H.Worstorff Gnädig und barmherzig ist der Herr geduldig und von großer Güte. 1875 Gb- 3596 Gesangbuch für die Evangelischen Gemeinden in Kurheffen. besonders in der Grafschaft Schaumburg. 30 Mit höchster Genehmigung. Rinteln, 1873. Druck und Verlag von C. Bösendahl jun. Gb 3596 Univ.- Bibl. Giessen arr Register über die Lieder nach dem Alphabet. 111 A. Num. Num. Ac 274 ch könnt ich doch mit 593 Aus einem tief vor dir Ach lieber Gott, ich bitte 586 Aus freudigem gemüthe 509 602 Aus warmer herzensfülle 526 meine kinder sind Ach, sich ihn dulden, blut. 121 Barmherziger, erhöre 601 32 340 557 Ach, wann werd' ich von 271 Allein Gott in der höh' Allein vor dir, mein Gott, 272 Allein zu dir, Herr Jesu 273 Alle menschen müſsen 224 Allen menschen und auch 439 Allen, welche nicht vergeb. 450 Allliebender, duschufst mein 461 Allmächtiger, ich hebe Allwissender vollkommner 14 Also hat Gott die welt Befiehl du deine wege Beglücke meine reise Begrabt den leib in seine Beherrscher himmels und Bewahre mich, Herr, daß 304 Bis hieher hat mich Gott 366 Bringt Gott, ihr christen 581 C. 533 CS 603 36 341 hrist, alles was dich 79 Christe, du lamm Gottes 118 Anbetung dir, und freud. 213 Dank dir, Herr, für 503 558 68 Anbetung, ehre, preisund 207 Anbetung, lob und preis 159 Anbetungswürdiger, zu 364 An dich, mein Gott, zu 328 Auch diesen frohen morgen 537 Auf, christen, bringetpreis 357 Auf, christen, laßt uns Auf Christi himmelfahrt 160 Auf, christen! preist mit 359 Auf deine weisheit sch. 338 Auf erden wahrheit ausz. 103 Auf euch wird Gottes 508 Auferstanden, auferstanden 145 Auf, freue dich, mein geist 70 Auf Gott und nicht auf 337 Auf, o feele, werde munter 548 Auf, schicke dich, recht Auf und laßt uns Gott 39 Aus deiner mild. segensh. 411 Dank sei- dir, vater Das glück ist groß, das 465 Daß ich in deiner christ. 192 Daß ich mich, mein Gott 395 Dein bin ich, Gott, dein 57 Deines Gottes frene dich 331 Dein heil hat heut, volt 96 Dein heil, o christ, nicht 351 Dein reich, o Gott! ist 42 Dein wille, Herr und 588 Dein wort, o höchster, ist 180 Den höchsten öffentlich 492 Denkt mein geist an jene 115 Der alle welten übersch. 336 Der du dein wort mir hast 182 Der du die liebe selber bist 440 Der du durch deiner allm. 41 Der du selbst die wahrheit 181 Der du uns als vater-167 84 Register Num. Der du uns mit deinem 305 Der du voll blut und 134 Der freuden füll' ist, Gott, 263 Der frohe morgen weckt 534 Der Herr ist Gott, und 2 Der Hohe himmel dunkelt 575 Der letzte meiner tage 226 Der letzte tag von deinen 418 Der morgen kommt, und 589 Der tag( das Jahr) ist 549 Der weise Schöpfer, dessen 469 Der wolluft reiz zut 402 Des jahres schönheit ist 531 Des leibes warten, und 403 Des morgens erste stunde 535 Des neuen jahres feierm. 525 Dich bet' ich an erstandner 148 Dich bitt' ich, heiland 98 Dich Herr und vater aller 367 Dich höchster, ehrerbietig 324 Dich seh ich wieder, morg. 536 Die bahn ist rauh, auf der 425 Die feinde deines freuzes 215 Die ihr Christi Jünger seid 197 Die finder, deren wir uns 510 Cin' feste burg ist unser 216 Du willst es, Herr, mein 396 S. 368 Dir dank ich für mein Direwiger, sei dieser tag 493 Dir, Gott, dir will ich 24 Dir, Gott, sei preis und 58 Dir hab ich mich ergeben 421 Dir immer ähnlicher zu 312 Dir, vater, dankt mein 168 Die wir hienieden wallen 227 Dieß ist der tag, den Gott 85 Du, aller menschen vater, 458 Du bester trost der Du bist erblaßt, mein Ein herz, o Gott, in leid 427 Ein milder Negen sinket 569 Ein ruhiges Gewissen 470 Ein pilgrim bin ich in der 230 Eins ist noth loHerr, dieß 379 Einst geh' ich ohne beben 248 Gilt furze tage meines 225 Empfinde, mensch, die 462 Entchre nicht durch klagen 52 Erbarmer deiner mensch. 283 Erbarmer! dich verehrt der 75 Erbarm dich, Herr, mein 306 Erhabner Gott, was reicht 3 Erhabner Gott, wir 291 Erhebe dantbar Gottes 189, 63 Erhebt den Herrn, ihr 583 69 ErIV 141 Du bist es, dem mein 369 102 Du, das leben aller leben, 137 Du, deines vaters.ebenb. Du, den uns Gott zum Du, der kein böſes 72 Num. Du, der menschen heil und 108 Du, dessen herz voll liebe 125 Du erhebst dich himmelan 166 Du förderst gern mein 416 Du fühlst, o christ, das 426 Du gabst mir, ewiger, dies 417 Du, Gott, bist unsre hülf' 584 Du, Gott, der unsre 290 Du, Gott, du bist der Herr 519 Du hast, o weiser heil'ger 188 Du, Herr, bist meine zuv. 343 Du, Herr, hastaus barm. Du, Herr, der seraphinen Du, Herr und richter aller 325 DuHerr und vater meiner 228 Du flagst, und fühleft die Du läsfest, Herr, uns Du liebst, o Gott, gerecht. Du, o herrscher, stiegst Durch dich, Gott, bin ich Du schaust, mein schöpfer 327 Duvater deiner menschen 329 Du weiser jchöpfer aller 16 198 53 423 496 446 378 512 über die Lieder nach dem Alphabet. Num. Erheitre dich, du lebens 432 Erhöhter Jesu, Gottes 256 Erhör uns, Gott, wir flehn 480 Erinnre dich, mein geist 149 Er ist erstanden, Jesus 150 Erkenne des versöhners 123 Er kommt, er kommt zum 257 Ermuntre, secle, dich und 307 Erschalle lied, zu Gottes 358 Erwache, herz, dem Herrn 542 Es freu der fürft des land. 504 Es ist vollbracht! so ruft 135 Es lag die ganze welt 101 Es schlossenHerr, mit herz 507 Es wolle Gott uns gnädig 218 Es zieht, o Gott, ein 580 Es züchtigt deine hand 565 F. Fern ern sei mein leben 447 Freiwillig haft du darg. 152 Für alle güte sei gepreist, 550 Fürwahr, du bist, o Gott 44 3. Seba edanke, der uns leben 71 Gedanke voller seligkeit 264 Geist des Herrn, der vom 170 Geist vom vater und vom 171 Gelobet seist du, Gott! 184 Gelobet seist du, Jesus 86 Gerechter Gott! vor bein 20 Gieb, Gott, wenn ich dir 389 Gieb mir, o Gott! ein herz 441 Gott, deine gnade sei Gott, deine gnad ist unser 87 471 54 Gett, beine gute reicht 352 Heilig, heilig ist das V Num. 344 538 183 486 51 Gott der wahrheit, dessen Gott des himmels und der Gott, dessen hand die Gott, dessen macht des Gott, dessen weisheits. Gott, durch den wir sind Gott, dir gefällt fein Gott immer groß an weiser 429 Gottes gnade sei mit euch 501 Gott ist mein hort, Gott ist gegenwärtig Gott ist mein lied; Gottists, der das verm. 409 Gott hat in meinen tagen 514 Gott, heilig sei dein nam' 320 Gott, mein vater, ich dein 282 Gott schuf nicht der 254 Gott, segne mein bestreb. 448 Gott sorgt für mich! was 422 Gott sorgt für uns! o singt- 47 Gott rust der sönn' und 524 Gott, unser Gott, wie 219 Gott, von großer macht 568 Gott, vor dessen angesichte 21 Gott, welche schmach und 129 Gott werde stets von dir 59 Gott, wie dank' ichs deiner 4 Gott, wie du bist, so warst 13 Gott, wie viel langmuth 31 Gott, wo ist noth und Grabt mein verwesliches Großer Gott, erhabnes Großer mittler, der zur Gut und heilig ist dein 64 604 65 Gott, deine weise macht Gott, dein unsichtbares 97 Gott, der du die menschen 451 Gett, der du für uns 111 Gott, der du schmerz und 585 Gott, der du unser vater 353 408 573 513 490 308 162 335 459 2931 45 Heilig sei uns dieser tag 499 Herr, allerhöchster Gott! Herr, an dir hab' ich 275 Herr, deine alfmacht reicht 18 Herr, deine rechte und 187 Herr, den die sonnen und 520 Herr VI Register Num. Num. 195 551 127 Ich armer mensch, o Herr 278 Jch bin getauft, nach Jesu 194 Jch bin zur ewigkeit 255 196 Jch danke dir für deinen 138 Ich denk an dein gerichte 259 ch eile meinem grabe 239 Jch erhebe mein Gemüthe 279 Jd fasse, vater, deine 597 Jch freue mich der frohen 247 Ich freue mich, mein Gott 333 Ich hab' in guten stunden 428 309 Ich komme, Herr, und 203 Jch tomme vor dein ang. 354 Jch komme vor dein ang. 515 Jch lobe dich, und singe 594 Jch singe dir mit herz 360 276 110 362 48 204 Herr der du alles giebst, 390 Herr, der du keinen je Herr, der du mir das Herr, dies kind ist dir Herr, du bist meine zuv. Herr, du kennest meine Herr, du wollst sie vorb. 211 Herr, es gescheh dein Herr Gott, dich loben Herr Gott, dich loben Herr! hier stehet unser Herr, höre mein gebet, Herr Jesu Christ, du Herr Jesu, deine angst Herr Jesu, gnadensonne! 310 Herr Jesu, meines Lebens 596 Herr Jesu, send uns 487 Herr, ich bin dein eigent. 258 Herr! ich falle vor dir 199 Herr, ich hab' aus deiner 231 Herr, mein erlöser, der du 453 Herr, meiner seele großen 397 Herr, mein licht erleuchte 185 Herr, ohne glauben kann 294 Herr, stärke mich, dein 107 Herr, unser Gott, wir 530 Herr, vor deinem angesicht 482 Herr, wie freuten sich die 158 Herr, wir singen deiner 73 Hier bin ich, Jesu, zu 202 Hier ist mein herz, Herr, 332 Hier lieg' ich, Gott, in 592 Hier lieg' ich vor dir, Hilf, Gott, daß ich den Hilf, Herr, daß dein Hilf, Herr, laß es wohl 521 Hilf mir, mein Gott, Höchster, denk ich an Höchster tröster, komm dh singe meiner seelen Jch preise dich, o Herr, Ich weiß, an wen mein 297 Ich weiß, es wird mein 237 Ich weiß, mein ende naht 234 Ich weiß, mein Gott 49 Jch will dich, Gott, im 598 Ich will in stiller einsamt. 516 Jch will mich meines 296 Jesu, deine tiefen wunden 116 Jesu, freund der mensch. 200 Jesu, meine freude 382 Jesus, die erlösten sünder 157 Jesus ist gekommen 88 Jesus, meine zuversicht 249. Jesus lebt! das grab iſt 144 Jesus lebt! mit ihm auch 155 Jetzt sinkt die sonne nieder 552 Jhm, der das licht entst. 539 Jhr habet Gott euch 502 mmernäher kommt mein 232 n allen meinen thaten 50 600 443 481 311 277 553 Herzlich lieb hab ich dich 154 66 361 506 172 381 n feierlicher stille Ist auch ein Gott, wer 5 17 Jauchzt unserm Gott! 25 Ist nun auchmeine stunde 235 Ich armer, ach ich stehe 67 Kein über die Lieder nach dem Alphabet. Num. R. ein lehrer ist dir Komm betend oft und Komm, heilger geist Kommt, christen, betet, Kommt her, verkündigt Kommt, laßt euch vom Kommt, laßt uns Gott Kommt, laßt uns Gott Komm zu uns, Gottes L. Kein 104 355 169 484 363 314 Lobt Gott, ihr christen Lobt Gott, ihr christen Lobt den Herrn, ihr 559 574 173 Laf 414 Laß deinen geist mich Laß, Herr, nach eitlen Laß jedes deiner leiden Laß mich des menschen Laß mich doch nicht, Laß mich, höchster, darnach 463 Laß mich, o Gott, gew. 412 Laß mir die feier deiner 106 Laß, vater, deinen guten 174 Laßt uns mit ehrfurchtsv. 89 Laßt uns unserm Gott 90 Lebt Christus, was bin 156 Lehre mich, Herr, recht Liebevoller heiland, du 205 Lieblich scheint die sonne 571 Liebreicher Gott! dein 561 Liebster Jesu! wir sind 483 Lob, ehre, preis und dank 76 Lob, ehr' und dank dem 365 Lob, ehr und dank sei dir 578 Lob, preis und ehre Lobsinge Gott, o christenh. Lobsinge Gott, und bet ihn Lobsinge meine seele! Lobsinget Gott! dank, Lobsinget! Gottes huld 112 413 122 61 m. Lache dich, mein geiſt, 400 Mach's mit mir, Gott, wie 595 Meine lebenszeit verst. M. Meinen Jesum laß ich Mein erlöser, auch für Mein erlöser, der dit 590 Mein erlöser, Gottes sohn, 113 Mein erst gefühl sei preis 541 Mein ganzer geist, Gott, 266 Mein geist erstaunt, 374 Mein Gott, du hast mir 334 Mein Gott, du wohnest 321 Mein Gott! wie groß ist 74 Mein glaub' ist meines 473 Mein heiland lebt; er hat 250 Mein heiland, wenn mein 244 Mein herz, ermuntre dich 375 Mein Jesu, der voll Mein Jesu, für dein herz Mein leben steht in Mein schutz ist Gott! ihn Mein Vater und mein 316 398 Mein vaterland, das mir 467 Mir nach, spricht Christus 380 Mit dir geh ich an mein 410 Mitdir, o höchster, friede 474 Mit ernst, o menschenk. 82 Mit freuden laßt uns Mit frohem dank erscheint 201 Mittler, schau auf sie Mit preis und ruhm Mit unsern brüdern seufz. 566 Müde von des lebens 229 N. 348 522 500 163 VII Num. 33 81 26 147 Nach einer prüfung 34 236 383 109 193 161 Nicht, daß ichs schon Nicht mehr als meine 92 151 Nicht um ein flüchtig 267 527 Nach Jesu großen lehren 449 Lobt Gott, der uns den 528 Nach meiner seelen seligt. 399 Lobt Gott in seinem 497 Nach tausend todesleiden 142 391 587 175 Nie 128 238 VIII Register Num. Num. 323 welch ein glück ein 60 Nie bist du, höchster, von 19 O tag, dem aller himmel 93 Nie kann ich meines Nie will ich vor der welt 300 Nie will ich wiederfluchen 454 Noch läßt der Herr mich 543 nie 22 Noch malte ich in thränen 599 Preist, christen, mit 540 Noch wall' ich pilger Nun bitten wir den heil. 176 Nun bricht die finstre O welch ein unschätzbares 475 O welt, sieh' hier dein 136 D zeuch mich, heiliger, zu 532 Preis dir, dem todes. Preist, menschen, preist 91 O schrecklichs leid, der 268 O john Gottes! im staube 119 564 153 43 558 Quelle der vollkomm. 330 376 alle Cott Nundantet all' und bringet 374 Richte nicht mit harter 456 R. Nun ist der tag der 100 Nun ist es alles wohlgem. 140 Nings um mich her ist 529 D christenheit, sei hoch 94 Säe deine thränenfaat 346 D, daß doch bei der 562 Odaß von meinen lebenst. 419 O du, der du dein leben 132 Oft flagt dein herz, wie 313 O golgatha, zu deinen 124 O Gott, der thron der 505 O Gott, du bist die O Gott, du bist mein preis 494 O Gott, du frommer O Gott, du kannst den 570 Gott, erbarme väterlich 517 OGottes sohn, Herr Jesu 301 O großer Gott, du reines 177 27 317 heilger geist, fehr bei 178 D Herr, mein Gott! ich 511 O Herr mit trost und dank 212 Herr, vor deinem Djammervolle tage 485 572 Jesu, ewig wird dein 214 Jesu, Gottes ew'ger 384 O Jesu, wahrer frömm. 385 O lamm Gottes unschuld. 120 O stimm auch du mit 420 523 Schaffe in mir Gott ein 209 Schafft mit ernst, ihr 285 Schon ist der tag von 260 Schon viele tage sind Schon wieder ist von Schweiget, bange zweifel 299 Schwer ist der kampf! den 315 Schwer ists, dann noch 430 Schwingt, heilige gedank. 7 Schütze die deinen, die 220Sehn wir nur trübsal um 567 Schr groß, Herr, ist die 221 Seht, welch ein mensch)! 130 Seid barmberzig! christen 460 Sei hochgepriesen Herr! 114 Sei weltversöhner, sei Sei zufrieden, mein Selig, Gott! sind die, Selig sind des himmels Sende, vater, deinen 489 Sichrer mensch, noch ist 286 Sie kommt, sie kommt 591 Singt unserm Gott ein 8 So flichen unsre tage hin 554 So früh bringt, Gott, 518 179 438 240 241 über die Lieder nach dem Alphabet. IX Num. Num. So gehst du, Jesu, willig 126 Von des himmels ew'gen 80 Sohn des höchsten! wir 210 So hoff ich dann mit 217 So jemand spricht: ich 444 Von dir, o Vater, nimmt 431 Von ganzer seele preis' 370 Vor dir, allgnädiger! W. 78 So ist, nach Gottes rath 576 Mach auf, mein herz, 544 Soll dein verderbtes 251 Sollten menschen, meine 445 Sollt ich den beneiden 457 Sollt ich dir, mein Gott 339 Sollt ich jetzt noch, da Sollt ich meinen Gott So wahr ich lebe, spricht So weit, Herr, deine Stärke, Jesu, stärke mich Suchst du des nächsten 452 T. 386 372 Wachet auf! rust einst Wachet auf vom schlaf 261 Wagt' ich es länger noch 281 Walle stets, o christ, auf 265 Wann ich, Gott, meinen 9 Warum erhebst du meine 252 Warum sollt ich mich 433 287 28 387 Was Gott thut, das ist 431 Was Gott thut, ist sehr 563 hilft es mir ein 318 Trener Gott, wir danken 491 Was ich nur gutes habe 392 404 Was ist mein zeitlich Was ist mein leben auf 435 ist's, Ueber alle himmel heere 164 Was kann ich doch für 292 377 349 Was sind wir, Herr, und Was soll ich ängstlich Was sorgst du ängstlich Welch glück, o Gott, ist Welch hohes beispiel Wem Gott gesundheit Wenn Christus seine Wenn dich in dunkeln. Wenn einst mein sterbend Wenn hoch entzückt mein Wenn ich auf Gottes Wenn ich ein gut gewissen 472 Wenn ich in trübenstunden 424 Wenn ich, o Gott, von dir 393 Wenn ich, o schöpfer, deine 40 Wenn mich die sünden Wenn zur vollführung Wer auf seinen Gott Wer bin ich? wichtig ist 117. Treu ist Gott! daß nehmt 23 Trostvoll, o mein heiland, 190 Um erbarmen flehen wir 579 Um gnade für die sünder 139 Unendlicher, den keine zeit 11 Unendlicher, vor dem 1 Unendlich, großer Gott, 319 Unschuld'ger Jesu, was 131 Unser Gott ist groß und 38 Unsern Gott, den Gott 373 Unwiederbringlich schnell 556 V. Vater, der so gern 280 Verbittre dir dein leben 455 Verleih uns frieden 222 Vernimm, o Herr, den 545 Vollbracht auf erden ist 165 Vollbracht ist Jesu Voll von ehrfurcht dank Vom grab an dem wir 143 208 95 Vom himmel kam hern. 77 Vom todesthal hinauf zu 146 Wer dieser erde güter 242 466 105 406 223 46 233 37 262 295 345 394 442 Wer X Register Num. Num. 477 Wie viele frenden dank- 30 Wie viel troft und seligt. 303 Wie wichtig ist doch der 62 Wie wird mir dann 468 Wer durch dein wort ist Wer gehorcht, der thu's Wer Gottes wege geht, 478 Wer Gottes wort nicht 302 Wer ist dir gleich, du 10 Wer nur den lieben Gott 350 Wer sich des heilands 298 Wer weiß, wie nahe mir 243 Wer zählt der engel heere Wie heilig ist mir diese Wie heilsam ist doch, Herr, 495 Wie groß ist des allm. 29 Wie groß ist jene herrl. 270 Wie groß ist meine mensch. 56 Wie groß, o Herr, ersch. 133 Wie groß, wie angebetet 388 Wie gut sind unsre freud. 347 Wie mächtig spricht in 479 Wie mannigfaltig sind die 405 Wie sanft fließt mir mein 476 Wie schwach ist meine Wie selig bin ich, wenn Wie soll ich dich empf. Wie so unaussprechlich Wie theuer, Gott, ist Wie trostvoll, und wie Wie ungewiß ist, Herr, 401 55 498 35 577 605 246 Will mich, o Gott, hien. 437 Willst du der weisheit 326 Wir alle, menschenvater 560 Wir erscheinen hier vor 488 Wir glauben an den Wir sind in noth; laß Wir tragen diesen leib Wo find ich Gott, den Wo flich ich sünder hin 289 Wohlauf, mein herz! verl. 99 Wohl dem, der beß're 415 Wohl dem, der richtig 464 Wohl mir, ich staub vom 253 Wohlthätig sind der erde 342 Wort aus Gottes munde 191 Wo sind die weisen, die 6 15 3. 3₁ deinem preis und 546 Zu dir empor steigt mein 12 Zu dir, o Gott, das Herz 356 Zu dir, unendlicher! zu 582 206 Zu großem zwecke haft 284 245 Zur arbeit, nicht zum 288 407 322 83 269 Inhalt. I. II. Inhalt. Erste Abtheilung. Lieder über die christliche Glaubenslehre. Von Gott, No. 1-9. desgleichen No. 36. 51. 58. 319. 333.357.358 Von den Eigenschaften Gottes, No. 10-31. 1. Einheit Gottes, No. 10. V. VI. VII. VIII. IX. X. XI. 2. Ewigkeit und Unveränderlichkeit Gottes, No. 11-13. 3. Allwissenheit Gottes, No. 14. 15. auch No. 19. 4. Allweisheit Gottes, No. 16. 17. auch No. 26. 58. 336. 5. Allmacht Gottes, No 18. auch No. 26. 6. Allgegenwart Gottes, No. 19. auch No 324. 486. 7. Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes, No. 20. 21. auch No. 22. 324. 8. Wahrhaftigkeit und Treue Gottes, No. 22. 23. auch No. 74. 181. 9. Liebe, Güte und Barmherzigkeit Gottes No. 24-30. auch No. 31. 78. 333. 362, 367. 368. 372. 374. 375. 10. Geduld u. Langmuth Gottes, N.31. auch 30. 292. 479. III.- Von der Dreieinigkeit Gottes, No.32-35.auch489. IV. Von der Schöpfung, No. 36-40. auch No. 7. 10. 26. 363. 373. Von der Vorsehung Gottes, N. 41-52.auch3.12. 18.24.27.28. 38.357.358.363.369.374.411. Von den Engeln, No. 53-55. Von dem Menschen und seiner Bestimmung, No. 56-62. auch No. 284. 312. 319. 397. Von der Sünde und dem Verderben der Menschen, No. 63-67. auch No. 306. 309. 315. 393. Von der Erlösung der Menschen, No. 68-74. auch 80. 111. 123. 149. 200. 299. 300. 305. Von Christo, dem Erlöser, No.175-78. auch No. 72. 123. 378. 380. 385. 388. Von d. Menschwerdung'u. Geburt Christi, 79-95. 1. Adventslieder, No. 79-83. auch No. 68-70. 88. 2. Weihnachtslieder, No. 84-95. auch No. 79. 3. Von der Erscheinung Christi, No. 96. 97. 4. Am Tage d. Darstellung Christi im Tempel, No. 98. 99. 5. XII XII. XIII. 3nhalt. 5. Am Tage Mariä Verkündigung, No. 100. 6. Am Tage Johannis des Täufers, No. 101. Von der hohen Würde Jesu und seinem Wandel auf Erden. No. 102-105. auch 77.180.385.388.440. Vom Leiden, Todu. Begräbniß Jesu, No. 106-143. 1. Vorbereitung zur Betrachtung des Leidens Jesu, No. 106. 107. 2. Dankbare Erwägung der Leiden Jesu, No. 108. 115. auch No. 133. 378. 3. Kraft und Trost des Leidens Jesu, No. 116.117. auch No. 138. XX. XXI. XXII. 4. Gebet zu dem Erlöser, No. 118-120. 5. Die Liebe Jesu im Werte der Erlösung, No.121. -124. auch No. 102. 6. Das Leiden Jesu am Delberge, No. 125. 126. 7. Gefangennehmung Jesu, No. 127. 8. Ueber d.Verlassung Jesu v.seinen Jüngern, 128. 9. Das Leiden Jesu vor dem geiſtlichen u. weltlichen Gerichte, No: 129-131. 10. Das Leiden Jesu am Kreuze, No. 132-139. anch No. 115. 121. 124. 129. 305. FUT 11. Ueber die Wunder bei dem Tode Jesu, No. 140. 12. Begräbniß Jesu, No. 141-143. Von der Auferstehung Sefu, No. 144-158. auch No. 249. 250. XIV. XV. Von der Himmelfahrt Jesu, No.159-166.auch388. XVI. Bom heiligen Geiste, No. 167-179. XVII. Vom Worte Gottes, No. 180-186. auch No. 104. 217. 219. 221. 491. 1. Von denzehn Geboten insbesondere No.187.188. 2. Vom Evangelio No. 189-191. auch No. 497. XVIII. Von der Taufe, No. 192-194. 1. Vor der öffentlichen Taufhandlung, No. 195. 2. Nach der Taufe, 196. XIX. Vom heiligen Abendmahle, No. 197-213. 1. Vor demselben, No. 197-211. 2. Nach demselben, No. 212. 213.Vonder christlichen Kirche, No. 214-323. auch 527. Vom Tode, No. 224-246. auch No. 418. Von der Auferstehung der Todten No. 247-253, Unsterblichkeit der Seele, No. 254. 255. YXIII. Inhalt. XIII XXIII. Vomjüngsten Gerichte, No. 256-262.auch 14.20. XXIV. Von der Ewigkeit No. 263-270. auch No. 62. 217. 241. 297. I. II. III. IV. V. VI. VII. VIII. IX. X. XI. XII. XIII. 3 weite Abtheilung. Lieder über christliche Sittenlehre. Von der Buße und Bekehrung No. 251-292. 1. Ueberhaupt, No. 271-289. auch No. 21. 57. 65. 66. 67. 306. 308. 471. 479. 2. An öffentlichen Bußtagen, No. 290. 291. 3. Nach geschehener Bekehrung, No. 292. Vom Glauben und seinen nächsten Folgen Nr. 293-303. auch No. 35. 98.304.318.473.491. Vom thätigen Christenthum überhaupt, No. 304. 319. auch No. 21. 302. 303. 354. 398. 478. Von der Erkenntniß Gottes, No. 320-323. auch. No. 1-9. 15. 36. 358. Von der Furcht Gottes, No. 324-327. Von der Liebe und Trene Gottes, No. 328330. auch No. 27. 29. 295. 302. 307. Von der Freude an Gott, No. 331-333.auch No. 328. 330. 364. Vom Gehorsam gegen Gott, No. 334. 335. auch No. 303. 307. Vom Vertrauen auf Gott und Ergebung in seinen Willen, No. 336-350. auch No. 3. 12. 17. 23. 24. 44. 46. 50. 434. 435. 436. 438. Vom Gebete, No. 351-356.auchNo. 489.522. Vom Lobe Gottes, No. 357.- 366. auch No. 7. 8. 10. 12. 18. 24. 26. 32. 33. 34. 36. 40. 47. 48. 51. 73. 322. 371. 373. 374. 377. Von der Dankbarkeit gegen Gott, No. 367377. auch No. 24. 47. Von den Gesinnungen gegen den Erlöser, No. 378-388. auch No. 71.98. 199. 200. 298. 303. 305. XIV. XIV XIV. XV. XVI. Inhalt. Von der Selbsterkenntniß und Demuth, No. 389-394. auch No. 65. 413. Von der Selbstliebe, No. 395. 396. Von der Sorge für die Seele, No. 397-399. auch No. 59. 61. 416. 418. Wachsamkeit und Vorsicht, No. 400. 401. auch No. 174. 285. 286. 306, 315. 391. 393. Von der Sorge für den Leib, No. 402-406. auch No. 58. 408. XVII. XVIII. Von der Arbeitsamkeit und Trene im Berufe XIX. No. 407-411. auch No. 422. 534. Von dem rechten Verhalten gegen die zeitlichen Güter, Reichthum, Ehre u. d. gl., No. 412416. auch No. 390. 392. 405. Vom rechten Gebrauche des Lebens, No. 417420. auch No. 62. 225. 231. 258. 399. 540. Von der Zufriedenheit, No. 421-424. auch No. 17. 45. 338. 342. 344. XX. XXI. XXII. Von der Geduld, No. 425-438. auch No. 23. 127. 265. 344. 346. 387. 424. 446. XXIII. Von der Liebe des Nächsten, No. 439-445. auch No. 295. 457. 459. 461. 478. XXIV. Von der Gerechtigkeit und Billigkeit, No. 446 -449. auch No. 452. 456. XXV. Von der Sanftmuth und Versöhnlichkeit, No. 450-457. auch 105. 445. XXVI. Von der Dienstfertigkeit, Barmherzigkeit und Leutseligkeit, No. 458-462. auch No. 75. 105. 441. 442. 444. XXVII. Von der Aufrichtigkeit und Rechtschaffenheit, No. 463. 464. XXVIII. Von der Freundschaft, No. 465. 466. XXIX. Vaterlandsliebe, No. 467. 468. auch No. 503. 505. XXX. Vom vernünftigen Verhalten gegen die Thiere, No. 469. XXXI. Inhalt. XV XXXI. Von der Glückseligkeit wahrer Christen in diesem Leben, No. 470-479. auch No. 26. 27. 29. 77. 331. 382. 416. Dritte Abtheilung. Lieder für besondere Zeiten, Stände und Vorfälle. Bei dem öffentlichen Gottesdienste, 480-491. 1. Bei dem Anfange desselben, No. 480-489. auch No. 320. 493. 494. 497. 532. I. II. III. IV. V. VI. VII. VIII. IX. X. XI. XII. XIII. 2. Bei dem Schlusse desselben, No. 490-491. Von der Feier des Sonntags, No. 492-495. Bei der Catechismuslehre, No. 496. 497. Bei der Confirmation junger Christen, 498.- 502 1) Vor der Confirmation, No. 498-500. 2) Nach der Confirmation, No. 501. 502. Für Obrigkeiten und Unterthanen, No. 503505. auch 467, 468, 513. Bei Einführung eines neuen Predigers, No. 506. Bei der Einsegnung neu angehender Eheleute, No. 507. 508. Für Eltern und Kinder, No. 509. 511. Für Herrschaften und Gesinde, No. 512. 513. Für Alte, Jünglinge, Jungfrauen, Witwen und Waisen, No. 514-518. Neujahrs- Lieder, No. 519-525. auch 526. 539. 1. Am Geburtstage, No. 526. 2. Um Reformationsfeste, No. 527. Von den vier Jahreszeiten, No. 528-531. 1. Vom Frühlinge, No. 528. 2. Vom Sommer, No. 529. 3. Vom Herbste, No. 530. 4. Vom Winter, No. 531. Morgen- Lieder, No. 532-546. 1. Am Sonntage, No. 532. 2. Un Werkeltagen, No. 533-546. auch, No. 410. XIV. **** ⠀ ⠀⠀⠀⠀⠀⠀ XVI XIV. XV. 1. Vor der Reise, No. 557. 2. Nach glücklich vollbrachter Reise, Nr. 558. Vor und bei der Ernte, No. 559-564. auch No. 43. 47. 48. 363. 377. 530. In allgemeiner Noth, No. 565-567. Witterungs- Lieder, No. 568-571. 1. Um Regen, No. 558. 2. Nach erhaltenem Negen, No. 569. 3. Um Sonnenschein, No. 570. 4. Nach erlangtem Sonnenschein, No. 571. Lieder bei Feuersnöthen, No. 572-573. 1. Für Abgebrannte, No. 572. 2. Nach der Feuersgefahr, No. 573. Beim Gewitter, No. 574-576. Nach dem Gewitter, 576. In Wassersnoth, No. 577. 578. Nach geendigter Wassersnoth, No. 578 In Kriegszeiten, No. 579-582. Nach erlangtem Frieden, No. 581. 582. XXIII. In Theuerung, No. 583. XXIV. Bei gefährlichen Seuchen, No. 584. XXV. InKrankheiten, No.585-594, auch229.230.232. 1. Bei der Communion eines Kranken, No. 593. 2. Nach der Genesung, No. 594. In Todesnöthen, No. 595-600. XVI. XVII. XVIII. XIX. XX. XXI. XXII. Inhalt. Abend- Lieder, No. 547-556. 1. Abend- Lied am Sonntage, No. 555. 2. Am Ende der Woche, No. 556. Bei Reisen, No. 557. 558. XXVI. 1. Fürbitte für Sterbende, No. 601. 2. Beim frühen HinsterbenigeliebterKinderNo. 602. XXVII. Bei Begräbnissen No. 603-605. Erste Abtheilung. Lieder über die christliche Glaubenslehre. I. In eigener Melodie. U Von Gott. Sich erd' und him mel neiget, Den fein verstand ermißt, Dem nichts an größe gleichet, Erhabner Gott! flöß meiner seele Die demuthsvollste ehrfurcht ein; Laß, wenn ich deinen ruhm erzähle, Mich tief vor dir gebeuget sein. 2. Du bist der seligste, Dich treffen keine leiden; Du findest in dir selbst Die allerhöchsten Freuden. Eh' ich noch welt und geister hrten, Warst du höchst seig ohne sie: Wenn sie in nichts zurücke kehrten, Verminderte dein glück sich nie. 3. Durch deine macht allein Kann diese welt beste hen; Du sprichst, und welten ind; Duwinfst, und sie vergehen. Es ist kein ziel in deiner stärke, Dein wort weisheit bringst du das zu werke, Was jeder für unmöglich hält. 4. Du bist der Herren Herr, Den erd und himmel scheuet, Der allen königen Die theuren fronen leihet. Dich fürchten alle majestäten; Dich betet jede herrschaft an; Du kannst so leib als seele tödten, Daß keine macht der menschen kann. 5. Du bist es, der allein Unsterblichkeit besitzet, Und andre, wenn er will, Vor tod und unglück schützet. Was die erschaffnen geister haben, Besitzen sie allein durch dich: Du kannst sie in ihr nichts begraben, Bleibst aber selber ewiglich. 6. Ein unzugänglichs licht Muß dir zur wohnung die2 nen 2 Erste Abtheilung. Mel. Sei lob und ehr' dem zc. nen, Ein glanz, der noch zu flar Den lichten ſera- 2. Der Herr ist Gott, phinen; Ein licht, das selbst die engel blendet, Wenn es auf ihre blicke fällt, Von welchem sich ihr antlitz wendet, Und ehrfurchtsvoll verhüllet hält. mehr, Frohlockt ihm, alle frommen! Wer ist ihm gleich? wer ist, wie er? So herrlich, so vollkommen? Der Herr ist groß! sein nam' ist groß! Unendlich ist und grenzenlos Der Herr in seiner größe! 7. Was wir, Unendlicher, Von deinem wesen wissen, Das hast du selbst zuvor Uns offenbaren müssen. Die welt verkündigt deine ehre; Und unser leh rer Jesus Christ, Zeigt uns davon in seiner lehre, So viel, als uns begreiflich ist. 8. Doch, hier erkennen wir Dich noch gar unvollkommen; Wird aber dermaleinst Der vorhang weggenommen, So werden wir erst unsre blöße Mit vieler scham und demuth sehn; Und, höchster geist, von deiner größe, Entzückt, in ewigkeit bestehn. 2. Er ist und bleibet, wie er ist! Wer strebet nicht vergebens, Ihn auszusprechen? wer ermißt Die dauer seines lebens? Wir menschen sind von gestern her; Eh noch die erde war, war er, War, eh die himmel waren. 3. Um seinen thron her strömt ein licht, Das ihn vor uns verhüllet. Ihn fassen alle himmel nicht, Die seine kraft erfüllet. Er bleibet ewig, wie er war, Verborgen und auch offenbar In seiner werke wunder. 4. Wir sind allein durch seine kraft, Das, was wir sind und werden; Er kennet alles, was er schafft Im himmel und auf erden. Bei ihm ist weisheit und verstand Und kraft und stärke; seine hand Umspannet erd' 5. 9. Indessen sei dein ruhm In schwachheit jetzt besungen; Nimm hin ein kindlich lob Von unsern blöden zungen! Wirst du dereinst den mund verklären, So wird er deine majestät In einein höhern lied verehren, Das deines namens ruhm erhöht. und himmel. I. Von Gott. 3 der sie erforsch' und meſse? Zu hoch ist sie dem endlichen verstand; Von engeln selbst wirst du nie ganz erkannt. 5. Ist er nicht nah? ist ße, Wo ist der mensch, er nicht fern? Weiß er nicht aller wege? Wo ist die nacht, da sich dem Herrn Ein mensch verbergen möge? Die fin sterniß ist vor ihm licht, Gedanken selbst entfliehn ihm nicht In ihrer erster bildung. 6. Wer schützt den weltbau ohne dich, Herr, vor seinem falle? Dein starker arm erstrecket sich Wohlthätig über alle. Du bist voll freundlichkeit, voll huld. Barmherzig, gnädig, voll geduld, Ein vater, ein verschoner. 2. Wie sollt' denn ich, ich staub, mich unterwinden, Dich und dein thun, du höchster, zu ergründen? O präge tief es meinem Herzen ein: Mein forschen sei dazu zu schwach, zu klein. 3. Du wohnst im licht, wozu kein mensch kann kommen. Was haben wir von deinem ruhm vernommen? Den kleinsten theil von deiner majestät, Die über menschliche begriffe geht. 4. Dein ist das reich, Als schöpfer aller dinge, Regierst du auch das große und geringe. Begreif ich gleich nicht, wie dies möglich ist; So sei mir's g'nug, daß du allweise bist. 5. Einst wirst du dich mir näher offenbaren; Einst werd' ich mehr von deinem rath erfahren, Wenn hier mein geist dem, was dein wort mich lehrt, Von herzen glaubt, dir folgt, dich findlich ehrt. 6. Drum hilf, daß ich mit ehrfurcht vor dir wandle; A 2 In 7. Unsträflich bist du, heilig, gut, Und reiner, als die sonne, Wohl dem, der deinen willen thut, Denn du belohnst mit wonne! Du hast unſterblichkeit allein, Bist selig, wirst es ewig sein, Du, aller freuden fülle! 8. Dir nur gebühret lob und dank, Anbetung, preis und ehre! Kommt, werdet Gottes Lobgesang, Ihr alle feine heere! DerHerr ist Gott, und keiner mehr! Wer ist ihm gleich? wer ist wie er, So herrlich, so vollkommen? In eigener Melodie. 3. rhabuer Gott, was reicht an deine grö 4 Erste Abtheilung. In allem thun nach deinem fragen? Hört man nicht lauwillen handle; Zufrieden sei, wie du mich hier regierst, Bis du mich einst zu deinem Himmel führst. te stimmen, die es sagen? Es zeigen schrift, vernunft, und kreaturen, Der Gottheit spuren! 2. Sich um dich her! sich himmel, länder, meere; Sieh der geschöpfe unzähl= bare heere! Schließ von dem bau und vom verstand der geister, Auf ihren meister. Mel. Jesu meines lebens leben 2c. 4. Gott, wie dank' ich's deiner güte, Daß 3. D! sich hinauf zu den gestirnten höhen, Wo welten sich in ihren Kreisen drehen, Und von der bahn, ich dich verehren kann! Mit ihr jahrsziel zu erreichen, erkenntlichem gemüthe, Bet' ich dich voll ehrfurcht an. Spötter, welche dich verschmähen, Müssen einst zu grunde gehen; Kennen selbst ihr bestes nicht; Sehen nimmermehr das licht. 7. Da werd' ich dich in Hellerm lichte sehen, Und frendenvoll dein ewig lob erHöhen. Herr, du bist groß, und zeigst es mit der that, Unendlich groß an huld, an macht und rath. Kein haarbreit weichen. 4. Sieh, wie die sonne jahr und tage theilet, Wie auch der mond durch seine laufbahn eilet, Und wie durch beide tag und nacht der erde Regieret werde. 2. Dich zu wissen, dich zu kennen, Gott, dies ist 5. Was machts, daß diese ordnung stets vorhanden, mein wahrer ruhm. Und Und unverrückt jahrtausendich meinen Gott zu nen- de bestanden? Kannst du der nen, Lehret mich das chri-, Gottheit dasein kraft und ftenthum. O, gib meinem wesen Nicht darin lesen? glauben stärke, Und laß mich durch rechte werke, In der prüfung dieser welt, Redlich thun, was dir gefällt. Eig. Mel. od. herzliebster Jefu ft auch ein Gott? wer darf noch also 6. Sieh, mensch, du edfer unter freaturen! Sieh an dir selbst der gottheit klare spuren! Kannst du mit wahrheit dich verständig nennen Und Gott mißkennen? 7. O sünder! frag das nagen5.3ft I. Von Gott. Mel. Wer nur den lieben 2c. nagelde gewissen: Ist denn ein Gott? Du fühlft es in 6. Wo find' ich Gott, meine seele den bissen, und wirst gewiß bei deinen großen fünden, Den richter finden. 9. Du sagst: Gott ist und kennt mein ganzes leben. Bist du ihm denn auch recht zum dienst ergeben? Ist dank und gegenliebe im gemüthe Für seine güte? 10. Im wohlstand trotzig, zaghaft irbeschwerden, Vergötterst du oft dinge dieser erden, Machst gold zum trost, hältst fleisch für deinen ret ter; Elende götter! 5 8. Doch nicht genug: es ist ein Gott! zu sagen. Oft Weit über alles schätzt und liebt? Gott, den ich mir zum freunde wähle, Und der allein mir freude giebt! leugnets doch der mensch Wann kömmt die zeit, da durch sein betragen, Wenn er, als wär' kein Gott, in sünden wandelt, und gottLos handelt. Gott, mein freund, Sich völliger mit mir vereint? 2. Wie wollt ich meinen Gott nicht preisen, Wenn ich ihn sähe, wie er ist! 3war deine wunder, Herr, beweisen, Wie unaussprechlich groß du bist. Wie glänzen fie! doch zeigt ihr glanz Mir deine herrlichkeit nicht ganz.-- 11. O hilf uns, Gott, doch deinen heilgen willen Mit redlichkeit und herzenslust erfüllen; Sonst werden wir, beim ruhm des glaubens lügen, Uns selbst betrügen. 12. Laß uns dein wort den weg der wahrheit lehren; Uns zeigen, wie wir dich stets recht verehren, Bis du uns einst zum himmel wirft erheben, Bei dir zu leben. 3. Ich sehe dich hier nur im spiegel, Und bete dich in schwachheit an; Ach, hätte meine seele flügel, Sich dir, mein schöpfer, mehr zu nahn, Wie würde sie sich deiner freun! Wie selig, wie verherrlicht sein! 4. Dürft' ich am fuße deines thrones Mit deinen engeln dich erhöhn! Könnt' ich im antlitz deines sohnes Wie deine seligen, dich sehn! Sch, der ich hier kaum stammeln kann, Welch' hohes loblied stimmt ich an! 5. Mir macht zwar jedes deiner werke Mehr, als ich rüh 6 Erste Abtheilung. rühmen kann, bekannt; Es bloß durch dich! Nun aber zeigt mir deiner allmacht stärke, Und deinen weisesten verstand, Und gnade, die selbst Davids lob Zu schwach, nie würdig g'mug erhob. 6. Noch heller scheint von allen seiten In deinem worte, Gott, dein licht; Doch blendwerkschnöder eitelkeiten Verdunkeln mir da mein gesicht. Was kann ich wissen, wenn dein geist, Nicht selbst von dir mich unterweist? 7. Doch, wenn in meinen finsternissen Er auch mein blödes aug' erhell't; Was lern ich, Gott, von dir? mein wissen Bleibt immer stück werk in der welt. Ich suche dich und forsche nach, Und bleibe, dich zu sehn, zu schwach. 8. Und hört' ich nur auf deine stim me In deinem worte; hört ich nur, Wie du verdienest, auf die stimme Der dir lobsingenden natur: So lern't ich hier schon mich allein, Gott, deiner herrlichkeit erfreun. 9. Wie brünstig würd' ich dann dich lieben! Mit wel chem eifer würd' ich mich, Dir, vater, zu gefallen üben! Wie selig wär' ich täuscht oft meinen geist, Gleich kindern, tand, wenn er nur gleißt. 10. Welch elend! vater, ich empfinde Mein elend; zeuch mich mehr zu dir! Entkräfte selbst die macht der fünde, Dein geist der weisheit wohn' in mir; Damit ich vor der täuscherei Der sinnlichkeit gesichert sei. 11. Gieb, daß der strahl von deiner wahrheit Mein leben leite, bis ich dort Dich näher seh', und mit mehr klarheit, Als hier an diesem prüfungsort. Ich, der ich jetzt kaum stammeln kann, Erhebe würdiger dich dann. Mel. Aus meines herzens 2c. 7 Schwingt, heilige gedanken, Euch von der erde los! Gott, frei von allen schranken, Ist unaussprechlich groß. Kommt, menschen, und lobsingt Vor seinem angesichte! Gott wohnt in einem lichte, Zu dem kein auge dringt. 2. Kein sinn kann ihn erreichen, Kein endlicher verstand. Wer darf sich ihm vergleichen? Wer hat ihn ganz erkannt? Macht euch von ihm kein bild! Wer fann I. Von Gott. kann den höchsten sehen, Ob er gleich alle höhen, Und jede tief' erfüllt? 3. Die sonn' in hoher ferne Mag strahlenreicher glühn; Glänzt heller noch ihr sterne, Was seid ihr gegen ihn? Mit aller eurer pracht Seid ihr im schönsten lichte Bor seinem angesichte Doch dunkler, als die nacht. 4. Du bist des weltbau's meister, Der deinen ruhm erhöht; Der vater aller gei ster, Voll macht und majestät. Du schufest, Gott, auch mich, um felig einst zu leben. Mein Herz sei dir ergeben! Mein leben preife dich! 5. Im geiste bet ihn, seele, Und in der wahrheit an. Lieb' ich des Herrn befehle, Wie selig bin ich dann! Er hat unsterblichkeit, Und seligkeit und leben, Das alles wird er geben, Dem, der sich ganz ihm weiht. Mel. Nun danfet all' und 2c. 8.Singt unserm Gott ein frohes lied, Er ist's und keiner mehr. Groß, unaussprechlich groß ist er, Der weltfreis sein gebiet. 7 menge; er gebeut, So fallen sie in nichts. 3. Er überschaut, was ist und war Im himmel, erd' und meer; Und seiner werke zahllos heer Bleibt vor ihm offenbar. 2. Groß ist der Herr! er will, und spricht's: Da steht voll herrlichkeit Der welten 4. Deß freuet euch! die lieb ist Gott, Das beste seine wahl, Groß seine thaten allzumal, Beglückend sein gebot. 5. Gerechtigkeit und güte ist Die veste seines throns. Lobt ihn, der auch des erdensohns, Des menschen, nie vergißt. 6. Er fennet uns; er ist mir nah' Im abgrund, in der höh': Wohin ich fliehe oder geh', 3st er doch immer da. 7. Er ist um mich, vernimmt mein flehn, Schafft meiner seele ruh', Er siehet, alles was ich thu', Und eilt mir beizustehn. 8. Wer fasset deiner wunder pracht, Die da sind, Ein jeder erschufst, wenn du rufft? staub, den du Verkündigt deine macht. 9. Hell strahlet aus dem kleinsten halm, Gott, deine weisheit her; Und au' und hügel, luft und meer Sind deiner ehre psalm. 10. 8 Erste Abtheilung. hassen, Dich finden lassen. 10. Frohlockend preiset wenn wir nur dein licht nicht dich das land, Daß deine milde tränkt; Und korn und wein und freud' empfängt der mensch aus deiner hand. 4. Mit lauter stimme lehren deine werke Uns deine weisheit, deine güt' und stärke; Auch hast du selbst, sei hoch dafür gepriesen! Uns unterwiesen. 11. Herr, ohne deinen willen fällt Kein sperling hin, und ich, Ich freute nicht des troftes mich, Daß deine huld mich hält? 12. Dir dank ich alles! nichts ist mein, Das dir nicht angehört. Herr, deine huld, die ewig währt, Soll stets mein loblied sein. 9. W Mel. Ist auch ein Gott 2c. ann ich, Gott, meimeinen geist zu dir erhebe, Dich suche, dich zu finden mich bestrebe; So mußt du selbst, recht groß von dir zu denken, Die kraft mir schenken. 2. Was ist im himmel, Höchster, was auf Erden, Das so, wie du, verdient erkannt zu werden? Welch wissen ist nun herrlicher zu nennen, Als dich erkennen? 3. Dich suchen, ist die herrlichste der sorgen; Zwar bist du unerforschlich und verborgen; Doch willst du, 5. Und immermehr willst du dich offenbaren, Wenn, was du lehrst, wir nur getreu bewahren; Wenn wir, was deine lehren wirken sollen, Uns bessern wollen. 6. Ach möcht' ich, Gott, aus allen meinen kräften, Dich suchen, auch bei sorgen und geschäften, Mein Herz, zu dir, mich leichter aufzuschwingen, 3ur andacht bringen! 7. Drum führe durch dein wort doch meine seele, Daß fie den weg zum lichte nicht verfeğle; Gib mir, weil ihre kräfte leicht ermüden, Ernſt, lust und frieden. 