AEE ยา P. C. Geifsler gez. Stahlstich v. Carl Mayer's Kunst- Ansfalt in Nürnberg Dater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Der große Myrrhengarten 1950s INRI TITU des bittern Leidens von P. Martin von Cochem. Mit Sorgfalt gejätet, mit schönen Passionsblumen aus andern Werken desselben Verfassers und mit wohlriechenden Pflanzen aus dem Garten der Kirche sehr vermehrt, und dem christlichen Volke wieder geöffnet vom Verfasser des ,, Wie wird's besser?" Dreiundzwanzigste durchgesehene Auflage. Mit einem Stahlstiche. ( Nr. 3. Taschen- Ausgabe.) Mit Genehmigung des Hochw. Bischofs von Paderborn. Paderborn, 1873. Druck und Verlag von Ferd. Schöningh. Gb 3367 Univ.- Bibl. Giessen. ( Der ganze Myrrhengarten ist in zwölf besondere Gärtlein eingetheilt.) ( Gebete mit dem Zusate Abl. fsind mit einem Ablaß verbunden.) Das erste Gärtlein.( Morgen- und Abendgebete.) Morgengebet zu Gott dem Vater Morgengebet zu Christo Morgengebet zum h. Geiste Morgen- Meinung. Bund mit Christo, zuweilen zu sprechen Bitten und Verlangen. Abl. Lobgebet. Abl. Nebung der drei göttlichen Tugenden. Abl. Buhalt. Die tägliche Betrachtung Nach der Betrachtung Abendgebete L 11 17 • Abend- Meinung Das andere Gärtlein.( Mekgebete.) Erklärung der h. Messe. Wie nüßlich es sei, die H. Meffe zu hören Wie nüßlich es sei, h. Messen für sich und zwar bei Lebzeiten lesen zu laffen Seite 12234FCTOSCER2 5 6 7 8 9 10 11 14 21 24 IV Intention oder Meinung, in der man eine heilige Messe Lesen lassen soll. Meßgebete Gebet vor jeder h. Meffe Erste Weise, die h. Messe zu hören zu Ehren des Leidens Christi Zweite Weise, als das höchste Lob- und Anbetungsopfer u. s. w. Dritte Weise, zu Ehren des Leidens Christi Vierte Weise, zu Ehren der allerh. Dreifaltigkeit Fünfte Weise, zu Ehren des Leidens Christi. Das vierte Gärtlein.( Beichtgebete.) Vorbereitung zur Beichte Erweckung wahrer Reue zu Gott dem Vater. zu Christo am Kreuze 11 zum h. Geiste 11 11 11 11 11 Gebet vor der Beicht Das dritte Gärtlein.( Vespergebete.) Vespergebete zu Ehren des Leidens Christi. Abl.. 111 zu Ehren des allerh. Altarssakraments 119 Sonn- und feiertägliche Danksagung als Hausandacht 119 Nach der Vesper Der H. Kreuzweg 125 125 Beschluß der Beicht Gebet nach der Beicht Die sieben Bußpsalmen. Abl. Litanei zu allen Heiligen ● Das fünfte Gärtlein.( Communiongebete.) Vorbereitung zur Communion Erinnerung an das Leiden Christi. Gebet vor der Communion . ● Seite ● ಇದದ 6* 28 31 31 32 44 65 1717 94 135 137 138 140 141 144 144 146 154 161 162 164 V Seite 166 168 168 169 ♦ . 171 172 174 Nach der Communion Gebet des h. Ignatius Fromme Anmuthungen Aufopferung der h. Communion Zur Mutter Gottes und den Heiligen Litanei vom süßen Namen Jesu Danksagung für die H. Communion Gebet vor dem Bilde des Gekreuzigten nach der Communion. Abl. Der öftere Empfang der h. Communion. Abl.. Ablaßgebet an den Ablaßtagen ♦ Das sechste Gärtlein.( Gebete zum h. Altarssakramente.) Anweisung, Erwägung, Intention oder Meinung. 183 1. Uebung des Glaubens und der Aufopferung 2. Seufzer zum h. Sakramente 184 186 3. Anbetung des h. Sakraments 188 4. Jnbrünstige Bitte vor dem h. Sakramente 189 5. Liebes- Gebet vor dem h. Sakramente 192 6. Einladung aller Creaturen zum Lobe des heil. Sakraments. 7. Lobgesang zum h. Sakramente. Abl. 8. Litanei vom allerh. Altarssakramente 14. Uebung der Anbetung und Abbitte. Abl. Hymnus Pange lingua. Abl. 15. Gebet bei einer sakramentalischen Prozession 16. Betrachtungen über das h. Altarssakrament ♦ 9. Gebet, wenn mit dem hochw. Sakramente der Segen gegeben wird 10. Gebet, wenn man das hl. Sakrament um die Kirche trägt. ♦ 11. Roblied zum h. Sakrament 12. Gebet zum allerheiligsten Sakramente an den Donnerstagen. Abl. 13. Gebet zum allerheil. Altarssakramente und zum heiligsten Herzen Jesu. Abl. 176 176 180 194 197 200 205 206 208 209 210 210 213 214 214 VI I. Betrachtung über die Einsetzung Seufzer zu Christo im allerheil. Altarssakramente Danksagung wegen der Einsetzung des heiligsten Altars sakramentes II. Betrachtung von dem würdigen Empfange desselben III. Betrachtung von der Gnade Gottes, welche der Communizirende empfängt Gebetkränzlein zum h. Herzen Jesu. Abl. Drei Zwiegespräche zwischen Jesu und der gläubigen Seele Vorerinnerung 1. Wie Christus am Delberge trauert 2. Von der ersten Ursache der Traurigkeit Jesu 3. Ueber die zweite Ursache der Traurigkeit Jesu. 4. Ueber die dritte Ursache der Traurigkeit Jeſu. 5. Wie Christus im Delgarten betete 6. Wie Christus Blut schwitzte 7. Judas kommt, um Jesum zu fangen 8. Wie Christus gefangen genommen wurde. 17. Gebete zum h. Herzen Jesu Litanei vom h. Herzen Jesu 235 Liebe, Reue und Sehnsucht zum h. Herzen Jesu 238 Abbitte. Abl.. 240 241 ♦ • 13. Wie Christus verspottet wurde 14. Fortsetzung 15. Schluß Das siebente Gärtlein.( Betrachtungen vom bittern Leiden und herzdringende Gebete zum leidenden Heilande.) ♦ 9. Wie Christus zu Annas geführt wurde 10. Wie Christus von Annas gefragt antwortet und den grausamen Backenstreich empfängt. Seite 214 ♦ 11. Wie Christus zum Kaiphas geführt wurde 12. Christus wird vor Kaiphas fälschlich angeklagt und ungerecht verurtheilt 217 221 223 229 235 244 249 250 252 254 256 258 261 264 268 269 271 273 275 278 280 281 16. Christus im Kerker. 17. Wie Petrus Christum verläugnet 18. Christus vor Pilatus 19. Christus vor Herodes verspottet 20. Wie Barabbas Christo vorgezogen wurde 21. Wie Christus gegeißelt wurde. 22. Wie Christus gekrönt wurde 23. Wie Christus dem Volke gezeigt wurde 24. Ecce homo! Sehet, welch' ein Mensch! 25. Wie Christus zum Tode verurtheilt wurde 26. Wie Christo das Kreuz aufgeladen wurde 27. Wie Christus das Kreuz getragen hat 28. Wie Christus vor der Kreuzigung gelitten 29. Wie Christus gekreuzigt und mit dem Kreuze aufgehoben wurde 30. Vom ersten Worte Christi 31. Vom zweiten Worte Christi 32. Vom dritten Worte Christi 33. Vom vierten Worte Christi 34. Vom fünften Worte Christi 35. Vom sechsten Worte Christi 36. Vom letzten Worte Christi 37. Wie der Herr Jesus starb • • 38. Von der Eröffnung der Seite Christi 39. Wie der Leichnam Christi im Schooße seiner Mutter betrauert wurde VII Seite 283 286 290 292 295 297 300 303 304 308 311 313 316 Das achte Gürtlein.( Gebete zur schmerzhaften Mutter und zum leidenden Heilande.) 320 326 330 333 337 340 343 346 348 352 355 Tröstliches Gebet vor einem Vesperbilde( Pietà) 357 40. Wie der Leichnam Christi begraben wurde 358 . 361 Schlußbetrachtung Aufopferung des Leidens Christi 363 Gebete zur schmerzhaften Mutter Gottes um ein seliges Ende,( Gebete zu den sieben Schmerzen) 365 Gebete zu den Schmerzen der Mutter Gottes bei der Abnahme und beim Begräbnisse Christi 372 VIII Gebete vor einem Vesperbilde( Pietà) Gebet zum Leichnam Christi im Grabe Litanei zur schmerzhaften Mutter Stabat mater. Abl. Der Rosenkranz von den sieben Schmerzen Mariä. Abl. Fromme Uebung zu Ehren des schmerzhaften Herzens. Abl. Die einstündige Andacht zu Ehren der schmerzhaften Mutter. Abl. 386 387 387 388 390 392 393 394 . Bitte zum leidenden Heilande um ein seliges Ende. 397 Gebere zu Ehren des h. Blutes 398 398 400 402 403 403 410 414 416 Gebete zum leidenden Heilande Verehrung der sieben Worte Verehrung aller Glieder Christi Verehrung der Stunden Jesu am Kreuze Christus am Kreuze als Opfer der Genugthuung Bitte um ein seliges Ende durch das Leiden Christi Litanei vom bittern Leiden. Gebet zu den sieben Blutvergießungen Verehrung des H. Blutes aus der Seitenwunde Vertrauen zum h. Blute Aufopferung des H. Blutes Rosenkranz zu Ehren des kostbaren Blutes. Abl. Litanei vom h. Blute Gebete zu den H. fünf Wunden Kuß zu den fünf Wunden Befehlung in die h. fünf Wunden. 417 Liebe zu Gott, entspringend aus den fünf Wunden 418 Litanei zu den h. fünf Wunden 419 Gebet zu Ehren des bittern Leidens. Abl. 423 Das neunte Gärtlein. Vorerinnerung Anfang der Wallfahrt Seufzer auf dem Wege ( Wallfahrts- Gebete.) Seite 373 378 379 381 383 384 Begrüßung der Wallfahrtskirche Gebet vor einem jeden Altare zu sprechen ● 424 427 428 430 431 Opfergebet Gebet in allen Kreuzkirchen Gebet vor einem wunderthätigen Kreuze Gebet vor einem jeden Kreuze Demüthige Bitte vor einem Kreuze in besonderen Delbergs Andacht. Wallfahrt zum Calvarienberge Wallfahrtslieder Das zehnte Gärtlein.( Festgebete.) Nöthen Gebet in den Kirchen der schmerzhaften Mutter Gebet vor einem Bilde der freudenreichen Mutter Gebet vor einem wunderthätigen Marienbilde. Litanei zu Ehren des heiligsten und unbefleckten Herzens Mariä. 442 Das Memorare oder Gedenke, o gütigste Jungfrau 444 Gebet um Bekehrung der Irrgläubigen und Sünder 444 Anrufung eines Heiligen in einer Wallfahrtskirche. Anrufung eines Heiligen 445 446 Die sieben Fußfälle an Wallfahrtsorten. 448 453 459 473 Adventszeit Heiligung des Advents. Danfgebet im Advent . ♥ Am Neujahrstage Am Feste der H. drei Könige Gebet am Aschermittwoch Am h. Palmsonntage Am H. Grünen- Donnerstag In der h. Charfreitags- Nacht Am h. Charfreitag • IX Seite 431 432 433 434 • 435 436 439 440 476 478 479 481 483 Gebet unter der Rorate Messe In der h. Christnacht Am hohen Weihnachtsfeste 485 Liebe zum Jesukinde 487 Am 2ten Weihnachtstage, am Feste des h. Stephanus 487 Gebet am letzten Tage des Jahres 489 491 493 495 496 499 500 503 X In der h. Ofternacht Am h. hochfeierlichen Oftertage Anbetung des auferstandenen Heilandes Am h. Ostermontage Verehrung des auferstandenen Heilandes In der Kreuzwoche Himmelfahrt Christi Am hochheiligen Pfingfeste Am H. Pfingstmontage Litanei vom h. Geiste Veni sancte Spiritus: Komm h. Geist. Abl. Am hohen Feste der h. Dreifaltigkeit Litanei von der allerh. Dreifaltigkeit Am hohen Frohnleichnams- Feste Die Frohnleichnams- Prozession Die vier Stationen bei derselben. Hauptfeste der allerseligsten Jungfrau Maria. Am Feste der unbefleckten Empfängniß " 4 14 " 49 14 " 14 49 49 · ff " 1 " 1 19 " 1 " F H " 19 " f 11 14 11 Mariä Reinigung. Mariä Verkündigung Mariä Heimsuchung Mariä Himmelfahrt Mariä Geburt Maria Opferung des h. Joseph, Nährvaters der hh. Apostel Petrus und Paulus Ablaßgebet zu Ehren dieser Apostel des heiligen Liborius, Patrons der Diözese 14 Am Kirchweihfeste. Am hohen Feste aller Heiligen Am Allerseelen- Tage ♦ Paderborn 559 des h. Ludgerus, Apoftel des Münsterlandes 560 des h. Kirchenpatrons 561 562 562 564 Besondere Andachten. Tägliche Gebete zu Maria Erwählung Mariä zur Mutter und Patronin. Seite 505 507 509 510 512 514 516 517 519 521 523 524 526 528 532 535 ♦ 544 545 547 549 551 553 554 555 556 557 567 567 Herzlicher Gruß zu Maria Vertrauen zu Maria Liebe zu Maria Bund mit Maria Gebete zu Maria um ein seliges Ende Fünf Gebete zu Maria wider die Anfechtungen im Tode. Gebete zum H. Namen Mariä( in Traurigkeit) Sancta Maria succurre miseris Sub tuum praesidium. Salve Regina. Abl. Andacht zur h. Anna Tägliches Gebet zur h. Anna Litanei zur h. Mutter Anna. Memorare. Gedenke u. f. w. Abl. Gebet um den Schuh Mariä für die Keuschheit. Abl. Gebet zur seligen Jungfrau in Gefahren oder Versuchung gegen die Keuschheit. Abl. Die lauretanische Litanei. Abl. Neuntägige Andacht zu Maria Andacht zum h. Joseph. Tägliches Gebet zum h. Joseph Litanei zum h. Joseph Neuntägige Andacht zum h. Joseph Zum h. Franziskus von Assisi Litanei zum h. Franziskus 7 Neundienstägige Andacht zum H. Antonius von Padua Gebet zum Jesukinde in den Armen des h. Antonius Litanei zum h. Antonius Lobgesang zum h. Antonius Zum h. Aloysius Litanei zum h. Aloysius ♦ Spruch zu Ehren des h. Blutes Zum h. Franziskus Xaverius Zum H. Johannes von Nepomuc Die Litanei vom H. Johannes XI Seite 567 568 569 570 570 572 573 574 575 575 576 576 576 577 579 581 581 582 584 585 585 586 588 591 593 599 Die sechs Sonntage zu Ehren des h. Aloysius. Abl. 601 Lied zum h. Aloysius 603 604 595 595 597 598 604 . 605 605 XII Gebet in Gefahr, den guten Namen zu verlieren Gebet in Gewissensbeängstigung Zum h. Vincenz von Paul Litanei zum h. Vincenz von Paul. Gebet zum Gebrauch für die Mitglieder des Sankt Vincenz- Vereins. Gebet für die Conferenzen Zum H. Michael Zum h. Schutzengel Zu den neun Chören der Engel Zur h. Barbara Zum h. Evangelisten Johannes Zum h. Antonius, dem Einsiedler. Zur h. Agatha Zur H. Maria Magdalena Zur h. Clara Zur h. Elisabeth von Thüringen Zur h. Catharina. Zu einem jeden Heiligen Gebet um richtige Standeswahl Gebet von Verlobten oft zu sprechen ● • . Gebet beim Tode eines Freundes Gebet bei Anfechtung in Gedanken wider Gott Gebet eines Angefochtenen in unreinen Gedanken Gebet eines Betrübten Litanei von der göttlichen Fürsehung : . . . . Gebet einer Jungfrau, die sich durch das Gelübde der Keuschheit Gott verlobt hat Gebet eines Kindes für seine Eltern Gebet eines Kindes, das kranke Eltern hat Gebet eines Kindes, dessen Vater oder Mutter gestorben ist Seite 607 608 609 609 Das eilfte Gärtlein.( Gebete in allerlei Anliegen.) Drei Gebete für Unverheirathete, um Bewahrung der Keuschheit 612 613 614 615 615 616 616 616 617 617 617 618 621 621 623 625 628 629 630 630 631 632 632 633 634 634 Gebet eines Unterdrückten Gebet eines Verläumdeten Gebet eines Dürftigen Gebet einer Frau, die in unglücklicher Ehe lebt Gebet einer Mutter, die ein ungerathenes Kind hat Gebet einer Mutter, die ein krankes Kind hat Gebet einer Mutter, die einen kranken Sohn( Tochter) ♦ hat Gebet einer Frau, die einen kranken Mann hat Gebet einer Frau, die ihren Mann durch den Tod verloren hat Gebet in Kriegszeiten Gebet in Hungersnöthen Gebet zur Zeit der Pest oder Cholera oder einer andern ansteckenden Krankheit Zur Zeit eines Ungewitters. Zur heiligsten Dreifaltigkeit zur Zeit eines Ungewitters zu sprechen ● . XIII Seite 637 638 638 639 640 641 646 Befehlung seiner selbst zur Zeit eines Ungewitters. 648 Gebet eines Kranken um Besserung Gebet für einen Kranken Gebet um den göttlichen Beistand in unserm Lebensende. Abl. Seufzer eines Kranken Seufzer der Reue. 642 642 Das zwölfte Gärtlein.( Gebete für Kranke und Abgestorbene.) Ueber die Vorbereitung zum Tode. 649 Beherzigung in gesunden Tagen 649 Gebet um Abwendung eines plötzlichen Todes. Abl. 651 Geistliches Testament 653 Beherzigung in franken Tagen 654 659 659 643 644 645 ♦ 645 646 660 662 663 Der frommen Klage und Bitte 663 Der Aufopferung und willigen Ergebung 664 Der Andacht und des Verlangens nach Lebensbesserung 664 XIV Der treuherzigen Liebe Seufzer eines Sterbenden Weise, die Seele eines Sterbenden Gott zu empfehlen Gebete für die armen Seelen im Fegfeuer Warum wir den armen Seelen zu Hülfe kommen sollen. Wie wir den armen Seelen zu Hülfe kommen können Wodurch wir selbst dem Fegfeuer entgehen können. Weise, die h. Meffe für eine arme Seele im Fegfeuer zu hören und aufzuopfern Meßgebete für einen Abgestorbenen Das Libera zu deutsch( wenn die Tumba oder Raft ausgesetzt ist) Aufopferung des Leidens Chrifti für eine Seele oder mehrere Gebete zu Christo und zur göttlichen Gerechtigkeit für die Abgestorbenen. Bitte zum h. Geist für die Abgestorbenen Zur Mutter Gottes für die Abgestorbenen Zu den Heiligen für die Abgestorbenen. Litanei für die Verstorbenen Gebete für die Seelen im Fegfeuer( auf jeden Tag der Woche). Gebete, mit denen ein Ablaß verbunden ist. Bitten und Verlangen zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit Lobgebet zu Ehren des Namen Gottes Uebung der drei göttlichen Tugenden Die tägliche Betrachtung Drei Anrufungen der h. Namen Jesus, Maria und Joseph Zum h. Schutzengel Seite 665 665 667 674 674 674 675 676 676 688 689 691 692 693 693 694 697 5678 9 9 Sieben Aufopferungen des h. Blutes Lobgesang zu Ehren des h. Blutes Rosenkranz zu Ehren des kostbaren Blutes Gebete zu den fünf Wunden. Gebet zu Ehren des bittern Leidens Der H. Kreuzweg Die sieben Bußpsalmen. Gebet vor dem Bilde des Gekreuzigten an Communiontagen Die öftere Communion Ablaßgebete zur Erlangung eines vollkommenen Ablaffes an Ablaßtagen Nebung der Anbetung und Abbitte zu Jesum im h. Altarssakrament. XV Seite 41 114 404 412 423 125 146 176 176 Zu Ehren der Apostel Petrus und Paulus Die sechs aloysianischen Sonntage. Neun- Dienstägige Andacht zum h. Antonius( in den Franziskanerkirchen) 180 210 213 Pange lingua( Deutsch) Gebet zum allerh. Altarssakramente und zum heil. Herzen Jesu 210 Lobgesang des H. Sakraments( Gelobt sei u. 1. w.) 197 Empfehlung ins Herz Jesu 9 Besondere Abbitte zum h. Herzen Jesu Gebetkränzlein zum h. Herzen Jesu Das Salve Regina Stabat Mater: Mutter Christi Rosenkranz zu den sieben Schmerzen Fromme lebung zu Ehren des schmerzhaften Herzens Die einstündige Andacht zu Ehren der schmerzhaften Mutter Lobspruch zu Ehren der unbefleckten Empfängniß Mariä 240 241 575 381 383 384 386 545 Gebet zu Maria in Gefahren und Versuchungen gegen 576 die Keuschheit Die lauretanische Litanei 577 Das Memorare oder Gedente, o gütigste Jungfrau 576 Veni sancte Spiritus 523 556 601 588 XVI Gebet um Abwendung eines pößlichen Todes. Gebet um den göttlichen Beistand in unserm Lebensende Gebet für die Seelen im Fegfeuer( auf jeden Tag der Woche). Litaneien, welche in diesem Buche enthalten sind. Litanei von der allerheiligsten Dreifaltigkeit Litanei von der göttlichen Fürsehung Litanei vom h. Geiste Litanei vom süßen Namen Jesu Litanei vom allerheiligsten Altarssakramente Litanei vom H. Herzen Jesu Litanei vom bittern Leiden Christi. Litanei vom h. Blute Litanei zu den fünf Wunden. Die lauretanische Litanei Litanei zu Ehren des heiligsten und unbefleckten Herzens Mariä Litanei zur schmerzhaften Mutter Litanei zum h. Joseph Litanei zur h. Mutter Anna. Litanei zum h. Antonius Litanei zum ý. Franziskus von Assist Litanei zum h. Aloysius Litanei zum h. Johannes von Nepomuc Litanei zum h. Vincenz von Paul. ● Litanei zu allen Heiligen Litanei für die Verstorbenen. 1 Seite 651 660 697 526 634 521 172 200 235 394 410 419 577 442 379 582 586 593 597 599 605 609 154 694 Das erste Myrrhen- Gärtlein. Gepflanzt mit schönen Morgen- und Abendgebeten. Morgengebet zu Gott dem Vater. Mein Herz und Gemüth erhebe ich zu dir, o himmlischer Vater! und zum Zeichen meiner treuen Liebe seusze ich inbrünstig gen Himmel hinauf zu_dir. ( Hier erwecke ein sehnsüchtiges Verlangen nach dem Himmel.) Vor den Füßen deiner göttlichen Majestät zur Erde gebeugt, bete ich an deine unendliche Gottheit, und sage dir herzlichen Dank, daß du aus Gnade mir diesen Tag zu meinem Heile bescheert hast. Ich erkenne mich als deine mit Leib und Seele dir verpflichtete Kreatur, welche du zu deinem Dienst erschaffen, und bisher ernähret hast. Deswegen bekenne ich mich auch für verpflichtet, dir zu dienen, und alle meine Kräfte zu deiner Ehre anzuwenden. Zur Bezeugung dessen opfere ich dir mein ganzes Herz zu einem wohlgefälligen Früh- Opfer und bringe dir dasselbe als die edelste Gabe dar, so ich von dir empfangen. Dies mein Herz ist erfüllt von heftiger Begierde, dich zu lieben, und diesen ganzen Tag durch alle seine Werke dein unendliches Wohlgefallen zu erwecken. Diese meine inbrünstige Begierde nimm Myrrhengarten III. 23. Aufl. 1 2 Das erste Gärtlein. in Gnaden auf, und gib, daß alle Bewegungen meines Herzens zu deiner Ehre gereichen. Amen. Morgengebet zu Chrifto. Ich bete dich an, o mein gefreuzigter Herr Jesu Christe! und sage dir herzlichen Dank, daß du für mich am Kreuze gestorben bist, und mich durch dein bitteres Leiden erlöset hast. Diese große Gutthat zu vergelten, begehre ich dir heute treulich zu dienen, und alle meine Werke zu Ehren deines bittern Leidens zu verrichten. Gleich wie du am Kreuze hangend alle deine zermarterten Glieder zur Wirkung meines Heils angewendet hast, also begehre auch ich heute alle meine Glieder, sammt allen Kräften des Leibes und der Seele zu Ehren deines bittern Leidens anzuwenden, und durch eine jede Bewegung derselben mich dir wohlgefällig zu erweisen. Laß dir, o gefreuzigter Jesu! diese meine herzliche Begierde gefallen, und verleihe mir, daß ich heute dein bitteres Leiden allzeit vor Augen habe. Amen. Morgengebet zum h. Geifte. Ich bete dich an, o gnadenreicher heiliger Geist! und benedeie deine göttliche Barmherzigkeit, daß sie mir einen neuen Tag meines Lebens bescheeret hat. Ich nehme diesen Tag als eine besondere Gabe von deiner göttlichen Hand an, und will ihn zu Ehren des bittern Leidens Christi so nützlich anwenden, daß ich mich ewig freuen werde, diesen Tag erlebt zu haben. Du, o liebreicher h. Geist! bist ein Brunnen und Ursprung aller Gnaden: darum bitte ich dich, Morgengebete. 3 ertheile mir die Gnade, mich heute vor Sünden zu hüten, und in Betrachtung des bitteren Leidens zu üben. Ich nehme mir zwar vor, keine Sünde zu begehen, noch in eine Anfechtung zu willigen; weil du aber meine große Schwachheit kennst, wollest du sie durch deine göttliche Kraft stärken und vor allem Falle gnädiglich bewahren. Amen. Morgen- Meinung. Vor dir, o mein Gott! und allen himmlischen Heerschaaren betheure ich hiermit öffentlich, daß ich begehre, dir heute mit allem Ernste zu dienen und alle deine Werke nur zu deinem Wohlgefallen zu verrichten. Du, mein Gott, willst, daß ich arbeiten und mich mit ehrlichen Uebungen ernähren soll: darum will ich auch arbeiten und allen Fleiß anwenden, mich zu ernähren: will arbeiten, nicht darum, damit ich etwas gewinne, sondern allein deswegen, damit ich deinen göttlichen Willen erfülle und mir dein Wohlgefallen erwerbe. Mit derjenigen Meinung, mit welcher Christus und alle Heiligen gearbeitet und ihre Werke verrichtet haben, begehre auch ich alle meine geistlichen und leiblichen Werke zu verrichten, und dir auf die kräftigste Weise aufzuopfern. Ich vereinige alle meine Gedanken, Worte und Werke mit den allerheiligsten Gedanken, Worten und Werten Christi und der Heiligen und begehre, dir durch die meinigen ebenso wohlgefällig zu werden, als sie dir durch die ihrigen auf Erden geworden sind. Du, o gütiger Gott! nimm meinen Willen für das Werk an und verleihe mir, heute also fromm zu leben, 1* 4 Das erste Gärtlein. daß du alle Augenblicke ein neues Gefallen an mir habest. Amen. Bund mit Chrifto, zuweilen zu sprechen. O mein theurer Erlöser Christe Jesu! weil dir keine Uebungen gefälliger sind, als diejenigen, welche zu Ehren deines bittern Leidens geschehen, so nehme ich mir vor, desselben heute vielmals zu gedenken und all' mein Thun und Laffen zu deffen Chren einzurichten. Weil ich aber wegen vorfallender Geschäfte nicht allzeit an dasselbe denken kann, so errichte ich jett folgenden Bund mit dir, welchen du im Himmel bekräftigen wollest. Wie oft ich heute gen Himmel sehen werde, will ich es thun zum Gedächtniß, daß du in deinem Leiden so vielfach gen Himmel gesehen, und deinen Vater um Hülfe angerufen hast. Wie oft ich heute die Augen niederschlagen werde, will ich es thun zum Gedächtniß, daß du in deinem Leiden die Augen aus Schamhaftigkeit niedergeschlagen, und Niemand haft ansehen mögen. Wie oft ich Athem schöpfen und aushauchen werde, will ich es thun zum Gedächtniß, daß du in deinem Leiden so vielmal geseufzet, und deinem Vater dein Leid geklagt haft. Wie oft ich heute eine Hand bewegen werde, will ich es thun zum Gedächtniß der vielen Streiche, so du in deinem Leiden empfangen hast; und so oft ich einen Schritt gehen werde, will ich es thun zu Ehren der blutigen Schritte, so du in deinem Leiden gegangen bist. Wie viel Bissen ich heute essen, wie viel Tropfen ich trinken werde, so viel tausendmal will ich dir Dank gesagt haben wegen des bittern Durstes, so du gelitten, und wegen der Galle und des Essigs, so du getrunken haft. Wie viele Schweißtropfen ich heute schwitzen werde, so viel tausendmal soll dir Dank gesagt sein für alle blutigen Schweißtröpflein, so du am Delberge und am H. Kreuze geschwitzt haft, als du mit dem bittern Tode gerungen. Und endlich, wie oft mein Herz heute klopfen, mein Puls schlagen wird, so viel tausendmal will ich dir Dank Morgengebete. 5 gesagt haben für alle engste, so dein h. Herz erlitten, und für alle tödtlichen Stöße, die es in deinem Leiden empfunden hat. Diesen Bund wollest du, o Jesu! vor dir gültig sein lassen und mit solcher Meinung von mir annehmen, als wenn ich alle Augenblicke denselben erneuerte, und alle meine Werke mit der ausdrücklichen Meinung verrichtete, wie in diesem Bunde begriffen ist. Denn dies ist meine ernstliche Begierde und Meinung, in welcher ich bis ans Ende meines Lebens zu verharren begehre: durch alle Bewegungen Leibes und der Seele deinem bittern Leiden Dank und Ehre zu erweisen. Amen. Bitten und Verlangen. O Vater, o Sohn, o heiliger Geist! Oheiligste Dreieinigkeit! O Jesus! o Maria! Ihr gebenedeiten Engel und alle Heiligen des Himmels! erbittet mir folgende Gnaden, die ich durch das kostbarste Blut Jesu Christi begehre: 1. Allzeit den heiligsten Willen Gottes zu thun. 2. Allzeit mit Gott vereint zu ſein. 3. Nur einzig an Gott zu denken. 4. Nur einzig Gott zu lieben. 5. Alles einzig wegen Gott zu thun. 6. Einzig die Ehre Gottes zu suchen. 7. Mich einzig wegen Gott zu heiligen. 8. Mein eigenes Nichts recht zu erkennen. 9. Immer mehr den Willen meines Gottes zu erkennen. 10...( Eine beliebige Bitte).. O allerseligste Jungfrau Maria! opfere du, ich bitte dich, dem himmlischen Vater das kostbare Blut Jesu Christi auf für meine Seele, für die armen 6 Das erste Gärtlein. Seelen im Fegfeuer, für das Anliegen der heiligen Kirche für die Bekehrung der Sünder und das Heil der ganzen Welt. ,, Ehre sei dem Vater" u. s. w.( dreimal) zu Ehren des kostbaren Blutes Jesu Christi. Gegrüßet seist du Maria" u. s. w. zu Ehren der schmerzhaften Mutter, und Herr gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Laß sie ruhen im Frieden. Amen" für die armen Seelen im Fegfeuer. 17 Wer diese Bitten und Entschlüsse reumüthig erweckt und andächtig spricht, erhält Einmal des Tages einen Ablaß von 300 Tagen; wer es aber täglich einen ganzen Monat hindurch thut, gewinnt an einem der letzten drei Tage des Monats, an welchem er beichtet und kommunizirt und eine Kirche oder öffentliche Kapelle besucht, um dort nach der Meinung des h. Vaters zu beten, einen vollkommenen Ablaß. Jeder dieser Ablässe kann den armen Seelen im Fegfeuer fürbittweise geschenkt werden. Leo XII. den 3. März 1827. Lobgebet. Gelobt sei Gott! Gebenedeit sei sein heiligster Name! Gelobt sei Jesus Christus! wahrer Gott und wahrer Mensch! Gepriesen sei der heiligste Name Jesus! Gelobt sei Jesus im heiligsten Satrament des Altars! Gebenedeit sei die glorwürdigste Mutter Gottes Maria! Gepriesen sei der Name der jungfräulichen Mutter Gottes Maria! Gelobt und gepriesen sei Gott in allen seinen Engeln und Heiligen! Wer zum Ersatz der schweren Beleidigungen, welche Gott durch Flüche und Gotteslästerungen zugefügt werden, obige Lobpreisung betet, erhält, so oft er sie reumüthig spricht, einen Ablaß von einem Jahre. Pius VII. den 23. Juli 1801. 4 Morgengebete. Nebung der göttlichen Tugenden. ( Auch sonst öfters zu sprechen.) 1. Der Glaube. O mein Gott! ich glaube an dich, und glaube Alles, was die Eine, heilige, katholische und apostolische Kirche zu glauben vorstellt, weil du, die ewige Wahrheit und Weisheit, selbst es geoffenbaret hast, und weder betrügen noch betrogen werden kannſt. Herr, stärke meinen Glauben! 7 2. Die Hoffnung. O mein Gott! ich hoffe durch die Verdienste Jesu Christi und meine Mitwirkung die Verzeihung meiner Sünden, deine Gnade und das ewige Leben; weil du unendlich gütiger, getreuer und allmächtiger Gott es selbst versprochen hast.. Herr, belebe meine Hoffnung! 3. Die Liebe. O mein Gott! ich liebe dich über Alles wegen deiner selbst, weil du unendlich gut und liebenswürdig bist. Darum bereue ich alle meine Sünden mit dem festen Vorsage, dich nie mehr zu beleidigen. Aus Liebe zu dir liebe ich auch meinen Nächsten wie mich selbst. Herr, entzünde und vermehre meine Liebe! Auf diese Uebungen wird ertheilt 1) ein Ablaß von 7 Jahren und 7 Quadragenen oder 280 Tagen, so oft man die göttlichen Tugenden im Herzen erweckt und andächtig spricht; 2) ein vollkommener Ablaß, wenn man einen Monat hindurch täglich diese Tugenden erweckt und andächtig spricht. Dieser vollkommene Ablaß, der auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden kann, wird am Tage der Beicht und Kommunion gewonnen, sowie auch in der Sterbestunde. Benedict XIV. den 28. Januar 1756. Das erste Gärtlein. Die tägliche Betrachtung. Wenn du nach dem Morgengebete Zeit hast, so ergib dich eine halbe oder wenigstens eine Viertelstunde dem innerlichen Gebete oder der Betrachtung über die Wahrheiten unserer H. Religion, besonders über das Leben, Leiden und Sterben des Heilandes. Du kannst dir die Punkte der Betrachtung aus dem siebenten Gärtlein oder aus einem andern Buche nehmen, z. B. dem Thomas von Kempen, Philothea oder andern: indem du sie dir des Abends vorher bemerkest, und gleich beim Aufstehen ins Gedächtniß zurückrufst. Du kannst aber auch dieſe Punkte wählen aus dem Vater unser, dem englischen Gruß, den Geheimnissen des Rosenkranzes, den 14 Stationen, dem sonntägigen Evangelium, oder sonstige Wahrheiten der Religion dazu benußen, welche du auswendig weißt. Sieh! wenn du dies einen ganzen Monat hindurch täglich thust, so gewinnst du an einem beliebigen Tage im Monat einen vollkommenen Ablaß, wenn du an demselben die h. Sakramente empfängst und nach der Meinung der H. Kirche beteft. Beobachtest du dieses das ganze Jahr hindurch, so erhältst du monatlich einen vollkommenen Ablaß nach der Beicht und Kommunion und den Gebeten für die Kirche. Dieser Ablaß wird auch von denjenigen einmal des Monats gewonnen, welche zu wiederholten Malen Andere in der Art und Weise zu betrachten unterrichten. Wer öfters die h. Sakramente empfängt, erlangt jedesmal, wenn er dies thut und zugleich Andere im Betrachten unterrichtet oder dergleichen Unterweisungen gelehrig annimmt, einen Ablaß von 7 Jahren und 7 Quadragenen.*) Die vollkommenen Ablässe können auch den Seelen im Fegfeuer zugeeignet werden. Benedict XIV. den 16. December 1746. Obgleich die Morgenzeit zum Betrachten die beste iſt, so kann diese doch auch im Verhinderungsfalle den ganzen *) Das mögen sich besonders die Lehrer, Hausväter und Hausmütter und die Meister merken. Morgengebete. Tag über vorgenommen werden, sobald man eine gelegene Zeit findet. Und dies ist zu rathen, sollte es auch erst am Abende geschehen können. Denn wer täglich recht betrachtet, kann nicht wohl in Vergessenheit und Vernachlässigung seines ewigen Heiles kommen und wird darum sicherer selig. Nach der Betrachtung empfiehl dich dem Herzen Jesu mit folgendem Gebete: Aus Liebe zu dir und zum Erfaße meiner so vielfältigen Untreue schenke ich N. N. dir mein Herz und widme mich dir ganz, o mein geliebtester Jesu! Auch nehme ich mir fest vor, mit deiner Gnade nicht mehr zu fündigen. Wer dies Aufopferungsgebet vor einem Bilde des heiligen Herzens Jesu, welches du an diese Stelle legen kannst, täglich einen ganzen Monat hindurch andächtig spricht, erhält einmal des Monats an dem Tage, woran er die h. Sakramente empfängt und nach der Meinung des h. Vaters das gewöhnliche Gebet verrichtet, einen vollkommenen Ablaß. Wer es mit reumüthigem Herzen spricht, erhält einmal des Tages einen Ablaß von 100 Tagen. Dieſe Ablässe können den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Pius VII. 1807 und 1817. Dann sprich: Jesus, Maria und Joseph! euch schenke ich mein Herz und meine Seele! Jesus, Maria und Joseph! stehet mir bei in meiner letzten und angstvollen Todesstunde! Jesus, Maria und Joseph! mit euch soll meine Seele im Frieden scheiden! Amen. 300 Tage Ablaß, wer alle drei; 100 Tage, wer eine dieser Anrufungen reumüthig und andächtig spricht. Beide Ablässe fönnen den armen Seelen zugewendet werden. Pius VII. den 28. April 1807. Endlich rufe deinen Schutzengel an: O Engel Gottes! der du mein Beschüßer bist, dem ich durch Gottes Güte bin anvertraut worden, erleuchte, beschüße, leite und regiere mich. Amen. 100 Tage Ablaß, so oft du dies Gebet reumüthig und andächtig- sprichst. Einen vollkommenen Ablaß, wenn du es täglich 10 Das erste Gärtlein. einen ganzen Monat hindurch betest, an dem Tage, wo du die h. Saframente empfängst und in einer Kirche zur Meinung des Papstes beteft. Dann in der Eterbestunde, wenn du dies Gebet in deinem Leben oft gebetet hast. Alle diese Ablässe können den Seelen im Fegfeuer zugewendet wer= den. Pius VI. den 2. October 1795 und Pius VII. den 15. Mai 1821. Kannst du das Liedchen: Alles meinem Gott zu Ehren," so singe es laut oder bei dir und geh' fröhlich an dein Tagewerk. Abendgebete. Die Kniee meines Leibes und meiner Seele beuge ich vor dir, o allerheiligste Dreifaltigkeit! und erhebe am Ende dieses Tages mein Gemüth zu dir gen Himmel. Für alle Gutthaten, so ich heute von deiner göttlichen Güte empfangen habe, sei dir ewiger Dank gesagt: und für die väterliche Sorge, wodurch du mich vor vielen Sünden und Unheil bewahret hast, sei in alle Ewigkeit gelobt und gebenedeiet. Weil ich dich nicht würdig loben kann, sollen dich mit mir loben und benedeien alle neun Chöre der Engel, und alle Schaaren der Auserwählten dir anstatt meiner Dank sagen. Was ich an diesem Tage Gutes gethan, und dir aufzuopfern vergessen habe, das opfere ich dir noch jezt auf und wünsche von Herzen, daß alles und jedes, so ich heute gethan und gelitten habe, zu deiner höchsten Ehre gereiche. Ich befehle mich wiederum in deine väterliche Sorge und deinen göttlichen Schuß, damit mir der Satan diese Nacht nichts Uebeles an Leib und Seele zufügen könne, sondern ich gleichsam in deinem göttlichen Schooße zu deiner Ehre sanft ruhe. Amen. ( Hier erforsche dein Gewissen über die Sünden, welche du den Tag hindurch gethan, und bereue sie mit folgendem Gebet:) O mein gefreuzigter Jesu! in der Bitterfeit meines Herzens falle ich vor deinem h. Kreuze nieder, und Abendgebete. 11 klage mich schmerzlich an, daß ich dir heute so nachlässig gedient und dich mit so vielen Sünden beleidigt habe. Ich hatte mir zwar heute früh ernstlich vorgenommen, mich vor allen Sünden fleißig zu hüten, habe aber meinen Vorsatz nicht gehalten, sondern gar vielmal muthwillig übertreten, und dich, meinen liebsten Jesus, durch meine Sünden und Nachlässigkeiten oft und schwer erzürnet. Verzeihe es mir aber, o mein Jesus! ach verzeih' es mir, und durch dein rosenfarbenes Blut lösche aus alle Makel, mit der ich meine Seele beflect habe. Ich bitte durch die schwere Marter und Bein, so du in deinem bittern Leiden, besonders an dem H. Kreuze ausgestanden hast, du wollest den gerechten Zorn deines Vaters gegen mich versöhnen, und ihm für meine wohlverdienten Strafen genugthun, mir auch so viel Gnade erwerben, daß ich ihm am morgigen Tage besſer dienen und in seiner göttlichen Liebe je länger je mehr zunehmen möge. Amen. Zu der Mutter Gottes. Liebreiche Jungfrau Maria! ich erinnere dich an jene bittere Nacht, welche du nach dem h. Charfreitag ohne deinen Sohn in höchster Betrübniß deines Herzens zubringen mußtest. Durch alle Zäh= ren, so du in dieser Nacht vergossen, und durch alle Seufzer, so aus deinem Munde aufgestiegen sind, bitte ich dich, verleihe mir, diese Nacht zu Ehren deiner bittern Nacht zuzubringen, und des bittern Leidens deines Sohnes nicht zu vergessen. Vereinige allen meinen Athem mit deinen traurigen Seufzern, 12 Das erste Gärtlein. und alle meine Herzensschläge mit deines Herzens Qual und Noth, opfere dies alles deinem gekreuzigten Sohne zu Ehren seines bittern Leidens, und zur Danksagung für alles Gute, so er uns dadurch erworben hat. Amen. Zum Schutzengel. Ich dein unwürdiges Pflegekind grüße dich, mein lieber Schutzengel, und sage dir großen Dank für alle Liebe und Treue, so du mir heute erwiesen haſt. O mein lieber Engel! wie will ich dir genugſam danken fönnen für alle Dienste, so du mir leisteſt, und wegen des vielfältigen Uebels, wovor du mich treulich behütest! Aber ich ungerathenes Kind folge nicht allein deinen Einsprechungen nicht, sondernmache dir lauter Verdruß mit meinen täglichen Sünden und Nachlässigkeiten. Deswegen solltest du billig über mich zürnen, und mich gänzlich verlassen und verstoßen. Ich bitte dich durch die bittere KreuzMarter unseres Herrn Jesu Christi, verzeihe mir, daß ich dich so oft beleidigt habe, und erwirb mir Gnade, mein fündiges Leben zu bessern. Bewahre mich diese Nacht vor allem Anlauf des Satans und vor dem jähen unversehenen Tode. Nimm auch all' meinen Athem und alle Schläge meines Pulses in dein h. Herz auf, und opfere sie meinem gekreuzigten Jesu zu Ehren seines bittern Leidens und Sterbens. Amen. Abend- Meinung. Christe Jesu, zu Ehren des allerbittersten Schlafs, welchen du am harten Kreuzesholze gethan hast, als Abendgebete. 13 du dein Haupt neigtest und starbst, will ich mich jetzt zur Ruhe begeben, und zum Gedächtniß deines bittersten Todes einschlafen. Ach! welch ein hartes Bett und ein wie unsanftes Kissen hattest du, weil du mit deinem verwundeten Leibe an dem harten Kreuze hingest, und mit deinem edlen Haupte auf der dornenen Krone lagest! Nachdem du über drei Stunden in diesen grausamen Qualen gehangen hattest, gabst du mit geneigtem Haupte deinen Geist auf und entschliefeft mit dem Schlaf des Todes. Durch diesen allerbittersten Schlaf verleihe mir, daß mein Schlaf zu deiner Ehre gereiche, und mich der böse Feind auf keine Abwege führe. Gleichwie St. Johannes sein Haupt auf deine Brust gelegt und den süßesten himmlischen Schlaf gethan hat: also lege anch ich mein fündiges Haupt auf deine gebenedeite Bruſt und meinen Mund auf deine geöffnete Seite, damit all' mein Athem in dein göttlichstes Herz eingehe, und ich deine süßeste Liebe in mein fündiges Herz einziehe. A. Jeht besprenge dich und dein Bett mit Weihwasser und sprich: Besuche, o Herr, dieses mein Ruhebett in Gnaden, und treibe alle Nachstellungen des Feindes fern hinweg! deine heiligen Engel lasse darin wohnen, und mich im Frieden beschüßen. Dein heiliger Segen sei über mir, und deine göttliche Liebe sei in meinem Herzen. Durch Jesum Christum. Amen. Zulegt bezeichne dich mit dem Kreuzzeichen und sprich: Das walte Gott † der Vater, und der † Sohn und der heilige+ Geift. Amen. Wenn du noch Zeit hast, so lies die Punkte der Betrachtung, welche du am andern Morgen halten willst. Lies bisweilen im Leben der Heiligen, besonders an Sonn- und Feiertag- Abenden. Willst du noch mehr beten, so bete den Rosenkranz oder die lauretanische Litanei. 14 Das andere Gärtlein. Das andere Myrrhen- Gärtlein. Gepflanzt mit herzlichen Meßgebeten. I. Erklärung der heiligen Messe. Unter allen Diensten, welche die Kirche dem höchsten Gott leisten kann, ist keiner ihm mohlgefälliger und uns heilsamer, als das Opfer der h. Messe. Sind gleichwohl alle anderen guten Werke sehr nüßlich und werthvoll in den Augen Gottes, so sind sie dennoch, eben weil sie menschliche Werke sind, mit vielen Unvollkommenheiten behaftet. Die h. Messe aber ist kein menschliches Werk, sondern ein göttliches Opfer, weil es vom höchsten Priester, Jesus Christus selbst verrrichtet und der allerheiligsten Dreifaltigkeit auf die vollkommenste Weise zum höchsten Lobe und Dienste aufgeopfert wird. In der h. Meffe gehen die größten Geheimnisse vor sich; denn es wird darin die persönliche Gegenwart Christi verehrt; seine Menschwerdung und Geburt, sein Leiden und Sterben in geheimnißvoller Weise erneuert; sein allerheiligstes Blut geistlicher Weise vergossen, und er selbst als ein wahres Versöhnungsopfer seinem himmlischen Vater aufgeopfert. Von diesem hochheiligen Opfer empfängt die Gottheit größere Ehre und Freude, größeren Dank und Dienst, als von dem Lobe aller Engel und dem Dienste aller Heiligen. Ja, würde man alle Bußwerke, Tugenden und Dienste aller Heiligen dem höchsten Gott aufopfern, so würden ihm diese insgesammt bei weitem nicht so wohlgefällig sein, noch zu so hoher Ehre und Freude gereichen, als wenn ihm eine einzige heilige Messe aufgeopfert wird. In jeder Messe kommt Christus vom Himmel herab, verwandelt die Hostie in seinen Leib, den Kelch in sein Erklärung der Hl. Meffe. 15 Blut und wird unter den Händen des Priesters gleichsam von Neuem Mensch. Denn vor der Wandlung hat der Priester nur eine Hostie in seinen Händen; nach der Wandlung aber trägt er Christus wahrhaft, wirklich und wesentlich in denselben. Sobald nun Christus gegenwärtig ift, lobet, liebet, ehret und erfreuet er seinen himmliſchen Vater, danket ihm und erweiset ihm ein unendliches Wohlgefallen; denn wie der Athem aus dem Menschen, so gehet aus Christus unaufhörlich das Lob Gottes. Dies alles aber thut er, damit sein Vater nach seiner höchsten Würdigkeit geliebt und geehrt werde, was außer der heil. Messe durch nichts anderes auf Erden geschehen kann. Eben deshalb hat Christus auch die h. Messe eingeſetzt, wodurch wir Gott würdig zu loben und zu ehren vermöchten. Und was wir in dem Lobe, in der Liebe. in der Ehre und dem Dienste Gottes versäumen oder nachlässig verrichten, das will der liebe Jesus noch für uns erstatten, indem er an unserer Statt seinen Vater in allen heil. Messen lobet, liebet und ehret. Wenn du nun unter der h. Messe dieses Lob, dieſe Liebe und Ehre Gott dem Vater aufopferst, so gibst du ihm größeres Lob, erweiseft ihm größere Liebe und Ehre und sagest ihm größeren Dank, als Himmel und Erde je gethan haben und thun können. Wenn du dein ganzes Leben hindurch deinen Gott unaufhörlich gelobt, geliebt und geehrt hättest, so wäre dieses Alles in Betracht deiner Schuldigkeit und der Würdigkeit Gottes nicht einmal so hoch zu schätzen, als wenn du Jemanden, dem du tausend Thaler schuldig wärest, einen einzigen Pfennig zur Bezahlung brächtest. Damit du deinen Gott würdig lobest und ehrest und Alles, was du in seinem Lobe und Dienste versäumt hast, wieder einbringest, wohne fleißig und andächtig der h. Messe bei, und opfere ihm das Lob, die Liebe, die Ehre, den Dank und den Dienst, so Christus ihm in derselben und in allen h. Messen darbringt. Du kannst dies als das Deinige Gott aufopfern, du haft ein Recht dazu, weil Christus es für dich thut und es dir als dein eigen schenkt, wenn du die heilige Messe andächtig hörest. Das andere Gärtlein. Wir können noch mehr sagen, um dir die Verdienstlichkeit des andächtigen Meßhörens zu zeigen. Wisse, daß Chriftus ein Ebenbild Gottes ist, und ein Spiegel ohne Makel, wie die h. Schrift sagt. Sobald nun Christus auf dem Altare gegenwärtig ist, so beschauet Gott Vater sich selbst in diesem lebendigen Spiegel und mit unendlicher Freude sieht Er, was für ein glorwürdiger, schöner, reicher, mächtiger und unendlich vollkommener Gott Er ist. Darin aber besteht die wahre und wesentliche Seligkeit Gottes. Diese Beschauung seiner selbst also bringt ihm unendlich größere Freude, als alle Engel und Heilige zu thun vermögen. Wenn du nun unter der h. Messe Gott dem Vater seinen Sohn aufopferst und ihm diesen göttlichen Spiegel vor sein H. Angesicht stellest, so bringst du ihm unvergleichlich größere Freude und Ehre, als du ihm mit deinen Sünden Schmach und Leid verursacht hast. 16 In allen Messen wird auch, wie schon gesagt, das Leiden Christi erneuert und dem ganzen Himmel so lebhaft vorgestellt, wie es vor Zeiten geschehen ist. Ueber diese Erneuerung empfindet Gott eben so großes Wohlgefallen, als zur Zeit des wirklichen Leidens seines Sohnes, und wird von Neuem bewogen, der Welt Barmherzigkeit zu erweisen. Muß doch in der H. Messe, eben weil sie eine Erinnerung des Leidens Christi ist, gerade daffelbe vorgehen, was auf dem Berge Calvaria vorgegangen ist. Gleichwie Christus am Kreuze für seine Feinde gebetet hat, also betet Er auch auf jedem Altare für seine Gläubigen, besonders für die Gegenwärtigen. Er zeigt dem himmlischen Vater seine tiefen Wunden, erklärt ihm seine erlittene Marter, und opfert ihm sein göttliches Blut, indem Er bittet, sich um deswillen über die Sünder zu erbarmen. Am Kreuze vergoß Christus sein h. Blut und ließ es auf die Erde herabfließen; in der H. Messe vergießt Er sein Blut geistlicher Weise, läßt es aber nicht auf die Erde, sondern auf die Seelen der Gegenwärtigen herabströmen und reinigt durch dasselbe alle Reumüthigen von ihren Sünden. Am Kreuze hat Christus unendliche Verdienste erworben, in der h. Messe theilt Er eben diese Verdienste aus und gibt jedem Gegenwärtigen nach seiner Fähigkeit. Erklärung der Hl. Meffe. 17 Wenn du demnach eine h. Messe ohne Todsünde hörest, so sei versichert, daß Christus seinen himmlischen Vater für dich bitte, für dich lobe, für dich liebe, für dich ehre, für dich danke, für dich gut spreche und ihm einen Theil deiner Schulden zahle; dir aber einen Theil seiner Verdienste schenke, seine Gnade in dir vermehre, deine Seele mit seinem h. Blute geistlicher Weise besprengend von einigen Fehlern und Flecken reinige, mit irgend einer Tugend und Gnade ziere und so deine einstige Glorie im Himmel vergrößere. Hieraus erkennst du, wie viel besser es sei, unter der h. Messe als außer derselben zu beten. Wenn du zu Hause oder in der Kirche außer der h. Messe beteſt, ſo verdienst du nicht mehr, als dein Gebet werth ist. Je reiner deine Meinung, je kräftiger und inbrünstiger dein Gebet ist, desto mehr Verdienst erlangst du, und desto eher erwirbst du die Gnade, um welche du bittest. Wenn du aber bei der h. Messe betest, so findest du einen Schatz und wirst so zu sagen auf einmal reich. Denn in jeder Messe wirst du der Frucht des bitteren Leidens theilhaftig, und schenket dir Christus einen Theil seiner Verdienste, und zwar einen größeren oder kleinern, je nachdem du andächtiger oder nachlässiger bist. Niemals jedoch gehst du ganz leer davon, du seiest denn in einer Todsünde zugleich mit dem bösen Willen, darin unbußfertig zu verharren, oder ganz unandächtig und nachlässig. Wie mit baarem Gelde bezahlest du mit den erworbenen Verdiensten Christi einen guten Theil deiner Schuld und löschest einen Theil deines Fegfeuers aus. Wenn du außer der h. Messe betest, so betest du insgemein allein, und solch Gebet hat wegen seiner Unvollkommenheit selten große Kraft, unter der Messe aber betest du nicht allein, sondern Viele beten mit dir und bitten für dich. Zuerst betet der Priester mit dir und für dich; denn ein jeder Priester muß während der h. Messe einigemal für die Gegenwärtigen beten und die h. Messe für deren Heil aufopfern. Ja alle Gebete, welche er im Namen Vieler spricht, werden für die Umstehenden gesprochen. Weil nun der Priester als ein Gesandter der Kirche, ja Myrrhengarten III. 23. Aufl. 2 18 Das andere Gärtlein. in der Person Chrifti am Altare steht, so gilt sein Gebet viel vor Gott und wird eher erhört. Dann sind auch bei jeder h. Messe unzählige Engel gegenwärtig, und alle dieſe fallen zur Wandlung auf ihre Kniee und bitten um Gnade für alle Christen, insbesondere für die Gegenwärtigen. Drittens bittet Christus selbst für seine Gläubigen, namentlich für die Umstehenden, eben so kräftig, als er am Kreuze für seine Feinde gebetet hat. Ja seine h. Wunden rufen für sie mit eben so vielen Stimmen, als ihre Zahl am h. Leibe Christi gewesen ist, und sein h. Blut schreiet für sie mit eben so vielen Worten um Gnade und Erbarmen, als Blutstropfen vergossen sind. Da nun so mächtige Fürbitter für dich anhalten, wie wollte dann der himmlische Vater eine solche Bitte abschlagen, wofern sie zu deinem Heile ist! Endlich bittest du für dich, indem du Gott eine solche Gabe opferst, welche ihm angenehmer ist, als alle Schäße der Welt, und zugleich unendlich werthvoller, als jene Gnade, welche du von ihm begehrst. Sieh! so wird ja Gott, der sich in der Großmuth und Dankbarkeit nicht übertreffen läßt, da er so viel von dir empfängt, das Geringe, was du begehrst, dir nicht versagen. " 1 Wenn du Verzeihung deiner Sünden und Nachlassung deiner Schulden erlangen willst, so höre fleißig und reumüthig die h. Messe und opfere fie sammt dem bittern Leiden und Sterben Jesu Christi Gott dem himmlischen Vater auf. Denn also sprach Christus zur h. Gertrud: Ein jeder Sünder, sei er auch von noch so schwerer Sündenlast gedrückt, kann zur Hoffnung der Verzeihung gelangen, wenn er meinem Vater mein unschuldiges Leiden aufopfert." Wenn denn blos die geistliche Opferung des Leibes Christi so kräftig ist, wie kräftig wird dann die wirkliche Aufopferung desselben sein? da ja das erneuerte Leiden und das frisch vergossene Blut Christi, welches in dem Kelche gegenwärtig ist, während der h. Messe durch die Hände des Priesters aufgeopfert wird. Du opferst auch bei der h. Messe nicht menschliche, sondern lauter göttliche Dinge. Denn du opferst die Wunden Christi, das Blut Christi, das Leiden und die Verdienste Christi, ja die Gottheit und Menschheit Christi! Erklärung der h. Messe. 19 Diese gottmenschlichen Dinge sind aber unendlich mehr werth, als deine Schulden wiegen. Alle diese sind auf dem Altare gegenwärtig und alle Anwesenden haben Theil daran. Auf diese kannst du vertrauen: auf diese, bitte ich, wollest du vertrauen! denn darum hat Christus dies Alles gethan und gelitten, damit wir dadurch Verzeihung unse rer Sünden erlangen sollen. Deswegen glaube und sage ich, daß kaum eine kräftigere Genugthuung für unsere Sünden und richtigere Zahlung unserer Schulden auf Erden sei, als eben in der Hl. Messe und durch sie. Ja ich behaupte, daß du durch die andächtige Anhörung und herzliche Aufopferung einer einzigen hl. Messe mehrere und größere Schulden bezahlest, als wenn du ohne Andenken an das Leiden und Sterben Jesu einen ganzen Tag in Wasser und Brod fastest, dich bis auf's Blut geißelst und viele Psalmen und Litaneien betest. Hier jedoch bemerke, daß durch eine hl. Messe nicht alle Schulden oder Strafen bezahlt werden, sondern nur ein Theil derselben. Denn eine Hl. Messe ist, so viel uns betrifft, keines unendlichen Werthes, sondern eines endlichen und gewissen Verdienstes; gleichwie ein unerergründlich tiefer Brunnen jedesmal nur den Eimer voll Wasser für uns enthält, mit dem wir eben aus demselben schöpfen. Je öfter wir aber schöpfen, desto mehr Wasser eignen wir uns zu, und ebenso, je öfter du der H. Messe andächtig beiwohnst, desto mehr Verdienste sammelst du, und desto mehr Schulden kannst du abzahlen, und desto mehr Glorie gewinnst du für den Himmel. Wenn du nun in eine Kirche kommst, in welcher zwei oder drei hl. Messen zugleich gelesen werden, so halte dies für ein großes Glück, mache die Meinung, alle diese heil. Messen zugleich zu hören, und wenn sie zur Wandlung kommen, so opfere eine jede insbesondere auf. Thust du das, so wirst du aller theilhaftig, und erlangst einen großen Schatz von Verdiensten. Ich fage nicht, daß du zwei oder drei Messen, die du zu hören verpflichtet bist, zugleich hören könntest, sondern ich sage, daß du der Früchte derfelben theilhaftig werden könnest, wenn du jede insbesondere aufopferst. Jeder Priester lies't alsdann auch für dich, 2* 20 Das andere Gärtlein. ja Christus selbst opfert sich in einer jeden für dich, gießet geistlicher Weise sein hl. Blut über dich, und macht dich der Frucht seines Leidens theilhaftig. Ist dies nicht ein großes Glück? Sind dies nicht übergroße Gnaden? Siehst du also einen Priester zum Altare gehen, oder findest du ihn schon dort stehen, so sprich: Ich befehle mich in diese Hl. Messe, und will derselben mit Andacht beiwohnen und mitopfern." Wenn du nach der Wandlung zu einer Hl. Messe kommst, so sprich dennoch die Gebete zur Wandlung, auch dann wirst du derselben theilhaftig. Wenn eine aber schon der Wandlung nahe ist, so gehe nicht hinaus, sondern erwarte diese, und bete den gegenwärtigen Christus an, und opfere ihn seinem himmlischen Vater, so wirst du auch dieser hl. Messe theilhaftig. Am Schlusse bitte ich dich, du wollest die Hl. Messe recht hochschäßen und dieselbe, soviel du kannst, täglich mit Andacht hören. Die Stunde, worin du die h Messe hörest, ist eine wahrhaft goldene Stunde. Gleichwie die Sonne vor allen Sternen hell leuchtet und der Welt größern Nußen bringt, so nützet dir das andächtige und reumüthige Mesfehören mehr, als alle deine täglichen Gebete und guten Werke. Durch alle diese gibst du Gott eine große Ehre und verursachst ihm herzliche Freude; durch eine jede heil. Messe aber gibst du ihm eine unendliche Ehre und erfreuest ihn göttlicher Weise. Willst du aber auf recht fruchtbare Weise die h. Messe hören, so begnüge dich nicht, unter der h. Messe nur zu beten und der Messe nicht passende Gebete zu sprechen, sondern bete Christus auf dem Altare an, opfere ihn auf und empfange ihn geistlicher oder sakramentalischer Weise. Laß dir kein Gebet so lieb sein, daß du deshalb diese Uebung hinterlassest; denn du wirst in der That erfahren, daß es dir viel heilsamer und tröstlicher sein wird, wenn du nach der Wandlung dein Herz vor Christus ausgießest, als wenn du viele Psalmen und Offizia oder Tageszeiten betest. Ja ich darf wohl sagen, daß solche Anmuthungen und Uebungen andern Gebeten, 21 Wie nützlich es sei, die h. Messe zu hören. die zur Hl. Messe nicht passen, so weit vorgehen, wie Gold dem Kupfer vorgeht.*) II. Wie nützlich es sei, die h. Messe zu hören. Aus dem vorhin Gesagten kannst du klar abnehmen, daß das Opfer der Hl. Messe der allerhöchste und Gott gefälligste Dienst sei, welcher im Himmel und auf Erden zu finden ist, und daß man dadurch von Gott mehr erhalten könne, als durch alle guten Werke der weiten Welt. Wenn du dies recht zu Herzen nimmst, so muß ja nothwendig eine eifrige Begierde in dir entstehen, dieſem heil. Opfer beiwohnen. Denn weil du durch andächtige Anhörung und Aufopferung der h. Messe den gerechten Zorn deines Gottes am leichtesten versöhnen und die Strafen deiner Sünden am kräftigsten abbüßen kannst; ſo ist es ja mehr als billig, daß du dies allerleichteste Mittel ergreifest und durch dasselbe gleich als mit baarem Gelde deine schweren Schulden bezahlst. Man bezahlt aber durch Anhörung der hl. Messe nicht allein seine Schulden und Strafen, sondern man erlangt auch jedesmal größere Gnade Gottes und vermehrt seine Verdienste und ewige Glorie im Himmel. Denn die h. Messe ist in der That eine Art Gesandtschaft, worin die katholische Kirche den Priester zu Gott sendet, ihm das allerköstlichste Geschenk, so im Himmel und auf Erden ist, darzubringen und eben um deßwillen leibliche und geistliche Güter und Gnaden zu erbitten. Je mehr Personen nun bei dieser göttlichen Gesandtschaft sich befinden und je andächtiger und ehrerbietiger sie derselben beiwohnen, desto angenehmer ist sie Gott dem Vater, und desto sicherer erhalten sie die begehrten Gnaden. Und obschon der Priester als der vornehmste Gesandte die edle Gabe, nämlich den wahren Leib und das wahre Blut unsers Herrn Jesu Christi allein in Händen trägt, und für alle Umstehenden das Wort führt, so muß man doch gestehen, daß alle Gegenwärtige( wofern sie ihre Meinung *) Der Verfasser hat ein eigenes Buch über das heilige Mezopfer herausgegeben, welches sehr zu empfehlen ist. Es hat den Titel: Erklärung des h. Meßopfers, ein Haus- und Familienbuch von dem ehrw. Pater Martin v. Cochem. 22 Das andere Gärtlein. mit der Meinung des Priesters und der Kirche vereinigen) dieses edle Geschenk dem allmächtigen Gott darbringen helfen und deßhalb ebensowohl als der Priester ihr ange messenes Gegengeschenk von Seiten Gottes davon tragen. Daraus geht nun hervor, daß ein jeder Mensch geistlicher Weise die Hl. Messe, als ein ihm gehöriges Opfer, zu seinem eigenen und Anderer größten Nutzen aufopfern, und für sich und Andere große Gnaden erwerben könne. Dies bezeugt selbst die Kirche, indem der Priester in der Hl. Messe nach dem Memento also spricht:„ Sei einge denk, o Herr, aller Umstehenden, deren Glaube und Andacht dir bekannt sind, für welche wir dir opfern, oder welche dir selbst opfern dies Lobopfer für sich und all die Jhrigen, zur Erlösung ihrer Seelen und zur Hoffnung ihres Heils und ihrer Wohlfahrt, und also dir ewigen lebendigen und wahren Gott ihre Gelübde darbringen." Mit diesen Worten bezeugt die Kirche, daß nicht allein der Priester, sondern auch ein Jeder, der die Messe hört, für sich und all die Seinigen, lebendigen und abgestorbenen, die Hl. Messe Gott aufopfern könne. Gewiß ein großer Trost für jeden, besonders für denjenigen, welcher nicht die Mittel hat, für sich und die Seinigen H. Messen lesen zu lassen. So kann er durch andächtige Anhörung und Aufopferung der Hl. Messe sich und den Seinigen zu Hülfe kommen, wenngleich nicht auf so kräftige Weise, als wenn der Priester zugleich für ihn oder die Seinigen die h. Messe applizirte, wie wir im folgenden Kapitel hören werden. Wie leicht du aber bei der hl. Messe Gnade erlangen könnest, magst du daraus abnehmen, was der hl. Mechtildis geoffenbart worden, daß nämlich Christus täglich auf sie benfache Weise zur hl. Messe komme. Erstens kommt er mit so großer Demuth, daß kein so Verachteter da ist, zu dem er sich nicht demüthig neigte und nahete, wofern der Mensch dasselbe begehrte. Zum Andern kommt Er mit solcher Geduid, daß es keinen so großen Sünder gibt, den Er nicht geduldig ertrüge und dem Er nicht mit Freuden all seine Schuld nachließe, sobald derselbe nur begehrte, mit ihm versöhnt zu werden. Wie nütlich es sei, die h. Messe zu hören. 23 Drittens kommt Er mit solcher Liebe, daß keiner so kalt oder verhärtet sein kann, den Er nicht, wofern der Sünder wollte, mit seiner Liebe entzünden und erweichen möchte. Viertens kommt Er mit solcher Freigebigkeit, daß keiner so arm ist, den Er nicht reich machen könnte. Fünftens kommt Er als eine so süße Speise, daß keiner so hungrig ist, daß Er ihn nicht sättigen könnte. Sechstens kommt Er mit solcher Klarheit, daß es kein so finsteres Herz gibt, welches Er nicht erleuchten könnte. Endlich kommt Er mit solcher Heiligkeit, daß keiner so lau und unandächtig ist, daß Er ihn nicht sollte erwecken und ermuntern können. Und Christus setzt hinzu: " Ich sage dir, wer andächtig und fleißig die Messe hören wird, dem werde ich in seinem Ende zum Trost und Schuße soviel edle Personen von meinen Heiligen senden, als viele Hl. Messen er gehört hat."*) Sind das nicht liebe Worte? Ist das nicht eine vortreffliche Verheißung? Wer sollte sich nicht dadurch ermuntern lassen, recht oft die hl. Messe zu hören? Sieh, mein Chrift! Wie leicht wirst du die Anfechtungen des Satans in deinem Ende überwinden, wenn du so viele Engel und Heilige bei dir hast, als du in deinem Leben reumüthig und andächtig der hl. Messe beiwohntest! Darum laß es dir gesagt sein und befleiße dich, täglich, wenn es ohne Vernachlässigung deiner Berufsgeschäfte geschehen kann, eine hl. Messe mit Andacht zu hören. Hast du an den Werktagen aber gar keine Zeit, so höre wenigstens an Sonn- und Feiertagen neben der schuldigen Messe, wo es geschehen kann, noch eine oder zwei andere mit möglichster Andacht, und opfere dieselben dem himmlischen Vater für deine begangenen Sünden und Nachlässigkeiten. Wenn du aber an den Werktagen nicht zur Kirche kommst, wo du es wohl könntest, und an Sonn- und Feiertagen nur eine einzige Messe und auch diese vielleicht nur aus Noth und Gewohnheit mit geringer Andacht hörest; so weiß ich fürwahr nicht, wie du deine Sünden abbüßen wirst, *) Offenb. der h. Mechtildis, 3. Buch 18. u. 19. Kap. 24 Das andere Gärtlein. da du sonst so gar wenige und schier gar keine Bußwerte verrichtest. III. Wie nützlich es sei, h. Messen für sich und zwar bei Lebzeiten lesen zu lassen. Da die hl. Meffe ein unschäßbares göttliches Wert ist, und dem höchsten Gott damit ein unendlicher Gefallen erwiesen wird; so kannst du leicht schließen, wie wohl du thust und welch' große Gnaden du erlangest, wenn du für dich oder einen Andern eine hl. Messe lesen läsfest. Denn weil du dieselbe bestellst, so bist du Ursache, daß die heil. Messe gelesen wird; bist also Ursache, daß Gott dem Vater sein allerliebster Sohn aufs Neue geopfert und gleichsam von Neuem geboren wird; bist Ursache, daß dies hochwürdigste Geheimniß erneuert und dies allerverdienstlichste Werk verrichtet wird; bist somit Ursache, daß der allerheiligsten Dreifaltigkeit unendliche Ehre, den lieben Heiligen unbegreifliche Freude, den Seelen der Abgestorbenen die süßeſte Erquickung und allen Gläubigen Gnade und Barmherzigkeit erwiesen wird. Welch großen Dank wird der himmlische Vater dir dafür erweisen? Wie reichlich wird Er dir vergelten, daß du Jhm und dem ganzen himmlischen Heere solch unendliches Wohlgefallen erweckest, wie es außer der Hl. Messe auf keine Weise geschehen kann. Außerdem, wenn eine Hl. Messe für dich gelesen wird, so ist es eben so viel, als wenn Christus noch einmal geistlicher Weise für dich stürbe und gleichsam am Kreuze hangend sich seinem Vater für dich aufopferte. Denn es ist ohne Zweifel zu glauben, daß Christus in jeder Messe, wiewohl Er sich für das Heil der ganzen Welt zum Opfer bringt, doch insbeſondere für denjenigen, für welchen sie gelesen wird, aufopfere und seinen Vater für deffen Heil bitte, gleichsam also sprechend:„ Mein liebster Vater, ich opfere mich für diesen Menschen, gleichwie ich mich am Kreuze hangend für die ganze Welt geopfert habe, bittend, du wollest ihm seine Sünde verzeihen und ihm deine Gnade und Barmherzigkeit mittheilen." Ist das nicht eine große Wie nüßlich es sei, h. Messen lesen zu lassen. 25 Ehre, daß Christus sich für dich insbesondere aufopfert? Ist das nicht eine große Gnade, daß Er absonderlich für dich bittet? Was wird Er nicht für dich erhalten? Welche Gnaden wird Er nicht für dich erwerben, wenn du nur nicht durch ein unbußfertiges Leben derselben dich unwürdig und unfähig machst. Fromme Christen, welche Mittel dazu haben, laffen deßhalb zu Zeiten eine Hl. Messe für sich und die Ihrigen in diesem oder jenem Anliegen lesen; und andere, welche keine Mittel haben, begehren befreundete Priester, daß sie um der Liebe Gottes eine Hl. Messe zu ihrer Meinung - lesen möchten. Wie wohl sie daran thun, siehst du ein. Die meisten Christen jedoch, kann man wohl sagen, denken nur darauf, recht viele hl. Messen nach ihrem Tode zur Ruhe ihrer Seele lesen zu lassen, dazu sparen sie ihr Geld, dazu gedenken sie in ihrem Testamente einen Theil ihres Vermögens zu bestimmen. Dies ist gewiß sehr gut und rühmlich, und es sei fern von mir, dich, wenn du so etwas vorhättest, davon abhalten zu wollen; aber nüßlicher und verdienstlicher würde es jedenfalls für dich sein, wenn du diese h. Messen schon bei Lebzeiten lesen ließeft. Höre warum? Erstens, wenn du bei deinem Leben eine Hl. Meffe für dich lesen läsfest, so bist du die Ursache, daß sie geleſen wird, und kannst sie auch selbst hören, was du nach deinem Tode nicht thun kannst. Dazu bist du gewiß, daß die Messe wirklich gelesen und so zum Heile deines Leibes und deiner Seele gereichen wird. Zweitens, wenn in deinem Leben eine hl. Meffe für dich gelesen wird, und du wärest vielleicht im Stande der Ungnade, gibt dir Gott hoffentlich aus Barmherzigkeit, daß du durch die Kraft der hl. Messe zur Erkenntniß deiner Sünden und zur Reue gelangest, und so aus dem gefähr lichen Stande der Todsünde errettet werdest. Gott ist dir zwar nicht schuldig, diese Gnade zu geben; denn wer wis sentlich in einer Todsünde ist, der kann bei Gott nichts zum Heile seiner Seele verdienen. Weil jedoch Gott unendlich gütig ist, pflegt Er den Sündern, die etwas Gutes verrichten, aus Liebe Reue über ihre Sünden mit zutheilen. Diese Gnade oder Wirkung der Hl. Messe kannst 26 Das andere Gärtlein. du nach dem Tode nicht haben. Denn wärest du im Stande der Ungnade gestorben, so können selbst viele tausend Messen dich nicht wieder in den Stand der Gnade bringen, du bleibst ein Feind Gottes und ein Kind des Verderbens. Drittens kann dir das hl. Meßopfer erlangen, daß du in einem guten Stande stirbst, eben weil du wegen der gelesenen hl. Messen von Gott in deinem letzten Ende mit besonderer Hülfe wider den bösen Feind bedacht wirst und also denselben leichter und sicherer überwinden und seinen Fallstricken entfliehen kannst. Viertens, wenn die Messen vor deinem Tode gelesen werden, so warten sie auf dich nach deinem Tode, und bewahren dich entweder ganz vor dem Fegfeuer oder mildern und kürzen deine Strafe. Denn durch eine jede Messe bezahlst du Gott einen guten Theil deiner Strafen, und wenn du sie mit besonderer Andacht hörst, so löschet sie auch einen guten Theil deiner läßlichen Sünden aus, so daß du nach deinem Tode hoffentlich nicht viele Strafen mehr nachzubüßen haft. Läßt du aber die Messen erst nach deinem Tode lesen, so mußt du, wenn du noch nicht alles gebüßt hast, auf sie warten, welches ein gar beschwerliches und schmerzliches Warten ist. Gesetzt, du stürbest am Nachmittage und müßtest im Fegfeuer warten, bis am andern Morgen eine Hl. Messe für dich gelesen würde, ach! wie lang und peinlich sollte dir die Nacht werden! Ja wenn in demselben Augenblicke, wo du stürbest, eine hl. Messe anfinge und du solltest nur bis zu Ende derselben im Fegfeuer aushalten müssen, ach! wie lange würde dir diese halbe Stunde werden! Darum ist es ja beffer, daß die Hl. Messen auf dich warten, als daß du so peinlich auf sie warten mußt. Fünftens, wenn du bei Lebzeiten eine Hl. Messe leſen läsfest, so beraubst du dich deines Geldes und Gutes, indem du das übliche Meßstipendium oder die Gebühren zum Unterhalte des Priesters hergibst, und so gleichsam deinem Munde abziehst, um es Gott zum Opfer zu bringen. Nach deinem Tode aber beraubst du dich deines Geldes nicht mehr, denn es ist nicht dein, sondern ist deiner Freunde oder der Welt. Du gibst es erst, da der Abbruch dir Giessen. Wie nüklich es sei, h. Messen lesen zu lassen. 27 nicht mehr wehe thut und der Tod es dir gleichſam mit Gewalt nimmt. Dein Opfer kann demnach Gott nicht mehr so angenehm und dir nicht so verdienstlich sein, als wenn du es bei Lebzeiten gebracht hättest. Sechstens ist gar wohl zu merken, daß jemand, wenn er im Stande der Gnade etwas Gutes thut, einen doppelten Lohn dafür bekommt; einestheils bezahlt er einen Theil seiner Strafen, die er wegen begangener Sünden noch schuldig ist, anderntheils verdient er allzeit einen größern Lohn im Himmel oder eine höhere Staffel der Glorie. Wer nun bei Lebzeiten im Stande der Gnade eine hl. Messe für sich lesen läßt, der bezahlt damit einen Theil seiner Strafen, und verdient zugleich damit, daß er eine größere Glorie im Himmel haben wird. Wenn du aber nach deinem Tode eine Messe lesen lässest, so bezahlst du zwar einen Theil deiner Strafen, erlangst jedoch keine größere Glorie. Ja wenngleich tausend Messen für dich gelesen würden, so kämest du doch deswegen nicht das geringste höher in den Himmel, weil du außer der Zeit bist, worin man verdienen kann. Und dieser Punkt ist sehr zu beachten. Endlich bedenke noch, wie eine hl. Messe, bei Lebzeiten für dich dargebracht, dir mehr Strafe tilgt, als vielleicht zehn nach deinem Tode. Das merk an einem Gleichnisse. Wenn du jemand beleidiget hast, und sogleich darnach den Beleidigten um Verzeihung bittest, so gewinnst du ihn oft mit einer Kleinigkeit; zögerst du aber und schiebst es auf, bis der Beleidigte dich etwa bei der Obrigkeit verklagt, so kostet dir ein einziges Wörtchen oft viele Thaler. Nun sieh! wir beleidigen in unserem Leben Gott oft und viel und erzürnen ihn mit unsern Sünden und Nachlässigkeiten. Bitten wir nun gleich, so lange wir noch leben, um Verzeihung und geben zur Bezahlung der Strafe ein Almoſen, ein Bußwerk oder eine Hl. Messe, so geschieht's oft, daß wir damit die Strafe völlig bezahlen. Lassen wir aber unsere Strafe stehen, bis in jener Welt unsere Sache vor die hohe Obrigkeit, vor die Schärfe des göttlichen Gerichts gelangt, so kommt uns die Strafe im Fegfeuer theuer zu stehen; denn weil in jener Welt die Zeit der Gnade vorüber ist und Gott alles nach der Schärfe seiner Gerech 28 Das andere Gärtlein. tigkeit richtet, so kostet eine jede auch läßliche Sünde eine unglaubliche Strafe, so daß zehn h. Messen vielleicht kaum so viel bezahlen können, als eine einzige vielleicht bei Lebzeiten des Sünders gut gemacht hätte. Nun sagt vielleicht jemand: wenn ich bei Lebzeiten auch viele hl. Messen lesen ließe, thäte aber wieder eine Todsünde, so wären all die hl. Messen für mich verloren". Das ist zwar wahr; jedoch, wenn du dich wahrhaft durch reumüthige Beicht bekehrst, so bekommst du das Verlorene wieder, und sofern du wahrhaft bußfertig das hl. Sakrament der Buße empfängst, erlangst du noch neue Gnaden dazu. Außerdem darfst du hoffen, daß der liebe Gott dich in Ansehung des Wohlgefallens, welches du ihm durch Lesung der Hl. Messen verursacht hast, auch eher bewahren werde, daß du nicht so leicht in eine Todsünde falleſt, oder wenn du unglücklicher Weise in eine gefallen wärest, du aus Barmherzigkeit viel eher die Gnade der Bekehrung von ihm erlangest, als wenn du keine Messen hättest leſen lassen. Intention oder Meinung, in der man eine h. Messe lesen lassen soll. ( Diese Intention lies bisweilen, und wenn du dann eine h. Messe lesen lassen willst und gerade keine Zeit hast, so dente, es solle in der Intention geschehen, wie hier geschrieben steht.) Mein Gott! ich will jetzt eine Hl. Messe lesen lassen zu deiner größern Ehre und Glorie; zur Anerkenntniß deiner höchsten Majestät und Herrschaft, die du über alle Kreaturen hast; zur Glückwünschung deiner Seligkeit und aller Vollkommenheiten, so du in dir begreifest; zur Danksagung aller Gnaden und Wohlthaten, die du mir und allen Geschöpfen erwiesen hast; zur Abtragung aller Schmach und Unbild, welche dir von mir und allen Geschöpfen zugefügt worden; zur besonderen Verehrung und Anbetung deines menschgewordenen Sohnes unsers Herrn Jesu Christi; zur Erinnerung und Danksagung seiner gnadenreichsten Menschwerdung, Geburt, Beschneidung, Aufopferung, der Einsetzung des hochwürdigsten Sakramentes; zur Verehrung und Erneuerung aller Geheimnisse seines bittersten Leidens und Sterbens; zum Gedächtniß und zur Danksagung seine Wie nüklich es sei, h. Messen Lesen zu lassen. 29 blutigen Schweißes, seiner Gefangennehmung, seiner Verachtung, Verspottung, Entblößung, Geißelung, Krönung, Verurtheilung, Kreuztragung, Kreuzigung, seines Blutvergießens, seines Todes, seiner Auferstehung und Himmelfahrt, der Sendung des h. Geistes; zur besondern Vermehrung der Seligkeit der Mutter Gottes und aller lieben Heiligen, insonderheit des h. Joseph, des h. Johannes des Evangelisten, des h. Antonius, der h. Anna, der heil. Magdalena, der h. Agatha, der h. Barbara( u. a.) und aller meiner lieben h. Patronen, damit ich ihnen durch diese h. Messe ein unendliches Wohlgefallen erweise und sie mit mir im Bande der ewigen Liebe verbinde. Außerdem will ich diese h. Messe auch lesen laffen für mich armen, elenden Sünder: zur Besserung meines sündhaften und nachlässigen Lebens; zur Verzeihung aller Sünden, die ich mein Leben hindurch begangen habe; zur Erstattung alles Guten, daß ich jemals unterlassen habe: zur Erfüllung aller Nachlässigkeiten, die ich in Uebung des Guten mir habe zu Schulden kommen lassen; zur Bezahlung aller Strafen, die ich für meine Sünden verdient habe; zur Erlangung aller Tugenden, die mir im Dienste Gottes nöthig sind; insbesondere der Demuth, der Geduld, der Liebe, wie auch zur Vermehrung der göttlichen Gnade; zur Dämpfung der bösen Begierlichkeiten; zur Ausrottung meiner bösen Gewohnheiten; zur Stärkung meiner großen Schwachheit und zur Bewahrung vor allen schädlichen Unfechtungen. Dann auch zur Erhaltung aller leiblichen Bedürfnisse an Nahrung, Kleidung, Gesundheit; zur Bewahrung vor meinen Feinden; zur Behütung vor allem schädlichen Unglück, besonders vor Sünde und Schande, vor Gefängniß und Bande, vor Verläumdung und Ehrabschneidung. Endlich um Erlangung eines seligen Todes, zur Stärkung in den bittern Todesnöthen, zu baldiger Erlösung aus dem Fegfeuer, zur Vermehrung meiner Glorie im Himmel und zur Erlangung alles Guten, so ich an Leib und Seele vonnöthen habe. ( Hier kannst du auch dein besonderes Anliegen nennen.) Drittens will ich diese h. Messe auch lesen lassen für das allgemeine Anliegen der Christenheit; für Erhöhung 30 Das andere Gärtlein. der katholischen Kirche, für Ausrottung aller 3rrthümer und Keßereien; für den Frieden und die Einigkeit unter den christlichen Fürsten und Gewalthabern: zur Erneuerung aller Orden und geistlichen Stände; zur Beförderung der Andacht und des göttlichen Dienstes; zur Bekehrung aller Ketzer und Ungläubigen; zur Besserung aller Sünder und gottlosen Christen; zur Bertilgung aller Laster und Untugenden; für alle meine Freunde und Verwandten; für alle Armen und Dürftigen; für alle Betrübten und Angefochtenen; für alle Gefangenen und Nothleidenden für alle Kranken und Sterbenden; damit der liebe Gott durch die Aufopferung dieser h. Messe bewogen allen und jedem verleihe, was ihnen an Leib und Seele nüßlich und nothwendig ist. Endlich begehre ich diese h. Messe auch lesen zu lassen für alle christgläubigen Seelen im Fegfeuer, besonders für die Seelen meiner lieben Eltern, Kinder, Brüder, Schwestern, Verwandten, Freunde, Bekannten und Gutthäter; für die Seelen, welche für Christus und seine liebe Mutter die größte Liebe gehabt und die Heiligen, besonders meine Patronen, eifrig verehrt haben; für die Seelen, welche niemanden haben, der für sie bittet; für die Seelen, die am längsten leiden müßten; für die Seelen, welche mir jemals etwas zu leide gethan haben; für die Seelen, denen ich jemals etwas Unrechtes zugefügt habe; für diejenigen, denen ich Veranlassung zur Sünde gewesen bin; für diejenigen, welche jetzt meinetwegen leiden müssen; und endlich für alle Seelen, für welche Gott will, daß ich am meisten bitten soll; damit der liebe Gott Alle durch die unschäßbare Kraft dieser h. Messe von ihren Sünden lossprechen, von ihren Makeln reinigen, von ihren Peinen entledigen und zur ewigen Seligkeit führen wolle. Siehe, mein Herr und Gott! dies ist meine Meinung und Intention, zu welcher ich jetzt diese h. Messe will lesen lassen; damit ich aber um so kräftiger und vollkommener erlangen möge, was ich durch dieselbe begehre, so bitte ich, du wollest dem Priester, welcher diese h. Messe lesen wird, deine göttliche Gnade überflüssig verleihen, damit er dies hochwichtige Werk mit solcher Andacht verrichte, Meßgebete. 31 wie alle h. Priester ihr Meßopfer verrichtet haben. Ich begehre auch zur würdigen Verrichtung desselben mit meiner Andacht soviel mitzuhelfen, als es mir mit deiner Gnade immer möglich ist. Was ich aber nicht vermag, das wollest du durch deine unendliche Güte ersetzen. Auch bitte ich die liebe Mutter Gottes und alle Heiligen, daß sie an meiner Statt diese h. Messe dem Allerhöchsten aufopfern und durch ihre Verdienste anhalten wollen, daß meine jeßt gemachte Meinung ihre volle Wirkung erlange. Amen. Meßgebete. Gebet, wenn man in die Kirche kommt. ( Vor jeder h. Messe oder auch sonst zu gebrauchen.) Ich bete dich an, o mein wahrer Gott und Herr! der du in diesem h. Tempel wohnest, und grüße dich mit einem freundlichen Gruße. Ich bete dich auch an, o hochwürdigstes Sakrament des Altars, und glaube fest, daß mein Herr Jesus Christus persönlich in dir wohne. Darum beuge ich mein Haupt demüthig vor dir, und erzeige dir wahre göttliche Anbetung. Ich grüße auch euch, ihr lieben Heiligen, zu deren Ehren diese Kirche geweiht ist, und deren Reliquien hier aufbewahrt werden, bittend, ihr wollet mir bei Gott erwerben, daß ich mein Gebet andächtig verrichte. Amen. Mein lieber Gott! ich bin deswegen in diese heil. Kirche gekommen, damit ich dich würdig ehren und anrufen möge. Dieses wünsche ich aber mit solchem Eifer zu thun, daß ich dein göttliches Herz dadurch erfreue. Weil ich dies aber ohne deine besondere Hülfe nicht verrichten kann, so bitte ich um deine 32 Das andere Gärtlein. Gnade und den Beistand des h. Geistes. Ich vereinige mein Gebet mit dem Gebete meines Jesu und aller lieben Heiligen, und mit eben derselben Meinung, mit welcher sie auf Erden gebetet haben, wünsche auch ich jetzt zu beten, und dich meinen Gott zu verehren. So fange ich denn an im Namen Jesu und Mariä. Erste Beise, die h. Messe zu hören zu Ehren des Leidens Christi. Bei einer stillen Messe zu sprechen. MSRPS Intention oder Meinung. ( Vor der h. Messe zu sprechen.) Allmächtiger Gott! jetzt begehre ich dir den allerhöchsten Dienst zu erweisen, und dieser und allen h. Messen, welche in der ganzen Welt gelesen werden, beizuwohnen und derselben theilhaftig zu werden. Daher stelle ich mich im Geiste an alle h. Altäre zu den Priestern, und begehre mit ihnen Messe zu lesen, Christum anzubeten, aufzuopfern und zu genieBen. Ich stelle mich auch im Geiste zu allen Meßhörenden und begehre mit ihnen Messe zu hören, zu bitten, aufzuopfern und sie zur Andacht zu bewegen. Ja, Alles, was unser Herr Jesus Christus unter den Gestalten des Brodes auf allen Altären thut und wirket, verlange ich mit ihm, so viel mir möglich ist, zu thun und zu wirken, und dich meinen Gott, zugleich mit deinem Sohne, auf die kräftigste Weise zu loben, zu lieben, zu ehren, zu bitten, dir zu danken, zu dienen, genugzuthun, alle zugefügte Meßgebete. 33 Schmach abzutragen und dir einen unendlichen Gefallen zu erweisen. Auf daß aber mein Opfer deſto träftiger sei, opfere ich mich selbst mit Leib und Seele zugleich mit dieser Mesſe zu deinem Dienste. Ich opfere dir auch meine und aller Menschen Arbeiten, Geschäfte, Gebete, Andachten, Betrübnisse, Armuth, Krankheiten, Kreuz und Leiden, wie auch alle Peinen der armen Seelen im Fegfeuer. Dies alles vereinige ich mit der h. Messe, und lege es in den Kelch, damit es gesegnet, geheiliget und dir aufgeopfert werde. Jetzt bete deinen Rosenkranz; zur Wandlung aber lasse davon ab, und sprich die Gebete, so folgen. Zur Wandlung. Wenn der Priester niederknieet, so sprich: Ich bete dich an, o gütigster Jesu! auf diesem und allen Altären, wo du gegenwärtig bist, und schlagend an meine Brust bitte ich um Gnade. Zur Aufhebung der h. Hostie sprich reuevollen, aufrichtigen Herzens: Jesu, sei mir gnädig! O Jesu, sei mir barmherzig! O gütigster Jesu, verzeihe mir meine Sünden! Jetzt opfere Christum, sprechend: Schau herab, o heiligster Vater, von deinem himmlischen Throne, und siehe an deinen eingebornen Sohn, gleichwie du ihn vor Zeiten im Kripplein. liegend und am Kreuze hangend angesehen haft. Diesen opfere ich dir durch die Hände der Priester, in der Gestalt wie er auf den Altären ist, und stelle ihn als einen flaren Spiegel vor deine göttlichen Augen, auf daß du dich selbst darin sollest beschauen Myrrhengarten III. 23. Aufl. 3 34 Das andere Gärtlein. und erlustigen. Durch sein göttliches Herz opfere ich dir seine Tugenden und Verdienste, jein Leiden und Sterben, seine Menschheit und Gottheit. Zu deiner höchsten Ehre und Glorie, zur Verehrung seines Leidens und Sterbens, zur Freude seiner Mutter und aller Heiligen, zu meinem und aller Menschen Heil, zur Erquickung der armen Seelen im Fegfeuer. Wenn der Priester niederknicend das h. Blut anbetet, so sprich: Ich bete dich an, o wahres Blut Jesu! hier und auf allen Altären, wo du gegenwärtig bist, und schlagend an meine Brust bitte ich um Gnade. Zur Aufhebung des Kelches sprich: Oheiliges Blut, wasche mich von meinen Sünden! O rosenfarbenes Blut, zahle die verdienten Strafen! O gnadenreiches Blut, schreie zu Gott um Gnade! Opferung des h. Blutes. Allerheiligste Dreifaltigkeit, alle Tröpflein dieses rosenfarbenen Blutes, sammt aller Liebe, allem Spott und Schmerz, unter welchem sie sind vergossen wor= den, opfere ich dir durch die Hände Jesu und aller Priester, und begehre sie alle Augenblicke meines Lebens und Sterbens auf die kräftigste Weise zu opfern, zu deiner höchsten Ehre und zum süßesten Geruch der Lieblichkeit, zur Verzeihung meiner Sünden, zur Zahlung meiner Strafen, zur Abwaschung meiner Makel, zur Besserung meiner Nachlässigkeiten, zur Erstattung meiner Versäumnisse und zur Nachlassung meiner Unwissenheiten, wie auch zum Trost der Betrübten, zur Bekehrung der Sünder, und zur Stärkung der Sterbenden. Amen. Meßgebete. Ausgießung des h. Blutes. Christe Jesu! dies dein göttliches Blut, deine bit teren Zähren, deine sauern Schweißtropfen, deinent blutigen Todesschweiß und das Blut und Wasser deiner Seite gieße ich über meine Seele zu ihrerReinigung, und über alle lieben Seelen des Fegfeuers zu ihrer Erquickung, und bitte, du wolleſt es ſelbst über sie ausgießen und sie dadurch erquicken, reinigen, heiligen und erlösen. Amen. 35 Herzliche Bitte zu Jesu. Gütigster Jesu, jegt wende ich meine Augen und mein Herz zu dir; ach, wende du auch deine Augen und dein Herz zu mir, und siehe an meine äußerste Noth und die größte Gefahr meines Heils! Ach, nimm dich doch meiner an, und sei mein treuer Mittler und Fürbitter bei der strengen, göttlichen Gerechtigkeit! In dieser Messe und in allen Messen opfere dich selbst für mich, und erwirb mir vollfommene Verzeihung meiner Sünden! Zeige deinem Vater dein gekröntes Haupt, deinen verwundeten Leib, deine h. fünf Wunden, dein durchstochenes Herz und dein rosenfarbenes Blut. Erzähle ihm, wie du für mich so schmerzlich seiest gegeißelt, gekrönet, gefreuzigt und getödtet worden, und durch dieſes Alles erbitte mir, daß er mich nicht lasse verloren gehen. Wollest ihn auch in dieser Messe und in allen Messen für mich lieben, loben, ehren und versöhnen, meiner Seele deine Verdienste reichlich zueignen, und sie mit deinem rosenfarbenen Blute besprengen. Amen. 3* Das andere Gärtlein. Sehr fräftiges Opfer. Heiligster Vater, ich) bekenne reumüthig, daß ich dir keine Stunde würdig gedienet, sondern unendliche Schmach zugefügt und vor dir unzählbare Schulden gemacht habe. In dieser meiner Noth nehme ich meine Zuflucht zu dem Schaße der Verdienste deines Sohnes, so auf diesem Altar gegenwärtig und er= öffnet ist, und greifend in die Herzenswunde Jesu nehme ich so viel heraus, als ich zur Zahlung meiner Schulden bedarf. Zu vollkommener Verzeihung meiner Sünden opfere ich dir deshalb, o himmlischer Vater, das ganze bittere Leiden deines Sohnes, welches er auf Erden gar schmerzlich erduldet hat, und jetzt in dieser Messe und in allen Messen wiederum erneuert und fortseget. 3u richtiger Zahlung meiner Schulden opfere ich dir sein rosenfarbenes Blut, welches er auf Erden gar reichlich vergossen hat, und jetzt in dieser Messe und in allen Messen geiſtlicher Weise vergießet und aussprenget. 3u gänzlicher Erstattung meiner Versäumnisse opfere ich dir alle Ehre und Liebe, alles Lob und Gebet, allen Dank und Dienst, so er dir auf Erden geleistet hat und jetzt in dieser Messe und in allen Messen leistet und erweiset. Zur Mehrung meiner Verdienste opfere ich dir die unendlichen Verdienste, so dein lieber Sohn auf Erden. erworben hat, und jetzt in dieser Messe und in allen Messen freigebig austheilet und uns zueignet. O gütigster Vater! dies Alles hat dein Sohn für mich gethan; dies Alles hat er mir zu eigen geschenkt, und dies Alles habe ich dir als das Meinige auf geopfert. Deswegen vertraue ich zuversichtlich, du 36 Meßgebete. 37 werdest wegen dieses unschäßbaren Opfers mir einen großen Theil meiner Schulden nachlassen, und deine Gnade in mir merklich vermehren. Amen. Gebet für Freunde. Ich opfere dir auch diese und alle heutigen Messen . für alle meine leiblichen und geistlichen, lebendigen und abgestorbenen Freunde und Gutthäter, welche alle ich in diese und jede h. Messe befehle, und sie mit Leib und Seele dir aufopfere, bittend, daß du in Ansehung dieses theuersten Opfers, welches weit mehr werth ist, als ich für sie begehre, ihnen Gnade erzeigest, Nahrung bescheerest, in ihren Nöthen beisteheſt, ihre Sünden verzeihest, ihre Strafen nachlassest und ein seliges Ende verleihest, den Abgestorbenen aber ihre Peinen linderest und durch die Verdienste deines bittern Leidens das ewige Leben mittheilest. Amen. Zu Maria und den Heiligen. Glorwürdigste Jungfrau Maria, ihr meine liebsten Patrone, und alle Engel und Heilige, euch allen zu Liebe und zu Ehren höre ich jetzt diese h. Messe und opfere sie dem höchsten Gott zur Mehrung eurer zufälligen Freude und Seligkeit! Euern süßesten Jesus, welcher auf diesem Altare gegenwärtig ist, schenke und verehre ich euch allen und jedem, auf daß Er euch viel tausendmal größere Freude mache, als ich euch mit allen meinen Gebeten und Diensten machen kann; und bitte euch, ihr wollet ihn an meiner Statt an-* beten, lieben, loben und ehren, und der h. Dreifaltigkeit zu meinem Heile aufopfern. An meinem letzten 38 Das andere Gärtlein. Ende erinnert euch dieses meines Dienstes, und lasset mich alsdann eure Liebe und Treue erfahren. Amen. Zum Agnus Dei. O Lamm Gottes, das du jetzt wiederum geistlicher Weise leidest, ach, erbarme dich meiner, und opfere dein Leiden Gott dem Vater zur Verzeihung meiner Sünden! O Lamm Gottes, das du jetzt wiederum geistlicher Weise stirbst, ach, erbarme dich meiner, und opfere deinen Tod Gott dem Vater zur Zahlung meiner Schulden! O Lamm Gottes, das du jetzt wiederum geistlicher Weise dein Blut vergießest, ach, erbarme dich meiner, und opfere dein H. Blut Gott dem Vater zur Abwaschung meiner Sünden! O du gütiges, o du mildes, o du barmherziges Lamm Gottes, Christe Jesu, gleichwie dein Vater vorzeiten alle Sünden der ganzen Welt auf dich gelegt hat, daß du sie durch deinen allerbittersten Tod zum schmerzlichsten hast abbüßen müssen, ebenso lege ich auch jetzt alle Sünden meines ganzen Lebens auf dich, unschuldiges Lamm, daß du sie auf dieſem Altare durch dein frisch vergossenes Blut abbüßen und vertilgen mögest! Ach! erweise mir diese große Gnade! sprich doch gut für mich! nimm meine schwere Sündenlast auf dich, und erwirb mir Barmherzigkeit durch dich! Ach, laß mich nicht ewig zu Schanden werden! laß dein bitteres Leiden an mir nicht verloren sein! ach, laß meiner armen Seele nur ein Tröpflein zu Gute kommen, auf daß sie dadurch Meßgebete. 39 völlig gereinigt, mit Tugenden geziert, und zum würdigen Empfange dieses h. Sakramentes bereitet werde! Zum Domine non sum dignus. Herr Jesu Christe! wegen meiner schweren Sünden bin ich nicht würdig, dich zu empfangen. Darum bitte ich durch deinen bittern Tod, du wolleft sie mir verzeihen! Herr Jesu Christe! wegen. meiner schändlichen Unreinigkeit bin ich nicht würdig, dich zu empfangen. Darum bitte ich durch deine bittern Zähren, du wollest meine Seele reinigen! O Herr Jesu Christe! wegen meiner Lauigkeit und Unandacht bin ich nicht würdig, dich zu empfangen. Darum bitte ich durch die Liebe deines Herzens, du wollest meinem Herzen eine wahre Andacht mittheilen. Ach! nimm es in deine h. Hände und ziere es auf so schöne Weise, wie schön du es geziert und bereitet zu haben verlangst. Amen. Zur geistlichen Kommunion. Odu hochwürdiger Frohnleichnam meines Herrn Jesu Christi! der du jetzt den Priester an seiner Seele speisest und tränkest! ach speise und tränke jetzt auch meine arme Seele geistlicher Weise, durch die süße Nießung deines h. Fleisches und Blutes! O du süßes Himmelsbrod, komme in mein Herz und erquicke es durch die göttliche Kraft! O du süßestes, wohlriechendes Blut meines Jesu, ach tränke, ach begieße, ach reinige, ach ziere meine Seele und treibe alle Unheiligkeit und allen Ulebelgeruch der Sünden von ihr aus. Amen. Das andere Gärtlein. Wenn der Priester den Kelch nimmt, so sprich: Heiligster Vater, dies rosenfarbene Blut opfere ich dir abermals mit solcher Andacht, als wenn ich auf dem Berge Calvariä gewesen, selbiges mit beiden Händen von der Erde aufgeschöpft und dir zur Verzeihung meiner Sünden aufgeopfert hätte. Gleichwie du mir damals verziehen hättest, also wollest du mir auch jetzt verzeihen. Denn dies h. Blut hat dich mehr versöhnt, als ich dich erzürnet habe; es hat dir mehr bezahlt, als ich verschuldet habe; es hat dir größere Ehre erwiesen, als ich dir Unehre angethan habe. Dein lieber Sohn hat auch geschworen, daß, wenn Jemand nur einen Becher kalten Wassers um feinetwillen gegeben hätte, dieser feinen Lohn nicht verlieren werde. Nun habe ich dir keinen Becher falten Wassers, sondern einen Kelch voll warmen Bluts, ja frisch vergossenen göttlichen Bluts aufge= opfert. So kann ich ja darauf schwören, daß du mir feinen geringen, sondern einen großen Lohn dafür geben werdest. Dessen wollest du dich in meinem Tode erinnern und mich alsdann die Kraft dieses Meßopfers genießen lassen. Amen. 40 Beschluß der h. Meffe. Nimm auf, o Gott, dies köstliche Geschenk, welches ich dir durch den Dienst aller himmlischen Kräfte hinaufschicke, und durch das Herz Jesu zu deinem unaufhörlichen Lobe und Dienste aufopfere. Zugleich mit dieser h. Messe verehre ich dir denjenigen Lohn, welchen dein lieber Sohn aus seinen Verdiensten mir wegen Hörung dieser h. Messe mitgetheilt, zu einiger Zahlung meiner Schulden und zur Vermehrung deiner göttlichen Gnaden. O liebster Gott, erinnere dich allzeit in meinem Leben und Sterben, daß Meßgebete. 41 ich heute diese h. Messe mit möglichster Andacht gehört und dir auf die kräftigste Weise, so viel ich gekonnt, auf geopfert habe. Laß diese h. Messe mich in allen Anfechtungen stärken, in allen Betrübnissen trösten, alle meine Arbeit segnen, und mir auch zu meiner leiblichen Nahrung verhelfen. Laß mir diese h. Messe in meinem Tode beistehen, meine Seele zu dem strengen Gericht begleiten, vor der Verdammniß beschützen, mir die bittere Qual des Fegfeuers abkürzen und die himmlische Glorie vermehren. Am. Du kannst nach der Wandlung auch folgende kräftige Aufopferungen des h. Blutes beten, zugleich mit der Meinung, den Ablaß, der damit, wie du am Schlusse lesen kannst, verbunden ist, zu gewinnen. Sieben Aufopferungen des h. Blutes zu Gott dem Vater. ( 3u Zeiten nach der Wandlung zu beten.) 1. Ewiger Vater! ich opfere dir die Verdienste des fostbaren Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Erlösers, auf für die Ausbreitung und Erhöhung der h. Kirche, unsrer lieben Mutter, für die Erhaltung und Wohlfahrt des sichtbaren Oberhauptes derselben, des römischen Papstes, der Kardinäle, Bischöfe und Seelenhirten, und aller Diener des Heiligthums. Ehre sei dem Vater zc. Lobgebet: Jesus sei ewig gelobt und gebenedeit, der durch sein h. Blut uns erlöset hat! 2. Ewiger Vater! ich opfere dir die Verdienste des kostbaren Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Erlösers, auf für den Frieden und die Einigkeit der Könige und katholischen Fürsten, zur Demüthigung der Feinde des h. Glaubens, und für die Glückseligkeit des christlichen Volkes. Ehre sei dem Vater zc. Das andere Gärtlein. Jesus sei ewig gelobt und gebenedeit, der durch sein h. Blut uns erlöset hat! 42 3. Ewiger Vater! ich opfere dir die Verdienste des kostbaren Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Erlösers, auf für die Erleuchtung der Ungläubigen, für die Ausrottung aller Keßereien und für die Bekehrung der Sünder. Ehre sei dem Vater zc. Jesus sei ewig gelobt und gebenedeit, der durch sein h. Blut uns erlöset hat! 4. Ewiger Vater! ich opfere dir die Verdienste des kostbaren Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Erlösers, auf für alle meine Blutsverwandten, Freunde und Feinde, für die Bedürftigen, Kranken und Betrübten, und für alle Jene, für welche ich, wie es dir bewußt ist, zu beten schuldig bin, und für welche du willst, daß ich beten soll. Ehre sei dem Vater 2c. Jesus sei ewig gelobt und gebenedeit, der durch sein h. Blut uns erlöset hat! 5. Ewiger Vater! ich opfere dir die Verdienste des kostbaren Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Erlösers, auf für alle Jene, welche am heutigen Tage in das andere Leben hinübergehen werden, damit du sie von den Peinen der Hölle befreiest und sie desto freigebiger zum Besitze deiner Herrlichkeit gelangen lasseft. Ehre sei dem Vater 2c. Jesus sei ewig gelobt und gebenedeit, der durch sein h. Blut uns erlöset hat! Meßgebete. 6. Ewiger Vater! ich opfere dir die Verdienste des kostbaren Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Erlösers, auf für alle Jene, die diesen Preis unseres Heils zu schätzen und zu lieben wissen für Jene, die sich mit mir vereinigen, selbes zu verehren und anzubeten, und welche sich Mühe geben, diese Verehrung überall zu verbreiten. Ehre sei dem Vater zc. Jesus sei ewig gelobt und gebenedeit, der durch sein h. Blut uns erlöset hat! 7. Ewiger Vater! ich opfere dir die Verdienſte des kostbaren Blutes Jesu, deines geliebten Sohnes und meines göttlichen Erlösers, auf für alle meine geistlichen und leiblichen Bedürfnisse, zur Hülfe der armen Seelen im Fegfeuer, und besonders Jener, welche nach ihrer Frömmigkeit mehr Werth legten auf den kostbarsten Preis unserer Erlösung und auf die Schmerzen und Leiden unserer liebsten, heiligsten Mutter Maria. 43 Ehre sei dem Vater zc. Jesus sei ewig gelobt und gebenedeit, der durch sein h. Blut uns erlöset hat! Es lebe das Blut Jesu Christi, jeßt und allezeit und zu ewigen Zeiten! Amen. Wer diese Aufopferungen mit 7 Ehre sei Gott dem Vater 2c., mit dem Lobgebete reumüthig spricht, und dabei die fromme Meinung hat, hiedurch Jesu Christo einen Ersatz zu leisten für alle Unbilden, die ihm in dem Geheimnisse seines tostbarsten Blutes als dem Preise unserer Erlösung zugefügt werden, erhält für jedesmal einen Ablaß von 300 Tagen; und wer dieselben an allen Tagen eines ganzen Monats betet, gewinnt an dem Tage, an welchem er beichtet, kommunizirt und nach der Meinung des h. Vaters betet, einen vollkommenen Ablaß. Beide Abläse können den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Pius VII., 22. Herbstm. 1817. Das andere Gärtlein. Zweite Beise, die H. Weffe zu hören, als das höchste Lob- und Anbetungsopfer, als das einzig vollgültige Versöhnungs- und Genugthuungsopfer, als das kräftigste und beste Bitt- und Dankopfer. 44 Intention oder Meinung. ( Vor der h. Messe zu sprechen.) Sehr verdienstliches Gebet, wodurch man aller h. Messen, so in selbiger Stunde gelesen werden, theilhaftig wird. O allerhochwürdigste Dreifaltigkeit! es ist meine ernstliche Meinung und herzliche Begierde, dir und allen Heiligen durch andächtige Beiwohnung dieser h. Messe den höchsten Dienst zu erweisen, und mir und allen Gläubigen viel Heil und Segen zu erwerben. Ich will dir opfern 1. das vornehmste Brandopfer, 2. das höchste Lobopfer, 3. das allerbeſte Dankopfer, 4. das träftigste Bittopfer, 5. das mächtigste Versöhnopfer, 6. das würdigste Genugthuungsopfer, und 7. das allerbeste Opfer des Heils für mich und für die ganze Welt. Ich begehre auch nicht allein diese einzige h. Messe zu hören, sondern zugleich mit dieser allen h. Messen der Welt andächtig beizuwohnen, bei allen kräftig mitzuwirken und aller reichlich theilhaftig zu werden. Deßhalb stelle ich mich im Geiste an alle h. Altäre zu den Priestern, und begehre mit ihnen den Beistand des heil. Geistes, daß sie doch mit wahrer Andacht dies göttliche Opfer verrichten mögen. Ich stelle mich auch im Geiste zu allen Meßhörenden und begehre mit ihnen Messe zu hören, zu beten, zu opfern und sie zu aller Andacht zu bewegen. Ich stelle mich auch im Geiste zu meinem lieben Heilande, und was er Meßgebete. 45 unter den Gestalten des Brodes und Weines auf allen Altären thut und wirket, das verlange ich mit ihm, so viel mir möglich ist, zu thun und zu wirken, und dich, meinen Gott, durch deinen Sohn, mit deinem Sohne und in deinem Sohne, auf die kräftigste Weise zu loben, zu lieben, zu ehren, zu bitten und um Verzeihung meiner Sünden anzuhalten; dir zu danken, zu dienen, genug zu thun, alle zugefügte Schmach abzutragen und einen unendlichen Gefallen zu erweisen. Ich vereinige meine Meinung, mein Opfer und Gebet mit der Meinung, dem Opfer und Gebete deines Sohnes, aller Priester und aller Meßhörenden: und verlange von Herzen durch dies Meßhören all dasjenige auszuwirken, was durch die Messe fann ausgewirkt werden. Zu Anfang der h. Messe. Im Namen des † Vaters und des † Sohnes und desh. Geistes. Amen. Heiligster Vater, ich glaube fest, daß das Opfer der h. Messe dir auf eine unendliche Weise Ehre, Lob, Dank und Freude bringe, und daß man durch dasselbe allein dich würdig loben und ehren könne. Darum freue ich mich von Herzen und sage deinem lieben Sohne tausendfältig Dant, daß er uns ein folches Mittel gegeben hat, wodurch wir deine Majestät nach Gebühr verehren können. Deswegen will ich jetzt diesem unschäßbaren göttlichen Werke mit möglichſter Andacht beiwohnen und mit dem Priester dies heil. Opfer aufopfern. Ja, wenn es möglich wäre, bei allen Messen der ganzen Welt gegenwärtig zu sein, 46 Das andere Gärtlein. so wollte ich's herzlich gern; weil ich aber dies nicht kann, so opfere ich sie dir mit einander, und befehle mich auch in alle, so kräftig ich nur kann. Ich erfreue mich auch von Herzen, daß dir, meinem lieben Gott, auf so viel tausend Altären ein so angenehmes Opfer geopfert und so großes Lob gegeben wird. Ach, könnte ich doch bewirken, daß noch mehr heil. Messen gelesen würden! wären doch alle Engel und Menschen Priester, um dir täglich dieses h. Opfer darbringen zu können! O, könnte ich nur dahin wirken, daß alle h. Messen, welche heute gelesen werden, mit möglichster Andacht gelesen würden, welch' eine Herzensfreude würde mir dieses sein. Zu dem Ende bitte ich, o Gott! durch das bittere Leiden und Sterben Jesu Christi, du wollest allen Priestern und jedem insbesondere den heil. Geist mittheilen, daß er ihre Herzen reinige, heilige und entzünde, damit sie mit höchster Ehrerbietung dies hochwürdige Opfer verrichten mögen. Ich bitte auch, du wollest mir und allen Umstehenden eine wahre Andacht verleihen, und unsere Seele mit dem rosenfarbenen Blute Chrifti reinigen, damit wir würdig diese Messe hören und dadurch Gnade und Barmherzigkeit erlangen. Amen. Zum Gloria und zur Collecte. Allerheiligste Dreifaltigkeit, in Vereinigung der Liebe, mit welcher sich Christus am h. Kreuze ge= opfert hat, opfere ich dir diese h. Messe, jammt allen Messen, so diesen Tag in der ganzen Christenheit gelesen werden. Zugleich mit denselben opfere ich dir meinen Leib und meine Seele, meine Geschäfte und Meßgebete. 47 Sorgen, meine Gedanken, Worte und Werke, welche ich auf deinen h. Altar lege und mit dem Meßopfer vereinige, damit alle Segnungen und Gebete des Priesters auch über mein Opfer gesprochen und verrichtet werden. Weil ich dir nichts besseres zu opfern weiß, als mein Herz, darum nehme ich dasselbe in meine beiden Hände und opfere es dir auf deinem h. Altare. Ja, ich lege es geistlicher Weise in den heil. Kelch, damit alle Gebete und Segen, so über denselben gesprochen werden, auch über mein Herz gesprochen werden. Und wie der Wein durch die Consecration in das h. Blut deines Sohnes verwandelt wird, also soll auch mein Herz mit umgewandelt und ganz in dich verwandelt werden. Außerdem lege ich auch all mein Kreuz in diesen h. Kelch und opfere es dir in Vereinigung des bittern Kelches, den Christus am Delberge für unser Heil ausgetrunken, bittend, du wollest dies mein Opfer annehmen und mit deiner väterlichen Hand segnen und benedeien. Amen. Zur Epistel, zum Evangelium und Credo. Das Athanasische Glaubensbekenntniß. Wer selig werden will, muß sich vor Allem zum fatholischen Glauben bekennen. Ewig ohne Rettung verloren ist Jeder, der diesen Glauben nicht unverletzt in seinem ganzen Umfange ✓ bewahrt. Der katholische Glaube besteht aber darin, daß wir einen Gott in der Dreieinigkeit und die Dreieinigkeit in der Einheit anbeten; Das andere Gärtlein. Daß wir die Personen nicht vermischen und ihre Wesenheit nicht trennen. 48 Denn verschieden ist die Person des Vaters, die Person des Sohnes und die Person des h. Geistes. Aber in dem Vater, in dem Sohne und in dem h. Geiste ist nur eine Gottheit. Sie sind gleich an Herrlichkeit; gleich ewig ist ihre Majeſtät. Wie der Vater, so der Sohn, so der h. Geiſt. Unerschaffen ist der Vater, unerschaffen ist der Sohn, unerschaffen ist der h. Geist. Unermeßlich ist der Vater, unermeßlich ist der Sohn, unermeßlich ist der h. Geiſt. Ewig ist der Vater, ewig ist der Sohn, ewig ist der h. Geist. Und doch sind nicht drei Ewige, sondern ein Ewiger. So wie nicht drei Unerschaffene, nicht drei Unermeßliche sind; sondern Ein Unerschaffener, Ein Unermeßlicher. Ebenso ist der Vater allmächtig, allmächtig ist der Sohn, allmächtig ist der h. Geist. Und doch sind nicht drei Allmächtige, sondern nur Ein Allmächtiger. Der Vater ist Gott, der Sohn ist Gott, der heil. Geist ist Gott. Herr ist der Vater, Herr ist der Sohn, Herr ist der h. Geist. Und doch sind nicht drei Herren, sondern Ein Herr. Denn so wie die christliche Wahrheit uns anweiset, jede einzelne Person als Gott den Herrn zu bekennen, Meßgebete. 49 so verbietet uns die katholische Religion, drei Götter oder drei Herren zu glauben. Der Vater ist durch Niemand gemacht, nicht erschaffen, nicht erzeugt. Der Sohn ist vom Vater allein, nicht gemacht, nicht erschaffen, sondern erzeugt. Der h. Geist ist vom Vater und vom Sohne, nicht gemacht, nicht erschaffen, nicht erzeugt, sondern ausgegangen. Es ist also Ein Vater, nicht drei Väter; Ein Sohn, nicht drei Söhne; Ein h. Geist, nicht drei h. Geister. Und in dieser Dreieinigkeit ist nichts früher, nichts später, nichts größer, nichts kleiner; Sondern alle drei Personen sind gleich ewig und sich einander völlig gleich. Nach dieser Vorschrift ist daher die Einheit in der Dreieinigkeit und die Dreieinigkeit in der Einheit zu verehren. Wer also selig werden will, soll auf diese Art an die Dreieinigkeit glauben. er 3um ewigen Heile ist aber auch nothwendig, daß an die Menschwerdung unseres Herrn, Jesu Christi, aufrichtig glaube. Der wahre Glaube fordert also unser Bekenntniß; daß unser Herr, Jesus Christus, Gottes Sohn, Gott und Mensch sei; Er ist Gott aus der Wesenheit des Vaters, von Ewigkeit erzeugt; Und er ist Mensch aus der Wesenheit der Mutter, in der Zeit geboren. Myrrhengarten III. 23. Aufl. 4 Das andere Gärtlein. Ein vollkommener Gott, ein vollkommener Mensch, der aus einer vernünftigen Seele und einem menschlichen Leibe beſteht. 50 Er ist dem Vater gleich nach seiner Gottheit; er ist geringer als der Vater nach seiner Menschheit. Obschon er Gott und Mensch ist, so sind doch a nicht zwei, sondern nur Ein Christus. Ein Christus; nicht als ob die Gottheit in Fleisch verwandelt sei, sondern weil Gott die Menschheit angenommen hat. Ein Christus, nicht durch die Vermischung der. Wesenheit, sondern durch die Einheit der Person. Denn jo wie die vernünftige Seele und der Leib nur Ein Mensch ist: so ist Gott und Mensch nur Ein Christus; Der für unser Heil gelitten hat, zur Hölle abgestiegen, am dritten Tage von den Todten auferstanden ist; Er ist aufgefahren gen Himmel und sizzet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; Von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten. Bei seiner Ankunft werden alle Menschen auferstehen mit ihren Leibern und werden Rechenschaft geben von ihren eignen Handlungen. Und die Gutes thaten, werden eingehen in das ewige Leben, die aber Böses thaten, in das ewige Feuer. Dies ist der katholische Glaube; Niemand kann selig werden, der sich nicht fest und aufrichtig zu diesen Glauben bekennet. Meßgebete. Zum Offertorio. Allmächtiger ewiger Gott, jegzt fangen die Geheimnisse deines göttlichen Werkes an, indem der Priester Brod und Wein über deinem h. Altare aufhebt, und in Gestalten eines wahren Opfers nach der Ordnung Melchisedechs deiner Majestät aufopfert. Deswegen trete ich jetzt im Geiste zum h. Altare, hebe zugleich mit dem Priester meine Hände zu dir und opfere dir diese reine und unbefleckte Hostie, und diesen Kelch des Heils mit Wein und Waffer, so hernach in den wahren Leib und das wahre Blut deines eingebornen Sohnes, unsers Herrn Jesu Chriſti, verwandelt werden; ja in Vereinigung derselben unaussprechlichen Liebe, mit welcher du uns deinen Sohn gegeben, und er sich selbst am h. Kreuze für uns geopfert hat, opfere ich dir von Grund meines Herzens, auf die beste Weise, so viel mir möglich ist, dies hochwürdigste Opfer der h. Messe sammt allen Messen, so diesen Lag in der ganzen Christenheit geschehen. Zugleich mit diesen opfere ich dir auf deinem heil. Altare alle Verdienste, Tugend- und Buß- Werke, wie auch alle Marter, Schmerzen und Verfolgungen deines lieben Sohnes, seiner allerfeligsten Mutter und aller Heiligen, sammt allem Lob und Preis, so sie dir jemals erzeigt haben, und bis in Ewigkeit erzeigen werden. Jmgleichen opfere ich dir auch die Verdienste. Andachten und guten Werke aller Frommen: das Elend, die Armuth, die Verfolgungen, Schmerzen, Zähren, Seufzer und Klagen aller armen, franten und betrübten Menschen, und aller armen Seelen im Fegfeuer, sammt dem ganzen Schatze der heil. 4* 51 Das andere Gärtlein. katholischen Kirche. Diesem schließe ich besonders ein meine Geschäfte und Sorgen, mein Kreuz und Anliegen, meine Worte und Werke, sammt allem Guten, so ich und alle meine geistlichen und leiblichen, lebendigen und abgestorbenen Freunde jemals gewirkt und allem Uebel, so wir jemals gelitten haben, und fünftig in dieser oder jener Welt leiden werden. Alles opfere ich dir auf deinem h. Altare, und lege es in den h. Kelch, damit es durch die Kraft der h. Meſse gesegnet, geheiliget, geweihet und zugleich mit dem heil. Leibe und Blute Jesu Christi durch die Hände des Priesters aufgehoben, und dir aufgeopfert werde. Dies so föstliche Opfer opfere ich dir, o ewiger Vater, durch deinen lieben Sohn, in der Kraft des h. Geistes, im Namen der ganzen fatholischen Kirche, zum wohlriechenden Brandopfer, zur Bezeugung deiner höchsten Majestät und Herrschaft, so du hast über alle Kreaturen. Zum andern opfere ich's dir zum würdigsten Lobopfer, und zur besonderen Freude deiner göttlichen Majestät; auf daß, weil wir fündige Menschen dir nicht vollkommen gefallen können, du in Ansehung dieses allerwürdigsten Opfers höchstes Wohlgefallen empfangen mögeſt. Drittens opfere ich's dir zum allerkräftigsten Versöhnopfer, zu gänzlicher Auslöschung aller Schmach und Unbild, so dir von Anfang der Welt von allen Sündern, insbesondere von mir und meinen Freunden sind zugefügt worden; auf daß dies Opfer dir mehr Freude und Wohlgefallen bringe, als dir von allen Sündern Schmach und Unbild ist angethan worden. Viertens opfere ich's dir zum allervollkommensten 52 Meßgebete. 53 Dankopfer, zu würdigster Vergeltung aller Gnaden und Wohlthaten, so du der glorwürdigsten Menschheit Christi, der allerfeligsten Jungfrau Maria, und allen Engeln und Heiligen, wie auch mir und andern. Menschen an Leib und Seele erzeigt hast, und noch in Ewigkeit erzeigen wirst, um derer willen ich dich zugleich mit allen himmlischen und irdischen Kreaturen anbete, preise und benedeie, und dir von Grund meines Herzens Dank jage. Weiters opfere ich dir diese h. Messe zur Verchrung der gebenedeiten Menschwerdung, des Leidens, der Auferstehung und Himmelfahrt unsers Herrn Jeſu Christi; zur Danksagung für seine mühevollen Arbeiten, die er für uns gethan, für seine Wunden und Schmerzen, die er für uns gelitten, für seine Zähren und Blutstropfen, die er für uns vergossen hat; zur Erneuerung und Vermehrung aller Ehren, Freuden und Gnaden der allerfeligsten Jungfrau Maria, meiner h. Patronen und aller Heiligen. Imgleichen opfere ich sie dir auch für die fatholische Kirche, für alle Priester und Leviten, für alle Orden und geiſtliche Stände, und für alle Obern und Unterthanen, daß du sie vereinigen, regieren und in Frieden erhalten wollest. Ich bitte dich auch, o Herr, für alle meine geistlichen und leiblichen Freunde und Gutthäter, für alle Arme und Elende, für alle Kranke und Abgestorbene, und für alle, die sich in mein unwürdiges Gebet befohlen, und für welche ich zu beten schuldig bin. Für diese alle zugleich, und für einen jeden besonders opfere ich dir diese h. Messe sammt aller Andacht der Umstehenden, demüthig bittend, du wollest ihnen Univ.- Bibl. Giessen 54 Das andere Gärtlein. ihre Sünden verzeihen, die wohlverdienten Strafen nachlassen, deine göttliche Gnade mittheilen, sie vor schädlichen Anfechtungen bewahren, ihnen in allem Kreuz und Leiden beistehen, alle leibliche Nothwendigfeiten verleihen, und sie endlich durch ein seliges Ende zur ewigen Seligkeit aufnehmen. Amen. Zur Präsation. Weil die Kirche in der Präfation Gott ein hohes Lob gibt, darum lobe ein jeder mit dem Priester Gott mit folgendem Gebet: ( Lobgebet der H. Mechtildis.) Ich lobe, preise und benedeie dich, o allerheiligste Dreifaltigkeit, in Vereinigung jenes allergöttlichsten Lobes, mit welchem du dich selbst lobest, und von dir selbst gelobt wirst, und welches aus dir ausfließt in die Menschheit unsers Herrn Jesu Christi, und in die Mutter Gottes, und alle Engel und Heiligen, und aus denselben wieder zurückfließet in den Abgrund der Gottheit, daraus es geflossen ist. In Vereinigung dieses Lobes will ich jetzt ein andächtiges Vater unser sprechen, zur Erstattung alles Lobes, so ich mein Leben hindurch dir zu geben unterlassen habe. Vater unser 2C. Himmlischer Vater, dies Vater unser opfere ich dir auf, in Vereinigung des Lobes, mit welchem dich, Himmel und Erde und alle kreaturen loben, bittend: du wollest dasſelbe annehmen, durch Jesum Chriftum deinen Sohn, durch welchen alles, was dir aufgeopfert wird, aufsteigt im höchsten Wohlgefallen. Amen. Zum Sanctus. Heilig! heilig! heilig! der Herr Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind deiner Herrlichkeit voll. Ho Meßgebete. 55 sanna in der Höhe! Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Zur Stillenmesse oder Canon. Weil die h. Messe eine wahre Eineuerung des Leidens Christi ist, darum erinnere dich auch jetzt dessen mitleidig und sprich: Gütigster Jesu, wie groß ist deine Liebe zu uns, daß du um unseres Heils willen vom Himmel herabgestiegen, unsere Menschheit angenommen, und so sehr viel für uns gethan und gelitten hast! O liebſter Jesus! wie bist du so schimpflich behandelt, und so grausam zermartert worden! Ach wie schmählich biſt du gefangen, gebunden und geführt: wie schändlich verspottet, verspieen und verachtet worden! Ach wie so erbärmlich bist du zerschlagen und zermartert worden! wie grausam gegeißelt, gekrönt und gekreuziget! Dies alles hast du mit höchster Liebe für uns gelitten und deinem Vater für unsere Sünden aufgeopfert. Gleichwohl ruhet deine Liebe noch nicht; sondern damit du uns dieselbe noch mehr zu erkennen gebest, willst du jetzt noch einmal vom Himmel herabsteigen, dein bitteres Leiden erneuern, und deinem Vater lebhaft vor Augen stellen. Die frische Vorstellung deiner Marter soll ihn gleichsam zwingen, sich unser zu erbarmen und uns selig zu machen. O Christe Jesu, wie groß ist deine Liebe zu uns! O Christe Jesu, wie gut meinst du es mit uns! Ich benedeie dich tausend und tausendmal für diese Liebe, und von Grund meines Herzens sage ich dir Lob und Dank. O mein Jesu! mit Verlangen verlange ich nach dir, und mit aller Liebe und Demuth begehre ich dich zu empfangen. Komm, mein Heiland, meines Herzens Wunsch und Das andere Gärtlein. Begehren, von deinem himmlischen Throne, und bringe uns Heil durch deine persönliche Gegenwart! Komm mit deiner Barmherzigkeit, und verzeihe uns unsere Sünden! Komm mit deiner Freigebigkeit und lasse uns unsere Schulden nach! Komm mit deinen Gnaden, und bereichere unsere armen Seelen! Komm mit deiner Liebe, und entzünde unsere kalten Herzen. A. 56 Zur Wandlung. Wenn man das erstemal schellt, so bilde dir ein, als wenn du Christum ans Kreuz genagelt auf dem Altare liegen sähest, bete ihn an und sprich aus mitleidigem Herzen: Ich bete dich an, o gütigster Jesu, hier und auf allen Altären, wo du gegenwärtig bist, und schlagend an meine Brust bitte ich um Gnade! Jesu, sei mir gnädig! O Jesu, jei mir barmherzig! O gütigster Jesu, verzeihe mir meine Sünden! Jetzt opfere Christum, sprechend: Schau herab, o gütigster Vater, von deinem himmlischen Throne, und siehe an deinen lieben Sohn, wie du ihn vor Zeiten am h. Kreuze hangend angesehen hast. Ich opfere dir denselben in solcher Gestalt, wie er am Kreuze hing, und bitte, du wolleft mir um seinetwillen gnädig und barmherzig sein! Ich opfere dir ihn zu deiner und aller Heiligen gröBeren Ehre und Freude, und zum Heil und zur Wohlfahrt der ganzen Christenheit. Ich opfere dir ihn für meine geistlichen und leiblichen Freunde, und für alle, für welche ich zu bitten schuldig bin; insonderheit opfere ich dir ihn zur Verzeihung meiner Sünden, zur Erstattung meiner Nachlässigkeiten, zur Meßgebete. 57 Bezahlung meiner Strafen, und zur Vermehrung deiner göttlichen Gnaden. O gütigster Vater, um deines lieben Sohnes willen erbarme dich unser, und wegen jeines bittern Leidens verzeihe uns unsere schweren Sünden. Amen. Wenn man wieder schellt, sprich: Ich bete dich an, o hl. Blut, hier auf diesem und auf allen Altären, wo du gegenwärtig bist, und schlagend an meine Brust bitte ich um Gnade! Hier schlage dreimal an deine Brust: Oheiliges Blut, wasche mich von meinen Sünden! O kräftiges Blut, lösche aus die verschuldeten Strafen! Orosenfarbenes Blut, erlange mir von Gott Gnade und Barmherzigkeit! O himmlischer Vater, ich opfere dir dies kostbare Blut zu deiner Ehre, und zur Abwaschung meiner schweren Sünden. Um dieses H. Butes willen erbarme dich meiner und lasse meiner armen Seele nur ein einziges Tröpflein zu gut kommen. Amen. Nach der Wandlung. Jetzt, o Jesu, verbeuge ich mich abermals vor dir, mit tiefster Demuth bete ich dich an, und mit Herzlicher Liebe heiße ich dich willkommen. O du mein gefreuzigter Jesu, vor deinem h. Kreuze falle ich auf meine Kniee, und bitte demüthig um Gnade und Barmherzigkeit. Du weißt, wie elend und armselig ich bin, und in welch großer Gefahr der Verdammniß ich mich befinde. Darum erbarme dich meiner nach deiner großen Barmherzigkeit, und wegen deines bittern Leidens errette mich aus so großer Gefahr. 58 Das andere Gärtlein. Gedenke, wie erbärmlich du für mich am H. Kreuz gehangen, und welch unsägliche Schmerzen du ar Leib und Seele gelitten hast! Um dieses Schmerze willen erbarme dich meiner, und lasse diese grausame Marter an mir nicht verloren sein. O gütigster Jeju, du wahrer Priester nach de Ordnung Melchisedechs, ich bitte, du wollest meiner besonders gedenken. Ach opfere deinem Vater deir teusches unbeflecktes Fleisch, und deinen verwundeter zermarterten Leib. Opfere ihm dein h. rojenfarbene Blut und deine bittern Zähren. Opfere ihm dein breiten und tiefen Wunden, und deine grausame Schmerzen und Peinen. Opfere ihm deine Streich und Schläge, deinen Schimpf und Spott, dein Leider und deinen Tod, deine Tugenden und Verdienste sammt allem, was du ihm auf Erden zu Liebe ge than und gelitten hast. Dies alles opfere ihm zu seiner Ehre und zu meinem Heile, und bitte ihn durd die Liebe, so er zu dir trägt, daß er mir gnädig und barmherzig sei. O liebster Jesu! gedenke, wi das ewige Verderben der armen Sünder dir am Kreuze so stark zu Herzen ging und wie eifrig du deinen Vater für sie gebeten! Ach, so lasse dir dem auch jetzt das Heil meiner armen Seele zu Herze gehen, und gleichwie du am Kreuze für alle Sünde gebetet hast, also bitte ihn jetzt absonderlich für mich sprechend: Vater, verzeih ihm, denn er weiß nicht wie übel er thut, daß er dich so schwer erzürnet. Zu Gott dem Vater. Oheiligster Vater, jetzt siehe vom hohen Himm 59 Meßgebete. herab, und schaue an deinen allerliebsten Sohn, welcher jetzt wahrhaft auf diesem h. Altare gegenwärtig iſt, und sich selbst dir als ein angenehmes Versöhnopfer aufopfert. Siehe an, wie dieser dein lieber Sohn wie ein sanftmüthiges Lamm so demüthig auf dem Altare liegt, und dich für die Sünden des Volkes so eifrig bittet. Siehe an das allerreinste Fleisch, welches nimmer mit einer Sünde ist befleckt worden. Siehe an den allerheiligsten Leib, welcher so grausam für uns ist gemartert worden. Siehe an das rosenfarbene Blut, welches so schmerzlich für uns ist vergossen worden. Siehe an die glorwürdigsten Wunden seiner H. Hände und Füße, welche ihm um unsertwillen geschlagen sind. Siehe an die gebenedeite Wunde seiner h. Seite, und gedenke, mit was für Liebe er dieselbe empfangen hat. Diesen deinen lieben Sohn stellen wir dir vor Augen, und opfern dir denselben zur Versöhnung deines gerechten 3ornes. Wenn unsere Missethaten uns unwürdig machen, daß du dich unser erbarmest, so wirf deine Augen auf das Angesicht deines Sohnes, und gedenke, wie er am Kreuze hangend mit bittern Zähren für die armen Sünder gebeten, sprechend: Vater verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun! Dies Gebet erschallt noch in deinen Ohren, weil er dasselbe in allen Messen erneuert, und als ein treuer Mittler dich für die Sünden der ganzen Welt bittet. Wie kannst du die Stimme dieses unschuldigen Lammes überhören? Ach! so höre denn das Gebet unseres Mittlers Jesu Christi, und um seinetwillen schone unser! Nicht siehe an unsere Sünden, sondern seine Tugenden. Nicht 60 Das andere Gärtlein. rechne, was wir verschuldet, sondern was Er verdienet hat. Nicht gedenke, wie sehr wir dich erzürnet, sondern wie völlig Er dich versöhnet hat; und wegen seiner Würdigkeit erbarme dich derer, die feiner Erbarmniß würdig sind. Wenn du ein besonderes Anliegen hast, so jetze folgendes Gebet hinzu: Ach mein liebster himmlischer Vater, du weißt, in welch einem schweren Kreuze ich mich befinde, und daß ich mir selbst nicht zu helfen weiß. Darum fliehe ich zu dir, dem allerbesten Helfer in allen Nöthen, und bitte dich durch deinen lieben Sohn, du wollest mir in meinem schweren Anliegen zu Hülfe kommen. Ich opfere dir diesen deinen werthen Sohn, meinen liebsten Herrn Jejum, in derselben Gestalt, wie er am Kreuze gehangen, und wie er jetzt auf dem heil. Altare gegenwärtig ist. Ich opfere dir die Dörner, so ihm in seiner Krönung sein H. Haupt durchstochen haben. Ich opfere dir die Streiche, so er in seiner Geißlung empfangen hat. Ich opfere dir die schmerz lichen Wunden, so er an seinem Leibe empfangen hat. Ich opfere dir die Zähren, so er die Zeit seines Lebens geweint hat. Ich opfere dir die blutigen Schweiß tropfen, so er am Delberg in tödtlicher Angst geschwist hat. Ich opfere dir alle Blutstropfen, so er für unser Heil vergossen hat. Und endlich opfere ich dir die vielen tausend mühseligen Schritte, gottseligen Werte, trostreichen Worte, h. Gedanken, inbrünstigen Begierden und heroischen Tugenden, so er dir zu Ehren und uns zum Heile geübt und verrichtet hat, auf daß du dich ihretwegen meiner erbarmest und mich aus meinem schweren Kreuze errettest. Amen. Meßgebete. Wenn der Prifter die h. Hoftie bricht, so sprich: Gütigster Jesu, gedenke, wie du in deinem Leiden zertreten, zerschlagen zergeißelt, zermartert, gepeinigt, verwundet und im Tode bist gebrochen worden. Durch diese deine Marter und Pein bitte ich, du wollest dieselbe an mir armen Sünder nicht verloren sein lassen. Zum Agnus Dei. ( Gebet der h. Mechtildis.) 61 O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich meiner, und opfere dich selbst Gott dem Vater mit aller deiner Demuth und Geduld zur Verzeihung meiner Sünden. O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich meiner, und opfere dich selbst Gott dem Vater mit aller Bitterfeit deines Leidens zur Bezahlung meiner Strafen. du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich meiner, und opfere dich Gott dem Vater mit aller Liebe deines Herzens zur Erstattung meiner Nachlässigkeiten. Odu liebes, sanftmüthiges und barmherziges Lamm Gottes, Christe Jesu, erbarme dich meiner! Ach! sprich gut für mich, erwirb, Gnade für mich, und erstatte durch dich, was ich jemals in dem göttlichen Dienste versäumt habe. Amen. Zur geiftlichen Communion. Nun, o süßer Jeju! kommt der glückselige Augenblick, in welchem du dein allerheiligstes Fleisch und Blut allen, so es zu empfangen begehren, wahrhaft mittheilest und sie durch die Kraft dieser göttlichen 62 Das andere Gärtlein. Speise mit dir vereinigest. O wäre auch ich würdig, dies hochwürdige Sakrament zu empfangen und der großen Güter, so darin verborgen sind, theilhaftig zu werden. Wäre ich doch würdig, dich, meinen allergütigsten Gott und Herrn, leiblicher Weise bei mir zu haben und mit den Armen der Liebe an mein Herz zu drücken. Ich könnte ja kein größeres Glück auf Erden haben, ich könnte ja keine größere Gnade wünschen, als daß ich und Gott ein Herz wären und mit dem Bande der ewigen Liebe verknüpft würden. Darum verlangt mein Herz zu dir, und alle Begierden meiner Seele seufzen nach dir. O lieber, o süßer, o gütiger Jesu, lasse mich deiner genießen und dich in mein Herz empfangen! Speise mich mit deinem h. Fleische und tränke mich mit deinem heil. Blute. Heile mich mit deinen h. Wunden und stärfe mich mit deinem bittern Leiden. O göttliches Sacrament, stärfe meine schwache Seele! O göttliche Speise, speise meinen hungrigen Geist! D göttliche Arznei, heile mein frankes Herz! O göttliches Blut! o göttlicher Tranf! Ich bete dich an, ich grüße dich, ich ehre dich, ich erkenne dich für das wahre hochwürdige, göttliche Blut meines Herrn Jesu Christi. O edles, o fräftiges, o rosenfarbenes Blut! tränke, erfrische und besprenge meine sündige Seele. O gnadenreiches Blut, begnade mich! O reines Blut, reinige mich! Oheilsames Blut, heile mich! O kräftiges Blut, stärke mich! Orosenfarbenes Blut, ziere mich! O süßes Blut, erquicke mich! Oh. Blut, entzünde mich! Damit ich immerdar brenne in der Liebe meines allerliebsten Jesu. Amen. Meßgebete. Jetzt sprich: Die Seele Christi heil'ge mich! Der Leib Christi mache selig mich! Das Blut Christi tränke mich! Das Wasser der Seite Christi wasche mich! Das Leiden Christi stärke mich! O gütigster Jesu, erhöre mich! In deine Wunden verbirg mich! Von dir laß nimmer scheiden mich! Vor dem bösen Feinde schüße mich! In der Todesstunde rufe mich! Zu dir zu kommen heiße mich! Mit deinen Heiligen zu loben dich! In allen Zeiten ewiglich! Amen! 63 Zum Segen des Priesters. Gebenedeiter Jesu, gleichwie du in dieser h. Messe das Brod und den Wein so kräftig gesegnet haft, daß sie in deinen wahren Leib und dein wahres Blut sind verwandelt worden: also wollest du mich auch jezt so kräftig segnen, daß ich all mein Leben gesegnet bleibe. Es fegne mich deine Allmacht, es erfülle mich deine Süßigkeit, und es vereinige mich mit dir deine unendliche Gütigkeit. Amen. Zum Verbum Caro factum eft. Mein allergütigster Jesu, ich danke dir von Herzen, daß du dich gewürdiget hast, vom Himmel herab zu steigen und die Menschheit anzunehmen. Durch diese große Liebe bitte ich, lasse doch deine Verdienste an mir nicht verloren sein. 64 Das andere Gärtlein. Zum Ende der h. Messe. Nun, gütigster Jesu! habe ich diese h. Messe gehört und sie mit dem Priester dir aufgeopfert. So übertrage ich nun dir dieselbe, jammt allen Gebeten, die ich dabei verrichtet habe, bittend, du wollest sie in dein übersüßes Herz aufnehmen, darin verbessern und zugleich mit jenem fräftigen Opfer, jo du am h. Kreuze geopfert hast, der heiligsten Dreifaltigkeit zum ewigen Lobe und zu unserm Heile aufopfern. Lasse dir dann gefallen, o allerheiligste Dreifaltigfeit, dies Werk meiner schuldigen Dienstbarkeit, und verleihe, daß dies Opfer dir angenehm, mir aber und allen denen, für welche ich es geopfert habe, durch deine Barmherzigkeit nüglich und versöhnlich sei. Gedenk, o barmherziger Gott, daß du dich meiner erbarmest, weil ich dir das Allertöstlichste im Himmel und auf Erden andächtig geopfert, und diejenige Gabe, die dir unter allen am liebsten ist, aus wahrer Liebe geschenkt habe. Ich habe dir deinen glorwürdigsten und liebsten Sohn dargebracht und zugleich mit ihm seine Verdienste verehrt. So sei denn allzeit eingedenk dieses Opfers und des herzlichen Gefallens, so dir daraus entstanden ist, und vergiß nicht des armen Menschen, der dir dasselbe mit herzlicher Liebe geopfert hat. Laß die Wunden deines Sohnes nimmer aus deinen Augen, damit du allzeit gedenkest, wie theuer er dir unsere Sünden bezahlt hat, und wie billige Ursache du habest, dich unſer zu erbarmen. Amen. Meßgebete. Dritte Weise, die h. Messe zu hören zu Ehren des Leidens Christi. Intention oder Meinung. ( Vor der h. Messe zu sprechen.) 65 Ich will nun dieser h. Messe andächtig beiwohnen und sie gemeinsam mit dem Priester Gott darbringen: 1. Zur Verehrung und Danksagung des gebenedeiten Leidens und Sterbens Jesu Christi. 2. Zur Erlangung aller Gnaden und Verdienste, welche uns Christus durch sein Leiden und Sterben am Stamme des H. Kreuzes erworben hat und im Opfer der h. Messe uns mittheilt. 3. Daß meine Sünden im Leiden Christi getilgt und meine Seele im Blute Christi gewaschen und gereiniget werde. 4. Daß ich durch das Kreuz und Leiden Jeſu Christi stets in allem Guten gestärkt und vor allem Bösen bewahret werde. 5. Daß ich in allen Trübfalen und Widerwärtigfeiten meines Lebens aus dem Meere der Leiden Christi Trost und Geduld schöpfen möge. 6. Daß ich eine besondere Liebe zu Jesus dem Gekreuzigten erlangen und mit der Liebe des Gefreuzigten im Herzen und mit dem Bilde des Gekreuzigten in der Hand einstens im Stande der Gnade sterben möge. Oh. Geist! durch das bittere Leiden und den schmerzhaften Kreuzestod Jesu Christi bitte ich dich, komm herab über mich, über den Priester und über die gegenwärtigen Gläubigen und erleuchte uns mit Myrrhengarten III: 23. Aufl. 5 66 Das andere Gärtlein. deinem Lichte und erfülle uns mit deiner Gnade, damit wir dieses göttliche Opfer aufmerksam und andächtig, würdig und gültig feiern und entrichten mögen. Amen. Zum Beginne der h. Messe. Im Namen des Vaters † und des Sohnes und des h. Geistes. Erinnere dich 1. der Traurigkeit; 2. des Gebetes; 3. des Blutschwitzens Chrifti im Garten Gethsemani und sprich: 1. O zum Tod betrübter Jesu! in dieser h. Messe bitte ich dich durch die Furcht und Noth, durch die Angst und Schmerzen deines hart bekümmerten Herzens: gib mir eine heilsame Gottesfurcht, wodurch ich in aller Gefahr und Anfechtung bewahrt, nimmer in eine Todsünde willige. Stehe mir auch bei in letzter Noth, wann Furcht und Schrecken mich umringen und meine Seele hart bedrängen. 2. O bis zur Erde verdemüthigter Jesu! meine Sünden haben dich zu Boden geworfen. Ach, es reuet mich von Herzen, daß ich dich meinen Gott, das höchste Gut, jemals erzürnt und beleidigt habe. O mein liebster Jesu, siehe! in dieser h. Messe opfere deinem himmlischen Vater zur Genugthuung für meine Sünden dein dreistündiges Gebet im Garten, verleihe mir kräftige Gnade, dich nimmer wieder zu beleidigen. 3. O blutschwißender Jesu! alle meine Sünden und Missethaten lege ich in das h. Blut, so von deinem zarten Frohnleichnam geflossen. Jesu, du liebender Pelitkan! in dieser h. Messe wasche mich mit deinem Blute, heilige mich in deinem Blute, ziere mich mit deinem Blute, wie mit einem hochzeitlichen Kleide, womit ich an jenem Tage des Gerichtes vor S Meßgebete. 67 deinem Angesichte würdig erscheine und von dir erkannt, unter die Auserwählten aufgenommen werde. Amen. Zum Gloria, Collecte und Epistel. Betrachte, wie Christus 1. gefänglich in die Stadt geführet; 2. viel Schläge und Backenstreiche empfangen; 3. im Hause des Kaiphas schimpflich verspottet worden, und sprich: 1. O gefangener Jesu! der du durch die Hände der Gottlosen dich freiwillig haft fangen, binden, und wie ein Missethäter durch den Bach Cedron und darnach durch die langen Straßen Jerusalems hast ziehen und schleifen lassen: in dieser h. Messe küsse und verehre ich andächtig deine Banden und Ketten, und verlange mit Paulus ein Gefangener Jesu zu sein. Darum, o gütigster Herr Jesu, binde mit den Banden deiner Liebe meine Hände und Füße, meine Sinne und Kräfte des Leibes und der Seele, binde sie also fest an dich, daß kein Mensch, fein Satan, keine Kreatur sie auflöse ewiglich! 2. O geduldigster Jesu! in dieser h. Messe bitte ich dich durch die Schläge, Backenstreiche und Stöße, welche du meinetwegen haft ausgestanden, befreie mich von zeitlicher und ewiger Strafe meiner Sünden; wenn's dir aber gefällig und mir selig, daß ich allhier abgestraft werde, so bitte ich, o Jesu, du wollest mich durch deine Gnade also stärken, daß ich mit St. Augustinus sagen möge:, Herr, hier schneide, hier brenne, nur dort in der. Ewigkeit schone meiner." 3. langmüthiger Jesu, in dieser h. Messe bitte ich dich durch die Schändung deines schönen Ange= sichtes, durch die Unbilde und Verspottungen und 5* 68 Das andere Gärtlein. durch die heimliche Gotteslästerung und muthwillige Verhöhnung, welche im Hausterker des Kaiphas unverschämte Bösewichter an dir verübten, du aber mit Geduld und wundersamem Stillschweigen ertragen haft: verzeihe mir meine heimlichen, dir allein bekannten Laster stille und vertilge in mir die Bewegung des Zornes, des Hafses und der Nachgier: gib mir auch Stärke und Gnade, die mir zugefügte Schmach und Unbilde um deiner Liebe willen stillschweigend und geduldig zu ertragen. Amen. Zum Evangelium und Credo. Betrachte, wie Christus 1. fälschlich verklagt; 2. gröblich verunehrt worden, und sprich: 1. O sanftmüthiger Jesu! du warest unschuldig, unbefleckt, weit von aller Sünde, und bist doch fälschlich angeklagt worden. Ach, meine Sünden stehen allzeit wider mich und klagen mich an bei deiner Gerechtigfeit! weh mir Elenden! ewig gehe ich verloren, wenn mir nicht hilft deine Barmherzigkeit. Darum, o gütigster Jesu, werfe ich mich in dieser h. Mesſe zu deinen Füßen nieder, mit David weinend und flehend: ,, Erbarme dich meiner, o Gott, nach deiner großen Barmherzigkeit und nach der Menge deiner Erbarmnisse tilge meine Missethat." 2. O ehrwürdiger Jesu! du bist bei allen Richterstühlen entehrt und gelästert worden, und hast doch die Ehre deines himmlischen Vaters mit Gefahr des Todes bekannt und vertheidiget. Darum, o Jesu, laß dieses h. Meßopfer ein Ehrenopfer sein für dich und deinen Vater: gib mir auch eine solche Stark Meßgebete. 69 müthigkeit, daß ich deine und deines Vaters Ehre in feiner Gelegenheit verletze, kein Fluchen und Gotteslästern geſtatte, und bei Allem und in Allem Gottes Ehre suche zu vermehren, so daß ich bei jeglichem Werke mit Sanct Ignatius sagen möge: Alles zur höchsten Ehre Gottes. Jetzt sprich das Offertorium: Nimm auf, heiligster Vater, allmächtiger ewiger Gott, dieses Opfer von Brod und Wein, welches wir dir, unserem lebendigen und wahren Gotte, nach der Ordnung des Melchisedech darbringen. Wir opfern dir auf diese reine unbefleckte Hostie und diesen Kelch des Heiles mit Wein und Wasser. Wir opfern dir auf die Verdienste Jesu Christi, seiner heiligsten Mutter Maria und aller lieben Heiligen. Wir opfern- dir auf uns selbst, unseren Leib, unsere Seele und alle unsere guten Werke, die wir mit deiner Gnade gewirkt haben. Göttlicher Vater, laß dir unsere Gaben gefallen und laß unser Opfer zum Throne deiner Majestät emporsteigen zu deiner Ehre und zu unserem und der ganzen Welt Heile. Amen. Zum Lavabo oder Händewaschen, Präfation und Sanctus. Gedenke, wie Jesus 1. grausam gegeißelt; 2. mit Dornen gekrönt; 3. zum Tode verurtheilt, und sprich: 1. O allerkeuschester, reinster Jesu! wie zum Erbarmen bist du entblößet, wie jämmerlich bist du ge= geißelt worden. Nichts Gesundes vom Haupte bis zu den Füßen ist an deinem zarten Leibe geblieben. Ach, ich habe durch meine bösen Begierden und durch meine unerlaubten Gelüste diese Peitschen- und Geißel 70 Das andere Gärtlein. hiebe verdient, und du unschuldiger Jesu, bist für mich Schuldigen also schwer hergenommen worden! gegeißelter Jesu, in dieser h. Messe bitte ich dich durch alle Geißelstreiche, so du empfangen: gib mir ein keusches Herz und einen reinen Sinn. Gestatte nicht, daß ich etwas thue oder zulasse, was der Reuschheit meines Standes nur im geringsten zuwider ist. Laß mich oft des weisen Salomon gedenken: O wie schön ist ein keusches Geschlecht, das an Tugenden glänzet." 2. O Jesu, mein gekrönter König der Liebe! dir gebühret die goldene Krone der Glorie und Herrlichkeit: mir aber wegen meiner Hoffart und Ungeduld gebührt die Dornenkrone der Schmach und der Schmerzen. O Jesu, mein gekrönter Fürst, mein königlicher Herr! in dieser h. Messe bitte ich dich, drücke deine Dornenkrone in mein fündiges und eitles Haupt; gib meinem Herzen die Tugend der Sanftmuth und Demuth, damit ich mit dir, o Christe Jesu, in Wahrheit sagen kann:„ Ich bin sanftmüthig und demüthig von Herzen." 3. O unschuldig verurtheilter Jesu! wider dich riefen die Juden das Mordgeschrei: Kreuzige ihn! Kreuzige ihn! Und über dich sprach Pontius Pilatus das Urtheil des Todes. Wir aber fallen in dieser h. Messe vor dir nieder, und mit den Engeln des Himmels rufen wir dir zu:„ Heilig! Heilig! Heilig! bist du Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind voll deiner Glorie und Herrlichfeit!" Und mit den palmtragenden Jüngern singen wir vor dir:" Hosanna dem Sohne Davids! 71 Meßgebete. Gebenedeit sei, der da fommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe." Zum Canon oder Stillemesse. Beherzige, wie Jesus 1. das Kreuz getragen; 2. ans Kreuz genagelt worden, und sprich: 1. Sei gegrüßet, hochheiliges Kreuz, das Jeſus von Jerusalem nach Golgatha getragen: in dieser heil. Messe verehre ich dich demüthig, umfange ich dich herzlich. Ogroßes, schweres Kreuz! dich lege ich im Geiste auf meine Schultern. Hierauf, o mein Jesu, lege Armuth und Elend, Krankheit und Verfolgung. Hierauf lege, was dir gefällig und mir selig. Mit dir, o kreuztragender Jesu, und durch dich, bis zur Ohnmacht niedergedrückter Jesu, gestärkt, hoffe ich alles geduldig, ja fröhlich bis in den Tod zu tragen. 2. O kostbares, o schönes Kreuz! geziert mit dem allerheiligsten Frohnleichnam Jesu Christi und geröthet mit seinem rosenfarbenen Blute: in dieser h. Messe füsse und umarme ich dich tausendmal. Du sollst mir eine Wehr und Waffe sein wider alle sichtbaren und unsichtbaren Feinde meines Heiles. O süßes Kreuz! du sollst mir ein Baum des Lebens sein, unter deinem Schatten will ich mich in Traurigkeit und Widerwärtigkeit niedersehen, und mit deiner süßen Frucht mein bedrängtes Herz erquicken und stärken. Ognadenreiches Kreuz Christi! du sollst mein Wanderstab im Leben und mein Pilgerstab im Tode sein: sterbend sollen meine Hände dich umfassen, brechend sollen meine Augen dich anschauen und erblassend meine Lippen dich küssen. Amen. 72 Das andere Gärtlein. Zur Elevation oder Erhebung der h. Hoftie. Gedenke, wie Christus einst am Kreuze erhöht, jetzt in der Hostie gegenwärtig ist, und sprich: gekreuzigter Herr Jesu, verschone mich! gekreuzigter Herr Jesu, erhöre mich! gekreuzigter Herr Jesu, erbarme dich meiner! Stille Anbetung. Zur Elevation oder Erhebung des h. Kelches. Gedenke, wie das Blut Chrifti einst am Kreuze herabfloß, jetzt im Kelche gegenwärtig ist, und sprich: Christi Blut, reinige mich! Christi Blut, heilige mich! Christi Blut, mache selig mich! Stille Anbetung. Nach der Consecration oder Wandlung. Gedenke, wie Christus drei Stunden am Kreuze hängt im bittersten Leiden, und sprich: 1. O gefreuzigter Jesu! für mein und aller Menschen Heil hängst du drei volle Stunden am Kreuze im bittersten Leiden, in qualvollster Todesangst. Siehe, die ganze Schöpfung entsetzt sich ob der Größe deiner Leiden, ob der Bitterkeit deines Todes. Die Engel im Paradiese trauern, die Sonne am Himmel verfinstert sich, der Vorhang im Tempel zerreißt, die Gräber der Todten öffnen sich, Felsen zerspringen, die Erde bebt und der heidnische Hauptmann schlägt an seine Brust und spricht:, Wahrhaftig, dieser ist Gottes Sohn!" Darum, o Christe Jesu, falle ich in dieser h. Messe vor deiner auf dem Altare gegenwärtigen Majestät auf mein Angesicht nieder, und sage dir feierlich Dank für deine dreistündige Meßgebete. 73 Kreuzesqual, und durch die Bitterfeit derselben bitte ich dich: Erbarme dich meiner, jetzt und alle Zeit und sonderlich in letzter Todesnoth, wann meine arme Seele wird vom Leibe scheiden. 2. O mein in der bittersten Todesangst verlassener Jesu! all mein Vertrauen und meine Zuversicht steht in deinem Leiden: dein Kreuz ist meine Zuflucht, mein Leben und Heil. Ich kann nicht erschreckt werden wegen der Menge meiner Sünden, wenn ich an deine dreistündige Todesangst am Kreuze gedenke. Darum hängst du ja am Kreuze, darum leidest du so erschreckliche Bein und Marter, darum stirbst du ja den allerbittersten Tod, daß ich nicht übel sterbe und ewig verderbe. Jeju! ich habe dein Kreuz, deine Leiden, deine Wunden, dein Blut, und in der h. Messe dich selbst mit allen deinen Verdiensten; ei so kann und will ich nicht verzagen, noch verzweifeln; mit deinem Kreuze will ich mich schützen vor dem bösen Feinde, in deinen Wunden will ich mich verbergen vor deinem strengen Gerichte, dein Blut soll mich bewahren vor der Höllengluth, dein Tod soll mir bereiten das ewige Leben, und das göttliche Lamm im Opfer der Messe soll mir den Himmel erschließen und die Seligkeit erwirken. Amen. Zum Pater nofter. Gedenke, wie Christus am Kreuze sieben Worte des Heiles spricht: 1. O barmherziger Jesu, du hast am Kreuze ge= sagt:„ Vater, verzeihe ihnen." Vergib mir doch auch alle meine Sünden, und gib mir ein versöhnliches Herz, damit ich um deiner Liebe willen allen verzeihe, die mich jemals beleidigt haben. 74 Das andere Gärtlein. 2. O gütiger Jesu, du hast zum reumüthigen Schächer gesagt:„ Heute wirst du bei mir sein im Paradiese." Gib mir Gnade, also zu leben, daß ich in der Stunde meines Todes, wenn ich dich am Kreuze hangend zum letztenmal ansehen werde, hören möge deine trostreiche Stimme:, Heute wirst du bei mir sein im Paradiese." 3. O liebender Jesu, du hast zu deiner Mutter gesagt:„ Weib, siehe deinen Sohn," und zu deinem Jünger: Johannes, siehe deine Mutter." Ich bitte mit findlichem Vertrauen, du wollest deine schmerzhafte Mutter mir auch zu einer Mutter geben und durch ihre Fürbitte von allem lebel mich bes freien, in deiner Gnade mich bewahren und einen seligen Tod mir verleihen. 4. O verlassener Jesu, du hast gesagt:„ Mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verlassen." Ich bitte dich durch diese deine äußerste Verlassenheit, stehe mir bei in allen meinen Nöthen und verlaß mich nicht in der Stunde meines Todes. 5. O trostloser Jesu, du hast gesagt:„ Mich dürstet." Auch ich dürste wie ein Hirsch nach dem Brunnen des lebendigen Wassers, welches aus deiner h. Seite entspringet. O Jesu, gib mir die Gnade, daß meine letzte Labung und Erquichung sei dein Fleisch und Blut im h. Sakramente. 6. O gehorsamster Jesu, du hast gesagt:„ Es ist vollbracht." Ich bitte dich inbrünstig, laß mich nicht eher sterben, als bis ich alles gethan und vollbracht habe, was dir gefällig, und einem frommen Christen zeitlich obliegt und ewig selig ist. Meßgebete. 75 7. O sterbender Jesu, du hast mit lauter Stimme gerufen:„ Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!" Ich bitte dich unter vielen Thränen und starken Seufzern, verleihe mir gnädig, daß meine letzten Worte seien: O Jesu, dir lebe ich! O Jesu, dir sterbe ich! daß mein letzter Seufzer sei: O Jesu, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Zur Communion. Jetzt bete die geistliche Communion und sprich: O Jesu, meine Liebe! Komm, fehre ein bei mir und suche mich in Gnaden heim! Im Geiste eile ich zum Altare, ach! laß mich deine Gottheit und Menschheit empfangen! Du bist mein und ich bin dein! Ewige Freundschaft, mein Jesu, ewige Freundschaft! O gütiger Jesu, ich bitte dich: von dir laß nimmer scheiden mich. Der Leib unseres Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Das Blut unseres Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen. Nach der Communion bis zum Schlusse. Gedenke, wie Jesus nach seinem Tode 1. in den Schooß seiner Mutter und 2. ina Grab gelegt wird, und sprich: 1. O allerbetrübteste, schmerzhafte Mutter Maria! gedenke der sieben Schwerter, welche dein mütterliches Herz durchbohrt und deine jungfräuliche Seele durchdrungen haben, als der Leichnam deines Sohnes vom Kreuze abgenommen und in deinen Schooß gelegt wurde. Durch diese bittern Schmerzen bitte ich dich, du wollest dieses H. Meßopfer und meine geringe Das andere Gärtlein. Andacht, Gebete und Seufzer mit deinen Gebeten, Thränen und Schmerzen vereint, als ein hochherrliches Brandopfer vor den Thron der heiligsten Dreifaltigkeit tragen, und uns den großen Segen des Heiles erflehen, den uns dein lieber Sohn durch sein Leiden und Sterben erworben hat. 76 2. O Jesu, gekreuziget, gestorben, begraben! am Schlusse dieser h. Messe bitte ich dich durch dein h. Begräbniß und durch die Reinigkeit deines Grabes, worein noch Niemand gelegt war: mache auch mein Herz zu einem würdigen Grabe für deinen verherrlichten Frohnleichnam, den ich so eben geistlicher Weise empfangen habe. Reinige mein Herz von allen unreinen Begierden, erfülle es mit deinen göttlichen Gnaden, und laß es deine angenehme Wohnung und deine geheilig te Ruhestätte sein. Amen. Aufopferung. ( Nach der h. Messe zu sprechen.) Himmlischer Vater, allmächtiger Gott und Herr! deiner Höchsten Majestät opfern wir dieses nun voll brachte Meßopfer auf. In Huld und Gnade las dir gefallen dieses hochherrliche Opfer, welches der Hohepriester Melchisedech vorgebildet, welches der Prophet Malachias geweifsagt, welches Jesus Christus selbst eingesetzt, und welches unsere H. Mutter, die Kirche zu feiern pflegt. Laß dir gefallen das schnees weiße mit Blut besprengte Lamm, welches wir in dieser Messe dir dargebracht; laß dir gefallen die hohen Geheimnisse, die wir in derselben gefeiert; la dir gefallen die h. Ceremonien, die wir in denselben Meßgebete. хуру beobachtet; laß dir gefallen alle Gebete, die wir in derselben gesprochen haben. Laß dieses h. Mesopfer ein Ehren- und Freudenopfer sein für dich und den ganzen Himmel, laß es ein Opfer des Heils sein für mich und die ganze Welt. Durch die Kraft dieses dargebrachten Opfers jegne mich der allmächtige Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der h. Geist. A. Vierte Weise, die h. Messe zu hören zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Beim hohen Amte. Intention oder Meinung. ( Vor der H. Messe zu sprechen.) Ich armer Sünder erscheine in diesem h. Tempel und verlange und begehre das allerheiligste Meßopfer zugleich mit dem Priester und in Gemeinschaft mit der h. Kirche zu feiern: 1. 3ur Anbetung und Benedeiung des himmlischen Vaters; zur Anerkennung und Bezeugung seiner ewigen Gottheit, seiner höchsten Majestät und seiner obersten Herrschaft, so er hat über alle Kreaturen im Himmel und auf Erden, und zugleich zur feierlichen Verehrung und Danksagung seiner väterlichen Liebe, womit er sich der fündigen Menschheit erbarmt hat. 2. Zur Anbetung und Benedeiung des göttlichen Sohnes; zur Anerkennung und Bezeugung, daß Jesus Christus ist der Eingeborne vom Vater, Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren -Gott: und zugleich zur feierlichen Verehrung und * Danksagung seiner gebenedeiten Menschwerdung und 78 Das andere Gärtlein. Geburt, seines bittern Leidens und Sterbens, seiner glorreichen Auferstehung und Himmelfahrt. 3. Zur Anbetung und Benedeiung des h. Geistes; zur Anerkennung und Bezeugung, daß er von Ewigfeit her vom Vater und Sohne ausgeht und mit dem Vater und Sohne dieselbe Gottheit, dieselbe Majeſtät und dieselbe Herrschaft hat: und zugleich zur feierlichen Verehrung und Danksagung seiner Gnaden und Gaben, womit er die Menschen heiliget. 4. 3ur Anbetung und Benedeiung der ganzen hochheiligen Dreifaltigkeit; zur Anerkennung und Be= zeugung, daß sie einfach in der Wesenheit und dreifach in den Personen: und zugleich zur feierlichsten Verehrung und Danksagung ihrer allergrößten Glorie und ihrer allerhöchsten Herrlichkeit, womit sie thronet im ewigen Lichte. 5. Zur Verehrung und Anrufung der allerseligsten Jungfrau Maria und aller lieben Heiligen. 6. Zur Tröstung und Erlösung der armen Seelen im Fegfeuer. 7. 3um größten Heil und Segen für mich, für die Meinigen und für die ganze Kirche. Dazu erstehe ich für mich, für den Priester und für die gegenwärtigen Gläubigen den h. Geist, auf daß wir in seinem Lichte und unter seinem Beistande diese H. Messe mit gebührender Ehrerbietung und mit wahrer Andacht feiern und aller Früchte und Wirkungen derselben theilhaftig werden mögen. Zum Beginne der h. Messe. Im Namen des Vaters † und des Sohnes und Meßgebete. 79 des h. Geistes beginne ich jetzt mit dem Priester am Altar, mit der streitenden Kirche auf Erden und mit der triumphirenden Kirche im Himmel, dieses hohe und heilige Opfer der Messe, welches Gott dem Herrn die allergrößte Ehre und die allerhöchste An= betung bringt, mir selbst aber die kostbarsten Güter und die höchsten Schätze des Heiles. Darum preise, meine Seele, den Herrn und frohlocke in Gott, deinem Heilande. Da ich aber meiner Sündhaftigkeit wegen nicht würdig bin, theilzunehmen an diesem hochherrlichen Geheimnisse, so spreche ich in Demuth meines Herzens die offene Schuld meines Lebens: Ich beichte und bekenne Gott, dem Allmächtigen, Maria, der allzeit reinen Jungfrau, dem heil. Erzengel Michael, dem heil. Johannes Baptista, den h. Aposteln Petrus und Paulus, allen Heiligen, und dir, Priester, daß ich oft und viel gesündigt habe, in Gedanken, Worten und Werken. Das ist meine Schuld! meine Schuld! meine größte Schuld! Darum bitte ich Maria, die allzeit reine Jungfrau, den heil. Erzengel Michael, den h. Johannes Baptista, die heit. Apostel Petrus und Paulus, alle Heiligen und dich, Priester, daß ihr alle für mich beten wollet zu Gott unserm Vater, auf daß ich Vergebung, Verzeihung und Nachlaß aller meiner Sünden erlangen möge. Amen. Zum Introitus. Gebenedeit sei die allerheiligste Dreifaltigkeit, die ungetheilte Dreieinigkeit. Alleluja! Gebenedeit jei Gott der Vater, der mich erschaffen hat nach seinem Ebenbilde. Alleluja! Das andere Gärtlein. Gebenedeit jei Gott der Sohn, der mich erlöset hat am Stamme des h. Kreuzes. Alleluja! Gebenedeit sei Gott der h. Geist, der mich geheiliget hat in der H. Taufe. Alleluja! 80 Zum Gloria. Glorie und Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind! Dich loben wir, dich preisen wir, dich beten wir an, dich verherrlichen wir, dir danken wir wegen deiner großen Herrlichkeit; Herr Gott, König des Himmels, Gott, allmächtiger Vater; Herr, eingeborner Sohn, Jesu Christe, Herr Gott, Lamm Gottes, Sohn des Vaters, der du hinwegnimmst die Sünden der Welt, nimm auf unser Flehen; der du sikest zur Rechten des Vaters, erbarme dich unser; denn du allein bist der Heilige, du allein der Herr, du allein der Allerhöchste Jesu Christe, mit dem h. Geiste in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen. Zur Epistel. O du wahrhafter Gott, mein getreuester Herr! mit hoher Freude höre ich der herrlichen Lection unserer heutigen Epistel zu, welche die Braut Chrifti, die h. Kirche, jetzt durch ihren Priester aus den Büchern der Propheten und aus den Briefen der Apostel über uns singen und lesen läßt. O Jesu, du Einsprecher der Propheten, du Lehrmeister der Apostel, ich danke dir für die heilsamen Lehren, die uns dein h. Geist in den prophetischen Büchern und in den apostolischen Schriften geoffenbaret hat. Mit festem Meßgebete. 81 Glauben, mit zuversichtlicher Hoffnung und mit feuriger Liebe nehme ich alle deine geoffenbarten Glaubensund Sittenlehren aus den Händen der unfehlbaren römisch- katholischen Kirche an, und begehre darnach zu leben und zu sterben. Amen. Zum Graduale. O barmherziger Gott! belehrt durch dein Wort, erfreut durch deine Wahrheiten, singe ich mit dem Psalmisten des alten Bundes: Gottes Wort ist kostbarer, als Gold und Edelgestein. Alleluja. Gottes Wort ist süßer, als Honig und Honigseim. Alleluja. Gottes Wort ist ein Licht auf meinen Wegen. Alleluja. Gottes Wort ist eine Leuchte meinen Füßen. Allel. Zum Evangelium. O Christe Jesu, mit Leib und Seele erhebe ich : mich voll Ehrerbietung vor deinem hochherrlichen Evangelium, welches jetzt unsere h. Mutter, die Kirche, durch ihren Priester über mich singen und lesen läßt. In höchster Freudigkeit meines Herzens will ich die fröhliche Botschaft vom Reiche Gottes vernehmen und die Lehren des Heils treu befolgen. Mit dem heil. Paulus will ich vor Himmel und Erde bekennen: daß das Evangelium Christi eine Kraft Gottes ist zum Heile für einen Jeden, der daran glaubt. O gütigster Herr Jesu, laß mich im Lichte und in der Gnade deines h. Evangeliums leben und Myrrhengarten III. 23. Aufl. 6 82 Das andere Gärtlein. sterben und selig werden, auf daß ich einstens im himmlischen Reiche mit dir, o Jesu, und mit allen Engeln und Heiligen mich ewig erfreuen möge. Amen. Zum Credo. Das Nicänische Glaubensbekenntniß. Ich glaube an Einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Und an Einen Herrn Jesum Christum, den eingebornen Sohn Gottes, vom Vater erzeugt von Ewigkeit, Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott; erzeugt, nicht erschaffen, Einer Wesenheit mit dem Vater; durch den Alles gemacht ist; der um uns Menschen und um unseres Heiles willen herabgestiegen ist vom Himmel, und Fleisch geworden vom h. Geiste aus Maria der Jungfrau, und Mensch geworden; gekreuziyet für uns unter Pontius Pilatus, gelitten und begraben; und der auferstanden ist am dritten Tage, der Schrift gemäß; und aufgefahren in den Himmel, fizet zur Rechten des Vaters, und wiederkommen wird mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Todten; dessen Reiches kein Ende sein wird.- Und an den H. Geist, den Herrn und Lebendigmacher, der vom Vater und vom Sohne ausgeht, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlichet wird; der geredet hat durch die Propheten. Und an Eine heilig ekatholische und apoſtolische Kirche. Ich bekenne eine Taufe zur Vergebung der Sünden, und erwarte die Auferstehung der Todten und ein ewiges zukünstiges Leben. Amen. - Meßgebete. Vor dem Offertorium sprich die Prophezie Melchisedechs. ( Vorbildlich.) 