, weg Thorenluft! Mir ist das höchste Gut bewußt; Mel. Wer weiß, wie nahe. 592. Jetzt leb ich; ob ich mor gen lebe, Ob diesen Abend, weiß ich nicht; O Herr, dem ich mein Herz ergebe, Lehr du mich selbst die große Pflicht Durch deines heilgen Geiftes Kraft, Stets fertig seyn zur Rechenschaft. 4. Verschiebe niemals deine Pflichten; Was jetzt zu thun du schuldig bist, Denk nicht erst morgen auszurichten; Wer weiß, obs morgen möglich ist? Mensch, dieser Augenblick ist dein; Der künftge wirds vielleicht nicht seyn! 5. Noch eh ich diesen Tag vollende, Ergreift vielleicht mich schon der Tod; Drum lehr mich denken, Herr, ans Ende, An meine letzte Todesnoth; Olaß, stellt sie sich plözlich ein, Laß Del in meiner Lampe seyn! 6. Es sey, o Bater meines Lebens, 3. Entziehe dich dem Weltgetüm- Wann einst die letzte Stunde schlägt, mel, Hier ist der Kampf, dort ist Der schwache Seufzer nicht verdie Ruh; Dein Wandel, Seele, sey gebens, Der sich in meinem Herzen im Himmel, Dann eilest du dem regt. Und sterb ich einen schnellen Leben zu! Nach einer kurzen Prü- Tod, Sey mir barmherzig, Herr, fungszeit Ift Ewigkeit, ist Ewigkeit! mein Gott! von Hippel, g. 1741 1796. 2. Die Blume die am Morgen stehet, Fällt vor der Abenddämmrung ab; Die Luft die jetzt mich angewehet, Stürzt mich vielleicht ins nahe Grab; Der Jüngling, eh ers sich versieht, Stirbt und ist noch nicht aufgeblüht. Mel. Wenn wir in höchsten.( Ps. 39, 5. 6. Col. 1, 22. 23.) 593. Wie sicher lebt der Mensch,| 3. Sprich nicht: ,, ich denk in Glück der Staub! Sein Leben ist ein fal- und Noth Im Herzen oft an mei lend Laub, Und dennoch schmeichelt nen Tod;" Der, den der Tod nicht er sich gern, Der Tag des Todes weiser macht, Hat nie mit Ernst an sey noch fern. ihn gedacht. 4. Wir leben hier zur Ewigkeit, zu thun was uns der Herr gebent; Und unsers Lebens kleinster Theil st eine Frist zu unsfrem Heil. 5. Der Tod rückt Seelen vor 25 2. Der Jüngling hofft des Greises Ziel, Der Mann noch seiner Jahre viel, Der Greis zu vielen noch ein Jahr, Und keiner nimmt den Irrthum wahr. Evangelisches Gefangbuch. 386 XX. Die letzten Dinge. Gericht; Da bringt Gott alles an das 10. Der zwedk bes Lebens, das Licht und macht, was hier verborgen war, Den Nath der Herzen, offenbar. ( Ebr. 9, 27.) du lebst, Dein höchstes Ziel nach dem du strebt, Und was dir ewig Glück verschafft, Ist: Tugend in des Glaubens Kraft; 6. Drum, da dein Tod dir täglich dräut, So sey doch wacker und bereit; Prüf deinen Glauben als ein Christ, Ob er durch Liebe thätig ist? 7. Ein Seufzer in der letzten Noth, Ein Wunsch: durch des Erlösers Tod Vor Gottes Thron gerecht zu seyn, Dieß macht dich nicht von Sünden rein. 11. Ihr alle seine Tage weihn, Heißt eingedenk des Todes seyn; Und wachsen in der Heiligung 3st wahre Tobserinnerung. 12. Wie oft vergeff' ich diese Pflicht! Herr, geh nicht mit mir ins Gericht! Präg selbst des Todes Bild mir ein Und lehre du mich wachsam seyn; 13. Daß ich mein Herz mit jedem Tag Vor dir, o Gott, erforschen mag: Ob Liebe, Demuth, Fried und Treu, Die Frucht des Geistes in mir sey? 14. Daß ich zu dir um Gnade fleh, Stets meiner Schwachheit widersteh Und sterbend in des Glau bens Macht Mit Freuden ruf: es ist vollbracht! 8. Ein Herz das Gottes Stimme hört, Ihr folgt und sich vom Bösen tehrt, Ein gläubig Herz, von Lieb erfüllt, Dieß ist es was in Christo gilt. 9. Die Heiligung erfordert Milh; Du wirkst sie nicht, Gott wirket sie; Du aber ringe stets nach ihr, Als wäre sie ein Werk von dir. ( Ebr. 12, 14.) Gellert, g. 1715+ 1769. Mel. Wer weiß, wie nahe.( Pf. 5, 5. Hefet. 18, 23.) 594. Ich sterbe täglich, und| den, Als es am Morgen mit mir mein Leben Eilt immer zu dem war; Grabe hin; Wer kann mir einen Bürgen geben, Ob ich noch morgen lebend bin? Die Zeit geht hin, der Tod kommt her, Ach wer nur im mer fertig wär! Den einen Fuß hab ich auf Erden, Den andern in der Todtenbahr; Ein einzger Schritt ist nur dahin, Wo ich der Würmer Speise bin. ( Sir. 18, 26.) 2. Ein Mensch der sich mit Siin den träget, Ist immer reif zum Sarg und Grab; Ein Apfel der den Wurm schon heget, Fällt endlich unversehens ab; Ich weiß, es ist der alte Schluß: Daß ich zu Erde werden muß. ( Sir, 14, 18.) 5. Herraller Herren! Tod undleben 8. Es kann vor Abend anders wer- Hast du allein in deiner Hand; Wie 4. Es schickt der Tod nicht immer Boten, Er fommt gar oft unange meld't Und fordert uns ins Land der Todten; Wohl dem der Herz und Haus bestellt! Denn ewig Weh und ewig Glüd Hängt oft an einem Augenblick. A. Vorbereitung auf den Tod. 387 Blut für mich! ( Ebr. 12, 24.) lange du mir Frist willt geben, Das| meine Lippen sich, So bitte Jesu ist und bleibt mir unbekannt; Hilf, daß ich jeden Glockenschlag Auf meinen Abschied denken mag. 8. Kann ich die meinen nicht mehr segnen, So segne du sie mehr als 6. Ein einzger Schlag kann alles ich; Wann lauter Thränen um mich enden, Und Fall und Tod beisam- regnen, O Bater, so erbarme dich men seyn; Drum halt mich, Herr, Und laffe der Verlaßnen Schrei'n mit Baterhänden Und schließ in Jesu| Bei meinem Tod erhörlich seyn! Tod mich ein, Daß, wenn der Leib darniederfällt, Die Seel an Christi Kreuz fich hält. 9. Dringt mir der letzte Stoß zu Herzen, So schließ mir, Herr, den Himmel auf! Verkürze mir des Todes Schmerzen Und hole mich zu dir hinauf! So wird mein Abschied keine Bein, 3war traurig, dennoch selig seyn. Schmolt, g. 1672+ 1737. 7. Vielleicht kann ich kein Wort mehr sagen, Wann Auge, Mund und Ohr sich schleußt, Drum bet ich bei gesunden Tagen: ,, Herr! dir be fehl ich meinen Geist." Verschließen Mel. Ich hab mein Sach.( 1 Chron. 30, 15. Rom. 4, 8.) 595. Wir sind nur Pilger in| Muth, Der in dir ruht Auch bei der der Zeit Und wallen nach der Ewig- Schmerzen größter Wuth. teit. Der Leib ist ein beseelter Staub, Ein fallend Laub Und bald, ach bald des Todes Raub! 2. Und ach wie wechseln Luft und Leid In unsrer kurzen Pilgerzeit! Bald wird ein Unglück, bald ein Freund Von uns beweint; Dann kommt der Tod, der letzte Feind. 3. Du, Gott, hast nicht den Tod gemacht: Ihn hat die Sünd auf uns gebracht; Daß er nun eine Wohlthat ist, Das dankt der Christ Dir, der du unser Vater bist. 4. Kommt unser Ziel, so schaue dann Erbarmend unsre Seelen an. Hilf uns in unsrer letzten Noth, Herr, unser Gott! Ein sanfter Schlaf werd uns der Tod. 5. Quält uns der Krankheit herber Schmerz, So tröste das beklemmte Herz; Verleih uns einen starken 6. Sey von uns Schwachen dann nicht fern, Zeig uns den Himmel, Geist des Herrn! Laß uns, wenn wir zum Vater flehn, Getröstet sehn, Wie der uns liebt, zu dem wir gehn! 7. Verleih Gelaffenheit und Ruh; In unsern Herzen wohne du Und laß mit freudigem Vertraun Und ohne Graun Auf unser offnes Grab uns schaun. 8. Bist du nur uns nicht fürchterlich, O Vater, und erbarmest dich, Vergibst du, führst nur du uns nicht In dein Gericht: So schrecket selbst der Tod uns nicht! 9. So, so vollende Kampf und Lauf; So nimm zu deiner Ruh uns auf! Wann wir vor deinem Throne stehn, Wann wir dich sehn: Wie wollen wir dich dann erhöhn! Lomen, g. 1729+ 1771. 388 XX. Die letzten Dinge. B. Sterblieder. ( Abschied eines christlichen Fürsten.) Mel. Wenn mein Stündlein.( 2 Tim. 4, 6. Apostelgesch. 7, 58.) 596, Dieweil mein Stund vorhanden ist, Daß ich hinfahr mein' Straßen, So bitt ich dich, Herr Jesu Christ, Du wollst mich nicht verlaffen; Mein Leib und Seel, mein' Leut' und Land Befehl ich dir in deine Hand; Du wirst es wohl bewahren. 2. Ergib mich dir nun ganz und gar; Wollst mein Gemahl behüten Vor allem Unfall und Gefahr Und vor des Feindes Wüthen; Ich bitt den lieben Vater mein: Woll meiner Landschaft Schirmer seyn In Noth und in Gefahren. 3. Mein'n Unterthanen arm und reich Will ich am letzten schenken 3um Fürsten einen Friedenreich, Mein dabei zu gedenken. Ach Gott! wie ists ein große Freud, Wenn Unterthan und Oberkeit Mit Frieden find beisammen. 4. Nach Gottes Willen fahr ich hin, Denn Christus ist mein Leben, Und Sterben ist jetzt mein Gewinn: Ein beffers wird mir werden; Und für mein zeitlich Fürstenthum Die ewig Freud ich überkomm; Das woll Gott ewig! Amen. Herzog Ludwig von Württemberg, g. 1554 † 1593. Eigene mel.( Joh. 3, 17. 36.) Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! Du ewiger Gott! Laß uns nicht verzagen Vor der tiefen Hölle Gluth! Erbarm dich unser! 597. Mitten wir im Leben find| liger Herre Gott! Heiliger, starter Mit dem Tod umfangen; Wen suchen wir, der Hülfe thu, Daß wir Gnad erlangen? Das bist du, Herr, alleine! Uns reuet unsre Missethat, Die dich, Herr, erzürnet hat. Heiliger Herre Gott! Heiliger, starter Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! Du ewiger Gott! Laß uns nicht versinken In des bittern Todes Noth! Erbarm dich unser! 3. Mitten in der Höllen Angst Unfre Sünd uns treiben; Wo soll'n wir denn fliehen hin, Da wir mö gen bleiben? Zu dir, Herr Christ, alleine! Vergoffen ist dein theures Blut, Das gnug für die Sünde thut. Heiliger Herre Gott! Heiliger, star ter Gott! Heiliger, barmherziger Heiland! Du ewiger Gott! Laß uns nicht entfallen Von des rechten Glanbens Trost! Erbarm dich unser! V. 2, 3 von Luther, V. 1 schon vor ihm bekannt. 2. Mitten in dem Tod ansicht Uns der Hölle Rachen; Wer will uns aus solcher Noth Frei und ledig machen? Das thust du, Herr, alleine! Es jammert dein' Barmherzigkeit Unsre Sünd und großes Leid. HeiEigene Mel.( Sir. 41, 5. Joh. 17, 24.) 598. Alle Menschen müssen ster-| Was da lebet muß verderben, Soll ben, Alles Fleisch ist gleich dem Heu; es anders werden neu. Dieser Leib, B. Sterblieder. 389 der muß verwesen, Wenn er anders| heilig heißt Gott, der Vater, Sohn soll genesen Der so großen Herrlich- und Geist;" keit, Die den Frommen ist bereit. ( Jef. 40, 6-8.) 5. Wo die Patriarchen wohnen, Die Propheten allzumal, Wo auf 2. Drum so will ich dieses Leben, ihren Ehrenthronen Sitzet der zwölf Wann es meinem Gott beliebt, Auch Boten Zahl, Wo in so viel tausend ganz willig von mir geben, Bin dar- Jahren Alle Frommen hingefahren; über nicht betrübt; Denn in meines Wo dem Herrn, der uns versöhnt, Jefu Wunden Hab ich schon Er- Ewig Hallelujah tönt. lösung funden, Und mein Trost in Todesnoth Ist des Herren Jesu Tod. 3. Christus ist für mich gestorben, Und sein Tod ist mein Gewinn; Er hat mir das Heil erworben; Drum fahr ich mit Freuden hin, Hin aus diesem Weltgetümmel, In den schönen Gotteshimmel, Wo ich werde allezeit Schauen Gottes Herrlichkeit. 4. Da wird seyn das Freudenleben, Wo viel tausend Seelen schon Sind mit Himmelsglanz umgeben, Stehen da vor Gottes Thron; Wo die Seraphinen prangen Und das hohe Lied anfangen:" Heilig, heilig, 6. O Jerusalem, du schöne, Ach wie helle glänzest du! Ach wie lieblich Lobgetöne Hört man da in stolzer Ruh! D der großen Freud und Wonne: Jego gehet auf die Sonne, Jetzo gehet an der Tag, Der kein Ende nehmen mag. 7. Ach ich habe schon erblicket Diese große Herrlichkeit; Jetzo werd ich schön geschmücket Mit dem weißen Himmelskleid, Mit der güldnen Ehrenkrone Steh ich da vor Gottes Throne, Schane solche Freude an, Die kein Ende nehmen kann. Albinus, g. 1624 † 1679. Mel. Valet will ich.( Joh. 3, 14. 15.) 599. Abschied will ich dir geben,| Dein Nam und Kreuz allein Funkelt Du arge, falsche Welt; Dein eitel böses Leben Durchaus mir nicht gefällt! Im Himmel ist gut wohnen, Hinauf steht mein' Begier; Da wird Gott ewig lohnen Dem der ihm dient allhier. all Zeit und Stunde; Drauf kann ich fröhlich seyn. Erschein mir in dem Bilde, Zum Trost in meiner Noth, Wie du dich, Herr, so milde Geblutet haft zu todt. 2. Rath mir nach deinem Herzen, Jesu, Gottes Sohn! Soll ich ja dulden Schmerzen, Hilf, Herr Christ, 4. Schließ meine Seel aus Gnaden In dich, o Jesu, ein, Und laß sie, los vom Schaden, Bei dir auch ewig seyn. Der ist wohl hier gemir davon; Verkürz mir alles Lei- wesen Wer kommt ins Himmels! den, Stärf meinen blöden Muth; schloß; Ewig ist der gewesen Wer Laß selig mich abscheiden, Schent bleibt in deinem Schooß. mir dein ewig Gut. 3. In meines Herzens Grunde 5. Herr! meinen Namen schreibe Jns Buch des Lebens ein! Laß mich 390 XX. Die Ichten Dinge. an deinem Leibe Ein Glied mit jenen| ewig rühmen, Daß tren dein Herze seyn, Die hoch im Himmel grünen sep! Und vor dir leben frei, So will ich Eigene Mel.; oder: Mir schauert nicht.( Luc. 2, 29.) 600. Mit Fried und Freud ich| 2. Das machet Christus, Gottes fahr dahin In Gottes Willen; Getrost ist mir mein Herz und Sinn, Sanft und stille, Wie Gott mir verheißen hat; Der Tod ist mein Schlaf worden. Sohn, Der treue Heiland, Den du mich, Herr, bast sehen lan Und machst bekannt, Daß er Leben sey und Heil In Noth und auch im Sterben. Luther, g. 1483+ 1546. Mel. Was mein Gott will.( Jef. 38, 12 2c. Joh. 11, 25-27.) Gott! einst läsfest du| Leib, der Würmer Spott, Ohn' Lebenstrost verstäuben? Bist du nicht auch im Tod mein Gott, Wo soll mein Hoffen bleiben? 4. Das sey von dir, o Höchster, fern! Ich werde nicht verderben: Ich lebe dir nur, meinem Herrn Und dir nur will ich sterben. Und weil wir, Bater, dich allein, Des Lebens Gott, erheben, Werd ich im Tode todt nicht seyn, Ich sterb, und werde leben. 601. mich bin Aus diesem Leben fahren Der ich durchaus nicht besser bin Als meine Väter waren.* Du rei Best mir den Faden ab, Zertrennst was du gewoben; Ich muß hinunter in das Grab, Mein Leib ist bald zerstoben.( 1 Kön. 19, 4.) 2. Sobald des Leibes schwacher Sinn Nun von mir ist gewichen, So geh ich stracks gleich denen hin, Die längst zuvor verblichen Und nun ein tausend Jahr und mehr Wohl tief geschlafen haben; Weg ist mein Thun, weg Stand und Ehr, Weg alle meine Gaben! 3. Soll ich deßwegen, Herr, bei dir Nun ebenso vergehen? Wird kein Gedächtniß mehr von mir In deinem Herzen stehen? Soll denn mein Herberger, g. 1562+ 1627 Grabes Nacht Flieht, Herr, vor deiner Wahrheit Macht; Mein Geist, erhellt von deinem Licht, Bebt vor des Leibs Zerstörung nicht. Mel. Nun last uns ben ketb.( Offenb. 2, 11.) 602. Des Tobes Graun, bes| lebend wie zuvor, Schwing aus den 2. Es falle nur die Hütte hin, Mit der ich hier umgeben bin; 3ch selber, 5. Mit dieser Hoffnung leg ich mich Und schlaf im fühlen Grunde; D Jesu Christ, nicht säume dich Mit einer sanften Stunde! Ob Tod und Höll und Satans List Sich wider mich verbinden: Wenn du mir nur nicht schrecklich bist, So werd ich überwinden. Nach Dach, g. 1605 † 1659. Trümmern mich empor. 3. Ein innres mächtiges Gefühl Verkündigt mir mein höhres Ziel; Dieß Streben nach der Ewigkeit Er hebt mich über Erd und Zeit. 4. Es hat schon dieser Kindheits B. Sterblieder. 391 stand Der höhern Hoffnung Unter| siegt mein Herz Der Krankheit Last, pfand; Die Liebe, die mich hier beglückt, Die bleibt und segnet unverrückt. der Trennung Schmerz. 5. Des freudigsten Vertrauens voll Erwart ich, was ich werden soll, Wann ich, von Sünd und Noth be freit, Nun reife zur Bollkommenheit. 6. Der Tod darf mir nicht schre dend seyn, Er führt zum wahren Leben ein. Durch Gottes Kraft beMel. Christus, der ist.( 2 Petri 1, 14.) 603. Herr! meine Leibeshütte| Dein Name mir im Mund, So find Sinkt nach und nach zu Grab; Ge währe mir die Bitte Und brich sie stille ab. mir auch die Schmerzen Im Sterben noch gesund. 6. Dein Blut hat mich gereinigt; Trennt Leib und Seele sich, So werden sie vereinigt Zum Seligseyn durch dich. 7. Nach deiner Gnade Größe Nimm nur den Geist zur Hand, Es reiße oder löse Der Tod des Leibes Band. 8. Ich werde auferstehen, Da gehts zum Himmel ein; Ich werde Jesum seben, und er mir gnädig seyn! Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769 2. Gib mir ein ruhig Ende; Der Augen matten Schein Und die gefaltuenHände Laß sanft entseelet seyn. 3. Laß meine letzten Züge Nicht zu gewaltsam gehn Und gib, daß ich so liege, Wie die Entschlafenen. 7. Wann hier von uns, die Gott vereint, Der letzte auch hat ausgeweint, Dann wird ein frohes Wiederfehn Auf ewig unser Glück erhöhn. 8. Herr unsrer Tage! führe du Uns alle diesem Ziele zu, Daß uns bei standhaft frommer Tren Des Lebens End erfreulich sey. Spalding, g. 1714 † 1804. 4. Doch es gescheh dein Wille! Jch scheide gleich dahin Im Kämpfen oder stille, Wenn ich nur selig bin! 5. Bleibst du mir in dem Herzen, Mel. Herzlich thut.( Sir. 40, 1 ac. Pf. 119, 19. Ebr. 13, 14.) 604. Jo bin ein Gast auf Er-| mer und mit Sorgen Des Herzens zugebracht. den Und hab hier keinen Stand; Der Himmel soll mir werden, Da ist mein Vaterland. Hier muß ich Arbeit haben, Hier reis' ich ab und zu, Dort wird mein Gott mich laben Mit seiner ewgen Ruh. 3. Ich habe mich ergeben In alles Glück und Leid; Was will ich besser leben In dieser Sterblichkeit? Es muß ja durchgedrungen, Es muß gelitten seyn! Wer nicht hat wohl gerungen, Geht nicht zur Freude ein. 2. Was ist mein ganzes Wesen Von meiner Jugeno an Als Müb und Noth gewesen? So lang ich denken kann, Hab ich so manchen Morgen, So manche liebe Jiacht Wit Kum4. So will ich zwar nun treiben Mein Leben durch die Welt, Doch denk ich nicht zu bleiben In diesem fremden Zelt. Ich wandre meine XX. Die letten Dinge. Straße, Die zu der Heimath führt,| 8. Wo ich gewohnt indeffen, Ist Da mich in vollem Maße Mein Vater trösten wird. 5. Die Heimath ist dort oben, Wo aller EngelSchaar Den großen Herrscher loben, Der alles ganz und gar In seinen Händen träget Und für und für erhält, Auch alles hebt und 9. Du aber, meine Freude, Du, leget Nachdem's ihm wohlgefällt.meines Lebens Licht, Du ziehst mich, nicht mein rechtes Haus; Wann meine Zeit durchmessen, Alsdann tret ich hinaus; Und was ich hier gebrauchet, Das leg ich alles ab; Und wenn ich ausgehauchet, So gräbt man mir ein Grab. 6. 3u ihm steht mein Verlangen, Da wollt ich gerne hin! Die Welt bin ich durchgangen, Daß ichs fast müde bin: Je länger ich hier walle, Je wenger find ich Freud, Die meinem Geist gefalle; Das meist' ist Herzeleid! wann ich scheide, Hin vor dein Angesicht Ins Haus der ewgen Wonne, Da ich stets freudenvoll Gleich als die helle Sonne Nächst andern leuchten soll. ( Matth. 13, 43.) 7. Die Herberg ift zu böse, Der Trübsal ist zu viel; Ach komm, mein Gott, und löse Mein Herz, wann dein Herz will! Komin, mach ein selig Ende An meiner Wanderschaft, Und was mich fkränkt, das wende Durch deines Armes Kraft. 392 10. Da will ich immer wohnen, Und nicht nur als ein Gast, Bei denen die mit Kronen Du ausge schmücket hast; Da will ich herrlich singen Von deinem großen Thun, Und frei von schnöden Dingen In meinem Erbtheil ruhn. Gerhard, g. 1606 † 1676. Eigene Mel.( 1 Joh. 2, 1. 2.) 605. Wenn mein Silindlein| ich gleich sterb, so sterb ich dir: Ein vorhanden ist, zu fahren meine ewig Leben hast du mir Durch deiStraße, So leit du mich, Herr Jesu nen Tod erworben. Chrift, Mit Hülf mich nicht verlasse; Here! meine Seel an meinem End Befehl ich dir in deine Händ', Du wirst fie wohl bewahren. 2. Die Sünde wird mich fränken sehr Und das Gewiffen nagen, Denn ste ist viel, wie Sand am Meer; Doch will ich nicht verzagen, Will denken in der letzten Noth, Herr Jesu Christ, an deinen Tod, Der wird mich wohl erhalten. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib, Deß tröst ich mich von Herzen; Von dir ich ungeschieden bleib In Todesnoth und Schmerzen. Wenn 4. Weil du vom Tod erstanden bist, Werd ich im Grab nicht bleiben;' Mein höchster Trost dein' Auffahrt ist, Kann Todesfurcht vertreiben; Denn wo du bist, da komm ich hin, Daß ich stets bei dir leb und bin; Drum fahr ich hin mit Freuden. 5. So fahr ich hin zu Jesu Christ, Mein' Arme sich ausstrecken; So schlaf ich ein und ruhe fein, Kein Mensch kann mich aufwecken, Als Jesus Christus, Gottes Sohn, Der öffnet mir die Thüre schon, Führt mich zum ewgen Leben. Nitol. Hermann, g. um 1480+ 1561. B. Sterblieder. Eigene Mel.( Phil. 1, 21.) 606. Christus, der ist mein| kann kein Wort mehr sprechen, Herr, nimm mein Seufzen auf! Leben, Und Sterben mein Gewinn; Ihm will ich mich ergeben, Mit Frieden fahr ich hin. 5. Wann mir Herz und Gedanken Vergehen als ein Licht, Das hin und her muß wanken, Wann ihm die Flamm gebricht: 2. Mit Freud fahr ich von dannen Zu Christ, dem Bruder mein, Daß ich mög zu ihm kommen Und ewig bei ihm seyn. 3. Nun hab ich überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Noth: Durch seine heilgen Wunden Bin ich verfühnt mit Gott. 4. Wann meine Kräfte brechen, Mein Athem geht schwer aus, Und 2. Tod, du heilest jede Wunde. Jeden Kummer endest du! Flieht der Athem mir vom Munde, Eil ich Himmelsfreuden zu. Deckt die Grabnacht mein Gebein, Werd ich Licht und Freiheit seyn. 3. Nimm für alle Erdenfreuden, Bater, Herzensdant von mir; Dank für alle meine Leiden Bringt die frohe Seele dir. Doch entführst du beiden mich, Preif' ich herzlicher noch dich. 4. Hier nicht, dort nur, dort nur quillen Seligkeiten ohne Zahl. Einst mit deinem Vaterwillen Ernt ich Freuden, frei von AQual. Mich, von Erd und Sünde los, Nimmt die Ruh in ihren Schooß. 393 6. Alsdann fein sanft und stille, Herr, laß mich schlafen ein, Wann mir dein Rath und Wille Mein Stündlein wird verleihn. Mel. Zeuch mich. 607. Weiche, Tobesschrecken, weiche, Freu des Grabes dich, mein Herz! Liegt sie da, bie falte Leiche, Weggeweint ist jeder Schmerz, Und der Thränen Quell versiegt, Wann mein Staub beim Staube liegt. 7. Laß an dir, gleich den Neben, Mich bleiben allezeit Und ewig bei dir leben Dort in der Himmelsfreud. Vielleicht von Anna, Gräfin zu Stolberg, um 1600. ( Joh. 5, 24.) An die Erbe, an die Zeit? Nein, mit allen meinen Kräften Ning ich nach Unsterblichkeit. Weiche, Furcht des Grabes, weich! Engeln macht der Tod mich gleich. 6. Frei von jeglicher Beschwerde, Losgewunden von der Nacht, Flieg ich über Zeit und Erde Voll Gefühl: es ist vollbracht! Ueber Bitten und Verstehn Werd ich fühlen, werd ich sehn. 7. Nie gehörte Preisgesänge Hört dann mein entzücktes Ohr, Und zur anserwählten Menge Tragen Engel mich empor. Selig bin ich einst wie sie; Fliehe, Furcht des Todes, fliehb! 8. Bald, o balb ists überstanden; Ruhig harr ich, Herr, auf dich! Viele tausend überwanden, Ueberwinden werd auch ich. Lauter noch als die Natur Ruft mir Jesus: glaube nur! 9. Soll ich zagen? soll ich beben? 5. Welche Freude soll mich heften| Du, mein Heiland, rückest mich 394 XX. Die letten Dinge. Durch des Todes Nacht ins Leben;| Lebensathem, immer hin! Sint entIch soll zagen, beben ich, Da mich der der ewig lebt, zu sich in sein Reich erhebt? seelet, mein Gerippe, In die Nacht des Grabes hin! Herr, du starbst, bu lebeft mir; Freudig, freudig sterb ich dir. Lavater, g. 1741 † 1801. 10. Fliehe denn von meiner Lippe, Mel. Wer weiß, wie nahe.( Röm. 14, 8.) 608. Auf meinen Jesum will| ben; Durch ihn wird Sterben mein ich sterben, Der neues Leben mir gebracht und mich zu Gottes Kind und Erben Durch sein unschuldig Blut gemacht. Mein Jesus ist mein Troft allein, Auf Jesum schlaf ich felig ein. Gewinn; Den ganzen Himmel soll ich erben, Nimm, Herr, nimm meine Seele hin! Mein Jesus ist mein Troft allein, Auf Jesum schlaf ich selig ein. 6. Auf meinen Jesum will ich sterentfärben, So bleibt er meines Lebens Licht. Mein Jesus ist mein Trost allein, Auf Jesum schlaf ich selig ein. 2. Auf meinen Jesum will ich sterben; Wann mir das Aug im Sterben, In seinen Wunden stirbt sichs ben bricht, Und meine Lippen sich gut; Erläßt mich nimmermehr ver derben: Ich bin erfaust mit seinem Blut. Mein Jesus ist mein Treft allein, Auf Jesum schlaf ich selig ein. 3. Auf meinen Jesum will ich sterben; Brich immerhin, mein Herze, brich! Ich fürchte mich nicht vor dem Sterben, Mit seinem Blute stärkt er mich. Mein Jesus ist mein Trost allein, Auf Jesum schlaf ich selig ein. 7. Auf meinen Jesum will ich sterben; Mit Leib und Seele bin ich dein; Herr Jesu, laß mich nicht verderben, Ach laß mich ewig selig seyn! Mein Jesus ist mein Trost allein, Auf Jesum schlaf ich selig ein. 4. Auf meinen Jesum will ich ster- 8. Auf dich, Herr Jesu, will ich ben; Er kommt, wann alles mich verläßt. Er starb, das Leben zu erwer ben, An ihn hält sich mein Glaube fest. Mein Jesus ist mein Trost allein, Auf Jesum schlaf ich selig ein. 5. Auf meinen Jesum will ich stersterben; Ach hilf mir aus der letzten Noth Und lasse mich den Himmel erben, Verfüße mir den bittern Tod! Du bist mein höchster Trost allein, Auf dich nur schlaf ich selig ein. Nach Sal. Frand, g. 1659+ 1725. Mel. Sun laßt uns Gott, den Herren.( 1 Theff. 4, 14. Jes. 57, 2.) 609. Der Hirt, am Kreuz ge-| gehn nur hin und liegen Wie Streistorben, Hat Fried und Heil erwor ben; Nun heißt bei seinen Schafen Das Sterben: ein Entschlafen. ter nach dem Kriegen. 3. Ohn' Angst vor ewgem Jammer Gehn sie in ihre Kammer, Zur Ruh sich zu begeben Auf frohes Wie 2. Sie gehn nicht als Verbrecher Zur Strafe vor den Rächer; Sie| derleben. B. Sterblieder. 395 4. Sie legen ihre Glieder In Ruhe-| dein Todesleiden Mich einst im Friebettlein nieder Und fallen ohne Kum- den scheiden. mer, Wie Kindlein, in den Schlummer. 7. Laß mir auf dein Bersprechen Mein Herz im Glauben brechen; Bewahre mein Gebeine Bis ich vor dir erscheine. 8. Dann laß mich froh erwachen, Mach meinen Mund voll Lachen Und gib mir, daß ich glänze Wie 5. Auf göttliches Erbarmen In des Erlösers Armen, Erwählt zu Gottes Erben, Läßt sichs gar sanft hinster ben. 6. O Jeful deine Gnade Macht, daß kein Sterben schade; Laß auf| Liljen in dem Lenze. Ph. Fr. Hiller, g. 1699+ 1769. Eigene Mel.( Joh. 12, 26.) 610. Herr Jesu Christ, mein's| Himmel find, Wann meine Augen werden blind. Lebens Licht, Mein höchster Trost und Zuversicht! Auf Erden bin ich nur ein Gast, Und drückt mich sehr der Sünden Last. 6. Dein letztes Wort laß seyn mein Licht, Wann mir das Herz im Tode bricht; Dein Kreuz, das sey mein 2. Der letzte Gang liegt schwer vor| Wanderstab, Mein Nuh und Rast mir Ins himmlisch' Paradies zu dir; dein heilig Grab. Da ist mein rechtes Vaterland, Daran du hast dein Blut gewandt. 3. Zur Steise ist mein Herze matt, Der Leib gar wenig Kräfte hat; Allein die Seele ruft in mir: Herr!| nen Lauf. hol mich heim, nimm mich zu dir. 7. Auf deinen Abschied, Herr, ich tran, Darauf ich meine Heimfahrt bau, Thu mir die Thür des Himmels auf, Wann ich beschließe mei8. Am jingsten Tag erweck den Leib, Hilf, daß ich dir zur Rechten 4. Drum stärk mich durch das Leibleib, Daß mich nicht treffe dein Geden dein In meiner leßten Todes richt, Das aller Welt ihr Urtheil pein; Dein Durst und bittrer Trank mich lab, Weil ich sonst keine Stärkung bab. 5. Wann mein Mund nicht mehr reden kann, Dein Geist im Herzen rufe dann; Hilf, daß die Seel den spricht. 9. Wie werd ich dann so fröhlich seyn, Werd singen mit den Engeln dein Und mit der auserwählten Schaar Auf ewig schaun dein Antlitz klar! Nach Behemb, g. 1557 † 1622. Mel. Wer weiß, wie nahe.( Jeh. 3, 17. 18.) 611. Ich faffe, Bater, deine| auf, Beschleuß auch meinen LebensHände Und halte sie im Glauben lauf. fest; Verwirf den nicht in seinem 2. Du hast mich je und je geliebet, Bersorgt, gestärkt, beschützt, reEnde Der ewig sich auf dich verläßt. Du bist mein Gott von Jugend giert, Mich oft erquickt, durch Kreuz 396 XX. Die letzten Dinge. gellbet, Oft wunderbar, stets wohl| umringen Und mir die letzten Schregeführt. Nimm, da mir niemand den dräun: Du hilfft mir, Herr, helfen kann, Dich meiner auch im die Welt bezwingen, Mit dir darf Sterben an. ich den T nicht scheun. So nah dem Lohn, den Gott verspricht, So nah dem Ziele sink ich nicht. 6. Da wachest über meine Seele, Wann ihre Stärke sich verliert, Gibst deinem Engel schon Befehle, Der fie zu deinen Freuden führt, Des To des Nacht um mich verscheucht Und mir des Lebens Krone reicht. 7. Ich will dich noch im Tod erheben, Noch an dem Grabe preif' ich dich; Denn ewig werd ich vor dir leben! Wie segnet dann dein Antlig mich! O Tod, o Sterben, mein Ge winn! Wohl mir, daß ich erlöset bin! Liebich, g. 1713 † 1780. 3. Gott! welche feierliche Stunden, Wann du mich nun der Erd entziehst Und, wenn du mich getreu befunden, Erbarmend auf mich niedersiehst! Wer an den Sohn glaubt, kommt ja nicht, Allmächtiger, in bein Gericht. 4. Wie sollt ich vor dem Tode beben, Da du, Erlöser, für mich starbst? Er ist durch dich der Weg zum Leben, Das du am Kreuze mir er warbst. Wie du ihn sahst, will ich ihn sehn, Wie du, so werd ich auf erstehn. 5. Laß Qual und Jammer mich Mel. Chriftus, der ift.( Luc. 2, 29.) 612. Wie Simeon verschieden,| 6. Mein Herz hat ihn gefunden; Es rühmt: mein Freund ist mein! Auch in den letzten Stunden Ist meine Seele sein. Das liegt mir oft im Sinn: Ich führe gern im Frieden Aus diesem Leben hin. - 7. Sch kenn ihn als mein Leben, Er wird mir nach dem Tod Bei sich ein Leben geben, Dem nie ber Tod mehr droht. 2. Ach laß mir meine Bitte, Mein treuer Gott, geschehn: Laß mich aus dieser Hütte In deine Wohnung gehn. 3. Dein Wort ist uns geschehen, An diesem nehm ich Theil: Wer Jesum| 8. Mein Glaube darf ihn faffen, werde sehen, Der sehe Gottes Heil.| Sein Geist gibt Kraft dazu; Er wird 4. Ich seh ihn nicht mit Augen auch mich nicht laffen, Er führt mich Doch an der Augen Statt Kann mir ein zur Ruh. mein Glaube taugen, Der ihn zum Heiland hat. 5. Ich hab ihn nicht in Armen, Wie jener Fromme, da; Doch ist er voll Erbarmen Auch meinem Herzen nah. 9. Wann Aug und Arm erkalten, Hängt sich mein Herz an ihn; Wer Jesum nur fann halten, Der fährt im Frieden hin. Ph. Fr. Hiller, 8. 1699 † 1769. Mel. Die Tugend wird.( Aroftelg. 7, 56.) 613. Laß mir, wann meine| den fühlbar seyn! Komm, deinen Augen brechen, Herr, deinen Frie- Troft mir zuzusprechen Und segne B. Sterblieder. 397 Gib Ruhe| mich vollends mit Erbarmen Sanft Darin ich zu dir heim ins Vaterland! Gnad und Frieden fand, Und trag| Christian Renatus, Graf von Zinzendorf, g. 1727 † 1752. du mein matt Gebein. mir in deinen Armen, Eigene Mel.( Jes. 57, 2. Offenb. 14, 13.) 614. O wie selig seyd ihr doch,| 4. Christus wischet ab euch alle ihr Frommen, die ihr durch den Tod zu Gott gekommen! Ihr sehd entgangen Aller Noth, die uns noch hält umfangen. Thränen; Ihr habt schon wonach wir uns erst sehnen. Euch wird gesungen Was durch keines Ohr allhie gedrungen. 2. Muß man hier doch wie im Kerker leben, Da nur Sorge, Furcht und Schrecken schweben; Was wir hie kennen Ist nur Müh und Herzeleid zu nennen. 5. Ach wer wollte denn nicht gerne sterben Und den Himmel für die Welt ererben? Wer wollt hie bleiben, Sich den Jammer länger lassen treiben? 3. Ihr hingegen ruht in eurer kammer Sicher und befreit von allem Jammer; Kein Kreuz und Leiden Ist euch hinderlich in euren Freuden. 6. Komm, o Herr, uns aus dem Joch zu spannen, Lös' uns auf und führ uns bald von dannen, Bei dir, o Sonne, Ist der frommen Seelen Freud und Wonne! Dach, g. 1605 † 1659. Mel. Jesus, meine Zuversicht.( 1 Cor. 15, 55. 57.) 615. Von dem Grab stund Je-| 4. Preis ihm! Jesus hat die Macht sus auf; Friede ruht auf meinem Euch, o Tod und Grab, genommen, Grabe! Auch mein Morgen eilt Hat das Leben neu gebracht Und herauf, Wann ich ausgeschlummert bei seinem Wiederkommen Werden habe. Mich erschreckt der Tod nicht unsre Gräber leer;- Mich erschreckt mehr: Heil mir, Jesu Grab ift leer! der Tod nicht mehr! 2. Froh besieg ich nun das Graun, 5. Wohlthat wird das Sterben Das die Todtenhügel decket; meinen| mir: Gottes Liebe denkt der seinen; Heiland werd ich schaun, Den der Bater auferwecket, Der durch seines Grabes Nacht mir mein Grab hat frob gemacht. Ewig sollen wir nicht hier kämpfen, bulben, flagen, weinen; Unser Abend eilt herzu Und bringt frommenStreitern Ruh. 3. Keine Zukunft macht mir bang: Ewig, ewig werd ich leben, Will dereinst mit Lobgesang Meinen Leib der Erde geben, Weil den gottverbundnen Geist Nichts aus seinen Händen reißt. 6. Schwinge dich, mein Geist, ent por; Rein und heilig sey dein Streben! Jesus gieng den Weg mir vor, Jesus lebt, und ich soll leben! Heiland, bist du nur mit mir, O so leb und sterb ich dir! Retber, g. 1744. XX. Die letten Dinge. C. Begräbnißlieder. Mel. Jesus, meine Zuversicht.( Joh. 8, 51. 14, 2. 3.) 616. Geht nun hin und grabt| in weite Ferne, Reise hin zu jenem mein Grab, Denn ich bin des Wan- Glanz, Worin ihr verschwindet ganz. derns müde! Von der Erde scheid ich 6. Die ihr nun in Trauer geht, ab, Denn mir ruft des Himmels Fahret wohl, ihr lieben Freunde! Friede, Denn mir ruft die süße Ruh Was von oben niederweht Tröstet ja Von den Engeln droben zu. des Herrn Gemeinde; Weint nicht ob dem eiteln Schein, Droben nur 2. Geht nun hin und grabt mein Grab! Meinen Lauf hab ich vollen- kanns ewig seyn! det, Lege nun den Wanderstab Hin, wo alles Irdsche endet; Lege selbst mich nun hinein In das Bette ohne Bein. 3. Was soll ich hienieden noch In dem dunklen Thale machen? Denn wie mächtig, stolz und hoch Wir auch stellen unsre Sachen, Muß es doch wie Sand zergehn, Wann die Winde drüber wehn. 4. Darum, Erde, fahre wohl, Laß mich nun im Frieden scheiden! Deine Hoffnung, ach, ist bobl, Deine Freuben selber Leiden, Deine Schönheit Unbestand, Eitel Wahn und Trug und Tand. 5. Darum letzte gute Nacht, Sonn und Mond und liebe Sterne! Fahret wohl mit eurer Pracht, Denn ich reis Eigene Melodie. 1. ( 1 Chron. 20, 15.) 617. Wohlauf, wohlan zum letzten Gang! Kurz ist der Weg, die Rub ist lang; Gett führet ein, Gott fibret aus: Woblan, binans! 3um Bleiben war nicht dieses Haus. 7. Weinet nicht, daß nun ich will Von der Welt den Abschied nehmen; Daß ich aus dem Irrthum will, Aus den Schatten, aus den Schemen,* Aus dem Eiteln, aus dem Nichts, Hin ins Land des ewgen Lichts! ( Wesenlose Bilder, Pf. 39, 7.) 8. Weinet nicht! mein süßes Heil, Meinen Heiland hab ich funden Und ich habe auch mein Theil Anden war men Herzenswunden, Worans einst sein heilig Blut Floß der ganzen Welt zu gut. 9. Weint nicht! mein Erlöser lebt; Hoch vom finstern Erdenstaube Hell empor die Hoffnung schwebt, Und der Himmelsheld, der Glaube, Und die ewge Liebe spricht: Kind des Vaters, zittre nicht! Ernst Moriz Arndt, g. 1769 † 1860. 2. Du Herberg in der Wanderzeit, Du gabeft Freuben, gabst auch Leid. Jetzt schließe, Welt, bas Haus bift du, Die Thüre zu! Dein Gast geht in die ewge Nuh; 3. Geht in ein beßres Schlafgemach; Die Freunde folgen segnend nach. Hab gute Nacht! der Tag war schwüll Im Erdgewühl; Hab gute Nacht, die Nacht ist fühl. 4. 3hr Glocken, tönet festlich brein C. Begräbnißlicder. 399 Und läutet hell den Sabbath ein,| zu warm, Da blüht zu schön kein Der nach des Werktags turzer Frist Wangenroth! Im Finstern droht Durch Jesum Christ Für Gottes Der Tod und überall der Tod. Volk vorhanden ist! 2. ( Ebr. 4, 1. 2. 9 und 11. Luc. 12, 34 tc.) 5. O felig, wer das Heil erwirbt, Daß er im Herrn, in Christo stirbt! O selig, wer vom Laufe matt, Die Gottesstadt, Die droben ist, gefunSen hat! 6. Was suchst du, Mensch, bis in den Tod? Du suchst so viel, und eins ist noth! Die Welt beut ihre Gülter feil, Denk an dein Heil Und wähl in Gott das beste Theil! 7. Was sorgst du bis zum letzten Tritt? Nichts brachtest bu, nichts nimmst du mit. Die Welt vergeht mit Luft und Schmerz; Schau himmelwärts! Da wo der Schatz ist, sey dein Herz! 8. Mit Gott bestell dein Haus bei Zeit, Eh dich der Tod an Todte reibt; Sie rufen: ,, geftern ware an mir, heut ists an dir!" Hier ist kein Stand, kein Bleiben hier. ( Sir. 38, 23.) 9. Vom Freudenmahl zum Wanderstab, Aus Wieg und Bett in Sarg und Grab! Wann, wie und wo, ist Gott bewußt! Schlag an die Brust! Du mußt von dannen, Mensch, du mußt! 10. Da ist kein Sig zu reich, zu arm, Kein Haupt zu hoch, kein Herz 11. Ach banges Herz im Leichenthal, Wo ist dein Licht, dein Lebensstrahl? Du bist es, Jesu, der mit Macht Aus Gräbernacht Das Leben hat ans Licht gebracht! 12. Dein Trostwort klingt so hoch und hehr:„ Wer an mich glaubt, stirbt nimmermehr!" Dein Kreuz, dein Grab, dein Auferstehn, Dein Himmelgebn Läßt uns den Himmel offen sehn. 13. Wohl dem, sich mit ihm vertraut, Schon hier die ewgen Hüt ten baut! Er sieht das Kleinod in der Fern Und fämpfet gern Und harrt der Zukunft seines Herrn. - 3. ( 3oh. 12, 26. Offenb. 22, 12-15.) 14. Nun, Thor des Friedens, öffne dich! Hinein!-hier schließt die Wallfahrt sich. Ihr Schlummernden im Friedensreich, Gönnt allzugleich Auch ihm( ihr) ein Räumlein neben euch! 15. Viel Gräber sind an diesem Ort, Viel Wohnungen im Himmel dort; Bereitet ist die Stätte schon Am Gnadenthron, Bereitet ihm ( ihr) durch Gottes Sohn. 16. Sein ist das Reich mit-Allgewalt; Er zeugt und spricht: ich tomme bald! Ja komm, Herr Jesu, führ uns ein! Wir harren dein; Amen, dein laß uns ewig seyn! Dr. Chr. Fried. Heinr. Sachse, g. 1785. Mel. Der lieben Sonne.( Ps. 116, 15. 1 Cor. 15, 57. Jef. 57, 2.) 618. Die Chriften gehn von| Jammer, Und kommen in den Frie Ort zu Ort Durch mannigfaltgen densport Und ruhn in ihrer Kam 400 XX. Die letzten Dinge. mer. Gott nimmt sie nach dem Lauf| sanfter Ruh Der Liebe stiller Schat Mit seinen Armen auf; Das Weizenforn wird in sein Beet Auf Hoffnung schöner Frucht gesät. 2. Wie seyd ihr doch so wohl gereist! Gelobt fey'n eure Schritte, Du friedevoll befreiter Geist, Du jetzt verlaßne Hütte, Du, Seele, bist beim Herrn, Dir glänzt der Morgenstern; Euch, Glieder, deckt mit Mel. Nun sich der Tag.( Weish. 3, 1. Jes. 57, 2. Joh. 11, 11.) 619. i wie so selig schläfest| 4. Verbirg dein liebes Angesicht Im fühlen Erdenschooß! Wer hier gelebt in Christi Licht, Der erbt ein selig Loos. du Nach manchem schweren Stand, Und liegst nun da in süßer Ruh In deines Heilands Hand! 2. Sein Leiden hat dich frei gemacht Bon aller Angst und Pein; Sein letztes Wort: ,, es ist vollbracht!" Das singt dich lieblich ein. 3. Du läßt dich zur Verwandelung In dieß Gefilde sä'n, Mit Hoffnung und Versicherung: Viel schöner auf zustehn. ten zu. 3. Wir freun uns in Gelassenheit Der großen Offenbarung; Indessen bleibt das Pilgerkleid In heiliger Verwahrung. Wie ist das Glück so groß! In Jesu Arm und Schooß! Die Liebe führ uns gleiche Bahn, So tief hinab, so hoch hinan! Nik. Ludw. Graf von 3inzendorf, g. 1700 † 1760. 2. Hier zähl ich meiner Stunden Zahl Und meiner Tage Sorgen; Dort öffnet sich mir ohne Qual Ein wandelloser Morgen; Die Ewigkeit ist still und hehr: O daß ich schon unsterblich wär! 13. Hier blühen Blumen und ver5. Wir hoffen, daß dein Seelenfreund, Der ewig treue Hirt, Ders hier mit dir so wohl gemeint, Dich schön empfangen wird. 6. Er führe was ihm lieb und werth Und was sich zu ihm hält, Als seine auserwählte Heerd Auch vollends durch die Welt! Gottfried Neumann, um 1736. Mel. Auf, Christenmensch.( 2 Cor. 5, 4. 1 Cor. 15, 49.) 620. Mich Staub vom Staube| gehn, Hier modern eble Früchte; führt mein Lauf Zum dunklen Grabe Dort wird Verwestes auferstehn Im nieder; Doch die Verklärung hebt| heilgen Lebenslichte, Dort ist der mich auf Mit glänzendem Gefie- Freuden Wiederkehr: O daß ich schon der. Wie ist der Leib der Sünde unsterblich wär! schwer! O daß ich schon unsterblich wär! 4. Hier rinnt ein Quell, sein Was ser stirbt Vom Frost und von der Hipe; Dort fließt ein Strom, der nie verdirbt, Von unsers Gottes Sitze; Dort ist der Wonne grundlos Meer: O daß ich schon unsterblich wär! 5. Hier bildest du den schwachen Thon Zu dem verborgnen Leben; C. Begräbnißlicder. 401 Dort wirst du Herrlichkeit und Lohn| ich in der Engel Heer Schon jetzt Ihm, treuer Heiland, geben. O daß wie du unsterblich wär. Johann Friebrich v. Meyer, g. 1772+ 1849. Mel. Chriftus, der ift.( 1 Cor. 15, 19. 20. 2 Tim. 1, 12.) 621. Ich weiß, an wen ich| ich ihn ewig schaue, Ihn selbst von glaube, Und daß mein Heiland lebt, Angesicht. Der aus dem Todesstaube Den Geist zu sich erhebt. 4. Er trocknet alle Thränen So tröstend und so mild, Und mein unendlich Sehnen Wird nur durch ihn gestillt. 5. Ich weiß, beim Auferstehen, Wann ich verkläret bin, Werd ich mit Jesu gehen, Durch Ewigkeiten 2. Ich weiß, an wem ich hange, Wenn alles wankt und weicht, Der, wann dem Herzen bange, Die Rettershand mir reicht. 3. Ich weiß, wem ich vertraue, Und wann mein Auge bricht, Daß hin. August Hermann Niemeyer, g. 1754 † 1828.. 5 neuer Zusaß. Mel. Es ist genug.( Röm. 5, 1. 2.) 622. Es ist vollbracht! gottlob,| 4. Es ist vollbracht! hier bin ich es ist vollbracht! Mein Heiland nimmt frei von Noth, Wie wohl, wie wohl mich auf. Fahr hin, o Welt! ihr ist mir! Hier speiset mich der Herr Freunde, gute Nacht! Ich ende mei- mit Himmelsbrod Und zeigt mir nen Lauf Bei Jesu Kreuz mit tan- Salems Zier; Hier hör ich ruit der send Freuden Und sehne mich, von Selgen Singen Den süßen Ton der hier zu scheiden. Es ist vollbracht! 2. Es ist vollbracht! mein Jesus hat auf sich Genommen meine Schuld; Gebüßt hat er am Kreuzesstamm für mich, D unermeßne Huld! Und ich hab in des Heilands Wunden Die rechte Freistatt nun gefunden. Es ist vollbracht! Engel flingen. Es ist vollbracht! 3. Es ist vollbracht! weg Krankheit, Schmerz und Pein, Weg Sorg und Ueberbruß; Sein Golgatha soll mir ein Thabor* seyn, Mein matter, müder Fuß Wird hier auf diesen Friedenshöhen Frei von der Erde Banden gehen. Es ist vollbracht! ( Matth. 17, 1-5.) 5. Es ist vollbracht! der Leib mag immerhin Naub der Verwesung seyn: Ich weiß ja, daß ich Staub und Asche bir; Doch Jesus ist ja mein, Der wird mich sanft im Grabe decken Und einst in Klarheit auferwecken. Es ist vollbracht! 623. Wenn der Stifter der Geschlechter Unfre Lieben zu fich ruft, uft Evangelisches Gesangbuch. 6. Es ist vollbracht! gottlob, es ist vollbracht! Mein Heiland nimmt mich auf. Fahr hin, o Welt! ihr Lieben, gute Nacht! Ich ende meinen Lauf Und alle Noth, die mich getroffen; Wohl mir, ich seh den Himmel offen! Es ist vollbracht! Gryphius, g. 1616 † 1664. Mel. Ruhet wohl.( Joh. 5, 28. 29.) Wenn die Söhne, wenn die Töchter Sinken in die frühe Gruft: Ach dann 26 XX. Die letzten Dinge. fühlen unsre Herzen Unaussprechlich| Strahlt, daß es die Nacht erhelle, tiefe Schmerzen. 402 2. Wenn der Säugling, kaum geboren, Wieder schnell im Tod verblüht, Und die Mutter nun verloren Ihre ganze Hoffnung sieht: Ach dann will ihr Herz verzagen, So viel schwere Pein zu tragen! 3. Wenn der Tod im edlen Sohne Seine Luft dem Vater raubt, Wenn des Hauses Stütz und Krone Sinket mit des Vaters Haupt, Mütter von den Kindern scheiden: Herr, was gleichet diesen Leiden? 4. Ach es müßte unterliegen, Die ses arme schwache Herz, Hülfest du nicht, Herr, uns siegen Ueber Tod und Trennungsschmerz! Deine Rechte schlug uns nieder, Deine Rechte hebt uns wieder! 5. Ist des Trostes reiche Quelle Nicht dein Wort am finstern Grab? Nicht dein Licht zu uns herab? Werden, die in dir gestorben, Dort nicht wieder neu erworben? 6. Im Genuß der reinsten Freuden Wandeln sie vor deinem Chron; Und wir sollten sie beneiden Um den früh errungnen Lohn? Ihre Selig feit mit Zähren Und mit bittern Klagen stören? 7. Nein! und kann der Mensch es wissen, Ob's nicht weise Huld geschickt, Daß uns frühe sind entriffen Deren Lieb uns hoch beglückt? Wird nicht, was wir jetzt beweinen, Dort als Segen uns erscheinen? 8. Ja, wer trüge nicht auf Erden Gerne den Verlust, o Gott, Da wir bald uns jenseits werden Wiedersehn auf dein Gebot? Da du wirst im bessern Leben Die Verlornen wieder geben. G. F. Stäublin, † 1795. Mel. Nun ruhen alle.( Weish. 4, 7-14.) 624. Wenn fleine Himmels| hat er viel erfahren, Das ihn noch heute kränkt, Und unter so viel StunDaran den Oft wenige gefunden, er mit Vergnügen denkt. 5. Zwar wer in seiner Jugend Den Weg zur wahren Tugend Durch Je sum Christum find't, Und sich den ersten Glauben Hat niemals laffen rauben, Der lebt und stirbt auch wie - erben In ihrer Unschuld sterben, So büßt man sie nicht ein; Sie werden nur dort oben Vom Vater aufge hoben, Damit sie unverloren sey'n. 2. Sie find ja in der Taufe Zu ihrem Christenlaufe Für Jesum eingeweiht Und noch bei Gott in Gnaden: Was sollt es ihnen schaden, Daß sie die Krone schon erfreut? ein Kind. 3. Der Unschuld Glück verscherzen, Stets fämpfen mit den Schmerzen, Mit so viel Seelennoth, Im Angstgefühl der Sünden Das Sterben schwer empfinden: Davor be wahrt ein früher Tod. 7. Sich Jesu ganz verschreiben Und 4. Ist einer alt an Jahren, Sol in der Welt zwar bleiben, Doch von 6. Allein wo find die Reinen, Die jetzt noch so erscheinen, Wie sie das Wafferbad Bor Gottes Augen stellte, Und die die Welt nicht fällte Und schon in ihrem Nege hat? C. Begräbuißlieder. 403 der Welt nicht seyn, Erfordert höhre| sen, Daß sie die Welt nicht fällen Kräfte Als menschliche Geschäfte: fann. Das muß allein uns Gott verleihn. 8. Wie leicht geht nicht bei Kindern Von uns erwachsnen Sündern Das fremde Feuer an! Sind sie der Welt entrissen, Dann können wir erst wis9. O wohl auch diesem Kinde! Es stirbt nicht zu geschwinde; Zeuch hin, du liebes Kind! Du gehest ja nur schlafen Und bleibest bei den Schafen, Die ewig unsers Jesu sind. Johann Andreas Rothe, g. 1688+ 1758. so.( Baruch 4, 23.) Seelen plagt. Hier müssen wir in engsten schweben, Dort kannst du ewig fröhlich leben; Zeuch hin, mein Kind! 4. 3euch bin, mein Kind! wir fob gen alle nach, So bald es Gott gefällt. Du eiltest fort, eh dir das Un gemach Berbittert' diese Welt. Wer lange lebt, steht lang im Leide, Wer frühe stirbt, kommt bald zur Freude; Zeuch hin, mein Kind! Mel. Es ist genug, 625. 3euch hin, mein Kind! Gott selber fordert dich Aus dieser argen Welt. Ich leide zwar, dein Tod betrübet mich; Doch weil es Gott gefällt, So unterlaff' ich alles Klagen Und will mit stillem Geiste sagen: 3euch hin, mein Kind! 2. Zeuch hin, mein Kind! der Schöpfer hat dich mir Nur in der Welt geliehn. Die Zeit ist aus, darum befiehlt er dir, Nun wieder fort zuziehn. Zeuch hin! Gott hat es so 5. Zeuch hin, mein Kind! die Enversehen, Was dieser will, das muß gel warten schon auf deinen zarten geschehen; Zeuch hin, mein Kind! Geist. Nun siehest du, wie Gottes 3. Zeuch hin, mein Kind! im Him- lieber Sohn Dir selbst die Krone mel findest du Was dir die Welt verweist. Nun wohl, die Seele ist entsagt: Denn nur bei Gott ist wahre bunden, Du hast durch Jesum überFreud und Ruh, Kein Schmerz, der wunden; Zeuch hin, mein Kind! Gottfried Hoffmann, g. 1658 † 1712. Mel. Christus, der ist.( 1 Theffal. 4, 13 2c. 1 Cor. 15, 42 2c.) 626. Die Liebe barf wohl wei| 4. Was tröstet uns? das Hoffen; nen, Wann sie ihr Fleisch begräbt; Kein Christ muß fühllos scheinen So lang er hie noch lebt. 2. Doch läffet gleich der Glaube Sein Aug gen Himmel gehn: Was 5. Herr Jesu, unser Leben! In Thränen dankt man dir, Daß du uns der Tod hier raube, Soll herruns Trost gegeben, Denn davon lich auferstehn. leben wir. Wie gut ists, Christi seyn! Man sieht den Himmel offen, und nicht das Grab allein. 3. So ists uns um die Herzen, Die Gnade macht uns so: Uns ist noch wohl in Schmerzen, Im Trauern find wir froh. 6. Was wir in Schwachheit säen, Das wird in Herrlichkeit Auf dein Wort auferstehen; Das ists was uns erfreut, 404 XX. Die letten Dinge. 7. Herr! bild aus unsrem Staube| mehr dem Tod zum Raube, Den neuen Leib, der dort, Nichtschauet immerfort. Mel. Ermuntre lich, mein.( Marc. 10, 14. 2 Sam. 12, 22, 2c.) 627. Du bist zwar mein und nicht Mungel, nicht Versehn, Bei Gott kann keinem Leids geschehn; Wen Gott versorgt und liebet, Wird nimmermehr betrübet. 6. Wir Menschen sind ja auch bedacht, Die unsrigen zu zieren: Wir gehn und sorgen Tag und Nacht, Wie wir sie wollen führen In einen feinen, selgen Stand, Und ist doch selten so bewandt Mit dem, wohin sie kommen, Wie wirs uns vorgenommen. bleibest mein; Wer will mirs anders sagen? Doch bist du nicht nur mein allein: Der Herr von ewgen Tagen, Der hat das meiste Recht an dir, Der fordert und erhebt von mir Dich, o mein Sohn, mein Wille, Mein Herz und Wunsches Fülle! 2. Ach! gält es Wünschen, wollt ich dich, Du Kleinod meiner Seelen, Vor allem Weltgut williglich Mir wünschen und erwählen. Ich wollte sagen: ,, bleiß bei mir, Du sollt seyn meines Hauses Zier, An dir will ich mein Lieben Bis in mein Sterben üben." Dich Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. 7. Wie manches junge fromme Blut Wird jämmerlich verführet Durch bös Erempel, daß es thut, Was Christen nicht gebühret! Da hats denn Gottes Zorn zu Lohn, Auf Erden nichts als Spott und Hohn; Der Vater muß mit Grämen Sich seines Kindes schämen. 8. Ein solches darf ich ja nun nicht An meinem Sohn erwarten; Er steht vor Gottes Angesicht Und geht in Chrifti Garten; Hat Freude, die ihn recht erfreut, Und ruht von ale lem Herzeleid; Er sieht und hört die Schaaren, Die uns allhie bewahren. 9. Er sieht und hört der Engel Mund, Sein Mund hilft selber sin gen; Lernt alle Weisheit aus dem Grund Und spricht von solchen Din gen, Die unser keins noch sieht und 5. Osüßer Rath, o schönes Wort, weiß, Die auch durch unsern Fleiß Und heilger, als wir denken! Bei und Schweiß Wir, weil wir sind Gott ist ja tein böser Ort, Rein Un- aufErden, Nicht ausstudiren werden. glück und kein Kränken, Nicht Angst, 10. Ach dürft ich doch von ferne 3. So sagt mein Herz und meint es gut; Gott aber meints noch besser. Groß ist die Lieb in meinem Muth; In Gott ist sie noch größer. Ich bin ein Vater und nichts mehr, Gott ist der Väter Haupt und Ehr, Ein Quell, daraus die Jungen Und Alten sind entsprungen. 4. Ich sehne mich nach meinem Sohn, Und der mir ihn gegeben, Will, daß er nah an seinem Thron Im Himmel solle leben. Ich sprach: ,, ach weh! mein Licht verschwind't!" Gott spricht: ,, willkomm, du liebes Kind, Dich will ich bei mir haben Und ewig reichlich laben.". C. Begräbnißlieder. 405 stehn Und nur ein wenig hören, Wann| Und bring mich dahin, wo mein deine Sinnen sich erhöhn Und Got- Kind Und so viel liebe Seelen So tes Namen ehren, Der heilig, heilig, schöne Ding erzählen!" heilig ist, Durch den auch du geheiligt bist: Ich weiß, ich werde müs sen Vor Frenden Thränen gießen! 11. Ich würde sprechen:„ bleib allhier; Nun will ich nicht mehr flagen: Ach mein Sohn, wärst du noch bei mir! Nein! sondern: fomm, du Wagen Eliä, hole mich geschwind 12. Nun, es sey Ja und bleibe so! Dich will ich nicht beweinen: Du lebst und bist von Herzen froh, Siebst lauter Sonnen scheinen, Die Sonnen ewger Freud und Ruh; Hie leb und bleib nur immerzu; Ich will, wills Gott, mit andern Auch bald hinüber wandern! Gerhard, g. 1606 † 1676. Eigene Mel.( Marc. 5, 35 2c.) 628. Mag auch die Liebe wei-| math führt sein Pfad, Aus Dämmnnen,-Es kommt ein Tag des Herrn; Es muß ein Morgenstern Nach duntler Nacht erscheinen. 2. Mag auch der Ein Tag des Lichter 629. Ruhet n beine, In der st Nuhet, bis das En der Herr euch zu Di C rung muß es tagen. 3. Mag Hoffnung auch erschrecken, Mag jauchzen Grab und Tod,- Es myh ein Morgenrath Die Schlumkom Hoffe auf den HERRN! Ps. 37, 3.. 3. Und wie sollt im Grabe bleiben Der ein Tempel Gottes war? Den der Herr ließ einverleiben Seiner auserwählten Schaar, Die er selbst durch Blut und Sterben Hat gemacht zu Himmelserben? g. 1767+ 1845. der Tod nicht en Glieder sind! Grab ertalten, Asche find't:Sauch trein bläwird aus euren, freien Himmelstilf hier verweset. 2. Nur getrost, ihr werdet leben; 5. Jesus wird, wie er erstauben, Weil das Leben, euer Hort, Die Verheißung hat gegeben Durch sein theuer werthes Wort: Die in seinem Namen sterben, Sollen nicht im Tod verderben. Auch die seinen einst mit Macht Führen aus des Todesbanden, Führen aus des Grabes Nacht, zu dem ewgen Himmelsfrieden, Den er seinem Voll beschieden. 6. Ruhet wohl, ihr Todtenbeine, In der stillen Einsamkeit! Ruhet, bis der Herr erscheine An dem Ende dieser Zeit! Da sollt ihr mit neuem Leben Herrlich ihm entgegen schweben. Friedr. Konrad Hiller, g. 1662+ 1726. Eigene Mel.( Offenb. 21, 3. 4.) 630. Aller Gläutgen Sam-| Schatz, Wo ihr Heiland Jesus Christ, melplatz Ist da, wo ihr Herz und Und ihr Leben bier schon ist. 404 XX. Die letzten Dinge. 7. Herr! bild aus unsrem Staube| mehr dem Tod zum Raube, Den neuen Leib, der dort, Nicht| schauet immerfort. Mel. Ermuntre Lich, mein.( Marc. 10, 14. 2 Sam. 12, 22 2c.) 627. Du bist zwar mein und| nicht Mangel, nicht Versehn, Bei Gott kann keinem Leids geschehn; Wen Gott versorgt und liebet, Wird nimmermehr betrübet. 6. Wir Menschen sind ja auch bedacht, Die unsrigen zu zieren: Wir gehn und sorgen Tag und Nacht, Wie wir sie wollen führen In einen feinen, felgen Stand, Und ist doch selten so bewandt Mit dem, wohin sie kommen, Wie wirs uns vorges nommen. bleibest mein; Wer will mirs anders sagen? Doch bist du nicht nur mein allein: Der Herr von ewgen Tagen, Der hat das meiste Recht an dir, Der fordert und erhebt von mir Dich, o mein Sohn, mein Wille, Mein Herz und Wunsches Fülle! 2. Ach! gält es Wünschen, wollt ich dich, Du Kleinod meiner Seelen, Vor allem Weltgut williglich Mir wünschen und erwählen. Ich wollte sagen: ,, bleib bei mir, Du sollt fenn meines Hause ich mein Liebet üben." 3. So fagt es gut; Gott Groß ist die In Gott ist ste ein Vater un ist der Väter Quell, daraus die Jungen Und Alten sind entsprungen. 4. Ich sehne mich nach meinem Sohn, Und der mir ihn gegeben, Will, daß er nah an seinem Thron Im Himmel folle leben. Ich sprach: ,, ach weh! mein Licht verschwind't!" Gott spricht: ,, willkomm, du liebes Kind, Dich will ich bei mir haben Und ewig reichlich laben." Dich Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. 5.O süßer Rath, o schönes Wort, Und heilger, als wir denken! Bei Gott ist ja tein böser Ort, kein Unglück und tein Kränken, Nicht Angst, 7. Wie manches junge fromme jämmerlich verführet empel, daß es thut, nicht gebühret! Da ttes Zorn zu Lohn, chts als Spott und ter muß mit Grämen ides schämen. 3 darf ich ja nun nicht John erwarten; Er steht vor Gottes Angesicht und geht in Chrifti Garten; Hat Freude, die ihn recht erfreut, Und ruht von al lem Herzeleid; Er sieht und hört die Schaaren, Die uns allhie bewahren. 9. Er sieht und hört der Engel Mund, Sein Mund hilft selber sine gen; Lernt alle Weisheit aus dem Grund Und spricht von solchen Dingen, Die unser keins noch sieht und weiß, Die auch durch unsern Fleiß und Schweiß Wir, weil wir sind aufErden, nicht ausstudiren werden. 10. Ach dürft ich doch von ferue C. Begräbnißlieder. 405 stehn Und nur ein wenig hören, Wann| Und bring mich dahin, wo mein deine Sinnen sich erhöhn Und Got- Kind Und so viel liebe Seelen So tes Namen ehren, Der heilig, heilig, schöne Ding erzählen!" heilig ist, Durch den auch du gehei- 12. Nun, es sey Ja und bleibe so! ligt bist: Ich weiß, ich werde müs- Dich will ich nicht beweinen: Du sen Vor Freuden Thränen gießen! lebst und bist von Herzen froh, Siehst 11. Ich würde sprechen: ,, bleib allhier; Nun will ich nicht mehr flagen: Ach mein Sohn, wärst du noch bei mir! Nein! sondern: komm, du Wagen Eliä, hole mich geschwind lauter Sonnen scheinen, Die Sonnen ewger Freud und Ruh; Hie leb und bleib nur immerzu; Ich will, wills Gott, mit andern Auch bald hinüber wandern! Gerharb, g. 1606+ 1676. Eigene Mel.( Marc. 5, 35 2c.) 628. Mag auch die Liebe wei-| math führt sein Pfad, Aus Dämmrung muß es tagen. nen,- Es kommt ein Tag besHerrn; Es muß ein Morgenstern Nach dunkler Nacht erscheinen. 3. Mag Hoffnung auch erschrecken, Mag jauchzen Grab und Tod,- Es 2. Mag auch der Glaube zagen, muß ein Morgenroth Die SchlumEin Tag des Lichtes naht; Zur Hei- mernden einst wecken! - - Friedrich Adolph Krummacher, g. 1767+ 1845. Eigene Mel.( Joh. 11, 25. 26. 1 Thess. 4, 14.) 629. Nuhet wohl, ihr Todten-| 4. Nein, die fann der Tod nicht halten, Die des Herren Glieder sind! Muß der Leib im Grab erkalten, Da man nichts als Asche find't:- Wann des Herren Hauch trein bläset, Grünet neu was hier verweset. 5. Jesus wird, wie er erstanden, Auch die seinen einst mit Macht Führen aus des Todesbanden, Führen aus des Grabes Nacht, zu dem ewgen Himmelsfrieden, Den er sei> nem Volk beschieden. beine, In der stillen Einsamkeit! Nuhet, bis das End erscheine, Da der Herr euch zu der Freud Rusen wird aus euren, Grüsten Zu den freien Himmelsliften. 2. Nur getroft, ihr werdet leben; Weil das Leben, euer Hort, Die Verheißung hat gegeben Durch sein theuer werthes Wort: Die in seinem Namen sterben, Sollen nicht im Tod verderben. 3. Und wie sollt im Grabe bleiben Der ein Tempel Gottes war? Den der Herr ließ einverleiben Seiner auserwählten Schaar, Die er selbst durch Blut und Sterben Hat gemacht zu Himmelserben? 6. Ruhet wohl, ihr Todtenbeine, In der stillen Einsamkeit! Ruhet, bis der Herr erscheine An dem Ende dieser Zeit! Da sollt ihr mit neuem Leben Herrlich ihm entgegen schweben. Friedr. Konrad Hiller, g. 1662 † 1726. Eigene Mel.( Offenb. 21, 3. 4.) 630. Aller Gläutgen Sam-| Schatz, Wo ihr Heiland Jesus Christ, melplatz Ist da, wo ihr Herz und Und ihr Leben hier schon ist. 406 XX. Die letzten Dinge. 2. Eins geht da, das andre bort| Hat man nichts dabei zu thun, Als In die ewge Heimath fort, Ungefragt, zu schweigen und zu ruhn. ob die und der Uns nicht hier noch nützlich wär. 4. Manches Herz, das nicht mehr da, Geht uns freilich innig nah; 3. Doch der Herr kann nichts ver- Doch, o Liebe, wir sind dein, Und sehn; Und wenn es nun doch geschehn,| du willst uns alles seyn! Vers 1, 3, 4. von Zinzendorf, g. 1700+1760; B. 2. von Christ. Gregor, g. 1723 † 1801. Mel. Wie wohl ist mir.( Weish. 3, 1. Offenb. 14, 13. Sef. 35, 10. 1 Cor. 13, 12.) 631. Die Seele ruht in Jesu| 4. Ja, wohl gemacht durchs ganze Armen, Der Leib schläft sanft im Leben, Recht wohl in meiner TodesErdenschooß; Am Herzen darf das pein! Sein mütterliches Tragen, Herz erwarmen, Die Ruh ist un- Heben Bracht mich heraus, hinaussprechlich groß, Die sie nach we- durch, hinein! Heraus aus nig Kampfesstunden Bei ihrem holden Freund gefunden: Sie schwimmt im stillen Friedensmeer, Gott hat die Thränen abgewischet, Ihr Geist wird durch und durch erfrischet, Des Herren Glanz ist um sie her. dieser Erde Lüsten, Hindurch durch die Versuchungswüsten, Hinein ins schöne Kanaan. Da darf ich auf den grünen Auen Den Helden, der mich führte, schauen, Der große Ding an mir gethan. 2. Sie ist nun aller Noth entnom- 5. Das war ein Tag der süßen men, Ihr Schmerz und Seufzen ist Wonne, Das war ein lang gewünschdahin; Sie ist zur Freudenkrone tes Heut, Wo Jesus, meine Lebenskommen, Sie steht als Braut und sonne, Den ersten Blick der Herr Königin Im Golde ewger Herrlich lichkeit zum freubenvollen Ueber keiten Dem großen König an der gehen Ließ meinen Geist durchdrinSeiten, Sie sieht sein klares Angesicht! gend sehen; Der eilte seinem Freunde Sein freudenvoll, sein lieblich Wesen zu Und schwang sich mit den EngelMacht sie nun durch und durch gene- schaaren, Die um mein Sterbebette sen; Sie ist einlicht im großen Licht. waren, Ins Vaters Haus zur stol3. Sie jauchzt den Sterblichen entzen Ruh! gegen: Ja, ja, nun ist mir ewig 6. Nun kann das Kind den Vater wohl! Ich bin durch meines Mitt- sehen, Es fühlt den sanften Liebeslers Segen Des Lebens, Lichts und trieb; Nun kann es Jesu Wort verFrenden voll; Mein schönes Erbtheil stehen; Er selbst, der Bater, hat dich ist mir worden, Biel tausend aus lieb! Ein unergründlich Meer des der Selgen Orden Bewundern jauch- Guten, Ein Abgrund ewger Segens zend meine Pracht. Man kann in fluthen Entdeckt sich dem verklärten allen Himmelschören Gleichwie mit Geist; Er schauet Gott von Ange Dennerstimmen hören: Der Herr sichte Und weiß, was Gottes Erb im hat alles wohl gemacht! Lichte Und ein Miterbe Christi heißt. D. Auferstehung und Weltgericht. 407 7. Der matte Leib ruht in der Er-| sammenkommen Und bei dem Herrn den, Er schläft, bis Jesus ihn er- seyn allezeit; Da werden wir ihn weckt, Da wird der Staub zur Sonne ewig sehen, Wie wohl, wie wohl wird werden, Den jetzt die finstre Gruft uns geschehen; Herr Jesu komm, bedeckt; Dann werden wir mit allen mach uns bereit! Frommen Bein großen Mahl zu-| Allendorf, g. 1693 † 1773. D. Auferstehung und Weltgericht. Eigene Mel.( 1 Cor. 15, 53. Pf. 126, 5 2c.) geschlummert habe, Erweckst du mich! 632. Auferstehn, ja auferstehn| Tag! Wann ich im Grabe Genug wirst du, Mein Staub, nach kurzer Ruh; Unsterblich Leben Wird, der dich schuf, dir geben. Hallelujah! 2. Wieder aufzublihn werd ich gesät! Der Herr der Ernte geht Und sammelt Garben, Uns ein, uns ein, die starben; Gelobt sey Gott! 4. Wie den Träumenden wirds dann uns seyn: Mit Jesu gehn wir ein Zu seinen Freuden! Der müden Pilger Leiden Sind dann nicht mehr. 5. Ach ins Allerheiligste führt mich Mein Mittler dann, lebt ich Im Hei ligthume Zu seines Namens Ruhme Dann schau ich ihn! 3. Tag des Danks, der Freuden thränen Tag, Du meines Gottes Klopstod, g. 1724 † 1803. Mel. Valet will. 633. Ich geh zu deinem Grabe, Du großer Siegesfürst, Weil ich die Hoffnung habe, Daß du mir zeigen wirst, Wie man kann fröhlich sterben Und fröhlich auferstehn, Wie mit den Himmelserben Ins Land des Lebens gehn. 2. Du liegest in der Erde Und hast sie eingeweiht: Wann ich begraben werde, Daß sich mein Herz nicht scheut, Auch in den Staub zu legen Was Staub und Asche ist, weil du ja allerwegen Der Herr der Erde bist. 3. Du schläfft in deinem Grabe, Daß ich auch meine Ruh An diesem Orte habe; Drückst mir die Augen zu; Nun soll mir gar nicht grauen, Wann mein Gesicht vergeht: Ich werde den wohl schauen, Der mir zur Seite steht. ( Joh. 6, 40.) 4. Dein Grab war wohl versiegelt, Doch brichst du es entzwei; Wenn mich der Tod verriegelt, So bin ich dennoch frei: Du wirst den Stein schon rücken, Der auch mein Grab bedeckt, Dann werd ich dich erblicken, Der mich vom Tode weckt. 5. Du fährest in die Höhe Und zeigest mir die Bahn, Wohin ich endlich gehe, Da ich dich finden kann; Dort ist es sicher wohnen,- Wo lauter Glanz um dich, Da warten lauter Kronen In deiner Hand aufmich. 6. Omeines Lebens Leben! Omeines Todes Tod! Dir will ich mich ergeben Auch in der letzten Noth; Dann schlaf ich ohne Kummer In deinem Frieden ein, Und wach ich auf vom Schlummer, Wirst du mein Loblied seyn! Schmolt, g. 1672+ 1737. XX. Die lehten Dinge. Eigene Mel.( Matth. 25, 1-13. Offenb. 19, 6-9.) 634. Wachet auf!" rust uns| Wahrheit mächtig, Jhr Licht wird 11 hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werthe Kron, Herr Jesu, Gottes Sohn! Hesianna! Wir folgen all Zum Freudensaal Und halten mit das Abendmahl. die Stimme Der Wächter sehr hoch auf der Zinne ,,, Dein Herr, o Zion, kommt zu dir! Mitternacht heißt dieje Stunde," So rufen sie mit hellem Munde, Ihr flugen Jungfraun, wo seyd ihr? Wohlauf, der Bräuti gam kömmt! Steht auf, die Lampen nehir! Hallelujah! Macht euch bereit Im Hochzeitkleid; Geht ihm entgegen, es ist Zeit!" 3. Gloria sep dir gesungen Bon Menschen und von Engelzungen, Mit Cymbeln und mit Harfenton! Von zwölf Perlen sind die Thore An deiner Stadt; wir stehn im Chore Der Engel hoch vor deinem Thron. Kein Aug erblickte sie, Ein Ohr ver nahm sie nie, Solche Freude! Drum jauchzen wir Und singen dir Das Hallelujah für und für! Phil. Nicolat, g. 1556 † 1608. ( Marth. 25, 6. 13-30.) Mel. Nun fich der Tag. 635. Der Herr bricht ein um| einander fleißig zu: Sey wader, fromm und treu! 7. So wache denn, mein Herz und Sinn, Und schlummre ja nicht mehr; Blick täglich auf sein Kommen hin, Als ob es heute wär! 8. Der Tag der Sache nahet sich, Der Herr kommt zum Gericht; meine Seel, ermanne dich, Steh und verzage nicht! 9. Dein Tagewerk ist schön und groß; Mit Jesu wirds vollbracht, Der ein so selig schönes Loos Dem Treuen zugedacht, 10. Dem Knechte, der auf schmalem Pfad Ihm folgte Schritt für 5. Wer gibt sein Pfund auf Wu- Schritt, Fromm blieb, wenn alles cher hin Und nütet seinen Tag, Daß er mit himmlischem Gewinn Vor Jefum treten mag? übel that, Geduldig stritt und litt, 11. Dann, wann der Richter wie ein Blitz Vom Himmel niederfährt, Wann aller Slinder Luft und Wit In Heulen sich verfehrt: 6. Wedt ihr einander aus der Nuh, Daß niemand sicher sey? Rust ihr 408 2. Zion hört die Wächter singen, Das Herz will ihr vor Freude springen, Sie wacher und steht eilends auf: Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, Von Gnaden start, von Mitternacht; Jetzt ist noch alles still. Wohl dem, der nun sich fertig macht Und ihm begegnen will! 2. Er hat es uns zuvor gesagt Und einen Tag bestellt; Er kommt, waun niemand nach ihm fragt Noch es für möglich hält. 3. Wie liegt die Welt so blind und todt, Sie schläft in Sicherheit Und meint, des großen Tages Noth Sey noch so fern und weit! 4. Wer wacht und hält sich nun bereit Als ein getreuer Knecht, Daß er in jener Rechnungszeit Vor Gott bestehe recht? D. Auferschung und Weltgericht. 13. Der Herr bricht ein um Mit ternacht; Jetzt ist noch alles still. Wohl dem, der nun sich fertig macht Und ihm begegnen will! Eigene Mel.( Offenb. 6, 17. 20, 12.) 10. Bist so tren mich suchen gangen, Hast am Kreuz für mich gehangen, Nicht umsonst sey Müh und Bangen! 11. Nichter mit der heilgen Wage, Tilge wider mich die Klage Vor dem großen Nachetage! 12. Sieh, ich seufze schuldbeladen, Schamroth über schwerem Schaden: Hör mein Flehen, Gott in Gnaden! 13. Du, der freisprach einst Marien Und dem Schächer noch verzies ben, Hast auch Hoffnung mir verlieben. 14. Mein Gebet gilt nicht so thenter; aber laß mich, o du Trener, Nicht vergehn im ergen Feuer! 15. Zu den Schafen mich geselle; Fern den Böcken und der Hölle Mich zu deiner Nechten stelle. 12. Dann kommt er dir als Morgenstern Mit ewgem Gnadenschein, Dann gehest du mit deinem Herrn Zu seinen Freuden ein. 636. Jenen Tag, den Tag der Wehen, Wird die Welt im Brand vergehen, Wie Prophetenspruch ge schehen. 2. Welch Entsetzen vor der Kunde, Daß der Richter kommt zur Stunde, Prüfend alles bis zum Grunde! 3. Die Posann' im Wundertone Sprengt die Gräber jeder Zone, Sammelt alle vor dem Throne. 4. Erd und Tod wird schaun mit Beben Alle Kreatur sich heben, Antwort vor Gericht zu geben. 5. Und ein Buch wird aufgeschlagen, Drin steht alles eingetragen, Weß die Welt ist anzuflagen. 6. Wenn der Nichter also sitzet, Wird, was dunkel war, durchblitet Vor der Nache nichts beschützet. 7. Ach wie werd ich Armer stehen? Wen zum Anwalt mir erflehen, Wenn Gerechte schier vergehen? 409 16. Wann Verworfne sich entfär( 1 Petri 4, 18.) ben, Die du hingibst ins Verderben, 8. Hehrer König, Herr der Schre- Rufe mich zu deinen Erben. den! Guade nur deckt unsre Flecken: Gnade, Gnade laß mich decken! 9. Jesu, milder Heiland, siehe, Wie ich Ziel war deiner Mühe, Daß ich jenem Zorn entfliehe! 17. Tief im Staub ring ich die Hände; Bum Berknirschten, Herr, dich wende, Herr, gedente mein am Ende! Nach dem Lateinischen des Thomas von Celano, um 1250. Eigene mel.( 2 Cor. 5, 10.) 637. Die Welt kommt einst| 2. Der Greul in Finsternissen, Das zusammen Im Glanz der ewgen Flammen Bor Christi Richterthron; Dann muß sich offenbaren, Wer die und jene waren! Sie kennt und prüft des Menschen Sohn. Brandmal im Gewissen, Die Hand, die blutvoll war, Das Augvoll Ehebrüche, Das frevle Maul voll Flüche, Das Herz des Schalks nird offenbar. 3. Das Flehn der armen Sünder, 410 Das Thun der Gotteskinder, Die Hand, die milde war, Das Aug voll edler Zähren, Der Mund voll Lob und Lehren, Des Christen Herz wird offenbar. XX. Die letzten Dinge. 4. Wo wird man sich verstecken? Was will die Blöße decken? Wer schminkt sich da geschwind? Wen vor deinem Auge bin. Ph. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. Mel. Die Welt kommt einft zusammen.( Joh. 3, 16.) 638. Viel beffer, nie geboren,| gerade Allein zu deiner Gnade, Mein 2. Von Freuden in den Klagen, Gott, der du die Welt geliebt! 4. Du hast den Sohn gegeben, Im Sohn ein ewig Leben; Im Sohn will ich dich flehn, Dich flehn um deine Liebe, Dich flehn aus heiVom Hoffen im Verzagen, Von Wol- Bem Triebe: Laß mich das Heil in lust in der Pein, Von Freiheit in den Banden, Bon Ehren in den Schanden, Von Ruhe in der Qual zu seyn! Als ewiglich verloren, Von Gott getrennt sich sehn, Bon keinem Heile wissen, Vom Licht zu Finsternissen, Vom Leben zu dem Tode gehn; 3. Im Fluch auf ewig brennen, Gott seinen Gott nicht nennen, das ist ja betrübt! Ach Gott, ich flieh kann die Lüge schützen, Was wird ein Werkruhm nützen? Da sind wir alle, wie wir sind! 5. Herr, diese Offenbarung Drüd du mir zur Bewahrung Beständig in den Sinn, Daß ich auf das nur sehe, Ich gehe oder stehe, Wie ich 639. Zeit Führt in die lange Ewigkeit, Zu Himmel oder Hölle. So bleibts nicht, wie es jego ist; Der Feind sucht, wie er euch mit List Die Netze heimlich stelle, Drin er ein blindes Herz verstrickt Und in den Schlund des Todes rückt. mel. D Ewigkeit, bu.( Luc. 16, 19-31.) Menschen! diese kurze| 3. Dann hebet ihr die Augen auf Und merket, doch zu spät, darauf, Was ihr nicht merken wolltet: Daß ihr die Herzen zu dem Mann, Der segnen und verdammen kann, Bußfertig wenden solltet; Dann ist vor bei die Gnadenzeit, Und da bes Flu ches Ewigkeit! 4. Mein Herz, o fleuch in Jesu Schooß, Der ist erbarmungsreich und groß Für dich und alle Seelen! Er ists für den, der an ihn glaubt Und der sich beugt mit Herz und Haupt, Das gute Theil zu wählen. Erwähle Jesu Gnadenlicht, brennt für dich die Hölle nicht! OC 2. Die Sündenluft ist bald vorbei; Dann steigt aus Flammen ein Geschrei, Man will gekühlet werden, Und wärs mit einem Tropfen klein; Doch kann auch dieses nicht mehr seyn: Man ist nicht mehr auf Erden, Wo uns von dir, o treuer Hirt, Noch Fried und Heil geboten wird. Jesu sehn! 5. Ich war dem Tod zum Raube; Nun gib mir, daß ich glaube, Wer glaubt, wird selig seyn. So geh ich nicht verloren, So bin ich neu geboren, So dring ich in das Leben ein. Ph. Fr. Hiller, g. 1699+ 1769. E. Ewiges Leben. 5. O zeig mir, Herr, was Abram sieht, Und wie sich deine Schaar bemüht, Lobpreisend dir zu dienen; Und wie, die hier der Höll entflohn, Dort unverwelklich um den Thron Als Himmelspflanzen grünen, Für alles dieses gabst du dich: Oliebster Heiland, rette mich 1 411 6. So lang ich noch auf Erden bin, Schick ich mein Herz allzeit dahin Und merk auf deine Worte, Du bist der Herr im Himmelreich, Du haft die Schlüssel auch zugleich Zur tiefen Höllenpforte; Hinfort bedarf ich Wunder nicht: Ich glaube was mein Heiland spricht! Nach dem großen Leipziger Gesangbuch. Mel. Was Gott thut.( 1 Cor. 1, 7-9. Rom. 8, 23-25.) 640. Wir warten dein, o Gottes Sohn, und lieben dein Erscheinen; Wir wissen dich auf deinem Thron Und nennen uns die deinen. Wer an dich glaubt, Erhebt sein Haupt Und siehet dir entgegen, Du kommst uns ja zum Segen. 2. Wir warten deiner mit Geduld In unsern Leidenstagen; Wir trö sten uns, daß du die Schuld Für uns am Kreuz getragen. So können wir Nun gern mit dir Uns auch zum Kreuz bequemen, Bis du's hinweg wirft nehmen. 2. Die Ruhe hat Gott auserkoren, Die Ruhe die kein Ende nimmt; Es hat, da noch kein Mensch geboren, 3. Wir warten dein; du hast uns ja Das Herz schon hingenommen. Du bist zwar unsrem Geiste nah, Doch wirst du sichtbar kommen; Da willst uns du Bei dir auch Ruh, Bei dir auch Freude geben, Bei dir ein herrlich Leben. 4. Wir warten dein, du kommst gewiß, Die Zeit ist bald vergangen; Wir freuen uns schon über dieß Mit findlichem Verlangen. Was wird geschehn, Wann wir dich sehn, Wann du uns heim wirst bringen, Wann wir dir ewig singen! PH. Fr. Hiller, g. 1699 † 1769. E. Ewiges Leben. Mel. Wie wohl ist mir.( Gbr. 4, 1. 9-11.) 641. Es ist noch eine Ruh vor| Die Liebe sie uns schon bestimmt; handen; Auf, müdes Herz, und Das Gotteslamm, es wollte sterben, werde Licht! Du seufzest hier in dei- Uns diese Ruhe zu erwerben, nen Banden, Und deine Sonne schei- ruft, es locket weit und breit: ,, Shr net nicht. Sieh auf das Lamm, das müden Seelen und ihr Frommen, dich mit Freuden Dort wird vor sei- Versäumet nicht, heut einzukommen nem Stuhle weiden, Wirf hin die Zu meiner Ruhe Lieblichkeit!" Laft und eil Herzu! Bald ist der schwere Kampf vollendet, Vald, bald, der saure Lauf geendet, Dann gehst du ein zu deiner Ruh. 3. So kommet denn, ihr matten Seelen, Die manche Last und Bürde drückt! Eilt, eilt aus euren Kummerhöhlen, Geht nicht mehr seufzend und gebückt! Ihr habt des Tages Last getragen, Dafür läßt euch der Heiland sagen: Ich selbft will eure XX. Die letzten Dinge. Ruhstatt sexi! Ihr seyb sein Bolt,| ferne weichen, Es wird kein Tot uns er will euch schützen, Will auch die mehr erreichen; Wir werden unsern Hölle auf euch blitzen: Seyd nur ge- König sehn, Er wird am Brunnquell trost und gehet ein! uns erfrischen, Die Thränen von den Augen wischen; Wer weiß, was sonst noch wird geschehn! 4. Was mag wohl einen Kranken laben und einen müden Wandersmann? Wenn jener nur ein Bettlein haben Und sanft auf solchem ruhen kann; Wenn dieser sich darf niederseken, An einem frischen Trunk er götzen, Wie sind sie beide fo vergnügt! Doch dieß sind kurze Ruhestunden; Es ist noch eine Ruh erfunden, Wo man auf ewig stille liegt. 5. Da wird man Freudengarben bringen, Denn unsre Thränensaat ist aus. O welch ein Jubel wird erklingen, Welch Lobgetön im Vater haus! Schmerz, Seufzen, Leid wird 412 ( Off. 7, 17.) 6. Da ruhen wir und sind im Fries den Und leben ewig sorgenlos. Ach faffet dieses Wort, ihr Müden, Legt euch dem Heiland in den Schooß! Ach, Flügel her! wir müssen eilen Und uns nicht länger hier verweilen, Dort wartet schon die frohe Schaar. Fort, fort, mein Geist, zum Jubi liren! Auf, gürte dich zum Triumphiren! Auf, auf, es kommt das Ruhejahr! Kunth, g. 1700+ 1779. Mel. Wer weiß, wie nahe.( Rom. 8, 17. 18.) 642. Nach einer Prüfung tur-| det, Das Laster östers glücklich ist, zer Tage Erwartet uns die Ewigkeit! Wo man den Glücklichen beneidet Dort, dort verwandelt sich die Klage Und des Bekümmerten vergißt, Hier In göttliche Zufriedenheit. Hier übt kann der Mensch nie frei von Pein, die Tugend ihren Fleiß, Und jene| Nie frei von aller Schwachheit seyn. Welt reicht ihr den Preis. 2. Wahr iste, der Fromme schmeckt auf Erden. Schon manchen selgen Augenblick! Doch alle Freuden, die ihm werden, Sind ihm ein unvolltommnesGlüd: Er bleibt ein Mensch, und seine Nuh Nimmt in der Seele ab und zu. 5. Hier such ichs nur, dort werd ichs finden; Dort werd ich, heilig und verklärt, Der Tugend ganzen Werth empfinden, Den unaussprech lich großen Werth; Den Gott bet Liebe werd ich sehn, Ihn lieben, ewig ihn erhöhn. 6. Da wird der Vorsicht heilger Wille Mein Will und meine Wohl fahrt seyn, Und lieblich Wesen, Heil die Füille Am Threne Gottes mich erfreun. Dann läßt Gewinn stets auf Gewinn Mich fühlen, daß ich ewig bin. 3. Bald stören ihn des Körpers Schmerzen, Bald das Geräusche die ser Welt; Bald kämpft in seinem eignen Herzen Ein Feind der öfter fiegt als fällt; Bald sinkt er durch des Nächsten Schuld In Kummer und in Ungeduld. 4. Hier, wo die Tugend öfters lei7. Da werd ich das im Licht erkennen Was ich auf Erden dunkel sah, E. Ewiges Leben. 413 Das wunderbar und heilig nennen| bezahlen Der Gottes Weg mich ge Was unerforschlich hier geschah; Da hen hieß, Und ihn zu millionenmadenkt mein Geist mit Preis und len Noch segnen, daß er ihn mir Dank Die Schickung im Zusammen- wies; Da find ich in des Höchsten hang. Hand Den Freund den ich auf Erden fand. 8. Da werd ich zu dem Throne bringen, Wo Gott, mein Heil sich offenbart; Ein heilig, heilig, heilig! singen Dem Lamme das erwürget ward, Und Cherubim und Seraphim Und alle Himmel jauchzen ihm. 9. Da werd ich in der Engel Schaaren Mich ihnen gleich und bei fig fehn; Das nie geftörte Glück er fahren, Stets fromm mit Frommen umzugeln. Da wird durch jeden Augenblick Ihr Heil mein Heil, ihr Glück mein Glück. 10. Da werd ich dem den Dank 11. Da ruft( o möchte Gott es geben!) Bielleicht auch mir ein Selger zu: Heil sey dir, denn du hast mein Leben, Die Seele mir gerettet du! O Gott, wie muß dieß Glück erfreun, Der Retter einer Seele seyn l 12. Was seyd ihr, Leiden dieser Erden, Doch gegen jene Herrlichkeit, Die offenbart an uns soll werden Bon Ewigkeit zu Ewigkeit? Wie nichts, wie gar nichts gegen sie Ist doch ein Augenblick voll Müh! Gellert, g. 1715+ 1769. Mel. Wie schön leucht't.( Offenb. 2, 10. 3, 5.) 643. Wie wird mir dann, o| Er sey dir nicht mehr fürchterlich: dann mir seyn, Wann ich, mich ganz Ins Allerheiligste führt dich Der des Herrn zu freun, In ihm ent- Weg zum finstern Thale! Gottes Ruh schlafen werde, Bon keiner Sünde ist Unvergänglich, Ueberschwenglich, mehr entweiht, Entladen von der Die Erlösten Wird sie unaussprechSterblichkeit, Nicht mehr der Mensch lich trösten. von Erde! Freu dich, Seele! Stärke, tröste Dich, Erlöste, Mit dem Leben, Das dir dann dein Gott wird geben! 2. Ich freue mich und bebe boch, So drückt mich meines Elends Joch, Der Fluch der Sünde nieder! Der Herr erleichtert mir mein Joch; Es stärkt durch ihn mein Herz sich doch, Glaubt und erhebt sich wieder! Jefus Christus, Laß mich streben, Dir zu leben, Dir zu sterben, Deines Baters Neich zu erben! 3. Berachte denn des Todes Graun, Mein Geist: er ist ein Weg zum Schaun, Der Weg im finstern Thale. 4. Herr, Herr! ich weiß die Stunde nicht, Die mich, wann nun mein Auge bricht, zu deinen Todten sammelt; Bielleicht umgibt mich ihre Nacht, Eh ich dieß Flehen noch vollbracht, Mein Lob dir ausgestammelt! Bater, Vater, Ich befehle Meine Seele Deinen Händen, Laß mich einst im Frieden enden! 5. Vielleicht find meiner Tage viel, Ich bin vielleicht noch fern vom Ziel, An dem die Krone schimmert. Bin ich von meinem Ziel noch weit, Die Hütte meiner Sterblichkeit, Wird sie erst spät zertrümmert; Laß mich, 414 XX. Die letzten Dinge. Vater, Reiche Saaten Guter Thaten| werde, Bon keiner Sünde mehr entEinst begleiten Bor den Thron der Ewigkeiten. 6. Wie wird mir dann, ach dann mir seyn, Wann ich, mich ganz bes Herrn zu freun, Ihn dort anbeten weiht, Ein Mitgenoß der Ewigkeit, Nicht mehr der Mensch von Erde!. Heilig, Heilig, Heilig fingen Wir und bringen Deinem Namen Preis und Ehr auf ewig! Amen. Klopftock, g. 1724 † 1803. Eigene Mel.( Offenb. 7, 14-17.) 