8. Dann werd ich immer besser dich erkennen, Und täglich mehr von deiner lieb' entbrennen; Dir gern gehorchen, fröhlich dich erheben, Und, Gott, dir leben. II. *** II. Bon den Eigenschaften Gottes. Einheit Eigene Mel. oder: Christ unser 2c. 10. W er ist die gleich, Gottes. preiset ihre harmonie Dich, o du geist der geister, Mit du einziger! welcher eintracht rufen fie: Der schöpfung herr und meister Ist einer, ist Jehovah! 4. Sinkt in den staub hin! betet an! Jehovah ist der höchste! Er ists allein! und feiner kann Ihm gleich sein, ihm der nächste! Gott spricht: ich bin allein der Herr, Ich bin, ich war, ich werde Sein, der ich bin, kein anderer Im himmel, auf der erde, Hat meinen ruhm und namen. 5. Und ewig bleibst du mir allein Der Gott, an dem ich hange, Und ewig soll's kein andrer sein, Von dem ich heil verlange! Mein ganzes Leben weih' ich dir, Mein Gott, auf den ich traue! Und weiß gewiß, einst gibst du mir, Daß ich deinantlitz schaue, Dich selbſt, du unsichtbarer. Wer thut, Gott, deine werke! Wem jauchzet sonst der himmel Heer, Und nennt ihn: Gott der stärke; Du warst! und deiner allmacht ruf Befahl der welt, zu werden! Bekennt es, völker, die er schuf: Im himmel und auf erden, Ist keiner seines gleichen! 2. Frag' ich dies ganze: wessen macht Am ersten aller tage Die welt aus nichts hervorgebracht? Und wer bis jetzt fie trage? So nennt es mir, du Erster, dich, Du Wesen aller wesen; Gott, deinen namen nur kann ich Auf allen dingen lesen, Und feines andern namen! 9 3. Der sterne, dir nur zählbar heer, Die deinen thron umgeben; Die erd', o Gott! die luft, das meer, Und die in ihnen leben, Wie Ewig 10 Erste Abtheilung. Ewigkeit und Unveränderlichkeit Gottes. nendlicher den kei- 12.3" mein gefang, SeMel. Ich finge meiner seele zc. dir empor steigt ne zeit Umschließt dir mein wärmster dank, Der ewigkeiten Gott! mit ihren schranken! Beim hovah Zebaoth! In ihm tönt denken deiner ewigkeit Vergehn mir die gedanken. Ich finne nach, bewundrungsvoll, Und weiß nicht, wie ich's fas sen soll: Du bist und bleibest ewig. 2. Von ewigkeit zu ewigkeit Bleibst du stets, der du bist! Wir wallen in der prüfungszeit, Bis unser lauf sich schließt. 2. Von keiner sonne ward noch licht Auf diese welt verbreitet; Die Himmel jauchzten dir noch nicht Durch deine macht bereitet; Noch war kein land, noch floß kein meer An hoher berge gründen her: Du aber warst schon ewig. 3. Es wechselt bei dir keine zeit; Du warst, und wirst stets sein! Der ewigkeiten ewigkeit 3st, ganz untheilbar, dein. 4. Heil dem, der sich auf dich verläßt, Dir, ewiger, vertraut! Deß hoffnung ist wie felsen fest, Hat nicht auf sand gebaut. 3. Von ewigkeit her sahest du Die künftge welt entstehen, Und maßest ihre zeit ihr zu, Und sahst sie untergehen. Vom engel bis zum wurm herab, Wogst jedem du sein schicksal ab, Und nanntest ihn mit namen. 5. Vor dir ist alles aufgehellt Im sonnenlichte da; Dn sahst den plan der ganzen welt, Du sprachst, und sie stand da! 4. Gott! du bist ewig, stirbest nie; Bleibst ewig meiner seele Der fels, den sterbend ich für sie Zur sichern zuflucht wähle! Denn deine gnad und wahrheit ist, So ewig, als du selber bist. Wohl mir, daß ich dir traue! Mel. Sei lob und ehr' dem 20. 11.11 6. Der Jahre ungemeßne zahl Hast du schon längst gezählt, Und nach der allerbesten wahl Auch meine zeit gewählt. 7. Gezogen ward von dir mein loos, Bestimmt ſo freud' als schmerz; Dein segen II. Von den Eigenschaften Gottes. gen floß in meinen schooß, mitten in der thränennacht Und wonne in mein herz. Mich trübe aussicht schreckt. 8. Sind meiner erden jahre viel? Ist fern von mir der tod? Bin ich schon nah' am großen ziel, Am ende aller noth? 15. Du bleibst mein retter in gefahr, Mein schutz in jeder noth: Du, der du bist, und der da war, Jehovah Zebaoth! 9. Soll ich auf dornenpfaden gehn, Wo meine thräne fließt, Und manche seufzer zu dir flehn, Eh' sich mein auge schließt? 10. Wird rings um mich ein eden blühn? Wird, wie ein silberbach, Mein leben fanft und still entfliehn? Folgt mir kein jammer nach? 11. Dieß alles hat von ewigkeit Dein weiser rath bedacht. Wohl mir, wenn meine pilgerzeit Mich immer weiser macht! 2. Du wirst auch bleiben was du bist, Wenn dieser 12. Wohl mir, wenn nie erdkreis nicht mehr ist, In mein Herz verkennt Des an jenen ewigkeiten, Wo du dern lebens werth; Wenn uns frönst, Uns, die wir dich dies herz mit ehrfurcht hier Zum himmel uns benennt, Gehorsam dich ver- reiten. ehrt! 13. Dann wird die ganze ewigkeit Mit ihrer wonne mein; Dann will ich der unsterblichkeit Mich schon hienieden freun. 14. Dann weiß ich, daß dein auge wacht, Daß mich dein arm bedeckt, Wenn 11 16. Laß dir mein leben heilig sein, Dir, dessen arm mich trägt, Und weihe mich zum sterben ein, Eh' meine stunde schlägt. Mel. In dich hab' ich gehoffet zc 13. Gott, wie du biſt, so warst du schon, ehe du vor deinen Geschöpfe, die nicht waren, Jus dasein riefft, Um deine macht und güte zu erfahren. Noch thron, 3. Nur du bist unveränderlich; Auch, wird, Gott, deine wahrheit sich Unwandelbar erhalten. Wenn welten einst, Die du erschufft, Wie ein gewand veralten. 4. Weicht felfen und erfüllt das thal, Ihr berge stürzt, daß durch den fall Die 12 Erste Abtheilung. Die erde weit erzittert, Du stand Dieß leben mir verbleibst, o Gott! Dein bund fließe? mit mir Bleibt fest und unerſchüttert. 6. Ja, ich bin Gottes; Gott ist mein; Und ewig, 5. Was zagt denn meine ewig wird er's sein, Daß seel' in mir? Was klag' ich nichts von ihm mich scheide; ängstlich, daß ich hier, Kein Die welt vergeht mit ih dauernd gut genieße; Daßs rer lust; Gott nicht, nicht oft voll müh' und unbe- seine freude. Allwissenheit Gottes. Mel. Wer ist dir gleich zc. zen wird von dir erhört, Eh' sie noch vor dich treten. Was deiner seinde rath beschließt, Das ist dir unverborgen; Dir, der du ihren anschlag siehst, Als wie den lichten morgen, Den keine schatten decken. 14. Allwissender, voll. kommner geist! Deß auge alles siehet, Was nacht und abgrund in sich schleußt, Und dem sich nichts entziehet; Es kann vor deinem hellen licht Sich kein geschöpf verstecken. Was in der finsterniß geschicht, Das weißt du aufzudecken, Und an den tag zu bringen. 2. Selbst die gedanken kennest du, Eh' sie in mir entstehen, Und was ich wünsche, rede, thu', Das kann dein auge sehen. Vor dir ist alles offenbar; Du prüfest herz und nieren, Und alle gründe siehst du klar, Die unser thun regieren; Nichts bleibt vor dir verborgen. 3. Was deiner freunde herz begehrt, Das weißt du, eh' sie beten, Ihr seuf4. Was nach verfließung vieler zeit Noch fünftig wird geschehen, Das sieht dein auge allbereit Als gegenwärtig stehen. Dir stellt sich alles deutlich dar, Das, was erst noch soll werden, Und was nun ist, und was einst war Im himmel und auf erden. Wer sollte dich nicht fürchten? 5. Bleibt gleich vor menschen manches noch In diefer welt verschwiegen: So wird dein auge künftig doch Die finsterniß besiegen. Dein unpartheiisches gericht Wird alles 13 II. Von den Eigenschaften Gottes. alles einst entdecken, Was den; Doch gegen Gott wüßt im verborgnen jetzt geschicht, ich noch nichts! Und schande, furcht und schrecken Wird dann die heuchler treffen. 3. Nichts gegen ihn, der sich durchschauet, Die tiefe der unendlichkeit, und jede 6. Laß mich, o höchste welt, die er gebauet, Und jemajestät! Dein helles auge den punkt der ewigkeit! O, schenen, Daß nie ein heuch- du, der alles weiß und nenler hintergeht Mit falschen net, Was ist und werden schmeicheleien. Durchdringe soll und war, Wie bist du kräftig feel und geist Mit dei- jedem, der dich kennet, Unnen heitern blicken. Laß, was endlich groß und wunderbar! geheimeschande heißt, Sammt 4. Ja, dich bewundern, allen bösen tücken, Mich dir vertrauen, Ist meines stets sorgfältig meiden.geistes erste pflicht! Mit ehrfurcht darf ich nach dir schauMel. Wie groß ist des allm. 2C. 15.Wo find die weisen, en: Doch dich begreifen kann die mich lehren, Wie unser Gott allwissendist? Wer kann mir forschenden erklären, Wo sein verstand beginnt und schließzt? Wohnt nicht der Herr in einem lichte, In welchem menschen ihn nicht sehn? Wer kennet ihn von angesichte? Wer kann nur, wie er heißt, verstehn? ich nicht. Gott, nach dem licht, in dem du wohnest, Forsch' ich mit heiliger begier; Dut siehst es gnädig und belohnest Mit weisheit meinen durst nach dir. 2. Könnt' ich, wie Gott, die sterne zählen, Der erde staub, den fand am meer und die gedanken aller seelen Von ihrem ersten ursprung her; So wär ich weiser, als auf erden Ein mensch ist, als am strom des lichts Vielleicht selbst engel jemals wer5. Die weisheit warnet mich vor sünden, Vor selbſtbetrug und heuchelei, Ich denke stets: Gott kann mich finden, Wie tief verborgen ich auch sei. Kein weltmeer kann vor ihm mich decken, Kein falscher schein betrüget ihn. Mir folgten seiner allmacht schrecken, Könnt' ich gleich aus der welt entfliehn. 6. Wer kennet seines herzens tiefen? Wer darf, o Gott 14 Erste Abtheilung. Gott sich selber traun? All- führe mich auf deine bahn, wissender, du wollst mich prüfen, Du wollest ganz mein Herz durchschaun! Erblichst von dir empfahn. du mich auf bösen wegen, So Und laß mich einst am ziel den segen Der frömmigkeit Weisheit Gottes. Eig. Mel. oder Dir Gott, dir will zc. 16. Dit ut weiser schöpfer aller dinge, Der alles kennet und versteht! Nichts ist so groß, nichts so geringe, Das nicht nach deiner weisheit geht. Sie ist's, die deine große welt In ihrer ordnung noch erhält. 2. Die vielen wundervollen werke, Was unsern augen fern und nah, Steht alles, wie durch deine stärke, So auch durch deine weisheit da; Unendlich, Herr, ist dein verstand, Der ganze weltbau macht's bekannt. 3. Mit eben der allweisen stärke, Mit welcher du die welt gemacht, Regierst du alle deine werke, Die dein verstand hervorgebracht; Du brauchst, o unerschaffnes licht! Der menschen rath und beistand nicht. 4. Was du zu thun dir vorgenommen, Das kommt unfehlbar auch zur that; in die ewigkeit. Wenn tausend hindernisse kommen, So sieget doch dein hoher rath, Der durch die besten mittel leicht Den vorgesetzten zweck erreicht. 5. Die menge so verschiedner willen, Wo jeder seinen weg erwählt, Muß immer doch den schluß erfüllen, Den sich dein wille vorbehält; Der aller feinde stolzen wahn, Als übermuth beschämen kann. 6. Oweisheit! decke meiner seele Des eigendünkels thorheit auf, Daß sie zur führerin dich wähle In ihweiß den weg zur weisheit rem ganzen lebenslauf. Ich nicht, O gönne mir dein sichres licht. 7. Du hast mich durch mein ganzes leben Nach deinem weisen rath geführt. Dir, dir muß ich die ehre geben, Daß du mit weisheit mich regiert. O leite mich durch welt und zeit Hinüber Mel. II. Von den Eigenschaften Gottes. 15 4. Soll er deinen wunsch ft gleich unerforsch-, erheben Zum beherrscher lich immer Mei- seiner welt? Kann er heilig sein, und Was doch lüsten geben, nur gefällt? Die mich hier Wohl uns, wenn er nicht gewährt, Was ein thöricht herz begehrt! 5. Hier in meinem pilgerstande Sei mein theil zufriedenheit; Dort in meinem Vaterlande, Wohnt die wahre seligkeit! Dunkel mag mein gang hier sein: Führt er doch zum Himmel ein. 6. Darum auch auf rauhen wegen Christenseele, flage nicht! Was hier schmerzet, wird dort segen, Was hier nacht ist, wird dort licht; Und ich fasse Gottes sinn, Wenn ich ganz Mel. Gott von großer macht, oder Gott des Himmels 2c. nes Gottes weg und rath, Ist die nacht gleich ohne schimmer, umschattet hat; alles, was er thut, Doch ist Wie's auch scheine, weis' und gut. 2. Sollt' ich das von Gott nur loben, Wo auch ich schon weisheit seh? Ift's nicht ein geschenk von oben, Wenn ich seinen weg versteh? Jeder fündigt, welcher flagt, Daß ihm Gott mehr licht versagt. 3. Soll ein vater unter terlassen, Was dem finde thorheit ist? Kühner tabler! engel fassen Das, wo du im dunkeln bist. Hier sollst du dem Herrn vertraun; Lernen vollendet bin. hier, und dort erst schaun! Allmacht Gottes. 18.Her Mel. Mir nach, spricht Christ. zc. dein mächtig's wort Fällt err, deine allmacht alles dir zu füßen; Du führeicht so weit, rest deinen rathschluß fort Als selbst dein wollen reichet. Bei allen hindernissen. So Nichts ist, das deiner herr- bald du willst, so steht auch lichkeit Was noch zuvor kein und deinen thaten da, gleichet. Was ist zu groß? was ist zu schwer? Das dir zu thun nicht möglich wär? auge sah. 3. Du hast dein großes schöpfungswerk Allmächtig 2. Du sprichst, und auf ausgeführet. Es bleibet stets dein 16 Erste Abtheilung. dein augenmerk, Und wird Und zur unsterblichkeit er durch dich regieret. Noch immerfort besteht die welt, Weil deine allmacht sie erhält. hebst! 6. Allmächtiger, erstaunt fall ich Vor deinem throne nieder: Mein blöder geist verlieret sich Und lallt nur schwache lieder; Bewundert dich und deine kraft, Die todten neues leben schafft. 7. O schenke mir die zuverficht, Die deiner macht vertrauet: Der macht, die hülf' und troft verspricht, Wenn man auf dich nur bauet, Auf dich und deiner allmacht kraft, Die alles kann 4. Die größe deiner thaten zeigt, Daß, schöpfer, dein vermögen Weit über alle träfte steigt, Die die natur bewegen. Du bleibst ihr Herr; in deiner Hand Bleibt alles, was durch dich entstand. 5. Was für ein wunder deiner macht, Wird unser aug' einst sehen, Wenn nach der langen grabesnacht, Die todten auferstehen; Wenn unsern staub du neu belebst, und alles schafft. Allgegenwart Gottes. In voriger Melodie. 3 Wenn ich in stiller ein19. Nie bist du, Höch- samteit Mein Herz an dich ster, von uns fern: Du wirkst an allen enden; Wo ich nur bin, Herr aller herrn, Bin ich in deinen händen: Durch dich nur leb' und athme ich; Denn deine rechte schützet mich. ergebe, Und, über deine huld erfreut, Lobsingend dich erhebe: So hörst du es, und stehst mir bei, Daß ich dir immer treuer sei. 4. Du merkst es, wenn des herzens rath Verkehrte wege wählet; Und bleibt auch eine böse that Vor aller welt verhehlet; So weißt du sie, und strafest mich zu meiner beff'rung väterlich. 5. Du hörest meinen seufzern zu, Daß hülfe mir erscheine: 2. Was ich nur denke, weisseft du; Du kennest meine seele: Du siehst es, wenn ich gutes thu', Du siehst es, wenn ich fehle: Nichts, nichts kann deinem blick entfliehn, Und nichts mich deiner macht entziehn. 17 dir zu dienen eifrig sei. II. Von den Eigenschaften Goltes. fcheine; Voll mitleid, Ba- dein heilig ange scheu' Und ter, zählest du Die thränen, die ich weine; Du siehst und wägest meinen schmerz, Und stärkst mit deinem trost mein herz. 7. Laß überall gewissenhaft Nach deinem wort mich handeln, Und stärke mich dann auch mit kraft, Vor 6. Odrück, allgegen- dir getroft zu wandeln. Daß wärtiger, Dies tief in meine du, o Gott! stets um mich seele, Daß, wo ich bin, nur seist; Dies tröst' und befre dich, o Herr, Mein herz meinen geist. zur zuflucht wähle; Daß ich Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes. Mel. Es ist gewißlich an der ze. Darein die fünder kommen. So zeigest du vor aller welt, Daß dir der eifer wohlgefällt, Denman der tugend widmet. 20. Gerechter Gott! vor dein gericht Muß alle Welt sich stellen; Du wirst in ihrem angesicht Auch mir mein urtheil fällen. O laß mich jede sünde scheun, Und ernstlich mein bestreben sein, Vor dir einst zu bestehen. 2. Du siehst von deinem hohen thron Auf alle menschenkinder; Bestimmest jedem seinen lohn, Dem frommen und dem sünder. Nie 5. Doch dem, der dich, siehst du die personen an; o Gott, nicht scheut, Dem. Auf das allein, was wir gethan, Sichst du, gerechter richter! frevelnden verbrecher, Der dein gesetz und recht entweiht, Bist du ein strenger rächer. Verachtung, elend, schmerz und hohn, Gewissensmarter sind sein lohn Oft schon in diesem leben. B 6. 3. Viel gutes und barmherzigkeit Giebst du schon hier den frommen; Du schützest sie vor manchem leid, 4. Ja, Herr, du liebst was recht und gut; Du bist ein freund der frommen. Wer deinen willen gerne thut, Wird von dir aufgenommen; Sein sinn und thun gefällt dir wohl, Ist er gleich nicht, so wie er soll, Ganz heilig, ganz vollkommen. 18 6. Und bleibt auch hier viel ungestraft, Viel gutes unbelohnet, So kömmt ein tag der rechenschaft, Der keines frevlers schonet. Da stellest du ins hellste licht, Wie recht und billig dein gericht; Dann triumphirt der fromme. 7. Gerechter Gott, laß 3. Heilig sollen deine kinmich, wie du, Das gute der, Aehnlich deinem bilde eifrig lieben; Gieb selber mir sein. Nie besteht vor dir die kraft dazu, Es willig 18zuüben. Regt sich die sünde noch in mir, So stärke mich die furcht vor dir, Daß ich sie überwinde. der fünder; Denn du biſt vollkommen rein. Du bist nur der frommen freund; Uebelthätern bist du feind; Wer beharrt in seinen sünden, kann vor dir nicht gnade finden. Erste Abtheilung. 2. Heilig ist dein ganzes wesen, Und kein böses ist an dir. Ewig bist du so gewesen, Und so bleibst du für und für. Was dein wille wählt und thut, Ist unsträflich, recht und gut; Und mit weißheit und mit stärke Wirkst du stets vollkommne werke. 8. Und weil vor dir, gerechter Gott, Nur die allein bestehen, Die gläubig auf des mittlers tod Bei wahrer reue sehen; So laß mich die gerechtigkeit, Die mich von schuld und straf' befreit, Im glauben eifrig suchen. Mel. Freu dich sehr o meine 2c. 21. Gott, vor deffen an gesichte Nur ein reiner wandel gilt, Ew'ges 4. O solaß uns nicht verscherzen, Was dein rath uns zugedacht. Heil'ge selbſt, Herr, unsre herzen! Tödt' in uns der fünde macht. Schwach und sündenvoll sind wir, Das ist offenbar vor dir, Und nur du allein kannst zählen Die gebrechen unsrer seelen. licht, aus dessen lichte Stets 5. Uns von sünden zu erdie reinste wahrheit quillt! Höchster! deine heiligkeit Werde stets von uns gescheut; Laß sie uns doch kräftig dringen, Nach der hei ligung zu ringen. lösen, Gabst du deinen sohn dahin; O so reinige vom bösen Durch ihn unsern ganzen sinn! Gieb uns, wie dein wort verheißt, Gieb uns deinen guten geist, Daß er unjer 19 II. Von den Eigenschaften Gottes. fern geist regiere, Und zu schaff'ne heiligkeit. Mach' allem guten führe. 6. Keiner sündlichen begierde Bleibe unser herz uns deinem bilde gleich; Denn zu deinem himmelreich Wirst du, Herr, nur geweiht; Unsers wandels die erheben, Die im glaugrößte zierde Sei recht- ben heilig leben. Wahrhaftigkeit und Treue Gottes. Mel. Fürwahr, du bist, o Gott 2c. 22. Noch nie haft du dein wort gebrochen, Nie deinen bund, o Gott, verletzt: Du hältst getreu, was du versprochen, Vollführst, was du dir vorgesetzt. Wenn erd' und himmel gleich vergehn, Wird ewig doch dein wort bestehn. 2. Du bist kein mensch, daß dich gereue, Was uns dein wort verheißen hat; Nach deiner macht, nach deiner treue, Bringst du, was du versprichst, versprichst, zur that; Scheint die erfüllung gleich noch weit, So kommt sie doch zur rechten zeit. 3. Und wie du das unfehlbar giebest, Was deine huld uns zugedacht; So wird, wann du vergeltung übest, Dein drohen auch gewiß vollbracht: Wer dich, o Gott, beharrlich haßt, Fühlt deiner strafe schwere laſt. 4. O drücke dies tief in mein herze, Daß es ja jede sünde scheut: Gieb, daß ich nie leichtsinnig scherze Mit deiner strafgerechtigkeit. Nie werde das von mir gewagt, Was dein gesetz mir untersagt. 5. Doch laß mich auch mit festen glauben Dem ausspruch deiner gnade traun. Wer kann den trost uns jemals rauben, Den wir auf dein versprechen baun? Du bist ein fels, dein bund steht fest; Wohl dem, der sich auf Gott verläßt! 6. Laß, seele, laß dich dies beschämen: Vertraue Gott, der trent es meint. Such ihn zum muster auzunehmen, Der wahrheit freund, der lügen feind; Beweise dich als Gottes tind, Dem treu' und wahrheit heilig sind. B2 Mel. 20 Mel. Werde munter, mein 2c. 23, Tren Preu ist Gott! das nehmt zu herzen, Menschen! die ihr jammernd klagt! Hört in allen euren schmerzen, Was sein heilig's wort euch sagt! Er, der seine hand euch reicht, Macht der trübsal last euch leicht, Und das ende bittrer leiden Euch zum anfang ew'ger freuden. 2. Laß dir an der gnade gnügen, Die der Herr dem schwachen schenkt. Nimmermehr wirst du erliegen, Da er gnädig dein gedenkt. Er, der deine thränen zählt, Hat auch schon die zeit erwählt, Da er deine klagen stillet, Und dein herz mit troft er füllet. 3. Heben will er dich und tragen, Wenn du schwach und hülflos bist. Auch des grauen alters klagen Hört Erste Abtheilung. er, der uns nie vergießt. Die verheißung steht noch fest, Daß er fromme nie verläßt; Nie versäumt, auf die zu schauen, Die sich kindlich ihm vertrauen. 4. Nun so ruh in seinen händen, Seele, die du klagſt und wankst! Er wird deine leiden wenden, Daß du ihm noch freudig dankst. Seiner gnaden bund allein Müsse deine stärke sein! Halte nur mit festem muthe Dich zu Gott, dem höchsten gute. 5. Laß mich diese gnad' erreichen, Herr, Gott, meine zuversicht! Mögen doch verzagte weichen; Mein vertrauen weiche nicht! Gott der treue, ich bin dein, Dit wirst mein erretter sein; Wirst mir, wenn mich leiden kränken, Deines trostes labsal schenken. Liebe, Güte und Barmherzigkeit Gottes. Eigene Melodie. 24. Di ir, Gott, dir will ich fröhlich singen, Dir, dessen frende wohlihun ist. Dir will ich dank und ehre bringen, Dir, der du gut und freundlich bist. Ja, Gott, du bist voll huld und tren, Gieb, daß mein herz sich deiner fren'. 2. Dich preisen aller engel heere; Dir singt der ganze himmel dank. Dir, Herrscher, brausen wind und II. Von den Eigenschaften Gottes. und meere, Ihr brausen ist dein lobgesang. Die ganze schöpfung ruft mir zu: Es ist ein Gott! und der bist du. 3. Du, unser Gott, bist hoch zu loben; Denn nichts gleicht deiner mildigkeit. Du, hoher schöpfer, blickst von oben Auf der geschöpfe dürftigkeit. Kein wurm kriecht unbemerkt dahin; Du siehst, du nährst, du schützest ihn. 4. Dirhast, o vater! mein gemüthe Durch manche wohlthat schon erfreut. Ogieb mir auch, nach deiner güte, Den trieb zur frohen dankbarkeit, Damit der geist, der in mir ist, Froh rühme, daß du gütig bist. 5. Wer schuf den geist und seine kräfte, Gedächtniß, willen und verstand? Wer segnet mein berufsgeschäfte? Wer stärkt die arbeitsame hand? Wer schenket mir den edlen freund, Der treu mit mir im fummer weint? 6. Wer wog so weislich meine leiden Mir nach dem maaß des glaubens zu? Wer wechselte sie bald mit frenden? Wer gab in ihnen trost und ruh? Wer schüßte mich vor der gefahr, Die unge sehn mir nahe war? 21 7. Wer fristet meine lebenstage? Wer schmückt und krönet sie mit heil? Thut's nicht mein Gott? drum seele, sage: Gott, ewig bleibest du mein theil! Bon ganzen herzen liebst du mich, Bon ganzem herzen preis' ich dich. 8. Dir will ich ferner auch vertrauen; Denn stets haft du mir wohlgethan. Ich will auf dich mit glauben schauen; Sieh' mich mit vaterblicken an: So geh' ich ruhig durch die zeit, Mit freuden hin zur ewigkeit. Mel. Ist auch ein Gott? wer ze 25. Jauchzt ferm unserm Gott! er ist von großer güte, Barmherzig, und von duldendem gemüthe; Will denen heil und ew'ge Lust bescheeren, Die ihn verehren. 2. Er handelt nicht mit uns nach unsern sünden, Und läßt verschonend uns das nicht empfinden, Was wir, weil wir ihm unser herz nicht gaben, Verschuldet haben. 3. Hoch ist der Himmel über seiner erde, So groß ist auch, daß er geliebet werde, Die huld des Herrn bei 22 bei denen, die ihn lieben, Und gutes üben. 4. So zärtlich sich ein vater seiner finder Erbarmet, so erbarmt sich Gott der fünder, Wenn sie von herzen sich zu ihm bekehren, Ihm treue schwören. Erste Abtheilung. 2. Wie schön, wie würdig seiner macht Sind aller himmel heere! Wie strahlen sie voll licht und pracht Dem, der sie schuf, zur ehre! Das auge sieht sich nimmer satt; Sieht, was es auch geſehen hat, Doch immer neue wunder. 3. Nicht wunder für das aug' allein Auch wunder für die seele: Damit es ihr, sich zu erfreun, An keiner schönheit fehle. Wie kunstvoll ändert. Gott sie ab; Dem mangelt, was er andern gab: Und doch ist jedes herrlich. 4. Wo ist ein gras, wo nur ein blatt, Ein stäubchen auf der erde, Wodurch nicht Gottes weiser rath Und huld verherrlicht werde? O wie ist seine macht so reich! Mensch, was ist deiner trägheit gleich, Wenn du nicht siehst, nicht fühleſt? 5. Gab diese macht, die schöpferin Der schönheit und 26. Lobfinge Gott, und des lebens, Dir deinen geiſt, bet ihn an, Mein ganzes herz! lobsinge Dem Gott, der alles weiß und kann, Dem Schöpfer aller dinge; Wie groß, wie stark ist seine kraft; Wie herrlich, wie untadelhaft Sind alle seine werke! so manchen sinn, So viel gefühl vergebens? Für wen, für wen, als dich, erschafft, Erhält und schmücket seine kraft, So vieler wefen arten? 6. Dein Gott bedarf, nichts; seine hand, Die feine 5. Er schlägt und heilt, verwundet, läßt genesen; Er weiß, der mensch ist ein zerbrechlich wesen; Er denkt daran, daß das geschöpf aus erde Doch asche werde. 6. Von ewigkeit zu ewig keiten währet, Die güte Gotteß dem, der tugend ehret, Ach! leite denn auch mich auf deinem pfade, Du Gott der gnade! 7. So werd' ich ewig dei ner huld genießen, So wird mein leben sanft vor dir verfließen: So werd' ich dort mit allen engelchören Dich fröhlich ehren. Mel. Wenn ich, o Schöpfer, oder Sei lob und ehr' dem 2. II. Von den Eigenschaften Gottes. 23 seine schöpfung schmückte, Mel. Nun lob' mein seel' 2c. Gab dir empfindung und 27. Gott! du bist verstand, er dich beglückte. Willst, du mein geist, nicht glücklich sein? Willst du nicht gern dich immer freun, Dich dein nicht würdig freuen? die liebe, wohlzuthun ist deine lust; D'rum preißt mit frohem triebe Dich unsre dank erfüllte brust. Wie so gar ohne grenzen Ist deine gütigkeit! So weit die himmel glänzen, Uebst du barmherzigkeit. Du siehst mit wohlgefallen Auf das, was du gemacht; Und haft auch uns, uns allen Viel gutes zugedacht. 7. O warum suchest du dein glück, Im eitlen dienst der sünden? Wirf auf die schöpfung einen blick, Um beßre lust zu finden! Genieß, dein vater sieht es gern, Genieß die freuden deines Herrn, Mit dankbar frohem herzen. 8. Er pflanzte ja in deine brust, Die sehnsucht nach vergnügen: Er schuf auch quellen, die voll lust Stets fließen, nie versiegen. Gieb nur auf seine werke acht; Wohlthätig ist des schöpfers macht. Kann dir's an frende man geln? 2. Uns ewig zu beglücken, Erschufst du uns und deine welt, Die hier schon zum entzücken So viele wunder in sich hält; Noch größrer güte proben, Hat für uns deine Hand im Himmel auf gehoben, Der womne vaterland. Dahin uns zu erheben Sandt'st du den sohn herab, Der huldreich selbst sein leben Für uns verlorne gab. 9. Dir wohlzuthun, daß ist ihr ziel, Laß dich zum dank erwecken. O! hättest du mur g'nug gefühl, Wie gut Gott ist, zu schmekken. Ist seiner wohnung vorhof schon So schön, wie wird dich einst sein thron, Wie er dich selbst entzücken! 3. Mit jedem neuen morgen Ist immer deine güte neu; Und allen unsern sorgen Kommst du zuvor mit vatertren'. Du, ursprung aller gaben, Du weißt, was uns gebricht, Und was wir nöthig haben, Versagst du keinem nicht. Wie sind doch uns're tage Von deinem wohl 24 wohlthun voll! Selbst ihre last und plage Lenkst du zu unserm wohl. 4. Wer sollte dich nicht lieben? Du hast uns ja zuerst geliebt, Und bist stets treu geblieben, Wie viel wir wider dich verübt. Mit gnaden uns zu seguen, Ist ewig deine lust; Mit dank dir zu begegnen, Sei stets auch unfre lust! Zu ehren deinen wil len Uns selbst zum glück und heil, Ihn freudig zu erfüllen, Sei unser bestes theil. Erste Abtheilung. 5. Wer hier auf seinen wegen Dein wort vor augen hat und hält Den setzest du zum segen, In dieser und in jener welt. Du schaffst ihm selbst aus leiden Den herrlichsten gewinn, Und führest ihn zu freuden, Die ewig währen, hin. Wie groß ist deine güte! Mich ihrer stets zu freun, Laß, Gott, auch mein Gemüthe Voll liebe zu dir sein. Mel. Dir, Gott, dir will ich se. 28.So weit, Herr, deine himmel reichen, Neicht deine huld, die uns erhält. Eh' werden berg' und hügel weichen, Als deine gnade wankt und fällt. Gleich mächtigen gebirgen steht, Die heiligkeit, die dich erhöht. 2. Gott, dir ist kein geschöpf verborgen, Du läfsest keines aus der acht; Du würdigst jedes deiner sorgen, Und bist auf aller wohl bedacht. Vom menschen bis zum kleinsten thier, Dankt alles seine hülfe dir. 3. Mit frommem, freudigem gemüthe Erheb' ich, Gott der gnade dich! Wie thener ist doch deine güte! Wie liebst du uns so väterlich! So weit wir ohne furcht und graun, Stets deinem schutz und segen traun! 4. Mit welchem reichen überfluße Erfüllst du dieſe welt, dein haus! Du theilst ihn allen zum genusse, Zur sättigung und freude aus; Und jedes lebens quelle fließt Aus dir, der du das leben bist. 5. O unerschaffner geiſt, wir schauen, In deinem lichte nur das licht. Entzeuch den deinen, die dir trauen, Dein gnadenvolles antlitz nicht! Gott, deine huld sei über die, Die dich verehren! segue sie! In Eigener Melodie. 29. Wie groß iſt des allmächtgen gü-te! 25 II. Von den Eigenschaften Gottes. te! Ist der ein mensch, den herz geschrieben; Sein wort sie nicht rührt, Der mit verhärtetem gemüthe Den dank erstickt, der ihm gebührt? Nein, seine liebe zu ermessen, Sei ewig meine größte pflicht; Der Herr hat mein noch nie vergessen, Vergiß, mein herz, auch seiner nicht. bestärkt ihn ewiglich: Gott soll ich über alles lieben, Und meinen nächsten so, wie mich. So 5. Dieß ist mein dank; dieß ist sein wille, Ich soll. ganz liebe sein, wie er. lang' ich dies gebot erfülle, Stell' ich sein bildniß in mir her. Lebt seine lieb' in meinerseele, So treibt sie mich zu jeder pflicht; Und ob ich schon aus schwachheit fehle, Herrscht doch in mir die sünde nicht. 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit langmuth mich geleitet? Er, dessen rath ich oft verwarf. Wer stärkt den frieden im gewissen? Wer giebt dem geiste neue kraft? Wer läßt mich soviel glück genießen? Ist's nicht sein arm, der alles schafft? 6. O Gott, laß deine güt' und liebe Mir immerdar vor augen sein. Sie stärk' in mir die guten triebe, Mein ganzes Leben dir zu weihn; Sie tröste mich in noth und schmerzen, Sie leite mich zur zeit des glücks; Und sie besieg' in meinem herzen Die furcht des letzten augenblicks. 3. Blick, o mein geist, in jenes leben, Für welches du erschaffen bist; Wo du, mit herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du hast ein recht zu diesen freuden; Durch Gottes güte ſind ſie dein. Sich! darum mußte Christus leiden, mit du könntest selig sein. Da4. Und diesen Gott sollt ich nicht ehren? Und seine güte nicht verstehn? Er sollte rufen, ich nicht hören? Den weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein will' ist mir ins mel. Herr Jesu Christ, du h., od. Wenn ich, o Schöpfer 2. 30. Wie viele frenden dank' dir, Die du mir, Herr, verliehen, Und wie viel fünden haft du mir Aus gnaden schon verziehen! O Gott von langmuth und geduld! Ach, dennoch häuf ich meine schuld, Und deine liebe währet! 2. 26 Erste Abtheilung. 2. Bedenk ich, schöpfer! welt vergeht mit ihrer luft; deine macht, Blick' ich in Wenn du mur Gottes wiljene ferne, Und überschau len thust, Soll dein glück des himmels pracht, Und ewig dauren. sonne, mond und sterne; So bet' ich dich voll ehrfurcht an; Was ist der mensch, ruf ich alsdann, Daß du dich sein erbarmest! 4. Wenn ich erwache, denk ich dein, Und wenn ich schlafen gehe: Denn du, mein vater, kannst verleihn, Um was ich kindlich flehe; Drum fleh' ich glaubensvoll zu dir: Herr, was mir niget, schenke mir Um deiner 3. Du, höchster, siehst auf ihn herab; So geht er nicht verloren; Nicht für die welt, nicht für das grab, güte willen. Ist er allein geboren: Die Geduld und Langmuth Gottes. Mel. Ein lämmlein geht und zc. 31. Gott, wie viel lang muth und geduld Beweisest du uns armen; Bereit, auch bei gehäufter schuld, Dich unsrer zu erbarmen; Ach, wie so mancher sünder lebt Nur wie ihn lüstet, sinnt und strebt Dir immerdar entgegen! Und du, o vater, suchest ihn Von seinen fünden abzuziehn, Zur reu' ihn zu bewegen! 2. Der menschen elend jammert dich, Auch wenn sie sich verstocken. Auch dann noch suchst du väterlich Zur beßrung sie zu locken. Wie lange, Gott, verschobst du 4. So gnädig, Herr, er nicht Der sündfluth schreckli- barmst du dich Selbst unbieg ches gericht Und deines volkes strafen! Wie lange gingſt du ihm nicht nach, Eh' der verwerfung fluch und schmach Die undankbaren trafen! 3. Wem giebst du nicht zur buße raum, Dem fluche zu entgehen? Unfruchtbar bleibt so mancher baum, Und bleibt doch länger stehen. Du wartest ihn umsonst, und doch Pflegst du des baumes immer noch, Verziehst, ihn abzuhauen. O! was für langmuth und geduld! Wer kann die tiefe deiner huld, Wer kann sie ganz durchschauen! Univ.- Bibl. Giessens 27 II. Von den Eigenschaften Gottes. biegsamer fünder! Wie zärt- Durch Christum zu vergelich und wie väterlich Ver- ben; Und stehn sie auf, wie schonst du deine kinder! Läßt feuert dann Dein geist zur ihrer tugend eifer nach, Und werden sie im glauben schwach, Und träg' in guten werken: So jammerts dich, du denkst daran, Wie leicht ihr herz sie täuschen kann, Und eilest, sie zu stärken. that den willen an, Unsträflich nun zu leben! 5. Du warnst sie vor des fall's gefahr, Noch eh' sie irre gehen: Gefall'nen reichst du stärke dar, Gleich wie der aufzustehen. Du lockest fie voll lieb und huld, Verheißest ihnen ihre schuld 6. Olangmuth, der nichts gleichen kann, Gedenke stets der fünder! Nimm mit geduld dich ihrer an, Wie deiner schwachen kinder! Ach keiner häufe schuld auf schuld Durch kühnen mißbrauch deiner huld! Laß uns das. böse hassen, Daß alle sich, durch dich erneut, Den reichthitm deiner gütigkeit Zum himmel leiten lassen. III. Von der heiligen Dreieinigkeit. In eigener Melodie. und mit güte. Unendlich 32. Allein llein Gott in der groß ist deine macht, Und höh' sei ehr', Und stets geschieht, was du bedank sei seiner gnade! Er dacht. Wohl uns, daß du sorget, daß uns nimmer- regiereſt! mehr Gefahr und unfall schade. Uns wohlzuthun ist er bereit; Er will nur unsre seligkeit. Erhebet ihn mit freuden. 3. O Jesu Christ, des höchsten sohn! Dich, seinen eingebornen, Dich sandte Gott vom himmelsthron Zur rettung der verlornen. Du mittler zwischen uns und Gott, Hilf uns im leben und im tod; Erbarm' dich unser aller! 2. Ja, vater, wir erheben dich Mit freudigem gemüthe. Du herrschest unveränderlich Mit weisheit 4. 28 Erste Abtheilung. 4. O heil'ger geist, du fünder mit geduld Auf deigeist von Gott, Erleuchte, nen väterlichen armen, Mit beßre, tröste, Die Jesus liebevollem erbarmen: VerChrist durch seinen tod Zum kürzest unsre prüfungszeit, dienst des Herrn erlöste. Auf Und führest uns zur seligkeit. deinen beistand hoffen wir; Du überschüttest uns mit Ach leit' uns stets, so sind wir freuden, Und schickst zu unhier Und auch einst ewig selig. serm heil uns leiden, Du gnädiger! du gnädiger! 4. Lob, ehr' und preis, Mel. Komm heilger geist 2c. 33. Lob, preis und ehre bringen wir, Herr, unser Gott und vater, dir! Dein ruhm soll unter uns erschallen. Laß unser lob dir gefallen! Laßt, menschen, seiner lieb' uns freun. Und ewig, ewig dankbar sein! Lobsingt ihm, christen, unfre brüder, Fallt vor dem Gott der liebe nieder, Und betet an! und betet an! 2. Er hieß uns leben! wir sind sein, Du bist die lieb, und wir sind dein! Wie groß und viel sind deine werke, Du Gott der macht und der stärke! Dein ist der erdkreis, und in dir, O höchster, sind und leben wir! Du, Herr, erschufft der engel heere! Uns auch erschufst du, dir zur ehre, Uns sterbliche, uns sterbliche. 3. Herr, du gedenkst nicht unsrer schuld, Und trägst uns sohn Gottes, dir! Berlorne sünder waren wir; Du bist am freuz für uns gestorben, Hast ew'ges heil uns erworben. Wer dir nachfolgt, und an dich gläubt, Und in versuchung tren dir bleibt, Der soll, befreit vom fluch der sünden, Erbarmung, ruh und leben finden, In ewigkeit, in ewigkeit. 5. Gelobet seist du, geiſt des Herrn! Wir waren einſt von Christo fern. Entfernt von dir und von dem leben, Mit finsternissen umgeben. Du hast, durch deines wortes macht, Auch uns zum wahren licht gebracht; Du lehrſt uns leben, hilfft uns sterben, Und weihest uns zu himmelserben Durch Christi tod, Durch Christi tod. 6. Lob, preis und ehre bringen wir, Gott, Bater, Sohn und geist, nur dir! III. Es müsse jedes den Mit deinem ruhm erfüllet werden. Wie selig, wie begnadigt ist Ein volk, deß zuversicht du bist! Allmächtger! deinem großen namen Sei ewig ruhm und ehre! amen! Sei, Gott, gelobt! sei, Gott, gelobt! Von der heiligen Dreieinigkeit 29 land aufer- kraft ihn auszurüsten! Du machst uns gläubig, weis' und rein. Hilfst uns getrost und siegreich sein Im streit mit unsern lüsten. Leit' uns, Stärk' uns, In der frende, Wie im leide, Gott ergeben Und der tugend tren zu leben. In eigener Melodic. 35. Mir glauben an den ein'gen Gott, Schöpfer himmels und der erden. Er, aller, vater, unser Gott, Hieß uns seine kinder werden. Er will uns auch stets ernähren, Jedes wahre gut gewähren. Er erwog schon, eh' wir waren, Unfre rettung in gefahren. Er ist's der für uns sorgt und wacht, Und alles steht in seiner macht. Mel. Wie schön leucht' uns 2c. 34. obfinget Gott! dank preis und ehr' Sei unserm Gott je mehr und mehr Für alle seine werke! Von ewigkeit zu ewigkeit Lebt er und herrschet weit und breit Mit weisheit, güt' und stärke. Singet, Bringet Frohe lieder! Fallet nieder! Gott ist herrlich; Unaussprechlich groß und selig. 2. Lobsinget Gott! dank, preis und ruhm Sei von uns, deinem eigenthum, Herr Jesu, dir gesungen. Du mittler zwischen uns und Gott, Hast, durch gehorsam bis zum tod, Das leben uns errungen. Heilig, Selig, 3st die freundschaft Und gemeinschaft Aller frommen, Die durch dich zum vater kommen. 3. Lobsinget Gott! du geift des herrn, Sei nie von unserm geiste fern, Mit 2. Wir glauben auch au Jesum Christ, Gottes Sohn, den eingebornen, Den Herrn, der mensch geworden ist, Denerretter der verlornen. Er, er achtete sein leben, Nicht zu theu'r, für uns zu geben. Er erstand, herrscht hoch erhöhet, In dem reich, das nie vergehet, Er läßt auch uns im grabe nicht, Und kommt dereinst zum weltgericht. 3. Wir glauben an den heil'gen geist, Unsern göttlichen 30 Erste Abtheilung. lichen regierer, Den Jesus lehrt, vergebung finden, Und Christus uns verheißt, Uns zum beistand und zum führer. Der in trübsal seine christen Eilt mit muth und trost ins herz. kraft zu rüsten; Der uns IV. Von der Schöpfung. Mel. Gott werde stets von, oder Dir Gott, dir will ich zc. 36. Beherrscher Veherrscher him mels und der erden, Der du allgegenwärtig bist, Von niemand kannst begriffen werden, Vor dem kein ding verborgen ist: Ach ziehe mein gemüth zu dir, Und offenbare dich in mir! 2. Wohin ich herz und augen lenke, Da find' ich deiner gottheit spur. Wenn ich voll andacht überdenke Dein werk, die herrliche natur; So ruft sie nah und fern mir zu: Wie groß ist Gott, wie klein bist du! der tugend werth empfinden. Er flößet uns im todesschmerz Des ew'gen lebens 3. Uns zeigen alle elemente, Wie weiß' und gut der schöpfer sei; O wenn 4. Herr, Gott, wie groß ist deine liebe! Die erd' ist deiner güte voll. Verleih mir deines geistes triebe, Dich zu erkennen, wie ich soll. Nimm, was ich kann und hab und bin, Zu deinem dienst auf ewig hin. 5. Hilf, daß die güter dieser erden Mich zu dir locken, höchstes gut! Daß sie mir nicht zum fallstrick werden, Und ihr genuß mir schaden thut. Laß allen mißbrauch ferne sein! Mein letztes ziel sei du allein. 6. Hier ist mein leben eine reise, Hier geht mein weg zur andern welt; Drum mache du mich fromm und weise, Daß ich hier thu', das stumme reden könnte, was dir gefällt; Und end' Es stimmte der ermuntrung bei: ich diesen kurzen lauf, So Rühmt, menschen, nimm zu deiner ruh mich Gottes güt' und macht, Die auf. euch und uns hervorgebracht! Mel. IV. Von der Schöpfung. 