83 Melchisedech, der König von Salem, Alleluja. Brachte Brod und Wein dar, Alleluja. Denn er war Priester des Allerhöchsten, Alleluja. Zum Offertorium des Brodes. Nimm hin, h. Vater, dieses Opfer des Brodes, diese reine unbefleckte Hostie, welche ich dir, dem lebendigen und wahren Gott, durch die Hände des Priesters jetzt darbringe und nach der Ordnung Melchisedechs dir aufopfere. Zugleich lege ich auch als Opfergaben auf die Patene nieder die kostbaren Verdienste Jesu Christi, die glorwürdigen Tugenden der allerfeligsten Jungfrau Maria und die guten Werke der Heiligen. Siehe, o göttlicher Vater, dieses alles bringe ich dir dar, und stelle es dir vor, und gebe es dir hin, und opfere es dir auf, demüthig bittend, du wollest mit freundlichem Angesichte darauf herabsehen und es mit Wohlgefallen auf- und annehmen. Amen. 3um Einschenken sprich die Prophezie Davids: Der Herr hat geschworen, Alleluja. Und es wird ihn nicht gereuen, Alleluja. Du, o Messias, bist der Priester ewiglich, Alleluja. Nach der Ordnung des Melchisedech, Alleluja. Zum Offertorium des Kelches. Nimm hin, h. Vater, diesen Kelch des Heiles mit Wein und Wasser, welchen ich dir, dem lebendigen und wahren Gott, durch die Hände des Priesters jest darbringe und nach der Ordnung Melchisedechs dir aufopfere. Zugleich mit diesem Opfer von Wein und Wasser lege ich auch als Opfergaben in den 6* 84 Das andere Gärtlein. Kelch mein Herz, meine Gedanken, Worte und Werke, meine Bitten und Wünsche, meine Freuden und Leiden, mein Leben und fünftiges Sterben. Siehe, o göttlicher Vater, dieses alles bringe ich dir dar, und stelle es dir vor, und gebe es dir hin und opfere es dir auf, demüthig bittend, du wollest mit freundlichem Angesichte darauf herabsehen und es mit Wohlgefallen auf- und annehmen. Amen. Zum Lavabo oder Händewaschen und zur Sekrete sprich die Prophezie Malachiä: Der Herr der Heerschaaren sprach zum Volke, Alleluja. Ich will kein Opfer mehr annehmen, Alleluja. Aus den Händen der Juden, Alleluja. Denn vom Aufgange der Sonne bis zum Untergange, Alleluja. Wird mein Name groß unter den Völkern, Allel. Und an allen Orten wird meinem Namen geopfert, Alleluja. Und ein reines Opfer gebracht werden, Alleluja. Zur Präsation. Hochheiligste Dreifaltigkeit, hochwürdigste Dreieinigkeit! höre an diese h. Präfation, worin dir die Kirche so hohes Lob singt, und auch zugleich alle himmlischen Heerschaaren, alle Engel und Erzengel, alle Cherubim und Seraphim zu deiner Lobpreisung einladet und zu deiner Huldigung anrufet. Mit den neun Chören der Engel, mit der triumphirende Kirche im Himmel und mit der streitenden Kirche auf Erden vereine auch ich meine Stimme, und spreche zu deiner Lobpreisung und Huldigung mit tiefer Verbeugung den Sanctus: Meßgebete. Heilig! heilig! heilig! der Herr Gott Sabaoth! Himmel und Erde sind voll seiner Herrlichkeit: Hosanna in der Höhe! Gebenedeit sei der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! 85 Zur Stillmesse oder Ganon. Mildester Gott, siehe doch mit den Augen deiner Barmherzigkeit auf dieses h. Meßopfer herab, sowie du mit Wohlgefallen herabfahest auf die Opfer deiner beiden Hohenpriester Melchisedech und Aron, und er= höre doch die Gebete, die ich mit diesem Opfer vor deine Majestät bringe: 1. Ich opfere und bete für unsere h. Mutter, die römisch- katholische Kirche, auf daß du sie erhöhen und verherrlichen wollest vor den Augen aller Völker; und namentlich opfere und bete ich für Ihre Päpstliche Heiligkeit, für die Kardinäle, Bischöfe und Priester, für alle h. Ordensstände und für das ganze fatholische Volt. 2. Ich opfere und bete für die Häupter des Erdkreises, für die christlichen Fürsten und Herrscher zu ihrer und ihrer Völker Wohlfahrt. 3. Ich opfere und bete für diese Gemeinde und für dieses Land, und namentlich für meine Eltern, Kinder, Verwandte, Freunde und Wohlthäter, für alle, die mit mir dieser h. Messe beiwohnen, und für alle, die sich in mein Gebet empfohlen haben. 4. Ich opfere und bete für alle Gerechte und Sünder, für alle Kranke und Sterbende, für alle Arme und Gefangene, und für alle lebendige und abgestorbene Christgläubige. 86 Das andere Gärtlein. 5. Ich opfere und bete für die Juden, Heiden und Türken, für die Ketzer und Schismatifer, zu ihrer baldigen Einkehr in den Schooß und die Arme der h. römisch- katholischen Kirche, der Mutter und Lehrerin aller Völker. Amen. Zur Elevation der h. Hostie. Ich bete dich an, o Christe Jesu, in dieser consekrirten Hostie, und schlagend an meine Brust bitte ich um Gnade: O Jesu, sei mir gnädig! O Jesu, sei mir barmherzig! O gütigster Jesu, verzeihe mir meine Sünden! Stille Anbetung. Zur Elevation des h. Blutes. Ich bete dich an, o göttliches Blut Jesu Christi, in diesem confefrirten Kelche und schlagend an meine Brust bitte ich um Gnade: Oh. Blut, wasche mich rein von meinen Sünden! O rosenfarbenes Blut, lösche aus die verdienten Strafen! Ognadenreiches Blut, erlange mir Gnade und Barmherzigkeit! Stille Anbetung. Nach der Consekration. Begrüße Christum als Hohenpriester, König, Richter, Bräutigam, Hirten, Führer und Messias. 1. Ich erkenne und begrüße dich, o Christe Jesu, unter den Gestalten des Brodes und Weines auf dem Altare als meinen unvergleichlichen Hohepriester. Meßgebete. Aron und Melchisedech, die beiden viel gepriesenen Hohenpriester des alten Bundes, gingen nur als dienende Leviten in weiter Ferne vor dir her, und im hohenpriesterlichen Schmucke versinnbildeten sie den Völkern des Alterthums deine hohepriesterliche Herrlichkeit, der eine mit dem blutigen, der andere mit dem unblutigen Opfer. Du aber, o Christe Jeſu, bist der allein wahre Hohepriester in vollkommenster Herrlichkeit, voller Gnade und Wahrheit. Am Kreuze auf Golgatha opfertest du dich blutiger Weise und in der Messe auf dem Altare opferst du dich unblutiger Weise deinem Vater zu unserm Heile. O Christe Jesu, vom Altar spreche über mich aus dein hohepriesterliches Gebet. O Christe Jesu, ertheile mir deinen hohepriesterlichen Segen. O Christe Jeſu, schließe mich ein in dein hohepriesterliches Opfer. Christe Jesu, du hohepriesterlicher Gesalbter, salbe mich mit der Salbung der heiligmachenden Gnade, auf daß ich dir geweihet und dir geheiliget sein und bleiben möge in Ewigkeit. 87 Christus mein Hohepriester, Alleluja! 2. Ich erkenne und begrüße dich, o Christe Jesu, unter den Gestalten des Brodes und Weines auf dem Altare als meinen glorreichen König. O Jesu, du König der ewigen Herrlichkeit, wie freue ich mich, daß du mit deiner ganzen königlichen Majestät hier auf dem Altare so nahe bei mir bist. Siehe, mit der tiefsten Unterwerfung bringe ich dir meine Huldigung dar. O Christe Jesu, du hoher König von Sion, wie freue ich mich, daß ich unter deiner königlichen Herrschaft stehe, herrsche über mich mit dem 88 Das andere Gärtlein. goldenen Scepter deiner Macht und Liebe nach deinem göttlichen Wohlgefallen. Verleihe mir, daß ich durch willigen Gehorsam gegen dein H. Geseß würdig werde, einstens in dein himmlisches Reich aufgenommen zu werden und in der ewigen Stadt Sion ohne Unterlaß dein Lob zu singen. Christus mein König, Alleluja! 3. Ich erkenne und begrüße dich, o Christe Jesu, unter den Gestalten des Brodes und Weines auf dem Altare als meinen zufünftigen Richter, der am jüngsten Tage auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten. Sei mir alsdann gnädig, o gütigster Jesu, und laß mich die liebliche Stimme hören: ,, Kommet ihr Gebenedeiten meines Vaters, besizet das Reich, welches seit Grundlegung der Welt euch bereitet ist." Christus mein Richter, Alleluja! 4. Ich erkenne und begrüße dich, o Christe Jeſu, unter den Gestalten des Brodes und Weines auf dem Altare als meiner Seele liebsten Bräutigam, und sage dir demüthigsten Dant, daß du dich gewürdiget hast, meine arme Seele in der h. Taufe zu deiner Braut zu erwählen. Gib mir, o Jesu, die Gnade, daß ich dich, den Schay meines Herzens, in Zukunft nie mit einer schweren Sünde beleidige, und so würdig sei, zu jener glückseligen Hochzeit, welche du im Himmel allen Guten bereitet hast, zugelassen zu werden. Christus mein Bräutigam, Alleluja! Meßgebete. 89 5. Ich erkenne und begrüße dich, o Christe Jesu, unter den Gestalten des Brodes und Weines auf dem Altare als meinen guten Hirten. Du führest mich auf guter Weide und nährest mich mit deinem göttlichen Worte, ja sogar mit deinem h. Fleische und Blute. Ach möchte ich doch als ein gutes folgsames Schaf auf deine Hirtenstimme hören und derſelben stets gehorsam nachkommen. O möchte ich auch zu der Zahl jener Schafe gehören, welche du auserwählt hast, am jüngsten Tage auf Josaphats Feldern zu deiner Rechten zu stehen und mit dir in das himmlische Paradies einzuziehen. Christus mein Hirt, Alleluja! 6. Ich erkenne und begrüße dich, o Christe Jesu, unter den Gestalten des Brodes und Weines auf dem Altare als meinen treuen Führer auf der Pilgerfahrt meines Lebens. Ich flehe zu dir, göttlicher Heiland, verlaß mich nicht bei so großen Gefahren und so vielen feindlichen Anfällen, welche mein Heil bedrohen, sondern beschüße mich mit deiner Allmacht, regiere mich mit deiner Weisheit, und decke mich mit deiner Liebe, auf daß ich glücklich zu dem gewünschten Ziele des ewigen Lebens gelangen möge. Christus mein Führer, Alleluja! 7. Ich erkenne und begrüße dich, o Christe Jesu, unter den Gestalten des Brodes und Weines auf dem Altare als meinen wahren Messias, den Patriarchen und Propheten geweissagt haben, den die Gerechten und Heiligen des alten Bundes mit so großer Sehnsucht erwartet haben und den die frommen Könige von Juda zu sehen verlangten. O Christe Jesu, Das andere Gärtlein. Abraham sah deinen Tag nur von weitem und er frohlockte im Geiste; und ich habe dich so nahe hier auf dem Altare. O mein Messias! sei mein Erlöser, mein Heiland und Seligmacher. 90 Christus mein Messias, Alleluja! Jetzt bete die geistliche Communion, sobald aber zur Communion des Priesters geschellt wird, so halte erst ein und gedenke, du communicirtest mit dem Priester. O holdseligster Jesu, der du uns zu dir einladest, mit den liebreichen Worten: Kommet alle zu mir, die ihr mit Mühseligkeit und Arbeit beladen seid, ich will euch erquicken;" ich trete nun mit demüthigem und vertrauensvollem Herzen zu deiner göttlichen Majestät, und begehre dein allerheiligstes Fleisch und Blut im Geiste zu genießen, und mich so der Engelspeise geistlicher Weise theilhaftig zu machen. So komm denn, o mein Jesu! Komm, mein Hohepriester; fomm, mein glorreicher König; komm, mein künftiger Richter; fomm, mein liebster Bräutigam; fomm, mein guter Hirt; komm mein treuer Führer; komm, mein wahrer Messias. Komm mit deiner Gottheit und Menschheit, fomm mit deiner Majestät und Herrlichkeit, komm mit deiner Huld und Liebe; komm, erquicke mein Herz; komm, erfreue meine Seele; fomm, erfülle mich mit deiner Gnade; fomm, beseele mich mit deinem Geiste. O Jesu, du Süßigkeit meines Herzens, du Leben meiner Seele! verzeihe mir meine Sünden und nimm von mir alles, was mich abkehrt von dir. Jch bin verwundet, o Jesu, heile mich; ich bin schwach, o Jesu, stärke mich; ich bin verblendet, o Jesu, erleuchte mich; ich bin unwissend, o Jesu, lehre mich; ich bin hungrig, o Jesu, Meßgebete. 91 speise mich; ich bin durstig, o Jesu, tränke mich; ich bin unrein und befleckt, o Jesu, reinige und heilige mich. Ich erkenne meine Sünden und Unvollkommenheiten; o liebster Jesu, bekehre mich; o gütigster Jesu, begnadige mich; o süßester Jesu, bereite dir eine angenehme Wohnung in meinem Herzen, damit du jederzeit bleibest in mir und ich in dir. Der Leib unseres Herrn Jesu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Das Blut unseres Herrn Jeſu Christi bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Jetzt sprich das Anima Christi. Die Seele Christi heilige mich! Der Leib Christi mache selig mich! Das Blut Christi tränke mich! Das Wasser der Seite Christi wasche mich! Das Leiden Christi stärke mich! O gütigster Jeju, erhöre mich! In deine Wunden verberge mich! Von dir laß nimmer scheiden mich! Vor dem bösen Feinde schüße mich! In der Todesstunde rufe mich! Zu dir zu kommen heiße mich! Mit deinen Heiligen zu loben dich! 3u allen Zeiten ewiglich. Amen. Zum Beschluß der geistlichen Communion sprich das O sacrum convivium. Oh. Gastmahl, in welchem Christus genossen, das Gedächtniß jeines bittern Leidens gefeiert, das Herz mit Gnade erfüllt und das Unterpfand der künftigen Herrlichkeit uns gegeben wird. Das andere Gärtlein. Zur Benediction oder Segnung. O Christe Jesu, wende dein mildes Angesicht zu uns und ertheile uns durch deinen Priester die göttliche Benediction: der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heil. Geistes tomme über uns und ruhe auf uns in Ewigkeit. 92 Zum letzten Evangelium. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfange bei Gott; alle Dinge sind durch dasſelbe gemacht worden, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihmn war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen, und das Licht leuchtet in der Finsterniß, und die Finsterniß hat es nicht begriffen. Es war ein Mensch von Gott gesandt, mit Namen Johannes: dieser kam zum Zeugnisse, damit er Zeugniß gebe von dem Lichte, auf daß alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern er sollte Zeugniß geben von dem Lichte. Er war das wahre Licht, welches jeden Menschen erleuchtet, der da kommt in diese Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht worden; aber die Welt hat ihn nicht erkannt. Er kam in sein Eigenthum, und die Seinigen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, hat er die Gewalt gegeben, Kinder Gottes zu werden; jenen, die an seinen Namen glauben, welche nicht aus dem Geblüte, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnet. Und Meßgebete. wir haben gesehen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, wie des Eingebornen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit. Amen. Aufopferung. ( Nach der h. Messe zu sprechen.) 93 Himmlischer Vater! ich opfere dir nun dieses vollbrachte Meßopfer durch deinen lieben Sohn, in der Kraft des h. Geistes und im Namen deiner h. Kirche auf, als ein Lob- und Anbetungsopfer, als ein Bittund Dankopfer, als ein Versöhn- und Genugthuungsopfer und als ein Opfer des Heiles für mich und für die ganze Welt. Ich danke dir auch, o Christe Jesu, daß du mich berufen und gewürdiget haſt, dieser H. Messe beizuwohnen. Ich bitte dich auch, o Christe Jesu, vergib mir alle bei dieser h. Messe begangenen Fehler, Nachlässigkeiten und Zerstreuungen, und ich bitte dich abermals, o Christe Jesu, laß mir auch die Kraft, die Wirkungen und die Früchte dieſer h. Messe allezeit, im Leben, im Tode und in der Ewigkeit zu Gute kommen. O du allerfeligste Jungfrau Maria! O ihr neun Chöre der Engel! O ihr lieben Heiligen alle! traget doch dieses vollbrachte Meßopfer unter himmlischen Lobgesängen vor den Thron des Allerhöchsten und bringet mir herab den Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des h. Geistes. Amen. 94 Das andere Gärtlein. Fünfte Beise, die h. effe zu hören zu Ehren des Leidens Christi. Bei einem hohen Amte zu sprechen. Bei diesen Meßgebeten braucht man sich nach dem Priester nur bei der Wandlung, wenn das hochw. Sakrament aufgehoben wird, strenge zu richten. Die kleine Schrift wird unter der h. Messe nicht geleſen. Intention oder Meinung. ( Vor der h. Messe.) mein treuester Heiland Christe Jesu! der du mich durch dein bitteres Seiden von dem ewigen Tode erlöset hast: siehe, ich will jetzt zur Dankbarkeit für deine großen Wohlthaten diese h. Messe andächtig hören, und in derselben dein bitteres Leidens betrachten. Verleihe mir hierzu deine göttliche Gnade, und erweiche mein steinhartes Herz, damit es dein schmerzliches Leiden recht empfinde, und mit demselben ein wahres Mitleid trage. Ich befehle mich und alle die Meinigen in diese h. Messe, dich bittend, daß du uns allesammt der Kraft dieses h. Opfers theilhaftig machen, und dich selbst deinem himmlischen Vater zu unserm Heile aufopfern wollest. Amen. Wenn der Priester mit dem Diener zum Altare tritt, so bedeutet dies, wie Christus mit seinen Jüngern zum Delberge gegangen ist. Gebet, wenn der Priester zum Altare geht. Ach mein liebster Jesu! wie sehe ich dich mit deinen Jüngern so traurig zum Delberge gehen, um dort dein bitteres Leiden anzufangen und deinen himmlischen Vater für dich und uns anzurufen. Ich ge selle mich zu deinen lieben Jüngern und will mit dir. zum h. Delberge gehen, damit ich dir in deiner Meßgebete. 95 Traurigkeit Gesellschaft leiste, und zugleich mit dir deinen lieben Vater anrufe. Als du in den Garten Gethsemani kamest, und die Gottheit den gewöhnlichen Trost dir entzog, da geriethest du in solch' gewaltige Angst und Traurigkeit, daß du vor großem Leid fast versunken wäreft. Deswegen sprachest du mit vielen herzlichen Seufzern: Meine Seele ist be= trübt bis in den Tod! du mein betrübteſter Jesu! ich habe herzliches Mitleiden mit dir: und diese deine äußere Noth betrübt mich mehr, als wenn sie mich selbst anginge. Ich will in deinem ganzen Leiden bei dir verharren, und mit dir treulich wachen und beten. Du aber wollest mit deiner Gnade auch bei mir bleiben und mich deines bitteren Kelchs theilhaftig machen. Ich opfere dir diese deine bodenlose Traurigkeit zur Erlangung wahrer Reue über meine Sünden, und zur Tröstung meiner betrübten Seele in ihrer allerbittersten Todesangst. Amen. Wenn der Priester von dem Altare herabsteigt, und vor dem Altare stehend, die h. Messe anfängt, so bedeutet dies, wie Christus sich von seinen Jüngern eines Steinwurfs weit absonderte und seinen Vater um Abwendung des Kelches bat. So aber der Priester unter dem Confiteor sich tief verbeugt und dreimal an seine Brust flopft, so bedeutet dies, wie Christus auf sein Angesicht niedergefallen ist und sein schwaches Herz vor Todesangst geklopft hat. Beherzige dies große Leid Christi und sprich mitleidsvoll folgendes: Gebet zum Beginn der Hl. Messe. ( Wenn der Priester die h. Messe anfängt.) Im Namen des Vaters † und des Sohnes und des h. Geistes. Betrübtester Jesu! ach, in welch' großer Schwermuth war damals dein schwaches Herz, als du dich von deinen lieben Jüngern absondertest und eines Univ.- Bibl. Giessen Das andere Gärtlein. Steinwurfs weit zu einer Höhle gingeft, deinen Vater um Hülfe anzurufen! O wie demüthig fielest du auf deine Kniee, und wie inbrünstig riefest du deinen Vater an, sprechend: Abba, mein Vater, ist es möglich, so nimm diesen bittern Kelch von mir. Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!" Als du aber nach langem Beten nicht erhört wurdest, fielest du vor großer Schwachheit auf dein h. Angesicht, dein frankes Herz flopfte vor schmerzlicher Beklommenheit, die Todesangst stieg dir je länger je mehr zum Herzen, der kalte Schweiß brach an allen deinen Gliedern aus, und endlich geriethest du vor Furcht deines Leidens in solch erschreckliche Angst, daß der blutige Schweiß aus deinem ganzen Leibe floß und die Erde unter dir befeuchtete. O was für Gewalt muß das gewesen sein, welche dir Leib und Seele damals überfiel und viel tausend blutige Schweißtropfen austrieb! Ich erinnere dich, o Jesu! der grausamen Todesangst und trage wahres Mitleiden mit dieser deiner übermenschlichen Traurigkeit. Wollte Gott, mein Herz möchte empfinden, was du damals empfunden hast, und ich möchte mit dir wahrhaftiglich trauern und Leid tragen. Ich bitte dich durch die Todesangst, so du damals gelitten, und durch den blutigen Schweiß, so du geschwißzet hast, lösche mit demselben die Mafel meiner Seele aus und bewahre mich vor Kleinmüthigfeit in meiner Sterbestunde. A. 96 Wenn der Priester wieder hinauf zum Altar steigt und denselben. tüsset, so bedeutet dies, wie Christus seinen Feinden entgegen gegangen ist, und den falschen Judas geküsset hat. Wenn er aber von der Mitte geht und und den Introitus betet, so bedeutet dies, wie Christus Annas geführt und allda über seine Lehre befragt worden ist. Zu Ehren dieser Geheimnisse sprich folgendes Meßgebete. Gebet, wenn der Priester zum Altare hinaufgeht. Jeht erinnere ich dich, mein liebster Jesu, an deine große Liebe, als du vor Begierde zu leiden deinen Feinden entgegen gingest, und den falschen Judas freundlich füßteſt. Deine Feinde aber fielen über dich her, warfen dich unbarmherzig nieder, banden dich gar hart mit Stricken und führten dich unter Spott und Hohn zu dem bösen Annas, wo du über deine Lehre befragt und mit einem harten Backenstreich geschlagen wurdest. Ich danke dir, mein süßester Jesu, für die große Liebe, mit welcher du für mich gelitten und den unbarmherzigen Backenstreich empfangen hast, indem ich dich bitte durch deine schmähliche Gefangennehmung und fränkende Führung in die Stadt, erlöse mich von dem ewigen Gefängniß der Hölle, und führe mich zu der Stadt des himmlijchen Jerusalem. Amen. Wenn der Priester wieder zur Mitte geht und mit dem Diener das Kyrie eleison spricht, jo bedeutet dics, wie Christus zu Caiphas geführt und des Todes schuldig erklärt worden ist, indem alle schrieen: er ist des Todes schuldig. Zu Ehren dieser Schmach sprich folgendes Gebet beim Kyrie eleison. 97 Mein liebster Jesu! jetzt erinnere ich dich an die große Schmach, so dir widerfuhr, als du verspottet zum Caiphas geführt und da grausam gelästert wurdest. Ach wie übel ging es dir selbige Nacht, und wie viel harte Streiche und schändliche Verspottungen mußtest du ausstehen! Ich opsere dir allen Spott und alle Streiche, so du damals gelitten hast, und bitte dich, du wollest mir verzeihen, daß ich dich mit meinen schweren Sünden so oft verunehrt und beleidigt habe. Amen. Myrrhengarten III. 23. Aufl. 7 Das andere Gärtlein. Das Gloria in Ercelsts wird bisweilen gesprochen, bisweilen ausgelassen; wenn es gesprochen wird, so danke Christo für die Schmach, welche ihm in dem Hause des Caiphas zugefügt wurde, sprechend: 98 Gebet zum Gloria in excelsis. Ich lobe, preise und benedeie dich, o mein treuester Erlöser Christe Jesu, und von Grund meines Herzens sage ich dir Dank für alle Schmach, so dir in dem Hause des Caiphas zugefügt worden. Wie vielmal du von den Juden bist gelästert worden, so viel hunderttauſendmal benedeie ich dich und sage dir für alle und jede zugefügte Schmach unendlichen Dank, denn du bist allein heilig, du bist allein lobwürdig, du bist allein der Allerhöchste mit dem heil. Geist in der Glorie deines himmlischen Vaters. A. Wenn der Priester von der Mitte wieder zur Seite geht und die Collecte jammt der Epistel betet, so bedeutet dies, wie Chriftus zu Pilatus geführt und da fälschlich verklagt wurde. Zu der Collecte und Epistel. Nun erinnere ich dich, o Jesu! des elenden Ganges, als du am Morgen vom Hause des Caiphas zum Palast des Pilatus geführt, dort von sämmtlichem Volte fälschlich verklagt und zum Tode gefordert wurdest. Ach was für eine unsägliche Schmach war es dir, als du wie ein armer Sünder mit Stricken gebunden durch so viel tausend Menschen geführt, und von allen verspottet und verlacht wurdest! Diejenigen, so dich zuvor für einen h. Propheten gehalten hatten, hielten dich jetzt für den gottlosesten Sünder, ergrimmten heftig wider dich und nannten alle deine Wunder und Tugenden Gaukelwerk und Laster. Als sie aber mit dir zu Pilatus tamen, Meßgebete. 99 verklagten sie dich vor ihm als einen Verführer des Volkes, brachten wider dich viele falsche Zeugen auf, und schrieen wie Unsinnige: Hinweg mit ihm! Kreuzige ihn, kreuzige ihn! O mein Jesu, wie ging dies Mordgeschrei dir und deiner Mutter so tief zu Herzen; und wie schmerzte es dich und sie, daß nun diejenigen, welchen du alles Gute gethan hattest, dir so vieles Leid zufügten! Ich bitte durch all die falschen Anklagen gegen dich und all das grausame Mordgeschrei der Juden, du wollest mich, wenn ich vor deinem Richterstuhle von den bösen Feinden mit Recht verklagt werde, nicht nach meinen Werken verdammen, sondern wegen deines bittern Leidens ein gnädiges Urtheil über mich sprechen. Amen. Wenn der Priester zur andern Seite des Altars geht und dort das Evangelium lies't; so bedeutet dies, wie Christus zu Herodes geführt worden ist. Gebet zum Evangelio. Jesu, du sanftmüthiges Lamm, sei eingedent, mit welchem Spotte du zum gottlosen König Herodes geführt, von den Hohenpriestern verflagt, von dem ganzen Kriegsheere beschimpft und mit einem Narrenkleide angethan worden bist. Für all diesen Spott und Schimpf benedeie ich dich im Namen aller Creaturen viel hundert tausendmal, und bedenke hierbei, wie vielmal ich deine heilsame Lehre, so du uns in deinem h. Evangelio gegeben hast, verſpottet und übertreten habe. Verzeihe mir diese vielfältigen Miſſethaten, o Jesu! und zur Genugthuung für meine Sünden opfere deinem Vater, was du in dem Hause des Herodes für mich gelitten haſt. 7* Das andere Gärtlein. Nach dem Evangelium geht der Priester wieder in die Mitte, betet dort das Credo und Offertorium und deckt den Kelch ab. Dies bedeutet, wie Christus vom Herodes wieder zu Pilatus geführt, da von den Juden wieder verklagt und auf Befehl des Pilatus entblößt und gegeißelt worden ist. 100 Gebet zum Offertorio. Schmerzhafter Jesú! sei eingedenkt, wie man dich mit dem Narrenkleide durch zahllose Volkshaufen zum Pilatus zurückführte, dort von Neuem fälschlich anflagte, vor allem Volke entblößte, mit Stricken an die harte Säule band, und endlich mit Ruthen und Ketten so grausam geißelte, daß dein ganzer Leib voller Striemen und Wunden wurde. Du aber standest an der Säule wie ein unschuldiges Lamm und opfertest deinem Vater deine grausame Geißelung und dein rosenfarbenes Blut zu seiner Ehre und zur Genugthuung für unsere Sünden. Ich falle im Geiste vor deiner h. Säule nieder, bete dich, meinen zergeißelten Heiland, an, küsse deinen h. zerrissenen Leib, und bitte durch diese deine grausame Marter um Verzeihung meiner Sünden, besonders derjenigen, welche ich wider die Reinigkeit begangen habe. Gleichwie du deine bittern Schmerzen deinem Vater aufgeopfert hast, und gleichwie der Priester dir jetzt Brod und Wein opfert; also opfere ich dir auch meinen Leib und meine Seele, insonderheit aber mein armes Herz zu deinem Dienste auf. Dieses Herz lege ich in den h. Kelch, und opfere es dir durch die Hände deines Priesters auf, bittend, du wollest aus dem Kelche deines bittern Leidens ein Tröpflein in dasselbe gießen, damit es deine Marter wahrhaft mit empfinde. Ich opfere dir auch zugleich mit diesem h. Meßopfer all mein Meßgebete. 101 Thun und Lassen, all meine Geschäfte und Sorgen, und all mein Kreuz und Leiden. Dieses alles lege ich ebenfalls in diesen Kelch und bringe es dir als dem höchsten Priester dar, bittend: du wollest es mit deiner h. Hand segnen, in dein süßes Herz aufnehmen, und deinem himmlischen Vater zu seiner Ehre und meinem Heile aufopfern. Amen. Wenn der Priester den Kelch eingeschenkt und geopfert hat, so bedeckt er ihn mit der Balla und macht das h. Kreuzzeichen darüber. Dieses bedeutet, wie Christus mit Dornen gefrönt und mit flachen Händen in's Angesicht geschlagen worden ist. Zu Ehren dieses Schmerzes sprich folgendes Gebet nach dem Offertorio. Jesu! du Bräutigam meiner Seele, die du durch dein H. Blut erworben hast! Ach, wer fann es recht beherzigen, welch' grausame Schmerzen du littest, als man dich mit spizigen Dornen krönte und selbe mit höchstem Schmerz tief in dein h. Haupt drückte! wie auch, als sie mit dem Rohr auf dein h. Haupt und mit flachen Händen in dein engelsanftes Angesicht schlugen. Diese deine grausamen Peinen durchdringen mein Herz, gleichwie sie dein H. Haupt durchdrungen haben. Opfere sie deinem himmlischen Vater und erwirb mir Verzeihung aller meiner Sünden, die ich mit dem Haupte begangen habe. Amen. Wenn der Priester die Hände wäscht, so bedeutet dies, wie Pilatus nach gesprochenem Urtheile die Hände gewaschen hat, Christus aber mit dem Kreuze beladen zur Stadt hinausgeführt worden ist. Gebet zur Händewaschung. Nun ist der Stab über dein Leben gebrochen, o du mein treuester Erlöser! da Pilatus dein Todesurtheil 102 Das andere Gärtlein. gefällt und dich schuldlosesten Heiland zum Kreuze verurtheilt hat. Die unbarmherzigen Schergen aber luden dir das Kreuz auf, und alles Volk führte dich zum Richtplatze hinaus. Ach mein liebster Jesu! wie gehst du unter dem schweren Kreuze so zum Erbarmen einher und wie viele Streiche und Verspottungen mußtest du auf diesem Kreuzwege erdulden! Ich begleite dich mit herzlichem Mitleid und betraure mit schmerzlichem Leid deine schmachvolle Hinausführung, bittend: wenn ich den Weg alles Fleisches werde wandeln müssen, so laß deinen H. Engel meine Seele begleiten und auf diesem gefährlichen Wege stärken. A. Wenn der Priester sich umwendet und das Orate Fratres spricht, so bedeutet dies, wie Christus mit dem Kreuze beladen sich umgewendet und mit den Töchtern von Jerusalem, wie auch mit seiner Mutter geredet hat. Gebet zum Orate Fratres. O du erbarmungswürdigster Kreuzträger, Christe Jesu, du gehest nun ganz troftlos zu der allergrausamsten Marter, und dennoch ist deine Liebe so groß, daß du die weinenden Töchter von Jerusalem in ihrem Leide zu trösten wünschtest und deine verlaffene Mutter, als sie dir entgegenkam, noch einmal umfingest und mit unsäglichem Kummer und Schmerze von ihr den letzten Abschied nahmst. O in was für einem unergründlich tiefen Leide waren damals eure beiden in innigster Liebe verbundenen Herzen, und wie gewaltig bitter war dies traurige Umfangen! Dieser Bitterfeit machet mich theilhaftig, und lasset mich in meinen schweren Betrübnissen niemals kleinmüthig werden. Amen. Gistin Meßgebete. 103 In der Präfation hebt der Priester Gott dem Herrn einen hohen Lob- und Preisgefang an. Dadurch will die katholische Kirche Chrifto Lob und Dank sagen für alle Schmach und Schande, so ihm auf dem Kreuzwege von den Juden angethan worden ist. Alsdann lobe auch du mit dem Priester deinen Heiland mit mit folgendem Gebet zur Präsation. O mein treuester Erlöser Jesu Christe! wie großen Schimpf und Spott haben dir die Juden in deiner Kreuztragung angethan, und wie grausam haben sie dich verflucht und vermaledeit! Sie stießen dich mit Spott und Schande zur Stadt hinaus und führten dich als den ärgsten Mörder zum schmählichsten Tode. Du aber littest diese gewaltige Schmach mit höchster Geduld und ließest dich ohne Widerrede schänden und lästern. Deswegen lobe, preise und benedeie ich dich mit der ganzen h. Kirche, und weil wir dich nie würdig genug loben können, so bitten wir alle neun Chöre der h. Engel, daß sie dich zugleich mit uns loben und ewiglich preisen wollen, sprechend: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth! Voll sind Himmel und Erde der Majestät deiner Herrlichkeit, Hosanna in der Höhe! Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Nach dem Sanctus erhebt der Priester seine Hände, siehet gen Himmel auf, neiget sich tief, tüffet den H. Altar und segnet dreimal den Kelch und die h. Hostie. Dies bedeutet, wie Christus, nachdem er auf dem Berge Calvariä sein Kreuz niedergelegt hatte, vor demselben niedertniete, mit Aufhebung seiner Hände und Augen seinen Vater anrief, darnach sich niederbeugte, das Kreuz anmuthig füßte, endlich sich selbst auf's Kreuz legte und grausam ausgespannt und angenagelt wurde. Gebet nach dem Sanctus. Jegt fängt dein bitteres Leiden erst recht an, o Christe Jesu! da du endlich ganz müde und malt zu dem Berge Calvariä tamest und allda als ein Das andere Gärtlein. unschuldiges Lamm hingeschlachtet wurdest. Ach Gott! was für schwere Marter hast du hier gelitten, und wie grausam sind die unbarmherzigen Henter mit dir umgegangen! Ach welch ein entseßlicher Schmerz war es, als die Henker dir den wollenen Rock so ungestüm von deinem Leibe rissen, daß alle Wunden wieder erneuert wurden und mit frischem Blute zu fließen anfingen! Ach Gott! welch ein trauriges Schauspiel war es doch, als du ganz nackt vor deinem Kreuze niederknietest, deine Hände und Augen zum Himmel erhobest, deinen lieben Vater um Stärfung in der Kreuzmarter anriefest, darnach dich demüthig niederbeugtest, das heil. Kreuz anmuthig küßtest und dich geduldig auf dasselbe niederlegteſt! Die grimmigen Henker nagelten deine rechte Hand zu deinem höchsten Echmerze an und zogen deinen Leib so grausam auseinander, daß kein Glied in seinem Gelenke blieb und viele Adern zersprangen und zerrissen. Endlich nagelten sie deinen linken Arm und beide Füße mit solchem Schmerze an, daß dein Herz in deinem Leibe aufsprang, und du dich eines fläglichen Schreies nicht enthalten fonntest. O mein gekreuzigter Jefu, vor dir falle ich auf meine Kniee und küsse die blutfließenden Wunden deiner h. Hände und Füße! Ich trage herzliches Mitleid mit deiner übergroßen Marter, und deine rührenden Seufzer durchdringen mir Mark und Bein. Weil aber meine Sünden die Ursache dieses deines Schmerzes sind, so bereue ich sie von Grund meines Herzens, und bitte ich durch die grausamen Qualen, so du in deiner Freuzigung gelitten hast, du wollest mir 104 Meßgebete. 105 gnädiglich verzeihen und die wohlverdienten Strafen nachlassen. Amen. Wenn der Priester das hochw. Sakrament erhebt, so bedeutet dies, wie Christus mit dem Kreuze in die Höhe gehoben worden ist. Zur Aufhebung der h. Hoftie. Ich bete dich an, o mein gekreuzigter Jesu, und glaube fest, daß du hier gegenwärtig bist! O Jesu, sei mir gnädig! O Jesu, sei mir barmherzig! gütigster Jesu, verzeihe mir meine Sünden! O du Mittler zwischen Gott und den Menschen, Christe Jesu! gleichwie du am Kreuze hangend dich zwischen deinen Vater und uns arme Sünder geſtellt hast, also stelle dich jetzt auch zwischen seine strenge Gerechtigkeit und unsere vielfältigen Sünden. Versöhne seinen gerechten Zorn und erlange uns Barm= herzigkeit und Verzeihung. Zeige ihm deine h. fünf Wunden und opfere ihm dein h. vergossenes Blut. A. Wenn der Priester den Kelch erhebt, so bedeutet di 3, wie das Blut Christi aus seinem verwundeten Leibe, insbesondere aus den Wunden der Hände und Füße vom Kreuze herabgeflossen ist. Zur Aufhebung des h. Kelches. Ich bete dich an, o du h. Blut Jesu Christi, und glaube fest, daß du hier gegenwärtig bist! O heil. Blut, wasche mich rein von meinen Sünden! O rojenfarbenes Blut, lösche aus die wohlverdienten Strafen! Ognadenreiches Blut, erlange mir bei Gott Gnade und Barmherzigkeit. Amen. Jetzt verrichtet der Priester sein Gebet in der Stille. Ties bedeutet, wie Christus am Kreuze als ein unschuldiges Lamm seinen Mund nicht aufgetyan hat. Der Priester spricht alsbald nobis quoque Peccatoribus. Dies bedeutet, wie die Juden den Herrn am Kreuze gelästert haben. Weil nun Christus persönlich g genwärtig ist und sich dem Vater in der Gestalt, in welcher er am Kreuze gehangen, zeiget, so gieße dein Herz vor ihm aus, sprechend: 106 Das andere Gärtlein. Gebet nach der Elevation. O mein gekreuzigter Jesu! der du jetzt mit Leib und Seele auf dem Altare gegenwärtig bist, ich falle demüthig vor deinem heil. Kreuze nieder, und mit wahrer, Gott gebührender Ehrerbietung bete ich dich an! Vor dir liege ich hier auf meinen Knieen und umfange geistlicher Weise dein h. Preuz mit meinen beiden Armen. Gedenk, o Jesu, wie erbärmlich du am Kreuze gehangen, und was für übermenschliche Schmerzen du an allen deinen Gliedern littest! Gedent, wie inbrünstig du deinen Vater für alle Sünder batest, und wie kräftig du ihm alle deine Wunden und dein rosenfarbenes Blut aufopfertest! Weil du jeßt in dieser H. Messe die Person eines Mittlers vertrittst, so bitte abermals deinen Vater für das Heil meiner armen Seele! Gleichwie du am Kreuze gesprochen hast: Vater! verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun; also sprich auch jetzt zu ihm: Vater! verzeihe diesem großen Sünder, denn er weiß nicht, wie übel er thut! Gleichwie du ihm am Kreuze deine Schmerzen geopfert und deine Wunden gezeigt hast, also opfere ihm auch jetzt für mich deine erlittenen Schmerzen, und zeige ihm deine glorwürdigen Wunden. Gleichwie du ihn damals vollkommen versöhnt hast, also wollest du ihn auch mir vollkommen versöhnen und mich seiner Gnaden fähig machen. Erzähle ihm, was du für mich gethan, wie viel du für mich gelitten, und wie oft du ihn wegen meines Heils gebeten habest; und durch dein inständiges Bitten bewege ihn, daß dies alles an mir nicht verloren gehe. Amen. Meßgebete. 107 Das Pater nofter, welches sieben Bitten enthält, wird vom Priester laut gesprochen, zur Erinnerung, daß Christus am Kreuze die sieben Worte laut gesprochen hat. Gebet zum Pater nofter. Wie groß war deine Liebe zu den Sündern, o Christe Jesu! Wiewohl sie dich selbst am Kreuze zum grausamsten lästerten, so hast du dennoch für sie deinen Vater gebeten, dem Mörder das Paradies versprochen, deine verlassene Mutter dem h. Johannes anbefohlen und noch andere Worte am Kreuze geredet, um dein großes Leiden der Welt zu offenbaren. Ich bitte dich durch die Kraft derselben Worte, so du damals sprachest, verzeihe mir, was ich in den sieben Hauptsünden jemals gesündigt habe. Amen. Der Priester bricht die h. Hostie in zwei Stücke. Dies bedeutet, wie Christus am Kreuze gestorben und seine h. Seele von seinem Leibe abgeschieden ist. Das tleine Stück aber, so der Priester in den Kelch fallen läßt, bedeutet, wie die Seele Christi in die Vorhölle gefahren ist. Gleich darauf folgt das Agnus Dei, bei welchem alle Gegenwärtigen mit dem Priester an die Brust schlagen, welches bedeutet, wie sich alle Creaturen über den Tod Christi betrüben, der Hauptmann aber und alle bekehrten Sünder mit großer Reue an ihre Brust geschlagen haben. Gebet vor dem Agnus Dei. Ozermarterter Jesu! jetzt stellt uns der Priester in Zerbrechung der H. Hostie ganz klar vor Augen, wie deine gebenedeite Seele von deinem h. Leibe mit solcher Gewalt ist losgerissen worden, daß alle Glieder deines zermarterten Leibes frachten und auseinander wichen. O wohl ein schrecklicher Tod! Owohl ein grausamer und schmerzlicher Tod! O Christe Jesu! was für übermenschliche Qualen hast du in deinem Tode gelitten, und wie hast du dein edles Leben so unschuldiger Weise lassen müssen! Ach dieses 108 Das andere Gärtlein. deines bittern Todes Ursache bin ich! Mit meinen schweren Sünden habe ich dich umbringen helfen! Jetzt schlage dreimal an deine Brust, sprechend: O du unschuldiges Lamm Gottes, ich bekenne meine Schuld und flage mich mit Schmerzen an, daß ich deines Todes Ursache bin! O du sanftmüthiges Lamm Gottes, meine Sünden bereue ich und bitte demüthig um Verzeihung! O du barmherziges Lamm Gottes! nimm mich wieder zu Gnaden auf und lasse deinen bittern Tod an mir nicht verloren sein! O mein treuester Erlöser! der du für mich am Kreuze gestorben bist, damit ich ewig leben möchte, ich bitte dich durch deinen allerbittersten Tod, errette mich vom ewigen Tode: opfere deinem Vater alle die grausamen Qualen, so du am H. Kreuze gelitten hast, und durch dieselben bitte ihn, daß er mir die schweren Strafen, die ich durch meine Sünden verschuldet habe, wolle gnädiglich nachlassen! Amen. Der Priester spricht: Tomine non sum dignus und nimmt darnach das h. Satrament. Dies bedeutet, wie die Mutter Gottes, die andern Frauen, Johannes, Nicodemus, Joseph von Arimathia den h. Leichnam Christi betrauert und alsdann mit großer Betrübniß zum Grabe getragen haben. Zum Domine non sum dignus. Jetzt beherzige ich, o Jesu, wie du mit großem Herzenleide von dem Kreuze genommen, von deinen lieben Freunden betrauert und mit größter Betrübniß begraben wurdest. O wäre mein Herz auch ein solch reines Grab, daß du, mein Gott, darin begraben werden und ewiglich darin verbleiben möchtest! Reinige mein Herz, o gütigster Jesu! und wasche zs mit deinem rosenfarbenen Blute, damit es vor deinen Meßgebete. 109 Augen rein erscheine. 3iere es mit deinen föstlichen Tugenden und entzünde es mit deiner göttlichen Liebe, damit es dir zur würdigen Wohnung bereitet werde, und du ewig darin wohnen mögest. Von Grund meiner Seele verlange ich dich zu empfangen und dich allzeit in meinem Herzen zu tragen! Gleichwie der Priester jetzt dein h. Fleisch und Blut genießet, also begehre auch ich es zu genießen, und durch diese göttliche Arznei in allem Guten gestärkt zu werden. Dein h. Fleisch wolle mich speisen, dein H. Blut wolle mich tränken, deine reichen Verdienste wollen mich bereichern, und die Kraft des H. Meßopfers wolle mir Gnade und Barmherzigkeit erwerben. A. ( Hier sprich: Tie Seele Christi u. s. w. S. 63.) Wenn der Priester nach der Communion Dominus vobi: cum spricht, so bedeutet dies, wie Christus nach seiner Auferstehung seinen Jüngern erschien und zu ihnen sprach: Der Friede sei mit euch. Gebet nach der Kommunion. O glorwürdigster Jesu, der du am dritten Tage von den Todten auferstanden und deinen Jüngern erschienen bist, ich erfreue mich deiner glorwürdigsten Auferstehung und wünsche dir Glück zu der großen Glorie, welche du von Gott dem Vater empfangen hast! O daß auch ich möchte würdig sein, an jenem Tage glorreich zu erstehen und mich ewiglich mit dir zu freuen! Ach! verleihe mir diese große Gnade durch die Verdienste deines bittern Leidens, damit ich deine Barmherzigkeit immer und ewig benedeie. Amen. Wenn der Priester dem Volke den Segen gibt und das Evangelium lies't, so bedeutet dies, wie Christus gen Himmel fahrend seine Jünger segnete, diese alsdann das Evangelium in aller Welt predigten. Das andere Gärtlein. Gebet zum h. Segen. Glückseliger Jesu! der du nach vollendetem Laufe siegreich gen Himmel gefahren und in deiner Auffahrt mit erhobenen Händen deinen Jüngern den Segen gegeben hast; ich erfreue mich wegen dieser deiner höchsten Glorie und bitte demüthig um deinen heil. Segen. Strecke deine glorwürdigen Hände aus und ertheile mir deine göttliche Benediction. Segne mich an Leib und Seele und bewahre mich vor allen sichtbaren und unsichtbaren Feinden. Verleihe mir auch durch die Kraft des h. Evangeliums, welches jetzt über mich und alle Anwesende gelesen wird, Stärke und Gnade, gottselig zu leben und deiner göttlichen Lehre treulich nachzufolgen. Amen. Zum Verbum Caro factum est verbeuge dich tief und sprich: Ich bedanke mich, o Christe Jeſu, daß du, göttliches Wort, Fleisch geworden bist und in uns gewohnet haft. Opfere Gott dem Vater die Verdienste deiner Menschwerdung, und gib, daß ich derselben theilhaftig werde. Amen. 110 Aufopferung der h. Messe. Nun habe ich, o himmlischer Vater, diese h. Messe gehört und das Leiden deines lieben Sohnes mitleidend betrachtet. So sei dir denn diese meine Andacht aufgeopfert, welche du dir deines lieben Sohnes wegen gefallen lassen wollest. Gedenk, o gütiger, himmlischer Vater, wie viel dein eingeborner Sohn für mich gelitten, und wie theuer er meine Seele erfauft hat! So würde es ja der größte Schaden sein, wenn dies Alles an mir sollte verloren gehen, und dein lieber Vespergebete. 111 Sohn vergebens für mich gelitten haben. Damit dies nicht geschehe, sei demüthig gebeten, daß du mir das vielfältige Leiden Christi zu gut kommen lasſeſt, auf daß ich deinen h. Namen in alle Ewigkeit preise und benedeie. Amen. Das dritte Myrrhen- Gärtlein. Gepflanzt mit Vesper Gebeten zu Ehren des Leidens Christi. Damit du an Sonn- und Feiertagen unter der Vesper deinem Erlöser für sein bitteres Leiden dankbar sein und dasselbe nach Möglichkeit würdig verehren mögest, darum ist der folgende Pfalm vom Leiden Christi aus dem Psalter Davids genommen und mit anderen Gebeten zu einer Vesper- Andacht zusammengesetzt worden. Mit diesem Gebete wirst du deinem Erlöser dich besonders wohlgefällig erweisen, weil ihm ja kein Gebet lieber ist, als worin man sein bitteres Leiden ehrt, und ihm wegen dessen schuldigen Dank sagt. Bete also diese Vesper- Gebete in der Kirche oder, wenn das nicht geht, zu Hause recht andächtig und mit herzlicher Reue über deine Sünden, welche ja die Ursachen des Leidens Christi sind, und sei versichert, daß du dadurch bei Gott gewisse Verdienste erwirbst. Vater unser. Gegrüßet seist du Maria. V Gott, merte auf meine Hülfe! R, Herr, eile mir zu helfen! Das dritte Gärtlein. Ehre sei dem Vater 2c. Sege hinzu: O ewiger Bater! ich opfere dir auf das kostbare Blut Jesu Chrifti als Lösegeld für meine Sünden und für alle Nöthen der H. Kirche. 112 So oft du diese Nufopferung andächtig sprichst, gewinnst du einen Ablaß von 100 Tagen, den Pius VII. den 29. März 1817 verliehen hat. Antiphon. Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott und der Auswurf des Volkes. Psalm( 21ster.) Der leidende Messias und sein Reich. Gott mein Gott, schau auf mich, warum hast du mich verlaffen? ¹) Das Geschrei der Sünden2) entfernt mein Heil? Mein Gott, ich rufe des Tages, und du erhö eit nicht und des Nachts; ist es nicht umsonst für mich? Aber du wohnst im Heil gthume, Lob Jsraels? Auf dich haben gehofft unsere Väter; sie haben gehofft, und du hast sie errettet. Sie haben zu dir gerufen und wurden erlöset, sie haben auf dich gehofft und wurden nicht zu Schanden. Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch; der Leute Sport und der Auswurf des Voltes. Alle, die mich sehen, spotten mein, bewegen die Lippen und schütteln das Haupt. Er hat gehofft auf den Herrn, der rette ihn; erlöse ihn, weil er sein Wohlgefallen an ihm hat" 8) Denn du bist's, der mich hervorgezogen aus dem Leibe; du meine Hoffnung von den Brüsten der Mutter her. Dir ward ich zugeworfen vom Mutterschooße an; vom Mutterleib an warst du mein Gott! Weich nicht von mir, denn Trübsal ist sehr nahe, weil Keiner ist, der helfe. Viele Farren haben mich umrungen; fette Stiere mich 1) Eo flagt der Heiland am Kreuze. 2) Er machte unsere Sünden zu seinen Sünden. 3) Gerade so spotteten die Juden unter dem skreuze. Vespergebete. 113 umlagert; 4) haben aufgesperrt wider mich ihren Rachen, wie ein raubender und brüllender Löwe. Wie Wasser bin ich ausgegossen, und aufgelös't find alle meine Gebeine. Mein Herz ist wie Wachs geworden, geschmolzen in meinem Leibe.5) Vertrocknet wie ein Scherbe ist meine Kraft und meine Bunge klebet an meinem Gaumen; und in den Staub des Todes hast du mich gebracht. Denn viele Hunde haben mich umrungen: die Rotte der Boshaften mich umlagert. Sie haben meine Hände und meine Füße durchbohrt: alle meine Gebeine gezählt, mich angeschauet und betrachtet, meine Kleider unter sich vertheilt und das Loos geworfen über mein Gewand.) Du aber, Herr, entferne nicht deine Hülfe von mir, schau her zu meinem Schutze. Erlöse von dem Schwert, o Gott, meine Seele, und aus der Hand des Hundes meine Einsame. 7) Rette mich aus dem Rachen des Löwen; und meine Demuth von den Hörnern der Einhörner.s) Ich will deinen Namen verkünden meinen Brüdern, ⁹) mitten in der Gemeinde dich preiſen. Die ihr den Herrn fürchtet, lobet ihn; alle Kinder Jakobs rühmet ihn! Es fürchten ihn alle Nachkommen Israels; denn er hat nicht verachtet, noch verschmähet das Flehen der Armen, noch weggewandt sein Angesicht von mir, und mich gehört, da ich zu ihm schrie. Bei dir ist mein Lob in der großen Gemeine ¹0); meine Gelübde will ich erfüllen im Angesichte derer, die ihn fürchten. Es werden essen die Armen und satt werden, und den Herrn loben, die ihn fürchten; ihre Herzen werden leben in alle Ewigkeit. 4) Ein Bild, wodurch mächtige Feinde angedeutet werden; die Hohenpriester und heidnische Soldaten. 5) Ein Bild der Bangigkeit und Furcht. 6) Der Prophet beschreibt die Umstände der Kreuzigung des Heilandes gerade so, wie sie nachher geschahen. 7) d. i. meine verlaffene, meine einzige und theuerste Seele. 8) Bild der Verfolger. 9) d. i. den Menschen, die Jesus seine Brüder nennt. 10) b. i. die Kirche. Myrrhengarten III. 23. Aufl. 8 114 Das dritte Gärtlein. Es werden sich erinnern und zu dem Herrn zurückkehren alle Enden der Erde, und anbeten vor seinem Angesichte alle Geschlechter der Heiden. Es werden essen und anbeten alle Fetten der Erde, ¹¹) vor seinem Angesichte Alle niederfallen, die zur Erde hin absteigen. Und meine Seele wird ihm leben und meine Nachkommen ¹) ihm dienen. Nach dem Herrn wird genannt werden daß fünftige Geschlecht, und die Himmel werden erzählen seine Gerech tigkeit dem Volke, so geboren wird, das gemacht hat der Herr. Ehre sei dem Vater 2c. mit dem Zusate. O ewiger Vater 2c. Antiphon. Ich ober bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott und der Auswurf des Volkes. Kapitel. Philipperbrief 2. Kap. 7-9. V. Brüder! Christus hat sich selbst entäußert, Knechtsgestalt angenommen und sich selbst erniedrigt und ist gehorsam geworden bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze. Darum hat ihn auch Gott erhöhet und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist. R Gott sei Dank. Lobgesang. Dir, Jesu! Preis, der für mein Heil und Leben Sein Blut aus allen Adern hingegeben! Zum Leben ward mir Jesu theures Blut; Ihm Lob und Preis für dieses höchste Gut! 11) Ciese und die obige Stelle beziehen sich auf das H. Meßopfer, welches ein Anbetungs-, Tant-, Lob- und Versöhnopfer ist und zugleich auch ein Opfermahl, welches man genießt, die Kommunion. 12) Die Christen, die durch den Glauben von Christus, dem zweiten Adam, abstammen. Vespergebete. Gelobt sei Jesu Blut in Ewigkeit, Das von der Hölle hat die Welt befreit. Ein Trank der Stärkung soll dies Blut uns sein, Ein Bad der Seelen; denn es macht sie rein! Des Vaters Zorn versöhnt das Blut vom Sohn' Und führt uns einst ins Reich vor Gottes Thron. Um Rache hat einst Abels Blut geschrien! Durch Jesu Blut ward uns're Schuld verzieh'n! Ist unser Herz mit Jesu Blut beſprengt, So flieht der Feind, der uns verfolgt und drängt. Wenn Lob und Preis das Lob des Herrn erhebt, So jauchzt der Himmel und die Hölle bebt. D'rum rufen alle wir: Gebenedeit Sei Jesu göttlich Blut in Ewigkeit! Wer diese Seufzer und Anmuthungen zu Ehren des kostbaren Blutes Jeju andächtig spricht, erhält für Einmal im Tage einen Ablaß von 100 Tagen, der auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden kann. Pius VII. den 18. October 1815. 115 V Gott hat seines eigenen Sohnes nicht geschont. R Sondern hat ihn für uns dargegeben zum Tode am Kreuze. Antiphon. Um die neunte Stunde¹) rief Jesus mit lauter Stimme: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Und Jesus rief abermals mit lauter Stimme) und gab den Geist auf. Das Magnificat. Hoch preiset meine Seele den Herrn, und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heilande; Denn Er hat angesehen die Niedrigkeit seiner Magd; siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter; Denn Großes hat an mir gethan, der da mächtig, und dessen Namen heilig ist. Er ist barmherzig von Geschlecht zu Geschlecht denen, die ihn fürchten. 1) d. i. um 3 Ubr Nachmittags, zur Zeit, wo das tägliche Opferlamm, welches ihn vorbildete, im Tempel dargebracht wurde. 2) Um au zeigen, daß Er nicht aus Nothwendigkeit, sondern aus freiem Willen sein Leben für die Menschen hingebe. 116 Das dritte Gärtlein. Er übet Macht mit seinem Arme; zerstreut die, die da hoffärtig sind in ihres Herzens Sinne. Die Gewaltigen stürzt Er vom Throne und erhöhet die Niedrigen. Die Hungrigen erfüllt Er mit Gütern, die Reichen läßt Er leer ausgehen. Er nimmt sich Israels an, seines Knechtes ³), eingedenk seiner Barmherzigkeit. Wie er zu unsern Vätern gesprochen hat, zu Abraham und seinen Nachkommen ewiglich. Ehre sei dem Vater 2c. mit dem Zusaße: ewiger Vater 2c. Antiphon. Um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Und Jesus rief abermals mit lauter Stimme und gab seinen Geist auf. V Herr, erhöre mein Gebet, R Und laß mein Rufen zu dir kommen. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der du, das menschliche Geschlecht zu erlösen, gewollt hast, daß dein einges borner Sohn, unser Herr Jesus Christus, Fleisch annehmen und den bittern Tod des Kreuzes leiden sollte; wir bitten dich durch die Liebe dieses deines geliebten Sohnes, du wollest uns durch die Kraft seines bittern Leidens unsere Sünden und Strafen nachlassen und nach einem seligen Tode uns zu der ewigen Seligkeit aufnehmen. Durch denselben Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn, welcher mit dir und dem h. Geiste gleicher Gott lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 3) d. i. Er nimmt sich aller wahren Israeliten, aller seiner wahren Berehrer an und führt sie zum Heile. Vespergebete. Ein Blick auf die schmerzhafte Mutter. Es standen aber beim Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Cleophas und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter und den Jünger, den Er liebte, ſtehen sah, sprach Er zu seiner Mutter: Weib, siehe deinen Sohn! Hierauf sprach Er zu dem Jünger: Siehe deine Mutter! 117 V Bitte für uns, schmerzhafte Jungfrau! R Damit wir der Verheißungen Chriſti theilhaftig werden. ✓ Gebet. O Gott, bei dessen Leiden nach der Weissagung des Simeon die süßeste Seele der glorwürdigen Jungfrau Maria das Schwert des Schmerzes durchdrungen hat; verleihe gnädig, daß wir, die dies schmerzliche Durchdringen und ihr Leiden andächtig verehren, durch die glorreichen Verdienste und Fürbitten aller der Heiligen, welche unter deinem Kreuze treu ausharrten, die fruchtbare Wirkung deines Leidens erlangen mögen; der du lebst und regierst mit Gott dem Bater in Einigkeit des h. Geistes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. V Herr erhöre mein Gebet! R Und laß mein Rufen zu dir kommen! V Laßt uns den Herrn benedeien! R Und ihm ewiglich Dank sagen! V Die Seelen der verstorbenen Gläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes in Frieden! R Amen. 118 Das dritte Gärtlein. Vater unser. Gegrüßet. V Der Herr verleihe uns seinen Frieden. R Und das ewige Leben, Amen. Das Salve Regina. Sei gegrüßt, o Himmelskönigin! Mutter der Barmherzigkeit, Leben, Süßigkeit und unsere Hoffnung, sei gegrüßt! 3u dir flehen wir verbannte Kinder Evens. 3u dir seufzen wir, flagend und weinend in diesem Thränenthale. Eja, unsere Fürsprecherin, wende deine erbarmungsvollen Augen hin auf uns. Und zeige uns nach diesem elenden Lel en Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes. O gütige, o milde, Osüße Jungfrau Maria! V Bitte für uns, o h. Gottesgebärerin! R Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der du den Leib und die Seele der glorwürdigen Mutter und Jungfrau Maria durch die Mitwirkung des h. Geistes zu einer würdigen Wohnung deines Sohnes zubereitet haſt, verleihe uns, die wir mit Freuden ihre Gedächtnisfeier begehen, daß wir auf ihre milde Fürbitte von den uns drohenden Uebeln und von dem ewigen Tode erlöset werden durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. V Die göttliche R, Amen. Vespergebete. Hülfe bleibe allzeit bei uns. 119 Aufopferung. Nimm auf, o gekreuzigter Jesu, dies liebe VesperGebet, welches ich jetzt zu Ehren deines bittern Leidens andächtig gesprochen habe. Ich opfere dasselbe in deine h. fünf Wunden zur herrlichen Verehrung und Danksagung alles desjenigen, so du an Leib und Seele für mich und alle armen Seelen gelitten hast. Demüthig bitte ich, du wollest die reichen Verdienste deines bittern Leidens meiner Seele zu gut kommen lassen, und sie durch die Kraft deines rosenfarbenen Blutes so sauber abwaschen, daß sie vor deinem göttlichen Angesichte nach ihrem Hinscheiden ganz rein erscheinen möge. Amen. Bespergebete zu Ehren des allerheiligsten Sakraments des Altars. Anmerkung. Hier schlage nach das sechste Myrrhen- Gärtlein. Wenn du in der Besper oder sonstigen Nachmittags- Andacht nicht mitsing, so hast du die beste Gelegenheit, dinen im allerheiligsten-atramente gegenwärtigen Heiland anzubeten, ihm für seine unergründliche Liebe zu danken und deine Anliegen vorzutragen. Wie sollte er dir da eine billige Bitte abichlagen, wo er gleichsam auf seinem Throne figt, um seiner Kinder Bitten anzuhören und seine Gnaden auszutheilen. Sonn- und festlägliche Danksagung für die empfangenen Wohlthaten. ( Während der Vesper oder auch zur Haus- Andacht zu sprechen.) Zuerst danke der allerh. Dreifaltigkeit. O hochwürdigste und in Ewigkeit gebenedeite Dreifaltigkeit, weil du durch deinen h. Geist, der die Univ.- Bibl. Giessen 120 Das dritte Gärtlein. fatholische Kirche regiert, die Sonn- und Feiertage eingesetzt hast, damit wir dich nach unserer Schuldigkeit loben, ehren und benedeien; darum fomme ich, dein unwürdiges Geschöpf, am heutigen Tage vor dein göttliches Angesicht, und begehre dir von Grund meines Herzens für alle empfangenen Wohl= thaten Lob und Dauk zu sagen. Ich danke dir, o mein Gott, durch Jesum Christum deinen Sohn, in der Kraft des h. Geistes, daß du mich zu einer vernünftigen Creatur erschaffen, und mir eine so edle Seele gegeben hast, welche nach deinem göttlichen Ebenbilde gestaltet ist. Ich danke dir, daß du mir den Verstand, das Gedächtniß und den freien Willen, als drei so köstliche Kleinodien gegeben hast, daß ich derer keines um den größten Schatz der Welt verlieren wollte. Ich danke dir für meine fünf Sinne und alle Glieder meines Leibes, wie auch für Nahrung und Unterhalt, welche du mir reichlicher als ich werth bin mitgetheilt hast. Ich danke dir, daß du mich vor vielen Uebeln, Unglück und Gefahr behütet, und vor vielen Krankheiten und Widerwärtigkeiten, darein ich hätte gerathen können, gnädig bewahret hast. Imgleichen danke ich dir auch für alles Unglück, Kreuz und Leiden, so du mir aus lauter Liebe zum Heil meiner Seele hast zukommen lassen: und erbiete mich fernerhin dergleichen, soviel dir lieb und angenehm sein wird, von deiner väterlichen Hand anzunehmen, und mit deiner Gnade geduldig zu tragen. Ich danke dir auch, o Christe Jesu, daß du um meines und aller Menschen Heils willen vom Himmel S Vespergebete. 121 herabgestiegen, die Menschheit angenommen, in großer Armuth gelebt, und so sehr viel Uebels auf Erden gelitten hast. Jch danke dir, daß du meinetwegen haft wollen betrübt, gefangen, gebunden, gegeißelt, gekrönt, gekreuziget und getödtet werden. Ich danke dir, daß du mich mit deinem Tode erlöset, mit deinem Blute gereiniget, mit deinen Verdiensten bereichert, mit deiner Lehre unterrichtet, und für meine Sünden mit deinem Leiden genug gethan hast. Ich danke dir, daß du die sieben h. Sakramente eingeſetzt, und durch dieselben uns deine göttliche Gnade reichlich mittheilest. Ich danke dir, daß du das hochwürdigſte Opfer der h. Messe eingeseßt, und uns in demselben das allerkräftigste Mittel, deinen Vater zu versöhnen und von ihm alle geistlichen und leiblichen Güter zu erlangen, gegeben hast. Endlich danke ich dir, daß du im hl. Sakramente des Altars so liebreich bei uns wohnest, und durch dasselbe uns so viele unaussprechliche Gaben mittheilest. Ich danke auch dir, o gnadenreicher h. Geist, daß du mich durch die h. Taufe von der Erbsünde gereiniget, mit der göttlichen Gnade begabet, mit den drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe geziert, und zum Kinde Gottes und Erben des Himmels gemacht hast. Ich danke dir, daß du mich zu dem wahren, allein seligmachenden katholischen Glauben gebracht, und vor einem fehzerischen Glauben bewahrt hast, in welchem ich vielleicht verstockt und so unfehlbar verdorben und zur ewigen Verdammiß gekommen wäre. Ich danke dir, daß du mir schon vielmals die heil. Satramente der Beicht und Communion mitgetheilet, 122 Das dritte Gärtlein. und meine sündige Seele dadurch gereiniget und geheiliget hast. Ich danke dir, daß du mich bewahrtest und noch bewahrest vor unzähligen Sünden und Missethaten, die ich sonst begangen hätte und begehen würde. Ja, muthwillig würde ich der Hölle zulaufen, wenn du mich nicht durch deine Gnade davon zurück> hieltest! Ich danke dir, daß du mich in keiner Tods sünde haft sterben und verderben lassen, wie es vielen begegnet ist, die ein frömmeres Leben geführt haben, als ich führe, sondern mich so lange Zeit mit Geduld ertragen, und auf meine Buße und Besserung gewartet hast. Ich danke dir, daß du mir so viele Gelegenheiten, Gutes zu wirken, gegeben, und mich durch deine h. Einsprechungen dazu angetrieben hast, obschon ich, leider Gottes! dieselben versäumt, gleichsam verachtet habe. Für diese und andere Wohlthaten, so ich nicht alle aufzählen, noch erkennen kann, lobe, preise und benedeie ich dich, o allerheiligste Dreifaltigkeit, durch das alleredelste Herz Jesu Christi, in der Kraft des h. Geistes und aus dem Affekt aller Geschöpfe. Und weil ich dir nicht genug danken kann, darum opfere ich dir alles Lob und Dank, das dir von allen Menschen, Engeln und Heiligen, insonderheit von deinem Sohne und seiner lieben Mutter ist gegeben und gesprochen worden. Ich bitte auch alle Geschöpfe, daß sie dich mit mir, und für mich loben, ehren, preisen und benedeien wollen. Ganz besonders aber bitte ich dich, o liebster Jesu, daß du dies für mich verrichtest, und zur Dankbarkeit aller mir ertheilten Gnaden, für mich deinen allerheiligsten Vater, wie Vespergebete. auch dich und den h. Geist mit ewigem himmlischem Lobe preisest, lobest und benedeiest und mit göttlichem Jubel statt meiner ein neues Lob singest und alle Dantjagung, so ich schuldig bin, erstattest und einbringest. Amen. 123 Jetzt bete die allerh. Dreifaltigkeit an. Ich bete dich an, o allmächtiger Vater, Erschaffer Himmels und der Erde. Ich bete dich an, o eingeborner Sohn, Erlöser der sündigen Welt. Ich bete dich an, o h. Geist, du Tröster der betrübten Seelen. Ich bete dich an, o allerglorwürdigste Dreifalfaltigkeit, du Regierer aller Creaturen. Ich unterwerfe meine Nichtigkeit deiner unendlichen Majestät, und erkenne dich für meinen wahren Gott und hochgebietenden Herrn. Ich lobe, ehre und preise dich wegen deiner höchsten Glorie und Herrlichkeit, und danke dir für alle Gaben und Wohlthaten, so du mitgetheilt hast und noch mittheilest, und ins fünftige noch mittheilen wirst allen vernünftigen Creaturen bis auf mich gar elenden und boshaften Sünder. Ach! du höchste Liebe, verwirf doch nicht mich Armseligen, der ich ja ein Werk deiner Hände und das theure Pfand bin, welches mit dem Blute Christi erlöset worden; sondern bewahre meine Seele vor dem ewigen Verderben. A. Endlich erhebe dich zu der reinsten Liebe, welche darin besteht, daß man sich über das( sute, was der Andere hat oder genießt, ebenso freuet, als wäre es unser eigen, und freue dich über die Seligkeit der allerheil. Dreifaltigkeit und wünsche der allerh. Dreifaltigkeit Glück. Gebenedeit seist du dreieiniger Gott, unser Herr, der über dem Firmamente des Himmels wohnt! Ge 124 Das dritte Gärtlein. benedeit seist du aus der innersten Kraft meines Geistes und aus allen Kräften meines Leibes und meiner Seele! Ich freue mich von ganzem Herzen, daß du bist der allgewaltige, allerglorwürdigste und allerseligste Gott! Jch freue mich über deine unendliche Glorie, welche du besikest, und über alles Gute, welches du ewiglich genießest; ich freue mich, daß du ein so mächtiger Gott bist, welcher Alles in seiner Gewalt hat, und dem alle Creaturen nach seinem Willen müssen unterthänig sein. Zur vollkommensten Danksagung und Glückwünschung, daß du derjenige Gott bist, dessen Wesenheit kein erschaffener Verstand begreifen kann, opfere ich dir durch das Herz Jeſu, in meinem und aller Menschen Namen, deine göttliche unendliche Wesenheit, mit allen Vollkommenheiten und Eigenschaften, so du in derselben begreifest: und wünsche von Herzen, daß dich alle Creaturen im Himmel und auf Erden mögen erkennen, und dir wegen deiner unermessenen Freude und Seligkeit Glück wünschen. Diese alle stelle ich geistlicher Weise dir vor und in ihrem Namen wünsche ich dir Glück, bittend, daß du meiner und aller Creaturen Schuldigfeit dich zu lieben und dir Glück zu wünschen, durch dich selbst erstatten und erfüllen wollest. Und diese Liebe und dieses Lob opfere ich dir zur Danksagung aller Wohlthaten, so du allen Engeln und Menschen jemals erzeigt hast, und in der Ewigkeit erzeigen und geben wirst. Amen. Der h. Kreuzweg. Nach der Besper. In einigen Gegenden ist die schöne Sitte, daß man nach der Vesper zum Gottesacker geht, um dort die Kreuzweg- Andacht für die Verstorbenen zu verrichten. O, wohl eine schöne Sitte! Denn Du mußt wissen, daß mit dieser Andacht viele Ablässe, sogar mehrere vollkommene gewonnen werden können, ohne daß man zuvor die Hh. Saframente der Buße und des Altares empfangen zu haben braucht, wenn man nur im Stande der Gnade ist. Du kannst also für deine verstorbenen Eltern, Kinder, Ehegatten, Geschwister, Verwandten und Freunde jedesmal einen vollkommenen Ablaß gewinnen und noch einen für dich ſelbst. Welch' eine Freude für jene armen Seelen, für welche du den Kreuzweg gehst und aufopferst! Kannst du es auf dem Kirchhof oder Gottesacker nicht, so thue es da, wo ein Kreuzweg ist. Wäre aber dieser zu weit entfernt, oder es dir sonst unmöglich, denselben zu gehen, so verrichte dein Gebet zu Hause mit aller Andacht, indem du in der Hand das geweihte Kreuzchen trägst, welches du dir zu dem Zwecke anschaffen mußt. Lies, was die Päpste darüber bestimmt haben, wie folgt: 125 Der heilige Kreuzweg. Der Besuch des Kreuzweges, fagt Papst Benedikt XIV., ist den Sündern das kräftige Mittel zur Bekehrung, den Lauen zur Erweckung des Eifers und den Gerechten zur Heiligung. Man kann alle Ablässe gewinnen, welche die Päpste denen ertheilen, die die H. Orte besuchen. Um sie zu gewinnen, muß man im Stande der Gnade die irgendwo rechtmäßig aufgerichteten Stationen besuchen, von einer zur anderen gehen, soviel Zeit, Platz und Umstände es zulaffen, bei einer jeden nach seiner Fähigkeit betrachten, was sie vorstellt, und es tief zu Herzen fassen. Die bei den 14 Stationen angehängten Gebetverse:„ Wir beten dich an, o Herr Jesu Christe! und sagen dir Dank; denn durch dein H. Kreuz hast du die Welt erlöset" sammt einem 126 Das dritte Gärtlein. Vater unser, einem Gegrüßet seist du Maria und„ Erbarme dich unser!" sind ein blos frommer und lobenswerther Gebrauch; denn nach ausdrücklicher Erklärung der Päpste Clemens XII, 1731 und Benedikt XIV. 1742 ist der an dächtige Besuch der 14 Stationen genügend, die Abläffe zu gewinnen. Eben deswegen ist es nicht nothwendig, sich eines Buches dabei zu bedienen. Falls man nicht von einer Station zur andern gehen kann, so ſoll man wenigstens bei jeder Station das Knie biegen. Wer aber krank, im Kerker, auf dem Meere oder sonst in einer gänzlichen Unmöglichkeit ist, den errichteten Kreuzweg irgendwo zu besuchen, der kann die Ablässe gewinnen mit einem hierzu geweihten, aus Messing bestehenden Krucifig oder Kreuzlein, wenn er 14 Vater unser und Gegrüßet seist du Maria, und Ehre sei Gott dem Vater 2c., dann ein Boter unser und Gegrüßet seist du Maria und Ehre sei Gott dem Vater 2c. für die päpstliche Heiligkeit andächtig spricht. Auch hat Pius VIII. 1830 die nämlichen Ablässe jenen Personen verliehen, welche den Kreuzweg nicht in der Kirche machen können, und dafür ihre Andacht vor 14 Stationsbildern verrichten, die bei Peter Bombelli zu Rom in Kupfer gestochen und in ein Gebetbuch eingebunden sind, falls demselben das Dekret dieser Ablaß- Verleihung beigebunden, und dasselbe entweder von dem General der Franziskaner oder dem P. General Commissär dieſes Ordens unterfertigt ist. Kreuzweg, wie er in Rom gewöhnlich gehalten wird. Vor jeder Station: V Wir beten dich an, o Herr, Jesu Christe! und sagen dir Dant. R Denn durch dein h. Kreuz hast du die Welt erlöſet. Nach der Station: Gelobt und gebenedeit sei das heiligste Herz Jesu im hochheiligen Sakramente des Altars. Gekreuzigter Herr Jesu Christe! Erbarme dich unser, und hilf den armen Seelen im Fegfeuer. Zuvor erwecke Reu und Leid und mache die gute Meinung, indem du betest folgendes: Der H. Kreuzweg. Vorbereitungsgebet zum h. Kreuzwege. Ich armes, sündhaftes Geschöpf werfe mich zur Erde nieder, und in tiefster Demuth bete ich dich an als meinen Herrn und Gott. An dich glaube ich, auf dich hoffe ich, dich liebe ich über Alles; und darum ist mir von Herzen leid, daß ich dich, das höchste Gut, jemals beleidigt habe. Zu deiner gröBeren Ehre und zu meinem Heile, zur Erlangung der Ablässe, deren ersten vollkommenen Ablaß ich für meine arme Seele, die übrigen für die armen Seelen im Fegfeuer, besonders die mir bekannte N. N. zu gewinnen gedenke, fange ich diese Andacht an, und trete zur Nachfolge der schmerzhaften Mutter Gottes Maria in Begleitung meines h. Schußengels mit deiner Gnade, o Herr! den H. Kreuzweg an. Gefang. Ach, mein Jesus! du willst sterben, Daß wir wieder Gnade erben; Daß wir Sünder sollen leben, Willst du dich zum Opfer geben. Laß dein Leiden und Beschwerden. Heilsam uns zu Nußen werden; Laß deine Marter, Qual und Bein An uns nicht verloren sein! 127 Erste Station. Jesus wird zum Tode verurtheilt. V Wir beten dich an 2c. R, Denn durch dein H. Kreuz 2c. Jesu! durch dieses ungerechte Todesurtheil, das ich schon so vielmal durch meine Sünden unterschrieben 128 Das dritte Gärtlein. habe, befreie mich von dem schon so oft verdienten Urtheil des ewigen Todes. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V Gekreuzigter Herr Jesu. R Erbarme dich unser. Im Fortschreiten spricht man: Heil'ge Mutter, Jesu Wunden, Wie er sie am Kreuz empfunden, Drücke mächtig mir in's Herz. Zweite Station. Jesus nimmt das Kreuz auf sich. V Wie beten dich an 2c. R Denn durch dein H. Kreuz 2c. O Jesu! der du willig das schwere, durch meine Sünden dir zugerichtete Kreuz auf dich genommen; gib, daß ich die Schwere derselben erkenne und sie bis zum Ende meines Lebens beweine. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. W Gekreuzigter Herr Jesu. R Erbarme dich unser. Im Fortschreiten: Heil'ge Mutter, u. s. w. wie vorhin. Dritte Station. 2C. Jesus fällt das erstemal unter dem Kreuze. V Wir beten dich an 2c. R, Denn durch dein h. Kreuz Die schwere Last meiner Sünden hat dich, o Jesu! unter dem Kreuze zu Boden gedrückt. Ich hasse und verabscheue sie, bitte um Verzeihung und will mit deiner Gnade sie nicht mehr begehen. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. R Gekreuzigter Herr Jesu. R Erbarme dich unser. Im Fortschreiten: Heil'ge Mutter, u. s. w. wie vorhin. Der H. Kreuzweg. Vierte Station. Jesus begegnet seiner schmerzhaften Mutter. V Wir beten dich an 2c. R, Denn durch dein H. Kreuz 2c. O betrübtester Jesu! O betrübteste Mutter! wenn ich bis dahin durch meine Sünden die Ursache eurer Schmerzen gewesen bin, so soll es fünftig nicht mehr geschehen. Mit eurem Beistande werde ich euch lieben und getreu sein bis zum Tode. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du zć. W Gekreuzigter Herr Jesu. R Erbarme dich unser. Gefang. O Maria voll der Schmerzen Stehet da in Angst und Pein. Owie dringet mir zu Herzen, Daß ich muß die Ursach' sein! Ja, o Mutter! meine Sünden Gaben dir den Herzensstich; Doch ich hoffe noch zu finden Wieder Gnad' bei Gott durch dich! Jesus hab' ich nicht geliebet, Dieses ist mein größter Schmerz; Und mit ihm auch dich betrübet, Ach vor Leid zerspringt mein Herz. Künftighin will ich dich lieben, Und mit dir auch deinen Sohn, In der Liebe stets mich üben; Bitte, daß er mich verschon'! Im Fortschreiten: Heil'ge Mutter u. s. w. wie vorhin. Myrrhengarten III. 23. Aufl. 9 129 Das dritte Gärtlein. Fünfte Station. Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen. V Wir beten dich an 2c. R Denn durch dein h. Kreuz 2c. Jesu! wie glücklich ist Simon, daß er dir helfen kann, das Kreuz zu tragen. Wie glücklich wäre auch ich, wenn ich fünftig dir helfen würde, das Kreuz zu tragen in Allem, was mir begegnet! Jeju! gib mir deine Guade dazu. 130 Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V Gefreuzigter Herr Jesu. R Erbarme dich unser. Heil'ge Im Fortschreiten: Mutter, u. s. w. wie vorhin. Sechste Station. Jesus nimmt von Veronika das Schweißtuch an. V Wir beten dich an 2c. R Denn durch dein h. Kreuz 2c. O Jesu! der du dich gewürdigt hast, dein heiligstes Angesicht in den Hauptschleier der Veronika einzudrücken, drücke in meine Seele tief das Andenken an dein bitteres Leiden und Sterben ein. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. V Gekreuzigter Herr Jesu. R Erbarme dich unser. Im Fortschreiten: Heil'ge Mutter, u. s. w. wie vorhin. Siebente Station. Jesus fällt das zweitemal unter dem Kreuze. V Wir beten dich an 2c. R Denn durch dein h. Kreuz 2c. Meine wiederholten Sünden machen, daß du wie derum unter dem Kreuze fällst, o geliebtester Jesu! Der H. Kreuzweg. 131 Hilf mir, jene Mittel zu ergreifen, welche mich vor dem Rückfalle in die Sünde bewahren können. Vater unser 2c. Gegrüßzet seist du 2c. V Gekreuzigter Herr Jesu. R Erbarme dich unser. Im Fortschreiten: Heil'ge Mutter, u. s. w. wie vorhin. Achte Station. Jesus tröstet die Frauen von Jerusalem. V Wir beten dich an 2c. R, Denn durch dein h. Kreuz 2c. Du, o Jesu, tröstest die über dein Leiden betrübten Frauen von Jerusalem. Tröste auch meine Seele mit deiner Barmherzigkeit, auf welche ich vertraue, und die ich mir zu Nuten machen will. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du sc. V Gekreuzigter Herr Jesu. R Erbarme dich unser. Im Fortschreiten: Heil'ge Mutter, u. s. w. wie vorhin. Neunte Station. Jesus fällt das drittemal unter dem Kreuze. V Wir beten dich an 2c. R, Denn durch dein H. Kreuz 2c. Wegen des Uebermaßes der ausgestandenen Beinen fällst du, o Jesu! das drittemal unter der Last des Kreuzes. Um eben dieser Pein willen bitte ich dich demüthigst, mir die Gnade zu verleihen, daß ich nicht mehr in die Sünden zurückfalle. O ja, mein Jesus! lieber sterben, als wieder fündigen. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V. Gekreuzigter Herr Jesu. R Erbarme dich unser. Im Fortschreiten: Heil'ge Mutter, u. s. w. wie vorhin. 9* 132 Das dritte Gärtlein. Zehnte Station. Jesus wird seiner Kleider beraubt, mit Effig und Galle getränkt. V Wir beten dich an 2c. R, Denn durch dein H. Kreuz 2c. O Jesu! der du deiner Kleider beraubt und mit Essig und Galle bist getränkt worden; befreie mich von aller Neigung zum Zeitlichen, und mache, daß ich alles verabscheue, was nach der Welt ist, oder was zur Sünde führt. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V Gefreuzigter Herr Jesu. R Erbarme dich unser. Im Fortschreiten: Heil'ge Mutter, u. s. w. wie vorhin. Eilfte Station. Jesus wird ans Kreuz genagelt. V Wir beten dich an 2c. R Denn durch dein H. Kreuz 2c. Durch jene grausamen Schmerzen, die du empfandest, als man die Nägel durch deine H. Hände und Füße schlug; gib mir die Gnade, o Jesu! daß ich mein Fleisch allzeit durch eine christliche Abtödtung kreuzige. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V Gekreuzigter Herr Jesu. R Erbarme dich unser. Im Fortschreiten: Heil'ge Mutter, u. s. w. wie vorhin. 3wölfte Station. Jesus stirbt am Kreuze. V Wir beten dich an 2c. R Denn durch dein h. Kreuz 2. O Jesu! der du nach einer dreistündigen schmerz lichen Todesangst am Kreuze gestorben bist; laß mich Der h. Kreuzweg. 133 eher sterben, als in eine Sünde fallen. Und wenn ich leben soll, so laß mich leben, um dich zu lieben und dir zu dienen. Vater unser zc. Gegrüßet seist du 2c. R Gekreuzigter Herr Jesu. R Erbarme dich unser. Heil'ge Im Fortschreiten: Mutter, u. s. w, wie vorhin. Dreizehnte Station. Jesus wird in den Schooß seiner jungfräulichen Mutter gelegt. V Wir beten dich an 2c. R Denn durch dein h. Kreuz 2c. O schmerzhafte Mutter! welch ein Schwert durchdrang dein Herz, als du deinen geliebten Jesus gestorben in deinem Schooße hieltest. Ach, erbitte mir die Gnade, die Sünde als die Ursache seines Todes und deiner Schmerzen zu verabscheuen, bußfertig zu leben und heilig in deinem Schooße zu sterben. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V Gekreuzigter Herr Jesu. R Erbarme dich unser. Im Fortschreiten: Heil'ge Mutter, u. s. w. wie vorhin. Vierzehnte Station. Jesus wird ins Grab gelegt. V Wir beten dich an 2c. R, Denn durch dein h. Kreuz 2c. Ich will, o Jesu! allem absterben und nur in dir leben. So lange ich noch hier leben muß, will ich in und mit dir leben, um einst ewig im Himmel in dir zu leben und die Früchte deines bittern Leidens und Sterbens dort ewig zu genießen. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. V Gekreuzigter Herr Jeju. RErbarme dich unser. 134 Das dritte Gärtlein. Gesang. Jesus! du willst dich bequemen, In dem Grabe Ruh' zu nehmen. Olaß dort auch unsere Sünden Mit dir die Begräbniß finden! Laß dein Leiden und Beschwerden Heilsam uns zu Nußen werden, Laß deine Marter, Qual und Bein An uns nicht verloren sein. Schlußgebet. Ich sage dir innigsten Dant, o gütigster Jesu! für die große Barmherzigkeit, die du mir. auf dieſem Kreuzwege erwiesen hast. Ich opfere dir denselben auf zur Verehrung deines bittern Leidens und Sterbens, zur Verzeihung meiner begangenen Sünden, zur Nachlassung der verdienten Strafen, zur Hülfe und zum Troste der armen Seelen im Fegfeuer. Endlich bitte ich dich demüthigst, o Jesus! du wollest dein kostbares Blut, dein bitteres Leiden und Sterben an mir nicht verloren gehen lassen, sondern mich in die ewige Freude und Seligkeit aufnehmen. Der du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des heil. Geistes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebete vor der Beicht. Das vierte Myrrhen- Gärtlein. Gepflanzt mit reumüthigen Beicht- Gebeten. 135 Das Sakrament der Buße empfangen ist ein hochwichtiges Werk. Denn wer dasselbe würdig verrichtet, der empfängt dadurch unfehlbar Verzeihung seiner Sünden und Vermehrung der göttlichen Gnaden. Wer es aber unwürdig verrichtet, der begeht eine Todsünde, und verdient die ewige Verdammniß. Da es aber über die menschlichen Kräfte geht, dies heilige Sakrament würdig zu empfangen, so mußt du vor der Beicht allzeit die Gnade Gottes treulich anrufen, und die göttliche Hülfe von Herzen begehren. Folgendes Gebet mag dir dazu dienen. Vorbereitung zur Beicht. Gott aller Gnaden! auf Antrieb des heiligen Geistes habe ich mir vorgenommen, das heilsame Sakrament der Buße zu empfangen, damit ich meine Seele von ihren Sünden reinige und deiner göttlichen Gnade fähig mache. Nun weißt du wohl, daß ich dies wichtige Werk, daran deine göttliche Ehre und das Heil meiner Seele hängt, aus mir nicht verrichten kann. Deswegen thue ich einen demüthigen Fußfall vor deinem göttlichen Gnadenthrone, und begehre um deiner Ehre willen die Hülfe deiner mildreichen Güte. Ich falle auch nieder vor deinem h. Kreuze, o Christe Jesu! und bitte durch die bittere Pein, so du drei Stunden lang an demselben gelitten hast, verleihe 136 Das vierte Gärtlein. mir die Gnade, dies gnadenreiche Sakrament würdig zu empfangen, und laß mich zu deiner Huld, die ich durch meine Sünden verloren habe, wieder gelangen. Ich falle auch vor dir nieder, o gütigster heiliger Geist! der du der rechte Brunnquell aller Gnaden bist, und bitte durch die Liebe deines göttlichen Herzens, ertheile mir hinreichende, ja überflüſsige Gnade, meine Sünden klar zu erkennen, schmerzlich zu bereuen und aufrichtig zu beichten. Hier erforsche dein Gewissen, indem du die zehn Gebote eins nach dem andern durchgehst, und bei jedem merkst, wie schwer, in welcher Art und Weise in Gedanken, Worten oder Werken, oder durch Unterlassung, und wie oft du seit der letzten gültigen Beicht dich dagegen verfündigt hast. Gehe ebenso die fünf Gebote der Kirche durch, die sieben Hauptsünden, die neun fremden Sünden und die leiblichen und geistlichen Werke der Barmherzigkeit. Nach diesen letzten, weißt du, wird der Heiland beim jüngsten Gerichte besonders fragen, und sein Urtheil günstig oder ungünstig für dich sprechen. Darum richte du dich selbst darnach vor der Zeit und übe im Leben Barmherzigkeit, damit du nach dem Tode Barmherzigkeit erlangest. Am leichtesten findest du deine Sünden, wenn du die Ordnung und die Geschäfte des Tages, wie du sie zu verrichten pflegst, dir lebhaft vorstellst. Die gewöhnlichen und täglichen Fehler entdecken sich von selbst, und der ungewöhnlichen, größeren Vergehungen erinnert man sich noch leichter. Am schnellsten wirst du mit der Gewissenserforschung fertig, wenn du täglich Abends dein Gewissen ein paar Minuten lang erforschest, und wenigstens alle Monate beichtest. Je öfterer, desto schneller, desto genauer, desto geeigneter wird sie, um dich zur wahren Erkenntniß deines eigenen Herzens zu führen. Tas ist aber nichts Geringes. Denn sich selbst erkennen ist die Wissenschaft aller Wissen schaften, ohne welche jede andere Wissenschaft und Kunst ohne Nußen für dich ist. Denn, wenn du Alles durch Gebete vor der Beicht. 137 fucht, dich selbst aber vernachlässigt hast, sagt der fromme Thomas von Kempen, welchen Nutzen hast du davon geschöpft? Willst du den Frieden und die wahre Vereinigung mit Gott haben, so ist nöthig, daß du Alles Andere hintansetzest und dich allein vor Augen habeft." Nach Erforschung deines Gewissens befleiße dich, eine wahre Reue über deine Sünden zu erwecken, und dich wahrhaft zu betrüben, weil du deinen Gott beleidigt hast. Der Grund aber der wahren Reue ist die Liebe Gottes; daß dir nämlich leid sei, weil du denjenigen Gott, den du so herzlich liebest, erzürnet hast. Damit denn ein Fünklein der Liebe Gottes in deinem Herzen sich entzünde, sprich mit Andacht folgende Erweckung wahrer Reue zu Gott dem Vater. O Gott der Barmherzigkeit! ich dein unwürdiges Kind kehre mit dem verlornen Sohne wieder zu dir, und bereue meine Missethat mit herzlichem Schmerze. Du bist mein allertreuester Bater, und hast mich verworfene Creatur aus lauter Gnade zum Kinde angenommen, wie auch zum Erben deiner reichsten Güter eingesetzt. Du hast mich mein Lebtag als ein treuer Vater ernährt, bewahrt, versorgt und mich mit wahrer väterlicher Liebe geliebt. Du hast mich vor vielem Schaden und Unglücke behütet, und mit vielen unvergleichlichen Gnaden begabet. Ja deine väterliche Treue ist gegen mich so groß gewesen, daß ohne sie ich jetzt im Abgrunde der Hölle wäre, und in alle Ewigkeit darin brennen müßte. Für diese großen Gutthaten hast du niemals eine andere Vergeltung von mir begehrt, als daß ich deine Gnaden erkennen, dir dafür danken und dich mit kindlicher Liebe lieben sollte. Ich aber habe dies nicht allein nicht gethan, sondern habe dir alle Unehre zugefügt und mit Undankbarkeit 138 Das vierte Gärtlein. gelohnt. Ich habe dich nicht geliebt, sondern gehaßt, und habe dir keine findliche Treue, sondern feindliche Untreue bewiesen. Wie ein ungehorsames, boshaftes und ungerathenes Kind habe ich mich gegen dich verhalten, und durch meine vielfältige Untreue habe ich dein göttliches Herz betrübt und beleidiget. Sollte mich nun dieses nicht kränken und schmerzen, o mein Vater! Ja freilich betrübet und reuet es mich, mein herzliebster Gott! und mein Herz kränket sich darüber, daß ich bisher dir so falsch und untren gewesen bin. Ach daß Gott sich erbarme! daß ich dich, meinen treuherzigsten Vater, so vielmals beleidigt habe. Ach daß sich der Himmel erbarme! daß ich dir meinem herzliebsten Freunde so viel Schmach angethan habe. Es ist mir leid, o mein Gott! es ist mir leid! Das rum bitte ich demüthig um Gnade und Barmherzigkeit Verzeihe mir, o mein lieber Vater! Ach verzeib mir und gedente nicht mehr der schweren Unbilden, so ich dir zugefügt habe. In Zerknirschung meine Herzens rufe ich zu dir mit dem verlornen Sohne: Vater, ich habe gesündigt wider den Himmel und wider dich! Nun bin ich nicht würdig, dein Kind ge nannt zu werden; sondern mache mich gleich wie einer deiner Taglöhner. Amen. Erweckung wahrer Reue zu Christo am Kreuze. O du gefreuzigter Herr Jesu Christe! ich boshafte Sünder falle mit der heil. Magdalena vor deiner Kreuze auf meine Kniee, und bereue meine Sünder mit herzlichem Schmerze. Ach, wie schwer habe i mich gegen dich versündiget, und wie viele schwer Gebete vor der Beicht. 139 Schmach habe ich dir, meinem Erlöser, zugefügt! Du hast mich geliebet, ehe ich geboren war, und hast dich freiwillig in den Tod gegeben, mich von dem ewigen Tode zu erlösen! Für mich bist du gefangen, gebunden, geschlagen und vor den ungerechten Richtern fälschlich angeklagt worden! Für mich bist du schmählich entblößet, grauſam gegeißelt, schmerzlich gekrönt und ungerecht verurtheilt worden! Für mich bist du an das Kreuz genagelt, mit dem Kreuz erhoben, an dem Kreuze verspottet, und endlich mit dem bittersten Tode getödtet worden! Dies alles hast du aus lauter Liebe für mich gelitten, damit ich durch dein Leiden von den ewigen Peinen erlöst würde, und mich gegen dich dankbar erzeigen sollte. Aber leider! bin ich dir nicht allein nicht dankbar gewesen, sondern ich habe dich sogar ärger behandelt als die Juden. Mit meinen Sünden habe ich dich von neuem gegeißelt, gefrönt, gekreuzigt und getödtet! Mit meinen Sünden habe ich dich übler als die Juden verspottet, verlacht, verspieen und verunehrt! Durch diese meine Falschheit habe ich dich mehr beleidiget, und dein süßes Herz mehr gequält, als es von deinen Feinden ist gequält und beleidigt worden. Deswegen schmerzet mich dies unsäglich, und betrübt mich bis in den Grund meines Herzens, weil ich dich, meinen treuesten Erlöser, so schwer erzürnet, und dir statt mit Dankbarkeit mit größtem Undanke gelohnt habe. Ich liebe dich, o mein Jesu! von ganzem Herzen, und weiß auch, daß du mich liebest von ganzem Herzen; deswegen schmerzet es mich von Grund des Herzens, daß ich dich, den ich so herzlich liebe und von welchem ich so herzlich 140 Das vierte Gärtlein. geliebt werde, erzürnt habe. Verzeihe es mir aber, o mein herzliebster Jesu! Ach, verzeihe es mir; wie wohl meine Missethaten so schwer sind, daß sie keiner Verzeihung würdig sind! Aber um der Liebe willen, so du zu mir trägst, und um der Liebe willen, so ich zu dir zu tragen begehre, verzeihe mir meine begangene Untreue, und nimm mich wieder zu Gnaden auf. Amen. Erwedung wahrer Reue zu dem h. Geiste. Feuer der göttlichen Liebe, gnadenreicher heil. Geist! ohne deinen Einfluß kann ich keine Gnade erlangen, noch eine wahre Reue über meine Sünden erwecken. Darum fliehe ich zu dir, und mit einem demüthigen Fußfalle bitte ich um ein zerknirschte Herz. Du hast mir in den Sinn gegeben, daß ich jetzt beichten und das heil. Sakrament der Bu empfangen solle! O! so gib mir auch in den Sinn, wie ich wahre Reue erwecken und dies h. Sakrament würdig empfangen möge. Du weißt, daß ich zwar herzlich verlange, die allergrößte Reue zu haben; du weißt aber auch, daß ich nicht die geringste Reu ohne deine besondere Gnade haben kann. Weil ich jetzt bei Strafe einer Todsünde eine würdige Reue erwecken schuldig bin und dies aus mir ganz und gar nicht verrichten kann; so thue ich, was ich fant und spreche dich um Erlangung wahrer Reue an Weil ich denn thue, was an mir ist, so wirst du ja nicht unterlassen, was an dir ist, und wirst mir das jenige aus Gnade mittheilen, was ich mir selber nicht geben kann. Gib mir doch eine wahre Reue, Gebete vor der Beicht. 141 o du liebreicher h. Geist! und erweiche mein hartes Herz zur wahren Bußfertigkeit. Verleihe mir doch durch deine Gnade, daß mir mein fündiges Leben wahrhaft mißfalle, und daß ich vor allen meinen Sünden einen wahren Abscheu trage. Gib mir doch zu erkennen, wie schwer ich dich mit meinen Sünden beleidige, weil ich dich so oft aus meinem Herzen vertreibe und dem Satan darin Plaß mache. Laß mich doch gründlich erkennen, wie tief es dich betrübe, daß ich deinen heilsamen Einsprechungen nicht folge und dir, meinem Gott, so nachlässig diene, damit mein fündiges Herz über diese meine Unthaten wahrhaft erschrecke und den ernstlichen Vorsatz erwecke, dies mein sündhaftes und nachlässiges Leben zu bessern. Amen. Gebet vor der Beicht: 3u dir, meinem Heilande, Christe Jesu, gedenke ich jetzt zu treten, gleichwie die büßende Magdalena zu dir in des Pharisäers Haus getreten ist: und gleichwie sie sich selbst vor deinen H. Füßen niedergeworfen, ihre Sünden bitterlich beweint, und dir als dem höchsten Priester gebeichtet hat: also will auch ich mich zu den Füßen des Priesters demüthig niederwerfen und ihm an deiner Statt meine vielfältigen Sünden beichten und offenbaren. Gott, daß ich dieses mit solcher Reue und so reichlichen und bittern Zähren verrichten könnte, gleichwie die reumüthige Magdalena ihre erste Beicht und Buße verrichtet hat! Ich opfere dir, o Jesu, die schmerzlichen Seufzer und Zähren, welche ich nicht vergießen Wollte 142 Das vierte Gärtlein. kann, wiewohl ich's herzlich gern thun wollte. Ich opfere dir auch alle Reue und Leid, welche in allen büßenden Herzen jemals wegen ihrer eigenen oder wegen fremder Sünden gewesen sind und wünsche aufrichtig, daß ich alle dieselben in mein Herz einschließen und darin wahrhaft empfinden möchte. Mit ernstlicher Begierde nach allen diesen Bereuungen geziert, trete ich zu dir, meinem süßesten Heilande, und begehre meine unreine Seele in dem Brunnen deiner heißen Zähren zu waschen und in dem warmen Bade deines rosenfarbenen Blutes zu baden, damit sie von allen ihren Makeln gereiniget, und mit deiner Guade auf das herrlichste gezieret werde. Dieses verleihe mir, o gütigster Jesu, durch deine unendliche Güte und Barmherzigkeit, und verschaffe durch die Einsprechungen des h. Geistes, daß ich eine aufrichtige, vollständige und gültige Beicht verrichten möge. Amen. Kurz vor der Beicht, ehe du in den Beichtstuhl gehst, sprich von Herzen: Ich armer sündiger Mensch widersage dem bösen Feinde, allen seinen Eingebungen, Rath und That. Ich glaube an Gott den Vater, an Gott den Sohn und an Gott den heiligen Geist. Ich glaube auch Alles, was die h. römisch- katholische Kirche zu glauben befiehlt. Mit diesem h. fatholischen Glauben beichte und bekenne ich Gott, dem Allmächtigen, Maria, seiner hochwürdigen Mutter, allen lieben Heiligen und gebe mich schuldig, daß ich von meinen findlichen Tagen an bis auf diese Stunde oft und viel gesündigt habe, mit Gedanken, Worten und Werken und Unterlassung vieler guten Werke; wie dann solches geschehen ist, heimlich oder öffentlich, wissentlich oder Gebete vor der Beicht. 143 unwissentlich, wider die zehn Gebote, in den sieben Hauptsünden, an den fünf Sinnen meines Leibes, wider Gott, wider meinen Nächsten und das Heil meiner armen Seele. Solche und alle meine Sünden sind mir leid und reuen mich von Herzen. Darum bitte ich demüthig dich ewigen, barmherzigen Gott, du wollest mir deine göttliche Gnade verleihen, mein Leben fristen, so lange bis ich hier alle meine Sünden möge beichten und büßen, deine göttliche Huld erwerben und nach diesem elenden Leben die ewige Freude und Seligkeit erlangen. Deswegen klopfe ich an mein sündiges Herz und spreche mit dem öffentlichen Sünder: Herr Gott! sei mir armen Sünder gnädig. Sobald du in den Beichtstuhl kommst und den priesterlichen Segen begehrt haft, sprich folgende Beicht: Im Geiste der Demuth und mit zerknirschtem Herzen beichte und bekenne ich Gott und allen Heiligen, und Euch Priester, an Gottes Statt, daß ich von meiner letzten Beicht, so vor.... geſchehen ist, wiederum mit vielen bösen Gedanken, Worten und Werken gesündigt habe, besonders in folgenden Stücken: Hier nenne zuerst diejenige Sünde, welche dein Gewissen am meisten beunruhigt, besonders wenn du dich sehr schämest, diese Sünde zu bekennen. Wenn diese mal vom Herzen ist, so wird dasselbe leichter, und mit größerer Reue und Zerknirschung wirst du dann auch die übrigen beichten. Hast du nur läßliche Sünden, so beichte diejenigen zuerst, die du am meisten mit freiem Willen gethan haſt, und worüber du mehr, als über die andern, Reue und Leid empfindest. Denn du mußt wissen, daß der, welcher auch nur läßliche Sünden hat, wenigstens Eine derselben herzlich bereuen muß mit dem festen Vorsaße, dieselbe in Zukunft zu meiden, wenn er das h. Sakrament der Buße empfangen will, da über nicht bereute Sünden, auch wenn 144 Das vierte Gärtlein. es solche sind, die man eigentlich nicht zu beichten brauchte, die Lossprechung nicht gültig ertheilt werden kann. Enthalte dich auch aller weitschweifigen Erzählungen, nur sag immer so viel, daß der Beichtvater die Art und Zahl der Sünden und den Grad der Bosheit deines Herzens leicht erkenne. Beschluß der Beicht. Diese und alle meine Sünden, die ich von Jugend auf begangen, auch schon gebeichtet habe, hier aber wieder einschließe, bekannte und unbekannte, sind mir von Grund meines Herzens leid, weil ich meinen lieben Gott damit erzürnet habe. Auch nehme ich mir fest vor, sie mit der Gnade Gottes in Zukunft nicht wieder zu begehen und die Gelegenheiten zur Sünde sorgfältig zu meiden. Ich bitte um eine heilsame Buße und um die Lossprechung, wenn Sie, mein ehrwürdiger Vater, es für gut finden. Unter der Absolution sprich im Herzen: Christe Jesu, der du die h. Magdalena mit deinem eigenen Munde absolvirt hast, würdige dich auch jetzt, mich durch deine göttliche Güte zu absolviren und die priesterliche Absolution im Himmel zu bekräftigen, damit ich von allen Sünden entbunden und von allen verdienten Strafen befreit werde. Amen. Gebet nach der Beicht. Nun habe ich, o Christe Jesu! dir und dem Priester meine Sünden gebeichtet und die priesterliche Lossprechung darüber empfangen. Deswegen zweifle ich gar nicht, du werdest mir verzichen und mich zu Gnaden aufgenommen haben. O wie groß ist deine Gebet nach der Beicht. 145 Liebe und Güte, welche mich boshaften Sünder so leicht wieder zu Gnaden aufnimmt und die schwere dir zugefügte Schmach so gnädig verzeiht! Deswegen sage ich dir unendliches Lob und herzlichen Dank, und liebe dich um so mehr, weil du dich gegen mich so liebreich erzeigest. Zu einer Erstattung aber der großen Unehren, so ich dir angethan habe, will ich jetzt die auferlegte Buße mit Andacht verrichten und begehre dir durch diese tausendfältig größere Ehre zu erweisen, als ich dir durch meine Sünden Schmach und Unehre angethan habe. Jetzt bete deine Buße oder zum wenigsten einen Theil derselben Darnach sprich: Nimm auf, o himmlischer Vater! diese meine verrichtete Buße, welche ich dir durch Jesum Christum, deinen Sohn, aufopfere, zugleich mit derselben alle- seine Buğwerke und Verdienste, wie auch alle Bußwerke und Verdienste deiner Heiligen. Dein Sohn hat dir unendlichmal mehr Liebe erwiesen, als ich dir Leid gethan habe und deine lieben Auserwählten haben dir unbegreislich größere Dienste geleistet, als ich Gutes in deinem Dienste unterlassen habe. So werden ja diese dir erwiesenen Liebesdienste, welche ich dir treulich aufopfere, so viel bei dir vermögen, daß sie meine Missethaten vertilgen und meine Unterlassungen erstatten. Deswegen verlasse ich mich feſt auf die Genugthuung Christi und der Heiligen, und zweifle gar nicht daran, du werdest diese meine Aufopferung gültig sein lassen und wohlgefällig annehmen. Amen. Myrrhengarten III. 23. Aufl. 10 146 Das vierte Gärtlein. Die sieben Bußpsalmen. Alle Gläubigen, welche verpflichtet sind, die Bußpsalmen an den in den Rubriken des römischen Missals bezeichneten Tagen zu beten, gewinnen für jedesmal einen Ablaß von 50 Tagen; jene aber, welche dieselben aus Andacht zu was immer für einer Zeit beten, jedesmal einen Ablağ von 40 Tagen. Pius V. vom 9. Juli 1568 und 5. April 1571. Als der H. Büßer Augustinus, Bischof zu Hippo und Kirchenlehrer, auf seinem Sterbebette lag, ließ er sich die Bußpsalmen vor Augen stellen und las dieselben nnter häufigen Thränen. Denn, pflegte er zu sagen, Niemand, auch wenn er sich keines Verbrechens schuldig wisse, dürfe ohne Buße aus diesem Leben scheiden. Antiphon. Gedenke nicht, o Herr! unserer Sünden, oder der Sünden unserer Eltern, nimm auch nicht Rache wegen unserer Fehltritte. Erster Psalm.( 6ter). Herr, strafe mich nicht in deinem Grimme: und züchtige mich nicht in deinem Zorne. Erbarme dich meiner, o Herr, denn ich bin schwach: heile mich, Herr, denn meine Gebeine sind erschrocken ¹); Und meine Seele ist sehr erschrocken; aber du, o Herr, wie lange? Wende dich, Herr, und errette meine Seele: hilf mir um deiner Barmherzigkeit willen. Denn im Tode ist keiner, der deiner gedenket: und in der Hölle²), wer wird da dich loben? Ich hab' mich abgemühet in meinem Seufzen, wasche jede Nacht mein Bett und benete mit meinen Thränen mein Lager. Vom Gram ist verdunkelt mein Auge: veraltet bin ich unter allen meinen Feinden. 1) Sind vor Schmerz und Angst in Bewegung. 2) d. h. Unterwelt, wo alle Abgeschiedenen sich versammelten, ehe Christus sein Werk vollbracht hatte, und zwar für die Bösen als eine eigentliche Hölle ein Ort des Seufzens; aber doch auch für die Guten als Vorhölle tein Ort der Freude, sondern des schweigenden Trauerns, und sofort kein Ort des Bekenntnisses und Lobes Gottes, wie die Erde noch. Die sieben Bußpsalmen. 147 Weichet von mir alle, die ihr Böses thuet, denn der Herr hat die Stimme meines Weinens erhöret. Erhöret hat der Herr mein Flehen: der Herr hat aufgenommen mein Gebet. Es sollen sich schämen und heftig erschrecken alle meine Feinde: sie sollen sich wenden und schämen gar schnell. Ehre sei dem Vater 2c. Zweiter Psalm( 31ster). Selig diejenigen, deren Missethaten nachgelassen, und deren Sünden bedeckt sind.³) Selig der Mann, welchem der Herr die Sünde nicht zugerechnet hat, und in dessen Geiste keine Falschheit iſt.4) Dieweil ich geschwiegen, veralteten meine Gebeine, während ich schrie den ganzen Tag: Denn Tag und Nacht lag schwer auf mir deine Hand: in meinem Elend hab ich mich bekehrt, während der Stachel in mir haftete. Meine Sünde habe ich dir kund gethan: und meine Ungerechtigkeit nicht verborgen. Ich habe gesagt: Ich- will bekennen wider mich meine Ungerechtigkeit dem Herrn: und du hast nachgelassen die Gottlosigkeit meiner Sünde. Und das soll zu dir bitten jeder Heilige zur rechten Zeit: und in der Fluth vieler Wassers), die wird ihn nicht erreichen. Du bist meine Zuflucht vor der Trübsal: die mich umrungen hat: du mein Frohlocken, errette mich von denen, die mich umringen. Ich will dir Verstand geben, und dich unterrichten in diesem Wege, den du wandeln sollst: ich will meine Augen auf dich heften. Werdet nicht wie Pferd und Maulthier, die keinen Verstand haben. Mit Zaum und Gebiß bezwing die Backen derer, die nicht nahen zu dir! 6) Viele Geißeln kommen über den Sünder, wer aber auf den Herrn vertraut, den wird Barmherzigkeit umfahen. 3) Die Liebe bedeckt die Menge der Sünden, 2. Petr. 4. 4) d. h. sich nicht selbst belüget und seine Sünde beschönigt. 5) Ein Bild großen Unglücks. 6) Zwinge sie durch Trübsal dazu. 10* Das vierte Gärtlein. Freuet euch in dem Herrn, und frohlocket ihr Gerechten, und jauchzet alle, die ihr aufrichtigen Herzens ſeid! Ehre sei dem Vater 2c. 148 Dritter Psalm( 37ster). Herr, strafe mich nicht in deinem Grimme: und züchtige mich nicht in deinem Zorne; Denn deine Pfeile stecken in mir, und du haft überstark gemacht deine Hand. Es ist nichts Gesundes an meinem Fleische vor dem Angesichte deines Zornes: kein Frieden ist in meinen Gebeinen vor dem Angesichte meiner Sünden.7) Denn meine Missethaten haben mein Haupt überstiegen, und gleich einer schweren Bürde lasten sie auf mir. Meine Wundmale sind faul und verderbt worden vor meiner Thorheit.s) Ich bin elend worden, und vollends gebeuget: den ganzen Tag betrübet einhergegangen. Denn meine Lenden sind voll der Täuschungen) und nichts Gesundes ist in meinem Fleische. Ich bin geplaget und gar sehr gedemüthigt; und stöhnete vor Seufzen meines Herzens. Herr, vor dir ist alle meine Sehnsucht, und mein Seufzen ist vor dir nicht verborgen. Mein Herz ist verwirrt, meine Kraft hat mich verlassen: und das Licht meiner Augen ist nicht bei mir. Meine Freunde und meine Nächsten haben sich genahet wider mich und sich aufgestellt; und die bei mir waren, sind ferne gestanden: Und die meiner Seele nachstellten, übeten Gewalt: die mir Böses wollten, haben eitel Ding geredet: und List ersonnen den ganzen Tag. Ich aber, einem Tauben gleich, hörte nicht, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht aufthut. Und ich ward wie ein Mensch, der nicht höret: und der in seinem Munde keine Widerrede hat. 7) Betrachte ich meine Sünden, so zittern selbst meine Gebeine. 8) Weil ich mich nicht gleich bekehrte. 9) Voll betrügerischer Begierlichkeit. Die sieben Bußpsalmen. 149 Denn ich habe gesagt: daß meine Feinde sich ja nicht freuen über mich: Wenn meine Füße wanken, sprechen sie groß über mich. Denn für die Geißeln bin ich bereit, und mein Schmerz ist immer vor meinem Angesicht. Ich will anzeigen meine Missethat: und meiner Sünden gedenken. Dagegen leben meine Feinde, und sind mächtig worden über mich: und zahlreich sind worden, die mich ungerecht haffen. Die Gutes mit Bösem vergelten, redeten mir übel nach: dieweil ich dem Guten nachstrebte. Verlasse mich nicht, Herr mein Gott: weiche nicht von mir. Hab' Acht auf meine Hülfe, Herr, du Gott meines Heiles. Ehre sei dem Vater 2c. Vierter Psalm( 50ster). Erbarme dich meiner, o Gott, nach deiner großen Barmherzigkeit: und nach der Menge deiner Erbarmniſſe tilge meine Missethat. Mehr und mehr wasche mich von meiner Ungerechtigkeit: und von meiner Sünde reinige mich. Denn meine Missethat erkenne ich: und meine Sünde ist vor mir allezeit. Dir allein hab' ich gesündigt, und Böses vor dir gethan: auf daß du gerecht befunden werdest in deinen Worten: und den Sieg erhaltest, wenn gerichtet wirst. ¹0) Denn siehe; in Ungerechtigkeit bin ich empfangen: in Sünden hat mich empfangen meine Mutter. ¹¹) Siehe! die Wahrheit hast du geliebet ¹2): die heimlichen und verborgenen Dinge deiner Weisheit mir geoffenbaret. ¹3) Besprenge mich mit Hysop ¹4), so werde ich gereiniget: wasche mich, so werde ich weißer, als der Schnee. 10) Durch meine Sünde kommt deine Gerechtigkeit noch mehr an den Tag; theils weil du strafest, theils weil du dich milde erbarmest und verzeihest. 11) In der Erbsünde. 12) Ein aufrichtiges Verlangen. 13) Wie ich mich bessern solle und könne. 14) Ein Vorbild der Reinigung durch das Blut Christi. Das vierte Gärtlein. Gib meinem Gehör Freude und Wonne, so werden frohlocken die gedemüthigten Gebeine. 150 Wende ab dein Angesicht von meinen Sünden: und alle meine Missethaten tilge. Ein reines Herz erschaff' in mir, o Gott, und den rechten Geist erneu're in meinem Innern. 15) Verwirf mich nicht vor deinem Angesichte: und deinen heiligen Geist nimm nicht von mir. Gib mir wieder die Freude meines Heiles: und mit dem vortrefflichen Geiste befestige mich. 16) So will ich lehren die Ungerechten deine Wege: und die Gottlosen werden sich zu dir bekehren. Erlöse mich von den Blutschulden, du Gott meines Heiles: so wird mit Freuden meine Zunge deine Gerechtigkeit preisen. Herr! öffne meine Lippen, und mein Mund wird verkünden dein Lob. Denn wenn du Opfer gewollt hättest, würd' ich ja freilich sie gegeben haben: an Brandopfern wirst du keinen Gefallen haben. Ein Opfer vor Gott ist ein betrübter Geist: ein zer-> knirschtes und gedemüthigtes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten. Thue, Herr, Gnade nach deinem guten Willen an Sion, damit die Mauern Jerusalems erbauet werden.¹7) Dann wirst du annehmen das Opfer der Gerechtigkeit, Gaben und Brandopfer: dann wird man kälber auf deinen Altar legen. Ehre sei dem Vater 2c. Fünfter Psalm( 101ster). Herr, erhöre mein Gebet: und laß mein Rufen zu dir kommen! Wende nicht ab dein Angesicht von mir: an welchem Tage ich immer in Trübsal bin, neige her zu mir dein 15) Den festen, standhaften in seinen Vorsäten. 16) Der über die Begierlichkeiten herrscht. 17) Des geistigen Jerusalem, der gebesserten Seele. Von einer gebesserten Seele werden alle Opfer dir angenehm sein, sonst nicht. Die sieben Bußpsalmen. 151 Ohr, an welchem Tage ich immer dich anrufe, wollest alsbald mich erhören. Denn meine Tage schwinden hin wie Rauch: und meine Gebeine verdorren wie dürres Reis. Ich bin getroffen wie Heu, und mein Herz ist dürre! denn ich vergesse, mein Brod zu eſsen. Von der Stimme meines Seufzens klebet mein Gebein an meinem Fleisch. Ich gleiche dem Pelikan der Wüste: ich bin wie eine Eule in ihrer Wohnung. Ich bin schlaflos, und wie ein einsamer Sperling auf dem Dache.. Den ganzen Tag höhnen mich meine Feinde: und die mich lobten, schwören wider mich. Denn Asche, wie Brod, eff' ich: und meinen Trank misch ich mit Thränen. Wegen deines Zornes und deines Unwillens: denn du hast mich emporgehoben und niedergeworfen. Meine Tage gehen hin wie ein Schatten, und ich verwelke wie Heu. Du aber, Herr, bleibest in Ewigkeit: und dein Andenken von Geschlecht zu Geschlecht. Du wirst aufstehen, dich Sions erbarmen; denn es ist Zeit, sich seiner zu erbarmen und die Zeit ist gekommen. Denn es gefallen deinen Knechten seine Steine: und sie bedauern seinen Schutt. ¹8) Und die Völker werden fürchten deinen Namen, Herr: und alle Könige der Erde deine Herrlichkeit. Denn der Herr wird Sion bauen: und gesehen werden in seiner Herrlichkeit. Wird sehen auf das Gebet des Demüthigen: und nicht verschmähen ihr Flehen. Man schreibe dies dem kommenden Geschlecht: und das Volk, das soll geschaffen werden, wird den Herrn loben. 19) 18) Bezieht sich auf die Wiedererbauung Jerusalems nach der babyIonischen Gefangenschaft. 19) Nicht allein die spätern Juden, sondern vielmehr die Christen, als die wahren Israeliten, sind zu verstehen. Das vierte Gärtlein. Denn er schauet herab von seiner heiligen Höh': der Herr schauet vom Himmel auf die Erde. 152 Um zu hören das Seufzen der Gefangenen, um zu erlösen die Kinder der Erschlagenen. Daß sie zu Sion verkünden den Namen des Herrn: und sein Lob zu Jerusalem. Wenn die Völker zu Einem Volke zusammen kommen, und die Könige, zu dienen dem Herrn. Hierauf sprach zu ihm der Mann im Laufe der Jahre seiner Kraft: die geringe Zahl meiner Tage thu mir kund! 20) Ruf mich nicht ab in der Hälfte meiner Tage; deine Jahre währen von Geschlecht zu Geschlecht. Im Anfang hast du, o Herr, die Erde gegründet, und die Werke deiner Hände sind die Himmel. Dieselben vergehen, du aber bleibst: sie alle veralten wie ein Kleid, und wie ein Gewand veränderst du sie, und sie werden verändert; Du aber bist derselbe: und deine Jahre nehmen kein Ende. Die Kinder deiner Knechte werden bei dir wohnen: und ihr Samen wird bestehen in Ewigkeit. Ehre sei dem Vater 2c. Sechster Psalm( 129ster). Aus der Tiefe 2¹) rufe ich zu dir, o Herr! Herr, erhöre meine Stimme, laß Acht haben dein Ohr auf die Stimme meines Flehens. Wenn du Acht haben wolltest auf die Missethaten, Herr: wer könnte da bestehen, o Herr! Aber bei dir ist Versöhnung: und um deines Gesetzes willen harr' ich auf dich, o Herr! Meine Seele harret auf sein Wort. Meine Seele Hoffet auf den Herrn. 20) Ich bin noch jung, laß mich die Tage der Befreiung noch erleben. Der Christ denkt an die Befreiung von der Sclaverei der Sünde. 21) Meines Elends, meiner Sündennoth. Die sieben Bußpsalmen. 153 Von der Morgenwache bis in die Nacht22) hoffe Israel auf den Herrn: Denn bei dem Herrn ist Barmherzigkeit: und bei ihm ist überreiche Erlösung. 28) Und er wird Israel erlösen von allen seinen Sünden. Ehre sei dem Vater 2c. Siebenter Psalm( 142ster). Herr, erhöre mein Gebet, nimm zu Ohren mein Flehen nach deiner Wahrheit; erhöre mich nach deiner Gerechtigkeit. Und gehe nicht in's Gericht mit deinem Knechte; denn vor deinem Angesichte ist kein Lebender gerecht. Denn der Feind verfolgt meine Seele, beugt nieder zur Erde mein Leben, versetzt mich in's Finstere wie die Todten der Vorwelt. 24) Und mein Geist ist mir geängstet: mein Herz ist mir zerstöret. Ich gedenke der alten Zeiten 25), ich überlege alle deine Werke: über die Werte deiner Hände denke ich nach! Ich breite meine Hände aus zu dir: gleich Land ohne Wasser dürftet meine Seele nach dir! Geschwinde erhöre mich, Herr! mein Geist verschmachtet 26), wende nicht weg dein Angesicht von mir, daß ich nicht gleich werde denen, die in die Grube fahren. Laß mich frühe deine Barmherzigkeit hören, denn auf dich hoffe ich. Thu mir kund den Weg, darauf ich wandeln soll, denn zu dir erheb' ich meine Seele. Errette mich von meinen Feinden, o Herr! zu dir flehe ich. Lehre mich thun nach deinem Willen, denn mein Gott bist du: dein guter Geist führe mich auf der rechten Bahn 127) 22) d. h. immerdar. 23) Durch das kostbare Blut Jesu. 24) Der Versucher und die übrigen Seelenfeinde, die mich innerlich so trüb und trostlos machen. 25) In denen du oft Barmherzigkeit übtest. 26) Vor Sehnsucht nach dir. 27) Dein h. Geist, deine Gnade führe mich au den Weg der Tugend und Gerechtigkeit. Das vierte Gärtlein. Herr, belebe mich um deines Namens willen nach deiner Gerechtigkeit: führe aus der Trübsal meine Seele: Und nach deiner Barmherzigkeit zerstreue meine Feinde, und vertilge alle, die meine Seele quälen, denn ich bin dein Knecht! 154 Ehre sei dem Vater 2c. Antiphon. Gedenke nicht, o Herr! unserer Sünden oder der Sünden unserer Eltern, nimm auch nicht Rache wegen unserer Fehltritte. Litanei zu allen Heiligen. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. Gott heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Heilige Maria, bitte für uns! Heilige Gottesgebärerin, bitte 2c. Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, bitte 2c. Heiliger Michael, bitte 2c. Heiliger Gabriel, bitte 2c. Heiliger Raphael, bitte 2c. Alle heiligen Engel und Erzengel, bittet 2c. Alle heiligen Chöre der seligen Geister, bittet 2c. Heiliger Johannes der Täufer, bitte 2c. Heiliger Joseph, bitte 2c. Alle heiligen Patriarchen und Propheten, bittet 2c. Heiliger Petrus, bitte 2c. Heiliger Paulus, bitte 2c. Heiliger Andreas, bitte 2c. Heiliger Jakobus, bitte zc. Heiliger Johannes, bitte 2c. Heiliger Thomas, bitte 2c. Heiliger Jakobus, bitte 2c. Heiliger Philippus, bitte 2c. Heiliger Bartholomäus, bitte 2c. Litanei zu allen Heiligen. Heiliger Matthäus, bitte 2c. Heiliger Simon, bitte 2c. Heiliger Thaddäus, bitte 2c. Heiliger Mathias, bitte 2c. Heiliger Barnabas, bitte 2c. Heiliger Lukas, bitte 2c. Heiliger Markus, bitte 2c. Alle heiligen Apostel und Evangeliſten, bittet 2c. Alle heiligen Jünger des Herrn, bittet 2c. Alle heiligen unschuldigen Kinder, bittet 2c. Heiliger Stephanus, bitte 2c. Heiliger Laurentius, bitte 2c. Heiliger Vincentius, bitte 2c. Heiliger Fabianus und Sebastianus, bittet 2c. Heiliger Johannes und Paulus, bittet 2c. Heiliger Cosmas und Damianus, bittet 2c. Heiliger Gervasius und Protasius, bittet 2c. Alle heiligen Märtyrer, bittet 2c. Heiliger Sylvester, bitte 2c. Heiliger Gregorius, bitte 2c. Heiliger Ambrosius, bitte 2c. Heiliger Augustinus, bitte 2c. Heiliger Hieronymus, bitte 2c. Heiliger Martinus, bitte 2c. Heiliger Nikolaus, bitte 2c. Alle heiligen Bischöfe und Bekenner, bittet 2c. Alle heiligen Kirchenlehrer, bittet 2c. Heiliger Antonius, bitte 2c. Heiliger Benediktus, bitte 2c. Heiliger Bernardus, bitte 2c. Heiliger Dominikus, bitte 2c. Heiliger Franziskus, bitte 2c. Alle heiligen Priester und Leviten, bittet 2c. Alle heiligen Mönche und Einsiedler, bittet 2c. Heilige Maria Magdalena, bitte 2c. Heilige Agatha, bitte 2c. Heilige Lucia, bitte 2c. Heilige Agnes, bitte 2c. Heilige Cäcilia, bitte 2c. 155 Das vierte Gärtlein. 156 Heilige Katharina, bitte 2c. Heilige Anastasia, bitte 2c. Alle heiligen Jungfrauen und Wittwen, bittet 2c. Alle Heiligen Gottes, bittet 2c. Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel, Von aller Sünde, Von deinem Zorne, Vom jähen und unvorgesehenen Tode, Von den Nachstellungen des Teufels, Vom Zorne, Haß und allem bösen Willen, Vom Geiste der Unreinigkeit, Von Blizz und Ungewitter, Von Pest, Hunger und Krieg, Von dem ewigen Tode, Durch das Geheimniß deiner h. Menschwerdung, Durch deine Ankunft, Durch deine Geburt, Durch deine Taufe und dein h. Fasten, Durch dein Kreuz und Leiden, Durch deinen Tod und dein Begräbniß, Durch deine heilige Auferstehung, Durch deine wunderbare Himmelfahrt, Durch die Herabkunft des h. Geistes des Trösters, Am Tage des Gerichts, Wir armen Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns verschonest, Daß du uns verzeihest, Daß du uns zur wahren Buße führen wollest, Daß du deine Kirche regieren und erhalten wolleft, Daß du den obersten Hirten und alle Stände der Kirche in der wahren Gottesfurcht erhalten wollest, Daß du Feinde der h. Kirche demüthigen wollest, Daß du den christlichen Königen und Fürsten Frieden und wahre Eintracht geben wollest, Daß du dem ganzen christlichen Volke Frieden und Einigkeit verleihen wollest, Erlöse uns, o Herr! Wir bitten dich, erhöre uns! Litanei zu allen Heiligen. Daß du uns selbst in deinem h. Dienste stärken und erhalten wollest, Daß du in unsern Gemüthern himmlsche Begierden erweckest, Daß du alle unsere Wohlthäter mit ewigen Gütern belohnest, Daß du unsere und unserer Brüder, Freunde und Gutthäter Seelen vor der ewigen Verdammniß bewahreſt, Daß du die Früchte der Erde geben und erhalten wollest, Daß du allen abgestorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, Daß du uns erhören wollest, O du Lamm Gottes u. s. w.( 3mal). Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! 157 Wir bitten dich, erhöre uns! Christe, erbarme dich unser! W Bater unser 2c. Und führe uns nicht in Versuchung! R Sondern erlöse uns vom Ulebel! Amen. Psalm 69. O Gott! hab' Acht auf meine Hülfe! Herr! eile mir zu helfen. Es sollen sich schämen und zu Schanden werden, die meiner Seele nachstreben. Es sollen zurückweichen und beschämt werden, die mir Uebels wollen. Eilends sollen zurückweichen und beschämt werden, die zu mir sagen: So recht! so recht! Aber frohlocken sollen und sich freuen über dich Alle, die dich suchen: und die dein Heil lieben, sollen immer sprechen: Hochgelobt sei der Herr! Ich bin arm und elend! Gott hilf mir. Mein Helfer und mein Erlöser bist du, Herr! säume nicht. y Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem h. Geiste! R, Wie vom Anfange, so jetzt und allezeit, und in alle Ewigkeit. Amen. 158 Das vierte Gärtlein. W Erlöse und schütze deine Diener, o Gott! R Die auf dich hoffen! V Sei uns, o Herr, ein fester Thurm! R Vor dem Feinde! V Nichts soll der Feind über uns vermögen! R Und der Sohn der Ungerechtigkeit soll uns nicht weiter schaden! V Herr, thu uns nicht nach unsern Sünden! R Und vergilt uns nicht nach unsern Missethaten! V Laffet uns beten für unsern h. Vater, den Papst N. N. R Der Herr behüte ihn, und erhalte ihn beim Leben, und mache ihn selig auf Erden, und übergebe ihn nicht in den Willen seiner Feinde! V Laffet uns beten für unsere Wohlthäter! R Vergelte gnädig, o Herr, Allen, die uns wohlthun, um deines Namens willen, und schenk' ihnen das ewige Leben! V Laffet uns beten für die abgestorbenen Christgläubigen! R Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen! V Laß sie ruhen in Frieden! R, Amen. V Laffet uns beten für unsere abwesenden Brüder! R Erlöse und schütze deine Diener, o Gott, die auf dich hoffen! V Sende ihnen Hülfe aus deinem Heiligthume, o Herr! R Und von Sion aus beschüße ſie! V Herr, erhöre mein Gebet! R Und laß mein Rufen zu dir kommen! Der Herr sei mit euch! R Und mit deinem Geiste! Laßt uns beten! Gebet. Gott! dir ist es eigen, dich stets zu erbarmen und zu verschonen. Nimm gnädig auf unser Flehen, und löſe huldvollst durch die Erbarmung deiner unendlichen Liebe die Fesseln der Sünden, welche uns alle, deine Diener, umstricken! Wir bitten dich, o Herr! erhöre unser demüthiges Gebet, und verschone Alle, die ihre Sünden vor dir bekennen, Litanei zu allen Heiligen. 159 auf daß wir zugleich Verzeihung und den Frieden durch deine Huld erlangen mögen! Laß, o Herr, deine unaussprechlichen Erbarmungen in ihrer ganzen Herrlichkeit an uns sich offenbaren, damit wir zugleich von allen Sünden, die wir begangen haben, gereiniget, und von allen Strafen, die wir dafür verdient haben, erlöset werden mögen! Gott, der du durch die Sünde beleidiget, durch die Buße versöhnet wirst; siehe gnädig auf das Flehen deines demüthigen Volkes und wende gnädig die Geißel deines Zornes ab, die wir für unsere Sünden wohl verdient haben! Allmächtiger ewiger Gott! erbarme dich deines Dieners N., unsers obersten Hirten; leite ihn nach deiner Milde auf dem Wege des ewigen Heils, damit er durch deine Gnade, was dir wohlgefällig ist, begehre und mit aller Kraft vollbringe! Gott von dem alles heilige Verlangen, alles weiſe Rathen und alles gerechte Thun stammt; gib uns, deinen Dienern, jenen Frieden, den die Welt nicht geben kann; damit unsere Herzen deinen Geboten stets ergeben, und unsere Zeiten von allem feindlichen Schrecken befreit, unter deinem Schutze ruhig bleiben! Laß, o Herr, das Feuer des h. Geistes Herz und Nieren uns durchglühen, damit wir mit keuschem Leibe dir dienen und mit reinem Herzen dir gefallen mögen! Gott, du Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller Sünden, auf daß sie die gnädige Nachlassung, welche sie allezeit ersehnt haben, durch unsere liebevolle Fürbitte erlangen mögen! Komm uns, o Herr! in allem, was wir thun, mit deiner Gnade zuvor, und hilf uns mit deinem Segen weiter fort, damit alle unsere Gebete und Handlungen von dir ihren Anfang nehmen und durch dich ihre Vollendung erhalten! Allmächtiger, ewiger Gott! der du herrscheft über die Lebendigen und die Todten, und dich aller erbarmest, welche du aus ihrem Glauben und Wirken für die Deinen anerkennest; wir bitten dich demütig, daß Jene, für welche wir uns vorgenommen haben, unser Gebet vor dir auszu 160 Das fünfte Gärtlein. gießen, und die entweder noch in dieser Welt am Leben ,. oder schon von dieser Erde abgeschieden sind, durch die Fürbitte aller deiner lieben Heiligen, nach deiner Huld, Verzeihung aller ihrer Sünden erlangen mögen, durch unsern Herrn, Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des h. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. R Amen. V Der Herr sei mit euch! R Und mit deinem Geiſte! V Der allmächtige und barmherzige Gott erhöre unser Flehen! R Amen. V Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes in Frieden ruhen! R Amen. Diese Litanei wird am Charsamstage nach der Segnung des Taufwassers gesungen, du kannst sie dann in der Stille mitbeten. Auch am Allerheiligenfeste bete sie mit Andacht und reumüthigem Herzen. Das fünfte Myrrhen- Gärtlein. Gepflanzt mit andächtigen Communion- Gebeten. = Unter allen Uebungen, die ein frommer Christ zu Ehren Gottes und zur Beförderung seines Heils verrichten kann, ist die würdige Empfahung der h. Communion eine der vortrefflichsten. Uud je öfter man sie empfängt, desto besser ist es, vorausgesetzt, daß man sie nur mit Andacht empfängt, und durch dies Mittel täglich frömmer zu werden sucht. Die Vorbereitung aber zu der Commnion deutete uns Christus an, als Er sprach: Dies thuet zu meinem Andenken. Der h. Paulus erklärt dies also mit den Worten: So oft ihr dies Brod effet zc. sollt ihr den Gebete vor der Communion. 161 Tod des Herrn verkünden! Als wollte er sagen: so oft ihr communiciret, so erinnert euch des Leidens und Sterbens Christi, welches mit folgenden Gebeten füglich geschehen wird. Vorbereitung zur Communion. O Herr Jesu Christe, du Sohn des lebendigen Gottes! ich gedenke jeht zu dem hochwürdigsten Saframente des Altars zu gehen, und dein allerheiligstes Fleisch und Blut in mein unwürdiges Herz zu empfangen. Dies begehre ich auf so träftige Weise zu verrichten, daß dir eine unendliche Ehre, deinen Heiligen eine große Freude, der Kirche ein besonderer Nugen, den Verstorbenen ein reichlicher Trost, und meiner Seele sicheres Heil daraus entspringe. Hierzu verleihe mir deine göttliche Gnade, und durch die Einsprechung des h. Geistes regiere die Anmuthungen meiner Seele, damit sie sich zur Empfahung deiner göttlichen Majestät auf's würdigste bereite. Ich elender Sünder will thun, so viel ich immer kann; und du, o mein Jesu, wollest durch dich ersetzen, was ich durch mich nicht vermag. Du wollest mein unreines Herz mit deinen bitteren Zähren abwaschen, mit deinem blutigen Todes. schweiße erweichen, mit deinem Seitenwasser befeuchten, mit deinem rosenfarbenen Blute besprengen, mit deinen Tugenden zieren, mit deinen Verdiensten bereichern, mit deiner Liebe entzünden, mit deiner Gottheit umgeben, und dir selbst eine so liebliche Wohnung darin bereiten, daß deine göttliche Majestät darin zu wohnen sich erlustige. Amen. Myrrhengarten III. 23. Aufl. 11 Das fünfte Gärtlein. Erinnerung an das Leiden Christi vor der Communion. O Christe Jesu, wie herrlich ist die Mahlzeit, wozu du mich ladest, und wie köstlich sind die Speisen, welche du mir zubereitet hast! Denn du gibst mir deinen allerheiligsten Leib zur Speise und dein allerheiligstes Blut zum Tranke: und zwar dasjenige Blut, welches mit der Gottheit in deiner Person vereiniget und in deinem Leiden ganz schmerzlich ist vergossen worden; denjenigen Leib, welcher durch den h. Geist empfangen, und in deinem Leiden grausam ist zermartert worden. Ach! was für Mühe hat's dich gekostet, ehe du mir diese Speise zubereiten, und was für Bein hast du leiden müssen, ehe du mir dieſen Trank bieten konntest! Ach, wie ist dein zartester Leib so schmerzlich gegeißelt, gekrönet, gefreuziget, und getödtet worden! Ach, wie ist dein rojenfarbenes Blut ſo schmählich vergossen, verunehret, verflucht und vermaledeiet worden! O mein treuester Erlöser, wie bist du am Delberge so betrübt gewesen, wie bist du im Garten unter jo viel Spott gefangen, vor den Richtern so fälschlich verklagt, von dem Volke so schändlich verspottet, von den Schergen so schmerzlich gegeißelt, von den Dornen so peinlich durchstochen, von der Last des Kreuzes so hart gedrückt, von den Nägeln so grausam durchbohrt, und von dem bittersten Tode so schrecklich hingerichtet worden! Ach, wie bist du in deinem Leiden von allen Menschen so ganz verlassen, verstoßen, verachtet, verspottet, verslucht und verwünscht worden! Denn Niemand wollte dich kennen; Niemand begehrte dich zu trösten; Niemand gab dir eine Babung, und Niemand hatte mit dir einiges 162 Gebete vor der Communion. Mitleiden, außer deiner Mutter und deinen Freunden! Ja, du warst so sehr von Gott und der Welt ver= lassen, daß du dies nicht verschmerzen konntest, sondern am Kreuze in Bitterkeit deines Herzens dich beklagend schrieest: Mein Gott, mein Gott! wie hast du mich verlassen! Bist du denn so ganz und gar verlassen, mein liebster Jeju? Will dich denn Niemand aufnehmen, mein edler Bräutigam? O, so will ich dich denn aufnehmen, mein auserwählter Schatz! Ich will mich deiner erbarmen, mein einziger Heiland! In das innerste Kämmerlein meines Herzens will ich dich führen, und in das Ruhebett meiner Seele will ich dich legen! Allda will ich dich laben, erquicken, trösten, umfangen, füssen und herzen. Dein verwundetes, gekröntes Haupt will ich auf das sanfteste Kissen meines guten Willens legen; deine Schmerzen will ich durch mein herzliches Mitleiden lindern; deine Wunden will ich mit dem Kuffe meines Mundes heilen; dein vergoſsenes Blut will ich mit den Zähren meiner Augen abwaschen; und statt der vielfältigen Schmach, so dir in deinem Leiden ist zugefügt worden, will ich dir tauſendfältige Liebe und Ehre erweisen. Dieses alles will ich dir thun aus wahrer herzlicher Liebe und Treue, und will dir so viele holdselige Freundlichkeiten erzeigen, daß du dadurch aller deiner erlittenen Bein und Schmach vergessen sollst. wäre ich nur tauglich genug, dies alles dir im höchsten Grade zu erzeigen! O wäre mein Herz nur rein genug, dich auf's würdigste zu empfangen! Oliebreiche Mutter Gottes, hilf mir mein Herz bereiten. ihr meine lieben Patrone, helft mir 11* Univ.- Bibl. Giessen 163 164 Das fünfte Gärtlein. mein Herz zieren. O ihr lieben Heiligen, helft mir mein Herz reinigen! Gleichwie ihr eure Herzen zur würdigsten Empfahung dieses h. Satramentes bereitet habet, also bereitet auch jetzt mein sündiges Herz zur würdigsten Empfahung desselben Sakraments. Gleichwie ihr eure Seelen mit allen Tugenden geziert habt; also zieret jetzt auch meine Seele mit euren Tugenden: gleichwie ihr mit höchster Andacht zu diesem göttlichen Tische gegangen seid; also verschaffet, daß auch ich mit solcher Andacht zu diesem göttlichen Tische gehen möge. Erwerbet mir wahre Reue über meine Sünden, wahre Demuth meines Herzens, wahre Erkenntniß dieses hl. Sakraments, wahre Ehrerbietung gegen dasselbe, wahre Begierde zu dieser süßen Speise, und einen wahren Durst zu diesem rosenfarbenen Blute, damit ich dieses hochwürdige Sakrament mit solcher Andacht empfange, daß euch allen und jedem eine besondere Freude daraus entspringe. Amen. Gebet vor der Communion. Nun will ich hingehen zu empfangen meinen Gott, und zwar denjenigen Gott, welchen die allerreinſte Jungfrau Maria in ihrem feuschen Leibe empfangen hat. Aber, o unendlicher Gott! wie werde ich es wagen dürfen, dich zu empfangen und durch meinen unreinen Mund in mein unreines Herz aufzunehmen! Soll denn ich gottvergessener, durch die Sünde vergifteter und von ihren Unreinigkeiten noch übelriechender Mensch, dich, den allerreinsten Gott, dich, den erschred lichen Gott, empfangen und in mein sündiges Herz aufnehmen! Was ist mein Herz anders, als eine Gebete vor der Communion. 165 Grube von Unreinigfeit und eine unsaubere Lache! Mein Herz ist ja angefüllt mit lauter böser Begierlichkeit, es ist geneigt zu aller Bosheit und ist befleckt mit dem Gräuel der Gottlosigkeit! Gleichwohl, was für ein unreines Herz ich auch habe; so habe ich doch auch ein gedemüthigtes und zerknirschtes Herz, welches du, o Gott, nicht verachtest. Auch habe ich eine herzliche Begierde und ein festes Vertrauen, durch diese h. Communion frömmer zu werden, und die Hülfe deiner Gnaden zur Besserung meines sündigen Lebens zu erhalten. Damit aber mein sündiges Herz nicht so ganz unrein vor dir erscheine, darum bitte ich, du wollest es rein waschen in dem Brunnen der Zähren, welcher aus deinen weinenden Augen geflossen ist: und wollest es baden in dem warmen Blut- und Wasser- Bad, welches aus deiner eröffneten Seite entsprungen ist. Ja, ich stelle mich unter dein heil. Kreuz und lasse die fünf Quellen deines rosenfarbenen Blutes so lange auf mich fließen, bis mein unreines Herz ganz sauber gewaschen und mit den purpurfarbenen Tröpflein deines göttlichen Blutes ganz besprengt ist. In diesem Zierath meiner Seele erscheine ich vor deinen Augen und gehe in großem Vertrauen zu deiner h. Mahlzeit. Du, o mein Schat, wolleft mich mit der Liebe aufnehmen, mit welcher ich dich zu empfangen begehre. Du wollest nicht ansehen, wer ich bin, sondern wer ich zu sein begehre und durch diese H. Communion zu werden hoffe. Amen. = Jetzt gehe mit gefaltenen Händen und niedergeschlagenen Augen hinzu; vor der Communionbant aber kniee nieder und schlage dreimal an deine Brust, sprechend: Herr Jesu Christe! ich bin nicht würdig, daß 166 Das fünfte Gärtlein. du eingehest unter mein Dach: sondern sprich nur ein Wort, so wird meine arme Seele gesund! O Herr, Jesu Christe! ich bin nicht würdig, dich zu empfangen; aber ich vertraue auf deine Güte, du werdest mich nicht verstoßen! O Herr Jesu Christe! ich bin nicht würdig, daß du bei mir einkehrest! ich bitte dich jedoch, durch die Liebe deines Herzens, du wollest mein fündiges Herz nicht verschmähen! Wenn du vor dem Altare tnieest, so bete mit dem Munde nichts mehr, sondern sprich nur in deinem Herzen: O mein Jesu, o mein Jesu! O wär' ich doch würdig! Ach mache mich doch würdig! Komm, o mein Schatz! ach komme zu mir; denn mein Herz verlanget inbrünstig nach dir! Nach der Communion. Sei mir willkommen in dem Kämmerlein meines Herzens, o du Geliebter meines Herzens! und sei mir zu tausend und tausendmal gegrüßt und gebenedeit! Ich falle demüthig vor dir auf die Kniee, und bete voll Ehrerbietung deine wahre Gottheit und Menschheit an. O du mein auserwählter Bräutigam, nun bist du mir ein wahres wohlriechendes Myrrhenbüschlein und sollst bei meiner Seele in meinem Herzen wohnen! Daher drücke ich dich mit heiliger Begierde an mein betrübtes Herz und begehre zugleich, deine heiligen Wunden in mein Herz einzudrücken. Nun habe ich dich, meinen Erlöser, wahrhaftig bei mir, der du für mich am Delberge Blut geschwißt hast, und für mich erbärmlich gegeißelt, mit Dornen gekrönet, mit Nägeln an's Kreuz geheftet und am Kreuze Gebete nach der Communion. 167 gestorben bist. Dich, meinen herzliebsten Jesus, hab' ich nun bei mir, der du mir zu Liebe vom Haupt bis zu den Füßen so hart verwundet worden bist, daß kein Glied an deinem Leibe war, welches nicht auf eine besondere Weise Schmerzen litt. Damit ich nun dir diese deine Beinen lindern und für die zugefügte Schmach einige Genugthuung leisten möchte, darum habe ich dich jetzt aufgenommen und begehre dir tausendmal mehr Ehre und Liebe zu erzeigen, als du in deinem Leiden Schmach und Schmerzen gelitten hast. Dein mit Dornen gekröntes Haupt lege ich auf mein bußfertiges Herz, gleich als auf das allersanfteste Kissen, damit es da süß ruhen und für seine Pein Linderung empfangen möge. Deinen ganz ver= wundeten, zermarterten Leib lege ich in den Schooß meiner lieben Seele, gleich als in das allerweichste Bettlein, damit er da sanft einschlafe und aller seiner Marter vergesse. Die tiefen Wunden deiner h. Hände und Füße benezze ich mit den Zähren meiner Augen, wie mit dem allerbesten Perlen Wasser, damit sie durch dieses Bad geheilt und von ihren Schmerzen. befreit werden. Deinen geschwollenen Mund und deine zerrissenen Wangen füsse ich mit dem süßesten Kusse meines mundes, zum Zeichen meiner herzlichen Liebe, damit dieselben hierdurch vollkommene Sinderung und ihre vorige Schönheit wieder empfangen mögen. Diese meine herzliche Liebe laß dir gefallen, o mein auserwählter Bräutigam! und nimm diesen Dienst, welchen ich dir im Geiste erweise, mit solchem Gefallen an, als wenn ich dir Alles zur Zeit deines Leidens im Werke erzeigt, hätte. = 168 Das fünfte Gärtlein. Weil ich denn dich, meinen gekreuzigten Heiland, persönlich in meinem Herzen habe, erlaube ich mir die Vertraulichkeit, und bitte dich mit inniger Liebe, du wollest mir diese H. Communion zur Vermehrung meines Heiles gereichen lassen. Dein gekröntes Haupt wolle die Hoffart meines Hauptes vertilgen: Dein entstelltes Angesicht wolle die Sünden meines Angesichts auslöschen: Dein geschwollener Mund wolle für die Missethaten meines Mundes genugthun: Deine durchbohrten Hände wollen mir die Sünden meiner Hände verzeihen: Deine angenagelten Füße wollen mir Nachlassung meiner bösen Gänge erwerben: Dein verwundeter Leib wolle mir Verzeihung aller Sünden meines Leibes erbitten: Dein durchstochenes Herz wolle die Wunden meines Herzens heilen: Dein vergossenes Blut wolle alle meine Mafel abwaschen: Dein schmerzliches Leiden wolle alle meine Strafen bezahlen, und dein bitterer Tod wolle mir das ewige Leben erwerben. Amen. Gebet des h. Ignatius. Die Seele Christi heilige mich! 2c. S. 63. Fromme Anmuthungen. Ich habe gefunden, den meine Seele liebt; ich will ihn halten und nicht entlassen, bis er mich gesegnet hat! Dich, mein Jesu, umfasse ich, und drücke dich an mein Herz. Du bist der Schatz meines Herzens, in dem ich Alles befize. Gebete nach der Communion. 169 Du bist mein König, o vergiß nicht, wie elend und gedrückt ich bin! Du bist mein Richter, schone meiner Sünden und erbarme dich meiner! Du bist mein Arzt, heile alle meine Gebrechen! Du bist der Geliebte meiner Seele, vermähle sie mit dir für ewig! Du bist mein Führer und mein Schuß, ziehe mich an dich, und wer will, trete gegen mich auf! Du bist ein Opfer für mich geworden, sieh! ich opfere mich dir zum Opfer des Lobes. Du bist mein Erlöser, erlöse meine Seele von der Hölle und rette mich! Du bist mein Gott und Alles! Was habe ich im Himmel, was wünsche ich auf Erden außer dir, du Gott meines Herzens und mein Theil in Ewigkeit! A. Aufopferung der H. Communion. Allerheiligster himmlischer Vater, siehe, jetzt habe ich deinen lieben Sohn empfangen und habe ihn noch persönlich in meinem unwürdigen Herzen. Gleichwie du ihn vom Himmel herabgesandt, und die Welt zu erlösen mit höchster Liebe dargegeben hast: also sende ich ihn wiederum hinauf und opfere ihn dir zur Vergeltung der Liebe, mit welcher du ihn zu uns herabgesandt hast. Siehe! ich zeige und opfere dir diesen deinen Sohn in solcher Gestalt, wie Er am Delberge auf seinem h. Angesichte liegend blutigen Schweiß geschwißt hat. Ich zeige und opfere dir deinen Sohn in solcher Gestalt, wie Er an die Säule gebunden ganz grausam zergeißelt worden ist. 170 Das fünfte Gärtlein. Ich zeige und opfere dir deinen Sohn in solcher Gestalt, wie Er auf dem Steine sißend mit Dornen gekrönt worden ist. Ich zeige und opfere dir deinen Sohn in solcher Gestalt, wie Er auf dem Kreuze liegend verspottet worden ist. Endlich zeige und opfere ich dir deinen herzliebsten Sohn in solcher Gestalt, wie Er am Kreuze unter den bittersten Schmerzen gestorben ist. Schaue, o gütigster Vater, auf dieses Elend deines liebsten Sohnes und gedenke zugleich, daß Er dies Alles um meinetwillen gelitten hat. So erbarme dich denn meiner um deines lieben Sohnes willen, und lasse meine arme Seele nicht zu Schanden werden: Er hat sie ja so schmerzlich erlös't und so theuer erkauft! Nimm auf die Genugthuung, die Er dir für meine Sünden geleistet hat, und laß dir an der überflüssigen Strafe, so Er zur Bezahlung meiner Strafen ausgestanden hat, genug sein. Denn ich opfere dir Alles, was mein Jesus auf Erden für mich gethan und gelitten hat: und begehre, daß du dies Alles von mir also aufnehmest, als wenn ich dir dies aus dem Meinigen geopfert hätte. Weil jetzt dein liebster Sohn sich selbst mit Allem, was Er auf Erden verdiente, gleichsam in meine Hände und Gewalt übergeben hat, deswegen opfere ich dir auch alle seine Verdienste, gleich als wären sie mein eigen. Sie sind von ihm für mich erworben, und mir jetzt durch die H. Communion auf eine besondere Weise geschenkt worden. Daher habe ich auf diese Aufopferung solches Vertrauen, als wenn ich dir alle meine Schulden gleichsam mit baarem Gelde bezahlt und für alle meine schuldigen Strafen Gebete nach der Communion. 171 vollkommen genuggethan hätte. Laß diese meine Genugthuung vor dir gültig sein, und mich an dieser meiner Hoffnung nicht zu Schanden werden. Amen. Zu der Mutter Gottes. Liebreiche Jungfrau Maria! deinen eingebornen Sohn, Jesus Christus, habe ich jetzt wahrhaft empfangen und unter der Gestalt der h. Hostie persönlich bei mir. Gleichwie dir dein Sohn, als er vom Kreuze abgenommen worden, von deinen Freunden auf deinen Schooß gelegt ward: also lege ich diesen deinen gekreuzigten Sohn auf deinen mütterlichen Schooß und in deine holdseligen Arme, damit er dort sanft ruhe und neue Wonne genieße. Erzeige ihm, o Maria, an meiner Statt alle treuherzige Liebe und Freundlichkeit, und erstatte durch deine mütterliche Liebkosung, was ich ihm an Affecten nicht erzeigen kann, wiewohl ich es gern wollte. Küsse ihm mit deinem süßen Munde seine H. Wunden, welche ich ihm durch meine Sünden geschlagen habe und erbitte mir Verzeihung derjenigen Sünden, wegen welcher er die Wunden empfangen hat. Hilf mir auch, deinem Sohne Dank sagen für sein bitteres Veiden, das er für mich ausgestanden hat; und preise ihn mit mir für die große Gnade, die er mir durch die h. Communion erwiesen hat. Lektlich opfere Gott dem Vater das bittere Leiden deines Sohnes für mich, und erwirb mir durch deine Fürbitte, daß dasselbe an meiner Seele nicht verloren gehe. ihr lieben Heiligen Gottes! gleichwie ich euch vor der h. Communion um ein Almosen angesprochen 172 Das fünfte Gärtlein. habe, also begehre ich mich wiederum für eine Gutthat dankbar zu erzeigen. Ich opfere euch den süßzen Jesum, den ich empfangen habe, und begehre, euch allen eure Freuden tausendmal zu vermehren. Helfet mir, ihm für diese H. Communion würdigen Dant ſagen, und erstattet ihm durch eure Freundlichkeit, was ich ihm aus mir zu erzeigen nicht vermag. Litanei vom süßen Namen Jesu. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Jesu, höre uns! Jesu, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Jesu, du Sohn des lebendigen Gottes, Jesu, du Abglanz des Vaters, Jesu, du Ausfluß des ewigen Lichtes, Jesu, du König der Herrlichkeit, Jesu, du Sonne der Gerechtigkeit, Jesu, du Sohn der Jungfrau Maria, Lieblicher Jesu, Wunderbarer Jesu, Jesu, starker Gott, Jesu, Vater der Ewigkeit, Jesu, Engel hohen Rathes, Mächtigster Jeſus, Geduldigster Jesus, Gehorsamster Jesus, Jesu, sanftmüthig und demüthig von Herzen, Jesu, Freund der Keuschheit, Jesu, unser Freund, Jesu, Gott des Friedens, Jesu, Urheber des Lebens, A. Erbarme Dich unser! Gebete nach der Communion. Jesu, Muster der Tugenden, Jesu, Eiferer für das Heil der Seelen, Jesu, unser Gott, Jesu, unsere Zuflucht, Jesu, Vater der Armen, Jesu, Schaß der Gläubigen, Jesu, guter Hirt, Jesu, wahres Licht, Jesu, ewige Weisheit, Jesu, unbegrenzte Güte, Jesu, unser Weg und Leben, Jesu, Freude der Engel, Jesu, König der Patriarchen, Jesu, Meister der Apostel, Jesu, Lehrer der Evangelisten, Jesu, Stärke der Märtyrer, Jesu, Licht der Bekenner, Jesu, Reinigkeit der Jungfrauen, Jesu, du Krone aller Heiligen, Sei uns gnädig, verschone uns, o Jesu! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Jeſu! Von allem Uebel, erlöse uns, o Jeſu! Von aller Sünde, Von deinem Zorne, Von den Nachstellungen der Teufels, Vom Geiste der Unlauterkeit, Vom ewigen Tode, Von Bernachlässigung deiner Einsprechungen, Durch das Geheimniß deiner heiligen Menschwerdung, Durch deine Geburt, Durch deine Kindheit, Durch dein ganz göttliches Leben, Durch deine Mühen, Durch deine Todesangst und deine Leiden, Durch dein Kreuz und deine Verlaffenheit, Durch deine Todesschwäche, 173 Durch deinen Tod und dein Begräbniß, Durch deine Auferstehung, Durch deine Himmelfahrt, Erbarme dich unser! Erlöse uns, o Jesu! 174 Das fünfte Gärtlein. Durch deine Freuden, erlöse 2c. Durch deine Herrlichkeit, erlöse 2c. O du Lamm Gottes, u. s. w.( 3 mal). Jesu, höre uns! Jesu, erhöre uns! Lakt uns beten! Herr Jesu Christe, der du gesagt haft: Bittet, und ihr werdet empfangen; suchet, und ihr werdet finden; klopfet an, und es wird euch aufgethan werden; verleihe uns, wir bitten dich, auf unser Flehen die Anmuthung deiner göttlichen Liebe, um dich von ganzem Herzen, mit Wort und That zu lieben und nimmer in deinem Lobe zu ermüden. Laß uns, o Herr, deinen heiligen Namen allzeit eben so fürchten als lieben, da du ja niemals denen deine Leitung entziehest, welche du in der Festigkeit deiner Liebe erziehest. Der du lebest 2c. 300 Tage Ablaß. Pius IX. 1862. Danksagung für die h. Communion. Wie will ich dir nun die große Wohlthat vergelten, o Christe Jesu, die du mir erwiesen hast, indem du bei mir armen Sünder eingekehrt bist, und mich mit deinem h. Fleische und Blut gespeiset und getränket hast? Gleichwie ich diese unschätzliche Ehre nicht völlig begreifen kann, so kann ich sie dir viel weniger würdig vergelten. Darum bitte ich alle h. Engel und Heiligen, daß sie mir helfen wollen, dich würdig zu preisen, und dir für diese Gutthat möglichsten Dank zu sagen. Gleichwie dir alle andächtigen Seelen nach empfangener h. Communion Dank gesagt haben, begehre auch ich dir aus allen meinen Kräften Dant zu sagen, und dir die unschäßbare Liebe, welche du mir erwiesen hast, zu vergelten. Letztlich bitte ich, Gebete nach der Communion. 175 mein Jesu, du wollest nicht eher von mir scheiden, bis du mir deinen Segen ertheilt und mein Herz mit deinem bittern Leiden erfüllt hast; damit ich wirklich in meiner Seele empfinde, was du zur Zeit deines Leidens in deiner betrübten Seele empfunden hast. Verzeihe mir alle Nachlässigkeiten, so ich in der Vorbereitung, Empfahung und Danksagung dieser heil. Communion begangen, und dadurch die vollkommene Kraft und Wirkung dieses hochwürdigen Sakraments in mir verhindert habe. Ich bitte dich auch, o mein süßester Jesu, für das Heil aller derjenigen, welche sich in mein Gebet befohlen haben, und für welche ich besonders zu beten verpflichtet bin. Ihre Namen und Nöthen, die dir wohl bekannt sind, stelle ich dir mit herzlicher Bitte vor, und befehle sie dir voll Vertrauen an. Erlöse sie aus ihren Nöthen, stärke sie in ihren Schwachheiten, tröste sie in ihren Beschwernissen, und erhalte sie in deiner göttlichen Gnade. Erlöse auch die Seelen der Verstorbenen, besonders derjenigen, für welche ich zu beten schuldig bin, von ihren schweren Peinen, und führe sie durch die Kraft dieses hochwürdigsten Sakraments zu der ewigen Freude und Seligkeit, damit sie dich mit mir loben, und mir helfen, die für diese h. Communion schuldigen Dank zu sagen. Amen. 176 Das fünfte Gärtlein. Gebet vor dem Bilde des Gekreuzigten. INRI Allen Gläubigen, welche nach reumüthiger Beicht und heiliger Communion nachstehendes Gebet vor einem Krucifirbilde verrichten und für die Anliegen der h. Kirche beten, ist ein vollkommener Ablaß für immer bewilligt.( Pius IX. Decret vou 31. Juli 1858.) Cfr. Maurel, Abläsſe, 2. Aufl. Seite 115. Gebet. Sieh, o mein gütigster und süßester Jesu! vor deinem allerheiligsten Angesichte werfe ich mich auf die Kniee, und bitte und beschwöre dich mit der größten Inbrunst meiner Seele, du wollest meinem Herzen einprägen lebhafte Empfindungen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, eine wahre Reue über meine Sünden, und einen festen Vorsatz, sich zu bessern und dich nie mehr zu beleidigen; indem ich mit ungetheilter Liebe und innigstem Mitleiden deine h. fünf Wunden betrachte, und mir lebhaft vor Angen stelle, was der h. Prophet David von dir, o mein, Jesus! gesprochen hat: Sie haben meine Hände und meine Füße durchbohrt, und alle meine Gebeine gezählt."( Ps. 21, 17. 18.) 11 Der öftere Empfang der h. Communion. Der Papst Gregor XIII. verlieh am 10. April 1580 auf ewig Zeiten einen Ablaß von fünf Jahren für jedesmal, wo die Christgläubige Gebete nach der Communion. 177 nach verrichteter Beicht an den kirchlichen Festtagen die heilige Communion empfangen und zugleich auf die Meinung des sichtbaren Oberhauptes der Kirche die gewöhnlichen Ablaß- Gebete verrichten würden. Jenen aber, welche den frommen Gebrauch haben, wenigstens Einmal des Monats und an den Festtagen unsers Herrn Jesu Christi, der seligsten Jungfrau Maria, aller h. Apostel und der Geburt des h. Johannes des Täufers die h. Communion zu empfangen, wird jedesmal ein Ablaß von 10 Jahren und Einmal im Jahre und zwar am Feste des Landes- oder des Stadtpatrons, wo man sich aufhält, ein vollkommener Ablaß verliehen, wenn man an diesem Tage beichtet, communicirt und das gewöhnliche Ablaßgebet auf die Meinung des Oberhauptes der Kirche verrichtet. Du kannst daran abnehmen, wie gerne die Kirche es sieht, daß du oft die Communion empfangeſt, wiewohl sie dich nur einmal im Jahre und zwar um die österliche Zeit schwer dazu verpflichtet durch ein besonderes Gebot. Sie macht es wie eine gute Mutter. Sie will mehr durch die Liebe als durch Furcht ihre Kinder regieren, und sie zu ihrem eigenen Besten mehr durch Liebkosen und Versprechungen auf eine sanfte und innerliche Weise anziehen, als durch Drohungen auf eine rauhe und äußerliche Weise Darum sei du auch ein gutes Kind. Folge den Ermahnungen deiner H. Mutter und dem sanften Zuge ihrer Liebe und vereinige dich oft mit reumüthigem und andächtigem Herzen mit Jesus in der h. Communion, und sprich zu ihm mit dem frommen Thomas von Kempen: antreiben. Gib dich mir, so habe ich genug: denn außer dir ist aller Trost nichtig. Ohne dich kann ich nicht sein, und ohne deine Heimsuchung kann ich nicht leben. Deswegen muß ich mich oft zu dir nahen, und dich als ein Heilmittel empfangen, damit ich nicht etwa auf dem Wege verschmachte, wenn ich der himmlischen Speise beraubt bin. Denn du, o barmherzigster Jesus, Myrrhengarten III. 23. Aufl. 12 178 Das fünfte Gärtlein. da du dem Volke predigtest und verschiedene Krankheiten heiltest, haft gesagt: Ich will sie nicht hungrig nach Hause gehen lassen, damit sie auf dem Wege nicht verschmachten. Wohlan! thue dies jetzt an mir, der du dich zum Troste der Gläubigen in dem Sakramente hinterlassen hast. Denn du bist eine süße Speise der Seele, und wer dich würdig genießt, wird theilhaftig und ein Erbe der ewigen Herrlichkeit. Mir, der ich so oft falle und sündige, so leicht träge und nachlässig werde, ist es wohl nöthig, daß ich durch öfteres Gebet, durch öftere Beicht und Genießung deines heiligsten Veibes mich erneuere, reinige und entzünde, damit ich nicht etwa, indem ich mich länger davon enthalte, von meinem heiligen Vorsatze gänzlich abweiche. Denn die Sinne des Menschen sind von Jugend auf zum Bösen geneigt; und wenn die göttliche Arznei ihm nicht zu Hülfe kommt, fällt der Mensch gar bald in größere Uebel. Die h. Communion zieht also vom Bösen ab und stärkt im Guten. Denn wenn ich jetzt, da ich die Communion empfange, oft so nachlässig und lau bin; was würde geschehen, wenn ich diese Arznei nicht nähme, und ein so kräftiges Hülfsmittel nicht suchte? Und ob ich gleich nicht alle Tage dazu geschickt, noch wohl bereitet bin, so will ich mir doch Mühe geben, zu gehörigen Zeiten die göttlichen Geheimnisse zu genießen und mich einer so hohen Gnade theilhaftig zu machen. Denn der vornehmste Trost für eine gläubige Seele, so lange sie im sterblichen Leibe von dir entfernt ein Fremdling hienieden ist, besteht darin, daß sie sich öfters Gebete nach der Communion. ihres Gottes erinnere, und ihren Geliebten mit andächtigem Herzen empfange. O wunderbare Herablaffung deiner Güte gegen uns, daß du, o Herr mein Gott! du Schöpfer und Beleber aller Geister! dich würdigest, zu einer armen Seele zu kommen, und ihren Hunger mit deiner ganzen Gottheit und Menschheit zu sättigen! O des seligen Gemüths und der beglückenden Seele, die dich, ihren Herrn und Gott, andächtig zu empfangen und bei dieser Empfangung mit geistlicher Freude erfüllt zu werden gewürdigt wird! O welch' einen großen Herrn nimmt sie auf! Welch' einen geliebten Gaft führt sie in sich ein! Welch' einen angenehmen Gesellschafter empfängt sie! Welch ein treuer Freund fehrt bei ihr ein! Welch' ein schöner und edler Bräutigam, der über Alles, was man lieben und wünschen kann, geliebt zu werden verdient! O mein füßer Geliebter! es schweige Himmel und Erde und ihre ganze Zierde vor deinem Angesichte; denn was sie immer Lobwürdiges und Schönes haben, kommt von deiner freigebigen Güte her, und sie werden der Schönheit deines Namens niemals gleichkommen, indem deine Weisheit unendlich ist. 179 Anmerkung: Ist nach der Communion noch Zeit übrig, so kannst du aus dem folgenden Gärtlein dir noch passende Gebete zum allerheiligsten Sakramente auswählen, um deiner Andacht zu Jesus, der noch in deinem Herzen wohnt, Nahrung zu geben. Diese Augenblicke sind wichtig und kostbar. Benute sie, so eifrig du kannst, und so lange als es immer deine Umstände erlauben. 12* 180 Das fünfte Gärtlein. Ablaßgebet. An allen Ablaßtagen in der Kirche Vor- oder Nachmittags zu sprechen. Vor deinem göttlichen Angesichte, o Christe Jesu, erscheine ich hier in dieser heiligen Kirche, und begehre den gnadenreichen Schatz des Ablasses zu verdienen, um, was mir an der Genugthuung meiner Sünden ermangelt, durch deine und deiner Kirche reichen Verdienste zu erstatten. Ich habe all mein Leben so viel schwere Sünden begangen und so viel schwere Strafen verschuldet, daß, wenn ich schon bis an den jüngsten Tag Buße thäte, ich dennoch nach der GeUnd wenn rechtigkeit dafür nicht genugthun könnte. ich ohne rechtmäßige Bußwirkung in deiner Gnade sterben sollte, so müßte ich viele hundert Jahre im Fegfeuer liegen, ehe ich alle meine Strafen bezahlt haben würde. Am heutigen Tage aber hat deine Kirche ihren Gnaden- Schatz eröffnet, und ist bereit, Allen, die sich dessen theilhaftig machen wollen, aus ihren Verdiensten so viel mitzutheilen, als sie für ihre Sünden zu bezahlen verpflichtet sind. Darum habe ich auch ein großes Verlangen, dieses reichen Schatzes theilhaftig zu werden und diesen vollkommenen Ablaß zu verdienen. Die h. Sakramente der Beicht und Communion habe( oder will) ich mit aller möglichen Andacht empfangen, und das vorgeschriebene Gebet für das gemeine Anliegen der Christenheit begehre ich jetzt auf die träftigste Weise zu verrichten. Ich bitte deshalb, o Christe Jesu, so dringend ich immer kann, du wollest deine allerliebste Braut, die h. fatholische Kirche, erhöhen, vermehren, bewahren und wider alle Ablaßgebet. 181 Heiden und Ketzer beschützen. Wolleft die verdammlichen Ketzereien ausreuten, die verfluchten Lehren vertilgen und die irrenden Seelen bekehren. Wollest auch die christlichen Fürsten und Gewalthaber vereinigen, sie sämmtlich wider die Feinde der h. Kirche ermuntern, und die schädlichen Kriege und Uneinigkeiten aufheben, damit der liebe Frieden erhalten, die Andacht und Gottesfurcht vermehrt und das Heil der armen Seelen befördert werde. Dies Alles bitte ich vornehmlich von dir, o Jesu, weil das Heil der Seelen dich am meisten angehet, und dich auch am meisten gekoſtet hat. Erinnere dich, was du für die Erlösung der Welt gethan und gelitten, und was du noch dafür zu thun und zu leiden bereit wärest, wenn es vonnöthen wäre. Bist du nicht aus lauter Liebe zu den armen Seelen vom Himmel gekommen, in einem Stalle geboren, von aller Welt verlassen und in lauter Elend erzogen worden? Hast du nicht für das Heil der Menschen viele bittere Zähren geweint, viele saure Schweißtropfen und sogar dein kostbares Blut vergossen? Bist du nicht schmählich gesangen, gebunden, verlacht, entblößt, gegeißelt, gekrönt, verurtheilt, zu Tode geführt, am Kreuze ausgestreckt und angenagelt, und grausam hingerichtet worden? Dies Alles hättest du nicht gethan, noch gelitten, wofern dir das Heil der Seelen nicht so sehr angelegen gewesen wäre, und du mit den verlornen Menschenkindern nicht so großes Mitleid getragen hättest. Deswegen bitte ich um deines Seeleneifers willen, laß doch keine arme Seele zu Schanden werden, sondern führe sie auf den Weg 182 Das fünfte Gärtlein. des ewigen Heils. Die im katholischen Glauben sind, erhalte darin, und mache, daß sie nach demselben fromm leben. Die in Todsünden sind, befreie davon, und verleihe ihnen einen ernstlichen Vorsatz zur Besserung ihres Lebens. Die in Anfechtungen sind, stärke und erhalte, daß sie von Sünde nicht überwunden werden. Die in Kleinmüthigkeit sind, ermuntere und bewahre, daß sie nicht ganz verzweifeln. Die in Betrübniß sind, tröste, und errette sie aus allem Kreuze, das ihnen an ihrem Heile schädlich sein möchte. Die in Sünden sind, erleuchte, führe zurecht, und bewahre sie vor den schweren Anfechtungen des bösen Feindes. Die im Irrthum sind, führe daraus, und laß sie die wahre Lehre des katholischen Glaubens erkennen. Die in Kriegsnöthen sind, erlöse daraus, und bescheere ihnen den lieben lang gewünschten Frieden. Und endlich alle Seelen, welche in Gefahr der Seligkeit sind: errette daraus, und leite sie auf den richtigen Fußsteig der ewigen Seligkeit. Für alle diese bitte ich dich aus ganzem Herzen, und verlasse mich auf deine Güte, du werdest mein Gebet erhören. Weil diese meine Bitte mehr dich als mich angeht, und du viel tausendmal mehr nach dem Heile der Seelen verlangest, als ich darnach verlangen kann, so lasse mein Gebet zu dir kommen, und die Seufzer meines Herzens dein liebes Herz durchdringen, damit die liebe Christenheit in ihrem allgemeinen Anliegen getröstet und dein H. Name ewig gepriesen werde. A. Man pflegt, um den vollkommenen Ablaß zu gewinnen, dem Gebete für die allgemeinen Anliegen der Kirche noch 7 Bater unser, Gegrüßet und Ehre sei dem Vater und einmal den Glauben beizufügen. Gebete vor dem h. Sakramente. Das sechste Myrrhen- Gärtlein. Gepflanzt mit anmuthigen Gebeten zum hochw. Sakramente. 183 Anweisung. Die Gebete dieses Gärtleins kannst du sprechen: 1. Unter der Vesper. 2. Wenn du vor oder nach dem Gottesdienste oder sonst in der Kirche verweilest. 3. Bei allen Prozessionen, worin das heil. Sakrament umgetragen wird. 4. Bei frommen Besuchungen des heil. Sakraments. 5. Beim Stundengebete. 