Gb 45.99 OGULETY ***** ABCDAS TV Viel vermag das beharrliche Gebet des Gerechten. Jac. 5,16. Cali I LEHR ABBAA Katholisches GERETBUCK CHI 112 und von R.H. Seibt. 685 Umgearbeitete Auflage. Salzburg. Verlag von Ant. Pustet. filege Die des Heils. Ein vollständiges Jehr- und Gebetbuche Reper von Karl Heinrich Seibt. en bearbeitet von - Joseph Fleißner, enStadtpfarrer am Bürgerspitale in Salzburg. fer Fünfte Anflage. Hafs Salzburg, 1872. Druck und Verlag von Anton Pustet. + 6% ga 4599 Univ.- Bibl. Giessen Is Szere Vorrede.ie Speise und Trank zur natürlichen Erhaltung des leiblichen Lebens nothwendig sind, ebenso und noch mehr nothwendig ist das Gebet, um das ewige Leben und die Mittel zur Erlangung desselben zu erringen. Dieß weiß jeder wohlunterrichtete, gläubig fromme Christ, und ist auch schon auf den ersten Blättern dieses Gebetbuches eines Nähern erörtert. Eben darum gibt es auch eine so große Anzahl christkatholischer Gebetbücher, und es sind auch der in ächt christkatholischem Geiste abgefaßten Gebetbücher gewiß nie zu viel, weil man in jedem Stande ohne Unterschied, ob gelehrt cder ungelehrt, ob reich oder arm, in der Jugend wie im Alter, im Glücke wie im Unglücke, in gesunden wie in franken Tagen und selbſt sterbend noch beten, und nicht bloß an Sonn- und Feiertagen und in heiligen Zeiten, sondern täglich in Chrifto in Vereinigung mit Gott leben, also wie eben Christus selbst sagt, unaufhörlich beten soll. So vielfacher Gebetspflicht und so verschiedenartigen Lebensverhältnissen und Bedürfnissen gegenüber können aber nur viele und verschiedenartig abgefaßte Gebetbücher genügen. - Dieß waren die Beweggründe, ungeachtet der bereits vorhandenen großen Anzahl guter katholischer Gebet- und Erbauungsbücher, doch auch noch eine neue Auflage des Lehr- und Gebetbuches des sel. Karl Heinrich Seibt, weiland Theologie- Professors der ehemaligen Universität Salzburg zu veranlassen, weil es eben auch in ächt katho, lischem Geiste abgefaßt ist, und richt bloß die kräftigsten, gehaltvollsten Gebete enthält, sondern auch insbesondere eine Fülle von christlichen Lehren und Betrachtungen, die so ganz geeignet sind, den Christen mit Hülfe der Gnade Gettes zu befähigen, mit Verstand und Herz beten.- Da man aber einige Parthien desselben, wie z. B. die Belehrungen und Gebete für das tägliche Leben, für einz Ine Etinde, für die heiligen Zeiten und Feste minder ausführlich behandelt fand, so versuchte 1* Vorrede. man es, diese zu vervollständigen, und namentlich den Abschnitt über die heiligen Zeiten und Feste mehr auszuarbeiten, indem es entschieden von sehr großer Wichtigkeit ist, daß der Christ die heiligen Zeiten und Feste, welche uns die Geheimnisse unserer Erlösung vor Augen stellen, nicht bloß äußerlich, sondern im Geiste der Kirche mitfeiere, um so auch der Früchte der Erlösung immer mehr theilhaftig zu werden. Zu solch' heilbringender Feier namentlich soll dieß Lehr- und Gebetbuch auch eine kleine inleitung geben, und darum auch den Titel:„ Die Wege des Heils" an seiner Stirne tragen. Möge es mit Gottes Hülfe feine Aufgabe erreichen, und recht Vielen zu andächtigem Gebete, zu heiliger Jest- und Gottesdienstfeier, sowie überhaupt zu ächt christlichem Lebenswandel und einst zur ewigen Seligkeit verhelfen; denn wer recht zu beten weiß, der weiß auch recht zu leben und wird folglich auch der ewigen Geligkeit nicht verlustig werden. Laß es aber auch an die nicht fehlen, dhristlicher Leser, und lese nicht bloß die Worte dieses Buches, sondern überdenke und befolge sie auch, bete nicht mit bloßer Lippenbewegung, sondern auch mit Bewegung des Herzens zu Gott; bete nicht bloß zuweilen, sondern oft, ja täglich; und bete auch in der Wahrheit, bestrebe dich, nach den Worten deines Gebetes zu leben. Salzburg, am Feste Maria Erwartung, 1867. - Ges V Tom Gebete überhaupt. Hoekas christliche Gebet begreift alle guten Gedanken des Geistes in sich, die eine christliche Seele von Gott haben kann und mit guten Willensakten an Gott richtet. Wer sich demnach vor Gott mit dessen Größe, mit der Herrlichkeit seiner Werke, mit der Mannigfaltigkeit seiner Wohlthaten unterhält, ihn deßwegen lobet, ihm dafür danket, an Jesum Christum und an seine Geheimnisse denket. der betet: und alle frommen und gottfeligen Betrachtungen, Neigungen und Entschließungen, welche man haben und fassen kann, sind Gebetc. Wird aber das Gebet in einer engern Bedeutung genommen, so begreift es nur die Bitten in sich, die man vermittelst des Geistes und der Liebe zu Gott abschicket, um eine Wohlthat zu erhalten, die man von ihm in Rücksicht auf das ewige Leben entweder für sich oder für den Nächsten erwartet. Der Glaube, der uns Gott erkennen läßt, läßt uns auch einsehen, daß wir ohne den Beistand Gottes und ohne die Gnade Jesu Christi die Gebote nicht halten, unseren Pflichten nicht nachkommen, die Versuchungen nicht überwinden und zum Besitze und Genusse Gottes nicht gelangen können. Dieses Alles überzeugt uns aber auch von der unumgänglichen Nothwendigkeit, unsere Zuflucht zum Gebete zu nehmen. Wenn das Gebet wie die heiligen Väter lehren die Nahrung der Seele ist, so kann man dasselbe nicht unterlassen ohne Gefahr, in eine solch' tödtliche Lauigkeit zu verfallen, welche nicht die geringste Hoffnung zur Seligkeit übrig läßt. Betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet;" ermahnt der Heiland selbst. 11 - Vom Gekete überhaupt. Das Gebet besteht wesentlich im Seufzen des Herzens, denn die Gebete des heiligen Geistes find Seufzer. Wer Gott nicht liebt, seufzet auch nicht nach dem ewigen Leben, und wer nach dem ewigen Leben nicht seufzet, der liebt auch Gott nicht. Nun muß man aber, um zu seufzen, da, wo man ist, sich übel befinden, und einen anderen Zustand wünschen und verlangen. Wer also nicht seufzet, der betet nicht; und wer nicht betet, darf sich nicht Hoffnung machen, von Gott irgend etwas zu erlangen. Denn obgleich Gott als der Allwissende unsere Bedürfnisse am Besten kennt, und als der höchst Gütige uns Alles zu geben bereit ist, was uns nützlich und heilsam sein kann, so will er doch darum von uns gebeten und angerufen sein. 6 Obgleich die Christen nicht ihr ganzes Leben mit Beten zubringen können und auch nicht sollen, da die andere Hälfte ihrer Pflichten sie zum Arbeiten verbindet, so sind sie doch verbunden, das Beten, diese zu unserem Heile so unentbehrliche Handlung, so oft als möglich zu wiederholen, und dabei alles Dasjenige sorgfältig zu vermeiden, was ihr Gebet unwürdig machen kann, der göttlichen Majestät vorgetragen zu werden. Ein unwürdiges Gebet ist noch etwas Schlimmeres, als gar keines. Dieser Umstand verbindet die Christen, nicht nur die Zerstreuungen zu vermeiden, in welche man so leicht beim Gebet fallen kann, sondern auch noch weit mehr die Quellen der Zerstreuungen zu verstopfen, weil diese die Seele mit nichtigen und irdischen Gedanken und Vorstellungen erfüllen, und sie somit ganz unfähig machen, sich mit Gott zu beschäftigen. Wären die Menschen für ihr geistliches Wachsthum und für das Heil ihrer Seelen so, wie sie sollten, besorgt: sie würden ein dazu so nützliches Mittel nicht so leicht verabsäumen und sich vielmehr angewöhnen, für Gott und für den Umgang mit ihm durch das Gebet sehr viele kleine Augenblicke, die ihnen ohnehin ganz unbenützt verstreichen, zu ersparen, z. B. ihre Gedanken zu Gott zu erheben, wenn. der Schlaf in der Nacht unterbrochen wird, oder wenn man früh Morgens aufwacht, wenn man sich anfleidet, oder wenn man von einem Orte zum andern geht u. dergl. Man würde auf diese Art Zeit genug zum Beten, und keine Urfache haben, sich zu beklagen, daß man seiner Geschäfte wegen Vom Gebete überhaupt. teine Zeit finde, die man Gott und seiner Secle widmen könnte. Wen seine Geschäfte am Gebete hindern, gesteht stillschweigend ein, daß er dringendere Verrichtungen habe, als sein Seelenheil. 7 Da beim Beten unsere Absicht ist, dasjenige, um was wir Gott bitten, von ihm zu erlangen: so ist sehr viel daran gelegen, zu wissen, was wir mit Recht von ihm verlangen können. Denn da er die Gerechtigkeit selbst ist, so können wir nichts anders, als was recht und billig ist, von ihm zu erlangen hoffen. Aus diesem Grunde, und da Gott der einzige Gegenstand unseres Verlangens und Gebetes sein soll, geben die Kirchenväter die Lehre, man müsse niemals ausdrücklich und vorsätzlich um etwas blos Zeitliches bitten, sondern sein Verlangen Gott nur vortragen, und im Uebrigen es seinem allerheiligsten Willen überlassen, uns unsere Bitte zu gewähren oder nicht; weil er besser weiß, als wir selbst, was uns gut und nüzlich sei. Man soll Gott um sein Reich, um Wachsthum in der Heiligung und Tugend, um seinen Beistand dazu, um die zum Kampfe wider die Versuchungen nöthige Kraft, und um die Abwendung alles dessen, was unserm Heile hinderlich oder gefährlich werden könnte, vorzüglich und vor Allem bitten; denn dieß allein ist nothwendig. Das Uebrige bleibt allezeit nur eine Zugabe, derer wegen wir jenes nicht vernachlässigen dürfen, und welche uns Gott auch gewähren wird, wenn es anders zu unserm wahren Besten gereicht. Es ist also das Gebet zu Allem gut und nützlich, und wer es wohl einzurichten und anzuwenden weiß, hat Ursache zu hoffen, daß er, wenn er dabei verharret, seine Seligkeit befördern werde. Wer recht zu beten weiß," sagt der heilige Augustinus, der weiß auch recht zu leben." W V Von den Eigenschaften des Gebetes. Von den Eigenschaften des Gebetes. N ie muß denn ein rechtes, ein würdiges, ein erhörliches Gebet beschaffen sein?- Es muß folgende Eigenschaften haben: Die erste ist die Liebe. Diese bringt den Geist des Gebetes hervor; sie läßt uns das Böse und Traurige der Ungerechtigkeit, in welcher wir stecken, einsehen, sie macht, daß wir ein Verlangen nach dem Gute der Gerechtigkeit, welche wir verloren haben, bei uns verspüren, um dadurch der Vereinigung mit Gott, welchen wir über Alles lieben, würdig zu werden. Die zweite Eigenschaft des Gebetes ist die Demuth des Herzens, welche aus der Empfindung unsers Elendes entsteht. Und indem wir uns als solche betrachten, die der Gnaden Gottes ganz unwürdig sind, so müssen wir die Hoffnung, diese Gnaden zu erhalten, auf die Barmherzigkeit Gottes allein gründen. Nichts verunreinigt daher das Gebet so sehr, als der Stolz, mit welchem sehr oft die Menschen vor Gott erscheinen. Sie beten aus einem Herzen, das von sich selbst ganz mit Hochachtung und Wohlgefälligkeit eingenommen ist, und einen innerlichen pharisäischen Hochmuth, ein geheimes Vertrauen entweder auf ihre Tugend und Frömmigkeit, oder auf die äußerlichen Güter, die sie besigen, nähret. Ob sie nun gleich mit dem Munde jagen, sie hätten keinen Anspruch auf die Gnade Gottes: so widersprechen doch der innere Stolz und die Aufblähung des Herzens diesen Versicherungen und machen ihr Gebet zu einem Greuel in den Augen Gottes, und also unerhörlich. Die dritte Eigenschaft des Gebetes ist das Verlangen und der Durst nach der Gerechtigkeit. Gott sättiget nur diejenigen, die nach Gerechtigkeit hungern. Dieß ist das einzige Verlangen, welches er zu stillen verheißen hat. Wir müssen daher Gott mit gläubigen Empfindungen bitten, daß er uns dieses wahre Verlangen nach seiner Gerechtigkeit, wenn wir es noch nicht haben, schenken; und wenn wir es schon haben, vermehren, reinigen und erhalten wolle. 9 Von den Eigenschaften des Gebetes. Die vierte Eigenschaft des Gebetes ist die Andacht. Diese besteht in der Richtung unserer ganzen Seele und Aufmerksamkeit auf Gott; in der Uebereinstimmung unserer Empfindungen und Vorstellungen mit den Worten des Gebetes. Vorsätzliche und freiwillige Zerstreuung in unsern Gedanken und Lauigkeit des Herzens sind dieser Andacht zuwider, und rühren gemeiniglich daher, weil man, ehe man zu beten anfängt, seinen Geist nicht gehörig sammelt, von allen irdischen Dingen nicht zurückzieht, und nicht ganz mit der Vorstellung Gottes zu erfüllen sich bemühet. Dieß fällt freilich jenen Menschen, die sich bloß mit den Lüsten ihres Körpers und mit den Ergötlichkeiten der Welt zu beschäftigen gewohnt sind, gar schwer, wo nicht unmöglich. Die meisten derselben finden eben darum auch keine Neigung zum Gebet, und die andern beten wenigstens ohne Wirkung;doch das Hersagen einiger Gebetformeln mit einem an der Welt klebenden Geiste und Herzen verdient den Namen eines Gebetes gar nicht mehr. Die fünfte Eigenschaft des Gebetes ist das Vertrauen auf Gott Dieß Vertrauen besteht in einer lebhaften und festen Ueberzeugung, daß uns Gott das gewähren werde, um was wir ihn bitten, wofern es zu unserm wahren Besten gereichet, und unser Gebet so beschaffen ist, wie es sein muß, Wer ohne ein um der Erhörung gewürdigt zu werden solches Vertrauen betet, dem fehlt es an derjenigen kindlichen Zuversicht, welche wir Gott als unserm gütigsten Vater schuldig sind, und um derer willen er uns vorzüglich zu erhören, durch seinen göttlichen Sohn, verheißen hat. Die sechste Eigenschaft des Gebetes ist die Beharrlichkeit. Es ist eine so wichtige Heilswahrheit, daß wir im Gebete verharren sollen, daß Jesus Christus ausdrücklich gesagt hat, ( Luk. 18, 1.) man müsse anhaltend beten und niemals müde werden. Wir mögen also Gott bitten, um was wir wollen, so müssen wir niemals von unserm Gebete ablassen, wenn er auch zu erhören bis an's Ende unseres Lebens verzöge. Diese Verzögerung Gottes hat entweder zur Absicht, die Standhaftigkeit unseres Glaubens auf die Probe zu stellen, oder uns zu erkennen zu geben, daß wir noch nicht eifrig, demüthig und anhaltend genug gebetet haben. Beides muß antreiben, unser Flehen vielmehr fortzusetzen und zu ver Von der Kraft und Wirkung des Gebetes. doppeln, als davon aus Kleinmülhigkeit oder aus Ungeduld oder aus Mißtrauen auf die Güte Gottes abzulassen. Wer beständig bis an's Ende auf der Bahn des Gebetes fortwandelt, darf sicher hoffen, das Leben darauf zu finden. Wer aber müde wird, oder den Muth sinken läßt, der hat zu fürchten, daß ihn seine Kleinmüthigkeit zum Tode führe. Die siebente Eigenschaft des Gebetes ist endlich diese, daß es im Namen Jesu Christi verrichtet werde. Denn er selbst hat uns dieß gelehrt, und versichert, daß sein himmlischer Vater uns Alles, was wir in seinem Namen bitten werden, gewähren wolle. Und eben darum beschließt die Kirche alle ihre Gebete mit den Worten: Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Diese Pflicht gründet sich auf die Wahrheit, daß Jesus Christus der einzige Mittler ist, so zwar, daß man sich ohne ihn nicht zu Gott nahen, keine Gnade von ihm empfangen, noch das Leben erlangen kann. Wenn wir demnach durch Christum bitten, so muß es mit einer solchen Gesinnung geschehen, daß wir nicht das geringste Vertrauen in uns selbst setzen, sondern von unserer Unwürdigkeit überzeugt, unsere Hoffnung auf Jesum Christum und auf die Kraft seines göttlichen Mittleramtes allein gründen. Der Mensch hat nichts an sich, das die Gnade Gottes verdient; aber Gott ist unendlich gütig, und ertheilt sie ihm um der unermeßlichen Verdienste seines Sohnes, unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi willen. 10 -Hrepessage. Von der Hraft und Wirkung des Gebetes. ess. as Vorrecht, dessen uns Gott würdigt, indem er uns gestattet, in den stillen Unterredungen mit ihm unser herz sammt allen Sorgen, Anliegen und Wünschen in seinen väterlichen Schooß auszuschütten, ist eine der größten Wohlthaten von wenigen Menschen hochgeschätzt, und von den meisten nicht einmal erkannt. erwäget dieß mit Ernst! Wir, nichts als Staub, Erde und Menschen! 11 Von der Kraft und Wirkung des Gebetes. Asche,-wir dürfen uns mit dem Unendlichen besprechen! dürfen ohne Zurückhaltung und Scheu ihm alle unsere Gedanken eröffnen, und Alles von ihm erbitten, was wir nöthig zu haben glauben! Und er vergönnt uns nicht nur diesen Zutritt vor sein allerheiligstes Angesicht, sondern ladet uns sogar liebreich dazu ein mit der Versicherung, so oft unser Gebet zu erhören, als es mit seiner Weisheit und unserm ewigen Heile sich verträgt. Welchen Dank verdient diese unaussprechliche Liebe! Ohne Gebet müßten wir schlechterdings in unserm Elend vergehen; kein Trost, keine Hoffnung bleibt dem Unglücklichen, bleibt der leidenden Tugend, der verfolgten Unschuld übrig, wenn uns die Zuflucht zu Gott durch das Gebet nicht offen steht. Rückt uns das Gewissen die Vergehungen mancher langen Jahre vor, erfüllt uns das Bewußtsein unserer täglichen Fehler mit Scham und Unruhe: so müßten wir verzweifeln, könnten wir uns mittelst des Gebeles nicht in die Arme der göttlichen Varmherzigkeit werfen. Zerrütten kummer, Sorgen und Schmerzen unsere Seele und finden wir keine Hülfe für uns auf Erden, o, so treten wir im Gebete vor den Thron dessen, der Himmel und Erde in seiner Gewalt hat, der die Schicksale der Menschen kennt und alles Uebel zu unserm Besten zu leiten vermag. Dieser Freund ist immer geneigt, zu helfen; er gibt uns den weisesten Rath, indem er unsere Gedanken regieret, und uns den besten Weg entdecken läßt, den wir jedesmal zu gehen haben. Oft erkaltet die Liebe Gottes in unserer Seele, die noch allzusehr an dem Irdischen und Sinnlichen klebet. O, dann ist es Zeit, wenn wir dieß, merken, daß wir im Gebete uns zu Gott aufschwingen, uns seine Güte, seine Barmherzigkeit und seine väterliche Liebe zu Gemüthe führen, den Ueberfluß seiner Wohlthaten und seine schonende Langmuth uns vorstellen. Und gewiß, die enschlafene Liebe wird aufwachen, unser laues Herz wieder erwärmen und neue Vorsäte, uns mit allem Ernste an Gott allein zu halten, erzeugen. Oft fühlen wir einen lieblosen Kaltsinn gegen unsere Brüder; noch öfter können wir uns nicht überwinden, unsern Beleidigern von ganzem Herzen zu vergeben, und die auflodernde Rachbegierde zu unterdrücken. Sobald wir aber anfangen, für unsere Mitmenschen zu beten, und nach dem 12 Von der Kraft und Wirkung des Gebetes. Gebete und Beispiele unsers Erlösers auch für unsere Feinde zu Gott seufzen: schnell ändert sich sodann unser liebloser Sinn. Wir fühlen nicht nur uns geneigt, zu verzeihen, sondern auch eine geheime Seelenlust, verziehen zu haben. Die Wollust verliert ihre bezaubernde Macht, wenn wir mit dem Allerheiligsten, der jede Sünde, seiner Heiligkeit wegen, unversöhnlich hassen muß, inbrünstig reden. Der Geiz wagt es nicht, sich zu regen, wenn wir von unserm Vater die ewigen Schätze, die Gerechtigkeit, den Frieden der Seele, die Stärke des Geistes zu allem Guten- erflehen. Und werden wir uns noch stolz über Andere erheben, wenn wir oft und wiederholt im Gebet uns an unsere Fehler und Gebrechen mit wahrer Demuth erinnern? Werden wir Andere aus Hochmuth verachten, wenn wir täglich im Gebete unsere ganze unwürdigkeit fühlen? Werden wir Diejenigen, mit denen wir umgehen, durch mürrische Ungeduld lange betrüben? oder gegen die Schwachheiten anderer Menschen unerbittlich strenge sein, wenn wir oft zu demjenigen seufzen, der uns, unserer häufigen Vergehungen ungeachtet, so viele Jahre mit Geduld und unverdienter Nachsicht ertragen hat? Wie leicht und erwünscht gehen nnsere Berufsgeschäfte von statten, wenn wir sie mit dem Gebete anfangen, und uns hiezu Beistand und Erleuchtung von Gott erbitten! Wir fühlen neue Kräfte, so oft wir während der Arbeit an den allsehenden Zeugen denken, in dessen Gegenwart und Namen wir arbeiten, dessen Ehre der Haupt- Endzweck aller unserer Arbeiten sein soll. Fromme, gottselige Menschen erfahren es täglich, wie heilsam, wie beruhigend und erquickend es fei, Gott stets im Gebete vor Augen zu haben, mit seiner Weisheit und Güte sich zu trösten, durch das Andenken an seine Gerechtigkeit sich zur Tugend aufzumuntern, nach seinem erhabenen Urbilde sich zu bilden und zu vervollkommnen und oft daran sich zu erinnern, wie eitel und schal gegen diese himmlischen Süßigkeiten alle Freuden der Welt, wie nnbeständig alles unter der Sonne, wie alles Irdische vergänglich, nur Gott allein unserer höchsten Liebe würdig, und uns wahrhaft glückselig zu machen, fähig sei. Dann mögen immerhin diese oder jene Güter uns fehlen oder entrissen werden, die Urtheile der Menschen uns tränken, Freunde uns treulos verlassen, Feinde wider uns ergrimmen; dann Von der Kraft und Wirkung des Gebetes. 13 mag die ganze Welt wider uns sein: wir beten zu unserm Gott, Herrn und Vater, und er erhöret unsere mit Vertrauen und Zuversicht flehende Stimme, tröstet und rettet uns. O, welch' eine Seligkeit, daß wir beten dürfen! Welche heilige Freude, welch' Entzücken, welcher Vorgeschmack des Himmels liegt nicht im Gebete! Nun, so wollen wir denn in allen unsern Nöthen und Anliegen uns im Geiste zu Gott wenden, ihm unsere Schicksale und unsere Werke empfehlen; wenn wir des Nachts erwachen, mit ihm auf unserm Lager reden, und wo wir des Tages gehen und stehen, an ihn gedenken und zu ihm seufzen; in unsern Freuden ihm fröhlich danken, bei unsern Kümmernissen im Gebete Trost suchen, und durch das Gebet unser ganzes Leben ihm weihen, und einst in unserer letzten Stunde betend einschlafen. Alle diese Vortheile gewährt das Gebet; aber wohlgemerkt das würdige, mit Geist und Herz begleitete Gebet. So wenig wir aber aus uns und durch uns selbst fähig sind, das mindeste Gute zu wollen und zu thun, so wenig sind wir im Stande, würdig zu beten, wofern uns Gott nicht seine Gnade dazu verleihet, um welche wir nicht minder, als um alle übrigen Gnaden, demüthig bitten müssen.- Ein Gebet um die Gabe, andächtig zu beten, fiehe sechster Abschnitt. Hem de mCX Erfler Abschnitt. -B Tägliche Gebete mit entsprechenden Belehrungen und Vorschriften zu einem driftlichen Lebenswandel. vele Zwei allgemeine wichtige Lebens- Begelu. C hriftlich soll das ganze Leben des Christen, das ist, heilig sein. Es soll sich nichts darin finden, das wider Gott und seine Gebote streitet- nichts, was auf das Seelenheil nicht Einfluß und Beziehung hat. Denn es ist kein Augenblick des Tages, der, wenn er gut angewendet wird, uns nicht eine Ewigkeit werth wäre; und es ist keine Handlung oder That, die, wenn sie wegen Gott und seinem Willen gemäß geschieht, nicht Belohnung und das ewige Leben verdienen könnte. Die zwei allgemeinen und zuverlässigen Regeln, alle unsere Handlungen gehörig zu verrichten, sind folgende: 1. Man verrichte jede Handlung so, als ob sie die letzte unseres Lebens sein sollte, und als ob wir augenblicklich nach ihrer Vollziehung vor dem Nichterstuhle Gottes darüber Rechenschaft ablegen müßten. 2. Man opfere jede Handlung, jedes Unternehmen, che man zur Ausführung schreitet, Gott auf und unternehme nichts, ohne sich zuvor durch das innere Zeugniß des Gewissens versichert zu haben, daß das 15 Vom Aufstchen. jenige, was man zu thun Willens ist, Gott nicht mißfallen, sondern angenehm sein werde. Es wird überdieß erfordert, daß man alle seine Handlungen mit dem Geiste und den Empfindungen, welche der Glaube einflößt, verrichte, sie mit Gebet verbinde und auf fie ale jene Aufmerksamkeit verwende, welche fähig ist, denselben das Gepräge christlicher Handlungen zu geben. Vom Aufstehen. UP rwachest du, so richte deine ersten Gedanken und die erste Bewegung des Herzens auf Gott. Danke ihm, daß er dich einen neuen Tag hat erleben lassen. Bitte um seinen Beistand, diesen Tag zu seiner Ehre und zum Nutzen eines Heiles anzuwenden, und waffne dich durch das Zeichen des heiligen Kreuzes im Voraus gegen die Versuchungen, von welchen du diesen Tag etwa angefallen werden könntest. Wirst du durch irgend eine Ursache genöthiget, noch eine Weile im Bette zuzubringen, so hüte dich, daß deine Gedanken( wie es schr leicht ist), gleich auf eitle Dinge verfallen, sondern beschäftige dich mit besseren Vorstellungen, erfülle dein Herz mit heiligen Empfindungen der Anbetung Gottes, des Dankes, der Sorge für deine Seele, um dich dadurch zu einem gesammelten und würdigen Morgengebete vorzubereiten; denn wie der Anfang des Tages beschaffen ist, so wird auch unsere Aufführung des ganzen Tages beschaffen sein. Nehme dir vor, zu einer gewissen Stunde aufzustehen; und dann thue es, ohne dich von deiner Weichlichkeit abhalten zu lassen. Ein guter Christ muß keine Gelegenheit, so unbedeutend sie auch scheinen fönnte, unbenützt lassen, sich in Ueberwindung seiner selbst zu üben. Durch oft wiederholte Steine Ueberwindungen werden wir zu griBeren geschickt habe. Kleide dich chrbar an, und erinnere dich dabei, daß der Mensch nur darum der Kleider bedürfe, weil sein Stammvater Adam sündigte, um nämlich seine Schande zu bedecken. Fühle überdieß ein Verlangen, mit dem neuen Menschen angethan zu werden, welcher in der Heiligkeit und Gerech 16 Morgengebete. tigkeit wiedergeboten werden. Diese Gedanken, von der Erinnerung begleitet, daß du einst diesen verweslichen Leib wie ein Kleid ausziehen mußt, werden dich zurückhalten, zu viel Zeit und Sorgfalt auf die Ausschmückung deines Körpers zu verwenden, und dich von jenem eitlen Putze abhalten, den du abgeschworen haft, als du der Pracht des Satans im Taufbunde entsagtest. Nach dem Ankleiden bete dein Morgengebet und zwar wo möglich knieend. Es ist dieß eine Pflicht, die Gott gleichsam als die Erstlinge des neuen Tages von uns fordert. Von der Treue in Befolgung dieser Pflicht hängt der Fortgang unserer Handlungen des ganzen Tages ab. Das würde unendlich viel gewagt heißen, wenn du den Tag anfangen wolltest, ohne dir von Gott Gnade und Beistand, ihn würdig zuzubringen, erbeten zu haben. Bevor du aber beteft, so sammle deinen Geist; erinnere dich, daß du zu dem allwissenden und allgegenwärtigen Gott, vor dessen Angesichte alle deine Gedanken und Absichten aufgedeckt sind, zu dem allmächtigen Gott, der alles Böse, folglich auch ein heuchlerisches Herz verabscheuet, betest. Dieß wird dich mit den Empfindungen der Demuth, der Ehrerbietung, des Vertrauens und der Andacht, welche dein Gebet begleiten müssen, erfüllen. Morgengebete. Der Weise gewöhnt sein Herz, vom frühen Morgen zu dem Herrn, der ihn erschaffen hat, zu erwachen, und vor dem Allerhöchsten zu beten. Er öffnet seinen Mund zum Gebete und bittet seiner Sünden wegen um Verzeihung. Sirach 39, 6. 7. rwache zum Lobe deines Schöpfers und Vaters, meine Seele; erwache zur dankbaren Empfindung seiner Güte, die alle Morgen neu ist! Erwache zur freudigen Vollziehung alles dessen, wozu er dich diesen Tag hat erleben lassen. Ja, unendlich gütiger Gott! dir gebühren die ersten Gedanken und Regungen meiner Seele; denn, daß ich noch lebe, denke und empfinde, das ist eine Morgengebete. 17 Wirkung deiner unverdienten Güte, die, ohne auf den übeln und unweisen Gebrauch zu sehen, den ich bisher von meinem Leben gemacht habe, mir noch diesen Tag schenkt, um meine Vergehungen gut zu machen, und durch einen christlichen Wandel mich einer glückseligen Ewigkeit zu versichern. Ich werfe mich demnach vor dem Throne deiner Majestät nieder und bete dich an. Ich erkenne dich als den ersten Anfang und das Ende aller Dinge, als den uneingeschränkten höchsten Herrn aller er schaffenen Wesen, als die Urquelle alles Guten. Wie soll ich dir für alle Wohlthaten und Gnaden, welche du mir von dem ersten Hauche meines Lebens bis auf diesen Tag erwiesen und zu erweisen fortfährst, würdig danken? Von Ewigkeit hast du an mich gedacht, mich zur bestimmten Zeit erschaffen, meinen Leib so künstlich gestaltet, meine Seele aus ihrem Nichts hervorgezogen, und ihr dein Bild eingedrückt. Du hast deinen eingebornen Sohn auf die Welt geschickt, um für unsere Sünden genug zu thun, und uns himmlische Weisheit zu lehren; und du hast mich so enge mit ihm verbunden, daß ich gewürdigt worden, ein Mitglied seiner heiligen Kirche zu sein, und durch ihn, der ich auf ewig von dir verworfen zu werden verdient hatte, mit dir ewig zu leben, Anbetungswürdigste Dreifaltigkeit! möchte doch Alles, was im Himmel und auf Erden dich verehret, sich mit mir vereinigen, und dir für so viele Liebe und Güte danken, mit der du mich, mich Staub, mich, ein so geringfügiges und unwürdiges Geschöpf, überhäufest!- Ich betheuere hiemit auf's Neue, o mein höchster Herr! daß ich fünftig nur dir und deinem 2 Morgengebete. Dienste leben will, um dein Gebot zu erfüllen, das mir befiehlt, dich aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und aus allen meinen Kräften zu lieben. Aber, mein Gott! was kann ich ohne dich? Kann ich nur einen guten Gedanken, ohne deine Gnade, faffen? Nun, so verleih' fie mir, ich bitte dich darum. Mache, daß deine Gnade mir in an allen meinen Entschließungen undHandlungen zuvor komme, mich mit Licht und Stärke erfülle, meinen Pflichten auf das Getreueste nachzukommen. Lehre mich deinen Willen thun, weil du mein Gott bist! 18 — Anbetungswürdigster Jesu! mein Erlöser, mein Heil, du Urbild aller Vollkommenheit, welches ich nachahmen soll. Ich gelobe dir, daß ich Alles, was an mir ist, thun will, um mich dir ähnlich zu machen. Ich will mich bestreben, sanftmüthig, keusch, geduldig, demüthig, wohlthätig und dienstfertig zu sein. Vorzüglich aber will ich mich hüten, heute in die Sünde zu fallen, welche mir so sehr anklebt, und von welcher ich so sehnlich wünsche, befreit zu werden. Hier denke mit Ernst an die Mitttel, dich von der Sünde, die dich am meisten beherrscht, loszureißen. 1. Nimm dir fest vor, sie zu meiden. 2 Mache dich auf die Gelegenheiten, die dir etwa heute zu dieser Stunde aufstoßen könnten, oder bevorstehen, im Voraus gefaßt. 3. Erneuere deinen Vorsak, den Hang zu dieser Sünde zu bekämpfen. 4. Bitte Gott um seinen Beistand dazu. Gebet. Mein Gott, der du durch deinen Sohn gesagt haft: Wenn ihr, die ihr doch böse seid, eueren Kindern gute Gaben zu geben wisset: wie vielmehr wird eure Morgengebete. 19 Himmlischer Vater den heiligen Geist geben denen, die ihn darum bitten. In dieser Zuversicht flehe ich zu bir, belebe mich durch deinen Geist; wirke durch ihn die Reinigung und Heiligung meines Herzens, und die Ueberwindung meiner unordentlichen Begierden, die ich so sehnlich wünsche, aber durch meine guten Vorsäge allein nicht bewerkstelligen kann. Ach, du Geist des Rathes, der Stärke, der Liebe und Furcht Gottes, du Quelle aller Gottfeligkeit und Heiligkeit, kehre in mein Herz ein! bereite dir solches zu einem würdigen Tempel, und wohne stets darin. Vertilge Alles daraus, was hinderlich meiner Vereinigung mit dir sein könnte. Stärke mich im Kampfe gegen meine bösen Lüste, gegen die Reizungen der verführerischen Welt, gegen gefährliche Eindrücke meiner Sinne, tamit ich den Versuchuugen nicht unterliege, und mein Entschluß, die schimpflichen Fessel meiner bösen Neigungen und Leidenschaften mit Gewalt zu zerbrechen, endlich einmal ausgeführt werde. Erleuchte mich auch heute bei allen meinen Geschäften; gib mir Einsicht, Klugheit, Unverdrossenheit und Fleiß zur würdigen Verrichtung meiner Berufsarbeiten, und laß vorzüglich deine sanften Einsprechungen und Warnungen da in mir stärker hören, wo unerkannte oder unvorgesehene Gefahr zur Sünde, insbesondere zu derjenigen, zu der ich so geneigt bin, vorhanden sein dürfte. Leite und stärke mich. Amen.- Vater unser 2c. Rufe sodann die Mutter Gottes, deinen heiligen Schußengel und Namenspatron an. 2* 20 Ein anderes Morgengebet. Gebet. Seligste Jungfrau, Mutter Gottes! meine Mutter und meine Fürsprecherin! mit Zuversicht überlasse ich mich deinem Schuhe, und hoffe von deiner Fürbitte bei deinem Sohne die Gewährung alles dessen, was zu meinem Heile nothwendig und ersprießlich ist.- Gegrüßet seist du, Maria zc. Engel des Himmels, mein getreuer und liebreicher Gefährte! wirke mir bei Gott die Gnade aus, daß ich mich gegen deine Eingebungen gelehrig und folgsam bezeige, und meine Schritte so einrichte, damit ich in keinem Stücke mich von dem Wege der Gebote Gottes und meines Heils entfernen möge. Großer Heiliger! dessen Namen ich trage! bitt' für mich, daß ich so, wie du in deinem Leben, Gott diene, und ihn einst mit dir ewig im Himmel lobe und benedeie. Amen. Hier kann eine Betrachtung folgen, zu welcher der Stoff auf jeden Tag des Monats unter Seite 43 zu finden ist. Ein anderes Morgengebet. Allgütigster! jo lebe ich noch, jebe auf's Neue Pdas Licht des Tages, da ich gestern nicht wissen konnte, ob nicht der Schlaf meines Körpers, von dieser Nacht bis an jenen Tag der allgemeinen Erweckung der Todten, dauern würde. Aber wozu hast du mich noch diesen Tag erleben lassen? Dieß ist die Frage, die ich mit jedem Morgen an mein Herz thun und mit Redlichkeit beantworten sollte, um mich bei dem Gebrauche meines Lebens behutſam und sorgfältig zu machen. Ich will es thun, mein 21 Ein anderes morgengebet. himmlischer Vater, mit der Aufrichtigkeit eines frommen und gut gearteten Kindes, und nehme dich selbst zum Zeugen meiner Empfindungen, mit denen ich es thun werde. Wozu hast du mir mein Leben noch gefristet?- Ach, mein gütigster Gott! gewiß nicht dazu, damit ich neue Zeit zum Sündigen gewinne, nicht dazu, damit ich meine Widerspenstigkeit, meinen Ungehorsam, meine Undankbarkeit vermehre, und das unschäßbare Leben, dessen jede Minute mir eine glückselige Ewigkeit verschaffen kann, leichtsinnig vertändle. Sollte mir die Morgensonne deßwegen aufgegangen sein, um Werke der Finsterniß auszuüben? Sind mir die Augen deßwegen wieder geöffnet worden, um sie auf Gegenstände der Sinnlichkeit, auf die Güter dieses flüchtigen Lebens und auf die Lockungen der eiteln Welt zu richten? D unstreitig ist es einer erhabnern Absicht wegen, daß ich noch lebe! Und wie könnte mir dieſe Absicht verborgen sein, da du, mein Gott, mir solche durch Vernunft und Religion so deutlich zu erkennen gegeben? Die einzige Bestimmung meines Daseins ist deine Verherrlichuug und mein ewiges Heil. Auf diese Bestimmung sollen alle meine Gedanken, Worte und Handlungen abzielen; Alles, was diesem Ziele zuwider ist, ist Thorheit und verlorne Mühe. Hingegen Alles, was mich dieser Bestimmung näher bringt, es mag Glück oder Unglück, Reichthum oder Armuth, Gewinn oder Verlust, Freude oder Trübsal sein, muß endlich zu meinem Besten ausschlagen. Ich will demnach heute ohne weitern Aufschub das große Geschäft, um welches willen ich lebe, unters nehmen; denn dieses Alles ist wichtig, allein nothwendig. Ach! zu meiner tiefsten Beschämung gestehe 22 Ein anderes Morgengebet. ich dir, o Herr! ich bin in Ansehung der Dinge, um derentwillen du mich erschaffen hast, bisher auf die sträflichste Art unachtsam und sorglos gewesen. Ich war Thor genug, um meine wahre, meine ewige Glückseligkeit den betrüglichen und flüchtigen Gütern der Welt aufzuopfern. Ich erkenne meinen Irrthum, der mir hätte so gefährlich werden, und mich um meine Seligkeit bringen können, wenn ich ihn durch deine Güte nicht einsehen gelernt hätte. Deine grundlose Barmherzigkeit schenkt mir noch Zeit, mich zu bessern; o laß mich die ewig unwiederbringlichen Tage des Heils nicht unsinnig verscherzen, sondern erhalte und stärke mich in tem guten, in dem aufs richtigen Vorsake, den ich heut gefaßt habe, mich von der Welt und meinen Sünden loszumachen, und allein dir, meinem Herrn und Vater, mit kindlicher Treue anzuhangen. Gib mir Weisheit, die Wege meines Heils, die du mir in deiner liebreichen, und bloß auf meine Glückseligkeit abzielenden Geboten vorgezeichnet haft, deutlich zu erkennen, und deine Gnade, fie mit unablässigem Eifer zu wandeln. Meine Seele, meinen Leib, meine Gedanken, meine Neigungen, meine Freuden und Leiden seien dir, o Schöpfer, geheiliget! Segne mich durch deine Fürsehung, leite mich nach deinem Rath, heilige mich durch deinen Geist. Gib mir weder Armuth noch Reichthum, damit ich bei Mangel nicht deiner, o Gott, und bei Ueberfluß nicht deiner und meiner vergesse. Verleihe mir ein gutes Gewissen, und laß mich es als den größten Schatz bewahren. Mache mich geschickt zur Erfüllung meiner Berufspflichten, vernünftig bei allen Handlungen, vergnügt mit meinem Stande, - Ein anderes Morgengebet. 23 und geduldig bei meinem Leiden. Behüte mich vor Müßiggang, und vor aller Gelegenheit zu fündigen, und mache mein Herz in der Gottseligkeit immer fester und beständiger. Laß mich, so viel es möglich ist, mit allen meinen Mitmenschen Friede und Eintracht unterhalten, und das Meinige dazu beitragen, daß sie ruhig und glücklich leben mögen. Beschüße deine Kirche, deine Bekenner gegen alle Anfälle der Bosheit; unterstütze die Obrigkeiten, die du über uns gesetzt hast. Gib den Vätern Weisheit, ihre Kinder zu deiner Ehre zu erziehen; und den Kindern Willigkeit, ihnen zu gehorchen. Wache mit deiner göttlichen Vorsehung über uns Alle; verschaffe der Tugend Anhänger, und wenn sie von der Bosheit gekränkt oder unterdrückt wird, Gerechtigkeit und Genugthuung. Sei unser Herr und Gott, und laß uns in unserm Vertrauen auf dich nicht zu Schanden werden. Durch Jesum Chriftum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Gebet zur heiligsten Dreifaltigkeit. Andachts- Uebungen auf jeden Tag der Woche. ( Man kann diese folgenden Gebete, wenn es die Zeit erlaubt, alle Tage nach dem Morgengebete verrichten, oder auch besonders an Sonntagen Nachmittags.) 24 Am Sonntage. 18 en Sonntag hat Gott cusdrücklich sich vorbehalten; er ist also ein Tag des Herrn, und als einen solchen müssen wir, nebst anderr frommen Handlungen, durch vorzügliche Empfindungen der Anbetung, der Dankbarkeit, des Vertrauens, der Liebe und Ergebung, ihn feiern und heiligen. Gebet zur heil. Preifaltigkeit. Ehre, Anbetung und Dank sei Gott dem Vater, der durch seine Allmacht und Güte mich aus dem Nichts hervorgezogen unt erschaffen hat; Gott dem Sohne, der mich mit seinem Blute erlöset, und durch das Licht seiner heiligsten Lehre erleuchtet hat; Gott dem heiligen Geiste, der mich in der Taufe geheiliget hat, und noch immerfort meine Heiligung durch den Einfluß seiner Gnade wirket! In der tiefsten Erniedrigung bete ich dich an, allerheiligste Dreifaltigkeit, und danke dir, daß du mir dieses größte und unbegreiflichste aller Geheimnisse hast offenbaren wollen. Ich glaube es, und bitte dich, diesen meinen Glauben zu stärken und zu befestigen, bis ich dahin gelange, wo ich dieses Geheimniß aufgedeckt sehen, und was ich jetzt nur glaube, begreifen werde. Mein Gott, dreifach zwar in der Person, aber ein Einiger dem Wesen nach! wie kann ich dir danken für alle Beweise deiner Güte, für die unzähligen Wohlthaten, die ich von dem ersten Augenblicke meines Lebens bis auf diesen Tag von dir erhalten habe! Ich kann sie nicht aussprechen, nur anbeten Gebet zur heiligsten Dreifaltigkeit. 25 und bewundern kann ich. Unendlicher, wo soll ich anfangen, und wo finde ich die Grenzen, daß ich stille stehe?- Preisen will ich deine Barmherzigkeit, so lange ein Odem in mir ist. Gelobet feist du, Herr mein Gott! für die Seele, die du mir eingehauchet, und nach deinem Ebenbilde eingerichtet hast. Sie ist fähig, dich zu erkennen und zu lieben, sieht die Weisheit und Herrlichkeit deiner Werke, und soll ewig leben, und dich von Angesicht zu Angesicht schauen. Sei ewig dafür gelobet! Gelobet feist du für den Körper, den du mir gegeben hast, für den künstlichen Bau desselben, für die munterkeit meiner Kräfte, für die Gesundheit meiner Sinne, wodurch ich so manichfaltiger Kenntnisse und Vergnügungen fähig bin. Gelobet seist du für alle Wohlthaten, die ich jemals an meiner Seele und an meinem Körper erhalten, auch für diejenigen, die ich vielleicht nie erkannt habe; für Nahrung und Bequemlichkeit, für jedes Glück meines Lebens, für die Aufklärung meines Verstandes, für die Erkenntniß deiner unendlichen Vollkommenheit. Gelobet seist du für so viele abgewendete Gefahren, und für jede Rettang in so mancherlei Nöthen und Anliegen; für den Beistand der Engel, die meine Begleiter waren; für jeden Trost in Widerwärtigkeiten und für deinen Schutz gegen mancherlei Versuchungen. Ge obet seist du für die Leiden, durch die du mich gedemüthigt und gebessert, für die Freuden, wodurch du mir das Leren versüßest und meine Seele zufrieden erhalten hast. Gelobet seist du für die Hoffnung eines künftigen ewigseligen Lebens; für deine Gnade, die mich dazu vorbereitet, und für den Tod, der mich dahin führen wird. Gelobet feist du insbesondere für die Wohlthaten und Gnaden, deren du mich und die Meinigen die verflossene Woche hindurch gewürdiget hast, für die Erleuchtung und den Segen in meinen Geschäften, 26 Umschreibung des Gebetes des Herrn. für den Fleiß und Eifer in meinem Berufe, für jeden guten Gedanken und für das Wachsthum an Einsicht, Tugend und Gottseligkeit vorzüglich: für jede vergnügte Stunde, für jedes Glück, für die Abwendung jedes Unglücks, und für die Erhörung meines obschon unwürdigen Gebetes. Um eben diese Gnaden bitte ich dich, mein Gott und Herr! auch für die Woche, welche ich nach diesem deinem Tage anfangen werde. Wende dein huldreiches Angesicht nicht von mir, du Gott meines Heils und meine Zuversicht! Auf dich allein gründe ich mein Vertrauen, und deines Schuhes gewiß, zittre ich vor keinem Uebel, vor keiner( Gefahr, vor feiner Bosheit der Menschen, vor keinem Anfalle der Hölle selbst. Nur entzieh' mir auch deine Gnade nicht, um mich dieses Schuhes würdig zu machen, und gib, daß ich, der ich die Größe deiner Güte und deiner Wohlthätigkeit heute, von ganzem Herzen gerührt, feiere, bewundere und anbete, aus eben dieser Fülle des Herzens dich über Alles lieben, deinen heiligen Ges boten treu bleiben, und alle meine Kräfte darin vereinigen möge, deine Ehre und die Verherrlichung deines Namens, so viel an mir ist, zu verbreiten. Ehre, Dank und Anbetung sei Gott dem Vater, Gott dem Sohne, und Gott dem heiligen Geiste, als er war im Anfange, jetzt und allezeit, und in alle Ewigkeit. Amen. Umschreibung des Gebetes des Herrn. Vater unser, der du bist in dem Himmel. Ewiger, allmächtiger, gütiger Gott! du bist zwar überall gegenwärtig, denn du erfüllest Alles. Doch betrachten wir den Himmel, als den Thron deiner Herrlichkeit, Gott, unser Vater! der du uns das Leben gibst und auch erhältst, und der uns Alle zu deinen Kindern und zu Erben deines Reiches gemacht hast, wir sollen nicht allein für uns, sondern für alle Menschen, die unsere Brüder sind, beten. Wir richten für sie und für uns das Gebet an dich, das uns Jesus Christus, dein eingeborner Sohn, gelehret hat. Wir verlangen und bitten: Univ.- Bibl. Giessen Umschreibung des Gebetes des Herrn. 27 Geheiliget werde dein Name. Möchten doch alle Menschen dich recht erkennen, dich anbeten, lieben und preisen, und durch einen frommen Wandel verherrlichen! 3u uns komme dein Reich. Deine Kirche werde unter den Völkern immer weiter ausgebreitet. Herrsche durch deine Gnade in unsern Herzen, und mache uns würdig, einst mit dir in alle Ewigkeit zu herrschen. Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden. Mache, daß wir deine Gebote halten, und auf Erden ebenso wie deine Auserwählten im Himmel dir gehorsamen, daß wir Alles geduldig von dir annehmen, Angenehmes und Unangenehmes, und in stiller Zufriedenheit alles Uebrige von dir erwarten. Gib uns heute unser tägliches Brod. Nicht um Ueberfluß, nur um das Nothdürftige bitten wir. Verleih' uns gnädiglich, was wir an Leib und Seele brauchen, Nahrung und Gnade. Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Verleih' uns die Gnade einer wahren Buße und die Nachlassung unserer Sünden. Und da du uns nur nach dem Maße vergeben willst, nach welchem wir unsern Feinden vergeben: so wollen wir ihnen hiemit von ganzem Herzen verzeihen. Führe uns nicht in Versuchung. Steh' uns in allen Versuchungen dieses Lebens bei, damit wir keiner Reizung zur Sünde unterliegen; und lieber Alles zu verlieren, Alles zu leiden bereit sein mögen. als dich zu beleidigen. Sondern erlöse uns von allem Uebel. Bewahre uns vor den Drangsalen dieses Lebens; vor Feinden unsers Heils und vor der ewigen Verdammniß. Amen. Es geschehe! Gewähre uns alle diese Bitten durch Jesum Christum, deinen Sohn. Glaube, Hoffnung und Biebe. Glaube, Hoffnung und Liebe. Ewiger, allwissender, wahrhafter Gott! auf dein unfehlbares Wort glaube ich Alles, was du in der heiligen Schrift, und durch den eben so unfehlbaren Mund deines Sohnes uns geoffenbaret hast, und was die römisch- fatholische Kirche uns zu glauben auferlegt. Alles dieß glaube ich ohne die geringste Be forgniß zu irren, obgleich mein schwacher Verstand Vieles davon nicht zu begreifen vermag. Du bist einmal die ewige Wahrhaftigkeit, kannst also nicht hintergehen. In diesem Glauben will ich leben und sterben. Herr, belebe und stärke meinen Glauben, daß er zur Zeit der Anfechtung nicht wanke. Mein Gott! du Urquell alles Guten! du bist und sollst ewig sein der Fels, auf den ich alle meine Hoffnung gründe. Ich hoffe auf die Erfüllung deiner Verheißungen mit einer Zuversicht, mit einem Vertrauen, die über alle Furcht, zu Schanden zu werden, erhaben sind. Die Welt wird vergehen, und Berge werden einstürzen, aber dein Wort bleibt in Ewigkeit. Ich hoffe auf deine Allmacht, Treue und Barmherzigkeit, du wirst mir meine Sünden verzeihen; wirst mir die zu einem christlichen Wandel unentbehrlichen Gnadenmittel, deinen Beistand in allen Versuchungen, Geduld in Trübfal, Weisheit im Glück, Alles, was mir an Leib und Seele ersprießlich ist, einen seligen Tod und das ewige Leben verleihen. Denn alles dieß hast du mir durch Jesum Christum, deinen Sohn, meinen Herrn und Heiland versprochen. Laß meine Hoffnung ewig nicht zu Schanden werden! O grundgütiger Gott! du Inbegriff aller Vollkommenheiten! du höchstes und unendlich liebenswürdigstes Gut! ich liebe dich aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und ans allen Kräften, und will aus dem Grunde dieser Liebe eher tausendmal sterben, als dich mit einer schweren Sünde vorsäzlich be= leidigen. Dir zu liebe will ich auch meinen Nächsten lieben, wie mich selbst. Heiliger Geist, der du die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgießest, entzünde mich 28 Für die armen Seelen im Fegfeuer. mit himmlischen Flammen, daß ich fähig werde, meinen Gott über Alles zu lieben, und Alles unversöhnlich zu hassen, was ihm mißfallen muß. Belebe, stärke und erhalte meine Liebe. Amen. 29 Für Am Montage: die armen Seelen im Fegfeuer. Gari ebete, Messen, Almosen, Ablässe, und andere gute Werke lehrt uns die heilige Religion können dazu beitragen, die Qualen der Seelen im Fegfeuer abzukürzen, und ihre Erlösung zu beschleunigen. Sei nicht so unempfindlich, und so sehr dein eigner Feind, um ihrer in einer Noth zu vergessen, in welcher du dich einst vielleicht selbst befinden, und gleicher Hülfe bedürfen wirst. Gebet. O du Gott der Erbarmung und des Trostes! habe Mitleiden mit den Seelen, die im Fegfeuer leiden, und gewähre ihnen, mit der gänzlichen Nachlassung ihrer noch zu duldenden Genugthuungsstrafe, die Anschauung deines Antlites, nach welcher sie so sehnlich seufzen. Laß dich, in Rücksicht der Treue, mit welcher sie dir in ihrem Leben dienten, zu dieser Nachsicht bewegen, und gedenke ihrer Vergehungen nicht mehr, welche sie aus Gebrechlichkeit ihrer schwachen Natur begingen. Ziehe sie aus diesem Aufenthalte der Strafe und der Finsterniß, und öffne ihnen die Pforten des ewigen Lichts und der Ruhe. Erhöre, o mein Gott! dieß demüthige Gebet, das ich für sie verrichte, und laß es vorzüglich für diejenigen Seelen aus ihnen wirksam sein, für die zu bitten ich die größte Pflicht und Verbindlichkeit habe. Ich flehe darum im Namen und durch die unerschöpflichen Verdienste desjenigen, der sich gewürdiget hat, für uns Alle genug zu thun, und der mit dir lebet und regieret in alle Ewigkeit. Amen. 30 Zum heiligen Schuzengel. Am Dienstage: Metro MS Bum heiligen Schußengel. ir find unsern heiligen Schutzengeln, als den bon Gott uns zugetheilten Gefährten, Rathgebern und Beschützern in unserm Leben, Liebe, Verehrung und Dankbarkeit schuldig. Wir sollen ihnen für ihren Beistand danken, und denselben bei allen Unternehmungen bitten, uns mit ihnen berathschlagen, und gegen ihre Eingebungen uns gelebrig und folgfam bezeigen. Gebet. Heiliger Engel! welchem Gott, aus unverdienter Baterliebe gegen mich, aufgetragen hat, mich durch dieses zeitliche und gefahrvolle Leben zu begleiten, der du mir in allen Nöthen zur Seite stehest, mich in meinen Widerwärtigkeiten tröstest, in meiner Muthlosigkeit aufrichtest, vor Gefahren warnest, und vor Unglück behütest; ich danke dir von ganzem Herzen für diese deine Sorgfalt und Treue, und bitte dich, du wollest fortfahren, mir deinen Beistand noch ferner zu leihen. Wie sehr will ich mich mir dagegen angelegen sein lassen, mich deines Schußes würdig zu machen dadurch, daß ich dich niemals betrübe, deinen Einsprechungen stets Gehör gebe, deiner Leitung bereitwillig folge, und deinen Beifall eifrig suche. Reiche mir deinen unterstüßenden Arm, wenn ich auf dem Wege meines Heils zu straucheln Gefahr laufe; und wenn ich doch falle, so hebe mich wieder liebreich auf. Stehe ich stille, so wecke mich aus meinem Schlafe, ermuntere mich, muthig fortzuschreiten, und halte mich mit aller Macht zurück, wenn ich versucht werde, den Weg der Tugend zu verlassen, und den des Lasters zu betreten. Gestatte nicht, daß ich mich jemals von dir trenne, und bleibe mein treuer Gefährte, bis ich das Ziel meiner Wanderschaft unter deinem Schube glücklich erreiche. Vorzüglich aber stehe mir in der ernsten und entscheidenden Stunde meines Todes Bum heiligen Joseph. gegen die Versuchungen und Anfälle des Feindes meiner Seele bei, und überliefere mich den Händen meines Gottes, der mich deiner Führung und deinem Schube anvertrauet hat, damit ich ihn mit dir in alle Ewigkeit lobe und preise. Amen. 31 Am Mittwoche: Bum heiligen Joseph. ie heilige Schrift stellt uns den heiligen Joseph, als den Pflegevater unsers Heilandes, und als den Bräutigam der Jungfrau Maria vor. Eigenschaften, welche uns von der Wirksamkeit seiner Fürbitte bei Gott Alles hoffen lassen. Nimm daher deine Zuflucht in allen Nöthen zu diesem großen Heiligen, der als Pflegevater unsers Heilandes, und als Bräutigam der seligsten Jungfrau, alle Gläubigen für seine Kinder ansieht. Was könnte er also denen abschlagen, für die Jesus gestorben ist, und Maria selbst bittet? Jnsbesonders aber wähle dir den heiligen Joseph, der das Glück hatte, in den Armen Jesu und Maria zu sterben, zum Fürsprecher bei Gott um eine selige Sterbftunde. Gebet. Heiliger Joseph, der du jener gute und getreue Diener warest, dem Gott die Sorge über seine Familie aufgetragen hat; der du das Glück hatteſt, mit Jesu und Maria zu leben, ihnen die Dienste eines Baters und Gatten zu leisten, und unter ihrem Beistande zu sterben; ich nehme meine Zuflucht zu dir und deiner mächtigen Fürbitte bei Gott, mit aller Zuversicht einer gnädigen Erhörung. Wirke mir die Gnade aus, daß ich deine heiligen Tugenden, die dich der Ehre, ein Pflegevater unseres Heilandes und ein Bräutigam seiner Mutter zu sein, würdig machten, immer als ein Ürbild vor Augen habe und möglichst nachzuahmen mich bestrebe; daß ich so feusch, so fromm, so gerecht, so arbeitsam, so geduldig, so dienst 32 3um allerheiligsten Sakramente des Altars. fertig und so liebreich sein möge, wie du es warst. Vorzüglich aber stehe mir in jener Stunde, von welcher mein ewiges Heil abhängt, in der Stunde des letzten Kampfes zur Seite, und erbitte mir an deinem Pflegesohn, an meinem und deinem Heiland, einen gnädigen und erbarmungsvollen Richter, wenn ich nach meinem Hinscheiden vor ihm erscheinen werde, Rechenschaft von meinem Leben abzulegen. Um deiner Fürbitte willen wird er mich aufnehmen, und der Gnade theilhaftig machen, ihn mit dir in alle Ewigkeit zu loben und zu preisen. Amen. Am Donnerstage: 3um allerheil. Sakramente des Altars. Die unaussprechliche Liebe, wovon Jeſus Chriftus, durch die Einsetzung dieses allerheiligsten Sakramentes, uns einen so anbetungswürdigen Beweis gegeben, sollte die nicht verdienen, daß wir sie uns so oft als möglich zu Gemüthe führen, und wenigstens einmal in jeder Woche unsern geziemenden Dank dafür abstatten? In diesem allerheiligsten Sakramente ist Jesus Christus noch mit Leib und Seele bei uns; und wir sollten uns nicht einfinden, um ihn anzubeten, wie jene frommen Hirten, und die drei Weisen aus dem Morgenlande? um uns von ihm unterrichten zu lassen, wie seine Apostel und Jünger? um die Berzeihung unserer Sünden zu suchen, wie magdalena? um von unsern Gebrechen zu genesen, wie diejenigen Preßhaften, die er bei seinem Wandel auf Erden gesund machte? Aber es geschehe auch nie anders, als mit denjenigen Empfindungen der Ehrfurcht, der Demüthigung, der Anbetung und Dankbarteit, welche ein lebendiger Glaube an seine wirkliche und wesentliche Gegenwart uns einflößen muß. Gebet. O mein Herr und mein Gott! o Jesu, Gott und Mensch zugleich! ich glaube, was ich nicht sehe; unter Zum allerheiligsten Sakramente des Altars. 33 werfe meine Sinne und meine Vernunft dem Glauben und der Untrüglichkeit deines heiligen Wortes. Ich glaube, daß das unbegreifliche Geheimniß, vor welchem ich meine Kniee beuge, dich ganz enthält, und daß du darin wirklich und mit deinem ganzen Wesen gegen= wärtig bist. Stärke meinen Glauben und verleih' ihm eine solche Kraft, daß ich dich so liebe und anbete, als nöthig ist, um der unaussprechlichen Liebe, welche du uns durch eine so unendlich große Herablassung zu erkennen gegeben, nicht ganz unwürdig zu sein. Entflamme meine Liebe immer mehr und mehr, und laß mich das unaussprechliche Glück und die selige Wonne, dich über Alles zu lieben, immer lebhafter erkennen und fühlen. Odu wahres Brod, vom Himmel herabgestiegen! du Brod des Lebens! nähre und stärke meine schmachtende Seele zum ewigen Leben, und tödte in ihr allen unerlaubten, dir höchst mißfälligen, und mit der Liebe zu dir nicht verträglichen Hunger nach den vergänglichen Gütern der Welt, und erwecke gegen Alles, was deine Vereinigung mit mir verhindern, oder meine Liebe zu dir schwächen könnte. eine unüberwindliche Abneigung. Mein Vorsatz, mich und mein ganzes Leben dir und deiner Nachfolge zu widmen, ist einmal gefaßt. Mache demnach, daß ich mich deinem Altare, wo du mir zwar unsichtbar, aber doch wirklich gegenwärtig bist, niemals nähere, ohne diesen meinen Vorsatz auf's Neue gestärkt und befeftiget zu fühlen. Du hast uns dieß allerheiligste Sakrament zur Erinnerung deines Leidens und deines Todes hinterlassen; nun so wirke durch deine Guade, daß ich nie vor demselben erscheine, ohne mit der großen Vorstellung von dem unendlichen Werthe meiner Erlösung, und von deiner grenzenlosen Erbarmung, welcher ich sie zu verdanken habe, meine Seele dergestalt zu erfüllen, daß ich zu heilsamen Empfindungen der Buße, und zu kräftigen Entschließungen, mein Leben so einzurichten, daß dein theures Blut an mir nicht verloren gehe, beweget werde. Vorzüglich aber gewähre mir die angelegentlichste meiner Bitten, daß ich bei meinem Hinscheiden Wege des Heils. 3 34 3um allerheiligsten Sakramente des Altars durch einen würdigen Genuß dieses allerheiligsten Sakramentes, zum Uebergang in die Ewigkeit gestärkt werden, und dadurch ein sicheres Unterpfand meiner Seligkeit erhalten möge. Amen. Zum Andenken an die Todesangst Jesu am Oelberge. 1. Auf dem Delberge sprach Jesus zu seinen Jüngern: Meine Seele ist traurig bis in den Tod; bleibet hier und wachet mit mir. Vater unser. 2. Und er fiel auf feine Kniee nieder, betete und sprach: Vater! wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen. Vater unser. 3. Und da er mit dem Tode rang, betete er inbrünstiger. Und sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen. Vater unser. Wir Alle gingen in der Frre wie Schafe, ein Jeglicher wich ab nach seinem Wege, aber unser Aller Missethaten hat der Herr auf ihn gelegt. V. Gott hat seines eigenen Sohnes nicht geschont, R. Sondern für uns Alle ihn hingegeben. Lasset uns beten. O Herr Jesu Christe! der du zur Erlösung der Welt Elend und Noth, Schimpf und Spott, Strafen und Züchtigungen, Leiden und Tod geduldig ertragen wolltest, um uns arme Sünder zu erretten: wir bitten dich demüthig, daß du jetzt und in unserer Todesstunde alle deine Beinen, dein Leben und deinen Tod zwischen dein Gericht und unsere Seelen setzen und verleihen wollest den Lebenden Barmherzigkeit und Gnade, den Verstorbenen Ruhe und Ablaß, uns Sündern aber Leben und ewige Freude; der du lebest und regiereft von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Zum leidenden Jesus. 35 Am Freitage: Zum leidenden Jesus. A n diesem Tage ward das große Werk unserer ErPlösung vollbracht. Jesus starb als das Versöhnungsopfer am Kreuze, um uns das Leben wieder zu geben. Welch' ein Tag für dich, o Christ! Todte standen aus ihren Gräbern auf, um ihn zu feiern, und du könntest leben, und nicht einmal daran denken, daß dieser Tag einen Gottmenschen bluten und den schmachvollsten Tod des größten Ulebelthäters sterben sah, und zwar aus Liebe zu dir um für deine Sünden das Lösegeld zu bezahlen?- Dieß wäre eine Undankbarkeit und eine Härte des Herzens, die dich der Gnade, ein Erlöster Jesu zu sein, ganz und gar unwürdig machen müßte. Hindern dich die Zerstreuungen des Lebens, es täglich zu thun, so sollte wenigstens dieser Tag der Woche dich an die Pflicht, deinem Heilande für seine Leiden mit gerührtem Herzen zu danter, erinnern, und zu einer ernsten Betrachtung des Werthes deiner so theuren Erlösung auffordern. Gebet. Göttlicher Erlöser! liebreichster Heiland! voll der innigsten Wehmuth erhebt sich meine Secle auf den Kalvarienberg, den Schauplatz von allem dem, was je die Gottheit Großes und die Liebe Erstaunungswürdiges gethan hat. Welch' ein Anblick! Der Allerheiligste blutet für fremde Schuld!- Der liebvollste Menschenfreund, dessen ganzes Leben nichts als Wohlthun, Güte und Sanftmuth war, hängt zwischen zwei Mördern am schimpflichen Kreuze, entblößt, verlassen, ohne Trost, in banger, finsterer Nacht, ein Spott seiner unmenschlichen Beiniger!- Tes Ewigen Sohn,- unschuldiger als ein neugebornes Lamm, kämpft in Todesangst mit Hölle und Tod, und gibt unter den Leiden des größten Missethäters 3* 36 Zum leidenden Jesus. seinen Geist auf!- Welch' ein Abgrund der Liebe und Erbarmung öffnet sich mir, o mein Jesu! Er staunen und Ehrfurcht und Dankbarkeit durchdringen meine Seele, und tief gebeugt bet' ich deine Liebe an, die mein Verstand nicht fasset. Was bin ich, ich sündhafter Mensch, daß du meinetwegen bis zum Kreuzestode dich erniedrigt haft? Und doch, o wie muß ich mich schämen!- hab' ich nur selten und flüchtig an diese deine Liebe und Erbarmung gedacht, und bin nur zu oft bei der Erinnerung der unaussprechlichen Leiden, die du für mich mit so viel Bereitwilligkeit und Geduld ertrugest, gleichgültig und kalt geblieben! Vergib, o mein liebevoller Heiland! nach deiner Güte, die auch auf die undankbarsten Sünder mit Erbarmen sieht, meine so schändliche Erwiederung deiner unbegrenzten Liebe. Mitten in deinen Leiden, die unendlich größer waren, als die größte Vorstellung fassen kann, vergaßest du dich selbst, aber nicht das Elend deiner Menschen. O! sp erbarme dich denn auch über mich, und sich auch jetzt mit göttlichem Mitleid und mit erbaimender Liebe mich betend vor deinem Kreuze liegen, und verzeih' meine bisherige Unempfindlichkeit und Undankbarkeit. Erweiche aber auch mein hartes Herz immer mehr und mehr zu lebhaften Empfindungen der Liebe und Dankbarkeit und für die unbegrenzte Liebe, womit du sie erduldet hast. Rühre mein Gemüth zur ewigen Verabscheuung alles dessen, was sündhaft ist, und erwecke eine unwandelbare Begierde nach Tugend und Frömmigkeit. Wenn Stolz oder Eigennüßigkeit, oder Wollust, entweder durch meine eigene Sinnlichkeit, oder durch das verführende Beispiel des großen Haufens mich reizen: so laß die Erinnerung von deiner tiefen Erniedrigung, von deiner freiwilligen Armuth und von deiner Angst und Marter denen du dich meines Heils wegen unterworfen haft, ſo lebendig in mir werden, daß ich Kraft genug fühle, der Versuchung zu widerstehen, und deinem heiligsten Beispiele allein zu folgen. Stelle dich mir in jener Gestalt der tiefsten Traurigkeit am Delberge vor, so Zum leidenden Jesus. 37 oft mein Herz mit frecher Freude der Sünde nachtagen will. Laß mich an deine Angst gedenken, wenn mein Gewissen mit Furcht und Bangigkeit kämpfet. Wenn ich andere Menschen leiden sehe, so laß mich beweget werden, ihre Bekümmerniß und Noth mit ihnen zu theilen, sie ihnen zu erleichtern, oder wenigstens tragen zu helfen. Vorzüglich aber jene Leiden, die du zu meinem Besten mir auferlegst, laß mich mit einer Geduld und Selbstverläugnung tragen, die derjenigen gleichkomme, mit der du die empfindlichsten Leiden, aus Liebe zu mir, auf dich genommen hast. O Jesu! der du um meiner Sünden willen angeklagt, verschmäht und verspottet wurdest, lehre mich, die widrigen Urtheile und Beschimpfungen der Welt mit Gelassenheit erdulden. O Jesu! der du dich um meinetwillen den Händen der grausamsten Peiniger überliefert, und dem schmachvollsten Tod unterzogen hast, lebre mich alle eitle Ehre fliehen, und meine einzige Ehre in deinem Kreuze und in deiner Nachfolge zu suchen. O Jesu! der du deinen Feinden ſo großmüthig vergeben hast, lehre mich meinen Feinden gieichfalls verzeihen, und für sie beten, wie du gethan haft. D Jesu! der du am Kreuze deinen Geist aufe gegeben haft, mache, daß ich nur dir lebe, mein Fleisch jammt allen seinen Lüsten und Begierden kreuzige. und dereinst, in der beruhigenden Hoffnung meines Heils, durch dein bitteres Leiden und Sterben, meinen Geist in die Hände meines himmlischen Vaters überliefere. Noch bitt' ich, o mein Erlöser! für die Feinde deines Kreuzes, denen, wie dort den Juden und Ungläubigen, deine Erlösung am Kreuze ergerniß und Thorheit ist; die, weil sie selbst keine Augen haben, göttliche Weisheit und Erbarmung darin zu sehen, uns gleich ihnen blind machen wollen. Erbarme dich ihrer, o Jesu! und verwirf ihre Seelen nicht, ob sie dich gleich hassen. Laß dein Gebet am Kreuze: Vater! vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun! auch für diefe unwissenden oder hartnäckigen Sünder träftig sein. Erleuchte sie mit dem Lichte des Glaubens, damit sie dich für den einzigen Urheber ihres Heils 38 Zum leidenden Jesus. und deine heilige Religion für das einzige Mittel wahrer Glückseligkeit und Seelenruhe erkennen. Verhüte, o barmherziger Jefus! daß ihr Gift wenigstens nicht die Seelen deiner Erlösten, die in deinem Kreuze Trost und Stärke finden, tööte, und sie um den Werth deines theuersten Blutes bringe. Vorzüglich aber erbarme dich derjenigen Feinde deines Kreuzes, die zwar glauben und bekennen, daß du fie erlöset hast, aber, unempfindlich gegen deine Leiden, fortfahren, dich durch ihre Verstockung und Unbußfertigkeit auf's Neue zu kreuzigen. Erschüttere ihre harten Herzen zu Thränen wahrer Reue; laß sie die Abscheulichkeit ihres Undanks und die Größe der Gefahr einsehen, der Früchte deiner Erlösung verluftig zu werden. Gehöre ich aber selbst zu diesen unglückseligen Menschen, o! so bitt ich dich um das kostbare Blut, das du für mich vergossen hast, verlaß mich mit deiner Gnade nicht! Gebiete meinem Gewissen aufzuwachen, und mich mit allen seinen Qualen so lange zu verfolgen, bis ich in reumüthiger Bußfertigkeit zu deinem Kreuze zurückkehre, Trost und Rettung für meine geängstigte Seele suche, den Weg der Sünde verlasse, mein Kreuz willig auf mich nehme, und dir mit unablässiger Treue und Standhaftigkeit nachfolge, bis ich dahin gelange, wo du zur Rechten deines himmlischen Vaters in gleicher Majestät mit ihm herrschest und regierest in alle Ewigkeit. Amen. Zum Andenken der Scheidung Christi. Es sind Finsternisse entstanden, als die Juden den Herrn Jesus gefreuziget hatten; und um die neunte Stunde rief der Herr Jesus mit lauter Stimme: Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen! und mit geneigtem Haupte gab er seinen Geiſt auf.- Deßhalb, o Herr Jesus Christus, beten wir dich an und loben dich, denn durch dein heiliges Kreuz, bitteres Leiden, unschuldiges Sterben hast du die ganze Welt erlöset. O Herr Jesus Christus, durch Zum leidenden Jesus. 39 die Bitterfeit deines heiligen Leidens, das du um unsertwillen am Kreuze ausgestanden hast, besonders in der Stunde, da deine gebenedeite Seele von deinem heiligen Leibe geschieden ist, bitte ich dich, du wollest dich über meine arme Seele erbarmen, besonders, wenn sie von meinem Leibe scheiden wird, auf daß dein Kreuz und Leiden an mir und andern Sündern nicht verloren gehe. Amen. Jesus! dir lebe ich. Jesus! dir sterbe ich. Jesus! dein bin ich lebendig und todt. Amen. Hierauf können noch fünf Vater unser und fünf Ave Maria mit Einlegung der schmerzhaften Geheimnisse gebetet werden. Ein anderes Gebet zum Andenken der Scheidung Christi. 1. Es sind Finsternisse geworden, als die Juden Jeſum gekreuziget hatten, von der sechsten Stunde bis zur neunten; denn die Sonne hat sich verdunkelt. Vater unser. 2. Und um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme, und sprach: Mein Gott! mein Gott! warum hast du mich verlassen. Vater unser. 3. Und nachdem Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und nochmals rief er mit lauter Stimme; Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist. Und mit geneigtem Haupte gab er seinen Geist auf. Vater unser. Christus ist für uns gehorsam geworden bis zum Tode- ja bis zum Tode des Kreuzes; darum hat ihn Gott auch erhöhet und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist. V. O Herr Jesus Christus! wir beten dich an, und benedeien dich; R. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöset. Lasset uns beten. Wir bitten dich, Herr! sieh gnädig auf diese deine Gemeinde herab, für welche unser Herr Jesus Christus sich den Händen der Sünder überlassen und am Kreuze sterben wollte, der mit dir lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 40 Zur Mutter Gottes. Am Samstage: Zur Nutter Gottes. leichwie die allerfeligste Jungfrau, in der Eigenschaft einer Mutter Gottes, über alle andere Heilige des Himmels unendlich erhaben ist: so muß ihre Fürbitte beim göttlichen Throne unstreitig auch die allerwirksamste sein. Ursache genug, sich ihrem Schutze besonders anzuempfehlen und sich desselben durch eine vorzügliche und unausgejetzte Verehrung würdig zu machen. Die beste und von heiligen Männern am meisten anempfohlene Verehrung aber ist, daß man sich bestrebe, ihre erhabenen Tugenden, und ins besondere ihre unbefleckte Keuschheit, ihre tiefe Demuth, und ihre standhafte Geduld in Ertragung aller der Leiden und Schmerzen, die sie in ihrem Leben zu ertragen hatte, nachzuahmen. Mit diesem Bestreben verbinde, o Christ! ein öfteres, eifriges Gebet, in welchem du sie um ihren Schutz und Fürspruch anflehest, vorzüglich in allen Nöthen und besondern Angelegenheiten; am meisten aber bitte um ihren Beistand für deine letzte Noth und Sterbestunde. Eine eifrige Verehrung der Mutter Gottes, jagt der heilige Bernhard, ist ein Zeichen der Auserwählung. Gebet. Allerfeligste Jungfrau! du Mutter meines Gottes! und in dieser Eigenschaft von den Engeln und Menschen der tiefsten Verehrung würdig! ich wende mich zu dir, um deiner Heiligkeit die gebührende Huldigung zu leisten, und mir deinen mächtigen Schutz zu erbitten. Begrüßet seist du, Maria. Ich erkenne und verehre dich als eine Mutter Gottes, meines Heilandes. Ich erkenne und verehre dich als meine wirksamste Fürsprecherin hei dem Throne meines Gottes, und empfehle mich deinem Schuße und deiner Fürbitte. Du bist voll der Gnaden. Gott hat dich mit seinen Gnaden erfüllt. Er hat dich unbefleckt und rein Zur Mutter Gottes. 41 von aller Sünde erhalten; er hat dich mit allen den Tugenden und Vollkommenheiten, welche einer Mutter Gottes eigen sein mußten, ausgeziert. Der Herr ist mit dir. Er war stets mit dir, und nie hat eine Sünde dich von ihm getrennt. Er war dein ganzes Leben hindurch mit seinem Schutze und seiner Gnade mit dir, und er ist noch und durch alle Ewigkeit in der Völle seiner Glorie und Herrlichkeit mit dir. Du bist gebenedeit unter den Weibern. Gott hat dich gebenedeiet, und aus Allen deines Geschlechtes zur Mutter desjenigen erwählt, durch welchen alle Völkerschaften gesegnet werden sollten. Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Durch ihn wurdest du gebenedeiet, wir benedeien ihn mit dir, und benedeien dich um seinetwillen. Glückselig ist der Leib, der ihn getragen bat! glückselig sind die Brüste, die ihn gesäugt haben! Noch glückieliger aber bist du, die du ihn stets geliebt und gehört und das Wort Gottes bewahrt haſt. Heilige Maria, Mutter Gottes! Die du Jesum Christum, der da Gott ist, empfangen, und geboren hast, deine Fürbitte vermag Alles bei deinem Sohne; sie vermag Alles bei dem Allmächtigen; und deine Güte gegen die Menschen gleicht deiner Macht im Himmel. Bitt für uns. Erbitt uns bei Gott alle Gnaden, deren wir bedürfen, um ihm wohlgefällig zu sein, und erwirb ans durch deine Fürbitte, daß wir Zutritt zu ihm haben. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Heiland und Erlöser. Arme Sünder. Unserer Sünden wegen sind wir unwürdig, uns unmittelbar zu Gott zu wenden, und die uns unentbehrlichen Gnaden zu erflehen. Erbitt uns die Gnade wahrer Buße und Verzeihung unserer Missethaten. Jeßt und in der Stunde unsers Absterbens. Amen. Erbitt uns die Weisheit, welche den Verstand erleuchtet und in der Gottfeligkeit unterrichtet. Erbitt uns eine eifrige, standhafte und Univ.- Bibl. Giessen Von der Betrachtung überhaupt. aufrichtige Frömmigkeit, die Gnade, deinen heiligen Tugenden nachzuahmen, Stärke in unserm Glauben, in unserer Hoffnung, in unserer Liebe, und einen unüberwindlichen Abscheu gegen die Sünde. Vorzüglich aber erbitt uns die Beharrlichkeit im Guten bis an unser Ende, und die Gnade, mit Gott vollkommen ausgejöhnt, und durch einen würdigen Genuß des heiligsten Abendmahls gestärkt, den Tod der Gerechten zu sterben. Amen. 42 Betrachtungen auf alle Tage des Monats. Von der Betrachtung überhaupt. idme, so fern du kannst- alle Tage wenigstens eine halbe Stunde am Besten nach dem Morgengebete der Betrachtung. Eine Betrachtung ist eine ernsthafte Ueberlegung irgend einer Wahrheit der Religion oder der Sittenlehre. eigentliche Nahrung der Seele, die ihr Leben und Stärke Betrachtungen sind die gewährt. Jeder wird sich von dieser Wahrheit überzeugen, der sie nur einige Zeit in rechter Weise vornimmt, und wird dann auch bei den häufigsten Geschäften noch eine halbe Stunde für diese höchst wesentliche Religionsimmer übung finden. Du magst noch so gründlich in den heil. Religionswahrheiten unterrichtet sein, sie werden bald aus deiner Seele verschwinden, oder doch, was eben so viel ist, todt und ohne Wirkung darin schlummern, wenn du sie dir nicht oft zu Gemüthe führeft und deren Erkenntniß von Zeit zu Zeit in dir erneuerst D - Zu solchen Betrachtungen kannst du mit großem Nuzen das bekannte Büchlein Thomas a Kempis von der Nachfolge Christi" gebrauchen, und täglich aus demselben ein Kapitel, jedoch mit betrachtender Aufmerksamkeit lesen. Auch soll hier, um dir die Ausübung dieser Pflicht zu erleichtern, 11 Von der Betrachtung überhaupt. für jeden Tag des Monats ein solcher Stoff zur Betrachtung folgen. Wenn du jedoch diese nachstehenden kurzen Abhandlungen benützest, so sollst du sie nicht bloß herablesen, sondern ernsthafte Gedanken und Uleberlegungen damit verknüpfen ( denn das heißt, wie schon gesagt, betrachten), wodurch dein Geist erleuchtet, gerührt und erbauet wird. Zu diesem Ende mußt du 43 vor der Betrachtung deinen Geist sammeln, ihn von allen irdischen Dingen und Gedanken abziehen, mit ungetheilter Aufmerksamkeit auf den Gegenstand der jedesmaligen Betrachtung richten und dir hiezu Gottes Beistand und Gnade erbitten, etwa in folgendem Gebet. Allmächtiger Gott und Herr! meine Absicht, durch eine heilsame Betrachtung der vor mir liegenden Wahrheit deiner Religion mich zu unterrichten und gute Bewegungen und Entschließungen in mir zu erregen, kann dir ebensowenig unbekannt sein, als mein Unvermögen, dieses fromme Geschäft durch mich allein gehörig zu verrichten. Ich bitte dich demnach, reinige meinen Geist von allen Nebengedanken, die meine Aufmerksamkeit stören, und meine Betrachtung verunreinigen könnten; erleuchte meinen Verstand, daß er diese Wahrheiten mit der lebhaftesten Ueberzeugung einsehe, rühre mein Herz, daß es den Unterricht gelehrig annehme, und die kräftigsten Entschlie kungen fasse, denselben zu befolgen. du Geist des Rathes, und des Lichtes, der Stärke und der Fürcht Gottes! du Quelle aller heiligmachenden Güte, aller guten Regungen und Empfindungen! fehre in mir ein; leite mich bei meiner Betrachtung, und laß sie mir zum Wachsthum an Weisheit, zur Besserung meines Lebens und zum Heile meiner Seele nüßlich sein. Amen Von der Betrachtung überhaupt. Bei der Betrachtung haft du dich folgendermaßen zu verhalten. Du mußt jeden Sak, wenn du ihn gelesen hast, überdenken, um zu sehen, ob du ihn verstehest, sowohl den einzelnen Worten als ſeinem ganzen Inhalte nach. Bleib' daher ein wenig dabei stehen; denke darüber nach, und mache dir die Wahrheit, die er enthält, gleichsam anschauend. Verlaß keinen Satz, ohne dich überzeugt zu haben, daß du Alles, was darin liegt, ges funden, eingesehen, und gefühlt habest. Eine Betrachtung lesen, und nicht überdenken, nicht für sich betrachten, was man gelesen, ist eben so viel, als Geld von einem Andern zu seiner Nothdurft borgen, und dasselbe, nachdem man es einen Augenblick besehen, wieder ungebraucht zurückgeben. Durch das Ueberdenken und Nachdenken allein können wir aus unserer Betrachtung Nutzen ziehen, und die Gedanken, die den Inhalt der Betrachtungsformel ausmachen, zu unserm Eigenthume gewinnen. Es läßt sich daher folgendes sichere Kennzeichen, ob du recht und mit Nutzen betrachtet hast, angeben. Hat der Stoff der Betrachtung eigene Gedanken in dir veranlaßt; hast du hie und da etwas aus dir selbst hinzu gedacht; oder das, worauf in der Betrachtungsformel nur mit wenigen Worten hingedeutet war, ausführlicher gedacht; bist du dabei in gewisse Empfindungen der Anbetung, der Liebe und Furcht Gottes, des Vertrauens und der Hoffnung oder der Verabscheuung deiner verkehrten Gemüthsart, deiner Undankbarteit gegen Gott, deiner Lauigkeit in seinem Dienste, deiner Blindheit in Bezug auf die Gefahren deines Heiles u. s. w. versetzt worden, und waren diese Empfindungen so stark, daß sie gleichsam von selbst in laute Seufzer und Ausrufungen, eine Art von Gespräch mit Gott, ausgebrochen sind so kannst du versichert sein, daß du zu betrachten verstehest, und, wie man soll, um den möglichen Nugen daraus zu ziehen, betrachtet habest. 44 - Nach der Betrachtung mußt du dich, wenn es anders möglich ist, nicht sogleich mit andern Dingen beschäftigen, sondern noch eine Weile Gott und seine Eigenschaften. 45 deinen Geist gesammelt halten, und den Inhalt der Betrachtung noch einmal aus deinem Gedächtniß kurz überdenken, um den Gedanken und Entschließungen, welche die Betrachtung veranlaßt hat, Zeit zu lassen, sich der Seele um so tiefer einzuprägen. Thust du das nicht, so werden sie bald von andern Vorstellungen und Empfindungen wieder verdrängt und vertilgt werden, und der ganze Nutzen deiner Betrachtung wird in nichts mehr, als in einem leeren Zeitvertreib bestehen. Endlich mußt du dich den Tag über noch öfter an den Inhalt deiner Morgenbetrachtung erinnern und vorzüglich den angehängten Zehrspruch in's Gedächtniß zurückrufen; nicht minder die was das Wichtigste ist Entschließungen, die du bei der Betrachtung gefaßt haft, bei sich ergebender erster Gelegenheit, in Vollziehung bringen; auch wohl selbst Gelegenheit dazu aufsuchen. Denn das beständige bloße Betrachten der Tugenden, ohne sie auszuüben, blühet unsern Geist und unser Herz auf, und macht, daß wir uns unvermerkt wirklich für das halten, was wir zu werden uns doch nur vorgenommen haben. Ein Beispiel wird hinreichen, dir zu erklären, wie obige Regel zu verstehen sei. Wir wolleu annehmen, du hättest bei der Betrachtung über die Liebe der Feinde den Entschluß gefaßt, dich künftig liebreich und wohlthätig gegen deine Feinde zu bezeugen. Bei der ersten Zusammenkunft mit ihnen führe deinen Vorsatz aus, oder so fern es sich thun läßt, suche selbst noch heute einen derselben aus, und begegne ihm, wie du dir am Morgen bei der Betrachtung vorgenommen haft. - - - Erster Tag. Gott und seine eigenschaften. G ott ist der Schöpfer, Herr und Erhalter alles dessen, was da ist. Er ist ewig; denn ehe die Berge und die Erde und die Welt geschaffen wurden, war er, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. In ihm ist keine Zeit, kein Alter, keine Abnahme, kein Zuwachs der Kräfte; denn er ist unendlich. Die Gott und seine Eigenschaften. Himmel werden vergehen, aber er bleibt, wie er ist. Wenn ich in die Ewigkeit hineinblicke, so finde ich mich nicht mehr- nicht die Welt- nicht die Geister- nur Gott allein. Kann ich leichtsinnig gegen ihn sein, und ohne geheimen Schauer das Wort Gott nur denken? Gott ist allwissend und höchst weise. Er kennt nicht nur alles, was nothwendig ist, er weiß auch alle freie und zufällige Handlungen. Das Vergangene, Gegenwärtige und Zukünftige übersieht er mit einem Blicke. Der Herr erforschet mich und kennet mich. Ich site oder stehe auf, so weiß er es. Er verstebet meine Gedanken von fe: ne. Er sieht alle meine Wege, und kein Wort ist auf meiner Zunge, das er nicht weiß, 46 Er ist höchst weise. Seine Handlungen sind immer auf's Beste gewählt und auf's Beste ausgeführt. Er ist überall gegenwärtig. Welche beilige Furcht muß mich hier überfallen! Vor ihm kann ich mich nicht verbergen. Ich unreiner, fündiger Mensch! sollte ich vor diesem Gedanken nicht vergehen? Erist allmächtig; er fann, was er will; ist beilig und verabscheuet alles Böse; ist gerecht und strafet es. Welche Furcht muß mich hier nicht überfallen! Er ist wahrhaftig: er kann nicht hintergehen, und ist in seinen Verheißungen treu. Bin ich es auch in den meinigen, die ich ihm so oft that? Weh mir! wenn ich jezt Rechenschaft darüber geben sollte. Aber er ist auch höchst gütig und barmherzig: das tröstet mich wieder. Er liebt seine Geschöpfe, und will ihnen zeitliche und ewige Glückseligkeit gewähren. Die Liebe muß Vollkommenheit in ihrem Geschöpfe haben- was findet Gott an mir, zu lieben? Gott ist böchst selig. Seine höchsten Eigenschaften, die Schönheit und Vollkommenheit seiner Werke, seine Regierung der ganzen Welt, und die Glückseligkeit seiner Geschöpfe machen seine Seligkeit aus. Darf ich hoffen, einst Gottes Angesicht zu schauen? Ich dürfte darnach, den Höchstseligen zu sehen! Er will ja nicht allein felig sein; er will auch mich selig machen. Aber ich muß das meinige beitragen. - 47 Der vornehmste Endzweck des Menschen. Der dich ohne deine Mitwirkung erschuf, wird dich ohne deine Mitwirkung nicht selig machen. Augustinus. Zweiter Tag. હા Der vornehmste Endzweck des Menschen. ur Gott fonnte mich erschaffen: und nur um seinetwillen fonnte er mich erschaffen. Gleichwie er mein Anfang ist, so muß er auch mein Ende sein. Hat er mir einen Verstand gegeben ,, so ist es dazu. damit ich ihn erkenne; ein Herz, damit ich ihn liebe; Kräfte, damit ich ihm diene. Und wie komme ich diesem meinem Endzwecke nach?- Kenne ich Gott?- Lieb' ich ihn? Diene ich ihm? Weh mir, wenn ich einem Geschöpfe statt des Schöpfers diene! Wenn ich die Welt liebe, und ihren Eitelkeiten meine Geistesfähigkeiten, meine Kräfte widme! Gott ist mein höchster Herr; kann ich mich ihm entziehen? wäre ich unsinnig genug, es zu wagen, er würde mich seine Oberherrschaft empfinden lassen! Er will mich durch seine Güte an sich fesseln, und verachte ich diese Güte, so wird er durch die Wirtungen seines Zornes mich zur Unterwerfung zwingen. Schrecklich! eines von beiden kann ich nicht vermeiden sondern muß es wählen: entweder unter der Herrschaft seiner Güte, oder unter der Herrschaft seiner strengen Gerechtigkeit zu leben. Welches von beiden will ich wählen? Alles, was ein Wesen hat, muß sich nach seinem Endzweck richten. Die Sonne ist bestimmt, mir zu leuchten. Wollte sie den Menschen ihr Licht entziehen, so wäre es eben so viel, als wäre sie nicht da: ja sie wäre ein Scheusal in der Natur. Ebenso kann nichts Abscheulichferes gedacht werden, als eine Seele, die für den höchsten Gott erschaffen ist und sich doch Gott nicht ergibt. Wie aber? erweise ich mich denn als ein Geschöpf, das nur für Gott gemacht ist? Sind ihm alle meine Gedanken und Thaten gemidmet? Und 48 Die Glückseligkeit des Menschen. was will ich, Thor! denn auf Erden, wenn ich das wichtigste, das einzige Geschäft, weßwegen ich da bin, verabfäume? Ich will deranach nichts so eifrig suchen, als Gott allein, und ihm nichts entziehen, was ihm gebührt. Ach, du bist mein Gott und mein Herr!- Joh. 20, 28. Derjenige, der dich ganz und gar gemacht hat, will auch, daß du ihm ganz angehörest. Augusinus. Dritter Tag. Die Glückseligkeit des Menschen. ch fühle ein unwiderstehliches Verlangen, glückjelig zu sein. Aber wo finde ich die Glückseligfeit dieses Lebens? Von dieser Frage hängt ein großer Theil meiner Zufriedenheit ab. Welchen Stand muß ich erwählen? Welche Mittel muß ich anwenden, um glückselig zu sein?- Soll ich nach Reichthum, Ueberfluß, Ehre und Wollust streben? Aber warum sehe ich an den Menschen, die diese Vorzüge, diese so blendenden Güter befizen, so viele Zeichen des Unmuths, der Langweile, der Ünzufriedenheit, der Furcht vor dem Tode? Reichthum verleitet znm Geiz oder zur Unmäßigkeit; Ueberfluß macht auf Gott vergessen; Ehre gebiert Hochmuth und Feinde, und Wollust zieht Schande und Schmerzen nach sich. Hier finde ich also nicht, was ich suche, teine dauerhafte Zufriedenheit. Und wie kann ich Ruhe und Glückfeligkeit bei euch suchen, ihr Elenden! die ihr mit Armuth und Mängel kämpfet?- Wo finde ich also das schäzbare Gut, nach dem ich dürfte? Seele! wiederhole nicht ängstlich dieſe Frage. Ruhe und Glückseligkeit sind dir näher, als du denfft; fic find- in dir. Bist du mit deinem Stande, und was dir Gottes Güte mitgetheilet hat, zufrieden, sagt dir dein Gewissen, daß du ein Freund Gottes bist: nun so wirst du dieß Kleinod besitzen, das so Die Pflicht zu glauben. 49 wenigen Menschen zu Theil wird, weil die meisten es da suchen, wo es nicht anzutreffen ist. Erfülle deine Pflichten und im Uebrigen vertraue auf Gott; dieß allein ist die Quelle wahrer Seelenruhe: suchest du sie in etwas Andern, so betrügst du dich. Üeberhaupt aber vergiß nicht, daß diese Welt der Ort nicht sei, wo du eine völlige Befriedigung deiner Wünsche erwarten kannst. Du wirst bei aller Tugend und Rechtschaffenheit dennoch zuweilen Ursache finden, eine Verbesserung deines Zustandes zu wünschen. Nur die Anschauung Gottes kann dein ganzes Herz zu frieden stellen. Durch diese Betrachtung stärke dich bei der Unruhe und dem unvermeidlichen Elende dieses Lebens; du wirst Trost und Linderung darin finden. zeit. Ein ruhiges Gewissen ist eine herrliche Mahl- Sprichw. 15, 15. Wenig und in der Furcht des Herrn genossen, ist besser als große und unersättliche Schäße. Ebendas. 15, 16. Vierter Tag. 盟 Die Pflicht zu glauben. lles, was uns das Evangelium lehrt, iſt auf das Ansehen Gottes, der zu den Menschen geredet hat, gegründet. Die Kirche hat aus dem Munde Jesu Christi dasjenige gelernt, was sie den Gläubigen, als den Gegenstand ihres Glaubens, vorstellt. Man kann also nicht irren, wenn man die Wahrheit selbst zum Führer hat. Es ist nichts vernünftiger, als die Vernunft dem Glauben zu unterwerfen. Was hilft aber dem Christen der Glaube, wenn er ihm nicht zur Richtschnur seines Lebens dient? Es ist der größte Frevel, an der Lehre einer Wahrheit zu zweifeln, die von Gott geoffenbaret, die mit dem Blute so vieler Märtyrer besiegelt, die durch so viele Wunder bestätiget, und die für wahr zu erkennen, selbst die bösen Geister mehrmals geWege des Heils. 4 Der schreckliche Unglaube. zwungen worden. Aber noch größer ist die Thorheit, wenn man die Wahrheit dieser Lehre glaubt, nicht gemäß leben, ist eben so viel, als wie die bösen Geister leben. 50 So soll denn künftig der Glaube die Vorschrift und Regel meines Lebens sein. Was derselbe verbietet, verwirft, weil ich, so sehr meine Natur widersprechen dürfte, fliehen und verabscheuen. Ich will bei jeder Gelegenheit die Gesinnungen der Welt gegen die Lehren des Evangeliums halten und prüfen. Was spricht denn die Welt? Man muß seinen Begierden und Neigungen folgen; man soll nicht leiden u. s. w. Was sagt Jesus Christus? Das Gegentheil. Wem muß ich glauben? Ihm oder der Welt? Ich danke dem gütigen Gott, daß ich ein Glied der wahren Kirche bin. Ich hatte so wenig Anspruch auf diese Gnade, als so viel tausend Andere, denen sie nicht zu Theil geworden. Herr, stärke unsern Glauben, Lukas 17, 5. Was hilft es, als ein Christ zu glauben, wenn man wie ein Heide lebt?- Petrus Damianus. Fünfter Tag. Der schreckliche Anglaube. G ott, aus grundloser Barmherzigkeit, schickt uns einen Erlöser, einen Seligmacher, und zwar in der Person seines eigenen Sohnes. Jesus verkündigt eine himmlische Lehre; bestätigt fie mit unzähligen Wundern, und stirbt, als das Opfer für unsere Sünden. Und Menschen, die sich Christen nennen, und im Schooße der Kirche geboren werden, dünken sich groß, alles dieß nicht zu glauben, und darüber zu spotten! Sollte Gott diese Bosheit, die ihres gleichen nicht hat, ungestraft laffen? Oer ist kein fodter Gott, kein unheiliger unthätiger Gott. Er wacht, er eifert für seine, und seines Sohnes Ehre. Sein wunderbarer Weg, Sün Der schreckliche Unglaube. 