31 Mel. Nun jauchzt dem Herrn zc. Mel. Wachet auf! ruft uns 2C. 37. We zückt mein ange enn och ent 38.11nser Gott ist groß und mächtig, sieht, Wie schön, die erde Und seine schöpfung schön Gottes blüht, Wie jedes und prächtig, Voll weißwesen so vergnügt, In ih- heit und vollkommenheit. rem mutterschooße liegt; Oihr, seiner allmacht heere, Hoch in den himmeln, tief im meere, Preis't unsers Gottes herrlichkeit! Sein kleid ist reines licht, 2. Und sie voll holder freundlichkeit, Sich jedes ihrer finder freut, So mütterlich sie alle liebt, Und milde nahrung jedem giebt; Er hält im gleichgewicht 3. Wie groß und schön, in himmelspracht, Ihr volles blühend antlig lacht; Und wie in steter jugendkraft, Sie rastlos waltet, wirkt und schafft; 4. Dann fühl' ich mich erweckt zum dank, Zu rühmen den mit preisgesang, Deß wundervoller allmachtsruf Auch diese erde schön erschuf! 5. Der gras und wald drauf wachsen ließ, Von strömen sie durchwässern hieß; Von dem der segen alle quillt, Der ihren reichen schooß erfüllt! 6. Drum, o mein geist, erheb' ihn laut, Der diese welt so schön erbaut! Er fren', so lang' es ihm gefällt, Dich immer dieser schönen welt. Ganze welten. Der wesen heer, Das weite meer, Den engel und den wurm schafft er. 2. Allmacht sprach zum nichts: es werde! Da trat die anmuthsvolle erde Vor ihren schöpfer, aufzublühn. Allmacht spricht, so stürzen welten, Die berge fliehn vor ihrem schelten, Und fahren vor dem donner hin. Er hat wie ein gewand, Die himmel ausgeſpannt. Durch ihn gehet, So wie ein held Aus dem gezelt, Die sonne und erfreut die welt. 3. Er, der auf den winden schwebet, Er schaut die erde an, sie bebet; Er rührt den sandberg an, er raucht; Speis't den vogel, nährt die heerde, Erneuert die gestalt der erde, Erfreut, was in ihr lebt und haucht. Mit 32 Erste Abtheilung. Mit milder freundlichkeit Sollt' ich schon jetzt voll mißGiebt er zu seiner zeit Allen speise, Liebt und erhält Die schöne welt, Und tränkt die thiere auf dem feld'. muth zagen? Nein, meine seele, tröste dich! Tran deinem Gott! auf ihn Wirf alle sorgen hin! Er wird sor gen, Er, der mich hört, Mein flehn erhört, Und was mir gut ist, gern gewährt. 4. Kräuter schuf er, uns zu heilen, Den mond, das jahr darnach zu theilen, Der sonne licht zur fruchtbarkeit. Gott ist gnädig, Gott regieret, Wenn er die flur mit blumen zieret, Und seine junge saaten streut. Der wallfisch und der wurm, Der blüthenduft und sturm Zeugt vom höchsten. Der tag, die nacht Rühmt seine macht, Rühmt, daß er stets allmächtig wacht. 5. Gott voll weisheit, Gott voll stärke, Wie groß und viel sind deine werke, Wie voll von gütern ist das land! Schiffe gehn in wei= 39. Auf und laßt uns ten meeren, lobsingen, von den frohen heeren Der thiere, zahllos wie der sand. Mit mannichfaltigkeit, Mit regelmäßigkeit, Prangt die erde, Mit reiz geschmückt, Wohin entzückt Mein aug' auf deine wunder blickt. 7. Dank und ehre Gott zu bringen, Mein lebenlang dem Herrn zu singen, Soll meine höchste freude sein! Laut foll ihm mein lob erschallen; Mein opfer wird ihm wohlgefallen; Gerührt will ich mich seiner freun. Sein lob ist seligkeit! Zu himmelsglück ernent Werd' ich dereinst Bei engeln stehn, Entzückt ihn sehn, Dann ewig seinen ruhm erhöhn. In voriger Melodie. 6. Der vergänglich gras bekleidet, Die fische fähret, lämmer weidet, Gott forgt als vater auch für mich. Für mein loos von fernen tagen Und ruhm und dank dem Schöpfer bringen! Sein, sein ist weisheit, huld und macht. Ihm, der alles hieß entstehen, Die erde und der himmel höhen, Ihm werde Lob und preis gebracht! Wer ist dem höchsten gleich? Er hat sein weites reich Sich bereitet; Er schuf die welt, Die er erhält. Es rühm', es preis' ihn seine welt! 2. IV. Von der Schöpfung. 2. Seiner seligkeiten fülle Auch mitzutheilen, war sein wille; Und was er wollte, das geschah. Er gebot all mächtig: werde! Da stand der himmel und die erde Zum preise seiner güte da. Der allmacht erster sohn, Der engel, jauchzte schon Seinem schöpfer; Doch wars noch nicht Auf erden licht. Er sprach: es sei; da ward es licht: 33 5. Grünend stehn nun diegefilde; Wie wimmelt es vom vieh und wilde In jedem wald, auf jeder flur! Wer bevölkerte die erde Mit einer so unzählbarn heerde Von thieren? er der höchste nur. Was sich auf erden regt, Sich fühlt und sich bewegt, Quell des lebens! Das kommt von dir. Vom wurm zum thier Dankt alles, Herr, sein Leben dir. 3. Alles orduet er auf's 6. Ja, auch wir, du Gott beste, Und wölbte oben eine der stärke! Auch wir sind veste, Und unter ihr der wol- deiner hände werke: Welch ken heer. Wasser deckt der hoher dank gebührt nun dir! erde höhen: Er donnert, sei-. Laßt uns, sprachst du, menne winde wehen, Es flieht schen schaffen, Ein bild von und decket sie nicht mehr. So bricht er seinen lauf! Enthüllt steigt mum herauf Seine erde, Sein eigenthum, Zu seinem ruhm, Einst auch des sohnes eigenthum. 4. Er gebeut: der erdefelder Und hügel, thäler, berg' und wälder, Blühn fruchtbar durch sein wort voll macht. Seine sonn in hoher ferne Regiert den tag: und mond und sterne Regieren stiller in der nacht. Er spricht: da füllt das meer Ein tausendfältig heer, Ihm zum preise. Auch singt und ruft Das Volk der luft Zu dem, der es zum leben ruft. uns, nach uus geschaffen! Und Adam ward, mit ihm auch wir. Welch seliger beruf, Dazu dein arm uns schuf! Gott der liebe! Wir sollen dein Uns ewig freun, Und deinem bilde ähnlich sein. 7. Ewig wollen wir lobsingen, Und ewig frohen dank dir bringen, Der uns zu seinem bild gemacht. Zum unsterblich frohen leben Haft du das dasein uns gegeben. Auf ewig sei dir preis gebracht! Du schufest deine welt, Die noch dein arm erhält, Uns zur wonne! Allgüt'ger, dir Frohlocken wir CS schon Erste Abtheilung. 34 Schon jetzt, und einst noch mehr als hier. In eigener Melodie. 40. W enn ich, o schöpfer! deine macht, Die weisheit deiner wege, Die liebe, die für alle wacht, Anbetend überlege: So weiß ich, von bewundrung voll, Nicht, wie ich dich erheben soll, Mein Gott, mein Herr und vater! 2. Mein auge sieht, wohin es blickt, Die wunder deiner werke. Der himmel, prächtig ausgeschmückt, Preist dich, du Gott der stärke! Wer hat die sonn' an ihm erhöht? Wer kleidet sie mit majestät? Wer ruft dem heer der sterne? 3. Wer mißt dem winde seinen lauf? Wer heißt die himmel regnen? Wer schließt den schooß der erde auf, mit vorrath uns zu segnen? Gott der macht und herrlichkeit, Gott, deine güte reicht so weit, So weit die wolken reichen! 4. Dichpredigt sonnenschein und sturm, Dich preist der sand am meere. Bringt, ruft auch der geringste wurm, Bringt meinem schöpfer ehre! Mich, ruft der baum in seiner pracht, Mich, ruft die saat, hat Gott gemacht: Bringt unserm schöpfer ehre! 5. Der mensch, ein leib, den deine hand, So wunderbar bereitet; Der mensch, ein geist, den sein verstand Dich zu erkennen leitet; Der mensch, der schöpfung ruhm und preis, Sst sich ein täglicher beweis Von deiner güt' und größe. 6. Erheb' ihn ewig, o mein geist! Erhebe seinen namen! Gott, unser vater, sei gepreist, Und alle welt sag': amen! Und alle welt ehr' Gott den Herrn, Und hoff' aufihn, und dien ihm gern! Wer wollte Gott nicht dienen? V. Von der Vorsehung. Mel. Herr Jesu Christ, du b., od. Hand Mein wesen mir beSei lob' und ehr' dem zc. 41.De er du durch dei- reitet, Und da schon, eh' ner allmacht ich dich gekannt, Mit güte mich V. Von der Vorschung. 35 mich geleitet; Der dit er heil, mein trost, mein Gott. hältst, was du gemacht; Mein schöpfer, dank sei dir gebracht Für deine macht und güte. Dir treu zu sein bis in den tod, Sei meines herzens freude. Mel. Ist auch ein Gott 2c. 2. 3u meinem glücke leb? 42. Dein reich, o Gott, ewig ich hier; Denn du gabst mir dies leben. Ja, was ich habe, gabst du mir; Von dir ward mir gegeben Verstand, geschmack, gehör, gesicht, Geruch, gefühl; mir fehlt es nicht An proben deiner liebe. währen Dein reich und deine macht, die dich verklären, Und ewig wird von aller völker zungen Dein lob besungen. 2. Der Herr bewahret alle, welche fallen; Der höchste hilft den unterdrückten allen; Ist stets bereit, mit segen, die ihn bitten, zu überschütten.. 3. Nach dir, Gott, schauen aller menschen blicke, Daß deine hand sie väterlich erquicke: Du giebst auch einem jeden seine speise, Daß er dich preise. 3. Du leitest mich nach deinem rath, Bei drohenden gefahren; Dein engel muß auf meinem pfad Vor unfall mich bewahren. Zu meinem dienst war alles da, Schon eh' ich diese welt noch sah. Wie groß ist deine güte! 4. Nie ist der mensch, der staub, es werth, Daß du, Herr, sein gedenkest, Daß du, da er dich oft entehrt, 3hm so viel gutes schenkest. O sähe doch der mensch dieß ein! Möcht' er dafür dir dankbar sein, Und dir zum dienst sich weihen. 5. Herr, lehre du mich, wie ich soll Für deine huld dich preisen; Und ewig, dei ner liebe voll Gehorsam mich beweisen. Du bist mein 4. Herr, du erhältſt mit deinem wohlgefallen, Was lebt; thust deine hand auf und giebst allen, Was sie bedürfen; keiner sucht vergebens, Dich, quell des lebens! 5. In allen wegen Gottes strahlet gnade, Untadelhaft sind alle seine pfade, Und was er thut, gereicht. zu seinem preise, 3st gut und weise. 6. Der Herr behütet alle, € 2 die 36 Erste Abtheilung. die ihn lieben, Und ernstlich zweck verfehlen; Sein ráth sich im wahren guten üben! Er thut, was diese, die ihn so verehren, Mit recht begehren. ist weise, heilig, gut, Das beste zu erwählen. 7. Der Herr beglücket alle, die ihn lieben; Die aber, die betrug und frevel üben, Verstößt er, bis er alles das vollführet, Was sich gebühret. 8. Auf ewig will ich seinen namen loben. Von al len menschen werde Gott erhoben! Was lebet, müsse, Herr, zu allen zeiten Dein lob ausbreiten. Mel. Ich dank' dir schon 2c. 43. Preißt, menschen preißt den Herrn der welt! Seh't seiner vorsicht spuren Auf berg, im thal, im wald und feld, Auf wiesen und auf fluren. 2. Durch seine macht, die alles schafft, Erhält, belebt, regieret, Steht alles da; durch seine kraft Wird alles ausgeführet. 3. Nichts läßt er durch ein ohngefähr, Nichts ohne zweck geschehen; Sein wink ruft die geschöpfe her: Sein wink läßt sie vergehen. 4. Und nichts von allem, was er thut, Kann seinen 5. Er, er vertheilt der kräfte gang; Sn menschen, thieren, pflanzen Herrscht ordmung und zusammenhang, Zum sichern wohl des ganzen. 6. Der welten schöpfer, der erhält Den himmel und die erde; Und alles zeuget, daß die welt Nie leer an segen werde. 7. Uns bringt zum fröhlichen genuß, Das ährenfeld getreide: Dem vieh giebt Gott in überfluß Der fräuter fette weide. 8. Er machet, daß die saat gedeiht, Ihr saame sich vermehret, Und daß uns die Natur erfreut, Die alle wesen nähret. 9. Die dürren felder tränfet er Mit thau und mildem regen; Der donner kracht und rollt daher, Und bringt den Menschen segen. 10. Sa, groß ist Gottes gütigkeit, Die alles fröhlich machet, Wenn die Natur den reiz ernent, Im frühling froh erwachet. 11. Auch mich führt Gott mit vaterhand, Er lenkt, was mir begegnet; Giebt, was er V. Von der Vorschung. er für mich nützlich fand, Er ist es, der mich segnet. 12. Nun darf ich selbst in noth und schmerz Aus unmuth nicht verzagen; Gott tröstet mein betrübtes herz, Er stillet meine klagen. In eigener Melodie. 44. Fürwahr, du bist, o Gott, verborgen! Dein rath bleibt für uns wunderbar. Umsonst sind alle unsre sorgen; Dufsorgtest, eh' die welt noch war, Für un ser wohl schon väterlich, Dieß sei genug zum troft für mich. 2. Dein weg ist zwarin finsternissen Vor unsern augen oft versteckt; Doch wenn wir erst den ausgang wissen, Wird uns die ursach auch entdeckt, Warum dein rath, der niemals fehlt, Den uns so dunkeln weg gewählt. 3. Nie sind die tiefen zut ergründen Von deiner weisheit, macht und güt'; Du kannst viel tausend wege finden, Wo die vernunft nicht einen sieht. Aus finsterniß bringst du das licht; Dut sprichst, o Gott! Und es geschicht. 4. So weicht denn, ängstliche gedanken; Gott kann weit mehr, als ihr versteht. 37 Bleibt, seele! in der demuth schranken: Die demuth wird von Gott erhöht. Ja, Herr! du liebst den, der sch liebt, Und deiner führung ich ergiebt. 5. Drum will ich miasir überlassen, Mit allem, we ich hab und bin. Ich werfe, was ich nicht kann fassen, Auf dich, den Gott der liebe, hin; Der ausgang zeigt doch immerdar, Daß stets dein rath voll güte war. 6. Gieb, daß dies mein vertrauen mehre, Jm glück und unglück, frend und leid. Schick alles, Herr! zu deiner ehre Und meiner seelen seligkeit; So preis ich einst vollkommen dich, So freu ich dein auf ewig mich. Eigene Mel. od. Bater unser im 2c. 45. Gott, deine weiſe macht erhält Die ganze lebenvolle welt, Und alle wesen freuen sich, Und warten hoffnungsvoll auf dich, Auf dich, der du sie alle liebst, Und allen ihre speise giebst. 2. Du öffnest deine hand, so fließt Herab was jedem nöthig ist. Du, Herr des lebens, sättigst sie. Dein vaterherz vergißt sie nie. Nie sind geschöpfe deiner hand Erste Abtheilung. 38 hand Dir unwerth oder unbekannt. gaben mich erfreun, Mehr aber deiner, der du dich So gütig zeigest gegeu mich,' Der du des lebens quelle bist, Aus welcher alle wohlthat fließt. 8. Bei deiner gaben überfluß, Laß mäßig sein mich im genuß: Bewahre mich ater sorgt so väterlich Für vor dürftigkeit, Und schenke seinen sohn, als du für mich. 3. Auch mir gabst du, mein Her und Gott, Gesundheit kräfte, täglich brod, Sabst mir's mit huld und freundlichkeit, Seitdem ibin, zur rechten zeit. Kein 4. 3ch bin's gewiß, du kannst mich nicht Verlassen, meine zuversicht! Ich bin's gewiß, du thust mir wohl, So lang' ich hier noch leben mir zufriedenheit. Du nährst mich immer; preis und dank Bring' ich dir, Gott, mein lebenlang. Mel. Christus der ist mein 2c. soll. Nicht überfluß bitt' 46. Wenn dich in dunklen tagen Geheimer kummer drückt, Und in verschwiegnen klagen Dein auge aufwärts blickt. ich von dir; Was ich bedarf, das gibst du mir. 2. Wenn dann kein licht hernieder In deine seele fällt; So zage nicht, du müder! Denn Gott regiert die welt. 3. Er hat auch deinen leiden Ein weises ziel bestimmt; Sie wandeln sich in freuden, Wenn Gott dich zu sich nimmt. 4. Dann wirst du heller sehen, Was hier dem blick verschwand; Schaust von entwölkten höhen Auf dieses prüfungsland. 5. Wo auch die rauhsten pfade So selig dich geführt; Und 5. Der vogel bauet nicht das land, Du nährst ihn doch mit milder hand. Du schmückst die blume königlich, Die nicht zur arbeit eilt, wie ich. Vergiß es, meine seele, nie: Weit mehr bin ich vor Gott, als sie. 6. Mich schufst du nicht für diese zeit, Mein ziel ist in der ewigkeit. Du gabst mir weisheit und verstand, Und machtest selbst dich mir bekannt; Nichts, was die er de zeugt und nährt, Gleicht mir an hoheit und an werth. 7. Laß du mich nur gemügsam sein, Und deiner V. Von der Vorsehung. Und dankst dem Gott voll gnade, Der deinen gang regiert. 6. Nun sind die finsternisse Im licht des Herrn erhellt! Die weisheit ihrer schlüsse Entdeckt die besfre welt. 7. Dann weinet deine zühre Dem retter frohen dank: Der erde schmach wird ehre, Die thräne lobgesang. 8. Vollbracht ist, Gott, zum preise, Der wunderbare rath, Nachdem der ewig weise Dich hier geleitet hat! 9. Nun sammelst du die frenden Geprüfter tugend ein, Wozu er hier durch leiden Dich suchte einzuweihn. 10. Dieß stille deine sorgen, Erhelle deine nacht, Wenn mancher trübe morgen Dich angst und traurig macht. 11. Dieß stärke dein vertrauen, Auch in der größten noth, I'm glauben hinzuschauen Auf deinen Herrn und Gott. 12. So sammle oft im stillen Den trost der vorsicht ein; 39 Ihr christen, singt ihm gern! Vom aufgang bis zum niedergang Trägt uns die huld des Herrn. 2. Vom menschen bis zum kleinsten wurm Reicht seine weise macht; Im sonnenschein, so wie im sturm, Ist er auf heil. bedacht. 3. Mit froh gerührtem herzen bringt Ein lied voll dank ihm dar! Die ähre, die vom segen sinkt, 3st sein; Gott krönt das jahr. 4. Ja höchster, wir verehren dich Mit kindlich frohem dank; Du nährst uns und giebst väterlich Auch mehr, als speis und trank. 5. Gesundheit, frieden, kraft, gedeihn Zu unsrer hände fleiß, Auch das giebst du, und dir allein Gebühret unser preis. Mel. Nun danket all' und 2c. 47.Gott ott sorgt für uns! 6. Vermehr in uns die zuversicht, Dir ewig zu vertraun, Bis wir dereinst im hellern licht, Gott, deine werke schaun. rath wird sich enthüllen, 3hr licht dich einſt erfrenn. 48. I jeele tust, Bor finge meiner Eigene Melodie. dir, Herr, hocherfreut, Sch sing' ans dankerfüllter o singt ihm dank, brust Von deiner gütigkeit. 2. 40 Erste Abtheilung. 2. Was ist der mensch, der huld und tren! Du zählteſt staub, vor dir, Daß seiner unser haar, Stehst uns alldu gedenkst?, Herr aller welt, gegenwärtig bei In jegliwas haben wir, Wenn du cher gefahr. es uns nicht schenkst? 3. Wer hat den himmel ausgespannt, Der unser aug' entzückt? Wer hat mit göttlich milder hand Den erdkreis ausgeschmückt? 4. Wer kleidet hügel, thal und au, Und ziert mit pracht den hain? Tränkt sie mit regen und mit thau? Und giebt der saat gedeihn? 5. Wer führt die sonn' in ihrer pracht Mit jedem tag uns zu? Wer spricht zum mond in dunkler nacht: Dem menschen leuchte du? 6. Wer frönt' mit segen jedes jahr, Daß unser herz sich freut? Wer liebet uns unwandelbar, Auch wann sein donner dräut? 7. Wer sichert uns vor der gefahr, Die uns von ferne droht? Wer rettet oft so wunderbar Aus gegenwärt'ger noth? 8. Herr, unser Herrscher, nur' von dir Fließt alles heil uns zu.. Dein volk, dein eigenthum sind wir, Und unser Gott bist du! 9. Wie groß ist deine 10. Uns fünder trägst du mit geduld, Lehrst uns durch deinen geist, Und rent uns recht der fünden schuld So siehst du's und verzeihst. 11. Ja, deine güte reicht so weit, So weit die wolken ziehn; Der junge rab' erbarmer, schreit Zu dir, du nährest ihn. 12. Und rührte dich, o menschenfreund, Nicht eines christen schmerz? Die ſtillſte zähre, die er weint, Bemerkt dein vaterherz. 13. Weh dem, der, Herr, an dir verzagt, Und seine zuversicht Auf menschen setzt und heidnisch sagt: Gott achtet unsrer nicht! 14. Er liebt dich mehr, als du verstehst, Ist, seele, dir nicht fern, Und eilt zu helfen, eh' du flehst. Vertraue gern dem Herrn! 15. Er schaut herab von seiner höh Auf den, der niedrig ist. Erhebe dich, unsterblicher, Zu ihm, von dem du bist. 16. Lobsing' ihm, bet' ihn ewig an Mit frommer zuversicht. V. Von der Vorsehung. 41 sicht. Wie viel hat er an mache leicht, Was mir dir gethan! Bergiß es, seele, nicht. sonst fast unmöglich deucht. Reichst du mir deine hände, So kommt, was angefangen In eigener Melodie. 49. Ich weiß, mein Gott, iſt, Gewiß zum guten ende. daß all' 7. Ist Auf deinem willen muß beruhn. Von dir kommt glück und segen; Was du regierst und fördern willst, Geht seinem ziel entgegen. 2. Es steht in keines menschen macht, Daß das gescheh', was er bedacht, Und er sich dessen freue; Dein segen, höchster, machts allein, Daß menschenrath gedeihe. 3. Oft denken wir, mit sicherm muth, Dieß oder jenes sei uns gut, Und ist doch weit gefehlet; Oft sehn wir auch für schädlich an, Was doch dein rath erwählet. 4. Drum gieb mir weisheit aus der höh', Mein vater, daß ich nicht besteh Auf meinem eigenwillen; Sei du mein licht und lehre mich Nur deinen rath erfüllen. 5. Was dir gefällt, gefall auch mir, Zufrieden sei mein herz mit dir Bei allen deinen wegen; Und, was dir mißfällt, laß mich nie In meiner seele hegen. 6. Tritt du zu mir und etwas schwer Und muß ich gleich ins tiefe meer Der bittern leiden treten, So stärke mich der glaub' an dich Und ein trostvolles beten. 8. Wer christlich betet, dirvertraut, Wird alles das, wovor ihn graut, Mit tapferm muth bezwingen. Du heißest seine sorgen fliehn, Hilfst ihm den sieg erringen. 9. Zwar rauh ist oft der tugend pfad, Den uns dein wort gewiesen hat, Doch wer ihn muthig gehet, Wird endlich, Herr, durch deinen geist 3u steter wonn' erhöhet. 10. Du bist mein vater, ich dein kind, Was ich bei mir nicht hab' und find', Hast du in voller gnüge. So hilf mun, daß ich meinen stand Wohl halt und herrlich siege. 11. Dein sei, Gott, aller ruhm und ehr; Ich will dein thun je mehr und mehr, Aus hocherfreuter seelen, Vor deinem volk und aller welt, So lang ich leb', erzählen. Mel. 42 Mel. Nun ruhen alle wälder 2c. 6. Leg' ich zum schlaf mich mich der mor50. I thaten Laß ich den gen wieder, Zu meines Lebens höchsten rathen, Der alles kann und hat. Er muß in allen dingen, Soll etwas mir gelingen, Mein Helfer sein mit rath und that. pflicht; Irr' ich auf dunkelm wege, Fühl ich des kreuzes schläge; So sei dein wort mein trost und licht. 2. Nichts hilft mein banges sorgen Vom abend bis zum morgen. Nichts meine ungeduld. Dir, Herr, von meinem leben, Will ich es übergeben; Ich traue deiner vaterhuld. 7. Was du für mich beschlossen, Dem will ich unverdrossen, Voll mith entgegen gehn. Kein unfall unter allen Soll je zu schwer mir fallen; Mit dir werd' ich ihn überstehn. Erste Abtheilung. 8. Dir will ich selbst mein 3. Es kann mir nichts leben Mit freuden wieder geschehen, Als was dein geben, Wann es dein rath rath ersehen, Und du für mich bestimmt. Mehr will ich nicht begehren, Will gern auch das entbehren, Was deine vaterhuld mir nimmt. gebent; Es sei heut oder morgen, Dafür laß ich dich sorgen; Du kennst dazu die beste zeit. 4. Wohl mir, daß dei ne gnade Auf dieses lebens pfade Mich leitet und beschützt. Such ich mur dei nen willen Mit treue zu erfüllen: So hab' ich alles, was mir nützt. Eigene Melodie. 5. Laß, vater, meine ſiin- 51. Gott ist mein lied; sünden, der Vergebung vor dir finden, Und tilge meine schuld. Verleih mir muth und kräfte Zum heiligungsgeschäfte, Und habe noch mit mir geduld. 9. So sei in tod und leben, O seele, Gott ergeben, Voll froher zuversicht. Es gehe, wie es gehe, Dein vater in der höhe, Weiß alles, und verläßt dich nicht. der stärke! Groß ist ſein nam' und groß sind seine werke, Und alle himmel sein gebiet. 2. Er will und spricht, So V. Von der Vorschung. So sind und leben welten; Und er gebeut, so fallen seine welten Gleich plötzlich wieder in ihr nichts. 43 Schrieb auf sein buch, wie lang ich leben sollte, Da ich noch unbereitet war. 3. Licht ist sein kleid, Und seine wahl das beste. 10. Nichts, nichts ist mein, Das Gott nicht angehöre. Herr, immerdar Er herrscht als Gott, und soll deines namens ehre, seines thrones veste Ist Dein lob in meinem munde wahrheit und gerechtigkeit. ſein. 4. Unendlich reich, Ein meer voll seligkeiten, Ohn' anfang Gott, und Gott in ew'gen zeiten! Herr aller welt, was ist dir gleich? 5. Was ist und war, Im himmel, erd' und meere, Das kennet Gott, und seiner werke heere Sind ewig vor ihm offenbar. 6. Er ist um mich, Schafft, daß ich sicher ruhe; Er schafft, was ich vor oder nachmals thue, und er erforschet mich und dich. 7. Er ist dir nah, Du sitzest oder gehest; Ob du an's meer, ob du gen himmel flöhest, So ist er allenthalben da. 11. Wer kann die pracht Von deinen wundern fassen? Ein jeder staub, den du haft werden lassen, Verkündigt seines schöpfers macht. 12. Der kleinste halm Ist deiner weisheit spiegel. Du luft und meer, ihr auen, thal und hügel, 3hr seid sein loblied und sein pfalm! 13. Du tränfst das land, Führst uns auf grüne weiden; Und nacht und tag, und korn, und wein, und frenden, Empfangen wir aus deiner hand. 14. Kein sperling fällt, Herr, ohne deinen willen. Sollt' ich mein herz nicht mit dem trofte stillen, Daß deine hand mein leben hält? 15. 3ft Gott mein schutz, Will Gott mein retter werden: So frag' ich nichts nach himmel und nach erden, Und biete selbst der 8. Er kennt mein flehn Und jeden wunsch der seele. Er weiß, wie oft ich gutes thu', und fehle; Und eilt, mir gnädig beizuſtehn. 9. Er wog mir Was er mir geben wollte; hölle trupz. dar, Mel. 44 Mel. Ach Herr, mich armen 2c. 5. Nur er durchschaut 52. Entehre nicht durch das ganze, Nur er umfaßt klagen Die vorsicht, die dich deckt, Wenn dich an manchen tagen Ein trüber morgen weckt. Dieß ist das loos der erden; Nur dort ist heitrer tag! Dort folgen nach beschwerden Dir ruh' und wonne nach. die welt; Im reinsten sonnenglanze Ist alles aufgehellt. Vor dir verhüllen nächte Den wunderbaren rath, Nach welchem seine rechte Dich oft geführet hat. 6. Drum ehre stets hienieden Die vorsicht, die dich schützt; Sie wirkt zu deinem frieden, Und giebt dir, was dir nützt. Ergieb dich ihr gelassen, Weil sie die welt regiert! Bist du von ihr verlassen, Wenn ihre hand dich führt? Erste Abtheilung. 2. Hier hüllen finsternisse Den plan der vorsicht ein; Es müssen ihre schlüsse Hier unerforschlich sein. Einst wird der uebel fallen; Dann betest dn sie an! Froh wird dein lied erschallen: Wie wohl hat Gott gethan! 3. Erkenne voll vertrauen Den weisen, der regiert, Und die, so auf ihn schauen, Doch immer selig führt; Ist gleich sein rath verborgen, Führt gleich sein weg durch nacht; So darfst du doch nicht sorgen, Weil stets sein auge wacht. 4. Sein rath ist immer gnade, Voll weisheit bleibt sein plan; Er führt auf dunklem pfade Doch immer himmel an. Voll huld schaut er hernieder Auf unser erdenLand Und hält der kette glieder Mit unsichtbarer hand. 7. Sie ist an deiner seite, Du wirst von ihr gedeckt, Wenn morgen oder heute Ein unfall dich erschreckt; Geführt von ihren händen, Verlierst du nie den pfad, Den Gott, ihn zu vollenden, Dir vorgezeichnet hat. 8. Auch in den bängsten leiden Wird Gott dir nahe sein, Und seinen geist der freuden Dir, wenn du zagst, verleihn. Wird einst dein lauf sich schließen, Der wunderbar begann: Dann wirst du sagen müssen: Wie wohl hat Gott gethan. VI. VI. Von den Engeln. Mel. Dir dank ich für 2c. 53. D u Herr der seraphimen! Dem tausend engel dienen, Und zu gebote stehn; Gott, aller geister könig! Ich bin zwar viel zu wenig, Um dei nen ruhm recht zu erhöhn. 2. Ich preise deine güte Mit dankbarem gemüthe Für deiner engel schaar; Das 4. Sie thun mur deinen willen; Laß ihn auch mich erfüllen. Sie leben heilig, rein: O laß mich nichts beflecken; Nein, wenn mich schatten decken, Stets so, wie sie, die fünde scheun. 45 Mel. Mir nach spricht Christ zc. menſchliche geſchlechte Be- 54. Gott, deine güte, deine macht schützet deine rechte Durch ihren beistand in gefahr. 3. Doch sollen sie nicht weichen; So laß mich ihnen gleichen An wahrer heiligkeit. Wie sie, nurtugend lieben, Und sie auch stets ausüben, So mach' auch mich dazu bereit. 5. Hilf aug' und herz bezähmen, Kein ärgerniß zu nehmen, Lehr' mich behutsam sein; Nie durch ein böses leben Dem nächsten anstoß geben; Denn dieses stürzt in ew'ge pein. 6. Wenn ich dann endlich scheide, So führe mich zur freude In ihrem umgang ein: Da werd ich dich recht loben! Und in dem himmel droben Dir und den engeln ähnlich sein. nie ein mensch ergründen, Sie zeigt sich in der erde pracht Und in den tiefsten schlünden, Und doch durchdenkt, begreift sie nie Des größten weisen forschermih. 2. Du bildetest, im stufengang, Uns deiner zu erfreuen, Durch ordnung und zusammenhang, Der wesen lange reihen; Vom menschen bis zum thier und baum, Ist nirgends leerer zwischenraum. 3. Auch engel, deren geistesblick Kein schwaches licht begrenzet, Und denen hohes himmelsglück In reichem maaße glänzet, Schufft du, o Gott, unendlicher, Der wesen vater und ihr Herr! 4. 46 Erste Abtheilung. 4. Fern von dem hang Gehorsam zu erfüllen In zur sinnlichkeit, Der uns so allem, wozu du sie rufft. oft entehret, Von blend- 2. Sie eilen in gefahwerk jedes wahns befreit, Der die verminft bethöret, Voll kraft zu jeder guten that, Betreten fie der tugend pfad. 5. Voll eifer und voll thätigkeit, Sucht jeder deinen willen, Und was dein hoher wink gebeut, Gehorsam zu erfüllen, Und preist in lau ten liedern gern, Dich, seinen vater, seinen Herrn! 6. Auch menschenglück und menschenheil Vermehren ihre freuden, Froh nimmt an ihnen jeder theil, Er wird sie nie beneiden; Wird, wenn der fünder rene weint, Und tugend liebt, des sünders freund. 7. Gott, laß mich, deinen engeln gleich, Mit reinen frommen trieben, Wie fie, an tugendfrüchten reich, Dich und die brüder lieben; So werd' ich einst, ganz engelrein, Mich deiner, meines vaters, freun! mel. Dir dank' ich für 2c. 55. Wer er zählt der engel heere, Die du zu deiner ehre, Herr aller welten, schufft! Sie freun sich, deinen willen ren Den frommen zu bewahren In seiner pilgerzeit. Sie freun an deinem throne Sich einst auch seiner krone, Wie ihrer eignen seligkeit. 3. Bekehren sich die sünder, Und werden deine kinder, Die dir dein sohn gewinnt: Dann jauchzen ihre lieder, Daß ihre neuen brüder Dem fluch entrissen worden sind. 4. Sie jauchzen deinem sohne, Daß du sie ihm zum lohne Für seine leiden giebst; Daß du sie trägſt und leitest, zum himmel zubereitest, Und zärtlich, als ein vater, liebst. 5. In solcher geiſter chören Dich ewig zu verehren, Welch eine seligkeit! Wer wird sie einst empfinden? Der, der, entwöhnt von sünden, Sich ihnen gleich zu werden freut. 6. Drum gieb, daß ich auf erden Mag ihnen ähnlich werden: So freu ich hier schon mich, Daß ich mit deinen engeln Ganz heilig, rein von mängeln, Dein antlitz schaue ewiglich. 7. 47 VI. Von den Engeln. 7. Wenn du, vor dem sie 8. Cie, über mich erhostehen, Zu deines himmels ben, Sie lehren, dich zu höhen Vor deinen thron loben, Mich ihren höhern mich rufft; Will ich empor dank. In deinem heiligmich schwingen, Und dank thume Wird dann, zu deiund preis dir singen Daß nem ruhme Der ganze himdu die engel und mich schufft. mel ein gesang. VII. Von dem Menschen und seiner Bestimmung. 56. Wie ie Mel. Wie groß ist des allm. 2c groß ist meine menschenwürde, Wie hoch mein rang schon in der welt! Dort werd' ich, daß ich selig würde, Selbst engeln Gottes zugesellt. Wie hoch bin ich schon hier erhoben, Wie herrlich ist mein erden stand! Ich kann Gott kennen, ehren, loben, und dort ist einst mein Vaterland. 2. Mein geist, bestimmt, noch fortzuleben, Wenn dieser leib in staub zerfällt, Wird über sonnen sich erheben, In wohnungen der bessern welt. Und selbst mein leib bleibt nicht im grabe, Bleibt nicht im ftanbe hier zurück; Ich weiß, daß ich die Hoffnung habe: Auch er nimmt theil an meinem glück. 3. Er wird, unsterblich und vollkommen, Dem lei be Christi ähnlich sein, Und sich mit den verklärten frommen, Auch seiner neuen würde freun. Erinnre mich an diese würde, Gott dessen hand mich dazu schuf; Sie sei mir bei des lebens bürde, Ermuntrung, trost und tugendruf. 4. Šie stärke mich zu allen pflichten, Zu allem, was dein wort gebeut; Das alles freudig zu verrichten, Sei hier für mich schon seligkeit. Sie lehre mich, das alles meiden, Was meinen menschenstand entehrt; Denn jene welt mit ihren freu Erste Abtheilung. 48 freuden ist auch des größten opfers werth. 5. Nie will ich meine hoHe würde Vergessen, noch fie je entweihn; Sie sei mein adel, meine zierde! Nie will ich ihrer unwerth sein; Getreu dem himmlischen berufe Will ich auf dich, mein vorbild, sehn, Um stets zu ei ner höhern stufe Des lichts zu dir hinanzugehn. 6. Dann bin ich frei von allen mängeln, Und seh in deinem licht das licht, Und schaue dich mit deinen engeln Von angesicht zu angesicht. Erhöht bin ich vom staub der erden, Und groß ist meine herrlichkeit; Ach, ihrer werth vor dir zu werden, Sei dir mein leben ganz geweiht! lang im fleische lebt, Bis sie, daß ihr kein wohlfein fehle, Dein ruf zum höhern geist erhebt; Du hast mir sinnen und verstand, Begierd' und willen zugewandt. leben, Wie tröstlich ist mein ursprung mir! Du hast den odem mir gegeben: Mein ganzes wesen kommt von dir; Du, vater, riefst mich aus dem nichts, Zum frohen anschaun deines lichts. 2. Du gabst mir die ver nünft'ge seele, Die nur so 3. Wenn ich des leibes bau ansehe, Den du so kunstvoll ausgeführt: Wie wird dann, vater in der höhe, Mein staunend herz so tief gerührt! Ein jedes glied, ein jeder sinn Reißt mich zu deinem lobe hin. 4. Durch deiner vorsicht trenes walten, Von meiner ersten kindheit an, Bin ich bis hierher noch erhalten, Noch wall' ich auf des lebens bahn. Ich danke dir, ich preise dich: Denn deine rechte schützet mich. 5. Ich bin nicht werth der großen güte, Die du, mein Mel. Führwahr du bist, o Gott 2c. Gott, an mir gethan; Be57. Dein bin ich, Gott! schämt empfindet mein gedein ist mein müthe Die schuld, die ich nicht leugnen kann: Ich habe, was mich sehr erschreckt, Vielfältig feel und leib befleckt. 6. Ja, Herr, ich habe meine glieder Zu sündenglieder oft gemacht; Vor dir fall ich in demuth nieder; Vergib, was ich nicht recht bedacht! Verwirf mich, vater, nicht VII. Von dem Menschen nicht von dir! Und schaff' ein reines herz in mir. 7. Hilf, daß ich dir zur ehre lebe, Und redlich thu', was dich erfreut, Und geist, auch leib und glieder gebe Zu waffen der gerechtigkeit! Daß ich bis in den tod dir treu, Und stets ein freund der tugend sei. 8. Fällt dieses leibes hütte nieder, Vollend' ich die ses lebens lauf, O Gott, so richte du mich wieder Verherrlicht aus dem staube auf: Dein ew'ges leben sei mein theil, So preis ich ewig dich, mein heil! Mel. Sei lob und ehr' dem 20. 58. Dir, Gott, sei preis und dank gebracht, Dich soll mein lied erheben! Ich bin ein wunder deiner macht, Du schufft auch mich zum leben! Der ganze leib, erbaut von dir, Ein jeder sinn und glied an mir Ist deines baseins zeuge. 2. Haupt, aug' und ohr und mund und hand, Die ich zu dir erhebe; Die haut, so künstlich ausgespannt, Der nerven fein gewebe, Und alle glieder sagen mir, Ich sei, o Gott, ein werk von dir, Ein werk der macht und weisheit. und seiner Bestimmung. 49 3. Elender zweifler, schan dich an, Dich selbst zu widerlegen! Wie biegsam, wie gelenkvoll kann, Sich jedes glied bewegen! Der leib, des theile erde find, Wie fähig ist er, wie geschwind, Dem geiste zu gehorchen. 4. auge hättest du mein nicht So künstlich, Gott, bereitet, Was nützte mir der sonne licht, Ihr glatz, vor mir verbreitet? Dann säh' ich nicht, mit welcher pracht Du, Herr, die welt, die du gemacht, Zum sitz der freuden schmückest. 5. Ich jauchze, daß ich. sehen kann, Und hören und empfinden! Dich, Gott! bet ich voll ehrfurcht an, Zu schwach, dich zu ergründen. Mein herz sei voll von deinem dank, Mein mund von deinem lobgesang, Von deiner Gottheit größe! 6. Wer lenket meines blutes lauf? Wer hält das herz so rege? Wer drängt die lung', und schwellt sie auf, Damit ich athmen möge? Gott ist's, auf dem mein leben ruht. Schlag, o mein herz! lauf, o mein blut! Zu meines Gottes preise. 7. Nur deinen willen, Gott 50 Gott, zu thut, hier mein leben, Erste Abtheilung. Verfließe zu einem geiste ward, Durch Arbeiten die empfindung meiner sinne, Gedanken tausendfacher art; O strebt ich alle Gott zu weihn, Wie selig könnt' ich hier schon sein! 5. Ich kann sie ſammeln und verbinden, Und trennen wie es mir gefällt; Die welt empfinden, mich empfinden, Weit unterschieden von der welt. Zu tausend thaten hab ich kraft, Die Gott mir giebt, der alles schafft. 6. Wie feurig dürstet meine seele Nach ruhe, lust und seligkeit! Nur, daß ich oft betrogen wähle, Was mich nach dem Genusse rent. Doch, das ist vater, meine schuld; Du schufest uns, du schufft aus huld. mag ich, oder ruh'n, Dir will ich ehre geben; Mich deiner gnade innigst freun, Ein dir geweihter tempel sein Und deinen ruhm verbreiten! Mel. Du weiser schöpfer, od. Dir, Gott, dir will ich 2c. 59.⁰ ott werde stets von dir erhoben, Du, deines schöpfers bild, mein geist! Sollt ich nicht meinen vater loben, Den jedes seiner werke preist? Ihn, der mich schuf, sein bild zu sein, Und seiner liebe mich zu freun. 2. Anmuthig, prächtig, zum entzücken, 3st Gottes ganze körperwelt. Wer zählt die reize, die sie schmücken? Die güter, die sie in sich hält? Und dennoch kann sie nicht, wie schön, Wie wundervoll sie sei, verstehn. 3. Für geister nur, und nur für seelen, Die zu den geistern Gott erhob, Sind sie so herrlich! sie erzählen Nur ihnen meines schöpfers lob. seele! jauchze, daß der ruf Der allmacht dich zum geiste schuf! 4. Gott, ich kann den ken; ich gewinne, Weil ich 7. Begabt mit wundervollen sinnen, Mit freiheit, mit vernunft von dir, Sollt ich nur dich, Gott! lieb gewinnen, Dich nur; und was gebräche mir? Ach möchte meine seele dein Mit allen ihren kräften sein. 8. Gott, meine luft sei, dich zu kennen, Dich ursprung der vollkommenheit! Von deiner liebe ganz zu brennen, Das sei mein ruhm und seligkeit. Wenn ich mir dein VII. Von dem Menschen und seiner Bestimmung. 51 dein mich freuen kann, selligkeit, Gabst mir ein herz Mein Herr und Gott, was voll triebe zum mitgefühl, fehlt mir dann? zur menschlichkeit Zur freundschaft und zur liebe, Und diese menschlichkeit, Gott, schafft Mir unzählbare freuden; Giebt mir zur tugend muth und kraft, Und ruh und trost im leiden. Mel. Das Jefulein soll, oder Was mein Gott will c. 60. welch ein glück, ein mensch zu sein! Wie kann ich Gott g'nug preisen? Wie des berufs, ein Mensch zu sein, Mich würdig hier erweisen? Ich bin ein wunder seiner macht Und weisheit, lieb' und güte; O mensch, nimm deinen werth in acht! Erkenn' es, mein gemüthe! 2. Du bildetest mir mein gebein, Du hauthtest mir die seele Allmächtig, o mein schöpfer, ein, Durch die ich denk' und wähle! Vor tausenden durch dich ernährt, Vor tausend deiner werke Gabst du mir einen höhern werth, Mir weisheit, kunst und stärke. 3. Vernunft und freiheit dank' ich dir: Welch glück sie zu besitzen! Ach, dir zum rühm, zum heile mir, Lehr' du mich, Gott, sie nüßen! Der mensch ist's nur, der reden kann, Sonst kein ge- kann ich Gott g'nug preischöpf auf erden; Der mensch sen? Wie des berufs, ein nur ruft dich, schöpfer, an, Kann andrer lehrer werden. 4. Du schufft mich zur ge7. O welch ein glück, ein mensch zu sein! Wie mensch zu sein, Mich würdig hier erweisen? Ich bin ein wunder seiner macht D 2 Und 5. Dich, meinen schöpfer, meinen Gott, Erkenn' ich, deine werke, Dein göttlich wort und dein gebot Und weisheit, güt' und stärke. Für deine väterliche huld Dankt freudig meine seele; Und um erbarmung und geduld Fleh' ich dich, wenn ich fehle. 6. Ich bin ein mensch, und darf vor dich Mit freudigkeit stets treten; Zu dir hinauf, du hörest mich, Mit kindes- zutraun beten. Heil mir! o heil der zuversicht, Die ich als mensch hier habe! Du rufft zur ewigkeit ans licht Mich wieder aus dem grabe. 52 Erste Abtheilung. Und weisheit, lieb' und gü- freundschaft freuden; Gabst te! O mensch, nimm dei nen werth in acht! Erkenn' es, mein gemüthe! mir ein herz voll fühlbarkeit Für andrer glück und leiden; Noch mehr, ein herz, das fähig ist, Sich dein, der du mein vater bist, Mel. Aus tiefer noth zc. 61. Laß mich des men- Zu freun und dich zu lieben. schen wahren 5. In stiller andacht kann werth, Mein Gott, zu her- mein herz, Sich bis zu dir zen nehmen, Und dessen, erheben, und dir, den jewas mich selbst entehrt, der himmel preist, Auch preis Mich allzeit innigst schä- und ehre geben, Auch ich men. Nie komm' es mir aus meinem sinn, Was alles ich vermag und bin, Durch deine weise güte. kann deinen willen thun, In deiner vorsicht rath beruhn, Und fröhlich auf dich hoffen. 2. Du schusst mich nicht bloß fleisch und bein; Du hauchtest mit dem leben Mir auch zugleich die seele ein, Und hast es ihr gegeben, Noch mehr, als was die sinne rührt, Und durch sie schmerz und luft gebiert, Zu fassen, zu erwägen. 6. Nicht blos für diese kurze zeit Riefst du mich in dies leben; zu freuden einer ewigkeit Soll sich mein geist erheben. Und wird auch gleich der leib zu staub, So bleibt er nicht des grabes raub; Du wirst ihn auferwecken. 3. Gott, diesen vorzug gabst du mir Vor so viel millionen, Die auch beseelt, grnährt von dir, Auf deiner erde wohnen. Was jenen fehlt, verliehst du mir, Vermunft und freiheit und mit ihr Gefühl von recht und unrecht. 7. Vom himmel kam, gesandt von dir, Dein sohn zu uns auf erden: Er kam und ward ein mensch, wie wir, Der menschen heil zu werden. Wie hoch sind wir durch ihn geehrt! Wie ernstlich durch ihn selbst belehrt, Der menschheit werth zu schätzen. 4. Du schufst mich zur 8. Und ich, ich sollte ihn geselligkeit Und für der entweihn, Und gleich den thieLa Fed VII. Von dem Menschen und seiner Bestimmung. 