644. Jerusalem, du schöne,| Leiden In das rechte Baterland, Wo dein Lebenswasser quillt, Das den Durst auf ewig stillt. Da man Gott beständig ehrt Und das himmlische Getöne: Heilig, heilig, heilig! hört; Ach wann komm ich doch einmal Hin zu deiner Bürger Zahl? 5. O der auserwählten Stätte, Voller Wonne, voller Zier! Ach daß ich doch Flügel hätte, Mich zu schwingen bald von hier, Nach der neuerbauten Stadt, Welche Gott zur Sonne hat! 2. Muß ich nicht in Pilgerhütten Unter strengem Kampf und Streit, Da so mancher Christ gelitten, Führen meine Lebenszeit; Da oft wird die beste Kraft Durch die Thränen weggerafft? 6. Soll ich aber länger bleiben Auf dem ungestümen Meer, Wo mich Wind und Wellen treiben Durch so mancherlei Beschwer: Ach so laß in Kreuz und Bein Hoffnung meinen Anker seyn! 7. Alsdann werd ich nicht ertrinin dem höchsten Licht Schauet Got- ken: Christus ist mein Arm und tes Angesicht! 4. Komm doch, führe mich mit Freuden Aus der Fremde hartem Stand; Hol mich heim nach vielen Schild, Und sein Schifflein kann nicht sinken, Wär das Meer auch noch so wild; ObgleichMast und Segel bricht, Läßt doch Gott die seinen nicht! Nach Fr. Konrad Hiller, g. 1662+1726. 3. Ach wie wünse ich dich zu schauen, Jesu, liebster Seelenfreund, Dort auf deinen Salemsauen, Wo man nicht mehr klagt und weint, Sondern Mel. Mein Heiland nimmt.( Joh. 17, 3. 1 Theffal. 5, 8-10.) 645. Gottlob! ich weiß mein| Grab erwacht, Unsterblichkeit ans Licht gebracht. Vaterland, Dem jeder Tag mich näher leitet; Hier ist nur mein Er- 2. Dort wird in Gottes Gnadenziehungsstand, Der mich zum Him- rath Mein Geist mit sel'gem Stau mel vorbereitet; Bald, Herr, erhebst nen dringen, Und seiner Liebe Wuntdu mich zu dir; Den hohen Rath- derthat Mit ehrfurchtvollem Dark schluß hast du mir So hell in deinem besingen. Dann fühl ich, ewiglich Wort erkläret, So fest durch Jesu Tod bewähret, Der, als er aus dem verklärt, Der Leiden Christi höchsten Werth, Knie' vor dem Gott der Liebe E. Ewiges Leben. 415 nieder Und stimm in der Berklärten| wo der Tod kein Band zerreißt, Dort Lieder: Anbetung, Ehre, Preis und Macht Sey dem Gekreuzigten gebracht! werden wir, ein Herz und Geist, Zehnfältig unser Glück empfinden, Zur Liebe Gottes uns entzünden Und rühmen ihn, deß Vaterhand Zum ewgen Wohlseyn uns verband. 6. Du hast uns nicht zum Zorn gesett, Nein, Himmelswonne zu genießen; Wie hoch sind wir von dir geschäßt! Sey innigst hoch von uns gepriesen! Dein Reich, wo Heil und Friede blüht, Wie dir dein Vater es beschied, Das Reich voll unverwelkter Freuden Willst du, o Heiland, uns bescheiden. Wie bietest du dem Glaubensfleiß Solch unaussprechlich hohen Preis! 7. O Gott! laß mir die Ewigkeit Samt meiner Gnadenzeit auf Erden Zum guten Kampf, der niemand reut, Stets wichter und theurer werden! Sie sey mein Schild in Kampf und Streit, Mein Antrieb zur Gottseligkeit, Die Würze meiner Lebensfreuden, Der Balsam meiner Pilgerleiden, Im dunklen Thal mein Freudenlicht, Im Tode meine Zuversicht! 3. Der reichsten Güter Ueberfluß Empfang ich dann aus Gottes Händen; Dort wird die Hoffnung im Genuß, Der Glaube sich im Schauen enden. Die Führung, die einft wunderbar, Zu dunkel meinem Auge war, Seh ich im trofterfüllten Lichte, Genieße meiner Leiden Früchte Und preise Gottes weisen Rath, Der mich so tren geleitet hat. 4. Dort werd ich Gottes Freundlichkeit In Millionen Freuden schmeden, Stets wachsen an Vollkommen heit und neue Wunder stets entdecken. Mein Wissen, das hier Stückwerk war, Wird himmlisch, wie die Sonne klar, Stets flammender die Lieb und reiner, Stets jeder Sinn für Wahrheit feiner, Stets weiter meiner Seele Blick, Stets herrlicher mein ewges Glück. 5. Die Lieben, die für kurze Zeit Tod oder Schicksal von uns schieden, Find ich gekrönt mit Seligkeit Im wandellosen Himmelsfrieden. Dort, Nach Loder, g. 1757 † 1823. Mel. Wie schön leucht't.( Offenb. 21, 1-5.) 646. Mein Geist, o Gott, wird| Die wir im Himmel finden? Du ganz entzückt, Wann er nach jenem stellst uns hier auf Erden zwar Viel Himmel blickt, Den du für uns be- Wunder deiner Güte dar, Daß wir reitet; Dort wird erst deiner All- sie froh empfinden; Doch hier Sind macht Hand Aus neuen Wundern wir Bei den Freuden Noch mit Leirecht erkannt, Die du daselbst verbreitet. Herr! ich fühl mich Angetrieben, Dich zu lieben, Der zum Leben Jener Welt will mich erheben. 2. Was sind die Freuden dieser Zeit, Herr, gegen jene Herrlichkeit, den Stets umgeben; Dort nur ist vollkommnes Leben. 3. Dort ist kein Tod mehr und kein Grab, Du wischeft alle Thränen ab Von deiner Kinder Wangen; Dort ist kein Leid mehr, fein Geschrei, 416 XX. Die letzten Dinge. Denn du, o Herr, machst alles neu,| beweint, Die find ich droben wieder; Das Alte ist vergangen! Freundlich gibt sich Den Erlösten, Sie zu trö sten, Der zu kennen, Den sie hier schon Vater nennen. 4. In deinem höhern Heiligthum Erschallet deines Namens Ruhm Bon Millionen Zungen; Da strahlt die Herrlichkeit des Herrn, Da schaut man sie nicht mehr von fern, Da wird sie ganz besungen. Heller, Schneller Als hienieden, Ohn Ermüden Sehn wir droben, Gott, wie hoch du bist zu loben! 5. Mit neuer Inbrunst lieben wir, O Gott, dich dann und dienen dir Mit freudigem Gemüthe. Nichts stört den Frieden unsrer Brust Und unsre tausendfache Lust An deiner großen Güte. Kein Neid, Kein Streit Hemmt die Triebe Reiner Liebe Unter Seelen, Die nun ewig nicht mehr fehlen. 6. Gott! welche Schaar ist dort vereint; Die Frommen, die ich hier Dort sammelt deine Baterhand Sie, die ein Sinn schon hier verband. Herr, alle deine Glieder. Fröhlich Werd ich, Frei von Mängeln, Mit den Engeln Dir lobsingen, Preis und Dank dir ewig bringen. 7. Dort ist mein Freund, des Höch sten Sohn, Der mich geliebt; wie glänzt sein Thron In jenen Himmelshöhen! Da werd ich dich, Herr Jesu Christ, Der du der Engel Wonne bist, Mir zum Entzücken se hen! Nichts kann Alsdann Mich mehr scheiden Von den Freuden, Die du droben Deinen Freunden aufgehoben. 8. Wie herrlich ist die neue Welt, Die Gott den Frommen vorbehält, Wenn sie voll Glauben sterben! Der du vorangegangen bist, Zieh dir mich nach, Herr Jesu Christ, Hilf mir dein Reich ererben! Laß mich Treu lich Danach streben, Dir zu leben Auf der Erde, Daß ich dort dein Erbe werde. Dietrich, g. 1721 † 1797, nach Ahasverus Fritsch, g. 1629 † 1701. Mel. Womit soll ich.( Offenb. 21, 7.) 647. starb. wie unaussprechlich| warb, Als am Kreuz er für uns selig Werden wir im Himmel seyn! Da, da ernten wir unzählig Unsers Glaubens Früchte ein; Da wird ohne Leid und Zähren Unser Leben ewig währen. Gott, zu welcher Seligkeit Führst du uns durch diese Zeit! 3. Da wird deiner Frommen Menge Ein Herz, eine Seele seyn; Dienst und Dank und Lobgefänge Dir, er habner Gott, zu weihn, Dir unb dem der selbst sein Leben Willig für uns hingegeben; Mit ihm, unserm größten Freund, Sind wir ewig dann vereint. 2. Dann wirst du dich unsern Seelen Offenbaren, wie du bist; Keine Wonne wird uns fehlen Da, wo alles Wonne ist; Zu vollkommnen Seligkeiten Wird uns dort der Mittler leiten, Der uns dieses Glück er 4. O wer sollte sich nicht sehnen, Aufgelöst und da zu seyn, Wo nach ansgeweinten Thränen Ewe Güter E. Ewiges Leben. 417 uns erfreun, Wo sich unser Kreuz| hier noch bist, Nur nach dem was in Palmen, Unser Klagelied in Psalmen, Unsre Last in Luft verkehrt, Die forthin kein Kummer stört! 5. Sey, o Seele, hoch erfreuet Ueber das erhabne Glück, Das dir einst dein Gott verleihet; Richte deines Glaubens Blick Oft nach jener Stadt der Frommen, Mit dem Ernst, dahin zu kommen; Trachte, weil du droben ist. 6. Ohne Heiligung wird keiner, Herr, in deinen Himmel gehn; O so mache immer reiner Hier mein Herz, dich einst zu sehn; Hilf du selber meiner Seele, Daß sie nicht den Weg verfehle, Der mich sicher dahin bringt, Wo man ewig dir lobsingt. Nach Schmolk, g. 1672 707 Mel. Wenn mein Stündlein.( Joh. 17, 24.) 648. Der Trennung Last liegt| zu Gottes Stadt im Himmel, Wo schwer auf mir; Ich liebe sie, die meinen. Laß einen Lichtstrahl mir von dir, Herr, auf die Frag erscheinen: Werd ich nach meinem Tode gleich In deinem ewgen Königreich Die meinen wieder sehen?" 1 Engel stehen, Herr, vor dir Im jauchzenden Gewimmel; Zu der Gemeinde Strahlenchor, zu Geistern steigen wir empor Vollendeter Gerechten. ( Ebr. 12, 22 ic.) 2. Ich höre schon von deinem Thron Des Geistes Stimm ausgehen; Sie zeuget mir: Durch Gottes Sohn wirst du sie wiedersehen! Wenn du durch ihn bist Gottes Kind, Wenn sie in ihm gestorben sind, So findet ihr euch wieder. 6. Doch Frommen nur wirdsFreude seyn, Wann sie sich wieder sehen; Gottlose häufen nur die Pein Mit ihrer Brüder Wehen. Dort fühlt der Lüstling sein Gericht Und er verlangt die Brüder nicht zu sehn im Feuerpfuhle. 7. Drum bitt ich dich durch Christi Blut, Erbarmer in der Höhe: Mach meine Lieben fremm und gut, Daß ich sie wieder sehe! Auch mich erhalte dir getreu; Dann, Vater, bin ich auch dabei, Wann sich die Lieben 3. Die fromme Seele trennt sich nicht Von gleich gesinnten Frommen; Sie werden all in Gottes Licht Aufs neu zusammen kommen, Von feinem Tode mehr getrennt; Denn Gottes Engel, der sie kennt, Versammelt finden. die Erwählten. 8. O Jesu, welch ein Tag für dich, 4. Der Fromme sieht den from- Ein Festtag voll Erbarmen, Wann men Mann, Der Christ den Chri- so viel tausend Seelen sich Vor deisten wieder; Das Weib trifft ihren nem Thron umarmen! Dann bluten Gatten an, Der Bruder seine Brü- Herzen nimmermehr, Dann ist das der; Die fromme Mutter füßt ihr Aug von Thränen leer, Denn du Kind; Denn alle Auserwählten hast sie getrocknet. sind In Gottes Stadt beisammen. 9. Weint nicht, ihr Lieben, denn 5. Zum Berge Zion kommen wir, gewiß Sellt ihr mich wieder finden Evangelisches Gesangbuch. 27 418 XX. Die letzten Dinge. In Gottes Stadt, im Paradies, Bou| dersehn, o Wiedersehu, Wie tröstest Fesseln frei und Sünden. Auch un- du die Seele! ser Staub wird auferstehn! O WieNach Schubart, g. 1739 † 1791. Mel. Wachet auf! ruft.( Offenb. 14, 13. 7, 14-17.) 649. Selig find des Himmels| Er sant wie wir ins Grab, Wischt Erben, Die Todten die im Herren unsre Thränen ab, Alle Thränen! sterben, Zur Auferstehung einge- Er hats vollbracht! Nicht Tag, nicht weiht! Nach den letzten Augenblicken Nacht Wird an des Lammes ThroDes Todesschlummers folgt Entzis ne seyn. den, Folgt Wonne der Unsterblich feit! Im Frieden ruhen sie, Los von der Erde Müh, Hosianna! Vor Gottes Thron, Zu seinem Sohn Begleiten ihre Werke sie. 3. Nicht der Mond, nicht mehr die Sonne Scheint uns alsdann; er ist uns Sonne Der Sohn der Herrlichfeit des Herrn. Heil, nach dem wir weinend rangen, Nun bist du, Heil, uns aufgegangen Nicht mehr im dunklen, nicht von fern! Nun weinen wir nicht mehr, Das Alte ist nicht mehr, Hallelujah! Er sant hinab Wie wir ins Grab; Er gieng zu Gott, wir Klopstock, g. 1724 † 1803. 2. Dank, Anbetung, Preis und Ehre, Macht, Weisheit, ewig, ewig Ehre Sey dir, Verfühner, Jesu Christ! Jhr, der Ueberwinder Chöre, Bringt Dank, Anbetung, Preis und Ehre Dem Lamme, das geopfert ist!| folgen ihm! Viel. Nun preiset alle.( Offenb. 21.) 650. Ich hab von ferne, Herr, deinen Chron erblickt, Und hätte gerne Mein Herz vorausgeschickt Und hätte gern mein müdes Leben, Schöpfer der Geister, dir hingegeben! 2. Das war so prächtig Was ich im Geist gesehn! Du bist allmächtig, Drum ist dein Licht so schön! Könnt ich an diesen hellen Thronen Doch schon von heute an ewig wohnen! 3. Nur bin ich sindig, Der Erde noch geneigt, Das hat mir bündig Dein heilger Geist gezeigt; Ich bin| noch nicht genug gereinigt, Noch nicht ganz innig mit dir vereinigt. 4. Doch bin ich fröhlich, Daß mich kein Bann erschreckt; Ich bin schon selig, Seitdem ich das entdeckt. Ich will mich noch im Leiden üben Und dich zeitlebens inbrünstig lieben. 5. Ich bin zufrieden, daß ich die Stadt gesehn; Und ohn Ermüden Will ich ihr näher gehn Und ihre Hellen, goldnen Gassen Lebenslang nicht aus den Augen lassen! Johann Timotheus Hermes, g. 1738 † 1821. Mel. O Jerufalem.( Offenb. 7, 9-17.) 651. Wer sind die vor Gottes| Schaar? Träget jeder eine Krone, Throne? Was ist das für eine Glänzen wie die Sterne klar, Halle E. Ewiges Leben. lujah fingen all, Loben Gott mit hehem Schall! 2. Wer sind die so Palmen tragen, Wie ein Sieger, in der Hand, Wenn er seinen Feind geschlagen, Hingestrecket in den Sand? Welcher Streit und welcher Krieg Hat erzeuget diesen Sieg? 3. Wer sind die in reiner Seide, Welche ist Gerechtigkeit, Augethan mit weißem Kleide, Das bestäubet keine Zeit Und veraltet nimmermehr; Wo sind diese kommen her? 4. Es find die so wohl gerungen Für des großen Gottes Ehr, Haben Welt und Tod bezwungen, Folgend nicht dem Sünderheer, Die erlanget in dem Krieg Durch des Herren Arm den Sieg. 5. Es sind Zweige eines Stam mes, Der uns Huld und Heil gebracht; Es sind die so in des Lammes Nachfolg Angst und Noth durchwacht; Nun sind sie erlöst vom Leid Und geschmückt im Ehrenkleid. 6. Es sind die so stets erschienen Hier als Priester vor dem Herrn, Tag und Nacht bereit zu dienen, Leib und Seel geopfert gern; Nunmehr stehn sie all herum Vor dem Stuhl im Heiligthum. 419 dem rechten Lebensquell, Wo ihr Durst gestillet ist; Denn sie sind bei Jesu Christ. 8. Dahin reck auch ich die Hände, O Herr Jesu, zu dir aus! Mein Gebet ich zu dir wende, Der ich noch in deinem Haus Hier auf Erden steh im Streit: Treibe, Herr, die Feinde weit! 9. Hilf mir in dem Kampfe siegen Wider Sünde, Höll und Welt; Laß mich nicht darniederliegen,- Wann ein Sturm mich überfällt. Führe mich aus aller Noth Du, mein Fels, mein Herr und Gott! 10. Gib, daß ich sey neugeboren, An dir als ein grünes Reis Wachse und sey auserkoren Zu des ewgen Baters Preis; Daß ich mich bewahre rein, Meide jeden falschen Schein; 11. Daß mein Theil sey bei den Frommen, Welche, Herr, dir ähnlich sind, Und auch ich, der Noth entnommen, Als ein treues Gotteskind Dann, genahet zu dem Thron, Nehme den verheißnen Lohn. ( Weish. 5, 5.) 7. Wie ein Hirsch am Mittag lechzet Nach dem Strom der frisch und hell: So hat ihre Seel geächzet Nach| 12. Welches Wort faßt diese Wonne, Wann ich mit der Heilgen Schaar In dem Strahl der reinen Sonne Leuchte wie die Sterne klar! Amen, Lob sey dir bereit, Dank und Preis in Ewigkeit! Theodor Schenk, † 1727. 2009 le Bad 001 dogle 2 samt atspais pen ASTENER TAPE Jzel gunst& sid sign gsiz o trip pis 1 Harg and me 13 das dingen Divat tin CUE 2015 B Gust an Ely Kap. Vers. Nro der Lieder Erstes Buch Mosis. 1 63 2 271 77 536 500 254. 279 232 449. 534. 565 8 3 8 22 19 17 10 49 18 18 28 32 33 34 Zweites Buch Mosis. 15 2 zc. 26. 39 19 4 3 20 17 23 12 20 14 6. 7 Drittes Buch Mofis. 26 2 271 Josua. 26. 27 2.3 Viertes Buch Mosis. 29. 323 23 19 24 17 95 Fünftes Buch Mosis. 5 6-21 28 1. 6 29 9 32 3. 4 10: c. 13 Hiob. 24 15 498. 502 Erstes Buch Samuelis. 2 6-8 69 3 367 15 29 18 3 84457 29 1 21 8 14 19 28 Pfalm. 1 2 Zweites Buch Samuelis. 12 22 2c. 627 Erstes Buch der Könige. 3 9-13 10. 552 584 19 4 Erstes Buch der Chronik. 30 15. 17 192. 595. 617 Zweites Buch der Chronik. 16 9 20 Esra. 8 22 Nehemia. 31 5-15 9 1. 2 25-27 28 229 509 559 414 295 1-3 8-12 6.9 4 2-7. 13 to 12 2-5 Verzeichniß der Bibelstellen über den Liedern. 229 269 277 241 28. 461 3 43 213. 492 493 17 457 570 79 177 436 227 206 96. 222 579. 67 369 10. 49. 594 41 32 32. 41 Pfalm. 12 13 14 16 17 18 19 20 21 23 24 25 36 27 28 30 31 32 33 34 36 37 38 39 40 41 42 43 45 46 47 51 53 54 55 56 57 59 62 65 67 68 71 TS 74 77 80 84 85 86 Vers. Nro der Licker. 11100111 - 8 5. 15 2 3 8-17 1-13 7-10 1-10 6-8 1 9 6 1-6 5 8. 4 11 1-4 94 2-10. 16 9. 28. 43. 260 6 10 10. 274 71 364. 556 5. 17 37-39 368 2 2c. 22: c. 20. 294 5-11 2. 3 12 3-5 5-12 3-19 7 8 23 6-8 2 8-11 17. 18 1 3 10-14 2. 3 5 c. 12 20 2C. 9 22. 23 23-28 16 11 15. 16 215 70 404 416 373 559. 562 346 539 60. 228. 557. 578 525 526 72 366 92 84. 99 18 2.3 12. 13 23. 52. 460 275 567 89. 532 469. 481 26 268 396 297. 414 440. 477. 575. 500. 591 593 46 431 345 464 345. 477 344 212 210 529 181 15 292. 294. 301 302 576 112 40 367 572 574 549 551 368 372 447. 463 544 267 541. 542 222 92. 281. 524 461 65 521 107 68. 345. 346. 351. 357 803. 396, 463 583 488 214 270 554 528 26 422 Psalm. 89 90 90 91 92 95 100 102 103 104 107 109 110 111 112 115 116 118 119 121 123 126 127 130 132 133 136 138 139 143 145 146 147 148 150 Vers. 30 3 5. 12 14 17 4 14-16 1-8 2 24-29 1-13 15-18 1-10 14 1--22 70 21. 26 tc. 578. 582 3 14 7 12 15 15. 16 19-25 9. 19 43 50 94 105 165 20 176 2 3. 5 1c. lilac 1. 2 1-4 2 2 10 8.9 15: C. - 5 2c. 9 16-18 39 10 28 17. 18 26 30 7-9 17 Nro der Lieber. Prediger. 7 15 323 441. 585. 591 563 514. 515. 560 76 492 554 573 38. 309 35 530 30. 55 3. 5. 158. 189 302. 518 589 59. 538 544 205 14. 437 566 504 566 520 618 280 167 104. 270 549 512. 604 206 236 8 232 340 Sprüche Salomos. Klap. Vers. Nro der Lieder. 3 5. 6 8 17 10 22 14 26 16 18 20 23 Verzeichniß der Bibelstellen. Kap. Vers. 407 19. 568. 571 516 490 464. 581. 632 495 456. 499 290. 303. 321 283 430 27. 547 36 39. 42. 44. 385 459 534 20. 199. 302 4. 47. 64 295 544. 547 29 46. 524 548 61 4 374 554 499 504. 377 496. 68 577 526 400 41. 307. 30S 458 24. 454. 509 486 Jesaias. 1 6 9 11 12 21 28 30 35 38 40 42 43 44 45 46 48 49 50 52 53 54 55 56 57 60 61 63 66 15 17 18 3 6 2 18 23 24 2 11 16. 29 15 21 10 1 12. 17 11 29 31 26-31 1-3 1. 2 24. 25 3 22 5. 6 1 Jeremias. 3 5 10 45 10 6 2c. 8 tc. 2 2 15 1. 2 20 10 506 43. 58. 61. 872. 875 96 366 149 223 149 38 15. 23 2c. 74. 82 4 522 17 2c. 13-16 6 13-15 9 2 12. 13 24 23 16 20 7 14 19 23 7 11 2c. 3 25 19 3 22-26 31-33 57 Hesekiel. 11 18 33 36 37 19. 20 23 11 2c. 26. 27 26 2c. 286 543 68 206 212 67 80..390 19 38 391 11, 22 56. 349. 467. 594 250 32 69 Klaglieder Jeremiä. Daniel. 9 Hosea. 6 Nro der Lieder. 18 309 1. 37 102 6 197 158 564 222 40. 369 375. 463. 472. 474 388 631 591 12. 470. 601 476 106. 482 142 129 129. 130 131 138 14. 51. 241 175. 286. 292. 319 74. 283. 369 272 609. 614. 618. 619 445 116. 296. 558 581 249 127. 132 229 9. 53. 520, 533. 545. 554, 557 545 568 308 439. 594 231. 519 198. 202. 304 409 51 265 424 Kap. Vers. Micha. 2 7 Habakuk. 2 Haggai. 2 8 Sacharja. 2 9 12 13 4 15 Maleacht. 2 3 4 Weisheit. 3 2 3 Tobias. 3 9 456 Sirach. 1 13 18-20 3 14 2700 AD 3 10 9 10 1 6 7 7 1. 16-18 2 9 1 91 7-14 1 10 11 12 13 22. 23 2 436. 585 400. 403 366 476 509 483 228 292 434 236 37 40 7 592 11 20 2c. 226. 483 14 22 23 232 17 28 55 18 22 ic. 26 ic. 523. 590 23 4 2c. 458 24 228 30 40 41 598 43 12-17 540 50 24-26 2.27 10. 13 18861 Baruch. 4 34 6-9 Matthäus. 19 2c. 15 1-12 10 17 5 3-16 2-9 14-17 - 14-17 1 5 1-4 23 33 7-11 13. 14 21. 23 37. 38 28. 38 2-6 26-30 Nro der Lieder. 418 52. 66 20 1-23 94 16 224 96. 107 90 264 158 281 224. 467 12 DE 619. 631 14. 19. 65 624 45 469. 474 113 518 604 231 625 Verzeichniß der Bibelstellen. 115 117. 285. 120 251. 384. 460 20 tc. 392 425 37. 44 2c. 450. 426 207. 426 10 14 19-21 25-32 21. 185 465. 482. 480 25. 394. 453 266 267. 390 289. 388 409 403. 405 208. 221 450. 377 101 249. 289. 328. 388. 399. 480 417 225 Kap. Vers. Matthäus. 13 14 16 18 21 22 23 24 25 26 27 28 11 12 13 14 16 Lukas. 1 2 3457839 H 2 10 Markus. 5 8 9 10 11 12 13 14 15 16 87 tc. 15-21 28-31 18 24-26 34. 27 8-10 20 17 18 21-35 1-11 15. 16 2-14 37 12 13 14 42 20. 1-13 13-46 26-28 33. 39 41 46 19 C. 35 C. 34 23 6-9 13-16 1-10 32. 33 33-37 32-39 16 46. 47 78. 79 10. 11 14 21 2c. 25-32 35 41-52 4-6 18. 19 4-11. 14 13 2c. 5-15 62 23. 24 42 9. 10 13. 28 15-24 32 34 2C. 49 6-9 24 16-24 1-7. 10 11-32 10 19-31 10 78 9-14 15-17 Nro der Lieder. 219 376 306 210 333. 377. 394. 398. 456. 537 147 75. 76. 413 235. 273. 276 427 90. 91. 93 505 248 288 215 408 220. 221 444 90. 98. 634 635 635. 431 252 352. 370 416 144 34. 212. 569 628 155 387 494 244. 508. 627 92 423 438 134 443 85. 240 35. 36 296 105. 108 36 119. 535 118. 531 580. 600. 619 147 120. 507. 513. 531 97 93. 230. 416 514. 519 473 234 211 101. 112. 175 362. 385 23 15. 78. 226. 277 455 213 439. 617 208 423 57 412 114. 204 309 310. 75 293 515 639 315 213 392 503 424 Kap. Vers. Lukas. 19 22 23 24 2 3 5 Johannes. 1 C 8 10 11 12 13 15 16 17 19 20 21 2 10 12-24 29 tc. 41-44 3. 4 5 19 2c. 34. 42 tc. 7 0 13 c. 29-32 1-16 63. 68 12 34: C. 51 1-30 11. 16 25-27 24. 25 26 36 1 15 34. 35 2-4 6-21 23 26-28 4-7 13. 14 26 11-14 24 27 33 3 29 2 2c. 5. 6 14. 15 16 17: c. 36. 597. 611 24 607 623 28. 29 33-35 40 251. 258 633 48-51 257. 262 53-56 249 253. 255 233. 383 79. 116. 555 389 280. 616 88. 125. 128. 207. 224. 339. 463. 506 9-11 15 17 18-24 26 2 5 26-30 17 17. 19 Apoftelgeschichte. 27. 31 19. 20 12 30. 31 58 33. 36 Nro der Lieder. 93 444 100 57. 311 255 Verzeichniß der Bibelstellen. 144. 146 175 176 7. 209. 56 12. 40 62. 103. 107. 109. 116. 227 130. 135 500 239. 388 599. 85. 110. 638 619. 378 162. 590 601. 629 537 610. 617 95 121 122 133. 217 181. 182. 616 16. 25. 81. 122. 126. 152. 180. 265. 349 381. 254. 353 191. 195. 330. 334 7. 21. 250. 258. 383. 535 140. 148 161 16. 161. 194. 203 552 520 328 645 265. 401 391 276 279 183. 185. 217. 386. 401. 598. 648 354 137 136 144. 180. 182 356. 362. 380 193 162 303 83. 318. 359. 362. 534. 587 174 157. 596. 613 274. 337 Kap. Vers. Nro der Lieder. Apostelgeschichte. 43 17 22 31 10 14 16 17 Römer. 1 2 3 4 5 6 7 8 11 12 13 14 16 23 4 5 6 8 10 11 12 27. 28 30. 31 13 15 16. 17 4-11 22-28 5. 8 24. 25 1. 2 6-11 12-18 20 2c. 1-15 16 14-25 2-4 6 11-14 15-18 19-26 28-39 25. 26 2-19 1 tc. 11 12 7-9 20 7-9 18-31 6-9 7 17 4 78 7. 14 15-20 25 12 13 16 2c. 31 23-25 26-29 Erster Korintherbrief. 1 3 4 11 12-27 1-8 12 13 3-8 10 19-23 33 42 tc. 49 53 55-58 230 41 9999 471 502 263 284 231 49. 53. 311 78 313. 315 314. 595 171 78 154. 622 142. 335. 356. 239 290 130. 138. 153. 155. 168. 172. 174. 241. 378. 401. 459 389 80. 291. 299 418 201. 291 389 50 178. 200. 373 197. 378. 402. 475 642 196 197. 311. 373 640 14 17. 85 105. 152. 331. 336 343 351. 373. 393. 462. 546 223 248. 425. 429 446 527 119 150. 383. 608 33 45. 317. 640 48. 192. 369. 385 437 356 456 283 459 338 166 449 173 358. 459 460 510 279 443 45. 487 261 259 247 246. 249. 255 259. 260 195 203 202 196 205 216 422. 423 631 256 257 21. 402. 422 171 570 159. 163. 621 442 626 620 632 108. 166. 168. 615. 618 Kap. Vers. Nro der Lieder Zweiter Korintherbrief. 1 20 2c. 3 18 4 5 6 8988 346 12 13 4 5 13 5 Galater. 1 2 2 3 4 5 6 16-18 1-10 14-21 Epheser. 2 4-10 16 9 6. c. 9. 10 1 3-12 8 4 3. 4 16-17 3 3-5 6-9 14 16 20 13 130 4. 5 319 16 c. 242c 80. 140 22 203 2 216 298 50 415 139 327 409 17-23 5-9 12-18 16-19 1-6 11-16 22-24 Philipper. 1 25 30 2 9. 10 13 14 15-17 19. 20 4 5-9 10-20 6 10. 11 21. 23 5-11 12 13 7-16 6 7 12 13 Koloffer. 1 10-14 19. 20 22 23 3 8.7 12--15 1-4 12-15 230. 341 334 365 471 475 49. 338. 365. 584. 586 637 136. 151. 165. 262. 281 342. 360 Verzeichniß der Bibelstellen. 344 553 111 415. 431 329. 386. 488 344 326 278 155 313 153. 256. 361. 395. 537 55 56 184 187. 199. 204 87 107. 316 82 54. 287 34 204. 425. 448. 497 216. 282. 406 407 451 201 127. 132. 424 496 558 550 172. 206. 285. 444 436 64. 66 505 517 245. 417. 433. 438 243. 317. 407 414 330 455 468. 584 606 124. 186. 187 438. 439 218. 385. 392. 394 397. 413 419. 421 452 70 329. 558 88 593 359 161. 243. 359 169 179. 182. 185. 344 620. 327. 446 501 16. 17 89. 275. 516 Kap. Vers. Nro der Lieder. Erster Thessalonicherbrief. 4 5 5 609 626 629 550. 560. 645 264 553 Zweiter Thessalonicherbrief. 1 2 2 3 Erster Brief an Timotheus. 13-17 6 2 4 00 20 17 tc. Zweiter Brief an Timotheus. 1 9. 10 12-14 3 2 11. 12 19 22 2 20 6 Brief an Titus. 1 9 16 3 13 20 5-10 4 5 17 23 13. 14 12 3 1-4 4-6 6-12 4 11-14 4-7 Erster Brief des Petrus. 1 5 5 8 13 15 2c. 18 2c 22 24 9 21-25 10. 11 12 12 20. 17 2c. 56 7 63 432 1 7. 8 10: C 16 19 20 21 2-5 11. 12 18 Hebräerbrief. 84.99. 146. 156. 300, 332. 335 6. 433. 527 86. 145 24. 380. 386. 452 453. 481 452 113 173 123 324. 621 377. 879. 380 252 Zweiter Brief des Petrus. 1 10. 11 14 1. 2 14 164 186. 485 240. 287. 316 511 14 39 Erster Brief des Johannes. 1 7-9 2 1. 2 4-6 12 15-17 28 5. 6 14-18 283 596 283 405 103. 314 237, 238 295 48 154. 159. 160 588 242. 561 124. 125. 131. 141. 154. 398 451 42 467 31. 478 439 445. 446 371 421 603 22. 57. 523 114. 297. 305. 338 120 605 123. 137. 325. 355 321 327. 360. 396 404 589 242. 355. 382 143 424. 428 211 423 423 53. 335. 350 54. 325 348 53. 121. 335. 348 349.350 510 427 322 340. 387. 391 83. 108. 363 340 187 225 75 4:26 Kap. Vers. Nro der Lieder. Hebräerbrief. 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 14 2c. 17 2C. 13 14 16 17 12 9-11 12. 18 15 16 13 7-10 17-20 24. 25 1. 2 11-15 27 35. 36 6 9. 10 1-5 187 87 31. 309 259. 441 Verzeichniß der Bibelstellen. 320 617. 641 617 641 234 417. 481. 494 190 188. 332 183. 190. 265 192 84. 156. 294 592 73. 368 447 312 5-11 14 9 14 17 Brief des Jakobus. 1 12 17 21-27 365 148. 159. 386. 408. 410.464 478 487 48. 370 243. 406 420 604 282 478 13 235. 282. 330 Kap. Vers. Nro der Lieder. Brief des Jakobus. 25 26 2c. 13-18 3 4 5 1 2 Offenbarung Johannis. 170 211. 412 3 4 6 7 14 15 19 20 21 8 7-11 22 4-6 4. 5 10 11 3 5 10 11 19 20 11 17 9-17 14-17 13 4 4-9 12 1-5 7 403 272. 315 436 345 448 12-15 16 17 20 2c. 211 402. 643 602 288 A 643 139 280. 411 479 254 61 636 37. 649. 651 480 644 614 631. 649 219 37. 634 636 630. 646. 650 647 347 617 347. 584 491. 59 Berzeichniß der Liederdichter. Die Zahlen bedeuten die Nummern der von jedem aufgenommenen Lieder. Abam, Albrecht. 17. Albert, Heinrich, geb. in Sachsen, Orga nist in Königsberg. 559. Auch die Melodie ist von ihm. Bengel, Dr. Johann Albrecht, geb. in Winnenden( Württemberg), zuerst Präceptor am niederen Seminar in Denkendorf, starb als Prälat von Alpirsbach und Consistorialrath. 40. 144. 395. Berkenmayer, Jörg, lebte um 1530 in Ulm, vielleicht ist von ihm 289. Betichius, Johann. 514. Allendorf, Johann Ludwig Konrad, geb. bei Marburg( Heffen), gab als Hofprediger in Köthen die erste Sammlung der Köthnischen Lieber heraus; starb als Prediger und Schulvorstand in Halle( Preußen). 631. Vielleicht 19. Bickel, Johann Karl Daniel, geb. zu Altenweilnau( Nassau), Consistorialrath und Superintendent in Mosbach, sammelte das Nassanfingsche Gefangbuch von 1779. 282. 450. Angelus Silesius, so nannte sich in Bienemann, Dr. Rafpar, nannte sich auch feinen Schriften Dr. Johannes Sch effler, in Melissander; ein ausgezeichneter Kenner bes Diensten des deutschen Kaisers Ferdinand bes Griechischen, daher er vom Kaiser Maximilian Dritten, und Leibarzt des Herzogs Sylvius dem Zweiten einer Gesandtschaft nach GriechenNimrod von Württemberg- Dels. Er war ge- land als Dolmetscher beigegeben wurde. Er boren und lebte in Breslau( Schlesien). 63. starb als Generalsuperintendent in Altenburg 132. 157. 233. 348. 353. 358. 360. 377. 379.( Sachsen). 26 über den Gedenkspruch der AebAnna, Gräfin zu Stolberg, lebte um 1600, tiffin von Queblinburg, Maria von Sachsenbichtete vielleicht 606. Weimar. Albinus, Johann Georg, geb. bei Weißenfels( Sachsen), zuerst Nektor, später Prediger in Naumburg. 598. d'annone, Hieronymus, geb. in Basel, Pfarrer in Muttenz, Kanton Basel, Herausgeber eines Gesangbuchs. 193. 276. 322. Anton Ulrich, Herzog zu BraunschweigWolfenbüttel, Stifter der Ritter- Akademie in Wolfenbüttel. 18. 448. Arndt, Ernst Moriz, geb. auf der Insel Rügen( Preußen), seit 1818 Professor der Geschichte in Bonn am Rhein. 114. 324. 616. Arnold, Gottfried, geb. bei Meißen( Sachsen), Prediger in Perleberg. Sein Tod wurde baburch herbeigeführt, daß preußische Werber während seiner Predigt am Pfingstfest in die Kirche eindrangen, um junge Leute unter das Militär wegzunehmen, was ihn so sehr ergriff, daß er 10 Tage nachher am Nervenfieber starb. ( 122 steht nicht unter seinen eigenen Liebern.) 153. 369. 398. 401. 418. Asschenfeldt, Karl Julius, geb. in Kiel, gegenwärtig Prediger in Flensburg( Schleswig). 81. Bahnmaier, Dr. Jonathan Friedrich, geb. in Oberstenfeld( Württemberg). Als Professor der Theologie in Tübingen veranlaßte er bie Einrichtung des Prediger- Instituts daselbst; starb als Dekan in Kirchheim unter Teck auf einer Visitationsreise in Owen. 220. 221. 518. Barth, Dr. Christian Gottlob, geb. in Stuttgart, Pfarrer in Möttlingen bei Calw, Perausgeber von Missions- und Jugendschriften, lebt nach Nieberlegung seines Amtes in Calw. 222. Behemb, oder Böhme, Martin, geb. in Lauban( Lausik), zuerst Schullehrer, bann Pfarrer dort. 610. Birken, Sigmund von, nannte sich auch Betulius, geb. bei Eger in Böhmen, das er als Kind mit seinen Eltern des Glaubens wegen verlassen mußte. Kaiser Ferdinand der Dritte erhob ihn seiner Dichtungen wegen in den Abelstand; er starb in Nürnberg. 128. 131. 378. Böhmische Brüder. Sie leiten ihren Ursprung von Johann Huß, der 1415 in Konstanz verbrannt wurde, und von dessen Schülern her; seit 1457 waren sie zu einem Verein, feit 1467 zu einer kirchlichen Gemeinschaft verbunden. ihnen ging die Herrnhuter Brüdergemeinde hervor. Ihre Lieber übersette um das Jahr 1530 Michael Weiffe, geb. in Schlesien, Pfarrer in Landskron und Fullnec, geft. um 1540, aus dem Böhmischen ins Deutsche für seine Gemeinde, und fügte deren ältere Lieber, so wie elgene hinzu. 61. 303. 507. Bogaty, Karl Heinrich von, geb. in Schlesien, lebte in Halle feit 1746, wo er seine Güter verkaufte und den Erlös dem daselbst von France gegründeten Waisenhause zukommen ließ. 208. 318. 414. 444. Bonin, Ulrich Bogislaus von, geb. in Pommern. Nach beinahe zehnjährigen Kriegsdiensten in Preußen fing er in seinem 28sten Jahr an unter France in Halle Theologie zut studiren; er starb als Nath eines Grafen Reuß n Ebersdorf. 587. Breithaupt, Dr. Joachim Juftus, geb. in Norbheim( Braunschweig), Professor der Theologie in Halle, Speners Nachfolger, starb als Prälat und Consistorialrath in Magdeburg ( Preußen). 326. Bruhn, M. David, geb. in Memel 428 Verzeichniß der Liederdichter. ( Preußen), starb als Prediger in Berlin. 451. Bruiningt, von, f. Wobeser. Buchholz, Andreas Heinrich, geb. im Braunschweigischen, starb als Hofprediger und Superintendent in Braunschweig. 489. Bürde, Samuel Gottlieb, geb. in Breslan( Schlesien), Hofrath und Kanzleidirektor bafelbft. 23. 490. 536. Burk, Philipp David, f. Rieger, Philipp Friedrich. Busch, Peter, geb. in Lübeck, Prediger in Hannover; gab das Hildesheimische Gesangbuch heraus. 312. Canis, Friedrich Rubolph Ludwig von, geb. und gest. in Berlin, war mit verschiedenen hohen Staatsämtern in Preußen betraut. Zu 550, Vers 11; Canig verschieb sanft, am offenen Fenster in die untergehende Sonne blickend. 564. Chiomusn8, f Schneesing. Claudins, Matthias( Asmus, ber Wandsbecker Bote), geb. bei Lübeck, Revisor der Bank in Altona, lebte in Wandsbeckt bei Hamburg. 570. Clausnißer, Tobias, geb. bei Meißen ( Sachsen), schwedischer Feldprediger, starb als Prediger in Weiden( Oberpfalz). 274. Cramer, Dr. Johann Andreas, geb. im sächsischen Erzgebirge, Hofprediger in Kopenhagen( Dänemart), starb als Professor der Theologie und Prokanzler in Kiel. 39. 59. 73. 101. 238. 240. 340. 393. 399. 406. 433. 526. Craffelius, Bartholomäus, geb. bei Meißen( Sachsen), ein Schüler von France, Prediger in Düsseldorf( Preußen). 330. Viel leicht ist auch 37 und 122 von ihm, leßzteres aus dem Holländischen des Lodesteyn. Cronegt, Johann Friedrich von, geb. in Anspach, Regierungsrath daselbst. 580. Dach, M. Simon, geb. in Memel( Preußen), Professor der Dichtkunst und Beredsamkeit in Königsberg, gekrönter Dichter, dessen Dichtungen lange für die preußische Schule als Muster galten. 589. 601, 614. Dann, M. Christian Adam, geb. 1758 in Tübingen, in dessen Nähe er später Pfarrer war in Deschingen und Mössingen, starb 1837 als Stadtpfarrer zu St. Leonhard in Stutt gart. 480. Decius, Nikolaus, lebte zur Zeit Luthers, und war wie dieser zuerst Mönch, später dann Probst im Kloster Steterburg( Braunschweig); zur Reformation ütergetreten wurde er Schullehrer in Braunschweig, starb etwa 1529. 38 ist ursprünglich griechisch gebichtet und schon ums Jahr 250 bekannt, reicht also in die Anfänge der christlichen Kirche hinauf; ins Lateinische überfeste es vermuthlich Hilarius, Bischof von Poitiers( Frankreich)+ 368. Der ursprünglich Lateinische Text von 160 wurde schon ums Jahr 700 gesungen. Als Meister im Harfenspiel feßte Decius seine Lieder selber in Musik. Denike, David, geb. in Zittau( Sachsen). Hof- und Consistorialrath in Hannover. Mit Justus Gesenius gab er 1659 bas alte Hannoverische Gesangbuch heraus, das bie ersten Veränderungen älterer Lieder enthält. ( 225.) 229. 297. 317. 456. 505. Deßler, Wolfgang Christoph, geb. in Nürnberg, war zuerst Goldschmied, seine Kränklichfeit veranlaßte ihn aber zum Studiren, starb ale Conrektor in Nürnberg. 339. Dippel, Johann Konrab, Arzt und Naturforscher, seiner Zeit durch theologische Streitschriften bekannt, in denen er sich Christianus Demokritus nannte, starb als Kanzleirath in Berleburg. 291. Diterich, Johann Samuel, geb. in Berlin, Probst und Consistorialrath bort; veränderte viele ältere Lieder. 298. Nach Gellerts moralischen Schriften ist 440 gedichtet. 646. Drese, oder von Dresen, Adam, geb. in Thüringen, Kapellmeister zuerst bei Herzog Bernhard von Weimar, dann in Arnstabt( Schwarzburg Sondershausen). Früher ein Vergnüg ling, wurde er durch Speners Schriften dessen Freund. 355. Auch die Melodie ist von ihm. Dürr, Leonhard Friedrich, Pfarrer in Rempten( Baiern), 512. Eber, Dr. Paul, geb. in Rizingen( Bayern), Melanchthons Schüler und Freund, Professor der Theologie und zuletzt Superintendent in Wittenberg. 492. # Eberhard Friedrich, Prinz von Hohenlohe- Kirchberg, Verfasser eines Gebetbuches und mehrerer geistlicher Lieder. Starb mit seiner frommen Gemahlin fast in der gleichen Stunde. 9. Edeling, Christian Ludwig, Zinzendorfs Hofmeister, geb. in Sachsen, starb als Prediger dort in Schwanebeck. 343. Emilie Juliane, leßte Gräfin von Barby, 1665 mit Albrecht Anton, Grafen von Schwarzburg- Rudolstadt vermählt, dichtete 590 auf den plößlichen Tod des Herzogs Johann Georg von Sachsen- Eisenach auf der Jagd 1686. Eschenburg, Dr. Johann Joachim, geb. in Hamburg, Professor in Braunschweig, starb nach mehr als 50jährigen Diensten als Geheimer Justizrath bort. 497. Fabricius, Dr. Friedrich, Paftor an ber St. Nikolaitirche zu Stettin. 460. Fabricius, Dr. Jakob, f. Gustav Adolph. Feddersen, Jakob Friedrich, geb. in Schleswig, Prediger in Braunschweig, starb als Consistorialrath und Probst in Altona. 120. 522. Fischer, Dr. Eberhard Ludwig, starb als Hosprediger, Prälat von Abelberg und Confiftorialrath in Stuttgart. 243. 281. 546. Flemming, Dr. Paul, geb. im sächsischen Erzgebirge, ging in Holsteinischen Diensten ale Arzt mit einer Gesandtschaft nach Moskau, 429 Verzeichniß der Liederdichter. und später nach 38pahan in Persien; vor der| Friedrich Wilhelm von Preußen entlassen( 373, ersten Reise 1633 dichtete er das Lied 367 und Vers 10), weil er sich der öffentlichen Bedie Melodie. Er starb in Hamburg. kämpfung der reformirten Lehre nicht begeben Flitner, Johann, geb. in Sachsen, Pre- wollte; starb als Archiviakonus in Lüben biger in Pommern. 115. Die Melodie ist von( laufiß). Seine geistlichen lieber verfaßte er ihm, das Lied wird übrigens auch dem Laurentii meist während des dreißigjährigen Kriegs zugeschrieben. ( 1618-1648). 27. 47. 64. 66. 68. 93. 105. 112. 113. 129. 130. 141. 142.( nach bem Lateinischen des heil. Bernharb: salve caput cruentatum) 198. 199. 349.( nach Joh. Arndts Paradiesgärtlein, Gebet II. Nr. 5( 11). 364. 371. 373. 447. 454. 462. 464. 469. 484. 487.( nach 30hann Arndts Paradiesgärtlein, Gebet III. Nr. 78 ( 25 ober 27) 494. 518. 528. 533. 538. 549. 554. 571. 604. 627. Franc, Johann, starb als Bürgermeister in seiner Vaterstadt Guben( Lausis). 95 ist aus dem Lateinischen des Ambrofius: veni, redemtor gentium überfeßt. 118. 251. 331. 529. Frand, Michael, geb. in Schleusingen ( Sachsen), wollte anfangs studiren, mußte aber nach seines Vaters Tod das Bäckerhandwerk in Koburg erlernen. Nachdem er im 30jährigen Krieg um sein ganzes Vermögen gekommen war, wurde er Lehrer an der Stadt schule in Koburg. 588. Franc, Salomo, Consistorialfekretär in Weimar, wo er auch geboren ist. 20. 74. 162. 560. 608. France, Dr. August Hermann, geb. in Lübeck, Gründer des Waisenhaufes und Pädagogiums in Halle im Jahr 1698, Profeffor der Theologie und Prediger in Halle. 372. 584. Frenzel, M. Johann, geb. in Annaberg, Prediger in Zeiß, beides in Sachsen, gekrönter Dichter. 539 ist nach Johann Arnbt gebichtet. Freudentheil, Dr. Wilhelm Nikolaus, geb. in Stade( Hannover), Prediger in Ham burg. 43. Freylinghausen, Johann Anastasius, geb. im Fürstenthum Wolfenbüttel, Frances Gehülfe und Schwiegersohn, und dessen Nachfolger am Waisenhaus in Halle; Herausgeber eines Gesangbuchs. 84. 88. 435. 474. 576. Freystein, Dr. Johann Burkhard, Justiz rath in Dresden. 438. Fritsch, Dr. Ahasverus, geb. 1629 in Thüringen, Consistorialpräsident und Kanzler in Rudolstadt, † 1701. Vielleicht ist das Original von 646 von ihm. Fröbing, Johann Christoph, geb. zu Ohrbruf( Sachsen), Pfarrer bei Hilbesheim( Hannober). 25. Frommann, Dr. Johann Ulrich, geb. in Tübingen, Professor der Theologie bort. 284. Garve, Karl Bernhard, geb. bei Hannover, Prediger der Brüdergemeinden in Berlin und an andern Orten, starb in Herrnhut. 69. 77. 163. 278. 384. 515. 530. Gellert, M. Christian Fürchtegott, geb. imt sächsischen Erzgebirg, Professor der Philofophie in Leipzig. Er war ein großer Verehrer der älteren Kirchenlieber. 10. 32. 39. 53. 58. 70. 104. 178. 226. 232. 250. 266. 302. 325. 338. 374. 410. 413. 427. 428. 449. 453. 476. 483. 486, 532. 551. 565. 585. 593. 642. Gerhard, Paul, geb. im Gebiete von Meißen( Sachsen); von 1657 bis 1666 Prediger in Berlin, wurde aber vom großen Kurfürsten Gesenius, Dr. Juftus, geb. zu Eßbeck ( Hannover), starb als Hofprediger und Generalsuperintendent in Hannover, i. Denike. 154. 225. Gotter, Ludwig Andreas, geb. in Gotha, starb als Hof und Justizrath daselbst. 5. 12. 315. Graumann, nannte sich auch Poliander, Dr. Johann, geb. in Neustadt( Bayern), führte mit Speratus die Reformation in Königsberg ein. 30. Der 5. Vers wurde um 1600 hinzugedichtet. Greding, Johann Ernst, geb. in Weimar, Nektor in Hanau, starb als Pfarrer bei Hanau. 152. Gregor, Chriftian, geb. in Schlesien, Musikdirektor, und seit 1789 Bischof der Brüdergemeinde, sammelte mit von Wobeser deren Gesangbuch, in welchem viele Lieber und einzelne Verse von ihm stehen. 191. Grüneisen, Dr. Karl von, geb. in Stuttgart, Oberhofprebiger und Oberconfiftorialrath baselbst. 259. 525. Gryphius, Audreas, gekrönter Dichter und vom Kaiser wegen seiner Dichtungen geabelt, Landsyndikus in Glogau( Schlesien), wo er auch geboren wurde. 622. Günther,- Cyriatus, geb. bei Gotha, starb als Lehrer daselbst. 252. Gustav Adolph, König von Schweden, geb. 1594. Er zog 1630 ber durch Kaiser Ferdinand den zweiten und seinen Feldherrn Wallenstein hart bedrängten evangelischen Kirche in Deutschland zu Hülfe, fiel aber schon in der Schlacht bei Lüßen. 213 feßte er selber in Profa auf, sein Feldprediger und Beichtvater Dr. Jakob Fabricius brachte es in Verse. Die Melobie ist wahrscheinlich von Michael Altenburg. Fabricius ist 1593 geb. in Pommern, nach Gustav Abolphs Tode war er Generalsuperintendent und Professor der Theologie in Stettin,+ 1654. Hahn, Johann Michael, geb. in Altdorf bei Böblingen( Württemberg), hielt sich in Sindlingen auf; ein Landmann, der burch seine theosophischen, auf Heiligung bringenden 430 Verzeichniß der Liederdichter. Vorträge und Schriften großen Anhang gewann.[ gefangs. Auch einige Choräle sind von ihm. 273. 391. 437. 605. nach Augustins: Turbabor, sed non per. turbabor, quia vulnerum Christi recordabor. Hardenberg, Friedrich Ludwig von( nannte sich Novalis), geb. in der Grafschaft Mansfelb ( Sachsen), beim Salinenwesen in Sachsen als Affeffor angestellt, starb in Weißenfels. 87. 165. 352. 363. Harsdörffer, Georg Philipp, Rathsherr in Nürnberg, wo er auch geboren ist. Stifter des pegnesischen Blumenordens. 557. Herrnschmid, Dr. Johann Daniel, geb. parttmann, M. Karl Friebrich, geb. 1743 in Bopfingen( Württemberg), Professor der zu Ubelberg( Württemberg), unter Herzog Karl Theologie in Halle, und neben France MitProfessor auf der Solitude, später an ber Karls- birektor an dessen Waisenhaus und Gelehrtenakademie; als Dekan in lauffen nahm er 1812 seine Entlassung, starb 1815. 475, fchule. 29. 375. Haslocher, Johann Abam, geb. in Speyer, Hofprediger und Consistorialrath in Weilburg ( Nassau), 403.( nach Johann Arndte wahrem Christenthum 2. Buch, 4. Kap.§. 4.) Havn, Henriette Luise von, geb. in 3bstein ( Nassau), lebte feit ihrem 26. Jahre in Herrnhut, in der späteren Zeit als Pflegerin der Mädchen und lebigen Schwestern. 506. Hecker, M. Heinrich Cornelius, geb. in Hamburg, Pfarrer auf einem gräflich von Seckendorf'schen Gute bei Altenburg. 89. 110. 230. Hedinger, Dr. Johann Reinhard, geb. in Stuttgart, starb als Consistorialrath und Hofprediger unter Herzog Eberhard Ludwig. Das ,, Tausendliederbuch" ist von ihm gesammelt. 392. 439. Heeren, Heinrich Erhard, geb. im Herzogthum Bremen, Domprebiger'in Bremen. 275. Heermann, Johann, geb. in Nauden, Prediger in Koben, beides in Schlesien, lebte nach Niederlegung feines Amtes in Lissa( Posen), feine Lieder dichtete er während des breißigjährigen Kriegs. 13. 138.( nach Augustins Meditat. Rap. 7.) 155. 173. 247. 356. Held, Heinrich, geb. und Sachwalter in Guhrau( Schlesien). 94. Helmbold, M. Ludwig, früher Professor, zulett Superintendent in Mühlhausen( Thüringen), wo er auch geboren ift. Kaiser Maximilian der zweite ertheilte ihm 1566 auf einem Reichstag zu Augsburg" ben DichterLorbeerkranz. 366. 503. Hensel, Luise, geb. gegen Ende des borigen Jahrhunderts in Berlin, lebt in Stöln. 127. Herberger, Valerius, geb. und Prediger in Fraustadt( Posen). 599 dichtete er während ciner Pest, die in Folge des dreißigjährigen Kriegs ausbrach. Hermes, Dr. Johann Timotheus, geb. in Pommern, Superintendent in Breslau ( Schlesien). 650. Hermes, Dr. Johann Auguft, geb. in Magdeburg, Superintendent in Queblinburg ( Sachfen). 148. Hermann, Dr. Johann Gottfrieb, geb. in Sachsen, Hosprediger in Dresden. 56. Hermann, Nikolaus, lebte zur Zeit Luthers; er war Lehrer und Vorsänger in Joachimsthal ( Böhmen), und mit Mathesius, seinem Freunde, Prediger daselbst, eifriger Jörberer des KirchenHerwig, Sophie, Tochter des verstorbenen Defans in Eslingen( Württemberg). 223. Hey, Wilhelm, Superintendent in Ichtershaufen bei Gotha. 431. Hiller, Friedrich Konrad, Kanzleiadvokat in Stuttgart. 204. 629. 644. Hiller, M. Philipp Friedrich, geb. in Mühlhausen an der Enz, Pfarrer in Nedargröningen, dann in seinem Geburtsort und zulegt in Steinheim bei Heidenheim( Württemberg). 8. 14. 24. 35. 51. 54. 55. 79. 91. 99. 124. 137. 145. 146. 158. 183. 187. 216. 228. 231. 264. 295. 321. 323. 335. 337, 359. 376. 389. 404. 408. 415. 432. 435. 442. 452. 455. 457. 458. 491. 521. 527. 569. 579. 311 603. Hiller starb schnell an einem Schlagfluß. 609. 612. 626. 637. 638. 640. Sippel, Theodor Gottlieb von, geb. in Oftpreußen, Kriegsrath und Bürgermeister in Königsberg. 592. Höfel, Dr. Johann, geb. zu Uffenheim, Rechtsconsulent in Schweinfurt( beides in Bayern). 473. Hoffmann, M. Gottfrieb, geb. in Schlesien, mußte des Glaubens wegen mit seinen Eltern in seinem 8. Jahre nach Sachsen fliehen, starb als Rektor in Zittau. 625. Homburg, Ernst Christoph, geb. bei Eisenach, Rechtsconsulent in Naumburg( Preußen) 179. Hofch, M. Wilhelm Ludwig, geb. in Hornberg( bamals noch zu Württemberg, jest zu Baden gehörig), Pfarrer in Gächingen bei Urach, zuleßt in Aibtlingen bei Böblingen. 465. Huber, M. Johann Ludwig, geb. in Großheppach( Württemberg), Oberamtmann in Tübingen, von Herzog Karl 1764 willkürlich entsetzt und auf Hohenasperg gefangen gehalten, starb in Stuttgart. 541. Jacopone, geb. zu Todi im päbstlichen Gebiet in einer der angesehensten Familien Umbriens, de Benedetti, war Nechtsgelehrter und wurde nach dem unglücklichen Ende seiner frommen Gattin Franziskanermönch. 147 ist freie Bearbeitung des Stabat mater dolorosa, Ingolstetter, Aubreas, ein gelehrter Kaufmann und Rathsherr in Nürnberg. 370. 445. Jonas, Dr. Justus, geb. 1493 in Nerdhausen( Sachsen), Freund und Gehilfe luthers, Professor des Kirchenrechts in Wittenberg, starb ale Superintendent und Inspektor ber fränlischen Kirchen in Eisfeld( Meiningen) 1555. 206. Junkheim, Dr. Johann Zacharias, Confistorialrath und Generalsuperintendent in Anspach; mit 11z Herausgeber des Anspachischen Gesangbuchs. Zu 567 bichtete er zwei Verse. Kern, M. Gottlob Christian, geb. in Söhnstetten( schwäbische Alb), Professor am niedern Seminar in Schönthal, starb als Pfarrer in Dürrmenz- Mühlacker. 262. Verzeichniß der Liederdichter. Reymann, M. Christian, geb. in Böhmen, gekrönter Dichter, Rettor in Zittau( Sachsen). 351 ist nach folgender Veranlassung gedichtet: Dr. Weller, Beichtvater Kurfürst Johann Georgs bes Ersten von Sachsen, fragte diesen auf dem Sterbebette, ob kurfürstliche Durchlaucht Jesum im Herzen hätten? Er antwortete: Meinen Jefum laff' ich nicht!" Klopstod, Friedrich Gottlieb, geb. in Quedlinburg( Sachsen), starb in Hamburg. 167. 246. 419. 562. 582. 632. 643. 649. Knapp, M. Albert, geb. in Tübingen, Stadtpfarrer an der St. Leonhardskirche in Stuttgart. 188. 192. 203. 242. 244. 279. 361. 509. Knorr von Rosenroth, M. Chriftian, geb. in Schlesien, Geheimerrath und kanzleidirektor bei dem Pfalzgrafen zu Sulzbach. 555. Koppe, Johann Benjamin, geb. in Danzig, Professor der Theologie in Göttingen, starb als Posprediger und Consistorialrath in Hannover. 510. 269. 341. 431 von Zürich durch die Franzofen erhielt. 159. 171. 253. 258. 272. 390. 429. 477. 481. 517. 524. 534. 581. 607. bort. 422. 459. Lange, Dr. Joachim, geb. in Brandenburg, Pofmeister bei Canis, mit France Professor der Theologie in Halle. 553. Laurentii, Laurentius, geb. in Holstein, Cantor und Musikvirektor in Bremen. 98. 109. 149. 174. 234. Lavater, Johann Kaspar, geb. in Zürich, Prediger bort, starb in Folge eines Schusfes in den Rücken, den er bei der Wiedereroberung Lehmus, Johann Abam, geb. in Rothenburg an der Tauber( Bayern), Superintendent baselbst. 42. 71. 121. 168. 495. 499. 573. Lehr, Leopold Franz Friedrich, geb. bei Frankfurt am Main, Frances Schüler. Helfer in Köthen. 309. Leibniß, Gottfried Wilhelm von, geb. in Leipzig, wegen seiner Verdienste um die Wissenschaften von dem deutschen Kaiser Karl dem Sechsten in den Abelstand erhoben, Hofrath in Hannover. 143 dichtete er am Charfreitag 1681. Liebich, Ehrenfried, geb. in Schlesien, war bis ins 16te Jahr Müller, starb als Pfarrer zu Lomniß und Erdmannsdorf. 45. 308. 420. 543. 611. Krause, M. Jonathan, geb. zu Hirschberg, Superintendent in Liegni beides in Schlesien. Kruger, Johann Christian, starb in Berlin. Krummacher, Dr. Friedrich Adolph, geb. in Westphalen, starb als Prediger in Bremen. 72. 224. 508. 628. Luther, Dr. Martin, geb. und geft. in Eisleben, Profeffor der Theologie und Prediger Kunth, M. Johann Sigmund, geb. in in Wittenberg. 86. 206 Vers 1-3. 212. 215. Liegniß( Schlesien), Superintendent in Baruth 237. 290. 600. Von ihm ist überseßt: Nr. 1 ( Sachsen). 641. der schon ums Jahr 530 bekannte, gewöhnlich Ladmann, Peter, Frances Schüler und den Kirchenvätern Ambroslus und Augustin Freund, starb als Oberpfarrer und Schul- zugeschriebene, vielleicht von jenem aus bem inspektor in Oldenburg. 82. 558. lange, Ernst, geb. in Danzig, Nathsherr Griechischen überseßte Lobgefang: Te Deum laudamus. 34 bas Nicänische Glaubensbekenntniß. Vor ihm war schon bekannt, und ist durch ihn verbessert: 33 lange vor der Reformation als Litanei am St. Markustag und in der Kreuzwoche gebraucht. 102. 166. 195.( V. 1 schon ums Jahr 1250 bekannt, nahm Luther unverändert auf) 111 nach Notkers des älteren, geb. bei St. Gallen ums Jahr 850, als Benedictiner bort+912, Sequenz: Grates nunc omnes untgearbeitet, nur V. 1 wurde am Christfest lange vor Luther schon gesungen. 194 ist alte Be1 Loder, Friedrich Wilhelm, geb. in Negensburg, starb als gothaischer Hof- und Consistorialrath in Ohrdruf. 227. 645. Löscher, Dr. Valentin Ernst, geb. in Sondershausen, Consistorialrath und Superintendent in Dresden. 254. Löwen( Löwe), Johann Friedrich, geb. in Thüringen, Registrator in Rostock. 396.( Ueberarbeitung eines älteren Liedes) 595. Ludämilie, Elisabethe, Gräfin von Schwarzburg Rudolstadt, starb als Braut eines Grafen von Schwarzburg- Sondershausen an Einem Tage mit ihrer Schwester. 301. Ludwig, Herzog von Württemberg, Sohn des Herzogs Christoph, regierte zuerst unter Vormundschaft, von 1572 an aber selbständig, starb am Schlagfluß, ohne Nachkommen. Sein Better Friederich der Erste( im Lieb 596 Vers 3 genannt), aus der Mömpelgarber( der jest regierenden) Linte folgte ihm. Luise Henriette, geb. Prinzessin von Oranien, Gemahlin des großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Preußen. 177. 292 ( f. Schwerin). 432 Verzeichniß der Liederdichter. arbeitung der etwa ums Jahr 1050 gedichteten| geistliche Aemter in Bayern, war zuletzt Ge Sequenz: veni s. spiritus et emitte coelitus. neral- Superintendent in Hinter- Pommern und 597, V. 1 nach alter Ueberseßung der vielleicht Consistorialrath in Stargard. 478. ebenfalls von Notter dem älteren gedichteten Antiphone: media vita in morte sumus. Früher wurde es als Schlachtgefang, in späterer Zeit bei Beerdigungen gesungen. Von Luther sind auch mehrere Melodieen. Marperger, Dr. Bernhard Walther, geb. in Hamburg, Hofprebiger und Consistorialrath in Dresden. 271. 287. 365. Mautisch, Dr. Johann, geb. in Sachsen, Professor der Theologie in Danzig. 425. Melissander, f. Bienemann. Menten, Dr. Gottfried, Prediger in Bremen, wo er auch geboren ist. 471. Menter, Johann, geb. und Pfarrer in der sächsischen Laufig. 4. Meyer, Johann Friedrich von, Dr. der Rechte und der Theologie, geb. in Frankfurt am Main, bekleibet verschiedene Staatsämter seiner Vaterstabt. 357. 472. 620. Möller, Johann Friebrich, geb. zu Erfurt ( Preußen), Consistorialrath und Prediger bort. 175. 214. Möwes, Heinrich, geb. in Magdeburg, machte die Befreiungskriege gegen Napoleon mit, starb als Pfacrer in Altenhausen bei Magdeburg. 468. Moller, Dr. Martin( Möller), geb. in der Nähe von Wittenberg( Sachsen), Oberpfarrer in Görliß. Ein Jahr vor seinem Tod erblindete ec, predigte aber doch und verwaltete sein Amt fort. 493. Moser, Johann Jakob von, geb. in Stuttgart, Landschafts- Consulent, war als solcher längere Zeit von Herzog Karl willkürlich auf Hohentwiel gefangen gehalten. 207. Mudre, M. Johann Friedrich, geb. und Pfarrer in Sachsen, erblindete mehrere Jahre bor seinem Tode. 116. Müller, Ludwig Ernst Sigmund, Superintendent in Liegniß( Schlesten). 176. Müller, Michael, geb. in Blankenburg am Harz, starb als Hofmeister bei einem Herrn von Gaisberg auf Schaubeck( Württemberg). 117. Münter, Dr. Balthasar, geb. in Lübeck, deutscher Prediger in Ropenhagen( Dänemark). 210. 245. 267. 327. 329. 380. 426. 485. Muthmann, Joh., Pfarrer in Sachsen. 46. Nachtenhöfer, M. Kaspar Friedrich, geb. in Halle, Prediger in Roburg. 103. Neander, Christoph Friedrich, geb. in Kurland( Rußland), Probst daselbst. 15.( nach Hiller) 441. Neander, Joachim, geb. in Bremen, starb als Prediger dort, Speners Freind. Er setzte mehrere seiner Lieder in Mufit. 3. 11. 60. 518. 568. 591. Nerreter, David, geb. zu Nürnberg, befleidete unter viel Krenz und Anfechtung mehrere Neumann, Gottfried, Mitglied der Brüdergemeinde. 619 ist 1736 auf Christian Ludwig 3inzendorfs Tod gedichtet. Neumann, Kaspar, geb. in Breslau ( Schlesien), Professor der Theologie und Prediger bort. 182. 257. 544. 578. Neumark, Georg, geb. in Thüringen, Bibliothekar in Weimar. 368( auch die Melobie ist von ihm). 552. Neumeister, M. Erdmann, geb. bei Weißenfele( Sachsen), Prediger und Schulvorstand in Hamburg. 248. 249. 310. 556. 583. Nicolat, Dr. Philipp, geb. in der Grafschaft Walded, Prediger in Hamburg. 347. 634. Niemeyer, Dr. August Hermann, geb. in Halle, Professor der Theologie und Kanzler dort. 434. 621. Novalis, s. Hardenberg. Papke, Johann Samuel, geb. bei Frant furt an der Oder( Preußen), Prediger in Magdeburg. 22. Pfeffel, Gottlieb Konrad, geb. in Kolmar ( Elsaß), Consistorialpräsident dort. Von seinem 21. Jahr an war er blind. 511. Pfeil, Christoph Karl Ludwig von, preuBischer Gesandter beim schwäbischen und fräntischen Kreise. 498. Poliander, f. Graumann. Prätorius, M. Benjamin, geb. aus Weißenfels, Pfarrer zu Großlissa bei Dölissch, Herausgeber einer Lieberfammlung„ Jauchzendes Libanon ic.", erhielt 1661 den Dichterlorbeer.. Geburts- und Todesjahr unbekannt. 402. Pressovins, Christian, Prediger in ter Uckermark( Preußen). 314. Rambach, Dr. Johann Jakob, geb. in Halle, erlernte zuerst bei seinem Vater das Tischler. gewerbe, studirte nachher unter France Theologie, starb als Professor derselben und Superintendent in Gießen. 44. 49. 52. 85. 125. 126. 186. 190. 200. 241. 255, 300. 520. Namler, Karl Wilhelm, geb. in Colberg ( Pommern), Professor der Aesthetik in Berlin. 135. Reiber, Reichart Gottlob, geb. zu Bernstadt im Fürstenthum Dels in Schlesien, ein durch mancherlet Leiben schwergeprüfter Christ. 1778 Pfarrer zu Mühlwiß im Fürstenthum Dels, 1788 zu Dirsdorf im Nimptscher Kreise. Todesjahr unbekannt. 615. Reißner, Adam, nachdem er mehrere wichtige Staatsämter bekleidet hatte, lebte et als Gelehrter in Frankfurt am Main, seiner Vaterstatt. 268. Reuß- Ebersdorf, Gräfin Benigna ven, Zinzendorfe Schwägerin. 516. Richter, Dr. Chrift. Friedrich, geb. in der Niederlausis( Preußen), zu Frandes Zeit Arzt Verzeichniß der Liederdichter. am Waisenhaus zu Halle. Seine und seines Bruders Arzneien, die sehr gesucht waren und zum Besten des Waisenhauses verkauft wurden, verschafften diesem bedeutende Einnahmen. 107. 296. 334. 344, 354. 386. 387. 388. 488. Rieger, Magdalene Sibylle, Tochter des Prälaten Weissensee, Gattin des Regierungsraths Rieger in Stuttgart. 300. Rieger, Philipp Friedrich von, geb. in Stuttgart, Günstling des Herzogs Karl von Württemberg, aber unerwartet von diesem nach Hohentwiel ins Gefängniß geschickt, später jedoch wieder begnadigt, starb als Generalmajor und Festungscommandant auf Hohenasberg. Die meisten Verse des Liedes, aus dem Nro. 123 genommen ist( V. 1-4. 6. 7), find von ihm, einige ( V. 5. 8. 9) bon M. Philipp David Burk, geb. in Neuffen, gestorben als Dekan in Kirchheim unter Teck, Freund und Schwiegersohn von Johann Albrecht Bengel. Rindart, M. Martin, geboren und Archidiakonus zu Eilenburg( Sachsen). 2. Ningwald, Bartholomäus, geb. zu Frankfurt an der Ober( Preußen), Prediger in Langfeld( Brandenburg). 289. 294. Rist, Johann, geb. bei Altona, Prediger in Holstein, mecklenburgischer Kirchenrath, gekrönter Dichter. 90. 260. 572. Nodiga st, M. Samuel, geboren bei Jena, Rektor in Berlin. 461. Röding, Johann Heinrich, geb. in Hamburg, Lehrer dort, bilbete sich durch eigenen Fleiß ohne fremben Unterricht heran. 150. Rothe, Johann, Lehrer in Beuggen, lebt in Basel. 423. Rothe, Johann Andreas, geb. in Schlesien, Pfarrer bei Bunzlau, stand längere Zeit in ge nauer Verbindung mit Zinzendorf. 332. 397. 624. Rückert, Friedrich, geb. in Schweinfurt, Professor der orientalischen Sprachen in Berlin. 100. Sacer, Dr. Gottfried Wilhelm, geb. 1635 in Naumburg( Sachsen), Kammerkonsulent in Wolfenbüttel, gekrönter Dichter, starb 1699. 181. Sachs, Hans, Schuhmacher und Meisterfänger in Nürnberg. Seine Lieber waren für die Reformation förderlich. 482. Wahrscheinlich ist auch die Melodie von ihm. 433 Schenk, Heinrich Theobald, Stadtpfarrer zu Gießen. 651. Sachfe, Dr. Christian Friedrich Heinrich, Hosprediger in Altenburg. 617. Schade, M. Johann Kaspar, geb. in Thüringen, Frances und Speners Freund, Diakonus in Berlin. 307. 328. 463. Schalling, Martin, geb. in Strasburg, zulegt Prediger in Nürnberg. 346. Scheffler, s. Angelus. Scheibt, Dr. Christian Ludwig, geb. in Waldenburg( Württemberg), Hofrath und Bibliothekar in Hannover. 316. Schenk, M. Hartmann, geb. bei Eisenach, starb als Helfer in Ostheim in Thüringen. 277. Evangelisches Gesangbuch, Schink, Johann Friebrich, geb. in Magdeburg, Bibliothekar in Sagan( Schlesien). 547. Schirmer, M. Michael, geb. in Leipzig ( Sachsen), Conrektor in Berlin. 96. 196. Schlegel, Dr. Johann Atolph, geb. in Meißen( Sachsen), zulegt General- Superintendent und Hosprediger in Hannover. 119. Schlicht, Levin Johann, geb. in Sachsen, Prediger in Berlin. 575. Schloffer, M. Johann Ludwig, geb. im Großherzogthum Hessen, Prediger und Schulverstand in Hamburg. 504. Schmidt, Johann Eusebius, geb. in Thüringen, Schüler und Freund Frances, Pfarrer bei Gotha. 211. Schmolt, Benjamin, geb. zu Branchitschbors, Prediger in Schweidniß( beides in Schlesien). Sieben Jahre vor seinem Ende wurde seine rechte Seite durch Schlaganfälle ähmt, und später erblindete er. 1.( Bearbeitung der, fitanei.") 65. 76. 134. 136. 164. 239. 270. 350. 400. 411. 467. 479. 501. 531. 535. 545. 563. 574. 577. 594. 633. 647. Schneefing, Johann, geb. in Frankfurt am Main, nannte sich auch Chiomusus, zur Zeit der Reformation Pfarrer bei Gotha. 305. Schöner, Johann Gottfr., geb. bei Schweinfurt( Bayern), Prediger in Nürnberg. 31. 421. Schröder, Johann Heinrich, geb. im Hannoverischen, Pfarrer bei Magdeburg. 385. 417. Schubart, Christian Friedrich Daniel, Organist und Musikdirektor in Ludwigsburg, wegen einiger seiner Gedichte von 1777-87 von Herzog Karl auf Hohenasberg gefangen gehalten, während Rieger Commandant dort war; zulegt in Stuttgart angestellt. 21. 161. 648. Schüß, Johann Jakob, Nechtsconsulent in Frankfurt, ein Freund von Spener; 28 ist das einzige Lied von ihm. Schwab, Gustav, geb. und geft. in Stutt gart, Ober- Consistorial- und- Studienrath daselbst. 537. Schwämlein, Georg Christoph, geb. in Nürnberg, Rektor dafelbft. 362. Schwerin, Otto v., geb. zu Stettin, unter dem großen Kurfürsten Friedr. Wilh. v. Preußen erster Minister, über 25 Jahre in den wichtigsten Geschäften und Angelegenheiten bei Kriegs- und Friedenszeiten gebraucht, zugleich Oberhofmeister der Kurfürstin Luife Henriette, auf deren Befehl er ein Gesang- und Gebetbuch sammelte. 523. Vielleicht ist auch von ihm 177. 292. Selneder, Dr. Nikolaus, geb. bei Nürnberg, Melanchthone Schüler und Freund, Professor der Theologie und Hosprediger in Leipzig. Auch einige Melodieen sind von ihm. 209. Spalding, Dr. Johann Joachim, geb. in Pommern, Consistorialrath und Probst in Berlin. 60%. 28 434 Verzeichniß der Liederdichter. Spangenberg, August Gottlieb, geb. 1704 in Sachsen, Zinzendorfs Gehülfe bei der Grünbung von Brübergemeinden in England u. Nordamerika, starb 1792 als Bischof in Herrnhut. 205. Spener, Dr. Philipp Jakob, geb. in Rappoldsweiler im Elsaß, Probst und Consistorialrath in Berlin. 169. Spengler, Lazarus, vorberster Rathschrei ber seiner Vaterstadt Nürnberg, Freund Luthers und eifriger Beförderer der Reformation in Nürnberg. 78. Speratus, Dr. Paul, aus dem schwä bischen Geschlechte der von Spretten, burch Luthers Empfehlung Kofprebiger des Herzogs Albrecht von Preußen, wo er mit Graumann 2c. die Reformation einführte. Auch einige Melobieen sind von ihm. 313. 320. Sperl, Jofeph, geb. in Lauchheim, Pfarrer und Schulinspektor in Schneidheim im Ries, gestorben als Pfarrer in Dürmentingen bei Riedlingen. 75. Spitta, Karl Johann Philipp, geb. in Hannover, Prediger in Wechold( Hannover). 172. 286. 382. 383. 500. 502. Spreng, Dr. Joh. Jak., Professor der Klassischen Literatur in Basel, geb. in Basel. 405. Stäublin, Gotthold Friedrich, Udvokat in Stuttgart. 623. Stegmann, Dr. Josua, geb. bei Mei ningen, Professor der Theologie und Superintendent in Rinteln( Hessen). 7. Stier, Dr. Ewald Rudolph, geb. in Fraustadt( Posen), Superintendent in Schkeudig. 219. Storr, Dr Johann Christian, geb. in Heilbronn, Stiftsprediger und Consistorialrath in Stuttgart. 342. Sturm, M. Christoph Christian, geb. in Augsburg, starb als Hauptprebiger und Schulvorstand in Hamburg am Blutsturz. 108. 285. 333. Taddel, Christian Ludwig, geb. in Rostock ( Pommern), Hofrath und Kanzleidirektor daselbst. 170. Tafinger, Dr. Wilhelm Gettlieb, geb. in Baihingen an der Enz( Württemberg), Prälat und Consistorialrath, gab das alte württembergische Gesangbuch heraus. 409. Terstegen, Gerhard, geb. zu Mörs in Westphalen, besuchte bis in sein 15. Jahr das Gymnafium daselbst, trat dann zu einem Kaufmann in die Lehre, zog sich aber nachher nach Mühlheim an der Ruhr zurück, we er alsBandmacher lebte. 106. 140. 184. 201. 218. 263. 345. 416. 561, 566. 586. Thilo, Valentin, geb. in Königsberg, Professor ber Berebfamkeit baselbst. 97. Thomas von Celano, Mönch in einem Franziskanerkloster, höchst wahrscheinlich Dichter der berühmten Sequenz: Dies iree etc. 636, Titius, M. Christoph( Tieße), geb. In Schlesien, Pfarrer bei Nürnberg. 466. 113, Johann Peter, geb. in Anspach, preußischer Geheimer Juftizrath, Mitarbeiter am Unfpachischen Gesangbuch. 540. Weber, Johann. 542. Wegelin, M. Josua, Pfarrer in Augs. burg, später zu Presburg in Ungarn. 185. Wegleiter, Dr. Christoph, geb. in Nürnberg, gekrönter Dichter, Professor der Theologie in Altborf( Bayern). 336. Weiffel, Georg, geb. in Preußen, Prediger in Königsberg. 83. 92. Weiffenfee, M. Philipp Heinrich, geb. zu Vichberg bei Schwäbisch Hall, Prälat von Denkenborf, während Bengel am dortigen niedern Seminar Klosterpräceptor war. 265. Weffenberg, Jgnaz Heinrich von, Freiherr von Ampringen, geb. in Dresden. 1814 bis 1827 Coabijutor in dem nun aufgelösten Biethum Konstanz. 202. Wendenheim, Johann, 311. Wieland, M. Johann Martin, Pfarrer in Kleinbottwar( Württemberg). 407. Wilhelm, der zweite, Herzog zu SachsenWeimar, geb. zu Altenburg, starb in Weimar. 16. Winkler, Johann Joseph, geb. im Gebiet von Mieißen( Sachsen), Consistorialrath und Demprebiger in Magbeburg. 412. 470. Wobeser, Ernst Wetislous Wilhelm von, geb. in der Mark Brandenburg, Major, starb als Witglied der Brüdergemeinde in Herrnhut ( f. Gregor). 139 ist von ihm und seinem Freunde Heinrich von Bruiningt. Wolf, Dr. Jakob Gabriel, geb. in Greifswalde( Pommern), Professor der Rechtswissenschaft in Halle. 394. Woltersdorf, Ernst Gottlieb, geb. bei Berlin, Prebiger in Bunzlau( Schlesien), Gründer des dortigen Waisenhauses. 156. 256. 304. Würkert, L., erster Diakonns zu Mittweyda( Sachsen). 50. Beller, Christian Heinrich, geb. auf HohenEntringen bei Tübingen, Gründer und Inspettor der Kinderanstalt in Beuggen( Baden). 235. 3immermann, Johann Christian, geb. im Schwarzburgischen, Probst in Uelzen( Hannover). 48. 57. 3inzenborf und Pottendorf, Nikolaus Ludwig Graf von, geb. in Dresden, gründete im Jahr 1722 die Brüdergemeinde in Herrnhut und war ben 1739 an deren Bischof. 133. 217. 236. 381. 496. 618. 630. Zinzendorf, Christian Renatus Graf v., zweiter Sohn und Gehülfe des vorigen. 151. 613. Zollikofer, Georg Joachim, geb. in St. Gallen( Schweiz), Prediger in Leipzig. 261. 3wid, Dr. Johann, geb. in Konstanz, war bereits Doktor ber Rechte geworden, stubirte aber, durch die Reformation angezogen, Theologie, wurde Prediger in Riedlingen an der Donau, und nachdem er 1525 bort vertrieben worden war, in seiner Vaterstatt. 189. Die Leidensgeschichte Jesu Christi, aus den vier Evangelisten zusammengefaßt. 1. Eingang. Sechs Tage vor den Ostern kam Jesus gen Bethania, da Lazarus war, der Verstorbene, welchen Jesus auferwecket hatte von den Todten. Daselbst machten sie ihm ein Abendmahl im Hause Simonis, des Aussäßigen; und Martha dienete, Lazarus aber war der einer, die mit ihm zu Tische saßen. Da trat zu ihm Marta, bie hatte ein Glas mit einem Pfund Salbe von ungefälschter, köftlicher Narde. Und sie zerbrach das Elas, goß es auf sein Haupt und falbete seine Füße, und trocknete mit ihrem Haare seine Füße; das Haus aber ward voll vom Geruch der Salbe. Da sprach seiner Jünger etner, Judas, Simonis Sohn. Ischariothes, der ihn hernach verrieth: warum ist diese Salbe nicht verkauft um breihundert Groschen und den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, daß er nach den Armen fragte, sondern er war ein Dieb, und hatte den Beutel und trug mas gegeben ward. Es waren auch etliche der andern Jünger, die wurden unwillig und sprachen: was soll doch dieser Unrath? Dieses Wasser hätte mögen theuer verkauft und den Armen gegeben werden. Und sie murreten über sie. Da das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: laßt sie mit Frieden, was bekümmert ihr das Weib? Sie hat ein gut Werk an mir gethan. Denn Arme habt ihr allezeit bei euch, und wenn thr wollt, könnt ihr ihnen guts thun; mich aber habet thr nicht allezeit. Sie hat gethan was sie konnte. Daß sie dieß Wasser hat auf meinen Leib gegossen, ist sie zuvorkommen, meinen Leib zu salben zu meinem Begräbniß. Wahrlich ich sage euch: wo dieß Evangelium geprediget wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gerächtniß das sie jest gethan hat. ¹) Des ndern Tages, viel Volks, das auf das Fest kommen war, da es hörete, daß Jesus kommt gen Jerufalem, nahmen sie Palmenzweige und giengen hinaus ihm entgegen und schrieen: Hostanna, gelobet sey der ba kommt in dem Namen des Herrn, ein König von Israel! Jesus aber überkam ein Eselein und ritt darauf, wie denn geschrieben stehet:„ fürchte dich nicht, bu Tochter Zion, stehe, dein König kommt reitend auf einem Efelsfüllen." Das Volk aber, das mit ihm war, da er Lazarum aus dem Grabe rief und von den Todten auferweckete, rühmete die That. Darum gieng thm auch das Volk entgegen, da sie höreten, er hätte solches Zeichen gethan. Die Pharisäer aber sprachen unter einander: thr sehet, daß ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach. 2) Es war aber nahe das Fest der süßen Brod, das da Ostern heißet. Und Jesus sprach zu seinen Jüngern: ihr wisset, daß nach zween Tagen Oftern wird, und des Menschen Sohn wird überantwortet werden, daß er gefreuziget werde. Damals versammelten sich die Hohenpriester und Schriftgelehrten und die Neltefien im Volk in dem Palaft des hohenpriesters, der da hieß Kaiphas, und hielten Rath, wie sie Jesum mit Listen griffen und tödteten. Sie sprachen aber: ja nicht auf das Fest, auf daß nicht ein Aufruhr werde im Volk! Und Joh. 12, 1-8. Matth. 26, 6-13. Marci 14, 3-9. 2) Job. 12, 12-15 und 17-19. Evangelisches Gefangbuch.( Anhang.) 1 Leidensgeschichte. furchten sich vor dem Volk. 1) Da gieng hin der Zwölfen einer, mit Namen Judas Jscharioth, und redete mit den Hohenpriestern und mit den Hauptleuten, wie ec ihn wollte ihnen überantworten und sprach: was wollt ihr mir geben? ich will ihn euch verrathen. Da sie das höreten, wurden sie froh und gelobten ihm Geld zu geben; und sie boten ihm dreißig Silberling. Und er versprach sich; und von dem an suchte er Gelegenheit, daß er ihn überantwortete ohne Numor. 2) 2 2. Das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern. Am ersten Tag aber der süßen Brod, auf welchen man mußte opfern das Osteriamm, traten die Jünger zu Jesu und sprachen zu ihm: wo willt du, daß wir dir bereiten das Osterlamm zu essen? Und er sandte seiner Sünger zween, Petrum und Johannem, und sprach zu ihnen: gehet hin in die Stadt; siehe, wenn ihr hineinkommet, wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Krug mit Wasser; folget ihm nach in das Haus, da er hineingeht, und saget zu dem Hausherrn: der Meister läßt vir sagen, meine Zeit ist hie, ich will bei dir die Ostern halten mit meinen Jüngern; wo ist die Herberge, darinne ich das Osterlamm essen möge? Und er wird euch einen großen Saal zeigen, der bereitet ist; daselbst richtet für uns zu. Und die Jünger giengen aus und kamen in die Stadt und fundens, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Osterlamm.3) Am Abend aber kam er mit den Zwölfen, sagte sich nieder, und die zwölf Apostel mit ihm. Und er sprach zu ihnen: mich hat herzlich verlanget, dieß Osterlamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide. Denn ich sage euch, daß ich hinfort nicht mehr davon essen werde, bis daß erfüllet werde im Reich Gottes. Und er nahm den Kelch, bankete und sprach: nehmet denselbigen und theilet ihn unter euch: denn ich sage euch: ich werde nicht trinken von dem Gewächse des Weinstocks, bis das Reich Gottes komme. 4) Es erhub sich auch ein Zank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für ben größesten gehalten werden. Er aber sprach zu ihnen: die weltlichen Könige herrschen, und die Gewaltigen heißet man gnädige Herren; ihr aber nicht also; sondern der größeste unter euch soll seyn wie der jüngste, und der vornehmste wie ein Diener. Denn welcher ist der größeste? der zu Tische sizet, oder der ba dienet? Ists nicht also, daß der zu Tische siget? Ich aber bin unter euch wie ein Diener. Ihr aber seyts, die ihr beharret habt bei mir in meinen Anfechtungen. Und ich will cuch das Reich bescheiden, wie mir mein Vater beschieden hat, daß ihr essen und trinken sollt über meinem Tisch in meinem Reich, und sizen auf Stühlen und richten die zwölf Geschlechte Israels. 5) Und Jesus, da er erkennete, daß seine Zeit kommen war, daß er aus dieser Welt gienge zum Bater, wie er hatte geliebet tie seinen, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. Und nach dem Abendessen, da schon der Teufel hatte dem Juta, Simonis, Ischarioth, ins Herz gegeben, daß er ihn verriethe, wußte Jesus, daß ihm der Vater hatte alles in feine Hände gegeben, und daß er von Gott kommen war und zu Gott gieng, stund er vom Abendmahl auf, legte seine Kleider ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. Darnach goß er Wasser in ein Becken, hub an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, damit er umgürtet Da kam er zu Simon Petro; und derselbige sprach zu ihm: Herr, solltest du mir meine Füße waschen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: was war. 1) Matth. 26, 1-5. Marc. 14, 1. 2. Luc. 22, 1. 2. 2) Matth. 26, 14-16. Marc. 14, 10. 11. Luc. 22, 4-6. 3) Matth. 26, 17-19. Marc. 14, 12-16. Luc. 22, 7-13. 4) Luc. 22, 14-18. Matth. 26, 20. Marc. 14, 17. 5) Luc. 22, 24-30. 2. Letztes Mahl Jesu mit seinen Jüngern. 3 ich thu, vas weißest du jetzt nicht, du wirsts aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: nimmermehr sollt du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: werde ich dich nicht waschen, so hast du kein Theil mit mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße alleine, sondern auch die Hände und das Haupt! Spricht Jesus zu ihm: wer gewaschen ist, der darf nicht, denn die Füße waschen, sondern er ist ganz rein. Und ihr seyd rein; aber nicht alle. Denn er wußte seinen Verräther wohl; darum sprach er: ihr seyd nicht alle rein. Da er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und sagte sich wieder nieder und sprach abermal zu ihnen: wisset ihr, was ich euch gethan habe? Ihr heißet mich Meister und Herr, und saget recht dran, denn ich bins auch; so nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt ihr auch euch unter einander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr thut wie ich euch gethan habe. Wahrlich, wahrlich, ich sage cuch: der Knecht ist nicht größer denn sein Herr, noch der Apostel größer denn der ihn gesandt hat. So ihr solches wisset, selig seyd ihr, so ihrs thut! Nicht sage ich von euch allen. Ich weiß, welche ich erwählet habe. Sondern daß die Schrift erfüllet werbe: der mein Brod isset, der tritt mich mit Füßen." Jetzt sage ichs euch, ehe denn es geschieht, auf daß, wenn es geschehen ist, daß ihr glaubet, daß ichs bin. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: wer aufnimmt so ich jemanden senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gefandt hat. ¹) Da Jesus solches gesagt hatte, ward er betrübet im Geist und zeugete und sprach: wahrlich, wahrlich ich sage euch: einer unter euch wird mich verrathen! Da sahen sich die Jünger unter einander an, und ward ihnen bange, von welchem er redete. Und sie wurden sehr betrübt und huben an, ein jeglicher unter ihnen und sagten zu ihm: Herr, bin ichs? und der anbere: bin ichs? Er antwortete und sprach: einer aus den Zwölfen, der mit mir in die Schüssel tauchet. Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische saß an der Brust Jesu, welchen Jesus licb hatte; dem winkete Simon Petrus, daß er forschen sollte, wer es wäre, von dem er sagte. Denn terselbige lag an der Brust Jesu und sprach zu ihm: Herr, wer ists? Jefus antwortete: der ists, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er tauchte den Bissen ein und gab ihn Juda, Simonis, Ischarioth. Und er sprach: zwar des Menschen Sohn gehet dahin, wie es beschlossen ist und wie von ihm geschrieben stehet; toch weh demselbigen Menschen, durch welchen des Menschen Sohn verrathen wird! Es wäre demselben Menschen besser, daß er nie geboren wäre. Da antwortete Judas, der ihn verrieth, und sprach: bin ichs, Rabbi? Er sprach zu ihm: du fagests. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: was du thuft, das thu bald. Dasselbige aber wußte niemand über dem Tische, wozu ers ihm sagcte. Etliche meineten, dieweil Judas den Beutel hatte, Jesus spräche zu ihm: kaufe was uns noth ist auf das Fest; oder daß er den Armen etwas gäbe. Da er nun den Bissen genommen hatte, gieng er sobald hinaus. Und es war Nacht. 2) Da aber Judas hinausgegangen war, spricht Jesus: nun ist des Menschen Sohn verkläret, und Gott ist verkläret in ihm. Ist Gott verkläret in ihm, so wirt ihn Gott auch verklären in ihm selbst und wird ihn bald verklären. 3) Da sie aber aßen, nahm Jesus das Brod, dankete und brachs und gabs ¹) Joh. 13, 1-20. 2) Joh. 13, 21-30. Matth. 26, 21-25. Marc. 14, 18-21. Luc. 22, 21-23. 8) Joh. 13, 31. 32. - Leidensgeschichte. ben Jüngern und sprach: nehmet, effet! Das ist mein Leib, ber für euch gegeben wird, das thut zu meinem Gedächtniß. Desselbigen gleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankete und gab ihnen den und sprach: trinket alle daraus! Das ist mein Bluf des neuen Testaments, welches für euch und für viele vergossen wird zu Vergebung der Sünden. Solches thut so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtniß. Und sie trunken alle daraus. Und er sprach zu ihnen: wahrlich ich sage euch, daß ich hinfort nicht trinken werde von diesem Gewächse des Weinstocks, bis auf den Tag da ichs neu trinken werde mit euch in meines Vaters Reich. ¹) Lieben Kindlein, ich bin noch eine kleine Weile bei euch. Ihr werdet mich suchen; und wie ich zu den Juden sagte, wo ich hingehe, da könnt ihr nicht hinkommen. Und ich sage euch nun: ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch unter einander liebet mie ich euch geliebet habe, auf daß auch ihr einander lieb habet. Dabet wirb jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seyd, so thr Liebe unter einander habt. Spricht Simon Petrus zu ihm: Herr, ws gehest du hin? Jesus antwortete ihm: ba ich hingehe, kannst du mir dießmal nicht folgen; aber du wirst mir hernachmals folgen. Petrus spricht zu ihm: Herr, warum kann ich bir bießmal nicht folgen? Ich will mein Leben für dich lassen! Jesus antwortete ihm: solltest du bein Leben für mich lassen? Simon, Simon, siehe, der Satanas hat euer begehret, daß er euch möcht sichten wie den Weizen! Ich aber hab für dich gebeten, baß bein Glaube nicht aufhöre; und wenn du bermaleins dich bekehrest, so stärke deine Brüder. Er sprach aber zu ihm: Herr, ich bin bereit mit dir ins Gefängniß und in den Tod zu gehen. Er aber sprach: Petre, ich sage dir, ber Hahn wird heute nicht krähen, ehe ienn bu breimal verleugnet hast, daß du mich kenneft! 2) Und er sprach zu ihnen: so oft ich euch gesandt habe ohne Beutel, ohne Tasche und ohne Schuh, habt ihr auch je Mangel gehabt? Sie sprachen: nie teinen. Da sprach er zu ihnen: aber nun, wer einen Beutel hat, der nehme ihn, desselbigen gleichen auch die Tasche; wer aber nicht hat, verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert. Denn ich sage euch: es muß noch das auch vollendet werden an mir bas geschrieben stehet; er ist unter die Uebelthäter gerechnet." Denn was von mir geschrieben ist, das hat ein Ende. Sie sprachen aber: Herr, fiche, hie sind zwei Schwerter. Er aber spruch zu ihnen: es ist gnug. 3) 3. Kampf in Gethsemane und Gefangennehmung. Und da sie den Lobgesang gesprochen, und Jesus noch vieles( Joh. Cap. 14-17) zu ihnen gerebt hatte, gieng er hinaus über den Bach Kibron an den Delberg nach seiner Gewohnheit. Es folgeten ihm aber seine Jünger nach an denselbigen Ort. Da sprach Jesus zu ihnen: ihr werdet euch in dieser Nacht alle an mir ärgern. Denn es stehet geschrieben:„ ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Heerde werden sich zerstreuen." Wenn ich aber auferstehe, will ich vor euch hingehen in Galiläam. Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: und wenn sie auch alle sich an vir ärgerten, so will ich doch mich nimmermehr ärgern! Und Jesus sprach zu ihm: wahrlich ich sage dir: beute in dieser Nacht, ehe denn der Hahn zweimal krähet, wirst du mich breimal verleugnen! Petrus aber redete noch weiter: ja, wenn ich auch mit bir sterben müßte, wollt ich dich nicht verleugnen! Dessel bigen gleichen fagten auch alle Jünger. 4) ¹) Matth. 26, 26-29. Marc. 14, 22-25. Luc. 22, 19. 20. 2) Joh. 13, 33-38. Luc. 22, 31-34. 8) Luc. 22, 35-38. 4) Matth. 26, 30-35. Marc. 14, 26-31. Euc. 22, 39. Joh. 18, 1. 3. Gethsemane. Gefangennehmung. 5 Da kam Jesus mit ihnen zu einem Hofe, der hieß Gethsemane; da war ein Garten, darein gieng Jesus und seine Sünger. Judas aber, der ihn verrieth, mußte den Ort auch; denn Jesus versammlete sich oft daselbst mit seinen Jüngern. Und als er dahin kam, sprach er zu ihnen: seger euch hie, bis ich dorthin gehe und bete. Betet, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet! Und nahm zu sich Petrum und Jakobum und Johannem, die zween Söhne Zebedät, und fieng an zu trauern, zu zittern und zu zagen und sprach zu ihnen: meine Seele ist betrübet bis an den Tod. Bleibet hie und wachet mit mir! Und gieng hin ein wenig und riß sich von ihnen bei einem Steinwurf und kniete nieder, fiel nieder auf sein Angesicht und betete, daß so es möglich wäre, die Stunde vorübergienge, und sprach: Abba, mein Vater! es ist dir alles möglich; millt du, so nimm diesen Kelch von mir, doch nicht wie ich will, sondern wie du willt. Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Betro: Simon, schläfest du? Könnet ihr denn nicht eine Stunde mit mir machen? Wachet und betet, daß ihr nicht in Bersuchung fallet; der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Zum andernmal gieng er aber hin, betete und sprach: mein Vater, ist nicht möglich, daß dieser Kelch von mir gehe, ich trinke ihn denn; so geschehe dein Wille! Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkete ihn. Und es kam, daß er mit dem Tode rang und betete heftiger. Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde. Und er kam wieder und fand sie abermal schlafend vor Traurigkeit, denn ihre Augen waren voll Schlafs, und wußten nicht, was sie ihm antworteten. Und er ließ sie und gieng abermal hin und betete zum drittenmal und redete dieselbigen Worte. Und er stund auf vom Gebet und kam zum brittenmal zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen: ach, wollt ihr nun schlafen und ruhen? Es ist gnug! Siehe die Stunde ist hie, daß des Menschen Sohn in der Sünder Hände überantwortet wird. Stehet auf, laßt uns gehen; siehe, der mich verräth, er ist da. ¹) 1 Und alsbald, ta er noch redete, siehe da kam Judas, der Zwölfen einer, welcher zu sich genommen hatte die Schaar und der Hohenpriester und Pharisäer Diener mit Fackeln und Lampen, mit Schwertern und mit Stangen, und gieng vor ihnen her. Als nun Jesus wußte alles was ihm begegnen sollte, gieng er hinaus und sprach zu ihnen: wen suchet ihr? Sie antworteten ihm: Jesum von Nazareth. Jesus spricht zu ihnen: ich bins! Judas aber, der ihn verrieth, stund auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: ich bins, wichen sie zurück und fielen zu Boden. Da fragte er sie abermal: men suchet ihr? Sie aber sprachen: Jesum von Nazareth. Jesus antwortete: ich habs euch gesagt, daß ich's sey. Suchet ihr denn mich, so lasset diese gehen! Auf daß das Wort erfüllet würde, welches er sagte: ich habe der keinen verloren die du mir gegeben hast. Der Verräther aber hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: welchen ich küssen werde, der ists; den greifet und führet ihn gewiß! Und alsbald trat er zu Jesus und sprach: gegrüßet seyst bu, Rabbi, Rabbi! und küssete ihn. Jesus aber sprach zu ihm: mein Freund, warum bist du kommen? Juda, verräthest du des Menschen Sohn mit einem Ruß? 2) Da traten sie hinzu und legten die Hände an Jesum und griffen ihn. Da aber sahen die um ihn waren was ba werden wollte, sprachen sie zu ihm: Herr, follen wir mit dem Schwert drein schlagen? Und einer aus ihnen, Sinion Petrus, hatte ein Echwert und zog es aus und schlug nach des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm sein recht Öhr ab. Und der Knecht hieß Malchus. Jesus aber antwortete und sprach: lasset fie doch so ferne machen. Und er rührete sein ¹) Joh. 18, 1. 2. 2) Joh. 18, 3-9. Matth. 26, 36-46. Marc. 14, 32-42. Luc. 22, 40-46. Matth. 26, 47-50. Marc. 14, 43-45. Luc. 22, 47. 48. 6 Leidensgeschichte. Ohr an und heilete ihn. Und zu Petro sprach er: stecke dein Schwert in die Scheibe; denn wer das Schweri nimmt, der soll durchs Schwert umkommen. Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Ober meinest du, daß ich nicht könnte meinen Vater bitten, daß er mir zuschickte mehr denn zwölf Legionen Engel? Wie würde aber die Schrift erfüllet? Es muß also gehen! 1) 1 Zu der Stunde sprach Jesus zu ben Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und den Aeltesten, die über ihn kommen waren: ihr sehd ausgegangen als zu einem Mörder, mit Schweitern und mit Stangen, mich zu fahen. Bin ich doch täglich gesessen bei euch und habe gelehret im Tempel, und ihr habt mich nicht gegriffen und keine Hand an mich geleget. Aber dieß ist eure Stunde und die Macht der Finsterniß. Dieß ist alles geschehen, daß erfüllet würden die Schriften der Propheten. Da verließen ihn alle Jünger und flohen. Und es war ein Jüngling, der folgete ihm nach, der war mit Leinwand bekleidet auf der bloßen Haut, und die Jünglinge griffen ihn. Er aber ließ die Leinwand fahren und flohe bloß von ihnen. 2) 4. Jesu Verhör vor dem hohen Rath. Petri Berleugnung. Die Schaar aber, und der Oberhauptmann, und die Diener der Juden nahmen Jesum und bunden ihn und führeten ihn aufs erste zu Hannas, der war Kaiphas Schwäher, welcher des Jahrs Hoherpriester mar. Es war aber Kaiphas, der den Juden rieth, es wäre gut, daß ein Mensch würde umbracht für das Volk. Und Hannas sandte ihn gebunden zu dem Hohenpriester Kaiphas, dahin zusammen kommen waren alle Hohenpriester und Aeltesten und Schriftgelehrten. Simon Petrus aber folgete Jesu nach, und ein anderer Jünger. Derselbige Jünger war bem Hohenpriester bekannt und gieng mit Jesu hinein in des Hohenpriesters Palast. Petrus aber stund draußen vor der Thür. Da gieng der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus und redete mit der Thürhüterin und führete Petrum hinein. Und er gieng hinein und sagte sich bei die Knechte, auf daß er sähe, wo es hinaus wollte. Da sprach die Magd, die Thürhüterin, zu Petro: bist du nicht auch dieses Menschen Jünger einer? Gr leugnete aber und sprach: ich bins nicht, ich kenne ihn nicht, weiß auch nicht was du fageft! Und er gieng hinaus in den Vorhof, und der Hahn krähete. Es stunden aber die Knechte und Diener und hatten ein Kohlfeuer gemacht mitten im Palast, denn es war kalt, und wärmeten sich. Petrus aber stund bei ihnen und wär mete sich). 3) Aber der Hohepriester fragte Jesum um seine Jünger und um seine Lehre. Jesus antwortete ihm: ich habe frei öffentlich geredt vor der Welt. Ich habe allezeit gelehret in der Schule und in dem Tempel, da alle Juden zusammen kommen, und habe nichts im Verborgenen geredt. Was fragest du mich darum? Frage die darum, die gehöret haben, was ich zu ihnen geredt habe: siehe, dieselbigen wissen was ich gesagt habe. Als er aber solches redete, gab der Diener einer, die dabei stunden, Jesu einen Backenstreich und sprach: sollt du dem Hohenpriester also antworten? Jesus antwortete: habe ich übel geredt, so beweise es, daß es böse scy; habe ich aber recht gerebt, was schlägest du mich? 4) 1) Joh. 18, 10. 11. Matth. 26, 50-54. Marc. 14, 46. 47. Luc. 22, 49-51. 2) Matth. 26, 55. 56. Marc. 14, 48-52. Luc. 22, 52. 53. 3) Joh. 18, 12-14. 24, 15-18. Matth. 26, 57. 58. 69. 70. Marc. 14, 53. 54. 68. Luc. 22, 54-56. 4) Joh. 18, 19-23. 5. Jesus vor Pilatus. 7 Die Hohenpriester aber und die Aeltesten und der ganze Rath suchten falsche Zeugniß wider Jesum, auf daß sie ihn zum Tode brächten; und funden keins. Und wiewehl viel falscher Zeugen herzutraten, funden sie doch keins: ihr Zeugniß stimmte nicht überein. Zulegt traten herzu zween falsche Zeugen und sprachen: wir haben gehöret, daß er sagte: ich will den Tempel, der mit Händen gemacht ist, abbrechen und in dreien Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht sey. Aber ihr Zengniß stimmete noch nicht überein. Da stund der Hohepriester auf unter sie und fragete Jesum und sprach: antwortest du nichts zu dem das diese wider dich zeugen? aber Jesus schwieg stille und antwortete nichts. Und die Aeltesten des Volks, die Hohenpriester und Schriftgelehrten sprachen: bist du Christus, sage es uns! Er aber sprach zu ihnen: sage ichs euch, so glaubet ihrs nicht: frage ich aber, so antwortet ihr nicht, und lasset mich doch nicht los. Da fragte ihn der Hohepriester abermal und sprach: ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob bu sebest Christus der Sohn Gottes, des hochgelobten? Jesus sprach zu ihm: du sagests, denn ich bins! Doch ich sage euch: von nun an wirds geschehen, daß ihr sehen werdet des Menschen Sohn sißen zur rechten Hand der Kraft Gottes und kommen in den Wolken zes Himmels. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: er hat Gott gelästert! Was dürfen wir weiter Zeugniß? Siehe, jetzt habt ihr seine Gotteslästerung gehört. Was dünket euch? Sie verdammten ihn alle und sprachen: er ist des Todes schuldig!!) Simon Petrus aber stund und wärmete sich. Da sah ihn eine andere Magt und sprach zu denen die da waren: dieser war auch mit dem Jefu von Nazareth. Da sprachen sie zu ihm: bist du nicht seiner Jünger einer? Und er leugnete abermal und schwur dazu: ich kenne des Menschen nicht! Und über eine kleine Weile traten hinzu die da stunden und sprachen zu Petro: wahrlich, du bist auch einer von denen, ein Galiläer; denn deine Sprache verräth dich und lautet gleich also. Epricht des Hohenpriesters Knechte einer, ein Gefreundter deß, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: sabe ich dich nicht im Garten bei ihm? Da verleugnete Petrus abermal, hub an sich zu verfluchen und zu schwören und sprach: ich kenne des Menschen nicht, von dem ihr saget! Und alsbald krähete der Hahn zum andernmal. Und der Herr wandte sich und sahe Betrum an. Da gedachte Petrus an die Wort Jesu, da er zu ihm sagte: che der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen. Und Petrus gieng heraus, hub an zu weinen und weinete bitterlich. 2) Die Männer aber, die Sesum hielten, verspotteten ihn, speieten aus in sein Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten. Etliche aber schlugen ihn ins Angesichte, verdecketen ihn und sprachen: weissage uns, Christe, mer ist's, der dich schlug? Und viel andere Lästerungen sagten sie wider ihn.3) Des Morgens aber hielten alle Hohepriester und die Aeltesten des Volks einen Rath über Jesum, daß sie ihn törteten. 4) 5. Verhandlungen vor Pilatus. Und der ganze Haufe stund auf und bunden Jesum und führeten ihn von Kaiphas vor das Richthaus, und überantworteten ihn dem Lantpfleger Pontio Pilato. Und es war frühe. 5) Da vas sahe Judas, der ihn verrathen hatte, daß er verdammt war zum 1) Matth. 26, 59-66. Marc. 14, 55-64. 2uc 22, 67-71. 2) Joh. 18, 25-27. Matth. 26, 71-75. Marc. 14, 69-72. Luc. 22, 58-63. 3) Matth. 26, 67. 68. Marc. 14, 65. Luc. 22, 63-65. ● 4) Matth. 27, 1. Marc. 15, 1. 5) Joh. 18. 28. Matth. 27, 2. Marc. 15, 1. Luc. 23, 1. E Leidensgeschichte. Lobe, gereuete es ihn und brachte her wieder die breißig Silberling den Hohenpriestern und den Aeltesten und sprach: ich habe übel gethan, daß ich unschuldig Blut verrathen habe: Sie sprachen: was gehet uns das an? da siehe du zu! Und er warf vie Silberlinge in den Tempel, hub sich davon, gieng hin und erhängete sich selbst. Aber die hohenpriester nahmen ble Silberlinge und sprachen: es taugt nicht, daß wir sie in den Gotteskaften legen, denn es ist Blutgeld! Sie hielten aber einen Rath und kauften einen Töpfersacker barum zum Begräbniß ver Pilger. Daher ift derfelbtge Ader genennet ber Blutader bis auf den heutigen Tag. Da ist erfüllet das gesagt ist burch den Propheten( Jeremias), da er spricht:„ fie haben genommen breißig Silberlinge, damit bezablet ward ber Verkaufte, welchen sie kauften von den Kindern Ifrael; und haben sie gegeben um einen Töpfersacker, als mir der Herr befohlen hat." Die Juden giengen aber nicht in das Richthaus, auf daß sie nicht unrein würden, sondern Oftern effen möchten. Da gteng Pilatus zu ihnen heraus und sprach: was bringet ihr für Klage wider diesen Menschen? Sie antworteten und sprachen zu ihm: wäre dieser nicht ein Uebelthäter, wir hätten dir ihn nicht überantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: so nehmet ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu thm: wir dürfen niemand töbten;- auf daß erfüllet würde das Wort Jesu, welches er sagte, da er beutete, welches Todes er sterben würbe. 2) Und die Hohenpriester und Aeltesten fiengen an, thn zu verklagen und sprachen: diesen finden wtr, baß er das Volk abwendet und verbeut, den Schoß dem Katser zu geben und spricht: er sey Chriftus, ein König. 8) Da gieng Pilatus wieder hinein in das Richthaus und rief Jesum und sprach zu ihm: bist du der Juben König? Jesus antwortete: rebeft bu bas von dir selbst, ober habens bir andere von mir gesagt? Pilatus antwortete: bin ich ein Jude? Dein Voll und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet; was haft bu gethan? Jesus antwortete: mein Reich ift nicht von dieser Welt; wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden drob kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von dannen. Da sprach Pilatus zu ihm: so bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: du sagsts, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt kommen, daß ich die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ift, ber höret metne Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: was ist Wahrheit? Und da er bas gefaget, gieng er wieder hinaus zu den Juden und spricht zu ihnen: ich finde keine Schuld an diesem Menschen. 4) Die Hohenpriester aber unb elteften beschuldigten ihn hart. Und da er von ihnen verklagt warb, antwortete er nichts. Da fragte ihn Pilatus abermal und sprach zu ihm: antworteft du nichts? Hörest du nicht, wie hart fie bich verflagen? Und er antwortete ihm nicht auf ein Wort, also daß sich auch der Landpfleger sehr verwunderte, 5) Sie aber hielten an und sprachen: er hat das Volk erreget damit daß er gelehret hat hin und her im ganzen füdischen Lande, und hat in Galiläa ange fangen, bis hieber. Da aber Pilatus Galiläa hörete, fragte er, ob er aus Ga lilaa märe? Und als er vernahm, daß er unter Herodes Obrigkeit gehörete, übersandte er ihn zu Herobes, welcher in denselbigen Tagen auch zu Jerusalem war. Da aber Herodes Jesum sahe, warb er sehr froh, senn er hätte ihn längst 1) Matth. 27, 3-10. 2) Joh. 18, 28-32. 8) Luc. 23, 2. 4) Joh. 18, 33-38. Matth. 27, 11. Marc. 15, 2. Buc. 23, 2-4. 5) Marc. 15, 3-5. Matth. 27, 12-14. 5. Jesus vor Pilatus. 9 gerne gesehen; denn er hatte viel von ihm gehöret und hoffte, er würde ein Zeichen von ihm sehen. Und er fragte ihn mancherlei; er antwortete ihm aber nichts. Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten stunden und verklagten ihn hart. Aber Herodes mit seinem Hofgesinde verachtete und verspottete ihn, legte ihm ein weiß Kleid an und sandte ihn wieder zu Pilcto. Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde mit einander, denn zuvor waren sie einander feind. ¹) Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Obersten und das Volk zusammen und sprach zu ihnen: ihr habt diesen Menschen zu mir bracht, als der das Volk abwende. Und siche, ich hab ihn vor euch verhöret und finde an dem Menschen der Sachen keine, der ihr ihn beschuldiget; Herodes auch nicht, denn ich habe euch zu ihm gesandt, und siehe, man hat nichts auf ihn bracht, das des Todes werth sey. Darum will ich ihn züchtigen und loslassen. 2) Auf das Osterfest aber hatte der Landpfleger die Gewohnheit, dem Volk einen Gefangenen loszugeben, welchen sie begehrten. Es war aber zu der Zeit ein Gefangener, genannt Barrabas, ein sonderlicher vor andern, welcher war um eines Aufruhrs willen, so in der Stadt geschehen war, und um eines Mords willen ins Gefängniß geworfen. Und das Volk gieng hinauf und bat, daß er thät wie er pflegte. Da sie nun versammlet waren, sprach Pilatus zu ihnen: ihr habt eine Gewohnheit, daß ich euch einen auf Ostern losgebe: welchen wollt ihr, daß ich euch losgebe? Barrabam? oder Jesum, von dem gesagt wird, er sey Christus, der Juden König? Denn er wußte wohl, daß ihn die hohenpriester aus Neid überantwortet hatten. Und da er auf dem Richtstuhl saß, schickte sein Weib zu ihm und ließ ihm sagen: habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten: ich habe heute viel erlitten im Traum von seinetwegen. 3) Aber die Hohenpriester und Aeltesten überredeten und reizeten das Volk, daß sie um Barrabas bitten sollten, und Jesum umbrächten. Da antwortete nun der Landpfleger und sprach zu ihnen: welchen wollt ihr unter diesen zweien, den ich euch soll losgeben? Da schrie der ganze Haufe und sprach: hinweg mit diesem; und gib uns Barrabam los! Barrabas aber war ein Mörder. Da rief Pilatus abermal zu ihnen und wollte Jesum loslassen und sprach: was soll ich denn machen mit Jesu, von dem gesagt wird, er sey Christus? Sie riefen alle und schrieen: kreuzige, kreuzige ihn! Er aber sprach zum drittenmal zu ihnen: was hat denn dieser übels gethan? Ich finde keine Ursache des Todes an ihm. Darum will ich ihn züchtigen und los lassen. Aber sie schrieen noch vielmehr: kreuzige ihn! Und ihr und der Hohenpriester Geschrei nahm überhand. 4) Da nahm Pilatus Jesum und geißelte ihn. Und die Kriegsknechte des Landpflegers nahmen Jesum zu sich und führeten ihn hinein in das Richthaus, und sammleten über ihn die ganze Schaar. Und sie zogen Jesum aus, und legten ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Krone von Dornen und sexten sie auf sein Haupt, und ein Rohr in seine rechte Hand. Und beugeten die Kniee vor ihm und spotteten ihn und sprachen: sey gegrüßt, lieber Judenkönig! und gaben ihm Backenstreiche und speieten ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt. 5) Da gieng Pilatus wieder heraus und sprach zu ihnen: fehet, ich führe ihn heraus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich keine Schuld an ihm finde. Also gieng Jesus heraus und trug eine Dornenkrone und Purpurkleid. Und er spricht 1) Luc. 23, 5-12. 2) Luc. 23, 13-16. 3) Matth. 27, 15-19. Marc. 15, 6-10. Luc. 23, 17. Joh. 18, 39. 4) Matth. 27, 20-23. Marc. 15, 11-14. Luc. 23, 18-23. Joh. 18, 40. 5) Joh. 19, 1-3. Matth. 27, 27-30. Marc. 15, 16-19. 10 Leidensgeschichte. zu ihnen: sehet, welch ein Mensch! Da ihn die Hohenpriester und Diener sahen, schrieen sie und sprachen: kreuzige, kreuzige! Pilatus spricht zu ihnen: nehmet ihr ihn hin und freuziget ihn; denn ich finde keine Schuld an ihm. Die Juden antworteten ihm: wir haben ein Geseze und nach dem Geseze soll er sterben; denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht. Da Pilatus das Wort hörete, furchte er sich noch mehr und gieng wieder hinein in das Richthaus und spricht zu Jesu: von wannen bist du? Aber Jesus gab ihm keine Antwort. Da sprach Pilatus zu ihm: redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, daß ich Macht habe dich zu freuzigen, und Macht habe dich los zu geben? Jesus antwortete: bu hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben; darum, der mich dir überantwortet hat, ber hats größere Sünde. Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn los ließe. Die Juden aber schrieen und sprachen: läsfest du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht; denn wer sich zum Könige macht, der ist wider den Kaiser. Da Pilatus das Wort hörete, führete er Jesum heraus und sagte sich auf den Richtstuhl an der Stätte, die da heißt Hohpflaster, auf ebräisch aber Gabbatha. Es war aber der Rüsttag in Ostern. Und er spricht zu den Juden: sehet, das ist euer König! Sie schrieen aber: weg, weg mit dem, kreuzige ihn! Spricht Pilatus zu ihnen: soll ich euren König kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: wir aben keinen König, denn den Kaiser. 1) Da aber Pilatus sahe, daß er nichts schaffete, sondern daß viel ein größer Getümmel ward, nahm er Wasser und wusch die Hände vor dem Volk und sprach: ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten; sehet ihr zu! Da antwortete das ganze Volk und sprach: sein Blut komme über uns und über unsere Kinder! Pilatus aber gedachte dem Volke genug zu thun und gab ihnen Barrabam los, der um Aufruhr und Mords willen war ins Gefängniß geworfen, um welchen sie baten; Sesum aber, den er hatte geißeln lassen, übergab er ihrem Willen, daß er gekreuziget würde. 2) 6. Kreuzigung und Tod Jesu. Und da sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpurmantel aus und zogen ihm seine eigenen Kleider an, nahmen ihn und führeten ihn hin, daß sie ihn kreuzigten. Und er trug sein Kreuz und gieng hinaus zur Stätte, die da heißet Schädelstätte, auf ebräisch Golgatha. Und als sie ihn hinführeten, ergriffen sie einen Menschen, der vorübergieng, mit Namen Simon von Cyrene, der vom Felde kam, der ein Vater war Alexandri und Rufi; den zwungen sie, daß er Jesu sein Kreuz nachtrüge, und legten das Kreuz auf ihn. 3) Es folgete ihm aber nach ein großer Haufe Volks und Weiber, die klageten und beweineten ihn. Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach: ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst und über eure Kinder! Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen wird: selig sind die Unfruchtbaren, und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäuget haben! Dann werden sie anfahen zu sagen zu den Bergen: fallet über uns! und zu den Hügeln: decket uns! Denn so man das thut am grünen Holz, was will am dürren werden? 4) Es wurten aber auch hingeführt zween andere Uebelthäter, daß sie mit ihm abgethan würden. 5) 1) Joh. 19, 4-15. 2) Matth. 27, 24--26. 3) Matth. 27, 31. 32. 4) Luc. 23, 27-31. 5) Luc. 23, 32. Marc. 15, 15. Luc. 23, 24. 25. Joh. 19, 16. Marc. 15, 20. 21. Luc. 23, 26. Joh. 19, 16. 17. 6. Kreuzigung und Cod Jesu. Und da fie an die Stätte tamen mit Namen Golgatha, gaben fie ihm Myrrhen im Wein zu trinken; und da ers schmeckte, wollt er nicht trinken und nahms nicht zu sich. ¹) Allda kreuzigten fie týn und mit ihm zween Mörder, einen zu seiner Rechten und einen zur Linken, Jefum aber mitten inne. Da ward die Schrift erfüllet, bie da sagt:, er ist unter die Ulebelthäter gerechnet." Und es war um die dritte Stunde, da sie týn kreuzigten. 2) Jesus aber sprach: Bater! vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. 8) Und oben zu seinen Häupten Hefteten sie die Ursach seines Todes beschrieben Pilatus nemlich schrieb eine Ueberschrift und seßte sie auf das Kreuz; und war geschrieben: Jesue von Nazareth, der Juden König. Diese Ueberschrift lasen viel Juden; denn die Stätte war nahe bei der Stadt, da Jesus gekreuziget ist. Unt es war geschrieben auf ebraisch, griechisch und lateinische Sprach. Da sprachen vie hohenpriester der Juden zu Pilato: schreib nicht, der Juden König; sondern daß er gesagt habe: ich bin der Juden Röntg. Pilatus antwortete: was ich ge schrieben hab, bas hab ich geschrieben. 4) Die Kriegsfnechte aber, ba fie Jefum gekreuziget hatten, nahmen fie seine Kleider und machten vier Theil, einem jeglichen Kriegsknechte ein Theil, dazu auch den Rock. Der Rock aber war ungenähet, von oben an gewirket durch und durch. Da sprachen sie unter einander: lasset uns den nicht zertheilen, sondern barum loosen, weß er seyn soll, auf daß erfüllet würde die Schrift, die da saget: fie haben meine Kleider unter sich getheilet und haben über meinen Rock das Loos geworfen." Solches thäten bie Kriegsknechte. Und fie saßen allva und hüteten sein. B) Das Volk aber stund und sahe zu. Und die vorüberglengen, lästerten ihr und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: pfui dich, wie fein zerbrichest du den Tempel Gottes und baueft ihn in breien Tagen! Hilf bir nun selber; bist du Gottes Sohn, so steig herab vom Kreuz! Deßgleichen auch die Hohenpriester spotteten sein sammt den Schriftgelehrten und Aeltesten und sprachen: andern hat er geholfen, und kann ihm selber nicht helfen. Ist er Chrift, der Auserwählete Gottes, der König in Israel, so steige er nun vom Kreuze, daß wi sehen, so wollen wir ihm glauben. Er hat Gott vertrauet, der erlöse thn nun, lüfiets ihn; benn er hat gesagt: ich bin Gottes Sohn. 6) Aber der Uebelthäter einer, die da gehenkt waren, lästerte ihn und sprach: bist du Chriftus, so bilf vir selbft und uns. Da antwortete der ander, strafte thn und sprach: und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammniß bist? Und zwar wir sind billig brinnen, denn wir empfahen, was unsere Thaten werth sind; dieser aber hat nichts ungeschicktes gehandelt. Und sprach zu Jesu: Herr! gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommest Und Jesus sprach zu ihm: wahrlich ich sage bir, heute wirst Du mit mir im Paradies seyn! 7) Es stunden aber bei dem Kreuze Jefu seine Mutter, und seiner Mutter Schwester, Maria, Kleophas Weib, und Maria Magdalena. Da nun Jesue seine Mutter sahe und den Jünger babei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Wetb, siehe, bas ist bein Sohn! Darnach spricht er zu 1) Matth. 27, 33. 34. Marc. 15, 23. 2) Matth. 27, 38. Luc. 23, 33. 3) Luc. 23, 34. 4) Matth. 27, 37. Luc. 23, 38. 5) Joh. 19, 23. 24. Matth. 27, 35. 36. 8) Luc. 23, 35. 36. Matth. 27, 39-43. 7) Rus. 23, 39-43. Joh. 19, 18. Marc. 15, 25. 27. 28. Marc. 15, 26. Joh. 19, 19-22. Marc. 15, 24. Luc. 23, 34. Marc. 15, 29-32. 12 Leidensgeschichte. dem Jünger: siehe, bas ist deine Mutter! Und von der Stuns an nahm fie der Jünger zu sich. ¹) Und es war um die sechste Stunde; und es ward eine Finsterniß über das ganze Land bis an die neunte Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein. Und um die neunte Stunde rief Jesus laut und sprach: Eli, Eli, lamma asabthani? Das ist: mein Gott! mein Gott! warum hast du mich verlassen? Und etliche, die dabei stunden, da sie das höreten, sprachen sie: fiehe, er rufet dem Elias. 2) Darnach als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, daß die Schrift erfüllet würde, spricht er: mich dürstet. Da stund ein Gefäß voll Essigs; und bald lief einer unter ihnen, nahm einen Schwamm und füllete ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr von Ysopen und tränkete ihn. Die andern aber sprachen: halt, laß sehen, ob Elias komme und ihm helfe? 3) Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: es ist vollbracht! Und rief abermal laut und sprach: Bater! ich befehle meinen Geist in deine Hände. Und als er das gesagt, neigete er das Haupt und verschied. 4) Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerris in zwei Stück von oben an bis unten aus. Und die Erde erbebete, und die Felsen zerrissen, und die Gräber thäten sich auf, und stunden auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen, und giengen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen. 5) Aber der Hauptmann, der dabei stund gegen ihm über, und die bei ihm waren und bewahreten Jesum, da sie sahen das Erdbeben, und daß er mit solchem Geschrei verschied, erschracken sie sehr und preiseten Gott und sprachen: fürwahr, dieser ist ein frommer Mensch und Gottes Sohn gewesen! Und alles Volk, das dabei war und zusahe, da sie sahen, was da geschah, schlugen sie an ihre Brust und wandten wieder um. 6) Es stunden aber alle seine Verwandten von fernen, und die Weiber die ihm aus Galiläa waren nach gefolget und hatten ihm gedienet, und sahen das alles; unter welchen war Maria Magdalena, und Maria, des kleinen Jakobt und Joses Mutter, und Salome, die Mutter der Kinder Zebedät, und viel andere, die mit ihm hinauf gen Jerusalem gegangen waren. 7) Die Juden aber, dieweil es der Rüsttag war, daß nicht die Leichnam am Kreuze blieben den Sabbath über( denn desselbigen Sabbaths Tag war groß), baten sie Pilatum, daß ihre Beine gebrochen, und sie abgenommen würden. Da kamen die Kriegsknechte und brachen dem ersten die Beine und dem andern, der mit ihm gekreuziget war. Als sie aber zu Jesu kamen, da sie sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; sondern der Kriegeknechte einer öffnete seine Seite mit einem Speer, und alsbald gieng Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeuget, und sein Zeugniß ist wahr; und derselbige weiß, baß er die Wahrheit faget, auf daß auch ihr glaubet. Denn solches ist geschehen, daß die Schrift erfullet würde:„ ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen." Und abermal spricht eine andere Schrift:„ sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben." 8) 1) Sch. 19, 25-27. 2) Luc. 23, 44. 45. Matth. 27, 45-47. Marc. 15, 33-35. 3) Joh. 19, 28. 25. Matth. 27, 48. 49. Marc. 15, 36. 4) Jub. 19, 30. Luc. 23, 46. Matth. 27, 50. Marc. 15, 37. 3) Matth. 27, 51-53. Marc. 15, 38. Luc. 23, 45. 6). Matth. 27, 54. Marc. 15, 39. Luc. 23, 47. 48. 7) Matth. 27, 55. 56. Marc. 15, 40. 41. Luc. 23, 49. 8) Joh. 19, 31-37. 7. Begräbniß Jesu. 7. Begräbniß Jesu. Und siche, am Abend, dieweil es der Rüsttag war, welcher ist der Vorsabbath, kam ein reicher Mann von Arimathia, der Juden Stadt, mit Namen Joseph, ein ehrbarer Rathsherr. Der war ein guter frommer Mann und hatte nicht bewilliger in ihren Nath und Handel; er wartete auch auf das Reich Gottes und war ein Jünger Jesu, doch heimlich, aus Furcht vor den Juden. Der wagts und gieng hinein zu Pilato und bat ihn um den Leib Jesu. Pilatus aber verwunderte sich, daß er schon todt war, und rief dem Hauptmann und fragte ihn, ob er längst gestorben wäre? Und als ers erfundet von vem Hauptmann, befahl er, man sollte Joseph den Leichnam geben. Und er kaufte eine reine Leinwand, kam und nahm den Leichnam Jesu herab. ¹) 68 kam aber auch Nikodemus, der vormals bei der Nacht zu Jesu kommen war, und brachte Myrrhen und Aloen unter einander bei hundert Pfunden. Da nahmen sie den Leichnam Jesu und bunden ihn in leinene Tücher mit Spezereien, wie die Juden pflegen zu begraben. 2) als Es war aber an der Stätte, da er gekreuziget ward, ein Garten, und im Garten ein neu Grab, das eigene Grab des Joseph, welches er hatte lassen in einen Fels hauen, in welches niemand je geleget war. Daselbst hin legten sie Jesum um des Rüsttags willen Juden, weil der Sabbath anbrach, und das Grab nahe war. Es folgeten aber die Weiber nach, die mit ihm kommen waren aus Galiläa, Maria Magdalena und Maria Joses. Die fazten sich gegen das Grab und schaueten zu, wo und wie sein Leib gelegt ward. Und Joseph wälzete einen großen Stein vor die Thür des Grabes. Und sie kehreten um und bereiteten Spezerei und Salben. Und den Sabbath über waren sie stille nach dem Geseß. 3) 13 Des andern Tages, der da folget nach dem Rüsttage, kamen vie Hohenpriester und Pharisäer sämmtlich zu Pilato und sprachen: Herr, wir haben gedacht, daß dieser Verführer sprach, da er noch lebete: ich will nach dreien Tagen auferstehen. Darum befiehl, daß man das Grab vermahre bis an den dritten Tag, auf daß nicht seine Jünger kommen und stehien ihn und sagen zum Volk: er ist auferstanden von den Todten; und werde der lezte Betrug ärger denn der erste. Pilatus sprach zu ihnen: da habt ihr die Hüter; gehet hin und verwahret, wie ihr wisset. Sie giengen hin und verwahreten das Grab mit Hütern und versiegelten den Stein. 4) ¹) Matth. 27, 57-59. Marc. 15, 42-46. Luc. 23, 50-53. Joh. 19, 38. 2) Joh. 19, 39. 40. 3) Joh. 19, 41. 42. Matth. 27, 60. 61. Marc. 15, 46. 47. Luc. 23, 53-56. +) Matth. 27, 62-66. Soun-, Fest- und Feiertägliche Evangelien und Episteln. Erster Jahrgang. Am 1. Advent. 1) Evangelium, Matth. 21, 1-9. Da sie nun nahe bei Jerusalem kamen gen Bethphage, an den Derberg, fandte Jesus seiner Jünger zween und sprach zu ihnen: gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und bald werdet ihr eine Esclin finden angebunden, und ein Füllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir. Und so euch jemand etwas wird sagen, so sprechet: der Herr bedarf ihr; sobald wird er sie euch lassen. Das geschah aber alles, auf daß erfüllet würde das gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: ,, faget der Tochter Zion: fiche, dein König kommt zu dir fanfimüthig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Efelin." Die Jünger giengen hin und thäten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider brauf und sagten ihn drauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg, die antern hieben Zweige von den Bäumen und streueten sie auf den Weg. Das Volk aber, das vorgieng und nachfolgete, schrie und sprach: Hosianna dem Sohn David! gelobet sey der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! 2) Epistel, Röm. 13, 11-14. Weil wir solches wissen, nemlich die Zeit, daß die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf( sintemal unser Heil jetzt näher ist, denn da wirs glaubten), die Nacht ist vergangen, ter Tag aber herbei kommen: so lasset uns ablegen die Werk der Finsterniß und anlegen die Waffen des Lichts. Lasset uns ehrbarlich wandeln als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid; sondern ziehet an den Herrn Jesum Christ, und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde. Am 2. Advent. 1) Evangelium, Matth. 25, 31-46. Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle beilige Engel mit ihm, dann wird er sigen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle Völker versammlet werden. Und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: kommt her, ihr Gesegneten meines Baters, ererbet das Reich, bas euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungerig gewesen und ihr habt mich gespeiset; ich bin burstig gewesen, und ihr habt mich getränket; ich bin ein Gast gewesen und ihr habt mich beherberget; ich bin nacket gewesen und ihr habt mich bekleidet; ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht; ich bin gefangen gewesen, und ihr sehd zu mir kommen. Dann werden ihm bie Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir bich hungerig gesehen, und haben dich gespeiset? oder durstig, und haben dich setränket? wann haben wir dich einen Gast gesehen, und beherberget? oder Jahrgang I. Am 2. und 3. Advent. 15 nacket, und haben dich bekleidet? wann haben wir dich krank oder gefangen gesehen, und sind zu dir kommen? Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: wahrlich ich sage euch: was ihr gethan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan! Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! Ich vin hungerig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeiset; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränket; ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget; ich bin nacket gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet; ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen, hungerig, und durstig, oder einen Gast, over nadet, oder krank, oder gefangen, und haben dir nicht gedienet? Dann wird er ihnen antworten und sagen: wahrlich, ich sage euch: was thr nicht gethan habt einem unter diesen geringsten, das habt ihr mir auch nicht gethan! Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben. 2) Epistel, Röm. 15, 1-13. Wir aber, die wir stark sind, sollen der Schwachen Gebrechlichkeit tragen, und nicht Gefallen an uns selber haben. Es stelle sich aber ein jeglicher unter uns also, daß er seinem Nächsten gefalle zum Guten, zur Besserung. Denn auch Chriftus nicht an ihm selber Gefallen hatte, sondern wie geschrieben stehet: die Schmach terer, die dich schmähen, sind über mich gefallen. Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, daß ihr einerlei gesinnet seyb unter einander nach Jesu Christ, auf daß ihr einmüthiglich mit einem Munde lobet Gott und den Vater unseres Herrn Jesu Christi. Darum nehmet euch unter einander auf, gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe. Ich sage aber, daß Jesus Christus sey ein Diener gewesen der Beschneidung um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Berheißung, den Vätern geschehen; daß die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben stehet:„ tarum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen fingen." Und abermal spricht er: freuet euch, ihr Heiden, mit seinem Volk!" Und abermal:„ lobet den Herrn, alle Heiden, und preiset ihn, alle Völker!" Und abermal spricht Jesaias:, es wird seyn die Wurzel Jesse, und der auferstehen wird, zu herrschen über die Heiren, auf den werden die Heiden hoffen." Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Friede im Glauben, daß ihr völlige Hoffnung habt durch die Kraft des heiligen Geistes. Am 3. Advent. 1) Evangelium, Matth. 11, 2-10. Da aber Johannes im Gefängniß die Werk Christi hörete, fandte er seiner Jünger zween und ließ ihm sagen: bist du der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: gehet hin und saget Johanni wieder, was ihr sehet und höret: die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Aussägigen werden rein, und die Tauben hören, die Todten stehen auf und den Armen wird das Evangelium geprediget. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert! Da die hingiengen, fieng Jesus an zu reden zu dem Bolk von Johanne: was seyb ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her webt? oder was seyd ihr hinausgegangen zu sehen? wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? fiche, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern; oder was seyv 16 Jahrgang I. Am 3. und 4. Advent. ihr hinausgegangen zu sehen? wolltet ihr einen Propheten sehen? ja ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet! Denn dieser ists, von dem geschrieben stehet: siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll. 2) Epiftel, 1 Cor. 4, 1-5. Dafür halte uns jedermann, nemlich für Christus Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun sucher man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden. Mir aber ist ein geringes, daß ich von euch gerichtet werde, oder von einem menschlichen Tage; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin wohl nichts mir bewußt, aber darinne bin ich nicht ge rechtfertiget. Der Herr ists aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Nath der Herzen offenbaren; alsdann wird einem jeglichen von Gott Lob widerfahren. Am 4. Advent. 1) Evangelium, Joh. 1, 19-34. tr Und dieß ist das Zeugniß Johannis, da die Juden fandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten, wer bist du? Und er bekannte und leugnete nicht. Und er bekannte: ich bin nicht Christus. Und sie fragten ihn: was denn? bist du Elias? Er sprach: ich bins nicht; bist du ein Prophet? und er ant wortete: nein. Da sprachen sie zu ihm: was bist du denn, daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben? was sagest du von dir selbst? Er sprach: ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: richtet den Weg des Herrn!" wie der Prophet Jesaias gesagt hat. Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern und fragten ihn und sprachen zu ihm: warum taufest du denn, so du nicht Christus bist, noch Elias, noch ein Prophet? Johannes antwortete ihnen und sprach: ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet, der ists, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, deß ich nicht werth bin, daß ich seine Schuhriemen auflöse. Dieß geschah zu Bethabara, jenseit des Jordans, da Johannes taufete. Des andern Tages siehet Johannes Jesum zu ihm kommen und spricht: siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt. Dieser ists, von dem ich euch gesagt habe: nach mir kommt ein Mann, welcher vor mir gewesen ist; denn er war che denn ich. Und ich kannte ihn nicht; sondern auf daß er offenbar würde in Israel, darum bin ich kommen zu taufen mit Wasser. Und Johannes zeugete und sprach: ich sahe, daß der Geist herab fuhr, wie eine Taube, vom Himmel und blieb auf ihm. Und ich kannte ihn nicht; aber der mich sandte zu taufen mit Wasser, derselbige sprach zu mir: über welchen du sehen wirst den Geist herab fahren und auf ihm bleiben, derselbige ists, der mit dem heiligen Geist tauset. Und ich sahe es und zeugete, daß dieser ist Gottes Sohn. - 2) Epistel, Phil. 4, 4-9. Freuet euch in dem Herrn allwege! und abermal sage ich euch: freuet euch! Gure Lindigkeit lasset fund seyn allen Menschen. Der Herr ist nahe. Sorget nichts; sondern in allen Dingen laffet eure Bitte im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu. Weiter, lieben Brüder, was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich, was wohl lautet, ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob, dem denket nach. Welches ihr auch gelernet und empfangen und gehöret und gesehen habt an mir, das thut, so wird der Herr des Friedens mit euch seyn. Jahrgang I. Chrißfest. Sonntag nach demselben. Am heiligen Christfest. 1) Evangelium, Luca 2, 1-14. Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augusto ausgieng, daß alle Welt geschätzt würde; und diese Schazung war die allererste und geschah zur Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann gieng, daß er sich schäzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land, zur Stadt David, die da heißt Bethlehem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte David war, auf daß er sich schäßen ließe mit Maria, seinem vertraueten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn, und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihrer Heerde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie furchten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: fürchtet euch nicht; stehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird: denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt David. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerschaaren, die lobten Gott und sprachen: Ehre sey Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen! 17 2) Epistel, Tit. 2, 11-14. Denn Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und züchtiget uns, daß wir sollen verleugnen bas ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüfte, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, und warten auf die felige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes and unsers Heilandes Jesu Christi, der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlöfete von aller Ungerechtigkeit und reinigte ihm selbst ein Volk zum Eigenthum, das fleißig wäre zu guten Werken. Am Sonntag nach dem heiligen Christfest. 1) Evangelium, Lucă 2, 15-20. Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten unter einander: laßt uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kund gethan hat. Und sie tamen eilend und funden beide, Mariam und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von biesem Kind gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Nede, die ihnen die Hirten gesagt hatten; Maria aber behielt alle diese Wort und bewegete sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehreten wieder um, preiseten und lobten Gott um alles das sie gehöret und gesehen hatten, wie benn zu ihnen gesagt war. 2) Epistel, Gal. 4, 1-7. Ich sage aber: so lange der Erbe ein Kind ist, so ist unter ihm und einem Knechte kein Unterschied, ob er wohl ein Herr ist aller Güter; sondern er ist unter den Vormündern und Pflegern bis auf die bestimmte Zeit vom Vater. Also auch wir, da wir Kinder waren, waren wir gefangen unter den äußerlichen Sagungen. Da aber die Zeit erfüllet ward, fandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Gesetz gethan, auf daß er die so unter dem Gesep waren, erlösete, daß wir die Kindschaft empfiengen. Weil ihr denn Kinder Evangelisches Gesangbuch.( Anhang.) 2 18 Jahrgang I. Neujahrsfest. Sonntag nach demselben. sehv, hat Gott gesandt den Geist seines Sohns in eure Herzen, der schreiet: Abba, lieber Vater! Also ist nun hie kein Knecht mehr, sondern eitel Kinder; sinds aber Kinder, so sinds auch Erben Gottes durch Christum. Am Neujahrsfest. 1) Evangelium, Luca 2, 21. Und da acht Tage um waren, daß das Kind beschnitten würde, da ward sein Name genennet Jesus, welcher genennet war von dem Engel ehe denn er in Mutterleibe empfangen ward. 2) Epistel, Jef. 9, 6. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, welches Herrschaft ist auf seiner Schulter. Und er heißt Wunderbar, Nath, Kraft, Held, EwigBater, Friedefürst. Am Sonntag nach dem Neujahrsfest. 1) Evangelium, Joh. 1, 1-13. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort; dasselbige war im Anfang bei Gott. Alle Ding sind durch dasselbige gemacht und ohne dasselbige ist nichts gemacht was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen; und das Licht scheinet in der Finsterniß, und die Finsterniß habens nicht begriffen. Es ward ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes. Derselbige kam zum Zeugniß, daß er von dem Licht zeugete, auf daß sie alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern daß er zeugete von dem Licht. Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbige gemacht; und die Welt kannte es nicht. Er kam in sein Eigenthum, und die seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viel ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben, welche nicht von dem Geblüt noch von dem Willen des Fleisches, noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. 2) Epistel, 1 Petri 4, 12-19. Ihr Lieben! lasset euch die Hize, so euch begegnet, nicht befremden,( die euch widerfähret, daß ihr versucht werdet) als widerführe euch etwas seltsams; sondern freuet euch, daß ihr mit Christo leidet, auf daß ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben möget. Selig seyd ihr, wenn ihr geschmäht werdet über dem Namen Christi; denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruhet auf euch; bei ihnen ist er verlästert, aber bei euch ist er gepreiset. Niemano aber unter euch leide als ein Mörder, oder Dieb, oder Ulebelthäter, oder der in ein fremb Amt greifet. Leidet er aber als ein Christ, so schäme er sich nicht; er ehre aber Gott in solchem Fall. Denn es ist Zeit, daß anfahe das Gerichte an dem Hause Gottes; so aber zuerst an uns, was wills für ein Ende werden mit denen die dem Evangelio Gottes nicht glauben? Und so der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen? Darum, welche da leiden nach Gottes Willen, die sollen ihm ihre Seelen befehlen, als dem treuen Schöpfer, in guten Werken. Am Fest der Erscheinung Christi. 1) Evangelium, Matth. 2, 1-23. Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, zur Zeit des Königes Herpris, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenland gen Jerusalem und Jahrgang I. Fest der Erscheinung Chrifti. 19 sprachen: wo ist der neugeborne König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind kommen, ihn anzubeten. Da das der König Herodes hörete, erschrack er, und mit ihm das ganze Jerusalem, und ließ versammeln alle Hohepriester und Schriftgelehrten unter dem Volk und erforschete von ihnen, wo Christus sollt geboren werden. Und sie sagten ihm: zu Bethlehem im jüdischen Lande; denn also stehet geschrieben durch den Propheten:, und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist mit nichten die kleineste unter den Fürsten Juda; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Ifrael ein Herr sey." Da berief Herodes die Weisen heimlich und erlernete mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und weisete sie gen Bethlehem und sprach: ziehet hin und forschet fleißig nach dem Kindlein, und wenn ihrs findet, faget mirs wieder, daß ich auch komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, gieng vor ihnen hin, bis daß er kam und stund oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreuet und giengen in das Haus und funden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an, und thäten ihre Schäße auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Und Gott befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken; und zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Land. Da sie aber hinweg gezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum und sprach: stehe auf und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und fleuch in Egyptenland und bleib allda bis ich dir sage: denn es ist vorhanden, daß Herodes das Kindlein suche, dasselb umzubringen. Und er stund auf und nahm das Kindlein und seine Mutter zu fich bei der Nacht, und entwich in Egyptenland und blieb allda bis nach dem Tod Herodis; auf daß erfüllet würde das der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht:„ aus Egypten hab ich meinen Sohn gerufen." Da Herodes nun sahe, daß er von den Weisen betrogen war, ward er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Kinder zu Bethlehem tödten und an ihren ganzen Grenzen, die da zweijährig und brunter waren, nach der Zeit, die er mit Fleiß von den Weisen erlernet hatte. Da ist erfüllet das gesagt ist von dem Propheten Jeremia, der da spricht:„ auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehöret, viel Klagens, Weinens und Heulens; Rahel beweinete thre Kinder und wollt sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen." Da aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum in Egyptenland und sprach: stehe auf und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und zeuch hin in Pas Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kinde nach dem Leben stunden. Und er stund auf und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich, und kam in das Land Israel. Da er aber hörete. daß Archelaus im jüdischen Lande König war anstatt seines Vaters Herodis, furchte er sich dahin zu kommen. Und im Traum empfieng er Befehl von Gott, und zog in die Derter des galiläischen Landes und kam und wohnete in der Stadt, die da heißt Nazareth; auf daß erfüllet würde das da gesagt ist durch die Propheten: er soll Nazarenus heißen. 2) Epistel, Jes. 60, 1-6. Mache dich auf, werde Licht! denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn gehet auf über dir. Denn siehe, Finsterniß bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über bir gehet auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheinet über dir. Und die Heiden werden in deinem Licht wandeln, und die Könige im Glanz, der über dir aufgehet. Hebe deine Augen auf und siehe umher: diese alle versammlet kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen, und deine Töchter zur Seiten erzogen werden. Dann wirst du deine Luft sehen und ausbrechen, und dein Herz wird sich wundern und ausbreiten, Jahrgang I. Am 1. und 2. Sonntag nach Epiphaniä. wenn sich die Menge am Meer zu dir bekehret, und die Macht der Heiden zu bir kommt. Denn die Menge der Kameele wird dich bedecken, die Läufer aus Midian und Epha. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen. 20 Am 1. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, Luc. 2, 41-52. 11nd seine Eltern giengen alle Jahr gen Jerusalem auf das Osterfest. Und da Jesus zwölf Jahr alt war, giengen sie hinauf gen Jerufalem, nach Gewohnheit des Festes. Und da die Tage vollendet waren, und sie wieder zu Hause giengen, blieb das Kind Jesus zu Jerusalem, und seine Eltern wußtens nicht. Sie meineten aber, er wäre unter den Gefährten und kamen eine Tagereise und suchten ihn unter den Gefreundten und Bekannten. Und da sie ihn nicht funden, giengen sie wiederum gen Jerusalem und suchten ihn. Und es begab sich, nach dreien Tagen funden sie ihn im Tempel sißen mitten unter den Lehrern, daß er ihnen zuhörete und sie fragete. Und alle die ihm zuhöreten verwunderten sich seines Verstands und seiner Antwort. Und da sie ihn sahen, entsazten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: mein Sohn, warum hast du uns das gethan? fiche, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: was ists, daß ihr mich gesucht habt? wiffet ihr nicht, daß ich seyn muß in dem das meines Baters ist? Und sie verstunden das Wort nicht das er mit ihnen redete. Und er gieng mit ihnen hinab und kam gen Nazareth und war ihnen unterthan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. 2) Epiftel, Röm. 12, 1-5. Ich ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sey, welches sey euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Verneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches va sey der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gotteswille. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedermann unter euch, daß niemand weiter von sich halte, denn sichs gebührt zu halten; sondern daß er von ihm mäßiglich halte, ein jeglicher nachdem Gott ausgetheilet hat das Maß des Glaubens. Denn gleicherweise als wir in einem Leibe viel Glieder haben, aber alle Glieder nicht einerlei Geschäft haben, also sind wir viele ein Leib in Christo, aber unter einander ist einer des andern Glied. Am 2. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, Matth. 3, 13. bis Kap. 4, 11. Zu der Zeit kam Jefus aus Galiläa an den Jordan zu Johanne, daß er sich von ihm taufen ließe. Aber Johannes wehrete ihm und sprach: ich vedarf wohl, daß ich von dir getauft werte, und du kommest zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: laß jezt also seyn; also gebührt es uns alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ ers ihm zu. Und ta Jesus getauft war, stieg er bald herauf aus dem Wasser; und siche, da thät sich der Himmel auf über ihra; und Johannes fahe den Geist Gottes, gleich als eine Taube, herab fahren und über ihn kommen. Und siche, eine Stimme vom Himmel herab sprach: dieß ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe. Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführet, auf daß er von dem Teufel versucht würte. Unt ta er vierzig Tag und vierzig Nacht gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brod Jahrgang I. Am 2. und 3. Sonntag nach Epiphaniä. 21 werden. Und er antwortete und sprach: es stehet geschrieben:, der Mensch lebet nicht vom Brod alleine, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes gehet." Da führete ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt, und stellete ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab, denn es stehet geschrieben: er wird seinen Engeln über dir Befehl thun, und sie werden dich auf den Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stößest. Da sprach Jesus zu ihm: wiederum stehet auch geschrieben:„ du sollt Gott, deinen Herrn, nicht versuchen." Wiederum führete ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg, und zeigete ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: das alles will ich dir geben, so du niederfällest und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: heb dich weg von mir, Satan; denn es stehet geschrieben:„ du sollt anbeten Gott deinen Herrn und ihm allein dienen." Da verließ ihn der Teufel, und siehe, da traten die Engel zu ihm und dieneten ihm. 2) Epistel, Röm. 12, 6-16. Lieben Brüder! wir haben mancherlei Gaben, nach der Gnade die uns gegeben ist. Hat jemand Weissagung, so sey sie dem Glauben ähnlich. Hat jemand ein Amt, so warte er des Amts. Lehret jemand, so marte er der Lehre. Ermahnet jemand, so warte er des Ermahnens. Gibt jemand, so gebe er einfäitiglich. Regieret jemand, so sey er sorgfältig. Uebet jemand Barmherzigkeit, so thu ers mit Lust. Die Liebe sey nicht falsch. Hasset das Arge, hanget dem Guten an. Die brüderliche Liebe unter einander sey herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. Seyd nicht träge, was ihr thun follt. Seyd brünstig im Geist. Schicket euch in die Zeit Seyd fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet. tehmet euch der Heiligen Nothdurft an. Herberget gerne. Segnet die euch verfolgen; segnet, und fluchet nicht. Freuet cuch mit den Fröhlichen, und weinet mit den Weinenden. Habt einerlei Sinn unter einander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen. Am 3. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, Joh. 2, 1-11. Und am dritten Lage ward eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jefu war da. Jefus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: sie haben nicht Wein. Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? meine Stunde ist noch nicht kommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: was er euch saget, das thut. Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt, nach der Weise der jüdischen Reinigung, und giengen je in einen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen: füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie fülleten fie bis oben an. Und er spricht zu ihnen: schöpfet nun und bringets dem Speisemeister; und sie brachtens. Als aber der Speisemeister fostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht von wannen er kam, die Diener aber wußtens die ras Wasser geschöpft hatten, rufet der Speisemeister dem Bräutigam und spricht zu ihm: jedermann gibt zum ersten guten Wein, und wenn sie trunken worden sind, alsdann den geringern; du hast den guten Wein bisher behalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus that, geschehen zu kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn. 2) Epistel, Röm. 12, 17-21. Haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemand böses mit bösem. Fleißiget euch der Ehrbarkeit gegen jedermann. Ists möglich, so viel an euch ist, so habt 22 Jahrgang I. Am 4. und 5. Sonntag nach Epiphaniä. mit allen Menschen Frieden. Rächet euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn( Gottes). Denn es stehet geschrieben:„ die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr." So nun deinen Feind hungert, so speise ihn; dürstet ihn, so tränke ihn; wenn du das thust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammlen. Laß dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Am 4. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangeltum, Matth. 8, 23-27. Und Jesus trat in das Schiff, und seine Jünger folgeten ihm. Und siehe, da erhub sich ein groß Ungestüm im Meer, also, daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm und weckten ihn auf und sprachen: Herr! hilf uns, wir verderben. Da sagte er zu ihnen: ihr Kleingläubigen, warum seyd ihr so furchtsam? und stund auf und bedräuete den Wind und das Meer, da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist? 2) Epistel, Röm. 13, 8-10. Seyd niemand nichts schuldig, denn daß ihr euch unter einander liebet. Denn wer den andern liebet, der hat das Gesez erfüllet. Denn das da gesagt ist: du sollt nicht ehebrechen; du sollt nicht tödten; du sollt nicht stehlen; du sollt nicht falsch Gezeugniß geben; dich soll nichts gelüsten; und so ein ander Gebot mehr ist, das wird in diesem Wort verfasset: du sollt deinen Nächsten lieben als dich selbst. Die Liebe thut dem Nächsten nichts böses. So ist nun die Liebe des Geseges Erfüllung. Am 5. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, Matth. 13, 24-30 und 36-43. Jesus legte ihnen ein ander Gleichniß vor und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säete. Da aber die Leute schliefen, kam sein Feind und fäete Unkraut zwischen den Weizen und gieng davon. Da nun das Kraut wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, haft du nicht guten Samen auf deinen Acker gefäet? woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: das hat der Feind gethan. Da sprachen die Knechte: willt du denn, daß wir hingehen und es ausgäten? Er sprach: nein, auf daß ihr nicht zugleich den Weizen mit ausraufet, so ihr das Unkraut ausgätet. Laffet beides mit einander wachsen bis zu der Ernte, und um der Ernte Zeit will ich zu den Schnittern sagen: sammlet zuvor das Unkraut und bindet es in Bündlein, daß man es verbrenne; aber den Weizen sammlet mir in meine Scheuren. Da ließ Jesus das Volk von sich und kam heim. Und seine Jünger traten zu ihm und sprachen: deute uns dieses Gleichniß vom Unkraut auf dem Acker. Er antwortete und sprach zu ihnen: des Menschen Sohn ists, der da guten Samen fäet; der Acker ist die Welt; der gute Same sind die Kinder des Reichs; das Unkraut sind die Kinder der Bosheit; der Feind, der sie säet, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Schnitter sind die Engel. Gleichwie man nun das Unkraut ausgätet und mit Feuer verbrennet, so wirds auch am Ende dieser Welt gehen. Des Menschen Sohn wird seine Engel senden, und sie werden sammlen aus seinem Reich alle Aergernisse und die da Unrecht thun, und werden fie in den Feuerofen werfen; da wird sehn Heulen und Zähnklappen. Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Wer Ohren hat zu hören, der höre! Jahrg. I. Am 6. Sonntag nach Epiphaniã und Septuagesima. 23 2) Gristel, Gol. 3, 12-17. o ziehet nun an, als die Auserwählten Gottes, Heiligen und Geliebten, Herzliche Erbarmen, Freundlichkeit, Demuth, Sanftmuth, Geduld. Und vertrage einer den andern, und vergebet euch unter einander, so jemand Klage hat wider den andern; gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. Ueber alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Gottes regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen seyd in einem Leibe, und seyd dankbar. Lasset das Wort Chrifti unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit; lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern, und singet dem Herrn in eurem Herzen. Und alles was ihr thut, mit Worten oder mit Werfen, das thut alles in dem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Am 6. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, Matth. 17, 1-9. Und nach sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrum und Jakobum und Johannem, seinen Bruder, und führete fie beiseits auf einen hohen Berg und ward verfläret vor ihnen. Und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß als ein Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Mofes und Elias, bie redeten mit ihm. Petrus aber antwortete und sprach zu Jesu: Herr, hie ist gut seyn; willt bu, so wollen wir brei Hütten machen, dir eine, Mofi eine und Elias eine. Da er noch also redete, fiebe, da überschattete fie eine lichte Wolke; und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: bieß ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören. Da das die Jünger höreten, fielen sie auf ihr Angesichte und erschraden sehr. Jesus uber trat zu thnen, rührete fie an und sprach: stehet auf und fürchtet euch nicht. Da fie aber ihre Augen aufhuben, sahen sie niemand denn Jesum alleine. Und da sie vom Berge herabgiengen, gebot ihnen Sesus und sprach: thr sollt dieß Gesicht niemand sagen, bis des Menschen Sohn von den Todten auferstanden ist. 2) Epistel, 2 Petrt 1, 16-21. Denn Denn wir haben nicht den klugen Fabeln gefolget, ba wir euch kund gethan haben die Kraft und Zukunft unsers Herrn Jesu Chrifti; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen, da er empfieng von Gott dem Vater Ehre unt Preis, durch eine Stimme, die zu ihm geschah von der großen Herrlichkeit, dermaßen: dieß ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehöret vom Himmel bracht, da wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. Wir haben ein festes prophetisch Wort, und ihr thut wohl, daß ihr brauf achtet, als auf ein Licht, das da scheinet in einem bunkeln Oct, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren herzen. Und das sollt ihr für das erste wissen, daß keine Weissagung in der Schrift geschieht aus eigener Auslegung. Denn es ist noch nie keine Weisfagung aus menschlichem Willen hervorbracht, sondern die heiligen Menschen Gottes haben gerebt, getrieben von dem heiligen Geist. Am Sonntag Septuagefimä. 1) Evangelium, Matth. 19, 27. bis Kap. 20, 16. Da antwortete Petrus und sprach zu Jesu: siehe, wir haben alles verlasſen und find dir nachgefolget; was wird uns dafür? Jesus aber sprach zu ihnen: wahr. lich ich sage euch, daß ihr, die ihr mir sehr nachgefolget, in der Wiedergeburt, ba bes Menschen Sohn wird sizen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, werdet ihr auch sizen auf zwölf Stühlen und richten die zwölf Geschlechte Israel. Une 24 Jahrgang I. Sonntag Septuagefimä und Scxagesimä. wer verlässet Häuser, oder Brüder, oder Schwestern, oder Vater, oder Mutter, oder Weib, oder Kinder, oder Aecker um meines Namens willen, der wirds hunderrfältig nehmen und das ewige Leben ererben. Aber viel, die da sind die ersten, werden die letten, und die letzten werden die ersten seyn. Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen ausgieng, Arbeiter zu miethen in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Tagelohn, fandte er sie in seinen Weinberg. Und gieng aus um die britte Stunde, und sahe andere an dem Markte müßig stehen und sprach zu ihnen: gehet ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben was recht ist. Und sie giengen hin. Abermal gieng er aus um die sechste und neunte Stunde und thät gleich also. Um die eilfte Stunde aber gieng er aus und fand andere müßig siehen und sprach zu ihnen: was stehet ihr hie den ganzen Tag müßig? Sie sprachen zu ihm: es hat uns niemand gedinget. Er sprach zu ihnen: gehet ihr auch hin in den Weinberg, und was recht sehn wird soll euch werden. Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Schaffner: rufe den Arbeitern und gieb ihnen den Lohn, und heb an an den letzten bis zu den ersten. Da kamen die um die eilfte Etunde gebinget waren, und empfieng ein jeglicher seinen Groschen. Da aber die ersten kamen, meineten sie, sie würden mehr empfahen, und sie empfiengen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da sie den empfiengen, murreten sie wider den Hausvater und sprachen: diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du haft sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hiße getragen haben! Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: mein Freund, ich thu dir nicht unrecht; bist du nicht mit mir eins worden um einen Groschen? Nimm was bein ist und gehe hin. Ich will aber diesem legten geben gleich wie dir. Oder habe ich nicht Macht zu thun, was ich will, mit dem meinen? siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin? Also werden die letzten die ersten, und die ersten die letzten seyn. Denn viel sind berufen, aber wenig sind auserwählet. 2) Epistel, 1 Cor. 9, 24-27. Wisset ihr nicht, daß die so in den Schranken laufen, die laufen alle; aber einer erlanget das Kleinov. Laufet nun also, daß ihr es ergreifet. Ein jeglicher aber, der da fämpfet, enthält sich alles Dinges; jene also, daß sie eine vergäng liche Krone empfahen, wir aber eine unvergängliche. Ich laufe aber also, nicht als aufs ungewisse; ich fechte also, nicht als der in die Luft streichet; sondern ich betäube meinen Leib und zähme ihn, daß ich nicht den andern predige und selbst verwerflich werde. Am Sonntag Seragesimä. 1) Evangelium, Luc. 8, 4-15. Da nun viel Volks bei einander war und aus den Städten zu Jesu eileten, sprach er durch ein Gleichniß: Es gieng ein Säemann aus, zu säen seinen Samen; und indem er säcte, fiel etlichs an den Weg und ward vertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßens auf. Und etlichs fiel auf den Fels, und da es aufgieng, verdorrete es, darum daß es nicht Saft hatte. Und etlichs fiel mitten unter die Dornen, und die Dornen giengen mit auf und ersticktens. Und etlichs fiel auf ein gut Land, und es gieng auf und trug hundertfältige Frucht. Da er das sagte, rief er: wer Ohren hat zu hören, der höre! Es fragten ihn aber seine Jünger und sprachen: was dieses Gleichniß wäre? Er aber sprach: euch ists gegeben, zu wissen das Geheimniß des Reichs Gottes, ten andern aber in Gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen. ob sie es schon hören. Das ist aber das Gleichniß: der Same ist das Wort Jahrgang I. Sonntag Sexagesima und Esto mihi. 25 Gottes. Die aber an dem Wege sind, das sind die es hören, darnach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, auf daß sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die, wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an, und die haben nicht Wurzel; eine Zeitlang glauben sie, und zur Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel, sind die, so es hören und gehen hin unter den Sorgen, Reichthum und Wollust dieses Lebens, und ersticken und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Land sind die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld. 2) Epistel, 2 Cor. 12, 1-10. Es ist mir ja tas Rühmen nichts nüße; doch will ich kommen auf die Gesichte und Offenbarungen des Herrn. Ich kenne einen Menschen in Christo, vor vierzehen Jahren( ist er in dem Leibe gewesen, so weiß ichs nicht, oder ist er außer dem Leibe gewesen, so weiß ichs auch nicht, Gott weiß es); berselbige ward entzücket bis in den dritten Himmel. Und ich kenne denselbigen Menschen( ob er in dem Leibe, oder außer dem Leibe gewesen ist, weiß ich nicht, Gott weiß es); er ward entzücket in das Paradies und hörete unaussprechliche Wort, welche kein Mensch sagen kann. Davon will ich mich rühmen, von mir selbst aber will ich ich nichts rühmen, ohn meiner Schwachheit. Und so ich mich rühmen wollte, thät ich darum nicht thörlich, denn ich wollte die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber des, auf daß nicht jemand mich höher achte, denn er an mir fiehet oder von mir Höret. Und auf daß ich mich nicht der hohen Offenbarung überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nemlich des Satanas Engel, der mich mit Fäusten schlage, auf daß ich mich nicht überhebe. Dafür ich dreimal dem Herrn geslehet habe, daß er von mir wiche; und er hat zu mir gesagt: laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Christi bei mir wohne. Darum bin ich guts Muths in Schwachheiten, in Schmachen, in Nöthen, in Verfolgungen, in Aengsten, um Christus willen. Denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark. Am Sonntag Esto mihi. 1) Evangelium, Luc. 18, 31-43. Jesus nahm aber zu sich die zwölfe und sprach zu ihnen: sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet das geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und geschmähet und verspeiet werden, und sie werden ihn geißeln und töbten, unv am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen der keines, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was das gesagt war. Es geschah aber, da er nahe zu Jericho kam, saß ein Blinder am Wege und bettelte. Da er aber hörete das Volk das durchhin gieng, forschete er, was das wäre? Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth gienge vorüber. Und er rief und sprach: Jesu, du Sohn David, erbarme dich mein! Die aber vorne an giengen, bebräueten ihn, er sollt schweigen. Er aber schrie vielmehr: du Sohn David, erbarme dich mein! Jesus aber stund stille und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe bei ihn brachten, fragte er ihn und sprach: was willt du, daß ich dir thun soll? Er sprach: Herr, daß ich sehen möge! Und Jesus sprach zu ihm: sey sehend, dein Glaube hat tir geholfen! Und alsobald ward er sehend und folgete ihm nach und preisete Gott; und alles Bolk, das solches sahe, lobete Gott. 26 ahrgang I. Sonntag Invocavit. 2) Epistel, 1 Cor. 13, 1-13. Wenn ich mit Menschen und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen könnte, und wüßte alle Geheimniß und alle Erkenntniß, und hätte allen Glauben, also daß ich Berge versette ,. und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib brennen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mirs nichts nüße. Die Liebe ist langmüthig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Muthwillen, sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungeberdig, sie suchet nicht das ihre, sie lässet sich nicht erbittern, sie trachtet nicht nach Schaden: sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freuet sich aber der Wahrheit; się verträget alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles. Die Liebe wird nicht müde,( höret nimmer auf), so doch die Weissagungen aufhören werden, und die Sprachen aufhören werden, und das Erkenntniß aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk; wenn aber kommen wird das vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Da ich ein Kind war, da rebete ich wie ein Kind und war klug wie ein Kind und hatte kindische Anschläge. Da ich aber ein Mann ward, that ich ab was kindisch war. Wir sehen jeßt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort, dann aber von Angesicht zu Angesichte. Jetzt erkenne ichs stückweise: dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkennet bin. Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größeste unter ihnen. Am Sonntag Invocavit. 1) Evangelium, Joh. 17 ganz. Solches redete Jesus und hub seine Augen auf gen Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist hie, daß du deinen Sohn verklärest, auf daß dich dein Sohn auch verkläre; gleichwie du ihm Macht haft gegeben über alles Fleisch, auf daß er das ewige Leben gebe allen die du ihm gegeben hast. Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, daß du alleine wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christ erkennen. Ich habe dich verkläret auf Erden und vollendet das Werk, das du mir gegeben hast, daß ich es thun sollt. Und nun verkläre mich du, Vater, bei dir selbst mit der Klarheit, die ich bei dir hatte ehe die Welt war. Ich habe deinen Namen offenbaret den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort behalten. Nun wissen sie, daß alles was du mir gegeben hast, sey von dir. Denn die Worte, die tu mir gegeben hast, hab ich ihnen gegeben, und sie habens angenommen und erkannt wahrhaftig, daß ich von dir ausgegangen bin, und glauben, daß du mich gesandt hast. Ich bitte für sie, unv bitte nicht für die Welt, sondern für die die du mir gegeben haft, denn sie sind dein. Und alles was mein ist, das ist dein; und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verkläret. Und ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater! erhalt sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, daß sie eines seyen, gleichwie wir. Dieweil ich bei ihnen war in der Welt, erhielt ich sie in deinem Namen. Die du mir gegeben haft, die habe ich bewahret, und ist keiner von ihnen verloren, ohn das verlorne Kind, daß die Schrift erfüllet würde. Nun aber komme ich zu dir, und rede solches in der Welt, auf daß sie in ihnen haben meine Freude vollkommen. Ich hab ihnen gegeben dein Wort, und die Welt hasset sie; denn sie sind nicht von der Welt, wie denn auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, daß du sie von der Welt nehmest, sondern daß du sie bewahrest vor dem Ulebel. Sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin. Jahrgang I. Sonntag Reminiscere. 27 Heilige sie in deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit. Gleichwie du mich gesandt haft in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt. Ich heilige mich selbst für sie, auf daß auch sie geheiliget sehen in der Wahrheit. Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die so durch ihr Wort an mich glauben werden; auf daß sie alle eines seyen, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; daß auch sie in uns eines seyen, auf daß die Welt glaube, du habest mich gesandt. Und ich hab ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, daß sie eines seyen, gleichwie wir eines sind. Ich in ihnen und du in mir; auf daß sie vollkommen seyen in eines, und die Welt erkenne, daß du mich gesandt haft und liebest sie, gleichwie du mich liebest. Vater! ich will, daß wo ich bin, auch die bei mir seyen, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen die bu mir gegeben hast; denn du hast mich geliebet ehe denn die Welt gegründet ward. Gerechter Vater, die Welt kennet dich nicht, ich aber kenne dich, und diese erkennen, daß du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen kund gethan und will ihnen kund thun, auf daß die Liebe, damit du mich liebest, sey in ihnen und ich in ihnen. 2) Epiftel, 2 Cor. 6, 1-10. Wir ermahnen aber euch, als Mithelfer, daß ihr nicht vergeblich die Gnade Gottes empfahet. Denn er spricht:, ich habe vich in der angenehmen Zeit erhöret, und habe dir am Tage des Heils geholfen." Sehet, jetzt ist die angenehme Zeit, jest ist der Tag des Heils! Lasset uns aber niemand irgend ein Aergerniß geben, auf daß unser Amt nicht verlästert werde; sondern in allen Dingen lasset uns beweisen als die Diener Gottes, in großer Geduld, in Trübfalen, in Nöthen, in lengsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhren, in Arbeit, in Wachen, in Fasten, in Reuschheit, in Erkenntniß, in Langmuth, in Freundlichkeit, in dem heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken, durch Ehre und Schande, durch böse Gerüchte und gute Gerüchte; als die Verführer, und doch wahrhaftig; als die unbekannten, und doch bekannt; als die sterbenden, und siehe, wir leben; als die gezüchtigten, und doch nicht ertödtet; als die traurigen, aber allezeit fröhlich; als die armen, aber die doch viel reich machen; als die nichts inne haben, und doch alles haben. Am Sonntag Neminiscere. 1) Evangelium, Matth. 15, 21-28. Und Jesus gieng aus von dannen und entwich in die Gegend Thri und Sidon. Und siehe, ein kananäisch Weib gieng aus derselbigen Grenze und schrie ihm nach und sprach: ach Herr, du Sohn David, erbarm dich mein! Meine Tochter wird vom Teufel übel geplaget. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: laß sie doch von dir, denn sie schreiet uns nach. Er antwortete aber und sprach: ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlornen Schafen von dem Hause Israel. Sie kam aber und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brod nehme und werf es vor die Hunde. Sie sprach: ja, Herr, aber doch essen die Hündlein von den Brosamlein, die von ihrer Herren Tisch fallen. Da antwortete Jefus und sprach zu ihr: o Weib, dein Glaube ist groß; dir geschehe wie du willt! Und ihre Tochter ward gesund zu derselbigen Stunde. 2) Epistel, 1 Thess. 