51 - der nur noch durch eine Mittelperson gerecht und selig zu machen, hat ihn zuviel Weisheit, Güte und Allmacht gekostet, als daß er ihn ungerächet sollte übertreten lassen. Schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!( Hebr. 15, 31) In Gottes Hände fallen!- heißt sich seine ganze Strafgerechtigkeit zuziehen, weil der Unglaube die Sünde ist, in der alle Uebrigen liegen. In Gottes Hände fallen, heißt von aller Hilfe der Kreatur, von allem Troste, und von allem Beistande verlassen sein. Schrecklich ist's, in Gottes Hände zu fallen, weil sie, ohne daß man ihnen entfliehen kann, uns ergreifen, fest halten, und durch alle Ewigkeit nicht mehr loslassen. Ungläubiger! von welcher Art es du auch bist, schaudert dich hier nicht? Ergreift dich nicht ein allmächtiger Schrecken? Der Gott, dessen du mit der äußersten Ruchlosigkeit spottest, wird dich einst richten, nach seinem Worte, das du nicht annehmen willst, nach seiner Religion, vor deren Licht du verstockt deine Augen zudrückest, richten! Was hat dir Jesus zu leid gethan? und wodurch willst du Gott zwingen, dich anders selig zu machen, als durch den Glauben an Jesum, und durch Buße? Beuge jetzt deine Kniee vor ihm, ehe er dich als Richter zwinget, ihn zu erkennen. Bist du kein Ungläubiger: so danke Gott für das Licht, das dich erleuchtet. Aber bete auch für deine höchst elenden, mit der gefährlichsten Blindheit geschlagenen Brüder, die nicht glauben, damit Gott fie sehend mache. Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, und der Zorn Gottes bleibt über ihm. Johann. 3, 36. 19160 - 4* 52 Die Pflichten gegen uns selbst. Sechster Tag. Die Pflichten gegen uns selbst. મ us Leib und Seele besteht der Mensch. Die Seele ist ein Geist, der Verstand und Willen, Triebe und Begierden hat, und in Ewigkeit fortdauern wird. Deine erste Sorge muß also dahingehen, daß du deine Seele und dein Leben liebest, und vor allen Dingen deiner Seele Wohlfahrt suchest. Du mußt dich also gern in allen Wahrheiten der Religion unterrichten lassen, und deine Erkenntniß von Gott und göttlichen Dingen immer zu erweitern bemühen. Gebrauche jede Gelegenheit, einsichtiger, vernünftiger und klüger zu werden; denn darin besteht die Pflicht gegen deinen Verstand. Dein Wille soll nur das wahre Gute begehren, und darin immer der Vernunft allein folgen. Hüte dich vor heftigen und unordentlichen Begierden; denn sie bereiten tausend Unruhe, und stürzen in die abscheulichsten Laster. Du bist nicht Herr deines Lebens, noch deiner Glieder. Du sollst daher nichts thun, was deine Gesundheit stören kann. Durch Unzucht, Unmäßigkeit, und unvernünftigen Gram über weltliche Dinge sein Leben verkürzen, ist ein langsamer Selbstmord. Arbeit stärkt den Leib, und verhindert manche Krankheiten, die aus einem trägen Leben entstehen. Du bist daher schuldig zu arbeiten, und dazu hast du Kräfte des Leibs und der Seele. Was du durch Arbeit verdienest, das verschwende nicht auf Schwelgerei, Spielen und Kleiderpracht; sondern mache einen weisen Gebrauch davon. Hüte dich am meiſten vor dem Laster der Unkeuschheit, denn dein Leib soll eine Wohnung des heiligen Geistes sein, der in feinem unreinen Herzen wohnt. Sørge für deinen guten Namen dadurch, daß du rechtschaffen und ehrlich handelst. Betrug und Falschheit schadet am meisten demjenigen, der sie Die Pflichten gegen den nächsten. 53 ausübet. Verzärtle deinen Leib nicht: er wird dadurch zur Arbeit untüchtig, und verliert seine Stärke, worauf deine Gesundheit beruhet. Wenn du die Weisheit, wie Geld, suchen, und wie ein Schaß ausgegraben wirst; dann wirst du die Furcht des Herrn lernen; und die Kenntniß Gottes finden.- Sprichw. 2, 4. Siebenter Tag. Die Pflichten gegen den Nächsten. Unser Heiland hat und ein Gebot gegeben, woran er uns für die Seinigen erkennen will. Es heißt: Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst. In der Liebe, die wir allen Menschen schuldig sind, liegen alle Pflichten gegen den Nächsten, deren Hauptinhalt dieser ist, daß wir uns über ihre Menschheit und ihre Vollkommenheit freuen; an dem Wohl derselben Antheil nehmen; ein herzliches Wohlwollen gegen sie empfinden, und daher ihnen nicht nur alles mögliche Gute, und allen Zuwachs ihrer Vollkommenheiten gönnen und wünschen; sondern auch mit der That ihnen behilflich sein ſollen. Ihre wirklichen Laster sollen wir zwar hassen, aber auch mit denselben so viel Mitleid haben, daß wir an ihrer Besserung und Bekehrung arbeiten. Daher sollen wir besonders ihre Seele lieben, fie unterrichten, und in der Tugend stärken. Nächst dem soll uns das Leben der Menschen theuer sein. Was wir zu ihrer Gesundheit beitragen können, sollen wir gern thun, wie überhaupt bei ihrer Noth empfindlich sein: und was wir in ähnlichen Fällen von unsern Mitmenschen uns gethan wünschen würden, soll die Regel sein, was wir ihnen zu thun schuldig sind. Nicht nur auf eine gewaltsame Art unserm Nächsten das Leben nehmen, heißt tödten, sondern Die Verachtung der Welt. auch, wenn man ihm durch Verdruß, Kränkung, schwere Arbeit, Grausamkeit und harte Schläge seine Gesundheit raubt, und ihn dadurch langsam tödtet. Der schwersten Verantwortung aber machen wir uns schuldig, wenn wir ihn seines geistlichen Lebens berauben; wenn wir ihm Aergerniß geben, ihn zur Sünde, zu gefährlichen Irrthümern ver= führen, oder darin bestärken. Ein solcher Seelenmord ist das größte und unerseßlichste Uebel, das wir unserm Nächsten zufügen können, und das am meisten wider die Liebe, die wir ihm schuldig sind, streitet. 54 Wer seinen Nächsten hafset, ist ein Todtschläger, 1. Johann. 3, 15. Wenn ich die Gabe zu weissagen, wenn ich die Kenntnisse aller Geheimnisse, und alle Wissenschaft befäße; wenn mein Glaube so stark wäre, daß ich Berge versehen könnte: und die Nächstenliebe, nicht hatte so bin ich nichts.- Paulus, 1, Cor. 13, 1. - Achter Tag. Die Berachtung der Welt. 8 hört auf ein Christ zu sein, der sich der Welt ergibt. Diese ruchlose Welt, die nach Hoheit, Vergnügen und Allem, was unserer Eigenliebe schmeichelt, mit unersättlichem Hunger strebt, ist der Hauptfeind Jesu Christi. Ihre Gefinnungen, Befehle und Absichten sind dem Evangelium ganz zuwider, und es ist unmöglich, Christo und der Welt zugleich zu dienen. Wir können uns keineswegs für die Welt erklären ohne unsern Taufbund, in welchem wir dem Teufel und der Pracht der Welt entsagen, zu brechen. Und was hat denn die ganze Welt das der Liebe und Ergebung einer unsterblichen Seele werth wäre? Ihre Schätze, Wollüste, Ehrenbezeugungen können zwar, durch ihren betrügerischen Schimmer, Die Ungewißheit der Todesstunde. 55 thörichte Menschen blenden, beschäftigen und zerstreuen; aber sie auf eine wahre und dauerhafte Art glücklich machen, das können sie nicht. In der That sind ihre Güter nichts als Blendwerke, und vorübergehende Träume, oder vielmehr wahre Uebel, die uns verleiten, lasterhaft zu werden, und auf unser Seelenheil zu vergessen. Das scheinbarste Glück ist nicht nur leer, ung wiß, und von kurzer Dauer, sondern auch mit Unbequemlichkeit, Unruhe und Verdruß verknüpft. Man seufzet und leidet sowohl auf dem Throne, als unter dem Strohdache. - Nun, da ich deine Blendwerke kenne, verführerische Welt! wäre es doppelte Thorheit, dir zu glauben, dir zu dienen. Ich will weiser handeln, und meinem Gott leben. Was hoch ist unter den Menschen, das ist ein Greuel vor Gott. Luc. 16, 15. Weh denen, die sich an vergängliche Dinge hängen denn sie werden vergehen. Augustinus. Neunter Tag. Sou Die der Todes- Stunde. Anbekannt ist euch die Stunde, um welche euer Herr kommen wird, euch einstzu richten, darum wachet! So ruft die Stimme unseres Schöpfers. Bedenke dieß Wort mit Ernst, meine Seele! und wache und bete, daß der Herr dich nicht unvorbereitet finde. So manche warnende Beispiele eines schnellen Todes hat mich mein Gott schon erleben lassen; so vielen Zufällen, Krankheiten und tödtlichen Gefahren ist mein Leben ausgesett; kein Alter, keine Zeit, ja keine Minute meines Lebens, ist vor dem Tode ficher: und doch scheine ich die Gefährlichkeiten, unter denen ich wandle, nicht zu achten. Wie lange ist's noch, daß ich zu leben habe? Sind es hundert, sind es tausend Jahre?- Und 56 Das jüngste Gericht. wenn sie es wären, verdiente eine Ewigkeit, die gar keine Zahl hat, sie nicht alle zu ihrer Vorbereitung? Weiß ich denn mein Ende?- Kann es nicht morgen, nicht heute noch, kommen? Ist denn die Zu bereitung zum Tode ein Werk von etlichen Stun den oder Tagen? Muß nicht Erkenntniß und Buße über meine Sünden, und eine völlige Aenderung meines Herzens vorangehen, ehe ich den entscheidenden Schritt in die Ewigkeit thue? Und wenn mich der Tod übereilte?- Schreckenvoller Gedanke! welche Reue und Unruhe des Gewissens würde mich bei der Vorstellung ergreifen, daß ich so viele Jahre verstreichen ließ, ohne mich meiner Seligkeit zu versichern!- Was würde ich nicht AVes wünschen, gethan zu haben, wenn ich im Begriff sein werde, zu sterben! Nun so will ich solches von heute an thun, und nicht erst warten, bis ich vergebens nach Zeit seufzen werde. Und sollte ich es darauf ankommen lassen, ob ich vielleicht als ein Feind Gottes sterben werde?- O schrecklicher Tod! o unglückseliger Augenblick, wo alle zeitliche Freuden schwinden, und ewige Strafen ihren Anfang nehmen werden! Denn ihr wisset selbst nur allzu wohl, daß der Tag des Herrn kommen werde, wie ein Dieb bei Nacht. verDer Christ lebt heute also, als ob er den morgenden Tag nicht erleben sollte. Tertullianus. Zehnter Tag. Das jüngste Gericht. H ch muß dereinst vor dem Richterstuhle Jeſu Christi erscheinen, um über Alles, was ich Gutes oder Böses gethan, öffentlich gerichtet zu werden.- Hievon bin ich so gewiß überzeugt, als ob ich den fürchterlichen Schall der rufenden Posaune bereits gehört hätte. Was werde ich ant Das jüngste Gericht. 57 worten, wenn so viele böse Gedanken, so viele laſterhafte Thaten, wenn die Verachtung der so oft angebotenen Gnaden, mir werden vorgehalten werden? O schrecklicher Tag! an welchem Alles, sogar die geheimsten Gedanken, die verborgensten Regungen des Herzens, sollen entdeckt, und Alles, sogar jedes unnüße und unvorsichtige Wort, wird geahndet werden!- Aber ich werde auch als Kläger hervorgerufen werden. Ich werde Dinge entdecken müssen, über welche ich hier einsam flagte, und Gott zum Richter machte. Schmachtete ich hier im Elende: so werde ich den Unbarmherzigen anklagen müssen, der mir nicht helfen wollte. Schlechte Lehrmeister, saumselige Eltern, verführende Freunde, harte Vorgeſetzte, ungerechte Obrigkeiten werden bei jedem Punkte der Anklage zittern. Der Gerechte selbst wird Mühe haben, als ein Gerechter befunden zu werden; wo wird der Gottlose bleiben? Was für ein Urtheil hat ein unbußfertiger Sünder von dem unerbittlichen Gott zu erwarten? - O wie entseßlich klingt dieß Urtheil: Gehet hin! ihr Verfluchten!- Wohin werden, o Herr! dieſe Unglückseligen gehen, wider welche du einmal den Fluch ausgesprochen? In welche Gegend der Welt sollen diejenigen fliehen, die du von deinem Angesicht verwirfst? Wo mag wohl dieser abscheuliche Aufenthalt sein? Von Gottes Gegenwart verbannt, von Gott verflucht zu sein: welch ein unerträglicher Gedanke! Die ganze Hölle liegt in diesem Gedanken. Wie wichtig ist es demnach, zu diesem schrecklichen Gerichtstage mich vorzubereiten, damit ich so befunden werde, wie ich es alsdann wünschen werde. Wer kann vor seinem Zorn stehen, und wer kann vor seinem Grimm bleiben? Sein Zorn brennt wie Feuer.- Nahum 1, 6. Was kann auf das unsträfliche Leben folgen, wenn du, o Gott! solches nach der Strenge und ohne Barmherzigkeit untersuchen und richten wolltest! Augustinus. - 58 Die Strafen der Hölle. Eilfter Tag. Die Strafen der Hölle. chrecken würde uns überfallen, wenn wir das entseßliche Angstgeschrei der Verdammten hören sollen! Sie seufzen, ächzen und heulen in der ewig brennenden Flamme? Sie werfen sich ihre Sünden vor; sie bejammern, sie verabscheuen sie. Aber vergebens! sie haben zu lange gewartet. Im Leben hätte ihnen eine solche Reue nühlich sein können. Jezt haben ihre Thränen keine andere Wirkung, als daß sie das Feuer unterhalten, das unaufhörlich brennt, ohne zu verzehren. Gott ewig nicht sehen; in einem Feuer brennen, gegen welches unser Feuer nur ein geringer Schatten ist; alle Arten der Qualen auf einmal, ohne einigen Trost, ohne Linderung, ohne Hoffnung erdulden; Teufel und Furien beständig vor Augen, Wuth und Verzweiflung im Herzen haben, welch entsetzlicher Zustand! - Die martervolle Erinnerung so vieler versäumten Gelegenheiten, sich glückselig zu machen, wird in den Seelen der Verdammten Wuth und Raserei entzünden und unterhalten; und das Andenken der vergangenen sündhaften Vergnügungen wird ihnen die empfindlichsten Leiden bereiten. Ihr Elend aber wird dadurch vollends den höchsten Grad erreichen, daß sie das Andenken eines so gütigen Gottes, der durch ihre eigene Schuld von ihnen gewichen, in ihrem Gedächtniß nicht werden unterdrücken können. Es ist ein heilsamer Schrecken, in welchen die Vorstellung der Hölle mich setzt, ich muß sie oft erneuern, damit sie aus meiner Seele nicht verschwinde. Wer aus euch, ihr Wollüstigen und weltlich Gesinnten! wird bei einem fressenden Feuer wohnen können?- Ifatas. Das Paradies. 59 Die Gottlosen trifft eine Strafe nach der andern; aus dem Feuer ihrer Begierden kommen sie in die Flamme der Hölle. Augustinus. Zwölfter Tag. Das Paradies. aradies! uns Was für entzückende Bilder stellt dieses Wort vor! Die Abwesenheit alles Uebels; den Besitz aller Güter in ihrer Größe und Verbindung; die Vollkommenheit der Ehre und Herrlichkeit Gottes; das durch Christi Blut erworbene Eigenthum; die Erfüllung aller Wünsche; Dinge, die kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, und die in keines Menschen Herz jemals gekommen. T Gott, den Höchstvollkommenen, klar von Angesicht zu Angesicht schauen, Gott ohne Maß und Ende lieben, ihn ohne Furcht, ihn jemals zu verlieren, besigen, glückselig sein wie Gott selbst- dieß sind die herrlichen Gegenstände unserer Hoffnung! Nur noch wenige Tage hab' ich, in dem Zustande meiner Pilgerschaft, zuzubringen: und dann werde ich ewig bei dir sein, nach dem meine Seele schmachtet, den mein Herz innigst liebt. Es ist wenig daran gelegen, wo man hier in der Welt ist, wenn man nur nachher in alle Ewigkeit bei Jesu, und bei den verherrlichten Geistern sein kann. Hab' ich wohl Ursache, mich zu beklagen, daß die Seligkeit mich einige kleine Mühe, einige Ueberwindung kostet? Die Märtyrer haben den Himmel mit ihrem Blute verkauft, und doch glaubten sie, daß sie ihn umsonst und für nichts erhielten. Kann man für Freuden ohne Maß und Ende zu viel thun? So will ich denn die Begierde, Gott zu schauen, immer lebhaft erhalten, und durch eine beständige Betrachtung des Himmels, die Welt mit Verachtung und Eckel arsehen lernen. - Die Sorge für die Seligkeit. Ich will schauen dein Antlik in der Gerechtigkeit; ich will satt werden, wenn sichtbar wird deine Herrlichkeit.- Psalm, 15, 16. 60 Dreizehnter Tag. Die Sorge für die Seligkeit. SA ie Bemühung um die Seligkeit sollte eigentlich die einzige Beschäftigung des Menschen sein: alles Uebrige ist dagegen Eitelkeit. Denn Gott dienen, und selig werden, ist der einzige Endzweck des Menschen. Hierin besteht Alles, was wahrhaft gut und beständig ist, ja die ganze Vollkommenheit und Glückseligkeit. Kann man denjenigen wohl für vernünftig halten, der eine Beschäftigung verabsäumet, wovon die Folgen so wichtig, der Ausgang so ungewiß, und der Schaden unerſeblich ist? Welche Blindheit! welche Thorheit! für die Erhaltung seines Lebens zu sorgen; und keine Mühe anzuwenden, daß man glückselig lebe. Man ist auf Alles, was die zeitliche Wohlfahrt betrifft, so aufmerksam, und gegen die ewige so gleichgiltig. Was kann es aber aber dem Menschen helfen, wenn er auch die ganze Welt gewänne, an seiner Seele aber Schaden litte. Indessen denken die Menschen an nichts weniger, als an die Mittel, selig zu werden. Wir bemühen uns, unser Vermögen zu erhalten, und zu vermehren: jeder Verlust ist uns empfindlich, nur derjenige nicht, der durch nichts ersetzt werden kann. Man sollte hieraus schließen, daß unsere Seele nicht uns zugehöre; daß es die Seele eines unserer bittersten Feinde fei, oder daß mit diesem Leben Alles für uns aufhöre. Ich will meine Seele retten, es koste auch, was es wolle. Habe ich diese in Sicherheit gebracht, so Die Hanpthindernisse der Seligkeit. 61 kann das Uebrige mir gleichgiltig sein. Eines ist nothwendig. 2uc. 10, 42. Wie kann man sich einbilden, einen Vortheil da zu finden, wo man seine Seligkeit verliert? Wer seine Seele verliert, verliert Alles. Bernardus. med Vierzehnter Tag. Die Haupthindernisse der Seligkeit. verleitet dich, jo oft dem Lafter zu schmeicheln? der Tugend und deiner Pflichten untreu zu werden? zu loben, was du verabscheuest? zu verwerfen, was du billigest? Was hindert dich so oft, Gerechtigkeit auszuüben? die Wahrheit unerschrocken zu sagen? die gekränkte Unschuld zu vertheidigen? kurz, deinem Gewissen, und deiner bessern Ueberzeugung zu folgen? Ist es nicht die Begierde zu gefallen? Die Begierde geliebt und geehrt zu werden? Untersuche dein Gewissen, du wirst über die Anzahl der Vergehungen erschrecken, wozu dich diese Begierde verleitet hat. Deine unmäßige Selbstliebe hindert dich, Gott zu lieben. Ein nicht geringeres Hinderniß deiner Seligkeit wird dir dein ungemäßigtes Bestreben nach zeitlichen Gütern. Du wünschest Reichthum, Bequemlichkeit und Pracht! und über die Sorge, deine Wünsche zu befriedigen, vergisfest du auf dein Seelenheil. Wenn es dir an erlaubten Mitteln, deinen Endzweck zu erreichen, fehlt: so nimmst du deine Zuflucht zu unerlaubten; wirst ungerecht, betrügerisch, arglistig, ein Sklave Anderer, und ihrer Leidenschaften, um reich zu werden; häufest Sünde um Schäße aufzuhäufen. Und dein größtes, dein einziges Kleinod, deine Seligkeit, verscherzest du! Wer seine Ruhe zu sehr liebt, scheuet alle Geschäfte, die Mühe kosten; er unterläßt jede beschwerliche Pflicht, jede Tugend, die sich mit seinem Hange zur Bequemlichkeit nicht verträgt. Dieſe 62 Die Abscheulichkeit der Sünde. Trägheit ist eine unerschöpfliche Quelle von Unterlassungssünden, und folglich ein mächtiges Hinderniß deiner Seligkeit. Wie viele Saumseligkeiten in deinen Andachtsübungen, in der Befolgung deiner Berufsgeschäfte, der Pflichten gegen Andere und den Staat, zieht deine Neigung zur Ruhe, und zum Müssiggang nach sich? Das Leben des Christen muß ein geschäftiges, arbeitsames und beschwerliches Leben, ein Leben des Streites und des Sieges sein. Und lebst du nicht wie ein Christ, wie kannst du die Seligkeit hoffen. Ueberwinde demnach diese drei so gefährlichen Feinde deiner Seligkeit: die Begierde, Menschen zu gefallen, die Habsucht und die Neigung zur Trägheit. Jor seid theuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knechte. Paulus. 1 Cor. 7, 23. - Fünfzehnter Tag. Die Abscheulichkeit der Sünde. er Kalvarienberg Anblick! Ich sehe ein Kreuz aufgerichtet- 2 und daran einen Gott, mit Wunden und Blut bedeckt, hangen;- sehe unerbittliche grausame Henker, und Jesum Christum, unter diesen unmenschlichen und schimpflichen Martern, sterben. Das Alles hat die Sünde gethan! sie hat Jesum, durch ein verrätherisches Herz verkauft; sie hat ihn durch Unmenschen zerfleischt! sie hat ihn durch einen ungerechten Richter zum Tod verurtheilt.- Die Sünde kehrt alle Ordnung Gottes um, verbittert alle unschuldige Freude, und trachtet nach verbotenen giftigen Früchten. Welch' ein abscheuliches Ungeheuer bist du, Sünde! Und doch so allgemein unter den Menschen! so wenig gekannt! Man begeht dich mit lachendem Munde unter Spiele und Belustigungen macht man sich zum Gegenstande des göttlichen Fluches.- - 3wei gewisse Strafen der Sünde. Welch ein Verlust, Gott verlieren! und welche Gedankenlosigkeit, die Größe dieses Verlustes nicht einmal zu empfinden! Gott, als das heiligste Wesen, muß den Sünder unendlich hassen. Ein wenig hassen, heißt ein geringes Unglück wünschen. Tödtlich hassen, heißt so viel, als den Tod wünschen; aber unendlich hassen, übersteigt alle unsere Begriffe. Vor was soll man sich sonst fürchten, wenn man sich vor diesem entseglichen Zorn Gottes nicht fürchtet! Wie oft- o ich muß mich selbst verabscheuen! - hab ich der Sünde wegen, die einen unversöhnlichen Haß verdient, die Gnade Gottes auf die leichtsinnigste Art verscherzt! Weh mir! wenn ich es auch künftig noch thue! Was für einen Nußen fändet ihr in solchen Dingen, deren ihr euch nun schämet? Paulus. Weh! einer vernünftigen Seele, die dich, o Gott! verläßt, und sich einbildet, anderswo etwas Besseres zu finden. Augustinus. 63 - - Sechszehnter Tag. 3wei gewisse Strafen der Sünde. B trafe folgt jeder Sünde auf dem Fuße nach; denn ungestraft läßt Gott seine Gesetze nicht übertreten. Trübsal ist der Sünde Lohn. Der Lasterhafte sucht Vergnügen und Zufriedenheit in der Sünde; und findet alle Uebel, die den Menschen treffen können. Der Wollüstige bereitet sich Schmerzen, Schande und Armuth. Der Stolze zieht sich Feinde und Verachtung zu. Der Geizige darbet bei Ueberfluß, und Furcht und Unruhe verbittern ihm das Leben. Alle Uebel, die dem Sünder begegnen, muß er als göttliche Strafen ansehen. Für ihn gibt es kein Unglück; Alles ist selbstgemachtes Elend. Die Nothwendigkeit der Buße. Eine eben so unvermeidliche Strafe ist die Angst, die den Sünder mitten in seinen betrügerischen Ergößungen ergreift und foltert. Diese Angst wird in der Schrift ein Heulen und Zähneknirschen genannt. Sie wird mit dem Schmerzen einer Gebärenden, mit den Grimm eines Löwen, der seinen Raub verliert, mit einem fressenden, brennenden Wurm, der nie stirbt, verglichen. Sie entsteht, wenn das Gewissen erwacht; wenn man sich selbst verurtheilen, die Rache Gottes fürchten, und überall Böses er= warten muß. So will ich denn fliehen, du Quelle alles Elends aller Peinen, o verderbende Sünde! ich soll glückselig sein: und du machst deine Anhänger zu den beklagenswerthesten Geschöpfen. Trübsal und Angst wird über alle Seelen kommen, die Böses thun. Paulus. Röm. 2, 9. 64 Siebenzehnter Tag. en Die Nothwendigkeit der Buke. achdem unser göttliche Heiland sagte: Thuet Buße und glaubet an das Evangelium; so verbindet er beide, um uns zu lehren, daß eine strenge Buße von dem Bekenntniß des Christenthums nicht zu trennen sei. Er selbst hat uns ein Beispiel der Buße gegeben. Hat der Allerheiligste gefa ftet, geweinet 2c. was sollen wir verderbte und lasterhafte Menschen nicht thun? Die Sünde muß nothwendig bestraft werden. Ob wir uns selbst dafür bestrafen, oder die Strafe von demjenigen, den wir beleidigt haben, erwarten wollen, das ist unserer Wahl überlassen. Alle Missethaten, die nicht durch Thränen der Buße abgewaschen werden, werden mit Flammen der Hölle bestraft werden.- Jst es nicht besser, einige Tage weinen, als ewig zu brennen? Die aufgeschobene Bekehrung. € 5 Um sich mit Gott zu versöhnen, wird mehr erfordert, als daß man sich zu den Füßen eines Beichtvaters niederwerfe, das Haupt mit Asche bestreue, und sich einigen Kasteiungen unterwerfe. Wer nicht von Grund des Herzens seinen sündlichen Begier den und seinem vorigen Lebenswandel absagt, iſt ein Betrüger und nicht ein Büßender. Gebete, Almosen, Fasten, Züchtigungen des Fleisches sind nur äußerliche Zeichen der christlichen Buße: das Wesen und der innerliche Geist derselben ist die Verabscheuung der Sünde. Wenn ihr euch nicht bessert, werdet ihr Alle auf gleiche Art umkommen.- Lukas 13, 3. Möchten doch alle Büßende erwägen daß es nichts helfe, sich zu demüthigen, wenn man sich nicht auch ändert. Augustinus. Achtzehnter Tag. Die aufgeschobene Bekehrung. och säume ich, mich Gott mittelst einer wahren Buße zu ergeben. O welch unvernünftiges und gefahrloses Zaudern! Ist es denn ein Unglück, ihm ergeben zu sein? Jst es denn schimpflich, einer schändlichen, mich unglücklich machenden Lebensart zu entsagen? Morgen! Morgen!- Warum nicht heute? Warum nicht diesen Augenblick noch? Wird es morgen leichter sein, meine schimpflichen Bande zu zerreißen? Die Zeit, welche alle übrige Dinge schwächt, stärkt und verhärtet laz sterhafte Gewohnheiten. Indem man den Gebrauch der Arzeneimittel aufschiebt, wir das Uebel unheilbar. Verzögern! auf ein andermal verschieben! Ist denn die künftige Zeit in unserer Gewalt? ist sie eine Sache, davon wir Herren sind? Es ist wahr, Gott wartet auf mich, die Schrift sagt es. Aber die Schrift meldet nicht, wie lange ich noch leben werde. Derjenige der dem Büßenden Vergebung zugesagt, Wege des Heils. 5 66 Das Urtheil anderer Menschen. hat dem Sünder keineswegs den morgigen Tag versprochen. Vielleicht werd' ich Zeit haben, aber vielleicht auch nicht.- Ist es nicht der unvernünftigſte Leichtsinn, alle Hoffnung seiner Seligkeit auf ein bloßes Vielleicht zu wagen? Nein! die Gefahr ist zu groß. Gott! laß mich eilen! Sch will dich suchen, da ich dich noch finden kann.- Jhr werdet mich sucheu, und nicht finden: und wo ich bin, könnet ihr nicht hinkommen.- Joh. 7, 34. Man kann nicht behutsam genug sein, wo es auf ewiges Glück oder Unglück ankommt. Gregorius. ― Neunzehnter Tag. Das Artheil anderer Menschen. M an wird davon reden, wenn ich dieses thue! heißt es gar oft. Was liegt daran? Soll dasjenige, was Thoren sprechen, uns abhalten, flug zu werden? Und was wird man denn von mir sagen?- Man wird sagen, daß ich nunmehr meinem Gott eifriger diene; daß ich mich vor der Welt nicht fürchte; daß ich frommer geworden 2c. Der liederlichste Freigeist wird mir im Herzen Recht geben. Und gesetzt, man hielte mich für einen Thoren: was hab' ich denn nach dem Urtheil der Welt zu fragen, wenn ich Gottes Beifall habe? Ich soll mich nach der Welt richten? Ich soll das Gute unterlassen, weil die Welt meiner spotten würde, wenn ich es thäte? Kann mich die Welt felig machen, wenn mich Gott verdammt?- Oder wird sie, wenn ich vor seinem Richterstuhl erscheinen werde mich vertreten, mich vertheidigen? Und da sie das nicht kann, warum soll ich ihr zu Gefallen leben, und mir von ihr vorschreiben lassen? Soll ich, um mich ihrem Gelächter nicht auszusehen, ewig heulen und wehklagen? Ich will ein Christ sein! und die Das Mißtrauen gegen sich selbst. 67 Welt mag es immer wissen, daß ich es bin; noch mehr, daß ich die größte Ehre darin suche, es zu sein! Ich will meinen Erlöser vor der Welt nicht verläugnen, damit er mich einst vor seinem himmlischen Vater nicht verläugne. Ich schäme mich des Eaangeliums nicht. Paulus. Nöm. 1, 16. Was fürchtest du für deine Stirne, welche mit dem Zeichen des Kreuzes bewaffnet ist.- Augustinus. Zwanzigster Tag. Das Wißtrauen gegen sich selbst. or nichts hat man sich zu fürchten, als vor sich selbst. Wir sollten vor unserer Schwachheit mehr zittern, als vor aller Gewalt der Hölle. Ein einziges Wort, ein Seufzer, ein liebkosender Blick ist vermögend, unser Herz zu gewinnen. Adam ist gefallen, Salomon hat Gott verlassen Petrus verläugnete seinen Heiland und Lehrmeiſter.. Was läßt sich von einem schwachen Zweige erwarten, wenn die geringste Bewegung der Luft die stärksten Cedern niederreißt? Wir werden nicht allemal mit Gewalt überwunden. Unser eigen Herz ist unser gefährlichster Feind. Mancher Mensch, den Verfolgungen zu überwältigen nicht vermochten, ist in der Einsamkeit abgefallen, und, nach erhaltenen Sieg über Teufel und Tyrannen, von seinen Begierden überwunden worden. Die größten Heiligen haben gezittert, wenn sie den Zustand ihrer Seele vor Gott betrachtet haben. So wenig Gewißheit hatten sie von ihrem Heile, und wie es mit ihnen in der Ewigkeit stehen werde. Wer sich auf sein Herz verläßt, ist ein Thor, sagt die Schrift; denn dieses Herz meint es nicht immer gut mit uns, und wenn wir ihn am meisten trauen, spielt es uns oft einen unversehenen Streich, der uns 68 Die nüßliche Anwendung der Gnade. nur zu sehr überführt, daß wir unsern Herzen nicht trauen dürfen. Herr! bewahre mich heute; wenn du mich mir selbst überläsfest, o! so kann es leicht geschehen, daß ich dich verlasse. Wer meint, er stehe, sehe zu, daß er nicht falle.- Paul. 1. Cor. 10, 13. Hütet euch mit aller Sorgfalt vor der Sicherheit, auch da, wenn ihr glaubet, festzuſtehen. Bernardus. Einundzwanzigster Tag. Die nükliche Anwendung der Gnade. 8 ist keine Gnade so klein, die uns Christus nicht mit seinem Blut erkauft hätte. Einen einzigen guten Gedanken, der uns von Oben eingegeben wird, geringschäßen, einen einzigen Antrieb zur Tugend, den der Geist Gottes in uns erweckt, ersticken, ist nicht weniger, als das Blut Christi mit Füßen treten und die Absichten seiner Erlösung vereiteln. Wir werden Gott Rechenschaft geben müssen, nicht nur über die Gnaden und Wohlthaten, die wir wirklich empfangen haben, sondern auch über diejenigen, die er für uns bestimmt hatte, wenn wir von unserer Seite deren Mittheilung nicht verhindert hätten. Es sind vielleicht schon zwanzig und mehr Jahre, daß Gott den Vorsatz in mir bewirkt hat, ein gottseliges Leben zu führen, welchen ich aber noch nicht ausgeführt habe. Ist es möglich, so lange in der Schule des heiligen Geistes zu sein, und nichts zu lernen? so oft ermahnt, erinnert und geſtraft zu werden und ungebessert zu bleiben? Und wenn nun dieser heilige Geist, den ich so oft betrübt, dessen Eingebungen ich nicht gehört, oder nicht befolgt habe, wenn er nun von mir gänzlich weichen, mich auf allezeit verlassen sollte?- O! dann wäre es um mich geschehen; dann wäre mein Untergang unvermeidlich. Schreckliche Vorstellung! Nur zu gewiß Der rechte Gebrauch der Zeit. 69 ist es: haben die Gnadenbezeugungen wie die Sünden ihr bestimmtes Maß erfüllt, so ist keine Gnade mehr zu hoffen. Geist Gottes! weiche nicht von mir. Verdient hätte ich's zwar schon längst, weil ich deinen sanften Einsprechungen kein Gehör gab. Künftig will ich deiner Stimme mit mehr Wachsamkeit und Treue folgen. Wem viel gegeben worden, bei dem wird man viel suchen. Luc. 12, 48. - Auf den Tag der Gnade folgt der Tag des Gerichts. Bafilius. Zweiundzwanzigster Tag. Der rechte Gebrauch der Zeit. erschwendung der Zeit ist einer der größten Mißbräuche, die in der Welt herrschen. Das Leben ist so kurz, und jeder Augenblick desselben unwiederbringlich; wie ist es möglich, daß man gleichwohl so lebe, als ob das Leben sich niemals endigen würde? oder als ob man darin nichts zu thun hätte? Ach! wenn ein Verdammter nur einen Augenblick von derjenigen Zeit, die ich so übel anwende, erhalten könnte, wie würde er ihn zu seinem Nußen anwenden! Kein Augenblick vergeht in meinem Leben, in welchem es nicht in meiner Gewalt steht, eine Ewigkeit von Glück und Wohl zu gewinnen: und ich sollte mit der Zeit umgehen, wie mit einer Sache, die nicht den geringsten Werth hat die man nach Willkür verschleudern kann. Was ist überdieß fürzer als die Zeit? Eigentlich habe ich nur den gegenwärtigen Augenblick in meiner Macht; der vergangene ist auf ewig ent= flohen; der zukünftige ist ungewiß; ich kann also nur den gegenwärtigen benüben, um die Ewigkeit zu verdienen. Diese Betrachtung muß mich von - 70 Das böse Beispiel. dem unschäßbaren Werth der Zeit unterrichten und ermahnen, jeden Augenblick derselben so anzuwenden, daß ich einst Rechenschaft darüber geben tönne. Und er schwur bei dem, der von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt, der Himmel und Erde erschaffen hat- daß alsdann keine Zeit mehr sein wird. Apokal. 10. 6. Zu sündlichen Vergnügungen und eitlem Zeitbertreib findet ihr allemal Zeit genug. Nur alsdann habt ihr nicht Zeit, wenn ihr etwas thun follet, was die Religion fordert. Paulinus. - Dreiundzwanzigster Tag. SIR Das böse Beispiel. öse Beispiele haben mehr Menschen in's Verderben gestürzt, als die guten Beispiele der größten Heiligen jemals haben retten können. Wenn man die Verdammten um die Urfache ihres Unterganges fragen sollte, so würde man schwerlich einen derselben finden, der nicht sagen könnte: Dieser und jener verführte mich. Was für eine schreckliche Rechenschaft haben wir abzulegen! Gott hat uns befohlen, unsere Feinde zu lieben und wir stürzen die Seelen derjenigen in's Verderben, die uns niemals etwas zu Leide gethan? Ein Mensch, der das Unglück gehabt, Seelen, die mit dem Blute Jefu Chrifti erlöst worden, durch böse Beispiele zu verführen, hat große Ursache, seiner Seligkeit wegen bekümmert und unruhig zu sein. Grausame Väter und Mütter! die ihr ein Leben führet, welches dem Christenthum ganz zuwider iſt, es wäre für eure Kinder besser gewesen, niemals geboren zu sein, als daß sie von euch geboren worden. Ihr seid nur die Urheber ihres Daseins geworden, um zugleich die Urheber ihres ewigen Todes zu werden. Wenn sie an jenem schrecklichen Gerichtstage ihr Paradies von euch fordern werden, was werdet ihr ihnen antworten? - - Ich will Die Ergebung in den Willen Gottes. demnach, wie der heilige Apostel Paulus ermahnt Jesum Christum anziehen, damit Andere, wenn sie an mir seinen Geist, seinen Wandel, seine Tugenden sehen, sich dieselben als ein Muster vor Augen stellen. Web dem Menschen, durch den Aergerniß kömmt! Matth. 18, 7. 71 Wir müssen einst Rechenschaft von allen bösen Thaten derjenigen geben, die wir durch unser Beispiel zur Sünde gereizt haben. Salvianus. - Vierundzwanzigster Tag. Die Ergebung in den Biffen Gottes. ie höchste Glückseligfeit eines Geschöpfes besteht darin, dasjenige zu wollen, was sein 2 Schöpfer will. Wenn der Mensch auch alle andern Tugenden besitzt, und diese ihm fehlt, so ist er nicht wahrhaft fromm. Ein Mensch, der nicht mit dem zufrieden iſt, was Gott will, der widersetzt sich seinem obersten Herrn; und derjenige, welcher wünscht, daß es in der Welt anders gehe, wünscht in der That, daß Gott nicht der Beherrscher der Welt sei. Nach Gottes Willen kann mir nichts widerfahren, was nicht zu meinem Besten gereicht. Wenn er ein Schwert ergriffe, mich zu tödten: weiß ich denn nicht, daß seine Hand von seiner Liebe gelenket werde? Und was habe ich von dem zu fürchten, der mich liebt? Ich will also nie etwas Anderes wünschen als was mein Gott will sein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden. Es soll weder Hitze noch Kälte, weder Schaden noch Krankheit, noch sonst ein anderer Zustand mich beunruhigen; denn alle diese Abwechslungen in der Natur und in dem Menschen kommen von der Hand des weifesten, des gütigsten, des gerechtesten Gottes. Wes 72 Das Vertrauen auf Gott. was die kurzsichtige Welt böse Zeiten, Trübfale, Unglück und Plagen nennt, ist doch in der That ein wahrer Vortheil und Güte Gottes, wenn man es nach der Einrichtung, Anordnung und Absicht seiner Vorsehung betrachtet. Ja, Vater! denn es ist also wohlgefällig gewesen von dir.- Matth. 15, 25. Alsdann gefallen wir Gott wohl, wenn wir uns Alles gefallen lassen, was ihm gefällt. Augustinus. Fünfundzwanzigster Tag. Das Vertrauen auf Gott. ie Macht Gottes ist unermeßlich, und unendlich seine Barmherzigkeit: was könnte mein Vertrauen auf ihn mehr beleben, als diese Vorstellung? Und doch nehme ich so selten meine Zuflucht zu ihm; und doch ist meine Hoffnung auf ihn so schwach und kalt! Welch eine Beleidigung seines so wohlthätigen Herzens! Er hat mich so feierlich seines Schutzes in allen meinen Nöthen und Anliegen versichert; er, der die ewige Wahrheit ist und nicht hintergehen kann glaube dieser Verheißung nicht? und ich - Die göttliche Vorsehung, die Sorge für seine Geschöpfe, erstreckt sich sogar auf die Ameise und das kleinste Ungeziefer: wie kann man denn noch zweifeln, ob sie auf unsere Seelen Acht habe, auf diese Seelen, die nach Gottes Ebenbilde erschaffen und mit Christi Blut erkauft sind? Gott erhält und ernährt die Ungläubigen, die ihn nicht kennen; er überhäuft mit seinen Gütern sogar die Gottlosen, die seinen Namen lästern und entheiligen: was wird er nicht für seine Christen thun, die ihn verehren und lieben? Wie sehr muß mich demnach meine Lauigkeit in dem Vertrauen auf Gott, und meine findische Zaghaftigkeit bei dem Unglücke, das mich trifft oder mir Die Liebe Gottes. 73 droht, beschämen! Wenn ich auf den, der Alles vermag, nicht bauen will, wohin kann ich mich wenden, ich Thor? Auf dich allein, mein Gott! soll künftig all meine Hoffnung gerichtet sein, und du wirst mich nicht zu Schanden werden lassen. Der Name des Herrn ist der festeste Thurm; zu ihm fliehet der Gerechte und er wird aufrecht ſtehen. Sprichw. 18, 10. Entlediget euch aller Sorgen; leget fie auf Gott; er wird euch in der Noth nichts mangeln lassen. Augustinus. Sechsundzwanzigster Tag. Die Liebe Gottes. ott liebt uns so sehr, daß er uns seinen eingebornen Sohn geschenkt hat; und hätte er noch etwas Größeres gehabt, so würde er es uns nicht verweigert haben. Die geringste Wohlthat, die man uns erzeigt, verdient unsere Liebe: wie ist es denn möglich, daß man eine unendliche Güte, eine Güte ohne Grenzen, nicht liebe? Gott befiehlt mir, daß ich ihn lieben soll; ist denn dieß ein harter Befehl, wenn von mir gefordert wird, dasjenige zu lieben, was unendlich liebenswürdig ist? Er verlangt von mir, daß ich ihn von ganzem Herzen lieben soll. Dieß kleine, dieß geringe Herz! ist es denn ein zu großes und zu kostbares Geschenk für einen so großen Gott? Da er aber das ganze Herz fordert, verstattet er feine Ausnahme, und kann mit einem Theile desselben nicht zufrieden sein. Könnte die Ewigkeit ein Ende nehmen, die bösen Geister würden die Höllenstrafen nicht zu beschwerlich finden, wenn sie nur endlich die Gnade, Gott zu lieben, erlangen könnten. Ich hingegen kann Gott lieben, wenn ich will, ohne daß es mich so viel Mühe und Leiden koste. Thue ich es also 74 Die Liebe Jeju Chrifti. nicht, so ist mein Unglück größer und schlimmer, als die Hölle selbst. So will ich dich denn lieben, wie du es verdient und befohlen hast, aus meiner ganzen Seele, du allein, Liebenswürdigster- mein Gott! mein Herr! mein Vater, mein Wohlthäter! Hätte ich die Liebe nicht, so wäre ich nichts. Paulus 1. Cor. 13. Können wir gleich Gott nicht zuerst lieben: so laßt uns ihm wenigstens Liebe für Liebe erweisen.- Augustinus. Siebenundzwanzigster Tag. Die Liebe Jefu Chriffi. n der Welt hat niemals etwas so viel gekostet, als eine Seele. Das Leben eines Gottmenschen war der Preis und das Lösegeld dafür. Ich hatte den Tod verdient; der Satan und alle Kreaturen forderten mein Verdammniß; Jesus Christus aber gab nur der Fürsprache seines liebreichen Herzens, welches Gnade und Verzeihung für mich verlangte, Gehör. Sein Blut vergoß er bis auf den letzten Tropfen, um mich zu erlösen und loszukaufen. Was kann ich elender Mensch zur Erkenntlichkeit einer solchen Wohlthat, einer solchen unaussprechlichen Liebe thun? Was kann ich Geringeres thun, als was er selbst von mir verlangt- ihn lieben? Skop 1 - Wenn ich einem vernunftlosen Thiere Gutes thue, so wird es auch durch irgend ein Zeichen mir seine Dankbarkeit zu erkennen geben: und ich, ein vernünftiges Geschöpf gegen meinen Erlöser! O undankbare und ausgeartete Seele! lerne von dem Thiere deine Pflicht; lerne gegen deinen größten Wohlthäter dankbar sein. Wir haben ein empfindsames, zärtliches Herz für unsere Freunde, für alle, die uns einigen Dienst leisten, ja sogar auch für die, die uns nur wohl 75 Die Nachfolge Jesu Christi. wollen, soll es sonst niemand, als Jesus Christus, als unser Heiland sein, dessen Liebe wir mit Kaltsinn und Undank belohnen! O mein Erlöser! deßwegen hättest du für mich geblutet, daß ich durch Undank das verwerflichste unter allen Geschöpfen werde, und deine unermeßliche Liebe mit einem falten, ungerührten Herzen erwiedere?- Dann wäre es so viel, als wenn ich mit den verstockten und hartherzigen Juden ausriefe: Dein Blut komme über mich!- Schrecklich! Gib mir deine Gnade, daß ich dich liebe, wie ich soll, wie ich dich zu lieben aus ganzem Herzen verlange. So Jemand den Herrn Jesum Christum nicht liebt, der sei verflucht. Paulus. 1. Cor. 16. 22. Bin ich für meine Erschaffung mit meinem ganzen Leben verpflichtet; was bin ich nicht für meine Erlösung schuldig? Bernardus. Achtundzwanzigster Tag. Die Nachfolge Jesu Chrifti. E 8 stürzte sich in's Verderben der erste Mensch, weil er Gott gleich werden wollte. Wir aber können nicht anders selig werden, als wenn wir uns bestreben, dem Sohn Gottes gleich zu werden.- Indem er Mensch geworden, und wir müssen demselben ähnlich werden. Und wie? Wenn ich mich mit diesem Vorbild vergleiche, finde ich wohl einige Uebereinstimmung? finde ich in meinem Wandel Spuren, daß ich ein Schüler- ein getreuer Schüler Jesu Christi bin? - Das verdient eine ernstliche Prüfung. Was werde ich an jenem Gerichtstage sagen, wenn es wird für nöthig befunden werden, daß das Leben Jesu gegen das meinige in Vergleichung gestellt werde? Wie unendlich groß wird der Unterschied zwischen seiner Demuth und meinem Hochmuth, zwischen seinen Wunden und meiner Weichlichkeit, zwischen seiner Geduld und Sanftmuth und Der Gehorsam. meinem Zorn, meiner Ungeduld, sich alsdann zeigen! Welch' ein Ungeheuer ist ein Christ ohne Christenthum!- ein Getaufter, und zugleich ein Leibeigner des Satans!- ein zur Kreuzfahne Christi Verpflichteter im Bündniß mit der Welt und dem sündlichen Fleische. 76 Ich muß also entweder meiner Taufe und dem Bekenntniß des Christenthums absagen, oder mein Leben dem Leben meines Heilandes gleichförmig machen. Herr! ich will dir folgen, wo du hingehest.- Matth. 8, 19. Was nütet es mir, ein Christ zu sein, wenn ich nicht dem Beispiel Christi folge? Bernardus. Neunundzwanzigster Tag. Der Gehorsam. 5 折 ehorsam ist die Furcht der zwei größten und höchsten Tugenden des Evangeliums, der Liebe nämlich und der Selbstverläugnung. Die erste befreiet uns von allem Mißtrauen und Argwohn; die zweite von Hochmuth und Eigensinn, welche oft machen, daß man sich seinen Vorgesetzten nicht unterwerfen will. Dagegen ruhet der Geist Gottes in einer demüthigen und liebreichen Seele, und in einer solchen Seele bleibt der Friede Gottes. Der Gehorsam besteht nur darin, daß man sich seinen Obern nicht widersebe. Derjenige, der uns befohlen hat, unsere Feinde zu lieben, erwartet unfehlbar mehr von uns, als daß wir diejenigen, die er über uns gesetzt, nicht hassen, und ihnen nichts Uebles thun sollen. Demjenigen, der über uns herrscht, der Gottes Stellvertreter ist, wenn er nicht wider die Oberherrschaft seines Herrn handelt, allein nichts zuwider thun, heißt in der That nichts mehr, als ihm nicht untreu sein. Und was ist dieß für eine Gerechtigkeit, wenn man nur keine Ungerechtigkeit ausübt? Der Eifer im Dienste Gottes. 77 Wir sind vielmehr verbunden in Allem, was nicht wider die Gesetze streitet, die Ehre und Sicherheit unserer Landesregierung zu fördern, sie nach unfern Kräften zu unterstüßen, und um einen gefegneten Fortgang ihrer Unternehmungen, um die göttliche Erleuchtung in ihren Rathschlägen unser Gebet zum Himmel abzuschicken; ihre Verordnungen ohne Widerwillen und Murren anzunehmen, und auch da mit aller Gewissenhaftigkeit zu befolgen, wo unsere Uebertretungen vor der Entdeckung sicher wären. Ein treuer Unterthan zu sein, erfordert mehr, als nur kein Rebelle zu sein. Dreissigster Tag. Der Eifer im Dienste Gottes. asset uns für den Dienst Gottes ebenso " großen Eifer bezeugen, als er für das Beste unserer Seelen bezeugt hat. Alles, was Gott außer sich thut, ist bestimmt, die vernünftigen Geschöpfe zur Vollkommenheit zu bringen, und ihnen Gutes zu erweisen. Und dieſse vernünftigen Geschöpfe, wie erwiedern sie diesen Eifer? Mit einem so kaltsinnigen und nachlässigen Dienst, als dienten sie einem Herrn, dem Alles recht sein muß, und dessen Lohn von sehr geringem Werth ist. Welch' eine unbegreifliche und strafbare Gleichgültigkeit für das Allerwichtigste, so wir zu thun haben! Verflucht ist, wer des Herrn Werk nachlässig verrichtet! Die geringste Handlung, die Gott zu Ehren geschieht, ist tausendmal mehr werth, als alle Heldenthaten der Sieger und Welteroberer. Die Welt verlangt ungleich mehr von uns, und weit beschwerlichere Dienste, als selbst Gott: was sie zum Lohne geben kann, ist ein leerer Titel, ein paar Pfennige, ein wenig Rauch von Ehre weiter nichts; Dinge, die wir ihr oft bei Lebzeiten noch, allemal aber im Sterben, wieder zurückstellen müssen! Und unser Eifer, ihr zu dienen, ist weit größer, als der, mit - Die Rechnung am Schlusse des Monats. welchem wir unserm obersten Herrn dienen, von dem wir doch Alles haben, und der mit ewigen Schäßen lohnt. Und endlich, ist denn der Dienſt Gottes etwas anders, als ein Dienst, den ich meiner Seele leiste? Was ich meines Körpers und meines zeitlichen Glückes wegen thue, beträgt ganze Jahre, da ich der Sorge für meine unsterbliche Seele faum einige Augenblicke widme. Gibt es eine größere Thorheit? 78 Langmüthiger Gott! ich muß aufhören, meiner Lauigkeit nachzudenken, oder ich versinke vor Scham. Nichts übertrifft meine Unbesonnenheit, als die Größe deiner schonenden Erbarmung, mit der du meine Trägheit in deinem Dienst bisher ertragen hast. O verzeih! du sollst künftig einen eifrigen Diener an mir haben. Seid nicht träge in dem, was ihr thun sollet. Seid brünstig im Geiste. Paulus. Röm. 12, 7. Habet wenigstens so viel Liebe und Ergebenheit für den Schöpfer der Welt, als ihr bisher für die Welt gehabt habet. Augustinus. - Einunddreissigster Tag. Die Rechnung am Schlusse des Monats. - - Ste ieder ein Monat vorüber! Wie habe ich pihn angewandt?- Was habe ich versäumt? Was habe ich vollbracht? Dieß sind die Fragen, die ich am Schluße des Monats an mein Herz richten muß. 1 Was habe ich in diesem Monat versäumt?- Habe ich all das Gute, wozu ich Gelegenheit hatte, gethan? Habe ich die Pflichten des Menschen, des Christen und meines Berufes erfüllt?- Habe ich meine Zeit so angewandt, daß ich mit mir zu frieden sein kann? Habe ich es bemerkt, wie mich Gott und Gewissen zu dieser Tugend aufmunterte, Die Rechnung am Schlusse des Monats. 79 oder vor jenem Laster warnte?- Hier konnte ich die Ehre meines Schöpfers preisen: und- schwieg still. Dort konnte ich meinem Nächsten mit Rath und Beistand nüßen: und- ich that nichts. Hier hatte ich Gelegenheit, meine Leidenschaften zu bezähmen; und ich unterlag ohne den mindesten Widerstand. Wie viele Mittel hatte ich, meinen Verstand aufzuklären, meinen Willen zu bessern: und ich bin weder weiser noch frömmer gewor= den! Ach, wie viel habe ich versäumt! Und was habe ich denn in diesem Monat gethan? Ach, nur zu viel, was ich nicht hätte thun sollen! Vergehungen und schwere Vergehungen, bezeichnen beinahe jeden Tag. Und gute Handlungen? Kaum so viele als ich Wochen durchlebt habe! Meine Zeit verschwendete ich mit Müßigang, oder mit eiteln Beschäftigungen, wovon nicht der mindeste Nuhen übrig ist. Der Welt diente ich, als wäre ich für sie allein geschaffen, und meinen Lüsten folgte ich zehnmal, ehe ich mein Gewissen einmal hörte. Ach, wie viel Böses habe ich gethan! Und dieses ist nur eine Rechenschaft von mir selbst: Wie würde sie ausfallen, wenn ich sie dir, Allwissender! ablegen sollte? Du hast besser als ich alle meine Thorheiten, Sünden und versäumten Pflichten bemerkt; wie muß ich zittern!- Ach, geh' nicht mit mir in's Gericht!- Dieß ist Alles, was ich sagen kann. Gib mir deine Gnade, daß ich wenigstens die noch übrigen Stunden dieses Monats wohl benüßen, das Versäumte in etwas einbringen, und einen übel zugebrachten Monat wenigstens gut beschließen möge. - Herr! sei mir gnädig denn ich bin schwach. Heile mich, o Herr!- Psalm 6. 3. 80 Von der Lesung geistlicher Bücher. Betrachtungen bei verschiedenen Anläsſsen. n Von der Lesung geistlicher Bücher. Sehme dir öfters einige Zeit zur Lesung eines geistlichen Buches. Wenn du täglich dem Körper seine Speise gibst, so ist es unverantwortliche und unnatürliche Kargheit, der Seele ihre Nahrung zu versagen, wozu auch die Lesung geistlicher und erbaulicher Bücher gehört. Vorzüglich unterlaß an Sonn- und Feiertagen diese gottfelige Uebung nicht. Zu solcher geistlicher Lesung können außer dem oben erwähnten Büchlein von der Nachfolge Christi vom gottseligen Thomas von Kempis noch ferner mit großen Nußen gebraucht werden: 1) Philothea, oder Anleitung zu einem gottseligen Leben vom hl. Franz von Sales; 2) der vollkommene Christ vom hl. Alphons Liguor; 3) die Lenkerin der Sünder vom gottseligen Ludwig von Granada; 4) Die Bekenntnisse des hl. Augustinus; 5) auch die Lebensbeschreibungen( Legenden) der Heiligen, Leben Jesu und Mariä; und 6) die Evangelien- Erklärung von Goffine. Denen, die Einsicht genug haben, die hl. Schrift zu lesen, soll diese, besonders des neuen Testamentes, das erste und vorzüglichste Buch der geistlichen Belesenheit sein.- Uebrigens soll man auch hierüber seinen Beichtvater, oder andere einsichtsvolle Geistliche zu Rathe ziehen. - — Bon der Beiwohnung der hf. Wesse. Alle Tage wohne auch, wo möglich, der hl. Meſſe bei, und mache dir nicht selbst Hindernisse, es zu thun, sondern stehe lieber des Morgens früher auf, als du sonst gewohnt bist, um dir die Theilnahme möglich zu machen. Die ersten Christen empfingen täglich das heilige Abendmahl. Da aber die heutigen Christen aus vielen Ursachen dieß nicht können, so kann man wenigstens von dem größten Theile derselben fordern, daß sie täglich der Hl. Messe beiwohnen und sich hieraus eine fromme Pflicht machen. Wenn wir den ganzen übrigen Tag unsern irdischen Geschäften widmen, Von der Arbeit. 81 so darf unsre Seele wohl auf eine halbe Stunde zu einer heiligen Messe auch Anspruch machen. Nicht zu gedenken, daß unsre Geschäfte um so glücklicher von statten gehen müſſen, wenn wir uns zuvor Beistand und Segen hiezu von Gott erbeten haben. Bon der Arbeit. Sobald du dein tägliches Morgengebet verrichtet und der heiligen Messe beigewohnt hast, so begib dich an deine Tagesarbeit oder Geschäft; denn der Mensch ist zur Arbeit geboren, und der Müßigang ist sein Verderben, und ein Feind aller Tugend. Der erste Mensch war vor der Sünde in's Paradies gesetzt, um zu arbeiten. Nachdem er gefündigt hatte, bestand ein Theil seiner Strafe darin, daß er verurtheilt wurde, sein Brod im Schweiße seines Angesichtes zu essen. Wer sich demnach der Arbeit entzieht, widerstrebt dem Gebote des Herrn, vernachlässigt die allen Menschen so nöthige Buße, und befindet sich folglich außer dem Wege zu seinem Heile. In welchem Range, in welchem Stande du dich auch befindest, so liebe die Arbeit als ein Mittel deiner leiblichen und geistigen Gesundheit. Der Träge, der Müßiggänger zieht sich an beiden, an seinem Körper und an seiner Seel Krankheiten zu. Es ist demnach ein grober Irrthum, die Arbeit bloß für ein Mittel des Unterhalts anzufehn. Denn da die Religion von allen Menschen, ohne Unterschied uud Ausnahme, eine Buße, einen weijen Gebrauch der Zeit und Ulebung der Fähigkeiten des Geistes und der Kräfte des Körpers erfordert: so kann sich Niemand so reich, so wohlhabend, so vornehm er auch sei der Pflicht zu arbeiten, ohne Sünde, und ohne sich den schädlichen Folgen des Müßiggangs auszusetzen, entziehen. - 1 Fange deine Arbeit jedesmal mit einem kurzen Gebet an, worin du Gott um Erleuchtung, Beistand und um Gedeihen deiner Arbeit anrufest und sie ihm aufopferst. Bu diesem Zwecke kannst du etwa sagen: O Gott! verleihe mir deine Gnade, damit ich diese Arbeit nach deinem Willen und zu deiner Ehre Wege des Heils. 6 Von der allzeit nöthigen Geistessammlung. anzufangen, sortzusetzen und zu vollenden vermöge. und gib meinem Wirken Gedeihen. Herr! dir opfere ich die Mühe auf, die ich jetzt auf dieses Geschäft verwenden werde. 82 Dir zu Liebe, dir zur Ehre, o mein Gott und Herr! geschehe diese Arbeit. Geheiliget werde dein Name durch alle meine Schritte und Tritte, durch jeden Handgriff und jede Bewegung. Fällt dir deine Arbeit oder dein Geschäft zu schwer, so fannst du sagen: Herr! eile mir zu helfen. Hast du sie beschlossen, so kannst du dankend sprechen: Gelobt und gepriesen sei Gott für seine Hülfe und seinen Segen! Bon der allzeit nöthigen Geistessammlung. Deine Pflicht ist, bei allen deinen täglichen Handlungen mit Aufmerksamkeit und Vorsicht zu Werke zu gehen Habe Gott stets vor Augen; berathschlage dich bei wichtigeren Dingen ganz besonders mit ihm, und nimm dir fest vor, seiner heiligen Erleuchtung gemäß zu handeln Mit gleicher Aufmerksamkeit betrachte dich selbst, um die jedesmaligen Negungen der Eigenliebe zu entdecken, welche so sehr gewohnt ist, sich unvermerkt in unsern besten Handlungen und Unters nehmungen zu mischen; und dieselben zu leiten. Und da die Güte und der Werth unsrer Handlungen auf den Beweggründen, warum wir jie thun, allein beruht, so gewöhne dich sorgfältig daran, bei jeder wichtigen Handlung ven Beweggrund, das ist die Ursache und Absicht, warum du sie übernimmst, unparteiisch zu erforschen und zu untersuchen, ob sie nämlich die Beförderung der Ehre Gottes die Befolgung deiner Pflicht, Liebe zur Tugend und Eifer für das Wohl deiner Mitmenschen; oder ob sie nur eitle Menschengunst, die Befriedigung des Ehrgeizes oder deiner Eigennüßigkeit, oder deiner Eitelkeit zur Triebfeder habe. Diese Von der allzeit nöthigen Geistessammlung. 83 Untersuchung deines Herzens ist zu deiner Celbstkenntniß unumgänglich nothwendig; und ohne sie kannst du nicht einmal ein guter Mensch, viel weniger ein guter Christ sein. Gewöhne dich demnach bei Zeiten daran, Gott jede deiner Handlungen aufzuopfern, und ihr dadurch einen verdienstlichen Werth zu geben. Undächtige Seufzer zu Gott während deiner Verrichtungen werden viel dazu beitragen, deinen Geist versammelt zu erhalten, so kannst und sollst du unter Tag zuweilen im Stillen beten und sprechen: Ehre sei Gott dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste, wie es war im Anfang, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen. Ober: Jesu! dir lebe ich; 3 Jesu! dir sterbe ich; o Jesu! dein bin ich lebendig und todt. Amen. Oder: Dem König der Ewigkeit, dem Unsterblichen und Unsichtbaren, Gott allein sei Ehre und Verherrlichung. Oder: Herr! du weißt, daß ich dich liebe. Nicht mir, nicht mir, sondern dir sei Ehre. Oder in der Stunde der Versuchung: Vater unser, der du bist in dem Himmel, führe uns nicht in Versuchung! Oder: Kreuz Christi! rette mich. Kreuz Christi! beschütze mich. Kreuz Christi! vertheidige mich jetzt und in der Stunde meines Todes. Oder zur seligsten Jungfrau: Heilige Maria, Mutter der Barmherzigkeit, Zuflucht der Sünder, Hülfe der Christen! bitt für mich. Nach einer begangenen Sünde: Mein Gott und mein Alles! Es reuet mich über Alles, daß ich dich, den ich über Alles lieben sollte, mit dieser Sünde beleidigt habe. Sei mir armen Sünder gnädig! 6* Von der Mahlzeit. Bei einer Widerwärtigkeit oder Trübsal: Wie es dem Herrn wohlgefällt, so ist es ge= schehen; der Name des Herrn sei gebenedeit! Auf dem Wege: 84 Zeige mir, o Herr! deine Wege und lehre mich deine Fußsteige.- Lasse mich im Frieden wandeln. Vor einem Kruzifixbilde: Wir beten dich an, o Herr Jesu Christe! und benedeien dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöſet. Vor einem Marienbilde: Zeige dich als unsere Mutter!- Maria, Mutter der Gnaden! beschütze uns vor dem bösen Feinde, und nimm uns auf in der Stunde des Todes. Von der Wahlzeit. Es ist dir, als einem Christen, nicht erlaubt, bei Einnehmung der Mahlzeit, das Vergnügen des Geschmackes seinem Hauptzwecke zu machen. Er soll vielmehr in teiner andern Absicht Nahrung zu sich nehmen, als weil sie zur Erhaltung seines Lebens und zur Stärkung seiner Kräfte unumgänglich erfordert wird. Er untersuche sich dabei auch, ob er nicht etwa zu denjenigen gehöre, denen der Apostel nicht zu essen erlaubt, weil sie auch nicht arbeiten, und die dem Gebot ungehorsam sind, welches dem Menschen auferlegt sein Brod im Schweiße seines Angesichts zu essen. - Heilige auch die Handlung des Essens durch ein mit Aufmerksamkeit und Andacht gesprochenes Gebet. Vor der Mahlzeit kannst du sprechen: - Segne, o mein Gott! die Nahrung, die ich zu mir nehmen werde, um meine Kräfte wieder herzu Von der Gutthätigkeit. 85 stellen, und um mich in den Stand zu sehen, dir noch ferner zu dienen. Vater unser. Beim Essen selbst enthalte dich von Unmäßigkeit und Schwelgerei. Uebermaß im Essen stärkt den Körper nicht, sondern schwächt ihn, und macht den Geist zur Arbeit ungeschickt. Vergiß nie, daß der Mensch nicht lebe, um zu essen; sondern esse, um zu leben und Gott zu dienen. Um deiner sinnlichen Lüsternheit Einhalt zu thun, erinnere dich zuweilen an die Galle und den Essig, womit dein dürstender Heiland am Kreuze getränkt worden. Auch wird es dir bei dieser Erinnerung nicht schwer fallen, aus Liebe zu deinem Erlöser, dir zu Zeiten an Speise und Trank einen Abbruch zu thun. Durch Kasteiung muß der Leib dem Geiste unterwürfig gemacht werden. Die Mahlzeit beschließe ebenfalls mit einem Gebete, etwa wie folgt: Gütiger Vater! ich danke dir für deine Gabe, mit der du mich gespeiset hast. Laß sie mir zur Gesundheit und Stärkung meines Leibes gedeihen. Vater unser. Mache keinen übermäßigen, und deine Glücksumstände übersteigenden Aufwand im Essen und Trinken; denn das heißt die Deinigen bestehlen und sie der Nothwendigkeit aussetzen, dereinst zu darben. Leidet es dein häuslicher Zustand, so vergiß, indem du speisest, der hungrigen Armen nicht, damit dich einst der schreckliche Vorwurf nicht treffe: Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeiſet." Von der Gutthätigkeit. Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist. Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Was ihr, als euren Brüdern, ihnen thun werdet, habt ihr mir gethan. Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst. Aufmunterung und Verbindlichkeit genug, wohlthätig zu sein. Und doch, wie wenig wirken diese Beweggründe auf die meisten Menschen, und - 86 Von der Gutthätigkeit. welcher kahlen Entschuldigungen bedienen sie sich, um ihrer Härte und Unempfindlichkeit gegen die Nothleidenden einen Anstrich von Schuldlosigkeit zu geben. Sei sparsam, mäßig und genügsam; und es wird dir für die Armuth bei jeder Beschaffenheit deiner Glückkumstände etwas übrig bleiben. Erwarte von Gott allein deinen Lohn; und die Undankbarkeit der Menschen wird dir keine gültige Ursache mehr scheinen, Nothleidenden deine Hülfe zu verfagen. Untersuche nicht die Ursache des Elends, sondern sieh' bloß auf den Elenden; und die falsche Entschuldigung deines Geizes oder deiner Lieblosigkeit, daß der Bettler deinen Beistand nicht verdiene, wird folglich entkräftet sein. Das Gesetz der Menschenliebe ist ein allgemeines Gebot, das weder Ausnahme, noch Einschränkung, noch Bedingung leidet, die einzige ausgenommen, daß du nichts für deinen Mitmenschen thun kannst. Aber dieses Nichtkönnen muß sich nicht auf ein bloß eingebildetes und selbstgemachtes Unvermögen gründen. Uebest du Werke der Gutthätigkeit aus, so gib Acht, daß es nicht todte, unverdienstliche Werke seien. Ein Elender blickt dich an, und fordert stumm und beschämt deine Hülfe. Du wirst gerührt, und er erhält sie augenblicklich. Tugend! ruft die Welt, die nur das Neußerliche sieht; der Elende dankt dir, deine Eigenliebe vielleicht auch. Aber die Religion untersucht den Werth, den Beweggrund der Handlungen, und fordert- mehr. Findet sie, daß dein weiches Herz, dein mitleidiges Temperament, Eitelkeit, Verschwendung, Gewohnheit die einzige Triebfeder deiner Wohlthätigkeit gewesen; so verwirft sie dieselbe als eine falsche Münze, die zwar das Gepräge hat, der es aber am ächten Schrot und Korn fehlt. Bei jeder Handlung wohlthätiger Menschenliebe frage dich daher selbst: Fiel mir Gott bei der Thräne des Elenden ein? Dankte ich ihm in dem Augenblicke für das Glück, ein Herz zu besitzen, das dem Jammer des Nothleidenden nicht verschlossen ist?- Freute ich mich über den Vorzug, ein Werkzeug der milden Hand Gottes zu sein? Empfand ich den seligen, den belohnenden Gedanken: Du hast jetzt deinem Heiland wohl gethan, der die Armen als seine Stellvertreter erklärt hat. Sagte ich demüthig zu mir selbst: Dieser arme Verlassene ist dir gleich; vielleicht noch besser als du. Sette ich mich an dessen - 87 Von der Abtödtung. Stelle, und fragte ich mich: Wie? wenn Gott auch dich auf eine solche Probe, in einen solchen Stand setzte, würdest du dich ihm willig unterwerfen? Dieß muß deine Gemüthsbeschaffenheit sein, wenn du auf eine, Gott angenehme, und dir heilsame Art wohlthätig sein willst. Von der Abtödfung. Das Leben des Christen soll eine beständige Ausübung der Buße sein. Um dich für's Jenseits würdig vorzubereiten, tödte dich in jeder Hinsicht ab; um die Herrschaft der Gnade in deiner Seele zu befestigen, ist nichts nothwendiger, als die Macht der finnlichen Natur zu schwächen und zu überwinden. Bemeistere daher den Hang zu unnützen Dingen. Wache über die Blicke deiner Augen. Unterdrücke jeden Scherz, jeden wißigen Einfall, wodurch du Gott beleidigen, oder deinen Nächsten kränken, oder bloß deiner Eigenliebe schmeicheln könntest. Vermeide Alles, was die Sinnlichkeit rege zu machen, oder sie zu begünstigen fähig ist. Halte selbst bei unschuldigen Ergötungen Maß; und entzieh' dich zuweilen aus Bußgeist auch erlaubten Vergnügungen. Mäßige die allzu große Zärtlichkeit zu dir selbst. Nimm dich vor leichtsinniger Geschwätzigkeit in Acht, und geh' selbst mit denen, die nicht nach deinem Sinn und Geschmack sind, auf eine anständige und liebreiche Art um. Sei in Kreuz und Leiden geduldig, und ergib dich mit Gelassenheit in den Willen Gottes. Diejenigen, die Christo angehören, kreuzigen ihr Fleisch sammt den Lüsten und Begierden.( Galat. 5, 24.) Von den Ergötlichkeiten. Ein durch die Arbeit abgematteter Leib bedarf nothwendig der Ruhe; sowie der durch Anstrengung erschöpfte Geist seine Erholung haben muß. Du darfst und sollst dir daher einige Unterhaltung verschaffen. Aber du mußt dich derselben nicht anders, als wie einer Arznei bedienen. Arzneien dürfen nicht schädlich, nicht gefährlich sein; und die besten verlieren ihre Wirkung, wenn mann sich daran gewöhnt. Ebenso verhält es sich mit Ergöklichkeiten und Von den Besuchen. Unterhaltungen. Mit Wahl, mit Maß und zu rechter Zeit genossen, werden sie deinem Geiste zur heilsamen Aufheiterung dienen; im Gegentheile aber ihn so zerstreuen, daß er zu allen ernsthaften Geschäften gänzlich unfähig wird. Ergög lichkeiten, denen du dich ohne Verabsäumung deiner Berufsgeschäfte nicht überlassen kannst, mußt du als verboten ansehen; so erlaubt und unschuldig sie auch an sich selbst sein mögen. Aus Lustbarkeiten sein einziges Geschäft mochen, heißt das Leben eines Affen leben; und durch Ergötungen, die mit Gefahr zu fündigen verbunden, oder offenbar sträflich sind, seinen Geist aufheitern wollen, heißt in der Absicht, fich zu heilen, Gift nehmen. Willst du spielen, so treibe es nicht falsch, nicht zu oft und zu lange, und nicht zu theuer, und wage dein Vermögen nicht auf eine Karte und dergleichen Dinge. 88 Bon den Besuchen. Unter andern gibt es auch Besuche der Nothwendigkeit und des Berufes, diese sollst du, durch eine aufrichtige Meinung, deiner Pflicht nachzukommen, heiligen. Es gibt auch Besuche der Menschenliebe; diese verrichte mit dem Geiste der Religion. Es gibt Besuche des Wohlstandes; diese betrachte als ein Mittel, die Geselligkeit zu unterhalten, und richte sie nach den Maßregeln des Evangeliums ein. Es gibt aber auch Besuche, die mit Gefahr zu sündigen verbunden sind; und diese mußt du geradezu unterlassen. Es gibt aber auch noch andere, solche, die bloß auf muthwillige Tödtung der Zeit hinauslaufen. Auch diese wirst du dir untersagen, wenn du anders von dem unschätzbaren Werth der Zeit und von der Pflicht, sie nützlich anzuwenden, überzeugt bist. Gesellschaften, wo Gott und die Religion angegriffen oder der gute Name Abwesender gekränkt, oder wo unschuldiger Ohren nicht geschont wird, meide, wie Derter, die mit vergifteter Luft angefüllt sind. Bon der Abendandacht und vom Schlafengehen. Es ist nicht allein von der äußersten Wichtigkeit, den Tag mit Gebet anzufangen, sondern es erfordert der Beschluß des Tages nicht weniger diese heilige Handlung. Die - Von der Abendandacht und vom Schlafengehen. 89 Wohlthaten, die wir den Tag über von Gott erhalten haben; die Gefahren der Nacht, gegen welche wir Gottes Schutz bedürfen; die Erkenntniß unserer Vergehungen, eine aufrichtige Bereuung und zu erbittende Vergebung derselben, sind ebenso viele Beweggründe, unser Gemüth im Gebet zu Gott zu richten. Beschließ also den Tag mit einem inbrünstigen Gebete und mit einer sorgfältigen Erforschung des Gewissens. Nichts ist wirksamer zu verhindern, daß sich böse Gewohnheiten nicht unsers Herzens bemächtigen, als diese tägliche Selbstprüfung. Wärest du unglücklich genug gewesen, eine Todsünde zu begehen: so wäre es der gefährlichste Leichtsinn, wenn du dich dem Schlafe überlassen wolltest, ohne deine Sünde erkannt und bereuet zu haben. Deine Abendandacht muß demnach aus folgenden Punkten bestehen: Erstens mußt du Gott für alle Gnaden und Wohlthaten, insbesondere aber für die, welche du den Tag über von ihm erhalten hast, danken. 3weitens mußt du ihn um seine Gnade bitten, deine Vergehungen und Fehler zu erkennen und zu bereuen. Drittens mußt du alle Stunden des Tages durchgehen, um zu sehen, wie du ihn zugebracht, und was du Böses gethan, oder Gutes unterlassen. Hierauf muß Viertens die Erweckung einer aufrichtigen Reue und Verabscheuung deiner Vergehungen, mit einem festen Vorfaz, dich künftig davor zu hüten, folgen. Fünftens mußt du dir vornehmen, diese Bergehungen nächstens durch das heilige Sakrament der Buße auszulöschen. Lege dich sodann, nachdem du zuvor deine Seele in die Hände deines Gottes empfohlen, und ihn um seinen Schutz wieder die Gefahr der Nacht angeflehet hast, nieder, und laß dir angelegen sein, mit frommen, heiligen Gedanken einzuschlafen. 90 Abendgebet. Abendgebet. Bleib bei uns, denn es wird Abend, und der Tag hat sich schon geneigt.( Luk. 25.) JA Ugütigster Gott! wie viel Ursahe habe ich, bei dem Schlusse des Tages, mit inbrünstigem Gebet wieder zu dir zurückzukehren! Wie viele neue der wichtigsten Gnade habe ich, meiner tiefsten Unwürdigkeit ungeachtet, wieder von dir empfangen! Du bast mir Nabrung, Gesundheit und Kräfte zu meinen Berufsgeschäften verliehen; manche: mir unbekannte Gefahr mir abgewendet; manches von mir unbemerkte Gute mir erwiesen; kurz, wieein gütiger Vater über mich gewacht, und für mich gesorgt. Wie kann ich dir für deine Güte genug danken! Und wenn ich das vermag, habe ich wenigstens diesen Tag so gelebt, daß ich derselben nicht unwürdig war?. O gib mir deinen Geist, daß er mich erleuchte und fähig mache, meine Bergehungen, von welchen auch dieser Tag nicht frei ist( denn noch immer bin ich ein schwacher, sündhafter Mensch, das weiß ich nur gar zu wohl!), einzusehen, und von ganzem Herzen zu bereuen. O Gott! unter deinen Augen will ich mich prüfen; gib, daß mein Gewissen mir so unparteiisch auf meine Frogen antworte, wie es einst vor deinem Gerichte antworten wird. Nachstehende Fragen sollen die Erforschung des Gewissens erleichtern; man muß sie also mit ernster Versammlung des Gemüths durchgehen, und die Antwort seines Gewissens darüber abwarten. Sonst kann der abgezielte Nutzen unmöglich erfolgen. Abendgebet. Wo ist der heutige Tag? Ist er einer der verlornen? oder hab' ich ihn für die Ewigkeit genützet? Könnte ich mit diesem Tage die ganze Reihe meiner Tage beschließen? - 91 - Wohin ging heute mein Weg?- 3um Himmel oder zur Hölle? Bin ich frömmer, tugendhafter, weiser und einsichtsvoller, oder das Gegentheil geworden? War ich auf die göttlichen Einsprechungen, auf die stillen Wirkungen des heiligen Geistes aufmerksam? Folgte ich ihnen? - Worin bestand mein Tagewerk? In Befolgung meiner Berufsgeschäfte, oder in leeren, gedankenlosen Zerstreuungen, die nun wie ein Traum dahin sind? Arbeitete ich zu( sottes, oder bloß zu meiner Ehre? zum Nutzen meiner Mitmenschen, oder bloß zu meinen eigenen? Und wie arbeitete ich? Hab' ich heute eine Seele erfreuct, oder getröstet? glücklich gemacht? Lde, war mein Herz ohne theilnehmendes Gefühl für meine Brüder? - Wie hab' ich mich gegen meine herrschende Neigung verhalten? Hab' ich ihr widerstanden, oder gegen den Vorsatz, den ich heute früh macht, nachgegeben? Hab' ich das Gute, das ich heut genossen, mit Dankbarkeit gegen den göttlichen Geber genossen? Wie hab' ich mich gegen andere Menschen betragen?- War ich sanftmüthig, gelaſſen, gegen ihre Schwachheiten nachsehend, liebreich, dienstfertig? chonte ich ihrer Ehre? Ertheilte ich aufrichtigen Rath? Strafte ich mit Liebe? Welche Versuchung hab' ich besiegt? Benützte ich jede Gelegenheit, Gutes zu thun? War ich in meinen Ergötungen, in Befriedigung meiner Lebensbedürfnisse mäßig? Worauf waren meine meisten Gedanken und Begierden gerichtet? Dürfte ich sie öffentlich gestehen? Hab' Was hab' ich geredet? Wahrheit oder Lüge? ich das Verdienst gelobt? oder die Unschuld verläumdet? Hab' ich der Tugend gehuldigt, oder dem Laster geschmeichelt? Abendgebet. Wie stünde es um meine Seele, wenn die bevorstehende Nacht mich dem Todesschlafe überlieferte? 92 O mein Gott! du hörst, was mein Herz innerlich auf diese Fragen antwortet, und welche Vorwürfe mein Gewissen mir machet. Und doch siehest du meine Vergehungen noch deutlicher, und deren. noch mehrere, als ich mir vorzurücken finde! Welche Ursache habe ich, ganz von Scham und Reue durchdrungen zu sein. O mein Vater! ich habe auch heute gegen den Himmel und vor dir gesündiget, und deinen Zorn, deine Strafgerichte neuerdings auf mich geladen. Wie schlecht bin ich meinem Versprechen, das ich hier heut am Morgen that, die Wege deiner Gebote zu wandeln, und den Tag zu meinem Heile anzuwenden, nachgekommen! Noch immer bin ich der sündige und thörichte Mensch, der deine Wohlthaten mit Undank und Beleidigungen erwiedert. Weh mir! wenn du nach deiner Gerechtigkeit mir vergelten solltest. Aber ich fliche zu deiner väterlichen Langmuth, und bitte mit reuevollem und gedemüthigtem Herzen um Verzeihung meiner heutigen Vergehungen und Fehltritte. Verzeih'! schone noch meiner! und gib mir Zeit und Gnade, mich endlich von meinen Sünden zu entladen, und dir zum Wohlgefallen zu leben. Um dieſe größte aller deiner Wohlthaten bitte ich dich durch deinen eingebornen Sohn, unsern Mittler bei dir, durch Jesum Christum. Amen. Vater unser. Noch bitte ich dich, allmächtiger Gott! wache in dieser Nacht über mich, über die Meinigen und über uns Alle, insonderheit über alle nothleidende und bekümmerte Menschen, mit deiner gnädigen und all1 Ein anderes Abendgebet. mächtigen Fürsorge! Und wenn es dein gnädigster Wille ist, daß ich mit dem morgenden Tage nicht wieder zu diesem Leben erwachen soll: o so laß mich vor deinem Richterstuhl Erbarmung finden, und nimm meine Seele, die ich jeht in deine Hände empfehle, zu Gnaden auf. Gefällt es aber deiner Weisheit und Güte, daß ich hier noch länger leben soll: so laß mich die noch übrige Zeit dieses flüchtigen Lebens zu deinem Lobe und zu meinem Heile mit redlicher Sorgfalt anwenden. Ich bitte dich darum durch Jesum Christum, deinen ewigen und eingebornen Sohn, um dessen willen du auch mich zu erhören verheißen hast. Amen. Heilige Jungfrau, du Mutter meines Gottes! und nach ihm meine einzige Hoffnung; mein guter Engel, mein heiliger Namenspatron! bittet für mich, für alle Verlassene und Kranke, für meine Freunde, Wohlthäter und Feinde; für die Seelen der Gläubigen im Fegfeuer, und für Alle, für welche ich zu beten verpflichtet bin. Amen. 93 Ein anderes Abendgebet. Großer, anbetungswürdiger Gott! dejſen mildreiche Augen den ganzen heutigen Tag über mir geöffnet waren, und dessen Allgegenwart die vornehmste Beschäftigung meines Verstandes und Herzens hätte sein sollen. Ich kehre nach den vielfältigen Zerstreuungen, unter denen mir der heutige Tag verstrich, wieder zu dir zurück, durch eine abermalige traurige Erfahrung überzeugt, daß du allein meine Begierden befriedigen, allein mei 94 Ein anderes Abendgebet. ner Seele eine wahre, dauerhafte Ruhe und Zufries denheit verschaffen fönntest. Ich gestehe, daß in allen Dingen außer dir nichts als schnöde Ergötungen, und betrügerische, flüchtige Güter gefunden habe, die wohl meine Seele verunreinigen können, aber ihren Durst nach Glückseligkeit zu stillen nicht vermögen. Ich erkenne im: ner deutlicher, daß ich bloß um de netwillen erschaffen bin; daß nur du mein einziges, höchstes Gut für dieß Leben und für die Ewigkeit bist. Gleichwohl- o! wie muß ich mich schämen! war ich dieser großen Wahrbeit heut' wenig eingedenk; merkte auf deine Wohlthaten, die du mir an Leib und Seele erwiesest, ſo wenig, daß ich sie, ohne an dich zu denken, und ohne Empfindung der Dankbarkeit genoß. Und, was meine Strafwürdigkeit vergrößert, ich hörte die fanften Ermahnungen deines beiligen Geistes nicht; gehorchte nur meinen verkehrten Begierden, meinen unordentlichen Gemüthsbewegungen, und sündigte, als ob kein Gott wäre, oder mich bemerkte! Mein Gewissen, das den Tag über zu schlummern schien, erwacht nun wieder; und die Stille der Nacht macht mich fähig, seine Stimme zu vernehmen. Die Nacht ist also auch eine Wohlthat, die du, o Allgütigster! uns Menschen erzeigst. Ohne sie würden wir von unsern Zerstreuungen niemals zurückkommen; niemals unsern Geist zu ernsten Betrachtungen zu sammeln, und mit unserm Gewissen zu Rathe zu gehen, geschickt sein. Alles schweigt nun um mich her, und du verkündigst mir dadurch deinen Willen, nichts als mein Gewissen, meinen Richter, der, statt deiner, zu mir spricht, zu hören. Ein neuer Un Ein anderes Abendgebet. dank und für mein Heil ein höchst gefährlicher Leichtsinn wäre es, wenn ich es nicht thun wollte. Aber erleuchte mich auch, daß ich es mit Genauigkeit und Nußen thun möge. 95 Hier folgt die Erforschung des Gewissens, nach Anleitung der Fragen, wie oben, und sodann nachstehendes Gebet. O! welch' eine Reihe neuer Vergebungen hält mir mein Gewissen vor! Geist der Gnaden! febre in mein Herz zurück, und gieße Reue in meine Seele aus. Gebiete dem Gewissen, hier fort zu reden, auf daß es dort schweize; und ich nicht in tödtliche Sicherheit verfalle. Vielfältig hab' ich, und ( was mich ganz mit Scham erfüllen muß) vor dir, dem Allsehenden, wider dich, den Allgütigsten, auf's Neue gefündigt. Ja, gefündigt hab' ich! Ich bekenne meine Schuld, will sie nicht vergrößern, und meine Fehltritte zu verhehlen, oder zu entschuldigen, oder( welches noch unschuldiger wäre) zu rechtfertigen mich erkühnen. Ich habe gesündigt mit unerlaubten Gedanken, die du, Herzenskundiger, alle sahest, so tief sie auch in meiner Seele verschlossen blieben mit Worten, die ich nicht reden sollte- mit Werken, die deiner Heiligkeit mißfallen nußten, und nun deine Gerechtigkeit wider mich auffordern. Wenn du der Sünde gedenkst, wer kann vor dir bestchen! Aber deine unendliche Erbarmung flößt mir Muth ein, neuerdings um Vergebung zu fleben, und Hoffnung, sie in Rücksicht meines zerknirschten Herzens, welches dir das wohlgefälligste Verjöbnopfer ist, und mit welchem ich meine Bergehungen - 96 Heilsame Gedanken bei schlaflojen Nächten. mißbillige, bereue und aus ganzer Seele verabscheue, zu erhalten. Unter dieser tröstenden Zuversicht will ich schlafen gehen, und unter deinem Schuße in Frieden ruhen, o mein Gott, mein Herr, und mein Vater! Ich empfehle meinen Geist in deine Hände, und bereue bei der Ungewißheit, ob der Schlaf dieser Nacht nicht vielleicht mit dem Schlummer des Todes, dessen Bild er ist, abwechseln werde, nochmals meine heutigen, und die Vergehungen meines ganzen Lebens. Sei mir armen Sünder gnädig! Verschone um deiner unendlichen Barm herzigkeit, um der Verdienste deines Sohnes, und der unaussprechlichen Leiden willen, die er auch zur Rettung meiner Seele erduldete. Amen. Man kann hier noch das Vater unser, den englischen Gruß und den Glauben beten; auch Glaube, Hoffnung und Liebe erwecken. Siehe Seite 27. Seilsame Gedanken bei schlaflosen Nächten. Wie schrecklich ist die Finsterniß!- O was wird nicht erst die ewige Finsterniß sein!- Wie lang werden mir die Stunden, wenn ich ohne Schlaf im Bette liege! Unerträglich würde mir die Pein fallen, wenn ich, zur Strafe für ein Verbrechen, nur einige Tage und Nächte hintereinander, oder auch nur eine einzige Nacht hindurch, in einerlei Stellung, selbst auf dem weichen Bette liegen müßte. Was müssen die Verdammten empfinden, die ewig, ohne Hoffnung der Erlösung, im Fegfeuer liegen müssen. Ich kann nicht schlafen: und was martert mich, obgleich ich gesund bin, und keine Sorgen mir den Heilsame Gedanken bei schlaflosen Nächten. 97 Schlaf rauben. Wie muß euch zu Muthe sein, ihr Kranken, ihr Unglücklichen, die ihr vor Schmerzen, vor Kummer nicht schlafen könnet. Gott stärke und tröfte euch! Die Nacht muß manche Schandtthat mit ihrem Schleier decken. Wie manche Sünde der Unzucht, der Völlerei, wie manche Räuberei und Mordthat werden unter Begünstigung der finstern Stunden begangen!- Herr, behüte, daß ich jemals die Nacht zu ähnlichen bösen Thaten mißbrauche! Warum flieht mich der erquickende Schlaf! Hab' ich ihn vielleicht schon unmäßig genoffen? Oder hab' ich den abgewichenen Tag zu wenig ge= arbeitet? oder meinen Magen zu sehr überladen? oder drohet mir eine Krankheit? bin ich an dieser Schlaflosigkeit selbst Schuld? nun so ist es billig, daß ich sie mit Geduld ertrage. Ist sie ein Vorbote einer Krankheit, so wende sie, Herr! gnädig von mir ab, oder, laß sie zu meiner Bes serung gereichen. Wege des Heils. - - 7 Zweiter Fibfehnitt. com Meßgebete. Vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang ist mein Name groß unter den Völkern, und aller Orten wird meinem Namen geopfert und ein reines Opfer dargebracht, denn groß ist mein Name unter den Völkern, spricht der Herr der Heerschaaren, Malac. 1, 11. Vorerinnerung. D urch die heilige Messe wird das unblutige Opfer verstanden, das die Kirche Gott mit dem Leibe Jesu Christi, der auf dem Altare unter den Gestalten des Brodes und des Weines wirklich vorhanden ist, darbringt. Die heilige Messe ist demnach beides eine Erinnerung und eine Fortsetzung des Opfers am Kreuze; eine Erinnerung, weil das Schlachtopfer nicht wirklich getödtet, sondern nur als getödtet, unter den Gestalten des Brodes und des Weines vorgestelt wird; wovon jene den getödteten Leib Jesu Christi, diese das vergossene, und daher vom Leibe abgesonderte Blut, vor Augen hält. Eine Fortsetzung des Opfers am Kreuze ist die Messe, weil eben derselbe Leib, der am Kreuze gehangen und geblutet, in der Messe geopfert wird. Hieraus folgt, daß fromme Christen bei der heiligen Messe mit eben den Empfindungen erfüllt werden sollen, als wenn sie dem blutigen Opfer auf dem Kalvarienberge beiwohnten. Also gebot Jesus bei der Einsetzung des Abendmahles mit den ausdrücklichen Worten: Dieß thut zu meinem - Vorerinnerung. Andenken.( Luk. 22, 19.) Und der heilige Paulus erinnert die Christen: So oft ihr dieses Brod essen und den Kelch trinket werdet, sollt ihr den Tod des Herrn verkünden, bis daß er kommt.( 1. Cor. 11, 26.) Die Empfindungen, welche wir bei der heiligen Messe zu erwecken haben, um derselben auf eine würdige Art beizuwohnen, werden also folgende sein: 1. Eine lebhafte Vorstellung der unermeßlichen Hoheit Gottes und eine ungeheuchelte Empfindung unserer Nichtigkeit und Unwürdigkeit. Mit dieser Gemüthsverfassung sollen wir Gott den Leib Jesu Christi, als die einzige, seiner Majestät angemessene Gabe, wie nicht minder uns selbst opfern, und unser ganzes Vertrauen auf Jesum gründen, der uns würdiget, mit ihm vereinigt zu werden. 99 2. Ein unversöhnlicher Abscheu gegen die Sünde, weil sie der Heiligkeit Gottes zuwider ist und für sie nur ein Gottmensch genugthun konnte. 3. Ein inbrünstiges Verlangen auf dem Wege der Gebote Gottes und unsers Heiles, das uns durch den Tod Jesu Christi wieder erworben worden ist, zu wandeln. 4. Eine innige Danksagung für die Güter, die uns durch Jesum Christum zugeflossen sind, und noch täglich zufließen vorzüglich, wenn wir seiner unblutigen Aufopferung in der heiligen Messe mit dem Geiste der Liebe beiwohnen. 5. Gollen wir bedenken, daß, wenn wir dem heiligen Meßopfer mit Unehrerbietung, freiwilliger Zerstreuung, Unachtsamkeit auf den Priester und Herumschweisung, unserer Augen beiwohnen, wir die Religion entheiligen und die Schmach erneuern, welche dem sterbenden Heilande auf dem Kalvarienberge zugefügt worden ist. Dieß zu vermeiden, sollen wir gleich beim Eintritte in die Kirche unsern Geist von allen irdischen Dingen zurückziehen, und ihn durch die Erinnerung, von welcher Größe das Geheimniß sei, zu dessen Feier die Messe von der Kirche bestimmt worden ist, zu jener Ehrerbietung, Aufmerksamkeit und Sittsamkeit leiten. welche zu einer würdigen Anhörung der heiligen Messe erfordert werden. 7* 100 Erste Meßandacht. Erste Messandacht. Gebet vor der heiligen Messe, um sich zu deren würdigen Anhörung vorzubereiten. anbetungswürdigster Heiland! ich erscheine vor deinem Altar, um deiner Aufopferung. beizuwohnen. Mache mich aller derjenigen Früchte theilhaftig, welche ich, deiner Ansicht nach, daraus ziehen soll, und ersetze gnädigst den Mangel meiner nicht gebührenden Vorbereitung zu dieser geheimnißvollen Handlung. Bewege mein Herz zu den süßen Empfindungen deiner unbegrenzten Güte und Liebe; hefte meine Augen auf dich; lösche mit deinem Blute alle Sünden, deren ich mich schuldig gemacht, und um derentwillen du gelitten hast, aus. Gedenke ihrer nicht mehr, du Gott der Erbarmung! ich verabscheue fie, aus Liebe zu dir, von ganzem Herzen, und bitte dich, mir solche zu vergeben, wie ich allen denen, die mich etwa beleidiget haben, aufrichtig verzeihe. Mache, o mein Jesu, daß ich mich dir ganz und gar aufopfere und ergebe, wie du dich ganz für mich aufgeopfert hast! Amen. Aufopferung der heiligen Messe, um für sich, oder jemand Andern eine Gnade zu erbitten. Gott der Güte und der Gnaden! unendlich freigebiger Vater! wir leben nur von den Wohlthaten deiner Barmherzigkeit, und Alles, was wir haben. haben wir ganz allein von dir. Nur du kennest unsre Bedürfnisse, und nur du vermagst, in unsern Erste Meßandacht. 101 Nöthen, uns auf eine wirksame Art zu helfen. Voll von diesem Vertrauen auf deine Allmacht und Barmherzigkeit, flehe ich um deinen Beistand, und bitte dich mit der lebhaftesten Zuversicht einer gnädigen Erhörung, wenn ich anders nicht Unbesonnenes bitte für mich( oder für N. N.) um diese Gnade.( Hier sage, was du bittest.) Nicht ich bitte dich darum, sondern ich entlehne nur die Stimme desjenigen Opfers, welches dir auf deinem Altare geopfert werden wird. Gewähre mir die Gnade, um die ich flehe, im Namen und durch die Verdienste desjenigen, welcher der geliebteste Gegenstand deines Wohlgefallens ist, und dessen Vermittlung du nichts abschlagen kannst. Amen. - - - Aufopferung der heil. Messe für die leidenden Seelen im Fegfeuer. Ich werfe mich vor dir, höchster Herr und Schöpfer der Welt! in tiefster Demuth nieder, um für die Gläubigen zu bitten, welche zwar in deiner Gnade abgeschieden sind; aber deiner Gerechtigkeit nach für die Sünden genug zu thun haben, welche fie in ihrem Leben nicht abgebüßt. Es sind die Seelen meiner Eltern, Anverwandten, Freunde und Wohlthäter, denen ich zu helfen aus Pflicht verbunden bin. Und welche kräftigere Hülfe könnte ich ihnen leisten, o mein Gott! als indem ich für sie das Blut des Lammes ohne alle Schuld dir aufopfere? Ich opfere es auch dir, o du allgemeiner Vater der Lebenden und der Abgestorbenen, auf. Ich opfere es dir für deine Kinder auf, die du liebest, und die nach der Glückseligkeit, dich zu sehen, 102 Erste Meßandacht. und bei dir zu sein, so sehnlich schmachten, daß der Aufschub der Befriedigung dieses ihres Verlangens, die empfindlichste aller der Peinen für sie ist, die sie zu erdulden haben. O du Gott der Barmherzigkeit! öffne ihnen die unermeßlichen Schäße der Verdienste deines Sohnes, und laß sie in diesem heiligen Meßopfer, dessen Werth unendlich ist, die gänzliche Genugthuung für ihre Schuld finden. ( So du für eine gewisse abgeschiedene Seele bittest, so setze hinzu:) Insbesondere bitte ich um dieß für die Seele N. N. Amen. Zum Anfang der Hl. Messe, wenn der Priester unten am Altare steht. Meiner Sünden und meiner Nichtigkeit wegen darf ich, o mein Gott und Herr! es nicht wagen, deinem Throne, den lauter Heiligkeit umgibt, mich zu nähern. Der Priester steht demüthig vor dem Altare, um für die Sünden des Volkes zu beten. Mit ihm vereinige ich ein reumüthiges Bekenntniß meiner Sünden, und spreche mit ihm: Ich bekenne vor Gott, dem Allmächtigen, der seligsten Jungfrau Maria, und allen Heiligen, daß ich oft und viel und schwer durch Gedanken, Worte und Werke, und Unterlassung gesündigt habe. O, wie groß ist meine Schuld! sehr groß! die größte aller derer, die gesündiget haben! Ich bitte daher die seligste Jungfrau Maria, und alle Heiligen, für mich bei Gott fürzusprechen. Der allmächtige Gott erbarme sich unser! Er vergebe uns unsere Sünden, und führe uns zum ewigen Leben ein! Amen. Erste Meßandacht. 