53 thieren handeln Der flei- große ziel Durch nichts verschesluft ergeben sein, Und rücket werden! Was hilft's, nicht vor dir, Gott, wan- wenn ich auch noch so viel, deln? Fern sei ein solcher Von gütern dieser erden, sinn von mir! Bewahre Von ehre, geld und luſt mich, mein Gott, dafür, gewinn', Und doch dabei Daß ich mich so nicht schände! nicht fähig bin Der sel'gen geister freude. 9. Gieb vielmehr, daß ich allezeit Auf mein gewissen achte, Nach weisheit und gerechtigkeit mit allem ei fer trachte! Dich liebe, und mich deiner freu', Und so des vorzugs würdig sei, Den du mir haft verliehen. N 4. Auf kurze zeit bin ich mir hier; Laß mich dies nie vergessen! Nur wenig tage hast du mir Zur übung zugemessen. Schnell, wie ein traum, sind sie vollbracht, Und dieser schönen erde pracht, Wird dann auch mir vergehen. Mel. Es ist gewißlich an der 2c. 62. Wie wichtig ist doch 5. Drum laß mich jene Um der beruf, Den uns der Herr gegeben! Gott, als uns deine liebe schuf, Da schuf sie uns zum leben; Zum leben, welches ewig währt, Wo uns kein leiden mehr beschwert, Willst du uns hier erziehen. herrlichkeit, Gott, stets vor augen haben, Und hier in der erziehungszeit, jene beßre gaben, Die mir im tode nicht entfliehn, Vor allen dingen mich bemühn, Und so zur ernte reifen. 2. Nicht hier ist unser vaterland; Nur, Gott, bei dir dort oben, Da ist der ort, wo deine hand Das glück uns aufgehoben, Das nie, das nie ein ende nimmt; Hier sind wir nur von dir bestimmt, Uns dessen werth zu machen. 6. Ein herz, das dich, o vater, liebt, Und deines sohns sich freuet, Das, so wie er, die tugend die tugend übt, Und sich vor fünden schenet; Ein solches herz, das wird allein Sich ewig deiner güte freun In jenem höhern leben. 3. O laß mir doch dies 7. Zu diesem sinne woll'st du mir, Gott, muth und kräfte 54 Erste Abtheilung. kräfte geben, Damit ich im- himmel gültig sind; Bis mer möge hier Nach den ich, als dein erzognes kind, gesetzen leben, Die selbst im Zu deiner freud' eingehe. VIII. Von der Sünde und dem Verderben der Menschen. Mel. Wo soll ich fliehen, od. Auf meinen lieben 2c. 63.D u, der kein böses thut, Du schufft den menschen gut; Du, höchster, gabst ihm fräfte, Zum feligen geschäfte, In heiligkeit zu wandeln, Stets recht vor dir zu handeln. 2. Wo ist der unschuld ruhm? Ach! wir, dein ei genthum, Wie tief sind wir gefallen! Wo ist jetzt unter allen Ein mensch ganz rein von sünden, Vor dir, o Gott, zu finden. 3. Hier ist kein unterschied; Dein auge, höchſter, fieht, Auf alle men schenkinder, Und sieht fie alle sünder: Da ist vor dir, Herr, keiner Unschuldig, auch nicht einer. 4. Verderbt ist unser sinn; Die weisheit ist dahin, Die uns regieren sollte, Nur was dein wille wollte, Mit freudenvollen trieben Zu wählen und zu üben. 5. Ganz sinnlich sind wir mur, Gesinnt so von natur, Daß güter dieser erden, Von uns erstrebet werden, Mehr als die höhern gaben, Die uns auf ewig laben. 6. Dir folgen, dünkt uns zwang; Des bösen herzens hang Reißt uns mit starkem triebe zu schnöder fündenliebe. Ach können wir wohl zählen, Wie oft wir vor dir fehlen? 7. D Herr! was uns gebricht, Laß in der wahrheit licht So heilsam uns erkennen, Daß wir vom ernst entbrennen, Der fünde zu entfagen, Der beßrung nachzujagen. 8. Wohl dem, der sie gewinnt! Gott! so verderbt wir sind, So willst du uns doch heilen, Und kräfte uns ertheilen, Schon wiederum auf erden Dir gleichgesinnt zu werden. 9. VIII. Von der Sünde und dem Verderben der Menschen. 55 9. Herr, diese deine huld fegensquell, droht allen taLaß uns durch unsre- schuld gen Mit neuen plagen. Nicht freventlich verscherzen; Erwecke unsre herzen, Dir nicht zu widerstreben, Damit wir ewig leben. 6. Wie können fünder froh zum himmel schauen, An- dich, Gott, denken ohne furcht und grauen? An tod und grab, und an ein ewig leben, und nicht erbeben? 7. Die lust zum bösen fesselt sie und wüthet; Sie leiden selbst durch das, was sie gebietet; Und bahnen sich den weg durch ihre freuden, Zu gram und leiden. 8. Wie können wir denn, Gott, dich g'nug erheben, Daß du uns führen willst den weg zum leben, Uns heiligen und stärken, alle fünden zu überwinden. Mel. Herzliebster Jesu, was 2c. 64. Gott, ott, wo ist noth und elend auf der erde, Das von der sünde nicht geboren werde? Wie enden sich nicht jedes lasters freuden In bittern leiden! 2. O wären wir, vont jüngling bis zum greife, Gehorsam deinem willen, gut und weise: Was würden wir mit freudigem gewissen, Für glück genießen! 3. Schön, heilsam, zahllos, vater, sind die gaben, Die wir von dir zu wahren freuden haben. Wo strömet nicht der tugend heil und segen Von dir entgegen? 4. Wie würde jede wahre lust auf erden Erhöht, und jede last erleichtert werden, Wenn unser herz den täuschungen der sünde Stets widerstünde! 9. Heil uns, daß uns dein sohn mit dir versöhnte, Uns licht gab, uns vom sündenjoch entwöhnte Und lust und trieb, auf deiner bahn zu wandeln, Und recht zu handeln. 10. Laß uns denn immer mehr geheiligt werden, Und dir stets folgsam, dir getreut auf erden, Thun, was dit willst, bis wir zu dir erhoben, Dich ewig loben. 5. Dochach! sie herrſcht, um alles zu zerrütten, ErMel. Jesu, der du meine seele zc. ſchüttert thronen, Und ver= 65. Großer Gott, erwüſtet hütten, Trübt jeden habnes wesen, Das Univ.- Bibl. Giessen 56 Erste Abtheilung. Das voll segnender begier, sich meine schuld Durch verMenschen sich zum dienst achtung deiner huld! erlesen! Ach! was ist der 5. Sieh, hier. lieg' ich mensch vor dir? Wenn ich deine größ' erwäge, Und, was ich bin überlege: O wie niedrig und wie klein Muß ich mir nicht selber sein! in dem staube Tief vor dir, mein Gott, gebückt; Doch mein demuthsvoller glaube, Der auf meinen heiland blickt, Hofft auf deine va2. Ach, es herrscht der tergüte, Und mein tief betrieb zur fünde Mächtig oft schämt gemüthe, Das den in dem gemüth, Und macht muth fast ganz verlor, mich zu einem finde, Das Hebt sich noch zu dir empor. vor seinem vater flieht. Ach, ich seh' mit reu' und schrecken Tausend fehler, tausend flecken, Und in der verderbten brust Regt sich öfters böse lust. 6. Ja, die wunder deiner liebe Ziehen ganz mein herz zu dir. Ach! erhalte felbſt die triebe Trener dankbarkeit in mir. Bater! laß das schwache lallen Meines lobes dir gefallen. Bilde mich, dein eigenthum, Ganz zu deines namens ruhm. 3. Was ich gutes an mir habe, Ist von deiner vaterhand. D wie manche gute gabe Hast du, Herr, mir zugewandt! Selber auf dem sündenpfade Trägt mich schonend deine gnade. Nähmest du zurück, was dein, Ach! was würd' mir übrig sein? 7. Meine kräfte, meine glieder Sind zu deinem dienſt bereit. Herr, ich falle vor dir nieder, Voller ehrerbietigkeit. Deinen willen thun und leiden, Sei die quelle meiner freuden. Gott und Herr der ganzen welt, Thu' mit mir, was dir gefällt. 4. Doch, die menge deiner gaben Klagt mir meinen undank an; Weil ich fie oft ganz vergraben, Oder Mel. Herr, ich habe mißgeh. zc. damit groß gethan; ft 66. Herr, du kervent mein verderben, voll leichtsinn sie verschwendet, Und zu fünden Ach! es regt in meiner angewendet. O wie häuft brust, Wie bei allen adam8erben, MAL VIII. Von der Sünde und dem Verderben der Menschen. 57 erben, Sich noch immer nen willen zwingen; Denn böse lust, Die mein herz dein wille, Gott, ist gut. ganz von dir neiget Und Was nicht kann dein reich viel böse thaten zenget. ererben, Laß schon hier an mir ersterben. 2. Wie verderbt sind mei ne wege! Wie verkehrt mein eigner sinn! Ich empfind' es, Gott, wie träge Ich dir zu gehorchen bin. Ach! wer wird vom hang zum bösen Mich doch endlich ganz erlösen? 3. Hilf mir durch den geist der gnaden Von der angeerbten noth; Heile meiner seele schaden Durch des mittlers kreizestod; Tilge alle meine sünden; Laß mich vor dir gnade finden. 7. Reize mich durch jene krone, Die mir droben beigelegt, Daß ich meiner niemals schone, Wenn die fünd' in mir sich regt; Hilf mir selber muthig kämpfen, Alle böse lüfte dämpfen. 6. Unter wachen, beten, ringen, Hilf mir selbst mein fleisch und blut Unter dei8. Sollt ich etwa unterliegen: O so hilf mir wieder auf! Laß durch deine kraft mich siegen, Daß ich meinen lebenslauf Unter deinen treuen händen Möge gut und selig enden. 4. Deinen willen hier auf erden Zu vollbringen wird mir schwer. Soll ich dazu Eigene Melodie. tüchtig werden, Mußt du 67.tehe hie Noch ch armer, selbst von oben her Kraft und stärke mir verleihen, Und mein fündhaft herz erneuten. 5. Schaffe denn ein reines herze, Herr, durch dei nen geist in mir, Daß ich nicht mein heil verscherze; Laß der sündlichen begier Mich mit nachdruck widerstehen, Und auf deine hülfe sehen. unter'm druck der sünden! Ich kämpfe täglich wider sie, Und kann nicht überwinden. Ich haß ihr joch Und trag es doch; Du siehst, Herr, dem ich's flage, Wie ungern ich es trage. 2. Weit mehr, mein Gott, betrübt mich dies, Als alle noth der erde, Daß ich noch immer nicht gewiß Und fest im guten werde! Wie fürcht' ich mich, Ich werde 58 Erste Abtheilung. werde dich, Turch und blut getrieben, treu, nicht ewig lieben! fleisch schwache frömmigkeit BeNicht lohnst du auch mit gnade. Das herz soll rein, Von bosheit sein: So willst du die gebrechen Der menschlichkeit nicht rächen. 3. Doch ich will ruhig sein in dir, Der du die herzen prüfest; Du kennest uns; mur staub sind wir, Die du ins Leben riesest. Gott, dein gericht Verdammt uns nicht, Wenn wir nicht schon auf erden Wie engel heilig werden. 5. Hilf du mir kämpfen, daß ich, Herr, Mich selber überwinde: So werd' ich täglich heiliger Und freier von der fünde! Dort, dort wird sie Mich ewig nie 4. Wir gehn in unvoll- Von deiner liebe trennen kommenheit Auf dieses le- Nie mich verführen können. bens pfade; Doch unfre IX. Von der Erlösung der Menschen. Mel. Wenn ich o schöpfer 2c. 68.Auf, christen, laßt uns unsern Gott! Mit frohem dank erheben! Er hat nicht luft an unserm tod, Will, daß wir ewig leben. Was uns zum heile nöthig ist, Das hat er uns durch Jesum Christ Erbarmungsvoll bereitet. 2. Nach seinem gnadenvollen rath Kam er, sein sohn, auf erden, Von unsrer schuld und missethat Ein retter uns zu werden. Er ward's; und hat sein werk vollbracht, und sich nach kurzer grabes nacht Gen himmel aufgeschwungen. 3. Wo ist des todes herrschaft mun? Hier ist sein überwinder. Für unsre schuld genug zu thun, Starb er, das heil der fünder. Gebrochen ist uns nun die bahn, Die von der erd' uns himmelan Zur ew'gen wonne leitet. 4 Wie hat uns doch der Herr so lieb! Wie sucht er unser bestes! Er giebt für uns aus freiem trieb Sein lieb 59 IX. Von der Erlösung der Menschen liebstes und sein größtes. Der völker trost und licht. Preis ihm! der so viel an uns thut. Preis feinem sohn! der uns zu gut Sich bis zum tod erniedrigt. Gott, der uns nicht verstößt, Hat uns zum heil und leben Selbst seinen sohn gegeben; Durch ihn sind wir erlöst. 5. Was er zum leben uns verschafft, Das ist in seinen händen. Sein ist das reich, sein ist die kraft, Das heil uns zuzuwenden, Das er so liebreich uns erwarb, Als er für uns am kreuze starb. Wohl allen, die ihm trauen! 6. O, laßt uns ihm uns anvertraun Und seine stim me hören! Auf seine mittlers hülfe baun, Ihn mit gehorsam ehren. Das ist der weg zum ew'gen wohl; Der weg, auf den man friedevoll Auch schon auf erden wandelt. 7. Olenk auf dies erhabne glück, Herr, unsre stärksten triebe; Zieh mächtig unser Herz zurück Von schnöder sündenliebe! Dann haben wir im glauben theil An dem uns theu'r erworbnen heil; Dann preisen wir dich ewig. Mel. Aus meines herzens 2c. 69. Erhebt den Herrn, ihr frommen! Er hält, was er verspricht. Der heiland ist gekommen, 2. Erlöst! o welche liebe Hat uns der Herr erzeigt! Mit welchem vatertriebe Sein herz zu uns geneigt! Von seiner himmel thron Kommt rettung vom verderben Uns fündern zu erwerben, Sein eingeborner sohn. 3. Die ihr sehr gut euch dünket! Legt euren dünkel ab! Die ihr euch aufbläht, sinket Von eurem stolz herab. Die ihr um gnade fleht! Wißt, daß ihr hie sie findet; Denn, wer sein nichts empfindet, Der wird von ihm erhöht. 4. Er hat's vollbracht, o bringet Gott euren lobgesang. Erlöste menschen, singet Dem mittler ewig dank. Wo niemand helfen kann, Da hilft er gern aus gnaden, Heilt unsrer seelen schaden. O nehmt ihn gläubig an! 5. Du freund der menschenkinder! Verwirf uns, Jesu, nicht. Dein name, heil der sünder, Ist unsre zuversicht. Gieb unsern seelen ruh; Hilf jeden reiz zu fünt 60 Erste Abtheilung. sünden Uns glücklich über ganzes herz geweiht, Dein winden! Gieb muth und herz, das ihm ganz zugekraft dazu. hört, Und selig ist, wenn es ihn ehrt. 6. Dich wollen wir erheben, Hier und in ewigkeit, Wo uns ein beßres leben Vor deinem thron erfreut. Dann sind wir ewig dein, Und nichts wird uns mehr fehlen; Dann werden unsre seelen Vollkommen selig sein. 6. Dem, den er dir zum helfer gab, Dem folge treulich bis ins grab: Folg' ihm und wende dankvoll an, Was er zu deinem heil gethan. 7. Erwecke dich damit zum fleiß Der frömmigkeit; das ist der preis, Den ächte dankbarkeit dem giebt, Der dich so göttlich groß geliebt. Mel. Ich dank' dir schon 2c. Mel. Lob sei dem allmächtigen, od. Herr Gott, dich loben alle ze. 70. Auf! freue dich, mein geist, in mir! Und preiſe deinen Gott, der dir Selbst seinen sohn zum helfer giebt; Preis' ihn, daß er so sehr dich liebt. kann dich ganz durchdenken? Also hat Gott die welt geliebt, Uns seinen sohn zit schenken! 2. Hoch über die vernunft erhöht, Umringt mit finſternissen, Erhebst du Gottes majestät, Und stillest mein gewissen. 3. Ich kann der sonne wunder nicht, Noch ihren bau ergründen; Und doch kann ich der sonne licht, Und ihre kraft empfinden. 4. So kann ich auch nicht Gottes rath Von Jesu tod ergründen; Allein das gött5. Aus gegenlieb' und liche der that, Das kann dankbarkeit Sei ihut dein mein herz empfinden. 5. 2. Er, den dir Gott zum heil gefandt, Er machte dir den trost bekannt, Wie innig seine vatertren, Wie werth ihm deine wohlfahrt sei. 3. Durch ihn hat er die sichre bahn Zur seligkeit dir tund gethan, Durch ihn hat er dir muth und kraft, Auf dieser bahn zu gehn, verschafft. 71. Gedanke, der uns giebt! Wer 4. Vergiß, vergiß zu keiner zeit Die größe seiner gütigkeit; Dent oft und stets mit freuden dran, Und bete Gott von herzen an. IX. Von der Erlösung der Menschen. 61 5. Fehlt mir der trost, mein heiland, lebst Und daß Jesus Christ Nicht mei- mich einst aus der erde Erne schuld getragen; Nicht weckst, und dann dahin erGott und mein erlöser ist, hebst, Wo ich dich schauen Wie angstvoll werd ich zagen! werde. 6. Ist Christi wort nicht Gottes finn: So werd' ich irren müssen, Und wer Gott ist, und was ich bin, Und werden soll, nicht wissen. 7. Nein, diesen trost der christenheit Soll mir kein zweifel rauben; Ich fühle seine göttlichkeit und halte fest am glauben. 8. Ich bin mun ganz dein eigenthum, Durch dich des himmels erbe; Dies, sohn des höchsten! ist mein ruhm, Auf den ich leb' und sterbe. 9. Du giebst mir deines geistes kraft, Im glauben mich zu stärken, Der wollen und vollbringen schafft Zu allen guten werken. 13. Kann unsre lieb' im glauben hier Für dich jemals erkalten? Doch ist dies liebe nur zu dir: Dein wort von herzen halten. 14. Erfüll' mein herz mit dankbarkeit, So oft ich dich mur nenne; Und hilf, daß ich dich allezeit Tren vor der welt bekenne. 15. Soll ich dereinst noch würdig sein, Deswegen schmach zu leiden; So las mich weder furcht noch pein Von deiner liebe scheiden. 16. Ja, sollt' ich gleich nicht für und für Des glaubens freud' empfinden; So lebe er doch so in mir, Daß er mich schützt vor sünden. 17. Hat Gott uns seinen sohn geschenkt( Laß mich noch sterbend denken): Wie sollt uns der, der ihn geschenkt, Wit ihm nicht alles schenken? 10. So lang ich Gottes willen gern Mit reinem her zen thue; So fühl ich freude in dem Herrn, Und im gewissen ruhe. 11. Und wenn mich meine sünde kräuft, Und ich zu Mel. Nun freut euch lieben 2c. dir, Harr, trete; Weiß ich, 72. Du, den uns Gott daß dein herz mein gedenkt, Und thut, warum ich bete. 12. Ich weiß, daß du, zum mittler gab, Zum himmel uns zu bringen, Sieh' huldreich auf den dank 62 Erste Abtheilung. dank herab, Den wir dir, loblied an! Herr, wir danJefu, singen. Du, unser trost, allein durch dich, Kann unsre seele Gottes sich Und ihres lebens freuen. ken voll entzücken, Wo ist ein Gott, der so beglücken, So lieben und so segnen kann? Du, der du mächtig bist, Wie niemand mächtig ist, Bist die liebe, Schon vor der zeit Vont ewigkeit Warst du die liebe, die du bist. 2. Uns drohten furchtbar sünd' und tod Mit allen ih ren plagen. Wer half uns, daß wir nun in noth Nicht muthloß dürfen zagen? Von Gott gesandt, erschienest du, Mit dir zugleich auch troft und ruh Und heil für unsre feelen. 3. Du kamst und wardst ein mensch, wie wir; Des ew'gen vaters liebe Verherrlichte sich ganz in dir; Aus göttlich edtem triebe Gabst du mit liebevollem sinn Dein leben für die sünder hin, Vom elend uns zu retten. 4. Lob, preis sei dir! Herr, lebenslang Gebührt dir unsre liebe! D, daß dir keiner diesen dank Je dafür schuldig bliebe! Durch dich erlöst, gehören wir Dir völlig an; o möchte dir Zur ehre jeder leben! 2. Um zu dir uns zu erheben, Gabst du in unfre brust das lebent, Und schentest uns der erde glück; Um zu dir uns zu erheben, Entziehst du unsrer brust das leben, Und schenkest uns des himmels glück. Du giebst das leben, Gott, Und führst auch durch den tod Uns zum leben, Bist liebevoll; Nur unser wohl, Nicht unser elend, schaffest du. 3. Als wir von der fünde plagen Gequält in unserm elend lagen, Und furcht und schrecken uns umfing, Fern von deiner wahrheit pfade; Da war es, Gott, als deine gitade guade Erbarmend vor uns über ging. Da rief der liebe blick Ins Leben uns zurück; Von der sünde, Von ihrer nacht Sind wir erwacht, Erwacht, um GotMel. Wachet auf, ruft uns 2c. err, wir singen deiner ehre. Erbarm dich unsrer, und 73. Herr erhöre, Nimm gnädig unser tes licht zu sehn. 4. IX. Von der Erlösung der Menschen. 63 4. Preiset ihn, ihr jubel- dem er das gesetz erfüllt; lieder! Zur erde stieg sein So daß, wer fest an sohn hernieder, Ward mensch, Christum gläubt, Gerecht und starb der fünder tod! und ewig selig bleibt. Christus hat den tod bezwun- 4. Dieß gnadenbündniß gen; Ein neues lied werd' muß bestehen, Wenn sünihm gefungen! Uns segnet denangst im Herzen tobt. und begnadigt Gott. Wir Wird welt und himmel sind mit ihm versöhnt! Ihr gleich vergehen, Bleib ich Lobgesänge tönt, Tönt zum doch meinem Gott verlobt: himmel! Erschallt schon Denn Chrifti, meines bürhier! Einst knieen wir An gen, blut Macht alle meine seinem thron, und beten an. schulden gut. Mel. Dir Gott, dir will ich c. ein 5. Der menschen bündnisse vergehen, Sie sind oft wie und heuchelei! Doch 74. M groß ist dein er- Gottes bund bleibt ewig barmen, Das mir dein gnadenplan beweist! Dunimmst mich auf mit vaterarmen, Und giebst mir deines sohnes geist, Daß ich, von sünden rein und frei, Dein neuer bundsgenosse sei. stehen, Gott ist von ewig fefter treu. Er bleibt mein schild und großer Lohn! Hier ist mein bürge, Gottes sohn. 2. Ich war zuvor von dir gewichen, Da ich in meinen sünden lag; Doch da dein sohn die schuld durchstrichen, Erschien mir ein erwünschter tag; Der that mir, Herr, durch deinen bund, Heil, segen und erlösung fund. 3. Zu diesem neuen bund der gnaden, Woraus uns heil und segen quillt, Hat Jesus alle eingeladen, Nach6. Eh' müßten berg und hügel weichen, Ch' müßt' die ganze welt vergehn. Als daß dein bund, dein gnadenzeichen, Nicht sollte ewig fest bestehen. Der friedensbund, den Gott vollstreckt, Macht, daß die hölle mich nicht schreckt. 7. Wer kann mir nun den himmel rauben, Den Gott durch diesen bund mir schenkt? Der mich verpflichtet, fest zu glauben; Der mei Erste Abtheilung. dahin in deinem bunde stehn, Und leite mich durch deine hände, Daß meine tritte richtig gehn; So führst du mich, von sünden rein, Gewiß in deinen himmel ein. 64 meinen geist schon lenkt, Wo ich in vollem gnadenschein Soll ohn' aufhören selig sein. 8. Laß mich nur, Herr, bis an mein ende Getren X. Von Christo, dem Erlöser. Mel. Ein lämmlein geht zc. 3. Dein antlig macht dem 75. Erbarmer! dich ver- blöden muth; Dein auge läehrt der christ! Zu dir, dem freund der fünder, Der du der armen zuflucht bist, Nah'n sich die menschenkinder. Holdselig ist dein angesicht! Du bist des blöden zuversicht, Der schwachen seelen stärke. Der arme nimmt von dir sein glück; Er rühmt, gestärkt durch deinen blick, Lobsingend deine werke. chelt frieden, Und deine hand, die wunder thut, Erhält den fuß der müden. Du unterhältst des glaubens licht; Wen uns des eifers feu'r gebricht, So stärkst du uns den glauben. Und du vere gönnst dem feinde nicht, Uns unsers herzens zuversicht Und unser glück zu rauben. 4. Gieb mir den willen gieb mir lust, Dein bildniß auszudrücken; Wie du, so sanft an meine brust, Den leidenden zu drücken! Der schwa chen brüder stab zu sein, Mich mit den fröhlichen zu freun, Mit weinenden zu klagen. Laß mich dem, der sein herz mir weiht, Ein herz voll frommer redlichkeit Und treue nicht versagen. 5. Laß mich mit brüderlicher huld, Den stranchelnden 2. Zur hülfe reichst du dem die hand, Der hülflos zu dir eilet; Das herz, das nirgend tröstung fand, Wird sanft durch dich geheilet. Du lenkest deiner freunde schritt; Dem, der der tugend pfad betritt, Bist du der weg der tugend. Des jünglings seele bildest du, Führst ihn dem schönsten glücke zu, Du meister seiner jugend. er X. Von Christo, dem Erlöser. erwecken, Und durch mitleidige geduld Die fremden feh' ler decken. Mein antlig sei nicht fürchterlich, Und meine seele neige sich Zu des bedrängten flehen; Dann wird mich deines leidens kraft, Nach dieser kurzen pilgrim schaft, Zum größten glück erhöhen. 65 mel in sich schließt, Und was im meer sich reget. 3. Und dennoch bist du, uns zu gut, In diese welt gekommen; Haft willig unser fleisch und blut, Sohn Gottes, angenommen. Aus der verderblichsten gefahr Zu retten, was verloren war, Wardst du ein knecht auf erden. Ohuld! die sonst nichts gleiches hat, Du starbst In voriger Melodie. 76. Lob, ehre, preis und für unsre miſsethat, Ein heiland uns zu werden. dank sei dir, Q Jesu! unser Leben! Preiswürdig bist du für und für; Wer kann dich g'nug erheben? Eh' noch die welt ward, warst du schon Groß, herrlich und des höchsten sohn, Mit ihm von gleicher ehre. Dein ist das reich, die herrlichkeit, Und du beherrschest weit und breit Der kreaturen heere. 4. Du wardst es uns, und bist es noch Jetzt auf der himmel throne; Nimmſt liebreich weg der sünde joch Mit ihrem schnöden lohne; Suchst, die ihr dienen, zu befrein; Betrübter herzen trost zu sein Ist deines herzens freude. Du giebst den müden seelen ruh; Und wer dich liebt, den stärkeſt du, Daß nichts ihn von dir scheide. 2. Dein sind sie; denn durch wessen kraft Ward himmel, meer und erde? Wer hat das leben uns verschafft? Wer sprach zum engel: werde! Du bist es, dessen allmachtsruf Die ganze welt aus nichts erschuf? Du bist's, der alles träget, Was sichtbar und unsicht5. Du hörst der deinigen gebet, Und endest ihre plage. Du bleibst, bis zeit und welt vergeht, Bei uns noch alle tage. Wir sind nunmehr dein eigenthum. Herr! dir sei ewig dank und ruhm, Für alle deine liebe! Dir geb ich mich zum opbar ist, Was erd' und him- fer hin. Gieb, daß ich mich, 10 Erste Abtheilung. 66 so lang ich bin, In deinem dienſte übe. 5. Kein glück gleicht deinem glücke, Erlöster, frommer christ; Erkenn' es ganz und blicke Auf den, des kind du bist! Empfinde seine gnade, Und preise laut dein glück, Und tritt nie auf die pfade Der sündenlust zurück! 6. Erkenne Jesu segen, Und, seiner dich zu freun, Geh stets auf seinen wegen; Er wird dir kraft ver2. Wie göttlich war die leihn. Erwecke dich zur lielehre, Die seinem mund be Für den, deß blut dir entfloß, Und sich zu Gottes floß, Der jeder tugend triebe ehre In jedes herz ergoß! Ins offne herz dir goß! Vor ihrem lichte schwanden Der finsternisse heer; Betrug und blindheit fanden Nun feine freistadt mehr. Eig. Mel. od. Balet will ich dir geb. sc. 77.Vo om himmel kam hernieder zu uns des höchsten sohn; Zum segen seiner brüder Verließ er Gottes thron. Er ward ein mensch und lehrte Die welt das größte glück; Er starb für sie und kehrte Nach seinem thron zurück. 3. Verschwunden sind die nächte, Entflohn die dunkelheit; Es siegt des mittlers rechte, Sie siegt in ewigkeit! Zerbrochen sind die ketten Und eine welt versöhnt; Er kam, sie zu erretten, Mit Gottes kraft gekrönt. 4. Er kam und ew'ger frie den, Und licht und ruh und heil Umgaben ihn hienieden, Und wurden unser theil! Er übte, was er lehrte, Und that, was er gebot; Wer ihn anbetend ehrte, Pries dadurch seinen Gott. 7. Nichts strebe zu erwerben, Als nur dies glück allein: Im leben und im sterben Sein eigenthum zu sein. Dies gibt dir muth und stärke, Und frohe willigkeit Zur übung guter wer te, Die sein gesetz gebeut. 8. Dies giebt dir trost und frieden, Wenn nichts dich trösten kann; Du weißt, er nimmt hienieden Sich deiner liebreich an. Sein wort wirkt kraft und segen, Giebt deinem herzen ruh, Und führt auf dunkeln wegen Dich hellerm lande zu. 9. Im letzten augenblide Wird dich dies wort erfreun, Und dir zu deinemt 67 X. Von Christo dem Erlöser. nem glücke Ein pfand und sie gereun. Ach, daß es nie siegel sein. Shn selbst sollst du einst sehen Am ende aller zeit, Um mit ihm einzugehen In seine herrlichkeit. mein herz vergißt, Daß du auch mein erbarmer biſt! Mel. Wer nur den lieben 2c. 78. Vor or dir, allgnädiger! erbarmer! Sink ich gebeugt im staube hin, Und fühl es ganz, wie sehr ich avmer Noch unwerth deiner gnade bin. Wie viel hast du für mich gethan! Ich schweige, stanne, bete an. 2. Ich nahe mich zu dir im staube; Vernimm mein stammelndes gebet, Mein Herr und Gott, an den ich glaube! Womit mein herz jetzt zu dir fleht: Ach wende deiner liebe blick Von mir, erbarmer, nicht zurück! 3. Du hörst mein lied, das ich dir singe, Du, der du mein erbarmer bist, Siehst, wie ich bete, kämpfe, ringe, Und wie mein herz vor dir zerfließt.. Ach öffne dem, der dir sich weiht, Die arme der barmherzigkeit! 4. Nie wirst du des erbarmens müde, Nie müde, sündern zu verzeihn, Du schenfest ihnen trost und friede, Wenn ihre fünden 5. Ich hatte dir mich übergeben, Mich dir und deinem dienst geweiht, Und du versprachst mir gnade, leben und namenlose seligfeit. Ich ward mit deinem blut erkanft, In deiner liebe tod getauft. 6. Du hast dich meiner angenommen, Mich vom verderben zu befrein; Du bist für mich herabgekommen, Willst meiner seele retter sein. Ach, daß es nie. mein Herz vergißt, Wie sehr du mein erbarmer biſt! 7. Für mich hast du die todesstille Der fürchterlichsten nacht durchwacht, Und deines segens ganze füille Auch dadurch über mich gebracht. Für mich lagſt du im kampfe da; Für mich starbst du auf golgatha. 8. O unaussprechliches erbärmen, Das nie ein sterblicher ermißt! Wie selig, daß du mir, mir armen, Der liebevollste retter bist, Wenn dir ,. der du mich erst geliebt, Mein herz sich ewig ganz ergiebt!! 9. Noch immer trägst du mich mit gnade, Sorgst lieb62 reich 68 Erste Abtheilung. reich für mein ewigs glück, sel'ger schaaren, Wo nicht Und rufft mich vom verkehrten pfade Auf deinen guten weg zurück; Wirst niemals müde zu verzeihn, Ja willst, ich soll dein erbe sein. mehr tod und sünde ist Dort werd ich es erst ganz erfahren, Wie sehr du mein erbarmer bist. Dort werd ich es erst ganz verstehn, Und dich auch würdiger erhöhn. 10. So wird mich dein erbarmen tragen Bis zu der letzten stunde graun; Auch dann soll ich nicht muthloß zagen, Nein, nur auf dich im glauben schaun. Dann wirst du mir noch nahe sein, Und mich im tode selbst erfreun. 11. Doch dort im freise XI. Bon der Menschwerdung und Geburt Christi. 1) Advents- Lieder. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. 79.Also hat Gott die welt geliebt, Daß er aus freiem trieb Uns seinen sohn zum heiland giebt. Wie hat uns Gott so lieb! 12. Dann singet einst mit engelzungen Von deiner liebe mein gefang; Dann weiht, von seligkeit durchdrungen, Mein frohes herz dir preis und dank, Daß du, o mittler Jesu Christ, Ein göttlicher erbarmer bist. 2. Was sein erbarmungsvoller rath Schon in der ewigkeit Zu unserm heil beschlossen hat, Vollführt er in der zeit. 3. Er, unser freund und bestes gut, Der alle segnen Lann, Des höchsten sohn, nimmt fleisch und blut, Doch ohne sünden, an. 4. Ich freue mich, mein heil, in dir! Du wirst ein. mensch, wie ich, Daß ich mit Gott sei, Gott mit mir. Wie sehr beglückst du mich! 5. Du, sohn des Allerhöchsten, wirst Auch mir durch rath und that Ein helfer und mein friedefürst Auf dieses lebens pfad. 6. Was mir zum felig sein gebricht, Schafft deine lieb' auch XI. Von der Menschwerdung und Geburt Christi. 69 auch mir, Versöhnung, le- muthsvoll Betend vor ihm ben, trost und licht. Wie beugen; Frendig jede naviel hab ich an dir! tion Es mit dank bekennen, Er sei Gottes höchster sohn, Unser Herr zu nennen. 4. Wer den sohn ehrt, ehrt zugleich Gott, durch den wir leben; Ist des va7. Dein mangel wird mein reiches theil, Dein lei den stillt mein leid. Durch deine demuth, Herr, mein heil, Gewinn ich herrlichkeit. 8. Gelobt sei Gott! ge- ters macht und reich Ihm lobt sein sohn! Durch den nicht übergeben? Wer zu er guad' erweist. Lobt, en gel, ihn vor seinem thron! Erheb' ihn auch, mein geist! Jesu: Herr! Herr! ſpricht, Und doch böses übet, Kennt ihn, und den vater nicht, Der nur fromme liebet. Mel. Deines Gottes freue 2c. 5. Ewig liebe dich mein 80. Von des Himmels herz, Göttlicher erbarmer! ew'gen thron Kam zu uns auf erden Jesus Christus, Gottes sohn, Unser heil zu werden. Er, er ward ein mensch, wie wir; Daß wir selig würden, Uebernahm er willig hier Schwerer leiden bürden. Denn durch deinen todesschmerz Leb' und sieg' ich armer. Du, du kennst, o menschenfreund, Unsre leidensstunden, Und wie ein verlaßner weint, Hast du selbst empfunden. 2. Nun herrscht er voll majestät, Nach vollbrachtem leiden, Als der held, 6. Du, den in der niedrigkeit Noth und angst umgaben, Kannst mun in der herrlichkeit Mitleid mit uns von Gott erhöht, Und re- haben. Jene seelenangst, giert mit freuden Weis- die du Für uns haſt ertraheitsvoll svoll das große reich, gen, Ist die quelle unsrer Das ihm Gott gegeben; ruh, Lindert unsre plagen. Fromme sollen, engeln gleich, Ewig mit ihm leben. 7. Wenn gebet und angstgeschrei Auf zum himmel 3. Ehrfurcht und gehor- dringen, Stehst du mitleidssam soll, Ihm der mensch voll uns bei, Hilfft den bezeugen, Aller kuie sich de- fieg erringen; Schenkest unsern 70 fern seelen licht, Unsern herzen leben, Daß wir, schreckt uns das das gericht, Nicht als sünder beben. 8. Du kannst zur zufriedenheit Uns im staub erhöhen; Und sobald dein wink gebeut, Muß die nacht vergehen. O wie weicht da alles leid, Wo du gnädig wohnest Und mit muth und frendigkeit Gläubige belohnest. Erste Abtheilung. 9. Weich, erbarmer, nicht von mir Einst an meinem ende, Daß auch ich den weg zu dir Freudig dann vollende! Laß, weil ich auf erden bin, Und mit noth umgeben, Deinen liebevollen sinn Meinen geist beleben. 10. Lehre in der todesnacht, Wenn die augen brechen, Mich dein wort: es ist vollbracht! Auch mit frenden sprechen. Hilf, daß ich mein vaterland Dann im geist erblicke, Daß mich in des vaters hand Ew'ges heil erquicke. 2. Schon manches jahr hast du sein wort, Zu deinem heil gehört, Und heute wird's an diesem ort, Von neuem dich gelehrt. 3. Herr, dir und deiner vatertren Bring ich mein opfer dar. Gieb, daß dein volk gesegnet sei Im neuen kirchenjahr. 4. Erhalte deiner christenheit Die lehre Jesu rein; Laß sie zur wahren heiligkeit Bei ihr gesegnet sein. thum steckt, Gieb, daß zut 5. Erleuchte, was im irrdeiner ehr' Der sünder, durch dein wort erweckt, Von herzen sich bekehr'. 6. Gieb allen lehrern freudigkeit Und weisheit, muth und kraft, Damit ihr vortrag jederzeit Für jeden mutzen schafft. 7. Erleuchte uns durch deinen geist, Und lenke unsern sinn durch deine kraft, die du verleihst, Zur wahren tugend hin. Mel Lobt Gott ihr christen z. 81. obfinge Gott, o christenheit! Der dich so innig liebt, Mit stetem wohlfein dich erfreut, Dir schutz und hülfe giebt. ander freun. 8. Zwar werden wir noch kurze zeit Allhier versammlet sein; Doch gieb, daß wir in ewigkeit Uns mit einanMel. XI. Von der Menschwerdung und Geburt Christi. 71 Mel. Von Gott will ich nicht zc. 5. Doch, was vermag 82. Mit ernst, o men- ich schwacher, Ich fünder, schenkinder, Be- ohne dich! Mein heil, mein reitet euch dem Herrn! Er seligmacher, Bereite selber kommt, das heil der sün- mich! Schon seufzt mein der; Er rettet sie so gern! herz nach dir; Es seufzet Er kommt, den Gott allein dir entgegen: Komm, komm Aus gnaden uns zum leben mit deinem segen Und wohVersprochen hat zu geben; ne stets in mir. Ihr könnt nun selig sein. 2. Kommt, reinigt eure Eig. Mcl. od. Balet will ich dir zc. feelen; Seid heilig, feid 83. Wie soll ich dich empfangen, Heil aller sterblichen! Du freude, du verlangen Der troſtbedürftigen! Gieb selbst mir zu erkennen, Wie, deiner güte voll, Dich meine seele nennen, Dich würdig preisen soll. bereit, Was zu wählen; zu fliehn, was er verbeut! Eilt willig in sein reich; Verabscheut und verlaffet, Was euer könig hasset; Vertraut ihm, bessert euch! 2. Einst streute man dir palmen, Jetzt soll die dankbegier, Mein heil, in freudenpsalmen Ergießen sich vor dir. Dich, dich will ich erheben, So gut ich schwacher kann, Mein herz will ich dir geben; Ach, nimm es gnädig an. 3. Damit du mich befreitest, Gabst du dich selbst für mich; Mich zu erretten, freutest Du, seligmacher, dich. Du sahest, es sei feiner Vermögend g'nug dazu; Da jammerte dich meiner, Da kamst du, da halfest du. 4. 3. Das hat der Herr geboten; Sein sohn selbst hat's gelehrt; Es lehren's seine boten, Und selig ist, wer hört! Ach, leben wird, wer glaubt, Und wer nicht glaubt, wird sterben. Ein jeder wird verderben, Der noch ein sünder bleibt. 4. Wer wahre demuth liebet, Den will Gott nicht verschmähn; Wer aber hochmuth übet, Der wird ihn nimmer sehn; Wer ihm sein herz ergiebt, Der wird sein tempel werden; Nicht dört mur, schon auf erden Erfahren, wie er liebt. 72 Erste Abtheilung. freun ist seine freude Und wohlthun seine luſt. 4. Tas schreibt in eure trösten stets gewußt? Erherzen, Betrübte! flagt nicht mehr; Zagt nicht in euren schmerzen, Als ob kein helfer wär. O sehet auf! ihr habet Den besten helfer nah; Der eure seelen labet, Der treue freund ist da. 7. Er macht uns von den banden Des todes ewig los, Entreißet uns den schanden Der sünd' und macht uns groß; Giebt weisheit, muth im leiden, Und kraft zu jeder that; Versichert uns die freuden, Die Gott bereitet hat. 5. Shr, die die sünde reuet, Die ihr die schuld beweint, Wißt, daß er euch verzeihet. Er selbst, der menschenfreund, Rust 8. Er kommt zum weltheilbegiergen fündern Der gerichte, Und bringt, wenn er gnade trostwort zu, Macht erscheint, Fluch jedem böſesie zu Gottes tindern, wichte, Und heil dem tuSchafft ihren seelen ruh. 6. Er übersiehet keinen, Und weiß, was jedem nützt. Hat er nicht stets die seinen Von anbeginn geschützt? Nicht sie in ihrem leide Zu gendfreund. Wohl ewig alLen denen, Die seine wege gehn, Und einft mit freudenthränen An seiner rechten stehn. 2) Weihnachts- Lieder. Mel. Christenheit zc. O, wer bin ich, Herr, daß 84.Nuf, schicke dich, du mich So herrlich hoch Necht feierlich in deinem sohn geliebet? Des heilands fest mit danten zu begehen! Lieb' ist der dank, der lobgefang, Durch den wir ihn, den Gott der lieb', erhöhen. 2. Sprich dankbar fröh: Also, also Hat Gott die welt in seinem sohn geliebet! 3. Er, unser freund, Mit uns vereint, Zur zeit, da wir noch seine feinde waren; Er wird uns gleich, Um Gottes reich Und seine lieb' an uns zu offenbaren. 4. An ihm nimm theil; Er ist das heil: Thu' täglich XI. Von der Menschwerdung und Geburt Christi. 73 fich buß' und glaub' an sei- von seinem thron Dich, heil nen namen! Der ehrt ihn der welt! dich, seinen sohn! nicht, Wer Herr! Herr! spricht, Und doch nicht sucht, fein beispiel nachzuahmen. 3. Aus dank will ich In dürft'gen dich, Dich, Got tessohn, bekleiden, speisen, tränken, Der frommen herz, In ihrem schmerz, Mit trost erfreun, und dein dabei gedenken. 6. Rath, kraft und held, Durch den die welt Und alles ist, im himmel und auf erden! Die christenheit Preist dich erfreut, Und aller knie soll dir gebeuget werden. 7. Erhebt den Herrn! Er hilft uns gern, Und wer ihn ehrt, den wird sein na me trösten. Gelobt sei Gott! Gelobt sei Gott! Freut euch des Herrn, und jauchzt ihm, ihr erlösten. 3. Wenn ich dies wunder fassen will, So steht mein geist voll ehrfurcht still; Er betet an und er ermißt, Daß Gottes lieb' unendlich ist. 4. Damit der sünder gnad' erhält, Erniedrigst du dich, Herr der welt! Nimmſt selbst an unsrer menschheit theil, Erscheinst als mensch, zu unserm heil. 5. Und zu erfüllen Gottes rath, Sprachst du sowohl durch wort als that: Gott, deinen willen thu' ich gern. Gelobt sei, der da kam vom Herrn! 6. Dich, der du mensch geboren bist, Mit uns vereint, dich Jesum Christ, Auf den die völker hoffend sahn, Dich, Gott, mein heiland, bet' ich an. Met. Vom himmel hoch zc. 85. Dieß ist der tag, den 7. Du, unser trost und höchstes gut! Vereinigst dich mit fleisch und blut, Gott gemacht; Wirst unser freund und Sein werd' in aller welt ge- bruder hier, Und Gottes dacht! Ihn preise, was finder werden wir. durch Jesum Christ, Im 8. Gedanke voller majehimmel und auf erden ist. stät! Du bist es, der das 2. Die völker haben dein herz erhöht. geharrt; Doch, als die zeit ler seligkeit! erfüllet ward, Da fandte Gott der das Herz erfreut. Gedanke volDu bist es, 9. Erste Abtheilung. 74 9. Durch eines sünde fiel die welt; Ein mittler ist's, der sie erhält. Was zag' ich mun, wenn der mich schützt, Der in des vaters schooße sitzt? 4. Durch den die welt einst worden ist, Der einst richtet, Jesus Christ, Wird uns, als seinen brüdern, gleich, Wird selber arm, und macht uns reich. Wie liebt er uns! 5. Jauchzt, himmel! erde frene dich! Gott versöhnt die welt mit sich; Uns, adams fündiges geschlecht, Entsündigt er, macht uns gerecht. Gelobt sei Gott! 11. Herr! der du uns den tag emacht, Der uns 6. Gelobet feist du, Jesus solch großes heil gebracht, Dich preise, wer durch Jesum Christ, Dein freund und dein verehrer ist. Christ, Daß du mensch geworden bist. Deß freue sich die christenheit Und dank es dir in ewigkeit. Gelobt sei Gott! 10. Jauchzt, himmel! die ihr ihn erfuhrt, Den tag der heiligsten geburt; Und erde. die ihn heute sieht, Sing ihm, dem Herrn, ein nenes lied. Eigene Melodie. 86. Gelobet feist du, Jesus Christ, Der Mel. Ermuntre dich mein 2c. du uns geboren biſt, Und 87. Gott deine guade uns zu gute wardst, wie wir; Preis sei, o welterlöser, dir, Auf ewig preis! sei gepreist; Sie schenkt uns heil und leben. Ermuntre dich, mein träger geist, Ihr wohlthun zu erheben. Denk an die nacht, da auf der welt Des höchsten sohn sich dargestellt, sein so theures leben sünder hinzugeben. 2. O große that! er= wünschte nacht! Von engeln selbst befungen! Du haft den mittler uns gebracht, Der uns das heil errungen. In dir erschien der starke held, Der alles 2. Dich, unsern heiland, unsern Herrn, Sahn die vätor schon von fern; Du, aller völker trost und licht, Du warst auch ihre zuversicht. Gelobt sei Gott! 3. Die nacht entflieht, der tag bricht an Ueber die, so nie ihn sahn; Auf die, so finsterniß umgab, Glänzt Gottes wahrheit mun herab. Gelobt sei Gott! Um Für XI. Von der Menschwerdung und Geburt Christi. 75 alles schuf und noch erhält, mir gegeben. Was mir mein Der freund der menschenkin- wahres wohl verschafft: Erder, Des todes überwinder. leuchtung, friede, beßrungskraft, Und freuden, die stets währen, Willst du auch mir gewähren. 3. Der du zu uns, gesandt vom Herrn, Aus deinem himmel kamest, Und unser fleisch und blut so gern, Sohn Gottes, an dich nahmeft, Erbarmer! o wie hast du dich, So tief erniedrigt auch für mich! Wie arm bist du er schienen, Um mir zum heil zu dienen. 7. Was soll ich dir, mein größter freund, Für deine treue geben? Du bist's, der mich mit Gott vereint, Du bringst mir ew'ges leben. Herr, was ich hab' und was ich bin, Das geb' ich dir zum dienste hin. Ich will dich stets verehren, Stets deine stimme hören. 