4, 1-12. Weiter, lieben Brüder, bitten wir euct; und ermahnen in dem Herrn Jesu, nachdem ihr von uns empfangen habt wie ihr sollt wandeln und Gotte gefallen, 28 Jahrgang I. Sonntag Oculi. daß ihr immer völliger werdet. Denn ihr wisset, welche Gebot wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesum. Denn das ist der Wille Gottes: cure Heiligung; daß ihr meidet die Hurerei, und ein jeglicher unter euch wisse sein Faß zu behalten in Heiligung und Ehren, nicht in der Lustseuche, wie die Heiden, die von Gott nichts wissen. Und daß niemand zu weit greife noch vervortheile seinen Bruder im Handel, denn der Herr ist der Nächer über das alles, wie wir euch zuvor gesagt und bezeuget haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung. Wer nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, son dern Gott, der seinen heiligen Geist gegeben hat in euch. Von der brüderlichen Liebe aber ist nicht noth euch zu schreiben, denn ihr sehd selbst von Gott gelehret, euch unter einander zu lieben. Und das thut ihr auch an allen Brüdern, die in ganz Macedonia sind. Wir ermahnen euch aber, lieben Brüder, daß ihr noch völliger werdet und ringet barnach, daß ihr stille seyd und das eure schaffet und arbeitet mit euren eigenen Händen, wie wir euch geboten haben; auf daß ihr ehrbarlich wandelt gegen die, die braußen sind, und ihr keines bedürfet. Am Sonntag Oculi. 1) Evangelium, Luc. 11, 14-28. Und Jesus trieb einen Teufel aus, der war stumm; und es geschah, da der Teufel ausfuhr, da redete der Stumme. Und das Volk verwunderte sich. Etliche aber unter ihnen sprachen: er treibt die Teufel aus durch Beelzebub, den obersten der Teufel. Die andern aber versuchten ihn und begehrten ein Zeichen von ihm vom Himmel. Er aber vernahm ihre Gedanken und sprach zu ihnen: ein jeglich Reich, so es mit ihm selbst uneins wird, das wird wüste, und ein Haus fället über das ander. Ist denn der Satanas auch mit ihm selbst uneins, wie will sein Reich bestehen? dieweil ihr faget, ich treibe die Teufel aus durch Beelzebub. So aber ich die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben sie eure Kinder aus? Darum werden sie cure Richter seyn. So ich aber durch Gottes Finger die Teufel austreibe, so kommt je das Reich Gottes zu euch. Wenn ein starker Gewappneter seinen Palast bewahret, so bleibet das seine mit Frieden; wenn aber ein stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen Harnisch, darauf er sich verließ, und theilet den Raub aus. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich, und wer nicht mit mir sammlet, der zerstreuet. Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfähret, so durchwandelt er dürre Stätte, sucht Ruhe und findet ihr nicht; so spricht er: ich will wieder umkehren in mein Haus baraus ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet ers mit Besemen gekehret und geschmücet. Dann gehet er hin und nimmt sieben Geister zu sich die ärger sind denn er selbst, und wenn sie hinein kommen, wohnen sie ia, und wird hernach mit demselben Menschen ärger denn vorhin. Und es begab sich, da er solches redete, erhub ein Weib im Volk die Stimme und sprach zu thm: selig ist der Leib der dich getragen hat, und die Brüfte die du gesogen hast! Er aber sprach: ja selig sind die Gottes Wort hören und bewahren! 2) Epistel, Ephefs. 5, 1-9. So sebb nun Gottes Nachfolger, als die lieben Kinder, und wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns hat geliebet und sich selbst dargegeben für uns zur Gabe und Opfer, Gott zu einem süßen Geruch. Hurerei aber und alle Unreinigkeit, oder Geiz lasset nicht von euch gesagt werden, wie den Heiligen zustehet; auch schandbare Wort und Narrentheiding over Scherz, welche euch nicht ziemen, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer, ober Unreiner, oder Geiziger( welcher ist ein Gözendiener) Erbe hat an dem Reich Christi und Gottes. Lasset euch niemand verführen mit vergeblichen Worten, benn um bieser willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Jahrgang I. Sonntag Lätare. 29 Darum sehd nicht ihre Mitgenossen; denn ihr waret weiland Finsterniß, nun aber seyb ihr ein Licht in dem Herrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts. Die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit. Am Sonntag Låtare. 1) Evangelium, Joh. 6, 1-27. Darnach fuhr Jesus weg über das Meer an der Stadt Tiberias in Galiläa. und es zog ihm viel Volks nach, darum daß sie die Zeichen sahen die er an den Kranken that. Jesus aber gieng hinauf auf einen Berg und sagte sich daſelbst mit seinen Jüngern. Es war aber nahe die Ostern, der Juden Fest. Da hub Jesus seine Augen auf und siehet, daß viel Volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippo: wo kaufen wir Brod, daß diese essen? Das sagte er aber, ihn zu versuchen, denn er wußte wohl was er thun wollte. Philippus antwortete ihm: zweihundert Pfennig werth Brors ist nicht gnug unter sie, daß ein jeglicher unter ihnen ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder Simonis Petri: es ist ein Knabe hie, der hat fünf Gerstenbrod und zween Fische; aber was ist das unter so viele? Sesus aber sprach: schaffet, daß sich das Volk lagere. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich bet fünftausend Mann. Jesus aber nahm die Brod, dankete und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen die sich gelagert hatten; desselbigen gleichen auch von den Fischen, wie viel er wollte. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: sammlet bie übrigen Brocken, daß nichts umkomme. Da sammleten fie und fülleten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbrod, die überblieben denen die gespeiset worden. Da nun die Menschen das Zeichen sahen, bas Jesus that, sprachen sie: das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll! Da Jesus nun merkte, baß sie kommen würden und ihn haschen, daß sie ihn zum Könige machten, entwich er abermal auf den Berg, er selbst alleine. Am Abend aber giengen die Jünger hinab an das Meer und traten in das Schiff, und kamen über das Meer gen Kapernaum. Und es war schon finster worden, und Jesus war nicht zu ihnen kommen. Und das Meer erhub sich von einem großen Winde. Da sie nun gerudert hatten bei fünf und zwanzig oder dreißig Feldwegs, sahen sie Jefum auf dem Meere daher gehen und nahe bei das Schiff kommen, und sie furchten sich. Er aber sprach zu ihnen: ich bins, fürchtet euch nicht! Da wollten sie ihn in das Schiff nehmen, und alsobald war das Schiff am Lande, da sie hinfuhren. Des andern Tages sahe das Volk, das diesseit des Meers stunt, daß kein anderes Schiff daselbst war, denn das einige, darein seine Jünger getreten waren, und daß Jesus nicht mit seinen Jüngern in das Schiff getreten war, sondern alleine seine Jünger waren weggefahren.& s tamen aber andere Schiffe von Tiberias nahe zu der Stätte, da sie das Brod gessen hatten durch des Herrn Danksagung. Da nun das Volk sahe, daß Jesus nicht da war noch seine Jünger, traten sie auch in die Schiffe und kamen gen Kapernaum und suchten Jesum. Und da sie ihn funden jenfeit des Meers, sprachen sie zu ihm: Rabbi, wann bist du herkommer? Jesus antwortete ihnen und sprach: wahrlich, wahrlich ich sage euch: ihr suchet mich nicht darum, daß ihr Zeichen gesehen habt, sondern daßß ihr von dem Brod gessen habt und seyd satt worden. Wirket Speise, nicht die vergänglich ist, sondern die da bleibet in das ewige Leben, welche euch des Menschen Sohn geben wird; denn denselbigen hat Gott der Vater versiegelt. 2) Epistel, Col. 3, 18 bis Kap. 4, 1. Ihr Weiber, feyd unterthan euren Männern in dem Herrn, wie sichs gebührt. Ihr Männer, liebet cure Weiber und seyd nicht bitter gegen sie. Ihr Kinder, seyd gehorsam den Eltern in allen Dingen; denn das ist dem Herrn gefällig. 30 Jahrgang I. Indica und Osterfest. ihr Väter, erbittert eure Kinder nicht, auf daß sie nicht scheu werden. Ihr Knechte, seyy gehorsam in allen Dingen euren leiblichen Herren, nicht mit Dienst vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern mit Einfältigkeit des Herzens und mit Gottesfurcht. Alles was ihr thut, das thut von Herzen, als dem Herrn und nicht den Menschen. Und wisset, daß ihr von dem Herrn empfahen werdet die Vergeltung des Erbes; denn ihr vienet dem Herrn Christo. Wer aber unrecht thut, der wird empfahen was er unrecht gethan hat; und gilt kein Ansehen der Person. Ihr Herren, was recht und gleich ist, das beweiset den Knechten und wisset, daß ihr auch einen Herrn im Himmel habt. Am Sonntag Judica. 1) Evangelium, Joh. 8, 46-59. Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? So ich euch aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der höret Gottes Wort; darum höret ihr nicht, denn ihr sehd nicht von Gott. Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist und hast den Teufel? Jesus antwortete: ich habe keinen Teufel, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr unehret mich. Ich suche nicht meine Ehre; es ist aber einer, der sie suchet und richtet. Wahrlich, wahrlich ich sage euch: so jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Da sprachen die Juden zu ihm: nun erkennen wir, daß du den Teufel hast. Abraham ist gestorben und die Propheten; und du sprichst: so jemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich. Bist du mehr denn unser Bater Abraham, welcher gestorben ist, und die Propheten sind gesturben? was machst du aus dir selbst? Jesus antwortete: so ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts; es ist aber mein Vater der mich ehret, welchen ihr sprecht, er sey euer Gott, und kennet ihn nicht, ich aber kenne ihn; und so ich würde sagen: ich tenne sein nicht, so würde ich ein Lügner, gleichwie ihr seyd. Aber ich kenne ihn und halte sein Wort. Abraham, euer Vater, ward froh, daß er meinen Tag sehen sollte; und er sahe ihn und freuete sich. Da sprachen die Juden zu ihm: du bist noch nicht fünfzig Jahr alt und haft Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: mahrlich, wahrlich ich sage euch: ehe denn Abraham ward, bin ich. Da huben sie Steine auf, daß sie auf ihn wärfen. Aber Jesus verbarg sich und gieng zum Tempel hinaus( mitten durch sie hinstreichend). 2) Epistel, Hebr. 9, 11-15. Christus aber ist kommen, daß er sey ein Hohepriester der zukünftigen Güter, durch eine größere und vollkommnere Hütte, die nicht mit der Hand gemacht ist, das ist, die nicht also gebauet ist; auch nicht durch der Böcke oder Kälber Blut, sondern er ist durch sein eigen Blut einmal in das Heilige eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden. Denn so der Ochsen und der Böcke Blut, und die Asche von der Kuh, gesprenget, heiliget die Unreinen zu der leiblichen Reinigkeit, wie vielmehr wird das Blut Christi, der sich selbst, ohn allen Wandel, durch den heiligen Geist Gotte geopfert hat, unser Gewissen reinigen von den todten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott? Und darum ist er auch ein Mittler des neuen Testaments, auf daß durch den Tod, so geschehen ist zur Er lösung von den Uebertretungen, die unter dem ersten Testament waren, die so berufen sind, das verheißene ewige Erbe empfahen. Am heiligen Osterfest. 1) Evangelium, Marc. 16, 1-8. Und da ber Sabbath vergangen war, kauften Maria Magdalena, und MariaJakobi, und Salome Spezerei, auf daß sie kämen und falbeten ihn. Und sie Jahrgang I. Osterfest und Ostermontag. 31 kamen zum Grabe an einem Sabbather sehr frühe, da die Sonne aufgieng. Und sie sprachen unter einander: wer wälzet uns den Stein von des Grabes Thür? Und sie sahen dahin und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzet war; denn er war sehr groß. Und sie giengen hinein in das Grab und sahen einen Jüngs ling zur rechten Hand sizen, der hatte ein lang, weiß Kleid an. Und sie entsazten sich. Er aber sprach zu ihnen: entseget euch nicht! Ihr suchet Jeſum von Nazareth, den gekreuzigten; er ist auferstanden und ist nicht hie. Siehe da die Stätte, da sie ihn hinlegten. Gehet aber hin und sagts seinen Jüngern und Petro, daß er vor euch hingehen wird in Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie giengen schnell heraus und flohen von dem Grabe, denn es war sie Zittern und Entsegen ankommen, und sagten niemand nichts, denn sie furchten sich. 2) Epistel, 1 Cor. 15, 1-20. Ich erinnere euch aber, lieben Brüder, des Evangelii, das ich euch verkündigt hab, welches ihr auch angenommen habt, in welchem ihr auch stehet, durch welches ihr auch selig werdet; welchergestalt ich es euch verkündiget habe, so ihrs behalten habt: es wäre denn, daß ihrs umsonst geglaubet hättet. Denn ich habe euch zuvörderst gegeben, welches ich auch empfangen habe: daß Christus gestorben sey für unsere Sünden, nach der Schrift; und daß er begraben sey und daß er auferstanden sey am dritten Tage, nach der Schrift; und daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den zwölfen; darnach ist er gesehen worden von mehr denn fünfhundert Brüdern auf einmal, der noch viel leben, etliche aber sind entschlafen. Darnach ist er gesehen worden von Jakobo; darnach von allen Aposteln. Am letzten nach allen ist er auch von mir, als einer unzeitigen Geburt, gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, als der ich nicht werth bin, daß ich ein Apostel heiße, darum daß ich die Gemeine Gottes verfolget habe. Aber von Gottes Gnaden bin ich das ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet denn sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. Es sey nun ich oder jene; also predigen wir, und also habt ihr geglaubet. So aber Christus geprediget wird, daß er sey von den Todten auferstanden, wie sagen denn etliche unter euch: die Auferstehung der Todten sey nichts? Ist aber die Auferstehung der Todten nichts, so ist auch Christus nicht auferstanden; ist aber Christus nicht caferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. Wir würden auch erfunden falsche Zeugen Gottes, daß wir wider Gott gezeuget hätten: er hätte Christum auferwecket, den er nicht auferwecket hätte. sintemal die Todten nicht auferstehen. Denn so die Todten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube eitel, so sehd ihr noch in euren Sünden, so sind auch die, so in Christo entschlafen sind, verloren. Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christum, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Todten, und der Erstling worden unter denen die da schlafen. Am Oftermontag. 1) Evangelium, Luc. 24, 13-35. Und siehe, zween aus ihnen giengen an demselbigen Tage in einen Flecken, der war von Jerusalem sechzig Feldwegs weit, deß Namen heißt Emmaus; und sie redeten mit einander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, da sie so redeten und befragten sich mit einander, nahete Jesus zu ihnen und wandelte mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht kannten. Er sprach aber zu ihnen: was sind das für Reden, die ihr zwischen euch handelt Jahrgang I. Oftermontag, Quasimodogeniti. unterwegen und seyd traurig? Da antwortete einer, mit Namen Kleophas, und sprach zu ihm: bist du allein unter den Fremdlingen zu Jerusalem, der nicht wisse was in diesen Tagen brinnen geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: welches? Sie aber sprachen zu ihm: das von Jesu von Nazareth, welcher war ein Prophet, mächtig von Thaten und Worten vor Gott und allem Volk; wie ihn unsere Hohenpriester und Obersten überantwortet haben zum Verdammniß des Todes und gekreuziget; wir aber hoffeten, er sollte Israel erlösen. Und über das alles ist heute der dritte Tag, daß solches geschehen ist. Auch haben uns erschreckt etliche Weiber der unsern, die sind frühe bei dem Grabe gewesen, haben seinen Leib nicht funden, kommen und sagen, sie haben ein Gesichte der Engel gesehen, welche sagen, er lebe. Und etliche unter uns giengen hin zum Grabe und fundens also, wie die Weiber sagten; aber ihn funden sie nicht. Und er sprach zu ihnen: o ihr Thoren und träges Herzens, zu glauben alle dem das die Propheten gerert haben! Mußte nicht Christus solches leiden und zu seiner Herrlichkeit eingehen? Und fieng an von Mose und allen Propheten und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren. Und sie kamen nahe zum Flecken da sie hingiengen, und er stellete sich, als wollte er fürder gehen. Und sie nöthigten ihn und sprachen: bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Und er gieng hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brod, dankete, brachs und gabs ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und erkenneten ihn; und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen unter einander: brannte nicht unser Herze in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete? Und sie stunden auf zu derselbigen Stunde, kehreten wieder gen Jerusalem und funden die Elfe versammlet und die bei ihnen waren, welche sprachen: der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simoni erschienen. Und sie erzähleten ihnen, was auf dem Wege geschehen war, und wie er von ihnen erkannt wäre an dem, da er das Brod brach. 32 2) Abendlection, Apostelgesch. 10, 34-41. Petrus aber that seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich mit der Wahrheit, daß Gott die Person nicht anstehet, sondern in allerlei Volk, wer ihn fürchtet und recht thut, der ist ihm angenehm. Ihr wisset wohl von der Predigt, die Gott zu den Kindern Israel gesandt hat, und verkündigen lasfen den Frieden durch Jesum Christum, welcher ist ein Herr über alles, die durchs ganze jüdische Land geschehen ist und angangen in Galiläa, nach der Taufe die Johannes predigte, wie Gott denselbigen Jesum von Nazareth gesalbet hat mit dem heiligen Geiste und Kraft, der umher gezogen ist und hat wohlgethan und gesund gemacht alle die vom Teufel überwältiget waren; denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen alles das er gethan hat im jüdischen Lande und zu Jerusalem. Den haben sie getödtet und an ein Holz gehangen. Denselbigen hat Gott auferwecket am dritten Tage und ihn lassen offenbar werden, nicht allem Volk, sondern uns, den vorerwählten Zeugen von Gott, die wir mit ihm gessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden ist von den Tobten. Am Sonntag Quasimodogeniti. 1) Evangelium, Joh. 20, 19-23. Am Abend aber desselbigen Sabbaths, da die Jünger versammlet, und die Thüren verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sey mit euch! Und als er das sagte, zeigete er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß fie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermal zu ihnen: Friede sey mit euch! Jahrgang I. Misericordias Domini. 33 Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das sagte, blies er sie an und spricht zu ihnen: nehmet hin den heiligen Geist; welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. 2) Epistel, 1 Joh. 5, 4-13. Denn alles was von Gott geboren ist, überwindet die Welt, und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Wer ist aber, der die Welt überwindet, ohn der da glaubet, daß Jesus Gottes Sohn ist? Dieser ists, der da kommt mit Wasser und Blut, Jesus Christus, nicht mit Wasser allein, sondern mit Wasser und Blut. Und der Geist ists, der da zeuget, daß Geist Wahrheit ist. Denn drei sind die da zeugen im Himmel: der Bater, das Wort und der heilige Geist, und diese drei sind eins. Und drei sind die da zeugen auf Erden: der Geist und das Wasser und das Blut, und die drei sind beisammen. So wir der Menschen Zeugniß annehmen, so ist Gottes Zeugniß größer; denn Gottes Zeugniß ist das das er gezeuget hat von seinem Sohn. Wer da glaubet an den Sohn Gottes, der hat solches Zeugniß bei ihm. Wer Gotte nicht glaubet, der macht ihn zum Lügner, denn er glaubet nicht dem Zeugniß das Gott zeuget von seinem Sohn. Und das ist das Zeugniß, daß uns Gott das ewige Leben hat gegeben, und solches Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. Solches hab ich euch geschrieben, die ihr glaubet an den Namen des Sohns Gottes; auf daß ihr wisset, daß ihr das ewige Leben habt, und daß ihr glaubet an den Namen des Sohns Gottes. Am Sonntag Misericordias Domini. 1) Evangelium, Joh. 10, 11-18. Ich bin kommen, daß sie das Leben und volle Genüge haben sollen. Ich bin ein guter Hirte; ein guter Hirte lässet sein Leben für die Schafe. Ein Miethling aber, der nicht Hirte ist, deß die Schafe nicht eigen sind, siehet den Wolf kommen und verlässet bie Schafe und fleucht, und der Wolf erhaschet und zerstreuet die Schafe. Der er Miethling aber fleucht; denn er ist ein Miethling und achtet der Schafe nicht. Ich bin ein guter Hirte und erfenne die meinen und bin bekannt den meinen, wie mich mein Vater kennet, und ich kenne den Vater, und ich faffe mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, bie sind nicht aus diesem Stalle; und dieselben muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird eine Heerd und ein Hirte werden. Darum lieber mich mein Vater, daß ich mein Leben lasse, auf daß ichs wieder nehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selber. Ich habe es Macht zu lassen, und habe es Macht wieder zu nehmen. Solches Gebot habe ich empfangen von meinem Vater. 2) Epistel, 1 Petri 2, 21-25. Christus hat gelitten für uns und uns ein Vorbild gelassen, daß ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden; welcher nicht wierer schalt, ba er gescholten wars, nicht brauete, da er litt, er stellete es aber dem heim ker da recht richtet; welcher unsere Sünden selbst geopfert hat an seinem Leibe auf dem Holz, auf daß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben; durch welches Wunden ihr feyp heil worden. Denn ihr waret wie die irrenden Schafe, aber ihr seyd nun bekehret zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen. Evangelisches Gesangbuch.( Anhang.) 3 Jahrgang 1. Jubilate, Cantate. Am Sonntag Jubilate. 1) Evangelium, Joh. 16, 5-15. Nun aber gehe ich hin zu dem der mich gesandt hat, und niemand unter euch fraget mich: wo gehest du hin? sondern dieweil ich solches zu euch geredt habe, ist euer Herz voll Trauerns worden. Aber ich sage euch die Wahrheit: es ist enchy gut, daß ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch: so ich aber hingebe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, ver wird die Welt strafen um die Sünde und um die Gerechtig. teit und um das Gerichte. Um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich; um die Gerechtigkeit aber, daß ich zum Vater gehe, und ihr mich fort nicht sehet; am das Gerichte, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnets jeßt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von ihm selber reben, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wirb er euch verkündigen. Derselbige wird mich verklären; benn von bem meinen wird ers nehmen und euch verkündigen. Alles was der Vater hat, das ist mein, tarum hab ich gesagt: er wirds von dem meinen nehmen und euch verkündigen. 34 2) Epistel, 1 Petri 2, 11-17. Lieben Brüder, ich ermahne euch als die Fremblinge und Pilgrime: enthaltet euch von fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten, und führet einen guten Wandel unter den Heiden, auf daß die so von euch afterreden als von Ülebelthätern, eure gute Werk sehen und Gott preisen, wenns nun an den Tag kommen wird. Eeyo unterthan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sey dem Könige, als dem Obersten, oder den Hauptleuten, als den Gesandten von ihm zur Rache über die Uebelthäter und zu Lobe den Frommen, Denn das ist der Wille Gottes, daß ihr mit Wohlthun verstopfet die Unwissens heit der thörichten Menschen, als die freien, und nicht als hättet ihr die Freiheit jum Dedel der Bosheit, sondern als die Knechte Gottes. Thut Ehre jedermann; habt die Brüder lieb; fürchtet Gott; chret den König. Am Sonntag Cantate. 1) Evangelium, Joh. 16, 16-23. s Uleber ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen, denn ich gehe zum Bater. Da sprachen etliche unter seinen Süngern unter einander: was ist das, daß er saget zu uns: über ein fleines, so werber ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleines, so werder ihr mich sehen, und daß ich zum Vater gehe? Da sprachen fie: was ift tas, daß er faget: über ein kleines? wir wissen nicht, was er redet. Da merkete Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: davon fraget ihr unter einander, daß ich gesagt hab: über ein kleines, so wertet ihr mich nicht sehen, und aber über ein fleines, so werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich ich fage euch: ihr wertet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen; ihr aber werdet traurig seyn; bech eure Traurigkeit soll in Freude verkehret werden. Ein Weib, wenn sie gebiert, so hat sie Traurigkeit, denn ihre Stunde ist kommen, wenn sie aber das Kind geboren hat, benfet sie nicht mehr an die Angst um der Freure willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist. Und ihr habt auch nun Traurigkeit, aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz foll sich freuen, une eure Freure soll niemand von euch nehmen. Und an demselbigen Tage werdet ihr mich nichts fragen. Jahrgang I. Rogate, Himmelfahrt Chrifti. 2) Epistel, Jakobi 1, 13-20. Niemand sage, wenn er versucht wird, daß er von Gott versucht werde; denn Gott ist nicht ein Versucher zum Bösen, er versuchet niemand; sondern ein jeglicher wird versucht, wenn er ven seiner eigenen Lust gereizet und gelofet wird. Darnach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert sie den Tod. Irret nicht, lieben Brüber alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bet welchem ist keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und Finsterniß. Er hat uns gezeuget nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, auf raß wir wären Erstlinge seiner Kreaturen. Darum, lieben Brüter, ein jeglicher Mensch sey schnell zu hören, langsam aber zu reden und langsam zum Zern. Denn des Menschen Zorn thut nicht was vor Gott recht ist. Am Sonntag Rogate. 1) Evangelium, Joh. 16, 23-33. Wahrlich, wahrlich ich sage euch: so ihr den Bater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird ers euch geben. Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sey. Solches habe ich zu euch durch Sprichwort gerebt; es kommt aber die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprichwort mit euch reden werte, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. An demselbigen Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Unb ich sage euch nicht, daß ich ben Bater für euch bitten will; denn er selbst, der Bater, hat euch lieb, darum daß ihr mich liebet und glaubet, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und kommen in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Bater. Sprechen zu ihm seine Jünger: fiche, nun redest du frei heraus und sagst kein Sprichwort; nun wissen wir, daß du alle Ding weißest und bedarfest nicht, daß dich jemand frage; barum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist. Jesus antwortete ihnen: jest glaubet ihr; fiche, es kommt vie Stunde und ist schen kommen, daß ihr zerstreuet werdet, ein jeglicher in das seine, und mich alleine lasset; aber ich bin nicht alleine, benn der Vater ist bei mir. Solches habe ich mit euch geredt, daß ihr in mir Friede habet. In der Welt habet ihr Angst; aber seyd getrost, ich habe die Welt überwunden. 35 2) Epistel, Jakobi 1, 21-27. Darum so leget ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit, und nehmet das Wort an mit Sanftmuth, das in euch gepflanzet ist, welches kann eure Seelen felig machen. Seyb aber Thäter des Worts, und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbst betrüget. Denn so jemand ist ein Hörer des Worts, und nicht ein Thäter, der ist gleich einem Mann, der sein leiblich Angesichte im Spiegel beschauet. Denn nachtem er sich beschauet hat, gehet er von Stund an davon und vergisset, wie er gestaltet war. Wer aber durchschauet in das vollkommene Geses ver Freiheit und darinnen beharret, und ist nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter, derselbige wird selig seyn in seiner That. So aber sich jemand unter euch läffet bünten, er biene Gott, und hält seine Sunge nicht im Zaum, sondern verführet sein Herz, des Gottesdienst ist eitel. Ein reiner und unbeflecter Gottesdienst vor Gett dem Vater ist der: Lie Waisen und Wittwen in ihrem Trübsal besuchen, und sich von der Welt unbefleckt behalten. Am Fest der Himmelfahrt Chrifti. 1) Evangelium, Marc. 16, 14-20. Zuleßt, da vie Elfe zu Tisch saßen, offenbarte er sich und schalt ihren Un. glauben und ihres Herzens Härtigkeit, daß sie nicht geglaubt hatten Lenen die 36 Jahrgang I. Himmelfahrt Christi, Exaudi. ihn gesehen hatten auferstanden; und sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur! Wer da glaubet und getauft wirt, ber wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden. Die Zeichen aber, die da folgen werden denen die da glauben, sind die: in meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Jungen reden, Schlangen vertreiben, und so sie etwas tödtlichs trinken, wirds ihnen nicht schaden. Auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wirts beffer mit ihnen werden. Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredt hatte, ward er aufgehaben gen Himmel und sizet zur rechten Hand Gottes. Sie aber giengen aus und predigten an allen Orten, und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigre das Wort durch mitfolgende Zeichen. 2) Abendlection, Apostelgeschichte 1, 1-11.. Die erste Nede hab ich zwar gethan, lieber Theophile, von alle dem das Jefus anfieng beide zu thun und zu lehren, bis an den Tag, da er aufgenommen ward, nachdem er den Aposteln, welche er hutte erwählet, durch den heiligen Geist Befehl gethan harte; welchen er sich nach seinem Leiden lebendig erzeiget hatte durch mancherlei Erweisungen, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und retete mit ihnen vom Reich Gottes. Und als er sie versammler hatte, befahl er ihnen, daß sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die Berheißung bes Vaters, welche ihr habt gehöret( sprach er) von mir. Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem heiligen Geiste getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die aber, so zusammen kommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du auf diese Zeit wieder auf richten das Reich Israel? Er sprach aber zu ihnen: es gebührt euch nicht zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat; sondern ihr werbet bie Kraft des heiligen Geistes empfahen, welcher auf euch tommen wird, und werdet meine Zeugen seyn zu Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde. Und da er solches gesagt, ward er aufgehaben zusehenes, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsaben gen Himmel fahrend, stehe, tg stunden bei ihnen zween Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren. Am Sonntag Exaudi. ips 1) Evangelium, Joh. 15, 26. bis Kap. 16, 4. Wenn aber der Tröfter kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Bater, der Geist der Wahrheit, der vom Bater ausgehet, ber wird zeugen von mir. Unb ihr werdet auch zeugen, denn ihr sehd von Anfang bei mir gewesen. Solches habe ich zu euch gerebt, baß ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch in deu Bann thun; es kommt aber die Zeit, daß wer euch tödtet, wird meinen, er thue Gott einen Dienst dran. Und solches werden sie euch darum thun, daß sie weder meinen Vater noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch gerebt, auf baß, wenn bie Zeit kommen wird, daß ihr dran gedenket, daß ichs euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt, denn ich war bei euch ,. 2) Epistel, 1 Petri 4, 8-11. So feyb nun mäßig und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen aber habt unter einander eine brünstige Liebe; denn die Liebe deckt auch der Sünden Menge. Eeyb gaftfrei unter einander ohne Murmeln, und bienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes: so jemand redet, daß ers rebe als Gottes Wort; so Altolini: Sach Jahrgang I. Pfingstfest. TE 37 jemand ein Amt hat, daß ers thue, als aus tem Vermögen das Gott varreichet, auf daß in allen Dingen Gott gepreiset werde durch Sesum Christ, welchem sey Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Am heiligen Pfingstfest. 1) Evangelium, Joh. 14, 23-31. Wer mich liebet, der wird meine Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Wer aber mich nicht liebet, der hält meine Wort nicht. Und das Wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Solches habe ich zu euch geredt, weil ich bei euch gewesen bin. Aber ber Tröster, der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, derselbige wirds euch alles lehren und euch erinnern alles deß das ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht; ihr habt gehöret, daß ich euch gesagt habe: ich gehe hin und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe: ich gehe zum Vater: denn der Vater ist größer denn ich. Und nun hab ichs euch gefaget, ehe tenn es geschieht, auf daß, wenn es nun geschehen wird, daß ihr glaubet. Ich werde fort mehr nicht viel mit euch reden, denn es kommt der Fürst dieser Welt, und hat nichts an mir. Aber auf daß die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe und ich also thue, wie mir der Vater geboten hat: stehet auf und lasset uns von hinnen gehen. 2) Abendlection, Apostelgeschichte 2, 1-18. Und als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmüthig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel als eines gewaltigen Windes, und erfüllete das ganze Haus, da sie saßen. Und man sahe an ihnen die Zungen zertheilet, als wären sie feurig, und er satte sich auf einen jeglichen unter ihnen, und wurden alle voll des heiligen Geists und fiengen an zu predigen mit andern Zungen, nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottfürchtige Männer, aus allerlei Volk vas unter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Mienge zusammen und wurden verstürzt, denn es hörete ein jeglicher, daß sie mit seiner Sprache rebeten. Sie entsatten sich aber alle, verwunderten sich und sprachen unter einander: siehe, sind nicht diese alle die va reden aus Galiläa? Wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache darinnen wir geboren sind? Parther, und Meder, und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamien, und in Judka, und Kappadocien, Pontus und Asia, Prhrygien und Pamphylien, Egypten und an den Enden der Lybien, bei Cyrene, und Ausländer von Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber? Wir hören sie mit unsern 3ungen die großen Thaten Gottes reben! Sie entfaßten sich alle und wurden irre und sprachen einer zu dem andern: was will das werden? Die andern aber hattens ihren Spott und sprachen: sie sind voll füßes Weins Da trat Petrus auf mit den elfen, hub auf seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, lieben Männer, und alle die ihr zu Jerusalem wohnet, das sey euch kund gethan, und laffet meine Wort zu euren Ohren eingehen; denn diese sind nicht trunken, wie ihr wähnet, fintemal es ist die britte Stund am Tage. Sondern das ists das durch den Propheten Joel zuvor gesagt ist: Und es foll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, ich will ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch, und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Aeltesten sollen Träume haben, und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in denselbigen Tag.:: von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weiffagen." Jahrgang 1. Pfingstmontag, Fef Trinitatis. Am Pfingstmontag. 1) Evangelium, Joh. 3, 16-21. Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in bie Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubet, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubet, der ist schon gerichtet, denn er glaubet nicht an den Namen des eingebornen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gerichte: daß das Licht in die Welt kommen ist, und die Menschen liebeten die Finsterniß mehr denn das Licht, denn ihre Werk waren böse. Wer arges thut, der haffet das Licht und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werk nicht gestrafet werden. Wer aber vie Wahrheit thut, der kommt an das Licht, daß seine Werk offenbar werden, denn sie sind in Gott gethan. 38 2) Abendlection, Apostelgeschichte 10, 42-48. Der Der Herr hat uns gebeten, zu prebigen dem Volk und zeugen, daß er ist verortnet von Gott ein Richter der Lebendigen und der Totten. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle die an ihn glauben. Vergebung der Sünden empfahen sollen. Da Petrus noch diese Wort redete, fiel der heilige Geist auf alle die dem Wort zuhöreten. Und die Gläubigen aus der Beschneitung, die mit Petro kommen waren, entsagten sich, daß auch auf die Heiden die Gabe des heiligen Geistes ausgegessen ward. Denn sie höreten, daß sie mit Jungen redeten und Gott hech preiseten. Da antwortete Petrus: mag auch jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getauft werden die ben heiligen Geist empfangen haben gleichwie auch wir? und befahl sie zu taufen in dem Namen des Herrn. Am Fest Trinitatis. 1) Evangelium, Joh. 3, 1-15. Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern, mit Namen Nikoremus, ein Oberster unter den Juden; der kam zu Jesu bei der Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß tu bist ein Lehrer, von Gott kommen, denn niemand kann die Zeichen thun die du thust, es sey denn Gott mit ihm. Jesus ant wortete und sprach zu ihm: wahrlich, wahrlich ich sage dir: es sey denn daß jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: wahrlich, wahrlich ich sage dir, es sey denn daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch, und was vom Geist geboren wird, das ist Geist. Laß bichs nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: ihr müsset von neuem geboren werden. Der Wind bläset, wo er will, und tu höreft sein Sausen wohl, aber du weißt nicht, von wannen er kommt und wohin er fähret: also ist ein jeglicher der aus dem Geist geboren ist. Nikodemus ant wortete und sprach zu ihm: wie mag folches zugehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: bist du ein Meister in Ifrael und weißest ras nicht? Wahrlich, wahrlich ich sage dir: wir reden das wir wissen, und zeugen das wir gesehen haben; und ihr nehmet unser Zeugniß nicht an. Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde? Und niemand fähret gen Himmel, denn der vom Himmel hernieder kommen ift, nämlich des Menschen Sohn der im Himmel ist. Und wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhet hat, also muß des Jahrgang I. Am 1. und 2. Sonntag nach Trinitatis. 39 Menschen Sohn erhöhet werden, auf daß alle die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. 2) Epistel, Röm. 11, 33-36. welch eine Tiefe des Reichthums, beide der Weisheit und Erkenntniß Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte, und unerforschlich seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt? ober wer ist sein Rathgeber gewesen? ober wer hat ihm etwas zuvor gegeben, tas ihm werte wieber vergolten? Denn von ihm und durch ihn und in( zu) thm sind alle Ding. Ihm sey Chre in Ewigkeit! Amen. Am 1. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Luc. 16, 19-31. ( 56 war aber ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur und köstlichem Leinwand und lebete älle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer, mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Thür voller Schwären, und begehrete sich zu sättigen von den Brosamen die von des Reichen Tische fielen. Doch kamen die Hunde und lecketen ihm seine Schwären. Es begab sich aber, daß der Arme starb und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schooß. Der Reiche aber starb auch und ward begraben. Als er nun in der Hölle und in der Qual war, hub er seine Augen auf und sahe Abraham von fernen und Lazarum in seinem Schroß, rief und sprach: Bater Abraham! erbarme dich mein und sende Lazarum, baß er das äußerste seines Fingers ins Wasffer tauche und kühle meine Zunge, denn ich leive Bein in dieser Slamme. Abraham aber sprach: gedenke, Sohn, daß du dein gutes empfangen haft in deinem Leben, und Lazarus bagegen hat böses empfangen; nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeiniget. Und über das alles ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestiget, daß, die da wollten von hinnen hinabfahren zu euch, fönnten nicht, und auch nicht von bannen zu uns herüber fahren. Da sprach er: so bitte ich vich, Bater, daß du ihn sentest in meines Baters Haus: benn ich habe noch fünf Brüder, daß er ihnen bezeuge, auf daß sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. Abraham sprach zu ihm: sie haben Mosen und die Propheten, laß sie dieselbigen hören. Er aber sprach: nein, Bater Abraham; sondern wenn einer von den Todten zu ihnen gienge, so würden sie Buße thun. Er sprach zu ihm: hören sie Mosen und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, ob jemand von den Todten aufstünde. 2) Epiftel, 1 Joh. 4, 16-21. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. Daran ist die Liebe völlig bei uns, auf daß wir eine Freudigkeit haben am Tage de Gerichts; denn gleichwie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibet vie Furcht ans, denn die Furcht hat Bein; wer sich aber fürchtet, ter ist nicht völlig in der Liebe. Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns erst geliebet. So jemand spricht: ich liebe Gott, und haffet seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer feinen Bruder nicht liebet, den er fiehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht sichet? Und dieß Gebot haben wir von ihm, daß wer Gott fiebet, baß er auch seinen Bruder liebet. Am 2. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Quc. 15, 1-10. Es naheten aber zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, daß sie ihn höreten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murreten und sprachen: dieser nimmt vie Jahrgang I. Am 2. und 3. Sonntag nach Trinitatis. Sünder an und isset mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dieß Gleichniß und sprach: welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und so er der eines verleurt, der nicht lasse die neun und neunzig in der Wüste und hingehe nach dem verlornen bis daß ers finde? Und wann ers funden hat, so legt ers auf seine Achseln mit Freuden; und wann er heim kommt, rufet er seinen Freunden und Nachbarn und spricht zu ihnen: freuet euch mit mir, benn ich habe mein Schaf funden das verloren war. Ich sage euch: also wird auch Freude im Himmel seyn über einen Sünder, der Buße thut, vor neun und neunzig Gerechten die der Buße nicht bedürfen. Oder welch Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie der einen verleurt, die nicht ein Licht anzünde und kehre das Haus und suche mit Fleiß bis daß sie ihn finde? Und wenn sie ihn funden hat, rufet sie ihren Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: freuet euch mit mir, denn ich habe meinen Groschen funden den ich verloren hatte. Also auch. sage ich euch, wird Freude sebn vor den Engeln Gottes über einen Sünder der Buße thut. 40 2) Epistel, 1 Joh. 3, 13-24. Verwundert euch nicht, meine Brüder, ob euch die Welt Hasset. Wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben kommen sind, denn wir lieben die Brüder. Wer ven Bruber nicht liebet, der bleibet im Tode. Wer seinen Bruder haffet, der ist ein Todtschläger; und ihr wisset, daß ein Todtschläger nicht hat das ewige Leben bei ihm bleibend. Daran haben wir erkannt die Liebe, daß Er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und siehet seinen Bruder darben, und schleußt sein Herz vor ihm zu, wie bleibet die Liebe Gottes bei ihm? Meine Kinblein, laßt uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der That und mit der Wahrheit. Daran erkennen wir, daß wir aus der Wahrheit sind und können unser Herz vor ihm stillen, daß so uns unser Herz verdammt, daß Gott größer ist denn unser Herz und erkennet alle Dinge. Ihr Lieben, so uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir eine Freutigkeit zu Gott. Und was wir bitten, werden wir von ihm nehmen; denn wir halten seine Gebot und thun was vor ihm gefällig ist. Und das ist sein Gebot, daß wir glauben an den Namen seines Sohns Jesu Christi und lieben uns unter einander, wie er uns ein Gebot gegeben hat. Und wer seine Gebot hält, ber bletbet in ihm, und er in ihm. Und daran erkennen wir, daß er in und bleibet: an dem Geist den er uns gegeben hat. Am 3. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 5, 1-16. Da aber Jesus das Volk sahe, gieng er auf einen Berg und sagte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Und er that seinen Mund auf, lehrete sie und sprach: Selig sind die da geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihr. Selig fint die da Leite tragen, denn sie sollen getröstet werden. Selig sind die Sanftmüthigen, denn sie werden das Erdreich besigen. Selig sind die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden. Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig sind die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen. Selig sind die Friebfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen. Selig sind die um Gerechtigkeit willen verfolget werden, denn das Himmelreich ist ihr. Selig seyd ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und recen allerlei übels wider euch, so sie daran fügen; seyb fröhlich und getrost, es wird euch im Himmel wohl belohnet werden. Denn also haben sie verfolget die Propheten vie Jahrgang I. Am 3. und 4. Sonntag nach Trinitatis. 41 vor euch gewesen sind. Ihr sehb bas Salz der Erde; wo nun das Salz dumm wird, womit soll man salzen? Es ist zu nichts hinfort nüße, denn daß man es hinausschütte und laß die Leute zertreten. Ihr sehd das Licht der Welt. Es mag die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen seyn. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter, so leuchtet es denen allen die im Hause sind. Also laßt euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure gute Werk sehen und euren Bater im Himmel preifen. 2) Epistel, 1 Petri 5, 5-11. Haltet fest an der Demuth, denn Gott widerstehet den Hoffärtigen; aber den Demüthigen gibt er Gnade. So demüthiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werfet auf ihn, denn er forget für euch. Sepd nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umher wie ein brüllender Löwe und suchet, welchen er verschlinge. Dem widerstehet feste im Glauben und wisset, daß eben dieselbigen Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aber aller Gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, derselbige wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen. Demselbigen sep Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Am 4. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 5, 17--48. Ihr sollt nicht wähnen, daß ich kommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht kommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich sage euch wahrlich: bis daß Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleineste Buchstab noch ein Titel vom Geseze, bis daß es alles geschehe. Wer nun eines von diesen kleinesten Geboten auflöset und lehret die Leute also, ver wird der kleineste heißen im Himmelreich; wer es aber thut und lehret, der wird groß heißen im Himmelreich. Denn ich sage euch: es sey denn eure Ge rechtigkeit besser denn der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in bas Himmelreich kommen. Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: du sollt nicht tödten; wer aber töbtet, der soll des Gerichts schuldig seyn. Ich aber sage euch wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Racha! der ist des Raths schuldig, wer aber sagt: du Narr! der ist des höllischen Feuers schuldig. Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und wirst allda eindenken, daß dein Bruder etwas wider vich habe, so laß allda vor dem Altar deine Gabe und gehe zuvor hin und verföhne dich mit deinem Bruder, und alsdann komm und opfere deine Gabe. Sey willfertig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist, auf daß dich der Widersacher nicht dermaleins überantworte tem Richter, und der Richter überantworte dich dem Diener und werdest in den Kerker geworfen. Ich sage dir wahrlich, du wirst nicht von tannen heraus kommen bis du auch den letzten Heller bezahlest! Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: du sollt nicht ehebrechen. Ich aber sage euch: wer ein Weib ansiehet, ihr zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. Nergert dich aber dein rechtes Auge, so reiß es aus und wirfs von dir. Es ist dir besser, daß eines beiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. Nergert bich deine rechte Hand, so haue sie ab und wirf fie von dir. Ge ist dir besser, daß eines deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. Es ist auch gesagt: wer sich von seinem Weibe scheidet, der soll ihr geben einen Scheidebrief. Ich aber sage euch: wer sich von seinem Weibe scheldet, es sey denn um Ehebruch, der macht, daß sie die Ehe bricht; 42 Jahrgang I. Am 4. und 5. Sonntag nach Trinitatis. und wer eine abgescheibete freiet, der bricht die Ehe. Ihr habt weiter gehört, daß zu den Alten gesagt ist: bu sollt keinen falschen Eid thun und sollt Gott deinen Eib halten. Ich aber sage euch: daß ihr allerding nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Stuhl; noch bei der Erde, denn sie ist seiner Füße Schemel; noch bei Jerusalem, denn sie ist eines großen Königes Stadt. Auch sollt du nicht bei deinem Haupt schwören; denn du dermagst nicht ein einige Haar weiß oder schwarz zu machen. Eure Rede aber sey: ja, ja; nein, nein; was drüber ist, das ist vom Uebel. Ihr habt gehört, daß da gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch: daß ihr nicht widerstreben sollt dem llebel; sondern so dir jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem biete den andern auch dar. Und so jemand mit dir rechten will und deinen Rock nehmen, dem laß auch den Mantel. Und so dich jemand nöthiget eine Meile, so gehe mit ihm zwo. Gib dem der dich bittet, und wende dich nicht von dem der dir abborgen will. Ihr habt gehört, daß gesagt ist: du sollt deinen Nächsten lieben, und deinen Feind haffen. Ich aber fage euch: liebet eure Feinde; segnet die euch sluchen; thut wohl denen die euch hassen; bittet für die so euch beleidigen und verfolgen; auf daß ihr Kinder seyd eures Baters im Himmel. Denn er läßt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten, und lässet regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn so ihr liebet die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Thun nicht dasselb auch die Zöllner? Und so ihr euch nur zu euren Brüdern freundlich thut, was thut ihr sonderlichs? Thun nicht die Zöllner auch also? Darum sollt ihr vollkommen seyn, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist. 2) Epistel, Röm. 8, 18-27. Denn ich halte es dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht werth sey, die an uns soll offenbaret werden. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Sintemal die Kreatur unterworfen ist der Eitelkeit ohne ihren Willen, sondern um deß Willen der sie unterworfen hat auf Hoffnung. Denn auch die Kreatur frei werden wird von dem Dienst des vergänglichen Wesens zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß alle Kreatur sebnet sich mit uns und ängstet sich noch immerbar. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft und warten auf unsers Leibes Erlösung. Denn wir sind wohl selig, doch in der Hoffnung. Die Hoffnung aber die man siehet, ist nicht Hoffnung, denn wie kann man deß hoffen das man siehet? So wir aber deß hoffen das wir nicht sehen, so warten wir sein durch Geduld. Desselbigen gleichen auch der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten soilen wie sichs gebührt: sondern der Geist selbst vertritt uns aufs beste mit unaussprechlichem Seufzen. Der aber die Herzen forschet, der weiß, was der Geistes Sinn sey; denn er vertritt die Heiligen nach dem das Gott gefällt. Am 5. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 6, 1-18. Habt Acht auf eure Almosen, daß ihr die nicht geht vor ren Leuten, daß ihr von ihnen gesehen werbet; ihr habt anders keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. Wenn du nun Almosen gibst, sollt du nicht lassen vor dir posaunen, wie die Henchler thun in den Schulen und auf den Gassen, auf daß sie von den Leuten gepreifet werden. Wahrlich ich sage euch: sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber Almosen gibst, se laß deine linke Hand nicht wissen was die rechte thut, auf daß dein Almosen verborgen sey; und dein Vater, der in das Jahrgang I. Am 5. und 6. Sonntag nach Trinitatis. 43 verborgene siehet, wird dirs vergelten öffentlich. Und wenn du tetest, sollt du nicht seyn wie die Heuchler, die da gerne stehen und beten in den Schulen und an den Ecken auf den Gassen, auf daß sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich ich sage euch: sie haben ihren Lohn dahin. Wenn aber du betest, so gehe in dein Kämmerlein und schleuß die Thür zu, und bete zu deinem Vater im verborgenen; und dein Vater, der in das verborgene stehet, wird birs vergelten öffentlich. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern, wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhöret, wenn sie viel Wort machen. Darum sollt ihr euch ihnen nicht gleicheu; euer Vater weiß was ihr bedürfet, the benn ihr ihn bittet. Darum sollt ihr also beten: Unser Vater in dem Himmel! Dein Name werde geheiliget. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel. Unser täglich Brod gib uns heute. Und vergib uns unsere Schulden, wie wir unsern Schuldigern vergeben. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Ulebel. Denn dein ist das Reich und die Kraft, und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Denn so ihr den Menschen ihre Fehle vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben; wo ihr aber den Menschen ihre Fehle nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehle auch nicht vergeben. Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer sehen, wie die Heuchler; denn sie verstellen ihre Angesicht, auf daß fie vor den Leuten scheinen mit ihrem Fasten. Wahrlich ich sage euch: sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche bein Angesicht, auf daß du nicht scheineft vor den Leuten mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater welcher verborgen ist; und dein Vater, der in das verborgene fiehet, wird dirs vergelten öffentlich. 2) Epistel, 1 Petri 3, 8-15. Seys allesammt gleichgesinnet: mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich Vergeltet nicht böses mit bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern dagegen segnet, und wisset, daß ihr dazu berufen seyd, daß ihr den Tegen beerbet. Denn wer leben will und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, daß sie nichts böses rebe, und seine Lippen, daß sie nicht trügen; er wende sich vom bösen und thue gutes, er suche Friede und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Gebet. Das Angesichte aber des Herrn sichet auf die da böses thun. Und wer ist, der euch scharen könnte, so ihr dem guten nachkommet? Und ob ihr auch leidet um Gerechtigkeit willen, so seyd ihr doch selig. Fürchtet euch aber vor ihrem Troßen nicht und erschreckt nicht. Heiliget aber Gott den Herrn in euren Herzen. Am 6. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 6, 19-34. Ihr sollt euch nicht Schätze sammlen auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen, und da die Diebe nach graben und stehlen. Sammlet euch aber Schäße im Himmel, da sie weder Motten noch Rost fressen, und da die Diebe nicht nach graben noch stehlen. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. Das Auge ist des Leibs Licht; wenn dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht seyn; wenn aber dein Auge ein Schalt ist, so wird dein ganzer Leib finster seyn. Wenn aber das Licht das in dir ist, Finsterniß ist, wie groß wird dann die Finsterniß selber seyn! Niemand kann zweien Herren dienen; entweder er wird einen hassen, und den andern lieben, ober wird einem anhangen, und ben andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum fage ich euch: sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euern Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn 4 44 Jahrgang I. Am 6. und 7. Sountag nach Trinitatis. die Speise? und der Leib mehr denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammlen nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Bater nähret sie doch. Seyb ihr denn nicht viel mehr denn sie? Wer ist unter euch, der seiner Länge eine Elle zufeßen möge, ob er gleich darum sorget? Und warum forget thr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht; ich sage euch: daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist als derselben eins. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute stehet und morgen in den Ofen geworfen wird, sollt er das nicht vielmehr euch thun, o ihr Kleingläubigen! Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: was werden wir essen? was werden wir trinken? womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allen trachten die Heiden; denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr deß alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Darum forget nicht für den andern Morgen, denn der morgende Tag wird für das seine sorgen. Es ist gnug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe. 2) Epistel, Röm. 6, 1-11. Was wollen wir hiezu sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, auf daß die Gnade desto mächtiger werde? Das sey ferne! Wie sollten wir in der Sünde wollen leben, der wir abgestorben sind? Wiffet ihr nicht, daß alle die wir in Jesum Christ getaufet sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir je mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferweckt von den Todten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir abec samt ihm gepflanzet werden zu gleichem Tode, so werden wir auch der Auferstehung gleich seyn; dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch samt ihm gekreuziget ist, auf daß der sündliche Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertiget von der Sünde. Sind wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden, und wissen, daß Christus, von den Todten erwecket, hinfort nicht stirbet; der Tod wird hinfort über ihn nicht herrschen. Denn das er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben zu einemmal; das er aber lebet, das lebet er Gotte. Also auch ihr haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seyd, und lebet Gotte in Christo Jesu, unsrem Herrn. Rom Am 7. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 7, 1-12. Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet. Denn mit welcherlei Gerichte ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welcherlei Maß ihr mejjet, wird euch gemessen werden. Was siehest du aber den Splitter in beines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balken in deinem Auge? Oder wie darfst du sagen zu deinem Bruder: halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und siehe, ein Balke ist in deinem Auge. Du Heuchler! zeuch am ersten den Balken aus deinem Auge: darnach bestehe, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest. Shr sollt das Heiligthum nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, auf daß sie dieselbigen nicht zertreten mit ihren Füßen, und sich wenden und euch zerreißen. Bittet, so wirb euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan. Denn wer da bittet, ber empfähet, und wer da suchet, der findet und wer da anklopft, dem wird aufgethan. Welcher ist unter euch Menschen, so ihn sein Sohn bittet ums Brod, der ihm einen Stein biete? oder so er ihn bittet um Jahrgang I. Am 7. und 8. Sonntag nach Trinitatis. 45 einen Fisch, der ihm eine Schlange biete? So denn ihr, die ihr doch arg seyd, könnet dennoch euren Kindern gute Gaben geben, wie vielmehr wird euer Vater im Himmel gutes geben benen die ihn bitten? Alles nun, das ihr wollet, daß euch die Leute thun sollen, Sas thut ihr ihnen; das ist das Gesetz und die Propheten. 2) Epistel, Röm. 6, 19-23. Ich muß menschlich davon reden um der Schwachheit willen cures Fleisches. Gleichwie ihr eure Glieder begeben habet zu Dienste der Unreinigkeit, und von einer Ungerechtigkeit zu der andern; also begebet auch nun eure Glieder zu Dienste der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden. Denn da ihr der Sünde Knechte waret, da waret ihr frei von der Gerechtigkeit. Was hattet ihr nun zu ber Zeit für Frucht? welches ihr euch jetzt schämet; denn das Ende desselbigen ist der Tod. Nun ihr aber seyd von der Sünde frei und Gottes Knechte worden, habt ihr eure Frucht, daß ihr heilig werdet, das Ende aber das ewige Leben. Denn der Tod ist der Sünden Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unserm Herrn. Am 8. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 7, 13-29. Gehet ein durch die enge Pforte! Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit der zur Verdammniß abführet, und ihr sind viel die drauf wandeln. Und die Pforte ist enge, und der Weg ist schmal der zum Leben führet, und wenig ist ihr die ihn finden. Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen von den Difteln? Also ein jeglicher guter Baum bringet gute Früchte, aber ein fauler Baum bringet arge Früchte. Ein guter Baum fann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. Es werden viel zu mir sagen an enem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweifsagt? haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? haben wir nicht in deinem Namen viel Thaten gethan? Dann werde ich ihnen bekennen: ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr Uebelthäter! Darum, wer bieje meine Rede höret und thut sie, den vergleiche ich einem klugen Mann der sein Haus auf einen Felsen bauete. Da nun ein Plaßregen fiel und ein Gewässer kam, und webeten die Winde und stießen an das Haus, fiel es doch nicht, denn es war auf einen Felsen gegründet. Und wer diese meine Rede höret, nud thut sie nicht, der ist einem thörichten Mann gleich der sein Haus auf den Sand bauete. Da nun ein Plaßregen fiel und kam ein Gewässer, und webeten die Winde und stießen an das Haus, da fiel es und that einen großen Fall. Und es begab sich, da Jesus diese Rede vollendet hatte, entsatte sich das Volk über seiner Lehre. Denn er predigte gewaltig, und nicht wie die Schriftgelehrten. 2) Epistel, Röm. 8, 12-17. So sind wir nun, lieben Brüder, Schuldner, nicht dem Fleisch, daß wir nach dem Fleisch leben; denn wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen, wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tödtet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibet, die find Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtlichen Geift empfangen, daß ihr euch abermal fürchten 46 Jahrgang 1. Am 9. Sonntag nach Trinitatis. müßtet; sondern ihr habt einen findlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Derselbige Geist gibt Zeugniß unfrem Geist, daß wir Gottes Kinder sind. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nemlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit zur Herrlichkeit erhaben werden. Am 9. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, kuc. 16, 1-12. Š8 war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter, der ward vor ihm berüchtiget, als hätte er ihm seine Güter umbracht. Und er forderte ihn und sprach zu ihm: wie höre ich das von dir? Thu Rechnung von deinem Haushalten, denn du kannst hinfort nicht mehr Haushalter seyn! Der Haushalter sprach bei sich selbst: was soll ich thun? Mein Herr nimmt das Amt von mir; graben mag ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich thun will, wenn ich nun von dem Amt gesetzt werde, daß sie mich in ihre Häuser nehmen. Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn und sprach zu rem ersten: wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: hundert Tonnen Dels. Und er sprach zu ihm: nimm deinen Brief, sege dich und schreib flugs: fünfzig. Darnach sprach er zu einem andern: bu aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: hundert Malter Weizen. Und er sprach zu ihm: nimm deinen Brief und schreib: achtzig. Und der Herr lobete den ungerechten Haushalter, daß er flüglich gethan hätte. Denn die Kinder dieser Welt sind klüger denn die Kinder des Lichts in ihrem Geschlechte. Und ich sage euch auch: machet euch Freunde mit tem ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr nun barbet, fie euch auf nehmen in die ewigen Hütten. Wer im geringsten treu ist, der ist auch im großen treu; und wer im geringsten unrecht ist, der ist auch im großen unrecht. So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seyd, wer will euch das wahrhaftige vertrauen? Und so ihr in dem fremden nicht treu seyd, wer will euch geben dasjenige das euer ist? 2) Epistel, 1 Cor. 10, 1-14. Ich will euch aber, lieben Brüber, nicht verhalten, daß unsere Bäter sind alle unter der Wolfe gewesen und sind alle durchs Meer gegangen, und sind alle unter Mofen getauft mit der Wolfe und mit dem Meer; und haben alle einerlei geistliche Speise gessen, und haben alle einerlei geiftlichen Trank getrunken; sie trunken aber von dem geistlichen Fels der mitfolgete, welcher war Christus. Aber an ihr vielen hatte Gott keinen Wohlgefallen; denn sie sind niedergeschlagen in der Wüste. Das ist aber uns zum Vorbilte geschehen, daß wir uns nicht gelüften laffen des bösen, gleichwie jene gelüstet hat. Werdet auch nicht Abgöttische, gleichwie jener etliche wurden, als geschrieben stehet:„ bas Volk fazte sich) nieder zu essen und zu trinken, und stund auf zu spielen." Auch lasset uns nicht Hurerei treiben, wie etliche unter jenen Hurerei trieben, und fielen aui einen Tag brei und zwanzig taufent. Lasset uns aber auch Christum nicht ver suchen, wie etliche von jenen ihn versuchten, und wurden von den Schlangen unbracht. Murret auch nicht, gleichwie jener etliche murreten, und wurden umbracht durch den Verderber. Solches alles widerfuhr ihnen zum Vorbilde; es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf welche das Ende der Welt kommen ist. Darum, wer sich lässet vünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. Es hat euch noch keine denn menschliche Versuchung betreten; aber Gott ist getren, der euch nicht lässet versuchen über euer Vermögen, son. tern machet, daß die Bersuchung so ein Ende gewinne, daß ihre könnet ertragen. Darum, meine Liebsten, flichét von rem Gößendienst. Jahrgang I. Am 10. und 11. Sonntag nach Trinitatis. Am 10. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Luc. 19, 41-48. Und als Jesus nahe hinzu kam, sahe er die Stadt an und weinete über sie und sprach: wenn du es wüßtest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet! Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, dich belagern und an allen Orten ängsten, und werden dich schleifen und keinen Stein auf dem andern laffen, darum daß du nicht erkennet haft die Zeit, darinnen du heimgesucht bist. Und er gieng in den Tempel und fieng an auszutreiben die darinnen verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: es stehet geschrieben:, mein Haus ist ein Bethaus"; ihr aber habts gemacht zur Mördergrube. Und er lehrete täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten und die Vornehmsten im Volk trachteten ihm nach, daß sie ihn umbrächten, und funden nicht wie sie ihm thun follten; denn alles Bolk hieng ihm an und hörete ihn. 47 2) Epistel, 1 Cor. 12, 1-11. Von den geistlichen Gaben aber will ich euch, lieben Brüder, nicht verhalten. Ihr wisset, daß ihr Heiden feyd gewesen und hingegangen zu den stummen Gößen, wie ihr geführt wurdet. Darum thu ich euch kund, daß niemand Jesum verfluchet, der durch den Geist Gottes rebet; und niemand kann Jesum einen Herrn heißen, ohn durch den heiligen Geift. Es find mancherlei Gaben, aber es ist ein Geist. Und es sind mancherlei Aemter, aber es ist ein Herr. Und es sind mancherlei Kräfte, aber es ist ein Gott, der da wirket alles in allen. In einem jeglichen erzeigen sich die Gaben des Geistes zum gemeinen Nuß. Einem wird gegeben durch den Geist, zu reden von der Weisheit; dem andern wird gegeben, zu reden von der Erkenntniß, nach demselbigen Geist; einem andern der Glaube in demselbigen Geist; einem andern bie Gabe, gesund zu machen, in demselbigen Geist; einem andern, Wunder zu thun; einem andern Weissagung: einem andern, Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Sprachen; einem andern, die Sprachen auszulegen. Dieß aber alles wirket derfelbige einige Geist und theilet einem jeglichen seines zu, nachdem er will. Am 11. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Luc. 18, 9-14. Er sagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären, und verachteten die andern, ein solch Gleichniß: Es giengen zween Menschen hinauf in den Tempel zu beten, einer ein Pharisäer, der ander ein Zöllner. Der Pharisäer stund und betete bei sich selbst also: ich danke vir, Gott, daß ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ghebrecher, over auch wie bieser Zöllner. Ich fafte zwier in der Woche und gebe den Zehenten von allem das ich habe. Und der Zöllner stund von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott sey mir Sünder gnavig! Ich sage euch: dieser gieng hinab gerechtfertiget in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöhet, ber wird erniedriget werden, und wer sich erniedris get, der wird erhöhet werden. 2) Epistel, 2 Cor. 5, 1-10. Wir wissen aber, so unfer irdisch Haus dieser Hütte zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben von Gott erbauet, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, bas ewig ist im Himmel. Und über demselbigen sehnen wir uns auch nach unserer Behausung, die vom Himmel ist, und uns verlanget, daß wir damit überkleider 48 Jahrgang I. Am 12. und 13. Sonntag nach Trinitatis. werden, so doch, wo wir bekleidet und nicht bloß erfunden werden. Denn dieweil wir in der Hütte sind, sehnen wir uns und sind beschweret; sintemal wir wollten lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden, auf daß das sterbliche würde verschlungen von dem Leben. Der uns aber zu demselbigen bereitet, das ist Gott, der uns das Pfand, den Geist, gegeben hat. Wir sind aber getroft allezeit und wissen, daß, dieweil wir im Leibe wohnen, so wallen wir dem Herrn; denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. Wir sind aber getrost und haben vielmehr Lust, außer dem Leibe zu wallen und daheim zu seyn bei dem Herrn. Darum fleißigen wir uns auch, wir sind daheim oder wallen, daß wir ihm wohlgefallen. Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Nichtstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfahe, nach dem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sey gut oder böse. Am 12. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Marc. 7, 31-37. Und da Jesus wieder ausgieng von den Grenzen Tyri und Sidon, kam er an das galiläische Meer, mitten unter die Grenze der zehen Städte. Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem Volk besonders, und legte ihm die Finger in die Ohren, und spüßzete, und rührete seine Zunge, und sahe auf gen Himmel, seufzete und sprach zu ihm: hephatha! das ist: thu dich auf! Und alsbald thaten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge ward los, und redete recht. Und er verbot ihnen, sie solltens niemand sagen. Je mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten; und verwunderten sich über die Maß und sprachen: er hats alles wohlgemacht; die Tauben machet er hörend und die Sprachlosen redend. 72) Epistel, 2 Cor. 3, 4-11. Ein solch Vertrauen aber haben wir durch Christum zu Gott. Nicht daß wir tüchtig sind von uns selber, etwas zu denken als von uns selber, sondern daß wir tüchtig sind, ist von Gott. Welcher auch uns tüchtig gemacht hat, das Amt zu führen des neuen Testaments, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes; denn der Buchstabe tödtet, aber ver Geist machet lebendig. So aber das Amt, das durch die Buchstaben töbtet und in die Steine ist gebildet, Klarheit hatte, also, daß die Kinder Israel nicht konnten ansehen bas, Angesicht Mosis, um der Klarheit willen seines Angesichtes, die doch aufhöret; wie sollte nicht vielmehr das Amt, das den Geist gibt, Klarheit haben? Denn so das Amt, das die Verdammniß prediget, Klarheit hat, vielmehr hat das Amt, das die Gerechtigkeit prediget, überschwengliche Klarheit. Denn auch jenes Theil, das verkläret war, ist nicht für Klarheit zu achten gegen dieser überschwenglichen Klarheit. Denn so das Klarheit hatte, das da aufhöret, vielmehr wird das Klarheit haben, das da bleibet. god le Am 13. Sonntag nach Trinitatis. 15000 1) Evangelium, Luc. 10, 23-37. Und Jesus wandte sich zu seinen Jüngern und sprach insonderheit: selig find die Augen die da sehen das ihr sehet! Denn ich sage euch: viel Propheten und Könige wollten sehen das ihr sehet, und habens nicht gesehen, und hören das ihr höret, und habens nicht gehöret. Und siche, da stund ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß ich thun, daß ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: wie stehet im Gesetz geschrieben? wie. Lesest du? Er antwortete und sprach: du sollt Gott, beinen Herrn lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüthe, Jahrgang I. Am 13. und 14. Sonntag nach Trinitatis. 49 und deinen Nächsten als dich selbst. Er aber sprach zu ihm: du hast recht geantwortet; thue das, so wirst du leben! Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesu: wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der gieng von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Mörder, die zogen ihn aus und schlugen ihn, und giengen davon, und ließen ihn halb todt liegen. Es begab sich aber ungefähr, daß ein Priester dieselbige Straße hinab zog, und da er ihn sahe, gieng er vorüber. Desselbigen gleichen auch ein Levit, da er kam bei tie Stätte und sahe ihn, gieng er vorüber. Ein Samariter aber reisete und kam vahin, und da er ihn fahe, jammerte ihn sein, gieng zu ihm, verband ihm feine Wunden und goß rrein Del und Wein, und hub ihn auf sein Thier und führete ihn in die Herberge und pflegete sein. Des andern Tages reisete er, und zog heraus zween Groschen und gab sie dem Wirthe und sprach zu ihm: pflege sein, und so du was mehr wirst darthun, will ich birs bezahlen, wann ich wieder komme. Welcher dünkt dich, der unter diesen breien der nächste sey gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war? Er sprach: ber bie Barmherzigkeit an ihm that. Da sprach Jesus zu ihm: so gehe hin und thu deßgleichen! 2) Epistel, Jak. 3, 1-12. Lieben Brüder, unterwinde sich nicht jedermann Lehrer zu seyn, und wisset, daß wir desto mehr Urtheil empfahen werden. Denn wir fehlen alle manchfaltiglich. Wer aber auch in keinem Wort fehlet, der ist ein vollkommener Mann und kann auch den ganzen Leib im Jaum halten. Siehe, die Pferve halten wir in Jäumen, daß sie uns gehorchen und lenken den ganzen Leib. Siche, die Schiffe, ob sie wohl so groß sind und von starken Winden getrieben werden, werden sie doch gelenkt mit einem kleinen Ruder, wo der hin will, der es regieret. Also ist auch die Zunge ein klein Glied, und richtet große Dinge an. Siche, ein klein Feuer, welch einen Wald zündets an! Und die Zunge ist auch ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit! Also ist die Zunge unter unsern Gliedern, und befleckt den ganzen Leib, und zündet an allen unsern Wandel, wenn sie von der Hölle entzündet ist. Denn alle Natur der Thier, und der Vögel, und der Schlangen und der Meerwunder werden gezähmet und sind gezähmet von ter menschlichen Natur; aber die Zunge kann kein Mensch zähmen, kas unruhige llebel voll tödtlichen Gifts. Turch sie loben wir Gott ren Bater, und durch sie fluchen wir den Menschen, nach dem Bilde Gottes gemacht. Aus einem Munte gehet Loben und Fluchen. Es soll nicht, lieben Brüder, also seyn! Quillet auch ein Brunn aus einem Loche süße unt bitter? Kann auch, lieben Brüder, ein Feigenbaum Del, oder ein Weinstock Feigen tragen? Also kann auch ein Brunn nicht salzig und süß Wasser geben. Am 14. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Luc. 17, 11-19. Und es begab sich, da Jesus reifete gen Jerusalem, zog er mitten durch) Sa maria und Galiläa. Und als er in einen Markt kam, begegneten ihm zchen ausfähige Männer, die stunden von fernen und erhuben ihre Stimme und sprachen: Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser! Und da er fie sahe, sprach er zu ihnen: gehet hin und zeiget euch den Priestern. Und es geschah, da sie hingiengen, wurden sie rein. Giner aber unter ihnen, da er sahe, daß er gesund worden war, kehrete er um und preifete Gott mit lauter Stimm, und fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und rankete ihm; und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: sind ihrer nicht zehen vein werken? We sind aber bie neune? Hat sich sonst keiner funden, der wieder umkehrete und gabe Evangelisches Gesangbuch.( Anhang.) 50 Jahrgang I. Am 14. und 15. Sonntag nach Trinitatis. Gott die Ehre, denn dieser Frembling? Und er sprach zu ihm: stehe auf, gehe hin; dein Glaube hat bir geholfen! 2) Epistel, Gal. 5, 16-24. Ich sage aber: wandelt im Geist, so werdet ihr die Lüfte des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüftet wider ben Geist, und den Geist wider bas Fleisch. Dieselbige sind wider einander, daß ihr nicht thut was ihr wollet. Regieret euch aber der Geist, so seyd ihr nicht unter dem Gesetze. Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zank, Zwietracht, Rotten, Haß, Mord, Sausen, Fressen und dergleichen; von welchen ich euch hab zuvor gesagt und sage noch zuvor, daß, bie solches thun, werden das Reich Gottes nicht ererben. Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güfigkeit, Glaube, Sanftmuth, Keuschheit. Wider solche ist bas Gesez nicht. Welche aber Christo angehören, die kreuzigen ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden. यद Am 15. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 18, 1-11. Zu derselbigen Stunde traten die Jünger zu Jesu und sprachen: wer ist doch der größeste im Himmelreich? Jesus rief ein Kind zu sich und stellete es mitten unter sie und sprach: wahrlich ich sage euch: es sey denn, daß ihr euch umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer sich nun selbst erniedriget, wie dieß Kind, der ist der größeste im Himmelreich. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser geringsten einen die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget würde, und ersäuft würde im Meer, da es am tiefsten ist. Web der Welt der Nergerniß halben! Es muß ja Aergerniß kommen; doch weh dem Menschen, durch welchen Aergernis kommt! So aber beine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab und wirf ihn von bir; es ist bir besser, daß du zum Leben lahm oder ein Krüppel eingehest, denn daß du zwo Hände over zween Füße habest und werdest in das ewige Feuer geworfen. Und so dich dein Auge ärgert, reiß es aus und wirfs von dir; es ist dir besser, daß du einäugig zum Leben eingehest, benn daß du zwei Augen habest, und werdest in das höllische Feuer geworfen. Sehet zu, daß ihr nicht jemand von diesen kleinen verachtet! Denn ich sage euch: ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. Denn des Menschen Sohn ist kommen, selig zu machen das verloren ist. 2) Epistel, Gal. 5, 25 bis 6, 10. So wir im Geist leben, so lasset uns auch im Geist wandeln. Lasset uns nicht eiteler Ehre geizig seyn, unter einander zu entrüsten und zu hassen. Lieben Brüder, so ein Mensch etwa von einem Fehl übereilet würde, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmüthigem Geist, die ihr geistlich seyd, und siche auf dich selbst, daß du nicht auch versuchet werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Geset Chrifti erfüllen. So aber sich jemand läßt dünken, er sey etwas, so er doch nichts ist, der betreuget sich selbst. Ein jeglicher aber prüfe sein selbst Werk, und alsdann wird er an ihm selber Ruhm haben und nicht an einem andern. Denn ein jeglicher wird seine Laft tragen. Der aber unterrichtet wird mit dem Wort, der theile mit allerlei gutes dem der ihn unterrichtet. Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten! Denn was der Mensch säet, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch fäet, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist säet, der wird von dem Geist das ewige Leben Jahrgang I. Am 16. und 17. Sonntag nach Trinitatis. 51 ernten. Lasset uns aber gutes thun und nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohn aufhören. Als wir denn nun Zeit haben, so lasset uns gutes thun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen. Cat duit o Am 16. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Luc. 7, 11-17. Und es begab sich darnach, daß Jesus in eine Stadt mit Namen Nain gieng, und seiner Jünger giengen viele mit ihm und viel Volks. Als er aber nahe an das Stadtthor kam, siehe, da trug man einen Todten heraus, der ein einiger Sohn war seiner Mutter, und sie war eine Wittwe; und viel Volks aus der Stadt gieng mit ihr. Und da sie der Herr sahe, jammerte ihn derselbigen und sprach zu ihr: weine nicht! Und trat hinzu und rührete ben Sarg an, und die Träger stunden. Und er sprach: Jüngling! ich sage dir, stehe auf. Und der Todte richtete sich auf und fieng an zu reden; und er gab ihn seiner Mutter. Und es kam sie alle eine Furcht an, und preiseten Gott und sprachen: es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk heimgesucht! Und diese Rede von ihm erscholl in das ganze jüdische Land und in alle umliegende Länder. Hol at hiig sur 1500 2) Epistel, Ephef. 3, 14-21. Derhalben beuge ich meine Kniee gegen dem Vater unsers Herrn Jesu Christi, rer der rechte Vater ist über alles was da Kinder heißet im Himmel und auf Erden; daß er euch Kraft gebe nach dem Reichthum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, und Christum zu wohnen rurch den Glauben in euren Herzen, und durch die Liebe eingewurzelt und gegründet zu werden; auf daß ihr begreifen möget mit allen Heiligen, welches da sey bie Breite, und die Länge, und die Tiefe und die Höhe; auch erkennen, daß Christum lieb haben viel besser ist, denn alles wissen; auf daß ihr erfüllet werdet mit allerlei Gottesfülle. Dem aber, der überschwenglich thun kann über alles das wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirket, dem sey Ehre in der Gemeine, die in Christo Jesu ist, zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Am 17. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Luc. 14, 1-11. Und es begab sich, daß Jesus kam in ein Haus eines Obersten der Pharisäer auf einen Sabbath, das Brod zu essen, und sie hielten auf ihn. Und siehe, ta war ein Mensch vor ihm, der war wassersüchtig. Und Jesus antwortete und fagte zu den Schriftgelehrten und Pharisäern und sprach: ists auch recht, auf den Sabbath heilen? Sie aber schwiegen stille. Unb er griff ihn an und heilete ihn und ließ ihn gehen; und antwortete und sprach zu ihnen: welcher ist unter euch, dem sein Ochs oder Esel in den Brunnen fället, und er nicht alsbald ihn herauszeucht am Sabbathtage? Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben. Er sagte aber ein Gleichniß zu den Gästen, da er mertete, wie sie erwähleten, oben an zu sizzen, und sprach zu ihnen: wenn du von jemand geladen wirst zur Hochzeit, so seze rich nicht oben an, daß nicht etwa ein ehrlicher denn du von ihm geladen sey, und so dann kommt der rich und ihn gelaren hat, spreche zu vir: weich diesem, und du müssest dann mit Echam unten an sizzen. Sondern wenn cu geladen wirst, so gehe hin und sebe dich unten an, auf daß, wenn da kommt der dich geladen hat, spreche zu vir: Freund, rücke hinauf; tann wirst du Ehre haben vor denen die mit dir zu Tische sißen. Denn wer sich selbst erhöhet, ter soll erntebriget werden, und wer sich selbst erniedriget, der full erböhet werden. 52 Jahrgang I. Am 18. und 19. Sonntag nach Trinitatis. 2) Epistel, Ephes. 4, 1-6. oppe So ermahne nun euch ich Gefangener in dem Herrn, daß ihr wandelt, wie che gebührt eurem Beruf, tarinnen ihr berufen sebb, mit aller Demuth und Sanftmuth, mit Gebulb, und vertraget einer den andern in der Liebe. Und seyd fleißig, zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens. Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen feyb auf einerlei Hoffnung eures Berufs; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater( unser) aller, der va ist über euch alle und durch euch alle und in euch allen. Am 18. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 22, 34-46. Da aber die Pharisäer höreten, daß er den Sadducäern das Maul gestopft hatte, versammleten sie sich. Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und sprach: Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesetz? Jesus aber sprach zu ihm: du sollt lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüthe. Dieß ist das vornehmste und größeste Gebot. Das andere aber ist dem gleich: bu sollt deinen Nächsten lieben als dich selbst. In diesen zweien Geboten hanget bas ganze Gesez und die Prorheten. Da nun die Pharisäer bei einanber waren, fragte sie Jesus und sprach: wie tinkt euch um Christo? weß Sohn ist er? Sie sprachen: Davids. Er sprach zu ihnen: wie nennet ihn benn David im Geist einen Herrn, da er saget:„ ber Herr hat gesagt zu meinem Herrn: sebze dich zu meiner Rechten, bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel reiner Füße?" So nun David ihn einen Herrn nennet, wie ist er denn sein Sohn? Und niemand konnt ihm ein Wort ant worten, und durfte auch niemand von dem Tage an hinfort ihn fragen. 2) Epistel, 1 Cor. 1, 4-9. Ich danke meinem Gott allezeit eurethalben für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christo Jesu, daß ihr sehv burch ihn an allen Stücken reich gemacht an aller Lehre unt in aller Erkenntniß. Wie denn vie Predigt von Christo in euch kräftig worden ist, also, daß ihr keinen Mangel habt an irgend einer Gabe, und wartet nur auf die Offenbarung unsers Herrn Jesu Chrifti, welcher auch wird euch fest behalten bis ans Enve, daß ihr unsträflich seyb auf den Tag unsers Herrn Jesu Christi. Denn Gott ist tren, durch welchen ihr berufen seyb zur Gemeinschaft seines Sohns Jesu Christi, unsers Herrn. Am 19. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 9. 1-8. a trat Jesus in das Schiff und fuhr wieder herüber und kam in seine Stadt. Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gichtbrüchigen, der lag auf einem Bette. Da nun Jesus ihren Glauben sahe, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: sey getroft, mein Sohn: deine Sünden sind dir vergeben! Und siehe, etliche unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: dieser lästert Gott! Da aber Jesus ihre Geranken sahe, sprach er: warum venkt ihr so arges in euren Herzen? Welches ist leichter zu sagen: bir sind deine Sünden vergeben? oder zu sagen: stehe auf und wandele? Auf daß ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht habe, auf Erden die Sünden zu vergeben, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: stehe auf, heb tein Bette auf und gehe heim. Und er stund auf und gieng heim. Da bas Volk das fahe, verwunderte es sich und preifete Gott. der solche Macht den Vienschen gegeben hat. Jahrgang I. Am 20. und 21. Sountag nach Trinitatis. 53 2) Epistel, Ephes. 4, 22-30. Do leget nun von euch ab nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, der durch Lüste in Irrthum sich verderbet. Erneuert euch aber im Geist cures Gcmüths und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum leget die Lügen ab und redet die Wahrheit, ein jeglicher mit seinem Nächsten, sintemal wir unter einander Glieder sind. Zürnet und fündiget nicht, laffet die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Gebet auch nicht Raum dem Lästerer. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit den Händen etwas gutes, auf daß er habe, zu geben dem Dürftigen. Lasset kein faul Geschwäß aus eurem Munde gehen, sondern was nüßlich zur Besserung ist, da es noth thut, daß es holdselig sep zu hören. Und betrübet nicht ren heiligen Geist Gottes, vamit ihr verfiegelt fepd auf den Tag der Erlösung. Am 20. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 22, 2-14. Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohn Hochzeit machte und fandte seine Knechte aus, daß sie die Gäste zur Hochzeit rufeten, und sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus und sprach: saget den Gästen: siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastwich ist geschlachtet und alles bereit; kommt zur Hochzeit! Aber sie ver. achteten das und giengen hin, einer auf seinen Acer, der ander zu seiner Handthierung. Etliche aber griffen seine Knechte, böhneten und töbteten sie. Da das der König hörete, ward er zornig und schickete seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an. Da sprach er zu seinen Knechten: die Hochzeit ist zwar bereitet, aber die Gäste warens nicht werth. Darum gehet hin auf die Straßen und ladet zur Hochzeit wen ihr findet. Und die Knechte giengen aus auf die Straßen und brachten zusammen wen sie funden, böse und gute, und die Tische wurden alle voll. Da gieng der König hinein, die Gäste zu besehen und sahe allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an, und sprach zu ihm: Freund, wie bist du herein kommen und hast doch kein hochzeitlich Kleid an? Er aber verstummete. Da sprach der König zu seinen Dienern:. bindet ihm Hände und Füße unt werfet ihn in die äußerste Finsterniß hinaus, da wird seyn Heulen und Zähnklappen. Denn viele sind berufen, aber wenig sind auserwählet. 2) Epistel, Ephef. 5, 15-21. So sehet nun zu, wie ihr vorsichtiglich wandelt, nicht als die unweisen, sondern als die weisen, und schicket euch in die Zeit; denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern verständig, was da sey des Herrn Wille. Und saufet cuch nicht voll Weins, varaus ein unordig Wesen folget, sondern werdet voll Geistes. Und retet unter einander von Psalmen une Lobgesängen und geistlichen Liedern, singet und spielet rem Herrn in euren Herzen; und saget Dank allezeit für alles Gott und dem Vater in dem Namen unsers Herrn Jesu Christi. Und seyd unter einanter unterthan in der Furcht Gottes. Am 21. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Joh. 4, 47-54. Und es war ein Königischer, reß Sohn lag krank zu Kapernaum. Dieser hörete, daß Jesus kam aus Judáa in Galiläam, und gieng hin zu ihm und bat ihr, baß er hinab käme und bülfe feinem Sohn, denn er war tobtkrank. Und Jesus sprach zu ihm: wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht. 54 Jahrgang I. Am 21. und 22. Sonntag nach Trinitatis. Der Königische sprach zu ihm: Herr, komm hinab, ehe denn mein Kind stirbt! Jesus spricht zu ihm: gehe hin, bein Sohn lebet! Der Mensch glaubete dem Wort, das Jesus zu ihm sagte und gieng hin. Und indem er hinabgieng, be gegneten ihm seine Knechte, verkündigten ihm und sprachen: dein Kind lebet! Da forschete er von ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm worden war. Und sie sprachen zu ihm: gestern um vie siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkete der Bater, daß es um die Stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: dein Sohn lebet. Und er glaubete mit seinem ganzen Hause. Das ist nun das andere Zeichen, das Jesus that, da er aus Judäa in Galiläam kam. 2) Epistel, Ephes. 6, 10-20. Zulegt, meine Brüder, seyd stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Ziehet an den Harnisch Gottes, daß ihr bestehen könnt gegen die listigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nemlich mit den Herren der Welt, die in der Finsterniß dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Um des willen so ergreifet den Harnisch Gottes, auf daß ihr, wenn das böse Stündlein kommt, Widerstand thun unt alles wohl ausrichten und das Feld behalten möget. So stehet nun, umgürtet eure Lenden mit Wahrheit, und an gezogen mit dem Krebs der Gerechtigkeit, und an Beinen gestiefelt, als fertig zu treiben das Evangelium des Friedens, damit ihr bereitet sepd. Vor allen Dingen aber ergreifet ren Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurige Pfeile des Bösewichtes. Und nehmet ven Helm des Heils und tas Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. Und betet stets in allem Anliegen mit Bitten und Flehen im Geist, und wachet dazu mit allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen und für mich, auf daß mir gegeben werde das Wort mit freudigem Aufthun meines Mundes, daß ich möge fund machen das Geheimniß des Evangelii, welches Bote ich bin in der Kette, auf daß ich dar innen freurig handeln möge und reben wie sichs gebührt. Am 22. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 18, 21-35. Da trat Petrus zu Jesu und sprach: Herr, wie oft muß ich denn meinem Bruder, der an mir fünbiget, vergeben? Iste gnug fiebenmal? Jesus sprach zu ihm: ich sage bir, nicht siebenmal, sondern siebenzigmal siebenmal. Darum ist das Himmelreich gleich einem Könige, ter mit seinen Knechten rechnen wollt. Uind als er anfieng zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehn tausend Pfund schuldig. Da ers nun nicht hatte zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn und sein Weib und seine Kinder und alles was er hatte, und bezahlen. Da fiel der Knecht nieder und betete ihn an und sprach: Herr! habe Geduld mit mir, ich will dirs alles bezahlen. Da jammerte den Herrn desselbigen Knechts und ließ ihn los und die Schulb erließ er ihm auch. Da gieng derselbe Knecht hinaus und fand einen seiner Mitknechte, ter war ihm hundert Groschen schuldig; und er griff ihn an und würgete ihn und sprach: bezahle mir was du mir schuldig bist. Da fiel sein Mitknecht nieber und bat ihn und sprach: hab Geduld mit mir, ich will dirs alles bezahlen. Er wollt aber nicht, sondern gieng hin und warf ihn ins Gefängniß, bis daß er bezahlete was er schuldig war. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und brachten vor ihren Herrn alles das sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: du Schalksknecht! alle diese Schulb habe ich dir erlassen, rieweil tu mich batest! solltest du denn dich nicht auch erbarmen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmet habe? Und sein Herr ward zornig Jahrgang I. Am 23. und 24. Sonntag nach Trinitatis. 55 und überantwortete ihn den Peinigern, bis daß er bezahlete alles was er ihm schuldig war. Also wird euch mein himmlischer Vater auch thun, so ihr nicht vergebet von euren Herzen, ein jeglicher seinem Bruder seine Fehle. 2) Epistel, Philipp. 1, 3-11. Ich danke meinem Gott, so oft ich euer gedenke( welches ich allezeit thue in alle meinem Gebet für euch alle, und thu das Gebet mit Freuden), über eurer Gemeinschaft am Evangelio, vom ersten Tage an bisher; und bin desselbigen in guter Zuversicht, daß, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wirds auch vollführen bis an den Tag Jefu Chrifti. Wie es denn mir billig ist, daß ich vermaßen von euch allen halte, darum daß ich euch in meinem Herzen habe in diesem meinem Gefängniß, darin ich bas Evangelium verantworte und bekräftige, als die ihr alle mit mir der Gnade theilhaftig seyb. Denn Gott ist mein 3euge, wie mich nach euch allen verlangt von Herzensgrund in Jesu Christo. Und daselbst um bete ich, daß eure Liebe je mehr und mehr reich werde in allerlei Erkenntniß und Erfahrung, daß ihr prüfen möget, was das beste sey; auf daß ihr seyd lauter und unanstößig bis auf den Tag Chrifti, erfüllet mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum geschehen( in euch) zur Ehre und Lobe Gottes. Am 23. Sonntag nach Trinitatis. it 1) Evangelium, Matth. 22, 15-22. Da giengen die Pharisäer hin und hielten einen Rath, wie sie Jesum fiengen in seiner Rede. Und sandten zu ihm ihre Jünger sammt Herodis Dienern und sprachen: Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und lehrest den Weg Gottes recht und du fragest nach niemand, denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen. Darum sage uns: was dünkt dich? ists recht, daß man dem Kaiser 3ins gebe, oder nicht? Da nun Jesus merkete ihre Schalkheit, sprach er: thr Heuchler, was versuchet ihr mich? weiset mir die 3insmünze. Und sie reichten ihm einen Groschen dar. Und er sprach zu ihnen: weß ist das Bild und die Ueberschrift? Sie sprachen zu ihm: des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: so gebet dem Kaiser was des Kaisers ist, und Gotte was Gottes ist. Da sie das böreten, verwunderten sie sich und ließen ihn und giengen davon. 2) Epistel, Philipp. 3, 17-21. Folget mir, lieben Brüder, und sehet auf die die also wandeln, wie ihr uns habt zum Vorbilde. Denn viel wandeln, von welchen ich euch oft gesagt habe, nun aber sage ich auch mit weinen, die Feinde des Kreuzes Chrifti, welcher Ende ist das Verdammniß, welchen der Bauch ihr Gott ist, und ihre Ehre zu Schanden wird, derer die irdisch gesinnet sind. Unser Wandel aber ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Chrifti, des Herrn, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe, nach der Wirkung, ba er mit kann auch alle Ding ihm unterthänig machen. Am 24. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 9, 18-26. Da Jesus solches mit ihnen redete, siehe, da kam der Obersten einer und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr! meine Tochter ist jezt gestorben; aber komm und lege deine Hand auf sie, so wird sie lebendig. Und Jesus stund auf und folgete ihm nach und seine Jünger. Und siehe, ein Weib, das zwölf Jahr den Blutgang gehabt, trat von hinten zu ihm und rührete seines Kleides Saum an; denn sie sprach bei ihr selbst, möcht ich nur sein Kleib anrühren, so würde ich 56 Jahrgang I. Am 24. und 25. Sonntag nach Trinitatis. gesund. Da wendete sich Jesus um und sahe sie und sprach: sey getrost, meine Tochter, dein Glaube hat bir geholfen! Und das Weib ward gesund zu derselbigen Stunde. Und als er in des Obersten Haus kam und sahe die Pfeifer und das Getümmel res Volks, sprach er zu ihnen: weichet, denn das Mägdlein ist nicht tott, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn. Als aber das Volk ausgetrieben war, gieng er hinein und ergriff sie bei der Hand. Da stund das Magdlein auf. Und dieß Gerücht erschell in dasselbige ganze Land. 2) Epistel, Cel. 1, 9-14. Derhalben auch wir, von dem Tage an, dva wirs gehöret haben, hören wir nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, daß ihr erfüllet wertet mit Erkenntniß seines Willens in allerlei geistlicher Weisheit und Verstand, daß ihr wandelt würdiglich dem Herrn zu allem Gefallen und fruchtbar sepd in allen guten Werfen, und wachset in der Erkenntniß Gottes, und gestärket werbet mit aller Kraft nach seiner herrlichen Macht, in aller Geduld und Langmüthigkeit mit Freuren. Und banksaget dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erbtheil der Heiligen im Licht, welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsterniß, und hat uns versegt in das Reich seines lieben Sohnes, an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nemlich die Vergebung der Sünden. Am 25. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Luc. 13, 1-9. Es waren aber zu berselbigen Zeit etliche dabei, die verfündigten ihm von den Galiläern, welcher Blut Pilatus samt ihrem Opfer vermischet hatte. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: meinet ihr, daß diese Galiläer vor allen Galiläern Sünder gewesen sind, dieweil sie das erlitten haben? Ich sage: nein; fontern so ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle auch also umkommen! Over meinet thr, daß die achtzehn, auf welche der Thurm in Siloah fiel und erschlug fie, seven schuldig gewesen vor allen Menschen, die zu Jerusalem wohnen? Ich fage: nein; sondern so ihr euch nicht bessert, werdet ihr alle auch also umkommen! Er sagte ihnen aber dieß Gleichniß: es hatte einer einen Feigenbaum, der war gepflanzt in seinem Weinberge, und kam und suchte Frucht darauf, und fand sie nicht. Da sprach er zu dem Weingärtner: siehe, ich bin nun drei Jahr lang alle Jahr kommen und habe Frucht gesucht auf diesem Feigenbaum, und finde sie nicht: haue ihn ab, was hindert er das Land? Er aber antwortete unt sprach zu ihm: Herr! laß ihn noch tieß Jahr, bis daß ich um ihn grabe und berünge ihn, ob er wollte Frucht bringen; wo nicht, so haue ihn darnach ab. 2) Epistel, 1 Thess. 4, 13-18. Wir wollen euch aber, lieben Brüber, nicht verhalten von denen die da schlafen, auf daß ihr nicht traurig serb, wie die andern die feine Hoffnung haben. Denn so wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist, also wird Gott auch, die da entschlafen sind dusch Jesum, mit ihm führen. Denn bas sagen wir euch, als ein Wort res Herrn, daß wir, die wir leben und überbleiben in der Zukunft des Herrn, werden tenen nicht vorkommen die da schlafen. Denn er selbst, der Herr, wird mit einem Feltgeschrei und Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gettes hernierer kommen vom Himmel, und die Todten in Christo werden auferstehen zuerst. Tarnach wir die wir leben und überbleiben, werten zugleich mit renselbigen hingerückt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bet dem Herrn seyn allezeit. So tröstet euch nun mit riesen Worten unter einanter. Jahrgang I. Am 26. und 27. Sonntag nach Trinitatis. 57 Am 26. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Luc. 21, 25-36. Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Leuten bange seyn und werden zagen, und das Meer und vie Wasserwogen werden brausen, und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, bie da kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsbann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfähet zu geschehen, so sehet auf und hebt cure Häupter auf, darum daß sich eure Erlösung nahet. Und er sagte ihnen ein Gleichniß: Schet an den Feigenbaum und alle Bäume; wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihrs an ihnen und merket, daß jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dieß alles fehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage cuch: dieß Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß es alles geschehe! Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, daß eure Herzen nicht beschweret werden mit fressen und saufen und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch; denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle die auf Erden wohnen. So seyd nun wacker allezeit und betet, daß ihr würdig werden möget zu entfliehen diesem allen das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. 2) Epistel, 2 Theff. 1, 3-10. Wir Sir follen Gott banken allezeit um euch, lieben Brüder, wie es billig ist; denn euer Glaube wächset sehr, und die Liebe eines jeglichen unter euch allen nimmt zu gegen einander, also, daß wir uns euer rühmen unter den Gemeinen Gottes, von eurer Geduld und Glauben in allen euren Verfolgungen und Trübsalen, die ihr duldet. Welches anzeiget, daß Gott recht richten wird, und ihr würdig werdet zum Reich Gottes, über welchem ihr auch leidet, nachdem es recht ist bei Gott, zu vergelten Trübsal denen die euch Trübsal anlegen; euch aber die ihr Trübsal leidet, Ruhe mit uns, wann nun der Herr Jesus wird offenbaret werden vom Himmel samt ben Engeln seiner Kraft und mit Feuerflammen, Rache zu geben über die so Gott nicht erkennen, und über die so nicht gehorsam sind dem Evangelio unsers Herrn Jesu Chrifti; welche werden Pein leiven, das ewige Verderben von dem Angesichte des Herrn und von seiner herrlichen Macht, wenn er kommen wird, daß er herrlich erscheine mit seinen Heiligen und wunderbar mit allen Gläubigen. Denn unser Zeugniß an euch von demselbigen Tage habt ihr geglaubet. Am 27. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 25, 1-13. Dann wird das Himmelreich gleich seyn zehen Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus dem Bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren thöricht, und fünf waren klug. Die thörichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen nicht Del mit sich. Die klugen aber nahmen Del in ihren Gefäßen samt ihren Lampen. Da nun der Brautigam verzeg, wurden sie alle schläfrig und entschliefen. Zur Mitternacht aber warb ein Geschrei: fiche, der Bräutigam kommt; gehet aus, ihm entgegen! Da stunden diese Jungfrauen alle auf und schmückten ihre Lampen. Die thörichten aber sprachen zu den klugen: gebt uns von eurem Del, denn unsre Lampen verlöschen. Da autworteten die klugen und sprachen: nicht also, auf daß nicht uns und euch gebreche. Gehet aber hin zu den Krämern und kaufet für euch selbst. Und da sie hingiengen zu kaufen, kam 58 anpil Jahrgang I. Am Feiertag Andreä. der Bräutigam; und welche bezeit waren, giengen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Thür ward verschlossen. Zulegt kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr! thu uns auf! Er antwortete aber und sprach: wahrlich, ich sage euch: ich kenne euer nicht. Darum wachet, denn ihr wisser weder Tag noch Stund, in welcher des Menschen Sohn kommen wird. 2) Epistel, 2 Petr. 3, 3-14. sitoli sif Und wisset das aufs erst, daß in den letzten Tagen kommen werden Spötter. die nach ihren eigenen Lüften wandeln und sagen: wo ist die Verheißung seiner Zukunft? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibet es alles wie es von Anfang der Kreatur gewesen ist. Aber muthwillens wollen sie nicht wissen, daß der Himmel vor Zeiten auch war, dazu die Erde aus Wasser und im Wasser bestanden durch Gottes Wort. Dennoch ward zu der Zeit die Welt durch dieselbigen mit der Sindfluth verderbet; also auch der Himmel jegund und die Erde werden durch sein Wort gesparet, daß sie zum Feuer behalten werden am Tage des Gerichts und Verdammniß der gottlosen Menschen. Eins aber sey euch unverhalten, thr Lieben, daß ein Tag vor dem Herrn ist wie tausend Jahr, und tausend Jahr wie ein Tag. Der Herr verzeucht nicht die Verheißung, wie es etliche für einen Verzug achten, sondern er hat Geduld mit uns und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre. Es wird aber des Herrn Tag kommen als ein Dieb in der Nacht; in welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen, die Element aber werden vor Hiße schmelzen, und die Erde und die Werk die drinnen sind werden verbrennen. So nun das alles soll zergehen, wie sollt ihr denn geschickt seyn mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen, daß ihr wartet und eilet zu der Zukunft des Tages des Herrn, in welchem die Himmel vom Feuer zergehen und die Element vor Hize zerschmelzen werden. Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde, nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet. Darum, meine Lieben, dieweil ihr darauf warten sollet, so thut Fleiß, daß ihr vor ihm unbefleckt und unsträflich im Frieden erfunden werdet. the Feiertägliche Evangelien und Episteln. Am Feiertag Andreä. 1) Evangelium, Matth. 4, 18-22. 0.14 As nun Jesus an dem galiläischen Meer gieng, sahe er zween Brüder, Simon, der da heißt Petrus, und Andream, seinen Bruder, die warfen ihre Nege ins Meer, denn sie waren Fischer. Und er sprach zu ihnen: folget mir nach, ich will euch zu Menschenfischern machen. Bald verließen sie ihre Neße und folgeten ihm nach. Und da er von dannen fürbaß gieng, sahe er zween andere Brüder, Jakobum, den Sohn Zebedät, und Johannem, seinen Bruder, im Schiff mit ihrem Vater Sebebäo, daß sie ihre Neße flickten; und er rief ihnen. Bald verließen sie das Schiff und ihren Vater und folgeten ihm nach. 2) Epistel, Röm. 10, 8-18. Dieß ist das Wort vom Glauben, das wir predigen. Denn so du mit deinem Munde bekennest Jesum, daß er der Herr sev, und glaubest in deinem Herzen. daß ihn Gott von den Todten auferwecket hat, so wirst du selig. Denn so man von Herzen glaubet, so wird man gerecht, und so man mit dem Munde bekennet, so wird man selig. Denn die Schrift spricht: wer an ihn glaubet wird nicht 3 Jahrgang I. Am feiertag Thomä und Stephani. 59 zu Schanden werden. Es ist hie kein Unterschied unter Juden und Griechen, es ist aller zumal ein Herr, reich über alle die ihn anrufen. Denn wer den Namen des Herrn wird anrufen, soll selig werden. Wie sollen sie aber anrufen, an den sie nicht glauben? wie sollen sie aber glauben, von dem sie nichts gehört haben? wie sollen sie aber hören ohne Prediger? wie sollen sie aber predigen, wo sie nicht gesandt werden? wie denn geschrieben stehet:„ wie lieblich sind die Füße derer die den Frieden verkündigen, die das gute verkündigen!" Aber sie sind nicht alle dem Evangelio gehorsam. Denn Jesaias spricht: Herr, wer glaubet unfrem predigen?" So kommt der Glaube aus der Predigt, das predigen aber durch das Wort Gottes. Ich sage aber: haben sie es nicht gehöret? zwar es ist je in alle Lande ausgegangen ihr Schall, und in alle Welt ihre Wort. Am Feiertag Thomä. 1) Evangelium, Joh. 20, 24-29. Thomas aber, der zwölfen einer, der da heißet Zwilling, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: es sey denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmal, und lege meine Finger in die Nägelmal, und lege meine Hand in seine Seite, will ichs nicht glauben. Und über acht Tage waren abermal seine Jünger drinnen und Thomas mit ihnen; kommt Jesus, da die Thüren verschlossen waren, und tritt mitten ein und spricht: Friede sey mit euch! Darnach spricht er zu Thoma: reiche deine Finger her und siehe meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sey nicht unglaubig, sondern glaubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm: mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: dieweil du mich gesehen hast, Thoma, so glaubest du. Selig sind die nicht sehen und doch glauben! 2) Epistel, Hebräer 2, 10-18. Denn es ziemete vem, um des willen alle Ding sind und durch den alle Dinge sind, der da viel Kinder hat zur Herrlichkeit geführet, daß er den Herzog ihrer Seligkeit durch Leiden vollkommen machte. Sintemal sie alle von einem kommen, beide, der da heiliget, und die da geheiliget werden. Darum schämet er sich auch nicht, sie Brüder zu heißen, und spricht: ich will verkündigen deinen Namen meinen Brüdern und mitten in der Gemeine dir lobsingen;" und abermal: ich will mein Vertrauen auf ihn seßen;" und abermal: siehe da, ich und die Kinder welche mir Gott gegeben hat!" Nachdem nun die Kinder Fleisch und Blut haben, ist ers gleichermaßen theilhaftig worden, auf daß er durch den Tod die Macht nähme dem der des Todes Gewalt hatte, das ist, bem Teufel, und erlösete die so durch Furcht des Todes im ganzen Leben Knechte seyn mußten. Denn er nimmt nirgend die Engel an sich, sondern den Samen Abrahams nimmt er an sich. Daher mußte er allerdings seinen Brüdern gleich werden, auf daß er barmherzig würde und ein treuer Hohepriester vor Gott, zu verfühnen die Sünde des Volks. Denn barinnen er gelitten hat und versucht ist, kann er helfen denen die versucht werden. da stangs tabs as i Am Feiertag Stephani. Dilar abyf 1) Evangelium, Matth. 23, 34-39. Darum siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte, und derselbigen werdet ihr etliche tödten und kreuzigen, und etliche werdet ihr geißeln in euren Schulen und werdet sie verfolgen von einer Stadt zu der andern; auf daß über euch komme alles das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut an des gerechten Abels bis aufs Blut Zacharias, Barachiä Sohn, welchen ihr getödtet habt zwischen dem Tempel und Altar. Wahrlich, ich soge 60 Jahrgang I. Am Feiertag Johannis. euch, baß solches alles wird über dieß Geschlecht kommen! Jerusalem, Jerusalem, die du tödtest die Propheten und steinigest bie zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammlen wollen, wie eine Henne versammlet ihre Kichlein unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt! Siehe, euer Haus soll euch wüst gelassen werden. Denn ich sage euch: ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: gelobt sey der da kommt im Namen des Herrn! 2) Abendlection, Apostelgesch. 6, 8-15. 7, 55-59. Stephanus aber, voll Glaubens und Kräften, that Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Da stunden etliche auf von der Schule, die da heißet der Libertiner, und der Cyrener, und der Alexanderer, und derer die aus Cilicien und Asien waren, und befragten sich mit Stephano; und sie vermochten nicht widerzustehen der Weisheit und dem Geiste, der da redete. Da richteten sie zu etliche Männer, die sprachen: wir haben ihn gehöret Lästerworte reden wider Mosen und wider Gott; und bewegten das Bolt und die Aeltesten und die Schriftgelehrten, und traten herzu und rissen ihn hin und führeten ihn vor den Rath und stelleten falsche Zeugen var, die sprachen: dieser Mensch höret nicht auf zu reten Läfterwort wider diese heilige Stätte und das Geset. Denn wir haben ihn hören sagen: Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören und ändern die Sitten, die uns Moses gegeben hat. Und sie sahen auf ihn alle die im Rath saßen, und sahen sein Angesichte wie eines Engels Angesichte. Als er aber voll heiliges Geifts war, sahe er auf gen Himmel und sahe die Herrlichkeit Gottes und Jesum stehen zur Rechten Gottes und sprach: siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Sie schrieen aber laut und hielten ihre Ohren zu und stürmeten einmüthiglich zu ihm ein, stießen ihn zur Stabt hinaus und steinigten ihn. Und die Zeugen legten ab ihre Kleider zu den Füßen eines Jünglings, der hieß Saulus, und steinigten Stephanum, der anrief und sprach: Herr Jesu! nimm meinen Geist auf. Er knieete aber nieder und schrie laut: Herr! behalt ihnen diese Sünde nicht. Und als er das gesagt, entschlief er. Am Feiertag Johannis. 1) Evangelium, Joh. 21, 15-24. Da sie nun das Mahl gehalten hatten, ſpricht Jesus zu Simon Petro: Simon Johanna, hast du mich lieber denn mich diese haben? Er spricht zu ihm: ja, Herr, du weißest, daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: weide meine Lämmer. Spricht er zum andernmal zu ihm: Simon Johanna, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: ja, herr, du weißest, daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: weide meine Schafe. Spricht er zum brittenmal zu ihm: Simon Johanna, hast du mich lieb? Petrus ward traurig, daß er zum brittenmal zu ihm sagte: hast du mich lieb? und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge; du weißest, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: weide meine Schafe. Wahrlich, wahrlich ich sage dir: da du jünger warest, gürtetest du dich selbst und wandeltest, wo du hinwolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände aus. strecken, und ein anderer wird dich irten und führen wo du nicht hin willt. Das sagte er aber, zu deuten, mit welchem Tode er Gott preisen würde. Da er aber bas gesaget, spricht er zu ihm: folge mir nach. Petrus aber wandte sich um und sahe den Jünger folgen, welchen Jesus lieb hatte, der auch an seiner Brust am Abendessen gelegen war und gesaget hatte: Herr, wer iste, der dich verräth? Da Petrus diesen sahe, spricht er zu Sesu: Herr, was soll aber dieser? Jesus spricht zu ihm: so ich will, baß er bleibe bis ich komme, was gehet es dich an? folge du mir nach. Da gieng eine Rete aus unter den Brüdern: tieser Jahrgang 1. Am Feiertag Maria Reinigung. 61 Jünger stirbt nicht. Und Jesus sprach nicht zu ihm: er stirbet nicht; sondern: so ich will, daß er bleibe bis ich komme, was gehet es rich an? Dieß ist der Jünger, der von diesen Dingen zenget und hat vieß geschrieben, und wir wissen, daß sein Zeugniß wahrhaftig ist. 2) Epistel, Hebr. 1, ganz. Nachdem vor Zeiten Gott manchmal und mancherlei Weise geredt hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er am letzten in diesen Tagen zu uns geredt durch den Sohn, welchen er gesetzt hat zum Erben über alles, durch welchen er auch die Welt gemacht hat; welcher, sintemal er ist der Glanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens, und trägt alle Ding mit seinem kräftigen Wort, und hat gemacht die Reinigung unserer Sünden durch sich selbst, hat er sich gefeßt zu der Rechten der Majestät in der Höhe, so viel besser worden denn tie Engel, so gar viel einen höhern Namen er vor ihnen ererbet hat. Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt: du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeuget?" und abermal:„ ich werde sein Vater seyn, und er wird mein Sohn seyn?" und abermal, da er einführet den Erstgebornen in die Welt, spricht er: und es sollen ihn alle Gottes Engel anbeten." Von ren Engeln spricht er zwar:„ er macht seine Engel Geifter, und seine Diener Fenerflammen;" aber von tem Sohn:„ Gott! dein Stuhl währet von Ewigkeit zu Ewigkeit, das Scepter deines Reichs ist ein richtiges Scepter. Du hast geliebet die Gerechtigkeit, und gehasset die Ungerechtigkeit; darum hat trich, o Gott, gesalbet dein Gott mit dem Del der Freuden über deine Genossen." Und:„ du Herr, haft von Anfang die Erde gegrünbet, und die Himmel sind deiner Hände Werk; dieselbigen werden vergehen, du aber wirst bleiben, und sie werden alle veralten wie ein Kleid, und wie ein Gewand wirst du sie wandeln, und sie werden sich verwandeln, du aber bist derselbige, und deine Jahre werden nicht aufhören." Zu welchem Engel aber hat er jemals gesagt:„ seße dich zu meiner Rechten, bis ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße?" Sind sie nicht alle zumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derwillen die ererben sollen die Seligkeit? Am Feiertag Mariä Neinigung. 1) Evangelium, Luc. 2, 22-40. Und da die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesez Mosis kamen, brachten sie Jefum gen Jerusalem, auf daß sie ihn darstelleten dem Herrn( wie denn geschrieben stehet in dem Geseß des Herrn:„ allerlei Männlein, das zum ersten die Mutter bricht, soll dem Herrn geheiliget heißen"), und daß sie gäben das Opfer, nach dem gesagt ist im Gesetz des Herrn: ein Paar Turteltauben, oder zwo junge Tauben. Und siehe, ein Mensch war zu Jerusalem, mit Namen Simeon, und derselb Mensch war fromm und gottfürchtig und wartete auf den Troft Ifrael, und der heilige Geist war in ihm. Und ihm war eine Antwort worden von dem heiligen Geist, er sollt den Tod nicht sehen, er hätte denn zuvor den Christ des Herrn gesehen; und kam aus Anregen des Geistes in den Tempel. Und da vie Eltern das Kind Jesum in den Tempel brachten, daß sie für thn thäten, wie man pfleget nach dem Gesetz, da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Herr! nun läsfest du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast, denn meine Augen haben keinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Bolts Israel. Und sein Vater und Mutter wunderten sich res, tas von ihm gerett ward. Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: siehe, dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Israel, und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird( und es wird ein Schwert turch 62 Jahrgang I. Am Feiertag Matthiä. deine Seele bringen), auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuel, vom Geschlecht der Aser, die war wohl betaget und hatte gelebt fieben Jahr mit ihrem Mann nach ihrer Jungfrauschaft, und war nun eine Wittwe bei vierundachtzig Jahren. Die kam nimmer vom Tempel, dienete Gott mit fasten und beten Tag und Nacht. Dieselbige trat auch hinzu zu derselbigen Stunde und preisete den Herrn, und redete von ihm zu allen die auf die Erlösung zu Jerusalem warteten. Und da sie es alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehreten sie wieder in Galiläam zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Kind wuchs und ward stark im Geist, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm. 2) Abendlection, Maleachi 3, 1-5. Siehe, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr den ihr sucht, und der Engel des Bunds ves ihr begehret. Siehe, er kommt, spricht der Herr Zebaoth. Wer wird aber den Tag seiner Zukunft erleiden mögen? und wer wird bestehen, wenn er wird erscheinen? Denn er ist wie das Feuer eines Goldschmides, und wie die Seife ver Wäscher; er wird sizen und schmelzen und das Silber reinigen. Er wird die Kinder Levi reinigen und läutern, wie Gold und Silber. Dann werden sie dem Herrn Speisopfer bringen in Gerechtigkeit: und wird dem Herrn wohlgefallen das Speisopfer Juda und Jerusalem wie vorhin und vor langen Jahren. Und ich will zu euch kommen und euch strafen und will ein schneller Zeuge seyn wider die Zauberer, Ehebrecher und Meineidigen, und wider die so Gewalt und Unrecht thun den Taglöhnern, Wittwen und Waisen, und den Fremdling drücken, und mich nicht fürchten, spricht der Herr Zebaoth. Am Feiertag Matthiä. 1) Evangelium, Matth. 11, 25-30. Zu derselbigen Zeit antwortete Jesus und sprach: Ich preise dich, Bater uni Herr Himmels und der Erde, daß du solches den Weisen und Klugen verborgen hast, und hast es den Unmündigen offenbaret. Ja, Vater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir! Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. Und niemand kennet den Sohn, denn nur der Vater, und niemand kennet den Vater, denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. Kommt her zu mir alle die ihr mühselig und beladen seyd: ich will euch erquicken! Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir, denn ich bin fanftmüthig und von Herzen demüthig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen, denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. 2) Abendlection, Apostelgeschichte 1, 15-26 Und in den Tagen trat auf Petrus unter die Jünger und sprach( es war aber die Schaar der Namen zuhaufe bei hundertundzwanzig): Ihr Männer und Brüder, es mußte die Schrift erfüllet werden, welche zuvor gesagt hat der heilige Geist durch den Mund David von Judas, der ein Vorgänger war derer die Jesum fiengen; denn er war mit uns gezählet und hatte dieß Amt mit uns überkommen. Dieser hat erworben den Acker um den ungerechten Lohn, und sich erhenkt und ist mitten entzwei geborsten und alle seine Eingeweide ausgeschüttet. lind es ist kund worden allen die zu Jerufalem wohnen, also, daß derselbige Acker genennet wird auf ihre Sprache Hakeldama, das ist, ein Blutacker. Denn es stehet geschrieben im Psalmbuch:, ihre Behaufung müsse wüste werden, und seh niemand der brinnen wohne, und sein Bisthum empfahe ein anderer." So muß nun einer unter diesen Männern, die bei uns gewesen sind die ganze Zeit über welche der Herr Jesus unter uns ist aus- und eingegangen von der Taufe Jahrgang I. Mariä Verkündigung. Philippi und Jakobi. 63 Johannis an bis auf den Tag, da er von uns genommen ist, ein Zeuge seiner Auferstehung mit uns werden. Und sie stelleten zween, Joseph, genannt Barfabas, mit dem Zunamen Just, und Matthiam, beteten und sprachen: Herr! aller Herzen Kündiger! zeige an, welchen du erwählet hast unter diesen zween, daß einer empfahe diesen Dienst und Apostelamt, davon Judas abgewichen ist, daß er hingienge an seinen Ort. Und sie warfen das Loos über sie, und das Loos fiel auf Matthiam, und er ward zugeordnet zu den elf Aposteln. Am Feiertag Mariä Verkündigung. 1) Evangelium, Luc. 1, 26-36. Und im sechsten Mond ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrauen, die vertrauet war einem Manne, mit Namen Joseph, vom Hause David, und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: gegrüßet seyst du, holdselige! der Herr ist mit dir, du gebenedeyete unter den Weibern Da sie aber ihn sahe, erschrack sie über seiner Rede und gedachte: welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: fürchte dich nicht, Maria, du haft Gnade bei Gott funden! Siehe, du wirst schwanger werden im Leibe und einen Sohn gebären, deß Namen sollt du Jesus heißen. Der wird groß und ein Sohn des Höchsten genennet werden. Gott der wird ihm den Stuhl und er wird ein König feyn über vas zaus Safob( wiglich, sters Danie gehen, reichs wird kein Ende seyn. Da sprach Maria zu dem Engel: wie soll das zugehen, sintemal ich von keinem Manne weiß? Der Engel antwortete und sprach zu ihr: der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum auch das Heilige das von dir geboren wird, wird Gottes Sohn genennet werden. Und siehe, Elisabeth, deine Gefreundte, ist auch schwanger mit einem Sohn in ihrem Alter und gehet jegt im sechsten Mond, die im Geschrei ist, daß sie unfruchtbar sep; denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr. 2) Abendlection, Jef. 7, 10-15. Und der Herr redete abermal zu Ahas und sprach: fordere dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott, es sey hunten in der Hölle, oder droben in der Höhe. Aber Ahas sprach: ich wills nicht fordern, daß ich den Herrn nicht versuche. Da sprach er: wohlan, so höret ihr vom Hause David: ists euch zu wenig, daß ihr die Leute beleidiget, ihr müßt auch meinen Gott beleidigen? Darum so wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben. Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie heißen Immanuel. Butter und Honig wird er essen, daß er wisse böses zu verwerfen und gutes zu erwählen. Am Feiertag Philippi und Jacobi. 1) Evangelium, Joh. 14, 1-14. Und Jesus sprach zu seinen Jüngern: euer Herz erschrecke nicht! Glaubet ihr an Gott, so glaubet ihr auch an mich. In meines Vaters Hause sind viel Wohnungen. Wenu es nicht so wäre, so wollt ich zu euch sagen: ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Und ob ich hingienge, euch die Stätte zu bereiten, will ich doch wieder kommen und euch zu mir nehmen, auf daß ihr sehd wo ich bin. Und wo ich hingehe, das wisset ihr, und den Weg wisset ihr auch. Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehest, und wie können wir den Weg wissen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg, und die Wahrheit, und das Leben; niemand kommt zum Bater, denn durch mich. Wenn ihr mich kennetet, so kennetet ihr auch meinen Vater; und von nun an kennet ihr ihn 64 dan 6 Jahrgang I. Johannis der Täufer.mint und habt ihn geschen. Spricht zu ihm Philippus: Herr, zeige uns den Vater, so genüget uns. Jesus spricht zu ihm: so lang bin ich bei euch, und du kennest mich nicht? Philippe, wer mich siehet, der siehet den Bater; wie sprichst du renu: zeige uns den Vater? Glaubest du nicht, daß ich im Bater und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, die rebe ich nicht von mir selbst; der Vater aber, ber in mir wohnet, berselbige thut die Werke. Glaubet mir, daß ich im Vater und der Vater in mir ist; wo nicht, so glaubet mir doch um der Werke willen. Wahrlich, wahrlich ich sage euch: wer an mich glaubet, der wird die Werke auch thum die ich thu, und wird größere denn diese thun; denn ich gehe zum Bater. Und was ihr bitten wertet in meinem Namen, das will ich thun, auf daß der Vater gechret werde in dem Sohne. Was ihr bitten werdet in meinem Namen, tas will ich thun. 2) Epistel, Ephes. 2, 19-22. So feyd ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbauet auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchen der ganze Bau in einander gefüget, wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn, auf welchem auch ihr mit erbauet werdet zu einer Behausung Gottes im Geist. Am Feiertag Johannis des Täufers. 1) Evangelium, Lucă 1, 57-80. Und Elisabeth kam thre Zeit, daß sie gebären sollt, und sie gebar einen Sohn. Und ihre Nachbarn und Gefreundten hörten, daß der Herr große Barmherzigkeit an ihr gethan hatte, und freueten sich mit ihr. Und es begab sich am achten Tage, kamen sie zu beschneiden das Kindlein und hießen ihn nach seinem Vater Zacharias. Aber seine Mutter antwortete und sprach: mit nichten, sondern er soll Johannes heißen! Und sie sprachen zu ihr: ist toch niemand in deiner Freundschaft, der also heiße! Und sie winketen seinem Vater, wie er ihn wollt heißen lassen? Und er forderte ein Täfelein, schrieb und sprach: er heißt Johannes. Und sie verwunderten sich alle. Und alsbald war sein Mund und seine Zunge aufgethan, und redete und lobete Gutt. Und es kam eine Furcht über alle Nachbarn; und dieß Geschicht ward alles rüchtbar auf dem ganzen jüdischen Gebirge. Und alle die es höreten, nahmens zu Herzen und sprachen: was meinest tu, will aus dem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm. Und sein Vater Zacharias ward des heiligen Geistes voll, weissagete und sprach: Gelobet sey der Herr, der Gott Israel, denn er hat besucht und erlöset sein Volk; und hat uns aufgerichtet ein Horn res Heils in tem Hause seines Dieners David, als er vor Zeiten gerett hat turch den Munt seiner heiligen Propheten, daß er uns errettete von unsern Feinden und von der Hand aller die uns hassen, und tie Barmherzigkeit erzeigete unsern Vätern, und gerächte an seinen heiligen Bund und an den Eid, den er geschworen hat unfrem Bater Abraham, uns zu geben, daß wir, erlöset aus der Hand unserer Feinde, ihm dieneten ohn Furcht unser Lebenlang in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist. Und du Kinklein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen; eu wirst vor dem Herrn hergehen, daß du seinen Weg bereitest und Erkenntniß des Heils gebeft seinem Volk, die da ist in Bergebung ihrer Sünden durch die herzliche Barmherzigkeit unsers Gottes, turch welche uns besucht hat der Aufgang aus der Höhe, auf daß er erscheine tenen tie ta sizen im Finsterniß und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg tes Friedens. Und das Kintlein wuchs und ward stark im Geist, und war in der Wüste, bis daf er fellt hervortreten vor das Volk Israel. Jahrgang I. Petri und Pault. 2) Abendlection, Jef. 40, 1-8. Tröftet, tröftet mein Volk, spricht euer Gott, redet mit Jerusalem freundlich und prediget ihr, daß ihre Ritterschaft ein Ende hat; denn ihre Missethat ist vergeben; denn sie hat zwiefältiges empfangen von der Hand des Herrn um alle ihre Sünde. Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: bereitet dem Herrn den Weg, machet auf dem Gefilde eine ebene Bahn unfrem Gott! Alle Thale sollen erhöhet werden, und alle Berge und Hügel follen geniedriget werden, und was ungleich ist, soll eben, und was höckericht ist, soll schlecht werden; denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden, und alles Fleisch mit einander wird sehen, daß des Herrn Mund redet. Es spricht eine Stimme: predige! Und er sprach: was soll ich predigen? Alles Fleisch ist Heu, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde; das Heu verdorret, die Blume verwelket, denn des Herrn Geist bläset brein. Ja, das Volk ist das Heu; das Heu verdorret, die Blume verwelkt; aber das Wort unsers Gottes bleibet ewiglich. 65 Am Feiertag Petri und Pauli. 1) Evangelium, Matth. 16, 13-19. Da kam Jesus in die Gegend der Stadt Cäsarea Philippt und fragte seine Jünger und sprach: wer sagen die Leute, daß des Menschen Sohn sey? Sie sprachen: etliche sagen, du seyest Johannes der Täufer; die andern, du sehest Elias; etliche, du seyest Jeremias, oder der Propheten einer. Er sprach zu ihnen: wer saget denn thr, daß ich sey? Da antwortete Simon Petrus und sprach: du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn. Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: selig bist du, Simon, Jonas Sohn, denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel! Und ich sage dir auch: du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeine, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Und ich will dir des Himmelreichs Schlüsfel geben; alles was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden seyn, und alles was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los seyn. 2) Abendlection, Apostelgeschichte 12, 1-11. Um dieselbige Zeit legte der König Herodes die Hände an etliche von der Gemeine, zu peinigen. Er tödtete aber Jakobum, Johannis Bruder, mit dem Schwert. Und da er sahe, daß es den Juden gefiel, fuhr er fort und fieng Petrum auch. Es waren aber eben die Tage der süßen Brod. Da er ihn nun griff, legte er ihn ins Gefängniß und überantwortete ihn vier Viertheilen Kriegsknechten, ihn zu bewahren, und gedacht, ihn nach den Ostern dem Bolk vorzustellen. Und Petrus ward zwar im Gefängniß gehalten; aber die Gemeine betete ohn Aufhören für ihn zu Gott. Und da ihn Herodes wollte vorstellen, in derselbigen Nacht schlief Petrus zwischen zween Kriegsknechten, gebunden mit zwo Ketten, und die Hüter vor der Thür hüteten des Gefängnisses. Und siehe, der Engel des Herrn kam daher, und ein Licht schien in dem Gemach, und schlug Petrum an die Seite und weckte ihn auf und sprach: stehe behends auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen. Und der Engel sprach zu ihm: gürte dich und thu deine Schuh an. Und er that also. Und er sprach zu ihm: wirf deinen Mantel um dich und folge mir nach. Und er gieng hinaus und folgete ihm, und wußte nicht, daß ihm wahrhaftig solches geschehe durch den Engel, sondern es däuchte ihn, er sehe ein Gesicht. Sie glengen aber durch die erste und andere Hut und kamen zu der eisernen Thür, welche zur Stadt führet, ble that sich ihnen von ihr selber auf, und traten hinaus und giengen hin eine Gaffe lang. Und alsobald schied der Engel von ihm. Und da Petrus zu ihm Evangelisches Gesangbuch.( Anhang.) 5 66 Jahrgang 1. Jakobi des Größern. Bartholomät. selber kam, sprach er: nun weiß ich wahrhaftig, daß der Herr seinen Engel gesandt hat, und mich errettet aus der Hand Herodis und von allem Warten res jüdischen Volks. Am Feiertag Jakobi des Größern. 1) Evangelium, Matth. 20, 20-28. Da trat zu ihm die Mutter der Kinder Zebedat mit ihren Söhnen, fiel vor ihm nieder und bat etwas von ihm. Und er sprach zu ihr: was willt du? Sie sprach zu ihm: laß diese meine zween Söhne sigen in deinem Reich einen zu deiner Rechten, und den andern zu keiner Linken. Aber Jesus antwortete und sprach: thr wisset nicht, was ihr bittet. Könnet ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde, und euch) taufen lassen mit der Taufe, da ich mit getauft werde? Sie sprachen zu ihm: ja wohl. Und er sprach zu ihnen: meinen Kelch sollt ihr zwar trinken und mit der Taufe, da ich mit getauft werde, sollt ihr getauft werden: aber das Sigen zu meiner Rechten und Linken zu geben, stehet mir nicht zu, sondern denen es bereitet ist von meinem Vater. Da das die zehen höreten, wurden sie unwillig über die zween Brüder. Aber Jesus rief ihnen zu sich und sprach: ihr wisset, daß die weltlichen Fürsten herrschen, und die Oberherren haben Gewalt; so soll es nicht seyn unter euch, sondern so jemand will unter euch gewaltig seyn, der sey euer Diener, und wer da will der vornehmste seyn, ter sey euer Knecht. Gleichwie des Menschen Sohn ist nicht kommen, daß er ihm tlenen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele. 2) Epistel, Röm. 8, 28-39. Wir wissen aber, daß denen die Gott lieben alle Dinge zum besten dienen, die nach dem Vorsatz berufen sind. Denn welche er zuvor versehen hat, die hat er auch verordnet, daß sie gleich seyn sollten dem Ebenbilde seines Sohns, auf daß derselbige der erstgeborne sey unter vielen Brüdern. Welche er aber verordnet hat, die hat er auch berufen; welche er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; welche er aber hat gerecht gemacht, die hat er auch herrlich gemacht. Was wollen wir denn weiter sagen? 3ft Gott für uns, wer mag wider uns seyn? welcher auch seines eigenen Sohns nicht hat verschonet, sondern hat ihn für uns alle dahin gegeben; wie sollt er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hie, der da gerecht machet! Wer will verdammen? Christus ist hie, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch aufermecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns. Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal, oder Angst, oder Verfolgung, oder Hunger, over Blöße, oder Fährlichkeit, oder Schwert? wie geschrieben stehet: um deinetwillen werden wir getödtet den ganzen Tag; wir sind geachtet für Schlachtschafe." Aber in dem allen überwinden wir weit um des willen, der uns geliebet hat. Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder gegenwärtiges noch zukünftiges, weder hohes noch tiefes, noch keine andere Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unfrem Herrn. Am Feiertag Bartholomäi. 1) Evangelium, Joh. 1, 35-51. Des andern Tage stund abermal Johannes und zween seiner Junger, und als er sahe Jesum wandeln, sprach er: siehe, das ist Gottes Lamm. Und zween seiner Jünger höreten ihn reden und folgeten Jefu nach. Jesus aber wandte sich Jahrgang I. Feiertag Bartholomät. Matthät. 67 um und sahe sie nachfolgen und sprach zu ihnen: was suchet ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Nabbi( das ist verdolmetscht: Meister), wo bist du zur Herberge? Er sprach zu ihnen: kommt und sehets. Sie kamen und sahens und blieben denselbigen Tag bei ihm; es war aber um die zehente Stunde. Einer aus den zween, die von Johanne höreten und Jesu nachfolgeten, war Andreas, der Bruder Simonis Petri. Derselbige findet am ersten seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: wir haben den Messias funden( welches ist vervolmetscht: der Gesalbte), und führete ihn zu Jesu. Da ihn Jesus sahe, sprach er: du bist Simon, Jonas Sohn; du sollt Kephas heißen( das wird vervolmetscht: ein Fels). Des andern Tages wollte Jesus wieder in Galiläam ziehen, und findet Philippum und spricht zu ihm: folge mir nach. Philippus aber war von Bethfaida, aus der Stadt Andreas und Petri. Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: wir haben den funden, von welchem Moses im Gesez und die Propheten geschrieben haben: Jesum, Josephs Sohn von Nazareth. Und Nathanael sprach zu ihm: was kann von Nazareth gutes kommen? Philippus spricht zu ihm: komm und fiche es. Jesus sahe Nathanael zu sich kommen und spricht von ihm: fiche, ein rechter Ifraeliter, in welchem kein Falsch ist. Nathanael spricht zu ihm: woher kennest du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: ehe denn vir Philippus rief, da du unter dem Feigenbaum wareft, sahe ich vich. Nathanael antwortete und spricht zu ihm: Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel! Jesus antwortete und sprach zu ihm: du glaubest, weil ich dir gesagt habe, daß ich dich gesehen habe unter dem Feigenbaum; du wirst noch größeres denn das sehen. Und spricht zu ihm: wahrlich, wahrlich ich sage euch: von nun an werdet ihr den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf und herab fahren auf des Menschen Sohn. 2) Epistel, 2 Cor. 4, 5-20. Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesum Christ, daß er sey der Herr, wir aber eure Knechte um Jesus willen. Denn Gott, der da hieß das Licht aus der Finsterniß hervor leuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, daß( durch uns) entstünde die Erleuchtung von der Erkenntniß der Klarheit Gottes in dem Angesichte Jesu Christi. Wir haben aber solchen Schaß in irdischen Gefäßen, auf daß die überschwengliche Kraft sey Gottes, und nicht von uns. Wir haben allenthalben Trübsal, aber wir ängsten uns nicht; uns ist bange, aber wir verzagen nicht; wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen; wir werden untergebrückt, aber wir kommen nicht um; und tragen um allezeit das Sterben des Herrn Jesu an unfrem Letbe, auf daß auch das Leben des Herrn Jesu an unfrem Leibe offenbar werde. Am Feiertag Matthäi. 1) Evangelium, Matth. 9, 9-13. Und da Jesus von dannen gieng, sahe er einen Menschen am Zoll fizen, der hieß Matthäus, und sprach zu ihm: folge mir. Und er stund auf und folgete ihm. Und es begab sich, da er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viel Zöllner und Sünder und saßen zu Tische mit Jesu und seinen Jüngern. Da das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: warum isset euer Meister mit den Zöllnern und Sündern? Da das Jesus hörete, sprach er zu ihnen: die Starken dürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Gehet aber hin und lernet, was das seh: Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit, und nicht am Opfer; ich bin kommen, die Sünder zur Buße zu rufen, und nicht die Frommen. 68 Jahrgang I. Feiertag Matthäi. Simonis und Judä. 2) Epistel, Ephef. 4, 7-16. Einem jeglichen aber unter uns ist gegeben die Gnade nach dem Maß der Gabe Christi. Darum spricht er: er ist aufgefahren in die Höhe und hat das Gefängniß gefangen geführet, und hat den Menschen Gaben gegeben." Daß er aber aufgefahren ist, was ists, denn daß er zuvor ist hinuntergefahren in die untersten Derter der Erde? Der hinuntergefahren ist, das ist derselbige, der aufgefahren ist über alle Himmel, auf daß er alles erfüllete. Und er hat etliche zu Aposteln gesetzt, etliche aber zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern, daß die Heiligen zugerichtet werden zum Werk des Amts, tadurch der Leib Christi erbauet werde, bis daß wir alle hinankommen zu einerlei Glauben und Erkenntniß des Sohns Gottes, und ein vollkommener Mann werden, der da sey in der Maße des vollkommnen Alters Christi; auf daß wir nicht mehr Kinder sehen und uns wägen und wiegen lassen von allerlei Wind der Lehre, durch Schalkheit der Menschen und Täuscheret, damit sie uns erschleichen zu verführen. Lasset uns aber rechtschaffen seyn in der Liebe und wachsen in allen Stücken an den der das Haupt ist, Christus, aus welchem der ganze Leib zusammen gefüget, und ein Glied am andern hanget durch alle Gelenke, dadurch eins dem andern Handreichung thut nach dem Werk eines jeglichen Gliedes in seiner Maße; und machet, daß der Leib wächset zu sein selbst Besserung, und das alles in der Liebe. Am Feiertag Simonis und Judä. 1) Evangelium, Joh. 15, 17-25. Das gebiete ich euch, daß ihr euch unter einander liebet. So euch die Welt hasset, so wisset, daß sie mich vor euch gehasset hat. Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das ihre lieb; dieweil ihr aber nicht von der Welt seyd, sondern ich habe euch von der Welt erwählet, darum hasset euch die Welt. Gedenket an mein Wort, das ich euch gesagt habe: der Knecht ist nicht größer denn sein Herr. Haben sie mich verfolget, sie werden euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie cures auch halten. Aber das alles werden sie euch thun um meines Namens willen; denn sie kennen den nicht der mich gefandt hat. Wenn ich nicht kommen wäre und hätte es ihnen gesaget, so hätten sie keine Sünde; nun aber können sie nichts vorwenden, ihre Sünde zu entschuldigen. Wer mich hasset, der hasset auch meinen Vater. Hätte ich nicht die Werke gethan unter ihnen, die kein anderer gethan hat, so hätten sie keine Sünde; nun aber haben sie es gesehen, und hassen doch beide, mich und meinen Vater. Doch, daß erfüllet werde der Spruch, in ihrem Gesetz geschrieben:„ sie hassen mich ohn Ursache." 2) Epistel, 1 Petri 1, 3-9. Gelobet fey Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Todten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahret werdet zur Seligkeit; welche zubereit ist, daß sie offenbar werde zu der letzten Zeit, in welcher ihr euch freuen werdet, die ihr jett eine kleine Zeit( wo es seyn soll) traurig sehd in mancherlei Anfechtungen, auf daß euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde denn das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewähret wird, zu Lobe, Preis und Ehre, wenn nun offenbaret wird Jesus Christus, welchen ihr nicht gesehen und doch lieb habt und nun an ihn glaubet, wiewohl ihr ihn nicht sehet, so werdet ihr euch freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, und das Ende eures Glaubens davon bringen, nemlich der Seelen Seligkeit. Jahrgang II. Am 1. und 2. Advent. Sonn-, Fest- und Feiertägliche Evangelien und und Episteln. 3 weiter Jahrgang. Am 1. Advent. 1) Evangelium, Luc. 17, 20-25. Da Jesus aber gefraget ward von den Pharisäern: wann kommt das Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach: tas Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Geberden; man wird auch nicht sagen: siehe, hie oder da ist es; denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch. Er sprach aber zu den Jüngern: es wird die Zeit kommen, daß ihr werdet begehren zu sehen einen Tag des Menschensohns, und werdet ihn nicht sehen. Und sie werden zu euch sagen: siehe hie, siehe ra; gehet nicht hin und folget auch nicht. Denn wie der Blitz oben vom Himmel bliget und leuchtet über alles das unter dem Himmel ist, also wird des Menschen Sohn an seinem Tage seyn. Zuvor aber muß er viel leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht. 69 2) Epistel, Röm. 14, 17-19. Denn das Reich Gottes ist nicht Effen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem heiligen Geiste. Wer darinnen Christo dienet, der ist Gott gefällig und den Menschen werth. Darum lasset uns dem nachstreben, das zum Frieden dienet und was zur Besserung unter einander dienet. Am 2. Advent. 1) Evangelium, Luc. 12, 35-48. Laffet eure Lenden umgürtet seyn und eure Lichter brennen, und sehd gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf daß, wann er kommt und anklopfet, sie ihm bald aufthun. Selig sind die Knechte, die der Herr, so er kommt, wachend findet! Wahrlich, ich sage euch: er wird sich aufschürzen und wird sie zu Tische sezen, und vor ihnen gehen und ihnen dienen. Und so er kommt in der andern Wache und in der dritten Wache und wirds also finden, selig sind diese Knechte! Das sollt ihr aber wissen: wenn ein Hausherr wüßte, zu welcher Stunde der Dieb käme, so wachete er und ließe nicht in sein Haus brechen. Darum sehd ihr auch bereit; denn des Menschen Sohn wird kommen zu der Stunde, da ihr nicht meinet. Petrus aber sprach zu ihm: Herr, sagest du dieß Gleichniß zu uns oder auch zu allen? Der Herr aber sprach: wie ein groß Ding ists um einen treuen und klugen Haushalter, welchen der Herr setzet über sein Gesinde, daß er ihnen zu rechter Zeit ihre Gebühr gebe! Selig ist der Knecht, welchen sein Herr findet also thun, wann er kommt! Wahrlich ich sage euch, er wird ihn über alle seine Güter setzen. So aber derselbige Knecht in seinem Herzen sagen wird: mein Herr verzeucht zu kommen; und fähet an zu schlagen Knechte und Mägde, auch zu essen und zu trinken und sich voll zu saufen: so wird desselbigen Knechtes Herr kommen an dem Tage, da er sichs nicht versiehet, und zu der Stunde, die er nicht weiß; und wird ihn zerscheitern und wird ihm seinen Lohn geben mit den Unglaubigen. Der Knecht aber, der seines Herrn Willen weiß, und hat sich nicht bereitet, auch nicht nach seinem Willen gethan, der wird viel Streiche 70 Jahrgang II. Am 2. und 3. Advent. leiden müssen; der es aber nicht weiß, hat doch gethan das der Streiche werth ist, wird wenig Streiche leiden. Denn welchem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen: und welchem viel befohlen ist, von dem wird man viel fordern. 2) Evistel, Röm. 14, 7-12. Denn unser keiner lebet ihm selber und keiner stirbet ihm selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn; darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus auch gestorben und auferstanden und wieder lebendig worden, daß er über Todte und Lebendige Herr sey. Du aber, was richtest du deinen Bruder? oder du anderer, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richtstuhl Christi dargestellet werden, nachdem geschrieben stehet:„ so wahr als ich lebe, spricht der Herr, mir sollen alle Kniee gebeuget werden, und alle Zungen sollen Gott bekennen." So wird nun ein jeglicher für sich selbst Gotte Rechenschaft geben. Am 3. Advent. 1) Evangelium, Luc. 3, 2-18. Da Hannas und Kaiphas Hohepriester waren, da geschah der Befehl Gottes zu Johannes, Zacharias Sohn, in der Wüste. Und er kam in alle Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden; wie geschrieben stehet in dem Buch der Rede Jesaias, des Propheten, der da sagt: „ Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: bereitet den Weg des Herrn und machet seine Steige richtig. Alle Thale sollen voll werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedriget werden, und was krumm ist, soll richtig werden, und was uneben ist, soll schlechter Weg werden. Und alles Fleisch wird den Heiland Gottes schen." Da sprach er zu dem Volk, das hinaus gieng, daß es sich von ihm taufen ließe: Ihr Otterngezüchte! wer hat denn euch geweiset, daß ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet? Sehet zu, thut rechtschaffene Frucht der Buße, und nehmet euch nicht vor zu sagen: wir haben Abraham zum Vater: denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Art den Bäumen an die Wurzel gelegt; welcher Baum nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und in das Feuer geworfen. Und das Volk fragte ihn und sprach: was sollen wir denn thun? Er antwortete und sprach zu ihnen: wer zween Röcke hat, der gebe dem der keinen hat; und wer Speise hat, thue auch also. Es kamen auch die Zöllner, daß sie sich taufen ließen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir thun? Er sprach zu ihnen: fordert nicht mehr, denn gefeßt ist. Da fragten ihn auch die Kriegsleute und sprachen: was sollen denn wir thun? Und er sprach zu ihnen: thut niemand Gewalt noch Unrecht und lasset euch begnügen an eurem Solde. Als aber das Volk im Wahn war, und dachten alle in ihren Herzen von Johanne, ob er vielleicht Christus wäre, antwortete Johannes und sprach zu allen: ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber ein stärkerer nach mir, dem ich nicht genugsam bin, daß ich die Riemen seiner Schuh auflöse; der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen; in desselbigen Hand ist die Wurfschaufel, und er wird seine Tenne fegen und wird den Weizen in seine Scheure sammlen, und die Spreu wird er mit ewigem Feuer verbrennen. Und viel anders mehr vermahnete und verkündigte er dem Volk. 2) Abendlection, Apostelgeschichte 3, 19-26. So that nun Buße und bekehret euch, daß eure Sünden vertilget werden; auf daß da komme die Zeit der Erquicklung von dem Angesicht des Herrn, wenn er senden wird den der euch jetzt zuvor geprediget wird, Jesum Chrift, welcher muß den Himmel einnehmen, bis auf die Zeit, da herwiederbracht werde alles Jahrgang II. Am 4. Advent. Chriftfest. 71 was Gott geredt hat durch den Mund aller seiner heiligen Propheten, von der Welt an. Denn Moses hat gesagt zu den Vätern: Einen Propheten wird euch der Herr, euer Gott, erwecken aus euren Brüdern, gleichwie mich, den sollt ihr hören in allem das er zu euch sagen wird; und es wird geschehen, welche Seele denselbigen Propheten nicht hören wird, die soll vertilget werden aus dem Volk." Und alle Propheten von Samuel an und hernach, wie viel ihr geredt haben, die haben von diesen Tagen verkündiget. Ihr sehd der Propheten und des Bunts Kinder, welchen Gott gemacht hat mit euren Vätern, da er sprach zu Abraham: durch deinen Samen sollen gesegnet werden alle Völker auf Erden." Euch zuvörderst hat Gott auferweckt sein Kind Jesum und hat ihn zu euch gesandt, euch zu segnen, daß ein jeglicher sich bekehre von seiner Bosheit. Am 4. Advent. 1) Evangelium, Joh. 3, 22-36. Darnach kam Jefus und seine Jünger in das jüdische Land und hatte daselbst sein Wesen mit ihnen und taufete. Johannes aber taufete auch noch zu non, nahe bet Salim, denn es war viel Wassers daselbst; und sie kamen dahin und ließen sich taufen. Denn Johannes war noch nicht ins Gefängniß gelegt. Da erhub sich eine Frage unter den Jüngern Johannis samt den Juden über die Reinigung, und kamen zu Johanne und sprachen zu ihm: Meister, der bei dir war jenseit dem Jordan, von dem du zeugetest, siehe, der taufet, und jedermann kommt zu ihm. Johannes antwortete und sprach: ein Mensch kann nichts nehmen, es werde ihm denn gegeben vom Himmel. Ihr selbst seyd meine Zeugen, daß ich gesagt habe: ich sey nicht Christus, sondern vor ihm her gesandt. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund aber des Bräutigams stehet und höret ihm zu, und freuet sich hoch über des Bräutigams Stimme. Dieselbige meine Freude ist nun erfüllet. Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen; der von oben her kommt, ist über alle. Wer von der Erde ist, der ist von der Erde und redet von der Erde; der vom Himmel kommt, der ist über alle und zeuget was er gesehen und gehöret hat; und sein Zeugniß nimmt niemand an; wer es aber annimmt, der versiegelts, daß Gott wahrhaftig sey. Denn welchen Gott gesandt hat, der redet Gottes Wort; denn Gott gibt den Geist nicht nach dem Maß. Der Vater hat den Sohn lieb und hat ihm alles in seine Hand gegeben. Wer an den Sohn glaubet, ber hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubet, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm. 2) Epistel, 1 Joh. 1, 1-4. Das Das da von Anfang war, das wir gehöret haben, das wir gesehen haben mit unsern Augen, das wir beschauet haben, und unsere Hände betastet haben, vom Wort des Lebens( und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und zeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, welches war bei dem Vater und ist uns erschienen) was wir gesehen und gehöret haben, das verkündigen wir euch, auf daß auch ihr mit uns Gemeinschaft habt, und unsere Gemeinschaft sey mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesu Christo. Und solches schreiben wir euch, auf daß eure Freude völlig sey. Am heiligen Chriftfest. 1) Evangelium. A. Luc. 2, 1-14. Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augusto ausgieng, daß alle Welt geschätzt würde; und diese Schatzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann 72 Jahrgang II. Chrißfest. Sonntag nach dem Chrißfest. gieng, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land, zur Stadt David, die da heißt Bethlehem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte David war, auf daß er sich schäßen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde bet den Hürden, die hüteten des Nachts ihrer Heerde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie furchten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht; siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird: denn euch ist heute der Heiland geboren, melcher ist Christus, der Herr in der Stadt David. Und das habt zum Zeichen: thr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. llnd alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerschaaren die lobten Gott und sprachen: Ehre sey Gott in der Höhe, und Friebe auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen. B. Joh. 1, 14-18. Und das Wort ward Fleisch und wohnete unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohns vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes zeuget von ihm, rufet und spricht: dieser war es, von dem ich gesagt habe: nach mir wird kommen der vor mir gewesen ist, denn er war ehe denn ich. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mosen gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesum Christ worden. Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborne Sohn, der in des Vaters Schooß ist, der hat es uns verkündiget. 2) Epistel, Ephef. 