103 Der allmächtige und barmherzige Gott verleihe uns die Vergebung, Lossprechung und Nachlassung unserer Sünden! Amen. Zum Kyrie eleiſon. Göttlicher Schöpfer unserer Seelen! habe Mitleid mit dem Werke deiner Hände. Barmherzigster Vater! laß uns Varmherzigkeit finden. Du Urheber unsers Heils! der du für uns geopfert worden, mache uns der Verdienste deines Todes und deines vergossenen Blutes theilhaft. Liebenswürdigfter Erlöfer, gütigster Jesu! neige dich zu unserm Elend, und vergib uns unsere Sünden. Zum Gloria. Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind. Wir loben dich; wir benedeien dich; wir beten dich an; wir preisen dich; wir danken dir deiner großen Herrlichkeit wegen; Herr! Gott! himmlischer Vater! Herr Jesu Christe, du eingeborner Sohn! Herr! Gott! Lamm Gottes! Sohn des Vaters! der du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser! der du hinwegnimmst die Sünden der Welt! erhöre unser Gebet! Der du zur Rechten des Vaters sizest, erbarme dich unser! Denn du allein bist heilig! du allein bist Herr: du allein bist der Allerhöchste. Jefsu Christe! mit dem beiligen Geiste, in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen. - - 104 Erste Megandacht. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! erhöre das Gebet deines Volkes; und ob wir gleich alle Sünder sind, so wende dein Angesicht in der Zeit der Trübfal doch nicht von uns ab, sondern neige dein Ohr zu unserm Flehen, und zu dem Gebete des Priesters, deines Dieners, welcher für das Heil deines Volkes bittet. Durch Jesum Chriftum, unsern Herrn. Amen. Ihr Heiligen beiderlei Geschlechts! deren Andenken die Kirche heute feiert, bittet für mich und für Alle, für die ich zu beten verpflichtet bin; und erwerbet uns durch euere Fürsprache alle Gnade, deren wir zu unserm Heil nicht entbehren können. Amen. Zur Epistel. Versetze dich im Geiste in die Zeiten der Patriarchen und Propheten, die so sehnlich nach dem Messias seufzten, und errege die Empfindungen in deinem Herzen, die sie damals belebten. Du erwartest den nämlichen Heiland, und glücklicher als sie, wirst du ihn unter den Brodgestalten sehen.- O Herr! ich bete deinen Geist an, der aus den Propheten und Aposteln geredet hat, und der noch jetzt aus den Seelenhirten redet. Ich nehme mit Ehrerbietung und Demuth den Unterricht an, den sie mir auf dein und der Kirche Gebot ertheilen. Verleih mir nur auch deine Gnade, daß ich diesem Unterricht gemäß lebe. O mein Gott! warum ist mein Herz nicht mit eben dem inbrünstigen Eifer, wie das Herz der Heiligen des alten Testamentes, erfüllt! Warum sehne ich mich nach dir nicht mit eben dem dürstenden Verlangen, wie die Patriarchen! Erste Meßandacht. 105 Warum bestrebe ich mich nicht, dich wie die Propheten, zu erkennen und zu verehren! wie die Apostel zu lieben, und dir allein anzuhängen! Aber gib mir nur deine Gnade und ich werde es können. Diejenigen, welche Epistel- und Evangelienbücher haben, können die Epistel und das Evangelium des treffenden Tages zu Hause vor der heiligen Messe lesen, und sich an den Inhalt alsdann bei der heiligen Messe erinnern. Zum Evangelium. Betrachte das Evangelium als die göttliche Richtschnur, deines Glaubens und deines Lebens; als eine Nichtschnur, die dir der Heiland gegeben, und welcher zu folgen du in der heiligen Taufe versprochen; und als eine Richtschnur, nach welcher du einst wirst gerichtet werden. Göttlicher Heiland! weiter konnte deine Barmherzigkeit nicht gehen, als daß du selbst auf die Erde herabgestiegeu, um unser Lehrmeister zu werden, und uns den Weg zum Himmel zeigen. Aber ach! was würde es mir helfen, zu glauben, daß dieß Evangelium dein Wort sei, wenn ich demſelben nicht gemäß lebte? Was würde es mir einst vor deinem Richterstuhl nüßen, den Glauben an dich zwar gehabt zu haben, aber- ohne Liebe, ohne gute Werke, ohne Handlungen, in welchen ich meinen Glauben hätte in Ausübung bringen sollen! Ich glaube und ich lebe, als ob ich nicht glaubte, oder als ob ich ein, dem deinigen ganz entgegengesettes Evangelium glaubte. Richte mich, o mein Gott! nach dieser meiner Widersetlichkeit nicht. Ich glaube: aber flöße mir auch Muth und Stärke ein, zu thun, was ich glaube. Amen. 106 Erste Meßandacht. Zum Credo. Erneuere und befestige hier deinen Glauben. Alles, was die Kirche dir zu glauben vorschreibt, ist auf das von den Propheten angekündigte, in der heiligen Schrift geoffenbarte, und durch die erhabensten Wunderwerke bestätigte Wort Gottes gegründet. Es sind Wahrheiten, die, wenn sie befolgt werden, uns die reinste Seelenruhe, die vollkommenste Glückseligkeit, kurz, unser Heil gewähren. Mein Gott und Herr! wie habe ich vor so vielen Millionen Menschen, die noch in der dichtesten Finsterniß der Abgötterei und der Unwissenheit ihres Gottes wandeln, mit dem Lichte deines Glaubens erleuchtet zu werden, verdient? Oder vielmehr, wie unwürdig habe ich mich dieser Gnade bisher dadurch gemacht, daß ich diesem mir so hell vorleuchtenden Licht in meinem Wandel so schläfrig nachfolgte! O, nimm es darum nicht von mir, du Gott von unendlicher Erbarmung! noch gestatte, daß es jemals durch reizende, verführerische Zrrthümer in mir erstickt oder verfinstert werde. Das wäre die allerschrecklichste Blindheit! Wende sie gnädig von mir ab um desjenigen willen, der dieses Licht in die Welt gebracht hat. Amen. Zum Offertorivum. Die Anfopferung ist ein wesentlicher Theil der heiligen Messe, weil, wie oben angezeigt worden, die heilige Messe zur Absicht hat, das Andenken des blutigen Opfers auf eine unblutige Art zu feiern. Dieser Theil der heiligen Messe verdient also unsere vorzügliche Aufmerksamkeit und Geistessammlung. Unendlich heiliger, allmächtiger, ewiger Gott! so unwürdig ich auch bin, vor dir zu erscheinen, so wage ich's doch, dir dieß Brod und diesen Wein, die nun 107 Erste Meßandacht. bald in den Leib und in das Blut Jesu Christi werden verwandelt werden, durch die Hände des Priesters aufzuopfern, und zwar mit eben der Meinung, welche Jesus Christus hatte, als er dieß Opfer einsetzte, und die er noch jetzt hat, indem er sich für uns aufopfert. Ich opfere dir, um deine höchste Herrschaft über mich und alle Geschöpfe anzuerkennen, zur Genugthuung für meine Sünden, und zur Danksagung für alle Gnaden und Wohlthaten, mit welchen du mich überhäufest. Sieh' dieß unblutige Opfer gnädig an, und nimm auch meinen Leib und meine Seele zum Opfer hin. Ich opfere dir endlich dieses große Opfer, o mein Gott! um von deiner unendlichen Güte für mich, meine Eltern und Anverwandte, für meine Wohlthäter, für meine Freunde und Feinde, diejenigen. unschäßbaren Gnaden des Heils zu erlangen, die keinem sündigen Menschen anders, als durch die Verdienste desjenigen zu Theil werden können, der, ob er gleich der Allerheiligste, und ohne Sünde empfangen und geboren wurde, sich zum Schlachtopfer für unsere Sünden hingegeben hat. Indem ich dir dieses anbetungswürdigste Opfer darbringe, so empfehle ich dir zugleich, o mein Gott! die ganze katholische Kirche, ihr sichtbares Oberhaupt, den Papst, unsern Bischof, und alle Seelenhirten, unsern Landesfürsten und seine Familie, alle christlichen Fürsten und alle Völker, die an dich glauben. Ich empfeble dir überdieß, o mein Gott! die abgeschiedenen Seelen der Gläubigen. Gewähre ihnen, in Rücksicht der Verdienste deines Sohnes, Nachlassung ihrer Strafen, das ewige Licht und den Frieden. Erste Meßandacht. Erinnere dich auch, o gütigster Vater! deiner Feinde. Erbarme dich aller Ungläubigen, aller Irrgläubigen und aller Sünder, auch- meiner Feinde. Segne alle diejenigen, die mich verfolgen, vergilt ihnen mit Gutem, was sie mir Böses anthun, und vergib ihnen, wie ich ihnen alle Beleidigungen von Herzen verzeihe, die sie mir angethan, oder gern anthun möchten. Amen. 108 Zum Orate fratres. Der Herr wolle dieses Opfer von des Priesters Händen zum Lobe und zur Ehre seines Namens, wie auch zu unserm Heil, und zur Wohlfahrt seiner ganzen heiligen Kirche annehmen. Zur Präfation. Erheb' dich im Geiste vor den Thron der Gottheit, und von einem heiligen Schauer über den Anblick der unbegreiflichen Majestät Gottes durchdrungen, bete ihn an. Vereinige dein Lob mit den himmlischen Lobgesängen der Engel und Cherubinen, die ihn ohne Unterlaß preiſen und anbeten. Der Augenblick nahet heran, wo der König der Engeln und Menschen erscheinen wird. Herr! erfülle mich mit deinem Geiste, damit mein Herz sich ganz von der Welt und allem Irdischen losreiße, und lediglich sich mit dir beschäftige. Welche Ursache, welche Verbindlechkeit hab' ich nicht, dich zu preisen, und dir zu danken, zu jeder Zeit, an jedem Ort, allmächtiger und ewiger Vater! Es ist nichts gerechter, und für uns heilsamer, als daß wir dich durch Jesum Christum unsern Herrn, durch welchen die Engel, die Erzengel, die Seraphinen und Cherubinen, und alle himmlischen Erste Meßandacht. 109 Geister dich loben, mit vereinigtem Froblocken preisen. Mit ihnen bitten wir dich, laß auch unsere Stimmen zu dir gelangen, da wir zugleich mit ihnen in heiligster Ehrfurcht ausrufen: Heilig! heilig! heilig! ist der Herr Gott Sabas oth! Himmel und Erde sind von deiner Herrlichkeit voll. Hosanna dem, der in der Höhe wohnt! Ge= benedeit sei der, der da kömmt im Namen des Herrn! Hosanna dem, der in der Höhe wohnt! Vor der Wandlung. Hier betrachte den Altar, auf welchem Jesus Christus mit Leib und Seele erscheinen wird, als den Thron seiner Varmherzigkeit, vor welchem er dir erlaubt, zu erscheinen, um ihm alle deine Anliegen vorzutragen, von ihm zu bitten und zu erhalten. Gott! der uns seinen eigenen Sohn gibt, sollte der uns etwas versagen können? Gütigster Vater! anbetungswürdigster Gott! nimm zur Ehre deines Namens, zum Zeichen meiner Unterthänigkeit, das Opfer des Leibes und Blutes Jesu Christi gnädig an, welches wir dir darbringen für das Heil deiner Kirche und zur Wohlfahrt der ganzen Christenheit insgemein. Gib dem Oberhirten der Kirche Weisheit und Eifer, damit er dein Volk zur Seligkeit führe. Gib den Bischöfen Liebe und Wachsamkeit, damit sie ihre Schafe mit der Weide guter Lehre versehen, väterlich ermahnen und strafen. Gib den Königen, Fürsten und allen Ohrigkeiten Ruhe und Frieden, damit wir unter ihrem Schuße dir mit frohem Herzen dienen mögen. Zwar verdienen wir unserer Sünden wegen nicht, von dir erhört zu werden, und darum gründen wir unser ganzes Vertrauen auf - - 110 Erste Meßandacht. das Kreuzopfer, dessen Andenken wir auf Erden durch die Darstellung des geopferten Herrn Jesu Christi erneuern. Sind wir unreine, sündhafte Menschen, so siehe nicht auf uns, sondern auf dieß große Opfer von unendlichem Werth. Siehe unser Gebet nicht bloß als daß unsrige an, sondern nimm es an als das Gebet der allerfeligsten Jungfrau Maria, als das Gebet der heiligen Apostel, Martyrer, Beichtiger und Jungfrauen, mit deren Gebet wir unsere schwachen und ohnmächtigen Seufzer vereinigen. Wirke nun, o unbegreiflicher Gott! das ebenfalls unbegreifliche Wunder, und verwandle durch deine Allmacht Brod und Wein in den Leib und in das Blut unsers Herrn Jesu Christi. Herr, entzünde mein Herz, damit ich meine ganze Aufmerksamkeit auf dieses große Geheimniß richte. Erinnere dich an das, was der Heiland von diesem Geheimnisse selbst spricht: Ich bin das lebendige Brod, der ich von dem Himmel herabgestiegen bin. So Jemand von diesem Brod essen wird, der wird leben in Ewigkeit; denn das Brod, welches ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.( Joh. 6, 51, 52.) Mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise, und mein Blut wahrhaftig ein Trank: Wer mein Fleisch ist, und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich in ihm.( 56, 57.) Bei der Aufhebung der heiligen Hostie. Fleisch gewordenes Wort! göttlicher Jesu! wahrer Gott und wahrer Mensch! ich glaube, daß du hier unter der Gestalt des Brodes wahrhaftig gegenwärtig bist. Ich bete dich an; ich liebe dich von ganzem Herzen; und ergebe mich dir ganz und gar. 111 Erste Meßandacht Jesu, sei mir gnädig! Jesu, sei mir barmherzig! Gütigster Jesu! verzeihe mir meine Sünden! Bei der Aufhebung des Kelches. Herr Jesu! der du mich mit deinem Blute erlöst hast, wasche meine Seele von allen Flecken, womit sie durch die Sünde verunreiniget worden. Stärke mich durch dieses kostbare Blut, damit ich fromm lebe und selig sterbe. Heiliges Blut, reinige mich! Heiliges Blut, tilge meine verdienten Strafen! Heiliges Blut erwirb mir Barmherzigkeit bei Gott. Nach der Wandlung. Wir erinnern uns, o Herr! des Leidens und Sterbens Jesu Christi, deines Sohnes unsers Herrn, wie auch seiner Auferstehung von den Todten, und seiner glorreichen Himmelfahrt: und bringen deiner Majestät von deinen Gaben und Geschenken ein heiliges, ein reines und unbeflecktes Opfer; ein Opfer welches alle Opfer, so Abel, Abraham und Melchisedech dir einstens geopfert, unendlich übersteigt,- unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, an welchem du Wohlgefallen hast. Was dürfen wir demnach von der Wirkung dieses unschäßbaren Opfers auf unser Heil und die Vergebung unserer Sünden nicht Alles hoffen! Gewähre uns, gütigster Vater! deinen himmlischen Segen, deine Gnade ,. ohne die wir todt und höchst elend sind, und alles Gute, durch eben diesen deinen Sohn. Amen. Gedenke auch, o Herr! deiner Diener und Dienerinnen, die im Glauben vor uns hingeschieden 112 Erste Meßandacht. sind und im Frieden ruhen.( Man kann hier diejenigen nennen, für die man besonders bittet.) Wir bitten, o Herr! daß sie und alle in Christo ruhende Seelen, an den Ort der Erquickung, des Lichtes und des ewigen Friedens gelangen, durch eben denselben Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Verleih' auch uns Sündern, deinen Dienern, die wir auf den unerschöpflichen Reichthum deiner Erbarmung vertrauen und hoffen, einst in der Gesellschaft de ner heiligen Apostel, Martyrer, Beichtiger und Jungfrauen, die ewige Seligkeit in deiner Anschauung und Anbetung. Dieß bitten wir wiederholt, um unsers Herrn Jesu Christi willen. Durch ihn, mit ihm, und in ihm sei dir, Gott! allmächtiger Vater! in Einigkeit des heiligen Geistes alle Ehre und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Vater unser, der du bist 2c. - Zum Pater noster. O welch' ein Glück! daß du, mein Gott und Herr, auch mein Vater bist: Welche Freude, daß der Himmel, wo du bist, dereinst auch meine Wohnung sein wird! Dein heiliger Name werde von allen Geschöpfen gepriesen und verherrlichet. Herrsche unumschränkt über alle Herzen und Willen. Verfage uns, deinen Kindern, nicht die geistliche und leibliche Nahrung. Wir verzeihen unsern Feinden und Beleidigern, wie wir wollen und bitten, daß du uns verzeihen mögest. Stärke uns gegen die Macht aller gefährlichen Versuchungen dieses Lebens, der Zeit des Streites und des Kampfes, und ver Erste Meßandacht. 113 leih' den Sieg und die Krone, welche du allen guten Kämpfern in jenem Leben vorbehalten hast. Auch bitten wir, o Herr! erlöse uns von allen gegenwärtigen und künftigen Uebeln des Leibes und vorzüglich der Seele. Gib uns den Frieden, den die Welt nicht gehen kann; gib uns Gesundheit, die nothwendigen Lebensbedürfnisse, Eintracht sowohl mit andern Menschen, als insbesondere mit unserm Gewissen, durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau und Gottesgebärerin Maria, der heiligen Apostel Petrus und Paulus, Andreas und aller Heiligen, damit wir unter deinem Schutz vor allen Gefahren, besonders der Sünde, und vor aller Unruhe der Seele gesichert leben mögen. Durch Jesum Chriftum, deinen Sohn und unsern Herrn. Amen. Zum Agnus Dei. Gott, der so glorreich im Himmel, so mächtig auf Erden, und so schrecklich in der Hölle ist, ist hier auf dem Altare nur ein Lamm, voll Sanftmuth und Güte. In dieser Eigenschaft ist er vom Himmel herabgestiegen, um die Sünden der Welt, und insbesondere auch die deinigen, hinweg zu nehmen. Welcher Grund zum Vertrauen und zum Troste! O du Lamm Gottes! welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser! O du Lamm Gottes! welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser! O du Lamm Gottes! welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, gib uns den Frieden! Zur Kommunion. Kannst du mit dem Priester das heil. Sakrament des Altares nicht wirklich empfangen; so empfange es wenigWege des Heils. 8 114 Erste Meßandacht. stens im Geiste, durch ein inbrünstiges Verlangen darnach. Erweke Reue und Leid über deine Sünden, mit dem Vorjage, dein Gewissen ehestens durch das heilige Sakrament der Buße davon zu entladen. Herr Jesu Christe! Sohn des lebendigen Gottes! der du uns durch deinen Tod das Leben gegeben: ich darf mich deinem Tisch, um deinen geheiligten Leib und dein kostbares Blut zu empfangen, nicht nähern, weil ich mich dieser Gnade unwürdig fühle. Gleichwohl darf ich von dir die nämlichen Gnaden bitten, nm welche ich dich bitten würde, wenn ich dieß heilige Saframent empfinge. Reinige mich von allen meinen Befleckungen und Ungerechtigkeiten, in Kraft dieser geheiligten Seclenspeiſe. Mache, daß ich stets deinen heiligen Geboten treu und ergeben, und daß nichts vermögend sei, mich von dir zu trennen. Welch' eine Glückseligkeit, wenn ich dich diesen Augenblick in meinem Herzen besitzen, dich darin anbeten, dir alle meine Anliegen eröffnen und aller der Gnaden theilhaft werden könnte, welche du denen gewährest, die dich wirklich empfangen. Da ich aber fürchten muß, das Gericht und den Tod zu essen und zu trinken, wenn ich mich in meinem sündhaften Zustand erfühnte, deinen Leib und dein Blut zu genießen: so halte ich mich aus Ehrfurcht zurück, und bitte dich: ersetze den Mangel meiner Würdigkeit, und vergib mir alle meine Sünden! ich verabscheue sie von ganzem Herzen, weil sie dir mißfallen. Nimm mein aufrichtiges Verlangen, mich mit dir zu vereinigen, gnädig auf; reinige ich durch einen einzigen huldreichen Blick, und ſebe Erste Meßandacht. 115 mich in den Stand, dich ehestens würdig zu empfangen. In Erwartung dieses erwünschten Augenblickes, bitte ich dich, o Herr! laß mich an deinen heilsamen Früchten, welche die Kommunion des Priesters auf das ganze gläubige Volk verbreitet, auch Antheil nehmen. Stärke durch die Kraft dieses heiligsten Sakramentes meinen Glauben, belebe meine Hoffnung; entzünde in mir die Liebe, und erfülle mein Herz solchergestalt mit derselben gegen dich, daß es nach nichts, als nach dir sich sehne, und nur für dich empfinde und lebe. Amen. Nach der Kommunion des Priesters. Allmächtiger, ewiger Gott! ich danke dir von ganzem Herzen für alle mir erzeigten Gnaden und Wohlthaten; insbesondere aber, daß du uns deinen lieben Sohn zum Mittler und Versöhner zwischen dir und uns, und dessen Leib und Blut zur Speise unserer Seele, gegeben hast. Verleihe gnädig, daß ich dem Opfer der heiligen Messe allzeit mit Ehrerbietung und Nutzen für mein Heil beiwohne. Behüte mich, daß ich diese himmlische Sreise niemals unwürdig genieße, durch eben denselten Christum, unsern Herrn. Amen. Zum letzten Gebet des Priesters. Fasse hier einen aufrichtigen Entschluß, deinem Erlöser Opfer für Opfer zu geben, indem du dich, ihm zu Liebe, verläugnest; ihm die unerlaubten Forderungen deiner Eigenliebe, deiner Eitelkeit, deiner Begierden und Leidenschaften aufopferst, und alles Ungemach, jede Trübjal um jeinetwillen mit gänzlicher Ergebung und christlicher Geduld erträgst. 8* Erste Meßandacht. Du hast dich, o mein Gott! für mein Heil aufgeopfert, ich will mich daher auch für deine Ehre aufopfern. Ich will dein Schlachtopfer sein, schone meiner uicht. Mit Gelassenheit und ruhiger Ergebung in deinen heiligen Willen, will ich jedem Kreuze, das du mir auflegen wirst, meine Schultern darbieten, es ſegnen, und mit eben der Geduld, mit welcher du für mich das Kreuz deiner Leiden trugeſt, zu tragen mich bestreben. Da du für mich Unwürdigen so viel, unendlich viel, gelitten: sollte ich deinetwegen nicht das Wenige leiden, was du, aus väterlicher Zärtlichkeit, zu meinem Besten mir zu leiben auferlegſt! 116 Ich bin nun durch deine Geheimnisse gereinigt: ich will jede, auch die kleinste Sünde von nun an mit dem lehhaftesten Abscheu fliehen, besonders aber diejenige, wozu ich am meisten geneigt bin. Ich will deinem Geseke treu bleiben, und bin fest entschlossen, lieber Alles zu verlieren, lieber 2lles zu leiden, als dasselbe in irgend einem Stücke zu übertreten. Zum Segen. Segne, o mein Gott! diese heiligen Entschließungen, segne uns Alle durch die Hand deines Priesters, und laß diesen deinen Segen stets auf uns ruhen. Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen. Zum letzten Evangelium. Göttliches Wort! eingeborner Sohn des Vaters! du Licht der Welt, herabgestiegen vom Himmel, um uns den Weg dahin zu öffnen und zu zeigen! Laß 117 Erste Meßandacht. nicht zu, daß ich jenem ungläubigen Volke gleiche, welches sich weigerte, dich für den Messias zu erkennen. Behüte mich, daß ich nicht in die Blindheit jener Elenden falle, welche lieber in der Dienstbarkeit des Satans leben, als an dem großen Vorrechte, Kinder Gottes zu sein, welches du ihnen erworben haft, Antheil nehmen wollen. Verleihe vielmehr, daß mein Glaube an dich niemals wanke, sondern täglich stärker und fester werde, und mich nie vergessen laffe, daß du mein Heiland und Mittler, der einzige Weg zum Himmel, meine einzige Hoffnung und mein Seligmacher bist. Gebet nach der heiligen Messe. Herr! ich danke dir für die Gnade, welche du mir dadurch erwiesen, daß du mir, dem heiligen Meßopfer beizuwohnen, vorzugsweise vor so vielen Andern gestattet, welche dieses Glück nicht gehabt haben. Verzeih'!- ich bitte dich- alle Fehler, die ich etwa durch Zerstreuung oder Lauigkeit dabei begangen; und laß durch dieß Opfer mich für das Vergangene gereiniget, und für das Künftige gestärket werden. Ich gehe nunmehr voll Vertrauens auf deinen Beistand, zu den Geschäften, zu welchen dein Wille mich ruft. Den ganzen Tag über will ich mich der Gnade erinnern, deren du mich gewürdiget hast, und mich in Acht nehmen, daß mir kein Wort, keine Handlung entwische, daß ich keine Begierde, keine Gedanken fasse, wodurch ich mich selbst den Früchten der heiligen Messe, welche ich angehört, berauben könnte. Dieß ist mein ernstlicher Vorsak, und mit beiner Gnade werde ich ihn ausführen. Amen. 118 Zweite Meßandacht. Zweite Messandacht. Vorbereitungsgebet. Gott und Herr! nach dessen Ebenbilde ich erschaffen bin, verleihe mir die Gnade, daß ich diesem hochheiligen Opfer mit gebührender Ehrfurcht und Andacht beiwohne, und es in Vereinigung mit dem Priester deiner göttlichen Majestät wohlgefällig darbringe: 1. Zur größeren Ehre und Verherrlichung deines Namens, dem allein dieses Opfer gebührt; 2. zum Andenken an dein Leiden und Sterben nach deinem eigenen Befehle; 3. zur Danksagung für alle mir erwiesenen Wohlthaten; 4. zur Genugthuung für alle meine Sündenfchulden und Strafen, die ich in diesem hochheiligen Opfer in dein heiligstes Blut versenke; 5. zur Erlangung deiner Gnade und Hülfe in...; 6. für meine vielgeliebten Eltern, Freunde und Wohlthäter, vorzüglich für N. N.; 7. für alle verstorbenen Christgläubigen, vor züglich für N. N. Laß dir, o Herr! diese meine Meinung gefallen und erhöre mich, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Zum Eingang der heiligen Messe. O ewiger Vater! der du die Welt so sehr geliebt hast, daß du deinen eingebornen Sohn zu Zweite Meßandacht. 119 unserer Erlösung hingabst: was soll ich dir für ein so großes Geschenk und eine solche Liebe vergelten? - Nimm dafür den an, der sich dir hier darbringt, deinen Eingebornen mit unsern Seufzern und Bitten; blicke gnädig auf deinen Gefalbten, durch dessen Wunden wir geheilt worden sind, und erbarme dich unser. - O mit wie vielen Seufzern riefen alle Völker, mit welch' heißer Sehnsucht verlangten fie nach deinem Sohne, bis er endlich von dir gefandt wurde, Knechtsgestalt annahm, dir gehorsam ward bis zum Tode, und so in seinem Leibe am Kreuzesholze unsere Sünden büßte, auf daß wir der Sünde absterben und der Gerechtigkeit leben! Ich glaube mit lebendigem Glauben an dich, o ewige Wahrheit, die du dich den Kleinen und reinen Herzen offenbarest. Ich hoffe auch auf dich, o Herr! o einzige Hoffnung und wahres Heil meiner Seele, der du in die Welt gekommen bist, um selig zu machen, was verloren war. Ich liebe dich über Alles, aus meinem ganzen Herzen, o mein höchstes Gut! der du nicht zu lieben aufhörest Alle, die du erlöset hast.- Auch bereue ich es über alle Maßen, daß ich mich jemals durch meine Sünden von dir getrennt habe, der du doch nichts sehnlicher wünscheft, als daß ich selig werde. Nichts soll mich mehr von deiner Liebe trennen! Zum Gloria. Ehre, Lob und Preis sei dir, ewiger, heiliger, unendlich gütiger Gott! der du hoch im Himmel thronest. Dank, Jubel und Anbetung sei dir Ein Zweite Meßandacht. geborner des ewigen Vaters! der du dich gewürdiget hast, die menschliche Natur anzunehmen, uns mit deinem göttlichen Vater wieder zu versöhnen, den heiligsten Willen desselben uns flar kundzuthun, und den Menschen, die eines guten Willens sind, jenen Frieden zu schenken, den die Welt uns nicht zu geben vermag. O Lamm Gottes! Jesu Christe! der du hinwegnimmst die Sünden der Welt, sei stets unfer liebreicher Mittler und Fürsprecher bei deinem Vater, entschuldige bei ihm unsere Schwachheiten, unsern Ungehorsam, unsere Unbeständigkeit im Guten, jenen sträflichen Wankelmuth, dessen Abscheulichkeit wir zwar oft einsehen, aber leider nur zu oft immer wieder auf's Neue uns zu Schulden kommen lassen. Erflehe und gib uns Stärke, diesen Wankelmuth zu besiegen, und treu und anhaltend auf den Wegen deiner Gebote und deines heiligen Beispiels zu wandeln. Laß uns immer besser einsehen, daß wir dir allein zu Ehren leben müssen, der du auch mit dem heiligen Geiste und deinem Himmlischen Vater allein heilig, allein der Herr, allein der Allmächtige bist. Amen. 120 Bei der Kollekte. Laßt uns beten. O Gott! erhöre die Gebete deiner heil. Kirche, die im Namen deines vielgeliebten Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi, demüthigst zu dir betet, und schenke uns in deiner unermeßlichen Barmherzigkeit Vergebung unserer Sünden, Unbescholtenheit des Geistes, Gesundheit des Leibes und den nöthigen Unterhalt zum Leben; Einheit urd Wachsthum im Glauben, aufrichtige Zweite Meßandacht. 121 Andacht des Herzens, Eifer für Eintracht und Liebe, Geduld bei Beschwernissen, glücklichen Fortgang in gerechten Unternehmungen, endlich Alles, was zum Heile des Leibes wie der Seele ersprießlich und vorzüglich zur Vermehrung deiner Glorie dienlich ist; durch denselben Herrn Jesum Christum, deinen. Sohn, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des beiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Allmächtiger, ewiger Gott, wir bitten dich demüthig, du wollest von deinem erhabenen Heiligthume auf mich und meine Eltern, Brüder und Schwestern gnädig herabsehen, und die Gebete, die deine Kirche durch den Dienst des Priesters für uns Alle zu dir absendet, gütigst annehmen und erhören, durch Jesum Christum, unsern Herrn, deinen Sohn, der u. s. w. O Gott! dessen Erbarmungen ohne Zahl, und dessen Güte ein unerschöpflicher Schatz ist, wir sagen deiner allerhöchsten Majestät für alle empfangenen Wohlthaten den gebührenden Dank; und flehen ohne Unterlaß deine Güte an, daß du uns das, um was wir dich bitten, gewähren, uns nie verlassen, und die künftigen Güter uns zutheilen wollest, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir u. s. w. ( Hier können auch die Kirchengebete, die weiter unten bei den einzelnen Festen stehen, eingeschaltet werden.) Zweite Meßandacht. Bei der Epistel lieft der Priester ein Paar Stellen aus der he'l. Schrift des alten Bundes, oder aus den Briefen der Hl. Apostel, und wir können daher wohl in die Werte des hl. Paulus einstimmend, beten: 122 O mein Gott! wie wahr ist doch, was der hl. Apostel sagt: Mannigfaltig und auf vielerlei Weise. hast du cinst, o Gott! zu den Vätern durch die Propheten geredet, zuletzt aber hast du sogar durch deinen Sohn zu uns geredet, welcher der Abglanz deiner Herrlichkeit und das Ebenbild deines Wesens ist, und durch sein kräftiges Wert Alles erhält, und jetzt, nachdem er uns von Sünden gereinigt hat, in der Höhe zur Rechten der Majestät sitzet.( Heb. 1, 1-3.) Dieser dein Sohn hat uns aber vorzüglich auch deine Wahrheit und deinen Willen durch seine Apostel verkündet. O wie rührend und tröstlich, lehrreich und erfreulich sind alle diese heiligen Lehren, die uns alle die eine große Wahrheit verkünden, daß Alle, die Gott lieben, in Christo Jesu Erlösung er langen können von ihren Sünden, von ebendemfelben Christum, unsern Herrn, an dem wir einen gerechten, allmächtigen Fürsprecher beim Vater haben. Odreieiniger Gott! hochgelobt und hochgepriesen seist du dafür von Ewigkeit zu Ewigkeit! Und wie glücklich bin ich, daß ich vor so vielen andern Menschen in dieser Religion geboren und erzogen wurde, welche diese göttlichen Lehren allein alle besitzt, vollständig und unverfälscht bewahrt, vorträgt und erklärt. Dank sei dir, o Gott! ewiger Dank für diese große Gnade! O laß sie auch den Irrund Ungläubigen- allen Menschen zu Theil wer 123 Zweite Meßandacht. den! Dieß verleihe uns durch Jesum Chriftum, der das Licht der Welt, der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Amen. Beim Evangelium liest der Priester einige Stellen aus den heil. Evangelien, also eine Begebenheit aus dem Leben Jesu, oder eine Wahrheit, die unmittelbar aus dessen Munde kam; darum kannst du beim hl. Evangelium folgendermaßen sprechen: O ewiger Sohn des ewigen Vaters! du Abglanz seiner Herrlichkeit und Ebenbild seines Wesens! Du bist vom Himmel gekommen als Meister, um uns den Weg Gottes in der Wahrheit zu lehren, und uns von der Erde in den Himmel zu führen. Damit du aber dein Amt desto vollkommener erfülltest, hast du früher zu handeln, als zu lehren begonnen. Wir danken dir für dein heiliges Evangelium und freuen uns darüber. Dein Leben und deine Lehre seien uns ein Licht auf unserm Lebenswege, und eine Kraft Gottes uns zum Heile. Zu wem sollen wir gehen, als zu dir. Du haft Worte des ewigen Lebens. Deine Worte sind den Unwissenden zur Lehre, den Zweifelhaften zum Rath, den Betrübten zum Trost, den Schwachen zur Stärke, den Gefallenen zur Auferstehung, den Sündern zur Bekehrung, den Gerechten zur Heiligung und Vervollkommnung. Möchten wir nur auch dein Wort stets mit guten und fruchtbaren Herzen aufnehmen, und viele Frucht bringen lassen, auf daß wir nicht bloß den Schein der Frömmigkeit an uns tragen, die innere Tugend aber verleugnen, sondern daß wir vielmehr unsern Glauben durch Werke erweisen: denn nur jene preisest du selig, die das Wort Gottes hören und es auch beobachten. Amen. 124 Zweite Meßandacht. Zum Credo oder Glaubensbekenntniß. O allergütigster Gott! da der Priester am Altare das Credo anstimmt, fühle ich mich nochmals gedrungen, dir in tieffter Ehrfurcht zu danken, daß du mich zu dem allein wahren, allein seligmachenden, heiligen, christkatholischen Glauben berufen und geführet hast, während Millionen Menschen noch in der Finsterniß des Unglaubens sizen, todte Götzenbilder anbeten, oder auf den Abwegen des Irrthums wandeln und die rechte Art und Weise, dich im Geiste und in der Wahrheit anzubeten, noch nicht kennen. ich erkenne auf's Neue mein großes Glück, daß ich ohne all mein Verdienst zum wahren Glauben gekommen bin, darum will ich denselben auch jetzt in mir auf's Neue beleben und befestigen. O Gott! ich glaube an dich, den Dreieinigen, Vater, Sohn und heiligen Geist, der du Alles, und auch mich, obwohl das unwürdigste aller Menschenkinder erschaffen hast, erhältst und mit väterlicher Liebe und Weisheit regierest. Belehrt durch Jesum Christum, den die reinste Jungfrau, vom heiligen Geiste empfangen, geboren hat; und erlöst durch Ihn, der dich mit uns wieder versöhnt hat durch sein bitteres Leiden und Sterben, nun aber zu deiner Rechten sitzt, bis er wieder kommen wird zu richten die Gerechten und Gottlosen; geheiligt endlich durch den heiligen Geist hast du mich wieder zu deinem Kinde angenommen und zum Erben deines Himmelreiches eingesetzt; und so willst du mich ewig glücklich machen, wenn ich in meinen 125 Zweite Meßandacht. Glauben treu beharre, und den Vorschriften deiner heiligen, fatholischen und apostolischen Kirche willig folge. Ja, o dreieiniger Gott! mein Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher! das will ich auch. Ich will meinem Glauben treu bleiben bis den Tod, und als ein treues, gläubiges, gehorsames Kind deiner Kirche leben und sterben, und wenn ich auch deshalb den Märtyrertod auszuhalten hätte. O Gott! gib mir hiezu Kraft und Stärke, und vermehre meinen Glauben, auf daß ich einst Gnade finden möge im Gerichte. Amen. Sur Opferung. Heiliger Vater! Allmächtiger, ewiger Gott! wir opfern dir durch die Hände des Priesters das Brod und den Wein, die in den Leib und in das Blut deines eingebornen Sohnes Jesu Christi werden verwandelt werden. Nimm diese Gaben gnädig an mitsammt jener Ehrfurcht, womit eben dieser, als unser höchster Priester, sich dir aufgeopfert hat, und noch durch die Hände seiner Diener in der Kirche aufgeopfert werden mill. Mit diesen Gaben opfern wir aber zugleich auch uns selbst, erfüllt von kindlicher Dankbarkeit für die unzähligen Wohlthaten, womit du täglich sowohl unsern Leib, als auch unsere Seele nährest, erfreuest und erquickest; und weil wir dieselben leider nicht immer gut und weise benützt haben, so flehen wir im Geiste der Demuth und mit zerknirschten Herzen zu deiner Barmherzigfeit mit dem Psalmisten: ,, Gedenke nicht, o Herr! der Vergehen und Thorheiten meiner Jugend!" sondern hilf uns, daß wir dir hiefür unsere Herzen. 126 3weite Meßandacht. als ein lebendiges, heiliges, wohlgefälliges Opfer im Dienste des Glaubens darbringen, durch Jesum Christum, deinen Sohn. Amen. Gott! der du dich gewürdiget hast, zur Erlösung der Welt geboren und beschnitten zu werden, dann von den Juden verworfen, von dem Verräther Judas mit einem Kusse überliefert, wie ein unschuldiges Lamm zur Schlachtbank geführt, dem Annas und Kaiphas, Pilatus und Herodes schmählichst vorgestellt, und von falschen Zeugen angeklagt zu werden; der du dich geißeln und beschimpfen, anspeien, mit Dornen krönen, das Angesicht verhüllen, der Kleider berauben, mit Nägeln an's Kreuz heften, am Kreuze erhöhen, zu den Verbrechern zählen, mit Effig und Galle tränken und mit einer Lanze durchbohren ließest, o Herr! durch alle dieſe heiligsten Leiden, die ich Unwürdiger mir jezt im Geiste vorgeführt habe, sowie durch dein heil. Kreuz und durch deinen Tod, erlöse uns von den ewigen Strafen und würdige dich, uns dahin zu führen, wohin du den mit dir gekreuzigten Schächer geführet hast, und verleihe uns, daß dieses Opfer, das dir jetzt der Priester darbringt, mir und allen Menschen Vergebung der Sünden, Vermehrung der Gnade und den Lohn des ewigen Lebens erwerbe. Amen. Zur Händewaschung. Im Geiste wasche auch ich, gleich dem Priester, meine Hände. O daß ich noch zu den Unschuldigen gehören möchte, die deiner Liebe so ganz besonders würdig find! Allein mein Gewissen wirft mir so mannigfaltige Sünden vor, die ich mir bisher in Zweite Meßandacht. 127 Gedanken, Worten und Werken zu Schulden kommen ließ; aber dennoch wirst du mich, o Gott! er= hören, wenn ich reuevoll mit dem Psalmisten zu dir rufe;„ Laß nicht zu Grunde gehen, o Gott! meine Seele mit den Gottlosen, in deren Händen Bosheit ist; sondern erlöse mich und erbarme dich meiner." In den Versammlungen der Gerechten will ich dich künftig loben und preisen, o Herr! und einstimmen in den Jubelruf der Engel und Auserwählten: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott der Heerschaaren. Himmel und Erde sind erfüllt von deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe! Gebenedeit sei, der da fommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Unter dem Kanon( d. i. vor der Wandlung). Jesu Christe! Höchster und einzig wahrer Priester! zu dir, dem Erlöser des Menschengeschlechtes, flche ich demüthig vor Allem für mein eigenes Heil. Du hast mich von Anfang an unter deinen Schirm und unter deine Gewalt gestellt, laß daher auch feinen Theil an mir, weder meine Scele noch meinen Leib ohne deinen Schuß und Schirm, und wende ab von mir alle Angriffe des bösen Feindes. Dann aber flehe ich auch zu dir, o Herr! für die ganze heiligen katholische Kirche, für den heiligen Bater, für alle Bischöfe und Priester, für alle geistlichen Stände, für die Einigkeit der christlichen Fürsten, für meine Eltern, Geschwisterte, Verwandte, Bekannte und Freunde, und für Alle, die an dich glauben und all ihr Denken und Handeln dir geweiht haben. Zweite Meßandacht. Verleihe, o ewiger König und Herr! den Unschuldigen Beharrlichkeit und den wahrhaft Bußfertigen Begnadigung; Schuß den Wittwen und Waisen, Hülfe den Armen, Rückkehr den Reisenden, Trost den Trauernden; den Gerechten, daß sie in der Gerechtigkeit immer verbleiben, den Guten, daß sie noch besser, den Lauen, daß sie eifrig werden, den Bösen und Lasterhaften aber baldige Früchte der Besserung. 128 Um das Alles aber bitte ich dich, o süßester Erlöser! durch die Gebete der Patriarchen, durch die Verdienste der Propheten, durch die Fürsprache der Apostel, durch die Standhaftigkeit der Martyrer, durch die Treue der Bekenner, durch die Keuschheit der Jungfrauen, durch das Flehen aller Heiligen, vorzüglich aber um der Fürbitte der seligsten Jungfrau Maria willen, an der du von Ewigkeit her dein Wohlgefallen hast, und durch dich selbst, o Jesu! der du selbst dein Fleisch und Blut unter den Gestalten des Brodes und Weines den Aposteln als Opferspeise gereicht und gewollt hast, daß auch wir dieß Opfer darbringen zum Gedächtniß deiner Liebe und unserer Erlösung. Noch bitte ich dich, o Jesu; verzeihe mir alle meine Missethaten; und habe ich mir auch in Hinsicht auf dieses hochheilige Geheimniß so manche Nachlässigkeit, so manchen Fehler zu Schulden kommen lassen, so lösche dieses Alles aus in jener Liebe, in welcher du dich uns ganz geschenkt hast. Ent ünde mein Herz mit der heißesten Liebe zu und mit den brennendsten Verlangen nach diesem göttlichen Sakramente. Zweite Meßandacht. 129 Bei Aufhebung der heiligen Hoftie. Sei gegrüßt, du wahrer Leib des Herrn! der du, geboren aus Maria, der Jungfrau, wahrhaft gelitten hast, und am Kreuzes stamme für die Menschheit geopfert worden bist, dessen Seite durchbohrt, Wasser und Blut ausgoß. Sei du auch unsere Speise im Todesstreit.- O süßer, o milder Jeſu! Sohn Mariä, erbarme dich unser! Amen. - Bei Aufhebung des heiligen Kelches. Sei gegrüßet, du allerkostbarstes Blut, das du aus der Seite meines Herrn, Jesu Christi, geflossen bist und die Sündenschuld des ganzen alten und neuen Bundes tilgest, wasche, heilige und bewahre auch meine Seele zum ewigen Leben. Amen. Nach der Wandlung. O Jesu! Sohn Gottes und Sohn der Jungfrau Maria, mein Herr und mein Gott! du unendlich Liebenswürdigster! der du dich gewürdiget hast, aus Liebe zu mir gekreuziget zu werden, und am Kreuze zu sterben; ich bete dich an, ich liebe und verherrliche dich mit dem Vater und dem heiligen Geiste auf eine den Geschöpfen nur immer mögliche Weise, und verlange aus ganzer Seele, daß du angebetet, geliebt und verherrlichet werden mögest von allen vernünftigen Geschöpfen, und in Allen über Alles, auf jede mögliche Weise, um deiner selbst willen, jetzt und immer und in Ewigkeit. Ich glaube an dich, ich hoffe auf dich, ich liebe dich, und ich liebe Alles, was immer du liebst, um Wege des Heils. 9 Zweite Meßandacht. deinetwillen; und rein nur wegen deiner bereue ich, daß ich dich jemals beleidiget habe. Verzeihe mir, begnadige mich, und ersetze durch dich das mir noch Mangelnde. 130 Siche, von nun an ist mein Herz bereit, auf jeden deiner Winke: dein bin ich, und will es sein in Ewigkeit; kesite du mich, und mache mich ganz deinem Willen gleichförmig. O himmlischer Vater! blicke herab auf deinen vielgeliebten Sohn, den ich dir als Lob-, Dank- und Versöhnungsopfer darbringe, und um seiner Thränen, um seines Schweißes und Blutes, um seines Seufzens und Stöhnens willen, so wie um seiner Arbei ten und Mühen, um seiner Schmerzen und Todesstrafe, und um seiner unendlichen Verdienste willen erbarme dich meiner, und der N. N., für die ich besonders zu beten schuldig bin, und Aller, für welche du gestorben bist, und spende uns Allen die Gnade, dich immer und vollkommen zu lieben, und deinen heiligsten Willen anzunehmen und zu er füllen in der Zeit und in der Ewigkeit. Durch eben diesen deinen vielgeliebten Sohn erbarme dich auch, o allbarmherziger Vater! der Seelen aller verstorbenen Gläubigen, so wie vorzüglich derjenigen n. N., die mir besonders anempfohlen sind und für die ich nach deinem Willen zu beten schuldig bin, und verleihe ihnen Nachlassung und ewige Ruhe, auf daß sie dich, dem alles Lob, alle Ehre und Herrlichkeit gebührt, auch in Ewigkeit benedeien, loben und verherrlichen, durch eben denselben Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Zweite Meßandacht. 131 Zum Pater nofter( Bater unser). Vater unser. O Gott! welche Gnade ist es, daß wir dich, den Herrn Himmels und der Erde, unsern Vater nennen dürfen. Mit wahrhaft kindlichem Vertrauen können wir also zu dir beten, und der Himmel, von wo wir jett schon so viele Wohl= thaten empfangen und wo die Vuserwählten dich im Glanze deiner Herrlichkeit schauen, kann somit auch unser Erbtheil werden. Geheiliget werde dein Name. Gib, daß du doch von allen Menschen erkannt, und immer mehr geliebt und verherrlichet werdest. Zukomme uns dein Reich. Laß die katholische Kirche auf der ganzen Erde verbreitet und be= festiget werden, die Gnade Gottes und die Tugend aber laß in uns immer mehr zunehmen, auf daß wir Alle einst zu dir in den Himmel zu kommen würdig befunden werden mögen. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Gib uns deine Gnade, daß wir und alle Menschen deinen göttlichen Willen so gerne, so genau und beständig, wie die Engel und Heiligen im Himmel erfüllen, und uns ihm gänzlich unterwerfen. Gib uns heute unser tägliches Brod. Gib uns und allen Menschen täglich das, was uns für Leib und Scele nothwendig ist, verleihe uns Zufriedenheit und bewahre uns vor ängstlichen Sorgen. Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Ver9* Univ.- Bibl. Giessen 132 Zweite Meßandacht. zeihe uns unsere Sünden, denn wir sind bereit, auch denen, die uns beleidigt haben, zu verzeihen. Führe uns nicht in Versuchung. wahre uns vor Anfechtungen und Gefahren der Sünde, oder verleihe uns noch die Gnade, dieselben zu überwinden. Sondern erlöse uns von dem Uebel. Erlöse uns von allen vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Uebeln, und auf die Fürbitte der seligen und allzeit glorreichen Jungfrau und Gottesgebärerin Maria, so wie auf die Fürbitte deiner heil. Apostel und aller Heiligen, verleihe uns gnädig den Frieden in unsern Tagen, damit wir durch deine Barmherzigkeit gestützt, stets frei von Sünden und von jeder Bestürzung sein mögen, durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn, deinen Sohn, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. O du Lamm Gottes, das du die Sünden der Welt hinwegnimmst, erbarme dich unser! schenke uns den Frieden! Zur heiligen Kommunion. O mein Gott und Herr! Wohl wünschte ich deiner liebreichen Einladung zu entsprechen und dich mit dem Priester empfangen zu dürfen. Wie ein verwundeter Hirsch nach der Wasserquelle, so verlangt meine Seele nach dir. Allein so grenzenlos auch deine Milde ist, so wage ich es doch nicht, mich deinem Tische zu nahen. Ich bin nicht rein von Sünden, nicht heilig genug. Tief betrübt spreche - Zweite Meßandacht. 133 ich daher dem Hauptmanne von Kapharnaum die ebenso glaubensvollen, als demüthigen Worte nach: O Herr! ich bin nicht würdig, daß du eingehest unter mein Dach, sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. Ja, mein Herr! sprich nur ein Wort, und jene Gnade wird reichlich über mich herabströmen, die mich bald würdig machen wird, dein heiliges Fleisch und Blut wirklich zu empfangen. D heiliges Mahl, in welchem Christus selbst genossen, das Andenken seines Leidens erneuert, der Geist mit Gnade erfüllt und das Unterpfand der fünftigen Herrlichkeit uns gegeben wird, o heiliges Mahl! wie sehr sehne ich mich nach dir. O Jesu! komme jetzt wenig Ich umstens geistlicher Weise in mein Herz! arme dich, ich vereinige mich mit dir, als ob du Gestatte schon in mein Herz gekommen wärest! nicht, daß ich mich je wieder von dir trenne. Jesu! mein Schatz, meine süße Liebe, verwunde und entflamme dieß mein Herz, daß es für dich nur glühe, dich nur liebe, dir nur diene. - Bei den letzten Gebeten des Priesters. O mein Herr und Gott! noch bitte ich dich, reinige meine Seele von ihren Mängeln und Unvollkommenheiten, von N. N.; stärke sie mit himmlischer Kraft, und schmücke sie mit Tugenden, vorzüglich mit N. N. Mache, daß ich immer nur das verlange und wolle, was dir angenehmer ist und besser gefällt. Gib, daß ich mit dir ein und dasselbe wolle oder nicht wolle, ja daß ich gar nichts Anderes wollen oder nicht wollen kann, als mag - 134 Zweite Meßandacht. du willst oder nicht willst. Gib mir Kraft, daß ich dem Allem absterbe, was in der Welt ist, und daß ich um deinetwillen es liebe, verachtet zu werden und unbekannt zu fein in der Welt, damit in dir allein, dem höchsten und ewigen Gute, mein Geist und mein Herz gefestiget und unbeweglich eingewurzelt sei. Amen. Ein anderes Gebet. Ich sage dir Dank, o Herr Jesu Christe! daß du mich theilnehmen ließest an diesem deinem allerheiligsten Opfer, bei welchem ich das Gedächtniß deines bittersten Leidens und Sterbens erneuert habe. Ich bitte dich, verleihe mir, daß ich durch die Kraft und Wirkung dieses Geheimnisses in dem Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe beharre, daß ich wieder frömmer und gottesfüchtiger, sanftmüthiger und geduldiger, menschenfreundlicher und woblthätiger, feuscher und eingezogener, mit einem Worte besser und heiliger werde, und einst das ewige Lehen erlange, Amen. Erbarme dich auch, o Jesu! alles übrigen Volkes. Wende ab von uns Allen die verdienten Strafen, und bewahre uns von allem Unheile und Elende: Segne Regenten und Obrigkeiten, damit sie weise befehlen, und segne ihre Untergebenen, da mit sie willig um Gottes willen gehorchen. Segne die Jugend, damit sie unverdorben vor deinem Auge wandle, und segne das Alter, daß es mit Weisheit und Tugend glänzen möge. Verleihe allen Menschen die Gnade, ihren Beruf zu erfüllen, nach Heiligfeit und Tugend zu streben, immer besser und bir wohlgefälliger zu werden. Amen. 135 Dritte Meßandacht. Zum letzten Segen. Es segne uns der allmächtige Gott, der Vater, Sein Segen der Sohn und der heilige Geist. steige herab über mich, meine Eltern, Geschwisterte, und alle meinem Gebete Anempfohlenen, und bleibe immer über uns. Amen. - Zum Schlusse. O allerheiligste Dreieinigkeit! Ilaß dir diesen meinen Gottesdienst wohlgefällig sein, und nimm das Opfer, das ich dir durch die Hände des Pries sters dargebracht habe, gnädig auf, damit es mir und Allen, für die ich es dargebracht habe, durch deine Barmherzigkeit zur Versöhnung, zum Heile und zur ewigen Seligkeit gereichen möge. Amen.. Dritte Messandacht. ( Wie sie von dem Priester verrichtet zu werden pflegt) Borbereitungsgebet. Gütigster Bater! du haft die Welt so sehr geliebt, daß du deines eingebornen Sohnes nicht verschontest, sondern ihn für uns Alle dem bittersten Leiden und dem schmerzvollsten Tode übergabst, und auch seine, dir überaus angenehme Aufopferung täglich in deiner Kirche erneuern lajjeft, um auch uns der Früchte derselben theilhaftig zu machen; nun bitte ich dich, verleihe mir, diesem wunderbaren Geheimnisse so aufmerksam, ehrerbietig 136 Dritte Meßandacht. und andächtig beizuwohnen, als wenn ich mich in jenem Speisesaal befände, in welchem Jesus Christus dieses Opfer eingesetzt hat, oder auf der Schä delstätte, wo er sich selbst dir am Kreuzaltar ge opfert hat. Ich bringe dir auch mit dem Priester dieses Opfer dar zur größeren Ehre deines Namens, zum Gedächtniß des Leidens und Todes deines Eingebornen, zur Danksagung für alle mir bisher erwiesenen Wohlthaten und zur Genuathuung für meine Sünden. Vorzüglich bringe ich dir auch dieses Opfer dar für N. N., und um die Gnade N. N. zu erlangen; auch für Alle, für die ich zu beten schuldig bin; um den Dahingeschiedenen die Ruhe zu erflehen, den Lebenden aber die Gnade, dich zu erkennen, zu lieben und ewig dich zu genießen. Amen. Staffelgebet. Der Priester: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Ich will hintreten zu Gottes Altar. Der Ministrant: Zu Gott, der meine Jugend erfreut. Pr. Schaffe mir Recht, o Gott! und entscheide meine Sache wider ein unheiliges Volk, von einem ungerechten und arglistigen Manne rette mich. M. Denn du, Gott; bist meine Stärke. Warum hast du mich verworfen? und warum geh' ich trauernd einher, da der Feind mich plagt? Pr. Sende dein Licht und deine Wahrheit, sie werden mich leiten und führen auf deinen heiligen Berg und in deine Hütten. Dritte Meßandacht. 137 M. Und ich werde Hintreten zu Gottes Altar, zu Gott, der meine Jugend erfreut. Pr. Jch werde dich loben auf der Harfe, o Gott, mein Gott! Warum bist du traurig, meine Seele, und warum betrübest du mich? M. Hoffe auf Gott, denn ich werde ihm noch danken; er ist das Heil meines Angesichtes und mein Gott! Pr. Ehre sei Gott, dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste; M. Wie im Anfange, so jetzt, und allzeit und in Ewigkeit. Amen. Pr. Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn. M. Der Himmel und Erde gemacht hat. Pr. Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen, der feligen, allzeit reinen Jungfrau Maria, dem feligen Erzengel Michael, dem seligen Täufer Johannes, den heiligen Aposteln Petrus und Paulus, allen Heiligen, und euch, Brüder! daß ich viel gefündiget habe mit Gedanken, Worten und Werken durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine größte Schuld. Daber bitte ich die selige, allzeit reine Jungfrau Maria, den seligen Erzengel Michael, den seligen Johannes den Täufer, die heiligen Apostel Petrus und Paulus, alle Heiligen, und euch, Brüder! betet für mich bei Gott, unserm Herrn. M. Es erbarme sich deiner der allmächtige Gott, er erlasse dir deine Sünden und führe dich ein zum ewigen Lezen. Pr. Amen. M Ich bekenne Gott dem Allmächtigen u. s. w.. wie oben. Dritte Meßandacht. Pr. Gnade, Nachlassung und Vergebung un serer Sünden ertheile uns der allmächtige und allbarmherzige Gott. M. Amen. 138 Pr. Kehre dich, o Gott, her zu uns und belebe uns. M. Und dein Volk wird sich freuen in dir. Pr. Erzeige uns, o Herr, deine Barmherzigkeit. M. Und dein Heil gib uns. Pr. Herr! erhöre mein Gebet, M. Und mein Rufen komme zu dir. Pr. Der Herr sei mit euch; M. Und mit deinem Geiste. In der Mitte des Altars stehend, und denselben küssend, betet der Priester: Nimm, o Herr! wir bitten dich, unsere Sünden von uns hinweg, damit wir würdig sein mögen, mit reinem Herzen in das Allerheiligste einzugehen, durch Christum, un ern Herrn. Amen. Wir bitten dich, o Herr! durch die Verdienste deiner Heiligen, deren Reliquien hier aufbewahrt sind, und aller Heiligen, du wollest mir alle meine Sünden gnädig verzeihen. Amen. Beim Introitus, der zwar sehr verschieden ist, nach den verschiedenen Festen, kann der Gläubige beten: Gepriesen sei die heil. Dreifaltigkeit und un theilbare Einigkeit, laßt uns sie preisen, weil sie Barmherzigkeit an uns gethan hat. Herr! du bist unser Herr, und wie wunderbar ist dein Name auf Dritte Meßandacht. 139 der ganzen Erde. Ehre sei dem Vater, dem Sohne I. s. w. Hierauf betet der Priester in der Mitte des Altares: Herr, erbarme dich unser! M. Herr, erbarme dich unser! Pr. Herr, erbarme dich unser! M. Christe, erbarme dich unser! Pr. Christe, erbarme dich unser! M. Christe, erbarme dich unser! Pr. Herr, erbarme dich unser! M. Herr, erbarme dich unser! Pr. Herr, erbarme dich unser! Gloria. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind. Dich loben wir, dich preisen wir, dich beten wir an. Wir verherrlichen dich, wir danken dir wegen deiner großen Herrlichkeit, Herr, Gott, himmlischer König! Gott, allmächtiger Vater! Herr Jesu Christe! Du eingeborner Sohn! Herr, Gott, du Lamm Gottes, Sohn des Vaters! Der du hinwegnimmst die Sünden der Welt, nimm an unser Gebet! Der du sizzest zur Rechten des Vaters, erbarme dich unser! denn du allein bist heilig, du allein Herr, du allein der Allerhöchste,- du Jesus Christus in der Herrlichkeit des Vaters. Amen. Kirchengebet. Pr. Der Herr sei mit euch; M. Und mit deinem Geiste. Dritte Meßandacht. Lasset uns beten. Allmächtiger, ewiger Gott! der du deinen Dienern verliehen hast, im Bekenntnisse des Glaubens die Glorie der ewigen Dreifaltigkeit zu erkennen und in der Fülle deiner Majestät die Einheit anzubeten: verleihe, wir bitten dich, daß wir durch die Festigkeit dieses Glaubens gegen alle Widerwärtigkeiten allzeit beschütet werden, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn u. s. w. 140 Hier soll auch jedesmal das weiter unten bei den Andachten auf die verschiedenen heiligen Zeiten und Feste bei dem treffenden Festtage stehende Kirchengebet eingeschaltet werden. Ist das hochwürdigste Gut ausgesetzt, so soll auch gebetet werden das folgende Kirchengebet: Lasset uns beten. Gott! der du uns in dem wunderbaren Sakramente das Andenken deines Leidens hinterlassen hast; laß uns das heilige Geheimniß deines Leibes und Blutes also verehren, daß wir die Früchte deiner Erlösung in uns allzeit er fahren, der du lebest und regierest mit dem Vater und dem heiligen Geiste, als gleicher Gott in Ewigfeit. Amen. Epistel. Brief des heiligen Apostel Paulus an die Römer 11. Kap., 33.- 36. Vers: O Tiefe des Reichthumes, der Weisheit und Erkenntniß Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte, und wie unerforschlich seine Wege! Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt? Oder wer hat ihm zuerst etwas gegeben, daß es ihm wieder vergolten werde? Denn von ihm und durch ihn Dritte Meßandacht. und in ihm ist Alles. Amen. 141 Ihm sei Ehre in Ewigkeit. M. Gott sei Dank. Man kann auch zu Hause aus einem Evangelienbuche die auf den Sonn- oder Festtag treffende Epistel leſen, und dann sich bei der heiligen Messe, wenn sie der Priester liest, nochmals daran erinnern, sie betrachten und gute Vorsätze erwecken. Graduale( Stufengebet). Gepriesen seist du, o Herr! der du durchschauest die Abgründe und thronest über den Cherubim. Gepriesen seist du, o Herr! am Firmamente des Himmels, der du lobwürdig bist in Ewigkeit. Alleluja, Alleluja! Gepriesen seist du, o Herr! du Gott unserer Väter! du bist lobwürdig in Ewigkeit. Alleluja! In der Mitte stehend, betet hierauf der Priester: Allmächtiger Gott! reinige mein Herz und meine Lippen! Wie du die Lippen des Propheten Ifaias mit einer glühenden Kohle gereiniget hast, also würdige dich, auch mich durch deine huldreiche Erbarmung zu regieren, auf daß ich dein heiliges Evangelium würdig verkünden möge; durch Christum, unsern Herrn. Amen. Der Herr sei in meinem Herzen und auf meinen Lippen, damit ich sein Evangelium würdig und geziemend verkünden möge. Amen. Bei diesen Worten bedenke jeder Christ, daß er berufen ist, das Evangelium mit Worten und Werken zu verkünden, zu bekennen. Dritte Mcßandacht. Evangelium. Pr. Der Herr sei mit euch. M. Und mit deinem Geiste. Pr. Folgende Worte des heiligen Evangeliums find .nach Matthäus Kap. 28, V. 18-20: M. Ehre sei dir, o Herr! In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völfer, und taufet sie im Namen des Vaters, und des Sohnes und des heiligen Geistes: und lehret sie Alles halten, was ich euch befohlen habe: und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an's Ende der Welt." Durch diese Worte des Evangeliums mögen geilgt werden unsere Sünden. M. Lob sei dir, Christus! 142 Während der Priester das Evangelium singt, kann der Gläubige nochmals über das zu Hause gelesene Sonnoder Festtag Evangelium, oder über die in der Predigt gehörten Lehren nach enken und gute Vorsätze fassen. Gredo. Ich glaube an einen Gott, den allmächtigen Bater, den Schöpfer Himmels und der Erde, aller sichtbaren nnd unsichtbaren Dinge. Und an einen Herrn Jesum Christum, den eingebornen Sohn Gottes, der aus dem Vater vor aller Zeit geboren. wurde, Gott von Gott, Licht von Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht erschaffen, dem Wesen nach dem Vater gleich, durch den Alles ist gemacht worden; der aus Liebe zu uns Menschen und um unseres Heiles willen vom Himmel herabgestiegen und durch den Hl. Geist von der Dritte Meßandacht. 143 Jungfrau Maria Fleisch angenommen hat und Mensch geworden ist; auch für uns unter Pentius Pilatus gefreuzigt worden, gelitten hat und begraben worden und am dritten Tage nach der Schrift auferstanden, gen Himmel gefahren ist und zur Rechten des Vaters sizzet; und in Herrlichkeit wieder fommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten, dessen Reich ohne Ende sein wird. Und an den heiligen Geist, den Herrn, den Lebendigmacher, der vom Vater und Sohne ausgeht, der mit dem Vater und Sohne zugleich angebetet und verherrlichet wird, der durch die Propheten geredet hat. Und Eine, heilige, fatholische und apostolische Kirche. Ich bekenne eine Taufe zur Vergebung der Sünden, und erwarte die Auferstehung der Todten und ein ewiges Leben. Amen. Offertorium.( Opferung). Pr. Der Herr sei mit euch; M. Und mit deinem Geiste. Gepriesen sei Gott der Vater, und der eingeborne Sohn Gottes, so wie auch der heilige Geiſt: denn Barmherzigkeit hat er an uns gethan. Bei Opferung der Hoftie( des Brodes). Nimm an, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott! dieses unbefleckte Opfer, welches ich, dein unwürdiger Diener, dir, meinem lebendigen und wahren Gott, darbringe für meine unzähligen Sünden, sowohl Uebertretungen als Vernachlässigungen, und für alle Anwesenden, aber auch für alle gläubigen Christen, für die Lebendigen und die Abgestorbenen, damit es mir und ihnen förderlich sei zum Heile und ewigen Leben. Amen. 144 Dritte Meßandacht. Bei Einschenkung des Weines und Wassers in den Kelch. Gott! der du die Würde der menschlichen Natur wunderbar geschaffen, und noch wunderbarer erneuert hast, verleihe uns durch das Geheimniß dieses Wassers und Weines, der Gottheit desselben theilhaftig zu werden, der sich gewürdiget hat, unsere menschliche Natur anzunehmen, Jesus Christus, dein Sohn, der mit dir lebt u. s. w. Bei Darbringung( Opferung) des Kelches. Wir opfern dir, o Herr! deu Kelch des Heiles, und flehen um deine Huld, damit er für unsere und der ganzen Welt Heil mit lieblichem Geruche vor deiner göttlichen Majestät aufsteige. Amen. Im Geiste der Demuth und mit zerknirschten Herzen mögen wir von dir aufgenommen werden, o Herr! und unser Opfer werde heute vor deinem Angesichte so entrichtet, daß es dir, o Herr und Gott! gefalle. Die Opfergaben segnend, sprich der Priester: Komm, Heiligmacher, allmächtiger, ewiger Gott! und segne dieses Opfer, das wir in deinem Namen zubereitet haben. Lavabo( Händewaschung). Ich wasche mit den Unschuldigen meine Hände und will um deinen Altar her sein, o Herr! damit ich höre die Stimme des Lobes und erzähle alle deine Wunder. Herr! ich liebe die Pracht deines Hauses und den Ort der Wohnung deiner Herrlichkeit. Laß nicht zu Grunde gehen mit den Gottlosen, o Gott, meine Seele, und mit den Männern des Blutes mein Leben, in deren Händen Ungerechtig Dritte Meßandacht. 145 keit ist, deren Rechte gefüllt ist mit Geschenken. Ich aber bin gewandelt schuldlos, erlöse mich und erbarme dich meiner. Mein Fuß ist gestanden auf rechtem Wege; in den Versammlungen will ich dich loben, o Herr! Ehre sei dem Vater u. s. w. Abermalige Darbringung der beiden Opfergaben. Nimm, o heiligste Dreieinigkeit, diese Darbringung gnädig auf; wir bringen sie dir dar zum Andenken an das Leiden, an die Auferstehung und die Himmelfahrt unsers Herrn Jesu Christi; zur Ehre der seligen, allzeit reinen Jungfrau Maria, des seligen Johannes des Täufers, der heiligen Apostel Petrus und Paulus, dieser und aller Heiligen, damit es ihnen zur Ehre, uns aber zum Heile gereichen und sie sich würdigen, im Himmel für uns zu beten, da wir ihr Andenken auf Erden begehen; durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. Oratre fratres. Pr. Betet, Brüder! daß mein und euer Opfer wohlgefällig werde vor Gott, dem allmächtigen Vater. M. Der Herr wolle dieses Opfer aus deinen Händen annehmen zum Lob und zur Ehre seines Namens, so wie zu unserer und der ganzen heiligen Kirche Wohlfahrt. Pr. Amen. Sekreta( die Stillgebete). Wir bitten dich, o Herr! heilige um der Anrufung deines heiligen Namens willen dieses Opfer, das wir jetzt darbringen, und mache durch dasselbe Wege des Heils. 10 146 Dritte Meßandacht. uns selbst zu einer ewigen, vollkommenen Opfergabe; durch unsern Herrn, Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir lebt und regieret in Einigkeit des heil. Geistes. Wenn das Hochwürdigste Gut ausgesetzt ist, so ist auch zu beten: Wir bitten dich, o Herr! daß du deiner Kirche die Gaben der Einigkeit und des Friedens( d. i. den Leib und das Blut Christi) gnädiglich geben wolleft, welche durch die dargebrachten Geschenke ( von Brod und Wein) geheimnißvoll vorgebildet werden, durch unsern Herrn u. s. w. Präfation( ein Lob und Dankgesang). Pr. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. M. Amen. Pr. Der Herr sei mit euch; M. Und mit deinem Geiste. Pr. Erhebet euere Herzen! M. Wir haben sie zum Herrn erhoben. Pr. Laßt uns dem Herrn, unserm Gott, danken. M. Es ist geziemend und recht. Pr. Ja, wahrhaft geziemend und recht, billig und heilsam ist es, daß wir jederzeit und an allen Orten, dir, o beiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott, Dank sagen, der du mit deinem eingebornen Sohne und dem heiligen Geiste ein Gott, ein Herr bist, nicht in der Einheit der Person, sondern in der Dreipersönlichkeit der Einen Wesenheit: denn was wir gemäß deiner Offenbarung von deiner Herrlichkeit glauben, das denken wir auch von deinem Sohne, das auch vom heiligen Geiste, ohne Dritte Meßandacht. 147 irgend einen Unterschied der Ungleichheit, so daß im Bekenntnisse der wahren und ewigen Gottheit zugleich die Verschiedenheit in den Personen, die Einheit im Wesen und die Gleichheit in der Majestät angebetet wird, welche die Engel und Erzengel preisen, sowie auch die Cherubim und Seraphim, die nicht aufhören, täglich zu rufen und einstimmig zu sagen: Heilig, heilig, heilig bist du, o Herr, Gott der Heerschaaren. Himmel und Erde sind voll deiner Herrlichkeit! Heil von Oben! Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn Heil! von Oben! Kanon der Messe. ( So werden genannt die Gebete vom Sanktus bis zur Kommunion.) Dich also, gütigster Vater, bitten wir durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn, demüthig und flehen dich an, daß du wohlgefällig annehmen und segnen wollest diese Geschenke, dieſe Gaben, diese heiligen und unbefleckten Opfer, die wir dir darbringen, vorzüglich für deine heilige katholische Kirche, daß du dich würdigen mögest, sie auf dem ganzen Erdkreise zu befriedigen, zu beschützen, in Einigkeit zu erhalten und zu leiten, fammt deinem Diener, unserm Papste N. und unserm Bischofe N., und allen Rechtgläubigen und Verehrern des fatholischen und apostolischen Glaubens. Gedenke, o Herr! deiner Diener und Dienerinnen N. N., wie auch aller Umstchenden, deren Glaube nnd Andacht dir bekannt ist, für welche wir, oder welche selbst dir dieses Lobopfer darbringen für sich 10* 148 Dritte Meßandacht. und alle die Ihrigen, für die Erlösung ihrer Seelen, für die Hoffnung ihres Heiles und ihrer Seligkeit, und welche dir, dem ewigen, lebendigen Gott, ihre Wünsche darbringen. Wir erneuern auch die Gemeinschaft und feiern das Andenken vorzüglich der glorreichen, allzeit reinen Jungfrau Maria, der Mutter unsers Gottes und Herrn Jesu Christi, aber auch deiner seligen Apostel und aller Heiligen, auf deren Verdienste und Fürbitte hin du uns in Allem deinen Schuß angedeihen lassen mögest, durch denselben Chriſtum unsern Herrn. Amen. Die Hände über den Kelch haltend, spricht der Priester: Nimm also dieses Opfer, das wir, deine Diener und deine ganze Gemeinde dir bringen, wir bitten dich gnädig, verleihe unsern Tagen deinen Frieden, entreiße uns der ewigen Verdammniß, und laß uns der Schaar deiner Auserwählten beigezählt werden, durch Christum u. s. w. Laß, o Gott! wir bitten dich, dieses Opfer durchaus gesegnet, dir gewidmet, gültig, angenehm und wohlgefällig sein, damit es uns werde der Leib und das Blut unsers Herrn Jesu Christi, der am Vorabende seines Leidens Brod in seine heiligen und ehrwürdigen Hände nahm, und die Augen. gegen Himmel nach dir, seinem allmächtigen Vater, gerichtet, dir Dank sagte, es segnete, brach, und seinen Jüngern mit den Worten darreichte: Nehmet hin und esset Alle davon: denn dieses ist mein Leib. 149 Dritte Meßandacht. Bei der Aufhebung des heil. Leibes Christi bete alsdann: O Jesu! dir leb' ich; dir stirb' ich; dein bin ich todt und lebendig. Amen. Auf gleiche Weise( so fährt der Priester, den Kelch in der Hand haltend, fort zu sprechen) nahm er nach dem Mahle auch diesen erhabenen Kelch in feine heiligen und ehrwürdigen Hände, dankte dir auf gleiche Weise, segnete und gab ihn seinen Jüngern mit den Worten: Nehmet hin und trinket Alle daraus: denn dieß ist der Kelch meines Blutes, des neuen und ewigen Bundes, das Geheimniß des Glaubens, welches für euch und für Viele wird vergossen werden zur Vergebung der Sünden. Bei Aufhebung des Kelches bete alsdann: Jesu! sei mir gnädig; o Jesu! sei mir barmherzig; o Jesu! verzeih mir meine Sünden. Nach der Wandlung. Pr. So oft ihr dieses thut, so thut es zu meinem Andenken. Darum bringen wir, o Herr! wir, deine Diener und dein heiliges Volk, eingedenk des kostbaren Leidens Christi, deines Sohnes, unsers Herrn, aber auch seiner Auferstehung von den Todten, und seiner glorreichen Himmelfahrt, deiner herrlichen Majestät, von deinen Geschenken und Gaben dar ein reines Opfer, ein heiliges Opfer, ein unbe. flecktes Opfer, das heilige Brod des ewigen Lebens und den Kelch des immerwährenden Heiles. Würdige dich, auf dieselben mit versöhntem und heiterm Ansicht herabzuschauen, und sie gütig aufzunehmen, wie du gütig aufgenommen hast die Dritte Meßandacht. Gaben deines gerechten Dieners Abel, das Opfer unsers Patriarchen Abraham, und das heilige und unbefleckte Opfer, welches dein Hohepriester Melchisedech dir dargebracht. Demüthig bitten wir dich, allmächtiger Gott, laß dieses Opfer durch die Hände deines heiligen Engels auf deinem erhabenen Altar vor das Angesicht deiner göttlichen Majestät gebracht werden, damit wir, so viele wir von diesem Altare den hochheiligen Leib und das Blut deines Sohnes genießen, mit jeder himmlischen Segnung und Gnade erfüllt werden, durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. 150 Beim Memento( Gedächtniß) für die Verstorbenen. Gedenke auch, o Herr! deiner Diener und Dienerinnen, die uns mit dem Zeichen des Glaubens vorangegangen sind, und im Schlafe des Friedens ruhen.( Hier nenne die, welche du Gott besonders empfehlen willst.) Wir bitten dich, o Herr! nimm diese und alle in Christo Ruhenden auf in den Ort der Erquickung, des Lichtes und des Friedens, durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. Aber auch uns Gündern, deinen Dienern,( hler klopfe an die Brust,) die auf die Fülle deiner Erbarmungen hoffen, wollest du Antheil und Gemeinschaft verleihen mit deinen heiligen Aposteln und Marthrern und allen deinen Heiligen, in deren Gemeinschaft du uns, nicht wegen unserer Verdienste, sondern auch deiner verzeihenden Gnade zulassen wolltest, durch Chriftum, unsern Herrn, durch welchen tu, o Herr! alle diese Güter immer schaffest, heiligest, belebest, segnest, und uns zutheilest. 151 Dritte Meßandacht. Durch ihn( d. i. Jesum Christum), und mit ihm, und in ihm ist dir, Gott, dem allmächtigen Vater, in Ewigkeit des heiligen Geistes alle Ehre und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. M. Amen. Pr. Laßt uns beten. Durch heilsame Gebote gemahnt und durch göttliche Anordnung angewiesen, wagen wir zu sagen: Vater unser! der du bist in dem Himmel, geheiliget werde dein Name, Zukomme uns u. s. w. Und führe uns nicht in Versuchung. M. Sondern erlöse uns von dem Uebel. Pr. Amen. Pr. Wir bitten dich, o Herr! befreie uns von allen vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Uebeln, und verleihe uns gnädig auf die Fürbitte der seligen und glorreichen, allzeit jungfräulichen Mutter Gottes, Maria, deiner seligen Apostel Petrus und Paulus, Andreas und aller Heiligen, den Frieden in unsern Tagen, damit wir, gekräftigt durch deine barmherzige Hülfe, jederzeit von aller Sünde befreit, und jeder Art von Trübsal entnommen werden, durch denselben Jesum Christum unsern Herrn, deinen Sohn, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. M. Amen. Pr. Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch. M. Amen. Dritte Meßandacht. Hier läßt der Priester einen kleinen Theil der Hostie in den Kelch fallen und spricht: 152 Diese Vermischung und Heiligung des Leibes und Blutes unsers Herrn Jesu Christi diene uns, die wir sie genießen, zum ewigen Leben. Amen. Beim Agnus Dei. O du Lamm Gottes! welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser! O du Lamm Gottes! welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser! O du Lamm Gottes! welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, schenke uns den Frieden! Herr Jesu Christe! der du zu den Aposteln gesagt hast: Ich hinterlasſe euch den Frieden, meinen Frieden gebe ich euch; siehe nicht auf meine Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche, gib ihr nach deinem Willen den Frieden, und erhalte sie in der Ewigkeit, der du als Gott lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Herr Jesu Christe! Sohn des lebendigen Gottes! der du nach dem Willen des Vaters, unter Mitwirkung des heiligen Geistes, der Welt durch deinen Tod das Leben gegeben hast; befreie mich durch dieses dein hochheiliges Fleisch und Blut von allen meinen Sünden und von allen Uebeln, und gib, daß ich immer deinem Gefeße anhänge, und laß nicht zu, daß ich jemals von dir getrennt werde, der du mit ebendemselben Vater und heiligen Geiste lebst und regierest, als Gott von Ewigkeit zu Ewigfeit. Amen. Dritte Meßandacht. 153 Herr Jesu Christe! gib, daß der Genuß deines Leibes, den ich Unwürdiger zu empfangen mich unterfange, mir nicht zum Gerichte und zur Verdammung gereiche, sondern daß er durch deine Erbarmung mir ein Heilmittel des Peibes und der Seele werde, der du lebst und regierst mit Gott, dem Vater, in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Ich will das Himmelsbrod nehmen, und den Namen des Herrn anrufen. Herr! ich bin nicht würdig, daß du eingehst unter mein Dach; doch sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.( Dreimal.) Der Leib unsers Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen. Nun kommunizirt der Priester den Leib des Herrn, kommunizire du geistlicher Weise, und sprich dann weiter mit dem Priester: Was soll ich dem Herrn vergelten für Alles, was er mir gegeben hat. Ich will den Kelch des Heiles nehmen, und den Namen des Herrn anrufen; ich will den Herrn loben und anrufen, so werd' ich errettet von meinen Feinden. Das Blut unsers Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen. Jetzt genießt der Priester das heil. Blut Christi. Herr! laß uns mit reinem Gemüthe bewahren, was wir mit dem Munde empfangen haben; und die göttliche Gabe werde uns zum Heilmittel für die Ewigkeit. Dein Leib, o Herr! den ich empfangen, und dein Blut, das ich getrunken habe, mögen bleiben 154 Dritte Meßandacht. in meinem Innersten; laß keine Sündenmafel in mir zurückbleiben, den ich von so reinen und heiligen Geheimnissen bin genährt worden, der du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebete nach der heiligen Kommunion. Laßt uns benedeien den Gott des Himmels, und vor allen lebendigen Wesen wollen wir den preisen, weil er an uns seine Barmherzigkeit geübt hat. Pr. Der Herr sei mit euch; M. Und mit deinem Geiste. Laßt uns beten. Laß uns, o Herr, unser Gott! zum leiblichen und geistigen Heile gereichen den Genuß dieses Geheimnisses, sowie auch das Bekenntniß dee ewigen Dreifaltigkeit in der Einheit, durch unsern Herrn, Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir lebt u. s. w. Wenn das hochwürdigste Gnt ausgesetzt ist, so bete auch: O Gott! der du uns in diesem wunderbaren Geheimnisse das Geheimniß deines Leidens hinterlassen haft; wir bitten dich, verleihe uns die Gnade, die heiligen Geheimnisse deines Fleisches und Blutes so zu verehren, daß wir die Früchte deiner Erlösung kräftig fühlen, der du lebst und regierst mit Gott, dem Vater, in Ewigkeit des heiligen Geistes u. s. w. Pr. Der Herr fei mit euch; M. Und mit deinem Geiste. Pr. Gehet, die Messe ist zu Ende. Dritte Meßandacht. In der heil. Fasten- und Adventzeit: Pr. Lasset uns den Herrn preisen. M. Gott sei Dank. Pr. Laß dir, o allerheiligste Dreifaltigkeit, meinen demuthvollen Dienst gefallen, und verleihe, daß das Opfer, das ich Unwürdiger vor dem Angesichte deiner Majestät dargebracht habe, dir angenehm sei, und mir und Allen, für die ich es entrichtet, durch deine Barmherzigkeit zum Heile gereiche, durch Christum, unsern Herrn. Amen. 155 Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der heil. Geist. Amen. Zum letten Evangelium. Pr. Der Herr sei mich euch; M. Und mit deinem Geiste. Pr. Der Anfang des heil. Evangeliums nach dem hl. Johannes. M. Ehre sei dir, o Herr! Pr. Im Anfange war das Wort; und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort: dasselbe war im Anfange bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen; und das Licht leuchtete in den Finsternissen, und die Finsternisse haben es nicht begriffen. Es war ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes. Diefer kam zum Zeugniß, damit er Zeugniß gebe von dem Lichte. Es war dieß ein wahres Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt; und die Welt ist 156 Dritte Meßandacht. durch dasselbe gemacht worden; und die Welt hat ihn nicht erkannt. Er fam in sein Eigenthum, und die Seinigen nahmen ihn nicht auf. Die ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, nämlich die an seinen Namen glauben; welche nicht aus dem Blute, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.- Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnet, und wir haben dessen Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit, wie die Herrlichkeit des Eingebornen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit.( Joh. 1. Kap.) M. Gott sei Dank. Gebet nach der Hl. Messe. O Gott, der du mir armen Sünder die Gnade verliehen hast, vor deinem Angesichte zu stehen, um dich zu verherrlichen und zu preisen; vergib mir alle Fehler, die ich mir während dieses heil. Opfers zu Schulden kommen ließ. Nimm auf das Leben und den Tod deines eingebornen Sohnes, und verleihe mir um dessen willen, daß ich dir von nun mit allen Kräften des Leibes und Fähigkeiten der Seele diene. Sieh' an, o gütigster Vater, deinen eigenen Sohn, den du um meiner Sünden willen gezüchtiget hast; gedenke seiner Geduld und Liebe, da er für mich so schmerzlich gelitten hat, und würdige mich der Erhörung, wenn ich in seinem Namen zu dir flehe, da er selbst gesprochen: Wenn ihr den Vater in meinem Namen um etwas bitten Vierte Meßandacht. 157 werdet, wird er euch geben. Verstoß nicht dein Geschöpf, sondern böre es gnädig an, und erhöre mich. Amen. Vierte Messandacht. Forbereitungsgebet. & s beginnt nun die heiligste Handlung, wodurch die größten Geheimnisse unsers Glaubens und unserer Erlösung erneuert werden, nämlich die lebendige und wahre Darstellung jenes blutigen Opfers, das Christus auf dem Kreuzaltare dem ewigen Vater für unsere Sünden dargebracht und vollendet hat. Darum werfe ich mich nun vor dir, o mein Gott! auf meine Kniee nieder, und bete dich an, der du mir hier ganz besonders nahe bist. Ich bringe dir dieses heilige Meßopfer dar zu deiner Verherrlichung, zum Heile meiner Seele, zum Gedächtniß und zur Verehrung des bittersten Leidens und Todes unsers Herrn Jesu Christi, für Lebende und Verstorbene, besonders für N. N.; dann auch um Vergebung meiner Sünden und die Gnade N. zu erlangen. Omein Herr und Gott, ich bitte dich, laß meine Seele nicht verloren gehen, die dein Sohn Jesus Christus mit seinem kostbaren Blute erlöset hat. Amen. Zum Anfang der heiligen Mesſe. Ewiger, allmächtiger Gott! ich will hintreten zu deinem heiligen Altar, der du meine Freude biſt 158 Vierte Meßandacht. von Jugend auf; zu dir eile ich, zu dir komme ich, der du selbst willst, daß wir deinem heiligen Opfer beiwohnen, da dein eingeborner Sohn uns dieſes zu thun befahl. Allein meine Sünden, mein Elend schrecken mich, und machen mich zittern, und sagen. mir, daß ich es nicht würdig bin, vor dir zu erscheinen. Doch ein reumüthiges und demüthiges Herz wirst du, o Gott der Güte und Barmherzigkeit, nicht verstoßen; daher will ich in Reue und Demuth gleich dem Zöllner vorerst meine Sünden bekennen. Ja, allmächtiger, ewiger Gott! ich habe vor dir und dem Himmel gesündiget, ich bin ein Sünder, ein großer Sünder, der größte Sünder! aber es reuet mich, gesündigt zu haben, weil ich dich, das höchste Gut, das liebenswürdigste Wesen, dadurch beleidiget habe. Ich wünsche zu verbessern, was ich gefehlt habe. O heilige Jungfrau Maria und alle heiligen Engel und Auserwählte des Him mels! bittet für mich bei unserm Herrn und Gott, Jesus Christus! Herr! erbarme dich unser. Christe! erbarme dich unser. Herr! erbarme dich unser, meiner und Aller, die diesem heiligen Opfer beiwohnen. Lob, Ehre und Anbetung sei dir dafür, o dreieiniger Gott! Dir, o Vater! der du mich erschaffen haft; dir, o Sohn, der du mich erlöset hast; dir, o heiliger Geist! der du mich geheiliget hast- jest und alle Zeit und in Ewigkeit. Vierte Meßandacht. 159 Kirchengebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der du herrscheft über die Lebenden und Verstorbenen, und dich Aller zu erbarmen bereit bist; ich bitte dich für alle Menschen, sie mögen noch auf Erden wandeln, oder schon abgeschieden sein, verleihe, daß sie auf die Fürbitte aller deiner Heiligen, nach deiner übergroßen Barmherzigkeit hier die Verzeihung aller ihrer Sünden, und nach diesem Leben die ewige Seligkeit erlangen mögen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Zur Epistel. O mein Gott! ich bete deinen heiligen Geist an, der aus den Propheten und Aposteln geredet hat, und jetzt noch immer durch die heilige Kirche zu uns redet. Ich nehme mit Ehrfurcht und Unterwerfung alle Lehren und Unterweisungen an, die mir die heilige Kirche durch ihre Priester gibt, und will sie in meinem ganzen Leben treu befolgen. Zum Evangelium. O Herr Jesu Christe! gib mir die Gnade, da ich dein heiliges Evangelium immer besser erkenne, willig annehme, im Gedächtniß behalte, im Werke vollbringe, und der Heerde deiner auserwählten Schäflein, die deine Stimme hören, so beigestellt werde, daß ich auch mit ihnen am jüngsten Tage anf deiner rechten Seite die Worte zu hören gewürdiget werde: Kommet, ihr Gesegneten meines Vaters! Amen. 160 Vierte Meßandacht. Zum Credo. Hier bete das apostolische Glaubensbekenntniß. Zur Opferung. Heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott! nimm gnädig auf dieses unbefleckte Opfer, und damit auch mein ganzes Herz- o, daß es unbefleckt wäre und alle Sinne und Kräfte des Leibes und der Seele, alle Bitten und Wünsche, die ich dir heute darbringe, oder früher schon dargebracht habe, auf daß ich durch dieses allerheiligste Opfer Erhörung erlange, durch Christum, unsern Herrn. Amen. Heiliger Vater! allmächtiger, ewiger Gott! mit dieſem unbefleckten Opfer, das dir jetzt der Prieſter auf dem Altare darbringt, opfere ich dir auch auf alle Gaben und Wohlthaten, die ich von deiner Güte bis auf diese Stunde empfangen habe, und vereinige dieses mein Dankopfer mit jener unendlichen Liebe, die deinen eingebornen Sohn bewogen hat, Knechtsgestalt anzunehmen und dir gehorsam zu werden bis zum Tode am Kreuze. Sieh mit gnädigem Auge auf dieses Lob- und Dankopfer herab, um der unendlichen Verdienste Jesu Christi willen. In Vereinigung der Liebe und Bereitwilligkeit, mit welcher Jesus Christus alle Leiden dir, o Gott, aufgeopfert hat, lege ich ferner auch alles Kreuz und Leiden, das deine Vaterhand mir schon gesendet hat, und noch senden wird, auf den Altar und bitte dich, du wollest mit dem Opfer der heiligen Messe auch dieses Opfer meiner Ergebung in deinen göttlichen Willen gnädig aufnehmen, und zu meinem Seelenheile gedeihen lassen. Vierte Meßandacht. 161 Hoffend, daß du dieses demüthige Opfer meiner Liebe nicht verschmähen werdest, wage ich es auch, in den Lobgesang der Engel einzustimmen und in tiefster Anbetung zu rufen: Heilig, beilig, heilig ist der Herr, der Gott der Heerschaaren! Himmel und Erde sind voll deiner Herrlichkeit! Vor der Wandlung. O Gott! ohne dessen Gnade wir nicht einmal einen guten Gedanken zu fassen vermögen, erbarme dich unser. Komme zu Hülfe deiner heiligen Kirche, verleih' ihr den Frieden und beschütze sie auf dem ganzen Erdkreise; segne unsern Hl. Vater N. und schenke deiner Heerde wahrhaft apostolische Hirten. Erleuchte und unterstüße auch den Landesfürsten und alle weltlichen Obrigkeiten in ihrem Amte, damit sie es allzeit zum Wohle der Unterthanen verwalten. Gedenke aller Christgläubigen, besonders unserer Eltern, Verwandten, Wohlthäter, Freunde, der n. N., und auch unserer Feinde, und verleihe ihnen, was ihnen für Seele und Leib ersprießlich ist, daß sie im lebendigen Glauben treu verharren bis an's Ende und die Krone der Seligfeit dereinst erlangen. Entferne von uns Allen, was dir an uns mißfällig ist, und gib uns Kraft, das Böse zu vermeiden und das Gut zu thun. Während der Wandlung. Ich bete dich an, o Herr Jesu Christe, und preise dich, daß du durch dein bitteres Leiden und Sterben die Welt erlöset hast. O Jesu, sei mir Wege des Heils. 11 Vierte Meßandacht. gnädig; o Jesu, sei mir barmherzig; o Jesu, verzeih' mir meine Sünden. Sei gegrüßt, o fostbares Blut Jcfu Christi, das du hier in diesem Kelche aufbewahret biſt. Reinige mich von allen meinen Sünden, bewahre mich vor dem Rückfall in dieselben, stärke mich zur Besserung. O Jesu! dir lebe ich. O Jeju! dir sterbe ich. Jesu! dein bin ich todt und lebendig. Amen. 162 Nach der Wandlung. O Herr Jesu Christe! ich bete dich an, der du von der Erde erhöht wurdest, damit du Alles an dich ziehest. Ich erblicke dich mit ausgespannten Armen am Kreuze, zum Zeichen, daß du uns Alle in deiner Liebe zu umfangen wünscheft, und rufest uns zu: Kommet Alle zu mir, die ihr mühselig uud beladen seid, ich will euch erquicken. O Herr, wenn ich säume, zu dir zu eilen, so ziehe mich mit den Banden deiner Liebe, die du durch deinen Tod am Kreuze bewiesen hast. Jeſum, und zwar als Gekreuzigten kennen und suchen, das sei meine höchste Weisheit, und mein einziges Vergnügen. Ferne sei es von mir, mich zu rühmen, außer im Kreuze meines Herrn Jesu Christi. O Vater der Erbarmungen! siehe, bier ist dein geliebter Sohn, an dem du dein Wohlgefallen hast. Siehe, hier ist die Versöhnung für unsere Sünden und unser Fürsprecher bei dir. Um dieses willen fei mir Sünder gnädig. Siehe, die Stimme' des Blutes deines Sohnes ruft zu dir von der Erde, nicht um Rache, sondern um Gnade. Sein Leiden Vierte Meßandacht. 163 und Tod erwerbe mir Vergebung der Sünden, seine Wunden seien meiner Seele zum Heile. Aber auch der abgeschiedenen armen Seelen im schmerzvollen Reinigungsorte, besonders den N. N. möge das Verdienst seines Leidens und Todes Linderung und baldige Erlösung verschaffen und eine glorreiche Aufnahme in den Ort des Friedens und Lichtes erwerben. Amen. Zur heiligen Kommunion. O mein süßester Jesu! ich spreche dir nochmals meinen unendlichen Dank aus für die so ausgezeichnete Wohlthat, die du uns dadurch erweiseft, daß du dich im hochheiligen Sakramente des Altares unter den Gestalten des Brodes und Weines zu verhüllen herabläsfest, und uns einladest, ja sogar uns befiehlst, daß wir dich zum Heile unserer Seele empfangen. O mein Herr und Gott! wohl möchte ich dich sakramentalisch empfangen, allein, da mir dieß für jetzt nicht erlaubt ist, so nimm doch mein Verlangen darnach gnädig auf. Ich wünsche mit dir wenigstens geistiger Weise vereiniget, und durch deine Gnade umgewandelt und erneuert zu werden, so daß mich nichts mehr von dir trenne, sondern ich dir für immer verbunden bleibe, und nach einem guten Tod deinen heiligen Namen durch alle Ewigkeit loben und preisen kann. Nach der Kommunion des Pricsters. Dein Eigenthum bin ich, dein Eigenthum will ich bleiben für Zeit und Ewigkeit, mein Gott, mein 11* Vierte Meßandacht. Rubm, meine Freude, meine Hoffnung und mein Alles! darum gehe ich auch von hier nicht hinweg, du habest mich denn gesegnet. Würdige dich, 0 Herr Jesu Christe! mit dem Vater und dem heiligen Geiste mich zu segnen, und mir die Gnade, dich zu lieben und deinen Willen zu erfüllen, im reichlichen Maße zu spenden. Amen. 164 Zum Ende der heiligen Messe. Dich aber, o ewiger Vater! bitte ich noch zum Schlusse, nimm das unblutige Opfer der Messe zu Ehren deines Namens und zum Heile der Welt ebenso gnädig und erbarmend an, wie du das blutige Opfer Jesu aufgenommen hast, das er dir vom Kreuze zur Vergebung unserer Sünden dargebracht hat, und verleihe in Ansehung dessen uns und Allen, für die wir diese heilige Messe deiner uner meßlichen Majestät aufgeopfert haben, Alles, was uns zum Wohle des Leibes und vorzüglich zum Heile der Seele nothwendig und nütlich ist, und laß uns die Früchte der Erlösung Jesu ewig ge nießen, durch denselben Herrn, Jesum Chriftum, deinen Sohn, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Vom Predigthören. Vom Predigthören. 