6. An Communiontagen. Erwägung. Es ist eine der vortrefflichsten und fruchtbarsten Uebungen, wenn man vor dem hochw. Sakramente, besonders wenn dasselbe ausgesetzt ist, seine Andacht recht zu verrichten weiß. Denn wir sind nicht allein schuldig, dem hochw. Sakramente die Gott gebührende Ehre zu erzeigen, sondern haben auch niemals bessere Gelegenheit, unser Herz vor Gott auszugießen, und seine Gnade sicherer zu erlangen, als wenn wir persönlich vor Gott knieen. Deswegen habe ich verschiedene Gebete vor dem hochw. Sakramente zu beten hierher gesetzt. Du kannst nun daraus diejenigen wählen, welche dir am besten gefallen. Ich will dies mein Gebet in der Meinung verrichten: Intention oder Meinung. Vor der Andacht zum hochw. Sakramente zu sprechen. 1. Um dich, meinen Gott und Heiland, im h. Sakramente anzubeten, zu lieben, zu loben und zu benedeien; 184 Das sechste Gärtlein. 2. Um dir für alle empfangenen Wohlthaten zu danken; 3. Um dir für meine Sünden genug zu thun; 4. Um Gnade, Heil und Segen für Leib und Seele zu erhalten. 5. Um dieses Sakrament allzeit würdig zu genießen und einst nach dessen würdigem Empfange selig zu sterben. 1. Uebung des Glaubens und der Aufopferung. O allerhochwürdigstes Sakrament des Altars! ich glaube fest, daß mein Erlöser Jesus Christus mit ſeiner Gottheit und Menschheit auf unbegreifliche Weise in dir verborgen ist. Ich glaube, daß der höchste Gott persönlich in dir gegenwärtig ist, und in dir, wie auf einem königlichen Throne, mit höchster Majeſtät ruhe. O Abglanz des Vaters, Christe Jesu, du sein einzig geliebter Sohn, ich glaube, daß du hier gegenwärtig bist, und mich aus diejem h. Saframente liebreich ansiehst, und das Innerste meines Herzens durchschauest! Ich glaube, daß unter der Gestalt des Brodes nicht allein dein Leib, sondern auch dein Blut, und mit beiden deine verflärte Seele, deine volle Menschheit und Gottheit wahrhaft, wirklich und wesentlich gegenwärtig ist. Und obgleich ich dies mit menschlich beschränktem Verstande nicht begreifen kann, so glaube ich es dennoch so fest, daß ich auch Leib und Leben dafür zu lassen bereit bin. O Christe Jesu! du mein Gott, mein Schöpfer, mein Erlöser und Seligmacher! du bist mein Heil und mein einziger Trost! Du bist derjenige, welcher mich selig machen und verderben kann! Du bist der gerechte Richter, vor dem ich einmal werde erscheinen Gebete vor dem h. Sakramente. müssen, um über mein fündiges Leben Rechenschaft abzulegen. Darum falle ich demüthig dir zu Füßen, flage mich über meine Sünden von Herzen an, und bitte dich durch die Hochwürdigkeit dieses h. Sakraments, du wollest mir dieselben verzeihen und die Makel meiner Seele mit deinem h. Blute abwaschen. 185 O mein liebster Jesu! sieh denn mit den Augen deiner Barmherzigkeit mich elenden Sünder an, der ich vor dir auf meinen nieen liege, dich von Herzen anbete und für meinen Herrn und Gott erkenne. Ach, siehe mich an, wie du ehedem den H. Petrus und die h. Magdalena angesehen hast, und verleihe auch mir eine solche Reue über meine Sünden, wie du ihnen verliehen hast, auf daß ich dieselben von Herzen verabscheue und mit bittern Thränen beweine. O mildester Jesu! auf dich schauen meine Augen, zu dir wendet sich voll Vertrauen mein betrübtes Herz. Ich weiß dich ja nirgends besser zu finden, als in dieser H. Hostie; kann nirgends dir näher kommen, als in diesem hochwürdigsten Sakramente; denn hier bist du ja persönlich gegenwärtig, wie im Himmel unter den lieben Engeln. Darum denn bitte ich um Gnade und Barmherzigkeit. Jesu! du einzige Hoffnung meiner Seele, Christe Dich liebe ich, dich ehre ich, dich bete ich an, und dich bitte ich, du wollest das Opfer, welches du am Kreuze für aller Welt Sünden dargebracht haft, an mir nicht verloren sein lassen. Opfere auch jest dich deinem lieben Vater mit all deiner Geduld und Demuth auf zur Erstattung der Tugenden, die mir mangeln. Opfere dich ihm auf mit aller Bitter 186 Das sechste Gärtlein. feit deines Leidens zur gänzlichen Verzeihung meiner Sünden. Opfere dich ihm auch mit aller Liebe deines göttlichen Herzens zur Vermehrung meines Heils und meiner Liebe. Ach siehe, himmlischer Vater! der sich opfert, ist derselbe, der für uns so unbarmherzig ist gegeißelt, so schimpflich gekrönt und so schmerzlich gekreuzigt worden! Es ist derselbe, welcher drei Stunden lang mit ausgeſpannten Armen, mit ganz verwundetem Leibe am Kreuze gehangen und mit weinenden Augen und starkem Schrei für die Sünder gebetet hat. So erhöre denn seine Bitte und erbarme dich meiner und aller armen Sünder. Viel haben wir freilich wohl gesündigt; doch Er hat viel abgebüßt. Viel haben wir verschuldet, doch Er hat auch viel abgezahlt. So siehe denn nicht auf unsere Sünden, sondern auf seine Tugenden und gedenke nicht, was wir verschuldet, sondern was Er abgebüßt hat. Deshalb opfere ich denselben mit all seiner Vollkommenheit und Liebe, mit welcher Er hier im allerh. Sakramente gegenwärtig ist, um deinen gerechten Zorn gänzlich zu versöhnen und Gnade und Barmherzigkeit zu erlangen. Amen. 2. Zweiter Seufzer zum h. Sakramente. O du hochwürdiges Sakrament des Seibes und Blutes meines Herrn Jesu Christi! sei mir von Grund meines Herzens gegrüßt und im Namen aller Engel und Heiligen gelobt und gebenedeit. O du hochgebenedeites Sakrament! wie erfreuest du mich, wenn ich dich ansehe, und was für einen Troft empfindet meine Seele, wenn sie bedenkt, daß ein wahrer Gott Gebete vor dem h. Sakramente. 187 persönlich in dir wohnt. Odu lobwürdiges und glorwürdiges Sakrament, ich liebe, lobe und preiſe dich und bete dich demüthig auf meinen Knieen an, und viel hundert tausend mal danke ich meinem liebſten Jesu, daß Er dich zu unserm Troste und ewigen Heile eingesetzt hat! O du liebreiches Sakrament, wollte Gott, daß ich die Demuth der Heiligen hätte, damit ich dich mit wahrer Ehrerbietung anbeten könnte! Wollte Gott, daß ich die Andacht aller Gott liebenden. Seelen hätte, damit ich dich mit vollkommener Andacht verehren könnte! Wollte Gott, daß ich die Liebe aller erschaffenen Herzen hätte, damit ich dich mit all dieser Liebe unendlich lieben könnte! Wollte Gott, daß ich dir mit diesem meinem Gebete tausendmal mehr Ehre und Dank erweisen könnte, als dir von allen bösen Menschen Schmach und Unehre ist zugefügt worden! So will ich dich doch ehren nach meiner Möglichkeit, o du liebes, o du süßes, hochwürdiges Sakrament! Ich bitte dich um Gnade und Barmherzigkeit, und rufe dich voll Vertrauen um Besserung meines sündigen Lebens an. Oheilbringendes Saframent heile mich! O reinstes Sakrament reinige mich! Onährendes Sakrament speise mich! D kostbares Sakrament sättige mich! O süßes Sakrament erquicke mich! O träftiges Sakrament stärke mich! Ognadenreiches Sakrament schenke mir deine Gnade! Oliebreiches Sakrament entzünde mich! Oheiligstes Sakrament heilige mich! In dir will ich mich verbergen, damit ich vor dem Zorne Gottes im Leben und Sterben sicher sei! O süßester, o mildester und gnädigster Jesu! Ich bitte dich durch die unendliche 188 Das sechste Gärtlein. Liebe, mit der du in diesem h. Sakramente wohnest, erbarme dich über mich armen Sünder und verlaß mich nicht in meiner letzten Noth. Verleihe mir eine wahre Andacht und Ehrfurcht gegen dies h. Sakrament und laß mich dasselbe fortan und besonders vor meinem letzten Ende würdig genießen. Amen. 3. Anbetung des h. Sakraments. Ich überaus elendes und der Verachtung würdiges Geschöpf, zur Erde geneigt bete ich dich an und ehre dich demüthig, o du hochwürdiges Sakrament des Altars, hier an diesem Orte und an allen Orten der ganzen Welt, wo du gegenwärtig bist. Ich habe auch die Meinung und Begierde, diese meine Anbetung nicht allein für mich und meinetwegen zu verrichten, sondern auch für alle Geschöpfe, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde gewesen sind, noch sind, und künftig sein werden. Mich verlangt auch von Grund meines Herzens, in diesem Werke der göttlichen Anbetung von nun an bis in alle Ewigkeit zu verharren, und selbige alle Augenblicke zu erneuern und zu vermehren. Weil aber mein sündiges Herz so gar falt, und diese Andacht würdig zu verrichten ganz untauglich ist; so begehre ich sie zu verrichten mit der Kraft und Wirkung des Herzens Jesu, nämlich mit der tiefsten Demuth, mit der feurigsten Liebe und mit der reinsten Meinung, mit welcher Jesus Christus, als wahrer Mensch, die allerhöchste Majestät angebetet hat und ewig anbeten wird. Weil ich auch ganz untauglich bin für mich allein, dich, allerheiligstes Sakrament, würdig Gebete vor dem H. Sakramente. 189 zu verehren, so bitte ich alle himmlischen und irdischen Kreaturen, daß sie mit mir dich verehren und anbeten wollen! Odu allerseligste Jungfrau Maria, und du allerjeligster Joseph, fallet mit mir auf eure Kniee, und betet mit mir an Jesum Christum in dem h. Sakrament, wie ihr ihn auf Erden angebetet habet und jetzt in dem Himmel anbetet! O ihr h. neun Chöre der Engel, ihr Patriarchen und Propheten, ihr heil. Apostel und Märtyrer, ihr h. Bischöfe und Lehrer, ihr h. Beichtiger und Büßer, ihr H. Mönche und Einsiedler, und ihr h. Jungfrauen und Wittwen, lasset uns sämmtlich niederfallen und die unendliche Majestät Gottes, so in diesem h. Sakramente verborgen ist, demüthig anbeten. Gläubige und Ungläubige, Juden und Heiden, Männer und Weiber, Jünglinge und Jungfrauen und Kinder, sammt allen kreaturen, die auf und unter der Erde sind, kommt! laßt uns anbeten und verehren das heiligste Sakrament, worin der große Gott Himmels und der Erde gegenwärtig ist! Kommt, laßt uns anbeten und niederfallen vor Gott und weinen vor dem Herrn, der uns erschaffen hat; denn er ist unser wahrer Herr und Gott, der uns Menschen zu Liebe in diesem h. Sakramente wohnet und immerdar bei uns verbleibet. Darum: 4. Inbrünstige Bitte vor dem h. Sakramente. Sei gegrüßt, o du hochgebenedeites Satrament des Altars! von mir und allen katholischen Christen, und sei von allen himmlischen und irdischen Kreaturen 190 Das sechste Gärtlein. gelobt und gebenedeit! Mit reuigem Herzen und andächtigem Gemüthe komme ich zu dir, und begehre vor dir mein unwürdiges Gebet auszugießen und dir mein innerliches Anliegen zu tlagen. Denn du bist der göttliche Gnadenthron, worauf mein Herr Jesus Christus mit großer Süßigkeit ruhet und Allen, welche vor dich hintreten, gnädiges Gehör leihet. O du hochwürdiges Saframent, in dir ist wahrhaftig mein süßester Jesus persönlich gegenwärtig, wiewohl er sein h. Angesicht gleich als mit einem zarten Tüchlein vor mir verdecket! O mein Jesu, bist du denn so nahe bei mir? Bist du denn wahrhaftig bei mir? So werfe ich mich denn mit tiefster Demuth auf mein sündiges Angesicht, und begehre dich so demüthig anzubeten, als dich alle Engel und Heiligen im Himmel anbeten! O ich Glückseliger, der ich diese große Gnade habe, so nahe bei meinem Gott zu sein und die wahre Menschheit und Gottheit Jesu Christi unter der Gestalt des Brodes anzusehen! Was soll ich denn von dir nicht erhalten können? O mein Jesu! was wirst du mir denn abschlagen können? O du freigebigster Gott! wenn ich mit Leib und Seele vor dem göttlichen Throne im Himmel knieete, was sollte ich mir nicht getrauen zu erlangen? Siehe, jetzt fniee ich eben sowohl bei deiner göttlichen Person, als wenn ich vor dir im Himmel knieete, und du bist eben so bereit, mich anzuhören und zu trösten, als wenn ich im Himmel unter den Heiligen vor dir knieete. So will ich denn mein Herz vor dir ganz ausschütten und dich von Grund meiner Seele auf das treulichste anrufen. Gebete vor dem h. Sakramente. 191 Omein süßester Jesus! o mein kostbarer Jesus! o mein herzliebster Jesus! ich bitte dich um Gnade und Barmherzigkeit. Um deines lieben Vaters willen, um deiner lieben Mutter willen bitte ich dich! Durch die Süßigkeit dieses h. Satraments bitte ich dich, und durch die Unendlichkeit deiner Liebe bitte ich dich! Ach, erbarme dich meiner, und verzeihe mir meine Sünden! O du grundgütiger, gnadenreicher und allbarmherziger Jesus! nimm mich doch zu Gnaden auf, und halte an deinen gerechten Zorn. Verlaß mich doch nicht in meinen Nöthen, und entziehe mir nicht deine mildreiche Hülfe. Ach, laß doch meine arme Seele nicht verloren gehen, für welche du so viel gethan und so schwere Marter gelitten hast! Mit gefaltenen Händen und geneigtem Haupte kniee ich vor dir, und mit reumüthigem Herzen und Inbrünstigkeit bitte ich um Barmherzigkeit! Ja, aus wahrer Ehrerbietung beuge ich mich zur Erde und werfe mich demüthig auf mein fündiges Angesicht Mit solcher Reue und Andacht, als die h. Magdalena gethan, umfange und drücke ich deine h. Füße und küsse dieſelben im Geiste ein über das andere, Was kannst du denn einem so reuigen und gedemüthigten Sünder abschlagen, der eine herzliche Begierde hat, sich zu bessern, und nichts anders begehrt, als Gnade und Barmherzigkeit zu erlangen. Ach, so verzeihe mir denn, o gütigster Jesu, und gedenke nicht mehr der vielfältigen Schmach, so ich dir zugefügt habe! Ich bitte dich durch die große Liebe, mit welcher du dies h. Sakrament eingeſetzt haft, und immerdar darin persönlich bei uns wohnest, 192 Das sechste Gärtlein. verschaffe, daß ich allzeit einen lebhaften Glauben und eine wahre Andacht zu demselben trage und durch die Kraft desselben vor dem ewigen Verderben bewahrt werde. Amen. 5. Liebesgebet vor dem h. Sakramente. O gnadenreiches Sakrament des Altars, mit Leib und Seele zur Erde gebeugt, bete ich dich an und bringe dir einen herzlichen und freundlichen Gruß! Odu liebreiches Saframent! du bist der goldene Raudhaltar, auf welchem Tag und Nacht das unauslöschliche Feuer der göttlichen Liebe brennt und der köstliche Weihrauch des himmlischen Lobes angezündet wird! Osüßester Jesus, wie unaussprechlich war deine Liebe, welche dich bewog, dies h. Sakrament einzusetzen und ewig darin zu wohnen! Was für ein größeres Zeichen der Liebe hättest du uns geben fönnen, als eben daß du dich selbst in diesem heil. Sakramente entäußert und mit allem, was du bist und hast, uns übergeben hast! O Liebe, wie weit bringst du meinen Gott! Liebe, wie entblößest du meinen Gott! was machst du aus meinem Gott! O Jesus, wie unaussprechlich war deine Liebe, weil sie dich solche Dinge zu thun drängt, dergleichen nie gehört worden sind, ja, dergleichen nie in eines Menschen Sinn und Gedanken kommen konnten. Warum thust doch solches? Ach! nur darum, daß du unsere schweren Herzen zu deiner Liebe ziehest! Es war dir nicht genug, daß du dich zum Wurm und Spott des Volkes gemacht hattest, sondern du wolltest dich auch gleichsam zu Nichts Siebe, Gebete vor dem H. Sakramente. 193 machen und dich unter der Gestalt des Brodes so ganz und gar verbergen, als wenn du weder Gott noch Mensch, sondern nur ein lebloses Ding, ein Brod wärest! Ja du wolltest dich auch der menschlichen Gewalt so vollständig übergeben, daß sie mit dir ohne ein Hinderniß nach ihrem Belieben umgehen fonnten! Und dies allein darum, damit du die menschlichen Herzen dich zu lieben anreizen möchtest! Ounaussprechliche Liebe! O unbegreifliche Liebe? O unendliche Liebe! O Liebe, darüber sich alle himmlischen Kräfte entseßen! O Liebe, der höher zu steigen unmöglich war! O du ganz in Liebe verlorner Jesus! sollte ich denn dich nicht lieben? sollte es mir denn möglich sein, denjenigen nicht wieder zu fieben, der aus Liebe zu mir gleichsam bethöret ist? O treuer Liebhaber! O von Liebe verwundetes Herz meines Jesu! Wenn ich dich nicht liebe, so bin ich nicht werth, daß ich lebe. Aber ich liebe dich, und will dich lieben ewiglich. O göttliche Liebe, laß nur einen Funken deines Feuers aus diesem h. Sakramente in mein laues Herz sprühen und entzünde es mit deiner Liebe! O göttliche Liebe, schieße den Pfeil deiner Liebe aus diesem h. Sakramente in mein fleischlich gesinntes Herz, und verwunde es mit deiner süßen Liebe! O göttliche Liebe, gieße nur ein Tröpflein deiner Süßigkeit aus diesem heil. Sakramente in mein eitles, von der Hoffart versäuertes Herz und verfüße es mit deiner himmlischen Liebe! Jesu, der du in diesem liebreichen Sakramente vor Liebe frank zu sein scheinest, mache, daß mein Herz vor Liebe zu dir frank werde! Du willst, o Myrrhergarten III. 23. Aufl. 13 194 Das sechste Gärtlein. Jesu, daß ich dich liebe! So mache denn, o Jesu, daß ich dich liebe und in deiner Liebe allzeit zunehme! Ich bitte dich durch die Unendlichkeit der Liebe, ſo du uns in diesem liebreichen Sakramente erweisest, mache, daß ich dich liebe! Ich bitte dich durch die Süßigkeit der Liebe, so du allen h. Seelen in diesem süßen Sakramente eingießest, mache, daß ich dich liebe! 3ch bitte dich durch die Sanftmüthigkeit der Liebe, mit welcher du in diesem lieben Sakramente sogar die, welche dich unwürdig empfangen, erträgst, mache, daß ich dich liebe! Aus ganzem Herzen bitte ich um deine Liebe, und will von diesem liebreichen Saframente mit meinem Herzen nicht scheiden, bis ich deine Liebe erlange; sondern will mein Herz bei dir einschließen laffen, damit es ohne Unterlaß vor deinen Füßen liege und um deine Gnade anhalte. A. 6. Einladung aller Creaturen zum Lobe des h. Sakraments. Oihr lieben Engel und Heiligen! die ihr jetzt in dem himmlischen Paradiese wohnet, und denjenigen, welchen wir unter den Gestalten des Brodes als unfern Gott ehren, von Angesicht zu Angesicht anschauet, fehet vom Himmel herab, und beherziget die Andacht, so wir unserem und eurem Gott darbringen. Wir wollten zwar nach unserer Schuldigkeit unsern Erlöjer in seinem h. Saframente würdig verehren; unfere Kräfte aber sind viel zu gering, ein so hohes Werk gebührlich zu verrichten. Darum laden und bitten wir euch, ihr wollet uns helfen, dies hochwürdige Sakrament würdig anzubeten und mit eurer persönlichen Gegenwart es verherrlichen. Alles Lob und aller Gebete vor dem H. Sakramente. 195 Dant, so wir Christo geben und erzeigen können, ist ganz und gar nicht genug für die unendlichen Wohlthaten, die er uns durch das hochwürdigste Sakrament ertheilet. Darum wollet ihr unjern Mangel erstatten, und mit englischen Stimmen das h. Sakrament loben und benedeien. O du allerseligste Jungfrau Maria, du Mutter unseres Herrn Jesu Christi! sei von uns Allen demüthigst gebeten, daß du deinen liebsten Sohn in dem heil. Sakramente des Altars an unserer Statt wollest verehren, und ihm für die unsäglichen Wohlthaten, die er uns durch dasselbe schenket, würdigen Dank sagen. ihr Engel und Erzengel! ihr Throne und Herrschaften! ihr Fürsten und Gewaltige! ihr Kräfte der Himmel! o ihr Cherubim und Seraphim! fallet mit uns nieder vor dem Angesichte unsers Gottes, der in dem Hochwürdigsten Sakramente des Altars, wie auf seinem göttlichen Throne sizet, und betet an jugleich mit uns die unendliche Majeſtät seiner Herrlichkeit. Singel zugleich mit uns den Lobgesang des hochw. Sakramentes und danket zugleich mit uns Christo Jeju, unserm Erlöser, daß er zum Heile unserer Seelen das h. Saframent eingesetzt hat, uns mit selbigem speiſet, und in demselben mit ſo vieler Menschenfreundlichkeit wohnet. Dihr h. Patriarchen und Propheten! ihr heil. Apostel und Evangelisten! ihr h. Jünger und Freunde Chrifti! o ihr h. Märtyrer und Nothhelfer! ihr heil. Bischöfe und Kirchenlehrer! ihr h. Priester und Leviten! o ihr h. Mönche und Einsiedler! ihr h. Pilger und Büßer! ihr h. Jungfrauen und Martyrinnen! o ihr 13* 196 Das sechste Gärtlein. h. Klosterfrauen und Einsiedlerinnen! ihr h. Witwen und Büßerinnen! ihr h. Raiserinen und Königinnen! und ihr h. Ehefrauen und Dienerinnen Gottes! euch Alle bitten und laden wir ein, daß ihr mit uns wollet anbeten euren und unsern Gott, euren und unsern Erlöser, euren und unsern Seligmacher in dem allerheiligsten Sakramente des Altars, und wollet ihm mit herzlicher Danksagung singen den Gesang der Liebe, so ihr ihm jetzt im Himmel ohne Unterlaß singet. Wollet ihm auch zugleich mit uns aus allen Kräften unendlichen Dank sagen für alle Gnaden und Wohlthaten, die er euch und uns durch das gnadenreiche Saframent erzeigt hat, und bis an's Ende der Welt allen frommen Seelen erzeigen wird. O ihr himmlischen und irdischen, vernünftigen und vernunftlosen Creaturen, die ihr von eurem Schöpfer zu seinem Lobe erschaffen seid, helfet uns preisen und benedeien das h. Sakrament des Altars, und Dank sagen eurem und unserm Erschaffer, der darin verborgen liegt! Sonne und Mond! ihr Sterne und Planeten! ihr Wolken und Nebel! ihr Winde und Lüfte! Regen und Thau! Schnee und Hagel! ihr Wasser und Meere! ihr Flüsse und Brunnen! ihr Berge und Hügel! ihr Felsen und Steine! ihr Bäume und Hecken! ihr Blumen und Kräuter! ihr wilden und zahmen Thiere! ihr Vögel und Fische! ehret und preiset mit uns das h. Sakrament! Ja Alles, was die allmächtige Hand Gottes erschaffen; Alles, war Odem hat, ein jedes nach seiner Art, helfe uns singen den Lobgesang der Ehren, und die Benedeiung des hochwürdigsten Sakraments, sprechend: Gebete vor dem h. Sakramente. 7. Lobgesang zum h. Saframente. Gelobt und Gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Sterne am Himmel und Pünktlein im Firmamente sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End 197 Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Strahlen in der Sonne und Fünklein in den Planeten sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Stäublein in der Luft und Tröpflein in den Wolken sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Sandkörnlein am Meere und Steinchen auf der Erde sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Blumen im Frühling und Körnlein im Sommer sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigleit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Blätter im Herbste und Schneeflocken im Winter sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Bäume in den Wäldern und Aeste an den Bäumen sind: denn es ist zu loben und zu preifen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Wurzeln an den Bäumen und Früchte an den Nesten sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Das sechste Gärtlein. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Gräser auf den Wiesen und Adern in den Gräsern sind: denn es ist zu loben und preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tau sendmal, als Blumen in den Gärten und Farben in den Blumen sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Vögel in der Luft und Federn an den Vögeln sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Thiere auf Erden und Härlein an den Thieren sind! denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gepriesen sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Fische in den Wässern und Schuppen an den Fischen sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tau sendmal, als Menschen auf Erden und Glieder an den Menschen sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. 198 Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tau sendmal, als Engel im Himmel und Heilige in der Ewigkeit sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Stunden in der Ewigkeit und Minuten in den Stunden sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt un gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tau sendmal, als Freuden im Himmel und Stufen in der Seligkeit sind: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gebete vor dem h. Sakramente. 199 Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Worte vom Munde der Menschen gesprochen und mit ihren Herzen gefaßt werden können: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als dem Menschen der Puls schlägt und das Herz sich bewegt: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als Menschen und Thiere Athem schöpfen und ihre Glieder bewegen: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als die Engel und Heiligen mit ihrem Verstande faffen und mit ihrem Willen wünschen können: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit sei ohne End Das heiligste und göttlichste Sakrament, so viel tausendmal, als die h. Dreifaltigkeit durch ihre Andacht aussprechen, durch ihre Weisheit begreifen und durch ihre Gütigkeit wünschen kann: denn es ist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Gelobt und gebenedeit seist du, o Herr Jesu Christe, in dem allerheiligsten Sakramente des Altars: denn du bist zu loben und zu preisen in Ewigkeit. Lasset uns loben und preisen Jesum im h. Sakramente des Altars: laffet uns ihn benedeien und verherrlichen und erheben in Ewigkeit. Kommt, lasset uns anbeten und niederfallen vor dem h. Sakramente des Altars! kommt, lasset uns vor Freude weinen vor Jesu, der in demselben wohnet. Lasset uns Dank sagen Jesu Christo, dem Sohne des himmlischen Vaters, daß er uns hat eingesetzt das heil. Sakrament des Altars. Lasset uns loben und benedeien Jesum, den Sohn 200 Das sechste Gärtlein. Mariä: weil er uns speiset und tränket mit dem heiligen Sakrament des Altars. Lasset uns jubeln und frohlocken vor Jesu, dem Sohne Davids, weil er immerdar bei uns wohnet in diesem allerheiligsten Sakramente. Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heil. Geiste, und Ehre sei dem hochw. Sakramente des Altars von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Wer den Lobspruch: Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das heiligste und göttlichste Sakrament reumüthig betet, gewinnt 100 Tage Ablaß. An den Donnerstagen des Jahres, am Frohnleichnamsfeste und in der Octav aber 300 Tage Ablaß, wer ihn 2ual betet. Einen vollkommenen Ablaß, der ihn täglich betet während eines ganzen Monats an dem Tage, wo er beichtet und kommunizirt und die Ablaßgebete betet. Pius VI., 24. Mai 1776. Der Ablaß von 100 Tagen kann den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden, wenn man diesen Robspruch beim Zeichen der Betstunde, während der Aussetzung des hochwürdigsten Gutes und des Segens mit demselben und während der h. Wandlung bei der Messe spricht. Pius VII. 1818. 8. Litanei vom allerheiligsten Altarssakramente. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Jesu Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit ein einziger Gott, Du hochwürdiges Sakrament des Altars, Du Wort, das Fleisch geworden und unter uns wohnt, Du allerheiligstes Opfer, Du unblutiges Opfer, Du immerwährendes Opfer des neuen Bundes, Du würdiges Opfer des Dankes und der Anbetung, Du wahres Versöhnopfer für Lebende und Abgestorbene, Du wahres Fleisch Jesu Christi, Du wahres Blut des göttlichen Sohnes, Du Lamm ohne Makel, Du Speise der lieben Engel, Erbarme dich unser! Litanei vom allerh. Altarssakramente. 201 Du verborgenes Himmelsbrod, Du kostbarstes Abendmahl zur Speise unserer Seelen, Du Band der Liebe und des Friedens, Du Erquickung und Wonne reiner Seelen, Du Gedächtniß der Wunder Gottes, Du Erinnerung des Leidens Chrifti, Du Geheimniß der göttlichen Liebe, Du Ueberfluß der göttlichen Süßigkeit, Du edelste Gabe der göttlichen Güte, Du Urquell aller Gnaden, Du Trost der Betrübten, Du Zuflucht der Sünder, Du Stärke der Schwachen und Mühseligen, Du Arznei mider alle Sünden, Du träftige Wegzehrung der im Herrn Sterbenden, Du Heilmittel zur Unsterblichkeit und glorreichen Auferstehung, Du Unterpfand der ewigen Seligkeit, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Vor dem unwürdigen Empfange deines h. Fleisches und Blutes, Vor aller Begierlichkeit des Fleisches, Vor aller Begierlichkeit der Augen, Vor aller Hoffart des Lebens, Vor aller Gefahr und Gelegenheit zur Sünde, Vor aller Unehrerbietigkeit gegen dieses H. Sakrament, Vor Zweifel im Glauben an deine wirkliche, wahre und wesentliche Gegenwart in demſelben, Vor allem Leichtsinne des Herzens, Vor aller Lieblosigkeit gegen den nächsten, Vor aller Sünde, Vor einem jähen und bösen Tode, Vor der ewigen Verdammniß, Durch die Kraft dieses h. Sakraments, Durch das sehnliche Verlangen, dies Osterlamm mit deinen Jüngern zu essen, Durch die inbrünstige Liebe, mit welcher du daſselbe einsegtest, und deinen Jüngern und uns dein Erbarme dich unser! Bewahre uns ,, 0 Herr! Das sechste Gärtlein. heiligstes Fleisch zur Speise und dein heiligstes Blute zum Tranke gegeben hast, Durch die tiefe Demuth, mit welcher du zuvor deinen Jüngern die Füße gewaschen haft, Durch die treue Liebe, mit welcher du in demselben bei uns wohnest, Durch die hingebende Liebe, mit welcher du dich in demselben für uns opferst, Durch die freigebige Liebe, mit welcher du in demselben uns unzählige Gnaden ertheilest, Durch dein kostbares Blut, welches du uns auf dem Altare zurückgelassen hast, Durch die fünf Wunden deines Allerheiligsten Leibes, welche du für uns empfangen haft, Wir armen Sünder, Wir bitten dich, erhöre uns! Daß du den Glauben, die Ehrerbietung und Andacht gegen dieses hochh. und bewunderungswürdige Sakrament in uns stets erhalten und vermehren wollest, 202 Daß du uns durch ein wahres und reumüthiges Bekenntniß unserer Sünden, und durch wahre Buße zu einem würdigen und öftern Empfange dieses H. Sakraments führen wollest, Daß du uns vor aller Irrlehre, vor aller Untreue und Blindheit des Herzens bewahren wollest, Daß du uns die kostbaren und himmlischen Früchte dieses heiligsten Sakraments verleihen wollest, Daß du durch dieses h. Sakrament der Liebe uns unter einander in heiliger Liebe immer mehr vereinigen wollest, Daß du eine heilige Begierde, dich oft in der heil. Communion zu empfangen, in uns erwecken wollest, Daß du die Feinde dieses h. Sakraments demüthigen wolleft, Daß du die falschen Lehren wider dieses H. Sakrament vertilgen wollest, Daß du die irrenden Seelen zum wahren Glauben führen wollest, Bewahre uns o Herr! Wir bitten dich, erhöre uns! Litanei vom allerh. Altarsiakramente. Daß du den christlichen Fürsten und Gewalthabern Frieden und Einigkeit verleihen wolleſt, Daß du deine h. Kirche regieren und erhalten wolleſt, Daß du uns auf unserm Sterbebette mit dieser himmlischen Wegzehrung versehen und stärken wollest, Daß du uns im Todeskampfe nicht verlassen wollest, Daß du uns ein seliges Ende verleihen wollest, Daß du uns zum ewig glorreichen Leben auferwecken wollest, Daß du die armen Seelen des Fegfeuers erlösen wolleft, 203 Wir bitten dich, erhöre uns! Du Sohn Gottes, O du Lamm Gottes u. s. w.( 3mal) Jesu Christe höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V. OH. Gastmahl, in welchem Christus genossen und das Andenken an sein h. Leiden gefeiert wird! R. Hier wird die Seele mit Gnaden erfüllt und empfängt das Unterpfand der künftigen Herrlichkeit! V. Du hast uns, o Herr, das Brod vom Himmel gegeben! R. Das alle Lieblichkeit in sich enthält! Gebet. O Gott, der du uns in dem wunderbaren Sakramente das Andenken deines Leidens hinterlassen haft; wir bitten dich, verleih' uns, die H. Geheimnisse deines Leibes und Blutes so zu verehren, daß wir die Frucht deiner Erlösung unaufhörlich in uns erfahren. Der du mit dem Vater und dem h. Geiste gleicher Gott lebest und regierest in Ewigkeit. Amen. Herr Jesu Christe, du Sohn des lebendigen Gottes, der du das h. Sakrament des Altars aus Ueberschwenglichkeit deiner Liebe eingesetzt und uns geschenkt haft; wir preisen deine milde Freigebigkeit, indem wir demüthig bitten, daß du uns verleihen wollest, dies gnadenreiche Satrament allzeit mit würdiger Vorbereitung zu empfangen, der du lebst u. s. w. Das sechste Gärtlein. Allmächtiger, ewiger Gott, der du uns sündige Menschen mit dem allerheiligsten Fleische und Blute deines Sohnes Jesu Christi wunderbarer Weise speisest und tränkest, verleihe uns durch deine göttliche Barmherzigkeit, daß wir dir allzeit für die große Wohlthat dankbar sein und deinen eingebornen Sohn mit wahrem Glauben in dem h. Sakramente anbeten mögen; der mit dir und dem h. Geiste gleicher Gott lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. O Herr Jesu Christe, der du durch die Kraft deiner göttlichen Worte das Brod in deinen Leib und den Wein in dein Blut verwandelt hast; wir bitten dich, verwandle unsere irdische Liebe in eine himmlische Liebe, und unsere sinnlichen Begierden in göttliche Begierden, der du lebst u. s. w. Allergütigster Herr Jesu, der du das hochwürdigste Sakrament nicht allein zu unserer Seelenspeise eingesett hast, sondern auch bis ans Ende der Welt bei uns zu bleiben dich würdigst; verleihe uns gnädig, daß wir diese große Gutthat recht erkennen und dir in dem h. Sakramente allzeit schuldige Ehre erzeigen, du du lebst u. s. w. Du Sohn des lebendigen Gottes, Christe Jesu, der du dich aus Liebe zu unserm Heile in dem h. Sakramente zu einem wahren Opfer gemacht hast, und dich täglich, ja stündlich für unsere Sünden Gott, dem Vater, aufopferst; sei unser eingedenk und durch die Aufopferung deines würdigsten Fleisches und Blutes versöhne uns den göttlichen Zorn und erwirb uns armen Sündern Gnade und Barmherzigkeit, der du lebst und regierst u. s. w. Odu wahres Brod der Engel, Christe Jesu, der du das hochwürdigste Sakrament des Altars zu einer kräftigen Wegzehrung der Sterbenden eingesetzt hast, verleihe gnädig, daß wir vor unserm letzten Ende dasselbe mit wahrer Liebe und Andacht empfangen, und durch die Kraft desselben wider alle Anfechtungen des bösen Feindes gestärkt werden, der du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des h. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 204 Aufopferung. Nimm auf, o gütigster Jesu, diese H. Litanei mit den Gebeten, welche ich jetzt zu Ehren des hochwürdigsten Sa Gebete vor dem h. Sakramente. 205 traments gesprochen habe. Ich opfere sie dir zur Danksagung, daß du uns dies gebenedeite Sakrament eingesetzt haft, und in demselben so freundlich und lieblich bei uns zu wohnen dich würdigst. Jmgleichen opfere ich sie dir zur Abtragung aller Schmach, welche dir im diesem heil. Sakramente von Juden, Keßzern und Heiden jemals ist zugefügt worden, und begehre dadurch dir tausendmal mehr Ehre zu erweisen, als dir von deinen Feinden, wozu auch ich, leider! oft gehört habe, Unehre angethan worden ist. Laß dir meine Liebe und Treue gefallen, und vergiß nicht, in diesem h. Sakramente deinen Vater beständig für mich zu bitten. Amen. 9. Wenn mit dem hochw. Sakramente der Segen gegeben wird. Süßester Jesu, der du in diesem h. Sakramente wahrhaft, wirklich und wesentlich gegenwärtig bist, ich beuge mein Haupt demüthig vor dir und begehre inständig deinen göttlichen Segen. Ach! wende deine milden Augen in Gnaden auf mich, und erbarme dich über meine vielfältige Armseligkeit. Deine gnadenvolle Rechte, welche mir zu Liebe ans Kreuz genagelt worden ist, strecke zu mir aus, und mache das heil. Kreuzzeichen über mich Armseligen. Ertheile mir deinen göttlichen Segen, daß er mich stärke an Leib und Seele; nimm aber hinweg von mir den Fluch, den ich wegen meiner Sünden vielfältig verdient habe. Verleihe mir durch die Kraft dieses göttlichen Segens, daß ich hinführo von aller Gewalt des Satans befreit und durch deine überflüssigen Gnaden unterstügt in einem tugendhaften Leben bis zu einem seligen Ende verharre. Das verleihe mir Gott † der Vater, Gott der Sohn und Gott der H. Geist. Amen. Das sechste Gärtlein. 10. Gebet, wenn man das h. Sakrament um die Kirche trägt. 206 O du treuer Liebhaber des menschlichen Geschlechts, Christe Jesu: der du uns zu Liebe das h. Sakrament des Altars eingesetzt haft und darin bis an's Ende der Welt bei uns wohnest: deine h. Kirche begehret diese deine unergründliche Liebe und Gutthat dir nach aller Möglichkeit zu vergelten und sich gegen dich nach ihrer Schuldigkeit dankbar zu erweisen. Daher trägt der Priester jetzt das hochw. Sakrament mit großer Ehrerbietung um die Kirche, und alles Volk bringt dir alle mögliche Ehre und Anbetung. Ich aber begehre alle Gegenwärtigen in der Andacht zu übertreffen und dir mehr Ehre zu erweisen, als dir von allen zugleich erwiesen wird. Darum gefelle ich mich mit treuem Herzen zu dieser Prozession mit dem hochwürdigsten Gute, und ziere dieselbe mit meiner Gegenwart so gut, als ich immer kann. Gleichwie das andächtige Volk am h. Palmtage dich mit großen Freuden in die Stadt Jerusalem begleitet hat, also begleite ich dich jetzt mit der Freude meines Herzens, und finge dir mit Frohlocken den Lobgesang deiner Ehren: Heilig, heilig, heilig bist du, o Herr Jesu Christe, in dem h. Sakrament des Altars! Voll sind Himmel und Erde der Majestät deiner Herrlich feit, Hosanna in der Höhe! Gebenedeit bist du, der du bei uns wohnest in diesem hochwürdigen Sakrament! Hosanna in der Höhe! Ich bete dich an, o du hochgebenedeites Sakrament des Altars! Ich glaube fest, daß mein Herr Jesus Christus persönlich in dir wohnet. Ich freue mich auch von Herzen, Gebete vor dem H. Sakramente. 207 daß ich diese Gelegenheit habe, dir Ehre zu erzeigen, und mit meiner Gegenwart diesen prächtigen Umgang verherrlichen zu helfen. Dir zu Ehren, o Jesu, opfere ich alle meine Schritte, und die Andacht meines Herzens opfere ich in dein süßes Herz! Ich gieße auch mein Gebet vor dir andächtig aus und rufe dich vertraulich um Erlangung deiner göttlichen Gnade an. Mit deinen gebenedeiten Händen gib uns Allen deinen gnadenreichen Segen, und durch die Kraft desselben bewahre uns vor allem leiblichen und geistlichen Uebel. Siehe auch gnädig an die christgläubigen Seelen, deren Leiber auf diesem Kirchhofe begraben liegen: und wofern diese lieben Seelen noch sollten in der Qual aufgehalten werden, so erlöse sie aus ihren Peinen durch die Kraft dieses h. Sakraments. Laß dein rosenfarbenes Blut aus deinen fünf eröffneten Wunden in den feurigen Kerker hinabfließen und die leidenden Seelen in ihren heißen Flammen erquicken. Dieses hochw. Saframent wolle alle Gräber dieses Kirchhofs segnen, und durch Kraft dieser sakramentalischen Benediction die Seelen zu Gnaden aufnehmen! Darum bitte ich dich, o süßester Jesu, in meinem und aller Gegenwärtigen Namen, damit sowohl die Lebendigen, als die Abgestorbenen durch dies heil. Sakrament mögen gesegnet und begnadigt werden. Das verleihe uns allesammt, o Herr Jesu Christe, du Heiland und Erlöser der Welt, der du in dem h. Sakramente persönlich gegenwärtig bist, und mit dem h. Geiste gleicher Gott lebest und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Das sechste Gärtlein. 11. Loblied zum h. Sakramente. Deinem Heiland, deinem Lehrer,* deinem Hirten und Ernährer,* Sion! stimm ein Loblied an.* Preis nach Kräften seine Würde,* da kein Lobspruch, keine Zierde seiner Größe gleichen kann. 208 Lasset uns das Brod erheben,* welches lebt und gibt das Leben,* das man heut' den Christen weis't,* dieſes Brod, mit dem im Saale* Christus bei dem Abendmahle * die zwölf Jünger selbst gespeis't. * Unser Lob soll laut erschallen, und das Herz in Freude wallen;* denn der Tag hat sich genaht, da der Herr zum Tisch der Gnaden* uns zum erstenmal geladen, * und dies Brod geopfert hat! Statt des unvollkommnen Alten,* statt des Ofter: lamms erhalten* wir ein neues Sakrament.* Ja der Wahrheit muß das Zeichen und die Nacht dem Lichte weichen, Nacht und Schatten sind zu End'. Was von Jesus dort geschehen,* was wir so, wie Er, begehen,* mahnet uns an seinen Tod.*. Als ein Opfer ihn zu ehren,* nach der Vorschrift seiner Lehren* weihen wir ihm Wein und Brod. Doch nach unsers Glaubens Lehren* ist das Brod, das wir verehren,* Christi Leib, sein Blut der Wein. Was dabei das Aug' nicht siehet,* Dem Verstande selbst entfliehet, sieht der feste Glaube ein. * * Unter zweierlei Gestalten,* die nur Zeichen, sind ent halten Dinge groß und wunderbar;* Blut als Trant und Fleisch als Speise,* und doch reicht auf beide Weise * unser Heiland ganz sich dar. * Wer zu diesem Gastmahl eilet,* nimmt ihn ganz und * Einer kommt unzertheilet, ungebrochen, unversehrt; und Tausend kommen.* Keiner hat doch mehr genommen, * und er bleibt stets unverzehrt. * Fromme kommen, Böse kommen, beide haben ihn * die zum Leben, die zum Tod!* Bösen wird er Tod und Hölle,* Frommen ihres Heiles Quelle* so verschieden wirkt dies Brod! genommen, Theilet man die Brodsgestalten, so wird jeder Theil * Gebete vor dem H. Sakramente. 209 enthalten* was das Ganze auch enthält.* Nicht das Wesen, nur das Zeichen* muß da der Zertheilung weichen, jenes bleibet unentstellt. * Sieh', dies ist das Brod der Kinder,* der Gerechten, nicht der Sünder,* jenes Brod, das Engel nährt!* Schon im Jsaat, Mannabrode* und des Osterlammes Tode* war es einstens vorerklärt. Guter Hirt, du wahre Speise,* Jesus! stärk uns auf der Reise* bis in deines Vaters Reich;* nähr' uns hier im Jammerthale,* ruf' uns dort zum Hochzeitsmahle, mach' uns deinen Heil'gen gleich. 12. Gebet zum allerheiligsten Altarssakramente an den Donnerstagen. Schau' o Herr! von deinem Heiligthum und von der erhabenen Wohnung des Himmels herab und sieh' dies hochheilige Opfer, welches dir darbringt unser hoher Priester, dein heiliger Sohn, der Herr Jesus, für die Sünden seiner Brüder, und laß dich besänf= tigen über die Größe unserer Bosheit. Sieh'! die Stimme des Blutes unseres Erlösers ruft zu dir am Kreuze. Erhöre, o Herr! Laß dich versöhnen, o Herr! Merke auf und thu' es; um deiner selbst willen, mein Gott, zögere nicht; denn diese Stadt und dein Volk ist nach deinem Namen genannt, und handle mit uns nach deiner Barmherzigkeit. Amen. Wer das Jahr hindurch alle ersten Donnerstage eines jeden Monats das h. Altarssalrament besucht und obiges Gebet andächtig spricht, gewinnt einen vollkommenen Ablaß, wenn er reumüthig gebeichtet und kommuni girt hat und dieses Gebet für die großen Anliegen der h. Kirche aufopfert. Ein Ablaß von 7 Jahren und 7 Quadragenen wird denen zu Theil, die an was immer für einem Tonnerstage des Jahres nach abgelegter Beicht und Communion dieses Gebet knieend vor dem H. Sakramente, wie oben sprechen. Wer es an einem andern beliebigen Tage, wenigstens mit einem reumüthigen Herzen, wie oben spricht, erhält einen Ablaß von 100 Tagen. Diese Ablässe können den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Pius VI., Weinm. 1796. 14 Myrrhengarten III. 23. Aufl. 210 Das sechste Gärtlein. 13. Gebet zum allerheiligsten Altarssakramente und zum heiligsten Herzen Jesu. Sieh', wie weit dich deine unermeßliche Liebe gebracht hat, o mein geliebter Jesu! Mit deinem heiligsten Fleische und Blute hast du mir ein Gastmahl bereitet, Wer hat dich zu um dich mir ganz zu schenken. einem solchen Uebermaaß der Liebe gebracht? Niemand, als dein von Liebe flammendes Herz! O anbetungswürdigstes Herz meines Jesu, du brennender Feuerofen der göttlichen Liebe, nimm auf meine Seele in deine geheiligte Seitenwunde, damit ich in dieser Schule der Liebe jenen Gott wieder lieben lerne, der mir so bewunderungswürdige Beweise der Liebe gegeben hat. So geschehe es. Wer dieses Gebet andächtig spricht, gewinnt einen Ablaß von 100 Tagen, den er auch den Seelen im Fegfeuer zuwenden kann. Pius VI. 1787 und Pius VII. 1818. 14. Uebung der Anbetung und der Abbitte zu Jesu im h. Altarssakramente mit 5 Vater unser, 5 Ave Maria und Ehre sei zc. 1. Ich bete dich in tiefster Ehrerbietung an, o mein Jesu, im heiligsten Sakramente! Ich erkenne dich als wahren Gott und wahren Menschen; und durch diesen Akt der Anbetung will ich die Frostigkeit und den Kaltsinn so vieler Christen ersetzen, welche im Vorübergehen bei deinen Tempeln, und vielmal sogar vor dem h. Tabernafel, worin du dich würdigest, z allen Stunden in liebevoller Ungeduld zu verweilen, um dich deinen Gläubigen mitzutheilen, dich nicht einmal begrüßen, sondern durch ihre sträfliche Gleichgültigkeit, leider! beweisen, daß sie, wie die Juden Gebete vor dem H. Sakramente. in der Wüste, einen Efel vor diesem himmlischen Manna haben. Ich opfere dir demnach auf das kostbarste Blut, welches du aus der Wunde deines linken Fußes vergofsest, zur Sühnung für eine so empörende Lauigkeit; und in diese Wunde mich verschließend, wiederhole ich tausend und tausend Mal: 211 Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das heiligste und göttlichste Sakrament! Vater unser, Ave Maria und Ehre sei 2c. 2. Ich bete dich mit tiefster Ehrerbietung an, o Jesu! der du gegenwärtig bist im heiligsten Altarssakramente; und durch diesen Akt der Anbetung verlange ich den Undanf so vieler Christen zu ersetzen, die, wenn sie dich zu den schwer bedrängten Kranken tragen sehen, zur Stärkung für ihre große Reise in die Ewigkeit, dich ohne Begleitung lassen und kaum eines kleinen Zeichens der äußerlichen Verehrung würdigen. Ich opfere dir demnach, zur Sühnung eines solchen Kaltsinnes, das kostbarste Blut, welches du aus der Wunde deines rechten Fußes vergossest; und mich in diese Wunde verschließend, wiederhole ich tausend und tausend Mal: Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das heiligste und göttlichste Sakrament! Vater unser, Ave Maria und Ehre sei zc. 3. Ich bete dich mit tiefster Ehrerbietung an, o mein Jesu, du wahres Brod des ewigen Lebens! und durch diesen Akt der Anbetung verlange ich für die so vielen Wunden genugzuthun, welche tagtäglich deinem Herzen geschlagen werden durch die Verunehrung deiner Kirchen, wo du unter den sakramen14* 212 Das sechste Gärtlein. talischen Gestalten zu verweilen dich würdigest, um von deinen Getreuen angebetet und geliebt zu werden. Ich opfere dir demnach auf, zur Sühnung so vieler Ungebührlichkeiten, das kostbarste Blut, welches du aus der Wunde deiner linken Hand vergossest, und in diese Wunde mich verschließend, wiederhole ich tausend und und tausend Mal: Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das heiligste und göttlichste Sakrament! Vater unser, Ave Maria und Ehre sei 2c. 4. Ich bete dich mit tiefster Ehrerbietung an, o mein Jesu, lebendiges Brod, vom Himmel gestiegen! und durch diesen Akt der Anbetung verlange ich, dir für alle die vielen Ulnehrerbietigkeiten genugzuthun, welche tagtäglich von deinen Gläubigen in Anhörung der h. Messe begangen werden, bei welcher du im Uebermaß deiner Liebe zu uns das nämliche Opfer, obschon unblutig, erneuerst, das du auf dem Cal varienberge zu unserm Heile vollbracht hast. Ich opfere dir demnach auf, zur Sühnung eines solchen Undankes, das kostbarste Blut, welches du aus der Wunde deiner rechten Hand vergossest, und in dieſe Wunde mich verschließend, vereinige ich meine Stimme mit jenen der Engel, die dich tief anbetend umgeben, und rufe mit ihnen: Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das heiligste und göttlichste Sakrament. Vater unser, Ave Maria und Ehre sei 2c. 5. Ich bete dich mit tiefster Ehrerbietung an, o mein Jesu, wahres Opfer zur Tilgung unserer Sünden! und opfere dir diesen Att der Anbetung auf Gebete vor dem h. Sakramente. zu einigem Ersatz für die Gottesraube und Lästerungen, welche du von so vielen undankbaren Christen erduldest, die es wagen, sich dir zu nähern und mit schweren Sünden auf ihrer Seele dich in der Communion zu empfangen. Zur Sühnung einer so verabscheuungs= würdigen Entheiligung opfere ich dir die letzten Tropfen deines kostbarsten Blutes auf, das du aus der Seitenwunde vergossest, und in diese Wunde mich verschließend komme ich dich anzubeten, zu lieben und zu preisen, und mit allen frommen Anbetern des allerheiligsten Altarssaframentes tausend tausend und tausend Mal zu wiederholen: Gelobt und gebenedeit sei ohne End' Das heiligste und göttlichste Sakrament! Vater unser, Ave Maria und Ehre sei 2c. 213 Hier betet man das Tantum ergo etc.( siehe die beiden letzten Verse des folgenden Hymnus) mit V., R. und Gebet bis zu Ende. Oymnus Pange lingua.*) Künd' o Zunge des verklärten* Frohnleichnams Myfterium,* und des Blut's, des hochbewährten,* das zur Welten sündigung* gab die Frucht des unversehrten* Leib's, der Völker Heil und Ruhm! Uns geboren, uns gegeben* aus dem Schooß der reinen Magd,* als er in der Welt zu leben* und des Wortes Saat vollbracht:* schloß der Herr sein himmlisch Streben* durch ein Werk der Wundermacht. Bei dem letzten Mahl' im Kreise* sigend mit der Jünger Schaar,* als nach des Gebots Geheiße * ganz *) Wer diesen Hymnus allein nebst dem folgenden V. und R. und Gebet reumüthig spricht, gewinnt einmal des Tages 300 Tage Ablaß; wer nur die beiden letzten Berse, nämlich Tantum ergo etc. nebst dem V. und R. und Gebete reumüthig spricht, gewinnt 100 Tage Ablaß. Wer ein oder anders täglich oder wenigstens 10mal im Monate betet, gewinnt einen vollkommenen Ablak am Grünendonnerstage, Frohnleichnam, an einem Tage während der Octav und noch an einem beliebigen Tage unter den gewöhnlichen Bedingungen. 214 Das sechste Gärtlein. das Mahl genossen war,* reicht den Zwölfen er zur Speise sich mit seinen Händen dar! * * wahres Wort und Fleisch, schafft mit dem Worte Brod in Fleisch Er um;* Wein wird Blut kraft seiner Worte;* und ob auch der Sinn verstumm':* Zu des treuen Herzens Horte* g'nügt des Glaubens Heiligthum. Solch' erhab'nes Bundeszeichen* beten wir mit Ehr * und der alte Brauch muß weichen, furcht an; wo der neue Brauch begann; wo die Sinne zagend schweigen, steigt der Glaube himmelan. * * * Preis dem Vater und dem Sohne,* Preis und steter Jubelfang!* Heil und Ehre schall' zum Throne,* Lob und Segens Wonneklang!* Auch dem Geist im gleichen Tone finge unser Hochgesang! R, Amen. * W Brod vom Himmel gabst du ihnen. Alleluja! R Das alle Annehmlichkeiten in sich hat. Alleluja! Gebet. Gott, der du das Andenken deines Leidens unter dem wundervollen Sakramente zurückgelassen haft; verleih' uns, wir bitten dich, daß wir die Geheimnisse deines Leibes und Blutes so nach Würde verehren, daß wir die Frucht deiner Erlösung an uns immerdar erfahren mögen. Der du lebst 2c. Wer diese Uebungen sammt den 5 Vater unser, 5 Ave Maria und 5 Ehre sei 2c. andächtig spricht, gewinnt für jedesmal einen Ablaß von 300 Tagen, der auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden kann. Pius VII., den 26. August 1814. 15. Gebet bei einer sakramentalischen Prozession. ( Siehe im zehnten Gärtlein am Frohnleichnamstage.) 16. Betrachtungen über die Einsetzung, den würdigen und andächtigen Empfang und die großen Gnaden des allerheiligsten Sakraments des Altars. I. Wie Christus das hochwürdigste Sakrament einsetzte. 1. Unter allen Wundern, welche Christus auf Erden gewirkt hat, ist feines größer und erstaunlicher, 215 Betrachtungen vom h. Altarssakramente. als die gnadenreiche Einsetzung des hochwürdigsten Sakraments, über welches sich die Engel verwundern und die Seraphim verstummen. Als der liebreiche Heiland das alte Gesetz endigen und das neue anfangen wollte, ließ Er den Tisch mit frischen Tüchern decken, frisches Brod und Wein auftragen, und begann seinen Jüngern eine herrliche Rede zu halten von der Würde, Nüßlichkeit und NothDiese wendigkeit des hochwürdigsten Sakraments. Rede fing Er mit den Worten an:„ Ich habe ein großes Verlangen gehabt, dieses Osterlamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide;" womit Er seine große Begierde, uns dieses höchste Gut mitzutheilen, zu erkennen geben wollte. Nachdem die Jünger im Glauben an dieses größte Geheimniß unterrichtet waren, stand der liebe Heiland auf, nahm das Brod in seine gebenedeiten Hände, erhob die Augen zu Gott, seinem himmlischen Vater, und sagte ihm im Namen aller Menschen, welche jemals dieses allerheiligste Saframent empfangen würden, unendlichen Dank. Diese Danksagung war so göttlich, daß kein Engel ihre Kraft würdig aussprechen kann. Denn weil Christus allein erkannte, was das für eine kostbare Speiſe war, und welch großes Heil den Menschen daraus entspringen würde, darum sagte Er auch seinem Vater aus der Kraft seiner Menschheit so großen, unaussprechlichen und unendlichen Dank, daß, wenn alle Geschöpfe ihr Leben lang mit einander Gott lobten, dieses dennoch nicht mit dem Danke Jesu Christi zu vergleichen wäre. Sein Herz zerschmolz gleichsam bor Süßigkeit der Liebe gegen seinen himmlischen 216 Das sechste Gärtlein. Vater und gegen alle Menschen, welche dieses hochheilige Sakrament jemals würdig genießen würden. Er stellte sich schon damals vor, was für eine Freude Er in diesen andächtigen Seelen haben würde, und hatte die höchste Begierde, auf die fräftigste Weise diese Speise zu bereiten und dadurch allen Menschen seine Liebe einzugießen. O unendliches Feuer der Liebe meines Jesu! wie verzehrest du sein Herz voll Begierde zu unserm Heile, so daß Er sich zur Speise der Menschen machen will! Was gedenkest du, daß du diesen edelsten, kostbarsten Schatz des Himmels denen schenken willst, welche desselben am unwürdigsten sind? Hast du nicht selbst gesprochen, man sollte das Heilige nicht wegwerfen? O, daß auch ich solche Liebe zu dir hätte, wie du zu mir! O Herr! öffne meine Augen, auf daß ich erkennen möge das unendliche Gut, welches in dieser himmlischen Speise verborgen liegt, und mit höchster Begierde darnach verlange. Amen. 2. Nun beherzige, wie weit die Liebe deines Geliebten um deiner Liebe willen ihn gebracht habe. Die Engel des Himmels erstaunen, welch ein Wunderwerk der Bräutigam der menschlichen Seelen wirken will. Denn die Einsetzung des hochwürdigsten Sakramentes ist ein so unbegreifliches Wunder, daß es nach der Menschwerdung Christi alle andern Wunder übertrifft, welche die allmächtige Hand Gottes jemals gewirkt hat, und das alle Natur, allen Verstand und alle menschliche und englische Vernunft übersteigt. Wie es sich aber zugetragen habe, beschreiben die heil. Evangelisten also: Betrachtungen vom h. Altarssakramente. 217 Nach verrichteter Danksagung wendete der liebreiche Heiland Jesus Christus seine Augen auf das Brod, das Er in den Händen hielt, segnete es und machte das h. Kreuzzeichen darüber: hernach brach Er es in zwölf Stücke. Als Er es consecriren und in seinen Leib verwandeln wollte, was meinst du, daß Er für Mittel gebraucht habe, eine so unbegreifliche Verwandlung in's Wert zu setzen? Eben dasjenige Mittel, wodurch Gott Himmel und Erde geschaffen hatte, gebrauchte Er jetzt. Da Er ein Wort sprach, war das Brod in seinen heiligsten Leib verwandelt; Er sprach nämlich: Dieses ist mein Leib." O wunderbares, allmächtiges Wort! Was mögen wohl die h. Engel gedacht haben, als sie sahen, daß durch die Kraft dieser vier Wörtlein das gebenedeite Brod in den wahren Leib Jesu Christi verwandelt wurde? Sie fielen alsdann auf ihr Angesicht nieder und beteten erstaunt dieses hochwürdigste Sakrament an. Gleichwie die Seraphim im Himmel in Anschauung des Geheimnisses der heiligsten Dreifaltigkeit vor unbegreiflicher Verwunderung beständig sprechen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth! ebenso konnten die lieben Engel in Betrachtung dieser göttlichen Verwandlung vor unaussprechlicher Verwunderung nichts anders ausrufen als: Gütig, gütig, gütig ist der Herr Jesus Christus gegen das menschliche Heil! Mit dieſen h. Engeln falle auch du auf deine Knie nieder und sprich folgende 11 Seufzer zu Chrifto im allerheiligsten Altarssakramente. O wunderbarer Gott! wer ist dir gleich im Himmel 218 Das sechste Gärtlein. und auf Erden? Groß ist deine Macht und ohne Ende. O süßester Jesu! wohin hat dich deine Liebe gebracht, daß du nicht allein die Gestalt eines Knechtes, sondern auch die Gestalt des Brodes annahmest? Ein unergründliches Wunder ist es, daß das Wort Fleisch geworden ist; es scheint aber noch unergründlicher, daß das Wort Brod wurde. O wunderbares, göttliches Brod! ich bete dich an als meinen Gott, und glaube fest, daß deine Substanz in Christum verwandelt sei, und daß unter deiner Gestalt mein Herr Jesus Christus mit Fleisch und Blut, Menschheit und Gottheit verborgen sei. Ich werfe mich mit den h. Engeln nieder, und in tiefster Ehrfurcht bete ich deine unendliche Allmacht an. Für diese unaus sprechliche Liebe, welche dich angetrieben hat, um unsers Heils willen dieses höchste Wunder zu wirken, sage ich dir unendlichen Dank, und wünsche dich wiederum über Alles zu lieben. Amen. 3. Nach der Consetration folgt die Genießung, welche ebenfalls ein unbegreifliches Wunder ist; denn wer könnte sich wohl denken, daß ein Mensch seinen Gott und Herrn als wahre Speise genießen könne! Der Verstand kann dies nicht erkennen; doch der übernatürliche Glaube vermag es wohl zu fassen, weil bei Gott Alles möglich ist. Die Apostel waren durch den h. Geist schon vollfommen unterwiesen, was dies für eine wunderbare, heilige und übernatürliche Speise sei; deswegen magst du dir leicht einbilden, mit welcher Demuth, Ehrerbietung und heil. Furcht, mit was für Liebe und Andacht sie diese hochheilige Speise genossen! Es Betrachtungen vom h. Altarssakramente. 219 fiel Einer nach dem Andern vor Christus auf die Kniee nieder, und empfing mit Thränen der Liebe das gebenedeite Himmelsbrod aus den Händen des göttlichen Meisters. Nun hat Christus nicht allein den Aposteln, sondern auch allen Gläubigen diese Speise zubereitet, welches eine so unendliche Wohlthat, wie sich nicht mit Worten erklären läßt. Wenn dir, o Mensch! Gott nicht mehr gethan hätte, als dies, so müßtest du bekennen, daß Er dich unbegreiflicher Weise liebte. Dieses heiligste Sakrament ist mehr werth, als alle Schätze und Reichthümer des Himmels und der Erde; und diesen kostbaren Schaß will dir Christus ohne irgend eine Vergeltung, nicht nur einmal, sondern so oft du willst, schenken. Damit dir dieser Schatz desto nüßlicher wäre, hat Er denselben zur Speise gemacht, und zwar zur edelsten, welche geeignet ist, das Herz zu stärken, die Seele zu erfreuen und den Tod abzuhalten. Dieſes köstliche Gastmahl will dir Christus bereiten, so oft es dir beliebig ist; dieses Heilmittel will Er dir geben, so oft du dessen bedarfst; diesen Schak will er dir schenken, so oft du Verlangen darnach trägst. süßester Jesus! wie groß und unendlich ist deine Güte und Liebe zu uns Menschen, daß du dich uns selbst zur Speise gibst! O tostbares Brod! mein Herz verlangt dich, und meine Seele seufzet nach dir. In dir ist alle Gnade, aller Trost und alles Heil. Wenn ich dich würdig empfange, werden mir meine Sünden verziehen, meine Strafen nachgelassen, wird meine Schwachheit gestärkt, meine Liebe entzündet 220 Das sechste Gärtlein. und meine Seele mit allen Gnaden geziert. Wenn ich dich habe, besige ich meinen Gott und das Unterpfand der ewigen Seligkeit. Darum seufze ich von Herzen nach dir, und möchte dich alle Tage empfangen. O englisches Brod, stärke mich; v edle Speise, sättige mich; o fräftige Arznei, heile mich; o edler Schaß, mache mich reich; o höchstes Gut, erfülle mich in Zeit und Ewigkeit! Amen. 4. Nachdem Alle kommunizirt und sich wieder niedergesetzt hatten, nahm Christus einen Becher in Gestalt eines Kelches, welcher viele Jahre zu Jerusalem aufbewahrt wurde. Der Kelch war von Silber und hatte zwei Henkel. Diesen Kelch mit Wein nahm Christus in seine heiligen und ehrwürdigen Hände, stand auf und sagte seinem himmlischen Vater abermals Dank. Darnach segnete Er den Kelch, machte das h. Kreuzzeichen darüber und sprach die Worte der Wandlung darüber, durch deren Kraft der Wein in sein heiligstes Blut verwandelt wurde. Sobald Christus consecrirt hatte, gab Er ihn dem Petrus und sprach: Nehmet hin und trinket Alle daraus." Die h. Apostel nahmen den Kelch zitternd und tranken daraus mit höchster Ehrerbietung; denn sie glaubten fest, daß unter der Gestalt des Weines verborgen sei das wahre Blut Jesu Christi, welches für die Sünden der Welt am andern Tage sollte vergossen werden. Nachdem sie Alle das heiligste Sakrament empfangen hatten, wollte ihnen Christus noch eine andere Gnade erzeigen, nämlich, daß sie die Gewalt haben sollten, den wahren Leib und das Blut Jesu Christi auf gleiche Weise, wie ihr Meister eben gethan hatte, zu 11 Betrachtungen vom h. Altarssakramente. 221 consecriren und Andern auszuspenden; darum sprach Er zu ihnen: ,, Dies thut zu meinem Andenken." Er wollte dadurch gleichsam sagen: Dasjenige, was ich gethan habe, nämlich, daß ich das Brod in meinen Leib und den Wein in mein Blut verwandelt und euch davon gegeben habe, dasselbe thut auch ihr; verwandelt das Brod und den Wein in mein Fleisch und Blut, genießet davon und theilet dasselbe auch Andern aus. Dies Alles thut zu meinem Andenken, zur Erinnerung an die Liebe, welche ich euch jetzt erzeigt habe und morgen erzeigen werde, indem ich meinen Leib und mein Blut für euch hingeben werde. Als nun Christus das hochheilige Sakrament eingesetzt, und seine Apostel zu Priestern geweihet hatte, beschloß er die Feier des h. Abendmahles mit einer schönen Danksagung, und sprach mit seinen Jüngern nach dem Zeugnisse der h. Evangelisten den Lobgesang, nämlich den 112. Psalm, welcher anfängt:„ Lobet den Herrn, ihr Diener" zc. mit den fünf darauf folgenden Psalmen, welche die Juden nach Genießung des Osterlammes mit lauter Stimme zu singen pflegten; welchen H. Gebrauch Christus befolgen wollte, um uns ein Beispiel zu geben, daß wir nicht bloß nach der leiblichen Speise, sondern vielmehr nach der heil. Communion Gott danken sollen. Deswegen erhebe dein Gemüth zu Gott, und sprich mit Andacht folgende Danksagung wegen der Einsetzung des heiligsten Altarssakraments. allersüßester Herr Jesu Christe! wie groß ist deine Liebe, und wie unermeßlich deine Freigebigkeit, 222 Das sechste Gärtlein. welche dich antrieb, das hochwürdigste Sakrament einzuseßen, und uns armseligen Geschöpfen das Brod der Engel zu schenken. O demüthigster Jesu! wohin hat dich deine Liebe gebracht, daß du nicht bloß die Gestalt eines Knechtes, sondern auch sogar die Gestalt eines Brodes annimmst. Ein unergründliches Wunder ist es, daß das Wort Fleisch geworden ist; allein noch weit unergründlicher ist es, daß das Wort Brod wurde. O unendliche Liebe, wie sehr liebst du die Menschen, und wie freigebig schenkest du ihnen die köstlichsten Gaben! Wie sollen wir dir diese Wohlthat vergelten, da schon der kleinste Theil dieses Brodes mehr werth ist, als alles Gold und Edelgeſtein der ganzen Welt, ja mehr als alle Schäße Himmels und der Erde. Diesen unermeßlichen Scha schenfest du uns Menschen, so daß jeder davon nach Belieben nehmen, und damit dem himmlischen Vater alle Schulden bezahlen kann. O gütigster Jesus! wie wollen wir dir dafür genug danken können, daß du uns dieses hochheilige Sakrament nicht allein ge schenkt, sondern auch zu unserer Speise gemacht hast. Owohl eine süße, eine fräftige und kostbare Speise! Wie stärkest und erfreuest du die Seele! Wer dich mit Andacht genießt, der kann von deiner Kraft sagen; wer dich recht betrachtet, der weiß, wie süß du bist. O gütigster Jesus, wie sollen wir dich genug hierfür preisen, daß du uns dieses Sakrament nicht allein zur Speise gegeben hast, sondern auch in demselben bei uns bleiben willst bis ans Ende der Welt. O wie glückselig sind wir Menschen, die wir allzeit unsern Gott persönlich bei uns haben, und Betrachtungen vom h. Altarssakramente. 223 zu jeder Stunde zu ihm kommen können! Wie wollen wir dir, o Heiland, diese Gnade vergelten? darum lobe, preise und benedeie ich dich aus ganzer Seele, aus ganzem Gemüthe, aus allen Kräften, und sage dir Dank im Namen aller Menschen, welche dieses hochwürdige Sakrament jemals empfangen haben und noch empfangen werden. Diese Danksagung vereinige ich mit derjenige Danksagung, welche du selbst gesprochen hast, als du dieses hochwürdigste Sakrament einsetztest.. Ich bitte auch alle Engel und Heiligen, daß sie dich mit mir loben und dir danken. Amen. II. Von dem würdigen Empfang des heiligsten Sakraments. Es gehören zwar viele Tugenden zum würdigen Empfange der h. Communion; gleichwohl sind aus denselben die vornehmsten die Demuth und die Liebe. Wer ohne diese beiden Tugenden zum Tische des Herrn geht, der empfängt nicht nur keine Gnade, sondern begeht eine schwere Sünde. Wer aber mit ihnen hinzutritt, wird nicht leer ausgehen, sondern je größer seine Demuth und Liebe ist, desto mehr Gnaden wird er auch empfangen. Ein träftiges Mittel, die Demuth zu erlangen, ist die Betrachtung unseres eigenen Elendes, worin wir sowohl dem Leibe als der Seele nach uns befinden. Ach! wie ist der Leib durch die Sünde Adams so gar hinfällig und frank geworden! ,, Gedenke, o Mensch! ruft dir deshalb die Kirche zu, daß du Staub biſt und wieder zu Staub werden wirst." Doch das ist das Bedauerlichste noch nicht. Seit der ersten Sünde ist der Leib, das Fleisch widerspänstig geworden wider 224 Das sechste Gärtlein. den Geist, und trägt in sich die böse Begierlichteit, den Zunder der Sünde, so daß von Jugend auf die Sinne des Menschen zum Bösen geneigt sind. Wie sind die Augen und Ohren so vorwißig, so eitel, so lüstern und begierig, eitle, unziemliche, ja sogar schändliche Dinge zu sehen oder zu hören! Wie ist der Geschmack und Geruch so lüstern, so gethan und erpicht auf das Angenehme, Leckere und Reizende! Und das Gefühl, ach! wie sehr ist es zur Sinnlichfeit, zur Wollust geneigt, daß es die Seele in unbewachten Augenblicken mit sich fortreißt und Gott und den Himmel für augenblickliche Befriedigung der sündlichen Bust so muthwillig preisgibt! ,, Ach! ruft der Apostel Paulus, wo er von der sinnlichen Begierlichkeit im Menschen spricht, ach! ich weiß, daß in meinem Fleische nichts Gutes wohnt; denn das Wollen liegt mir nahe, aber das Vollbringen des Guten finde ich nicht. Ich bin fleischlich und verfauft unter die Sünde! Jch elender Mensch! wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?" Nicht viel besser sieht es mit der Seele aus. Betrachte die drei Kräfte derselben. Wie geschwächt und verdorben ist das Gedächtniß! Ach! mit welcher Mühe mußt du dein Gemüth zu Gott und zur Betrachtung geistlicher Dinge erheben, und wie bald fällt es wieder herab und denkt an irdische und unnüße Dinge! Wie leicht nimmt es schlechte Dinge an und bewahrt sie treu und bringt sie dir alle Augenblicke selbst beim Gebete wieder vor; und wie langsam und schwierig ist es, Gutes zu fassen, das was Gottes ist und deine Pflichten und dein Seelenheil betrifft, wie untreu, 225 Betrachtungen vom h. Altarssakramente. es zu bewahren, wie dunkel und verworren in der Erinnerung! Wie blind ist der Verstand in geistlichen Dingen! Gutes sieht er für Böses, Böses für Gutes, grobe Sünden für kleine, und kleine Sünden für Unvollkommenheiten an! Irdische, verlorne, für die Ewigkeit nußlose Dinge sieht er für wichtig an, und opfert seine Zeit, seine Kräfte und sogar sein Leben dafür; und himmlische für die Ewigkeit nützliche Dinge achtet er kaum der Rede werth! Und wie sieht es endlich mit dem Willen aus? Ach! er ist ärger als alles Andere; er ist so ganz verkehrt, ungerecht und von Gott abgewendet, und so langsam und widerspänstig in Allem, was Gottes ist! Und selbst, wenn er durch die Gnade Gottes gut geworden ist, wie schwach, wie hinfällig und zum Rückfalle in die alten Sünden geneigt ist er! Ochriftliche Seele! versente dich oft in den Abgrund deines eigenen Herzens, um dort die unergründliche Tiefe deiner Bosheit und Ohnmacht zu schauen; Ergründen wirst du es freilich nicht, denn aller Menschen Herz ist böse und unerforschlich, ruft Gott durch den Mund des Propheten Jeremias( 17, 9. 10.), wer durchschauet es? Nur der Herr erforschet das Herz und prüfet die Nieren. Aber es wird dir nüglich sein, und eine Veranlassung, dich zu demüthigen, und nichts Hohes von dir zu denken. Ach! wenn du erwägst, wer du bist und wie viele Sünden und Untugenden in dir verborgen liegen, wenn du bekennen mußt, daß dein Leib und deine Seele, dein Herz und dein Gemüth, deine Sirne und Gedanken mit unsäglichen Ulebeln angefüllt sind; so mußt du dich ja Myrrhengarten III. 23. Aufl, 15 226 Das sechste Gärtlein. bemüthigen und mit Furcht und Zittern und mit h. Scheu zum Tische des Herrn hintreten. Und siehe! dies wird dir zum Heile sein; denn Gott widersteht den Hoffärtigen, denen, die auf sich selbst viel halten und auf ihre Tugend und Gerechtigkeit bauen; aber den Demüthigen, die sich in den Abgrund ihres Nichts versenken und Gott alle Ehre für das Gute zuschreiben, was sie an sich sehen, sich selbst aber wegen ihrer Sünden verachten, den wahrhaft Demüthigen gibt Er seine Gnaden. Die Demuth ist zwar sehr nüglich und nothwendig zur h. Communion, doch glaube ich, die Liebe noch weit mehr. Diese Liebe ist ein herzliches Verlangen und eine inbrünstige Begierde, das heiligste Sakrament zu empfangen und seinen Gott und Herrn im Herzen aufzunehmen. Wer ohne Liebe und Andacht hinzutritt, der communizirt unwürdig und thäte besser, er bliebe ganz weg, weil ihm die h. Communion mehr schadet als nügt. Damit du aber eine wahre Begierde empfangest, mußt du ernstlich bedenken, wie nothwendig dir das heiligste Sakrament sei, dann wie nüglich und endlich wie Gott wohlgefällig. 1. Wie nothwendig dir die öftere h. Communion fei, fannst du leicht ermeffen, wenn du dich erinnerst an das, was so eben gesagt ist von dem Elende des menschlichen Leibes und der Seele. Es gibt zwar viele Mittel wider deine vielfältigen Krankheiten und Gebrechen; aber fein besseres und wirksameres, als den öfteren und andächtigen Empfang des heiligsten Sakraments. Denn was für eine kräftigere Arznei gegen deine Krankheiten könnte erdacht werden, al Betrachtungen vom h. Altarssakramente. 227 der wahre, lebendige Leib Jesu Christi? Sage nicht, ich bin wegen meiner vielen Sünden nicht würdig, so oft zu communiziren. Ich weiß wohl, daß du nicht würdig bist; gleichwohl mußt du deshalb die h. Communion nicht unterlassen; denn je seltener und später du communizirest, desto unwürdiger wirst du, weil du alle Tage mehr fündigst und so immer gottloser wirst. Darum lege diese eitle Angst ab, und erwecke vielmehr eine lebhafte Begierde zur heil. Communion! denn obwohl du derselben unwürdig bist, so bedarfst du doch ihrer gar sehr; und wenn du schon ein armer Sünder bist: so begehrst du dennoch durch die Kraft dieses heiligsten Sakramentes fromm und heilig zu werden; und wenn du auch unwürdig bist, einen so erhabenen und reinen und himmlischen Herrn zu empfangen, so ist Christus doch würdig, daß du ihn mit h. Begierde und mit so viel Demuth und Liebe, als es dir möglich ist, in dein Herz aufnehmest, und zwar so oft, als Er ein Verlangen darnach trägt. Du weißt aber, wie sehr Er verlangt, dies Osterlamm mit seinen Jüngern, d. i. mit denen, die ihn lieb haben und ihm gern nachfolgen wollen, zu essen! 2. Bedenke, wie nüßlich dir die h. Communion sei; und welch' großen Nußen du auch Andern damit verschaffen könneſt. Denn durch jeden würdigen Empfang dieses hochw. Sakramentes wird deine Seele gereinigt, dein Herz erquickt, dein Geist erhoben, dein Gedächtniß geheiligt, dein Verstand erleuchtet, dein Willen entzündet. Es werden dir alle Sünden verziehen, viele Strafen nachgelassen, deine Begierden 15* 228 Das sechste Gärtlein. bezähmt, deine Schwachheit gestärkt, deine Tugenden erhalten, deine Andacht vermehrt, dein Leben gebeffert, deine Verdienste vermehrt und deine Glorie im Himmel erhöhet! kurz, du erlangst so viele Gnaden, daß du mit dem weisen Manne wohl sagen kannst:„ G kam mir alles Gute zugleich mit ihr, und unzählbare Ehren durch ihre Hand".( Buch d. Weish. 7, 11.) Hier sollst du aber wissen, daß zwar diese und viele andere Gnaden aus einer würdigen Communion entstehen, jedoch mit dem Unterschiede, daß du desto mehr Gnaden empfangest, je würdiger du communizirest. Ist deine Andacht gering, so sind auch deine Gnaden wenige; ist aber deine Andacht groß, so haft du auch große und viele Gnaden zu hoffen. Spürst du daher oben erwähnte Wirkungen nicht, so denke nur, es sei deine Schuld, und Mangel an gehöriger Vorbereitung. 3. Außerdem fannst du drittens durch eine jede h. Communion allen Lebendigen und Abgestorbenen zu Hülfe kommen, und Gott dich wohlgefällig erweisen. Denn durch jeden andächtigen Empfang des heiligsten Satraments geschieht Gott unendliche Ehre, den Heiligen unaussprechliche Freude, den Gerechten große Gnade, den Sündern Besserung ihres Lebens, den Betrübten Trost, den Angefochtenen Stärke, den Kleinmüthigen Aufmunterung und den Abgestorbenen Linderung. wohl du nicht insbesondere für Alle und jeden Einzelnen betest, werden sie doch als Kinder der Kirche und deine geistlichen Mitglieder deines guten Werkes theilhaftig. Wenn du dieses bedenkst und in allem Ernste er Betrachtungen vom h. Altarssakramente. 229 wägst, o welch' eifrige Begierde wird in dir entſtehen, dieses hochw. Sakrament mit aller Andacht zu empfangen und dich auf das Beste dazu vorzubereiten. Unterlaß aber nicht, den h. Geist um eine herzliche Begierde Zum andächtigen und öftern Empfange der h. Communion anzurufen und auf das inständigste zu bitten. Denn wer bittet, dem wird gegeben werden!- Du kannst auch zu Zeiten vor dem H. Sakramente etwa mit folgenden Worten eine herzliche Begierde zur h. Communion in dir erwecken: O mein liebster Jesu! ich soll so oft zur h. Communion gehen; allein ich finde mich derselben ganz unwürdig; denn ich habe keine Andacht und keinen Eifer, sondern bin ganz nachlässig und zerstreut. Darum bitte ich dich, gib mir eine wahre Liebe und Begierde zu diesem hochw. Sakramente. O mein Jesus; ich weiß, daß, wenn ich dich mit möglichster Andacht empfange, ich dir eine unendliche Ehre erzeige, und allen lebendigen und abgestorbenen Christgläubigen Nußen verschaffe. O daß ich so großer Gnaden würdig wäre! Mein Gott! hätte ich doch die Reinigkeit der Engel, die Heiligkeit der vollendeten Himmelsbürger, die Andacht und Liebe aller Gerechten! Erzeige mir diese Gnade, entzünde mein Herz, bereite meine Seele und schmücke sie mit Tugenden, daß sie dir wohlgefällig werde. Ich opfere dir deshalb mein Herz und meine Seele. Amen. III. Von der Gnade Gottes, welche der Communizirende empfängt. Unter allen den oben erwähnten Gaben, welche 230 Das sechste Gärtlein. ein Mensch durch die h. Communion empfängt, iſt eine der vorzüglichsten die Vermehrung der Gnade Gottes, welche einem Jeden, der würdig communizirt, unfehlbar mitgetheilt wird. Es sind zwar alle heil. Satramente Mittel der Gnade; gleichwohl begreift das heiligste Satrament des Altars auf besondere Weise die Gnade Gottes in sich, und theilt dieſelbe jedem Empfangenden vornehmlich mit. Wenn Jemand unwissend in einer Todsünde wäre, so empfinge er die erste Gnade, und käme aus dem Stande der Ungnade in den Stand der Gnade; befindet er sich aber schon in der Gnade Gottes, so wird sie ihm durch die würdige Communion vermehrt und vergrößert. Damit du aber wissest, was das für eine große Wohlthat sei, muß ich dir vorerst erklären, was die Gnade Gottes sei.„ Die Gnade Gottes ist eine übernatürliche, von Gott freiwillig geschenkte Gabe, welche dem Menschen zur Seligkeit behülflich ist. So z. B. wenn Gott Jemanden eine innerliche Einsprechung, Erleuchtung, Stärke oder Tugend mittheilt, so sagt man, Gott habe ihm eine besondere Gnade mitgetheilt. Redet man aber insbesondere davon, so ist die Gnade eine übernatürliche Gabe, welche den Menschen gerecht, Gott wohlgefällig und des ewigen Lebens würdig macht; und welche Gabe der Seele einverleibt ist und ewiglich in derselben bleibt, wofern sie in diesem Leben nicht durch die Todsünde aus derselben vertrieben wird. Diese Gnade ist eine doppelte, die erste und die zweite. Die erste Gnade ist, wenn ein Mensch aus dem Stande der Todsünde in den Stand der Gnade kömmt, so wird er in einem Betrachtungen vom h. Altarssakramente. 231 Augenblicke aus einem Gottlosen zu einem Gerechten gemacht. Die zweite Gnade ist, wenn ein gerechter Mensch durch den Gebrauch der h. Satramente oder andere übernatürliche Werte in der Gnade wächst und eine neue Stufe derselben erlangt. Hieraus verstehst du, daß die Gnade Gottes eine innerliche, geistliche Gabe sei, die den Menschen zum Freunde Gottes macht, und ihn stärkt, daß er das Gute thun und das Böse meiden kann, wofern nur der Mensch diese angebotene Gnade annehmen und gebrauchen will. Der in geistlichen Dingen so wohl erfahrene und h. Lehrer Thomas von Aquin spricht: Die geringste Gnade Gottes hat mehr Gewicht, als alles Gute der ganzen Welt;" d. i. wenn ein Engel nach seiner Erkenntniß und nach der Wahrheit schäzen sollte, was die Gnade Gottes werth sei, so müßte er bekennen, daß das geringste Quintlein der Gnade Gottes mehr werth sei, als alles Gold, alle Edelsteine und Reichthümer der ganzen Welt. Denn wer nur ein Quintlein der Gnade Gottes hat, der ist ein Freund Gottes, und wenn er in dieser Gnade stirbt, so gibt ihm Gott für dieses Quintlein den Himmel, und ein solcher Mensch hat dadurch mehr erlangt, als alle Erdengüter. Ferner ist zu wissen, daß ein frommer Mensch durch jedes gute Werk die Gnade Gottes in sich vermehre, und sich immer mehr Gnaden verdiene ,. und dies nicht nur durch große gute Werke, sondern auch durch kleine, wie z. B. durch einen herzlichen Seufzer, gute Gedanken, andächtigen Blick, demüthige Verneigung und jedes H. Wort. Wenn sohin Jemand 232 Das sechste Gärtlein. mit Andacht sagt: O mein Gott! o lieber Jesus! u. s. f. Alle diese guten Gedanken, Worte und Werte vermehren die Gnade Gottes in dem Menschen, und für jedes bekömmt man( bildlich zu reden) ein neues Quintlein der Gnade. Wenn einer also stirbt, so bekömmt er größere Ehre und Freude im Himmel, und der liebe Gott theilt sie ihm überflüssig mit; also, daß er den lieben Gott besser kennt, herzlicher liebt und vollkommener genießt. Wenn demnach die Gnade so leicht zu verdienen ist, und man einen so großen Lohn dafür erhalten kann, wer wollte da nicht von Herzen gern Gott dienen! Damit du aber noch lieber Gutes thust, so merke weiter, was für wunderbare Dinge die Gnade Gottes in deiner Seele wirkt. Erstens bringt die Gnade Gottes der Seele eine unaussprechliche Schönheit, und macht sie anmuthig, schön und lieblich, daß die Schönheit der Sonne, des Mondes und der Sterne, des Lichtes, der Edelsteine und Blumen und aller Erdendinge damit nicht zu vergleichen ist, und daß selbst Gott und die Engel sich daran ergößzen. Welch' eine große Schönheit muß dies sein und wie übel handelt derjenige, welcher durch eine Todsünde diese Schönheit verdirbt und bemakelt! Uebrigens erwäge hier, daß zwar die geringste Gnade die Seele schön mache; wer aber mehr Gnaden hat, der hat auch eine schönere Seele. 3weitens bringt die Gnade der Seele die Freundschaft Gottes und bewirkt, daß die Seele und Gott gleichsam zwei vertraute Freunde werden. Diese Freundschaft Gottes zur Seele ist so groß, daß Er es von Herzen gut mit ihr meint und ihr Alles thut. Betrachtungen vom H. Altarssakramente. 233 Er bewahrt, ernährt, erhält, stärkt, tröstet sie, sorgt für sie und denkt Tag und Nacht an sie: ja Er verweilt gerne bei ihr, und wird nimmer von ihr weichen, wofern die Seele sich nicht in eine Todsünde einläßt und ihn von sich stößt. In diesem Falle scheidet Er traurig aus ihrem Herzen und beklagt ihre Untreue; doch weicht er nicht ganz von ihr, sondern bleibt vor der Thüre des Herzens stehen, und klopft immer wieder an, indem Er um Einlaß bittet. Aus dieser Freundschaft Gottes folgt, daß sich Gott gegen die Seele freigebig erzeigt und ihr seine Güter reichlich mittheilt. Er gibt ihr den Glauben, die Hoffnung und die Liebe; die Weisheit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Stärke; die Andacht, Eingezogenheit, innerliche Freuden und gute Begierden. Er schenkt ihr gute Einsprechungen, hl. Gedanken, auferbauliche Reden und nüßliche Werke. Er zieht sie ab von der Eitelkeit, den Weltfreuden, den Sünden und von dem vorigen bösen Leben. Endlich schenkt Er sich selbst der Seele zum Eigenthume, wie die h. Schrift sagt:„ Er hat uns große und göttliche Dinge geschenkt, nämlich seine Gnade, wodurch wir Mitgenossen der göttlichen Natur werden."( 2. Petr. 1, 4.) Endlich wird die Seele durch die Gnade so hoch erhoben, daß sie nicht blos ein Freund, sondern sogar ein Kind Gottes wird; was gewiß eine Wohlthat ist, welche sich nicht mit Worten erklären läßt. Wenn ein mächtiger Fürst oder König das Kind eines Bettlers an Kindesstatt annähme, welche Ehre wäre dieses? Und doch wie viel tausendmal größere Ehre und Gnade ist es für die Seele, daß der unendliche Gott 234 Das sechste Gärtlein. 11 sie zu seinem wahrhaften und geliebten Kinde annimmt! Hierüber spricht Johannes mit gerechter Verwunderung: „ Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, daß wir Gottes Kinder heißen und sind."( 1. Joh. 3, 1.) Und der h. Paulus setzt hinzu: Wenn aber Kinder Gottes, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi."( Röm. 8, 17.) O Gott! eine große Gnade, ein reichliches Erbtheil, Gottes Erbe zu sein! Gleichwie es unmöglich ist, zu begreifen, was für ein unendlich großer Herr und Gott Er sei; eben so unmöglich ist es auch, zu begreifen, welch eine unendlich große Ehre und Gnade es sei, ein Kind Gottes zu heißen und zu sein. Nun aber sind wir nicht bloß Kinder Gottes dem Namen nach, sondern auch in der Wahrheit. Denn der gütige Gott liebt uns so sehr, als ob wir seine Kinder von Natur her wären, und er uns leiblich geboren hätte. Es wird kein Vater sein Kind so sehr lieben und ihm so viel Gutes thun, als Gott uns liebt und Gutes thut. Ja die Liebe Gottes, welche Er zu jeder Seele, die in seiner Gnade ist, trägt, ist unendlich, sowie sein Wohlgefallen an diesem seinem lieben Kinde unendlich ist. Deswegen können wir dem höchsten Gott nimmermehr genug danken, daß er uns so viele Ehre erzeigt, und wir können uns nicht genug erfreuen, daß wir armselige Geschöpfe Kinder Gottes werden. Wie sollten wir uns nicht auf alle Weise befleißen, in der Gnade Gottes zu verbleiben und dieselbe stets zu bewahren! Gleichwie wir uns mit aller Macht wehren, wenn uns Jemand unsere zeitlichen Güter nehmen will, so und noch Litanei vom h. Herzen Jesu. 235 viel tausendmal mehr sollen wir uns wehren, wenn uns Einer die Gnade Gottes nehmen will: denn wir besigen ja auf Erden keinen köstlicheren Schaß, als die göttliche Gnade. Dies Alles habe ich darum gesagt, damit du ein größeres Verlangen habest, öfter und eifriger die heil. Communion zu empfangen, weil du durch dieselbe die Gnade Gottes vermehrst. Durch alle guten Werke , erwirbst du zwar Gnade Gottes, aber durch Nichts mehr, als durch den würdigen Empfang der heiligen Communion. Darum sieh fleißig zu, daß du sie niemals unterlassest, sondern nach derselben mit größter Begierde verlangest, und sie recht oft empfangest. 17. Gebete zum h. Herzen Jesu. ( Diese werden auch sehr passend vor dem bochwürdigsten Gute beim Stundengebet, bei h. Sakramentsmessen an den Donnerstagen und an Sonn- und Feiertagen bei den Nachmittagsandachten gesprochen. Litanei vom h. Herzen Jesu. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Deilige Dreifaltigkeit ein einziger Gott, Heiliges Herz Jesu, Herz Jesu, vereinigt mit der Person des Sohnes Gottes, Herz Jesu, gebildet aus der jungfräulichen Mutter, Herz Jesu, du Wohlgefallen des ewigen Vaters, Herz Jesu, du Tempel des heiligen Geistes, Herz Jesu, du ewige Liebe der allerh. Dreifaltigkeit, Herz Jesu, du Paradies göttlicher Wonne, Erbarme dich unser! 236 Das sechste Gärtlein. Herz Jesu, du Born himmlischer Süßigkeit, Herz Jesu, du Wohnung ewiger Milde, Herz Jesu, du Abgrund der Barmherzigkeit, Herz Jesu, du Schazkammer aller Reichthümer Gottes, Herz Jeju, du Ursprung der h. Liebe und Reue, Herz Jesu, du Spiegel aller Erbarmungen des ewigen Vaters, Herz Jesu, du Tiefe aller Weisheit und Wissenschaften Gottes, Herz Jesu, du Strom, der die Stadt Gottes erfreut, Du Herz unseres himmlischen Königs, Du Herz unseres barmherzigen Hirten, Du Herz unseres mildesten Bruders, Du Herz unseres geliebtesten Meiſters, Du Herz des liebreichsten Bräutigams unserer Seelen, Herz Jesu, du Spiegel der Sanftmuth und Demuth, Quelle des Friedens und H. Ruhe, vollkommenes Vorbild unseres Lebens, Herz Jesu, du Herz Jesu, du Herz Jesu, du Trost der Traurigen, Herz Jesu, du Zufluchtsstätte in Bersuchung und Trübsal, Herz Jesu, du freudiger Aufenthalt reiner Seelen, Herz Jesu, du Wonne aller Auserwählten, Herz Jesu, du Grundquell aller heiligen Gedanken und Begierden, Herz Jesu, du Licht der Pilger, Herz Jesu, du Altar der Versöhnung, Herz Jesu, du feuriger Quell der göttlichen Liebe, Herz Jesu, du Sehnsucht und süßesie Liebe aller h. Seelen, Herz Jesu, unsertwegen im Delgarten beängstigt und betrübt bis zum Tode, Herz Jesu, entkräftet durch den blutigen Schweiß, Herz Jesu, gebrochen von Schmerz über unsere Sünden, Herz Jesu, im Tode durchbohrt mit der Lanze, Herz Jesu, du Hoffnung der Sterbenden, Herz Jesu, du ewige Freude aller Heiligen im Himmel, Herz Jesu, du Krone aller Werke Gottes, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herz Jesu! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herz Jesu! Erbarme dich unser! Litanei vom H. Herzen Jesu. Von allen Sünden, Von der Verachtung deiner h. Einflößungen, Von aller Unandacht und Lauigkeit, Von allem Kaltsinn gegen deine göttliche Liebe, Von allen unreinen Gedanken und Begierden, Von aller Blindheit und Verstocktheit des Herzens, Durch deine wunderbare Sanftmuth und Demuth, Durch deine allerhöchste Reinigkeit, Durch deine Barmherzigkeit und schonende Milde, Durch dein verborgenes Leben, Durch deine Armuth und deinen h. Gehorsam bis zum Tode am Kreuze, Durch deinen süßesten Wandel unter den Menschen, Durch deinen innerlichen Frieden, Durch deine barmherzige Liebe zu uns Sündern, Durch das Blut und Wasser, das du zu unserer Reinigung und Heiligung vergoffest, Wir armen Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du deine heilige und keusche Liebe in unsere Herzen eingießen wolleft, Daß du unsere Herzen zur Nachahmung deiner Tugenden anziehen wollest, Daß du uns wahre Demuth, Sanftmuth und innerlichen Frieden verleihen wollest, Daß du alle Gedanken und Begierden unsers Herzens reinigen und heiligen wolleft, Daß du uns und alle Menschen erleuchten und zur Erkenntniß deiner göttlichen Liebe führen wolleft, Daß du in den Trübsalen dieses Lebens uns barmherzig erquicken und stärken wolleft, Daß du deine heilige Liebe immerdar in uns vermehren wollest, Daß du in der Stunde des Todes unsere Seelen in deiner H. Wunde verbergen wollest, Daß du uns in die Glorie deiner Auserwählten aufnehmen wollest, O süßestes Herz Jeſu! 237 Erlöse uns, o Herz Jesu! Wir bitten dich, erhöre uns! du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Verschone uns, o Herz Jesu! 238 Das sechste Gärtlein. O du Lamm Gottes 2c. Erhöre uns, o Herz Jesu! O du Lamm Gottes, 2c. Erbarme dich unser, o Herz Jesu! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Herr erbarme dich unser! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. V Gelobt und gebenedeit sei das göttliche Herz in dem allerh. Sakramente des Altars! R Von nun an bis in Ewigkeit! Gebet. Dedelstes, mildestes und liebreichstes Herz meines Setreuesten Liebhabers Jesu Christi, meines Gottes und Herrn, ziehe und verabgründe, ich bitte demüthig darum, alle meine Gedanken und Neigungen, alle Kräfte meiner Seele und meines Leibes und was ich immer bin und vermag, in dich, den Urquell aller Güte und Liebe, zu deiner Ehre und zu deinem heiligsten Wohlgefallen! barmherziger Jesu, deinem Herzen empfehle ich mich; dir übergebe ich mich gänzlich und für immer! Nimm, o mein Gott, ein böses und undankbares Herz von mir, und gib mir ein Herz nach deinem göttlichen Herzen und deinem vollkommenen und ewigen Wohlgefallen! Herr, mein Gott, mein Heiland und Erlöser, tilge alle meine Sünden und Alles, was dir in mir mißfällt; was immer aber dir gefällt, das flöße mir aus deinem heiligsten Herzen ein! Bekehre und besize mich zu deinem heiligsten Wohlgefallen und zu deiner Liebe! Verleihe mir, daß mein Herz mit deinem Herzen, mein Wille mit deinem Willen also vereinigt werde, daß ich nie etwas Anders wolle, noch wollen könne, außer was du willst, und was dir gefällt! Laß mich dich lieben, süßester Jesu, mein Gott, aus ganzem Herzen in Allem und über Alles nun und in Ewigkeit. Amen. ( Vom gottseligen Johannes Landsberg.) Liebe, Reue und Sehnsucht zum h. Herzen Jesu. ( Vom H. Liguori.) O göttliches Herz meines Erlösers, du Inbegriff alles Guten und aller Vollkommenheit, o möchte ich Gebete zum h. Herzen Jesu. 239 dich so inbrünstig lieben, als du verdienst geliebt zu werden! Reinige mein Herz von Allem, was dir zu wider ist, und entflamme dasselbe mit deiner göttlichen Liebe, damit ich nichts Anders suche und wünsche, als dich, meinen Gott und mein Alles! Ach, wenn ich die fostbare Zeit, die ich unnütz verschwendet habe, zurückrufen könnte! Wenigstens will ich von nun an aus ganzem Herzen dich lieben, alle Augenblicke des Lebens dir weihen, und so meine frühere Kälte und Gleichgültigkeit gegen dich zu erseßen suchen. Glückliche Seelen, die schon von ihrer zartesten Jugend dir ihr Herz geschenkt, und es stets, um dich zu lieben, verwendet haben! Wie war es doch möglich, o du ewige Schönheit, daß ich dich habe verachten und beleidigen können? Ach, wie reuet es mich, dir jemals mißfallen zu haben! Und wenn du voraussiehst, daß ich einst wieder von deiner Liebe weichen und dich durch eine schwere Sünde beleidigen werde, so bitte ich dich, laß mich lieber jegt in deiner Liebe sterben; denn leben und dich nicht lieben, ist mir bitterer, als der Tod! Gott, mein höchstes Gut, meine Seele verlangt nach dir! Wie sehr sehne ich mich nach dem glücklichen Augenblicke, wo ich dich im Himmel besigen werde! Dort werde ich dich anschauen und erkennen: dort aus ganzem Herzen und aus allen Kräften meiner Seele dich lieben und deine unendliche Barmherzigkeit loben und preisen in Ewigkeit. Ach, wie klein, wie elend ist mein Herz, und wie schwach ist die Liebe, die es zu dir hegt, o liebenswürdigster Jesu! Ich bitte dich, erweitere dasselbe 240 Das sechste Gärtlein. durch deine Gnade, entzünde es mit dem Feuer der Liebe, die dein Herz verzehrt, und vereinige es mit deinem Herzen, um dich zu lieben und in deiner Liebe zu leben und zu sterben. Amen. Besondere Abbitte zum h. Herzen Jesu. ( Mit einem Ablasse von 200 Tagen für jeden, der sie mit wahrer Reue betet.) Mit jener allertiefsten Ehrerbietung, welche der Glaube allein mir einflößt, bete ich dich an, o mein Gott und mein Erlöser, Jesu Christe, wahrer Gott und wahrer Mensch, verschlossen hier im allerheiligsten Sakramente des Altars! Ich bete dich an und liebe dich, zum Ersaße aller der Unehrerbietigkeiten, Entweihungen und Entheiligungen, welche ich selbst zu meinem Unheile bisher gegen dich verschuldet haben mag, sowie auch aller andern, die jemals gegen dich geschehen sind, und in Zukunft noch geschehen können. Ich bete also dich an, o mein Gott, nicht zwar ſo wie du es würdig bist, auch nicht, wie ich es wohl sollte, doch wenigstens, wie ich's vermag: und ich wünschte, mit jener Vollkommenheit es thun zu können, deren alle vernünftigen Geschöpfe fähig sind. Indeß ist es mein Bestreben, dich jetzt und immer anbetend zu verehren, nicht allein für alle fatholische Christen, die dich nicht anbeten und dich nicht lieben, sondern auch zum Ersaße und für die Bekehrung aller Irr gläubigen und Gottlosen, aller Gottesleugner, Gottes lästerer und Ungläubigen. Gib, o Jeſu, daß du von Allen erkannt, angebetet und geliebt, und in jeglichem Angenblicke mit Dank gelobt werdest im allerheiligsten und göttlichen Sakramente. Amen. Gebete zum h. Herzen Jesu. Dich bet' ich an in jeglichem Moment, Lebendiges Brod des Himmels, großes Satrament! O Jesu, Maria's Lieb' allein, Du wollest meine Seele benedei'n! O Jesu, mein Erlöser, dir empfehle, Dir schenke ich allein mein Herz und meine Seele! Gebetkränzlein zum h. Herzen Jesu. VO Gott, merke auf meine Hülfe! R Herr eile mir zu helfen! 241 1. Mein liebreichster Jesu! wenn ich die Güte deines Herzens betrachte und sehe, wie voll es von Mitleiden und Zärtlichkeit gegen die Sünder ist; so frohlocket mein Herz, und wird mit Zuversicht erfüllt, von dir aufgenommen zu werden. Ach, mein Gott, wie vielfältig sind meine begangenen Sünden! aber gleich dem Petrus und der reumüthigen Magdalena beweine und verabscheue ich sie, weil sie eine Beleidigung deiner unendlichen Güte, meines höchsten Gutes sind. O! schenke mir vollkommene Verzeihung, und laß mich lieber sterben, ja, ich bitte dich durch dein gutes Herz, laß mich eher sterben, als dich mehr beleidigen, oder laß mich nur leben, damit ich dich hienieden liebe! Amen. Dein süßes Herz entzünde stets in mir, O Jesu, meine Liebe mehr zu dir! Ein Vater unser und 5 Ehre sei 2c. 2. Ich benedeie, mein Jesus! dein demüthigstes Herz, und danke dir, daß du mich, nachdem du es mir zum Vorbild gegeben, nicht nur so dringend zu seiner Nachahmung ermunterst, sondern um den Preis so vieler Demüthigungen, die du erlitten, mir auch Myrrhengarten III. 23. Aufl. 16 242 Das sechste Gärtlein. den Weg dazu gewiesen und geebnet hast. Wie undankbar und thöricht war ich! Wie sehr habe ich mich vergangen! O verzeih es mir! Kein Stolz, keine Ruhmsucht mehr! sondern mit demüthigem Herzen und unter Demüthigung will ich dir folgen und den Frieden und das Heil erlangen. O mache mich start dazu, und ich werde ewig dein Herz benedeien. Amen. Dein süßes Herz entzünde stets in mir, O Jesu, meine Liebe mehr zu dir! Ein Vater unser und 5 Ehre sei zc. 3. Ich bewundere, o mein Jesu! dein überaus geduldiges Herz und danke dir wegen so vieler bewunderungswürdigen Beispiele deiner unüberwindlichen Geduld, die du uns hinterlassen hast. Es schmerzet mich nur, daß sie meiner Weichlichkeit vergebens den Vorwurf machen, daß ich noch das kleinste Leiden nicht ertragen kann. Ach liebster Jesus! flöße meinem Herzen eine feurige und standhafte Liebe zur Trübjal, zum Kreuze, zur Abtödtung und Buße ein, damit ich dir zum Kalvarienberge nachfolgend, auch in die Herrlichkeit und Freude des Paradieses mit dir ein, gehen könne. Amen. Dein süßes Herz entzünde stets in mir, O Jesu, meine Liebe mehr zu dir! Ein Vater unser und 5 Ehre sei 2c. 4. In Gegenwart deines sanftmüthigen Herzens, o Jesu! muß ich über die Ungleichheit der Gesinnungen meines Herzens gegen jene des deinigen wahrhaft erschrecken. Nur zu sehr wird es bei dem mindesten Anlasse, bei einer Geberde, einem widersprechenden Worte beunruhigt, gereizt und zum Murren gebracht. Gebete zum h. Herzen Jeju. Ach! verzeihe mir diese leidenschaftlichen Ausbrüche, und verleihe mir die Gnade, in Zukunft bei jedem Widerspruche deine unveränderliche Sanftmuth nachzuahmen, und so eines ewigen h. Friedens zu genießen. A. Dein süßes Herz entzünde stets in mir, O Jesu, meine Liebe mehr zu dir! Ein Vater unser und 5 Ehre sei 2c. 5. Lob und Preis soll überall ertönen, o Jesu! deinem großmüthigsten Herzen, wie es ihm ganz und gar gebührt- welches den Tod und die Hölle siegreich überwunden hat.- Mehr als je beschämt, betrachte ich mein kleinmüthiges Herz, welches schon durch ein schiefes Wort, durch eine feine Beleidigung aus der Fassung kommt. Von nun an aber soll es nicht mehr so sein. Ich bitte dich um Muth und Kraft, damit ich, kämpfend und siegend auf Erden, auch im Himmel mit dir freudenvoll triumphiren -möge. Amen. - 243 Dein süßes Herz entzünde stets in mir, Jesu, meine Liebe mehr zu dir! Ein Vater unser und 5 Ehre sei 2c. Wenden wir uns nun zu Maria, weihen wir uns ihrer Liebe, und vertrauend auf ihr mütterliches Herz, sprechen wir: Durch die hohen Vorzüge deines süßesten Herzens erbitte mir, o große Mutter Gottes, und auch meine Mutter, Maria! eine wahre und beharrliche Andacht zum heiligsten Herzen Jesu, deines Sohnes, damit ich mit allen meinen Gedanken und Willensregungen in dasselbe mich verschließend, alle meine Pflichten wohl erfülle, und allezeit, besonders aber an diesem Lage, meinem Jesu mit Herzensfreudigkeit diene. A. 16* Das sechste Gärtlein. VO Herz Jesu! brennend vor Liebe zu uns! R Entflamme unser Herz zur Liebe zu dir! 244 Gebet. Mit jenem Feuer, bitten wir, o Herr! möge der h. Geist uns entflammen, welches unser Herr Jesus Christus aus dem Innersten seines Herzens auf die Erde gesandt, und mächtig wollte entbrennen sehen; welcher mit dir lebet und regieret in Einigkeit desselben h. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Wer dieses Gebetkränzlein in was immer für einer Sprache, jedoch treu übersetzt, wenigstens reumüthig und andächtig spricht, gewinnt jedesmal einen Ablaß von 300 Tagen, einen vollkommenen, wenn an einem beliebigen er dies täglich durch einen ganzen Monat fortsett, Tage die h. Satramente empfängt, und auf die Meinung des Papstes das gewöhnliche Gebet verrichtet. Diese Abläsfe können auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Pius VII. 1814 und 1817. Drei Zwiegespräche zwischen Jesu und der gläubigen Seele über die Worte Jesu: Lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und demüthig von Herzen; so werdet ihr Ruhe finden für euere Seele. Matth. 11, 29. I. kann. Jesus spricht: Liebe Seele, willst du das wahre Glück, welches du unaufhörlich suchst, wirklich finden, so lerne von mir und mache dein Herz ganz meinem Herzen ähnlich. In meinem Herzen wirst du einen Frieden und eine Ruhe finden, welche die Welt weder geben noch nehmen Jetzt ändert sich dein Herz wohl siebenmal in einem Tage. Bald ist es fröhlich, bald ist es traurig; bald ruhig, bald voll Unruhe und Aengste; bald heftig von der Liebe zu den Geschöpfen eingenommen, bald ihrer Eitelkeit überdrüssig; bald andächtig, bald wieder la und zerstreut; bald muthig in Uebung der Tugenden bald zaghaft und nachlässig; bald geduldig in Leid und Ungemach, bald ungeduldig und verdrießlich. Kurz, es Drei Zwiegespräche. 245 ist unbeständig wie das Meer. Wäre aber dein Herz dem meinigen ähnlich und mit demselben vereint, dann würde augenblicklich und für die Dauer eine tiefe Stille eintreten. In meinem Herzen würde das deinige wie in einem sichern Hafen ruhen und immer gleich bleiben, was immer für Wind auch draußen wehen möchte. Bist du in meinem Herzen geborgen, so kann kein Feind dir schaden. Der Teufel, welcher umhergeht wie ein brüllender Löwe und suchet, wen er verschlinge, kann an dich nicht kommen. Er kann deinen Frieden nicht stören. D beständiger Frieden, ungestörte Sicherheit und wahre Freude des Herzens für Alle, welche mein Herz lieben und darin wohnen! Liebe Seele, was nüßen Reichthümer? was Ehren? was Vergnügen? wenn das Herz unruhig und unzufrieden ist? Und was anders kann die ganze Welt geben, als Unruhe und Bitterkeit des Herzens? Glaube es mir, du wirst immer und überall unglücklich sein, so lange dein Herz nicht ruhet in meinem Herzen! Die gläubige Seele spricht: So habe ich es wirklich erfahren, o Herr! In Allem habe ich den Frieden gesucht, und nur Verwirrung über Verwirrung gefunden. Es ist so, du hast unser Herz für dich gemacht, Herr! und es fühlt sich unruhig und unglücklich, bis es ruhet in dir! O süßestes Herz Jesu! Wonne der allerheiligsten Dreifaltigkeit! Freude aller Engel und Heiligen! Wonne: volles Paradies der frommen Seelen! Was könnte ich außer dir suchen, da Alles in dir ist, was ich verlangen kann und muß? Darum will ich auch nur dich suchen, süßestes Herz Jesu! In der Aehnlichkeit mit dir wird meine Ruhe und mein Glück sein hier und dort! II. Jesus spricht: Liebe Seele! Deine ganze Vollkommenheit, also dein ganzes Glück besteht in der Aehnlichkeit deines Herzens mit den meinigen. Mein göttliches Herz ist das Vorbild der Vollkommenheit, weil die Heiligkeit selbst. Ahme also nach! Lerne! Mein Herz ist demüthig. Die Demuth aber ist die Grundlage der wahren Heiligkeit. Lernest du die Demuth nicht von meinem 246 Das sechste Gärtlein! Herzen, so wirst du diese Tugend nie erlangen. Wolltest du aber ohne Demuth auf einem andern Grunde das Gebäude deiner Vollkommenheit aufführen, so würde es keinen Bestand haben. Mein Herz ist ferner voll Sanft muth und Liebe. Die Liebe aber ist vollkommene Heiligkeit. Und niemals wird die Flamme der wahren Liebe in deinem Herzen brennen, wenn es nicht von demselben Liebesfeuer entzündet ist, von welchen das meinige brennt. Wehe dir, wenn ein fremdes Feuer in deinem Herzen brennt. Du wirst zwar lieben, aber zu deinem Verderben! Darum Muth, liebe Seele! folge meinem Herzen, wohin immer es dich führt! Die vollkommene Erfüllung des ganzen Gesetzes und alle Heiligkeit hängt von der treuen Nachahmung meines Herzens ab. Dann merke wohl, was mein Apostel sagt: Die der Vater vorhergesehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu werden." Röm. 8, 29. Die Gleichförmigkeit mit meinem Herzen ist ein sicheres Zeichen der Vorherbestimmung zur Seligkeit. Die gläubige Seele spricht: O süßer Jesus! Quell des Lebens und der Gnade! Befreie mein Herz von aller Täuschung und von jedem Hindernisse, auf daß ich mit aufrichtiger und reiner Meinung dich suche, die Gesinnungen deines Herzens annehme und mich dir ganz und gar gleichförmig mache. Ach! wie wenig ist mein Herz dem deinen ähnlich! wie wenig habe ich mich bisher bemühet, das Leben deines Herzens in meinem Leben auszudrücken! Wollte Gott! ich hätte nur nicht gethan, was mich deinem Herzen erst recht unähnlich gemacht hat! Blindheit! O Thorheit! Erbarme dich meiner, o göttlicher Jesu! erbarme dich meiner nach der großen Barmherzigkeit deines Herzens! Der Entschluß steht fest. Ich will, ich muß dir ähnlich werden in Gesinnung, Wort und Wandel. Gott Dank! Noch kann ich ein Jünger deines Herzens werden, noch kann ich mich heiligen durch Nachahmung desselben, noch kann ich mich mit dieſem erfreulichen Zeichen der Auserwählung schmücken. O bester Jefu hilf! Siehe, nun fange ich an. 247 Drei Zwiegespräche. III. Jesus spricht: Liebe Seele! wenn du verlangst, dein Herz dem meinigen ähnlich zu machen, so mußt du damit anfangen, dasselbe von jeglicher Sünde, von der Todsünde sowohl als auch von der läßlichen Sünde zu reinigen! denn ich suche reine Herzen und in ihnen zu wohnen und dieselben nach dem meinigen umzugestalten, ist mein Vergnügen. Du mußt aber dieses Geschäft mit hochherzigem Muthe angreifen im vollen Vertrauen auf meine Hülfe. Zaghafte und Kleinmüthige kommen zu Nichts. Gehe dabei zu Werke wie tüchtige Gärtner thun. Denn das Land von alten erstorbenen Wurzeln, von Quecken und tiefeingewurzeltem Unkraute zu reinigen, bedienen sie sich des Feuers. Sie zünden den Boden an, auf daß er bis zum Grunde ausbrenne, sich lockere und selbst von der Asche neue Fruchtbarkeit gewinne. Bediene du dich auch des Feuers, um das Erdreich deines Herzens bis zum Grunde zu reinigen, nämlich des Feuers der göttlichen Liebe, welches du in meinem Herzen findest. An diesem entzünde dein eignes Herz auf folgende Weise. Denke nämlich oft und ernst über die Strafen der Hölle und des Fegfeuers nach. Erwäge, wie oft du dieselben durch deine Sünden verdient hast. Erwäge dann, daß du nur durch meine erbarmende Liebe bis jetzt vor denselben bewahrt geblieben bist. Denke ferner an die übrigen Wohlthaten, welche du von mir empfangen hast, bedenke, daß ich dich erschaffen und alles was du bist und hast, dir aus freigebiger Liebe geschenkt habe. Dabei erwäge, welchen Dank du mir dafür bisher geleistet hast. Denke und erwäge fleißig, was ich dir aus Liebe gethan; um dich zu erlösen. Erwäge Alles von der Krippe bis zum Kreuze. Schaue hinauf zum Kreuze und sieh, wie ich mein Blut und Leben für dich hingegeben habe, und mit offener Seite und mit ausgespannten Armen auf dich warte, um dir, wenn du von der Sünde dich wendend zu mir kommst, aus meinem Herzen neues Leben zu geben. Bedenke alle meine Vollkommenheiten, die Güte meines Herzens, und erwäge, wie ich als die Liebe selbst über Alles geliebt zu werden verdiene. Wenn du dann bei 248 Das sechste Gärtlein. allebem durch häufige Anmuthungen und eifrige Bitten dein Herz gleichsam an das meinige drückst, so sei überzeugt, im Gebete wird das Feuer, die Glut der göttlichen Liebe sich entzünden. Aus dieser Liebe dann erwecke Reue, d. i. Schmerz über deine Sünden mit dem Vorsake, in Zukunft nicht mehr zu sündigen. Du weißt es, ohne Reue erlangt Niemnand Bergebung seiner Sünden; auch wird Niemand von seinen Lastern geheilt, wenn er sie nicht verabscheut. Je aufrichtiger aber und ernster du deine Sünden bereuest und verabscheuest, desto sicherer ist, daß du die Verzeihung derselben erlangt hast, daß sie also aus deinem Herzen getilgt sind, und dasselbe bereit ist, nach meinem Herzen gebildet zu werden. Ein sicheres Kennzeichen der wahren Reue ist es, wenn man die be gangenen Sünden nicht wieder begeht. Sei also immer fest entschlossen, Alles zu vermeiden, was mir mißfällt, und eher alle Uebel dieses Lebens zu erdulden, als freiwillig eine Sünde zu begehen, Sieh dann ist der Anfang und die Vorbedingung der Nachahmung meines Herzens geichehen. Ich werde dann mein Wert zur Umgestaltung deines Herzens nach dem meinigen beginnen. Harre nur aus und strebe nach einer größeren Reinheit von aller Sünde und sündlicher Gewohnheit und überlaß dich ganz mir. --Die gläubige Seele spricht: Wahrlich, o Herr! ich sehe, daß mein Herz einem Acker gleicht, der von Unfraut überwuchert und mit faulenden und erstorbenen Wurzeln angefüllt ist. Ach, wie sehr bedarf ich der Rei nigung, und wie sehr verlange ich darnach! Wirf du doch das Feuer der göttlichen Liebe aus deinem Herzen in das meinige und entzünde dasselbe zu jener Liebesreue, die hinreicht, um mich von allen Unreinigkeiten der Sünde zu reinigen. Dein reines Herz, o Herr, erschaffe in mir und deinen aufrichtigen Geist erneuere in dem Innersten meines Herzens, mit deinem fürstlichen Geiste stärke mich, rufe ich mit dem Propheten. Ein gedemüthigtes und zerknirschtes Herz wirst du nicht verachten. Dann hilf mir mit deiner Gnade, daß ich, wie ich eifrig begonnen habe, auch eifrig fortschreite, auf daß mein Herz immer Betrachtungen vom Leiden Chriſti. 249 mehr gereinigt und zur Umgestaltung nach dem beinigen bereitet werde. Laß mich nicht mehr, o gütigster Jeſu, aus deiner Hand, drehe und wende und gestalte mich, bis mein Herz endlich zur vollkommenen Aehnlichkeit mit dem deinigen umgestaltet ist. O demüthiges und sanft müthiges Herz Jesu, gib Demuth und Sanftmuth, damit endlich mein Herz den Frieden finde, den es bisher umsonst gesucht hat! Das siebente Myrrhen- Gärtlein. Gepflanzt mit reumüthigen Betrachtungen vom bittern Leiden und herzdringenden Gebeten zum leidenden Heilande.*) Das ganze Leiden Christi ist hier in vierzig Betrachtungen abgetheilt, damit du in der h. Fastenzeit um so bequemer täglich eine Betrachtung vornehmen, dich dankbar Merke hier, daß die nachfolgenden Betrachtungen nach der heil. Echrift, nach den Offenbarungen der h. Brigitta, der h. Mechtildis und der b. Sertrudis, und nach bewährten alten Ueberlieferungen zusammengestellt sind. Manches ist auch in den Reden und Handlungen der darin borkommenden Personen so dargestellt, wie es gewöhnlich zu geschehen pflegt, wo ähnliche Umstände eintreffen, obne jedoch behaupten zu wollen, daß die Personen wirklich grade dieser Worte sich bedient oder so und to bis in's Einzelne sich benommen oder gehandelt hätten. Solche Dars stellungsweise dient sehr dazu, um lebhafte Vorstellungen zu erwecken, und wirkt tief auf Gemüth und Willen; sie ist ein Gemälde in Worten, welches um so größeren Eindruck auf Herz und Sinn des Betrachtenden macht, je näher es der Wahrheit kommt und unwillkürlich dem Betrachtenden das Wort auf die Lippen bringt: Ja, so muß es grade gewesen fein! Alles, was also in diesen Betrachtungen vorkommt, macht nur Anspruch auf göttlichen Glauben, injofern es in der h. Schrift enthalten ist; insofern es aber auf späterer Offenbarung und Ueberlieferung und Muthmaßung beruht, bleibt Jedem frei, dem Gesagten in soweit Glauben beizumessen, als ihm die Quellen, waraus es entnommen, glaubwürdig und die Darstellung den Umständen angemessen erscheinen. 250 Das siebente Gärtlein. des Leidens Christi erinnern und dem himmlischen Vater einen Theil des bittern Leidens seines Eingebornen Sohnes zur Genugthuung für deine Sünden aufopfern könnest. Ich bitte dich aber, du wollest auch zu andern Zeiten des Jahres dich dieser Betrachtungen mit eifrigem und buß fertigem Herzen bedienen. Glaube mir, Nichts wird Gott angenehmer und dir nützlicher sein, besonders, wenn du dir recht lebhaft bei jeder Betrachtung folgende Fragen vorhältst und beantwortest, nämlich: Wer ist és, der da leidet? Was leidet Er? Von Wem und für Wen? Wie und Warum leidet Er? 1. Wie Chriftus am Oelberge trauert. Dieses Geheimniß ist so schrecklich, daß ich beinahe fürchte, du möchtest dich an Christus ärgern und zweifeln, ob Er denn wirklich Gott sei, weil er sich so übermäßig betrübt. Willst du aber deinen betrübtesten Heiland be trachten, so sei standhaft im Glauben und bedenke, daß Er diese seine Traurigkeit freiwillig wegen deiner auf sich genommen habe. So gehe denn mit ihm in den Myrrhen garten, zu welchem Er dich mit den Worten einladet: Komm in meinen Garten, meine Schwester, um meine Myrrhe mit dem Gewürze zu pflücken.( Hohel. 5, 1.) Nach dem Abschiede von den acht Jüngern ging der schwer betrübte Heiland mit seinen drei auserwähltesten Jüngern vier und dreißig Schritte weit in einen andern Garten, welchen er von Ewigkeit her zu diesem bittern Geheimnisse auserwählt hatte. In diesem Myrrhengarten wollte er sein Leiden erst recht anfangen, und alle böſe Lust der Sünder an der Sünde überflüssig abbüßen. Daher schreibt Matthäus:„ Er nahm den Petrus und die Söhne des Zebedäus( Jakobus und Johannes) mit sich, und fing an sich zu betrüben und traurig zu sein." Merkwürdig ist, daß Matthäus sagt: Er fing an traurig zu sein." Denn der Herr gerieth in solche Betrübniß, daß, wenn dieselben unter alle Menschen vertheilt worden wäre, Alle sogleich hätten vergehen müssen. 11 Um dieses besser zu verstehen, wiffe, daß Chriftus bisher allezeit nach seinem Tode verlangt, und auf dieſe Betrachtungen vom Leiden Christi. 251 Stunde mit Freuden gewartet habe. Denn weil Er Gott war, so wurde seine Menschheit von der Gottheit gestärkt, und mit höchster Begierde, für das menschliche Heil zu leiden, entzündet. Sobald er aber an den Delberg kam, entzog ihm die Gottheit ihren Trost, und verließ die Menschheit in ihren natürlichen Kräften, so daß von diesem Augenblicke an bis zum letzten Athemzuge die arme Menschheit nicht einen Tropfen Trostes von der Gottheit empfing, sondern alles Kreuz ganz allein leiden mußte, wie jeder andere Mensch, der, von Gott gänzlich verlassen, seine Marter ausstehen muß. Bilde dir ein, du sähest deinen geliebten Heiland bei ſeinen drei Jüngern stehen, und beherzige wohl seinen kläglichen Zustand. Auf einmal fingen seine Glieder zu zittern an, und alle Kräfte der Seele entsetzten sich. Seine Kniee schlugen zusammen, seine Adern zogen sich ein, seine Gebeine erzitterten, sein Blut erstarrte, das Angesicht wurde bleich und die Lippen blau: die Haare sträubten sich empor, die Brust verengte sich, daß der Athem kurz wurde. Seine Augen fielen ein und das Herz pochte ungestüm. Seine Einbildungskraft entsetzte sich, sein Geist erschrat, und sein ganzes Wesen wurde mit Furcht erfüllt. Wie Jemand vor einem nächtlichen Gespenste erschrickt, so schauderte der Herr zurück, weil er den schrecklichsten Tod, die grausamsten Martern und die gräßlichste Abscheulichkeit der Sünden vor sich stehen sah. Er schaute bald zum Himmel hinauf, bald zur Erde nieder, und betrachtete seine Jünger, wie ein Sterbender oft die Umstehenden mit schrecklichen Blicken ansieht. Weil er nirgends den mindesten Trost fand, konnte Er nur seufzen, weinen und wehklagen. Kurz, Er geberdete sich so kläglich, daß die Jünger erschraken und sich von Herzen fürchteten. O christliches Herz! bedenke, was dein Erlöser hier leidet, und wie seine Seele mit Angst und Schrecken erfüllt ist. Damit du desto mehr Mitleiden mit ihm habest, bilde dir ein, als ob er dich also anredete:„ Sieh, y Mensch! was ich leide: beherzige, in welcher Bangigkeit ich schwebe. Wenn du mit Augen sehen könntest, wie gequält mein Herz ist, so wäre es unmöglich, daß du mich 252 Das siebente Gärtlein. nicht bedauertest. Denn es ist nicht anders, als wenn ein ganzes Kriegsheer vor mir stände, und jeder einzelne Soldat mir unablässig sein Schwert in's Herz stieße. Dies Alles leide Ich um deinetwillen; ja, du selbst verursachest mir solches Leid, denn wie viele Todsünden du begangen haft und noch begehen wirst, so viele Wunden versetest du meinem Herzen. Die eitlen Freuden, die du im Sündigen suchest, muß ich bitter ab büßen, und dennoch willst du nicht ablasfen, mir meine Bitterfeit zu vermehren. D so quäle mein Herz nicht länger; sonst muß es im Uebermaß des Schmerzes zer springen. Gebet. O Jesus Christus! du Freude der Engel! wie bist du in solches Leid gekommen? Haben dich meine Sünden also betrübt? Mußt du meine schnöde Lust so theuer büßen? Weh' mir, daß ich jemals geboren wurde, weil ich zur Marter und Pein meines Gottes geboren bin! Du Wonne des Paradieses, Jesus Christus! wie ist es mir so leid, daß ich dich in solches Elend gebracht habe. O verfluchte Weltfreude, die den Sohn Gottes in solche Traurigkeit bringt! Sollte ich denn fortan noch solchen schnöden Lüsten und weltlichen Freuden nachtrachten können? Besonders, wenn ich bedenke, daß ich desto mehr Leid meinem Erlöser verursache, je mehr Freude ich habe! Weil mir aber der Hang zum weltlichen Wohlleben so sehr angeboren ist, so bitte ich dich, mein Jesus! hilf mir, daß ich mein Herz davon abwenden könne. Durch deine unermeßliche Traurigkeit, Angst und Betrübniß, welche du am Delberge ausgestanden haft, bitte ich dich, gib mir die Gnade, daß ich auf dieser Welt ein bußfertiges Leben führe und mit deinen treuen Dienern immer traure und Leid trage. Amen. 2. Von der ersten Ursache der Traurigkeit Jeſu. Andächtige Seele! in der vorigen Betrachtung hast du mit zitterndem Herzen gehört, wie unermeßlich sich Christus betrübt habe; daher willst du ohne Zweifel gerne die Betrachtungen vom Leiden Christi. 253 Ursachen dieser großen Betrübniß erfahren. Es sind aber deren so viele, daß Niemand sie genügend erklären kann. Damit du sie jedoch desto ordentlicher betrachten mögeſt, wollen wir alle in drei Hauptursachen zusammenfassen. Die erste Ursache, warum der liebe Jesus so sehr betrübt wurde, war der schmähliche Tod und die grauſame Marter, welche Er am andern Tage leiden mußte. Er hatte zwar sein Leben lang begehrt, für das Heil der Menschen zu leiden und zu sterben: jetzt aber, da die Menschheit von der Gottheit so gänzlich verlassen war, fürchtete und scheuete er den Tod unendlich mehr, als immer ein Mensch gethan hat oder thun kann. Seine edle Natur, die in ihrer besten Blüthe im vier und dreißigsten Lebensjahre stand, hatte solchen Abscheu vor dem Sterben, daß es ihr nicht möglich schien, einzuwilligen. Darum eilte der betrübte Christus in größter Angst seines Herzens dreimal zum Bater, und lag drei Stunden lang auf den Knieen und flehte Gott um Gnade an. Aus Furcht vor dem Tode ging er auch dreimal zu seinen Jüngern, und bat sie gleichsam um Gottes willen, sie sollten für ihn Gnade erflehen. Als er endlich sah, daß keine Gnade zu erhalten war, schwitzte er vor unaussprechlicher Furcht des Todes am ganzen Leibe auf unerhörte Weise blutige Schweißtropfen. Stelle dir hier vor, als ob dich Christus also anredete: Mein liebes Geschöpf! sieh, was ich hier leide, und wie mich die Furcht des Todes so heftig ängstiget! Wer ist aber Ursache, daß ich sterben muß, als Du? Du gottloser Sünder bringst mich um mein Leben, du bist mein Mörder! Hättest du nicht so gehandelt, so wäre ich nimmer in solches Leid gekommen; weil du aber meinen Vater so schwer beleidigt und erzürnet hast, darum muß ich jetzt ohne Gnade sterben. Wie willst du es in deinem ganzen Leben abbüßen können, daß du mich so unschuldig um mein Leben bringst, und der Welt so viel Schaden zufügst, weil ich sobald von ihr scheiden muß? Gebet. O Herr Jesu Christe! vor Schrecken weiß ich nicht 254 Das siebente Gärtlein. was ich dir antworten soll. Ich habe nimmermehr geglaubt, daß meine Sünden solche Bosheit in sich hätten; allein ich sehe nun ein, daß dieselben an deinem Tode Schuld sind. Weh' mir Unglücklichen! ich bin ein Gottesmörder, weil ich meinen Herrn und Gott um's Leben gebracht habe. Ich bin ärger, als der Brudermörder Kain; denn ich habe den Eingebornen Sohn des ewigen Vaters tödten helfen. Gleichwohl kann ich nicht verzweifeln, wie Kain, sondern ich will bei dem Gnade erflehen, dessen Tod ich veranlaßte! O gütigster Jesu! ich bekenne meine Schuld und bitte demüthigst um Gnade. Gedenk, o Heiland! daß du mir zu Liebe in solche Todesangst gekommen bist, und lasse sie deshalb an mir nicht verloren sein. Ich verspreche dir, daß ich all mein Leben keine Todsünde mehr begehen will, wenn nur du mir deine Gnade dazu verleihest.. A. 3. Ueber die zweite Ursache der Traurigkeit Jesu. Die zweite Ursache waren die vielfältigen schweren Sünden, welche vom Anfange der Welt begangen worden sind, und noch bis zum Ende derselben begangen werden. Alle diese Sünden stellten sich Christo zugleich vor Augen, und er erkannte sie viel besser, als je ein Mensch dieselben erkannt hat. Wie abscheulich meinst du aber, daß eine Sünde sei? Die h. Katharina von Genua pflegte zu sagen, daß, wenn es möglich wäre, einen Menschen zu sehen, welcher von Gott verlassen und seiner Gnade beraubt ist, man von diesem Anblicke zuverlässig sterben müßte. Ja nicht bloß der Anblick würde dieses bewirken, sondern schon die Nachricht, daß ein solcher Mensch kommen werde, würde tödtlich sein. Es gibt kein so giftiges Thier, keinen. ſo übelriechenden Pfuhl, keine so abscheuliche Sache, als die kleinste, so wenig geachtete Todsünde; ja, wenn Alles, was dem Menschen Ekel und Abschen. einflößt, in einer einzigen Kröte oder Schlange vereint wäre, so würde ein solches Ungethüm dennoch eine Schönheit im Vergleich mit einer Todsünde sein. Wenn nun schon eine einzige Lob sünde so abscheulich ist, wie muß demnach dem lieben Heilande zu Muthe gewesen sein, als er die Abscheulichkeit Betrachtungen vom Leiden Christi. 255 aller Todsünden und jeder einzelnen, welche schon geschehen waren und noch jemals geschehen würden, mit einem Male vor Augen sah? Ja Christus sah diese häßlichen Sünden nicht blos vor sich stehen, sondern Er mußte sie auch sogar auf sich nehmen; darum kam es ihm nicht anders vor, als ob er sich in den unreinsten Ort der Welt begeben, oder das schmutzigste Kleid anziehen müßte. Weil er nun die Reinigkeit allezeit so sehr geliebt hatte, war es ihm bitterer, als der Tod, sich so zu besudeln. Dieser Abscheu der Seele Christi war so groß, daß es unmöglich ist, den kleinsten Theil davon zu beschreiben. Nebst dem sah Christus nicht allein die Abscheulichkeit Der Sünden, sondern auch die unendliche Schmach, welche seinem himmlischen Vater dadurch zugefügt wurde. War schon der Gräuel der Sünden an und für sich groß, so war das Entsetzen Christi wegen dieser unendlichen Schmach noch viel größer. Die Theologen sagen, daß, wenn ein Mensch die Schwere der geringsten Todsünde vollkommen erkennen würde, und begriffe, wie sehr durch dieselbe die göttliche Majestät beleidigt wird, so müßte er sich am ganzen Leibe darüber so entsetzen, daß er des bittersten Todes sterben müßte. Wenn nun schon einem Menschen solches widerführe, der nur die Schwere und Schmach einer einzigen Todsünde erkännte, was muß erst Christus geſchehen sein, welcher alle Schmach und Unbilden, die seinem himmlischen Vater durch alle Sünden zugefügt worden sind, auf Einmal fah, und zwar auf unendlich klarere Weise, als je ein Mensch es vermag. Hiezu kommt noch die unendliche Liebe, welche der Sohn Gottes zu seinem Vater trug, und der höchste Eifer, der ihn beseelte, die Ehre Gottes zu beschüßzen. Je mehr wir Jemanden lieben, desto mehr schmerzt es uns, wenn ihm etwas Uebels widerfährt. Weil nun Christus seinen Vater mit unendlicher Liebe liebte, darum betrübten ihn auch die Sünden der Welt bis zum Tode. Deshalb stelle dir vor, als ob dich Christus selbst anredete und zu dir spräche Overstockter Sünder! bedenke, welch ein großes Uebel die Sünde sei, da auch die bloße Vorstellung einer einzigen 256 Das siebente Gärtlein. Todsünde mich tausendmal getödtet haben würde, wenn nicht die Gottheit mein Herz durch ein Wunder erhalten hätte. Was ich dadurch gelitten habe, das läßt sich nicht mit Worten aussprechen, und so groß die Bein meiner Kreuzigung war, so war doch der Abscheu, den ich vor den Sünden hatte, noch viel heftiger, und nur die Gottheit erhielt mein Herz, daß es nicht diesem Schmerze unterlag. Und du, o Sünder! fühlest keine Reue über deine Sünden, und gehst so gleichgültig zur Beichte? Gebet. O Jesu Christe! ist es möglich, daß die Todsünde so verderblich ist, daß schon ihre Vorstellung allein den Menschen tödten könnte! Wer sollte also die Sünde nicht haffen und sie mehr, als den höllischen Feind fliehen? Wehe meiner armen Seele! daß ich so viele hundert, ja tausend Sünden begangen habe. mein Gott; was habe ich gethan, wo hatte ich meinen Verstand, als ich in die Sünde einwilligte? O was gäbe ich jetzt darum, wenn es nicht geschehen wäre! Wollte Gott! daß ich von dieser Stunde an bis zum letzten Augenblicke meines Lebens in der schwersten Krankheit liegen könnte, um nur meine Sünden ungeschehen zu machen! O mein Herr und Heiland! wie ist es mir so leid, daß ich dein göttliches Herz so gequält habe! O theile mir nur den kleinsten Theil von der Neue mit, die du über meine Sünden gehabt haft; gib mir nur, so viel ich zu ertragen vermag, von deinem Abschen über die Sünden, damit ich dieselben wahrhaft bereuen möge! Anstatt der Neue, die mir noch fehlt opfere ich dir jene Neue auf, welche du am Delberge für meine und aller Welt Sünden gehabt hast. Amen. 4. Ueber die dritte Ursache der Traurigkeit Jesu. Die dritte Ursache war die Undankbarkeit der Menschen, welche sie ihm für seine Leiden erweisen würden. Man weiß, wie schmerzlich es fällt, wenn man Jemanden alles Gute erwiesen und um seinetwillen Vieles gelitten hat und statt des Dankes nur Undank und Hohn empfängt Nun bedenke, wie deinem Erlöser am Delberge um's Her Betrachtungen vom Seiden Chrifti. 257 gewesen sei. Er trug solche Liebe zu allen Menschen, daß Cr bereit war, für Alle zu sterben. Er litt auch seine Leiden auf solche Weise, als wenn Er für jeden Einzelnen besonders leiden müßte. Denn gleichwie Er auch jetzt zugleich für die ganze Welt und für jeden Menschen, als ob dieser allein in der Welt wäre, Sorge trägt, so litt Er auch damals für Alle miteinander und für jeden Einzelnen insbesondere. Darum wünschte er nichts fehnlicher, als daß alle Menschen seines Leidens theilhaftig würden. Da Er aber durch seine Gottheit vorhersah, wie so viele tausend und tausend Menschen eben so sehr, als ob Er gar nicht gelitten hätte, würden verdammt werden und an seinem Leiden keinen Theil haben; deshalb betrübte Er sich so heftig, daß Er vor Mitleiden über die Unglückseligen beinahe gestorben wäre. So viele Seelen Er verdammt werden sah, eben so viele Wunden empfing sein liebevolles Herz. Er mußte vorhersehen, daß so viele hunderttausend kostbare Seelen, deren jede theuer erkauft und mehr werth war, als Himmel und Erde, ewig verloren gehen würden. Wenn uns nun der Verlust einer kostbaren Sache so sehr betrübt, wie unendlich muß sich sohin Christus über den Verlust so vieler unschäßbaren Seelen betrübt haben? Als der Heiland ferner sah, wie wenige Menschen sich sein bi teres Leben zu Herzen nehmen und mit ihm wahres Mitleiden tragen, ja daß Manche darüber sogar spotten würden, wie meinst du wohl, daß ihn dies geschmerzt habe? Als Er endlich sah, wie unzählige Todsünden begangen werden würden, durch welche Er wieder auf's neue gekreuziget werden, und die Seelen, die Er mit seinem Blute abgewaschen, wieder auf's neue verunreinigt werden würden, da empfand Er so unendlichen Schmerz, daß, wenn Er tausend Herzen gehabt hätte, alle hätten zerspringen müssen. Denn so viele Todsünden geschahen, so viele Schlangen nagten an seinem Herzen und vergifteten ihm daſselbe. Lieber wäre es ihm gewesen, wenn alle Sünder zu ihm gekommen wären, und ihm sein Herz durchbohrt hätten, wenn er nur dadurch hätte ihre Sünden verhindern können. Dieſe Gedanken machten ihn so schwach, daß Er Myrrhengarten III. 23. Aufl. 17 258 Das siebente Gärtlein. beinahe in Ohnmacht sank. Stelle dir vor, es spräche dein Heiland in diesem Augenblicke zu dir: O Sünder! beherzige, was ich leide, und sieh, ob es einen Schmerz gibt, wie mein Schmerz ist. Beherzige, welche Leiden du mir verursachest; sieh, wie du mich bis zum Tode peinigest! Habe ich das um dich verdient? Wie kannst du also noch ferner eine Sünde begehen, da du weißt, wie bitter und schmerzlich sie mir ist? O so laß ab, mein Herz zu verwunden! Diese Klage des leidenden Heilandes soll jeder Sünder hören, wofern er will, daß auch Gott einst sein Gebet erhöre; darum erwecke aus allen Kräften eine Herzliche Neue über die begangenen Sünden. O allerbarmherzigster, gütigster Jesus! vor dem Ange fichte deiner göttlichen Majestät falle ich auf meine Kniee, und mit reumüthigem Herzen bekenne ich, daß ich dich schwerer beleidigt habe, als ich mit Worten auszusprechen oder in Gedanken zu fassen vermag. Denn ich weiß und glaube, daß ich durch meine Sünden dir eine unendliche Schmach zugefügt und dich auf's höchste verunehrt und beleidigt habe. Ich bin überzeugt, daß dir am Delberge meine Sünden bitterer vorgekommen sind, als der Tod selbst, und daß du lieber eben so oft gestorben wärest, als ich gesündigt habe. O mein Herr und Gott! was habe ich gethan, wie habe ich dich beleidigt! was gäbe ich jetzt darum, wenn es nicht geschehen wäre, und wie ist es mit so leid, daß ich dein Herz so verwundet habe! Könnte ich doch jene Reue haben, die du am Delberge in deinem Herzen fühltest! Weil aber dieses unmöglich ist, opfer ich dir dieselbe statt meiner Reue auf, und bitte dich, d wollest dich mit derselben begnügen und meinen gute Willen für das Werk annehmen. Amen. 5. Wie Christus im Delgarten betete. Der Ort, wo Christus betete, ist eine tiefe Höhle an Fuße des Delberges in einem Felsen, acht und dreißig Spannen lang und acht und zwanzig breit, zu welcher man durch eine enge und niedrige Thür drei Stufen hinunter Betrachtungen vom Leiden Christi. 259 geht. Diese Höhle hat kein anderes Licht, als durch eine Deffnung. In dem Eingange zur linken Seite, wo Christus Blut schwiste, ist ein Altar aufgerichtet, vor welchem im Boden zwei Vertiefungen sind, welche Christus mit seinen Knieen in den harten Felsen eindrückte. So gehe denn hin, o mitleidige Seele! mit deinem Erlöser in diese heil. Höhle, und sieh Wunder, wie demüthig, andächtig und zum Erbarmen Er seinem Vater seine Noth flagt. 11 Als Chriftus eine gute Weile in höchster Traurigkeit bei seinen drei Jüngern gestanden war, sprach Er endlich zu ihnen: Setzet euch hier nieder, und wachet, während ich dorthin gehe und bete. Und Er ging hin, etwa vier und vierzig Schritte gegen den Delberg hinauf, in die Höhle hinein. Der h. Matthäus schreibt hievon. Er ging ein wenig vorwärts, fiel auf sein Angesicht, betete und sprach: Mein Vater! wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch vor mir vorüber: doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst." D frommer Christ! hast du in deinem Leben ein demüthigeres Gebet gehört? Siehe, der Sohn Gottes, welcher dem Vater gleich ist, demüthigt sich vor ihm so sehr, daß Er nicht allein auf seine Knie fällt, sondern sich sogar mit dem Angesichte und dem ganzen h. Leibe zur Erde niederwirft, als wollte Er sich vor seinem Vater bis in den Abgrund erniedrigen. Diese äußerliche Demüthigung des Leibes, war mit der tiefsten Erniedrigung der Seele also vereinigt, daß Christus sich vor dem Vater so sehr verdemüthigte, als wenn Er das geringste Geschöpf der Welt wäre. Ja, Er versentte sich in den Abgrund seiner Nichtigkeit, und so betete Er den Vater an. Nach dieser tiefsten Demuth, Ehrfurcht und Anbetung begann Er vertrauensvoll seine Bitte vorzutragen, indem Er sprach: Mein Vater( Abba)! Es gibt kein vertraulicheres Wort auf Erden, als wenn man sagt: Mein Vater! Denn die Natur des Vaters gegen sein Kind ist von der Art, daß, wenn das Kind seinen Vater in der Noth anruft, es unmöglich ist, daß das väterliche Herz nicht bewegt werde. Darum sprach das geliebte Kind des liebreichsten Vaters, auf seinem Angesichte liegend, in höchster Angst der Seele unzählige Male:„ Abba! mein Vater! mein liebster Bater! 17* 260 Das siebente Gärtlein. ach sieh doch an dein armes Kind in dieser seiner äußersten Noth, erzeige mir, deinem Einzigen Sohne, deine väterliche Liebe, und laß dein Herz durch mein großes Elend erweichen! Abba! mein Vater! alle Dinge sind dir ja möglich; daher kannst du auch diesen Leidensfelch von mir nehmen!" O getreue Eltern! wenn ihr ein so liebes Kind hättet, das unversehens in einen Brunnen gefallen wäre, und am Rande des Wassers sich erhaltend, in seiner äußersten Todesgefahr euch mit obigen Worten anriefe, ſolltet ihr es wohl über das Herz bringen können, ihm nicht zu Hülfe zu kommen? Ich glaube, ihr ließet lieber euer Haus, wenn es in Flammen stände, zurück, ehe ihr euer Kind versäumtet. Wie kömmt es also, o mildester Vater! daß du deinem Sohne in seinem so großen Leiden nicht zu Hülfe kömmst? Ist doch dein väterliches Herz unendlich mehr deinem Kinde zugethan, als alle Herzen der Eltern, und dennoch überLäffest du deinen Eingebornen Sohn seinem Elend, und gibst ihm nicht einmal eine Antwort. Hier bilde dir ein, als ob Gott der Vater zu dir spräche: O liebe Seele! meinst du denn, der Jammer meines Kindes sollte mich nicht erweichen? Glaube mir, als ich meinen Sohn in solcher Demuth vor mir liegen sah, und so er bärmlich zu mir rufen hörte, wurde mein väterliches Herz zum höchsten Mitleiden erweicht. Willst du aber wissen, warum ich ihn nicht erhört habe? Ich antworte dir, daß es um deiner selbst willen geschah, damit du vom ewigen Tode erlöset würdest; was außerdem nicht der Fall ge wesen wäre, wenn ich der Stimme des Mitleids Gehör gegeben hätte. Daraus erkenne, wie sehr ich dich geliebt habe; ja ich liebe dich so sehr, daß, wenn es nothwendig wäre, ich meinen Sohn noch einmal für dich hingeben würde. Also liebe ich dich; allein- wie liebest du mich? was gibst du für mich? Gebet. O barmherziger, himmlischer Vater! wer kann sich über deine Liebe genug wundern? Solche Liebe ist von Ewig keit nicht erhört worden und wird nimmermehr erhört werden. Liebst du denn mich geringes, armseliges Geschöpf Betrachtungen vom Leiden Christi. 261 mehr, als deinen eigenen Sohn, und willst lieber ihn eines so bittern Todes sterben sehen, als mich ewig verderben? O unbegreifliche Liebe, was habe ich dir zu Liebe gethan, oder was kannst du von mir hoffen, daß du mich also liebest? Jch habe dir nur Böses gethan; und dennoch liebest du mich, als ob ich dein bester Freund wäre. O Bater! ich kann dir diese Liebe nicht besser vergelten, als eben dadurch, daß ich mich dir hingebe, wie du deinen Sohn hingegeben hast. Sieh, o Bater, ich opfere mich dir mit Leib und Seele; mache mit mir, was dir beliebt in Zeit und Ewigkeit! 6. Wie Christus Blut schwiste. Andächtige Seele! wir kommen jest zu einem Geheimnisse, vor dessen Anhörung man erschrecken muß. Blut schwißen ist etwas so entsetzliches, daß man bis auf Chriſtus nichts davon wußte. Wenn wir von dem ganzen Leiden Christi nicht mehr wüßten, als nur allein Dieses, so könnten wir schon die Bitterfeit desselben bemessen, weil der Heiland schon in Erinnerung dessen, was er erdulden sollte, blutigen Schweiß vergoß. Wie mag doch der Heiland hiezu gekommen sein? Höre und erschrecke! In den drei Stunden, da Chriftus am Delberge betete, hatten immer die Liebe zu dem menschlichen Heile und die Furcht vor den bevorstehenden Martern mit einander gekämpft, und keines wollte dem andern weichen. Die Liebe wollte den Tod annehmen, die Furcht aber sträubte sich dagegen. Dieser Streit hatte nun drei volle Stunden gewährt und wurde immer heftiger. Als endlich die Zeit abgelaufen war, und der Vater nun wollte, Christus sollte endlich einmal den Tod oder das Leben erwählen, da wendeten beide Theile ihr Neußerstes an, den Sieg zu erringen. Die Furcht und Empfindlichkeit in Christus stellten ihm vor, es wäre tausendmal besser, daß alle Menschen zu Grunde gingen, als daß Er stürbe, weil nämlich sein Leben unendlich mehr werth sei, als das Leben aller Geschöpfe. Sie stellten ihm auch vor, wie es unmöglich sei, daß Er einen so bittern und schmachvollen Tod und so unaussprechliche Qualen ertragen könne. Obschon 262 Das siebente Gärtlein. Er dies Alles leiden würde, so würde Er gleichwohl nur geringen Dank davon haben; ja viele Menschen würden sein bitteres Leiden sogar verwünschen, und sich dadurch nur um so tiefer in die Verdammniß stürzen. Diese und noch viel stärkere Ursachen stellte ihm die Sinnlichkeit vor Augen, um ihn zu bewegen, den Tod nicht anzunehmen. Hingegen bewies ihm die Vernunft, wie nützlich es sei, wenn er sich dem Tode unterziehen und für das mensch liche Geschlecht leiden werde; wie nämlich so viele tausend Seelen dadurch erlös't, und alle Menschen ihm dafür danken würden; wie viele Ehre Er erlangen, wie viele Freude Er den Altvätern verursachen, und welch' glorreiche Auferstehung ihm der Vater verleihen werde! Durch solche Gründe suchte die Vernunft Christum zu bewegen, daß Er den Tod annähme. Daher entstand ein unaussprechlicher Streit zwischen der Liebe und der Furcht, und in diesem heftigen Kampfe wurde sein armes Herz so geängstigt, daß es erbebte und alles Blut aus den Adern zum Herzen sich zurückdrängte; weshalb Er am ganzen Leibe erblaßte und an allen Gliedern zitterte. Endlich nach langem und schwerem Kampfe siegte die Liebe, und Christus that seiner Empfindlichkeit solche Gewalt an, daß es nicht zu beschreiben ist. Die Liebe vertrieb die Furcht von dem Herzen Christi mit solcher Gewalt, als wenn sie mit einem Hammer auf das Herz schlüge, und es in zwei Theile zerspaltete. Dadurch geschah es, daß alles Blut, das sich im Herzen gesammelt hatte, mit solcher Gewalt in die äußern Glieder zurückgetrieben wurde, daß es zu allen Schweißlöchern reichlich herausdrang und über das Angesicht und den Leib so häufig herabrann, daß die Erde davon benäßt und geröthet wurde; wie denn auch der h. Lukas sagt:„ Als ihn Todesangst befiel, betete Er länger und sein Schweiß war wie Tropfen Blutes, das auf die Erde herabrann." O schrecklicher Streit! o unaussprechliche Angst! welch' eine bittere Noth muß es doch gewesen sein, daß der Heiland nicht allein Blut schwitzte, sondern in solcher Menge, daß die Erde davon gefärbt wurde! Wenn Er auch nur einen einzigen Tropfen vergossen hätte, wäre es Betrachtungen vom Leiden Christi. 263 gewiß ein Zeichen großer Angst gewesen; wie man auch von Einigen lies't, daß sie in unmittelbarer Nähe des Todes ein paar Blutstropfen geschwißt haben. Wenn es nun so ist, o Gott! welch' eine erschreckliche Angst wird nicht unser Erlöser an Leib und Seele ausgestanden haben, da Er so viele blutige Schweißtropfen vergoß! O unbegreifliches Wunder, unaussprechliches Elend! Es ist auch zu glauben, daß Christus nicht allein Blut geschwißt, sondern auch Blut geweint habe; wie wir von der heil. Margaretha von Cortona und andern Heiligen in ihr n Legenden lesen, daß sie in Beherzigung des Leidens Christi blutige Zähren geweint haben; zumal es leicht anzunehmen ist, daß, wenn das Blut durch die Poren ausdrang, es auch aus den Augen geflossen und mit den Thränen sich vermischt haben werde. Gebet. Jesu Christe, wie konnte es doch möglich sein, daß du so vielen blutigen Schweiß aus lauter Angst vergoffeft? Ist es doch schon ein Zeichen des heftigen Todestampfes, wenn dem Sterbenden der kalte Schweiß ausbricht. Wenn du nur etliche Blutstropfen geschwitzt hättest und nur dein Angesicht davon geröthet worden wäre, so hätten alle Menschen dies für eine Sache, die die Kräfte der Natur übersteigt, gehalten. Nun hast du aber nicht blos einige Blutstropfen und zwar im Angesichte vergoffen, sondern dein ganzer Leib wurde mit Blut überonnen und bedeckt, so daß deine wollenen Kleider dasselbe nicht in sich faffen konnten, und das Blut zur Erde niederfloß und den Boden benäßte. Gott im Himmel, welche Angst mußt du doch ausgestanden und welche Qualen an Leib und Seele erduldet haben! Ihr Engel, entsetzet euch hierüber! Ihr Menschenkinder, erstarret an Leib und Seele! Sollen wir nicht blutige Thränen über unsere Sünden weinen, welche dem edelsten Sohne Gottes solchen blutigen Angstschweiß ausgetrieben haben? Overstockter Sünder! könntest du deine Sünden erkennen, wie Jesus sie erkannte, du würdest nicht allein. blutige Zähren weinen, sondern vor Leid krank werden. 264 Das siebente Gärtlein. Sagen doch die Gottesgelehrten, wenn ein Mensch die Schwere und Wichtigkeit der geringsten Todsünde vollkommen erkennen und begreifen könnte, wie höchlich die göttliche Majestät dadurch beleidigt werde, so würde keine Ader am Leibe sein, welche nicht zerspränge, ja der Mensch müßte am ganzen Leibe schwißen und von übergroßer Reue und Betrübniß plößlich sterben. D welch eine entseßliche Sache, welche unaussprechliche Bosheit ist die Sünde! O Sünde, wer sollte dich nicht hassen, und dich als das schrecklichste Uebel nicht fliehen! 7. Judas kommt, um Jesum zu fangen. Sobald Judas aus dem Saale gegangen war, lief er eiligst in das Haus des Kaiphas, und sagte dem Hohene priester, wie jetzt die beste Zeit wäre, Christum zu fangen. Kaiphas schickte sogleich nach den vornehmsten Herren, und zeigte ihnen die bsicht des Judas an. Die Herren aber sagten: Es dünkt uns nicht räthlich zu sein, dies an dem Osterfeste zu thun; denn man würde dadurch nicht allein das hohe Fest entheiligen, sondern auch großen Aufruhr unter dem Volke erregen. Da sprach Judas: Ihr sagt wohl recht; allein ihr müßt wissen, daß man nicht allezeit seiner habhaft werden kann. Wenn ihr ihn nicht diese Nacht fangen wollet, so kann ich ihn euch nicht mit Ge wißheit überliefern. Denn schon wage ich nicht mehr in seine Gesellschaft zu gehen, weil Er diesen Abend bereits so Vieles von mir gesagt hat, daß ich mich alle Augenblicke fürchte, die Jünger möchten mich erkennen und mir den Tod anthun. Als die Priester dieses vernahmen, gaben sie sich zu frieden, daß man Christum gefangen nähme; jedoch sollte nach Möglichkeit aller Tumult vermieden werden. Sie schickten alsbald zu den Priestern, Pharisäern, Schriftgelehrten und Aeltesten und ließen ihnen befehlen, sie sollten sogleich ihre Diener und Knechte bewaffnet senden: die aber keine andere Waffen hätten, sollten sich mit Prügeln versehen: denn es sei jetzt die beste Gelegen heit, den Galiläer zu fangen. So kamen in kurzer Zeit etliche hundert Mann zusammen, und alle Menschen wunderten Betrachtungen vom Leiden Christi. 265 sich, was doch dieses zu bedeuten habe, daß man an dem h. Osterabende, wo alle Menschen in größter Andacht und Freude das Osterlamm aßen, so über die Straße laufe. Als Alle beisammen waren, sagte Judas, sie sollten etliche Stricke mitnehmen, ihn zu binden. Auch wollte er, daß sie alle wohl gerüstet seien, wenn etwa das Volk den Herrn befreien wollte, und daß man viele Fackeln und Laternen mitnehme, um ihn in der Nacht suchen zu können. Ehe sie fortgingen, befahl Kaiphas den Dienern und Soldaten, daß sie dem Judas Gehorsam leisten und Alles thun sollten, was er ihnen befehlen würde. Als nun die Mitternacht nahe war, und man vermuthete, daß alle Leute schlafen würden, machte sich die unselige Rotte auf den Weg, den ewigen Gott gefangen zu nehmen: Judas ging voran, neben ihm gingen etliche Oberste der Priester und Tempelvorsteher, dann folgte die ganze Schaar. So führte er sie zur Pforte hinaus nach dem Delberg, und unterwegs sprach er zu ihnen: Den ich küssen werde, der ist's, den ergreifet und führet ihn behutsam, damit er euch nicht entgehe, denn ihr wisset gar wohl, wie oft er eueren Händen entkam. Die Juden sprachen: Wenn wir ihn nur erst haben, wollen wir ihn gewiß fest genug binden, daß er uns nicht entgehen soll, er müßte denn mit Zaubergewalt unsern Händen entrinnen. Solche Reden führten sie unterwegs, und die Teufel, welche in ihren Herzen saßen, setzten sie in solche, Wuth, daß sie eher wilden Thieren, als vernünftigen Menschen glichen. O wie muß dem lieben Jesus zu Muthe gewesen sein, als er diese grimmige Rotte kommen sah! Er war schon von Herzen bereit, den Tod zu leiden; gleichwohl aber war Er ein Mensch, wie wir, und so ging es ihm, wie uns in ähnlichem Falle. Als Er daher das viele Volk von der Stadt herauskommen sah, überlief ihn falter Schauer, seine Haare sträubten sich, und das Herz schlug mächtig vor Angst, zumal Er sah, daß sie nicht allein, sondern von den Teufeln begleitet seien, denn jeder von ihnen hatte einen Teufel im Herzen, der ihn zum giftigen Hasse antrieb. Dennoch als die gottlose Hotte näher kam, weckte Er seine schlafenden Jünger, indem Er sprach:„ Stehet auf, 266 Das siebente Gärtlein. und lasset uns gehen; siehe, der mich verrathen wird, nahet fich;" und ging mit ihnen 215 Schritte weit von der Stelle, wo Er vorher gebetet hatte, ihr entgegen, wie der h. Johannes schreibt:" Jesus, der Alles wußte, was über ihn kommen sollte, trat hervor." O unaussprechliche Liebe! wie hast du meinen Geliebten so ganz eingenommen, daß Er mit mehr Freuden zum Leiden geht, als ich zum eitlen Wohlleben! O mein hartes Herz! warum liebst du doch nicht deinen Jesus, der dich so herzlich liebt, da du doch gegen Andere, welche dich lieben, so leicht zur Gegenliebe hingezogen wirst? Als die Rotte vor ihm stand, sprach Jesus, wie Jo hannes weiter berichtet;, Wen suchet ihr?" Sie antworteten ihm: Jesum von Nazareth." Jesus sprach zu ihnen: Ich bin es." Es stand aber auch Judas, der ihn verrieth, bei ihnen. Als Er zu ihnen sprach: Ich bin es; da wichen sie zurück und fielen zu Boden. Da fragte Er sie wiederum: Wen suchet ihr?" Sie aber sprachen: Jesum von Nazareth." Jesus anwortete: Ich habe es euch gejagt, daß ich es bin; wenn ihr also mich suchet, so lasset diese gehen." Damit' das Wort erfüllt würde, was er gesprochen hatte: Die du mir gegeben hast, keinen von ihnen habe Ich verloren. Da trat Judas, wie die Evangelisten Matthäus, Markus und Lucas weiter erzählen, rasch heran und sprach:„ Sei gegrüßet, Meister! Und er küßte ihn. Jesus aber sprach zu ihm:„ Freund, wozu bist du ge kommen? Judas, mit einem Kusse verräthst du den Menschensohn?" Als aber die, welche um ihn waren, sahen, was geschehen sollte, sprachen sie zu ihm: Herr! sollen wir mit dem Schwerte drein schlagen?" Petrus aber zog das Schwert, das er hatte; schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Des Name des Knechtes war Malchus. Da sprach Jesus zu Petrus: Stecke dein Schwert in die Scheide. denn Alle, die das Schwert ergreifen, werden durchs Schwert umkommen. Soll ich den Kelch, den der Vater mir gegeben, nicht trinken? Oder meinst du, daß ich meinen Vater nicht bitten könnte? Er würde mir jest Simon Betrachtungen vom Leiden Christi. 267 mehr als 12 Legionen*) Engel zuschicken. Wie würde aber dann die Schrift erfüllt werden, daß es so geschehen müsse." Zu den Uebrigen sprach Er: Laffet ab, nicht weiter!" Und er rührte das Ohr des Matchus an, und heilte ihn. Zu denen aber, die zu ihm gekommen waren, zu den Hohenpriestern, zu den Tempel- Hauptleuten und Aeltesten sprach Jesus: Wie zu einem Mörder seid ihr ausge zogen mit Schwertern und Prügeln. Täglich war ich bei euch im Tempel, und ihr habt die Hände nicht gegen mich ausgestreckt; aber das ist eure Stunde und die Macht der Finsterniß." Da verließen ihn alle Jünger und flohen. Hier, o christliche Seele! verwundere dich über die unaussprechliche Liebe und Freundlichkeit Jesu, selbst gegen seinen ärgsten Feind, den schändlichen Verräther Judas, von dem er sich nicht allein küssen ließ, sondern den Er selbst, wie die Offenbarung der H. Brigitta sagt, freundlich sich neigend wieder füßte, und sprich folgendes Gebet zu Ehren der Liebe, womit Jesus selbst seinen Verräther so freundlich anredete und wieder füßte. Dallerfreundlichster Herr Jesu Christe! ich erinnere dich an jene große Liebe und Freundlichkeit, die du gegen deinen Verräther bewiesen hast. Du ließest dich nicht allein von ihm küssen, sondern küßtest ihn herzlich wieder. Owohl eine wunderbare Gnade und unaussprechliche Liebe! Was könnte wohl eine andächtige Seele Höheres wünschen, als einen Kuß von den liebevollsten Lippen Jesu Christi! wie viele fromme und heilige Seelen hätten nach dieſer Huld verlangt, und du hast ihnen dieselbe nicht gewährt; deinem Feinde aber, dem falschen, treulosen Judas, hast du denselben gegeben! Gewiß ein unverkennbares Zeichen, wie groß deine Begierde war, diesen Sünder dem Satan zu entreißen und seine Seele wieder zu Gnaden zu bringen. Gott! wenn ich mich mit Judas vergleiche, entsetzt sich mein Gemüth und erschrickt mein hartes Herz. Wie lange hast du auch mit mir Geduld gehabt, wie oft hast du mich zu bekehren gesucht und auch mich gefragt: Freund, *) Eine römische Legion bestand aus 6000 Mann. 268 Das siebente Gärtlein, wozu bist du gekommen?" Gleichwohl habe ich dies Alles nicht geachtet und habe fortgesündigt! Sollte mir mein Herz nicht brechen, wenn ich gedenke, wie oft ich dir einen falschen Kuß gab, als ich mit Wissen und Willen unwürdig zur h. Communion ging? Sollte sich meine Seele nicht entsetzen, wenn ich gedenke, wie ich dich in das Herz aufnahm, in welchem der böse Feind durch die Sünde wohnte? O Schmach und Schande, welche ein Mensch seinem Gott anthut! Wie ist es möglich gewesen, daß du dies hast dulden können? Durch diese deine große Geduld bitte ich dich, bekehre doch endlich einmal mein Herz zu dir, und errette mich vom Satan, der mich bisher in seiner Gewalt hatte. Hast du dem Verräther deinen Kuß nicht verweigert, o so versage ihn auch dem nicht, der mit Bußfertigkeit zu dir zurückkehrt und um deiner unendlichen Güte willen Gnade zu erlangen hofft. Amen. 8. Wie Christus gefangen genommen wurde. Bisher war Christus noch frei: nun aber fällt Er in fremde Hände, und zwar in die Hände seiner ärgsten Feinde, welche mehr den Teufeln als Menschen glichen, und ihn so grausam peinigten, daß jedes fromme christliche Herz darüber erschrecken muß. Als Christus noch mit Judas redete, fielen die Henkersknechte mit großem Ungestüm über ihn her: Einer greift ihn bei den Haaren, der Andere am Halse, ein Dritter an den Armen; und so wurde das unschuldige Lamm bald zu Boden geworfen, indem sie riefen: da liege nun, du Zauberer! du haft uns mit deinen Zauberkünften zu Boden geworfen; allein jetzt wollen wir dir vergelten. O christliche Seele! gedenke, wie diese rasen den Thiere mit Christus umgegangen, und ihn auf's Uebelste gepeinigt haben! O wer könnte erzählen, wie sie ihn geschlagen, getreten, herumgeriffen, verspieen, verwünscht und mißhandelt haben! Der H. Bonaventura sagt, daß die gottlose Rotte den lieben Heiland zu Boden gezogen und in die Höhe gerissen und wieder niedergeworfen habe, und. ohne alle Barmherzigkeit mit Füßen auf ihn trat, ihm auf den Leib kniete, mit Fäusten ins Angesicht schlug, und einen großen Theil der Haare und des Bartes ausriß. Betrachtungen vom Leiden Chrifti. 269 Hier lag der arme Jesus unter den Händen der grimmigen Löwen, und war schon so entstellt, daß man ihn kaum erkennen konnte. Seine Wangen waren zerkragt, sein Angesicht aufgeschwollen, seine Augen erblindet, sein Mund voll Blut, seine Arme und Beine zerschlagen, und sein ganzer Zeib mißhandelt. Wohl seufzte Er oft und rief im Herzen zu seinem Vater, und sprach: O gütigster Vater! sieh, wie es mir so übel ergeht, und wie unbarm herzig ich hier gepeinigt werde. Nimm auf, o Vater! alle diese Wunden und Streiche, welche ich dir für die Sünden der ganzen Welt zum Opfer darbringe. Gebet. Jesu! du sanftmüthiges Schäflein! wie kannst du doch dies Alles ertragen? Wie ist es möglich, daß du nicht ungeduldig wirst? Wenn mir von deinen erlittenen Unbilden nur der tausendste Theil widerführe, o wie würde ich da vor Zorn rasen und toben? Und hier! o Wunder! leidet Gott selbst unschuldig die höchste Schmach mit Geduld; und ich boshafter Mensch will nicht einmal ein einziges Wort um Gottes willen ertragen? O Jeſu, ich schäme mich dieser meiner Ungeduld, und bitte dich, verzeih mir, daß ich dich dadurch so oft beleidigt habe. Ich nehme mich vor, fortan geduldiger zu sein, und mit Hülfe deiner Gnade die mir zugefügten Unbilden willig zu ertragen. Amen. 9. Wie Christus zu Annas geführt wurde. Wenn ein Christ bedenkt, wie sein Heiland so erbärmlich von dem Delberge in das Haus des Annas geführt worden jei, so muß er billig von ganzem Herzen sich betrüben. Denn der liebe Heiland hat auf diesem ganzen Wege so viel gelitten, daß sich selbst die Steine hätten über ihn erbarmen mögen. Dieser Weg wird noch heutzutage in großen Ehren gehalten, und gewöhnlich der Weg der Gefangennehmung genannt. Von dem Orte, wo Christus gefangen wurde, bis zu des Annas Haus sind zweitausend dreihundert und sechszig Schritte, so daß man eine gute halbe Stunde zu gehen hat. Diesen weiten, steinigen 270 Das siebente Gärtlein. und unebenen Weg legte der gefangene Heiland mit bloßen Füßen zurück, und färbte den Boden an vielen Stellen mit seinem h. Blute. Denn als die Soldaten ihn hart gebunden hatten, führten sie ihn mit großem Ungestüm den Delberg hinab. Voran gingen die Fackelträger, dann kamen die Schergen, welche das geduldige Lamm führten, ihnen folgten die Obersten der Priester, die Mitglieder des hohen Rathes und die Aeltesten des Volkes. Dies war der Aufzug, in welchem der höchste Gott als ein Gefangener des Satans geführt wurde. Wie sie aber den lieben Herrn führten, magst du dir leicht vorstellen. O wer könnte erzählen, wie schmählich und grausam sie den Herrn behandelten? Man weiß aus einer zuverlässigen Offenbarung, daß Christus auf diesem Wege wegen des Ungestüms seiner Führer sieben mal zu Boden gefallen sei und sich gar schmerzlich verletzt habe. O armer Jesus! wie sauer wurde dir dieser Gang, und wie viele Marter und Schmerzen hast du gelitten, welche uns Menschen unbekannt sind! Ich sage dir Dant für Alles, was du auf diesem Wege ausgestanden haft, und opfere es dir auf zur Verzeihung meiner Sünden. Als nun die Juden mit ihrem Gefangenen zum Bache Cedron kamen, thaten sie ihm so großen Schimpf an, daß man es ohne Mitleiden nicht hören kann. Denn da der arme Jesus mitten auf der hohen steinernen Brücke war, stießen sie ihn auf teuflische Eingebung mit solchem Grimme in den Bach hinunter, daß er ohne ein göttliches Wunder sich das Haupt hätte zerschmettern müssen; denn im Hinabfallen lös'ten sich die Bande von seinen Händen, und Er konnte sie vor sein Haupt halten, um sich zu retten. Hier lag nun der unendliche Gott von dem Falle so zerknirscht, daß er vor Schmerzen nicht aufstehen konnte. Hier lag der Eingeborne Sohn Gottes, und rief kläglich mit den Worten des Psalmisten zu seinem Vater: Hilf mir, o Gott! denn die Wasser sind gedrungen bis an meine Seele!" Hier lag der arme Christus, und erfüllte die Verheißung des königlichen Propheten:„ Aus dem Betrachtungen vom Leiden Chrifti. 