1, 3-8. Gelobet sey Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christum. Wie er uns denn erwählet hat durch denselbigen, ehe der Welt Grund gelegt war, daß wir sollten seyn heilig und unsträflich vor ihm in der Liebe; und hat uns verordnet zur Kintschaft gegen ihn selbst durch Jesum Christ, nach dem Wohlgefallen seines Willens, zu Lob seiner herrlichen Gnade, durch welche er uns hat angenehm gemacht in dem Geliebten; an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nemlich die Vergebung der Sünden, nach dem Reichthum seiner Gnade, welche uns reichlich widerfahren ist durch allerlet Weisheit und Klugheit. Am Sonntag nach dem heiligen Christfest. 1) Evangelium, Luc. 1, 46-55. Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes, denn er hat seine elende( die Niedrigkeit seiner) Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindskind; denn er hat große Ding an mir gethan ber da mächtig ist und deß Namen heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währet immer für und für bei denen die ihn fürchten. Er übet Gewalt mit seinem Arm und zerstreuet die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößet die Gewaltigen vom Stuhl, und erhebt die Elenden; die Hungerigen füllet er mit Gütern, und läßt die Reichen leer. Er denket der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf; wie er gerebt hat unsern Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich. Jahrgang II. Sonntag nach dem Chriftfest. Neujahr. 73 2) Epistel, 1 Timoth. 3, 16. Und kündlich groß ist das gottselige Geheimniß: Gott ist offenbaret im Fleisch, gerechtfertiget im Geist, erschienen den Engeln, geprediget den Heiden, geglaubet von der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit. Am Neujahrsfest. 1) Morgenlectionen. A. Hebr. 13, 8. Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. B. Hebr. 13, 14. Denn wir haben hie keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. C. Hebr. 10, 35. Werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. D. Offenb. Joh. 2, 10. Sey getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. E. 2 Cor. 13, 13. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des heiligen Geiftes sey mit euch allen! Amen. F. Offenb. Joh. 1, 4. Gnade sey mit euch, und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. 2) Abendlectionen. A. Psalm 90, 2-6. Herr Gott! du bist unsere Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge worden, und die Erde und die Welt geschaffen worden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit; der du die Menschen läsfest sterben und sprichst: kommet wieder, Menschenkinder. Denn tausend Jahr sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtmache. Du läsfest sie dahinfahren wie einen Strom, und sind wie ein Schlaf, gleichwie ein Gras das doch bald welk wird, das da frühe blühet und bald welk wird und des Abends abgehauen wird und verdorret. B. Psalm 102, 26-28. Du haft vorhin die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. Sie werden vergehen, aber du bleibeft; sie werden alle veralten wie ein Gewand; sie werden verwandelt, wie ein Kleid, wenn du sie verwandeln wirst. Du aber bleibest, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende. C. Psalm 119, 19. Ich bin ein Gaft auf Erden; verbirg deine Gebote nicht vor mir. D. Psalm 39, 5. 6. Aber, Herr, lehre voch mich, daß es ein Ende mit mir haben muß; und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. Siehe, meine Tage sind einer Hand breit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so ficher leben! 74 Jahrgang II. Sonntag nach leujahr. Erscheinung Chrifti. Am Sonntag nach dem Neujahrsfest. 1) Evangelium, Joh. 12, 44-50. Jefus aber rief und sprach: Wer an mich glaubet, der glaubet nicht an mich, sondern an den der mich gesandt hat. Und wer mich siehet, der sichet den der mich gesandt hat. Ich bin kommen in die Welt ein Licht, auf daß wer an mich glaubet nicht im Finsterniß bleibe. Und wer meine Wort höret, und glaubet nicht, den werde ich nicht richten; denn ich bin nicht kommen, daß ich die Welt richte, sondern daß ich die Welt selig mache. Wer mich verachtet und nimmt meine Wort nicht auf, der hat schon, der ihn richtet; das Wort, welches ich geredt habe, das wird ihn richten am jüngsten Tage. Denn ich habe nicht von mir selber geredt; sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich thun und feden soll. Und ich weiß, daß sein Gebot ist das ewige Leben. Darum, das ich rede, das rede ich also, wie mir der Vater gesagt hat. 2) Epistel, 1 Thessal. 5, 5-10. Ihr seyd allzumal Kinder des Lichtes und Kinder des Tages; wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsterniß. So lasset uns nun nicht schlafen, wie die andern; sondern laffet uns wachen und nüchtern seyn. Denn die schlafen, die schlafen des Nachts, und die da trunken sind, die sind des Nachts trunken. Wir aber, die wir des Tages find, sollen nüchtern seyn, angethan mit dem Krebs des Glaubens und der Liebe, und mit dem Helm der Hoffnung zur Seligkeit. Denn Gott hat uns nicht gesetzt zum Zorn, sondern die Seligkeit zu besigen durch unsern Herrn Jesum Christ, der für uns gestorben ist, auf daß wir machen over schlafen, zugleich mit ihm leben sollen. Am Fest der Erscheinung Christi. 1) Evangelium, Matth. 2, 1-12. Da Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, zur Zeit des Königes Herodis, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenland gen Jerusalem und sprachen: wo ist der neugeborne König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind kommen ihn anzubeten. Da das der König Herodes hörete, erschrack er, und mit ihm das ganze Jerusalem, und ließ versammlen alle Hohepriester und Schriftgelehrten unter dem Volk und erforschete von ihnen, wo Christus sollt geboren werden. Und sie sagten ihm: zu Bethlehem im jüdischen Lande, denn also stehet geschrieben durch den Propheten: „ Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist mit nichten die kleineste unter den Fürsten Juda; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Voll Israel ein Herr sey." Da berief Herodes die Weisen heimlich und erlernete mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und weisete sie gen Bethlebem und sprach: ziehet hin und forschet fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihrs findet, saget mirs wieder, daß ich auch komme und es anbete. Als sie nun ben König gehört hatten, zogen fie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, gieng vor ihnen hin, bis daß er kam und stund oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreuet, und giengen in das Haus und funden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an, und thäten ihre Schäße auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Und Gott befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken; und zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Lanb. 2) Abendlection, Jesaias 42, 1-8. Siehe, das ist mein Knecht, ich erhalte ihn, und mein Auserwählter, an welchem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben, Jahrgang II. Am 1. und 2. Sonntag nach Epiphaniä. 75 er wird das Recht unter die Heiden bringen. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gaffen. Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und das glimmende Docht wird er nicht auslöschen. Er wird das Recht wahrhaftiglich halten lehren. Er wird nicht mürrisch noch greulich seyn, auf daß er auf Erden das Recht anrichte; und die Inseln werden auf sein Gesez warten. So spricht Gott, der Herr, der die Himmel schaffet und ausbreitet, der die Erde machet und ihr Gewächse, der dem Volk, so drauf ist, den Odem gibt und den Geist denen die brauf gehen: Ich, der Herr, hab dir gerufen mit Gerechtigkeit, und habe dich bei deiner Hand gefasset und habe dich behütet, und habe dich zum Bund unter das Volk gegeben, zum Licht der Heiden, daß du sollt öffnen die Augen der Blinden, und die Gefangenen aus dem Gefängniß führen, und die da sizen im Finsterniß, aus dem Kerker. Ich, der Herr, das ist mein Name; und will meine Ehre keinem andern geben, noch meinen Ruhm den Gößen. Am 1. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangeltum, Marc. 10, 13-16. Und sie brachten Kindlein zu ihm, daß er sie anrührete. Die Jünger aber fuhren die an, die sie trugen. Da es aber Jesus sahe, ward er unwillig und sprach zu ihnen: laßt die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: wer das Neich Gottes nicht empfähet als ein Kindlein, der wird nicht hineinkommen. Und er herzete sie und legte die Hände auf sie und segnete sie. 2) Epistel, Ephes. 6, 1-4. Ihr Kinder, seyd gehorsam euren Eltern in dem Herrn; denn das ist billig. Ehre Vater und Mutter, das ist das erste Gebot das Verheißung hat: auf daß dirs wohl gehe und lange lebeft auf Erden. Und ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zu Zorn; sondern ziehet sie auf in der Zucht und Vermahnung zu dem Herrn. Am 2. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, Luc. 4, 14-24. Und Jesus kam wieder in des Geistes Kraft in Galiläa, und das Gerüchte erscholl von ihm durch alle umliegende Orte. Und er lehrete in ihren Schulen und ward von jedermann gepreiset. Und er kam gen Nazareth, da er erzogen war, und gieng in die Schule nach seiner Gewohnheit am Sabbathtage und stund auf und wollt lesen. Da ward ihm das Buch des Propheten Jefaias gereicht. Und da er das Buch herum warf, fand er den Ort, va geschrieben stehet: Der Geist des Herrn ist bei mir, derhalben er mich gesalbet hat und gesandt, zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu heilen die zerstoßenen Herzen, zu predigen den Gefangenen, daß sie los seyn sollen, und den Blinden das Gesicht, und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig seyn sollen, und zu predigen bas angenehme Jahr des Herrn." Und als er das Buch zuthät, gab ers dem Diener und sagte sich. Und aller Augen, die in der Schule waren, sahen auf ihn. Und er sieng an zu sagen zu ihnen: heute ist diese Schrift erfüllet vor euren Ohren. Und sie gaben alle Zeugniß von ihm und wunderten sich der holdseligen Wort, die aus seinem Munde giengen und sprachen: ist das nicht Josephs Sohn? Und er sprach zu ihnen: ihr werdet freilich zu mir sagen dieß Sprichwort: Ärzt, hilf dir selber; denn wie große Ding haben wir gehöret zu Kapernaum geschehen? thu auch also hie in deinem Vaterlande! Er aber sprach: wahrlich ich sage euch: kein Prophet ist angenehm in seinem Vaterlande! Jahrgang II. Am 2. und 3. Sonntag nach Epiphaniä. 2) Epistel, Röm. 1, 16-25. Denn ich schäme mich des Evangelii von Christo nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die da felig macht alle die daran glauben, die Juden vornehmlich, und auch die Griechen: sintemal varinnen offenbaret wird die Gerechtigkeit die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie denn geschrieben stehet: „ der Gerechte wird seines Glaubens leben." Denn Gottes Zorn vom Himmel wird offenbart über alles gottlose Wesen und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit aufhalten. Denn daß man weiß, daß Gott sey, ist ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart, damit, daß Gottes unsichtbares Wesen, das ist, seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen, so man des wahrnimmt an den Werken, nemlich an der Schöpfung der Welt; also daß sie keine Entschuldigung haben, dieweil sie wußten, daß ein Gott ist, und haben ihn nicht gepreiset als einen Gott, noch gedanket; sondern sind in ihrem Dichten eitel worden, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert. Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren worden; und haben verwandelt die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in ein Bilde, gleich dem vergänglichen Menschen und der Vögel, und der vierfüßigen und der kriechenden Thiere. Darum hat sie auch Gott dahin gegeben in ihrer Herzen Gelüste, in Unreinigkeit, zu schänden ihre igenen Leiber an ihnen selbst. Die Gottes Wahrheit haben verwandelt in die Lügen, und haben geehret und gedienet dem Geschöpf mehr, denn dem Schöpfer, der da gelobet ist in Ewigkeit. Amen. 76 Am 3. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, Joh. 4, 5-14. Da kam Jesus in eine Stadt Samaria, die heißet Sichar, nahe bei dem Dörflein, das Jakob seinem Sohn Joseph gab. Es war aber daselbst Jakobs Brunn. Da nun Jesus müde war von der Reise, sagte er sich also auf den Brunnen; und es war um die sechste Stunde. Da kommt ein Weib von Samaria, Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: gib mir trinken. Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, daß sie Speise kauften. Spricht nun das samaritische Weib zu ihm: wie bittest du von mir trinken, so tu ein Jude bist, und ich das samaritisch Weib? Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern. Jesus antwortete und sprach zu ihr: wenn du erkennetest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir saget: gib mit trinken, du bätest ihn, und er gäbe dir lebendig Wasser. Spricht zu ihm das Weib: Herr, hast du doch nichts damit du schöpfest, und der Brunn ist tief; woher hast du denn lebendiges Wasser? Bist du mehr denn unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh. Jesus antwortete und sprach zu ihr: wer dieses Wassers trinket, den wird wieder bürsten; wer aber des Wassers trinken wird das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürften; sondern das Wasser das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunn des Wassers werden das in das ewige Leben quillet. 2) Epistel, Röm. 5, 1-5. Nun wir denn sind gerecht worden durch den Glauben, so haben wir Friebe mit Gott durch unsern Herrn Jesum Chrift, durch welchen wir auch einen Zugang haben im Glauben zu dieser Gnade, darinnen wir stehen; und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben soll. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale; dieweil wir wissen, daß Trübsal Geduld bringet, Geduld aber bringet Erfahrung, Erfahrung aber bringet Hoffnung, Heffnung aber läßt nicht zu Schanden werden. Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den heiligen Geist, welcher uns gegeben ist. Jahrgang II. Am 4. und 5. Sonntag nach Epiphaniä. Am 4. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, Joh. 4, 15-26. Spricht das Weib zu ihm: Herr, gib mir dasselbige Wasser, auf daß mich nicht dürfte, daß ich nicht herkommen müsse zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: gehe hin, rufe deinem Manne und komm her. Das Weib antwortete und sprach zu ihm: ich habe keinen Mann. Jesus spricht zu ihr: du hast recht gesagt: ich habe keinen Mann: fünf Männer hast du gehabt, und den du nun hast, der ist nicht dein Mann; da hast du recht gesagt. Das Weib spricht zu ihm: Herr, ich sehe daß du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet; und ihr saget: zu Serusalem sey die Stätte, da man anbeten soll. Jesus spricht zu ihr: Weib, glaube mir, es kommt die Zeit, daß ihr weder auf diesem Berge noch zu Jerusalem werdet den Vater anbeten. Ihr wissel nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden. Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, daß die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit; denn der Vater will auch haben die ihn also anbeten. Gott ist ein Geist; und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Spricht das Weib zu ihm: ich weiß, daß Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn derselbige kommen wird, so wird ers uns alles verkündigen. Jesus spricht zu ihr: ich bins, der mit vir redet. 2) Epistel, Nöm. 2, 4-11. Over verachtest du den Reichthum seiner Güte, Geduld und Langmüthigkeit? Weißest du nicht, daß dich Gottes Güte zur Buße leitet? Du aber nach deinem verstockten und unbußfertigen Herzen häufest dir selbst den Zorn auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, welcher geben wird einem jeglichen nach seinen Werken: nemlich Preis und Ehre und unvergänglichs Wesen denen die mit Geduld in guten Werken trachten nach dem ewigen Leben; aber denen vie da zänkisch sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber dem Ungerechten, Ungnade und Zorn; Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen die da böses thun, vornemlich der Juden, und auch der Griechen; Preis aber, und Ehre, und Friede allen denen die da gutes thun, vornemlich den Juden und auch den Griechen. Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott. Am 5. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, Matth. 9, 35-38. Und Jesus gieng umher in alle Städte und Märkte, lehrete in ihren Schulen und prebigte das Evangelium von dem Reich, und heilete allerlei Seuche und allerlei Krankheit im Volk. Und da er das Volk sahe, jammerte ihn desselbigen; tenn sie waren verschmachtet und zerstreuet, wie die Schafe die keinen Hirten haben. Da sprach er zu seinen Jüngern: die Ernte ist groß, aber wenig sind ter Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte sende. 2) Abendlection, Apostelgeschichte 16, 9-15. Und Paulo erschien ein Gesichte bei der Nacht; das war ein Mann aus Macetonien, der stund und bat ihn und sprach: komm hernieder in Macedonien und hilf uns! Als er aber das Gesichte gesehen hatte, da trachteten wir, alsobald zu reisen in Macedonien, gewiß daß uns der Herr dahin berufen hätte, ihnen das Evangelium zu predigen. Da fuhren wir aus von Troas; und stracks Laufe kamen wir gen Samothracien, des andern Tages gen Neapolis, und von dannen 78 Jahrgang II. Am 5. und 6. Sonntag nach Epiphaniä. gen Philippi, welche ist die Hauptstadt des Landes Macedonien und eine Frei, stadt. Wir hatten aber in dieser. Stadt unser Wesen etliche Tage. Des Tages der Sabbather giengen wir hinaus vor die Stadt an das Wasser, da man pfleget zu beten, und sagten uns und rebeten zu den Weibern die da zusammen kamen. Und ein gottfürchtig Weib mit Namen Lydia, eine Purpurkrämerin aus ter Stadt der Thyatirer, hörete zu; welcher that der Herr das Herz auf, daß sie drauf Acht hatte, was von Paulo geredt ward. Als sie aber und ihr Haus getauft ward, ermahnete sie uns und sprach: so ihr mich achtet, daß ich gläubig bin an den Herrn, so kommt in mein Haus und bleibet allda. Und sie zwang uns. Am 6. Sonntag nach Epiphaniä. 1) Evangelium, Luc. 6, 1-10. Und es begab sich auf einen Aftersabbath, daß er durchs Getreide gieng; und seine Jünger rauften Aehren aus und aßen und rieben sie mit den Händen. Etliche aber der Pharisäer sprachen zu ihnen: warum thut ihr das sich nicht ziemet zu thun auf die Sabbather? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: habt ihr nicht das gelesen, das David thät, da ihn hungerte und die mit ihm waren? Wie er zum Hause Gottes eingieng und nahm Schaubrob und aß und gab auch denen die mit ihm waren; die doch niemand durfte essen, ohne die Priester alleine. Und sprach zu ihnen: des Menschen Sohn ist ein Herr auch des Sabbaths. Es geschah aber auf einen andern Sabbath daß er gieng in die Schule und lehrete. Und da war ein Mensch, deß rechte Hand war verborret. Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer hielten auf ihn, ob er auch heilen würte am Sabbath, auf daß sie eine Sache zu ihm sünden. Er aber merkete ihre Gedanken und sprach zu dem Menschen mit der dürren Hand: stehe auf und tritt hervor. Und er stund auf und trat dahin. Da sprach Jesus zu ihnen: ich frage euch: was ziemet sich zu thun auf die Sabbather, gutes oder böses? das Leben erhalten oder verderben? Und er sabe sie alle umher an und sprach zu dem Menschen: strecke aus deine Hand! Und er thäts. Da ward ihm seine Hand wieder zurechtbracht, gesund wie die ander. 2) Abendlection, Apostelgeschichte 13, 42-52. Da aber die Juden aus der Schule giengen, baten die Heiden, daß sie zwischen Sabbaths ihnen die Worte fageten. Und als die Gemeine der Schule von einander giengen, folgeten Paulo und Barnaba nach viel Juden und gottfürchtige Judengenossen. Sie aber sagten thnen und vermahneten sie daß fie bleiben sollten in der Gnade Gottes. Am folgenden Sabbath aber kam zusammen fast die ganze Stadt, das Wort Gottes zu hören. Da aber die Juden dak Bolk sahen, wurden sie voll Neides und widersprachen dem das von Paulo gesagt ward, widersprachen und lästerten. Paulus aber und Barnabas sprachen frei öffentlich: Euch mußte zuerst das Wort Gottes gesagt werden; nun ihr es aber von euch stoßet und achtet euch selbst nicht werth des ewigen Lebens, siehe, so wenden wir uns zu den Helden; denn also hat uns der Herr geboten:, ich habe dich den Heiden zum Licht geseßt, daß du das Heil seyest bis an das Ende der Erde." Da es aber vie Heiden höreten, wurden sie froh und preiseten das Wort ves Herrn und wurden glaubig, wie viel ihrer zum ewigen Leben verordnet waren. Und das Wort des Herrn ward ausgebreitet durch die ganze Gegend. Aber die Juden bewegeten die andächtigen und ehrbaren Weiber, und der Stadt Obersten, und erweckten eine Verfolgung über Paulum und Barnabam und stießen sie zu ihren Gränzen hinaus. Sie aber schüttelten den Staub von ihren Füßen über sie, und kamen gen Ikonten. Die Jünger aber wurden voll Freude und heiligen Geists. Jahrgang II. Sonntag Septuagcfimä und Sexagefimä. 79 Am Sonntag Septuagefimä. 1) Evangelium, Matth. 11, 16-24. Wem soll ich aber dieß Geschlecht vergleichen? Es ist den Kindlein gleich, die an dem Markt sigen und rufen gegen ihre Gesellen und sprechen: wir haben euch gepfiffen, und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben euch geklaget, und ihr wolltet nicht weinen. Johannes ist kommen, aß nicht und trank nicht; so sagen sie: er hat den Teufel. Des Menschen Sohn ist kommen, isset und trinket; so sagen sie: siehe, wie ist der Mensch ein Fresser und ein Weinsäufer, der Zöllner und der Sünder Geselle! Und die Weisheit muß sich rechtfertigen lassen von ihren Kindern. Da fieng er an die Städte zu schelten, in welchen am meisten seiner Thaten geschehen waren, und hatten sich doch nicht gebessert: Wehe dir, Chorazin! wehe dir, Bethsaida! Wären solche Thaten zu Tyro und Sidon geschehen, als bei euch geschehen sind, sie hätten vor Zeiten im Sack und in der Asche Buße gethan. Doch ich sage euch: es wird Tyro und Sidon träglicher ergehen am jüngsten Gerichte denn euch. Und du, Kapernaum, die du bist erhaben bis an den Himmel, du wirst bis in die Hölle hinunter gestoßen werden. Denn so zu Sodom vie Thaten geschehen wären, die bei dir geschehen sind, fie stünde noch heutiges Tages. Dech ich sage euch: es wird der Sodomer Lande träglicher ergehen am füngsten Gerichte, denn dir. 2) Abendlection, Apoftelgeschichte 9, 36-42. Zu Joppe aber war eine Jüngerin mit Namen Tabea( welches verdolmetscht heißet: eine Rehe), die war voll guter Werk und Almosen, die sie that. Es begab sich aber zu derselbigen Zeit, daß sie krank ward und starb. Da wuschen sie dieselbige und legten sie auf den Söller. Nun aber Lydda nahe bei Joppen ist, da die Jünger höreten, daß Petrus daselbst war, sandten sie zween Männer zu ihm und ermahneten ihn, daß er sichs nicht ließe verdrießen, zu ihnen zu kommen. Petrus aber stund auf und kam mit ihnen. Und als er barkommen war, führeten sie ihn hinauf auf den Söller und traten um ihn alle Wittwen, weineten und zeigeten ihm die Röcke und Kleider welche die Nehe machte, weil fie bet ihnen war. Und da Petrus sie alle hinaus getrieben hatte, kniete er nieder, betete und wandte sich zu dem Leichnam und sprach: Tabea, stehe auf! Und sie that ihre' Augen auf; und ba sie Petrum sahe, sagte sie sich wieder. Er aber gab ihr die Hand und richtete sie auf, und rief den Heiligen und den Wittwen und stellete fie lebendig bar. Und es ward kund durch ganz Joppe, und viel wurden glaubig an den Herrn. Am Sonntag Seragesimä. 1) Evangelium, Joh. 8, 21-29. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Ich gehe hinweg, und ihr werdet mich suchen und in eurer Sünde sterben; wo ich hingehe, da könnet ihr nicht hinkommen. Da sprachen die Juden: will er sich denn selbst töbten, daß er spricht: wo ich hingehe, da könnt ihr nicht hinkommen? Und er sprach zu ihnen: ihr sebb von unten her, ich bin von oben herab; ihr seht von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. So habe ich euch gesagt, daß ihr sterben werdet in euren Sünden; denn so ihr nicht glaubet, daß ichs sey, so werdet ihr sterben in euren Sünden. Da sprachen sie zu ihm: wer bist du denn? Und Jesus sprach zu ihnen: erstlich der, der ich mit euch rede. Ich habe viel von euch zu reden und zu richten; aber der mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und was ich von ihm gehört habe, bas rede ich vor der Welt. Sie vernahmen aber nicht, daß er ihnen von dem Vater sagete. Da sprach Jesus zu ihnen: wenn ihr des Menschen 80 Jahrgang II. Sonntag Sexagefimä und Esto mihi. Sohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, daß ichs sey und nichts von mir selber thu, sondern wie mich mein Vater gelehret hat, so rede ich. Und der mich gesandt hat, ist mit mir. Der Vater lässet mich nicht alleine; denn ich thue allezeit was thm gefället. 2) Epistel, Hebr. 10, 19-29. So wir denn nun haben, lieben Brüder, die Freudigkeit zum Eingang in das Heilige burch das Blut Jesu, welchen er uns zubereitet hat zum neuen und lebendigen Wege, durch den Vorhang, das ist durch sein Fleisch; und haben einen Hohenpriester über das Haus Gottes, so lasset uns hinzu gehen mit wahrhaftigem Herzen, in völligem Glauben, besprenget in unsern Herzen, und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leibe mit reinem Wasser; und lasset uns halten an der Bekenntniß der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat. Und lasset uns unter einander unser selbst wahrnehmen mit Reizen zur Liebe und guten Werken, und nicht verlassen unsere Versammlung, wie etliche pflegen; sondern unter einander ermahnen, und das so viel mehr, so viel ihr sehet, daß sich der Tag nahet. Denn so wir muthwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntniß der Wahrheit empfangen haben, haben wir fürder kein ander Opfer mehr für die Sünde, sondern ein schrecklich Warten des Gerichtes und des Feuereifers, der die Widerwärtigen verzehren wird. Wenn jemand das Gesetz Mosis bricht, der muß sterben ohne Barmherzigkeit, durch zween oder drei Zeugen; wie viel, meinet ihr, ärgere Strafe wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen tritt und das Blut des Testaments unrein achtet, durch welches er geheiliget ist, und den Geist der Gnade schmähet? Am Sonntag Efto mihi. 1) Evangelium, Matth. 16, 21-23. Von der Zeit an fieng Jesus an und zeigete seinen Jüngern, wie er müßte hin gen Jerusalem geben, und viel leiden von den Aeltesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten, und getödtet werden, und am britten Tage auferstehen. Und Petrus nahm ihn zu sich, fuhr ihn an und sprach: Herr! schone dein selbst, das widerfahre dir nur nicht. Aber er wandt sich um und sprach zu Petro: heb dich, Satan, von mir, du bist mir ärgerlich; denn du meinest nicht was göttlich, sondern was menschlich ist' 2) Epistel, 2 Cor. 11, 23-30. Sie sind Diener Christi( ich rede thörlich); ich bin wohl mehr: ich habe mehr gearbeitet, ich habe mehr Schläge erlitten, ich bin öfter gefangen, oft in Toresnöthen gewest. Von den Juden habe ich fünfmal empfangen vierzig Streich weniger eins; ich bin breimal gestäupt, einmal gesteiniget; breimat habe ich Schiffbruch erlitten, Tag und Nacht hab ich zubracht in der Tiefe( bes Meers); ich hab oft gereiset; ich bin in Fährlichkeit gewesen zu Wasser, in Fährlichkeit unter den Mördern, in Fährlichkeit unter den Juden, in Fährlichkeit unter den Heiden, in Fährlichkeit in den Städten, in Fährlichkeit in den Wüsten, in Fährlichkeit auf dem Meer, in Fährlichkeit unter den falschen Brüdern, in Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Faften, in Troft und Blöße; ohn was sich sonst zuträgt, nemlich daß ich täglich werde angelaufen und trage Sorge für alle Gemeinen. Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach Wer wird geärgert, und ich brenne nicht? So ich mich je rühmen soll, will ich mich meiner Schwachheit rühmen. Jahrgang II. Sonntag 3nvocavit und Reminiscere. 81 Am Sonntag Invocavit. 1) Evangelium Joh. 2, 13-22. Und der Juden Ostern waren nahe. Und Jesus zog hinauf gen Jerusalem und fand im Tempel sizen die da Ochsen Schafe und Tauben feil hatten, und die Wechsler. Und er machte eine Geißel aus Stricken, und trieb sie alle zum Tempel hinaus sammt den Schafen und Ochsen, und verschüttete den Wechslern das Geld und stieß die Tische um; und sprach zu denen die die Tauben feil hatten: traget bas von dannen und machet nicht meines Vaters Haus zum Kaufhause. Seine Jünger aber gedachten dran, das geschrieben stehet: der Eifer um dein Haus hat mich gefressen." Da antworteten nun die Juden und sprachen zu ihm: was zeigst du uns für ein Zeichen, daß du solches thun mögest? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: brechet diesen Tempel, und am dritten Tage will ich ihn aufrichten! Da sprachen die Juden: dieser Tempel ist in sechs und vierzig Jahren erbauet, und du willt ihn in dreien Tagen aufrichten? Er aber redete von dem Tempel seines Leibes. Da er nun auferstanden war von den Todten, gedachten seine Jünger dran, daß er dieß gesagt hatte, und glaubten der Schrift und der Rede, die Jesus gesagt hatte. 2) Epistel, 1 Petri 1, 17-25. Und sintemal ihr den zum Bater anrufet, der ohn Ansehen der Person richtet nach eines jeglichen Werk, so führet euren Wandel, so lange ihr hie wallet, mit Furcht, und wisset, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöset seyd von eurem eiteln Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem theuern Blut Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes; der zwar zuvor versehen ist, ehe der Welt Grund gelegt ward, aber offenbaret zu den letzten Zeiten um euret willen, die ihr durch ihn glaubet an Gott, der ihn auferwecket hat von den Todten und ihm die Herrlichkeit gegeben, auf daß ihr Glauben und Hoffnung zu Gott haben möchtet. Und machet keusch eure Seelen im Gehorsam der Wahrheit durch den Geist, zu ungefärbter Bruderliebe, und habt euch unter einander brünstig lieb aus reinem Herzen, als die da wiederum geboren sind nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nemlich aus dem lebendigen Wort Gottes das da ewiglich bleibet. Denn alles Fleisch ist wie Gras, und alle Herrlichkeit der Menschen wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorret, und die Blume abgefallen; aber des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit. Das ist aber das Wort, welches unter euch verkündiget ist. Am Sonntag Neminifcere. 1) Evangelium, Matth. 12, 38-42. Da antworteten etliche unter den Schriftgelehrten und Pharifbern und sprachen: Meister, wir wollten gern ein Zeichen von dir sehen. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: die böse und ehebrecherische Art suchet ein Zeichen; und es wird ihr kein Zeichen gegeben werden, denn das Zeichen des Propheten Jonas. Denn gleichwie Jonas war drei Tage und trei Nacht in des Wallfisches Bauch, also wird des Menschen Sohn drei Tage und drei Nacht mitten in der Erde seyn. Die Leute von Ninive werden auftreten am jüngsten Gerichte mit diesem Ge schlechte und werden es verdammen; denn sie thäten Buße nach der Predigt Jonas. Und siehe, hie ist mehr denn Jonas. Die Königin von Mittag wird auftreten am jüngsten Gerichte mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, Salomes Weisheit zu hören. Und siehe, bie ist mehr denn Salomo. Evangelisches Gesangbuch.( Anhang.) 6 82 Jahrgang II. Sonntag Oculi und Lätare. 2) Epistel, Jakobi 1, 2-12. Meine lieben Brüder, achtet es eitel Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtung fallet, und wisset, daß euer Glaube, so er rechtschaffen ist, Geduld wirket. Die Geduld aber soll feste bleiben bis ans Ende, auf daß ihr seyd vollkommen und ganz und keinen Mangel habet. So aber jemand unter euch Weisheit mangelt, der bitte von Gott, der da gibt einfältiglich jedermann, und rückets niemand auf; so wird sie ihm gegeben werden. Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht; denn wer da zweifelt, der ist gleich wie die Meereswoge, die vom Winde getrieben und gewebt wird. Solcher Mensch denke nicht, daß er etwas von dem Herrn empfahen werde. Ein Zweifler ist unbeständig in allen seinen Wegen. Ein Bruder aber der niedrig ist, rühme sich seiner Höhe; und der va reich ist, rühme sich seiner Niedrigkeit; denn wie eine Blume des Grases wird er vergehen. Die Sonne gehet auf mit der Hiße, und das Gras verwelket, und die Blume fället ab, und seine schöne Gestalt verdirbet; also wird der Reiche in seiner Habe verwelken. Selig ist der Mann, der die Anfechtung ervuldet: denn nachdem er bewähret ist, wird er die Krone des Lebens empfahen, welche Gott verheißen hat denen die ihn lieb haben. Am Sonntag Oculi. 1) Evangelium, Joh. 6, 47-56. Wahrlich, wahrlich ich sage euch: wer an mich glaubet, der hat das ewige Leben! Ich bin das Brod des Lebens. Eure Väter haben Manna gessen in der Wüste und sind gestorben; dieß ist das Brod, das vom Himmel tommt, auf daß, wer davon isset, nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brod, vom Himmel kommen. Wer von diesem Brod essen wird, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brod, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt. Da zanketen die Juden unter einander und sprachen: wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen gehen? Jesus sprach zu thnen: wahrlich, wahrlich ich sage euch, werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschensohns und trinken sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trank. Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm. 2) Epiftel, 2 Cor. 1, 3-7. Gelobet fey Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Chrifti, der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der uns tröstet in alle unsrem Trübsal, daß wir auch trösten können die da sind in allerlei Trübsal, mit dem Trost, damit mir getröstet werden von Gott. Denn gleichwie wir des Leidens Christi viel haben, also werden wir auch reichlich getröstet durch Christum. Wir haben aber Trübsal oder Trost, so geschieht es euch zu gute. Ifts Trübsal, so geschicht es euch zu Trost und Heil; welches Heil bemeiset sich, so ihr leidet mit Geduld, dermaßen wie wir leiden. Ists Troft so geschieht es euch auch zu Trost und Heil; und stehet unsere Hoffnung fefte für euch, dieweil wir wissen, daß, wie ihr bes Leidens theilhaftig seyd, so werdet ihr auch des Trostes theilhaftig seyn. Am Sonntag Lätare. 1) Evangelium, Joh. 6, 57-69. Wie mich gesandt hat der lebendige Vater, und ich lebe um des Vaters willen, also, wer mich isset, derselbige wird auch leben um meinet willen. Dieß ist das Brod, das vom Himmel kommen ist, nicht wie eure Väter haben Manna gessen Jahrgang II. Lätare und Indica. 83 und sind gestorben; wer dieß Brod isset, der wird leben in Ewigkeit. Solches sagte er in der Schule, da er lehrete, zu Kapernaum. Viel nun seiner Jünger, die das höreten, sprachen: das ist eine harte Rede, wer kann sie hören? Da Jesus aber bei sich selbst merkete, daß seine Jünger darüber murreten, sprach er zu ihnen: ärgert euch das? Wie, wenn ihr denn sehen werder des Menschen Sohn auffahren dahin, da er vor war? Der Geist ists, ver da lebendig macht; das Fleisch ist kein nüße. Die Worte, die ich rede, die sind Geist und sind Leben. Aber es sind etliche unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus, wußte von Anfang wohl, welche nicht glaubend waren, und welcher ihn verrathen würde. Und er sprach: darum habe ich euch gesagt: niemand kann zu mir kommen, es sey ihm denn von meinem Vater gegeben. Von dem an giengen seiner Jünger viel hinter sich und wandelten fort nicht mehr mit ihm. Da sprach Jesus zu den zwölfen: wollet ihr auch weggehen? Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr! wohin sollen wir gehen? du haft Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubet und erkannt, daß du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. 2) Epistel, Hebr. 10, 5-18. Darum, da Christus in die Welt kommt, spricht er: Opfer und Gaben haft du nicht gewollt, den Leib aber hast du mir zubereitet: Brandopfer und Sündopfer gefallen dir nicht. Da sprach ich: siehe, ich komme; im Buch stehet vornemlich von mir geschrieben, daß ich thun soll, Gott, deinen Willen." Droben, als er gesagt hatte: Opfer und Gaben, Brandopfer und Sündopfer hast du nicht gewollt, sie gefallen dir auch nicht( welche nach dem Gesetz geopfert werden), da sprach er: siehe, ich komme zu thun, Gott, deinen Willen. Da heber er das erste auf, daß er das ander einseße. In welchem Willen wir sind geheiliget, einmal geschehen durch das Opfer des Leibes Jesu Chrifti. Und ein jeglicher Priester ist eingeseßt, daß er alle Tage Gottesdienst pflege und oftmals einerlei Opfer thue, welche nimmermehe konnten die Sünden abnehmen. Dieser aber, da er hat ein Opfer für die Sünde geopfert, das ewiglich gilt, fitt er nun zur Nechten Gottes und wartet hinfort, bis daß seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden. Denn mit einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet die geheiliget werden. Es bezeuget uns aber das auch der heilige Geist. Denn nachdem er zuvor gesagt hatte: das ist das Testament, das ich ihnen machen will nach diesen Tagen, spricht der Herr:„ ich will mein Gesetz in thr Herz geben, und in ihre Sinne will ich es schreiben, und ihrer Sünden und ihrer Ungerechtigkeit will ich nicht mehr gedenken." Wo aber derselbigen Vergebung ist, da ist nicht mehr Opfer für die Sünde. Am Sonntag Judica. 1) Evangelium, Joh. 12, 20-32. Es waren aber etliche Griechen unter denen die hinauf kommen waren, daß sie anbeteten auf tas Fest. Die traten zu Philippo, der von Bethfaida aus Galiläa war, baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Jesum gerne sehen. Philippus kommt und fagets Andreas, und Philippus und Andreas sagtens weiter Jesu. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: die Zeit ist kommen, daß des Menschen Sohn verkläret werde. Wahrlich, wahrlich ich sage euch: es sey denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibts alleine; wo es aber erstirbet, so bringets viel Früchte. Wer sein Leben lieb hat, der wirds verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hafset, der wirds erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch feyn. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. Jezt ist meine Seele betrübet. Und was soll ich sagen? Bater! hilf mir aus dieser Stunce?- 84 Jahrgang II. Osterfest. Doch darum bin ich in diese Stunde kommen;- Vater! verkläre deinen Namen. Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich hab ihn verkläret und will ihn aber. mal verklären. Da sprach das Volk das dabei stund und zuhörete: es donnerte. Die andern sprachen: es redete ein Engel mit ihm. Jesus antwortete und sprach: diese Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwiller. Jetzt gehet das Gerichte über die Welt: nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden. Und ich, wenn ich erhöhet werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen. 2) Epistel. 2 Cor. 5, 14-21. Denn die Liebe Christi bringet uns also; sintemal wir halten, daß, so einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben. Und er ist darum für sie alle gestorben, auf daß die so da leben, hinfort nicht ihnen selbst leben, sondern dem der für sie gestorben und auferstanden ist. Darum von nun an kennen wir niemand nach dem Fleisch; und ob wir auch Christum gekannt haben nach dem Fleisch, so können wir ihn doch jetzt nicht mehr. Darum, ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu worden. Aber das alles von Gott, der uns mit ihm selber versöhnet hat durch Jesum Christ, und das Amt gegeben, das die Versöhnung prediget. Denn Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu, und hat unter uns ausgerichtet das Wort von der Versöhnung. So find wir nun Botschafter an Christus statt, denn Gott vermahnet durch uns; so bitten wir nun an Christus statt: lasset euch versöhnen mit Gott. Denn er hat den der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Am heiligen Osterfest. 1) Evangelium, Matth. 28, 1-10. Am Abend aber des Sabbaths, welcher anbricht am Morgen des ersten Feiertags der Sabbathen, kam Maria Magdalena, und die ander Maria, das Grab zu besehen. Und siehe, es geschah ein groß Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzete den Stein von der Thür und satte sich drauf. Und seine Gestalt war wie der Blitz und sein Kleid weiß als der Schnee. Die Hüter aber erschracken vor Furcht und wurden als wären sie født. Aber der Engel antwortete und sprach zu den Weibern: fürchtet euch nicht! ich weiß, daß ihr Jesum, den gekreuzigten, fuchet; er ist nicht hie, er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und sehet die Stätte, da der Herr gelegen hat; und gehet ellend hin und saget es seinen Jüngern, daß er auferstanden sey von den Todten. Und siehe, er wird vor euch hingehen in Galiläam, da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habs euch gesagt. Und sie glengeu eilend zum Grabe hinaus mit Furcht und großer Freude und liefen, daß sie es seinen Jüngern verkündigten. Und da sie giengen, seinen Jüngern zu verkündigen, siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: sebd gegrüßet! Und sie traten zu ihm und griffen an seine Füße und fielen vor ihm nieder. Da sprach Jesus zu ihnen: fürchtet euch nicht! gehet hin und verkündiget es meinen Brüdern, daß sie gehen in Galiläam, daselbst werden sie mich sehen. 2) Epistel, 1 Cor. 15, 51-58. Siche, ich sage euch ein Geheimniß: wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, und dasselbe in einem Augenblick, zur Zeit ter legten Posaune. Denn es wird die Posaune schallen, und die Todten werden auferstehen unverweßlich und wir werden verwandelt werden; denn dieß verwestiche muß anziehen das unverwesliche, und vieß sterbliche muß anztehen die 85 Jahrgang II. Oftermontag, Quasimodogeniti. Unsterblichkeit. Wenn aber dieß verwesliche wird anziehen das unverwesliche, und dieß sterbliche wird anziehen die Unsterblichkeit, dann wird erfüllet werden das Wort, das geschrieben stehet:„ der Tod ist verschlungen in dem Sieg. Tot, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?" Aber ber Stachel des Todes ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Geseß. Gott aber sey Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Christum. Darum, meine lieben Brüder, sevd feste, unbeweglich, und nehmet immer zu in dem Werk des Herrn; sintemal ihr wisset, daß eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn. Am Oftermontag. Evangelium, Joh. 20, 11-18. Marta aber stund vor dem Grabe und weinete draußen. Als sie nun weinete, gudte sie in das Grab und siehet zween Engel in weißen Kleidern sizen, einen zun Häupten, und den andern zun Füßen, da sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten. Und dieselbigen sprachen zu ihr: Weib, was weinest du? Sie spricht zu ihnen: sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Und als sie das sagte, wandte sie sich zurücke und siehet Jesum stehen und weiß nicht, daß es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Weib, was weinest bu? wen suchest du? Sie meinet, es sey der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir: wo hast du ihn hingeleget? so will ich ihn holen. Erricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm: Mabbuni! das heißet Meister. Spricht Jesus zu ihr: rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater; gehe aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria Magdalena kommt und verkündiget den Jüngern: ich hab den Herrn gesehen, und solches hat er zu mir gesagt. Am Sonntag Quasimodogeniti. 1) Evangelium, Luc. 24, 36-47. Da ste aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sey mit euch! Sie erschracken aber und furchten sich, meineten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: was seyd ihr so erschrocken? und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Sehet meine Hände und meine Füße; ich bins selber; fühlet mich und sehet; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß ich habe. Und da er das sagte, zeigete er ihnen Hände und Füße. Da sie aber noch nicht glaubten vor Freuten und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: habt ihr hie etwas zu essen? Und sie legten ihm vor ein Stück vom gebratenen Fisch und Honigseims. Und er nahms und aß vor ihnen. Er aber sprach zu ihnen: das sind die Reden, die ich zu euch sagte da ich noch bei euch war; denn es muß alles erfüllet werden was von mir geschrieben ist im Gesetz Mosis, in den Propheten und in den Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständniß, daß sie die Schrift verstunden, und sprach zu ihnen: also ists geschrieben, und also mußte Christus leiden und auferstehen von den Todten am dritten Tage, und predigen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern und anheben zu Jerusalem. 2) Epistel, 2 Timoth. 2, 1-13. So Do sey nun stark, mein Sohn, durch die Gnade in Christo Jesu. Und was du von mir gehöret haft durch viel Zeugen, das befiehl treuen Menschen, die da tüchtig sind auch andere zu lehren. Leide dich als ein guter Streiter Jesu Chrifti. Kein Kriegsmann flicht sich in Händel der Nahrung, auf daß er gefalle 86 Jahrgang II. Misericordias Domini und Jubilate. dem der ihn angenommen hat. Und so jemand auch kämpfet, wird er doch nicht gekrönet, er kämpfe denn recht. Es soll aber der Ackermann der den Acker bauet, der Früchte am ersten genießen. Merke, was ich sage. Der Herr aber wird dir in allen Dingen Verstand geben. Halt im Gedächtniß Jesum Christum, der auferstanden ist von den Todten, aus dem Samen David, nach meinem Evangelio; über welchem ich mich leide bis an die Bande, als ein Uebelthäter; aber Gottes Wort ist nicht gebunden. Darum dulde ich alles um der Auserwähleten willen, auf daß auch sie die Seligkeit erlangen in Christo Jesu, mit ewiger Herrlichkeit. Das ist je gewißlich wahr: sterben wir mit, so werden wir mit leben; dulden wir, so werden wir mit herrschen; verleugnen wir, so wird er uns auch verleugnen; glauben wir nicht, so bleibet er treu: er kann sich selbst nicht leugnen. Am Sonntag Misericordias Domini. 1) Evangelium, Joh. 10, 22-30. Es ward aber kirchweihe zu Jerusalem, und war Winter. Und Jesus wandelte im Tempel in der Halle Salomonis. Da umringten ihn die Juden und sprachen zu ihm: wie lange hältest du unsre Seelen auf? Bist du Christ, so sage es uns frei heraus! Jesus antwortete ihnen: ich habe es euch gesagt, und ihr glaubet nicht. Die Werk, die ich thu in meines Vaters Namen, die zeugen von mir. Aber ihr glaubet nicht; denn ihr seyb meine Schafe nicht, als ich euch gesagt habe. Denn meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und e folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben und sie werden nimmermehr umkommen; und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Der Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer denn alles; und niemand kann sie aus meines Vaters Hand veißen. Ich und der Vater sind eins. 2) Abendlection, Offenb. Joh. 7, 13-17. Und es antwortete der Aeltesten einer und sprach zu mir: wer sind diese mit weißen Kleidern angethan? und woher sind sie kommen? Und ich sprach zu ihm: Herr, du weißest es. Und er sprach zu mir: diese sinds, die kommen sind aus großem Trübsal, und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider helle gemacht im Blut des Lamms; darum sind sie vor dem Stuhl Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel. Und der auf dem Stuhl sitzt, wird über ihnen wohnen. Sie wird nicht mehr hungern noch dürften; es wird auch nicht auf sie fallen die Sonne oder irgend eine Hize. Denn das Lamm mitten im Stuhl wird sie weiden und leiten zu den lebendigen Wasserbrunnen, unv Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen. Am Sonntag Jubilate. 1) Evangelium, Matth. 10, 16-20. Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; darum seyd klug wie die Schlangen, und ohne Falsch wie die Tauben. Hütet euch aber vor den Menschen; denn sie werden euch überantworten vor ihre Rathhäuser und werden euch geißeln in ihren Schulen. Und man wird euch vor Fürsten und Könige führen um meinetwillen, zum Zeugniß über sie und über die Heiden. Wenn fie euch nun überantworten werden, so sorget nicht, wie oder was ihr reden sollt; denn es soll euch zu der Stunde gegeben werden was ihr reden sellt. Denn ihr seyd es nicht die da reden, sondern eures Vaters Geist ist es der durch euch redet. 2) Abendlection, Apostelgeschichte 4, 8-20. Petrus, voll des heiligen Geists, sprach zu ihnen: Ihr Obersten des Volks und the Aeltesten von Israel! So wir heute werden gerichtet über dieser Wohlthat Jahrgang II. Sonntag Jubilate und Cantate. 87 an dem Franken Menschen, durch welche er ist gesund worden, so sey euch und allem Volk von Sfrael kund gethan, daß in dem Namen Jesu Chrifti von Nazareth, welchen ihr gekreuziger habt, den Gott von den Todten auferwecket hat, stehet dieser allhie vor euch gesund. Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein worden ist. Und ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden. Sie sahen aber an die Freudigkeit Petri und Johannis und verwunderten sich; denn sie waren gewiß, daß es ungelehrte Leute und Laien waren, und kannten sie auch wohl, daß sie mit Jesu gewesen waren. Sie sahen aber den Menschen der gesund war worden, bei ihnen stehen, und hatten nichts dawider zu reden. Da hießen sie sie hinaus gehen aus dem Rath und handelten mit einander und sprachen: was wollen wir diesen Menschen thun? denn das Zeichen, durch sie geschehen, ist kund offenbar allen die zu Jerusalem wohnen, und wir könnens nicht leugnen. Aber damit es nicht weiter einreiße unter das Volk, lasset uns ernstlich sie bedräuen, daß sie hinfort keinem Menschen von diesem Namen sagen. Und riefen ihnen und geboten thnen, daß sie sich allerdinge nicht hören ließen, noch lehreten in dem Namen Jesu. Petrus aber und Johannes antworteten und sprachen zu ihnen: richtet ihr selbst, obs vor Gott recht sey, daß wir euch mehr gehorchen, denn Gott? Wir können es ja nicht lassen, daß wir nicht reben sollten was wir gesehen und gehöret haben. Am Sonntag Cantate. 1) Evangelium, Matth. 10, 24-33. Der der Jünger ist nicht über seinen Meister, noch der Knecht über den Herrn. Es ist dem Jünger gnug, daß er sey wie sein Meister, und der Knecht wie sein Herr. Haben sie den Hausvater Beelzebub geheißen, wie vielmehr werden sie seine Hausgenossen also heißen? Darum fürchtet euch nicht vor ihnen. Es ist nichts verborgen, das nicht offenbar werde, und ist nichts heimlich, das man nicht wissen werde. Was ich euch sage im Finsterniß, das redet im Licht; und was ihr höret in das Ohr, das predigt auf den Dächern. Und fürchtet euch nicht vor denen die den Leib tödten, und die Seele nicht mögen tödten; fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben mag in die Hölle! Kauft man nicht zween Sperlinge um einen Pfennig? noch fällt derselbigen keiner auf die Erde ohn euren Vater. Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählet. Darum fürchtet euch nicht; ihr seyd besser denn viel Sperlinge. Darum, wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater; wer mich aber verläugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Bater. 2) Epistel, 1 Theffal. 2, 9-13. Ihr sehd wohl eindächtig, lieben Brüder, unserer Arbeit und unserer Mühe; denn Tag und Nacht arbeiteten wir, daß wir niemand unter euch beschwerlich wären, und predigten unter euch das Evangelium Gottes. Des seyd ihr Zeugen, und Gott, wie heilig und gerecht und unsträflich wir bei euch, die ihr glaubig waret, gewesen sind. Wie ihr denn wisset, daß wir, als ein Vater seine Kinder, einen jeglichen unter euch ermahnet und getröstet und bezeuget haben, daß ihr wandeln solltet würdiglich vor Gott, der euch berufen hat zu seinem Reich und zu seiner Herrlichkeit. Darum auch wir ohn Unterlaß Gott danken, daß ihr, da ihr empfienget von uns das Wort göttlicher Predigt, nahmet ihrs auf, nicht als Menschenwort, sondern( wie es denn wahrhaftig ist) als Gottes Wort, welcher auch wirket in euch, die ihr glaubet. 88 Jahrgang II. Rogate, Himmelfahrt Christi, Exaudi. Am Sonntag Nogate. 1) Evangelium, Luc. 11, 9-13. Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan. Denn wer da bittet, der nimmt; und wer da suchet, der findet; und wer da anklopfet, dem wird aufgethan. Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater ums Brod, der ihm einen Stein dafür biete? und so er um einen Fisch bittet, der ihm eine Schlange für den Fisch biete? oder so er um ein Ei bittet, der ihm einen Skorpion dafür biete? So denn ihr, die ihr urg seyd, könnet euren Kindern gute Gaben geben, wie vielmehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen die ihn bitten? 2) Epistel, 1 Timoth. 6, 11-16. Aber du, Gottesmensch, fleuch solches; jage aber nach der Gerechtigkeit, der Gottseligkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmuth; kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife bas ewige Leben, dazu du auch berufen bist und bekannt hast ein gut Bekenntniß vor vielen Zeugen. Ich gebiete dir vor Gott, der alle Ding lebendig machet, und vor Christo Jesu, der unter Pontio Pilato bezeuget hat ein gut Bekenntniß, daß du haltest das Gebot ohne Flecken, untadelig, bis auf die Erscheinung unsers Herrn Jesu Christi; welche wird zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige und Herr aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnet in einem Licht, da niemand zukommen kann; welchen kein Mensch gesehen hat noch sehen kann, vem sey Ehre und ewiges Reich! Amen. Am Fest der Himmelfahrt Christi. 1) Evangelium, Luc. 24, 49-53. Und Jesus sprach zu ihnen: siehe, ich will auf euch senden die Verheißung meines Vaters. Ihr aber sollt in der Stadt Jerufalem bleiben, bis daß ihr angethan werdet mit Kraft aus der Höhe. Er führete sie aber hinaus bis gen Bethania und hub die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und fehreten wieder gen Jerusalem mit großer Freude, und waren allwege im Tempel, preiseten und lobeten Gott. 2) Epistel, Hebr. 4, 14-16. Dieweil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesum, den Sohn Gottes, der gen Himmel gefahren ist, so lasset uns halten an dem Bekenntniß. Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte Mitleiden haben mit unserer Schwachheit, sondern der versucht ist allenthalben gleichwie mir, doch ohne Sünde. Darum lasset uns hinzu treten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf daß wir Barmherzigkeit empfahen und Gnade finden auf die Zeit, wenn uns Hülfe noth seyn wird. Am Sonntag Erandi. 1) Evangelium, Joh. 7, 33-39. Da sprach Jesus zu ihnen: ich bin noch eine kleine Zeit bei euch, und dann gehe ich hin zu dem ber mich gesandt hat. Shr werdet mich suchen und nicht finden; und da ich bin, könnet ihr nicht hinkommen. Da sprachen die Juden unter einander: wo will dieser hingehen, daß wir ihn nicht finden sollen? Will er unter die Griechen gehen, die hin und her zerstrenet liegen, und die Griechen lehren? Was ist das für eine Rebe, daß er faget: ihr werdet mich suchen, und Jahrgang II. Sonutag Exandi. Pfingstfest. 89 nicht finden; und wo ich bin, da könnet ihr nicht hinkommen? Aber am letzten Tage des Festes, der am herrlichsten war, trat Jesus auf, rief und sprach: wen da bürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubet, wie die Schrift faget, von des Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers sließen. Das sagte er aber von dem Geist, welchen empfahen sollten die an ihn glaubten; denn der heilige Geist war noch nicht da, benn Jesus war noch nicht verkläret. 2) Epistel, Col. 3, 1-10. Seyd ihr nun mit Christo auferstanden, so suchet was broben ist, da Christus ist, sizend zu der Rechten Gottes. Trachtet nach dem vas broben ist, nicht nach dem das auf Erden ist. Denn ihr sehd gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit. So tödtet nun eure Glieder, die auf Erden sind, Hurerei, Unreinigkeit, schändliche Brunst, böse Lust, und den Geiz, welcher ist Abgötteret, um welcher willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens, in welchen auch ihr weiland gewandelt habt, da ihr drinnen lebetet. Nun aber leget alles ab von euch: den Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Wort aus eurem Munde. Lüget nicht unter einander. Ziehet den alten Menschen mit seinen Werken aus, und zichet den neuen an, der da verneuert wird zu der Erkenntniß nach dem Ebenbilde des der ihn geschaffen hat. Am heiligen Pfingstfest. 1) Evangelium, Joh. 14, 15-21. Liebet ihr mich, so haltet meine Gebot. Und ich will den Vater bitten, und er soll euch einen andern Tröster geben, daß er bei euch bleibe ewiglich, den Geist der Wahrheit, welchen die Welt nicht kann empfahen; denn sie sichet ihn nicht und kennet ihn nicht. Ihr aber kennet ihn, denn er bleibet bei euch und wird in euch seyn. Ich will euch nicht Waisen lassen; ich komme zu euch. Es ist noch um ein kleines, so wird mich die Welt nicht mehr sehen! ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben. An demselbigen Tage werdet ihr erkennen, daß ich in meinem Vater bin, und ihr in mir und ich in euch. Wer meine Gebot hat und hält sie, der ists, ber mich liebet. Wer mich aber liebet, der wird von meinem Vater geliebet werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. 2) Abendlection, Apostelgeschichte 2, 32-41. Gott hat Jesum auferweckt, des sind wir alle Zeugen. Nun er durch die Rechte Gottes erhöhet ist, und empfangen hat die Verheißung des heiligen Geists vom Bater, hat er ausgegossen dieß das ihr sehet und höret. Denn David ist nicht gen Himmel gefahren; er spricht aber: der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: seze bich zu meiner Rechten, bis daß ich deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße." So wisse nun das ganze Haus Ifrael gewiß, daß Gott diesen Jesum, den ihr gekreuziget habt, zu einem Herrn und Christ gemacht hat. Da sie aber das höreten, giengs ihnen durchs Herze, und sprachen zu Petro und zu den andern Aposteln: ihr Männer, lieben Brüder, was sollen wir thun? Petrus sprach zu ihnen: thut Buße, und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfahen die Gabe des heiligen Geists. Denn euer und eurer Kinder ist diese Verheißung, und aller die ferne sind, welche Gett, unser Herr, herzurufen wird. Auch mit viel andern Worten bezeugete er und ermahnete und sprach: lasset euch helfen von diesen unartigen Leuten. Die nun sein Wort gerne annahmen, ließen sich taufen; und wurden hinzu gethan an dem Tage bei drei tausend Seelen. 90 Jahrg. II. pfingstmontag, Fest Trinitatis u. 1. Sonnt. n. Trinit. Am Pfingstmontag. Morgenlection. A. Hesekiel 36, 26. 27. Und ich will euch ein neu Herz und einen neuen Geist in euch geben, und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischern Herz geben; ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und darnach thun. B. 1 Cor. 2, 7-16. Sondern wir reden von der heimlichen, verborgenen Weisheit Gottes, welche Gott verordnet hát vor der Welt zu unserer Herrlichkeit, welche feiner von den Obersten dieser Welt erkannt hat; denn wo sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuziget. Sondern, wie geschrieben stehet:„ das kein Auge gesehen hat, und kein Ohr gehöret hat, und in keines Menschen Herz kommen ist, das Gott bereitet hat denen die ihn lieben;" uns aber hat es Gott offenbaret durch seinen Geist. Denn der Geist erforschet alle Ding, auch die Tiefen der Gottheit. Denn welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, ohne der Geist des Menschen, der in ihm ist? Also auch weiß niemand, was in Gott ist, ohne der Geist Gottes. Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, daß wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist. Welches wir auch reden, nicht mit Worten, welche menschliche Weisheit lehren kann; sondern mit Worten die der heilige Geist lehret, und richten geistliche Sachen geistlich. Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Thorheit und kann es nicht erkennen, denn es muß geistlich gerichtet seyn; der geistliche aber richtet alles, und wird von niemand gerichtet. Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt? oder wer will ihn unterweisen? Wir aber haben Chriftus Sinn. Am Fest Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 28, 18-20. Und Jesus trat zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden; darum gehet hin und lehret alle Völker, und taufet ste im Namen des Vaters und des Sohns und des heiligen Geistes; und lehret sie halten alles was ich euch befohlen habe. Und siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. 2) Epistel, Tit. 3, 4-8. Da aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, unsers Heilandes, nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit die wir gethan hatten; sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christ, unsern Heiland, auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seyen des ewigen Lebens nach der Hoffnung; das ist je gewißlich wahr! Am 1. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, March 4, 26-32. Und Jesus sprach: das Reich Gottes hat sich also, als wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft, und schläft und stehet auf Nacht und Tag; und der Same gehet auf und wächset, daß ere nicht weiß. Denn die Erde bringet von ihr selbst zum ersten das Gras, darnach die Aehren, darnach den vollen Weizen in den Nehren. Wenn sie aber die Frucht bracht hat, so schicket er bald die Sichel hin, denn die Ernte ist da. Und er sprach: wem wollen wir das Reich Gottes vergleichen, und durch welch Gleichniß wollen wir es vorbilden? Gleichwie ein Jahrgang II. Am 1. und 2. Sonntag nach Trinitatis. 91 Senfkorn, wenn das gefäet wird aufs Land, so ists das kleinste unter allen Samen auf Erden. Und wenn es gesäet ift, so nimmt es zu und wird größer denn alle Kohlkräuter, und gewinnet große Zweige, also daß die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen können. 2) Abendlection, Apoftelgeschichte 2, 42-47. Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre, und in der Gemeinschaft, und im Brodbrechen, und im Gebet. 68 kam auch alle Seelen Furcht an, und geschahen viel Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber die glaubig waren worden, waren bei einander und hielten alle Ding gemein: ihre Güter und habe verkauften sie und theileten sie aus unter alle, nach dem jedermann noth war. Und sie waren täglich und stets bei einander einmüthig im Tempel, und brachen das Brod hin und her in Häusern, nahmen die Speise und Lobeten Gott mit Freuden und einfältigem Herzen, und hatten Gnade bei dem ganzen Volk. Der Herr aber that hinzu täglich, die da felig wurden, zu der Gemeine. Um 2. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Luc. 15, 11-32. Und Jesus sprach: ein Mensch hatte zween Söhne; und der jüngste unter ihnen sprach zum Vater: gib mir, Bater, das Theil der Güter, das mir gehöret. Und er theilete ihnen das Gut. Und nicht lange darnach sammlete der jüngste Sohn alles zusammen und zog ferne über Land, und daselbst brachte er sein Gut um mit Prassen. Da er nun alle bas seine verzehret hatte, ward eine große Theurung durch dasselbige ganze Land; und er fieng an zu darben und gieng hin und hängete sich an einen Bürger desselbigen Landes, der schickte ihn auf seinen Acker, der Säu zu hüten. Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit Träbern, die die Säu aßen; und niemand gab sie ihm. Da schlug er in fich und sprach: wie viel Taglöhner hat mein Vater, die Brod die Fülle haben, und ich verderbe im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Bater! ich habe gesündiget in den Himmel und vor dir, und bin fort nicht mehr werth, daß ich dein Sohn heiße; mache mich als einen deiner Taglöhner. Und er machte sich auf und tam zu seinem Vater. Da er aber noch ferne von bannen war, sahe ihn sein Vater und jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals und küssete ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater! ich hab gefündiget in den Himmel und vor dir; ich bin fort nicht mehr werth, daß ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: bringet das beste Kleid hervor und thut thn an, und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuh an seine Füße, und bringet ein gemäftet Kalb her und schlachtets, laffet uns essen und fröhlich seyn; benn dieser mein Sohn war tobt, und ist wieder lebendig worden, er war verloren, und ift funden worden. Und fiengen an fröhlich zu feyn. Aber der älteste Sohn war auf dem Felde; und als er nahe zum Hause kam, hörete er bas Gesänge und den Reigen, und rief zu fich der Knechte einen und fragte, mas bas wäre? Der aber sagte ihm: dein Bruder ist kommen, und dein Vater hat ein gemästet Kalb geschlachtet, daß er ihn gefund wieder hat. Da warb er zornig und wollt nicht hinein gehen. Da gieng sein Vater heraus und bat ihn. Er antwortete aber und sprach zum Vater: fliehe, so viel Jahr diene ich dir und habe bein Gebot noch nie übertreten; und du haft mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Nun aber dieser dein Sohn kommen ist, der sein Gut mit Huren verschlungen hat, haft bu ihm ein gemäftet Ralb geschlachtet. Er aber sprach zu ihm: mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles was mein ist, das ist bein. Du solltest aber fröhlich und guts Muths seyn; denn dieser bein Bruder war tobt, und ist wieder lebendig worden, er war verloren, und ist wieder funden. Jahrgang II. Am 2. und 3. Sonntag nach Trinitatis. 2) Epistel, 1 Joh. 1, 5 bis 2, 2. Und das ist die Verkündigung, die wir von ihm gehöret haben und euch verkündigen, daß Gott ein Licht ist und in ihm ist keine Finsterniß. So wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln im Finsterniß, so lügen wir und thun nicht die Wahrheit. So wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft unter einander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohns, macht uns rein von aller Sünde. So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. So wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reiniget uns von aller Untugend. So wir sagen, wir haben nicht gesündiget, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns. Meine Kindlein, solches schreibe ich euch, auf daß ihr nicht fündiget. Und ob jemand sündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christ, der gerecht ist. Und derselbige ist die Verfühnung für unsere Sünden; nicht allein aber für die unsere, sondern auch für der ganzen Welt. 92 Am 3. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 15, 1-14. Da kamen zu Jesu die Schriftgelehrten und Pharisäer von Jerusalem und sprachen: warum übertreten deine Jünger der Aeltesten Auffäße? Sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brod essen? Er antwortete und sprach zu ihnen: warum übertretet denn ihr Gottes Gebot um eurer Aufsäze willen? Gott hat geboten: du sollst Vater und Mutter ehren; wer aber Vater und Mutter fluchet, der soll des Todes sterben. Aber ihr lehret: wer zum Vater oder zur Mutter spricht: wenn ichs opfere, so ist dirs viel nüßer, der thut wohl. Damit geschieht es, daß niemand hinfort seinen Vater over seine Mutter ehret, und habt also Gottes Gebot aufgehaben um eurer Auffäße willen! Ihr Heuchler! Es hat wohl Jesaias von euch geweissaget und gesprochen:„ dieß Volk nahet sich zu mir mit seinem Munde und ehret mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist ferne von mir; aber vergeblich dienen sie mir, dieweil sie lehren solche Lehren, die nichts denn Menschengebot sind." Und er rief das Volk zu sich und sprach zu ihnen: höret zu und vernehmets! Was zum Munde eingehet, bas verunreiniget den Menschen nicht; sondern was zum Munde ausgehet, das verunreiniget den Menschen. Da traten seine Jünger zu ihm und sprachen: weißt du auch, daß sich die Pharisäer ärgerten, da sie das Wort höreten? Aber er antwortete und sprach: alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzet, die werden ausgereutet. Lasset sie fahren: sie sind blind und Blindenleiter; wenn aber ein Blinder den andern leitet, so fallen sie beide in die Grube. 2) Abendlection, Apostelgeschichte 5, 34-42 Da stund aber auf im Rath ein Pharisäer, mit Namen Gamaliel, ein Schriftgelehrter, wohl gehalten vor allem Volk, und hieß die Apostel ein wenig hinaue thun und sprach zu ihnen: ihr Männer von Israel, nehmet euer selbst wahr an diesen Menschen: was ihr thun follet. Vor'diesen Tagen stund auf Theudas und gab vor, er wäre etwas, und hiengen an ihm eine Zahl Männer, bei vierhundert; der ist erschlagen, und alle die ihm zufielen sind zerstreuet und zu nicht worden. Danach stund auf Judas aus Galiläa in den Tagen der Schäßung, und machte viel Volks abfällig ihm nach: und er ist auch umkommen, und alle die ihm zufielen sind zerstreuet. Und nun sage ich euch: laffet ab von diesen Menschen und lasset sie fahren. Ist der Rath oder das Werk aus den Menschen, so wirds untergehen: ists aber aus Gott, so könnet ihrs nicht dämpfen; auf daß ihr nicht erfunden werdet als die wider Gott streiten wollen. Da fielen sie ihm Jahrgang II. Am 3. und 4. Sonntag nach Trinitatis. 93 zu und riefen die Apostel, stäupeten sie und geboten ihnen, sie sollten nicht reden in dem Namen Jesu, und ließen sie gehen. Sie giengen aber fröhlich von des Raths Angesichte, daß sie würdig gewesen waren um seines Namens willen Echmach zu leiden, und höreten nicht auf, alle Tage im Tempel und hin und her in Häusern zu lehren und zu predigen das Evangelium von Jesu Christo. Am 4. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 8, 5-13. Da aber Jesus eingieng zu Kapernaum, trat ein Hauptmann zu ihm, der bat ihn und sprach: Herr! mein Knecht liegt zu Hause und ist gichtbrüchig und hat große Qual. Jesus sprach zu ihm: ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr! ich bin nicht werth, daß du unter mein Dach gehest; sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn ich bin ein Mensch, dazu der Obrigkeit unterthan, und hab unter mir Kriegsknechte; noch wenn ich sage zu einem: gehe hin, so gehet er; und zum andern: komm her, so kommt er; und zu meinem Knecht: thu das, so thut ers. Da das Jesus hörete, verwunderte er sich und sprach zu denen die ihm nachfolgeten: wahrlich ich sage euch, solchen Glauben hab ich in Israel nicht funden! Aber ich sage euch: viel werden kommen vom Morgen und vom Abend und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich sizen; aber die Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die äußerste Finsterniß hinaus, da wird seyn Heulen und Zähnklappen. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: gehe hin, dir geschehe wie bu geglaubt hast! Und sein Knecht ward gesund zu derselbigen Stunde. 2) Abendlection, Apostelgeschichte 9, 1-20. Saulus aber schnaubete noch mit Dräuen und Morden wider die Jünger des Herrn, und gieng zum Hohenpriester und bat ihn um Briefe gen Damaskus an die Schulen, auf daß, so er etliche dieses Weges fünde, Männer und Weiber, er sie gebunden führete gen Jerufalem. Und da er auf dem Wege war und nahe bei Damaskon kam, umleuchtete ihn plößlich ein Licht vom Himmel. Und er fiel auf die Erde und hörete eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgest du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der Herr sprach: ich bin Jesus, den du verfolgest. Es wird dir schwer werden wider den Stachel löcken. Und er sprach mit Zittern und Zagen: Herr, was willt du, daß ich thun soll? Der Herr sprach zu ihm: stehe auf und gehe in die Stadt; da wird man dir sagen was du thun sollt. Die Männer aber, die seine Gefährten waren, stunden und waren erstarret; denn sie höreten eine Stimme, und sahen niemand. Saulus aber richtete sich auf von der Erde, und als er seine Augen aufthat, sahe er niemand. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führeten ihn gen Damaskon; und war drei Tage nicht sehend und aß nicht und trank nicht. Es war aber ein Jünger zu Damasko, mit Namen Ananias; zu dem sprach der Hert im Gesichte: Anania! Und er sprach: hie bin ich, Herr! Der Herr sprach zu ihm: stehe auf und gehe hin in die Gasse, die da heißet die richtige, und frage in dein Hause Juda nach Saulo mit Namen, von Tarsen; denn siehe, er betet und hat gesehen im Gesichte einen Mann mit Namen Ananias, zu ihm hinein kommen und die Hand auf ihn legen, daß er wieder sehend werde. Ananias aber antwortete: Herr! ich hab von vielen gehöret von diesem Mann, wie viel übels er deinen Heiligen gethan hat zu Jerusalem; und er hat allhie Macht von den Hohenpriestern, zu binden alle die deinen Namen anrufen. Der Herr sprach zu ihm: gehe hin, denn dieser ist mir ein auserwählt Rüstzeug, daß er meinen Namen trage vor den Heiden und vor den Königen und vor den Kindern von Israel. Sch will ihm zeigen, wie viel er leiden muß um meines Namens 94 Jahrgang II. Am 5. und 6. Sonntag nach Trinitatis. willen. Und Ananias gieng hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt,( der dir erschienen ist auf dem Wege, da du herkameft) daß du wieder sehend und mit dem heiligen Geist erfüllet werdest. Und alsobald fiel es von stinen Augen wie Schuppen, und ward wieder sehend und stund auf, ließ sich taufen und nahm Speise zu sich und stärkete sich. Saulus aber war etliche Tage bei den Jüngern zu Damasko. Und alsbald predigte er Christum in den Schulen, daß derselbige Gottes Sohn sey. Am 5. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Luc. 10, 38-42. Es begab sich aber, da sie wandelten, gieng Jesus in einen Markt. Da war ein Weib, mit Namen Martha, die nahm ihn auf in thr Haus. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die sagte sich zu Jesu Füßen und hörete seiner Rede zu. Martha aber machte ihr viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trar hinzu und sprach: Herr! fragest du nicht darnach, daß mich meine Schwester läßt alleine dienen? Sage ihr doch, daß sie es auch angreife. Jesus aber ant wortete und sprach zu ihr: Martha, Martha! du haft viel Sorge und Mühe; Eines aber ist noth! Marta hat das gute Theil erwähiet, tas soll nicht von ihr genommen werden. 2) Epistel, Phil. 3, 8-14. Denn ich acht es alles für Schaden gegen der überschwenglichen Erkenntniß Christi Jesu, meines Herrn, um welches willen ich alles habe für Schaden gerechnet und achte es für Koth, auf daß ich Christum gewinne und in ihm erfunden werde; daß ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesez, sondern die durch den Glauben an Christum kommt, nemlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird, zu erkennen ihn und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, daß ich seinem Tode ähnlich werde, damit ich entgegen komme zur Auferstehung der Todten. Nicht daß ichs schon ergriffen habe, oder schon vollkommen sey; ich fage ihm aber nach, ob ichs auch ergreifen möchte, nachdem ich von Chrifto Jesu ergriffen bin. Meine Brüder! ich schäßze mich selbst noch nicht, daß ichs ergriffen habe. Eines aber sage ich: ich vergesse was dahinten ist, und strecke mich zu dem was da vornen ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, nach dem Kleinov, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christo Jesu. Am 6. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Joh. 5, 19-29. Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: der Sohn kann nichts von ihm selber thun, denn was er siehet den Vater thun; denn was derselbige thut, das thut gleich auch der Sohn. Der Vater aber hat den Sohn lieb und zeiget ihm alles was er thut; und wird ihm noch größere Werke zeigen, daß ihr euch verwundern werdet. Denn wie der Vater die Todten auferweckt und machet sie lebendig, also auch der Sohn machet lebendig welche er will. Denn der Vater richtet niemand, sondern alles Gerichte, hat er dem Sohn gegeben, auf daß sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehret, der ehret den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Wahr lich, wahrlich ich sage euch: wer mein Wort Höret und glaubet dem der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gerichte, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. Wahrlich, wahrlich ich sage Jahrgang II. Am 6. und 7. Sonntag nach Trinitatis. 95 euch: es kommt die Stunde und ist schon jezzt, daß die Todten werden die Stimme tes Sohns Gottes hören, und die sie hören werden, die werden leben. Denn wie der Vater das Leben hat in ihm selber, also hat er dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in ihm selber; und hat ihm Macht gegeben, auch das Gericht zu halten, darum daß er des Menschen Sohn ist. Verwundert euch deß nicht; denn es kommt die Stunde, in welcher alle die in den Gräbern sind, werden seine Stimme hören, und werden hervorgehen, die da guts gethan haben zur Auferstehung des Lebens, die aber übels gethan haben, zur Auferstehung des Gerichts. 2) Epistel, Ephef. 2, 4-10. Aber Gott, der da reich ist von Barmherzigkeit, durch seine große Liebe, damit er uns geliebt hat, da wir todt waren in den Sünden, hat er uns samt Christo lebendig gemacht( denn aus Gnade seyd ihr selig worden), und hat uns samt ihm auferwecket und samt ihm in das himmlische Wesen gesetzt in Christo Jesu; auf daß er erzeigete in den zukünftigen Zeiten den überschwänglichen Reichthum seiner Gnade, durch seine Güte über uns in Christo Jesu. Denn aus Gnade seyd thr selig worden durch den Glauben; und dasselbige nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus den Werken, auf daß sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, daß wir darinnen wandeln sollen. Am 7. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Luc. 13, 10-17. Und Jesus lehrete in einer Schule am Sabbath. Und siehe, ein Weib war da, das hatte einen Geist der Krankheit achtzehn Jahr, und sie war krumm und konnte nicht wohl aufschen. Da sie aber Jesus sahe, rufte er sie zu sich und sprach zu ihr: Weib! seq los von deiner Krankheit, und legte die Hände auf sie, und alsobald richtete sie sich auf und preisete Gott. Da antwortete der Oberste der Schule und war unwillig, daß Jesus auf den Sabbath heilete, und sprach zu dem Volk: es sind sechs Tage, darinnen man arbeiten soll; in denselbigen kommt und laßt euch heilen, und nicht am Sabbathtage. Da antwortete ihm der Herr und sprach: du Heuchler! löset nicht ein jeglicher unter euch seinen Ochsen oder Esel von der Krippe am Sabbath und führet ihn zur Tränke? Sollt aber nicht gelöset werden am Sabbath diese, die doch Abrahams Tochter ist, von diesem Bande, welche Satanas gebunden hatte nun wohl achtzehn Jahr? Und als er solches sagte, mußten sich schämen alle die ihm zuwider gewesen waren; und alles Volk freuete sich über allen herrlichen Thaten, die von ihm geschahen. 2) Epistel, Hebr. 12, 5-11. Mein Sohn, achte nicht geringe die Züchtigung des Herrn, und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst; denn welchen der Herr lieb hat, den züchtiget er; er stäupt aber einen jeglichen Sohn, den er aufnimmt. So ihr die Züchtigung erbuldet, so erbeut sich euch Gott als Kindern; denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtiget? Seyd ihr aber ohne Züchtigung, welcher sie alle sind theilhaftig worden, so seyd ihr Bastarde, und nicht Kinder. Auch so wir haben unsere leibliche Väter zu Züchtigern gehabt und sie gescheut, sollten wir denn nicht vielmehr unterthan seyn dem geistlichen Vater, daß wir leben? Und jene zwar haben uns gezüchtiget wenig Tage nach ihrem Dünken; dieser aber zu Nuß, auf daß wir seine Heiligung erlangen. Alle Züchtigung aber, wenn sie da ist, dünkt sie uns nicht Freube, sondern Traurigkeit seyn; aber darnach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen die dadurch geübt sind. 96 Jahrgang II. Am 8. nnd 9. Sonntag nach Trinitatis. Am 8. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 19, 16-26. Und siche, einer trat zu Jesu und sprach: guter Meister, was soll ich gutes thun, daß ich das ewige Leben möge haben? Er aber sprach zu ihm: was heißest du mich gut? Niemand ist gut, denn der einige Gott. Willt du aber zum Leben eingehen, so halt die Gebot. Da spruch er zu ihm: welche? Jesus aber sprach: du sollt nicht tödten; du sollt nicht ehebrechen; bu sollt nicht stehlen; du sollt nicht falsch Gezeugniß geben; ehre Vater und Mutter; und du sollt deinen Nächsten lieben als dich selbst. Da sprach der Jüngling zu ihm: das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf; was fehlet mir noch? Jesus sprach zu ihm: willt du vollkommen seyn, so gehe hin, verkaufe was du hast und gibs den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach. Da der Jüngling das Wort hörete, gieng er betrübt von ihm; denn er hatte viel Güter. Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: wahrlich ich sage euch: ein Reicher wird schwerlich ins Himmelreich kommen! Und weiter sage ich euch: es ist leichter, daß ein Kameel durch ein Nadelöhr gehe, denn daß ein Neicher ins Reich Gottes komme. Da das seine Jünger höreten, entsagten sie sich sehr und sprachen: je, wer kann denn selig werden? Jesus aber sahe sie an und sprach zu ihnen: bei den Menschen ists unmöglich, aber bei Gott sind alle Ding möglich. 2) Epistel, 1 Timoth. 6, 6-10. Es ist aber ein großer Gewinn, wer gottselig ist und lässet ihm genügen. Denn wir haben nichts in die Welt bracht; barum offenbar ist, wir werden auch nichts hinaus bringen. Wenn wir aber Nahrung und Kleider haben, so lasset uns begnügen. Denn die da reich werden wollen, die fallen in Versuchung und Stricke und viel thörichter und schädlicher Lüste, welche versenken die Menschen ins Verderben und Verdammniß. Denn Geiz ist eine Wurzel alles Uebels; welches hat etliche gelüftet, und sind vom Glauben irre gegangen und machen ihnen selbst viel Schmerzen. Am 9. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 16, 24-28. Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir! Denn wer sein Leben erhalten will, der wirts verlieren; wer aber sein Leben verleurt um meinet. willen, der wirds finden. Was hülfs den Menschen, so er die ganze Welt gewönne, und nähme doch Schaden an seiner Seele? oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse? Denn es wird je geschehen, daß des Menschen Sohn komme in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln; und alsdann wird er einem jeglichen vergelten nach seinen Werken. Wahrlich ich sage euch: es stehen etliche hie, die nicht schmecken werden den Tod, bis daß fie des Menschen Sohn kommen sehen in seinem Reich. O 2) Abendlection, Apoftelgeschichte 17, 24-31. Gott, der die Welt gemacht hat und alles was brinnen ist, fintemal er ein Herr ist Himmels und der Erde, wohnet er nicht in Tempeln, mit Händen gemacht. Sein wird auch nicht von Menschenhänden gepfleget, als der jemants bedürfe; so er selber jedermann Leben und Obem allenthalben gibt. Und hat gemacht, daß von einem Blut aller Menschen Geschlecht auf dem ganzen Erdboden wohnen, und hat 3iel gesetzt, zuvor versehen, wie lang und weit sie wohnen sollen; daß sie den Herrn suchen sollten, ob sie roch ihn fühlen und Jahrgang II. Am 10. und 11. Sonntag nach Trinitatis. 97 finden möchten. Und zwar er ist nicht ferne von einem jeglichen unter uns; denn in ihm leben, weben und sind wir, als auch etliche Poeten bei euch gesagt haben: wir sind seines Geschlechts. So wir denn göttliches Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sey gleich een güldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Gedanken gemacht. Und zwar hat Gott die Zeit der Unwissenheit übersehen; nun aber gebeut er allen Menschen an allen Enden, Buße zu thun: darum baß er einen Tag gescßt hat, auf welchen er richten will den Kreis des Erdbodens mit Gerechtigkeit, durch einen Mann, in welchem ers beschlossen hat, und jedermann vorhält den Glauben, nachdem er ihn hat von den Todten auferneckt. Am 10. So Am 10. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Luc. 19, 1-10. Und Jesus zog hinein und gieng durch Jericho. Und siehe, da war ein Mann, genannt Jachäus, der war ein Oberster der Zöllner und war reich und begehrte Jesum zu sehen, wer er wäre, und konnte nicht vor dem Volk, denn er war klein von Person. Und er lief vorhin und stieg auf einen Maulbeerbaum, auf daß er ihn sähe; denn allva sollte er durchkommen. Und als Jesus kam an dieselbige Stätte, sah er auf und ward sein gewahr und sprach zu ihm: Zachäe, fsteig eilend hernieder, denn ich muß heute zu deinem Hause einkehren. Und er stieg eilend hernieder und nahm ihn auf mit Freuden. Da sie das sahen, murreten sie alle, daß er bei einem Sünder einkehrete.. Sachaus aber trat bar und sprach zu dem Herrn: siehe, Herr, vie Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen; und so ich jemand betrogen hab, bas gebe ich vierfältig wieder. Jesus aber sprach zu ihm: heute ist diesem Hause Hell widerfahren, sintemal er auch Abrahams Sohn ist. Denn des Menschen Sohn ist kommen, zu suchen und selig zu machen das verloren ist. 2) Epistel, 1 Tim. 1, 12-17. Und ich danke unsrem Herrn Christo Jesu, der mich stark gemacht und treu geachtet hat und gesetzt in das Amt, der ich zuvor war ein Lästerer und ein Verfolger und ein Schmäher: aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, venn ich habe unwissend gethan, im Unglauben. Es ist aber desto reicher gewesen die Gnabe unsers Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christo Jeſu ist. Denn das ist je gewißlich wahr und ein theuer werthes Wort, daß Christus Jesus kommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen; unter welchen ich der vornehmste bin. Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, auf daß an mir vornehmlich Jesus Christus erzeigete alle Geduld, zum Erempel denen bie an ihn glauben sollten zum ewigen Leben. Aber Gott, dem ewigen Könige, dem Unvergänglichen und Ünsichtbaren und allein Weisen, sep Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen. Am 11. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Marc. 12, 41-44. Und Jesus setzte sich gegen den Gotteskasten und schauete, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskaften. Und viel Reiche legten viel ein. Und es kam eine arme Wittwe und legte zwei Scherflein ein, die machen einen Heller. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: mahrlich ich sage euch: piese arme Wittwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt, denn alle die eingelegt haben! Denn sie haben alle von ihrem übrigen eingelegt; diese aber hat von ihrem Armuth, alles was fie hat, thre ganze Nahrung eingelegt. Evangelisches Gesangbuch.( Anhang.) 7 98 Jahrgang II. Am 11. und 12. Sonntag nach Trinitatis. 2) Epistel, Jakøbt 2, 13-17. Min gimk Es wird aber ein unbarmherzig Gerichte über den gehen der nicht Barmherzigkeit gethan hat; und die Barmherzigkeit rühmet sich wider das Gericht. Was hilfts, lieben Brüder, so jemand sagt, er habe den Glauben, und hat doch bie Werte nicht? Kann auch der Glaube thn selig machen? So aber ein Bruder oder Schwester bloß wäre und Vangel hätte der täglichen Nahrung, und jemand unter euch spräche zu ihnen: Gott berathe euch, wärmet euch und sättiget euch! gäbet ihnen aber nichts was des Leibes Nothrurft ist, was hülfe sie das? Also auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er todt an ihm selber. Am 12. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangeltum, Joh. 8, 31-45. Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: So thr bleiben werdet an meiner Rede, so seyb ihr meine rechte Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Da antworteten fie ihm: wir sind Abrahams Samen, find nie keinmal jemands Knechte gewesen wie sprichst du denn: ihr sollt frei werden? Jesus antwortete ihnen und sprach: wahrlich, wahrlich ich sage euch: wer Sünde thur, ber ist der Sünde Kinecht! Der Knecht aber bleibet nicht ewiglich im Hause; der Sohn bleibet ewiglich. So euch nun der Sohn frei machet, so seys thr recht frei. Ich weiß wohl, daß ihr Abrabams Samen seyd; aber ihr suchet mich zu töbten, benn meine Rede fähet nicht unter euch. Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe; so thut ihr, was ihr von eurem Vater gesehen habt. Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Spricht Jesus zu ihnen: wenn ihr Abrahams Kinder wäret, so thätet ihr Abrahams Werke. Nun aber suchet ihr mich zu tödten, einen solchen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe, die ich von Gott gehöret habe; das hat Abraham nicht gethan. Ihr thut eures Baters Werke. Da sprachen sie zu ihm: wir sind nicht unehelich geboren; wir haben einen Vater, Gott. Jesus sprach zu ihnen: wäre Gott euer Vater, so liebtet ihr mich; denn ich bin ausgegangen und komme von Gott; denn ich bin nicht von mir selber kommen, sondern er hat mich gesandt. Warum kennet ihr denn meine Sprache nicht? denn ihr könnt ja meine Wort nicht hören. Ihr sehd von dem Vater, dem Teufel, und nach eures Baters Luft wollt thr thun. Derselbige ist ein Mörder von Anfang und ist nicht bestanden in der Wahrhelt; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lügen redet, so redet er von seinem eigenen; denn er ist ein Lügner und ein Vater derselbigen. Ich aver, weil ich bie Wahrheit sage, so glaubet ihr mir nicht. 2) Epiftel, Röm. 7, 18 bis 8, 4. Denn ich weiß, daß in mir, das ist in meinem Fleische, wohnet nichts gutes. Wollen habe ich wohl, aber vollbringen das gute finde ich nicht; denn das gute das ich will, das thue ich nicht; sondern das böse das ich nicht will, das thu ich. So ich aber thu das ich nicht will, so thu ich dasselbige nicht, sondern bie Sünde die in mir wohnet. So finde ich mir nun ein Geseß," ber ich will das gute thun, daß mir das böse anhanget. Denn ich habe Lust an Gottes Geseß nach bem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein ander Gesez in meinen Gliedern, das da widerstreitet bem Gesetz in meinem Gemüthe und nimmt mich gefangen in der Sünden Gesetz, welches ist in meinen Gliedern. Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes? Ich barke Gott burch Jefum Chrift, unsern Herrn. So diene ich nun mit dem Gemüthe dem Geset Gottes, aber mit dem Fleische dem Gesetze der Sünden. So ist nun nichts perdammlichs an denen die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch Jahrgang II. Am 13. und 14. Sonntag nach Trinitatts. 99 wandeln, sondern nach dem Geift. Denn das Geses des Geistes, der da lebendig machet in Christo Jesu, hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Denn das dem Gesetz unmöglich war, sintemal es durch das Fleisch geschwächet ward, das that Gott, und sandte seinen Sehn in der Gestalt des fündlichen Fleisches, und verdammete bie Sünde im Fleisch durch Sünde, auf daß die Gerechtigkeit vom Geseß erfordert, in uns erfüllet würde, die wir nun nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geist. Am 13. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Luc. 6, 20-31. Und Jesus hub scine Augen auf über seine Jünger und sprach: selig seyd ihr Armen, denn das Reich Gottes ist euer. Selig seyd ihr, die ihr hie hungert, denn ihr sollt satt werden. Selig sehr ihr, die ihr hie weinet, denn ihr werdet lachen. Selig sebb ihr, so euch die Menschen hassen und euch absondern und schelten euch, und verwerfen euren Namen als einen boshaftigen, um des Menschen Sohns willen. Freuet euch alsdann und hüpfet; denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel. Deßgleichen thäten ihre Väter den Propheten auch. Aber dagegen weh euch Reichen, denn ihr habt euren Trost dahin. Weh euch, die ihr voll sehd, denn euch wird hungern. Weh euch, die ihr hie lachet, denn ihr werdet weinen und heulen. Weh euch, wenn euch jedermann wohl redet; deßgleichen thäten ihre Väter den falschen Propheten auch. Aber ich sage euch, die ihr zuhöret: liebet eure Feinde; thut denen wohl die euch hassen; segnet die so euch verfluchen; bittet für die so euch beleidigen. Und wer dich schläget auf einen Backen, dem biete den andern auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem wehre nicht auch den Rock. Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das deine nimmt, da forbere es nicht wieder. Und wie ihr wollt, daß euch die Leute thun sollen, also thut ihnen gleich auch ihr. 2) Epiftel, Phil. 2, 1-11. Ift nun bel euch Ermahnung in Christo, ist Troft der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit, so erfüllet meine Freude, daß ihr eines Sinnes seyd, gleiche Liebe habt, einmüthig und einhellig seyd. nichts thut durch Zank over eitle Ehre, sondern durch Demuth achtet euch unter einander einer den andern höher denn sich selbst. Und ein jeglicher sehe nicht auf das seine, sondern auf das des andern ist. Ein jeglicher sey gefinnet wie Jesus Christus auch war, welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, hielt ers nicht für einen Raub, Gotte gleich seyn; sondern äußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch, und an Geberden als ein Mensch erfunden. Er niebrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöhet und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu fich beugen sollen alle der Kniee, die im Himmel, und auf Erden, und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sey, zur Ehre Gottes des Vaters. Am 14. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 13, 44-50. Abermal ist gleich das Himmelreich einem verborgenen Schatz im Acker, welchen ein Mensch fand und verbarg ihn, und gieng hin vor Freuden über denselbigen, und verkaufte alles was er hatte, und kaufte den Acker. Abermal ist gleich das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und da er eine köstliche Perle fand, gieng er hin und verkaufte alles was er hatte, und kaufte dieselbige 100 Jahrgang II. Am 14. und 15. Sonntag nach Trinitatis. Abermal ist gleich das Himmelreich einem Neße, das ins Meer geworfen ist, damit man allerlei Gattung fähet. Wenn es aber voll ist, so ziehen sie es heraus an das Ufer, fißen und lesen die guten in ein Gefäß zusammen, aber die faulen werfen sie weg. Also wird es auch am Ende der Welt gehen: tie Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähnklappen seyn. 2) Epistel, 2 Petri 1, 2-11. Gott gebe euch viel Gnade und Friede durch die Erkenntniß Gottes und Jesu Christi, unsers Herrn. Nachdem allerlei seiner göttlichen Kraft, was zum Leben und göttlichen Wandel dienet, uns geschenkt ist durch die Erkenntniß des der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Tugend, durch welche uns dic theuren und allergrößesten Verheißungen geschenkt sind, nemlich daß ihr durch dasselbige theilhaftig werdet der göttlichen Natur, so thr fliehet die vergängliche Lust der Welt; so wendet allen euren Fleiß daran und reichet dar in eurem Glauben Tugend, und in der Tugend Bescheidenheit, und in der Bescheidenheit Mäßigkeit, und in der Mäßigkeit Geduld, und in der Geduld Gottseligkeit, und in der Gottseligkeit brüderliche Liebe, und in der brüderlichen Liebe gemeine Liebe. Denn wo solches reichlich bei euch ist, wirds euch nicht faul noch unfruchtbar seyn lassen in der Erkenntniß unsers Herrn Jesu Christi. Welcher aber solches nicht hat, der ist blind und tappet mit der Hand und vergisset der Reinigung seiner vorigen Sünden. Darum, lieben Brüder, thut desto mehr Fleiß, euren Beruf und Erwählung fest zu machen. Denn wo ihr solches thut, wertet ihr nicht straucheln, und also wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang zu dem ewigen Reich unsers Herrn und Heilandes Jesu Chrifti. Am 15. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Luc. 12, 13-21. Es sprach aber einer aus dem Volk zu Jesu: Meister, fage meinem Bruder, daß er mit mir das Erbe theile. Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbschichter über euch gesegt? Und sprach zu ihnen: sehet zu und hütet euch vor dem Geiz; denn niemand lebet davon, daß er viel Güter hat. Und er fagte ihnen ein Gleichniß und sprach: es war ein reicher Mensch, deß Feld hatte wohl getragen, und er gerachte bei ihm selbst und sprach: was soll ich thun? Ich habe nicht, da ich meine Früchte hinsammle. Und sprach: das will ich thun, ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will drein sammlen alles was mir gewachsen ist, und meine Güter. Und will sagen zu meiner Seele: liebe Seele, du hast einen großen Vorrath auf vie. Jahr; habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Muth. Aber Gott sprach zu ihm: du Narr! diese Nacht wird man deine Seele von bir fordern, und weß wirks seyn, das du bereitet haft? Also gehet es, wer ihm Schage sammlet, und ist nicht reich in Gott. 2) Epistel, 1 Joh. 2, 12-17. Lieben Kindlein, ich schreibe euch, daß euch die Sünden vergeben werden durch seinen Namen. Ich schreibe euch Vätern, denn ihr kennet den der von Anfang ist. Ich schreibe euch Jünglingen, denn ihr habt ten Bösewicht überwunden. Ich schreibe euch Kindern, denn ihr kennet den Vater. Ich habe euch Vätern geschrieben, daß ihr den kennet der von Anfang ist. Ich habe euch Jünglingen geschrieben, daß ihr stark seyd, und das Wort Gottes bei euch bleibet, und den Bösewicht überwunten habt. Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist; so jemand die Welt lieb hat, in dem tit nicht die Liebe bes Vaters. Denn alles was in der Welt ist, nemlich des Fleisches Lust, und der Augen Lust und Jahrgang II. Am 16. und 17. Sonntag nach Trinitatis. 101 hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergehet mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes thut, der bleibet in Ewigkeit. Am 16. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Joh. 15, 1-11. Ich bin ein rechter Weinstock, und mein Vater ein Weingärtner. Einen jeg. lichen Reben an mir, der nicht Frucht bringet, wirb er megnehmen, und einen jeglichen, der da Frucht bringet, wird er reinigen, daß er mehr Frucht bringe. Ihr seyb jegt rein um des Worts willen, das ich zu euch gerebt habe. Bleibt in mir und ich in euch! Gleichwie der Rebe kann keine Frucht bringen von ihm felber, er bleibe denn am Weinstoc, also auch ihr nicht, ihr bleibet denn an mir. Ich bin der Weinstock, ihr sehv die Reben. Wer in mir bleibet und ich in ihm, der bringet viel Frucht; denn ohne mich könnet ihr nichts thun. Wer nicht in mir bleibet, ber wird weggeworfen wie eine Rebe und verborret, und man sammlet sie und wirft sie ins Feuer und muß brennen. So thr in mir bleibet, und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darinnen wird mein Vater geehret, daß ihr viel Frucht bringet und werdet meine Jünger. Gleichwie mich mein Vater liebet, also liebe ich euch auch. Bleibet in meiner Liebe! So ihr meine Gebot haltet, so bleibet ihr in meiner Liebe; gleichwie ich meines Vaters Gebot halte und bleibe in seiner Liebe. Solches rebe ich zu euch, auf daß meine Freude in euch bleibe, und eure Freude vollkommen werde. 2) Epistel, 1 Joh. 2, 28 bis 3, 8. llud nun, Kindlein, bleibet bei ihm, auf daß, wenn er offenbaret wird, daß wir Freudigkeit haben und nicht zu Schanden werden vor ihm in seiner Zukunft. So ihr wisset, daß er gerecht ist, so erkennet auch, daß, wer recht thut, der ist von ihm geboren. Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget, daß wir Gottes Kinder sollen heißen! Darum kennet euch die Welt nicht, denn sie kennet ihn nicht. Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder, und ist noch nicht erschienen, was wir seyn werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich seyn werden; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und ein jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reiniget sich, gleichwie er auch rein ist. Wer Sünde thut, der thut auch Unrecht; und die Sünde ist das Unrecht. Und ihr wisset, daß er ist erschienen, auf daß er unsere Sünden wegnehme, und ist keine Sünde in ihm. Wer in ihm bleibet der fündiget nicht; wer ba sündiget, der hat ihn nicht gesehen noch erkannt. Kindlein! lasset euch niemand verführen. Wer recht thut; der ist gerecht, gleichwie er gerecht ist. Wer Sünde thut, der ist vom Teufel; denn der Teufel fündiget von Anfang. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerstöre. Am 17. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Joh. 9, 1-7. Und Jesus gieng vorüber und sahe einen der blind geboren war. Und seine Jünger frageten ihn und sprachen: Meister, wer hat gefündiget, bieser oder seine Eltern, daß er ist blind geboren? Jesus antwortete: es hat weder dieser gesündiget, noch seine Eltern; sondern daß die Werke Gottes offenbar würden an ihm. Ich muß wirken die Werke deß der mich gesandt hat, so lange es Tag ist; es kommt bie Nacht, va niemand wirken kann. Dieweil ich bin in der Welt, bin ich das Licht der Welt. Da er solches gefaget, spüßete er auf die Erde unt machte 102 Jahrgang II. Am 17. und 18. Sonntag nach Trinitatis. einen Roth aus dem Speichel, und schmierte den Koth auf des Blinden Augen und sprach zu ihm: gehe hin zu dem Teiche Silcha,( das ist verdolmetscht: gesandt) und wasche dich. Da gieng er hin und wusch sich und kam sehend. 2) Epistel, Hebr. 4, 9-13. Darum ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volk Gottes. Denn wer zu seiner Ruhe kommen ist, der ruhet auch von seinen Werken, gleichwie Gott von seinen. So lasset uns nun Fleiß thun, einzukommen zu dieser Ruhe, auf daß nicht jemand falle in dasselbige Erempel des Unglaubens. Denn das Wort Gottes ist lebendig und krästig, und schärfer denn kein zweischneidig Schwert, und durchbringet, bis baß es scheider Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinnen des Herzens; und ist ketne Kreatur vor ihm unsichtbar, es ist aber alles bloß und entdeckt vor seinen Augen; von dem reben wir. Am 18. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Joh. 9, 24-39. Da riefen ste zum andernmal den Menschen, der blind gewesen war und sprachen zu thm: gtb Gott die Ehre! wir wissen, daß dieser Mensch ein Sünder ist. Er antwortete und sprach: tst er ein Sünder, das weiß ich nicht; eines weiß ich wohl, daß ich blind war, und bin nun sehend. Da sprachen sie wieder zu ihin: was that er dir? wie that er deine Augen auf? Er antwortete ihnen: ich babs euch jetzt gesagt, habt ihrs nicht gehöret? was wollt ihrs abermal hören? wollt ihr auch seine Jünger werben? da fluchten sie ihm und sprachen: du bist sein Jünger: wir aber sind Moses Jünger. Wir wissen, daß Gott mit Mose geredt hat; viesen aber wissen wir nicht, von wannen er ist. Der Mensch antwortete und sprach zu ihnen: das ist ein wunderitch Ding, daß ihr nicht wisset, von mannen er sey, und er hat meine Augen aufgethan. Wir wissen aber, daß Gett die Sünder nicht höret; sondern so jemand gottfürchtig ist und thut seinen Willen, den höret er. Von der Welt an ists nicht erhöret, daß jemand einem gebornen Blinden die Augen aufgethan habe. Wäre dieser nicht von Gott, er fönnte nichts thun. Sie antworteten und sprachen zu ihm: bu bist ganz in Sünden geboren, und lehrest uns? und stießen ihn hinaus. Es kam vor Jesum, daß sie ihn ausgestoßen hatten; und da er ihn fand, sprach er zu ihm: glaubst du an den Sohn Gottes? Er antwortete und sprach: Herr! welcher ists, auf daß ich an ihn glaube? Jesus sprach zu ihm: bu haft ihn gesehen, und der mit bir redet, der ists. Er aber sprach: Herr! ich glaube; und betete ihn an. Und Jesus sprach: ich bin zum Gerichte auf diese Welt kommen, auf daß, die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werben. - 2) Epistel, 1 Joh. 4, 7-12.. Ihr Lieben, lasfet uns unter einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer lieb hat, der ist von Gott geboren und kennet Gott. Wer nicht lieb hat, der kennet Gott nicht, denn Gott ist die Liebe. Daran ist erschienen bie Liebe Gottes gegen uns, daß Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, daß wir durch ihn leben sollen. Darinne stehet die Liebe: nicht, daß wir Gott geliebet haben, sondern daß er uns geliebet hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden. Ihr Lieben, hat uns Gott also geliebet, so sollen wir uns auch unter einander lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. So wir uns unter einander lieben, so bleibet Gott in uns, und seine Liebe ist völlig in uns. Jahrgang II. Am 19. und 20. Sonntag nach Trinitatis. 103 Am 19. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Luc. 7, 36-50. Es bat aber Jesum der Pharisäer einer, daß er mit ihm äßße. Und er gieng hinein in des Pharisäers Haus und setzte sich zu Tisch. Und siche, ein Weib war in der Stadt, die war eine Sünderin. Da die vernahm, daß er zu Tische saß in des Pharisäers Hause, bracht sie ein Glas mit Salben und trat hinten zu seinen Füßen, und weinete und fieng an seine Füße zu negen mit Thränen und mit den Haaren ihres Haupts zu trocknen, und küssete seine Füße und falbete sie mit Salben. Da aber das der Pharisäer sahe, der ihn geladen hatte, sprach er bei sich selbst und sagte: wenn dieser ein Prophet wäre, so wüßte er, wer und welch ein Weib das ist, die ihn anrühret; denn sie ist eine Sünterin. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister, fage an. Es hatte ein Wucherer zween Schuldner; einer war schuldig fünfhunbert Groschen, der andere fünfzig. Da sie aber nicht hatten zu bezahlen, schenkte ers beiden. Sage an, welcher unter denen wird ihn am meisten, lieben? Simon antwortete und sprach: ich achte, dem er am meisten geschenket hat. Er aber sprach zu ihm: du hast recht gerichtet. Und er wandte sich zu dem Welbe und sprach zu Simon: fichest du dieß Weib? Ich bin kommen in dein Haus, du hast mir nicht Wasser gegeben zu meinen Füßen; diese aber hat meine Füße mit Thränen geneßet und mit den Haaren ihres Haupts getrocknet. Du hast mir keinen Ruß gegeben; diese aber, nachdem sie herein kommen ist, hat sie nicht abgelassen, meine Füße zu küssen Du hast mein Haupt nicht mit Del gesalbet; sie aber hat meine Füße mit Salben gefalbet. Derhalben sage ich dir: thr sind riel Sünden vergeben, denn sie hat viel geliebet; welchem aber wenig vergeben wird, ber liebet wenig. Und er sprach zu ihr: dir sind deine Sünden vergeben. Da fiengen an die mit zu Zische saßen und sprachen bei sich selbst: wer ist dieser, der auch die Sünden vergibt? Er aber sprach zu dem Weibe: dein Glaube hat bir geholfen, gehe hin mit Frieden. 2) Epistet, Jakobt 3, 13-18. Wer ist weise und klug unter euch? der erzeige mit seinem guten Wandel feine Werke in der Sanftmuth und Weisheit. Habt ihr aber bittern Neid und Zank in eurem Herzen, so rühmet euch nicht und lüget nicht wider die Wahrheit. Denn das ist nicht die Weisheit, die von oben herab kommt, sondern irdisch, menschlich und teufelisch. Denn wo Neid und Zank ist, da ist Unordnung und eitel bös Ding. Die Weisheit aber von oben her ist aufs erste keusch, darnach friedsam, gelinde, läßt ihr sagen, voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unpartheilsch, ohne Heuchelei. Die Frucht aber der Gerechtigkeit wird gesäet im Frieden denen die den Frieden balten. Am 20. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Lucă 18, 1-8. Jefus sagte thnen aber ein Gleichniß davon, daß man allezeit beten und nicht laß werden sollt, und sprach: es war ein Richter in einer Stadt, der furchte sich nicht vor Gott und scheuete sich vor keinem Menschen. Es war aber eine Wittwe in derselbigen Stadt, die kam zu ihm und sprach: rette mich von meinem Widerfacher! Und er wollte lange nicht. Darnach aber dachte er bet sich selbst: ob ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue, vieweil aber mir diese Wittwe so viel Mühe machet, will ich sie retten, auf daß sie nicht zulegt komme und übertäube mich. Da sprach der Herr: höret hie, was der ungerechte Richter faget. Sollt aber Gott nicht auch retten seine Auserwählten, 104 Jahrgang II. Am 20. und 21. Sonntag nach Trinitatis. die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollt Geduld barüber haben? Ich sage zu euch: er wird sie erretten in einer Kürze. Doch wenn des Menschen Sohn Commen wird, meinest du, daß er auch werde Glauben finden auf Erden? 2) Epistel, 1 Timoth. 2, 1-6. So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen zuerst thue Bitte, Gebet, Fürbitt und Danksagung für alle Menschen, für die Könige, und für alle Obrigkeit, auf daß wir ein geruhlich und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkett. Denn solches ist gut, bazu auch angenehm vor Gott, unsrem Heilande, welcher will, daß allen Menschen geholfen werde und zur Erkenntniß der Wahrheit kommen. Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nemlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hut für alle zur Erlösung, daß solches zu seiner Zeit geprediget würde. Am 21. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Joh. 11, 32-45. Ais nun Maria kam, da Jesus war und sahe ihn, fiel sie zu seinen Füßen und sprach zu ihm: Herr! wärest du hie gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Als Jesus sie sahe meinen und die Juden auch weinen, die mit ihr kamen, ergrimmete er im Geist und betrübte sich selbst und sprach: wo habt ihr ihn hingelegt? Sie sprachen zu ihm: Herr, komm und siehe es. Und Jesu giengen die Augen über. Da sprachen die Juden: siehe, wie hat er ihn so lieb gehabt! Etliche aber unter ihnen sprachen: konnte, ber dem Blinden die Augen aufgethan hat, nicht verschaffen, daß auch dieser nicht stürbe? Jesus aber ergrimmete abermal in ihm selbst und kam zum Grabe. Es war aber eine Kluft, und ein Stein darauf gelegt. Jesus fprach: hebt den Stein ab. Spricht zu ihm Martha, die Schwester des Verstorbenen: Herr, er riechet schon; denn er ist vier Tage gelegen. Jesus spricht zu ihr: hab ich dir nicht gesagt, so bu glauben würdest, du solltest die Herrlichkeit Gottes sehen? Da huben sie den Stein ab, da der Verstorbene lag. Jesus aber hub seine Augen empor und sprach: Bater! ich danke dir daß du mich erhöret hust; doch ich weiß, daß du mich allezeit höreft; sondern um bes Volks willen, das umber stehet, sage ichs, daß sie glauben, bu habest mich gesandt. Da er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazare, komm heraus! Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen, und sein Angesicht verhüllet mit einem Schweißtuch. Jesus spricht zu ihnen: löset ihn auf und lasset ihn gehen. Viel nun der Juden, die zu Maria kommen waren und sahen was Jesus that, glaubten an ihn. 2) Epistel, 1 Cor. 15, 35-50. Möchte aber jemand sagen: wie werden die Todten auferstehen? und mit welcherlei Leibe werden sie kommen? Du Narr, bas du säest, wird nicht lebendig, es sterbe benn. Und bas du säest, ist ja nicht der Leib der werden soll; sondern ein bloß Korn, nemlich Weizen, oder der andern eins. Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, und einem jeglichen von den Samen seinen eigenen Leib. Nicht ist alles Fleisch einerlei Fleisch, sondern ein ander Fleisch ist der Menschen, ein anders des Viehs, ein anders der Fische, ein anders der Vögel. Und es sind himmlische Körper und irdische Körper; aber eine andere Herrlichkeit haben die Himmlischen, und eine andere die irdischen. Eine andere Klarheit hat die Sonne, eine andere Klarheit hat der Mond, eine andere Klarheit haben die Sterne; denn ein Stern übertrifft den andern nach der Klarheit. Also auch die Auferstehung der Todten. Es wird gefäet vermeslich, und wird auferstehen unvermeslich; es wird gefäet in Unebre, und wird auferstehen in Herrlichkeit; es wird Jahrgang II. Am 22. und 23. Sonntag nach Trinitatis. 105 gefäet in Schwachheit, und wird auferstehen in Kraft; es wird gesäet ein natürlicher Leib, und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Hat man einen natürlichen leib, so hat man auch einen geistlichen Leib. Wie es geschrieben stehet: der erste Mensch, Adam, ist gemacht ins natürliche Leben, und der lette Adam ins geistliche Leben. Aber der geistliche Leib ist nicht der erste, sondern der natürliche, darnach der geistliche. Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch; der ander Mensch ist der Herr vom Himmel. Welcherlei der irdische ist, solcherlei sind auch die irdischen; und welcherlet der himmlische ist, solcherlet sind auch die himmlischen; und wie wir getragen haben das Bild des irdischen; also werden wir auch tragen das Bild des himmlischen. Davon sage ich aber, lieben Brüder, daß Fleisch und Blut nicht können das Reich Gottes ererben; auch wird das verwesliche nicht erben das unverwesliche. Am 22. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 22, 23-33. An demselbigen Tage traten zu Jesu die Sabbucher, die da halten, es sey keine Auferstehung, und frageten ihn und sprachen: Meister, Moses hat gesagt, so einer stirbt und hat nicht Kinder, so soll sein Bruder sein Weib freien und seinem Bruder Samen erwecken. Nun sind bei uns gewesen sieben Brüder. Der erste frelete und starb; und dieweil er nicht Samen hatte, ließ er sein Weib seinem Bruder. Desselbigen gleichen der ander und der britte bis an den siebenten. Zuletzt nach allen starb auch das Weib. Nun in der Auferstehung, wessen Weib wird sie seyn unter den sieben? sie haben sie ja alle gehabt! Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: ihr irret und wisset die Schrift nicht, noch die Kraft Gottes. In der Auferstehung werden sie weder freien noch sich freien lassen; sondern sie sind gleich wie die Engel Gottes im Himmel. Habt ihr aber nicht gelesen von der Tobten Auferstehung, das euch gesagt tst von Gott, da er spricht: ich bin der Gott Abraham, und der Gott Isaak, und der Gott Jakob?" Gott aber ist nicht ein Gott der Todten, sondern der Lebendigen. Und da solches bas Volk hörete, entsaßten sie sich über seiner Lehre. 2) Epistel, 2 Cor. 4, 11-18. Denn wir, die wir leben, werden immerdar in den Trd gegeben um Jesus willen, auf daßß auch das Leben Jesu offenbar werde an unfrem sterblichen Fleische. Darum so ist nun der Tod mächtig in uns, aber das Leben in euch. Dieweil wir aber denselbigen Geist des Glaubens haben( nachdem geschrieben stehet: ich glaube, darum rede ich"), so glauben wir auch, barum so reden wir auch und wissen, daß der so den Herrn Jesum hat auferweckt, wird uns auch auferwecken durch Jesum und wird uns darstellen samt euch. Denn es geschicht alles um euretwillen, auf daß die überschwengliche Gnabe durch vieler Dankfagen Gott reichlich preise. Darum werden wir nicht müde; sondern, ob unser äußerlicher Mensch verweset, so wird doch der innerliche von Tage zu Tage verneuert. Denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schaffet eine ewige und über alle Maße wichtige Herrlichkeit, uns die wir nicht sehen auf das sichtbare, sondern auf das unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. Am 23. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Luc. 14, 16-24. ( 86 Es war ein Mensch, der machte ein groß Abendmahl, und lub viel dazu. Und fandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, zu sagen den Geladenen: tommt, denn es ist alles bereit. Und fte flengen an, alle nach einander, sich zu 106 Jahrgang II. Am 23. und 24. Sonntag nach Trinitatis. entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: ich habe einen Acker gekauft und muß hinausgehen und ihn besehen; ich bitte bich, entschuldige mich. Und der ander prach: ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam und sagte das seinem Herrn wieder. Da warb ber Hausherr rnig und sprach zu seinem Knechte: gehe aus bald auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe bie Armen, und Krüppel, und Lahmen, und Blinden herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen was du befohlen haft! es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knechte: gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune und nöthige sie herein zu kommen, auf daß mein Haus voll werde. Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken wird. 2) Abendlection, Offenbarung Joh. 21, 1-8. Und ich sahe einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde vergieng, und das Meer ist nicht mehr. Und ich, Johannes, sahe die heilige Stabt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herab fahren, zubereit als eine geschmückte Braut ihrem Manne; und hörete eine große Stimme von dem Stuhl, die sprach: siehe da, eine Hütte Gottes bei den Menschen; und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk seyn, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott seyn: und Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen; und der Tod wird nicht mehr seyn noch leid noch Geschret noch Schmerzen wird mehr seyn; denn das erste ist vergangen. Und der auf dem Stuhl saß, sprach: siehe, ich mache alles neu. Und er spricht zu mir: schreibe: denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß. Und er sprach zu mir: es ist geschehen. Ich bin das A und das D, der Anfang und das Ende. Ich will dem durftigen geben von dem Brunn des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird es alles ererben; und ich werde sein Gott seyn, und er wird mein Sohn seyn. Den Verzagten aber und Unglaubigen, und Greulichen, und Tobtschlägern, und Hurern, und Zauberern, und Abgöttischen und allen Lügnern, deren Theil wird seyn in dem Pfuhl der mit Feuer und Schwefel brennet; welches ist der andere Tod. Am 24. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 16, 5-12. Und da die Jünger Jesu waren hinübergefahren, hatten sie vergessen Brod mit sich zu nehmen. Jesus aber sprach zu ihnen: fehet zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadducaer. Da dachten sie bei sich selbst und sprachen: das wirds seyn, daß wir nicht haben Brob mit uns genommen? Da das Jesus vernahm, sprach er zu ihnen: ihr Kleingläubigen! was bekümmert thr euch doch, daß ihr nicht habt Brod mit euch genommen? Vernehmet ihr noch nichts? Gedenket ihr nicht an die fünf Brote unter bie fünf tausend, und wie viele Körbe ihr da aufhubt? auch nicht an die sieben Brode unter die vier tausend, und wie viel Körbe ihr da aufhubt? Wie verstehet ihr benn nicht, daß ich euch nicht sage vom Brod, wenn ich sage: hütet euch vor dem Sauerteig ber Pharisäer und Sadducäer? Da verstunden sie, daß er nicht gesagt hatte, daß sie fich hüten sollten vor dem Sauerteig des Brods, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadbucäer. 2) Epistel, Hebr. 11 1-10. Es ist aber ber Glaube eine gewisse Zuversicht des das man hoffet, und nicht zweifeln an bem, das man nicht siehet. Durch den haben die Alten Zeugnis überkommen. Durch den Glauben merken wir, daß die Welt durch Gottes Wort Jahrgang II. Am 24. und 25. Sonntag nach Trinitatis. 107 fertig ist, daß alles was man siehet, aus nichts worden ist. Durch den Glauben hat Abel Gott ein größer Opfer gethan, denn Kain; burch welchen er Zeugniß überkommen hat, daß er gerecht sey, da Gott zengete von seiner Gabe; und durch denselbigen redet er noch, wiewohl er gestorben ist. Durch den Glauben ward Enoch weggenommen, daß er den Tod nicht sähe, und ward nicht erfunden darum daß ihn Gott wegnahm; denn vor seinem Wegnehmen hat er Zeugniß gehabt, daß er Gott gefallen habe. Aber ohne Glauben ists unmöglich, Gott gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben, daß er sey, und denen die ihn suchen, ein Bergelter seyn werde. Durch den Glauben hat Noah Gott geehret und die Arche zubereitet zum Heil seines Hauses, da er einen göttlichen Befehl empfieng von dem das man noch nicht sahe; durch welchen er verdammte die Welt, und hat ererbet die Gerechtigkeit, die durch den Glauben kommt. Durch den Glauben ward gehorsam Abraham, da er berufen ward auszugehen in das Land, das er ererben sollte; und gieng aus und wußte nicht, wo er hinkäme. Durch den Glauben ist er ein Frembling gewesen in dem verheißenen Lande, als in einem fremden, und wohnete in Hütten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselbtgen Verheißung. Denn er wartete auf eine Stadt, die einen Grund hat, welcher Baumeister und Schöpfer Gott ist. Am 25. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 21, 33-45. Es war ein Hausvater, der pflanzte einen Weinberg und führete einen Saun brum und grub eine Reiter brinnen und bauete einen Thurm, und that ihn den Weingärtnern aus und zog über Land. Da nun herbeikam die Zeit der Früchte, fandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, daß sie seine Früchte empfingen. Da nahmen die Weingärtner seine Knechte; einen stäupten sie, den andern tödteten sie, ben britten steinigten sie. Abermal sandte er andere Knechte, mehr denn der ersten waren; und sie thäten ihnen gleich also. Darnach sandte er seinen Sohn zu ihnen und sprach: sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. Da aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie unter einander: das tst der Erbe; kommt, laßt uns ihn tödten und sein Erbgut an uns bringen. Und sie nahmen ihn und stießen thn zum Weinberge hinaus und tödteten ihn. Wenn nun der Herr des einberges kommen wird, was wird er diesen Weingärtnern thun? Sie sprachen zu ihm: er wird die Bösewicht übel umbringen, und seinen Weinberg andern Weingärtnern austhun, die ihm die Früchte zu rechter Zeit geben. Jesus sprach zu ihnen: habt ihr nie gelesen in der Schrift:„ der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein worden! Von dem Herrn ist das geschehen, und es ist wunderbarlich vor unsern Augen," Darum sage ich euch: das Reich Gottes wird von euch genommen und den Heiden gegeben werden, die seine Früchte bringen. 2) Epistel, Jakobi 4, 4-10. Wisset ihr nicht, daß der Welt Freundschaft Gottes Feindschaft ift? Wer der Welt Freund seyn will, der wird Gottes Feind seyn. Oder laffet thr euch dünken, die Schrift sage umsonst: den Geist, der in euch wohnet, gelüstet wider den Haß? und gibt reichlich Gnade. Sintemal die Schrift saget: Gott widerstehet den Hoffärtigen, aber den Demüthigen giebt er Gnade. So sehd nun Gott unterthänig. Widerstehet dem Teufel, so fleucht er von euch. Nahet euch zu Gott, so nahet er sich zu euch. Reiniget bie Hände, ihr Sünder, und machet eure Herzen keusch; ihr Wankelmüthigen. Sept elend und traget leide und weinet; euer kachen verkehre sich in Weinen, und eure Freude in Traurigkeit. Demüthiget euch vor Gott, so wird er euch erhöhen. 108 Jahrgang II. Am 26. und 27. Sonntag nach Trinitatis. Am 26. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Matth. 25, 14-30. Gleichwie ein Mensch, der über Land zog, rufete seinen Knechten und that ihnen seine Güter ein. Und einem gab er fünf Centner, dem andern zween, dem britten einen, einem jeden nach seinem Vermögen, und zog bald hinweg. Da gieng der hin, der fünf Gentner empfangen hatte, und handelte mit denselbigen und gewann andere fünf Centner. Desgleichen auch der zween Centner empfangen hatte, gewann auch zween andere. Der aber einen empfangen hatte, gieng hin und machete eine Grube in die Erde und verbarg seines Herrn Geld. Ueber eine lange Zeit kam der Herr dieser Knechte und hielt Rechenschaft mit ihnen. Da trat Herzu der fünf Gentner empfangen hatte, und legte andere fünf Gentner dar und sprach: Herr, du hast mir fünf Centner gethan; siehe da, ich habe damit andere fünf Gentner gewonnen. Da sprach sein Herr zu ihm: el du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewest; ich will dich über viel segen, gehe ein zu deines Herrn Freude. Da trat auch herzu der zween Centner empfangen hatte und sprach: Herr, du hast mir zween Centner gethan; siehe da, ich habe mit denselben zween andere gewonnen. Sein Herr sprach zu ihm: ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen; ich will dich über viel segen, gehe ein zu deines Herrn Freude. Da trat auch herzu der einen Gentner empfangen hatte und sprach: Herr, ich mußte, daß du ein harter Mann bist: bu schneidest wo du nicht gefäct hast, und sammlest da du nicht gestreuet bast; und furchte mich, gieng hin und verbarg deinen Centner in die Erde. Siehe, da hast du das beine. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: du Schalk und fauler Knecht! wußtest du, daß ich schneide da ich nicht gesäet habe, und sammle da ich nicht gestreuet habe, so solltest du mein Geld zu den Wechslern gethan haben, und wenn ich kommen wäre, hätte ich das meine zu mir genommen mit Wucher. Darum nehmet von ihm den Gentner und gebets dem der zehen Centner hat. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden und wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch das er hat genommen werden. Und den unnüßen Knecht werfet in die äußerste Finsternis hinaus, da wird seyn Heulen und Zähnklappen. 2) Epistel, Hebr. 12, 18-24. Denn ihr seyd nicht kommen zu dem Berge den man anrühren konnte, und mit Feuer brannte; noch zu dem Dunkel und Finsterniß und Ungewitter; noch zu dem Hall der Posaune und zur Stimme der Worte; welcher sich wegerten, die sie höreten, daß ihnen das Wort ja nicht gesagt würde.( Denn sie mochtens nicht ertragen was da gesagt ward. Und wenn ein Thier den Berg anrührete, follte es gesteiniget oder mit einem Geschoß erschossen werden. Und also erschreck. lich war das Gesichte, daß Meses sprach: ich bin erschrocken und zittere!) Sondern ihr seyi kommen zu dem Berge 3ion, und zu der Stadt, bes lebendigen Gottes, zu dem himmlischen Jerusalem, und zu der Menge vieler tausend Engel, und zu der Gemeine der Erstgebornen die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Nichter über alle, und zu den Geistern der vollkommenen Gerechten, und zu dem Mittler des neuen Testaments, Jesu, und zu dem Blut der Be sprengung, das ba besser redet denn Abels. Am 27. Sonntag nach Trinitatis. 1) Evangelium, Marci 13, 36-37. Seher zu, wachet und betet; denn ihr wisset nicht, wann es Zeit ist. Gleich als ein Mensch, der über Land zog und ließ sein Haus und gab seinen Knechten Macht, einem jeglichen sein Werk, und gebot dem Thürhüter, er sollt machen; Jahrgang II. Am Feiertag Andreä und Thomä. 109 so wachet nun, denn ihr wisset nicht, wann ber Herr des Hauses kommt, ob er kommt am Abend, oder zu Mitternacht, oder um den Hahnenschrei, oder des Morgens, auf daß er nicht schnell komme und finde euch schlafend. Was ich aber euch sage, das sage ich allen: wachet! 2) Epistel, 1 Theff. 5, 14-24. Wir ermahnen aber euch, lieben Brüder: vermahnet vie Ungezogenen, tröstet die Kleinmüthigen, traget die Schwachen, feyb geduldig gegen jedermann. Sehet zu, daß niemand böses mit bösem jemand vergelte; sondern allezeit jaget dem guten nach, beide, unter einander und gegen jedermann. Seyd allezeit fröhlich. Betet ohn Unterlaß. Seyb dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christo Jesu an euch. Den Geist dämpfet nicht. Die Weissagung verachtet nicht. Prüfet aber alles und das gute behaltet. Meidet allen bösen Schein. Er aber, der Gott des Frierens, heilige euch durch und durch, und euer Geist ganz samt der Seele und Leib müsse behalten werden unsträflich auf die Zukunft unsers Herrn Jesu Christi. Getreu ist ber der euch rufet; welcher wirds auch thun. Feiertägliche Evangelien und Morgenlectionen. Am Feiertag Andrea. Evangelium Lucă 9, 57-62. Ee begab sich aber, da sie auf dem Wege waren, sprach einer zu Jesu: ich will bir folgen wo du hingeheft. Und Jesus sprach zu ihm: bie Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem antern: folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, daß ich zuvor hingehe und meinen. Vater begrabe. Aber Jesus sprach zu ihm: laß die Topten ihre Topten begraben; gehe du aber hin und verkündige bas Reich Gottes. Und ein anderer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, daß ich einen Abschier mache mit denen die in meinem Hause find. Jesus aber sprach zu ihm: wer seine Hand an den Pflug leget und siehet zurück, ter ist nicht geschickt zum Reich Gottes. Am Feiertag Thoma. Evangelium, Joh. 11, 1-27. Es lag aber einer Frank, mit Namen Lazarus, von Bethanta, in dem Flecken Varia und ihrer Schwester Martha.( Maria aber war, die den Herrn gesalbet hatte mit Salben und seine Füße getrocknet mit ihrem Haar: derselbigen Bruder Lazarus lag krank.) Da sandten seine Schwestern zu Jesu und ließen ihm sogen: Herr, siehe, den du lieb haft, ter liegt krank. Da Jesus das hörete, sprach er: die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, daß der Sohn Gottes dadurch geehret werte. Jesus aber hatte Martham lieb und thre Schwester und Lazarum. Als er nun hörete, daß er frank war, blieb er zween Tage an tem Ort ta er war. Darnach spricht er zu seinen Jüngern: laßt uns wieder in Juddam ziehen. Seine Jünger sprachen zu ihm: Meister, jenesmal wollten die Juden vich steinigen und bu millt wieder dahin ziehen? Jesus antwortete: sind nicht des Tages zwölf Stunden? Wer des Tages wandelt der fiößet sich nicht; denn er stehet das Licht dieser Welt. Wer aber des Nachts wanrelt, der stößet fich; denn es ist kein Licht in ihm. Solches sagte er, und darnach spricht er zu 110 Jahrgang II. Feiertag Stephani und Johannis. ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, daß ich ihn aufwecke. Da sprachen seine Jünger: Herr, schläft er, so wirds besser mit ihm. Jesus aber sagte von seinem Tode; sie meineten aber, er redete vom leiblichen Schlaf. Da sagte es ihnen Jesus frei heraus: Lazarus ist gestorben; und ich bin froh um euretwillen, daß ich nicht da gewesen bin, auf daß ihr glaubet; aber lasset uns zu ihm ziehen. Da sprach Thomas, der da genennet ist 3willing, zu den Jüngern: laßt uns mit ziehen, daß wir mit ihm sterben. Da kam Jesus und fand ihn, daß er schon vier Tage im Grabe gelegen war.( Bethania aber war nahe bei Jerusalem, bet fünfzehn Feldweges.) Und viel Suben waren zu Martha und Maria kommen, sie zu trösten über ihrem Bruber. Als Martha nun hörete, daß Jesus kommt, gehet sie ihm entgegen; Maria aber blieb daheime sigen. Da sprach Martha zu Jesu: Herr, wärest du hie gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben; aber ich weiß auch noch, daß, was du bitteft von Gott, das wird dir Gott geben. Jesus spricht zu ihr: bein Bruder soll auferstehen. Martha spricht zu ihm: ich weiß woht, daß er auferstehen wird in der Auferstehung am jüngsten Tage. Jesus spricht zu ihr: ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubet, der wird leben ob er gleich stürbe; und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubest du das? Sie spricht zu ihm: Herr ja ich glaube, daß du bist Christus, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen ist. Am Feiertag Stephani. Morgenlection, Hebr. 12, 1-4. Darum auch wir, dieweil wir solchen Haufen Zeugen um uns haben, lasset uns ablegen die Sünde, so uns immer anklebt und träge macht, und lasset uns laufen durch Gebule in dem Kampf, der uns verordnet ist, und auffehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens; welcher, da er wohl hätte mögen Freude haben, ervuldete er das Kreuz und achtete der Schande nicht, und ist gesessen zur Rechten auf dem Stuhl Gottes. Gedenket an den, der ein solches Widersprechen von den Sündern wider sich ervuldet hat, daß ihr nicht in eurem Muth matt werdet und ablasset. Denn ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden über dem Kämpfen wider die Sünde. Am Feiertag Johannis. Evangelium, Joh. 21, 1-14. Darnach offenbarete sich Jesus abermal den Jüngern an dem Meer bei Tiberias. Er offenbarete sich aber also: es war bei einander Simon Petrus und Thomas, der da heißet Zwilling, und Nathanael, von Kana aus Galiläa, und die Söhne Zebebät und andere zween seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: ich will hin, fischen gehen. Sie sprachen zu ihm: so wollen wir mit dir gehen; sie giengen hinaus und traten in das Schiff alsobald; und in derselbigen Nacht fiengen sie nichts. Da es aber jetzt Morgen war, stund Jesus am Ufer; aber die Jünger wußtens nicht, daß es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: nein. Er aber sprach zu ihnen: werfet das Neze zur Rechten des Schiffs, so werdet ihr finden. Da warfen sie und konntens nicht mehr ziehen vor der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, welchen Jesus lieb hatte, zu Petro: es ist der Herr! Da Simon Petrus hörete, daß es ber Herr war, gürtete er das Hemde um sich,( denn er war nacket) und warf sich ins Meer. Die andern Jünger aber kamen auf dem Schiffe,( denn sie waren nicht ferne vom Lande, sondern bei zweihundert Ellen) und zogen das Neße mit den Fischen. Als sie nun austraten auf das Land, sahen sie Kohlen geleget und Fisch brauf und Brov. Spricht Jesus zu ihnen: bringet her von Jahrgang II. Feiertag Mariä Reinigung und Matthiä. 111 ten Fischen, die ihr jett gefangen habt. Simon Petrus stieg hinein und zog das Neße aufs Land voll großer Fische, hundert und brei und fünfzig. Und wiewohl ihr so viel waren, zerriß doch das Neß nicht. Spricht Jesus zu ihnen. kommt und haltet das Mahl. Niemand aber unter den Jüngern curfte the fragen: wer bist du? denn sie wußtens, daß es der Herr war. Da kommt Jesus und nimmt das Brod und gibts ihnen, desselbigen gleichen auch die Fisch. Das ist nun das brittemal, daß Jesus offenbaret ist seinen Jüngern, nachdem er von ben Todten auferstanden ist. Am Feiertag Mariä Neinigung. Evangelium, Luc. 1, 39-45. Maria aber stund auf in den Tagen und gleng auf das Gebirge endelich zu der Stadt Judä. Und kam in das Haus Zacharias unb grüßete Glisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth ben Gruß Marta hörete, hüpfete das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth war des heiligen Geifts voll und rief laut und sprach: gebenedeyet bist du unter den Weibern, und gebenedeyet ist die Frucht deines Leibes. Und woher kommt mir das, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Siehe, da ich die Stimme deines Grußes hörete, hüpfete mit Freuden das Kind in meinem Leibe. Und o selig bist du, die du geglaubt haft! denn es wird vollendet werden was dir gesagt ist von dem Herrn. Am Feiertag Matthiä. Morgenlection, Sefatas 53, 1-12. Aber wer glaubt unserer Predigt? Und wem wird der Arm des Herrn offenbaret? Denn er schießt auf vor ihm wie ein Reis, und wie eine Wurzel aus bürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt noch Schöne; wir sahen thn, aber da war keine Gestalt die uns gefallen hätte. Er war der allerverachtetste und unwertheste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so veracht, daß man das Angesicht vor ihm verbarg: darum haben wir ihn nichts geacht. Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lub auf sich unsere Schmerzen; wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ift um unserer Missethat willen verwundet, und um unserer Missethat willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Friede hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilet. Wir giengen alle in der Irre, wie Schafe; ein jeglicher sah auf seinen Weg; aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Da er gestraft und gemartert warb, that er seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf das erstummet vor einem Scherer und seinen Mund nicht aufthut. Er ist aber aus der Angst und Gericht genommen; wer will seines Lebens Länge ausreden? Denn er ist aus dem Lande ber Lebendigen weggerissen, da er um die Missethat meines Volks geplagt war. Und er ist begraben wie die Gottlosen und gestorben wie ein Reicher; wiewohl er Niemand Unrecht gethan hat, noch Betrug in seinem Munde gewest ist. Aber der Herr wollt thn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er fein Leben zum Schulbopfer gegeben hat, so wird er Samen haben und in die Länge leben, und des Herrn Vornehmen wird durch seine Hand fortgehen. Darum daß seine Seele gearbeitet hat, wird er seine Lust sehen und die Fülle haben. Und durch sein Erkenntniß wirt er, mein Knecht, der gerechte, viel gerecht machen; denn er trägt ihre Sünde. Darum will ich ihm große Menge zur Beute geben, und er soll die Starken zum Raube haben: darum daß er sein Leben in Tod gegeben hat und den Uebelthätern gleich gerechnet ist, und er vieler Sünde getragen hat und für die Ulebelthäter gebeten. 112 Jahrg. II. Mariä Verk. Philippi u. Jakobi. Johannis d. Täuf. Am Feiertag Maria Verkündigung. Evangelium, Matth. 1, 18-23. Die Geburt Chrifti war aber also gethan: als Maria, seine Mutter, dem Joseph vertrauet war, ehe er sie heimholete, erfand sich, daß sie schwanger war von dem heiligen Geist. Joseph aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht rügen; gedacht aber, sie heimlich zu verlassen. Indem er aber also gedachte, siehe, va erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Joseph, du Sohn David, fürchte dich nicht, Mariam, bein Gemahl zu dir zu nehmen: denn das in ihr gehoren ist, das ist von dem heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, deß Namen sollt du Jesus heißen; denn er wird sein Bolk selig machen von ihren Sünten. Das ist aber alles geschehen, auf daß erfüllet würde das der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht:„ siche, eine Jungfrau wird schwanger seyn und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Immanuel heißen, das ist vervolmetschet: Gott mit uns." Am Feiertag Philippi und Jakobi. Evangelium, Joh. 4, 27-42. Und über dem tamen die Jünger Jesu, und es nahm sie wunder, daß er mit dem Weibe redete. Doch sprach niemand: was fragest du? oder: was redest du mit ihr? Da ließ das Weib ihren Krug stehen und gieng hin in die Stadt und spricht zu den Leuten: kommet, sehet einen Menschen, der mir gesagt alles was ich gethan habe, ob er nicht Christus sey? Da giengen sie aus der Stadt und kamen zu ihm. Indeß aber ermahneten ihn die Jünger und sprachen. Nabbi, is. Er aber sprach zu ihnen: ich habe eine Speise zu essen, da wisset ihr nicht von. Da sprachen die Jünger unter einander: hat ihm jemand zu essen gebracht? Jesus spricht zu ihnen: meine Speise ist die, daß ich thu den Willen teß der mich gesandt hat und vollende sein Wert. Saget ihr nicht selber: es sind noch vier Dienden, so kommt die Ernte? Siehe, ich sage euch: hebet eure Augen auf und sehet in das Feld, denn es ist schon weiß zur Ernte; und wer da schneidet, der empfähet Lohn und sammlet Frucht zum ewigen Leben, auf daß sich mit einander freuen ber da säiet und der da schneidet. Denn hie ist der Spruch wahr: dieser säet, der ander schneitet. Ich habe euch gesandt, zu schneiden das ihr nicht habt gearbeitet; andere haben gearbeitet, und ihr seyb in ihre Arbeit kommen. 68 glaubten aber an ihn viel der Samariter aus derselbigen Start, um des Weibes Rede willen, welches da zeugete: er hat mir gesagt alles was ich gethan habe. Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, baß er bei ihnen bliebe; und er blieb zween Tage da. Und viel mehr glaubten um seines Worts willen und sprachen zum Weibe: wir glauben nun fort nicht um deiner Rede willen; wir haben selber gehöret und erkennet, daß dieser ist wahrlich Christus der Welt Heiland. Am Feiertag Johannis des Täufers. Evangelium, Matth. 14, 1-12. Zu der Zeit kam das Gerüchte von Jesu vor den Vierfürsten Herodes. Und er sprach zu seinen Knechten: dieser ist Johannes, der Täufer; er ist von den Todten auferstanden, darum thut er folche Thaten. Denn Herores hatte Johannem gegriffen, gebunden und in das Gefängniß gelegt von wegen der Herodias, seines Bruders Philippus Weib. Denn Johannes hatte zu ihm gesagt: es ist nicht recht, daß du sie hatest. Und er hätte ihn gerne getödtet, furchte sich aber vor dem Volk; benn sie hielten ihn für einen Propheten. Da aber Herodes seinen Jahrstag begieng, ba tanzte die Tochter der Herodias vor ihnen. Das gefiel Jahrgang II. Petri u. Pauli. Jakobi des Größern. 113 Herodes wohl; darum verhieß er ihr mit einem Eide, er wollt ihr geben was sie fordern würde. Und als sie zuvor von ihrer Mutter zugerichtet war, sprach sie: gib mir her auf eine Schüssel das Haupt Johannis des Täufers. Und der König war traurig; boch um des Eides willen, und der, die mit ihm zu Tische saßen, befahl ers ihr zu geben und schickte hin und enthauptete Johannes im Gefängniß. Und sein Haupt ward hergetragen in einer Schüssel und dem Mägdlein gegeben; und sie bracht es ihrer Mutter. Da kamen seine Jünger und nahmen seinen Leib und begruben ihn und kamen und verkündigten das Jesu. Am Feiertag Petri und Pauli. A. Gvangelium, Luc. 5, 1-11. Es begab sich aber, da sich das Volk zu Jesu drang, zu hören das Wort Gottes, und er stund am See Genezareth und sahe zwei Schiff am See stehen, die Fischer aber waren ausgetreten und wuschen ihre Neße; trat er in der Schiffe eins, welches Simonis war, und bat ihn, daß ers ein wenig vom Lande führete. Und er sagte sich und lehrete das Volk aus dem Schiff. Und als er hatte aufgehört zu reden, sprach er zu Simon: fahre auf die Höhe und werfet eure Neße aus, daß ihr einen Zug thut. Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meifter, wir haben die ganze Nacht gearbeitet, und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich das Neze auswerfen. Und da sie das thäten, beschlossen sie eine große Dienge Fische, und ihr Nez zerriß. Und sie winketen ihren Gesellen die im andern Schiff waren, daß sie kämen und hülfen ihnen ziehen. Und sie famen und fülleten beide Schiff voll, also daß sie sunken. Da das Simon Petrus sah, fiel er Jefu zu den Knieen und sprach: Herr! gehe von mir hinaus, ich bin ein fündiger Mensch. Denn es war ihn ein Schrecken ankommen und alle die mit ihm waren, über diesem Fischzug, den sie mit einander gethan hatten, desselbigen gleichen auch Jakobum und Johannem, die Söhne Zebedai, Simonis Gefellen. Und Jesus sprach zu Simon: fürchte dich nicht! denn von nun an wirst du Dienschen fahen. lind sie führeten die Schiff zu Lande und verließen alles und folgeten ihm nach. B. Morgenlection, 1 Cor. 3, 3-13. Denn fintemal Eifer und Zank und Zwietracht unter euch sind; sehd the Denn nicht fleischlich und wandelt nach menschlicher Weise? Denn so einer saget: ich bin Paulisch? der ander aber: ich bin Apollisch; seyt ihr benn nicht fleischlich? Wer ist nun Paulus? Wer ist Apollo? Diener sind sie, durch welche ihr seyd gläubig worden; und dasselbige, wie der Herr einem jeglichen gegeben hat. Ich habe gepflanzet, Apollo hat begossen, aber Gott hat das Gedeihen gegeben. So ist nun weder der da pflanzet, noch der da begeußet etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt. Der aber pflanzet und der ba begeußet, ist einer wie der ander. Ein jeglicher aber wird seinen Lohn empfahen nach seiner Arbeit. Denn wir sind Gottes Gehülfen; ihr sehd Gottes Ackerwerk und Gottes Gebäu. Ich von Gottes Gnaden, die mir gegeben ist, hab den Grund gelegt, als ein weiser Baumeister, ein anderer bauet darauf. Ein jeglicher aber sehe zu, wie er darauf baue. Einen andern Grund kann zwar niemand legen, außer dem der gelegt ist, welcher ist Jesus Christ. So aber jemand auf diesen Grund bauet Gold, Silber Edelsteine, Holz, Heu, Stoppeln, so wird eines jeglichen Werk offenbar werden der Tag wirds klar machen. Am Feiertag Jakobi des Größern. Evangelium, Luc. 9, 51-56. Es begab sich aber, da die Zeit erfüllet war, daß Jesus sollte von hinnen genommen werden, wendete er sein Angesichte, ftracks gen Jerusalem zu mandeln. Und er fandte Boten vor ihm hin; bie giengen hin und kamen in einen Markt Evangelisches Gesangbuch.( Anhang.) 8 - 114 Jahrgang II. Bartholomäi. Matthäi. Simonis u. Judä. der Samariter, daß sie ihm Herberge bestelleten. Und sie nahmen ihn nicht an, darum daß er sein Angesichte gewendet hatte zu wandeln gen Jerusalem. Da aber das seine Jünger, Jakobus und Johannes, sahen, sprachen sie: Herr, willt du, so wollen wir sagen, daß Feuer vom Himmel falle und verzehre sie, wie Elias that? Jesus aber wandte sich und bedräuete fie und sprach: wisset ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seyd? Des Menschen Sohn ist nicht kommen, der Menschen Seelen zu verderben, sondern zu erhalten. Am Feiertag Bartholomäi. Evangelium, March 3, 31-35. Und es kam die Mutter Jesu und seine Brüder und stunden haußen, schickten zu ihm und ließen ihm rufen.( Und das Volk saß um ihn.) Und sie sprachen zn ihm: siehe deine Mutter und deine Brüder draußen fragen nach dir. Und er antwortete ihnen und sprach: wer ist meine Mutter und meine Brüder? Und er sahe rings um sich auf die Jünger, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: siche, das ist meine Mutter und meine Brüder. Denn wer Gottes Willen thut, der ist mein Bruber und meine Schwester und meine Mutter. Am Feiertag Matthäi. Evangelium, Matth. 21, 28-32. Was dünket euch aber? Es hatte ein Mann zween Söhne, und gieng zu dem ersten und sprach: mein Sohn, gehe hin und arbeite heute in meinem Weinberge. Er antwortete aber und sprach: ich wills nicht thun. Darnach reuete es ihn und gieng hin. Und er gieng zum andern und sprach gleich also. Er antwortete aber und sprach: Herr, ja; und gieng nicht hin. Welcher unter den zweten hat des Vaters Willen gethan? Sie sprachen zu ihm: der erste. Jesus sprach zu ihnen: wahrlich ich sage euch: die Zöllner und Huren mögen wohl ehe ins Himmelreich kommen denn ihr. Johannes kam zu euch und lehrete euch den rechten Weg, und ihr glaubetet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubeten ihm. Und ob thrs wohl fahet, thatet ihr dennoch nicht Buße, daß ihr ihm darnach auch geglaubt hättet. Am Feiertag Simonis und Judä. Evangelium, Lucă 17, 5-10. Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: stärke uns den Glauben. Der Herr aber sprach: wenn ihr Glauben habt als ein Senfkorn und saget zu diesem Maulbeerbaum: reiß dich aus und verseze dich ins Meer; so wird er euch gehorsam seyn. Welcher ist unter euch, der einen Knecht hat, der ihm pflüget oder das Vieh weidet, wenn er heim kommt vom Felde, daß er ihm sage: gehe bald hin und sebe dich zu Tische? Ifts nicht also, daß er zu ihm saget: richte zu, daß ich zu Abend esse, schürze dich und viene mir, bis ich esse und trinke, darnach sollt du auch essen und trinken? Danket er auch demselbigen Knechte, daß er gethan hat was ihm befohlen war? Ich meine es nicht. Also auch ihr, wenn ihr alles gethan habt was euch befohlen ist, so sprechet: wir sind unnüße Knechte: wir haben gethan das wir zu thun schuldig waren. Gebete. ph Morgengebet auf alle Tage der Woche. Allgütiger Gott und Vater! Durch deine Gnade habe ich wieder diesen Morgen erlebt; dein allmächriger Schuß hat mich in dieser Nacht umgeben und vor Unfällen bewahrt. Lobe den Herrn, meine Seele und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, und vergiß nicht was er dir gutes gethan hat! Himmlischer Bater! ich bete dich an in deiner unendlichen Größe und Herrlichkeit. Lehre mich dich lieben als meinen höchsten Wohlthäter, dich verehren als meinen Vater, dich fürchten und dir gehorsam seyn als meinem Herrn und Gott. Erwecke in mir einen lebendigen Abscheu gegen alles böse, und mache mich durch Wachsthum in allem guten bir immer ähnlicher. Erhebe mein Herz zumT Himmel, den du mir zum Erbtheil bestimmt haft. Laß bet mir Frucht bringen das Evangelium deines Sohnes Jesu Christi, das eine göttliche Kraft ist, selig zu machen alle bie baran glauben. Heilige meine Seele und mache sie zu deiner Wohnung. Hilf mir durch die Kraft deines Geistes alle bösen Triebe, Neigungen und Begierden meines Herzens besiegen, und standhaft gegen Sünde und Welt kämpfen. Wenn ich strauchle und falle, und in Gedanken, Worten und Werken fündige, so seb mir gnädig nach deiner Güte, womit du mich in deinem Sohne Jesu Christo geliebet und zu deinem Kind angenommen haft. Vergieb mir alle meine Sünden; verzeihe mir auch die verborgenen Fehler. Hilf mir machen über mein Herz; lehre mich prüfen und erfahren, ob ichs reblich meine. Laß mich die Wichtigkeit eines jeden Lebenstages, auch des heutigen, der mich der Ewigkeit wieder um einen Schritt näher bringt, ernstlich bedenken. Gieb, daß ich ihn zu deiner Ehre, zu meinem eigenen Heil und zum Wohl meiner Mitmenschen an wende. Bewahre mich vor allen Sünden des Aergernisses, des bösen Beispiels und der Verführung, und laß mich keinem der Brüder, für welche Christus gestorben ist, eine Ursache zur Sünde und zum Verderben, sondern allen die mir nahe sind, durch einen erbaulichen Wandel zum Segen werden. Mache mich liebreich, wohlwollend, bienstfertig, verträglich und verföhnlich gegen alle meine Brüder und Schwestern. Lehre mich in frohen Stunden, die du mich heute erleben lässeft, eingebent seyn, daß du mich einft über all mein Thun und Lassen zur Rechenschaft ziehen wirst. Läsfest du heute ein kleines oder großes Leiden über mich kommen, so stärke meinen Glauben und gib mir Kraft zur Geduld; hilf mir alle Lasten des Lebens, ble du auflegft, tragen. Gib meiner Seele ftillen Frieden und die selige Heiters feit, welche die Liebe zu dir und deinem Sohn Jesu Christo gewähret. Segne alle meine Mitmenschen, segne besonders diejenigen, die meinem Herzen nahe sind, mit deinem zeitlichen und ewigen Segen. Erbarme dich aller Verlassenen, Bekümmerten' Nothleidenden, Armen, Kranken und Sterbenden. sey ihnen mit deiner Hülfe und mit deinem Troste nahe. Dir befehle ich Seele und Leib, meine Gedanken und Werke, Freuden und Leiden, und alles was ich habe und bin. Leite mich nach deinem weisen Rath; ach Herr! lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; bein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Amen. 116 Kürzeres Morgengebet. Abendgebet auf alle Tage. Kürzeres Morgengebet. Herr Gott, Vater und Herr meines Lebens! Ich danke dir und rühme veinen herrlichen Namen. Leben und Wohlthat hast du an mir gethan, und dein Aufsehen bewahret meinen Odem. Du haft mich behütet und unter dem Schatten beiner Flügel beschirmet; deine Barmherzigkeit ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß. Laß meinen Mund deines Ruhmes täglich voll seyn, und vergib mir alle meine Sünden. Thue mir wohl nach deiner Barmherzigkeit. Weise mir deinen Weg und leite mich auf richtiger Bahn. Laß mir auch heute deine Gnade widerfahren; verlaß mich nicht und ziehe deine Hand nicht ab von mir. Herr mein Gott! sey mir freundlich, und fördere das Werk meiner Hände. Erhalte meinen Gang auf deinen Fußsteigen, daß meine Tritte nicht gleiten. Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich. Gott! groß von Nath und mächtig von That, stärke mich durch deinen guten Geist, daß ich deinen Namen fürchte. Behüte meinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Abendgebet auf alle Tage der Woche. Getreuer Gott, Herr und Bater meines Lebens! Du fährest von einem Tage zum andern fort, mich zu segnen und mir gutes zu thun Auch heute haft du mich erhalten, ernährt und versorgt, geschützt und bewahrt, gesegnet und erfreut. Dafür preiset dich meine Seele, und verkündigt in dieser stillen Abendstunde dein Lob. Durch manche gute Eindrücke, durch heilsame Kührungen, durch kräftige Ermunterungen hat mich deine Gnade auch heute erweckt, immer besser, weiser, frömmer und für dein himmlisches Reich tüchtiger zu werden. Möchte ich stets deiner treuen väterlichen Leitung gefolgt, und deine Gnade nicht vergebens empfangen haben! Ach vergib mir, barmherziger Vater, jeden Undank und Ungehorsam gegen dich, beffen ich mich heute schuldig gemacht habe! Vergib mir um Jesu Christi willen alle Sünden, die ich in Gedanken, Worten und Werken begangen habe, alle Versäumnisse des Guten, alle Fehler und Uebertretungen deiner heiligen Gebote. Vater des Lichts und der Gnade, der du in uns wirkest das Wollen und das Vollbringen nach deinem Wohlgefallen, schenke mir den Belstand deines Geistes, daß ich täglich wachse in deiner Erkenntniß und in der Heiligung des Herzens und Lebens. Laß mich einen guten Kampf kämpfen, daß ich den Glauben und ein gut Gewissen behalten möge. Auch heute bin ich wieder um einen Schritt dem Ziele der Ewigkeit näher gerückt. Lehre mich bedenken, wie kurz meine irbische Vorbereitungszeit, und wie ungewiß die Dauer derselben ist. Erwecke mich, zu ergreffen das eine was noth ist, um das Heil meiner unsterblichen Seele zu gewinnen. Hilf mir wachen und beten, daß ich in deiner Furcht mein irdisches Tagwerk einst vollenden, und am letzten Abend meines Lebens zu deiner seligen Ruhe eingehen möge. Die dunkle Nacht ist jetzt eingebrochen. Auch in der Finsterniß bist du, Herr, bei mir. Schüße mich und die meinigen vor Unglück und Gefahr. D du treuer Menschenhüter, wache über alle deine Kinder! Lindre allen Kranken, Elenden und Traurigen ihren Schmerz und Kummer. Sende dein Licht und deinen Trost in jedes dunkle und niedergedrückte Herz; trockne die Thränen derer die um Hülfe seufzen. Laß die letzten Stunden und Augenblicke aller Sterbenden Zeugen deiner väterlichen Erbarmung seyn. Laß mich morgen mit neuer Kraft und Munterkeit erwachen, damit ich aufe neue dir die Opfer meines Dankes bringen, und zu deinem Preise meinen Christenlauf fortseßen möge. Solltest du aber, Herr über Leben und Tod, mich Kürzeres Abendgebet. Am Sonntag Morgen u. Abend. 