165 Wer aus Gott ist, der töret Gottes Wort. ( Joh. 8, 47.) TS Predigt ist die Auslegung des göttlichen Wortes, ist ein Theil des christlichen Gottesdienstes. Wer demnach dieselbe ohne ein dringendes Hinderniß verabsäumt, macht sich der Trägheit im Dienste Gottes schuldig. Da überdieß das Wort Gottes zu unserm Unterricht in den Wahrheiten des Heiles bestimmt ist: begeht man nicht minder eine uuverzeihliche Nachlässigkeit in Bezug auf das Geschäft unserer Seligkeit, wenn man sich diesem Unterricht, ohne welchen unsere Erkenntniß von Gott, von unsern Pflichten, und von den Hausmitteln, und deren rechten Gebrauch, weder vollständig, noch lebendig genug sein kann, entzieht. Indessen ist es nicht genug, das Wort Gottes in der Predigt anzuhören; man muß es auch so anhören, daß man Nutzen daraus ziehe. Das kann aber nicht geschehen, wenn wir es nur in unsere Ohren, oder bloß in unsern Verstand, nicht aber in unser Herz eindringen lassen, das ist, wenn wir bei dessen Anhörung talt bleiben; weder Ehrerbietung für dasselbe, noch ein lebendiges Verlangen, es zur Vorschrift unsers Lebens zu machen, fühlen: kurz wenn man es, ohne erbaut zu werden, anhört. Um also dieser Unempfindlichkeit beim Anhören der Predigt vorzukomen muß man sich gehörig vorbereiten, das ist, einen aufmerksamen demüthigen und gelehrigen Geist mitbringen und ein Herz, das von allen den irdischen Sorgen, Unruhen, Zerstreuungen und Begierden, welche als schädliche Dornen verhindern, daß das Wort Gottes in unseren Herzen Wurzeln fasse und Frucht bringe, frei sei. Endlich hat man dieses Wort als eine heilsame Nahrung unserer Seele anzunehmen. Gleichwie aber ein Mensch noch nicht genährt wird, wenn die Speise bloß in seinen Magen gebracht wird, sondern nur, wenn sie sich mit allen Theilen seines Leibes vermischt und vereiniget: auf gleiche Weise nähret das Wort Gottes die Seele nur alsdann, 166 Bom Predigthören. wenn es sich mit allen ihren Bewegungen und Handlungen vereinigt, und ihr zur Regel und zum Bichte dienet. Gebet vor der Predigt. Somm, heiliger Geist! erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer der Liebe, der du die Völker aller Zungen in der Einigkeit des Glaubens versammelt haſt. O Gott! der du die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes gelehret hast, gib, daß wir durch eben diesen Geist, was recht und gut ist, einsehen, und seines Trostes uns allezeit ers freuen mögen, durch Christum unsern Herrn. Amen. Sebet nach der Predigt. Herr Jesu Christe! ich danke dir, daß du dein Wort durch den Mund des Predigers in mein Herz ausgestreuet hast. Gib nicht zu, o Herr! daß dieser gute Samen von den Raubvögeln meines Heiles aus meinem Herzen weggeführt, oder von der Hitze fleischlicher und irdischer Begierden verbrennt, oder von den Dornen zeitlicher Sorgen ersticket werde; sondern verleihe, daß dein Wort durch deinen Segen hundertfältige Frucht zum ewigen Leben in mir hervorbringe. Amen. Brage faze Geo Britter fibfehnitt. efars Desa Lroge Beichtgebete. Mein Kind! bast du gesündiget, so höre auf, und bitte, daß dir tie vorigen Sünden auch vergeben werden.( Sirach 31, 1.) I will aufstehen, und zu meinem Vater geben, und ihm sagen: Vater! ich habe gesündiget wider den Himmel und vor dir. Ich bin nicht weith, ferner dein Kind zu heißen.( Luf. 15. 18.) Vorerinnerung. as Sakrament der Buße hat unser Heiland seiner Kirche hinterlassen, um uns ein Mittel, unsere Seele zu jeder Zeit von ihren Befleckungen zu reinigen, und uns mit Gott auszusöhnen, an die Hand zu geben. Warum wolltest du also deine Seele des geistlicheu Todes sterben lassen, nachdem dein Heiland dir eine so wohlthätige Arznei zur Herstellung ihrer Gesundheit und so liebreich darbietet? Ein Sünder soll, um den elenden Zustand, in welchem er sich befindet, zu verlassen, den Anfang damit machen, daß er sich in seinem gegenwärtigen Zustand der Sünde übel befinde, um ein ernstliches Verlangen, davon wieder befreit zu werden, in sich zu erwirken. Diese Gemüthsverfassung heißt Buße, und dieß Wort bedeutet eine gänzliche Veränderung und Umkehrung des Sinnes, der Gedanken, des Willens, der Begierden und des Lebens; dergestalt, daß aus dem gesetzwidrigen und verkehrten Sinn des Menschen ein gesetzmäßiger, tugendhafter Sinn werde. Die Erkenntniß der Sünden. Wenn der Hl. Geist bei der Bekehrung eines Sünders wirken will, so macht er ihn zuerst auf seinen heillosen Zustand aufmerksam. Er erweckt das schlafende Gewissen durch allerlet Vorfälle, durch außerordentliche Wohlthaten oder Trübsale, durch besondere Eindrücke göttlicher Wahrheiten, welche wie ein erleuchtender Blig durch die von der Sünde verfinsterte Seele fahren, und dem Sünder den Abgrund seines Elends, in welchen er sich so forglos hinabgestürzt, plötzlich sichtbar machen. Schrecken, Furcht und Angst überfallen ihn, und ein unwiderstehlicher Trieb, die rettende Hand Gottes, die sich ihm anbietet, zu ergreifen, wird in ihm rege. Allein dieser Zustand ist noch nicht die Buße selbst. Der Mensch erkennt nur erst dunkel, daß er ein Sünder sei, fängt an, etwas empfindlicher und über seinen elenden Zustand unruhiger zu werden. Die Buße fordert eine lebhafte Verabscheuung der begangenen Sünden, mit einem kräftigen Verlangen, die Wirfungen der Sünde zu vernichten, und Gott für die angethane Beleidigung, nach der von ihm vorgeschriebenen Ordnung genug zu thun. 168 Diese Ordnung besteht in folgenden fünf Stücken: 1. In einer deutlichen Erkenntniß seiner Sünden. 2. In einer aufrichtigen und schmerzlichen Reue, sie begangen zu haben. 3. In einem festen Vorsatze, sie künftig nicht wieder zu begehen. 4. In einer demüthigen Beichte derselben 5. In der sakramentalischen Genugthuung für dieselbe. 1. Die Erkenntniß der Sünden fordert, daß man die Anzahl, die Größe und Abscheulichteit seiner Sünden deutlich einsehe. Die Anzahl, um zu wissen, wie oft, und wie lang man gesündiget habe; denn das vergrößert unsere Bosheit Die Größe und Abscheulichkeit, weil der Grad unserer Reue und unserer Genugthuung der Schwere unserer Vergehungen angemeſsen sein soll. Denn wiewohl alle Sünden wider Gott sind, so gibt es ihrer doch einige, welche die Gottheit unmittelbar angehen, in einer Empörung wider Gott, in einer Betrübniß des heiligen Geistes, in einer strafbaren Gleichgültigfeit gegen die so theure Erlösung Jesu Christi bestehen,- - Die Erkenntniß der Sünden. 169 oder die mit Vorsatz und Ueberlegung wider unsere deutliche Einsicht unter besondern erschwerenden Ulmständen, ausgeübt werden, und daher weit strafbarere Vergehungen sind, als die Sünde gegen uns selbst, oder unsere Mitmenschen, oder diejenigen, welche man aus Gebrechlichkeit und Leichtsinn begeht. Eine so vollständige Erkenntniß unserer Missethaten fann nur die Wirkung einer sorgfältigen Erforschung des Gewissens sein, wozu allerdings mehr gehört, als daß man mit einem flüchtigen Blick bloß diejenigen Sünden bemerke, welche in offenbaren Thaten bestehen, so daß es wohl nicht möglich ist, sie zu erkennen. Das heißt nicht, sich erforschen, sondern nur erkennen, was sich uns von ſelbst darstellt. Erforschen heißt, sein bisheriges Leben dergestalt prüfen, daß man es mit jedem Gebote Gottes, mit jeder unserer Pflichten vergleiche, und die Abweichung davon sowohl in Gedanken, als Worten und Werken, mit einer solchen Aufmerksamkeit untersuche, und mit einer solchen Redlichkeit sich gestehe, daß man aufrichtig glauben könne, keine Vergebung, so klein sie auch sei, aus Unachtsamkeit oder aus heuchlerischer Nachsicht gegen seine Fehler übergangen zu haben. Die meisten Menschen beichten darum mit einem sehr geringen Nußen, weil sie sich nicht die Mühe ehmen, ihr Gewissen gründlich genug zu erforschen. Eine sehr übel angebrachte Furcht, sich strafbar zu finden, als sie so obenhin vermuthen, verleitet sie zu einer dergestalt übereilten und parteiischen Selbstprüfung, daß sie niemals zur Erkenntniß ihres wahren Seelenzustandes gelangen können. Wenn du demnach dein Gewissen erforschest, so bleibe dir immer bewußt, daß du es in der Gegenwart eines allsehenden Gottes thust, dem alle deine, auch die geheimsten, und dir vielleicht selbst unbekannten Sünden aufge= deckt sind, und der dich deßwegen nicht weniger strafbar finden wird, als du wirklich bist; weil du nicht wissen willst, wie sehr du es seiest. Nicht bloß bei den Sünden der wirklichen That darfst du daher stehen bleiben, sondern auch diejenigen mußt du aufsuchen, die du etwa durch Unterlassung begangen haben könntest; oder die den wenigsten Menschen auffallen; weil es ihnen an einer voll Die Erkenntniß der Sünden. ständigen Kenntniß des ganzen Umfanges ihrer Pflichten mangelt. 3. B.: Ob du, anstatt mit Glaubenswahrheiten dich zu beschäftigen, fast alle deine Gedanken bloß auf weltliche Dinge gerichtet? 170 Ob du deinen Verstand mit den bösen Grundsätzen der Welt verunreiniget? Ob, und aus was für Ursachen du dich im Dienste Gottes lau bewiesen? Ob du deinen Glauben durch die Betrachtung des göttlichen Gesetzes gestärkt? Ob du nicht che Gelegenheit, deine Einsi in die Wahrheiten der Religion zu vermehren, vernachlässigt? Ob du ein weichliches, unmäßiges, und unbußfertiges Leben geführt? Ob du die Pracht, die Eitelkeit, die Ehre, die Größe, und die Hoheit der Welt zu sehr geliebet? Ob du gegen die Armen hart, und gegen deine Mitmenschen lieblos und undienstfertig gewesen? Ob du nicht manches Gute, bloß in der Absicht, Menschen zu gefallen, oder dir eiteln Ruhm zu erwerben, gethan? Ob du dich nicht stolz über deinen Nächsten erhoben? Ob du nicht im Beten, in der Gottseligkeit und in Rücksicht des Unterrichts, in den Pflichten deines Berufes und Standes, nachlässig gewesen? Ob du nicht wider die Vorsehung Gottes, und ihre Fügungen gemurret, oder gar an denselben gezweifelt? u. 1. w., wie unten der Beichtspiegel ausführlicher dir zeigen wird. Fürchte dich übrigens nicht davor, dein Sündenregister einmal recht zu übersehen, damit du es einst nicht in der Hölle, ohne Hoffnung der Begnadigung sehen mußt. Bilde dir auch nicht ein, deine Sünden erkannt zu haben, weil du gewohnt bist, zu sagen: Ich bin ein Sünder! Denn wo du dieß recht glaubst, so mußt du erzittern, und wo du bei diesem Gedanken nichts empfindest: so weißt du nicht, was es heiße: Gott beleidigen. Indessen wirst du bei aller deiner Aufrichtigkeit, dich gehörig zu erforschen, noch immer dieß wichtige Geschäft sehr mangelhaft verrich Reue und Leid. 171 ten, wofern du dir nicht Erleuchtung und Beistand hiezu von oben erbittest. Zu welcher Absicht du unten ein eigenes Gebet finden wirst. 2. Reue und Leid. Hast du nun deine Missethaten erkannt, so wird und muß die Reue, sie begangen zu haben, folgen. Die Reue ist eine innerliche Betrübniß über seine Sünden, mit einer lebhaften Verabscheuung derselben verbunden. Eine wahre Neue muß folgende Eigenschaften haben: 1. Die Verabscheuung des vorigen Lebens. 2. Liebe Gottes, als die Quelle aller Rechtfertigung. 3. Die Ablassung von der Slinde, und den wirklichen Vorsatz, sie nicht mehr zu begehen. 1. Es ist nicht genug, sein Leben zu ändern. und vom Bösen abzustehen: sondern man muß Gott auch überdieß seine Betrübniß durch den Schutz der Buße, und durch das Seufzen eines gedemüthigten und zerknirschten Herzens zu erkennen geben. Ist deine Reue nicht so beschaffen, so kann es daher kommen, weil du dir die Größe und Abscheulichkeit deiner Sünden nur schwach vorstellest, und von der Undankbarkeit, welcher du dich gegen deinen Gott schuldig gemacht, und die so anzusehen ist, als wenn ein Kind seinen Vater schlägt, da er doch dessen Wohlthäter ist, einen schlechten Begriff hast. Oder es kömmt daher, daß deine Seele nicht leicht anders, als durch sinnliche Gegenstände gerührt werden kann. Ist deine Neue nicht recht fühlbar, so wird fie wenig Kraft haben, den Leidenschaften zu widerstehen.- 2. Die Neue muß übernatürlich sein, das ist, einen Beweggrund, der bloß von Gott hergenommen ist, haben. Sie muß nämlich von der Liebe zu Gott, und vorzüglich) von ihr, und nicht blß von der Furcht vor der Strafe, oder von den natürlichen schädlichen Folgen der Sünde erzeugt werden. Aber nicht ein jeder Grad der Liebe Gottes ist hiezu hinlänglich. Es muß eine Liebe sein, welche macht, daß wir Gott dem Geschöpfe vorziehen, eine Liebe, welche Gott die Herrschaft über unser Herz wieder einräumt. Man muß Gott über alles lieben, um die Sünde, ihn nicht über alles geliebt zu haben, wieder gut zu machen. Ein fester Vorsatz. Es ist demnach ein ebenso gefährlicher als großer Irrthum, wenn man sich einbildet, sich zu Gott bekehrt zu haben, da man doch die Güter der Welt noch ebenso sehr als vorher liebt, noch ebenso darnach strebt, als vorher. Aus diesem Grunde muß eine wahre Reue noch 172 3. mit der Meidung der Sünde verbunden sein, das ist, es wird noch 3. Ein fester Borsak, - es koste auch, was es wolle, nicht mehr in die vorige Sünde zu fallen, dazu erfordert. So, wie dieser Vorsatz eine Wirfung der Liebe Gottes ist, so muß er auch thätig, und nicht ein bloßes Wollen oder Verlangen sein, und zu dem Ende gewisse Mittel gebrauchen. Es gibt allgemeine und besondere Mittel. Die Allgemeinen sind das Gebet ein ordentliches und bußfertiges Leben die Entfernung von der Welt das Lesen gottseliger Bücher- die Betrachtung der Wahrheiten der Religion- und vorzüglich eine sorgfältige Meidung der Gelegenheit zur vorigen Sünde. Die Besondern sind die Bußübungen, die den Ausschweifungen, in welche man gefallen ist, entgegenstehen. Der Geizige muß wohlthätig und freigebig werden. Der Wollüstige muß sein Fleisch kreuzigen, fasten und wachen. Der Stolze muß sich in der Demuth und Verläugnung seiner Eitelkeit üben. Der Rachgierige muß seine Feinde lieben und ihnen Gutes thun lernen. Der Zornige muß sich der Gelassenheit und Sanftmuth befleißen us. w. Denn Gott theilt seine Gnaden, die Sünde zu meiden, nur denen mit, die auf ihrer Seite auch diejenigen Mittel gebrauchen, die zu ihrer Bekehrung von ihnen selbst abhängen. Es anders machen, und seine Befehrung von Gott allein erwarten, heißt ihn versuchen. - 4. Die Beichte. Das Amt der Versöhnung ist den Priestern anvertraut; ihnen hat Jesus Christus die Gewalt, Sünden zu vergeben, mitgetheilt. Nehmet hin den heiligen Geist; denen ihr die Sünden nachlasset, denen sind sie nachgelassen, und denen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.( Joh. 20, 23.)- Die Beichte. 173 Die Beichte, oder das umständliche Bekenntniß der Sünden, ist folglich in dem neuen Testament ein wesentlicher Theil der Buße. Soll die Beichte gültig und nütlich sein, so muß fie folgende drei Eigenschaften haben: sie muß 1. demüthig, 2. vollständig und 3. wahr sein. 1. Ein Sünder, der vor dem Richterstuhl Gottes, um sich seiner Vergehungen anzuflagen, erscheint, der von Neue und Schmerz, von Verabscheuung seiner selbst, ganz durchdrungen sein soll; der da weiß oder wissen sollte, daß ein gedemüthigtes und zerknirschtes Herz die einzige Bedingung ſei, unter welcher ihm Gott Vergebung seiner Sünden verheißen hat, darf er ein Herz, das heimlichen Stolz nähret, das sich noch den geringsten Werth beilegt, uud, mit jenem heuchlerischen Pharisäer, sich für besser, als andere Menschen hält, mitbringen? Darf er seine Sünden auf eine Art vortragen, als wollte er sie verkleinern, entschuldigen oder gar rechtfertigen? oder darf er dem Beichtvater, seinem Richter, zu verstehen geben, daß er nicht so strafbar ſei, als es vielleicht scheinen könnte; daß er folglich eine gelinde Behandlung erwarte? Wisse! es gibt keinen größern Greuel in den Augen Gottes, als einen stolzen Büßer, und keine Heuchelei, welche die Gerechtigkeit Gottes mehr auffordert, als eben dieſe. Weh dir, wofern du dich derselben schuldig machest! Beichte vielmehr mit der innigsten Selbstverläugnung, ohne die mindeste Schonung deiner Eitelkeit, und ohne dich von einer unzeitigen Scham, welche das sicherste Merkmal eines stolzen und weltlich gesinnten Herzens ist, zur Bemäntlung oder Verminderung deiner Sünden verleiten zu lassen. Es ist eine sehr falsche Scham, wenn man sich schämt, dasjenige zu bekennen, was man sich nicht geschämt hat, zu begehen. Fleh' in tiefster Erniedrigung des Geistes um deine Lossprechung, und ergib dich ohne den mindesten Vorbehalt, wie ein überführter Missethäter, deinem Richter auf Gnade und Ungnade. 2. Ein vollständiges Bekenntniß der Sünden( wenn man nämlich eine, oder mehr Todsünden wissentlich verschweigt) kann schlechterdings keine Vergebung nach sich ziehen, sondern macht, daß der falsche Büßer mit mehr Sün Die Beichte. den aus dem Beichtstuhle herausgeht, als er hineingegangen. Kann es ihm wahrer Ernst sein, sich zu Gott zu bekehren, und seine sündhaften Neigungen zu bekämpfen, da er sich nicht so viel Gewalt anthun fann, wenigstens alle seine Todsünden zu bekennen? Einige Sünden den Schlüsseln der Kirche unterwerfen, und die Nachlassung derselben zu erhalten, und einige nicht unterlassen wollen, heißt das nicht für möglich halten, daß man Gottes Freund und Feind zugleich sein könne? heißt das nicht der Allwiffenheit Gottes spotten? und, statt seiner Barmherzigkeit, seine Strafgerichte sich zuziehen? Wer seine Missethaten verhehlt, dem wird's nicht lingen. Wer sie aber bekennt, und davon absieht, der wird Barmherzigkeit erlangen. ( Sprichw. 28.) Du schämest dich, deine Sünden zu offenbaren? das sollst du: denn nichts ist so schändlich, als Gott verlassen, um der Sünde anzuhängen. Aber die Ueberwindung dieser Scham ist eine Strafe, die du dir mit zur Genugthuung für deine Sünden selbst auferlegen solltest.- Und welche Thorheit! du scheuest dich, deine Sünden demjenigen zu gestehen, der dich davon lefreien kann; und setzest dich der Gefahr aus, daß sie dir ewig nicht verziehen, und sammt dieser falschen Scham, in der Ewigkeit bekannt gemacht werden. Kann der Kranke genesen, der sich seinem Arzte zu entdecken scheut? 174Zur Vollständigkeit der Beichte gehört ferner, daß man auch die Umstände getreu angebe, welche die Art der Sünde verändern, und dazu dienen, die Größe der Sünden, und den wahren Zustand der Seele dem Beichtvater bekannt zu machen. Denn eine Sünde nicht ganz beichten, ist ebenſo viel, als verschweigen. Hüte dich demnach vor einer zu unbestimmten Anklage deiner Sünden; als z. B:„ Ich habe Gott nicht so sehr geliebt, als ich sollte. Ich habe nicht mit so viel Andacht gebetet, als ich sollte. Ich habe meinen Nächsten nicht so geliebt, wie Solcher Sünden hat sich auch der frömmste Mensch anzuklagen. Du mußt die nähern Umstände dieser deiner Sünden angeben, und etwa dich so ausdrücken: Ich bin im Dienst Gottes lau gewesen, indem ich nur selten, und überdieß mit freiwilliger sollte. — Die Genugthuung. 175 Zerstreuung und und unzüchtigen Gedanken gebetet habe. Ich bin hart und lieblos gegen meinen Nächsten gewesen, indem ich ihm in seiner Noth richt beistand, da ich konnte; oder ich that es aus Nachlässigkeit aus Verachtung gegen seine Person- nicht zc. 3. Man muß sich nur dessen anklagen, wessen man sich, seinem innern Gefühl und Bewußtsein nach, schuldig weiß. Von Vergehungen, an welchen man zweifelt, muß man zweifelhaft und von solchen, von denen man versichert ist, mit Gewißheit reden. Es ist eine übelverstandene Zartheit des Gewissens, wenn man sich solcher Sünden anklagt, von denen man nur dunkel muthmaßet, daß man sie vielleicht begangen habe. Das heißt, wider die Wahrheit handeln; und hier wirst du sicherer gehen, wenn du dich also anklagst, wie du es findest, das ist, wenn du ausdrücklich hinzufügest: ,, daß du für sicher nicht wüßteft, ob du diese Sünden begangen, gleichwohl dich derselben, falls du sie begangen hättest, angeflagt haben wollteft." - 5. Die Genugthuung ist eine Art von Ersatz, den der Sünder durch beschwerliche und demüthige Bußwerke Gott für die Beleidigungen, die er ihm angethan, leistet. Jede Sünde, sie sei klein oder groß, muß bestraft werden, und es muß sie entweder Gott, oder der Sünder selbst an sich bestrafen. Die Lossprechung des Priesters nimmt zwar die Schuld der Sünde, und die verdiente ewige Strafe hinweg; aber eine zeitliche Strafe muß gleichwohl noch gelitten sein, theils, um der Gerechtigfeit Gottes wenigstens in etwas genug zu thun, theils, um die bösen Begierlichkeiten zu schwächen, und die Uleberzeugung, daß die Sünde all mal üble Folgen nach sich ziehe, zu erhalten und zu stärken. Uederdieß ist es gerecht und zugleich heilsam, daß der Sünder sich durch Werke der Buße demüthige, weil er sich trotzig wider Gott empöret hat, und weil durch diese Demüthigung der Grund zu einer anhaltenden Gottseligkeit gelegt werden muß. Wer nicht so beschaffen ist, hat große Ursache, an seiner Buße zu zweifeln. Und doch geschieht dieß nur zu oft, indem viele Sünder sich den Bußwerken, die ihnen der Priester zur Genugthuung Die Genugthuung. auferlegt, nicht unterwerfen wollen, sondern nur leichte und gelinde Bußwerke verlangen, welche sie bei solchen Gesinnungen überdieß sehr nachlässig und obenhin verrichten. Wer die Größe einer einzigen Todsünde recht einfieht, der muß sich sogleich überzeugt fühlen, daß die strengsten und anhaltendsten Bußübungen immer noch keine hinlängliche Genugthuung für dieselbe ausmachen können, ja, daß sie an und für sich selbst nicht die allergeringste Genugthuung wirken könnten, wenn Jesus Christus nicht für unsere Sünden genug gethan hätte, und diese Genugthuung uns, in Nücksicht unserer eigenen Bußwerke, zugeeignet würde. 176 Lasset uns spricht der heilige Augustinus- die Barmherzigkeit Gottes anflehen, aber auch seine Gerechtigkeit betrachten. Es kömmt seiner Barmherzigkeit zu, dem Sünder zu vergeben, und seiner Gerechtigkeit, die Sünden zu bestrafen. Wir wollen also nicht glauben, er werde uns dergestalt Barmherzigkeit erzeigen, daß unsere Sünde ungestraft bliebe. Es müsse also jeder Sünder mit David sagen: Nein, Herr, meine Sünde wird nicht ungestraft bleiben. Ich kenne die Gerechtigkeit desjenigen, dessen Barmherzigkeit ich suche. Ich verlange und bitte nur deßwegen von der Strafe, womit du meine Sünden belegen wirst, frei zu sein, weil ich sie selbst an mir bestrafen will. Auch irren diejenigen gar sehr, welche, in Absehen auf die Genugthuung für ihre Sünden, schon alles gethan zu haben glauben, wenn sie die vom Beichtvater auferlegte Buße verrichten. Denn, wenn man erwägt, wie gelinde in diesem Stücke sich die Kirche bezeigt, so leuchtet jedem aufrichtigen Büßer von selbst ein, daß die Buße allein die schuldige Genugthuung noch nicht ausmachen könne, sondern allemal von Seiten des Sünders die Verbindlichkeit voraussetze, nebst derselben noch andere, seinem Stande, seinem Vermögen, seiner Gemüthsbeschaffenheit, seinem Hange zu gewissen Sünden, und überhaupt seinen Umständen entsprechende Bußwerke, sich aus eigenem Antrieb aufzuerlegen. Welches von dem Beichtvater, dem alle diese Umstände des Sünders meistens unbekannt sind, nicht geschehen kann. Dergleichen freiwillige Werke der Buße sind: lege dir eine freiwillige Einfamkeit auf. Besuche insgeheim schmachtende Urme oder Kranke, und tröste sie wenigstens, wenn du Schlußerinnerung. ihnen nicht helfen kannst. Unterwirf dich einer geordneten Lebensart. Bete oft in der Einsamkeit. Beschäftige dich mit Werken der Barmherzigkeit und Menschenliebe. Gib nach deinem Vermögen Almosen. Versage dir auch unsträfliche Belustigungen. Faste oder thu' dir wenigstens an Speise und Schlaf einen Abbruch. Schränke dich in der Pracht deiner häuslichen Einrichtung und Kleidung ein. Unterzieh dich den beschwerlichen Pflichten deines Standes und Ämtes mit einem frohen und willigen Herzen. Arbeite im Geiste der Buße. Ertrage andere Menschen und alle Widerwärtigkeiten des Lebens mit christlicher Sanftmuth und Standhaftigkeit. 177 Schlußerinnerung. Hättest du dich nun bei dem heil. Sakrament der Buße nach obiger Vorschrift verhalten, und wärest demungeachtet, aus menschlicher Gebrechlichkeit, abermals in deine vorigen Sünden gefallen, so mußt du zwar nicht verzagen, und deine Besserung, als eine unmögliche Sache, sogleich aufgeben, sondern, so bald als möglich, zum heiligen Sakrament der Buße zurückkehren; denn Gott verzeiht auch mehrmals. Besonders, wofern du das Unglück hättest, in eine Todsünde zu fallen, beichte so schleunig, als es sein kann. Die offenbare Gefahr deines Unterganges gestattet dir nicht den geringsten Aufschub. Willst du überhaupt mit Ernst an deinem Heile arbeiten, so beichte oft, wenigstens alle Monate; auch ist ein öfterer, würdiger Gebrauch der heiligen Sakramente das wirksamste Mittel wider den Rückfall. Aber hüte dich dabei, auf diese göttliche Barmherzigkeit zu sündigen und etwa zu denken: Ei! was ist es denn, wenn schon diese Sünde noch einmal, und wieder einmal begangen wird? kann ich sie doch auch wieder beichten. Nein, solchen Frevlern, die ein Sakrament, das Jesus Christus, als ein Mittel, die Sünde zu tilgen, seiner Kirche hinterlassen, zu einem Mittel, um so frecher zu sündigen, mißbrauchen, wird und kann Gott nicht gnädig sein. Dein Rückfall, bei einer solchen Art zu denken, wird schlechterdings zu einer unheilbaren Krankheit, theils, weil deine Buße aus Mangel eines thätigen Vorsages, und eines aufWege des Heils. 12 178 Gebet eines mit schweren Vergehungen zc. richtigen Abscheues gegen die Sünde, keine wahre ist, und folglich zu deiner Sinnesänderung nichts beizutragen ver mag; theils, weil es dir nicht um die Besserung deines Lebens, sondern nur um die Lossprechung von deinen so frech wiederholten Sünden zu thun ist. Welche letztere dir doch nichts nügen kann, da du die Bedingung, unter der sie dir ertheilt ward, nicht erfüllest. Solche Sünder werden überdieß vor der Gnade Gottes, die sie so freventlich versuchen, von dem heil. Geiste, den sie so oft betrüben, zuletzt gänzlich verlassen. Und dann, was kann anders folgen, als daß sie immer tiefer und tiefer fallen, und endlich ohne Rettung zu Grunde gehen? Um dieses schrecklichste aller Uebel von dir abzuwenden, mußt du dich aus allen Kräften bestreben, nach einem jedesmaligen Gebrauche des heiligen Sakramentes der Buße, wenigstens besser zu werden, wenn dich deine Gebrechlichkeit auch hindern sollte, aus einem großen Sünder auf einmal ein vollkommen gottseliger Christ zu werden. Gebet eines mit schweren Sergehungen beladenen Sünders, um eine würdige Borbereitung zum heiligen Sakrament der Buße. Gott! Herr!- Richter! darf ich, mit so vielen und schweren Sünden befleckt, es wagen, vor dein Angesicht zu treten, und aus der Tiefe meines Elends zu dir empor zu flehen?- Wie verabscheue ich mich selbst! wie sollt' ich den Augen des reinsten, des allerheiligsten Gottes nicht ein Gräuel und Abscheu sein? O nur zu gewiß bin ich es. Mein aufwachendes Gewissen, das mir ein ganzes Buch voll Sünden vorhält, klagt mich zu laut als einen der strafbarsten Verbrecher, als das undankbarste und verwerflichste Geschöpf an; und diese Scham, diese Neue, diese Furcht und Angst, die mich foltern, überzeugen mich zu fühlbar, daß ich, o Gerechter! Gebet eines mit schweren Vergehungen 2c. 179 mich zu einem Gegenstand deines Fluches gemacht habe, als daß ich den jammervollen Zustand meiner Seele mir selbst verbergen könnte. Ich empfinde, o, ich empfinde, wie übel, wie bitter es sei, dich, meinen Gott und Herrn, verlassen zu haben! Ich fühle die ganze Schwere meiner Strafbarkeit, die ganze Schwere deines Zornes, den ich durch meine Missethaten auf mich geladen; fühle, wie unaussprechlich elend mich die Sünde gemacht habe! Herr! thue deine Hand von mic, oder ich muß vergehen! Zwar leide ich nichts, als was ich, ich Thor! ich, der ärgste Feind meiner eigenen Wohlfahrt! mir selbst zugezogen, und wärest du, allgütigster Erbarmer! nur gerecht, du müßtest von mir, der ich schon so oft mit heuchlerischem Munde Besserung meines unbußfertigen Lebens angelobet, und iminer wieder auf's Neue gesündigt habe, dein Angesicht auf ewig von mir abwenden. Aber! wo ist ein solcher Gott wie du, der stets die Sünde vergibt, und die Missethat erläßt? der seinen Zorn nicht ewiglich behält? denn du bist barmherzig! Wo kann ich mich demnach in meinem Elend anders hinwenden, als zu dir, der du es allein lindern, und von mir hinwegnehmen kannst? Bist du nicht jener liebevolle Vater, der seinem in Buße zurück: kehrenden Sohne entgegen eilet, und uneingedenk seiner Vergehungen, ihn wieder zu Gnaden, und in sein Haus aufnimmt? Wie sich ein Vater erbarmet über seine Kinder, also erbarmest du dich über die, die dich fürchten. Du heilest diejenigen, die eines zerschlagenen Geistes sind, und verbindest ihre Wunden. Und wenn eure Sünden so sprichst 12* - 1 180 Gebet eines mit schweren Vergehungen zc. du, der Herr!- so roth wären, wie Scharlach: so sollen sie doch so weiß werden, wie Schnee. Denn du hast mit einem Eidschwure betheuert: Du wolleft. den Tod des Sünders nicht, sondern daß er sich befehre und lebe. Welche trostreiche Aufmunterungen, welche zärtliche Einladungen, zu dir, o du Gott der Erbarmung und Liebe! mit kindlicher Zuversicht, daß du mich nicht verstoßen wirst, zurückzukehren! Und ich sollte kalt und ungerührt dabei bleiben? follte noch zaghaft verweilen, oder gar auf den verzweifelnden Gedanken verfallen, daß meine Vergehungen viel leicht zu groß sind, als daß du sie mir vergeben könntest? Das wäre eine Beleidigung, die dir empfindlicher fallen müßte, als alle diejenigen, deren ich mich bisher schuldig gemacht habe. Nein! ich will Muth fassen; will aus meinem Sündenschlamm aufstehen, mich aufmachen, und zu dir meinem zwar äußerst beleidigten, aber nicht unverföhnlichen Vater zurückkehren, dir meine Missethaten alle aufrichtig bekennen, und so groß und zahlreich sie auch sind, Verzeihung hoffen. Ich vertraue auf deine Verheißungen, und bin im Glauben gewiß, eine innige Verabscheuung meiner Missethaten, eine zerknirschte Reue, dich, meinen lieb- und gütevollsten Gott, beleidigt zu haben, und ein ungeheuchelter, fester Vorsab, es künftig nicht mehr zu thun, werden mir dein, zum Vergeben so geneigtes Vater: herz wieder öffnen, und meine Sünden von mir hinwegnehmen. Aber diese Gemüthsverfassung, diese Verabscheuung, diese Reue, diese festen Entschließungen Gebet für einen Bußfertigen 2c. 181 hängen von mir allein nicht ab, der ich ohne deine Gnade, o mein Gott! nichts als sündigen kann. Verleih sie mir demnach, diese Gnade, in Kraft deiner unerschöpflichen Langmuth, und sich nicht auf den höchst unwürdigen Gebrauch, den ich bisher davon gemacht habe. Erwecke meine Seele, daß sie, im Gefühle ihres Elendes, mit einem gebeugten und zerschlagenen Herzen zu deinem Gnadenthrone fliehe. Zermalme dieses harte Herz und mache es fühlbar. Bewahre mich vor dem Unglücke, daß ich die unwiederbringliche Zeit der Gnade, die zu meiner Bekehrung bestimmt ist, im Schlummer der Sünde verträume. Dieser Tag ist eine Aufforderung an mich, aufzuwachen, und Buße zu thun. D, ich will dieser mir rufenden Stimme deiner Erbarmung folgen! Erleuchte, o du Gott des Lichtes und der Gnade! meinen Verstand, damit ich alle meine Missethaten erkenne; rühre mein Herz, damit ich fie verabscheue; löse meine Zunge von den Fesseln unzeitiger Scham, damit ich sie mit Aufrichtigkeit beichte, und stärke meinen Willen, damit ich sie künftig nicht wieder begehe. Amen. Gebet für einen Bußfertigen, der fich zwar keiner schweren Bergehungen, wohl aber mancher Schwachheitsfünde bewußt ist. Allerheiligster Gott! ich erscheine abermals vor deinem Angesicht, mit einem von Scham und Reue erfüllten Herzen über so manche Vergehungen, mit denen ich meinen Wandel auf's Neue befleckt habe. Zwar hat deine Gnade und der Beistand deines heiligen Geistes mich gegen die Versuchung zu vor Gebet für einen Bußfertigen 2c. säßlichen und schweren Verfündigungen aufrecht er halten, wofür ich auch deine Vatergüte mit dem inbrünstigsten Dank preise und anbete. Allein, wie viele Fehltritte der Uebereilung, des Leichtsinnes, der Trägheit, der Sorglosigkeit für die gänzliche Reinigung und Heilung meines Herzens, für die Bezähmung meiner noch unordentlichen Gemüthsbewegungen, für ein unausgesetztes Fortschreiten in der christlichen Vollkommenheit, rückt mir mein Gewissen vor! Vergehungen, die ich meinem Bersprechen gemäß, das ich dir so oft gethan, und noch bei meiner lehtern Aussöhnung mit dir so feierlich widerholt habe, mit der größten Sorgfalt hätte vermeiden sollen, auch können, wenn ich auf mich selbst wachsamer, auf die Gefahr zu fündigen, aufmerksamer, und gegen deine heiligen Einsprechungen gelehriger und folgsamer gewesen wäre. O Gott der Langmuth und Versöhnung! wie schäm' und scheu' ich mich bei diesem Gefühl meiner Straf würdigkeit, meine Augen zu dir aufzuheben, und deine Barmherzigkeit um Verzeihung meiner abermaligen Beleidigungen anzuflehen! So oft haft du mich schon begnadigt, so oft mit meinem verderbten fündhaften Herzen väterliche Nachsicht getragen: und noch bin ich in der Besserung meines Lebens nicht so weit gekommen, daß ich nicht Ursache hätte, mir einen sträflichen Mißbrauch deiner Langmuth vorzuwerfen. Und wenn du, o Gott der Gerechtigkeit! diesen Mißbrauch nach Gebühr ahnden wolltest, wie würde es um mich stehen?- Aber o Herr! du bist gütig und sanftmüthig, und von großer Erbarmung gegen alle, die dich anrufen; du 182 183 Gebet um die Erkenntniß seiner Sünden. verzeihest mehrmals, und verstoßest ein zerknirschtes und gedemüthigtes Herz zu feiner Zeit. Ich darf also meine Stimme zu dir erheben, darf aus der Tiefe meiner Unwürdigkeit zu dir emporflehen, und nochmalige Verzeihung meiner Missethaten hoffen, wenn ich sie aufrichtig bekenne, aus ganzer Seele verabscheue, und den festen Entschluß, sie fünftig aus allen Kräften zu fliehen, faffe. Dieß bin ich in Bereitschaft zu thun; aber verleih, o mein Gott! mir auch deine Gnade dazu, ohne welche ich nicht fähig bin, nur einen guten Gedanken zu erzeugen, noch viel weniger würdige Buße zu üben. Komm mir, o Herr! mit deinem heiligen Geiste zu Hülfe, und erweiche mein Herz zu den Empfindungen der innigsten Reue, und des lebhaftesten Schmerzes darüber, daß ich dich, meinen Gott und Vater, beleidiget habe. Amen. Gebet um die Erkenntniß seiner Sünden. Deiliger Geist! du Grundquelle alles Lichtes und aller Erkenntniß. Geist der Wahrheit und der Liebe! habe Mitleid mit mir armen Sünder, der ich durch mich nicht fähig bin, meine Missethaten zu erkennen, viel weniger auf eine heilsame Art zu bereuen. Erleuchte mich, daß ich alles Böse, was ich seit meiner letzten Beicht gethan, und alles Gute, was ich unterlassen habe, der Zahl und der Schwere nach, einsehen möge. Reiß den Schleier der Bosheit und Heuchelei, wodurch eine lasterhafte Selbstliebe mich gegen meine Bergehungen blind zu machen gewohnt ist, von meinen Augen, und gestatte nicht, daß ich, bei der vorhabenden Erforschung meines Gebet um die Erkenntniß seiner Sünden. Gewissens, aus Leichtsinniger Unachtsamkeit, oder gar aus Mangel eines aufrichtigen Willens, mich nach aller Strenge zu untersuchen, etwas übergehe, wessen ich mich vor dir, du Allwissender! anzuklagen habe. Stelle meinem Gewissen alle meine Missethaten, auch jene unbekannten und unbereuten Sünden, welche die Angst meines Gewissens einst auf meinem Sterbebette verdoppeln könnten, mit eben der Deutlichkeit vor, mit welcher sie deinem allsehenden Auge aufgedeckt liegen. Und wenn ich sie alle, und nach ihrer ganzen Verabscheuungswürdigkeit erkannt habe: dann erweiche mein hartes Herz zu reuevollen, heißen Thränen der Buße, damit meine Seele von ihren Befleckungen wieder abgewaschen, und mit derjenigen Reinigkeit angethan werde, ohne welche du, o allerheiligster und reinster Geist! bei ihr nicht einkehren kannst. Amen. Hier erforsche dein Gewissen mit ernster Sammlung des Geistes, und hüte dich vor einer allzu ängstlichen Skrupolosität, welche dir diese Selbstprüfung zur Gewissensfolter machen könnte, eben so sehr, als vor einer leichtsinnigen Flüchtigkeit, welche der Wichtigkeit dieses Geschäftes wenig angemessen wäre. Ist dein Vorsatz, dich zu erkennen, nur so aufrichtig, wie er sein soll: so wird der göttliche Geist dich schon leiten, und das Uebrige vollbringen. Anderseits mußt du erwägen, daß eine gründliche Gewissenserforschung kein Wert von einigen Augenblicken jei. Wer dieß glaubt, hat Ursache zu zweifeln, ob er je sein Gewissen gebührend untersucht habe. Vor allen Dingen aber mußt du dein Gewissen über deine letzte Beicht erforschen, und zwar: Ob du in derselben nichts verschwiegen, oder mit Weglaffung erschwerender Umstände vorgetragen? Was? und aus was für Ursache? 184 Ob du ohne hinlängliche Neue, und ohne einen auf richtigen Vorsatz, dich zu bessern, gebeichtet? Sünden wider Gott. 185 Ob du mit der erforderlichen Geistessammlung und Andacht das heilige Abendmahl empfangen? Ob du die auferlegte Buße gehörig verrichtet? Ob du in die nämlichen Sünden zurückgefallen, weil du dir nicht die geringste Gewalt, sie zu meiden, angethan, oder die Gelegenheit zu sündigen nicht geflohen hast? und dergleichen. Sodann wird nachstehende Uebersicht der wichtigsten Vergehungen, die man zu diesem Endzwecke unter gewiffe Hauptrubriken gebracht hat, die Erforschung deines Gewissens zu erleichtern, dienen. Alle Sünden lassen sich am füglichsten in Sünden der Unterlassung, und in Sünden der wirklichen That eintheilen, und beide unter drei Hauptabtheilungen bringen. Die erste enthält die Sünden, welche auf eine unmittelbare Weise Gott angehen; in der zweiten stehen die Sünden wider den Nächsten, und in der dritten die Sünden wider uns selbst. 1. Sünden wider Gott find alle diejenigen Vergehungen, welche dem Glauben, der Hoffnung, der Liebe und der Religion entgegen sind. Wider diese vier Tugenden versündigt man sich durch Unterlassung, wenn man die Werke der Gottseligkeit, die fie gebieten, unterläßt. Man fündiget wider den Glauben, 1. wenn man den Unterricht in der Glaubenslehre verabsäumt, wohin auch gehört, wenn man an Sonn- und Feiertagen die Predigt, ohne ein dringendes Hinderniß, verabsäumt. 2. Wenn man an irgend einem ausgemachten Glaubensartikel zweifelt, diesen Zweifel bei sich nähret, und solchen bei einstchtigen Männern sich nicht auflösen läßt. 3. Wenn man von der Kirche angenommene Glaubenslehren verachtet, oder durch eigenmächtige Unterscheidungen und Ausnahmen zu entkräften sucht. 4. Wenn man sich seines Glaubens schämet, oder denselben zeitlicher Vortheile wegen verhehlt oder gar verläugnet.. Sünden wider die Hoffnung. 5. Wenn man einen Glaubensartikel, als z. B. das Fegfeuer, den Ablaß, die Verehrung und Anrufung der Heiligen 2c. oder die angenommenen Kirchen- Ceremonien bestreitet, oder lächerlich macht. 186 6. Wenn man fezzerische, oder Irrreligion lehrende Bücher liest, sie bei sich aufbewahrt, oder andern zum Lesen mittheilt. 7. Wenn man seinen Glauben in Gefahr setzt, indem man mit Ketern, oder Ungläubigen, oder Freidenkern einen zu vertrauten Umgang pflegt. 8. Wenn man um menschlicher Gunst willen, sich anstellt, als ob man zu ihrer Sekte gehörte, oder gleiche Meinung über die Religion mit ihnen hegte. Wider die Hoffnung. 1. Wenn man, in Rücksicht seines Seelenheiles, den Muth sinken läßt. 2. Wenn man an der Gnade Gottes, zur Uleberwindung seiner angewöhnten bösen Leidenschaften, verzweifelt. 3. Wenn man mit der Güte und Barmherzigkeit Gottes frevelt, und sich dadurch zu einer gefährlichen Sicherheit im Sündigen einschläfert, oder seine Bekehrung aufschiebt. 4. Wenn man in allen seinen Anliegen und Nöthen nicht vorzüglich auf die göttliche Vorsehung vertraut, sondern seine Hoffnung meistens auf Menschenhülfe gründet. 5. Wenn man den glücklichen Fortgang seiner Unternehmungen sowohl in zeitlichen Dingen, als im Geschäfte des Heils, nicht der mitwirkenden Gnade Gottes, sondern seiner eigenen Einsicht, Klugheit und Beslissenheit allein zuschreibt. Wider die Liebe Gottes, worauf das erste und größte Gebot abzielt, verfündigt man sich: 1. Wenn man gegen Gott auf eine höchst sträfliche Art gleichgültig ist. 2. Wenn man ihn beleidigen sieht, ohne darüber gerührt zu werden. 3. Wenn man ganze Tage, Wochen, Monate, und Jahre vorüber gehen läßt, ohne an Gott zu denken. Welches eigentlich das ist, was man Gottvergessenheit nennt. Sünden wider die Religion. 187 4. Wenn man ihn lästert, ihn der Ungerechtigkeit, der Härte, des Unvermögens beschuldigt, oder sonst mit seinen wesentlichen Eigenschaften streitende Unvollkommenheiten, als z. B. Gleichgültigkeit gegen die Tugend, Nachsicht gegen das Laster, Parteilichkeit in Austheilung seiner Gnaden, u. dgl. ihm zumuthet. 5. Wenn man mit seiner Regierung der Welt unzufrieden ist, wider die Fügungen seiner Vorsehung murrie, oder gar an derselben zweifelt. Welches die mittelbare Gotteslästerung genannt werden kann. 6. Wenn man von Gott und götttlichen Dingen ohne Ehrerbietung spricht, oder sein heiliges Wort zu muthwilligen Schmerzen mißbraucht. 7. Wenn man sich wider seine Gesetze empört, und diejelben als eigensinnige Einschränkungen unserer Freiheit ansieht. 8. Wenn man sein Leben, seine Gesundheit, sein zeitliches Glück, seine Ehre, das Wohl seiner Angehörigen mehr, als Gott liebt, indem man ihn lieber beleidigt, als an diesen zeitlichen Gütern einen Verlust leiden mag. Wider die Religion verfündigt man sich, indem man die Pflichten, die sie uns auferlegt, entweder gänzlich verabsäumet, oder nur obenhin erfüllt; oder indem man auch thut, was sie verbietet. Man fündigt demnach durch Unterlassung: 1. Wenn man im Dienste Gottes sich lau und nachlässig bezeugt, das Morgen- und Abendgebet unterläßt: was, wenn es eine beträchtliche Zeit hindurch geschieht, oder wenn man nicht wenigstens zu einer andern Zeit des Tages betet, allerdings für eine Todsünde anzusehen ist 2. Wenn man seine Morgen- und Abendandacht ohne Aufmerksamkeit, und mit freiwilliger Zerstreuung verrichtet. 3. Wenn man nicht vor und nach der Mahlzeit betet. 4. Wenn man nicht wenigstens einmal um die von der Kirche vorgeschriebene Zeit des Jahres beichtet; oder sich in den Gebrauche der heiligen Sakramente, ungeachtet man derselben, um dem Rückfall in die vorigen Sünden vorzubeugen, höchst nöthig hätte, saumselig erweist. 5. Wenn man diese heiligen Sakramente unwürdig empfängt. Sünden wider die Religion. 6. Wenn man die auferlegte Buße gar nicht, oder sehr mangelhaft verrichtet. 188 7. Wenn man an den Sonn- und Feiertagen knechtliche Arbeit treibt, oder, ohne ein dringendes Hinderniß, die heilige Messe oder Predigt verabsäumt. Wenn man nur einem Theil der erstern beiwohnt, oder während derselben sich einer freiwilligen Zerstreuung überläßt. Wenn man diesem allerheiligsten Opfer in unehrerbietigen Stellungen beiwohnt; dabei lacht, scherzt, plaudert, herumschaut; welches des großen Nergernisses wegen, das dadurch gegeben wird, eine noch schwerere Sünde ist, als wenn man gar keine heilige Messe anhört. Alles dieses gilt von der Predigt ebenfalls. 8. Wenn man nicht erfüllt, was man Gott mittelst eines Gelübdes versprochen. 9. Wenn man, ohne vorher erhaltene Dispensation der Kirche, die gebotenen Fasttage und die Enthaltung von Fleischspeisen nicht beobachtet. Oder, wenn man eine solche Dispensation durch Vorwendung ungegründeter Ursachen erschleicht; oder, wenn man diese Gebote der Kirche nach seiner Willkür ausdeutet, und sie bloß nach seinem Gutbefinden befolgt. Sünden der wirklichen That wider die Religion sind: 1. Eidschwüre bei Gott, bei seiner Treue, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit zc., ohne dringende Nothwendigkeit, oder zur Betheuerung der Unwahrheit; furz, wenn man leichtsinnig oder falsch schwöret. 2. Hier gehören auch die Eidschwüre bei seiner Seele, bei seiner Seligkeit, bei den heiligen Sakramenten 2c. 3. Alle Teufelsbannerei, jeder Aberglaube, und jede Art von Gottesdienst, welche dem Geiste und den Vorschriften der Kirche zuwider ist, als da sind Gesundmachungen durch gewisse Worte oder Handlungen, die an und für sich nicht die geringste Kraft zu diesem Endzweck haben. Der Gebrauch eben dieser Mittel, um ein gewisses Uebel zu verhindern, oder etwas Gutes hervorzubringen, z. B. um bei einem Diebstahl den Thäter zu entdecken; um das Zukünftige zu erforschen. Oder wenn man Wahrsagereien betrügerischer Menschen, an Träume, an gewisse abergläubische Vorbedeutungen glaubt, u. dergl. Sünden wider den Nächsten. 189 4. Alle Verunehrungen heiliger Dinge, der Gotteshäuser, der heiligen Schrift, der Reliquien, und alles dessen, was zum Gottesdienst gehört, und was die Kirche durch ihr Gebet gesegnet und geweihet hat. Hieher gehört die Verunehrung geheiligter Personen, der heiligen Sakramente, wenn man die letztern in einer Todsünde, oder wider die Gesetze der Kirche empfängt. 5. Die Uebertretung aller Gott gemachten Gelübde, es sei dadurch, daß man sie mit bloßen, dagegen streitenden Begierden, oder durch wirkliche Thaten verläßt. 2. Sünden wider den Nächsten sind solche Bedingungen desselben, die entweder mit der ihm schuldigen Liebe oder Gerechtigkeit streiten. Wider die ihm schuldige Liebe verfündigt man sich: 1. Wenn man ihn gering schätzet, verachtet, hajset, beneidet. 2. Wenn man ihm die geistliche oder leibliche Hülfe versagt, zu welcher uns die christliche Liebe verpflichtet. Die Verbindlichkeit ist von einem engern oder ausgebreitetern Umfang, je nachdem unsere zeitliche oder geistliche Vermögenheit größer oder geringer, und je nachdem das Bedürfniß unsers Nächsten mehr oder weniger dringend ist. 3. Wenn man freventlichen Argwohn wider ihn faßt; feine guten Handlungen verdächtig macht; ihn belügt, oder sonst hintergeht. 4. Wenn man Rache wider ihn im Schilde führt, ihm nicht verzeihen will; ihm Uebels wünscht; sich über sein Unglück erfreut; ihm schädliche Rathschläge wissentlich ertheilt, seinen Schaden nicht verhütet, oder ihn, sofern man es kann, davo nicht warnet. Kurz hieher gehört die, aus Mangel der Menschenliebe, vernachlässigte Ausübung der sogenannten Werke der geistlichen und leiblichen Barmherzigkeit. Sünden wider die schuldige Gerechtigkeit. Wider die schuldige Gerechtigkeit verfündigt man sich an seinem Nächsten, wenn man ihm an seinem zeitlichen Vermögen, oder an seiner Gesundheit, oder an seiner Ehre, oder an seiner Seele, Schaden zufügt. Und diese Sünden können nicht anders nachgelassen werden, als wenn der zugefügte Schade, in so fern, und wo und sobald es möglich ist, wieder ersetzt wird. An dem zeitlichen Vermögen schadet man seinem Nächsten: 1. Wenn man ihn im Handel und Wandel, im Kauf und Verkauf, im Spiel zc. betrügt, oder ihn auf irgend eine Art, und worin es immer sei, übervortheilt, beeinträchtiget. Hieher gehören falsches Maß und Gewicht, Verfälschung der Waaren, die Unterschiebung einer Sache für die andere u. dergl. 2. Wenn man ihn bestiehlt, oder zu bestehlen andern anräth; an dem Diebstahle, wie immer Antheil nimmt, oder denselben verhehlt. 190 3. Wenn man Geld von ihm ausborgt, da man sich außer Stand weiß, oder nicht Willens ist, das Darlehen zurückzuzahlen; oder, wenn man Schuldforderungen abläugnet, abschwört, oder verfälscht. Das alles ist nicht minder ein wahrer Diebstahl. 4. Wenn man den versprochenen Zahlungstermin nicht einhält, oder mittlerweile durch ein verschwenderisches und üppiges Leben sich selbst außer Zahlungsstand setzt. 5. Wenn man ihn auf unerlaubte Zinsen Geld lehnt, oder sonst Wucher gegen ihn ausübt. 6. Wenn man ohne gerechte Ursache sein Versprechen oder sonstige Verträge und Kontrakte nicht erfüllt, oder deren Erfüllung sich erst durch Prozesse abnöthigen läßt. 7. Wenn man anvertrautes Gut abläugnet, oder wider den Willen des Eigenthümers, zu seinem eigenen Nutzen gebraucht. 8. Wenn man durch Schuld oder Nachlässigkeit zu einem beträchtlichen Schaden seines Nächsten Anlaß gibt 9. Wenn man ihm den schuldigen Liedlohn ungerechter Weise vorenthält, oder davon abbricht. 10. Wenn man aus Freundschaft, Feindschaft, Gunft, 191 Sünden an der Gesundheit des Nächsten. oder irgend eines Gewinnes wegen, ungerechte Urtheilssprüche, wodurch jemand an seinem Vermögen beeinträchtiget wird, ertheilt oder veranlasset. 11. Wenn man durch falsches Zeugniß das Recht eines Andern verletzt. 12. Wenn Eltern durch ein unwirthschaftliches, üppiges Leben ihre Kinder in Armuth und Dürftigkeit stürzen; oder Eheleute einander das Ihrige liederlicher Weise verthun. 13. Wenn man alle diese Ungerechtigkeiten, ungeachtet man es zu thun vermag, zu ersetzen nicht besorgt ist, oder nur zum Theil, und nicht nach dem ganzen verursachten Schaden ersetzt; oder, falls man das ungerechte Gut mit einem Andern getheilt hätte, nur seinen eigenen Antheil zurückstellt, da man doch das Ganze zu ersetzen verbunden war. Hier müssen Sachwalter, Richter, Vormünder, Handelsleute und überhaupt diejenigen, welche der Gefahr, dergleichen Ungerechtigkeiten zu begehen, am meisten ausgesetzt sind, sich mit aller Sorgfalt prüfen. Denn nur zu wahr ist, was die Schrift sagt: Wer nach Reichthum strebt, der wendet seine Augen ab, damit er seine Ungerechtigkeiten nicht sehe. Und leider! ist die Gewinnsucht, wodurch die Menschen zu derlei Sünden der Ungerechtigkeit verleitet werden, nur ein gewöhnliches, und unter allen Ständen herumschleichendes Laster. An der Gesundheit des Nächsten verfündigt man fich: 1. Wenn man ihn ungerechter Weise um das Leben bringt, oder an seinem Körper verstümmelt. 2. Wenn man ihn ohne Recht und Gebühr mit Schlägen mißhandelt; oder ihm sonst durch muthwillige Welches und ungerechte Kränkungen das Leben verbittert. als ein langsamer Todtschlag anzusehen ist. 3. Wenn man ihn über seine Kräfte zur Arbeit anstrengt. 4. Wenn man seinen Tod wünscht, oder auf was immer für eine Art befördert, oder sich darüber freut. 5. Wenn man ihm die benöthigte Nahrung, Unterhaltung und Pflegung, zu der man verpflichtet ist, versagt. Sünden an der Ehre seines Nächsten. 6. Verfündigen sich Mütter in diesem Stücke sehr schwer, wenn sie entweder mit Vorsatz, oder aus Unachtsamkeit, oder aus Hang zur Eitelkeit, zu Luftbarkeiten, ihrer Leibesfrucht Schaden zufügen. Nicht weniger 7. Aerzte und alle Diejenigen, deren Pflicht und Beruf es ist, für die Gesundheit ihrer Mitmenschen zu sorgen, machen sich dieser Sünde schuldig, wenn sie, aus Unwissenheit in ihrer Kunst, oder aus Saumseligkeit und Verwahrlosung, das ihnen anvertraute Leben Anderer in Gefahr setzen, oder leichtsinnig wagen. 192 An der Ehre seines Nächsten verfündigt man sich; 1. Wenn man ihn lächerlich macht; seine Schande ohne Noth aufdeckt; ihm verächtlich begegnet. 2. Wenn man ihn mit Lästerungen überhäuft, fälschlich verläumdet, oder seine Schwachheiten und Fehler in der Absicht, seinem guten Leumund zu schaden, kund macht. 3. Wenn man Schmähschriften, Pasquille auf ihn selbst verfertigt, oder dergleichen Andern mittheilt. 4. Wenn man seinen guten Namen lästern hört, und ihn nicht vertheidigt, ungeachtet man von seiner Unschuld überzeugt ift. 5. Wenn man seiner Ehre, seines Ruhmes wegen ihm neidig ist, oder ihn aus Ehrgeiz zu verdunkeln sucht. 6. Wenn man seinen guten Handlungen einen falschen Anstrich gibt, und Andere in der guten Meinung, die sie von ihm hegen, stört. 7. Wenn man Treulosigkeit wider ihn ausübt, oder ihm durch Falschheit und Verstellung Schaden zufügt. Diese Beleidigungen, so allgemein sie auch sind, können sehr schwer wieder gut gemacht werden; man hat sich deßwegen um so sorgfältiger davor zu hüten. An der Seele schadet man seinem Nächsten, welches der allerempfindlichste und unersetzlichste Schade ist: 1. Wenn man ihm Nergerniß, oder zum Bösen aufmunternde Beispiele gibt. 2. Wenn man seinen bösen Begierden und sündlichen Leidenschaften schmeichelt, fie begünstigt und stärkt. 3. Wenn man ein wahrer Teufel an ihm wird, und Sünden an der Ehre seines Nächsten. 193 ihn durch Verführung von dem Wege der Tugend ablenkt, und auf die breite Straße, welche zur Hölle führt, leitet. 4. Wenn man ihn in seiner Ueberzeugung von Gott, Religion und Pflicht stört, und seinen Verstand mit schädlichen Irrthümern ansteckt, oder davon nicht reiniget, sofern man kann. 5. Wenn man ihm zur Sünde Anschläge gibt, oder dabei Hülfe leistet. 6. Wenn man ihn in seiner Unwissenheit über geistliche, religiöse Dinge stecken läßt, ungeachtet man ihn herauszuziehen vermögend ist. 7. Wenn man die Pflicht hat, ihn gründlich zu unterrichten, und diesen Unterricht entweder gänzlich vernachlässigt, oder nur obenhin beſorgt. 8. Wenn Eltern die Erziehung und den Unterricht ihrer Kinder verabsäumen, deren Bergehungen nicht ahnden, und dadurch die Schuld von dem ewigen Untergang ihrer Kinder auf sich laden. 9. Wenn man von Amtswegen verpflichtet, den Lastern der Menschen zu steuern, und es nicht thut. Hier haben weltliche Obrigkeiten, Hausväter und Hausmütter, Lehrer und Eltern sich sorgfältig zu erforschen, inwiefern sie ihren Berufspflichten, in Bezug auf ihre Untergebenen, nachgekommen oder nicht, und ernstlich zu erwägen, wie schrecklich es sei, eine verlorne Seele auf seinem Gewissen zu haben. Mit gleicher Sorgfalt haben sich alle Untergebene, Kinder, Dienstboten, Schüler und Lehrlinge, in Rücksicht ihrer Aufführung gegen ihre Vorgesetzten zu untersuchen. Sie werden vielleicht finden, daß sie schon lange in dem Stande einer unerkannten Sünde gelebt haben, indem sie ihnen mit Ungehorsam, Widerspenstigkeit, Verunglimpfung und Unfreundlichkeit begegnet, ihnen übel nachgeredet, sich wider sie empört, oder Andere zur Empörung verleitet, und überhaupt diejenigen mit dem sträflichsten Undank belohnt haben, von denen sie Leben, Unterricht, Schutz und Unterhaltung genoffe::. Wege des Heils. 13 Vergehungen wider den Staat. Zu den Sünden wider den Nächsten gehören auch die Vergehungen wider den Staat und das gemeine Beste seiner Mitbürger. 194 1. Wenn man der Landes- Majestät die Liebe und Verehrung, welche ihr, als Gottesbevollmächtigten gebührt, heimlich oder öffentlich versagt. 2. Menn man ihre Gesetze tadelt, oder sich gegen dieselben ungehorsam bezeigt; andere zu gleichem Ungehorsam, oder überhaupt zur Unzufriedenheit mit der Landesverwaltung, verleitet. 3. Wenn man gegen die Landes- Majestät, oder ihre rechtmäßigen Stellvertreter, Empörung und Meuterei anzettelt, oder wie immer begünstigt; oder da man Wissenschaft hievon hat, es nicht alsogleich anzeigt. 4. Wenn man die Geheimnisse des Staats denen, die sie nicht wissen sollen, entdeckt, ader auf was immer für eine Art an seinem Vaterlande, oder an seinen Mitbürgern zum Verräther wird. 5. Wenn man dem Feinde des Vaterlandes anhängt, oder ihm Mittel und Wege, dem Vaterlande zu schaden, an die Hand gibt. 6. Wenn man die auferlegten Abgaben verweigert; oder sich denselben durch List und Betrug entzieht; oder sich, sie zu entrichten, außer Stand setzt. 7. Wenn man, nach Beschaffenheit seiner Fähigkeit und Kräfte, dem Vaterlande zu dienen sich weigert, oder zu dessen Tiensten, und möglichkeit, und nach dem Maß seiner Talente sich fähig zu machen unterläßt, und dadurch ein unbrauchbares, todtes Glied des Staates wird. 8. Wenn man sich in öffentliche Aemter, ohne die erforderliche Geschicklichkett zu besitzen, einschleicht und Würdigere verdrängt. 9. Wenn man bei Verwaltung solcher Aemter mehr auf seinen eigenen, als auf den Vortheil eines Andern bedacht ist; Projekte und Vorschläge macht, welche das Wohl des Staates nur zum Titel, die Beförderung schändlicher Privatabsichten aber zum Endzweck haben. 10 Wenn man mit sträflicher Unwissenheit, oder mit Vorsatz solche Rathschläge ertheilt, die dem gemeinen Besten schädlich sind. Die Sünden wider uns selbst. 195 11. Wenn man das Wohl des Staates nach Pflicht und Vermögen zu befördern, verabsäumet, oder von Andern getroffene heilsame Anstalten, aus Eifersucht und Feindschaft nicht unterstützt, oder gar vereitelt. 12. Wenn man zur Ausführung dem Staate nachtheiliger Anschläge, aus schnöder Menschengunst, oder sonstigem Eigennut, die Hand bietet. 13. Wenn man sein Vermögen, worüber der Staat das Obereigenthum hat, liederlicher Weise verschwendet, oder verheimlichet, z. B. bei Erbschafts- Angelegenheiten. 3. Die Sünden wider uns selbst find diejenigen Vergehungen, welche unter die bekannten sieben Todsünden gehören. Man sündiget nämlich durch Hoffart. 1. Wenn man sich einen zu großen Werth beilegt; fich für tugendhafter, einsehender und besser als Andere hält. 2. Wenn man mit unmäßiger Begierde nach Ehre strebt, dieselbe höher als sein Seelenheil schätzt, bei allen oder den meisten Handlungen, bloß oder vorzüglich Ehre, Menschenlob zum Endzwecke hat. 3. Wenn man eitles Wohlgefallen an sich selbst hat, Andere verachtet, und ihren guten Eigenschaften und Verdiensten nicht Gerechtigkeit widerfahren läßt. 4. Wenn man durch einen angenommenen Schein von Tugend, Frömmigkeit und Rechtschaffenheit Andere zu hintergehen sucht, das ist, wenn man Gleißnerei und Heuchelei treibt. 5. Wenn man von seinen guten Handlungen und vorzüglichen Verdiensten mit Ruhmredigkeit spricht zc. Durch Geiz. 1. Wenn man sein meistes Bestreben, seine vorzüglichste Sorge auf die Erwerbung zeitlicher Güter richtet, und zwar bloß in der Absicht, um sie zu besitzen, und an deren Besitze sich zu ergößen. 13* 196 Sünden durch Geiz und Neid. 2. Wenn man, aus dem Grunde dieser Habsucht den Nothleidenden sein Herz verschließt; ihnen, nach dem Maße seines Vermögens nicht beisteht, sie mit Härte und Scheltworten abweist. 3. Wenn man seinen Angehörigen, seinen Gatten und Kindern den nothdürftigen Unterhalt versagt; sie hungern und frieren, und letztern, aus Karkheit, es an der pflichtschuldigen Erziehung und Unterweisung gebrechen läßt. 4. Wenn man sich mehr auf sein Geld als auf Gott verläßt, zu sehr der Zukunft wegen besorgt ist, und dabei nicht auf die göttliche Vorsehung vertraut. 5. Wenn man Wucher treibt, und durch was immer für unerlaubte Mittel bereichert. 6. Wenn man sein Geld zum Abgott macht und es mehr als Gott liebt. Rein Laster ist mit so vielen Nebensünden verbunden, und keines so schwer abzulegen, wie der Geiz. Geizige find zu jedem Laster bereit, wenn sie dabei gewinnen können; und sehr selten bekehrt sich deren einer, weil sie tausenderlei Ausflüchte haben, ihren Geiz zu bemänteln, und ihm einen Anstrich von Sparsamkeit, Haushältigkeit, Mäßigkeit, kluger Vorsicht auf die Zukunft u. dgl. zu geben wissen. Wodurch sie ihr Laster auf eine tückische Art sich bst dergestalt verhehlen, daß sie sich für nichts weniger als für geizig halten, und daher in einer steten Unbußfertigkeit leben, auch wohl bis an ihr unglückseliges Ende darin verharren. Schrecklich! Durch Neid. 1. Wenn man Andern ihr Glück, ihre Ehre, ihren Wohlstand, kurz ihre geistlichen und leiblichen Güter nicht gönnt, und einen heimlichen Verdruß darüber empfindet. 2. Wenn man sich kränkt, etwas nicht zu besitzen, was Andere besitzen. 3. Wenn man mit nagender Eifersucht nach fremdem Gut strebt, und es überhaupt verlangt. 4. Wenn man Andern den Verlust derjenigen Güter, um die man sie beneidet, wünscht, oder diesen Verlust mittelbar oder unmittelbar befördert. Sünden durch Unteuschheit. 197 Durch Unkenschheit. 1. Wenn man unreinen Gedanken wissentlich und mit Wohlgefallen nachhängt. Man muß hinzufügen, ob diese Gedanken unordentliche Begierden, oder gar wirkliche Thaten nach sich gezogen. 2. Wenn man unzüchtige Reden führt, oder solche mit Vergnügen anhört. 3. Wenn man ausgelassene Lieder singt, oder mit Wohlgefallen singen hört. 4. Wenn man unfläthige Gemälde und Bildsäulen, aus Antrieb der Sinnlichkeit, mit Wohlgefallen betrachtet; solche bei sich aufbewahrt; Andern vorzeigt. 5. Wenn man unzüchtige Bücher liest, oder Andern mittheilt. Diese Sünden können nicht eher verziehen werden, als bis man dergleichen Bildnisse und Bücher, falls man sie selbst befäße, vernichtet und gänzlich vertilgt. Die bloße Beiseiteschaffung ist wegen der Gefahr, Andern ähnliches Aergerniß zu geben, nicht hinlänglich. 6. Wenn man lebende, zu unerlaubten Begierden reizende Gegenstände mit wissentlicher und anhaltender Aufmerksamkeit betrachtet; oder einer sündlichen Begierde nach dem Genusse derselben Raum gibt. 7. Wenn man sich unehrbar und frech kleidet, und dadurch Andere der Gefahr zu fündigen aussetzt, oder wohl gar die Absicht hat, zur Sünde zu reizen. 8. Wenn man sich, oder an andern Personen unerlaubte, und wider das sechste Gebot laufende Freiheiten herausnimmt, oder gestattet. Hier muß der Beichtende nicht nur seinen Stand, ob er geistlich oder weltlich, verehelicht oder ledig, oder mit irgend einem Gelübde der Keuschheit, oder sonstigen Versprechen der Treue beladen sei, sondern auch das Geschlecht und den Stand der ihm in der Sünde befangenen Person, angeben; ob nämlich geistlich oder weltlich, verheiratet oder ledig, oder mit ihm durch Blutsfreundschaft, und wie nahe verwandt sei; nicht minder, ob er hiebei eine noch unschuldige Person zur ersten Sünde verführt habe. Man kann übrigens in diesem Stücke, um der Unschuld 198 Sünden durch Völlerei und Sinnlichkeit. zu schonen, nicht umständlicher sein, und sieht sich daher genöthigt, den Büßenden, in Rücksicht seiner etwa habenden Zweifel und Bedenklichkeiten, an den Beichtvater selbst zu verweisen. Nur das will man noch erinnern, daß der Beichtende darauf zu sehen habe, wie er sich mit der möglichsten Sittsamkeit und Schamhaftigkeit ausdrücken möge, und daß er unter einer Todsünde verbunden sei, die zur Sache gehörigen Fragen des Beichtvaters mit Wahrhaftigkeit zu beantworten. Nicht minder soll er hinzufügen, ob und was er sich für Mühe gegeben habe, diesem Lafter, falls er besonders dazu geneigt wäre, zu widerstehen. Auch müssen Verehelichte nicht glauben, daß ihnen alles erlaubt sei, sondern vielmehr der Ermahnung sich erinnern, die ihnen Baulus gibt, in dem Ehestande anders zu leben, als die Heiden. Sie mögen ferner untersuchen, ob nicht etwa ein Mißtrauen auf die göttliche Vorsehung sie zu einer Sünde wider den vornehmsten Endzweck des Ehestandes. verleitet habe. Durch Völlerei und Sinnlichkeit. 1. Wenn man im Essen und Trinken die Grenzen der Mäßigkeit überschreitet, sich volltrinkt und aus Lüsternheit und Schwelgerei mehr ißt, als die Erhaltung des Lebens fordert. 2. Wenn man durch Schwelgerei sich wirklich Krankheiten zuzieht. Welcher Umstand die Sünde vergrößert. 3. Wenn man ein weichliches und müßiges Leben führt, sich den Ergöglichkeiten der Sinne und anderen Luftbarkeiten dergestalt unmäßig überläßt, daß man zu vernünftigen Geschäften untauglich wird, oder seine Berufspflichten darüber vernachläßigt, und seinen Geist nie oder selten auf die Angelegenheiten des Heiles zu richten aufgelegt ist. 4. Wenn man auf dergleichen Ueppigkeiten zu viel Zeit, oder zu viel von seinem Vermögen verschwendet, und durch das Letztere sich außer Stand setzt, sein Vermögen zu den Absichten, wozu Gott uns solches anvertraut hat, anzuwenden. Sünden durch Zorn und Trägheit. 199 Durch Zorn. 1. Wenn man sich von Verdruß und Ungeduld dergestalt einnehmen läßt, daß man darüber den Gebrauch seiner Vernunft verliert, in Schelt- und Schimpfworte, in Verwünschungen und Schmähungen ausbricht, und seiner Wuth nicht mehr Meister ist. 2. Wenn man in seinem Zorn verharret, und unversöhnlich bleibt, oder zur Versöhnung nichts beitragen will. 3. Alle Beleidigungen, alles Unrecht und alles Ueble, wozu der Mensch von seinem Zorn verleitet wird, gehören hieher. Der Zorn kann also zu keiner Entschuldigung dienen, weil er schon an sich selbst ein Laster ist. Aus welchem Grunde alles Böse, was man im zorne thut, mit Recht zur Schuld angerechnet wird. Durch Trägheit. 1. Wenn man sich im Gebrauche der heiligen Sakramente nachlässig erweist. 2. Das Gebet, die Abtödtung seiner Sinnlichkeit und seiner bösen Leidenschaften vernachlässigt. 3. Wenn man sich in Befolgung seiner Berufspflichten, und in der Bestellung seiner zeitlichen Obliegenheiten saumselig bezeigt. 4. Wenn man die edle Zeit zum Müßiggang und in Unthätigkeit hinbringt; die Arbeit scheuet; seine Geistesfähigkeiten nicht ausbildet, sondern vergräbt zc. Kinder, Dienstboten und andere Antergebene haben sich insbesondere zu erforschen: 1. ob sie ihren Eltern, Herren und Vorgesetzten ungehorsam gewesen, oder ihre Befehle mit Widerwillen befolgt, oder aus Widerspenstigkeit übertreten, 2. ob sie dieselben gehaßt, ihnen den Tod oder sonst Uebles gewünscht, 3. ob sie gar Hand an sie zu legen sich erfrecht, 4. ob sie ihren guten Ermahnungen und Züchtigungen widerstanden, 5. ob sie dieselben vorsätzlich zum Born gereizt, Väter, Mütter und andere Obrigkeiten. 6. ob sie ihnen die schuldige Ehrerbietung verweigert, 7. ob sie ihnen in der Noth beizustehen unterlassen, 8. oder sich sonst undankbar gegen dieselben erwiesen, 9. ob sie den letzten Willen ihrer Eltern oder Herren zu vollziehen unterlassen haben. 200 Väter, Mütter und andere Obrigkeiten. 1. Ob sie eines ihrer Kinder gehasset, oder den übrigen aus ungerechter Vorliebe nachgesetzt, 2. ob sie ihre Kinder zu Ergreifung eines Standes, wider ihren wahren Beruf, oder zu einer Heirat wider Willen gezwungen, 3. ob sie dieselben übel gehalten, oder deren Erziehung und Unterricht aus sträflicher Sorglosigkeit verabsäumet, 4. ob sie nicht die Sorge für deren gegenwärtige und fünftige Unterhaltung außer Augen geſetzt, 5. ob sie dieselben zu bösen Thaten angehalten, oder solche ungestraft nachgesehen, oder ihnen sonst üble Beispiele gegeben, 6. ob sie ihnen Zeit zur Verrichtung ihrer gottesdienstlichen Pflichten gelassen, 7. ob sie in Krankheit für deren Pflege hinlänglich geſorgt haben. Eheleute. 1. Ob sie einander untreu gewesen, oder es an wechselseitiger Liebe und Unterstützung haben gebrechen lassen, 2. ob sie sich eigenmächtig, und ohne hiezu von ihrer geistlichen Obrigkeit befugt zu sein, von einander abgesondert, 3. ob fie einander durch ungegründete Eifersucht gefränkt, 4. ob sie Haß und Zwietracht gegen einander, zum größten ergerniß ihrer Kinder, unterhalten, 5. ob sie Eines das Andere durch Unwirthschaftlichkeit in Dürftigkeit gestürzt haben, 6. ob das Weib ihrem Manne in billigen Dingen den schuldigen Gehorsam versagt; oder sich, wider das ausdrückliche Gebot Gottes, zum Herrn in der Haushaltung aufgeworfen, Reue und Leid. 7. ob der Mann seine Frau mit Verunglimpfung, Härte oder Eigensinn, oder gar mit Schlägen mißhandelt habe. 201 Hast du nun dein Gewissen erforscht, und die Gattung, Zahl und Schwere deiner Missethaten erkannt: so erwecke hierüber in folgendem Gebete Rene und Leid. Du hast, Allgütigster! meine Bergehungen mich erkennen lassen. Ich sehe sie vor mir, wie eben so viele Ankläger meiner Bosheit, meiner Undankbarfeit, ner Treulosigkeit. Ein Anblick, der meine Seele mit Schrecken und Selbstverabscheuung erfüllt; der mich in Verzweiflung stürzen würde, wärest du nicht ein Gott von unbegrenzter Liebe, ein Gott von Und unendlicher Erbarmung und Versöhnung. dich, einen solchen Gott, konnte ich beleidigen! mit eben den Missethaten wieder beleidigen, die du mir schon so oft verziehen, und ich nicht mehr zu begehen dir so oft angelobet habe! Ich konnte dich, meinen liebreichsten, wohlthätigsten Vater, von dem ich das Dasein, das Leben und Alles habe, was ich bin und besize, so frevelhaft erzürnen! deine Gebote, deren Befolgung allein mir eine wahre Glückseligkeit und Seelenruhe verschaffen konnte, verschafft hätte, fo frech übertreten! Und alles dieß warum? - der unseligen Thorheit! um nichts, um weniger als nichts um eines augenblicklichen Vergnügens willen, das schon im Genusse starb, aber anhaltend folternde Reue zurückließ;- um einer flüchtigen Wollust wegen, die mich zum vernunftlosen Thier herabwürdigte, und zum Gräuel in den Augen Gottes machte, dessen Ebenbild meiner Seele einge Reue und Beid. drückt war; um strafbare Begierden und unordent liche Gemüthsbewegungen zu befriedigen, die mich, für meine unsinnige Willfährigkeit, zum verworfensten aller Sklaven machten, und zum ewigen Verderben fortreißen würden, wenn du, o mein Gott! deine Gnade, die in den Schwachen stark ist, mir, wie ich es nur allzusehr verdient hätte, nun ent zögeſt. 202 - O mich Elenden! wie tief bin ich gefallen! Wie blind war ich gegen die Gefahr meiner eigenen Wohlfahrt! Wie gedankenlos eilte ich meinem Untergange zu!- Wie verabscheuungswürdig habe ich mich vor dir, o mein Gott! meinem Schöpfer, meinem obersten Herrn, meinem gütigsten Vater, gemacht, und mit welchem Frevel deine Strafgerech tigkeit wider mich gereizet! Meine Missethaten zeugen wider mich, und ich muß beschämt verstummen. Dein Zorn ergrimmt mit Recht über mich, und ich kann nichts, als an mein fündiges Herz schlagen, und mit dem reumüthigen Zöllner ausrufen: Herr, sei mir armen Sünder gnädig! - Laß dich, o meiu Gott! durch die Reue eines gedemüthigten, tiefgebeugten Geistes, und durch die bußfertigen Regungen eines zerknirschten Herzens besänftigen! Verzeih nochmals deinem, wiewohl unwürdigen und noch nicht gebesserten Kinde, und wirf, wie du verheißen hast, alle meine Sünden in die Tiefe des Meeres, daß du ihrer nicht mehr ge denkest. Ja, du Gott meines Heiles, und meine einzige Zuversicht! ich mißbillige, bereue und verabscheue meine Missethaten aus ganzer Seele, und zwar nicht darum, weil ich durch dieselben den Neue und Leid. 203 Himmel verscherzt, und die Strafen der Hölle mir zugezogen habe; sondern auch, und zwar am allermeiſten darum, weil ich dich, das unendlich vollkommenste, gütigste und liebenswürdigste Wesen, das ich über Alles hätte schätzen und lieben sollen, zu lieben tausend und tausend Ursachen hatte, abermals und so schwer beleidigt habe. O möchte meine Reue, möchte mein Schmerz meinen Vergebungen gleich kommen! Aber wie können sie das, da diese unendlich, und jene bloß Empfindungen eines höchst vollkommenen Geschöpfes sind? Erbarme dich meiner, o Gott! nach deiner großen Barmherzigkeit: und nach der Fülle deiner Erbarmungen tilge meine Missethaten! Wasche mich immer mehr und mehr von meiner Ungerechtigkeit: und reinige mich von meiner Sünde. Ich erkenne meine Uebertretungen! und meine Sünde ist allzeit vor mir. Dir allein hab' ich gefündigt, und habe Böses vor dir gethan;- aber ein zerknirschtes und gedemüthigtes Herz wirst du, o Gott! nicht verschmähen. Jesu! du vollkommenstes Beispiel der Buße! der du auch über meine Sünden einen so lebhaften Schmerz empfunden, flöße mir jene Betrübniß ein, welcher du dich auch um meinetwillen unterworfen hast. Erseße die Unvollkommenheit meiner Reue, und träufle in mein Herz nur einen einzigen Tropfen von dem Meere der Bitterfeit, von welchem deine Seele in jener feierlichen Nacht am Delberge durchdrungen war; und mache, daß ich über meine Sünden bis in meinen Tod betrübt sein möge. Amen. Vorsatz, die Sünde zu meiden. Borsak, die Sünde zu meiden. Freilich, freilich! hätt' ich eher tausendmal sterben, als dich, o mein Gott, beleidigen sollen! Nachdem ich aber boshaft genug war, dir, meinem Schöpfer! meinem Vater! die Sünde, das Hassenswertheste aller Dinge, vorzuziehen, und da das Vergangene nicht mehr in meiner Macht steht: so will ich wenigstens auf die Zukunft den festen Vorsatz faffen, dergestalt über mich zu wachen, daß ich, von deiner Gnade unterstützt, jede Sünde, vorzüglich diejenige, wozu ich so geneigt und so leicht zu verleiten bin, und alle Gelegenheit dazu sorgfältigst vevmeiden möge. Ja, ich verspreche dir, daß ich mich hiezu aller der Mittel, die mir die Religion und die Vernunft darbieten, und die dein Stellvertreter, der Beichtvater, mir an die Hand geben wird, eifrigst gebrauchen, und von nun an ein anderer Mensch zu werden, mich bestreben will. Ich nehme mir fest vor, würdige Früchte der Buße hervorzubringen; und indem ich dir hiemit Alles, was Jesus Chriftns zur Genugthuung für meine Sünden gelitten bat, aufopfere; so unterwerfe ich mich mit gänzlicher Selbstverläugnung allen den Strafen und Leiden, die du mir auferlegen wirst, um dadurch der Genugthuung meines Erlösers und der unendlichen Verdienste seines Leidens und Todes theilhaftig zu werden. Segne und stärke, o mein Gott, diese meine aufrichtigen Entschließungen! komm mir mit deiner Gnade, ohne welche ich nicht das Geringste zu deren Ausführung vermag, väterlich zu Hülfe, und gib, der du das Wollen gegeben hast, auch das Vollbringen. Amen. 204 205 Gebet kurz vor der Beichte. Gebet kurz vor der Beichte. Ich gehe nun, o mein Gott! mich zu den Füßen deines Stellvertreters, des Priesters, meiner Misſethaten wegen anzuklagen. Ich erkenne in ihm meinen Richter und meinen Seelenarzt, und will mich daher Allem, was er mir entweder zur Genugthuung für meine Sünden, oder zu meiner künftigen Beſ serung auferlegen wird, mit gänzlicher Selbstver= läugnung unterwerfen und fügen. Wird er für gut finden, mir seine Lossprechung zu ertheilen: so bitt ich dich, o du Gott der Erbarmung! dieselbe im Himmel gleichfalls zu genehmigen und zu bestätigen. Damit ich, ausgeföhnt mit deiner Gerechtigkeit, fünftig den Weg deiner Gebote und meines Heiles mit standhaftem Eifer wandeln und einst zu denjenigen Büßern gehören möge, welche deine Barmherzigkeit im Himmel ewig loben und preisen werden. Amen. Heilige Jungfrau, Mutter Gottes, meine Fürsprecherin, du Zuflucht der Sünder! bitt für mich, damit die Beichte, die ich abzulegen im Begriffe bin, meine Missethaten nicht vermehre, sondern damit ich vielmehr durch dieselbe die Vergebung aller bisherigen Sünden, und für das Künftige die unentbehrliche Gnade, sie nicht mehr zu begehen, erhalten möge. Heiliger Schußengel! du treuer Gefährte meines Lebens! der du mit innigster Betrübniß ein Zeuge meiner Vergehungen gewesen, hilf, daß ich von meinem Falle wieder aufstehe, und in dem heiligen Sakrament der Buße die Gnade, künftig nicht mehr zu sündigen, erlange. Amen. Gebet im Beichtstuhle. Nähere dich nunmehr dem Beichtstuhl mit derjenigen Sammlung des Geistes, mit derjenigen Demuth und Sittsamkeit, mit welcher du es thun würdest, wenn Jesus Christus sichtbar und in Person an der Stelle des Priesters zugegen wäre, und du ihm selbst das Bekenntniß deiner Sünden ablegen solltest. Suche dich in den Empfindungen der Beschämung, der Reue und Strafwürdigkeit, mit welchen ein überführter Missethäter vor seinem Nichter erscheint, zu erhalten. Kann man sich wohl genug erniedrigen, wenn man die höchste Güte beleidigt, und die Hölle verdient hat, und deßwegen Verzeihung und Gnade fucht? 206 Sebet im Beichtsfuhle. Ich armer, fündhafter Mensch beichte und bekenne, Gott dem Allmächtigen, Mariä, seiner gebenedeiten. Mutter, allen lieben Heiligen uud euch Priester an Gottes Statt, daß ich von meiner letzten Beichte an, welche ich vor( hier werden die Wochen oder Monate seit der letzten Beicht angegeben) verrichtet, Gott, das höchste Gut, welches ich hätte über Alles lieben sollen, wieder durch folgende schwere Sünden beleidigt habe. Und zwar 2c. zc. - Hier folgt denn das Bekenntniß der Sünden, wie oben bereits angezeigt worden; nach dessen Vollendung erwecke nochmals Reue und Leid, sprechend: Diese und alle meine Sünden, bekannte und unbekannte, deren ich vor Gott schuldig bin, reuen mich von Herzen, weil ich dadurch Gott, mein höchstes Gut, beleidiget habe. Ich verspreche und gelobe, mein Leben ernstlich zu bessern, und eher tausendmal zu sterben, als Gott wieder vorsätzlich zu beleidigen. Bitte daher um die Lossprechung von meinen Sünden, und um eine heilsame Buße. Dankgebet für die erhaltene Lossprechung. 207 Höre sodann mit möglichster Aufmerksamkeit die Ermahnungen und Rathschläge des Beichtvaters an, und unterwirf dich mit Ehrerbietung der Buße, die er dir auferlegt. Sollten aber gewisse, dem Beichtvater nicht bekannte Umstände die Erfüllung dieser Buße unmöglich machen, oder allzu beschwerlich: so eröffne ihm solches mit Relichkeit und Bescheidenheit, und füge dich sodann, er mag auf der nämlichen Buße bestehen, oder sie in eine andere verwandeln, seiner Entscheidung mit unwidersprechendem Gehorsam. Wenn du wieder aus dem Beichtstuhle kömmst, ſo bleib eine Weile ganz in dich gekehrt, um die Empfindungen der Neue und der Verabscheuung deiner gebeichteten Sünden zu unterhalten, und deinen Vorsatz, fie künftig aus allen Kräften zu fliehen, noch mehr zu stärken. Auch sollst du hierüber die Ermahnungen und Lehren, welche der Beichtvater dir gegeben, um sie desto tiefer deinem Gedächtnisse einzuprägen, ernstlich nachdenken, und auf Mittel, sie schleunigst und genau zu befolgen, bedacht sein. Sodann sprich folgendes Dankgebet für die erhaltene Lossprechung. B ich! du bist uun wieder gesund! Sündige nicht mehr, damit dir nicht was Aergeres widerfahre. Herr Jesu Christe! diese Worte, die du zu dem Gichtbrüchigen sprachest, den deine Wunderkraft nach einer vieljährigen Krankheit geheilet hatte, gehen auch mich an, der ich durch den Priester in deinem Namen von meinen Sünden losgesprochen, und von den Gebrechen meiner Seele geheilet worden. Mit dem gerührtesten Herzen ertenne ich den ganzen unaussprechlichen Werth dieser 208 Dantgebet für die erhaltene 2ossprechung. Gnade, und will nie aufhören, dir zu danken und deine Barmherzigkeit, die du an mir großen Sünder geoffenbaret hast, zu preisen. Noch vor einigen Augenblicken war ich dein Feind, o mein Gott! war ein Gegenstand deines Mißfallens, und schwer lagen auf mir deine Strafgerichte: und nun der unaussprechlichen Liebe und Erbarmung!- hast du mich wieder zu Gnaden aufgenommen; hast mir Alles verziehen. Ich darf mich wieder dein Kind, darf dich wieder meinen Vater nennen. O welch' entzückende Freude! welch' unnennbare Seligkeit! Mein Herz ist trunken von der Süßigkeit deiner zurückkehrenden Gnade! Es wird wieder heiter in meiner Seele; ich lebe wieder auf; die ganze Natur verschönert sich um mich her, und voll von überschwänglichem Troste rufe ich aus: O mein Herr! und mein Gott! Lobe den Herrn, meine Seele! und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat; der dir alle deine Missethaten vergibt, und heilet alle deine Mühseligkeiten; der dein Leben vom Verderben errettet, und dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Danke dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. Wie?- wenn du, gerechter Gott! mich in meiner Unbußfertigkeit dahingerafft,-mich unvorbereitet beladen mit meinen Sünden und deinem Zorn, vor Gericht gefordert hättest? In welcher Gemüthszerrüttung würde ich meinen Geist aufgeben, und unter welcher Höllenangst mein Todesurtheil erwartet haben!- Aber du hast nicht nach meinen Sün- - Dankgebet für die erhaltene Lossprechung. 209 den mit mir gehandelt, sondern mir Zeit zur Buße und zu einer bessern Vorbereitung für die Ewigkeit geschenkt; hast nach deiner Gerechtigkeit mich nicht verworfen, sondern erhalten, um deine Barmherzigkeit an mir zu offenbaren. O, das kann nur ein Gott wie du, dessen Erbarmung eben so grenzenlos ist, wie sein Wesen. Der Herr ist gnädig und barmherzig, langmüthig und von großer Erbarmung. Er hat uns nicht gethan nach unsern Sünden; noch uns vergolten nach unsern Missethaten. O gütigster Jesu! mein einziger Mittler und Versöhner! du hast das Lösegeld jür meine Sünden hergegeben. Meine Wiederbegnadigung ist eine Wirkung des kostbaren Blutes, das du für mich vergossen hast. Deine heiligsten Wunden haben die Wunden meiner Seele geheilt, du bist das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt. Wie soll, wie kann ich dir für deine so große Liebe danken? wie deinen Ruhm auf Erden würdig verkündigen? Nimm hin mein zerknirschtes, und nunmehr, wie ich hoffe, entsündigtes Herz; nimm die schwachen Ausdrücke einer kindlichen Dankbarkeit gnädig an. Mit deiner Gnade will ich mich bestreben, künftig unbefleckt und heilig zu wandeln; in deiner Nachfolge geduldig zu leiden, und wenn du es über mich so verhängest die härtesten Schicksale mit stiller Gelassenheit, mit freudiger Ergebung in deinen Willen, und, zur Genugthuung für meine Sünden, mit dem Geiste der Buße zu tragen. Unablässig will ich dein bitteres Leiden vor Augen haben und betrachten, damit es eine aufrichtige Betrübniß über meine Missethaten in mir unterhalte, bei den Wege des Heils. 14 - 1 Erneuerung des Taufbundes. Vorwürfen meines Gewissens mich tröste, mich der Welt absterben, und nur dir, und meinem Heil zu leben, lehre. Amen. 210 Erneuerung des Taufbundes. Gott! da ich durch deine Gnade und in kraft des Sakramentes der Buße, zum geiſtlichen Leben nun wieder geboren worden, so lege ich das Gelübde, welches ich dir ehedem in der Taufe gethan, von Neuem ab. Ich entsage auf das Feierlichste dem Teufel und seiner Pracht, der Welt und allen ihren Reizungen, der Hoffart, der Augenund der Fleischeslust, und erneucre den Bund mit dir, mich ewig zu deinem Opfer und Eigenthum hinzugeben. Ich fasse den festen Entschluß, dessen Aufrichtigkeit dir, o Herzenskundiger! bekannt iſt, dich als das letzte Ziel meines Daseins, meiner Bestimmung, meiner Begierden und Wünsche, stets vor Augen und in meinem Herzen zu haben; dich als meinen gütigsten Vater zu lieben, als meinen Oberherrn anzubeten und zu fürchten; auf dich als meinen und der ganzen Natur Erhalter zu hoffen und zu vertrauen, und in deiner Weisheit, Macht und Güte allein Trost und Hülfe zu suchen. Dein Wort soll mir über Alles heilig, dein Gesetz eine unverbrüchliche Lebensregel, dein Wille in allen Schicksalen, in allen sowohl glücklichen als widrigen Ereignissen des Lebens, mein Wille, und dein Beifall der erste und heißeste Wunsch meines Herzens V 盟 Erneuerung des Taufbundes. 211 sein. Alles, was ich bin und habe, sei dir, du Geber alles Guten! hiemit auf's Neue in deine Vaterhände überliefert. Mein Leib sei ewig eine Wohnung deines heiligen Geistes, meine Seele ein unbeflecktes Ebenbild deiner Vollkommenheiten, mein Verstand unablässig mit der Erforschung und Erkenntniß dieser Vollkommenheiten beschäftigt, und aller meiner Begierden und Gemüthsbewegungen vornehmster Gegenstand sei du, o du Gott meines Heils! Was ich nur immer Gutes thun werde, daran soll künftig fein niedriger Eigennut, oder irgend ein Verlangen nach Menschengunst oder Menschenlob Antheil haben: sondern es soll dir allein, der Verherrlichung deines Namens, dem Wohl meiner Mitmenschen, und der Ausbreitung der Religion und Tugend geheiliget sein.- Wider alles Böse, so ich in mir und außer mir finden werde, eifrigst zu kämpfen; Lastern und Unordnungen, wo ich deren antreffen werde, aus allen Kräften entgegen zu arbeiten; jedes Gute nach meinem Vermögen zu befördern, und der Tugend treue Anhänger zu verschaffen, darauf soll künftig mein vorzüglichstes Bestreben abzielen. O Jesu! du Urheber meines Heils! du einziger Mittler der Versöhnung zwischen Gott und der Sünde! daß ich Verzeihung meiner Missethaten erhalten habe! dieß hab' ich deiner unendlichen Genugthuung allein zu verdanken. Welch' ein Beweggrund, mich mit dir auf das Innigste zu verbinden, und der Wirkungen deines göttlichen Mittleramtes mich ferner würdig zu machen! Zu dieser Absicht errichte ich heute einen neuen Bund mit dir, und 14* 212 Gebet um die Gnade, dem Taufbund zc. gelobe dir feierlichst an, die Erinnerung, daß ich in der heiligen Taufe dich angezogen, und daß ich durch den Glauben an dich ein Kind Gottes und dein Erlöster geworden, immer in mir zu erhalten, da mit es mir nie an Aufmunterung, dich von ganzer Seele zu lieben, den Weg deiner Gebote muthig zu wandeln, deinem Beispiele treulich zu folgen, und auf dich meine ganze Hoffnung zu sehen, fehlen möge. Fest will ich mich an dich halten, und nichts, kein Unglück, keine Widerwärtigkeit, und am wenigsten die Sünde, soll mich von dir trennen. Erhalte mich in dieser engen Gemeinschaft mit dir, und er fülle auch an mir, o mein Jesu! deine Verheißung: Meine Schafe hören meine Stimme, und ich erkenne sie, und sie folgen mir nach. Ich gebe ihnen das ewige Leben; sie werden nimmermehr umkommen, und Niemand wird sie meinen Händen entreißen. Amen. Gebet um die Gnade, dem Taufbund getren zu bleiben. Ich habe nun, o mein Gott! dir von Neuem zugefagt, was ich in der heiligen Taufe so feierlich angelobet hatte. Ich überseh' und fühle die großen Verbindlichkeiten, welche das Christenthum mir auf erlegt, mit der gänzlichen Ueberzeugung, daß ich nicht zu deinem Volke gehören könne, ohne diesen Verbindlichkeiten nachzukommen. Aber nicht weniger fühle ich mein Unvermögen, diesem erneuerten Bunde getreu zu bleiben, wo du meine Schwäche nicht mit deiner Gnade unterstüßest. Du hast mich des unschätzbaren Vorzugs, ein Christ zu sein, gewür Gebet um die Gnade, dem Taufbund 2c. 213 diget: so gib denn nicht zu, daß dieser Vorzug mir zum Unglück gereiche, und bloß dazu diene, mich einem strengern Gerichte und einer schrecklichen Verdammniß zu unterwerfen. Ein Christ sein, heißt dein Kind, dein Auserwählter, ein Erlöster deines eingebornen Sohnes, und ein Mitglied seines Reiches, dessen Stiftung ihn so viele Arbeiten, so viel Blut gekostet hat, sein. Nun so verleih denn, o mein gütigster Vater! daß ich durch den Beistand deines heiligen Geistes, ein wahrer Christ werde, daß ich stets denke, rede und handle, wie es einem Christen zusteht, und dadurch zu jenen überglückseligen Menschen gehöre, denen du die Verheißung gethan haft: Ich will in ihnen wohnen, und in ihnen wandeln; ich will ihr Gott, und sie sollen mein Volk sein. Befestige durch die Empfindung deiner Liebe, durch den Trost deiner Gnade und Barmherzigkeit, den Bund zwischen dir und mir, und gestatte nicht, daß ich jemals wieder eidbrüchig an dir werde, mich von dir, meinem Gotte, meinem Erretter, meinem ewigen Heile, treulos entferne, und den Lockungen der Sünde in meinen Untergang folge. Wohne vielmehr stets in mir, damit ich deine Gebote, nach welchen ich einst gerichtet werden soll, unverbrüchlich halte, und der unaussprechlichen Belohnung theilhaft werde, welche du denen bestimmt hast, die ihren Taufbund treulich bewahrt, und die Pflichten des Christenthums standhaft erfüllt haben. Für diesen Beweis deiner väterlichen Güte will ich nie aufhören, dich zu preisen, will nie etwas höher schätzen, nach nichts so sehnlich verlangen, als nach dieser vertrauten Gemeinschaft mit dir, meinem geliebten Vater. 