8. Zwar seh' ich dich jetzt sichtbar nicht; Doch du wirst wieder kommen; Dannschanen dich von angesicht, Herr alle deine frommen; Dann werd' auch ich, o Jesu Chriſt! Dich schaun, so herrlich als du bist, Dann wirst du mich 4. Olehre mich den großen werth Von deiner liebe fassen! Was reizte dich auf dieser erd', Dich so herab zu laffen? Hier warteten dein nichts, als noth, Verachtung, kummer, schmerz und tod; Und doch kamst du auferden, Ein menschensohn zu werden. 5. Viel stärker, Herr, als schmerz und tod, War deine menschenliebe; Dit zum leben, Das ewig ist ersahst auf unsre sündennoth heben. Mit mitleidsvollem triebe. unser heil ſein, Nach beines vaters rath 88.nen! Danft ihm, Mel. Jefu meine freude zc. esus ist dich ein; Wardst mensch, und kamst mit freuden, Für uns den tod zu leiden. seine frommen, Dankt ihm, daß er kam! Daß er hier auf erden, Unser heil zu werden, Seine wohnung nahm. Mensch, wie wir, er hier, Um des vaters 6. Sohn Gottes, deiner freu' ich mich, Du bist mein heil und leben; Zu meiner seligkeit hat dich Dein vater Erschien 76 Erste Abtheilung. vaters gnädgen willen An schwenglich wird er lohnen uns zu erfüllen. Und der schwachheit schonen. 2. Laßt uns niederfallen, Danken, daß er allen Freund und bruder ist! Gott auf seinem throne Liebt uns in dem sohne, Hilft durch Jesum Christ. Welch ein heil! 6. Eilet, eilt, ihr fünder! Werdet Gottes finder!. Werdet seiner werth! Eilet, eilt, ihr frommen, Seid wie er vollkommen! Bleibet seiner werth! Preiset An Christo theil, Theil an ihn, Daß er erschien, Und seiner.sendung gaben, An Gott selbst zu haben! 3." Reine macht der leiden Kann von ihm uns scheiden; Er bleibt ewig tren. Einst wird er vom bösen Gänzlich uns erlösen; Hier steht er uus bei. Unser freund, Mit Gott vereint, Kann nicht seine brüder hassen, Noch sie hilflos lassen. 4. Wenn wir einst ermi den, Führt er uns in frieden, In des grabes nacht. Unsre todten glieder Giebt die erde wieder Ihm, der sie bewacht. Jesus ruft Uns aus der gruft, Er, der selbst den tod einst schmeckte, Den das grab auch deckte. sich für uns hingegeben, Durch ein göttlich leben. Mel. Allein Gott in der höh' 20. 89. Laßt uns mit ehrfurchtsvollem Den Gott der lieb' erhöhen, Mit feierlichem lobgefang Des heilands fest begehen! Preis sei dem vater, der ihn gab! Preis sei dem sohn! er kam herab, Und ward das heil der menschen. 2. Ist der ein christ, der dieses heil Nicht schätzt und lieb' gewinnet? Nimm froh an seiner liebe theil, Und werd' ihmt gleichgesinnet! Wer nicht, wie er, gesinnet ist, Der ehrt ihn nicht, iſt nicht ein christ. Der Herr erkennt die seinen! 5. Auf dem richterthrone Werden wir im sohne Un sern retter schaun. Heil 3. In dürftgen laßt uns und ewig leben Wird er al- ihn erfreun, Bekleiden, speilen geben, Die ihm hier sen, tränken! Ja Laßt uns vertraun. Er ward hier frohe geber sein, Und sein Versucht, wie wir; Ueber dabei gedenken. Was ihr den XI. Von der Menschwerdung und Geburt Ehriſti. 77 den meinen habt gethan, fen hätte, Nähm er dann Das, spricht er, habt ihr Menschheit an, Daß er uns mir gethan. Und er, er errette? Des soll sich der wills vergelten. erdkreis freuen! Zum gericht Kommt er nicht, Sontdern zum verzeihen. 5. Wenn ench eure sünden kränken, Eilt herzu, Suchet ruh', Er will sie euch schenken. Schaut auf ihn mit glaubensblicken: Zittert nicht! Denn er spricht: Ich will ench erquicken. 4. Wer ihn mit treuem herzen ehrt, Den wird sein name trösten. Vertraut auf ihn, der flehn erhört, Lobfingt ihm, ihr erlösten! Es freut sich deine christenheit, Herr, deiner menschen freundlichkeit. Dir, dir sei ewig ehre! Mel. Fröhlich soll mein H. 2c. 90. Laßt uns unserm Gott lobsingen! Hocherfreut, Laßt uns heut' Ihm anbetung bringen; In des Himmels hohe chöre Stimmet ein: Gott allein, Unserm Gott, sei ehre! 2. Jeder, der sich fühlt verloren, Freue sich Inniglich; Christus ist geboren. Er, der könig aller wesen, Steigt herab Bis ins grab, Sünder zu erlösen. 3. Wer kann Gottes rathschluß fassen? Aber dieß Ist gewiß, Gott kann uns nicht hassen! Kommt der sohn, aus freien trieben Zu uns her; Wie sollt' er Nicht die menschen lieben? 4. Wenn er uns verwor6. Drückt euch hier so manche plage; Euren ſchmerz Fühlt sein herz, Kein erlöster zage. Bringet ihm an seinem feste Preis und ehr! Wisset, er Wählt für euch das beste. 7. Er verläßt euch nicht, ihr schwachen; Mehr, als ihr, Litt er hier, Euch beglückt zu machen. Diese kurze zeit der leiden Und der müh', Was ist sie Gegen ew'ge freuden? 8. Jesu, du nahmst meine bürde Gern auf dich, Daß auch ich Frei und selig würde. Wer kann deine lieb' ergründen? Ewig soll Freudenvoll Sie mein herz empfinden. 9. Dir, mein göttlicher befreier, Folg' ich nach, Obwohl schwach, Doch um so 78 so viel treuer. Keine freatur, kein leiden, Keine noth Und kein tod Soll mich von dir scheiden. Erste Abtheilung. 10. Du kommst einst zum weltgerichte! Dann werd' ich, Richter dich Schaun von angesichte. Wenn als dann die fünder beben, So werd' ich, Deiner mich Freun und ewig leben. Mel. Wie schön leucht' uns 2c. 91. stimm' auch du mit frohem dank, Mein geist in jenen lobgesang, Davon der himmel tönte, Als der zur welt hernie der käm, Und unsre mensch heit an sich nahm, Der uns mit Gott versöhnte. Freu dich Junig! Er dein führer, Und regierer, Kam auf erden, Licht und heil auch dir zu werden. 3. Und wie vergelt' ich, heiland, dir Die große treue, die du mir Schon eh' ich war, bewiesen? Du bahntest unter bitterm leid Auch mir den weg zur seligkeit. Sei hoch dafür gepriesen! Durch dich Kann ich Nun hienieden Gottes frieden Schon empfangen Und einst volles glück erlangen. 4. O gieb, daß ich an diesem heil Nun auch im wah ren glauben theil Durch deinen beistand nehme; Daß ich hinweg vom eitlen seh, Die wege deiner wahrheit geh' Und dein mich nimmer schäme, Bis ich durch dich, Wenn ich sterbe, Zu dem erbe Deiner frommen Auch dereinst werd' aufgenommen. 5. Ich bringe dir ein dankbar herz, Bereit in frenden und im schmerz, Wie dirs gefällt, zu wandeln. Verleihe du mir selbst die kraft, Nach deinem wort gewissenhaft Zu denken und zu handeln. Fröhlich Will ich Hier im leben Dich erheben Und einst droben Wonnevoll dich ewig loben. 2. Ja, preis und ehre, Gott, sei dir! Wie gnadenvoll bist du auch mir In deinem sohn erschienen! Du sandtest aus erbarmen ihn, Die dem verderben zu entziehn, Die schnöden lüften dienen. Preis dir, Daß mir Neue pfade Zu der gnaEigene Melodie. de Offen stehen, Mich der 92. Lobt Gott, ihr chrisünd' entrückt zu sehen. sten, freuet euch! Von XI. Von der Menschwerdung und Geburt Christi. 79 glückt sind wir! Lobt Gott, und freuet euch! Von seiner hinimel thron Beruft er uns zu seinem reich, Und sendet seinen sohn. 2. Der sohn kommt, nach Mel. Dir, Gott, dir will ich zc.. des vaters rath, Mit heil 93. tag, dem aller chöre uns zu erfreun, Und auf des ew'gen lebenspfad Der welt ein licht zu sein. 3. Bei seinem eintritt in die welt Umgiebt ihn keine pracht, Die glänzend in die augen fällt, Und groß vor menschen macht. 4. Er wird dem ärmsten knechte gleich, Begehrt kein erdenglück, Verlangt allhier kein königreich Von einem augenblick. 5. Er kommt, durch seiner wahrheit macht zu Gott uns hinzuziehn; Vor seinem lichte muß die nacht Des aberglaubens fliehn. 6. Er lehret uns die sünde scheun, Er giebt auch kraft dazu, Und schafft uns, wenn wir sie bereum, Begnadigung und ruh. 7. Er bringt den trost der bessern welt Vom himmel uns herab. Nun schreckt, wann unsre hütte fällt, Den frommen geist kein grab. 4. Es feierten des himmels chöre Den großen tag, der ihn gebar: Dem Herrn des himmels sei die ehre! Ihm, der da ist, und der da war! Jauchzt, menschen 8. Er öffnet uns dereinst euer heil ist da! Singt mit die thür Zu seinem himmel- uns ein halleluja! reich. Ihr christen, wie be- 5. Empfang' ihn, christ, mit Der engel halleluja sang, An dem schon manche freudenzähre Jus auge frommer christen drang: Wie segensvoll und festlich ist Dein tag der ankunft, Jesu Christ! 2. Aus liebe kamest du hernieder Zu uns vom sitz der herrlichkeit, Zu retten fünder, deine brüder, Zu geben ruh und seligkeit. Kein tag ist diesem tage gleich, An wonne und an segen reich. 3. Erhabne liebe! kein exempel Der liebe gleicht der liebe nicht; Dir werde jedes herz ein tempel, Und fühle heute seine pflicht: Sich deiner ankunft zu erfreun, Und ganz sich deinem dienst zu weihn. 80Erste Abtheilung. und bringt uns allen heil und. leben. mit tausend frenden, Den ret- Doch ohne sünd', Wird er ter ans der größten noth; Ihn, der für dich auch kämpfen, leiden Und sterben will den opfertod. Ach dank' ihm, seine lieb' ist groß! Dank ihm und segne mun dein loos! 6. Verehre ihn mit deinen brüdern In seinem tempel, bet' ihn an! Schwing dich in andachtsvollen liedern Zum thron der herrlichkeit hinan; Und freue dich, daß Jesus Christ Dein und der welt erretter iſt. 4. Auch mein gesang, Herr, bringt dir dank, Du wurdest mensch, damit wir selig würden; Du machst uns groß Und ewig los Vom fluch der sünd' und ihren schweren bürden. 5. Gelobt sei Gott! Auf unsre noth Sah' er mit hülfe mitleidsvoll hernieder. O christenheit! Preif' ihn erfreut! Des höchsten sohn bringt das verlorne wieder. Mel. Nun lob' mein' seel' ze. 95. Vom om grab', an dem wir wallen, Soll, Jesu Chrift, dein lobgesang Empor zum himmel schallen! Dir opfre jede seele dank! Und jeder der gebornen Erfren' sich, mensch zu sein. Und jeder 2. Welch' große that! der verlornen, Rühm' es Nach Gottes rath Hat sich erlös't zu sein. Uns ist sein sohn für uns dahin ge- das kind gegeben; Gebogeben. Ein menschenkind, ren uns der sohn! Mit ihm 7. Sein tag sei dir unendlich theuer, So oft du ihn noch hier erlebst, Und werde dir einst himmelsfeier, Wenn du dich ganz zu ihm erhebst; Dann mische sich dein reiner dank In aller himmel Lobgesang. 3. Er, er befreit Uns von dem leid Das durch der sünde macht auf uns gekommen. Mit uns ist Gott Nun in der noth. Frohlockt dem Herrn, und hofft auf ihn, ihr frommen! Eigene Melodie 94. christenheit, Sei hoch erfreut! Das heil der welt, der mittler ist geboren. Nimm freudig theil An seinem heil; Wer an ihn glaubt, wird nimmermehr verloren. XI. Von der Menschwerdung und Geburt Christi. 81 ihm erscheint das leben, Mit ihm des himmels lohn. 4. O du, dem jetzt die menge Der engel und verklär2. Kommt, laßt uns nie- ten singt, Vernimm die lobderfallen Vor unserm hei- gesänge, Die dir dein volk land, Jesu Christ, Und dan- im staube bringt. Auch du ken, daßß er allen Erretter, warst einst auf erden, Was freund und bruder ist. Er, deine brüder sind: Ein dulgleich der morgensonne Mit der der beschwerden, Ein ihrem ersten strahl, Ver- schwaches menschenkind, Was breitet licht und wonne, Und du nun bist, das werden leben überall! Durch ihn Einst deine brüder sein, kommt heil und gnade Auf Wenn sie entrückt der erden unsre welt herab; Er seg- Sich deines anschauns freun. net unsre pfade Durchs leben, bis zum grab. 3. Frohlockt, ihr mitgenossen Der sünde und der sterblichkeit! Nicht länger ist verschlossen Der eingang zu der herrlichkeit. Zu unsrer erd' hernieder Kam Gottes ew'ger sohn: Nun hebt er seine brüder Empor zu Gottes thron. Er ward das heil der fünder, Und der verlornen hort; Nun sind sie Gottes finder Und Gottes erben dort. 5. Bald sind wir zu dem lohne Der himmelsbürger dort erhöht: Nah sind wir dann dem throne Und schauen deine majestät. Nicht mehr aus dunkler ferne Dringt dann der dank zu dir: Weit über sonn' und sterne Erhaben, jauchzen wir. Und mit der himmel heere Schallt unfer lobgefang: Dem ewigen sei ehre! Dem weltversöhner dank! Von der Erscheinung Christi. Mel. Nun freut euch lieben zc. Dies sei dir, welt, ein frent96. ein heil hat heut, dentag. Die nacht, die auf volk Gottes, sich Zu nähern angefangen, Ein helles licht ist auch für dich Den völkern aufgegangen. den völkern lag, Durchbrach zuerst sein schimmer. 2. Kaum sandte Gott mit seinem sohn, Der erde F große 82 Erste Abtheilung. nem wahren Ifrael Nun auch die heiden dankten. große freuden: So sammelt in dir, Immanuel, Mit deier sich selber schon Die erstlinge der heiden. Zu ihrem neugebornen Herrn Muß sie ein wunderbarer stern Aus fernen landen führen. 3. Der vor'gen zeit denkt, christen, doch. Heil euch! sie ist verschwunden. Was war't ihr, eh' der Herr euch noch, Ch' ihr noch ihn gefunden? Fragt euch nur selbst, was waret ihr? O deutsches volk, erwecket dir Dein vor'ges bild nicht grauen? 4. Ein volk, mit Gott ganz unbekannt, Von seiner lehr' entfernet, Das von der tugend abgewandt, Nur böses thun gelernet; Das todten stein, geschnitztes holz, Wohl gar auf seine blindheit stolz, Als seine götter ehrte. 5. Du gingst in schandund laster hin. Wie jede lust dich führte. Wenn ja auch den verkehrten sinn Noch das gewissen rührte: So konnte da doch aus der noth, Die die natur schon sündern droht, Dir nichts den ausweg zeigen. 7. Nun prüfe heut, volk Gottes, dich Vor seinem angesichte. Beharrst du unveränderlich In seiner wahrheit lichte? Was hilft die übung des gebets Zum wahren Gott, wenn du noch stets Der sünde sclavisch fröhnest? 8. Was hilft es, daß du Gott erkennst, Und ſeinen ganzen willen, Wenn du das thun und wissen trennst, Und säumst, ihn zu erfüllen? Wenn du oft treu gelobst und brichst; Zwar christlich glaubst und christlich sprichst, Und doch als heide wandelst? 9. Ach, prüfe dich! Gott nimmt sein licht, Wenn man's nicht schätzt, zurücke. Steh' auf vom schlaf, damit er nicht Sein wort auch dir entrücke. Gott! hör' uns nicht zu tragen auf, Und fördre deiner lehre lauf Noch zu den fernsten heiden. Mel. Schmücke dich, o liebe zc. 6. Beglückter tag, der jene 97. Gott! dein unsicht bares wesen, macht Des götzendiensts entwendet! Daran uns Gott nach langer nacht Sein licht und heil gesendet! Da Gott sich in dem lichte lesen, Das du uns für dieses leben Hast mit der vernunft gegeben. Daß XI. Von der Menschwerdung und Geburt Christi. 83 uns aufgestecket, Uns den weg des heils entdecket! Da du deinen sohn zum leben Der verlornen welt gegeben, Sehn wir unsers Gottes klarheit, Und empfangen guad' und wahrheit. 5. Gott! wie groß in deinen wegen Und für uns wie reich an segen Zeigt dich uns das wort vom glauben! Wer will uns den himmel rauben, Wenn wir auf dein Zeugniß bauen, Deiner vaterhuld vertrauen, Jesum gläubig heiland nennen, Und das durch die that bekennen? Daß du Gott bist, muß ich merken, Herr, aus deinen großen werken; Und die pflicht, dich zu verehren, Kann mich deine schöpfung lehren. 2. Die vernunft zeigt deine größe, Und entdeckt mir meine blöße: Ich soll mich mit Gott verbinden, Doch dies hindern meine fünden, Und ich kann sie nicht versühnen; Meine kraft kann nichts verdienen. Ach vermunft! dies ist der schade; Aber wie find' ich nun gnade? 3. Hier erscheint in größter klarheit Uns ein licht: das wort der wahrheit. Dies verspricht den geistlich armen Reiches göttliches erbarmen. Hier ist heil für menschenkinder; Hier ein bürge für die fünder; Hier steht allen, die sein hoffen, Nun der weg zum himmel offen. 4. Lob und preis, und dank und ehre Sei dir, Herr, für dieſe lehre, Die ein licht mel bringen! 6. Ist dies nicht von uns geschehen; O vergieb uns das vergehen! Sieh' hier unsers herzens rene, Und mach unsern glauben neue. Ach, das wort des ew'gen lebens Gabst du uns doch nicht vergebens. Laß es ihm bei uns gelingen! Laß es uns zum himUm Tage der Darstellung Christi im Tempel. Mel. Herr Jesu Christ, mein's 2c. trost und theil, Erfreue mich 98. Dich bitt' ich, hei- mit deinem heil. land aller welt! An welchem sich mein glaube hält, Sei meines Herzens 2. Weil du mein treuer heiland bist, Der mir von Gott gegeben ist; So reiF 2 nige Erste Abtheilung. 84 nige herz, sinn und muth Und mache mich gerecht und gut. 3. Zeig' mir die bahn, o helles licht, Zu meinem heil und meiner pflicht. Du bist allein mein preis und ruhm, Und ich dein ew'ges eigenthum. 4. Dein friede, Herr, bewahre mich; Mein auge blicke stets auf dich; So will ich gern aus dieser welt Hinfahren, wann es dir gefällt. 3. Was nur dem fleische wohlgefällt, Vollbringet die verkehrte welt, Und schändet das gewissen. Doch erntet sie schon schaden hie, Und größre strafe noch wird sie Dereinsten leiden müsſen. 4. Doch, wer vom geist, wie Simeon, Sich treiben läßt; nur Gottes sohn Zum heil begehrt zu haben; Gott fürchtet, sich der welt entwöhnt, Aus ihr sich nach dem himmel sehnt; Der opfert rechte gaben. 5. Wer durch das wort, darauf er traut, Im glauben seinen heiland' schaut; Der kann im frieden fahren. Der heiland hält, was er verspricht. Er wird sich ihm in seinem licht Dort herrlich offenbaren. 99.W Mel. Kommt her zu mir zc. ohlauf mein herz! verlaß die welt, Dem, der für dich sich dargestellt, Dich ihm auch darzustellen! Er ist das licht; drum sei gewiß, Er werd' auch deine finsterniß Durch seinen glanz erhellen. 2. Ach! du sollst ihm sein 6. Herr mache mich ge tempel sein! Er selbst macht recht und rein, Herr, laß dich von sünden rein, Und mich stets voll glauben sein, hat hier lust zu wohnen. Doch Und stets im geiste leben! hoffe nicht, daß Jesus Christ Bis du auch mich, wann dir's In solchen herzen wohnhaft gefällt, In frieden wirst ist, Die noch den Lüsten aus dieser welt Hinauf zu frohnen. dir erheben. Am Tage Mariä Verkündigung. Mel. Das Jefalein soll 2c. sündern angebrochen, Die 100, № un ist der tag der lang erwünschte gnadenzeit, seligkeit Den Die Gott der welt versprochen: XI. Von der Menschwerdung und Geburt Christi. 85 chen: Denn Gottes sohn Ist War er schon reich, Wird von dem thron Zu uns her- er doch gleich Den armen nieder kommen; Das höch- menschenkindern. ste gut Hat fleisch und blut Von menschen angenommen. 2. Nun ist des vaters wort erfüllt; Der gläubigen verlangen Ist nun nach herzens wunsch gestillt, Denn Jesus ist empfangen. 3. O Jesu, unser Herr und Gott, Der du in's fleisch gekommen Und unsrer dich bis in den tod So hülfreich angenommen, Hastnach dem streit Die herrlichkeit Des ew'gen reichs empfangen, Drum weruns erhält, Hat sich gesellt den wir Auch einst bei dir Zu den verlornen fündern. Ein ew'ges glück erlangen. Der Am Tage Johannis des Täufers. Mel. O Gott, du frommer 2c. gestreckter finger. Seht! Got101. lag die ganze tes opferlamm, Das mit der schuld belegt, Für uns geschlachtet wird, Und alle strafen trägt. welt Mit sündennoth beladen; Da öffntetest du, Gott, Die schätze deiner gnaden. Dein sohn erscheint; du schickst Den, dessen dienst die bahn Dem herrn bereiten soll, Alls seinen knecht, voran. 4. Wohl dem, der diesen tod, Auf den Johannes weiset, Mit festem glauben faßt, Und dankbar heilig preiset. Wer, seinem taufbund treu, Sich Jesu ganz ergiebt, Der wird in ihm von Gott Begnadigt und geliebt. 5. Das werd' auch unser theil! Johannis amt und lehre Verherrliche noch stets, Gott, deines namens ehre. Wer buße thut, und glaubt, Hat trost zu jeder zeit. Wer glangt und heilig lebt, Der bleibt in ewigkeit. 2. Die juden sollte er Von deinem heil belehren. Gott, ihn auch ehrest du, Um deinen sohn zu ehren. Sein vater wird erst stumm: Der stumme schnell beredt, Und weissagt, da auf ihn Der geist des Herrn geräth. 3. Allein zu Jesu hin Verweist er seine jünger; Allein auf Jesum zeigt Sein ausXII. 86 Erste Abtheilung. hohen Würde Christi und seinem Wandel auf Erden. XII. Von der Mel. Mir nach, spricht Christ. 2c. 5. Herr, lehre mich, 102.D u, deines va- dein eigenthum, Nach deiters ebenbild, ner tugend streben. Dir Ihm gleich an menschenliebe; gleichgesinnt sein, sei mein Du warst, o Jesu, ganz er- ruhm, Und wonne, so zit füllt. Mit Gott geweihtem leben. O hilf, daß ich so triebe. Er war dein ziel, dein gern, wie du, Den willen Höchstes gut; Ihm folgtest deines vaters thu'! du mit heldenmuth. 7 2. Du warst mit ihm ein Mel. Fürwahr, du bist, o Gott zc finn, ein herz; Sein wille 103. Auf erden wahrwar dein wille; Du ehrtest auch im Herbsten schmerz Ihn mit zufriedner stille. Selbst auf der allerrauhsten bahn Sahst du ihn noch als heit auszubreiten, Die wahrheit, die vom himmel stammt, Und uns zum ew'gen glück zu leiten, Das Herz zu Gottes lieb' entflammt; Dazu erschienst du, Jesu hier, Von Gott gesandt zum heil auch mir. vater an. 2. Dies war das tägliche geschäfte, Darin dein geist vergnügen fand. Wie emtsig hast du zeit und kräfte, Beseelt von liebe angewandt, Durch deiner lehre hellen schein Der menschen seelen licht zu sein! 3. Du suchtest nichts, als sein gebot Vollkommen zu erfüllen; Und unterwarfst dich, bis zum tod, Ganz deines vaters willen. Dein haupt geschäft war das allein, Vollender seines raths zu sein. 4. 3um freuze gingst du ruhig hin, Uns ruhe zu erwerben; Bereit, mit göttlich großem sinn, Zum heil der welt zu sterben, Warst du zur tiefsten schmach gefaßt, Und frugst der schwersten leiden last. 3. Ihr licht, den weg zu Gottes gnade Und ihrem heil recht einzusehn; Shr licht, auf diesem sel'gen pfade Mit sicherm schritt einher XII. Von der hohen Würde Christi und seinem Wandel zc. 87 her zu gehn; Ihr licht, mit ben sich, Herr Jesu, dein freudigem vertraum Hin in und lobet dich. die ewigkeit zu schaun. 4. Und um der welt dies licht zu werden, Wie willig übernahmst du nicht Auch selbst die größeſten beschwer den! Und drückte dich gleich ihr gewicht, So trugst du doch, voll güt' und huld, Sie gern mit himmlischer geduld. 2. Du kamst zu uns, von Gott gesandt, Und machteſt uns den weg bekannt, Wie wir, befreit von sündenschuld, Theilhaftig werden seiner huld. Auf ewig sei dir dank und rühm, Herr, für dein evangelium! 5. Fürwahr, noch immer ist das leben, Das du auf erden hast geführt, Ein se gen, den uns Gott gegeben, Dafür ihm ewger dank gebührt; Ein segen, dessen auch mein geist Sich freut, und dich, erlöser, preist. 4. Dies und die wunder dei6. Ja, preis fei dir, du ner hand Sind uns ein sichbester lehrer, Auch mir zum res unterpfand, Was man heil von Gott gesandt. O würde jeder dein verehrer, Der deinen werth noch nicht erkannt! Gieb, daß ich deiner wahrheit tren, Und ewig durch sie selig sei. aus deinem mund gehört, Sei wahrheit, die uns Gott gelehrt. Nie schwäche mir der frevler spott Den glauben an dies wort von Gott! Mel. Vater unser, der 2c. 104. ein lehrer ist dir, Jesu gleich; An weisheit und an liebe reich, Bist du, sowohl durch wort als that, Der schwa chen menschen sich'rer rath. Es freut mein geist im glauDie 3. Du sahest, in der gottheit licht mit aufgeklärtent angesicht, Was nach des höchsten weisen rath, welt noch zu erwarten hat; Auch machtest du durch deinen mund Die zukunft ſelbst den menschen kund. 5. Du lehrtest uns durch wort und that Den weg zit Gott, der tugend pfad. Du bist das haupt, du gingst voran; Gieb, Herr, daß ich auf dieser bahn, Gestärkt vondir, mit steter treu Dir nachzufolgen eifrig sei. 6. Du bist es, Herr, vont dem das amt, Daß die verföh 88 Erste Abtheilung. söhnung predigt, stammt. Du wandel heiligkeit; Dein stremachst durch treuer lehrer mund Noch jetzt dein heil den menschen kund, Begleite stets mit deiner kraft Ihr amt, damit es nutzen schafft. ben Gottes ehre; Auch da du littest ohne schuld, Ertrugſt du's willig mit geduld. 7. Noch immer hilfst du deinem wort In seinen sie gen mächtig fort. Du sendest, wie- dein mund verheißt, Noch immer deinen guten geist, Der dem, der wahrheit sucht und liebt, Zum glauben licht und kräfte giebt. 3. Der fummervollen trost zu sein, Zu wehren jedem leide, Stets wohlzuthun und zu erfreun, War dir die größte freude, Und eines jeden menschen schmerz Durchdrang dein liebevolles herz. 8. Mein heiland, send' ihn auch zu mir, Daß er mich zu der wahrheit führ', Von eigendünkel mich befrei, Damit ich dir gehorsam sei; Bis mich dereinst in ewigkeit Ein hellres licht bei dir erfreut. Mel. Mir nach, spricht Christ. 2c. 105.Welch hohes bei ſpiel gabst du mir, Erlöser, durch dein leben! Sollt ich nicht gern und mit begier Dir nachzuahmen streben? Nicht gehn den weg, den du betratst, Nicht willig thun, was du gern thatst? 2. Dein herz, von sünden nie entweiht, War rein, wie deine lehre; Dein ganzer 4. Du trugst mit sanftmuth und mit huld, Die schwachheit deiner freunde; Mit sündern hattest du geduld, Und bat'st für deine feinde; Du warst gehorsam bis zum tod, Und ehrtest selbst im tode Gott. 5. Dies große beispiel hast du mir, Zum vorbild hinterlassen; Daß ich gesinnet sei gleich dir In meinem thun und lassen. Sei standhaft, sprichst du, so wie ich, Komm, folge mir, und thu', wie ich. 6. Ich komme, Herr, gieb kraft und licht, Daß ich mein heil erkenne, Dein wahrer schüler sei und nicht Mich nur zum schein so nenne, Damit ich deinem beispiel tren, Und andern selbst ein beiſpiel ſei! XIII. XIII. Von dem Leiden, Tode und Begräbniß Jesu. 89 entgegen, Weil ich durch dich gerettet bin. Vorbereitung zur Betrachtung des Leidens Jesu. Mel. Schon viele Tage sind z. mein seligster gewinn, Mein 106. Laß mir die feier herz schlägt dir voll dank deiner leiden, O großer dulder! heilig sein, Um jede fünde gern zu meiden, Und dir mein leben ganz zu weihn; Dir, dessen blut für mich geflossen, Des herz für mich im tode schlug, Der ruhig, heiter und ent schlossen Auch meiner fünden strafe trug. 4. Bleibt mir in diesen tagen theuer, Gethsemane und golgatha! Ihr örter, wo die welt die feier, Der allergrößten liebe sah. Nach euch will ich voll andacht schauen, Wo mein erlöser litt und starb, Und mur allein auf den vertrauen, Der mir die seligkeit erwarb. Mel. Herzliebster Jefu, was 2c. err, stärke mich, 107. 2. Ach! in den stillsten meiner stunden Will ich nach deinem kreuze sehn, Und dich für deine pein und wunden Mit meinem thränendank erhöhn: Gerührt die große lieb ermessen, Die noch kein sterblicher gefaßt, jene liebe hinzulenken, Die Und nie es undankbar vergefsen, Was du für mich gelitten hast. dein leiden zut Mein Herz auf bedenken, dich bewog, von aller schuld des bösen uns zu erlösen. 3. Mir sollen diese feierzeiten Der größten liebe heilig sein, Ich will dich an dein kreuz begleiten, Und alles, was dir mißfällt, scheun. Dein leiden sei auch mir zum segen, Dein tod 2. Vereint mit Gott, ein mensch gleich uns auf erden Und bis zum tod am freuz gehorsam werden; An unfrer statt gemartert und zerschlagen, Die fünde tragen! 3. Welch wundervoll hochheiliges geschäfte! Sinn' ich ihm 90 Erste Abtheilung. ihm nach, so sinken meine menschlichen gedanken; Doch kräfte, Mein Herz erbebt; soll't ich d'rum in meinem ich sehe und empfinde Den glauben wanken? Ich bin ein fluch der sünde. mensch; darf der sich unterwinden, Gott zu ergründen? 4. Gott ist gerecht, ein rächer alles bösen. Gott ist die lieb' und läßt die welt erlösen; Dies kann mein geist mit schrecken und entzücken, Am kreuz erblicken. 8. Bei Gott steht's, gnad' und liebe zu erweisen; Uns kommt es zu, sie demuthsvoll zu preisen, Zu sehn, wie hoch, wenn Gott uns 5. Es schlägt den stolz gnad' erzeiget, Die gnade auf mein verdienst darnieder; steiget. Es beugt mich tief und es erhebt mich wieder; Lehrt mich mein glück, macht mich aus Gottes feinde Zu Gottes freunde. 9. So sei dann ewig auch von mir gepriesen Für das erbarmen, daß du mir erwiesen, Da du, mein heiland, auch für mich dein leben Dahin gegeben. 10. Du liebtest mich; ich will dich wieder lieben, Und stets mit freuden deinen willen üben; O gieb zu dieſem seligen geschäfte Stets neue träfte. 6.0 Herr! mein heil! an den ich herzlich glaube, Ich liege hier gebückt vor dir im staube; Verliere mich mit dankendem gemüthe In deiner güte. 7. Sie übersteigt die Dankbare Erwägung der Leiden Jesu. Mel. Alle menschen müssen zc. im verderben lassen; Ach wie dank, wie dank ich dir, Mein erlöser, g'nug dafür! 108.Du, der menschen heil und leben, Des sich meine seele 2. Menschenfreund, von freut, Der für mich sich Gott gesendet, zu erfüllen hingegeben, Stifter meiner seinen rath, Längst hast du seligkeit; Du, der lieber dein werk vollendet, Wegwollt erblassen, Als mich zuthun die missethat. Doch, in XIII. Von dem Leiden, Tode und Begräbniß Jesu 91 in den gedächtnißtagen Dei meinen letzten stunden Floß ner leiden, Jesu, sagen Dei auch mir aus deinen wunden. ne theu'r erlösten dir Billig Herr, ich dank, ich danke dir nenen dank dafür. te Einst in tode noch dafür. 7. Ruh' im leben, trost am grabe; Unaussprechlicher gewinn, Den ich dir 3. Du betratst, für uns zu sterben, Willig deine lei densbahn; Stiegst, uns le ben zu erwerben, Gern den zu danken habe! Dir, des todesberg hinan; Trugst, ich mun ewig bin! Jeſu! vergessend eigne schmerzen, Deine menschen mur im herzen. Diese liebe preisen wir, Unvergeßlich sei sie mir! dir mein herz zu geben, Teiner tügend nachzustreben, Dir zu traun, zu sterben dir: Dies, dies sei mein dank dafür. 4. Meinetwegen trugst du baude, Littest frecher läst'rer ſpatt, Achtetest nicht schmach Mel. Jesu leiden, pein und zc. und schande, Mein versöh= 109. Mein erlöſer, ner Gott! Mich auch für mich Gingst du hin zum leiden, Und entsagtest williglich Allen erdenfreuden. Dit sahst bande, schmerz und hohn, Sahst den tod von ferne! Doch ertrugst du, Gottessohn, Alle leiden gerne. 5. Frevler krönten dich zum hohne; Deine ftirne blutete Unter einer dornenkrone, Kö- 2. Du entflohst nicht der nig aller könige. Das hast du gefahr, Die dem leben drohfür mich gelitten, Mir die te: Als die stund erschienen ehrenkron erstritten. Preis, war, Gingst du froh zum anbetung, dank sei dir, Ehr- tode. Muthig übergabst du furchtwürdigster, dafür. dich In der feinde hände, Und bliebst unveränderlich Tren bis an das ende.. 6. Du, der tausendfache schmerzen Mir zu liebe gern ertrug, Deinem großmuthvollen herzen War mein heil belohnung g'nug. Trost in 3. Lehre mich, wie dit so still Und getrost zu leiden, Und, wenn es dein rath einst hast du der noth entrissen, Die mich hätte treffen müssen. Wie verpflichtet bin ich dir, Lebenslang, mein heil, dafür! 92 Erste Abtheilung. einst will, Selig zu verschei- großmuth auch für mich den. Stärke mich, wenn So willig hast erduldet. ich einmal Sterbend zu dir Ach, laß mich meine schuld flehe, Daß ich durch das to- bereun, Um gnade flehn, desthal Ohne schrecken gehe. die fünde scheun, Für die du bist gestorben! 4. Dank, o Jesu, dank sei dir Für dein bittres leiden! Denn dadurch er warbst du mir Deines him mels freuden. Nunmehr weiß ich, daß im tod Ich nicht ewig sterbe; Denn ich bin versöhnt mit Gott, Vin des himmels erbe. Mel. Herr Jesu Chrift, du h., od. Wenn mein stündlein zc. 110. He err Jesu, deine angst und pein, Und deine schweren leiden, Laß all'zeit mir vor augen sein, Die fünden zu vermeiden. An deine ausgestandne noth, An deinen martervollen tod, Laß fruchtbar mich gedenken. 2. Die angst, die deine seele litt, Da schrecken sie umfingen; Was du ertrugst, um uns damit Befreiung zu erringen: Das präge tief mir, Jesu, ein, Und laß mir's ernste warnung sein, Wenn mich die fünde reizet. 4. Du famest von des himmels thron, Ins elend hier hernieder; Ertrugest schläge, spott und hohn, Und starbst für deine brüder, Um uns, nach deines vaters rath, Von unsrer sünd und missethat Auf ewig zu erretten. 5. Drum soll mein herz voll dankbarkeit, Erbarmer, dir lobsingen. Und wenn du einst zur seligkeit Aus gnaden mich wirst bringen, Dann will ich, dein erlöseter, Dich ewig und viel würdiger, Mit allen sel'gen loben. 6. Laß, Jesu, deine angst und pein Und deine schweren leiden Mir kraft und trost im leben sein; Und wenn ich werde scheiden, Dann hilf, daß ich durch deinen tod Beschließe alle angst und noth, Und selig sterbe! amen! 3. Durch meine fünden Mel. Herzliebster Jesu zc. habe ich Dies leiden selbſt 111. Gott, der du für verschuldet, Das du voll uns deinen sohn XIII. Von dem Leiden, Tode und Begräbniß Jesu. 93 sohn gegeben, Wer kann deine huld erkennen, Voll doch g'nugsam deine huld zuversicht dich meinen vater erheben? Wie herrlich zeigst nennen, Und zum gehorsam du im erlösungswerke Der dir mein ganzes leben Wilgnade stärke. lig ergeben. 2. Dein ew'ger sohn stirbt für die menschenkinder; Der heiligste tritt an die statt der fünder; Der seligste begiebt sich seiner freuden Für uns zu leiden. 8. Was mir dein sohn, da er für mich gestorben, Von deiner huld durch seinen tod erworben, Das werde mir zu meinem ew'gen heile, Nun auch zu theile. 3. Er wird das lamm, das aller sünden träget ,. Drauf du die strafe weislich selbst geleget; Daß du die schuld an den verlornen schaafen Nicht dürftest strafen. 4. Was ist der mensch, daß du sein so gedenkest, Und deinen ſohn ihm zum versöhner schenkest? Was findest du an mir und an uns allen Für wohlgefallen? 5. Verdient verachtung gütiger gesetze, Verdient verschwendung unschätzbarer schäße, Verdient gehäufte gröbliche verschuldung So viele duldung? 6. O welche tiefe deiner menschenliebe! Wer faßt, o Gott, die größe ihrer triebe? Du thuft weit mehr zu unserm wohlergehen, Als wir verstehen. 7. Ach lehre mich recht 9. Dein friede wohne stets in meinem herzen, Und tröste mich bei des gewissens schmerzen; Dein geist ſei mit mir, deinen guten willen Treu zu erfüllen! In voriger Melodie. 112. Laß deinen geist mich stets, mein heiland, lehren, Dich unter deinen leiden so zu ehren, Daß ich getreu in dem beruf der liebe, Mich christlich übe. 2. Das gute thun, das böse flichn und meiden, Herr, diese große pflicht lehrt mich dein leiden. Kann ich zu= gleich das böse mir erlauben Und an dich glauben? 3. Da du dich selbst für mich dahin gegeben, Wie könnt' ich noch nach meinen lüsten leben? Und nicht vielmehr. 94 Erste Abtheilung. mehr, weil ich dir angehö- Der du für mich litteſt; re, Zu deiner ehre? Und, erhöht auf Gottes 4. Ich sollte nicht, wenn thron, Jetzt noch für mich leiden dieser erden, Wenn bittest! Welche wohlthat ist noth mich trifft, gelaß'nen für mich Dein so bittres herzens werden? Da du so leiden! O wie preis ich viel für uns, die wir's ver würdig dich, Stifter meischuldet, Liebreich erduldet? ner freuden! 5. Für welche du dein leben selbst gelassen, Wie könnt' ich sie, sie meine brüder, hassen? Ich will der liebe pflicht nicht übertreten, Will für sie beten. 6. Ich will nicht haß mit gleichem haß vergelten, Wenn man mich schilt, nicht rächend wieder schelten; Du trugst ja auch die fehler schwacher brüder, Und schaltst nicht wieder. 7. Ein reines herz, gleich deinem edlen herzen, Dies, Jesu, ist der dank für deine schmerzen. Und Gott verleiht zu jedem guten werke, Uns kraft und stärke. 8. O welches glück! du littest uns zu gute; Ich bin versöhnt in deinem theuren blute. Du hast auch mir, da du für mich gestorben, Das glück erworben. Mel. Jesu leiden, pein 2c. 113. Mein erlöfer, Gottes sohn, 2. Dir, dem Herrn der herrlichkeit, War es ja gegeben, Ohne schmerzen, ohne leid, Ewig froh zu leben. Aber, o der großen huld! Daß ich selig würde, Uebernahmst du in geduld Schwerer leiden bürde. 3. Nun kann meine miſsethat Noch vergebung finden; Denn du starbst, nach Gottes rath, Für der menschen sünden. Unsre lasten trugest du, Litt'st, uns zut erretten, Daß wir im gewissen ruh, Mit Gott friede hätten. 4. Was uns lust zur beßrung schafft, Was zur tugend leitet, Dazu hast du neue kraft Durch dein kreuz bereitet. darf ich nun, Mich um Nicht vergebens fraft bewerben, Gottes willen gern zu thun, Sünden abzuſterben. 4. Froh kann ich ins todesthal Schon im voraus schen; XIII. Von dem Leiden, Tode und Begräbniß Jesu. 95 sehen; Und zu jener welt noth Siegreich überwanden, einmal Ohne schrecken ge-, so hilf dazu auch mir; hen. Denn du hast aus Laß mich fröhlich scheiden! aller noth Nettung mir er- Herr, so dank ich ewig dir rungen. Und durch deinen Für dein bitt'res leiden. kreuzestod Meinen tod bezwungen. 6. Herr, was bin ich, daß du mein So dich angenommen? Laß die frucht von deiner pein Nun auch auf mich kommen! Gieb mir weisheit, gieb mir kraft, Denn du hast's in händen, Was du mir zum heil verschafft, Gläubig anzuwenden. 7. Strafet mein gewissen mich, Neu'n mich meine sünden; O, dann laß, gestärkt durch dich, Mich den trost empfinden, Daß du auch für meine schuld Bist am kreuz gestorben, Und zu Got tes vaterhuld Zutritt mir erworben. Mel. Herzliebster Jesu, was zc. 114. Sei hochgepriesen, Herr, für deine liebe! Sie drang dich zu dem mitleidsvollen triebe, Für eine welt voll sünder selbst dein leben Dahin zu geben. 2. Fürwahr, du trugest unsrer fünden schmerzen. O welch ein herz gleicht deinem edlen herzen? Du ließzest unsre schuld an dir bestrafer, Uns heil zu schaffen. auch 3. O laß dies heil doch mein erbe werden! Was hab' ich soust für sichern trost auf erden? Was giebt mir sonst wohl sichern grund zur frende, Wenn ich einst scheide? 8. Laß das wort von deinem kreuz Mich mit muth be- 4. Du bist, mein heileben, Standhaft jedem sün- land, auch für mich gestordenreiz Hier zu widerstreben. ben; Was du der welt Treib mich mächtig dadurch an, Mich vor Gott zu schenen, Was ich unrecht je gethan, Innig zu bereuen. 9. Stärke mich durch deinen tod Auf die letzten stunden; Wie du deine todesdurch deinen tod erworben, Das hast du, von barmherzigfeit geleitet, Auch mir bereitet. 5. Erhalte selbst mein herz bei diesem glauben! Kein banger zweifel müſſe ihn 96 Erste Abtheilung. ihn mir rauben; Er müsse die feind' als freund, Laß mich zum fleiß in guten werken Beständig stärken. 6. Sollt' ich mich nun noch frevelhaft erfühnen, Der sünde, die dich tödtete, zu dienen? So könnt' ich mich mit den von dir erlösten Nicht deiner trösten. 7. Nein, dir allein, der du durch deine wunden Auf ewig mich zu deinem dienst verbunden; Nur dir, mein heiland, sei mein ganzes leben Zum dienst ergeben. 8. Nichts soll mich je von deiner liebe scheiden. Ich bleibe dein, bis du mich dort wirst weiden, Wo deine liebe mit dankvollen zungen Stets wird befungen. Mel. Jesu, der du meine seele zc. 115.Dent enkt mein geist an jene stunden, Da du, Jesu, für mich, starbst, Und durch deine todeswunden Heil und leben mir erwarbst; Denk ich, was du noch gesprochen, Eh' dein liebend Herz gebrochen: Dann bet' ich bewundernd an. Möcht' ich thun, wie du gethan! 2. Der du unter schmach und schmerzen Batest für mich mit versöhntem herzen Auch verzeihen meinem feind. Gott die rache überlassen, Denen wohlthun, die mich hassen: Solche tugend lernt der christ. Selig, wer dir ähnlich ist! 3. Beß'rung laß mich nicht verschieben, Bis zum letzten lebenshauch. Laß mich leben, dich zu lieben, Sterbend liebst du mich dann auch. Meiner wirst du dann gedenken Freudigkeit zum sterben schenken, Und mich mit dem trost erfreun, Ewig dort bei dir zu sein. 4. Eitler sinnlichkeiten reize, Fesseln meine seele nicht; Mir wird unter deinem kreuze Leicht und süße jede pflicht. Dein exempel soll mich lehren, Schwachen hülfe zu gewähren, Die betrübten zu erfreun, Der verlaßnen schutz zu sein. 5. Ach, wer kann dein leiden fassen, Als du riefft: mein Gott, mein Gott! Warum hast du mich verlassen? Doch mich tröstet deine noth: Nun eilt Gott mir beizustehen, Und erhört mein letztes flehen, Wenn die bange see le spricht: XIII. Von dem Leiden, Tode und Begräbniß Jesu. 97 spricht: Gott, mein Gott, riefft: es ist vollbracht! Vaverlaß mich nicht. ter, vater, ich befehle Deinen händen meine seele! Sanft und freudig war dein tod, Und du gingest hin zu Gott! 6. In des letzten durftes schmachten, Ach, wie schwer war deine pein! Aber deine feinde brachten Dir zum Lab= sal effigwein. Einst, wenn durst und angst mich quälen, Will ich dir mein leid befehlen. Du erbarmest meiner dich; Denn du dürftetest für mich. 8. Einst naht auch, von Gott gesendet, Der erlösung stunde mir, Dann ruf ich: es ist vollendet! Meinen geist befehl' ich dir! Und du hörst mein letztes stöhnen, Stillst auf ewig meine thränen, Führst mich, nach des Lebens pein, Zu des himmels freuden ein. 7. Doch in deinen todesschmerzen Ward dir hülfe zugedacht. Endlich sank dein haupt zum herzen, Und du Kraft und Trost des Leidens Jesu. Mel. Treuer Gott, ich muß dir zc. trübe schwermuth plagt, Laß, 116. Jefu, beine tiefen im glauben mich zu ſtärken, wunden, merken. qual, dein biftrer tod, Die du auch für mich empfunden, Trösten mich in jeder noth. Fällt mir etwas arges ein: So sei deine todespein Eine warnung meinem herzen, Um mein heil nicht zu verscherzen. 