271. Bache an dem Wege wird Er trinken, darum wird Er emporheben das Haupt." Hier lag mein liebster Jesus zum Gespötte der Menschen und zur Verachtung aller Anwesenden; denn die ganze Schaar, als sie dieses schreck liche Schauspiel sah, stieß ein so schändliches Hohngelächter aus, daß man es bis in die Stadt hören konnte. Es war keiner, der ihm diesen Schimpf nicht von Herzen gönnte und seine Schmach nicht vermehren half. Gebet. O mein getreuester Erlöser! ich bitte dich durch dieſen deinen schmerzlichen Fall in den Bach Cedron, verzeih mir, daß ich so oft in die Sünde gefallen bin und mir freventlich die Verdammniß zugezogen habe. Durch die Verdienſte dieses Falles hebe mich gefallenen Sünder wieder auf, und bewahre mich durch deine Gnade vor dem Rückfalle in die Sünde. Amen. 10. Wie Christus, von Annas gefragt, antwortet und den grausamen Backenstreich empfängt. Als nun die grimmige Schaar nach Mitternacht in des Annas Haus kam, und der alte Bösewicht sich schon zur Ruhe begeben hatte, da banden unterdessen die Henker den gütigen Herrn an einen Delbaum, der im Hofe stand, und trieben allerlei Muthwillen mit ihm. Dieser Delbaum steht noch heutigen Tages rechts von der Kapelle, die dort erbauet ist und wird von allen Menschen in Ehren gehalten. Die Pilger verrichten ihr Gebet unter demselben und nehmen ein Stücklein von seinem Holze als ein Heiligthum mit sich. Als nun dieser alte Bösewicht Christus in solcher Gestalt sah, wurde sein giftiges Herz erfreut, weil er Gelegenheit hatte, seinem längst gefaßten Zorn freien Lauf zu lassen. Er sprach daher zu dem Herrn mit hochmüthigen Worten: Bist du nun hier, du Aufrührer? Du hast uns lange Trotz geboten, und geglaubt, wir würden dich nicht fangen können; aber nun wird deine Bosheit ein Ende nehmen, und wir wollen deine Hoffart schon demüthigen. 272 Das siebente Gärtlein. Alsdann fragte er ihn nach seinen Jüngern und um seine Lehre. Bedenke hier, wie diese hochmüthige Rede dem Herrn so wehe that; der Richter der Lebendigen und Todten mußte sich hier von einem so schnöden Richter beurtheilen lassen. Der ewige, gerechte Gott sollte hier vor dem ungerechten Menschen über sein Thun und Lassen Rede und Antwort geben. 11 Christus war zwar gebunden, doch war seine Zunge frei. Um daher seine Unschuld zu beweisen und zu zeigen, wie fälschlich man ihn solcher Dinge beschuldige, wollte Er sogar seine Feinde zu Zeugen anrufen. Darum sprach Er unerschrocken: Ich habe öffentlich vor der Welt geredet; ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammen kommen; und ich habe nichts im Verborgenen geredet. Was fragst du mich? Frage diejenigen, welche gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe; siehe, diese wissen, was ich gesagt habe." Als der Herr diese Worte gesprochen hatte, sprach einer der Diener zu ihm: Anwortest du also dem Hohenpriester? Bei diesen Worten hob er seine rechte Hand, welche mit einem eisernen Handschuh bekleidet war, und schlug den Herrn mit solchem Grimme in das Angesicht, daß Er zu Boden stürzte, und wie Vincentius Ferrerius sagt, die Zähne im Munde sich bewegten, das Blut aus Mund und Nase strömte, und die Wunde von diesem Schlage in seinem Angesichte blieb, wie man noch heutzutage in dem Schweiß tuche der h. Veronika, welches zu Rom aufbewahrt wird, ſehen kann. Hier bilde dir ein, als ob dein Heiland zu dir spräche: Mein Kind! siehe, was ich leide, und welche grausame Schmach mir widerfährt. Siehe, wie ich auf dem Boden liege und das Blut mir aus Mund und Nase strömt. Mein Angesicht ist geschwollen, meine Wangen sind blau und die Zähne im Munde bewegen sich. Bist du nicht aufgebracht über denjenigen, der mich also geschlagen hat, und wünschest du nicht, daß Feuer vom Himmel falle und ihn verzehre? Sieh, das steht in meiner Macht, und ich könnte diesen Bösewicht augenblicklich in die Hölle stürzen; Betrachtungen vom Leiden Christi. 273 allein ich thue ihm nichts zu leide. Sieh, mein Geschöpf! das thue ich, dein Erschaffer und Gott, wiewohl ich eine so große Beschimpfung vor so vielen Leuten von einem so geringen Menschen empfangen habe. Was hätteſt du an meiner Stelle gethan? Was thust du noch, wenn du nur ein beleidigendes Wort bekömmst? O wie zürnest du nicht, und wie vergiltst du Schimpf mit Schimpf? Ist dir denn größere Schmach widerfahren als mir, oder bist du größer, als ich, daß du nicht das Geringste an deiner Ehre leiden willst? Meinst du denn nicht, daß es mich verdrießt, daß du kein Wörtlein mir zu Liebe ertragen willst, da ich doch dir zu Liebe noch viel tausend solcher Backenstreiche angenommen hätte? Gebet. Herr Jesu Christe! ich weiß nicht, was ich dir ant worten soll. Ich muß mich im Grunde meines Herzens schämen, wenn ich meine Ungeduld mit deiner Geduld vergleiche. Mein Leben lang habe ich noch fein einziges Schmähwort dir zu Liebe mit( Seduld gelitten, und du wolltest noch tausend Backenstreiche aus Liebe zu mir leiden? Ich, der ich um meiner Sünden willen alle Schande verdiente, will nichts dulden, und du, der du aller Ehre wegen deiner göttlichen Majestät würdig bist, trägst nun so große Schmach mit unerhörter Sanftmuth. Ich will mich aber bessern, o Herr! und wenn man mich fortan beschimpfen wird, so will ich an deinen Backenstreich denken und nicht ein Wörtlein entgegen reden, wenn nur du mir deine Gnade gibst. Ich danke dir tausendmal für diesen Backenstreich, den du für mich empfangen, und für den Schimpf, den du erlitten hast. Amen. 11. Wie Christus zum Kaiphas geführt wurde. Von dieser Geschichte spricht der h. Johannes: Und Annas schickte ihn gebunden zum Hohenpriester Kaiphas." Dieser Kaiphas war dem Herrn todfeind, und gegen ihn noch viel mehr erbittert, als Annas; denn er war der nämliche Kaiphas, welcher den Juden den Rath gegeben Myrrhengarten III. 23. Aufl. 18 274 Das siebente Gärtlein. hatte: Es ist gut, wenn ein Mensch für das Volk stirbt. Weil er denn solchen Neid und Blutdurst wider Christus trug, daß er ihn abwesend verdammte, was wird er erst jetzt gethan haben, damit dieses unschuldige Lamm, das in jein Haus gebracht wurde, ja ohne alle Barmherzigkeit geschlachtet werde. O könntest du nun, christliche Seele! mit Petrus und Johannes in einem Winkel bei dem Hause des Annas stehen, damit du mit mitleidigem Herzen diesen Zug, in welchem dein Heiland von einem bösen Richter zum andern, noch ärgern geführt wird, sähest. Es war das Haus des Kaiphas zwar nicht weiter von Annas Haus entfernt, als dreihundert und dreißig Schritte; allein diesen Weg wurde der liebe Herr über die öffentliche Straße bei hellem Mondscheine und dem Lichte vieler Fackeln und Laternen ungestüm geführt. Daß geduldige Lamm ging unter den Händen der Schergen ganz erbärmlich einher, und zwar im Angesichte so übel entstellt, daß man ihn faum kennen konnte. Der arme Jesus ging erbarmungswürdig einher, und schämte sich, die Augen zu erheben. O wie schimpflich war es seiner hochwürdigen Person, vor die Obrigkeit geführt und wie ein Missethäter um seiner Verbrechen willen gerichtet zu werden, und zwar von den ungerech testen Richtern! Diese Unbild fiel ihm sehr schmerzlich, und als Er an das Haus des Kaiphas hinkam, seufzte Er tief auf; denn Er wußte gar wohl, wie übel es ihm in dem selben ergehen würde. Erinnere deinen Heiland an dieses Elend und sprich mit Andacht folgende Verehrung dieses Ganges Jesu. O du unschuldiges Lamm Gottes, Jesu Christe! ich armer Sünder erinnere dich an diesen traurigen Gang, als du von den Soldaten aus dem Hause des Annas zu dem Palaste des Kaiphas geführt wurdest. Gedenk, gütigster Jesu! welch' ein saurer Gang dies war, und wie zum Erbarmen du unter den rohen Schergen einherginget! Wie viel Ungemach mußtest du leiden, als dich die unbarm herzigen Peiniger hin und her zogen, mit Prügeln schlugen, Betrachtungen vom Leiden Christi. mit Fäusten stießen und dich auf alle Weise mißhandelten! Owie schmerzte es dich, als die Soldaten ein so rohes Geschrei erhoben, dich als einen Zauberer ausriefen, und mit ihrem Lärmen alle Leute aus dem Schlafe aufweckten, damit du desto mehr verspottet würdest! Du aber litteſt Alles mit Geduld, und seufztest nur im Herzen zu Gott deinem Vater. An diesen sauren Gang erinnere ich dich, und bitte dich durch alle Leiden, die du unterwegs erduldet hast, du wollest mir meine sündigen Gänge verzeihen. Zu deren Abtragung opfere ich dir diesen schmachvollen Gang auf, gleichwie auch Du denselben deinem Vater für mich aufgeopfert haft. Für die sauren Tritte, die du von Annas zu Kaiphas gethan hast, danke ich dir viel tausend Mal, und wünsche von Herzen, daß alle irdischen und himmlischen Kreaturen dir eben so vielmal mit mir danken möchten. 275 12. Christus wird vor Kaiphas fälschlich angeklagt und ungerecht verurtheilt. Der h Matthäus sagt:„ Die Hohenpriester und der ganze Rath suchten falsches Zeugniß wider Jesum, damit sie ihn zum Tode überliefern könnten." Als nun Kaiphas sah, daß man nichts wider Christus vorbringen konnte, was des Kreuzestodes würdig war, wurde er sammt dem Rathe höchst erbittert, und wußte nicht, was er anfangen sollte. Weil der geduldige Jesus wie ein armer Sünder vor ihm stand, und kein Wort zu ſeiner Verantwortung sprach, versuchte der arglistige Kaiphas, ob er ihn nicht zum Reden bringen könnte. Er stand daher zornig auf und fragte ihn: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich zeugen? Was glaubst du mohl, o christliche Seele, was Jesus auf diese Frage geantwortet und wie Er diese falschen Anklagen widerlegt habe? Matthäus sagt:„ Jesus aber schwieg still." Dbgleich Jesus wußte, daß es sich um sein Leben, seine Ehre und sein Ansehen handelte, schwieg Er dennoch still. O mein Jesus! wie konntest du doch schweigen? Warum hast du nicht wenigstens ein Wort gesagt, daß ihre Anklagen falsch seien? Weil du nicht redest, so 18* 276 Daß fiebente Gärtlein. glauben Alle, es sei Alles wahr, was wider dich vorgebracht wurde. Unser geduldige Heiland wollte aber lieber für einen solchen Uebelthäter gehalten werden, als sein Stillschweigen brechen, um dir ein Beispiel zu geben, daß du nichts Besseres thun könnest, wenn Jemand mit dir streiten und zanken will, als zu schweigen. Als der liebe Jesus durchaus nicht reden wollte, wurde Kaiphas ganz wüthend, erhob die Hand gegen Himmel und schrie mit zorniger Stimme:„ Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du Als der Herr so hoch Christus der Sohn Gottes bist." beschworen wurde, mußte Er wohl reden; sonst hätten die Wenn Er uns bekannt hätte, Juden wohl sagen können: wer er sei, so würden wir ihm geglaubt haben; weil er aber nicht bekennen wollte, haben wir nicht wissen können, daß Er wirklich der Sohn Gottes sei!" Damit nun die Juden keine Entschuldigung hätten, wollte Jesus deutlich und unerschrocken die Wahrheit bekennen. 11 Er wollte Himmel und Erde horchten auf diese Antwort, und verlangten zu wissen, was Christus sagen werde. Die Juden hatten ihn vielmals darüber befragt; es ihnen aber niemals ausdrücklich sagen. Weil Er aber nun mit solcher Beschwörung bei dem lebendigen Gott aufgefordert wurde, zweifelten sie nicht, Er würde die Wahrheit bekennen. Darum war in der ganzen Versammlung das tiefste Stillschweigen. Da öffnete das ewige Wort des Vaters seinen Mund, und sprach mit lauter, Allen vernehmlicher Stimme: Du hast es gesagt. Ich sage euch aber: von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Kraft Gottes sizzen, und auf den Wolken des Himmels kommen sehen." Dadurch wollte Er sagen: Jezt seht ihr mich zwar elend und verachtet; aber am jüngsten Tage werdet ihr mich in meiner vollen Herrlich feit schauen und dann werde ich euer und aller Menschen Richter sein. " 1 Nun beherzige, o frommer Christ! wie es deinem Er löser nach seinem Bekenntnisse ergangen sei. So bald Kaiphas diese Antwort gehört hatte, stellte er sich ganz entfest über eine so schwere Gotteslästerung. Er erhob Betrachtungen vom Leiden Christi. " 1 die Augen zum Himmel, zerriß seine hohenpriesterlichen Kleider und rief aus: Was haben wir noch Zeugen nöthig? Siehe, nun habt ihr die Lästerung gehört!" Allein, so lange die Welt gestanden, war noch keine größere Gotteslästerung geschehen, als gerade Kaiphas sich hier zu Schulden kommen ließ, da er Jesum in's Angesicht einen Gotteslästerer schalt. Gewiß hätten ihn die Engel von seinem Stuhle gestoßen: es war aber jetzt keine Zeit der Rache, sondern des Leidens; jedoch folgte die Strafe gewiß noch nach. 277 Nach dieser schrecklichen Gotteslästerung wendete sich Kaiphas zu dem gesammten Rathe und sprach: Was dünkt euch? Sie aber antworteten:„ Er ist des Todes schuldig." Es war nun in dem ganzen Rathssaale ein solches Rufen und Toben, daß keiner sein eigenes Wort verstehen konnte. O unerhörte Bosheit! so lange die Welt steht, ist noch kein ungerechteres Urtheil gefällt worden, als eben dieses. Wie wird dieses grausame Geschrei dem lieben Heilande zu Herzen gegangen sein. Darum habe Mitleiden mit ihm und sprich folgendes Gebet zur Beklagung der ungerechten Verurtheilung Jesu. O allerdemüthigster Herr Jesu Christe! ich erinnere dich an die vielfältigen Uebel, welche dir in dem Hause des Kaiphas widerfahren sind, als du nach deiner Gefangennehmung dem ganzen Rathe vorgestellt und von demselben auf's grausamste gepeinigt, geschmähet und gelästert wurdest. Statt aller dieser Lästerungen und jener, die dir heute noch selbst von den Christen zugefügt werden, und leider auch von mir zugefügt worden sind, segne und lobpreise ich dich viel tausendmal und bitte dich, du wollest ihnen verzeihen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Zugleich bitte ich dich auch, du wollest auch mir die vielfältigen schweren Sünden, die ich mein Leben lang in diesem Stücke begangen habe, verzeihen, denn es ist mir von Herzen leid, daß ich dich dadurch beleidigt habe. Zur Nachlassung der unzähligen Sünden, die ich durch Fluchen, Schwören, Verwünschungen und Gotteslästerungen begangen habe, opfere ich dir auf deine höchste Liebe und Geduld, mit welcher 278 Das siebente Gärtlein. du so viele Verunehrungen deines Namens ertragen hast, und bitte dich demüthig, du wollest dieses mein Opfer demüthig annehmen und mir meine Bosheit gnädig ver zeihen. Amen. 13. Wie Chriftus verspottet wurde. Wie es dem unschuldigen Herrn im Hause des Kaiphas den übrigen Theil der Nacht hindurch ergangen sei, vermag keine menschliche Zunge auszusprechen; denn es wurde ihm mehr Schmach und Schande zugefügt, als ein Mensch er sinnen kann. Denn da der ewige Vater der ganzen Hölle Gewalt gegeben hatte, seinen Sohn zu peinigen, magst du leicht denken, wie es zugegangen sei. Die Teufel hatten bisher noch nicht recht gewußt, daß Christus der Sohn Gottes fei. Jetzt aber wußten sie es bestimmt und hatten keinen Zweifel mehr. Darum wollten sie allen Haß auf einmal ausgießen, und was sie nicht selbst vermochten, durch Andere bewirken. Das Haus des Kaiphas wat gleichsam eine Hölle, und die Gesellschaft daselbst bestand aus lauter Teufeln in menschlicher Gestalt. Mitten unter diesen Teufeln stand das unschuldige Lamm und zitterte vor Furcht und Angst wegen der Schmach, die ihm be vorstand. Sobald der Rath das Todesurtheil ausgesprochen hatte, gab der gottlose Kaiphas allen Dienern und Soldaten Erlaubniß, die Schmach zu rächen, welche der Nazarener dem allmächtigen Gott zugefügt habe. Da Er sich so vermessen einen Sohn Gottes nannte, so sollten sie ihn demüthigen, um ihm seine Hoffart zu benehmen. Nach dieser Vollmacht kannst du leicht denken, wie diese Rotte mit Jesu umgegangen sei. Sie fielen über ihn her, wie hungrige Wölfe über ein Schaf; sie schlugen, zogen, stießen, schimpften und lästerten ihn so grausam, daß jedem ge fühlvollen Menschen das Herz vor Mitleiden brechen mußte; die Rathsherren aber standen in der Nähe, sahen mit Freu den zu und ermunterten die rohen Knechte mit beifälligen Worten. Hiervon schreiben die h. Evangelisten:„ Einige schlugen ihn mit flacher Hand in das Angesicht, Andere aber mit Betrachtungen vom Leiden Christi. 279 Fäuften"; ja nicht allein mit den Händen, sondern auch mit Prügeln, Stricken und Ruthen. Sie mißhandelten ihn mit Backenstreichen und Schlägen so sehr, daß der ganze Leib gleichsam mit Striemen und blauen Flecken bedeckt wurde und aufschwoll. O armer Jesus, wie hart müßte ein Herz sein, das mit dir kein Mitleid trüge! Neben den Schlägen rauften sie den Herrn auch an den Haaren; wie er selbst der h. Brigitta offenbarte:„ Man hat an mir keine Schmach gespart; denn ich bin mit Fäusten an die Zähne geschlagen und bei den Haaren gezogen worden." Ja mehrere zogen ihn so fest, daß sie ihm ganze Hände voll Haare auf einmal ausriffen. Auf diese Weise mußte das edle Haupt Christi gar viel dieſe Nacht hindurch ausstehen, weil hier die Empfindlichkeit heftiger und der Schmerz unerträglicher ist. Daher hat uns die Natur eingegeben, daß wir vor allen Gliedern das Haupt schonen und sorgfältig mit den Händen jeden Schlag abwehren. Dem gütigen Herrn waren aber die Hände mit Stricken gebunden; darum konnte Er sie nicht vor das Angesicht halten, und mußte sein Haupt ohne Schuß preisgeben. Sie versetzten ihm auch manchen Schlag in das Genick. Dies Alles hat dein süßester Heiland für dich gelitten, und die Sünden, welche du begangen, abgebüßt. Erkenne dankbar diese Wohlthat, und ehre seine heiligen zerschlagenen Glieder nach dem Beispiele der heil. Gertrudis, welche, als sie einmal alle einzelnen Glieder Christi begrüßte, sah, wie aus jedem Gliede, sobald es begrüßt wurde, ein göttlicher Schein ausging und ihre Seele bestrahlte. Zugleich mit diesem Scheine schenkte ihr auch Christus die Unschuld, die Er durch das Leiden dieses Gliedes verdient hatte. Darum folge ihr hierin nach, und hoffe zuversichtlich, Gott werde auch dir diese Gnade erzeigen. Sprich daher mit Andacht folgendes Gebet zu Ehren aller Streiche und Mißhandlungen Chrifti. O geduldigster Jesu! mit gebogenen Knieen bete ich dich an, und danke dir unendlichmal für alle schmerzlichen Streiche, die du für mich empfangen hast. Im Namen 280 Das siebente Gärlein. aller Engel und Menschen danke ich dir dafür und opfere dir dieselben zur Genugthuung meiner Sünden auf. Seid gegrüßt, ihr edlen Glieder meines Heilandes, ich danke euch für alle Mißhandlungen, die ihr habt erdulden müssen! O gütigster Jesu! diese herzliche Danksagung sei dir demüthig aufgeopfert mit der freundlichen Bitte, du wollest mir um deines bittern Leidens willen meine Sünden verzeihen und mich der Verdienste deiner Schmerzen und Streiche theilhaftig machen. Amen. 14. Fortsetzung der vorigen Betrachtung. Nach den vielfachen Schlägen folgte das Verspeien, welches so unnatürlich ist, daß es kaum glaublich wäre, wenn es die Evangelisten nicht ausdrücklich sagten. Nun aber sagt der h. Matthäus: Dann spieen sie in sein Angesicht", und Markus:, Nun fingen Einige an, ihn anzuspeien." Bedenke, o Christ! wie es deinem Erlöser so leid gethan habe, als die Juden mit ihrem unflätigen Epeichel das Angesicht des Heilandes verunreinigten, so daß Er entießlich anzusehen war. Er konnte sich nicht selbst abwischen, denn seine Hände waren festgebunden; darum mußte Er so verunehrt lange Zeit bleiben, daß gewiß die Engel im Himmel ihr Angesicht verhüllten, um diesen Gräuel nicht schauen zu müssen. Da es schon unanständig ist, in Gegenwart eines vor nehmen Herrn auszuspucken, so bedenke, welche unaussprech liche Schmach es für den Herrn Himme's und der Erde gewesen sei, als derjenige verspieen wurde, welcher das Ebenbild des himmlischen Vaters war, den die Engel zu schauen begehren, und nach deffen Anblick aller Väter, Könige und Propheten Jahrtausende geseufzt hatten. Gleich wohl leidet der höchste Sohn Gottes alles dieses mit Ge duld, und wendet sein Angesicht nicht ab, und zürnet denen keineswegs, die ihn verspeien. Verwundere dich, o Chrift! über die große Geduld und sprich folgendes Gebet zu Ehren der Verspeiung Christi. D Glanz der himmlischen. Glorie, Jesu Christe! sei eingedent der grausamen Schmach, welche dir die Juden 281 Betrachtungen vom Zeiden Christi. anthaten, als sie dir in dein Angesicht spieen und es mit ihrem Unflathe so verwüsteten, daß du ein grauenvoller Anblick warest. O der unbegreiflichen Schmach und unaussprechlichen Schande! Wer sollte glauben können, daß die menschliche Bosheit so weit gehen werde, daß sie sich nicht scheute, dem allmächtigen Gott selbst in das Angesicht zu speien! Wie konnte doch der himmlische Vater dieses zulassen, und wie konnte es mein süßester Heiland ertragen! Overachteter Jesus! wie behandelt man dich? Ich grüße und ehre dich und habe herzliches Mitleiden mit dir. O könnte ich dein h. Angesicht von diesem Wuste reinigen! Ich danke dir fü diese große Schmach, und benedeie dich viel tausendmal, daß du um meinetwillen so verspieen wurdest. Verzeihe mir meine Sünden der Eitelkeit, und durch die Liebe, mit welcher du diese Schmach gelitten hast, reinige meine Seele von ihrem Unflathe. Amen. 15. Schluß der vorigen Betrachtung. Was bisher erwähnt wurde, das geschah in Gegenwart des Kaiphas und des ganzen Rathes. Da sich aber diese zur Ruhe begaben, und das unschuldige Lamm in den Händen der Diener zurückließen, mit der Erlaubniß, ihn nach allem Muthwillen zu quälen, da kannst du dir leicht einbilden, was sie gethan haben. Der H. Lukas jagt: " Die Männer, die ihn festhielten, verspotteten ihn und schlugen ihn." Wie sie ihn aber verspottet haben, das überläßt er unsere Betrachtung. Nun kann man aber leicht denken, wie diese Teufelsdiener den Messias verhöhnt haben. Denn weil der höllische Fürst, welcher alle Verdammten ewig verspotten wird, ihr Rädelsführer war, darum gab er ihnen in den Sinn, daß sie ihm allen Spott zufügen sollten, welchen er den verdammten Seelen anzuthun pflegt; was sie auch wirklich thaten. Sie setzten ihm eine Narrenkappe auf sein Haupt, und machten vor ihm spöttische Verbeugungen mit den schimpflichsten Geberden. Diese Kappe rissen und drehten sie nach allen Seiten herum, und zogen sie bisweilen mit großem Gelächter herab. Sie setzten ihm eine Strohkappe auf und führten ihn so im Saale Herum, und wo Er 282 Das siebente Gärtlein. vorbeiging, beugten sie schimpflich ihre Kniee und machten ihm spöttische Verneigungen. Sie setzten ihn auf einen Stuhl und tanzten um ihn herum; dann zogen sie den Stuhl unter ihm weg, daß der gütige Heiland zu Boden fallen mußte. So trieben sie noch vielen Muthwillen mit ihm, den kein Mensch beschreiben kann. Wie meinst du, daß diese Mißhandlungen ihn geschmerzt haben werden? Vernimm hierüber seine eigenen Worte, mit denen Er sich gegen die h. Brigitta beklagt hat: ,, Mein Kind! gedenke, wie diese schwere Schmach mir zu Herzen gegangen sei, weil sie nicht allein meiner Menschheit, sondern auch meiner Gottheit zum höchsten Schimpfe gereichte. Du weißt wohl, daß dir nichts so wehe thut, als wenn du ausgelacht oder verspottet wirst. So bedenke denn, wie es mich geschmerzt habe, da ich ganz unschuldig, ja der ewige Gott selbst war. Glaube sicherlich, daß alle Worte mir einen Stich ins Herz gaben, und daß ich lieber jedesmal hätte einen Stich durch den ganzen Leib empfangen, als diese Worte anhören wollen. Alles dieses Leiden würde ich aber gerne ertragen haben, wenn ich nur in jeziger Zeit nicht noch sogar verachtet und geschändet würde!" als Ich werde für das verächtlichste Geschöpf gehalten; denn was ist in einem Hause verächtlicher, als ein Hund oder eine Kate: und dennoch liebt man selbe mehr, als mich! Es ist kein Ding so klein, wenn es dem Herzen schmeichelt, daß es nicht inbrünstiger begehrt werde, eben ich, und die Leute haben nichts so Geringes, das sie nicht mehr liebten, als mich. Für Alles ist ihnen leid, nur für mich nicht. Es ist ihnen leid für ihren eigenen und ihrer Freunde Schaden, es ist ihnen leid für Verlegung eines einzigen Wortes, es ist ihnen leid, daß sie ander Menschen, die mehr als sie sind, beleidigen; es ist ihnen aber nicht leid, daß sie mich, den Herrn und Schöpfer aller Dinge, beleidigen." Siehe, mein lieber Christ! so hat sich vor Zeiten Chriftus gegen die h. Brigitta beklagt; und noch jetzt flagt daffelbe. Darum bitte ich dich, handle nicht so, wie ander Menschen, die den Heiland gar nicht achten, sondern liebe ihn mehr, als alle erschaffenen Wesen. Betrachtungen vom Leiden Christi. Gebet. O mein herzliebster Jesus! ich bekenne, daß du diese Klage mehr über mich, als über irgend einen Menschen führen könnest; ja ich glaube, du habest dies Alles über mich geklagt; denn Alles betrifft mich, und selbst noch viel Mergeres habe ich gethan. Ich habe dich weniger als die geringsten Dinge geschätzt, und mich über den Verlust der werthlosesten Gegenstände mehr betrübt, als wenn ich dich durch die Sünde verloren hatte. Um Kleinigkeiten fing ich oft Zank und Streit an, und wollte lieber dich verlieren, als ein unbedeutendes Geschöpf. O welche Thorheit und unglaubliche Blindheit! Soll mir wohl irgend etwas auf dieser Welt lieber und theurer sein, als der Herr Himmels und der Erde? und doch wollte ich oft schon, um einige Pfennige zu verdienen, den Himmel verlieren! Gott, erleuchte meine Blindheit, und verzeihe mir meine Unwissenheit! Es soll gewiß nicht mehr geschehen, wenn du, o Herr, mir nur deine Gnade dazu verleihest. Ich will mein Herz nimmermehr auf solche geringe Dinge, sondern auf dich und die Schätze deiner unendlichen Reichthümer setzen. Jch bitte dich durch allen Schimpf und Spott, welcher dir im Hause des Kaiphas widerfuhr, verzeihe mir, daß ich dich bisher so wenig geachtet habe. Amen. 283 16. Christus im Kerker. Als endlich diese höllische Rotte mit Schlagen und Mißhandeln müde geworden, banden sie den erschöpften Heiland auf's Neue, und führten ihn die Treppe hinab in einen engen und finstern Kerker, welcher noch heut zu Tage zu sehen ist; denn die h. Helena hat aus dem Hause des Kaiphas eine Kirche gemacht, in welcher nahe bei dem Hochaltare zur rechten Hand ein sehr enges und finsteres Loch ist, welches der Kerker des Herrn genannt wird. Daß Christus wirklich hierher gebracht worden sei, lehrt die Erfahrung; denn wenn ein Mensch hier hineingeht, und er sei auch noch so verstockt, so wird ihn gleichwohl ein großer Schrecken am ganzen Leibe überfallen; woraus abzunehmen ist, was unser Heiland gelitten hat. Wäre 284 Das siebente Gärtlein. ein schändlicherer Ort im Hause gewesen, wo sie den Herrn hätten verwahren können, so würden sie ihn gewiß dahin geſperrt haben, da sie ihn für den ärgsten Bösewicht der Welt hielten. In diesem Kerker nun mußte Jesus bleiben, und etliche Bösewichter gesellten sich zu ihm, um ihm keine Ruhe zu lassen. Also stand der halbtodte und am ganzen Leibe zerschlagene Heiland in diesem übelriechenden Kerker, und durfte sich weder setzen oder legen, noch auch nur anlehnen; denn so wie Er dies versuchte, zogen ihn die Schergen wieder in die Höhe; darum blieb Er gat erbärmlich mit geneigtem Haupte stehen, und seine schwachen Kniee zitterten vor Mattigkeit. Er hatte nichts, um sich zu laben, und nicht so viel Plak, um sein mattes Haupt darauf zn legen. Wohl manchen Seufzer sendete er zum Himmel und weinte vor Schmerzen heiße Thränen. Darum bilde dir ein, o frommer Christ! als ob du deinen Heiland hier sähest und zu dir sprechen hörtest:„ Mein Kind! ach siehe, was ich hier leide, und wie ich deinetwegen so übel gepeinigt werde. Hier bin ich gefangen, der die Gefangenen erledigen sollte. Ist wohl ein Mensch übler daran, als ich, der ich von allen Güter der ganzen Welt auch nicht das Geringste habe? An allen Gliedern bin ich sogar geschlagen, daß ich vor Schmerzen nicht weiß, wo ich mich hinwenden soll; und dennoch habe ich nichts, meine Schmerzen zu lindern. Ich bin so müde und erschöpft, daß ich auf meinen Füßen kaum stehen kann; und dennoch darf ich mich, weder setzen noch nieder legen. Mein Herz ist so voll Schwäche, daß es sich kaum erhalten kann; und doch fehlt mir alle Labung und Stärkung. Ich bin von dem Unflathe derer, die mich verspieen, ganz besudelt, und habe Niemanden, der mich reinigt. Jch stehe hier in diesem Kerker, wie ein gefangener Uebelthäter, und bin der Gegenstand des allgemeinen Spottes und der Verachtung. Die Engel im Himmel haben Mitleiden mit mir; aber sie helfen mir nicht. Mein himm lischer Vater sieht mich wohl, wie übel es mir ergeht; aber Er nimmt sich meiner nicht an. Du, mein Kind! erkennst wohl auch mein äußerstes Elend; allein du läffest es dir nicht zu Herzen gehen. Gleichwohl bist du die Betrachtungen vom Leiden Christi. 285 einzige Ursache meines Unglückes, und hast mich in dieses große Elend gebracht. Denn du hättest wegen deiner Sünden verdient, ewig in dem Kerker der Hölle zu schmachten; damit du aber erlös't werdest, hat mich mein Vater anſtatt deiner hieher geführt. Sieh so zu, wie du mir dankbar seiest, und welche Ehre du mir für diese Schmach erzeigest." Verchrung Chrifti im Kerker. O mein gefangener Jesu! der du am jüngsten Tage sagen wirst: Ich war im Kerker, und ihr habt mich besucht, siehe, ich komme aus treuer Liebe in diesen deinen elenden Kerker, und begehre dich heimzusuchen und zu trösten. Vor großem Mitleiden kann ich aber beinahe kein Wort mit dir reden, und vor Erstaunen weiß ich nicht, was ich sagen oder denken soll. Denn wenn ich dich nur ansehe, meine ich, das Herz müsse mir brechen. Du siehst so er barmungswürdig aus, daß man dich kaum erkennt, und gleichest fast dem armen Lazarus vor der Thüre des reichen Mannes. Jammer, der wahre Sohn Gottes liegt im finsteren, abscheulichen Kerker! Aus wahrer Ehrfurcht vor dir, mein Jesus! falle ich auf meine Kniee nieder und küsse den Boden, auf welchem deine Füße gestanden sind! Durch Alles, was du in diesem Kerker gelitten haft, bitte ich dich, daß du mich vor dem ewigen Gefängnisse bewahren und der himmlischen Glorie theilhaftig machen wollest. Gedenke an deine traurige Lage in diesem Kerker! Am ganzen Leibe warst du so zerschlagen, und hattest doch nichts, deine Schmerzen zu lindern. Vor Mattigkeit konntest du dich kaum mehr auf den Füßen erhalten, und dennoch durftest du weder sitzen, noch liegen, um auszu ruhen. Du standest hier, wie ein armer Sünder, der am nächsten Tage zur Hinrichtung geführt werden soll; und dennoch war Niemand, der dich tröstete, während man sonst selbst den größten Uebelthäter zu trösten pflegt. Die Engel im Himmel hatten zwar Mitleiden mit dir; allein sie konnten dir nicht helfen; und die Menschen auf Erden spotteten deiner und vermehrten dir dein Leiden. So standest du diese ganze Nacht hindurch und littest an Leib und Seele so viele Angst und Schmerzen, daß sich selbst die 286 Das siebente Gärtlein. Steine hätten erbarmen mögen. An dieses Alles erinnere ich dich, und opfere es dir auf mit schuldigster Danksagung und freundlicher Bitte, daß du mich durch die Verdienste desselben von dem höllischen Kerker befreien, und mir das himmlische Paradies zur Wohnung verleihen wollest. A. 17. Wie Petrus Christum verleugnet. Wenn ein Mensch an den Fall des Petrus denkt, joll er billig erschrecken, in Erwägung, daß auch ihm dergleichen widerfahren könne. Denn wenn derjenige so leicht gefallen ist, welcher so hoch in Gnade war, welcher Christum in seiner Verklärung gesehen, dem Gott der Vater selbst die Gottheit Christi geoffenbaret, und der einen so starken Vorsatz hatte, nicht zu sündigen, daß er lieber mit ihm sterben, als ihn verlassen wollte; was wird dann uns widerfahren, die wir von allem dem nichts gesehen, noch gethan haben? Wie darf ein Mensch sich für fromm halten, da noch Niemand weiß, ob er an demselben Tage fromm bleiben werde? Petrus war von Herzen fromm und hatte Christum so lieb, daß er sich seinetwegen in Leibes- und Lebensgefahr begab. Er hatte auch so großes Mitleiden mit ihm, daß er ihn mit seinem Blute hätte erkaufen mögen. Hättest du gesehen, wie kläglich er seinem liebsten Meister von ferne nachfolgte und wie viele bittere Thränen er vergossen hat, gewiß wäre dein Herz dir erweicht worden. Am Hause des Kaiphas suchte er auf alle Weise sich Eintritt zu verschaffen, bis ihn endlich Johannes oder Nikodemus hineinbrachte. Als er darinnen war, ging er hin und her, und sah sich fleißig um, Christus wäre. Denn wegen der großen Liebe, die er zu ihm trug, hätte er gern gewußt, wie es ihm erging. Er hörte viel Gelächter und Geschrei in einem großen Saale, und gedachte wohl, man werde erbärmlich mit seinem Meister umgehen. Er durfte also nicht hineingehen, damit er nicht erkannt würde. Gleichwohl war es ein Zeichen seiner großen Liebe zu Christus, daß er ihm so weit nach gefolgt war, und sich in diese Gefahr gewagt hatte. 100 Als er den Muthwillen, den man mit Christus trieb, Betrachtungen vom Leiden Christi. 287 " 1 lange angehört hatte, o welches Mitleiden trug er mit seinem Herrn! Darum fand er keine Ruhe im Vorhofe, drängte sich durch die Schaar der Diener hindurch und kam bis in den Saal, worin Christus verspottet wurde, und in welchem er ihn auch zum dritten Male verläugnet hat, wie aus den Worten des h. Lukas deutlich zu entnehmen ist, da er spricht: Da wandte sich der Herr um und sah Petrus an." Wer wollte sich einbilden können, wie viel Herzweh Petrus fühlte, als er seinen geliebtesten Meister wie ein sanftmüthiges Lamm unter diesen reißenden Wölfen erblickte. Wenn wir uns nur vorstellen, wie übel Christus gepeinigt wurde, so gehen uns die Augen über, wie viel mehr wird dies dem h. Petrus geschehen sein! Petrus war nur eine kleine Weile in dem denn er konnte dem Leiden nicht länger zusehen. ging er wieder in den großen Hof, welcher sich innerhalb der äußeren Mauer befand. In diesem Hofe standen die Diener, welche Wache hielten, damit ihnen der gefangene Christus nicht entrinne. Diese hatten ein großes Feuer angezündet, um welches sie herumstanden und sich wärmten, denn die Nacht war talt. Petrus trat ebenfalls hinzu, um sich zu wärmen, und als er dort stand, sah ihn die Pförtnerin scharf an, und erkannte ihn, daß er ein Jünger Chrifti war. Daher sprach sie zu ihm: Bist du auch etwa aus den Jüngern dieses Menschen? Da erschrak Petrus und dachte bei sich selbst: wenn ich es bekenne, werden sie mich ergreifen und tödten. Aus Furcht leugnete er also und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst: ich bin sein Jünger nicht. Saale, Darum Da Petrus merkte, daß ihn die Magd dennoch kannte, ging er vom Feuer weg und begab sich zur Thür hinaus. Als er draußen war und wieder an seinen Meister dachte, hatte er keine Ruhe, bis er wieder hineinging, denn seine Liebe zu Christus war so groß, daß es ihm unmöglich ſchien, ohne ihn zu sein. Obschon er einmal gefallen war, meinte er doch, es würde nicht wieder geschehen. Als er daher abermals im Hofe war, ging er voll Leids im Mondscheine auf und ab, und fing an, heimlich zu weinen und zu seufzen, weil er von ferne das große Gespötte 288 Das siebente Gärtlein. hörte, das man mit seinem lieben Meister triebe. Zu allem Unglücke kam eine andere Magd herbei, welche dem Petrus ansah, daß er ein heimliches Mitleiden mit Chriftus hatte; darum sprach sie zu den Dienern: dort geht einer allein herum, der ein Jünger des Galiläers zu sein scheint. Als diese hörten, was die Magd gesagt hatte, gingen fie zu Petrus und fragten ihn: Bist du nicht Einer von seinen Jüngern? Ein Knecht aber rief: Fürwahr! du bist Einer. Da wurde Petrus bange, denn er fürchtete, sie würden ihn alsbald ergreifen. Darum leugnete er abermals und betheuerte und schwur, daß er es nicht sei. Hier hätte Petrus gehen sollen; gleichwohl aber blieb er noch dort, um zu sehen, wie es weiter ging. Er ver weilte noch eine ganze Stunde lang und näherte sich oft dem Orte, wo er hören konnte, was seinem Meister ge schah; auch ging er bisweilen hinein und sah wie grauſam man mit dem Herrn verfuhr. Nachdem er eine geraume Weile daselbst gestanden und mit großem Herzenleid den Jammer gehört hatte, wurden wieder einige auf ihn aufmerksam und sagten: dieser Mensch scheint uns verdächtig zu sein; was gilt es, er ist einer von des Nazaräers Jüngern! Da traten sie auf ihn zu und fragten ihn, was er hier zu thun habe? Petrus war voll Furcht und wußte nicht, was er antworten sollte. Da sprachen die Knechte zu ihm: Du gibst uns Argwohn, daß du ein Jünger des Gefangenen seiest. Petrus aber leugnete und wollte nicht gestehen. Ein Knecht aber sprach: Fürwahr, ein Galiläer, denn deine Sprache verräth dich ja. Als Petrus noch immer fortfuhr zu leugnen, sagte ein Vetter des Malchus: Wie magst du doch so leugnen? habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen? Da fing Petrus an, hoch zu schwören und zu verwünschen, er sei fein Jünger Jesu. Wie glaubst du nun, daß Petrus in eine so schwere Sünde gefallen sei? Es sind zwar mehrere Ursachen; die vorzüglichste aber ist, daß er sich selbst zu viel ver traut und am Delberge so wenig gebetet hatte. Er hätte nicht geglaubt, daß er so schwach wäre, besonders, weil er es so weit in der Heiligkeit gebracht habe; darum dacht Betrachtungen vom Leiden Christi. 289 er auch nicht, daß ihm das Beten so nothwendig sei, als Christus seine Jünger so nachdrücklich ermahnt hatte: Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet. Dies nimm dir zur Warnung, o Chrift, und verlasse dich nimmer auf deine Kräfte! Wenn du dich für fromm hältst, so glaube es nicht, denn du bist so sündhaft, daß du nicht einen Augenblick im Guten verharren kannst. Sei auch allezeit fleißig im Gebete und flehe zu Gott, Er wolle dich nicht in Versuchung fallen laffen, besonders in deinem letten Ende; denn du bist so schwach, daß du keine Versuchung aus dir überstehen kannst. Wenn du nicht alle Tage fleißig betest, wird dir Gott auch nicht helfen, ja es ist deine wohlverdiente Strafe, wenn der Herr dich fallen läßt, da du ihn nicht um Hülfe anflehtest, ungeachtet dir deine Schwachheit bekannt war. Gebet. Dunerforschlicher Gott! der Fall des h. Petrus erschreckt mich gar sehr; denn ich fürchte, es möchte mir eben ſo ergehen. Denn da du einen so h. Mann um einer so geringen Ursache willen so schwer haft fallen lassen, was wirst du mir gottlosem Sünder thun? Ich bin voll geistlicher und weltlicher Hoffart, und halte mich nicht allein selbst für fromm, sondern will auch von allen Menschen für fromm gehalten werden. Wenn ich höre, daß Andere gefallen sind, kann ich sie nicht genug ver urtheilen und tadeln, und glaube nicht, daß auch mir Aehnliches widerfahren könne. Ich bin auch im Gebete so nachlässig, daß ich mich schäme es zu sagen, da ich oft einen ganzen Tag hindurch kaum ein andächtiges Vaterunser bete. Da muß ich ja gewiß fürchten, daß du mich in der Versuchung werdest fallen lassen, besonders im Tode, wo mich der böse Feind so heftig anfechten wird, daß ich ihm nicht werde Widerstand leisten können, wenn du mir nicht besonders beistehest. Darum befehle ich dir jetzt und allezeit meine arme fündige Seele, und bitte, du wollest mich im Leben und Sterben vor allen schändlichen Anfechtungen bewahren. Amen. Myrrhengarten III. 23. Aufl. 19 290 Das siebente Gärtlein. 18. Chriftus bor Pilatus. Noch einmal hatte der unschuldige Jesus am Charfreitag Morgen vor dem versammelten hohen Rathe der Wahrheit Zeugniß gegeben und bekannt, daß Er der Sohn Gottes sei; und das Todesurtheil war wiederum über ihn ausgesprochen. Weil aber die Obrigkeit der Juden zu damaliger Zeit Nieman den tödten durfte, so mußten sie Jesum zu Pilatus, dem römischen Landpfleger führen. O welch ein saurer Gang war dieses für den armen, so übel zugerichteten Jesus! Als der ganze Rath vor den Palast des Pilatus kam, gingen sie nicht hinein, sondern blieben auf dem Markte unten an der steinernen Treppe stehen. Denn sie glaubten, sie würden verunreinigt, wenn sie in das Haus eines Heiden einträten. Als daher Pilatus zu ihnen herauskam, und sie fragte, welche Anklage sie wider diesen Menschen vorzubringen hätten, war des Klagens so viel, daß Pilatus darüber erschrak, und zu Christus sagte:„ Hörst du nicht, welch' große Dinge sie wider dich bezeugen?" Hier war nichts, was Christus jemals gethan hatte, so gering und unbedeutend, daß es nicht auf offnem Markte von vielen hunderttausend Menschen mit lauter Stimme ausgerufen wurde. Ueber jeden Artikel waren mehr als zehn Ge schworene Zeugen, welche Alles bei Eidespflicht betheuerten. Wenn schon ein und der andere fromme Mensch eine bessere Meinung von Christus hatte, wie war es möglich, daß er sie unter solchen Verhältnissen beibehalten konnte? denn wer sollte nicht so vielen ehrwürdigen Herren und ge schworenen Zeugen Glauben beimeffen? O mein treuer Erlöser! deine Schmach ist nun vor über, aber meine Schande erwartet mich noch. In meinem Ende werde ich vor das Gericht müssen, und vor allen Engeln über meine Sünden öffentlich angeklagt werden. Wo soll ich dann meine Augen hinwenden? Wie werde ich mich schämen müssen, wenn man mir alle meine Misse thaten vorwirft! Ogerechtester Richter! Ich will nut ein einziges Wort zu dir sprechen: Thue mir, gleichwie ich dir. Jch habe ein herzliches Mitleiden mit dir, daß du unschuldig so sehr beschämt wurdest: habe also auch du Betrachtungen vom Leiden Chrifti. 291 Mitleiden mit mir, wenn ich schuldiger Weise werde beschämt werden! Amen. Unter der großen Anzahl der Ankläger erhoben sich besonders drei, nämlich als ob Christus das Volk verführt und verboten hätte, dem Kaiser den Zins zu geben, und daß Er sich zum Könige habe aufwerfen wollen. Als Pilatus diese Anklagen gehört hatte, ging er hinein und befahl seinen Dienern, sie sollten ihm Christus nachführen. Da Er in das Richthaus kam, sprach er zu ihm:„ Was hast du doch gethan, daß das ganze jüdische Volk sammt ſeinen Priestern und Aeltesten dich mir überliefert hat? Du mußt es ja grausam verschuldet haben: denn es ist nimmer erhört worden, daß so viele Hunderte und Tausende, ja selbst die vornehmsten Herren einen Uebelthäter persönlich vertlagt haben. Die erste Anklage will ich übergehen, denn sie geht mich nichts an; auch die zweite achte ich nicht, denn ich weiß, daß sie falsch ist; aber die dritte ist von großem Belange; darum muß ich genau nachforschen. Ich frage dich daher: Bist du der König der Juden?" Da sprach Christus:„ Mein Reich ist nicht von dieser Welt; denn wenn mein Reich von dieser Welt wäre, so würden wohl meine Diener streiten, daß ich den Juden nicht überliefert würde. Nun aber ist mein Reich nicht von hier." Pilatus fuhr fort:„ Also bist du ein König?" Jesus ant wortete: Du sagst es; ich bin ein König( aber kein weltlicher, sondern ein himmlischer). Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, daß ich der Wahrheit Zeugniß gebe. Wer immer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme." Da sprach Pilatus: Was ift Wahrheit?" Und als er dies gesagt hatte, ging er wieder hinaus zu den Juden, und erwartete keine Antwort auf ſeine Frage; denn wenn er sie gehört hätte, so hätte er ohne Zweifel an Christum geglaubt. " Als Pilatus wieder zu dem Volke kam, sprach er mit lauter Stimme:„ Ich finde keine Schuld an diesem Menſchen." Da ergrimmten die Juden heftig, und die Hohenpriester schrieen aus vollem Halse: Wie, du solltest keine Schuld an ihm finden? Er ist ein gottloser Mensch, dergleichen man auf der ganzen Erde nicht wieder findet, ein 19* Das siebente Gärtlein. Vollsäufer, Verführer des Volkes, ein Gleißner, ein Sa maritan und Teufelsdiener. Dies gibt der h. Markus zu verstehen, da er sagt:„ Und die Hohenpriester brachten viele Klagen gegen ihn vor." Owie muß dieses dem lieben Herrn so wehe gethan haben, als Er öffentlich vor so vielen Menschen so vieler Laster fälschlich angeklagt und beschuldigt wurde! Weil Er ganz stillschwieg, sprach Pilatus zu ihm:„ Antwortest du nichts? Hörst du denn nicht, welch schwere Zeugnisse sie wieder dich vorbringen? Er aber antwortete ihnen kein einziges Wort, so daß Pilatus fichsehr darüber verwunderte. 292 Gebet. O Christe Jesu! wie ist es dir doch möglich, daß du so stillschweigen kannst? Du siehst ja wohl, daß dein Leben davon abhängt, und daß alle Menschen sich an dir ärgern und meinen, du seiest ein so großer Sünder, als man vorgibt, weil du dich nicht verantwortest. Du weißt, daß Pilatus dir gewogen ist, und dich gewiß loslaffen würde, wenn du dich nur entschuldigen wolltest. Mich dünkt aber, ich höre meinen lieben Jesus sagen: 0 armer Sünder! verwundere dich nicht, daß ich also stillschweige, denn ich kann nicht reden. Die Liebe, welche ich zu deiner armen Seele trage, hat mir meine Zunge gebunden. Du kannst dir wohl vorstellen, welche Abtödtung es mir gewesen sei, in einer so wichtigen Sache, woran mein Leben und meine Ehre gelegen, mich nicht zu verantworten! Aber die Liebe zu dir ermahnte mich ohne Unterlaß zum Schweigen; denn wenn ich mich entschuldigt hätte, wäre deine Seele ewig verloren gegangen. Weil ich daher dir zu Liebe, in einer so wichtigen Sache stillgeschwiegen habe, so thue es auch du mir zu Liebe, daß du bisweilen schweigest und dich von so vielen vergeblichen, eitlen und unnüten Worten enthaltest. O liebster Jesus! ich nehme mir dieses ernstlich vor: verleihe du mir deine Gnade. Amen. 19. Christus vor Herodes verspottet. Als Pilatus hörte, daß Jesus aus Galiläa, dem Ge biete des Herodes sei, sandte er ihn zu Herodes, der eben Betrachtungen vom Leiden Chriſti. 293 auch in Jerusalem war. Jesus wurde deshalb unter schrecklichen Mißhandlungen zu Herodes geführt, 200 Schritte vom Hause des Pilatus, und todtmüde diesem gottlosen Könige vorgestellt. Hier stand mun der König des Himmels und der Erde vor dem schnöden Ehebrecher und Mörder Herodes, welcher sich über die erbärmliche Gestalt Christi wunderte und entsette. Dieser fragte nun über Mancherlei und legte dem Heilande viele vorwizige Fragen vor. Jesus aber antwortete ihm nichts. Da Herodes sah, daß er Chriſtum nicht zum Reden bringen könne, wurde er gewaltig erbittert und hielt dies für eine große Beleidigung, wofür er sich durch Verachtung und Spott rächen wollte. Er verachtete ihn mit seinen Hofleuten und ließ ihm zum Spotte ein weißes Kleid anziehen. Gedenke, o Chrift, mit welch großen Schmerzen das hochheilige Herz Jesu erfüllt worden sei! Denn wenn es einen ehrlichen Mann tief betrübt, wenn er geschmäht und verhöhnt wird; o wie wird es dem Gemüthe Jesu so wehe gethan haben, als Er von so vielem gottlosen Gesindel in Gegenwart vieler Tausende von Menschen auf's verächtlichste behandelt wurde! Wie hätte Er so viele Schmach ertragen können, ohne zu vergehen, wenn ihn nicht die Liebe zu nnjerm Heile gestärkt hätte! Die Hofdiener und Soldaten trieben nun solchen Muthwillen mit ihm, daß es sich weder beschreiben noch erzählen läßt; und nur der allein weiß Alles, welcher es hat ausstehen müssen. Was sie nur immer Schimpfliches und Boshaftes erdenken konnten, das thaten sie und wetteiferten gleichsam, wer am meisten Christum zur Ungeduld und die Umstehenden zum Lachen reizen könne. So würde die ewige Weisheit des Vaters, der weiseste Lehrmeister von dem thörichten Gesindel verlacht, verspottet und wie der ärgste Thor der ganzen Welt verachtet. Owohl ein erbarmungswürdiges Schauspiel! Mein Herr und Gott! wie hast du doch dieses ausstehen und diese unerhörte Schmach erdulden können? Mein weisester Lehrer! wer hat dich also verachtet? mein höchster Gott! welcher Mensch durfte dich also verwegen behandeln? 294 Das siebente Gärtlein. O mein Kind! du darfst mich nicht fragen, wer mich also verspottete; denn du hast es selbst gethan. Deine Kleiderpracht hat mich mit diesem schimpflichen Narren gewande bekleidet, dein Hochmuth hat mich verspottet und deine vielfältigen Sünden haben mich also geschlagen und verwundet. Wie willst du es bei mir verantworten können, daß du mich so übel behandelst und mich durch deine Hoffart alle Tage ärger, als die Diener des Herodes, verspottest? Du willst von Allen hochgeehrt und angesehen sein; und wenn dich Jemand nur ein wenig verspottet, ſo wirst du höchlich ergrimmt. Vergiltst du mir also, was ich Alles für dich gelitten habe? Folgest du mir also auf dem Wege der Tugend nach? Gebet. Dallergütigster Jesu! ich werfe mich demüthig vor deine Füße und darf vor Beschämung meine Augen nicht zu dir erheben. Ach, was habe ich gethan und was thue ich noch täglich, daß ich mit meiner Hoffart, Eitelkeit und Ungeduld meinem Gott und Herrn alle seine Schmach erneuere! Der höchste Herr Himmels und der Erde muß so viele Schmach ausstehen; und ich gottloser Sünder, der ich nichts als Schande verdient habe, will nicht die geringste Verspottung leiden. Denn wenn mir Jemand nur ein Wort widerspricht, so breche ich sogleich in Schimpf- und Scheltworte aus und räche mich auf alle mögliche Weise. Ich halte mich für viel besser als Andere, und möchte in allen Stücken gelobt und geehrt sein. Was werde ich meinem Richter einst antworten, wenn Er mich fragen wird, wie ich sein Beispiel der Demuth und Geduld befolgt habe? O allerdemüthigster Jesu. ich bitte dich um Verzeihung, und bekenne, daß ich wegen meiner unerträglichen Hoffart ewige Schande verdient habe. Wenn ich meinen Hochmuth nicht ablege, so ist kein Zweifel, du werdest mich ewig zu den hoffärtigen Geistern der Hölle verstoßen. Ich nehme mir aber vor, mich ernstlich zu bessern und fortan fleißig in der Demuth zu üben. Amen. Betrachtungen vom Leiden Chriſti. 20. Wie Barabbas Christus vorgezogen wurde. Die Juden waren mit Jesus zurückgekommen und ließen dem Pilatus anzeigen, wie es ihnen bei Herodes ergangen sei. Weil sie so nachdrücklich auf den Tod ihres Gefangenen bestanden, berief Pilatus die Hohenprieſter und Vornehmsten des Volkes zusammen und sprach zu ihnen:„ Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht als einen Volksaufwiegler, und siehe, ich habe ihn in eurer Gegenwart verhört, und an diesem Mensch nichts von dem gefunden, weswegen ihr ihn anklaget. Aber auch Herodes nicht; denn ich habe ihn auch zu ihm gesendet, und siehe, es geschah nichts mit ihm, was ihn des Todes schuldig zeigte. So müßt ihr ja bekennen, daß man ihn ohne Sünde nicht hinrichten kann. Dennoch, um euch einigermaßen zufrieden zu stellen, will ich ihn züchtigen und dann losgeben. Als die blutdürftigen Juden dies hörten, fingen sie an, heftig zu wüthen und zu toben, und erſannen neue Lügen, damit sie beweisen möchten, er habe den Tod verdient. Weil dies nicht helfen wollte, machte Pilatus einen andern Vorschlag. Es hatten nämlich die Juden den löblichen Gebrauch, daß sie alljährlich am Osterfeste einen Gefangenen, der das Leben verwirkt hatte, zum Andenken an die Gnade, die Gott ihnen durch die Befreiung aus dem Joche der ägyptischen Knechtschaft erwiesen hatte, losbaten. Pilatus dachte, es werde ein träftiges Mittel sein, Christum zu befreien, wenn er den ärgsten Bösewicht, der eben im Gefängnisse lag, heraussuchen und ihnen die Wahl lassen würde, ob sie diesen oder Christum frei haben wollten; denn sie würden ja doch lieber Christum, als den ruchlosesten Mörder wählen. Darum sprach Pilatus zu dem Volke: Welchen wollet ihr nun, daß ich euch losgebe, Barabbas, oder Jesum, der da genannt wird Christus? O christliche Seele! bedenke hier, welch ein Vergleich dies gewesen ist! Barabbas war der ärgste Mörder und Aufrührer, und wird mit dem Urheber des Lebens verglichen! Wer sollte wohl zweifeln, was die Juden werden gethan haben? Das einfältige Volk war durch das Zureden und Drohen der 295 296 Das siebente Gärtlein. Obern so verblendet worden, daß sie lieber einen ruchlosen Mörder, als den lang ersehnten König und Messias haben wollten. Darum fingen die Hohenpriester an zu schreien, und alles Volk rief ihnen nach: Den Barabbas, den Barabbas!" Pilatus verwunderte sich und sprach: Wollt ihr denn nicht euren König loshaben?" Sie aber riefen alle wiederholt: Nicht diesen, sondern den Ba rabbas." Pilatus sagte: ,, Dies wäre ja schrecklich, daß ihr lieber einen Mörder, als einen so heil. Mann losbitten wolltet!" Das gesammte Volk schrie aber einstimmig: Du hörst ja wohl, daß wir diesen nicht haben wollen. Darum hinweg mit diesem, und gib uns den Barabbas los!" Bilde dir nun ein, als wenn Christus dich also anredete: O mein Kind! zürnest du nicht über das gottlose Voli, welches einen Mörder höher achtet, als den wahren leben digen Gott? Freilich, mein Jesu! zürne ich darüber, und zwar so sehr, daß ich gern sähe, wenn die Erde sich unter ihren Füßen öffnete und sie in den Abgrund der Hölle verschlänge. mein Kind! wenn du zugegen gewesen wärest, würdest du wohl auch den Barabbas begehrt haben! Ohne Zweifel, mein Jesu! würde ich dich begehrt haben; denn ich müßte ja ohne Verstand sein, wenn ich nicht viel tausend Mal lieber dich, als einen Mörder haben wollte. Nun sieh aber, o Kind! wie oft du das Gegen theil thust. Es wird dir die freie Wahl gelassen, ob du mir, oder der Welt dienen willst, oder mich zum Freunde haben magst, oder die Welt. Was erwählest aber du? Ist es nicht traurige Wahrheit, daß du mich zurücksetzest und der Welt dienest? Thust du nicht tausend mal mehr der Welt, als mir zu Liebe? Dienest du nicht viel mehr deinem Leibe, als deiner unsterblichen Seele? Thust du nicht lieber die schwerste Arbeit um einen zeitlichen Ge winn, als eine geringe Mühe um das ewige Heil? Hast du nicht unvergleichlich größere Zuneigung zu einem schlechten irdischen Dinge, als zu mir? Also erwählest du alle Tage oftmals den Barabbas und setzest mich zurück. Gleichwie du sohin billig über die Juden zürnest, daß sie den Barabbas losbaten; so zürne auch ich gerecht über dich, daß du lieber deinem Leibe und der Welt abwartest, als mir. 11 11 Betrachtungen vom Leiden Christi. Gebet. O mein Erlöser! ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich muß meine Augen beschämt zu Boden senken, daß ich so gottlos bin. Ich muß bekennen, daß ich meinem Leibe mit seinen Begierden tausendmal mehr diene, als dir, und mich unvergleichlichmal mehr bemühe, eine zeitliche Gunst zu erlangen, als deine Gnade. Wenn ich etwas zu deiner Ehre thun soll, so geschieht es entweder gar nicht, oder mit Verdruß und Nachlässigkeit; was ich aber der Welt zu Gefallen thue, das geschieht mit Lust und Freude. Wenn ich in der Kirche bleiben oder beten muß, so wird mir sogleich die Zeit zu lange; wenn ich aber bei Schwäßereien und Lustbarkeiten verweile, reuet mich keine Zeit. So erwähle ich gewissermaßen immer mit dem Volke lieber den Barabbas, als Christum; und dies habe ich in meinem Leben schon viel tausendmal gethan, und mehr der Welt, als Gott, mehr dem Leibe, als meiner Seele gedient. Darum bin ich hierin nicht besser, als die Juden, und wenn ich so fortfahre, habe ich zuverlässig zu befürchten, daß ich ewig verloren gehen werde. Ich bitte dich aber, Jesu! du wollest dies nicht zulassen, sondern mich um deines bittern Leidens willen vor der ewigen Verdammniß bewahren. Ach, gib mir doch einen andern Sinn und einen neuen Geist, damit ich fortan lieber dir, als der Welt diene! Ich nehme mir dieses zwar ernstlich vor, aber du weißt, daß ich ohne deine besondere Gnade nichts voll führen kann. Darum verleihe mir aus Barmherzigkeit diese Gnade, und mache mich aus einem Freunde des Barabbas zu einem treuen Diener Christi. Amen. 297 21. Wie Christus gegeißeit wurde. Das Geheimniß der Geißelung Christi ist so ergreifend, daß es auch steinharte Herzen erweichen könnte. Die heil. Bäter und Kirchenlehrer beschreiben ausführlich die Grauſamkeit derselben, und verschiedene Offenbarungen bestätigen uns daffelbe. Der H. Hieronymus sagt, es seien ihrer sechs gewesen, welche Christum gegeißelt haben, nämlich zwei mit dörnernen 298 Das siebente Gärtlein. Ruthen, zwei mit knotigen Seilen und zwei mit eiſernen Ketten. Sie waren schon von Natur aus gefühllose Scher gen; überdies aber hatten ihnen die Juden Geld versprochen, wenn sie recht fest zuschlügen, so zwar, daß derjenige den größten Lohn bekäme, welcher am heftigsten geißelte. Hier magst du dir nun leicht vorstellen, wie es deinem Erlöser ergangen, und wie grausam Er zerschlagen worden sei Der h. Vinzentius Ferrerius sagt, sie haben von den Fuß fohlen angefangen und allmählich hinaufgeschlagen, bis das h. Blut herabfloß. Sie thaten dies, um zu sehen, ob Christus an allen Orten verwundet sei; denn wenn sie oben angefangen hätten, wäre das Blut über den ganzen Leib geflossen, und sie hätten dann nicht sehen können, ob er überall verwundet sei. Stelle dir nun vor, du seiest auf dem Marktplaze zu gegen, und sehest diesem blutigen Schauspiele zu. Betrachte, wie die Henker mit aller Gewalt zuschlagen; wie sie die dornigen Ruthen in die Luft schwingen, und welch' heftige Streiche sie führen. O wie müssen diese Hiebe dem armen Heilande so wehe gethan haben, und wie wird sein heil Leib so gänzlich mit Wunden und Blut bedeckt worden sein; denn seine Haut war, wie Maria der h. Brigitta offenbarte, so weich und so zart, daß Er nicht geschlagen werden konnte, ohne daß sogleich das Blut hervordrang. Als die beiden ersten Henter an einem Orte so lange ge schlagen hatten, bis die dornigen Ruthen durch das Fleiſ eingedrungen waren, fuhren sie allmählich weiter hinauf bis endlich der ganze Körper blutrünstig war. Jesus! wie fühlest du diese Streiche so schmerzlich, wie thun dir diese scharfen Ruthen so wehe! o mein und Gedenk, o Chrift! was hier dein Erlöser litt, un welch' schreckliche Schmerzen Er auszustehen hatte. schrie zwar nicht: doch flossen ihm die Thränen von de Wangen herab, und sein gepreßtes Herz machte sich durt manchen Seufzer Luft. Als nun diese beiden Ersten etliche Ruthen auf den Rücken Jesu zerschlagen hatten, und ganz ermüdet waren fingen die andern zwei Henkersknechte mit ihren knotiger Stricken ohne Barmherzigkeit zu schlagen an, und wüthete Betrachtungen vom Leiden Christi. 299 wie die Teufel; denn der Satan selbst wohnte in ihren Herzen und machte sie ganz wüthend: denn natürlicher Weise hätten sie gegen den geduldigsten Heiland nicht so grimmig fein können. Sie schlugen so unbarmherzig zu, daß jeder Streich weithin erscholl und von allem Volke gehört wurde, und der ganze Leib nur eine einzige, große Wunde zu sein schien. Der arme Jesus zitterte am ganzen Leibe und erhob gar oft seufzend seine Augen zum Himmel und opferte seinem göttlichen Vater seine Wunden und Schmerzen auf. O Christ! bedenke, was dein Erlöser hier leidet, und wie theuer er deine Sünden bezahlen muß. Das bisher Gesagte wäre gleichwohl noch zu verschmerzen gewesen, wenn sich die grausamen Henker damit begnügt hätten. Nun trat aber das letzte Paar herzu, von denen jeder eine Geißel mit eisernen Ketten trug, an denen pizige Häklein angebracht waren. Mit diesen Marterwerkzeugen geißelten sie den schon ohnehin ganz verwundeten Herrn so heftig, daß sie ihm das Fleisch von den Knochen abrissen, und beinahe alle Rippen und Beine zerbrachen. So oft sie einen Hieb führten, drangen die Häklein in den Leib ein, und wenn sie zurückzogen, durchschnitten sie das hl. Fleisch. O Gott im Himmel! welch' unausstehlicher Schmerz muß das gewesen sein, und wie war es nur möglich, daß der Herr unter dieser fürchterlichen Mißhandlung nicht seinen Geist aufgab! O christliches Herz! ist es wohl möglich, daß du dieses hörest, und dich darob nicht entsetest? Siehe doch, wie dein Erlöser so erbärmlich an der Säule steht, wie sein Angesicht todtenbleich und ſein H. Leib ganz zerfleischt ist. Hier stand dein treuer Heiland und war so voll Schmerzen, daß Er nicht wußte, wo er sich hinwenden sollte. Seine Gebeine erbebten, ſeine Kniee schlugen zusammen, seine Zähne klapperten, und Er war mehr todt als lebendig. O treuer Christ! laß dir doch diese grausame Marter zu Herzen gehen, und komme deinem Heilande zu Hülfe mit folgendem gegeißelter Heiland Jesu Christe! mit verwundetem Herzen komme ich zu dir und werfe mich nieder Gebet zu Ehren der Geißelung Chrifti. mein 300 Das siebente Gärtlein. auf mein sündiges Angesicht. Vor Mitleiden wage ich kaum den Blick zu erheben und dich in diesem jammervollen Zustande anzuschauen. Ach, mein armer Jesus! wie grausam bist du verwundet, wie schrecklich bist du zerfleischt! Wehe deinen zarten Gliedern! Wie ist es nur möglich, daß du solchen Schmerzen nicht unterliegest? Mein treuer Erlöser! ich habe solches Mitleiden mit dir, daß mein Herz vor Liebe krank ist, und ich deine Wunden ebenso fühle, als ob ich dieselben selbst empfangen hätte. Sei eingedenk, mein gegeißelter Jesu! der großen Liebe, welche dich in so großes Glend gebracht und angetrieben hat, diese schmerzliche Geißlung um meinetwillen zu erdulden. An alle in derselben erlittenen Mißhandlungen erinnere ich dich, und opfere sie dir auf, sammt Allem, was du in diesem hochheiligen Geheimnisse an Leib und Seele ausge standen hast. Zugleich bitte ich dich demüthig, daß du mir wegen dieser Geißlung alle meine Sünden, besonders meine vielfachen unkeuschen Gedanken, Worte und Werke verzeihen wollest; denn diese beschweren mein Gewissen am meisten, und machen mich angst und bange, vor dein heil. Gericht zu treten. Darum bitte ich, o barmherziger Jeſu! durch die Kraft deines vergossenen Blutes lösche aus die schändlichen Makel meiner Seele, und gedenke nicht mehr der Unbilden, dich ich dir durch meine Unkeuschheit zuge fügt habe. Amen. 22. Wie Christus gekrönt wurde. Vom Anfange der Welt ist niemals erhört worden, daß ein Mensch mit Dörnern gekrönt werden sollte, und auch diesen Henkern wäre ein solcher Gedanke nicht ge kommen, wenn sie nicht der Teufel dazu verleitet hätte. So aber liefen Etliche hin, holten einige Dornenreiser und trugen sie eiligst herbei. war, Diese Dornen, wovon die Krone Christi gemacht werden Stechdorn( Rhammus) genannt, und wachsen auf allen Neckern und Wegen um Jerusalem häufig. Dieser Stechdorn ist die härteste und schärfste aller Dornarten. Seine Blätter sind lang und schmal, und seine Neste mit starken Stacheln versehen, welche hin und wieder vol Betrachtungen vom Leiden Christi. spiziger Dornen sind. Nach dem Zeugnisse des h. Hieronymus haben sie die natürliche Eigenschaft, daß sie Alles, was sie berühren, an sich halten und giftig verwunden. Dieser Stechdorn ist nicht so weich, wie die Hagen- und Schlehdornen hier zu Lande, sondern so spitzig und hart, daß er durch ein dünnes Bein dringt. 301 Aus diesen harten, spitigen, langen, scharfen und giftigen Dornen nun flochten sie dem Heilande eine Krone mit so künstlicher Bosheit zusammen, daß der größte Theil der Dornen nach innen gegen das Haupt zu gerichtet war. Diese Krone war auch nicht klein, oder rund, wie ein Kränzlein, sondern groß und hoch wie ein Hut, so daß sie nicht allein den Scheitel, sondern auch die Stirne, die Schläfe und schier das ganze Haupt bedecken konnte. Nun gedenke, o Christ! wie sich die zarte Natur Chrifti entsetzt habe, als Er diese schreckliche Krone ansah. Ohne 3weifel erbebte sein Herz; denn Er wußte wohl, daß ihm diese Krone die heftigsten Schmerzen verursachen, und selbst die Marter der Geißlung an Bitterkeit übertreffen werde. Als die Dornenkrone ganz fertig war, setzten die Henter dieselbe dem lieben Heilande auf sein h. Haupt, und drückten sie mit Stöcken so tief hinein, daß die Dornen durch die Stirne und Schläfe, ja selbst bis in die Hirnschale drangen. Beherzige daher, mein lieber Christ! wie schmerzlich diese Krönung gewesen sei, und wie grausam diese Dornen überall das h. Haupt verwundet haben, daß das Blut von allen Seiten über das Angesicht herablief; wie dies die Mutter Gottes der h. Brigitta selbst geoffenbart hat: Die dörnerne Krone hat so grausam das allerheiligste Haupt meines Sohnes durchstochen, daß sein heil. Blut in seinen Mund, in seinen Bart und in seine Dhren herabfloß." Gedenke, welche unmenschliche Schmerzen dein liebſter Heiland hier litt! Die Erfahrung lehrt, daß ein Glied, das mit einem Dorne gestochen wird, wie Feuer brennt und hoch aufschwillt. Welch unaussprechliche Schmerzen muß also diese spitige Dornenkrone dem Herrn verursacht haben, welcher von gar zarter Beschaffenheit und von der zartesten königlichen Jungfrau geboren worden war? Auch 302 Das stebente Gärtlein. wurden diese Dornen ihm nicht etwa in die Hand oder den Fuß, sondern in das Haupt gestochen, welches der empfind lichste unter allen Theilen des menschlichen Leibes ist, und wo jede Berlekung so gefährlich wird. Durch diese viel fältigen Dornftiche wurde das krante Haupt Chrifti so sehr verwundet, daß es ein Wunder war, wie Er nicht Allein zu der Sinne beraubt wurde und plötzlich starb. seiner größten Bein mußte Er leben, da ihm das Leben bitterer war, als der Tod. Ach Gott, wie schmerzte ihn die breite und schwere Dornenkrone; Er hob sein Haupt, und neigte es bald auf diese bald auf jene Schulter, doch fand er nirgends Erleichterung oder Ruhe! O frommer Christ! ist es wohl möglich, daß dir dieſe Marter nicht zu Herzen gehe, und du mit dem gekrönten Jesu kein Mitleiden tragest? Darum falle im Geiste vor deinem Jesus nieder und sprich folgendes Gebet zu Ehren der Krone Chrifti. O mein gekrönter Herr Jesu Christe! vor dir falle ich auf mein fündiges Angesicht und bete mit reumüthigem Herzen deine göttliche Majestät an. Ich wage kaum, den Blick zu erheben, weil mein Herz vor Mitleiden vergehen müßte, wenn ich dein gekröntes Haupt ansehen sollte. O göttliches Haupt: wie bist du doch so voll Beinen und Wunden! Ihr scharfen Dornen! wie durftet ihr euch unterstehen, meinen Heiland so zu verlezen? Schonet doch eures Erschaffers, und durchstechet vielmehr mein sündiges Haupt, damit ich empfinde, was mein Heiland für mich in seiner Krönung gelitten habe. Krone, geheiligt durch die Berührung und das Blut Jeju Christi, dich küsse und begieße ich mit meinen Thränen. O gekrönter Jesu Christe! durch die Ehre deiner Dornen krone erzeige mir deine göttliche Gnade und Barmherzigkeit, und durch deine unendlichen Schmerzen verzeihe mir meine Sünden, die ich durch die Hoffart und Hartnäckigkeit meines Hauptes begangen habe, und nach diesem Leben wolle mich krönen mit der Krone der ewigen Glorie! Amen. Du edle Betrachtungen vom Leiden Chrifti. 23. Wie Chriftus dem Volke gezeigt wird. Andächtige Seele! was bisher vorging, das haben die Juden und Heiden aus Bosheit gethan; das jetzige Ge heimniß aber hat Christus selbst veranlaßt, und durch seinen h. Geist den Pilatus angetrieben, daß er ihn dem Volke vorstelle; denn auch am jüngsten Tage wird Er sich vor, aller Welt zeigen und den Sündern vorwerfen, was Er ihnen gethan und wie sie ihm vergolten haben. Erhebe jetzt deine innerlichen Augen, und sieh im Geiste denjenigen, welchen du einst am Tage des Gerichts zu deinem Heile oder zu deiner Verdammniß sehen wirst. 303 Als die Söldner Christum genug verspottet hatten, liefen etliche zu Pilatus und sprachen: Herr! wir haben den Gefangnen wohl zugerichtet, was sollen wir weiter mit ihm anfangen? Pilatus antwortete: Führet ihn zu mir her, daß ich ihn sehe; daher brachte man den armen Jesus, mit Stricken gebunden und am ganzen Leibe erbärmlich zugerichtet, zum Pilatus. Als dieser ihn in solcher Gestalt erblickte, erschrak er von Herzen und hatte großes Mitleiden mit ihm, so daß er dachte, es wäre unmöglich, daß sich die Juden seiner nicht erbarmen sollten, wenn sie ihn in diesem traurigen Zustande sähen. Darum beschloß er, Jesum in solcher Gestalt allem Volke vorzustellen was Johannes also beschreibt: Pilatus ging wieder hinaus und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn hinaus zu euch, damit ihr erkennet, daß ich keine Schuld an ihm finde." Jesus ging also und trug die dörnerne Krone und den Purpurmantel. Pilatus stand auf der hohen Stiege vor seinem Hause, stellte Jesum an seine Seite und neben Christus den Scharfrichter. Hierauf sprach er mit lauter Stimme. damit ihn Alle, die unten auf dem Marktplate standen, hören möchten: Ecce homo!"(„ Welch ein Mensch!") Hier bilde dir ein, daß auch du unter den Juden auf dem grausamen Plaße stündest, wo Christus selbst mit bewegter Stimme zu dir spräche: Ecce homo! O Sünder! sich mich armen Menschen an. Betrachte mich am ganzen Leibe, ob du nur so viel Gesundheit an mir findest, als 304 Das siebente Gärtlein. du mit deinem Finger bedecken kannst. Betrachte mich, der ich kaum einem Menschen mehr gleiche und mit Wunden und Blut bedeckt bin. Ich bin so verarmt, daß ich nichts habe, meine Blöße zu bedecken; so verlassen, daß kein Mensch mein Angesicht abtrocknet, und so krank, daß ich mein Haupt nicht ohne Schmerzen umwenden kann. Dabei zittere ich vor Kälte an allen Gliedern, und vermag mich vor Mattigkeit und Schwäche kaum auf meinen Füßen zu erhalten. Bedenk, ob es wohl ein Elend gibt, das ich nicht zu erdulden habe. Trage doch Mitleiden mit mir, und vermehre wenigstens mein Leiden nicht durch deine Sünden, welche mir schmerzlicher sind, als alle Marter und Wunden. Gebet. O armer, verlassener Jesus! mein Gott und Herr! mein Heiland und Erlöser! in welch' einer traurigen Lage sehe ich dich, und wie bist du so voll Jammer und Elend? Wie kömmst du, der wahre Sohn Gottes, der Herr Himmels und der Erde, in dieses Leid? Soll ich nicht das innigste Mitleiden mit dir haben, da ich es bin, um desfenwillen du dies Alles erduldest? O könnte ich dich trösten, deine Schmerzen lindern, deine Wunden heilen, und dich bedecken und laben, wie gerne wollte ich Alles thun! Da ich aber weiß, daß dich meine Sünden mehr kränken, als deine Wunden, so nehme ich mir ernstlich vor, mein Leben lang. teine Sünde zu begehen, und lieber zu sterben, als zu sündigen. Herr! stärke meinen Vorsatz und erhalte mich in deiner Gnade. Amen. 24. Ecce homo! Sehet, welch' ein Mensch! Damit Jederman die erbärmliche Gestalt Jesu Christi recht erkenne, will ich selbe von Glied zu Glied beschreiben, und zwar nicht, wie ich sie erdichtet, sondern wie der heil. Geist solche in der h. Schrift erklärt hat und sie noch heutzutage in dem Grabtuche Chrifti eingedrückt zu sehen ist. Erstlich hatte der Herr auf dem Haupte eine entsegliche Dornenkrone, in der Form und Höhe, wie ein Hut, und im Umkreis zwei Werkschuhe lang und breit, womit das Betrachtungen vom Leiden Christi. 305 ganze Haupt gleich einem Dornenzaune eingezäunt war. Sein Haar, welches sehr lang wuchs, und nach dem Geseze der Nazarener niemals geschoren wurde, war damals ganz zerrauft, mit Blut überonnen und mit Speichel bejudelt und theils zusammengeklebt, theils büschelweise ausgeriffen, so daß das gebenedeite Haupt Christi unter der dörnernen Krone ganz kahl zu sein schien. Vom Haupte bis mitten auf die Stirne sah man die spizigen Dornen inwendig durch Haut und Fleisch gehen, und das Haupt grausam verwunden. Seine Ohren waren voll Blut, und von den herunterhängenden Dornspigen verlegt und durchstochen. Seine Augen waren wegen des herablaufenden Blutes verdunkelt und zusammengeklebt, so daß Er sie nur mühsam öffnen konnte. Außen waren sie wegen der vielfältigen Schläge ganz braun und blau, inwendig aber entzündet und geschwollen. Seine H. Wangen, welche sonst wie Milch und Blut aussahen, waren jetzt von dem Speichel und dem herabflie ßenden Blute entstellt, von den Nägeln zerkraßt und von den vielen Backenstreichen hoch aufgeschwollen, wie die eines Ausfäßigen. Sein Honig fließender Mund war ganz zerkraßt, geschwollen und entfärbt. Seine Kehle, der Schlund und Hals waren so voll Wunden, daß der Herr sich ohne Schmerzen nicht umwenden, noch etwas hinabschlucken konnte. Kurz, sein ganzes liebliches Antlik war so gräßlich entstellt, daß kein Mensch dasselbe mehr erkennen konnte. D christliche Seele! hast du schon jemals ein ähnliches Angesicht erblickt, und würdest du es wohl ohne äußerstes Entsetzen und herzliches Mitleiden ansehen können? Stelle dir daher das Angesicht Christi, wie es hier beschrieben wurde, vor die Augen der Betrachtung, so wird es unmöglich sein, daß du nicht gerührt werdest. Als nun die Juden dieses entsetzliche Schauspiel sahen und hörten, wie Pilatus sie mit dem Worte: Ecce homo! so treulich ermahnte, sich mit dieser Marter Christi zufrieden zu geben; wer hätte da nicht meinen sollen, dieſer klägliche Anblick sei ihnen zu Herzen gegangen, und sie hätten es bereuet, daß sie diesen armen Mann den Heiden übergeben, welche ihn so grausam und unmenschlich Myrrhengarten III. 23. Aufl. 20 Das siebente Gärtlein. mißhandelten? Allein kein Mitleid war bei den Juden zu finden; denn ihre Herzen waren ganz verstockt und verhärtet. Obwohl sie sich mit eigenen Augen von dem Elende Christi überzeugten, waren sie dennoch nicht mit dem, was bisher geschehen, zufrieden, sondern wollten durchaus, Pilatus sollte den Gefangenen tödten lassen. Darum spricht auch Johannes:„ Als ihn die Hohenpriester Kreuzige, und Diener sahen, schrieen sie und sprachen: kreuzige ihn!" O der unmenschlichen Grausamkeit und Tyrannei! Wer sollte wohl glauben, daß solche blutgierige Menschen jemals auf Erden gewesen seien, welche aus lauter Haß und Neid einen unschuldigen Menschen zum grausamsten Tode begehrten? wie schmerzlich wird dem gütigsten Herrn und seiner betrübtesten Mutter dieses Mordgeschrei vorgekommen sein, und wie tief wird es ihr Herz verwundet haben, als das ganze jüdische Volk aus allen Kräften schrie: Kreuzige, kreuzige ihn! -306 „ Nehmet 11 Auf dieses Rufen sprach Pilatus entrüstet: ihn hin und freuziget ihn; denn ich finde keine Schuld an ihm." Da antworteten die Juden: Wir haben ein Geſetz und nach dem Gesetze muß er sterben; denn er hat sich selbst zum Sohne Gottes gemacht." Da Pilatus dies hörte, fürchtete er sich noch mehr. Denn weil die Heiden viele Götter hatten, und sogar glaubten, daß die Götter Söhne und Töchter hätten, glaubte er, Christus möchte vielleicht der Sohn eines Gottes sein, und er würde von dem Gott, dessen Sohn er wäre, nicht ungestraft bleiben. Darum ging er wieder in das Gerichtshaus, und sprach zu Jesus: Woher bist du? Jesus aber gab ihm keine Antwort. 11 Da sprach Pilatus zu ihm,„ Mit mir redest du nicht? Weißt du nicht, daß ich macht habe, dich zu kreuzigen und Macht habe dich los zu lassen?" Der Heiland wollte Pilatus seines Uebermuthes wegen zurecht weisen und sprach daher:„ Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben herab gegeben wäre: darum that der, welcher mich dir überlieferte, eine größere Sünde." Aus diesen Worten verstand Pilatus wohl, daß er fündige, wenn er Christum freuzigen ließe, deshalb trachtete Betrachtungen vom Leiden Christi. 307 er auf alle Weise, wie er ihn freigeben möchte. Die Juden aber riefen mit wildem Geschrei: Wenn du dieſen losläsfest, so bist du des Kaisers Freund nicht; denn Jeder, der sich zum Könige macht, widersetzt sich dem Kaiser." Wegen dieser Rede der Juden wurde Pilatus ganz bestürzt und dachte: Wenn sie mich bei dem Kaiser verklagen, werde ich nicht blos meines Amtes entsetzt, sondern auch hart gestraft werden. So ist es denn besser, daß Christus sterbe, als daß ich so viel Ungemach erdulde. Dies war sein letzter Beschluß, und um dieser Ursache willen gedachte er, Christum zum Tode zu verurtheilen. höchste Ungerechtigkeit! Bedenk, o Christ! die Thorheit des Pilatus und die äußerste Verachtung Christi. Darum erbarme du dich seiner und tröste ihn mit folgendem Gebet zu Christus, als er dem Volke gezeigt wurde. Overachtetster Jesu! gedenke des unaussprechlichen Schimpfes, welcher dir widerfuhr, als du von Pilatus nach deiner Krönung dem Volke vorgestellt und von demselben zum Tode des Kreuzes gefordert wurdest. Erinnere dich, wie zum Erbarmen du auf der hohen Stiege vor dem Hause des Pilatus zwischen dem Richter und dem Henker standest, und an allen Gliedern zittertest. Ach, wie be dauerungswürdig war es anzusehen, wie dein Haupt mit Dörnern gekrönt, dein Angesicht mit Blut überronnen, deine Hände mit Stricken gebunden, dein Leib zerfleischt und deine Gestalt ganz verändert war. Dennoch war unter allem Volke Niemand, der sich deiner erbarmet noch viel weniger deiner Erlösung sich angenommen hätte: sondern je beklagenswerther du warest, desto mehr schrieen fie, Pilatus sollte dich kreuzigen lassen. Oliebster Jesu! welchen Eindruck machte dieses grausame Mordgeschrei auf dein gekränktes Herz! Wie viele Stimmen erschollen, so viele Stiche empfingest du, und je größeren Neid sie wider dich bewiesen, desto tiefer waren deine Wunden. O armer Jesus! wie kann man dich so hassen, und wie ungerecht geht man mit dir um! An diese Schmach erinnere ich dich, und dieses Mordgeschrei opfere ich dir auf. Mit deinem betrübten Herzen trage ich inniges Mitleid, und deine 20* 308 Das siebente Gärtlein. Schmerzen verwunden meine sündige Seele. Jch bitte dich durch deine schmähliche Vorstellung vor dem Volfe, und das wilde Geschrei, mit dem sie deinen Tod forderten, erbarme dich meiner, wenn ich einst vor deinem Gerichte erscheine und vor allen Geschöpfen, die ich mißbrauchte, zum Tode gefordert werde. O mein strenger Richter! mit größerer Scham werde ich alsdann vor dir stehen, als du vor deinen Feinden gestanden bist; darum bitte ich dich demüthig, erbarme dich meiner, und tröste mich in dieser großen Angst. Amen. 25. Wie Christus zum Tode verurtheilt wurde. Diese Geschichte besser zu verstehen, mußt du wissen, daß zu Jerusalem ein besonderer Richterstuhl von lauter behauenen Steinen an einem hohen Orte unter freiem Himmel erbaut war, wo man nach altem Gebrauche das Todesurtheil über die Verbrecher zu sprechen pflegte. Dieſer Richterstuhl wurde Gabbatha genannt( d. h. auf der Höhe), und lag etwa einhundert und zehn Schritte weit von dem Hause des Pilatus gegen Mitternacht. Es steht noch heu tigen Tages ein großer steinernen Bogen, wie ein großes Thor daselbst, und an demselben sieht man mit alter lateinischer Schrift die Worte eingehauen: Toll. toll. crucifig.( hinweg, hinweg, freuzige), das übrige kann man vor Alter nicht lesen. Auf diesen Richterstuhl mußte Christus geführt werden, damit er zum Tode verurtheilt würde, und dies war der sechste Gang in seinem Leiden, den der h. Evangelist Johannes mit folgenden Worten beschreibt: ,, Als Pilatus diese Worte gehört hatte, führte er Jesum hinaus, und setzte sich auf den Richterstuhl an dem Orte, der, Lithostroton, auf hebräisch aber Gabbatha genannt wird." Als Christus zu dem Richterstuhle Gabbatha kam, setzte sich Bilatus auf einen kostbaren Stuhl, und seine Diener und Trabanten standen voll Hoffart neben ihm. Der Heiligste aber stand zwischen den beiden Mördern, die mit ihm verurtheilt werden sollten, und wiewohl Er als Richter der Lebendigen und Todten einst kommen wird, so mußte Er dennoch hier das unbilligste Gericht ausstehen. Betrachtungen vom Leiden Christi. 309 Als Pilatus ihn so jammervoll und zitternd vor sich ſtehen sah, hatte er ein herzliches Bedauern mit ihm und dachte bei sich selbst: Ei, sollte denn dieser arme Mensch eines so bittern Todes sterben? Es ist ja vor Gott und der Welt ungerecht, daß ich ihn verurtheile. Darum wollte er es noch einmal versuchen, ob sich die Juden denn gar nicht seiner erbarmten. Er stand daher von seinem Richter stuhle auf, stellte Jesum auf den hohen viereckigen Stein, der daselbst lag, hob seinen Purpurmantel auf, und sprach mit lauter Stimme:" Sehet euern König!" gleich als wollte er sagen: Sehet doch diesen armen Menschen an, dem ihr vorwerfet, Ér wolle sich zu eurem Könige auf werfen. Wie könnte das wahr sein? Er hat ja weder die Gestalt noch das Ansehen zu einem Könige. Und wenn es schon wahr wäre, so ist er nun genug gedemüthiget, daß Er es niemals wieder wagen wird, derartiges zu unternehmen. Begnügt euch mit seiner Bestrafung, und gönnt ihm wenigstens sein armes, elendes Leben! Da die Juden hörten, daß Pilatus abermals den Herrn zu befreien suchte, wurden sie vor Zorn und Haß ganz rasend und schrieen wie unsinnig: Hinweg, hinweg mit ihm: kreuzige, kreuzige ihn! Als Pilatus mit höchstem Erstaunen dies Geschrei hörte, sprach er zu den Juden:„ Soll ich denn euern König kreuzigen?" Die Hohenpriester aber antworteten: Wir haben keinen König, als den Kaiser;" und alles Volk schrie mit ihnen: Es lebe der Kaiser! wer sich wider den Kaiser auflehnt, soll des Todes sterben! Jhr Rufen und Schreien war so heftig, daß Niemand sein eigenes Wort hören konnte; weshalb auch der heil. Lukas sagt: " Sie hielten an mit großem Geschrei und forderten, daß Er sollte gekreuzigt werden, und ihr Geschrei nahm immer zu;" so zwar, daß Pilatus einen Volksaufstand und Gewaltthaten befürchtete. Als daher Pilatus sah, daß er nichts ausrichten könne und der Tumult immer größer wurde, wollte er ihnen dieses Urtheil auf ihre Seele geben; daher ließ er sich nach jüdischem Gebrauche Wasser bringen, wusch sich vor allem Volke die Hände und sprach:„ Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten, sehet ihr 310 Das siebente Gärtlein. zu!" Da antwortete das ganze Volk: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!" Wegen dieser Worte ist das Volk von Gott verflucht worden bis auf den heutigen Tag, und muß bis an's Ende der Zeiten die Strafen dieses unschuldig vergossenen Blutes erdulden. Als Pilatus sah, daß alle seine Pläne scheiterten, wollte er da sunruhige Volk beschwichtigen und Christus zum Tode verurtheilen; er ließ daher nach römischem Gebrauche in die Posaune blasen, damit Alle schwiegen. Dies war ein schrecklicher Schall, der Christo und Maria die Seele durchdrang. Dann sette sich Pilatus auf den Richterstuhl und sprach das Todesurtheil aus. O ungerechtes Urtheil, über das sich billig die Himmel verwundern und die Erde entsetzen sollen! Das Leben wird zum Tode verurtheilt, die Gerechtigkeit für einen Verbrecher erklärt, und die Unschuld verdammt; ja der Richter aller Lebendigen und Todten wird von einem schnöden Heiden zum schmählichsten Kreuzestode verurtheilt. O Christ! bedenke, wie schrecklich dieses Urtheil deinem Erlöser vorgekommen sei. Du aber, o Sünder! traure mit ihm, und sprich mit betrübtem Herzen folgendes Gebet zu Ehren des Urtheiles Chrifti. O verurtheilter Jesu! in Betrübniß meiner Seele falle ich vor dir nieder, und voll Mitleid erinnere ich dich der angstvollen Stunde, als der ungerechte Richter das Todes urtheil wider dich fällte, das du so lange befürchtet und mit Bangigkeit des Herzens erwartet hattest. Als es nun ausgesprochen war, ach, welch' ein Entsetzen überfiel dich! Alle Worte des Pilatus waren schärfer, als zweischneidige Schwerter, und durchbohrten dein Herz. Ich erinnere dich dieser bittersten Angst, und bitte dich um derselben willen um Gnade und Barmherzigkeit, wenn einst jene Stunde. für mich kommen wird, wo ich vor deinem Gerichte er scheinen muß, und du ein gerechtes Urtheil nach meinen Verdiensten über mich fällen wirst. Wehe dann meiner armen Seele, wehe mir boshaften Sünder! welche Angst werde ich ausstehen müssen! Dann aber, o Jesu! gedenke des Mitleids, das ich jetzt mit dir trage, und der Thränen Betrachtungen vom Leiden Christi. 311 und Seufzer, die mir dein Elend erpreßt. Lasse alsdann dein Herz gegen mich erweicht werden, und handle mit mir so, wie ich an der Stelle des Pilatus an dir gehandelt hätte: denn ich würde dich gewiß nicht zum Tode verurtheilt, sondern aus den Händen deiner Feinde errettet haben. Darum sprich auch über meine Seele ein gnädiges Urtheil und rufe ihr zu: Komm, du Gebenedeite meines Vaters, und besitze das Reich, welches dir von Anbeginn der Welt bereitet ist. Amen. 26. Wie Christo das Kreuz aufgeladen wurde. Sobald die Juden das Todesurtheil über Jesum aussprechen gehört hatten, waren sie voll Freude, als ob ihnen das größte Glück von der Welt begegnet sei. Damit Pi latus sein Urtheil vielleicht nicht widerriefe, zögerten sie keinen Augenblick, sondern trafen alsbald Anstalt, Alles, was zur Kreuzigung nöthig war, baldmöglichst in Bereitschaft zu sehen. Etliche nahmen das Holz für das Kreuz, Andere bestellten die Zimmerleute, wieder Andere schafften Nägel, Stricke, Hämmer, Bohrer, Zangen, Leiter, Stangen, und was sonst nöthig war, eiligst herbei; furz, man sparte weder Mühe und Arbeit, noch Unkosten, damit ihr Feind nur recht bald an's Kreuz käme. Ebenso ergriffen auch die Henkersknechte Jesum mit Umgestüm, und führten ihn die Stiege hinab. Als Christus nun bekleidet, gekrönt und gebunden war, führten ihn die Henkersknechte aus dem Hause des Pilatus sechs und zwanzig Schritte weit auf den offenen Marktplak, brachten das schwere Kreuz herbei und legten es vor seinen Füßen nieder. Dieses Kreuz war 15 Schuh lang, das Querholz maß acht Schuh, und war ein grobes, dickes und ungeschlachtes Holz, welches wohl einen angehefteten Menschen tragen, aber nur mühsam von einem Orte zum andern gebracht werden konnte. Einige sagen, es sei von Oliven-, Andere, es sei von Eichenholz gewesen. Als nun Christus dieses schwere Kreuz zum ersten Male erblickte, o, wie mag ihm da zu Muthe gewesen sein! Gewiß überfiel ihn ein kalter Schauder am ganzen Leibe und durchdrang ihm Mark und Bein; doch aus Liebe zu 312 Das siebente Gärtlein. unserm Heile knieete Er vor dem Kreuze nieder, neigte sein Haupt zur Erde, küßte es mit weinenden Augen und sprach: Sei mir gegrüßt, o h. Kreuz! du Ruhebettlein meines kranken Leibes, dich habe ich allezeit geliebt, dich habe ich lange gewünscht und darum bin ich vom Himmel herabgekommen, auf daß ich an dir für das menschliche Geschlecht leiden und sterben möchte. Du wirst mir zwar sehr bitter sein, gleichwohl aber begehre ich nach dir von ganzem Herzen. O geliebtes Kreuz! weil ich von allen Menschen verstoßen bin, so nimm du mich auf, an dir will ich leben und sterben. Gedenk, o Mensch! wie herzergreifend es gewesen sein muß, als der arme Jesus auf offenem Markte vor so viel tausend Menschen niederknieete, das harte Kreuz so freund lich grüßte, mit seinen franken Armen liebreich umfing, mit ſeinem Munde zärtlich küßte, und mit seinen heißen Zähren liebreich begoß. Ohne Zweifel waren viele zugegen, welche über diesen Anblick gerührt wurden, und mit dem armen Verurtheilten ein herzliches Mitleid hatten. Als der liebe Jesus sein Kreuz so freundlich bewill kommt hatte, stand er wieder von der Erde auf und sah es freundlich an. Viele tausend h. Engel waren zugegen, und erboten sich, das Kreuz statt ihres Herrn zu tragen; die Liebe aber, welche Christus zu unserm Heile hatte, ließ dies nicht zu, sondern er wollte es selbst tragen, Weil wiewohl es ihm menschlicher Weise unmöglich war. keiner von den Schergen so barmherzig war, daß er das Kreuz aufgehoben und es Christus aufgeladen hätte, streckte Er selbst seine verwundeten Arme aus, und legte es mühsam auf seine Schultern. Gebet. O getreuer Liebhaber des Kreuzes, wenn ich bedenke, wie geduldig du dein Kreuz auf dich genommen hast, muß mein Herz vor Mitleid bewegt werden. Du wußteft gar wohl, welch' gräßliche Peinen du an dem harten Kreuzesholz ausstehen würdest, und wie die Juden und Heiden dich verfluchen würden; und dennoch fielest du so demüthig vor demselben nieder, bewillkommnetest es jº Betrachtungen vom Leiden Christi. 313 were freundlich, und nahmst es mit größter Bereitwilligkeit auf deine Schultern. Warum thatest du dieses Alles, als nur allein darum, weil du mich am Kreuze erlösen und mir die ewige Seligkeit erwerben wolltest? Du dachtest auch, wenn ich hören würde, wie du mir zu Liebe das Kreuz auf dich geladen und über deine Kräfte mit größten Schmerzen bis auf den Calvarienberg getragen habeſt; So würde ich mich wohl nicht weigern, auch aus Liebe zu dir mein Kreuz auf mich zu nehmen und mit Geduld zu tragen. Wie schändlich wäre es also, wenn ich dir nicht nachfolgte, und die Leiden, welche du mir sendest, nicht mit Geduld ertrüge. Darum bin ich bereit, mein Kreuz auf mich zu nehmen, und dasselbe so lange, als es dir gefällig sein wird, zu tragen. Weil aber mein Wille noch gar zu schwach ist, so wollest du ihn stärken und durch deine Gnade aufmuntern. O du Freund des Kreuzes, gib auch mir die Liebe zum Kreuze, und Lust, zu deiner Ehre zu leiden. Lege mir ein Kreuz nach deinem Willen auf; doch gib mir auch Geduld, dasselbe zu meinem Heile zu tragen. Verzeihe mir, daß ich bisher so ungeduldig hierin war; es ist mir herzlich leid und ich will mich gewiß bessern. Zur Erstattung aller meiner Ungeduld opfere ich dir die herzliche Liebe, mit welcher du dein Kreuz umfangen, und die große Geduld, mit welcher du es bis an deinen Tod getragen hast. Amen. 27. Wie Christus das Kreuz getragen hat. Nun komm, o christliche Seele! und sieh, wie dein Erlöser sein eigenes Kreuz getragen habe, und in welcher Ordnung der Zug zum Richtplage gegangen sei. Der Fahnenträger sammt der Gerichtsposaune ging voran, hierauf folgten die Soldaten des Pilatus in voller Rüstung, nech diesen kamen die Henkersknechte in ihrer Ordnung, und trugen die zur kreuzigung nöthigen Werkzeuge, nämlich die Leiter, Bohrer, Hämmer, Stricke, Zangen, Nägel und Grabscheite; einer hatte die Kanne mit Myrrhenwein, den man den armen Sündern vor der Kreuzigung zu geben pflegte, ein anderer hatte ein Geschirr mit Essig und Ysop. Nach diesen folgten die beiden Mörder, nackt und gebunden, 314 Das siebente Gärtlein. von zwei Schergen geführt, endlich kam der arme Jesus, zwischen vier Henkersknechten. Einer ging voran und führte ihn an dem Stricke, der dem Gefangenen um den Leib gebunden war, und zwei gingen an den Seiten mit den Stricken, welche sie ihm um die Arme gelegt hatten, der vierte ging hinter Jesus, und trieb ihn ungestüm fort. Nach Christus kamen die Hohenpriester, Pharisäer, Schrift gelehrten und Aeltesten des Volkes zu Pferde in großer Pracht, und den Zug beschloß eine zahlreiche Volksmenge, welche die Neugierde zusammengeführt hatte. O wie freuten sich die Hohenpriester, da sie Christus mit dem Kreuze einhergehen jahen! Mit den Hohenpriestern stimmte das gemeine Volk ein und lästerte den Kreuzträger schändlicher Weise. So ging in Erfüllung, was Jeremias in seinen Klageliedern geweifsagt hatte: Alle, die des Weges ziehen, schlagen deinetwegen in die Hände, sie zischen und knirschen mit den Zähnen, und sprechen: Laßt uns sie verschlingen, sieh, das ist der Tag, auf den wir ge wartet; wir haben ihn erlebt, gesehen!" Der Weg von dem Hause des Pilatus durch die Stadt zur Gerichtspforte hinaus bis auf den Berg Calvaria beträgt eine halbe Stunde; unser Erlöser aber hat wohl eine gute Stunde dazu gebraucht, da Er so matt und krank war. Ueberdies waren seine Füße von den vielen Schlägen so geschwollen, daß er bei jedem Schritte die heftigsten Schmerzen fühlte und kaum gehen konnte. Als der gütigste Herr das Kreuz zu tragen anfing, ging er vielleicht etwas aufwärts; allein schon nach wenigen Schritten wurde ihm dasselbe so schwer, und drückte ihn so heftig auf die Schultern, daß Er ganz gebückt gehen mußte. Je länger Er fortging, desto schwerer beugte ihn die Last darnieder. Da Jesus serner barfuß ging, ſtieß er sich oft mit den Zehen an die harten Steine, so daß das Blut zur Erde floß. Weil das wollene Kleid durch die beständige Bewegung des Leibes immer sich an den früheren Wunden rieb, wurden diese erneuert und bluteten ohne Unterlaß. Das Kreuz war sehr lang und schwer, und das Quer holz hing Christo von vorne so weit über die Kniee herab, Betrachtungen vom Leiden Christi. 315 daß Er sich mit den Schienbeinen oft daran stieß, was ihm ungemeine Schmerzen verursachte. Der mittlere Kreuzbalken war so lang, daß er ihn weder auf den Schultern halten, noch auf dem Rücken schwebend tragen konnte, sondern auf der Erde hinter sich nachschleifen mußte. Dadurch geschah es, daß das Kreuz immer auf- und niederstieß, und dem Herrn auf seinen verwundeten Schultern unaussprechlichen Schmerz verursachte; und wenn Er es etwa über einen Stein oder eine Erderhöhung ziehen mußte, so fiel es mit Gewalt auf seine Schultern nieder, und stieß ihn gräulich an die Dornenkrone. Sein Leibrock war in die Wunden und offenen Geißelstriemen gar hart eingedrückt, die Schulterbeine waren sehr gequetscht, und wegen des beständigen Schwankens des schweren Kreuzes wurden alle Wunden des Rückens immer erneuert und erweitert, was dem lieben Heilande so fürchterliche Qualen verursachte, daß Er oftmals einer Ohnmacht nahe war. Endlich weil die Dornenkrone so dick und breit war, daß sie weit über die Schultern ging, konnte Christus sein Kreuz nicht recht tragen, sondern nur an der äußersten Achselspitze erhalten. Daher geschah es, daß es ohne Unterlaß auf die Arme herabfiel, und wieder hinaufgeschoben werden mußte, und Christus sich so sehr abmattete, daß ihm der Angstschweiß am ganzen Leibe ausbrach. So ging er seufzend und unter seiner Last keuchend mit gebeugtem Leibe einher; und dennoch war Niemand, der sich seines großen Elendes erbarmte. O so erbarme du dich seiner, mein frommer Chrift! und tröste ihn durch folgende an dächtige Verehrung dieses letzten kläglichen Ganges Christi. mein liebster, kreuztragender Jesus! in Erwägung dieses letzten und bittersten Ganges ist mein Herz mit solchem Mitleiden erfüllt, daß ich weder Maaß noch Ziel finde. Im Geiste der Demuth und mit zerknirschtem Herzen falle ich auf meine Kniee nieder und küsse andächtig diesen h. Weg und die Blutspuren deiner Füße; und bitte dich bemüthigst durch diesen bittersten Gang, sowie durch alle 316 Das siebente Gärtlein. Martern, die du auf demselben gelitten hast, du wollest mir alle fündigen Wege, die ich in meinem ganzen Leben gegangen bin, gnädig verzeihen. Und wenn ich den Weg aller Welt werde gehen müssen, so gedenke, o milder Jesu! daß du diesen bitteren Kreuzweg für mich gewandelt bist, damit ich nicht verloren gehe, sondern durch deine Verdienste selig werde. Amen. Zur Betrachtung der einzelnen Geheimnisse des h. Kreuzweges fannst du dich füglich der dritten, vierten bis neunten Station der Kreuzweg- Andacht bedienen. 28. Was Christus vor der Kreuzigung gelitten hat. Andächtige Seele! in der Betrachtung des bittern Leidens Christi kommen wir nun auf den Calvarienberg, wo so viele schreckliche Geheimnisse vorgegangen sind, daß fein Mensch ohne H. Schauder an selbe denken kann. Wir haben viel gehört und betrachtet, was Christus am Del berge, in der Stadt Jerusalem, in den Häusern des Annas, Kaiphas, Pilatus und Herodes gelitten habe, allein dies Alles ist nicht zu vergleichen mit dem Leiden, was Er auf dem Calvarienberge ausstand, und das so groß und viel war, daß keine Feder es beschreiben und kein Verstand es begreifen kann. Ja, es wird bis auf den jüngsten Tag nicht Alles offenbar werden, was Christus hier ge litten hat. Wenn du demnach deinem Erlöser auch auf diesen Berg nachfolgen willst, gleichwie du ihn in seinem ganzen Leiden begleitet hast, so mußt du dein Herz zum Mitleid und deine Augen zu Thränen bereiten. Zum ersten wisse, daß der Calvarienberg nur dreißig Schritte lang und vier und zwanzig Schritte breit sei, so daß wenige Menschen dort Platz hatten. Ringsumher ſtanden weder Bäume noch Hecken, sondern es war ein felfiger und unfruchtbarer Hügel. Ehe der Herr mit dem Kreuze daselbst ankam, war schon eine unzählige Volks menge vorausgeeilt und rings um den Hügel versammelt, damit sie die Kreuzigung besser sehen möchten. Viele hatten sich auch an den Weg gestellt, um dem Heilande recht in's Angesicht schauen zu können. Sobald Er daher mit den Gerichtsdienern und etlichen wenigen von den 317 Betrachtungen vom Leiden Christi. vornehmsten Hohenpriestern sich dem Berge genähert hatte, und alles Volk hinten nachströmte, läßt es sich nicht aus sprechen, welch eine ungeheure Menschenmenge den ganzen Berg umgab; denn nach einer wahrscheinlichen Berechnung waren über zwei Millionen Menschen aus allen Ländern der Welt in Jerusalem beisammen, und unter dieser unge heuren Masse waren nur wenige, welche nicht hinausgingen, dieses Schauspiel zu sehen. Es war daher unter dem Volte ein gewaltiges Getümmel, Geschwätz und Gelächter, so daß man kaum sein eigenes Wort verstehen konnte. Die betrübte Mutter Gottes, welche diesen Blutweg mehr todt als lebend gegangen war, und von ganzem Herzen zitternd an den Berg zu kommen fürchtete, kam endlich auch mit ihrer traurigen Gesellschaft nach, und sie führten ein so erbärmliches Klagen und Weinen, daß alle Menschen mit ihnen Mitleid haben mußten, besonders wußte die h. Magdalena sich gar nicht zu trösten. Zu diesen Auserwählten gesellten sich auch die Frauen und Töchter, welche Christus am Scheidewege angeredet hatte. Sobald der Herr mit seinem Kreuze an dem Berge Calvariä angekommen war, warfen ihm die Henker das Kreuz von der Schulter herab und stießen den Simon höhnisch weg, damit er sie nicht hindere. Obwohl nun dem Heilande das Kreuz war abgenommen worden, so waren jeine Schultern und der Rücken doch so heftig gequetscht, daß er von der Abnehmung der Last nur wenig fühlte und sie noch immer zu tragen vermeinte. Ueberdies war Er von dem langen Tragen so niedergebeugt worden, daß er sich weder strecken noch aufrichten konnte. Jetzt nahmen sie das Maaß von den Armen und Beinen, und bohrten darnach die Löcher in's Kreuz, doch weiter hinaus, daß sie den Herrn recht dehnen möchten. Alsdann trat ein Henker mit einem Becher voll Myrrhenwein, mit Galle und Effig vermischt zu Christus und bot dem Herrn einen Er kostete von diesem Weine etwas weniges, doch gab Er den Becher sogleich wieder zurück und wollte nicht trinken. So peinigte der Herr seinen Geschmack wegen unserer Unmäßigkeit und Leckerhaftigkeit im Essen Trunk an. und Trinken. 318 Das siebente Gärtlein. Nach diesem üblen Willkommen führten die Schergen das geduldige Lamm wieder von der Höhe des Berges herab 70 Schritte weit gegen den Fuß desselben, wo eine finstere Gruft unter der Erde etwa 20 Spannen lang und 18 Spannen breit war, worin die armen Sünder einge sperrt wurden, bis Alles zur Hinrichtung bereit war. Sie stießen ihn so ungestüm hinein, daß Er auf beide Kniee niederfiel und der Stein sich erweichte, so daß sich die Male der Kniee abdrückten, wie in weichem Wachs. Diese Zeichen sind noch heutigen Tages zu sehen; aus dem Kerker selbst aber haben die Christen eine Kapelle gemacht und einen Altar darin errichtet, welche in der großen Kirche des H. Grabes eingeschlossen ist, und noch immer der Keller Christi genannt wird. Obitterer Kerfer! mit hl. Schauder verehre ich dich und falle auf mein Angesicht nieder. Ihr heil. Malzeichen der Kniee meines Erlösers, die ihr in den Felsen einge drückt seid, ich küsse euch in Demuth und Mitleid. Q gütigster Jesu! der du in diesem Kerker so viele Angst und Bein erduldet hast, daß kein menschliches Herz selbe begreifen kann, ich bitte dich, gedenke dereinst auch meiner Angst auf dem Todesbette und habe alsdann Mitleid mit meiner armen Seele! Erlöse mich aus dem feurigen Kerker der Hölle, auf daß dein Gefängniß meine Erlösung sei. A. Nachdem Alles zur Kreuzigung in Bereitschaft gesetzt war, nahmen die Henker den armen Gefangenen aus seinem Kerker heraus und führten ihn wieder zum Calvarienberge. Dies war der letzte und kürzeste Gang, welchen Christus in seinem Leiden machte; denn Er hatte nur siebenzig Schritte zum Kreuze zu gehen; es war aber auch der allerbitterste und schrecklichste; denn Er ging zu einer Martet, die kein Mensch zu beschreiben vermag. Kaum war Er durch die Tausende von Menschen hindurch beim Kreuze um ihm den angekommen, als die Henker ihn ergriffen, ungenähten Rock über sein H. Haupt herabzuziehen. Sie konnten es aber nicht wegen der Dornenkrone, und weil der Rock, den ihm Maria in der Kindheit gestrickt hatte, oben so enge war. Sie mußten daher abermals die Dornen krone abnehmen. Hier bedenke, o christliches Herz! was Betrachtungen vom Leiden Christi. 319 für neue unsägliche Schmerzen dies verursacht habe! Du weißt, wie wehe es thut, einen Splitter herauszuziehen, den man sich in's Fleisch gestoßen hat; wie schmerzlich muß also erst das Herausziehen der Dörner, welche schon fo lange im Kopfe steckten, dem lieben Heilande gefallen sein. Erinnere dich also östers in deinen Schmerzen des Heilandes, und opfere ihm dieselben zu Ehren seiner öftern schmerzlichen Krönung. Nachdem sie ihm die Krone abgezogen hatten, rissen diese rohen Unmenschen ihm mit solchem Ungestüm den Rock ab, daß alle Wunden erneuert wurden. Insbesondere sah man damals auf seinen Schultern und am Rücken eine überaus große schreckliche Wunde, weil der Druck vom Kreuze dort am heftigsten war, und sohin die Kleider wie angeleimt festhielten. Es sah demnach der ganze Rücken wie ein offener Schaden aus. Nun komme, o liebende Seele! und betrachte deinen verwundeten und blutenden Bräutigam. Hier steht Er vor dir auf dem Calvarienberge, tausend unreinen Blicken preisgegeben. Sieh! derjenige, welcher die Bäume mit Blättern, die Thiere mit Fellen und die Erde mit Gewächsen bedeckt hat, fonnte mit Nichts seine Blöße bedecken! wie viel schmerzlicher als alle Wunden, fiel dem lieben Heilande diese Beschämung! Welch großes Herzenleid empfand auch die jungfräuliche Mutter Maria, als sie ihren lieben Sohn also erblickte! Ach, ich, ich bin an dieser Entblößung am meisten Schuld, weil du, mein keuschester Jesu! meine Unteuschheit und Schamlosigkeit in Gedanken, Worten und Werken dadurch abbüßen mußtest! O Jesu! ich falle in tiefster Demuth dir zu Füßen und bitte um Gnade! Verzeihe mir, o Jesu, verzeihe mir meine Unverschämtheit! ich will fortan nicht mehr also sündigen, und bitte dich durch deine Entblößung, gedenke nicht mehr der vielfältigen Schmach, welche ich dir zugefügt habe. A. Als die Schergen dem Herrn seine Kleider ausgezogen hatten, setzten sie ihn auf einen harten Stein und setzten die Krone wieder auf sein verwundetes Haupt, und nun schon zum dritten Male. O unerhörte Pein! wie ist es doch möglich, daß Christus eine so bittere Marter leidet! Ach, betrachte, meine Seele! wie dein geliebter Jesus so 320 Das siebente Gärtlein. schrecklich aussieht! Du entsetest dich oft über den Anblic eines blutenden Menschen; warum entsetest du dich denn nicht jetzt, da du deinen Herrn und liebsten Freund so ganz mit Blut überronnen siehest? Sieh! hier steht der Erlöser ganz entblößt, die Dornenkrone auf dem Haupte tragend, vor Schmerz und Kälte am ganzen Leibe zitternd. Seine Augen sind voll Blut, daß Er Niemand anschauen kann, außer Er schließe sie zuerst, um das Blut mit Ge walt herauszupressen. Sein Haupt ist voll Dornstiche, und sein Körper ganz zerfleischt. Darum falle demüthig vor ihm nieder und sprich: Gebet. O gekrönter König des Himmels und der Erde, Herr Jesu Christe! ich erinnere dich jener grausamen Marter, welche du in deinem h. Haupte litteft, als dir auf dem Calvarienberge zum dritten Male die dörnerne Krone aufgesetzt und alle deine Wunden erneuert wurden. O schmerzhafter Heiland! was war das für eine unerträgliche Pein, und wie schrecklich wütheten die Dornenspizen deinem H. Haupte. O gefröntes, ehrwürdiges, gebenedeites Haupt! mit Ehrfurcht bete ich dich an und betrauere mit tiefstem Mitleiden deine Schmerzen. Wie hast du doch meine Hoffart so theuer bezahlen müssen, um die Sünden, die ich mit Pracht, Hochmuth und Hartnäckigkeit meines Hauptes begangen habe, abzubüßen. Diese deine Genug thuung laß mir zu Theil werden, und opfere dieselbe dem himmlischen Vater zur völligen Versöhnung seines gött lichen Zornes. O gütigster Vater! durch die dreifache Krönung deines lieben Sohnes bitte ich dich, verzeihe mit alle Sünden, die ich jemals mit meinem Haupte begangen habe. Amen. in 29. Wie Christus gefreuzigt und mit dem Kreuze aufgehoben wurde. Wir kommen nun zu dem schrecklichsten, bittersten und grausamsten Geheimnisse des ganzen Leidens Christi, welches so peinlich ist, daß alles bisher Erwähnte kaum damit zu Betrachtungen vom Leiden Christi. 321 vergleichen ist. Wen dieses nicht schreckt und zum Mitleid bewegt, der muß gewiß kein menschliches Herz in seiner Brust haben, und dem wäre zu wünschen, daß er den tausendsten Theil der Schmerzen Christi empfinden möchte, so würde er bald zum Mitleid bewegt werden. Wer dies Geheimniß mit Nuten betrachten will, muß nicht denken, als ob es schon geschehen sei, sondern vielmehr, als wenn es eben geschähe, und er, auf dem Calvarienberge stehend, Alles mit leiblichen Augen ansähe. Deswegen bilde dir ein, als wenn du sähest, wie die Schergen, nachdem sie den Heiland gekrönt hatten, von demselben Orte zwölf Schritte an den Plaß, wo das Kreuz auf der Erde lag, vorwärts schritten. Ach! wie war es so erbärmlich, als der nackte Jesus, der am ganzen Leibe grausam zerfleischt war, und dem das Blut noch überall herabträufelte, so ohne Barmherzigkeit zur Schlachtbank geführt wurde. Damals erfüllte sich ganz buchstäblich die Weissagung des Propheten Isaias: Wie ein Schaf wird er zur Schlachtbank geführt, und verstummt wie ein Lamm vor dem, der es scheert, und thut seinen Mund nicht auf. Aus der Angst und dem Gerichte wird er weggerafft." ( Jfai. 53, 7. 8.) Der arme Jesus ging einher wie ein sanftmüthiges Lamm, und ließ sich hin und herführen, wie die Bösewichter wollten. O wie klopfte ihm sein schwaches Herz, wie zitterte sein Leib! Als Er zum Kreuze kam, und die großen Hämmer und langen Nägel auf der Erde liegen sah, überfiel ihn so heftiger Schrecken, wie noch nie zuvor in seinem ganzen Leben. Doch geduldig knieete Er vor dem Kreuze nieder, erhob Augen und Hände gen Himmel, seufzte und küßte das Kreuz und legte sich ſelbst auf dasselbe. Alsdann streckte Er, wie Er selbst der hl. Brigitta offenbarte, seinen rechten Arm aus, nicht gezwungen, sondern mit gutem Willen, und Er öffnete die rechte Hand und wartete so auf die grausame Annagelung. armes Schäflein, das du nun auf der Schlachtbank liegst, ich falle im Geiste vor dir nieder und bitte dich, du wollest dieſe Marter standhaft ertragen; denn durch deine Annagelung wirst du bezahlen, was ich durch sündhafte Berührung gefehlt habe! Myrrhengarten III. 23. Aufl. 21 Das siebente Gärtlein. Darauf setzte ein Henker, nachdem der Arm festgebunden war, einen langen, dicken und stumpfen Nagel dem Herrn nicht mitten in die Hand, sondern zwei Finger breit ober halb, wo das Bein härter ist, damit der Nagel desto fester halten und die Hand nicht abreißen könne, und trieb mit gewaltigen Schlägen denselben durch die Hand, daß zugleich die Haut, das zarte Fleisch und die Muskelfasern in's Kreuzesloch drangen. Es entstand eine große Deffnung in der Hand, das Blut Jesu sprang gewaltsam in die Höhe und bespritzte die Hände, das Gesicht und die Kleider des Henkers, der mit sechsundzwanzig Schlägen den Nagel zu Grunde trieb. O frommer Chrift! bedenke, was das für eine Pein gewesen ist! 322 O gnadenreiche Hand! wie bist du nun entstellt? Wie konntest du doch in dies Elend kommen, die du Himmel und Erde gebaut und so viele Kranke gesund gemacht haft? Ich küffe dich mit meinen sündigen Lippen und begieße dich mit meinen heißen Thränen. O heilsame Wunde der rechten Hand! heilige mich, in dich befehle ich mich! Während Christus die rechte Hand angenagelt wurde, zogen sich die Spannadern und Sehnen sowohl im rechten als im linken Arm, so krampfhaft zurück, daß weder der rechte Arm sich weiter ausdehnen, noch die linke Hand das Bohrloch im Kreuze erreichen konnte, zumal die Henker absichtlich die Deffnung weiter hinausgebohrt hatten, als der Herr reichen konnte. Deswegen zogen diese mit Stricken den linken Arm gewaltsam und ungestüm so lange, bis die Mitte der Hand das Bohrloch erreichte. Dadurch aber reckten sie die beiden Arme ganz auseinander, zerriffen ihm die Sehnen und dehnten ihm die Gebeine aus den Gelenken, und verdrehten ihm sogar die Rippen, wie der h. Brigitta geoffenbart wurde. Ein dritter Henker trieb dann einen ähnlichen Nagel mit gewaltigen Streichen durch die linke Hand! Ach! da war nichts mehr zu sehen, als Blutver gießen und eine entsegliche Verrenkung des ganzen Oberleibes! Okostbare Hand! ich küsse dich reumüthig, denn du bezahlst, was ich verschuldet habe, und leidest, was ich in der Hölle leiden müßte. O gütigster Vater! ich stelle dir Betrachtungen vom Leiden Christi. 323 vor Augen die schmerzliche Wunde der linken Hand deines Sohnes, und opfere dir dieselbe zur Erstattung aller guten Werke, die ich jemals in deinem Dienste unterlassen habe. In die h. Wunde deiner linken Hand, o Jesu! versenke ich alle meine Widerwärtigkeiten, und bitte, du wollest mir selbe verdienstlich machen. Als die Henkersknechte die Hände am Kreuze festgemacht hatten, kamen sie nun auch an die Füße, dieselben anzunageln. Die grausame Ausdehnung der Arme hatte den Leib so zusammengezogen, daß die Füße das Bohrloch am untern Theile des Kreuzes bei weitem nicht erreichten; weshalb die Schergen noch gewaltsamer anziehen mußten. Damit aber mittlerweile die Hände an ihrem Orte verblieben, legten die Tyrannen dem geduldigen Lamme einen dicken Strick über die Brust und Schultern her, und banden selben an den Querbal'en des Kreuzes so fest, daß sich die Arme Christi weder von der Stelle bewegen noch senten konnten. Alsdann banden sie ihm einen zweiten Strick um die Füße, machten das Kreuz fest, daß es nicht weichen konnte, und zogen mit größter Gewalt an dem Seile so heftig, daß alle Sehnen und Adern des ganzen Leibes schier zerrissen, die Rippen ausgerenkt wurden, und der Unterleib sich so zusammenzog, als hätte er keine Eingeweide in sich. Zugleich spannte sich die Haut so sehr, daß alle Geißelstreiche erneuert wurden und das Brustblatt zerriß. Gott im Himmel! was war das wohl für ein Schmerz! Wer könnte ohne Zittern daran denken? In der Offenbarung der h. Mechtildis ist zu lesen, daß sie einst Christum fragte, welches sein größter Schmerz gewesen sei? Er antwortete ihr: Daß ich am Kreuze so ausgespannt wurde, daß man alle meine Glieder zählen konnte. Wer mir für diesen Schmerz dankt, erweiset mir einen solchen Dienst, als wenn er mir alle Glieder gesalbt hätte." Während die Henker noch immer stark an den Füßen 30gen, setzte Einer einen viel größern, längern und dickern Nagel, als die Nägel der Hände waren, über die Mitte des rechten Fußes, wo das Bein am härtesten ist, und schlug mit aller Gewalt so lange auf den Nagel, bis er ihn in sechs und dreißig Schlägen durchbrachte. 21* 324 Das siebente Gärtlein. O mein gekreuzigter Heiland! ich opfere dir auf die schmerzliche Wunde des rechten Fußes und danke dir vom Grunde meines Herzens für alle Schmerzen, die du an demselben gelitten hast. Verzeihe mir um deiner Liebe und Geduld willen alle sündigen Gänge, die ich gemacht habe, und erlaß mir die schweren Strafen, die ich deshalb verdient habe. Amen. Als der rechte Fuß angenagelt war, nahm ein Henker den linken und legte ihn über den rechten, wie der heil. Brigitta geoffenbart wurde. Während nun die Uebrigen mit dem Stricke an dem Fuß zogen, setzte dieser mit der linken Hand den Nagel darauf und schlug mit der rechten so gewaltig zu, daß der Schall weithin gehört wurde. Wer kann sich einbilden, was das für ein übermäßiger Schmerz gewesen ist? So oft ein Streich auf den Nagel geschah, seufzte Jesus tief auf und klagte zu Gott. Sein Leib zitterte an allen Gliedern, und sein mattes Haupt sank auf die Brust herab, und vom großen Blutverluste wurde der Herr ganz schwach! O leidender Heiland! mit der büßenden Magdalena werfe ich mich auf mein Angesicht, und mit Thränen der Reue und Liebe begieße ich deine durchbohrten Füße. du schmerzliche Wunde des linken Fußes! mit wahrer Andacht grüße ich dich, mit beiden Händen umfange ich dich, und drücke dich voll Liebe an mein sündiges Herz! Erfülle dasselbe mit Bitterfeit und verwunde meine Seele mit wahrer Reue. Ihr h. Füße habt niemals einen vergeb lichen Schritt gemacht, sondern seid stets den Pfad der O gütigster Jesu! durch Tugend gewandelt, aber ich? die übergroße Marter, die du bei Annagelung deines linken Fußes gelitten hast, verzeihe mir gnädig, was ich mit bösen Gängen gefehlt habe, und führe mich durch deine h. Fuß stapfen den Weg zur ewigen Seligkeit. Amen. Nachdem der leidende Jesus mit Händen und Füßen an's Kreuz genagelt war, wurde ihm ungeachtet seiner Erschöpfung nicht die mindeste Ruhe oder Labung, deren Er so sehr bcdurfte, gegönnt, sondern nach einer Marter folgte sogleich die andere. Denn unmittelbar nach der Annagelung schleiften die Henkersknechte das Kreuz sammt Betrachtungen vom Leiden Christi. 325 dem lieben Herrn vierzehn Schritte weit zu einem Loche, welches sie in den Felsengrund eingehauen hatten, fünf Zoll breit und drei Spannen tief, damit sie das Kreuz dort aufrichten konnten. Als sie unter Ungestüm das schwere Kreuz hoch aufgehoben hatten, ließen sie es nicht etwa sanft in die Deffnung hinabgleiten, sondern damit es sich desto fester einsenke, ließen sie den dicken und schweren Kreuzbaum so heftig hinabfallen, daß der ganze Leib Chriſti gewaltig vom Stoße erschüttert wurde. Dadurch zogen sich die Wunden an Händen und Füßen weiter von den Nägeln, und das Blut rann neuerdings so reichlich auf den Boden, daß die Erde davon geröthet wurde. Nun komme, o Gott liebende Seele! und sehe dich unter das H. Kreuz, falle nieder auf deine Kniee und bete deinen Erlöser an. Wirf dich auf dein Angesicht und küffe die h. Erde, welche mit dem kostbaren Blute Jesu Christi gefärbt ist. Erhebe deine Augen und schaue deinen Heiland an. Betrachte ihn vom Haupte bis zu den Füßen, und beherzige, was Er für dich leidet. Nachdem das Kreuz Christi festgestellt war, kreuzigten sie auch die beiden Mörder zur rechten und zur linken Seite, auf daß in der That erfüllt würde, was der Prophet vorhergesagt: „ Er ist unter die Missethäter gerechnet worden." Ach! wer sollte sich fortan noch schämen, für gering geachtet zu werden, wenn er sieht, daß der höchste Gott unter die Mörder gerechnet werden wollte! Wunder! Gott hängt unter den Mördern, und ich Staub sollte es verlangen, hochgeehrt und geachtet zu werden? Mein demüthigster Jesus wird unter die schändlichsten Uebelthäter gerechnet, und ich größter Sünder möchte für gut und fromm gehalten werden? Ach mein Jesu! laß das nicht zu, sondern verleihe mir die Gnade, daß ich mich als den gottlosesten Sünder erkenne und als solcher von Andern gehalten zu werden begehre! Zuleht theilten die Schergen die Kleider des Herrn unter großem Gespötte und Gelächter. Der Heiland trug nämlich drei Kleider, eines auf bloßem Leibe, das ihm von seiner Mutter in der Kindheit aus Wollfäden gestrickt und mit ihm aufgewachsen war. Ueber diesem Rocke hatte 326 Das siebente Gärtlein. der Herr ein langes Oberkleid, das ihn ganz bedeckte, und darüber einen Mantel, wie ihn die Propheten und Geistlichen zu tragen pflegten. Diesen nebst dem Oberkleide haben die Henker in vier Theile getheilt, damit Jeder etwas davon bekäme. Den ungenähten Rock aber ließen sie ganz und warfen das Loos darüber. Der Spott, den sie damit trieben, that dem Herrn sehr wehe. Andächtige Begrüßung des h. Rockes. O gebenedeiter Rock meines Herrn Jesu Christi! Sei mir mit gebührender Andacht gegrüßt! Wer kann dich würdig ehren und preisen, den die Königin des Himmels mit eigenen Händen gestrickt hat, der mit Christus aufge wachsen und durch die Berührung seines. Leibes geheiligt, durch die Mittheilung seiner göttlichen Kraft geweihet und durch sein rosenfarbenes Blut gesegnet ist! Dich hat der Sohn des ewigen Vaters so sehr geliebt, daß er dich über dreißig Jahre lang an seinem h. Leibe getragen und dir solche Kraft mitgetheilt hat, daß eine bloße Berührung alle Krankheiten heilen konnte! Oh. Rock! den Frommen bringst du Freude, den Bösen erregst du Schrecken, den Sündern bringst du Reue. Ich armer Sünder verlange dich zu küssen und durch deine Kraft wahre Reue über meine Sünden zu erlangen. O gütigster Jesu! ich bitte dich durch die große Liebe, mit welcher du diesen H. Rock dreißig Jahre lang getragen und denselben mit deinem rosenfarbenen Blute und Schweiße benetzt hast, erwecke in mir eine wahre Reue über meine Sünden, einen heilsamen Schrecken vor deinem göttlichen Zorne und ein aufrichtiges Mitleid mit deinem bittern Leiden und Sterben. Wenn ich in meinem Tode und am Tage des Gerichts vor aller Welt in meiner Blöße werde erscheinen müssen; dann wollest du mich mit deinem heiligen Rocke bedecken und von der ewigen Schmach erlösen. Amen. 30. Vom ersten Worte Chrifti. Als nun unser Heiland auf dem harten Todbette des Kreuzes lag, und sah, daß Er sterben müsse, wollte Gr thun, wie ein treuer Vater, der seinen Kindern auf dem Betrachtungen vom Leiden Christi. 327 Sterbebette viele gute Lehren hinterläßt. Deswegen redete Er die sieben wunderbaren Worte, deren Kraft nicht genugsam erklärt werden kann. Das erste Wort war: „ Vater! verzeih' ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun." Die Erhabenheit dieses Wortes kannst du nicht verstehen, es sei denn, daß du zuvor erwägest, wie diejenigen so unwürdig waren, für welche Christus betete. Diese gottlosen Bösewichte fügten ihm so viel Leid zu, daß es nicht genug kann beschrieben werden, und es kein Mensch glauben würde, wenn es die h. Evangelisten nicht ausdrücklich meldeten. Es ist uns angeboren, daß wir uns über die Marter eines Andern erbarmen, so zwar, daß, wenn Jemand seinen eigenen Feind erbärmlicher Weise hingerichtet werden sähe, es ihm zu Herzen ginge. Wer sollte daher nicht meinen, auch die Inden würden das arme Lamm, welches so kläglich vor ihren Augen hing, wenigstens ruhig haben verscheiden lassen. Aber ach! bei den Juden war weder Gnade noch Barmherzigkeit zu finden; denn ihre Herzen waren härter, als Stein, und unbeweglicher als Stahl und Eisen. Sie kamen nicht allein dem armen Gekreuzigten nicht zu Hülfe, sondern verlachten, verspotteten und verfluchten ihn auf's gräulichste. Der h. Matthäus sagt:„ Sie lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe, und der h. Lukas: Das Volk stand und schaute, und die Vorsteher sammt ihnen verlachten ihn." Nun wollen wir sehen, was die Gottlosen für Lästerworte gebraucht haben, damit wir die Schmach Christi desto besser erkennen. Der H. Matthäus sagt:„ Sie schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Ei du, der du den Tempel Gottes zerstörest und in drei Tagen wieder aufbauest, hilf dir selbst!" War das nicht eine schändliche Schmach, da sie dadurch die ewige Wahrheit gleichsam zum Lügner machten? Weiter sprachen sie: Wenn du der Sohn Gottes bist, so steige herab vom Kreuze!" Mit diesen Worten lästerten sie auch seine Gottheit, als ob Er sich fälschlich und hoffärtiger Weise zum Sohne Gottes gemacht hätte, was jetzt offenbar erscheine, da er nicht so viele Kraft habe, sich im Mindesten zu helfen. Drittens sagten sie:„ Andern hat er geholfen, sich selbst kann er 11 11 328 Das siebente Gärtlein. nicht helfen." Als wollten sie sagen: Wenn du Andern ohne Blendwerk recht geholfen hättest, so könntest du dir ebenfalls jetzt helfen. Nun sieht man's ja deutlich, daß deine Wunderwerke nur Zauberei waren. Viertens sprachen fie:„ Bist du der König von Jsrael, so steige vom Kreuze herab, und wir wollen an dich glauben." Daburch wollten fie aussprechen: Ei was für ein schöner König der Juden bist du? Wo sind jetzt deine Diener, daß sie dich vom Kreuze erlösen? Weil aber Niemand ist, der dich befreit, so scheint es, daß du ein Schattenkönig bist. Fünftens sagten sie: ,, Er hat auf Gott vertraut: der erlöse ihn nun, wenn er ein Wohlgefallen an ihm hat; denn Er hat ja gesagt: Ich bin der Sohn Gottes." Mit diesen giftigen Worten lästerten sie die Frömmigkeit Chrifti und Er hat sich sein tugendhaftes Leben, als sagter fie: jederzeit für einen frommen Mann ausgegeben, der Gott Tag und Nacht dient: jetzt aber zeigt es sich, daß es lauter Betrug und Falschheit war. Denn wenn Er von Herzen fromm wäre, so hätte ihn Gott nicht in solches Leid kommen lassen, oder würde ihm daraus helfen; wenn Er aber nun von Gott und den Menschen so ganz verlassen ist, so ist dies ein gewisses Zeichen, daß Er ein gottloser Mann ist. Solcher und ähnlicher Worte bedienten sich die hohenpriester, Pharisäer und Schriftgelehrten und das ganze Volk, und trieben ihren Spott mit Christus, so lange er lebte. Jest wollen wir betrachten, was es für eine Tugend gewesen sei, daß Chriftus für diejenigen, die ihn so gräulich lästerten, seinen himmlischen Bater bat. Diese Tugend ist so hoch, und die Liebe und Demuth Christi so uner gründlich, daß sich aller menschliche Verstand darüber erstaunen muß. Denn es ist wider alle Natur und aller Weit Brauch, daß man demjenigen, der einem das äußerſte Uebel zufügte, die geringste Wohlthat erweisen sollte. Gleichwohl that dies der gütige Jesus mit solcher Liebe, daß man sich darüber nicht genug verwundern kann. Denn als Er gedachte, wie diese verstockten Sünder sich dadurch mit Leib und Seele die ewige Verdammniß zuzogen, hatte Er mehr Mitleid mit ihnen, als mit sich selbst. Jª, Betrachtungen vom Leiden Christi. 329 als er sah, wie der feurige Zorn Gottes schon damals das Racheschwert aus der Scheide gezogen hatte, und wegen der an seinem Sohne verübten Mordthat das ganze jüdische Land mit grausamen Plagen züchtigen wollte; da erbarmte Er sich über das große Elend dieses Volkes, und gedachte bei dem erzürnten Vater ihr Unrecht abzubitten. Er stellte sich als einen Mittler zwischen Gott und die Menschen und fing an, von ganzem Herzen für das unglückliche Volk Gott anzuflehen; und zwar nicht mit stiller Stimme, sondern, wie der h. Paulus sagt, mit starkem Geschrei und Thränen, und bittend:„ Vater! verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun." Overstockter Sünder! beherzige diese hohe Tugend und die unaussprechliche Liebe Christi gegen seine Feinde, und verzeihe nach diesem Beispiele auch denjenigen, welche dir jemals ein Leid zugefügt haben. Damit du aber dieses beffer thun mögest, bitte Gott um Gnade und sprich folgende Verehrung des ersten Wortes Chrifti. O allergütigster Herr Jesu Christe! ich erinnere dich des ersten Wortes, welches du am Kreuze redetest, als dit für deine Feinde bittend zu deinem himmlischen Vater sprachest: ,, Vater! verzeih' ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun." O mildester Jesus! welche Zunge kann deine unendliche Gütigkeit genugsam loben, oder welches Herz deine unaussprechliche Liebe ohne Thränen der innigsten Rührung betrachten? Du bittest für deine Lästerer und entschuldigest deine Ankläger, ja du betest für deine ergrimmtesten Feinde. Sie schrieen vor Pilatus wider dich: " Hinweg mit ihm!" Du aber rufest für sie: Vater! verzeihe ihnen." Sie schrieen:„ Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!" Du aber sprichst:„ Mein Vater! ich opfere dir mein vergossenes Blut zur Verzeihung ihrer Sünden." Sie schrieen:„ Kreuzige, freuzige ihn!" bu aber sprichst:„ Vater! durch mein Kreuz und meinen Tod verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun." Sie lästerten und schmähten dich, sie verfluchten und verwünschten dich, du aber redest Gutes für sie und wünschest 330 Das siebente Gärtlein. ihnen den himmlischen Segen deines Vaters. O Maria! was gedachtest du, als du dieses liebreiche Gebet deines armen Kindes anhörtest? Ohne Zweifel wurdest du durch dieses Beispiel der Liebe so sehr bewegt, daß du auf deine Kniee fielest, und Gott für die Feinde deines lieben Sohnes batest. Weil denn Jesus und Maria denen verzeihen, welche ihnen das größte Leid anthun; warum soll ich nicht gleichfalls denjenigen verzeihen, die mich beleidigten? O Jesus und Maria! ich bitte euch durch die inbrünftige Andacht, mit welcher ihr für eure Feinde gebetet habt, verzeihet mir auch, daß ich euch so oft erzürnt habe. Ich bitte euch durch die große Barmherzigkeit, welche ihr euren Feinden erzeigt habt, gebet, daß auch mir der hin: mlische Vater gnädig und barmherzig sei. O du sanftmüthiges Lamm Chrifte Jesu; sei nicht gegen deine Feinde mild und deine Freunde strenge, und weil du jenen verziehen hast, so verzeihe auch diesen. Sieh, ich komme zu dir und werfe mich demüthig vor dein H. Kreuz. Ich spotte deiner nicht, wie die Juden, sondern ehre dich, wie die frommen Christen. Ich lästere dich nicht, sondern benedeie dich, ich verfluche nicht dein Leiden, sondern habe herzliches Mitleiden mit dir. Wenn du sohin für jene betest, die in ihren Sünden verstockt waren, so bete auch für den, welcher seine Sünden herzlich bereuet. Darum öffne noch einmal deinen gebenedeiten Mund, und sprich zu dem himmlischen Vater: Verzeihe diesem Sünder; denn er hat nicht gewußt, daß er dich mit seinen Sünden so schwer beleidigte. Am. 31. Vom zweiten Worte Christi. Das inbrünstige Gebet Jesu blieb nicht fruchtlos, son dern es bekehrten sich dadurch viele tausend Juden, welche um das Kreuz standen; da sie aus diesen Worten merkten, daß Er heilig sein müsse, weil Er in seinen heftigsten Schmerzen nicht allein nicht ungeduldig wurde, sondern mit weinenden Augen für seine Peiniger bat. Unter diesen bekehrten Sündern war auch derjenige Schächer, welcher zur rechten Seite Christi hing, Dismas mit Namen. G hatte zwar auch er zuvor mit dem andern Schächer Christum gelästert, und gesprochen: Wenn du der Sohn Gottes Betrachtungen vom Leiden Christi. 331 bist, so hilf dir und uns; als er aber hörte, wie der Herr für seine Feinde betete, da ging er in sich und dachte, dieser Mann müsse in Wahrheit heilig sein. Daher fing er an, auf alles Thun und Lassen Christi Acht zu geben, und mußte sich immer mehr über seine himmlische Geduld verwundern. Weil denn der andere Schächer nicht abließ, Christum zu lästern, konnte er dies nicht länger mehr ertragen, sondern fing an, ihn mit harten Worten zurechtzuweisen, indem er sprach: Fürchtest auch du Gott nicht, da du doch dieselbe Strafe erleidest? Wir zwar mit Recht: denn wir leiden, was unsere Thaten verdient haben; dieser aber hat nichts Böses gethan." Mit diesen Worten hat der gute Schächer drei überaus herrliche Tugenden geübt. Denn erstlich gab er sich schuldig, und bekannte öffentlich vor allem Volke, daß er ein gottloser Sünder sei und den Kreuzestod verdient habe. Zweitens strafte er ungescheut die Gottlosigkeit seines Gefährten und zugleich aller Juden, welche den unschuldigen Herrn mit ihren Spottreden so schmerzlich peinigten. Drittens endlich bekannte er laut und offenbar vor aller Welt, daß Christus unschuldig sei, und nichts Böses gethan habe. Als er so gesprochen und seine Sünden bereuet hatte, öffnete er endlich seinen Mund und wagte die inständige Bitte: Herr! gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst!" was für wundersame Worte, welche demüthige Bitte! Der gute Schächer sah an Christus nichts, als lauter Wunden und Schmerzen, und hörte über ihn nichts, als Beschimpfungen und Lästerungen; desungeachtet nannte er ihn einen Herrn und König, da er sprach:„ Wenn du in dein Reich kömmst." Woher mag doch dieser Mensch, der all seine Lebtage in Sünden gelebt, diese große Erkenntniß von Gott erlangt haben? Wer hat ihm doch gesagt, daß derjenige, der da nach dem Worte des Propheten ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und die Verachtung des Volkes geworden war, sein Herr und Gott sei? Gewiß haben ihn die Geduld Jesu Christi und das Gebet, das Er für seine Feinde verrichtete, zu dieser Erkenntniß gebracht. Nun bedenke, was für ein kräftiges Gebet er verrichtet und welche demüthige Bitte er an Christus gestellt habe. 332 Das siebente Gärtlein. Er sagt nur:„ Herr, gedenke meiner!" als wollte er sagen: O mein Gott! ich weiß wohl, daß ich wegen meiner Sünden die größte Strafe verdient habe; ich will dieselbe auch willig annehmen; nur darum bitte ich, wenn ich in jener Welt leide, so gedenke meiner, daß ich nicht ewig werde brennen müssen. Wenn du in deinem Reiche, in den Wonnen des Paradieses alle Freuden genießen wirst, so gedenke meiner, der ich für meine Sünden so schwere Strafen leiden muß. O was für eine herzliche Freude war dieses dem lieben Herrn, als Er die aufrichtige Reue und wahrhafte Bekehrung des frommen Schächers sah! O wie sehr war Er in seinem Leiden getröstet, als Er sah, daß Er durch seine Geduld dieses arme Schaf aus dem Rachen des höllischen Wolfes gerissen hatte. Daher bewilligte Er ihm nicht allein, was er begehrte, sondern versprach ihm noch tausendmal mehr, als er zu hoffen gewagt hatte. Mit freundlichen Worten sagte Er zu ihm: " Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Para diese sein!" O wohl ein tröstliches Wort und eine gnaden reiche Verheißung! Wie wurde der reuige Schächer, als er dieses Holdselige Wort aus dem Munde Christi hörte, ſo innig erfreuet! wie wurde sein Herz mit dem höchsten Trofte erfüllt! wie herzlich sagte er Dank, und wie demüthig nahm er dieses Versprechen an, indem er etwa sagte: Herr Jesu Christe, wie habe ich doch solche Gnade verdient! was habe ich gethan, wodurch ich eine so große Wohlthat erlangte? Herr! ich bin dieser Gnade nicht würdig; denn du gibst mir tausendmal mehr, als ich werth bin. Weil du jedoch so unendlich gütig bist, nehme ich dieſe Verheißung an, und danke dir dafür unendlich. O chrift liche Seele! wie glücklich würdest du sein, wenn dir Christus in deinem Tode dieses trostvolle Wort zuriefe. Wie voll Freude und Jubel wärest du, wenn Christus zu dir spräche: Heute noch wirst du bei mir im Paradieſe sein! Deshalb befleiße dich nach aller Möglichkeit also zu leben, daß du dieser Gnade würdig werdest. Gebet zu Ehren des zweiten Wortes Jefu. O gütigster Jesu! durch die große Liebe und unend Betrachtungen vom Leiden Christi. 333 liche Güte, welche du dem reumüthigen Schächer erwieſest, indem du ihn aus dem tiefsten Abgrunde seiner Sünde zu großer Heiligkeit führtest, bitte ich dich, du wollest auch meine sündige Seele zu dir bekehren und mir die Gnade verleihen, würdige Früchte der Buße zu wirken, damit auch ich würdig werde, in meinem Tode das süße Wort von dir zu hören:, Heute noch wirst du bei mir im Paradiese sein! O mildester Jesu! mit dem frommen Schächer und mit allen büßenden Sündern wende ich mich zu dir und rufe vertrauensvoll und demüthig aus: Herr, gedenke meiner in deinem Reiche! O Jesu! vergiß meiner nicht! Wenn ich in Anfechtungen bin, stärke mich; wenn ich in Trübsal bin, tröste mich; wenn ich in Sünden gefallen bin, hilf mir heraus; wenn ich in Todesnöthen bin, stehe mir bei; wenn ich im Gerichte bin, sei mir barmherzig; wenn ich im Fegfeuer schmachte, erlöse mich! Und endlich sei meiner allezeit eingedent, damit ich nicht ewig verloren gehe, sondern das ewige Leben habe. Amen. 32. Vom dritten Worte Christi. Das dritte Wort, welches Jesus am Kreuze geredet, beschreibt Johannes also:" Es standen aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter Maria, die Frau des Kleophas und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter und den Jünger, den Er liebte, stehen sah, sprach Er zu seiner Mutter:" Weib, siehe, dein Sohn!" Hierauf sprach Er zu dem Jünger! Siehe deine Mutter!" In diesen wenigen Worten sind solch hohe Geheimnisse enthalten, daß sie kein Mensch würdig zu erklären vermag, deshalb wollen wir uns begnügen, dieselben in Einfalt zu betrachten. " 1 11 Das erste Wort in dieser Beschreibung ist: Es stand." Gewiß ein unglaubliches Wort! Sollte denn die schmerz hafte Mutter bei so vielen Leiden noch stehen können? Was Maria damals litt, schildert der heil. Bonaventura folgendermaßen:„ Der Sohn litt am Leibe, die Mutter aber am Herzen. Alle Wunden, die in dem Leibe des Sohnes vertheilt waren, sind in dem Herzen der Mutter vertheilt gewesen." Wenn demnach Maria an ihrem Herzen 334 Das siebente Gärtlein. so viele Wunden hatte, als Christus an seinem ganzen Leibe, wie war es denn möglich, daß sie noch stehen kann? Unser Herz ist ja so empfindlich, daß es nicht einen Nadelstich ertragen kann; wie konnte also das Herz Mariä leben, das so viele Wunden an sich hatte? O Gott welche Marter erduldete sie. Sie hatte nicht allein die Wunden, sondern auch die Nägel und Dornen Christi in ihrem Herzen, ja sie war gleichsam leiblicher Weise mit ihrem Sohne gekreuzigt, wie oben erwähnt wurde; wie war es demnach möglich, daß sie noch leben konnte? Gleichwohl stand sie bei dem Kreuze, jedoch so erbarmungswürdig, daß die Engel des Himmels mit ihr Mitleid trugen. Bedenke, wie die arme Mutter stand, da sie selbst zur h. Brigitta hiervon sprach: Ich sage zuversichtlich, daß sein Schmerz auch mein Schmerz war, weil sein Herz auch mein Herz war. Indem Maria so kläglich unter dem Kreuze stand und ohne Unterlaß zu ihrem Sohne hinaufseufzte, erhob der gekreuzigte Heiland seine blutigen Augen und sah seine arme Mytter mitleidig an: was Johannes ausdrücklich mit den Worten sagt:„ Da nun Jesus seine Mutter sah." wohl ein Anblick zum Erbarmen! volle Sohn hätte seine geliebte Mutter so gerne getröstet; aber Er verwundete ihr Herz mit noch heftigerem Schmerze; denn je freundlicher Er sie ansah, desto tiefer durchdrang es ihre Seele. Bedenke, wie sie so erbärmlich dastand, als Christus seine blutigen Augen auf Maria, und Maria ihre weinenden Augen auf Christus richtete, und ihre Blicke sich begegneten. Höre, was hierüber Maria zur h. Brigitta sprach: Als mich mein Sohn vom Kreuze herab ansah, und ich zu ihm hinaufschaute, floffen die Zähren aus meinen Augen, wie das Wasser aus den Brunnquellen. Und da Er mich mit Schmerzen beladen ansah, wurde Er dadurch so sehr gekränkt, daß wegen meines Schmerzes die Schmerzen seiner Wunden gleichsam aufhörten." Dies war der Trost, den sie von einander hatten, als sie sich einander ansahen, nämlich daß sie sich gegenseitig das Herz verwundeten. Der liebe " 1 Die Liebe aber zwischen Jesus und Maria war viel Betrachtungen vom Leiden Christi. 335 tausendmal größer, als sie zwischen allen Menschen sein kann. Darum war ihr Scheiden auch viel schmerzlicher und bitterer, als aller erschaffenen Herzen. Er sah sich daher in der ganzen Welt um, wo Er einen treuen Freund finden möge, der vor Allen würdig sei, seine Mutter in seinen Schutz zu nehmen. Er fand aber keinen anderen, als eben den liebreichsten und reinsten Jünger Johannes. Darum wendete sich der Herr mit größter Affektion seiner Menschheit und höchster Kraft seiner Gottheit zu seiner Mutter und seinem Jünger, und empfahl Maria den Johannes mit den Worten:„ Weib, sieh hier deinen Sohn!" Dadurch wollte Er gleichsam sagen: Liebste Mutter! ich weiß, welch' großen Schmerz du um meinetwillen leidest, und wie herzlich du dich betrübest, daß du mich verlieren mußt. Dies kann aber nun einmal nicht anders sein; denn die göttliche Gerechtigkeit erfordert es, daß ich sterben muß. Weil ich daher nicht länger sichtbar bei dir sein kann, so gebe ich dir an meiner Statt meinen getreuesten Jünger Johannes zu einem Sohne. Dieser soll dir fortan beistehen und in allen Stücken Gehorsam leisten. Trauere daher nicht länger mehr, als wenn du ganz verlassen und ohne Kind wärest; sondern tröste dich damit, daß ich dir meinen getreuesten Freund als einen Sohn übergebe, welcher dich so sehr lieben und dir gehorsamen wird, als ob du ihn leiblich geboren hättest. Mit diesen Worten gab Jesus seiner Mutter den H. Johannes zu einem Sohne, und in seiner Person übergab Er ihr alle Gläubigen als Kinder. Darum sollst du jederzeit ein kindliches Vertrauen zu Maria tragen. Das letzte Wort, welches der sterbende Jesus mit seiner Mutter geredet, war ihr ungeachtet seiner Bitterkeit dennoch süß, weil sie vernahm, daß ihr lieber Sohn bei allen seinen Schmerzen dennoch an sie dachte und ihr einen treuen Bewahrer verordnete, nämlich seinen liebsten Jünger und den heiligsten Mann; denn Er hätte unter allen Menschen keinen besseren Pfleger geben können, als eben den lieben, frommen, keuschen und heiligen Johannes. Er war ihm unter allen Jüngern der liebste, unter den Aposteln der vertrauteste, unter den Evangelisten der vor 336 Das siebente Gärtlein. nehmste, unter den Propheten der geheimnißreichste, unter den Lehrern der gelehrteste, unter den Bekennern der un verzagteste, unter den Jungfrauen der keuscheste, unter den Freunden Chrifti der treueste. Diese Liebe und Treue wollte ihm der gütige Herr reichlich vergelten; deswegen erzeigte Er ihm solche Ehre und Gnade, dergleichen keinem Menschen auf Erden wider fahren ist; nämlich daß er hierfür auf eine besondere Weise ein Sohn seiner hochgeehrten Mutter und sohin gewissermaßen sein Bruder sein sollte. Darum sprach Er Als wollte Er zu ihm:" Sieh hier, deine Mutter!" sagen: Sieh, mein lieber Johannes! wegen der großen Liebe, die wir zu einander, ich zu dir und du zu mir, jederzeit getragen haben, wie auch zur Vergeltung der Liebe und Treue, die du mir in meinem Leiden erzeigteft, vermache ich dir in meinem Testamente das Beste und Kostbarste, was ich auf Erden besitze, nämlich meine liebste und treueste Mutter. Jch übergebe sie dir als eine wahre ihr Mutter; du sollst sie versorgen, ehren und lieben, dienen und in allen Stücken Gehorsam leisten." O der großen Ehre, welche Christus dem H. Johannes erzeigte, o der großen Gnade, die Er ihm dadurch erwies! Denn was hätte Er ihm mehr thun können, als daß E ihm die Königin des Himmels und der Erde zur Mutter übergab, und auf solche Weise ihn zu ihrem Sohne machte? Der h. Johannes erkannte diese große Huld gar wohl, und dankte ohne Unterlaß dafür, indem er der seligsten Jung frau alle kindlichen Pflichten erwies. Deswegen wünsche ihm hiezu Glück und sprich folgendes Gebet zum heiligen Johannes. D heiliger Johannes! wie sehr ehrt dich Jesus, wie reichlich vergilt Er dir alle deine ihm geleisteten Dienste Erfreue dich daher von Herzen, und danke dem freigebigsten Gott, der dir so große Gnade erwies. Ich freue mic zugleich mit dir, und wünsche dir Glück zu dieser unend lichen Wohlthat. Zugleich bitte ich dich durch die große Ehre, die dir Christus erwies, und durch die mütterliche Liebe, die dir Maria erzeigte, sei mein treuer Fürbitter Betrachtungen vom Leiden Chriſti. 337 bei Gott, und erwirb mir die Gnade, ihm treulich zu dienen. In Vereinigung jener Liebe und Treue, mit welcher der sterbende Heiland auf dem Todesbette des Kreuzes dir seine Mutter empfahl, empfehle ich mich dir jetzt und allezeit in deinen väterlichen Schn. Stehe mir bei in meiner lezten Noth, und verlasse mich nimmermehr bis in Ewigkeit. Amen. 33. Von dem vierten Worte Jesu am Kreuze. Unter allen Worten, welche der gekreuzigte Jesus ge= sprochen hat, ist keines schrecklicher, als das vierte:„ Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen!" Dieses Wort ist so kläglich, daß es das gefühlloseste Herz rühren muß. Damit du dasselbe recht verstehest, bedenke zuvor die äußerste Verlaffenheit, welche Christus am Kreuze litt. Man weiß aus Erfahrung, daß ein Mensch alles leibliche und geistige Kreuz wohl ertragen kann, wenn er nur innerlich getröstet und von Gott in der Geduld gestärket wird. Ist aber Jemand in seinen Widerwärtigkeiten verlassen und entbehrt er des göttlichen Trostes, dann muß der Mensch verzweifeln. Nun bedenke, was dein Erlöser am Kreuze litt, und wie es ihm möglich war, seine Marter zu überstehen. Er war an Leib und Seele in solchem Elende, daß es nicht zu begreifen noch auszusprechen ist. Er war bei allen Menschen so verhaßt, daß sie mit Worten und Werken Alles, was sie ersinnen konnten, ihm zu Leide thaten. Er war von allen Umstehenden so verachtet, daß ihm kein einziger Mensch auch nur den geringsten Dienst leistete. Ueberisies war Er von der Gottheit so gänzlich verlassen, daß Er durchaus keinen Trost von derselben empfing. Wie war es ihm also möglich, diese unendliche Marter und äußerste Verlaffenheit zu ertragen. christliche Seele! beherzige um Gottes willen das schreckliche Elend deines Erlösers, und entsete dich über die unermeßliche Bitterfeit seiner Seele. Er hängt am Kreuze in solchen Schmerzen, daß Er sich nicht zu helfen weiß. Alle verhöhnen und beschimpfen ihn; Er ist an seiner Seele so voll Traurigkeit, daß Er durchaus alles Trostes entbehren muß. Myrrhingarten III. 23. Aufl. 22 338 Das siebente Gärtlein. Als nun Jesus in solchem unermeßlichen Elende war, konnte Er sich nicht länger mehr zurückhalten, sondern mußte dieses Leid vor aller Welt seinem himmlischen Vater klagen. Diese Klage beschreibt der h. Matthäus also: Um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Eli, Eli, Lamma sabacthani? Das ist: Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen?" Er redete dieses Wort nicht stille bei sich selbst, sondern damit es alle Welt höre, schrie Er mit lauter Stimme: Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlaffen? O wunderbares, o schreckliches Wort, welches Himmel und Erde, Engel und Menschen in höchstes Erstaunen versetzt! Hier muß ein übernatürlicher Glaube obwalten, damit man glaube, daß das geschehen sei, was weder die Vernunft noch die Natur zu fassen vermag. Daß sich ein Mensch über den andern, oder über sich selbst beklage, ist nichts Seltenes und Neues; daß aber der Sohn Gottes gegen seinen himmlischen Vater( sohin Gott über Gott selbst) sich beklage, das ist ein hohes Geheimniß, welches Kaum erklärt werden kann. Ach, unsere Sünden erforderten eine so harte Genugthuung! Darum kann sich Christus mit Recht beklagen und sprechen:„ D Sünder! in welches Leid bringst du mich, und wie bitter sind deine Missethaten! wenn du niemals gesündigt hättest, wäre ich nimmer in dieses Meer der Bitterkeit versenkt worden. Glaube nicht, daß ich nur für andere litt, nein, ich leide auch für dich und wegen deiner Sünden. Denn gleichwie ich für dich sorge, als wärest du allein auf der Welt, so habe ich auch für dich gelitten, als ob du nur allein gesündigt hättest. Ohne Unterlaß lagest auch du in meinem Sinne, beständig dachte ich an deine Sünden, welche mich mehr schmerzten als der Tod, den ich leiden mußte: und du willst dennoch kein Mitleid mit mir tragen, und nicht aufhören z sündigen?" Dann beklagte Er sich gegen seinen Bater, und rief darum mit lauter Stimme, damit es alle Menschen hören und erkennen sollten, daß seine Menschheit allein leide und durchaus keine Hülfe von der Gottheit habe. Denn weil Er zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch war, hätten viele Menschen vermuthet, Christus habe seine Betrachtungen vom Leiden Christi. 339 Marter leicht leiden können, weil die menschliche Natur von der Gottheit gestärkt worden sei. Damit Niemand dies glauben, sondern Alle die Ueberzeugung und feste Gewißheit haben sollten, daß seine Menschheit ohne irgend eine Hülfe gelitten und alle Schmerzen auf das Aeußerste empfunden habe, darum wollte Er zu Anfang seines Leidens blutigen Angstschweiß vergießen und jetzt am Ende mit heller Stimme ausrufen, daß Er von der Gottheit ganz verlassen sei. Es ist zwar wahr, daß die Gottheit die menschliche Natur am Leben erhalten habe; denn sonst hätte Christus vor übermäßigen Schmerzen fast jeden Augenblick plötzlich sterben müssen. Dies war aber für die schwache Menschheit durchaus kein Troft, sondern nur um so schmerzlicher. Denn wäre sie früher gestorben, so hätte sie nicht so viel leiden dürfen; weil sie aber so lange mit dem Tode rang, und doch nicht sterben konnte, so war es der Menschheit kein größerer Trost, als einem armen Sünder ist, der unter langsamen Foltern nicht sterben kann, so sehnlich er auch den Tod herbeiwünscht. Und sowie die Menschen mit einem solchen Gefolterten herzliches Mitleiden tragen und den Henker bitten, er wolle doch endlich den Tod dieses Unglücklichen beschleunigen; also hatten auch die Gott Liebenden Seelen mit Jesus das herzlichste Mitleiden, weil sie sahen, daß Er ohne Unterlaß mit dem Tode rang, und doch nicht sterben konnte. O frommer Christ! trage auch du Mitleid mit deinem verlaffenen Heilande, und sprich zu seinem Troste folgende Verehrung des vierten Wortes Chrifti am Kreuze. betrübtefter Heiland Jesu Christe! ich beherzige das vierte Wort, welches du am Kreuze sprachest, als du in großer Bitterfeit der Seele aus allen Kräften zu deinem Vater mit lauter Stimme riefest: Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen? O gütigster Jesu! in welchem traurigen Stande warst du damals, und wie tief war dein Leib und deine Seele in das unermeßliche Meer der Bitterkeit versenkt, als du mit weinenden Augen und klagender Stimme dieses entsetzliche Wort sprachest! Die Klage deines Mundes bezeugt die äußerste Verlaffenheit 22* 340 Das siebente Gärtlein. deiner Seele. Dieser höchsten Trübsal erinnere ich dich, o gekreuzigter Jesu! und bitte dich, du wollest mich doch nimmermehr in Kleinmüthigkeit fallen lassen. Gedenke, wie wehe dir deine Verlaffenheit that, gedenke der großen Seelenangst, die du erduldetest, und wie inbrünstig du deinen Vater um Linderung dieses innerlichen Leidens anriefest; dennoch wollte Er dich nicht erhören, sondern ließ dich den Leidenskelch bis auf den Grund leeren. Weil du aber um meinetwillen diese bitterste Verlaffenheit aus stehen mußtest, so bitte ich dich durch dieselbe, du wollest mich nicht ewig verlassen und in diesem Zustande der Verzweiflung preisgeben. Amen. 34. Vom fünften Worte Chrifti. Das fünfte Wort, welches der gekreuzigte Heiland eredet hat, war:„ Mich dürstet!" Er sprach dieses un gefähr eine Viertelstunde nach drei Uhr, und beklagte sich damit über seinen brennenden Durst. Denn da hatte Gr so viel Blut vergoffen,, daß alle seine Kraft verdorret war, wie eine vertrocknete Scherbe." Er hatte auch so viel Schweiß und Thränen vergossen, daß keine Feuchtigkeit mehr in ihm war. Aus diesen und andern Ursachen ent stand in unserm Herrn ein solcher Durst, desgleichen kein Mensch jemals gelitten hat. Seine Zunge klebte vertrocknet am dürren Gaumen, seine Lippen waren zersprungen und sein Hals wie verbrannt vor der innerlichen Hitze. Was Er sohin die ganze vorige Zeit seines Leidens verschwiegen hatte, das konnte Er jetzt in dem letzten Augenblicke seines Lebens nicht mehr zurückhalten. Damit alle Welt wissen und erkennen sollte, daß Er auch die Pein des Durstes gelitten habe, rief Er laut aus: Mich dürstet!"& muß gewiß dieser Durst dem gütigen Heilande über alle Maßen bitter gewesen sein, weil Er sich nicht enthalten konnte, über denselben zu klagen, da Er doch viele andere schmerzliche Dinge schweigend ertragen hatte. Sein Haupt war voll Dornen, und Er klagte nicht darüber. Hände und Füße waren ihm mit Nägeln durchschlagen, und Er sagte nicht: Ach, wenn mir Jemand die Nägel herauszöge! Sein ganzer Leib war mit Wunden bedeckt und Er sprach Betrachtungen vom Leiden Christi. 341 nicht: Ach, wenn mir Jemand meine Wunden salbte! Drei Stunden lang hing Er schon am Kreuze und schwieg; nur den Durst allein konnte Er nicht ertragen, sondern rief klagend aus:„ Mich dürstet!" Mit diesen Worten wollte Er gleichsam sagen:„ O wenn doch Jemand wäre, der mir einen Trunk Wasser reichte, meinen brennenden Durst ein wenig zu löschen! Ich begehre ja keinen Wein oder lindernden Heiltrank, so sehr ich dessen bedürfte, sonbern bitte nur demüthigst um einige Tropfen Wasser. Ach, ihr lieben Leute! versaget mir doch diese menschliche Liebe nicht, deren ich so sehr bedarf, habt Mitleiden mit mir Armen. Ihr sehet ja, daß ich ganz ausgetrocknet und verdorrt bin; darum komme Jemand und reiche mir um Gotteswillen einen Trunk Wasser!" Owem sollte doch solch rührendes Klagen nicht tief zu Herzen gehen? Wie war es doch möglich, daß auch nur ein einziger Mensch dem Heilande diesen Dienst versagen konnte? Sag' an, Johannes! wie kommt es, daß du deinem Meister nicht zu Hülfe eilest? Wie säumest du, treue Magdalena, dem Geliebten deiner Seele einen Trunk Wasser zu holen? Ihr hättet ja nur den Hauptmann bitten dürfen, daß er euch vergönne, dem armen Gekreuzigten in dieser letzten Noth einen Trunk zu reichen; gewiß hätte er es euch erlaubt. Es ist aber zu vermuthen, Gott habe dies so angeordnet, daß Niemand sagen könne, sein armer Sohn habe den mindesten Trost in seinem Leiden gehabt. Darum stelle dir vor, Christus spräche also zu dir: " Mein Kind! hast du auch Mitleid mit mir und wenn du damals gegenwärtig gewesen wärest, würdest du mir wohl einen Trunk Wasser gereicht haben? Siehe, dieſe Liebe kannst du mir noch erzeigen, wenn du es treu mit mir meinst. Denn wenn du dir einen Trunk abbrichst, und zu Ehren meines Durstes aufopferst, so nehme ich dieses mit solchem Danke an, als ob du mir am Kreuze den köstlichsten Wein zur Labung gereicht hättest. Wenn du mir aber dies versagst, so bist du eben so unbarmherzig mit mir, wie meine Feinde gewesen sind." Da unser lieber Herr seinen Durst so zum Erbarmen 342 Das siebente Gärtlein. klagte, was meinst du wohl, was die Umstehenden gethan haben? Sollte ihm wohl Jemand einen Trunk Wein zur Stärkung seiner Schwäche gereicht haben? Ach, ich scheue mich, es zu sagen, weil es wider alle Menschlichkeit ist. Diese grausamen Tyrannen thaten dem armen Heilande, der ihnen doch niemals das mindeste Leid zugefügt hatte, was wohl kein Mensch seinem ärgsten Feinde thun würde. Denn als sie ihn in seinen heftigsten Qualen so rührend bitten hörten, versagten sie ihm nicht blos das Wasser, sondern aus teuflischer Bosheit tauchten sie einen Schwamm in ein Geschirr voll Essig( welches jederzeit bei den Gekreuzigten in Bereitschaft stand, um ihnen das Blut zu stillen, damit sie desto langsamer stürben). Hiernach tauchten sie diesen Schwamm in Galle, banden denselben auf ein Rohr, und reichten ihn so dem dürstenden Christus hinauf. O höchste Unbarmherzigkeit, o unerhörte Grausamkeit! ist denn dies ein Trank für einen Sterbenden? O Tyrannei, nicht mit Worten zu beschreiben! Wie konntet ihr Un menschen doch dem armen Gekreuzigten, der euch sein Lebenlang nicht beleidigte, in seiner letzten Noth solche Lieblosigkeit anthun? Wenn ihr ihm kein Wasser geben wolltet, warum gebt ihr ihm Galle und Essig? Ach, wie schmerzte dieses den sterbenden Christus, und wie sehr ging ihm diese Unmenschlichkeit und Schmach zu Herzen! Darum seufzte Er tief auf, um seinen Schmerz zu zeigen; gleich wohl aber schlug Er den bittern Trank nicht aus, sondern saugte an dem Schwamme. Ach, welch bitteren Geschmad im Munde, welchen Schmerz im Leibe wird ihm dieser Trank verursacht haben! So wurde durch diesen Trant die Natur Christi noch mehr geschwächt und seine Todes pein vergrößert. Bilde dir hier ein, als wenn dein Hei land zu dir spräche: Mein Kind! geht dir mein Glend noch nicht zu Herzen? Erzürnest du dich nicht über die Henkersknechte, welche mir diesen geringen Liebesdienst versagten, und statt des Wassers Galle und Essig zu trinken gaben? Hätte ich wohl unrecht gehandelt, wenn ich sie zum ewigen Durste in der Hölle verdammte? Allein be denke, wie oft handelst du eben so an mir, indem du dir nicht blos keinen Abbruch in deinem Durste thuft, sondern Betrachtungen vom Leiden Christi. 