214 Gebet um die Gnade, dem Taufbund 2c. Ach! welch eine Seligkeit, wenn mein Gott bei mir ist! welch' eine erhabene Würde, wenn mein Geist und mein Leib ein geheiligter Tempel des höchsten Wesens sind. Wer will mich verletzen, wenn mir der Allmächtige sogar nahe ist? Wer kann mich unterdrücken, wenn seine Hand mich hält? Du bist mein Schuh, o mein Gott! was hab' ich mehr zu fürchten? was hab' ich mehr zu wünschen? Ach, so wohne denn ewig in meiner Seele, du Gott des Friedens und der Liebe! mache mich deiner Gemeinschaft immer würdiger: entferne alle unreinen Bewegungen aus meinem Herzen; heilige mich ganz und gar zu deinem Eigenthum. Ich lasse dich nicht, es sei denn, daß du mich segnest. O mein göttlicher Erlöser! in die hab' ich den Frieden, den mir die Welt nicht geben konnte, gefunden; durch dich bin ich ein Kind meines Gottes, und mit ihm auf's Genaueste wieder vereinigt. O! so erhalte denn auch dieß Band, das du geknüpft hast, ewig unzertrennlich, und laß nicht zu, daß irgend eine Zeit, oder irgend ein Leiden, oder irgend gefährliche Reizungen der Welt und der Sinnlichfeit dasselbe wieder zerreißen. Für Gott ist mein unsterblicher Geist geschaffen, und ihn für Gott zu heiligen, hast du am Kreuze geblutet. So stärke mich demnach durch deine Gnade, daß das große Werk deiner Erlösung an mir nicht verloren gehe; daß ich dich in meinem Wandel ehre, dich von Herzen liebe, auf dich meine ganze Hoffnung gründe, und ewig mit dir und deinem himmlischen Vater vereinigt sei, gleichwie du mit ihm. Amen. Oihr guten und getreuen Diener Jesu Christik Gebet zur seligsten Jungfrau. 215 die ihr nun zum Lohne euerer Treue, mit welcher ihr dem Taufbunde und den Pflichten des Christenthums nachgekommen seid, mit Gott herrschet, und seine Verheißungen an euch erfüllen sehet, erinnert euch, vor dem Throne der Gottheit, eures Bruders, der euch in seinem Streite anruft. Unterstüzet mich durch eure Fürbitte, damit ich wie ihr, die Welt, das Fleisch, und den Teufel besiegen, und einst gleicher Seligkeit theilhaft werden möge. Amen. Gebet zur sefigsten Jungfran, um eine aufrichtige Bekehrung. Zu dir, o feligste Jungfrau! du Zuflucht der Sünder! wende ich mich nun mehr voll des Bertrauens auf deine allvermögende Fürbitte, so unwürdig ich derselben auch sein mag. Nur zu sehr bin ich überzeugt, daß ich durch dich Alles von Gott erhalten kann. Es ist nun Zeit, daß ich mit Ernst an meine Bekehrung denke, um meinem ewigen Untergange vorzubeugen. Die Menge und die Abscheulichkeit meiner Sünden: die unaussprechliche Geduld, mit welcher Gott, meiner so schweren Beleidigungen ungeachtet, mich ein Gefäß seines Zornes, bis jett ertragen hat, die Tage des Heils, die mir noch übrig sind: die innerlichen Bewegungen und Einsprechungen, die ich heute fühle, und die nichts anders als die laute Stimme des guten Hirtens find, der mich verirrtes Schaf liebreich aufsucht; alles dieß muß mich erinnern, daß, wenn ich durch eine aufrichtige Buße nicht jetzt zu meinem Gott zurückfehre, ich es später nicht mehr werde thun können, sondern dem Zorne, dem Gerichte Gottes unrettbar Gebet zur seligsten Jungfrau. unterliegen werde. Gleichwohl, o du Mutter meines Erlösers! widersetzt die Hölle sich meinem Heile, und wendet Alles an, mich zu hindern, daß ich der Güte Gottes nachgebe, und der eben so schimpflichen als gefährlichen Knechtschaft der Sünde, in der ich schon so lange gefeufzet habe, auf immer entsage. 216 O du Mutter der Barmherzigkeit! solltest du mir deinen Schutz zu einer Zeit, da ich dessen auf eine so dringende Art nöthig habe, versagen? Du vermagst bei Gott Alles, weil du seine Mutter bist; und wenn du mich, meiner Unwürdigkeit ungeachtet, doch zu deinem Kinde aufnimmst; so darf ich ja auch Alles von dir hoffen. O du zärtlichste, du wohlthätigste aller Mütter! erbitte mir bei deinem Sohne einen unüberwindlichen Abscheu gegen die Sünde, eine lebhafte Reue, fie begangen zu haben, einen festen und unwandelbaren Vorsatz, sie nicht mehr zu begehen, einen kräftigen Entschluß, alle Gelegenheiten hiezu zu fliehen, und mein fündhaftes Leben gänzlich zu verlassen. Erbitte mir ein thätiges, heißes Verlangen, meine Misjethaten durch eine wirksame Buße wieder gut zu machen, an Gottseligkeit täglich zuzunehmen, und die Wege meines Heils, trotz aller Hindernisse und Beschwerlichkeiten, standhaft zu wandeln. Wirst du mir diese meine Bitte gewähren, so verspreche ich, mein übriges Leben nach Gott, vorzüglich deinem Dienste, deiner Verehrung zu widmen, mich mit einem findlichen Vertrauen dir zu ergeben, und Alles anzuwenden, um deines mütterlichen Schuhes mich würdig zu machen. Erbitte mir endlich die Beharrlichkeit in diesen meinen Gesinnungen bis zu einem seligen Ende, damit ich Kommunion- Gebete. 217 einst dich loben und preisen möge ewig mit deinem Sohne, der da lebet und herrschet mit dem Vater und dem heiligen Geiste von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Hier kannst du die auferlegte Buße, falls sie im Beten bestünde, verrichten. Kommunion- Gebete. Wer mein Fleisch ist und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ibm. Joh. 6, 57. Wer unwürdig dieß Brod effen, oder den Kelch des Herrn trinken wird, der wird an dem Leibe und Blute des Herrn schuldig sein. 1. Cor. 11, 27. Vorerinnerung. ie christliche Religion hat keine wirksamern Mittel, uns zu heiligen, als die Sakramente. Sie sind die geheiligten Kanäle, mittelst derer die Gnade uns zufließt. Aber gleichwie unter den übrigen das hochheilige Sakrament des Altars das Größte und Erhabenste ist, weil es nicht nur die Gnade, sondern sogar die Urquelle und den Urheber der Gnade selbst in sich enthält: so ist auch nichts vermögender, das wichtige Geschäft unserer Heiligung zu befördern, als eben dieses Satrament. Jesus Christus setzte dasselbe unmittelbar vor seinem Tode ein, um dadurch seine unbegrenzte Liebe gegen das menschliche Geschlecht gleichsam zu frönen. Wie viele Wunderwerke gehören nicht dazu, um dieses unbegreifliche Geheimniß zu vollbringen! Der Nutzen den wir daraus schöpfen sollen, muß demnach von der allergrößten Wichtigkeit sein. Der Heiland hat ihn selbst angezeigt: Wer mein Fleisch isset, der wird für mich leben.- Das ist, der wird, nachdem er sich selbst verleugnet und sein Herz von allen Geschöpfen abgewendet haben wird, erfüllt von einer heiligen Verachtung gegen alle zeitliche 218 Vorerinnerung. Ehre, gegen alle schnöden Reichthümer und alle irdischen Vergnügungen, sich lediglich dem Dienste seines Gottes widmen; mit dessen Fleische genährt, nur durch seinen Geist leben, und täglich neue Kraft fühlen, die Feinde seines Heils zu überwinden und auf dem Wege zu seiner Vollkommenheit muthig fortzuschreiten. Gleich jenem heiligen Propheten, welcher, nachdem er durch den Engel des Herrn ein Brod zur Nahrung erhalten hatte, seine Kräfte auf einmal so gestärkt fühlte, daß er im Stande war, seiner vorigen Ermüdung ungeachtet, mit einer außerordentlichen Leichtigkeit und Geschwindigkeit seinen Lauf bis auf den Berg des Herrn, welcher das Ziel seiner Reiſe war, fortzusetzen. Das heilige Abendmal gibt nämlich der Seele durch die Mittheilung des heiligen Geistes, und durch die Vermehrung des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, neues Leben; es bewaffnet sie gegen die Versuchungen mit neuer Stärke; es tödtet die bösen Lüste und Begierden, und das von Adam angeerbte Verderbniß; es dient uns zur heilsamen Erinnerung unserer so theuern Erlösung und Versöhnung durch Christum, in welcher Erinnerung, wenn sie von Zeit zu Zeit auf eine so feierliche Art erneuert wird, der mächtigste Antrieb, unsere Seele zu schützen und zu retten, liegt. So äußerst wichtig indessen die Gnadenwirkungen dieser himmlischen Speise auch sind: so können sie doch nur denjenigen Christen, die solche würdig genießen, zu Theil werden. Was aber ein würdiger Genuß erfordere, lehret Paulus, wenn er spricht: Der Mensch prüfe sich selbst, und esse sodann von diesem Brode, und trinke von diesem Kelche. Prüfen kann hier nichts anders heißen, als mit ernster Sammlung des Gei stes seinen Seelenzustand, und die verborgensten Falten feines Gewissens, untersuchen, um zu sehen, ob nichts in uns sei, was uns einer so innigen Vereinigung mit uns serm Gott und Heiland unwürdig mache. Findet man sich einer, oder gar mehrerer Todsünden schuldig, so wäre es die schrecklichste Vermessenheit, sich diesem allerheiligsten Liebesmahl zu nähern, ohne sein Gewissen zuvor durch Buße und Vergebung gereinigt zu haben; denn dieß Saframent ist nicht für die Todten, sondern für die Lebenden. Und wie lassen sich Licht und Finsterniß, Christus und Vorerinnerung. 219 Belial, das Allerheiligste mit einem Herzen, worin die Sünde herrscht, vereinigen? Das heilige Abendmahl im Stande einer Todsünde genießen, heißt den ruchlosesten Gottesraub begehen. Es heißt nach dem Apostel Paulus, sich des Leibes und Blutes des Herrn, und eines Verbrechens schuldig machen, das von demjenigen, welches der verrätherische Judas an seinem Gott und Lehrmeister verübte, in nichts unterschieden ist. Es heißt, wie eben dieser Apostel hinzufügt, das Gericht und seine Verdammniß essen. Und gleichwohl o der unbegreiflichen Vermessenheit!- gibt es Christen, welche dieser schrecklichen Drohungen ungeachtet, sich einer so gräulichen Bosheit erfrechen. Hieher gehören diejenigen, welche aus der sträflichsten Verachtung Gottes und der Religion, sich dem heiligen Abendmahl nähern, ohne sich zuvor ihrer Todsünden angeklagt zu haben. Andere verbergen durch teuflische Heuchelei sich ihre Vergehungen vorsätzlich, und geben ihrem Heiland einen Kuß, welcher der Kuß eines Freundes scheint, und in der That der Kuß eines Verräthers ist. Andere bereden sich, dem Kirchengebote schon genug gethan zu haben, wenn sie, nachdem ihnen das ganze Jahr und die Faste selbst, unter sündhaften Gewohnheiten verstrich, um Ostern, ohne alle fernere Vorbereitung, außer einer unvollkommenen Beichte, das heilige Abendmahl empfangen, ohne daran zu denken, daß Jesus Christus, weil sie in keinem hochzeitlichen Kleide erscheinen, sie hinausstoßen und in einen finstern Kerker werfen werde. Noch Andere, wider das ausdrückliche Verbot des Heilands, welches uns den Zutritt zu seinem Altar verjagt, wenn wir uns nicht zuvor mit unsern Feinden ausgesöhnt haben, erscheinen bei dem heiligen Abendmahl, ohne nur daran gedacht zu haben, ihren heimlichen Groll über empfangene Beleidigungen zu unterdrücken; oder ohne zur Genugthuung für solche Beleidigungen, womit sie Andere gekränkt, nur das Mindeste gethan, oder das Aergerniß, das sie durch ihre Zwietracht und Feindschaft gegeben, im Geringsten gut gemacht zu haben. Andere endlich finden sich mit einer höchst unverschämten Dreistigkeit bei der Ausspendung des allerheiligsten Sakraments ein, ungeachtet ihre Hände von dem Blute 220 Vorerinnerung. ihrer Brüder, das sie ihnen durch himmelschreiende Ungerechtigkeiten ausgepreßt haben, träufeln. Mit Entsetzen sehen die Engel des Himmels diese falschen Büßer sich an dem Tische des Herrn, unter die frommen Christen, die allein dieser Ehre würdig sind, mischen. Aber sie sehen auch, daß die nämliche Speise, welche diesen Gnade, Trost und Leben gewährt, jenen zu einem tödtenden Gift werde. Kann es zwischen Himmel und Erde einen schauderhaftern Anblick geben? Die Größe der Strafbarkeit solcher unwürdigen Christen fällt von selbst in die Augen. Sie machen sich 1. einer Undankbarkeit schuldig, welche wegen ihrer Abscheulichkeit die größte ist, die sich denken läßt. Denn von dem herrlichsten Denkmal der Liebe ihres Erlösers nehmen sie Anlaß, ihn auf's Neue zu verrathen und zu kreuzigen. 2. Stoßen sie selbst das ihnen mit unendlicher Langmuth und Erbarmung von Gott angebotene Mittel ihrer höchsten Glückseligkeit, ihre Begnadigung in Christo, und ihre Wiedergeburt zum Leben, mit einer mehr als thierischen Gefühllosigkeit von sich. 3. Fordern sie die göttliche Gerechtigkeit recht freventlich auf, sie ihrem Verderben zu überlassen. Bei der feierlichen Begehung des Gedächtnisses vom Tode Christi, im Genusse des heiligen Abendmahles, geben sie zu erkennen, daß sie wissen, wie sehr ihr göttlicher Erlöser um ihrentwillen sich erniedriget, daß er für sie gelitten, und was für eine unendliche Seligkeit er ihnen so theuer erworben habe. Und zu eben der Zeit gestehen sie durch ihre unwürdige Gemüthsbeschaffenheit, mit welcher sie dieses Sa trament empfangen, daß sie alles dieses mit Wissen und Willen nicht achten; daß alle die unendlichen Beweise der göttlichen Heiligkeit, Gerechtigkeit und Liebe sie nicht rühren, daß sie den Leib des Herrn nicht unterscheiden; daß sie das Blut Christi mit Füßen treten; daß sie die göttlichen Gnadenbezeugungen, die Erlösung, die Seligkeit nicht wollen, sondern daß sie die Sünde wegen des Sinnlichangenehmen, das sie ihren thierischen Trieben gewährt, trotz aller ihrer Abscheulichkeit und Verdammniß, vorziehen. Da das heilige Abendmahl die Quelle des Lebens ist, 221 Vorerinnerung. so folgt, daß das ganze Leben des Christen eine würdige Vorbereitung zu demselben sein müsse; daß unser vornehmstes Verlangen sein solle, desselben theilhaft zu werden, und daß wir uns über nichts so zu betrüben haben, als wenn wir dieser himmlischen Speise beraubt find. Werden wir uns noch wundern, daß die meisten Christen so schwach und matt sind? daß sie so wenig Kräfte haben, gute Werke zu verrichten, und den Versuchungen zu widerstehen, da sie sich so wenig Mühe geben, das Leben aus der Quelle des Lebens zu schöpfen? da sie so wenig Fleiß anwenden, sich zu diesem Sakramente vorzubereiten? und so wenig von der Gnade gerührt werden, die ihnen Gott erweiset, indem er sie zu demselben zuläßt? Man genießt das heilige Abendmahl an gewissen Tagen des Jahres mehr aus Gewohnheit, als in der Absicht, seine Seele dadurch zu stärken: und nachdem man es genoffen, denkt man nicht mehr daran. Da man also den Genuß desselben als eine ganz unwichtige Handlung, die keine beträchtlichen Folgen hat, ansieht, so kann es auch keine Wirkung haben. Und möcht' es feine entgegengeſetzten hervorbringen. Möcht' es, statt eine Quelle des Lebens zu sein, nicht in den meisten Seelen eine Quelle des Todes werden, und ihre Finsterniß, ihren Kaltsinn und ihre Unempfindlichkeit vermehren! Was wird demnach zu einem würdigen Genusse dieser göttlichen Seelenspeise erfordert? Ein lebendiger Glaube, eine tiefe Erniedrigung, eine zärtliche und ächte Frömmigkeit. - Das einzige Beispiel des Zachäus( Luk. 19, 6) gibt uns hierin einen vollständigen Unterricht. Dieser demüthige und gläubige Zöllner, erfüllt mit einer großen Vorstellung von Jesu, wünscht nicht nur auf das Sehnlichste, ihn zu sehen, sondern wendet auch Alles an, um sein Verlangen zu befriedigen. Als ihm Jesus die Versicherung, bei ihmt einzukehren, ertheilt, durchdringt ihn die lebhafteste Freude. Er macht augenblicklich die sorgfältigsten Anstalten, damit sein Haus zur Aufnahme dieses göttlichen Gastes würdig befunden werde. Und nachdem dieser unter jein Dach eingegangen, verliert er von dieser unschäzbaren Gnadenzeit 222 Vorerinnerung. keinen Augenblick. Er vernimmt mit der größten Aufmerksamkeit und Lernbegierde die Worte des Lebens, die aus dem Munde seines Heilandes fließen Er berathschlägt sich mit ihm über das große Geschäft seines Heils, und über die Pflichten seines Standes. Er entdeckt ihm sein Elend, fleht um seinen Beistand, und durch die Gegenwart seines Erlösers, und dessen himmlischen Unterricht gestärkt, faßt er die kräftigsten Entschließungen für die Rettung seiner Seele. Die Wirkung von diesem Besuche seines Heilands konnte demnach keine andere sein, als die gänzliche Aenderung seines vorigen Lebens. Hier, christliche Seele! hast du das Muster, welches du bei deinen Kommunionen nachahmen sollst. Ueberzeugt, daß Jesus dein Leben und dein Heil sei, mußt du ein heißes Verlangen, ihn zu besitzen, fühlen. Wenn innerliche Eingebungen des heiligen Geistes dir rathen, dich mit ihm zu vereinigen: so muß dein Herz vor Freude aufwallen, und deine größte Sorge sein, dich zur würdigen Aufnahme deines Heilands vorzubereiten. Wende die kostbaren Augenblicke, in welchen Jesus mit Leib und Blut dir gegenwärtig ist, wie Zachäus, zur Wohlfahrt deiner Seele an. Höre und befolge treulich die Einsprechungeu deines Heilands; und jede Kommunion wird dich mit neuer Gnade ausrüsten, eine Sünde nach der andern, eine Schwachheit nach der andern abzulegen, und an dir gleichfalls wahr machen, was Jesus von dem Hause des Zachäus sagte: Heute ist dem Hause Heil widerfahren. Gebet vor der Kommunion, um eine würdige Vorbereitung zu derselben. G ott von unendlicher Güte! niemals hab' ich eine dringendere Ursache gehabt, mit einem flehentlichen Gebete mich zu dir zu wenden, als eben jetzt. Ich bin im Begriffe die verehrungs Gebet vor der Kommunion. 223 würdigste, die heiligste Handlung der Religion, bei welcher ich nicht Ehrfurcht, Andacht und Erniedrigung genug empfinden und bezeugen kann, vorzunehmen. Ich bin im Begriffe, den göttlichen Erlöser, deinen Sohn, meinen Heiland und künftigen Richter in mein Herz aufzunehmen, nnd das feierlichste Andenken Jesu Christi, der auch für meine Sünden und zu meiner Versöhnung sich so unaussprechlichen Leiden, und dem schimpflichsten Tode des Kreuzes selbst unterworfen hat, zu begehen. Wie unglücklich wär' ich nicht, wenn ich den Leib des Herrn nicht unterscheiden, wenn ich dieses Pfand meiner so theuren Erlösung mit unwürdigem Herzen empfangen, und statt mich zum Leben zu stärken, den Tod und das Gericht in mich essen würde! Aber wie kann ich geschickt und würdig zu dieser heiligsten aller Handlungen sein, ich, der ich ein fündhafter und schwacher Mensch bin? Gütiger Gott! bereite du selbst dein Herz durch deine Gnade. Lehre du mich selbst meine Strafwürdigkeit, meinen unendlichen Unwerth lebhaft erkennen, und erweck in mir die Empfindungen der schmerzlichsten Reue, und der tiefsten Erniedrigung. Lehre mich den unschätzbaren Werth der Gnade, die mir nun, durch eine so innige Verbindung mit meinem Jesu, zu Theil werden soll, einsehen und fühlen. Lehre mich, das große Glück, ein Christ, und dein Auserwählter zu sein, schäßen, und hilf mir durch den wirksamen Einfluß deiner Gnade, daß ich mit den rechten Empfindungen des Herzens mich dem unbegreiflichen Liebesmahle, auf welches die himmlischen Geister - 224 lebung des Glaubens und der Liebe. mit anbetendem Erstaunen herabsehen, nähern möge. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, der sich in demselben uns zur Speise anbietet. Amen. Uebung des Glaubens. Gott des Himmels und der Erde! Erlöser der Menschen! du willst dich würdigen, zu mir einzus gehen, und ich soll das von den Engeln beneidete Glück, dich zu empfangen, haben!- Wer könnte ein solches Wunder glauben, hättest du uns nicht selbst von der Wirklichkeit desselben die Versicherung gegeben? Ja, Herr! ich glaube feftiglich, daß du es selbst, daß du es wahrhaft, mit Geist und Leib, mit Fleisch und Blut bist, den ich empfangen werde. Ich glaub' es, o mein Gott! und halt es für gewisser, als wenn ich dich mit meinen Augen sehen, und mit meinen Händen fühlen könnte. Ich glaub' es, weil du es gesagt hast, und ich dein heiliges Wort für untrüglich halte und anbete. Ich glaub' es, und was meine Sinne auch dagegen einwenden, so glaub' ich's doch, und verläugne meine Sinne, um sie dem Glauben zu unterwerfen. Ich glaub' es; und sollt' ich mit meinem Tode diesen Glauben bestätigen, so bin ich, von deiner Gnade unterstüzt, bereit, ihn lieber zu leiden, als diesem meinem Glauben und meiner Religion zu entsagen. Wahrlich, du bist der verborgene Gott, der Gott meines Heils! - Uebung der Liebe. O mein Gott und mein Herr! nicht genug, daß du für mich Mensch geworden, daß du dich so vielen Arbeiten, so vielen Leiden, allen Mühseligkeiten Ulebung der Erniedrigung. 225 der menschlichen Natur, ja dem schmählichsten Tode selbst, aus Liebe zu mir, unterworfen bast, so willit du mich noch mit deinem Fleisch und Blute speisen! Konntest du mir einen größern Beweis deiner Liebe geben? Konntest du auf eine dringendere Art mich aufmuntern, dich zu lieben?- O! ich liebe dich, und werde dich stets lieben, aus ganzer Seele, aus ganzem Herzen, aus allen meinen Kräften. Allwissender! dem Alles bekannt ist, du fichst in das Innerste meines Herzens, und weißt also, daß ich dich liebe. Ich nähere mich deinem Tische, um vor aller Welt das Zeugniß abzulegen, daß ich dich liebe, und dein Gebot, woran du diejenigen, die dich lieben, erkennen willst, befolge. Jch liebe dich als mein höchstes Gut, als meinen Erlöser, als den Urheber meines Heils. Stärke meine Liebe, auf daß sie nie erfalte, sondern täglich inbrünstiger werde. Amen. Uebung der Erniedrigung. Wer bin ich, du Gott der Macht, der Herrlichkeit und der Majestät! wer bin ich, daß du mich deines Anblicks würdigest?- Wie verdien' ich das überschwängliche Glück, daß mein Herr und Gott zu mir kommen will? Ich, ein Sünder; ich, nichts als belebter Staub, ja meiner Befleckungen wegen, noch geringschätziger, als nichts; ich darf es wagen, mich einem so heiligen Gotte zu nähern! darf an dem Brode der Engel Antheil nehmen, und mit dem Fleische eines Gottmenschen mich speisen! - Ach, Herr! ich bin dessen nicht würdig, nein! ich bin dessen ewig nicht würdig. Wege des Heils. 15 Uebung der Erniedrigung. O du Herr der ganzen Schöpfung! ich werfe mich vor deiner grenzenlosen Majestät, die kein endlicher Verstand zu umfassen vermag, in den Staub nieder, und bete dich an. O! möchte ich für deine Ehre mich so tief erniedrigen können, wie du dich, in diesem allerheiligsten Sakrament der Liebe, für mich erniedrigt hast! Mein Herz bebet vor Ehrfurcht bei der Vergleichung deiner unbegreiflichen Hoheit mit meiner unendlichen Niedrigkeit; und hättest du nicht selbst zu diesem Gnadenmahl von unermeßlichem Werthe mich eingeladen, ich müßte vor dem Gedanken, mich demselben zu nähern, zurückschaudern. Nun aber, da ich mich nach der Vorschrift deines Apostels geprüft, und Dank fei deiner Erbarmung!- nicht in jener kläglichen Gemüthsverfassung gefunden habe, die mir den Zutritt zu deinem geheiligten Tische verschließen würde: so will ich es getrost wagen, hinzuzutreten. Denn ob ich gleich die Verzeihung meiner Sünden erhalten zu haben hoffen darf: so sind sie doch noch nicht ganz in mir gestorben, und ich muß immer noch fürchten, in dieselben wieder zurückzufallen. Wo soll ich demnach Stärke wider den Anfall meiner sündhaften Begierden suchen, als in jener gött lichen Speiſe, deren Genuß mir ein ewiges Leben sichert? O du Allgütigster! erbarme dich meines Elends, und erquicke, wie du verheißen hast, mich Beladenen, mit himmlischem Troste. Amen. 226 - Uebung der Hoffnung. Du kömmst zu mir, göttlicher Erlöser! was darf ich nicht Alles von dir hoffen? Was sollt ich nicht Uebung der Hoffnung. 227 von demjenigen erwarten können, der dich ganz mir gibt?- Ich trete demnach, o mein Gott! hinzu mit aller der Zuversicht, welche mir deine unendliche Macht und Güte einflößen. Du kennest alle meine Bedürfnisse, kennest jedes Anliegen meines Herzens, weißt, ohne daß ich dir's sage, wann ich krank liege: und nur du kannst mir helfen, nur du mich gesund machen. Nun denn, o du Gott, auf den ich hoffe! ich komme, auf deine so gütige Einladung, mit allen meinen Schwachheiten und Gebrechen, um von dir gestärkt und geheilt zu werden. Herr! sich den du liebest, der liegt frank darnieder. Jesu du Sohn Davids, erbarme dich meiner! - Du wirst- o du wirst mich Flehenden erhören! ich hoff' es ohne die geringste Furcht, zu Schanden zu werden. Bist du nicht mein Gott, mein Heiland, meine Hilfe in allen meinen Nöthen? Und hast du nicht alle schmachtenden Menschenkinder selbst versichert, daß du das Brod des Lebens bist; daß der, der zu dir kömmt, nicht hungern, und der an dich glaubet, nimmermehr dürsten soll? Stille demnach das sehnliche Verlangen meiner Seele nach dir; befriedige ihren Hunger nach deiner Gnade, ihren Durst nach deinem Troste; richte mich Gefallenen wieder auf, und stärke mich Schwachen. Ich hoff' es mit dem festesten Vertrauen, dessen ich fähig bin, und wer auf dich hoffet, hat auf feſten Grund gebauet. Amen. Uebung des Verlangens. So ist es wirklich an dem, daß ich dich, o du Quelle des Lebens! du einzige Ergickung meiner 15* 228 Uebung des Verlangens. schmachtenden Seele: besizen soll? daß du wiederholt vom Himmel herabsteigen willst, um in meis nem Herzen zu wohnen? so komm denn, du Lamm Gottes! du angebeteter Leib, du kostbares Blut, das mich erlöset hat! komm, o du mein Gott! mein Heil! mein Alles!- Wer gibt meiner Seele Flügel, daß sie dir entgegenfliege? Unfähig von etwas Anderm, als von dir erfüllt zu werden, verlangt und seufzet sie nach dir. O mein Gott! mein einziges Gut! mein Trost! meine Freude! mein Gott und mein Alles! Komm, liebster Jeſu! und so unwürdig ich auch bin, dich zu empfangen, so sprich nur ein einziges Wort, und ich bin gereinigt. Mein Herz ist vorbereitet, und sollte es nicht genug vorbereitet sein, o, so wird ein einziger Gnadenblick von dir es vorbereiten, erweichen und entzünden. Komm, Herr Jesu, komm! - - Wenn du nun dein Herz von allen diesen Empfindungen durchdrungen fühlst, so nähere dich der heiligen Kommunion auch mit äußerlichen Zeichen einer solchen Ehrfurcht und Erniedrigung, welche zu erkennen gibt, daß du von der Wichtigkeit dieser heiligen Handlung überzeugt und gerührt seiest. Dränge dich nicht vor, weil an dem Tische des Herrn aller äußerliche Rang aufhört, und es ein schlechter Beweis deiner Demuth wäre, wenn du daran nur denken könntest. Hast du das heilige Abendmahl empfangen, so bleib eine Weile ganz in dich gekehrt, um der Größe der erhaltenen Gnade, mit der Sammlung deines ganzen( Semüths, nachzudenken. Die höchste Freude und Ehrerbietung ist sprachlos: und wo findet wohl eine solche mehr Statt, als eben hier? Ueberdenke mit stillem Erstaunen das Wunder, das in dir vorgegangen, und welchem zufolge du ein lebentiger Tabernackel des Allerheiligsten geworden. Diese Betrachtung, wenn sie anders ernsthaft genug ist, wird die Zerstreuung deiner Gedanken gewiß unmöglich machen. Anbetung nach der heil. Kommunion. 229 Anbetung nach der hl. Kommunion. Anbetungswürdigster Gottd vor welchem Alles, was im Himmel und auf Erden ist, sich unwürdig fühlt, zu erscheinen! was kann ich hier in deiner Gegenwart thun, als schweigen, und in tiefster Erniedrigung anbeten?- Preise den Herrn, meine Seele! und vergiß ewig der Wohlthaten nicht, mit denen er dich überhäufet! Ich lebe, doch nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleische, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt, und sich selbst für mich dargegeben hat. Ich bete dich an, o heiligster Gott! und huldige aus dem Innersten meiner Seele deiner Majeſtät, vor welcher jedes Knie sich beuget. Dir allein, großer, unermeßlicher Gott! gebühret Anbetung und Ehre und Dank und Lob und Preis. Mit eben der heiligen Ehrfurcht, mit welcher die himmlischen Geister dich anbeten, bet' ich dich an, und vereinige mit ihren Stimmen mein hallendes Heilig! heilig! heilig! Gebenedeit sei der,' der da kömmt im Namen des Herrn! Danksagung. Welche Danksagung, o mein Gott! könnte der Wohlthat, deren du mich heute würdigeft, gleichkommen? Du, dessen Unermeßlichkeit nicht der ganze Himmel zu umfassen vermag, du würdigest dich, in den engen Umfang meines Herzens, das überdieß deiner so unwürdig ist, dich einzuschließen! Danksagung. steigest von deinem himmlischen Throne herab, um bei einem Sünder einzukehren, und ihn gefund zu machen! O welch' ein neuer Beweis von der Versicherung, welche du einst allen sündhaften Menschenkindern gegeben haft: Ich bin gekommen, die Sünder zu suchen und selig zu machen. Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Mit eben der Zärtlichkeit, mit welcher du einst einen David nach seinen schweren Vergehungen, einen Paulus, deinen wüthenden Verfolger, suchtest; mit der du eine büßende Magdalena aufnahmst, mi, der du einen abtrünnigen Petrus anblicktest, hast du auch mich gefucht und begnadigt. Omein liebreichster Jesu! wie unbegreiflich groß ist deine Liebe! wie sehnlich dein Verlangen, die Sünder, durch zuvorkommende Erbarmung, an dich zu ziehen! und was ist dagegen aller Dank, den wir elende Menschen dir dafür erstatten können! Gleichwohl wirst du, der du mir Alles ohne mein Verdienst gegeben hast, mit meinem Unvermögen Mitleid haben, und meine Dankbegierde, so unvollkommen sie auch ist, dir gefallen lassen. Ich erkenne und feiere demnach mit einem dankerfüllten Herzen, was du heut an mir gethan, und will ich versprech' es dir- deine Barmherzigkeit nie vergessen, sondern laut verkündigen, und in alle Ewigkeit preisen. Amen. 230 - Aufopferung. Womit werd' ich dem Herrn vergelten alle seine Wohlthaten?- Womit Anderm, o mein Gott! als daß ich mich mit Allem, was ich bin, habe und vermag, dir ergebe. Was willst du demnach, daß Aufopferung. 231 ich für dich thue, mein Heiland?- Welches Opfer verlangst du vorzüglich von mir, zur Erkenntlichkeit für die unschäßbare Gnade, die du mir heut erwiesen hast? Sprich, Herr! ich höre dich mit der Folgsamkeit eines getreuen Knechtes.- Wer mein Fleisch ist, und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm. Dieß ist dein heiligster Wille, so will ich denn Alles anwenden, um in dir und bei dir zu bleiben, und ganz durch dich und für dich zu leben. Alles, was von mir abhängt, mein Verstand, mein Wille, meine Gesundheit, meine Kräfte, meine Ehre, meine Habe, alles soll künftig dir, o mein Heiland! gewidmet sein. Unterwirf mich dir, o du gütigster Beherrscher meines Herzens! ganz und gar, und gebiete über mich nach deinem allerheiligſten, und immer auf meine Wohlfahrt abzielenden Willen. Schone meiner nicht, wo Leiden mir zuträglicher ist, als Frohlocken; nimm mir, was mir besser ist, nicht zu haben; sei meinen Wünschen entgegen, wosie mit deinen Absichten nicht übereinstimmen; schicke mir Krankheit und Trübsal, wo gesunde und glückliche Tage mich deiner würden vergessen lassen; kurz, mache mit mir, was dir gefällt; ich bin von nun an dein unbedingtes Opfer und Eigenthum. Amen. - Borsak, sich vor dem Rückfall zu hüten. mein Jesu! als Zachäus der Gnade gewürdigt ward, dich in deinem Hause zu beherbergen, bezeugte er seine Erkenntlichkeit durch den Entschluß, die Hälfte seines Vermögens den Armen zu geben, und was er etwa Jemanden Unrecht gethan hätte, vierfach zu ersehen. Auf gleiche Art will auch ich deine 232 Vorsatz, sich vor dem Rückfall zu hüten. Heimsuchung erwiedern. Und in dieser Absicht nehme ich mir festiglich vor, meine vorigen Sünden, nicht nur nicht wieder zu begehen, sondern auch das Unrecht, so ich dir dadurch zugefügt habe, durch ent gegengesetzte Tugenden vielfältig wieder gut zu machen. Was würden auch alle Bemühungen, mich zu bessern und zu heiligen, mir nüßten, wenn ich nun wieder von dem Wege der Gottseligkeit abweichen sollte! Weiß ich denn nicht, daß, wenn der Gerechte sich von seiner Gerechtigkeit abwendet, er in der Sünde sterben, und seiner Gerechtigkeit, die er gethan, nicht mehr gedacht werden soll? Und wie schändlich und strafbar wär' es überdieß, wenn ich nach so vielen Wohlthaten, die du, o mein Gott! mir immer noch zu erzeigen fortfährst, höchst undantbar, und nach so vielen Betheuerungen einer ernstlichen Besserung, abermals eid brüchig, und zu dem abscheulichsten Heuchter in deinen Augen werden follte?- Durch dich, mein Jesu! empfinde ich den Frieden in mir, der alle Vernunft übersteigt, und mit dem kein anderes Gut, keine andere Annehmlichkeit, welche uns die Welt oder ihre Sinne ge währen, in Vergleichung kömmt. Jch besitze dich. und mit dir alles Wünschenswerthe: und ich sollte dieß unschäßbare Kleinod meiner Seele, das Pfand meiner Erlösung und ewigen Wohlfahrt, leichtsinnig wieder verscherzen?- für eine schnell vorbeifliehende Lust, für etwas Menschenehre, oder für einen vergänglichen Vortheil unbesonnen dahin geben?- Ich sollte dich, meinen gerechten Gott, von Neuem wieder zum Zorne reizen? dem heiligen Geiste vor- 1 Vorsatz, sich vor dem Rückfall zu hüten. 233 fäßlich widerstreben, und mich der Gefahr aussetzen, daß mein Herz endlich in der Sünde verhärte, und deiner Gnade beraubt, seinem eigenen bösen Willen überlassen bleibe? Ich habe meinen Rock ausge= zogen, wie sollte ich ihn wieder anziehen? Ich habe meine Füße gewaschen, wie sollte ich sie besudeln? D, das wollest du nicht zugeben, du Gott meines Heils!- Vollführe vielmehr, was du in mir angefangen hast. Erneuere täglich meinen Vorsatz, dich über Alles zu licben, jeder, noch so gering scheinenden Sünde zu widerstchen, und gegen jede Versuchung zum Bösen sogleich zu deiner unterstüßenden Gnade meine Zuflucht zu nehmen. Es sei demnach beschlossen, keine Gedanken, keine Begierden, keine Worte, keine Handlungen mehr, welche deiner Ehre, mein höchster Herr und Gott! meinen Pflichten, der Reinigkeit meiner Seele, und der Liebe meiner Mitmenschen entgegen wären! Keine Lauigkeit in deinem Dienste, kein Mißtrauen in deine Vorsehung, keine Unzufriedinheit mit deiz nen Rathschlägen, keine Verabsäumung meiner Be rufsschuldigkeiten mehr! Keine Ungeduld, keinen Haß, feinen Zorn, feine Ungerechtigkeit, keine Schadenfreude, keine Verläumdung mehr! Keinen Ehrgeiz, keinen Stolz, keine Verachtung meiner Brüder, keine Geldbegierde, feinen Neid, keine Anhänglichkeit an die Welt, keine knechtliche Gefälligkeit für ihre unerlaubten Forderungen mehr! Lieber tausendmal sterben, als dir ein ein iges Mal mißfallen: Mache mich, o mein Gott! fähig, die Güter dieser Welt den Schätzen, die ich von dir erhalten habe, aufzuopfern. Mache mich willig und geschickt, meinen 234 Gebet um den Segen des heiligsten Sakramentes. Eigennut, meine Ruhe, meine Bequemlichkeit, meine Ergötungen, meinen Stolz zu verläugnen, wenn es darauf ankömmt, in deinem Dienste Großmuth, Thätigkeit, Menschenliebe und edle Gesinnungen zu beweisen. In allen Dingen laß mich Proben eines wahren Christen ablegen. Im Leiden sowohl als im Vergnügen, in der Zerstreuung sowohl als in der Einsamkeit, im Leben sowohl als im Tode, laß mich zu erkennen geben, daß ich dein Kind und Diener, und lebhaft überzeugt sei, zu welchen glück seligen Menschen die christliche Religion ihre treuen Befolger mache. Denn alles dieß ist mein fester, unwiderruflicher Vorsat. Du bist in mir, göttlicher Jesu! und in deiner Gegenwart fasse und beschwöre ich diese frommen. Entschließungen, damit du sie bestätigeft, und da mit das heiligste Sakrament, welches ich empfangen habe, zum unverletlichen Siegel meines Versprechens diene. Bestätige und stärke demnach das aufrichtige Verlangen, das ich habe, dir gänzlich anzugehören, und künftig nur dir zu lebeu. Befestige, o Herr! was du in mir gewirket hast. Amen. Gebet um den Segen des heil. Sakramentes. Göttlicher Heiland! der du uns deinen heiligsten Leib, und dein kostbarstes Blut in dem Sakrament des Altars hinterlassen hast: ich danke dir nochmals für dieses Opfer deiner unerschöpflichen Liebe. Und nachdem du, die Quelle alles Segens, in demselben enthalten bist: so bitt ich dich flehentlich, ertheile mir deinen Segen, und allen denen, für welche ich 235 Gebet zur seligsten Jungfrau. die Meinung babe, gleiche Gnade zu erbitten. Segne mich mit einem Segen, der mich zu einem andern Menschen mache; der mich mit dir auf's Innigste vereinige, der mich mit deinem Geist erfülle, und mir ein Unterpfand desjenigen Segens werde, den du deinen Auserwählten in jenem Leben vorbehalten hast. Dieß bitt ich im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen. Gebet zur sefigsten Jungfran, um durch ihre Fürbitte die Beharrlichkeit im Guten zu erlangen. Nochmals wende ich mich zu dir, o seligste Jungfrau! die du nach Gott stets meine Hoffnung und mein Schuß sein wirst, und bitte dich mit kindlicher 3nversicht, du wollest mir deine Fürbitte bei Gott, deinem Sohne nicht versagen, daß ich die Versuchungen, unter denen ich noch immer wandle, glücklich überwinde. Eine Welt voll verführender Beispiele, wie bald kann sie einen schwachen Menschen zum Bösen verleiten! So manche Veranlassung zur Sünde stößt mir täglich auf meinem Wege auf; so manche böse Gewohnheit zieht mich zu meinen vorigen, schon so oft verabscheuten Sünden zurück; die Begierden meines verderbten Herzens reizen mich, und der unsichtbare Feind alles Guten legt mir manche heimliche Schlinge; und zuweilen bin ich mir selbst der gefährlichste Feind. Wo soll ich mich, bei so vielen Gefahren, um Rettung hinwenden, als zu dir, meine so mütterliche Fürsprech rin bei dem göttlichen Throne? Erbarme dich demnach deines Kindes das in seinen Nöthen seine schwachen 236 Schlußerinnerung. Arme nach dir ausstreckt, und um Hülfe ruft. Erbitte mir die Beharrlichkeit in den guten Entschließungen und Vorsägen, die ich heute auf die Zukunft gefaßt habe. Gib nicht zu, daß ich sie treulos breche, und den alten Pfad meiner bösen Gewohnheiten von Neuem betrete. Decke mich mit dem Schilde deines mütterlichen Schußes gegen die Anfälle einer argen Welt, und meiner eigenen Begierden. Erbitte mir Muth und Standhaftigkeit, den Weg meines Heils mit unablässigem Eifer zu wandeln, damit ich dereinst zu dem Throne meines Got tcs, vor welchem du meine so zärtliche Fürsprecherin warest, gelangen, und ihn mit dir ewig loben und preisen möge.- Schlußerinnerung. Der Tag, an welchem du, durch das heilige Sakrament der Buße und des Altars. dich mit deinem Geist versöhnt hast, muß dir ein vorzüglich heiliger Tag sein. Er verbindet dich demnach auch zu einer vorzüglichen Wachsamkeit, dich vor aller Sünde zu hüten. Wie schrecklich, wenn du noch an eben dem Tage, an welchem du Vergebung deiner Sünden erhalten, die kräftigsten Ents schießungen, dein Leben zu bessern, gefaßt, und durch den Genuß des heiligsten Abendmahles bestätigt haft, eidbrüchig würdest, und zur Sünde, der du auf ewig entsagtest, zu rückkehren solltest! Meide daher mehr als jemals die Gefahr, Böses zu thun, oder auch nur zu denken. Halte dein Gemüth, durch Lesung eines geistreichen Buches, vera sammelt, und erinnere dich oft, welch' Heil dir widerfahren, und welcher Gast in dein Herz eingelehrt sei. Mache dir seine Gegenwart zu nutzen, und zittere sogar nur vor dem Gedanken, ihn durch eine vorsätzliche Sünde wieder daraus zu vertreiben. Nachmittagsandacht für den hl. Kommuniontag. 237 Nachmittags- Andacht für den heiligen Kommuniontag. Dazu können die Gebete Seite 32, sowie das allge= meine Gebet vor dem allerheiligsten Altarssakramente u. s. w. im vierten Abschnitte benützt werden; aber auch folgendes Gebet des heiligen Ignatius. ie Seele Christi heilige mich; der Leib Christi rette mich; das Blut Christi tränke mich; das Wasser der Seite Christi wasche mich; das Leiden Christi stärke mich; o guter Jeſu! erhöre mich; in deine Wunden verbirg mich; und laß von dir nicht scheiden mich; vor dem bösen Feinde vertheidige mich; und laß zu dir kommen mich; damit ich mit deinen Heiligen lobe dich, ewiglich. Amen. Umschreibung dieses Gebetes. Seele Christi! ausgeschmückt mit allen Gaben und Gnaden des heiligen Geistes, heilige mich, durch einen lebendigen Glauben, durch eine feste Hoffnung, durch eine vollkommene Liebe, welche weder Trübsal, noch Angst, noch der Tod zu zerstören vermögen. O Seele, die du der Natur nach Christo angehörest, sei durch die Gnade deines Beistandes und deiner Wirksamkeit auch die meine, und heilige mich durch gottgefällige Gedanken und Begierden. Sei du die Seele und das Leben meiner Seele, da ohne dich alles Leben ein Tod ist. Leib Christi! der du nicht bloß in den bittersten Tod, sondern auch als die heilsamste Speise unserer Seele, als Arznei der Unsterblichkeit und 238 Gebet des heil. Ignatius. als immerwährendes Opfer uns gegeben wurdeſt, rette mich. O göttliches Haupt, in welchem alle Schäße der Weisheit und Erkenntniß Gottes gesammelt sind, regiere mich! O gütigste Augen, die ihr so oft meinetwegen mit Thränen beneßt waret, blicket mich an! Zunge meines Heilandes, die du die Worte des ewigen Lebens hast, lehre mich! O allmächtigen Hände, die ihr so viele Kranke berührt und geheilt, nehmet auch von mir hinweg alle Schwäche und Krankheiten des Leibes und der Seele, und gebet mir das Leben der Gnade. O herrliche Füße, die ihr über die Erde gewandelt, um Heil zu bringen, euch umfasse und füsse ich, wie Magdalena gethan, und hoffe bei euch Verzeihung meiner Süuden zu finden. O ehrwürdige Brust, du Tempel der Gottheit, du Altar der Liebe! entflamme mein Herz mit Liebe; dannn wird mir Christus das Leben, und Sterben ein Gewinn sein. Blut Christi! bis zum lekten Tropfen für mich vergossen, tränke mich; damit ich liebe mit Liebe zu vergelten, den Tod für den Tod zu leiden, und der Sünde allzeit großmüthig bis auf's Blut zu widerstehen vermöge. Wasser der Seite Christi! wasche mich: ja wasche mich immer mehr und mehr und reinige mich von meinen Sünden, damit ich durch die offene Brust Christi zur Verehrung seines Herzens zugelassen zu werden verdiene. Leiden Christi! o starkmüthiges Leiden! das du alle unsere Sünden getragen hast, stärke mich; stärke mich in allen Widerwärtigkeiten, und verleihe mir Kraft, um meines Herrn Jesu Christi willen Gebet des heil. Ignatius. 239 alle Schmach und Unbill mit Starkmuth, ja mit freudigem Sinne zu ertragen. O guter Jesu! Quelle aller Güte! erhöre mich, obwohl ich ein großer Sünder bin, denn deine Milde und Güte erhört auch die Sünder, wenn sie reuevoll und demüthig sind. In deine Wunden aber, die du als Zufluchtsstätten für alle Elenden geöffnet hast, verbirg mich, damit ich nicht eine Beute meiner Feinde werde, oder in die Hände meines erzürnten Gottes falle; da werde ich sicher verborgen sein, da will ich in Ewigkeit dein Lob fingen, o guter Jeſu! Laß von dir nicht scheiden mich. Verstoß mich nicht wegen der Menge und Größe meiner Sünden von dir, entzieh' mir nicht deine Gnade, damit es nicht alsbald heiße: Der Herr hat ihn verlassen; laßt uns ihn verfolgen, und ergreifen, da Niemand ist, der ihn uns entriffe; sondern beschütze und vertheidige mich: Vor dem bösen Feinde, der wie ein hungernder Löwe herumgeht, und sucht, wen er verschlinge, damit er nicht auch einmal von mir sagen könne: Ich habe ihn überwunden. In der Stunde des Todes aber, wann mich Alles verlassen wird, und ich ausziehen muß aus dieser Welt, um in's Haus der Ewigkeit zu wandern, rufe mich. Rufe mich da mit dem süßen Namen deines Schäfleins, nicht um meiner Verdienste Willen, sondern aus purer Barmherzigkeit, um deiner unendlichen Verdienste willen, o Jesu! Und laß mich zu dir kommen, der du mein höchstes und einziges Gut bist, zu dessen Genuß ich Gebet des heil. Ignatius. erschaffen bin. Laß mich zu dir kommen, denn du allein genügest mir, ohne dich aber ist mir der Himmel nichts, und wünsche ich mir nichts auf Erden; du bist der Gott meines Herzens, und mein Theil in Ewigkeit. Laß mich zu dir kommen, Damit ich mit deinen Heiligen, wenn du mich, obwohl als den Unwürdigsten, dennoch in deiner unendlichen Güte, in ihre Gesellschaft aufge nommen hast, dich, meinen Gott und Heiland, loben kann Ewiglich. Amen. O mein Jesu! wann werde ich kommen, und vor deinem Angesichte erscheinen dürfen? 240 - @f Bierter Fibfehnitt. Lehren und Gebete auf die verschiedenen heiligen Beiten und Fefte des Kirchenjahres. Von der Feier der Sonn- und Festtage überhaupt. O b es gleich keinen Tag gibt, welchen der Christ durch Meidung der Sünde, und Ausübung guter Werke, heilig zuzubringen, nicht verbunden wäre: so soll er doch gewisse Tage, welche Gott ausdrücklich sich vorbehalten, oder die Kirche zu feiern angeordnet hat, auf eine vorzügliche Art heiligen. Diese Tage sind die Sonn- und Festtage. Der Sonntag, oder der Tag des Herrn, ist der Tag, an welchem unser Heiland auferstanden. Auch ist der heilige Geist an diesem Tage über die Apostel herabgestiegen. Dieser Tag vertritt bei den Christen die Stelle des Sabbaths, welchen die Israeliten nach dem alten Geseg am Samstage feierten, weil an demselben Gott nach vollbrachter Schöpfung geruht hat. Die Kirche hat für heilsam erachtet, die Gläubigen, nebst dem Sonntage, zur Feier noch anderer Tage des Jahres zu verbinden; deren einige der Erinnerung und Heilung der Geheimnisse unserer Erlösung, andere der Verehrung der heiligsten Jungfrau und anderer Heiligen Gottes gewidmet sind. Wege des Heils. 16 Von der Feier der Sonn- und Festtage. Die Feierung dieser heiligen Tagen besteht in folgenden zwei Stücken: Für's erste sollst du dich aller knechtlichen Arbeit, alles Gewerbes, und aller Geschäfte, welche der Dienst Gottes, oder eine dringende Noth nicht erheischet, gänzlich enthalten. Erinnere dich aber, daß unter allen knechtlichen Werken die Sünde die allerknechtlichste sei, da sie die Seele der Dienstbarkeit des Satans unterwirft. Ferner, daß noch eine größere Entehrung der Sonn- und Feiertage darin liege, wenn du sie mit schnöden Ergötlichkeiten und mit Spielen zubringst, als wenn du arbeiteteſt. Für's zweite sollst du an diesen Tagen dich selbst heiligen, das ist, du sollst dein Gewissen von der Sünde entladen, durch Buße zu Gott zurückkehren, und vorzüglich auf dein Heil, und auf die Ausübung frommer Werke bedacht sein. Schränke die Heiligung dieser Tage nicht auf die Anhörung einer heiligen Messe ein, denn dieß war die Absicht der Kirche nicht, als sie dieses Gebot machte. Und kann eine einzige fromme Handlung zur Heiligung des ganzen Tages genug sein? Der Sonntag gehört Gott. Du mußt dich demnach an diesem Tage vorzüglich mit ihm beschäftigen; seine Allmacht, Weisheit und Güte betrachten; dich der Wohlthaten, die er dir erwiesen, mit Dankbarkeit erinnern; die Uleberzeugung von den ihm schuldigen Pflichten erneuern; dich untersuchen, wie du denselben nachkommest; neue Vorsätze, ihm allein zu dienen, faffen; durch Anhörung seines Wortes deine Ueberzeugung von den Wahrheiten der Religion stärken, dich über Gott, seine Eigenschaften, über die Mittel, dein Heil zu wirken, mit frommen Christen besprechen, und an diesen Tagen vorzüglich deinen Geist durch Lesung geistreicher Bücher zu erbauen suchen. Hast du alles dieses gethan, jo darfst du, um von den Arbeiten der Woche dich zu erholen, dich auch einer Ergötlichkeit überlassen; nur muß sie mit keiner Gefahr zu sündigen verbunden sein. An den Festtagen, an welchen die Kirche ein gewisses Religionsgeheimniß feiert, mußt du dich davon unterrichten, und in deiner Seele die Empfindungen des Glaubens, der Dankbarkeit, der Hoffnung, der Liebe, in Beziehung auf dieses Geheimniß erwecken. An den Festtagen der Heiligen 242 Lehren und Gebete auf die hl. Adventzeit. 243 aber mußt du dir vornehmen, ihr frommes Leben, ihre Tugenden nachzuahmen, und ihre Fürbitte um die hiezu erforderliche Gnade Gottes anzuflehen. Lehren und Gebete auf die hl. Adventzeit. 航 achdem unsere Stammeltern im Paradiese gesündigt und dadurch sich und alle ihre Nachkommen- also auch uns für Zeit und Ewigkeit unglücklich gemacht hatten, erbarmte sich Gott über sie und uns, und versprach wiederholt einen Erlöser, der die Menschheit von der Sünde und allen ihren bösen Folgen wieder frei machen würde. Alle Guten und Gerechten sehnten sich unbeschreiblich nach ihm. Er kam, und Alle, die auf ihn gehofft und Freude an Gott hatten, freuten sich unaussprechlich seiner Ankunft. 3ur Erinnerung an diese Ankunft des Erlösers auf Erden und an die große Sehnsucht, mit der die Gerechten des alten Bundes denselben erwarteten, hat die katholische Kirche die vier Adventwochen vor Weihnachten eingeſetzt als ein Bild der viertausend Jahre vor Christi Geburt. Der Advent ist auch der Anfang des Kirchenjahres, und sei daher für dich der Anfang eines neuen Lebens. Denke oft in dieser Zeit an die Sehnsucht, mit der durch viertausend Jahre die Patriarchen, Propheten und alle Gerechten des alten Bundes die Ankunft des Erlösers erwarteten. Auf ähnliche Weise flehe auch du während der vier Adventwochen mit heißer Sehnsucht zu Jesus, daß er auch in deinem Herzen, als einer geistigen Krippe geboren werde. Zu diesem Zwecke sollst du dein Herz von Fehlern reinigen und mit Tugenden schmücken. Gib dich auch mehr als gewöhnlich dem Gebete und der Buße hin, die Johannes, der Vorläufer Christi, in der Wüste predigte. Beobachte auch gewissenhaft die kirchlich vorgeschriebene Faste, damit du das, was du dem Gaumen entzogen haben wirst, dem neugebornen Heiland zum Geburtsgeschenke darbringen könneft; enthalte 16* 244 Lehren und Gebete auf die hl. Adventzeit. dich aber auch jeder Sünde, besonders vor jener, in welche du gewöhnlich zu fallen pflegest. Durch Demuth und Keuschheit wirst du dem ganz vorzüglich gefallen, der aus der reinsten Jungfrau geboren und ein Kind zu werden fich gewürdiget hat. Erweise in dieser Zeit auch der heiligen Gottesgebärerin Maria besondere Verehrung, und bete den englischen Gruß und andere Gebete ihr zu Ehren recht andächtig, damit aus den Armen der hochgebenedeiten Mutter das vielgeliebte Kind desto sicherer in dein Herz herabsteige. Bedenke auch, daß dieses Kind, voll Gnade und Demuth, einst wiederkommen werde voll Glorie und Majestät, als Richter der Lebendigen und der Todten. Kirchengebet. Wir bitten dich, o Herr! komm uns in dieser heil. Zeit mit deiner Macht zu Hülfe, damit wir von den uns bevorstehenden Gefahren der Sünde durch deinen Schutz befreiet und durch deinen Beistand selig werden mögen. Erwecke, o Herr! unsere Herzen, um die Wege deines eingebornen Sohnes vorzubereiten, damit wir durch seine Ankunft würdig werden, dir mit reinem Geiste zu dienen. Schenke, o Herr! Gehör unserm Flehen, und erleuchte die Finsternisse unserer Seele durch die Heimsuchung deiner Gnade. Wir bitten dich, o Herr! erwecke deine Macht, und komme uns mit großer Kraft zu Hülfe, damit, was durch unsere Sündhaftigkeit verhindert wird, durch den Beistand deiner Gnade gefördert werde, der du lebest und regierest mit Gott dem Vater in Einigkeit des heil. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Auf die Quatemberzeiten. Auf die Quatemberzeiten. B Jei jeder der vier Jahreszeiten ist eine Woche festgesetzt, in welchen für drei Tage, nämlich für die Mittwoche, den Freitag und Samstag eine Faste vorgeschrieben ist, die in Enthaltung von Fleischspeisen und in einmaliger Sättigung des Tages zu bestehen hat. Auch soll jede solche Woche besonders dem Gebete geweiht werden. Bei dieser Anordnung hat die Kirche eine dreifache Absicht: 1. Damit wir zu jeder Jahreszeit an Buße erinnert werden, da ja das ganze Leben des Christen eine beständige Buße sein soll; 2. damit wir Gott für geistige und leibliche Wohlthaten Dank sagen und seinen Segen für das Wachsthum der Früchte erflehen; und 3. ihn um würdige Diener der Kirche bitten sollen, denn in den Quatemberwochen pflegen die Priester geweiht zu werden. 245 Gebet. Drei Monate sind wieder vorüber, und ach, wie viele Sünden und wie viele Nachlässigkeiten in Beng auf meine Standespflichten ließ ich mir wieder zu Schulden kommen!- Und du, gütigster Vater! haft dennoch nicht aufgehört, mich Unwürdigen mit so vielen und so großen Wohlthaten zu überhäufen, und Gutes mir zu spenden für all' das Böse, womit ich täglich deine Heiligkeit beleidigt habe. Herr! sei mir gnädig, schone meiner, und vergib mir alle meine Vergehungen. Schenke mir Zeit zur Buße, damit ich mein Leben bessern und im Guten vorwärts schreiten könne; das ist's, was ich mir feſt vornehme und mit Hülfe deiner Gnade auch durchzuführen hoffe. Ich danke dir, o Gott von unendlicher Güte! für deine unermeßliche Langmuth und Geduld, in der du bisher auf meine Buße gewartet 246 Gebet auf die Quatemberzeiten. hast. Auch danke ich dir für alle geistigen und leiblichen Güter, womit du mich Undankbaren so freigebig überschüttet hast. Wende dein Angesicht nicht von mir und höre nicht auf, auch in Zukunft mich mit deinen Gnadengaben zu unterstüßen. Und nicht nur für mich bitte ich um das, sondern auch für alle Menschen, besonders für diejenigen, für die ich zu beten schuldig bin, daß du auch ihnen ihre Sünden nachlassen und die Fülle deiner Gnade mittheilen mögest. Gieße aus deinen Segen über die Aecker, auf daß die Früchte der Erde erhalten und vermehrt werden, uns aber verleihe, an den Früchten deiner Gerechtigkeit Ueberfluß zu bekommen. Arbeiter, Noch mehr aber bitte ich dich, Vater der Erbarmungen und Gott alles Trostes! gib uns würdige Diener deiner Kirche, Hirten nach deinem Herzen, treue und tadellose Priester; denn die Ernte iſt groß; der Arbeiter aber sind wenige. Ich bitte dich daher, o Herr! gütigster Vater! sende Arbeiter in deine Ernte, unschuldige aber wahrhaft bußfertige solche, die du selbst gerufen hast, die in deinem Gesetze betrachten Tag und Nacht; und was sie darin lesen, glauben; und was sie glauben, lehren; und was sie lehren, auch fest befolgen; die mit rechter Erkenntniß, mit wahrem Glauben und vom heiligen Geiste erfüllt sind. Sende Hirten, die dich lieben, wie Petrus und Johannes dich geliebt haben, und deine Heerde lieben, wie du, o guter Hirt! sie liebteft; die mit allen Gaben und Tugenden eines treuen Priesters geziert sind und dir die nen in Gerechtigkeit und Heiligkeit alle Tage ihres Lebens zum Heile ihrer Seele, zur Wohlfahrt des Auf den heil. Weihnachtsvorabend. 247 gläubigen Volkes, zur Freude unserer heiligen Mutter, der Kirche, und zu deiner Ehre, der du lebeſt und regierest mit Gott, dem Vater, in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Auf den hl. Weinachtsvorabend. A In diesem Vorabende hüte dich vor aller Unmäßigkeit; bereite dich vielmehr auf das herannahende Fest durch gottgefällige Werke vor. Verwende wenigstens einige Zeit der heil. Nacht zu frommer, geistlicher Lesung. Jesus wollte für uns geboren werden, um uns von Sünden zu erlösen, und darum ist er uns dem Fleische nach ähnlich geworden; wie groß ift diese deine Erniedrigung! Jesus will aber auch in uns geboren werden, auf daß wir ihm ähnlich werden dem Geiste nach; wie groß ist diese unsere Erhöhung! Heute werdet ihr erfahren, daß der Herr kommen wird, und am Morgen werdet ihr seine Herrlichkeit sehen. Am morgigen Tage wird die Schuld der Erde getilgt, und der Heiland der Welt wird über uns herrschen. Kirchengebet. O Gott! der du uns alle Jahre durch die Erwartung unserer Erlösung erfreuest; verleihe uns, daß wir deinen Eingebornen jetzt als Erlöser freudig aufnehmen, damit wir auch, wenn er einst als Richter kommen wird, mit froher Zuversicht entgegen sehen mögen- ihm unsern Herrn, Jesus Christus, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. - 248 Auf das Fest der Geburt unsers Herrn. Auf das Fest der gnadenreichen Geburt unsers Herrn und Heilandes Jesus Christus. Als aber die Fülle der Zet kam, da fandte Gott seinen Sohn- auf daß er diejenigen erlöjete, die unter dem Geseze standen.( Galater 4, 4, 5.) - radio Gebet. elchy' eine überglückselige Nacht, in der du mein liebevoller Heiland! der Welt, die so sehnsuchtsvoll nach deiner Ankunft seufzte, und die du erlösen solltest, sichtbar und im Fleische erschienen bist! Mit dem heiligsten Entzücken, und von der Größe deiner grenzenlosen Erbarmung durchdrungen, erinnere ich mich derselben an dem Tage des Gedächtnisses deiner Geburt, und stimme mit der inbrünstigsten Dankbegierde in den Lobgefang der himmlischen Geister ein, tief im Staub gebeugt mit heiliger Ehrfurcht ausrufend: ,, Ehre sei Gott in der Höhe, und auf Erden Friede den Menschen, die eines guten Willens sind."- Wie könnt' ich auch bei einer Begebenheit, worüber die Himmel selbst anbetend erstaunten, und worauf mein ewiges Heil gegründet ist, kalt und unempfindlich bleiben! Auch um meinetwillen hast du, 0 Gott der Liebe! deinen himmlischen Thron verlassen, deine unermeßliche Hoheit mit Niedrigkeit, Armuth, Blöße und allen Mühseligkeiten des Fleisches verwechselt; auch um meinetwillen bist du Mensch ge worden, um für meine Sünden zu leiden, und mich aus einem verworfenen, in der Sünde empfangenen Geschöpfe zum Erben deiner Herrlichkeit zu machen. Auf das Fest der Geburt unsers Herrn. 249 Welch' ein Abgrund von Erbarmung nnd Liebe öffnet sich nicht mir bei dieser Vorstellung! Aber auch welch' demüthigendes Gefühl meines Unver mögens, dir, o mein neugeborner Heiland! würdig zu danken, drückt mich darnieder! Ich empfinde, daß ich ganz und gar unwürdig bin der Barmherzigkeit, die du an mir ausgeübet hast. Gleichwohl will ich thun, was meine schwachen Kräfte vermögen. Voll der tiefsten Ehrfurcht und mit einem vor Freude klopfenden Herzen werfe ich mich demnach vor deine Krippe, gnadenvoller Emanuel! auf meine Kniee nieder, und bete dich mit eben der heißen Andacht an, mit welcher dich die überglücklichen Hirten, die dich mit ihren Augen zu sehen gewürdiget wurden, gegrüßet haben. O! sei mir gegrüßet in deinen ersten Thränen, in deinen ersten Leiden, in deiner liebreichen Kindesgeſtalt! Sei mir gegrüßet, o du mein Erlöser und mein Heiland! Mein beschränkter Verstand fasset zwar das Wunder nicht, dessen Wahrheit der Glaube mich lehrt; und die unergründliche Tiefe des Geheimnisses deiner Menschwerdung kann von mir nur angebetet werden. Gleichwohl bekenne ich mit Mund und Herz: du bist mein Herr und mein Gott! dessen bin ich durch meinen Glauben gewiß und froh; daran will ich mich halten, darauf alle meine Hoffnung und mein Heil gründen.- Das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt, und die Menschen haben seine Herrlichkeit gesehen." Auch ich werde sie dereinst sehen, dieſe Herrlichkeit, und anbeten in alle Ewigkeit. Auf den Schluß des Jahres. O mein menschgewordener Gott! liebevoller Jesu! erfülle diese meine Hoffnung; und der du um meinetwillen so viel gethan, um meinetwegen so viel gelitten hast, laß mich der Früchte deiner Menschwerdung und Erlösung nicht verlustig werden. Dieß bitt' ich vorzüglich heute, an dem Erinnerungstage, an welchem du deine Leiden zu meiner Erlösung angetreten hast; an dem Tage, an welchem du als ein unschuldiges Kind erschienen bist, um uns aufzumuntern, ohne Furcht, und mit dem innigsten Zutrauen, Alles von dir zu erbitten. Gewähre mir, bei deiner gnadenreichen Geburt flehe ich dich an, diese meine Bitte, und verleih' mir deine Gnade, mich der Erhörung derselben würdig zu machen. Amen. 250 - - Auf den Schluss des Jahres. C inige Stunden noch und das Jahr ist zu Ende! ist ewig und selbst für die Allmacht unwiederbringlich dahin!- verschwunden mit allen den Widerwärtigkeiten und Leiden, die ich im Anfange desselben nicht erwartete, und für uner träglich gehalten hätte, falls ich sie vorhergesehen! Auch verschwunden mit allen den eitlen Freuden der Welt, worin ich- ich weiß nicht welche- dauerhafte Glückseligkelt suchte!- Und nun soll ich dir, o du Gott der Zeit und Ewigkeit! Rechenschaft ablegen, wozu ich dieß Jahr, dessen Beschluß Millionen meiner Brüder nicht erlebten, angewendet - Auf den Schluß des Jahres. 251 habe. Ich zittere vor dieser Rechenschaft, und rufe, bei dem Bewußtsein, daß ich schlecht bestehen werde, schon im Voraus: Herr, Erbarmer, sei mir gnädig! Wie viele waren unter den dreihundertfünfundsechzig Tagen, um welche ich der Ewigkeit näher gerückt bin, deren ich mich auf dem Sterbebette und in der Ewigkeit freuen werde?- Weh mir! daß ich bekennen muß: es waren ihrer ohne Vergleich mehrere, die mich vor deinem Richterstuhle, o du Allerheiligster! anklagen, daß ich sie durch Müßiggang tödtete, oder durch schnöde Zerstreuungen vertändelte, oder wohl gar mit den schwärzesten Vergehungen wider dich, wider mein Heil, wider das Wohl meiner Mitmenschen brandmarkte? Wie? wenn du das Böse, so ich that, und das Gute, so ich unterließ, mit dem wenigen Guten, das ich ausübte, oder ausgeübt zu haben mir vielleicht irrig schmeichle, nun auf die Wage legtest?- Würde ich nicht tiefgebeugt und schamroth gestehen müssen, daß ich der Wohlthat eines Jahres tausendmal unwürdiger war, als viele jener Unzähligen, denen sie nicht zu Theil wurde? Und doch war deine Langmuth größer, als mein Undank! sie fristete mir das Leben, das ich so übel benußte, und erwies mir tausend Gnaden, deren ich nicht Eine verdiente! Herr! Vater! was soll ich sagen, daß ich unfruchtbarer Baum noch stehe? daß ich noch athme und lebe?- Kann ich sie alle zählen deine Wohlthaten dieses Jahres?- Weiß ich all' das verborgene und unerkannte Gute, das mir aus deiner freigebigen Hand zufloß? Kenn' ich alle die Gefahren des Lei 252 Auf den Schluß des Jahres. bes und der Seele, die du von mir abwendeteſt? alle die Nachstellungeu meiner sichtbaren und unsichtbaren Feinde, gegen welche du mich schüßtest? alle die guten Gedanken, wodurch du mich so väterlich leitetest? mich Unwürdigen! mich Uebertreter deiner Gejezze! mich Undankbaren! Gütiger Erlöser! wie oft hast du in dieſem Jahre deine Hände für mich aufgehoben! wie oft dein Blut für mich sprechen lassen! Wie oft, wenn ich reumüthig zu dir flehte, hast du mir vergeben, ohne daß ich die angelobte Besserung leistete! Wie selten hab' ich an dich mit derjenigen Inbrunst gedacht, die ich deiner Liebe und Erbarmung schuldig war! Heiliger Geist! ich weiß, wie sorgfältig du mich gesucht, wie nachdrücklich du mich erweckt hast. Aber zählen kann ich sie nicht alle die guten Triebe, alle die heiligen Einsprechungen, mit denen du mich begnadigtest. Und wie viele derselben hab' ich benutt? gegen wie viele derselben hab' ich mich gelehrig und folgsam bewiesen? Ach, Herr! geh' nicht mit mir in's Gericht, und tilge dieß unübersehbare Register meiner Vergehungen mit dem Blute des Lammes, das sich für aller Welt Sünden dahingegeben. Tilge sie mit den heißen Thränen der Reue, die meine Undankbarkeit und so innig gefühlte Strafwürdigkeit mir jetzt aus pressen. Herr! sei mir gnädig!- Sieh'! ich mache für das kommende Jahr einen neuen Bund mit dir, und verspreche dir Besserung meines Lebens. Schenke mir nur noch dieses Jahr, das ich morgen antreten werde, zu einer neuen Gnadenzeit, zu mei Das Te Deum laudamus. ner gänzlichen Bekehrung, und zur Wiedergutmachung dessen, was ich in diesem zu Ende eilenden Jahre Böses gethan und Gutes verabfäumet habe. Ich will nicht länger meine Zeit verträumen, noch deine Geduld mißbrauchen, sondern mit Ernst und Fleiß darauf bedacht sein, die Absicht, um welcher willen du mir das Leben, und schon so viele Jahre geschenkt bast, zu erreichen. Gib mir auch deine Gnade dazu, ohne welche ich nichts vermag: und hilf mir ausführen, was ich mir heut so fest und feierlich vornehme. 253 Erhöre mein Gebet, o du Gott, mein Vater! o du mein göttlicher Erlöser! und du heiligster Geist Gottes! Amen. Das Te Deum landamus. Dich, o Gott! loben wir; und dir, o Herr! danken wir. Dich, ewiger Vater! verehret der ganze Erdkreis. Dir singen alle Engel, dir singen die Himmel und alle Kräfte. Dir rufen alle Cherubim und Seraphim mit unermüdlicher Stimme zu: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind voll von der Majestät deiner Herrlichkeit. Dich lobt der ruhmwürdige Chor der Apoſtel, die lobwürdige Schaar der Propheten, das schimmernde Heer der Martyrer. Dich bekennet die heilige Kirche auf dem ganzen Erdenkreiſe, dich, den Vater von unermeßlicher Herrlichkeit, und deinen wahren, einzigen, anbetungswürdigen Sohn und auch den heiligen Geist, den Tröster. Christus, du könig der Herrlichkeit! du bist der ewige Sohn des Vaters! Und um die Menschen zu erlösen, - 254 Das Te Deum laudamus. - hast du den Schooß der Jungfrau nicht gescheut. - Du hast den Stachel des Todes überwunden und den Gläubigen das Himmelreich eröffnet. Du fizeſt zur Rechten Gottes in der Herrlichkeit des Vaters; und wirst als Richter wieder kommen. Darum bitten wir dich, komm deinen Dienern zu Hülfe, die du mit deinem theuern Blute erlöset hast; und laß uns zu deinen Heiligen gezählt werden dort in der ewigen Herrlichkeit. Herr! rette dein Volk und ſegne dein Erbe; und regiere deine Diener und sei ewig ihr Schuk. Alle Tage preisen wir dich und Loben deinen Namen in Ewigkeit. Wolle uns, 0 Herr! diesen Tag ohne Sünde bewahren. Erbarme dich unser, o Herr! erbarme dich unser, o Herr! erbarme dich unser. Deine Barmherzigkeit sei so über uns, wie wir es von dir gehofft haben. Auf dich, o Herr! habe ich gehofft, ich werde in Ewigkeit nicht zu Schanden werden. R. Laß uns preisen den Vater und den Sohn und den heiligen Geist. V. Wir wollen ihn loben und erheben in Ewigkeit. Gebet. O Gott! dessen Erbarmungen ohne Zahl sind, und dessen Güte ein unendlicher Schatz ist, wir danken deiner liebevollsten Maiestät für alle Gaben, die du uns geschenkt hast, und flehen ohne Unterlaß zu deiner Milde, der du den Flehenden gibst, um was sie bitten, daß du eben diese nicht verlassen, sondern zur Belohnung des kommenden Lebens vorbereiten mögest, durch Christum, unsern Herrn. Amen. Auf das Neujahrsfest. 255 Auf das Neujahrsfest. B Jetrachte den Werth der Zeit, von deren Gebrauch die Ewigkeit abhängt. Die Zeit ist also kostbar; sie ist aber auch kurz und unwiederbringlich. Eitelkeit über Eitelkeit, Alles ist Eitelkeit, außer Gott lieben, und ihm allein dienen." Das Neujahrsfest ist zugleich auch das Fest der Beschneidung des Herrn. Der Herr setzte der leiblichen Beschneidung der Hebräer ein Ende, führte aber die geistige Beschneidung der Christen ein. Was ist die Beschneidung? Sie ist die innerliche Abtödtung, durch welche wir die verkehrten Gedanken, die bösen Neigungen, die schiefen Absichten, die unehrbaren Begierden und alle Gesinnungen, die nicht auf Gott zielen, mächtig zähmen und austilgen sollen. Die wichtige, aber auch nicht leichte Arbeit sollst du mit dem neuen Jahre aufs Neue beginnen. Sie ist wichtig und nothwendig, da Christus ausdrücklich lehrt, daß unsere- der Christen Gerechtigkeit größer sein müsse, als die im alten Bunde vorgeschriebene, nämlich nicht bloß eine äußerliche, sondern auch eine innerliche. Im Gefühle seiner Ohnmacht soll sich der Christ auch heute für die kommenden Tage des neuen Jahres, mit großem Vertrauen aber der göttlichen Vorsehung anempfehlen, und sich der Allmacht, Weisheit und Liebe Gottes gänzlich übergeben. 3u diesem Zwecke kann man füglich am Neujahrstage beten: — O Gott, dessen Vorsehung sich in ihren Anordnungen nicht tänscht, wir bitten dich demuthsvoll, du wollest alles Schädliche von uns abwenden, und alles Heilsame uns gewähren, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet zu Jesus. Gebet zu Jesus. ( Kann vor der Krippe gebetet werden.) ( 1) guter Jefu, o liebenswürdigster Jesu, o süßester Jesu, o Jeru, Sohn der Jungfrau Maria, voll der Barmherzigkeit und Liebe! o süßer Jesu! nach deiner großen Barmherzigkeit erbarme dich meiner. O gnadenvoller Jesu! ich bitte dich durch dein kostbares Blut, das du bei der schmerzlichen Beschneidung zum ersten Male, und auf dem Del- und Kalvarienberge bis auf den letzten Tropfen für uns Sinder zu vergießen dich gewürdiget hast; wasche mich ab von allen meinen Missethaten, und sich her auf mich Elenden und Unwürdigen, der demüthig um Verzeihung fleht, und deshalb diesen heiligen Namen Jefu anruft. O Name Jesu- süßer Name! wonnevoller Name! stärkender Name! Denn was heißt Jesus anders, als Heiland! Also, Jesu! um deines heiligen Namens willen sei mir ein Heiland und rette mich; gestatte nicht, daß ich, den du aus Nichts erschaffen hast, zu Grunde gehe. O guter Jeſu! gestatte nicht, daß, nachdem deine allmächtige Güte mich erschaffen hat, meine Bosheit nicht verderbe. O süßer Jesu! untersuche und verbessere an mir, was dein ist, und schneide heraus aus mir, was dir fremd ist. O gütigster Jesu! erbarme dich meiner, so lange noch die Zeit der Erbarmung währet, damit du mich nicht verdammest zur Zeit des Gerichtest. Was gewinnst du, wenn ich hinabgefahren sein werde in das ewige Verderben? Denn die in der Sünde Gestorbenen werden dich, Herr Jesu! ja nimmer loben, noch Alle, die in die Hölle 256 Auf das Fest der Erscheinung des Herrn. 257 hinabsteigen. O liebenswürdigster Jesu, o ersehntester Jeſu, Jesu! gib mir Zutritt zur Zahl deiner Auserwählten. Jesu! du Heil Aller, die an dich glauben; o Jesu! du Trost derer, die zu dir ihre Zuflucht nehmen; o Jesu, du gütigster Sündenvergeber! o Jesu! du Sohn der Jungfrau Maria! gieße mir ein: Gnade, Weisheit, Liebe, Keuschheit und Demuth, damit ich fähig bin, dich vollkommen zu lieben, dich zu loben, dich zu genießen, dir zu dienen und in dir mich zu rühmen, mit allen, die da anrufen deinen heiligen Namen, der ist Jeſus. Amen. Auf das Fest der Erscheinung des Herrn. ( Heil. drei Königfest.) as heutige Fest heißt, Erscheinung des Herrn," weil 11 feiert, durch welche Christus als Heiland der Welt sich geoffenbaret hat und erschienen" ist. Heute hat der Stern die Weisen zur Krippe geführt; heute iſt bei der Hochzeit Wasser in Wein verwandelt worden; und heute ist im Jordan Christus von Johannes getauft worden. Der Stern der Weisen ist für dich das Glaubenslicht, das dich auch sicher zu Christus, deinem Heilande führt, wenn du ihm folgtest; fage daher heute deinem Gott und Herrn für das Glaubenslicht den wärmsten Dank; zu diesem Zwecke kannst du erwecken die drei göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe( siehe Seite 28), auch den Taufbund erneuern( siehe unten am Charsamstag). Gehe heute auch mit den Weisen zur Krippe und opfere deinem Gott und Herrn das Gold der reinsten Liebe, den Weihrauch glühender Andacht im Gebete und die Myrrhe der Selbstverläugnung.- Auch kannst du vor der Krippe Wege des Heils. 17 S 258 Auf die vierzigtägige heilige Fastenzeit. das Gebet zu Jesus( siehe oben Seite 256) beten und das Kirchengebet: Gott! der du an diesem Tage deinen Eingebornen auch den Heiden durch einen Stern, der fie führte, geoffenbaret bast; verleih uns gnädig, daß wir, die wir dich schon aus dem Glauben erfennen, auch zur Anschauung deiner Herrlichkeit gelangen mögen; durch denselben Jesum Chriftum, unsern Herrn, deinen Sohn, der mit dir lebt und regiert in Ginigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Auf die vierzigtägige heilige Fastenzeit. ie vierzigtägige Faste ist eine Zeit der Buße und Trauer und Klage, eine Zeit des Gebetes und der Betrachtung, in der wir durch die Kraft des Leidens Christi zu der durch die Sünde verlornen Gnade wieder gelangen sollen. Thu' also auch du Buße, wenigstens in dieser ge heiligten Zeit, und ertödte dein Fleisch und deinen Geist durch fromme Uebungen. Enthalte dich sorgfältig von der Sünde, und erwecke täglich über deine begangenen Sünden vollkommene Reue vor dem Bilde des Gekreuzigten. Leiste aber Gott nicht bloß Abbitte wegen deiner Sünden, sondern auch wegen aller Sünde seines Volkes, und pflege mehr als gewöhnlich das Gebet und die Betrachtung, be sonders des Leidens Christi. Halte auch genau die von der Kirche vorgeschriebene Faste nicht bloß in Bezug auf Enthaltung von Fleischspeisen, sondern auch in Bezug der einmaligen Sättigung zu Mittags an allen Werktagen. Auf die Aschermittwoche. 259 Auf die Aschermittwoche. P mpfange mit Andacht die geweihte Asche, die dir der Priester auf das Haupt streut, und erwäge die Worte, welche der Priester dabei spricht: Gedent, o Mensch, daß du Staub bist, und wieder in Staub zurückkehren werdeſt. Bedenke nämlich den gewissen Tod und die ungewisse Stunde, und daß, wie der Psalmist sagt, vor dem Ängesichte des Herrn der Tod seiner Heiligen kostbar ist, sehr schlimm aber im Gegentheile der Tod der Sünder. Ps. 115 und 32.) Bete daher auch heute zu Gott um die Gnade eines guten, seligen Todes ( siehe ein solches Gebet im sechsten Abschnitt), auch kannst du heute als am ersten Tage der vierzigtägigen Faste und vor der Bestreuung mit Asche folgende Kirchengebete andächtig beten: O Gott, wer sich vor dir demüthiget, wird Gnade bei dir finden, und wer Buße thut über seine Sünden, wird deinen Zorn besänftigen. Erhöre unser Flehen, und gieß über deine Diener, die jetzt ihr Haupt mit Asche bestreuen lassen, den reichen Segen deiner Gnade aus. Erfülle sie mit dem Geiste der Zerknirschung und Buße; schenk ihnen, um was sie mit Weisheit bitten; befestige in ihnen, was sie erhalten; und bewahre, was sie empfangen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Allmächtiger, ewiger Gott! du hast den Niniviten, die im Trauergewande und in der Asche Buße gethan, Vergebung ihrer Sünden gnädig angedeihen lassen: verleih auch uns, daß wir Buße wirken, wie fie, und Vergebung unserer Sünden erlangen, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 17* Der heilige Kreuzweg. O Gott! stärke deine Gläubigen, daß sie die heilige Fasten gebührend anfangen, und zu ihrem Heile vollenden, durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen. 260 Der heilige Breuzweg. Borbereitungsgebet. 혜 ch armes, sündhaftes Geschöpf werfe mich zur Erde nieder, und in tiefster Beschämung bete ich dich an als meinen Herrn und Gott. An dich glaube ich, auf dich hoffe ich, dich liebe ich über Alles, und darum ist mir von Herzen leid, daß ich dich, als das höchste Gut, jemals beleidiget habe. Zu deiner größern Ehre, und zu meinem Heil, zur Erlangung der Ablässe, deren ersten vollkommenen Ablaß für meine arme Seele, die übrigen für die armen Seelen im Fegfeuer, besonders der mir bekannten N. N. ich zu gewinnen gedenke, fange ich diese Andacht an, und trete zur Nachfolge der schmerzhaften Mutter Gottes Maria, in Begleitung meines heiligen Schutzengels mit deiner Gnade, o Gott! den heiligen Kreuzweg an. Erste Stazion. Jesus wird zum Tode verurtheilt. Wir beten dich an, o Herr Jesus Christus! und benedeien dich: Denn durch dein heil. Kreuz hast du die ganze Welt erlöset. Der heilige Kreuzweg. Der unschuldige Jesus, der nie ein Uebel gethan, wird zum Tode verurtheilt, und zwar zum schmählichsten Tode am Kreuze. Damit Pilatus für einen Freund des Kaisers gehalten werde, übergibt er Jesus dem Willen seiner Feinde, damit diese ihn tödten können. Welch' ein schreckliches Verbrechen. Die Unschuld zum Tode verurtheilen und Gott mißfallen, um den Menschen zu gefallen. Ach, unschuldiger Jesus! ich habe gesündiget, ich habe den Tod verdient, damit ich aber lebe, nimmst du das Todesurtheil willig an. Wie soll ich noch leben können, als in dir allein, o Jesus! So lange ich den Menschen zu gefallen suche, kann ich dein Diener nicht sein, daher will ich den Menschen und der Welt mißfallen, damit ich dir allein gefalle. Amen. Vater unser. Ave Maria zc. Gekreuzigter Herr Jesus Christus! Erbarme dich unser! 261 Zweite Stazion. Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern. Wir beten dich an 2c. Als Jesus das Kreuz erblickte, hat er nach selbem mit größter Begierde feine bluttriefenden Arme ausgestreckt, hat es liebreich umfangen, herzlich geküßt, und mit Freuden auf seine verwundete Schulter genommen, und obgleich er todtschwach war, hat er dennoch frohlocket, und ist standhaft seinen Weg gegangen. Sollte ich wohl ein Freund Jefu Chrifti fsein können, wenn ich ein Feind des Kreuzes bin? O liebes, o gutes Kreuz! ich umfasse dich, ich küsse dich, ich nehme dich mit Freuden von der Hand Gottes an. Es sei ferne von mir, daß ich mich ferner 262 Der heilige Kreuzweg. rühme, als in dem Kreuze! durch dieses soll mir die Welt, und ich der Welt gefreuziget sein, damit ich, o Jesus! allein dein sei. Amen. Vater unser. Ave Maria zc. Gekreuzigter Herr 2c. Dritte Stazion. Jefus fällt das erste Mal unter dem Kreuze. Wir beten dich an 2c. Als der liebe Heiland das schwere Kreuz auf seinen Schultern daher trug, wurde er durch dessen Schwere zu Boden gedrückt, und machte einen schmerzlichen Fall. Meine Sünden und Missethaten sind nämlich wie eine schwere Last auf ihn gehäuft worden, und haben ihn zu Boden gedrückt; eine leichte und süße Bürde war ihm das Kreuz; aber eine schwere und unerträgliche Last unsere Sünden. Ach, mein Jesus! du hast meine Bürde auf dich genommen, und die schwere Last meiner Sünden getragen, warum soll ich denn nicht auch dein Joch auf mich nehmen, damit wir, einer des andern Last tragend, so das Gesez erfüllen. Dein Joch ist süß, und deine Bürde ist leicht, darum trage ich es gerne und nehme auch willig mein Kreuz auf mich, und folge dir nach. Amen. Vater unser. Ave Maria 2c. Gekreuzigter Herr 2c. Vierte Stazion. Jefus begegnet feiner schmerzhaften Mutter. Wir beten dich an 2c. Was muß das für ein schmerzlicher Anblick gewesen sein, da die betrübte Mutter Maria ihren geliebtesten Sohn Der heilige Kreuzweg. 263 Isus das schwere Kreuz daher tragen sah? Welch' unaussprechliche Schmerzen wird sie in ihrem Herzen empfunden haben? Sie verlangte entweder für Jesus oder mit Jesus zu sterben. Bitte die schmerzhafte Mutter, daß sie auch dir in deinem Hinscheiden begegnen wolle. O Jesus und Maria! geliebte, betrübtefte Herzen! ich bin Ursache eurer so großen und vielfältigen Schmerzen. Ach! daß auch mein Herz mit Schmerzen erfüllt werde. O betrübteste, schmerz hafte Mutter! theile mit mir deine Schmerzen, und laß mich bein Herzeleid empfinden, damit ich mit dir trauere, und du mir entgegen zu Hülfe kommeſt in der letzten Noth, in der Stunde meines Todes. Amen. Vater unser. Ave Maria 2c. Gekreuzigter Herr 2c. Fünfte Stazion. Simon von Eyrene hilft Jefu das Streng tragen. Wir beten dich an 2c. Simon von Cyrene wird gezwungen, dem todtschwachen Jesus das Kreuz tragen zu helfen, und Jesus nimmt ihn als einen Mitgehülfen und Weggefährten des Kreuzes. O wie gerne ließ er auch dich zu, wenn du nur wollteft. Er ruft dich, aber du gibst ihm kein Gehör, er ladet dich ein, aber du weigerst dich. Schäme dich, daß du das Kreuz nur gewungener Weise trägst. Jesus! wer dein Kreuz nicht trägt, und dir nicht nachfolgt, ist deiner nicht werth; ich will dir daher das Kreuz tragen helfen, ich will dir auf dem Kreuzgange einen Gefährten und Gehilfen abgeben, in deine blutigen Fußstapfen will eintreten und dir Der heilige Kreuzweg. nachfolgen, damit ich zu dir gelange in das ewigt Leben. Amen. 264 Vater unser. Ave Maria 2c. Gekreuzigter Herr 2c. Sechste Stazion. Jesus nimmt von Beronika das Schweißtuch at. Wir beten dich an 2c. Veronika reichet aus Andacht und Mitleid Jeſu den Schleier ihres Hauptes als ein Schweißtuch dar, damit er sein todtbleiches, mißhandeltes, blutiges Angesicht abtrockne; er aber hat in selbęs das Bildniß seines heiligsten Angesichtes eingedrückt. Ein kleiner Dienst eine große Belohnung. Was erstattest du deinem Heilande gegen so große Wohlthaten für einen Dienst und Dank? O Jesus! was soll ich dir für Alles, was du mir und für mich gethan haft, vergelten? Sieh: ich übergebe mich dir ganz und gar zu deinem Dienste, ich opfere dir mein Herz auf; ach, drücke in selbes dein Bildniß tief ein, damit es nimmermehr in mir ausgelöscht werde in Ewigkeit. Amen. Vater unser. Ave Maria zc. Gekreuzigter Herr 2c. Siebente Stazion. Jefus fällt das zweite al unter dem Kreuze. Wir beten dich an 2c. Es liegt der schmerzvolle Heiland abermals unter dem schweren Kreuze zu Boden, und mit seinem heiligsten Angefichte auf der Erde, dennoch wird ihm von den grausamen Hentersknechten nicht ein Augenblick zu rasten gegönnt; er wird mit Schlägen aufgetrieben, und mit Stricken fortgezogen. So beschweren Jesus meine öfter wiederholten Sünden; dieses sehe ich, und sollte noch ferner zu sündigen Lust haben? ● Der heilige Kreuzweg. 265 Jesus! erbarme dich meiner! reiche mir deine Barmherzige Hand und unterstütze mich, damit ich nicht mehr in die alten Sünden falle. Ich habe es mir fest vorgenommen, und nun soll auch mit allem Ernste der Anfang gemacht werden, nimmermehr zu fündigen. Stärke mich, o Jesus! mit deiner Gnade, ohne welche ich nichts vermag, daß ich meinen Vorsah unverbrüchlich halten kann. Amen. Vater unser. Ave Maria 2c. Gefreuzigter Herr 2c. Achte Stazion. Jefus tröftet die Frauen von Jerusalem. Wir beten dich an 2c. Die mitleidigen Frauen weinten über den leidenden Heiland; er aber wendete sich zu ihnen, und sagte: Weinet nicht über mich, der ich unschuldig bin, sondern weinet über euch und eure Kinder, welche schuldig sind, weinet über eure begangenen Sünden. So weine denn auch du, Sünder, Thränen der Reue, denn Jesu ist nichts angenehmer, und dir nichts nützlicher, als die Thränen, die du aus Reue über deine Sünden vergießest. O Jesus! wer wird meinem Haupte Wasser geben, und meinen Augen ganze Thränenbäche, um Tag und Nacht meine Sünden zu beweinen? Ich bitte dich durch Beine bittern und blutigen Thränen, du wollest mir die Gnade der wahren Reue verleihen, und mein Herz so zerknirschen, daß ich häufige Thränen der Reue und des Mitleids vergieße, um dein Leiden und meine Sünden die Zeit meines Lebens beweinen zu können. Amen. Bater unser. Ave Maria zc. Gefreuzigter Herr 20. 266 Der heilige Kreuzweg. Reunte Stazion. Jefus fällt das dritte al unter dem Krenze. Wir beten dich an 2c. Nachdem der abgemattete Heiland mit dem Kreuze am Kalvarienberge angekommen, ist er abermals zu Boden gefallen, und es wäre kein Wunder gewesen, wenn er sein heiliges Haupt ganz zerschlagen hätte, dennoch unterliegt seine Liebe nicht. Was muß es doch für eine äußerst schwere Last um die Sünden sein? Jesus drücken sie so oft zu Boden, um mich, wenn ich nicht durch die Verdienste des Leidens und Sterbens Jesu Christi wäre erhalten worden, mich hätten sie in gänzlichen Abgrund gestürzt. - Obarmherzigster Jesus! dir sei unendlicher Dank gesagt, daß du mich in Sünden nicht hast sterben, und wie ich wohl verdient hätte, nicht in den Abgrund der Hölle haft sinken lassen, entzünde in mir einen neuen Eifer zum Guten, erhalte mich beständig in deiner Gnade, damit ich nimmer in Sünden falle, sondern im Guten standhaft verharre bis an das Ende. Amen. Vater unser. Ave Maria zc. Gekreuzigter Herr 2c. Zehnte Stazion. Jesus wird seiner Kleider beraubt, und mit Effig und Galle getränkt. Wir beten dich an 2c. Es werden dem lieben Heiland die Kleider ausgezogen, oder vielmehr weggerissen! und, o, welch' große Schmerzen! sammt den Kleidern, die tief in die Wunden gedrungen, und mit Blut benetzt sind, wird auch die anklebende Haut mit hinweggerissen und die Wunden werden dadurch erneuert. Die Kleider werden ihm ausgezogen, damit er Der heilige Kreuzweg. 267 nackt und bloß sterbe; wie wohl werde auch ich sterben, wenn ich den alten Menschen sammt seinen bösen Neigungen und Begierden werde ausgezogen haben. Ich will aus Liebe zu dir, o Jesus! den alten fündhaften Menschen aus- und einen neuen anziehen, der nach deinem Wohlgefallen, nach deinem Wunsch und Willen ist; sollte es mich auch noch so schwer ankommen, so will ich doch meinen Leib nicht schonen, alles Jrdischen, alles Zeitlichen entblößt, verlange ich zu sterben, um mit dir zu leben. Amen. Vater unser. Ave Maria 2c. Gekreuzigter Herr 2c. Eilfte Stazion. Jesus wird an das Kreuz genagelt. Wir beten dich an 2c. Jesus, seiner Kleider beraubt, wird nun auf dem Kreuze peinlich ausgestreckt, und mit Händen und Füßen an dasselbe genagelt. O welch' ein unbeschreiblicher Schmerz! Und Jesus schweigt, weil es der Wille des himmlischen Vaters ist, er erträgt es mit Geduld, weil er mir zu Liebe leidet? Wie verhältst du dich in Kreuz und Leiden? Welche Ungeduld zeigest du? Welche Klagen führest du? Jesus, geduldiges Lamm! ich verabscheue und verwerfe meine Unvollkommenheit und Ungeduld; nimm mich hin, freuzige mein Fleisch mit seinen Begierlichkeiten und Lastern, schneide, brenne, freuzige in diesem Leben, wie du willst, nur verschone meiner in der Ewigkeit! Ich strecke meine Arme aus, und übergebe mich dir willig, in Allem geschehe dein heiliger Wille. Amen. Vater unser. Ave Maria zc. Gefreuzigter Herr 2c. Der heilige Kreuzweg. Zwölfte Stazion. Jesus flirbt am Krenze. Wir beten dich an 2c. Sieh' Jesus au dem Kreuze an; da er nackt und bloß am Kreuze hängt, kannst du die Wunden sehen, die er aus Liebe zu dir empfangen hat. Die ganze Gestalt des gekreuzigten Jesus ist voll Liebe. Das Haupt ist geneigt, dich zu küssen, die Arme sind ausgespannt, dich liebreich zu umfangen, das Herz ist offen, dich einzuschließen. O welche Liebe! Jesus stirbt am Kreuze, damit der fündhafte Mensch vom ewigen Tode erlöset werde. Oliebster Jesus! wer wird mir die Gnade geben, daß ich aus Liebe zu dir sterben kann, laß mich wenigstens der Welt ganz absterben. O wie wird mir die Welt sammt ihren Eitelkeiten so verhaßt, wenn ich dich nackt und bloß an dem Kreuze hängen sehe. Nimm mich, o Jesu! in dein eröffnetes Herz; dir gehöre ich ganz und gar zu. Ich verlange nichts anderes, als mit dir zu leben und zu sterben. Amen. Vater unser. Ave Maria 2c. Gekreuzigter Herr 2c. 268 Dreizehnte Stazion. Jesus wird in den Schook seiner jungfräulichen Mutter gelegt. Wir beten dich an 2c. Von dem Kreuze hat Jesus nicht herabsteigen wollen; sondern verharrte an demselben bis an sein Ende. Nach Abnehmung vom Kreuze wollte er auch todt, wie in seinem Leben, in dem jungfräulichen Schooß Mariä liegen. Sei beständig im Guten, und lasse nicht vom Kreuze, denn wer bis ans Ende verharret, der wird selig. Bedenke, wie rein jenes Herz sein soll, in welches der zarte Frohnleichnam Jesu im heiligsten Altarssakramente aufgenommen wird. Der heilige Kreuzweg. 