2. Die erneu'rung deiner leiden Stärke mich mit kraft und muth, Alle böse lust zu meiden, zu bekämpfen fleisch und blut. Auch, wenn meine seele zagt, Wenn mich 3. Will die welt mein herz verführen Auf die breite sündenbahn, Wo so viele sich verlieren, Und sich dem verderben nahn; So hilf durch die leidenslast, Welche du getragen hast, Zur errettung von den sünden, Die versuchung überwinden. 4. Gieb bei allem, was mich fränket, Mir aus deinem leiden ruh, Wenn mein herz daran gedenket, Ströme neuer trost mir zu. DeiG nes 98 Erste Abtheilung. nes trostes süßigkeit Mil- Bedenk's, o seele, recht! dert jedes bitt're leid. Ew'ges heil ist mir erworben: Denn du bist für mich gestorben. 5. Auf dich setz ich mein vertrauen, Jesu, meine zuversicht: Du vertreibst des todes grauen, Durch dich schadet er mir nicht. Sicher ist bei dir mein heil; Hab' ich, Herr, an dir nur theil, So wirst du ein ew'ges leben mir auch einst aus gnaden geben." 6. Hab' ich dich in meinem herzen, Stifter meiner seligkeit: So besieg ich auch die schmerzen Von dem letzten kampf und streit. Wenn gleich meine hütte bricht, Quält doch todes furcht mich nicht; Durch den trost aus deinen wunden Wird sie glücklich überwunden. Eigene Melodie. 117.2 enn mich die sünden krän ken, So laß, Herr Jesu Christ, Mich glaubensvoll bedenken, Wie du gestorben bist, Und rettung von der sündenlast, Für uns verlorne sünder Am kreuz erworben hast. 2. O wundervolle liebe! Es starb aus freiem triebe Der Herr für seinen knecht. Selbst seinen eig'nen sohn gab Gott, Für mich verlornen menschen, In marter, schmach und tod. 3. Was kann mir denn nun schaden, Der fluch, der sündern droht? Gott sieht auf mich in gnaden Durch Jesu mittlertod. Durch ihn bin ich vom sluch befreit, Und darf nicht ängstlich fürchten Gericht und ewigkeit. 4. Drum sag ich dir von herzen Jetzt und mein lebenlang Für deine todesschmerzen, Erlöser, lob und dank. Hilf, daß ich dir für deine tren Auf ewig ganz ergeben Und thätig dankbar sei. 5. Ach, laß dein bitt'res leiden Mich reizen, Jesu Christ, Mit allem ernst zu meiden, Was vor dir fündlich ist. Nie komm es mir aus meinem sinn, Wie viel es dich gekostet, Daß ich erlöset bin. 6. Mein kreuz und meine plagen, Und wär's auch schmach und spott, Hilf mir geduldig tragen. Gieb, o mein Herr und Gott, Daß ich verleugne diese welt Und dem ba XIII. Von dem Leiden, Tode und Begräbniß Jesu. 99 dem exempel folge, Das du mir vorgestellt. 8. In meinen letzten stunden Erquicke mich dein tod; Daß ich, mit dir verbunden, Besieg' auch dieſe noth. Du bist es, Herr, auf den ich trau, Stärk' meine seel', im tode, Daß ich dich ewig schau. 7. Laß mich an andern üben, Was du an mir gethan, Und meinen nächsten lieben, Gern dienen jedermann Ohn eigenmutz und heuchelei, Wie du es mir erwiesen, Aus wahrer lieb' und treu. Gebet zu dem Versöhner. Eigene Melodic. 118. Christe, du lamm Gottes, Der du trugst die fünde der welt, Erbarm dich unser! 2. Christe, du lamm Gottes, Der du trugst die sün de der welt, Erbarm dich unser! 3. Christe, du lamm Gottes! Der du trugst die sünde der welt, Gieb uns deinen frieden! amen. 2. O sohn Gottes, unschuldig Trugst du die herbe verhöhnung, Und immer so geduldig, Zu meiner fünden versöhnung. Dein bild müſs' uns beleben, Zu dulden, zu vergeben, Wie du zu lieben, Herr Jesu! 3. Osohn Gottes! am kreuze Für unsre sünden gestorben! Dein tod belehr' uns täglich, Wie theu'r wir dir erworben! Er schreck' uns ab von sünden! Er müss' uns dir verbinden zu trener Mel. O Lamm Gottes. 119. John Gottes! liebe, Herr Jeſu! im staube Nit blut und' thränen bedecket! Dein tröste sich mein glaube, Wenn tod und sün120. lamm Got= tes unschulde mich schrecket. Dein rin- dig Am stamm des frengen, deine klagen, Dein to- zes geschlachtet! Allzeit erdeskampf, dein zagen, Sei funden geduldig, Wie sehr meine ruhe, Herr Jeſu! du würdest verachtet. 62 Die sünd' Eigene Melodie. 100 Erste Abtheilung.. sünd' hast du getragen, schuldig zc. Erbarm dich Sonst müßten wir verza- unser, o Jesu! gen. Erbarm dich unser, o Jesu! 3. O lamm Gottes, unschuldig zc. Gieb uns deinen frieden, o Jesu! 2. O lamm Gottes! un Die Liebe Jesu in dem Werke der Erlösung. giebt, So feste steht's, daß er mich herzlich liebt. 4. Dein bin ich nun undGottes erbe; Sch sehe in sein vaterherz hinein. Wenn ich mun leide, wenn ich sterbe, Kann ich unmöglich je verloren sein. Wenn sonn' und mond und erde untergehn, So bleibt mir Gottes gnade ewig stehn. 2. Wie dunkel waren jene stunden, O Herr, und welche lasten drückten dich! Wie quoll das blut aus deinen wunden! Und ach, es floß zum heil und trost für mich; Und ruft noch heute mir ermunternd zu, Daß du mich liebst, du frommer dulder, du. 5. Ja, mir zum trost und dir zur ehre, Gereicht dein ganzer kampf, dein kreuzestod! Bestätigt ist nun deine lehre; Ich baue fest dar auf in jeder noth. Unschuldig littest du; doch preis und ruhm Ist auch im kampf der Unschuld eigenthum. 3. So sollt' es sein: du 6. Herr, dies dein beimußtest leiden; Dein tod spiel sfoll mich lehren, Des macht mir des vaters liebe lebens unschuld sei mein fund. Er wird für mich ehrenkleid. Gern will ich ein quell der freuden, Ein deine stimme hören, Und siegel auf den ew'gen frie- willig thun, was mir dein densbund. So wahr dich wort gebeut. Die dankbarGott für mich zum opfer keit dringt innigst mich da 311; Eigene Melodie. 121. Ach! sich ihn dulden, ten, sterben! O meine seele, fag' ihm frommen dank! Sich Gottes eignen sohn und erben, Wie mächtig ihn die menschenliebe drang! Wo ist ein freund, der je, was er, gethan? Der so, wie er, für fünder sterben kann? XIII. Von dem Leiden, Tode und Begräbniß Jesu. 101 zu; Wer hat es mehr um 2. Laß jetzt das angedenmich verdient, als du? ken Von deiner todespein Mir neue kräfte schenken, Mich deinem dienst zu weihn! 7. Nie will ich mich am feinde rächen: Auch dies lern' ich, mein heiland, hier von dir; Nie Gottes schickung widersprechen, Wär' gleich sein pfad jetzt noch so dunkel mir. Aus dornen gingst du selbst zum ziele hin; Ich folge dir, weil ich dein jünger bin. 3. Laß mich sie fliehn, die fünden, Die dich so tief betrübt; Und dankbar es empfinden, Wie sehr du mich geliebt! 4. Für mich hast du gezaget In banger todesnoth; Für mich am kreuz geklaget: Verläßt du mich, mein Gott? 8. Was fürcht' ich noch des todes schrecken? Du schliefft auch einst im grab, o seelenfreund! Mag sie doch meine asche decken Die erde, wenn des todes nacht erscheint! Der Gott, der dir das leben wieder gab, Ruft einst auch mich zum leben aus dem grab. 9. Nimm hin den dank für deine plagen, Mein retter, den die treu'ste liebe bringt! Dort will ich dir's noch besser sagen, Wenn dich mein geist im engelchor befingt. Dann stimmen alle sel'gen fröhlich ein; Der ganze himmel soll dann zeuge sein. Mel. Christus der ist mein 2c. 122. Laß jedes deiner leiden, O Herr, mir heilig sein, Und sündenvolle freuden Mich dei netwegen scheun. 5. Und ich, ich sollte lieben, Was dich ans kreuz gebracht? Durch sünden dich betrüben, Die dir die angst gemacht? 6. Flieht sündenvolle freuden, Für die mein heiland starb, Der mir durch todesleiden Die seligkeit erwarb. 7. Von dir, Herr, will ich lernen, Wie man int kampfe siegt, Die lust der welt entfernen, Die schmeichelnd mich betrügt. 8. Wie du, will ich gelassen Im leiden Gott vertraun, Im glauben dich umfassen, Und auf dein vorbild schaun. 9. Wie du, mein kreuz auch tragen In demuth und geduld, Nicht murren, nicht verzagen An Gottes gnad und huld. 10. 102 Erste Abtheilung. 10. Und wenn ich einst blut hernieder; Er starb soll scheiden, Wenn nun mein ange bricht; Dann sei im letzten leiden, In todesnacht mein licht! und siegte als ein held. Einst kommt er im triumpfe rieder, Zum segen der erlösten welt. 6. Erkenne feines leidens segen, Vergiß es nie, was er gethan; Entferne dich von bösen wegen Und geh' einher auf seiner bahn. 11. Das letzte deiner worte Soll mich dann noch erfreun, Und an des todes pforte Mir trost und stärkung sein. Mel. Du klagst und fühleft 2c. 123. rkenne des versöhners liebe; Er kam zu dir aus Gottes schooß Und wählte aus dem reinsten triebe Ein armes und geringes loos. 2. Er kam, ein licht der welt, hernieder, Und ach! wie wurde er verkannt! Sein leiden ward für seine brüder Versöhnung, siegel, unterpfand. 3. Erkenne, christ, den werth der lehre, Die er auch dir verkündigt hat; Vernimm den Gottesruf, und höre, Was er zu deinem heile that. 4. Sein leiden hat dich Gott versöhnet, Sein sterben war ein opfertod; Er, nun mit preis und sieg gekrönet, Niß dich aus deiner tiefsten noth.. 5. Versöhnend floß sein weket rin 7. Er ist auch dir vorangegangen Durch leiden in die herrlichkeit; Dahin sollst du auch einft gelangen, Am ende deiner prüfungszeit. Mel. Wer weiß, wie nahe zc. 124.5 golgatha! zu deinen höhen Erhebt sich dankend auch mein herz. Ich will den heil'gen Gottes sehen In seines opfertodes schmerz; Ich will für seine lieb und pein Ihm meine ganze seele weihn. 2. Wie rührend scheidet der gerechte, Im tod als Gottes sohn bewährt; Zwar leidet er den tod der knechte, Von frevlern noch am kreuz entehrt; Doch laut zeugt, Herr der herrlichkeit, Dein tod von deiner göttlichkeit. 3. Du stirbst, die hohen himmelslehren Von tugend und unsterblichkeit, Der welt als XIII. Von dem Leiden, Tode und Begräbniß Jesu. 103 als göttlich zu bewähren. ruh Den kummervollen seeMein lehrer, sei gebenedeit! len zut. Nun kenn' ich meiner seele werth Und Gott, den du uns hier verklärt. 7. Du siehst auf die vollbrachten thaten, Als aussaat auf die ewigkeit; Dankst Gott, durch den dein werk gerathen, Der bald dafür den lohn dir bent; Empfiehlst den geist in seine hand, Und gehst getrost ins vaterland. 8. Erlöser, tausend fromme schieden Auf dein verdienst mit freudigkeit; Empfanden sterbend seelenfrieden, Den trost, den uns dein tod verleiht. O laß mich dir mein leben weihn, Dir auch noch sterbend dankbar sein. 4. Nur segen hast du hier verbreitet, Oft nächte betend durchgewacht, Die sterblichen zu Gott geleitet, Und treu dein tagewerk vollbracht. Wie freudenvoll stirbt mun ein christ, Dem, Herr, dein krenz den tod versüßt! 5. Froh feierst du die große stunde, Da du zu deinem vater gehst, Und noch zuvor aus herzensgrunde Für deine feind' voll großmuth flehst; Den sterbend segnest, der dich schalt, Dein wohl thun dir mit haß vergalt. 6. Auf die, die weinend um dich stehen, Gießt du der freundschaft segen aus; Sprichst glaubensvoll vom wiedersehen Im himmel, in des vaters haus! Strömst hohen muth und trost und frer pilgerschaft. 9. Das wort vom freuz bleibt allen deinen Erquicung, ob's die welt auch schmäht. Es mag dem spötter thorheit scheinen, Der ohne dich verloren Uns ist es ruhm und Gottes kraft, Uns trost in ungeht; Das Leiden Jesu am Telberge. Mel. O haupt voll blut und zc. 125. Du, deffen herz voll liebe Sich bis zum tod und grab Aus mitleitsvollem triebe Zu unsrer rettung gab, Ach! unter welchen plagen Schloß, Jesu, sich dein lauf! Mit zittern und mit zagen Stiegst du zum ölberg auf. 2. 104 Erste Abtheilung. 2. Hier sahst du schon mach, Das aus der bosvon weitem Dein frenz auf golgatha: Sahst dich den grausamkeiten Ergrimmter haffer nah; Sahst deine grabeshöhle, Und fühltest todesnoth; Betrübt war deine seele, Betrübt bis in den tod. heit fülle Gehäuft nun auf dich brach; Du scheuteſt keine schmerzen, Die dir ihr grimm gedroht; Zu schwer war deinem herzen Selbst nicht der freuzestod.is 3. Gott, welche angstgefühle, Ergriffen da dein herz! Im nagenden gewühle Von bangigkeit und schmerz Lagst du vor Gott im staube Mit todesschweiß bedeckt. Wie kämpfte da dein glaube, Mit banger furcht geschreckt! 4. Auf dich, der menschen bester, Drang angst auf angst herzu; Und doch hing niemand fester An seinem Gott, als du. ,, Sollt' ich den kelch nicht trinken, Den mir mein vater reicht?" Dies ließ dein herz nicht sinken, War's gleich so tief gebeugt. 5. Nach seinem rath zu leiden, Bliebst du dennoch bereit; Begabst dich aller freuden, Und gingst mit willigkeit Der frechen schaar entgegen, Die blutbegierig kam, Dir bande anzulegen, Und dich gefangen nahm. 6. Mit welcher geiftes stille Trugst du das unge7. Der menschen heil zu fördern, Gabst du mit sanftem sinn Dich willig deinen mördern Und ihren martern hin. Um dich war alles tribe; Doch du bliebst ruhevoll; So stark war deine liebe Zu uns und unserm wohl! 8. O freund der menschenkinder, Den nun kein leid mehr drückt, Wie hoch hast du uns sünder Durch deinen tod beglückt! Durch ihn ist uns bewähret Des vaters gnäd'ger rath, Den uns dein mund erkläret Und fest versichert hat. 9. Wie viel sind wir dir schuldig, Daß du die schwere last Des kreuzes so geduldig Für uns getragen hast. Dich wollen wir erheben, So viel die schwachheit kann, Und dir zu ehren leben; Nimm unser opfer an. Mel. Ein lämmlein geht 2c. 126. So gehst du, Jefu, willig hin, Dein leiden anzutreten, Für mich XIII. Von dem Leiden, Tode und Begräbniß Jesu. 105 mich, der ich verloren bin, durch leiden hast du mich Vom zu kämpfen und zu beten. tode retten wollen. Ach hätDu, der du nichts verbro- test du nicht sein gericht Auf chen hast, Gehst hin, um dich genommen, wär ich nicht aller fünder last Allein auf In jammer ganz versunken? dich zu laden. Ich mur ver- Nun läßt der richter, auf diente strafen, ich; Du dein flehn, Vor mir den aber nimmst sie all' auf dich, kelch vorübergehn; Damit sie mir nicht schaden. du hast ihn getrunken. Denn 2. Kann den, der allen stärke giebt, Kann den auch furcht erschüttern? Selbst Christi seele wird betrübt, Und seine glieder zittern. Ach, hingesunken auf die tnie, Arbeitet er in schwerer müth Und betet, kämpft und zaget; Er wünscht den schweren kampf verkürzt. Wer sieht's und höret nicht bestürzt, Wie leidenvoll er flaget! Er 3. Gott, du bist heilig, wunderbar In allen deinen werken! Ein knecht, ein engel muß sogar Den Herrn vom Himmel stärken. ringt, von seinem angesicht Träuft schweiß: ach! wer entsetzt sich nicht? Wer litt, wie er, auf erden? Der du in reiner unschuld prangst, Wie konntest du von solcher angst, Herr, bestürmet werden? 4. Du zagst, mein heiland; ach nur ich, Ich hätte zagen sollen; Doch selbst 5. Heil mir! der sohn des höchsten hat Für mich sich richten lassen. Gott! wer kann deinen weisen rath Wer dein erbarmen faffen? Getrost sei, wen die fünde reut, Wer Jesu Christi sich erfreut: Er wird vor Gott bestehen! Du, der du glaubst, wer schadet dir? Wer will verdammen? Gott ist hier! Du wirst den tod nicht sehen! 6. Doch denk', um welchen theuren preis Dein heiland dich erkaufet! Er rang, bedeckt mit todesschweiß, Mit blut für dich getaufet. Ach, wache, daß die sünde sich Nie dein bemächtige, noch dich In deiner treu erschüttre! Lockt ihre stimme, höre nicht; Schau hin zum ölberg, ins gericht, Das Jesum traf, und zittre! Gefan 106 Erste Abtheilung. Gefangennehmung Jesu. Mel. Wenn mich die sünden 2c. 127. He err, es gescheh dein wille! Gern duld' ich jeden schmerz; Nur gieb mir ruh und stille Und freudigkeit ins herz. Laß mich, wenn mir versuchung droht, Wie du, so willig leiden, So treu sein bis in tod. 2. Ein heer von martern schwebte Vor deinem angesicht; Doch deine seele bebte Vor ihrem anblick nicht, Voll freudigkeit und geistesruh Erhebst du dich vom stanbe Und eilst den feinden zu. 3. Dich schreckte das getümmel Der mörderwaffen nicht. In deinem geist war himmel, Und muth im angesicht. Schon stürzt auf dich der feinde schaar, Doch du biet'st deine hände Den banden willig dar. 4. O wär ich doch im leiden, Wie du, so sanft und still! litt ich so mit frenden, Was Gott, mein vater, will; Ich will mit chrfurcht und vertraun, Geduld von dir zu lernen, Auf dich, erlöser, schaun. 5. Giebst du mir deinen frieden, So schreckt mich teine noth, Und keine schmach hienieden: Ich fürchte nicht den tod. Durch dich, Herr, überwind' ich weit: Denn deine gnade tröstet Mit ruh und ſeligkeit. Ueber die Verlassung Jesu von seinen Jüngen. Mel. Wo soll ich fliehen hin 2c. 128. Mein ein Jesu, für dein herz, Welch ein so herber schmerz, Den du weit mehr empfunden, Als striemen, schläg' und wunden! Die kleine zahl von freunden Kränkt dich, gleich deinen feinden. fahr: So bebt ber Jünger schaar, Die erst sich hoch vermessen, Ch sie der treu vergessen, Den tod auch vorzuziehen, Verlassen dich und fliehen. 3. Der kühn sein schwert gezückt, Dein Petaus selbst, erschricht; Er flieht, eh' 2. kaum naht sich die ge- bande drohen; Schämt sich, daß • XIII. Von dem Leiden, Tode und Begräbniß Jesu. 107 daß er geflohen: Und eilt zurück. Er fühlet sein verdoch recht verwegen Dem brechen, Kann nun vor tiefen Fall entgegen. schmerz nicht sprechen, Und weint nur bitt're thränen, Die sich nach gnade sehnen. 4. Wie ist der mensch so schwach! So viel sein muth versprach, Doch liegt er da im staube. Erloschen 7. Er sucht und findet sie, Verzagt drum fünder, ist sein glaube, Sein füh- nie! Gott ist unendlich güner muth gedämpfet; Ach christen! wacht und kämpfet. tig: Seid gläubig, nicht kleinmüthig; So groß sind keine sünden, Sie können gnade finden. 5. Wo ist mun Petri treu? Der Jesum vormals frei Für Gottes sohn bekannte, Für ihn von eifer brannte, Der hat vor Je su ohren, Bald frech ihm abgeschworen. 8. Ach trennt mich auch die welt, Die stets mir nete stellt, Einst, Jesu, von den deinen: Laß mich mit Petro weinen, um gnad' in demuth beten, Nie Judä 6. Doch, Herr, dein liebesblick Bringt ihn alsbald weg betreten. Das Leiden Jesu vor dem geistlichen und weltlichen Gerichte. Mel. O welt, sich hier dein 2c. 129. Gott, welche schmach und plagen Muß er, mein heiland, tragen, Der nichts verbrochen hat! Als einen übertreter Des glaubens seiner väter Klagt man ihn an im hohen rath. 2. Da steht er im gerich te! Aus seinem angesichte Strahlt hoher freier muth. Er, groß auch in den banden, Verachtet schmerz und schanden Und duldet ſtill der frevler wuth. 3. Treu bleibt er seiner lehre; Und seiner unschuld ehre Versüßt ihm schmach und hohn. Er schweigt bei schnöden fragen; Doch wagt er's, laut zu sagen: Ich bin des hochgelobten sohn! 4. Ihr, eures hauptes glieder, Ihr christen, fallet nieder, Und betet Jesum an. Er 108 Er ist, trotz alles spottes Ter sohn des ew'gen Gottes, Und alles ist ihm unterthan. 5. Er, dem gericht entnommen, Wird einstens wie der kommen, Des hochgelobten sohn! Er, seiner feinde rächer! Dann stehen die verbrecher Bestürzt vor seinem richterthron. Erste Abtheilung. 6. Wie werden sie mit grauen Und todesangst ihn 3. Ganz unbegrenzt war ihre wuth, Den heiligsten zu plagen. Bedeckt mit striemen und mit blut, Zergeischauen In seiner majestät! ßelt und zerschlagen, Mit Ihn, wird ihr herz dann sagen, Ihn haben wir geschlagen, Verspeiet und an's kreuz erhöht. 7. Jauchzt dann ihr frommen! schauet, Der Herr, den ihr vertrauet, Erscheint, mit ihm sein lohn. Wenn dann die fünder zagen, Dann könnt ihr fröhlich sagen: Gelobet seist du, Gottes sohn! 2. Der sohn des höchsten und selbst Gott, Ein helfer, ein gerechter, Ward frecher missethäter spott, Und seines volks gelächter. Wie ein verbrecher stand er da, Verklagt, verläumdet! wer ihn sah, Der sah ihn mit verachtung. Mel. Herr Jesu Christ, ich schrei 2c. 130. Seht, welch ein mensch! wie lag so schwer Auf ihm die last der fünder! Wie unaussprechlich duldet er Für euch, ihr menschenkinder! So leiden sah von anbeginn Die erde keinen je, als ihn: So wird auch keiner leiden. einem dornenkranz gekrönt, In königskleidern ausgehöhnt, Stand er vor seinen feinden. 4. Den heiden, der sein richter war, Ergriff ein menschlich schrecken; Er stellt ihn seinen brüdern dar, Ihr mitleid zu erwecken. Seht, welch ein mensch! Ich kann ihn nicht Verdammen; denn die unschuld spricht Zu mächtig für sein leben. 5. Vergeblich, ach! vergeblich war Die menschlichkeit des heiden; Die aufgebrachte wilde schaar Sah Jesu schmach mit freuden. Sein tod befriedigt sie allein; Sie stürmten auf den richter ein; Und schrien: er sterb' am freuze! 6. XIII. Von dem Leiden, Tode und Begräbniß Jesu. 109 6. Du denkest ohne schau- mich mit kraft und muth, dern nie An dieses wort Daß ich sie überwinde! der fünder; Du sprichst: Dann rufe du mir liebreich Die rache strafte sie, Und zu: Denk, welch ein mensch straft noch ihre kinder. Doch ich war und du, Du wollseele, denkst du auch dabei test mich nicht lieben? An deine fünden? bist du frei Vom schuld am tode Jesu? Eigene Melodie. 7. Sieh, welch ein menſch! 131.11nschuldiger Jefit, er wird für dich Verſchmähet und zerschlagen! Hör ihn, er spricht: ich selber, ich Muß deine sünden tragen. Die schuld ist dein! durch meinen tod Versöhn ich, sünder, dich mit Gott, Und sterb' um deinetwillen. was hast du verbrochen, Daß man das todesurtheil dir gesprochen? Du, heiligster, bist ja in missethaten Niemals gerathen! 2. Und doch wirst du verworfen und verhöhnet, Mit einem dornenkranz zu 8. O hochgelobter Got- schmach gekrönet, Gegeißelt, lessohn! Du tilger meiner sünden, Erhöht auf deines vaters thron, Ach, laß mich gnade finden! Laß deines todes schmach und pein Gerechtigkeit und heil mir sein, Um deiner Liebe willen. und von schmerzen fast entkräftet, Ans freuz geheftet. 3. Was ist die ursach aller solcher plagen? Ach, unsre sünden haben dich geschlagen. Zu ihrer tilgung hast du, Herr, erduldet, Was wir verschuldet! 4. Wie wunderbarlich ist doch diese strafe! Du, guter hirte, leidest für die schaafe; Die schuld bezahlst du, Herr, für böse knechte, Du, der gerechte! 9. Ich schwöre, welterlöser, dir, Und ewig will ich's halten: So wahr du lebest, soll in mir Nie deine lieb erkalten! Dein lei den und dein tod soll mich, So lang ich lebe, Herr, an dich Und deine lieb' erinnern. 10. Entzündet sich der lüste gluth, Lockt mich die welt zursünde: Dann rüste 5. Ogroße lieb'! o liebe, kaum zu fassen! Auch mir zum heil hast du dich martern lassen, Damit ich lerne sün 110 Erste Abtheilung. sünden ernstlich meiden, dir, verachten; Mit allem Willst du, Herr, leiden. eifer suchen deinen willen Treu zu erfüllen. 6. Ach, großer mittler, groß zu allen zeiten, Wie kann ich g'nugsam deine treu ausbreiten! Kann ich sie dir, beherrscher aller wel ten, Wohl je vergelten? 7. Doch dir gefällt's, wenn ich mich selbst bekämpfe, Dir folge und des fleisches Lüste dämpfe; So sei denn auch forthin mein ganzes leben Nur dir ergeben. 8. Gieb selbst zu diesem seligen geschäfte mir schwachen deines guten geistes kräfte, Daß er mich zu dir ziehe und regiere zum guten führe. 9. Dann werd' ich dankvoll deine huld betrachten, Die fust der welt aus lieb' zu 10. Zu deiner ehre will ich alles wagen, Kein drohen achten, keine schmach, noch plagen; Mich sollen auch des bängsten todes leiden Nicht von dir scheiden. 11. Dies alles, ob's für schlecht gleich ist zu achten, Wirst du doch, mein erbarmer, nicht verachten; Du wirst dies opfer gnädig von mir nehmen; Dich mein nicht schämen. 12. Empfang ich dann dereinst vor deinem throne Aus deiner hand der überwinder krone; So soll dich, höchster, unter engelchören, Mein loblied ehren. Das Leiden Jefu am Kreuze. Mel. O welt, fieh hier dein ac. 132. du, der du dein leben Für mich auch hingegeben, Mein heiland Jesu Christ! An deinem todestage Hast du, daß ich nicht zage, Für meine missethat gebüßt. 3. Ein blick nach deinem kreuze, Du großer dulder, reize Mich ewig dir zu 2. Wer kann die leiden weihn. Dies wird, muß fassen, Die du, o Herr! ge- ich gleich meiden Die welt mit lassen Für mich erduldet haft? Daß ich gerettet würde, Trugst du die schwerste bürde, Nahmst du auf dich auch meine last. XIII. Von dem Leiden, Tode und Begräbniß Jefu. 111 mit ihren freuden, Mich Dich kränken in der letzten keinen augenblick gereun. noth! 4. Wer kann dich bluten sehen? Wen rührt dein bängstes flehen, Dein kampf des todes nicht? Wer muß nicht mit den deinen Dir heiße thränen weinen Da dir dein herz am kreuze bricht. 5. Du batest für die feinde, So liebreich als für freunde, Erlassung ihrer schuld. Wer kann die liebe fassen? Wer war, wie du, gelassen? Und wer trug alles mit geduld? 6. In deinen todesschmerzen Sorgst du mit warmem Herzen Noch für der deinen ruh. Wenn ich den tod einst leide Und von den meinen scheide, So sende diesen trost mir zu. 9. Ach! matt von tausend plagen Mußt du: ,, mich dürftet!" klagen; Und keinen rührt dein flehn! Wie deiner liebe thränen Nach meinem heil sich sehnen, Kann ich in diesem bilde sehn. 10. Bald hast du ausgerungen; Schon bis zum ziel gedrungen Rufst du: es ist vollbracht!" mich mein werk vollbringen, Wie du, zum ziele dringen, Bis an die letzte todesnacht, Laß 11. Tu rufest: ,, ich befehle, O vater, meine seele In deine vaterhand!" Nun kann mich nichts mehr scheiden Von dir und deinen freuden; Dies wort ist mir ein unterpfand. 12. In diese treuen hände Geb' ich an meinem ende Auch meine seele hin. Wohl mir, wenn ich einst sterbe, Daß ich ein kind und erbe Des mun versöhnten vaters bin! 7. Der schächer, dir zu seite, Hört: ,, du wirst mit mir heute Im paradiese sein." Auch ich bin, wenn ich sterbe, Auf dieses wort dein erbe Und schlummre, sanft und selig ein. 8. Du klagst aus vollem herzen In unnennbaren schmerzen: ,, Verläßt du mich mein Gott?" Doch konnten böse rotten Noch deines jammers spotten, sal und erquichung sein. 14. 13. Für fünder, deine brüder, Neigst du dein haupt hernieder, Und schläfft in frieden ein. In meinem todeskummer Soll mir dein letzter schlummer Noch lab 112 Erste Abtheilung. 14. Wie du, so sanft ver- denmuth, mit freuden Gescheiden, Wie du, zu ew'gen trost auf Golgatha hinan, frenden Vom grabe aufzu- Den kreuzestod zu leiden. stehn: Dies bleibe mein be- Hier zeigtest du dich, Gotstreben In meinem ganzen tes sohn! Bei schmerzen, leben, Bis ich verklärt dich martern, spott und hohn, werde sehn! In deiner wahren größe. 15. Ach, ewig sei mir theuer, Herr, deine todes feier, Dein großer sterbe4. Mit hoher würde duldest du Des kreuzes schmach und schmerzen; Sprichst tag! Dir weinen tausend troft betrübten seelen zu, zähren, Die dein gedächtniß ehren, Den dank für deine liebe nach. Und bitt'st mit edlem herzen Selbst in der letzten todesnoth Für deine mörder noch zu Gott; Du stirbst, als Mel. Herr Jesu Christ, du höchst. 2c. menschenretter. 133. Wie groß, o Herr, erscheinest du Auf deinen leidenswegen! Mit welcher hohen seelenruh Gehst du dem tod entgegen! Voll zärtlichkeit und edelmuth Warst du bereit, für uns zu gut Des kreuzes schmach zu tragen. 2. Die menschen für die ewigkeit Voll weisheit zu erziehen, War stets bei deiner lebenszeit Dein ernstliches bemühen: Und selbst im tode wolltest du Für sie glück, troft und seelenruh Voll großmuth noch erwerben. 3. Drum stiegst du auf der leidensbahn, Voll hel 5. Ach, sieh ihn hier, erlöster christ! Schuldlos zum krenze bringen! Sieh, wie sein blut zur erde fließt Sieh ihn im tode ringen! Sieh seine wunden, seinen schmerz! Denk an sein liebevolles herz! Ach! sieh ihn duldend sterben! 6. Hier denk' an jenen zweck zurück, Der ihn hierher getrieben! Nun sag', bei diesem trauerblick, Willst du noch sünden lieben? Nein hier, o chrift, entschließe dich, Bei seinem tode feierlich, Dein leben ihm zu weihen. 7. Entsag den sünden dieser welt, Und fündenvollen freu XIII. Von dem Leiden, Tode und Begräbniß Jesu. 113 freuden, Flieh menschenhaß, Als du so unverschuldet Emder ihm mißfällt; Such al- pfingst der fünder lohn. Da les zu vermeiden, Was dich folgte schmerz auf schmerzen, zur sünde reizen kann; Geh Da traf dich schmach auf standhaft auf der tugend bahn schmach; Da lag auf deiDem künft'gen glück, ent nem herzen Angst, die das gegen! herz dir brach. 3. Entblößt von allem reize, Der menschen wohlgefällt, Hingst du an deinem kreuze, Ein fluch vor aller welt. Dich flohen deine freunde; Du warst der leute spott; Dich höhnten deine feinde: Wo ist denn nun sein Gott! 8. Herr Jesu, der du für uns starbst Zur rettung vom verderben, Uns so viel glück und trost erwarbst Durch lehren, leiden, sterben, Steh uns mit deiner hülfe bei, Daß wir, stets unsrer pflicht getreu, Nach deiner lehre leben! 9. Doch auch bei unfrer sündenschuld Und bei dem druck der leiden Wollst du uns trost, muth und geduld Durch deinen tod bereiten. Naht dann auch einst der tod heran, So laß uns diese pilgerbahn Im glauben sanft beschließen! 4. Mein heil, was du erduldet, War unser aller laft. Ich, ich hab' es verschuldet, Was du getragen hast. Sieh gnädig auf mich armen, Der zorn verdienet hat, Und hilf mir aus erbarmen Von meiner miſsethat. 5. Ich will auf dich stets sehen Mit glaubenszuversicht. Wohin sollt ich sonst gehen? Verwirf du mich Für uns am kreuze starbst nur nicht! Wo soll ich ruhe Und unsern letzten stunden finden, Wenn du mich, Den höchsten trost erwarbst! Herr, nicht liebst, Wo Der du dein theures leben reinigung von sünden, Wenn Noch, eh ich war, auch mir du sie mir nicht giebst? Zur rettung hingegeben, Mein heil, wie dank ich dir! 2. Wie viel hast du erdul det, Erhabner menschensohn! 6. Du hast mir durch dein leiden, Vergebung, beßrungskraft, Jn trübsal trost und freuden, Die ewig sind, ver$ schafft, Mel. O haupt voll blut und zc. 134. Der er du voll blut und wunden 114 Erste Abtheilung. schafft, gieb an dieser gna- voll, Nach dir, vollender, de Auch mir im glauben blicken; Wer so stirbt, der theil, Und auf des Lebens stirbt wohl! pfade Mir muth, kraft, trost und heil. 7. Es dient zu meinen freuden, Was du am kreuz empfandst, Der du nach deinem leiden Für mich auch auferstandst. Ach, möcht ich einst mein leben, Begnadigt Herr, von dir, In deine hände geben, Wie wohl geschähe mir! 8. Ich danke dir von herzen, du, mein bester freund, Für deine todesschmerzen, Wie gut hast du's gemeint! O gieb, daß ich mich halte Zu dir und deiner treu, Und wann ich einst erkalte, Ganz, ganz der deine sei. 9. Wann ich einmal soll scheiden, Auch dann verlaß mich nicht! In meines todes leiden Sei du mein trost und licht! Wanh mir am alLerbängsten Wird um mein herze sein, Daun laß mich in den ängsten Der nahen hülf' mich freun. 10. Erhebe dann mein hoffen, Zur bessern welt zu gehn; Laß mich den himmel offen Und dich im geiste sehn. Dann laß mich mit entzük ken Und heil'ger sehnsucht Mel. O traurigkeit zc. 135. Gs ist vollbracht! So ruft mit macht Der Herr vom kreuz hernieder. Stimmt in seinen lobgefang, Miterlöste brüder! 2. Durch wort und that Hat er den rath Des vaters treu vollendet, Der ihn uns zum trost und heil In die welt gesendet. 3. Für uns nahm er, Wie hart und schwer Ihn auch sein leiden drückte, Def sen last doch gern auf sich, Daß er uns beglückte. 4. Er trug voll Huld Es mit geduld, Durchkämpfte bange stunden Doch sein Gott hat ihn erhört, Er hat überwunden. 5. Preis ihm und dank! Er, er errang Uns seligkeit und leben, Da er sich in qual und tod Für uns hingegeben. 6. Es ist ist vollbracht! Hell ist die nacht Des todes und der gräber. Heil uns! nun ist Jesus Christ Ew'ger freudengeber. Mel. XIII. Von dem Leiden, Tode und Begräbniß Jesu. 115 Eigene Melodie. 136. welt, fich' hier dein leben Am stamm des freuzes schweben, Dein heil sinkt in den tod. Der große Herr der ehren Läßt willig sich beschweren du ertrugst, war meine last. 6. Du stellst dich dar zum bürgen, Ja läsfest dich erwürgen Für mich, für meine schuld; Für mich läßt du dich krönen Mit dornen, die dich höhnen, Und leideſt Mit banden, alles mit geduld. schlägen, hohn und spott. 7. Du gehst auch meinet2. Tritt her und schau wegen Der todesnacht entmit fleiße: Mit blut und todesschweiße Ist ganz sein leib bedeckt. Und unnennbare schmerzen Fühlt er in ſeinem herzen, Da er den kelch der leiden schmeckt. gegen Mit wahrem heldenmuth; Du stirbst, mir vom verderben Errettung zu erwerben, Uud leideſt alles mir zu gut. 8. Hoch bin ich dir verbunden, Mein heil, zu allen stunden, Zur tiefsten dankbarkeit. Dir sei mein ganzes leben Zum opfer hingegeben, Dir, Jesu, leib und seel' geweiht! 3. Wer hat dich so zerschlagen? Wer ist's, der die se plagen Auf dich geleget hat? Du bist ja nicht ein sünder, Wie andre menschenkinder; Du bist ganz rein von missethat. 9. Es foll dein tod und 4. Ach, ich und meine leiden, Bis leib und seel' sünden, Die sich so zahllos sich scheiden, Mich trösten finden, Als wie der sand und erfreun! Es soll von meinen pflichten Mich täglich unterrichten Und mir zur tugend kraft verleihn! am meer, Die haben dich geschlagen, Die brachten diese plagen Und diese marter auf dich her. 10. Wie strenge Gott verbrechen An denen werde rächen, Die seine huld verschmähn; Wie schwer die werden leiden, Die nicht die sünde meiden, Will ich aus deinen leiden sehn. $ 2 11. 5. Ich bin's, ich sollte büßzen, Was du hast leiden müssen, Und gern gelitten haft. Was du von schmerz erduldet, Ach, das hab' ich verschuldet: Was 116 Erste Abtheilung. 11. Dein beispiel foll herzen bange, Da dein ang' mich lehren, Des höchsten im tode bricht, Todesbläsſe rath zu ehren, zu thun, deckt die wange, Bleich, was er gebeut. Nicht mei- entstellt ist dein gesicht. ned nen eignen willen, Nur seinen zu erfüllen, Sei meine pflicht und seligkeit. 12. Nie will ich wieder schelten, Nie spott mit spott vergelten, Nie, wenn ich leide, dräun. Selbst unrecht will ich dulden, Dem nächsten seine schulden, Wie du, von herzen gern verzeihn. 2. Deine angen sind geschloffen, Die auf fünder liebreich sahn, Wenn, in ren und leid zerflossen, Sie erwählten deine bahn. Du, versöhner, neigest müde Auf die brust dein haupt herab; Du, du stirbst! dein tod ist friede Nuh und ehre ist dein grab. 13. Gerührt von deinen plagen, Will ich mit ernst entsagen Dem, was dir nicht gefällt. Was deine augen hassen, Das will ich fliehn und lassen, Gefiel es auch der ganzen welt. 14. Soll ich dann endlich sterben, So laß dein reich mich erben, Mich so getrost, wie du, In deines vaters hände Den geist an meinem ende Befehlen zu der ew'gen ruh. Mel. Sohn des Höchsten 2c. 137. Du, bas leben aller leben, Du, mein retter, schlummerst ein, Mir.den großen trost zu geben, Der die seele kann erfreun. Ach! wie wird dem 3. Ruhe sanft im schoos der erde; Weihe du mein grab mir ein, Daß auch mir die hoffnung werde, meiner ruhe mich zu freun. Ach, du hast nun ausgelitten, Wie noch nie ein dulder litt! Hast den größten sieg erstrit ten, Wie noch nie ein sieger stritt. 4. Alle früchte deiner lei den, Deiner siege sind auch mein: Ich soll aller deiner frenden Froher mitgenosse sein. Welche wonne, wel cher segen Fließt aus deinem tod mir zu; Führe du auf deinen wegen Mich auch dieser wonne zu! 5. Laß auch mir das angedenken Dieses tages hei lig sein; Statt durch sün den XIII. Von dem Leiden, Tode und Begräbniß Jesu. 117 den dich zu kränken Durch gehorsam dich erfreun! Heilig bleibe mir die feier Deines todes, Jesus Christ! Unvergeßlich, ewig theuer, Weil dein tod mein leben ist. 6. Dann sei noch dein bitt'res leiden Ewig unvergeßlich mir! Dankbar schlag im letzten scheiden Noch der letzte pulsschlag mir. Dann soll mich die hoffnung trösten, Dich, der für mich starb, zu sehn, Und im freise der er lösten Dir zur rechten einst zu stehn. Mel. Wenn mein stündlein 2c. 138.3 ch danke dir für deinen tod Und die gehäuften plagen, Die du, mich aus der fündennoth Zu retten, Herr, ertragen. Laß das verdienst von dei ner pein Einst trost für meine seele sein, Wenn mich die sünden kränken. 2. Ich danke dir für dei ne huld, Die du auch mir erzeiget, Da du, zur tilgung meiner schuld, Dein haupt am krenz geneiget. D, wende dich zu mir, mein Gott, Mit trost in meiner letzten noth, Daß mich der tod nicht schrecke. 3. Erhalt in deinem dienst mich treu, Bis leib und seele scheiden, Daß nicht an mir vergeblich sei Dein theuerwerthes leiden. Und wenn mein lauf vollendet ist: So nimm mich dahin, wo dit bist, Auf daß ich bei dir lebe. met. Herzlich lieb hab' ich dich zc. 139.11m gnade für fünderwelt Fleht Jesus Christ, am kreuz gequält Von frecher fünder rotten. Ihm bricht das fummervolle Herz, Wenn sein bei seinem todesschmerz Die frevler grausam spotten. Doch sieht er mit erhabnem blick Von ihnen weg, auf den zurück, Den diese schaar in ihm entehrt; Ruft, daß es erd' und himmel hört: Vergieb, o Gott, Und führe nicht Sie ins gericht; Denn was sie thun, verstehn sie nicht. 2. Erstaunend seh' ich diese huld; Wie mitleidsvoll ist die geduld, Die mördern so begegnet! 3hr, die ihr euren heiland ehrt Fühlt seiner großmuth hohen werth, Die selbst die feinde segnet. Er hat durch thränen und gebet, Auch uns ein ewig's heil erfleht: Er sagt auch uns zu unsrer ruh Erbar 118 Erste Abtheilung. barmen und vergebung zu. kampf, Herr Jesu Chriſt, Herr Jesu Christ, Durch Wird mir versüßt, Wenn deinen tod, Durch deinen du mein trost im tode biſt. tod Ist Gott versöhnt und unser Gott! 3. Daß Gott mit lang muth und geduld, Auch ſelbst bei hochgehäufter schuld, Der fünder dennoch schonet; Daß er so liebreich ihrer denkt, Und ihnen frist zur buße schenkt, Und nach verdienst nicht lohnet; Daß ich noch fröhlich sagen kann: Auch mich, mich fünder nimmt Gott an; Dies glück hat deiner fürsprach kraft, Mein treuer heiland, mir verschafft. Jesu Christ, Mein Herr und Gott, Mein Herr und Gott! Vertritt du mich bis an den tod. 5. Wohl mir, wenn ich dir ähnlich bin; O flöße deinen sanften sinn Doch auch in meine seele! Gieb, daß mein Gott ergebnes herz Bei unverdientem haßß und schmerz Dir meine sach' eme pfehle. Besänftige mein reges blut, Und wenn mein schwaches herz die gluth Des wilden zorns nicht dämpfen kann: Oso erinnre mich. daran, Wie du, mein heil, Am kreuz erhöht, Durch dein gebet Selbst deinen mördern grad' erfleht. 6. Mich tröste dein verföhnungstod! Du bist es, o mein Herr und Gott, Durch den ich selig werde. O zeuch mich, du erhöhter held, Zu dir hinauf vom dienst der welt, Zum himmel von der erde! Du bist das haupt: wir folgen dir; Zeuch uns dir nach, so laufen wir; So werden wir uns deiner pein Und deines todes ewig freun. Herr Jesu Christ, Wie selig ist, Wie selig ist Der mensch, neuer kraft; Der letzte daß du sein heiland bist! Ueber 4. Fühl' ich der gnade trost nicht mehr, Weil meiner sünden furchtbar heer Auf's neue mich erschrecket: O dann versichre mich auf's neu Durch deinen geist der vatertreu, Die meine schuld bedecket, Ich blicke glaubensvoll auf dich, Und freue deiner hülfe mich. Und schließt sich meine pilgrimschaft, So stärke mich mit XIII. Von dem Leiden, Tode und Begräbniß Jesu. 119 Ueber die Wunder bei dem Tode Jesu. Mel. Ich hab' mein' sach' Gott ze. dein eigner sohn; Nun ist 140. Nun ist es alles kein zweifel, deine huld Tilgt meine schuld Und trägt forthin mit mir geduld. wohlgemacht, Mein Jesus ruft: es ist vollbracht! Der neigt sein haupt, o mensch, und stirbt, Der dir erwirbt Das erbe, welches nie verdirbt. 7. Hin auf sein kreuz will ich stets sehn Und dankvoll seine treu erhöhn, Trost soll er mir im sterben sein, Mich dann erfreun; So schlaf ich sanft und selig ein. 2. Der, dem an hoheit keiner gleicht, Der Herr der herrlichkeit, erbleicht. Was wunder, daß die erde kracht, Und dicke nacht Verhüllt der sonne glanz und pracht. 8. Und dient ich nun der sünde noch? Fern sei von mir ihr schnödes joch! Auf, seele, daß du dich erhebst, Nur Jesu lebst, Ihm zu gefallen dich bestrebst! 3. Das heiligthum steht aufgedeckt; Die felsen bersten; alles schreckt; Der todten gräber öffnen sich. Wie sichtbarlich Zeigt hier der Gottheit finger sich! 4. Weil denn die kreatur sich regt: So werd' auch du, mein herz, bewegt! Empfinde reuvoll deine schuld; Aus Gottes huld Starb Jesus auch für deine schuld. 5. Sein tod( o nimm es wohl in acht!) Hat troft und heil auch dir gebracht. Verehre den, der bis zum grab Sich für dich gab, Und stirb dem fündenleben ab. 4 6. Ja, vater, unter pein und hohn Erbleicht am kreuz 9. Ertödte selbst in meiner brust, Mein heiland, jede böse lust; Dein tod, der mir das leben schafft, Verleih mir kraft, Im kampf mit meiner leidenschaft. 