343 so manches überflüssige Glas Wein oder Bier oder sogar Branntwein aus lauter Sinnlichkeit und ohne Noth, ja selbst über die Noth trinkest. So oft du dies thust, eben so viele Gläser voll Galle und Essig reichest du mir in meinem Durst." Gebet. D Herr Jesu Christe! sollte dies wohl möglich sein, so wäre ich ärger, als deine Kreuziger: denn diese haben dich nur einmal mit Galle und Effig getränkt, ich thue aber dieses so oft. Denn ich habe in meinem Leben viel tausendmal ohne Noth, aus Sinnlichkeit und ausgelassener Lust getrunken. Wehe mir gottlosen Menschen, der ich meinem Heilande so Böses zugefügt habe! Es ist mir aber leid, nicht sowohl wegen der zukünftigen Strafe, die ich verdient, sondern wegen der Unbarmherzigkeit und Schmach, die ich dir zugefügt habe. Ich bitte dich, mein Jesus, durch deinen bittern Trank, verzeihe mir dieſe meine Sünde, und gib mir Kraft, mich zu bessern. Für alle Strafen, welche ich dir wegen meines überflüssigen Effens und Trinkens schuldig bin, opfere ich dir deinen bittern Durst und Gallentrank. Amen. 35. Vom sechsten Worte Chrifti. Als nun Christus Galle und Effig gekoftet hatte, da erschien( wie die Offenbarung der H. Brigitta spricht) die Farbe des Todes in jenen Theilen, wo man sie vor Blut sehen konnte. Die Kinnbacken hingen herab, die Naſe wurde spitig und der Unterleib schrumpfte ein, nachdem alle Feuchtigkeit verzehrt war. Aus diesem Zeichen sah Christus wohl, daß er nicht lange mehr leben könne; daher wollte Er seiner Mutter und seinen Freunden, ja der ganzen Welt seinen Tod verkünden und von ihnen Abschied nehmen, indem Er sprach: „ Es ist vollbracht!" Er wollte damit gleichsam sagen:„ Nun ist meines Lebens Ende gekommen und ich sehe, daß ich sterben muß. Meine Kräfte schwinden dahin, meine Sinne vergehen, meine Gestalt verändert sich und die Todesschmerzen durchdringen alle meine Glieder. Ach, es ist vollbracht, mein Leben ist 344 Das siebente Gärtlein. dahin und der letzte Augenblick nahet sich mir! Weil ich denn nun scheiden muß, will ich von allen Menschen Abschied nehmen. Insbesondere aber sage ich dir, mein liebes Kind! Lebewohl, und spreche dieses letzte Wörtlein: Es ist vollbracht! Ich habe alles gethan und gelitten, was ich thun und leiden mußte, und zwar in solcher Absicht, als thäte ich es für dich allein. Nimm daher auch du in solcher Meinung an, nnd beherzige wohl, was dies für ein großes Wunder sei, daß ich, der höchste Gott, für dich, der du so oft mein Feind wareft, mit höchster Liebe und Geduld so viele und schwere Dinge gethan und ge litten habe. Dir zu Liebe und um deines Heiles willen habe ich in äußerster Armuth, Demuth und Verachtung gelebt, und so vieles erlitten, daß es unmöglich ist, Alles aufzuzählen. Man hat mich wie einen Zauberer gelästert, wie einen Verbrecher verfolgt und wie einen Mörder gemartert. So sage mir denn, was hätte ich thun können, das ich nicht gethan habe, oder was könntest du noch wollen, daß ich mehr thun oder leiden soll? Ja, mein Leiden nicht genügte, so wollte ich noch einmal für dich allein leiden, was ich für alle Menschen zugleich ge litten habe." wenn „ Nun bedenke, ob du einen solchen Freund auf Erden habest, wie ich bin. Frage deinen Vater, deine Mutter, dein Weib und deine Kinder, Geschwister, frage deine besten Freunde, ob sie für dich thun wollen, was ich thue? Wenn du den Tod verschuldet hättest, und gekreuzigt werden solltest, würde wohl Jemand sich für dich ans Kreuz schlagen lassen? Weil denn deine besten Freunde nicht für dich thun, was ich gethan habe, und noch immer zu thun bereit bin, warum liebst du dennoch mich nicht mehr, als sie? Du hast sie so lieb, daß du dir manches versagen kannst, um es ihnen zu geben; mir aber willst du nichts zum Opfer bringen. Du schwäßest ihnen zu Liebe oft eine halbe Nacht hindurch; mit mir aber magst du Abends nicht ein halbes Stündlein im Gebet reden, da du doch weißt, wie wohlgefällig mir dieses ist. Du erduldest für sie oft Hike und Kälte, Hunger und Durst, mir zu Ge fallen willst du aber nicht das geringste Bußwerk, nicht Betrachtungen vom Leiden Christi. 345 die kleinste Abtödtung üben, wiewohl du weißt, daß ich dir den ewigen Lohn im Himmel dafür versprochen habe. Meinst du nicht, daß mir dieses sehr mißfalle? Wenn du einem andern Freunde gethan hättest, was ich dir gethan habe, und er würde dir mit Undank deine Wohlthaten vergelten, würdest du ihm nicht alle Freundschaft aufkünden? Wenn nun dich die Undankbarkeit verdrießt, um wie viel mehr muß sie mich beleidigen, der ich ein unendlicher Gott bin, und unendlichen Dank verdiene!" Gebet. O göttlicher Erlöser! auch ich bin einer der Undankbarsten, welche dein treues Herz peinigten und am Kreuze tödteten. Du haft für mich Alles gethan, was du thun konntest, und Alles gelitten, was dir zu leiden möglich war. Ich aber habe dein Leiden nimmermehr recht beherzigt, noch dir jemals vom Grunde meines Gemüthes schuldigen Dank dafür gesagt; sondern vielmehr durch meinen Undank und meine Sünden unendliche Schmach zugefügt. Ich bekenne demüthig meine Schuld und verspreche dir ernstliche Besserung meines Lebens. Ich sage dir ewigen Dank für Alles, was du um meinetwillen auf Erden gethan, gelitten und vollbracht hast. Ich sage dir Dank, daß du mir zu Liebe so viel Schweiß- und Blutstropfen vergossen, so viele Thränen geweint und so viele Marter und Bein gelitten hast. Ich sage dir Dank, daß du mir zu Liebe die h. Sakramente und beſonders das h. Meßopfer eingesetzt hast. Ich sage dir Dank, daß du mit deinem bittern Leiden und Sterben mich erlöset, und durch deine Verdienste mir den Himmel erworben hast. Für dieses und Alles, was du vollbracht hast, sage ich dir aus allen Kräften meiner Seele unendlichen Dank und bitte dich demüthigst, du wollest es an meiner armen Seele nicht verloren sein lassen. deinem himmlischen Vater auf, und stelle ihm vor, wie Opfere alles dieses theuer du meine Seele erkauft habest, mit welcher Liebe du dies gethan, und mit welcher Freigebigkeit du es mir geschenkt habest. Amen. 346 Das siebente Gärtlein. 36. Vom letzten Worte Chrifti am Kreuze. Nun ist noch übrig das letzte Wort, welches das Wort, das Fleisch geworden ist, in seinem sterblichen Fleische geredet hat, nämlich: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!" Dieses Wort, wie freundlich es auch zu sein scheint, ist so schrecklich und wunderbar, daß sich jeder, der es recht erwägt, darüber entseßen wird. Zum besseren Verständnisse erinnere dich dessen, was oft gesagt worden ist, daß nämlich Christus in seinem Leiden so ganz ver lassen gewesen sei, daß Er nicht den mindesten Trost von der Gottheit empfangen habe. Er hing am Kreuze nicht anders, als jeder andere gewöhnliche Mensch, und die Gottheit hat ihn so gar ohne Trost und Stärke verlassen, als wäre Er gar nicht persönlich mit ihr vereinigt gewesen; weshalb ihm auch Alles begegnete, was einem Menschen begegnen kann, ausgenommen die Sünde. Wenn denn ein bloßer Mensch also am Kreuze hängen follte, wie Christus, ohne von Gott oder den Menschen Trost oder Hülfe zu haben, was würde er wohl anfangen! Und wenn nun der Tod herannahete, und ein solcher Mensch bei vollem Gebrauche des Verstandes sich die Bitterkeit des Todes recht vorstellte, wie müßte demselben wohl so bange sein? Denke dir demnach die Lage, in der sich nun Christus befand. Als sich ihm die Todesangst näherte, und die Todesschmerzen mit aller Gewalt zu ſeinem Herzen drangen, da gerieth er in solche innerliche und äußerliche Bangigkeit, daß ihm der kalte Schweiß ganzen Leibe ausbrach, die Haare sich emporsträubten, das Herz ungestüm pochte, und alle Leibes- und Seelenkräfte sich entsetten. Was sollte nun der geängstigte Jesus in solchem äußersten Elende beginnen? Wohin sollte Er fig wenden, als zu seinem himmlischen Vater? Darum schr Er im Drange seines Herzen mit lauter Stimme, so da alle Umstehenden erschraken: Vater! in deine Hände fehle ich meinen Geist;" gleich als wollte Er sagen: mein liebster Vater! verlaß mich nicht! Siehe, wie mich der Todesschweiß ängstiget! Ich bin nun so gar verlaffen, daß ich vor Bangigkeit und Furcht mir nicht zu rathen am be 11 Betrachtungen vom Leiden Christi. 347 noch zu helfen weiß. Ich sehe vor meinen Augen den schrecklichen Tod stehen, und dieser Anblick erschreckt meine Seele so sehr, daß sie vor Angst verschmachten will. Darum, o Vater! verlaß meine arme Seele nicht; in deine Hände befehle ich meinen Geist! O frommer Christ! laß dir diesen kläglichen Schrei deines Heilandes zu Herzen gehen, und sprich demselben zu Liebe folgende Verehrung des siebenten Wortes Chrifti. geängstigter Jesus! ich beherzige das letzte Wort, welches du in deinem sterblichen Fleische geredet hast, als du vor großer Todesfurcht mit lauter Štimme zu Gott riefeſt: O Vater! in deine Hände befehle ich meinen Geist!" Gedenke, o liebster Jesus! in welchen Nöthen du damals warest, als du dieses Wort aussprachest. Gedenke, wie dir die Todesangst so stark zu Herzen drang und alle Kräfte deines Leibes und deiner Seele erzitterten. Wenn du, o starker, unüberwindlicher Gott! deiner Menschheit nach so schrecklich vor dem Tode gezittert hast, ach, wie wird es mir gottlosen Sünder ergehen? Darum bitte ich dich durch deine bitterste Todesangst, stehe mir bei in meiner letzten Angst. Gedenke, daß du diese Bitterkeiten erdulden wolltest, damit uns der Tod nicht so bitter ſei. In Vereinigung der herzlichen Inbrunst, mit welcher du deinem Vater deinen Geist befohlen hast, befehle ich dir jetzt und allezeit meinen sündigen Geist, und übergebe denselben so kräftig in deine göttlichen Hände, daß alle Gewalten der Hölle nichts wider ihn vermögen. In die Kraft deines heiligen Kreuzes und deines bittersten Todes befehle und übergebe ich meinen Geist und den letzten Augenblick meines Lebens, damit ich vor aller Gefahr und Arglist des Satans sicher sei. In deinen Geist befehle ich meinen Geist, o Jesu! in dein Herz mein Herz, in deinen letzten Augenblick meinen letzten Augenblick. Dieſe meine Anbefehlung begehre ich zu verrichten in der Kraft und Wirkung deines göttlichen Herzens, und bitte, dieselbe in der Stunde meines Todes vor allen Engeln und Heiligen zu wiederholen. Amen. 348 Das siebente Gärtlein. 37. Wie der Herr Jesus starb. Unter allen Geheimnissen des bittern Leidens Chrifti ist keines so schrecklich, als der bitterste und grauſamste Tod Jesu. Denn dieser war so wider alle Natur, daß Himmel und Erde, sammt allen Elementen, welche bisher unempfindlich geblieben, nunmehr gleichsam Empfindungen bekamen, und aus allen Kräften bewegt und entsetzt wurden. Christus hatte zwar am Delberge sich vor all seiner Marter gefürchtet; allein vor keiner so heftig, wie vor seinem Tode. Denn in demselben stand Er so unnatürliche Qualen aus, dergleichen sich keine menschliche Vernunft vorstellen kann. In den andern Peinen litt nämlich immer nur ein Theil seines Leibes; in seinem Tode aber haben Leib und Seele zugleich sammt allen Kräften und Sinnen gelitten, besonders das edelste Herz, welches damals die höchsten Qualen erduldete. Damit du dieses desto besfer verstehest, wollen wir eins nach dem andern erklären. Erstens litt im Tode Jesu seine edle Seele wegen des Scheidens von ihrem Leibe. Man sagt, es ist kein größeres Leid auf Erden, als wenn zwei Herzen, die sich wahrhaft lieben, scheiden müssen. Nun sind aber keine treuere Freunde, als Leib und Seele, welche unzertrennlich ver bunden sind. Es hat niemals eine Seele ihren Leib so sehr geliebt, und es war niemals ein Leib seiner Seele so unterthänig gewesen, als eben der Leib und die Seele Christi. Denn weil sein Leib der edelste, schönste und gesundeste war, den Gott und die Natur hervorgebracht hatten, darum liebte die Seele diesen vollkommenen Leib über alle Maßen, und wollte sich von ihm nicht trennen. Und weil die Seele Jesu mit allen Gnaden, Tugenden und übernatürlichen Gaben auf's vollkommenste geziert war, wie wehe mußte es dem Leibe thun, dieses kostbarsten Schatzes beraubt zu werden! Du erkennest dieses, o Christ; und dennoch achtest du deine Seele so gering, und übergibst sie leichtsinnig einer Todsünde willen den Teufel. um Zweitens litt die Vernunft Jesu im Tode solche Bitter keit, welche mit keiner andern auf dieser Erde zu vergleichen Betrachtungen vom Leiden Christi. 349 ist. Seine Vernunft liebte und schätzte das Leben mehr, als alle Menschen, weil sie wußte, daß ihr Leben beffer sei, als das aller übrigen Geschöpfe, und daß sie in einem einzigen Augenblicke mehr Verdienst habe, als alle Menschen sich in ihrem ganzen Leben erwerben können. Daher stelle - dir vor, dein sterbender Erlöser spräche zu dir: „ Mein Kind! beherzige, wie bitter es meiner Vernunft vorkam, von Allem, was sie billig erfreute, so bald scheiden zu müssen. Ich war nur drei und dreißig Jahre alt, und hätte natürlicher Weise ein hohes Alter erreichen können. Was war aber die Ursache, daß ich in voller Jugendkraft sterben mußte? Nichts Anderes, als deine Sünden! Du hattest zwar damals noch keine Sünden begangen; doch standen sie schon vor den Augen meines Vaters, wie jetzt nach der That. Damit ich nun diese Sünden abbüßte, und zwar um so schmerzlicher abbüßte, muß ich zur Zeit sterben, wo ich am liebsten länger gelebt hätte. Du bist also Ursache an meinem Tode, du trägst die Schuld, daß so viel Gutes, was ich hätte thun können, unterblieb. Meine Mutter, meine Jünger und Freunde, alle Kranke, die ich heilen, alle Betrübte, die ich trösten, alle Sünder, die ich hätte bekehren können, werden am jüngsten Tage über dich klagen; ja die ganze Welt wird Wehe über dich rufen, daß du am Tode des Herrn der Welten Schuld trägſt!" - O schreckliche Worte, o unbegreifliche Bosheit meiner Sünden! So bin denn ich Ursache, daß mein Jesus so bald sterben mußte, und so viel Gutes auf Erden unter blieb! O ihr Freunde und Jünger Christi, verklaget mich nicht; denn es ist mir herzlich leid, daß ich euch Jesum geraubt und euch so sehr beleidigt habe! Drittens litt die Phantaste oder Einbildungskraft ſammt allen innerlichen Kräften der Seele im Tode Jesu solches Entsetzen, daß es kaum zu denken ist. Man sieht bisweilen bei Sterbenden, wie schrecklich sie sich geberden, wenn sie die Todesangst überfält. Was ist aber alle dieſe Todesangst gegen die Todesangst Christi, welche viel größer war, als die aller Menschen zusammen? Viertens litt sein Leib in allen Gliedern so unerhörte 350 Das siebente Gärtlein. be Schmerzen, daß keine Zunge im Stande ist, selbe zu schreiben. Als der Tod meines Sohnes herannahte, fagte die Mutter Gottes der Hl. Brigitta in einer Offenbarung war in seinem ganzen Leibe solcher Schmerz, daß alle Glieder erbebten. Sein Haupt hob sich etwas in die Höhe, sank jedoch sogleich wieder zurück, und durch seinen geöffneten Mund sah man die Zunge blutig. Seine Hände zogen sich von dem Orte der Annagelung zurück, und die Füße mußten die ganze Last des Körpers tragen. Seine bisher gekrümmten Finger streckten sich aus, und sein Rücken zog sich hart wider den Stamm des Kreuzes. Seine Augen, welche bisher geschlossen waren, thaten sich bis zur Hälfte auf, und seine Arme, die bisher ein wenig gebogen waren, streckten sich ganz aus. Seine Kniee, die bisher ausge streckt hingen, beugten sich auf eine Seite, und seine Füße wendeten sich auf den Nägeln, gleichwie an Thürangeln auf die andere Seite." O Gott! wer hat wohl Aehnliches gehört und gesehen, daß der Tod einen Menschen auf dem Sterbebette so ge streckt habe, wie Jesum am Kreuze! Endlich hat der arme Jesus an seinem süßen Herzen die größte Marter ausgestanden. Denn sein Herz wat kräftig und gesund, und das edelste, vollkommenste Herz das aus Gottes schaffender Hand hervorgegangen wat daher konnte es sich auch mehr gegen den Tod wehren, als andere menschliche Herzen. Auch mußte es mehr leiden, als die übrigen Glieder, und alle Sinne des Leibes und Kräfte der Seele; denn das Herz empfand alle Streiche und Wunden mehr, als der Leib, und zugleich fühlte es alle Aengste und Traurigkeiten der Seele mit. Dieses währte die ganze Leidenszeit hindurch, vornehmlich aber a Kreuze, wo es so viele Qualen erduldete, daß Jemand leichter die Waffertropfen des Meeres, als dieſe Schmerzen zählen könnte. Unter den vielfältigen Stößen, welche das Herz Jej trafen, waren drei so gewaltig, daß Himmel, Erde und Hölle zugleich mit dem Herzen erzitterten. Der erste Stoß war um drei Uhr Nachmittags, da die Schmerzen alle Wunden zugleich gewaltsam auf das Herz stießen, so daß Betrachtungen vom Leiden Christi. 351 der arme Jesus vor unerträglicher Pein mit lauter Stimme schrie, daß der Himmel davon erzitterte. Dieser Schall ertönte so gewaltsam im Himmel, daß nach den Ausspruche der Offenbarung der hl. Brigitta Gott Vater, wiewohl er leidensunfähig ist, sowie auch die heil. Engel, welche ebenfalls nicht leiden können, hiervon gleichsam bewegt wurden." Der andere Stoßs geschah eine kleine Weile vor dem Tode, da die vereinigten Schmerzen mit heftigster Wuth dem edelsten Herzen wieder einen so schrecklichen Stich versetzten, daß es beinahe zersprungen wäre. Dieser Stoß war so unmenschlich, daß der liebste Jesus wiederum laut aufschreien mußte, wie der h. Lukas bezeugt: Jesus rief mit lauter Stimme und sprach:„ Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!" Dieser Schrei war so gewaltig, daß die ganze Erde erzitterte; wie der H. Matthäus schreibt: „ Siehe, die Erde bebte und die Felsen spalteten sich." Der dritte und letzte endlich geschah im letzten Augenblicke des Lebens Christi, in welchem der Tod die Schmerzen so häufte, daß das edelste Herz der Uebermacht derselben erliegen mußte und brach. In diesem Augenblicke stieß Jesus einen so heftigen Schrei aus, daß die Hölle davor zitterte. Jm nämlichen Momente fuhr der Herr auch in die Vorhölle hinab, und vor seiner Gegenwart erzitterten alle Mächte der Hölle. Endlich kommen wir an den schrecklichen Tod Jesu, vor welchem alle Kreaturen, so oft davon geredet wird, wie einst am Charfreitage erzittern sollten. Insbesondere aber sollten sich die menschlichen Herzen entseßen, wenn sie von diesem Tode predigen hören oder lesen. Denn was ist schrecklicher, als daß der Heiland der Welt, der König des Himmels und der Erde, der eingeborne Sohn des ewigen Baters, ja Gott selbst so unschuldig und grauſam getödtet wird! Dieses ist ein so unerhörtes Wunder, daß es keine Zunge aussprechen, keine Feder beschreiben, kein Verstand begreifen kann. Wir können Gott in alle Ewigkeit nicht genug hierfür danken, vielweniger auf dieser Welt würdig dienen. Das siebente Gärtlein. Gebet. O Jesu! meine einzige Liebe, mein kostbarster Schatz; so hast du denn dein edles Leben lassen müssen? Nun ist alle meine Freude und mein Trost dahin! Du stirbst nicht auf einem Bette, in keinem Hause, sondern an dem harten Kreuzesholze unter dem freien Himmel! Du haft keinen Strohhalm, darauf zu liegen, kein Stücklein Leine wand, dich zu bedecken. Dein Hauptkissen ist die dörnerne Krone, dein Bett das Kreuz. Deine Labung ist Galle und Essig, dein letter Trost das Gespötte der Juden. Du hast keine Bedienung, sondern nur die Gesellschaft zweier Mörder. Du liegst nicht in sanfter Ruhe, sondern hängst an vier Nägeln ausgespannt, und vermagst dich nicht einmal umzuwenden, und keine Hand, ja nicht einmal ein Finger ist dir frei, um dir den Schweiß und das Blut abzuwischen. So fehlt dir aller Trost und alle Hülfe, und du bist gänzlich von Gott verlassen. Du streitest einen so bittern Todeskampf, daß dir vor Schrecken Leib und Seele erzittern und dein Herz den Qualen unterliegen mus. O Jesus! wie dauerst du mich, und wie ist mein Herz vor Mitleid krank, daß du, der Sohn des himm lischen Vaters, so erbärmlich sterben mußt, und verlassener bist, als der ärmste Bettler dieser Welt! Ich danke dir von Herzen für diesen Tod, und opfere dir denselben auf für alle meine Sünden. Wenn ich dereinst in Todesnöthen liegen werde, so gedenke deines bittern Sterbens, und verleihe mir durch die Kraft desselben ein seliges Ende. Amen. 352 38. Von der Eröffnung der Seite Chrifti. Bisher haben wir ausführlich erzählt, wie viele Marter unser Erlöser am H. Kreuze gelitten, und wie er endlich unter den höchsten Schmerzen seinen Geist aufgegeben habe. Man sollte daher meinen, es sei diese Leidensgeschichte nun zu Ende, da ja alle Marter sich mit dem Tode endete. Aber höre mit Erstaunen, welche Gräuel die gottlosen Juden unter dem Deckmantel der Gottseligkeit verübten. Sie gingen zu Pilatus und baten ihn, daß man die Gebeine der Gekreuzigten zerbreche und sie vom Betrachtungen vom Leiden Christi. 353 Kreuze abnehmen möchte, weil es übel stehen würde, wenn selbe am großen Sabbate dort hängen blieben. Als die Juden dies begehrten, lebte Christus noch; denn wäre Er schon todt gewesen, so hätten sie es nicht verlangt. E3 läßt sich daher aus diesem Umstande ihre grausame Rachgierde erkennen, da sie sich mit allem, was sie ihm bereits zugefügt hatten, noch nicht begnügten, sondern ihm noch diese grausame, heidnische, bei den Juden ganz ungewöhnliche Marter der Beinbrechung anthun wollten, welche bitterer und schimpflicher, als die Kreuzigung selbst war. Dwie herzlich betrübte den lieben Heiland diese Hartnäckigkeit der Juden, weil Er sah, daß sie mit all seiner Marter noch nicht zufrieden waren! Darum sind einige der Meinung, Jesus habe seinen himmlischen Vater gebeten, Er wolle ihn zuvor sterben lassen, ehe seine Gebeine zerbrochen würden, weil ihm diese Marter so entsetzlich vorkam. Nachdem die grimmigen Juden die Bewilligung erhalten hatten, nahmen sie etliche Henkersknechte mit sich, und eilten mit Leitern und Kolben zum Calvarienberge hinaus. Ach, welche Angst befiel die Mutter Jesu, als sie die gottlose Schaar der Juden mit großer Frechheit daher kommen sah; ihr Herz gab ihr ein, daß sie nichts Gutes im Sinne hatten, sondern ihrem todten Sohne eine neue Schmach zufügen wollten. Sobald die grimmige Rotte oben am Berge ankam, und die beiden Schächer noch am Leben traf, glaubten sie, daß auch Christus noch lebe, weil Er Augen und Mund offen hatte; deswegen wollten sie an ihm zuletzt ihre Grausamkeit vollziehen, damit Er durch den Anblick, wie den beiden andern die Gebeine zerschmettert würden, eine neue Marter empfinden und seine Angst vermehrt werden sollte. Sie fingen bei dem bekehrten Schächer an, darnach stiegen sie auf das Kreuz des linken Schächers, und zerbrachen ihm gleichfalls seine Gebeine. Als die grimmigen Henker die beiden Schächer umgebracht hatten, setzten sie ihre Leitern an das Kreuz Christi, und wollten mit ihm ebenso verfahren. Da fie aber sahen, daß Er wirklich gestorben sei, wurden sie sehr aufgebracht, daß sie ihre beabsichtigte Tyrannei nicht Daher nahm ein Soldat, Namens Myrrhengarten III. 23. Aufl. 23 ausüben fonnten. 354 Das siebente Gärtlein. Longinus, einen Speer, und durchstach aus lauter Nach gier die h. Seite Christi, wie in den Offenbarungen der h. Brigitta mit folgenden Worten erklärt wird: Da das Volk im Kreise herumstand, kam Einer mit großer Wuth hinzu und stieß die Lanze in die rechte Seite Christi so heftig, daß dieselbe beinahe den andern Theil des Leibes durchdringen wollte. So wurde mein Sohn ganz unbarmherzig in sein Herz gestochen; denn der Stechende ließ nicht nach, bis die Lanze die Rippen berührte, und beide Theile des Herzens an der Lanze waren. Als er die Lanze herauszog, floß aus dieser Wunde ein Blutstrom mit großer Gewalt; das Eisen aber und ein Theil des Spießes kamen roth aus dem Leibe hervor und waren mit Blut beneßt." Ach! wie konnte doch dieser Soldat so verwegen sein, daß er an dem verwundeten Leichname Jesu solche Grausam keiten verübte. Der zerfleischte Leib hing so erbärmlich am Kreuze, daß ihn Niemand ohne Entsetzen betrachten konnte. Als aber der Soldat mit der Lanze in das Herz stach und eine Hand breite Wunde machte; ach, wie er schraken alle Umstehenden, besonders da sie das viele Blut und Wasser wider alle Natur aus der Wunde her vorfließen sahen! Da hing nun der todte Körper und hatte eine so tiefe und breite Wunde, daß man ihm in's Herz sehen konnte, und das rosenfarbene Blut rann wie ein Bach über den Leib herab! O christliche Seele! beherzige die unendliche Liebe deines Heilandes, welchem es nicht genügt, daß Er einmal für dich gestorben ist, und daß sein Herz im Tode zersprang; sondern damit es alle Menschen mit Augen sehen möchten, wollte Er es noch einmal mit dem Speere aus lauter Liebe durchstechen lassen, um zu zeigen, daß Er nochmal bereit sei, für uns zu sterben; wie Er zur H. Brigitta sprach:" Ich stürbe ja gerne aus Lauter Liebe für die Menschen, wenn es möglich wäre." Ein anderes Mal sprach Er: Habet Mitleid mit mir, ihr meine Freunde! denn ich habe die Menschen sehr theuer erkauft; ja ich habe sie einmal gleichsam Alle mitsammen auf meinem Rücken getragen, da ich ganz verwundet und an das Kreuz geheftet worden war. Ich liebe die Menschen so sehr, daß, Betrachtungen vom Leiden Christi. 355 wenn es möglich gewesen wäre, noch einmal für einen Jeden insbesondere zu sterben, gleichwie ich am Kreuze für Alle gelitten habe, ich sie lieber erlösen, als auf sie verzichten wollte." Gebet. Oliebreicher Jesus! ich erstarre beinahe in Betrachtung deiner Liebe, und weiß vor Verwunderung nicht, was ich sagen soll! Ist es denn möglich, daß du mich also liebeſt, und um meinetwillen nicht allein den allerbittersten Tod leiden wollteft, sondern auch nach deinem Tode dein liebreichstes Herz eröffnen ließest, um zu zeigen, daß du noch einmal für mich zu sterben bereit seiest? du Liebe meines Gottes, wohin hast du Jesum gebracht? Soll ich also meinen Heiland nicht wieder lieben, der solches für mich gethan hat? D Jesus, meine einzige Liebe, wenn ich dich nicht liebte, wäre ich nicht werth, daß ich lebte. Ich habe keinen so treuen Freund auf Erden, als dich; denn weder Vater und Mutter, noch mein treuester Freund würden sich für mich tödten lassen, wie mein Jesus gethan hat. Darum will ich fortan keinen Menschen so sehr lieben, wie bisher. Dich aber, mein Jesus, will ich allein und über Alles von ganzem Herzen lieben, so lange ich lebe. Laß mich nur von deiner Liebe nimmermehr geschieden werden, sondern in derselben verharren. Amen. 39. Wie der Leichnam Chrifli im Schooße seiner Mutter betrauert wurde. Ich möchte mir nur von Herzen wünschen, eine englische Zunge zu haben, damit ich würdig erklären könnte, welchen Jammer und welche Klage Maria und ihre Gesellschaft führten, als der Leichnam Christi auf der Erde lag, und alle um ihn herumknieeten. Er sah so schrecklich aus, daß es zu verwundern ist, wie diese andächtigen Seelen ihn ohne Entsetzen betrachten konnten: und wenn ihre Liebe zu dem Herrn nicht so groß gewesen wäre, und Gott ihre Herzen nicht gestärkt hätte, so wäre es ihnen unmöglich gewesen: diese traurige Leiche ohne Abscheu und Schauder anzuschauen. 23* Das siebente Gärtlein. Nun erwäge, welch ein Schrecken das mütterliche Herz ergriff, als sie diese erbärmliche Gestalt ansah. Sie hatte ihr Kind in seinem ganzen Leiden niemals recht beschauen können; nun aber konnte sie ihn ganz in der Nähe und genau betrachten und alle seine Wunden befühlen und zählen. 356 Mit diesem Allem war das mütterliche Herz Mariä noch nicht gesättiget, sondern aus heftiger Gewalt der Liebe konnte sie sich nicht enthalten, den Geliebten ihrer Seele auf ihren Schooß zu nehmen und an ihr Herz zu drücken. Dies bezeugte sie mit eigenen Worten der heil. Brigitta: Da nahm ich meinen Sohn, gleichwie einen Ausfähigen auf meinen Schooß. Seine Augen waren roth und voll Blut, sein Mund war kalt wie Eis, seine Hände erstarrt, daß man sie nicht biegen konnte; gleichwie Er am Kreuze aehangen, so habe ich ihn auf meinen Schooß gelegt. Was ich aber für Traurigkeit litt, vermag Niemand auszusprechen: denn ich war wie ein gebärendes Weib, deren Glieder zittern und welches vor Schmerzen kaum Athem schöpfen kann." Die arme Mutter beschaute seinen ganzen Leib, wie alle Glieder so zerrissen, verwundet und entstellt waren, und sie klagte so rührend, daß der Felsen, auf dem sie saß, sich hätte erweichen mögen. Alle Umstehenden weinten mit ihr und hatten das innigste Mitleid mit ihrem Schmerze. Sie sah die Dornenkrone und die vielen spitzigen Dornen, welche durch die Stirne gingen, und wurde so ergriffen, als ob alle diese Dornen in ihrem Haupte steckten. Sie besah das geschwollene und zerkratzte Angesicht, und konnte kaum glauben, es sei dies das Angesicht ihres lieben Sohnes. Sie besah die grausame, schreckliche und tiefe Seitenwunde, und meinte nicht anders, als wenn ihr eigenes Herz also durchstochen wäre. Sie besah die Bundmale seiner Hände und Füße, seinen zerfleischten Leib, und wurde durch diese erbärmliche Gestalt bis den Abgrund ihrer Seele verwundet. Wer wollte aus sprechen, wie viele Schmerzen damals ihr Herz durchdrangen, wie viele Thränen sie vergoß und wie viele Seufzer ihr Betrachtungen vom Leiden Christi. 357 der Schmerz auspreßte! Ach, Niemand kann es erzählen, Niemand glauben, wie unermeßlich ihr Elend war! Als Maria den Leib ihres Sohnes auf dem Schooße hielt, knieeten unterdessen alle Gegenwärtigen vor demselben nieder, und wurden nicht allein durch den kläglichen Anblick der Leiche, sondern noch mehr durch den Jammer Mariens bis zur Untröstlichkeit betrübt. Gedenke, welch ein jammervolles Schauspiel es war, als die halbtodte Mutter ihren lieben Sohn auf ihrem Schooße hielt, ihn andächtig umfaßte, herzlich küßte und jämmerlich beklagte. Hier hätten auch unsere Herzen weich werden müssen, geschweige denn die frommen Herzen der treuen Freunde Christi. Ach, wie meinte der H. Johannes um seinen lieben Meister! Wie weinte Magdalena um ihren auserwählten Geliebten! Wie weinte Martha um ihren Freund! Wie weinten alle Uebrigen um den unschuldig getödteten großen Propheten! Hier war solches Weinen und Seufzen, Trauern und Klagen, wie noch keine Leiche auf Erden je beweint wurde. Wie meinst du, daß besonders die lieberfüllte Magdalena zu den Füßen ihres Herrn gelegen sei und den bittersten Tod dessen, den ihre Seele über Alles liebte, betrauert habe? Christus selbst hat in einer Offenbarung gesprochen: Als Magdalena mich, ihr Leben, ihre Freude und ihr Alles, gestorben sah, da ward ihre Seele vor Liebessehnsucht krant, und wie todt. Sie wurde mit so bittern Schmerzen verwundet, daß es nicht ausge sprochen werden kann. Sie hielt es für unmöglich, noch länger zu leben, weil ich, der ich ihr Leben war, todt vor ihren Augen lag. Als sie sah, daß mein Herz mit dem Speere so tief durchstochen war, da schlug ihr die Liebe wieder eine neue große und bittere Wunde in ihr Herz." " 1 Tröstliches Gebet vor einem Vesperbilde. ( Pietà.) D getreueste Mutter meines Herrn Jesu Chrifti! die du Niemanden verstoßest, Niemanden verachtest, und Niemanden, der mit reumüthigem Herzen zu dir kommt, ohne Trost entlässest; siehe, ich armer Sünder komme mit 358 Das siebente Gärtlein. herzlicher Andacht vor dein h. Vesperbild, und begehre dich mit aller möglichen Liebe zu verehren. Laß mich von dir Barmherzigkeit empfangen, von welcher so viele Sünder schon Gnade erlangt haben. O mitleidigste Mutter Maria! du weißt, wie einem betrübten Herzen zu Muthe ist, weil du selbst so vieie Trübsale gelitten hast, daß alle Menschen dieselben nicht ertragen könnten. Aller dieser Bitterfeiten, die du in der Umfangung deines Sohnes empfandest, als du ihn an dein mütterliches Herz drückteft, mit deinen jungfräulichen Armen umfaßtest, mit Küffen bedecktest und mit Thränen begoffsest, erinnere ich dich, und bitte dich durch dieselben, du wollest mir Verzeihung meiner Sünden erlangen. O Maria! bitte deinen lieben Jesus, den du auf dem Schooße trägst, für mich armen Sünder! O gütigster Jesus, zeige deinem himmlischen Vater alle deine Wunden und Schmerzen, die du für mich gelitten hast! Maria, ich bitte dich durch das schmerzliche Ge heimniß dieses Vesperbildes, hilf mir bei Gott dem Vater Gnade erlangen; nimm den verwundeten Leichnam deines Sohnes auf deine mütterlichen Arme und opfere ihn dem himmlischen Vater in derselben Gestalt, wie du ihn auf deinem Schooße hattest. Opfere ihm seine und deine Schmerzen, sein Leiden und dein Mitleiden sammt Allem, was du und Er auf Erden gethan und gelitten habet, damit du mir Gnade und Barmherzigkeit erlangen mögest. A. 40. Wie der Leichnam Christi begraben wurde. Von dem Orte des Begräbnisses ist zu wissen, daß Christus in einem schönen Garten, welcher einem edlen Rathsherrn, Joseph von Arimathia, gehörte, begraben worden ist. In diesem Garten war ein hoher Felsen, worin Joseph sich selbst ein herrliches Grab hatte aushauen lassen. Es war eine runde Höhle und so hoch, daß ein aufrecht stehender Mensch mit der Hand kaum an die Decke reichen konnte. Gegen Mitternacht war in dieser Höhle ein Grab aus demselben Felsen ausgehauen, sieben Schuh lang, drei breit und vier hoch. Das Grab war rückwärts hart an dem Felsen, so daß man nicht rund umhergehen konnte, vorn aber war so viel Platz in der Betrachtungen vom Leiden Christi. 359 Höhle, daß acht Menschen vor dem Grabe stehen konnten. Die Farbe des Felsens war roth und weiß vermischt. Die Thüre war gegen Sonnenaufgang, gegen die Stadt Jerusalem zu, und so niedrig, daß man sich bücken mußte, um hineinzukommen. Als der Leib Christi ganz eingewickelt war, legten Joseph und Nikodemus denselben auf eine Todtenbahre, welche sie zu diesem Zwecke mitgebracht hatten, hoben sie von der Erde auf ihre Schultern und trugen den heiligen Leichnam zu Grabe. Nach der Leiche ging die betrübteſte Mutter, und nach ihr der h. Johannes. Dann kamen Maria Cleophä, Salome, Magdalena, Martha, Veronika und Andere, endlich folgten der Hauptmann und etliche fromme Soldaten, die sich im Leiden Christi betehrt hatten. Dies war der traurige Leichenzug unseres Heilandes. Nun komme und beherzige den Jammer, welcher sich erhob, als dieser Zug sich in Bewegung seşte. Die Er fahrung lehrt, daß, wenn einer treuen Mutter ihr einziges Kind stirbt, sie es ungeachtet aller Bitterfeit dennoch für einigen Troft hält, wenn sie den Leichnam bei sich im Hause hat. Sowie man aber die Leiche fortträgt, ach, wie wird ihr Herz bewegt, und wie jammert und weheflaget sie so erbärmlich! Kein Tag in ihrem Leben ist ihr schrecklicher vorgekommen, als dieser; denn sie weiß, daß sie jetzt dasjenige verliert, was sie nicht wieder erlangen kann. So erging es auch der armen verlassenen Mutter Gottes. So lange sie ihren Sohn noch vor Augen hatte, besaß sie noch einen schwachen Trost; da man ihr ihn aber nunmehr wegnahm, war ihr Jammer unaussprechlich. Sie wußte zwar wohl, daß ihr Sohn am dritten Tage wieder auferstehen werde; allein in der gegenwärtigen Lage fiel ihr kein solcher tröstlicher Gedanke ein, und selbst in diesem Falle wäre ein Trostgrund in ihrem Leide eben so viel gewesen, als ein Tropfen süßes Wasser in dem großen salzigen Meere. Der h. Geist, welcher sie zur höchsten Würde der Mutterschaft Gottes auserwählt hatte, wollte auch, daß sie ihrem Sohne so viel als möglich gleichförmig sein sollte; weil daher Christus ohne allen 360 Das siebente Gärtlein. Trost leiden mußte, so sollte auch sie alles Trostes ent: behren. Darum war sie so in die Bitterkeit des Todes Christi versenkt, daß ihr kein Gedanke an seine Auferstehung einfiel. Der h. Bernardus schreibt hierüber:„ Als Joseph und Nikodemus den Herrn in's Grab legen wollten, da wollte die betrübteste Mutter zugleich mit ihm begraben werden. Sie warf sich über den Leichnam ihres geliebten Sohnes, umfing und küßte ihn zärtlichst und sprach: Er barmet euch meiner, ihr lieben Freunde! und lasset mir mein Kind noch ein wenig, damit sein Anblick meine betrübte Seele etwas trösten möge. Ach, begrabet ihn nicht so bald, sondern vergönnet mir ärmsten Mutter, daß ich ihn noch eine kleine Weile bei mir habe!" Als Er begraben war, umfing Maria das Grab, und rief mit kläglicher Stimme ihrem Sohne.„ O wie gerne wäre ich damals mit meinem Sohne begraben worden, offenbarte sie später der h. Brigitta, wenn es sein Wille gewesen wäre. Ich kann in Wahrheit sagen, daß bei dem Begräbniß meines Sohnes zwei Herzen in Ein Grab gelegt wurden." Endlich haben wir noch das letzte Herzenleid Mariä übrig, als sie von dem Grabe ihres Sohnes scheiden mußte. Sie hatte keinen Platz mehr auf der ganzen Welt, wo sie Trost fand, als die Ruhestätte ihres liebsten Kindes; hier hätte sie immer bleiben mögen, denn ihr Alles war hier begraben. Als sie aber auf die dringenden Bitten des Joseph und Nikodemus von diesem Orte weichen mußte und den großen Stein vor die Thüre des Grabes wälzen fah, da hättest du sehen sollen, wie kläglich sie sich geberdete. Die übermäßige Liebe läßt sich keine Gejezze vorschreiben, sondern will allein von ihren Anmuthungen regiert sein. Hast du jemals eine verlassene Wittwe, eine betrübte Wittwe gesehen, die vom Grabe ihres theuersten Wesens auf Erden scheiden sollte; so kennest du nur den kleinsten Theil des unermeßlichen Herzenleids, das Maria empfand, als das Grab Jesu verschlossen wurde. Dann beneßte sie das Grab mit so vielen Thränen, daß man es nach dem Zeugnisse des h. Bernardus noch zu seiner Zeit an den Steinen sehen konnte, zum Zeichen des inner Betrachtungen vom Leiden Christi. 361 lichen Schmerzes, welcher ihre Seele gleich einem scharfen Schwerte durchdrang. So vergoß die Mutter an diesem Tage eine solche Menge von Thränen, daß man billig darüber staunen muß. Dieses Weinen mache dir zu Nußen und sprich andächtig folgende Verehrung der Thränen Mariä. Dihr unzähligen bittern Thränen, die ihr am heiligen Charfreitage aus Liebe und Mitleid gegen den leidenden und verstorbenen Heiland den Augen Mariä entströmt seid, ich ehre und segne euch mit demüthigem Herzen! Alle Engel und Menschen sollen euch preisen, und alle Sünder ihre Zuflucht zu euch nehmen. Ach, erweichet mein hartes Herz zum Mitleid, und bewegt es zur wahren Reue über meine vielen und großen Sünden. Mildreichste Jungfrau Maria! ich erinnere dich des herzlichsten Mitleids über deinen leidenden und verstorbenen Sohn, und bitte dich durch alle deine Thränen, du wollest mir die Gnade der Thränen erwerben. D! wollte Gott, daß ich eben so kräftig und heilsam, wie du am Charfreitage geweint hast, das bittere Leiden Christi und meine vielfältigen Sünden beweinen könnte! gnadenreiche Jungfrau! ich opfere diese deine vergoffenen Thränen dem himmlischen Vater zur Erstattung der Thränen, die mir aus Lauheit und Hartherzigkeit mangeln; durch die Verdienste derselben erwirb mir Verzeihung meiner Sünden und Nachlassung meiner Schulden. Wenn ich auf meinem Todesbette liegen werde, so schenke mir nur eine einzige von deinen Thränen und wasche damit meine unreine Seele und mein beflecktes Gewissen rein. Amen. Schlußbetrachtung. Endlich kommen wir zum Beschlusse des Leidens Christi, weil nichts mehr daran mangelt, als daß wir uns dasselbe zu Nuten machen. Erstens sei Christo dankbar, daß Er so viel für dich gelitten hat, und siehe zu, wie du ihm so viele Liebe vergeltest. Zweitens hüte dich vor Sünden und Nachlässigkeiten, 362 Das siebente Gärtlein. damit du Chrifto deinem Herrn sein bitteres Leiden nicht wieder erneuerst. Drittens sehe ein großes Vertrauen auf die Verdienste Christi, und opfere dieselben Gott dem Vater zur Genugthuung deiner Sünden. Wie du dies im Werke thun könnest, beschreibt der gottselige Johannes Landsberg, da er Christum also redend einführt:„ Was die Genugthuun, für deine Sünden anbelangt, nimm diesen Rath von mir an: Was du Gutes thun kannst, das thue vertrauensvoll. Thue es aber nicht in der Meinung oder zu dem Ende als ob du deine Sünden bezahlen oder dafür genugthu. könntest; denn dazu sollst du deine Werte viel zu unwürdig und ungültig schäzen. Thue vielmehr Alles zu dem Ziele und Ende, damit du mir gefallest, den du erzürnteft. Bitte mit großem Vertrauen, daß ich durch die Verdienste meines heiligsten Lebens und bittersten Leidens deine Sün den hinwegnehmen und meinem Vater dafür genugthun wolle. Diese deine Demuth und dieses Vertrauen, das du zu mir haft, indem du dich und alle deine Werke so ge ring, mich und meine Verdienste aber so hoch schäßzest, übertrifft alle deine Genugthuung, und bewegt mich, daß ich dir den Schaß meiner Verdienste mittheile. Deswegen soll es dein größter Fleiß sein, daß du mir zu gefallen suchest, beständig an mich denkest, nach mir verlangest, mich liebest und meine Gebote haltest. Wenn du schon noch tausendmal tausend Sünden hättest, so verzeihe ich f dennoch, als wäre es nur Eine Sünde; denn es ist kein Unterschied bei mir, wenig oder viele Sünden zu verzeihen, weil ich tausend Sünden wie Eine nachlasse, wenn der Sünder nur wahre Reue hat." Fast ebendasselbe sagt auch der selige Suso, indem er durch göttliche Eingebung Christum fo redend einführt: „ Das Maaß meiner strengen Gerechtigkeit läßt gar keine Sünde, sie sei nun groß oder klein, ungestraft hingehen, sondern will Alles bis auf den letzten Heller bezahlt haben. Wenn daher ein Sünder wäre, der mehr als sechshundert Todsünden begangen hätte, und nach dem geistlichen Rechte für eine jede Sünde sieben Jahre Buße thun sollte; durch den Tod übereilt, ohne Genugthuung sterben würde; aber 363 Betrachtungen vom Leiden Christi. wie lange, meinst du, daß er im Fegfeuer büßen müßte, bis er seine große Schuld bezahlt hätte? Nun sieh, Alles, was er zu leiden hätte, das könnte er in Kurzem durch mein Leiden auslöschen; ja er könnte sich den Schap meines Leidens so zu Nußen machen, daß, wenn er schon viele tausend Jahre im Fegfeuer hätte leiden müssen, er dennoch in kurzer Zeit alle Schuld und Strafe bezahlen könnte, so daß er ohne Fegfeuer in den Himmel kommen würde. Dies müßte aber also geschehen: Erstens, er muß oft und gründlich mit reumüthigem Herzen die Menge und Größe seiner schweren Sünden, mit welchen er den himmlischen Vater so schwer erzürnt hat, erwägen und bereuen; alsdann soll er die Werke seiner eigenen Genugthuung für sehr gering halten, die Unermeßlichkeit meiner Genugthuung aber erhöhen und hochachten, weil nämlich alle Bußwerke, die ein Mensch verrichten kann, gegen die Sünden zu rechnen, nicht mehr sind, als ein Tröpflein gegen das ganze Meer ist. Meine Genugthuung hingegen ist so groß, daß auch das geringste Blutströpflein die Sünden von tausend Welten auszulöschen vermag. Deswegen soll man die Geringschätzung seiner Genugthuung in die Unendlichkeit meiner Verdienste versenken, und mich bitten, daß ich diese beiden vereinige, Gott dem himmlischen Vater aufopfere und darstelle." So sieh denn, o Sünder! wie leicht und auf welche Weise du für deine Sünden genugthun und deine strengen Strafen bezahlen sollst. Bitte nämlich Christum, Er solle für dich genugthun, und deine geringen Bußwerke mit seinen Verdiensten vereinigt Gott dem Vater aufopfern. Wie du dies thun könnest, findest du in folgender Aufopferung des Leidens Christi. Allergütigster Herr Jesu Christe, ich habe nun die traurige Geschichte deines bittern Leidens ganz durchgelesen und Alles, was du für mich armen Sünder gelitten hast, mir wohl zu Gemüthe geführt. Ich habe mit Verwunderung und Schrecken vernommen, wie viele schwere und bittere Pein du an Leib und Seele ausgestanden, und wie theuer du alle meine Sünden und Schulden dem himmlischen 364 Das siebente Gärtlein. Vater bezahlt hast. Deswegen sage ich dir von Grund meines Herzens unendlichen Dank, und begehre dich in alle Ewigkeit dafür zu loben und zu benedeien. D liebster Jesu, wie herzlich gut hast du es mit mir gemeint, daß du aus lauter Barmherzigkeit meine Schulden auf dich genommen und mit so schwerer Buße deinem himmlischen Vater dafür genug gethan hast; denn außerdem wäre ich ewig verloren gewesen! Wie will ich dir denn für deine unendliche Liebe genug danken können, und was soll ich dir vergelten, daß du mir eine so große Gnade erwiesen hast! Weil ich dich nicht würdig preisen kann, so bitte ich, alle Engel wollen dich für mich benedeien und alle Heiligen dir ihre Verdienste zur würdigen Vergeltung auf opfern. Ich will mich befleißigen, nach aller Möglichkeit dir fortan zu dienen und dich aus ganzem Herzen inbrünstig zu lieben. An dich will ich denken, zu dir seufzen, nach dir verlangen, und was ich weiß, daß es dir wohlgefällig, will ich mit allem Fleiße verrichten; jedoch nicht in der Absicht, als ob ich dir mit diesen und dergleichen Bußwerken für meine Sünden genugthun wollte, sondern nur allein, um dir zu gefallen und anstatt der vielfältig zugefügten Schmach wieder einiges Wohlgefallen zu erweisen. Des wegen ist es mein ernstlicher Wille, daß ich von nun an bis an das Ende meines Lebens alle meine Werke in dieſer Absicht und Meinung zu verrichten begehre. Wenn ich auch etwas mit einer andern Meinung thäte, so wolleft du es doch so annehmen, als ob es mit dieser Meinung geschehen wäre. Denn ich weiß gewiß, daß alle Bußwerke, die ich verrichten kann, im Vergleiche mit der Schwere meiner Sünden nicht mehr zu rechnen sind, als wie ein Tröpflein gegen das ganze Meer. Ja, wenn ich schon alle Bußwerke der ganzen Welt allein verrichten könnte, würde ich dennoch nicht für die geringste Todsünde nach der Gerechtigkeit genugthun können. Darum verlasse ich mich gar nicht auf meine guten Werke und Verdienste, weil ich weiß, daß dieselben viel zu gering sind, meine schweren Schulden zu bezahlen. Deswegen bitte ich dich, o mildreichster Jesus! du wollest, gleichwie du an dem Tage deines Leidens meine Schulden auf dich genommen Zur schmerzhaften Mutter. 365 haft, so auch jetzt dieselben noch einmal auf dich nehmen und deinem himmlischen Vater dafür genugthun. Stelle ihm vor Augen, was du zu seiner Ehre und meinem Heile gethan und gelitten hast, und bitte ihn um deßwillen, daß Er mir barmherzig sei. Opfere ihm dein ganzes bitteres Leiden von deiner Traurigkeit am Delberge an bis zu deinem letzten Athemzuge am Kreuze, deine Thränen und Seufzer, deine Wunden und Schmerzen, deine Tugenden und Verdienste, dein Leben und Sterben, deine Menſchheit und Gottheit zur Verzeihung meiner Sünden und Genugthuung meiner Schulden, um seinen gerechten Zorne vollkommen zu versöhnen. Amen. Das achte Myrrhen- Gärtlein. = Gepflanzt mit verschiedenen Gebeten zur schmerzhaften Mutter Gottes und zum leidenden Heilande. Gebete zur schmerzhaften Mutter Gottes um ein seliges Ende. Der erste Schmerz Mariä, beim Abschiede Jesu und Mariä. Allerbetrübteste Jungfrau Maria! ich dein unwürdiges Kind will jetzt beherzigen, wie dein lieber Sohn dir sein Leiden offenbarte, und den traurigen Abschied von dir nahm. Ach Gott! was empfand damals dein mütterliches Herz, als dir dein treues Kind mit großem Herzenleid ansagte, daß Er von den Juden würde gefangen, gegeißelt, gekrönet und gekreuzigt werden. 366 Das achte Gärtlein. Dwie zerschnitten dir diese Worte dein zartes Herz, und was für Angst und Leid durchdrang deine betrübte Seele! Noch mehr aber, als du deinem liebsten Sohn das traurige Geleite gabeft, und Er den letzten Abschied von dir nahm. O du treuherzig liebende Mutter, gedenke, was für ein Herzenleid dich überfiel, als derjenige von dir schied, welcher deines Herzen Leben und einziger Trost war! Ach! wie rührend war es, als du vor deinem Kinde niederknieteſt und seinen göttlichen Segen begehrtest! Und wie mußte jegliches Herz bewegt werden, als du ihm zuletzt um den Hals fielest und den leßzten mütterlichen Kuß gabest! Als aber dein herzliebster Sohn von dir schied, da littest du viel größere Marter, als wenn Jemand dir ein breites Messer in die Brust gestoßen und dir dein Herz mit Gewalt herausgerissen hätte. Obetrübte Mutter! ich bitte dich durch die bitteren Zähren, so du damals vergossen, und durch die Herzensqual, so du damals gelitten hast, erbarme dich über meine arme sündige Seele, wenn sie von meinem sterblichen Leibe wird abscheiden, und wenn ich von allen meinen Freunden mich werde trennen und in großer Angst und Noth von dieser Welt verscheiden müssen. O! dann erinnere dich dieses Gebetes, und wegen deines traurigen Abschieds begleite mich in meinem Hinscheiden von dieser Welt. Amen. Der andere Schmerz, als Maria Nachricht bekam, ihr Sohn sei gefangen. Allertraurigste Jungfrau Maria! ich erinnere dich jener Nachricht, welche dir der h. Johannes brachte, Zur schmerzhaften Mutter. 367 daß dein lieber Sohn gefangen und vor die Hohenpriester geführt worden sei. Gedent, o Maria! wie du bei dieser Nachricht vor Größe des Schmerzes zu Boden gesunken und in Ohnmacht gefallen bist. Gedente, was für eine Klage du damals führtest, und wie bitter du die grausame Gefangennehmung deines Sohnes beweintest. Noch nie war dir eine solche cetrübte Nachricht gekonimen, und niemals vorher hat dich ein so gewaltiger Schrecken überfallen. Elend und Jammer nahmen in deinem Herzen so sehr überhand, daß du vor Traurigkeit hättest versinken mögen. Oliebe Mutter Gottes, wenn ich dich damals damit hätte trösten können, so wollte ich dir mein Herz zur Labung deines Herzens und alle meine Kräfte zur Stärkung deiner Schwachheit gegeben haben. Ich sitte dich durch den heftigen Schrecken, der dich damals überfiel, und durch alles Herzenleid, so du in der Charfreitags- Nacht gelitten hast, stärke mich in dem größten Schrecken meines Todes, und bewahre mich, daß ich nicht in Kleinmüthigkeit falle. Amen. Der dritte Schmerz, welchen Maria unter der Geißelung Christi gelitten hat. Allermitleidigste Jungfrau Maria! sei eingedent des unaussprechlichen Herzenleides, welches du mit deinem lieben Sohne ausstandest, als du ihn nackt an die Säule gebunden und ganz grausam geißeln sahest. du treues mütterliches Herz, was hast du doch in dieser Stunde gelitten, und wie war dir doch an Cib und Seele zu Muthe! Ach, wer vermag's genug zu beherzigen, wie die harten Geißelstreiche 368 Das achte Gärtlein. dein Herz durchdrungen haben! Denn wie viele Streiche dein liebes Kind empfing, so viele tödtliche Stiche empfing auch dein mütterliches Herz, und so viele Ohnmachten überfielen deinen schwachen Leib. Darum war es kein Wunder, daß du für todt niederfieleft und in eine sehr bittere Ohnmacht versanfejt. Ja es war vielmehr ein Wunder, daß du nicht auf der Stelle starbest und vor unerträglichem Schmerze deinen Geist aufgabest. O du treueste Mutter! ich erinnere dich der bittern Marter, so du unter der Geißelung Christi gelitten haft, und durch diese bitte ich: erbarme dich meiner! Gleichwie du mit deinem zerfleischten Kinde Mitleiden getragen haft, also wollest du auch gegen mich in allen meinen Nöthen, besonders in der letzten Noth, mitleidig sein. Verschaffe doch. o Maria, daß meine arme Seele nicht verloren gehe, für welche dein geliebter Sohn so sehr viel gelitten hat. Opfere ihm seine schmerzliche Geißelung, die Er für mich freiwillig ausgestanden, und sein rosenfarbenes Blut, welches Er überflüssig vergossen hat, auf daß ich dadurch Gnade erlange und vor der ewigen Höllenqual bewahrt werde. Amen. Der vierte Schmerz, welchen Maria litt, als Christus dem Volke gezeigt wurde. O allerbetrübteste Jungfrau Maria! jetzt erinnere ich dich jener traurigen Stunde, da dein Sohn dem Volfe gezeigt ward, und vor deinen Augen zwischen Pilatus und den Henkern als ein armer verurtheilter Sünder dastand. O betrübtes mütterliches Herz! wie war dir damals zu Muthe, als du deine Augen auf Zur schmerzhaften Mutter. 369 hobest und dein armes Kind mit Dornen gekrönt und mit Blut ganz überronnen sahest! O du mitleidige mütterliche Brust, was für einen tödtlichen Stoß empfandest du, als du die grausame Dornenfrone recht beschautest und so viele lange und spißige Dörner sahest. Ach wie hat diese Krone deine Seele gepeinigt, und wie haben diese langen und scharfen Dörner dein edles Herz durchstochen! Ach wie warest du von Mitleid so trank, als Pilatus mit beweglicher Stimme sprach: Ecce Homo, d. h. Sehet diesen Menschen! Siehe an diesen Menschen, o Maria! und gedenke, daß dieser arme Mensch dein eingeborner. Sohn ist, der um meinetwillen in solches Beid gefommen und so viele Marter gelitten hat. So trage denn Sorge, damit das Leiden deines Sohnes an mir nicht verloren sein, sondern zum Heile meiner Seele gereichen möge. Amen. Der fünfte Schmerz, welchen Maria unter der Kreuztragung gelitten hat. Jetzt erinnere ich dich, o schmerzhafte Jungfrau Maria! des unaussprechlichen Mitleides, so du mit deinem Sohne trugest, als du ihn mit der schweren Last des Kreuzes beladen sahest, und ihn zum lettenmale umfingest. ihr beiden treuesten Herzen Jesu und Mariä, seid eingedent jenes allerletzten Umfangens und jenes letzten Abschiedes in eurem sterblichen Leben! O bittere Liebe! O bitteres Leid! Von euer Bitterteit kann keine menschliche Zunge sagen, weil dergleichen kein menschliches Herz jemals empfunden hat. O ihr beiden aus großer Liebe so betrübten Herzen, Jesu Myrrhengarten III. 23. Aufl. 24 370 Das achte Gärtlein. und Mariä, wie groß war damals euer Leid, und wie unbegreiflich war euer Schmerz! Gott hat euch wunderbar erhalten, daß ihr in der Bitterfeit eure Schmerzes nicht vergangen und vor Größe des Mitleids nicht zersprungen seid. Natürlicher Weise hättet ihr sterben müssen, als ihr einander in solch kläglichem Zustande sahet und begegnetet. Durch das scharfe Schwert, welches damals eure Seele durchdrang, und durch alle Herzensqual, die ihr in diesem letzten Abschiede empfandet, bitte ich euch, daß ihr, wenn mein Leib und meine Seele einstens von einander scheiden, alsdann gegen mich wollet mitleidig sein, gleichwie ich jetzt mit euch herzliches Mitleid trage. Amen. Der sechste Schmerz, welchen Maria bei der Kreuzigung Christi gelitten hat. Nun steige ich mit dir auf den Berg Calvaria, 0 schmerzhaste Jungfrau Maria! und erinnere dich des großen Mitleids, welches du mit deinem armen Kinde. während der Kreuzigung getragen hast. Gedent, Maria, was für ein tiefer Stich dir durch dein heil. Herz ging, als du den ersten Hammerstreich zur Annagelung deines Sohnes vernahmest. Ach, wie plößlich sanfest du vor Größe der Schmerzen zur Erde, und fielest wie eine Tootkranke in eine tiefe Ohnmacht! Ach, wie durchdrangen die übrigen Hammerstreiche deine mitleidige Seele so tief, und wie zerschmetterten fie dein ohnmächtiges Herz so gar! Als du aber beim Aufstehen deinen Sohn am Kreuze erhoben sahest, da fuhr ein solcher Schrecken durch alle deine Glieder, daß du, wenn Gott dich nicht erhalten hätte, augen Zur schmerzhaften Mutter. 371 müſſen. blicklich des bittersten Todes hättest sterben Dies dein schmerzliches Leid beherzige ich, o Maria, und empfinde ein wahres findliches Mitleid mit dir. Deswegen hoffe ich, das Mitleid meines Herzens werde dir gefallen und du werdest auf meinem harten Todesbette aus mitleidigem Herzen dich meiner erbarmen. Amen. Der siebente Schmerz, welchen Maria unter dem Tode Christi litt. Letztlich stelle ich mich mit dir, o Maria! unter das h. Kreuz, beschaue deinen gekreuzigten Sohn vom Haupte bis zu den Füßen, und beherzige zugleich mit dir, was er in den drei schmerzlichen Stunden, besonders in seinem bittersten Tode, gelitten hat. O Sohn und Mutter! wie lang fielen euch die drei Marterstunden, und was für übermenschliche Pein und Marter habt ihr an Leib und Seele ausgestanden! Gedent, o Maria, was für ein unaussprechliches Herzenleid du hattest, als dein gefreuzigter Sohn die sieben Worte sprach, eine gar lange Zeit mit dem bittern Tode rang und endlich mit einem Alles durchdringenden Schrei seinen Geist aufgab. Ach, wie durchschnitt dieser letzte Schrei dir Ohr und Herz und durchdrang Mark und Bein mit den bittersten Schmerzen! Ach! wie zerschmetterte das Krachen seiner Glieder und Gebeine dein trankes Herz, und was für eine grausame Marter litt deine ganze Natur in dem bittersten Tode deines eingebornen Sohnes! Da fielest du in solche Ohnmacht, dergleichen du dein Lebtag nicht ausgestanden, und dein mütterliches Herz 24* 372 Das achte Gärtlein. war mit so vielen Schmerzen überhäufet, daß es nahe daran war zu brechen. Dieser allergrößten Noth, so du beim Tode Christi gelitten hast, erinnere ich dich, o Maria! und diese betrachte ich mit großem Mitleid meines Herzens, demüthig bittend, du wollest mir in meinen letzten Todesängsten beistehen und mich in dieser allergrößten Noth trösten und stärken. Durch den allerbittersten Tod Jesu, bitte ich, erwirb mir von ihm einen seligen Tod, und verhilf mir, daß ich zu der ewigen Seligkeit gelangen möge. A. Zu den Schmerzen der Mutter Gottes bei der Abnahme und dem Begräbnifse Chrifti. Das erste Gebet, bei der Abnahme vom Kreuze. Nachdem ich, o Maria, im Vorigen das Herzenleid betrachtet habe, welches du mit deinem noch lebenden Sohne getragen hast, so will ich jetzt andächtig beherzigen, was für einen Jammer du mit ihm nach seinem Tode ausgestanden hast. Verleihe mir, daß ich mit wahrer Andacht dies alles bedenken und mit deinem großen Leide ein wahres Mitleid tragen möge. So erinnere ich dich denn erstlich der traurigen Abnahme deines Sohnes vom Kreuze und alles Leids, so du in deiner jungfräulichen Seele voll Liebe dabei empfandest. Gedent, o Maria! wie das Austreiben der. Nägel dir so tief in das Herz ging, und ein jeder Schlag dir gleichsam eine neue Wunde schlug. Owie begierig strecktest du deine beiden Hände nach ihm und verlangtest den Schatz, darin Zur schmerzhaften Mutter. 373 dein Herz verschlossen war, zu empfangen! Als du ihn endlich mit deinen Händen erreichen konntest, wie eifrig zogest du ihn zu dir und nahmest ihn garz anmuthig in deine mütterlichen Arme. Sage, o Maria, was empfandest du damals in deinem Herzen, und was dachtest du in deinem Sinne und Gemüthe, als du denjenigen todt in deinen Armen hielteſt, welchen du in seiner Kindheit mit so viel Wonne auf deinen Armen getragen hattest? Ach des bittern und schmerzlichen Umfangens! Ach der traurigen Abnahme vom Kreuze! An dies betrübende Geheimniß erinnere ich dich, o Maria! und in mitleidiger Erwägung desselben halte ich nur um diese einzige Gnade an: daß du, wenn meine arme Seele von meinem Leibe scheiden wird, mit deinen mütterlichen Armen so begierig nach ihr auslangen wolleft, als du dieselben nach dem Leichnam deines Sohnes ausgestreckt haft. Nimm sie so freundlich in Liebe auf, als du alle deine treuen Liebhaber in ihrem Tode aufgenommen hast. Amen. Das andere Gebet. ( Vor einem Vesperbilde oder Pietà.) Verehrung des Leichnams Christi im Schooße Mariä. Vor dem Bilde deines h. Leichnams, o Christe Jesu, falle ich auf meine Kniee, verehre dich meinen Erlöser in deiner lieben Mutter Schooße, und begehre die Andacht meines Herzens vor dir auszugießen. O du hochwürdiger Leichnam meines Herrn Jesu Christi, wie finde ich dich in solcher erbarmungswürdigen Gestalt, und wie sehe ich dich so grausam verwundet 374 Das achte Gärtlein. und entstellt! O du gebenedeites Haupt, wie bist du zerstochen! Oihr lieblichen Augen, wie seid ihr verdunkelt! O ihr rosenfarbenen Leszen, wie seid ihr verblichen! O du engelsanftes Angesicht, wie bist du entstellt! Odu edle Brust, wie bist du zerschlagen! O du gebenedeite Seite, wie bist du durchstochen! O ihr gnadenreichen Arme, wie seid ihr ausgespannt! O ihr heilbringenden Hände, wie seid ihr durchbohrt! O ihr h. Glieder, wie seid ihr ausgedehnt! O ihr h. Kniee, wie seid ihr durch öfteres Fallen verlegt! O ihr zarten Füße, wie seid ihr verwundet! O du h. Leichnam, wie bist du zermartert! Und dies Alles um meines Heils willen und zur Genugthuung für meine schweren Sünden! Wie kann ich dir jemals genug daf danken, o Christe Jesu! und was soll ich dir vergelten für so große Liebe? Jch lobe, preise und benedeie dich tausend und tausendmal, und von Grund meines Herzens sage ich dir unendlichen Dank. Im Geiste der Demuth und mit zerknirschtem Herzen falle ich vor dir nieder und mit herzlicher Liebe und Andacht füffe ich alle deine verwundeten Glieder. Jch bitte dich durch alle Wunden und Streiche, so du empfangen hast; ich bitte dich durch alle Schmerzen und Peinen, so du gelitten hast, und ich bitte dich durch alle Zähren und Blutstropfen, so du vergossen hast, verzeihe mir meine Sünden und schenke mir die verdienten Strafen. Tröste mich in meinen Betrübnissen, und erhöre mich in meinem Anliegen. Verleihe mir Beſſe rung meines Lebens und nach einem seligen Tode die ewige Seligkeit. Amen. 375 Zur schmerzhaften Mutter. Das dritte Gebet. Zu der betrübten Mutter Gottes, als sie ihren todten Sohn auf ihrem Schooße hatte. O allerbetrübteste Jungfrau und Mutter Gottes Maria, die du Niemanden verstoßest, Niemanden, der mit betrübtem Herzen zu dir kommt, ungetröstet von dir läsfest, siehe, ich betrübter Sünder komme mit herzlicher Andacht vor dein H. Bild, und begehre dich würdig zu verehren und kräftig anzurufen. Odu mitleidigste Mutter Maria, du weißt, wie einem betrübten Herzen zu Muthe ist, weil du auf Erden so viele Betrübnisse gelitten hast, daß alle Menschen felbige nicht tragen könnten. Ach, was für ein unbegreifliches Herzenleid littest du damals, als du deinen tobten Sohn auf deinem Schooße hattest, und seinen verwundeten Leichnam vom Haupte bis zu den Füßen beschautest! Ach, wer will erzählen, welche Klage du führtest, wie elend du aussahest, und wie biele bittere Zähren du vergoffest! Du drücktest den todten Leib ganz inbrünstig an dein mütterliches Herz, und empfingest ihn ganz anmuthig mit deinen jungfräulichen Armen. Dein todtfrantes Haupt legtest du auf sein erblichenes Angesicht, und füßtest alle seine verwundeten Glieder vom Haupte bis zu den Füßen. In allen diesen Werken des Mitleids und mütterlicher Zärtlichkeit empfandest du solche Bitterkeit, daß alle Bitterfeit dieser Welt nicht damit verglichen werden kann. Aller dieser Bitterfeit erinnere ich dich, o Maria! und durch alle diese bitte ich, du wollest mich mit der Erhörung meines Gebetes gütig trösten. Auf deinen mütterlichen Schooß lege ich all mein 376 Das achte Gärtlein. Anliegen, und in dein mitleidiges Herz schicke ich alle meine Seufzer und Gebete. Lasse mich doch von deinem gnadenreichen Bilde nicht ungetröstet hinweggehen. So mancher Sünder ist da schon getröstet und erhört worden. Ich bitte dich, o Maria! durch das schmerzliche Geheimniß dieses Vesperbildes, hilf mir bei Gott Gnade erlangen und die Gewährung meiner inständigen Bitte. Nimm den verwundeten Leib deines Sohnes auf deine Arme, zeige ihn dem himmlischen Vater in solcher Gestalt, wie er auf deinem Schooße gelegen ist, und bitte ihn durch alles, was er sammt dir gelitten hat, daß er mir Barmherzigkeit erzeige und mich von allem leiblichen und geistlichen Uebel befreie. Amen. Das vierte Gebet. Bitte zu Gott Vater vor einem Vesperbilde. O barmherziger Vater! siehe vom hohen Himmel herab, und schaue an- die zu Mitleid bewegende Gestalt deines Sohnes in seiner Mutter Schooße. Erinnere dich des traurigen Geheimnisses, als der zerrissene Leichnam deines eingeborenen Sohnes im Schooße Mariens lag, und von ihr und allen ihren Freunden so schmerzlich beklagt wurde. Zu diesen frommen Freunden Christi geselle ich mich, und kniee hier mit zerknirschtem Herzen vor dem Bildnisse Jesu und Mariä. Von diesem Schooße Mariens, auf dem Jesus ruhet, hoffe ich Gnade zu erlangen und Gewährung meiner inständigen Bitte. Denn was anders ist der Schooß Mariä, als ein Schooß der Barmherzigkeit; und was anders ist Jesus im Schooße Zur schmerzhaften Mutter. 377 Mariä, als eine Frucht der Barmherzigkeit! Wie kannst du mir armen Sünder vor diesem Gnadenschooße deine Gnade versagen, wo so viele Zeichen der Liebe zusammen kommen, und um Gnade anhalten? Der Sohn zeigt dir seine Wunden und sein Blut, und die Mutter zeigt ihre Brust und Milch. Was ist aber träftiger als Milch und Blut, und was bewegt mehr das Herz als Brüste und Wunden! So siehe denn auf deinen lieben Sohn und deine liebe Tochter, und erhöre die Stimme ihres Blutes und ihrer Zähren, so für mich schreien. Gedenke jener Stunde, als dein todter Sohn auf seiner Mutter Schooß lag und entseßlich anzusehen war. War dein väterliches Herz damals vielleicht nicht erweicht, als du Sohn und Mutter in solch kläglicher Gestalt sahest? Siehe, in derselben Gestalt stelle ich dir beide vor Augen, und begehre dein väterliches Herz wiederum so zu erweichen, wie es damals gegen alle reuige Sünder erweicht war. Du lieber Vater, wie kannst du mir deine Gnade abschlagen, wenn du dieses rührende Bild ansiehst? Ja, wie kannst du mich verdammen, wenn du gedenkest, was dein Sohn für mich gelitten hat? Darum verlasse ich mich so zuversichtlich auf deine unendliche Gütigkeit und auf das Leiden deines Sohnes und seiner Mutter, daß ich meine, es tönne nicht möglich sein, ewig verloren zu gehen. So bitte ich denn durch die Fürbitte und Verdienste Jesu und Mariä, verleihe mir Verzeihung meiner Sünden, Nachlaffung meiner Strafen, Besserung meines Lebens, Beistand in meinem Sterben und endlich das ewige Leben. Amen. Das achte Gärtlein. Das fünfte Gebet. Zum Leichnam Christi im Grabe. Vor deinem h. Grabe falle ich demüthig nieder, o Christe Jesu, und verehre deinen h. Leichnam, der darin begraben liegt. Ach, wie bejammerungswürdig lagest du im Grabe! Wie war dein edler Leib entstellt und verwundet! Wie waren alle deine Glieder erstarrt, und deine fünf Sinne alles Lebens und Wirkens beraubt! Deine Augen waren gebrochen, deine Ohren verstopft, dein Mund war verschlossen, dein Angesicht war bedeckt, und dein ganzer Leichnam in Grabtücher eingewickelt. D wie bitterlich wurdest du von deinen Freunden beklagt! O wie zum Erbarmen geberdete sich die treuliebende Magdalena, und wie rührend flagte der liebreiche Johannes! Ja, die h. Engel stiegen betrübt zu dieser traurigen Gesellschaft herab, und alle Kreaturen betrauerten deinen schmerzlichen Tod. Mit dieser H. Gesellschaft beklage auch ich dein trauriges Begräbniß, und gleichwie selbige vor deinem Grabe knieten, fniee auch ich hier vor deinem h. Grabe. Wollte Gott, daß mein Herz so bewegt wäre, wie ihre Herzen bewegt waren, und daß ich deinen bittern Lod so empfinden möchte, wie fie denselben empfunden haben! O mein Heiland, ich bete an deinen h. Leichnam und beklage schmerzlich deinen unschuldigen Tod. Um meiner Sünden willen bist du unschuldig gemordet und so kläglich in's Grab gebracht worden. Ich bitte dich, o Jesu, durch deine traurige Begräbniß und das armselige Liegen im Grabe, erwecke mich vom Tode der Sünden, und 378 Zur schmerzhaften Mutter. führe mich aus dem Grabe der bösen Gewohnheiten. Ich bitte auch durch alle Andachten, so bei deinem h. Grabe zu Jerusalem verrichtet worden sind, du wollest mich in meinem Elende trösten und in meinem Anliegen erhören, welches ich vor dein h. Grab bringe und in dasselbe zu deinem h. Leichnam hineinlege. Ich befehle mich auch in alles Gebet, welches vor deinem h. Grabe gesprochen worden ist und fünftig wird gesprochen werden. Dies Alles opfere ich dir andächtig auf, und begehre der Früchte desselben theilhaftig zu werden. Amen. Litanei zur schmerzhaften Mutter. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott h. Geist, erbarme dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einziger Gott, erbarme zc. Heilige Maria, bitte für uns! Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Schmerzhafte Mutter, Thränenvolle Mutter, Betrübte Mutter, Verlassene Mutter, Trostlose Mutter, Deines Sohnes beraubte Mutter, Mit dem Schwerte durchbohrte Mutter, Von Mühsalen verzehrte Mutter, 379 Mit Angst erfüllte Mutter, Mit dem Herzen an's Kreuz geschlagene Mutter, Traurigste Mutter, Bitte für uns! 380 Das achte Gärtlein. Du Quelle der Thränen, Du Inbegriff aller Leiden, Du Meer voll Bitterkeiten, Du Spiegel der Geduld, Du Felsen der Standhaftigkeit, Du Anker des Vertrauens, Du Zuflucht der Verlassenen, Du Schild der Unterdrückten, Du Besiegerin der Ungläubigen, Du Trost der Elenden, Du Arznei der Kranken, Du Stärke der Schwachen, Du Hafen der Schiffbrüchigen, Du Stillung der Stürme, Du Zuflucht der Trauernden, Du Schrecken der Nachstellenden, Du Schatz der Gläubigen, Du Auge der Propheten, Du Stab der Apostel, Du Krone der Märtyrer, Du Licht der Beichtiger, Du Perle der Jungfrauen, Du Trost der Wittwen, Du Freude aller Heiligen Königin, ohne Erbfünde empfangen, O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Christe, erhöre uns! Ave Maria 2C. Christe, höre uns! Vater unser 2c. Bitte für uns! Gebet. Sieh uns an, o schmerzhafte Mutter, befreie uns, rette uns von allen Nöthen, durch die Kraft Jesu Christi. A. Schreibe, o heilige hochgebenedeite Frau, in mein Herz ein deine Wunden, daß ich darin den Schmerz und die 381 Zur schmerzhaften Mutter. Liebe lesen kann; den Schmerz, um durch dich jeden andern Schmerz zu ertragen; die Liebe, um für dich jede andere Liebe zu verachten. Lob sei Gott und der Gottesgebärerin! Amen. V Bitte für uns, o schmerzhafte Mutter! R Auf daß wir von der ewigen Qual erlöset werden. Gebet. Die Fürbitte deiner schmerzhaften Mutter, o Herr Jesu Christe! wolle uns armen Sündern bei deiner Barmherzigkeit zu Hülfe kommen, damit unsere Seelen vom wahren Mitleide mit deinem Leiden mögen zerknirschet werden, gleichwie deiner Mutter Seele mit einem Schwerte des Schmerzes in deinem bittern Leiden so vielmal ist durchstochen worden. Der du lebst und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Aufopferung. Laß dir gefallen, o schmerzhafte Jungfrau, diese Litanei, welche ich jetzt zu Ehren deines herzlichen Mitleids ge sprochen habe. Durch die durchnagelten Hände deines Sohnes Jesu Christi opfere ich dir dieselben zu tausend fältig größerer Wonne, als du in seinem Leiden Bitterkeit verkostet hast. Ich bitte dich durch dein durchstochenes Herz und durch das unergründliche Mitleid, welches du mit deinem Sohne hattest, trage Mitleid mit meinen vielfältigen Bedürfnissen, und stärke mich in aller Noth und Anfechtung; besonders in jener großen Noth, welche alle andere überschreiten wird, wenn nämlich meine geängstigte Seele von meinem sündigen Leibe abscheiden wird. Am. Hymnus: Stabat Mater.*) Seht die Mutter voll der Schmerzen,* Wie sie mit betrübtem Herzen* Bei dem Kreuz des Sohnes steht!* Wie sie weinet, wie sie leidet;* Wie ein Schwert ihr Herz durchschneidet, * Und durch ihre Seele geht. *) 100 Tage Ablaß, so oft dieser Hymnus zu Ehren der schmerzhaften Mutter andächtig gebetet wird. Innocenz XI. 1681 den 1. September. Das achte Gärtlein. Klagend stand die tiefbetrübte,* Von dem Sohne zartgeliebte,* Auserwählte Mutter da!* Todesangst finkt auf sie nieder,* Da sie die zerriss'nen Glieder Ihres liebsten Jesu ſah. 382 * * Wessen Auge kann der Zähren Bei dem Jammer sich erwehren,* Der die Mutter Christi drückt?* Wer muß sich nicht tief betrüben,* Der die Mutter mit dem lieben* Sohn in solcher Noth erblickt. Jesum sah sie festgebunden* Und zerfleischt mit tausend Wunden* Für des Volkes Missethat;* Sah den Sohn verschmäht, verlassen,* Jedes Trost's beraubt, erblassen, Den sie so geliebet hat. * Gib, o Mutter, Quell der Liebe,* Daß ich mich mit dir betrübe,* Bring' mir deine Schmerzen bei;* Schmerzen, die die Lieb' entzünden,* Die mich stets mit Gott ver binden, Daß ich ihm gefällig sei. * Heil'ge Mutter, drück' die Wunden,* Die dein Sohn für mich empfunden,* Tief in meine Seele ein!*)* Gib an dem, was Er in Banden* Und am Kreuze ausge standen,* Gib mir Theil an jeder Pein. Laß mich herzlich mit dir weinen,* Mich durch's Kreuz mit ihm vereinen,* Bis der Tod mich führt zu dir.* Stehen will ich dir zur Seiten,* Und will über Jesu Leiden* Mit dir trauern für und für. Holde Jungfrau der Jungfrauen!* Du nach Jesus mein Vertrauen,* Theile mit mir deine Schmerzen; Daß ich meines Heilands Leiden, Seinen Tod und bitt'res Scheiden,* Jmmer nehme tief zu Herzen. * Mach', wenn ich am Kreuze hange* Und mit Jesu Wunden prange,* Rein mich, selig durch sein Blut. Wenn mich deine Lieb' entzündet,* Deine Huld mir Gnad' verkündet, Acht' ich nicht der Hölle Wuth. * *) Wer diese drei Gebetstrophen siebenmal reumüthig spricht und nach jeder ein Gegrüßet hinzufügt, gewinnt einmal des Tages einen Ablaß von 300 Tagen. Wer aber diese Andacht täglich einen ganzen Monat andächtig verrichtet, gewinnt einen vollkommenen Ablaß au einem beliebigen Tage, an welchem er die h. Sakramente empfängt und für die h. Kirche betet. Diese Ablässe können auch den Seelen im Feg feuer zugewendet werden. Pius VII. 1. Christmonat 1815. Zur schmerzhaften Mutter. 383 Mache, daß sein Tod mich schüße,* Und sein Kreuz sei meine Stüße,* Seine Gnade mein Geleit!* Wenn mein matter Leib wird sterben,* Laß, Herr! meine Seel' erwerben* Deines Reiches Herrlichkeit. Amen. Der Rosenkranz von den sieben Schmerzen Mariä. Dieser Rosenkranz besteht aus 7 Absäken zur Erinnerung der fleben vorzüglichsten Schmerzen Mariä. Bei jedem Absage wird ein Vater unser und sieben Gegrüßet seist du zc. und am Ende noch drei andere Gegrüßet seist du zc. zu Ehren der Thränen gebetet, welche Maria in ihren Schmerzen vergoß. Zu jedem Ave setzt man nach Ordnung der Abfäße folgende Geheimniſse: 1. Von dem Simeon dir so viel Schmerzhaftes 11 geweifsagt hat." 11 2. Mit dem du nach Aegypten geflüchtet biſt." 3. ,, Den du im Tempel verloren hast. 41 5. #f 4.„ Den du das schwere Kreuz hast tragen sehen." Den du an's Kreuz hast nageln hören." 6. ,, Den du am Kreuze sterbend beweinet hast." 7.„ Den du zum Grabe begleitet haſt." Viele und außerordentlich große Ablässe sind mit dem andächtigen Abbeten dieses Rosenkranzes verbunden; unter andern auch folgende: 1) Ein vollkommener Ablaß am Tage des Empfanges der H. Sakramente für Alle, welche täglich einen ganzen Monat lang diesen Rosenkranz beten, und am Tage der Communion für die h. Kirche flehen. 2) Jedesmal ein Ablaß von 100 Jahren für jene, welche reumüthig beichten, oder zu beichten entschlossen sind, und diesen Rosenkranz beten. 3) Jedesmal ein Ablaß von 150 Jahren für jene, welche diesen Rosenkranz am Montage, Mittwoche und Freitage, oder an einem andern gebotenen Feiertage reumüthig nach abgelegter Beichte beten. 4) Ein Ablaß von 200 Jahren für jene, welche diesen Rosenkranz nach reumüthiger Beichte und h. Communion andächtig beten. 384 Das achte Gärtlein. Zur Gewinnung dieser Ablässe, die auch den Seelen im Fegfeuer augewendet werden können, wird ein eigens geweihter Rosenkranz erfordert, der weder verkauft, noch geliehen werden darf. Clemens XIII. 1754. Benedict XIII. Benedict XIV. Fromme Uebung zu Ehren des schmerzhaften Herzens Mariä. Auf Ansuchen der ehrwürdigsten Priester des frommen Vereins zum heiligsten Herzen Jesu, auch Verein des h. Paulus genannt, verlieh Pius VII. mittelst Rescripts vom 14. Jänner 1815, durch den Erzbischof von Philippi, auf ewige Zeiten einen Ablaß von 300 Tagen, welcher auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden kann, allen Chrift gläubigen für Jedesmal, wo sie zu Ehren des schmerzhaften Herzens der allerheiligsten Mutter folgende fromme Ulebung, in was immer für einer Sprache, wenn nur in getreuer Uebersetzung, mit Andacht sprechen würden; wie dies auch aus einem andern Rescripte von 26. September 1817, welches in dem Archive des benannten frommen Vereins aufbewahrt wird, zu ersehen ist. Fromme Uebung. VO Gott, merte auf meine Hülfe! R Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater, und dem Sohne, und dem h. Geiste 2c. 1. Ich trage zärtliches Mitleid mit dir, schmerz hafte Mutter Maria! wegen jener Bekümmerniß, die dein zartes Herz bei der Vorhersagung des H. Greises Simeon empfunden hat. Oliebe Mutter! durd dieses dein betrübtes Herz erbitte mir von Gott die Tugend der Demuth und die Gabe der h. Gottesfurcht. Gegrüßet seist du zc. 2. Ich trage zärtliches Mitleid mit dir, schmerzhafte Mutter Maria! wegen jener Angst, die dein zartfühlendes Herz bei der Flucht nach Aegypten und während des Aufenthalts alldort empfunden hat. Oliebe Mutter! durch dieses dein geängstigtes Herz Zur schmerzhaften Mutter. 385 erwirke mir die Tugend der Freigebigkeit, besonders gegen die Armen, und die Gabe der Gottseligkeit. Gegrüßet seist du zc. 3. Ich trage zärtliches Mitleid mit dir, schmerzhafte Mutter Maria! wegen jener Bestürzung, in die dein sorgsames Herz gerieth, als du deinen lieben Jesus verloren hattest. Oliebe Mutter! durch dein so sehr bekümmertes Herz erlange mir die Tugend der Keuschheit, und die Gabe der Wissenschaft. Gegrüßet seist du zc. 4. Ich trage zärtliches Mitleid mit dir, schmerzhafte Mutter Maria! wegen jenes Entsegens, welches dein mütterliches Herz ergriff, da du Jeju begegnetest, als Er das schwere Kreuz trug. O liebe Mutter! durch dein liebendes, vor Schmerzen brechendes Herz erbitte mir die Tugend der Geduld, und die Gabe der Stärke. Gegrüßet seist du zc. 5. Ich trage zärtliches Mitleid mit dir, schmerzhafte Mutter Maria! wegen jener Marterqual, die dein starkmüthiges Herz aushielt, als du bei der Todesangst Jesu am Kreuze zugegen warst. Oliebe Mutter! durch dein so sehr gepeinigtes Herz erflehe mir die Tugend der Mäßigkeit, und die Gabe des Rathes. Gegrüßet seist du zc. 6. Ich trage zärtliches Mitleid mit dir, schmerzhafte Mutter Maria! wegen jener Schmerzenswunde, die deinem mitleidsvollen Herzen geschlagen ward, als ein Lanzenstich die Seite Jesu öffnete und sein liebenswürdigstes Herz durchdrang. Oliebe Mutter! durch Myrrhengarten III. 23. Aufl. 25 386 Das achte Gärtlein. dein so zerschnittenes Herz erbitte mir die Tugend der brüderlichen Liebe, und die Gabe des Verstandes. Gegrüßet seist du zc. 7. Ich trage zärtliches Mitleid mit dir, schmerzhafte Mutter Maria! wegen jener stillen Bein, die dein liebevollstes Herz erlitt, als Jesus in das Grab gelegt wurde. Oliebe Mutter! durch dein auf das Neußerste betrübtes Herz erlange mir die Tugend des Eifers, und die Gabe der Weisheit. Gegrüßet seist du zc. V Bitt' für uns, o schmerzhafte Jungfrau! R, Daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Wir bitten dich, Herr Jesus Christus! du wollest gnädiglich verleihen, daß die seligste Jungfrau Maria, deine Mutter, deren heiligste Seele in der Stunde deines Leidens ein Schwert des Schmerzes durchdrang, jetzt und in der Stunde unseres Todes bei deiner göttlichen Milde für uns fürsprechen möge. Durch dich, Jesus Christus, Erlöser der Welt, der du mit dem Vater und dem h. Geiste lebest und regierest, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Die einflündige Andacht zu Ehren der schmerzhaften Mutter, wodurch man einmal im Jahre einen vollkommenen Ablaß gewinnt, wenn man an demselben Tage die h. Sakramente empfängt, verrichtet man, indem man eine Stunde lang in Betrachtungen und Gebeten zu Ehren der schmerzhaften Mutter zuz bringt, ihre Schmerzen erwägt, den schmerzhaften Rosenkranz und andere passende Gebete verrichtet. Dieser Ablaß kann auch den armen Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Pius VI. 1785. Zum leidenden Heilande. Gebete zum leidenden Heilande. Verehrung der sieben Worte Christi am Kreuze. Ich grüße dich, mein gekreuzigter Jeſu! und danke dir für die trefflichen Lehren, welche du uns am Kreuze vor deinem letzten Ende gegeben haft. Wiewohl du so voller Schmerzen warest, daß du deinen geschwollenen Mund ohne Bein nicht aufthun konnteſt, so wolltest du dennoch sieben heilsame Worte zu uns reden, deren wir uns zu deinem Andenken oft erinnern sollten. Gedenke deswegen der großen Liebe, mit welcher du für deine Feinde batest, sprechend: Vater, verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Durch diese Liebe bitte ich, du wollest deinen Vater auch für mich bitten, daß er mir meine Sünden verzeihen wolle. Zum andern gedenke der Barmherzigfeit, so du dem Schächer erzeigtest, als du zu ihm sprachest: Wahrlich sage ich dir, heute wirst du bei mir sein im Paradiese! Ach, erzeige auch mir solche Barmherzigkeit, und sprich in meinem Tode zu mir: Heute wirst du bei mir sein im Paradiese. auch eingedenk des Mitleids, so du mit deiner betrübten Mutter trugest, als du sie dem h. Johannes anbefahlest, sprechend: Weib, siehe deinen Sohn! und zu Johannes: Siehe deine Mutter! Ich bitte dich, gib auch mir deine Mutter zu einer wahren Mutter, und verleihe mir eine wahre kindliche Liebe zu ihr. Ich erinnere dich auch, o Jesu, des betrübten Wortes, womit du deinem Vater deine äußerste Noth klagtest, sprechend: Mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verlassen! Durch diese deine bittere Verlassung Sei 25* 387 388 Das achte Gärtlein. bitte ich dich, verlasse mich doch nimmermehr, besonders in meinem letzten Ende. Ich erinnere dich auch des bittersten Durstes, den du am Kreuze littest, als du sprachest: Mich dürstet! Diesen sehr bittern Durst opfere ich dir zur Verzeihung all meiner unmäßigen Gier nach Speise und Trank. Weiters erinnere ich dich des sechsten Wortes: Es ist vollbracht! und bitte dich durch die Kraft desselben, verleihe mir Gnade, deine göttlichen Gebote und Räthe zu vollbringen. Endlich erinnere ich dich des letzten Wortes, so du in deinem sterblichen Leben geredet hast, indem du sterbend deinem Vater deinen Geist befahleſt, sprechend: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Durch die Kraft desselben bitte ich, du wollest dir meinen scheidenden Geist treulich anbefohlen sein lassen. Amen. Verehrung aller Glieder Chrifti. Vor einem Krucifirbilde zu sprechen. wie Ich bete dich an, o mein Herr Jesu Christe! hier am Stamme des heil. Kreuzes, und danke dir von Herzen für die große Marter, die du für mich gelitten hast. Mein herzliebster Jesu! ach wie theuer hast du meine Sünden bezahlen müssen! jammervoll hingest du am Kreuze, und wie schmerzlich waren deine Hände und Füße angenagelt! Ach, wie hast du solch grausame Bein ausstehen und drei Stunden lang lebendig am Kreuze hangen können. Ich trage ein herzliches Mitleid mit deiner großen Marter und deine großen Schmerzen durchdringen mir mein sündiges Herz. Ich danke dir für alle Zum leidenden Heilande. 389 Pein, so du an deinen heil. Gliedern gelitten hast, und aus Dankbarkeit küsse ich alle mit einem treuherzigen Kuffe. Sei gegrüßt, du ehrwürdiges Haupt meines Herrn Jesu Christi! Ach, wie bist du mit so vielen Dornen durchstochen und mit so vielen Wunden verwundet worden! Ich dante dir für alles, was du für mich gelitten haft, und küsse dich aus herzlichem Mitleid. Wenn du ein Krucifirbild in der Hand hast, so küsse hier das Haupt Christi und so jedes Glied, wenn du es nennest. Sei gegrüßt, du holdseliges Angesicht meines Herrn Jesu Chrifti! Ach, wie bist du so übel zugerichtet und all deiner Schönheit beraubt! Ich danke dir für alles, was du für mich gelitten hast, und küſse dich aus herzlichem Mitleid. Sei gegrüßt, du süßester Mund meines Herrn Jesu Christi! Ach, wie bist du so sehr geschwollen und mit so vielen Schlägen gepeinigt worden! Ich danke dir für alle Streiche, so du für mich empfangen hast, und küsse dich aus herzlichem Mitleid. Sei gegrüßt, du hochwürdige Brust meines Herrn Jesu! Ach, wie bist du in der Geißelung so gar zerschlagen und mit so manchem harten Stoße gepeinigt worden! Ich danke dir für alles, was du für mich gelitten hast, und küsse dich aus herzlichem Mitleid. Sei gegrüßt, du mildestes Herz Jesu Christi! wie bist du so schmerzlich zerspaltet und so grausam mit dem Speere durchstochen worden! Ich danke dir für alles, was du für mich gelitten hast, und küsse dich aus herzlichem Mitleid. Seid gegrüßt, ihr zartesten Hände meines Herrn 390 Das achte Gärtlein. Jesu Christi! Ach, wie seid ihr so schmerzlich verwundet und so grausam ans Kreuz genagelt worden! Ich danke euch für alles, was ihr für mich gelitten habt, und küsse euch aus herzlichem Mitleid. Seid gegrüßt, ihr edelsten Arme meines Herrn Jesu Christi! Ach, wie seid ihr so peinlich ausgespannt und so grausam verrenkt worden! Ich danke euch für alles, was ihr für mich gelitten habt, und füsse euch aus herzlichem Mitleid. Seid gegrüßt, ihr gebenedeiten Kniee meines Herrn Jesu Christi! Ach, wie seid ihr so gar zerschmettert und so schmerzlich zerschlagen worden! Ich danke euch für alles, was ihr für mich gelitten habt, und füsse euch aus herzlichem Mitleid. Seid gegrüßt, ihr heiligsten Füße meines Herrn Jesu Christi! Ach, wie seid ihr mit so großen Nägeln durchschlagen und so sehr grausam verwundet worden. Ich danke euch für alles, was ihr für mich gelitten habt, und küsse euch aus herzlichem Mitleid. Alle diese Schmerzen, o Christe Jesu, so du an deinen zartesten Gliedern gelitten hast, opfere ich dir andächtig, und durch dieselben bitte ich dich demüthig, daß du mir gnädig verzeihen wolleft, was ich jemals mit meinen Gliedern wider dich gesündigt habe. Am. Verehrung der drei Stunden, in welchen Christus am Kreuze gehangen hat. Schmerzhafter Jesu, ich erinnere dich der drei Stunden, in welchen du am Kreuze gehangen und so gar viele Marter und Peinen an Leib und Seele gelitten hast. Owohl drei bittere Stunden! O 391 Zum leidenden Heilande. wohl drei lange Stunden! Gedenk, o gefreuzigter Jesu, wie zum Erbarmen du an den harten und fantigen Nägeln hingest, und wie schmerzlich dein ganzer Leib ausgespannt war! Die ganze Last deines Leibes hing nur an den zwei Nägeln deiner Hände, und die schwere Last riß deine Wunden immer mehr auf. Daher nahm der bittere Schmerz alle Augenblicke zu, und quälte dich mit unglaublicher Marter und Bein. Diese schwere Last deines Leibes senkte sich je länger je mehr auf die Nägel deiner Füße, und erneuerte die Wunden derselben stets mit großen Schmerzen. Ach, wie fiel dir das elende Stehen auf den eisernen Nägeln so schwer, und wie durchschnitt der Schmerz dieser Wunden dein Herz und deine Eingeweide! Die Pein deiner auseinander gerissenen Glieder wüthete mit jedem Augenblicke heftiger, und fuhr durch alle deine Glieder wie der Blitz durch die Wolken. Bisweilen stiegen die Schmerzen von den Adern zu deinem Herzen, dann wieder vom Herzen zu den zerrissenen Adern! Die vielfältigen Wunden deines zerrissenen Leibes brannten immer heftiger, und so ward stets dein Schmerz vermehrt und der Tod verzögert. Auf diese Weise hingest du über drei Stunden lang in solchen innern und äußern Qualen, daß alle menschlichen Kräfte nicht stark genug wären, selbige zu ertragen. Diese drei bittern Stunden verehre ich mit diesem Gebete, und danke dir aus ganzem Herzen für alles, was du in denselben gelitten hast. Ich bitte dich durch alle Zähren, die du in diesen drei Stunden geweint, durch alle Seufzer, die du in denselben ausgestoßen, 392 Das achte Gärtlein. burch alle Klagworte, welche du ausgesprochen, durch alle Blutstropfen, die du vergossen, und durch alle Pein, so du gelitten hast, du wolleft dich meiner erbarmen, und mir meine Sünden nachlassen und verzeihen. Weil du dies alles für mich besonders mit großer Liebe gelitten hast, ach, so gib doch nicht zu, daß dies große Leiden an mir verloren sei, sondern daß es zu meinem ewigen Heile gereiche. Am. Christus am Kreuze wird Gott dem Vater vorgestellt als Opfer der Genugthuung. Allergerechtester himmlischer Vater! meiner Sünden sind so viele, daß ich vor deiner strengen Gerechtigkeit nimmer bestehen, noch für meine Sünden auf irgend eine Weise würdig genugthun kann. Gleichwohl verzage ich nicht, sondern nehme meine Zuflucht zu der reichen Genugthuung meines Erlösers Jesu Christi. Diesen deinen gekreuzigten Sohn stelle ich dir vor Augen, bittend, du wolleft in Ansehung desselben dich meiner erbarmen. Erinnere dich, o gütigster Vater, unter welchen Schmerzen dein Sohn am Kreuze gehangen, und was für schwere Martern er für mich gelitten hat! Siehe, wie das königliche Haupt mit Dornen gekrönet und das göttliche Angesicht mit Speichel verunstaltet ist! Siehe, wie seine Augen erblindet, sein Mund geschwollen, seine Wangen zerrissen, seine Arme ausgespannt, seine Brust verwundet, seine Haut zerfekt, seine Hände durchnagelt, seine Glieder ausgedehnt und verrenkt, seine Knice zerquetscht, seine Füße angeheftet, sein Leib gegeißelt, seine Seite durchstochen, sein Blut vergossen, sein Herz zerspaltet, Zum leidenden Heilande. 393 und seine Seele bis in den Tod betrübt gewesen ist! Siehe an dies bejammerungswürdige Schauspiel, o gütigster Vater! und erinnere dich, daß dein lieber Sohn dies Alles für mich gelitten hat. Dies würde Er ja nicht gethan haben, wenn er nicht gewünscht hätte, es solle mir zu gut fommen; und du würdest ihn auch nicht so hart gestraft haben, wenn du dennoch mich ewiglich strafen wolltest. So lasse denn sein bitteres Leiden mir zum Heile gereichen, und seine großen Schmerzen an meiner Seele nicht verloren sein! Laß seine bittern Zähren meine Seele abwaschen, und sein kostbares Blut meine Makel auslöschen. Laß seinen schmählichen Tod mich vor dem ewigen Tode bewahren, und seine schwere Marter für meine schweren Strafen genugthun. Amen. Bitte zu Gott dem Vater, durch das Leiden Chrifti ein seliges Ende zu erlangen. Ach, mein lieber himmlischer Vater! vor nichts ist mir so bange, als vor meinem Tode, und um nichts bitte ich dich eifriger, als um ein seliges Ende. Nicht träftiger aber kann ich zu dir beten, als durch das Leiden deines Sohnes, und nichts kann mir beſser ein seliges Ende erlangen, als jein bitterer Tod. Darum bitte ich durch sein bitteres Leiden und seinen schmerzlichen Tod, du wollest mir ein seliges Ende verleihen, und mich in meinem Tode nicht verlassen. Durch seinen blutigen Angst- Schweiß mindere mir den tödtlichen Angst- Schweiß, und durch seine Furcht vor dem Tode verringere mir die Todesfurcht. Durch seine Ketten und Bande löse auf die Bande meiner 394 Das achte Gärtlein. Sünden, und durch sein schauerliches Gefängniß erlöse mich von dem ewigen Gefängnisse. Durch die traurige Nacht seines Leidens bewahre mich vor der Finsterniß der Verzweiflung, und durch seine schmähliche Verſpottung behüte mich vor dem ewigen Spotte der Teufel. Durch seine ungerechte Verklagung mache zu Schanden meine Ankläger, und durch seine Verspottung im weißen Kleide bedecke die Blöße meiner Seele. Durch seine schmerzliche Geißlung wende ab die Geißel deines Zornes, und durch seine schmählicht Krönung fröne mich mit der Krone der Glorie. Durch seine ungerechte Verurtheilung verleihe mir ein gnädiges Urtheil, und durch seine beschwerliche Kreuztragung erleichtere mir die Bürde meines Gewissens. Durch seine grausame Annagelung erhalte mich in der Standhaftigkeit, und durch den Essig und die bittere Galle, die Er fostete, versüße mir die Bitterfeit des Todes. Durch seine äußerste Verlassenheit verlasse mich nicht in der letzten Noth, und durch seinen allerschmerzlichsten Tod verleihe mir einen seligen Tod. Amen. Litanei von dem bittern Leiden Chrifti. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Du für uns leidender und sterbender Jesus, Du bis in den Tod betrübter Jesus, Gottergebener Jesus, Gebundener Jesus, Erbarme 2c. Zum leidenden Heilande. Verhöhnter Jesus, Unschuldig verurtheilter Jeſus, Gegeißelter Jesus, Mit Dornen gekrönter Jesus, Mit dem Kreuze beladener Jesus, Gekreuzigter Jesus, Durch deine Todesangst am Delberge, Durch deinen blutigen Schweiß, Durch dein dreimaliges Angstgebet zum Vater, Durch deine Geduld mit den schlafenden Jüngern, Durch deine Sanftmuth gegen Judas den Verräther, Durch deine ehrwürdige Majestät bei Annäherung der Gerichtsdiener, Durch die harten Bande und Schläge, Durch die Vorstellung vor Annas und Kaiphas, Durch den schmerzlichen Backenstreich, 395 Durch die ungerechte Anklage und Verurtheilung, Durch dein geheimnißvolles Schweigen, Durch dein herrliches Zeugniß für die Wahrheit, Durch die Beschimpfung deines h. Angesichtes, Durch die Verspottung deines königlichen Namens, Durch die erduldete Lästerung deiner h. Gottheit, Durch deine Verhöhnung vor Pilatus und Herodes, Durch das ungerechte Todesurtheil, Durch deinen willigen Gehorsam bis zum Tode des Kreuzes, Durch die schmerzhaften Wunden deines h. Leibes, Durch die schmerzliche Beraubung deiner Kleider, Durch deine unaussprechlichen Schmerzen bei Anheftung an's Kreuz, Durch deine dreistündigen Leiden am Kreuze, Durch dein vergossenes kostbares Blut, Durch das Gebet der Liebe für deine Kreuziger, Durch deine göttliche Huld gegen den reumüthigen Schächer, Durch die zärtliche Liebe gegen deine Mutter und gegen Johannes, Durch deinen heißen Durst und bange Verlaffenheit, Erbarme dich unser! 396 Das achte Gärtlein. Durch die bittere Galle und Effig, die man dir dargereicht, Durch deinen harten Todeskampf, Durch die siegreiche Vollendung deines Leidens, Durch das sanfte Neigen deines sterbenden Hauptes, Durch die Eröffnung deiner h. Seite, Durch die Abnahme vom Kreuze, Durch dein h. Begräbniß, Sei uns gnädig, verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel, Von aller Sünde, von einem unglückseligen Tode, Vom Kleinglauben, Von Muthlosigkeit im Leiden, Von aller Geringschätzung deines h. Leidens und Sterbens, Durch deine h. fünf Wunden, Durch deine Liebe zu allen Leidenden, Durch deine Erbarmung gegen reumüthige Sünder, Durch die Wahrhaftigkeit deiner Verheißung, Wir arme Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns zur Betrachtung deines h. Leidens und Sterbens Gnade geben wollest, Daß du uns in jeder Betrübniß durch deine erlittene Angst trösten wollest, Daß du durch deinen blutigen Schweiß die Lust zur Sünde in uns tödten wollest, Daß du uns vor allem Zorne durch deine unbesiegte Sanftmuth behüten wollest, Daß du uns Liebe zum Kreuze einflößen wollest, Daß du uns in der Versuchung durch deine Wundmaale bewahren wollest, Daß du uns durch dein Leiden und Sterben von aller Anhänglichkeit an die vergänglichen Dinge losmachen wollest, Daß du uns im Tode durch dein kostbares Blut erquicken wollest, Erbarme dich unser! Erlöse uns, o Herr! Wir bitten dich, erhöre uns! Zum leidenden Heilande. 397 O du Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Herr! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser 2c. V Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich! R, Denn durch dein H. Kreuz hast du die Welt erlöset. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! sieh' gnädig auf diese deine Gemeinde herab, für welche unser Herr Jesus Christus sich den Händen der Sünder über lassen und am Kreuze sterben wollte, der mit dir in Einigkeit des h. Geistes lebt und regiert, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Kräftige Bitte zu dem leidenden Jesus um ein seliges Ende. O treuherzigster Jesu! der du aus lauter Liebe gegen uns arme Sünder so viel Pein für uns gelitten hast, daß alle Menschen mit einander solche nicht ertragen könnten, ich bitte dich durch diese deine unergründliche Marter und unschäßbare Liebe, schenke mir doch in meiner Sterbestunde zum leßzten Troste meiner Seele und zur Herzstärkung in meiner äußersten Angst die Traurigkeit deiner betrübten Seele, die bittern Zähren deiner milden Augen, die tiefen Seufzer deines gefränkten Herzens, den blutigen Angstschweiß deines verblichenen Angesichts, die tiefen Wunden deines zermarterten Leibes, die harten Streiche deiner schmerzlichen Geißlung, die peinlichen Dornstiche deiner dörnernen Krone, das rosenfarbene Blut deiner zerrissenen Adern, das gnadenreiche Wasser deiner durch 398 Das achte Gärtlein. stochenen Seite, die reichen Verdienste deines bittern Leidens und die herrlichen Tugenden deines heiligsten Lebens. Auf dieses Alles setze ich meine ganze Hoffnung und Zuversicht; und dies Alles segze ich zwischen meine schweren Sünden und den gerechten Zorn des himmlischen Vaters. Wenn ich an meinem letzten Ende nicht mehr werde reden können, so lasse dein heil. Blut für mich schreien und deine tiefen Wunden ihren Mund eröffnen, damit ich vor meinem Tode Gnade erlange und nicht ewiglich verloren gehe. Amen. Gebete zu Ehren des heiligen Blutes. Gebet zu den sieben Blutvergießungen. 1. Vor den Füßen deiner göttlichen Majeſtät falle ich demüthig nieder, o mein gekreuzigter Jesu! und klage mich reumüthig an wegen der vielen Sünden, so ich mein Leben hindurch wider dich begangen habe. Weil ich aber keine bessere Genugthuung weiß, als dein rosenfarbenes Blut, jo nehme ich meine Zuflucht zu demselben, und zur Zahlung aller Sünden, die ich in meiner Jugend begangen habe, opfere ich dir das edle Blut, so du in deiner schmerzlichen Beschneidung vergossen hast. Nimm auf, o Jesu! dies kräftige Opfer, und durch dein unschuldig vergossenes Blut lösche aus die Makeln meiner Seele. Amen. 2. O Herr Jesu Christe! ach, verzeihe mir meine schweren Missethaten, die ich aus Trägheit in deinem Dienste begangen habe! 3ur Genugthuung derselben opfere ich dir deinen blutigen Angstschweiß, den du am Oelberge aus Todesfurcht geschwißet hast. Nimm Zu Ehren des h. Blutes. 399 auf, o Jesu! dies träftige Opfer, und durch die Todesangst am Oelberge mache mein Gemüth eifrig zu allem Guten. Amen. 3. O Herr Jesu Christe! jetzt bitte ich um Verzeihung der schändlichen Sünden, die ich vielfältig wider die Reinigkeit begangen habe. Zur Genugthuung derselben opfere ich dir dein rosenfarbenes Blut, das du in deiner schmerzlichen und schmählichen Geißelung vergossen hast. Laß dir gefallen, o Jesu! dies kräftige Blutopfer, und durch deine schmerzvollen Geißelstreiche verleihe mir, hinfüro in Reinigkeit zu leben. Amen. 4. O Herr Jesu Christe! nun halte ich an um Verzeihung aller Sünden, die ich mit Hoffart, Hartnäckigkeit und Eigensinn begangen habe. Zu deren Abbüßung opfere ich dir das hochwürdige Blut, ſo in deiner Krönung aus deinem königlichen Haupte geflossen ist. Laß dies Opfer, o Jesu! vor dir gültig sein: und durch die stechenden Dörner deiner heil. Krone mache mich im Herzen und in äußerlichen Werken demüthig. Amen. 5. O Herr Jesu Christe! ich habe auch sehr viel gefündigt in übermäßiger Kleiderpracht, worüber ich mich anflage und Verzeihung begehre. Zur Genugthuung dieser Sünden opfere ich dir die milden Blut- Bächlein, welche aus deinem Leibe geflossen sind, als bei Abziehung deiner Kleider alle deine Wunden erneuert wurden. Diese reichen Blut- Bächlein lasse immerdar vor deinen Augen fließen, und verleihe mir durch ihre Kraft, daß ich mich nimmermehr in Kleiderpracht verfündige. Amen. 400 Das achte Gärtlein. 6. O Herr Jesu Christe! ich flage mich demüthig an wegen der vielen Sünden, so ich mit meinen Händen und Füßen und allen Gliedern meines Leibes begangen habe. Zur Genugthuung verehre ich dir das reichliche Blut, so in deiner Kreuzigung aus deinen Händen und Füßen geflossen ist. Die Stimme dieses edlen Blutes wolle immerdar in deinen Ohren erschallen, und mir kräftig erwerben, die Glieder meines Leibes zu deinem Dienste anzuwenden. A. 7. O Herr Jesu Christe! die meisten Sünden, die ich gethan, habe ich mit böser Begierlichkeit meines Herzens begangen. Nun aber bitte ich um Verzeihung, und zur Abtragung derselben opfere ich dir das uns schäßbare Blut und Wasser, so aus deinem eröffneten Herzen geflossen ist. Dies kräftige Opfer wolle deinen Zorn versöhnen, und mir völlige Gnade erwerben, alle Begierden meines Herzens zu dir zu wenden. A. Verehrung des h. Blutes, das aus der Seite Chrifti gesloffen ist. Sei gegrüßt, du hochwürdiges Blut Jesu Christi, welches aus seiner H. Seite geflossen, und für die Sünden der Welt zuletzt ist vergossen worden! Mit herzlicher Liebe und Andacht ehre ich dich, und mit tiefster Demuth bete ich dich an. O du allerheiligstes Blut, welch' große Ehre hat dir Christus erzeigt, daß Er dich allezeit in seinem süßen Herzen hat tragen, und nicht eher als nach seinem Tode vergießen wollen. O du alleredelstes Blut, du bist von dem Feuer der heißesten Liebe des Herzens Christi ganz Zu Ehren des H. Blutes. 401 fräftig und liebreich gemacht worden! Daher bist du auch eines unschäßzbaren Werths, und hast eine übernatürliche göttliche Kraft, die Herzen zu reinigen und zu entzünden. Deswegen hoffe ich durch dich, volle Verzeihung und vollkommene Genugthuung meiner Schulden zu erwerben. O du liebes und süßes Herzblut! ich liebe und ehre dich, und trage zu dir eine besondere Neigung und ein großes Vertrauen. O du gnadenreiches Herzblut Jesu! ach entzünde meine Seele in deiner Liebe und erquicke mein Herz mit deiner göttlichen Kraft! Tilge aus meine abscheulichen Sünden, und bezahle meine vielfältigen Schulden. Opfere dich selbst dem himmlischen Vater zu meinem Heile und rufe zu ihm um Gnade und Barmherzigkeit. O himmlischer Vater! ich stelle dir vor Augen das allerköstlichste Blut, welches aus der Seitenwunde deines Sohnes geflossen ist, und opfere dir dasselbe zur Abwaschung meiner Seele und Auslöschung aller meiner Sünden und Schulden. Ein einziges Tröpflein ist mehr werth, als alle Schulden der ganzen Welt: darum werden ja diese allerköstlichsten Herzens- Tröpflein vor dir gültig geschätzt werden, meine großen und schweren Schulden und Strafen zu bezahlen. Deswegen bitte ich durch die göttliche Kraft dieses rosenfarbenen Blutes, du wollest in meinem Tode, wenn alle meine guten und bösen Werke gewogen werden, nur ein einziges von diesen Bluts- Tröpflein durch meinen H. Schußengel zu meinen guten Werken legen lassen, so will ich getrost von dir ein gnädiges Urtheil erwarten. Amen. Myrrhengarten III. 23. Aufl. 26 402 Das achte Gärtlein. Vertrauen zu dem h. Blute. Ich bete dich an, o gnadenreiches Blut Jesu Christi, du unschäßbarer Werth der menschlichen Ers lösung! 3ch glaube, daß du mit der Gottheit ver einiget und von allen Engeln und Menschen angebetet zu werden würdig bist. Ich glaube fest, daß dein Werth unschäßbar ist, und ein einziges Tröpflein mehr gilt, als aller Welt Sünden. Darum sehe ich all meine Hoffnung auf dich, und zweifele nicht daran, der gütige Gott werde mir um deinetwillen meine Sünden verzeihen. O du unschäßbares göttliches Blut, du bist meine stärkste Hoffnung, und du bist meine sicherste Zuversicht! Denn ich weiß, daß ich durch Nichts für meine Sünden leichter genugthun fann, als eben durch dich: und fann auch nicht glauben, daß mich Gott verdammen werde, so lange ich dich ehre und mein Vertrauen auf dich seze. Ich bin auch versichert, daß, wenn ich dich andächtig Gott aufopfere, ich dadurch eher Verzeihung erlange, als wenn ich ein schweres Bußwerk verrichte. Weil ich also weiß, daß ich durch dich so viele Gnaden erlangen kann, darum liebe ich dich von ganzem Herzen und trage eine unaussprechliche Andacht zu dir. O! wenn ich nur wüßte, wie ich dich würdig ehren könnte, und wie ich die Andacht meines Herzens vor dir ausgießen sollte! Die lieben Engel wollen dich an meiner Statt würdig verehren, und die lieben Heiligen wollen Alle Priester dich für mich demüthig anbeten. wollen dich für mich Gott dem Vater aufopfern, und alle Menschen wollen dich an meiner Statt preisen und benedeien. O du edles, du kräftiges, du fostbares Zu Ehren des H. Blutes. 403 Blut! durch dich hoffe ich Verzeihung meiner Sünden zu erlangen: durch dich hoffe ich Nachlassung meiner Strafen und die göttliche Barmherzigkeit zu erhalten. Denn du kannst Alles, du vermagst Alles, und du erzwingst Alles. Darum rufe ich dich vertraulich an, und mit ganzem Herzen bitte ich dich um Barmherzigkeit. Laß mich in dieser meiner Hoffnung nicht zu Schanden werden, damit ich dich ewiglich benedeie im Himmel. Amen. Aufopferung dieses h. Blutes. Allerhöchster himmlischer Vater! ich bekenne vor Himmel und Erde, daß ich dir unendliche Schmach zugefügt und bei dir Schulden gemacht habe, die ich nicht bezahlen kann. Weil ich denn dir die zugefügte Schmach nicht abtragen, noch die gemachten Schulden bezahlen kann, so nehme ich meine Zuflucht zu dem rosenfarbenen Blute Jesu Chrifti, und durch dasselbe will ich dich gänzlich versöhnen. Darum in Vereinigung der Kraft, mit welcher dein Sohn dir sein h. Blut geopfert hat, opfere ich dir dasselbe, und begehre es dir alle Augenblicke meines Lebens auf die kräftigste Weise zu opfern. Dies theure Blut soll ohne Unterlaß zu dir rufen, gleichwie es am Kreuze für alle Sünder um Gnade gerufen hat. So erhöre denn die Stimme des Blutes deines Sohnes, und erzeige mir Gnade und Barmherzigkeit. Gedenke, o lieber Vater, wie dies göttliche Blut so schmerzlich, so schmählich, so überflüssig und so liebreich für uns sei vergossen worden! Gedenke, wie dies rosenfarbene Blut so schändlich verunehret, so gotteslästerig verflucht, 26* 404 Das achte Gärtlein. so grausam vermaledeiet und unter so viel Spott und Hohn mit Füßen getreten worden ist! Darum bitte ich durch dies heilige vergoffene Blut und durch alle Schmach, so ihm angethan worden, verzeihe mir alle Schmach, so ich dir zugefügt habe. Zur Genugthuung opfere ich dir alle Tröpflein dieses fostbaren Blutes, sammt allen Verdiensten, so es bei dir erworben hat. Weil aber ein einziges Tröpflein desselben mehr bezahlen kann, als aller Welt Sünden verschulden können: was werden denn alle Tröpflein dieses göttlichen Blutes werth sein? Was werde ich dann nicht bezahlen, da ich dir nicht ein einziges, sondern viele tausend Tröpflein dieses hochwürdigen Blutes aufopfere? So zweifle ich denn nicht, du werdest dies mein Opfer annehmen, und in Ansehung desselben mir die noch übrigen Strafen gnädig verzeihen. Am. Rosenkranz zu Ehren des koftbaren Blutes Jefu. W Gott, merke auf meine Hülfe! R, Herr, eile mir zu helfen! Ehre sei dem Vater 2c. Erstes Geheimniß. Unser liebenswürdigster Erlöser vergoß das erste Mal sein kostbarstes Blut am achten Tage nach seiner Geburt, als er nach dem mosaischen Gesetze beschnitten wurde.- Wenn wir nachdenken, daß Jesus dieses geschehen ließ, um der göttlichen Gerechtigkeit für unsern Leichtsinn und unsere Ausgelassenheit genug zu thun, so mögen wir uns bewogen finden, dieſelben aufrichtig zu bereuen, und dem Herrn Zu Ehren des H. Blutes. 405 fest zu versprechen, mit seiner mächtigen Gnade uns an Leib und Seele keusch und züchtig zu verhalten. Fünf Vater unser 2c. Ein Ehre sei dem Vater 2c. O Herr! dich bitten wir: Steh deinen Dienern bei, Die dein hochwerthes Blut Theuer erkaufet hat! Zweites Geheimniß. Jesus vergoß im Delgarten bei seiner Todesangst Schweiß und Blut in solcher Fülle, daß die Erde um ihn davon ganz benetzt war. Dieses geschah wegen der flaren Erfenntniß des Undankes der Menschen, womit sie seine Liebe erwiedern würden! O möge die lebhafteste Reue unser Herz ergreifen, daß wir vorhin und noch bis zur Stunde den unzählbaren Wohlthaten des Herrn so wenig entsprochen haben! Machen wir den festen Vorsatz, seine Gnade und h. Einsprechungen getreulich zu benußen. Fünf Vater unser 2c. Ein Ehre sei dem Vater 2c. O Herr! u. s. w., wie vorhin. Drittes Geheimniß. Unser Herr Jesus Christus vergoß bei seiner graujamen Geißelung, als ihm die Haut zerrissen und sein zartes Fleisch verwundet wurde, in Strömen eine Menge Blutes aus allen Theilen seines Leibes. Dieses fostbare Blut opferte er dem ewigen Vater zum Ersatz für unsere Ungeduld und Empfindlichkeit auf., warum zögern wir noch, den Zorn und die Eigenliebe zu bezähmen? Wir wollen uns vornehmen, in Leiden und Betrübnissen uns standhaft in der Geduld zu üben, uns selbst zu verachten, und - 406 Das achte Gärtlein. alle Unbilden, die uns angethan werden, mit Sanftmuth zu ertragen. Fünf Vater unser 2c. Ein Ehre sei dem Vater zc. O Herr! u. s. w., wie vorhin. Viertes Geheimniß. Als dein allerheiligstes Haupt, zur Strafe unsers Stolzes und unserer bösen Gedanken, mit Dörnern gekrönt wurde, floß häufiges Blut über dein Angesicht herab: und wir wollen noch nicht ablassen, uns mit Hochmuth aufzublähen, und unreine Bilder und sündhafte Gedanken im Herzen zu hegen! O möchten wir in Zukunft unsere Nichtigkeit stets vor Augen haben, oft an unser Elend und unsere Gebrechlichkeit denken, und allen Zuflüsterungen des bösen Feindes muthig widerstehen! Fünf Vater unser 2c. Ein Ehre sei dem Vater 2c. D Herr! u. s. w., wie vorhin. Fünftes Geheimniß. O, wie viel Blut vergoß unser liebenswürdigster Jesus auf seinem schmerzhaften Wege, den er nach dem Calvarienberge, beladen mit dem schweren Holze des Kreuzes, gehen mußte! Die Gassen Jerusalems und jene Orte, die er durchzog, wurden von seinem kostbaren Blute benetzt. Dieses geschah zur Genugthuung für die ergernisse und bösen Beispiele, womit seine Geschöpfe einander in's ewige Verderben ziehen. Ach! wer weiß es, ob nicht auch wir unter die Zahl dieser Unglücklichen gehören? Wer weiß es, wie Viele, verführt durch unser schlechtes Beiſpiel, in die Hölle verstoßen wurden? Und wir sind so sorg 407 Zu Ehren des H. Blutes. los, und denken noch auf feine Gutmachung! Ja, von nun an wollen wir trachten, zum Heile der Seelen mitzuwirken, indem wir Andere ermahnen, sie auferbauen, und ihnen ein Beispiel guter und heiliger Werke an uns darstellen. Fünf Vater unser 2c. Ein Ehre sei dem Vater 2c. O Herr! u. s. w., wie vorhin. -- Sechstes Geheimniß. Noch viel mehr Blut vergoß unser göttlicher Heiland bei seiner grausamen Kreuzigung; da flossen von den durchbohrten Muskeln und zerschnittenen Adern seiner Hände und Füße Ströme jenes heilsamen Balsams des ewigen Lebens, wodurch er die Lasterthaten und Ungerechtigkeiten aller Menschen hinwegnahm. Sollte sich wohl Jemand finden, der jetzt noch in seinen Sünden fortleben, und so die grausame Kreuzigung des Sohnes Gottes erneuern wollte? Ach! beweinen wir bitterlich die begangenen Sünden, verabscheuen wir sie zu den Füßen des Beichvaters, legen wir unsre bösen, verkehrten Gewohnheiten ab, führen wir von nun an ein christliches Leben, und behalten wir stets vor Augen, wie viel Blut unser ewiges Heil dem lieben Jesus gekostet hat. Fünf Vater unser 2c. Ein Ehre sei dem Vater 2c. O Herr! u. s. w., wie vorhin. Siebentes Geheimniß. Zum letzten Male vergoß Jesus Christus sein kostbarstes Blut, als ihm nach dem Tode mit einer Sanze die Seite geöffnet, und sein liebstes Herz durchbohrt wurde; es floß da mit dem Blute auch Wasser, 408 Das achte Gärtlein. auf daß wir aufmerksam würden, daß bereits sein ganzes Blut ausgegossen, und Er zu unserer Erlösung nun auch den letzten Tropfen dargeben wollte. 0 unendliche Güte unsers Erlösers! Wer sollte dich nicht lieben, wer sich nicht mit ganzer Innigkeit hingeben dem Geliebten, der so viel für unsre Erlösung that! Ach! es fehlt uns an Worten dazu; darum laden wir alle Geschöpfe, alle Engel und Heiligen des Himmels, und besonders unsre liebste Mutter Maria ein, zu benedcien, zu loben und zu preisen dein kostbarstes Blut. Es lebe das Blut Jeju! Es lebe das Blut Jesu! Es lebe das Blut Jesu, jetzt und allezeit in alle Ewigkeit! Amen. Hier bete man drei Vater unser 2c. Ein Ehre sei dem Vater 2c. O Herr! u. s. w., wie vorhin. - Gebet. O- kostbares Blut des ewigen Lebens, Lösegeld und Sühnung der Welt, Segenstrant und heilsames Bad unserer Seelen, welches du immerdar die Angelegenheit des Heiles der Menschheit vor dem Throne der Barmherzigkeit vertheidigeft und beschützest; ich bete dich in tiefster Demuth an, und wünsche, so viel ich vermag, alle die vielen Unbilden und Mißhandlungen gut zu machen, welche dir ohne Unterlaß von Menschenkindern zugefügt werden, besonders von jenen Verwegenen, die sich unterstehen, dich vermessentlich zu lästern. Wer wird nicht benedeien dieses Blut von unendlichem Werthe? Wer wird sich nicht von flammender Liebe zu Jesus hingezogen fühlen, der dies kostbare Blut für uns vergoß? Was würde ich Zu Ehren des h. Blutes. 409 sein, wenn ich nicht durch dieses göttliche Blut wieder erkauft worden wäre? Wer zog dasselbe bis auf den letzten Tropfen aus den Adern meines Herrn? Ach, nur deine Liebe hat dies gethan! O unaussprechliche Liebe, die uns den kostbaren Balsam des Heils zum Geschenke bot! O unschäßbarer Balsam, der aus dem Quell der unendlichen Liebe floß; mache, daß alle Herzen und alle Zungen dir danken, dich loben und preisen, jetzt und allezeit, und bis zum Tage der Ewigkeit! Amen. V Herr! in deinem Blute hast du uns erlöset. R Und unsern Gott zum Königthum gemacht. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der du deinen eingebornen Sohn zum Erlöser der Welt verordnet, und durch sein kostbares Blut hast wollen versöhnet werden, verleihe uns gnädig, daß wir diesen Preis unsers Heils also verehren, daß wir, durch seine Kraft von den Uebeln des gegenwärtigen Lebens bewahret, einst im Himmel der ewigen Früchte desselben uns erfreuen mögen. Der mit dir lebt und regieret in Einigkeit des heil. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Papst Pius VII. ertheilte, um die Andacht zu dem kostbaren Blute Jesu zu vermehren, durch zwei Rescripte vom 31. Mai 1809 und vom 18. Weinm. 1815 folgende Ablässe auf die andächtige Abbetung dieser von der heil. Congregation der Ceremonien gutgeheißenen Korone ( Rosenkranzes): 1) Einen Ablaß von 7 Jahren und 7 Quadragenen für Einmal des Tages, wenn diese Korone andächtig abgebetet wird. 2) Einen vollkommenen Ablaß, wenn diese Korone alle Tage eines ganzen Monats gebetet wird. Dieser Ablaß wird am Tage der Empfangung der h. Sakramente ge 410 Das achte Gärtlein. wonnen, an welchem nach Meinung der h. Kirche soll ge betet werden. 3) Einen Ablaß von 300 Tagen, für Einmal des Tages, wenn man das am Ende der Korone befindliche Gebet, kostbares Blut!" 2c. allein spricht. Alle dieſe Abläffe können den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Litanei zum heiligen Blute. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme zc. Gott heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme zc. Du Blut Jesu Chrifti, Du Blut des ewigen neuen Testaments, Du Werth unserer Erlösung, Du Ursprung der göttlichen Gnaden, Du Brunn der lebendigen Wasser, Du Fluß des himmlischen Paradieses, Du Pfand der ewigen Seligkeit, Heiliges Blut, das den göttlichen Zorn besänftigt, Heiliges Blut, das die himmlischen Pforten eröffnet, Heiliges Blut, das alle Unreinigkeit abwäscht, Heiliges Blut, das alle Wunden heilt, Heiliges Blut, das allen Sündern Verzeihung erwirbt, Heiliges Blut, das alle Schulden bezahlt, Heiliges Blut, das für alle Strafen genugthut, Du süßer Trank aller Durstigen, Du Hoffnung aller Kleinmüthigen, Du Trost aller Betrübten, Du Erquickung aller Schwachen, Du Arznei der Kranken, Du Versöhnung aller Sünder, Du Frohlocken aller Gerechten, Du Zuflucht aller Christen, Du Bewunderung aller Engel, Reinige uns, o H. Blut! Zu Ehren des h. Blutes. Du Trost der Patriarchen, Du Verlangen der Propheten, Du Kraft der Apostel, Du Stärke der Märtyrer, Du Gerechtigkeit der Bekenner, Du Süßigkeit der Jungfrauen, Du Seligkeit der Heiligen, Sei uns gnädig, verschone uns, o Jesu! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Jesu! Von allem Uebel, erlöse uns, o Jeſu! Bon aller Ungerechtigkeit, 411 Reinige uns, 2C. Von aller Hoffart und Eitelkeit, Bon allem Geize und Neide, Von Unzucht und böser Begierlichkeit, Von Fraß und Völlerei, Von Zorn und Haß, Von Trägheit und Ueberdruß Von Krieg und Aufruhr, Von Hunger und Theurung, Von Pest und Krankheit, Von Blitz und Ungewitter, Vom jähen und bösen Tode, Von der ewigen Verdammniß, Durch dein rosenfarbenes Blut, Durch das H. Blut, das du von Maria empfangen haft, Durch das H. Blut, das du in deiner Beschneidung vergossen hast, Durch das h. Blut, das du am Delberge geschwizet hast, Durch das h. Blut, welches du im Hause des Annas in Folge des schmählichen Backenstreichs vergossen hast, Durch das h. Blut, das du auf den Straßen Jerusalems vergoffen haſt, Durch das H. Blut, welches du bei deiner Geißelung vergossen hast, Durch das h. Blut, welches du bei deiner Krönung vergossen hast, Durch das H. Blut, welches du bei deiner Kreuztragung vergoffen hast, Erlöse uns, o Jesu! 412 Das achte Gärtlein. Durch das h. Blut, welches du bei deiner Entblößung vergossen hast, Durch das h. Blut, welches du bei deiner Annagelung vergossen hast, Durch das h. Blut, welches du am Kreuze vergossen hast, Durch das h. Blut, das du bei Eröffnung deiner h. Seite vergossen hast, Durch das h. Blut, das du beim letzten Abendmahle consecrirt hast. Durch das h. Blut, welches du täglich in der heil. Messe opferst, Durch das h. Blut, das du wunderbarer Weise vergoffen hast, Wir armen Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns verschonest, Daß du uns verzeihest, Daß du uns mit deinem h. Blute reinigen wollest, Daß du uns mit deinem h. Blute erquicken wolleft, Daß du unsere Herzen mit deinem heiligen Blute erweichen wolleft, Daß du uns durch dein heiliges Blut mit Gott versöhnen wolleft, Daß du uns durch dein heiliges Blut mit Tugenden zieren wolleft, Daß du uns durch dein heiliges Blut in deiner Liebe entzünden wolleft, Daß du uns durch dein heiliges Blut in den Anfechtungen stärken wollest, Daß du uns durch dein heiliges Blut die Sünden verzeihen wollest, Daß du uns durch dein heiliges Blut die Strafen nachlassen wollest, Daß du uns durch dein heiliges Blut in unserm Tode stärken wollest, Daß du uns durch dein heiliges Blut ein seliges Ende verleihen wollest, Daß du uns durch dein heiliges Blut die Pein des Fegfeuers mindern wollest, Erlöse uns, o Jesu! Wir bitten dich, erhöre uns! Zu Ehren des h. Blutes. 413 Daß du durch dein heiliges Blut die armen Seelen aus dem Fegfeuer erlösen wollest, wir bitten dich, 2c. Daß du uns erhören wollest, wir bitten dich, 2c. O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Jesu! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Jesu! O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Jesu! Gebet. Gnadenreichster Jesu, diese h. Litanei, die ich jetzt deinem rosenfarbenen Blute zu Ehren gebetet habe, opfere ich dir in Vereinigung derselben fräftigen Aufopferung, mit welcher du alle Tröpflein deines vergoffenen Blutes deinem Vater aufgeopfert hast; und bitte durch die Kraft und die Verdienste aller dieser hochwürdigsten Blutstropfen, welche du so schmerzlich und liebreich für uns vergoffen hast, du wollest uns unsere Sünden verzeihen, und uns der Kraft des h. Blutes theilhaftig machen. Amen. Gebete zu den h. fünf Bunden.*) Sei gegrüßt, du rosenfarbene Wunde des linken Fußes meines gekreuzigten Herrn! Ach, mit welch' großen Schmerzen bist du meinem Erlöser um meiner Sünden willen geschlagen worden! So laß denn diese Schmerzen an meiner Seele nicht verloren gehen, Wer nach Erweckung von Reue und Leid die h. Wunden und die Schmerzen Mariaä mit folgenden oder ähnlichen Gebeten mit jedesmal folgendem Vater unser, Gegrüßet, Ehre sei dem Vater und Heil' ge Mutter u. i. w. verehrt, gewinnt' Ginmal im Tage 100 Tage Ablaß. Wer es wenigstens zehnmal im Monate thut, gewinnt am Feste KreuzErfindung( 3. Mai) und Kreuz- Erhöhung( 14. September) einen kommenen Ablaß unter den gewöhnlichen Bedingungen. Wer es Passionssonntage bis Charsamstag einschließlich thut, gewinnt Tag 7 Jahre und 7 Quadragenen und einen vollkommenen Ablaß für's Ofterfest unter den gewöhnlichen Bedingungen. Diese Ablässe können auch den Verstorbenen im Fegfeuer zugewendet werden. vollvom jeden 414 Das achte Gärtlein. mein sondern mir die ewige Seligkeit erwerben. hoch verehrter Heiland, Christe Jesu! mache mir aus dem blutigen Nagel deines linken Fußes einen Schlüssel, den Himmel damit zu öffnen und die Hölle zu verschließen. Mit dem theueren Blute, welches aus dieser Wunde geflossen ist, schreibe deine bitteren Schmerzen in mein Herz, und verleihe mir eine wahre Neue über meine Sünden. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßet und Ehre sei c. Heil'ge Mutter, drück' die Wunden, Die dein Sohn für mich empfunden, Tief in meine Seele ein! Gib an dem, was Er in Banden, Und am Kreuze ausgestanden, Gib mir Theil an jeder Pein! 2. Zu der Wunde des rechten Fußes. Ich grüße dich, o schmerzhafte Wunde des rechten Fußes meines gekreuzigten Heilandes! und bitte, daß du mit deinen herabfließenden Blutstropfen mein fündiges Gewissen reinigen, und Alles, was meine sündhaften Füße verschuldet haben, in dir verbergen wollest. Oliebreicher Jesu! ich bitte durch die Schmerzen dieser deiner tiefen Wunde, und durch das hochwürdige Blut, so daraus geflossen ist, verleihe mir Standhaftigfeit im Guten bis zu meinem Ende. Durch den blutigen Nagel dieses h. Fußes aber hefte meinen unbeständigen Willen an dein Kreuz, damit er im letzten Streite durch keine Anfechtung von dir geschieden werde. Amen. Vater unjer 2c. Gegrüßet und Ehre sei c. Heil'ge Mutter, drück" die Wunden u. s. w. 415 Zu den fünf Wunden. 3. Zu der Wunde der linken Hand. Ich grüße dich, du edle Wunde der linken Hand Jesu Christi! bittend, daß du das Schmerzensbild meines gefreuzigten Bräutigams meiner Seele tief eindrückest, damit ich solches in meinem Tode zum Schrecken meiner Feinde und zur Linderung des göttlichen Zornes aufweisen könne. O verwundeter Jesu! weil ich in meinem Tode in größter Angst und Noth bei dem Eingange der Ewigkeit stehen werde, wegen der Ungewißheit, ob ich der Zahl der Auserwählten oder der Verworfenén zugehöre; darum bitte ich durch das theuere Blut, welches du aus der Wunde deiner linken Hand vergossen hast, daß du meine fündige Seele nicht zur Linken stellen, sondern aus Gnade deinen Auserwählten zugesellen wolleft. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßet und Ehre sei 2c. Heil'ge Mutter, drück' die Wunden, u. s. w. 4. Zu der Wunde der rechten Hand. Sei gegrüßt, du heilige Wunde der rechten Hand Jesu Chrifti! du köstlicher Rubin und blutiger Treuring aller andächtigen Seelen! Ich bitte dich durch deine erlittenen Schmerzen, vermähle mich mit meinem gekreuzigten Bräutigam. O gütigster Jesu! durch die blühende Rose dieser blutigen Wunde bitte ich dich, durchstreiche alle meine Schuld und Strafe mit dem blutigen Nagel, getaucht in dein rosenfarbenes Blut. Verzeihe mir, was meine jündigen Hände jemals verschuldet haben, und schenke mir in der Stunde meines Todes ein einziges Tröpflein aus dieser blutigen Wunde deiner rechten Hand, damit 416 Das achte Gärtlein. ich, von allen Sünden gereinigt, nach diesem Leben würdig werde, zu stehen zu deiner rechten Hand. A. Vater unser 2c. Gegrüßet und Ehre sei c. Heil'ge Mutter, drück' die Wunden, u. s. w. 5. Zur Wunde der heiligen Seite. Ich grüße dich, o liebbrennende offene Seite meines geliebten Bräutigams! und bitte, daß du mir einen freien Zugang zu seinem göttlichen Herzen eröffneft! Oliebreicher Jesu! durch die Liebe, mit welcher du dein Herz haft durchstechen lassen, verzeihe mir Alles, was ich mit Begierlichkeit meines Herzens verschuldet habe. O mildreicher Ausspender der Gnaden! siehe, wie meine Seele so arm ist an Tugenden und Verdiensten; darum schenfe mir aus deinem eröffneten Herzen nur Ein Fünklein deiner Liebe, und nur ein einziges Tröpflein des Wassers und Blutes, so daraus geflossen ist, damit meine Seele dadurch gewaschen und geziert werde. Verleihe mir auch in meiner Sterbestunde, daß ich in vollkommener Liebe meinen Geist aufgebe, und meine scheidende Seele zu deinem liebreichen Herzen aufsteige. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßet und Ehre sei 2. Heil'ge Mutter, drück' die Wunden, u. s. w. Kuß zu den h. fünf Wunden. Wenn du ein Krucifix- Vild in deinem Buch haft, lege es an dieſe Stelle, und bei jedem Gebete küsse eine der fünf Wunden. Haft du aber kein Bild, so küsse die Wunde im Geiste. O gefreuzigter Jesu! mit herzlicher Liebe und Andacht küsse ich die schmerzliche Wunde deines h. linken Fußes, und bitte durch die bittere Pein, die du darin Zu den fünf Wunden. 417 gelitten haft, wende ab von mir deinen gerechten Zorn, den ich durch meine Sünden erweckt habe. gekreuzigter Jesu! mit herzlicher Liebe und Andacht küffe ich die schmerzliche Wunde deines heil. rechten Fußes, und bitte durch die unaussprechliche Qual, die du darin gelitten hast, schente mir die schweren Strafen, welche ich mit meinen Sünden verschuldet habe. O gekreuzigter Jesu! mit herzlicher Liebe und Andacht küsse ich die schmerzliche Wunde deiner heil. linken Hand, und bitte durch die bittere Pein, ſo du darin gelitten hast, verzeihe mir alle Sünden, welche ich durch Unterlassung guter Werke begangen habe. O gekreuzigter Jesu, mit herzlicher Liebe und Andacht tüsse ich die schmerzliche Wunde deiner heil. rechten Hand, und bitte durch den großen Schmerz, den du darin gelitten hast, verzeihe mir alle meine Sünden, welche ich durch Verrichtung böser Werke begangen habe. O gefreuzigter Jesu! mit herzlicher Liebe und Andacht küsse ich die süße Wunde deines liebreichen Herzens und bitte durch die große Liebe, mit welcher du diese H. Wunde empfangen hast, verzeihe mir alle meine Sünden, welche ich durch alle Begierlichkeit meines Herzens begangen habe. Amen. Befehlung in die h. fünf Wunden. Mit aller Liebe und Freundlichkeit grüße und ehre ich euch, ihr fünf gnadenreichen Wunden meines Herrn Jeju Chrifti, die ihr ihm auf Erden so große Schmerzen verursacht, jetzt aber im Himmel so große Glorie Myrrhengarten III. 23. Aufl. 27 418 Das achte Gärtlein. gebracht habt. Mein süßer Jesus hat euch darum am Kreuze empfangen und in seinem glorreichen Leibe behalten, damit ihr eine Zuflucht aller Sünder sein sollet. Deswegen nehme ich auch meine Zuflucht zu euch, und verberge mich in euch, damit ich sicher ſei vor dem Zorn des himmlischen Vaters. In euch befehle ich mich mit Leib und Seele, lebend und sterbend: und bitte euch, ihr wollet mich in euch aufnehmen und in aller Gefahr schüßen. In dich, o heil. Wunde der rechten Hand, befehle ich all mein Thun und Laffen! In dich, o h. Wunde der linken Hand, befehle ich all mein Kreuz und Anliegen! In dich, 0 h. Wunde des rechten Fußes, befehle ich all meine Infechtung und Verfolgung! In dich, o h. Wunde des linken Fußes, befehle ich meine letzte Krankheit und meinen bittern Tod! Und in dich, oh. Wunde der Seite und des Herzens, befehle ich alle meine Gebete und Andachten, insbesondere mein Herz mit allen seinen Anmuthungen! Amen. Liebe zu Gott. Entspringend aus den fünf Wunden. Liebreichster Jesu, ich erinnere dich der großen Liebe, welche dich bewogen hat, dich für mich armen Erdwurm kreuzigen und deine h. Hände und Füße so grausam durchschlagen zu lassen. Ach, was war dies für eine grausame Marter, als man alle Glieder deines Leibes auseinanderriß, und deine zarten Hände und Füße mit groben eisernen Nägeln an's Kreuz heftete! wie groß war deine Liebe zu mir, daß du mich zu erlösen die bittere Kreuzigung freiwillig Zu den fünf Wunden. 419 annahmest, und dir die schmerzlichen Wunden in deine Hände und Füße schlagen ließest. Gewiß erkenne ich hieraus, daß du mich unaussprechlich liebest, weil du für mich solche Marter ertragen hast, welche kein Mensch auf dieser Welt für mich leiden würde. Die tiefen Wunden deiner Hände und Füße zeigen an, wie sehr du mich liebest, und dein durchstochenes Herz beweiset mir, was du für ein Herz zu mir trägſt. Sollte ich dich denn nicht lieben, o du mein treueſter Liebhaber? Sollen denn deine Wunden mein Herz mit deiner Liebe nicht verwunden? Ihr liebreichen Wunden zwinget mich, daß ich meinen Jesum liebe; und wie ihr ihn mit Schmerzen verwundet habt, also verwundet mich mit wahrer Liebe. Das heiße Blut, welches aus euch geflossen ist, entzündet mir mein Herz: und die bittern Schmerzen, welche ihr gelitten habt, erweichen mir meine Seele. O ihr liebflammenden Wunden, verwundet immer mehr mein Herz, entzündet immer heftiger in mir die göttliche Liebe! O mein verwundeter Jesu! ich liebe dich von Grund meines Herzens, und begehre dich stets inbrünstiger zu lieben! Wollte Gott, daß ich dich tausendmal mehr liebte, als ich dich liebe; ja, wollte Gott, das ich dich so viel fieben könnte, als du würdig bist geliebt zu werden! Ich bitte durch die Liebe deiner h. fünf Wunden, verwunde mich mit deiner Liebe, und verleihe mir Gnade, in deiner Liebe zu leben und zu sterben. Um. Litanei von den h. fünf Wunden. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! 27* 420 Das achte Gärtlein. Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme zc. Gott heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einziger Gott, erbarme 2c. Ihr h. fünf Wunden Jesu Chriſti, Ihr seligmachenden Wunden, Ihr glorreichen Wunden, 3hr glänzenden Wunden, Ihr kostbaren Wunden, Shr gebenedeiten Wunden, Ihr rosenfarbenen Wunden, Ihr heilbringenden Wunden, Jhr gnadenreichen Wunden, Ihr schmerzhaften Wunden, Ihr blutfließenden Wunden, Ihr tiefen Wunden, Ihr lieben Wunden, Ihr süßen Wunden, Ihr göttlichen Wunden, Jhr fünf Brunnquellen aller Süßigkeit, Ihr Pfand der ewigen Seligkeit, Ihr Heilbad für alle Kranken, Ihr Arznei für alle Wunden, Ihr Linderung aller Schmerzen, Ihr Trost der Betrübten, Ihr Zuflucht aller Angefochtenen, Ihr Erquickung aller Schwachen, Ihr Versöhnung aller Sünder, Ihr Hoffnung der Verzagten, Ihr Süßigkeit aller Frommen, Ihr Erlösung aller Gefangenen. Ihr Freude der Engel, Ihr Lehrbuch der Apostel, Ihr Stärke der Martyrer, Ihr Hülfe der Bekenner, Ihr Schatz der Jungfrauen, Ihr Frohlocken der Heiligen, Ihr Licht und Glanz des Himmels, Verwundet uns mit göttlicher Liebe! Zu den fünf Wunden. Sei uns gnädig, verschone uns, o Jeſu! Sei uns gnädig, erhöre uns, o Jesu! Von allem Uebel, Von allen Sünden, Von schweren Anfechtungen, Von schädlicher Traurigkeit, Von aller Kleinmüthigkeit, Von aller Nachlässigkeit, Von bösen Gedanken, Vom Geiste der Gotteslästerung, Vom jähen und bösen Tode, Von der ewigen Verdammniß, Durch die heiligen fünf Wunden, Durch die Schmerzen, die du darin gelitten haft Durch das heilige Blut, das daraus geflossen ist, Durch die Liebe, mit welcher du sie angenommen haft, Durch die Liebe, mit welcher du sie getragen haſt, Durch die Liebe, mit welcher du die ganze Welt dadurch erlöset haft, Durch die Liebe, mit welcher du uns damit geheilet haſt, Durch die Liebe, mit welcher du sie glorreich gemacht haft, 421 Durch die Liebe, mit welcher du sie in deinem Leibe behalten haſt, Durch die Liebe, mit welcher du sie deinen Jüngern gezeigt haft, Durch die Liebe, mit welcher du sie zu unserer Zuflucht gemacht hast, Durch die Liebe, mit welcher du sie mit dir in den Himmel genommen haſt, Durch die Liebe, mit welcher du durch sie den ganzen Himmel erleuchteſt, Durch die Liebe, mit welcher du durch sie alle Heiligen erfreuest, Durch die Liebe, mit welcher du sie deinem Vater zeigeft, Durch die Liebe, mit welcher du durch sie den göttlichen Zorn stillest, Erlöse uns, o Jesu! 422 Das achte Gärtlein. Durch die Liebe, mit welcher du durch sie so viele Strafen von uns abwendest, Durch die Liebe, mit welcher du durch sie vielen Sündern das Heil erwirbst, Durch die Liebe, mit welcher du sie am jüngsten Tage allen Auserwählten zeigen wirst, Durch die Liebe, mit welcher du durch sie alle Hei ligen ewig erfreuen w Wir armen Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns wegen deiner fünf Wunden verschonest, Daß du uns wegen deiner fünf Wunden verzeihest, Daß du uns wegen deiner fünf Wunden Gnade verleihest, Daß du uns deine fünf Wunden in unser Herz eindrücken wollest, Daß du uns eine wahre Andacht zu deinen fünf Wunden eingießen wollest, Daß du uns ein wahres Vertrauen auf deine fünf Wunden mittheilen wollest, Daß du uns der Frucht deiner fünf Wunden theilhaftig machen wollest, Daß du unsere Seelen bei ihrem Scheiden in deine fünf Wunden aufnehmen wolleft, Daß du uns in unserm Gerichte durch deine fünf Wunden gnädig sein wollest, Daß du für uns deine fünf Wunden deinem Vater zeigen wollest, Daß du uns am jüngsten Tage mit dem Anblicke deiner fünf Wunden trösten wollest, Daß du uns in der Seligkeit mit deinen fünf Wunden erfreuen wollest, Daß du uns erhören wollest, Erlöse uns, 2c. Wir bitten dich, erhöre uns! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Jesu! O du Lamm Gottes 2c., erhöre 2c. O du Lamm Gottes 2c., erbarme zc. Jesu Christe, höre uns! Herr, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Jesu Christe, erhöre uns! Christe, erbarme dich unser! 423 Zu den fünf Wunden. Gebet. D mein verwundeter Jesu, ich habe jetzt diese heilige Litanei mit möglichster Andacht gebetet und deine heiligen fünf Wunden verehret. Jch opfere dir dieselbe in deine h. fünf Wunden, und begehre, mich in sie treulichst zu befehlen. Ach, Laffe mir an meinem letzten Ende deine h. fünf Wunden ein Trost sein, wenn ich alsdann vor Augen sehen werde die Schuldbücher meines Gewissens, und mich beim Eintritte in die Ewigkeit eine unsägliche Angst überfallen wird! Darum wende ich mich jetzt bei Zeiten zu deinen h. fünf Wunden, und rufe sie treulich an, daß sie meine Seele alsdann in sich aufnehmen wollen. Ich bitte dich, o gekreuzigter Jesu, durch die grausamen Schmerzen, welche du in Durchbohrung deiner Hände und Füße gelitten, und durch das rosenfarbene Blut, das daraus geflossen ist, du wollest mein Herz mit wahrer Reue und göttlicher Liebe verwunden, und an meinem letten Ende mich durch deine h. fünf Wunden beschüßen. Amen.*) Gebet zu Ehren des Leidens Chrifti. O Gott! der du, um die Welt zu erlösen, haft wollen geboren, beschnitten, von den Juden verworfen, vom Verräther Judas mit einem Kusse verrathen, mit Stricken gebunden, wie ein unschuldiges Lamm zur Schlachtbank geführt, dem Annas, Kaiphas, Pilatus und Herodes schimpflich vorgestellt, von falschen Zeugen angeklagt, gegeißelt, verhöhnt, verspieen, mit Dornen gefrönt, mit Backenstreichen und mit einem Rohre geschlagen, über das Angesicht verhüllt, der Kleider beraubt, mit Nägeln an's Kreuz geheftet, am Kreuze verhöhnt, unter die Mörder *) In den Franziskanertirchen wird mondh eine rührende Bruderschafts- Andacht zu den Hl. fünf Wunden abgehalten. Wohne derselben, so oft du kannst, bei. Laß dich auch, so du kannst, in die Bruderschaft von den fünf Wunden aufnehmen. 424 Das achte Gärtlein. gezählt, mit Galle und Essig getränkt und mit der Lanze verwundet werden; ich bitte dich, o Herr! durch diese deine heiligsten Schmerzen, welche ich Sünder jetzt andächtig betrachte, und durch dein heil. Kreuz und Leiden errette mich( und diesen deinen sterbenden Diener N. N.) von den Peinen der Hölle, und führe mich gnädigst dorthin, wohin du den mit dir gefreuzigten Schächer geführt hast. Der du mit dem Vater und dem H. Geiste Tebst und regierst, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Fünf Vater unser, Gegrüßet und Ehre sei zc. 300 Tage Ablaß einmal des Tages. Wer es alle Tage im Monat betet, gewinnt einen vollkommenen ablaß an einem der drei letzten Tage des Monats unter den gewöhnlichen Bedingungen. Diese Ablässe können auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden. Pius VII. 1820. Das neunte Myrrhen- Gärtlein. Gepflanzt mit nützlichen Wallfahrts- Gebeten. Vorerinnerung. Wallfahrten sind an sich heilige Uebungen, geheiligt durch das Beispiel des Heilandes und der Heiligen, gebilligt und empfohlen durch den Gebrauch der Kirche. Ob aber eine Wallfahrt für dich eine heilige und heilsame Uebung sei, das hängt davon ab, wie du dich vor derselben, während derselben und nach derselben beträgst. Wenn du nicht übereilt, sondern wohlüberlegt nach Zeit und Umständen, in gutem Einver nehmen mit den Deinigen, blos aus der Absicht, Gott dadurch zu ehren und deiner armen Seele zu helfen, auch nichts in leiblichen Nöthen zu begehren, als in so weit Wallfahrts Gebete. 425 es deiner Seele nüklich und ersprießlich sei, eine Wallfahrt antrittst, so gehe in Gottes Namen, der liebe Gott wird deinen guten Willen annehmen und dein Vertrauen gewiß nicht unbelohnt lassen. Du mußt aber unterwegs nicht vergessen, warum du dich auf den Weg gemacht und dein Haus, Eltern oder Frau und Kinder verlassen hast. Halte dich immer innerlich gesammelt und widme die meiste Zeit dem Gebete. Wenn du aber dich mit Andern, welche mit dir gehen, unterhältst, so führe nur erbauliche Gespräche, mache teine unziemliche Scherzreden, tadle und verkleinere Niemanden und gib Niemanden durch dein Betragen Anstoß. Darum sollen sich auch nur Männer und Jünglinge, und Frauen und Jungfrauen zusammenhalten, und nicht die verschiedenen Geschlechter im Zuge durcheinander gehen. Alles geschehe mit Anstand und Ordnung, ermahnt der Apostel Paulus. Darum sollen auch Jünglinge und Jungfrauen keine Wallfahrt mitmachen, bei welcher man über Nacht ausbleiben muß, damit ihnen das, was sie zu ihrem Heile unternommen haben, nicht zum Verderben gereiche. Müßte jedoch eine Jungfrau eine solche Wallfahrt aus irgend einem Grunde mitmachen, so darf sie das nie ohne Beisein ihres Vaters oder der Mutter oder einer älteren Verwandten; könnte das nicht geschehen, so muß sie die Wallfahrt unterlassen, und mit ihrem Beicht vater Rath nehmen, damit dieser, wenn etwa ein Gelübde geschehen wäre, Sorge treffe, dasselbe umzuändern in ein anderes gutes Werk. Am Orte der Wallfahrt selbst hüte dich vor Aufsuchen von Bekannten und vor mancher zerstreuung, welche die Gewinnsucht der Menschen an solchen Orten insgemein veranlaßt. Hast du deine Andacht verrichtet, erquicke dich in anständiger Weise und tritt alsdann sofort die Heimreise an. Wenn Jemand ein Gefäß trägt, welches kostbare Speise oder Trank in sich enthält, so geht er um so behutsamer, je kostbarer der Inhalt und je größer die Gefahr ist, etwas zu verschütten. Sieh! am Wallfahrtsorte hast du das Gefäß deines Herzens durch aufrichtige Beicht und Buße gereinigt, und der liebe Gott hat in das neue Gefäßß viel himmlische Gnaven und Tröstungen eingegossen. Nun gib wohl Acht, damit du 426 Das neunte Gärtlein. nicht etwa aus Unvorsichtigkeit anstößest und die kostbare Himmelsgabe verschüttest. Es wäre doch Jammer und Schade! Darum hüte dich vor zu großer Fröhlichkeit und Ausgelaffenheit. Bewahre auch jetzt noch einen gesammelten Geist und übergib dich nicht allerlei Gedanken und sinnlicher Freude. Denke jetzt daran, wie du für die empfangene Gnade dankbar sein willst, wie du dein Leben bessern, die Gelegenheiten, welche dich in's Sündenelend gestürzt hatten, fortan meiden, das Gebet und die Betrachtung besser und beständiger üben und die h. Sakramente, als die Mittel des Heiles öfterer und andächtiger und bereiteter empfangen willst. Denk daran, wie du friedsamer im Hause, sanft müthiger gegen die Deinigen und gegen Jedermann, flei ßiger in der Arbeit, aufrichtiger in deiner Gesinnung, heiliger in deinem ganzen Thun und Lassen werden mögest. Wirst du nicht besser nach der Wallfahrt, dann sei ver sichert, daß all die empfangenen Gnaden am Tage des Gerichts deine Ankläger sein werden. Das wäre doch schrecklich! dann hättest du nicht allein die Mühe und Anstrengung und Kosten der Wallfahrt verloren, nein! du hättest dir sogar für all Dies recht theuer die bittersten Ankläger gekauft, welche vielleicht nicht wenig zu deiner Verdanımung beitragen werden. Merke noch dies: 1) Wallfahrte nicht zu oft, am allerwenigsten gehe nach allen Wallfahrtsorten der Um gegend. Es gibt Leute, die sich nach allen Wallfahrtsorten hinloben, um nur unter dem Vorwande der Frömmigkeit müßig herumreisen zu können, und fleißige Leute sollen ihnen zu ihrem Müßiggehen noch das nöthige Geld geben. Solche Menschen laden eine schwere Verantwortung auf sich, indem sie die Frömmigkeit und die fromme Uebung des Wallfahrtens in üblen Ruf bringen, und den wahren Armen das Almosen wegstehlen, was sie ihnen auch zu erstatten verpflichtet sind. 2) Lobe dich nicht übereilt mit fleinen Kindern nach einem Wallfahrtsorte. Wenn du in der Noth ein solches Gelübde machst, so denke immer da bei, es solle nur dann so gelten, wie du es gemacht hast, wenn dein Beichtvater, dem du es alsbald offenbaren sollst, damit einstimme; sonst solle es so gelten, wie der Beicht Wallfahrts Gebete. 427 vater es für gut finde. So ist dein Gelübde bei Gott viel mehr werth, als wenn du dieses nicht dabei denkst und deinem Kopfe folgen willst; denn dein Gelübde ist vernünftiger und hat zugleich das Verdienst des Gehorsams gegen deinen geistlichen Vater. Mache überhaupt deine Gelübde so; dann wirst du dich wegen derselben nie zu beunruhigen brauchen. 3) Hüte dich vor dem Wahnglauben, als könnte man durch eine Wallfahrt jährlich mit Gott grade rechnen und so getrost in seinen Sündengewohnheiten fortleben. Armer Sünder, der solchem Blendwerk des Teufels und der eigenen Bosheit Glauben schenkt! Für den Unbußfertigen gibt es kein gutes Werk mehr, das ihm zu Nute käme. Alle Werke im Zustande der Todsünde sind todt und nützen für die Ewigkeit nicht; das einzige gute Werk, das der Sünder zu seinem Heile verrichten kann, ist die Bekehrung. Dieses will aber der Unbußfertige nicht. Nur dem Bußfertigen kann das Wallfahrten nützen. Zu Anfang der Wallfahrt. Allmächtiger, ewiger Gott, ich habe mir vorgenommen, jetzt eine andächtige Wallfahrt zu verrichten, und dich in deinem h. Tempel zu besuchen und anzubeten. In dieser meiner Wallfahrt begehre ich dir auf eine besondere Weise zu dienen und wohlzugefallen; darum wünsche ich von Herzen, daß ich diesen meinen Gang und alle meine Gebete und Andachten auf so fräftige Weise verrichten könnte, wie die lieben Heiligen ihre Wallfahrten verrichtet haben. Ich vereinige meine Andacht, mein Gebet, meine Gesänge und Seufzer, meine Schritte, selbst Müdigkeit, welche mich überfalfen, und den Schweiß, welcher von meiner Stirne rinnen wird, ja Alles, was ich auf dieser Wallfahrt thun und leiden werde, mit der Andacht, dem Gebete und der Müdigkeit deines Sohnes Jesu Christi, seiner 428 Das neunte Gärtlein. seligsten Mutter, aller lieben Heiligen und aller frommen Menschen. Zugleich mit denselben opfere ich dir Alles, durch die Hände meines Schutzengels, zu deinem ewigen Lobe, zur Vermehrung der Freuden aller Heiligen, zur Erhöhung der katholischen Kirche, zum Heile meiner armen Seele, zur Erlösung der Seelen im Fegfeuer und zur Wohlfahrt der ganzen Christenheit. Wollte Gott, daß ich diese meine Wallfahrt so andächtig verrichten könnte, daß all dieser Nußen in höchster Vollkommenheit daraus fließen würde! O Christe Jesu, der du öfters nach Jerusalem bist wallfahrten gegangen, und in deinem ganzen Leben so viele tausend mühselige Schritte zu Ehren Gottes des Vaters und zu unserm Heile gegangen bist; in diese deine mühseligen Schritte befehle ich alle meine mühseligen Schritte, und durch dieselben bitte ich, daß du mir verleihest, diese Wallfahrt fruchtbar zu verrichten. Dein h. Engel wolle bei mir und allen meinen Gefährten sein, und die Eingebung des h. Geistes wolle uns zu allem Guten anleiten und Stärke verleihen. So gehen wir dennfort im Namen Jesu und Mariä, und befehlen uns treulich in den Schutz Gottes und aller Heiligen. Amen. Seufzer, auf dem Wege oft zu wiederholen. Olieber Gott, schaue vom Himmel herab und sieht auf mich, deinen armen Diener herab, der ich dir Liebe hier gehe, und dir mit dieser Wallfahrt den höchsten Gefallen zu thun begehre. mein lieber Jesu, wollte Gott, ich könnte dieſe Wallfahrt so einrichten und ausführen, daß dir und allen Heiligen eine besondere Ehre daraus entstände. Wallfahrts Gebete. 429 Wollte Gott, ich könnte diese Wallfahrt mit solcher Andacht und in so reiner Absicht und Meinung verrichten, wie du, mein göttlicher Erlöser, all deine Reisen und Wallfahrten zu Ehren deines Vaters verrichtet haſt. C Dir allein zu Lieb und deinen lieben Heiligen zu Ehren gehe ich diesen Weg und begehre für all meine Mühe teinen andern Lohn, als dein h. Wohlgefallen. In derselben Meinung und mit derselben Andacht, o Jeju, mit welcher du jährlich auf das Osterfest nach Jerusalem gewallfahrtet bist, begehre ich auch jetzt dieſe Wallfahrt zu verrichten, auf daß ich dich dort anbete und würdig verehre. Nimm auf, o Jeju! all meine Schritte; nimm auf, o Jesu! diese meine Reise; nimm auf, o Jesu! meine Gebete und meinen Gesang, und vereinige sie mit deinen allerheiligsten Gebeten und Uebungen, damit sie dadurch geheiligt und vor den Thron Gottes würdig dargestellt werden. ihr lieben h. Engel, gehet mit uns und helft uns diese Reise mit Andacht verrichten. Bewahret uns vor Ungewitter, Gefahren an Leib und Seele und vor allem Ungemach, damit wir gesund und durch innere Freude start diesen Weg wandern. Opfert dem lieben Gott all unser Beten, Singen, Danken, Seufzen, all unsere Müdigkeit, unsern Schweiß, unsere Schritte und Tritte, und alle unsere geistlichen und leiblichen Uebungen, so wir jetzt verrichten; auf daß sie durch euer Mitwirken den Augen Gottes gefallen mögen. Das neunte Gärtlein. Wenn du bergan steigst, so sprich: O Christe Jesu, zu Ehren des bittern Ganges, den du mit dem schweren Kreuze beladen auf den Berg Calvaria gemacht hast, will ich jetzt diesen Berg hinaufsteigen. In Vereinigung deiner blutigen Schritte opfere ich dir alle meine Schritte zu deiner Ehre und zu meinem Heile. Amen. 430 Bergab sprich: O Christe Jesu, zu Ehren des schmerzlichen Ganges, den du den Oelberg hinabgingest, als du von den Juden gefangen und mit Stricken gebunden über den Bach Cedron in die Stadt Jerusalem mehr geſchleift als geführt wurdest, gehe ich jetzt diesen Berg hinab; und in Vereinigung dieses bittern Ganges opfere ich dir diesen Gang zu deiner Ehre und zu meinem Heile. Amen. Begrüßung der Wallfahrtskirche. Wenn du die Wallfahrtskirche fiehst, so sprich: Sei gegrüßt, o ehrwürdiger Tempel Gottes, du H. Haus, welches der Sohn Gottes auserwählt hat, um darin mit vielen Engeln persönlich zu wohnen und den armen Sündern seine Gnaden auszutheilen. In dir hoffe ich Gnade und Barmherzigkeit und Verzeihung meiner Sünden zu erlangen. Das gebe der liebe Gott. Amen. Vater unser 2c. In die Wallfahrtskirche eintretend, sprich, dich mit Weihwasser besprengend: O Christe Jesu, ich bitte dich durch dein theueres Blut, nimm von mir hinweg alle meine Miffethaten, auf daß ich mit reinem Herzen in diese heil. Kirche eingehe und deine Barmherzigkeit erlange. Amen. Wallfahrts Gebete. In der Kirche angekommen, sprich: Sei gegrüßt, o allerheiligste Dreifaltigkeit! Sei gegrüßt, o hochwürdigstes Sakrament des Altars! Sei gegrüßt, du allerfeligste Jungfrau und Mutter des Herrn! Seid gegrüßt, ihr lieben Engel, die ihr in dieser Kirche wohnt! Seid gegrüßt, ihr lieben Heiligen, zu deren Ehre diese Kirche geweihet ist, und deren Heiligthümer hier aufbewahret werden. Durch eure Fürbitte erlanget mir die Gnade, meine Andacht gut zu verrichten und die göttliche Huld und Barmherzigkeit zu erlangen. Amen. 1 431 Gebet, bor einem jeden Altare zu sprechen. Seid gegrüßt, ihr lieben Heiligen Gottes, zu deren Ehren dieser Altar geweihet ist, und deren h. Reliquien hier begraben sind. Mit gebogenen Knieen erweise ich euch meine Verehrung und verehre eure h. Gebeine. Bittet für mich armen Sünder und erlanget mir göttliche Gnade. Amen. Vater unser zc. Gegrüßet seist du 2c. Opfer- Gebet. Wenn du eine Kerze, einen Pfennig, oder sonst etwas opfern willst, jo sprich allezeit das folgende Gebet: Allerhöchster himmlischer Vater, der du im alten Geseze befohlen hast, man sollte nicht leer vor dein Angesicht kommen, sondern zur Anerkennung deiner Gutthaten dir ein Opfer bringen; siehe, ich Armer bringe dir zwar eine kleine Gabe; gleichwohl verehre ich sie dir aus treuherziger Liebe und guter Meinung, und begehre dir einen großen Dienst und Gefallen damit zu thun. Deswegen trete ich mit Ehrerbietung 432 Das neunte Gärtlein. hinzu, und opfere dir aus meiner Armuth dieſe geringe Gabe. Jetzt gehe hin, dein Opfer zu verrichten, darnach sprich: Siehe dies mein Opfer an, o gütigster Vater, gleichwie du die zwei Heller der armen Wittwe angesehen hast, und nimm diese meine Gabe mit solchem Wohlgefallen an, wie du die Opfer und Gaben aller deiner lieben Freunde angenommen hast. Ich verehre es dir aus reiner Meinung, dir einen Gefallen zu erweisen, und begehre hiermit offen zu bekennen, daß ich dir wegen deiner vielfältigen Gutthaten den schuldigsten Tribut zu leisten verpflichtet bin. Ich bin zwar viel tauſendmal mehr schuldig; ich bitte aber, du wollest mit dieser geringen Verehrung zufrieden sein und Gnade vor Recht ergehen lassen. Amen. Gebet in allen H. Kreuz- Kirchen. Sei gegrüßt, du hochwürdiger Tempel Gottes, der du dem H. Kreuze zu Ehren geweihet bist, und der Verehrung des Geheimnisses des Kreuzes Christi ganz besonders dienest. Ich besuche dich mit andächtigem Herzen, und begehre in dir das hochwürdige H. Kreuz würdig zu verehren. Ich freue mich, daß ich die Gnade von Gott gehabt, dich noch einmal zu besuchen, und vertröste mich gänzlich, ich werde ohne erlangte göttliche Barmherzigkeit von dir nicht wieder scheiden Denn bei dem gebenedeiten Kreuze unsers Herr Jesu Christi ist alle Gnade zu finden, und durch die Kraft, welche Christus ihm durch seine Berührung gegeben hat, können alle Sünder die göttliche Barm herzigkeit erlangen. Deswegen will ich mein Gebet Wallfahrts- Gebete. 