269 Jesus! ich bitte dich demüthigst, laß mich von deinem Kreuze nicht abnehmen, ich verlange an demselben zu leben und zu sterben: Erschaffe in mir ein reines Herz, damit ich durch die heilige Kommunion deinen allerheiligsten Leib würdig empfange, auf daß du in mir und ich in dir bleibe und nimmermehr von dir geschieden werde. Amen. Vater unser. Ave Maria 2c. Gekreuzigter Herr 2c. Vierzehnte Stazion. Jefu wird in's Grab gelegt. Wir beten dich an 2c. Der Leichnam Jesu wird begraben in ein fremdes Grab; der am Kreuze nichts hatte, wohin er sein Haupt legen konnte, hat auch sogar auf dieser Welt kein eigenes Grab, weil er nämlich von dieser Welt nicht war. Du, der du nur die Erde tennest und liebest, und nur Erde sein willst, verachte die Welt, damit du mit derselben nicht zu Grunde gehest. Jesus! du hast mich auserwählt von der Welt, was soll ich also noch in der Welt suchen? Du hast mich erschaffen zum Himmel, was soll ich nun noch von der Welt verlangen? Ferne von dir, o Welt! mit deinen Eitelkeiten, auf dem Kreuzwege, den mir mein Heiland und Erlöser mit seinen gebenedeiten Fußstapfen gebahnet, will ich meinem Vaterlande, dem Himmel zuwandern, dort soll meine Wohnung sein in Ewigkeit. Amen. Vater unser. Ave Maria 2c. Gekreuzigter Herr 2c. 270 Der heilige Kreuzweg. Fünfzehnte Station. Die heilige Selena mit dem Kreuze. Wir beten dich an 2c. Hier betrachte, meine christliche Seele, daß eben dieses Kreuz am Tage des letzten Gerichtes am Himmel erscheinen wird, da Jesus, der Sohn Gottes, die Lebendigen und die Todten richten wird. Alsdann wirst du dich erfreuen, wenn du dich der Früchte dieses heiligen Kreuzes und des Leidens und Sterbens Jesu Chrifti durch ein gottseliges Leben wirft theilhaftig gemacht haben. Thue also würdige Früchte der Buße, da es noch Zeit ist. Verleih mir, o mein Jesu! daß wir dieses heilige Kreuz, welches einst, da du zu Gerichte sitzen wirst, in den Lüften erscheinen wird, keine Furcht und Schrecken, sondern die größte Freude und Trost bringen möge. Laß also nicht zu, daß die Früchte dieses kostbaren Baumes, deines heiligen Kreuzes an mir verloren werden; sondern verschaffe, daß sie mir gedeihen zum ewigen Leben. Amen. Vater unser. Ave Maria 2c. Gekreuzigter Herr zc. Schlußgebet. Ich sage dir innigsten Dank, o gütiger Jesus! für die so große Barmherzigkeit, die du mir auf diesem Kreuzwege verlichen hast. Ich opfere dir denselben auf zur Verehrung deines bittern Leidens und Sterbens, zur Verzeihung meiner begangenen Sinden, zur Nachlassung der verdienten Strafen, zur Hülfe und zum Trost der armen Seelen in dem Fegefeuer. Endlich bitte ich dich demüthigst. 0 Jesus! du wollest dein kostbares Blut, dein bitteres Der heilige Kreuzweg. 271 Leiden und Sterben an mir nicht verloren gehen lassen, sondern mich in die ewige Freude und Seligfeit aufnehmen. Durch Jesus Christus, unsern Herrn und Heiland. Amen. Auf den grünen Donnerstag. H n dem Abende dieses Tages wusch der göttliche Heiland seinen Aposteln die Füße, setzte hierauf das heilige Meßopfer und das Priesteramt ein, theilte den Aposteln sein heil. Fleisch und Blut zum Genusse mit, und ging dann auf den Delberg, wo er sein dreistündiges Gebet verrichtete und in seiner bittern Todesangst blutigen Schweiß vergoß. Hierauf wurde er von Judas verrathen, von den Kriegsknechten gebunden, und gefangen vor den hohen Rath geführt, der in dieser Nacht noch den Unschuldigen des Todes schuldig erklärte. Unterdessen verläugnete Petrus dreimal seinen Herrn und Meister. Während des übrigen Theiles der Nacht aber wurde er von denen, die ihn festhielten, verspottet, sie schlugen ihn, verhüllten ihm das Angesicht, gaben ihm hierauf Backenstreiche und sprachen: Prophezeie uns, Christus! wer hat dich denn geschlagen? An diesem Tage werden auch die heiligen Oele geweiht, nämlich das Tauföl, das Krankenöl und das Chrisma. Bete daher auch für diejenigen, welche im Laufe dieses Jahres in den heiligen Sakramenten der Taufe, der Firmung, der letzten Delung und der Priesterweihe mit dem einen oder andern Oele gefalbt werden. Vielleicht wirst du selbst zu diesen gehören. Die Todesangst Christi mahne dich an deinen Tod, und bitte den himmlischen Vater, daß, gleichwie er seinen Sohn durch einen Engel stärkte, so auch dich zu deinem Todestampfe stärken möge durch den Empfang der heiligen Delung. Die beste Vorbereitung auf einen guten 272 Der heilige Kreuzweg. Tod aber ist wahre Reue über die begangenen Sünden, und ernstliche, beharrliche Besserung des Lebens, verbunden mit christlichen Buß- und Tugendübungen. Versezze dich daher auch heute im Geiste auf den Delberg, inie dich neben deinen Heiland, betrachte mit ihm deine Sünden, und laß dir angst und bange werden wegen deines Seelenheiles: und siehst du, wie du deinen Gott und Herrn viel öfter beleidiget hast, als Petrus, so lasse doch auch, wie er, bittere Reuethränen fließen, und bitte Jesum, daß er auch dich erbarmungsvoll anblicken möge, damit dein Inneres wahrhaft zerknirscht werde. Empfange wo möglich heute auch die heiligen Sakramente der Buße und des Altares. Bedente ferner heute auch die große unschätzbare Wohlthat, daß wir in der katholischen Kirche die heilige Messe, dieses allein Gott wohlgefällige Opfer von unendlichem Werthe, und ein von Gott selbst eingesetztes Priesterthum haben, und danke Gott dafür aus ganzem Herzen, etwa durch Abbetung des Ambrosianischen Hymnus, oder Te Deum laudamus( siehe oben S. 253). Besuche auch an diesem Tage Jesum Christum im allerheiligsten Altarssakramente, in den sogenannten Kerkervorstellungen, in einer oder mehreren Kirchen, und bitte da deinen Heiland besonders auch um Verzeihung wegen aller Unbilden, die ihm während seiner Gefangenhaltung von den Soldaten und Knechten der Hohenpriester, aber auch seitdem von unzähligen Christen, vielleicht auch von dir selbst im allerheiligsten Altarssakramente zugefügt wurden. Drei Gebete zu Jesus am Oelberge. 1. Geliebtester und betrübtester Jesu! der du, als die Stunde gekommen war, das Werk unserer Erlösung zu vollbringen, im Garten Gethsemane den Anfang deines heiligsten Leidens gemacht hast, welch' schreckliche Bilder wirkten da schon auf dein liebendes Herz! denn alle Qualen, die dir bis zum letzten Drei Gebete zu Jesus am Delberge. 273 Athemzuge bevorstanden, schwebten dir auf das lebhafteste vor Augen; Du sahst dein Elend in seiner ganzen Größe, und warst geängstigt also, daß du zu zittern, zu trauern und zu zagen anfingst, und deiner menschlichen Natur nach wehmüthig seufzteft: „ Meine Seele ist betrübt bis zum Tode." mein Herr und Heiland! ich bemitleide dich innigst und bitte dich aber auch, verleihe mir durch das Verdienst deiner so überaus bittern Traurigkeit, daß ich zur Zeit, wo auch ich betrübt, niederge= schlagen, trauernd und zagend bin, auf dich, meinen Herrn, sehen, mein Elend und Leiden mit Gelaffenheit aus Liebe zu dir dulden, und mein Herz mit deinem von Traurigkeit belasteten Herzen vereinigen möge, eingedenk, daß ich dadurch stark werde, wenn ich auch aus mir selbst schwach bin, und daß ich alsdann auch an deiner Freude im Himmel einstens ebenso Theil nehmen werde, wie ich an deinem Letden auf Erden geduldig und ergeben werde Theil genommen haben. Amen. ( Hierauf kannst du noch drei Vater unser und drei Ave Maria beten um die Gnade einer großen Gemüthsruhe zur Zeit der Betrübniß.) 2. ( 1) geliebtester, betrübtester Jesu! ich erblicke dich in deiner Trübsal auf deine Kniee niedergelassen; du getrauest dich wegen der Sünden der ganzen Welt, die auf dich genomme, deine Augen nicht zum Himmel zu erheben, sondern senkest sie vor Ehrfurcht gegen die göttliche Majestät zur Erde nieder, wohl aber stellest du in dieser Erniedrigung dein herbes Schicksal im Gebete deinem himmlischen Vater vor, Wege des Heils. 18 274 Drei Gebete zu Jesus am Delberge. der dich in dieß größte Herzeleid kommen ließ, und sprichst zu ihm mit vollkommener Unterwürfigkeit und Ergebenheit: ,, Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber, doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst." Welch' ein herrliches Beispiel gibst du uns hierin, wie auch wir in jeder Traurigkeit uns verhalten sollen! Ich lobe und preise dich, und danke dir dafür aus dem tiefsten Grunde meiner Seele. Gib mir aber auch durch das Verdienst dieses deines dreimaligen Gebetes die Gnade, daß auch ich mich bei jedem widrigen Schicksale nach deinem Beispiele zu richten vermöge, vor Allem aber alsdann im Gebete mich zum Vater wende, ihm mein Elend vorstelle, und um Abwendung desselben nicht anders, als unter der christlichen Bedingung bitte, wenn es zur Ehre seines Namens und zu meinem ewigen Heile ist, denn es ist ja nur billig, recht und heilsam, daß das Geschöpf seinem Schöpfer unterwürfig bleibe und das Kind Alles seinem besten und weisesten Vater überlasse, der das Schifflein seiner Stelle auch durch stürmende Wellen glücklich an das ewige Gestade führen, und ein augenblickliches Leid in ewige Freude zu verkehren vermag und weiß. Amen. ( Hierauf kannst du noch drei Vater unser und drei Ave Maria beten, um die Gnade eines würdigen Gebetes, welches Gott Alles anheimstellt und beharrlich ist.) 3. betrübtester, leidender Jesu! Wie sehe ich dich ergriffen vor Furcht vor den bevorstehenden schrecklichen Leiden, und umgeben von den bittersten Todesängsten, so daß dein himmlischer Vater einen Auf den Charfreitag. 275 Engel sandte, dich in deiner Schwachheit zu stärken. Wie Blutstropfen fließt der Schweiß von deinem Angesichte, aus deinen Augen, von deinen Händen, Armen und Füßen und aus allen deinen Gliedern. Ich fühle mich aus Mitleiden mit dir herzlich betrübt; ich bitte dich aber auch, schenke mir wegen des hohen Verdienstes deines bittern Todeskampfes die Hülfe deiner Gnade, auf daß ich während dieses irdischen Lebens, welches eine Zeit der Anfechtung und tausenderlei Kämpfe ist, mich beim Streite wider die Sünde bis auf's Blut widersebze, meinen Lauf gut vollende, und am Ende desselben unter dem Schuße deines stärkenden und tröstenden Engels meines Schußengels- den letzten Kampf in Kraft jenes Blutes, das du am Delberge vergossen, und in welchem du mich erlöset hast, siegreich bestehe. Amen. - ( Hierauf kannst du noch drei Vater unser und drei Ave Maria beten, um die Gnade eines guten Todes zu erlangen.) Auf den Charfreitag. an. it dem Leiden Christi beschäftiget sich heute die Kirche, ruft uns das blutige Kreuzopfer in's Gedächtniß, betet feierlich für alle, auch für Juden und Heiden, und betet den am Kreuze hängenden Heiland Betrachte auch du Christi Leiden und Sterben, besonders um die dritte Stunde Nachmittags, in der er stars. Trauere über deine Sünden, die Jesum gekreuziget haben, faste strenge, besuche das Grab Christi in einigen Kirchen, und weihe den ganzen Tag so viel als möglich den Werken der Andacht und Liebe. 18* 276 Auf den Charsamstag. Gebet vor dem Bilde des Gekreuzigten. Sieh', o mein gütigster und liebreichster Jesu! vor deinem allerheiligsten Angesichte liege ich auf den Knieen, und bitte dich aus dem innersten Grunde meiner Seele, du wollest mir lebendig in mein Herz einprägen die Gesinnungen des Glaubens, der Hoff nung und der Liebe, einer wahren Reue über meine Sünden und des festen Vorsatzes, dich nie mehr zu beleidigen; indem ich mit ungetheilter Liebe, mit innig stem Mitleide deine heiligen fünf Wunden betrachte und im Geiste erwäge, was der heilige Prophet David von dir, o mein Jesu! gesprochen hat:„ Sie haben meine Hände und Füße durchbohrt, sie zählen alle meine Gebeine." ( Jeder Christgläubige, der wann immer nach verrichteter Beicht und Kommunion mit reumüthigem Sinne folgendes Gebet vor einem Bilde Jesu des Gekreuzigten andächtig spricht, und nebstbei für das allgemeine Anliegen der heil. Kirche, Ausrottung der Ketzereien u. 1. 10. betet, kann einen vollkommenen Ablaß gewinnen, und diesen auch den armen Seelen im Fegefeuer zuwenden.( Leo Xll. Decrt. Congr. Indulg. 17. Sept. 1825.) Auf den Charsamstag. A n diesem Tage denkt die Kirche des verstorbenen fund begrabenen Heilandes; die heilige Messe dieses Tages aber, die in den ersten christlichen Zeiten in der Nacht vor dem Osterfeste gefeiert wurde, ist schon durchweht von der Freude über der Auferstehung. Vor derselben wird das neue Feuer urd die Osterkerze geweiht, Erneuerung des Taufbundes. 277 beides auch ein Sinnbild Christi, der zum neuen Leben wiedergekehrt ist. Auch wird darauf das Taufwaffer geweiht; daher du dich auch an diesem Tage ganz besonders der Wohlthat der heiligen Taufe dankbar erinnern und dein Taufversprechen erneuern sollst. Erneuerung des Taufbundes. Im heiligen Sakramente der Taufe bin ich aus dem Wasser und dem heiligen Geiste wiedergeboren, abgewaschen, geheiliget und gerechtfertiget worden im Namen unsers Herrn Jesu Christi, damit ich in das Reich Gottes eingehen könne. Aus einem Kinde des Bornes bin ich ein Kind Gottes, ein Glied und Miterbe Christi und ein lebendiger Tempel des heiligen Geistes geworden. Welch' eine ausgezeichnete Wohlthat, die mir durch die göttliche Barmherzigkeit ganz ohne meine Verdienste verliehen wurde! Ich danke dir, o gütigster Vater, der du mich aus der unzählbaren Menge von Menschen, die sich in der Finsterniß des Unglaubens und des Irrthums befinden, ausgewählt, zum wahren Glauben berufen und zu einem Gliede der einen heiligen, katholischen und römischen Kirche gemacht hast, außer welcher kein Heil ist. Wie habe ich aber diesen heiligen Glauben, den ich in der Taufe durch den Mund meines Pathen gelobt habe, gehalten? Wie habe ich mein Versprechen, ein frommes und christliches Leben nach der Vorschrift des Evangeliums zu führen, gehalten? Ach, Gott! sei mir armen Sünder gnädig. Ich erkenne, was ich gethan habe, und bereue es von ganzem Herzen, daß ich mein in der Taufe ge= machtes Gelübde, so oft gebrochen habe. Darum Auf das heilige Osterfest. erneuere und bekräftige ich es heute, und widersage nochmals dem Satan und allen seinen Werken und aller seiner Hoffart. Ich glaube an dich, o Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erde. Ich glaube an Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn, der geboren worden und gelitten hat. Ich glaube an den heiligen Geist, eine heilige, fatholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Ablaß der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Freimüthig und freudig bekenne ich: Ich bin ein Christ und ein Katholik; möge mir Gott helfen, daß ich in dem heiligen Glauben beharre und mein Leben nach den Vorschriften des Evangeliums einrichte und vollende. Amen. 278 Auf das heilige Osterfest. un aber ist Chriſtus von den Todtent auferstanden. O Tod, wo ist dein Sieg? O Tod, wo ist dein Stachel?- 1. Kor. 15. In diesen Worten liegt die Ursache der Freude, in welcher die Kirche ausruft:„ Dieß ist der Tag, den der Herr gemacht hat, laßt uns an ihm frohlocken und uns freuen." Ja, wohl haben wir Ursache, über die Auferstehung Christi uns zu erfreuen, denn sie ist das Siegel des Glaubens, indem Christus damit seine Weissagung von seiner eigenen Auferstehung erfüllt und gezeigt hat, daß er durch seinen Tod den Tod überwunden und so unsere Erlösung vollendet habe. Christi Auferstehung ist aber auch das Unterpfand unserer Hoffnung, denn weil Christus von den Todten auferstanden, werden auch wir auferstehen. Damit aber die Auferstehung deines Fleisches einst glorreich und - Auf das heilige Osterfest. 279 freudig sei, so stehe jetzt geistiger Weise auf von deinen Fehlern und Sünden, und wandle in Erneuerung deines Lebens nach dem Beispiele und der Lehre Christi. Gebet. Göttlicher und siegreicher Erlöser! Hölle, Tod und Sünde sind nun mehr überwunden, und die Pforten des Himmels geöffnet. Das große Werk deiner Erbarmung und Liebe die Erlösung des gefallenen Menschengeschlechtes- ist vollbracht. Glorreich, wie du es vorhergesagt hattest, bist du von den Todten auferstanden; und unser Glaube an dich ist unerschütterlich geworden. Welch' ein Tag, der mich an alle diese Begebenheiten von unaussprechlicher Wichtigkeit, Freude und Trost erin nert, aber auch zur Bewunderung, Anbetung und zum innigsten Danke auffordert! O mein Heiland von unbegrenzter Liebe! ich frohlocke über deinen Sieg, und freue mich, als dein Erlöster über deine Auferstehung. Sie hat Sünde und Tod von mir genommen, und meinen Anspruch auf eine selige Ewigkeit wieder geltend gemacht. Wie soll, wie kann ich dir würdig genug dafür danken? was zur Erwiederung deiner so überschwenglichen Liebe und Erbarmung thun? Was anders, als deinem mir so anbetungswürdigen Beispiele nachfolgen? kämpfen gegen die Sünde aus allen meinen Kräften, damit sie meine Seele, der du das Leben so theuer wieder erkauft hast, nicht tödte; kämpfen wider meine sündhaften Begierden und Leidenschaften, bis ich sie gänzlich überwinde, und, nach erhaltenem Siege zu einem neuen, dir gehei 280 Auf die Bitttage. ligten Leben auferstehe. Diese Pflicht legt mir der heutige Tag auf eine vorzügliche Art an's Herz: und meine Hoffnung, sie zu erfüllen, wird durch das Vertrauen, daß du, o mein liebreicher Heiland! mich gnädiglich unterstützen wirst, auf's Neue belebt an dem Tage, der mich daran erinnert, daß du die Sünde überwunden, und deine Erlösten dieses deines Sieges theilhaftig gemacht hast. Ich bitte dich demnach mit kindlicher Zuversicht, du wollest meine Entschließungen, die ich heute erneuere, stärken, mich in dem Kampfe gegen die Hölle, Welt und Sünde mit Muth, Kraft und Standhaftigkeit ausrüsten, die Macht dieser meiner gefährlichsten Feinde schwächen, und mich dadurch in den Stand sehen, einen guten Kampf zu kämpfen, damit ich endlich die Krone der Gerechtigkeit erringen, und siegreich dahin gelangen möge, wohin du mir durch dein Leiden und deine Auferstehung einen fichern Weg geöffnet hast. Amen. Auf die Bitt- Tage. ie Prozessionen an diesen Tagen sind von der Kirche angeordnet, theils um Gott wegen unserer Sünden zu versöhnen, auf daß er uns nicht mit allgemeinen Plagen und Nöthen züchtige; und theils, um von ihm Segen für die Feldfrüchte zu erflehen. Vereinige dein Gebet mit dem der Kirche; nimm wo möglich an einem Bittgange mit Andacht und Anstand Antheil, fo daß auch Andere durch dich erbaut werden, und bete die Litanei zu allen Heiligen Gottes. Bei dem Bittgange Auf das Fest der Himmelfahrt Jesu. 281 erinnere dich an deinen göttlichen Heiland, Jesus Christus, der Dörfer und Städte durchzog, und überall Zeichen seiner Gnade und Liebe seinen Segen hinterließ. Bedenke weiter, daß unser irdisches Leben auch ein Wandeln nach dem himmlischen Vaterlande sein soll, und keherzige vorzüglich den Ausspruch des göttlichen Heilandes; Unser Vater im Himmel wird den guten Geist Allen geben, die ihn darum bitten.“ - Litanei zu allen Seiligen Gottes. ( Siehe weiter unten am Allerheiligenfeste.) Allgemeines Gebet. ( Siehe weiter unten im sechsten Abschnitte.) Kirchengebet. Lasset uns beten. Allmächtiger Gott! auf dessen Güte wir in allen unsern Anliegen vertrauen; wir bitten dich, verleihe uns, daß wir unter deinem Schuße von allen Widerwärtigkeiten stets bewahret werden mögen, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Auf das Fest der Himmelfahrt Jesu. F r ist aufgenommen worden, und fitzet zur Rechten Gottes. Mart. 16, 19. Christus unfer Herr und Heiland, besizt und genießt also auch in seiner menschlichen Natur die größte Macht und Herrlichkeit bei seinem Vater. O freuen wir uns darüber aus ganzem Gemüthserhebung. Herzen! Er übt im immel aber auch das Amt unsers Fürsprechers beim Vater. O bewerben wir uns doch recht angelegentlich um seine Alles vermögende Fürsprache! Auch will der göttliche Heiland, daß wir ebenfalls dahin kommen, wo er ist, und hat viele Wohnungen für uns im Himmel bereitet. O betrachten wir doch recht ernstlich die himmlische Glorie, die uns bereitet ist, und wir gewiß erlangen werden, wenn wir jetzt unsern Sinn von allen irdischen Dingen abziehen und nach den himmlischen trachten. Suchet, was oben ist, wo Christus zur Rechten Gottes fizet; für das, was oben ist, habet Sinn, nicht für das, was auf Erden ist." Koloss. 3. 2. " 1 282 Gemüthserhebung. Göttlicher Heiland, der du nach deinem Leiden. glorreich auferstanden, und herrlich in den Himmel aufgefahren bist; zu dir erhebe ich in diesem Thale der Zähren mein Herz nnd seufze nach dir! Meine unsterbliche Seele hat kein anderes lettes Ziel und Ende, als dich allein; denn für den Himmel haft du mich, o Gott! erschaffen, um dich dort anzuschauen, zu lieben, zu loben und deiner zu genießen von Ewigkeit zu Ewigkeit. O mein Herr und Heiland! gib mir, daß ich dahin gelange, und in dir meine ewige Ruhe finde. Ertheile mir heute an dem jährlichen Gedächtnißfeste deiner Himmelfahrt, in dieser Stunde der Andacht einen solchen Borgeschmack der ewigen Freuden, daß ich alles Jrdische von nun an verachte und allein nach dem Ewigen trachte. O Himmel! o glückselige Stadt meines Gottes! wie groß bist du, wie herrlich! da von dir geschrieben steht, kein Vuge hat gesehen, kein Ohr gehört, keines Menschen Herz es jemals erfasset, was Gott Gemüthserhebung. 283 in dir bereitet hat denen, die ihn lieben. Die du, o Jesus! erlöset und zu deinem Throne berufen haſt, gehen ein in diese glückliche Himmelsstadt, dich ewig zu loben; sie werden glänzen wie die Sonne, ewige Freude werden sie genießen, und aller Schmerz und alle Seufzer werden von ihnen weichen. O göttlicher Heiland! laß auch mich zu, dieser Stadt der Freuden auf den Stufen der Tugenden emporsteigen und mit heiliger Begierde nach ihr erfüllet werden, damit ich die Erde verschmähe und immer an den Himmel gedenke. O Jesu, du König der Glorie; ich bete dich an auf dem Throne deiner Herrlichkeit, auf dem du sizest zur Rechten deines Vaters, um bei ihm unser Fürsprecher zu sein und uns Trost in unsern Armseligkeiten und Licht und Stärke auf unserer irdischen Wanderschaft zu erwerben. Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben, und nur durch dich können wir eingehen in die Freude deines Vaters. Ach, höre und erhöre mein Flehen am heutigen Tage, in dieser Stunde, und mache mich deiner Verheißungen würdig, damit ich nach dem Tode in's ewige Leben gelange. Jesu, liebster Heiland! wie groß ist deine Güte! Du hast im Himmel dem Menschen ewige Güter vorbereitet, und ihm eine unaussprechliche Freude und eine Glückseligkeit bestimmt, die kein Maß und kein Ende hat; und dennoch verachtet die Welt den Himmel und liebet die Eitelkeit und das Vergängliche. Dieses bedenkend werfe ich mich mit reuevollem Herzen vor deiner Majestät nieder und bitte dich demüthigst um Verzeihung. Jch bereue 284 Auf das hochheilige Pfingstfest. meine und der ganzen Welt Sünden; sei uns gnädig und barmherzig, der du dein Blut für uns vergossen und den Tod erlitten hast, damit wir ewig leben mögen. O nimm meine reumüthige Abbitte gnädig auf, der du nicht willst den Tod des Sünders, sondern daß er ewig lebe. Amen. Auf das hocheilige Pfingstfest. J n der Woche vor Pfingsten schon, als der Vorfeier des Festes, sollst du dich mehr als gewöhnlich dem Gebete hingeben und stille Zurückgezogenheit mög lichst beobachten, nach dem Beispiele der Apostel, die auch nach der Himmelfahrt des Herrn im Saale zu Jerusalem eingeschlossen, mit Gebet und Fasten auf die Ankunft des versprochenen heiligen Geistes sich vorbereiteten. Halte auch du die heiligen Pfingstfesttage gewissenhaft nach Vorschrift der Kirche und rufe in der Woche vor dem Feste und während der Oktave täglich um die Gaben des heiligen Geistes. Zu diesem 3wecke fannst du den folgenden Hymnus zu Ehren des heiligen Geistes täglich andächtig sprechen. Besonders aber flehe am hohen Pfingstfeste mit ganzer Inbrunst deiner Seele, daß der heilige Geist auch in dir eine ähnliche Sinnes- und Lebensänderung und Heilung wie in den Aposteln bewirken möge. Danke auch, daß du ein Glied der katholischen Kirche bist, deren Geburtsfest das Pfingstfest ist, an welchem sich in Folge der Predigt des Apostelfürsten Petrus die erste Christengemeinde zu Jerusalem bildete. Nur in der katholischen Kirche, als der wahren Kirche Christi, wohnt der heilige Geist mit der Fülle seiner Gnaden. Erneuere auch heute die Gnade, die du in der heiligen Firmung durch die Auflegung der bischöflichen Hände, durch dessen Gebet und Salbung mit Chrysam empfangen hast; und fasse auf's Hymnus vom heiligen Geiste. 285 Neue den Vorsatz, durch die Kraft des heiligen Geistes gestärkt, durchs ganze Leben den Glauben standhaft zu bekennen und darnach zu leben. Bete auch in diesen Tagen für die Firmlinge. - Hymnus vom heiligen Geiffe. Komm, heiliger Geist, und sende vom Himmel deines Lichtes Strahl. Komm, Vater der Armen, komm, Geber der Gaben, komm, Licht der Herzen. Bester Tröster, süßer Gast der Seele, süße Erquickung. In der Arbeit Ruhe, in der Hiße Kühlung, in den Thränen Tröstung. O seligstes Licht, fülle das Innere des Herzens deiner Treuen. Ohne deine Gottheit ist nichts im Menschen, ist nichts unschuldig. Wasche, was unrein ist: tränke, was verdorrt iſt; heile, was wund ist. Beuge, was spröd ist; wärme, was falt ist; lenke, was abwegs ist. Gib deinen Treuen, die auf dich vertrauen, die heilige Siebengabe. Gib der Tugend Verdienst, gib des Heiles Ausgang, gib unvergängliche Freude. Gebet. Ich will Waffer ausgießen auf den Durftigen, und Flüffe auf das Trockne. Meinen Geist will ich auf deinen Samen ausgießen, und meinen Segen auf dein Geschlecht. Isaias 44, 3. Oheiliger Geist! ewiger und wahrer Gott! der du von dem Vater und dem Sohne zugleich ausgehest; der du bei der Taufe Jesu Chrifti in Gestalt einer Taube vom Himmel herabgestiegen, und an dem Tage, den die Kirche heute feierlich begeht, in Gestalt feuriger Zungen über den Aposteln erschienen bist, um sie in der Wissenschaft des Heils zu unter Gebet vom heiligen Geiste. richten, und Lehrer aus ihnen zu machen, welche die Welt mit himmlischer Weisheit erleuchten sollten. Ich danke dir demüthig, daß du mich in der Taufe, und durch das Sakrament der Buße geheiliget, und bei dem Gebrauche der übrigen heiligen Sakramente mit himmlischen Gnaden erfüllt hast. Erhalte in mir diese Gnaden, welche dein Werk sind, und verhüte gnädiglich, daß ich sie durch die Sünde nicht leichtsinnig verscherze. Leg' eine heilige und kindliche Furcht in mein Herz, daß ich meinen himmlischen Vater nicht beleidige. Gib mir Gottseligkeit in meinen Werken, Unterwürfigkeit gegen Gott und meine Vorgesetzten; Wissenschaft, den Werth aller Dinge deutlich einzusehen; Stärke, den Lüften mei nes Fleisches, und den Reizungen der Welt zu widerstehen; guten Rath in allen zweifelhaften Fällen, vorzüglich in dem Geschäfte meines Heils; Verstand, meinen Gott, meine Bestimmung, und den Inhalt meiner Religion immer besser zu erkennen. O heiligster Geist! verhüte, daß ich dich jemals betrübe, und weiche nicht von mir. Vertreib aus meiner Seele den schädlichen Geist der Welt, und mit ihm Selbstvertrauen, Gottvergessenheit, Stolz, Thorheit, Weichlichkeit, Weltflugheit und Unwissenheit in den Dingen meines Heils. Heiliger Geist! du Tröster betrübter Seelen! mache mich fröhlich, wenn ich traurig bin; gib mir Muth, wenn ich verzage; beruhige mein Herz, wenn Kummer mich drückt; erleuchte mich, wenn Finsterniß meine Seele umgibt; erweiche mein Herz gegen die Nothleidenden; überhaupt aber mache mich gegen deine Eingebungen aufmerksam, gelehrig und folgsam. Bereite dir end286 287 Auf das Fest der heiligen Dreieinigkeit. lich mein Herz zu einer würdigen Wohnung, und laß nicht zu, daß ich dich jemals daraus verdränge. Amen. Auf das Fest der heil. Dreieinigkeit. B tärke dich heute in dem Glauben an den Einen Gott in drei Personen, danke ihm für alle empfangenen Wohlthaten, auch für alle heiligen Sakramente, die dir schon im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit gespendet worden sind, besonders für die Taufe. Heute kannst du beten das Gebet zur heiligen Dreifaltigkeit und die drei göttlichen Tugendübungen( siehe Seite 24 und 28), dann das Te Deum laudamus( fiehe Seite 253 und endlich folgende Litanei zur heiligsten Dreifaltigkeit. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, O ungeborner Vater, Deingeborner Sohn, Oheiliger Geist, der du vom Vater und Sohne zugleich ausgehest, Heiligste Dreifaltigkeit, die du Alles erschaffen hast, erhältst und regierst, Du unermessene Macht des Vaters, Du unbegreifliche Weisheit des Sohnes, Erbarme dich unser! Litanei zur heiligsten Dreifaltigkeit. 288 Du unendliche Güte des heiligen Geistes, Du heiliger, starter, unsterblicher Gott, Du König aller Zeiten, Der du warst, bist und ewig sein wirst, Du Herr der Heerschaaren, Dem die seligen Geister heilig, heilig, heilig fingen, Du Schöpfer, Herr und König aller Menschen, In dem wir uns bewegen, leben und sind, Du wunderbarlicher Gott der ganzen Welt, Den die Himmel nicht fassen, und die Erde nicht einschließen kann, Sei uns gnädig, verschone uns, o allerheiligste Dreieinigkeit! Sei uns gnädig, erhöre uns, o allerheiligste Dreieinigkeit! Von allem Uebel, erlöse uns, o heiligste Treieinigkeit! Von aller Sünde, erlöse uns, o heiligste Dreieinigkeit! Von deinem Zorne, erlöse uns, o heiligste Dreieinigkeit! Vom gähen und unversehenen Tode, Von den Nachstellungen des Teufels, Von allem bösen Willen, Von Unglauben und Aberglauben, Von Trägheit in deinem Dienste, Vom Geiste der Unkeuschheit, Von Bliz und Ungewitter, Vom ewigen Tode, Durch die Stärke deiner Allmacht, Durch die Tiefe deiner Weisheit, Durch die Unermeßlichkeit deiner Güte, Durch die Menge deiner Barmherzigkeit, Durch deine unergründliche Gerechtigkeit, Durch deine unendliche Herrlichkeit, Durch alle deine göttl. Vollkommenheiten, Wir arme Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß wir deinen heiligen Namen zu ehren und zu preisen vermögen, Daß wir dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu dienen vermögen, Daß wir deine heiligen Gebote gewissenhaft zu erfüllen vermögen, Daß wir dich aus ganzem Herzen und den Nächsten wie uns selbst zu lieben vermögen, Erbarme dich unser! Erlöse uns, o heiligste Dreieinigkeit! erhöre Wir bitten dich, uns! Litanei zur heiligsten Dreifaltigkeit. Daß wir Alles zu deiner Ehre zu beginnen, fortzusetzen und zu vollbringen vermögen, Daß wir den Reichthum deiner Langmuth und Güte nie verachten vermögen, Daß wir unsere Leiber und Seelen zu einem lebendigen Opfer dir weihen, Daß wir zur Anschauung deiner Herrlichkeit gelangen, O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! 289 O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! erhöre uns! Wir bitten dich, O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Vater unser. Ave Maria V. Lasset uns benedeien den Vater, den Sohn und den heiligen Geist; R. Lasset ihn uns loben und preisen in Ewigkeit. Wege des Heils. Lasset uns beten. Allmächtiger, ewiger Gott! der du deinen Dienern verliehen hast, im Bekenntnisse des wahren Glaubens die Glorie der ewigen Dreifaltigkeit anzuerkennen, und in der Macht der Majestät die Einheit anzubeten; wir bitten dich, daß wir durch die Festigkeit des Glaubens gegen alle Widerwärtigkeiten jederzeit beschützt werden mögen, durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 19 290 Auf das hochheilige Frohnleichnamsfest. Auf das hochheilige frohnleichnamsfest. a die Erinnerung an das beginnende Leiden Christi die Einsetzung des allerheiligsten Sakramentes des Altares nicht zuläßt, so feiert die Kirche heute durch eine besondere und überaus freudenvolle Feierlichkeit diese so gnadenvolle Einsetzung des allerheiligsten Sakramentes, des Priesterthumes und der hochheiligen Meßopfers, und bekennt durch die feierliche Prozession mit dem Allerheiligsten öffentlich ihren Glauben. Wohne, wo möglich, dieser Prozession bei, und zwar mit der größten Ehrfurcht und Andacht, dante dabei Gott für die Einsetzung dieses heiligen Sakramentes und Opfers, sowie für die Stiftung des Priesterthumes, und leiste Sott auch demüthige Abbitte wegen aller Beleidigungen, die dem göttlichen Heilande bei Anhörung des hochheiligen Meßopfers, oder beim Empfang der heiligen Kommunion von dir und andern Christen oder auch von Kezern und Abtrünnigen jemals sind zugefügt worden. Besuche auch während der Oktave wo möglich täglich Jesum Christum, deinen Herrn und Heiland, im allerheiligsten Sakramente des Altares, eingedenk, welch' süße, gnadenreiche und selige Stunden die Heiligen vor diesem heil. Sakramente verlebt haben. Zu diesem Zwecke fannst du die für den Gründonnerstag bezeichneten Gebete, oder auch folgende Gebete verrichten. Allgemeines Gebet vor dem allerheiligsten Altarssakramente. verhüllte Gottheit! die du unter diesen Gestalten des Brodes wahrhaft verborgen bist, ich bete dich in tiefster Ehrfurcht an. Mein Herz unterwirft sich dir ganz, denn dich betrachtend, fühlt es so ganz seine Nichtigkeit.- Herr! zu wem soll ich gehen? Du haft Worte des ewigen Lebens. Ich habe gefunden, Allgemeines Gebet vor dem Altarssakramente. 291 den meine Scele liebt; ich will ihn festhalten und nimmer von mir lassen. O mein Geliebter! wie schön bist du, wie gut und liebenswürdig! O mein einziges Vergnügen, o mein Leben! o meine Freude! o meine höchste Süßigkeit! O mein Gott und Alles! Ich lobe dich, ich benedeie dich, ich bete dich an, ich umfange dich mit allen Gefühlen meines Herzens, denn du bist Gott, die Güte felbst, die ewige Liebe, die unerschöpfliche Weisheit, die unendliche Macht, die höchste Vollkommenheit. O Herr! ich glaube an dich, aber noch fester möchte ich glauben. O Herr! ich hoffe auf dich, aber noch zuversichtlicher möchte ich hoffen. O Herr! ich liebe dich, aber noch heißer möchte ich dich lieben. O Herr! ich bereue meine Sünden, aber noch hef= tiger möchte ich sie bereuen. Ich bete dich an, als den Urgrund von Allem; nach dir geht mein Verlangen, der du bist mein letztes Ziel; dich lobe ich als meinen immerwährenden Wohlthäter; und rufe dich an als meinen gnädigen Beschützer. Leite mich nach deiner Weisheit; erhalte mich in der Gerechtigkeit; tröste mich in deiner Güte; beschütze mich in deiner Macht. Dir, o Gott! opfere ich meine Gedanken, auf dich sollen sie gerichtet sein, meine Worte, von dir sollen sie lauten; meine Thaten, nach deinem Willen sollen sie geschehen; und meine Leiden,- deinetwegen feien sie ertragen. Was immer du willst, as will ich auch; und will es, weil du es willst, und wie du es willst, und so lange du es willst.- Herr! ich bitte dich, erleuchte meinen Verstand, entflamme meinen Willen, reinige meinen Leib, heilige meine Seele. 19* - - 292 Allgemeines Gebet vor dem Altarssakramente. Laß nicht zu, daß der Stolz mich anstecke, die Schmeichelei mich bewege, die Welt mich betrüge, der Satan mich umgarne! Verleihe mir die Gnade, mein Gedächtniß zu läutern, meine Zunge zu zäumen, meine Augen einzuhalten, meine Sinne zu bändigen. Ich will beweinen meine vergangenen Missethaten, abtreiben alle kommenden Versuchungen, verbessern alle fehlerhaften Neigungen, und ausbilden alle erforderlichen Tugenden. Guter Gott! verleihe mir, dich zu lieben, mich zu hassen, für den Nächsten zu eifern, die Welt zu verachten. - Ich will mich befleißen, den Obern zu gehorchen, den Untergebenen behiflich zu sein, den Freunden zu rathen, Niemanden zu beneiden. Jesu! ich will, eingedenk deines Befehles und Beispiels, dic Feinde lieben, Unbilden ertragen, denen, die mich verfolgen, Gutes thun, und für die, so mich schmähen, beten. Ich will überwinden die Lust durch Strengheit, den Geiz durch Freigebigkeit, den Zorn durch Sanftmuth, die Lauheit durch Frömmigkeit.- Mache mich flug in Rathschlägen, standhaft in Gefahren, geduldig im Unglücke, demüthig im Glücke.- Gib, o Herr! daß ich andächtig bin im Gebete, nüchtern beim Mahle, eifrig im Berufe, fest im Vorsate. Ich will besorgt sein für innere Heiligkeit, äußere Bescheidenheit, musterhaften Umgang und gesetzmäßiges Leben.- Ich will mich bemühen, die Natur zu bezähmen, die Gnade zu bewahren, das Gesetz zu halten, das Heil zu verdienen. – Ich will streben nach Heiligung durch aufrichtiges Bekenntniß der Sünden, durch eifrigen Genuß des Leibes Christi, durch fortwährende Sammlung des Geistes, durch - - Allgemeines Gebet vor dem Altarssakramente. 293 reine bsicht des Herzens.- Ich will lernen von dir, o Gott, wie gering das Irdische, wie groß das Göttliche; wie kurz das Zeitliche, wie dauerhaft das Ewige sei. Hilf mir, dem Tode vorzubauen, das Gericht zu fürchten, die Hölle zu fliehen, das Paradies zu erringen. O Herr! dessen erbarmungsvolles Herz Allen offen steht, der du Niemanden zu Grunde gehen lassen, sondern Alle selig machen willst, und deßhalb für Alle dem Tode dich unterworfen und dieses heilige Sakrament eingesetzt hast; erbarme dich Aller, für die ich zu beten schuldig bin, und du willst, daß gebetet werden solle. Bekehre die armen Sünder, rufe zurück die Irrgläubigen und Abtrünnigen, erleuchte die Ungläubigen, die dich nicht kennen; stehe Allen bei, die sich in irgend einer Noth oder Anfechtung befinden, vornämlich meinen Eltern, Verwandten, Freunden und Wohlthätern. Verleihe, ich bitte dich, den Priestern Heiligkeit und Unbescholtenheit, den Fürsten Rube, den Jungfrauen Reuschheit, den Verheiratheten Frieden, den Bußfertigen Nachlassung, den Gerechten Beharrlichkeit, den Sündern Nachsicht, den Wittwen und Waisen Unterhalt, den Armen Schuß, den Betrübten Trost, den Reisenden glückliche Rückkehr, allen Christgläubigen endlich, den Lebenden nicht minder als den Verstorbenen, Gnade und ewiges Leben. O Jefu! ich scheide nun von dir zwar dem Körper, aber nicht dem Geiste nach, o einziges Gut meiner Seele! Bleibe bei mir, Herr! und laß mich nie von dir getrennt werden. Ich will mich nur in dir und für dich beschäftigen; du sollst der An 294 Litanei zum allerh. Sakramente des Altares. fang und das Ende aller meiner Worte und Handlungen sein. Segne, Herr! deinen Diener, und entlasse ihn in Frieden. Amen. Litanei zum allerheiligsten Sakramente des Altares. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Chrifte, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heiligste Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Du verborgener Gott, Du allerheiligstes Du Fleisch gewordenes Wort, atrament, Du ehrwürdiges Sakrament, Du Sakrament der Liebe, Du Geheimniß des Glaubens, Du überaus staunenswürdiges Wunder, Du Gedächtniß der Wunderwerke Gottes, Du immerwährendes Gedächtniß des Leidens und Todes Christi, Du lebendiges Gedächtniß der Auferstehung und Himmelfahrt Christi, Du heiliges und reines Opfer, Du immerwährendes und jegensvolles Opfer, Du süßestes Gastmahl, Du Speise und Gast zugleich, Du Brod der Engel, Du lebendiges Brod, das du vom Himmel gekommen bist, Du Brod, das der Welt das Leben gibt, Du Brod, das das Herz des Menschen stärkt, Du Freude heiliger Seelen, Du Trost der Betrübten, Du Speise der Hungrigen, erbarme dich unser! Erbarme dich unser! Bitanei zum allerh. Sakramente des Wtares. 295 Du Arznei der Kranken, erbarme dich unser! Du Wegzehrung der im Herrn Sterbenden, erbarme zc., Du Pfad der zukünftigen Herrlichkeit, erbarme dich unser! Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Von dem unwürdigen Genusse deines Fleisches und Blutes, Von der Lauigkeit im Empfange dieses heiligen Sakramentes, Von der Begierlichkeit des Fleisches, Von der Begierlichkeit der Augen, Von der Hoffart des Lebens, Von aller Sünde, Durch das Verlangen, dieses Osterlamm mit deinen Jüngern zu essen, Durch die tiefe Demuth, mit welcher du deinen Jüngern die Füße gewaschen hast, Durch die brennende Liebe, mit welcher du dieses göttliche Sakrament eingesetzt haft, Durch dein kostbares Blut, das du für uns am Kreuze vergoffen hast, Durch dein heiliges Opfer, das du uns auf dem Altare hinterlassen haft, Wir arme Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du in uns den Glauben und die Ehrfurcht gegen dieses heilige Sakrament erhalten und vermehren wollest, Daß du in uns ein heißes Verlangen, dieses Himmelsbrod zu empfangen, erwecken wollest, Daß du uns zum würdigen und häufigen Empfange dieses heil. Sakramentes bereiten wollest, Daß du uns die kostbaren Früchte dieses belebenden Sakramentes mittheilen wollest, Daß du uns zum Besuche und zur Anbetung dieses hochheiligen Sakramentes aneifern wollest, Daß du uns in der Todesstunde mit dieser himmlischen Wegzehrung stärken und ausrüsten wolleft, Erlöse uns, o Herr! Wir bitten dich, erhöre uns! Sohn Gottes, du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! 296 Auf das jährliche allgemeine Kirchweihfest. O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Vater unser. Ave Maria. Laffet uns beten. Gott, der du uns in dem wunderbaren Sakramente das Andenken deines Leidens hinterlassen hast; wir bitten dich, verleihe uns das heilige Geheimniß deines Leibes und Blutes so verehren, daß wir die Früchte deiner Erlösung kräftig in uns empfinden, der du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Auf das jährliche allgemeine Kirchtweihfest. ine große Ehrfurcht gebührt jeder Kirche, denn sie ist durch die Weihe das Haus Gottes unter den Menschen und ein Thron der Gnade und des Segens geworden. An diesem Festtage sollst du daher vorerst Gott danken für alle Gnaden und Wohlthaten, die dir seit der Taufe bis auf die Stunde in der Kirche und durch die Kirche zu Theil wurden; dann sollst du aber auch von Herzen bereuen und Gott um Verzeihung bitten wegen aller Sünden, die du dir theils durch nachlässigen Besuch der Kirche, theils in denselben durch Vorwiß der Augen, Geschwätzigkeit der Zunge, Anstandslosigkeit der Geberden, Zerstreuung des Geistes und Kälte des Herzens Zeit deines Lebens zu Schulden kommen ließest. Bitte aber auch inbrünstig, daß Gott dir und allen Christen leer Gebet auf das jährliche Kirchweihfest. 297 durch die ganze noch übrige Lebensdauer die Segnungen der Gotteshäuser im reichlichsten Maße möge zufließen laffen. Bete auch für die Diener der Kirche, und vergiß nicht, wohl zu erwägen, daß du auch ein Tempel Gottes bist, den du nie durch eine Sünde entweihen sollst. - Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! Wir feiern heute daß allgemeine Andenken der Einweihung unserer christlichen Kirchen, das Andenken jener Tage, in denen unsere Kirchen zu deiner Ehre und zu deinem Dienste durch das Gebet und die Salbung des Bischofs geweiht wurden.- Nun sind sie Gottes Häuser!- Wie viel will das sagen! Sie sind also Häuser, in denen alle guten, gläubigen Christen, wie im Hause ihres Vaters zusammenkommen, in denen wir unsern Gott loben und preisen und gemeinschaftlich zu ihm beten. Und du machtest dich verbindlich, o unbegreiflich guter Gott! hier alle Gebete deiner dich anbetenden Kinder auf Erden zu erhören; und es gelten von unseren Kirchen in einer noch weit größeren Ausdehnung und tieferen Bedeutung alle jene Verheißungen, die du einst dem König Salomon nach der feierlicheu Cinweihung des Tempels zu Jerusalem gemacht hattest in den Worten: ,, Wenn ich in den Himmel verschließe, daß er keinen Regen gibt; wenn ich die Heuschrecke sende, und ihr befehle, das Land abzufressen; wenn ich die Pest über mein Volk schicke; dieses Volk aber, das meinen Namen trägt, sich demüthigt, mich anruft, mein Angesicht sucht, und über seinen bösen Wandel Buße thut: will ich es im Himmel erhören, ihm seine Sünden verzeihen um seinem Lande Heil wider 298 Gebet auf das jährliche Kirchweihfest. fahren zu lassen. Wer mich an diesem Orte anruft, dessen Gebet will ich mit gnädigem Auge ansehen, und mit einem aufmerksamen Ohre anhören; denn ich habe nun dieses Haus gewählet und geheiliget, damit mein Name darin zu ewigen Zeiten wohne, und mein Auge und mein Herz immerdar hier sei." O mein Gott! welche Gnade, daß du dich würdigest, hier alle Gebete, alles Flehen und alle Wünsche deiner Kinder zu erhören.- Doch du thust in diesen deinen heiligen Wohnungen noch mehr für uns: Da redest du auch zu uns durch deine Priester, welche uns dein Wort verkündigen, in deinem Namen ermahnen und drohen, unterrichten, trösten, begnadigen und uns segnen. - Da sind wir durch die Taufe zu Christen eingeweiht worden,- da spricht man uns von Sünden los, da wird für uns geopfert und die Speise des Lebens der Leib und das Blut Jesu Chriſti uns mitgetheilt; ja, dein Sohn Jesus Christus selbst ist da immer im heiligsten Sakramente zugez gen, wartet da gleichsam auf uns und ladet uns ein zu sich mit den freundlichen Worten: Kommet her zu mir Alle, die ihr geängstiget und belastet seid; ich will euch erquicken und stärken." O Gott! unzählig sind die Wohlthaten, Gnaden und Segnungen deines Hauses, und unzählige derselben habe ich schon empfangen durch meine ganze Lebenszeit. Ich danke dir dafür in meinem und aller Christen Namen aus der ganzen Fülle meines Herzens, und will meine dankbare Gesinnung in Zukunft besonders durch fleißigen Kirchenbesuch und treue Benütung aller firchlichen Wohlthaten an den - Gebet auf das jährliche Kirchweihfeft. 299 Tag legen; allein ich fühle es, daß all mein kräftigster Dank noch immer viel zu gering sei. Kommt mir daher zu Hülfe, ihr Engel des Himmels und Auserwählte Gottes mit sammt eurer Königin! und danket statt meiner und mit mir dem Dreieinigen; ja, da ich erkenne, daß auch dieser vereinte Dank noch zu gering ist für so viele göttliche Wohlthaten, so bringe ich dir, o Gott! deinen Sohn Jesus Christus in der heiligen Messe zum Dankopfer dar, an dem du ein vollkommenes Wohlgefallen haſt. Unzählig und unschäßbar sind die Wohlthaten, die du, o Gott! in deinem Hause uns erweisest; und dennoch habe ich dich gerade an dieser heiligen Stätte gar oft beleidigt! Aber ich bereue es jetzt von ganzem Herzen, und bitte: Verzeib' es mir, o Gott! verzeih' es mir, o Vater!- Dein Haus ist beilig, ich will es nicht mehr entweihen! Es ist ein Haus des Gebetes, ich will es zu keiner Mördergrube, zu keinem Geschwätz- und Geschäftshause machen. Es ist ein Haus der Gnade und des Segens; ich will es nie durch Ausschweifungen zum Hause des Zornes und Fluches machen.- Ich will es nicht mehr scheuen, nicht mehr vor ihm fliehen. Ohne 3wang, mit Freude und Vergnügen. will ich mich jedesmal gerne in die Kirche begeben, mit Ehrfurcht und Andacht darin verweilen, und mich glücklich schätzen, daß ich in's Haus meines Vaters kommen, und darin alles Gute lernen, wirken und empfangen kann. Auch Andern will ich den Besuch der Kirche empfehlen und sie durch mein gutes Betragen, durch meine Andacht und Frömmigkeit zur Andacht und Ehrfurcht zu ermuntern suchen. — - 300 Auf die Festtage der seligsten Jungfrau. O Vater im Himmel! schenke mir und Allen, so oft wir in der Kirche zusammenkommen, um deinen Namen zu preisen, dem heil. Meßopfer beizuwohnen, dein göttliches Wort zu vernehmen, und die heiligen Sakramente zu empfangen, ja, schenke uns Allen deine Hülfe und Gnade, Licht zur Grkenntniß der Wahrheit, Kraft und Antrieb zum Guten, Trost in Widerwärtigkeiten, und laß uns, so oft wir in deinem Hause mit heiliger Freude, ungeheuchelter Andacht, Demuth, Sittsamkeit und Ehrfurcht erscheinen, nach dem Uebermaße deiner unbegrenzten Liebe und Milde, Heil widerfahren, wie dem Zachäus Heil widerfahren ist, durch die Einkehr Jesu Christi, deines eingebornen Sohnes, unsers Herrn und Heilandes, der mit dir, o Vater, und dem heiligen Geiste lebt und regiert in Ewigfeit. Amen. Auf die Festtage der seligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria. 한국 Le Ansprüche der heil. Väter stimmen darin überein, daß Christus, als er am Kreuze hängend zu Maria sprach:„ Siehe deinen Sohn!" er in der Person seines Jüngers, alle seine fünftigen Jünger, die Christen, seiner Mutter übergab und ihr die geistige Mutterschaft über alle Christen übertrug. O wie glücklich sind wir! die Mutter Gottes, diese so mächtige, so süße und gütige Königin des Himmels ist auch unsere Mutter. Wird sie uns also nicht Alles erbitten können und wollen, was uns immer für Seele oder Leib nöthig oder heilsam ist. Sollen wir sie also nicht mit größtem Vertrauen in allen unsern Anliegen anrufen? Behaupten nicht - Anempfehlung seiner selbst an die sel. Jungfrau. 301 alle heiligen Väter einstimmig, daß es noch nie sei erhört worden, daß sie irgend Jemand je verlassen habe, der zu ihr seine Zuflucht genommen und sie mit Vertrauen und Liebe angerufen habe. Besonders wird sie die Heiligste aller Heiligen um so mehr unser Flehen anhören, wenn wir uns auch ihr erhabenes Tugendschauspiel zu Gemüthe führen und eifrig nachahmen, und wenn wir sie in Dingen anrufen, die unser Seelenheil betreffen. Rufe sie daher täglich an und verehre sie recht oft mit dem englischen Gruße, besonders Morgens, Mittags und Abends, wo dich auch die heilige Kirche, deine geistige Mutter, dazu einladet und dir dafür reichliche Ablässe ertheilt, wenn du nämlich täglich dreimal knieend den englischen Gruß betest. Bete ebenso auch gerne und oft den heiligen Rosenkranz, aber auch andächtig und mit ernstlicher Betrachtung der einzulegenden Geheimnisse. Mit jedem andächtigen Rosenkranzgebete setzest du jedesmal gleichsam eine Krone der Verehrung, geflochten aus geistigen Rosen, auf das Haupt der allerfeligsten Jungfrau, deiner Mutter und Königin. Vorzüglich sollst du sie aber verehren an ihren Festtagen, deren die Kirche im Laufe des Jahres so viele feiert, und kannst zu diesem Behufe auch folgende Gebete verrichten, auch die Erklärung und Umschreibung des englischen Grußes( fiehe Seite 40). - Anempfehlung seiner selbst an die seligste Jungfrau. dreimal selige Jungfrau! Nimm mich für immer auf zu deinem Diener, nachdem du unter dem Kreuze mich schon zu deinem Sohne angenommen hast. Zeige dich als meine Mutter dadurch, daß du mich gegen dich recht kindlich gesinnt machest. Mächtige Jungfrau! die du der Schlange den Kopf zertreten hast, vernichte auch meine Leidenschaften und löse die Fesseln meiner Sünden. O Jungfrau, nach deren Willen die Schäße des Himmels vertheilt 302 Gebet, worin man die seligste Jungfrau zc. werden, erflebe mir die Gnade, die du heilsam für mich erachtest; erlange mir einen festen Glauben, eine zuversichtliche Hoffnung, eine feurige Liebe und die Gabe des Gebetes; erflehe mir Keuschheit, Demuth, Weltverachtung und Seeleneifer. Maria, Hülfe der Christen, Beschützerin der Bedrängten, komm zu Hülfe allen Mühseligen, richte auf alle Kleinmüthigen, tröste die Weinenden, flehe für das Volk, spreche für die Geistlichen, mögen Alle deine Hülfe erfahren, die sich deinem Schuße empfehlen. Amen. Gebet, worin man die seligste Jungfrau Maria als seine besondere Patronin ewählt. Heiligste Jungfrau, Gottes Mutter, Maria!. Ich bin zwar in jeder Rücksicht ganz unwürdig, in die Zahl deiner Diener aufgenommen zu werden; im Vertrauen aber auf deine wunderbare Güte und aus beftigem Verlangen, dir zu dienen, erwähle ich dich heute vor deinem allerkeuschesten Bräutigam, dem heiltgen Josef, und vor meinem heiligen Schutzengel, sowie vor dem ganzen himmlischen Hofe zu meiner besonderen Herrin, Beschüterin und Mutter; und ich nehme mir fest vor, in Zukunft dir zu folgen, zu dienen und zu sorgen, daß dir auch von Andern durch Andacht und treue Nachfolge gedient werde. Dich aber, gütigste Mutter, bitte ich durch das kostbare Blut, das dein Sohn Jesus Christus für mich vergoß,- kniefällig, daß du mich in die Zahl deiner Kinder aufzunehmen würdigen wollest, und mir von Gott die Gnade erlangen mögest, daß ich mich in allen meinen Gedanken, Worten und Werken so verhalte, daß nie Kirchengebete auf die vorzüglicheren Marienfeste. 303 mehr etwas an mir weder Gottt noch dir mißfalle, und du dich daher auch meiner besonders in der Todesstunde eingedenk zu sein würdigen mögest. Amen. Kirchengebete auf die vorzüglicheren Marienfeste. ( Besonders bei der dritten heiligen Messe einzuschalten, und zwar jedesmal das erste nach dem Gloria, das zweite vor dem Sanktus, und das dritte nach der heil. Kommunion.) Auf das Fest der unbefleckten Empfängniß Mariä. 1. Lasset uns beten. 0 Gott, der du durch die unbefleckte Empfängniß der Jungfrau deinem Sohne eine würdige Wohnung bereitet haft: verleihe uns durch ihre Fürsprache, daß auch wir dir, der du sie vor jeder Mackel bewahret hast, treulich unser Herz und unsern Leib unbesteckt erhalten, durch unsern Herrn, Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit ju Ewigkeit. Amen.. 2. Laß uns, o Herr! die Menschheit deines Eingebornen, der, geboren von der Jungfrau, die Unversehrtheit der Mutter nicht vermindert, sondern geheiligt hat, so zu Hülfe kommen, daß bei der Feierlichkeit ihrer unbefleckten Empfängniß, und von unsern Sünden reinige und dir unser Opfer ange= nehm mache, Jesus Christus, unser Herr, der mit dir u. s. w. 304 Kirchengebete auf die vorzüg licheren Marienfeste. 3. Wir haben, Herr! bei dieser jährlichen Feierlichkeit die Sakramente nach Verlangen genossen, und bitten dich, verleihe, daß sie uns sowohl zum zeitlichen als ewigen Heile gedeihlich seien, durch unsern Herrn, Jesum Christum u. s. w. Auf das Fest Mariä Reinigung. 1. Allmächtiger, ewiger Gott! wir bitten demüthig deine Majestät, daß du, gleichwie dir heute dein eingeborner Sohn im Tempel als wahrer Mensch ist dargestellt worden, auch uns gewährest, daß wir uns dir mit gereinigtem Herzen darstellen, durch ebendiesen Herrn, Jesum Christum, deinen Sohn u. s. w. 2. Erhöre, o Herr! unser Gebet; und damit die Opfer, die wir vor den Augen deiner Majestät darbringen, deiner würdig seien, so versagè uns nicht deine liebevolle Hülfe, durch unsern Herrn u. s. w. 3. Wir bitten dich, o Herr, unser Gott! verleihe, daß die allerheiligsten Geheimnisse, die du uns zur Sicherheit unserer Erlösnng gegeben hast, durch die Fürbitte der seligen und allzeit jungfräulichen Mutter Maria uns jetzt und in Zukunft ein Heilsmittel seien, durch unsern Herrn u. s. w. Auf das Fest der Verkündigung Mariä. 1. O Gott, der du gewollt hast, daß dein Wort auf die Verkündigung des Engels von dem Leibe Kirchengebete auf die vorzüglicheren Marienfefte. 305 der seligen Jungfrau Maria Fleisch annehmen sollte, verleihe unserm flehentlichen Bitten, daß uns, die wir sie wahrhaft als Gottesgebärerin erkennen, durch ihre Fürbitte bei dir geholfen werde, durch unsern Herrn, Jesum Chriftum u. s. w. 2. Wir bitten dich, o Herr! bestärke in unsern Seelen die Geheimnisse des wahren Glaubens, damit wir, die wir den von der Jungfrau Gebornen, als wahren Gott und Menschen bekennen, durch die Kraft seiner heilbringenden Auferstehung zur ewigen Freude zu gelangen verdienen, durch ebendenfelben Herrn Jesum Christum u. s. w. 3. Wir bitten dich, o Herr! gieß deine Gnade in unsere Herzen, damit wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, auf des Engels Verkündigung ers kannt haben, durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung geführt werden, durch unsern Herrn, Jesum Christum u. i. w. Auf das Fest der Himmelfahrt Marid. 1. Wir bitten dich, o Herr! verzeihe deinen Dienern ihre Sünden, damit wir, die wir dir durch unsere Werke nicht gefallen können, durch die Fürbitte der Gebärerin deines Sohnes, unsers Herrn, selig werden, durch ebendenselben Herrn, Jesum Christum, deinen Sohn u. s. w. 2. Laß, o Herr! deinem Volke das Gebet der Gottesgebärerin zu Hülfe kommen, und obschon wir glauMagd des Herrn. 20 306 Kirchengebete auf die vorzüglicheren Marienfeste. ben, daß sie gemäß der menschlichen Natur aus dieser Welt geschieden sei, so laß uns doch ihre Fürbitte bei dir in der himmlischen Glorie empfinden, durch unsern Herrn u. s. w. 3. Da wir des himmlischen Tisches theilhaftig geworden, so flehen wir, o Herr, unser Gott! deine Milde an, daß, die wir die Aufnahme der Gottesgebärerin feiern, durch ihre Fürbitte von allen bevorstehenden Uebeln befreit werden, durch unsern Herrn u. s. w. Auf das Fest der Geburt Mariä. 1. Wir bitten dich, o Herr! ertheile deinen Dienern das Geschenk der himmlischen Gnade, damit uns, denen die Geburt der seligsten Jungfrau der Anfang des Heiles war, das feierliche Andenken eben dieser ihrer Geburt Vermehrung des Friedens gewähre, durch unsern Herrn, Jesum Christum u. s. w. 2. O Herr! laß uns die Menschheit deines Eingebornen so zu Hülfe kommen, daß Jesus Christus, unser Herr, der geboren von der Jungfrau die Reinheit der Mutter nicht vermindert, sondern geheiligt hat, bei der Feierlichkeit ihrer Geburt uns von unsern Sünden reinige, und dir unser Opfer angenehm mache, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit u. s. w. Die Lauretanische Litanei. 3. O Herr! wir haben die Sakramente bei dieser jährlichen Feierlichkeit genossen, und bitten dich, verleihe, daß sie uns sowohl zum zeitlichen als ewigen Heile gedeihlich seien, durch unsern Herrn u. f. w. Die Lauretanische Litanei. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme dich unser! Heiligste Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser! Heilige Maria, bitt für uns! Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnaden, Du allerreinste Mutter, Du allerkeuschefte Mutter, Du ungeschwächte Mutter, Du unbefleckte Mutter, Du liebliche Mutter, Du wunderbarliche Mutter, Du Mutter unsers Schöpfers, Du Mutter unsers Erlösers, Du allerweiseste Jungfrau, Du ehrwürdige Jungfrau, Du lobwürdige Jungfrau, Du mächtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Sig der Weisheit, 307 20* Bitt für uns! Die Lauretanische Vitanei. 308 Du Ursache unseres Heils, Du geistliches Gefäß, Du ehrwürdiges Gefäß, Du vortreffliches Gefäß der Andacht, Du geistliche Rose, Du Thurm Davids, Du elfenbeinerner Thurm, Du goldenes Haus, Du Arche des Bundes, Du Himmelspforte, Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, Du Zuflucht der Sünder, Du Trösterin der Betrübten, Du Hülfe der Christen, Du Königin der Engel, Du Königin der Patriarchen, Du Königin der Propheten, Du Königin der Apostel, Du Königin der Martyrer, Du Königin der Beichtiger, Du Königin der Jungfrauen, Du Königin aller Heiligen, Bitt für uns! Du Königin ohne Makel empfangen, O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone unser, o Herr! du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Stinden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Vater unser. Ave Maria. Gebet. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, heilige Gottesgebärerin! Verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöthen, sondern erlöse uns jederzeit von aller Gefährlichkeit, o du glorwürdige und Die Lauretanische Litanei. 309 gebenedeite Jungfrau, unsere Frau, unsere Mitt lerin, unsere Fürsprecherin, versöhne uns mit deinem Sohne, empfiehl uns deinem Sohne, stelle uns vor deinem Sohne. Bitt für uns, o heilige Gottesgebärerin! Auf daß wir würdig werden der Verheißungen. Christi. Gebet. Wir bitten, o Herr! du wollest deine Gnade in unsere Herzen eingießen, auf daß wir, die wir durch die Botschaft des Engels Christi, deines Sohnes Menschwerdung erkannt haben, durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung geführt werden, durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. Bitt für uns, o heiliger Josef! Auf daß wir würdig werden der Verheißungen. Chrifti. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! daß uns durch die Verdienste des Bräutigams deiner allerheiligsten Gebärerin geholfen werde, damit, was unser Vermögen nicht erhalten kann, uns dasselbe durch seine Fürbitte geschenket werde. Der du lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Salve Regina. Gegrüßet seist du, Kön gin! Mutterder Barmherzigkeit, des Lebens Süßigkeit! Unsere Hoffnung, fei gegrüßet! 3u dir schreien wir elende Kinder Eva's. Zu dir seufzen wir Trauernde und Weinende in diesem Thale der Zähren. Wohlan! unsere Für Auf das heilige Schutzengelfest. sprecherin! wende deine barmherzigen Augen zu uns, und nach diesem Elende zeige uns Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! 310 Bitt für uns, o heilige Gottesgebärerin! Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Allmächtiger, ewiger Gott, der du den Leib und die Seele der glorreichen Jungfrau und Mutter Maria zu einer würdigen Wohnung deines Sohnes durch die Mitwirkung des heiligen Geistes vorbereitet hast; gib, daß wir, die wir uns an ihrem Gedächtniß erfreuen, durch ihre milde Fürbitte von den bevorstehenden Uebeln und von dem ewigen Tode befreiet werden. Durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. Auf das heil. Schutzengelfest. ott hat seinen Engeln deinetwegen befohlen, daß sie dich bewachen auf allen deinen Wegen. Pj. 90, 11. Wegen dieses ihres Schutzes sind wir ihnen Folgsamkeit, wegen ihrer Heiligkeit aber Nachahmung, und wegen ihrer Erhabenheit Verehrung schuldig. Sie vermögen uns viel zu erbitten, daher sollen wir sie auch fleißig anrufen, besonders an diesem ihrem Festtage; daher. auch an diesem jenes Gebet verrichtet werden kann, welches Seite 29 gesetzt ist; ebenso kann man auch an dieſem Festtage beten folgende Anempfehlung an den heiligen Schußengel. getreuester Begleiter, der du von Gott zu meinem Schuße bestimmt worden bist, mein Be Anempfehlung an den heil. Schutzengel. 311 schützer und Vertheidiger, der du niemals von meiner Seite weichest! wie viel bin ich dir für deine Treue, Liebe und unzählige andere Wohlthaten schuldig! Du bewachest mich, wenn ich schlafe; du trösteſt nich, wenn ich traurig bin; du richtest mich auf, wenn ich niedergebeugt bin; du wendest die Gefahren ab, die mich für die Gegenwart bedrohen; lehrest mih, den fünftigen vorbeugen, ziehest mich zurück von der Sünde, ermunterst mich zum Guten, ermahaest mich nach dem Falle zur Buße und versöhnest mich mit Gott. Vielleicht wäre ich schon längst in die Hölle verstoßen worden, wenn nicht du durch deine Fürbitte den göttlichen Zorn von mir abgewendet hättest. Ich bitte dich, verlaß mich niemals. Tröste mich im Unglücke, halte mich aufrecht im Glücke, beschüße mich in Gefahren, unterstüße mich, in Versuchungen, auf daß ich ihnen niemals unterliege. Bringe alle meine Bitten und Seufzer, und alle meine guten Werke vor das Angesicht meines Gottes, und erwirke mir, daß ich in seiner Gnade aus diesem Leben scheide und zum ewigen Leben gelange, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Schlußgebetlein. O Engel Gottes! der du mein Beschüßer bist, erleuchte, bewache, regiere und leite mich, da ich dir durch die göttliche Güte übergeben bin. Amen. 312 Litanei von den heil. Engeln. Litanei von den heil. Engeln. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme dich unser! Heiligste Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich anser! Heiliger Michael, Heiliger Gabriel, Heiliger Raphael, Alle heiligen Engel und Erzengel, Alle heiligen Cherubim und Seraphim, Alle heiligen Thronen und Herrschaften, Alle heilige Mächte, Kräfte und Fürstenthümer Alle heilige Chöre der Engel, Die ihr allezeit das Angesicht Gottes schaut, Die ihr Gott dem Herrn immer heilig, heilig, heilig finget, Die ihr unser Gebet Gott vortraget, Die ihr uns in allen Nöthen zu Hülfe kommet, Die ihr uns vor allem Uebel bewahret, Die ihr euch über unsere Buße erfreute, Die ihr am Ende der Welt die Gerechten von den Gottlosen absondern werdet, Die ihr uns vor dem Thron Gottes stellen werdet, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Durch deine heiligen Engel, erlöse uns, o Herr! Von aller Sünde, Von aller Unreinigkeit, Von allen Gefahren und Versuchungen, Von Pest, Hunger und Krieg, Von allen Uebeln des Leibes und der Seele, Von untersehenem und unglückseligem Tode, Von der ewigen Pein, D Herr! Bitt( bittet) für uns! Erlöse uns, Litanei von den heil. Engeln. Wir arme Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß deine heil. Engel auf allen Wegen uns begleiten, Daß sie vor den Nachstellungen der bösen Geister uns beschützen, Daß wir ihr Beispiel allzeit vor Augen haben, Daß wir ihren Einsprechungen fleißig folgen, Daß wir den Willen Gottes so genau und willig, wie fie erfüllen, Daß wir, wie sie, dich beständig loben und preisen, Daß sie unsere Gebete und guten Werke dir aufopfern, Daß sie uns im Tode beistehen, Daß sie unsere Seelen aufnehmen und zu dir geleiten, Daß sie am jüngsten Tage unsere Seelen zur seligen Unsterblichkeit erwecken, Daß wir dich mit ihnen im Himmel ewig loben und preisen, 313 Wir bitten dich, erhöre uns! O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Lasset uns beten. O Gott! der du in deiner unaussprechlichen Vorschung deine heiligen Engel zu unserm Schuhe zu senden dich würdigest, verleihe uns, die wir in Demuth zu dir flehen, sowohl Sicherheit unter ihrem Schuße, als auch Freude in ihrer ewigen Gesellschaft, durch unsern Herrn, Jesum Christum, deinen Sohn 2c. 314 Auf das Fest des heil. Erzmartyrers Stephanus. Auf das Fest des heiligen Erzmartyrers Stephanus. tephanus betete mit gebogenen Knieen, und rief mit lauter Stimme: Herr! rechne ihnen dieses nicht zur Sünde! Welch' ein vortreffliches Beispiel von Feindesliebe gab er durch dieses Benehmen; aber auch wir sind verpflichtet, unsere Feinde zu lieben, und zwar: von Herzen, indem wir alle Abneigung und Mißgunst träftig in uns unterdrücken; ferner mit dem Munde, indem wir uns von allen Beschimpfungen und Vorwürfen enthalten und Gott für die Feinde bitten; und endlich auch im Werke, indem wir ihnen Gutes thun, so viel wir können. Darum kannst du heute auch das weiter unten stehende Gebet für die Feinde im sechsten Abschnitte beten und wo möglich einen Akt der Feindesliebe üben. Kirchengebete. Lasset uns beten. Wir bitten dich, o Herr! verleihe uns, das nachzuahmen, was wir verehren, auf daß auch wir unsere Feinde lieben lernen, da wir das himmlische Geburtsfest desjenigen feiern, der auch für seine Verfolger anrief unsern Herrn, Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Allmächtiger, ewiger Gott! der du das Erstlings opfer der Martyrer im Blute des seligen Leviten Stephanus eingeweiht hast: wir bitten dich, verleihe, daß der auch unser Fürsprecher sei, der für seine Verfolger gefleht hat zu unserm Herrn, Jesus Christus, deinem Sohne, der mit dir lebt u. s. w. Auf das Fest des hl. Nährvaters Joseph. 315 Auf das fest des heiligen Nährvaters Joseph. oseph war ein gerechter Mann, wie es das heilige Evangelium bezeugt, das heißt, vollkommen und ausgezeichnet durch alle Tugenden. Vorzüglich glänzte er durch eine unbefleckte Reinigkeit, wodurch er auch der Bräutigam der reinsten Jungfrau und für den Vater Jesu gehalten zu werden verdiente. Als Nähr- und Pflegevater Jesu ist er auch überaus mächtig durch seine Fürbitte. Du kannst heute zu ihm das Gebet Seite 31. beten, sowie auch folgende Kirchengebete. Lasset uns beten. Wir bitten dich, o Herr! daß uns durch die Verdienste des Bräutigams deiner allerheiligsten Gebärerin geholfen werde; damit uns das, was wir durch unser Vermögen nicht erhalten können, durch seine Fürbitte geschenkt werde; der du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. O Gott, der du dich in deiner unergründlichen Vorsehung gewürdiget hast, den heiligen Joseph zum Gemahle deiner hochheiligen Gebärerin zu erwählen; wir bitten dich, verleihe uns, daß wir den als unsern Fürsprecher im Himmel zu haben verdienen, dcn wir als unsern Beschützer auf Erden verehren, der du lebst und regierst u. s. w. 316 Auf das Fest der Hl. Apostel Petrus u. Paulus. Auf das Fest der heil. Apostelfürsten Petrus und Paulus. F erwäge heute, wie viele Mühen diese zwei Apostel um der Predigt und Ausbreitung des Evangeliums willen auf sich genommen haben und wie fie endlich um Christi willen des Martyrtodes gestorben find. Leb' und stirb auch du für Christus und sein Evangelium. Denkst du heute vielleicht auch an den Fall des Petrus, so fürchte, daß nicht auch du fallest: bist du aber schon gefallen mit ihm, so stehe auch auf wie er. Warst du vielleicht bisher ein Feind eifriger Christen, wie einst Saulus, so sei von nun an ein Eiferer für Christus, wie Paulus. Danke heute Gott auch vorzüglich, daß er uns in Petrus, den er zum Oberhaupte der ganzen Kirche aufgestellt hat, einen Mittelpunkt der Einheit gegeben hat, wodurch alle Gläubigen, wie ein Körper unter einem Haupte, verbunden sind. Bete heute auch für den römischen Papst, den Nachfolger des heiligen Petrus und Stellvertreter Christi auf Erden und für die Erhöhung des heiligen römischen Stuhles. Kirchengebete. Lasset uns beten. O Gott! der du den heutigen Tag durch den Martertod deiner Apostel Petrus und Paulus geheiliget hast; verleihe deiner Kirche, daß sie in allem deren Lehre folge, da auch durch sie deine Religion ihren Anfang genommen hat, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn, der mit dir lebt u. s. w. Allmächtiger, ewiger Gott! verleihe deinem Volke, die Gedächtnißfeier deiner heiligen Apostel mit wahrer Andacht zu begehen: und gleichwie durch ihre Lehre der ganze Erdkreis im Glauben an den Dreieinigen unterwiesen wurde, so möge er auch durch ihre Verdienste und Fürbitten dir, dem drei Auf das Fest aller Heiligen. 317 einigen Gott, treu dienen, durch unsern Herrn, Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir lebt u. i. w. Auf das Fest aller Heiligen. SA er heilige Apostel Johannes schreibt in seiner geheimen Öffenbarung:„ Ich sah eine große Schaar, die Niemand zählen konnte, aus allen Geschlechtern und Stämmen, und Völkern und Sprachen; sie standen vor dem Throne und vor dem Angesichte des Lammes, angethan mit weißen Kleidern, Palmzweige in ihren Händen haltend." Betrachte auch du heute den offenen Himmel und bewundere die Schönheit und Herrlichkeit dieser großen Schaar, die auch dich in ihre jelige Gesellschaft einladet. Sie wurden heilig durch ein thätiges Verlangen nach Heiligkeit, durch beständigen Fortschritt und durch Beharrlichkeit bis an's Ende. Thu' du desgleichen, und du wirst leben in Ewigkeit. Rufe heute auch mit wahrer Inbrunst des Herzens und großem Vertrauen: Ihr Engel und Erzengel, Thronen und Herrschaften, Fürsten und Mächte, ihr Kräfte der Himmel, ihr Cherubim und Seraphim, ihr Patriarchen und Propheten, ihr heiligen Lehrer des Gesetzes, Apostel, alle Martyrer Christi, ihr heiligen Bekenner, ihr Jungfrauen des Herrn, ihr Einsiedler und alle Heilige! bittet für uns! Lasset uns beten. Allmächtiger ewiger Gott!. der du uns die Verdienste aller deiner Heiligen unter einer Feierlichkeit zu verehren verliehen hast: wir bitten dich, daß du uns auf die Fürbitte so Vieler den ersehnten Ueberfluß deiner Gnade ertheilest, durch unsern Herrn, Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir lebt u. s. w. 318 Litanei von allen Heiligen. Litanei von allen Heiligen und die dazu gehörigen Gebefe. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott heiliger Geist, erbarme dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser! Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heiliger Michael, Heiliger Gabriel, Heiliger Raphael, Alle heiligen Engel und Erzengel, Alle heiligen Chöre der seligen Geister, Heiliger Johannes der Täufer, Heiliger Joseph, Alle heiligen Patriarchen und Propheten, Heiliger Petrus, Heiliger Paulus, Heiliger Andreas, Heiliger Jakobus, Heiliger Johannes, Heiliger Thomas, Heiliger Jakobus, Heiliger Philippus, Heiliger Bartholomäus, Heiliger Matthäus, Heiliger Simon, Heiliger Thaddäus, Heiliger Matthias, Heiliger Barnabas, Heiliger Lufas, Heiliger Markus, Bitt( bittet) für uns! Litanei von allen Heiligen. Alle heiligen Apostel und Evangelisten, Alle heiligen Jünger des Herrn, Alle heiligen unschuldigen Kinder, Heiliger Stephanus, Heiliger Laurentius, Heiliger Vincentius, Heiliger Fabianus und Sebastianus, Heiliger Johannes und Paulus, Heiliger Kosmas und Damianus, Heiliger Gervasius und Protasius, Alle heiligen Martyrer, Heiliger Sylvester, Heiliger Gregorius, Heiliger Ambrofius, Heiliger Hieronymus, Heiliger Martinus, Heiliger Nikolaus, Alle heiligen Bischöfe und Beichtiger, Alle heiligen Lehrer, Heiliger Antonius, Heiliger Benediftus, Heiliger Bernhardus, Heiliger Dominikus, Heiliger Franziskus, Alle heiligen Priester und Leviten, Alle heiligen Mönche und Einsiedler, Heilige Maria Magdalena, Heilige Agatha, Heilige Lucia, Heilige Agnes, Heilige Cäcilia, Heilige Katharina, Heilige Anastasia, Alle heiligen Jungfrauen und Wittwen, Alle Heiligen Gottes, Sei uns gnädig! verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig! erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel, erlöse uns, o Herr! Von aller Sünde, erlöse uns, o Herr! 319 Bitt( bittet) für uns! 320 Litanei von allen Heiligen. Vom jähen und unversehenen Tode, Von den Nachstellungen des Teufels, Von Zorn, Haß und allem bösen Willen, Von dem Geiste der Unlauterkeit, Von Blizz und Ungewitter, Von der Geißel des Erdbebens, Von Pest, Hunger und Krieg, Von dem ewigen Tode, Durch das Geheimniß deiner heiligen Menschwerdung, Durch deine Ankunft, Durch deine Geburt, Durch deine Taufe und dein heiliges Fasten, Durch dein Kreuz und Leiden, Durch deinen Tod und deine Begräbniß, Durch deine heilige Auferstehung, Durch deine wunderbare Himmelfahrt, Durch die Ankunft des heiligen Geistes, des Trösters, Am Tage des Gerichtes, Wir arme Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns verschonest, Daß du uns verzeihest, Daß du uns zur wahren Buße bringen wollest, Daß du deine heil. Kirche regieren und erhalten wollest, Daß du den apostolischen obersten Hirten und alle Stände der Kirche in deiner heiligen Religion erhalten wollest, Daß du die Feinde der heil. Kirche demüthigen wollest, Daß du den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Einigkeit geben wollest, Daß du dem christlichen Volke Frieden und Einigkeit verleihen wollest, Daß du uns selbst in deinem heiligen Dienste erhalten wolleft, Daß du unsere Gemüther zu himml. Begierden erhebest, Daß du alle Gutthäter mit den ewigen Gütern belohnest, Daß du unsere und unserer Brüder, Freunde und Gutthäter Seelen von der ewigen Verdammniß erledigest, Daß du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest, Daß du allen abgestorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, Erlöse uns, o Herr! Wir bitten dich, erhöre uns! Litanei von allen Heiligen. 321 O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser 2c. Psalm 69. Gott! merk' auf meine Hülfe: Herr, eile, mir zu helfen! Schamroth und zu Schanden sollen werden, die meiner Seele nachstellen. Sie sollen zurückweichen und in Schande stehen, die mir Uebles wollen. Sie sollen bald schamroth abtreten, die mir sagen: So recht, so recht! Alle aber, die dich suchen, sollen frohlocken und sich in dir erfreuen; und die dein Heil lieben, sollen immerdar sagen: Hochgelobt sei der Herr! Ich aber bin bedürftig und arm, o Gott, stehe mir bei. Denn du bist mein Helfer und Erlöser, o Herr verweile nicht zu lange. Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste. Wie im Anfange, so jetzt und zu ewigen Zeiten. Amen. Priester. Mache selig deine Diener, Volk. Die auf dich hoffen, mein Gott! Wege des Heils. 21 Litanei von allen Heiligen. Sei uns, Herr, ein starker Thurm! Wider unsere Feinde. P. Lasse den Feind nichts vermögen wider uns. V. Und das Kind der Bosheit schade uns nicht. P. Herr, handle nicht mit uns nach unsern Sünden. V. Und vergilt uns nicht nach unsern Bosheiten. P. Lasset uns beten für unsern obersten Hirten N. 322 P. V. V. Der Herr erhalte ihn, mache ihn lebendig und selig auf Erden, und übergebe ihn nicht in die Hände seiner Feinde. P. Lasset uns beten für unsere Wohlthäter. V. O Herr, du wollest allen unsern Wohlthätern um deines Namens willen das ewige Leben geben. P. Lasset uns beten für alle abgestorbenen Christgläubigen. V. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. P. Lasse sie ruhen im Frieden. V. Amen. P. Lasset uns auch beten für unsere abwesenden Brüder. V. O mein Gott, mache deine Diener selig, die auf dich hoffen. P. O Herr, sende ihnen Hülfe von den Heiligen. V. Und von Sion beschüße sie. P. Herr, erhöre mein Gebet. V. Und laß mein Rufen zu die kommen. Litanei von allen Heiligen. 323 Gebet. O Gott, dessen Eigenschaft es ist, sich allezeit zu erbarmen und zu verschonen, nimm an unser flehentliches Gebet, auf daß uns und alle deine Diener, die wir mit Ketten der Sünden stark gebunden sind, der Erbarmung deiner Gütigkeit gnädig erlöse. Wir bitten dich, o Herr! nimm an unser demüthiges Gebet, und verschone derer, die ihre Sünden bekennen, auf daß wir zugleich Verzeihung und den Frieden nach deiner Güte erlangen. O Herr, erzeige uns gnädiglich deine unaussprechliche Barmherzigkeit, auf daß du uns zugleich von allen Sünden erlösest, und von der Strafe, die wir für solche verdienen, erretteſt. O Gott, der du durch die Sünde beleidiget und durch die Buße versöhnt wirst, sieh' gnädiglich an das Gebet deines demüthigen Volkes, und wende ab die Geißel deines Grimmes, welche wir für unsere Sünden verdienen. Allmächtiger, ewiger Gott! erbarme dich deines Dieners N., unsers obersten Hirten, deines Statthalters auf Erden, und leite ihn nach deiner Milde auf dem Wege des ewigen Heils, damit er durch deine Hülfe das, was dir gefällig, begehre und fräftig vollbringe. O Gott, von welchem die heiligen Begierden, guten Anschläge und gerechten Werke entspringen, gib deinen Dienern einen solchen Frieden, welchen die Welt nicht geben kann, auf daß unsere Herzen deinen Geboten ergeben, und gegenwärtige Zeiten 21* 324 Litanei von allen Heiligen. durch deinen Schutz vor des Feindes Furcht gesichert und friedsam seien. O Herr, entzünde unsere Nieren und Herzen mit dem Feuer deines Geistes, auf daß wir mit keuschem Leibe dir dienen und mit reinem Herzen dir gefallen mögen. O Gott, Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller Sünden, auf daß sie die gnädige Nachlassung, welche sie allezeit gewünscht, durch die gottselige Fürbitte deiner Heiligen erlangen. O Herr, wir bitten, du wollest unserm Thun und Lassen mit deiner Gnade zuvorkommen, und solches durch deine Hülfe fortsetzen, damit alle unsere Gebete und Werke von dir jederzeit anfangen, und durch dich angefangen, geendigt werden. Allmächtiger, ewiger Gott, der du herrschest über die Lebendigen und die Todten, und dich Aller erbarmest, welche du aus dem Glauben und ihren Werken für die Deinen erkennest: wir bitten dich demüthigst, daß die, für welche wir uns vorgenom men, unser Gebet darzubringen, die entweder noch in dieser Welt im Leben, oder davon abgeschieden sind, durch die Fürbitte aller deiner Heiligen nach deiner Gütigkeit Verzeihung aller ihrer Sünden er langen mögen. Durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir lebet und regieret in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Auf den Gedächtnißtag aller christgl. Seelen. 325 Auf den Gedächtnisstag aller christgläubigen Seelen. rosa D iesen Gedächtnißtag hat die Kirche gleich nach dem Feste aller Heiligen gesetzt, um dadurch die engste Liebesverbindung anzuzeigen, die zwischen der triumphirenden, leidenden und streitenden Kirche besteht. Was du aber keinen Tag unterlassen sollst, das sollst du heute ganz besonders üben, nämlich Liebesdienste für die verstorbenen Chriftgläubigen, die in dem Fegefeuer noch leiden, theils, weil sie noch mit läßlichen Sünden befleckt, aus diesem Leben geschieden sind, theils weil sie noch nicht vollständige Genugthuung geleistet haben. Komm ihnen also zu Hülfe, und opfere besonders in der AllerseelenOktave für sie viele Gebete, heilige Meßopfer, Kommunionen, Almosen, Fasten und andere fromme Werke auf. Thu' dieß besonders für deine verstorbenen Eltern, Verwandten und Wohlthäter; auch für jene, die denſelben Fehler und Mängel, wie du, an sich trugen; die ihrer Erlösung am nächsten, oder auch noch am fernsten stehen, und für die, deren Niemand besonders gedenkt. Für dich aber nimm an diesem Tage vorzüglich die Lehre zu Herzen, daß es sehr rathsam, ja nothwendig sei, auch die läßlichen Sünden sorgfältig zu meiden und schon in diesem Leben würdige Früchte der Buße zu wirken, um jenen so heiß brennenden Flammen des Reinigungsortes zu entgehen. Du kannst auch heute jenes Gebet für die verstorbenen Christgläubigen beten, das Seite 29 gesetzt iſt. Gebet. O barmherziger Gott! Bater auch aller selig im Herrn Entschlafenen! Wir erinnern uns heute in Liebe aller jener Seelen, die zwar in deiner Gnade, aber doch nicht ganz rein aus ihrem Leibe und aus dieser Welt geschieden sind, und daher noch nicht in den Himmel eingehen können, bis sie nicht alle ihre Mängel durch hinreichende Buße ausgeglichen haben, 326 Auf den Gedächtnißtag aller christgl. Seelen. und vollkommen gereinigt sind. Es schweben uns heute lebhafter als sonst ihre großen und vielleicht auch langen Leiden vor Augen, die das heilige Evangelium deines Sohnes selbst mit dem furchtbarsten irdischen Schmerze, dem Brennen in einem Feuer vergleicht; und heftiger als sonst fühlen wir unser Herz vom Mitleid bewegt, daß sie vielleicht noch lange von dir, o Gott, von deiner so heiß ersehnten Gesellschaft und Anschauung, werden ge trennt sein müssen- und zwar durch ihre eigene Schuld, was wohl auch ihr größter Schmerz, ihre bitterste Pein ist.- Wirst du, o Albarmherziger! das Flehen der mitleidsvollen Liebe verschmähen und zurückweisen?- O führe sie bald heraus aus dem Feuerofen der Läuterung, beschleunige ihre Reinigung, und lasse sie bald dein Angesicht schauen. Besonders laß dir unsere dahingeschiedenen Eltern, Geschwisterte, Verwandte und Wohlthäter anempfohlen sein und alle jene, die vielleicht unsertwegen leiden. O Jesu! Sohn Gottes! der du auf Erden berumgingst, die Betrübten zu trösten, reumüthigen Sündern zu verzeihen und den Leidenden ihre Bürde abzunehmen; nimm dich auch deiner Erlösten im Fegefeuer an, laß auch sie im Opfer der heiligen Messe Trost und Erquickung finden, und erfahren, daß du auch ihr Versöhner und Heiland bist!- Heiliger Geist! der du die leidenden Seelen im irdischen Leben geheiligt, zum Guten angeeifert und gestärkt, und mit Trost erfüllt hast; stehe ihnen auch jetzt noch bei, und verhilf ihnen bald zum ewigen Frieden. Auf den Gedächtnißtag aller christgl. Seelen. 327 Laß aber auch das Andenken an die Verstorbenen für uns heilsam werden. Kurz ist unser Leben und bald rafft uns der Tod dahin, und wir müssen erscheinen vor deinem strengen Richterstuhle, o Herr! Wie werden wir bestehen? Ach, nichts Unreines kann in den Himmel eingehen, und vor deinem Angesichte, o Allerheiligster! bestehen. Nur reine Herzen können zu deiner Anschauung gelangen. Und wir haben dennoch so oft und vielleicht auch schwer gesündigt! Sorgfältig müssen wir uns also in Zukunft vor der Sünde hüten, und alle Mackeln, die an uns sind, jeht noch in diesem Leben nach allen Kräften auszulöschen suchen. Denn, o gerechter Gott, du urtheilst anders, als wir Menschen; und wenn wir in deinem untrüglichen Lichte uns einst erkennen werden, was werden wir da von manchen Sünden urtheilen, die wir jetzt für Kleinigkeiten halten, oder wohl gar nicht als Sünde erkennen wollen. Und wie mangelhaft und unvollkommen werden uns alsdann unsere eingebildeten Tugenden vorkommen, von denen wir so manche nur aus Gewohnheit, Noth und Zwang, ohne gute Absicht, ja oft nur in der Absicht, den Menschen zu gefallen, üben. O Gott! erbarme dich unser! Reinige uns jetzt von Sünde und Strafe, und erlasse uns die lange und schwere Reinigung jenseits. Mache uns auch im Kleinen getreu, und vor geringen Fehlern behutsam. Gib uns, o Gott, daß wir in Zukunft unsere Lebenszeit weiser und besser anwenden, und uns jetzt selbst öfters richten; jetzt eifrig büßen; alle Leiden, die du uns zuschickest, mit Geduld und Ergebenheit tragen, und die wir uns 328 Kirchengebete für Verstorbene. selbst aus Leichtsinu oder Thorheit zugezogen haben, zu unserer Besserung anwenden, damit wir rein vor dir zu erscheinen vermögen, und du uns nicht richtest, verdammest, sondern schonest und begnadigest, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Kirchengebete für Berstorbene. Für alle abgeschiedenen christgläubigen Seelen. Lasset uns beten. ( Gott, du Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen! verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinnen die Verzeihung aller Sünden, damit sie die gnädige Nachlassung, welche sie allzeit gewünscht haben, durch unsere frommen Fürbitten erlangen, der du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Für einen verstorbenen Vater oder Mutter. Lasset uns beten. O Gott, der du uns Vater und Mutter zu ehren geboten hast; erbarme dich gnädiglich der Seele meines Vaters( meiner Mutter), verzeihe ihm seine Sünden( ihr ihre Sünden), und verleihe mir, ihn( sie) wieder zu sehen in der Freude der ewigen Herrlichkeit, durch unsern Herrn, Jesum Christum u. s. w. Kirchengebete für Verstorbene. 