10. Gestärkt von dir, besieg ich sie, Und scheue dabei teine müh. Ich setze freudig auf dein wort, Den kampf hier fort, Und volle ruh erwart ich dort. 11. Wie dank' ich dir, Herr Jesu Christ, Daß dit für mich gestorben bist! Dich preis' ich hier schon hocherfreut, Doch nach der zeit, Noch froher in der ewigkeit. Be= 120 Erste Abtheilung. Begräbniß Jesu. Mel. O traurigkeit, o herzel. 2c. 141. u bist erblaßt, Mein heil, 8: Das todesthal Werd' schwingt der lebensfürst Sich des todes banden. und hast Nun ausgekämpft; ich einmal Durchwandeln und müde Findet dein ge- ohne grauen; Denn durch quälter leib Nun im grabe dich, erlöser, ist's Mir der friede. susuweg zum schauen. 2. Ein heil'ger schmerz Durchdringt mein herz; Mit wehmnth will ich klagen: Ach, ich fünder war's ja selbst, Der dich so zerschlagen. 3. Du rettest mich, Und über dich Ging jeder trübsal wetter; Sterben wolltest du für mich, Göttlicher erreter! dist for 7. Allmächtig rief Er, der entschlief Den todten; sie erstanden. Leicht ent9. Ich preise dich! du liebst auch mich, Du siehst es, wie ich's meine; Ja, du siehst es, wenn ich still Meinen dank dir weine. 10. Bergeß ich dein, So werde mein In ewigkeit vergessen! Herr, ich will, so lang ich bin, Deine lieb ermessen. 4. Du hast's gethan; Dich dag model bet' ich an, Qu könig der erMel. O welt, sieh hier dein 2c. löſten! Dein will ich im tode 142. Nach tauſend to mich, Glaubensvoll getrösten. desleiden Am 5. Es ist vollbracht! kreuze dich verscheiden, Für Riefst du mit macht; Du mich verscheiden sehn, Was zeigst, daß du dein leben könnte meinem herzen Bei Habeft ohne zwang für mich deinen todesschmerzen Mehr In den tod gegeben.deiner liebe werth erhöhn? 6. Welch eine that! Des 2. Dir folgen meine thrähöchsten rath Will ich voll nen Mit meiner liebe sehdemuth ehren. Der erwer- nen Und fallen auf dein ber meines heils Wird mirs grab. Hier will ich, dich einst erklären. zu ehren, Dir neue treue schwören; Hier sterb' ich jeder sünde ab. 3. An deinem sterbetage Mischt Saten XIII. Von dem Leiden, Tode und Begräbniß Jesu. 121 Mischt in der deinen klage wenn ich sterbe, Daß ich ein Sich auch mein trauerlied. glück ererbe, Das ewig Es fließe dir zur ehre Jetzt meinen geist entzückt. meine wärmste zähre, Die heiß auf meiner wange glüht. 4. Was hat mein herz empfunden! O trauervolle stunden, Seid meinem gei ste nah! Ich stehe hier und bete An der geweihten stätte, Auf deiner höhe, golgatha! to 5. Hier seh' ich dich gelassen Für meine schuld 9. O todestag, voll segen, Sollt ich dich nicht erwägen? An dir starb einſt mein freund! Dich will ich stets erneuern, Dich bis ans ende feiern Mit thränen, die die liebe weint. Mel. Nun laßt uns den leib 2c. er blaſſen Und neigen ſanft dein 143. Pollbracht ist Sehaupt. Wohl mir in todesleiden Bei meinem letzten scheiden, Daß meine seele an dich glaubt! su todespein, Er neigt sein haupt und schlummert ein, Vollbracht, vollendet ist sein lauf! Sein geist schwingt sich zu Gott hinauf. 6. Die augen sind geschlossen, Ans welchen thrä 2. O bebe schandernd, golnen flossen, Zum heil der welt geweint; Verblichen deine wangen, und deine hände hangen Erstarrt am kreuz, erblaßter freund! gatha! Der größte, den die erde sah, Der eine ganze welt beglückt, 3st mörderisch der erd' entrückt. 3. Der, als der wärniste menschenfreund, Den leidenden mit trost erscheint, Der jedem hilft und gutes thut, Erblaßt durch seiner feinde wuth. 4. Blickt traurig zu dem kreuze hin! Weint, freunde Jesu, weint um ihn, Da der, der euch so sehr geliebt, Am krenze seinen geist aufmont 5. 7. Ach hier, hier will ich lernen, Von sünden mich entfernen, Und sterben, wie du starbst! Bis mein herz wird erkalten, Will ich zu dir mich halten, Der du mir seligkeit erwarbst. 8. Nun darf ich nicht verzagen, Wenn in den bängsten tagen, Der tod mir näher rückt. Ich weiß, auch giebt. Erste Abtheilung. 122 5. Beklaget den, der großmuthsvoll Freiwil lig auch für euer wohl So heftig litt, so vieles that, Und diesen tod erduldet hat. 6. Klagt! die natur selbst trauert mit; Die erde bebte, da er litt; Die sonne hüllet ihren schein, In schwarze trauerwolfen ein. 7. Bestürzt, vom tiefen schmerz erstarrt, Stand, als ihr Herr gemartert ward, Die kleine zahl der seinen da Und bebete wie golgatha. 8. Ein schwerdt, durch die seele drang, Zerriß ihr herz und macht es bang, Als er im kampf des todes rief: Es ist vollbracht! und sanft entschlief. das 9. Doch eilt ein freund, der ihn verehrt, Sobald er seinen tod erfährt, Herbei, nimmt ihn vom kreuz herab Und Legt ihn in sein felsengrab. 10. Tief, tief gerührt begleiten ihn noch jene bis zum grabe hin Und schik ten unter weh und ach! Ihm ihre letzten seufzer nach. 11. So geh denn, edler dulder, ein, Nach vieler marter, angst und pein, Nach einem bittern tod, ins grab, Das dir ein frommer Joseph gab. 12. Nuh' sanft, erhabner menschenfreund, Bis jener frohe tag erscheint, Wo dit, siegreicher lebensfürst, Erwacht die gruft verlassen wirst. 13. Der liebe edelster beweiß, Dein tod, ermuntre uns zum fleiß, Wie du im guten zu bestehn, Bis wir dir nach zum vater gehn. 14. Die ruhe, die du hier genießt, Die deines leidens kampf beschließt, Erinnre uns an unsre gruft, Die einst auch uns zur ruhe ruft. 15. Denn wie du nach der leidenslast Im grabe ruh gefunden hast, So nimmt einst Kach vollbrachtem lauf Auch uns die gruft zur ruhe auf. 16. O seelenretter, scheuke du Nur unsern seelen wahre ruh. Mach' uns von unsern fünden rein Und laß uns dir ergeben sein. 17. In tugend und gerechtigkeit Sei dir dies leben ganz geweiht. Naht unser ende dann heran, So nimm dich unsrer gnädig an. 18. Noch in der letzten todesnoth Tröst unsern geiſt dein kreuzestod; Führ' ihn zur ew'gen ruhe ein, Um selig dort bei dir zu sein. XIV. XIV. Von der Auferstehung Jesu. Mel. Jesus meine zuversicht 2c. 144. Jeſus lebt! das grab ist leer! Ich auch werde ewig leben! Er, mein retter und mein Herr, Wird auch meinen staub beleben. Ich auch soll unsterblich sein, Und mit ihm mich ewig freun. sieg errungen; Denn du hast durch tod und nacht dich zu Gott hinauf geschwungen, Der dir zuruft: komm, mein sohn, setze dich auf meinen thron! 6. Deines sieges mich zu freun, Soll mir pflicht und wonne werden; Und mich ewig dir zu weihn, Mein bestreben hier auf erden. Deines sieges herrlichkeit Stärkt mich in der pritfungszeit. 7. Nun fürcht' ich nicht grab und tod, Denn besiegt sind seine schrecken; Du wirst mich, mein Herr und Gott! Aus dem grabe auferwecken. Wie du, werd' ich auferstehn Und mit die zum vater gehn. 4. Jesus, deines kreuzes schmach Wird nun eine siegeskrone. Ruhm und freude folgt dir nach, Bis hin auf zu deinem throne; Denn 8. Jesus lebt! sein grab ist leer! Glorreich ist sein sieg errungen. Er, mein retter und mein herr, Hat sich dort hinauf geschwungen, Wo er sich in herrlichkeit, Seines grodu haft den feind besiegt, ßen sieges freut. Der zu deinen füßen liegt..Eig. Mel. od. Sollt ich meinen Gott 20 5. Herrlich ist dein werk 145. Auferstanden, auf vollbracht, Herrlich ist dein der 123 2. Meine thränen, ihm geweint, Werden thränen süßer wonne; Er erstand, mein größter freund, Mit dem glanz der morgensonne. Herrlich aus der grabesnacht Ist mein heiland auferwacht. 3. Er, der sanft sein haupt geneigt, Lebet nun als sieger wieder. Jede klage um ihn schweigt, Wandelt sich in jubellieder; Und, vereint mit engeldank, Schallt ihm mein triumphgesang. 124 Erste Abtheilung. der Herr, der uns versöhnt! vater hin. Laßt uns ihm O wie hat nach schmerz und schanden, Gott mit ehren ihn gekrönt! Dort, zu seines vaters rechten, Ueber schmach und tod erhöht, Herrscht er nun in majestät. Freut euch seiner, ihr gerechten! Und ihr, seine feinde bebt! Halleluja! Jesus lebt! zur ehre leben: Dann iſt sterben uns gewinn. Haltet unter lust und leiden Im gedächtniß Sesum Christ, Der vom tod erstanden ist. Unvergänglich sind die freuden Deß, der nach dem himmel strebt. Halleluja! Jesus lebt! 2. Singt dem Herrn! er 5. Freut euch seiner, ist erstanden; Er, der starb, auf golgatha! Rühmt es laut in allen landen! Was erduns verhieß, geschah. Wer, wer kann ihm widerstreben? Mächtig dringt der held empor; Im triumph bricht er hervor; Und des abgrunds pforten beben, Da ihr steger sich erhebt; Gottes finder! Er sei euter lobgesang! Bringt dem todesüberwinder Ehr und stärke, preis und dank. Rühmt's in den versuchungsstunden, Wenn euch fluch und fünde droht; Nühmt's in eurer todesnoth! Und habt ihr einst überwunden, Wenn er euch zu sich erHalleluja! Jesus lebt! hebt, Rühmt es ewig: Jesd 3. Uns vom tode zu be- fus lebt! poft d freien, Sant er in des grabes nacht: Uns zum leben the tedna yun Mel. Ich finge meiner feele zc.. einzuweihen, Steht er auf 146. Vom todesthal durch Gottes macht. Tod, du bist im sieg verschlungen, Deine schrecken sind gedämpft, Deine herrschaft ist bekämpft, Und das leben uns errungen. Jauchzt ihr, 2. Die sonn in ihrer madie man einst begräbt, Halle luja! Jesus lebt! i 4. Aus dem grab' uns zu erheben, Ging er zu dem hinauf zu Gott Erhebt sich mein gesang; Dem sieger über grab und tod Erschallet laut mein dank. jestät Erhellet kaum die nacht, Als Jesus Christus aufersteht, Und herrlicher erwacht. 3. XIV. Von der Auferstehung Jesu. 3. Die erde bebte, als der held Aus seinem grabe stieg; Hinauf bis zu dem sternenzelt Erschallete sein sieg. 4. Fallt nieder vor ihm in den staub, Der sich dem grab' entschwang! Er ist nicht mehr des todes raub; Erlöste, singt ihm dank! 5. Sein großes werk ist mun vollbracht; Errungen ist sein sieg, Weil er aus seiner todesnacht todesnacht Empor zum leben stieg. 125 daraus hervor, Und schwingst verklärt mit engeln dich Zur bessern welt empor. pend 11. O auferstehungsfest, du bist Des bessern lebens pfand! Dich fei're dankbar jeder christ, Der deinen troft empfand. Mel Nun lob' meine seel' zc. 147. Lobfinge, meine seele! Dem auf erstandnen, bet' ihn an, Loba sing' ihm und erzähle, Was ndir zum heil der Herr gethan. Er hat für dich gerungen, Er hat durch seine macht Des todes macht bezwungen, Erhellt des grabes nacht. Singt! sfingt ihm jubellie7. Heil, leben und un- der! Sein sieg hat uns bes sterblichkeit, Im tode trost freit. Uns brönet Gott und ruh Und hoffnungen mun wieder Mit guad' und der seligkeit Ruft uns dein seligkeit. grabmal zu.ambi sh 201197 119 8. Gedanke, der das herz erhöht: Wir werden auf erstehn! Auf hoffnung in das grab gesä't, Um schöner aufzugehn. 9. Heil dir, wenn dieser hoffnung licht Dein herz für ihn durchglüht, Dich stärkt zu jeder christenpflicht, Und 2. Froh führte seine son ne Den festlich hohen tag herauf. Da stand er, meine wonne, Der held, der weltversöhner, auf. Gedanke, der zu freuden Des himmels mich erhebt! Gedanke, der im leiden Mit reichem troft belebt! Des höhern lebens quelle! Mein ganz zu ihm dich zieht! schild in jeder noth! Wo ist dein sieg, o hölle? Wo ist dein stachel, tod?! 10. Dann wird dein grab nicht fürchterlich; Du gehst 3. 6. Errettet ist die fün derwelt; Besiegt der letzte feind Durch dich, unüberwund'ner held, Und Gott ist unser freund. man 126 Erste Abtheilung. 3. Der felsengrund erbe- ewig steht, Glänzt wahrbet Die wächter fliehn; heit, heil und majeſtät: das grab ist leer. Der todt Ich nahe mich voll zuverwar, sieh! er lebet, Er lebt sicht Zu dir, denn du verund stirbt hinfort nicht mehr. wirfst mich nicht. Die schwachen jünger wanken; Er stärkt die wankenden. Sie sehn ihn, freu'n sich, danken Dem auferstandenen. Sie sehn empor ihn steigen, Und gehn, wie er gebot, Mit freuden hin, und zeugen Von ihm bis in den tod. 3. Herr, meine seele preiset dich, Erlöst hast du auf ewig mich; So wahr dit selbst vom himmel kamst, Dein leben gabst und wieder nahmst! 4. Wer ist's, der mich verdammen kann? Ich glaub' an dich, und sage dann: Der Gott, durch den die himmel sind, Der ist mein vater, ich sein kind. 5. Nun ist dies erste leben mir Ein segensreicher weg zu dir. So lang ich hier bin, Herr, mein heil, Hab' ich an deinem frieden theil. 4. Herr, deine boten siegen, Von dir und deinem geist gelehrt. Die götzentem pel liegen; Der erdkreis wird zu Gott bekehrt. Ich weiß, an wen ich glaube, Bin freudenvoll ein christ. Ich bet' ihn an im staube, Ihn, der mein retter ist. Ich werd' ihn ewig schauen, Wenn er auch mich erhebt. Der Herr ist mein vertrauen; Er starb für mich und lebt. da Mel. Herr Gott, dich loben alle 20. 148. Dich bet' ich an erstandner held, Erretter einer sündenwelt; Du unsre zuflucht für und für, Froh huldigt meine seele dir. 2. Um deinen thron, der 6. Zwar trifft uoch mancher schmerz uns hier, Noch, o erbarmer, sterben wir! Doch du regierst, Und wir sind dein, Und ewig werden wir es sein! 7. Ich weiß, daß mein erlöser lebt: troft, der meinen geist erhebt! Hiedurch gestärkt seh ich auf's grab Mit unerschrocknem aug' hinab. 8. Welch neue welt voll seligkeit Erwartet mich nach die 127 XIV. Von der Auferstehung Jesu. dieser zeit! Da findet der mein geist das glück gedenkt, verklärte christ Das heil, Das Jesus hier und dort das unaussprechlich ist. mir schenkt. 9. Der du für unsre seele wachst, Sie zu dir ziehst und selig machst, Laß mich mit freudigem vertraun, Im tod auf dich, vollender, schaun. 6. Vor seinem thron, in seinem reich, Unsterblich, heilig, engeln gleich, Und ewig, ewig selig sein: Herr, welche herrlichkeit ist mein! 7. Mein herz erfreut sich des schon hier; Lieb' und verwundrung kämpft in mir, In voriger Melodie. 149. Grinnre dich, mein geist, erfreut Des hohen tags der herrlichkeit. Halt im gedächtniß Jesum Christ, Der von dem tod erstanden ist. 2. Fühl' alle dankbarkeit für ihn, als ob er heute dir erschien, Und spräche: friede sei mit dir! So freue dich, mein geist in mir. 3. Schau über dich und bet' ihn an. Er mißt den sternen ihre bahn; Er lebt, und herrscht mit Gott vereint Und ist dein könig und dein freund. Und voll von ehrfurcht, dank und pflicht, Fall ich, Gott, auf mein angesicht. 8. Du, der du in den himmeln throust, Ich soll da wohnen, wo du wohnst; Und du erfüllst einst mein vertraun, Verkläret dich dort anzuschaun. 9. Ich soll, wann du, des Lebens fürst, Mit majestät einst kommen wirst, Erweckt aus meinem grabe gehn, Und froh zu deiner rechten stehn. 10. Erhabner mittler, Gottes sohn, Mit engeln dort vor deinem thron, Mit allen frommen aller zeit Soll ich mich freun in ewig4. Kraft, ruhm und hoheit immerdar Dem, der da ist, und der da war! Sein name sei gebenedeit keit. Von nun an bis in ewigkeit. 11. Zu welchem glück, 5. O glaube, der das zu welchem ruhm Erhebt Herz erfreut! Was ist der uns nicht das christenthum! erde herrlichkeit, Wenn sich Mit dir gekreuzigt, Gottes 128 is Erste Abtheilung. tes sohn! Sind wir auch tod erstanden ist; Durch ihn auferstanden schon. 12. Nie komm' es mir aus meinem sinn, Was ich, mein heil! dir schuldig bin, Damit ich mich, in liebe treu, ist unvergänglich heil Und neues leben unser theil, In ewigkeit! Zu deinem bilde stets erneu. 151. Nobt den Herrn, 13. Er ist's, der alles in uns schafft; Sein ist das reich, sein ist die kraft. Halt im gedächtniß Jesum Christ, Der von dem tod erstanden ist! ihr gotteskinder! Preist Jesum, preist den überwinder! Wie groß, wie heilig ist sein tag! Er entriß des todesbanden Mit macht sich, ist num auferstanden, Er, der für uns im grabe lag. Sein ist gewalt und macht! Preist ihn! er und Mel. Erschienen ist der herrl. 2c. r vollbracht! Preist den sieger! Er hat's vollbracht, Er, der die macht Des todes und des Lebens hat. 150. C ist erstanden, Jesus Christ, hat's Der unser trost und heiland ist, Er ist nicht mehr des todes raub, Als sieger tritt er auf den staub. Gelobt fei Gott! madal. nd 2. Er hat erfüllt, was er verhieß, Eh' er für uns das leben ließ: Drei tage sollen nicht vergeh'n, So werdet ihr mich lebend sehn. Er 2. Glorreich hat der held gerungen, Hat mächtig un fern tod bezwungen, Von allen strafen uns befreit; Glaubt, ihr tief gefallnen fünder, So seid ihr eures Gottes finder, Und erben hat's erfüllt! el oto seiner seligkeit. Bald, bald 3. Ich lebe, sprach er, und auch ihr Sollt leben, gläubige, mit mir! Ich tomme, meine stimme ruft: Verlaßt, ihr todten, eure gruft, Und folgt mir nach! 4. Er wird's erfüllen, Jesus Christ, Der selbst vom id Mel. Wachet auf! ruft nns 2c. entschlafen wir. Entschlafen, Christe, dir, Ruhn in friede die kurze nacht; Bis deine macht, Eh' du einst richtest, ruft: erwacht! 3. Ob uns gräber gleich bedecken, Wirst du doch unsern staub erwecken, Der dit XIV. Von der Auferstehung Jesu. 129 du des staubes schöpfer bist, verlassen; Er frönte dich Du wirst unvergänglich le ben Und kraft und herrlichkeit ihm geben, Dem stanbe, der dir heilig ist. Wir merden ewig dein, Gerecht und heilig sein Sei gepriesen! denn dein gericht Erschreckt uns nicht, Weil du, o unser mittler, lebst. mit herrlichkeit, Die sterbliche nicht fassen. Dein kreuz, daran man dich erhöht, Verwandelt sich in majestät, Denn du gingst aus dem grabe. 4. Lob sei, vater, deinem Namen! Gelobt sei Je sus! amen! amen! Gelobt sei vater, sohn und geist! Christen, hall't des himmels lieder, So lang' ihr pilger seid, hier wieder, Bis ihr ihn selbst am throne preist! Frohlocke Gott, o christ! Sei heilig! heifig ist, Heilig, heilig, Gott, unser Gott! Der Herr dein Gott! Die welt ist seiner ehre voll! Mel. Es ist das heil uns 2c. reiwillig hast du 152.F uns, o Herr, dein leben. Du hattest es zu lassen macht, Macht, wieder dir's zu geben; Und darum liebte dich dein Gott, Weil du es willig in den tod, Für deine feinde gabest. mel. Dir, Gott, dir will ich zc. dargebracht Für 153. Preis dir, dem to desüberwinder! 3. Nun irren mich nicht schmach und spott, Noch deines kreuzes schanden. Du bist mein Herr, du bist mein Gott; Denn du bist auferstanden. Du bist mein heil, mein fels, mein hort, Der Herr, durch dessen mächtig's wort Auch ich einst ewig lebe. Dies 4. Wir sind nun göttlichen geschlechts, Durch dich des himmels erben. ist die hoffnung deines knechts, In dieser will ich. sterben. Wie du vom tod erstanden biſt, So werd' auch ich, Herr Jesu Christ, Durch dich einst auferstehen. 2. Du wardst nur eine kleine zeit Von deinem Gott Du gehst aus deiner gruft hervor; Als retter der verfornen fünder Empfänget dich der engelchor; Und aller himmel jubelton Singt dir, erhabner menschensohn! 2. 3m schwersten kampf unüberwunden, Am ende al3 ler 130 Erste Abtheilung. ler deiner noth Hast du des hebst. Dies stärkt hieniegrabes nacht empfunden; den sein vertraum; Er weiß, Ein kurzer schlummer war dein tod. Wie bald verer wird dich ewig schaun! 7. Wenn finsternisse ihn umgeben, Dann wird durch deinen ruf: ,, ich bin Die auferstehung und das leben!" Die letzte stunde ihm gewinn. Ihm wird der tod an deiner hand Ein hingang in das vaterland. 8. Er schauet ohne furcht, und schrecken, Auf seines grabes dunkelheit: Er weiß, du wirst ihn auferwecken, Und krönen mit unsterblichSein leib sinkt in den staub dahin, Um schöner wieder aufzublühn. 9. Preis dir, dem todesüberwinder! Erlöste leben, weil du lebst, Wenn du der auferstehung finder Einst sammlest und zu dir erhebst. Anbetung sei vor deinem thron Dir, Gottes und des menschen sohn! 10. Singt, christen, ihm, er ist erstanden! Triumpf und preis und lobgesang! Entfesselt von der fünde banden Sei nun gehorsam euer dank. Nicht mehr der welt und eitelkeit, Nein, ihm sei eure prüfungszeit! schwand die todesnacht! Wie bist du im triumph erwacht! 3. Schnell ward dein felsengrab erschüttert! Ein en gel Gottes kam herab! Die wächter fliehn, ihr herz erzittert! Ach, plöglich öffnet sich dein grab, Und du, der retter einer welt, Erstandst als unbesiegter held! 4. Gestürzt sind nun der höllen mächte, Gedämpfet feit. des verderbers wuth! Du bist ein held, denn deine rechte Erftritte diesen sieg voll muth. Gebengt zu deinen füßen liegt Der feinde heer, und ist besiegt! 5. Das segenvollste deiner werke, Die rettung der gefallnen welt, Ist nun vol lend't mit Gottes stärke, Die nacht des irrthums aufgehellt! Fest steht, zu deines namens ruhm, Dein göttlich evangelium. 6. Auf felsen ruht des christen glaube, Da dit, sein heiland, ewig lebst, Und ihn auch aus des todes staube Einft zur unsterblichkeit erMel. 131 XIV. Von der Auferstehung Jesu. Mel. Mir nach, spricht Christ. zc. und verwesung schreckt mich 154.H err, du bist meinicht; Denn du bleibst meine zuversicht. ne zuversicht, Du lebst, auch ich werd' leben. Mir wirst du, was dein wort verspricht, Unſterb- 155.Jihm auch ich; Mel. Jefus, meine zuversicht 2c. efus lebt! mit lichkeit einst geben. Dein jünger kommt nicht ins gericht: Dies stärket meine zuversicht. 2. Hier geh' ich oftmals weinend hin, Den saamen auszustreuen: Dort wird der herrlichste gewinn Der ernte mich erfreuen. Ich leide, doch verzag ich nicht, Denn du bist meine zuversicht. Tod, wo sind nun deine schrecken! Er, er lebt, und wird auch mich Von den todten auferwecken; Er verklärt mich in sein licht: Dies ist meine zuversicht. 3. Und sinkt dereinst mein leib in staub, Gott wird ihn neu beleben; Er werde der verwesung raub, Dort werd' ich ewig leben. Wie stark iſt dieser troſtgrund nicht, Wie sicher meine zuversicht! 2. Jesus lebt! ihm ist das reich Ueber alle melt gegeben, und ich werd' mit ihm zugleich Ewig dort in freuden leben. Gott erfüllt, was er verspricht: Dies ist meine zuversicht. 3. Jesus lebt! wer mun verzagt, Lästert ihn und Gottes ehre. Gnade hat er zugesagt, Daß der fünder sich bekehre. Den, der folgt, verstößt er nicht: Dies ist meine zuversicht. 4. Jesus lebt! sein heil ist mein, Sein sei auch mein ganzes Leben! Reines herzens will ich sein, Und den lüsten widerstreben. Er verläßt mich schwachen nicht: Dies ist meine zuversicht. 5. Jesus lebt! ich bin gewiß; Nichts soll mich 32 vont 4. Einst schwing ich mich zu dir empor; Mich aus der gruft zu heben, Gingst du aus deinem grab hervor: Du lebst und ich soll leben. Ich glaub es dir, und zweifle nicht; Dein wort ist meine zuversicht. 5. In diesem glauben stärke mich. Laß mich den trost empfinden, Den großen troft, daß ich durch dich Den tod soll überwinden. Grab Erste Abtheilung. Keine ne pilgerschaft, Fren seiner mich in seinem reich Und bin dort seinen engeln gleich. Lob sei dem Herrn! 132 von Jesu scheiden, macht der finsterniß, Keine herrlichkeit, kein leiden, Er giebt kraft zu dieser pflicht: Dies ist meine zuversicht. 6. Sesus lebt! mun ist der tod Mir der eingang in das leben. Welchen trost in todesnoth Wird er meiner seele geben, Wenn sie glänbig zu ihm spricht: Herr, Herr! meine zuversicht! Eigene Melodie. Od.: Sesu, meines lebens leben 2c. 157. Jen eſus, die erlöſten Mel. Erschienen ist der herrlich zc. sünder Preisen 156. Lebt Christus, was dich, der sie erfreut, Dich, bin ich betrübt? du todesüberwinder, Dich, du Herr der herrlichkeit! Du, der todt war, lebest wieder, Mit dir leben deine glieder: Uns, die todt und grab erschreckt, Hat Gott mit dir auferweckt. Ich weiß, daß er mich herzlich liebt: Und stürb' auch alle welt mir ab, G'nug, daß ich ihn zum freunde hab'! Lob sei dem Herrn! 2. Er nährt, er schützt, er tröstet mich; Sterb' ich, so nimmt er mich zu sich. Wo er jetzt lebt, komm ich auch hin, Weil ich mit ihm vereinigt bin. Lob sei dem Herrn! 3. Durch ihn bin ich mit Gott versöhnt; Durch ihn mit gnad' und heil gekrönt. Mein banges herz ermuntre sich, Gott und die engel lieben mich. Lob sei dem Herrn! 5. Für solchen troſt der seligkeit Dankt dir, Herr, deine christenheit. Wenn wir dereinst dein antlitz ſehn, sehit, Soll dich ein würd'ger lied erhöhn. Lob sei dem Herrn! 4. Durch seiner auferstehung kraft Vollend' ich mei2. Dmit welchen Gottesfreuden Strahlst du aus des grabes nacht! Ewig fern iſt alles leiden, Ganz dein gros ßes werk vollbracht. Liebreich eilest du den deinen Nun als sieger zu erscheinen. Seht ihn, freunde, die ihr bebt! Jauchzet, ener Jesus lebt. 3. Lebend, zu verschiednen stunden, Sahen sie dich dort und hier. Sie berührten deine wunden, Sprachen, aßen oft mit dir. Deinen XIV. Von der Auferstehung Jesu. 133 nen trost und deine lehren Schauten dich im glauben Ließest du sie wieder hören; Und sie, die dich lebend sahn, Beteten dich freudig an. 4. Muthig wurden nun die schwachen, Durch dein leben neu belebt Gingen sie nun aus und sprachen: Der am krenz erwürgte lebt! Sprachen selbst bei schmach und banden: Jesus ist vom tod erstanden, Ist der men schen Herr und haupt; Selig wird, wer an ihn glaubt! 5. Heil und gnade beut mun allen Gott in seinem namen dar, Allen sündern, die gefallen: Und was er verheißt, ist wahr. Alles, alles, wird geschehen! Himmel werden eh' vergehen, Eh' ein wort von Jesu Christ Nicht mehr wahr und göttlich iſt. 6. Preis sei dir! der du das leben Und die auferstehung bist. Laß uns alle sein ergeben Dir, dem retter Jesu Christ! Mach uns frei von straf' und fünden; Daß du lebst, laß uns empfinden. Tief im staube singen wir Dir dann ewig dank dafür! Gigene Melodie. err, wie freuten sich die deinen, 158.Her an, Als sie, Jesu, dich erscheinen, Dich, den liebevollen, sahn! Friede, sprach dein mund zu allen, Friede, jünger, sei mit euch! Meine wege sollt ihr wallen, Euch gehört des vaters reich. 2. Freuet euch, ich lebe wieder! Trocknet eure thränen ab! Denn für euch, o meine brüder! Kam ich lebend aus dem grab. Ihr sollt leben, weil ich lebe; Alle follt ihr mir euch weihn, weil ich euch die hoffnung gebe, Ewig einst bei mir zu sein. 3. Froher abend, dich zut sehen, Dich, den heißbeweinten Freund, Der nach sehnsuchtsvollem flehen Sich mit ihnen nun vereint! Ach, nach einem bangen tage, Welch ein abend war das nicht! Jubel ward die todtenklage; Dank, anbetung frohe pflicht. 4. Alle fielen vor ihm nieder, Weinten alle thränendank; Ihm, den retter seiner brüder, Tönte nun ihr Lobgefang. Wird mein letzter abend kommen, Werd' ich ihn, wie sie, einst sehn Und ihn mit der schaar der frommen Dort vor seinem thron erhöhn. XV. 134 Erste Abtheilung XV. Von der Himmelfahrt Jesu und dem Sitzen zur Rechten Gottes. Mel. Nun freut euch, Gottes K. z. zurück Ins himmelreich ge159. Anbetung, Lob und gangen. Nun werde ich preis sei dir, auch ruh und glück Im himSohn Gottes! auch von mel einst erlangen. Dort, uns geweiht! Du fährest wo mein freund ist, mur auf, des jauchzen wir, Zu dorthin Sehnt hoffend sich deines vaters herrlichkeit. mein herz und sinn: Dahin steht mein verlangen. 2. Zu unserm vater fährst du auf Und nimmst die wohnung Gottes ein. Laß nach vollbrachtem pilgerlauf Auch uns dort ewig bei dir sein. 3. O segne heut in uns das wort, Das uns von deinem throne lehrt; Es sei zur ew'gen freude dort, Zum trost hier stets dem herzen werth! 3. Herr, deine auffahrt reize mich, Stets als dein kind zu leben, Daß durch die kraft des glaubens ich Mich mag zu dir erheben. Dann scheid' ich, wenn es dir gefällt, Getrost und freudig von der welt. Erhöre, Herr, mein flehen! Mel. Herr Gott, dich loben alle 2c. 161. Lobt Gott, ihr chriMel. Allein Gott in der Höh' 2c. sten, freuet euch! 160. Auf Christi him- Der Herr fährt auf zu ſeinem reich; Er triumphirt; lobsinget ihm! Lobsinget ihm mit hoher stimm'. melfahrt allein Stüßt sich der trost der frommen, Befreit von zweifel, furcht und pein, Auch einst zu Gott zu kommen. Mein Haupt, daß nun im himmel ist, Wird mich, sein glied, leb' ich als christ, Gewiß zu sich erheben. 2. Sein werk auf erden ist vollbracht; Zerstört hat er des todes macht; Er hat die welt mit Gott versöhnt, Und Gott hat ihn mit preis gekrönt. 2. Zum vater ist er nun 3. Weit, über alle himmel MwSamadure 135 XV. Von der Himmelfahrt Jesut 2c. mel weit, Geht seine macht Nimmst du ans in den und herrlichkeit; Er schüßet seine christenheit, Erhält sie bis in ewigkeit. himmel auf. 4. Sein sind die völker aller welt; Er herrscht als sieggewohnter held; Er herrscht, bis unter seinem fuß Der feinde heer sich beugen muß. 5. Er schützet seine christenheit, Erhält sie bis in ewigkeit; Er ist ihr haupt; Lobsinget ihm! Lobsinget ihm mit hoher stimm. 10. Ozeuch uns immer mehr zu dir; Hilf uns mit eifrigfter begier Nach dem mur trachten, was da ist, Wo du, verklärter heiland, bist. 11. Dein eingang in die herrlichkeit Stärk' uns in uns'rer prüfungszeit, Nur dir zu leben, dir zu traun, Bis wir dereinst dein antlitz schaun. sind wir. Nimmst du dich unsrer hülfreich an; Was ist, das uns gebrechen kann? 12. Dann werden wir uns ewig dein, Herr Christ, du menschenfreund, erfrenn. Dann singen wir von deinem ruhm, Ein neues lied im heiligthum. 6. Ja, Heiland! wir er heben dich; Und unsre herzen freuen sich Der herrlichkeit und majestät, Dazu dich Gott, dein Gott, erhöht. 7. Wohl nun auch uns! denn, Herr, bei dir Steht 162. Großer mittler, und dein Mel. Jesus, die erlösten S., oder: Jesu meines lebens I. zc. 8. In deiner hand ist unser heil. Wer an dich glaubt, dem giebst du theil Am segen, den du uns erwarbst, Als du für uns am kreuze starbst. Gottes, seines vaters, sigt, Und die schaar von seinen knechten Uleberall beglückt und schüßt, Dir frohlocken, dir zur ehre, Aller deiner engel heere, Und in ihren lobgesang Jauchzet aller frommen dank. 2. Dein geschäft auf die9. Du hast die stätte ser erden, Wie es Gottes uns bereit't, Bei dir zu rath bedacht, Daß es sollt sein in ewigkeit. Nach treu erfüllet werden, Herr, dein vollbrachten glaubenslauf opfer ist vollbracht. Denn da 136 Erste Abtheilung. da du für uns gestorben, men Ueber ihrem elend Ist uns guad' und heil erworben, Und dein siegreich auferstehn, Läßt uns einst dem tod entgehn. bricht. Bittest, daß Gott ihrer schone; Daß er nicht nach werken lohne; Daß er die, die noch dich fliehn, Kräftig wolle zu dir ziehn. 3. Nun ist dieses dein geschäfte In des himmels heiligthum: Die erworbnen lebenskräfte Durch dein evangelium Allen denen mitzutheilen, Die zum thron der gnade eilen. Nun wird uns durch deine hand Heil und segen zugewandt. 7. Großer mittler! o, wir preisen, Dich, daß du im heiligthum So viel tren uns willst beweisen; Dir sei chre, dank und ruhm! Dein verdienst laß uns vertreten, Wenn wir zu dem vater beten. Wenn der tod die lippen schließt, Sprich für uns noch, Jesu Chriſt! 4. Du gedenkest stets der deinen, Bleibest ihnen ewig treu, Zählst die thränen, die sie weinen, Und stehst Mel. Mir nach, spricht Christ zc. ihnen mächtig bei. Du ver- 163. Mit preis und schaffst, daß ihren glauben Keine feinde ihnen rauben, Und wirkst in des vaters haus Ihnen eine wohnung aus. ruhm gekrönt, hast du Dein großes werk geendet, Schaust auf dein tagewerk mit ruh; Denn alles ist vollendet; Vollbracht der kampf der sterblichkeit, Und wieder dein die herrlichkeit. 5. Die verdienste deiner leiden Stellst du deinem vater dar, Und vertrittst mit macht und freuden Deine theu'r erlöste schaar; Bitteſt, daß er kraft und leben Deinen freunden wolle geben, Und sie einst nach dieser zeit Auch erhöhn zur herrlichkeit. 6. Doch vergißt du auch der armen, Die der welt noch dienen, nicht! Weil dein herz dir aus erbarSchon sam2. Du schanst herab und siehst den lohn Für deiner leiden menge. meln zu dem hohen sohn, In fröhlichem gedränge, Sich schaaren, hoch durch ihn beglückt, Belehrt, geheiligt und erquickt. 3. Aus allen völkern kommen XV. Von der Himmelfahrt Jesu. men sie Mühselig und beladen und suchen ruh, und finden sie Und sind des jochs entladen; Weihn freudig sich dem hohen sohn Und werden seiner arbeit lohn. 4. Gerettet sind, die sich verirrt, In finsterniß verloren; Welch eine schaar von kindern wird Dir durch dein wort geboren! Wie auf der frischen morgenau, Auf blumen ungezählt der thau. 5. Sie alle selig, und durch dich; Lohn deinem großen herzen, Das nur für andre klopfte, sich Vergaß bei qual und schmerzen; Gerettet alle leben dir, 137 8. Wie wird uns dann sein, wenn zur schaar Der heiligen erhoben Auch wir uns drängen in die schaar, Dich, unsern Herrn, zu loben; Das herz von reinerm danke glüht, Der blick dich freudeweinend sieht! 9. Vollenden hilf auch uns den lauf, Das tagewerk vollbringen! Und, ist's vollbracht, zu dir hinauf Die seele freudig dringen; Dort, wie du, an des richters thron Auch finden guter thaten lohn. Mel. Wachet auf! ruft uns 2c. Und unter ihnen, Herr, 164.Ueber alle himmel auch wir. heere Erhebst 6. Auch wir! o schau von du dich zum thron der ehre, deinem thron Herab auf Du mittler unsrer seligkeit. deine kinder! Auch wir sind Hin zu dem, der dich gedeines schweißes kohn, Zwar sendet, Gehst du, da hier sterblich noch, noch fünder; dein werk vollendet, Mit Doch, das ist unsre zuver- göttlicher zufriedenheit. sicht, Einst sündenfrei und hast die fündenwelt sterblich nicht. deinem licht erhellt. und ehre, Sei, Jefu, dir! Froh sehen wir Dir nach in deine herrlichkeit. Du Mit Preis 7. O daß, holdseliger! daß wir Nie deine huld verkennen, Mit schwächerm danke niemals hier Dich prei2. Deines vaters gnasen, kälter nennen! Ach, kei- denwillen, Auf erden völlig ner von uns allen sei, Dir, seinem retter, ungetreu. zu erfüllen, Warst du gehorsam bis zum tod. Size, sohn 138 Erste Abtheilung. sohn, auf meinem throne! es werden, Wenn wir dich Dir geb' ich meine welt wieder sehn auf erden, In zum lohne Und meine herr- aller majestät des Herrn! lichkeit, sprach Gott. Wie Das wird sein ein tag des Herrlich ist dein lohn! Er- lebens Für uns, und nicht höhter Gottessohn! Ihr, ein tag des bebens. Dann ihr frommen, Folgt treu, schaun wir dich nicht mehr ihm nach Durch streit und von fern; Dann sehn wir schmach! Gott, dem ihr hocherfreut Ganz deine herrdient, belohnt als Gott. 3. Deine trauerndenerlösten, O Herr, zu stärken und zu trösten, Kam über sie von dir dein geist. Er lichkeit, Welterlöser! Dann führest du Der wonn' uns zu, Die bei dir ist in ewigkeit. Eigene Melodie. ist's, der auch uns im leiden 165. Voll ollbracht auf erMit troft erfüllt und zu den freuden Der bessern welt den weg uns weist. Er leitet uns die bahn, Auf der dich wandeln sahn Deine freunde; Auch wir empfahn Auf dieser bahn Dereinst, wie du, die kron' am ziel. den ist dein lauf Vollendet deine todesleiden! Dein himmel nimmt dich wieder auf, Mit seiner ruhe, seinen freuden. Dein kampfplatz wird ein siegesthron, Sohn Gottes und des menschensohn! 4. Uns die stätte zu bereiten, um die wir pilger hier noch streiten, Gingst du voran in's vaterland. Herrlich wirst du wieder kommen, Und zu dir alle deine from men Versammeln in dies vaterland. Erkauft hast du uns Gott Und dir durch deinen tod. Wo du lebest Und Gott mit dir, Da sollen wir Auch mit dir leben ewiglich. 2. Die wolken tragen dich empor Zu- Gott, im angeficht der deinen, Und dich empfängt der engel chor. Ich sehe deine jünger weinen; Sie wünschen dich, o Herr, zurück, Und schaun dir nach mit trübem blick. 3. Auch wir, erlöser, sehn dir nach, Sehn dich auf lichten wolken schweben; Und alles, was dein mund 5. Welch ein jubel wird versprach, Ist uns erfüllung este XV. Von der Himmelfahrt Jesu 2c. lung, geist und leben. Verschwunden ist die bange nacht; Dein göttlich werk ist nun vollbracht! 139 8. Du gingst voran; wir folgen dir Als pilger nach auf deinem pfade. Zwar wankend sind die tritte hier; Doch stärkt uns deines geistes gnade; So gehen wir die sel'ge bahn Durch tod und grab zu dir hinan. 4. Errungen ist der größte sieg, So wie ihn nie ein held errungen! Ein friede folgt auf diesen krieg, Von aller himmel heer besungen. Du bist in großer majestät, Zur rechten hand der kraft erhöht. 5. Du gingst voran ins vaterland, Für uns die stätte zu bereiten, Und kommst auch einst, an deiner hand Uns in dies vaterland zu leiten. Am ende unsrer prüMel Jesus meine zuversicht zc. fungszeit Führst du uns ein 166. Du erhebst dich 9. Dann schauen wir dein angesicht Und beten an vor deinem throne. Wir sehn das licht in deinem licht, Und deine hand reicht uns die krone. Von ewigkeit zu ewigkeit Erhöht sich unsre seligkeit. zur herrlichkeit. 6. ,, Wo ich bin, soll Nach vollendung deiner leimein diener sein", Das den, Gehst die sternenvolhat dein mund uns selbst le bahn Zum genusse ew'ger verheißen. Welch glück wird freuden; Du, der uns mit uns alsdann erfreun! Nichts Gott versöhnt, Herrlich wird uns deiner hand ent- ward dein werk gekrönt! reißen. Wir feiern unsern 2. Hier, wo du mit krönungstag; Und ewigkeiten nacht umhüllt Namenloſe folgen nach! qual empfunden Und die schwerste pflicht erfüllt In der schrecklichsten der stunden; Hier auf dornenvoller bahn, Fängt auch dein triumph sich an. 7. Schon hier sei himmlisch unser sinn! Empor zu dir die trägen herzen! Damit wir nicht um weltgewinn Das allergrößte glück verscherzen. Dort ist allein das vaterland; Dahin sei unser blick gewandt! 3. Hier, wo du die bängste nacht, Durchgekämpfet, durchgerungen, Hast du dich mit 140 Erste Abtheilung. mit glanz und pracht Glor- getren auf deiner bahn reich dort hinaufgeschwun- Wallen zu dir himmelan. gen, Wo du, nach dem edlen streit, Eingingst in die herrlichkeit, 4. Aller himmel himmel sahn, Alle engel, alle frommen, Dich durch aller sonnen bahn In dein reich zurücke kommen; Sahn dich auf des vaters thron, erhöhter menschensohn! 7. Auch für mich, für mich hast du Eine stätte dort bereitet In den wohnungen der ruh, Wohin deine hand mich leitet. Gieb, daß ich dir ewig treu, Und mein wandel himmlisch sei! 8. Lente meinen blick daOhin, Wo ich, frei von allen mängeln, Selig und un5. Weit durch alle him- sterblich bin Und geliebt mel tönt Der triumph der von Gottes engeln. Füh engellieder: Er, mit preis re mich an deiner hand Ins und ruhm gekrönt, Er, der verheißne vaterland. retter seiner brüder, Kommt zu seiner brüder glück In des vaters reich zurück! 9. Welch ein herrlicher gewinn Für die kämpfe turzer leiden, Wenn ich ewig bei dir bin Im genusse deiner freuden! Deine seligkeit wird mein, Herrlich meine 6. Dir im glauben nach zuschaun, Deines hingangs mich zu freuen, Und dir ewig zu vertraun Will ich krone sein. diesen tag dir weihen Und XVI. Vom heiligen Geiste. Mel. Werde munter, mein 2c. 167.De er du uns als Vater liebest, Trener Gott, und deinen geist Denen, die dich bitten, giebest, Ia, uns um ihn bitten heißt; DemuthsHopt voll fleh ich vor dir: Vater send' ihn auch zu mir, Daß er meinen geist erneue Und ihn dir zum tempel weihe. 2. Ohne ihn fehlt meinem wissen Leben, kraft und fruchtbarkeit; Und mein herz chroma 141 XVI. Bom heiligen Geiste. herz bleibt dir entrissen 6. Geist des friedens und Und dem dienst der welt der liebe, Bilde mich nach geweiht, Wenn er nicht durch seine kraft Die gesinnung in mir schafft, Daß ich dir mich ganz ergebe Und zu deiner ehre lebe. deinem sinn, Daß ich lieb' und sanftmuth übe, Freundlich und versöhnlich bin. Kann ich je ein friedensband Knüpfen, knüpf' es meine hand! Zur erleichtrung der beschwerden Hilf mir jedem nützlich werden. 3. Auch dich kann ich nicht erkennen, Jesu! noch mit ächter treu Meinen Gott und Herrn dich nennen, Stehet mir dein geist nicht bei. Drum so laß ihn träftiglich In mir wirken, daß Gott bekennen ich dich Glaubensvoll als mittler ehre Und auf deine stimme höre. 7. Lehre mich, mich selbst erkennen, Auch verborgne fehler sehn, Sie in demüth Und ihn 4. Komm denn! komm, mich zu beseelen! Du, geist Gottes, kannst allein Durch die fünd entstellte seelen Zu der Gottheit bild erneun. Komm! mein herz begehrt nach dir, Schaffe du dein werk in mir! Mache mich zu deinem preise Gläubig, fromm, zum himmel weise. 5. Lenke meines herzens triebe Von der liebe dieser welt Hin auf meines. Gottes liebe, Hin auf das, was ihm gefällt; Daß, da er so hoch mich liebt, Mir solch' heil in Chrifto giebt, Ich mein ganzes herz ihm gebe Und nur seinem ruhme lebe. um vergebung flehn; Doch auch bessern laß mich sie. Fordert dies schon ernst und müh; Dennoch wird's durch dich mir glücken, Stets sie mehr zu unterdrücken. 8. Wann der anblick meiner fünden Mein gewissen niederschlägt; Wann sich in mir zweifel finden, Die mein herz mit zittern hegt; Wann mein aug' in nöthen weint, Und Gott nicht zu hören scheint: O dann laß es meiner seelen Nicht an trost und stärkung fehlen! 