433 in dir mit aller Andacht verrichten und das h. Areuz nach aller Möglichkeit verehren. O mein gefreuzigter Jesu! der du diese h. Kirche vor Allem auserwählt und durch deine himmlische Benediction fräftig gesegnet haft, damit in ihr dein gebenedeites Kreuz mit größerer Andacht geehret, und deine Kreuzmarter mit größerem Mitleide solle beherziget werden; verleihe mir an diesem H. Orte eine besondere Gnade, dein H. Kreuz und Leiden mit tiefem und herzlichem Mitleide zu betrachten und die Gnadenwirkung deines hochwürdigen Kreuzes kräftiger zu empfinden. Eröffne deine Augen über mich und Alle, welche in deiner h. Kirche versammelt sind, und neige deine Ohren zu dem Gebete Aller, welche dich in dieser H. Kreuz- Kirche demüthig anrufen. Erweiche unsere Herzen zum wahren Mitleide gegen dein bitteres Leiden und entzünde unsere Gemüther zur wahren Andacht und Gottseligkeit. Erhöre unsere Bitten, welche wir dir in dieser heil. Kirche vortragen, und tröste uns in unserm Leide, was wir dir hier klagen. Dein h. gebenedeites Kreuz wolle uns in unserm Kreuze trösten, und die Kraft deines bittern Leidens wolle uns in unserm Leiden Geduld mittheilen. Amen. Gebet vor einem wunderthätigen Kreuze. Sei gegrüßt, du hochheiliges Kreuz, so hochgeehrt in dieser Kirche, und durch göttliche Anordnung mit besondern Gnaden beichentt! Ich ehre dich mit demüthiger Ehrerbietung, und suche vor dir Hülfe bei der göttlichen Barmherzigkeit. Ich habe großes Vertrauen, hier vor dir in meinem Anliegen getröstet Myrrhengarten III. 23. Aufl. 28 434 Das neunte Gärtlein. Denn und in meinem Gebete erhört zu werden. hier haben bisher viele Betrübte Trost; viele Be drängte Stärke; viele Preßhafte Linderung; viele Nothleidende Labung, und viele verstockte Sünder Bekehrung und Barmherzigkeit erlangt. Darum nehme ich auch meine Zuflucht zu dir, und hoffe, der liebreiche Gott werde auch an mir erweisen, was er an so vielen Nothleidenden erwiesen hat. O du gnadenreiches H. Kreuz! Gott und dir zu Liebe bin ich an diesen h. Ort wallfahrten gegangen, und begehre auch Gott und dir zu Liebe mein Gebet hier nach Möglichkeit gut zu verrichten. So sei mir denn abermals gegrüßt, o du h. Kreuz, und sei mir nach deiner Würdigkeit geehrt und gepriesen! Du bist eine wahre Abbildung jenes hochwürdigsten Kreuzes, an welchem mein Heiland gehangen und die Erlösung des mensch lichen Geschlechts gewirkt hat. Durch dies hochheilige Kreuz bist du auch geheiliget, und von der Kraft dieses gnadenreichen Kreuzes hast du deine Macht empfangen. O du süßes Kreuz, o du liebes Kreuz, o du gnadenreiches Kreuz! laß mich vor dir die göttliche Gnade erlangen und die schwere Last meiner Sünden ablegen. Lasse mich in meinem schweren Kreuze getröstet, und in meinem Anliegen erhört und erleichtert werden; so will ich dich preisen zu allen Zeiten, und dein Lob verkündigen vor allen Menschen. Amen. Gebet vor einem jeden Kreuze. Sei gegrüßt, o du h. Kreuz, besprengt mit dem rosenfarbenen Blute Chrifti, und geziert mit den Gliedern seines heil. Leibes! Jch grüße, ehre und 435 Wallfahrts Gebete. benedeie dich, und erweise dir die schuldige Verehrung. Oh. Kreuz, wie hoch hat dich Christus geehrt, daß Er an dir hat hangen und sein edles Leben aufgeben wollen! O du lobwürdiges Kreuz, du fruchtbarer Baum des Lebens, du himmlische Leiter Jakobs, du wunderthätige Ruthe Moysis, und vornehmstes Werkjeug unserer Erlösung! Du bist alles Lobes und aller Ehren würdig! Du bist werth, daß alle Menschen eine besondere Liebe und Andacht zu dir tragen! du süßer Baum, du süßes Holz! Welch eine jüße Frucht hast du getragen, und welch' ein süßer Saft ist aus dir geflossen! Mit dieser süßen Frucht ersättige mich, und mit diesem süßen Saft erquicke mein Herz! Wie kann ich dich genugsam preisen, hochwürdiges Kreuz! Du bist mit dem rosenfarbenen Blute Jesu besprengt; du bist mit seinen H. Gliedern geziert; du bist mit seinem bittern Leiden geheiligt; und durch dich sind wir arme Sünder erlös't worden. Darum preise, ehre und liebe ich dich, und suche bei dir Hülfe und Seelentrost. Ach, stärke mich in meiner Schwachheit, tröste mich in meiner Betrübniß, und bewahre mich in aller Gefährlichkeit! In meiner letzten Stunde vertreibe den bösen Feind von mir, und beschüße mich in der letzten und größten Seelengefahr. Amen. Demüthige Bitte, vor einem Kreuze in besondern Nöthen zu sprechen. O. du Tröster aller trostlosen Herzen, gnadenreichster Jesu! ich armer, betrübter und hochbedrängter Sünder erscheine mit aller Demuth und Unterwürfigkeit 28* 436 Das neunte Gärtlein. vor deinem Gnadenthrone, und mit tiefster Ehrerbietung fege ich zu den Füßen deines h. Kreuzes eine demithige Bitte nieder, welche ich mit den Zähren meiner Augen geschrieben habe und mit den Seufzern meines Herzens vortrage. Dies mein herzdringendes Anliegen befehle ich in deine blutfließenden Wunden, verberge es in deine eröffnete Seite, und übergebe es deinem durchstochenen Herzen mit demüthigster Bitte, du wolleft es mit deinen milden Augen gütig ansehen und mit der Liebe deines Herzens wohl erwägen. O mein gefreuzigter Heiland! siehe die arme Kreatur, welche du bis zum Tode geliebt hast, befindet sich in großer Gefahr, steht in schweren Nöthen und wird gar hart bedrängt und angefochten. Darum komme mir zu Hülfe, liebreicher Jesu, und errette mich aus der Gefahr, die mich umgeben hat! Durch dein hochwürdiges Kreuz und deine bittere Kreuzmarter bitte ich dich, durch dein theures Blut und deine blutfließenden Wunden ersuche ich dich und durch alle deine Schmerzen und deinen schmachvollen Tod bes schwöre ich dich, ach, errette mich aus der gegenwär tigen Noth, und stärke mich in meiner schweren Anfechtung! So lieb dir, o Jesu! deine Wunden sind, so lieb dir das Heil meiner Seele ist, so hoch laffe dir meine gegenwärtige Noth und mein schweres Anliegen befohlen sein, damit du mir mit deiner starken Allmacht zu Hülfe kommest, und mit deinem süßen Troste mein betrübtes Herz tröstest. Amen. Gebet in den Kirchen der schmerzhaften Mutter Gottes. Sei gegrüßt, du schmerzhafte Mutter und Jungfrau, in dieser deiner Wallfahrtskirche! Sei mir mit Wallfahrts Gebete. 437 andächtigem Herzen willkommen! Aus lauter Liebe und Andacht zu diesem deinem Schmerzensbilde bin ich hierher wallfahrten gegangen, und freue mich, daß ich dein wunderthätiges Bild wiederum zu sehen würdig bin. Darum will ich vor demselben mein Herz ganz ausgießen und dir all meine Noth vertraulichflagen. Mein unwürdiges Gebet will ich mit solcher Andacht und Aufmerksamkeit verrichten, daß ich mich in Ewigkeit freuen fann, heute hierher gewallet zu jein. So sei mir denn abermals gegrüßt, o anmuthiges Vesperbild, und sei mir zu tausendmal geehrt und gebenedeit. In Demuth meines Herzens fomme ich zu dir, und mit gebogenen Knieen erzeige ich dir die schuldigste Ehrerbietung. Oglorwürdigste Jungfrau, siehe doch gnädig von dem Throne deiner Glorie herab, und mit den Augen deiner Milde schaue mich elenden Sünder an. Ich weiß dich nirgends besser zu finden, als bei deinem h. Bilde, und weiß auch dir nicht näher zu kommen, als eben an deinem heil. Altare. Wenn ich dich persönlich gegenwärtig hätte, o was für Ehre wollte ich dir erzeigen! o wie demüthig wollte ich dir deine Füsse küssen, wie freundlich wollte ich sie umfangen, und wie vertraulich wollte ich dich anrufen! Weil ich aber diese Gnade nicht haben kann, so will ich diesem deinen H. Bilde alle Ehre erweisen, welche ich deiner eigenen Perſon anthun würde, und will mein Gebet vor demselben so andächtig verrichten, als wenn ich dich persönlich vor meinen Augen sähe. Mit betrübten Augen und mitleidigem Herzen schaue ich dein heil. Bildniß an, und mit innerlicher Andacht wende ich die Augen 438 Das neunte Gärtlein. meines Gemüths zu dir in den Himmel hinauf. Ach! schaue mich auch mit solcher Liebe und Freundlichkeit an, mit welcher ich dein h. Bild anschaue und dein mütterliches Herz zu verwunden begehre. Ich erinnere dich, o schmerzhafte Jungfrau, jener unaussprechlichen Qual, welche du in deinem mütterlichen Herzen empfandest, als du den zermarterten Leichnam deines Sohnes auf deinem Schooße hattest, und seine übel zugerichtete Geftalt so fläglich anjahest. Ach, was empfand dein mütterliches Herz damals, als du seine Wunden mit deinen Augen betrachtetest, mit deinen Händen berührtest, mit deinem Munde füßteſt und mit deinen Zähren beneßtest! Ward dein Herz damals nicht mit eben so vielen Wunden durchstochen, als du in seinem Leichname sahest? War deine Seele damals nicht so sehr in Mitleid versenkt, daß sie vor Leid zu vergehen meinte? Mit diesem deinem Leide vereinige ich all mein Leid, und auf diesen deinen mütterlichen Schooß lege ich Alles, was mich an Leib und Seele beschwert. Vor diesem deinem wunderthätigen Vesperbilde flage ich dir all mein innerliches und äußerliches Leid, und werde von deinen Augen nicht eher hinweggehen, bis ich deine Hülfe und deinen Trost verspüre. Denn hier ist der Ort, wo du deine mütterliche Hülfe zu erzeigen pflegest, und alle Be trübte und Nothleidende in ihren Nöthen zu trösten dich beeilest. Hier hast du schon viele tausend Menschen gnädig erhört, und sie durch deine von Gott verliehene übernatürliche Kraft von ihren geistlichen und leiblichen Krankheiten geheilt. Deswegen habe ich auch so großes Vertrauen auf diesen h. Ort geseßt, daß Wallfahrts Gebete. 439 ich für gewiß halte, du werdest mich erhören, und bei deinem Sohne Barmherzigkeit erwerben. Ich vereinige mein unwürdiges Gebet mit dem eifrigen Gebete Aller, welche jemals in dieser Kirche gebetet haben, und noch fünftig beten werden; und hoffe durch ihre Fürbitte zu erhalten, was ich durch mich zu erhalten nicht würdig bin. Ich bitte auch alle Engel und Heiligen, sie wollen meine Fürbitter sein, und wollen mein Anliegen vor den Gnadenthron deiner h. Dreifaltigkeit bringen, damit ich erhalte, was ich so inständig begehre und die schwere Last meiner Sünden an diesem gnadenreichen Orte ablege. Amen. Gebet in den Kirchen, wo ein wunderthätiges Bild der freudenreichen Mutter Gottes verchrt wird. O du wunderthätige Gottesgebärerin, h. Jungfrau Maria, was für große Gnaden und Wunder wirkest du hier in dieser H. Kirche vor deinem Bilde, und wie lieblich ziehest du so manche fromme und unfromme Seele hierher, daß sie dich hier besuche und anrufe. O wie herzlich gönne ich dir alle Ehre und allen Dienst, so dir an diesem h. Orte von so vielen geistlichen und weltlichen Personen erwiesen wird! Wie sehr freue ich mich, daß du hier von so vielen Fremden und Einheimischen besucht und angerufen wirst! Ich opfere dir zu Ehren, o Maria, durch die Kraft des Herzens Jesu Christi alle heil. Messen, Beichten, Kommunionen, Gebete, Opfer, Almosen und guten Werke auf, so an diesem h. Orte geschehen; und bitte demüthig, daß du mich in alle diese wolleſt anbefohlen sein lassen und mich derselben theilhaftig 440 Das neunte Gärtlein. machen. Weil du feinen armen reuigen Sünder, er sei so groß als er immer wolle, ohne Hülfe und Barmherzigkeit von hinnen ziehen lässest, wie sollte es denn möglich sein, daß du mich allein ganz trostlos von deinem h. Bilde solltest scheiden lassen, und dein mütterliches Herz für mich allein verschließen! S siehe mich denn, o mildreiche Jungfrau, mit den lieblichen Augen deiner Güte an, und erzeige mir die gewöhnliche Barmherzigkeit, die du teinem reuigen Sünder jemals versagt hast. Erquicke meine dürre Seele mit dem Thau deiner Gnaden, umfange fie mit den freundlichen Armen deiner großen Milde, und drücke sie mit mütterlicher Liebe an dein liebreiches Herz! O du Trösterin der Betrübten, tröste mich in meiner Trübseligkeit! O du Heil der Kranken, heile mich von meinen leiblichen und geistlichen Gebrechen! O du Versöhnerin der Sünder, versöhne mich mit deinem Sohne, sprich für mich bei deinem Sohne, stelle mich deinem Sohne vor und erwirb mir wahre Verzeihung der Sünden! Behüte auch gnädig mich und alle mir Anbefohlene vor aller Ge fahr und Strafe, vor allem leiblichen und geistlichen Uebel, vor dem jähen Tode und ewiger Verdammniß, und in meinem letzten Ende nimm meine scheidende Seele in deine mütterlichen Hände, beschüße sie vor allem Anlauf der bösen Geister, und führe sie in die ewige Freude der Seligkeit. Amen. Noch ein Gebet vor einem wunderthätigen Marienbilde. Zu dir, o allerreinste Jungfrau Maria, fliehe ich armer Sünder, und rufe an die Milde deines süßesten Wallfahrts Gebete. 441 Herzens! Wegen der Menge meiner Sünden bin ich zwar deiner Gnade nicht würdig, du aber, o gütigſte Jungfrau, bist wohl würdig, daß ich dich anrufe und von dir Hülfe begehre. Denn du bist voller Gnaden und Barmherzigkeit, und du bist allezeit bereit, denen, welche zu dir seufzen, deine milde Hand zu reichen. Insbesondere trägst du großes Gefallen daran, wenn man dich in diesem deinem h. Tempel besuchet und vor diesem deinem Bilde deine Fürbitte anrufet. Denn obwohl du an allen Orten den Bedrängten deine Hülse erweisest, so erweisest du dennoch besondere Hülfe denen, welche dich hier andächtig besuchen und deine hülfreiche Fürbitte vertraulich anrufen. Deswegen bin ich armer Sünder auch aus wahrer Andacht hierher gewallet, und rufe dich hier von ganzem Herzen an. O du Trösterin der Betrübten, vor deinem gnadenreichen Bildniß hier kniee ich armes Erdwürmchen, und mit traurigem Herzen seufze ich zu dir in den Himmel hinauf! Ach wollest doch, Mutter des ewigen Wortes, meine Worte nicht v richmähen, sondern mich gnädig anhören und in mein m Anliegen trösten! Du weißt, o Maria! wie elend ich bin; du weißt auch, daß ich mir selbst aus meinem Elende nicht helfen kann. Deswegen wende ich mein betrübtes Angesicht zu dir, und erhebe meine Augen zu dem Throne deiner Barmherzigkeit. Gedenke, o allermildeste Jungfrau, daß es von Ewigkeit nicht sei erhört worden, daß Jemand sei verlassen worden, welcher bei dir Hülfe gesucht und dich um Gnade angesprochen hat! So verliere denn einer Mutter der nicht an mir deinen alten Namen Das neunte Gärtlein. Barmherzigkeit, welchen bisher die ganze Welt gepriesen hat. Wende deine barmherzigen Augen zu mir von deinem himmlischen Throne und sich mich armen Sünder, der deiner Hülfe so sehr bedürftig ist, in Gnaden an! Ach verachte mich nicht, du nächst Gott meine größte Hoffnung; sondern um deiner großen Güte willen komme mir zu Hülfe in meiner Noth! Bedenk mein großes Elend, o Maria, und hilf mir wegen der Ehre deines allersüßesten Namens. Stell dich vor den Thron der göttlichen Barmherzigkeit, und nur mit einem Seufzer halte an um Gnade für mich Elenden. Empfiehl mich deinem allerliebsten Sohne Jesu Christo, und schließe mich mit Leib und Seele in seine allerheiligsten Wunden, damit ich vor allem leiblichen und geistlichen Uebel bewahrt bleibe, und in allem meinem Kreuz und Leiden gestärkt und aufrecht erhalten werde. Amen. 442 Litanei zu Ehren des heiligsten und unbeflecten Herzens Mariä. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser! Gott h. Geist, erbarme dich unser! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Heiligstes Herz Mariä, Herz Mariä, ohne Sünde empfangen, Du vielgeliebtes Herz der Tochter des himmlischen Vaters, Du hochgebenedeites Herz der Mutter des göttlichen Sohnes, Bitte für uns! Wallfahrts Gebete. Du auserwähltes Herz der Braut des h. Geistes, Du bewunderungswürdiges Herz der Mutter des 443 Schöpfers, Du liebenswürdiges Herz der Mutter des Erlösers, Herz Mariä, du Sit der Weisheit, Herz Mariä, du Spiegel der Gerechtigkeit, Herz Mariä, du Thron der Barmherzigkeit, Herz Mariä, du Inbegriff aller Heiligkeit, Herz Mariä, du Arche des Bundes, Herz Mariä, du Pforte des Himmels, O glorreiches Herz Mariä, O mächtiges Herz Mariä, O gütiges Herz Mariä, O getreues Herz Mariä, O lobwürdiges Herz Mariä, Oliebreiches Herz Mariä, O sanftmüthiges Herz Mariä, O demüthiges Herz Mariä, geduldiges Herz Mariä, Herz Mariä, für uns mit Schmerz durchbohrt, Herz Mariä, du Licht der Verirrten, Herz Mariä, du Zuflucht der Sünder, Herz Mariä, du Stärke der Gerechten, Herz Mariä, du Trost der Betrübten, Herz Mariä, du Kraft in Versuchung, Herz Maria, du Hoffnung der Sterbenden, Herz Mariä, du Hülfe in allen Trübfalen, Herz Mariä, du Untérpfand der Verheißungen Jesu, Herz Mariä, du vollkommenes Brandopfer der göttlichen Liebe, Herz Mariä, du Freude aller Herzen, Herz Mariä, mit Herrlichkeit und Glorie im Himmel gekrönt, Bitte für uns! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Jesu! du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Jeſu! O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Jesu! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. 444 Das neunte Gärtlein. V Heiligstes Herz Mariä, bitte für uns; R Auf daß wir würdig werden, dich von ganzem Herzen zu lieben. Gebet. Gott der Güte, der du das heiligste und unbefleckte Herz Mariä mit den nämlichen Gefühlen des Erbarmens und der Zärtlichkeit für uns erfüllet hast, von denen das Herz Jesu Christi, deines und ihres Sohnes, immer durch drungen war; verleihe Allen, welche dieses jungfräuliche Herz verehren, daß sie durch die Verdienste desselben eine vollkommene Uebereinstimmung der Gefühle und Neigungen mit dem heiligsten Herzen Jesu erlangen und bis zu ihrem Tode bewahren, durch denselben Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Das Memorare des h. Bernardus.*) Gedent, o gütigste Jungfrau Maria, daß es niemals ist gehört worden, daß Jemand, der zu dir seine Zuflucht nahm, deinen Beistand anrief und um deine Fürbitte flehete, von dir sei verlassen worden! Durch solches Vertrauen ermuntert, eile ich zu dir, heil. Mutter, Jungfrau der Jungfrauen, komme ich zu dir, stehe ich vor dir als seufzender Sünder. Mutter des ewigen Wortes! wollest doch nicht meine Worte verschmähen, sondern gnädig höre mich an und er höre mich. Amen. Gebet um Bekehrung der 3rrgläubigen und Sünder. Allmächtiger, ewiger Gott, der du Allen deine Hülfe anbietest und nicht willst, daß einer verloren gehe, siehe gnädig auf die durch List des Satans *) 300 Tage Ablaßğ, so oft man es betet; einen vollkommenen Ablag an einem Tage des Monats, in welchem man es täglich betet, wenn man an demselben beichtet und kommunizirt und in einer Kirche jur Meinung des Papstes betet. Pius IX. 1846 den 11. December. Wallfahrts Gebete. 445 verführten Seelen, damit sie allen strafbaren Jrrthümern und jeglicher Bosheit entsagen, ihr Herz bessern und zur Gemeinschaft deiner einzig wahren und seligmachenden Kirche zurückkehren. Durch unsern Herrn Jefum Chriftum c. Gegrüßet seist du Maria zc. a Anrufung eines Heiligen. In einer Wallfahrts- Kirche. Sei mir gegrüßt, du großer Freund Gottes, h. N. N., der du in dieser heil. Kirche Patron bist, und von den frommen Christen geehrt und angerufen wirst! Siehe, ich bin dir zu Liebe und zu Ehren hierher gewallet, und vertröste mich, ich werde hier durch deine Fürbitte Gottes Gnade und Barmherzigkeit erlangen. Denn an diesem Orte haft du schon manchen armen Sünder erhört, und manchen Betrübten in seinem Anliegen getröstet. Deswegen will ich mein Gebet hier mit aller Andacht vor dir aus gießen, und das ganze Anliegen meines Herzens dir ver traulich offenbaren. Vor deinem heil. Bilde kniee ich mi großer Demuth, und erzeige dir in demselben alle gebührend Ehrerbietung. Wenn ich dich persönlich vor mir stehen sähe, o wie glücklich wollte ich mich schätzen, und welch große Ehre und Freundlichkeit wollte ich dir erweisen! Weil ich dir aber nicht persönlich nahen kann, darum erzeige ich deinem Bilde jene Ehrerbietung, welche deiner hohen Person und deiner großen Heiligkeit gebührt. Du, o lieber h. N. N., wollest dies auch also aufnehmen, als wenn ich's vor deinem Throne im Himmel knieend dir erzeigte. O du mein treuer Fürbitter, vor deinem heil. Bilde neige ich mein Haupt, und grüße dich abermals mit höchster Freundlichkeit! Mit liebreichem Herzen heiße ich dich willkommen, und in H. Freude frohlocke ich, daß ich die Gnade habe, dich noch einmal in deinem heil. Tempel zu besuchen. Lange habe ich verlangt, zu dir hierher zu kommen, und nunmehr hat mich die Liebe, so ich zu dir trage, angetrieben, mein Verlangen in's Werk zu setzen. 446 Das neunte Gärtlein. So lasse dir denn meine gute Meinung gefallen, und nimm diese meine Wallfahrt zu deiner großen Ehre an. Ach, wende beine mildreichen Augen vom hohen Himmel herab, und siehe mit Wohlgefallen an, wie demüthig ich hier vor deinem h. Bilde kniee, und wie treulich ich deine Hülfe und Fürbitte anrufe! Neige deine Ohren zu meinem unwürdigen Gebete und laffe alle meine Worte vor dein Angesicht kommen. Ach, hilf mir in meinen vielfältigen innerlichen und äußerlichen Beschwernissen, und erleichtere mir das schwere Kreuz, das mir mein Herz so sehr drücket! Ich weiß, daß du mir leicht helfen kannst, weil du bei Gott in großen Gnaden bist, und Er dir keine billige Bitte jemals abgeſchlagen hat. Deswegen thue auch jetzt einen Fußfall vor seinem göttlichen Gnadenthrone und trage ihm die Bitte meines Herzens beweglich vor. Halte inständig an um die Bewilligung meines Begehrens, und weiche nicht eher von seinem Angesichte, bis du die Ge währung ausgewirket hast. So will ich dich desto mehr lieben und ehren, und all mein Leben mich gegen dich dankbar beweisen. Ich verlasse mich auf deine große Treue und Güte, und zweifle nicht im Geringsten, du werdeft mein Gebet erhört und vor den göttlichen Thron getragen haben. Dir sei dafür von ganzem Herzen Dank gesagt und dein H. Name sei von mir und allen Gegenwärtigen höchlich gepriesen. Amen. Anrufung einer Heiligen. In einer Wallfahrts- Kirche. Ich grüße und ehre dich, o du heil. n. N., du treue Dienerin und liebreiche Braut Jesu Chrifti, und heiße dich in dieser H. Kirche freundlich willkommen! Ich ehre dich mit solch tiefer Ehrerbietung, als deiner hohen Person geziemet, weil du nämlich auf Erden ein heilig Leben ge führt hast, und nunmehr im Himmel von Gott hoch erhöhet bist. wie viel vermagst du bei dem lieben Gott, und wie große Gewalt hast du, bei ihm zu bitten, weil du schon so vielen Sündern Gnade erworben, und so vielen Bedrängten wahre Hülfe erzeigt haft! Darum verehren dich auch alle frommen Seelen gar eifrig, und kommen Wallfahris Gebete. 447 weit her, dich in diesem heil. Tempel zu besuchen. Hier richten sie ihr Gebet und Opfer aus, und empfinden durch dich wunderbaren Trost in ihren Herzen. Dieser süße Geruch deines h. Namens hat auch mich hierher gezogen, und deine große Heiligkeit hat mir ein Vertrauen einge flößet, meine Bitte bei dir zu erhalten. O du auserwählte Braut Chrifti, h. N. N., siehe mich armes Erdenkind in Gnaden an, und laffe die Worte meines mundes dein mildes Herz durchdringen. Du haft manchen Sünder hier in deiner Kirche erhört und zu Gott bekehrt: unter allen aber war keiner so armselig und sündhaft, als ich großer Sünder bin. Damit denn dein h. Name desto mehr gepriesen werde, so bekehre auch mich durch deine Einsprechung zu Gott, und mache mich aus einem boshaften Menschen zu einem eifrigen Diener Gottes! Ach, erwirb mir wahre Reue und Erkenntniß meiner Sünden, und kräftige Gnade zur Besserung meines Lebens! Erhöre auch die inständige Bitte meines Herzens, und tröste mich in dem großen Anliegen, welches meine Seele beschwert. Du siehest in Gott, und erkennest gar wohl, was mir gebricht, und mit wie vielen Armseligkeiten ich umgeben bin. Darum ist es unnöthig, dir dasselbe ausführlich zu erklären und mit vielen Worten meine Noth vorzutragen. Aber wohl nöthig und nüglich ist es, dich inständig anzurufen und dich zur Unterstützung meiner Bitte zu bewegen. Deswegen rufe ich dich aus allen Kräften an, und aus dem tiefsten Grunde meines Herzens seufze ich zu dir in den Himmel auf. Ich bitte dich durch die große Liebe, so du auf Erden zu Jesu Christo getragen, und durch alle treuen Dienste, so du ihm mit großem Eifer geleistet hast. Ich bitte dich durch die aufrichtige Liebe, so du auf Erden zu allen Menschen getragen, und durch das herzliche Mitleid, so du mit allen armen Betrübten gehabt hast. Ich bitte dich auch durch die Gebete, welche jemals dir zu Ehren sind verrichtet worden, und durch das große Vertrauen, welches alle deine Liebhaber jemals zu dir getragen haben. Durch dies Alles bitte ich mit tiefster Demuth und mit großem Vertrauen, daß du mein Gebet erhören und mich in meinem Anliegen gnädig trösten wollest. Ich opfere dir dieſe meine M 448 Das neunte Gärtlein. Wallfahrt, sammt allem, was ich und alle, so jemals hier: her gewallet sind, Gutes gethan und Widerwärtiges ge litten haben. Dies alles opfere ich dir zu deiner größeren Ehre und Glorie: erwirb du mir dadurch von Gott, was ich durch deine Fürbitte von ihm zu erlangen hoffe. D gütige, o milde, o süße h. N. N., laffe mich doch nicht ungetröstet von dir hinweggehen, sondern tröste mich in meiner Bitte, und nimm mir die schwere Last meines Kreuzes ab. So will ich dich preisen von ganzem Herzen, und das Lob deines Namens verkündigen vor allem Volke. Amen. Die fieben Fälle. Es pflegen insgemein bei den Wallfahrts- Kirchen die sieben Fälle zu stehen, und die Pilger vor denselben nieder zutnieen. Damit du auch daselbst deine Andacht verrichten könnest, so sind hier die sieben Fußfälle gesetzt, auch ift zugleich erklärt, wie viele Schritte Christus sein schweres Kreuz getragen hat.*) Sollten aber auch keine sieben Bildstöcke oder Häuschen mit der Abbildung der sieben Fußfälle sich vorfinden, so findest du sicher Kreuze, vor denen du dieselbe Andacht nützlich verrichten kannst. Gebet vor dem ersten Bildstock( Kreuze). Als Christus achtzig Schritte weit mit dem Kreuze gegangen war, fiel Er zum erstenmale zur Erde. Diesen Fall verehre also: Vor diesem ersten Bildstock( Kreuze) falle ich de müthig auf meine Kniee, o mein kreuztragender Heiland! und verchre hier den ersten harten Fall, welchen du mit deinem schweren Kreuze thatest. Denn als du *) Lieber Christ, du sollst jedoch nicht meinen, als habe der Heiland nicht mehr und nicht weniger Schritte für dich gethan. Ach! es mögen der sauern Schritte und Tritte deines liebenden Heilandes um dich wohl viel mehr gewesen sein, als hier angegeben! Die angegebenen Schritte find berechnet nach der Entfernung der Orte des Leidens von einander, die bei einigen Orten auch heut zu Tage noch sehr genau, bei andern Wallfahrts Gebete. 449 achtzig Schritte weit gegangen wareft, fielest du auf dem harten Pflaster so unsanft nieder, daß dir das Blut aus Mund und Nase quoll. Ach, wie schmerzlich war dieser Fall, und wie hart verletztest du dein gefröntes Haupt, deine wunden Kniee und Ellenbogen! Für diesen Fall danke ich dir von Herzen, und opfere ihn dir zur Verzeihung meiner Sünden. Demüthig bitte ich durch den Schimpf und Schmerz, so du bei diesem Falle gelitten hast, du wollest mich aus dem Schlamme meiner Missethaten ziehen und durch deinen Kreuzweg auf den Weg der ewigen Seligkeit führen. Amen. 3 Gebet vor dem zweiten Bildstock( Kreuze). Als Christus von dem vorigen Orte sechszig Schritte weiter gegangen war, da begegnete ihm seine Mutter, und Er sank ohnmächtig nieder. Diesen Fall verehre also: Vor dem zweiten Bildstock( Kreuz) falle ich nun zum andernmal auf meine fündigen Kniee, und verehre den Fall Christi, als ihm seine liebe Mutter begegnete. Gedenk, o betrübter Jesu, was für ein erbärmlicher Fall das war, als der Anblick deiner traurigen Mutter dein schwaches Herz mit solchem Leid verwundete, daß du ohnmächtig mit dem Kreuze niederjankest! Ich verehre euch hier, ihr treueſten Herzen Jesu und Mariä, und bitte euch demüthig durch das leste Lebewohl, das ihr auf dem Kreuzwege von einander genommen habt, und durch das zweischneidige Schwert des Mitleids, das eure Herzen durchdrang, ziemlich genau, wieder bei andern wenigstens bis zur Wahrscheinlichkeit nach Füßen oder Schritten bemessen werden kann. Myrrhengarten III. 23. Aufl. 29 450 Das neunte Gärtlein. wollet doch in allen meinen Anliegen wahres Mitleid mit mir tragen, und besonders auf meinem letzten Kreuzwege mir treulich beistehen. Amen. Gebet vor dem dritten Bildstock( Krenze). Als Christus von seiner Mutter ein und zwanzig Schritte weit fortgegangen war, fiel Er zum drittenmal nieder. Die Henker zwangen den Simon, daß er das Kreuz tragen helfen mußte. Vor diesem dritten Bildstock( Kreuze) thue ich abermals einen demüthigen Fußfall, und verehre andächtig den dritten Fall, den mein werther Heiland mit seinem schweren Kreuze that. O du armer Kreuzträger! dieses deines dritten Falles erinnere ich dich, als du am dreifachen Wege so hart über einen Stein fielest, daß dein h. Angesicht am Boden verwundet wurde. Weil du vor großer Schwäche nicht wieder aufkommen, noch die schwere Last weiter tragen konntest, zwangen die Schergen den Simon, dir dein Kreuz tragen zu helfen. mein Heiland! ungezwungen begehre ich dir zu helfen, indem ich alles Kreuz, so du mir auflegen wirst, mit Geduld dir nachtragen will. Verleihe mir hierzu deine göttliche Gnade, und durch diesen deinen dritten Fall verzeihe mir, daß ich so vielmals in Sünde gefallen bin. Amen. Gebet vor dem vierten Bildstock( Kreuze). Als Christus von dem vorigen Orte hundert ein und neunzig Schritte weiter gegangen war, kam Er zum Hauſe der Veronika, welche ihm sein Angesicht abtrocknete. Hier pflegt man den vierten Fall zu betrachten und zu verehren Vor diesem vierten Bildstock( Kreuze) falle ich wiederum demüthig nieder und verehre das Geheimniß 451 Wallfahrts Gebete. des blutigen Schweißtuchs meines Herrn Jesu Christi. O was für eine große Liebe hast du deinem Erlöſer erwiesen, liebreiche Veronika, da du dich öffentlich als seine Jüngerin bekanntest und ihm sein blutiges Angesicht mit einem Schweißtuche abwischtest! Mit welch großer Dankbarkeit hast du, o Jesu, diese Liebe angenommen, da du dein verwundetes Angesicht in das Schweißtuch eindrücktest, und uns allen zum Troste hinterlassen hast! Ich verchre dich, du blutfließendes Angesicht meines Herrn Jesu Christi, und küsse dich aus herzlichem Mitleide, indem ich bitte, du wolleft dich in solcher Gestalt dem himmlischen Vater zeigen und deine Schmerzen für uns arme Sünder aufopfern. Amen. Gebet vor dem fünften Bildstock( Krenze). Von dem Hause der Veronika ging Christus dreihundert sechs und dreißig Schritte bis zur Gerichts- Pforte, wo Er abermals zum Erbarmen zur Erde fiel. Vor dem fünften Bildstock( Kreuze) thue ich abermals einen reumüthigen Fußfall, und erinnere dich, meinen kreuztragenden Heiland, jenes erbärmlichen Falles, den du unter der Gerichts- Pforte thatest. Hier lagest du zum Schimpf und Spott aller Menschen, und Niemand war unter dem Volke, der sich deiner erbarmte. Alle verlachten und verspotteten dich aufs ärgste, und warfen dich mit dem Kehrichte der Straßen. Ach, wie that dir dieser schmerzliche Fall so wehe, und welch' tiefe Wunden schnitt das schimpfliche Gelächter in dein Herz! Ich verehre diesen deinen erbarmungswürdigen Fall mit mitleidigem Herzen, und durch denselben bitte ich, reiße meine Seele aus dem 29* Das neunte Gärtlein. schändlichen Schlamm meiner Sünden, und reinige sie mit deinem theuren Blute von allen ihren Mateln. Amen. 452 Gebet vor dem sechsten Bildstock( Kreuze). Von der Gerichts- Pforte ging Christus dreihundert acht und vierzig Schritte bis zu dem Orte, wo Er mit den Töchtern Jerusalems redete und wieder zur Erde sank. Vor diesem sechsten Bildstock( Kreuze) halte ich nun mit dir, o Jesu! die sechste Station, und betrachte mitleidig den sechsten Fall, den du mit dem Kreuze thatest. Da du nach dreihundert acht und vierzig Schritten abermals so schwach wurdest, daß du dich des ohnmächtigen Niederfallens nicht erwehren fonnteft, und die Töchter von Jerusalem deine äußerste Noth sahen, so beklagten und beweinten sie selbe mit bittern Thränen. Auch ich beklage mit diesen mitleidigen Töchtern deine äußerste Noth, o kreuztragender Jeſu! und falle in meine Knice zur Erde, mit dem herzlichen Begehren, dich von deinem ohnmächtigen Falle aufzuheben. Ich bitte dich durch diesen sechsten Fall, verzeihe mir, daß ich so oft aus Schwachheit und Unwissenheit in Sünde gefallen bin, und verleihe mir die Gnade, von derselben hurtig wieder aufzustehen. A. Gebet vor dem letzten Bildstock( Kreuze). Von dem vorigen Orte ging Christus hundert ein und sechszig Schritte bis zum Fuße des Berges Calvariä, wo Er ganz kraftlos zur Erde fiel. Vor diesem siebenten Bildstock( Kreuze) falle ich nun zum leztenmale auf die Erde, und verehre mit großer Andacht deinen schrecklichen Fall, den du mein freuztragender Heiland, am Fuße des Berges Calvario Wallfahrts Gebete. 453 thateft. Denn dort überfiel dich eine solche Furcht vor der fünftigen Marter, daß du plözlich hinsankest, und dich auf's Neue an deinem h. Haupte, an deinen Händen und Knieen gar schmerzlich verlegtest. Ach deines armen Herzens, welches so sehr viele Schrecken und Ohnmachten ausstehen mußte! Ach deines kranten Leibes, welcher so manchen schmerzlichen Fall leiden mußte! Aus Mitleid werfe ich mich zu dir auf den Boden, und aus herzlicher Andacht küsse ich den harten Stein, auf den du gefallen bist. Durch diesen harten und schmerzlichen Fall bitte ich demüthig, verzeihe mir aus Gnade, daß ich so vielmal aus lauter Bosheit in Sünde gefallen und vorsäßlich in derselben verharret bin. A. Oelbergs- Andacht*). Gebet in den Kirchen oder Kapellen, wo die Angst Chrifti am Oelberge verehret wird. Allergütigster Jesu! der für mich am Delberge so große Angst und Noth ausgestanden, und in den Todesnöthen sogar blutigen Schweiß geschwitzt hast: siehe, ich armer Sünder bin jetzt zu Ehren dieses traurigen Geheimnisses zu diesem H. Orte gewallfahrtet, und will hier in dieser H. Kirche deine Todesangst am Delberge andächtig verehren. Gleichwie du am Oelberge deinen Vater von ganzem Herzen angerufen und um Abwendung des bittern Kelchs gebeten haft: also will auch ich dir in dieser lieben Kirche meine Noth vertraulich klagen, und mein ganzes Herz mit Andacht vor dir ausgießen. An diesem heil. Orte hoffe ich zuversichtlich von dir Gnade zu erlangen und in meinen schweren Anliegen getröstet zu werden; Man findet insgemein dort, wo Calvarienberge eingerichtet sind, am Fuß derselben Kapellen, wo Ghristus am Qelberge verehret wird. Dahin gehe oft, wenn du den Calvarienberg nicht besteigen kannst, und bediene dich zu deiner Andacht nachstehender Gebete. 454 Das neunte Gärtlein. weil ja deine göttliche Weisheit diesen Ort sonderlich dazu auserwählt hat, daß hier das schmerzhafte Geheimniß deiner Todesangst verehrt und durch die Kraft desselben jeder Betrübte in seinen Nöthen getröstet werden solle. So sei mir denn gegrüßet, du h. Bild der Noth Gottes, und ſei von mir und allen Gegenwärtigen andächtig verehrt! Ich freue mich, daß ich dich noch einmal sehe, und hoffe, ich werde nicht ungetröstet von dir scheiden. Vor dir will ich mein Gebet mit möglichster Aufmerksamkeit verrichten, und dich betrachtend will ich mich erinnern, was für große Noth mein süßester Jesus am Delberge ausgestanden hat. O mein treuester Heiland! der du diesen anmuthigen Ort vor vielen andern auserwählt hast, daß man sich hier deiner Noth erinnere, ach! verleihe mir die Gnade, daß ich dies hier treu verrichte und deine Todesnoth mitleidig beherzige. Erweiche mein hartes Herz mit deinem blutigen Todesschweiße und zerknirsche es mit der schmerzlichen Betrübniß, die du am Delberge ausgestanden hast. Wende deine milden Augen zu mir vom hohen Himmel herab, und öffne deine Ohren meinem unwürdigen Gebete. Ob wohl du an dem Delberge von deinem Vater nicht getröſtet worden bist; so wollest du dennoch mich nicht ungetröstet von dir lassen, sondern mein inständiges Gebet gnädig erhören. Ich vereinige deswegen mein Gebet mit deinem Gebete, das du in deiner Betrübniß verrichtet hast, und vereinige es mit dem Gebete aller derer, welche in dieser Kirche jemals andächtig gebetet haben, oder künftig beten werden; damit, was mir mangelt, hierdurch ersetzt werde, und du mich um deiner und aller frommen Menschen willen gnädig erhörest. Amen. Fünf Gebete zur Todesangst Christi am Delberge. Das erste Gebet. Jesus geht zum Delberge. O allerbetrübtester Jesu, sei eingedenk jenes traurigen Ganges mit deinen Jüngern zum Delberge, wo du dein Wallfahrts Gebete. 455 bitteres Seiden mit großer Traurigkeit anfingest! Ach, wie gingest du so betrübt einher, und konntest selbst deinen Jüngern deine Traurigkeit nicht verbergen! O wie bitter muß dir der Delberg gewesen sein, weil du schon beim Anblicke desselben bis in den Tod betrübt wurdeft, und fast aller Kräfte beraubt worden wärest! D angsthafter Jesu! ich bitte dich durch die Traurigkeit, welche du ema pfandest, als du mit deinen drei Jüngern zum Delberge gingest: tröste mich in meiner schweren Betrübniß, und erhöre mich in meinem jetzigen Anliegen. Ich bitte dich auch durch den unbeschreiblichen Schrecken, der dich damals überfiel, als du an deine Marter und an deinen Tod dachtest, du wollest mir in meiner legten Krankheit beis stehen, und mich in meinem bittern Tode trösten und stärken. Vindere mir die große Angst, die mich alsdann überfallen wird; und stärke mein Herz wider alle Kleinmüthigkeit, welche mich erschrecken wird. Amen. Das andere Gebet. Christus trauert am Delberge. O allerbetrübtester Jesu! jetzt erinnere ich dich an das unergründliche Herzenleid, so du im Delgarten ausstandest, als du zu deinen Jüngern sprachest: meine Seele ist be trübt bis in den Tod! O mein Jesu, gedenke jenes schrecklichen Augenblicks, als die Gottheit all ihren Trost dir entzog, und deine arme Menschheit der tiefsten Schwermuth überließ! O wie bitter und schwer kam dir dieser Augenblick vor, und in was für eine entsegliche Angst hat dieſe Verlassenheit dein Herz versetzt! Denn du warest von Gott und den Menschen so ganz und gar verlassen, daß du auch von keinem Dinge den geringsten Trost schöpftest, und dir vor großer Angst dein Herz im Leibe zitterte. du verlassener Jesu, wie war's dir doch möglich, solche übermäßige Traurigkeit auszustehen und dies übermenschliche Leid ohne Brechung deines Herzens zu ertragen? O, daß ich bei deinen Jüngern gewesen wäre, und dir in deinem großen Elende hätte beistehen können. Wie herzlich gern wollte ich dich getröstet, und wie treulich wollte ich 456 Das neunte Gärtlein. dir zugesprochen haben. Siehe, du Geliebter meines Her zens, das Mitleiden, so ich mit dir trage, opfere ich dir zur Erquickung deiner Seele, und meine Thränen verehre ich dir zur Labung deines betrübten Herzens. Ich danke dir, o Jesu, für das größte Elend, so du am Delberge ausstandest, und opfere dir dasselbe zur Verzeihung meiner Sünden und zur Tröstung deines betrübten Herzens. Wenn ich in meinem Tode vor Angst und Schrecken zittern werde, so sei eingedenk, wie ich jett mit deiner Todesangst Mit leid getragen und dieselbe zu meiner Hülfe angerufen habe. Deswegen wollest du alsdann mein geängstigtes Herz durch die Kraft deiner Angst stärken, und es vor der Gefahr der Verzagung bewahren. Amen. Das dritte Gebet. Christus betet am Delberge. Jest erinnere ich dich, beängstigter Jesu, an das an dächtige Gebet, welches du im Delgarten verrichtetest, als du dich von deinen Jüngern um eines Steinwurfs Weite absondertest, und in einer steinernen Gruft vor deinem Vater niederfielest. O was war dies für eine Demuth, als du, der gewaltige Gott, auf deine Kniee fieleſt, dein Haupt tief niederbeugtest, deine beiden Hände gen Himmel erhobest, und mit bittern Zähren deinen Vater um Hülfe anriefst, sprechend: Abba, mein Vater, ist es möglich, so nimm diesen Kelch von mir! Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! O wie war es zum Erbarmen, als du so schmerzlich seufztest, so betrübt klagtest, so bitterlich weintest und so flehentlich batest, und doch weder Hülfe noch Trost erlangtest! Ach, was empfand dein Herz da mals, als sich dein mildester Vater so hart gegen dich erzeigte, und sich deiner nicht im geringsten annahm, wie wohl du in solch äußerster Noth warest, daß deine betrübte Seele vor großem Leid schier vergehen wollte! Ich habe Herzliches Mitleid mit dir, daß du so ganz verlassen und um meiner Sünden willen in solches Herzenleid gerathen bist. Ich bitte dich durch diese deine äußerste Verlassenheit, verlasse mich nicht in meiner Noth, sondern erhöre mein Wallfahrts Gebete. 457 unwürdiges Gebet, welches ich vor dir ausgieße. Mit Mund und Herzen schreie ich zu dir, und spreche in großem Vertrauen deine eigenen Worte zu dir: Abba, mein Vater, ist es möglich, so nimm diesen Kelch von mir: doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Amen. 2 Das vierte Gebet. Christus ringt mit dem Tode. Dangsthafter Jesu, jett erinnere ich dich jenes allerschwersten Kampfes, den deine Natur bestand, als du vor großer Angst und Furcht mit dem Tode zu ringen an fingest. Ach, wer will's aussprechen, was du in diesem Todeskampfe ausstandest, und was für eine unaussprechliche Angst du darin littest. Deine Haare standen dir zu Berge, deine Augen dreheten sich, deine Wangen wurden bleich, deine Hände wurden schlaff, deine Glieder zitterten, dein Blut stockte, dein Herz war bewegt und der kalte Schweiß drang mächtig hervor und rann zur Erde. O mein Hei land, was littest du hier! O mein Jesus, was stritteſt du für einen Streit! Der Tod wollte dir dein Herz mit Gewalt abstoßen, und die heiße Angst wollte es ganz und gar ersticken. Siehe, die Thränen meiner Augen opfere ich dir zu einem Kraftwasser, und alle Blutstropfen meiner Adern zu einem Perlentranke, dein schwaches Haupt damit zu waschen und dein gequältes Herz damit zu erquicken. Mit deiner großen Noth trage ich herzliches Mitleid, und danke dir tausendfältig, daß du um meinetwillen solche Noth ausgestanden hast. Ich opfere dir den harten Todestampf, den du hier gelitten hast, und bitte dich durch denselben, du wollest mir in meinem Todeskampfe zu Hülfe tommen und meine schweren Seufzer in dein mitleidiges Herz aufnehmen. Amen. Das fünfte Gebet. Christus schwißt Blut. Obedrängter Jesu! letztlich erinnere ich dich der schrecklichsten Pein, welche du am Delberge litteft, als du in deiner größten Todesangst auf unerhörte Weise Blut 458 Das neunte Gärtlein. schwistest. Gedent, allerbetrübtester Jesu! wie dein edles Herz damals gepreßt war, als du vor Mattigkeit auf dein Angesicht fielest, an deinem ganzen Leibe erzittertest, vor Angst keinen Athem mehr schöpfen konntest, und endlich vor übergroßer Herzensqual über den ganzen Leib Blut schwitztest. O Gott, was mußte dies für eine Gewalt sein, welche das Blut so heftig hervordrängte, daß dein ganzer Leib mit blutigen Tropfen besprengt war, die häufig zur Erde rannen! Ach, Gott im Himmel, welche Angst haft du hier ausgestanden! Kein menschlicher Verstand kann dies Geheimniß begreifen, und keine Engelzunge kann dies würdig erklären. Darum werfe ich mich vor dir auf mein Angesicht nieder, und verehre mit tiefster Demuth deinen blutigen Schweiß. Jch habe herzliches Mitleid mit deinem äußersten Elende, und wünsche von Herzen, daß ich dir Ich in dieser größten Noth hätte beispringen können. danke dir nach Möglichkeit wegen deiner erlittenen Angst, und benedeie deine große Liebe, so dich in dies schmerzliche Blutbad gebracht hat. Ich opfere dir diesen blutigen Angstschweiß zur Abwaschung meiner Seele und zur völligen Genugthuung meiner schweren Schulden. Ich bitte dich, daß du meiner Seele in ihrem Hinscheiden nur ein einziges von diesen kräftigen Blutströpflein wollest zu gut kommen lassen, und wenn mir in meinem Ende der kalte Tod schweiß ausbrechen und vor Angst das Herz im Leibe zittern wird, alsdann wollest du dich deiner bittern Todes angst und des unerhörten Blutschwitzens erinnern, und wegen dessen mir meine schwere Todesnoth gnädig mindern. Am. Aufopferung. Diese fünf Gebete, o Jesu! welche ich jezt zu Ehren deiner Traurigkeit am Delberge gesprochen habe, opfere ich dir in dein beängstigtes Herz, bittend, du wollest ſie mit deinem inbrünstigen Gebete vereinigen, deinem himm lischen Vater vorstellen und ihm zu meinem Seelenheile aufopfern. Lasse dir dies mein Gebet gefallen, süßester Jesu! und lasse die Seufzer meines Herzens dein mitleidiges Herz durchdringen. Erhöre mein inbrünstiges Begehren, welches dir ja bekannt ist, und errette mich aus o mein Wallfahrts Gebete. 459 der Noth, worin ich mich jetzt befinde. Wegen deiner großen Angst, welche du am Delberge ausgestanden, tröſte mein bedrängtes Herz, und wegen deiner schweren Todesnoth stehe mir in meiner letzten angstvollen Stunde bei. A. Wallfahrt zum Galvarienberge. Nach dem Beispiele unserer frommen Vorfahren soll ein jeder frommer Christ diesen Myrrhenberg oft besteigen, und entweder mit einer leiblichen oder geistlichen Wallfahrt besuchen. Wenn also in deiner Pfarre ein Calvarienberg errichtet ist, so benuße die Nachmittage der Sonn- und Feiertage fleißig zu dieser frommen Wallfahrt, um die allerschmerzlichsten Geheimnisse des Leidens Christi daselbst zu betrachten. Ist kein Calvarienberg da, so kannst du die Wallfahrt geistlicher Weise in der Kirche oder zu Hause verrichten. Zu Anfang der Wallfahrt sprich folgendes Gebet. Mein treuester Erlöser Christe Jesu, aus herzlicher Begierde, ein dir wohlgefälliges Werk zu verrichten, habe ich mir vorgenommen, den h. Berg Calvariä zu besuchen, und jene bittere Marter, so du auf demselben gelitten hast, zu beherzigen. So eröffne mir denn die Thüre zu diesem h. Berge und lasse mich mitleidig deine schwere Marter schauen. Mit derjenigen Liebe und Meinung, mit welcher du auf den Berg Calvariä gestiegen bist, um da zu leiden, will auch ich hinaufsteigen, um da deine Leiden zu betrachten. Verleihe mir deine Gnade, damit ich diese h. Uebung fruchtbar und andächtig verrichte. A. Begrüßung des Berges Calvariä. Sei mir gegrüßt, hochwürdiger Berg Calvariä, du von Gott auserwählter und geheiligter Berg! 460 Das neunte Gärtlein. Auf dir hat mein Herr Jesus Christus die bitterste Preuzmarter gelitten und sein rojenfarbenes Blut reichlich vergossen. O du hochwürdigster Berg, mit tieffter Demuth falle ich auf meine Kniee, und mit wahrer Andacht meines Herzens verehre ich dich! Ich bin zwar nicht würdig, mit meinen fündigen Füßen dich zu betreten; aber ich habe wahre Reue über meine Sünden, und hoffe, durch deine Berührung Denn mein gereinigt und geheiligt zu werden. süßester Heiland hat dich mit seiner Marter geweihet, mit seinem h. Blute gejalbt, mit seinem bittern Tode geheiliget, und dir solche Kraft mitgetheilt, daß alle, welche dich leiblicher oder geistlicher Weise mit Andacht besuchen, auf dir sollen gereiniget, und mit seiner göttlichen Gnade bereichert werden. Darum hoffe auch ich, auf dir wahre Reue und Verzeihung meiner Sünden zu erlangen, und wahre Besserung meines Lebens. Dazu verleihe mir deine Gnade, o mein liebster Jesu, und erweiche mein hartes Herz zu wahrem Mitleide gegen dein bitteres Leiden und Sterben. Amen. Das erste Gebet. Zu Ehren der Entblößung Christi. Sobald Christus auf den Berg Calvariä angekommen, und sein H. Kreuz niedergelegt hatte, riffen die Henkers knechte seine Kleider mit Gewalt von seinem Leibe, und stellten ihn allen Menschen bloß und nackt vor. Dieses Geheimniß verehre also: Bei Besuchung deines h. Berges, schmerzhafter Jeju, tommt mir zuerst jenes schmerzliche Geheimniß vor, als dir die Henker deine Kleider ungestüm von deinem verwundeten Beibe gerissen, und dich aller Welt nackt und Wallfahrts Gebete. 461 bloß vor Augen gestellt haben. Ach! was war dies für ein Schmerz, als man dir den eingebackenen Rock so unbarmherzig von den Wunden abzog, daß alle Bunden mit frischem Blute zu fließen anfingen. O, wie fingen deine h. Wunden auf's Neue an zu stechen, zu brennen, zu wüthen, zu bluten und dir neue Marter zu verursachen! Wie bitter nun dieser Schmerz auch war, so that es dir noch viel weher, daß du vor so vielen tausend Menschen ganz nackt stehen, und von so vielen unkeuschen Augen dich ansehen lassen mußtest. O teuscher Bräutigam meiner Seele, wie theuer haft du bezahlen müssen, daß ich mich so oft und schändlich entblößt habe! Welch' schwere Buße hast du aufnehmen müssen, um für meine vielfältige Unzucht genugzuthun! Ich bitte dich, durch diese deine schmähliche Entblößung verzeihe mir meine vielfältigen Unverschämtheiten. Ich bitte dich, durch die unergründliche Schamhaftigkeit deines Herzens verzeihe mir meine vielfältigen unzüchtigen und ungeziemenden Worte und Werke. Ich bitte dich durch die schmerzliche Abziehung deiner Kleider und die peinliche Erneuerung deiner Wunden, schenke mir aus Gnaden die schweren Strafen, welche ich wegen meiner öftern Unzucht auszustehen schuldig bin. Am. Das andere Gebet. 3u Ehren der Kreuzigung Christi. Nachdem Christus entblößt und mit Myrrhenwein getränkt worden, führten ihn die Henker zwölf Schritte fort an den Ort, wo das Kreuz lag, und nagelten ihm seine rechte Hand an. Diese Annagelung verehre auf folgende Weise: Jetzt erinnere ich dich, zermarterter Jesu, wie dich die Henker zwölf Schritte zum Orte der Kreuzigung 462 Das neunte Gärtlein. geführt, und dich an das harte Kreuz anzunageln sich bereitet haben. Da fielest du vor dem Kreuze auf deine bloßen Kniee, erhobest deine Hände und Augen gen Himmel, küßtest darnach anmuthig das H. Kreuz, und legtest dich demüthig auf dasselbe nieder; die unbarmherzigen Henker aber ergriffen deine ausge streckte rechte Hand, und nagelten dieselbe mit sechs und zwanzig Hammerstreichen dermaßen grausam ans Kreuz, daß dein liebes Herz sammt allen Gliedern des Leibes darüber erzitterte und das h. Blut hoch in die Höhe spritte. O gekreuzigter Jesu, gedenke, was für eine Marter du hier ausstandest! So oft der Henter einen Streich that, so oft ging dir der Schmerz durch Mark und Bein, und durchstach dein Herz wie mit einem Schwerte. Deine Augen wen deten sich, dein Mund schrumpfte zusammen, deine Zähne schlugen aufeinander, deine Wangen wurden ganz bleich, deine Knice zogen sich in die Höhe und deine Eingeweide im Leibe bewegten sich. Dieses gewaltigen Schmerzes erinnere ich dich, und für denselben danke ich dir, daß du mich so theuer haft erlösen wollen. Weil ich so viele Sünden mit meiner rechten Hand begangen habe, daß ich sie nimmer bezahlen kann, darum opfere ich dir die große Marter, so du gelitten haft, bittend: du wollest mir meine Sünden verzeihen und die wohlverdienteu Strafen gänzlich nachlassen. Amen. Das dritte Gebet. Zu Ehren der Annagelung Christi. Es hatten die Henker mit Fleiß die Löcher weiter von einander gebohrt, als die Hände und Füße Christi reichen konnten. Deswegen umbanden sie dieselben mit Stricken, Wallfahrts Gebete. 463 und zogen sie so gewaltsam an, daß alle Glieder aus ihrer Stelle wichen. Zu Ehren dieser Pein sprich: : 3um dritten erinnere ich dich, o schmerzhafter Jesu, der grausamen Folter, so du in deiner Freuzigung ausstandest, als dir zuerst deine beiden Arme, und nach angenagelter linken Hand auch die beiden Füße so start ausgespannt wurden, daß kein einziges Glied an seiner Stelle blieb. Ach, mein liebster Jesu, wie groß war doch der Schmerz, welchen du an deinem zermarterten Leibe litteft, als man dich so grausam auseinander zog, daß alle Gewerbe verrenkt, alle Adern zersprengt, alle Nerven zerrissen und alle Rippen versetzt wurden! Ach, wie erbarmet es mich deiner! und wie geht mir deine schmerzliche Ausspannung so tief zu Herzen! O ihr zerrissenen Glieder, ich grüße euch, und mit herzlicher Liebe und Andacht füffe ich euch! Ich bete euch an als göttliche Glieder, und danke euch von Herzen, daß ihr für mich so viele Peinen gelitten habt. Weil ich an allen Glie-. dern meines Leibes gesündigt habe, darum habt auch ihr freiwillig gelitten, meine Sünden zu bezahlen. Daher kann ich euch für diese unendliche Liebe nicht genug danken, noch für diese erwiesene Gutthat genug Ehre erweisen. Du, gütigster Jesu, wollest deinem himmlischen Vater deine zerriffenen Glieder zeigen, und ihm für die Sünden meiner Glieder vollkommen genugthun. Amen. Das vierte Gebet. Zu Ehren der Annagelung Christi. Nachdem die Henker Christum genug gereckt hatten, nagelten sie ihm erst die rechte Hand, dann die beiden Füße an das Kreuz. Verehre diese Unnagelung: 464 Das neunte Gärtlein. Während dieser Kreuzigung komme ich nun abers mals im Geiste zu dir, zermarterter Jesu, und sehe mit Schrecken, wie grausam die Henker deine Hände und Füße mit eisernen Nägeln an das Kreuz hefteten. Ach du armer Jesu, was littest du für Bein in deinen zarten Händen und Füßen! Wie war es doch möglich, daß dir nicht dein Herz brach! Denn so oft die Schergen einen Streich auf die Nägel thaten, so oft erzitterte dein ganzer kranker Leib, und dein edles Herz sprang vor Schmerzen sichtbar auf. Es stieß dich zu allen Streichen eine tödtliche Marter an, und wollte dir dein frankes Herz im Leibe zerspalten. Deine angenagelten Hände und Füße wurden vor großer Pein ganz schwarz und braun, und deine H. Haut sammt dem Fleische wurden zugleich mit dem Nagel in das Holz getrieben. Da sprang das Blut aus deinen Wunden, da flossen schoffen die Seufzer aus deinem Herzen, da hörte man nichts als Ach und Wehe! O du mein gekreuzigter Heiland, mein ganzes Gemüth erbarmet sich über dich, und mein fündiges Herz wird schier vor Mitleiden trank! Im Geiste der Andacht falle ich zu dir auf die Erde, küsse mit herzlichem Mitleiden deine angenagelten Hände und Füße, und bitte dich durch diese schmerzliche Kreuzigung und reichliche Blutvergießung, du wollest mir meine Sünden verzeihen und wahre Besserung meines Lebens ertheilen. Lasse deine blutigen Wunden ihren Mund aufthun, und das Heil meiner Seele als ihren verdienten Sohn von deinem Vater abfordern. Zeige ihm auch zum öftern die empfangenen Wunden, und versöhne durch dieselben seinen gerechten göttlichen Zorn. A. Y die Zähren aus deinen Augen, da Wallfahrts Gebete. Das fünfte Gebet. Zu Ehren der Erhebung des Kreuzes. 465 Nach der Kreuzigung schleiften die Henker das Kreuz vierzehn Schritte fort, hoben es in die Höhe und ließen es in das zubereitete 2och fallen. Zu Ehren dieses Schmerzes sprich: Nun erhebe ich mich im Geiste von meinem vorigen Orte, gehe dir, meinem angenagelten Heilande, mitleidig nach, und sehe mit innigem Bedauern, wie man das h. Kreuz aufhebt und in das zubereitete Soch fallen läßt. O, welches Herz sollte hier nicht zittern, und welcher Mensch sollte sich nicht erschrecken, wenn er recht beherziget, was du bei dieser Erhebung des Preuzes gelitten haft! Denn nachdem die sämmtlichen Hentersknechte mit großer Mühe und vielem Geschrei dich mit dem Kreuze in die Höhe gehoben hatten, lieBen sie dasselbe in das zubereitete tiefe Loch mit solchem Ungestüm herabschießen, daß dein gefreuzigter Leib er schüttert und von unbeschreiblichen Schmerzen gefoltert wurde. Da frachten alle Gebeine, da wurden alle Gewerbe verrückt, viele Adern zerrissen, die Wunden erweitert, und alle Dörner deines h. Hauptes bewegten sich. Da floß das rosenfarbene Blut über deinen ganzen Leib auf die Erde hinab, und färbte nicht allein deine Glieder, sondern auch das H. Kreuz und den steinigen Felsen. O du gekreuzigter Jesu! ich erinnere dich der grausamen Marter, jo du in dem Fortschleifen, Aufheben und Niederfallen des Kreuzes littest, und alles Schimpfens und Spottens, so dir die Heiden und Juden in selbiger Zeit zufügten. Weil du dies Alles zur Genugthuung meiner LeichtMyrrhengarten III. 23. Aufl. 30 Das neunte Gärtlein. fertigkeiten gelitten hast, darum lasse diese deine Marter mir zu gute kommen, und alle meine verübten Eitelfeiten gänzlich auslöschen. Amen. Unter dem Kreuze des Herrn. 466 Das erste Gebet. Anbetung des Gekreuzigten. O mein gefreuzigter Jesu! in Demuth meiner Seele und in Zerknirschung meines Herzens falle ich vor deinem Kreuze auf meine Kniee, und mit zur Erde geneigtem Haupte bete ich dich, meinen gekreuzigten Gott, an. Ach mein liebster Jeju, in welch' einem Zustande sehe ich dich hier! Wie ist dein zermarterter Leib so voller Pein und Schmerzen! Du hängst mit Händen und Füßen angenagelt, und fannst tein Glied zu dem andern bringen, dir zu helfen. Du hängst in Peinen und Schmerzen, die allen menschlichen Verstand übertreffen. In der Erhebung des Kreuzes sind dir alle deine Wunden und Peinen erneuert worden; deswegen rajet und tobet der Schmerz in allen Gliedern über alles Maaß. Weil die ganze Last des Leibes an den Nägeln der Hände hängt, und sich mit seiner Schwere stets herabsenket, so leidest du an allen Gliedern, besonders in den Wunden der Hände, unbeschreibliche Marter und Qual. O mein Jesu! es ist mir unmöglich, daß ich nicht sollte Mitleid mit dir haben, weil du so viel Pein leidest, daß sie nicht aufgezählt werden könne. Wenn ich nun ein Glied nach dem andern ansehe, so fann ich mir leicht einbilden, wie der grausame Schmerz in demselben wüthet und tobet! O wehe deiner Schmerzen! O wehe deiner Marter! Ich Wallfahrts Gebete. 467 stelle dir, o himmlischer Vater, diejen deinen gefreuzigten Sohn vor Augen, und opfere dir jede Pein, welche er an seinen Gliedern gelitten hat. Und weil Er dieselbe für mich gelitten hat, so bitte ich, du wollest sie an mir nicht verloren sein lassen. Amen. Das andere Gebet. Zu Ehren der Verspottung Christi. Du unschuldiges Lämmlein Gottes, Christe Jesu, sei eingedenk der vielfachen Lästerungen, welche die Juden und Heiden wider dich ausstießen, und jenes Fluches, womit alles Volk dich auf das grausamſte verfluchte und vermaledeite. Gedenke, wie schmerzlich wehe es dir that, als das gottloje Gesindel unter dem Kreuze stand, die Häupter wider dich schüttelte, wider dich ausspie, die Zungen wider dich ausstreckte, und allerlei schändliche Geberden vor deinem Angesichte sich erlaubte! Ach, du so ganz und gar verlachter Jesu, wie konntest du mit offenen Augen so viele schimpfliche Geberden deiner Spötter anschauen, und mit deinen milden Ohren die grausamen Lästerungen anhören? Ja, wie war es doch möglich, daß die Juden dir noch solchen Spott anthun fonnten, da du ja so er= bärmlich vor ihnen hingest, und dein Jammerbild auch steinharte Herzen hätte erweichen können! Ich habe herzliches Mitleid mit dir, und wünsche von Herzen, daß ich hätte gegenwärtig sein und alle dieſe Lästermäuler verstopfen können. Weil ich aber dieses Glück nicht haben konnte, darum lobe und benedeie ich dich viel tausendmal für jedes Schmachwort, welches dir zugerufen wurde, und erzeige dir alle mögliche 30* 468 Das neunte Gärtlein. Liebe und Freundlichkeit anstatt des schimpflichen Betragens, mit dem man dir begegnete. Durch alles dieses bitte ich, du wollest mir gnädig verzeihen, daß ich dich in meinem Leben durch meine Sünden so vielmals und gröblich gelästert habe. Amen. Das dritte Gebet. Zu Ehren der Verlassenheit Christi. Jetzt will ich betrachten deine Verlaffenheit am Kreuze, o Jesu! und will dich erinnern an die äußerste Betrübniß, welche du in deiner Seele empfunden hast. Ach, du betrübtester Jesu, wie warest du doch so gar von Gott und den Menschen verlassen, und empfingeſt von Keinem weder Hülfe noch Trost. Du hingest am Kreuze in solchen äußerlichen und innerlichen Schmerzen, und deine liebe Seele war so gar erfüllt mit Finsterniß und Schrecken des Todes, daß sie nicht Dein Vater wollte dich nicht wußte, wo aus oder ein. erhören, deine Mutter konnte dich nicht trösten, und du selbst wußtest dir weder zu rathen noch zu helfen. Deswegen hieltest du damals einen Stand aus, in dem alle erschaffenen Herzen würden verschmachtet ſein. O du arme verlassene Seele meines Jesu! Wie haſt du doch diese unermessene Betrübniß aushalten können? O du armes gequältes Herz meines Jesu, wie hast du doch diese Bitterfeit, bitterer als Galle, einnehmen können? O du schwache und niedergebeugte Natur meines Jesu, wie hast du doch diese unerträgliche Last tragen können? Dieser deiner äußersten Verlaffenheit erinnere ich dich, gekreuzigter Jesu, und durch dieſe bitte ich, du wollest mich nimmer in Kleinmüthigkeit Wallfahrts Gebete. 469 gerathen lassen. Gedenke, wie inbrünstig du deinen Vater um Linderung dieses innerlichen Kreuzes an= riefest, dennoch von ihm nicht erhört wurdest, sondern bis in deinen lehten Augenblick in dieser Verlassenheit verharren mußtest! Weil du denn um meinetwillen haft müssen so ganz und gar verlassen sein, damit ich nicht ewig verlassen würde; so bitte ich, du wolleft mich nimmermehr verlassen, besonders mir im Tode beistehen. Amen. Das vierte Gebet. Zu Ehren des Leidens Chrifti, um ein seliges Ende oftmals zu sprechen. O treuester Erlöser des menschlichen Geschlechtes, Christe Jesu! vor deinem h. Kreuze falle ich demüthig nieder, und begehre mein unwürdiges Gebet vor dir andächtig auszugießen. Ich begehre deinen bittern Tod würdig zu verehren, und dich um einen seligen Tod vertraulich anzurufen. Deswegen erinnere ich dich jenes allergrausamsten Schmerzes, den du in deinem Todeskampfe littest, als dir der grimmige Tod mit aller Gewalt zuseßte und dein süßes Herz zu brechen begehrte. Ach, was für schreckliche Marter mußte dein edles Herz damals leiden! Und als deine leßte Stunde kam, da gab dir der leidige Tod solch gewaltigen Stoß auf dein edles Herz, daß dir die Augen brachen, das Gehör sich verlor, die Zunge verstummte, die Adern zerrissen, die Glieder erzitterten, der falte Schweiß ausbrach, und der ganze Leib so grausam gestreckt ward, daß die Rippen krachten und alle Gewerbe des ganzen Leibes zerrissen wurden. 470 Das neunte Gärtlein. Dadurch entstand ein solches Zittern und Krachen in allen Gliedern, wie wenn man dürre Reiser zerbricht. Zugleich auch zersprang dein allersüßestes Herz vor der Gewalt des härtesten Stoßes und brach vor unsäglichen Schmerzen mitten entzwei. Indem nun dein Herz zerbrach, thatest du einen Schrei, der allen Umstehenden durch Mark und Bein ging, und mußtest du solch bittern Tod leiden, desgleichen fein Mensch je gelitten hat. Dieses deines allerschmerzlichsten Todes erinnere ich dich, o Jesu, und die grausamen Schmerzen, welche du darin gelitten hast, stelle ich dir vor Augen. Gedenke, daß du diesen so bittern Tod darum gelitten hast, um mich von dem ewigen Tode zu erlösen, und darum haft so grausame Pein in deinem Tode leiden wollen, um mir die So bitte ich Schmerzen meines Todes zu mindern. denn durch deinen allerbittersten und allerschmählichsten Tod und durch die empfindlichste Marter, so du an Leib und Seele gelitten hast, du wollest mir an meinem Ende treulich beistehen, und die bittere Angst und Bein des Todes mindern und zugleich mildern. A. Das fünfte Gebet. Zu Ehren der Abnahme und Salbung des Leibes Christi. Als der Leib Christi nach seinem Tode einige Zeit am Kreuze gehangen hatte, ward er endlich herabgenommen, dreizehn Schritte weit vom Kreuze auf einen Stein gelegt und von der Mutter Gottes und ihrer Gesellschaft gewaschen, gesalbt und endlich fünf und neunzig Schritte von dannen getragen und begraben. Lehtlich erinnere ich dich, mein treuester Erlöser, wie dir nach deinem Tode deine Seite mit einem Wallfahrts Gebete. Speere eröffnet, und dein treues Herz durchstochen worden ist. Ich erinnere dich, wie du von deiner traurigen Mutter und deinen Freunden beklagt, und von dem Kreuze herabgenommen worden bist. Ich erinnere dich, wie mitleidig dein Leichnam von ihnen gewaschen und mit Spezereien gesalbet worden, unter welchen Klagen er zum Grabe begleitet und mit welcher Trauer er begraben worden ist. Zu deiner traurigen Gesellschaft geselle auch ich mich, und helfe ihnen im Geiste deinen hochwürdigen Leichnam vom Kreuze abnehmen, mit meinen Zähren abwaschen, mit dem Mark meines Herzens salben, in den Grund meines Herzens als in ein geziertes Grab einlegen, und endlich seinen unschuldigen Tod mit reumüthigem Leide beklagen. Ach! wie billige Ursache habe ich, deinen Tod zu beklagen, weil ich durch meine Sünden dessen einzige Ursache gewesen bin. Ich gottloser Sünder bin derjenige, der dich gepeinigt, gekreuziget und getödtet hat. Es reuet mich aber von Herzen, und ich bitte demüthig um gnädige Nachlaffung und Verzeihung. Ich rufe an das theuere, vergoffene Blut, und bitte durch deinen unschuldigen, schmerzlichen Tod, daß du mir verzeihen und die göttliche Gerechtigkeit nicht um Nache anrufen wollest. Hier auf Erden laß mich büßen, und was ich nicht würdig* abbüßen kann, das erstatte du durch deine reichen Verdienste. Amen. 471 Aufopferung. Nun habe ich, o Jesu, dein bitteres Leiden auf dem Calvarienberge betrachtet, und mit meinem un 472 Das neunte Gärtlein. würdigen Gebete nach Möglichkeit verehret. Deswegen opfere ich dir nun alle meine verrichteten Gebete und Andachten jammt allen innerlichen Bewegungen und herzlichem Mitleide, welches ich darob empfunden habe. Dies Alles vereinige ich mit der Andacht und dem Mitleide aller frommen Seelen, besonders jener lieben Heiligen, welche unter deinem Kreuze standen. Laß meiner Seele eine solche Frucht aus dieser An dacht erwachsen, als deine lieben Heiligen daraus gewonnen haben. Amen. Beschluß der Wallfahrt. Wenn du deine Andacht verrichtet hast, und nun die Kirche berlaffen willst, so sprich zuvor das folgende Gebei: Nun, o allerhöchster Gott, habe ich meine Wallfab verrichtet, und mein unwürdiges Gebet in dieser h. Kirche vollendet. Nun ist nichts mehr übrig, als daß ich dir dasselbe bestens anbefehle und fräftig aufopfere. Ich opfere dir deswegen meine ganze Wallfahrt, samimt allem, was ich auf dem Wege und in dieser Kirche verrichtet habe, und bitte, du wolleft dies Alles gnädig annehmen und dir wohlgefällig sein lassen. Zugleich mit meiner Wallfahrt opfere ich dir auch die Wallfahrten aller derjenigen, welche jemals zu dieser Kirche gewallet sind, und ihr Gebet und Opfer hier verrichtet haben. Hierin schließe ich noch alle Wallfahrten Christi, der Mutter Gottes und aller Heiligen sammt allen guten Werken, welche sic in denselben dir zu Liebe verrichtet haben. Diese Alle, in Ein Büschlein zusammen gebunden, opfere und verehre ich dir durch das Herz Jesu Christi auf die allerkräftigste Weise zu deiner größern Ehre und Wallfahrts Gebete. 473 Glorie, und zur würdigsten Verehrung deiner allerhöchsten Majestät. Zur Vergeltung begehre ich nichts anders, als daß dir dieser mein Dienst gefalle, und du hieraus erkennen mögest, wie ich deine göttliche Ehre über Alles zu fördern suche. Alle Nachlässigfeiten, deren ich bei dieser Wallfahrt mich schuldig gemacht habe, wollest du mir gnädig verzeihen, und meine demüthige Bitte, die ich dir vertraulich vorgetragen habe, gütig gewähren. Wollest mir auch, ehe ich scheide, deinen göttlichen Segen ertheilen, und mich in deinen göttlichen Schutz und in deine väterliche Sorgfalt aufnehmen. Amen. Wallfahrts- Lieder. 1. * 1. Maria, zu dir kommen wir,* Und halten bei dir an; Wir suchen Hülf' und Schuß bei dir,* Denn du hilfft Jedermann. 2. Versag' uns deine Fürbitt' nicht,* O Himmels= königin,* Leg' du vor Gottes Angesicht* All' unfre Bitten hin. 3. Gedenk', daß du die Mutter seist,* Und wir die Kinder dein;* Durch dich wird Gott uns allermeist* Ein gnäd'ger Vater sein. 4. Jesus dir nichts versagen thut,* Dir nichts abschlagen kann,* Da Er von dir sein Fleisch und Blut* Als Mensch genommen an. 5. Der heil'ge Geist mit Gnadenthau* Dich ewig übergießt; * Durch ihn, o du mildreiche Frau,* Gib, was uns nützlich ist. 6. In deine Hand mit Zuversicht* Legt jeder seine Noth;* Versagst du deine Fürbitt' nicht,* So hilft der große Gott. 474 Das neunte Gärtlein. 7. Drum freuet euch im Jammerthal,* Jhr Bilger wohlgemuth,* Mit Bitten, Singen allzumal Ruft an das höchste Gut. * 8. Maria wird ganz mütterlich* Mit Fürbitt' uns beisteh'n, Auf daß uns Gott läßt väterlich* Mit Troft von hinnen geh'n. 1. Maria, wir dich grüßen, O Maria hilf! Und fallen dir zu Füßen, O Maria hilf! R, Maria hilf uns all', In diesem Jammerthal! 2. Voll Zuversicht wir bitten, O Maria hilf! Durch das, was du gelitten, O Maria hilf! 3. 4. 7. R, Maria hilf 2c., wird bei allen Verfen wiederholt. Durch Jesu Kreuz und Sterben, O Maria hilf! Wollst Gnade uns erwerben, D Maria hilf! Daß wir Verzeihung finden, O Maria hilf! Für unsre vielen Sünden, O Maria hilf! 5. Daß wir vor Gott bestehen, O Maria hilf! Den Weg des Guten gehen, O Maria hilf! 6. Neid, Zwietracht, List und Schande, O Maria hilf! Halt ab von jedem Stande, O Maria hilf! In Trübsal, Angst und Leiden, O Maria hilf! Gib Troft und Seelenfreuden, O Maria hilf! 8. Sieh an die Noth der Armen, O Maria hilf! Weck' Mitleid und Erbarmen, O Maria hilf! In Krankheit und Beschwerden, O Maria hilf! Laß Heil und Hülfe werden, O Maria hilf! 10. Den Wittwen und den Waisen, O Maria hilf! Auf Pilgerfahrt und Reisen, O Maria hilf! 11. Vor Mord und Kriegsgefahren, O Maria hilf! Wollst Volk und Fürst bewahren, O Maria hilf! 12. Vor Theurung, Pest und Brande, O Maria hilf! Gib Schutz dem Vaterlande, O Maria hilf! 13. Bitt', daß die Frucht der Erde, O Maria hilf! Reichlich gesegnet werde, O Maria hilf! 9. 14. Den wahren Glauben mehre, O Maria hilf! Tilg' aus die falsche Lehre, O Maria hilf! Wallfahrts Gebete. 15. Bitt', daß auf aller Erde, O Maria hilf! Ein Hirt und Heerde werde, O Maria hilf! 16. Bitt' Gott für unsre Freunde, O Maria hilf! Bitt' Gott für unsre Feinde, O Maria Hilf! 17. Jm Leben und im Sterben, O Maria hilf! Wollst Gnade uns erwerben, O Maria hilf! 18. Auf daß wir all' dort oben, O Maria hilf! Mit dir Gott ewig loben, O Maria hilf! 475 3. 1. Maria zu lieben ist allzeit mein Sinn, In Freuden und Leiden ihr Diener ich bin; Mein Herz, o Maria, brennt ewig zu dir, In Liebe und Freude, o himmlische Zier! 2. Maria, du milde, du süße Jungfrau, Nimm auf meine Liebe, sowie ich vertrau: Du bist ja mein' Mutter, dein Kind will ich sein, Im Leben und Sterben dir einzig allein. 3. Ach hätt' ich der Herzen nur tausendmal mehr, Dir tausend zu geben, das ist mein Begehr; Nimm Freund' und Verwandte mit Leib und mit Seel', Nimm, was ich nur liebe, in deinen Befehl! 4. So oft mein Herz klopfet, befehl' ich mich dir, So oft ich nur athme, verbind' ich dich mir, Dich lieb' ich auf ewig, dich lieb' ich allzeit, So bin ich mit Freuden zu sterben bereit. 5. O Mutter, nun segne den ewigen Bund! Dein Name versiegle mein Herz und den Mund, Dich ruf' ich im Lode, dann reich' mir die Hand Und zieh' mich nach oben in's himmliche Land! 4. 1. O Maria, voll der Gnaden,* Mutter der Barmherzigkeit, Siehe, wie ich bin beladen* Mit der Furcht Ach! über mich erbarme dich,* 0 und Traurigkeit! Mutter Jesu, bitt' für mich! 476 Das zehnte Gärtlein. * 06 2. Ach! ich elend armer Sünder!* Ach! wo bin ich kommen hin!* Nimm mich unter deine Kinder, ich's schon nicht würdig bin.* Ach! über mich erbarme dich,* O Mutter Jesu, bitt' für mich! * 3. Denn es reuet mich von Herzen, Daß ich oft gefündigt hab',* Und beweine es mit Schmerzen,* Daß ich Gott beleidigt hab'!* Ach! über mich erbarme dich, O Mutter Jesu, bitt' für mich! 弥 Das zehnte Myrrhen- Gärtlein. Gepflanzt mit Gebeten auf die Feste des Herrn, der allerseligsten Jungfrau Maria, des h. Joseph, der heil. Apostel Petrus und Paulus, des heil. Liborius und aller Heiligen; auch mit besonderen Andachten zu der Mutter Gottes, dem h. Antonius von Padua, dem h. Joseph, der h. Anna, dem H. Aloysius und andern Heiligen. Feste des Herrn. Die heilige Adventszeit. Borerinnerung. Es begeht nun die katholische Kirche den h. Advent, welcher seinen Namen von der An funft Chrifti hat, und in welchem alle Christen das große Geheimniß der Menschwerdung Gottes betrachten sollen. Wir sollen es aber nicht betrachten, als wenn es schon vor vielen hundert Jahren geschehen wäre, sondern als wenn Christus erst in diesem Advent Mensch würde und am nächsten Christfeste sollte geboren werden. Denn auf diese Weise begeht die Kirche den Advent; ja Christus selbst verhält sich jetzt gegen uns nicht anders, als wenn Er jetzt erst Mensch geworden wäre und im jungfräulichen Schooße seiner Mutter ruhete. Und dieselben Gnaden, Die h. Adventszeit. 477 welche Er vor Zeiten denen mittheilte, welche ihn mit wahrem Glauben vor seiner Geburt anbeteten, will Er auch jetzt denen geben, welche ihn mit demselben Glauben in gleicher Weise anbeten. Darum begehe diese heil. Zeit mit Andacht und hüte dich mehr als sonst vor Sünden; denn wer im Advent sündigt, stößt das liebe Christuskind gleichsam mit beiden Händen von sich, und macht, daß es für ihn dereinst nicht als Clöser, sondern als Richter kommt, um ihn desto tiefer zu verdammen. Zum Andern betrachtet die fatholische Kirche in dieser h. Zeit den elenden Zustand der Welt vor der Menschwerdung Gottes, und seufzet mit den Altvätern nach der gnadenreichen Geburt Christi, als wenn sie selbst noch vor derselben stände. Ach! wie schlimm stand es doch damals mit den Menschen! Wie viele Gnaden mußten die armen Menschen entbehren, welche wir jetzt im Ueberflusse haben! Der H. Paulus deutet uns dies an in einem Bilde, indem er spricht: Die Nacht ist vorüber, und der Tag iſt angebrochen!" als wollte er sagen: Im alten Testamente war es nicht anders, als wenn es beständig Nacht gewesen wäre: jetzt aber ist diese Nacht vorüber und ein immer währender Tag ist angebrochen. In der Nacht aber ist es finster, kalt und feucht; am Tage dagegen hell, warm und trocken. Vor Zeiten wandelten die armen Menschen in der Finsterniß, hatten gar geringe Erkenntniß von Gott, und wußten gar wenig von der himmlischen Selig keit und von der ewigen Belohnung der guten Werke. Darum hatten sie auch natürlicher Weise ein geringes Verlangen nach dergleichen Dingen, denn was man nicht kennt, liebt man auch nicht. Es war auch kalt, denn die meisten Menschen hatten eine so geringe Liebe zu Gott und richteten all' ihr Dichten und Trachten auf's Zeitliche. Sie waren falt, schläfrig und verdrossen im Guten, und kalt in der übernatürlichen Liebe zum Nächsten. Endlich war es in so langer Nacht auch feucht, denn die Feuchtigkeit der bösen Begierden hatte viele Herzen überschwemmt und die Menschen folgten insgemein nur ihrer Sinnlichkeit und den bösen Eingebungen ihrer Natur. Also lebten die Menschen in steter Nacht und tappten wie Blinde umher 478 Das zehnte Gärtlein. und fielen so leicht in die Graben. Ach! wie viele Menschen sind jetzt in der Hölle, die vielleicht nie dahin kamen, wenn sie nach der Ankunft Christi gelebt hätten; und wie viele Tausend werden jetzt selig, die ohne Zweifel verdammt worden wären, wenn sie vor Christus gelebt hätten! Es gab zwar auch damals viele gute und fromme Menschen, aber dies geschah durch eine besondere Gnade Gottes, welche Er nicht jedem mittheilte. Jetzt aber theilt Gott seine Gnaden reichlicher aus und schont der Sünder viel mehr, als Er vor Zeiten gethan hat. Indem wir nun den h. Advent begehen, erinnere dich an die Ermahnung des Apostels Paulus:„ Wir erkennen aus der Zeit, daß die Stunde schon da ist, wo wir vom Schlafe erwachen sollen; denn jetzt ist unser Heil näher, als da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber hat sich genahet, laßt uns also ablegen die Werke der Finsterniß und anziehen die Waffen des Lichts. Wie am Tage lasset uns ehrbar wandeln; nicht in Schmausereien und Trinkgelagen, nicht in Schlafkammern und Unzucht, nicht in Zank und Neid; sondern ziehet den Herrn Jesum Christum an und pfleget der Sinnlichkeit nicht zur Erregung der Lüste."( Röm. 13, 11-16.) Hüte dich also in dieser heil. Zeit mehr vor Sünden und gib dich mehr der Andacht hin, als zuvor. Wir sollen auch unserm Leibe und der Sinnlichkeit einigen Abbruch thun und dem Stillschweigen und dem Gebete mehr obliegen, damit wir dem lieben Christkinde ein sanftes Ruhebett in unserm Herzen bereiten. Heiligung des Advents. Gütigster Jesu! weil jetzt in der katholischen Kirche das trostreiche Geheimniß deiner gnadenreichen Menschwerbung betrachtet wird; so nehme ich mir ernstlich vor, in diesem Advent dir fleißiger zu dienen und mit größter Andacht diese h. Zeit zuzubringen. Alle Werfe, welche ich in dieser h. Zeit thun werde, will ich verrichten in Vereinigung mit der Liebe, mit Die h. Adventszeit. 479 welcher du vom Himmel herabgestiegen und die menschliche Natur angenommen hast, wie auch zur Dantjagung für dieselbe. Wenn ich mein Haupt neigen oder meine Kniee beugen werde, soll dies allzeit geschehen, um dich anzubeten und dir die schuldige Ehre dafür zu erweisen, daß du dich um unseres Heils willen so tief erniedrigt haft und unsere Sünden zu tilgen vom Himmel auf die Erde herabgekommen bist. So oft ich Athem schöpfen werde, so oft will ich dir tausendfältigen Dank gesagt haben, daß du hast ein unmündiges Kind werden und im Schooße deiner jungfräulichen Mutter ruhen wollen. Ich bitte dich, Christe Jesu! durch alle Gnaden, welche deine Menschheit durch die persönliche Vereinigung mit der göttlichen Natur empfangen hat, du wolleft mir Gnade verleihen, in dieser heil. Adventszeit dir treu zu dienen und mit dankbarem Herzen an das gnadenreiche Geheimniß deiner Menschwerdung oft zu denken, damit ich der Frucht derselben desto mehr theilhaftig werde. Amen. Dankgebet zu Gott, im Advent oft zu sprechen. Allmächtiger Gott! indem ich in dieser h. Zeit betrachte, in welch' betrübten und gefährlichen Zeiten unsere lieben Voreltern gelebt und in welch' großer Gefahr der ewigen Verdammniß sie immerdar geschwebt haben, so weiß ich nicht, wie ich dir genug dafür danken ſoll, daß du mich nicht in der dunklen Nacht des alten Testaments, sondern an dem hellen Tage der Gnadenzeit hast geboren werden lassen. Ach, es wäre gewiß um mich geschehen gewesen! denn da ich jetzt, wo du deine Gnade so überflüssig mit 480 Das zehnte Gärtlein. theilst, so wenig Gutes thue, was würde ich dann gethan haben, wenn ich zu der Zeit gelebt hätte, wo du deine Gnaden gar spärlich austheiltest! Und da ich jetzt so viel Böses thue, wo ich doch so viele gute Sehren und Beispiele an Christus und seinen Heiligen habe; wie überaus strafwürdig würde ich dann gelebt haben, wenn ich dies Alles nicht vor Augen gehabt hätte! Wie aber werde ich an jenem Tage vor dir bestehen können, da ich zu dieser Gnadenzeit fast übler lebe, als viele tausend Andere, welche in der Finsterniß und dem Schatten der alten Zeit gelebt haben? O welche Schande für mich, daß ich die große Gnade, so du uns durch deine Menschwerdung gebracht hast, jo wenig geachtet und so übel angelegt habe; da viele tausend Andere die geringe Gnade, die du ihnen schenktest, so wohl angelegt und den Himmel damit erworben haben! Ich will mich aber bessern und dir hinfüro treuer dienen. Diese gnadenreiche Zeit will ich wohl benußen und mit Hülfe deiner Gnade mich eifrigst bestreben, nicht allein vor schweren, sondern auch vor den täglichen Sünden mich zu hüten. Besonders vor Zorn und Ungeduld, vor Trägheit und Nachlässigkeit in deinem göttlichen Dienste. Dazu verleihe mir deine Gnade und stärke mich in meinem heil. Vorsage. Verzeihe mir auch, daß ich bisher so nachlässig gelebt und die angebotenen Gnaden so oft und so vermessen in den Wind geschlagen habe. Ich opfere dir alle guten Werke, welche im alten Testament in der ganzen Welt geschehen sind und bitte dich durch dieselben, du wollest mir die wohlverdienten Strafen nachlassen. Amen. 481 Die h. Adventszeit. Gebet unter der Rorate- Messe. O süßester Jesu Christe! du wahrer Erlöser des menschlichen Geschlechts! in dieser h. Adventszeit begeht deine h. Kirche das unergründliche Geheimniß deiner gnadenreichen Menschwerdung und beherziget dankbar die große Liebe, welche dich, den unüberwindlichen Gott, besiegte und nöthigte, vom Himmel herabzusteigen und im jungfräulichen Schooße Maria's unter Mitwirkung des H. Geistes unsere menschliche Natur anzunehmen. O du unergründlicher Gott, dessen Majestät unendlich, dessen Allmacht unüberwindlich, dessen Weisheit unerforschlich, dessen Güte unermeßlich, dessen Reichthümer ohne Zahl und Schätzung, und dessen Glorie unbegreiflich! wer hat dich doch dazu bewogen, ein armes, schwaches, unmündiges Kind werden zu wollen? O unaussprechliche Liebe! O unergründliche Güte! Sollte es denn möglich sein können, daß der Unendliche endlich, der Unsterbliche sterblich und der Allmächtige ohnmächtig werde! O Gott, wie groß ist deine Güte! Wie weit hat dich deine Liebe gebracht, indem sie aus dem Schooße des Vaters in den Schooß der Jungfrau dich herabzog! Du hattest uns gar nicht nöthig, da du ohne uns selig warest, und bist und sein wirst; aber deine Liebe zu uns war so groß, daß du lieber in das äußerste Elend dich begeben, als uns im Elende sehen wolltest! mein liebster Jesu! was soll ich dir für so viele Liebe vergelten? Ich habe nichts als lauter Elend und Armseligkeit; aber was ich habe, will ich dir opfern, meinen Beib und meine Seele, sammt allen ihren Kräften und Sinnen, und alle meine guten Myrrhengarten III. 23. Aufl. 31 482 Das zehnte Gärtlein. Werke in dieser h. Zeit und besonders diese h. RorateMesse opfere ich dir zur Danksagung für dies Geheimniß deiner göttlichen Liebe auf. Wir seufzen auch bei dieser h. Rorate- Messe mit den Seelen der h. Altväter zu dir, süßester Jeſu, und verlangen mit größter Sehnsucht nach deiner gnadenreichen Geburt. Denn obschon wir wissen, daß du vor Zeiten auf die Welt gekommen, und Mensch geworden bist, so wissen wir auch, daß du jährlich von Neuem wieder herabsteigst und in allen frommen Herzen auf eine besondere Weise geboren wirst. Zugleich mit dem Priester und der ganzen katholischen Kirche seufze ich deshalb nach dir und rufe, wie die frommen Altväter, mit den Worten des Propheten Jjaias: Rorate coeli desuper! Himmel thauet ihn herab, Wolken regnet den Gerechten! Erde öffne dich und sprosse hervor deinen Heiland! O himmlischer Thau, falle auf meine dürre Seele! O himmlischer Regen, befeuchte mein trocknes Herz! O süßer, heilsamer und fruchtbarer Thau, erquicke meine Seele mit einem Tröpflein deiner himmlischen Süßigkeit! O süßester Jesu, zu dem ich seufze, den ich sehnsüchtig verlange und in meinem Herzen zu besigen begehre, du bist der himmlische Thau, der die dürren Herzen erquickt; du bist der göttliche Regen, welcher die trockenen Seelen befeuchtet und die unfruchtbaren Gemüther fruchtbar macht an h. Begierden und guten Entschließungen und Werken! Dich in mein Herz zu laden und dir meine Seele zur Wohnung zu bereiten, bin ich jezt zu dieser H. Rorate- Messe gekommen. Ich bitte dich In der h. Christnacht. 483 bei derselben andächtig, daß du am h. Christtage mit einer besondern Gnade zu mir kommen wollest. In Vereinigung mit der Liebe, mit welcher du dich im Mutterleib deinem Vater aufgeopfert hast, opfere ich dir in meinem und aller Menschen Namen diese h. Messe und alle, welche heute in der ganzen Welt gelesen werden, zur Erinnerung, Danksagung und Verehrung deiner gnadenreichen Menschwerdung; wie auch zum Troste und Heile meiner armen Seele und der Seelen aller meiner leiblichen und geistlichen Freunde; zur Erhaltung der katholischen Kirche, zur Ausrottung der Keßereien und zur Vereinigung der christlichen Fürsten. Ich befehle mich und alle die Meinigen in diese H. Messe und in das unbegreifliche Opfer, welches du jetzt als der höchste Priester selbst verrichtest. Laß dir diese meine Andacht und diesen geringen Dienst gefallen, und erinnere dich in meinem Tode, wie oft und gern ich dir zu Ehren der Rorate- Messe beigewohnt habe. Amen. In der h. Christnacht. du süßestes Jesukind, in dieser h. Nacht grüße ich dich von Grund meines Herzens. Gebenedeiet sei dein himmlischer Vater, der dich zu unserm Heile herabgesandt hat! O du mildreichstes Jesukind! mein Herz freut sich über deine Geburt, und meine Seele schmilzt schier vor Süßigkeit, wenn sie gedenkt, welch' große Liebe du uns in dieser h. Nacht erwiesen hast. Vor deinem h. Kripplein werfe ich mich nieder, und zugleich mit allen H. Engeln bete ich dich demüthig an. Mit Andacht küsse ich deine zarten Hände und 31* 484 Das zehnte Gärtlein. Füße. Alles Gute, was ich in diesem ganzen Advent zu Ehren deiner heil. Menschwerdung gethan habe, lege ich zu deinen h. Füßen nieder, und opfere es dir zu einem freundlichen Willkommen in dieſe Welt. Laß dir dies bestens gefallen, und opfere es deinem himmlischen Vater zu seiner größern Ehre und zum Heile der ganzen Christenheit. Imgleichen grüße ich auch euch, allerfeligste Jungfrau Maria und liebreichster Joseph, und wünsche euch Glück zu dieser gnadenreichen und freudigen Nacht! Sei mir gegrüßt, himmlischer Vater, ich wünsche dir Glück zu deinem eingebornen Sohne, den dir deine liebste Tochter geboren hat. Sei mir ge= grüßt, gnadenreicher h. Geist, ich wünsche dir Glüd zum Erlöser der Welt, den deine liebste Braut uns geboren hat. Ich erinnere euch Alle der überschweng lichen Freuden, die euch in dieser Nacht geworden sind. Gedenkt, wie eure Herzen in dieser Nacht frohlockten, als das süßeste Christkind, gleich einem Röslein mitten im Winter entsproß, und durch Schönheit und Geruch euch überflüssig mit himmlischen Freuden erfüllte. Darum singen die Engelchöre und alle frommen menschlichen Herzen frohlocken. Darum erscholl aus dem Munde der Engel: Ehre sei Gott in der Höhe! und auf Erden hallte wieder: Friede den Menschen, die eines guten Willens sind. O! so lasset mich auch eurer Freuden theilhaftig werden und schentet meiner Seele ein Tröpflein von eurer Süßigkeit. Ich falle euch allen demüthig zu Füßen, und bitte euch durch die Ehrwürdigkeit dieser heil. Nacht, erzeiget mir Gnade und Barmherzigkeit. Ge Am hohen Weihnachtsfefte. 485 dent, o himmlischer Vater, wie sich dein göttliches Herz in dieser Nacht zu dem armen menschlichen Geschlechte in Liebe hingeneigt hat. Ach! laß dein göttliches Herz sich auch zu mir wenden, und mich zu deiner Gnade und Freundschaft annehmen. Gedenk, allersüßestes Jesukind, wie du in dieser Nacht aller Menschen Bruder geworden bist. Ach! so erschaffe denn in mir einen neuen Geist, und lasse mich in deiner Gnade wiedergeboren werden. Gedenk, D allerheiligster Geist, wie du in dieser Nacht allen Kreaturen deine Süßigkeit mitgetheilt hast. Ach! so gieße denn auch meiner Seele ein Tröpflein davon ein, damit sie mit einer besondern Andacht dir dienen möge. Gedenk, o hochwürdigste jungfräuliche Mutter, daß du um der Sünder willen in dieser Nacht Mutter Gottes geworden bist! O! so nimm mich denn auch zu deinem lieben Kinde an, und sei allzeit meine treue Mutter. Gedenk, o glückseliger Joseph, mit welcher Freude du das liebe Kind in dieser Nacht zuerst angeschaut und verehrt hast. Ach! so theile mir etwas von deiner Andacht mit, und verschaffe, daß ich dies liebe Kind würdig verehre. Gedenkt, ihr h. neun Chöre der Engel, wie ihr in dieser Nacht Gott gepriesen und das liebe Jesufind so demüthig angebetet habet! O! so preiset jetzt mit mir dasselbe liebe Kind, und betet es in meinem Namen demüthig an. Am. Am hohen Weihnachtsfefte. Sei mir gegrüßt, o süßestes Jesukind, aus dem innersten Grunde meines Herzens und aus liebender Anmuthung meiner Seele. Ich freue mich von Herzen 486 Das zehnte Gärtlein. über deine gnadenreiche Geburt, und sage dir unendlichen Dank, daß du für uns arme Sünder Mensch geworden bist. Im Geiste der Andacht kniee ich vor deinem H. Kripplein nieder, und bete an deine hochwürdige Gottheit und allerreinste Menschheit! O wie herzlich hast du uns geliebt, daß du vom Himmel herabgekommen und ein armes schwaches Kind ge= worden bist. O wie groß ist deine Armuth und deine Geduld, daß du in einem elenden Stalle haft wollen geboren werden, und so scharfe Kälte, Blöße, Mangel und Armuth leiden wollen! Gebenedeit sei deine süßeste Liebe, welche dich vom Himmel herabgezogen hat! Ich danke dir im Namen aller Menschen, für welche du bist Mensch geworden, besonders im Namen derjenigen, welche deine Liebe nicht erkennen, noch dir dankbar sind. Ogebenedeites Jesukind, sei eingedent alles dessen, so du für mich gethan und gelitten hast, und verschaffe, daß dasselbe an meiner armen Seele nicht verloren gehe. Mit großer Demuth füffe ich deine zarten Hände und Füße, welche jetzt schon so hart eingewickelt sind, später aber mit Striden gebunden und mit Nägeln an das Kreuz geschlagen werden sollen. Ich küsse auch deinen süßen Mund, welcher jetzt zwar von der süßen Milch deiner Mutter getränkt wird, einstens aber am Kreuze mit Galle und Effig wird verbittert werden. Ich küsse auch alle Glieder deines zarten Leibes, welche jetzt schon Frost und Kälte leiden müssen, einstens aber noch grausam werden zerrissen und zermartert werden. Durch dies Alles, was du für mich auf Erden gethan und ges litten hast, bitte ich, daß du mich deiner Verdienste Am Feste des h. Stephanus. 487 theilhaftig machen und mich zur ewigen Seligkeit aufnehmen wolleft. Amen. Liebe zum Jesukinde. O wie süß und lieblich ist deine Freundlichkeit, herzliebster Jesu, weil sich alle Heiligen in dir erfreuen, und alle Engel sich nicht sättigen können, dich anzuschauen! O du Schönster unter allen Menschenkindern, meine Seele liebt dich, und mein Herz begehrt deiner! Du bist schöner als der Mond, glänzender als die Sonne, lieblicher als die Morgenröthe, köstlicher als Edelgestein! O du mein süßer, mein lieber, mein freundlichster Jesus! Nichts in der weiten Welt ist mir so lieb als du; und nichts mag mich so sehr erfreuen als eben du. Ehe ich dich verlieren und erzürnen wollte, so wollte ich lieber alle zum Feinde haben. Mache, daß ich in deiner Liebe allzeit wachse, und in derselben mein Leben selig beschließe. Amen. Am Feste des h. Stephanus, dem zweiten Weihnachtsfeiertage. O du glorwürdiger Diacon und Märtyrer Christi, h. Stephanus, an diesem deinem Festtage grüße ich dich, und wünsche dir Glück zu der großen Ehre und Glorie, welche dir am heutigen Tage widerfahren ist! Owürdiger Blutzeuge Christi, du Heerführer der Märtyrer, du Glorie der Lehrer und du treuer Nachfolger Jesu Christi; groß ist deine Ehre auf Erden, aber noch viel größer ist sie jetzt im Himmel! O du gebenedeiter Freund des Allerhöchsten, wie groß war die Liebe Gottes in dir, daß du vor dem ganzen Rathe der Juden den Glauben Christi standhaft be= 488 Das zehnte Gärtlein. kannt, die Schmach und Lästerworte geduldig ertragen, ihre Verfolgung mit freudigem Muthe angenommen, die schmerzliche Steinigung standhaft gelitten und für deine Mörder mit höchster Liebe gebetet haft! Dafür wurdest du gewürdigt, Jesus selbst zur Rechten Gottes mit leiblichen Augen zu schauen, und endlich, nachdem du knieend und betend unter den Steinen deinen Geiſt aufgegeben, von den Engeln in den Himmel getragen zu werden, wo du von Christo und allen Auserwählten mit höchsten Ehren empfangen und mit der Krone der ewigen Glorie geziert worden bist. Zu dieser deiner Ehre und Glorie wünsche ich dir abermals Glück, und freue mich von Herzen, daß du bei Gott und den Menschen in so großen Ehren und Würden stehst. O du lieber h. Stephanus, wie unaussprechlich groß war deine Liebe gegen deine Feinde, daß du ihnen nicht allein verziehest, sondern auch mit gebogenen Knieen und gefaltenen Händen für sie batest, sprechend: Herr, rechne ihnen doch dies nicht zur Sünde! Diese herrliche Tugend hast du uns zum Testamente hinterlassen und mit deinem rosenfarbenen Blute auf die harten Steine geschrieben. Ach! so erwirb mir auch die Gnade, deiner Tugend nachzufolgen und mich in der Liebe zu meinen Feinden zu üben. Ich habe zwar an allen Tugenden einen großen Mangel, doch an feiner größeren, als an dieser. Denn wenn mir jemand das geringste Ulebel zufüget, so sage ich ihm gleich alle Liebe auf, vergeffe alle Gutthaten, die er mir erwiesen hat, schöpfe in meinem Herzen einen Haß wider ihn, und gedenke mich auf alle Weise an ihm zu rächen. Diese meine Am letzten Abende des Jahres. 489 große Untugend flage ich dir, h. Stephanus, und begehre durch deine Fürbitte Besserung dieses Lasters. Oliebreicher Stephanus, der du mit so großer Liebe für deine Feinde gebetet hast, ach, bitte auch für mich, deinen Freund und treuen Liebhaber! Der du durch dein kräftiges Gebet die Bekehrung vieler Sünder erhalten hast, kannst auch durch deine Fürbitte die Bekehrung meiner armen Seele erwerben. Darum bitte ich dich durch die Liebe Jesu Christi und durch dein vergossenes Blut, erhöre meine Bitte, und erlange mir bei Gott diese einzige Gnade, daß ich meine Feinde liebe und ihnen alles Gute von Herzen gönne. Erlange mir auch Verzeihung der vielfältigen Sünden, die ich bisher im Hasse gegen meine Feinde begangen habe, und zur Zahlung der schwersten Strafen, die ich dadurch verschuldet habe, opfere ihm dein bitteres Leiden und deine vielfältigen Verdienste. Amen. Gebet am letzten Abende des Jahres. O gütigster Gott, weil dies Jahr nun fast verflossen ist, darum begehre ich ein gutes Ende zu machen, und dies Jahr in deiner Gnade zu beschließen. Ich danke von Herzen für alle leiblichen und geistlichen Wohlthaten, welche du mir dies Jahr erwiesen hast. Ihrer sind mehr, als ich erkennen, viel weniger vergelten kann. Ich danke für den Genuß des heil. Sakraments, für die Anhörung der h. Messen und deines göttlichen Wortes. Ich danke für die Nahrung, Kleidung und Gesundheit, so du mir verliehen, und auch dafür, daß du mich vor Unglück, Sünde und Schande so oft behütet hast. Zur Dankbarkeit opfere 490 Das zehnte Gärtlein. ich dir Alles, was ich und alle Menschen dies Jahr dir zu Liebe gethan und gelitten haben, sammt allen guten Werken, welche deine lieben Heiligen, besonders deine h. Mutter und der H. Joseph auf Erden verrichtet haben. Außerdem bete ich auch demüthig um Verzeihung aller Sünden, welche ich dies Jahr begangen, und um Nachlassung aller Strafen, welche ich verschuldet habe. Ach mein Gott! wenn ich mein Leben vor Augen stelle, so kann ich leider mit Wahrheit nicht sagen, daß ich in diesem ganzen Jahre eine einzige Stunde in deinem Dienste recht zugebracht hätte. Ich kann aber mit Wahrheit sagen, daß ich wohl tausend Stunden im Dienste der Welt, im unnöthigen Dienste meines Leibes, und in Begehung oft sogar schwerer Sünden verbracht habe. Wenn ich nun selbst mein Richter sein sollte, und sollte meine guten Werke auf die eine, und alle meine Untugenden auf die andere Wagschale legen, so könnte ich ja nach der Gerechtigkeit kein anderes Urtheil über mich sprechen, als daß ich tausendmal mehr Böses als Gutes gethan, und darum eher die Hölle als den Himmel verdient habe. O Christe Jesu, ich falle dir demüthig zu Füßen, und bitte um Gnade und Barmherzigkeit! Und weil der heil. Paulus sagt: Wenn wir uns selbst richten, so werden wir nicht gerichtet; so verurtheile ich mich selbst, und schäte mich ohne deine Gnade des ewigen Todes würdig. Ich bekenne, daß ich in diesem Jahre die Hölle oft verschuldet habe, und wenn du mich hättest sterben lassen, so wäre ich als ein unfruchtbarer, ja als ein schädlicher und böser Baum ausgehauen und in das Am Neujahrstage. 491 höllische Feuer geworfen worden. Denn ich habe mich in diesem Jahre gar oft und schwer versündigt durch Hoffart, Geiz, Neid, Unmäßigkeit im Essen und Trinken, durch Zorn, Trägheit und dergleichen Sünden. Ja es ist fast teine Sünde, deren ich mich nicht schuldig weiß, und darüber mich mein Herz nicht anklagt. Dies Alles bekenne ich vor dir, und richte mich selbst als ein gerechter Richter. Es ist mir von ganzem Herzen leid, und ich bekenne, daß ich sehr unrecht gethan habe. Weil du denn nimmer einen reumüthigen Sünder verstoßen hast, darum wollest du auch mich nicht verstoßen, sondern in Gnaden aufnehmen. Verzeihe mir, o mein Jesu, ach verzeihe mir! Darum bitte ich dich durch die bittern Zähren, welche du in dem Kripplein vergoffen und durch die große Armuth, welche du im Stall zu Bethlehem gelitten haft. Amen. Gebet am Neujahrstage. In Demuth meines Herzens bete ich dich an, o allerheiligste Dreifaltigkeit, und von Grund meiner Seele sage ich dir Dank, daß du mich diesen ersten Tag des neuen Jahres hast erleben lassen, und Zeit verliehen hast, dir noch länger zu dienen und das Heil meiner Seele zu wirken. So erhebe ich denn beim Beginne dieses Tages mein Herz zu dir, und wünsche dir ein glückseliges, glorwürdiges und freudenreiches Neu- Jahr. Von Herzen wünsche ich, daß dir in diesem Jahre Alles nach deinem göttlichen Wohlgefallen widerfahre, und dein gerechtester Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden. Ich 492 Das zehnte Gärtlein. wünsche von Herzen, daß dich dies ganze Jahr hin durch kein Mensch beleidigen, sondern Jeder dir vollfommen dienen möchte. Wollte Gott, daß ich dies Iewirken fönnte! Herzlich gern wollte ich's thun, wenn es auch meine Gesundheit, ja sogar mein Leben fosten sollte. Ach möchte ich die Gnade haben, dies Jahr nicht allein feine Sünde zu thun, sondern auch von ganzem Herzen dir meinem lieben Gott zu dienen, und dich von Tag zu Tag mehr und mehr zu lieben! Nichts Lieberes könnte mir widerfahren, nichts Angenehmeres fönnte ich wünschen. Du, mein Gott, weißt es, daß mir dies so ernst ist, als es mir ernst ist, in den Himmel zu kommen. Deswegen nehme ich mein fündiges Herz, mit dieser aufrichtigen Be gierde erfüllt, in meine beiden Hände, versenke es in das alleredelste Herz Jesu Christi, und zugleich mit diesem heiligsten Herzen Jesu opfere ich dir dies mein sündiges Herz zu einem angenehmen, glückseligen neuen Jahre, indem ich demüthig bitte, du wollest es mit gnädigen Augen ansehen, und mit geneigtem Willen an und aufnehmen. Ach, daß doch das ganze Jahr mein Herz mit solch h. Begierde erfüllt wäre! Daß doch diese Begierde alle Tage wachsen und immer größer und heißer werden möchte! Gleichwie ich nun dir, o allerheiligste Dreifaltigkeit, ein neues Jahr verehret, und zwar das allerbeste, was ich gehabt habe, also hoffe ich auch, du werdest mir Höchstbedürftigen ein neues Jahr verehren. Du wolleft mich nämlich durch deine unendliche Allmacht bewahren, daß ich dies Jahr doch keine einzige Todsünde begehe. Und sollte ich in Gefahr fommen, mit Ge Am Feste der h. Dreikönige. 493 danken, Worten oder Werken eine Todsünde zu begehen, so wollest du meinem Herzen solchen Schrecken einjagen, daß es anfange zu zittern und zu beben. Ich nehme mir auch ernstlich vor und verspreche dir meinem Gott, daß ich dies ganze Jahr muthwilliger Weise und wissentlich keine Todsünde thun, sondern mich mit allem Ernste davor hüten wolle. Sollte id) aber aus Schwachheit in eine Sünde fallen, so wollest du mich nicht darin sterben und verderben lassen. Zur Erlangung dieser Gnade und zur Bekräftigung meines Versprechens will ich jetzt mit möglichster Aufmerksamkeit ein andächtiges Vater unser und Ave Maria sprechen. Am Feste der H. Dreikönige. O du allmächtiger König Himmels und der Erde, Christe Jesu, an diesem deinem glorwürdigen Ehrentage grüße ich dich, und zugleich mit den heil. drei Königen auf mein Angesicht niederfallend bete ich) dich an! Ich wünsche dir Glück und Heil zu diesem h. Freudentage, und freue mich von Herzen, daß dir heute von so großen Königen und Fürsten so große Ehre ist angethan worden. O wie sehr erfreute es dich, als du sahest, daß diese drei weisen und mächtigen Herren deine Armuth nicht verschmähten, sondern dich für den höchsten König Himmels und der Erde erkannten, dich mit gebogenen Knieen ehrerbietig aubeteten und dir Gold, Weihrauch und Myrrhen opferten. du liebes Jesutind, du bist in deinem Leben nie so reich gewesen als heute, wo du einen königlichen Schatz befizest! Deswegen komme ich, 494 Das zehnte Gärtlein. arm und hochbedürftig, zu dir und begehre demüthig um Gottes willen ein Almosen. Du bist reich an zeitlichen und geistlichen Gütern, und ich bin ganz arm an beiden. Ach! so erbarme dich doch meiner und steure mir etwas aus deinem großen Ueberflusse. Gib mir etwas von dem Golde deiner göttlichen Liebe, von dem Weihrauche deiner Heiligkeit und Andacht, und von den Myrrhen der Bitterfeit deines Leidens. Ich will dieselben deinem himmlischen Vater aufopfern und damit meine großen Schulden bezahlen. Siehe, o himmlischer Vater, ich opfere dir das Gold der göttlichen Liebe deines Sohnes zur Erstattung der Liebe, welche mir fehlt, wie auch zur Verzeihung der verbrecherischen Liebe, so ich zu der Welt, dem Fleische und der Sünde getragen, und zur Nachlassung der großen Sünde, daß ich mich nicht mehr beflissen habe, mich inniger mit dir, meinem Gott, zu vereinigen. Ich opfere dir den Weihrauch der Heiligkeit und Andacht deines Sohnes zur Erstattung aller Andacht und Heiligkeit, welche mir abgehen, wie auch zur Verzeihung der Scheinheiligkeit, welche ich bei guten Werken geübt, und zur Nachlassung der Sünde, daß ich meine Kräfte in deinem Dienste nicht besser angewendet habe. Drittens opfere ich dir die Myrrhen seines bittern Leidens zur Bezahlung meiner Sünden, welche ich wider dich jemals begangen habe, wie auch zur Verzeihung alles Leidens, das ich dir durch den Dienst der Sünde angethan, und zur Nachlassung aller Ungeduld, die ich in Widerwärtigkeiten bewieſen habe. Dies dreifache Geschent, Gold, Weihrauch und Myrrhen, lege ich zu deinen h. Füßen nieder, und Am Aschermittwoch. 495 opfere es dir in Vereinigung der Liebe und Andacht, mit welcher dir die h. drei Könige ihre Gaben geopfert haben, bittend, du wollest dies mein Opfer so annehmen, wie dein Sohn das Gold, den Weihrauch und die Myrrhen der h. drei Könige angenommen hat. A. Gebet am Aschermittwoch. Christe Jesu, am heutigen Aschermittwoch fängt die vierzigtägige Fasten an, und die Zeit der Buße ist gekommen. Diese Gnadenzeit nehme ich mit bereitwilligem Herzen an, und bitte um Gnade, sie zu deiner Ehre und zum Heile meiner Seele anzuwenden. Obußfertiger Jesu, der du deine vierzigtägige Fasten mit solchem Eifer und solcher Andacht angefangen und mit solcher Strenge und Bußfertigkeit fortgeführt hast, daß sich alle Engel des Himmels darüber verwundert haben; siehe ich begehre deinem h. Beispiele, so viel meine Schwachheit zuläßt, treu nachzufolgen, und diese vierzigtägige Fasten mit aller Andacht und Bußfertigkeit zu vollbringen. Zu Ehren und zum Gedächtniß deiner heiligsten Fasten will ich jest diese Fasten anfangen, und mit Hülfe deiner Gnade bis zum guten Ende führen. Ich will mir abbrechen an Effen und Trinken, Schlafen und Sprechen, Kurzweil und Feiern, und in allen Sinnlichkeiten meines Leibes. Ich will eifriger sein im Gebete, fleißiger im Kirchengehen, andächtiger im Meßhören; will öfter beichten, inbrünstiger fommuniciren und strenger mich üben in Bußwerken. Was ich das ganze Jahr hindurch versäumt habe, will ich jegt einbringen, und was ich das ganze Jahr hindurch verschuldet habe, will ich jetzt abbüßen. Dies 496 Das zehnte Gärtlein. Alles begehre ich zu thun mit einem wahren Eifer und freiwilliger Andacht, gleichwie alle bußfertigen Menschen die H. Fasten zugebracht haben. Ich begehre dies mit solcher Meinung, Andacht und Liebe zu thun, gleichwie du deine h. Fasten und alle deine strengen Bußwerke verrichtet hast. Deswegen opfere ich dir jetzt alle künftigen Andachten und Bußwerke sammt allen leiblichen und geistlichen Uebungen in Vereinigung aller guten Werke, welche in der ganzen Christenheit geschehen werden, und bitte, du wolleft dieselben dir angenehm, meiner Seele aber zu ihrem Heile ersprießlich sein lassen. Mit allen diesen Bußwerken begehre ich nicht meine, sondern deine Ehre zu suchen, begehre auch keinen andern Lohn, als daß sie dir auf die vollkommenste Weise gefallen mögen. Ich bitte aber inständig, verleihe mir die Gnade, diese gegenwärtigen Fasten treu zu halten, und für meine Sünden würdige Frucht der Buße zu wirken. Der Geist ist zwar willig, das Fleisch aber ist schwach: darum wollest du durch deine Gnade das schwache Fleisch stärken, und den bereitwilligen Geist im wahren Eifer erhalten. Christe Jesu, durch deine streng ges haltenen Fasten und durch alle von dir verrichteten Bußwerke bitte ich, gib mir ein bußfertiges Herz und verleihe mir die Gnade des h. Geistes, damit ich dir treu diene und deine göttliche Gnade überflüsfig erwerbe. Amen. ( Für die Fastenzeit bediene dich des siebenten Gärtleins.) Am h. Palmsonntage. O glorwürdigster König Himmels und der Erde, Christe Jesu, an diesem deinem siegreichen Tage grüße Am h. Palmsonntage. 497 ich dich, und freue mich wegen deines herrlichen Einzuges in die Stadt Jerusalem! O wie freut es mich, wenn ich bedenke, wie dich deine Jünger mit großen Ehren geleiteten, und mit Freudengesang lobten und benedeiten! O wie freuet es mich, wenn ich gleichsam mit Augen sehe, wie dir so viele tausend gottselige Menschen entgegen kommen und dich als ihren Messias mit höchsten Ehren empfangen; wie das andächtige Volk Kleider auf den Weg spreitet, Blumen und Blätter ausstreuet, grüne Oel- und Palmzweige in die Hand nimmt und dich mit aller Freude bis zum Tempel begleitet! O wie freuet es mich, wenn ich beherzige, wie nicht allein das fromme Volt, sondern auch die unmündigen Kinder aus allen Kräften das freudenreiche Hosanna gerufen und dem gütigen Gott im hohen Himmel gedankt haben, daß er ihnen den lang versprochenen Messias gesandt hatte! Mit welch' einer Majestät rittest du vorüber! Der göttliche Glanz, der aus deinen Augen schien, gab Allen zu erkennen, daß du eine wahrhaft göttliche Person, ja der verheißene Messias felbft seieft. O wäre doch auch ich gegenwärtig gewesen! O hätte auch ich die Gnade gehabt, diesem Triumphe beizuwohnen! Mein Gott, was für Ehre wollte ich dir erwiesen haben! Wie wollte auch ich dich vor allem Volte für den Messias ausgerufen, Blumen und Kräuter zusammengetragen, Zweige von den Bäumen gehauen und dir zu Ehren auf den Weg gestreuet haben! Ja, ich wollte nicht allein meine Kleider, sondern mich selbst auf die Erde geworfen und dich mit tiefster Demuth angebetet haben, rufend: Hosanna Myrrhengarten II. 23. Aufl. 32 498 Das zehnte Gärtlein. dem Sohne Davids! Gebenedeit, der da fommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Siehe, mein Heiland, was ich im Werke nicht thun kann, das thue ich im Willen, und verrichte im Geiste, was das gottselige Volk in der That verrichtet hat. Ich opfere dir alle Ehre und Glorie, so dir damals erzeigt worden, wie auch alle Ceremonien und Andachten, so heut in der ganzen Christenheit dir zu Ehren verrichtet werden. Wollte Gott, ich könnte allen beiwohnen, sie mit meiner persönlichen Gegenwart fördern und allen Geistlichen und Weltlichen ihre herzliche Andacht mehren. Im Namen der ganzen katholischen Kirche will ich jetzt den folgenden Lobgesang singen, und den Mangel derer, welche dich nicht loben, erstatten, sprechend: 1. Glorie, Rob und Ehre sei dir, o Christe, unser König und Erlöser, welchem die unmündigen Kinder am heutigen Tage das andächtige Hosanna gesungen haben! 2. Denn du bist der König Israels, und ein wahrer Sohn Davids; der du kommst im Namen des Herrn, o du unser gebenedeiter König! Glorie, 2ob und Ehre sei dir, o Christe 2c. 3. Darum loben dich alle Engelchöre in dem hohen Himmel droben, wie auch alle sterblichen Menschen auf Erden, sammt Allem, was du erschaffen hast. Glorie, Lob und Ehre sei dir, o Christe 2c. 4. Das hebräische Volk kommt dir mit Palmzweigen fröhlich entgegen, siehe, wir kommen dir mit Gebet, lübden und Lobgesängen entgegen. Ge Glorie, Lob und Ehre sei dir, o Chrifte 2c. 5. Diese priesen dich, weil du für sie leiden solltest; wir aber benedeien dich, weil du uns erlöset hast, und nunmehr im Himmel regierest. Glorie, Lob und Ehre sei dir, o Christe 2c. Am H. Grünen- Donnerstage. 499 6. Diese gefallen dir mit ihrer Andacht und ihren Lobgesängen; so laffe dir auch unsere Andacht gefallen, du gütiger und milder König, welchem alles Gute gefällt. Glorie, Lob und Ehre sei dir, o Chrifte 2c. Am h. Grünen- Donnerstage. Mildester Herr Jesu Christe, an diesem heiligen liebreichen Tage grüße ich dich, und begehre dir heute eine besondere Ehre zu erweisen! Denn heute ist jener gnadenreiche Tag, an welchem sich alle andächtige Seelen erfreuen, und den mit möglichster Andacht zu begehen sie sich befleißen. Heute ist jener ersehnte Tag, nach welchem dich, mein liebster Jesus, so lange Zeit herzlich verlangte. Mit Verlangen habe ich verlangt, dieses Ofterlamm mit euch zu essen, ehedenn ich leide, sagtest du zu deinen Jüngern. Auch mich hat nach diesem lieben Tage wiederum verlangt, und ich habe ihn mun mit Freuden wieder erlebt. So grüße ich dich denn abermals, mein süßester Jesus, und freue mich mit dir an dem heutigen Tage, weil auch du dich an demselben erfreuet haft. Verleihe mir Gnade, diesen lieben Tag andächtig zu begehen und die Geheimnisse desselben würdig zu verehren. Von Grund meines Herzens danke ich dir für die großen Wunderwerke, so du heute gewirket hast, und für alle Gnaden, welche du uns armen Menschen am heutigen Tage erzeigt hast. Gedent, o mildester Jesus, wie anmuthig du am heutigen Tage das unschuldige Ofterlämmlein geschlachtet und selbst das Blut an die Thürschwellen gesprengt hast. Gedent, wie freudig du mit den Jüngern gegessen, und wie demüthig du ihnen die Füße gewaschen hast. Gedenk, wie andächtig 32* 500 Das zehnte Gärtlein. du das Brod und den Wein consecrirt und in deinen Leib und in dein Blut verwandelt haft. Gedent, wie liebreich du beide deinen Jüngern gereicht hast. Ge= dent, wie treuherzig du deine betrübten Jünger ge= tröstet, und wie rührend du von ihnen Abschied genommen hast. Dieser und aller andern Geheimniſſe erinnere ich dich, und für alle diese sage ich dir Lob und Dank. O wäre ich damals gegenwärtig gewesen, und hätte die Gnade gehabt, mit dir das Osterlamm zu essen und von deiner eigenen Hand das hochwürbigste Sakrament zu empfangen! O wie würde meine Seele getröstet und mein Herz so voller Freuden gewesen sein! Ich bitte dich durch die Liebe, mit welcher du deinen Jüngern die Füße gewaschen, und sie mit dem hochwürdigsten Sakramente gespeiset hast, du wollest meine unreine Seele mit deinen bittern Zähren waschen und mit deinem Fleische und Blute geistlicher Weise speisen, damit ich gleichwie deine lieben Jünger gereiniget, gespeist und getränkt werde, und deine göttliche Gnade überflüssig erlange. Ich opfere dir alle Ceremonien, welche die fatholische Kirche heute begehet, und alle Andachten, so alle fromme Christen heute verrichten. Wollte Gott, ich könnte verschaffen, daß alle diese, mit höchster Ehrerbietung verrichtet, dir zu unendlich großer Ehre gereichten. Lasse mich derselben theilhaftig werden, und erfülle sie geistlicher Weise an meiner Seele. Amen. ( Siche im sechsten Gärtlein passende Gebete zum h. Altarssakramente, besonders die Betrachtungen Seite 209.) In der Charfreitags- Nacht. 3m Geiste der Demuth und mit zerknirschtem In der Charfreitags- Nacht. Herzen erhebe ich mein Gemüth zu dir, schmerzhafter Herr Jesu Christe, und begehre diese traurige Charfreitags- Nacht mit solcher Bewegung meines Herzens zuzubringen, gleichwie du dieselbe am Delberge angefangen und im Hause des Kaiphas vollendet hast. Ach, wie bitter ist dir diese Nacht gewesen, und wie viele Marter und wie viel Herzenleid hast du darin gelitten! Kein Engel kann es aussprechen, wie bitter dir der Kelch geweſsen, den du bis auf den Grund haft austrinken müssen. Durch die Bitterfeit dieser traurigen Nacht erbarme dich meiner, und lasse das, was du in derselben gelitten hast, an mir nicht verloren sein. Ich erinnere dich des traurigen Ganges zum Delberge und deiner Betrübniß über die Flucht 501 iner Jünger. Ich erinnere dich des furchtbaren Schreckens, der Leib und Seele durchdrang, als dich die Gottheit troftlos verlies und deine Seele bis zum Tode sich betrübte. Ich erinnere dich deines dreimaligen andächtigen Gebetes, welches du auf deinem Angesichte liegend an deinen himmlischen Vater richtetest. Ich erinnere dich der Todesangst, die du ausstandest, jener großen Noth, in der du hättest sterben müssen, wenn dich der Engel nicht getröstet hätte. Ich erinnere dich der schmählichen und schmerzlichen Gefangennehmung, als dich die Juden zu Boden warfen und unbarmherzig mit Füßen traten. Ich erinnere dich der peinlichen Führung in die Stadt und der sieben harten Fälle, so du auf diesem Wege thatest. Jch erinnere dich der schmählichen Vorstellung vor Annas und des schmerzlichen Backenstreichs, den du da empfingest. Ich erinnere dich des Spottes 502 Das zehnte Gärtlein. und Hohnes bei der Führung zu Kaiphas, und der gotteslästerlichen Beschwörung, die er gegen dich wagte. Ich erinnere dich alles Schimpfes, der dir im Hauſe des Kaiphas angethan ward, wie auch aller Streiche und Schmerzen, die du in demselben littest. Ich erinnere dich der schmachvollen Einsperrung in den Kerker, und alles Ungemachs, das du in demselben ausstandest. Ich erinnere dich alles Leids, das deine Mutter und deine Freunde um deinetwillen hatten, und der bittern Klage, die sie über deine Gefangennehmung führten. An dieses und alles Andere, so du in dieser bittern Nacht ausgestanden hast, erinuere ich dich, und opfere es zur Verzeihung meiner vielfältigen Sünden. Ich opfere dir auch alle Bußwerke und Andachten, alles Wachen und Beten, alles Trauern und Klagen, alle Seufzer und Zähren, alles Mitleid, alle Prozessionen und Bittfahrten, alle Ceremonien und Gottesdienste sammt allen guten Werken, so diese Nacht geschehen und verrichtet werden. In alle befehle ich mich treu und opfere sie durch dich deinem Vater zu seiner Ehre und meinem Heile auf. O himmlischer Vater, sich mich armen Sünder mit den Augen deiner Barmherzigkeit an, gleichwie du diese Nacht deinen blutschwißenden Sohn ange sehen haft! O Christe Jesu, lasse mich auch ein Tröpflein deines bittern Relchs verkosten, welchen dir dein Vater in dieser Nacht dargereicht hat! Oheil. Geist, bewege mein Herz zu solchem Mitleide, gleich wie du alle frommen Herzen in dieser Nacht zum Mitleid gegen Christus bewogen hast! Oliebe Mutter Gottes, theile mit mir alle Angst und Schmerzen Am h. Charfreitag. 503 deines Herzens, welche du diese Nacht um deines Sohnes willen ausgestanden hast! ihr h. Apostel, lasset mich auch jenes Herzenleid empfinden, das ihr in dieser Nacht wegen eures Meisters empfunden habt! O schmerzhafter Jesu, durch die Bitterfeit dieser bittersten Nacht und durch alles, was du in derselben an Leib und Seele gelitten hast, bitte ich, du wollest mir meine Sünden verzeihen, und dein schmerzliches Leiden an meiner Seele nicht verloren sein lassen. A. Am h. Charfreitag. Schmerzhafter Jesu, am heutigen Charfreitage tommt meine arme Seele zu dir und begehrt dir in deinem bittern Leiden Gesellschaft zu leisten! Ach, wollest sie doch nicht verstoßen, sondern sie gnädig aufnehmen, und deines schmerzhaften Leidens theilhaftig machen! Wollte Gott, daß ich am heutigen Tage in meinem Herzen so viel Leid und Trauer empfände, als deine Freunde, die dich am Kreuze sterben sahen, in ihrem Herzen empfunden haben. Ja, wenn es möglich wäre, so wollte ich all das Mitleid deiner betrübtesten Mutter in mein Herz aufnehmen, sollte es auch im ersten Augenblicke zerspringen. Oliebes Herz Jesu, welches du heute vor übermäßiger Bitterkeit am Kreuze zersprungen bist, ach, gieße aus diesem Ueberflusse so viele Bitterfeit in mein Herz, als ihm zu tragen möglich ist! Göttliches Herz, erhöre meine Bitte, und verleihe mir die Gnade, das, was mein Heiland heute gelitten hat, mit herzlicher Andacht und aufrichtigem Mitleide zu betrachten! Gedent, o mein Jesu, wie viele schwere 504 Das zehnte Gärtlein. Gänge du gegangen bist, wie viele schmerzliche Tritte du gethan hast. Gedenk, wie viel Schimpf und Spott du erfahren, und wie viele Streiche und Wunden du empfangen hast. Gedenk, wie viele Marter und Bein du gelitten, und wie viele Ohnmachten und Schrecken dich überfallen haben. Gedent, wie viele Seufzer und Klagen aus deinem Herzen gestiegen, und wie viele Zähren und Blutstropfen du vergossen. Gedent, wie viel Herzenleid du mit deiner Mutter und deinen Freunden gehabt, und wie viele Freundlichkeit du deinen Feinden erzeigt. Gedent, wie viel innerliche und äußerliche Pein du ausgestanden, und wie viele grausame Qualen du an allen Sinnen und Kräften gelitten. Dies Alles ist so gar ohne Zahl, daß auch die Engel dasselbe nicht völlig erkennen. O Christe Jesu, wie wird dir doch dieser Tag so bitter gewesen, und wie werden dir alle Augenblicke so lang gefallen sein! Wie war es dir möglich, solches auszustehen! O sanftmüthigster Jesu, ich danke dir für Alles, was du gelitten haft, und Alles opfere ich dir zur Genugthuung meiner Sünden! Erweiche am heutigen Tage mein Herz, damit es in Wahrheit mit dir trauere und Mitleid trage. Du hast heute alle Kreaturen zum Mitleid bewogen, bewege und erweiche auch mein hartes Herz, daß es sich im Grunde betrübe und ein wahrhaftes Mitleid mit dir trage. Ich nehme mir vor, meinem Leibe heute keine Freude zu zulassen, sondern in Fasten, Abbruch und Abtödtung mich zu üben. Dies begehre ich zu thun zu Ehren deines bittern Leidens und zum Gedächtniß aller Abtödtungen, welche deine fünf Sinne heute gelitten haben. Am h. Ofterfeste. 505 Zur Erstattung meiner Bußwerke opfere ich dir alle Bußwerke, die heute geschehen; alle Zähren, die heute geweint werden; alle Blutstropfen, die heute vergossen werden; alle Disciplinen, die heute gemacht; alle Gebete, die heute gesprochen werden, und alle guten Werke, die heute zu Ehren deines bittern Leidens verrichtet werden. Wollte Gott, ich könnte machen, daß noch unendlichmal mehr Gutes geschehe, und dasjenige, welches geschieht, mit großer Andacht und in aufrichtiger Meinung geschehe, damit dein bitteres Leiden desto mehr geehrt werde, und deine Freude desto vollkommener sei. Amen. ( Wähle die Betrachtungen aus dem siebenten Gärtlein und dem achten. In der h. Ofternacht. O glorwürdigster Herr Jesu Christe, der du mich armen Sünder aus lauter Barmherzigkeit diese freudenreiche Osternacht hast erleben lassen, siehe, ich komme mit großem Vertrauen zu dir, und begehre dir in dieser H. Nacht besondere Ehre zu erzeigen. Im Namen aller Engel und Heiligen grüße ich dich und von Grund meines Herzens wünsche ich dir Glück zu deiner freudenreichen Auferstehung. du mächtigster Held, Christe Jesu, der du diese Nacht ganz tröstlich gemacht hast, tröste auch meine betrübte Seele, und gieße ein Tröpflein jenes Trostes, den du heute allen Kreaturen mitgetheilt hast, in mein sündiges Herz. Lasse mich armen Sünder nicht ausgeschlossen sein von der allgemeinen Freude, die heute Himmel und Erde erfüllt, sondern voll Barmherzigkeit mache mich theilhaftig der Verdienste deiner Auferstehung. Gedent, 506 Das zehnte Gärtlein. o süßester Jesu, welche Freude du in dieser h. Nacht empfandest, als du mit den vielen tausend Seelen der frommen Altväter aus der Vorhölle glorreich hinaufs fuhrest, während diese zugleich mit den Chören der Engel dir zu Ehren einen Lobgesang anstimmten. Gedenk der unaussprechlichen Freude, die dein allerheiligster Leib empfand in dem Augenblicke, als er wieder lebendig mit der verklärten Seele vereiniget wurde. Gedenk der unbeschreiblichen Schönheit, mit welcher dein zuvor durch Wunden entstellter Leib begabt ward, als er aus dem Grabe gleich einer blühenden Rose hervorging. Gedent der großen Ehre, welche dir alle Engel und alle Seelen der Gerechten erzeigten, als sie mit tiefster Demuth niederfallend dich anbeteten, und dir wegen deiner Auferstehung Glückwünschten. Gedenk der übergroßen Freude, die deine liebe Mutter in dieser Nacht hatte, als du glorreich erschienest und ihre Seele mit unaussprechlicher Süßigkeit erfüllteſt. O süßester Jesu, wie fonnten doch deine Seele und dein Leib all diese überschwenglichen Freuden fassen? Wie konnte doch dein edles Herz all diese Wonnen tragen? Kein Wunder wäre es gewesen, wenn es vor Süßigkeit zergangen wäre, wie es am Charfreitag vor Bitterkeit zersprang! O du glorwürdigstes Herz Jesu, in dieser h. Nacht grüße ich dich und wünsche dir Glück zu jener Verklärung, die du in deiner Auferstehung empfingest! O glorwürdiger Leib Jesu Christi, glorwürdige Seele Jesu Christi, glorwürdige fünf Sinne Jesu Christi, euch allen wünsche ich Glüd und Heil! Durch die überschwenglichen Wonnen, die ihr in seiner Auferstehung empfinget, erquicket meine Um h. Osterfestc. 507 Seele und erfreuet meinen Geist, damit ich mit in brünstigem Eifer meinem lieben Gotte diene. Odu glorwürdigste Jungfrau Maria! Ihr neun Chöre der Engel! ihr gebenedeiten Seelen der frommen Altväter, ihr Kreaturen Himmels und der Erde, die ihr in dieser Nacht von Gott gesegnet worden seid, ich wünsche euch Glück zu allen Freuden, welche euch in tiefer Nacht zu Theil geworden sind. Helft mir meinen auferstandenen Heiland würdig grüßen und wegen seiner Verherrlichung ihm Glück wünschen. O allerhei ligste Dreifaltigkeit, in dieser freudenreichen Osternacht grüße ich dich, und freue mich mit dir wegen der unendlichen Glorie, so du in dieser Nacht durch die glorreiche Auferstehung Christi empfingest! In dieser Nacht hast du alle Kreaturen erneuert, erneuere auch in mir den alten fleischlich gesinnten Geist und erschaffe in mir ein neues frommes Herz, welches dich liebe, dich ehre und dir aus allen Kräften dicne. O mein auferstandener Heiland, Christe Jesu, der du in dieser h. Nacht allen Kreaturen deinen H. Eegen gegeben hast, ich begehre demüthig deinen göttlichen Segen, durch dessen Kraft ich an Leib und Seele gesegnet und vor allem Uebel bewahrt werde. Amen. Am h. hochfeierlichen O, ertage. du glorwürdigster Ueberwinder des Todes und der Hölle, Christe Jesu, sei mir am heutigen freudenreichen Ostertage tausendmal gegrüßt, und mit herzlicher Liebe im Namen aller Engel und Menschen geehrt und gebenedeit. Von Grund meines Herzens freue ich mich, und aus allen Kräften Leibes und der 508 Das zehnte Gärtlein. Seele sage ich dir Dank, daß du mir vergönnt hast, diesen glorwürdigen Tag noch einmal zu erleben und dessen süß: Freiden wieder zu genießen. Daher hoffe und begehre ich diesen herrlichen Tag so zuzubringen, daß ich mich in Ewigkeit freuen werde, denselben erlebt zu haben. Ja ich hoffe von dir, meinem auferstandenen Heiland, zu einem freudenreichen Willkommen solch. Gnaden zu erlangen, die für all mein Leben an Leib und Se. le mir zum Nutzen sein werden. Darum komme ich zu dir, Christe Jesu, du süßer Schat meiner Seele, ich heiße dich willkommen und freue mich von Herzen über deine herrliche Wiederkehr aus dem dunkeln Lande. O du liebes Osterlämmlein, Christe Jesu, du bist für unsere Sünden geschlachtet worden, und mit deinem Blite werden die Thürschwellen unsers Herzens- Kämmerleins besprengt, damit der Würgengel uns teinen Schaden zufüge! O du schönes Oft.rblümlein, Christe Jesi, heute bist du so lieblich aus der Erde hervorgesprossen, und gibst einen so süßen Geruch von dir, daß Engel- und MenschenHerzen dai urch erfreuet werden! O du glorwürdiger Kriegsheld Christe Jesu, am heutigen Tage hast du den herrlichsten Sieg erworben, und die Welt, das Fleisch, die Sünde, den Tod, die Hölle und den Teufel zumal überwunden! Du hast zwar sehr viele Wunden davon getragen, ja es hat dich auch dein ebles Leben gekostet, gleichwohl hast du mit deinem Tode den Tod getödtet und mit deinen Wunden den leidigen Satan verwundet. Mit deinen kostbaren Blute hast du unsere Sünden getilgt, und mit deinem bittern Leiden hast du unsere Strafen bezahlt. Alſo Anbetung des auferstandenen Heilandes. 509 haft du alle Menschen mit dem Werthe deines heil. Blutes dir zu leibeigen erkauft, und hast von i einem Vater alle Gewalt erworben im Himmel und auf Erden. Darum komme ich am heutigen freuden reichen Tage mit großem Vertrauen zu dir, und hoffe eine besondere Gnade von deiner Güte zu erlangen. Vertraulich halte ich um Barmherzigkeit an, wie tönntest du mir an diesem Tage eine Bitte abschlagen? Denn wäre mir ein solches Glück widerfahren, als dir, und bäte mich ein Armer deshalb um ein Almosen, so könnte ich ihm vor Freude meines Herzens nichts abschlagen: ja ich würde ihm mehr geben, als er begehrt. Weil du aber, gütigster Jesu, unendlich freigebiger bist, als ich, so hoffe ich zuversichtlich, du werdest mich Armen nicht ohne Almosen von dir lassen, sondern mir am heutigen freudenreichen Offertage eine solche Gnade mittheilen, welche zu deiner größern Ehre und zu meinem größern Heile gereichen wird. Amen. Anbetung des auferstandenen Heilo ides. O glorreichster und in Ewigkeit geben deiter Ueberwinder des Todes, Christe su! ich falle demüthig dir zu Füßen und bete dich ehrerbietig an. Nunmehr hat dein Leiden ein Ende, und deine unbeschreibliche Glorie ihren Anfang! Der Tod ist gestürzt und das Leben gepflanzt! Der Feind ist überwinden und deine Freunde sind getröstet! Darum freuen sich alle Geschöpfe mit die und frohlocken von Herzen, daß ihr Schöpfer uno Erlöser erstanden ist. Auch ich, der geringste unter deinen Dienern, frere mich über dein Glück und deine Herrlichkeit mehr, als wenn sie mir 510 Das zehnte Gärtlein. selbst widerfahren wäre, und opfere dir von Herzen Alles, was in diesen Ostertagen dir zu Ehren geschieht! ( ilorwür igster Jesu, der du von den Todten aufersimden bist, und nun ein neues Leben begonnen hast, ach! mache doch, daß auch ich vom Tode meiner Sünden erstehe und ein gottseliges Leben anfange! Muche, daß ich meine alten fündhaften Gewohnheiten ül erwinde und neue tugendhafte annehme! Mache, deß ich an jenem Tage aus meinem Grabe glorreich anferstehe, und in himmlischer Klarheit vor deinen Richterstuhl geführt werde! Amen. Am h. Ofter- Montage. O süßester Schaß meiner Seele, Christe Jesu! an diesem zweiten Ostertage grüße ich dich und lade dich ein mit den lieblichen Worten der Braut im hohen Liede: ,, Steh auf und komm! denn der Winter ist schon vorüber, der Regen hat aufgehört und ist vergangen; die Blumen sind erschienen in unserm Lande und die Stimme der Turteltaube hat man gehört"! Geliebter meines Herzens! laß uns nun frohloden, daß der Winter vergangen und der Regen vorüber iſt! Ach, es war ein kalter Winter, wo die Lieblosigkeit und Herzenstälte deines auserwählten Volkes dich ans Kreuz schlugen und mit Streichen und Wunden, mit Spott und Schmach so reichlich überhagelten, daß du schier erdrückt wurdeft! Gott sei Lob und Dank! Dieser Winter deines Leidens ist vorüber, der schauerliche Plaßregen ist vergangen, und die Blümlein sind hervorgekommen. Sollten wir nicht hingehen, Geliebter meines Herzens, und Blümlein Am h. Ofter- Montage. 511 brechen? Aber wo finden wir das schönste Osterblümlein? Jch weiß kein schöneres, als auf dem Berge Calvariä in der vorigen Woche entsprossen ist. Das war auf den harten und dürren Kreuzesstamm gepfropft und in den harten Felsen gepflanzt, wo es teine Feuchtigkeit hatte, welfte, und schon seine Farbe und Schönheit verlor! Da trauerten schon die Freunde; aber sieh! in der h. Osternacht sproßte es plöglich so lieblich aus der Erde hervor, daß sich alle Engel und Menschen über seine Schönheit verwunderten! Da ließ sich auch die liebliche Stimme des Engels gleich einer Turteltaube hören, den traurigen Herzen zum Troste: Ihr suchet Jesum von Nazareth, den Gekreuzigten! Er ist auferstanden, Er ist nicht hier!" O Jefu von Nazareth, du schönstes Ofter- Blümlein, weißer als die Lilie, schöner als die Rose, wohlriechender als das Veilchen! Du bist das Blümlein, das ich suche, das die Augen erfreut, den Geist stärket, die Seele tröstet, das Herz erfrischet, die Gesundheit erhält, Traurigkeit und Kleinmuth vertreibt, die Anfechtungen lindert und die Seele mit himmlischer Süßigkeit erfüllt! Dies Blümlein will ich brechen, und dir, Geliebter meines Herzens, aus besonderer Liebe verehren! O so freue dich denn und frohlocke, liebreichster Jesu! daß du ein solch OfterBlümlein bist, das Himmel und Erde erfreut! Auch dir, o allerheiligste Dreifaltigkeit, opfere ich dieſes liebliche Oster- Blümlein zu deiner größern Ehre; und dir, o allerfeligste Jungfrau Maria und euch lieben Engeln und Heiligen verehre ich dasselbe zur Vermehrung eurer himmlischen Freuden! Schöner, lieb 512 Das zehnte Gärtlein. licher, glänzender und wohlriechender fann selbst im Himmel keins gefunden werden! Ach! bittet doch auch für mich, daß auch ich einmal würdig werde, dies Oster- Blümlein anzuschauen und selbst als ein edles Blümlein dort oben im Garten Gottes zu blühen ewiglich. Amen. Verehrung des auferstandenen Heilandes. O allerfreundlichster Jesu! welch große Liebe erwiesest du am Tage deiner Auferstehung deinen Jüngern, als du ihnen ganz glorreich erschienest, deinen verherrlichten Leib und deine glorwürdigen Wunden ihnen zeigtest: indem du sprachest: Sehet meine Hände und Füße! Ich bin es selbst: Rühret mich an und sehet! denn der Geift hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß ich habe! Welch unaussprechliche Freude für deine lieben Apostel! O ihr lieben Apostel und Freunde Christi, wie war euch doch zu Muthe, als ihr euren liebsten Meister wieder lebendig sahet, seine Stimme hörtet, feine heiligen fünf Wunden so glorreich, ja wie die Sterne glänzen sahet, sie mit euren Händen berührtet und andächtig füßtet! Was für einen Trost empfanden eure Augen! Welche Lust durchdrang eure Seele! Welche Freude entzücte eure Herzen! O mein glorreichster Jesu! mit deinen lieben Jüngern grüße auch ich dich, bete dich an, umfange dich und drücke dich als meinen besten Schat an mein liebendes Herz! Du bist meine Liebe, du bist mein Schatz, in dem mein Herz ruhet! Dich liebe ich, dich suche und begehre ich, dich verschließe Verehrung des auferstandenen Heilandes. 513 ich in mein Herz und verberge dich in dem geheimsten Rämmerlein desselben, damit Niemand dich mir raube! Nun bist du in Wahrheit der Schönste der Menschenfinder! Dein glorreicher Leib übertrifft an Glanz Sonne und Mond, an Schönheit das gestirnte Firmament und an Lieblichkeit alle Lieblichkeit der Engel. O du schönster, o du süßester, o du liebster Jesus! Wer sollte sich nicht erfreuen in deiner Schönheit! Wer sollte dich nicht lieben in deiner Armuth und Freundlichfeit! Wer sollte sich nicht verwundern über deine Herrlichkeit! Darum brennt denn auch mein Herz vor Liebe zu dir und hat dich als seinen einzigen Schatz erwählt! Deinen lieben Aposteln hast du heute deine Wunden zur Verehrung und zum Kusse dargeboten; ach! so vergönne auch mir diese Gnade, deine glor= würdigen Wunden zu küssen. O ihr hochwürdigsten Wunden meines Erlösers, euch grüße ich, euch verehre ich, euch füsse ich aus herzlichster Liebe. O edle Wunde des linken Fußes, andächtig und aus herzlichster Liebe füffe ich dich! O rosenfarbene Wunde des rechten Fußes, andächtig und aus herzlichster Liebe füsse ich dich! O fostbare Wunde der linken Hand, andächtig und aus herzlichster Liebe füffe ich dich! hochwürdige Wunde der rechten Hand, andächtig und aus herzlichster Liebe füsse ich dich! O füßeste Wunde des edelsten Herzens, andächtig und aus herzlichster Liebe füsse ich dich! In euch, ihr göttlichen Wunden, befehle ich mich, in euch verschließe ich mich, euch übergebe ich mich! bewahret mich vor dem gerechten Zorne Gottes und erlanget mir Barmherzigkeit besonders in meinem. Tode. Amen. Myrrhengarten III. 23. Aufl. 33 514 Das zehnte Gärtlein. In der Kreuzwoche ( und an allen Kreuzfesten zu beten). Sei gegrüßt, hochheiliges Kreuz meines Herrn Jesu Christi, besprengt mit seinem rosenfarbenen Blute und gezieret mit den hochwürdigen Gliedern seines h. Leibes! Ich bete dich an und ehre dich im Namen dessen, der an dir gehangen und sein edles Leben so schmerzlich an dir gelassen hat. O du ehrwürdiges Kreuz, wie hoch hat dich dein Erschaffer geehrt, daß Er dich zum vornehmsten Werkzeuge unsers Heils außerwählt und allen Menschen zur Verehrung vor gestellt hat! O liebreiches Kreuz, wie sehr hat dich Jesus Christus geliebt, daß Er nur an dir und in deinen Armen sterben wollte! O wie inbrünstig hat Er nach dir verlangt, und wie oft hat Er nach dir geseufzt; denn du warest die einzige Begierde seiner Seele und das einzige Verlangen seines Herzens! Als Er dich endlich in seinem Leiden mit Augen sah, wie freundlich hieß Er dich willkommen, wie demüthig fiel Er vor dir nieder, wie herzlich küßte Er dich, wie begierig legte Er dich auf seine Schultern, wie starkmüthig trug Er dich zum Berge Calvariä, wie standhaft ließ Er sich an dich annageln, wie geduldig hing Er an dir drei Stunden lang, wie reichlich begoß Er dich mit seinem rosenfarbenen Blute, und wie schmerzlich gab Er an dir seinen Geist auf. So hat Er dich durch sein Berühren, Küssen und Tragen, durch sein Blut, durch sein Leiden und Sterben ges segnet und so ehrwürdig gemacht, daß dich alle Gläubigen anbeten, und dir gleich wie ihm selbst die In der Kreuzwoche. 515 höchste Ehre erzeigen. So sei mir denn abermals gegrüßt, hochwürdiges Kreuz, und sei mir von ganzem Herzen geehrt und gepriesen! O du edles Kreuz, glänzender als die Sterne, flarer als die Sonne, föstlicher als Edelgestein, schätzbarer als Gold, wohlriechender als Balsam, und hochwürdiger als alles Heiligthum! du lobwürdiges Kreuz, du Trost der Betrübten, du Hoffnung der Kleinmüthigen, du Stärke der Schwachen, du Labung der Kranken, du Zuflucht der Sterbenden, du süßes Ruhebett meines Herrn Jesu Christi! Ich falle vor dir demüthig auf meine Kniee, und bete dich mit möglichster Ehrerbietung an. Mit meinen beiden Armen umfange ich dich, und mit meinem unwürdigen Munde füffe ich dich. Odu liebes, du werthes, du süßes Kreuz! Wie lieb, wie angenehm, wie fostbar bist du mir! Denn an dir bin ich erlös't, an dir sind meine Sünden bezahlt worden, und an dir ist mir der Himmel erworben worden; darum hoffe ich auf dich, du edles Kreuz; darum baue ich auf dich, du starkes Kreuz; darum vertraue ich auf dich, du gnadenreiches Kreuz. O füßer Jesu, du süße Frucht des süßen Kreuzbaums! durch die Liebe, welche du von Ewigkeit zu dem h. Kreuze getragen und durch alle Marter, welche du drei Stunden lang an demselben gelitten haft, bitte ich dich: gib mir starken Glauben, feste Hoffnung und inbrünstige Liebe zu dem heiligen Kreuze, auf daß ich im Leben und Sterben durch die Kraft desselben beschüßt, nach meinem Tode der Frucht desselben theilhaftig werde. Amen. ( Bei den Prozessionen betet man die Vitanei von allen Heiligen.) 33* 516 Das zehnte Gärtlein. Am Tage der Himmelfahrt Chrifti. Am glorwürdigen und freudenreichen HimmelfahrtsTage grüße ich dich, mein höchster Heiland Christe Jesu, und im Namen aller Engelchöre wünsche ich dir Glück zur heutigen Feier. Ich freue mich von Herzen, daß du zum Vater gehest, und gönne dir deine Glorie viel mehr, als wenn sie mir selbst widerfahren sollte. Gedent, o Jeju, was für ein freudiger Tag dir der heutige Tag war, und wie sich deine verklärte Menschheit bei Anbruch desselben so herzlich freute. Gedent, wie lieblich du heut deinen Jüngern erschienest und zum letzten male mit ihnen aßest. Gedent, wie freundlich du von ihnen Abschied nahmest und vor ihren Augen in die Höhe fuhrest. Gedent, wie gewaltig du die Pforten der Hölle zerbracheft und glorreich in das himmlische Jerusalem einzogest. Gedent, wie freundlich dich dein lieber Vater empfing, wie herrlich er dich zum Könige Himmels und der Erde krönte und zu seiner rechten Hand setzte. Dieser und aller andern Freuden, so du am heutigen Tage hattest, erinnere ich dich, und wünsche dir dazu im Namen aller Menschen Glück. Zur Vermehrung deiner Freuden opfere ich dir alle göttliche Tagzeiten, MeßNemter, Processionen, Ceremonien, Gesänge, Gebete, Communionen, Andachten, geistliche Freuden, sammi allen guten Werken, welche heute in der ganzen Christenheit geschehen, und welche jemals an diesem Tage geschehen sind, und künftig geschehen werden. Dies alles wollest du mit Wohlgefallen annehmen, zur Vermehrung deiner Glorie und Majestät gereichen lassen. O du allerseligste Jungfrau Maria, ihr heil. und Am h. Pfingstfeſte. 517 neun Chöre der Engel, ihr lieben Seelen der Altväter, ihr h. Apostel und Jünger Christi, ihr andächtigen Frauen sammt allen Gläubigen, die ihr der Himmelfahrt Christi beigewohnt habet, auch euch grüße ich am heutigen Tage, und bitte euch demüthig, ihr wollet mir den süßen Jesus grüßen und wegen seiner Himmelfahrt ihm Glück wünschen helfen. Ich erinnere euch an alle Freuden, die ihr am heutigen Tage hattet, als ihr theils mit ihm hinauffuhret, theils ihn hinauffahren ſahet: und bitte euch, daß ihr mir erwerbet, auch einmal mit ihm und euch hinaufzu fahren. Christe Jesu, der du am heutigen Tage in höchster Majestät und Herrlichkeit, sigend auf einer hellleuchtenden Wolke, begleitet von vielen tausend Engeln, durch die Lüfte über Sonne und Mond und über alle Sterne des Firmaments hinaufgefahren, und in die herrliche Stadt Sion mit Posaunenschall ganz glorreich eingezogen bist; ich bitte durch diese deine freudenreiche Himmelfahrt und durch die Ehre, welche dir dein himmlischer Vater angethan hat, sei mein treuer Mittler und Fürbitter bei ihm, und verleihe mir die Gnade, also zu leben, daß ich nach meinem Tode von den Engeln in den Schoß Abrahams getragen zu werden gewürdigt werde. Amen. Am hochheiligen Pfingstfeste. O du gnadenreicher h. Geist, du wahrer Tröster der menschlichen Seele, jei mir am heutigen hochfeierlichen Festtage andächtig gegrüßt! Gib, daß ich heute besonders würdig dir diene und meiner armen Seele ine besondere Gnade erwerbe. Denn am heutigen 518 Das zehnte Gärtlein. Tage hat der barmherzige Gott der fündigen Welt freigebiger seine Gnaden ausgetheilt, als je zuvor; hat Er doch den unerschöpflichen Brunnen aller Gnaden auf einmal auf die Erde ausgegossen und die dürren Herzen mit dem Thau seiner göttlichen Süßigkeit benetzt! Was nun der liebe Gott damals gethan hat, das thut Er noch alle Jahre auf diesen Tag, und theilet allen frommen Herzen, so sich seiner Gnade fähig machen, seine himmlischen Gaben reichlich mit. Oliebreicher h. Geist, wie bist du heute vor Liebe so gar freigebig gewesen, daß du Allen, welche nur ein Verlangen darnach trugen, unerschäßliche Reichthümer deiner Gnade mittheilst! Mit vielem Vertrauen halte auch ich um ein Almosen an. schenkst ja so Vielen ohne ihr Verdienst deine Gnade in Ueberfluß, o so wirst du auch mir Unwürdigen dieselbe nicht versagen! Wenn du aber fragst: Was ich denn begehre? so antworte ich dir mit Vertraulichkeit: Ich begehre die größte Gabe des ganzen himmlischen Paradieses, und das Allerbeste, was deine freigebige Hand geben kann. Ich begehre nämlich nichts anderes als dich selbst. Dich, o. h. Geist, dich begehre ich, dich suche ich! Und dies mein Begehren ist so heftig und inbrünstig, daß ich nicht werde nachlassen zu bitten, bis du es stillest, und ich dich in meinem Herzen verspüre. Ach mildester h. Geist, siehe nicht an meine große Unwürdigkeit, sondern deine unendliche Güte und Milde! Siehe nicht an meine geringen Verdienste, sondern die herzliche Begierde, welche ich zu dir trage! O himmlischer Vater, gib mir den heil. Geist! Christe Am h. Pfingstmontage. 519 Jesu, gib mir den h. Geist! O liebe Mutter Gottes, erwirb mir den h. Geist! O ihr h. neun Chöre der Engel, ihr h. Apostel und Jünger des Herrn und ihr gottseligen Menschen, die ihr heute durch die Predigt der Apostel bekehrt worden seid, erbittet und erwerbet mir den H. Geist! O allerheiligste Dreifaltigkeit, ich opfere dir das Gebet der allerseligsten Jungfrau Maria und aller Heiligen, schenke mir auf ihre Fürbitte und Verdienste den h. Geist! ich opfere dir alle h. Messen, Communionen, Andachten, Opfer, Gebete, Almosen, Wallfahrten, fromme Seufzer und guten Werke, die in der Kirche bis auf diesen Tag geschehen sind und heute noch geschehen werden, ach! lasse dich doch erweichen nnd theile mir den h. Geist mit! Ich opfere dir deine unendliche Liebe und Barmherzigkeit, welche dich angetrieben hat, am heutigen Tage den H. Geist herabzusenden, indem ich bitte, dieſelbe wolle dich wiederum antreiben, auch mir Hochbedürftigen den h. Geist zu schenken. O milder, süßer h. Geist, nimm dies Gebet in Gnaden. auf und erfülle mein inständiges Begehren. Amen. Am hochheiligen Pfingstmontage. Gebet zum h. Geiste. ( Auch sonst oft zu sprechen.) Allgütigster heil. Geist, du wahre Freude meines sündigen Herzens, ich grüße, ehre und benedeie dich, und in Demuth meines Herzens bis zur Erde geneigt bete ich dich an. du liebreicher h. Geist, mein Herz seufzet zu dir, und meine fündige Seele verlanget sehr nach dir, damit ich deiner Gnade theil 520 Das zehnte Gärtlein. haftig und deiner Liebe fähig werde! Darum bitte ich dich demüthig, du wollest zu mir kommen und dir eine würdige Wohnung in meinem Herzen bereiten. Ach! erhöre meine Bitte, und sende mir deine h. Gnade, damit ich anfange, mein sündiges Leben zu bessern und dir hinführo fleißiger zu dienen. O du gütiger heil. Geist! du erkennest meine Schwachheit, und weißt besser als ich selbst, wie elend und zum Bösen geneigt ich bin. Ohne dich bin ich nichts, ohne dich kann ich nichts, ohne dich habe ich nichts. Ich kann mir nicht aufhelfen, wenn ich gefallen bin. Ich kann mich nicht trösten, wenn ich betrübt bin, und ich kann keinen Widerstand leisten, wenn ich angefochten werde. Durch dich aber kann ich Alles, in dir habe ich Alles; und mit dir bin ich Alles. Darum seusze ich von Herzen zu dir, und mit aller Begierde meiner Seele rufe ich dich an. Ach, tomme zu mir und weiche nimmer von mir! Ich lade dich ganz freundlich ein und bitte dich ganz herzlich. Verschmähe meine Bitte nicht, und verachte die schlechte Wohnung meines Herzens nicht. Mein Herz ist zwar ganz unrein, du fannst es reinigen. Es ist ganz hart, du fannst es erweichen. Es ist ganz boshaft, du kannst es bessern. Es ist ganz arm, du kannſt es bereichern. Es ist ganz schwach, du kannst es stärken. Es ist ganz frant, du fannst es heilen. Es ist ganz unfruchtbar, du kannst es fruchtbar machen. Es ist ganz weltlich, du tannst es geistlich machen. Es ist mit allem Uebel erfüllt, du fannst es aber mit allem Guten erfüllen. O so komm denn, h. Geist, und bessere das armselige Herz, welches Litanei vom H. Geiste. 521 deiner Gnaden so hochbedürftig ist! Komme doch zu dem Herzen, welches dich so treu anruft und nach dir so sehr verlangt. Denn es wird nicht nachlassen, zu dir zu seufzen, bis es dich in sich verspüret, und durch dich in ein anderes Herz verwandelt wordenist. Amen. Litanei vom heiligen Geiste. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarmne dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Heiliger Geist, du Geist der Weisheit und des Verstandes, Geist des Rathes und der Stärke, Geist der Erkenntniß und der Gottseligkeit, Geist der Furcht des Herrn, Geist des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, Geist der Wahrheit und der Andacht, Geist der Geduld und Sanftmuth, Geist der Güte und des Friedens, Geist der Demuth und der Abtödtung, Geist aller Kinder Gottes, Du Lehrer und Regierer der heiligen kathol. Kirche, Du Ergründer der Gedanken und Herzen, Du Trost der Betrübten und Stärke der Frommen, Du Ausspender aller Gaben und Gnaden, Du Freude der Engel, Du Erleuchter der Patriarchen, Du Einsprecher der Propheten, Du Weisheit der Apostel, Du Sieg der Märtyrer und Bekenner, Du Reinigkeit der Jungfrauen, Du Salbung aller Heiligen, Erbarme dich unser! 522 Das zehnte Gärtlein. Sei uns gnädig, verschone uns, o h. Geist! Sei uns gnädig, erhöre uns, o h. Geist! Von aller Sünde und Versuchung zu derselben, erlöſe uns, o h. Geist! Vom Geiste des Irrthums und der Gotteslästerung, Von Vermessenheit und Verzweiflung, Von Widerstrebung der erkannten Wahrheit, Von Verstockung und Unbußfertigkeit, Von Bosheit, Mißgunst und aller Lieblosigkeit, Von aller Nachlässigkeit und Trägheit im Guten, Von aller Unreinigkeit in Gedanken, Worten und Werken, Von Ungeduld in Leiden, Von einem plößlichen, unſeligen Tode, Vom ewigen Verderben, Wir armen Sünder, wiz bitten dich, erhöre uns! Daß du die h. katholische Kirche erhöhen, ihre Hirten erleuchten und alle ihre Mitglieder heiligen wollest, Daß du alle Völker zur Erkenntniß der Wahrheit führen wollest, Daß du alle Ketzereien ausrotten wollest, Daß du in uns die Andacht und Gottergebenheit vermehren wollest, Daß du uns, gleich den Aposteln, Sanftmuth und Liebe einflößen wollest, Daß du alle unsere Gedanken, Worte und Werke in dir vereinigen und heiligen wollest, Daß du uns reinigen und zu deiner Wohnung einweihen wollest, Daß du unsern Leib und unsere Seele als deinen Tempel unbefleckt erhalten wollest, Daß du im Leiden uns trösten und aufrichten wolleft, Daß du uns Gewissensruhe und wahre Gottseligkeit erhalten wollest, Daß du uns alle in die Gesellschaft deiner Auserwählten aufnehmen wollest, Daß du uns in deiner Gnade befestigen und selig machen wollest, Erlöse uns, o h. Geist! Wir bitten dich, erhöre uns! Litanei vom h. Geiſte. 523 O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o h. Geiſt! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o h. Geist! O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o h. Geist! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. Gebet. O Herr, der du die Herzen deiner Gläubigen durch die Erleuchtung des H. Geistes belehrt hast; verleihe uns die Gnade, daß wir durch eben diesen Geist verstehen, was recht. ist, und uns allezeit seines Trostes erfreuen mögen. Durch Christum unsern Herrn. Amen. Hymnus: Veni sancte Spiritus. * Komm, o heil'ger Geist! und wehe,* Send' uns von der Himmelshöhe* Deines Lichtes heil'gen Strahl; Komm, o Vater du der Armen,* Gabenspender voll Erbarmen,* Füll' die Herzen allzumal! Du, o süßer Gast der Seele,* Salbest sie mit Him melsöle,* Fächelst linde Ruhe ihr;* Labsal in des Lebens Mühen,* Kühlung in des Kampfes Glühen,* Trost im Weinen ist bei dir. Zünd' in deiner Gläub'gen Herzen* Deines Glanzes helle Kerzen,* Sel'ges, wonnevolles Licht!* Nichts ist in der Menschenseele* Ohne Irrthum, ohne Fehle, Wenn dein Anhauch ihr gebricht. * All was unrein ist, das wasche,* Feuchte an, was dürr wie Asche,* All was wund ist, mache heil;* Alles Starre beug' gelinde,* Was erkaltet ist, entzünde, Verirrte lenk' zum Heil. * Das Gieß von lichten Himmelsauen* In uns, die dir gläubig trauen,* Siebenfält'gen Gnadenstrom;* Gib den Tugenden Vollendung,* Gib des Todes sel'ge Wendung, Ew'ges Fest im ew'gen Dom! Amen. ( Wer diesen Hymnus oder das Veni creator: Romm Schöpfer Geist( siehe im Gesangbuche) bußfertig betet, erhält einmal im Tage 100 Tage, in der Pfingstzeit 300 Tage Ablaß. Wer es täglich verrichtet, erhält einen vollkommenen Ablaß einmal im Monate unter den bekannten Bedingungen.) Das zehnte Gärtlein. Am hohen Feste der h. Dreifaltigkeit. O allerhochwürdigste und in Ewigkeit gebenedeite h. Dreifaltigkeit, an diesem deinem h. Festtage grüße ich dich! Wollte Gott, ich könnte machen, daß dich alle Menschen erkennten, ehrten, anbeteten und benes deiten auf Erden, gleichwie dich erkennen, ehren, anbeten und benedeien alle Engel und Heiligen im Himmel. Was aber die Menschen versäumen, das möchte ich dir so gerne erstatten, und dir mit diesem Gebete so viele Ehre erzeigen, als dir alle Menschen zu erzeigen schuldig sind. O heiligste Dreifaltigkeit, dies ist der feierlichste Sonntag, welchen die h. Kirche dir zu Ehren geweihet hat! Dies ist das glorwürdigste Feft, welches alle frommen Seelen mit möglichster Andacht begehen. Heute ehret dich die ganze Kirche, und in der ganzen Christenheit verkündet man dein unendliches Lob. Heute benedeiet dich, was Zungen und Stimmen hat, und von Großen und Kleinen hört man andächtig singen und sprechen: Ehre sei dem Vater, und dem Sohne und dem h. Geiste! Heute jubeln die neun Chöre der Engel im himmlischen Tempel, und begehen mit unaussprechlichen Freuden den heutigen Festtag. Deswegen begehe auch ich mit allen Engeln und Heiligen dies Fest andächtig, und was ich im ganzen Jahre versäumt habe, das will ich heute völlig einbringen. So grüße ich dich denn abermals, glorwürdigste Dreifaltigkeit und rufe dich von Herzen an! Ach, verleihe mir aus dem Ueberflusse deiner Süßigteit nur ein einziges Tröpflein, damit ich deine Lieblichteit nur ein wenig vertofte! Ich bin zwar dieser Gnaden nicht würdig, dennoch am heutigen Festtage 524 " Am Feste der h. Dreifaltigkeit. 525 wollest du sie mir nicht versagen. D du göttliche Dreifaltigkeit, wie süß, wie lieblich und wie freundlich bist du; und wie unerschöpflich ist das Meer deiner unendlichen Wonnen! Aus dir fließt alles Gut, in dir ist alles Gut, und durch dich kommt alles Gut. Wer wollte dich nicht lieben, du lieblichste Lieblichkeit? Wer wollte dich nicht suchen, du fröhlichste Fröhlichfeit? Wer wollte dich nicht wünschen, du süße Süßigfeit? Ach, wie verlangt mein Herz nach dir, und wie dürftet meine Seele nach deinen Wonnen! Besonders empfinde ich am heutigen Tage einen größern Brand der Liebe zu dir und eine heftige Begierde, deiner Süßigkeit theilhaftig zu werden. Ich spüre auch eine viel größere Fröhlichkeit in meiner Seele, welche mich antreibt, dich am heutigen Tage innig zu loben und alle Kraturen zu deinem Lobe zu erDarum bitte ich euch alle, ihr Engel und Heiligen, ihr wollet mit mir sammt allen Kreaturen die hochheilige Dreifaltigkeit loben, preisen und benedeien, und ihr für alle Schätze der Gnaden, so sie in sich begreift, unendlichen Dank sagen. Ich bitte euch alle, daß ihr vor den Thron der heiligen Dreifaltigkeit treten, und sie in eurem und meinem Namen benedeien, verherrlichen und erhöhen wollet, sprechend: muntern. Ehre und Dank sei dir gesagt, du lieblichste, süßeste und mildeste Dreifaltigkeit! Du edelste, vortrefflichste und allervollkommenste Gottheit! Du allerheiligste, allerwürdigste und unendliche Vollkommenheit! Eine unzertheilte Einigkeit, unergründliche Wesenheit, von nun an bis in Ewigkeit. Amen. ( Sprich heute auch mit besonderer Andacht den Glauben, und erneuere dein aufgelübde.) Das zehnte Gärtlein. Litanei von der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott heiliger Geist, Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, Vater, von dem Alles, 526 Sohn, durch den Alles, Heiliger Geist, in dem Alles, Heilige ungetheilte Dreifaltigkeit, Ein Gott, Unbegreifliche Majestät, Unveränderliche Macht, Unendliche Weisheit, Unerschöpfliche Güte, Erhabenste Würde, Wahrhaftige Gottheit, Ewige Wahrheit, Allmächtiger König, Du bist einzig und allein Gott, In dem wir leben, uns bewegen und sind, Von dessen Majestät die ganze Erde erfüllt ist, Dem allein Ehre und Glorie gebührt, Der du uns tröstest in unserer Trübsal, Der du allein Wunder thust, Der du bist, warest und sein wirst, Im Gerichte gerecht und furchtbar, In der Weltregierung glorreich und bewunderungswürdig, O Vater, von Niemand gezeugt, noch geboren, O Sohn, Eingeborner des Vaters, gezeugt von Ewigkeit, Oh. Geist, vom Vater und Sohne ausgehend, O allerheiligste Dreifaltigkeit, Ein Gott, Sei uns gnädig! Verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig! Erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel, befreie uns, o Herr! Von aller Sünde, befreie uns 2c. Von allem Unglauben, befreie uns 2c. Erbarme dich unser! Litanei von der allerh. Dreifaltigkeit. Von der Uebertretung deiner Gebote, Von der Verachtung deiner Gnaden, Von der Vernachlässigung des Heiligen, Vom ewigen Tode, Durch dein Allmacht, Durch deine Weisheit, Durch deine unbegrenzte Güte, Durch deine große Barmherzigkeit, Durch deine Geduld und Langmuth, Wir arme Sünder! Wir bitten dich, erhöre uns! Daß wir dich als den wahren Gott immer und überall bekennen mögen, Daß wir dich den Einen Gott in der Dreifaltigkeit verehren, und die Dreifaltigkeit in der Einheit anbeten mögen, Daß wir dich von ganzem Herzen lieben mögen, Daß du dein Volk, welches deinem h. Namen geheiligt ist, bewahren und retten wollest, Daß du den Irrenden die Gnade verleihen wolleft, auf den Weg der Gerechtigkeit zurückzukehren, Daß du allen verstorbenen Gläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest, Daß du uns erhören wollest, Allerheiligste Dreifaltigkeit, 527 Befreie uns, o Herr! Wir bitten dich, erhöre uns! O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Herr! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V Laßt uns preisen den Vater, den Sohn und den h. Geist. R Laßt uns ihn loben und erheben in Ewigkeit! Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott, der du deinen Dienern verliehen haft, im Bekenntnisse des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Dreifaltigkeit anzuerkennen und in der Macht der Majestät die Einheit anzubeten, wir bitten 528 Das zehnte Gärtlein. dich, daß wir durch die Festigteit desselben Glaubens vor aller Widerwärtigkeit jederzeit beschützt werden. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn, welcher mit dir und dem h. Geiste als gleicher Gott lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. Am hohen Frohnleichnams- Feste. Gebet, ( wenn die Prozession ausgeht). O Christe Jesu! du Urheber des h. Satraments, an dem heutigen hochfeierlichen Tage grüße ich dich, und begehre dir in dem h. Sakramente auf eine besondere Weise Ehre und Dienst zu erzeigen. Weil an diesem herrlichen Tage zu deiner größern Ehre diese Prozession angeordnet ist, darum gehe ich aus wahrer Andacht mit derselben, und begleite mit aller Ehrerbietung das hochwürdige Sakrament, darin deine Gottheit und Menschheit wahrhaft gegenwärtig ist. Siehe deshalb vom hohen Himmel auf mich armen Sünder, und beherzige, was für innere und äußere Ehrerbietung ich dem h. Saframente begehre zu erzeigen, und nach Möglichkeit erzeige. Mit der Liebe und Andacht, mit welcher der h. David die Arche Gottes begleitet hat, als er andächtig seine Harfe schlug, und vor Freuden ehrbarlich aufsprang, begleite ich auch jetzt diese wahre Arche Gottes, und vor Freude meines Herzens jubilire und frohlocke ich aus Jesu! in allen meinen Kräften. Ich begehre dir o dem h. Sakramente solche Ehrerbietung zu erzeigen, gleich als dir die nenn Chöre der Engel im Himmel erzeigen, welche vor deinem göttlichen Throne stehend, Am h. Frohnleichnamsfeste. 