329 Für verstorbene, Freunde, Geschwister und Wohlthäter. Lasset uns beten. O Gott, du Ausspender der Gnade und Liebhaber des menschlichen Heiles, wir flehen zu deiner Milde, daß du unsere Brüder, Verwandten und Wohlthäter, die aus dieser Welt geschieden sind, auf die Fürbitte der seligsten Jungfrau Maria und aller Heiligen zur Gemeinschaft der ewigen Seligkeit ge langen lassen wollest, durch unsern Herrn, Jefum Christum, deinen Sohn, der mit dir lebt u. s. w. Für einen Verstorbenen. Lasset uns beten. Herr! neige dein Ohr zu unserem Gebete, mit dem wir deine Barmherzigkeit inständig bittend anflehen, daß du die Seele deines Dieners N., den du aus dieser Welt abberufen hast, in das Land des Friedens und des Lichtes aufnehmen, und der Gemeinschaft deiner Auserwählten theilhaftig machen. wollest, durch unsern Herrn, Jesum Christum u. f. w. Für eine Verstorbene. Lasset uns beten. Wir bitten dich, o Herr! erbarme dich in deiner Liebe der Seele deiner Dienerin N., und ſetze sie ein in den Antheil der ewigen Seligkeit, nachdem sie von den Banden der Sterblichkeit erledigt ist, durch unsern Herrn, Jesum Christum u. s. w. 330 Kirchengebete für Verstorbene. Ein anderes Gebet für einen Verstorbenen. Lasset uns beten. O Gott! dem es eigen ist, sich allzeit zu erbarmen und zu verschonen, wir bitten dich demüthigst für die Seele deines Dieners N.( deiner Dienerin N.), die du heute aus dieser Welt abgerufen haft: übergib sie nicht in die Hände des Feindes und vergiß ihrer nicht auf immer, sondern laß sie von den heiligen Engeln aufnehmen und in das paradiesische Vaterland führen, damit, weil sie auf dich gehofft und geglaubt hat, sie nicht die Peinen der Hölle leide, sondern die ewigen Freuden genieße, durch unsern Herrn, Jesum Christum u. s. w. Für einen verstorbenen Bischof oder Priester. Lasset uns beten. Gott, der du im apostolischen Priesterthume deinen Diener N. mit bischöflicher( priesterlicher) Würde geziert hast; wir bitten dich, verleihe ihm, daß er auch in dessen ewige Gemeinschaft aufgenommen werde, durch unsern Herrn, Jesum Christum u. s. w. Litanei für die Seelen der verstorbenen Chriftgläubigen. Barmherziger Gott! für die im Fegefeuer leidenden Seelen rufen wir dich um Gnade und Erbarmung an. Herr, erbarme dich ihrer! Christe, erbarme dich ihrer! Herr, erbarme dich ihrer! Litanei für die Seelen der verstorbenen 2c. Gott Vater im Himmel, der du sie erschaffen haft, Gott Sohn, der du sie erlöset hast, Gott, heiliger Geist, der du fie geheiliget hast, Heiligste Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, an den fie geglaubt haben, Heiligste Dreifaltigkeit, wahrer Gott, den sie bekennet haben, Heiligste Dreifaltigkeit, bester Gott, auf den sie gehoffet und dem sie gedient haben, Heilige Maria, Mutter Gottes, bitt' für fie! Alle heilige Engel und Erzengel, Alle heilige Patriarchen und Propheten, Alle heilige Apostel und Evangelisten, Alle heilige Jünger des Herrn, Alle heilige Martyrer und Bekenner, Alle heilige Jungfrauen und Wittwen, Alle heilige Büßer und Büßerinnen, Alle Heilige Gottes, Sei ihnen gnädig, verschone sie, o Herr! Sei ihnen gnädig, erhöre sie, o Herr! 331 Sei ihnen gnädig, erlöse sie, o Herr! Von ihren noch unerlassenen Sünden und Sündenstrafen, Von der schmerzlichen Beraubung deiner Anschauung, Von den übrigen Beinen des Fegfeuers, Durch die Menschwerdung und Geburt deines eingebornen Sohnes, Durch sein Leiden und Sterben, Durch seine unendlichen Verdienste, Durch das unblutige Opfer der heiligen Messe, Durch die Verdienste aller Heiligen des Himmels, Durch alle guten Werke deiner Gläubigen auf Erden, Wir arme Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du den leidenden Seelen Nachlassung ihrer Vergehungen schenken wollest, Daß du ihnen ihre Strafen lindern und abkürzen wolleft, Daß du sie recht bald vor dein Angesicht kommen lassen wollest, Daß auch uns das Andenken an sie recht heilsam sein möge, Erbarme dich ihrer!! Bittet für sie! Erlöse sie, o Herr! erhöre uns! Wir bitten dich, 332 Litanei für die Seelen der verstorbenen 2c. Daß uns das Andenken an sie von läßlichen Sünden abschrecken möge, Daß uns dieses Andenken zu einer vollkommenen Buße auf Erden antreiben möge, Daß wir uns einst mit ihnen bei dir im Himmel ewig freuen mögen, O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone sie, o Herr! O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre sie, o Herr! O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich ihrer, o Herr! erhöre uns! l Wir bitten dich, Lasset uns beten. O Gott, du Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen! Verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinnen die Verzeihung aller Sünden, damit sie die gnädige Nachlassung, die sie allezeit gewünscht haben, durch unsere frommen Fürbitten erlangen, der du lebst und regierst mit Gott dem Vater, in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Fünfter Fibschnitt. - Lehren und Gebete für einzelne Stände und Perfonen. 1. für Kinder. Kinder! so mahnt der heilige Paulus in seinem Briefe an die Epheser seid euren Eltern gehorsam in dem Herrn, denn das geziemt sich. Wer den Herrn fürchtet, der ehrt auch seine Eltern und dienet denen, die ihn gezeugt haben, gleich seinem Herrn. Ehret euren Vater in Handlungen, in Worten, und in Ausübung mancherlei Arten von Geduld, damit er euch segne. Traget für euren Vater Sorge in seinem Alter; und betrübet ihn nie in seinem ganzen Leben. Wenn sein Verstand schwach wird: so ertraget ihn, und verachtet ihn nicht. Welch' einen üblen Namen macht sich ein Kind, wenn es seinen Vater verläßt! Wer seine Mutter betrübt, ist von Gott verflucht. ( Eccles. 3. Kap.) - Gebet. $ 5 immlischer Vater! du hast den Kindern geboten, ihre Eltern zu ehren und zu lieben; du wirst demnach mein Gebet, das ich für das Wohl meiner Eltern vor deinen Thron bringe, 334 Für Kinder. hat. nicht verschmähen, weil es kindliche Liebe zum Grunde Vorerst danke ich dir, gütigster Gott! daß du mir Eltern gegeben, die nicht nur für meine Erhaltung und für die Bedürfnisse meines Körpers, sondern auch für meine Erziehung, und für die Ausbildung meines Geistes so zärtlich besorgt sind. Wie sehr bin ich verpflichtet, sie dafür zu lieben, und dich unablässig zu bitten, daß du mir sie nicht nur erhalten, sondern auch für Alles, was sie zu meinem Besten thun, vorzüglich dadurch belohnen wollest, daß ich durch tägliches Zunehmen an Weisheit und Tugend sie erfreue, und ihre Seele ergöße. Erleuchte und regiere sie bei dem Geschäfte meiner Erziehung, damit sie es deinem Willen und ihrer Pflicht gemäß verwalten, und einst zu ihrem Troste und meiner Wohlfahrt vollenden. Auch bitte ich um deinen Segen und deinen heiligen Geist, o mein Gott und Vater! auf daß meine Liebe gegen meine Eltern nie erkalte, daß ich der Ehrerbietung und Dankbarkeit, die ich ihnen schuldig bin, nie vergesse, nie ihren Unwillen rege machen, sie nie beleidige, nie betrübe; daß ich vielmehr ihrem Unterrichte ein gelehriges Herz, ihren Befehlen, Vorstellungen und Ermahnungen, ein folgsames Ohr darbiete, und, statt gegen ihre Zucht mich widerspenstig zu sträuben, mich derselben willig unterziche, und ihren Wünschen vielmehr zuvorkomme, als entgegen handle. Ihnen wohlgefällig und liebenswerth zu werden, und vorzüglich die Tage ihres grauen Alters zu verschönern und zu versüßen, sei mein eifrigstes Bestreben, me: n sehnlichster Wunsch und meine Ehre. - Für Waisen. 335 1 Noch bitte ich dich, du Geber alles Guten! laß dir meine besten Eltern empfohlen sein. Gib ihnen Gesundheit und ein langes Leben, Glück in ihren Unternehmungen, Segen in ihrer Haushaltung, Trost in Widerwärtigkeiten, Rath in zweifelhaften Fällen. Behüte sie vor Unglück, vor jedem empfindlichen Verlust, vor den Nachstellungen ihrer Feinde, vor Schande und jedem Uebel des Leibes und der Seele. Alles dieses bitt ich im Namen Jesu Christi, deines Sohnes und unsers Heilandes. Amen. 2. für Waisen. Gebet. Gott! In deinen unerforschlichen Rathschlüssen hast du mir das Beste, was ich auf dieser Welt hatte- meine lieben Eltern, durch den Tod entrissen und mich zu einer armen Waise gemacht, was kann ich über diesen Verlust anders, als trauern und weinen? Es werden dir dieſe Thränen der kindlichen Liebe nicht mißfallen. Mein Trost aber bist du, o Gott! der du dich ſelbst in der heiligen Schrift einen Vater der Armen, Wittwen und Waisen nennest. Ich habe also an dir einen Vater im Himmel, der du gewiß mehr für mich sorgest, als meine Eltern für mich hätten sorgen können. Ein fernerer Trost ist mir auch das, daß ich weiß, daß du es bist, himmlischer Vater! der meine Eltern zu sich nahm. Ich hoffe, sie werden auch bei dir sein, nnd es wird ihnen somit ge= wiß besser gehen, als hier auf der Welt; und wenn - - 336 Für Jünglinge. sie' bei dir im Himmel ewig leben, so denken sie dann auch auf mich und bitten für mich, damit ich einst zu ihnen in den Himmel kommen möge. Sollten sie aber noch nicht bei dir im Himmel sein, sollten sie noch etwas abzubüßen und vielleicht auch meinethalben zu leiden haben; o, so erbarme dich ihrei, liebster Gott! und gib ihnen, um Jesu willen, die ewige Seligkeit. Mir aber, o Gott, gib gute Freunde, die Vater- und Mutterstelle an mir vertreten, und verhüte gnädiglich, daß ich ja nicht unter böse Menschen gerathe, die mich verführen oder Ungerechtigkeiten an mir ausüben würden. Und da ich keine Eltern mehr habe, die mir helfen, so will ich mir um so mehr durch Fleiß, Arbeitsamkeit und eine gute Aufführung fortzuhelfen und mich ehrlich zu ernähren suchen. Gib mir, o Gott! dazn deine Gnade, darum bitte ich dich mit kindlichem Vertrauen, und hoffe auf dich durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 3. für Jünglinge. MISöre, mein Sohn, und nimm meine Worte an. Ich will dir den Weg der Weisheit zeigen und dich führen auf die Wege der Gerechtigkeit. Wenn du sie gehest, werden deine Schritte nicht beengt werden. Ergötze dich nicht auf den Pfaden der Gottlosen, und laß dir den Weg der Bösen nicht gefallen. Flich davor, und geh' nicht darauf. Der Weg der Gerechten aber ist wie ein glänzendes Vicht und geht fort und wächst bis an den vollen Tag; d. h. die Gerechten nehmen immer an Gerechtigkeit und innerer Glückseligkeit zu bis zu ihrer gänzlichen Vervollkommnung. Bewahre dein Herz mehr a - 1 . Für Jünglinge. 337 ein gutes als Alles, denn daraus kommt alles Leben Leben aus gutem, ein böses aus bösem Herzen. Thu' von dir einen bösen Mund, und verläumderische Lippen laß fern sein von dir. Deine Augen richte nur auf das Rechte, und bedenke immer zuerst, was du. thun willst. Hüte dich vor der Arglist des weiblichen Geschlechtes; denn die Lippen der Unkeuschen scheinen zwar süß, wie Honig, ihr Ende aber ist bitter, wie Wermuth, und scharf wie ein zweischneidiges Schwert. Ihre Füße gehen zum Tode, ja bis zur Hölle reichen ihre Schritte. Darum halte dich fern von ihr, und nahe nicht einmal der Thüre ihres Hauses. Alle deine Ehre würdest du verlieren und die Blüthe deiner Jahre einer Grausamen aufopfern.( Sprüche Salom. 4. und 5. Kap.) Auch der heilige Paulus schreibt( Tit. 2.): Ermahnet die jungen Leute, nüchtern und enthaltsam zu sein. Der heilige Apostel Johannes aber: Ich schreibe an euch, ihr Jünglinge! weil ihr stark seid, und das Wort Gottes in euch bleibt, und ihr das Arge der Welt überwunden habt. Liebet die Welt nicht, noch das, was in der Welt ist: denn Alles, was in der Welt ist, ist Begierlichkeit des Fleisches, Begierlichkeit der Augen, und Hochmuth des Lebens. ( 1. Joh. 2. Kap.) Jeremias aber spricht in seinen Klageliedern: Es ist dem Menschen sehr heilsam, wenn er von seiner Kindheit an das Joch des Herrn tragen gelernt hat. Mein Joch aber, spricht der Herr selbst, ist süß, und meine Bürde ist leicht. - - - — Gebet. O Gott! du Urheber und Erhalter meines Lebens! der du durch Vernunft, Religion und Unterricht mich fähig gemacht hast, dich und deine Gesetze, mich selbst und meine Bestimmung zu erkennen, das Wahre von dem Falschen, das Gute von dem Bösen zu unterscheiden; und der du hiedurch mich auf die Bahn der Tugend, die allein zur wahren Glückselig= feit führet, so gnädiglich geleitet hast: gib nicht zu, Wege des Heils. 22 338 Für Jünglinge. - ich bitte dich flehentlich!- daß ich in meinem Wandel jemals meiner Erkenntniß widerspreche, und den Weg deiner Gebote, den einzigen sichern Weg zu meiner zeitlichen und ewigen Wohlfahrt, leichtsinnig wieder verlasse. Ich befinde mich nun eben in dem Alter, wo die Religion und Tugend von der erwachenden Sinnlichkeit, und von aufbrauſenden Leidenschaften die stärksten Anfälle auszuhalten haben; wo jugendliche Unbesonnenheit und Unerfahrenheit der größten Gefahr zu den kläglichsten Verirrungen des Verstandes und des Herzens aussezen; wo überdieß verführende Beispiele nur zu leicht die guten Eindrücke der ersten Jugend vertilgen, und zum Laster mächtig reizen; mit Einem Worte, in eben dem Alter, dessen Anwendung über mein künftiges Schicksal entscheiden, und zu meinem Glück oder Elend in den Jahren des Mannes und des Greisen den Grund legen wird. Herr! du Zuflucht der Schwachen! verlaß mich in diesen Gefahren mit deiner Gnade nicht! Waffne mich mit unbezwinglicher Stärke wider die Macht der sich empörenden Sinnlichkeit, mit Weisheit gegen die Täuschungen meiner Sinne, und mit Mißtrauen gegen die Verheißungen der verführerischen Welt. Verleih', daß ich vor Laster, in was für einer reizenden Gestalt es immer erscheine, unaufhaltsam fliche, und wenn die Sünder mich locken, ich ihnen nicht zu Willen sei. Behüte mich, o Herr! vor jeder Gewohnheit, zu fündigen, damit ich keines Lasters Sklave werde, und in meinem Alter keine Vergehungen meiner Jugend zu beweinen und zu büßen babe; sondern vielmehr in der Gottseligkeit täglich Für Jünglinge. zunehme, und dir mit einem ruhigen, unbefangenen Gewissen zu dienen fortfahre. Stch' mir gegen die Feinde meiner Tugend, vorzüglich gegen die Feinde der Reinigkeit meines Herzens, bei. Verleih' mir Gelehrigkeit und Gehorsam gegen die Erwahnungen meiner Eltern und Vorgesetzten, damit ich einst nicht zu seufzen gezwungen werde:, Warum habe ich die Zucht gescheuet! Warum habe ich der Stimme meiner Lehrer nicht gehorcht, noch den Meistern mein Ohr geneigt!"- Entblöße mich nie von tugendhaften Freunden, deren Beispiel und Rath, mich der Tugend, der Religion, der Rechtschaffenheit und Ehrbarkeit, gegen die Gefahr der Verführung, getreu erhalte. 339 Lehre mich die unwiederbringlichen Jahre meis ner Jugend, als die vortheilhafteste Zeit zu meiner Ausbildung und Befähigung für meinen fünftigen Stand, mit weiser Sparsamkeit ausnügen, und sorgfältig dazu anwenden, daß ich täglich einsichtiger, weiser, tugendhafter, zur Erfüllung der Pflichten meines Berufes geschickter, urd überhaupt zur Beförderung deiner Ehre und der Wohlfahrt meiner Mitmenschen fähiger werde. Dann werd' ich einst, wenn ich dem Ziele meiner Laufbahn mich nähere, mit Gewissensruhe und mit Dankbarkeit gegen deine Güte, auf die Jahre meiner Jugend zurücksehen, und einer weisen Benuhung derselben, in dem sonst traurigen Alter, ein heiteres Gemüth zu verdanken haben, und auf meinem Sterbelager einer freudigen Aussicht in die Ewigkeit genießen. Gewähre mir, o mein gütiger Vater! dieß mein Gebet durch Jesum Christum! Amen. 22* Für Jungfrauen. 4. für Jungfrauen. O wie schön ist ein keusches Geschlecht, das mit Tugenden leuchtet! denn dessen Gedächtniß ist unsterblich, weil es bei Gott und den Menschen in Ehren ist.( Weish. 4.) Ich verlange von euch( sagt Paulus 1. Kor. 7.), daß ihr euch allen weltlichen Sorgen entschlaget. Wer nicht verehlicht ist, beschäftigt sich mit Dingen, die den Herrn angehen, mit der einzigen Sorge, Gott zu gefallen. Die nicht verheirathet ist, und im jungfräulichen Stande lebt, denkt nur an den Herrn, damit sie an Geist und Leib heilig sei. Dieß sage ich euch, um euch zu einem Stande Anleitung zu geben, der ehrwürdig ist, und welcher euch fähig machen wird, ohne Hinderniß zu Gott zu beten. 340 - Gebet. Herr! du Allwissender! dir sind unsere Bedürfnisse, und was wir von dir zu bitten haben, besser bekannt, als uns selbst. Erleuchte mich, daß ich um diejenige der Gaben, deren ich in meinem Stande und Alter vorzüglich bedarf, mit Inbrunst und Zuversicht bitte. Nicht um vergängliche Reize, nicht um körperliche Schönheit, mit der die Tugend sich so schwer verträgt;- nicht um Borzüge und Geschicklichkeilen, die die Eitelkeit, wozu mein Geschlecht ohnedieß so viel Hang hat, erwecken und nähren, bitt' ich dich, o Herr! Nein, laß mich dieß fleh' ich- den einzigen wahren, und selbst dem Laster verehrungsein würdigen Schmuck einer weiblichen Seele unschuldiges und keusches Herz bewahren, und lieber mein Leben, als dieses ewig unwiederbringliche Kleinod, wenn es einmal verscherzt worden, verlieren. - - Für Jungfrauen. 341 Rüste mich mit Wachsamkeit und Klugheit aus, gegen die mancherlei Gefahren, denen mich mein eigenes Herz sowohl, als die stets lauernde Verführung ausseßen. Gib mir eine ungeheuchelte Eingezogenheit und Sittsamkeit, worin ich meine Verehrung für die Tugend, und meinen Abscheu gegen das Laster in den Augen der Welt öffentlich bekenne. Laß mich über meine Reden und Blicke sorgfältig gebieten; laß überhaupt in meinem ganzen Betragen Ehrbarkeit, edlen Ernst und Züchtigkeit herrschen, auf daß ich Niemanden Anlaß gebe, unanständig von mir zu denken, oder gar Muth einflöße, meiner Tugend nachzustellen. Laß mich allen Aufputz, dessen sich die Eitelkeit zu bedienen pflegt, aus ganzer Seele verabscheuen, damit ich um so weniger von dem Beispiele Anderer meines Geschlechtes, die ihren Schmuck von Außen in dem Flechten der Haare, oder in Goldgehängen, oder im prächtigen Kleideranzug, nicht aber in dem Menschen suchen, angesteckt werde. Pflanze Bescheidenheit und Demuth in mein Herz, damit ich gegen verführerische Schmeicheleien taub und und unempfindlich sei. Vorzüglich aber bitt' ich dich, o Herr! um deine Gnade, daß ich in ächter Frömmigkeit, wodurch allein weibliche Schwachheit unüberwindlich bleibt, täglich zunehme, und in der Weisheit und Tugend, wie in den Jahren, unaufhaltsam fortschreiten möge. Mache mich fähig, meine Pflichten, insonderheit diejenigen meines gegenwärtigen und zukünftigen Standes zu erkennen, und mein Herz zu allen Tugenden, deren ich einst, zur würdigen Besolgung meines Berufes, nicht entbehren kann, geneigt. Unterstüte endlich 342 Für Brautpersonen. mein Bestreben, in diesen Tugenden mich frühzeitig zu üben, damit ich mir eine Fertigkeit darin erwerbe, die sie mir leicht und angenehm mache, durch Jesum Christum. Amen. 5. für Brautpersonen. - dem Ein tugendbaftes Weib ist eine gute Gabe,- Gottesfürchtigen wird sie zu Theil; seines Wohl verhaltens wegen erhält er sie ( Jesus Sir. 26, 2.) Gebet. ગ Umächtiger, ewiger Gott! ich soll in eheliche Verbindung treten,- mit einem Bande mich umschlingen, das nichts, als der Tod lösen kann; ich habe mir die Sache ernstlich überlegt, und sie nicht nach blinder Leidenschaft, nach Gründen der Habsucht oder Wollust, sondern nach den Gesehen der Vernunft und des Christenthumes erwogen, und reiflich bei mir überdacht, ob mein Bräutigam ( meine Braut) für mich, und ich für ihn( für sie) tauglich sei, ob wir in lebenslänglicher Freundschaft und Liebe werden leben können. Ich glaube und hoffe nun feierlich das Beste. O verhüte, daß ich mich in meiner Hoffnung betrüge. Laß zwischen uns keine mißvergnügte, unglückliche Ehe entstehen; laß mich dafür lieber vor der Trauung noch sterben. Strafe mich nicht meiner Sünden wegen mit dieser Strafe. Sich! von Herzen bereue ich alle Sünden meiner Jugend, alle Fehler meines ledigen Standes, und bin fest entschlossen, in meinem neuen Stande ein neues Leben anzufangen- ein tugend Für Brautpersonen. 343 haftes, christliches, dir wohlgefälliges Leben. Auch will ich alle Beschwerden und Leiden des Ehestandes im Geiste der Buße mit Geduld und Ergebung in deinen göttlichen Willen ertragen. Gib mir dazu deine Gnade. Verleihe mir, o gütigster Vater! daß ich in den Stunden der Leiden nicht mißvergnügt und unzufrieden, in den Stunden der Freuden und des Trostes aber nicht übermüthig und leichtfertig werde. Auch bin ich bereit, alle meine Pflichten gewissenha ft zu erfüllen, und Alles, was ich meinem Bräutigam( meiner Braut) am Altare vor deinem Angesichte, vor dem Priester und der Gemeinde Gottes versprechen werde, treu und redlich bis zum letzten Athemzuge zu halten. Verleihe uns dazu die sakramentalische Gnade und deinen göttlichen Segen, und daß wir beides empfangen haben, wollen wir daraus erkennen, daß wir miteinander, wie Tobias und Sara in wahrer Gottseligkeit, in beständiger Freundschaft und Liebe- gesegnet von Gott, geehrt von den Menschen leben, Leid und Freud mitsammen theilen, und so ein wahres Nachbild jener heiligen Liebe und unzertrennlichen Vereinigung werden, die zwischen Christus und seiner Kirche bestehet. — O dieses erringen, welch' ein Glück! Daher bitte ich dich darum nochmals aus dem innersten Grunde meines Herzens, verspreche dir dabei aber auch zugleich das Meinige gewissenhaft dazu beitragen. Zu diesem Ende will ich mir gleich am Anfange meines Ehestandes gewisse Lebens- und Verhaltungsregeln feststellen, und mich mit meinem Gatten( meiner Gattin) schon in den ersten Tagen unsers ehelichen 344 Für Eheleute. Beisammenseins verabreden, wie wir Mäßigkeit, Zucht und Ordnung in Bezug auf Leib und Seele beobachten wollen, wie uns unser Stand nie ein Deckmantel der Sünde, sondern nur ein geheiligtes Mittel wider Ausschweifung und Unzucht sein soll, wie wir uns seiner Rechte und Freiheiten bedienen, aber auch seine Pflichten erfüllen wollen, um der Welt gesunde Menschen, dem Staate gute Bürger, der Kirche wahre Christen, dem Himmel selige Auserwählte zu verschaffen. Ueberhaupt verspreche ich dir, o heiligster, dreieiniger Gott! mich unablässig zu bemühen, alle meine Pflichten gegen dich, gegen meinen Gatten( meine Gattin), gegen meine Hausgenossen, Dienstboten und Nachbarn allzeit zu erfüllen. Dieß ist mein fester Entschluß. Stärke ihn, o Gott! und gib, daß er von mir und meinem Gatten( meiner Gattin) im vollsten Maße erfüllt werde, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. - 6. für Eheleute. AJ hr Ehemänner! liebet eure Weiber, wie Jesus Christus die Kirche geliebt hat. Er selbst hat sich für sie aufgeopfert, um sie zu heiligen. Die Männer sollen ihre Weiber wie ihren eigenen Leib lieben. Wer sein Weib liebt, der liebt sich selbst. Darum wird der Mann seinen Vater und seine Mutter verlasſen, und seinem Weibe anhangen; und beide werden Ein Leib sein. Dieses ist ein großes Sakrament in Christo Jesu und in der Kirche.( Ephes. 5.) Ehemänner! liebet eure Weiber, und behandelt sie nicht mit Unfreundlichkeit. ( Roloff. 3.) Ehemänner sollen vernünftig und weislich mit ihren Weibern umgehen; Achtung für die Schwachheit ihres Geschlechtes haben, und ihnen mit Anstand und - Für Eheleute. 345 Mäßigung begegnen; da sie ebenso, wie sie, Erben der Gnade und des Lebens sind, damit sie dieselben nicht von ihrem Gebete abhalten.( 1. Petr. 3.) Der Mann leiste seinem Weibe, was er ihr schuldig ist, und das Weib dem Manne. Das Ehebett verdient in jeder Rücksicht Achtung; und daher soll es unbefleckt erhalten werden.( Hebr. 13.) Ihr Eheweiber! seid euren Männern im Herrn, wie sich's gebührt, untergeben.( Koloff. 3.) Die Eheweiber sollen ihren Männern, wie dem Herrn, untergeben sein, weil der Mann der Gebieter des Weibes, wie Jesus Christus das Oberhaupt der Kirche ist. Die Weiber sollen ihren Männern gehorchen, damit sie, ohne zu reden, bloß durch ihr Beispiel ihre gute Aufführung, diejenigen, die an das Wort Gottes nicht glauben, gewinnen mögen. Ihr Schmuck sei nicht ein äußerer nur, in Haargeflechte, in Goldgehängen oder in gesuchtem Anzuge, sondern vorzüglich ein innerer, der in der unvergänglichen Zierde eines tugendhaften Herzens und eines stillen, sanften Geistes besteht, und vor Gott hohen Werth hat. So schmückten sich einst auch die heiligen Frauen, die auf Gott hofften und ihren Ehemännern unterthan waren. ( 1. Petr. 3.) - Gebet. O Gott! der du den Ehestand eingesetzt hast als ein Bild jener heiligen Liebe und innigen Verbindung, durch welche Christus mit seiner Kirche vereiniget ist, uud ihn zu einem heiligen Sakramente erhoben hast; gib uns deine Hülfe und Gnade, daß wirin inniger, aufrichtiger und unzertrennlicher Verbindung allzeit deiner heil. Absicht gemäß leben, dir, unserm Schöpfer, Gott und Herrn, hiedurch gefallen, unsere Hausgenossen und Angehörigen durch christlichen Wandel erbauen und uns selbst in der Erreichung der ewigen Glückseligkeit sein mögen.- Segne uns, allmächtiger Schöpfer! mit Ruhe des Herzesu' mit Kraft zur Tugend und mit wahrer Für Eheleute. Lebensweisheit in den mannigfachen Beschwerden und Leiden dieses Standes aber versag' uns deinen mächtigen Beistand nicht, damit wir sie mit christ licher Geduld und Gottergebenheit tragen. Laß nie aus unserm Geiste die Erkenntniß der Wahrheit schwinden, daß die Gottseligkeit zu Allem nüßlich sei, und die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens habe; daß gründliche Religiösität und Gottesfurcht die festesten Stüßen des häuslichen Glückes feien, sowie der gegenseitigen Achtung und Liebe. Laß auch nie zu, daß sich böse Leidenschaften und Uneinigkeiten unter uns einschleichen, oder daß Kälte und Abneigung in uns entstehe; laß uns vielmehr nur Ein Herz und Eine Seele sein, gleichwie wir auch nach den Worten der heiligen Schrift nur Ein Leib sind. Gib uns den Geist der Eintracht und Liebe zur Arbeitsamkeit. Schenke uns deinen Segen zu unsern täglichen Berufsgeschäften; denn an deinem Segen ist Alles gelegen. Bewahre uns und unsere Angehörigen auch vor großem Unglücke; und erleuchte uns in wichtigen Stunden und Anliegen, damit wir uns gegenseitig mit gutem Rathe und rechter Hülfe beizustehen wissen. Gieße aus über uns die Schätze deiner Milde und Erbarmung, damit wir immer mehr Ursache haben, in den Wegen deiner heiligen Gebote untadelhaft zu wandeln, bis du uns deiner Anschauung und der ewigen Seligkeit würdig finden wirst. Um dieses Alles bitten wir dich nochmals durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 346 Für Eltern. 7. für Eltern. aft du Söhne, so gib ihnen eine gute Erziehung, und beuge früh ihren Eigensinn. Hast du Töchter, so bewache ihre Keuschheit, und verwöhne sie nicht durch Nachsicht.( Jef. Sir. 7, 25.) Väter! betraget euch gegen euere Kinder nicht mit einer Härte, die sie zur Widerspenstigkeit verleite, oder muthlos mache. Erziehet fie vielmehr sorgfältig zur Weisheit und Furcht Gottes. ( Koloff. und Ephej. 6.) 347 35 Estos Gebet. Herr! du Vater aller Menschen! du hast meine Ehe mit Kindern gesegnet, und mir dadurch die Pflicht auferlegt, sie zu vernünftigen und tugendhaften Menschen zu erziehen. Ich sehe die Wichtigkeit dieses Geschäftes eben sowohl, als die Schwierigkeiten, die damit verbunden sind, ein, und bin überzeugt, daß meine Einsicht und meine Kräfte allein nicht zureichen, dieser Pflicht, so wie du es von mir forderst, nachzukommen. Erleuchte mich demnach, daß ich erkenne, was ich zu thun habe, und gib mir unverdrossene Willigkeit und anhaltenden Eifer, es mit der erforderlichen Thätigkeit in Ausübung zu bringen. Mäßige die natürliche Liebe zu meinen Kindern, daß dieselbe nie in jene übelverstandene Zärtlichkeit ausarte, die so viele Eltern gegen die Fehler, Unarten und bösen Neigungen ihrer Kinder blind, oder auf die unvernünftigste Art nachsehend macht. Verhüte aber auch, daß ich die Strenge nicht zu weit treibe, und durch überspannte Härte meine Kinder zur Widerspenstigkeit verleite.- Waffne mich mit unerbittlicher Standhaftigkeit, wo ich strafen 348 Für Eltern. muß; flöße mir hingegen Sanftmuth ein, wo die Klugheit vielmehr Nachsicht und Güte anräth. Ueberhaupt bitt' ich, o du Gott der Gnaden! unterstütze und segne meine Bemühungen, wahre Gottesfurcht und ächte Frömmigkeit in das Herz meiner Kinder zu pflanzen, und ihren Verstand dergestalt aufzuflären, daß sie vor allen Dingen dich und deine anbetungswürdigen Vollkommenheiten, ihre Bestimmung, sich selbst, jede nüßliche Wahrheit, und die Mittel zu einem gottseligen und glücklichen Leben zu erkennen, fähig werden. Komm mir mit deiner Gnade zu Hülfe, damit mein Wandel ihnen niemals zum Aergerniß, sondern vielmehr zur Erbauung und zum vorleuchtenden Beispiel in Allem, was gut, recht und löblich ist, gereichen möge. Weh mir! wenn ich Schuld an ihrem Verderben haben sollte! Meine Kinder selbst heilige mit deinem Geiste, auf daß fie dich frühzeitig lieben und fürchten lernen, ihr Herz der Weisheit, Religion und Tugend mit Freudigkeit öffnen, sich der Zucht willig unterwerfen, und durch Biegsamkeit, Folgsamkeit und Gelehrigkeit mir das Geschäft ihrer Erziehung sowohl erleichtern, als zur Freude machen. Herr! du weißt, daß ich nichts Kostbareres habe, als meine Kinder, und daß mir nichts so sehr am Herzen liegt, als ihre Seele, die du einst aus meinen Händen zurückfordern wirst. So laß sie denn deiner Obhut empfohlen sein, diese dir und mir so theuern Pfänder! Sei du ihr Vater! Schüße sie gegen die Anfälle des Lasters, gegen die Macht der Verführung und des bösen Beispiels, vorzüglich in dem Alter, wo ihre Sinnlichkeit aufwacht, und ihre Für Eltern. 349 Tugend noch nicht befestigt genug sein kann, um starke Prüfungen auszuhalten. Bewahre mich und fie vor dem schrecklichen Unglücke, daß sie die Bahn der Tugend, auf die ich mit der Gnade sie zu leiten beſorgt bin, jemals wieder verlassen, unter meinen Augen dem Laster anhängen, und dadurch die Sorgfalt meiner Erziehung auf die beweinenswürdigste Art vereiteln. Wende, o Gott! ich flehe dich aus dem Innersten meiner Seele darum an- wende diesen tödtlichen Kummer, der mich zu Boden drücken und meine Tage abkürzen würde, gnädiglich von mir ab. Laß mich lieber ohne Kinder sterben, als daß ich gottlose Kinder hinterlasse. Wirst du aber, wie ich unaufhörlich darum bitten werde, meine Erziehung dergestalt an meinen Kindern gedeihen lassen, daß, wenn sie zu deiner Ehre, zu meiner Freude, und zum Wohlgefallen aller Menschen herangewachsen sind, sie in dem traurigen Alter mir zum Troste, zum Stabe werden: o, dann will ich freudig sterben, versichert, daß sie unter deinem nnd ihrer Tugend Schuße wohl aufgehoben sind, und daß ich ihnen das Leben gegeben zu haben, nicht bereuen darf. Auf welchen Grad wird endlich meine Seligkeit steigen, wenn ich sie, in deiner Herrlichkeit um mich versammelt, dir einst werde vorstellen und sagen können: Herr! da sind sie, die du mir gege= ben hast; ich habe dir keines verloren. Diese meine angelegentlichsten Bitten, deren Aufrichtigkeit dir bekannt ist, wollest du, o mein Gott! der du gern gewährest, mir gnädiglich gewähren, durch Jefum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. 350 Für Wittwen. 8. für Wittwen. € hret die Wittwen, die in der That Wittwen sind. Hat eine Wittwe Kinder, so lerne sie ihrer Haushaltung vorstehen und befleiße sich durch Sorge für die Erziehung ihrer Kinder, ihren Eltern das wieder zu geben, was sie von ihnen erhalten hat, denn auch sie forgten für ihre Erziehung. Die wahrhaft Wittwen, d. i. verlassen sind, sollen auf Gott vertrauen, bei Tag und Nacht beten, und mit Inbrunst beten, denn diejenige Wittwe, welche in Ueppigkeit lebt, ist schon todt, ob sie gleich noch lebt. Ermahnet die Wittwen, daß sie einen unsträflichen Wandel führen. Untersuchet, ob die Wittwe sich durch gute Handlungen einen guten Ruf erworben; ob sie ihre Kinder gut erzogen, ob sie denen, die in Noth waren, beigestanden, und in allen Arten guter Werke sich geübt habe. ( 1. Timoth. 5) Gebet. Gütigster Gott! der du zwar der Helfer aller Bedrängten, den Wittwen und Waisen aber vorzüglich mit Trost und Hülfe nahe bist, wie sollt ich in den Kümmernissen, die meinen Stand begleiten, nicht auch vorzüglich meine Zuflucht zu dir nehmen? Es ist das allgemeine Schicksal der Wittwen, daß sie verlassen, gering geachtet, sogar gedrückt werden von den Menschen. Aber du willst ihr Beschützer, ihr Vater sein; du willst ihre Seufzer erhören, und die Thränen, die sie einsam vor dir weinen, liebreich abtrocknen. So vernimm denn mein kindliches Flehen um Schuß, Rath, Trost, Stärke und Erleuchtung, denn ich bin ein schwaches Weib, das von allen Seiten Unterstützung und Hülfe bedarf, die sie aber nur von deiner Vatergüte mit Zuversicht erwarten kann. 351 Für Wittwen. Zuvörderst lehre mich, o Herr! meinen Wittwenstand, in den du mich zu versetzen für gut befunden hast, mit gelassener Ergebung in deinen heiligsten, alles wohl machenden Willen ertragen. Dann gib mir deine Gnade, die Pflichten dieses Standes dergestalt zu befolgen, daß mein Wandel wohlgefällig vor dir, und gegen schadenfrohe Tadelsucht gesichert sei vor den Menschen. Gib mir Eingezogenheit, Sittsamkeit und Demuth; Züchtigkeit in meiner Kleidung, in meinen Blicken, Reden, Geberden und Handlungen; Wirthschaftlichkeit in meinem Hauswesen, Sparsamkeit in meinem Aufwande, überhaupt eine ungeheuchelte Frömmigkeit, die größte Zierde der Wittwen. Erwecke mir edelgesinnte Freunde, die mir meinen Kummer tragen helfen, und mit Rath und That großmüthig an die Hand gehen. Schaffe mir Recht, wenn Feinde, von meiner Hülflosigkeit aufgemuntert, meinem guten Namen oder meinem Vermögen nachstellen. Leite mich durch deinen Geist, wenn ich mir selbst zu rathen nicht vermag, und laß mich in meinem Vertrauen nicht zu Schanden werden, so oft ich in meinen Kümmernissen, Sorgen und Nöthen um deinen Beistand flehe, oder meiner Seele nach Trost und Rettung bange ist. Du, o Herr! der Waisen Helfer und der Wittwen Richter! bist mein Schirm, meine Burg, meine Zuflucht, warum sollt' ich kleinmüthig verzagen? warum durch Trostlosigkeit mich aufzehren, und fürchten, daß es mir und den Meinigen bei Arbeitsamkeit und Sparsamkeit jemals an dem Nothdürftigen gebrechen, oder daß ich in Hülflosigkeit verschmachten werde?- Dir empfehl ich mich dem 352 Für Greise. nach mit allen meinen Sorgen, ich vertraue allein dir mit frohem Herzen, und will gelassen tragen, was du mir auferlegt hast, weil ich weiß, daß du es mir zu meinem Besten auflegtest und tragen hilfst. Ehre und Preis sei dir dafür in alle Ewigkeit! Amen. 9. Für Greise. Alte Leute sollen nüchtern, ehrlich und sittsam sein, vernünftig, rein und ächt im Glauben, in der Liebe und in der Geduld.( Tit. 2.) Gebet. D Gott und Vater meines Lebens! lange hast du mich schon erhalten und mich mit einer Menge Wohlthaten überhäuft von meiner Kindheit an bis in's graue Alter. Viel Gutes hast du mir an Leib und Seele erwiesen. Ich danke dir dafür aus dem Grunde meines Herzens und preise aus ganzer Seele deine Güte und Liebe.- Meine Leibes- und Geisteskräfte nehmen jetzt ab, meine Lebenstage gehen zu Ende, und ich fühle, daß die Hülle meines Leibes mit jedem Tage baufälliger wird, und mir ist bereits nichts mehr übrig, als Tod und Grab. Der Feierabend meines Lebens naht heran. O wie eitel ist Alles unter der Sonne! Wo sind jetzt die Freuden meiner Jugend und meines mittleren Alters? Ach wie kurz hat Alles gedauert! Und leider waren meine Werke, Freuden und Vergnügungen nicht allzeit unschuldig und rechtmäßig. Darum erfüllt mich der Gedanke an die Vergangenheit und der Blick in die Zukunft mit - Für Greise. 353 Traurigkeit und Angst; und mit reuerfülltem Herzen rufe ich zu dir, o Herr! die Worte des Königs David: ,, Gedenke nicht der Vergehungen meiner Jugend und aller meiner Thorheiten!" Aber ich will verständiger und tugenhafter werden in meinem Alter, und meine grauen Haare nicht mehr durch Leichtsinn und fündige Begierden entehren. Ich will vielmehr eifrig werden im Dienste Gottes, und meine Andacht soll um so heißer werden, je mehr mein Blut erkaltet. Ich will dir mein Alter angenehm machen durch Geduld und Sanftmuth, durch Weisheit und Liebe, und mich hüten, dich jemals noch durch Zorn und Ungeduld, durch Haß und Feindseligkeit, durch Laster und Thorheiten zu schänden. Gib mir, o Gott! zur Erfüllung dieser meiner Vorsätze, deine mir so nothwendige Gnade. Entflamme in mir den Eifer zum Guten. Ertödte in mir alle Anhänglichkeit an weltliche Dinge und irdische Vergnügungen und entzünde in mir hingegen das Verlangen nach geistigen Gütern und die Sehnsucht nach den Freuden des Himmels. O Gott! du bist barmherzig, darum hoffe ich zuversichtlich, daß du um der Verdienste deines Sohnes willen, diese meine Bitten erhören und meine Reue und Besserung nicht verachten werdest; und so erwarte ich mit Ruhe die Stunde deiner Ankunft, o Herr! und blicke getrost dem Tode in's Angesicht. Er wird meiner Seele die Thore des Himmels öffnen, und sie einführen in die Freude meines Herrn, in die Gesellschaft aller Engel und Heiligen, wo ich dich von Angesicht zu Angesicht ewig schauen und genießen werde. Aber auch mein Wege des Heils. 23 354 Für Hausväter und Hausmütter. Leib, mag er heute oder morgen zerbrechen und in Staub zerfallen, wird nicht ewig im Grabe bleiben, sondern, siegreich über Tod und Grab wieder auferstehen, und zwar unsterblich und glorreich, da ich Gnade vor dir gefunden zu haben hoffe. Dieses Alles erwägend, rufe ich daher mit dem heil. Paulus aus: Ich verlange aufgelöset zu werden und mit Christo zu sein. Ja einst ewig bei dir, o Gott! und bei deinem Sohne Jesu Christo zu sein, das gewähre mir durch ebendenselben Jesum Chriſtum, dessen Leiden und Sterben wir es zu verdanken haben, daß wir, wenn wir gerecht leben, Tod und Grab nicht mehr fürchten dürfen. Amen. 10. für Hausväter und Hausmütter. Ihr Herren( Frauen)! gewähret euern Dienern Alles, was recht und billig ist, wohl wissend, daß auch ihr einen Herrn im Himmel habt, wie sie.( Kolosser 4.) Ihr Herren( Frauen)! betraget euch gegen eure Dienerschaft mit Güte, und gebrauchet keine Drohungen; denn ihr wisset, euer und ihr Herr ist im Himmel, und dieser macht kein Ansehen der Person.( Ephes. 6.) Haltet eure Diener( Mägde) nicht wie Sklaven, sondern als eure geliebten Brüder( Schwestern) dem Fleische nach und in dem Herrn.( Philem.) Wern Jemand für die Seinigen, besønders für die Hausgenoffen nicht Sorge trägt, der hat den Glauben verläugnet, und ist ärger, als ein Ungläubiger.( 1. Tim. 5, 8.) Gebet. großer, allgütiger, höchst weiser und unendlich heiliger Hausvater der ganzen Welt! Alles steht unter dir, du erhältst und regierst die ganze Welt; und du hast auch mich zum Haus 355 Für Hausväter und Hausmütter. vater( zur Hausmutter) einer kleinen Familie gemacht. In dieser soll ich nun dein Stellvertreter sein, und wie ein Vater( eine Mutter) für meine Hausgenossen und Dienstboten sorgen. Du hast ihr leibliches und geistiges, ihr zeitliches und ewiges Wohl in meine Hände gelegt, wirst aber darüber auch einst Rechenschaft von mir fordern. O welch' eine schwere Pflicht liegt mir ob. Und wie strafbar würde ich mich machen, wenn ich sie nicht nach allen meinen Kräften zu erfüllen trachten würde. Wahrlich, ich würde, nach den ausdrücklichen Wörten des heiligen Paulus, strafbarer, verächtlicher, schlechter sein, als ein Heide, ich würde sein, wie Einer, der den Glauben verläugnet, und aufgehört hat, ein Christ zu sein. O Gott! bewahre mich vor dieser furchtbaren Sünde! Nein, ich will nicht bloß den Namen eines Hausvaters( einer Hausmutter) tragen, ich will auch die Pflichten desselben( derselben) erfüllen. Ich nehme mir heute auf's Neue vor, daß ich jedem meiner Hausgenossen und Untergebenen geben will, was ihnen gebührt, und zwar immer mit willigem Herzen und mit heiterer Miene, zur rechten Zeit und im rechten Maße. Niemanden will ich verkürzen in Kost oder Lohn, Niemanden mehr Arbeit auflegen, als es recht und billig ist. Alle will ich sie wie meine Brüder und Schwestern ansehen, achten und lieben, und gut behandeln, da sie ja auch für mich ihre Kräfte opfern und arbeiten. Und soll zuweilen Ernst und Strenge nöthig sein, so will ich mich doch allzeit mäßigen, auf daß ich nie in Flüche und Vewünschungen oder Beschimpfungen ausbreche. O allmächtiger Gott! dir ist alles 23* - - Für Dienstboten. möglich, bewahre mich mit deiner Gnade vor solchen Fehlern, und gib mir ein versöhnliches Herz, auf daß ich, wenn ich von meinen Untergebenen wirklich beleidigt werde, ihnen gerne wieder verzeihe, gleichwie ich wünsche, daß du mir meine Fehler verzeihen mögest.- Vorzüglich aber will ich auch dafür sorgen, daß weder von meinen Untergebenen, noch von Fremden in meinem Hause mit meinem Wissen etwas Unerlaubtes und Sündhaftes gesprochen oder gethan werde. Wohl aber will ich mit aller Sorgfalt Alle, die du mir anvertraut hast, zum Gebet, zum Gottesdienste, zur Anhörung der Predigt, zum fleißigen Empfange der heiligen Saframente und zu allem Guten ermuntern, und in der Uebung alles dessen mit meinem eigenen guten Beispiele vorangehen. Gott! der du mir diese Ge danken und Vorsäte in's Herz gegeben, gib mir auch die treue und beharrliche Erfüllung derselben. Segne mich und alle die Meinigen durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 356 soie 11. für Dienstboten. iener! gehorchet in allen Stüücken euren Herren mit Furcht und Zittern, und in der Einfalt eures Herzens, wie Jesu Christo jelbst. Dienet ihnen nicht bloß, weil fie euch sehen, um etwa den Menschen zu gefallen: sondern weil ihr Diener Jesu Christi seid, und aus ganzem Herzen den Willen Gottes thut. Dienet aus Zuneigung, und verrichtet Alles gern, was ihr verrichtet. ( Ephef. 6.) Die Diener sollen ihren Herren untergeben, in allen Stücken gefällig sein; ihnen nicht widersprechen, ihnen kein Unrecht anthun, sondern allenthalben eine vollkommene Treue beweisen; damit sie in aller ihrer Auf Für Dienstboten. führung die Lehre unsers Erlösers, unsers Gottes offenbar machen.( Tit. 2.) Ihr Diener! jeid euren Herren untergeben mit aller Furcht; nicht nur, wenn sie sich gegen euch mit Sanftmuth und Nachsicht betragen, sondern auch, wenn sie von zorniger und verdrießlicher Gemüthsart find. Kann es euch zur Ehre gereichen, wenn ihr euch, durch eure Vergehungen, einer üblen Behandlung aussetzet? Aber das wird euch Gott angenehm machen, wenn ihr mit Geduld leidet, ob ihr gleich nichts als Gutes gethan habt. ( 1. Petr. 2.) 357 Gebet. O Gott und Vater! dein heiliger Wille ist, daß ich durch Dienen mir nicht bloß das tägliche Brod erwerbe, sondern auch mein Heil wirke und die Seligkeit des Himmels verdiene. Du meinst es in Allem gut mit uns Menschen, deinen Kindern, darum bin ich auch mit dem Stande, zu dem du mich berufen hast, ganz zufrieden; nahm doch selbst dein Sohn Knechtsgestalt an, und kam auf die Welt, nicht um bedienet zu werden, sondern um allen Menschen zu dienen. Laß mich meinem Herrn und meiner Frau so gehorchen, als wenn du selbſt mir befehlen würdest, als wenn ich an ihnen unsern Herrn Jesus Christus vor mir hätte, und gib mir Kraft, daß ich ihnen auch dann noch willig und pünktlich gehorche, wenn sie zornig, verdrießlich oder hart gegen mich sind. Flöße mir eine ehrfurchtsvolle Liebe gegen sie ein, doch so, daß ich nur dich, als meinen höchsten Herrn, über Alles liebe und fürchte, und eher die Liebe meiner Vorgesetzten, als die Deinige zu verlieren bereit bin. Hilf mir auch, daß ich selbst bei geringem Lohne und schlechter Kost ihnen die Treue bewahre, nie durch unerlaubte heimliche Selbstentschädigung mein Gewissen beflecke, und 358 Für Arme. unter allen Verhältnissen ihr Gut wie mein eigenes ansehe und zu erhalten suche. Stärke mich, daß ich an ihnen stets und unter allen Verhältnissen deine Person ehre, und ihnen aus Liebe zu dir anhänge. Um dieß bitte ich dich, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 12. für Arme. elig seid ihr, ihr Armen! denn euer ist das Himmelreich.( Lut. 6.) Man besitzt einen großen Schat, wenn man sich mit Wenigem begnügen kann. Als wir auf die Welt tamen, brachten wir nichts mit: und es ist gewiß, daß wir aus der Welt auch nichts mitnehmen werden. Diejenigen, die nach Reichthum streben, verfallen in Versuchung, und in die Schlingen des Teufels, und in mancherlei unnütze und schädliche Begierden, welche den Menschen in den Abgrund des Todes und des Verderbens stürzen.( 1. Timoth. 6.) Unser Lebenswandel soll frei vom Geize sein. Lassen wir uns an dem genügen, was wir haben; denn der Herr hat gesagt: Ich werde euch nicht verlassen, und nicht von euch weichen. So werden wir mit Vertrauen sagen können: Der Herr ist mein Beschützer; und ich fürchte mich vor nichts, was die Menschen mir thun können.( Hebr. 13.) Gebet. O mein Gott! ich bin wohl recht arm, aber deßwegen will ich doch nicht traurig und verzagt sein, weil du, mein Vater, der Herr aller Güter der Welt bist, Niemanden verlassest, die auf dich ihr Vertrauen setzen, und gerade desto mehr und eher zu helfen dich würdigest, je größer die Noth ist, und wenn ich dich fürchte und liebe, so bin ich reich in deiner Gnade und Liebe. O gib mir nur, daß ich Für Reiche. 359 diesen doppelten himmlischen Schaß nie verliere, daß ich stets ein reines Herz und ein gutes Gewissen bewahre, das mich deinen heiligen Augen wohlgefällig macht. Als ich auf die Welt kam, brachte ich nichts herein, und werde auch bei meinem Tode gewiß aus derselben nichts mitnehmen, was soll ich mich also über den Mangel irdischer Güter gar so sehr betrüben, oder gar durch Ungerechtigkeit, Betrug oder Entwendung in den Besitz derselben zu sehen suchen. O gerechter, heiliger Gott! bewahre mich vor diesem Fehler, diesem Laster! Es geschieht nichts ohne deinen heiligen Willen, ohne deine weise Fügung, daher trage ich die feste Ueberzeugung in mir, daß mir meine Armuth zur Erreichung des ewigen Heiles nur nüßlich sein könne. Dein Name sei gelobt von mir und allen Armen. Laß mich diese Gesinnung bis in den Tod bewahren, darum bitte ich dich, o Vater der Armen; durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. 13. für Reiche. F rmahnet die Reichen dieser Welt, daß sie sich mit stolzen Gedanken nicht über Andere erheben, daß fie sich auf die Unsicherheit ihrer Reichthümer nicht verlassen, sondern auf den lebendigen Gott vertrauen, der uns zur Genüge Alles gibt, was wir brauchen; daß fie Gutes thun, und an guten Werken reich zu werden sich bestreben; daß sie von ihrem Vermögen den Dürftigen gern mittheilen, und sich dadurch einen Schatz und einen dauerhaften Grund für die Zukunft erwerben und endlich das ewige Leben erlangen mögen.( Timoth. 6.) Weh euch, ihr Reichen! denn ihr genießet schon eurer Glückseligkeit. Gebet Allen, die euch darum ansprechen. 360 Für Reiche. Thut Gutes, und leihet, ohne die Zurückzahlung zu hoffen. ( Luk. 6.) Wer sein Ohr gegen das Flehen der Armen verhärtet, wird selbst flehen und nicht erhöret werden. ( Sprichw. 21, 13.) - Gebet. Wie kann ich, o mein himmlischer Vater! deine Güte, davon du mir so vorzügliche Beweise gibst, würdig erheben? wie soll ich dich preisen, daß du, der du mächtig bist, so große Dinge an mir thust? Was bin ich besser als Tausende meiner Mitmenschen, deren Glücksumstände doch so tief unter den Meinigen sind? Bin ich nicht eben wie sie ein Staub, den du durch deine Schöpfermacht belebteſt? Oder bin ich, bei dem wenigen Guten, das ich durch deine Gnade etwa ausübe, nicht noch immer ein unnützer Knecht? und in Absicht auf das Böſe, vielleicht ein größerer Sünder, als so manche, die da darben, leiden und wehklagen? Gleichwohl hast du mit so mannigfaltigen Gütern und Vortheilen dieses Lebens mich beschenkt, woran es unzähligen meiner Brüder, die mit Sorgen, Kummer und Elend kämpfen, ihr Brod mit Seufzen essen, und ihr Lager mit Thränen beneßen, so gänzlich mangelt. Ich genieße einer dauerhaften Gesundheit; besize mehr an Glücksgütern, als ich nothdürftig brauche. Meine Unternehmungen gehen nach Wunsch von statten; Gedeihen begleitet meine Arbeiten; in meinem Hause wohnt Segen; ich habe über kein Unglück, über keinen Unfall zu klagen. Kurz, ich befinde mich in einem Wohlstande, der das, was ich hoffen durfte und verdiene, unendlich übersteigt. Für Reiche. 361 Welch' inbrünstigen Dank bin ich dafür deiner so unverdienten Freigebigkeit, o du Gott von unendlicher Milde und Güte! nicht schuldig! und wo soll ich anfangen, deine Wohlthätigkeit zu loben! oder wo kann ich stille stehen? Was ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Sohn, daß du ihn heimsuchst? Preise demnach, meine Seele! preise den Herrn, und mein Mund verkündige Tag und Nacht die Wunder, die er an mir gethan; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Indem ich aber dir, o mein liebreicher Vater! aus ganzer Seele danke, bitt ich zugleich, du wollest mir Weisheit schenken, mich meines Wohlstandes so zu bedienen, daß ich deiner nie vergesse, nie deiner Gaben wegen mich übermüthig erhebe, nie andere, weniger glückliche Menschen verachte oder vernachlässige; nie in eine gedankenlose Sinnlichkeit verfalle, und mein Seelenheil außer Acht sehe. Mache mich vielmehr durch die Einwirkung deines Geistes auf die Pflichten aufmerksam, die du mir zugleich auferlegtest, als du mich reichlicher, als Andere bedachtest. Mache mich mitleidig und wohlthätig gegen diejenigen, die unter Widerwärtigkeiten und Nahrungssorgen schmachten. Mache mich geneigt, allen Bedrängten, wo ich kann, liebreich beizustehen; mache mich zu einem Werkzeuge, ihnen deine Hülfe zufließen zu lassen. Mache mich sanftmüthig und leutjelig gegen meine Untergebenen, bescheiden und demüthig gegen meines Gleichen, freundlich, wohlwollend und dienstfertig gegen Jedermann, damit ich eines Theils deine Gnade nicht unwürdig genieße, andern Theils 362 Für Reiche. mir nicht Neider und Feinde, an denen es bei Wohlstand ohnehin selten mangelt, durch eigne Schuld zuziehe. Laß mich ferner nicht vergessen, o mein Gott! daß du mir in der Absicht mehr als Andern beschieden hast, damit ich auch mehr Gutes stifte; und daß, wenn ich es nicht thue, ich mich doppelt strafbar mache. Lehre mich aus diesen heitern Gegenden, in denen ich mich jetzt befinde, in die Ferne hinsehen, wo vielleicht Kummer und Sorgen, und trübe Tage meiner warten: Denn du hast den guten Tag wie den schlimmen gemacht, damit der Mensch keine gerechte Ursache finde, sich wider dich zu beschweren. Schüße mich vor den Sünden der Eitelkeit und des Uebermuths, vor Müßigang, Weichlichkeit, Stolz, Unbesonnenheit und Leichtsinn, wozu der zeitliche Wohlstand ein so gewöhnlicher als mächtiger Verführer ist. Leite mich endlich in mei nem ganzen Thun und Lassen dergestalt, daß meine äußerliche Glückseligkeit der Wohlfahrt meiner Seele nicht nachtheilig werde; daß ich in Allem dir allein die Ehre gebe, dir allein alles Gute verdanke, daß ich, meiner Unwürdigkeit eingedenk, in kindlicher Demuth genieße, was mir aus deiner milden Hand zufließt, und daß ich in vergnügten, kummerlosen Umständen dennoch ein getreuer Schüler und Nachfolger meines gekreuzigten Jesu bleiben möge. Durch eben diesen Jesum, deinen Sohn! Amen. -пед дедра - Sechfter Fibschnitt. Gemel desser Verschiedene Lehren und Gebete für befondere und allgemeine Anliegen. Gebet um die Gabe, andächtig zu beten. Wir wissen nicht, was und wie wir beten sollen, sondern der Heilige Geist muß unserm unvermögen zu Hülfe kommen.( Röm. 8.) Ilwissender! der du jeden meiner Gedanken, piede, auch die verborgenſte Regung meines du weißt, mein Verlangen, mit dir im Gebete so zu reden, wie es dir angenehm, und um erhört zu werden, erforderlich ist, zwar aufrichtig sei. Aber du weißt auch und besser als ich – wie viel meinem Gebete noch mangelt, um so beschaffen zu sein. Bald hindert mich eine gewisse Trägheit, eine gewisse Unaufgelegtheit, meinen Geist zu dir empor zu heben: und mein Gebet ist ohne Kraft und Leben. Bald verfall' ich, ohne es zu wollen, ohne es sogleich zu merken, in eine faltsinnige Unachtsamkeit, daß ich nichts von dem fühle noch denke, was mein 364 Gebet um die Gabe, andächtig zu beten. Mund ausspricht. Wenn ich mit dir meinem Gott und Herrn, rede, o! dann solltest du auch meine ganze Seele erfüllen, und mich allein beschäftigen! und doch sind meine Gedanken von deiner Allgegenwart oft leer, sind auf irdische Geschäfte gerichtet, und schweifen ungestört auf sinnlichen Gegenständen, die mich umgeben, herum. Alles dieß überzeugt mich zu meiner empfindlichsten Beschämung, daß es meiner Liebe zu dir an wahrer Inbrunst mangelt; daß mein Herz noch zwischen dir und der Welt, zwischen dem Ewigen und dem Zeitlichen getheilt ist; und daß dein Geist meine Begierden und Regungen sich noch nicht hat ganz heiligen können. Wenn ich aber in dieser Gemüthsverfassung zu dir bete, verdien' ich wohl erhört zn werden? Allgütiger! der du mit unserer Gebrechlichkeit Erbarmen trägst; der du in den Schwachen stark bist, dir klag' ich mit kindlichem Zutrauen dieß mein Elend; und bitte dich, verleih mir den wahren Geiſt der Andacht und des Gebets! Erwärme mein faltes, bewege mein träges Herz, befeele meinen Eifer, wenn ich zu dir flehe. Feßle alle meine Gedanken dergestalt an dich, daß es ihnen unmöglich werde, sich mit etwas Vergänglichem und Jrdischem zu beschäftigen, so lange ich im Gebete mit dir rede. Zieh meine Sinne von allem Sichtbaren so zurück, daß ich nichts höre, nichts sehe, nichts empfinde, das mich in meiner Unterredung mit dir stören könnte. Erhalte die Vorstellung, daß ich vor dem Angesichte des Ewigen, des Unendlichen stehe, dem ich die tiefste Ehrerbietung schuldig bin, immer lebhaft. Laß durch die Vorstellung deiner Weisheit, deiner Liebe, Güte Gebet um den göttlichen Beistand 2c. und Treue, meine Hoffnung erweckt und befestiget, und meinen Glauben bewegt werden. Lehre mich mit einem inbrünstigen, wahrhaft demüthigen, von allem Stolze und Selbstzutrauen gereinigten Herzen lehre mich würdig beten. Gib mir zu erkennen, was ich im Gebete von dir zu verlangen habe, damit ich nie um etwas bitte, das du mir deiner Weisheit nach nicht gewähren kannst. Stärke, wenn ich bete, mein Vertrauen auf deine Bereit willigkeit, mich zu erhören; und falls du nöthig fändest, meine Erhörung zu verschieben: so verleih mir die Gabe der Beharrlichkeit, damit ich nicht ablasse, bis ich Gnade in deinen Augen gefunden habe. Du willst ja, daß ich in meinen Nöthen zu dir bete: solltest du mich nicht auch in den Stand setzen wollen, es auf eine deiner Majestät anständige, und meinem Seelenheil ersprießliche Art zu thun? O! mit der festesten Zuversicht hoff' ich dieß von dir, denn ich bitte dich darum im Namen deines Sohnes, und unsers Heilandes, Jesu Christi. Amen. 365 Gebet um den göttlichen Beistand wider die Macht böser Begierden. Jelig ist der Mann, der die Versuchung mit Geduld überträgt. Denn nachdem er wird geprüft sein, wird er die Krone des Lebens erlangen.( Jak. 1.) Bemühe dich, mit Hülfe der Gnade Gottes, dasjenige Laster ausfindig zu machen, zu welchem du am meisten geneigt bist. Die Begierde, welche dich zu diesem Laster anreizet, wird die herrschende Leidenschaft genannt. Du wirst sie leicht entdecken, wenn du aufrichtig untersuchst, wozu dein Herz den stärksten Hang hat; worauf deine Gebet um den göttlichen Beistand zc. Gedanken am leichtesten und öftesten verfallen, und worauf dein Bestreben, außer den Berufsgeschäften, am meisten gerichtet ist; kurz, welcher Begierde du am wenigsten zu widerstehen vermagst. Die einzigen Mittel, diese Leidenschaft zu besiegen, sind die Vorstellung von der Allgegenwart, Allwissenheit und Heiligteit Gottes; die Betrachtung; das Gebet; der öftere Genuß der heiligen Sakramente; eine tägliche Erforschung des Gewissens; die wiederholte Uleberzeugung, daß ohne Kampf kein Sieg möglich sei; daß das Himmelreich Gewalt leide, und daß, je länger du die Betämpfung deiner herrschenden Leidenschaft aufschiebst, fie nur um so mächtiger werde, und dich in der Zukunft noch weit größere Ueberwindung fosten müsse. Endlich mußt du alle Gelegenheit, wo diese Leidenschaft erregt werden könnte, sorgfältig vermeiden. Wer mit einem überlegenen und mächtigern Feinde zu thun hat, wird allemal klüger handeln, wenn er dem Kampfe ausweicht, als sich mit der Gefahr, überwunden zu werden, unvorsichtig einläßt. Jeder Sieg, den eine Leidenschaft über uns erhält, verdoppelt ihre Stärke. Nebst allen diesen Mitteln, die ihre unfehlbare Wirkung thun werden, wofern du dieselben nur mit Eifer gebrauchen willst, nimm auch die Arbeit zu Hülfe. Nichts ist geschickter, der Entstehung unordentlicher Begierden, vorzubeugen, als Beschäftigung; und nichts erleichtert fie mehr als Müßiggang. 366 Heiligster Gott! du Bater der Erbarmung! der du uns durch den Mund deines Sohnes gelehret hast, in allen unsern Versuchungen bei deiner unterstüßenden Gnade Schuß und Rettung zu suchen, ich fühle nur zu sehr mein Unvermögen, so vielen bösen Begierden und Leidenschaften, die mich zur Uebertretung deiner heiligsten Gebote unaufhörlich anreizen, zu widerstehen; und dürfte ich nicht zu dir, dem Allmächtigen, der du in den Schwachen stark bist, meine Zuflucht nehmen, ich müßte ein ewiger Leibeigner meines zum Bösen geneigten Herzens bleiben, und die Hoffnung, meine schändlichen Gebet um den göttlichen Beistand 2c. 367 und mich so elend machenden Neigungen jemals zu besiegen, gänzlich aufgeben. Aber das tröstet mich, das flößt mir Muth ein, daß du mich schwachen, mich gebrechlichen Menschen zu unterstüßen und zu stärken bereit bist, wenn ich anders mit einem feſten Vertrauen dich darum anflehe. Voll dieses kindlichen, unerschütterlichen Vertrauens richte ich mein Gebet zu dir, o du Gott meiner Zuversicht! Wessen Helfer bist du? nicht wahr, desjenigen, der an Kräften schwach ist? Und unterstüßest du nicht den Arm desjenigen, der nicht stark ist? O! so laß dich von dem bejammernswerthen Zustande, in dem ich schmachte, und einer wirksamen Hülfe bedarf, die ich mir aber selbst zu leiſten nicht vermag, väterlich rühren. Du weißt besser als ich, mit welchen Gefahren von außen, und mit welchen unordentlichen Leidenschaften von innen ich zu kämpfen habe, und wie oft! wie oft ich, trot meiner bessern Entschließungen, trot alles Bestrebens, Widerstand zu thun, von meinen Begierden hingerissen, und ehe ich mich dessen versehe, überwältiget werde. Ich beseufze und verabscheue diese schimpfliche Knechtschaft der Sünde aus ganzem Herzen, und wünsche nichts sehnlicher, als sie abzuwerfen, und mich dir ganz zu heiligen. Ich flehe dich demüthig an, du wollest meiner Schwachheit eingedenk, mir um Christi willen mit deinem Geiſte zu Hülfe kommen, mich kräftigst stärken, und mit derjenigen Weisheit und Klugheit ausrüsten, die zur Ueberwindung meiner schändlichen Leidenschaften, vorzüglich derjenigen, die mich Elenden am meisten beherrschet, nöthig ist. O Gott! mein Vater, mein Gebet um den göttlichen Beistand zc. Erretter! der du mich durch deinen geliebten Sohn vom Verderben befreiet hast, verlaß mich doch mit deiner mächtigen und alle Schwierigkeiten überwältigenden Hülfe nicht! Pflanze in meine Seele den festen Entschluß, alles Böse zu meiden, dich stets und an allen Orten zu fürchten, das Ende und die Folge der leidigen Sünde bei jeder Versuchung wohl zu erwägen, allen Gelegenheiten, die mich zur Ueberwindung deiner Gebote verleiten könnten, behutsam auszuweichen, und mich an Seele und Leib von der Welt und ihren Lüsten unbefleckt zu erhalten. Laß mich bei jeder Regung einer unerlaubten Begierde bedenken, wie elend ein Mensch, der dem winkenden Laster Gehör gibt, sei, wenn sein Gewissen erwacht; wenn er sich selbst verurtheilen, deine Rache fürchten, und überall Böses erwarten muß: welch' ein kostbares Gut hingegen der stille Friede des Herzens, und die entzückende Freude sei, die aus der Liebe zu dir, und aus dem Bewußtsein deines Beifalls entspringt. Laß mich diese wahre Ehre im Glück, und diesen höchsten Trost in betrübten Tagen, einer augenblicklichen Lust wegen, niemals verscherzen. Reinige, o Herr, mein Herz, und heilige es dir ganz und gar. Ich bin entschlossen, wider meine' sündhaften Neigungen ohne Unterlaß zu kämpfen, und hoffe, unter deinem mächtigen Beistande, auch zu fiegen, damit mir einst die Krone der Gerechtigkeit, die du allen denen, die einen guten Kampf kämpfen, verheißen hast, zu Theil werde. Durch Jesum Christum, deinen Sohn. Amen. 368 Seufzer zur Zeit der Anfechtung. Seutzer zur Zeit der Anfechtung. u dir erheb' ich meine Augen, der du in der Höhe wohneft! Unsere Hülfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde erschaffen bat. Herr! komm mir zu Hülfe! Herr! eile, mir beizustehen! Der Feind wagt sich an mich und will meine Seele verderben. 369 Weiche, Satan! ich will meinen Gott anbeten und ihm allein dienen. Wie könnt' ich Böses thun, und wider meinen Gott sündigen, der alles Böse haffet, und mir so viel Gutes thut? Gott hat seine Augen auf mich gerichtet. Er sieht, was den Menschen verborgen ist; er durchforscht alle Winkel meines Herzens. In seiner Gegenwart könnt' ich fündigen? Auf eine augenblickliche Lust folgt ewiges Heulen und Zähnklappern. Herr! mein Geist ist willig! aber mein Fleisch ist schwach. Sei mir ein starker Thurm vor dem Angesichte des Feindes, daß er mir nicht schade. Ich vermag alles in dem, der mich stärkt. Herr! verstoß mich nicht vor deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Stärke mich! Nette mich! Laß mich nicht fallen! Wege des Heils. 24 370 Gebet um einen seligen Tod. Gebet um einen seligen Tod. elig sind die Todten, die im Herrn sterben. Denn ihre Werke folgen ihnen nach.( Apok. 14.) Der Mensch lebt nur, um gut zu sterben; und gut sterben können, ist eine schwere Kunst, die man ohne viele Uebung nicht lernt, und von welcher ewiges Glück oder Unglück abhängt. Wie thöricht wäre es demnach, bei der augenblicklichen Gefahr zu sterben, die Vorbereitung zum Tode auszuschieben, oder als ein Geschäft von geringer Erheblichkeit anzusehen! denn ihr wiffet weder den Tag noch die Stunde. Hast du jemals mit Ernst darüber nachgedacht, was christlich sterben heiße? Nach einer unvollkommenen und übereilten Beicht, nach einer Vorbereitung von einigen Stunden, nach einer flüchtigen Reue, die mehr von der Furcht der bevorstehenden Strafe, als von der Liebe Gottes, und von einem aufrichtigen Abscheu vor der Sünde, erzeugt worden, sterben: meinst du, dieß heiße, wie ein Christ sterben? Schrecklicher Irrthum! Christlich sterben heißt ohne Sünde, ohne Hang zur Sünde, als ein Freund Gottes, an Liebe Gottes und Tugenden reich, turz, als ein Heiliger und Auserwählter sterben. Wenn du dieß für leicht hältst, so haben es die Heiligen nicht dafür gehalten. Sieh einmal, was sie thaten, um sich zu dieser ernsten und schrecklichen Stunde vorzubereiten: Fasten, Wachen, Gebet und Buße. Sie entsjagten der Welt und ihren Freuden; sie tödteten sich ab; sie kreuzigten ihr Fleisch: und dieß Alles eines seligen Endes wegen. Oder hast du etwa bei einem üppigen und gedantenlosen Leben, bei einem Leben, leer an Tugend und Buße, weniger von der Zukunft zu fürchten? Kannst du, ungeübt im Kampfe gegen Sünde und Versuchungen, in dem letzten Streit zu überwinden hoffen? Erwache demnach, die Zeit ist kurz, und dringend die Gefahr. Wähle dir monatlich einen Tag, um dich zum Tode vorzubereiten; und bemühe dich ernstlich, alle deine Handlungen so einzurichten, als ob du an diesem Tage sterben solltest. Beichte und kommunizire in der Vorstellung, als ob du auf dem Todtenbette lägest. Untersuche mit der Gebet um einen seligen Tod. 371 strengsten Sorgfalt, ob du etwas auf deinem Gewissen habest, das dich auf dem Sterbebette in Verlegenheit und Unruhe setzen könnte; ob etwa ungerechtes Gut? Religionszweifel? Zurückstellung der Ehre? Aussöhnung mit Feinden? Kundmachung unterdrückter Wahrheit? falsche Eidschwüre u. dgl. Erwecke diese Empfindungen, die man mit Sterbenden zu erwecken pflegt, als der Ergebung in den Willen Gottes, der Danksagung, des lebendigen Glaubens, der Hoffnung, der Liebe, des Vertrauens auf die Barmherzigkeit Gottes, der schmerzlichsten Neue zc. Rufe den gekreuzigten Heiland, die allerseligste Jungfrau Maria, deinen Schußengel und Namenspatron an; und lege dich mit der Vorstellung, als ob dein Bett dein Grab wäre, nieder. Sieh, o Herr! vor dem Throne deiner Majestät einen Missethäter auf den Knieen, den deine Gerechtigkeit zum Tode verurtheilt hat. Ich erscheine nicht vor dir, um dich zu bitten, daß du dieß dein Urtheil zurücknehmest. Es ist billig, daß du, wenn es dir gefallen wird, ein Leben zurückforderst, das ich allein von dir erhielt, und von welchem ich bei weitem den weisen Gebrauch nicht gemacht habe, den ich, deiner Absicht nach, davon machen sollte. Es werde demnach dein heiligster Wille an mir voll30gen! Ich nehme mit der demüthigsten Unterwerfung die Stunde, die Art und alle Umstände meines Todes an, wie deine Vorsehung es mir bestimmt hat. Die einzige Gnade, um die ich bitte, o du Herr meines Lebens! ist, daß mich der Tod nicht, wie ein Dieb bei der Nacht, unvorbereitet überfalle, sondern betend und wachend finde; daß ich nicht eher abgerufen werde, als bis ich meine Sünden durch eine vollkommene Buße getilget, und mich deiner Gnade würdig gemacht habe. Außer dem 24* 372 Gebet um einen seligen Tod. weiß ich nur zu wohl, daß es schrecklich sei, in deine Hände zu fallen. Da aber ein seliger Tod nicht das Werk einiger Stunden oder Tage, sondern bloß die Frucht eines bußfertigen und gottseligen Lebens ist, so verleih, o mein Gott! daß ich in Zukunft nur lebe, um mich zu der ernsten Stunde, welche über meine Ewigkeit entscheiden wird, vorzubereiten; daß ich unter den Geschäften, Sorgen und Zerstreuungen des Lebens nie vergesse, warum ich lebe; nie vergesse, daß ein Tag auf mich wartet, und mit jedem Augenblicke näher herbeirücket, wo alles Irdische, wo Reichthum, Ehre, Ansehen, Wohlleben, wo alle Herrlichkeit der Welt, gleich einer zerplatenden Seifenblase, vor meinen Augen verschwinden, und meine Seele vor deinem furchtbaren Gerichte erscheinen wird, daß ihr vergolten werde nach ihren Werken. Dieß, o mein Gott! laß mich immer bedenken, und mein Haus bei Zeiten bestellen. Laß mich öfters in Gedanken sterben, damit ich mich schon bei gesunden Tagen innigst mit dir vereinigen möge. Wie schrecklich, wenn ich erst im letzten Kampfe nich nach dir umsehen wollte! Wie undankbar, wenn ich, nur von Noth gedrungen, dich meinen Gott und Herrn, nennte, dich, dem mein ganzes Leben ein williges Dankopfer sein sollte! Welch' ein Tod, wenn das Gewissen alsdann erst erwachte, wo Himmel und Hölle um meine Seele kämpfen! Ach bewahre mich, mein Gott! vor diesem schrecklichsten aller schrecklichen Dinge, und erhalte den Gedanken unauslöschlich in mir: daß man, um selig zu sterben, fromm gelebt haben müsse. Gebet um einen seligen Tod. 373 Erhöre mich demnach, dreieiniger Gott! und verleihe mir einst ein seliges Ende. Deine Güte und Liebe, o Vater! besiege in meinem Herzen die Furcht des letzten Augenblicks! Schwebe mir, o mein Jesu! sterbend am Kreuze vor meinen brechenden Augen, und stärke mich, und rufe mir herab vom Kreuze zu: Heute sollst du mit mir im Paradiese sein! Erleuchte und überzeuge mich, o du heiliger Geist! wenn Zweifel mich ängstigen. Flöße mir Kraft ein, den Anfällen des Satans zu widerstehen, standhaft in meinem Glauben zu verharren, und als ein Kind der römisch- katholischen Kirche zu sterben. Heilige Maria, Mutter der Barmherzigkeit! stehe mir im letzten Augenblicke meines Lebens zur Seite; sich mich als dein Kind an, und bitte für mich. Heiliger Joseph! der du in den Armen Jesu und Mariä gestorben bist, erbitte mir die Gnade, daß ich als ein Auserwählter sterbe. Heiliger Schutzengel! du Gefährte meiner Seele! verdopple deine Sorgfalt in meiner Sterbstunde, und weiche nicht von mir, bis ich das Ziel meiner Wanderschaft glücklich erreiche. Amen. 374 Danksagung für die Berufung zum Christenthuu. Danksagung für die Berufung zum Christenthum. Gebenedeiet sei Gott, und der Vater unsers Herrn Jesu Christe, der uns nach seiner großen Ba mherzigkeit wiedergeboren hat zu der lebendigen Hoffnung, durch die Auferstehung Jesu Chrifti von den Todten; zu einer unverweslichen, unbeflecten, und unverwelflichen Erbschaft, welche euch vorbehalten wird im Himmel.( 1. Petri 1.) Gott von unbegrenzter Güte! da ich so unfähig bin, auch nur für die kleinste deiner Wohlthaten( wenn ich eine derselben klein nennen darf?) dir würdig zu danken, wie werd' ich dieß für die größte deiner Wohlthaten, für die Gnade, daß ich ein Christ bin, thun können? Ich bin ein Christ, bin einer aus der Zahl jener auserwählten, überglückseligen Menschen, die das Licht deiner Offenbarung erleuchtet, die ihren Versöhner und Mittler für ihre Sünden bei dir, ihrem Gott kennen, an ihn glauben, durch diesen in gottseligen Werken und in der Liebe thätigen Glauben von ihrem natürlichen Verderbniß geheilet, und auf eine vorzügliche Art Kinder ihres Gottes werden. Eine Wohlthat, die Millionen Menschen nicht zu Theil wird; die Viele, denen sie zu Theil geworden, nicht gehörig zu schätzen wissen; Viele gar mit dem sträf lichsten Undank erwiedern, indem sie wenig besorgt oder bemüht sind, die unschäßbaren Vortheile sich zuzueignen, die eine so wohlthätige Religion, als das Christenthum ist, ihnen darbietet. Sie nennen sich Christen, und leben- wie die Heiden. - Danksagung für die Berufung zum Christenthum. 375 Dank dir, o mein Gott! unendlichen Dank! daß ich nicht so gleichgültig gegen einen Vorzug bin, der mich über Alles, was unter den Menschen groß, edel, vortrefflich und ruhmvoll genennet werden mag, unendlich erhebt; daß ich meine größte, meine einzige Ehre, meinen ganzen Werth darein setze, ein Christ, und ein Erlöster deines eingebornen Sohnes zu sein. Dank, innigster Dank fei dir, mein Gott! für deine Gnade gesagt, fraft welcher ich zur Erkenntniß einer Religion gelangt bin, die mir einen weit vollständigern Begriff von deinem Wesen und deinen Eigenschaften, als die aufgeklärteste Vernunft allein verschaffen kann, gewähret; einer Religion, die ganz darauf abzielt, meine Glückseligkeit in diesem Leben zu erleichtern, zu erhöhen, und troß aller unvermeidlichen Widerwärtigkeiten, dauerhaft zu erhalten; die mir von der Absicht und Bestimmung meines Daseins eine beruhigende Gewißheit ertheilt; die mich einer ewigen Dauer von unaussprechlicher Seligkeit versichert; die meiner Gebrechlichkeit mit übernatürlicher Stärke zu Hülfe kommt; Mittel, meine Vergehungen wieder gut zu machen, und mich mit dir, meinem Gotte! wieder auszusöhnen, darbietet; die im Glücke mich vor Stolz und Uebermuth bewahrt; im Unglück und in allen Leiden, wo den Ungläubigen nur Verzweiflung erwartet, mir Geduld und Trost einflößet, und durch die Hoffnung einer bessern zukunft mich aufrecht erhält; alle Menschen wie Brüder, ja selbst meine Feinde zu lieben, Verfolgung gelassen zu ertragen, die Rathschläge der Vorsehung in Demuth anzubeten, mit meinem Stande und in allen Umständen des Lebens 376 Danksagung für die Berufung zum Christenthum. zufrieden zu sein, und sogar dem Tode, dem schrecklichsten aller schrecklichen Dinge, entgegen zu lächeln. mich fähig macht; kurz, die mir alle die Glückseligkeit, deren der Mensch in diesem Stande der Prüfung fähig war, im vollsten Maße gewährt. In der Sünde ward ich empfangen; aber ich ward auch ein Christ, und durch diese heilvolle Veränderung ein Erbe des ewigen Lebens. Was kann dieß mein Glück übertreffen? was kann diesen meinen Vorzug erniedrigen? Es müsse demnach meine Seele ihre Hoheit nie verkennen! Mit jedem Tage müsse ich mich mehr bestreben, meiner großen Bestimmung gemäß zu leben! Die Welt müsse an mir gewahr werden, wie edel ein wahrer Christ denkt und handelt! Will die Welt mit ihren Reizungen mich verführen, so will ich mich erinnern, daß diese schnöden Ergötungen für einen Christen zu niedrig sind. Ich bin ein Christ! wie sollte ich nach irdischen Vorzügen unmäßig streben? wie sollte ich mich meines Jesu und seiner Lehre schämen? wie sollte ich in Trübsal kleinmüthig verzagen, und vor dem Tode, der meine große Bestimmung aufklären, und meine Glückseligkeit vollenden wird, zurückbeben?- Ich bin ein Christ! und alle Welt soll es wissen, daß ich es bin, und meinen größten Ruhm, meine einzige Zufriedenheit darauf gründe, es zu sein.- Aber, o mein Gott! durch desſen Gnade ich dieser großen Wohlthat genieße, gib mir auch deinen Geist, daß ich mich derselben würdig mache; daß ich die Pflichten, die das Christenthum mir auferlegt, in ihrem ganzen Umfange erfülle; daß ich meine Religion nie verläugne; daß ich - - Danksagung für die Berufung zum Christenthum. 377 ich erschrecke vor diesem Gedanken. ihr nie untreu werde, nie den heillosen Unglauben, die Quelle alles zeitlichen und ewigen Elends, dem seligmachenden Glauben an Jesum, meinen Erlöser, vorziehe. Vor dieser Verfinsterung meines Verstandes, vor dieſer Ruchlosigkeit meines Herzens wollest du mich gnädiglich bewahren, du Geist des Lichtes und der Wahrheit! und mich in meiner Religion dergestalt befestigen und leiten, daß ich, wie ein Christ soll, lebe, um auch wie ein Ehrist zu sterben, und der Verheißungen meiner heiligsten Religion, in diesem und jenem Leben theilhaft zu werden. Um die Erhörung dieser Bitten flehe ich zu dir, mein Gott und Vater! durch Jesum Christum, deinen eingebornen Sohn, unsern Heiland, den anbetungswürdigen Urheber des Christenthums, den du zum Bund des Volks, und zum Licht der Heiden gegeben, auf daß er die Augen den Blinden aufthun sollte, und ausführen den Gefangenen aus seinem Verhafte, und aus dem Hause des Kerkers, die daselbst in der Finsterniß sißen. Amen. Gebet um Erleuchtung, seinen Beruf zu erkennen. Der Herr hat einem Jeden seinen Antheil gegeben, und ihn berufen.( Ephes. 4.) M ein höchster Herr und Gott! gestatte gnädiglich, daß ich in der wichtigsten Angelegenheit des Lebens meine Zuflucht zu dir nehmen, und um deine Erleuchtung da, wo sie mir sogar unentbehrlich ist, bitten darf. Es ist an dem, 378 Gebet um Erleuchtung, seinen Beruf zu erkennen. daß ich meinen Entschluß fasse, und einen Stand, eine Berufsart wähle. Ich weiß, daß meine Gemüthsruhe und mein Heil größtentheils von dieser Wahl mit abhängen; daß ich mich der größten Gefahr aussehen würde, wenn ich hierin zu etwas entschließen wollte, ohne mich mit dir zu berathschlagen, oder meinen Willen nach dem Deinigen zu lenken. Auch weiß ich, o mein Gott! daß ich hier weder meinem Hange, noch sonst bloß irdischen Absichten Gehör geben darf. Ich soll dein Reich suchen, und einen Stand ergreifen, zu dem ich die meiste Fähigkeit befize, und in dem ich dir und meinem Nächst n auf die beste Art dienen kann. Ich sehe verschiedene Wege vor mir, die alle mit Gefahr verbunden sind, und ich fürchte, daß meine Eigenliebe, die mich so oft verführt, mich nicht auf einen derselben leite, der anfänglich zwar angenehme, reizende Aussichten zeigt, aber deffen Ende zum Untergang führt. Rede, o mein Herr! denn dein Knecht merkt auf dich, welchen Weg soll ich gehen? In welchem Stande bin ich am geschicktesten, deine Ehre, mein Seelenheil, und das Wohl meiner Mitmenschen zu befördern? Sobald ich deine heiligste Absicht erkannt habe, soll mich nichts zurückhalten, ihr mit aller Zuversicht zu folgen, weil ich dann unmöglich irre gehen kann. Deine heilige Eingebung soll meine einzige Richtschnur sein, und ich flehe dich mit findlicher Ergebung darum an. Welche Seelenruhe, welche innige Zufriedenheit wartet meiner, wenn ich versichert sein werde, diejenige Lebensart gewählt zu haben, zu der du mich von Ewigkeit, und eh' ich noch war, berufen hast! Dein - - Gebet um Erleuchtung, seinen Beruf zú erkennen. 379 heiligster Beifall, um den ich mich vor allen Dingen zu bewerben habe, wird meine Berufsarbeiten, sofern du mir noch deinen allvermögenden Segen dazu verleihest, begleiten; dein göttlicher Geist wird mich erleuchten und beleben, um meinen Pflichten auf die ausgebreitetste Art nachzukommen, und das Bewußtsein, sie erfüllt zu haben, mit der Uebersicht des Guten, das ich durch deine Gnade in meinem Berufe gestiftet haben werde, wird mir eine Zufriedenheit gewähren, die alles das enthält, was sich von der Seligkeit schon in diesem Leben fühlen läßt. Freudig, getrost und durch dich gestärkt, werd' ich den Weg, der mich zum Heil führet, fortwandeln, versichert des überschwenglichen Lohns, den du deinen getreuen Knechten vorbehalten haſt. So gewähre mir denn, o du Gott! auf den ich vertraue, meine demüthige Bitte. Rede zu meinem Herzen, und leite meinen Geist, damit ich erkenne, was ich deiner Absicht nach werden sollte. Erleuchte mich, daß ich einsehen möge, wo du zu deinem Dienste die Aufopferung aller meiner Kräfte erwartest, und wo du mich, zum Besten der Menschheit etwas beizutragen, ausersehen hast. Dein Wille soll mir ein unverbrüchliches Gesetz sein. Ich will gehorchen ohne Einwendung, will meinen Stand antreten ohne Furcht, und meine Seligkeit hoffen ohne Besorgniß zu Schanden zu werden. Thu' mir kund den Weg, worauf ich gehen soll: denn mich verlanget nach dir! Dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. 380 Gebet um die Befolgung seiner Berufspflichten. Gebet um die Gnade, seine Berufspflichten zu befolgen. Daher bitt' ich euch, daß ihr nach eurem Berufe, in welchem ihr berufen seid, würdig wandelt. ( Epheser 4.) SOR estrebe dich, die Pflichten und Schuldigkeiten deines Standes, in welchen dich Gott gesetzt hat, mit Eifer, und in der Absicht Gott zu gefallen, auszuüben. Um dieses zu können, mußt du dir eine genaue Kenntniß davon verschaffen. Laß es nicht dabei, was du Andere in eben diesem Beruf thun siehst, bewenden; und mache ihr Verhalten nicht zu deiner Regel: sondern frage dein Ges wissen, und diesem folge allein. Es wird dir sagen, daß du zu allem dem, wodurch du in deinem Stande einen ausgebreiteten Nußen zu staffen vermagst, unter Verantwortung verbunden seiest, ob du gleich dazu ausdrücklich nicht angewiesen worden, und andere deines Berufs, ihrer Pflicht mit eben dieser Strenge nachzukommen, nicht gewohnt sind. Der Vernünftige, der Tugendhafte handelt nicht nach Beispielen, sondern nach Grundsätzen; wie vielmehr wird der Christ, der in allen Stücken nach der größten Vollkommenheit trachten soll, ein Gleiches zu thun, verbunden sein? Die Schuldigkeiten jeines Berufs nicht kennen, ist eine der sträflichsten Unwissenheiten; und mit Verabsäumung derselben etwas anders, auch an sich Gutes thun, unverantwortlicher Müßiggang. Betrachte deinen jedesmaligen Stand und Beruf( wofern du dich anders, ohne die erforderlichen Fähigkeiten und Eigenschaften zu besitzen, nicht auf eine unwürdige Art eingeschlichen haft) als den besten und heilsamsten, in welchem du leben, und dein Heil wirken kannst. Gott hat dir diesen Posten angewiesen, weil er voraussah, daß er sich am besten für dich schicke. Sei demnach damit zufrieden, und wünsche dir keinen andern. Unzufriedenheit mit deinem Stande wird ihn dir nur noch beschwerlicher machen; nicht zu gedenken, daß du dich dadurch gegen deinen Gott und Herrn empörest. Gebet um die Befolgung seiner Berufspflichten. 381 O mein höchster Herr und Gott! fraft deiner weisen und gütigen Vorsehung, mit welcher du über die ganze Schöpfung und über das Wohl deiner vernünftigen Geschöpfe vorzüglich wachest, ward mir unstreitig der Stand und Beruf, in dem ich mich befinde, zu Theil. Du fahest vorher, eh' ich noch ward, daß er für mich der schicklichste, und für mein Seelenheil der gedeihlichste sei; und durch deine Veranstaltung ward ich, was ich bin. In tiefster Ehrfurcht bete ich demnach deine heiligste Fügung an, und will mich nicht erfühnen, zu fragen, warum du mich in diesen Stand versetztest. Darf auch der Thon zu seinem Töpfer sagen: Warum machtest du mich also?- Ist es nicht schon die größte Wohlthat, daß du, mein Gott! mich aus dem Nichts hervorgerufen, und zu einem der edelsten deiner Geschöpfe zu einem Menschen- gemacht, und überdieß mit manchen Vorzügen des Leibes, der Seele und des zeitlichen Glückes, woran Tausende meiner Mitmenschen Mangel leiden, gesegnet haft? - O! so will ich denn deine Vatergüte mit dankerfülltem Herzen preisen, und mit dem Loose, das du mir beschieden, ohne die mindeste Einwendung, zufrieden sein. - Wenn ich gleichwohl bedenke, daß jeder Beruf seine eigenen Pflichten habe, und der meinige mir ebenfalls besondere Schuldigkeiten auflege, von deren Erfüllung meine Seligkeit auf eine vorzüge liche Weise abhängt; wenn ich ferner mein Unvermögen, irgend etwas Gutes durch mich allein auszurichten, erwäge: o! dann ist es leicht, mich zu überzeugen, daß ich deines Beistandes, o mein Gott! 382 Gebet um die Befolgung seiner Berufspflichten. unumgänglich nöthig habe. Um diesen dich anzus flehen, richte ich mein demüthiges Gebet an dich, o du Geber alles Guten! Erleuchte meinen Verstand, daß ich nach einer deutlichen Erkenntniß meiner Berufspflichten strebe; daß ich sie stets vor Augen habe, und mir deren Befolgung mit einer solchen Gewissenhaftigkeit angelégen sein lasse, daß mich weder Gemächlichkeit, noch eitle Zerstreuungen, noch Menschengunst, noch irgend andere zeitliche Vortheile daran hindern mögen. Stärke und segne meine Bemühungen, mich zur Ausübung meiner Berufsverbindlichkeiten immer geschickter zu machen, und laß mich nie vergessen, daß ich über die Art, wie ich meinem Berufe nachkomme, dir einst werde strenge Rechenschaft geben müssen. Jnsonderheit aber bitte ich dich, gib auch zu meinen Berufsarbeiten dein heiligstes Gedeihen, ohne welches dieselben immer fruchtlos und leere, eitle Bemühungen bleiben würden Berleih mir immer neue Stärke, neuen Muth, wenn mein Eifer zu erkalten anfangen sollte. Gib mir Geist, Unverdrossenheit, Munterkeit, Klugheit und gute Rathschläge zu allen Verrichtungen mei nes Berufes, damit ich dadurch so viel Gutes stifte, als ich soll, als du von mir erwartest; und damit ich als ein treuer Knecht von den Händen deines geliebten Sohnes, meines Erlösers und künftigen Nichters, einst einen ewigen Lohn erhalten möge. Durch eben diesen deinen Sohn! Amen. Gebet um Weisheit in der Anwendung u. s. w. 383 Gebet um Weisheit in der Anwendung seines zeitlichen Vermögens. Wer dem Armen mittheilet, der wir feinen Mangel leiden; wer aber den Bettler verachtet, wird Noth ausstehen.( Sprichw 28.) 6 ott allein ist Herr. Was der Mensch befizt, hat er von Gott zu dem Ende, um davon einen für sich und Andere nützlichen, das ist, weisen Gebrauch zu machen, erhalten. Erinnere dich daher stets, daß du einst von der Verwaltung deines Vermögens wirst strenge Rechenschaft geben müssen; und daß du bei dieser Rechenschaft übel bestehen wirst, wofern du dein Hab bloß zur Befriedigung thörichter Leidenschaften angewandt haft. Untersuche bei jeder beträchtlichen Ausgabe, ob ein unvermeidliches Bedürfniß sie nothwendig mache, und ob du dir getraueft, sie einst vor dem Richterstuhle Gottes zu verantworten. Auch hier wird dich das Beispiel Anderer nicht schützen. Thorheit bleibt Thorheit, obgleich Tausende damit behaftet sind. Hüte dich vor zwei gleich gefährlichen Lastern, vor Verschwendung und Geiz; und verabscheue alle unerlaubten Mittel, dich zu bereichern. Ungerechtes Gut kann nicht gedeihen; nur die Habschaft des Gerechten kömmt auf Kinder und Enkel. Arbeitsamkeit, Nüchternheit und Sparsamteit werden die immer das Nothwendigste gewähren; und Ueberfluß ist entbehrlich und gefährlich. Mache dir einen weisen Plan zu deinen Ausgaben. Halte Einnahme und Ausgabe gegen einander, damit jene nicht von dieser überstiegen werde. Dein Weib und deine Kinder haben das nächste Mitrecht auf dein Vermögen. Sie aus Geiz frieren und verhungern lassen, ist daher nicht nur Unmenschlichkeit, ist zugleich Ungerechtigkeit; und durch unsinnige Verschwendung ihren fünftigen Unterhalt erschweren, oder gar unmöglich machen, ist noch ärger als Geiz. Darbe lieber, als daß du Schulden machest, die du nicht bezahlen kannst. Es ist heilsamer, Noth leiden, als gutherzige Menschen, auf eine sträflichere Art als durch Diebstahl, um das Ihrige zu bringen. Gebet um Weisheit in der Anwendung Allgütigster! wie hab' ich verdient, wie konnt' ich verdienen, daß du mich vor so vielen Andern mit zeitlichem Vermögen fegneteft? Tausend und. tausend meiner Brüder schmachten in Noth und Dürftigfeit, und ich- ich habe hinlänglichen Unterhalt und noch mehr! Welchen Dank bin ich dafür deiner mildthätigen Güte schuldig! und wie undank bar würde ich handeln, wenn ich das Vermögen, so du mir unstreitig als ein Mittel zu meiner Wohlfahrt geschenkt hast, dazu anwendete, dich zu beleidigen und meine Seele zu verlieren! Weiß ich nicht zu gut, daß ich kein willkührlicher Eigenthümer dieses Vermögens, sondern nur ein Verwalter Sesselben bin, und damit meine und meiner Mitmenschen Glückseligkeit, und deine Ehre zu befördern, verbunden bin, um einzusehen, daß ich einst von dessen Verwaltung werde Rechenschaft geben müssen? O so verleih, mein Herr und Gott! mir Weisheit, mein Vermögen so anzuwenden, daß ich niemals zu bereuen Ursache habe, mehr als Andere von deiner Freigebigkeit erhalten zu haben. Laß mich die Fallstricke vorsichtig vermeiden, in welche diejenigen sich so leicht verwickeln, die von keiner Noth wissen. Erhalte mich bei meinem Vermögen demüthig, mäßig, nüchtern und genügsam. Behüte mich vor Weichlichkeit, Ueppigkeit, Uebermuth, vor leichtsinniger Verschwendung eben sowohl, als vor schändlichem Geize, vor eitler Pracht eben sowohl, als vor ehrloser Filzigkeit. Mache mich zu einem weislich sparsamen, und für das Wohl meiner Angehörigen stets sorgenden Haushälter, damit ich dereinst als ein solcher erfunden werde, wenn du 384 seines zeitlichen Vermögens. das mir anvertraute Pfand von meinen Händen wieder fordern wirst. Insonderheit laß mich nie vergessen, daß die Armen und Nothleidenden ein Mitrecht an meinem Ueberfluß haben; daß ich ihnen entwende, was ich muthwilliger Weise verschwende, und daß sie mich einst, dieses Raubes wegen, vor deinem Gerichte anklagen werden. Erleuchte mich demnach durch deinen Geist, daß ich meine Ausgaben nach der Vorschrift der Mäßigkeit und Haushältigkeit einrichte; da wo Pflicht und das Wohl der Menschheit überhaupt mich hiezu verbinden, sparſam, und wo sie Freigebigkeit heischen, freigebig sein möge. Nie müsse ein Elender, wo ich zu helfen vermag, vergebens um meine Hülfe flehen; und im Gegentheil nie meine Sinnlichkeit oder Thorheit, oder das Beispiel der üppigen Welt mich zu einem Aufwande verleiten, den mein Gewissen nicht billigen kann. Ich selbst will mich zur strengsten Rechenschaft ziehen; will bei jeder Ausgabe untersuchen, ob ich sie nicht auf etwas noch Befferes anwenden könne. Kurz, ich will mein Vermögen so gebrauchen, daß es mich zeitlich und ewig glücklich, nie aber elend mache. Erhalte und stärke diese Gesinnungen in mir, mein Gott! und gib mir deine Gnade, fie in Ausübung zu bringen. Durch Christum, deinen Sohn! Amen. Wege des Heils. 