117 nach deinem ewigen Rathschluß in dieser Nacht von der Welt abrufen, so nimm meinen unsterblichen Geist auf in die Wohnungen bes Friedens, zum Genusse der Herrlichkeit und Seligkeit, die du mir durch Jesum Christum bereitet hast. Dir sey Ehre und Lob von nun an bis in Gwigkeit! Amen. Kürzeres Abendgebet. Gott, du einiges und höchstes Gut! In dir allein sindet mein Herz Ruhe, und in deiner Gnade die höchste Freude. Herr! wenn ich nur dich habe, so habe ich genug. O wie wohl ist meiner Seele, wenn du mir gnädig bist und mein Gewissen stillest. Erhalte in meinem Herzen deinen Frieden, und thue ferner meiner Seele Gutes. Stärke mich in allen Leiden durch den inwendigen Troft deines heiligen Geistes. Bringe mich, wann die letzte Nacht meines Lebens einbricht, an den Ort der ewigen vollkommenen Ruhe, damit ich schaue dein Antlig in Gerechtigkeit, und gesättigt werde aus deiner ewigen Freudenfülle Amen. Am Sonntag Morgen. Gesegnet sey mir der Tag, den du, Vater der Gnabe und Barmherzigkeit, mich heute erleben läsfest! Gesegnet der Tag des Herrn, an welchem ich von irdischen Geschäften ruhen, und meinen Geist mit dem Höheren und Ewigen beschäftigen soll! Lehre mich über das Heil meiner durch Jesum theuer erkauften Seele ernstlich nachdenken. In deinem untrüglichen und seligmachenden Worte, das heute verkündiget wird, finde ich den Weg zum Leben. Laß es durch deinen Geist hell und kräftig in mir werden, daß es meinen Verstand erleuchte, mein Gewissen beruhige, mein Herz und Leben heilige, und meine Seligkeit schaffe. Laß es mich heute recht tief und innig empfinden, welch Glück es sey, ein Christ zu sehn und mit geistigen und himmlischen Gütern durch deinen Sohn, Jesum Christum, gesegnet zu werden. Herr! rede du heute selbst an mein Herz, du haft Worte der Wahrheit, rede zu mir, denn du hast Worte der Liebe; rede zu mir, denn du hast Worte des Trostes und der seligsten Hoffnung. Deffne mir das Auge des Geistes, daß ich schaue deine Geheimnisse und erkenne die Gebote deiner Liebe. Rede zu meiner Seele, daß ich lebe und nicht ewiglich sterbe. Laß den unvergänglichen Samen deines Wortes in mir keimen und gedeihen, daß er Früchte bringe die für das ewige Leben reifen. Segne meine Andacht, damit sie eine Anbetung deines Namens im Geist und in der Wahrheit sey. Bewahre mich vor Gedankenlosigkeit, vor Leichtsinn und vor allen sündlichen 3erstreuungen, durch welche der heutige, dir und deinem Dienst geweihte Tag entheiligt wird. Laß einen schönen geistigen Segen des heiligen Tages, den ich heute feire, mich auf die ganze Woche, auf meine folgende Lebenszeit, ja bis in die Ewigkeit begleiten. Heilige mich), Bater, durch deine Wahrheit, dein Wort ist Wahrheit. Heilige mein inneres und äußeres Leben durch fromme Uebungen der Andacht; dein Dienst ist Leben und Seligkeit. Amen. Am Sonntag Abend. Herr, mein Gott und Vater! Mit Mund und Herzen preise ich dich an dem Abend dieses heiligen Tages für alles gute, bas du mir von meiner Kindheit an und auch heute an Leib und Seele erwiesen haft. Wie soll ich dir insbesondere danken für deine Liebe, die mich gerettet hat aus der Finsterniß des Irrthums, und für deine Gnade in Christo Jesu, die mich elenden und schwachen Menschen 118 Am Montag Morgen und Abend. zur ewigen Freiheit und Seligkeit erheben will? Ach was wäre ich ohne rein Wort, und ohne den Trost deiner Verheißung? Herr, wie soll ich deinen Namen genug rühmen? wie soll mein Wandel ein Ruhm deiner Gerechtigkeit werden? Bater, du weißest, daß ich allein nichts vermag. Siehe, ich suche tich, aber ich kann dich allein nicht finden; ich wünsche dein Licht, aber ich kann allein mich nicht erleuchten; ich sehne mich nach deiner Gnade, aber ich kann allein sie nicht gewinnen; ich weiß deinen Willen, aber ohne deinen Beistand vermag ich ihn nicht zu erfüllen. Darum hilf du mir, da ich mir selbst nicht zu helfen vermag. Sente deinen Geist in mein Herz, daß er mich reinige, erleuchte, stärke und heilige. Laß bein Wort nicht vergebens an mir seyn, und gib, daß ich nicht bloß Hörer, sondern auch Thäter desselben werde, und die Frucht meines Glaubens, nemlich der Seelen Seligkeit, davon trage. Wende dein Antlig nicht von mir und entziehe mir nicht deine Gnade; führe mich stets auf rechter Bahn, und bein heiliger Geist tröste mich. Deine Güte walte auch in dieser Nacht über mir, über den meinigen und über allen Menschen. Laß mich den kommenden Morgen gesund erleben, damit ich die Geschäfte meines Berufs im Aufsehen auf dich freudig fortsege. Und einst, wann mein irdisches Tagwerk zu Ende ist. laß mich dahin gelangen, wo ich dir mit allen Gerechten in ewiger Unschuld und Seligkeit dienen werde. Amen. Am Montag Morgen. Mein Gott und Bater! Zu dir erwache ich am neuen Morgen; du sollst der erste, der größte und heiligste Gedanke meiner Seele seyn. An wen sollte ich eher tenken, als an dich, den Erhalter alles Lebens, den Schöpfer aller Freuben, den Geber alles Heils und aller Glückseligkeit? Du bist der Allmächtige und gebrauchst deine Allmacht nur zu unserem Segen. Du bist die Liebe und erbarmest dich aller deiner Werke. Du sorgst immer väterlich für unser wahres Wohl; du wählst stets für uns das beste; und wenn uns auch oft dein Rath unerforschlich ist, so führst du doch alles herrlich hinaus. Du wirst, ewige Liebe, auch von mir deine Hand niemals abziehen; gib mir. daß ich dir vertraue, dich liebe und mich deiner Gnade nicht durch Ungehorsam gegen deine Gebote unwerth mache; dann wird mir alles was tu schickst zum besten dienen. Darum werfe ich mich an diesem Morgen aufs neue freudig in deine Baterarme, und fühle mich heiter und froh in dem Gedanken, daß du mein Gott bist. Deine Güte waltet für und für über alle die deinen Bund und deine Zeugnisse halten. Oso flöße mir Lust und Freudigkeit ein, bir zu gehorchen und deinen Willen zu thun! Schenke mi: Willigkeit und Unverdrossenheit, alle Arbeiten meines Berufs, in welchen di mich gesetzt hast, zu verrichten; Kraft, alle Schwierigkeiten zu besiegen; Muth und Ausdauer, alle Plagen und Beschwerden zu tragen. Herr, deine Güte sey über mir! Erhalte mich bei dem einen, daß ich deinen Namen fürchte, und nimm beinen heiligen Geist nicht von mir. Amen. Am Montag Abend. Allmächtiger Gott und Vater! Beschüßt und gesegnet von dir, schließe ich wieder einen Tag meines Lebens. Schnell und flüchtig sind seine Stunden dahin geflossen, und doch mit wie vielen Wohlthaten sind sie begleitet! Kein Tag, feine Stunde, ja kein Augenblick vergeht, worin uns nicht neue Segnunge: t von beiner Hand bereitet werden. Und wenn wir die ganze Reihe unserer Jahre und Tage überblicken, so verlieren wir uns im Anschauen deiner zahllosen Erbarmungen; und unser gerührtes Herz stimmt in die Worte ein: was ist der Mensch, daß du seiner gedenkest, und das Menschenkind, daß du dich seiner Am Dienstag Morgen und Abend. annimmst? So laß dir jetzt das Abendopfer meines Lobes und Dankes wohlgefallen! Dein Vaterherz verschmäht auch das schwache Stammeln deiner Kinder nicht. Sanft und unter deinem Frieden laß mich schlummern und ruhen, bis der Morgen mich zu neuem Preise deines Namens, aber auch zu neuer Thätigkeit ruft. Ruhend will ich in bir ruhen, wirkend in dir, mit dir, für dich wirken, wirken, so lange es Tag ist; denn es kommt die Nacht, da niemand wirken kann; wirken hier in der Zeit, denn es folgt eine grenzenlose Ewigkeit, es nahet sich ein Tag der Offenbarung des gerechten Gerichts Gottes, an welchem er geben wird einem jeglichen nach seinen Werken, nemlich Preis und Ehre und unvergängliches Wesen denen die mit Geduld in guten Werken trachten nach dem ewigen Leben, aber denen die da zänkisch sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber dem Ungerechten, Ungnade und Zorn, Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die da boses thun. Herr, sey und bleibe mit mir auch in dieser Nacht. Amen. 119 Am Dienstag Morgen. Mein Gott! Ich will dich loben und deine Barmherzigkeit, die an jedem Morgen neu ist; ich will eich preisen, der überschwenglich thut über alles was wir bitten und verstehen. Auch in der vergangenen Nacht hast du mich behütet und Gefahr und Unglück von mir abgewandet. Deine Augen sahen auf mich und deine Arme waren ausgebreitet, da ich ruhete. Du hast das Licht erneuert, und rufft mich wieder an mein Tagwerk. D wie groß ist der Reichthum deiner Segnungen, und wie unzählig sind die Erweisungen deiner Barmherzigkeit! Wie hast du mich alle Tage meines Lebens so gnädig geleitet! Sollte ich dir nicht banken, o mein Gott, so lange ich lebe? Höre, Vater, dein Kind, und laß dir wohlgefallen die Rede meines Munds. Nimm mich selbst bir zum Opfer hin, und weihe mich aufs neue deinem Dienste. Erleuchte und heilige mich durch die Gnade deines Geistes. Gründe mich im Glauben, und stärke mich in der Liebe. Erwecke in mir den Eifer in der Heiligung; bewahre mein Herz vor sündlichen Begierden und vor den Freuden, welche das Gewissen verdammet. Mache mich stanthaft in jeder Versuchung; stütze mich, wann ich wanke, und richte mich auf, wann ich falle. Gib mir geduldige Ergebung bei jedem Schmerze; schütze mich vor Vermessenheit und Unmuth, vor Leichtsinn und Thorheit. Schenke mir den Geist der Liebe, der Sanftmuth und Schonung; lehre mich aufsehen auf Jesum Christum, meinen Herrn, und laß durch seine große Liebe mein Herz entzündet werden. Deiner gnädigen Führung übergebe ich mich; beine Kraft stärke mich. Segne meine Arbeit und gib Gedeihen meinen Bemühungen. Gib mir mein täglich Brob und ein genügsames und frohes Herz. Erhalte Leib und Seele gesund, und bewahre mein Leben. Dir befehle ich mich, getreuer Gott; bein heiliger Wille geschehe an mir. Sey mir gnädig nach deiner unendlichen Liebe; erhöre mich um Jesu Chrifti millen! Amen. Am Dienstag Abend. Alweiser und allgütiger Vater! Alle meine Wünsche sollen deinem Willen unterthan seyn. Immerdar will ich sprechen: Herr, wenn es dir gefällt, so geschehe es also; wenn es dir zur Ehre gereicht, so laß es durch mich vollbracht werden; wenn du es heilsam findest, so laß es mich erlangen; wenn du aber fiehst, daß es das Heil meiner Seele nicht fördern würde, so tilge auch das Verlangen banach aus meiner Seele. Mache es denn immer mit mir, wie du weißest, daß es mit gut ist und wie es bir gefällt. Stelle mich, wohin du 120 Am Mittwoch Morgen und Abend. willst; ich bin zu deinem Dienste bereit; ich will nicht mir leben, sondern dir; und o möchte ich dir nur vollkommen leben! O möge deine Gnade bei mir bleiben und in mir wirken, und bis ans Enve bei mir beharren. Laß mich nur immer das suchen und wollen was dir gefällt; vein Wille sey der meine, mein Wollen und Nichtwollen sey immer nur eins mit dem deinigen. Gib, daß ich nach dir mehr als nach allem was das Herz wünschen mag, verlange, daß ich in dir ruhe und mein Gemüth sich allein in dir befriedige. Du allein bist der wahre Friede und die wahre Ruhe des Herzens. Durch Jesum Christum, unsern Herrn und Heiland haben wir Frieden mit dir und freien Zugang zu deiner Gnade. In deinem Frieden, in dir, dem einen höchsten und ewigen Gut, laß mich auch jetzt einschlafen und ruhen. Amen. Am Mittwoch Morgen. Barmherziger, gnädiger Gott, du Bater des ewigen Lichts und Trostes, dessen Güte und Treue alle Morgen neu ist! Dir danke ich, daß du mich in dieser Nacht gnädig behütet haft, und das liebliche Tageslicht wieder für mich anbrechen ließest. Laß mich in deiner Gnade und Liebe diesen Tag verleben, und erleuchte mich mit dem himmlischen Licht, welches mir in deinem Sohn Jesu Christo aufgegangen ist. Bewahre in meinem Herzen den Glauben, den du darin an gezündet hast; mehre und stärke denselben in der Liebe und Demuth, daß ich in den heiligen Fußstapfen meines Erlösers mandle, und die Ehrfurcht vor die in allem meinem Thun mich begleite. Erwecke in mir eine heilige Begierde nach deiner Gerechtigkeit, bewahre mich vor der Sünde, behüte mich vor Versuchung, und lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen. Dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Sey du mein Schuß und mein Trost in allen Widerwärtigkeiten. Dir befehle ich meine Gedanken, mein Herz und all mein Vornehmen. Segne mein Thun, und laß es zu deines Namens Ehre, und zum Wohl meines Nächsten gereichen. Leite mich in deiner Gnade und halte deine Hand über mir. Behüte meinen Ausgang und Eingang. Herr! segne und behüte mich; laß dein Angesicht über mich leuchten, und gib mir deinen Frieden hier und dort einst ewig. Amen. Am Mittwoch Abend. Lob und Preis sey dir gesagt, mein Schöpfer und Herr, mein gütigster Wohlthäter und Bater, für den Reichthum deiner Gnade, womit du mich bisher erfreuer, und in diesem mühevollen Erdenleben so oft erquicket hast. Wie wenig kann alles Irdische und Bergängliche meine Seele befriedigen, wenn ich dich nicht liebe, mein Gott, unt mich deines gnädigen Wohlgefallens nicht erfreuen darf. Alles was auf Erben ist ist hinfällig; auf dich nur kann ich mich gänzlich verlassen; du bist mein Trost, du bist mein höchstes Gut. Bei dir suche ich denn auch in dieser Abendstunde Ruhe für meine Seele, und gelobe dir aufs neue, mein ganzes Leben nach deinem Willen einzurichten. Bin ich auch heute in Gedanken, Worten und Werken von deinen Wegen abgewichen, so verzeih, allgütiger Vater! Befestige selbst in mir den Borsag, unsträflicher vor dir zu wandeln, treuer in der Nachfolge meines Heilandes zu werden, und mich ernstlicher auf die Ewigkeit vorzubereiten. Laß mich in deiner Liebe, und in der Gemeinschaft mit dir und deinem Sohn Jesu Christo mein höchstes Glück suchen, und mit zufriedenem und gelassenem Sinn alles aus deiner Hand annehmen. Reglere mich durch deinen guten Geist, daß ich auf dem Wege des Glaubens und der Gottseligkeit dem himmlischen Vaterland zueile, und einst nach dieser Prüfungszeit bei dir mit den reinen Freuden der vollendeten Gerechten ewig erquickt werde. Amen. Donnerstag Morgen und Abend. Freitag Morgen. Am Donnerstag Morgen. gnädiger und liebreicher Gott, du meine Burg und mein Schild! Ich erhebe mein Herz zu dem Throne deiner Gnade und danke dir, daß du in der vergangenen Nacht deinen Schuß über mich ausgebreitet, und Leib und Seele vor allem Unfall bewahret hast. Gelobet seyst du, o Herr, täglich, und gelobet sey dein heiliger Name ewiglich! Mein Gott! du läsfest einen Tag meines Lebens nach dem andern erscheinen, daß ich mich zur Ewigkeit bereiten, und meine Seele dir zum Eigenthum und zur Wohnung ergeben soll. O laß mich jeden, auch den heutigen Tag so anwenden, daß ich schaffe, selig zu werden mit Furcht und Zittern. 121 Laß mich, o Heiland, heute in deine Fußstapfen treten; so werde ich den Verführungen der Welt und den Tücken meines eigenen Herzens entfliehen. Herr! ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Luß mich gesegnet seyn und nimm den Segen nicht von mir. Laß mich unter meinen Berufsgeschäften mein Herz fleißig zu dir richten, und von deiner Gemeinschaft nicht losgerissen werden. Steht mir heute ein Kampf bevor, so hilf mir überwinden, regt sich ein sündlicher Gedanke im Herzen, so stärke mich, daß ich ihn durch deinen Geist unterdrücke. Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort, sey und bleibe auch heute mein Beschützer; nur bei dir kann ich recht bewahret seyn. Amen. Am Donnerstag Abend. Durch deine Gnade, o Gott, habe ich den heutigen Tag glücklich zu Ende gebracht. Große Barmherzigkeit hast du auch heute an mir bewiesen. Wie soll ich dir vergelten alle deine Wohlthat, die du an mir gethan hast? Nimm gnädig an das Dankopfer meines Herzens. Schenke mir aber auch immer mehr Luft und Kraft, alle von dir empfangenen Güter und Gaben nach deinem Wohlgefallen anzuwenden. Verzeih mir alle Sünden, Fehltritte und Versäumnisse des heutigen Tages! Du bist ja gnädig, barmherzig, geduldig, von großer Güte und Treue, und erbarmest dich über alle die deine Gnade im Glauben an Jesum Chriftum, den Verfühner aller Sünden ernstlich suchen und bewahren. Stärke mich aber auch durch deinen Geist in dem ernsten Vorsag, alles was dir mißfällt zu haffen und zu lassen, und mit Freuden zu thun was dein Wille von uns fordert. Hilf mir mit jedem Tag meiner irdischen Pilgerschaft fertiger werden in allem guten Werk, und mich auf jenes bessere Leben in der Ewigkeit vorbereiten. O Gott alles Trostes! nimm dich auch in dieser Nacht aller Kranken und Nothleidenden väterlich an; höre die Seufzer aller Sterbenden, und stehe ihnen in ihren lezten Augenblicken mächtig bei. Dir, Herr und Vater, übergebe ich mein Leben und alle meine Schicksale. Dein allmächtiger Schuß bedecke mich, daß mich ein -sanfter Schlaf erquicke, und meine Kräfte auf den kommenden Tag stärke. Erhöre mein Flehen um Jesu Christi willen. Amen. Am Freitag Morgen. Der Tag, den wir durch deine Gnade, himmlischer Vater, beginnen, erinnert uns vor allem an das große Werk der Erlösung des ganzen sündigen Menschengeschlechts, bas du durch deinen Sohn Jesum Christum ausgeführt hast. O unendliche Liebe! also liebtest du die Welt, daß du deinen eingeborenen Sohn dahin gabst, auf daß alle die an ihn glauben nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Was können wir dir vergelten, o Gott, für deine Barmherzigkeit? Wie sollen wir dich loben und dir danken? Erhaben über alle Freitag Abend. Samstag Morgen. Erkenntniß ist deine grenzenlose Liebe. Vernimm in deiner Herrlichkeit das Stammeln unsers Mundes und die schwachen Seufzer unsrer Seele, die wir dir darbringen für alle deine Erbarmungen, wodurch du uns in deinem Sohn, unfrem Heiland, zu Hülfe kamst. Du starbft für unsere Sünden, Herr Jesu, und standest auf zu unserer Rechtfertigung, und herrscheft nun in Ewigkeit zur Nechten deines Vaters und bittest für uns. Dir ist alle Gewalt gegeben, daß in deinem Namen sich alle Kniee beugen, und alle Zungen bekennen sollen, daß du der Herr sepest, zur Ehre Gottes des Vaters. Gelobet fey bein heiliger Name in Ewigkeit! 122 O mache uns würdig, himmlischer Vater, der Verheißungen deines Sohnes! Laß uns immer reichlicher zum Genuß deiner Gnade gelangen; würdige uns tieferer Blicke in das Geheimniß deiner Erbarmungen, und zerstreue alle Finsternisse unseres Herzens durch die Strahlen deines ewigen Lichtes. Stärke, kräftige, gründe uns durch die helle Erkenntniß unsers Erlösers. Hilf uns inniger an ihn glauben, ihn herzlicher lieben, hilf uns ihm leben, der für uns gestorben und auferstanden ist. Amen. Am Freitag Abend. Mit gerührtem Herzen erinnern wir uns auch am Abend dieses Tages an deine Liebe, womit du, Herr Jesu, unser göttlicher Erlöser, uns bis zum Tod am Kreuz geliebet hast. An viesem Tag hast du uns sterblichen Sündern durch beinen Verfühnungstod Troft, Licht und Hoffnung im Leben, Leiden und Sterben errungen. Gesegnet sey uns das Andenken an dein göttliches Mittlerverdienst, an dein Leiden und Sterben. Du hast es um uns verdient, daß wir dich als unsern Heiland und Herrn, als unsern Retter und Verfühner, als den Urheber bes Friedens und der ewigen Seligkeit, mit dankbarem Herzen verehren. Ja dich wollen wir von ganzer Seele lieben, auf dich unser Vertrauen seßen, denn du bist uns alles in allem; deiner Leitung wollen wir uns hingeben, denn du bist der treueste Führer, bie kräftigste Stüße. Gib uns selbst eine recht innige Liebe zu dir ins Herz, und hilf uns deinen Geboten, die nur auf unsere Zufriedenheit und Seligkeit abzwecken, willig gehorchen. Gib, daß unser Wandel dein Evangelium in allen Stüden ziere; lehre uns auf dein Vorbild unser Auge unverrückt heften, und in dem Bestreben, bir mit jedem Tage ähnlicher zu werden, nicht ermüden. Dein guter Geist befestige in uns alle guten Vorfäße und Gesinnungen! O du, der du im Himmel lebst, du, den Engel und Menschen anbeten, blicke vom Throne deiner Herrlichkeit herab auf uns, laß uns deine segenvolle Nähe empfinden; laß uns fühlen, wie selig wir sind, wenn wir mit dir in Gemeinschaft stehen. Verleihe uns, Vater Jesu Chrifti, und durch ihn auch unser Vater, in dieser Nacht deinen gnädigen Schuß, Amen. Am Samstag Morgen. Løbe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er bir gutes gethan hat! Dewiger Gott, wie unerforschlich ist deine Weisheit, wie groß deine Güte und Gnade, wie überschwenglich deine Barmherzigkeit und Langmuth, wie unbegreiflich deine Allmacht und Liebe! Herr, ich bin zu gering aller Wohlthat, die du an mir gethan haft! Sey gelobet mein Gott und Vater, daß du mich ans Licht gerufen, mich zu deinem Ebenbilde gemacht, unb mir eine vernünftige Seele gegeben hast; sey gepriesen, daß du dich auch meiner erbarmt, mir teinen BU Am Samstag Abend. 123 Sohn geschenkt, und ihn auch für mich zu einem Fürsprecher und Erlöser, Heiland und Mittler gemacht hast. Auch ich bin verfühnt und erlöst durch das Leiden und Sterben deines Sohnes, auch ich bin ein Erbe aller himmlischen Güter, und dein heiliger Geist versiegelt mich auf den Tag der Erlösung. Sey gelobet in Ewigkeit, daß du mich armen verderbten Menschen aus meinem Elende gerissen, durch das Wort des Evangeliums berufen, meine finstere Seele erleuchtet, mein krankes Herz geheilt, und mich zu einem neuen Menschen, zu einem Erben des ewigen Lebens gemacht hast. Mein Gott! Wie hast du mich von meiner Kindheit an bis auf diesen Tag mächtig erhalten, väterlich versorgt, wunderbar geführt! Aus so mancher Noth hast du mich errettet, vor manchem Unglück behütet, in manchem Kummer getröstet. Wenn ich irrete, hast du mir zurecht geholfen, wenn ich sündigte, hattest du Geduld mit mir, mein Gebet hast du erhört und meine Arbeit gesegnet. Habe Dank für alle Gaben deiner Güte, für Freunde und Celiebte, die du mir gegeben, für den Stand, den du mir angewiesen, für jedes Gute, das du durch mich geschehen ließeft; habe Dank auch für die Ruhe der vergangenen Nacht, und für den Tag den du mir wieder schenkest. Wie viele Menschen, wie viele Arme und Elende, Verlassene und Tiefbetrübte sind auf dieser Erde, denen du mich vorgezogen hast! Womit habe ich deine Liebe verdient? O laß dein Angesicht leuchten über mich und über alle die dich anrufen, segne sie und mich nach deiner Güte. Laß mich allezeit erkennen, wie du zu rühmen und zu loben bist, und meine Seele nicht müde werden dich zu preisen und dir zu danken. Dir, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, sey Ehre und Anbetung in alle Ewigkeit! Amen. Am Samstag Abend. Abermals, unendlicher, ewiger Gott, Vater der Menschen, ist eine ganze Woche meines Lebens dahingeschwunden, und du haft auch in diesem Zeitraum deine große Verheißung an mir erfüllt:, ich will dich nicht verlassen noch versäumen." Was ich bedurfte, ja noch mehr als mir Noth that, floß mir von dir, dem Geber aller guten und vollkommenen Gaben, zu. Du stärktest meine Kraft, du wandtest Gefahren, auch solche die ich nicht ahnen und sehen konnte, von mir ab; du schenktest mir manche frohe und heitere Stunden. Gott, du bist treu; dein Wort ist wahrhaftig, und was bu zusagst, hältst du gewiß. Aber war ich auch dir, mein Gott, treu im Lauf meines bisherigen Lebens, treu an dem verflossenen Tage und in der zurückgelegten Woche? War es mein aufrichtiges Bestreben, dir wohlzugefallen, und deinen Willen immer vollkommener zu erfüllen? Habe ich meine unordentlichen Lüfte und Begterben, meine Eigenliebe, meinen Stolz, meine feindseligen Triebe, meinen Hang zum trdischen ernstlich bekämpft? Habe ich mich bemüht, von meinen bösen Neigungen und Gewohnheiten frei zu werden? Habe ich den Beistand deines Geistes durch eifriges Gebet gesucht und seine Gnade nicht vergebens empfangen? Habe ich die Kräfte und Gaben die du mir geschenkt hast, treu und gewissenhaft angewen det? Habe ich die Freuden des Lebens weise und mäßig genossen, Unglück und Leiden gelassen ertragen? Allwissender, wenn mich mein Gewissen verdammt, so bist du noch größer als mein Herz, und siehest noch mehr böses und fehlerhaftes an mir als ich selbst. Laß deine Gnade in Jesu Christo, barmherziger Vater, mächtig über mir walten, und vergib mir die zahllosen Sünden und Uebertretungen meines bisherigen Lebens, auch die Sünden und Fehler ber nun geendigten Woche. Regiere und erleuchte die Augen meines Verstandes durch deinen heiligen Geist, daß ich im Lichte mandle, deine Gebote mit allem Ernst halte, und nichts denke, tede und thue, als was dir wohlgefällig ist. Schon bin ich wieder mit dem 124 Gebete für alle Tage. legten Abend dieser Woche um einen beträchtlichen Schritt der Ewigkeit näher gekommen. Lehre mich, o Gott, die Kürze und Flüchtigkeit meiner irdischen Tage mit allem Ernste bedenken, und laß mich das große Ziel meiner himmlischen Berufung in Christo Jesu nie aus den Augen verlieren. Verleih, daß ich jeden Tag in dir und mit dir anfange, in dir und mit dir vollende, damit ich einst an jenem großen Morgen mit Heiterkeit erwache, und ohne Grauen, mit glaubiger Hoffnung hinaufschwebe zu dir, dem Geber eines ewigen seligen Lebens. Amen. Gebet für alle Tage. Allmächtiger, gütiger Gott, du Geber alles Guten! Siehe, ich komme vor dein Angesicht auf dein Gebot und deine Zusage, und flehe dich an um alles Gute, was du allein verleihen kannst. Mir geschehe nach deiner Gnade, und was ich bedarf, werde mir nach deinem weisen Rathe zu Theil; schicke alles wie du willst, und wie es mir heilsam ist; sey jetzt und allezeit mein Helfer und mein Schuß, mein Licht auf allen meinen Wegen. Regiere und leite mich; erfreue, tröste und stärke mich. Unterweise mich durch dein Wort; laß deinen heiligen Geist in mir wohnen; belebe meinen Glauben und mache ihn reich an Werken der Gevechtigkeit. Laß mich meine Sünden erkennen und meine Fehltritte bereuen; warne mich durch dein Geseß, und tröste mich durch deine verzeihende Gnade in Jesu Christo; mache mich fröhlich in Hoffnung, millig zur Demuth, kindlich im Gehorsamı, und hilf mir ernstlich suchen was droben ist. Laß die Liebe in mir wachsen und mache mich gerecht und sanftmüthig gegen meinen Nächsten; neige mein Herz zur Erbarmung gegen jeden Betrübten und Nothleidenden; mache mich in der Nachfolge meines Heilandes willig, und bereit, auch die zu segnen die mich hassen, und für die zu bitten die mich beleidigen, damit meine Liebe aufrichtig sey und ich mit jedermann Frieden haben möge. Und weil die Welt voll Versuchung ist, so regiere mich, daß ich die Bösen meide, zu den Frommen mich halte, den Guten nachahme, und einen erbaulichen Wandel führe, und also immer als ein wahrer Christ und als dein gehorsames Kind erfunden werde. Beschere mir auch, lieber Vater, von zeitlichem Segen so viel als bein guter and gnädiger Wille ist. Gib mir Gesundheit und mein tägliches Brod. Gib mir so viel Ehre vor den Menschen, als mir dienet, so viel Ansehen, als ich ertragen kann, und so viel Gewalt, als ich zu brauchen weiß. Fördere meine Unternehmungen, und gib mir Berstand und Geschicklichkeit zu allem was mein Beruf fordert. Läsfest du Trübsal und Kreuz über mich kommen, so gib mir Geduld und Vertrauen, mache mich ruhig und stark in aller Anfechtung, und vertreib allen unnüßen Kummer aus meinem Herzen. Zuleßt, wann du mich willst sterben lassen, so gib mir einen guten Muth in der Hoffnung des ewigen Lebens, lege mir keinen zu schweren Kampf auf, und beschere mir ein seliges Ende. Amen. Noch ein Gebet auf alle Tage. Deine Herrlichkeit, o Gott, offenbare uns, und deine Freundlichkeit laß uns schmecken! Das Berlangen unserer Herzen sep beständig zu dir gerichtet. Sep du zu aller Zeir unser höchstes Gut, in welchem unser unsterblicher Geist Ruhe findet. Ermuntere du selbst unsere träge Seele, am ersten zu trachten nach deinem Reiche und nach der dir wohlgefälligen Gerechtigkeit. Wecke uns auf, das Heil unserer Seele mit Ernst wahrzunehmen, und stärke uns durch deine göttliche Kraft, daß wir das eine nothwendige nicht versäumen. Ziehe uns zu Gebet vor der Beicht. 125 bir, daß wir den Weg deiner Gebote halten. Gib uns den Geist des Gebets, um mit Freudigkeit zu deinem Gnadenstühl zu treten, und Barmherzigkeit und Gnade zu finden, wenn uns Hülfe noth ist. Gib durch deinen Geist Zeugniß unsern Herzen, daß wir deine geliebten Kinder seyen, damit wir bei dem Gefühl unseres Elendes nicht zaghaft werben. Giefe deine Gnadenströme reichlich über uns uns, und laß uns durch den Genuß deiner Liebe kräftig angetrieben werden. dich kindlich zu lieben und dir herzlich zu vertrauen. Lieber Vater! hast du uns deinen Sohn geschenket, so wirst du uns mit ihm alles schenken.. Dein Wort ist wahrhaftig, und was du zusagst, das ist gewiß. Deine Hand ist nie zu kurz, uns zu helfen, und deine Liebesquelle vertrocknet nie, uns zu fegnen. Du weißest Mittel und Wege, uns aus jeder Noth zu retten, du kennest uns und weißest, was uns noth thut und heilsam ist. Herr, es soll unsere Freude seyn, daß wir uns zu dir beständig halten und unser Vertrauen auf dich sezen. Ehe wir rufen, willst du antworten, und wenn wir noch reden, willst du hören. Wir bitten, du gibest uns; wir klopfen an, du thuest uns auf. O daß unser Herz voll deines Lobes wäre, und unser ganzer Wandel davon zeugen möchte! Verschmähe unser armes Lob nicht, das wir dir in unserer Schwachheit bringen. Du wirst uns endlich dahin aushelfen, wo wir ohne Sünde dich ewig preisen können. Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Lob und Preis und Ehre! Amen. Gebet vor der Beicht. Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz, prüfe und erfahre, wie ichs meine. Siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und lette mich auf ewigem Wege. Vor dir, o Allwissender, liegen alle meine Gedanken, alle Regungen meines Herzens, alle meine Worte und Werke bloß und entdeckt. Dein Auge schauet in das Innerste meiner Seele. O mein Gott, gib mir das Verderben meiner Seele recht lebhaft zu erkennen, damit ich dich als meinen Arzt fuche, der allein die Wunden des Gewissens zu heilen vermag. Groß und zahllos sind die Wohlthaten, die ich von dir empfangen habe und noch täglich empfange. Aber ach, so oft bin ich gegen die rührenden Beweise deiner Huld und Gnade gleichgültig geblieben, so oft habe ich die Gefühle des Dankes gegen dich in meinem Innern erstickt, so oft bin ich dir, meinem größten Wohlthäter, durch Ungehorsam gegen deine heiligen Gebote, durch sündliche Gedanken, Worte und Werke mißfällig geworden. Ich bin erlöst und mit dem Blut deines Sohnes erkauft. Aber ach, ich habe es bisher nicht ernstlich bedacht, daß Jesus Christus mich bis zum Tode geliebt und sich selbst für mich dargegeben hat. Ich habe die Größe seiner Liebe und den hohen Zweck seines heiligen Leidens und Sterbens nicht tief genug beherzigt. Ich habe mich meinem Heiland nicht zu seinem Eigenthum hingegeben, nicht ihm, der für mich am Kreuze gestorben ist, sondern mir selbst, meinen Vüsten und Begierden gelebt; ich habe nicht ihn, der für mich geduldet und geblutet hat, sondern die Welt und das was in der Welt ist geliebt. Dein Geist, o Gott, hat mir bisher auf dem schlüpfrigen Wege so oft die Hand geboten, um mich zum Himmel zu leiten. So oft hat er mein Herz ergriffen, so manche gute Rührung in meinem Innern erweckt, mich so oft auf mein ewiges Heil aufmerksam zu machen gesucht. Aber ach, ich habe die Hand dieses göttlichen Fuhrers zurückgestoßen, ich habe das Werk seiner göttlichen Gnave in mir vereitelt, ich habe die guten Eindrücke die er in mir weckte, turch Leichtsinn und Eitelkeit geschwächt und erstickt, ich habe seine Warnungen und Drohungen, seine Verheißungen und Ermunterungen verachtet. Ich habe muthwillig widerstrebt dem guten Geiste, ber mich Gott und meinem Erlöser heiligen und auf die Ewigkeit vorbereiten wollte! Gebet vor und nach der Beicht. Vor dem Abendmahl. Ich habe das große Gebot meines Heilandes: liebe deinen Nächsten wie dich selbst, oft und viel durch Gesinnungen, Reben und Thaten übertreten. Ich habe die unseligen Triebe des Stolzes, der Selbstsucht, des Neides, des Zornes und der Rachsucht in mir genährt. Ich war so oft nur auf das meine, nicht auf das was des andern ist bedacht. Ich war sogar gegen die Noth und das Elend meiner Mitmenschen oft gleichgültig und unempfindlich. Ich habe durch Aergernisse und durch böses Beispiel, durch leichtsinnige, sündliche Worte und Handlungen Unsegen und Unheil gestiftet, und mich an dem Gewissen und Herzen meiner Brüder und Schwestern verfündigt. Ich bin für die Ewigkeit geschaffen. Aber ach, ich habe das wichtige Gebot meines Heilandes: trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, außer Augen gesegt. Ich habe unter irdischen Geschäften, Genüssen Sorgen und Zerstreuungen die Sorge für das Ewige hintangesept. Allwissender! ich will bir meine Sünden bekennen, und meine Verschuldungen nicht verhehlen. Ja, Vater, ich habe gesündiget vor dir, und bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße. Erwecke selbst in mir Gefühle der tiefsten Reue und des innigsten Abscheus gegen alles Böse. Laß mich Gnade und Vergebung finden an dem Altar der Beichte, an welchem ich mein verwundetes Gewissen durch den Hinblick auf das Kreuz meines Erlösers heilen will. Komm mir selbst, Herr Jesu, mit deinem holden Worte entgegen: sey getrost! deine Sünden sind dir vergeben. Laß dir, o Gott, die aufrichtigen Gelübde neuer Treue und neuen Gehorsams, welche ich dir darbringe, wohlgefallen, und gib mir Kraft, sie zu erfüllen. Schaffe in mir ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist. Tröste, erquicke und stärke mich durch deine Hülfe, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Erhöre das Flehen der Demuth und des Glaubens um Jesu Christi willen. Amen. 126 Gebet nach der Beicht. Dankend erhebt sich mein Herz zu dir, dem Gott des Trostes, dem Vater der Barmherzigkeit. Du hast deinen Sohn in die Welt gesandt, die Sünder selig zu machen. Du hast mich, dein reumüthiges Kind, aufs neue beiner alles verzeihenden Liebe und Gnade versichert, und den Trost deines Evangeliums von dem gekreuzigten Heiland aller sterblichen Sünder meinem Herzen nahe gebracht. Ich dagegen habe mich dir und meinem Erlöser Jesu Christo aufs neue zum Gehorsam verpflichtet. Befestige in mir diese heilige Entschließung, nach deinem Wohlgefallen zu wandeln. Meine Schwäche und Gebrechlichkeit kennest du, Allwissender. Kräftige mich mit himmlischer Stärke zum Rampf gegen alle Versuchungen meines Herzens und der Welt, und mache mich immer aufmerksamer auf die Zucht deines Geistes. Bewahre mich doch davor, daß meine äußere Andacht nicht Heuchelei sey, und daß ich dir nicht mit falschem Herzen diene. Laß mich wachen und beten. Segne mir besonders das heilige Mahl das ich feiern will, zum Wachsthum in der Gnade und Erkenntniß deines Sohnes, meines Erlösers; segne es mir zur Förderung des Fleißes in der Gottfeligkeit, welche die Verheißung hat nicht nur für dieses, sondern auch für das ewige Leben. Amen. Gebet vor der Abendmahlsfeier. Gesegnet sev mir die heilige Stunde, in welcher ich das Gerächtniß des Leidens und Sterbens meines Erlösers begehen, und die feierlichfte and rührendste Verficherung von deiner Liebe, himmlischer Vater, empfangen soll! Verkläre durch deinen Geist in meiner Seele die Größe dieser Liebe, die den Eingeborenen für uns alle dahingegeben hat. Unter d. Genusse d. Abendmahls. Nach dem Abendmahl. 127 Mein Herr und Heiland Jesus Christus! wie liebreich ist dein Herz, wie holdselig ist deine Einladung, und wie heilsam sind deine Wunden! Du bist das wahre Himmelsbrod, das meine Seele zu speisen vermag. Darum bitte ich dich, du wolleft auch jetzt meine Seele bei deinem heiligen Mahle erquicken. Sey du, o Heiland, meine Gerechtigkeit, wenn meine Sünde mich anklagt, sey mein Fürsprecher, wenn Gottes Gesetz und mein Gewissen wider mich zeuget; sey mein Hohepriester und bitte für mich, wenn ich schwach in der Andacht bin; sey du mir Licht und Leben, wenn ich Tod und Finsterniß in mir fühle; sey du mir Schuß und Sieg, wenn Drangsal über mich kommt. O mein getreuer Herr und Hirte! laß meine Seele bei deinem Tische deine ganze Liebe und Freundlichkeit empfinden, womit du mich bis zum Tod am Kreuz geliebet hast; laß fie schmecken deinen göttlichen Trost, die Kräfte der zukünftigen Welt, die Freude des ewigen Lebens. Ja laß meine Seele immerdar durch dich erquickt und getröstet werden, auch in der letzten Stunde, damit sie mit guter Zuversicht bei meinem Abschied von dieser Welt sich dir befehle und mit Fried und Freur eingehe in die ewige Herrlichkeit. Amen. Seufzer unter dem Genusse des heiligen Abendmahls. Herr Jesu! der Genuß deines heiligen Leibes stärke und bewahre mich im rechten Glauben zum ewigen Leben. Herr Jesu! der Genuß deines heiligen Blutes stärke und bewahre mich im rechten Glauben zum ewigen Leben. Jesus Christus, mein Herr und mein Gott! gib mir von deinem Todesschmerz den tiefsten Eindruck in mein Herz! Rufe meiner Seele auf das kräftigste die Worte zu:„ auch für dich ist mein Leib gegeben!"-, auch für dich ist mein Blut vergessen!" Mein Herr und Helland! du bist mein und ich bin dein. Laß mich der Welt und Sünde abfterben, und dir ewig angehören; wie du littest, laß auch mich leiden; wie du starbeft, auch mich sterben. Führe mich einft durch die Nacht des Todes hinüber zu deinem emigen Lichte! Gebet nach der Abendmahlsfeier. Sey gepriesen, barmherziger Vater, daß du deinen Sohn Jesum Chriftvm auch für mich sterben ließest; und mir bei der Feier seines Todes die feierliche Versicherung von deiner Gnade, und von der Vergebung aller meiner Sünden gegeben haft. Lob und Dank sey dir, göttlicher Erlöser, für das theuerste Pfand beiner Liebe, das ich bei dem Genusse deines heiligen Mahles empfangen habe. Treuer Heiland, der du dein Leben am Kreuze für mich dahingabst, verherrliche deine Kraft in meiner Schwachheit, und nimm von mir alle Unruhe des Herzens! Zeige mir die Wunder deiner Gnade, und gib mir eine göttliche Gesinnung. Nimm hin meine Seele, die du mit deinem Blut erkauft hait. Feßle mich an dein Kreuz, und laß mich an demselben der Sünde absterben. Mache mich heilig und unbefleckt, und weihe mich ganz zu deinem Eigenthum. Gieß deine Liebe aus in mein Herz durch deinen heiligen Geist, damit ich dich aus allen Kräften liebe und in dir lebe. Deine Gnabe begleite mich durchs ganze Leben. Wohl 128 Gebet eines chriftl. Vaters( Mutter). Einer Wöchnerin. mir, treuer Hirte, wenn ich einst da seyn werde, wo du deine Erlösten auf Himmelsauen weiden und zu lebendigen Wasserquellen führen wirst; wohl mir, wenn ich dort in der Schaar der vollendeten Gerechten ein höheres Mahl des Danks und der Freude bei dir in den Wohnungen des Vaters feiern, und in ewiger Unschuld und Seligkeit vor deinem Himmelsthrone wandeln werde. Amen. Gebet eines christlichen Baters( einer christlichen Mutter). Gott, Schöpfer und Vater aller Menschen! Deine allmächtige Güte hat auch die vernünftigen Geschöpfe, die durch die engsten Bande des Blutes mit mir verbunden sind, zum Leben gerufen. Deine Liebe hat sie mir geschenkt, und meinem Herzen den stärksten Trieb der Liebe gegen sie eingepflanzt. Du haft ihr geistiges und leibliches, ihr zeitliches und ewiges Wohl meiner Sorge anvertraut. Du machst mich zu deinem Werkzeug, diese Kinder, die nach deinem Ebenbilde geschaffen, und dir und deinem Sohne Jesu Christo durch die heilige Taufe geweihet sind, zu deinem Preise für die Erde und für den Himmel zu erziehen. Du selbst bist der allein weise Vater und Erzieher deiner Menschen. Was vermag ich schwacher und kurzsichtiger Mensch ohne deine Kraft und Weisheit? Ich kann nur pflanzen und begießen; du, du allein mußt das Gedeihen geben. Ach so gib mir neue Treue, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit in Erfüllung meines elterlichen Berufs, und segne meine redliche Bemühung, meine Kinder zu deinem Wohlgefallen zu bilden. Gib mir den Geist der Weisheit und Einsicht, um zu wählen was gut und heilsam ist. Lehre mich in Geduld eine Saat in die Herzen meiner Kinder ausstreuen, die für ein ewiges Leben reift. Mache gut durch deine alles vermögende Gnade alle Fehler und Versäumnisse bei dem großen und wichtigen Geschäfte der Erziehung. Bewahre mich davor, daß ich denen, für deren Seele ich machen soll, durch Leichtsinn und Unvorsichtigkeit ein Aergerniß gebe. Nimm sie in deine treue Obhut und Leitung. Wache über ihre durch das theure Blut deines Sohnes erkauften Seelen; schüße sie vor Verführung der Welt und ihres eigenen Herzens. Wende alles von ihnen ab was ihrem Leben und ihrer Gesundheit Gefahr bringen möchte. Laß sie Gnade vor dir und den Menschen finden. Bilde sie zu nüßlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft, und zu künftigen Bürgern des Himmels. Heilige sie durch deinen Geist und mache sie dir zum Eigenthum. Leite mit deiner treuen Vaterhand ihren ganzen Lebensgang und alle ihre Schicksale, und laß ihnen alle Freude und Traurigkeit, die ihnen im Leben widerfähret, zu ihrem wahren Besten dienen. Bereite durch deine erziehende Gnade mich und meine Kinder so für die Ewigkeit, daß ich einst mit Freudigkeit vor deinem himmlischen Thron anbeten und ausrufen möge: siehe, Herr, hie bin ich und die du mir gegeben hast! Amen. Gebet einer Wöchnerin bei der Taufe ihres Kindes. Aumächtiger Gott und Vater, allgütiger Schöpfer alles Menschenlebens! Zu deiner Verherrlichung muß ich es am heutigen Tage bekennen, daß ich nicht werth bin aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan haft. Durch deine Gnade bin ich Mutter worden; mir ist ein Kind geboren, in welches du die Anlagen, Fähigkeiten und Kräfte eines vernünftigen Geschöpfes gelegt haft. Ich freue mich in dir, dem lebendigen Gott. Nicht bloß für diese Erde, welche mit allem was sie hat, vergehet, nicht bloß für ein kurzes und flüchtiges Daseyn auf der Erde ist dieses Kind geboren; es foll Himmelsbürger, es soll für dein Gebet einer Wöchuerin bei der Taufe. Am Geburtstag. 129 unvergängliches Reich gebildet werden. Darum flehe ich zu dir am heutigen Tage mit Inbrunst meiner Seele: laß diesem meinem neugebornen Kinde den vollen Segen der Taufgnade zu Theil werden; laß es heranwachsen zu deinem Preise, erstarken im Geiste und zunehmen an Weisheit, Alter und Gnade bei dir und bei den Menschen. Ja, gütigster Gott, der du auch mich einst durch die Toufe in die Gemeinde Jesu Christi aufgenommen, und mir den erfreulichen Antheil an den Rechten und Hoffnungen deiner Kinder geschenkt haft, dir übergebe ich mein Kind mit Leib und Seele; in deine Vaterarme lege ich dieses dein Kind, das du erschaffen, das du durch deinen Sohn Jesum Christum erlöset haft, und welches du in deinem himmlischen Reiche emig selig machen willst. Wache mit deinem Vaterauge über diesem Kind, schüße es vor allen Gefahren des Leibes und der Seele. Grhalte es treu an dem Bund der Taufe; und wenn es von deinen Wegen abweicht, so verstoße es richt, sondern führe es zurück auf den Weg der Wahrheit. Dein Geist heilige es durch und durch, und behalte seinen Geist samt Seele und Leib unsträflich bis auf den Tag unsers Herrn Jesu Christi; dein laß es seyn und bleiben; seinem Erlöser laß es leben, wenn es seyn soll, in dieser Welt leiden, und einst selig sterben. Amen! Gebet am Geburtstag. Gott! Schöpfer und Erhalter meines Lebens! Groß ist deine Barmherzigkeit und Treue, die mich heute abermal den Tag erleben lässet, an welchem ich das Licht dieser Welt zuerst erblickt habe. Bis hieher hast du mir geholfen, und mich vom ersten Augenblick meines Daseyns an mit unzähligen und unaussprechlich großen Wohlthaten gesegnet. Meine unsterbliche Seele mit allen ihren Anlagen und Fähigkeiten, mein Leib mit seinen Gliedern, Sinnenwerkzeugen und Kräften, meine Geburt unter Christen und von christlichen Eltern, die für meine geistige und leibliche Wohlfahrt sorgten, die herrliche Nahrung meines Geistes aus dem seligmachenden Evangelium Jesu Christi, die Rettung aus allen bekannten und unbekannten Gefahren meines Lebens und meiner Gesundheit, die Nothdürftigkeiten und Bequemlichkeiten des Lebens, Kleider, Wohnung, Speise und Trank das alles und noch viel mehr ist Geschenk deiner unverdienten Güte. Wie kann ich all das Gute aufzählen, womit du mich in meinen bisherigen Jahren so väterlich gesegnet hast, und dir würdig genug dafür danken? Ich will dich preisen, so lang ich lebe; und einst in der Schaar der Seligen werde ich das Lob vollkommen aussprechen, das ich hienieden nur mit stammelnder Zunge darbringen kann. - Mit dem heutigen Tage fängt ein neuer Abschnitt meines Lebens an. Ach Herr, versenke alle Verschuldungen meiner bisherigen Jahre und Tage in das Meer der Vergangenheit! Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner zahllosen Uebertretungen; gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit um Jesu Christi willen. Ich will dir, mein Gott, heute geloben, mein Leben von nun an nach deinen Geboten einzurichten. Mein einziges Bestreben soll es seyn, so zu denken, zu reden und zu handeln, wie es dir wohlgefällig ist, und die Lehre meines Heilandes in allen Stücken zu zieren. Allwissender Gott, du hörst mein Versprechen, du kennest aber auch meine Schwachheit und Gebrechlichkeit. Herr, ohne dich kann ich nichts Gutes vollbringen. Darum stärke mich durch deinen Geist, meine guten Borsäße auszuführen. Verborgen ist es mir, welche Schicksale in dem nächsten Jahre meines Lebens und in der ganzen Zukunft meiner warten. Du allein weißest es, der du alles was mir begegnet, von Ewigkeit her über mich beschlossen haft. Unter deiner gnädigen Aufsicht und Leitung müssen alle Dinge zu meinem besten dienen. Du wirst es gewiß wohl mit mir machen. Vater, vein Wille geschehe. Amen. Evangelisches Gesangbuch.( Anhang.) 9 130 Für den Regenten, Obrigkeit u. Vaterland. Bei einem Gewitter. Gebet für den Regenten, die Obrigkeit und das Vaterland. Großer Gott und Herrscher über alles! Wir danken dir, daß du deine Obrigkeit verordnet haft, und durch dieselbe uns Schuz, Sicherheit des Lebens, Leibes unt Eigenthums, und viele andere Wohlthaten verleiheft. Es ist dein Wille, daß wir Bitte, Gebet und Danksagung für alle Obrigkeiten vor deinen Thron bringen, damit mir ein geruhliches und stilles Leben führen mögen. Darum flehen wir um deinen Segen für unsern Landesregenten. Erfülle ihn mit deinem Geiste, daß er erkenne was uns gut ist, und vollbringe was uns heilsam ist. Verleihe ihm christliche Weisheit, daß er das Reich deines Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, erweitere und befestige. Rüste ihn aus mit Kraft und Stärke, daß er alle Hindernisse des Guten und der Wohlfahrt des Landes glücklich besiege. Laß es ihm nie an weisen und redlichen Rathgebern fehlen, welche das Vaterland, Recht und Gerechtigkeit, Religion und Tugend lieben und schüßen. Mache ihn zum Vater der Wittwen und Waisen, zur Zuflucht der Gedrückten, zum Retter der Unschuldigen, zum Beschüßer aller Guten, und zum Schrecken aller Bösen. Erhalte und bewahre sein theures Leben, schüße seine geheiligte Person vor jedem Unfall. Verherrliche an ihm und an seinem Hause deine Gnade. Erfreue ihn durch jeden eblen und erheiternden Lebensgenuß, und schenke ihm vor allem die Liebe seiner Unterthanen. Sey mit unfrem Vaterlande, Herr unser Gott, wie du bisher mit demselben gewesen bist. Bewahre es gnädig vor Krieg, Theurung, Mißwachs, schädlicher Witterung, vor ansteckenden Krankheiten, vor Feuer- und Wassersnoth, so wie vor Dürre und Wassermangel; verleihe fruchtbare Jahreszeiten, laß Wissenschaft und Künste, Handlung und Ackerbau, unv jeres nüßliche Gewerbe in demselben gedeihen; gib Friede und Ruhe, Glück und Heil in jedem Stande. Laß in unsrem Lande Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; segne uns, Gott, unser Gott, und alle Welt fürchte dich! Amen. Gebet bei einem Gewitter. Allmächtiger Gott, Schöpfer und Herr des Himmels und der Erde! Groß und herrlich bist du in allen deinen Werken. Groß und herrlich, wenn deine Sonne uns leuchtet; groß und herrlich, wenn schwarze Wolken deinen Himmel trüben. Du neigest den Himmel und fähreft herab auf dunkeln Mterwolken. Du donnerst und schleuderst deine Blize, daß sie wie Feuerflammen auf uns herabfahren. Hagel, Blige und Sturmwinde sind deine Boten die deine Befehle ausrichten. Herr, wer kann deiner Macht widerstehen? In einem Augenblick vermagst du uns und alles was wir besitzen, in Staub und Asche zu verwandeln. Vor dir muß sich der schwache Sterbliche im Gefühl seiner gänzlichen Unmacht beugen, vor dir der versteckte Sünder unter den Schrecken seines Gewissens zittern. Aber du bist der Allgütige, Gnädige und Barmherzige. Deine Donner and Blize erschüttern, aber sie befruchten auch den Erdboden; deine Sturmwinde schrecken uns, aber reinigen und erfrischen die schwüle Luft, und geben uns eine erquickende Kühle. Wer unter deinem Schirme sizet, du Höchster, und in dem Schatten deiner Allmacht ruhet, der spricht zu dir: Herr, meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe! Auch im grauenvollen Dunkel bist bu bei uns. So breite denn auch in diesen Augenblicken die Flügel deiner Allmacht über uns aus, seh unser Schirm und Schild und wende alle drohende Gefahr von uns ab. Bewahre unser Leben, beschüße unser Eigenthum, und behüte gnädig die Früchte und Gewächse des Landes. Gib, daß der Anblick Gebet in Kriegsnoth. Auf der Reiſe. 131 beiner furchtbaren Größe, du majestätischer, heiliger Gott, bleibende heilsame Eindrücke bei allen zurücklasse, die sich jetzt im Staub vor vir beugen müssen. Herr Gott, du bist unsere Zuflucht für und für. Wir werfen uns in deine Vaterarme; auf dich stehet unsre Hoffnung. Erbarme dich unser! Amen. Gebet in Kriegsnoth. Gott! du bist auch dann noch ein Vater deiner Kinder, wenn du schwere Trübsale über sie verhängst, hellig und gerecht in allen deinen Wegen, gnädig und barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue, ein Trost der Traurigen, und eine Hülfe der Schwachen, unsere Zuversicht und Stärke, ein Herr, Herr, der auch vom Tod errettet. Zu dir flehen wir, so wie alle unsere Mitmenschen, über welche du nach deinem unerforschlichen Rath den Jammer des Kriegs verbreitet hast. Dich beten wir in unserer Noth als einen Vater an, der seine Kinder mit Maßen züchtiget, dessen Treue groß ist am Tage der Leiben wie an den Tagen der Freude, in den Stürmen des Krieges wie im Sonnenschein des Friedens, dessen Weisheit alles zum besten lenket, und auch aus der Traus rigkeit Freude, aus dem Berlust Gewinn, aus dem Tod Leben zu schaffen vermag. Wir demüthigen uns unter deine gewaltige, aber weise und liebevolle Hand. Wir unterwerfen uns deiner väterlichen Züchtigung. Ach erbarme bich unser nach deiner großen Güte! Siehe in Gnaden herab auf dieses bein Land, dem du bisher so gnädig gewesen bist. Erleichtere und mildere nach deiner großen Barmherzigkeit die schweren Drangsale des Krieges. Laß die Seufzer der Gebrückten und leidenden, der Armen und Elenden Erhörung bei dir finden. Schenke denen die für unser Vaterland kämpfen Muth in threm Beruf, Schutz in Gefahren, Sieg im Streite, und vor allem Vertrauen auf dich und deine Hülfe. Steure dem Geist der 3mietracht unter den Völkern, und laß bald wieder Frieden, Ruhe, Sicherheit und Ordnung zurückkehren. Nimm uns, unsern Ort und unser ganzes Land in deinen mächtigen Schuß. Erhalte unser Herz nur bei dem einen, daß wir deinen Namen fürchten. dir kindlich vertrauen, dich in unserer Noth suchen, und durch deine Züchtigung uns zu ernster Buße erwecken lassen. Dein Rath ist wunderbar, aber du führeft alles herrlich. Stärke unsern Glauben; Herr; unsere Seele harret auf dich, du bist unsere Hülfe und Schild. Amen. Gebet auf der Reise. Allgegenwärtiger Gott, du bist allen betnen Geschöpfen nahe; du umgibst auch mich an allen Orten; ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehest alle meine Wege. Herr, du bist meine Zuversicht und meine Zuslucht. Schüße mich vor allen Unfällen, die mich auf meiner Reise treffen könnten. Laß mich überall vor dir wandeln und fromm seyn. Bewahre mich vor allen sündlichen 3erstreuungen und Genüssen, daß ich ein gutes und unverlettes Gewissen bewahren möge. Regiere mein Herz und Leben, daß ich nicht muthwillig wider dich sündige. Laß mich jede frohe Stunde, die du mir schenkeft, im Aufsehen auf dich, den Geber aller guten Gaben, und in dankbaren Empfindungen deiner Liebe verleben. Leite alle meine Schritte und Tritte; segne all mein Thun und Lassen. Erinnere mich auf dieser Reise recht oft und lebhaft daran, daß mein ganzer irbischer Lauf eine Wallfahrt und Pilgerschaft sey, auf welcher mich jeder Tag dem Ziel der Ewigkeit näher bringe. Leite mich auf allen meinen Pfaden nach deinem Rath, und führe mich, wenn meine ganze irdische Pilgerreise sich endet, in das himmlische Vaterland. Amen. 132 Gebet eines Kranken. Fürbitte für einen geliebten Kranken. Gebet eines Kranken. Herr, mein Gott, du siehest meine Schwachheit. Meine Leiden sind dir nicht verborgen. Dieß tröstet mich auf meinem Krankenlager. Du hast dieß Leiden über mich verhängt, so hilf es mir nun mit Gelassenheit und Geduld tragen. Wie du willst, mein Gott; du weißest am besten, was mir heilsam ist. Aber um deinen Beistand, um deine Stärkung flehe ich armes und unmächtiges Geschöpf. Herr, sey nicht ferne von mir! Meine Stärke, eile du, mir zu helfen. Erquicke du mich mit dem Trost deiner Gnade, und der Vergebung aller meiner Sünden; Herr Jesu, mein Heiland, du Arzt der Kranken, du rufest allen Mühseligen und Beladenen zu: kommet her zu mir, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Auch ich komme auf deinen Zuruf mühselig und beladen zu dir. Du bist selbst durch alle irdische Schwachheit geprüft worden, um deinen Brüdern in der Stunde der Prüfung zu helfen. Sey mächtig mit beiner Kraft in meiner Schwachheit. Gib mir durch deinen Geist den Frieden ins Herz, den du auch mir durch deinen Tod der Verfühnung am Kreuz erworben hast. Laß mich standhaft aufsehen auf dich, den Anfänger und Vollender des Glaubens, und von dir Geduld und Ergebung lernen. Lehre es mich erkennen, o Gott, daß auch mein gegenwärtiges Leiden eine Züchtigung deiner Vaterhand ist, die mir eine heilsame Frucht der Gerechtigkeit zu meinem ewigen Heil gewähren soll. Mache mir auf diesen Krankenlager die Nichtigkeit und Hinfälligkeit alles Irdischen recht fühlbar, und erwecke in mir ein ernstes und eifriges Verlangen nach dem Ewigen und Unvergänglichen. Versüße mir die bittern Leidensstunden durch den Blick freudiger Hoffnung in die Welt, in welcher kein Leid, kein Schmerz und keine Plage mehr sehn wird, und wo du abwischen wirst alle Thränen von unsrem Auge. Ja, erlöse mich einst von allem Uebel, und nimm mich auf in dein himmlisches Reich. Dir fey Ehre in Ewigkeit. Amen. Fürbitte für einen geliebten Kranken. Gott! du bist der erbarmende Vater, vor dem wir allen Kummer, der unser Herz brücket, ausschütten dürfen. Du bist der allmächtige Freund im Himmel, der alle unsere Wünsche erfüllen, alle unsere Klagen und Seufzer stillen kann. Dein Wort ruft uns zu: betet für einander. Das Gebet der Liebe ist dir wohlgefällig; du selbst hast die Liebe gegen diejenigen, mit denen wir durch Bande des Blutes und der Freundschaft verbunden sind, in unser Herz gepflanzt. Der Schmerz der Liebe treibt mich zu dir. Ach, die Liebe fühlt ihre Unmacht zu retten und zu helfen, so schmerzlich. Aber was unsere Schwachheit nicht vermag, das vermag beine allmächtige Gnade. Bei dir ist kein Ding unmöglich; du kannst überschwenglich thun über alles was wir bitten und verstehen. Erbarme dich des leidenden Geschöpfes, dessen Anblick mein Innerftes bewegt. Erhöre die Seufzer, die aus der Tiefe eines gepreßten Herzens zu dir emporsteigen. Du bist ein getreuer Gott, du läsfest deine Kinder nicht geprüft werden über ihr Vermögen. Ach laß auch die schwere Prüfung dieses Kranken, für welchen ich deine Hülfe mit heißen Thränen anflehe, ein solches Ende gewinnen, daß er sie zu ertragen vermöge. Es ist mir bange um Troft; tröste du mich durch deine Hülfe. Es ist dunkel in meiner Seele; laß leuchten bein Angesicht. Eine schwere Laft von Sorgen drückt mein Herz; nimm du sie von mir. Gedenke ves schmachtenden Kranten nach deiner großen Barmherzigkeit, gedenke meiner Liebe, mein Gott, am besten, stehe an meine Angst und errette mich aus meiner Noth. Herr von unendlichem Erbarmen, erbarme dich unser! Amen. 133 Gebet in Leiden und Noth. Gebel eines Sterbenden. Gebet in mancherlei Kreuz und Leiden. Gott, dessen Barmherzigkeit kein Ende bat, dessen Güte alle Morgen neu wird! Siehe, ich trete vor dein Angesicht und schütte meinen großen Kummer vor dir aus. Mein Elend ist dir bekannt, meine Seele ist betrübt, mein Geist ist geängstet, und schweres Leiden drückt mich. Ich sehe mich um nach Helfern, und finde keinen; vir aber, o Gott, klage ich mein Leiden, denn du bist barmherzig, und läsfest dich unser Elend jammern. Darum komme ich zu dir und spreche: ach erbarme dich über mich; ich bin dein Geschöpf, darum wirst du das Werk deiner Hände nicht lassen. Ja, Vater, erbarme dich deines verlassenen Kindes. Mein Jesu! ich bin erkaufet mit deinem Blut, erbarme bich reines Eigenthums. Laß deinen Geist das Zeugniß in mein Herz geben, daß ich als ein begnadigtes Kind Gottes leide, und wenn ich im Gebet ermatte, so laß ihn mich vertreten mit unaussprechlichen Seufzern. Herr, hilf mir! Herr, stehe mir bei! Rufe in meine Seele: ich bin bei dir in der Noth, ich will dich herausreißen. Ach Herr, gib, daß mein Glaube nicht aufhöre, und meine Hoffnung nicht sinke; du hast mich ja noch nie verlassen, ach, so verlaß mich auch jetzt nicht; hilf beinem Kinde, komm zu mir, nach dir schmachtet mein Herz und Auge. Amen. Ein anderes Gebet in Kreuz und Noth. Mein Gott! du führest mich durchs dunkle Thal der Leiden; aber ich will mich nicht fürchten, denn du bist bei mir. Meine Seele sey stille zu dir, und deine Liebe sey mein Trost. Nach deinem weisen Rathe geschiehet es, daß wir auch durch Trübsale in dein Reich geführt werden; und du läsfest uns nicht umkommen noch verderben, wenn wir dir treu bleiben. Oso erhalte mich dir getreu! Wann mich nichts mehr trösten kann; so sey du bei mir und erquicke die müde Seele. Sey du meine Zuflucht, daß ich auch im Leiden deinen Namen preise. Will ich muthloß und verzagt werden, und dünkt mir die Last zu groß, die du mir auflegst, so ermuthige mich durch den Aufblick zu Jesu, ver dir gehorsam worden ist bis zum Tort am Kreuze, der auch meine Laft getragen hat. Laß mich mit ihm überwinden, und geduldig auf die Stunde der Erlösung harren. Läutere mich durch das Feuer der Prüfung, daß ich vor dir bestehe in Treue und Wahrheit. Du wirst mich reichlich trösten, wenn ich mit Christo leide. Meinest du es boch gut mit mir, wenn du mich demüthigest, und deine Hülfe zu verziehen scheinest. Du willst mich losreißen von der Liebe der Welt, von aller sündtgen Lust, und meine Seele zu dir ziehen und heiligen. O so laß meine Trübsal dazu gesegnet seyn; führe alles hinaus zum Preise deines väterlichen und weisen Rathes. Sind doch die Leiden dieser Zeit nichts gegen die Herrlichkeit, die du einst an uns offenbaren willst. Laß mich geduldig ausharren in der Anfechtung und darin bewähret werden, damit ich die Krone des Lebens empfange, die du verheißen hast denen die dich über alles lieben, und mit Freuden ernte was ich mit Thränen gesäet habe. Amen. Gebet eines Sterbenden. Gott, du einziges Labsal meines Herzens! Meine Seele schmachtet, und mein Geist verlanget nach dir. Komm. Herr, und laß deine Hülfe nicht ferne von mir seyn. O du wahres, unsichtbares Licht, das nimmermehr verlöschet! mein Lebenslicht erlöschet. öffne mir das Auge meines Geistes, daß ich dich sehe. Herr Jesu! sey gnädig mir armen Sünder, laß dein Leiden und Sterben nicht an mir verloren sehn. Hilf mir zur ewigen Seligkeit. Ich bin krank und Grangelisches Gesangbuch.( Anhang.) 10 d 134 Gebet eines Sterbenden. Seufzer für einen Sterbenden. schwach, und es ist keine Kraft mehr in meinem Fleische: Herr, mein Arzt, hilf mir. Meine Seele bürstet, tränke und labe mich mit deinem himmlischen Troste. Hier liege ich und schlafe eiu, erwecke mich zu dem wahren Leben, daß ich deinen Namen ewiglich lobe. Erlöse mich von diesen Banden, Herr, mein Schuß, mein Erretter, mein Trost, meine Zuflucht und meine Stärke. Geist des Herrn, vertritt mich in meinen letzten Augenblicken durch unaussprechliche Seufzer, wann mein Mund nicht mehr um Gnade flehen kann, und verleihe mir Freudigkeit im Sterben! Vater! in deine Hände befehle ich meinen Geist; dein Sohn, mein Heiland Jesus Christus, hat mich am Stamme tes Kreuzes erlöset, und mir Barmherzigkeit und ewiges Leben erworben. Siehe mich an und erbarme dich meines Elendes. Hilf mir überwinten in der letzten Noth durch deine allmächtige Kraft und Gnade. Laß mich sanft und selig entschlafen, führe mich an deiner Hand durch das bunkle Thal des Todes, und leite mich zu deinem Himmel, daß ich mich da, erlöst von aller Erdennoth, ewig freuen möge. Amen. Seufzer für einen Sterbenden. Heiliger, barmherziger Bater, siehe in Gnaden an unsern Miterlösten, der mit dem Tode ringet. Erbarme dich seiner in der letzten Angst. Erbarme dich seiner im ewigen Leben erschaffen hast; erlöse fie von allem Ulebel und nimm sie auf in deine Hände! att Wir befehlen dir seine Seele, die du zum Göttlicher Erlöser, Sesus Christus! auch für diesen Sterbenden hast du dein Blut vergossen, auch für ihn die heißen Todeskämpfe gekämpft! Stehe ihm bei in seinen letzten Kämpfen! Du haft seine unsterbliche Seele erløset zum ewigen Leben. Rufe den scheidenden Geist in die Heimath zu dir, daß er deine Herrlichkeit schane! Heiliger Geist, göttlicher Tröster! sey Licht, Troft und Straft diesen Sterben. den, dessen Auge bricht. Stärke ihn in seiner lezten Schwachheit! Hilf ihm hindurch bringen durch die enge Pforte zum Leben. Bringe feine Seele zum ewigen Frieden. Amen. 1 Verzeichniß der Lieder. N. Abgrund wesentlicher Liebe Abschied will ich dir geben Ach bleib bei uns, Herr Ach bleib mit deiner Gnade Ach Gott des Himmels! Ach Gott! gedenke mein Ach Gott! verlaß mich nicht Ach Gott vom Himmel, sieh Ach Jesu! gib mir sanften Ach, mein Herr Jesu Ach, mein Jesu! sich ich Ach sagt mir nichts von Gold Ach sey mit deiner Gnade Ach sich ihn dulden, bluten Ach treuer Gott, barmherzigs Ach treuer Gott! ia) ruf Ach was sind wir ohne Jesus. Ach wiederum ein Jahr. Ach wie nichtig, ach wie Allein Gott in der Höh Allein zu dir, Herr Jesu Alle Menschen müssen sterben Aller Gläubigen Sammelplas Alles ist an Gottes Segen. Allgenugsam Wesen Als Jesus Christus in der Also hat Gott die Welt Amen! deines Grabes An Dein Bluten und An dir hab ich gesündigt Auf, auf, ihr Reichsgenossen. Auf, Christenmensch, auf Auf Christi Himmelfahrt Auf den Nebel folgt. Auf dich hab ich gehoffet Auf diesen Tag bedenken Auferstehn, ja auferstehn Auf Gott nur will ich sehen Auf Gott, und nicht auf Auf meinen Jesum will Auf, Seele, auf und säume Auf will ich von Sünden Aus des Todes Banden Aus Gnaden soll ich selig Aus irdischem Getümmel Aus tiefer noth laßt uns Aue tiefer Noth schrei ich Befiehl du deine Wege Beherrscher aller Welten Bei dir, Jesu, will ich. Nro. Beschränkt, ihr Weisen 55 Beschwertes Herz. leg ab 599 Besiß ich nur Ein ruhiges 209 Bleibe! es will Abend Bleibt bei Dem, der 7 S. 215 425 Christen erwarten in allerlei Christ lag in Todesbanden Christus, der ist mein 575 Christ, wenn die Armen 360 191 24 17 20 278 148 487 456 82 534 588 36 305 598 630 Der Abend kommt, die 67 Der am Kreuz ist meine Der du das Loos von 345 Der du noch in der 247 Der ersten Unschuld reines 110 Der Frühling ist 163 Der Glaub ist eine 192 Der heilge Christ ist. Der Herr bricht ein um Der Herr fährt auf gen Der Herr ist Gott und Der Herr ist gut, in. 302 90 Das äußre Sonnenlicht ist Daß ich in deiner Christenheit Das walte Gott, der helfen Das was christlich ist zu Dein bin ich, Herr, dir will Dein Heil, v Christ, nicht. Dein König kommt in Denk ich der Dornenkrone 379 185 469 268 180 632 Der Himmel hängt voll Der Hirt am Kreuz Der letzte Tag von deinen Der Mond ist aufgegangen 524 Der niedern Menschheit 374 608 117 293 Der Schächer fluchbeladen Der schmale Weg ist Der Tag ist hin! mein Der Trennung Last liegt Der Vater kennt dich Der Weltsinn will vom Des Todes Graun. 169 316 81 303 Dich krönte Gott mit 290 Die Beschwerden Dieser Die Christen gehn von Die Ernt ist da, es winkt 364 Die Feinde beines Kreuzes 9 Die Gnade sey mit allen 383 Die Guade wird doch Nro. 336 271 338 569 382 343 166 606 431 561 510 514 392 393 266 100 137 566 152 22 133 77 536 315 114 635 181 38 52 468 609 4A1 570 120 146 388 31.8 648 43 404 602 380 337 618 541 210 491 323 11 Die güldne Sonne Die ihr bei Jesu bleibet Die ihr den Heiland fennt Die Kirche Christi, die er Die Liebe darf wohl weinen Die Vorgensonne gehet. Die Nacht gibt gute Nacht Die Nacht ist niemants Die Seele ruht in Jesu Die Sonne senkt sich. Dies ist der Tag, den Dieß ist die Nacht, ca Die Sünden sind vergeben Dieweil mein Stund Verzeichniß der Lieder. Die Weisheit dieser Erden Die Welt kommt einst Dir tank ich für mein Dir danft mein Herz Dir ergeb ich mich, Jesu Dir Herr sey dieses Kind Dir versöhnt in reinem Du bist ein Mensch Du bists, demi Ghr und Du bist zwar mein und Du, dessen Augen flossen Du gehest in den Garten Du hast ja dieses meiner Du, Herr der Seraphinen Du, Herr von meinen Du kanntest schon und Du klagst und fühlest Du meines Lebens Leben Durch Adams Fall Du sagst: ich bin ein Christ Du schenkst voll Nachsicht Du Schrecklicher, wer Du wesentliches Wort Du Wort des Vaters in Ausblick in die Ferne Ein Christ kann ohne Gin' feste Burg ist unser ( Sine Heerde und Ein Eines wünsch ich mir Einiger Mittler und Gin kämmlein geht und Fins ist noth! ach Herr Cine nur wollen, eins & i, wie so selig schläfest Endlich bricht der heiße Ergreife nun bein. Erhalt uns, Herr, bei Grbeb, o meine Seele Erheb, o Seele, reinen r ist gekommen, er Ermuntert euch, thr Se glänzet der Christen Ga halten eltele Gemüther Se hat uns heißen treten Nro. 554 Es ist das Heil uns 376 Es ist ein köstlich Ding. 471 Es ist Etwas, des Heilands 205 Es ist nicht schwer ein 626 Es ist noch eine Ruh 557 8 ist vollbracht! gottlob s jammre, wer nicht Es Fostet viel, ein Chrift 631 Es muß ein treues Herze 563 574 567 68 saß ein frommes 104 103 321 596 F. 435 32 Fahre fort, fahre fort 637 Fall auf die Gemeinde Fortgekämpft und Freuet euch, erlöste 355 Friede, ach Friede 31 238 267 371 70 627 135 134 284 76 522 mge Liebe! mein Gemüthe wig, ewig bin ich dein 512 483 139 78 403 426 540 109 395 Fröhlich soll mein Herze Frühmorgens, da die Sonn Für alle Menschen beten Geduld ist euch vonnöthen Geh aus, mein Herz Geht hin, ihr gläubigen Geht nun hin und grabt Geist der Kraft, der Geist des Lebens, heilge. Geist vom Vater und vom Gefreuzigter, zu deinen Gelobet feyst du, Jesu Gerechter Gott! vor dein 442 Getreuer Gott! wie viel Gib die Weisheit meiner Glaubiger Jesu, auf Gott! teine Güte reicht Gott! deinen weisen Gott, den ich als Liebe Gott, der du allen gütig 478 Gott, der du Gnab und 212 Gott, der du groß von 224 Gott, der du Herzenskenner 361 Gott der Macht, in 115 Gott der Tage, Gott der 130 Gott der Vater wohn uns 385 Gott der Wahrheit und 437 Gott bes Himmels und 619 Gott! Du bist alleine gütig Gott! bu bist selbst die 475 573 Gott! du läsfest mich. 206 Gott! bu Licht, das emig 558 Gott! Erd und Himmel 420 Gottes Führung fordert. 101 Gett! gib mir beinen 98 Gott, Herrscher über alle 344 Gott ist gegenwärtig 365 Gott ist getreu! er selbst 552 Gott ist getreu! sein Herz Nro 313 243 342 387 641 622 457 386 47 193 85 240 211 161 477 107 330 105 173 433 447 538 56 616 200 203 202 480 111 49 57 436 123 10 517 488 295 579 546 450 69 581 33 228 559 458 501 564 560 61 496 264 527 263 46 45 Gott ist mein Hort Gott ist mein Lied Gott lebet: sein Name Gott lebt! wie kann ich Gottlob! ein neues Gottlob! ein Schritt zur Gottlob! ich weiß mein Gott macht ein großes Gott richtet immerbar Gott rust der Sonn Gott sey Dank in aller Gott, Vater, aller Dinge Gott, Vater in dem Gott! vor dessen Angesichte Gott! welcher Kampf in Gott wills machen Größter Morgen, der die Großer Hirte deiner Heerden Großer König, den ich ehre Großer Mittler, der zur Guter, gnädiger, getreuer H. Hallelujah! denn uns ist Hallelujah! Lob, Preis Hallelujah! schöner Morgen Hallelujah! wie lieblich Halt im Gedächtniß Verzeichniß der Lieder. Heiland! deine Menschenliebe Heilger Gott, der dit Heiligster Jesu Heil uns! des Vaters Herr! allwissend und Herr! deine Rechte und Herr! deine Treue ist so Herr! dein Wort, die edle Herr! der du mir das Herr! der du vormals Herr! dir ist niemand Herr! du fährst mit Glanz Herr! du hast für alle Herr! du wollst uns Herr! es gescheh dein. Herr! es ist von meinem Herr Gott! dich loben wir für deine Herr Gott! dich loben wir; Herr Herr! habe Acht auf mich Herr, höre! Herr, erhöre Herr Jesu Christ! dich zu Herr Jesu Christ! du höchstes Herr Jesu Christ! mein. Herr Jesu, deiner Herr Jesu, der du selbst Herr Jesu, Gnadensonne Herr Jesu! Licht der Herr! laß mich deine Herr! lehre du mich Herr! meine Leibeshütte. Herr! ohne Glauben Nro. 232 39 40 467 Herr und Gott der Tag. Herr von unendlichem Herr, vor dem die Engel Herr! welch Heil kann 89 Herr! wie du willt, so 584 Herr Zebaoth, du starker 645 Herzlich lieb hab ich dich Herzliebster Jesu Herzog der erlösten 248 Herzog unsrer Seligkeiten Herz und Herz vereint 279 Hier bin ich, Herr, du Hier ist mein Herz, mein Hilf Erbarmer, schaue her Hilf, Gott, daß unsre 299 207 375 Himmelan, nur himmelan 168 Himmel, Erde, Luft und Hinab geht Chrifti Weg 358 Hirte deiner Schafe 190 Höchster Gott! durch 231 Hört das Wort voll Hüter! ist die Nacht Hüter! wird die Nacht 50 532 94 23 48 102 37 269 Ja fürwahr! uns führt 188 Ja, Tag des Herrn, du Jauchzet, ihr Himmel 252 125 Ich bin ein Gast auf. 460 Sch bin getauft auf 122 Ich bin in dir, mein Gott 508 42 229 311 Sch fasse, Vater, deine 236 Ich geh zu deinem Grabe 565 Ich glaube, daß die Heiligen 528 Ich glaube, Herr,( hilf 59 Ich habe nun den Grund 182 Ich hab in guten 257 Ich habe viel gelitten 246 Ich hab von ferne, Herr Ich komme, Herr, und Ich lobe dich; mein Auge Ich ruf zu dir, Herr Ich sag es jedem, daß Er Ich finge dir mit Herz Ich soll zum Leben 580 578 529 1 19 Ich bin in dir, und du in Ich danke dir für deinen Ich danke dir in 6 16 294 Ich steh an deiner Krippe Jch sterbe täglich Ich suche dich, Herr, laß 610 Sch und mein Haus wir 183 Sch weiß an wen ich glaube, ich 281 weiß 12 Ich weiß, an wen ich glaube, und 118 daß 391 Ich weiß, mein Gott, daß 429 Ich weiß von keinem 603 Sh will vich lieben 312 Ich will nicht alle Morgen III Nro. 576 14 25 419 26 539 346 138 171 401 217 306 308 80 505 421 60 445 577 556 384 222 296 72 272 106 604 241 370 242 157 158 611 633 216 322 332 486 472 650 250 204 320 165 66 406 113 594 319 502 324 621 68 318 353 465 Ich will von meiner Jeder Schritt der Zeit Jeder Tag hat seine Plage Se größer Kreuz Senen Tag, den Tag. Jesu! als du wiederkehrtest Seju, Brunn des ewgen. Jesu! beine Pajston Jesu! beine tiefen Wunden Jesu! dessen Tod und. Jesu! du Sohn der Jesu! Freund ber Jesu! frommer Menschen Sesu! geh voran Jesu! hilf beten Jesu! hilf fiegen Jesu! laß mich nicht bahinten Jesu! meine Freude Sesu! Seelenfreund ber Jesus Christus gab sich Jesus Christus herrscht Jesus ist kommen! Grund Jesus kommt, von allem Jesus lebt! mit ihm auch Jejus, meine Zuversicht Jesus nimmt die Sünder Jesus soll die Losung. Jegt leb ich, ob ich Ihr Eltern, hört was Ihr Kinder, lernt pon Immer muß ich wieder In allen meinen Thaten Inbrünstig preis ich dich In deiner Stärke freue In der stillen Ginsamkeit Ift Gott für mich, so trete st. Derzeichniß der Lieder. Rehre wieder Rönig, dem kein Röntg Romm, heiliger Geist Komm, Himmelsfürst Komm, mein Herz! aus Romm, o fomm, du Geist Komm, Gegen aus der Kommt, Brüder, laßt Rommt her und laßt uns Kommt her zu mir . Lamm, das gelitten und Laß dich nicht den Las irdische Geschäfte Laffet uns mit Jesu ziehen. Laß mit, wenn meine Las, o Jesu, meine Jugend Liebe, bie du mich Liebster Jesu, wir sind hier, deinem Siebster Jesu, wir sind hier, dich und Nro. 292 Lobe den Herren, den. 530 Lobe den Herren, o meine 259 479 276 636 Mache pich, mein Geift. 513 Macht hoch das Thor. Mag auch die Liebe Mehr sieht das Aug im Mein alles was ich liebe Mein Alter tritt mit Meine Lebenszeit Meinen Jesum laff ich 131 155 143 121 258 407 128 Meinen Jesum ich erwähle 381 Mein Erlöser! schaue doch 265 Mein erst Gefühl sep 417 Dieine Seele senket sich Meine Seel tft ftille Meine Seele, Voller Mein Friedefürst, dein Mein Geist, o Gott, wirt 187 Mein Glaub ist meines 84 Mein Gott! das Herz 485 Mein Gott! bu bist und 178 Mein Gott! wie bist du 177 Mein Heiland nimmt die 310 mein Herz, gib dich 535 Mein Jesu, der du 59% Mein Schöpfer, dessen 12 503 331 273 509 127 367 227 526 Mit dem Haufen beiner Mit Ernst ihr Menschenkinder it Frieb und Freud 548 Mitten wir im Leben 373 Mittler! alle Kraft . Mich Staub vom Staube Mir ist Erbarmung Wir nach! spricht Christus 348 239 Dit welcher Zunge Morgenglanz der Ewigkeit 286 186 194 Nach dir, o Gott, 95 Nach einer Prüfung 256 Nicht, daß ichs schon 197 Nicht der Anfang, nur bas 516 Nicht eine Welt, die 218 Nicht Opfer und nicht 489 Nicht so traurig, nicht so 289 Nicht um ein flüchtig Nimm hin den Dank Nimm hin mein Herz, 189 Nimm von uns, Herr 537 Noch ing ich hier aus 249 Nun bitten wir den heiligen 378 Nun banket alle Gott. 613 Nun danket all und bringet 511 Nun freut euch, liebe Nun gottlob! es ist Nun hilf uns, o Herr Sesu Nun ist es alles wohl 274 Nun jauchzet, all ihr. Nrs. 3 29 438 92 628 237 259 523 585 351 362 416 551 470 463 300 334 646 329 307 65 309 474 255 396 620 335 377 253 97 600 597 144 159 555 18 642 413 411 333 423 484 15 261 304 493 275 195 2 27 86 277 507 149 96 Nun laßt den Herrn uns Nun last uns gehn und. Nun lob, mein Seel, den Nun ruhen alle Wälder. Nur für dieses Leben Nur wo Lieb ist, da ist. du allersüß'ste Freude du Liebe meiner Liebe Durchbrecher aller Dewger Geist, deß Wesen Oft klagt dein Herz, wie Gott, der du mein Gott, du frommer Gott! du gabst der Gott! einst läsfest du Gottes Sohn, du licht Gottes Sohn, Herr Gott, o Geist, o Licht O Gott, von dem wir Haupt voll Blut und Oheilger Geist, kehr bei Ohne Rast und unverweilt Jerusalem, bu schöne Jesu Christ, mein Anfang sonder Ende daß ich hätte mitempf. daß ich tausend Jungen drückten Jesu 55 Jesu, Herr der Herrlichkeit Jesu, Jesu, Gottes Jesu, meine Wonne Jesu, sich darein Jesu, süßes Licht Lamm Gottes, unschuldig Lehrer, dem fein Mensch! der Himmel Menschen diese kurze O Mensch! ermuntre O Mensch! wie ist dein selig Haus, wo man süßes Wort, das Bater der Barmherzigkeit was wären meine Welt! sich hier dein wer alles hätt verloren wie selig seyt ihr doch wie selig sind die wie unaussprechlich wundergroßer Siegesheld P. and Verzeichniß der Lieder. Preis dem Todesüberwinder Preis, Ehr und Lob sey dir Richtet auf des Heilands Ringe recht, wenn Gottes Ruhe hier, mein Geist. Nro. 542 Ruhe ist das beste Gut 533 Ruhet wohl, ihr Todtenbeine 30 571 452 Sanft, p Christ, ist Jesu Schaff in mir, Gott 424 Schaut die Mutter 132 Schmücke dich, o liebe Seele Schwing dich auf zu Teele, du mußt munter 4 Seelen! laßt uns gutes 151 Seele! was ermüdst 199 Seht, welch ein Mensch Sein Kampf war nun Selig sind des Himmels 44 Sep getreu bis an das 410 Sey Lob und Ehr dem 459 Sichrer Mensch! noch ist Siegesfürst und Ehrenkönig Cieh, dein König kommt Siehe, mein geliebter Knecht Sieh, hier bin ich. 418 13 531 175 62 601 414 317 Singet Gort, denn Gott 201 Sint ich einst in jenen 544 So führst du doch 142 So gehts von Schritt zu 196 So ist die Woche nun 440 356 So jemand spricht: ich liebe 644 So lang ich hier noch walle 349 Coll dein verderbtes Herz 282 Gollt es gleich biswetlen Sollt ich jetzt noch 260 Sollt ich meinem Gott 291 Sorge, Herr für unsre 553 Co wahr der Allerhöchste 160 Stärk uns, Mittler, 126 Such, wer da will 314 Sünder! freue dich von 639 288 234 Thut mir auf die schöne 500 Trachtet nicht nach hohen 473 Trauernd und mit. 297 Treuer Heiland! wir sind 434 Treuster Meister! deine 141 Tritt her, o Seel, und 398 614 11. 354 lleberwinder! nimm die. 647 Um die Erd und ihre 179 Ulmgürte die, o Gott Unerforschlich sey mir Unter jenen großen 167 Unveränderliche Liebe. 525 Unverwandt auf Christum Urquell aller Seligkeiten 153 412 Bater! heilig möcht' ich 140 Bater! sich auf unsre Nro. 328 629 399 301 147 251 464 550 415 394 136 150 649 402 28 285 181 91 129 11 54 582 369 586 583 427 8 226 466 327 64 504 519 245 83 156 270 446 176 235 233 63 170 75 283 73 422 520 397 21 390 432 VI Versuchet euch voch selbst Verwirf mich nicht im Verzage nicht, o Häuflein Viel besser nie geboren Vom Grab, an dem wir Von dem Grab stund Von dir, du Gott der Von dir, o treuer Gott Von dir, o Vater nimmt Von dir will ich nicht Von Gott will ich nicht. Von dir, o Gott, sich Vor dir, Todesüberwinder LB. Wach auf, du Geist der Wach auf, mein Herz, die Wach auf, mein Herz und Wachet auf! ruft uns Walte, walte nah und Wandle leuchtender Wann der Herr einst Warum betrübst du dich) Warum sollt ich mich Verzeichniß der Lieder. Was freut mich noch Was Gott thut, bas ist wohlgethan! es bleibt Was Gott thut, ras ist wohlgethan! so denken Was ich nur gutes habe Was ists, daß ich mich Was rührt so mächtig Wasserströme will ich Was sind wir arme Was von außen und Was wär ich ohne Dich Was willst du, armes Weiche, Todesschrecken Weicht, ihr Berge! fallt Weil ich Jesu Schäflein Welch eine Sorg und Welche Stund im ganzen Wenn alle untreu werden Wenn der Stifter der Wenn ich einst von jenem Wenn ich Ihn nur habe Wenn ich mir auf viele. Wenn ich, o Schöpfer Wenn fleine Himmelserben Wenn mein Stündlein Wenn mich die Sünden Wenn wir in höchster Wer ausharrt bis ans Wer bin ich? welche Werde Licht, du Volk Werde munter, mein Wer dieser Erde Güter Wer Geduld und Demuth Nro. 326 Wer Gottes Wort nicht Wer im Herzen will 521 213 Wer tst wohl wie du 638 Wer nur den lieben Gott 108 Wer, mein Gott, aus 615 Wer sich auf seine. 497 Wer sich dünken läßt 430 Wer sind die vor Gottes 481 Wer weiß, wie nahe mir 357 Wer wohl auf ist und 366 Wie fleucht dahin der 400 244 Wie groß ist des Allmächtgen Wie gut ists, von der Wie heilig ist die Stätte Wie herrlich ist, o Gott Wie könnt ich Sein 208 174 Wie lieblich flingts den 549 Wie mächtig spricht in 634 Wie muß, o Jesu, doch Wie reich an Freude 221 172 Wie schön ists doch, Herr 490 Wie schön leucht't uns 482 Wie sicher lebt der Mensch 462 Wie Simeon verschieden 35 461 545 449 Wie soll ich dich empfangen Wie sollt ich meinen Gott Wie thöricht handelt doch Wie wird mir dann, o Wie wohl ist mit, o. Willkommen, Held im 476 Wir glauben all an 220 Wir kommen, deine Huld 223 Wir Menschen sind 79 Wir sind nur Pilger. 372 Wir sind vereint, Herr Jesu 87 Wir singen dir, Immanuel 589 Wir warten dein. o Gottes 607 Wo der Herr das Haus 51 Wo Gott ein Haus nicht 506 Wohlauf, mein Herz, 439 Wohlauf, wohlan zum 444 Wohl dem det befre 352 Wohl dem der richtig 623 Wohl einem Haus, wo 562 Womit soll ich dich wohl 363 We regt sich noch ein 455 Wort des höchsten Mundes 58 624 3. 605 154 3euch ein zu deinen Thoren 492 Seuch hin, mein Kind 408 Siert das Thor mit 298 3ürne nicht auf stolze 116 3um Leben führt ein 572 3ur Arbeit winkt mir 428 3ur Grabesrub 448 3weierlet bitt ich von tir Nro. 325 115 368 340 287 443 651 590 518 591 53 389 254 41 262 99 341 405 547 494 347 593 612 93 350 587 643 339 164 34 543 225 595 219 112 640 499 495 119 617 453 451 498 5 214 230 198 625 280 71 409 515 162 454 Out Hublita 18. Whisis Burton L CHIN Inches Centimetres Blue 2 ¹3 4 Cyan 2 15 14 6 7 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 10 Red 14 11 12 5 13 Magenta 14 ( O 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 H 19 0 B.I.G. Black