529 dich loben, und dir mit aller Demuth dienen. Ich begehre dies hochwürdige Sakrament mit solcher Andacht zu begleiten, gleich als es alle lieben Heiligen auf Erden begleitet haben. Ich begehre dir solche inbrünstige Liebe und herzliche Hingebung zu erweisen, gleichwie deine liebste Mutter dir erwiesen hat, als sie dich in ihrem jungfräulichen Leibe zu der heil. Elisabeth, und hernach auf ihren Armen von Bethlehem zu dem Tempel zu Jerusalem trug. Endlich begehre ich dieser h. Prozession mit solchem Frohlocken beizuwohnen, gleichwie alle englische Geister, die Seelen der lieben Altväter, und die Herzen aller deiner lieben Freunde und Jünger der allerglorreichsten Prozession beigewohnt haben, als du am Tage deiner Himmelfahrt in göttlicher Majestät und Herrlichkeit von der Erde gen Himmel gefahren und von deinem himmlischen Vater mit höchster Liebe bist empfangen worden. Dies alles begehre ich nicht allein zu thun, sondern thue es auch in der That, so viel mir nach meiner menschlichen Schwachheit immer möglich ist. Wollte Gott, daß ich es viel tausendmal kräftiger verrichten fönnte, als ich es verrichte, und daß ich mit meiner Andacht Himmel und Erde erfreuen, und in göttlicher Liebe entzünden möchte. Ich begehre auch dieſe meine Andacht nicht allein für mich und in meinem Namen zu verrichten; sondern für alle, welche hier gegenwärtig sind, ja im Namen aller Menschen auf der ganzen Welt. Deswegen ziehe ich alle Andacht, Ehrerbietung, alle Gebete und Gesänge der Anwesenden in mein Herz, und begehre dieselben in meinem Herzen dir auf Myrrhengarten III. 23. Aufl. 34 530 Das zehnte Gärtlein. die vollkommenste Weise darzubringen. Im Namen aller Gegenwärtigen anbete, grüße, ehre, lobe und benedeie ich dich, o Christe Jesu! der du in dieſer h. Monstranz persönlich gegenwärtig bist: und erzeige dir wahre Gott gebührende Anbetung und Ehrerbietung, so viel mir aus allen meinen Kräften möglich ist. Ich opfere dir diese feierlichen Umgänge sammt allen innern und äußern Andachten und Ceremonien, so dabei verrichtet werden, zur Danksagung, daß du so manchen sauern Weg für uns arme Sünder gegangen, und zur Erstattung allen Schmach und Un ehre, so dir auf Erden von den gottlosen Juden und Heiden zugefügt worden ist. Ich opfere dir diese feierliche Prozession zur Erinnerung an jene schmähliche Prozession, als du hart gebunden aus dem Garten Gethsemane über den Bach Cedron zum Annas, und von dort zu dem hohen Priester Raiphas, und vom Berge Sion herab zum Landpfleger Pilatus, und von Pilatus zu dem ehebrecherischen König Herodes, und von diesem wiederum zurück zu dem ungerechten Richter Pilatus, und von dem Palaste des Pilatus zu dem Richterstuhl Gabbatha, und mit dem schweren Kreuze beladen auf den Berg Calvariä, und von dem Berg Calvariä zu dem schmählichen Kerker, und endlich aus diesem schrecklichen Kerker zu dem Ort der Kreuzigung bist geführt worden. Gedent, o Jesu! was für traurige, schmähliche und schmerzliche Prozessionen dies waren. Gedent, wie man dich damals gezogen, gestoßen, getreten, geschlagen, geschleift, gelästert, gepeinigt, ge= martert, verspottet, verspieen, verwünscht, verflucht und Am h. Frohnleichnamsfeste. 531 vermaledeiet hat! Diese Schmach und Bein dir zu vergelten, haben wir jetzt diese herrliche sakramentalische Prozession angestellt, und verrichten selbige mit aller möglichen Andacht und Ehrerbietung. Anstatt aller dir zugefügten Unehre und Vermaledeiung ehren, loben, preisen und benedeien wir dich. Anstatt des schimpflichen Hin- und Herführens tragen und be= gleiten wir dich mit tiefster Ehrerbietung von einem Orte zum andern, von einem Altar zum andern, und von einer Kirche zur andern. Anstatt der Schmachund Lästerworte, jo man dir schimpflich zugerufen, singen wir dir herzlichen Lobgesang, sprechen andächtige Gebete und preisen deinen heiligen Namen. Wir läuten dir zu Ehren die Glocken, wir zünden dir zu Ehren an die Kerzen, wir opfern dir zu Ehren wohlriechendes Rauchwert, wir halten dir zu Ehren das Amt der h. Messe, und wir erweisen dir sowohl mit dem Herzen, als mit dem Leibe alle mögliche Andacht und Ehrerbietung. Dies alles thun wir dir zu Liebe und zu Ehren, jo gut als wir immer können, und begehren dir noch tausendmal mehr Ehre zu erzeigen, wenn es uns auf einige Weise möglich wäre. Du, o Christe Jesu! wollest diese unsere Andacht aufnehmen, und sie dir auf die beste Weise gefallen lassen. Du wolleft alle unsere innerlichen und äußerlichen Werke in dein göttliches Herz aufnehmen und in demselben auf die edelste Weise verbessern und vollkommen machen. Du wollest diese unsere Prozession mit allen deinen göttlichen und menschlichen Werken vereinigen, und sie deinem himmlischen Vater zu seinem ewigen Lobe und unserm 34* 532 Das zehnte Gärtlein. Heile aufopfern. Du wollest aus diesem h. Sakramente mit deinen mildreichen Augen uns alle gnädig ansehen, und unsere Herzen zu wahrer Buße und Andacht erweichen. Du wollest unsere Seelen und Gemüther mit deinem Gnadenthau begießen, und mit dem Feuer deiner göttlichen Liebe ganz entzünden. Du wollest unsere Häuser und Wohnungen, unsere Aecker und Weinberge, unsere Gärten und Wiesen, und Alles, woran wir unsere leibliche Nahrung haben, mit deiner göttlichen Hand segnen und sie vor Bliz und Ungewitter, vor Dürre und Unfruchtbarkeit, vor Feuer und Abbrennen, und vor Erdbeben und Einsturz gnädig bewahren. Endlich wollest du uns Alle vor Krieg und Aufruhr, vor Hunger und Theurung, vor Pest und Krankheit durch deine Güte beschützen und uns an Leib und Seele mit geistlichen und leiblichen Gütern fegnen und erfüllen; damit wir dir auf Erden treulich dienen und nach diesem elenden Leben die ewige Freude und Seligkeit erlangen. Das verleihe uns, o Christe Jesu! durch deine unendliche Güte und Barmherzigkeit und durch die Fürbitten und Verdienste aller deiner lieben Heiligen. Amen. Die Frohnleichnams Prozession ist unter allen Prozessionen, bei welchen das hochwürdigste Gut umgetragen wird, die vornehmste. Sie wird mit ganz besonderer Feierlichkeit gehalten, und zwar in der dreifachen Absicht: 1) um unsern Glauben an die wahre, wirkliche und wesentliche Gegenwart unsers Herrn und Heilandes in diesem wunderbaren Sakramente öffentlich vor aller Welt an den Tag zu legen und zu bekennen, daß in keinem Andern Heil ist, und durch keinen Andern der Fluch, der über die Erde, über unsere Felder und = Am h. Frohnleichnamsfeste. 533 Fluren um der Sünde willen gekommen ist, hinweggenommen werden kann, als durch diese himmlische Arznei; und daß den Menschen kein anderer Name gegeben worden ist, in dem wir selig werden könnten, als der Name Jesus, der in diesem heiligen Sakramente bis an's Ende bei den Seinigen verbleiben wollte; 2) um unserm Heilande selbst für die liebevolle Einsetzung dieses heil. Sakraments, für sein immerwährendes freundliches Wohnen in demselben und für die freigebige Spendung unzähliger Gnaden durch dasselbe von Herzen laut und öffentlich zu danken; und endlich 3) um unserm Jesus, unserm liebreichen Hirten und Ernährer, für die viele Schmach und Unehre, welche ihm in diesem H. Sakramente von den Juden, Heiden, Keßern und Ungläubigen, besonders aber von bösen Katholiken durch ihr unehrerbietiges und empörendes Betragen bei Anhörung der H. Messe, durch ihre Lauigkeit und Kälte gegen dieses h. Sakrament und durch ihre unwürdigen und gottesräuberischen Communionen angethan worden ist und fortwährend angethan wird, durch größern Eifer in der Liebe einigen Ersatz zu leisten. D! wohl drei schöne und löbliche Absichten. Wenn du nur ein Fünklein von Liebe zu Jesus in deinem Herzen hegest, so mußt du dies loben und billig finden, und wirst gewiß deinem Heilande zu Ehren und zu Liebe in diese h. Prozession mit möglichster Andacht und Ehrerbietung dich einreihen. Man pflegt bei dieser Prozession gewöhnlich vier Stationen, d. i. Haltpunkte zu machen. Bei jeder Station ist ein Altar gebaut, der mit Laubwerk und vielen Blumen geziert ist. Wenn es so angeordnet werden kann, so ift jeder Altar nach einer besondern Himmelsgegend, alle vier sind also nach den vier Himmels- oder Weltgegenden errichtet. Dies soll andeuten, daß das heilige Altarssakrament jenes Opfer des N. B. sei, wovon Gott bei dem Propheten Malachias 1. Kap. 10. u. 11. Vers spricht: ,, Vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang wird mein Name groß werden unter den Völkern und an allen Orten wird meinem Namen geopfert, und ein reines Opfer dar. gebracht werden; denn groß wird mein Name werden unter den Völkern." Bei jedem Altar wird der Anfang 534 Das zehnte Gärtlein. eines der vier Evangelien gesungen, wohl um anzudeuten, daß alle vier Evangelisten von diesem heiligen Sakramente geschrieben haben, welches den in sich enthält, der da ist der Anfang, der Inhalt und das Ende aller Evangelien, Jesus Christus, hochgelobt in Ewigkeit! Er soll nach allen Weltgegenden hin der Welt gepredigt werden, damit alle in ihm erkennen das Brod Gottes, das vom Himmel herabgekommen ist und der Welt das Leben gibt."( Joh. 6, 33.) Nachdem das Evangelium gesungen, werden einige Gebete verrichtet, theils zur Verherrlichung des allerh. Sakraments, theils um Abwendung von Unglück und Schaden, der über Menschen, Vieh und die Früchte der Erde kommen kann. Endlich wird der Segen mit dem hochwürdigsten Gute nach den vier Weltgegenden hin ge geben, um anzudeuten, daß Christus alle Herrschaft gegeben ist im Himmel und auf Erden, und daß Alles geſegnet ift, was er segnet, und daß nur durch ihn und mit ihm und in ihm Gott, dem allmächtigen Vater, in Einigkeit des h. Geistes alle Ehre und Glorie erwiesen wird. Die Christen gehen in ihren Festkleidern mit prächtigen Fahnen, Zeichen und Bildern mit dieser feierlichen Prozession, um anzudeuten, daß sie bereitwillig sind, unter der Fahne Christi, welche da ist das heilige Kreuz, unter Zujauchzen des ganzen Himmels und unter Beihülfe der Engel und sieggekrönten Heiligen, der Patriarchen und Propheten, der Apostel, der Märtyrer, der Bekenner und der Jungfrauen und besonders der Himmelskönigin und Gottes Mutter Maria gegen Satan, Welt und Fleisch zu kämpfen, und dicht in die Fußstapfen Jesu, des mächtigen Vorkämpfers, einzutreten, der in diesem h. Sakramente bis ans Ende der Welt unter uns verweilet, und vor uns und mit uns und in uns streitet, damit wir mit ihm siegen und einstens verherrlicht einziehen mögen in das himmlische Jerusalem, in jenen neuen Himmel und jene neue Erde, wovon die geheime Offenbarung spricht, und die vorgedeutet werden durch die Blumen, welche wir auf den Weg streuen, durch die Kränze, womit die Häuser und Kirchen verziert wer den, durch die Triumphbogen und Alleen von Maien, durch welche die Prozession an diesem Freudentage hindurchzieht. -- Am h. Frohnleichnamsfeste. 535 Darum, mein Christ! wenn du mit dieser oder einer andern feierlichen Prozession in Andacht und heiliger Freude daherschreitest, ermuntere dich zum heldenmüthigen Kreuztragen. Sprich mit freudigem Entschlusse zu deinem zaghaften Herzen, das oft so leicht der Kreuzesfahne untreu werden will, mit den Worten des frommen Thomas von Kempen: 11 Was fürchtest du dich denn, das Kreuz auf dich zu nehmen, da man durch dasselbe zum Himmelreiche geht! Im Kreuze ist Heil, im Kreuze ist Leben, im Kreuze findet man Schutz gegen die Feinde, durch das Kreuz wird himmlische Süßigkeit eingegossen. Jm Kreuze findet man Stärke der Seele, im Kreuze ist Freude des Geistes, im Kreuze ist der Inbegriff aller Tugenden, im Kreuze ist vollkommene Heiligkeit. Es ist für die Seele kein Heil, teine Hoffnung zum ewigen Leben, als nur in dem Kreuze. Nimm denn dein Kreuz auf dich; verläugne dich selbst; bereite dich, viel Widerwärtiges und verschiedene Ungemächlichkeiten in diesem elenden Leben zu erdulden, entschließe dich, als ein guter und treuer Knecht Jesu Christi, das Kreuz deines Herrn mit großem Muthe zu tragen, der aus Liebe zu dir ist gekreuzigt worden, und dies sein Liebesopfer im heil. Sakramente unaufhörlich erneuert. Folge Jesus nach, und du wirst hier den innerlichen Frieden finden und dort zum ewigen Leben eingehen." Erste Station. Der Anfang des Evangeliums des hl. Matthäus. Es ist das bekannte Geschlechts- Register, welches auf Mariä Geburt vorgelesen wird. - Darnach: V Panem de cœlo præstitisti eis, alleluja. ROmne delectamentum in se habentem, alleluja. W Das Himmelbrod haft du ihnen gegeben, o Herr, Alleluja! R Das alle Süßigkeit in sich enthält, Alleluja! Das zehnte Gärtlein. Gebet. Gott, der du uns unter dem wunderbaren Sakramente das Andenken deines Leidens hinterlassen hast, wir bitten dich, verleihe uns, die h. Geheimniſse deines Leibes und Blutes also zu verehren, daß wir die Frucht deiner Erlösung unaufhörlich in uns erfahren. Der du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des h. Geistes, Gott von Ewigfeit zu Ewigkeit. Amen. 536 Gute Meinung. Laffet uns beten, daß der hier im Sakramente aus unbegreiflicher Liebe gegenwärtige Sohn Gottes, unser Herr und Heiland Jesus Christus, unsern Glauben an seine wahre, wirkliche und wesentliche Gegenwart in diesem allerheiligsten Sakramente vermehren und stärken wolle. Wir wollen Ihn auch bitten, daß Er uns Alles, was wir wegen unsers Schwachglaubens aus Mangel an gebührender Ehrfurcht gegen dieses allerheiligste Sakrament gesündigt haben, gnädig verzeihen wolle. Vater unser. Gegrüßet. V Gelobt und angebetet jei ohne End' R Jesus Christus im allerheiligsten Sakrament. Zum V Peccatores! RTe rogamus audi nos! W Fili Dei! RTe rogam. etc. V Ut ad veram pœenitentiam nos perducere digneris! Segen. V Wir Sünder! R Wir bitten dich, er höre uns! V Sohn Gottes! R Wir bitten dich zc. V Daß du uns zur wahren Buße führen wollest! 537 R Wir bitten dich 2c. V Daß du uns verschonest! R Wir bitten dich zc. V Daß du uns verzeihest! R. Wir bitten dich 2c. V Daß du uns selbst in deinem Dienste stärken und erhalten wollest! R. Wir bitten dich zc. Am h. Frohnleichnamsfeste. RTe rogam, etc. VUt nobis parcas! R Te rogam, etc. V Ut nobis indulgeas! RTe rogam, etc. VUt nosmetipsos in tuo sancto servitio confortare et conservare digneris! R Te rogam, etc. Eine Bitte um den Segen. Du wollest mich, holdseligster Jesu! mit deinem väterlichen Segen begnadigen, damit ich in allen Dingen deinen allerheiligsten Willen erfüllen, dich in diesem hochwürdigsten Saframente zur Zeit meines Hinscheidens empfangen und also ewig bei dir sein möge. Amen. Zweite Station. Der Anfang des Evangeliums des h. Markus. Der Inhalt ist von der Predigt des h. Johannes, der Taufe Jesu am Jordan, seiner 40tägigen Fasten, seiner Versuchung in der Wüste und vom Anfange seines Lehramts. Darnach: R, Panem de coelo etc. wie Seite 535. Gute Meinung. Laßt uns beten, daß unser lieber Herr und Heiland, den wir hier im allerheiligsten Sakramente gläubig anbeten, unsere Hoffnung auf Ihn im Leben und Sterben beleben, und unser Vertrauen auf seine Verheißungen und seinen immerwährenden Beistand gerade in diesem h. Sakramente stärken wolle. Wir wollen Ihn auch bitten, daß Er uns Alles, was 538 Das zehnte Gärtlein. wir uns durch unsere Kleingläubigteit und Kleinmüthigkeit, die uns leider so oft vom Besuche und Empfange dieses h. Sakramentes abgehalten hat, gegen den immer unter uns gegenwärtigen und zu Hülfe stets bereiten Heiland versündigt haben, gnädig verzeihen wolle. Vater unser. Gegrüßet. V Gelobt und angebetet sei ohne End' R Jesus Christus im allerheiligsten Saframent. Zum Segen. V Peccatores! RTe rogamus audi nos! V Fili Dei! R Te rogam. etc. 1. V Ut Ecclesiam tuam sanctam regere et conservare digneris. R Te rogam. etc. 2. V UtDomnum apostolicum et omnes ecclesiasticos ordines in sancta religione conservare digneris. R Te rogam. etc. 3. V Ut regibus et principibus christianis pacem et veram concordiam donare digneris. RTe rogam, etc. 4. Ut cuncto populo chritiano pacem et unitatem largiri digneris. RTe rogam. etc. V Wir Sünder! R Wir bitten dich, erhöre uns! W Sohn Gottes! R Wir bitten dich zc. 1. Daß du deine h. Kirche regieren und erhalten wolleft. R Wir bitten dich 2c. 2. Daß du den h. Vater und alle kirchlichen Stände in der h. Religion erhalten wollest! R Wir bitten dich zc. 3. Daß du den christlichen. Königen und Fürsten Frieden und wahre Eintracht schenken wolleft! R. Wir bitten dich zc. 4. Daß du dem ganzen christlichen Volke Frieden und Einheit verleihen wollest! R Wir bitten dich 2c. Gebet. Verschone, o Herr! verschone dein Volk, und laß Am h. Frohnleichnamsfefte. 539 nicht zu, daß wir mit Widerwärtigkeiten, Kriegen, Krankheiten, Ungewitter und Gefahren geschwächt werden, die du mit dem kostbaren Leibe und Blute unsers Herrn Jesu Christi erlöset hast. Durch eben denselben Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Dritte Station. Der Anfang des Evangeliums des heil. Lucas. Der Inhalt ist die Erscheinung des Engels im Tempel, der dem Zacharias die Geburt des h. Johannes, des Vorläufers Jesu, verkündet. Darnach: V Panem de coelo etc. wie Seite 535. Gute Meinung. Laßt uns beten, daß der Herr auch in unsern Herzen eine große Liebe zu Ihm in dieſem Sakramente seiner unbegreiflichen Liebe entzünden wolle. Ach! wen wollen wir lieben, wenn wir Jesus nicht lieben wollen, der uns in diesem h. Sakramente bis zur völligen Entäußerung seiner selbst liebt! Wir wollen Ihn auch zugleich bitten, daß Er uns alle Kälte und Lauigkeit, die wir beim Empfange dieses h. Sakraments, bei der h. Messe, bei allen öffentlichen Andachten uns haben zu Schulden kommen lassen, gnädigst verzeihen wolle. Vater unser. Gegrüßet. V Gelobt und angebetet sei ohne End' R Jesus Christus im allerheiligsten Sakrament. Zum Segen. V Peccatores! R Te rogamus audi nos! V Wir Sünder! R. Wir bitten dich, erhöre uns! 540 Das zehnte Gärtlein. V Fili Dei! RTe rogam. etc. 1. V Ut mentes nostras ad coelestia desideria erigas. R Te rogam. etc. 2. V Ut nobis fidem, reverentiam et devotionem hujus admirabilis Sacramenti augere et conservare digneris. RTe rogam, etc. 3. V Ut ad frequentem et dignum usum Eucharistiæ per veram peccatorum confessionem nos perducere digneris. RTe rogam. etc. 4. V Ut in hora mortis nostræ hoc colesti viatico nos confortare et munire digneris. R Te rogam. etc. V Sohn Gottes! R Wir bitten dich zc. 1. Daß du unsere Herzen zu himmlischen Begierden er heben wollest! R Wir bitten dich zc. 2. Daß du den Glauben, die Ehrfurcht und Andacht zu diesem bewunderungswürdi gen Sakramente in uns vermehren und bewahren wollest. R Wir bitten dich zc. 3. Daß du uns zu öfterm und würdigem Empfange des allerhl. Sakraments durch wahre und aufrichtige Beicht der Sünden führen wollest! R Wir bitten dich zc. 4. Daß du in der Stunde unseres Todes mit dieser himmlischen Wegzehrung uns stärken und befestigen wolleft! R Wir bitten dich zc. Gebet. Wir bitten demüthigst deine Güte, allmächtiger Gott! du wollest die Früchte der Erde und diese umliegenden Orte deiner Diener besuchen, jegnen und mit fruchtbarem Regen befeuchten; alle schädlichen Wetter abwenden, die Ergießung von Blazregen zus rückhalten, die Gewalt der bösen Geister vertreiben, eine gesunde Luft verleihen, und uns, welche du durch den Leib und das Blut deines Sohnes vom ewigen Tode erlöset hast, auch vor allem feindlichen Anfalle beschüßen und im Frieden erhalten. Durch denselben Jesum Christum unsern Herrn. R Amen. Am h. Frohnleichnamsfeste. Vierte Station. Der Anfang des Evangeliums des h. Johannes. Der Inhalt ist das Geheimniß der Menschwerdung des Sohnes Gottes. Kniee deshalb andächtig nieder, wenn der Priester bei den Worten: Et verbum caro factum est et habitavit in nobis, niederknieet, und klopfe an deine Brust und sprich mit dankbarem Herzen: Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt! Dann blicke voll Ehrerbietung auf das heilige Sakrament, denn siehe! da wohnt er noch eben so wahrhaft, wirklich und wesentlich unter uns, wie damals unter seinen Jüngern; neige dein Haupt und sage Dank und freue dich, daß du in der wahren, Einen, heiligen und apostolischen und katho lischen Kirche geboren und erzogen bist, und von ihr den wahren Glauben empfangen hast, und erneuere den Vor sab, in diesem wahren Glauben, aus diesem wahren Glauben und nach diesem wahren Glauben zu leben und zu sterben. Darnach: VA fulgure et tempestate. R, Libera nos Domine, Jesu Christe. 541 V Fiat misericordia tua, Domine, super nos. R Quemadmodum speravimus in te. V Domine, exaudi orationem meam. REt clamor meus ad te veniat. V Dominus vobiscum. R, Et cum spiritu tuo. V Vom Blizz und Ungewitter! R Befreie uns, Herr Jesu Christe! V Es komme deine Barm herzigkeit über uns, o Herr! R Wie wir gehofft haben auf dich! V Herr, erhöre mein Ge bet! R Und laß mein Rufen zu dir kommen! V Der Herr sei mit Euch! R Und mit deinem Geiste Laßt uns beten. Deine Huld, allmächtiger Gott, erflehen wir fußfällig, daß du die Früchte und Gränzen deiner Diener segnen, besuchen und bewässern wollest; schädliche 542 Das zehnte Gärtlein. Wetter vertreiben, dem Sturzregen Einhalt thun, den Einfluß boshafter Geister abwehren, heilsame Luft gewähren und vor jeglicher Anfechtung der Feinde uns im Frieden vertheidigen wollest, die du durch den Leib und das Blut deines Sohnes vom ewigen Tode errettet haft. Durch denselben Christum, unsern Herrn. Amen. Gute Meinung. Laßt uns beten, daß der allmächtige Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat und erhält, um seines eingebornen Sohnes willen, der in unserer Mitte, im allerheiligsten Sakramente verborgen, unsere Fluren und Felder, Straßen und Wege durchwanderte, uns gnädig sei, und die Früchte des Feldes und die Arbeit unserer Hände segnen und zu glücklichem Gedeihen führen wolle. Wir wollen Ihn inständig bitten, daß Er gnädigst abwenden wolle schädliche Witterung, Feuersbrünste, bösartige Krankheiten an Menschen und Vieh und alle Gefahren Leibes und der Seele, und verleihen wolle, daß wir in Eintracht und Frieden untereinander mit dankbar zu ihm ge= richteten Herzen die Früchte unserer Arbeit und unseres Schweißes genießen mögen. Vater unser. Gegrüßet. V Gelobt und angebetet sei ohne End' R Jesus Christus im allerheiligsten Satrament. Zum Segen. V Peccatores! RTe rogamus audi nos. V Wir Sünder! R. Wir bitten dich, erhöre uns! Am h. Frohnleichnamsfeste. V Fili Dei. RTe rogam. etc. 1. V Ut fructus terræ dare et conservare digneris. R, Te rogam. etc. 2. V Ut omnibus benefactoribus nostris sempiterna bona retribuas. R Te rogam. etc. 3. V Ut animas nostras, fratrum, propinquorum, et benefactorum nostrorum ab æterna damnatione eripias. R Te rogam. etc. 4. V Ut omnibus fidelibus defunctis requiem æternam donare digneris. RTe rogam. etc. 543 V Sohn Gottes! R Wir bitten dich zc. 1. Daß du die Früchte der Erde geben und erhalten wolleft! R Wir bitten dich 2c. 2. Daß du allen unsern Wohlthätern mit ewigen Gü tern vergelten wolleft! R Wir bitten dich zc. 3. Daß du unsere Seelen, die Seelen unserer Brüder, Verwandten und Wohlthäter von der ewigen Verdammniß erretten wolleſt! R Wir bitten dich zc. 4. Daß du allen verstorbenen Chriftgläubigen die ewige Ruhe verleihen wollest! R Wir bitten dich zc. Gebet. Gott! der du durch das einzige Opfer deines heiligsten Leibes der ganzen Welt Missethaten getilgt hast, wir bitten dich, bekehre gnädig dein Volk zu dir, damit es von allen Gefahren des Leibes und der Seele befreiet, wie auch vor allen sichtbaren und unsichtbaren Feinden beschützt werde, erwünschte Beschaffenheit der Luft, Ueberfluß an Früchten, Ruhe. und Frieden der Zeiten erhalte, und die Gnade und Kraft deines Segens in Allem erfahre. Der du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. R, Amen. Anmerkung: Für den heutigen Festtag, wie für die ganze Octav tannst du dir aus dem sechsten Gartlein bald eine Betrachtung, bald ein passendes Gebet, bald beides auswählen. Wenn du deine Betstunde hältst, kannst du im sechsten Gärtlein nur gleich von vorn anfangen. Das zehnte Gärtlein. Hauptfefte der allerseligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria. 544 Am Feste der unbefleckten Empfängniß Mariä. ( Den 8. December.) O seligste Jungfrau Maria, heute ist der goldene Tag, an welchem du ohne Makel bist empfangen und mit allen Tugenden und Gnaden reichlich begabt worden. Heute haben die Engeln sich auf eine besondere Weise gefreuet und den himmlischen Gesang gesungen, sprechend: Die Mutter des Herrn ist empfangen Alleluja! Das Heil der Welt ist begonnen Alleluja! Darum laßt uns jubeln und frohlocken, und dem gnadenreichen Gott lobsingen! Laßt uns die empfangene Jungfrau grüßen, und ihr wegen ihrer unbefleckten Empfängniß Glück wünschen. Maria, Maria, Maria, wir grüßen, ehren und lieben dich, und wünschen dir Glück zu deiner Empfängniß und Heiligung! Gebenedeit jei, o Maria, die goldene Stunde, darin du bist empfangen worden! Gebenedeit feien deine lieben Eltern, von welchen du bist empfangen worden! Gebenedeit jei der h. Geist, durch welchen du bist empfangen worden! O glückseligste Jungfrau Maria, ich freue mich von Herzen wegen deiner unbefleckten Empfängniß und wegen der überflüssigen Gnaden, die dir ertheilt worden sind. Ich opfere dir zu Ehren alle heiligen Messen, welche heute zu deiner Ehre gelesen werden. Ich opfere dir alle Beichten und Communionen, welche heute dir zu Ehren empfangen werden. Ich opfere dir alle Gebete und guten Werte, welche heute dir zu Ehren verrichtet Am Feste Maria Lichtmeß. 545 werden. Und endlich opfere ich dir alle Seufzer und Begierden, welche heute zu dir hinaufgeschickt werden. In alle diese H. Messen, Beichten, Communionen, Gebete, guten Werke und Anmuthungen befehle ich mich, und begehre derselben theilhaftig zu werden. Ach! ich möchte heute besonders mit meinem Gebete zu deinem mütterlichen Herzen dringen und dasselbe erweichen! O Maria, du bist ganz unbefleckt an Leib und Seele; ich aber bin nichts als eine lautere Befleckung an Leib und Seele. Du bist voller Tugenden und himmlischer Gnaden; ich aber bin voller Sünden und verdammlicher Neigungen. Du bist voll guter Werke und reich an Verdiensten; ich aber bin voll von bösen Werken und gedrückt von schwerer Schuld. So thue denn diesem lieben Tage die Ehre, und bedecke durch deine Fleckenlosigkeit meine Befleckung; vertilge durch deine Tugend meine Untugend; lösche aus durch deine guten Werke meine bösen, und durch deine reichen Verdienste bezahle meine schwere Schuld und Strafe. Amen. Lobspruch. Gelobt sei die heiligste und unbefleckte Empfängniß der seligsten Jungfrau Maria! ( 100 Tage Ablaß, so oft es reumüthig gesprochen wird.) Am Feste Mariä Reinigung oder Lichtmeß. ( Den 2. Februar.) Allerfeligste Jungfrau Maria, heute hast du das liebe Jesutind in den Tempel zu Jerusalem getragen und dort als ein Frühopfer dem himmlischen Vater nicht allein aufgeopfert, sondern auch mit fünf Seckel Myrrhengarten III. 23. Aufl. 35 546 Das zehnte Gärtlein. Geldes abgefauft. D gebenedeiteste Jungfrau, im Namen aller Sünder, für welche du das süßeste Jesufind gekauft hast, sag' ich dir unendlichen Tank, und begehre alle Sünder und Sünderinnen zur Dantsagung zu bewegen. Ich erinnere dich, o Maria, der süßesten Freude, welche du empfandeft, als du den lieben Jesus nach Jerusalem trugest und im Tempel dem himmlischen Vater aufopfertest! O wie war deine allerheiligste Seele da mit Verwunderung erfüllt, als du durch den h. Geist erkanntest, welch' einen Werth dies Opfer habe, und welch' große Freude im ganzen Himmel darüber entstände! Ich bitte dich, du wollest am heutigen Tage dies Opfer noch einmal Gott dem Vater für mich aufopfern, und dadurch meine Seele vom ewigen Verderben erlösen. Ich erinnere dich auch, o Maria, der unaussprechlichen Freuden, welche du empfandest, als du deinen eingebornen Sohn dem himmlischen Vater abkauftest, und mit fünf Seckel den Sündern eigen machtest. Welche Gedanken und Empfindungen stiegen damals in deinem Herzen auf, als du klar erkanntest, wie durch diesen Kauf dein Sohn aller Menschen Eigenthum wurde! Ohne Zweifel vergosseft du viele bittere und süße Thränen, weil dein Herz mit Freude und Leid zugleich erfüllt war. Weil du denn auch mir dein süßes Jefukind gekauft hast, so gib es mir doch auch, lege es auf meine Arme, gleichwie du es dem h. Simeon heute auf seine Arme gelegt haft. So wende ich mich denn auch zu dir, liebstes Jefukind, und grüße dich am Tage deiner Opferung von Herzen. Heute bist du mir von deinem himmlischen Vater geschenkt, und von Am Feste Mariä Verkündigung. 547 deiner liebsten Mutter erkauft worden. Darum bist du aus zwei Ursachen mein eigen und vollkommen in meiner Gewalt. Was kann mir nun mangeln, da du ganz mein bist? Wie soll ich nun nicht getrost sein, da das höchste Gut mein eigen ist? O liebes Jesukind, ich heiße diesen Kauf gut und nehme dieſe Schenkung als gültig an. Du mußt nun mein eigen bleiben, du kannst dich mir mit Recht nicht entziehen; es sei denn, daß ich dich um eine freiwillige Luft wiederum verkaufte. Doch wie sollte ich, wie könnte ich so thöricht sein! Davor wolle mich doch Gott bewahren! Siehe, himmlischer Vater, hier habe ich deinen eingebornen Sohn, welchen du mir geschenkt hast, und welchen mir seine h. Mutter gekauft hat, ihn opfere ich dir zu deiner höchsten Ehre und zum Heile meiner armen Seele. Jch opfere dir seine Seele für meine Seele, seinen Leib für meinen Leib, sein Herz für mein Herz, seine Tugenden für meine Untugenden, und sein bitteres Leiden und Sterben für meine vielfältigen Sünden und Strafen. Nimm dies Opfer wohlgefällig von mir an, und erinnere dich bei meinem Tode, daß ich es dir am heutigen Tage zur völligen Bezahlung meiner Sünden dargebracht habe. Amen. Am Feste Mariä Verkündigung. ( Den 25. März.) Oseligste und in Ewigkeit gebenedeite Jungfrau Maria, am Verkündigungs- Tage sende ich dir durch den Erzengel Gabriel einen freundlichen Gruß, und wünsche dir im Namen aller Menschen unendliches 35* 548 Das zehnte Gärtlein. Glück zu den unaussprechlich großen Gnaden, welche dir heute von der h. Dreifaltigkeit erwiesen worden sind. Ich erinnere dich der unergründlichen Freude, die du empfandest, als der Engel Gabriel verkündigte, daß du die Mutter des Heilandes werden solltest. Gedent, o Maria, welch' freudiges Staunen dich anwandelte, als der Engel Gabriel in schönster Gestalt dir erschien, und dich im Namen der h. Dreifaltigkeit mit großer Ehrerbietung begrüßte. Ach! was ging in deinem Herzen vor, als du verstandest, daß du eben jene Mutter sein solltest, welche nur zu sehen du so lange verlangt hattest! Und daß du durch Ueberschattung vom h. Geiste ohne Verletzung deiner Jungfrauschaft den Sohn Gottes empfangen ſolltest! Gedenk, mit welch' großer Freude und welch' tiefer Demuth du zu dem Engel sprachest: Siehe, ich bin eine Dienstmagd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte! Ueberschwänglich aber und unaussprechlich war deine Freude, als du vom h. Geiste den Sohn Gottes ohne Verlegung deiner Jungfrauschaft wirklich empfingest. Dieser Freude, welche du am heutigen Tage empfandest, erinnere ich dich, o Maria, und freue mich zugleich mit dir wegen der großen Gnaden, die dir der allmächtige Gott gegeben hat. Welch' große Ehre für dich, daß der liebe Gott dich vor allen andern deines Geschlechts zu seiner Mutter auser= wählte, und dich allein so großer Würde werth achtete! Zu dieser höchsten Ehre wünsche ich dir Glück, und bin von ganzem Herzen erfreuet, daß der gütigste Gott keine andere, als eben dich, zu unserer Mutter und Mittlerin auserwählt hat. Du bist ja die aller 549 Am Feste Mariä Heimsuchung. mildeste, die allermitleidigste, die allerbarmherzigste unter den Weibern, du bist auch in der Fürbitte bei Gott so mächtig, daß du alles, was du begehreſt, erhalten fannst. Darum nehme ich meine Zuflucht zu dir, und rufe dich mit aller Vertraulichkeit um Beistand an. du barmherzigste Mutter, durch deine freudenreiche Verkündigung bitte ich, sei meine Fürbitterin bei Gott, und erwirb mir seine göttliche Gnade und Barmherzigkeit. Du, o Maria, haſt Gnade gefunden bei Gott; aber ich elender Sünder habe Gnade verloren bei Gott. Du bist ihm wegen deiner Heiligkeit ganz lieb und angenehm; ich aber bin ihm wegen meiner Sünden ganz zuwider und verhaßt. Deswegen bitte ich dich demüthig, mache, daß ich deinetwegen Gnade finde und in der göttlichen Gnade lebe und sterbe. O daß mir heute die Verzeihung meiner Sünden verkündigt würde, wie dir heute die Mutterschaft Gottes ist verfündigt worden! Odaß ich heute durch die Gegenwart meines Heilandes in meinem Herzen vom himmlischen Troste erquickt würde, wie du heute durch die Empfängniß des Sohnes Gottes unaussprechliche Freude erfahren haft! Um dir, süßeste Jungfrau, durch die Erinnerung die Freuden jenes glücklichen Tages zu erneuern, spreche ich mit Andacht den Gruß des Erzengels: Gegrüßet seist du zc. Am Feste Mariä Heimsuchung. ( Den 2. Juli.) füßeste Jungfrau, ich erinnere dich der überschwänglichen Freuden, die du heute in deinem Herzen 550 Das zehnte Gärtlein. empfandeft, als du deine Base Elisabeth heimsuchteſt und mit höchster Freundlichkeit begrüßtest. Was haben eure Herzen damals empfunden! Welch' göttlichen Trost haben eure Seelen empfangen! Durch die unaussprechliche Freude bitte ich, versüße mein Herz in aller Bitterkeit, und ertheile meiner Seele ein Tröpflein deines Trostes, damit ich desto fröhlicher im Dienste Gottes verharre, und desto mehr in deiner Liebe entzündet werde. Durch die Kraft deines Grußes hüpfte Johannes vor Freuden im Mutterleibe auf, wurde Elisabeth mit dem h. Geiste erfüllt, Zacharias mit der Gnade der Weissagung begabt, und dem ganzen Hause Heil gebracht. Ofräftiger Gruß Mariä, erschalle auch in meinen Ohren und wirke das Heil in meiner Seele. Vertreibe von mir die Sünde, und erfülle mich mit der Gnade des h. Geistes. Suche mich heim, o Maria, gleichwie du die h. Elisabeth heimgeſucht hast, und bereichere mich gleich ihr mit Gnaden. Siehe, ich, dein liebes Kind, suche dich am heutigen Tage heim, und komme mit freudigem Gemüthe vor dein H. Angesicht. Ich grüße dich mit Liebe und umfange dich mit findlicher Vertraulichkeit. O meine herzliebste Mutter, ich will dich halten und nicht mehr von mir lassen; ich will dich halten und an mein Herz drücken! Glückselig, wenn ich Maria habe; denn mit ihr wird mir alles Heil und Gute kommen. O meine Mutter, zeige mir dein liebliches Angesicht, und lasse deine holdselige Stimme in meinen Ohren erschallen. Entzünde mein Herz in deiner Liebe, und erwecke in mir eine findliche Neigung zu dir. Schreibe deinen Namen in mein Herz, damit Am Feste Mariä Himmelfahrt. 551 ich niemals deiner vergesse, und du niemals meiner. Trage eine wahre mütterliche Treue zu mir, und gib, daß ich auch allzeit eine wahre kindliche Liebe zu dir trage, damit wir uns auf Erden wie Mutter und Kind lieben, und im Himmel uns ewiglich als die treuherzigsten Freunde erfreuen. Amen. Am hohen Feste Mariä Himmelfahrt. ( Den 15. Auguft.) Oheiligste, glorwürdigste und in Ewigkeit gebenedeite Jungfrau Maria! ich wünsche von Herzen, daß ich heute alle Kreaturen zu deiner Liebe und Ehre bewegen und deine Ehre und Freude unendlicher Weise mehren könnte. O glückjelige Jungfrau, große Ehre ist dir heute in deiner Himmelfahrt widerfahren, und widerfährt dir noch jährlich an diesem Tage im Himmel und auf Erden! Mit unaussprechlichem Jubel bist du an diesem Tage gen Himmel geführt, und freundlich von der h. Dreifaltigkeit empfangen worden. Mit der Krone des ewigen Reiches bist du gekrönt und zur hochgebenedeiten Königin des Himmels eingesetzt worden. Alle Engel und Heiligen sind vor deinem Throne niedergefallen, und haben dich für ihre wahre Königin erkannt und verehrt. Zu dieser unaussprechlichen Ehre und Glorie wünsche ich dir Glück, werfe mich auch mit allen Heiligen dir demüthig zu Füßen, und erkenne dich für meine wahre hochgebenedeite und gnädigste Königin und unsere liebe Frau. Dir verspreche ich nächst Gott meine Treue, und erbiete mich dir zu dienen, so lange ich lebe. O du seligste Jungfrau, wie erfreue ich mich, daß du unsere 552 Das zehnte Gärtlein. Königin geworden bist, und nächst Gott zu befehlen haft im Himmel und auf Erden! Nunmehr werden viele tausend Seelen erhalten, die sonst unfehlbar wären zu Grunde gegangen, nun werden der Welt viele tausend Gnaden mitgetheilt, die sonst nimmer ertheilt worden wären. Denn du bist nicht allein eine glorreiche Königin, sondern auch eine liebreiche barmherzige Mutter, welche alle armen Sünder annimmt, und allen Nothleidenden Hülfe und Trost bringt. Darum freue ich mich von Herzen, und schöpfe neue Hoffnung für mein zeitliches und ewiges Heil. Denn heute bist du eine Mutter der Barm herzigkeit und Mittlerin geworden zwischen Gott und den Menschen. Heute ist dir gegeben worden Gewalt im Himmel und auf Erden, und dir verliehen, alle deine Diener und Dienerinnen durch deinen Sohn selig zu machen. Darum fliehe ich zu dir mit großem Vertrauen und rufe deine mütterliche Hülfe an. Ja, ich jeße ein starkes Vertrauen auf dich, daß ich meine, Gott könne mich nicht verlassen, so lange ich dich liebe und ehre. Durch dich hoffe ich Gnade und Barmherzigkeit zu erlangen und aus allen meinen leiblichen und geistlichen Nöthen erlös't zu werden. Denn ich weiß, wie viel du bei Gott vermagst, und wie treu du denen bist, welche dich wahrhaft lieben und ehren. Ich weiß, daß dir dein Sohn teine Bitte versagen fann, weil Er dich mit unendlicher Liebe liebet. Eja! liebe Mutter, zeige mir denn, daß du Mutter bist, und nimm mich zu deinem Kinde auf. Gedenk, daß du darum Königin geworden bist, damit du den armen Sündern desto leichter Barmherzigkeit erlangen Am Feste Mariä Geburt. 553 könntest. Darum nehme ich meine Zuflucht zu dir, und verlasse mich fest auf deine Hülfe. Amen. Am Feste Mariä Geburt. ( Den 8. September.) O Mutter der Barmherzigkeit, allerfeligste Jungfrau Maria, an deinem freudenreichen Geburtstage grüße ich dich, und wünsche dir Glück zu deinem Eintritte in diese Welt. Gebenedeit sei der heutige Tag, an welchem du zum Heil der Welt geboren worden bist, und gebenedeit sei der gütige Gott, der dich zum Troste aller armen Sünder in diese Welt gesandt hat! du seine edelste Tochter, du gütige, du milde, du iße Jungfrau, mein Herz brennt vor Liebe zu dir. Deine Schönheit hat mein Herz ganz eingenommen, und deine gnadenreiche Geburt hat mein Gemüth inniglich erfreuet. Wie soll ich dich heute würdig ehren? Was soll ich immer thun, deine Gunst und Gnade zu erlangen? In Demuth werfe ich mich vor dir nieder, und mit herzlicher Liebe füsse ich deine Hände und Füße. Weil ich durch den Glauben weiß, du werdest den Heiland der Welt gebären und den Kopf der höllischen Schlange zertreten, darum grüße und ehre ich dich als zukünstige Mutter meines Heilandes und als eine wahre Mithelferin zur Erlösung. Ach, laß mich am heutigen Tage eine besondere Gnade zum Heile meiner Seele erlangen! Liebreicher himm= lischer Bater, durch die Freude, welche du heute hattest, als dir deine liebste Tochter geboren ward, bitte ich, du wollest dich meiner um ihretwillen erbarmen! Mildreicher göttlicher Sohn, durch die Freude, welche du heute empfandest, als dir deine liebste Mutter 554 Das zehnte Gärtlein. geboren ward, bitte ich, du wollest mir um ihretwillen meine Sünden verzeihen! Gütigster h. Geist, durch die Freude, welche du heute empfingest, als dir deine liebste Braut geboren ward, bitte ich, du wollest mir um ihretwillen Gnade erzeigen! Und du, seligste Jungfrau Maria, wollest durch die Gnaden, so du heute von Gott empfangen hast, mich bei Gott zu Gnaden bringen! Ach! holdseliges Kind, welches du durch deine Geburt der ganzen Welt Freude gebracht hast, bringe doch meiner Seele auch eine wahre geistliche Freude, und gieße meinem Herzen eine wahre Liebe und Andacht zu dir und deinem Sohne ein. 3um Heile aller Menschen geboren, erwirb mir, daß ich von neuem wieder geboren werde und hinführo mit größerm Eifer meinem liebsten Gott diene. Ich opfere mich heute zu deinem h. Dienste, und begehre Alles, was ich thun werde, zu deiner größern Ehre zu verrichten. Ich opfere dir auch alle guten Werke, welche heute in der ganzen Christenheit geschehen, von Herzen wünschend, daß noch tausendmal mehr Gutes dir zu Ehren geschehen möchte; und daß ich Alles, was geschehen wird, tausendfältig vermehren und unendlich vervollkommnen fönnte. Amen. Am Feste Mariä Opferung. ( Den 21. November.) O allerfeligste Jungfrau Maria, mit welch' herzlicher Andacht hast du dich heute dem lieben Gott aufgeopfert und ihm deinen Leib und deine Seele sammt allen deinen Sinnen und Kräften zu seinem göttlichen Dienste geschenkt! Und welch' große Vergeltung hat dir der liebe Gott für dein Opfer gethan, Fest des h. Joseph. 555 weil Er dich in selbiger Stunde mit solcher Süßigkeit an Leib und Seele erfüllt hat, daß dir dein zartes Herz vor lauter Lieblichkeit hätte zerschmelzen mögen! Daran erinnere ich dich, Maria, und bitte dich, erwirb mir Gnade, daß ich mich meinem lieben Gott von ganzem Herzen aufopfere. Ich habe mich ihm zwar so oft geopfert, aber eben so oft mich zurückgenommen, weil ich allzeit meinen und nicht seinen Willen erfüllt habe. Nun aber habe ich herzliche Reue darüber, und wollte mich gern nach deinem Beispiele heute noch einmal dem lieben Gott aufopfern. Weil ich aber dies nicht recht thun fann, darum bitte ich dich, Maria, du wollest ihm an meiner Statt mein armes Herz aufopfern, damit Er es mit seiner Liebe entzünde und mit seiner göttlichen Gnade ganz erfülle. Ich bitte dich auch durch das strenge und tugendselige Leben, welches du eilf Jahre lang im Tempel geführt hast, erwirb mir, deinem heiligen Leben nach Möglichkeit nachzufolgen und alle Tage meines Lebens in der Gottseligkeit zuzubringen. Ach, opfere dem gerechten Gott dein stetes Fasten, dein langes Wachen, dein eifriges Beten, dein strenges Ab= tödten, und dein unbeflecktes Leben zur Verzeihung meines wenigen Fastens, kurzen Wachens, lauen Betens, geringen Abtödtens und sündhaften Lebens, damit mein Mangel durch dich erstattet und meine Schulden durch deine reichen Verdienste bezahlt werden. Amen. Am Feste des H. Joseph, des Patriarchen und Nährvaters. ( Den 19. März, gefeiert in der Diöcese Paderborn am Mittwoch nach dem 3. Sonntag nach Ostern.) ( Siehe unten die Andacht und Litanei zum h. Jofeph.) 556 Das zehnte Gärtlein. Am Feste der heil. Apoftel Petrus und Paulus. ( Den 29. Juni.) Oihr glorwürdigsten Fürsten der Apoſtel, heil. Petrus und Paulus, mit großer Festlichkeit begehet heute die katholische Kirche euren Festtag, und gebietet, ihn hochfeierlich zu halten und mit einem vorhergehenden Fasttage zu ehren! Denn ihr beiden seid es, welche unter allen Aposteln am meisten gearbeitet, die größten Verfolgungen gelitten, den Glauben Christi weit ausgebreitet, viele, viele Seelen zu Gott bekehrt, eure Lehre mit eurer Marter bekräftigt, und die heil. Kirche durch die Heiligkeit eures Lebens und euer vergosfenes Blut gegründet habt. O du wahrer Statthalter Christi, h. Apostel Petrus, dir hat Christus selbst die Schlüssel des Himmels überantwortet, dir hat Er Gewalt gegeben, zu lösen und zu binden, und dir die Schäflein zu weiden anvertraut! Siehe, ich bin dein armes Schäflein, und du mein treuer Hirt. So trage denn Sorge über mich und bewahre mich vor dem Nachen des höllischen Wolfs. Ich liege verstrict in den Banden böser Gewohnheiten, und gebunden mit den starken Ketten der Sünde; weil dir aber vollkommene Gewalt gegeben ist zu lösen, so löse mich von den festen Banden und setze mich in die Freiheit der Kinder Gottes. Weil dir die Schlüſsel des Himmels anvertraut sind, ach! so eröffne mir die himmlische Pforte und lasse meine Seele nach meinem Tode ohne Hinderniß hineingehen. Ich erinnere dich deiner bittern Marter, als du in deinem hohen Atler mit Händen und Füßen an ein Kreuz genagelt wurdeſt mit dem Haupte nach unten, und auf diese Weise in 557 Am Feste der H. Petrus und Paulus. unglaublicher Bein dein h. Leben endigen mußteſt. Durch diese deine schmerzlichste Kreuzmarter bitte ich, erwirb mir Geduld und Standhaftigkeit in allem meinem Kreuze, vornehmlich aber stehe mir bei in meiner letzten bittersten Noth, damit ich alsdann im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe standhaft bleibe, und durch deine Fürbitte die Seligkeit erlange. Oh. Apostel Paulus, an diesem deinem Ehrentage grüße ich dich ganz besonders, und es freuet mich, daß du an diesem Tage zu der dir bereiteten Glorie aufgefahren bist. Gleichwie du in deinem Leben ein treuer Mithelfer des heil. Petrus gewesen, also bist du auch heute sein Genosse in der Marter gewor= den und zugleich mit ihm in die Seligtei gefahren. Mit höchster Standhaftigkeit hast du dem Henker dein Haupt dargeboten voll Freude, für den dein Leben Hingeben zu können, der das seinige für dich und uns zuerst dahingegeben, und den durch die Vergießung deines Blutes im Tode noch zu verherrlichen, dessen Namen du im Leben durch den unaufhaltsamen Strom deiner Rede zu allen Völkern rühmend getragen hast. Durch deine herrliche Marter und reichen Verdienste bitte ich, erwirb mir Verzeihung meiner Sünden und eine glühende Liebe zu Jesus: und wenn ich endlich sterbe, so stehe mir bei, und erwirb mir, daß ich mit wahrer Andacht noch einmal den süßen Namen Jesus ausspreche. Amen. Ablak- Gebet zu Ehren der heil. Apostel Petrus und Paulus. O heil. Apostel Petrus und Paulus, ich N. N. 558 Das zehnte Gärtlein. erwähle euch heute und für immer zu meinen besondern Schuppatronen und Fürsprechern. Ich freue mich in Demuth des Herzens sowohl um Deinetwillen, heil. Petrus, daß du jener Fels bist, auf den Gott seine Kirche erbauet hat, als auch um Deinetwillen, heil. Paulus, daß du von Gott erforen wurdest als ein Gefäß der Auserwählung und als Prediger der Wahrheit in der ganzen Welt. Ich bitte euch, erlanget mir einen lebendigen Glauben, eine unerschütterliche Hoffnung, eine vollkommene Liebe und eine gänzliche Losreißung von mir selbst, Verachtung der Welt, Geduld im Unglücke und Demuth im Glücke, Sammlung des Geistes beim Gebete, Reinheit des Herzens, graden Sinn beim Handeln, Emsigkeit in der Erfüllung meiner Berufspflichten, Ausdauer in meinen Vorsätzen, Ergebung in den göttlichen Willen und Beharrlichkeit in der Gnade Gottes bis in den Tod; damit ich durch eure Fürbitte und euere glorreichen Verdienste alle Versuchungen der Welt, des Satans und des Fleisches siegreich überwinde und würdig befunden werde, zu erscheinen vor dem höchsten und ewigen Seelenhirten Jesus Christus, um ihn in ewiger Freude und Liebe zu genießen, der da lebt und regiert mit dem Vater und dem heil. Geiste in alle Ewigkeit! Amen. Vater unser. Gegrüßet seist du. Ehre sei. ( 100 Tage Ablaß, wer es wenigstens einmal des Tages reumüthig betet. Einen vollkommenen Ablaß am Feste Peter und Paul, oder an einem der neun Tage vorher oder acht Tage nachher, wer an demselben beichtet, communizirt und andächtig eine Kirche oder einen Altar besucht, welche diesen h. Aposteln gewidmet sind und dort dieses Gebet verrichtet und für die h. Kirche betet.) 559 Am Feste des h. Liborius. Am Feste des h. Liborius, Patrons der Diöcese Paderborn. ( Den 23. Juli.) Du großer Hirt und Gottesmann Liborius, halt für uns an, Damit nicht Gries und Nierenstein Die Strafe uns'rer Sünden sein! Heiliger Bischof und Bekenner Liborius, sei mir heute besonders gegrüßt! An diesem deinem Ehrentage ehrt dich die ganze Christenheit, und preiset dich insbesondere das Bisthum Paderborn. Viele, viele deiner frommen Verehrer eilen herbei, um deine heil. Reliquien zu sehen, zu küssen und zu verehren. O wie freuet es mich, daß man deinen h. Reliquen solche Ehre anthut und sich dadurch gegen Gott und gegen dich so dankbar beweis't! Durch sie ist ja der Stadt und dem Lande Paderborn der allerkostbarste Schatz, den es auf Erden gibt, der fathol. Glaube, gebracht, vermehrt und erhalten worden. O wohl ein großes Wunder Gottes! Durch deine H. Reliquien bist du, h. Liborius, unserm Lande ein größerer Apostel und Prediger des Evangeliums geworden, als du bei Lebzeiten im eignen Lande gewesen bist! Ach! sei uns noch ferner ein Lehrer und Mehrer des Glaubens, und erwirke uns bei Gott, daß, so lange wir deine h. Reliquien andächtig verehren, der göttliche Glaube in uns nicht abnehme, sondern vielmehr in feuriger Liebe stets fortlebe und in gottseligen Werken fich thätig erweise. Ach, hilf uns auch den Stein der Sünden von unsern Herzen wälzen, damit wir gewürdigt werden, durch deine Fürbitte von den Strafen der Sünde, besonders von den Steinschmerzen und vom ewigen Feuer befreiet zu werden. Amen. Das zehnte Gärtlein. Am Fest des h. Ludgerus. ( Den 29. März.) ( In der münsterschen Diöcese wird es gefeiert am Mittwoch nach dem dritten Sonntag nach Ostern.) 560 Oh. Ludgerus, Bischof und Apostel von Friesland und Münsterland, sei mir am heutigen Tage besonders gegrüßt! Die Stadt Münster vor Allem und das ganze Land umher wetteifert, dir heute besondere Ehre zu erweisen und freuet sich und preiset Gott, daß er gerade dich zu ihrem Apostel und ersten Bischofe erwählt, und mit vielen Gnaden und Talenten dazu ausgerüstet hat. Wie flug und mäßig, wie eifrig und unablässig im Gebete und wie unermüdet in Verkündigung des göttlichen Wortes warest du, und dabei so demüthig, so sanftmüthig und heiter, daß, wie deine Lebensgeschichte rühmt, deine Gegenwart Alle mit Freude und Lieblichkeit erfüllte! So bist du denn, h. Ludgerus, ein treues Abbild der wahren christlichen Tugenden. Ach! bitte doch für mich zu Gott, daß er mir doch die Gnade schenken wolle, einmal ernstlich anzufangen, das Evangelium seines geliebten Sohnes, das ich so oft höre, in meinem Wandel auszuüben. Bewirke, daß ich strenge gegen mich selbst, milde, gütig, sanftmüthig und freundlich gegen Andere das Gesetz der Liebe erfülle, damit ich doch auch ein treues Bild werde von unserm Herrn Jesus, das Wohlgefallen des himmlischen Vaters erwerbe und den innerlichen Frieden finde, den der Herr den Sanftmüthigen und Demüthigen verheißen hat; sprechend: Nehmet mein Joch auf euch und lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und demüthig von Am Feste des Kirchenpatrons. 561 Herzen, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Ach! heiliger Ludgerus, der du nun im Himmel den ewigen Frieden genießest, bitte doch, daß auch ich diese kostbare Frucht der Nachfolge Jesu Christi im Leben erwerbe, im Tode bewahre und in der Ewigkeit ge= nieße durch denselben Jesus Christus unsern Herrn, welcher mit Gott dem Vater lebt und regiert in Einigkeit des h. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Am Feste des Kirchenpatrons. ( Ist eine Heilige Patronin der Kirche, so ändert man in folgendem Gebete die betreffenden Worte.) Heiliger N. N., Patron dieser Kirche und besonderer Fürbitter für Alle, welche zu dieser Kirche gehören, sei heute insbesondere geneigt, unsere Bitten zu hören und unsere Anliegen Gott vorzutragen. Wir sind ja hier, um dir besondere Ehre und besondern Dank zu erstatten für Alles, was du uns an Leib und Seele durch deine Fürbitte von Gott erworben hast. Wir freuen uns über deine Glorie im Himmel und über alle Ehre, welche dir hier und sonst in der Kirche Gottes auf Erden erwiesen wird. Ach! vergiß uns in deiner Herrlichkeit nicht, die wir noch fern davon sind im Lande der Verbannung! Gedenke, wie schwer es dem armen Menschen wird, sich in der Gnade Gottes zu erhalten, und wie er streiten und fämpfen muß gegen Fleisch und Blut und die vielen andern Feinde seiner Seele. Du weißt ja, wie einem Erdenpilger zu Muthe ist, der weder rechts noch links vom schmalen und steilen Wege, der zur Stadt Gottes führt, abweichen will. Darum vertrauen wir aud), Myrrhengarten III. 23. Aufl. 36 562 Das zehnte Gärtlein. daß du uns, so viel du vermagst, beistehen und von Gott die Gnade eines bußfertigen Lebens und der endlichen Beharrlichkeit erlangen werdest! Ach, daß wir doch im fatholischen Glauben leben und sterben, und mit dir und allen Heiligen im Himmel Gottes Barmherzigkeit ewiglich preisen möchten. Amen. Am Kirchweihfeste. ( Kirchengebet.) O Gott! der du uns den Tag der Einweihung dieses H. Tempels jährlich von Neuem begehen läßt, und uns daselbst durch die h. Geheimnisse beständig begnadigst: erhöre das Gebet deines Volkes, und verleihe, daß Alle, welche in diesen Tempel treten und dich um Gnade zu bitten, der Erlangung derselben sich erfreuen mögen. Durch unsern Herrn Jesum Christum, welcher mit dir lebt und regiert in Einigkeit des heil. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Am hohen Feste aller Heiligen. ( Den ersten November.) Am heutigen hohen Feste erhebe ich mein Gemüth zu euch im Himmel, ihr auserwählten Freunde Gottes, und sende euch einen freundlichen Gruß aus dem Innersten meines Herzens. Ich empfinde heute eine besondere Freude in meiner Seele und eine inbrünstige Begierde in meinem Herzen, euch insgesammt zu ehren und in euerer unendlichen Seligteit Glück zu wünschen. Erfreuet euch und frohlocket in dem Herrn, ihr ge= benedeiten lieben Heiligen, und preiset seine unendliche Güte ohne Unterlaß, daß er euch aus aller Gefahr Am Feste aller Heiligen. 563 dieser Welt so glücklich errettet und mit der ewigen Seligkeit so gütig begnadet hat. Nun seid ihr in alle Ewigkeit selig und habt euch vor keinem Uebel mehr zu fürchten. Nun genießet ihr alle Freuden im höchsten Ueberfluß, und habt alles, was eure Seele und euer Herz begehrt. Für euch ist nun der ewige Festtag angebrochen, der euch mit jenen himmlischen Freuden erfüllet, welche kein Auge gesehen, kein Ohr gehört und feines Menschen Herz empfunden hat. Ueber diese eure Glückseligkeit freue ich mich von Herzen, und gönne sie euch eben sowohl, als wenn sie mir selbst widerfahren wäre. Ja, ich danke dem lieben Gott wegen der euch ertheilten Gutthaten eben so herzlich, als wenn Er mir armen Erdwürmlein dieselben erzeigt hätte. Dies kommt her aus der großen Liebe, die ich zu euch trage, und aus der wahren Verwandtschaft, so zwischen euch und mir ist, weil ich euch für meine liebsten Brüder und Schwestern in Christo halte und erkenne. Hingegen weiß ich auch, daß ihr mich wahrhaft in Christo liebet, und mich eurer Glückseligkeit theilhaftig zu machen herzlich verlanget. Meine herzliebsten Brüder und Schwestern in Christo, lasset uns denn heute ein neues Band der Liebe mit einander slechten und uns einander so fest verknüpfen, daß keine Gewalt des Satans uns soll trennen können. Ich will all mein Leben euch lieben, ehren und anrufen, und ihr sollet alle Tage mich Gott befehlen und für mein Heil besorgt sein. Ja, ihr sollt nicht nachlassen, bei ihm zu bitten, bis euch Gott erhört, und mich um euretwillen aus Gnaden selig macht. Am heutigen Tage schwinge ich mich im 36* 564 Das zehnte Gärtlein. Geiste in den Himmel hinauf, falle vor euch in Demuth meines Herzens nieder, füffe euch allen und jedem mit großer Ehrerbietung die h. Füße, und mit gefaltenen Händen und weinenden Augen spreche ich zu euch allen insgesammt und zu einem jeden insbesondere: O ihr h. Patriarchen, bittet für mich! Oh. Märtyrer, bittet für mich! Dihr h. Beichtiger, bittet für mich! Dihr h. Jungfrauen, bittet für mich, und ihr h. Cheleute, bittet für mich! Ach, sehet doch an, wie demüthig ich zu euren Füßen kniee, wie andächtig ich zu euch meine Hände erhebe, wie herzlich ich zu euch seufze, wie beweglich ich eure Hülfe anrufe, und wie treulich ich mich in euren Schuß befehle! wie könnet ihr denn meine Gebete verwerfen und mich ungetröstet von euch scheiden lassen! Besonders am heutigen freu denreichen Tage, da wir auf Erden euren Festtag mit höchster Andacht begehen und zu eurer größern Ehre diese Festlichkeit halten. O! ihr lieben Heiligen Gottes, ehe ich von eurem h. Angesichte scheide, gebt mir zuvor euren h. Segen und bekräftigt mich in der göttlichen Gnade. Bittet auch zu Gott, daß ich bald zu euch komme und mich mit euch ewiglich freue. Am. ( Hier bete die Sitanei zu allen Heiligen Seite 149.) Am aller Seelen Lage. ( Den 2. November.) Oihr gebenedeiten Seelen der Auserwählten Gottes, die ihr in jener Welt jetzt noch in der Qual schwebet, nach eurer Erlösung aber große Heilige im Himmel sein werdet, ich grüße euch durch den Mund eurer lieben Schußengel, und verkündige euch am heutigen Am aller Seelen Tage. 565 Tage eine große Freude, weil wir auf Erden euch zum Heile einen Festtag halten, und zu eurer Erlösung viele h. Messen und Gebete, Kerzen und Weihrauch Gott aufopfern! Es bitten auch alle frommen Christ= gläubigen heute treulich für euch und befleißigen sich mit allem Ernste, euch aus der Qual zu erlösen. Unter diesen will ich nicht der geringste sein, will viel= mehr aus allen Kräften meiner Seele bei Gott und allen Heiligen anhalten, daß ihr der Qual entlassen werdet. Denn ich liebe euch als Freunde Gottes und als meine lieben Brüder und Schwestern in Christo, und trage herzliches Mitleid mit euch, weil ich weiß, daß ihr unerträgliche Marter und Bein ausstehen müsset. Darum will ich mich vor den Thron Gottes verfügen und nicht nachlaffen zu bitten, bis er mich erhöret und euch aus der Qual erlöſet. O allerheiligste Dreifaltigkeit, ich dein unwürdiger Diener komme heute vor dein göttliches Angesicht, falle demüthig nieder bei deiner höchsten Majestät und habe eine große Bitte vorzubringen, welche du mir nicht versagen wollest. Ich habe großes Vertrauen, was ich begehre, zu erhalten, weil ich weiß, daß dies mein Begehren dir angenehm sein wird, und dich mehr als mich selbst angehet. Ich zwar, als ein großer Sünder, bin nicht würdig, erhört zu werden; diejenigen aber, für welche ich bitte, sind des Erhörens und deiner Erbarmung wohl würdig. Siehe, in dem brennenden Kerter des Fegfeuers liegen viele hunderttauſend Seelen gefangen, und leiden solch grausame Pein, über welche sich auch ein Stein erbarmen sollte. Sie leiden unerträglichen Hunger, Durst, Hitze, Kälte und alle er 566 Das zehnte Gärtlein. denkliche Marter. Sie rufen so flagend zu dir und allen Heiligen. Ach, gütigster Gott, erbarme dich doch ihrer. Sie sind ja deine lieben auserwählten Freunde, welche in deiner Gnade gestorben sind und von dir geliebt werden. Erlöse sie aus ihrer schweren Pein, errette sie aus dem finstern, feurigen Kerker, und führe sie in's himmlische Paradies. Dies bitte ich nicht in meinem Namen, sondern im Namen unsers Herrn Jesu Christi, und im Namen der allerseligsten Jungfrau Maria und aller lieben Engel und Heiligen; wie auch im Namen aller frommen Christgläubigen und der ganzen katholischen Kirche. Zur Genugthuung ihrer. Strafen opfere ich dir das bittere Leiden und Sterben, wie auch das rosenfarbene Blut und die vollkommene Genugthuung unsers Herrn Jesu Christi, welches alles unendlichmal mehr werth ist, als dasjenige, was die armen Seelen schuldig sind. Ich opfere dir auch die reichen Verdienste der Mutter Gottes und aller Heiligen, sammt dem ganzen Schatze der h. katholischen Kirche, alle h. Messen, welche heute gelesen, alle Gebete, welche heute verrichtet, alle Almosen, welche heute ge= geben, alle Kerzen, welche heute verbrannt, allen Weihrauch, welcher heute angezündet, alle Thränen, welche heute vergoffen, und alle Seufzer, welche heute zum Himmel geschickt werden. Dies Alles nimm doch in Gnaden auf, o allerheiligste Dreifaltigkeit, und um dieses werthvollen Opfers willen erlöse die armen Gefangenen aus ihrem feurigen Kerker. Ach, erhöre doch meine Bitte an diesem betrübten Tage, und laſse die armen Seelen empfinden, daß ich heute so treulich für sie gebetet habe. Insbesondere lasse dies mein Herzlicher Gruß zu Maria. 567 Gebet den Seelen meiner lieben Eltern, Brüder, Schwestern, Blutsverwandten, Freunde, Beichtväter und aller Bekannten zu gut kommen, damit sie erkennen, daß ich ihrer noch nicht vergessen habe, sondern in meiner Andacht fleißig eingedenk sei. Amen. ( Bei der h. Messe kannst du dich der Seelenmesse bedienen im letzten Gärtlein.) Besondere Andachten. Tägliche Gebete zu Maria. Erwählung Mariä zur Mutter und Patronin. Glorwürdigste Jungfrcu Maria, du wahre Mutter des Sohnes Gottes, und von Gott verordnete Fürbitterin für das menschliche Geschlecht, weil deine Fürbitte am allermächtigsten ist, so erwähle ich dich heute zu meiner Herzliebsten Mutter, treuesten Mittlerin und Patronin bei Gott in meinem Leben und Sterben und nach meinem Tode im Fegfeuer. Ich dagegen überzebe mich dir zu deinem Kinde und zu deinem treuen Diener, und verspreche dir, daß ich allzeit ein kindliches Herz zu dir tragen und dich fleißig verehren, und deine Ehre nac Möglichkeit befördern wolle. Nimm du mich auch zu deinem wahren Kinde an, und was eine treue Mutter an ihrem lieben Kinde thut, thue auch an mir, deinem arnen Kinde. Du wollest auch meine treuherzige Mittlerin und beste Patronin bei Gott sein, und allen möglichen Fleiß anwenden, damit ich nicht ewig verloren gehe. Amen. das Herzlicher Gruß zu Maria. Ich grüße dich ganz herzlich, neine liebe Mutter Maria, meine auserwählte Mittlerin und treuherzige Fürsprecherin bei deinem Sohne! An dein mittcrliches Herz spreche ich in findlicher Liebe diesen Gruß und wünsche durch denselben dein treues Herz so sehr zu erfreun, als der Engel Gabriel 568 Das zehnte Gärtlein. mit seinem himmlischen Gruße dasselbe erfreut hat. Ja, ich begehre mit solcher Ehrfurcht und Liebe dich zu grüßen, mit der dein liebster Sohn dich grüßte, als er dir am h. Ostertage ganz glorreich erschien und den betrübtes Herz mit unaussprechlicher Freude und unergründlicher Liebe erfüllte. Ich grüße dich im Namen und mit dem Effekt aller deiner treuen Diener und Dienerinnen; ach! möchte ich doch mit diesem herzlichen Gruße dir solche Ehre er weisen, als dieselbe dir durch ihre freundlichen Grüße auf Erden je erwiesen haben. Ich grüße und ehre dich, meine liebste Mutter! im Namen aller, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, insbesondere grüße und ehre ich dich anstatt derjenigen, welche dich verunehren und dich sogar boshaft lästern. Ach! tausendmal mehr Ehre und Liebe begehre ich dir durch dies Grußgebetlein zu erweisen, als dir von den Ungläubigen, Ketern und bösen Christen Unehre und Schnach ist zugefügt worden. Laß dir denn diesen wohlgemeinten Gruß gefallen, und wie ich, als dein Kind, dich als meine liebste Mutter mit meinen Begrüßungen zu erfreven und deine himmlischen Freuden zu vermehren suche, so wollest du mich in all meiner Betrübniß trösten und besonders in meinem letzten und größten Herzenleide mit deiner lieblichen Gegenwart erfreuen. Vergiß nicht, liebse Mutter Maria! sondern gedenke alsdann, wie treuherzig ich, dein armes Kind, am heutigen Tage dich angerufen habe. Amen. Vertrauen zu Maria. In sicherer Hoffnung und mit großem Vertrauen will ich zu dir gehen, o Jungfrau aller Jungfrauen! und will dir mit kindlicher Vertraulichkeit mein inneres und äußeres Leid klagen. Wegen der Wenge meiner Sünden bin ich freilich nicht würdig, erhört zu werden, gleichwohl weiß ich, daß du gerade um des Heils der Sünder willen eine Mutter Gottes, und durch die Frucht deines Leibes eine Mutter der Barmherzigkeit gewordi bist. Deine unaussprechliche Milde ziehet mich an und röthigt mich, auf dich ein wahres Vertrauen zu setzen und an der Hülfe deiner mütterlichen Güte nicht im mindesten zu zweifeln. Ja, wegen der großen Liebe zu Maria. 569 Güte. die du gerade den Sündern erzeigst, komme ich de müthig zu dir, und bitte dich vor Allem, daß du mir bei deinem Sohne Verzeihung meiner Sünden und eine wahre und aufrichtige Besserung meines Lebens erlangest. Außerdem bitte ich auch, du wollest vor den Thron der allerheiligsten Dreifaltigkeit die Bedrängniß meiner Seele bringen, und durch deine vielgeltende Fürbitte mir eine Minderung derselben erbitten. O gebenedeite Jungfrau und barmherzige Mutter! ich habe ein großes Vertrauen zu dir so, daß ich voll Zuversicht bin, du werdest ein so armes Kind, als ich bin, nicht mit leerer Hand von dir entlassen, sondern mich mit der Gewährung meiner Bitte beschenken. Denn du öffnest ja den Schooß deiner Barmherzigkeit einem Jeden, um denen, die es bedürfen, Gutthaten zu erweisen. Du hast keinen Abscheu vor unserer Armseligkeit, du schauderst vor den Sündern nicht und empfindest keinen Ueberdruß an denen, die dich überlaufen; sondern erzeigst dich in Allem und jedem ganz milde und gütig, und nimmst dich Aller an, mehr als eine Mutter sich ihres Kindes annimmt. Deshalb fürchte ich nicht, daß deine Ohren sich meinem Gebete verschließen, noch deine milden Augen sich von meiner Armseligkeit abwenden. Es sei fern von dir, daß der Brunn der Barmherzigkeit, der alle Bittenden erquickt, gerade bei mir sich erschöpfen, und der Quell der Gnaden, der so reichlich allen durstenden Seelen spendet, gerade bei mir vertrocknen sollte. Wahrlich, liebreiche Mutter! du bist eine Zuflucht denen, die in Angst und Noth sind, und eine sichere Hülfe denen, die dich mit Vertrauen anrufen; darum vertraue ich denn fest auf deine träftige Fürbitte, und verlasse mich voll Zuversicht darauf, du werdest mir bei Gott Gnade erbitten, daß ich doch nicht* ewig verloren gehe. Amen. Liebe zu Maria. Owie schön und lieblich bist du, o Maria! Wie groß ist deine Glorie im himmlischen Vaterlande! Deine Klarheit erleuchtet das ganze himmlische Paradies, und im Anschauen deiner unvergleichlichen Schönheit erfreuet sich das ganze himmlische Heer und alle Engel und Heiligen lieben 570 Das zehnte Gärtlein. dich; ja, Gott selbst liebt dich über alle Creaturen, sollte ich dich denn nicht lieben? Oliebreichste Jungfrau, ich liebe dich! Ich liebe dich, Maria! weil du so schön, so keusch, so jungfräulich bist! Ich liebe dich, Maria! weil du eine so treue Mutter bist! Ich liebe dich, Maria, weil du eine so glorwürdige Königin bist! Ich liebe dich von Grund meine Herzens: und weil ich dich nicht genug lieben kann, darum bitte ich alle Heiligen und Engel, sie wollen dich für mich lieben, und bitte auch deinen Sohn, er wolle dir jetzt statt meiner eine herzliche Liebe erweisen und auch meinem Herzen eine große und treue Liebe zu dir einflößen. Amen. Bund mit Maria. Gnadenreiche Jungfrau und hochwürdige Mutter Gottes Maria! wiewohl ich wegen meines sündigen Lebens nicht würdig bin, dein Kind zu sein, so bist du dennoch wegen deiner Liebe und Treue wohl würdig, meine Mutter zu sein. Aus Liebe zu dir erneuere ich darum das Band der Liebe mit dir, und erwähle dich heute wiederum zu meiner liebsten Mutter in solcher Weise und Herzlichkeit, als es nur immer von einer von Liebe brennenden Seele geschehen ist und geschehen kann, so verschließe ich mich in dein müt terliches Herz; ja, ich verschreibe mich dir mit Leib und Seele zu eigen, und gleichwie die H. Franziska von Chantal den Namen deines geliebten Sohnes, um sich ihm unwider ruflich zu weihen, mit einem glühenden Eisen auf ihre Brust gebrannt hat; so will auch ich deinen Namen neben den Namen deines Sohnes, unsers Herrn, meinem Herzen wenig stens so tief einprägen, daß ich denselben, als den Namen meiner Mutter und Herrin nimmer vergessen werde. Nimm, o Maria! diesen Bund an und schreibe auch du deinen Namen in mein Herz und meinen Namen in dein Herz, damit wir ewig als Mutter und Kind in treuer Liebe verbleiben, und ich einstens in deinem Schooße, gleichwie ein liebes Kind in seiner Mutter Schooße, meinen Geist aufgebe. Amen. Gebete zu Maria um ein seliges Ende. O Mutter der Barmherzigkeit, mildreichste Jungfrau Maria! Du weißt, daß ich mein Leben hindurch eine große Zu Maria um ein seliges Ende. 571 Liebe zu dir getragen und nächst Gott mein ganzes Vertrauen auf dich gesetzt habe. Wie einem Kinde angeboren ist, in all seinen Nöthen sogleich zu seiner Mutter zu eilen, so ist es auch mir gleichsam angeboren, in all meinen Nöthen zu dir eilen und mich in deinem Schooße vor dem gerechten Zorne Gottes zu verbergen. Keine größere Noth aber stehet mir bevor, als die an meinem letzten Ende mich überfallen wird. Ach! die Todesnoth ist so groß und schrecklich, daß all meine Kräfte nicht hinreichen werden, um ihr zu widerstehen. Deswegen komme ich jetzt, da ich noch bei Kräften bin, ihr zuvor und eile zu dir und befehle mich jetzt schon in deinen mütterlichen Schuß. Beschütze mich, o Maria! jetzt und an meinem letzten Ende, und verbirg mich unter den Mantel deiner Barmherzigkeit vor dem Angesichte des erzürnten Richters. Bedecke auch meine Augen, daß sie die scheußlichen Gestalten der bösen Geister und ihre Schreckbilder, die sie denselben etwa vorgaukeln möchten, nicht sehen, und beschütze mich vor ihrem giftigen Haffe, damit sie mir nicht zu schaden vermögen. Sei mir alsdann gegenwärtig und verscheuche mit deiner freundlichen Gegenwart alle meine Feinde und bringe Trost in mein beängstigtes Herz. Flöße ihm ein großes Vertrauen zu dir ein und sprich gleichsam im Grunde desselben dieſe tröstlichen Worte: Siehe, ich bin bei dir, ich, die Mutter der Barmherzigkeit, welche du allezeit geliebt und auf welche du so stark vertraut hast. Fürchte dich nicht, ich will für dich sprechen und dein Schutz sein! Ach! liebe Mutter, wenn du mir doch diese große Güte und Freundlichkeit erzeigteft, in alle Ewigkeit wollte ich dich dafür loben und vor allen Heiligen deine unerschöpfliche Güte und Barmherzigkeit preisen. Amen. II. Eja, du Mutter der Barmherzigkeit, behüte mich mütterlich im Leben, und stehe mir kräftig bei in meinem angstvollen Sterben! O du zarte und edle Jungfrau, heute rufe ich zu dir und bitte dich demüthig, du wollest in jener schrecklichen Stunde, worin Leib und Seele bis zu ihren innersten Tiefen erschrecken, weil es zum bittern Scheiden gekommen ist, dich mütterlich zu mir wenden und mich in deinen mächtigen Schutz aufnehmen. In jener bittern 572 Das zehnte Gärtlein. Stunde werde ich nicht wissen, zu wem ich armer Sünder fliehen, und wo ich Hülfe und Trost finden soll. Darum, du Mutter der Barmherzigkeit, bitte ich dich, zu deinen Füßen liegend, mit vielen Seufzern meines Herzens, du wolleft in der Stunde meines Todes mir Gnade erwerben. Gedenke alsdann an dies mein Gebet, welches ich jetzt vor dich bringe mit dem heftigen Wunsche meines Herzens, daß ich alsdann deiner trostreichen Hülfe würdig sein möchte. O du gütige Trösterin, beschirme mich vor dem bösen Feinde! Nimm alsdann meine Seufzer auf und versüße meine bittere Noth! Biete mir alsdann deine milde Hand und empfange meine Seele in deine mütterlichen Arme! Begleite mich vor den strengen Richterstuhl deines Sohnes und erwirb mir von ihm ein gnädiges Urtheil. Amen. Fünf Gebete zu Maria wider die Anfechtungen im Lode. ( Monatlich zu sprechen.) I. Gütigste und würdigste Mutter Gottes Maria! sei eingedenk der großen Liebe und überreichen Gnade, mit der du den Sohn Gottes empfangen hast. Ich bitte dich von Grund meines Herzens, du wollest mir an meinem letzten Ende, wenn der böse Feind mir vorwerfen wird, ich habe nichts Gutes gethan, die Verdienste deines lieben Sohnes zueignen und durch den Ueberfluß deiner guten Werke den Mangel meiner guten Werke ersetzen. Amen. II. Gebenedeite Jungfrau Maria, edelste aller Geschöpfe! Da du so standhaft im Glauben gewesen bist, stärke mich in meinem letzten Ende, damit ich nicht etwa im Glauben irre, oder an einem Artikel des wahren Glaubens zweifle. Darum bekenne ich jetzt mit voller Ueberlegung, daß ich glaube an die allerheiligste Dreifaltigkeit und an Alles, was die katholische Kirche zu glauben vorstellt. In dieſem Glauben begehre ich zu leben und zu sterben, ohne auch nur ein Haar breit davon zu weichen. Amen. III. O du hochgelobte Mutter Gottes Maria! ich bitte dich durch das herzliche Mitleid, so du mit deinem geFreuzigten Sohne hattest, und durch das inbrünstige Gebet, welches er für seine Feinde sprach: Bater, verzeihe ihnen, Zum h. Namen Mariä. 573 sie wissen nicht, was sie thun; du wollest, wenn der böse Feind in meinem letzten Ende mir vorwerfen wird, ich habe noch nie eine wahre Erkenntniß und noch nie eine rechte Reue über meine Sünden gehabt, alsdann mir die Augen meines Geistes öffnen und mir eine helle Erkenntniß meiner Sünden erlangen, dann aber auch eine so bittere Reue über dieselben meinem Herzen eingießen, daß ich doch als ein wahrhaft reumüthiger Büßer von dieser Welt scheide. Am. IV. Hochgebenedeite jungfräuliche Mutter Maria! ſei eingedenk des äußerst großen Mitleids, welches du mit der Verlassenheit deines Sohnes hattest, als du ihn die klagenden Worte sprechen hörtest: Mein Gott! wie hast du mich verlassen! Durch dieses Mitleid bitte ich dich, du wollest, wenn der böse Feind in meinem Sterben mir vorwerfen wird, Gott habe mich wegen meiner Sünden gänzlich verlassen und ohne Gnade verstoßen, alsdann mich in fester offnung erhalten, damit ich doch nicht in Kleinmüthigkeit falle und verzage. Amen. V. Glorwürdige Königin des Himmels! ich erinnere dich der unaussprechlichen Freuden, die du empfingest, als der Engel dir verkündigte, du sollest nun aus diesem Jammerthale scheiden und zum himmlischen Paradiese auffahren, wo dein liebster Sohn und das ganze himmlische Heer deiner entgegen harre. Durch diese Freude bitte ich dich, du wollest mir die Gnade erwerben, daß ich getröstet von dieser Welt scheide, und getrost vor dem strengen Richter erscheine. Wenn mich dann in meiner Sterbestunde Angst überfällt, weil ich nicht wissen kann, ob ich zur Zahl der Auserwählten oder der Verdammten gehöre, o so tröste mich, du Trösterin der Betrübten, und erhalte mir durch deine Fürbitte den Urtheilsspruch der ewigen Seligkeit. Amen. Gebet zum h. Namen Mariä. ( Besonders in Traurigkeit und Betrübniß des Herzens zu sprechen.) O mildeste Jungfrau Maria! ich armer Sünder rufe dich von Grund meines Herzens an, und bitte dich durch die Kraft deines h. Namens, du wollest mir Barmherzigkeit erlangen. O Name Mariä, du süßer Name, du tröstlicher 574 Das zehnte Gärtlein. Name, du lieblicher Name! Denn was ist Maria anders als eine Zuflucht der Sünder und eine Trösterin der Betrübten. Deswegen, o Maria, um deines Namens willen sei meine Zuflucht und meine Trösterin in allen Leiden. Ach! laß mich nicht verloren gehen, weil mich dein Sohn so theuer erkauft hat. O Name Mariä, du Freude der Engel! O Name Mariä, du Trost der Frommen! Name Mariä, du Hoffnung der Sünder! Dich liebe ich, dich lobe ich, dich ehre ich, dich will ich tragen in meinem Herzen, dich will ich führen in meinem Munde. Durch dich hoffe ich Gnade zu erlangen und in allen meinen Nöthen getröstet zu werden. O süßer Name! wenn ich dich höre, so freuet sich mein Herz; wenn ich dich nenne, werde ich mit Wonne erfüllt! Der liebe Gott hat dir solche Kraft gegeben, daß Alle, so dich mit Andacht anrufen, Stärke und Trost er: fahren. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! sei mein Trost in Betrübnissen und meine Hülfe in allen meinen Nöthen, besonders in meiner letzten Noth, wenn ich vom bösen Feinde angefochten und geängstiget werde. Alsdann komme mir zu hülfe und durch die Kraft deines H. Namens treibe den Feind weit von mir. Und sollte ich alsdann vielleicht deinen Namen nicht anrufen können, so rufe ich ihn jett für nun und dann an und spreche von Grund meines Herzens: h. Maria, h. Maria, h. Maria! stehe mir bei und verlaß mich nicht in meiner letzten Noth, bitte für mich jetzt und in der Stunde meines Todes. Am. Sancta Maria succurre miseris. Heilige Maria! stehe den Elenden bei: schirme die Kleinmüthigen; erquicke die Weinenden; bitte für das Volk; bete für die Geistlichkeit; flehe für das andächtige Frauengeschlecht, und laß Alle deine Hülfe erfahren, die dein heil. Andenken verehren! V Bitte für uns, o h. Gottesgebärerin! R Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Wir bitten dich, o Herr! laß uns, deine Diener, einer beständigen Gesundheit an Leib und Seele uns erfreuen, Salve Regina. 575 und auf die glorwürdige Fürbitte der allerseligsten Jungfrau Maria von der gegenwärtigen Trauer befreiet werden und der ewigen Freude genießen, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. Sub tuum praesidium. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heil. Gottesgebärerin, verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöthen, sondern erlöse uns jederzeit von aller Gefährlichkeit, o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin; versöhne uns mit deinem Sohne, empfiehl uns deinem Sohne, stelle uns deinem Sohne vor! V Bitte für uns, o h. Gottesgebärerin! R Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi Gebet. Wir bitten dich, o Herr! du wollest deine Gnade in unsere Herzen eingießen, damit wir, die wir durch die Botschaft des Engels die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt haben, durch sein Kreuz und Leiden zur Herrlichkeit der Auferstehung geführt werden. Durch den selben Christus, unsern Herrn. Amen. Salve Regina. Gegrüßet seist du, o Himmelskönigin! Mutter der Barmherzigkeit, Leben, Süßigkeit und unsere Hoffnung, sei gegrüßt! Zu dir flehen wir verbannte Kinder Eva's. Zu dir seufzen wir klagend und weinend in diesem Thränenthale. Eja also unsere Fürsprecherin, wende deine er barmungsvollen Augen hin auf uns, und zeige uns nach diesem elenden Leben Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! V Bitte für uns, o h. Gottesgebärerin! R Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der du den Leib und die Seele der glorwürdigen Mutter und Jungfrau Maria durch die Mitwirkung des h. Geistes zu einer würdigen Wohnung 576 Das zehnte Gärtlein. deines Sohnes zubereitet hast, verleihe uns, die wir mit Freuden ihre Gedächtnißfeier begehen, daß wir auf ihre milde Fürbitte von den uns drohenden Uebeln und von dem ewigen Tode erlöset werden. Durch denselben Christum unsern Herrn. Amen. Das Memorare. Gedenk, o gütigste Jungfrau Maria, daß es niemals ist gehört worden, daß Jemand, der zu dir seine Zuflucht nahm, deinen Beistand anrief und um deine Fürbitte flehete, von dir sei verlassen worden. Durch solches Ver trauen ermuntert, eile ich zu dir, h. Jungfrau der Jungfrauen, komme ich zu dir, steh ich vor dir als seufzender Sünder. Mutter des ewigen Wortes! wolle doch nicht meine Worte verschmähen, sondern gnädig höre mich an und erhöre mich. Amen. Gebet um den Schuß Mariä für die Keuschheit. Durch deine heil. Jungfrauschaft und deine unbefleckte Empfängniß, o reinste Jungfrau! erhalte mir die Reinig feit des Leibes und der Seele. Im Namen Gottes † des Vaters und des Sohnes und † des h. Geistes. Amen. Gebet zu seligsten Jungfrau Maria in Gefahren oder Versuchungen gegen die Keuschheit. O meine Herrin! o meine Mutter! Ich bringe mich ganz dir dar und um mich dir ergeben zu bezeigen, weihe ich dir heute meine Augen, meine Ohren, meinen Mund, mein Herz, mich selbst ganz und gar. Weil ich nun dein bin, o gute Mutter, so bewahre mich, beschütze mich als deine Sache und dein Besişthum. Bei jeder Versuchung die kürzere Anmuthung: O meine Herrin! o meine Mutter! gedenke, daß ich dein bin. Bewahre mich, beschüte mich als deine Sache. und dein Besitzthum. Unser H. Bater Pius IX. hat laut Decret vom 5. Auguſt 1851 allen Christgläubigen beiderlei Geschlechts, welche das vorgenannte Gebet des morgens und Abends, nachdem sie den Engel des Herrn" mit Andacht und einem wenigstens reumüthigen Herzen gebetet haben, sprechen, einen Ablaß von 100 Tagen einmal im Tage verliehen, denen aber, welche es an allen Tagen des Monats thun, einen vollkommenen Ablaß, Die lauretanische Litanei. 577 den sie an dem Tage, an welchem sie nach wahrhaft reumüthiger Beicht und Empfang der H. Communion irgend eine Kirche oder einen öffentlichen, zum Gebete bestimmten Ort besucht und dort eine Zeitlang nach dem Sinne Sr. Heiligkeit gebetet haben, erlangen können; und so oft sie bei jeder Versuchung nur die oben besagte kürzere Anmuthung gleichfalls mit reumüthigem Herzen und andächtig gebetet haben, einen Ablaß von 40 Tagen für ewige Zeiten ertheilt, mit der Vollmacht, dieselben Ablässe als Fürbitte für die verstorbenen Christgläubigen zu applieiren. Die lauretanische Litanei. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Jesu Christe, höre uns! Jesu Chrifte, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. Gott heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Heilige Maria, Heilige Maria, ohne Makel der Erbsünde empfangen, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Mutter Christi, Mutter der göttlichen Gnaden, Du allerreinste Mutter, Du allerkeuschefte Mutter, Du unversehrte Mutter, Du unbefleckte Mutter, Du liebliche Mutter, Du wunderbare Mutter, Du Mutter unsers Schöpfers, Du Mutter unsers Erlösers, Du allerweiseste Jungfrau, Du ehrwürdige Jungfrau, Du lobwürdige Jungfrau, Du mächtige Jungfrau, Du gütige Jungfrau, Du getreue Jungfrau, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Sitz der Weisheit, Du Ursache unsers Heils, Du geistliches Gefäß, Myrrhengarten III. 23. Aufl. 37 Bitte für uns! 578 Das zehnte Gärtlein. Du ehrwürdiges Gefäß, Du vortreffliches Gefäß der Andacht, Du geistliche Rose, Du Thurm Davids, Du elfenbeinener Thurm, Du goldenes Haus, Dn Arche des Bundes, Du Pforte des Himmels, Du Morgenstern, Du Heil der Kranken, Du Zuflucht der Sünder, Du Trösterin der Betrübten, Du Helferin der Christen, Du Königin der Engel, Du Königin der Patriarchen, Du Königin der Propheten, Du Königin der Apostel, Du Königin der Martyrer, Du Königin der Bekenner, Du Königin der Jungfrauen, Du Königin aller Heiligen, Du Königin ohne Erbsünde empfangen, O du Lamm Gottes 2c., verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erhöre zc. Bitte für uns! O du Lamm Gottes 2c., erbarme 2c. Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. Gebet. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin, verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöthen, sondern erlöse uns jederzeit von aller Gefährlichkeit, o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau! Unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin, versöhne uns mit deinem Sohne, empfiehl uns deinem Sohne, stelle uns vor deinem Sohne! V Bitte für uns, o h. Gottesgebärerin! R Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Neuntägige Andacht zu Maria. 579 Wir bitten dich, o Herr, du wollest deine Gnade in unsere Herzen eingießen, damit wir, die wir durch die Botschaft des Engels die Menschwerdung Christi, deines Sohnes erkannt haben, durch sein Kreuz und Leiden zur Herrlichkeit der Auferstehung geführt werden. Durch denselben Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. V Bitte für uns, o h. Joseph! R Daß wir theilhaftig werden der Verheißungen Christi. Wir bitten dich, o Herr! daß uns durch die Verdienste des Bräutigams deiner seligsten Gebärerin geholfen werde; damit, was unser Vermögen nicht erhalten kann, uns durch seine Fürbitte geschenkt werde. Der du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des h. Geiſtes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Aufopferung. Nimm auf, o liebe Mutter Gottes, diese h. Litanei, welche ich mit möglichster Andacht dir zu Ehren gebetet habe. Ich opfere dir dieselbe durch das süßeste Herz Jeſu Christi, zur Vermehrung deiner Freude und Seligkeit und zur Bezeugung meiner Liebe zu dir. Laß dir dieselbe gefallen, unterlaß nimmer den lieben Gott für mich zu bitten, insbesondere in meiner letzten Noth erinnere dich, wie an dächtig ich dich angerufen und wie treulich ich mich dir empfohlen habe. Amen. Neuntägige Andacht zu Maria. Vor einem Marien- Bilde, um eine gewisse Bitte zu erlangen. Der h. Gertrud hat Maria offenbart, daß sie demjenigen, welcher zu Ehren der neun Monate, in welchen sie den Sohn Gottes unter ihrem Herzen getragen hat, eine gewisse Andacht verrichten würde, keine billige Bitte abschlagen wolle. Wenn du nun ein besonderes Anliegen hast, so kniee vor einem Marien- Bilde nieder, zünde ein Kerzlein vor demselben an, und sprich neun Tage nach einander folgende Gebete. Gebet, neun Tage nach einander zu sprechen. du hochgebenedeite jungfräuliche Mutter Maria, die du von Gott dem Vater vor allen Kreaturen würdig ge37* 580 Das zehnte Gärtlein. achtet worden bist, daß sein eingeborner Sohn aus dir Fleisch annehmen sollte, ich erinnere dich der unaussprechlichen Freuden, die du in den neun Monaten, in welchen Christus, Jesus unter deinem jungfräulichen Herzen lag, empfunden hast, und wünsche dir zu denselben herzlich Glück! Weil ich jetzt ein besonderes Anliegen auf meinem Herzen habe und in einer schweren Noth und Betrübniß bin, woraus ich durch deine Fürbitte erlös't zu werden hoffe, so habe ich jetzt dies Licht vor diesem deinem Bilde zu Ehren der Liebe, mit welcher dein Herz in den neun Monaten brannte, angezündet und will die folgenden neun Ave Maria zur Erinnerung und Erneuerung der Freuden, die du in gedachten neun Monaten empfunden hast, mit möglichster Andacht aussprechen. Jetzt sprich neun Ave Maria, darnach: Weil du, o Maria, als du den Sohn Gottes unter deinem Herzen trugest, den fröhlichen Lobgesang Magnificat gesprochen, und dadurch dem höchsten Gott Lob und Dank gesagt haft; so will auch ich aus deinem Herzen und Munde daffelbe sprechen, und durch dich der heil. Dreifaltigkeit aufopfern. Hoch preiset meine Seele den Herrn 2c. Siehe S. 112. Aufopferung. Jetzt habe ich, jungfräuliche Mutter, zu Ehren deiner neunmonatlichen Freuden neun englische Grüße sammt deinem freudenreichen Lobgesang andächtig gesprochen, und begehre dir dieselben mit schuldigster Unterthänigkeit und herzlicher Liebe auf's beste aufzuopfern. Du wollest wegen deiner mütterlichen Güte diese meine Andacht in Gnaden aufnehmen, und dies mein unwürdiges Gebet dir bestens gefallen lassen. Zugleich nimm auch jene Bitte, welche ich durch deine Fürbitte zu erhalten hoffe, in deinen gnadenreichen Schooß auf, und erwirke mir bei deinem Sohne Gewährung derselben. Ich erkenne mich zwar deiner Gnade meiner Sünden wegen ganz unwürdig; doch bereue ich meine vielfältigen Sünden von ganzem Herzen, und mache den kräftigen Vorsatz, besonders in diesen neun Tagen, Andacht zum h. Joseph. 581 mich sowohl von kleinen als großen Sünden, wie auch von allem unnützen Thun und Reden zu enthalten. Des wegen schöpfe ich Hoffnung und Vertrauen, ich werde durch deine und deines Sohnes Güte begnadigt werden und Gewährung meines inständigen Begehrens erhalten. O milde Mutter und liebreichste Jungfrau Maria, wende zu mir Elenden dein gnadenreiches Angesicht, und neige barmherzig dein Ohr meinem Gebete zu. Erhöre das Gebet deines zu dir flehenden Kindes, und durch deine Fürbitte erwirb mir jene Gnade, welche ich jeßt durch dich von Gott zu erlangen hoffe. Ich bitte dich, durch die überschwängliche Süßigkeit, welche du in den neun Monaten an Leib und Seele empfandest, als du Jesus unter deinem jungfräulichen Herzen trugest, erfreue mein betrübtes Herz, und befreie mich von der schweren Last meiner Sünden. Der süße Jesus aber, welcher dich mit so viel himmlischer Freude erquickt hat, wolle dich würdigen, auch mein sündiges Herz durch Ertheilung dessen, was ich begehre, zu erquicken und mich von allen Leibes- und Seelengefahren zu erlösen. Amen. Andacht zum H. Joseph. Tägliches Gebet zum h. Joseph. Gegrüßet seist du von mir, deinem unwürdigen Pflegkinde, h. Joseph, du treuer Fürbitter aller, die dich lieben und ehren. Du weißt, daß ich ein besonderes Vertrauen zu dir trage und nächst Jesu und Maria alle Hoffnung meines Heils auf dich gesetzt habe. Denn du vermagst Alles bei Gott, und verläsfest deine treuen Diener und Dienerinnen nimmer. Darum rufe ich dich mit dieſem Gebete demüthig an, and befehle mich treulich in deinen sichern Schuß und deine mächtige Fürbitte. Ich bitte dich durch die Liebe Jesu und Mariä, verlasse mich nimmer in meinem Leben, und stehe mir besonders bei in meinem Sterben. Amen. Das zehnte Gärtlein. Litanei zum h. Joseph. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe erhöre uns! Christe, höre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. Gott h. Geist, erbarme zc. 582 Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Heilige Maria, du Braut des h. Joseph, Heiliger Joseph, Bräutigam der Jungfrau Maria, Du Nährvater und Beschüßer Jesu, Der du nach dem Zeugnisse des h. Geistes ein Gerechter warst, Du weiser und vorsichtiger Hausvater, Du Beschützer der Jungfrauschaft Mariä, Du getreuer Begleiter und Tröster Mariä, Du Beispiel der reinsten Keuschheit, Du Vorbild der tiefsten Demuth, Du Muster der h. Liebe, Du Spiegel der Verehlichten, Der du die Menschwerdung des ewigen Wortes durch Gottes Offenbarung erkannt hast, Der du mit Maria aus Gehorsam nach Bethlehem gereis't bist, Der du der Geburt Christi beizuwohnen gewürdigt wurdeft, Der du mit Maria die Gnade empfangen, den neugebornen Heiland in der Krippe zuerst anzubeten, Der du mit Maria das Kind im Tempel Gott dargestellt hast, Der du auf Mahnung des Engels mit dem Kinde und seiner Mutter nach Aegypten flohest, Der du nach dem Tode des Herodes mit dem Kinde und dessen Mutter wieder in das Land Israel zurückgekehrt biſt, Der du Jesum drei Tage mit seiner Mutter schmerzlich gesucht und ihn unter den Schriftgelehrten im Tempel mit Freuden wiedergefunden hast, Bitte für uns! Litanei zum h. Joseph. Du, dem der Herr aller Herren untergeben war, Du Lehrmeister der Betenden, Du Zuflucht der Betrübten, Du Vater der Armen, Du Erhalter des. Friedens, Du Schuß der Reisenden, Du Trost der Sterbenden, 583 Du, unser liebreicher Fürsprecher, erhöre uns, o h. Joseph! Du, unser mächtiger Schukpatron, erhöre uns 2c. In allen unsern Anliegen, erhöre uns 2c. In allen unsern Nöthen, erhöre uns 2c. Bitte für uns! In der Stunde des Todes, erhöre uns 2c. Durch deine Erwählung zum Pflegvater Jesu, erhöre uns 2c. Durch deine keusche Vermählung, erhöre uns zc. Durch deine väterliche Obsorge und Treue, erhöre uns 2c. Durch deine Arbeiten und Beschwerden, erhöre uns 2c. Durch alle deine Tugenden, erhöre uns 2c. Durch deine große Ehre und ewige Seligkeit, erhöre uns 2c. Wir Schutzbedürftigen, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du uns von Jesu Verzeihung unserer Sünden erbitten wolleft. Daß du allen Jungfrauen und Eheleuten standesmäßige Keuschheit und Reinigkeit erhalten wollest, Daß du allen Vorstehern in der Regierung ihrer Unterthanen beistehen wolleſt, Daß du allen Eltern, Hausvätern und Hausmüttern Gnade, Einsicht und Stärke erwerben wollest, ihre Kinder und Hausgenossen in der Zucht und Gottesfurcht zu erziehen, Daß du Alle, die auf deine Fürbitte vertrauen, schirmen wollest, Daß du allen unter deinem Namen und Schuß angestellten Versammlungen mit väterlicher Hülfe beispringen wollest, beDaß du mit Jesu und Maria uns in unsern Todesnöthen beistehen wollest, Daß du den Seelen der abgestorbenen Chriftgläubigen mit deiner Fürbitte zu Hülfe kommen wollest, Heiliger Joseph, Wir bitten dich, erhöre uns! 584 Das zehnte Gärtlein. O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. V Bitte für uns, o allerseligster Joseph! R Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. Unterstützt durch den Schutz des Bräutigams deiner heiligsten Gebärerin, bitten wir, o Herr, deine Barmherzigkeit, verleihe, daß unsere Herzen alles Irdische verachten, und dich, den wahren Gott, mit vollkommener Liebe lieben. Der du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einig keit des h. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Neuntägige Andacht zum h. Joseph. Wer ein besonderes Anliegen hat, der verehre den H. Joseph neun Tage mit folgendem Gebete: Mit andächtigem Herzen erscheine ich vor deinem heil. Bilde, treuester Pflegvater Christi, H. Joseph, und suche in meinem Anliegen deine kräftige Hülfe und Fürbitte. Ich weiß und glaube es fest, daß dir bei Gott alles mög lich ist, und dir das süße Jesukind, welches dir auf Erden als seinem Vater unterthänig gewesen ist, jezzt im Himmel keine billige Bitte versagt. Dies hat deine treue Liebhaberin und seraphische Mutter, die h. Theresia, erfahren. Sie bekannte von sich selbst, daß sie dir keine Bitte vorgetragen habe, ohne Gewährung zu erhalten, und ermahnt alle Menschen, ihre Zuflucht bei dir zu nehmen, mit der Versicherung, daß du sie nicht ungetröstet von dir lassen werdest. Durch dies Versprechen aufgemuntert fliehe ich zu dir, würdigster Pflegvater Jesu und keuschester Bräutigam Maria, und bitte dich durch die inbrünstige Liebe, welche du zu diesen beiden auf Erden getragen haft, er zeige auch an mir deine Liebe und Barmherzigkeit. Tröste mich in meinem schweren Kreuze, und erwirb mir durch Andacht zur h. Anna. 585 Jesus und Maria die Gewährung meiner Bitte von Gott dem Vater. Neußere nur deinen Wunsch und lege meine Bitte an das Herz deines liebsten Jesu, und es ist genug. Ich werde mein Begehren gewiß erhalten, und in meiner jebigen Beschwerniß sicher getröstet werden. Dies zu erhalten, will ich jetzt drei Vater unser und Ave Maria sprechen, und dir dadurch mein Anliegen bestens anbefehlen Drei Vater unser und Ave Maria. Aufopferung. O ihr liebsten Freunde, Jesus, Maria, Joseph, nehmet von mir armen Sünder diese drei Vater unser und Ave Maria an, und lasset euch mein demüthiges Gebet gefallen. Meine Seufzer wollen eure Herzen durchdringen, und mein Begehren wolle von euch in Gnaden angesehen werden. Ich bitte euch durch die treuherzige Liebe, die ihr allzeit zu einander getragen, und durch alles Mitleid, das ihr allen Nothleidenden erwiesen habt, habt auch Mitleid mit meiner jeßigen Noth und gewähret mein inständiges Begehren. Amen. Andacht zur H. Anna. Tägliches Gebet zur h. Anna. armSei mir gegrüßt, würdige Mutter Mariens, heilige und hochgebenedeite Anna, du bist voller Güte und herzigkeit und trägst ein geneigtes Herz zu allen deinen Pflegkindern. Ach, nimm mich doch auch in deinen Schuß auf und an, und verbirg mich unter dem Mantel deiner mildreichen Güte! Sage vor Gott, daß du meine Mutter ſeiest, auf daß es mir wohl ergehe um deinetwillen. Ich bitte dich, treue Mutter Anna, durch Freud' und Leid, was du mit Jesus und Maria auf Erden getheilt haſt, laß mich im Leben und Sterben dir befohlen sein, und erwirb mir bei Gott, daß ich die ewige Seligkeit erlange. Amen. Das zehnte Gärtlein. Litanei zur H. Anna. ( Besonders an Dienstagen ihr zu Ehren zu gebrauchen: wie auch an ihrem Festtage den 26. Auguſt.) Herr, erbarme dich unser! Christe, erbame dich unser! Herr, erbarme dich unser! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. 586 Gott heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heilige Mutter Anna, Du Liebling der h. Dreifaltigkeit, Du auserwähltes Werkzeug zur Erlösung der Menschen, Du Großmutter des Sohnes Gottes dem Fleische nach, Du würdige Mutter der h. Jungfrau und Gottesgebärerin Maria, Du getreue Gattin des h. Joachim, Du ehrenvolle Schwiegermutter des h. Joſeph, Du Freude der Engel, Du Tochter der Patriarchen, Du Orakel der Propheten, Du Glorie der Ehefrauen, Du Mutter der Armen, Witwen und Waisen, Du Ruhm deines Gemahls, Du Zierde des Hauses David, Dn Muster ehelicher Treue und Ehrbarkeit, Du Spiegel der Mütter, Du Vorbild für Alle, die Kinder zu erziehen haben, Du Zweig der Ruthe Jeffe's, Du Wurzel des Baumes des Lebens, Du edler Baumgarten, worin die Frucht des Heils gewachsen, Du keuscher Lilienstock, woraus die Blume der Jungfrauschaft entsproffen, Du goldene Bundeslade, Bitte für uns! Litanei zur h. Anna. Du lebendiger Quell der menschlichen Glückseligkeit, Du heilbringende Wolke, aus welcher der Gerechte uns vom Himmel herabgethauet worden, Du Schiff, das über die Fluthen der Sünde hin den Retter brachte, Du Spiegel des Gehorsams, der Geduld und Gottſeligkeit, Heilige Anna, du Bollwerk der Kirche, Heilige Anna, du Zuflucht der Sünder, Heilige Anna, du Hülfe der Christen, Heilige Anna, du Befreierin der Gefangenen, Heilige Anna, du Trost der Eheleute, Heilige Anna, du Schutz der Jungfrauen, Du sicherer Hafen der Gefahrleidenden, Du Pfad den Pilger, Du Heil der Kranken, Du Stärkung der auf dem Wege Ermatteten, Du Licht der Blinden, Du Ohr der Tauben, 587 Bitte für uns! Du Zunge der Stummen, Du Hülfe Aller, die dich verehren und anrufen, Daß Maria, deine geliebte Tochter, uns an Kindes statt annehmen wolle, Daß sie stets unsere gütige Fürbitterin sei bei Jesus Christus, ihrem Sohne, unserm Heilande und Richter, Daß sie uns mit dir ein h. Leben und seliges Ende von ihm erflehen wolle, O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Herr! Herr, erbarme dich unser! Christe erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. V Bitte für uns, o h. Mutter Anna! Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Chrifti. 588 Das zehnte Gärtlein. Laßt uns beten. O gebenedeite Mutter Anna, du würdige Mutter Mariens und wahre Großmutter unsers Herrn Jesu Christi! ich ehre und preise dich aus kindlichem Herzen und rufe dich heute besonders um deine Fürbitte an. Ich bitte dich durch deine Geburt und deinen seligen Hingang aus dieser Welt, du wollest mir ein gottseliges Leben und glückseliges Scheiden aus dieser Welt erwerben. O liebe Mutter Anna! bitte Jesus, dem du dem Fleische nach so nahe standest, durch die herzliche Liebe, welche Er zu dir trug und du zu Jesus, daß Er mich um deines süßen Namens willen in allen meinen Nöthen stärken, in allen meinen Anliegen erhören; und insbesondere nur ein Fünkchen eurer gegen seitigen inbrünstigen Liebe mir verleihen wolle, damit ich mein Leben hindurch in der Liebe Gottes verbleibe, wachſe, in derselben felig sterbe und die ewige Glorie erwerbe. Am. Neun- Dienstägige Andacht zum heiligen Antonius von Padua. Wer die neun Dienstage hält, der spreche an allen neun Dienstagen dies und das folgende Gebet. Auch sonst zu Hause vor einem Antoniusbilde nützlich zu sprechen. O du mächtiger Helfer in allen Nöthen, h. Antonius von Padua, weil so viele Menschen deine Hülfe rühmen, und durch die neun- dienstägige Andacht in ihrem Anliegen ge tröstet und erhört worden sind, so halte auch ich jetzt Gott und dir zu Ehren diese neun Dienstage und hoffe durch die reichen Verdienste Jesu Christi und durch deine treue Hülfe und kräftige Fürbitte in meinem Anliegen getröstet zu werden. Ich kniee hier mit aller Demuth vor deinem h. Bilde, besuche dasselbe mit möglichster Andacht, verehre es mit schuldiger Ehrerbietung und rufe vor demselben deine mächtige Hülfe und Fürbitte an. Ich habe das starke Vertrauen zu dir, lieber heil. Antonius, daß du mir helfen könnest und wollest, und zweifle nicht im Geringsten daran, daß du mir wegen deiner großen Güte sicher helfen werdest. Andacht zum H. Antonius von Padua. 589 Denn du bist auf Erden ein so treuer Diener Gottes gewesen, und bist jetzt im Himmel ein so treuer Freund Christi, daß er dich besonders Liebet und ehret, und dir keine billige Bitte abschlägt noch versagt. Wenn also mein Begehren, deswegen ich die neun Dienstage halte, billig und nach dem Willen Gottes ist, so zweifle ich nicht daran, du werdest dasselbe vor den Thron Gottes bringen, und mir Gewährung erhalten. Sollte es aber wider den Willen Gottes und das Heil meiner Seele sein, so begehre ich dasselbe ganz und gar nicht zu erhalten, sondern bitte dich vielmehr, du wollest mir eine andere Gnade, so mir selig ist, vom lieben Gott erbitten. Ach! so erhöre mich denn, lieber h. Antonius, und tröste mich in meinem schweren Anliegen. Nimm mein Gebet in Gnaden auf, und lasse meine inständige Bitte vor dein Angesicht kommen. Lasse meine Seufzer deine milde Brust durchdringen und meine Thränen dein süßes Herz erweichen. Lasse mich in meinem festen Vertrauen nicht zu Schanden werden, damit die, welche dich nicht lieben, deiner und meiner nicht spotten mögen, sagend: Wo ist nun dein Vertrauen, das du auf Antonius gesetzt hast? Schön hat er dich erhört und getröstet. Diese Spötter wirst du, o h. Antonius, zu Schanden machen, und durch Erhörung meiner Bitte allen deinen Feinden zeigen, wie viel du bei Gott vermagst. Du wirst zeigen, daß diejenigen, welche auf dich trauen, wohl getrauet haben, und welche dich in ihrem Nöthen anrufen, von dir Hülfe nnd Trost erlangen. So bitte ich dich dann, glorwürdiger Heiliger, vielmehr um deiner Ehre, als meines Nußens willen, du wolleft meine Bitte erhören und mein Begehren bei Gott auswirken. Erhöre mich doch, ach, erhöre mich doch, damit dein Lob in der Welt desto mehr ausgebreitet, und deine mächtige Hülfe desto mehr gerühmt werde, damit deine treuen Diener und Dienerinnen in deiner Liebe und Berehrung desto mehr zunehmen, und die Feinde deiner neun- dienstägigen Andacht desto mehr zu Schanden werden. Siehe nicht darauf, h. Antonius, daß ich so unwürdig bin, erhört zu werden: sondern siehe darauf, wie würdig du bist, mich zu erhören und zu trösten. Ach, sei nicht 590 Das zehnte Gärtlein. eingedent, daß ich den höchsten Gott, und zugleich auch dich, seinen lieben Freund, so oft erzürnt habe, sondern sieh, wie ich alle meine Sünden jetzt so schmerzlich bereue, und einen so ernstlichen Vorsatz habe, dieselben nimmermehr zu begehen. So verschmähe denn nicht mein reumüthiges und zerknirschtes Herz, weil auch der gerechte Gott dasselbe nicht verschmähet noch verachtet. Wiewohl ich ein sehr großer Sünder bin, so hast du darum keine Ursache, mich zu verstoßen, sondern vielmehr Grund, mich aufzunehmen und zu hören, damit dein Lob und deine Ehre vor aller Welt desto größer erscheine, wenn nämlich die Menschen vernehmen, daß du auch mich, den größten unter allen Sündern, erhört und getröstet hast. Alle Menschen, besonders ich, werden ja Wunders erzählen, was für ein liebreicher Heiliger du seiest, weil du auch den Boshaften nicht verschmähest, sondern, da er reumüthig fam, mit deiner gewöhnlichen Milde zu Gnaden aufgenommen hast. Lettlich erinnere ich dich auch, daß du selbst der Urheber der neun dienstägigen Andacht bist, da du so Vielen. welche in ihrer Bedrängniß die neun- dienstägige Andacht gehalten haben, so schnelle und oft so wunderbare Hülfe geleistet hast. Das muß wohl alle Nothleidenden ermuntern, voll Vertrauen ebenfalls diese Andacht zu halten. Und so habe auch ich die neun- dienstägige Besuchung deines heil. Bildes angefangen, und werde dieselbe bis zum Ende mit möglichster Andacht fortführen, voll Zuversicht, alsdann auch Erhörung gefunden zu haben. Dein freundliches Bild, wo du das liebreiche Jesutind auf deinen Armen trägst, besuche ich hier mit herzlicher Liebe, beuge meine Kniee und mein fündiges Haupt, und bete das liebe Jesukind, welches du auf Erden so süß umpfangen hast, mit Ehrerbietung an, und bitte dich, du wollest es auch in meinem Namen anbeten, und ihm meine unwürdige Andacht aufopfern. Trage ihm mein inständiges Begehren vor, erkläre ihm das schwere Anliegen, welches mein betrübtes Herz drückt, bitte das süßeste Jesuskind für mich, deinen treuen Diener, und erhalte mir die Gnade, wegen welcher ich die neun Dienstage halte. Ach, halte doch inständig an, und lasse nicht nach anzuhalten, bis du mir die verlangte Gnade erwirbst! Dann will ich nach 2 Andacht zum h. Antonius von Padua. 591 erlangter Gnade auch nicht nachlaffen, dir treuherzig zu danken, und dein Lob vor allem Volke zu verkündigen. Am. Aufopferung dieses Gebets. Nun habe ich mein Herz vor dir ausgegossen, heiliger Antonius, dein Bild besucht, verehrt und mein Gebet vor demselben verrichtet. So opfere ich dir nun mein unwürdiges Gebet, so kräftig ich immer kann, und vereinige es mit allen Gebeten, die du auf Erden verrichtet hast, und dir zu Ehren verrichtet sind. Alle diese zu einem Blumenbüschlein zusammen gebunden, tunke ich durch die Seitenwunde Christi in das liebbrennende Herz deines süßen Jesukindes, und mit seiner göttlichen Liebe entzündet, wie auch mit seinem rosenfarbenen Blute besprengt, verehre ich dasselbe mit schuldiger Ehrerbietung zur Vermehrung deiner Ehre und zur Erhaltung meines inständigen Begehrens. So nimm es denn, mein treuester Feund, mit solcher Liebe an, mit welcher ich dir dasselbe verehre, und lasse es die eben so wohlgefallen, als wenn es dir von dem allerfrömmsten Menschen aufgeopfert worden wäre. Amen. Gebet zum Jesufinde in den Armen des H. Antonius, an den neun Dienstagen zu sprechen. Auch sonst zu Hause vor einem Antoniusbilde nützlich zu sprechen. O du süßeste Liebe meines Herzens, liebstes Jesukind, ich bete dich an in den Armen deines treuen Dieners Antonius, und begehre dir mit solchem Affekt meine Liebe zu erweisen, wie der h. Antonius auf Erden gethan hat. Ich erinnere dich der treuen Liebe und Freundschaft, die du zu ihm bei seinen Lebzeiten getragen, daß du dich gewürdigt hast, ihm in Gestalt eines kleinen Kindes zu erscheinen, in seinen h. Armen zu liegen und dich ihm ganz und gar hinzugeben. Owohl eine große Gnade! wohl eine treuherzige Liebe! Ohne Zweifel wird der h. Antonius dein werther Freund gewesen sein, weil du ihm diese besondere Gnade erwiesen, welche du vielen großen Heiligen verweigert haft. Ohne Zweifel hast du ihm damals so viele Gnaden mitgetheilt, daß er in seinem ganzen Leben die Fülle hatte und auch andern Menschen davon mittheilen konnte. Auf daß nun alle Welt diese ihm erzeigte Gnade erkenne, hast du gewollt, 592 Das zehnte Gärtlein. daß man dich in Gestalt eines kleinen Kindes auf den Armen des Hl. Antonius im Bilde darstellen und also mit ihm verehren sollte. Deswegen kniee ich vor dir, mein Jesu, verehre dich in den Armen des heil. Antonius, und erzeige deinem Bildnisse dieselbe Ehre, welche ich dir erzeigen wollte, wenn du persönlich gegenwärtig wärest. Ich grüße dich, mein Jesu; ich ehre dich, mein Jesu; ich preise dich, mein Jesu, und mit gebogenem Haupte bete ich dich an! O mein herzliebstes Jesuskind, dies thue ich nicht allein in meinem Namen, sondern im Namen des h. Antonius, ja im Namen aller Engel und Heiligen; und in Uebung dieser Anbetung, Verehrung und Liebeserweisung begehre ich u verharren bis in Ewigkeit. Nun getraue ich mich, dir mein Anliegen zu offenbaren, und die Last meines Herzens vor dir niederzulegen. Ich bin jetzt in der neun- dienstägigen Andacht begriffen, und habe großes Vertrauen, durch deine unendliche Güte und durch die Fürbitte des h. Antonius meine Bitte zu erhalten. Weil ich aber wegen meiner Unwürdigkeit nicht recht wagte, zu dir zu gehen, darum habe ich in dem vorigen Gebete den h. Antonius als meinen Fürbitter zu dir gesandt und ihn mit großem Vertrauen gebeten, er wolle dir mein Anliegen auf's Angelegentlichste vortragen und empfehlen. In diesem Gebete aber erkühne ich mich, dich selbst anzusprechen, und in dem Namen des h. Antonius um Gewährung meines Begehrens zu biten. So bete ich dich an, liebreiches Jesukind, durch deine unendliche Güte und Milde wollest du mich erhören und in meiner Betrübniß trösten. Ich bitte dich durch die Liebe, so du zu dem H. Antonius ge tragen hast und jetzt noch im Himmel trägst, du wollest mein Gebet erhören und mein schweres Kreuz erleichtern. Ich bitte dich durch die kindliche Liebe, welche du zu deiner liebsten Mutter getragen hast, du wollest meine Bitte ge währen und mich von meiner großen Beschwerde erlösen. Endlich bitte ich durch deine unendliche Liebe, die du von Ewigkeit zu deinem himmlischen Vater und dem heil. Geiste getragen hast, und in alle Ewigkeit tragen wirst, du wollest mich aus Gnaden erhören und meine dienstägige Andacht zum gewünschten Ende führen. - Litanei zum h. Antonius. 593 Erkennst du aber durch deine unergründliche Weisheit, daß es mir oder meinem Nächsten an der Seligkeit hinderlich sein werde, so wollest du anstatt dieses meines Begehrens mir eine andere Gnade gewähren. Dies zu erhalten vertröste ich mich ganz und unfehlbar, weil ich weiß, daß deine Gütigkeit unendlich ist, und daß du deine Gnaden mitzutheilen von Herzen geneigt bist. Ja du verlangest, daß wir dich um deine Gnade bitten, und damit wir um so lieber dich bitten, ermahnest du uns dazu, sprechend: Bittet, so werdet ihr empfangen. Suchet, so werdet ihr finden. Klopfet an, so wird euch aufgethan. Durch diese deine Verheißung aufgemuntert, bitte ich dich, und zweifle nicht, daß ich empfangen; suche ich und zweisle nicht, daß ich finden; klopfe ich an und zweifle nicht, daß mir werde aufgethan werden. Damit ich desto kräftiger bitte und dich desto eher zur Bewilligung meines Begehrens erweiche, so will ich jenes Gebet, welches du selbst uns gelehrt hast, dreimal mit aller Andacht sprechen und durch dich deinem himmlischen Vater vorbringen, sprechend: Drei Vater nnser und Ave Maria. Aufopferung. Jetzt habe ich mein Gebet mit möglichster Andacht verrichtet, süßestes Sesukind, und mein inständiges Begehren dir mit Demuth und Vertrauen vorgetragen. Dasselbe opfere ich dir nun mit schuldigster Ehrerbietung auf und bitte durch deine große Güte, du wollest dir dasselbe gefallen lassen. Ich vereinige mein Gebet mit deinem Gebete und mit dem Gebete aller deren, welche dich jemals um Gewährung einer Bitte angerufen haben, und bringe diese Andacht durch dein würdigstes Herz zum größern Lobe der allerhöchsten Dreifaltigkeit und des ganzen himmlischen Heeres dar. Also hoffe ich, wird mein Gebet dir gefallen und dich zur Barmherzigkeit erweichen. Das verleihe mir Gott der Vater und der Sohn und der h. Geist. Amen. Litanei zum h. Antonius. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Myrrhengarten III. 23. Aufl. 38 594 Das zehnte Gärtlein. Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. Gott heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme zc. Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heiliger Antonius von Padua, Du wahrer Sohn des h. Franziskus, Du Zierde seines Ordens, Du Säule der Kirche, Du Arche des Bundes, Du Schatzkammer der h. Schrift, Du apostolischer Prediger, Du Liebhaber der Armuth, Du Spiegel der Demuth und Mäßigkeit, Du Muster der Geduld, Du Vorbild des Gehorsams, Du Lilie der Jungfrauschaft, Heiliger Antonius, entzündet vom Feuer der göttlichen Liebe, Heiliger Antonius, geziert mit allen Tugenden, Heiliger Antonius, glänzend wie ein Stern in Heiligkeit, Du Gefäß der göttlichen Gnaden, Du Posaune des Evangeliums, Du Verkünder des Glaubens, Du siegreicher Streiter wider Irrthum und Sünde, Du Geißel der Teufel, Du Tröster der Betrübten, Du Zuflucht der Sünder, Du Helfer der Nothleidenden, Du Wiederbringer verlorner Sachen, Du immerwährender Wunderwirker, Du Märtyrer im Verlangen, Du Eiferer für das Heil der Seelen, Bitte für uns Du unser Fürsprecher bei Gott, O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Herr! Zum h. Franziskus von Assisi. O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. W Bitte für uns, o h. Antonius! R Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi Gebet. 595 O Gott! der du deinen getreuen Diener, den heil. Antonius zum Heile der Welt auserwählt und durch sein h. Beispiel und eifriges Predigen die Seelen der Gewalt des Satans entzogen hast, wir bitten dich, du wollest uns auf seine mächtige Fürbitte, in Rücksicht seiner Verdienste, deine göttliche Gnade verleihen und der ewigen Freuden theilhaft machen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Lobgesang. 1. Sankt' Antoni, hoch gepriesen! Große Ehr' hat dir erwiesen Jesus, den man, wie ein Kind, Allzeit bei dir sigen find't. 2. Jesus trägst du auf den Armen, Der sich unser woll' erbarmen! Die schneeweiße Lilienblum Deiner Keuschheit gibt den Ruhm! 3. D Antoni, woll'st mir geben Diese Gnad' in meinem Leben, Daß ich deine Tugend klar Aller Welt mach' offenbar! Zum H. Franziskus von Affifi. ( Den 4. Oktober.) Patriarch der Armen, h. Vater Franziskus! Wenn ich dich nur nenne, so bringt mir dies schon eine besondere Freude und Andacht und erweckt in mir ein großes Vertrauen, durch deine Fürbitte eine geistliche Gnade zu erlangen. Denn du bist sehr hoch in Gnaden bei Gott, du wahres 38* 596 Das zehnte Gärtlein. Beispiel aller Tugend und Vollkommenheit! Vor allen Tugenden aber glänzen in dir vorzüglich die tiefste Demuth und äußerste Armuth, worin du dein ganzes Leben hindurch deinem Gott dientest und der Kirche so viel Nußen schafftest. Ach! wie viel tausend Sünder wären wohl verloren ge gangen, wenn du sie nicht durch deinen heil. Wandel, durch dein mächtiges Gebet und durch deine heil. Ordens- Regel zu einem bußfertigen Leben erweckt und angeleitet hätteſt! An dir hat die Welt einen wahren Nachfolger des demüthigen und armen Lebens Jesu kennen gelernt, und die Christenheit, welche schon anfing in der Liebe Jesu zu erkalten, sich auf's Neue entzündet zur Liebe des Gekreuzigten und zur eifrigen Nachfolge seines demüthigen und armen Lebens in Verachtung der vergänglichen Güter und der Ehre vor der Welt. Ach! h. Vater Franziskus, entzünde auch mein Herz mit der Liebe zu meinem gekreuzigten Heilande und erwirb mir ein aufrichtiges Verlangen, um Seinetwillen arm und verachtet wie du in der Welt zu leben. O wie sehr hat dich der Herr geehrt wegen dieser deiner so treuen Nachfolge! Mit seinen h. fünf Wunden hat er dich geziert, um dich sich ganz gleichförmig zu machen, so viel es auf Erden geschehen kann, uns aber großes Vertrauen auf deine Fürbitte einzuflößen und zu zeigen, wie wohlgefällig ihm dein Wandel auf Erden gewesen sei und wie wohl wir daran thun, in deine Fußstapfen einzutreten und nach deinen H. Regeln unser Leben einzurichten. Wie sollte ich nun nicht ein Herz fassen, mit dir arm den armen Jesus nachzufolgen und ein in Jhm verborgenes Leben der Abtödtung und Buße zu führen! Wenn ich darin beharre, bin ich ja versichert, daß auch ich täglich meinem Heilande gleichförmiger werde und nach dem Tode nicht verloren gehe, Ach! h. Vater Franziskus! ich hege eine ganz besondere Liebe zu dir in meinem Herzen und habe ein großes Vertrauen auf deine Fürbitte; laß dies Vertrauen nicht zu Schanden werden; nimm mich auf in die Zahl deiner Kinder und trage allezeit ein väterliches Herz zu mir; besonders in meiner Todesstunde verbirg mich in der Wunde deines Herzens und beschüße mich gegen alle Anfechtungen des bösen Feindes, damit ich nicht die Verdienste des Leidens Litanei zum h. Franziskus. 597 und Sterbens unseres geliebten Herrn und Meisters verliere, sondern erbe, was er uns erworben hat. Amen. Litanei zum h. Franziskus. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uus! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. Gott heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heiliger Vater Franziskus, Du Mann nach dem Herzen Gottes, Du Verachter der Welt, Du treuer Nachfolger Jesu, Du eifriger Diener Christi, Du Stifter drei h. Orden, Du Säule der Kirche Gottes, Du vortrefflicher Lehrer des Gehorsams, Du Spiegel der Demuth, Du Liebhaber der Armuth, Du Lilie der Keuschheit, Du Beispiel der Sanftmuth, Du Fels der Geduld, Du innigster Liebhaber Gottes, Du wahrer Liebhaber des Nächsten, Du eifriger Beförderer des Friedens, Du Muster aller evangelischen Tugenden, Du Ueberwinder des Geistes der Finsterniß, Du gleichförmiges Bild des gekreuzigten Jeſus, Du mit den fünf Wunden gezierter Freund Gottes, Du wie ein Seraph Gott liebender Vater, Du mildreicher Vater der Armen, Du erleuchteter Vorhersager künstiger Dinge, Du apostolischer Mann, Du Märtyrer der göttlichen Liebe, Bitte für uns! 598 Das zehnte Gärtlein. Du eifriger Bekenner des katholischen Glaubens, Du strenger Büßer, Du sorgsamster Bewahrer der Jungfrauschaft, Du großer Heiliger im Himmel, Du unser Vater und Vorbild, Du unser Fürbitter bei Gott, Seraphischer Vater Franziskus, O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! Bitte für uns! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, Herr! O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Herr! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser 2c. Ave Maria 2c. V Bitte für uns, o h. Franziskus! R Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Chrifti. Laßt uns beten. O Gott, der du deine h. Kirche durch die Verdienste des hl. Vaters Franziskus, vermittelst seiner von ihm gestifteten Orden und seines eifrigen Predigens, mit zahlreichen frommen Mitgliedern vermehrt haft; verleihe uns gnädig auf seine Fürbitte, daß wir nach Möglichkeit seinem Tugendbeispiele nachfolgen, damit wir uns auch der Theilnahme an den himmlischen Gütern ewig zu erfreuen haben. Durch Jesum Christum, deinen Sohn, unsern Herrn, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des h. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Zum h. Aloysius. Für Jünglinge und Jungfrauen. Gebet. Oh. Aloysius, der du mit einer englischen Reinigkeit geziert bist; ich, dein unwürdiger Verehrer, übergebe deinem Schuße die Reinigkeit meines Leibes und meiner Seele, und Litanei zum h. Aloysius. 599 bitte dich durch deine englische Reinigkeit, mich dem unbefleckten Lamme, Jesu Christo und seiner allerheiligsten Mutter, der Jungfrau aller Jungfrauen zu empfehlen und mich vor jeder schweren Sünde zu bewahren. Gestatte nicht, daß ich mich mit dem geringsten Flecken der Unreinigkeit bemakle, sondern wenn du mich in einer Versuchung siehst oder in der Gefahr zu sündigen, so entferne in meinem Herzen alle unreinen Gedanken und Neigungen. Erwecke alsdann in mir den Gedanken der Ewigkeit und meines gekreuzigten Jesus; drücke das Gefühl der Furcht Gottes tief in mein Herz ein, entzünde in mir die göttliche Liebe, damit ich dich auf Erden nachahme und einst im Himmel mit dir zum Genusse Gottes gelangen möge. Amen. Vater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. Wer es reumüthig und andächtig betet, gewinnt einmal des Tages 100 Tage Ablaß, der auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden kann. Pius VII. 1802. Litanei zum h. Aloyfius. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Gott Bater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarmie 2c. Gott heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heiliger Aloysius Gonzaga, H. Aloysius, der du die Gnade der Unschuld bis in den Tod unverletzt bewahrt hast, H. Aloysius, der du sogar den Schatten der Sünde geflohen hast, H. Aloysius, der du die äußeren Sinne mit größter Behutsamkeit bewacht hast, H. Aloysius, der du dein Fleisch durch die strengste Abtödtung gekreuziget hast, H. Aloysius, der du im Geiste der Buße alle Widerwärtigkeiten geduldig ertragen hast, Bitte für uns! 600 Das zehnte Gärtlein. H. Aloysius, der du dein Leben in der strengsten Buße beschlossen hast, H. Aloysius, der du deinem Berufe mit Standhaftigkeit gefolgt bist, H. Aloyfius, der du die Welt und alle ihre Güter großmüthig verachtet hast, H. Aloysius, der du die Demuth des Kreuzes dem Glanze der Kronen vorgezogen hast, H. Aloysius, der du dein größtes Vergnügen in dem Gebete und der Betrachtung göttlicher Dinge gefunden hast, H. Aloysius, du Engel in menschlicher Hülle, Du Büßer ohne Sünde, Du Wunder der Abtödtung, Du Spiegel der Zucht und Ehrbarkeit, Du inbrünstiger Verehrer Jesu des Gekreuzigten, Du eifriger Anbeter des allerheiligsten Sakraments, Du wundervoller Beförderer der Andacht zu dem göttlichen Herzen Jeſu, Du getreuestes Pflegekind Mariä, Du schöne Lilie der Reinigkeit, Du unblutiger Märtyrer der Liebe, Du Schlachtopfer der Nächstenliebe, Du freiwilliger Armer, Du demüthiger Nachfolger Jesu, Du Liebhaber der reinen Seelen, Du Muster und Beschüßer der Unschuld, Du Vorbild und besonderer Patron der Jugend, Du sicherer Rathgeber in Erwählung eines Standes, Du Zuflucht büßender Sünder, Du träftiger Fürbitter für die, welche dich anrufen, Du Zierde und Beschützer der Gesellschaft Jesu, Daß wir ein bußfertiges Leben führen, Daß wir Gott getreu dienen, Daß wir unsere Sinne fleißig überwachen, Daß wir unreinen Einflüsterungen gleich kräftig widerstehen, Daß wir die allerfeligste Jungfrau wie unsere Mutter lieben, Bitte für uns! Die 6 Sonntage zu Ehren des h. Aloysius. 601 Daß wir in Reinigkeit der Seele und des Leibes wandeln, bitte für uns, Daß wir zur Gesellschaft der hh. Engel gelangen, bitte zc. O du Lamm Gottes, welches du hinnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Herr! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V Bitte für uns, o h. Aloysius! R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi. Gebet. O Gott, du Ausspender himmlischer Gaben! der du in dem englischen Jünglinge Aloysius eine wunderbare Reinigfeit mit einer eben so auffallenden Bußfertigkeit vereinigt haft! verleihe uns durch seine Verdienste und Fürbitte, daß wir ihm in der Bußfertigkeit nachfolgen, dem wir in der Unschuld nicht nachgefolgt sind; durch Jesum Christum 2c. Amen. Die sechs Sonntage zu Ehren des h. Aloysins. Wer die sechs Sonntage entweder unmittelbar vor dem Feste des heil. Aloysius am 21. Juni, oder zu einer andern Zeit zu dessen Ehre ununterbrochen nach einander so feiert, daß er an. jedem derselben die h. Sakramente empfängt, einige fromme Uebungen oder gute Werke zu dessen Ehre verrichtet, gewinnt an jedem dieser Sonntage einen volltommenen Ablaß. Ebenso am Feste des Heiligen, wenn man die heil. Sakramente empfängt und für das Wohl der h. Kirche betet und der Feier des Festes des h. Aloysius beiwohnt. Clemens XII. 1739 und 1740. Anmerkung. Wer die sechs Sonntage seine Andacht verrichten will, thut wohl wenn er sich dazu ein eigenes Büchelchen, was man jetzt für einen oder andern Groschen haben kann, anschafft. Da findet er passende Gebete und Betrachtungen. Man kann sich etwa auch so darauf einrichten, daß man den H. Aloysius den 1sten Sonntag als ein Beispiel der Unschuld betrachtet und für sich oder andere ( Eltern für ihre Kinder) um die Gnade der Unschuld Gott durch die Fürbitte des h. Aloysius anruft. Den 2ten Sonntag als ein Beispiel der Buße, und Gott bittet, daß 602 Das zehnte Gärtlein. man dem h. Aloysius, dem man in der Unschuld nicht ge folgt ist, doch nun in der aufrichtigen Buße folgen möge. Den 3ten Sonntag als ein Beispiel der Keuschheit, und bei Gott für sich und andere um die Erlangung dieser englischen Tugend anhält. Den 4ten Sonntag als ein Beispiel in der Geringschätzung zeitlicher Güter und Gott für sich und andere um vollkommene Losschälung von aller Begierde zu den irdischen Dingen anfleht. Den 5ten Sonntag als ein Beispiel der Andacht, und Gott anruft, uns und den Unsrigen diese so erhabene Gnade schenken zu wollen. Den 6ten Sonntag als Muster und Patron der Jugend, und ihn auf das herzlichste bittet, doch den Jünglingen und Jungfrauen und Kindern einen großen Abscheu vor dem häßlichen Laster der Unkeuschheit, dagegen große Liebe zur Keuschheit und Herzensreinigkeit einflößen zu wollen; dann auch, daß er ihnen ein treuer Beschüßer sei in den Versuchungen und unverhofften Gelegenheiten zu Sünden gegen die Keuschheit. Diese Bitte für unsere liebe Jugend muß dir besonders am Herzen liegen, mein Christ! da dir ja nicht unbekannt sein kann, wie sehr in unserer Zeit die Jugend den Gefahren zu solchen Sünden ausgesetzt ist. Hast du aber selbst Kinder, oder bist du Lehrer und Erzieher, so siehe wohl zu, wie du deine dir von Gott anvertrauten Kinder vor Gesellschaft mit unzüchtigen und verdorbenen Kindern und mit Erwachsenen, die schamlose oder auch nur zu freie Rede führen, wie auch vor unzüchtigen Bildern und Büchern bewahrest. Es ist besser bewahrt als beklagt. Dann dulde nie, daß deine Kinder müßig sind, auch in den Feierstunden müssen sie irgend eine Liebhaberei oder Lieblingsbeschäftigung haben, die ihnen zur Erholung dient. Laßt euch, ihr Eltern, eine passende Liebhaberei eurer Kinder, besonders wenn sie in der Uebung irgend einer Kunst oder Fertigkeit besteht, immerhin etwas kosten. Es ist nichts vergebens ausgegeben, was dazu dienen kann, die Herzen eurer Kinder vor der Pest der Unzucht zu bewahren. Müßiggang verzehrt den Leib, wie Rost das Eisen. Müßiggang ist des Teufels Ruhebant. Müßiggang ist aller Laster Anfang und der Tugend Unter gang. - - - Lied zum h. Aloysius. Lied zum h. Aloyfius. ( Besonders von der studirenden Jugend oft zu sprechen.) Gegrüßt sei tausendmal, Gelobt sei ohne Zahl, O Aloysi, o Aloysi! Du bist mein Schutzpatron Bei Gottes Gnadenthron, O Aloysi zc. So wie der Lilien Pracht Unter den Dornen lacht, O Aloysi, 2c. So glänzt zu unser Freud' Uns deine Reinigkeit! O Aloysi, 2c. Du Blum' der Reinigkeit, Der Zucht und Sittsamkeit! O Aloysi, 2c. Möcht' ich so keusch und rein, Und auch so sittsam sein! O Aloysi, 2c. Schük' mich vor Ueppigkeit, Vor Hochmuth, Eitelkeit! O Aloysi, 2c. Halt vor Verführung frei Mich meinem Gott getreu! O Aloysi, zc. Weck' Gottesfurcht in mir, So wie sie war in dir! O Aloysi, 2c. Laß in mir Andacht blüh'n Und Gottesliebe glühn! O Aloysi zc. Gehorsam zierte dich, Ach, zierte er auch mich! O Aloysi, 2c. Ohn' den ein frommer Christ Schon gar nicht denkbar ist! O Aloysi, 2c. Bewahr' mich vor den Hang Zum trägen Müßiggang! O Aloysi, zc. Er schadet Leib und Seel', Ist aller Laster Quell! O Aloysi, 2c. Ich folge dir getreu, Du, Bester, steh' mir bei! O Aloysi, 2c. Jetzt und in letter Noth, Im Leben und im Tod! O Aloysi, zc. 603 Das zehnte Gärtlein. Spruch zu Ehren des h. Blutes, ( den die Eltern ihre Kinder frühzeitig auswendig lernen lassen können.) Jesu, bleib in meiner Seele, Halte mich von Sünden rein, Mach', das ich nur Gutes wähle Und dereinst ein Engel sei! Schüße mich in Leib'sgefahren, Laß die Unschuld mich bewahren! Aloyst! Aloyst! Aloysi, steh' mir bei! 604 Zum H. Franziskus Xaverius. ( Am Feste desselben, den 3. December und an Missionstagen zu beten.) Großer Apostel von Indien und Japan, h. Franziskus Xaverius! Mit Recht ehrt dich die ganze Kirche! denn du bist alles Robes und aller Ehren würdig. Wollte Gott, daß ich dein Lob tausendmal mehren und alle Herzen der Menschen zu deiner Verehrung entzünden könnte! Mit Gefahr deines Lebens hast du dich in die ferne Welt gewagt und wilden Völkern das Evangelium verkündet. Viele tausend Mohren hast du zum wahren Glauben bekehrt und mit deinen H. Händen getauft. Viele tausend Seelen haft du Christo gewonnen und sie dem Rachen des Satans entrissen. Viele und schwere Verfolgungen hast du deshalb von Menschen und Teufeln gelitten und mit höchster Geduld und Sanftmuth ertragen. Wie viele, viele Verdienste haft du bei Gott erworben, da du bei all dem noch dein ganzes Leben in steter Bußfertigkeit und in Uebung jeglicher Tugend zugebracht hast! Oh. Franziskus Xaverius! erwirb mit bei Gott Verzeihung, daß ich mein ganzes Leben so nußlos zugebracht und all meine Zeit fast in Sünden verloren habe! Opfere dem lieben Gott all deine strengen Bußwerke zur Erstattung der Bußwerke, so ich unterlassen habe, und verehre ihm alle deine gottseligen Uebungen zur Verzeihung meiner vielen, vielen Unterlassungssünden! Ach! der du so viel tausend Seelen vom ewigen Verderben errettet haft, rette auch meine arme Seele und führe sie zum ewigen Zum h. Johannes von Nepomuc. 605 Leben. Auch bitte ich dich, du Patron der Missionen, daß du doch ferner jener Seelen eingedenk sein wollest, welche noch in Finsterniß und Todesschatten siken, Christum nicht kennen und statt ihm zu dienen, durch Sünde und Laster dem Teufel dienen zum jämmerlichen Untergange ihrer Seelen. Bitte den Herrn der Ernte, daß er doch recht bald viele und gotterleuchtete Arbeiter in jene unglücklichen Gegenden senden wolle, wo die Ernte so groß, der Arbeiter aber so wenig sind! Erwecke in kräftigen und frommen Jünglingen ein heftiges Verlangen, sich diesem so segensreichen Werke zu widmen und in Gewinnung von Seelen und in Verherrlichung des Namens Gottes unter den Völkern, die ihn noch nicht kennen, ihren Ruhm und ihre Ehre zu suchen. Entzünde alle Christen mit einem h. Eifer für das Werk der h. Mission, daß sie nicht aufhören dafür zu beten und freudig ihre Almosen dafür zu spenden und in dem bereitwilligen Opfer eines irdischen Gutes für die Ausbreitung des Glaubens an den Tag legen, wie sehr sie selbst diesen Glauben achten und wie dankbar sie selbst gegen Gott für diese himmlische Gabe sind. Ach! daß doch das Reich Gottes zu uns komme! daß es in uns sei, indem sein h. Geset in uns regiert und unsere Leidenschaften beherrscht! Daß es auch um und außer uns sei, so weit die Erde reicht, indem alle Völker und Nationen Gott erkennen und Christum, seinen Sohn, den er gesandt hat, und ihn lieben und ihm dienen und das ewige Leben finden. Amen. 3um H. Johannes von Nepomuc.*) ( Den 16. Mai.) Die Litanei vom h. Johannes. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Christe, höre uns! Christe, erhöre uns! *) Landespatron von Böhmen, der Grafschaft Rietberg und a. O. In Rietberg wird sein Fest am Sonntag Trinitatis und an den beiden folgenden Tagen sehr feierlich begangen. An den übrigen Orten der Paderborner Diöcese wird sein Fest am Sonntage nach dem 16. Mai gefeiert. 606 Das zehnte Gärtlein. Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. Gott heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfran aller Jungfrauen, Heiliger Johannes von Nepomuc, Du Blume der Reinigkeit, Du Lilie der Keuschheit, Du Gefäß der Andacht, Du Ausbund der Tugenden, Du Besitzer der Weisheit, Du Zierde der Geistlichkeit, Du Beispiel der Demuth, Du Insiegel der Verschwiegenheit, Du eifriger Verkündiger des göttlichen Wortes, Du Posaune des evangelischen Gesetzes, Du treuer Nachfolger der Apostel, Du Tröster der Betrübten, Du Stüße der Schwachen, Du Hülfe der Nothleidenden, Du Licht der Blinden, Du Vorbild der Heiligkeit, Du Rose der Geduld, Du Wunder der Beständigkeit, Du Verachter der Ehren und Würden, Du Betrachter der Ewigkeit, Du Beschüßer der Gerechtigkeit, Du Vater der Waisen, Du Vertheidiger der Witwen, Du Schild der Verfolgten, Du Freund der Unglücklichen, Du Beschirmer der Ehren, Du Erretter von Schande und Spott, Du freigebiger Almosen- Spender, Du vielvermögender Fürsprecher bei Gott, Du allgemeiner Hülfspatron, Du Arzt der Kranken, Bitte für uns! Gebet in Gefahr. Du Zuflucht der Sünder, Du Trost der Betrübten, Du Spiegel der Beichtväter, Du auserlesener Blutzeuge, Du Genosse aller Heiligen, Du Theilnehmer der ewigen Glorie, Du großer Wundersmann, 607 Bitte für uns! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Herr! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V Das Geheimniß des Königs bewahren ist gut, R Gottes Werke aber offenbaren ist ehrenvoll. Lakt uns beten. Gott, der du wegen der siegreichen Bewahrung des Beichtsiegels durch den H. Johannes deine Kirche mit einer neuen Martyrkrone geziert hast; gib, daß wir durch seine Fürbitte und sein Beispiel unsere Zunge vorsichtig bewahren und in dieser Welt lieber jegliches Uebel erdulden, als Schaden an unserer Seele leiden. Durch Jesum Christum unser Herrn, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des h. Geistes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet in Gefahr, den guten Namen zu verlieren. Obarmherziger Gott! ich bin in großer Noth und Verlegenheit. Man will mir meinen guten Namen rauben, der doch nach dem Ausspruche deines h. Geistes besser ist, als alle Reichthümer. Was will ich anfangen, wenn ich in Schande und Verachtung gerathe! Wie will ich die Pflichten meines Standes und Berufs noch erfüllen können! Ja es fällt mir schwer zu leben und ich komme in große Gefahr meines Seelenheiles, darum eile ich zu dir und rufe dich mit beklommenem Herzen durch die Fürbitte des 5. Johannes von Nepomuc an, den du allen denen, deren 608 Das zehnte Gärtlein. Ehre und guter Name in Gefahr ist, zu einem besondern Patron gegeben hast. Ach! verleihe mir doch durch die Fürbitte und Verdienste dieses H. Märtyrers, daß die Lästerzungen zu Schanden werden und rette mich vor Unehre, Schimpf und Schande. Ich will auch um so treuer in meinem Berufe zu deiner Ehre und zum Heile meiner Mitmenschen wirken! Doch kann und soll dieser Kelch an mir nicht vorübergehen, soll ich Theil haben an dem Schimpf und Spott, den dein geliebter Sohn, unser Herr und Hei land auch um meinetwillen erduldet hat! so geschehe dein Wille. Gib nur, daß ich diese so harte und beschwerliche Prüfung standhaft aushalte und dadurch ewig bei dir zu Ehren komme. Amen. Gebet in Gewissensbeängstigung. Oh. Johannes, der du von Gott besondere Gaben erhalten hast, als Beichtvater die Seelen zu führen; sich! mein Gewiffen ist in Verwirrung und Unruhe. Ich weiß mir nicht zu rathen noch zu helfen. Ach! bitte doch den Herrn, daß er in meinen finstern und verwirrten Geist Licht bringen und meinem dürren und verzagten Herzen Gnade geben wolle, damit ich meine Sünden recht erkenne, mich aufrichtig wegen derselben demüthige und sie von Herzen bereue. Mache auch, daß ich eine rechtschaffene Beicht ablege.. Vor dem Beichten habe ich eine so große Furcht, und doch sehe ich wohl ein, daß mir dies allein Ruhe und Trost geben fann. Laß meinen Beichtvater recht auf den Grund meines Herzen sehen und verschaffe mir den guten und kräftigen Willen, Alles das, was er mir vorschreibt und räth, gewissenhaft und herzhaft zu erfüllen. Ach! wie will, o h. Johannes, ich den Herrn mit dir, loben und preiſen, wenn ich wieder in Ruhe des Herzens und im Frieden des Gewissens Gott dienen, meinen Berufsgeschäften nachgehen, mit Freudigkeit den Weg der Gebote Gottes wandeln und so für das Heil meiner Seele wirken kann. Ich will mich gewiß bestreben, mit der Gnade Gottes mich dieses Seelenfriedens würdig zu machen durch einen gewissenhaften christlichen Lebenswandel und durch größere Treue gegen die Einflößungen der Gnade. Dh. Johannes, erflehe mit Litanei vom h. Vincenzius von Paul. 609 den Frieden in der Zeit, damit ich um so sicherer erlange den Frieden in der Ewigkeit. Amen. Fest des h. Vincenzius von Paul, Stifter des Ordens der Missionspriester und der Genossenschaft der barmherzigen Schwestern. Patron der Vincenz- Vereine. ( Den 19. Juli.) Gebet der Kirche. O Gott, der du den Armen das Evangelium zu verkünden und den Glanz des geistlichen Standes zu erhöhen den h. Vincenz mit apostolischer Tugend ausgerüstet hast; wir bitten dich, verleihe uns, daß wir, die wir seine frommen Verdienste verehren, auch durch das Beispiel seiner Tugenden belehrt werden. Durch Jesum Christum, unsern Herrn der mit dir und dem h. Geiste gleicher Gott lebt und regiert in Ewigkeit. Amen. Litanei vom h. Vincenzius von Paul. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Gott Vater im Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. Gott heiliger Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Heilige Maria, bitte für uns! Heiliger Vincenzius von Paul, bitte 2c. der du in dem zartesten Alter schon die Weisheit des reiferen Alters zeigtest, der du von Kindheit an voll Mitleid und Erbarmen warest, der du, wie David, aus einem einfachen Hirten das Haupt und der Hirt des Volkes Gottes wurdest, der du in deiner Gefangenschaft eine vollkommene Freiheit des Geistes bewahrtest, Myrrhengarten III. 23. Aufl. Heiliger Vincenzius 39 Bitte für uns! 610. Das zehnte Gärtlein. du aus dem Glauben wahrhaft lebender Gerechter, der du an dem festen Anker der christlichen Hoffnung Stüße und Sicherheit fandest, der du immer von dem Feuer der christlichen Liebe brannteſt, du wahrhaft aufrichtiger, rechtschaffener und gottesfürchtiger Mann, du von Herzen demüthiger und sanftmüthiger Jünger Christi, der du an Leib und Seele vollkommen abgetödtet warest, Heiliger Vincenzius, immer lebend und belebt von dem Geiste Jesu Christi, du großmüthiger Eiferer für die Ehre Gottes, der du im Eifer für das Heil der Seelen stets innerlich branntest und nach Außen wirkteſt, du erklärter Feind und immerwährender Verachter der Welt und ihrer Grundsätze, der du in der christlichen Armuth die kostbare Perle und den reichen Schatz des Evangeliums gefunden, Reinigkeit den Engeln zu vergleichen, an der du stets getreu im Gehorsam und siegreich in deinen Worten warst, der du dich von Jugend auf der Werke der Nächstenliebe befliffen hast, der du mit genauester Umsicht selbst den leichtesten Anschein des Bösen geflohen, der du in allen deinen Handlungen nach der Ausübung der vollendetsien Tugend getrachtet, der du wie ein Fels mitten in den stürmischen Fluthen dieses Weltmeeres unbeweglich gestanden, der du wie eine in ihrer Laufbahn beständige Sonne immer auf den Pfaden der wahren Weisheit gewandelt, Bitte für uns! immer unbesiegbar in allen Widerwärtigkeiten, so geduldig im Leiden wie bereitwillig zum Verzeihen, der römischen Kirche stets folgsamer und gehorsamer Sohn, der du dem apostolischen Stuhle bis in den Tod mit unzertrennlicher Treue angehangen, Heiliger Vincenzius, Litanei vom h. Vincenzius von Paul. der du vor den weltlichen Neuerungen und listigen Reden des Irrthums den äußersten Abscheu getragen, 611 den die göttliche Vorsehung vorzüglich bestimmt hat, den Ärmen das Evangelium zu predigen, zärtlicher Vater und vollkommenes Muster der Geistlichen, weisester Stifter der Congregation der Missionspriester, vorsichtiger Gründer der Versammlung der barmherzigen Schwestern, immer von Mitleid gerührt gegen alle Noth der Armen und stets bereit, ihr abzuhelfen, der du in der Uebung des Gebetes, wie in der Ausspendung des göttlichen Wortes einen gleichmäßigen Eifer bezeigteſt, du vollkommener Nachahmer des Lebens und der Tugenden Jesu, der du bis an dein Ende in der Vermeidung des Bösen und in der Uebung des Guten beharret haft, dessen Tod, wie dein Leben, kostbar in den Augen Gottes war, Bitte für uns! der du durch die Erkenntniß der ewigen Wahrheit, durch die Liebe der höchsten Güte, durch die Freuden der glückseligen Ewigkeit, jetzt eines vollkommenen Glückes genießest, erbitte doch allen Christen und besonders deinen lieben Kindern, daß sie, indem sie treulich deinen Fußstapfen folgen, dasselbe Ziel erreichen und am nämlichen Glücke Theil nehmen mögen, O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du zc. 39* 612 Das zehnte Gärtlein. V Den Gerechten hat der Herr auf den Wegen der Geradheit und der Redlichkeit geführt, R Und hat ihn zum Reiche Gottes gelangen laffen. Gebet. Großer Gott, der du durch eine Wirkung der unendlichen Güte in unsern Tagen durch die Nächstenliebe und apo stolische Demuth deines heiligen Dieners Vincenzius von Paul den Geist deines vielgeliebten Sohnes wieder erweckt haft, damit den Armen das Evangelium gepredigt, die Betrübten getröstet, die Elenden erquickt und dem geistlichen Stande ein neuer Glanz gegeben werde; verleihe uns gnädigst durch seine mächtige Fürbitte, daß wir, nachdem wir selbst von dem größten Elende der Welt, welches die Sünde ist, befreit sind, unser vorzügliches Bemühen dahin richten, dir durch die Uebung derselben Liebe und Demuth zu gefallen. Wir bitten dich darum durch Jesum Christum, deinen Sohn, der mit dir, als gleicher Gott, lebt und regiert in Einigkeit des h. Geistes, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet zum Gebrauch für die Mitglieder des Vereins vom h. Vincenz von Paul. Wir danken dir, o Herr, für die vielen und großen Wohlthaten, womit du den Verein vom h. Vincenz von Paul bisher überhäuft hast. Wir bitten dich, siehe auch gnädig herab auf diesen uns überaus theuern Verein, auf dessen einzelne Conferenzen, besonders diejenige, welcher wir angehören. Mache, daß er allerorts verbreitet und für alle Zukunft befestiget werde, daß in ihm stets derselbe Geist der Frömmigkeit, Einfalt und Bruderliebe herrsche, der von Anfang in ihm war, damit seine Werke von aller irdischen Gewinnsucht und Begierlichkeit frei, mehr und mehr für den Himmel Früchte bringen. Du weißt es selbst, o Herr, wie vieler Güter, sowohl geistiger als leiblicher, die armen Familien bedürfen, denen wir nur in sehr geringem Maße unsre Hülfe zuwenden können. Du weißt auch, wie vieler wir selbst bedürfen. Zu verschiedenen Heiligen. 613 Erbarme dich deshalb unser, o Herr, und laß uns alle deine unendliche Barmherzigkeit erfahren. Auch für diejenigen von den Mitbrüdern unsrer Genossenschaft bitten wir dich, barmherziger Gott, die gegenwärtig von der einen oder der andern Noth bedrückt werden, daß du ihnen zu Hülfe kommen mögest. Gieße über sie aus das Vertrauen, den Frieden, die Stärke und Klugheit, welche von dir herkommen. Laß ihre und unsre um Chrifti willen geduldig ertragenen Leiden dir wohlgefällig und uns fruchtbringend sein für's ewige Leben. Endlich bitten wir dich, o Herr, flehentlich, durch die Verdienste unsres Herrn Jesus Christus, sowie durch die besondere Fürbitte Maria's, der allerseligsten Jungfrau und des h. Vincenz, unseres Patrons, daß du einst nach Auflösung unseres sterblichen Lebens, Alle, die uns durch Verwandtschaft oder Freundschaft verbunden, die uns anvertrauten Armen, so wie die theuern Mitglieder unseres Vereins, mit uns deines Reiches theilhaftig machen wollest. Amen. Gebet für die Conferenzen. Am Anfange der Sitzung. Im Namen des Vaters †, des Sohnes und des heil. Geistes, Amen. Komm', heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. V Sende aus deinen Geist, und alle Dinge werden neu erschaffen werden. R Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern. Laßt uns beten! Gott, der du die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des heiligen Geistes gelehrt hast, gib, daß wir in demselben Geiste das, was recht ist, verstehen, und uns seiner Tröstungen allezeit erfreuen mögen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. V Heiliger Vincenz von Paul! R Bitte für uns! Im Namen des Vaters+, 2c. 614 Das zehnte Gärtlein. Beim Schluß der Sigung. Im Namen des Vaters+, 2c. V Heiliger Vincenz von Paul! R Bitte für uns! Laßt uns beten! Gütigster Jesu, der du in deiner Kirche den heil. Vincenz von Paul als Apostel deiner brennenden Liebe erweckt hast, erfülle deine Diener mit demselben Eifer der Liebe, damit sie um deinetwillen freudig mit ihrem Besişthume und ihrer Person sich dem Dienste der Armen weihen; der du mit Gott dem Vater lebest und regierest in Einigkeit des h. Geistes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Für die Wohlthäter. Verleihe, o süßester Jesu, den Wohlthätern der Armen deine Gnade, der du denjenigen, welche um deines Namens willen Barmherzigkeit üben, hundertfältigen Lohn und die ewige Seligkeit verheißen hast. Amen. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin; verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöthen, sondern erlöse uns jederzeit von aller Gefährlichkeit, o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau. Amen. Die Seelen der abgestorbenen Christgläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes in Frieden. Amen. Im Namen des Vaters †, 2c. Zum heiligen Michael. ( Den 29. Eeptember.) Eine besondere Ehrfurcht habe ich gegen dich, höchster Himmelsfürst, h. Michael, weil dich Gott allen Engel- Chören vorgesetzt, und dir alle Seelen aufzunehmen befohlen hat. Darum habe ich dich zu meinem Patron erwählt, und be gehre dich allzeit zu meinem Freunde zu haben. So laffe mich denn allzeit dir befohlen sein und der Kraft deiner Fürbitte genießen. Gleichwie du den höllischen Drachen überwunden und aus dem Himmel gestürzt hast; also wouest du ihn in meinem Leben und Sterben von mir vertreiben, damit er mir keinen Schaden zufügen könne. Amen. 615 Zu verschiedenen Heiligen. Zum heiligen Schutzengel. [ Schußengelfest am 1. Sonntage im September.] Wie groß ist deine Liebe und Treue zu mir, mein heil. Schutzengel, der du mir Tag und Nacht dienest und mich vor so vielem Uebel bewahrest; ich aber erwiedere diese so wenig und thue dir viele Schmach an, indem ich deinen heilsamen Einsprechungen wenig oder gar nicht folge. Verzeihe es mir, mein bester Freund, und erwirb mir Gnade und wahre Besserung. Ich danke dir von Herzen für alle deine treuen Dienste, und was ich dir jetzt nicht vergelten kann, das will ich dir hernächst durch eine reinere und heiligere Liebe im Himmel vergelten. Bewahre mich allezeit vor allen sichtbaren und unsichtbaren Feinden, und stehe mir treulich bei in meinem letzten Streite. Amen. [ Siehe auch das Gebet S. 12 im ersten Gärtlein.] Zu den neun Chören der Engel. Ihr herrlichen Chöre der Engel, wie sehr hat euch Gott geliebt, und was für Gnaden hat er euch ertheilet, daß er euch so edel erschaffen und die himmlischen Güter so reichlich mitgetheilet hat. Mit einer einzigen Uebung der göttlichen Liebe habt ihr die ewige Seligkeit erworben, und seid zu Fürsten und Herren des himmlischen Reichs gesetzt worden. Nunmehr seid ihr in Ewigkeit glückselig und aus aller Gefahr, eure Glückseligkeit zu verscherzen. Deswegen freuet euch und frohlocket im Herrn, und begehet ftete Freudenfeſte und Tage der Fröhlichkeit. Ich wünsche euch Glück zu eurer Seligkeit, und gönne euch dieselbe von Grund meines Herzens. Ich lobe, preise und benedeie zugleich mit euch den lieben, gütigen Gott, und danke ihm in eurem Namen für alle Gnaden, die er euch ertheilt hat. Zur Vermehrung derselben opfere ich euch allen das edelste Herz Jesu Christi mit aller Vollkommenheit, die es in sich begreift, und mit aller Freundlichkeit, die es euch allezeit erzeigt hat. Ich befehle mich euch allen und jedem insbesondere, und bitte, ihr wollet Sorge für mich tragen und mich vor dem leidigen Satan beschützen. Ach, seid meiner eingedenk im himmlischen Reiche und bittet Gott inständig für mich, daß auch ich einmal dahin gelange. Amen. 616 Das zehnte Gärtlein. Zur heiligen Barbara. [ Den 4. Dezember.] Gebenedeit seist du, keuscheste Jungfrau und glorwürdige Märtyrin, H. Barbara. Unter die Zahl meiner Schußpatronen habe ich dich besonders auserwählt, und vertraue durch deine kräftige Fürbitte bei Gott Gnade zu erlangen. Ich bitte dich durch dein sehr bitteres Leiden und deinen schmerzlichen Tod, flehe für mich, daß ich doch nicht ohne wahre Reue und würdige Empfangung der h. Sakramente von dieser Welt abscheide. Amen. 3um h. Evangelisten Johannes. [ Den 27. Dezember.] Sei mir freundlich gegrüßt, du liebreicher Jünger und Freund Christi, h. Johannes! Ich bitte dich durch die große Freundlichkeit, welche dir Christus am letzten Abendmahle erwiesen, als er dein Haupt auf seine hochwürdigste Brust legte und dir die höchsten himmlischen Geheimniſſe offenbarte, daß du in meiner letzten Noth mein sündiges Haupt auf deine gebenedeite Brust legen und mir die Bitterkeit des Todes mindern wollest. Amen. Zum h. Antonius, dem Einsiedler. [ Den 17. Januar.] Du Patriarch der Einsiedler, h. Antonius! du demüthiger und immer heiterer Diener Gottes, der du an die neunzig Jahre in Abtödtung und stetem Gebete Gott in der Wüste dientest, bitte für mich um die Gnade, daß auch ich durch ein abgetödtetes und gottgeweihetes Leben zur steten Gesundheit des Leibes und einer immerwährenden Heiterkeit des Geistes gelange. Vertreibe auch, du Schrecken der Teufel, alle Anfechtung des Satans von mir, und gib nicht zu, daß seine Bosheit meinem Hause und allen, die darin wohnen, Menschen und Vieh, und all meinem Hab und Gut irgend Schaden zufüge, damit ich mit den Meinigen von der Hand unseres ärgsten Feindes befreiet ohne Furcht Gott dem Herrn diene in Heiligkeit und Gerechtigkeit alle Tage des Lebens, und nach demselben in Vereinigung mit dir seine Herrlichkeit in ewiger Freude genieße. Amen. Zu verschiedenen Heiligen. Zur heiligen Agatha. [ Den 5. Februar.] 617 Dreine, heilige und gottliebende Jungfrau und Märtyrin Agatha, durch die Hülfe und den treuen Beistand deines Bräutigams unsres Herrn Jesu Christi, hast du die zeitlichen und vergänglichen Dinge, die Wollüste und Freuden dieſer Welt verlassen, dein Leben geordnet mit keuschen Werken, und nicht allein den gottlosen Quintianus, sondern auch die schnöde offene Sünderin Aphrodisia mit starkem Glauben überwunden. Geduldig und fröhlich hast du die Marter an deinen jungfräulichen Brüsten gelitten und bist über glühende Kohlen heldenmüthig hinweggeschritten, um die herrliche Martyrkrone zu erlangen. Ich bitte dich, erwirb mir die Gnade, daß auch mir und den Meinigen das zeitliche Feuer nichts anhaben könne, wie du dein Vaterland vor dem ungestümen Feuer bewahrt hast. Insbesondere aber lösche in uns das Feuer der Leidenschaften und bösen Begierden, welches unsere Seelen tödtet und in die ewigen Flammen hinabstürzt. Ach! daß wir doch diesem schrecklichen Feuer entronnen bei dir und allen Auserwählten Gottes uns ewig freuen möchten. Amen. W Bitte für uns, o heilige Agatha! R Auf daß wir vor dem zeitlichen und ewigen Feuer bewahrt werden. Zur h. Maria Magdalena. [ Den 22. Juni.] O du glorwürdige Büßerin und treue Freundin Christi, H. Maria Magdalena, ich erinnere dich der großen Gnaden, so dir Christus erwiesen, daß er dir eine so schmerzliche Reue über die Sünden und eine so inbrünstige Biebe zu seiner Gottheit verliehen hat. Ach! erwirb auch mir eine wahre Reue über meine Sünden und eine inbrünstige Liebe zu Jesu Christo, meinem Erlöser und Seligmacher. Am. Zur heiligen Clara. [ Den 12. August.] Ehrwürdige Mutter, heilige Clara, du hast viel tauſend Jungfrauen durch dein H. Leben und deine Ordensregel der 618 Das zehnte Gärtlein. Welt entzogen und zum geistlichen Stande geführt; darum ist deine Glorie groß im Himmel, und wird dein Name gepriesen in der ganzen Christenheit. Bitte deinen füßen Bräutigam für mich, daß ich ihm in meinem Stande treu diene und die ewige Seligkeit erlange. Amen. Zur h. Elisabeth von Thüringen. [ Den 19. November.] O liebe h. Elisabeth! Du Sproß Ungarns und Zierde unseres deutschen Vaterlandes; du Vorbild der Kinder, du Spiegel der Jungfrauen, du Muster der Ehefrauen und du Heldin des Wittwenstandes! Du bist so lieblich, daß sich bei der bloßen Erinnerung an dich schon mein Herz erfreut! Ich kann mir fast keine Tugend denken, in der du auf Erden dich nicht ausgezeichnet hättest! Wie unschuldig und rein war deine Kindheit! wie keusch deine Jugend! wie innig und treu dein Ehestand! wie heilig dein Wittwenstand! Deinem Gott dientest du unter vieler Abtödtung von Jugend auf, und deine Liebe zum Nächsten war so groß und edel, daß du dich um seinetwillen ganz arm machtest, deinen fürstlichen Stand verließest und als arme Dienstmagd deinen Jesus, den Auserwählten deines Herzens, in den Armen und Kranken bedientest! O liebe h. Elisabeth, bitte, doch für mich, daß auch ich einmal anfange, Gott von Herzen zu dienen und die Eitelkeit der Welt und ihre schnöde Lust zu verachten! Ach! du warst erst 24 Jahre alt, als du schon vollendet in Heiligkeit zum himmlischen Hochzeitsmahle abgerufen wurdest; und ich wann werde ich endlich anfangen, den Weg der Tugend und Heiligkeit zu betreten! Es ist Zeit, es ist wahrhaftig Zeit für mich, zu wirken; vielleicht kommt bald die Nacht, wo Niemand mehr wirken kann. Bitte, bitte, du liebe Heilige, um Gnade für mich, daß ich wie du die Armuth nach dem Beispiele Jesu und seines H. Dieners Franziskus lieb habe, Entbeh rungen dieses Lebens gern trage und eine besondere Freude darin finde, Andern wohlzuthun, mitzutheilen, den Armen beizuspringen, die Kranken zu pflegen und Werke der Barm herzigkeit zu üben; und dies Alles aus Liebe zu meinem Jesus! Ach, welche Seligkeit! einst das Wort des freund 619 Zu verschiedenen Heiligen. lichen Richters zu hören: Alles, was du dem Geringsten meiner Brüder gethan hast, das hast du mir gethan! Geh ein in die Freude deines Herrn!" Amen. 11 Gebete für die Mitglieder des Vereins von der heil. Elisabeth. Im Anfang der Sitzung. Im Namen des Vaters+, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Komm, heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. V Sende aus deinen Geist und alle Dinge werden neu erschaffen werden. R Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern. Laßt uns beten! D Gott, der du die Herzen der Gläubigen durch die Erleuchtung des heil. Geistes gelehret hast, gib, daß wir in demselben Geiste das, was recht ist, verstehen, und uns seiner Tröftungen allezeit erfreuen mögen. V Heil. Elisabeth! R Bitte für uns und unsere Armen. Im Namen des Vaters †, 2c. Beim Schluß der Sitzung. W Heil. Elisabeth! R Bitte für uns und unsere Armen. Laßt uns beten! Erleuchte, o erbarmender Gott, die Herzen deiner Gläubiegen und gib durch die glorwürdige Fürbitte der heiligen Elisabeth, daß wir die eitlen Güter dieser Erde verachten und uns deiner himmlischen Tröstungen ewig erfreuen mögen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Für die Wohlthäter. Verleihe, o süßester Jesu, den Wohlthätern der Armen deine Gnade, der du denjenigen, welche um deines Namens willen Barmherzigkeit üben, hundertfältigen Lohn und die ewige Seligkeit verheißen hast. Amen. Das zehnte Gärtlein. Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin, verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöthen, sondern erlöse uns jederzeit von aller Gefährlichkeit, o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau. Amen. Die Seelen der abgestorbenen Christgläubigen ruhen durch die Barmherzigkeit Gottes im Frieden. Amen. Darauf folgen zum Schlusse die im Statut angegebenen Fürbitten. Zu jeder Intention wird ein Vater unser und ein Gegrüßet seist du Maria gebetet. 620 Gebet, welches beim Schlusse der Sitzung und auch sonst gesprochen werden kann. Wir danken dir, o Herr, für die vielen und großen Wohlthaten, womit du den Verein von der heil. Elisabeth überhäuft hast. Wir bitten dich, siehe auch fernerhin gnädig herab auf diesen uns überaus theuern Verein, auf dessen einzelne Conferenzen, besonders diejenige, welcher wir angehören. Mach', daß er allerorts verbreitet und für alle Zukunft befestigt werde, daß in ihm stets derselbe Geist der Frömmigkeit, Einfalt und schwesterlichen Liebe herrsche, der von Anfang in ihm war, damit seine Werke von aller irdischen Gewinnsucht und Begierlichkeit frei, mehr und mehr für den Himmel Früchte bringen. Du weißt es selbst, o Herr, wie vieler Güter, sowohl geistiger als leiblicher, die armen Familien bedürfen, denen wir nur in sehr geringem Maße unsere Hülfe zuwenden können, du weißt, wie vieler Gnaden wir auch für uns selbst bedürfen. Erbarme dich deshalb unser, o Herr, und laß uns alle deine unendliche Barmherzigkeit erfahren. Auch für diejenigen von den Mitschwestern unserer Ge nossenschaft bitten wir dich, barmherziger Gott, die gegen wärtig von der einen oder der andern Noth bedrückt werden, daß du ihnen zu Hülfe kommen mögest. Gieße über sie aus das Vertrauen, den Frieden, die Stärke und Klugheit, welche von dir herkommen. Laß ihre und unsere um Christi willen geduldig ertragenen Leiden dir wohlgefällig und uns fruchtbringend für's ewige Leben sein. Zu verschiedenen Heiligen. 621 Endlich bitten wir dich, o Herr, flehentlich, durch die Verdienste unseres Herrn Jesus Christus, so wie durch die besondere Fürbitte Maria's, der allerseligsten Jungfrau und der hl. Elisabeth, unserer Patronin, daß du einst nach Auflösung unseres sterblichen Lebens, Alle, die uns durch Verwandtschaft oder Freundschaft verbunden, die uns an vertrauten Armen, so wie die theuern Mitschwestern unseres Vereins mit uns deines ewigen Reiches theilhaftig machen wollest. Amen. Zur heiligen Katharina. [ Den 25. November.] Glorwürdige Märtyrin Christi, h. Katharina, der süßeste Jesus hat dich zu seiner Braut auserwählt und dich mit einem Ringe sich vermählt. Er hat dir auch verliehen, durch deine Weisheit viele Heiden zu bekehren und mit standhaftem Muthe die Marter auszustehen. Wegen dieser dir verliehenen Gnaden rufe ich dich voll Vertrauen an: bitte, daß ich auch in der göttlichen Gnade sterbe und die ewige Seligkeit erwerbe. Amen. Zu einem jeden Heiligen. Dies Gebet follst du täglich einem Heiligen, welchen du besonders liebest und zum Patron erwählt hast, zu Ehren sprechen. Ich grüße und ehre dich, du h. N. N., in der Kraft des Herzens Jesu Christi und durch dasselbe sage ich der h. Dreifaltigkeit Lob und Dank für alle Gaben und Gnaden, welche aus ihrem überfließenden Abgrunde dir zugefloffen sind. Demüthig bitte ich, du wollest mich in meinem Leben und Tode dir treu befohlen sein lassen, und den lieben Gott für mich inständig bitten. Amen. 622 Das eilfte Myrrhen- Gärtlein. Begreift in fich Gebete in allerlei Anliegen. In allen Dingen laffet euer Anliegen im Gebete und Flehen mit Danksagung vor Gott fund werden." So er mahnt uns der h. Apostel Paulus. Wo dir also etwas beſonderes begegnet, sei es Freud' oder Leid, so wende dich zu Gott, danke es ihm, klage es ihm mit den Worten, welche dir dein Herz eingibt, Und wenn du bisweilen auch gar nicht zu Worte komme kannst, thut nichts; kniee nur vor deinem Herrn und Gott, der ja dein Vater ist, und übergib dich ihm mit dem Vertrauen und der Offen herzigkeit eines Kindes. Er kennt die Empfindungen deines Herzens, ehe sie auf der Zunge zu Worten werden, und Er ist nahe denen, die bedrängten Herzens sind. Zu Zeiten findet das Herz am meisten Erleichterung beim langsamen Beten des Vater unser, wo es dann bei den Bitten, die es besonders jetzt recht angehen, sich länger aufhält und sie oft andächtig wiederholt. Ebenso mit dem englischen Gruße. Das Rosenkranzgebet, das ja aus beiden vorzugs weise besteht, bringt darum oft eine große Ruhe, Ergebenheit und Kraft in unsere Seele. Genug, in besondern Fällen und Anliegen suche nicht ängstlich nach Worten, wirf dich nur vor einem Kreuze nieder, und laß dein Herz reden. Du findest nun hier in diesem Gärtlein einige Gebete für besondere Vorfälle im menschlichen Leben; für alle Fälle und Anliegen welche herzusetzen, wäre nicht möglich. Du kannst aus diesen aber leicht sehen, wie du in ähnlichen Fällen mit Gott reden, danksagen oder dein Leid klagen fannst. Einige Gebete, welche für Frauen und Mütter bezeichnet sind, können auch von Männern und Vätern in ähnlichen Fällen gebraucht werden, wenn diese nur einige Worte darin ändern. In allerlei Anliegen. Drei Gebete für Unverheirathete, um Bewahrung der Keuschheit. 623 I. ( Morgens und Abends zu sprechen.) Christi Jesu, du König der ngfrauen und Liebhaber der Keuschheit, ertödte durch eine besondere Gnade in mir alle bösen Begierden und Regungen und Alles, was der vollkommenen Lauterkeit zuwider ist, und gib mir eine wahre und beständige Keuschheit. Bewahre meine Sinne por bösen Einbildungen, meinen Willen vor aller Lüsternheit, damit ich dir, meinem Gott, mit reinem Herzen und keuschem Leibe dienen und gefallen möge. Amen. II. ( Während der Erhebung der Hoftie in der h. Messe zu sprechen) Christe Jesu! du Sohn der h. Jungfrau Maria! ich bitte dich durch deine persönliche Gegenwart im h. Sakramente und durch die unbefleckte Reinigkeit deiner jungfräulichen Mutter, erschaffe in mir ein reines Herz, und laß mich durch deine mächtige Gnade gestärkt, meine Keuschheit und Herzensreinigkeit dir zu Liebe unverletzt bewahren. Amen. III. ( Nach der Communion oder vor einem Crucifir zu sprechen.) D Jesus, du Schönster unter den Menschenkindern, du Liebhaber der keuschen Seelen! O Maria, du Jungfrau aller Jungfrauen und keusche Braut des h. Geistes, du Beschüßerin der reinen Herzen! Euch befehle ich die Reinigkeit meines Leibes und meiner Seele! In deine Wunden, o Herr! verbirg mein Herz, daß es rein und lauter bleibe! In deinen jungfräulichen Händen, o Maria! laß meine Unschuld unversehrt bleiben! Alle Gedanken, Begierden und Regungen wider die Keuschheit sind ganz und gar gegen meinen Willen, ach! helfet mir, daß ich doch nie und nimmer in dieselben einwillige. In Eurer Gegenwart, Jesus und Maria! nehme ich mir darum auch fest vor: ich will meine Sinne fleißig bewahren, will jene Gesellschaft N. N., jenen Ort N. N., jene Person N. N., jenes Spiel, jene Lustbarkeit, jenen Gang kurz Alles gewissenhaft meiden, was mir 1 624 Das eilfte Gärtlein. meine Eltern, meine Lehrer, mein Seelsorger oder Beichtvater nur als für die Keuschheit gefährlich angedeutet haben, und vor welchem mich noch die innere Stimme und die Unruhe und Verwirrung des Herzens warnen. Ich will den Anfechtungen tapfer widerstreiten, und nie etwas, weil es mir vielleicht Vergnügen oder Gewinn oder Gefallen bei den Menschen bringen könnte, thun oder gestatten, was auch nur im Geringsten der Keuschheit zuwider ist oder auch nur zu sein scheint. Denn lieber will ich sterben, als meine Unschuld verlieren. O Jesu, erschaffe in mir ein reines Herz, und du Mutter meines keuschesten Jesu, erhalte in mir einen keuschen Sinn. Mit heilsamer Furcht, o keuschester Jesu, durchfahre mein Herz und verzehre mit deiner reinsten Liebe jegliches unheilige Feuer böser Begierlichkeit in mir. Behütet mich, o Jesus und Maria! daß ich doch nichts sehe, nichts höre, nichts rede oder thue, noch auch leide, was euren jungfräulichen Augen mißfällt, meine Reinigkeit befleckt und meine Seele verlegt. Amen. Stoßgebet, wenn man Ehre-, Anstands- oder Geschäfts- halber zu einer Gesellschaft oder Luftbarkeit gehen muß. O mein Blut- Bräutigam Christe Jesu! versiegle mein Herz, mit dem Zeichen deines heil. Kreuzes, auf daß kein Seelenfeind mir schade. Jesus und Maria, stehet mir bei! Merke, lieber Jüngling!( liebe Jungfrau!) daß du deine Unschuld nicht bewahren wirst, wenn du: 1. Dieselbe nicht für das kostbarste Kleinod hältst, das keine Schäße dieser Erde dir ersetzen können; 2. Diesen Schaß vor den Augen der Räuber nicht sorgfältig im Schreine der Demuth, Sittsamkeit, Einge zogenheit und des Stillschweigens bewahrest; 3. Diesen Schatz nicht täglich durch Fleiß und immer währende Beschäftigung, durch unabläffiges Gebet und durch öftere reumüthige Beicht und würdige Communion vermehrest; 4. Mit diesem Schake nicht fliehest: a. aus böser Gelegenheit und Gefahr, b. vor böser Gesellschaft und nächtlichen Tänzen, In allerlei Anliegen. 625 c. vor Allem, was in Wort und That der Ehrbarkeit und Schamhaftigkeit zuwiderläuft, d. vor Schmeichlern und Geschenken, e. vor unnöthigem Alleinsein mit dem andern Geschlechte, f. vor dem Müßiggang, g. vor Unmäßigkeit im Essen und Trinken( besonders des Branntweins und des berauschenden Biers), h. vor Leserei unzüchtiger Bücher, Romane und Liebesgeschichten; 5. Wenn du die Pforten zu diesem kostbaren Schazze nicht unausgesetzt bewachest, die fünf Sinne, besonders die Augen, die Ohren, das sinnliche Gefühl, das durch übertriebene Behaglichkeit, Bequemlichkeit und Pflege des Körpers ein böser Zunder sündhafter Lust wird; 6. Wenn du nicht zu diesem Schatze ein Kräutchen legest, das da heißt: Furcht Gottes; 7. Wenn du selbst dem Hüter und Besitzer dieses Schazes, nämlich dir selbst, nicht mißtrauest und die geringste Nachlässigkeit nicht hart an ihm strafeſt; 8. Wenn du nicht höhere und mächtigere Bundesgenoffen zu gewinnen suchst, obenan Jesus, Maria und Joseph; deinen Schutzengel, deinen Namenspatron, den heiligen Aloysius; 9. Wenn du nicht für unvermutheten, raschen Ueberfall einen Zufluchtsort dir stets offen hältst, nämlich unter dem Kreuze des Herrn, in seinem bittern Leiden, in seinen offenen Wunden. Gebet um richtige Standeswahl. O Jesu! du Liebhaber der menschlichen Seelen, der du um meines Heiles willen vom hohen Himmel herab bis zur Erde dich erniedrigt und dein Leben in Armuth und Verachtung, in Mühe und Arbeit, in Schmach und Verfolgung, in Schmerz und Leid zugebracht und endlich am schimpflichen Kreuzholze für mich und meine Seligkeit geopfert hast, dich bitte ich, so hoch und theuer ich nur bitten kann, du wollest mir um der Verdienste deines Lebens und Sterbens willen den Geist des Rathes senden, auf daß ich denjenigen Stand erwähle, von dem du voraussiehſt, Myrrhengar III. 23. Aufl. 40 626 Das eilfte Gärtlein. daß ich in demselben fromm leben und sterben werde. O Jesus! Du weißt es, mein einziger Herzenswunsch ist, dir treu zu dienen, fromm zu leben und ewig in deiner Liebe selig zu werden. Siehe, o Herr! mein Herz ist bereit! Ich will, mein Jesus, was du willst. Zeige mir deinen Willen, und gib mir Gnade zu folgen und Standhaftigkeit, bis an mein seliges Ende zu halten, was du mir befohlen haft. Amen. Merke, mein junger Christ! daß du deinen Stand nicht wählen darfst: 1. Wenn du Unglück gehabt hast, traurig und niedergeschlagen bist; 2. Wenn du ein ungewöhnliches Glück gehabt, und übermäßig fröhlich bist; 3. Wenn irgend eine Lust und Leidenschaft in dir regiert. In diesen Fällen ist dein Verstand nicht klar, dein Gemüth verwirrt und dein Wille nicht frei; 4. Berathschlage dich nach der Beicht und Communion, nach eifrigem Gebet, nach einer guten Handlung; 5. Erwäge die Beschwerden ebenso wie die Vortheile des Standes, worüber du dich berathschlagst. Prüfe deine Neigungen, Anlagen, Kenntnisse, Kräfte. Und rathe dir selbst dasjenige, was du deinem besten Freunde rathen würdest oder du wünschtest gethan zu haben, wenn's zum Sterben kommt. 6. Geh mit einem gottesfürchtigen Freunde, besonders mit deinem Beichtvater zu Rathe( frag aber nicht zu Viele), in den meisten Fällen auch mit den Eltern; doch dann nicht, wenn du weißt, daß sie dich wegen ihres weltlichen Sinnes von einem vollkommenern Stande abhalten würden. Höre auch nicht allein auf sie, wenn sie dir zu einem vollkommenern Stande, zum geistlichen oder klösterlichen Stande etwa, rathen; hier wird dir der Prüfstein, wie weit du trauen darfst, die reine Absicht sein; 7. Nimm daher vor Allem Gott zu Rathe im Gebet. Beichte und communicire in der Zeit öfters und rufe die Fürbitte Mariens und anderer Heiligen an; 8. Findest du dann nach längerer, bedachtsamer Ueberlegung, daß du zu einem Stande besonders hingezogen In allerlei Anliegen. 627 wirst, und fühlst du im Gebete und besonders nach der heil. Communion eine besondere Ruhe und innere Freude, wenn du an denselben denkst; so wähle denselben ohne Furcht. Du kannst vernünftig daraus abnehmen, daß es der Wille Gottes sei und dein Beruf; - 9. Hat dich Gott zum Ehestande berufen, so thue nichts ohne Rath deiner Eltern oder Vormünder. Gib Nie manden voreilig dein Jawort, ohne dich vorher genau nach dem Charakter, der Gemüthsart, dem Glauben und den Sitten, nach den Mitteln und sonstigen äußern Umständen desjenigen, der dich zur Ehe begehrt, erkundigt zu haben. Traue deinem Urtheile in diesem Punkte am wenigsten. Eile nicht zu diesem Stande aus sinnlicher Begier, oder aus eitler Absicht, oder aus Leichtsinn; sondern deine Meinung und Absicht sei rein und keusch, wie die des Tobias und der Sara. Laß dich auf keine Bekanntschaft oder Freierei ein, wo du aus allen Umständen gewiß voraussiehst, daß aus der Heirath noch lange nichts werden kann.- Mache solchen Personen, über welche du völlig entschlossen bist, sie nicht zu heirathen, weil sie z. B. nicht unsers Glaubens sind, oder wenn auch, doch ein unsittliches Leben führen, oder nicht fleißig sind, oder ihr Brod nicht gewinnen können, oder Spieler sind oder dergl., durchaus keine Hoffnung, und erkläre dich gleich anfangs offen und aufrichtig, ehe eine sinnliche Zuneigung entsteht; denn wenn diese da ist, so urtheilst du nicht mehr richtig. Gehe nie insgeheim ohne Vorwissen deiner Eltern ein Ehegelöbniß ein. Hast du dich in christlicher Weise verlobt, so beachte das Gesetz der Kirche und wohne nicht mit der dir verlobten Person in demselben Hause; sei auch nie allein mit derselben, sondern sprich immer nur im Beisein der Eltern oder Verwandten mit ihr und sei um so behutsamer und ehrbarer in deinem Benehmen. Bete eifriger und empfange öfter die h. Sakramente während der Zeit der Verlobung. Erwäge oft, daß Verlobte noch keine Eheleute sind und denselben durchaus nicht erlaubt ist, was nur Eheleuten erlaubt ist, was immerhin auch leichtsinnige und freche, ungläubige und lüsterne Menschen dagegen sagen mögen. Laß dich durch solches Gerede nicht verführen. 40* - - - 628 Das eilfte Gärtlein. Ach! wie glücklich wirst du sein, wie viele Gnade wird der Herr dir in deinem Ehestande geben, wenn du den Jungfraukranz unversehrt mit an der Altar trägst und denselben zu den Füßen deines Herrn und Gottes zum Opfer bringst. O wie schön ist ein keusches Geschlecht im Tugendglanze! Denn unsterblich ist sein Andenken und bei Gott und den Menschen ist es anerkannt. Ist es gegenwärtig, so ahmet man ihm nach; entzieht es sich den Augen, so sehnt man sich darnach; und ewig triumphirt es mit der Siegeskrone und trägt den Preis für die Kämpfe unbefleckter Reinheit davon." Buch der Weisheit 4, 1. 2. Gebet, von Verlobten oft zu sprechen. O Jesu, mein Gott und Heiland! da ich nun zum Ehestande mich entschlossen habe, denselben aber ohne deine besondere Gnade nicht würdig eingehen, noch ehrbar und keusch halten kann; so beuge ich vor dir meine Kniee, demüthige mich von Grund meines Herzens und betheure vor deinem göttlichen Angesichte, daß ich weder aus Begier lichkeit des Fleisches oder der Augen, oder aus Hoffart des Lebens, noch aus einer andern verkehrten und bösen Abſicht in den Ehestand treten will; nein, ich will es nur darum, weil ich darin deinen heil. Willen erkenne, weil ich darin so vielen Gefahren meines Seelenheils entgehen, die nothwendigen Bedürfnisse des zeitlichen Lebens sicherer finden, in der gottesfürchtigen Erziehung der Kinder, welche ich von dir hoffe, dir treuer dienen zu können glaube. Ich bitte deshalb zuerst deine unermeßliche Güte durch die Liebe deines verwundeten Herzens, du wollest mir den Geist des Rathes und der Stärke geben, daß ich, durch denselben geleitet, den Ehegatten erwähle, welcher dir gefällig und mir dienlich ist, und dem Erwählten mit keuscher Liebe und unwandelbarer Treue anhange. Zum andern bitte ich durch die unbefleckte Reinigkeit Mariä, du wollest mein Herz vor aller böjen Begierlichkeit bewahren und mir kräftige Gnade ertheilen, meinen Jungfrauenkrauz unverletzt vor deinen Altar zu bringen. Drittens bitte ich durch die heiligste Ehe Maria und Joseph, du wollest meinen künftigen Che stand segnen und benedeien; uns beiden überflüssige Gnade In allerlei Anliegen. 629 verleihen, in Freude und Einigkeit, in christlicher Liebe und Gottesfurcht dir also zu dienen, damit wir einstens selig werden mögen. Amen. Gebet einer Jungfrau, die sich durch das Gelübde der Keuschheit Gott verlobt hat. ( Täglich zu sprechen.) Jesus, du Bräutigam meiner Seele! ich sage dir höchsten Dank, daß du mich der Welt- Eitelkeit und schnöden Wollust entzogen und dir mit dem Ringe keuscher Liebe vermählt hast. O wie unvergleichlich besser ist, Jeſus demüthig dienen, denn aller Welt Ehren, Reichthümer und Lüste zu genießen! Dir, o Jesu, dienen, ist die höchste Ehre und Freiheit! Dich, o Jesus, lieben, ist die reinste Freude und ein stetes Wohlleben. O Jesus, mein Bräutigam, du bist mein und ich bin dein! Dir schenke ich meinen Leib und meine Seele, mein Gedächtniß, meinen Verstand, meinen Willen, meine Sinne, mein Thun und Lassen. Ich bekenne jeßt für die Zeit meines ganzen Lebens, daß ich Alles, was ich thun und leiden werde, dir, o Jesus! ganz allein zu Gefallen thun und leiden, auch meine Keuschheit dir zu Liebe beständig halten will. Deshalb hasse und verfluche ich alles, was der Keuschheit zuwider ist, und nehme mir fest vor, alle gefährliche Gesellschaft und Gelegenheit zu fündigen auf's sorgfältigste zu meiden. Nicht das Geringste will ich thun oder leiden, was mein Gelübde verlegen könnte. O Jesus, meine Liebe! ich habe es gesagt und auch gelobt, in Keuschheit und Reinigkeit dir zu dienen; die gelobte Treue will ich halten, und sollte es auch Gut und Blut, Leib und Leben kosten. Keine Menschenfurcht oder Gunst, keine Freude oder Leid, keine Verachtung, keine Armuth, keine Anfechtung, keine Gewalt, keine Traurigkeit, kein Elend, keine Verlaffenheit nichts, gar nichts soll mich von der Liebe Jesu scheiden. Um Eins nur bitte ich, o Jesu! um Eins nur, mein Blut- Bräutigam, süßester Jesu! und dies wirst du mir, deiner wenngleich unwürdigen Dienerin, gewiß nicht versagen. Du darfst es mir nicht versagen, ich bitte dich durch dein Kreuz und Leiden; durch dein Blut und deine Wunden, 680 Das eilfte Gärtlein. durch deinen bittern Tod und deine schmerzhafte Mutter Maria, und dies ist: daß du mir überflüssige Gnade verleihen wolleft, in dem dir verlobten Stande treu und eifrig und beständig zu leben, mich in allen Tugenden zu üben und in einer wirklich vollkommenen Liebe zu dir zu sterben und ewig selig zu werden. Amen. 8 Gebet eines Kindes für seine Eltern. Lieber Vater im Himmel, wenn ich an Vater und Mutter denke, dann weiß ich nicht, was ich sagen und thun soll. Sie haben so viel für mich gethan und ausgestanden, um mich auf diesen Tag und in diesen Stand an Leib und Seele zu bringen, worin ich mich, Gott sei Dank! befinde; sie thun stündlich so viel für mich, und arbeiten und sorgen und plagen sich für mich, damit ich doch ohne Sorgen leben und was Nützliches lernen könne, daß ich's oft nicht ohne Herzenleid ansehen kann; und was haben sie nicht alles noch vor, daß ich's in Zukunft, wenn sie mal nicht mehr sind, wie sie sagen, doch gut haben möchte! So ist es ja unmöglich, daß ich es ihnen so werde vergelten können, was sie mir Liebes erwiesen. Darum komme ich zu dir, mein Gott, der du Alles in Ueberfluß hast, und so gern gibst, und bitte dich mit zutraulichem Herzen, du wollest anstatt meiner Vater und Mutter vergelten, was ich nicht kann. Gib ihnen deinen Segen, daß sie Glück und Freude und ein langes Leben auf dieser Welt haben, und dereinst die ewige Seligkeit. Mir aber gib ein dankbares Herz, damit ich nie, nie vergesse, was sie an mir gethan haben, und mache mich zu meinem künftigen Berufe geschickt, daß ich sie in ihren alten und kranken Tagen, wenn sie nicht mehr können, ernähren und ihr Alter sorgenfrei und glücklich machen kann. Und dort oben in unserer rechten Heimath, im eigentlichen Vaterhause bei dir laß uns einander wieder finden, um dich zu loben und zu preisen für Alles, was du uns Gutes gethan hast, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Gebet eines Kindes, das franke Eltern hat. Mein lieber himmlischer Bater, der du mir befohlen hast, meine Eltern zu lieben und zu ehren; sieh, ich begehre In allerlei Anliegen. 631 dein Gebot zu erfüllen, und aus findlicher Liebe für meinen kranken Vater( Mutter) zu bitten. Ich bin zwar nicht würdig, erhört zu werden, weil ich meine lieben Eltern oftmals erzürnt und dein Gebot übertreten habe; jedoch bist du gnädig, mich zu erhören und bereit, deine Güte auch Unwürdigen zu erzeigen. Darum, o Gott, erhöre mein unwürdiges Gebet, und verleihe meinem kranken Vater ( Mutter) die vorige Gesundheit. Ach, mache mich armes Kind doch nicht bald zu einer Weise, sondern lasse mich doch noch eine Weile unter dem Schutze meiner lieben Eltern leben! Ich bitte dich durch die kindliche Liebe, so Christus zu seiner lieben Mutter getragen hat, erbarme dich über meinen kranken Vater( Mutter) und erlöse ihn ( fie) aus der Gefahr des Todes. Erhöre das Seufzen und Weinen von uns armen Kindern, und lasse unsere heißen Thränen dein mildes Herz erweichen. Erlöse unsern lieben Vater( Mutter) von seiner( ihrer) Krankheit, so wollen wir dich loben und preisen mit großer Freude. Amen. Gebet eines Kindes, dessen Vater oder Mutter gestorben ist. Ich arme verlassene Waise seufze zu dir, barmherziger, gütiger Gott, und klage dir das schmerzliche Leid, worin ich durch den Tod meines Vaters( Mutter) gerathen bin. O strenger Gott, wie hast du mich unglückseliges Kind so bald zu einer Waise gemacht, und wie bald mir den hinweggenommen, der mich erziehen und ernähren sollte! Ach, wie werde ich nun meine Nahrung finden, und wer wird Sorge tragen für mich armes, verlassenes Kind! O lieber, himmlischer Bater, sei du von nun an mein Vater, und nimm mich zu deinem Kinde an, wie ich dich jetzt zu meinem besten Vater erwähle. Und du, seligste Jungfrau Maria, sei in Zukunft allzeit meine treue Mutter, und nimm mich unter die Zahl deiner Kinder an, wie ich dich nun zu meiner liebsten Mutter erwähle. Ich bitte dich auch, o Gott, du wollest mir verzeihen, daß ich meinen lieben Vater( Mutter) so vielmals erzürnt habe, und daß ich ihm( ihr) so manchen Zorn und Verdruß verursacht habe. Ach, strafe die arme 682 Das eilfte Gärtlein. Seele in jener Welt nicht um meinetwillen, sondern verzeihe ihr gnädig die Sünden, wozu ich sie durch meinen Unge: horsam gebracht habe! Strafe mich vielmehr auf dieser Welt nach meinem Verschulden, und schone der armen Seele in jener Welt. Vergilt ihr auch die Mühe und Sorge, die mein lieber Vater( Mutter) mit mir gehabt hat, und für alles Gute, was er( sie) mir erwiesen hat, schenke ihm( ihr) die ewige Freude und Seligkeit. Amen. Gebet beim Lode eines Freundes. Mitleidigster Jesu, ich erinnere dich der großen Betrübniß, welche dein Herz durchdrang, als du über den verstorbenen La arus, deinen lieben Freund, weintest, und durch diese Bähren zu erkennen gabest, wie sehr du ihn liebtest; ebenſo ist mein Herz jetzt betrübt, weil du mir meinen lieben Freund genommen haft, welchen ich nach deinem Gebote geliebt habe, wie mich selbst. Ach, wie sehr hast du mich durch diesen Todesfall betrübt, und wie schwer wird es mir, mich in deinen göttlichen Willen zu fügen! Dennoch stelle ich Alles deiner Anordnung anheim, und opfere dir die große Betrübniß, mit welcher mein Herz erfüllt ist. Ich vereinige meine Thränen, die ich über diesen meinen Freund vergossen habe, mit jenen Zähren, so du über deinen Freund Lazarus geweint hast, und bitte dich, daß du die selben der armen Seele zur Erquickung gereichen lassest. Wie du deinen Vater über den verstorbenen Lazarus gebeten hast, so bitte auch ich dich in Betreff der Seele meines verstorbenen Freundes, daß du sie aus der Qual erretten und mit deinem lieblichen Angesichte erfreuen wollest. Führe mich und sie auch einst im Himmel zusammen, damit wir uns miteinander in dir erfreuen, und dich ewiglich loben und benedeien. Amen. Gebet bei Anfechtungen in Gedanken wider Gott. Bu dir, o Gott! seufze ich und klage dir die schwere Anfechtung, welche ich leide. Herr, komme mir zu Hülfe, denn ich leide Gewalt, weil der Satan mir so viele ab scheuliche Gedanken wider deine Ehre eingibt; du aber, mein In allerlei Anliegen. 633 Gott, weißt, daß mir diese Gedanken nicht lieb sind, sondern mich sehr beschweren und betrüben. Darum hoffe ich, du werdest dieselben mir nicht zur Sünde rechnen, sondern wegen meines Streites meine Verdienste vermehren. Ich bezeuge hiermit vor dir und allen Heiligen, daß mir diese Gedanken gar nicht lieb sind, und daß ich keineswegs darein zu willigen begehre. Falls ich aber wegen schwerer Anfechtung oder Verwirrung irgendwie einwilligen sollte, so widerrufe ich jetzt, da ich ohne Verwirrung bin, diese Einwilligung, und sage vor Himmel und Erde, daß dies nicht aus freiem Willen, sondern aus Zwang herrühre, und darum durchaus nicht gelten kann und soll. Ich bekenne auch hier vor dem himmlischen Heere und rufe hierüber dich meinen Gott zum Zeugen meines Gewissens an, daß ich von dir nichts anderes glaube, noch halte, als was die heil. katholische Kirche von dir glaubet und hält; und daß ich dich mit Herz und Mund treulich verehre, und wider deine göttliche Ehre niemals etwas zu denken, zu reden, noch zu thun begehre. Dies ist meine ernstliche und wohlbedachte Meinung, worauf ich zu leben und zu sterben bereit bin. Und was wider diese meine ichige Erklärung mir jemals vorkommen möchte, das soll hiermit auf ewig vernichtet und verworfen sein; so wahr mir Gott helfe und sein heil. Evangelium. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Amen. Gebet eines Angefochtenen in unreinen Gedanken. Jesu Christe, du besonderer Liebhaber der Reinigkeit, komme mir zur Hülfe, und verleihe mir Stärke wider die schweren Anfechtungen. Du erkennest meine große Schwachheit und die große Bosheit des Satans. Du weißt, daß ich ohne dich keinen Widerstand leisten, noch diese Anfechtung ausschlagen kann. Darum wende ich meine Augen zu dir, und rufe dich inständig um Hülfe an. Ich bezeuge aber hier vor dir, daß mir diese unreinen Gedanken nicht lieb find, und daß ich keineswegs darein zu willigen begehre. Ja, wenn schon mein Wille aus Schwachheit, oder wegen heftigen Andranges der Anfechtung sich in solchen Gedanken belustigen sollte, so widerrufe ich jetzt diese Belustigung, 634 Das eilfte Gärtlein. und sage, daß sie nichtig und ungültig sein solle. O du Bräutigam reiner Seelen, ich befehle dir meine Reinigkeit, und bitte dich, du wollest mich nicht mehr angefochten werden lassen, als ich ertragen kann. Ich verschließe mein schwaches Herz in dein h. durchstochenes Herz, damit es da vor allen giftigen Pfeilen des Satans sicher sei. Jch befehle auch alle meine Gedanken und Begierden in deine aller reinsten Gedanken und Begierden, und bitte, daß du sie vor aller Belustigung und Einwilligung bewahren wolleft. Am. Gebet eines Betrübten. O du Tröster der Betrübten, Christe Jesu! in dieser meiner schweren Betrübniß fliehe ich zu dir, und suche bei dir, meinem Gott, Hülfe und Trost. Siehe, mein betrübtes Herz lege ich hier zu deinen Füßen, und will es nicht eher wieder aufheben, bis es von dir getröstet und gestärkt worden ist. Ich suche keine eitlen Freuden, noch weltliche Tröstungen, sondern begehre nur von meiner großen Schwer muth, welche mir in deinem Dienste hinderlich ist, befreit zu werden. Ach, gib mir wieder die Freude deines Heils, und bekräftige mich mit dem vortrefflichen Geiste! Ach, laß mich nicht kleinmüthig werden in meiner Traurigkeit, noch aus Verdruß von guten Werken ablassen! Durch die große Traurigkeit, die du am Delberge gehabt, und durch die bitterste Verlassenheit, die du am Kreuze ausgestanden haft, bitte ich dich, nimm die übermäßige Traurigkeit von mir, und stärke mich in meiner bittersten Trostlosigkeit. Ich opfere dir alles, was mich an Leib und Seele beschwert, und vereinige dasselbe mit jener Aufopferung, wodurch du am Kreuze deinem Vater all dein Leid geopfert hast. Verschaffe, daß alles zu deiner Ehre gereiche, und mir zum ewigen Froh locken. Amen. Litanei von der göttlichen Fürschung. ( Besonders bei zaghafter Gemüthsstimmung nützlich zu beten.) Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Litanei von der göttlichen Fürsehung. Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme 2c. Gott h. Geist, erbarme 2c. Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme 2c. Gott, allmächtiger Schöpfer Himmels und der Erde, Unsichtbarer, unerforschlicher Gott, Allwissender und allweiser Gott, Langmüthiger und barmherziger Gott, Allgütiger und gerechter Gott, Der du dich aller deiner Geschöpfe erbarmeſt, Der du Alles, was da lebt, mit Segen erfüllest, Der du mit Weisheit und Liebe über alle deine Geschöpfe waltest, Der du denen, die dich lieben, Alles zum Besten lenkest, Der du für alle deine Geschöpfe väterlich sorgest, Der du die Blumen des Feldes bekleideft, Der du alle Haare unseres Hauptes gezählt hast, Der du die Uebel und Trübsale zu unserm Heile endest, Der du die christliche Geduld mit ewiger Freude belohneft, Gott, unser einziger Helfer und Tröster, Gott, unsere einzige Hoffnung und Zuflucht, Sei uns gnädig! Verschone uns, o Herr! Sei uns gnädig! Erhöre uns, o Herr! Von allem Uebel Leibes und der Seele, 635 Von Lauigkeit in deinem Dienste, Von Geringschäßung deiner Gnade, Von Mißtrauen auf deine göttliche Fürsehung, Von allem Murren und Klagen wider deine h. Anordnungen, Von Kleinmuth und Ungeduld im Leiden, Von überflüssigen Sorgen für das Zeitliche, Von zu großem Vertrauen auf Menschengunst und Reichthum. Von allem mißbrauche deiner Gnaden und Wohlthaten, Bon aller Lieblosigkeit gegen den Nächsten, Von Verstocktheit des Herzens, Von Mangel des nöthigen Unterhalts, Erbarme dich unser! Befreie uns, o Herr! 636 Das eilfte Gärtlein. Von Krieg und ansteckenden Krankheiten, befreie uns, o Herr! Vom unvorhergesehenen Tode, befreie uns, 2c. Vom schrecklichen Gerichte, befreie uns, 2c. Wir arme Sünder! Wir bitten dich, erhöre uns! Daß du unser schonest und unsere Sünden gnädig verzeiheft, Daß wir immer auf deine göttliche Fürsehung fest vertrauen, Daß wir im Glücke nicht hochmüthig und gottvergeffen und im Unglücke nicht mißtrauisch und ungeduldig werden, Daß wir allen deinen Fügungen uns findlich unterwerfen, Daß wir deinen Namen preisen, du magst geben oder nehmen, Daß dein Wille, wie im Himmel, also auch auf Erden geschehe, Daß du uns gebest, was wir zur Erhaltung unseres Lebens bedürfen, Daß du in der Betrübniß Trost und Hülfe sendeſt, Daß du uns in allen Widerwärtigkeiten stärkest und zur Tugend hinführest, Daß uns die Trübsale zur Besserung unseres Lebens verhelfen, Daß du unsere Arbeiten segnen wollest, Daß du für die zeitlichen Leiden uns die ewigen Freuden ertheilen wollest, Daß du unsere geistlichen und weltlichen Obern mit dem Geiste der Weisheit und Frömmigkeit erfüllen wollest, Daß du unsern Wohlthätern mit den ewigen Gütern vergelten wolleft, Daß du dich aller Nothleidenden erbarmen wolleft, Daß du allen abgestorbenen Gläubigen die ewige Ruhe verleihen wolleft, Daß wir einst ewig deine h. Fürsehung im Himmel loben und preisen mögen, Gott der Liebe, Wir bitten dich, erhöre uns! In allerlei Anliegen. 637 O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr! O du Lamm Gottes 2c., erhöre uns, o Herr! D du Lamm Gottes 2c., erbarme dich unser, o Herr! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser 2c. Gegrüßet seist du 2c. V Der Name des Herrn sei gebenedeit R Von nun an bis in Ewigkeit! Laßt uns beten. Gott, dessen Fürsehung in ihren Anordnungen nicht irren kann, wir flehen demüthig zu dir, daß du alles Schädliche entfernen und alles Heilsame uns gewähren wollest. Durch Jesum Christum 2c. Gebet eines Unterdrückten. Herr, meine Feinde habe sich wider mich erhoben, und suchen mich mit einem ungerechten Hasse zu unterdrücken. Ich aber bin arm und schwach, und kann ihnen nicht widerstehen; darum suche ich bei dir Hülfe und Rath, damit du mich errettest und beschützest. Ach siehe doch, wie ich so unbilliger Weise verfolgt und gedrängt werde, und wie meine Widersacher mich um Ehre und Gut zu bringen suchen. Darum seufze ich aus der Tiefe meiner Armseligkeit zu dir, und klage dir meine Unschuld und Unterdrückung. Du bist der Einzige, der mich erlösen kann, darum sehe ich all mein Vertrauen auf dich, und rufe dich von Grund meines Herzens an. Erzeige deine Güte und Allmacht an mir, damit meine Feinde sehen, daß du ein Beschüßer aller Unterdrückten bist. Dir, o gütiger Gott, befehle ich meine Sache, und dir übertrage ich all mein Recht, welches ich dazu habe. Dich erwähle ich zu meinem Sprecher und Schutzherrn, und vertröste mich gänzlich, du werdest alles zu gutem Ende bringen. Auf dich, o Herr, habe ich vertraut, du wirst mich ja nicht zu Schanden werden lassen. Amen. Das eilfte Gärtlein. Gebet eines Verläumdeten. O Gott, du Erforscher der Nieren und des Herzens, du weißt, wie große Unbild mir geschieht, und wie unverschuldeter Weise ich um meinen guten Namen komme! Wie will ich doch dies mit Geduld leiden, weil mein Kreuz schwerer ist, als ich tragen kann! Du weißt ja, o Gott, daß Einem nichts Schwereres auf Erden widerfahren kann, als wenn Einem die Ehre ohne eigene Schuld genommen und man so zum Schimpf und Spott aller Menschen wird. Wie hast du denn mir dies so schwere Kreuz aufladen mögen, da du doch weißt, daß meine Kräfte viel zu schwach sind! Deswegen bitte ich demüthig um Abwendung dieses Kreuzes, damit ich mich nicht dadurch versündige, noch in Ungeduld falle. Du, o Christe Jesu, weißt, wie schwer es Einem fällt, wenn man verkleinert und verspottet wird, weil du in deinem bittern Leiden mehr als alle Menschen bist verspottet und verläumdet worden. O! so trage denn auch jetzt Mitleid mit mir, und vernichte die Verläumdungen, die wider mich ausgesprengt werden. Verstopfe doch die Mäuler der ungerechten Ehrabschneider, und gib meine Unschuld meinen Feinden zu erkennen. Verleihe mir auch Geduld in dieser meiner Widerwärtigkeit und lasse diese Schmach eines Tags zu meiner größern Ehre gereichen. Ich befehle dir meine Unschuld und opfere dir alle ungerechte Ehrabschneidung zu deiner Ehre und meinem Heile. Rechne doch meinen Feinden ihre Bosheit nicht zur Sünde, sondern vergilt ihnen für alles Böse, das sie mir zufügen, damit, daß du sie zur Erkenntniß, zur Besserung und dadurch zur ewigen Seligkeit führest. Amen. 638 Gebet eines Dürftigen. Ach, ich armer dürftiger Mensch komme vor deine Thüre, mein lieber himmlischer Vater, und begehre demüthig ein Almosen und die nothwendige Nahrung. O mein Gott, du weißt meine große Noth und Dürftigkeit, und erkennest den äußersten Mangel, den ich und die Meinigen leiden müssen! Des Bettelns schäme ich mich, darf auch Niemand meine große Armuth offenbaren. Deswegen muß ich großen In allerlei Anliegen. 639 Hunger und Mangel leiden, und weiß nirgends als bei dir eine Zuflucht zu suchen. Christe Jesu, du Helfer der Armen, der du mit deinem göttlichen Munde geredet haſt: Bittet, so werdet ihr empfangen; klopfet an, so wird euch aufgethan werden; sieh! ich komme auf dein Wort vertrauend zu der Thüre deiner Barmherzigkeit, und klopfe mit meinen Herzens- Seufzern dringlich an. Ich begehre um Gottes willen ein barmherziges Almnosen, und spreche mit den Worten, die du mich gelehrt haft: Unser tägliches Brod gib uns heute. Ach! so erhöre denn meine demüthige Bitte, und lasse durch mein Anklopfen die Thüre deines Herzens eröffnet werden. Mache, daß dein Wort an mir wahr werde, und lasse deine Verheißung an mir erfüllt werden. Obwohl ich nicht würdig bin, von dir zu empfangen, so bist du doch würdig, mir zu geben. Deswegen lasse ich mich nicht von deiner Thüre abweisen, und werde auch nicht eher scheiden, bis ich von dir ein Almosen empfange. Du bist ja mein Vater und ich bin dein Kind; so wird ja der Vater dem Kinde Brod geben, wenn es dies demüthig begehrt, und dessen noch bedürftig ist! Es ist ja niemals ein väterliches Herz gegen sein Kind so hart gewesen, daß er's hätte Hungers sterben lassen, wenn er ihm irgendwie hat helfen können; wie sollte es denn möglich sein, daß dein allermildestes väterliches Herz mich, dein armes Kind, wollte Hungers sterben lassen, da du mir doch so leicht helfen kannst, und ich voll Vertrauen darum bitte. Darum kann ich mir nicht einbilden, daß du mich verlassen solltest, sondern vertraue fest auf die Milde deines väterlichen Herzens, du werdest mir und den Meinigen das tägliche Brod geben und uns aus der äußersten Noth erretten. Darum bitte ich dich demüthig, sprechend: Vater unser, der du bist im Himmel, unser tägliches Brod gib uns heute. Amen. Gebet einer Frau, die in unglücklicher Ehe lebt. barmherziger Gott, ich arme betrübte Frau befinde mich in einem großen Kreuze, und weiß nicht, wie ich dir meine Noth klagen soll. Mein Herz ist so sehr erfüllt mit 640 Das eilfte Gärtlein. Bitterteit, daß ich's nicht sagen kann, und meine Seele ist so voller Schwermuth, daß ich schier möchte kleinmüthig werden. Du, mein Gott, weißt und siehest, was für einen ungerathenen Mann ich habe, und was für Leid und Elend er mir täglich anthut. Ich führe ein so übeles Leben mit ihm, daß ich nicht nur hier auf der Welt keinen Troft habe, sondern fürchten muß, daß ich Leib und Seele bei ihm verderbe. Diese meine Noth weiß ich keinem Bessern zu klagen, als dir, und es kann mir auch Niemand helfen, als du. Darum suche ich demüthig bei dir um Hülfe an, und bitte dich von Grund meines Herzens, du wollest mich in meinem Leide trösten. Ach, bessere doch meinen Mann, und gib ihm einen andern Sinn ein, und durch die Kraft des h. Geistes ziehe ihn aus seinem üblen Seelenzustande heraus! Ach, erhöre mich doch, und lasse mich nicht unge tröstet hinweggehen; denn du weißt, daß ich dich nicht ſo sehr bitte, um von meinem Kreuze erlös't zu werden, als vielmehr, damit ich aus der Gefahr der Verdammniß errettet werde! Denn ich sehe gleichsam vor Augen, daß ich, wenn wir beiden in dieser elenden Lage verharren, mich immer mehr mit ihm versündigen, und endlich gar in meinen Sünden sterben und verderben werde. Damit denn deine. göttliche Majestät nicht fernerhin erzürnt, noch meine arme Seele, welche dein Sohn so theuer erkauft hat, ewig ver loren gehe, so bitte ich dich mit trauerndem Herzen, bessere mich und meinen Mann, und verleihe mir Geduld in meinem schweren Kreuze. O liebreicher Gott! du wollest dir auch mein Elend zu Herzen gehen lassen, und mich um deiner Barmherzigkeit willen davon erlösen. Amen. Gebet einer Mutter, die ein ungerathenes Kind hat. Ich unglückliche Mutter klage dir mein großes Kreuz, und rufe deine allmächtige Hülfe demüthig an. Ich habe mich zwar allezeit beflissen, meine Kinder fromm zu erziehen, und doch muß ich zu meinem größten Herzeleid sehen, daß sie sehr ungerathen und böse werden. Meine Lehren und wohlgemeinten Ermahnungen werden verachtet, und all mein Strafen bessert sie nicht. Zu Fluchen und Ver In allerlei Anliegen. 641 wünschungen reizen sie mich, und verursachen mir so große Ungeduld. Wenn sie fortfahren, so fürchte ich, daß sie nicht allein sich, sondern auch mich mit ihnen zur Hölle bringen. Darum klage ich dir meine Noth, o Herr! und bitte dich, du wollest meine Kinder( besonders das so sehr ausgelaffene) bessern, auch mir in den Sinn geben, was ich dazu thun kann und soll. Ich fürchte, daß ich früher auch manches in der Erziehung theils aus Unwissenheit, theils aus Leidenschaftlichkeit verfehlt habe. Ach, vergib mir, vergib meinem Kinde! Bessere, was Menschen nicht bessern können! Leite und lenke es doch gnädig also, daß ich und meine Kinder doch nicht als ungerathene von dir, unserm himmlischen Vater, auf ewig verstoßen werden. Amen. Gebet einer Mutter, die ein frankes Kind hat. D Herr Jesu Christe, der du unsere Krankheit auf dich genommen, und mit großer Geduld getragen hast, ich erinnere dich des großen Herzeleids, welches deine liebe Mutter mit dir hatte, als sie dich am Kreuze in so großen Schmerzen hangen sah. Gleichwie du damals mit ihr herzliches Mitleid hattest, also wollest du auch jetzt mit mir, einer betrübten Mutter, Mitleid haben. Ach, siehe, das liebe Kind, welches du mir aus Gnaden geschenkt hast, liegt vor deinen Augen krank, und leidet unerträgliche Schmerzen. Wie dies mein mütterliches Herz betrübe, das weißt du besser, als ich es sagen kann, weil ich sehe, daß dies arme Kind leiden muß, was ich mit meinen Sünden verschuldet habe. O gütiger Jesu, ich bin eine arge Sünderin; dies arme Lämmlein aber hat nichts verschuldet! Darum wende deine Strafe von ihm, und gieße sie über mich aus. Ach, verschone doch dieses unschuldige Kind, und mindere seine großen Schmerzen, erlöse es von der Gefahr des Todes, und errette mich aus dem Leide, das mich umgeben hat! Ich opfere dir alles, was dies arme kind leidet und was ich mit ihm vor Traurigkeit und Betrübniß leiden muß. Lasse dir dies gütig gefallen und verleihe in Ansehung desselben meinem lieben Kinde seine vorige Gesundheit. Amen. Dyrrhengarten III. 23. Aufl. 41 642 Das eilfte Gärtlein. Gebet einer Mutter, die einen kranken Sohn ( Tochter) hat. Aus der Tiefe meiner betrübten Seele seufze ich zu dir, o Herr, und befehle dir meinen lieben Sohn( Tochter), der o Herr! gefährlich frank liegt. Mit einem schweren Kreuze, hast du mich heimgesucht, und züchtigest mich gar sehr mit väterlicher Strenge. Du weißt, daß ich mein Kind liebe, und einmal Freude an ihm zu erleben hoffe. Nun aber bringt die Krankheit meines Kindes und die Angst, daß es mir vielleicht sterben möchte, Bitterfeit unter meine Freude. Ach lieber Gott, züchtige mich doch nicht so hart, sondern errette mich und mein Kind aus der Gefahr! Lindere ihm doch seine Schmerzen, und verleihe ihm Geduld in seiner schweren Krankheit. Ich opfere dir alles, mein Kind leidet, sammt allem, was ich zugleich mit ihm Teide, und vereinige es mit dem Leiden Jesu und Mariä, und schicke es dir durch meinen Schußengel zum Himmel hinauf. Siehe an, o Gott! unsere Seufzer und Thränen, unsere Schmerzen und Aengste, unser innerliches und äußer liches Kreuz, und wenn es nicht wider deinen Willen und unser Heil ist, so erlöse mein schwaches Kind von seiner Krankheit und verleihe ihm die gewünschte Gesundheit. Am. was Gebet einer Frau, die einen kranken Mann hat. Ich arme betrübte Sünderin komme vor deinen Gnabenthron, gütiger, barmherziger Gott, und lege die schwere Last meines Kreuzes zu deinen göttlichen Füßen. Ach, fiehe an, wie schmerzlich mich die Krankheit meines lieben Mannes betrübet, und wie sehr ich fürchte, es möchte übel ausfallen. Ach Gott, was sollte ich arme Frau anfangen, wenn mir mein lieber Mann sterben sollte! Wie wollte ich mich in meinem großen Leide trösten können! Ich habe aber solches Vertrauen zu dir, o Herr, daß, wenn du schon verordnet hättest, mein Mann sollte sterben, so wollte ich dich doch durch mein Gebet zu erweichen und zur gnädigen Widerrufung deines Urtheils zu nöthigen suchen. Denn dein väterliches Herz ist so milde, daß es von einer reu müthigen Bitte sich nicht abwendet. Deswegen bitte ich In allerlei Anliegen. 643 dich unter Seufzern und Thränen, und werde nicht ablaffen zu bitten, bis du mich erhörest. Mit meinem ungestümen Anhalten werde ich nicht eher nachlassen, bis du meinen lieben Mann wieder gesund machest, und mich mit ihm erfreuest. Ach, erhöre mich! Ach, erhöre mich! und schenke aus Gnade und Barmherzigkeit meinen lieben Manne die vorige Gesundheit wieder, und tröste mich in meinem Leiden. Amen. Vater unser u. s. w. Gegrüßet seist du u. s. w. Gebet einer Frau, die ihren Mann durch den Lod verloren hat. O Tröster aller Betrübten, Christe Jesu, wie hast du mich arme Frau so hart heimsuchen und mich mit dem vorzeitigen Tode meines lieben Mannes so schmerzlich betrüben mögen! Du bist ja stets gegen alle Betrübte ſo mitleidig gewesen, und hast billig den Namen eines Trösters der Betrübten verdienet. Ach, wie kommt es doch, daß du an mir deinen alten Namen fast verlierest? Ach, ich arme betrübte Frau, bin nun zu einer verlassenen Witwe geworden, weil ich meinen lieben Mann verloren habe und nimmer werde wieder bekommen! Nun muß ich gleich einer Turteltaube all mein Leben seufzen und klagen, weil ich ja auf der ganzen Welt keinen Trost mehr zu finden weiß! Doch zu dem, der mich betrübt hat, will ich mich wenden und bei ihm Hülfe und Trost suchen, der mir meine Hülfe und meinen Trost genommen hat! Ach tröste mich, o Chrifte Jesu, in meinem Leid, und bewahre mich vor aller schädlichen Kleinmüthigkeit! Nimm auf meine bittern Thränen und schwierzlichen Seufzer, und lasse meine große Traurigkeit dir zu Herzen gehen. Sei denn du hinfüro statt meines lieben Mannes ein mächtiger Schuk für mich arme Witwe in aller Widerwärtigkeit. Von jetzt an nehme ich dich zu meinem Bräutigam und Ernährer an, und will dich demüthig gebeten haben, daß du mich niemals verlassen wollest. Ich befehle dir auch die Seele des verstorbenen Mannes. Verzeihe ihm seine Sünden aus Barmherzigkeit, und durch die Verdienste deines bittern Leidens schenke ihm die verdienten Strafen. Durch die Kraft deines ver41* 644 Das eilfte Gärtlein. goffenen Blutes reinige seine Seele von ihren Makeln, und bedecke durch deine herrlichen Tugenden ihre Blöße! Ach! nimm sie aus Gnaden zu den Freuden auf und führe sie zu der Gesellschaft deiner Auserwählten. Amen. Gebet in Kriegszeiten. D Gott der Heerschaaren, der du die unbußfertigen Sünder mit Krieg, Hunger und Pest zu strafen pflegeft; wir wenden uns in dieser großen Noth zu dir, und rufen deine milde Güte und Barmherzigkeit an. O Herr! wir haben gesündiget und deinen gerechten Zorn zur Rache gereizet; darum züchtigest du uns billig, und suchest uns in deinem Grimme heim. Wir Armen bekennen unsere Schuld und bereuen unsere Sünden; darum halte du auch deine Hand zurück, und lasse deine Strafe nicht länger über uns fallen. Ach, gütiger Gott, siehe an, wie durch diesen gegenwärtigen Krieg so viel Gutes unterlassen und so viel Böses verursacht wird! Siehe, wie dein göttlicher Dienst verhindert, die Andacht gestöret, die Festtage verunehret, die Kirchen verwüstet und alle Gottseligkeit verscheucht wird. Siehe, wie die Bosheit sich mehret, die Ungerechtigkeit ihr Haupt erhebt, Fluchen, Stehlen und Gewaltthätigkeit zum Tagewerk geworden sind, und alle Sünden in Schwung kommen. Beherzige auch, o gütiger Gott, das große Elend der armen Menschen, wie ungerecht sie unterdrückt, vertrieben, beraubt, geschlagen und zu Grunde gerichtet werden. Höre an ihre Seufzer und Klagen, siche an ihre Thränen und Bußübungen, bedenke ihren Hunger und Mangel und erwäge ihre innerliche und äußerliche Armseligkeit. Dies Alles lasse dein Herz erweichen und zum Erbarmen und Mitleid bewegen. Ach, wende deine Augen doch auf deinen gekreuzigten Sohn, unsern Herrn Jesum Christum, und höre an das inbrünstige Gebet, das Er am Kreuze für uns that, sprechend: Vater, verzeihe ihnen! Um dieses deines lieben Sohnes willen verzeihe uns unsere Sünden, und halte ein die Geißel deiner Strafen. Versöhne doch die erzürnten Gemüther der Fürsten und Herren, und thue Einhalt den schweren Kriegsläufen und Empörungen. Be In allerlei Anliegen. 645 gnadige uns wieder mit dem lang gewünschten Frieden, damit wir in Ruhe dir dienen und deine Güte allzeit rühmen mögen. Amen. Gebet in Hungersnöthen. Vater unser, der du bist im Himmel, wir deine armen Kinder fliehen in dieser Hungersnoth zu dir, und bitten dich demüthig um das tägliche Brod! O mildreichster Vater, siehe, wie übel es mir und allen armen Leuten ergeht, und wie so mancher Mensch vor Hungersnoth hat ganz verkümmern müssen. Wie kannst du doch diesem großen Elende ohne Mitleid zusehen, und wie magst du deine armen Kinder Hungers sterben lassen! O liebreicher Vater! bist du denn so sehr erzürnet, daß du deiner Barmherzigkeit nicht mehr eingedenk bist? Und ist denn dein Grimm so ganz ausgegossen, daß unser unsägliches Elend dich nicht besänftigen kann? Wenn denn wir armen Sünder dich nicht versöhnen können, so lasse dich die Wunden deines Sohnes Jesu Christi zur Barmherzigkeit erweichen, und die Fürbitte Mariä und aller Heiligen deinen Zorn versöhnen. Durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, und durch die reichen Verdienste aller Heiligen bitten wir dich, errette uns aus dieser großen Hungersnoth und gib uns aus Gnaden wieder das liebe tägliche Brod. Laß uns doch nicht gar vor Hunger sterben, sondern bewahre uns vor dem bittern Tode durch deine göttliche Kraft. Gedenke, daß du unser Vater bist, und uns, deinen Kindern, die nothwendige Unterhaltung verschaffen auf dich genommen hast. Denn obschon wir deine Strafe mit Recht verdient haben, so bekehren wir uns doch wieder zu dir, und bitten fußfällig um gnädige Verzeihung. So verschmähe denn nicht, o Vater, deine armen Kinder, sondern um deines väterlichen Namens willen verschaffe uns die nothwendige Nahrung. Amen. Gebet zur Zeit der Pest oder Cholera oder einer andern ansteckenden Krankheit. Gott der Rache, der du die Ulebertretung deines Volkes mit allerlei Strafen heimzusuchen pflegest, wir armen 646 Das eilfte Gärtlein. Sünder seufzen in gegenwärtiger Noth zu dir, und bitten demüthig, daß du uns aus der augenscheinlichen Todesgefahr erretten wolleft. O wie schmerzlich haben wir deine Majestät beleidiget, daß du uns mit dieser schnell tödtenden Krankheit heimsuchest und mit einem so schmerzvollen Tode züchtigest! Ist denn Niemand, o Herr, der deinen Zorn stillen und die Strafe von uns abwenden könnte? Jst denn das große Elend nicht mächtig genug, dich zum Mitleid zu bewegen? So erbarme dich denn unser um unsers lieben Heilandes Jesu Christi willen, und wegen der Fürbitte der glorwürdigen Jungfrau Maria und aller lieben Heiligen. Du hast ja ehedem wegen der Fürbitte deines Dieners David dich über dein Volk erbarmet und dem Würgengel befohlen, seine Hand einzuhalten. Ach! so erbarme dich denn auch jetzt über dein bedrängtes Volk wegen der Fürbitte deiner heil. Diener, Sebastian, Rochus, Xaverius und aller andern, welche du uns zu Fürbittern in der Zeit ansteckender Krankheiten gesetzt hast. Ueber alles aber bitten wir dich, du wollest die Plage von uns abwenden wegen der mächtigen Fürbitte der glorwürdigen Jungfrau Maria, der Mutter deines lieben Sohnes und unserer Mutter. Ach, um dieser gütigen, milden und süßen Jungfrau willen, befiehl, o Herr, dem Würgengel, daß er sein Schwert einstecke und dein Volk, ihre Kinder, so jämmerlich zu tödten ablasse. Dann wollen wir deine Güte allzeit dankbar erkennen, und dein Erbarmen preisen mit Herz und Mund in Ewigkeit. Am. Zur Zeit eines Ungewitters. Bezeichne dich mit dem H. Kreuze, und sprich knicend: Vor Blitz und Ungewitter bewahre uns, o Herr und Gott! Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser. Ave Maria. Ich glaube an Gott den Vater 2c. Darnach sprich das Evangelium des h. Johannes: Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott, alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht worden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der In allerlei Anliegen. 647 Menschen, und das Licht leuchtete in der Finsterniß, aber Es war ein Mensch die Finsterniß hat es nicht begriffen. von Gott gesandt, der hieß Johannes. Dieser kam zum Zeugniß, damit er Zeugniß von dem Lichte gäbe, auf daß Alle durch ihn glauben möchten. Er war nicht das Licht, sondern er sollte Zeugniß geben von dem Lichte. Dieses war das wahre Licht, welches erleuchtet alle Menschen, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht worden; aber die Welt hat ihn nicht erkannt. Er fam in sein Eigenthum und die Seinigen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufs nahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden; denen, die an seinen Namen glauben, welche nicht aus dem Geblüte, noch aus den Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt; und wir haben gesehen seine Herrlichfeit, eine Herrlichfeit als des Eingebornen vom Vater voller Gnade und Wahrheit. W Gott sei Dank. Hier tüsse das Buch und sprich: Durch die Kraft des h. Evangeliums tilge unsere Sünden, und bewahre uns vor Schaden, Bliz und Donnerschlag! Zur heil. Dreifaltigkeit zur Zeit eines Ungewitters zu sprechen. O allerheiligste Dreifaltigkeit, Gott Vater, Sohn und h. Geist! Wir armen sündigen Menschen fliehen zu dir in dieser Noth, und bitten dich durch deine unendliche Barmherzigkeit, daß du uns aus dieser Gefahr erretten und vor dem schweren Ungewitter behüten wollest! D gütigster Bater, der du bei der Taufe Christi in einer hellleuchtenden Wolke herabgestiegen bist, und deine göttliche Stimme auf Erden hast hören lassen; ach! schicke doch eine solche glänzende Wolke vom Himmel herab, daß sie diese trüben Wolken zertheile, vertreibe und vernichte. Laffe abermals deine göttliche Stimme in den Lüften erschallen, welche die Stimme des Donners breche und diejem tobenden Wetter zu weichen gebiete. D Christe Jesu, der du gen Mere 648 Das eilfte Gärtlein. Himmel fahrend von einer lichten Wolke bist aufgenommen worden, und mit göttlicher Hand deinen Gläubigen den Segen gegeben hast, ach! erleuchte doch durch den hellen Glanz dieser Wolke die Finsterniß dieser trüben Wolken, und verändere dies schwere Ungewitter in ein fruchtbares Regenwetter. Erhebe auch noch einmal deine gebenedeite göttliche Hand und mache das H. Kreuzzeichen über diese brausenden Winde und schrecklichen Blize, damit sie durch die Kraft deines h. Segens in eine andere Natur und Wirkung verwandelt werden. O gütigster h. Geist, der du am h. Pfingsttage in einem großen Gebrause und starken Sturmwinde herabgekommen bist, Alles aber in süße Lieblichkeit verwandelt haft; ach! laß auch jetzt durch ein sanftes Wehen diesen schädlichen Sturmwind vertrieben und die schweren Wolken verjagt werden. Ach! verändere doch dies gefährliche Wetter in ein liebliches, und diese trübe Luft in eine freundliche Heiterkeit. O allergütigste Dreifaltigkeit, segne doch mich und all die Meinigen sammt allen Inwohnern dieses Landes mit deiner göttlichen Hand, bewahre uns, und all unsere Häuser und Necker, Weinberge und Gärten, Wiesen und Feldfrüchte vor Schaden, Bliz und Donnerschlag. Alsdann wollen wir deinen Namen preisen und benedeien, und deine Güte loben immerdar. Amen. Befehlung seiner selbst zur Zeit eines Ungewitters. O Richter der Lebendigen und Todten, Christe Jeſu! was für ein Schrecken wird in aller Welt sein, wenn du in einem gewaltigen Sturmwinde und Ungewitter unter vielen Blitzen und Donnern kommen wirst, zu richten. O wie werden wir armen Sünder alsdann zittern und zagen, weil wir uns jetzt schon so sehr vor dem gegenwärtigen Gewitter fürchten. Vor allem aber habe ich mich jetzt am meisten zu fürchten, weil ich nämlich ein so großer Sünder bin, daß sich billig alle Elemente wider mich erheben. O Christe Jesu! ich erkenne meine Schuld und klage mich vor dir wegen meiner Sünden an, demüthig bittend, du wolleft meiner verschonen und deine Nache von mir abwenden. Ach, strafe mich nicht in deinem Grimme und züchtige mich Für Kranke. 649 nicht in deinem Zorne, sondern, zu großer Ehre deines Namens, behüte mich vor dem Donnerschlage, und erlöse mich von dem großen Schrecken, der meine Seele umgeben hat. Ich befehle mich so kräftig, als ich immer kann, in deinen Schutz und Schirm, damit ich unter demselben vor allem Unglücke bewahrt bleibe. Ich befehle mich in die Kraft des hochheiligen Kreuzes, durch welches du die Macht des Satans überwunden hast. Ich befehle mich in die Kraft deines bittern Todes, durch welchen du die ganze Welt erlöset hast. Ich befehle mich in die Kraft deiner heil. fünf Wunden, durch welche du alle unsere Schulden bezahlt hast. Ich befehle mich in die Kraft deines rosenfarbenen Blutes, durch welches du unsere unreinen Seelen abgewaschen hast. Und endlich befehle ich mich in die Kraft des unergründlichen Wortes: Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt. Durch dies allmächtige Wort, durch welches Alles erschaffen ist und erhalten wird, hoffe auch ich erhalten und bewahrt zu bleiben vor dem vernichtenden Blizze. Das verleihe mir die gebenedeite h. Dreifaltigkeit, Gott Vater, Sohn und H. Geist. Amen. Das zwölfte Myrrhen- Gärtlein. Enthält heilsame Gebete für Kranke und Abgestorbene. Aeber die Vorbereitung zum Tode. 1. Beherzigung in gesunden Tagen. Hast du jemals einen Menschen sterben sehen, so gedenke, daß du den nämlichen Weg gehen wirst. Heute ist der Mensch noch, und morgen sieht man ihn nicht mehr. Selig darum, wer die Stunde seines Todes beständig vor Augen hat, 650 Das zwölfte Gärtlein. und zum Sterben sich täglich bereitet! Wenn jene lette Stunde da ist, wirst du von deinem vergangenen Leben weit anders zu urtheilen anfangen. Du wirst sehr bedauern, daß du so nachlässig und lau gewesen bist. Wie glückselig und klug ist derjenige, der sich bemühet, so in seinem Leben beschaffen zu sein, wie er wünscht im Tode befunden zu werden. Beeifere dich also, jetzt so zu leben, daß du in der Todesstunde mehr Ursache dich zu freuen, als zu fürchten habest. Ach, mein Liebster, welch' großer Gefahr kannst du ausweichen, von welch' schrecklicher Furcht kannst du dich befreien, wenn du jetzt in Gottesfurcht und in Er wartung des Todes lebst! Lerne jetzt der Welt absterben, damit du alsdann anfangest mit Christus zu leben. Glaube mir: die Welt vollkommen verachten, eifrig verlangen, in den Tugenden zuzunehmen, die Zucht lieben, strenge büßen, willig gehorsamen, sich selbst verläugnen und jede Widerwärtigkeit aus Liebe zu Christus ertragen; dies wird ein großes Vertrauen einflößen, daß man glückſelig sterben werde. Sehe dein Vertrauen nicht auf Freunde und Verwandte. Die Menschen werden deiner eher, als du glaubst, vergeſsen. Wer wird nach deinem Tode an dich denken? Wer wird für dich beten? Verschieb auch dein Heil nicht auf künftige Zeiten. Ach, du Thörichter! wie bildest du dir ein, du werdest lange leben, da du keines Tages versichert bist. So lange du gesund bist, kannst du viel Gutes wirken: ich weiß aber nicht, was du vermögen wirst, wenn du frank bist. Ach! es wird vielleicht eine Zeit kommen, wo du einen einzigen Tag oder eine einzige Stunde zut Besserung verlangen wirst; und ich weiß nicht, ob du sie erhalten wirst! Wohlan denn, mein Liebster! thue jetzt, was du immer thun kannst, weil du nicht weißt, wann du sterben wirst. Du weißt auch nicht, was nach dem Tode auf dich wartet. Sammle dir ewige Schäße, da du noch Zeit hast. Denke auf nichts, als auf dein Heil; sorge Für Kranke. 651 nur für das, was Gottes ift. Mache dir jetzt Freunde, indem du die Heiligen ehrst und ihre Werke nachahmest, damit sie dich, wenn du aus diesem Leben scheidest, in die ewigen Hütten aufnehmen. Verhalte dich wie ein Pilger und Fremdling auf Erden, den das Weltgewirre nichts angeht. Halte dein Herz frei und zu Gott gerichtet, du hast ja hier keinen bleibenden Ort. Dorthin richte dein tägliches Gebet und deine mit Thränen vermischten Seufzer, damit dein Geist nach dem Tode zum Herrn glücklich übergehen möge. Amen. Gebet um Abwendung eines plötlichen Todes. 100 Tage Ablaß, so oft, und einen vollkommenen Ablaß am 3. Mai und 14. September, am Grünendonnerstage und Charfreitage unter den bekannten Bedingungen, wenn Jemand diese Gebete täglich verrichtet. Der vollkommene Ablaß kann den armen Seelen zugewendet werden. Gebete und Antiphonen. 1. Erhöre uns, o Gott, unser Heil! und lasse nicht zu, daß unsere Tage eher enden, als du unsere Sünden getilget haft; und weil in der Hölle die Buße eine verlorne Mühe und keine Zeit mehr zur Besserung ist; so bitten wir dich inständig und flehen zu dir, daß, wie du uns Zeit läsfest zur Bitte, du auch die Erlassung unserer Sünden verordnen woliest. Durch Jesum Christum, unsern Herrn, deinen Sohn, welcher mit dir zc. 2. Herr! wir bitten dich, nimm gnädig hinweg alle Verirrungen von deinen Getreuen, und entferne die schnelle Tödtlichkeit bösartiger Krankheiten, damit du jene, die du mit Recht auf ihren Irrwegen züchtigest, als Gebesserte durch deine Barmherzigkeit wieder in Gnaden bewahrest. Durch Jesum Christum, unsern 2c. 3. Antiphon. Meine Seele! höre doch auf zu sündigen; gedenke an den jähen Uebergang zu den ewigen Peinen; denn dort wird die Buße nicht mehr angenommen und Thränen haben kein Verdienst. Jetzt, da es noch Zeit ist, befehre dich, und rufe: Mein Gott, erbarme dich meiner! 4. Antiphon. Mitten im Leben sind wir im Tode. Bei wem sollen wir Hülfe suchen, wenn nicht bei dir, o 652 Das zwölfte Gärtlein. Herr! der du zürnest wegen unserer Missethaten. Heiliger Gott, heiliger starker, heiliger barmherziger Gott, unser Erlöser! dem bittern Tode übergib uns nicht. 5. V Damit wir nicht am Tage des Zornes schnell übereilet, dann erst Zeit zur Buße suchen, wo wir sie nicht mehr finden können. R, Merke auf, o Herr! und erbarme dich unser, denn wir haben wider dich gesündigt. 6. Wir bitten dich, o Herr! du wollest dein Volt, welches vor deinem Zorne fliehend seine Zuflucht zu dir nimmt, mit väterlicher Milde aufnehmen: damit Jene, welche in einem jähen Tode die Geißel deiner göttlichen Gerechtigkeit fürchten, sich deiner gütigen Verzeihung er freuen mögen. Durch Jesum Christum 2c. 7. Wir bitten dich, allmächtiger Gott! du wollest die Versammlung deiner Gläubigen mit versöhnten Blicken ansehen, und in deiner Barmherzigkeit deinem gerechten Zorne zuvorkommen; denn wolltest du unsere Missethaten ansehen, so würde kein Geschöpf vor dir bestehen können; aber durch die wunderbare Liebe, womit du uns erschaffen hast, verzeihe uns Sündern, und laß die Werke deiner hände nicht durch einen jähen Tod zu Grunde gehen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn 2c. 8. Herr! erhöre unser Gebet, und gehe nicht ins Ge richt mit deinen Dienern; denn, gleichwie in uns keine Gerechtigkeit gefunden wird, auf die wir uns stüzen könnten, so erkennen wir doch dich als die Quelle der Erbarmungen, durch welche wir hoffen dürfen, von unsern Sünden ge reinigt, und von allen Nöthen und dem jähen Tode befreit zu werden. Durch Jesum Christum 2c. 9. D Gott! vor dessen Angesicht jedes Herz erzittert und alle Gewissen erschrecken, lasse deine Barmherzigkeit auf uns Flehende überfließen, damit wir, mißtrauend auf den Werth unserer Verdienste, bei einem unvorhergesehenen Tode nicht dein strenges Gericht erfahren, sondern Ver zeihung erlangen mögen. Durch Jesum Christum 2c. Gebet. D barmherziger Jesus! durch deine Todesangst, dur Für Kranke. 653 deinen blutigen Schweiß und durch deinen Tod bitte ich dich, befreie mich vom jähen und unvorhergesehenen Tode. O mildester Jesus! durch deine grausame und schmachvolle Geißlung, durch dein Kreuz und bitteres Leiden, und durch deine Güte bitte ich dich demüthigst, gestatte nicht, daß ich jäh dahinsterbe und ohne heilige Sakramente von dieser Welt scheide. O mein geliebtester Jesus, mein Herr und Gott! durch alle deine Mühen und Schmerzen, durch dein kostbares Blut, durch deine heiligsten Wunden, und diese deine letzten Worte am Kreuze: ,, Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!" und: Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist" bitte ich dich inständigst, mich vor einem jähen Tode zu bewahren. Deine Hände, o mein Erlöser! haben ganz und gar mich so ge macht und gestaltet; lasse doch nicht zu, daß ich unversehens vom Tode überrascht werde. Ich bitte dich demüthigst, schenke mir Zeit zur Buße; verleihe mir einen glückseligen Hingang in deiner Gnade, damit ich von ganzem Herzen dich lieben, loben und preisen könne in Ewigkeit. Amen. Fünf Vater unser und Ave Maria 2c. zu Ehren des Leidens Jesu Christidann drei Ave Maria zu Ehren der schmerzhaften Mutter. - - Geistliches Testament. ( Von Gesunden und Kranken zu sprechen.) Zu den Füßen deiner göttlichen Majestät falle ich demüthig nieder, allerglorwürdigste Dreifaltigkeit! und begehre aus reifer Ueberlegung mein Testament zu machen und dir meinen letzten Willen zu erklären. Ich bezeuge hier vor dir und allen Heiligen, daß ich im wahren katholischen Glauben zu leben und zu sterben begehre, und lieber mein Leben lassen, als einen Artikel dieses wahren katholischen Glaubens läugnen will. In der Form eines rechtmäßigen Testamentes vermache ich dir, meinem Gott, meinen Leib und meine Seele, und übergebe mich dir in Kraft dieses Briefs völlig zu eigen. Nach diesem göttlichen Willen begehre ich die übrige Zeit meines Lebens zu verwenden und in deinem h. Dienste mein zeitliches Leben zu endigen. Es reuet mich herzlich, daß ich deine höchste Güte jemals beleidigt habe, und wollte gern mein Leben 654 Das zwölfte Gärtlein. hingeben, wenn ich machen könnte, daß ich dich nimmer erzürnt hätte. Zur Verzeihung meiner Sünden opfere ich dir das Leiden und Sterben Jesu Christi, und zur Ge nugthuung meiner Schulden opfere ich dir die Verdienste meines Heilandes und aller deiner Heiligen und Außerwählten. Ich bin bereit zu sterben, wo und wann es dir gefällig ist; und wollte lieber jetzt sterben, als wider deinen Willen noch eine Stunde leben. Ich erwähle mir keine Todesart, sondern bin bereit des Todes zu sterben, welchen du mir zuschicken wirst. Dies allein bitte ich, daß ich in deiner Gnade sterben und den schweren Anfechtungen nicht erliegen möge. Ich verlange auch, vor meinem Ende die h. Sakramente würdig zu empfangen, und nach meinem Tode aller h. Meffen theilhaftig zu werden. Meine letzte Speise soll sein das h. Sakrament des Altars, und meine letzten Worte sollen sein: Jesus, Maria, Joseph, in eure Hände befehle ich meinen Geist! Meine letzte Liebe foll zu dir, meinem Gott, gerichtet sein, und mein letzter Seufzer soll dringen in das verwundete Herz Jesu. Amen. [ Gebet um ein feliges Ende siehe im achten Gärtlein Seite 365.] 2. Beherzigung in franken Tagen. a) Was der Kranke thun kann. Der Christ soll freilich allzeit für ein seliges Ende besorgt sein, vorzugsweise jedoch zur Zeit der Krankheit, wenn diese gefährlich scheint oder gefährlich zu werden anfängt. Wenn du also krank wirst, so ergib dich 1. völlig in den Willen Gottes und nimm die Krank heit von der Hand Gottes als eine Prüfung oder als eine Strafe deiner Sünden an. 2. Gebrauche ordentliche ärztliche Mittel, auch geistliche, welche von der Kirche ge billigt und angerathen sind. 3. Laß deinen Beichtvater oder einen andern frommen und verständigen Priester rufen, und bitte ihn, daß er dir in der Krankheit und im Tode beistehen möge. 4. Lege ihm alsbald eine vollständige und reumüthige Beicht ab. 5. Begehre gleich im Anfange, die h. Sakramente des Altars und der h. Delung 34 empfangen, und folge genau darin seiner Vorschrift, 655 Für Krante. ohne auf deine eigenen Gedanken, Gefühle, Befürchtungen oder auf andere Rücksichten zu hören. 6. Mache bei Zeiten dein Testament, und ordne Alles an, wie es nach deinem Tode mit dem Deinigen gehalten sein soll. 7. Ueberlaß die Bezahlung deiner Schulden nicht den Erben, sondern mache Alles, so viel möglich, vor dem Tode richtig, und erstatte, wenn du ungerechtes Gut hast, dasselbe sofort durch deinen Beichtvater oder einen zuverlässigen Freund. 8. Verzeihe von Herzen deinen Feinden, befiehl den Deinigen, teine Rache zu nehmen. War deine Feindschaft offenkundig, so verzeihe öffentlich vor Zeugen und begehre ebenso Verzeihung von denen, welche du beleidigt oder betrübt hast. 9. Gib fleißig Almosen nach deinem Vermögen, empfiehl dich dem Gebete deiner Freunde und Bekannten, laß auch das allgemeine Gebet von der Kanzel, das Gebet der unschuldigen Kinder in der Schule und der Armen begehren. 10. Rufe die Deinigen zusammen, und gib Jedem nach Umständen und Bedürfniß eine gute Lehre, ermahne sie zum Frieden und zur Eintracht, bestärke sie im Haffe gegen die Sünde und in der Liebe zur Tugend, und ermuntere sie zur Andacht und Gottesfurcht. Endlich empfiehl ihrem Gebete deine Seele nach dem Tode. 11. Sorge dafür, daß Weihwasser und eine geweihete Kerze zur Hand seien; laß auch am Fuße des Bettes ein Crucifix hinstellen oder aufhängen, so daß du es im Bette liegend ansehen und betrachten kannst. Zu Zeiten laß es auch in deine Hand legen, küsse es, drücke es an deine Brust und versichere deinem gekreuzigten Heilande, daß du ihn liebest auch mit dem Kreuze, und daß das Kreuz dich nicht nur nicht von ihm scheiden, sondern vielmehr nur inniger mit ihm vereinen solle. 12. Denke endlich an Nichts, als wie du in dieser Krankheit und durch sie mit der Gnade Gottes dein Heil wirkest. Für alles andere sei wie schon gestorben. Da rum lies oder laß dir vorlesen aus dem siebenten Gärtlein vom Leiden Christi. Dies ist das beste Kranken- und Trojibud). b) Was der Kranke meiden soll. 1. Hüte dich vor aller Ungeduld, d. h. vor jener Stimmung des Gemüthes, die das Unvermeidliche mit Unge 656 Das zwölfte Gärtlein. stüm von sich abwehren und das nicht leiden will, was doch einmal gelitten sein muß. Dagegen ist ein Wehruf, oder sagen, daß man große Schmerzen habe, oder sonst eine Neußerung über den beklagenswerthen Zustand, worin man sich befindet, keine Ungeduld, wenn der Wille ruhig und ergeben ist. 2. Zürne, murre, flage nicht über deine Hausgenoffen, Aufwärter, über Speise und Trank und Bettung. Das stehet einem Kranken übel an und vermehrt sein Uebel, weil man ihm nur mit Widerwillen und unfreundlichem Gesichte dient. 3. Schlage alle kleinmüthige Gedanken und überflüssige ängstliche Sorgen, wie es mit den Deinigen nach dem Tode noch gehen werde, gänzlich aus dem Sinne. 4. Gar keine Ansprache verursacht Miß muth, zu öftere Ueberdruß. Halte darin also das rechte Maaß und besprich dich darüber mit den Deinigen. 5. Dulde nicht, noch weniger veranlasse üble Nachreden, Klatschereien an deinem Bette, noch höre auf Zeitungs nachrichten. Sie zerstreuen und machen die Seele leer. Was geht auch einen Kranken, der in die Ewigkeit reiſet, das an, was in Deutschland oder Frankreich geschieht. 6. Achte darauf, daß du weder deine Brust, noch Arme und Füße entblößest. Meide überhaupt Erkältung, Zugwind, zu schnelles und zu vieles Trinken auf einmal, ebenjo wie das zu wenige Trinken. Besonders hüte dich vor heftigen Gemüthsbewegungen, Zorn, Aerger, Neid, großem Eifer. 7. Hüte dich vor Quacksalbereien und brauche nicht jedes Mittel, welches man dir anräth. Wenn ein erprobtes Hausmittel nicht anschlägt, so zögere nicht, den Arzt rufen zu lassen. Geh auch nicht zu schlechten Weibern, die aber gläubische Mittel anrathen, noch gebrauche derartige Mittel. Den Priestern der Kirche ist gesagt worden, daß sie über die Kranken beten sollen, und ihrem Gebete ist verheißen worden, daß es dem Kranken helfen, erleichtern, die Sün denreste hinwegnehmen und die Gesundheit wiedergeben solle, wenn dies dem Kranken zum Heile sei. Den Priestern auch ist vorzugsweise Macht gegeben über die bösen Geister und ihre bösen Einwirkungen zu vertreiben. Zu den Priestern der Kirche sende deshalb und begehre ihre Seg nungen und Gebete. 8. Folge den Vorschriften der Aerzte; 657 Für Kranke. doch traue ihrer Aussage nicht in Betreff der Todesgefahr oder Todesnähe, weil sie oft die Wahrheit verbergen, noch öfterer die Gefahr selbst nicht so sicher erkennen können. Da die Verwandten sich in Betreff des Zustandes des Kranken oft täuschen und die Gefahr nicht erkennen, bis es zu spät ist, so sollen die Nachbarn oder Freunde hier dem Kranken einen großen Liebesdienst erweisen, und ihn gleich beim Anfange der Krankheit auf die Gefahr und den möglicher Weise schlimmen Ausgang aufmerksam machen und an seine desfallsigen Pflichten erinnern. Wenn so etwas gleich geschieht, fällt es dem Kranten nicht so ſehr auf; und in der Ewigkeit wird er diesen Liebesdienst ſehr hoch anschlagen und auf Vergeltung denken. e) Was die Gesunden thun sollen in einem Hause, wo Jemand ernstlich trant wird. 3. 1. Sie sollen sich sogleich zu Gott wenden, seine Heimsuchung darin erkennen und ihn bitten, er wolle sie dieſe Prüfung gut bestehen lassen und zum Seelenheile des Kranten sowohl als ihrer selbst wenden. 2. Sollen sie für eine gute Lagerstätte, was Bett und Kammer betrifft, so gut sorgen, als es die Umstände erlauben, wenn sie auch selbst als Herrschaft wegen des erkrankten Dienstboten sich einige Unbequemlichkeit gefallen lassen müßten. Solen sie alsbald dem Seelsorger oder Beichtvater des Kranten Bescheid sagen lassen, und demselben, wenn er zum Besuche kommt, über den Zustand des Kranken zuvor genaue Nachricht geben. Vor allem sollen sie nicht warten, den Geistlichen zu rufen, bis wirkliche Lebensgefahr da ist; nein, sobald Jemand in eine Krankheit fällt, sollen sie Sorge tragen, auf irgend eine Weise den betreffenden Geistlichen davon in Kenntniß zu sehen. Darin verfündigen sich oft sehr die Gesunden, und berauben oft die Kranken lange Zeit eines großen Trostes, ja bisweilen sogar der Kraft der heil. Sakramente. 4. Sollen sie rechtzeitig den Beistand eines Arztes verlangen, am besten desjenigen, welcher den Kranken früher schon in Krankheitsfällen behandelt hat oder doch seine Natur und Lebenswei'e kennt. Sie sollen sich hüten, dem Kranken bald dies bald jenes Hausmittel, was die Leute hin und wieder anrathen, vorMyrrhengarten III. 23. Aufl. 42 658 Das zwölfte Gärtlein. zuschlagen. Der Kranke läßt sich in seiner Noth zu Allem her, und oft ist dies sein Tod. Wenn gewöhnliche, bekannte und unschädliche Hausmittel nicht anschlagen, dann sollen fie den Arzt rufen, sich aber vor Quacksalbern und Kräuterweibern hüten. 5. Die Frau oder Tochter int Hause soll gleich nachsehen, ob auch ein reines Tischtuch oder eine reine Serviette da ist, eben so auch, ob im Weihkännchen noch Weihwasser, ob Baumwolle oder feiner Flachs im Hause ist, und ob das Crucifig und die geweihte Kerze in Ordnung sind; damit alsbald Anstalt gemacht werden kann, wenn der Geistliche ein baldiges Versehen mit den heiligen Sakramenten für nothwendig hält. Erwartet man sonst einen Gast, so sieht man darauf, daß es an reiner Leinwand, an Ordnung und Reinlichkeit im Hause nicht fehle; sollte man nun nicht sich mit aller Sorgfalt bereit halten, um einen so erhabenen Gast, als der König Himmels und der Erde ist, so ehrfurchtsvoll und pürdig als möglich zu empfangen? 6. Sie sollen soviel als möglich solche Ar beiten, die dem kranken lästig, oder sogar schädlich sein können, vermeiden und lieber andere Arbeiten vornehmen. 7. Sollen sie den Kranken gut warten oder warten lassen, und die, welche als Aufwärter dabei sind, sollen fleißig für den Kranken und zu Zeiten mit dem Kranken beten, ihm besonders aus dem siebenten Gärtlein vorlesen. 8. Sollen sie nicht allen Besuch abweisen, aber auch nicht zu viel zulassen. 9. Hat der Kranke die heiligen Sakramente empfangen, dann sollen sie ihm auch zur Anordnung seiner zeitlichen Angelegenheiten, zur Anfertigung eines Tefta mentes mit Rath und That behülflich sein. 10. Wenn sie nicht recht wissen, was und wie sie es dem Kranken wohl recht machen sollen, so sollen sie sich an das Wort des Herrn erinnern: Was ihr wollt, daß euch die Menschen thun, das thut auch ihnen!. Wenn sie bedenken: was würde ich wünschen, daß mir die Gesunden thäten, wenn ich so krank wäre, dann werden sie immer das Richtige treffen in all den Dingen, welche nicht schon durch die Vorschriften des Arztes oder sonstige zur Wiedererlangung der Gesundheit nothwendige Anordnungen bestimmt sind. 659 Für Kranke. Gebet eines Kranken um Besserung. Herzliebster Jesu, ich armer Kranker( Kranke) wende mein Herz zu dir, und klage dir die Noth, welche mich umgibt. Mit den Schwestern des Lazarus spreche ich voll Vertrauen: Siehe, o Herr! den du lieb haft, der ist krank; sprich nur ein Wort, so wird mein kranker Leib gesund! O Jesu, wenn es nicht wider deinen Willen ist, so ver leihe mir die vorige Gesundheit; hast du aber verordnet, daß ich sterben soll, so geschehe dein göttlicher Wille an mir! Dennoch gleichwie du am Delberge dich dem göttlichen Willen ganz ergeben und nichts desto weniger so inständig, und zwar dreimal um Abwendung des Todes gebeten hast, also bitte auch ich aus der ganzen Kraft meines Herzens, du wollest dein göttliches Urtheil widerrufen und den bittern Kelch des Todes noch eine Weile von mir hinwegnehmen. Mit deinen eigenen Worten und in Vereinigung deiner Andacht und Inbrunst spreche ich zu dir und deinem himmlischen Vater: Mein Vater! ist es möglich, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Abba, mein Vater! alle Dinge sind dir möglich! ach! so lasse doch diese Krankheit von mir weichen; dennoch wenn es mir nicht selig sein sollte, so lasse mich lieber jetzt wohl, als hernächst übel sterben. Amen. Gebet für einen Kranken. Jesu Christe, der du all dein Leben mit Nothleidenden besonders Mitleid getragen hast, ich befehle dir diesen armen Menschen, welcher schwerlich krank liegt und große Schmerzen ausstehen muß. Ach! trage doch Mitleid mit ihm, und verleihe ihm Geduld in seinen schweren Peinen. Jch opfere dir alle seine Seufzer und Thränen, in Vereinigung aller Seufzer und Zähren, die am H. Kreuze deinem Herzen und deinen Augen entquollen, damit sie zu deiner Ehre und zu seinem Heile gereichen mögen. Ich will dich auch de müthig gebeten haben, daß, wenn es nicht wider deinen göttlichen Willen ist, du diesem Kranken sein Leben fristen und seine vorige Gesundheit wieder verleihen wollest. O 42* 660 Das zwölfte Gärtlein. gütiger Gott, der du dem König Ezechias, als er dich mit Thränen bat, seine Gesundheit wiedergegeben und sein Leben verlängert haft; siehe an die Noth dieses Kranken und die heißen Thränen, welche die Seinigen um ihn vergießen. Erlöse ihn aus seiner Qual und befreie ihn von ſeinen Schmerzen, damit er wegen erlangter Gesundheit dich lobe und deine Güte dankbar preise. Amen. Gebet um den göttlichen Beistand in unserm Lebensende. [ Von Kranken besonders oft zu sprechen.] Herr Jesus Christus! Gott der Güte! Vater der Varmherzigkeit! mit reumüthigem Herzen, ganz zerknirscht und beschämt, erscheine ich vor dir, und empfehle dir meine letzte Stunde, und Alles, was mich nach derselben in der Ewigkeit erwartet. Wenn meine erstarrten Füße mich erinnern werden, daß mein Lebenslauf in dieser Welt zu Ende gehe; dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn meine zitternden und schwachen Hände nicht mehr im Stande sein werden, das Crucifix zu halten, sondern es unwillkürlich auf mein Schmerzensbett werden zurück sinken lassen; dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn bei dem Schauer des bevorstehenden Todes meine verdunkelten und krampfhaft sich wendenden Augen nut matte und sterbende Blicke mehr auf dich werfen; dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn meine kalten und zitternden Zippen zum letten Male deinen anbetungswürdigen Namen aussprechen werden; dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn meine bleichen und entstellten Wangen die Anwesenden mit Wehmuth und Schauer erfüllen und die, vom kalten Todesschweiße befeuchteten Haare auf meinem Haupte sich sträuben, und mein baldiges Ende verkünden werden; dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn meine Ohren, die schon anfangen werden, sich der Ansprache der Menschen zu verschließen, sich eröffnen werden, deine Stimme zu vernehmen, die das unwiderruf Für Kranke. 661 liche Urtheil sprechen wird, womit mein künftiges Schicksal für die ganze Ewigkeit beschlossen sein soll; dann barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn meine Einbildungskrast von schauerlichen und entseßlichen Bildern geängstigt, in tödtliche Betrübniß versenft sein wird, und mein Geist in Vergegenwärtigung aller meiner Bosheit von den Schrecken deines Gerichtes in Furcht verseßt, angstvoll mit dem Engel der Finsterniß ringet, der sich bemühen wird, mir den trostreichen Hin blick auf deine Erbarmungen zu entziehen, und mich in die Arme der Verzweiflung zu stürzen; dann, barmherziger Jefus, erbarme dich meiner! Wenn mein schwaches Herz, entkräftet von den Schmerzen der Krankheit, vom Todesschauer wird überfallen werden, und von Kraftlosigkeit wegen des mühsamen Kampfes, den ich gegen die Feinde meines Heils werde haben bestehen müssen, verschmachten wird; dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn meine letzte Thräne, das Zeichen meiner Auf lösung, fließen wird, nimm sie auf als eine Sühnungsgabe, damit ich als ein Opfer der Buße entschlafe. In diesem fürchterlichen Augenblicke, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn meine Verwandten und Freunde mich umringen, und wehmuthsvol über meine mitleidswerthe Lage dich um Hülfe und Gnade für mich anrufen werden; dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn ich den Gebrauch aller meiner Sinne werde verloren haben, wenn mir die ganze Welt wird entschwunden sein, und ich schwer aufathmen werde, in der Angst des letzten Kampfes, und in den Schrecken Todes; dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn die letzten Herzensseufzer meine Seele nöthigen werden, vom Leibe zu scheiden, nimm sie auf wie Wirkungen heiliger Ungeduld nach baldiger Vereinigung mit dir; o dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn meine Seele mir schon auf den Lippen schweben wird, um für immer von dieser Welt zu scheiden, und meinen Leib bleich, kalt und leblos zurücklassen wird! nimm 662 Das zwölfte Gärtlein. die Zerstörung meines Lebens als ein Opfer der Huldigung an, welches ich deiner göttlichen Majestät darzubringen komme; und dann, barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Wenn endlich meine Seele vor dir erscheinen, und das erste Mal den unsterblichen Glanz deiner Majestät erblicken wird; verwirf sie nicht von deinem Angesichte, sondern würdige dich, mich in die liebevollen Arme deiner Erbarmung aufzunehmen; damit ich dein Lob ewiglich singen möge. Barmherziger Jesus, erbarme dich meiner! Amen. Gebet. O Gott! der du unsern Tod verordnet, aber den An blick und die Stunde desselben uns verborgen hast; gib, daß ich alle Tage meines Lebens in Gerechtigkeit und Heiligkeit wandle, und in deiner heiligen Liebe von dieſer Welt zu scheiden würdig befunden werde: durch die Ver dienste unsers Herrn Jesu Christi, welcher mit dir lebet und regieret in Einigkeit des h. Geistes, Gott von Ewig keit zu Ewigkeit. Amen. [ Einmal des Tages 100 Tage Ablaß. Einmal im Monat vollkommenen Ablaß für den, der es täglich betet, an dem Tage, wo derselbe beichtet und kommunizirt. Beide Ablässe können den armen Seelen zugewendet werden. Pius VII. 12. Mai 1802.] Seufzer eines Kranken.*) Es kann zwar ein Kranker nicht viel beten, er kann jedoch oft zu Gott seufzen. Deswegen wolle er doch seine *) Ueber die Kraft des Seufzens oder des herzlichen Verlangens nach Gott oder göttlichen Dingen sprach einstens Christus der Herr selbst zur h. Mechtilde: Das Seufzen hat eine solche Kraft, daß der Mensch niemals zu mir seufzt, ohne mir näher zu kommen, als er zuvor war. Denn das Seufzen, welches geschieht aus herzlicher Liebe zu mir odet aus aufrichtigem Verlangen nach meinen Gnaden, wirkt drei Dinge in der Seele. Erstens stärkt es die Seele und gibt ihr Kraft, wie ein lieb licher Geruch den Menschen stärkt und erquict. Zum andern erleuchtet es die Seele wie die Sonne eine finstere Höhle." Drittens theilt es der Seele solche Süßigkeit mit, daß all ihr Thun und Leiden ihr süßer wird. Das Eeufzen aber, welches aus Reue und Leid über die Sünden geschieht, versöhnt die Seele mit Gott, erlangt ihr Gnade und heitert und flätt das betrübte Gewissen auf. Und Christus setzte hinzu: Weil denn ein Für Kranke. 663 Zeit nicht müßig zubringen, sondern oft folgende Schlußgebete gleich einem Pfeile der Liebe gen Himmel schießen. Wenn er aber wegen Schmerzen nicht lesen kann, so lasse er sich dieselben, jedoch nicht auf einmal, sondern in Absäßen vorlesen. Seufzer der Reue. Ach Gott, erbarme dich meiner nach deiner großen Barmherzigkeit und nach der Menge deiner Erbarmungen lösche aus meine Missethaten! O Gott, verzeih mir meine Sünden! O gütiger Gott, es ist mir von Herzen leid, daß ich dich so oft erzürnet habe. O du barmherziger Gott, meine Sünden sind mir so leid, daß mein Herz darüber krank ist! D gnadenreicher Gott, ich gäbe all mein Hab und Gut darum, wenn ich niemals gesündigt hätte! Oich Elender, was habe ich gethan! O daß sich Gott erbarme, wie viele schwere Sünden habe ich begangen! Ach, hätte ich es doch nicht gethan! Ach, hätte ich doch den lieben Gott nie mit einer schweren Sünde beleidigt! Ach, wäre es nicht geschehen, so sollte es gewiß in Ewigkeit nicht geschehen! Ewig soll es mir leid thun. Verzeihe, ach verzeihe mein Gott und gedenke nicht mehr der Schmach, welche ich dir zugefügt habe. Der frommen Klage und Bitte. Ach, siehe, wie erbärmlich ich hier liege, und wie viele schwere Schmerzen ich hier ausstehe! Habe doch Mitleid mit mir armen Kranken, und lindere mir meine Pein. einziger Seufzer so vortrefflich und bei Gott so angenehm ist, wie tann dann eine Traurigkeit in der Seele des Armen sein? Denn ich bin leichter zu bekommen, als alle anderen Dinge. Kein Ding ist so klein und schlecht, und wäre es auch nur ein Faden oder ein Splitter, den Jemand allein durch seinen Willen bekommen könnte; mich dagegen kann der Mensch allein durch seinen Willen, oder mit einem einzigen Seufzer haben, sofern er nur über seine begangenen Sünden herzliche Reue und Leid hat. Das gwölfte Gärtlein. Gedenke, o Jesu, was für schwere Marter du am Kreuze gelitten hast, und wie beweglich du deinem Vater deine Noth geklagt haſt! Also klage auch ich dir meine jezige Noth, und spreche mit deinen Worten: Mein Gott, mein Gott, wie haft du mich verlassen! 664 Ach verlasse mich doch nicht, mein liebster Jesu! Ach, wende doch deine Barmherzigkeit nicht von mir ab! Der Aufopferung und willigen Ergebung. Nimm doch meine Schmerzen in Gnaden auf, und laffe meine Krankheit zu deiner Ehre gereichen! Ich vereinige alle meine Schmerzen mit deinen Schmer zen, und vereinige meine Krankheit mit deinem bittern Leiden. Alle meine Herzensstiche opfere ich in dein durchstochenes Herz, und all mein Leiden opfere ich in deine heiligen fünf Wunden. Diese meine Krankheit nehme ich von deiner göttlichen Hand an, und will sie dir zu Liebe von Herzen gern leiden. Gleichwie du all dein Leiden von der Hand deines Baters angenommen hast, also nehme ich auch alle meine Schmerzen von deiner Hand an. Mit der Geduld, mit welcher du dein Leiden gelitten haft, begehre ich meine Krankheit zu leiden; und mit der Liebe, mit welcher du alle deine Beinen Gott aufgeopfert hast, begehre auch ich alle meine Peinen Gott aufzuopfern. Der Andacht und des Verlangens nach Lebensbesserung. Du mein Gott weißt, wie gerne ich mich bessern will, gib mir doch deine Gnade dazu. Ach, bester Vater! mache, daß ich von Herzen fromm werde; mache, daß ich noch einmal ernstlich anfange, dir zu dienen. Wollte Gott, daß ich in Zukunst so gottselig lebte, daß ich dir in all meinem Thun und Lassen gefallen könnte! Ach, wann werde ich doch einmal anfangen, ein anderes und besseres Leben zu führen und in die Fußstapfen meines Heilandes zu treten und ihm treu nachzufolgen! Seufzer eines Sterbenden. 665 Sieh, mein Gott, hier ist mein Herz! Es ist bereit, es ist bereit! Erfülle es mit deiner Gnade und mache es ganz selig! Hinfüro soll mein Herz nicht mehr mein, sondern ganz dein sein; regiere es nach deinem göttlichen Wohlgefallen! Der treuherzigen Liebe. O mein lieber Gott! du weißt, wie sehr mein Herz verlangt, dich zu lieben und dir ganz allein anzuhangen. O meine süße Liebe, mache, daß ich dich immer mehr liebe, und daß ich deiner stets gedenke! O mein Gott, wie habe ich dich so lieb! Jch bitte dich von Grund meines Herzens, aus allen Kräften meiner Seele! O mein herzliebster Vater, ich kann es dir nicht sagen, wie lieb ich dich habe! Ich habe dich lieber, als Alles auf der Welt, ja lieber, als mein eigenes Leben. Ich will es dir gern geben, wenn ich dich damit ehren und dir einen Gefallen erweisen kann. Wollte Gott, daß ich mit meinem Leiden dir einen unendlichen Gefallen thun könnte, und daß diese meine Krankheit zu deiner höchsten Ehre gereichte, und zum Heile meiner armen Seele! Wollte Gott, daßs ich dir alle Augenblicke einen neuen Gefallen erweisen, daß ich alle Augenblicke eine Tugend üben könnte! O lieber Jesus, nimm meinen Willen für das Werk an, -und lasse dir die eifrige Begierde meines Herzens gefallen. Verleihe mir doch Geduld in meiner Schwachheit, und bewahre mich vor aller Ungeduld und Kleinmüthigkeit. Bewahre mich vor einem unversehenen Tode, und lasse mich nicht in deiner Ungnade von dieser Welt scheiden! Das verleihe mir durch deine große Barmherzigkeit und durch den bittern Tod, den du für mich gelitten hast. Am. Seufzer eines Sterbenden. Diese Seufzer sollen dem Sterbenden von dem Priester, oder von einem Undern vorgelesen werden; doch langsam und mit sanfter Stimme. Jesus, Maria! Jesus sei mir gnädig! Jesus sei mir barmherzig! Jesus verzeihe mir meine Sünden! 666 Das zwölfte Gärtlein. O gütigster Jesu, erbarme dich meiner wegen deines bittern Leidens, und wegen deines bittern Todes verleihe mir ein seliges Ende. Jesus, dir lebe ich! Jesus, dir sterbe ich! Jesus, dein bin ich todt und lebendig! Jesus, an dich glaube ich! Jesus, auf dich hoffe ich! Jesus, dich liebe ich von Grund meines Herzens! In deine Hände befehle ich meinen Geist! In dein treues Herz befehle ich mein schwaches Herz! In deinen bittern Tod befehle ich meinen bittern Tod! O Jesus, verlaß mich nicht! O Jesus, verstoß mich nicht! O Jesus, verdamme mich nicht! Ach, laß mich nicht verloren gehen, weil du mich so lange gesucht hast! Ach, laß mich nicht zu Schanden werden, weil du mich so schmerzlich erlöset hast! Ach, laß mich nicht verdammt werden, weil du mich so theuer erkauft haft! O himmlischer Vater, ich bin der arme Mensch, den du zu deiner Ehre erschaffen hast! O Christe Jesu, ich bin der arme Mensch, den du durch dein Leiden erlös't haft! Oh. Geist, ich bin der arme Mensch, den du durch deine Gnade geheiliget hast! Ach, so laß denn diese edle Seele dem bösen Feinde nicht zu Theil werden! Ich hoffe auf deine Güte, o gütiger Vater! Jch hoffe auf dein bitteres Leiden, o Christe Jesu! Ich hoffe auf deine Barmherzigkeit, o h. Geist! Ich glaube alles, was die katholische Kirche glaubt, und in diesem Glauben will ich leben und sterben! Ich hoffe fest, die Seligkeit aus Gnade und durch eigene Mitwirkung zu erlangen, und in dieser Hoffnung will ich leben und sterben! Ich liebe dich, o Gott, von Grund meines Herzens, und in dieser Liebe will ich leben und sterben! Ich bereue meine Sünden von Grund meines Herzens, und in dieser Reue will ich leben und sterben! Ich verberge mich in die Wunden Jesu Christi, und in diesen Wunden will ich leben und sterben! Jesu, durch dein rosenfarbenes Blut verlaß mich nicht in meiner legten Noth! Ich bitte durch deinen bittern Tod, verleihe mir einen seligen Tod! Jesu, in dein Litanei für Sterbende. 667 süßes Herz nimm auf all meine Angst und all meinen Schmerz! Heilige Maria stehe mir bei! Heilige Maria verlaß mich nicht! Heilige Maria bitte für mich! Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für mich armen Sünder jetzt und in der Stunde meines Todes. Eja, meine herzliebste Fürsprecherin, kehre deine barmherzigen Augen zu mir, und nach diesem Elende zeige mir Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes! Wegen des bittern Leidens deines Sohnes stehe mir bei in meinem Leiden, und wegen seines allerbittersten Todes erwirb mir einen seligen Tod. In deine Hände befehle ich meinen Geist, in dein mütterliches Herz befehle ich meine scheidende Seele! Beise, die Seele eines Sterbenden Gott zu empfehlen.*) ( Besonders zu beten, wenn kein Priester bei dem Sterbenden gegenwärtig sein kann.) Zuerst wird folgende kleine Bitanei gesprochen. Litanei. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Heilige Maria, bitte für ihn! Alle h. Engel und Erzengel, bittet für ihn! Heiliger Abel, bitte für ihn! Alle Chöre der Gerechten, bittet für ihn! Heiliger Abraham, bitte für ihn! Heiliger Johannes der Täufer, bitte für ihn! Heiliger Joseph, bitte für ihn! Alle h. Patriarchen und Propheten, bittet für ihn Heiliger Petrus, bitte für ihn! Heiliger Paulus, bitte für ihn! *) Wörtlich aus dem römischen Brevier nach der Uebersetzung von Nickel. 668 Das zwölfte Gärtlein. Heiliger Andreas, bitte für ihn! Heiliger Johannes, bitte für ihn! Alle h. Apostel und Evangelisten, bittet für ihn! Alle h. Jünger des Herrn, bittet für ihn! Alle h. Unschuldigen, bittet für ihn! Heiliger Stephanus, bitte für ihn! Heiliger Laurentius, bitte für ihn! Alle h. Märtyrer, bittet für ihn! Heiliger Sylvester, bitte für ihn! Heiliger Gregorius, bitte für ihn! Heiliger Augustinus, bitte für ihn! Alle h. Bischöfe und Bekenner, bittet für ihn! Heiliger Benediktus, bitte für ihn! Heiliger Franziskus, bitte für ihn! Alle h. Mönche und Einsiedler, bittet für ihn! Heilige Maria Magdalena, bitte für ihn! Heilige Lucia, bitte für ihn! Alle H. Jungfrauen und Witwen, bittet für ihn! Alle Heiligen Gottes, bittet für ihn! Sei ihm gnädig, verschone ihn, o Herr! Sei ihm gnädig, erhöre ihn, o Herr! Von deinem Zzorne, befreie ihn, o Herr! Von aller Todesangst, befreie 2c. Von einem bösen Tode, befreie 2c. Von den Strafen der Hölle, befreie 2c. Von allem Uebel, befreie 2c. Von der Gewalt des Teufels, befreie 2c. Durch deine Geburt, befreie 2c. Durch dein Kreuz und Leiden, befreie 2c. Durch deinen Tod und dein Begräbniß, befreie 2c. Durch deine glorreiche Auferstehung, befreie zc. Durch deine wunderbare Himmelfahrt, befreie 2c. Durch die Gnade des h. Geistes, des Trösters, befreie 20. Am Tage des Gerichtes, befreie 2c. Wir Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Daß du dieser Seele gnädig sein wolleft, wir bitten 2c. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Gebete für Sterbende. 669 Wenn dann die Seele in den letzten Zügen liegt und von Todesangst gemartert wird, so bete man folgende Gebete: So scheide denn hin in Gottes Namen, christliche Seele, aus dieser Welt! Dich beschütze auf deinem Heimweg und geleite die Hand des allmächtigen Gottes, des Vaters, der dich erschaffen! scheide hin im Namen Jesu Chrifti, des Sohnes des lebendigen Gottes, der für dich gelitten hat, im Namen des heiligen Geistes, der dir mitgetheilt worden ist! Abholen und begleiten mögen dich alle heil. Engel und Erzengel, alle Thronen und Herrschaften, alle Fürsten und Mächte des Himmels, alle Cherubim und Seraphim! Dir eilen entgegen alle Patriarchen und Propheten, alle heiligen Apostel und Evangelisten. Scheide hin im Namen aller heil. Blutzeugen und Bekenner, aller heil. Mönche und Einsiedler, aller heil. Jungfrauen, aller heil. Männer und Frauen! Heute noch mögst du in das Haus des ewigen Friedens aufgenommen werden! Heute noch wohnen im heiligen Sion, der Gottesstadt! durch Jesum Christum unsern Herrn. R Amen. Barmherziger Gott! gütiger Gott! O Gott! der du nach der Fülle deiner Erbarmungen die Sünden der Bußfertigen auslöschest, und die Schulden der begangenen Miffethaten kraft der Huld deiner Versöhnung aufhebest: fiche auf diesen deinen Diener( auf diese deine Dienerin) mit einem gnadenvollen Blicke herab, und erhöre ihn( sie), weil er( sie) seine( ihre) Sünden von ganzem Herzen aufrichtig bereut, und so flehentlich von dir Verzeihung verlangt! Erneuere an dieser Seele, was die Schwäche des menschlichen Willens entstellt; ergänze, liebevollster Vater, was sie vernachlässigt, ersetze ihr den Schaden, den teuflischer Betrug ihr zugefügt, was die Macht der Sünde zerrüttet hat, und knüpfe dieses Glied der Erlösung der Einheit des Leibes deiner heiligen Kirche an! Erbarme dich, o Herr, ihrer Seufzer, erbarme dich ihrer Thränen willen! und da sie einzig und allein auf deine Güte vertraut, so laß sie die Gnade der völligen Aussöhnung mit dir erfahren durch Jesum Christum, unsern Herrn. R, Amen. Lieber Bruder!.. liebe Schwester! Sei nun dem allmächtigen Gott empfohlen! Sei dem völlig überlassen, havd 670 Das zwölfte Gärtlein. deffen Geschöpf du bist! durch den Tod machest du dich los von der Schuld des Menschengeschlechtes, und kehrest zu deinem Urheber zurück, der dich aus Erdenstaub gebildet hat. Deiner Seele, wenn sie ihre sterbliche Hülle verläßt, eile entgegen: die glänzende Schaar der seligen Geister! die Apostel als Israels Richter, kommen dir entgegen! der Blutzeugen siegreiches Heer heiße dich willkommen! dich umgebe die Lilienschaar hellleuchtender Bekenner! Mit Wonnejubel empfange dich der Freudenchor jungfräulicher Seelen! dich mögen aufnehmen die Erzväter in ihren seligen Friedensschooß! dir erscheine Jesus Christus mit seinem sanften, Seligkeit verheißenden Mittlerangesicht! er weise dir eine Stelle an unter seinen hochentzückten Begleitern! Fern sei von dir die Angst, die Schauer der Finsterniß! Fern das Flammengeloder der Höllenglut! Fern alle Marter und Qual! Fern von dir fliehe der scheußliche Satan und sein ganzes verworfenes Gefolge! Er zittere, erbebe, erschauere und entfliehe in die bodenlosen Abgründe der ewigen Nacht, wenn du von Engeln begleitet, in die Ewigkeit einziehest! Es erhebe sich Gott! und zerstreut werden sein alle seine Feinde! Entfliehen sollen aus seinem Angesichte, zu Schanden werden Alle, so ihn hassen! Ver gehen sollen sie, wie Rauch vergeht! Vergehen, wie Wachs an Feuersglut verschmilzt, so sollen vergehen die Sünder vor den Augen Gottes, aber Freudenmahle halten sollen die Gerechten vor dir, o Gott! Vernichtet und beschämt sollen werden alle höllischen Heere! Des Satans Diener dürfen sich nicht erdreisten, dich auf deinem Heimwege zu Gott aufzuhalten! Christus, der für dich gekreuzigt worden, erlöse dich von aller Qual! Christus, der für dich sterben wollte, erlöse dich vom ewigen Tode! Christus, der Sohn des Lebendigen Gottes, geleite dich in sein Paradies, auf seine ewig blühenden, lieblichen Auen! Er, der wahrhaftige Hirt, nehme dich unter seine erwählten Schäflein auf!Er spreche dich los von allen deinen Sünden, und stelle dich zu seiner Rechten in die Reihe seiner Auserwählten! Dein seliges Auge schaue die hellleuchtendste Wahrheit, wenn du von Angesicht zu Angesicht deinen Erlöser siehest, und Gebete für Sterbende. 671 ihm ewiglich zur Seite stehen darfst! Unter die Schaaren der Beseligten aufgenommen, genieße die Süßigkeit der Anschauung Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit. R, Amen. Laffet uns beten! Gebet. O Herr! nimm auf deinen Diener in die Wohnung des Heiles, die er im Vertrauen auf deine Barmherzigkeit ersehnte! R. Amen. Erlöse, o Herr! die Seele deines Dieners von allen Gefahren der Hölle, von allen Fallstricken der Strafe, und von allen Drangsalen! R, Amen. Erlöse, o Herr! die Seele deines Dieners, wie du Enoch) und Elias von der allgemeinen Sterblichkeit erlöset haſt! R. Amen. Erlöse sie, o Herr! wie du Noe aus der Sündfluth erlöset hast! R, Amen. Erlöse sie, o Herr! wie du Abraham aus dem Lande der Chaldäer erlöset haft! R Amen. Erlöse fie, o Herr! wie du Job aus seinen Qualen erlöset hast! R, Amen. Erlöse sie, o Herr! wie du Jsaak vom Opferherde und aus der schwertbewaffneten Vaterhand erlöset haft! R, Am. Erlöse sie, o Herr! wie du Loth aus der Feuersbrunst zu Sodom erlöset haft! R Amen. Erlöse sie, o Herr! wie du Moses aus der Hand Pharao's, des Königs von Egypten, erlöset hast! R Amen. Erlöse sie, o Herr! wie du Daniel aus den Nachen der Löwen erlöset haft! R, Amen. Erlöse sie, o Herr! wie du die drei Jünglinge aus dem Glutofen und aus der Hand des gottlosen Königs erlöset hast! R, Amen. Erlöse ste, o Herr! wie du Susanna von der falschen Anklage erlöset hast! R, Amen. Erlöse sie, o Herr! wie du David aus der Hand des Königs Saul und des Riesen Goliath erlöset haft! R Amen. Erlöse sie, o Herr! wie du Petrus und Paulus aus Ketten und Banden erlöset hast! Ry Amen. Das zwölfte Gärtlein. Erlöse ste, o Herr! wie du Thekla, die Jungfrau und Märtyrin, aus ihren drei schweren Beinen erlöset haft, und laß sie mit dir der ewigen Güter im Himmel froh werden! R, Amen. Laffet uns beten! 672 Gebet. O Herr! wir empfehlen dir die Seele deines Dieners und flehen zu dir, Herr Jesu Christe, Erlöser der Welt, daß du sie in den Schooß der Patriarchen aufzunehmen du, der du auch dieser Seele zum nicht zögern wolleft Heile voller Erbarmung vom Himmel auf die Erde her: abgestiegen bist! Erkenne in dieser Seele das Werk deiner Hände, dein Geschöpf, das nicht von einem fremden Gott, sondern von dir, dem alleinigen, lebendigen und wahrhaftigen Gott er schaffen worden; denn außer dir ist kein Gott, und nichts ist deinen Werken gleich! Erfreue, o Herr! die Seele mit deinem: Angesichte, und denke nicht an die Sünden ihres verflossenen Lebens, nicht an die Gelüste ihres Herzens, welche böser Wahn und die Glut aufgeregter Begierden in ihrem Innern entzündeten! Hat sie gleichwohl gesündigt, so hat sie doch dich, Vater, Sohn, und heiligen Geist, nie verläugnet; hat den Glauben bewahret, und stets mit Eifer sich an dich angeschlossen; und dich, als den Herrn und Gott, als den Weltenschöpfer, treu angebetet! Laffet uns betet! -- Gebet. O Herr! Was diese Seele in ihrer Jugend gesündigt hat, das halte ihr nimmer nach! Nach der Fülle deiner Barmherzigkeit sei ihrer eingedenk im Reiche deiner Herr lichkeit. Ihr thue der Himmel sich auf; mit ihr sollen sich die Engel erfreuen! O Herr, so nimm denn diesen deinen Diener( diese deine Dienerin) in dein Reich auf! Es nehme sie auf diese scheidende. Seele der Erzengel und Fürst der himmlischen Heerschaaren, Michael! Alle seligen Geister mögen ihr entgegeneilen und sie einführen in das himmlische Jerusalem! Gebete für Sterbende. 673 Es nehme sie auf der H. Apostel Petrus, dem Gott des Himmelreiches Schlüffel übergeben hat! Es stehe ihr bei der h. Apostel Paulus, der gewürdiget ward, das Gefäß der Auserwählung zu werden! Es bitte für sie der auserwählte Jünger des Herrn, Johannes, dem Gott himmlische Geheimnisse geoffenbaret! Für sie mögen um Beseligung flehen alle h. Apostel, denen der Herr die Binde- und Lösegewalt anvertraut! Bitten mögen um ihr Heil alle Heiligen und Auserwählten Gottes, die um Christi willen hienieden große Marter geduldet! Durch so kräftige Fürsprache werde die Seele von den Banden des Fleisches.erlöset, und gelange zur Herrlichkeit des himmlischen Reiches! Das verleihe ihr Jesus Christus, unser Herr, der mit dem Vater und dem heiligen Geiste lebt und regiert in alle Ewigkeit. R, Amen. Wenn der Todeskampf noch länger anhält, so können die sieben Bußpfalmen gebetet werden, stehe Seite 146. Wenn die Seele geschieden ist, werde sogleich folgendes Responsorium gesprochen: Ihr Heiligen Gottes! kommet zu Hülfe dieser Seele! Gilet heran, ihr Engel des Herrn! Nehmet ste auf, und stellet sie dem Angesichte des Allerhöchsten vor! Christus, der dich aus dieser Zeitlichkeit abgerufen, nehme dich auf! die h. Engel geleiten dich in Abrahams Schooß! Ihr seligen Geister! nehmet euch dieser armen Seele an, und bringet sie vor den Thron Gottes! O Herr, verleihe ihr die ewige Ruhe; laß ihr leuchten dein ewiges Licht! y Herr, erbarme dich ihrer! Ry Chrifte, erbarme dich ihrer! V Herr, erbarme dich ihrer! Vater unser. V Und führe uns nicht in Versuchung! R Sondern erlöse uns vom Uebel! V Herr, verleihe dieser Seele die ewige Ruhe! R Laß ihr leuchten dein ewiges Licht! V Von der Pforte der Hölle! R Erlöse, o Herr, diese Seele! V Laß sie ruhen im Frieden! R, Amen. V Herr erhöre mein Gebet! R Únd laß mein Rufen zu dir kommen! Der Herr sei mit euch! R Und mit deinem Geiste! Laffet uns beten! Myrrhengarten III. 23. Aufl. 43 20 674 Das zwölfte Gärtlein. Gebet. Dir, o Herr! empfehlen wir die dahingeschiedene Seele dieses deines Dieners( dieser deiner Dienerin), auf daß fie, dieser Welt abgestorben, bei dir ewig leben möge! Verzeihe ihr, o Herr, durch deine erbarmungsvolle Huld und Liebe, was sie hier auf dieser Erde aus menschlicher Schwäche gesündigt haben mag. Erhöre uns durch Jesum Chriftum, unsern Herrn. R, Amen. Gebete für die armen Seelen im Fegfener. I. Warum wir den armen Seelen zu Hülfe kommen follen. 1. Die armen Seelen leiden größere Pein, als alle Märtyrer und Uebelthäter auf Erden; denn die geringste Pein im Fegfeuer ist schwerer, als die größte auf Erden. Unter der Pein des Fegfeuers und der Hölle ist, wie die H. Väter lehren, kein anderer Unterschied, als daß dieſe ewig, jene dagegen endlich ist. 2. Sie können sich selbst nicht helfen, da die Zeit des Verdienstes vorüber ist, und müssen ohne unsere Hülfe so lange leiden, bis sie den letten Heller bezahlt haben. 3. Für die Verstorbenen beten und ihnen durch verdienstliche Werke zu Hülfe kommen, ist das Werk einer uneigennüßigen Nächstenliebe und Gott überaus wohlgefällig. 4. Dies Werk der Barmherzigkeit verdient auch viele Gnaden bei Gott, und ist 5. ein Mittel, von Gott in unsern Nöthen erhört zu werden, selig zu sterben, dem Fegfeuer zu entgehen und in den Himmel zu kommen. Wohlan! so laffet uns, geliebte Brüder! sagt der heil. Augustinus( hom. 16 in ps. 50) für die armen Seelen beten, damit auch sie bei Gott für uns anhalten, auf daß wir bald ihnen in der Glorie zugeſellt werden. II. Wie wir den armen Seelen zu Hülfe kommen können. 1. Dadurch, daß wir das heil. Meßopfer für sie an hören oder lesen lassen. 2. Almosen zu ihren Gunsten. Gebete für die armen Seelen im Fegfeuer. 675 austheilen. 3. Für sie fasten, härene Kleider oder Cilizien tragen und den Leib kasteien( dies jedoch nur mit Erlaubniß des Beichtvaters). 4. Ablässe fürbittweise ihnen zuwenden. 5. Einen Tag in der Woche( die Kirche pflegt den Montag besonders der armen Seelen zu gedenken) mit Allem, was daran Gutes geschehen, ihnen schenken. 6. Auf Kirchhöfen oder sonst des Tages über oft den Gebetseufzer sprechen: " Die Seelen der abgestorbenen Gläubigen wollen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen im Frieden." 7. Den Feinden um der Liebe Gottes willen verzeihen und ihnen das Verdienst dieses oder eines andern guten Werkes schenken. 8. Sich des Tags über zuweilen überwinden, Kreuz und Leiden aus Liebe zu Jesus leiden und Angenehmes aus demselben Grunde sich versagen, und das Verdienstliche daran ihnen zur Abtragung ihrer Schulden geben. III. Wodurch wir selbst dem Fegfeuer entgehen können. 1. Wenn wir fromm und gottselig leben, und mit Absicht oder Ueberlegung auch keine läßliche Sünde begehen. 2. Für die begangenen Sünden der göttlichen Gerechtigkeit hier auf Erden möglichst genug zu thun streben; für die Sünden aus Hoffart: durch willige Uebernahme der Demüthigungen, die Gott uns auflegt, durch freiwillige Verbemüthigung aus aufrichtiger Verachtung unser selbst;- für die Sünden aus Wollust: durch geduldiges Leiden körperlicher Schmerzen, durch ein arbeitsames Leben, durch freiwillige Kasteiung und Bußstrenge, besonders durch Fasten; für die Sünden aus Habsucht und Geiz: durch Almosengeben, durch Ertragung der Armuth oder irgend eines Mangels oder Verlustes, so durch Fügung Gottes über uns kommt; für die Sünden aus Haß und Abneigung gegen den Nächsten: durch aufrichtiges Verzeihen, durch Wohlthaten. Und so für jede Art Sünden immer diejenige Buße, welche die betreffende Leidenschaft des Herzens am meisten peinigt und tödtet. 3. Uns selbst und unsere bösen Neigungen tapfer überwinden und durch gebuldiges Leiden und Kreuztragen, durch Beten, Fasten und Almosengeben viele Verdienste für die Ewigkeit sammeln. 4. Eine reine Meinung zu Gott haben in allen Dingen, 43* - - 676 Das zwölfte Gärtlein. in Arbeit und Ruh, in Freud und Leid, in guten und bösen Tagen. 5. Christo eifrig nachfolgen und ihm in Gesinnung und Wandel ähnlich zu werden trachten. 6. Defters im Tage eine vollkommene Reue und Leid über seine Sünden erwecken. 7. Oft aufrichtig und reumüthig beichten mit dem festen Vorsatze, einen Fehler, besonders von einer Beicht zur andern, zu bekämpfen und abzulegen. Oft die h. Kommunion würdig und andächtig empfangen und vollkommenen Ablaß gewinnen. 8. Jesum, unsern Herrn und Meister, unsere gekreuzigte Liebe, und seine heilige Mutter, die allerfeligste Jungfrau, seinen treuen und keuschen Nährvater, den h. Joseph, den Schutzengel und die heiligen Patrone herzlich lieben und eifrig verehren. 9. Den Seelen im Fegfeuer mit großer Liebe zugethan sein. Wohlzuthun und mitzutheilen vergesset nicht; denn solche Opfer gefallen Gott wohl. Hebr. 13, 16. Weise, die h. Messe für eine arme Seele im Fegfeuer zu hören und aufzuopfern. 3u gebrauchen: 1. Bei den Seelenämtern an Begräb nißtagen, bei Sechswochen- und Jahrmessen. 2. Am Allerseelentage. 3. An den Tagen, wo du für die armen Seelen einen vollkommenen Ablaß gewinnen willst und deshalb beichtest und communizirest. 4. Etwa einmal in der Woche, besonders am Montage, wenn's geschehen kann, weil nach löblicher Gewohnheit der Kirche am Montage, besonders am ersten Montage im Monat, der armen Seelen insbe sondere gedacht wird. Meßgebete. Meinung zu Anfang der h. Meffe. O Herr Jesu Christe, der du dich am heil. Kreuze für unser Heil aufgeopfert hast, und jetzt in dieser Meſse wiederum Gott dem Vater dich aufopfern willst, ich will jegt dieser h. Messe mit Andacht beiwohnen und 677 Die h. Meffe für einen Abgestorbenen. sie deinem himmlischen Vater mit aufopfern. Gleichwie du das blutige Kreuzopfer nicht für dich, sondern für unsere armen Seelen aufgeopfert haft; also beraube auch ich mich jetzt aus christlicher Liebe dieſes Verdienstes, und will dies unblutige Opfer nicht für mich, sondern für die arme Seele N. N., wenn sie noch in der Qual sein sollte, aufopfern. Sollte sie aber meines Gebetes nicht mehr bedürftig sein, so soll dir diese H. Messe für diejenige Seele aufgeopfert sein, welche meinetwegen leiden muß, oder für welche ich am meisten zu beten schuldig bin. Ach! lasse dieser armen Seele mein Gebet zu gut kommen und durch meinen Schuß- Engel in das Feuer zu ihrem Troste hinabtragen. Amen. Zum Eingang oder Introitus. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen.- Pi. 64. Dir ziemet Lobgefang, o Gott, in Sion, und ein Dankopfer soll dir gebracht werden in Jerusalem. Erhöre mein Gebet; zu dir wird alles Fleisch kommen.- Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser!( jedes wird 3mal geſagt.) Zu den Collecten. Am Begräbnißtage: O Gott, dem es eigen ist, sich allzeit zu erbarmen, und zu verschonen; wir bitten dich demüthig für die Seele deines Dieners ( deiner Dienerin) N. N., die du aus dem Zeitlichen 678 Das zwölfte Gärtlein. hast abscheiden lassen; übergib sie nicht in die Hände des Feindes und vergiß ihrer nicht auf ewig; sondern laß sie von den h. Engeln aufgenommen und zum paradiesischen Vaterlande geführt werden, auf daß sie, weil sie auf dich gehofft und an dich geglaubt hat, den Strafen der Hölle entgehe und die ewigen Freuden besize durch unsern Herrn Jesum Christum, welcher u. s. w. Bei einer Sechswochenmesse: Wir bitten dich, o Herr, du wollest die Seele deines Dieners ( deiner Dienerin) N. N., deren Begräbnißtag wir heute wiederum feierlich begehen, in die Gesellschaft deiner Heiligen und Auserwählten mit freigebigem Erbarmen aufnehmen, und den Thau deiner Barmherzigkeit in alle Ewigkeit über sie ausgießen. Durch unsern Herrn Jesum Christum 2c. Bei einem Jahrgedächtniß: Huldreicher Gott, und Herr, gib der Seele deines Dieners( deiner Dienerin) N. N., deren Jahrgedächtniß wir heute feiern, die Wohnung der Erquickung, die Seligkeit der Ruhe und des ewigen Lichtes Klarheit. Durch Jesum 2c. Für Vater und Mutter: O Gott, der du uns befohlen hast, Vater und Mutter zu ehren, erbarme dich nach deiner milden Gütigkeit über die Seelen meines Vaters und meiner Mutter; vergib ihnen ihre Sünden und lasse mich sie wiedersehen in der Freude der ewigen Klarheit. Durch Jesum 2. Für Verwandte, Freunde und Wohlthäter: O Gott, du Ausspender der Gnade und Liebhaber des menschlichen Heils, wir flehen zu deiner Güte. 679 Die h. Messe für einen Abgestorbenen. daß du unsere Mitbrüder, Verwandte und Wohlthäter, die aus diesem Zeitlichen hinübergeschieden sind, durch die Fürsprache der seligen allzeit jungfräulichen Mutter Maria mit allen deinen Heiligen zur Gemeinschaft der ewigen Seligkeit wollest gelangen lassen. Durch Jesum Christum 2c. Für alle christ gläubigen Verstorbenen, besonders an Allerseelen zu gebrauchen. O Gott, du Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, ertheile den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller ihrer Sünden, damit sie die Nachlassung, die sie allzeit gewünscht haben, durch fromme Fürbitten erlangen, der du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des h. Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Zur Epistel. 1. Cor. 15. Brüder! ich sage euch ein Geheimniß: Wir werden zwar alle auferstehen; aber nicht alle verwandelt werden, plößlich, im Augenblick bei der legten Posaune! Denn erschallen wird die Posaune und die Todten werden auferstehen, unverweset; und wir werden verwandelt werden. Denn es muß dies Verwesliche anziehen die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen die Unsterblichkeit. Hat aber dieses Sterbliche angezogen die Unsterblichkeit, dann wird in Erfüllung gehen das Wort, das geschrieben steht: Verschlungen ist der Tod im Siege! wo ist, o Tod, dein Sieg? o Tod, wo ist dein Stachel? Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, und die Kraft der Sünde das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Christum! Das zwölfte Gärtlein. Graduale. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen! Jm ewigen Gedächtnisse wird sein der Gerechte, und hat nicht zu fürchten vor bösem Gerede. 680 Tractus. Befreie, o Herr, die Seelen der abgestorbenen Gläubigen von jeglichem Bande der Sünde; komme ihnen zu Hülfe mit deiner Gnade, damit sie verdienen, dem Gerichte der Rache zu entgehen und die Seligkeit des ewigen Lichtes zu genießen. Dies irae, dies illa. 1. Jener Tag, der Tag der Zähren* Wird die Welt in Asche kehren,* Wie Sybill' und David lehren. 2. Welch' ein Zittern wird da werden,* Wenn der Richter aller Erden* Kommt, zu scheiden seine Heerden! 3. Die Posaune wird erklingen,* Durch der Länder Gräber dringen* Alle vor den Richtstuhl zwingen. 4. Staunen wird da Tod und Leben,* Wann die Wesen sich erheben,* Antwort vor Gericht zu geben. 5. Offen liegt das Buch der Sünden,* Alles ist darin zu finden,* Um zu lösen und zu binden. 6. Vor des Richters Angesichte* Tritt Verborgnes klar im Lichte,* Nichts entgeht da dem Gerichte. 7. Weh! was werd' ich Armer sagen,* Welchen Schutz und Rath erfragen,* Wo Gerechte selbst verzagen. 8. König aller Kraft und Ehren,* Mild um Gnade zu gewähren,* Rette mich am Tag der Zähren! 9. Der du bist herabgekommen,* Fleisch für mich haft angenommen, Hilf mir, Jesu, Trost der Frommen. * 10. Suchtest mich mit Huldverlangen,* Hast am Kreuz für mich gehangen,* Jesu laß mich Gnad' empfangen. * 11. Strenger Richter aller Sünden, Laß mich hier Verzeihung finden,* Eh' der Hoffnung Tage schwinden. 12. Sieh mich seufzen voll Verzagen,* Sieh die Schuld am Herzen nagen,* Gott, erbarm' dich meiner Klagen! 13. Da Maria du erhöret* Und den Schächer noch bekehret;* Hoffnung hast du mir gewähret. Die h. Messe für einen Abgestorbenen. 681 14. Nichts verdient mein schwach Gebete,* Deine Güte mich errette* Vor der Hölle Feuerstätte. 15. Unter deinen treuen Knechten, Herr, geschieden von den Schlechten,* Laß mich steh'n zu deiner Rechten! 16. Wann die Bösen untersinken* Ewig Glut und Qual zu trinken,* Wollst mir dann zum Frieden winken. 17. Mit zerknirschtem Herzen wende,* Gott, zu dir ich meine Hände,* Steh' mir bei am letzten Ende! 18. Rette mich ins ew'ge Leben* Wann die Todten sich erheben,* Antwort vor Gericht zu geben. 19. Herr, verschone! Gott, verzeihe!* Guter Jesu, Gnad verleihe,* Gib den Seelen ew'ge Ruh! Amen. Zum Evangelium. Joh. 5, 25-29. Jn jener Zeit sprach Jesus In zu den Schaaren der Juden: Wahrlich! wahrlich! Ich sage euch, es kommt die Stunde, ja sie ist schon da, wo die Todten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und die sie hören, werden leben. Denn wie der Vater das Leben in sich selbſt hat, so hat er auch dem Sohne gegeben, das Leben in sich selbst zu haben; und er hat ihm die Macht gegeben, das Gericht zu halten, weil Er der Menschensohn ist. Wundert euch nicht darüber; denn es kommt die Stunde, in welcher Alle, die in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und es werden hervorgehen, die Gutes gethan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses gethan haben, zur Auferstehung des Gerichts. Zum Offertorium. Herr Jesu Christe, König der Glorie, errette die Seelen aller abgestorbenen Christgläubigen von den Strafen des Abgrundes und vom tiefen See; errette 682 Das zwölfte Gärtlein. sie vom Rachen des Löwen, auf daß sie die Hölle nicht verschlinge, und daß sie nicht versinken in die Finsterniß, sondern dein Heerführer, der h. Michael, sie vorführe in das Licht, welches du ehemals dem Abraham versprochen hast und seinem Samen. Herr! wir bringen dir Opfer und Gebete zu deinem Lobe; nimm sie auf für jene Seelen, deren Gedächtniß wir heute begehen; lasse sie übergehen, o Herr, von dem Tode zum Leben, das du ehemals dem Abraham versprochen hast und seinem Samen. Nimm auf, o h. Vater! dies Opfer des Brodes und des Weines, welches der Priester jetzt zu deiner Ehre und zum Heile der Lebendigen und Abgestorbenen aufopfert. Dies opfere ich dir im Namen der ganzen katholischen Kirche für diejenige Seele, welche ich dir zu Anfang Alle Qualen und der H. Messe empfohlen habe. Peinen, welche sie jetzt in den reinigenden Flammen leidet, wie auch all ihr Seufzen und Klagen lege ich in diesen h. Kelch, damit dies Alles in der Conjecration mit dem Blute Jesu Christi besprengt, dir aufgeopfert und vor Augen gestellt werde. So wirst du dich ohne Zweifel über das äußerste Elend dieser armen Seele erbarmen, und sie aus Barmherzigkeit von ihren schweren Qualen erlösen. Amen. Zur Secret nach dem Orate Fratres. Wir bitten dich, o Herr, siehe gnädig auf das Opfer, welches wir für die Seelen deiner Diener und Dienerinnen dir darbringen, auf daß du denen, welchen du das Verdienst des christlichen Glaubens verliehen hast, auch den Preis der Belohnung schenken mögest. Die h. Meffe für einen Abgestorbenen. 683 Sei gnädig, o Herr, der Seele deines Dieners ( deiner Dienerin) N. N., für welche wir dieses Lobopfer dir darbringen, indem wir deine Majestät demüthig bitten, daß sie durch dieses heil. Werk der Versöhnung verdienen möge, zu der ewigen Ruhe zu gelangen, durch Jesum Christum 2c. Zur Präfation. Zu dir, o Gott, erheben wir unsere Herzen und sagen Dank deiner göttlichen Majestät. Denn wahrhaft würdig und recht, gebührend und heilsam ist es, daß wir jederzeit und an allen Orten dir, o heiligster Vater, allmächtiger, ewiger Gott, Dank sagen durch Jesum Christum, unsern Herrn, durch den die Engel deine Majestät loben, die Mächte zittern, die Himmel und alle Kräfte der Himmel, sammt den seligen Seraphim, dich mit vereintem Frohlocken verherrlichen und preisen. Wir bitten, laß auch unsere Stimmen mit ihnen zu dir gelangen, die wir in tiefster Ehrfurcht bekennen und sprechen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth! himmel und Erde sind voll der Glorie und Herrlichkeit Gottes! Hosanna in der Höh'! Gebenedeit sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höh'! Zum Memento für die Lebendigen. ( Hier bete in der Stille nach deinem Herzensdrange für diejenigen unter den noch lebenden Gläubigen, für welche du besonders zu beten pflegst und zu beten verpflichtet biſt.) Zur Wandlung. Bur Aufhebung der h. Hoftie. Schaue an, himmlischer Vater! deinen Eingebornen 684 Das zwölfte Gärtlein. Sohn, welchen der Priester jetzt aufhebt, und dir als ein wahres Opfer aufopfert. Auch ich opfere ihn dir in solcher Gestalt, wie Er am heiligen Kreuze gehangen und in größten Schmerzen seinen Geist aufgegeben hat. Lasse dir dies unschäßbare Opfer bestens gefallen, und zur Erlösung der armen Seelen gereichen. Amen. Bur Aufhebung des h. Kelches. Siehe an das rojenfarbene Blut deines Sohnes Jesu Christi, himmlischer Vater, welches unter so viel Schmach und Pein für uns ist vergossen worden. Ich opfere dir dasselbe zur Erquickung der armen Seelen, bittend, du wolleft sie durch die Kraft deines heil. Blutes von ihren Makeln reinigen. Amen. Milder Jesu! Gott und Herr! Gib den armen Seelen Ruh! Dreimal. Zuletzt wird beigefügt: In Ewigkeit. Nach der Wandlung. Jesu Christe, du unser wahrer Priester und Versöhnopfer, mit wahrer gottgebührender Ehrerbietung bete ich dich an, und glaube fest, daß du jetzt auf dem Altare persönlich gegenwärtig bist. Ich glaube, daß du dich jetzt deinem Vater ebenso träftig auf opferst, als damals, wo du dich ihm am h. Kreuze geopfert und für das Heil der armen Seelen gebetet haft. Ach! sei auch eingedenk derjenigen armen Seele, für welche ich diese h. Messe höre, und für welche ich am meisten zu beten schuldig bin. Für diese wollest du jetzt insbesondere bitten, und deinem Vater die ganze Frucht deines Leidens aufopfern. Zeige Die h. Messe für einen Abgestorbenen. 685 ihm dein gekröntes Haupt, deine geschwollenen Wangen, deine verblichenen Lefzen, deine ausgedehnten Glieder, deine zersprungenen Adern, deine durchbohrten Hände und Füße, deine eröffnete Seite, dein durchstochenes Herz, dein vergossenes Blut und deine betrübte Seele. Dies Alles zeige und opfere ihm zur Erlösung der armen Seelen und zur Bezahlung ihrer noch übrigen Strafen. Gleichwie du am Kreuze vor deinem legten Ende gesprochen hast: Es ist vollbracht; also sprich auch jetzt: Vater, es ist alles vollbracht, was die Seele noch zu leiden hat! Denn was ihr an völliger Genugthuung mangelt, das erstatte ich dir durch die Kraft dieser heil. Messe und durch die Aufopferung meines bittern Leidens. Dies inständige Gebet, o Jesu! wird ja so viel vermögen, daß du der armen Seele Gnade erlangest; und dies dein unschäßbares Opser wird ja so viel werth sein, daß es ihre Schulden vollkommen bezahle. Darum zweifle ich gar nicht, die liebe Seele werde hierdurch Linderung empfangen und von ihren schweren Beinen erlös't werden. Dies zu erhalten, will ich mit Andacht sprechen drei Vater unser sammt dem englischen Gruße. Zum Agnus Dei sprich dreimal: O du Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt! Gib ihr die ewige Ruhe. O du süßes, o du liebes, o du barmherziges Lamm Gottes, erbarme dich über die Seele und verzeihe ihr ihre begangenen Sünden! Ach, erlöse sie von ihren schweren Qualen und schenke ihr die noch übrigen Strafen. Ach, errette sie aus dem feurigen Kerker und führe sie zur ewigen Seligkeit. Amen. 686 Das zwölfte Gärtlein. Zum Domine non sum dignus. Herr Jesu Christe, ich bin nicht würdig, daß du mich erhörest; die arme Seele aber, die in deiner Gnade ist, ist wohl würdig, wenigstens sehr bedürftig, daß du sie erlösest. Wenn sie noch nicht würdig ist, so mache doch, daß sie würdig werde und deine Barmherzigkeit genießen möge. Ich bitte dich durch die Kraft des hochw. Sakraments, welches der Priester jetzt genießet, lasse die arme Seele der Kraft dieser Nießung theilhaftig und in ihrer Qual gestärkt werden. Ich bitte dich durch die Würdigung, mit welcher du dich würdigest, den Priester sammt allen, die es verlangen, mit deinem H. Fleische und Blute zu speisen und zu tränken, würdige dich auch, die nothleidende Seele mit deinem heil. Fleische zu heiligen und mit deinem fräftigen Blute zu erquicken. Ach, lasse nur ein einziges Tröpflein dieses rosenfarbenen Blutes in das Fegfeuer auf die gepeinigte Seele hinabfließen, so wird sie durch die Kraft desselben von allen ihren Makeln gereiniget und von allen ihren Peinen erlöst werden. Das verleihe ihr und allen armen Seelen die hochheiligste Dreifaltigkeit, welche von mir und allen Kreaturen sei gepriesen in Ewigkeit. Amen. Das ewige Licht leuchte ihnen, o Herr! mit deinen Heiligen in Ewigkeit; denn du bist ein guter Gott. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen mit deinen Heiligen in Ewigkeit; denn du bist ein guter Gott! Zur Postcommunion. ( d. i. bei den letzten Gebeten des Priesters.) Am Begräbnißtage. Allmächtiger Gott, wir 687 Die h. Messe für einen Abgestorbenen. bitten dich, du wollest der Seele deines Dieners( deiner Dienerin) N. N., welche vom Zeitlichen abgeschieden ist, gnädig verleihen, daß sie durch dieses Opfer ge= reinigt, von ihren Sünden befreit, zugleich Nachlaffung ihrer Schulden und die ewige Ruhe empfange. Durch Jesum Christum 2c. Bei einer Sechswochenmesse. Nimm, o Herr, unsere Gebete für die Seele deines Dieners( deiner Dienerin) N. N. gnädig auf, damit die Makeln, welche ihr vom Schalten mit den irdischen Dingen noch etwa ankleben, durch deine erbarmungsvolle Nachlaffung getilgt werden. Durch Jesum Chriftum 2c. Bei einem Jahrgedächtniß. Verleihe, o Herr! wir bitten dich, daß die Seele deines Dieners( deiner Dienerin) N. N., deren Jahrgedächtniß wir heute feiern, durch dieses Opfer gereinigt Vereihung erlange und die ewige Ruhe. Durch Jesum Christum 2c. Für Vater und Mutter. Die Theilnahme am göttlichen Sakramente möge doch, wir bitten, o Herr, den Seelen meines Vaters und meiner Mutter die Ruhe und das ewige Licht zuwege bringen, und auch mich mit ihnen möge deine Gnade frönen ewiglich. Durch Jesum Christum 2c. Für Verwandte, Freunde und Wohlthäter. Allmächtiger und barmherziger Gott, wir bitten dich, verleihe, daß die Seelen unserer Mitbrüder, Verwandten und Wohlthäter, für welche wir dies Opfer des Lobes deiner Majestät dargebracht haben, durch die Kraft dieses Sakraments von allen Sünden gesühnt, durch dein Erbarmen die Seligkeit des ewigen Lichts erlangen mögen. Durch Jesum Christum zc. 688 Das zwölfte Gärtlein. Für alle christgläubige Verstorbene. Den Seelen deiner Diener und Dienerinnen, o Herr, möge doch, wir bitten dich, das Gebet derjenigen, die Fürbitte für sie eingelegt haben, zu gute kommen, auf daß du sie ihrer Sünden entledigt und deiner Erlösung theilhaft werden lasseft. Der du lebst und regierst mit Gott dem Vater 2c. Sie mögen ruhen im Frieden. Amen. Zum lezten Evangelium. ( Das Evangelium des h. Johannes siehe im eilften Gärtlein. Seite 646.) Das Libera, wenn die Tumba oder Rast ausgesetzt ist. Chor: Errette mich, o Herr, von dem ewigen Tode, an jenem furchtbaren Tage, wann Himmel und Erde bewegt werden, während du kommen wirst, die Welt zu richten durch's Feuer. Priester: Zittern und Furcht überfällt mich, wenn ich gedenke an das Gericht und die kommende Rache, an jenem furchtbaren Tage. Ch. Wann Himmel und Erde bewegt werden. Pr. Jener Tag, der Tag des Zornes, der Tag des Elends und des Jammers, der große und sehr bittere Tag! Ch. Wann du fommen wirst, die Welt zu richten durch's Feuer. Pr. Die ewige Ruhe schenk' ihnen, o Herr, und das ewige Licht leuchte ihnen. Ch. Errette mich, o Herr, von dem ewigen Tode an jenem furchtbaren Tage, wann Himmel und Erde bewegt werden, während du kommen wirst, die Welt zu richten durch's Feuer. Die h. Meffe für einen Abgestorbenen. 689 Pr. Kyrie eleiſon! Ch. Christe, eleison! Pr. Kyrie eleiſon! Pr. Vater unser. ( Während dies in der Stille gebetet wird, besprengt der Priester die Rast mit Weihwasser und beräuchert sie mit Weihrauch.) Pr. Führe uns nicht in Versuchung. Ch. Sondern erlöse uns vom Uebel. Pr. Von den Pforten der Hölle. Ch. Errette, Herr, ihre Seele( ihre Seelen). Pr. Er möge( sie mögen) ruhen im Frieden. Ch. Amen. Pr. Herr, erhöre mein Gebet. Ch. Laß mein Rufen zu dir kommen. Pr. Der Herr sei mit euch. Ch. Und mit deinem Geiste, Laßt uns beten. ( Das Gebet nimmt man aus den Collecten der H. Messe, je nachdem es Begräbnißtag oder Sechswochen- oder Jahrgedächtniß ist.) Pr. Herr, gib ihnen( ihm oder ihr) die ewige Ruhe. Ch. Das ewige Licht leuchte ihnen( ihm oder ihr). Pr. Er möge( sie mögen) ruhen im Frieden. Ch. Amen. Aufopferung des Leidens Chrifti für eine Seele oder mehrere. gereuter Gott, der du keine Sünde ungestraft lässest, sondern entweder in dieser oder in jener Welt züchtigest; ich bitte dich um die Erlösung der armen Seelen im Fegfeuer, besonders derer, für welche ich 44 Myrrhengarten III. 23. Aufl. 690 Daß zwölfte Gärtlein. am meisten zu bitten schuldig bin. Laß ihnen ihre Strafen nach und erlöse sie aus den reinigenden Flammen. Damit du dies ohne Nachtheil deiner Gerechtigkeit thun mögest, so will ich ihren Mangel durch Christum erstatten, und zur richtigen Zahlung ihrer Schulden dir sein bitteres Leiden aufopfern. Deswegen opfere ich dir die Traurigkeit bis zum Tode, die dein Sohn am Delberge litt, und das eifrige Gebet, das Er drei Stunden lang zu dir verrichtet hat. Ich opfere dir seine Todesangst, die Er ausgestanden, und seinen blutigen Schweiß, den Er vergossen hat. Ich opfere dir seine schmähliche Gefangennehmung und Führung in die Stadt, sammt allem, was Er in den Häusern des Annas und Kaiphas gelitten hat. Ich opfere dir den Spott und Hohn, den Er bei der Führung zum Pilatus und im Hause des Herodes erduldete. Ich opfere dir seine fränkende Entblößung und Bindung an die Säule, und die schmerzvolle Geißelung und die Wunden, die Er damals empfangen hat. Ich opfere dir seine schmachvolle und schmerzliche Krönung, und alle Dornstiche, die Er in sein Haupt empfangen hat. Ich opfere dir seine Zeigung vor dem Volte und das Urtheil des Todes, das Pilatus über ihn gesprochen hat. Ich opfere dir seine beschwerliche Kreuztragung und alle Schmach, die Er auf diesem Wege gelitten hat. Ich opfere dir die schmerzliche Annagelung seiner Hände und Füße, und die grausame Ausdehnung aller Glieder seines Leibes. Ich opfere dir seine peinliche Erhebung am Kreuze, sammt aller Marter, die Er am Kreuze, erlitten hat. Ich opfere dir alle Schande und Schmach, Die h. Messe für einen Abgestorbenen. 691 die ihm die Juden angethan haben. Jch opfere dir sein schmerzliches Hangen in den eisernen Nägeln, und die bittersten Schmerzen, die Er an allen seinen Gliedern gelitten hat. Ich opfere dir seinen letzten bittern Todeskampf und den allerschmerzlichsten Tod, den Er gelitten hat. Dies Alles opfere ich dir für die Erlösung der armen Seelen im Fegfeuer und zur vollkommenen Genugthuung der Strafen, welche sie durch ihre Sünden verschuldet haben. So nimm denn dies Opfer von mir gütig auf und lasse es den armen Seelen zu gut kommen. Amen. ---Gebet zu Chrifto und zur göttlichen Gerechtigkeit für die Abgestorbenen. O du gerechter Richter der Lebendigen und der Todten, Christe Jeju, der du allein die Schlüſſel des Todes und der Hölle hast, ich spreche bei dir an um Erlösung der armen nothleidenden Seelen, und bitte dich durch dein Leiden und Sterben, daß du sie aus dem feurigen Kerker erretten wollest. Ich weiß, daß es dein Wille ist, daß ich um die Erlösung dieser bedrängten Seelen anhalte, und daß deine Barmherzigkeit sie gern errettet sähe, wenn nur deine Gerechtigkeit dies zulassen könnte. Darum thue ich vor dir, du göttliche Gerechtigkeit, einen demüthigen Fußfall, und bitte durch alles, was ich bitten kann, daß du mit den armen Seelen nicht so streng verfahren wollest. Laß dich versöhnen durch die Pein, welche sie ohne Unterlaß ausstehen, und lasse dich doch erweichen durch ihr Rufen um Erbarmen. Lasse dich 44* 692 Das zwölfte Gärtlein. doch versöhnen durch die vollkommene Genugthuung, die Christus am Kreuze für sie gethan, und durch die bittern Zähren, welche Er für sie geweint hat. Diese stelle ich dir vor Augen, und bitte, du wolleft auch der Barmherzigkeit eingedenk sein. Amen. Bitte zum h. Geift für die Abgeftorbenen. O gnadenreicher h. Geist! ich komme in großem Vertrauen zu dir, und bitte dich inständig um die Erlösung aller Seelen im Fegfeuer, besonders derjenigen, für welche ich am meisten zu bitten schuldig bin. Ich erwarte zuversichtlich von dir erhört zu werden, weil du bist die göttliche Barmherzigkeit und nach ihrer Erlösung am meisten verlangest. So versöhne du denn die so strenge Gerechtigkeit, und halte um Barmherzigkeit an. Es sagt dies die h. Schrift, daß deine Barmherzigkeit über alle deine Werke ſei; so lasse denn dies tröstliche Wort auch an den armen Seelen wahr werden, und laß deine Barmherzigkeit das strenge göttliche Gericht übersteigen. Was die Verdienste dieser armen Seelen nicht vermögen, das erstatte aus den Verdiensten Christi und aller Heiligen. Sind ja diese lieben Seelen wahre Glieder Christi und der Heiligen. So erhöre denn meine Bitte, mildreichster h. Geist, und aus deiner grundlosen Barmherzigkeit tröste die betrübten Seelen in ihrem großen Leide. Schenke ihnen aus Güte die noch übrigen Schulden, und lasse ihnen nach die verschuldeten Peinen und Strafen, damit sie deine Güte ewiglich preisen und dir für ihre unverdiente Erlösung immerwährenden Dant sagen. Amen. Die h. Meffe für einen Abgestorbenen. 693 Zur Mutter Gottes für die Abgestorbenen. Du Mutter der Gnaden, hl. Jungfrau Maria! ach, siehe an das unaussprechliche Elend, das die armen Seelen im Fegfeuer leiden, und erbarme dich über ihre unerträgliche Pein! Kann auch eine Mutter ihres Kindes vergessen( spricht das göttliche Wort), daß sie sich nicht sollte erbarmen über die Frucht, so sie geboren hat? Wie magst du denn zusehen, daß jene Seelen, welche deine wahren Kinder sind, und welche du auch mehr liebst, als eine Mutter ihre natürlichen Kinder, in den heißen Flammen so lange verweilen und so viel Bein leiden! Ach! lasse doch nicht nach zu bitten, bis du sie erlöset hast! Opfere deinem Sohne die heißen Zähren, welche du über sein Leiden geweint hast, und alles Elend, das du mit ihm auf Erden gelitten hast. Erzähle ihm alles Mitleid, so du mit ihm getragen hast, und zeige ihm dein mütterliches Herz, welches ihn allezeit so treu geliebt hat. Dies Alles zeige und opfere ihm zur Erlösung dieser armen Seelen und zur Genugthuung der schweren Strafen, die sie noch zu leiden schuldig sind. Amen. Zu den Heiligen für die Abgestorbenen. O ihr lieben Freunde Gottes, alle Heiligen des himmlischen Reiches, sehet doch an die große Qual der armen Seelen im Fegfeuer, und erbarmet euch über sie! Diese lieben Seelen sind ja eure wahren Brüder und Schwestern in Christo, und sind zu Miterben des himmlischen Reiches von ihm verordnet. So traget denn ein wahres Mitleid mit denjenigen, welche euch so nahe verwandt sind, und welche eure 694 Das zwölfte Gärtlein. Hülfe so beweglich anrufen, sprechend: Erbarmet euch unser, zum wenigsten ihr unsere Freunde: denn die Hand des Herrn hat uns hart berührt! Ach, erhöret doch diesen Klageruf, und haltet bei Gott um Barmherzigkeit und Erlösung an. Neiget eure Ohren zu dem steten Weinen der armen Gefangenen, und senket eure Augen hinab in die feurige Kluft. Beherziget, ach beherziget doch, was eure lieben Brüder und Schwestern leiden, und lasset ihr großes Elend und die brüderliche Liebe euch zur Erbarmung erweichen. Bittet den lieben Gott ohne Unterlaß für sie, und lasset nicht nach zu bitten, bis ihr erhöret seid. Amen. Litanei für die Verstorbenen. Herr, erbarme dich unser! Christe, erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Gott Vater vom Himmel, erbarme dich der verstorbenen Gläubigen! Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich der verstorbenen Gläubigen! Gott heiliger Geist, erbarme dich der verstorbenen Gläubigen! Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich der verstorbenen Gläubigen! Heilige Maria, Heilige Gottesgebärerin, Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, Heiliger Michael, Alle hh. Engel und Erzengel, Alle Chöre der seligen Geister, Heiliger Johannes der Täufer, Heiliger Joseph, Alle hh. Patriarchen und Propheten, Heiliger Petrus, Bitte( oder bittet) für sie! Bitanei für die Verstorbenen. Heiliger Paulus, Heiliger Johannes, Alle hh. Apostel und Evangelisten, Heiliger Stephanus, Heiliger Laurentius, Alle hh. Märtyrer, Heiliger Gregorius, Heiliger Ambrosius, Heiliger Auguftinus, Heiliger Hieronymus, Alle hh. Bischöfe und Bekenner, Alle hh. Kirchenlehrer, Alle hh. Priester und Leviten, Alle HH. Mönche und Einsiedler, Heilige Maria Magdalena, Heilige Catharina, Heilige Agatha, Heilige Barbara, Alle hh. Jungfrauen und Wittwen, Alle Heiligen Gottes, Sei ihnen gnädig, verschone sie, o Herr! Sei ihnen gnädig, erhöre sie, o Herr! Von allem Uebel, erlöse sie, o Herr! Von deinem Zorne, Von der Strenge deiner Gerechtigkeit, Von der Gewalt des Teufels, Vom nagenden Wurme des Gewissens, Von langwieriger Traurigkeit, Von den grausamen Flammen, Von der unerträglichen Kälte, Von der schrecklichen Finsterniß, Vom entsetzlichen Jammer und Wehklagen, Durch deine wunderbare Empfängniß, Durch deine Geburt, Durch deinen süßen Namen, Durch deine Taufe und dein h. Fasten, Durch deine tiefste Demuth, Durch deinen bereitwilligen Gehorsam, Durch deine unbegrenzte Liebe, 695 Bitte( oder bittet) für sie! Erlöse sie, o Herr! 696 Das zwölfte Gärtlein. Durch deine Mengste und Beschwerden, Durch deinen blutigen Schweiß, Durch deine Gefangennehmung, Durch deine Krönung, Durch deine Kreuztragung, Durch deinen bittern Tod, Durch deine heiligsten Wunden, Durch dein bittres Kreuz und Leiden, Durch deine h. Auferstehung, Durch deine wunderbare Himmelfahrt, Durch die Ankunft des h. Geistes des Trösters, Am Tage des Gerichts, Wir armen Sünder, wir bitten dich, erhöre uns! Der du Maria Magdalena losgesprochen und den Schächer erhört haft, Der du die, welche selig werden, aus Gnade felig machest, Der du den Schlüssel des Todes und der Hölle haft, Daß du unsere Eltern, Verwandten und Wohlthäter von den Strafen des Fegfeuers befreien wolleft, Daß du alle verstorbenen Christgläubigen vor der ewigen Verdammniß bewahren wollest, Daß du dich besonders derjenigen, deren Niemand insbesondere gedenkt, erbarmen wollest, Daß du allen dich schonend und nachsichtig erweisen wolleft, Daß du ihre heißen Wünsche alsbald erfüllen wolleft, Daß du sie in die Gesellschaft deiner Auserwählten aufnehmen wollest, König, voll furchtbarer Majestät, Sohn Gottes, Erlöse sie, o Herr! Wir bitten dich, erhöre uns! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, gib ihnen Ruhe! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sündekk der Welt, gib ihnen Ruhe! O du Lamm Gottes, welches du hinwegnimmst die Sünden der Welt, gib ihnen die ewige Ruhe! Jesu Christe, höre uns! Jesu Christe, erhöre uns! Gebete für die Seelen im Fegfeuer. Herr, erbarme dich unser! Bater 2c. Ave Maria 2c. V Von den Pforten der Hölle! R Errette, o Herr, ihre Seelen! V Sie mögen ruhen in Frieden! R Amen. V Herr, erhöre mein Gebet! R Und laß mein Rufen zu dir kommen! 697 Laßt uns beten! Den Seelen deiner Diener und Dienerinnen erweise, wir bitten dich, o Herr, immerwährendes Erbarmen, damit ihnen nüße für die ganze Ewigkeit, daß sie an dich ge glaubt und auf dich gehofft haben. Durch unsern Herrn Jesum Christum deinen Sohn, welcher 2c. V Herr, gib ihnen die ewige Ruhe! R Und das ewige Licht leuchte ihnen! V Laß sie ruhen im Frieden! R Amen. Amen. Gebete für die Seelen im Fegfeuer. ( Auf jeden Tag der Woche.) Am Sonntage. Herr, allmächtiger Gott! ich bitte dich durch das kostbare Blut, welches dein göttlicher Sohn Jesus im Delgarten vergossen hat; erlöſe die leidenden Seelen des Fegfeuers, insonderheit aber die verlassenste von Allen, und führe sie in deine Herrlichkeit ein, wo sie dich loben und preisen können in Ewigkeit. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Aus der Tiefe rufe ich zu dir, o Herr 2c. Siehe den 6. Bußspalm im vierten Gärtlein. Am Ende des Psalms betet man: Das zwölfte Gärtlein. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, Und das ewige Licht leuchte ihnen. 698 Am Montage. Herr, allmächtiger Gott! ich bitte dich durch das kostbare lut, welches dein göttlicher Sohn Jesus in seiner harten Geißelung vergoſsen hat; erlöse die leidenden Seelen des Fegfeuers, insonderheit aber jene, welche die nächste zum Eingange in die ewige Herrlichkeit ist; damit sie sogleich beginne, dein Lob anzustimmen, und dich zu preisen in Ewigkeit. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Aus der Tiefe 2c. Am Dienstage. Herr, allmächtiger Gott! ich bitte dich durch das kostbare Blut, welches dein göttlicher Sohn Jesus bei seiner grausamen Krönung mit Dornen vergossen hat! erlöse die leidenden Seelen des Fegfeuers, insonderheit aber jene, welche sonst die lette dieser großen Pein entkommen wäre; damit sie nicht länger säumen müsse, dich in deiner Herrlichkeit zu loben und ewig zu benedeien. Amen. Vater unser zc. Ave Maria 2c. Aus der Tiefe 2c. Am Mittwoch. Herr, allmächtiger Gott! ich bitte dich durch das kostbare Blut, welches dein göttlicher Sohn Jesus bei seiner Kreuztragung in den Gassen Jerusalems vergoffen hat; erlöse die leidenden Seelen des Fegfeuers, insonderheit aber jene, welche vor dir die reichste an Verdiensten ist; damit sie, auf der hohen Stufe der Herrlichkeit, die sie erwartet, dich laut preisen und ewig loben möge, Amen. Vater unser zc. Ave Maria 2c. Aus der Tiefe 2c. Am Donnerstage. Herr, allmächtiger Gott! 699 Gebete für die Seelen im Fegfeuer. ich bitte dich durch den kostbaren Leib und das koſtbare Blut deines göttlichen Sohnes Jesu, womit er am Vorabende seines Leidens sich selbst seinen geliebten Aposteln zur Speise und zum Tranke darbot, und dies als ein reines, ewiges Opfer, und als eine lebendigmachende Nahrung der Gläubigen, der ganzen Kirche hinterlassen hat; erlöse die leidenden Seelen des Fegfeuers, insonderheit aber jene, welche die meiſte Andacht zu diesem Geheimniß der ewigen Liebe trug; damit sie dich mit deinem göttlichen Sohne und dem h. Geiste in deiner Herrlichkeit ewig dafür loben und preisen mögen. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria zc. Aus der Tiefe 2c. Am Freitage. Herr, allmächtiger Gott! ich bitte dich durch das kostbare Blut, welches dein göttlicher Sohn Jesus an diesem Tage am Stamme des Kreuzes aus den Wunden seiner heiligsten Hände und Füße vergossen hat; erlöse die leidenden Seelen des Fegfeuers, insonderheit aber jene, für welche ich am meisten verpflichtet bin zu beten, damit sie nicht aus meiner Schuld aufgehalten sei, bald von dir in den Himmel aufgenommen zu werden, um dich in deiner Herrlichkeit ewig zu loben und zu preisen. Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Aus der Tiefe 2c. Am Samstage. Herr, allmächtiger Gott! ich bitte dich durch das kostbare Blut, welches aus der Seite deines göttlichen Sohnes Jesu in Gegenwart und zum größten Schmerze seiner heiligsten Mutter geflossen; erlöse die leidenden Seelen aus dem Feg= feuer, infonderheit aber jene, welche unter allen die meiste Liebe und Andacht zur schmerzhaften Mutter 700 Das zwölfte Gärtlein. gehabt hat; damit sie bald zur Herrlichkeit gelange, um dich in ihr, und sie in dir zu loben und zu preisen in alle Ewigkeit, Amen. Vater unser 2c. Ave Maria 2c. Aus der Tiefe zc. [ Für einmal des Tages 100 Tage Ablaß, der auch den Seelen im Fegfeuer zugewendet werden kann. žeo XII. 18. October 1826.] Verlag von Ferdinand Schöningh in Paderborn. Adoro. Vollständiges katholisches Gebetbuch in lateinischer und deutscher Sprache, mit Psalmen, Hymnen und Liedern. Mit einem Stahlstich. Fein Velinp. 3weite umgearbeitete Auflage. 630 S. geh. 22¹2 Sgr. 32. dto. gebd. in Chagrin mit Goldschnitt 1 Thlr. 10 Sgr. Betrachtungs-, Belehrungs- und Gebetbuch, vollständiges, für Verchrer Mariä. Ein Handbuch für alle, die maria zu ihrer besondern Beschüzerin erwählt haben, insbesondere für die Mitglieder der Marianischen Jungfrauen Congregation. Mit erzbischöflicher Approbation. 904 Seiten. 12. - C geh. 16 Sgr. Bona, Joh. Kardinal. Der kürzeste Weg zu Gott. Deutsch von P. Franz Ratte aus der Congregation der Redemptoristen. Mit Erlaubniß der Oberen. 450 Seiten. 24. geh. 10 Sgr. Bone, Heinr., Gymnasialdirector in Mainz. Cantate! Katholisches Gesangbuch nebst einem vollständigen Gebet- und Andachtsbuche. Sechste Auflage. 720 Seiten 8. geh. 12 Sgr. Daffelbe, feine und durch die Sonn- und fest täglichen Evangelien erweiterte Ausgabe mit 1 Stahlstich. Sechste Auflage. 820 S. 8. geh. 20 Sgr. Kleines Cantate! Katholisches Gesang- und Gebetbuch. Nach dem größern Werke Cantate herausgegeben. Dritte Auflage. 434 Seiten. 12. geh. 8 Sgr. Bourdon, m. Der christliche Zag. Ein Betrachtungsbuch für die reifere weibliche Jugend. Nach der zweiten Auflage aus dem Französischen übersetzt von Jafobine Klenk. 2 Bände. 1250 Seiten. 8. geh. 2 Thlr. 10 Sgr. Cochem, P. Martin von. Büchlein von Gott zur Belehrung und Erbauung des christlichen Volkes. Neu bearbeitet von Dr. M. A. Nickel, Domkapitu lar u. s. w. in Mainz. Mit bischöfl. Genehmigung. Wohlfeile Ausgabe. 736 Seiten. 8. geh. 15 Sgr. Der große Myrrhengarten des bittern Leidens. Mit Sorgfalt gejätet, mit schönen Passionsblumen aus andern Werken desselben Verfassers, und mit wohlriechenden Pflanzen aus dem Garten der Kirche sehr vermehrt und dem christlichen Volke wieder geöffnet vom Verfasser des ,, Wie wird's besser?" Ausgabe Nr. 1. grobe Schrift. Einundzwanzigste vermehrte Auflage. Mit Stahlstich. 892 Seiten. 8. geh. 1712 Sgr. Dasselbe. Ausgabe Nr. 2. feine Schrift. 3 wei undzwanzigste vermehrte Auflage. 680 S. 8. Mit Stahlstich. geh. 16 Sgr. Dasselbe. Ausgabe Nr. 4, sehr grobe Schrift. Vierte Auflage der Ausgabe. 670 Seiten. 8. geh. 16 Sgr. Dasselbe. Ausgabe Nr. 5, Taschenausgabe 3 weite Auflage der Ausgabe. 416 Seiten. 16. geh. 8 Sgr. Anhang dazu: Uebung der Anbetung Jesu im allerheiligsten Altarssakramente durch Gebete, Ge sänge und Betrachtungen. Vom Verfasser des ,, Wie wird's beffer?" 240 S. 16. geh. 4 Sgr. Cochem, P. Martin von. Daffelbe. Ausgabe Nr. 6, Taschenausgabe, mittelgrobe Schrift. 596 Seiten. 16. geh. 14 Sgr. Der große Baumgarten. Neuerdings vom Moose gereinigt, ausgesägt, mit einigen neuen Anlagen verschönert und dem christlichen Volke wieder geöffnet vom Verfasser des ,, Wie wird's beffer?" Mit Genehmigung des Hochwürdigen Ordinariats. Ausgabe Nr. 1, mit einem Stahlstich. Grobe Schrift. Vierte vermehrte und verbesserte Auflage. 810 Seiten. 8. geh. 15 Sgr. Dolorosa. Andachten und fromme Uebungen zur schmerzhaften Mutter Maria nebst einer kurzen Uebung des H. Kreuzweges. Aus dem Italienischen von einem Priester des Franziskaner- Ordens. Mit kirchl. Approbation. 84 S. 12. geh. 3¹ Sgr. Frinken, F. A., Pastor in Manheim. Rosenkranzbüchlein für die Erzbruderschaft des h. Rosenkranzes und alle Freunde des Rosenkranzgebetes. Mit Erzbischöflicher Genehmigung. Mit feinem Holzschnitt. Zweite Auflage. 100 S. 12. geh. 32 Sgr. Ignatius von Loyola, des heiligen, Kernsprüche der christlichen Lebensweisheit, vertheilt auf alle Tage des Jahres. Aus dem Lateinischen von Ludolf Henze. Nebst einem kurzen Gebetbuche. Mit bischöflicher Approbation. Dritte Auflage. 464 Seiten. 16. geh. 8 Sgr. Kempen, Thomas von, Vier Bücher der Nachfolge Chrifti. Aus dem Lateinischen übersetzt von J. M. Sailer, w. Bischof von Regensburg. Nebst einem Anhange von Gebeten. Mit kirchlicher Genehmigung. Min.- Format in 32. 384 S. geh. 34 Sgr. Kempen, Thomas von. dto. bto. eleg. gebd. in Leinwand mit Goldpressung( sehr geschmackvoll.) 12 Sgr. Lebensregeln des h. Vincenz von Paul in Sprüchen auf jeden Tag des Jahres nebst einem kleinen Gebetbuche. Aus dem Französischen. Mit Approbation des Hochwürdigen Bischofs von Paderborn. 3 weite Auflage. 397 Seiten. 32. geh. 7 Sgr. Liebesdienste, neun, gegen das heiligste Herz Jesu und Unterricht über die Andacht zu demselben.( Nach Anleitung der sel. Magaretha Alacoque.) 48 S.. geh. 1 Sgr Schneider, Jos. Priester der Gesellschaft Jesu. Blüthen 32. der wahren Andacht. Katholisches Gebet- und Andachtsbuch. Mit Gutheißung des Hochwürdigen Erzbischöflichen Generalvikariats zu Köln. Sorgfältig revidirte Auflage. Mit einem Stahlstich. 576 Seiten. 32. geh. 8 Sgr. Tappehorn, A., Pfarrer in Breden. Stern des Heiles. Vollständiges Andachtsbuch für Katholiken mit Be lehrungen. Mit kirchlicher Approbation. 514 S. 32.( Min.- Form.) geh: 12 Sgr. dto. gebd. in eleg. Chagrin mit Goldschnitt 26 Sgr. dto. Ausgabe Nr. 2 in grober Schrift. 636 S. 16. geh. 14 Sgr. Inches Centimetres Blue 2 3 5 Cyan 6 7 Farbkarte# 13 Green 3 8 Yellow 9 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black