385 25 386 Gebet um Zufriedenheit Gebet um Zufriedenheit bei mittelmässigen Glücksumständen. Euer Wandel soll sein ohne Geiz; und begnüget euch mit dem, was ihr habt; denn er hat gesagt: Ich will sich nicht verlaffen, noch von dir weichen. ( Hebr. 13.) Ilse err! du weißt, und ich muß mit Scham bekennen, daß die Unzufriedenheit mit meinen Glücksumständen mir manche trübe Stunde verursacht, und Gedanken in mir erregt, die mit der gelassenen Unterwerfung, die ich deiner Oberhern schaft, und mit dem kindlichen Zutrauen, das ich deiner allweisen Vorsehung schuldig bin, geradezu streiten. Mein eitles, unersättliches Herz will sich mit dem, was du mir zugetheilt, nicht begnügen, und nährt tausend Wünsche, wovon einer immer thörichter und unchristlicher ist, als der andere. Dieser Gemüthszustand bekümmert mich äußerst, denn er macht, daß ich die Wohlthaten und Gnaden, die du mir so freigebig gewähret hast, und noch zu gewähren fortfährst, entweder verkenne oder vergeffe. Ich bemerke die Vortheile nicht, die mir der Stand, in welchen du mich versetzt hast, darbietet, und die zu einem vergnügten und zufriedenen Leben mehr als hinreichend wären, wenn ich sie nur zu benüben verstünde. Ebenso wenig erkenne ich den Unterschied, der sich zwischen mir und so vielen meiner Mitmenschen, die, mit mir verglichen, mehr Urz sache zu klagen hätten, als ich, befindet. Ueber dem Verlangen nach Gütern, die du mir aus weisen Absichten versagt, bleib' ich gefühllos gegen diejeni bei mittelmäßigen Glücksumständen. 387 gen Güter; mit denen du mich noch immer reichlicher, als ich verdiene, oder je zu verdienen im Stande bin, beschenkest. Diese Vorwürfe, die ich mir zur Zeit einer vernünftigen Ueberlegung selbst mache, wirst du, o mein Gott! als einen Beweis annehmen, daß mein Verlangen nach einem ruhigen, genügsamen, zufriedenen und dir gänzlich ergebenen Herzen, so aufrichtig, als sehnlich sei. Schenke mir, ich bitte flehentlich darum, schenke mir ein solches Herz, das unstreitig den größten Schab, den ich befißen kann, und die überschwenglichste Vergütung aller zu einem vernünftig frohen Leben gar wohl entbehrlichen Güter ausmacht. Erhalte in mir die Ueberzeugung, daß das Loos, das du mir beschieden, für mich das Beste, daß es die größte Thorheit, daß es kindischer Unverstand, daß es Empörung gegen dich sei, auf eine andere Art glücklich leben zu wollen, als welche deine untrügliche, den Zusammenhang aller Dinge übersehen de Weisheit, in Betreff meiner, für die vortheilhafteste gewählt hat. Laß mich oft daran denken, daß nicht derjenige, der viel besitzt, sondern derjenige, der genug hat, reich, und nur derjenige wahrhaft glücklich sei, der dich, das höchste Gut, ein unsträfliches Gewissen und ein Herz besitzt, das keine unbefriedigten Wünsche mit Unruhe erfüllen. Gib mir endlich Weisheit, daß ich die Vortheile meines Standes deutlich einsehe, mit Dankbarkeit gegen deine Güte anerkenne, und zu einer ununterbrochenen Seelenruhe mit Klugheit benüße. Dann wird jeder Sonnenstrahl, der mich wärmt, jeder Trunk, der mich labet, jede Mahlzeit, die mich sättiget, jede Nacht, die mich durch einen 25* Gebet zur Zeit der Nahrungssorgen. sanften Schlaf erquicket, jede frohe Stunde, die meinen Geist aufheitert, jede angenehme Nachricht, jedes glücklich vollendete Geschäft, jeder glückliche Zufall, jedes theilnehmende Gefühl eines aufrichtigen Freun des, mich an die Größe deiner Güte erinnern, und überzeugen, daß du es mir an Mitteln zu einem vergnügten Leben nicht hast ermangeln lassen, und daß es nur von mir abhängt, einer über alle Wünsche erhabenen Zufriedenheit zu genießen. Gewähre mir, o mein Gott und Vater! dieſe selige Gemüthsverfassung, das Ziel meiner Bestimmung, und den einzigen Grund wahrer Glückseligkeit auf Erden, durch Jesum Christum! Amen. 200 588 Gebet zur Zeit der Nahrungssorgen. Ich bin arm und dürftig; aber der Herr sorgt für mich.( Pfalm.) ott! Schöpfer und Erhalter alles dessen, was da ist! du siehst, wie schwer es mir fällt, mich und die Meinigen zu ernähren; welche Sorgen deßwegen meine Seele drücken, und mir das Leben verbittern. Ich will mich nicht erkühnen, mit dir zu rechten oder zu fragen: warum du mich in dieser Noth schmachten läsfest, Andern hingegen an Nahrungsmittel reichen Ueberfluß schenkest? Alles ist dein, schalte damit nach deinem Wohlgefallen: und so wenig du mir auch zugetheilet hast, so ist es doch immer mehr, als ich verdiene, oder verdienen kann. Da du jedoch willst, daß wir in allen unsern Nöthen zu dir, unserm gemeinschaftlichen Vater, Helfer und Erretter, unsere Zuflucht nehmen, und Gebet zur Zeit der Nahrungsforgen. 389 alle unsere Sorgen auf dich werfen sollen: so wende ich mich mit kindlichem Vertrauen, und im Gebete zu dir, der du das Rufen der Elenden erhörest, und den Thränen der Inglücklichen dein erbarmungsvolles Herz nie verschließest. Erbarme dich meiner! und, ohne darauf zu sehen, daß ich durch manche Vergehung, durch manche Undankbarkeit mich deiner Wohlthaten unwürdig gemacht, lindere meine Leiden gnädiglich, und stille den bangen Kummer, der an meinem Herzen nagt; wenn anders diese Bitte sich mit deiner Weisheit und meinem wahren Wohle verträgt. Herr! neige dein Ohr, und erhöre mich: denn ich bin dürftig und arm. Nicht um Reichthum, nicht um Ueberfluß, nicht um Wohlleben, wobei, so mancher Versuchung zur Sünde wegen, mein Seelenheil Gefahr laufen könnte, bitt' ich dich. Gib mir nur, so viel ich zur Nothdurft, und um gegen die Versuchungen des Mangels gesichert zu ſein, brauche. Oder vielmehr, gib mir nur so viel, als mir gedeihlich und meiner zeitlichen und ewigen Wohlfahrt zuträglich ist. Die Vögel unter dem Himmel saen nicht; sie ernten nicht; sie sammeln nicht in die Scheuern: und du, mein himmlischer Vater! ernährest sie doch!- Bin ich denn nicht viel mehr, denn sie? warum sollt' ich also verzagen? warum fürchten, du werdest von deiner väterlichen Fürsorge mich allein ausschließen, und mich in meiner Dürftigkeit hilflos verschmachten assen? Nein! diese Kleinmüthigkeit wäre sträfliche Versündigung an deiner Güte, und an deiner für die Erhaltung aller Geschöpfe sorgenden Vorsehung, 390 Gebet zur Zeit der Nahrungsjorgen. die ich schon so oft in manchem andern Anliegen zu meiner Rettung erfahren habe. Ich will auf dich hoffen, will dir mein Schicksal gänzlich anheimstellen; der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Gib mir nur, o mein Gott! auch ein ruhiges und zufriedenes Herz, welches sich ganz deinem Willen überlasse, und alle deine Führungen für weise und selig erkenne. Gib mir überdieß Klugheit und Emsigkeit in meinen Werken, um einen erlaubten Vortheil zu gewinnen. Zeige und öffne mir die Wege, auf denen ich zu einem besseren Auskommen gelangen kann. Segne meine Nahrungsbemühungen, und schüße mich gegen die Versuchung, durch ungerechte Mittel meiner Dürftigkeit abzuhelfen. Denn tausendmal lieber will ich, so fern es dein Wille also ist, kümmerlich mich nähren, als mit Verletzung meines Gewissens, mich von einer Noth befreien, in die du vielleicht aus der weisesten Absicht, und um meines eigenen Besten willen, mich versetzt hast, und die über die Grenzen meines kurzen Lebens mir ohnehin nicht nachfolgen kann. Laß mich, o mein Gott!- das bitt' ich vorzüglich bei meiner Dürftigkeit nur ein reines Gewissen, das wünschenswertheste und wesentlichfte aller zeitlichen Güter, und den fräftigsten Trost des Lebens, sorgfältig bewahren. Erfülle mein Herz mit der stillen Zufriedenheit, welche die Hoffnung deines Beifalls gewährt, und die mehr als der Besitz der ganzen Welt werth ist. Gern will ich hier dürftig leben, wenn ich nur in der Ewigkeit reich werde. Ruf mir endlich in meinen Sorgen oft durch deinen Geist zu: Steh! ich bin bei dir in der Noth; ich - Gebet bei irgend einem empfindlichen Verluste. 391 will dich herausreißen, und zu Ehren bringen. Ich will dich sättigen mit langem Leben; ich will dir zeigen mein Heil. Amen. Gebet bei irgend einem empfindlichen Verluste. Nimm alles an, was dir zugefügt wird, und sei ruhig in deinem Schmerze, und geduldig in deiner Demüthigung.( Sirach 2.) Sich mein Herr und Gott! zu dir will ich mein Herz, das deine Hand verwundet hat, erheben, damit es in der willigen Ertragung des erlittenen Verlustee durch eine kindliche Ergebung in deinen heiligsten Willen wieder geheilet, und gestärkt werde. Ich erkenne und bete in tiefster Demuth deine Oberherrschaft über alle Geschöpfe an! Alles ist dein, was ich bin und besize. Du hafst mir etwas davon entzogen, oder vielmehr, du hast das Deinige von mir zurückgefordert: was für ein Recht hätte ich, darüber zu klagen? Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen; der Name des Herrn sei gebenedeit! Du magst geben oder nehmen, so handelst du allezeit nach den weißesten Rathschlägen, und wie ein zärtlich besorgter Vater, der seinen Kindern gibt, was ihnen gedeihlich, und entzieht, was ihnen schädlich ist. Mein Herz, das sich noch nicht ganz von allem Irdischen losgearbeitet hat, empfindet zwar den Verlust, der mich getroffen hat, stärker, als daß ich ohne Heuchelei sagen könnte, er wäre mir gleichgültig. Aber du, o mein Gott! wirst die Empfindlichkeit eines schwachen, unver- 392 Gebet bei irgend einem empfindlichen Verluste. ständigen Kindes, das nicht weiß, was ihm gut oder schädlich ist, väterlich nachsehen, und nicht als eine Empörung gegen deine Fügungen ahnden, wirst vielmehr mich stärken, daß ich mit christlicher Gelassenheit entbehren lerne, was ich vielleicht länger zu befizen, unwürdig war, oder, ohne Gefahr meines Heils, nicht länger besitzen konnte. Und wäre dieses Letztere, o, so muß ich dir ja, mein Gott! vielmehr dafür danken, daß du mir ein geringeres, ein entbehrliches Gut entzogest, um mir den Besiß des größten, des einzig nothwendigen, zu versichern. Sei demnach gepriesen, mein himmlischer Vater! daß du meiner nicht hast vergessen wollen; daß du mich erinnert hast, daß auch die Güter dieser Welt dein Geschenk, und von deiner Willkühr abhängig sind, und daß du uns oft eine Wohlthat erzeigeſt, indem du sie uns wieder entreißest. Ich will mich meines Verluftes wegen nicht unmäßig betrüben, sondern ihn so ertragen, daß ich mich der übrigen Güter, mit denen du mich an Leib und Seele so freigebig gesegnet, und die da mir noch übrig gelassen hast, nicht unwürdig meche. Ja, ich bitte dich fogar, nimm mir, o mein Gott! noch mehr, wofern es zu meinem Besten gereicht, weniger zu haben; nimm mir Alles, woran wein Herz zu sehr hängt, um dich allein und über Alles lieben zu können. Erhalte mir nur das Einzige, ohne welches ich zeitlich und ewig elend sein würde, deine Gnade, den seligen Frieden mit dir, ein ruhiges Gewissen, und die tröstende Hoffnung des ewigen Lebens, damit ich einst die Welt sammt allen ihren Gütern getrost Gebet um Gerechtigkeit gegen Verläumdung. 393 und freudig verlassen möge, um dich, den Inbegriff alles Guten, ewig zu besitzen. Durch Jefum Christum. Amen. Gebet um Gerechtigkeit gegen Verläumdung. Vertheidiget euch nicht selbst, liebste Brüder! denn es steht geschrieben: Mir ist die Rache vorbehalten; ich will vergelten, spricht der Herr.( Röm. 12.) Gott! meine Zuflucht in allen meinen Nöthen! dir will ich die bittern Kränkungen, die ich an meinem guten Namen erdulde, klagen. Erbarme dich unser, o Herr! sieh' an meine Erniedrigung, die mir widerfahren ist von meinen Feinden. Dir, der du mein Innerstes siehst, ist es bekannt, daß ich derjenige nicht bin, wofür meine Feinde, deren Bemühungen darauf abzielen, meine Ehre zu untergraben, und meine Rechtschaffenheit durch verläumderische Beschuldigungen verdächtig zu machen, mich ausgeben. Du bist der Zeuge meiner Unschuld, wie der Zeuge des Unrechts, das man mir zufügt, dieß muß mich trösten. Denn du wirst - ich hoffe es von deiner Gerechtigkeit- den Zungen meiner Feinde, wenn es Zeit und mir ersprießlich sein wird, einen Baum anlegen, und diejenigen, die wider mich fälschlich zeugten, beschämen. Du wirst meine Gerechtigkeit hervorbringen, wie das Licht, und mein Recht, wie den Mittag. Und meine Zunge soll den ganzen Tag deine Gerechtigkeit preisen, wenn die, so mein Unglück suchen, werden zu Schanden gemacht und verschmähet werden. Denn 394 Gebet um Gerechtigkeit gegen Verläumdung. du thust Barmherzigkeit und Recht Allen, die Unrecht leiden. Darauf will ich in Vertrauen hoffen, und in stiller Gelassenheit harren; will meinen Mund nicht aufthun, diejenigen zu lästern, die mich lästern, da du es ihnen gestattest. Du, o mein Herr und Gott! wirst es wohl machen. Was ist es denn auch, wenn Menschen mich tadeln, und ungerecht richten? Schaden können sie mir nur so viel, als du, mein Gott! ihnen zuzulassen für gut findest. Ihre Schmähungen fönnen. zwar Menschen verleiten, mich zu verachten, mich zu hassen, aber deine Gnade, deinen Beifall vermögen sie mir nicht zu entziehen, so lange ich mich nicht ſelbst darum bringe. Es sei mir ein Geringes, ron einem menschlichen Gerichte gerichtet zu werden! Nur laß mich vor deinem Richterstuhle nicht verurtheilt werden, und ein reines Gewissen, meinen einzigen Ruhm und Trost, meine größte Ehre vor dir, sorgfältig bewahren. O mein göttlicher Heiland! wie muß ich mich meiner Empfindlichkeit schämen, wenn ich mir die himmlische Sanftmuth vorstelle, mit welcher du, ohne alles Verschulden, die empfindlichste Schmach und die frechsten Lästerungen deiner Feinde erduldet, ja selbst dem ungerechtesten Todesurtheil dich unterworfen haft! Bin ich wohl so rein, so un schuldig, wie du es warst? Und ich sollt' eine kleine, vielleicht zehnfach verdiente Kränkung meiner Ehre nicht mit Gelassenheit ertragen? Bist du nicht mein großes Vorbild, dem ich ähnlich zu werden mich bestreben soll? Ja, ich will, ich will Sanftmuth, Ge duld und Liebe meiner Feinde von dir, mein Jeſu! Gebet um Gerechtigkeit gegen Berläumdung. 395 lernen, und gleich dir beten: Vater! vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Hab' ich aber diese Züchtigung verdient, so will ich mich dagegen nicht sträuben. Es ist mir gut, daß ich gedemüthigt werde, um mich nicht aus Eitelkeit über Andere zu erheben. Vielleicht wär' ich in stolzem Leichtsinne wirklich der geworden, zu dem die Verläumdung mich zu machen sucht, vielleicht hätte ich das wirkich gethan, was die Verläumdung mir nur an dichtet? Wozu kann Eitelkeit und Hochmuth nicht verleiten! mein Jesu! flöße mir Gesinnungen der Sanftmuth und Versöhnlichkeit gegen meine Widerfacher ein, damit ich nicht Böses mit Bösem, nicht Scheltworte mit Scheltworten vergelte; damit ich vielmehr meine Verfolger mit einer Menschenfreundlichkeit ertrage, die jeden aufsteigenden Gedanken von niedriger, unchristlicher Rache sogleich unter= drücke, und die als ein geringer Beweis gelten kann, daß ich mich bestrebe, deinem Beispiele nachzufolgen. Laß mich stets der Worte eingedenk sein, die du in dieser Absicht zu deinen Jüngern geredet haft: So euch die Welt hafset, so wisset, daß sie mich vor euch gehaffet hat. Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihrige lieb. Selig seid ihr, so euch die Menschen schmähen und verfolgen, und allerlei Böses von euch mit Unwahrheit reden. Seid fröhlich und getrost! es soll euch im Himmel ein reichlicher Lohn dafür werden. Amen. 396 Gebet um ein christliches Betragen gegen Feinde. Gebet um ein christliches Betragen gegen Feinde. Ⓡ iebet eure Feinde, und thut ihnen Gutes. Und es wird euch ein vielfältiger Lohn dafür werden; und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein, weil er selbst gegen Undankbare und Böse so gütig ist. Luk. 6. Wie du dich gegen deine Feinde aufzufüthren hast, dieß lehret dich ein ausdrückliches Gesetz deines Erlöjers: Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde: und thut denen, die euch haffen, Gutes; und betet für diejenigen, die euch verfolgen und verläumden. Damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel sein möget, der die Sonne über Gute und Böse aufgehen, und über Gerechte sowohl als lingerechte regnen läßt?( Matth. 5, 44, 45.) Kömmt dir dieß zu schwer an? Nun, so wisse, eine Seele, die nicht vergeben kann, hat keine Barmherzigkeit zu hoffen; denn Gott will uns vergeben so, wie wir unsern Feinden vergeben. Ein Christ, der sich rächen will, verurtheilt sich durch seinen eigenen Mund, so oft er das Vater unser betet. Du mußt demnach deine Feinde lieben, oder dich selbst hafsen. Kann man glauben, daß zwei Christen, die einander anfeinden, von einerlei Religion sind? daß Menschen die einander nicht leiden mögen, sich zu einem Tische nähern, einerlei Speise genießen, in einerlei Paradies verlangen, und hoffen können, daß sie daselbst mit einander leben werden? Es ist nichts zu erdenken, was uns erlaubt wäre, zu haffen, als nur die Teufel; und man sollte keine Menschen finden, die sich einander anfeinden, als nur die Verdammten. Kein Merkmal, daß man von Gott verworfen sei, ist gewisser, als dieses, wenn man Beleidigungen nicht verzeihen will! - Und was ist es denn für ein so großes Unglück, Feinde zu haben? Schaden können sie dir nicht, wofern nicht auch Gott wider dich ist. Ist der Herr dein Helfer, was sollte dir ein Mensch thun?( Heb. 13, 6.) Eine ganze Welt voll Menschen wider dich von dem Reinsten und Mächtigsten an bis zum elendesten Buben, und -- Gebet um ein christliches Betragen gegen Feinde. 397 der einzige Gott für dich; darfst du etwas fürchten? Menschenmacht gegen die Macht des Allerhöchsten! Schäme dich deiner unchristlichen Zaghaftigkeit! Feinde sind überdieß oft unsere größten Wohlthäter. Ihr lauschendes Aug', Fehler und Vergehungen an uns zu entdecken, treibt uns an, behutsamer zu wandeln, und in Befolgung unserer Pflichten eifriger und genauer zu ſein. Sie geben uns Gelegenheit, unsre Geduld, Menschenliebe und Großmuth zu üben. Sie helfen uns die Erde verbittern: eine mächtige Reizung, den Himmel zu suchen! Ja, ohne sie würden wir den Gipfel christlicher Tugenden, die Liebe gegen Feinde, nicht erreichen. Als ein Nachfolger Jesu mußt du auf der Welt, und in der Hölle, Feinde haben: nur in dem Himmel nicht. Wünschest du aber gegen ihre Kränkungen gesichert zu sein, so bestrebe dich um den Beifall Gottes; denn so die Wege des Menschen dem Herrn gefallen werden, wird er auch dessen Feinde zum Frieden lenten.( Sprüchw. 16, 7.) - O du Gott der Versöhnung, und der Liebe! durch den Mund deines Sohnes, unsers Erlösers und Versöhners bei dir, hast du uns das Gebot gegeben, unsern Feinden nicht nur von ganzem Herzen zu verzeihen, sondern sie auch zu lieben, und ihnen Gutes zu thun. Ich erkenne meine Pflicht, diesem Gebote nachzuleben, und weiß nur zu wohl, daß ich kein Christ sein kann, ohne sie zu befolgen. Aber mit inniger Beschämung sei es dir geklagt! mein stolzes Herz sträubt sich dagegen, und nähret, wider meinen Willen, Groll und Rachbegierde gegen meine Feinde. Es kostet mich Mühe, Diese unchristlichen Regungen dergestalt zu bemeiſtern, daß sie nicht in wirkliche That ausbrechen. Gleichwohl kann dein heiligstes Gebot meine Kräfte nicht übersteigen, sonst könntest du es mir nicht geben, der du nichts Unmögliches gebieten kannst. In mei- 398 Gebet um ein christliches Betragen gegen Feinde. ner ungebesserten, und deinen Gesetzen widerspenstigen Natur liegt also die ganze Schuld meiner noch immer regen Unversöhnlichkeit. Wie sehr bedarf ich demnach, o du Gott der Sanftmuth und Erbarmung! deines Beistandes, um eine so unchristliche Leidenschaft zu besiegen, und mein Herz zur thätigen Liebe meiner Feinde, willig und geneigt zu machen! O so gib mir denn ein solches Herz! Gieß die Liebe Jesu Christi in meine Seele, daß ich, gleich ihm, Beleidigungen mit Sanftmuth ertragen, Unbild mit Wohlthun erwiedern, und gleich ihm für diejenigen, die mich haffen und verfolgen, beten könne. Unterstüße mich, o du Geist der Liebe! dieſe hohen Pflichten meines Glaubens mit Freude auszuüben. Erhebe meine Seele über die thörichten Gesinnungen derer, die es für Ehre halten, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Laß mich nie vergessen, wie mannichfaltig ich dich beleidigt, mit welchen. schweren Vergebungen ich bisher deinen Zorn wider mich gereizt habe: wie oft du mir dem ungeachtet liebreich verziehen, und wie oft ich deiner erbarmenden Nachsicht noch künftig bedürfen werde.- Durch diese Vorstellung wollest du mich stets erinnern, wie auch ich gegen meine Beleidiger mich zu verhalten habe, und daß du mir lediglich nach dem Maße vergeben werdest, wie ich meinen Feinden vergebe. Rufe mir durch deinen Geist unaufhörlich zu: Selig sind die Sanftmüthigen! denn sie werden das Erdreich besitzen. So will ich denn auch sanftmüthig sein, und mit Gelassenbeit dulden, was meine Feinde mir anthun. Sie mögen mich verfolgen, so lange und 11 Gebet um ein christliches Betragen gegen Feinde. 399 wie sie wollen: es kann an mir nichts sterben, als was sterblich ist. Es wird immer etwas übrig bleiben, wohin die Wuth meiner Verfolger nicht kommen kann: und das ist da, wo du, mein Gott! wohnest." Auch in dieser Betrachtung kann und will ich sanftmüthig sein, will meinen Widersachern hiemit von ganzem Herzen verzeihen; ihnen, wo ich kann, und so viel ich kann, Gutes erweisen, und für sie schon jetzt beten. O du gemeinschaftlicher Vater aller Menschen! vergib meinen Feinden, was sie an mir gethan, und noch thun werden. Sei ihnen nicht schrecklich! Lehre fie deine Gnade suchen, und verzeih ihnen, wenn sie es thun, gleichwie ich ihnen verzeihe. Schränke aber auch ihre Abneigung nnd Rachsucht gegen mich ein. Zeige ihnen, daß sie, durch Fortsetzung ihrer Feindschaft sich um deine Gnade, und um ihre Ruhe bringen, ja daß sie sich selbst mehr, als mir schaden. Sollen sie aber Werkzeuge deiner Gerechtigkeit an mir sein: ſo bitt' ich flehentlich, laß mich nicht in die Hände der Menschen fallen, sondern in deine Hand; denn du bist barmherzig. - Aber ich kenne nicht alle meine Feinde; vielleicht ist mein Busenfreund mein geheimer Verfolger. Auch für diese mir unbekannten Feinde bet' ich zu dir, mein Gott! auch diesen vergib, auch dieser Herz wollest du zur Versöhnung und Buße lenken. Erhöre dieß mein Gebet durch Jesum Christum, deinen Sohn, der für uns, deine Feinde, am Kreuze gestorben und sterbend uns das erhabenste Beiſpiel gegeben, wie wir unsere Feinde lieben sollen. Amen. Gebet um Gottes Segen für gute Freunde. Gebet um Gottes Segen für gute Freunde. ei vorsichtig in der Wahl deiner Freunde; tugendhafte werden dich bessern, und lasterhafte unvermerkt verderben. Weh dir, wenn du dir bloß den angenehmen Mann, den Weltfreund, den Schmeichler, den guten Gesellschafter, den Lustigmacher, den Verführer zum Freunde wählest: du wirst es über kurz oder lang gewiß bereuen. Nur wahrhafte Freundschaft ist von Dauer, und diese findet allein unter Tugendhaften statt. Wer dir ohne Zurückhaltung deine Fehler und Schwachheiten in der Absicht, dich davon zu heilen, vorhält, der ist dein wahrer Freund; wer dir aber schmeichelt, allemal dein Feind, was er dir auch sonst für Proben seiner Freundschaft geben mag. 400 Die vollkommenste und an allen Vortheilen reichste Freundschaft aber ist diejenige, traft welcher zwei oder mehrere Personen sich näher miteinander ihre Grundsätze und Hülfsmittel der Gottseligkeit, ihre Andachtsübungen, ihre frommen Wünsche, ihre Gemüthsverfassung gegen Gott mittheilen; einander zur Tugend aufmuntern; eins ander in guten Vorsätzen stärken und in Angelegenheiten ihres Heiles aufrichtig Rath ertheilen; kurz, die geistliche Freundschaft. Alle andern Arten der Freundschaft sind nur ein Schatten von dieser, welche allein dauerhaft und ohne Gefahr ist, während jene dem Unbestand und Wechsel unterliegen. O Gott! der du die Herzen und Nieren durchforschest, und die ächt christliche Liebe durch die Gnade des heiligen Geistes in die Herzen deiner Gläubigen ausgießest, laß mir das unschätzbare Glück zu Theil werden, daß ich wahre, christliche Freunde finde, die es aufrichtig mit mir meinen und mich wahrhaft besser und tugendhafter machen können und wollen. Verleih' mir den Geist der Erfenntniß und Unterscheidung, damit ich diese Gebet in der Krankheit. 401 ächten Perlen und Edelsteine von den unächten und unedlen zu unterscheiden vermöge; und meine gegenwärtigen Freunde, je nachdem sie diesen oder jenen gleichen, verlasse oder ihnen treu bleibe. Gieße deine heilige Liebe auch in unsere Herzen aus, jene Liebe, welche ohne Zurückhaltung, aber mit Milde und in der Absicht zu heilen, die gegenseitigen Fehler und Schwächen aufdeckt, und kein anderes Ziel der Freundschaft kennt, als gegenseitige religiös sittliche Veredlung, Befestigung des Glaubens, Erhöhung der Tugend, Vervollkommnung des Herzens, auf richtige Theilnahme in Leid und Freud, und wechselseitige Unterstüßung in Noth und Tod.- Solche Freunde schenke mir, o Gott! vergilt ihnen aber auch mit deinem reichsten Segen in dieser Zeit und in der Ewigkeit, was sie mir an Leib und Seele nüßen und nützen werden. Erhöre diese Bitten durch deinen Sohn, Jefum Christum, unsern Herrn. Amen. - Gebet in der Krankheit. Mein Sohn: verachte dich selbst nicht in der Krankbeit, sondern bitte dem Herrn; so wird er dich gesund machen.( Sir. 38.) O du Gott meines Heils! Vater! Erretter! so oft hast du, wenn ich in gesunden Tagen zu dir flehte, mich liebreich erhört: solltest du dein Angesicht von mir abwenden, da ich nun auf meinem Krankenlager meine kraftlosen Hände zum Gebet falte, und mit gebrochener Stimme zu dir rufe: Herr, erbarme dich meiner! und hilf mir! Wo ist auch eine Noth, in der du nicht helfen könntest? oder wenn es anders mit deiner Weisheit 26 Wege des Heils. 402 Gebet in der Krankheit. und unserm Besten sich verträgt- nicht helfen wolltest?- 3war ist mein Geist durch die Krankheit, die in meinem Innern wüthet, wenig geschickt, sich mit der gebührenden Inbrunst zu dir zu erheben, um mir Hülfe und Rettung von dir zu erflehen; denn ich fühle die Kraftlosigkeit meines Gebetes ebenso sehr, als die Hinfälligkeit meines leidenden Körpers. Aber der du auf das Lallen der Unmündigen hörest, der du nichts über unser Vermögen forderst, und ein aufrichtiges Wollen, wo Kräfte zur That fehlen, für das Werk annimmst, du wirst durch den Reichthum deiner Erbarmung die Unvollkommenheit meines Gebetes ersetzen, und meiner Schwäche durch deinen Geist aufhelfen. Was ich leide, ist dir, o mein Gott! ebenso bekannt, als warum ich es leide. Legte ich durch Unmäßigkeit, durch Ausschweifungen oder dadurch, daß ich, aus Sorglosigkeit für meine Gesundheit, mich der Mittel, sie zu erhalten, nicht bediente, den Grund zu meiner Krankheit?- Oder genoß ich meine bisherige Gesundheit, als eine unerkannte Wohlthat deiner Güte, und ohne dir, mein Gott! dafür zu danken? Oder mißbrauche ich dieses so schäßbare Gut wohl gar zu Uebertretungen deiner heiligen Gesebze? Oder willst du durch körperliche Leiden mich aus meiner Trägheit in deinem Dienste aufwecken? mich nöthigen, meinen Geist aus den Zerstreuungen eines zu weltlichen Lebens zurückzurufen, und mich mit meinem Heile, und mit dir, dem würdigsten und wesentlichsten Gegenstand meiner Gedanken und Wünsche, sorgfältiger zu beschäftigen? - Was es auch sei, so hab' ich immer nur zu viel - 403 Gebet in der Krankheit. Ursache, dir zu danken, daß du mich deine väterlich züchtigende Hand fühlen lässeft, und mir Gelegenheit gibst, durch körperliche Leiden an meiner Seele zu genesen. Mit gerührtem Herzen dank ich dir demnach, o mein gütigster Gott! für die Sorgfalt, welche du noch immer für meine Wohlfahrt trägst, ungeachtet ich längst verdient hätte, als ein unverbesserliches Kind von dir verlassen zu werden. Aber ich bitt auch flehentlich, laß mich denjenigen Nußen aus meiner Krankheit ziehen, den ich, deiner so wohlgemeinten Absicht nach, daraus ziehen soll. Züchtige mich scharf, damit ich gesund sei im Glauben. Gib mir mir auch Geduld, deine Züchtigung willig anzunehmen, und gelassen auszuhalten. Denn dein Geist hat mich gelehret: Wer sich gern strafen läßt, der kommt zu Ehren. Wer aber wider die Strafe halsstarrig ist, der wird plößlich verderben ohne Hülfe. Gib mir ferner auch Stärke, daß ich meinen Leiden aus weichlicher Unleidlichkeit nicht unterliege, oder dieselben durch Ungeduld vergrößere. Du bist mein Vater, und wirst mir nicht mehr auflegen, als ich zu tragen vermag. Belebe mein Vertrauen auf deine Hülfe, auf deine Rettung aus meiner Krankheit, sofern es zum Besten meines Seelenheils gereichet. Mach' es mit mir nach deinem heiligsten Wohlgefallen! Mache mich wieder gesund, wenn ein längeres Leben mir heilsamer ist, als Sterben: wo nicht, so verleih mir die letzte aller deiner Gnaden, die Gnade eines seligen Todes. Ich ergebe mich ganz und gar in deinen alles wohlmachenden Willen, und bin bereit, mit Gelassenheit und Dankbarkeit zu leiden, was ich verdient habe, was mir zu 26* Gebet nach überstandener Krankheit. leiden gut ist, und will an dich, meinen Gott und Erretter! mich fest halten. Nichts soll uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, un ſerm Herrn. 404 O mein gütigster Heiland! noch immer hast du die Macht, gesund zu machen, die du, bei deinem Wandel auf Erden, an so vielen Preßhaften, die an dich glaubten, so liebreich ausübtest. Ich rufe in eben diesem Glauben zu dir: Jesu! du Sohn Davids! erbarme dich meiner! Du darfst nur wollen, und ich steh' auf, und wandle wieder. Erhöre mich nach deiner unendlichen Erbarmung, und schenke mir meine Gesundheit wieder; oder, wenn ich um etwas mir Schädliches bitte, laß mich mit dir sterben, auf daß ich mit dir lebe; laß mich mit dir leiden, damit ich mit dir herrsche. Amen. Gebet nach überstandener Krankheit. Eine schwere Krankheit macht die Seele nüchtern. ( Sirach 21.) O pfere deinem Gott Dank, meine Seele! bezahle dem Höchsten deine Gelübde! Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein, denn er hat das Gebet seines Knechtes nicht verschmähet. Schmerzen des Todes hatten mich umgeben, und Bäche der Ungerechtigkeit mich geängstiget. Ich rief zum Herrn in meiner Noth; ich schrie zu meinem Gott: und er hat aus seinem Heiligthum meine Stimme erhört; und mein Flehen vor seinem Angesicht ist in seine Ohren gedrungen. Herr, mein Gott! ich habe zu dir gerufen, und du hast mich gesund gemacht. Gebet nach überstandener Krankheit. Ja, Allgütiger! daß ich von meinem Krankenlager wieder aufgestanden, daß ich mein Leben gefristet sehe, und der so edlen Gesundheit wieder zu genießen anfange, dieß hat deine Güte, die alle Tage neu ist, allein gethan; dieß ist eine Wohlthat, die mich zum inbrünstigen Dank auffordert. Anbetung, Preis und Ehre sei dir dafür aus meiner ganzen Seele! Hättest du nur Gerechtigkeit an mir ausüben wollen, du hättest durch eine noch schärfere Züchtigung mich an die Schuld meiner Uebertretungen erinnern müssen. Wärest du mit mir in's Gericht gegangen, o! was hätt' ich zu erwarten gehabt? Aber du bist gnädig und barmherzig, geduldig und von großer Güte und Treue! Du züchtigest uns zwar, aber du übergibst uns dem Tode nicht. Du züchtigest nicht, um zu verderben, sondern um zu bessern und selig zu machen. Du verwundest und heilest wieder: du schlägst, und deine Hände machen mich wieder gesund. Dieß hab' ich an meinem Leibe und ner Seele schon mehrmals erfahren. Meine leibliche Gesundheit ist wieder hergestellt, und die überstandene Krankheit hat meine Seele nüchtern gemacht. Denn durch sie zogst du, mein Gott und Vater! mich von der Welt, mit der ich mich zu sehr eingelassen hatte, liebreich zurück, und brachtest mich näher zu dir, da ich mich in der Trunkenheit meiner sinnlichen Begierden und eitlen Zerstreuungen von dir entfernt hatte. Du schwächtest die Reizbarkeit meiner Sinne, um mich fähig zu machen, mich mit dem Zustande meiner Seele ungehinderter zu beschäftigen. Du lehrtest mich öfter und fräftiger beten, und mit neuer Ueberzeugung einsehen, wie 405 406 Gebet nach überstandener Krankheit. eitel und zur Seligkeit unnük alle Güter der Welt, wie nichtig aller Reichthum und alles Ansehen vor Menschen sind, da sie nicht einmal vor Krankheit schüßen, oder die verlorne Gesundheit wieder geben können. Kurz, du lehrtest mich der Welt absterben, um ein neues, dir geheiligtes Leben anzufangen. So dank' ich dir denn, o mein Gott! aus ganzem Herzen für deine väterliche Heimsuchung, und bitte, du wolleft sie an meiner Seele gedeihen lassen. Stärke die guten Vorfäße, die ich auf meinem Krankenbette für die Zukunft gefaßt habe, damit ich, was ich dir so feierlich angelobte, auch erfülle. Laß mich die Welt, sammt allen ihren Gütern und Verheißungen, künftig auch in gesunden Tagen von derjenigen Seite betrachten, von welcher sie sich auf meinem Krankenlager mir dargestellt haben, damit ich gegen ihre Reizungen mehr als zuvor auf meiner Hut, und vor ihren Verführungen sicher sein möge. Ich bin fest entschlossen, die Weisheit, die du, o mein Gott! mich durch Krankheit gelehret hast, auf mein fünftiges Leben anzuwenden, dich feuriger und ungetheilter zu lieben, dir eifriger zu dienen, meinem Beruf emsiger obzuliegen, meine Gesundheit höher zu schäßen und sorgfältiger zu bewahren; mit einem Worte, das Leben, so du mir erhalten, als ein Geschenk zu betrachten, dessen ich nur durch einen dir gefälligen und meine Seligkeit befördernden Wandel, würdig werden kann. Mein gesunder Leib, meine Sinne, mein Geist, mein Herz, alle meine Kräfte sollen dir künftig geheiligt sein. Segne diese Entschließungen, o du, mein gütiger Bater! auf daß ich mit jedem Tage besser, und nachy Gebet in Kreuz und Leiden. 407 einem gottseligen Leben würdig befunden werde, mit dir ewig zu leben. Durch Jesum Christum! Amen. Gebet in Kreuz und Leiden. Unsere jebige Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft in uns eine ewige, und über alles Maß wichtige Herrlichkeit.( 2. Cor. 4.) u bist keineswegs ein Christ, um reich zu sein, um sim Ueberfluß und Vergnügen zu leben. Das chrift2 liche Leben ist ein Leben der Kreuzträger: man muß entweder dem Glauben entsagen, oder das Kreuz lieben. Wer nicht sein Kreuz trägt, und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein," sagt der Stifter des Christenthumes selbst. Trag demnach dein Kreuz, wie er es für sich trug, mit Selbstverläugnung und Geduld. Trag 11 es mit dem Geiste der Buße. Welche bessere Buße könntest Sollte du wohl für deine begangenen Sünden thun? Gott, zum Beweise seines Mißfallens an der Sünde, dich nicht mit einem Finger anrühren, da du die ganze Schwere seiner Hand verdient hast? Trag es mit Liebe und Dankbarkeit; es ist eine Wirkung der Güte deines Gottes, daß er dich heimsucht, und in dieser Welt züchtiget. Das Kreuz ist sowohl das Erbtheil, als das wahre Kennzeichen der Auserwählten. Ein Mensch, der nichts leidet, noch leiden will, trägt daher das Kennzeichen der' Verwerfung an sich. Man muß leiden dieser oder in jener Welt. entweder in ein unverSo wähle denn! Ein gutgeartetes Kind küßt die Ruthe des liebreich strafenden Vaters mit Thränen der Dankbarkeit, und mit dem aufrichtigen Versprechen, sich zu bessern, besserliches sträubt sich mit scharfsinniger Widerspenstigkeit gegen alle Züchtigung, und wird immer verstockter. Welches aus beiden Kindern bist du in Ansehung deines himmlischen Vaters? - Gelassenheit und Geduld lindern jedes Leiden; Ungeduld und Unleidlichkeit machen das kleinste lebet unerträglich. Denk oft an die untrügliche Verheißung deines Heilandes: daß die, so da weinen und Leid tragen, einst 408 Gebet in Kreuz und Leiden. getröstet werden sollen. Und fehlt es dir an Muth und Standhaftigkeit, so bitt um den Beistand dessen, der in den Schwachen mächtig ist. Beneide Niemand, der eines glücklichern und vergnügtern Lebens zu genießen scheint. Du kannst eines Theils nicht wissen, welcher feindliche Kummer ihm sein beneidetes Glück verbittert; und andern Theils ist Wohlleben nicht selten eine Strafe Gottes, allemal aber ein großes Hinderniß der Seligkeit. Kurz: leide, bete und hoffe. Hier, wo mich Niemand hört, der meines Kummers mit boshafter Schadenfreude spotten könnte; wo du, o mein mitleidiger und erbarmender Gott! allein mit und bei mir bist, hier will ich für mein beklommenes Herz Erleichterung, und für meine schmachtende Seele Trost suchen. Wo sollt' ich mich auch in meinem Leiden anders hinwenden, als zu dir, meinem Gott und Vater, der du sie am Besten kennest, und zu lindern alle Macht hast? Herr! du bist meine Kraft, und meine Stärke, und meine Zuflucht am Tage der Trübsal. Du erhörst das Gebet, darum kömmt auch alles Fleisch zu dir. Ich bete zuvörderst deine Vorsehung und deine Verhängnisse an, Schöpfer und Erhalter der Welt! Tief- tief- beuge ich mich unter deine mächtige Hand, unter deine väterlich züchtigende Ruthe, und erkühne mich, nicht zu fragen: Wie hab' ich das verdient? warum trifft dieß Kreuz mich, und warum nicht einen Andern? Du allein bist der Herr, dein heiligster Wille geschehe!- Vielleicht hast du gesehen, daß mein Herz viel zu hart und leichtsinnig war, als daß es ohne diese Züchtigung gebessert werden könnte? Vielleicht willst du mich durch diese bittere Arznei vor einer Krankheit bewahren, die meiner Gebet in Kreuz und Leiden. 409 Seele tödtlich geworden wäre? Vielleicht willst du in diesem Prüfungsstande mich zu einer höhern Vollkommenheit zubereiten, und mich hier viel leiden lassen, um mir dort durch herrliche Freuden zu vergelten? Oder andere mir verborgene Absichten die allzeit nur die weisesten und gütigsten sein können machten es nothwendig, mir dieß Kreuz aufzulegen. Nun: so will ich es denn mit gänzlicher Selbstverläugnung auf mich nehmen, meinem Heilande geduldig nachfolgen, und unter seinem Kreuze Ergebung in deine heiligsten Rathschläge lernen. Warum wollt ich auf Rosen gehen, da mein Jesus einen so harten, dornigen Weg für mich betreten hat? Wenn ich Schmach, Schande, Verläumbung, Spott, Unrecht, Neid, Verfolgung, Armuth, ja den Tod selbst auszustehen hätte, was für Ursache hätt' ich zu klagen? Hat mein Erlöser nicht alles dieses auch, und zwar in einem unendlich größern Maße für mich gelitten, ohne seinen Mund zu klagen aufzuthun? Der Allerheiligste, der Allerunschuldigste hat gelitten: und was kannst du, o mein Gott! mir zu ertragen auflegen, das ich nicht verdient hätte! Wie viele Uebertretungen meiner Jugend fordern dcine Gerechtigkeit wider mich auf! Wie manche grobe Vergehungen in Gedanken, Worten und Werken haben auch nachher mein Herz und meinen Wandel befleckt! Wenn du nach der Strenge mit mir verfahren würdest, könntest du, o mein Gott! nicht mit Skorpionen mich züchtigen? und du nimmst doch nur die Ruthe eines liebreichen Vaters, der bloß straft, um zu bessern! So will ich denn diese immer noch gelinden Streiche zu meiner Besserung - 410 Gebet in Kreuz und Leiden. gelassen erdulden, und dich loben und dir danken, daß du mich dadurch von den ewigen Qualen erretten willst. Besser, unendlich besser, hier leiden, als dort! Wie viel Gutes hab' ich mein ganzes Leben hindurch nicht an Leib und Seele, ohne mein Verdienst von dir, o du Gott der Güte! empfangen! so ist es denn billig, daß ich auch das Ueble, das ich nur zu sehr verdient habe, von dir geduldig annehme. Sete nur, o mein Gott!- dieß Einzige bitt ich mein Herz in die stille, geduldige Verfassung, in welcher es dir und dem wohlgefallen kann, der da gesagt hat: Lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig, und von Herzen demüthig; damit ich Ruhe finde für meine Seele, und dein Joch mir sanft, und deine Bürde mir leicht werde. - Und ja, o mein Vater! sie sind nicht unerträglich, die Trübfale, die du deinen Kindern auferlegst. Denn du hilfft sie auch tragen, indem du uns Trost und Standhaftigkeit einflößest, die Bitterfeit unserer Seiden mit himmlischer Süßigkeit mischest, und uns Augenblicke und Stunden gewährest, wo wir bei dem Bewußtsein, daß wir leiden, eine Seelenfreude empfinden, dergleichen uns die glüclichsten Tage nicht verschaffen. Und wie wenig sind auch dieser traurigen Tage! und wie bald sind sie dahin! Dann öffnet sich der Himmel, uns auf ewig in seinen erquickenden Schooß aufzunehmen, und erhaben über allen Kummer, über alle Leiden, genießen wir in deinem Besike, unveränderlicher Gott! unaussprechliche Freude und Seligkeit ohne Wechsel, ohne Ziel. Die Leiden dieser Zeit sind ja nicht zu vergleichen mit der fünftigen Herrlichkeit, welche an uns soll offenbar werden. - 411 Gebet in Kreuz und Leiden. Dir, o mein Gott! sei es demnach gänzlich anheimgestellt, ob und wann, und wie du mich aus dieser meiner Noth erretten wollest. Du weißt es, - nicht ich, kurzsichtiger, verkehrt denkender Mensch, was mir nützlich und heilsam ist, und wirst, wenn die rechte Zeit und Stunde da sein wird, es mir auch geben. Das hoff' ich mit kindlicher Zuversicht von deiner Vaterliebe. Du bist ja nahe bei denen, die bedrängten Herzens sind; du bist bereit, dem Demüthigen im Geiste aufzuhelfen. Und hab ich hievon nicht in meinem Leben schon oft die augenscheinlichsten Beweise erhalten? Wie oft flagte ich am Morgen: Der Herr hat meiner vergessen! und ehe noch der Abend kam, mußte ich beschämt gestehen: Der Herr hat an mich gedacht, und mich gesegnet. Ich will demnach leiden, weil du es willst, und so lange du es willst, und will auf dich vertrauen und hoffen in allen Nöthen! Wie oft haft du manches deiner Kinder durch die finsteren Steige der Trübfal, in eine heitere, angenehme Gegend des zeitlichen Glückes, der Ehre und des Vergnügens geführt! So. will ich mich denn deiner Führung gänzlich überlassen, ohne zu murren und ohne dir vorzuschreiben. Ich will schweigen und meinen Mund nicht aufthun; du, Herr! wirst es wohl machen. Sollt' es dir aber nicht gefallen, meine Traurigkeit hienieden in Freude zu verkehren, so will ich dennoch nicht verzagen, sondern geduldig leiden, in der Hoffnung, daß einst auch an mir wahr werden wird: Die mit Thränen säen, werden mit Frohlocken ernten. Sie gingen hin, gingen und weinten, und warfen 412 Gebet zur Zeit einer allgemeinen Drangjal. ihren Samen. Aber beim Wiederkommen werden sie kommen mit Frohlocken und ihre Garben tragen. Amen. Gebet zur Zeit einer allgemeinen Drangsal. Wollet ihr die Züchtigung nicht annehmen, sondern mir entgegen wandeln, so will ich euch entgegen wandeln, und will euch stebenfältig schlagen, um eurer Sünden willen. Und ich will das Schwert über euch führen zur Rache des Bundes. ( Lev. 26). eiliger, gerechter, furchtbarer Gott! der du erst dann das Schwert deiner Rache ergreifest, wenn du gelindere Mittel, uns aus unserer Unbußfertigkeit zu wecken, fruchtlos befindest; tief gebeugt erkennen und bekennen wir, daß unsere Gefühllosigkeit gegen deine Güte, unser Undank gegen deine Wohlthaten, unsere Lauigkeit in deinem Dienste, unsere Sinnlichkeit und Weltliebe, mit einem Wort, daß unsere Missethaten es sind, die deinen gerechten Zorn wider uns gereizt haben. Ja, Herr! wir haben schwer und vielfältig gesündigt; haben nicht nur, was du über uns verhängt hast, sondern eine noch empfindlichere Züchtigung verdient: auch dieß erkennen wir mit innigst gerührtem Herzen. Es ist billig, daß du uns die Wirkungen deines Zornes empfinden läsfest, nachdem wir die Bemühungen deiner Güte, uus zu dir zurüc führen, so frevelhaft vereiteln. Gerecht bist du, o Herr! und recht ist dein Urtheil: wie sollten wir uns erkühnen, deine Wege zu tadeln, oder nur zu fragen: Warum betrübst du unsere Seele? warum beneben wir unser Brod mit Thränen? Aber! der Gebet zur Zeit einer allgemeinen Drangsal. 413 du deine Erbarmungen, selbst in deinem Zorne, nicht zurückhalten kannst, und auch dann noch Vater bist, wenn du deine Kinder züchtigest, verstoß uns von deinem Angesicht nicht ganz und gar. Wir suchen dich am Tage unserer Trübsal, und strecken unsere Hände bei der Nacht zu dir aus: verhärte dein Ohr nicht vor unserem Flehen, und sei uns ferner nicht schrecklich, o du Gott der Geduld und des Trostes! Zieh deine Hand, die über uns schwer geworden, wieder von uns ab, und befiehl dem Schwerte deiner Strafgerechtigkeit, daß es in seine Scheide zurückkehre. Laß die Thränen unserer Bußfertigkeit, laß das lallende Gebet der Unmündigen, die deine Strafruthe mit uns fühlen, ob sie gleich keinen Theil an unserer Schuld haben, die Wolken durchdringen, und vor dem Throne deiner Barmherzigkeit Gnade finden. Wirst du, o Herr! in Ewigkeit verwerfen? oder wirst du dich hinfort nicht mehr besänftigen lassen? Kannst du aufhören, der erbarmungsvolle Gott eines Volkes, und in allen Nöthen, die uns umgeben, unsere Zuflucht und Rettung zu sein? oder deiner Barmherzigkeit vergessen, die von Anbeginn der Welt gewesen? So merke denn auf die Stimme unseres Flehens, die aus der Tiefe unsers Elends zu dir emporsteigt, und erhör' uns! Und der du zu den brausenden Meereswogen sprichst: Bis hieher und weiter nicht! feße der Drangfal, unter der wir seufzen, auch einen Damm entgegen, der ihr gebiete, einzuhalten. Laß das Antlitz deiner Versöhnung über uns leuchten, damit die Gebeine, die du zerschlagen hast, wieder fröhlich werden. Verdienen wir aber, unserer Ver Danksagung nach erhörtem Gebete. Undanf, und mache mich künftig- wie ich dir heute auf's Neue zu sein angelobe- empfindsamer gegen die Beweise deiner Erbarmung und Güte, eifriger in deinem Dienste, und fólgsamer gegen deine heiligsten Gebote. Gib mir überdieß auch ein menschenfreundliches, wohlwollendes Herz, daß ich Vergnügen daran finde, andere Menschen zu erfreuen; daß ich, durch Wohlthätigkeit gegen sie, deine Wohlthätigkeit gegen mich, so viel in meinen Kräften steht, nachahmen, und daß ich liebreich, gütig und erbarmend gegen meine Brüder sein möge, wie du, himmlischer Vater! es gegen uns Alle bist. Laß endlich durch den neuen Beweis, den ich von der Wirkung eines kindlichen Vertrauens erhalten habe, meine Hoffnung auf dich in allen künftigen Nöthen, Gefahren und Angelegenheiten des Leibes und der Seele, auch auf's Neue gestärkt und befestiget werden, und erhalte die Ueberzeugung lebhaft in mir, daß meine Klugheit, meine Einsicht, meine Kräfte, daß die Macht aller Menschen mir ganz und gar unnüte sind, wo du nicht helfen willst; daß ich hingegen nichts zu fürchten habe, weder von den Menschen, noch von der Hölle selbst, wo du mich in deinen Schuß nimmst. Es ist gut, auf den Herrn vertrauen, und sich nicht verlassen auf Men= schen. Du, o mein Gott! bleib' immer und allzeit meine Hoffnung, meine Hülfe, meine Zuflucht, und der unbewegliche Fels meiner Zuversicht und meines Vertrauens! Amen. 416 Mess- und Kirchenlieder. Erster Meßgesang. Zum Introitus. ir werfen uns darnieder, Vor dir, Gott Sabaoth! Erhöre uns're Lieder, Da wir nach dem Gebot Dir dieses Opfer bringen; Verleihe nun, daß wir Es andachtsvoll befingen Und wohlgefallen dir. 2. Den Tag vor Jesu Beiden, Bei'm letzten Abendmahl, Jammerthal, Indem er wollte scheiden Aus diesem Hat er das Brod gebrochen- Und ausgetheilt den Wein, Gesegnet und gesprochen: Dieß thut und denket mein! - - m - Zum Gloria. Gott Vater, dir gehöret- Lob, Ruhm und Dank und Ehr'; Was uns're Ruhe störet, Verstatte nimmermehr. den Auf Erden laß uns grünen Frieden jederzeit, Daß wir dir fröhlich dienen, Von Furcht und Angst befreit. - - - Zum Credo. 1. Wir glauben und bekennen, weisem Rath, Wege des Heils. - Zum Evangelium. Aus Gottes Munde gehet Das Evangelium; Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum. Gott selber hat's gelehret, Der nicht betrügen fann; Wohl dem, der's gerne höret, Und es nimmt willig an. - - - Daß aus höchst Die Gott, den wir Vater nennen, 27 418 Erster Meßgejang. Welt erschaffen hat; Von ihm ist ausgegangen Sein Sohn, der Jesus heißt, Der ward als Mensch empfangen, Von Gott, dem heil'gen Geist. 2. Maria hat geboren Sonst wären wir verloren, sind. Er litt an Leib und Seele, seinen Lauf; dritten Tage auf. 1 - - Laßt uns gen der Noth, Und Gott Sabaoth. - Zum Offertorium. 1. Herr! laß doch diese Gaben Dir wohlgefällig sein, Die wir geopfert haben, Es ist zwar Brod und Wein; Doch wird's verwandelt werden In Christi Fleisch und Blut; Das ist uns hier auf Erden Und den Verstorb'nen gut. 2. Wir opfern dir den Willen, Herz und Gedanken auf! Hilf uns, daß wir erfüllen In unserm Lebenslauf, Was du uns, deinen Kindern, 3u thun befohlen haft; Nimm weg, was uns kann hindern, Nimm weg die Sündenlast! - voll von deinem Ruhm. Das blinde Heidenthum. - Als Jungfrau dieses Kind; Wir, die wir Sünder Schloß sterbend Stand aus des Grabes Höhle Am - - - - - - - - - Zum Sanctus. Himmel schwingen, 3um Helfer in dreimal heilig! singen Dem Herrn, Sind Herr! Himmel und auch Erde Hilf, daß bekehret werde 1. Hier bet' ich auf den Knieen Dein Verborg'ner Gott, dich an. Ich will mich nicht bemühen, Das, was du hier gethan, Durch Sinne zu begreifen: Wort muß mir allein, Um hier nicht auszuschweifen, Der Grund des Glaubens sein. 2. Die Gottheit war bedecket, Allein am Kreuzaltar, Hier aber ist verstecket Die Menschheit auch sogar. Dieß Denkmal deiner Güte, Dieß wahre Himmelsbrod, Erinnert mein Gemüthe, an deinen Tod. Herr! - - Nach der Wandlung. - - - - - Zweiter Meßgesang. Zum Agnus Dei. Kein Der Herr will sich verhehlen, 1. Erfreu't euch, fromme Seelen!- Ein Wunder ist gescheh'n, Auge kann ihn seh'n. Ist Jesu Fleisch und Blut Dieß größte Seelengut. 2. Verdeckt ist hier zu finden Das wahre Gotteslamm, So aller Menschen Sünden Getilgt am Kreuzesstamm. Es ist der Seelen Speiſe, Wie uns der Glaube lehrt; Es nährt uns auf der Reise, Und wird doch nicht verzehrt. Zum Segen. - 1. Da wir nunmehr gehöret So sei auch Gott geehret, Und laß es sich gefallen, Er bleibe bei uns Allen, soll, voll, gethan, daran. - Tag werden mag; vor Gericht, Angesicht. 1 Die Messe, wie man Er mach' uns segensWas wir allhier So sind wir wohl Daß 2. Gott wolle uns behüten, Des bösen Feindes Wüthen O laß uns ohne Sünden Damit wir Gnade finden - In Brod- und Weingestalten Auf dem Altar enthalten, - - - 3weiter Weßgesang. Das Kyrie. Im Staub die O Gott! 1. Hier liegt vor deiner Majestät Christenschaar; Das Herz zu dir, o Gott! erhöht Die Augen zum Altar. Schenk uns, o Vater, deine Huld! Vergib uns uns're Sündenschuld!- von deinem Angesicht, Verstoß' uns arme Sünder nicht!- Verstoß' uns nicht, Verstoß' uns Sünder nicht! 2. Wir haben, Herr! dein Gut verschwend't,- Wie der verlorne Sohn; Die Sünde hat uns so verblend't! Doch schau' von deinem Thron Mitleidig her auf unsern Schmerz! Verwirf nicht ein zerknirschtes Herz! Entzieh' die Vaterhuld uns nicht, dein Gnadenlicht, Dein Gnadenlicht, Gnadenlicht! Und sende uns Dein göttlich' - - 419 - uns an diesem Nicht schädlich Einst stehen Vor deinem - 27* 420 Gott soll gepriesen werden, Im Himmel und auf Erden, feit. Sein Nam' gebenedeit Jetzt und in EwigLob, Ruhm und Dank und Ehre Sei der Die ganze Welt vermehre, Gott, Dreieinigkeit! deine Herrlichkeit. - - 3weiter Meßgesang. Zum Gloria. Bei dem Evangelium. Aus Gottes Munde gehet Das Evangelium! Auf diesem Grunde stehet Das wahre Christenthum. Gott selbst ist's, der uns lehret, Der Weis- und Wehrheit ist; ist der Christ! Der seine Lehren höret, Wie glücklich - - - - - Zum Credo. Bekennt dich 1. Allmächtiger! vor dir im Staube deine Creatur;- O Gott und Vater! ja, ich glaube An dich, du Schöpfer der Natur!- Auch an den Sohn, der ausgegangen, Von dir geboren, ewig war, Den, von dem heil'gen Geist empfangen, Jungfrau uns gebar! Die reinste 2. Und Jesus Christus ist gekommen, Daß er versöhne uns mit Gott; Er hat die Schuld auf sich genommen, Und litt für uns den Kreuzestod, Erstand, besiegte Tod und Hölle,- Fuhr zu des Vaters Rechten auf, Und wird als Nichter jeder Seele Einst prüfen unsern Lebenslauf. - - Staf - - - P - - Zum Offertorium. Aus deines 1. Nimm an, o Herr! die Gaben Priesters Hand; Wir, die gefündigt haben,- Weih'n dir dies Liebespfand! Für Sünder hier auf Erden, In engsten, Kreuz und Noth,- Soll dieß ein Opfer werden Von Wein und reinem Brod. 2. Nimm gnädig dieß Geschenke- Dreieinig großer Gott! Erbarm' dich unser, denke Un Christi Blut und Tod, Sein Wohlgeruch erschwinge- Sich hin zu deinem Thron, Und dieses Opfer bringe verdienten Lohn. Üns den - 110 - Zweiter Meßgesang. Zum Sanktus. Gott!" Singt: ,, Heilig, heilig, heilig Ist unser Herr und Singt mit den Engeln: Heilig Bist du, 17 Gott Sabaoth!" Im Himmel und auf Erden Soll deine Herrlichkeit Gelobt, gepriesen werden, Jetzt und in Ewigkeit. - - - Nach der Wandlung. Sich' 1. Sieh', Vater! von dem höchsten Throne, gnädig her auf den Altar! Wir bringen dir in deinem Sohne Ein wohlgefällig's Opfer dar. durch ihn, wir, deine Kinder, Wir fleh'n Und stellen dir sein Leiden bor; Er starb aus Liebe für uns Sünder, hebt er's Kreuz für uns empor. Noch 2. Er hat für uns sich dargegeben, schen insgesammt! - COMM - - Für alle MenBei'm Vater, daß wir ewig leben, O Jesu, höre Vertritt er jetzt das Mittleramt. uns're Bitte, Steh' uns'rer Schwachheit immer bei, An uns niemals Auf daß dein Leben, deine Güte, verloren sei. - Zum Agnus Dei. Betrachtet ihn in Schmerzen, vergießt; Seht, wie aus Jesu Herzen, Tropfen fließt! Er nahm hinweg die Sünden, trug all' uns're Schuld; - Den Frieden, seine Huld. - - — Zum Schluß. Nun ist das Lamm geschlachtet, vollbracht,- Wir haben jett betrachtet, Lieb' und macht; deinem Gnadenmeer Durch dieses Opfer her. - Wie er sein Blut Der letzte Er Bei Gott läßt er uns finden - - - 421 Zur Kommunion. Zu deinem Tisch O Herr! ich bin nicht würdig, Erhör' zu geh'n, Du aber mach' mich würdig, Du mein findlich Fleh'n. Ostille mein Verlangen, Seelenbräutigam!- Im Geist dich zu empfangen, Dich wahres Osterlamm! - - Das Opfer ist Gott! deine Aus Du bist bei uns zugegen, Ström' uns dein Vatersegen Dritter Meßgesang. Zum Segen. 1. Lasset uns denn würdig ehren- Ein so großes Sakrament, Nach dem neuen Bund uns kehren, Weil der alte sich geend't;- Was man nicht mit Händen greifen, Noch mit Augen sehen kann, Sehen wir im Glauben an. 422 11 2. Gott den Vater wir erheben- Mit dem eingebornen Sohn, Preis und Jubel sei gegeben- Beiden auf dem höchsten Thron: Dem auch, der von ihnen Beiden Ausgeht, Gott von Ewigkeit,- Werde gleiches Lob geweiht. - Dritter Meßgesang. Zum Eingang. Gott! Hier wirft vor dir im Staub sich hin, die Christenschaar; Zu dir erhebt sich Herz und Sinn, Das Auge zum Altar. Oblick auf uns mit Vaterhuld, Vergib uns die bereute Schuld, Verstoß' von deinem Angesicht, O Gott, uns arme Sünder nicht! Verstoß' uns nicht, Verstoß' uns Sünder nicht! - Zum Gloria. Gott soll gepriesen werden Thron: Menschen Lohn. Dreieinigkeit! End' der Zeit. 1 - - Ruh', Friede sei auf Erden - - Auf seinem höchsten Der guten Wir loben, ehren Alle Und unser Dank erschalle - Zum Evangelium. Das Evangelium; Es kommt aus Gottes Munde Und nur auf diesem Grunde stenthum. deiner Feinde Lift Das Ohr zu falschen Lehren, Dies fleht der wahre Christ. Steht wahres ChriHerr, laß uns niemals kehren Durch Zum Credo.. Allmächtiger! vor dir im Staube deine Creatur,- O Gott und Vater, ja An dich, du Schöpfer der Natur; An Dich, o Bis an das Bekennt dich ich glaube deinen Sohn, Dritter Meßgejang. den, rein empfangen Die heil'ge Jungfraus gebar; Und an den Geist, der ausgegangen Von hent, ftets mit Beiden war. - Zum Offertorium. 1. Nimm an, o Herr! die Gaben Priesters Hand: Die dich beleidigt haben, dieses Pfand. Bald bleiben nur Gestalten diesem Brod und Wein; Wird Seelenspeise sein. 2. Bewegt von dem Geschenke, Erbarme dich und denke, Der sich zum Opfer bringet Zum Vaterherzen dringet, Gott! erbot; Gnadenthron, geliebter Sohn. 11 - wir, vor dir. - - 1. O singet: dreimal heilig Dreieinig, unzertheilig Es glänzet seiner Ehren - Zum Sanktus. - O daß uns Engel lehren, — - Und das, was sie enthalten, - voll; preifen soll. 2. Um Engeln nachzuahmen- Singt unser Geift erfreut: Der fam in Gottes Namen. Der sei gebenedeit! Hosanna! singen Hosanna! schallt es oben, Und beten an und loben- Und staunen, Herr! - 13 Von deines Versöhne Von Dreieinig großer Wer sich für uns Vor deinem Ist dein 423 Nach der Wandlung. Sieh' 1. Sieh', Vater! von dem höchsten Throne, gnädig her auf den Altar!- Wir bringen dir in deinem Sohne Ein wohlgefällig' Opfer dar. durch ihn, wir, deine Kinder, Wir fleh'n Und stellen dir sein Leiden vor: Er starb, des Todes Ueberwinder,- Stand auf und fuhr zu dir empor. Für alle 2. Er hat für uns sich dargegeben, Vertritt, damit wir ewig leben, Menschen insgesammt; Jesu, laß Bei'm Vater jetzt das Mittleramt. uns Huld erwerben, Steh' uns'rer Schwachheit immer bei, Ja nicht Damit dein Leiden und dein Sterben an uns verloren jei! - Ist er, Gott Sabaoth! Ist unser Herr und Gott! Die ganze Schöpfung Wie man ihn -1 - - Gefang beim Amte der Hl. Messe Zum Agnus Dei. in Schmerzen, etrachtet ihn Wie er sein Blut rgießt; Seht, wie aus Jesu Herzen Der letzte Das Tropfen fließt. Er fließt, uns anzukünden Das liebreich alle Sünden- Von 424 41 wahre Gotteslamm, unsern Seelen nahm. Zur Kommunion. Wie soll, o Herr! ich's wagen, An deinen Tisch Du darfst ein Wort nur sagen, Um mich zu geh'n! gefund zu seh'n. Seelengut! 3m Fleisch und Blut. O stille mein Verlangen, Du einzig Geifte zu empfangen- Dein wahres - - - - Zum Schlusse. Nun ist das Lamm geschlachtet, vollbracht, Nun haben wir betrachtet, Lieb' und Macht. Die bleib' uns stets zugegen; Aus deinem Gnadenmeer Ström' uns dein Vatersegen - Durch dieses Opfer her. - - - - - - Gesang beim Amte der hl. esſe für die Abgestorbenen. 1. Bei des( der) Entschlaf'nen Trauerbahre VerSieh' mitleidsvoll, o sammeln wir uns am Altare; Herr! auf uns herab. Voll des Vertrau'ns zu deiner Güte Erheben wir uns im Gemüthe, Zu dir, der in den Tod für uns sich gab. 2. Erhöre, Heiland! unser Flehen, Gib dem( der) Entschlaf'nen dich zu sehen; Mach' ihn( sie) von jedem Sündenmakel rein. Wenn wir uns gläubig hier bestreben, Nach deinem Wort, o Herr! zu leben, So hoffen wir, einst ewig dein zu sein. Das Opfer ist Gott! deine - - Nach der Epistel. 1. Der Tod rückt Seelen vor's Gericht,- Wo Jesus thront im reinsten Licht;- Da wird, was hier verborgen Den Augen Aller offenbar. war, für die Abgestorbenen. 2. D'rum mache täglich dich bereit- Zur Rechenschaft, zur Ewigkeit; O prüfe deinen Glauben, Christ! Ob er durch Liebe thätig ist. 3. Ein Seufzer in der letzten Noth, Der bloße Wunsch, durch Jesu Tod Vor Gottes Thron gerecht zu sein, Macht uns noch nicht von Sünden rein. 4. Ein Herz, das Gottes Stimme hört, Ihr folgt und sich vom Bösen kehrt; Ein büßend Herz, von Lieb' erfüllt, - 1 - Dieß ist es, was bei Chrifto gilt. 5. Erbarme dich, Herr Jesu Christ! Der du für uns gestorben bist; Erbarme dich, verwirf uns nicht, O Herr! vor deinem Angesicht. schon, - -- Zum Evangelium. Wer an 1. Wie tröstlich ist, was Jesus lehrt: mich glaubt und mich verehrt, Der lebt, kommt nicht in das Gericht Und sieht den Tod auf ewig nicht. 2. Wir glauben freudig an dein Wort; Ja, Herr! wir leben ewig fort, Wie kann der Tod uns schrecklich sein?- Er führt uns ja in's Leben ein. 3. Dort sehen wir dein Angesicht, Um uns strahlt dort ein himmlisch Licht; Wir sind von aller Noth befreit, Dort Erben deiner Herrlichkeit. - - - - Zum Offertorium. Von 1. Dir, Vater! weihen wir hier Gaben reinem Brod und reinem Wein. Du bist's, von dem wir Alles haben; Laß sie dir wohlgefällig sein. Mit ihnen steiget unser Flehen Zu den Entschlafenen empor; Laß sie in Herrlichkeit dich sehen, Umgeben von der Engel Chor. 2. Dein Sohn, o Gott! starb für uns Sünder, Er tilgte uns'rer Sünden Schuld; Durch ihn sind wir nun deine Kinder, Vertrauen deiner Vaterhuld. Mag unsern Leib die Erde decken, Uns grauet vor dem Grabe nicht; Du wirst ihn wieder auferwecken, Du unsers Glaubens Zuversicht. - Zum Sanktus. 1. Droben nur ist wahres Leben, Ihren Retter zu erheben, - - - - - 425 - - 1 - Millionen stehen Selig da vor seinem 426 Gejang beim Amte der Hl. Messe f. d. Abgestorbenen. Thron; Engel und Verklärte singen, ob und Dank dir darzubringen: Heilig, heilig, heilig ist Der Erbarmer Jesu Christ. 2. Vaterland verklärter Frommen, Wohnsitz ungestörter Nuh'! Was kein Sterblicher vernommen, Gottes Heil gewährest du. Freuden- Ernten schenkt Gott denen, Die zuvor gesä't in Thränen. uns auch dorthin, Jesus führ' Dann ist Sterben uns Gewinn. - — - Zur Wandlung. Jesu! dir leb' ich; dein bin ich- Jm Leben und Tod. - - Jesu! dir sterb' ich; Zum Memento für die Abgestorbenen. Der Frommen abgeschied'ne Seelen, Gott! deiner Vaterlieb' empfehlen, Dieß ist der Hinterlass'nen Trost und Pflicht; D'rum hoffen wir, du wirst das Flehen Der Bruderliebe nicht verschmähen, Die hoffnungsvoll für theure Seelen spricht. -- - - - Zum Agnus Dei. Lamm Gottes! Gnade, Heil und Leben- Hast du erbarmend mir gegeben; Du starbst, um mich vom Tode zu befrei'n, Ermattet gingst du, mich zu suchen, Du ließest dir am Kreuze fluchen, Herr! soll dein Blut an mir verloren sein? Jesu! 3. Der Seligkeiten, Gott! wie viel, ohne Maß und Ziel, Ewigkeit! o Ewigkeit! Wie nichts sind alle Thränen! Bur Kommunion. 1. O hohes Glück, vor dir zu steh'n!-O Freude, Jesu, dich zu seh'n; Dich, herrlich Haupt der Glieder! 3u sehen dich in deinem Licht Von Angesicht zu Angesicht, Dich, Erster aller Brüder! 2. Wie wird mir dann zu Muthe sein, Wenn alle Todten groß und klein, Jesu! vor dir stehen; Wann du mich dann beim Namen nennst, Vor Gott und Engeln mich bekennst,- Ich ewig dich soll sehen. Freuden Hoch über alles Sehnen! Was ist das Leben dieser Zeit! Lied am Anfange der hl. Kommunionmesse. Am Ende der Messe. Euch, die von uns geschieden, Frieden, Bis wir nach dieser Pilgerzeit in Gottes Herrlichkeit Vereinigt ewig leben. - - Lied am Anfange der hl. Kommunion. 1. Es kommt die sel'ge Stunde, erscheint, Das uns zum heil'gen Bunde des Herrn vereint. In diesem Liebesmahle, Eins Er mit uns sein,- Daß wir im Erdenthale uns in Biebe weih'n. - - - - Verleih' Gott seinen Mit euch Uns auf 2. So laßt uns seinem Tische- Mit Dank und Liebe nah'n,- Und Himmelsbrod erfrische der Tugendbahn. Die Kraft der Himmelsspeise Stärk' unsern schwachen Sinn, reise Uns zur Vollendung hin. Führ' auf der Pilger- Erstes Danklied nach der heil. Kommunion. Nach der Weise: Großer Gott, wir loben dich". j. w. - Herr und 1. Jesus, Gott und Mensch zugleich, Schöpfer aller Welten! Hast uns jetzt gespeiſet reich; Ach, wie können wir's vergelten? Dir vergelten diese Gnad', Uns in Die mit dir vereint uns hat? 2. Haft dich heut' für uns're Schuld Brodsgestalt gegeben. Tausend Dank für diese Huld, Die gebracht uns neues Leben, Neues Leben in der Noth, Treu zu sein dir bis zum Tod. 3. Bleib' bei uns, o Jesu! heut', Seelenspeise; Bleib' bei uns in Ewigkeit, Seele hier dich preise, Preise in dem Himmel dort, Rufe heilig immerfort. Wunderbare Daß die Wollen nie mehr Auf Glauben an dich, unsern Herrn, dich hoffen, dich nur lieben, Lieben, Heiland, lieben 4. Alles opfern wir dir gern, dich betrüben, dich - - Das Freudenfest Am Tisch Will Ihm 427 - - FRA Ganz vom Herzen ewiglich. 5. Liebster Mittler, höchster Gott! Ach, erbarm' dich uns'rer Seelen, Unsers Leibes Qual und Noth; Ernstlich fliehen Hilf uns, daß wir selt'ner fehlen,- nun die Sünd',- Wie's geziemt dem Christenkind. 428 Zweites Danklied nach der hl. Kommunion. 6. Und du, aller Christen Heil, im Himmel! Nimm an unserm Hilf uns durch das Weltgetümmel, letzten Streit, - Bitt für uns um Seligkeit. Frommer Wächter 7. Endlich auch Schutzengel dir, hier auf Erden! Dir empfehlen bittend wir- Uns're Führung in Gefährden; Weich' nicht von uns, weiche nicht, Bis wir folgen uns'rer Pflicht. 8. Vater, Sohn und heil'ger Geiſt! Zu dem uns're Bitten wallen, Gott, den Mensch und Engel preist, Laß dir unsern Dank gefallen; Heiligste Dreieinig keit, Sei gepriesen jederzeit! - - - - Zweites Danklied nach der hf. Kommunion. Nach der Weise: Großer Gott" u. s. w. - 1. Dich, mein Jesus! laß ich nicht, Du hast ja dein theures Leben Rein aus Liebe, nicht aus Pflicht, Für mich einst am Kreuz gegeben; Meine Hoffnung, Zuversicht,- Dich, mein Jesus, laß ich nicht!" 2. Unzertrennlich ist das Band, Das mein Herz nun an dich fettet; Durch der Liebe größtes Pfand Hast du mich vom Tod gerettet. Bis ich seh' dein Angesicht, Dich, mein Jesus, laß ich nicht! 3. Jetzt hab' ich im Engelbrod, Wie du einst am Kreuz gehangen, Dich, mein Jesus, meinen Gott, Ganz mit Fleisch und Blut empfangen. Liebe ist es, die laut spricht; Dich, mein Jesus, laß ich nicht! mag sie mir 4. So hab' ich am Kreuzesstamm Für mich sterbend dich gefunden, Meiner Seele Bräutigam.- Dir vermählet, dir verbunden, Spricht mein Herz aus Dank und Pflicht: Dich, mein Jesus, laß ich nicht! 5. D'rum weis' ich die Welt zurück, auch Alles bieten, Schönheit, Reichthum, Ehr' und Glück, Nichts soll fesseln mich hienieden! Frei leist' ich darauf Verzicht, Dich, mein Jesus, laß ich nicht! 6. Sterben ist nun mein Gewinn, Weil du, Christus, bist mein Leben; Denn es ist mein ganzer Sinn, All' mein Wirken, Thun und Streben Nur allein auf dich gericht't.- Dich, mein Jesus, laß ich nicht! - - - - - Milde Königin Kampfe Theil, Hilf uns in dem - - - -- - - - - Predigtlied. 7. Ja dich, Jesus, laß ich nicht! welche Wonne! Welche Freude, Einst zu schau'n dein Angesicht- Dich, der sel'gen Geifter Sonne, Die hier strahlt im Glaubenslicht. Dich, mein Jesus, laß ich nicht! 8. D'rum, o Jesu, bleib' bei mir mit deiner Gnade, Von der Erde auf zu dir meine Lebenspfade. Dich, mein Jejus, laß ich nicht! - - Predigtlied. 1. In Gott des Vaters und des Sohn's- Und seines Geistes Namen Sprecht hier am Fuße seines Sprecht Throns, O Christen, freudig: Amen. Amen, und bereitet euch, Nach eures Meisters Lehren, Mit Bitten zu Den Vater in dem Himmelreich verehren. - - - - Im Himmel und 2. O Vater unser, der du bist Soll auf Erden, Dein Name, der so liebvoll ist, stets geheiligt werden! Dein Reich, von Anbeginn der Das laß, wenn Welt, Bereitet allen Frommen: dieser Staub zerfällt, Für uns auch einstens tommen. 3. So wie auf jeden Wink von dir melsgeister sehen, So soll auch unter Menschen hier Dein Wille stets geschehen. Das Brod, das uns're Die HimUm dir, o Gott! zu leben, Auch jenes, Seele nährt, das der Leib begehrt, Sei täglich uns gegeben. Die wir vor 4. Vergib uns, Vater! jede Schuld, Den dir bereuen, So wie wir Alle mit Geduld Schuldigern verzeihen. Ersticke, wenn Versuchung droht, In uns des Bösen Samen, Erlös' uns jetzt und einst, o Gott! Von allem Uebel. Amen. Christenlehrlied. Vor dem Anfange. Heil'ger Geist! tomm' zu verbreiten- Uleber uns dein Gnadenlicht,- Daß wir immer weiter schreiten- Im Erlernen uns'rer Pflicht. Mache uns zum Lernen Lust, Hilf, daß wir in uns'rer Brust wohl behalten Und im Guten nie erfalten. Das Erlernte 429 - Selig, wer dann ewig spricht: Fortan stets Lenke 11 - 3um Segen mit dem hochwürdigsten Gute. Am Ende. O Gott! segne diese Lehren, Die des Ratecheten Mund Deinen Kindern machte kund, Uns zum Heil und dir zu Ehren; Präge sie durch deinen Geist Tief in's Herz, daß wir im Leben Stets zu handeln uns bestreben, Wie es dein Gebot uns heißt. 430 Zum Segen mit dem hochwürdigsten Gute. 1. Segne, Jesu, deine Heerde, Welche dir zu Füßen fällt, Und die Güter dieser Erde- Nur von deiner Gnad' erhält. Herr! dein theures Fleisch und Blut Ist das größte Seelengut, Welches würdig zu empfangen, Wahre Christen stets verlangen. 2. Den die Brodsgestalt bedecket, Der du unser Heiland bist, Den die Liebe hier verstecket,- Gib uns Segen, Jesu Chrift! Mach' verstockte Herzen weich, Und an wahrer Tugend reich, Stärk' uns auch mit dieser Speise Endlich zu der Himmelsreise. 3. Der du haft für uns gelitten Und von Sünden machtest frei, Ach, gewähre, was wir bitten,- Segne, Herr, und steh' uns bei, Daß wir in der Todeszeit, In dem allerschwersten Streit Alle Feinde überwinden Und durch dich das Leben finden. - - - - - - - 1 Zweites Lied zum heiligen Segen. Vor dem Segen. Wir ehren dich, lebendiges Engelsbrod!- O wahrer Mensch zugleich und großer Himmelsgott!- Heilig, heilig, heilig, Heilig, überheilig- Ist Jesus Christus ohne End' In dem heil'gen Sakrament. Nach dem Segen. Verlaß uns nicht, o Herr- Jesu, du Süßester! Jesu, du Süßester! Verlaß uns nicht, o Herr! Gelobt sei der Name Jesu, Und der Name Maria, Von jetzt an bis in Ewigkeit! Drittes Lied zum hl. Segen. Drittes Lied zum heiligen Segen. 1. Wir ehren dich, verhüllter Wundergott! fleh'n zu dir um Hilfe in der Noth. heilig, End' Und Heilig, heilig, Du bist allzeit heilig! Sei gepriesen ohne In dem heiligsten Sakrament. 2. Ach, speise uns mit deinem Fleisch und Blut, Und jegne uns, o allerhöchstes Gut!- Heilig, heilig, heilig, Sei gepriesen ohne End' Du bist allzeit heilig! In dem heiligsten Sakrament. Daß 3. Ach, höre uns, schaff' uns're Seele rein, wir, dein Volt, auch deiner würdig sei'n.- Heilig, heilig, heilig, Du bist allzeit heilig!- Sei gepriesen ohne End' In dem heiligsten Sakrament. - - -- - —— - - Adventlied. Fest verWolken, regnet 1. Thauet, Himmel, den Gerechten, Einst die ihn herab! Also rief in langen Nächten Welt, ein weites Grab. In von Gott gestraften Gründen Herrschten Satan, Tod und Sünden, schlossen war das Thor Zu des Heiles Erb' empor. 2. Doch der Vater ließ sich rühren, zu retten sann, Und den Rathschluß auszuführen, Gabriel flog schnell Trug der Sohn sich freudig an. Sich', hernieder, Kehrte mit der Antwort wieder: Was er will, erfüll' ich bin die Magd des Herrn, ich gern. Daß er uns Jungfrau 3. Dein Gehorsam ist mein Leben, demuthsvoll und keusch; Gottes Geist wird dich beMenschweben, Und des Vaters Wort wird Fleisch. schen, betet an im Staube!- Weh' der Höll' und ihrem Raube! Aber Adam's Kindern wohl, Heiland kommen soll. Weil ein 4. Einen Zuruf hör' ich schallen: vom Schlummer auf! Allen, Brüder wacht Denn es naht das Heil uns O, dann Nacht ist weg, der Tag im Lauf. fort mit allen Thaten, Die die Nacht zur Mutter hatten, Künftig ziehe Jedermann Waffen an. Nur des Lichtes - - 431 — - Weihnachtslied. 5. Laßt uns wie am Tage wandeln,- Nicht in Fraß und Trunkenheit, Nicht nach Fleischbegierden handeln, Weit verbannt sei Zank und Neid. Jenem gänzlich nachzuarten, Dessen Ankunft wir erwarten, Dieses ist nun uns're Pflicht, So wie sein Apostel spricht. 6. Welt- Erlöser! ich erfülle Deines treuen Knechtes Rath; Komm' in meines Fleisches Hülle, Wie dein Bot' verkündet hat. Komm' und bringe mir den Frieden! Menschen ist er nur beschieden, Die von gutem Willen sind; Komm', ich bin es, göttlich' Kind. 432 Weihnachtslied. 1. Dieß ist der Tag, von Gott gemacht! Ich will mich herzlich freuen; Auch mich hat heut' der Herr bedacht, Ich will ihm Vieder weihen. Das Heil, das aus der Jungfrau Schooß Heut' allen Adamskindern Sproß, Ist auch für mich geboren. Vor seine Krippe sint' ich dann Und bete meinen Heiland an, Wonne ganz verloren. In Den feine 2. In meiner Bildung liegt Er hier, Namen nennen. Gott, o kind, geläng' es mir, Die Gutthat ganz zu kennen. Du stiegest von dem Thron herab, Den dir mit sich dein Vater gab, Um hier für mich zu leiden; Du wähltest, mir zu Den Für Ueberfluß die Dürftigkeit, nügen, heut' Stall für Himmelsfreuden. - - - - - - - 3. Du weinst, mein Jesu! sei gegrüßt O gnadenreiche Zähre! Sei mir mit Ehrfurcht aufgeküßt,-0 Tropfen aus dem Meere, Das einstens blutig strömen soll Für mein und aller Sünder Wohl; Sei auch für mich geweinet! Erwärme falter Christen Herz, Das ihres Heilands ersten Schmerz Nicht zu empfinden scheinet. - - - - Geliebtester Von 4. Das meine soll dein Wohnplat sein, aus Allen! Es soll wie neugeschaffen, rein Engelstrieben wallen. Komm' aus der Krippe, komm' zu mir! Bring' echte Frömmigkeit mit dir wahre Christensitten. O, noch nicht Richter, noch ein Und Fastenlied. Kind! Dieß macht mich hoffen, Kinder sind leichter zu erbitten. Vom Engelheer 5. Du kehrest einst in Majestät, umringet, Wenn diese Welt zu Trümmern geht, Der Staub aus Gräbern dringet. Dann muß auch ich hin in's Gericht, Allweiser, vor dein Angesicht,- Von Furcht und Angst durchdrungen; Osprich dann: ich erkenne dich, Du hast vor meiner Krippe mich Inbrunst einst besungen. Mic - - Fastenlied. 1. Laß mich deine Leiden singen, Dir des Mitleids Opfer bringen, Unverschuld'tes Gotteslamm,- Das von mir die Sünde nahm. Jesu, drücke deine Schmerzen Tief in aller Christen Herzen; Laß mir deines Todes Pein Trost in meinem Tode sein! 3um er2. In's Gericht für Menschen treten, zürnten Vater beten, Seh' ich dich mit Blut bedeckt Auf den Delberg hingestreckt. Jesu, drücke deine Schmerzen zc. - - - 3. Dich zu binden und zu schlagen, Zu beschimpfen und zu plagen, Nahet sich der Feinde Schaar, Und du gibst dich willig dar. Jesu, drücke deine Schmerzen 2c. - 433 Ja - 4. Von den Richtern, die dich hassen,- Wilden Kriegern überlassen, Strömet dein unschuldig Blut Unter frecher Geißeln Wuth. Jeju, drücke deine Schmerzen 2c. 5. Unter lautem Spott und Hohne- Seh' ich eine Dornenkrone,- Die, mein Heiland, scharf gespitzt,- Deine Stirne schmerzlich ritzt. Jesu, drücke deine Schmerzen 2c. 6. Wundenvoll, erblaßt, entkräftet, An das Opferholz geheftet, Seh' ich, wie ein Gottmensch stirbt- Und den Sündern Heil erwirbt. Schmerzen 2c. Jesu, drücke deine 7. Heiland, meine Missethaten Haben dich verkauft, An dem verrathen, Dich gegeißelt und gekrönt, Kreuze dich verhöhnt. Ach, es reuet mich von Herzen! Wege des Heils. 28 22 1 Osterlied. Laß mein Heiland, deine Schmerzen, Deines Mittlertodes Pein Nicht an mir verloren sein. 434 Oferlied. 1. Der Heiland ist erstanden! Befreit von Todesbanden! Der als ein wahres Osterlamm Für mich den Tod zu leiden kam. Alleluja! 2. Nun ist der Mensch gerettet, Und Satan angeDer Tod hat keinen Stachel mehr, Stein ist weg, das Grab ist leer. Alleluja! fettet; Der Das Alleluja! 3. Der Sieger führt die Schaaren, Die lang geIn seines Vaters Reich empor, fangen waren, Adam sich und mir verlor. 4. O wie die Wunden prangen, Die er für mich Wie schallt der Engel Siegsgesang empfangen, Starken, der den Tod bezwang. Alleluja! Dem 5. Mein Glaube darf nicht wanten, O tröstlicher Gleich Ich werde durch kein Aufersteh'n Gedanken! ihm aus meinem Grabe geh'n. Alleluja! 6. Die Nacht, die dort mich decket, Bis mich der Engel wecket, Ist kurz, dann ruft mein Heiland mich -In's Reich, wo Niemand stirbt, zu sich. Alleluja! Meer der Seligkeiten! Ein'n Ort mir zu Ging mein Erlöser hin vor mir; Erstan bereiten, dener, ich folge dir. Alleluja! 7. 8. Ja, durch ein neues Leben- Will ich zur Höhe Und jede streben, Wo du mit deinem Vater thronst Alleluja! gute That belohnst. 9. Dann werd' ich im Gerichte Vor deinem Angesichte, Von deinem Blute glänzend steh'n des Lammes Hochzeit geh'n. Alleluja! Wie du vom 10. Alleluja! Aleluja! Alleluja! Tod erstanden bist, Laß uns ersteh'n, Herr Jesu Christ! Alleluja! - Und zu - - - - - - - - - - - - - 1 - — -- - 1 - - fingslied. 1. Komm, heiliger Geist, o dritte Person! Einer Natur mit Vater und Sohn,- Der du von seiner - 1 - Von Te Deum Laudamus. Komm, Sündenlast So manches Herz befreiet haft. heiliger Geist, erwünschtester Gast! 2. Komm, heiliger Geist, auf uns jetzt herab!- So Als ihre noch wie dich Gott einst den Gläubigen gab, geringe Zahl, Versammelt im verschloß'nen Saal, Sich sehnte nach dir, du göttlicher Strahl! 3. Komm, heiliger Geist, ein Tröster genannt; Der uns Es werde durch dich der Kummer verbannt, verstört in uns'rer Pflicht; Die Trägheit überwind't' uns nicht. Wenn du uns entflammst, o mächtiges Licht! 4. Komm, heiliger Geist, du Lehrer der Welt! Wenn Die Straße des Heils wird niemals verfehlt, man sich nicht an Secten tehrt, Einspruch lehrt, Die Kirche, die dein Mit kindlicher Treu als Mutter verehrt. In un5. Komm, heiliger Geist, vom himmlischen Thron! Dir werde zugleich mit Vater und Sohn zertheilter Wesenheit Von nun an und in Ewigkeit Anbetung, Dank und Jubel geweiht. — - Das Te Deum landamus. Herr, wir preisen Und be1. Großer Gott, wir loben dich! deine Stärke; Vor dir neigt die Erde sich wundert deine Werke. Wie du warst vor aller Zeit, So bleibst du in Ewigkeit. 2. Alles, was dich preisen kann, Seraphinen Stimmen dir ein Koblied an; Engel, die dir dienen, Heilig, heilig, heilig au. Heilig, Herr der 3. Heilig, Herr Gott Sabaoth! Himmel, Starker Helfer in der Noth! Kriegesheere! Erde, Luft und Meere Sind erfüllt von deinem Ruhm, 435 - - Cherubim und Alle Rufen dir stets ohne Ruh' - Alles ist dein Eigenthum. Der Propheten große 4. Der Apostel Christi Chor, Neue LobMenge Schickt zu deinem Thron empor und Dankgesänge; Der Blutzeugen große Schaar Lobt und preist dich immerdar. Loben Große und 5. Auf dem ganzen Erdenkreis auch Kleine Dich! Gott Vater, dir zum Preis 28* 436 Sing die heilige Gemeine; Thron Das Te Deum Deinen eingebornen Sohn. 6. Sie verehrt den heil'gen Geift, Welcher uns mit seinen Lehren Und mit Troste kräftig ſpeist; Der, o König voller Ehren,' Der mit dir, Herr Jesu Chrift! Und dem Vater ewig ist. 7. Du des Vaters ew'ger Sohn, Haft die Menschheit angenommen. Du bist auch von deinem Thron Zu uns auf die Welt gekommen, Gnade haft du uns gebracht, Von der Sünde frei gemacht. Allen, welche 8. Nunmehr steht das Himmelsthor, glauben, offen Du stellst uns dem Vater vor, Wenn wir findlich auf dich hoffen. Endlich kommst du zu Gericht, Zeit und Stunde weiß man nicht. 9. Steh'. Herr, mit Demuth bitten, Als du haft für vollbrachtem Lauf deinen Dienern bei,- Welche dich Die dein Blut dort machte frei, uns gelitten; Nimm uns nach Zu dir in den Himmel auf. 10. Sieh' dein Volk in Gnaden an!- Hilf uns, -- - - Laudamus. Sie ehrt auch auf seinem - - - - - segne Herr, deine Erbe; Daß der Feind es durch Buß' und Fleh'n 11. Alle Tage wollen preisen, Und zu allen Dank erweisen; Und von Lastern sei'n befreit. 12. Herr, erbarm', erbarme dich; sei dein Segen; Deine Güte zeige sich, 34 hoffen pflegen. uns nicht verloren sein. - Leit' es auf der rechten Bahn, nicht verderbe; Hilf, daß es - Dich im Himmel möge seh'n. wir- Dich und deinen Namen Zeiten dir Ehre, Lob und Gib, daß wir von Sünden heut Uleber uns, Herr, So wie wir Auf dich hoffen wir allein, Laß Inhalt. Som Gebete überhaupt Von den Eigenschaften des Gebetes Von der Kraft und Wirkung des Gebetes Tägliche Gebete u. s. w. Audachtsübungen auf jeden Tag der Woche Betrachtungen auf jeden Tag des Monats Von der Lesung geistlicher Bücher Von der Beiwohnung der Hl. Messe Von der Arbeit Von der allzeit nöthigen Geistessammlung Von der Mahlzeit Von der Gutthätigkeit Von der Abtödtung Von den Ergözlichkeiten und von den Besuchen Von der Abendandacht und vom Schlafengehen Abendgebet Heilsame Gedanken ber schlaflosen Nächten Vorerinnerung Erste Meßandacht Zweite Meßandacht Dritte Meßandacht Vierte Meßandacht Vom Predigthören Gebet vor und nach der Predigt Vorerinnerung Die Erkenntniß der Sünden Reue und Leid. Ein fester Vorsatz und die Beichte. Die Genugthung BSAHNESS 8 10 14 24 42 80 80 81 82 84 85 87 87 88 90 96 98 100 118 135 157 165 166 167 168 171 172 . 175 438 Inhalt. Schlußerinnerung 177 Gebet eines mit schweren Vergehungen beladenen Sünders, um eine würdige Vorbereitung zum hl. Sa-! krament der Buße 178 Gebet für einen Bußfertigen, der sich zwar keiner schweren Vergehungen, wohl aber mancher Schwachheitsjünde bewußt ist Gebet um die Erkenntniß seiner Sünden Sünden wider Gott Sünden wider den Nächsten Die Sünden wider uns selbst Reue und Leid. Vorsatz, die Sünde zu meiden Gebet kurz vor der Beichte Gebet im Beichtstuhle. Dankgebet für die erhaltene Lossprechung Erneuerung des Taufbundes 204 205 206 207 210 . 217 Vorerinnerung Gebet vor der Kommunion, um eine würdige Vorbereitung zu derselben Anbetung nach der heil. Kommunion 181 183 185 189 195 201 Vorsatz, sich vor dem Rückfall zu hüten Gebet um den Segen des heiligsten Sakramentes Gebet zur seligsten Jungfrau, um durch ihre Fürbitte die Beharrlichkeit im Guten zu erlangen Nachmittagsandacht für den hl. Kommuniontag Gebet des heiligen Ignatius und die Umschreibung Von der Feier der Sonn- und Festtage überhaupt Lehren und Gebete auf die hl. Adventzeit 222 229 231 234 235 237 237 241 243 Auf die Quatemberzeiten. 245 Auf den heiligen Weihnachtsvorabend. 247 Auf das Fest der gnadenreichen Geburt unsers Herrn 248 Auf den Schluß des Jahres 250 Das Te Deum laudamus 253 255 Auf das Neujahrsfest Gebet zu Jesus( kann vor der Krippe gebetet werden) 256 Auf das Fest der Erscheinung des Herrn 257 Auf die vierzigtägige heil. Fastenzeit 258 Auf die Aschermittwoche 259 Der heilige Kreuzweg. 260 Auf den grünen Donnerstag Drei Gebete zu Jesus am Oelberge Auf den Charfreitag Auf den Charsamstag Auf das heilige Osterfest Auf die Bitt- Tage. Inhalt. Auf das Fest der Himmelfahrt Jeſu. Auf das hochheilige Pfingstfest Auf das Fest der heiligen Dreieinigkeit Litanei zur heiligsten Dreifaltigkeit Auf das hochheilige Frohnleichnamsfeft Die Lauretanische Litanei Auf das heilige Schußengelfest Litanei von den heiligen Engeln 439 271 . 272 : 275 . 276 278 280 281 Litanei zum allerheiligsten Sakramente des Altares. Auf das jährliche allgemeine Kirchweihfest 300 Auf die Festtage der seligsten Jungfrau Maria Anempfehlung seiner selbst an die seligste Jungfrau. 301 Kirchengebete auf die vorzüglicheren Marienfeste . 303 3. Für Jünglinge 4. Für Jungfrauen 5. Für Brautpersonen 6. Für Eheleute 7. Für Eltern 8. Für Wittwen 9. Für Greise 10. Für Hausväter und Hausmütter 11. Für Dienstboten. 12. Für Arme. 13. Für Reiche. 284 287 288 Litanei von allen Heiligen und die Gebete dazu Auf den Gedächtnißtag aller christgläubigen Seelen Kirchengebete für Verstorbene Litanei für die Seelen der verstorbenen Chriftgläubigen 1. Für Kinder 2. Für Waisen 290 294 296 . 307 310 Auf das Fest des heiligen Erzmartyrers Stephanus Auf das Fest des heiligen Nährvaters Joseph Auf das Fest der heil. Apostel Petrus und Paulus. 316 Auf das Fest aller Heiligen . 317 318 325 312 314 315 328 330 222 ᎧᎧᎧ 335 336 340 342 344 347 . 350 352 354 . 356 358 359 200 440 Inhalt. Gebet um die Gabe, andächtig zu beten. Gebet um den göttlichen Beistand wider die Macht böser Begierden.. Seufzer zur Zeit der Anfechtung Gebet um einen seligen Tod 363 365 369 370. 374 377 Danksagung für die Berufung zum Christenthum Gebet um Erleuchtung, seinen Beruf zu erkennen. Gebet um die Guade, jeine Berufspflichten zu befolgen 380 Gebet um Weisheit in der Anwendung seines zeitlichen Vermögens 383 Gebet um Zufriedenheit bei mittelm. Glücksumständen 386 388 Gebet zur Zeit der Nahrungssorgen Gebet bei irgend einem empfindlichen Verluste. Gebet um Gerechtigkeit gegen Verläumdung Gebet um ein christliches Betragen gegen Feinde Gebet um Gottes Segen für gute Freunde. Gebet in der Krankheit Gebet nach überstandener Krankheit Gebet in Kreuz und Leiden. Gebet zur Zeit einer allgemeinen Drangsal Danksagung nach erhörtem Gebete 400 401 404 407 312 414 Drei Meßgesänge 418 Lied am Anfange der heiligen Kommunionmesse 427 Erstes und zweites Danklied nach der hl. Kommunion 427 Predigtlied und Christenlehrlied 429 3wei Vieder zum heiligen Segen 430 431 432 433 434 435 Adventlied Weihnachtslied Fastenlied Osterlied und Pfingstlies Das Te Deum laudamus • 14732 391 393 369 Inches Centimetres Blue ¹2 1 ¹3 4 Cyan 2 5 ¹6 17 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 CO 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black