9. Was sich gutes in mir findet, Ist dein gnadenwerk in mir; Selbst den trieb hast du entzündet, Daß mein herz verlangt nach dir. O so setze durch dein wort Deine gna Erste Abtheilung. gnadenwirkung fort, Bis sie noch müh', Dein geist, o durch ein sel'ges ende Herrlich sich an mir vollende! vater, stärket sie; In martern und im tode; Sie bleiben ihrem Herrn getreu, Bekennen seinen namen frei, Und preisen ihn im tode. 4. Noch jetzt bist du der und singt, Daß du den sohn geist der kraft, Noch jetzt gegeben, Den sohn, der der menschen lehrer. Du heil uns sündern bringt, machst sie weis' und tugendUnd unvergänglich's leben. haft, Des sündenreichs zerIch danke dir, daß du den störer. In sündern wirkst geist, Der uns der finster- du ren und leid, In fromniß entreißt, Zur erde hast men seelen trost und freud gesendet. Er kam auf Se- Und muth im kampf der su wort herab, Der seinen sünden; In bangen stunden boten stärke gab, Daß sie schenkest du, So wie im dein werk vollendet. tode, seelenruh Und lehrst ihn überwi.iden. 142 Mel. Un Wasserflüssen Babylon ac. 168. Dir, vater, dankt mein herz, 2. Erfüllt von seiner wunderkraft, Gehn sie, die welt zu lehren; Der geist, der neue herzen schafft, Hilft ihnen sie bekehren. Die völfer hören hocherfreut Die botschaft ihrer seligkeit, Vernunft und wahrheit siegen. Die blindheit und das laster flieht; Wo man den finger Gottes sieht, Muß beides unterliegen. 5. Des vaters und des sohnes geist, Du quell des lichts, der liebe! Den Jesus betenden verheißt, Ach, heil'ge meine triebe; Gieb über meine sünden schmerz Und muth zum glauben in mein herz; Hilf mir mit andacht beten; In bangen stunden tröste mich, Und deine hülfe zeige sich Mir einst in todesnöthen. 3. Umsonst, daß wilder eifer tobt, Verfolgung zu erregen. Dein name, JeEigene Melodie, fu, wird gelobt; Dein wort 169. omm, heiliger ist kraft und segen. Die geist! tröster! jünger schreckt nicht pein Herr! Erfülle, o barmherziger XVI. Vom heiligen Geiste. 143 ziger, Mit deiner liebe se- throne Einst auf jene boligkeiten, Die Jesu Christo ten kam Und, verheißen sich weihten! Die völker von dem sohne, Sie zu seialler welt führst du In's ner wohnung nahm, Ihrer heiligthum zu Gottes ruh! sehnsucht flehn gestillt, Sie Es schall anbetung dir zum mit seiner kraft erfüllt: ruhme, Singt, völker, ihm Komm zu mir herab, ich im heiligthume: Gelobt sei flehe, Komm aus deiner Gott! Gelobt sei Gott! sel'gen höhe! 2. Ganz von deiner kraft durchdrungen, Wie erhellt ward ihr verstand! Dank und preis ward dem gesungen, Der dich, geist des Herrn, gesandt. Ach erleuchte meinen geist, Daß er sich der nacht entreißt! Laß dein licht auch mich empfinden, Und bei dir belehrung finden! 3. Uns stärke, geist des Herrn, dein trost! Hilf, daß wir freudig und getroft Im wahren glauben standhaft siegen! Und keiner trübsal unterliegen! Steh mächtig unsrer schwachheit bei, Daß wir bis in den tod getren, Voll muth, als streiter Jesu, ringen Und durch den tod ins leben dringen: Drum beten wir dich ewig an! Mel Freu dich sehr, o meine x. 3. Laß mich deine weisheit ehren, Die untrüglich mich belehrt, Daß mein herz auf deine lehren Immer gern und folgsam hört! Laß mich deiner weisheit licht, Das durch alle schatten bricht, Frei von wahn und finsternissen, Frei von irrthum ganz genießen! 4. Ach, erwärme, geiſt der liebe! Mein erstorbnes träges herz Für der tugend fromme triebe; Richte du es himmelwärts, Fern' von 170. Gei eift des Herrn diesem pilgerland, Hin in's der von dem bess're vaterland! O wie glück2. Du heiliges licht! starker hort! Durch dich leucht' uns des lebens wort! Den ew'gen lehrer zu erkennen! Von Herzen vater ihn nennen! Bei jedem irrthum, der erwacht, Durchstrahle du des irrthums macht: Laß niemand uns, Herr unsern glauben An unsern mittler, Jesum, rauben! Erhalt uns deine lehre rein! Erste Abtheilung. 144 glücklich wird auf erden Dann schon meine seele werden! 5. Sei du mir ein geist der gnade, Und hilf meiner schwachheit auf! Führe mich auf deinem pfade, In voriger Melodie. Und befördre meinen lauf! 171. Geist vom vater und vom sohReize, wecke, rühre mich, Daß ich, geist des vaters, ne! dich Durch gehorsam stets erfreue, Dir mein herz zum tempel weihe! 6. Stärke mich zu jedem werke Christlicher rechtschaf fenheit! Sei mir antrieb, kraft und stärke Zu dem fleiß der heiligkeit! Daß ich auf der tugend bahn Immer weiter steig hinan Und durch dich hier auf der erde Reifer für den himmel werde. 7. Lehre mich erhörlich beten; Gieb mir muth und zuversicht, Oft und kindlich hinzutreten Vor des höchsten angesicht; Gieb, o du, der alles schafft, Dem gebete deine kraft, Daß es sich zum throne schwinge Und durch alle himmel dringe! 8. Laß in trüben augenblicken Deinen trost mir nahe sein; Laß ihn dann mein herz erquicken, Wenn mich sonst nichts kann erfreun! Sei mir hier im pilgerland Meiner kindschaft unterpfand, Bis ich zum genuß gelange, Und das erbtheil selbst empfange. Der du unser tröster bist Und von unsers Gottes throne Hülfreich auf uns schwache siehst! Stehe du mir kräftig bei, Daß ich Gott ergeben sei: so wird mein herz auf erden Schon ein tempel Gottes werden. 2. Laß auf jedem meiner wege Deine weisheit mit mir sein; Wenn ich bange zweifel hege, Deine wahrheit mich erfreun. Lenke kräftig meinen sinn Auf mein wahres wohlfein hin. Lehrst du mich, was recht ist, wählen, Werd' ich nie mein heil verfehlen. 3. Heilige des Herzens triebe, Daß ich, meinem Gott getreu, Ihn stets über alles liebe; Daß mir nichts so wichtig sei, Als in seiner huld zu stehn. Seinen namen zu erhöhn, Seinen willen zu vollbringen, Müfse mir durch dich gelingen. 4. Stärke mich, so oft zur XVI. Bom heiligen Geiste. 145 zur sünde Mein gemüth ver- 2. Geist der weisheit, gieb suchet wird, Daß sie mich nicht überwinde. Hab' ich irgend mich verirrt, O so rühre du mein herz, Daß ich unter ren und schmerz Mich vor Gott darüber beuge Und mein herz zur beßrung neige. uns allen, Durch dein licht Unterricht, Wie wir Gott gefallen. Lehr uns freudig vor Gott treten, Sei uns nah Und sprich: ja! Wenn wir gläubig beten. 5. Reize mich, mit flehn und beten, Wann mir hülfe nöthig ist, Zu dem gnadenstuhl zu treten. Gieb, daß ich auf Jesum Christ, Als auf meinen mittler, schau Und auf ihn die hoffnung ban, Gnad' um gnad auf mein verlangen Von dem vater zu empfangen. 3. Hilf den kampf des glaubens kämpfen, Gieb uns muth, Fleisch und blut, Sünd' und welt zu dämpfen. Laß uns trübsal, kreuz und leiden, Angst und noth, Schmerz und tod nicht von Jesu scheiden. 6. Stehe mir in allen leiden Stets mit deinem troste bei, Daß ich auch alsdann mit freuden Gottes führung folgsam sei. Gieb mir ein gelaßnes herz; Laß mich selbst im todesschmerz Bis zum frohen überwinden, Deines trostes kraft empfinden. Mel. Sei zufrieden, mein 2c. 172.H öchster tröster, komm hernieder! Geist des Herrn, Sei nicht fern, Stärke Jesu glieder. Der, der nie sein wort gebrochen, Jesus, hat Deinen rath Seinem volt versprochen. 4. Hilf uns nach dem besten streben; Schenk uns kraft, Tugendhaft und gerecht zu leben. Gieb, daß wir nie stille stehen, Treib uns an, Froh die bahn Deines worts zu gehen. 5. Sei in schwachheit unfre stüße, Steh uns bei, Mach' uns treu In der prüfungshitze. Führ', wenn Gott uns nach dem leide Sterben heißt, Unsern geist In des himmels freude. 6. Wecke aus dem fündenschlafe; Rette doch Heute noch Die verlornen schaafe! Reiß die welt aus dem verderben: Laß sie nicht Im gericht Der verstockung sterbent. St Mel. 146 Erste Abtheilung. Mel. Nus tiefer noth zc. Mel. Komm, o schöpfer, heiliger zc. 173. K omm zu uns, 174. Naß, vater, deis. Gottes guter geist, Schaff deiner menschen Herzen neu; Du kennest, was uns fehlt, und weißt, Wie jeglichem zu helfen ſei. nen guten geist Mich allezeit regieren, Daß ich zu dem, was unrecht heißt, Mich lasse nicht verführen; Der sünde reizung widersteh' Und stets auf deinen willen seh, Darnach allein zu handeln. 2. Ob böse luft auch hier und dort Mich ansicht, weil ich lebe; So hilf mir, daß ich ihr sofort Im anfang widerstrebe Und daß ich ja vergesse nicht Die todesstunde, das gericht, Den himmel und die hölle. 3. O stärke mich dazu mit fraft, So wird es mir gelingen; Hilf jede böse leidenschaft Des herzens mir bezwingen. Steh' mir in diesem kampfe bei, Daß ich dazu stets wacker sei Und immer überwinde. 2. Du geist der weisheit, Leite du Uns zu der wahl des besten theils. Dem himmel führ' uns alle zu, Du führer auf der bahn des heils. 3. Uns strahle deiner wahrheit licht! Gieb uns ins herz der Liebe gluth, Zum vater frohe zuversicht, Zur tugend kraft und festen muth. 4. Des lebens wort, das Gottes sohn Vom himmel uns herab gebracht, Erleuchte jede nation Durch dei ner leitung fanfte macht. 5. Vereine deine christenheit Durch deines sel'gen friedens band. Erinnr' uns Mel. Nun danket all' und 2c. pilger dieser zeit Stets an 175. Nicht um ein das beßre vaterland. 6. Lob sei dem vater, lob dem sohn, Lob dir, o tröster, Gottes geist! Einst fingen wir vor deinem thron Ein lied, daß würdiger dich preist. flüchtig gut der zeit, Ich fleh um dei nen geist, Gott, den zu meiner seligkeit Dein theures wort verheißt. 2. Die weisheit, die vom himmel stammt, O vater, Iehr' XVI. Bom heiligen Geiste. 147 lehr' er mich! Die weisheit, glauben, dem treuen heidie das Herz entflammt Zur liebe gegen dich. 3. Dich lieben, Gott, ist seligkeit; Gern thun, was dir gefällt, Wirft edlere zufriedenheit, Als alles glück der welt. land, Der uns bringen will zum rechten vaterland. Erbarm dich, Herr! 3. Du geist der lieb' und einigkeit! Mach uns alles sammt dazu bereit, Daß wir uns von herzen einander lieben, Gern verzeihen und nicht gern betrüben. Erbarm dich, Herr! end 4. Du höchster trost in aller noth! Hilf, daß wir nicht fürchten grab noch tod; Laß, wenn wir einst sterben, uns nicht verzagen, Sondern mach uns frei von allen plaErbarm dich, Herr! egen. 4. Vertrauen hab ich dann zu dir, Dann schenket selbst dein geift Das freudige bewußtsein mir, Daß du mir gnädig seist. de 5. Er leite mich zur wahrheit hin, Zur tugend stärk er mich; Beweise, wenn ich traurig bin, Auch mir als tröster sich. 6. Er schaff' in mir ein reines herz, Versiegle deine Eigene Melodie, oder: Wer nur den lieben Gott 2c. huld, Und er bewaffne mich 177. großer Gott, du reines we im schmerz Mit muth und mit geduld. sen, Du hast nur reine herzen dir zu deiner wohnung außerlesen; Ach, schaff ein reines herz in mir, Ein herz, das unbefleckt und frei Von allen bösen lüsten sei. 2. Dein guter geist, o Gott, regiere Mein ganzes herz und stehe mir In meiner schwachheit bei und führe Mich von der eitelfeit zu dir! Gieb einen geist, der dir getreu Und willig zu geThitht 3. Eigene Melodie. 176. Nun bitten wir den heilgen geist, Welchen Jesus Christus uns verheißt, Daß er uns behüte vor falscher lehre, Alle, die im irrthum sind, bekehre. Erbarm dich, Herr! 2. Du geist der weisheit und der kraft! Mach' uns durch dein wort auch tugendhaft; Hilf, daß wir ihm horchen sei! 2 Erste Abtheilung. gnade wille. Ja, gieb Den trieb Unfern seelen, Nur zu wählen Und zu üben, Was er uns hat vorgeschrieben. 148 3. Durch deine stärk mich schwachen; Mach mich vorsichtig in gefahr. Gieb, daß ich durch gebet und wachen Die seele unverletzt bewahr'. Laß mich in deiner gnade stehn, Stets in der beßrung weiter gehn. 4. Nimm deinen geist, den geist der liebe, Den geist des glaubens nie von mir, Und stärke mich durch seine triebe, Turch seinen beistand für und für! So leite durch die pilgerzeit Mich aus der welt zur seligkeit. Mel. Wie schön leucht' uns der zc. 178. 3. Steh uns stets bei mit deinem rath, Und führ uns auf den rechten pfad Des heils, den wir nicht wissen. Verleih uns willigkeit, daß wir Dir treulich folgen, wenn wir hier Auch darum leiden müssen. Drückt last Uns fast Muthlos nieder, Laß uns wieder trost empfinden Und die trübsal überwinden. 4. Stärk uns durch deines trostes kraft Zum kampf heilger geist, mit jeder leidenschaft, Darüber herr zu werden. Und sind wir wo dem falle nah, So sei mit deiner hülfe da, Erheb uns von der erden. Neue treue Gieb uns schwachen, Du kannst machen, Daß wir siegen Und im kampf nicht unterliegen. fehr bei uns ein, Und laß uns deine wohnung sein, Du unsrer seelen sonne! Laß deiner wahrheit hellen schein In unsern herzen kräftig sein, Zu steter freud und wonne; Daß wir Schon hier Gott ergeben, Ruhig leben Und im sterben Einst vollkommnes glück ererben. 2. Du quelle, d'raus die weisheit fließt, Die uns zum heil so nöthig ist, O schenk aus deiner fülle Uns so viel einsicht und verstand, Taß heilsam von uns werd' er5. Erhalte bei uns immerfort Den glauben an dein göttlich wort. Nichts müß' uns von ihm trennen. Gieb, daß wir ihn von herzensgrund Mit thaten so, wie mit dem mund, Vor aller welt bekennen. Jesum Christum Ohn aufhören Recht fannt Des höchster gnädger zu ehren, Mach uns tüchtig XVI Vom heiligen Geiste. 149 tig Und sein heil uns werth lobt sei Gott! Gelobt sei und wichtig. Gott! 6. Nimm alle härte von uns hin; Erfülle uns nach deinem sinn Mit wahrer menschenliebe, Daß unser herz mit huld und treu Stets zugethan dem nächsten sei Und sich darinnen übe. Kein neid, Kein streit Dich betrübe! Fried und liebe Wollst du geben, Daß wir froh und ruhig leben. 7. Gieb, daß in wahrer heiligkeit Wir führen unsre lebenszeit; Sei unsers geistes stärke; Es herrsche nie in unsrer brust Verdorbne sinnlichkeit, noch lust Zum eitlen sündenwerke. Nühre, Führe Unser sinnen Und beginnen Von der erden, Daß wir himmelserben werden. 2. Durch deines geistes kraft erfreut, Wagt deiner boten schaar den streit, Kämpft gegen falscher götter heere Und siegt durch deines kreuzes lehre. Begabt mit stärke, ging ihr wort Bis an der erde grenzen fort, Erleuchtete die nationen Und drang von hütten zu den thronen. Gelobt sei Gott! Gelobt sei Gott! 3. O send' ihn auch zu uns, den geist, Der uns den weg zur wahrheit weist. Ach dunkel sind des lebens pfade: Erleuchte sie durch seine gnade. Er lehr uns Gottes heil verstehn, Er leit' uns, wenn wir irre gehn; Und wenn wir straucheln und er müden, Dann stärk er uns Mel. Komm, heil'ger 2c. durch Gottes frieden! Ge179, C ei, weltver lobt sei Gott! Gelobt sei Gott! söhner, sei gepreist! Du fandtest uns den theuren geist, Der uns in alle wahrheit Leite Und uns zum himmel zubereite. Er lehret uns des glaubens kraft, Stärkt uns in dieser pilgerschaft Den lauf zum ziele zu vollbringen Und einst die trone zu erringen. Ge 4. Hier in dem heiligthum des Herrn, Hier warten deiner, geist des Herrn, Wir christen, unsers hauptes glieder; Komm segensvoll auf uns hernieder! Hilf uns, gieb dem verstande licht, Dem herzen muth und zuversicht, Daß uns von ihm den 150 den wir bekennen, Hier we der glück noch leiden tren nen. Gelobt sei Gott! Gelobt sei Gott! Erste Abtheilung. 6. Dort, wo der zeugen Jesu schaar, Die hier durch 5. O leit' uns, Herr, an dich erleuchtet war, Am deiner hand Hinauf in's wah- thron des lammes jauchzend re vaterland! Entreiß uns stehet Und deiner werke preis mächtig dem verderben: Er- erhöhet: Dort ist auch unhalt uns gläubig, bis wir sers erbes theil; Auch uns sterben. Dann stärk' auch ist der erlösung heil Durch in des todes schmerz Das dich versiegelt, und wir komschwache freudenleere herz, men Durch dich zur seligkeit Daß wir mit muth zum him- der frommen. Gelobt sei mel dringen, Und dann den Gott! Gelobt sei Gott! XVII. Vom Mel. Fürwahr, du bist, o Gott 2c, 180.Dein wort, o höchster, ist vollkommen. Es lehrt uns unsre ganze pflicht; Es giebt dem fünder und dem frommen Zum leben sichern unterricht. O selig, wer es achtsam hört, Bewahrt und mit gehorsam ehrt. letzten fieg erringen. Gelobt sei Gott! Gelobt sei Gott! 2. Es leuchtet uns auf unsern wegen, Zerstreut des irrthums finsterniß; Verkündigt gnade, heil und segen, und machet unser herz gewiß. Es lehrt uns, höchster, was du bist Und was dir wohlgefällig ist. Worte Gottes. 20070 3. Dein wort erweckt uns dich zu lieben; Lehrt, wie viel gut's du denen giebst, Die dein gebot mit freuden üben; Wie du so väterlich uns liebst. Was uns darin dein mund verspricht, Bleibt ewig wahr, und trüget nicht. 4. Gott, deine tröstungen sind besser Und mehr der sehnsucht werth, als geld; Ein schatz, weit köstlicher und größer, Als alle schätze dieser welt. Wer thut, was uns dein wort gebeut, Dem ist dein segen stets bereit. 5. Drum laß auch mich mit XVII. Vom Worte Gottes. 151 mit luft betrachten, Die wort verspricht, Wird und wahrheit, die dein wort mich lehrt. Laß mich auf das gehorsam achten, Was dein befehl von mir begehrt; So fließen trost und seelenruh Auch mir aus deinem worte zut. muß geschehen; Deine drohung kann auch nicht Leer vorüber gehen. Haben tausende nicht schon, Welche vor uns waren, Deine strafen, deinen lohn, Unfehlbar erfahren? Mel. Schwing" dich auf zu 2c. 181.Det er du selbst die Mel. Fürwahr, du bist, o Gott zc. wahrheit bist, 182. er du dein wort mir hast ge Gott, 31. dem ich finge! Gott, den kein verstand ermißt, Ursprung aller dinge! Alle weisheit kommt von dir Zu den menschenkindern, Sie erleuchtet uns, wenn wir Nur ihr licht nicht hindern. 2. Vorurtheil und finsterniß Füllen unsre seelen, Unser blick ist ungewiß, Unsre schlüsse fehlen; Aber dein verstand weicht nicht Von der lautern wahrheit. Was du denkest, das ist licht, Richtigkeit und klarheit. 3. Wirf dich, sterbliches geschlecht, Dankbar ihm zu füßen! Seine wahrheit und sein recht Lässet er dich wissen. Weit erschallt das Wort des Herrn, Das die welt bekehret: Glaubt es freudig, folgt ihm gern, Völker, die ihr's höret! 4. Gott, was uns dein geben, Wie preis' ich würdig dich dafür! Nie kann mein dank dich g'muq erheben; Durch Christum schenkst du weisheit mir. Kennt' ich die lehre Jesu nicht, Wie wenig hätt' ich trost und licht! 2. Auf ungewissem finsterm pfade Würd' ich ein raub des irrthums sein; Ach! unbekannt mit deiner gnade, In dir den strengen richter scheun. Ich fände keinen trost in noth, Und schrecklich wäre mir der tod. 3. Doch diesen trüben finsternissen Des irrthums und der fünde macht, Hat Jesus lehre mich entriffen; Ihr licht zerstreut des zweifels nacht. Lehrt mich, wie viel Gott für mich that, Und ebnet selbst den rauhsten pfad. 4. 152 Erste Abtheilung. 4. Ich weiß, wozu mich 4. Dein wort erklärt Der Gott geschaffen; Ich kenne seele werth, Unsterblichkeit meine ganze pflicht; Weiß, und leben. Zur ewigkeit muß ich gleich im tod ent- Ist diese zeit Von dir mir schlafen, So stirbt mein ew'- übergeben. ger geist doch nicht. Der werke lohn folgt dort ihm nach, Und Gott erfüllt, was er versprach. 5. Dein'n ewgenrath, Die Missethat Dersünder zu verfühnen, Den kennt ich nicht, Wär' mir das licht nicht durch dein wort erschienen. 6 Nun darf mein herz In ren und schmerz Der sünden nicht vergehen; Nein, du verzeihst, Lehrst meinen geist Recht kindlich zu dir flehen. 7. Mich zu erneun, Mich dir zu weihn, Ist meines heils geschäfte. Durch meine müh Vermag ich's nie; Dein Mel Ach Gott und Herr 2c. 183. Gott, ist mein wort giebt mir die fräfte. hort! Und auf sein wort Soll meine seele trauen: Ich wandle hier, Mein Gott, vor dir Ini glauben, nicht im schauen. 8. Herr, unser hort, Laß uns dein wort, Denn du hast's uns gegeben. Es sei mein theil, Es sei mein heil Und kraft zum ew'gen leben. 2. ein mort ist wahr; Laß immerdar Mich seine Mel. Sehr groß, Herr, ist die zc. kräfte ſchmecken. Laß keinen 184. Gjelobet feift du spott, O Herr, mein Gott, Mich von dem glauben schrecken. 3. Wo hätt' ich licht, Wofern mich nicht Dein wort die wahrheit lehrte? Gott, ohne sie Verstünd ich nie, Wie ich dich würdig ehrte. Für deines sohnes lehre! Gieb, vater, daß ich sie mit andacht fleißig höre. O mache doch mein herz Bon vorurtheilen frei, Hilf, daß dein wort mein licht Auf meinen wegen sei. 5. Gott, laß mich dieser guten lehre Gehorchen mit stets größrer lust, Und keines zweiflers spott zerstöre Ihr trostgefühl in meiner brust. Mein ganzes leben preise dich! Dein heil erfreu im tode mich. 2. XVII. Pom Worte Gottes. 2. Laß mich der wahrheit licht, Beim forschen nie verfehlen; Nie, was mir schädlich ist, Durch schein getäuscht, erwählen. O höch ster! leite selbst Den forschenden verstand Und gieb gefühl für das, Was ich durch ihn erkannt. 3. Tein wort, das ewig ist, Befestigt mich im glanben; Laß mir nicht seinen trost Durch ungehorsam rauben. Wer hier getreu dein wort Zu seiner richtschnur macht, Dem giebt es licht und troft Selbst in der todesnacht. 4. Mein Gott! bewahre mich Vor aller falschen lehre; Und gieb, daß ich dein wort Mit festem beifall ehre. Gieb deinen geist ins herz, Der luſt und kräfte giebt, Taß man die wahrheit lernt, Prüft, glaubt, erfährt und übt! 153 2. Lauter wahrheit ist dein wort, Lehre mich es recht verstehen! Hilf selbst meinem forschen fort, Richtig daraus einzusehen, Was zu meinem heil mich führet, Und mir, deinem knecht, gebühret. 3. Aber laß mich nicht allein Nichtig seinen finn verstehen; Laß mein herz auch folgsam sein, Den erkannten weg zu gehen. Denn sonst würd' ich bei dem wissen, Doppelt streiche leiden müssen. 4. Gieb, daß ich den unterricht Deines wortes tren bewahre; Daß ich, was es mir verspricht, Reichlich an mir selbst erfahre; Ja, es fei in meinem leiden Mir ein quell ven trost und freuden. 5. Hilf auch, daß von zeit zu zeit Meine kenntnisse sich mehren. Find ich dann noch dunkelheit Bei des glaubens hohen lehren, O so laß mich demuth lernen, Und von Eigene Melodie. 185. Her, mein licht, zweifelſucht entfernen. 6. Laß mich, Herr, in deinem licht Immer rührender erkennen Jener herrlichkeit gewicht, Und wie glücklich der zu nennen, Der darnach mit eifer trachtet Und die 7. Daß ich dich und mich erkenne, Daß ich voll vertrauen dich meinen Gott und Vater nenne: Daß ich dadurch auf der erde Für den himmel weiser werde. sündenlust verachtet. 154 7. D! verleihe mir die kraft, Deinem wort gemäß zu handeln, Und vor dir gewissenhaft Als ein gutes kind zu wandeln, So wird einst in jenem leben Mich ein hell'res licht umgeben. 407( 6im Erste Abtheilung. Gott, Kann dich nicht irren lassen. Lies, christ, ſein heilig buch, Lies oft, du wirst es fassen, So viel dein heil verlangt. Gott ist's, der weisheit giebt, Wenn man sie redlich sucht, Gewissenhaft sie liebt. Mel. O Gott, du frommer 2c. 5. Lies frei von leiden186. ol dein verschaft, Von sorge und gederbtes herz schäften, Und sammle deiZur heiligung genesen, nen geist Mit allen seinen Christ, so versäume nicht, kräften. Des abends stille Tas wort des Herrn zu le- ruh, Des morgens heitersen: Gedenke, daß dies wort, keit, Und dann der tag Zum heil der ganzen welt, Von Gott gegeben ist Und seinen rath enthält. des Herrn, Der sei dem Herrn geweiht. 2. Merk auf, als ob dich Gott, Dein Gott, gerufen hätte: Merk' anf, als ob er selbst zu dir vom himmel red'te! So lies; mit ehrfurcht lies, Mit lust und mit vertraun Und mit dem frommen ernst, In Gott dich zu erbaun. 6. Nührt dich ein starker spruch, So ruf ihn, dir zum glücke, Des tag's oft in dein herz, Im stillen oft zurücke; Empfinde seinen geist, Und stärke dich durch ihn. Zum vorsatz, zum entschluß, Das gute zu vollziehn. 7. Um tugendhaft zu sein, Dazu sind wir auf erden. Thu' was die schrift gebeut, Dann wirst du inne werden, Die lehre sei von Gott, Die dir verkündigt ist Und dann das wort verstehn, Dem du gehorsam bist. 8. Spricht sie geheimnißvoll, So laß dich dies schrecken. Ein endlicher 3. Sprich fromm: o Gott, vor dem Ich meine hände falte, Gieb, daß ich dein gebot Für dein wort ewig halte; Laß mich stets deinen rath Empfindungsvoll verstehn Und stets das göttliche In deiner lehre sehn. 4. Er, aller wahrheit nicht PARTA XVII. Vom Worte Gottes. 155 licher verstand Kann Gott keit Dort ist die zeit des nie ganz entdecken. Gott schauns, Und hier des glaubens zeit. bleibt unendlich hoch; Wenn er sich dir erklärt, So glaube, was er spricht, Nicht was dein witz begehrt. 11. Verehre stets die schrift; Und siehst du dunfelheiten, So laß dich deinen freund, Ter mehr als du sieht, leiten. Ein forschender verstand, Der sich der schrift geweiht, Ein schon gebessert herz Hebt manche dunkelheit. 9. Auch seines schwachen lichts Nicht stolz sich über heben, Fern von vernünfte lei Gott dann die ehre geben, Wann er sich offenbart, Ist der geschöpfe pflicht, Und weise demuth ists, Das glauben, was Gott spricht. 10. Drum laß dich, from mer christ, Durch keine zweifel kränken. Hier bist du kind; doch dort Wird Gott mehr licht dir schenken. Dort wächst mit deinem glück Dein licht in ewig wort aus Gott. 2. Gieb, daß ich dir allein vertrau, Dich über al 12. Halt fest an Gottes wort, Es ist dein glück auf erden Und wird, so wahr Gott ist, Dein glück im himmel werden. Verachte christlich groß Des bibelfeindes spott; Die lehre, die er schmäht, Bleibt doch das SICHOTE Von den zehn Geboten Gottes insbesondere. Mel. Aus tiefer noth schrei zc. Les liebe! Auf menschenhülf 187. Het err, deine rechte und gebot, Darnach wir sollen leben, Zu halten, wollest du, o Gott! Mir kraft und gnade geben, Daß ich zum guten willig sei, Mit sorgfalt, ohne heuchelei, Was du befiehlst vollbringe. und trost nicht bau', Nicht muthlos mich betrübe; Daß mir nicht andrer menschen gunst, Macht, ansehn, reichthum, witz und kunst Zu einem abgott werde. 3. Hilf, daß ich deinen gnadenbund Recht schätze und erkenne; Von herzen, nicht bloß mit dem mund, Dich und dein wort bekenne; Daß 156 Daß ich bedenke jederzeit, Wie sehr mich meiner taufe eid Zu deinem dienst verbinde, 4. Am tage deiner heilgen ruh Laß mich gern vor dich treten, Die zeit auch heilig bringen zu Mit danken und mit beten; Daß ich hab' meine luft an dir, Dein wort so höre, daß ich's mir Auch recht zu nutze mache. Erste Abtheilung. 5. Die eltern, lehrer, obrigkeit, Tie vorgesetzt mir werden, Laß mich verehren jederzeit, Faß mir's wohl geh' auferden! Daß ich für ihre sorg' und treu' Recht folgsam und recht dankbar sei Und sie niemals betrübe. 6. Hilf, daß ich niemals eigne rach An meinem fein de übe, Und die mir zugefügte schmach Verzeih, viel mehr ihn liebe; Sein glück gern gönne jedermann; Seh, ob ich jemand dienen kann, Und es dann thu mit freuden. 7. Unreine werk der finsterniß Laß mich sorgfältig meiden, Du siehst und strafest sie gewiß Mit schwer gehäuftem leiden! Schaff' in mir, Gott, ein reines herz, Daß ich schandbare wort' und scherz Und alles schwelgen fliehe. 8. Verleih, daß ich mich redlich nähr', Mich böser ränke schäme; Mein herz niemals zum geize fehr', Mit unrecht nichts hinnehme; Und von der arbeit meiner händ', Was recht ist, gern auf arme wend', Und nicht auf pracht und hoffahrt. 9. Hilf, daß ich meines nächsten glimpf zu retten mich befleiße. Von ihm abwende schmach und schimpf; Doch böses nicht gut heiße! Gieb, daß ich lieb' aufrichtigkeit, Hab' einen abscheu jederzeit An lästern und an lügen. 10. Laß mich des nächsten haus und gut Nicht ungerecht begehren; Was aber mir von nöthen thut, Das wollst du mir gewähren; Doch, daß es niemand schädlich sei, Ich auch ein ruhig herz dabei Und deine gnad' behalte. 11. Mein Gott! dein mir gegeb'nes recht Und deinen heil'gen willen, Wie mir gebühret, deinem knecht, Auf immer zu erfüllen, Vermag ich von mir selber nicht; Ich fühle, daß es mir gebricht Dazu an eignen kräften. 12. Drum gieb du mir von deinem thron, vater, gnad' TYNIO XVII. Vom Worte Gottes. gnad' und stärke! Verleih, Herr Jesu, Gottes sohn, Daß ich thu' rechte werke! Oheilger geist, hilf, daß ich dich Von ganzem Herzen, Und wie mich, Den nächsten thätig liebe! In voriger Melodie. 188. Du hast, o weiser heil'ger Gott, Herr über tod und leben, Dein heilig recht und dein gebot Uns nicht umsonst gegeben; Du willst, daß wir aus aller kraft, Die deine treue gnade schafft, Gewissenhaft es halten. 2. Wen fündenluft gefangen hält, Der wird sich nicht bequemen, Dein joch, das ihm gar nicht gefällt, Mit lust auf sich zu nehmen. Sein sinn, bethört vom eit len wahn, Ist dem gesetz nicht unterthan; Er haffet dessen strenge. 3. Wenn aber, Herr, dein guter geist Uns lehrt, belebt, regieret: So gehn wir gern, wie du uns heißt, Den weg, den er uns führet. Des glaubens kraft erzeiget sich Durch wahre liebe gegen dich Und gegen unsern nächsten. 157 4. Fehlt unsrer tugend gleich noch viel, 3st sie noch voller mängel; Erreicht man nicht das höchste ziel, Nie heiligkeit der engel: So gilt vor Gott doch redlichfeit In dieser unsrer prüfungszeit Um Jesu Christi willen. 5. Es sei ven meinemherzen fern Der Mißbrauch dieser lehre; Ich weiß, daß manches herz sich gern Durch falschen wahn bethöre. Es meint: es decke Gottes huld Auch wissentlicher ſünden schuld Mit dem verdienst des mittlers. 6. O! dieser wahn sei fern von mir! Ich will mich stets bestreben, Als müßt' ich in der zeit schon hier Ganz ohne mängel leben. Alsdann macht des versöhners blut, Was ich aus schwachheit fehle, gut, Macht rein von aller sünde. 7. So mache du mir dein gebot, Herr, angenehin und süße. Dein wille sei bis in den tod Die leuchte meiner füße. Schreib dein gesetz in meinen sinn. Fall ich, so wirf mich ja nicht hin; Stärk mich durch deine gnade. Vom 158 Erste Abtheilung. Evangelio. todesschmerz Und hilft uns Vom Mel. Sei lob und ehr' dem zc. 189. Grhebe dankbar überwinden. Gottes ruhm, Wer ihn als christ erkennet: Daß er sein evangelium Von jugend an uns gönnet, Uns hier den weg zur wahrheit zeigt, Und unser herz zum guten neigt. Gebt unferm Gott die ehre! 2. Herr, durch dies wort erkennen wir: Im himmel und auf erden Kommt alles, alles nur von dir, Du hei Best welten werden. Der du des segens quelle bist, Des furcht der weisheit anfang ist, Dir dir gebühret ehre! 3. Dein wort entdecket uns das heil, Daß du der welt gegeben. Dir, Jesu, durch den unser heil Hier ruhe ist, dort leben: Der du für uns am kreuze starbst Und uns ein ew'ges heil erwarbst, Dir, dir gebühret ehre. 5. Sei innig, Herr, dafür gepreist! Du, den wir vater nennen! Von dem, was uns dein wort verheißt, Soll ewig uns nichts trennen: Nicht ruhm der menschen, nicht ihr spott, Nicht trübsal, selber nicht der tod, Nichts soll uns von dir scheiden. 6. Den weg der wahrheit wählen wir; Wir wissen deinen willen. Gieb uns die kraft, fie kommt von dir, Shn immer zu erfüllen Erhalt in deiner furcht das herz, Daß es in freuden und in schmerz Sich kindlich an dir halte. 7. Herr! wir sind dein! verlaß uns nicht! Stärk' uns in unserm glauben! Vermehre unsre zuversicht; Laß niemand sie uns rauben! Getreu bist du: auch uns mach' treu, Daß uns dein wort stets wichtig sei. Preis sei dir, dank und ehre! 4. Dies wort verspricht nns deinen geist, Der uns zur wahrheit leitet, Zur gottesfurcht uns unterweist, Uns stärkt und vorbereitet. Es giebt uns herz, Versüßt uns einst den Deines wortes gnadenlehre. freudigkeit ins JeMet. Serr, mein licht, erleuchte 2c. 190. Froftvoll, o mein heiland, ist XVII. Vom Worte Gottes. 159 Jeder, dessen licht du bist, zeugen, Die zu deines naGlaubt und lebt zu deiner ehre, Wird die fülle deiner gaben, Ewig heil und freude haben. mens ruhm Ihre kniee dankvoll beugen, Daß du, weil du für uns littest, Gnad und friede uns erbittest. 2. Deines wortes unter richt Lehret uns Gott recht erkennen, Ihn mit herzenszuversicht Unsern Gott und vater nennen, Und nach seinem heilgen willen Unsre pflichten treu erfüllen. 3. Keiner menschen weißheit lehrt, Wie wir Gott uns nahen sollen ,. Wenn wir, seiner strafen werth, Gnad' und trost erlangen wollen; Aber du erhebst die fünder Selbst zur würde deiner Finder. 4. Deine lehre zeiget mir, Wo ich heil und ruhe finde; Denn sie zeiget mir in dir Den versöhner meiner fünde, Der, mir gnade zu erwerben, Sich entschloß für mich zu sterben. 7. Herr, empfange meinen dank, Den ich dir im glauben bringe; Höre meinen lobgesang, Den ich deiner güte singe, Daß du meine schuld versöhnest, Daß du mich mit gnade krönest. 6. Ja, dein evangelium Hat viel tausend tausend 8. Köstlicher als alles gold 3st mir deines wortes lehre. Gott ist meiner seele hold; Tank dir ewig, dank und ehre! Ich, von dir so hoch erhoben, Werde dort dich besser loben. Mel. Sesu meine Freude zc. 191.ort aus Gottes munde, Wort von seinem bunde! Evangelium! Bald, da wir gefallen, Ließ dich Gott erschallen, Du bist unser ruhm Du erfreust den bangen geist, Frohe botschaft, uns zum leben, Von Gott selbst gegeben. 5. Freundlich rufest du uns zu: Kommt zu mir, beschwerte seelen! Kommt, es soll zu eurer ruh Euch an heil 2. Was sein wohlgefalbei mir nicht fehlen! Seht, len Vor der zeit uns alder vater will vergeben, Weil ich starb, und ihr sollt leben." len Ausersehen hat; Was erst dunkle schatten Vorgebildet hatten, Das vollführt sein rath. Daß sein eid 160 Erste Abtheilung. eid Ihn nicht gerent, Zeigt Wenn ihr jede sünde haffet er nun; in Jesu namen Und euch beßern lasset." Wird er ja und amen. 5. Oso wehrt deu schmer3. Alles ist vollendet: zen; Kommt, ihr, deren Gott hat den geſendet, Der herzen Das gesetz zerschlug; Freut euch dessen gnaden, verheißen war. Jesus Der mit schmach beladen fommt, sein leben Für uns Eure strafen trug. Jesu tod hinzugeben; Giebt es gerne Versöhnt euch Gott! Ihm, dar. Dankt! er hat Des der euch als vater liebet, höchsten rath Ganz vollUnd die schuld vergiebet. bracht zu seiner ehre. O, erwünschte lehre! 6. Auf ihn will ich bauen, Ihm mich ganz vertrauen Und in ihm mich freun; Ihm nur will ich leben. Ihm mich ganz ergeben, Ewig tren ihm sein. So werd ich Auch einst durch dich, O mein heiland! selig sterben Und dein reich ererben. 4. Gottes strafen droh ten; Und durch Jesu boten Spricht er zu uns: ,, gläubt, Ich will euch vergeben, Ewig sollt ihr leben, Wenn ihr tren mir bleibt; Jest huld Tilgt eure schuld, XVIII. Von der Taufe. Mel. Nun danfet all' und 2c. 3. Ich lernte früh bereits 192.Daß ich in deiner verstehu, Was dein allweichristenheit, Mein Gott, geboren bin, Dir durch die taufe bin geweiht, Wie sehr ist mir's gewinn! ser rath Auch mir zum er'gen wohlergehn, Voll huld geordnet hat. 2. Nun ward ich in der kindheit schon mit dir und dem bekannt, Den du von deines himmels thron Zum heil der welt gesandt. 4. Erleuchtet durch dein heilig wort Sah' ich die sichre bahn, Auf der wir uns, so hier als dort, Dem wahren leben nahn. 5. Ich kannte noch das laster nicht, Du warntest mich XVIII. Von der Taufe. 161 mich dafür; Und zogst mich res christenthum Führt zur durch der wahrheit licht Zur tugend und zu dir. wonne der erlösten, Läßt, wenn wir im glauben sterben, Uns des himmels freuden erben. 6. Wie dank ich dir, allliebender, Für diese vatertreu! Gieb, daß dir immer inniger Mein herz ergeben sei. 7. Auch ich bin dir zum eigenthum Durch deinen sohn erkauft; Auch ich bin, dir zum dienst und ruhm, Auf sein gebot getauft. 8. Dir will ich denn, o stärke mich, Mein ganzes leben weihn: So frent mein 194.Jch bin getauft, herz I nach Jesu lehinniglich Des glücks, ein christ zu sein. Mel. Herr, mein licht, erleuchte 2c. 193. Mein erlöser, der du mich Dir zum eigenthum erkaufet, Als dein jünger bin auch ich Vormals auf dein wort getaufet. Stärke mich, wie du zu handeln, Als ein wahrer christ zu wandeln. ren, Dich, vater, deinen sohn und geist So zu bekennen und zu ehren, Daß herz und mund und that dich preis't! Und dann des glücks, ein chrift zu sein, Mich hier und ewig zu erfreun. 2. Laß mich, Jesu, dir geweiht, Stets auf meinen taufbund achten; Und dies in der prüfungszeit Als mein größtes glück betrachten: Daß ich deinen heilgen willen Treulich suche zu erfüllen. 3. Dieser erde gut und ruhm, Kann uns nicht im tode trösten. Nur ein wahS 4. Allem, Herr, was dir gefällt, Will ich denn mich ganz ergeben, Und, entfernt vom sinn der welt, Als dein trener jünger leben, Daß auch ich, wenn ich einst sterbe, Das verheißne leben erbe. Mel. Gott werde stets von dir, od. Fürwahr, du bist, o Gott zc 2. Durch diese stiftung deiner gnade Ward jedes recht der christen mein; On weihtest mich in diesem bade Zu deinem kind und erben ein, Und thatest in der folgezeit An mir noch mehr barmherzigkeit. 3. Du öffnetest mir das verständniß Durch deines sohnes lehr' und geist; Durch sie gelangt' ich zur erkenntniß, wie man dich würdig ehrt und preist, Und welches heil L 162 Erste Abtheilung. heil dein gnädger rath Dem, Nicht gern auf deine stimme der dich ehrt, bereitet hat. 4. Daß nicht, von leichtfinn hingerissen, Undankbar dich mein herz vergaß, Erinnertest du mein gewissen An seine pflicht ohn unterlaß, Und wecktest mich zum tugendlauf Durch deine wahrheit mächtig auf. 5. Gelobt, mein Gott, sei deine liebe, Die mir, noch eh' ich dich gekannt, Aus freiem väterlichem triebe Schon so viel gutes zugewandt. Wie huldreich hast du mein gedacht, Und für mein wahres wohl gewacht! 6. Wie sollt ich denn dich nicht verehren? Nicht dir ein herz voll liebe weihn? dein eigen sein! hören? Und kindlich dir gehorsam sein? Was mich entehrt, sei fern von mir! Geheiligt sei mein leben dir! 7. O stehe nur mit deinem geiste, Wie du verheißen hast, mir bei, Daß ich, was ich versprach, auch leiste, Und treulich dir ergeben sei; Und fehl ich, so verwirf mich nicht, Mein Gott, von deinem angesicht. 8. Erwecke mich durch deine gnade Zum steten ernst der besserung, Und leite mich auf sicherm pfade Des glaubens und der heiligung. Gott meines heils, sei ewig mein, Und laß mich stets Vor der öffentlichen Taufhandlung. Mel. Fürwahr, du bist, o Gott zc. sie an deine brust. Laßt, 195.Het err, der du keisprachst du, lasset sie zu mir: Denn wißt, das himmelreich ist ihr." nen je verstießest, Der sich im glauben dir genaht, Nie unerfreut ihn von dir ließest, Wenn er um deine gnade bat, Gelobt sei deine freundlichkeit, Die gern erhöret und erfreut. 3. Herr, dir sei dieses kind) 3. Herr, diese kinder sein empfohlen, Dir dessen treuun2. Du hattest, heiland, voll erbarmen An kinderunschuld deine luft: Du würdigtest sie zu umarmen, Du drücktest wandelbar. Wir bringen es bringen fiel wie du befohlen, Dir in der heil'gen tause dar. Du segnest es( sie) Herr Jesu Christ, So wahr sie deine stiftung ift. Nach ME XVIII. Von der Taufe. Nach der Taufe. Mel. Herr, mein licht, erleuchte 2c. auch wir Gleichen bund mit 196.H err, dies kind Jdie kinder dir errichtet, Und zu deinem dienste dir Durch die wir uns dir tren ergeben, taufe uns verpflichtet, Daß Und als christen christlich leben! ist dir geweiht, Deiner fühsind geweiht, rung übergeben! Hilf ihm ihmun) nen mit folgsamkeit Deinem wort gemäß zu leben! Laß es( sie) hier beglückt auf erden, Dort des himmels erbe( erben) werden! 2. Hilf uns allen, da großen ziel entgegen! 163 3. Sieh, wir alle sind bereit, Uns von neuem dir zu weihen; Gieb dem vorsatz festigkeit, Und zum guten dein gedeihn! Leite uns auf deinen wegen Unserm XIV. Vom heiligen Abendmahle. Mel. Jesus meine zuversicht 2c. 197. Die ie ihr Christi jünger seid, Theure miterlöste brüder, Alle seinem dienst geweiht, Alle seines leibes glieder, Kommt erlöste, kommt, erneut Euren bund der seligkeit! nen. Süßes wort, voll himmelsruh, Voll von troft für die, die weinen, Wenn sie schuld und vorwurf schreckt, Wenn ihr auge nacht bedeckt. 4. Gott ist gnädig und wir traun Seiner gnade nicht vergebens. Theures pfand vomnt 2. Sie, die jetzt voll zu künft'gen schaun! Ueberzeuversicht, Jesu, deines heils gung jenes lebens! Inniger sich freuen, Laß sie stets fühlt heut' der geist, Daß in diesem licht Wandeln, Gett hält, was er verheißt. und sich ganz dir weihen. 5. Jesu Christi schmerz Laß das herz vom stolze rein, und tod, Werd' in aller Voll von deiner demuth sein. welt verkündigt. Freudiger naht nun zu Gott, Wer geheiligt, wer entfümdigt 3. Bis zum tode liebteft du, Bis zum tode all die dei22 164 Erste Abtheilung. digt, Dem, der liebend 3. Nach deinem troste uns verzeiht, Sich zum sehn' ich mich, Gebückt vor opfer dankbar weiht. dir im staube. Dein tröst' 6. In das chor des him- ich mich, und nur auf dich, mels schwingt, Herr, sich un- Erlöser, hofft mein glaube. ser stammelnd lallen. Wenn, Gebengte willst du nicht von seligen umringt, Wir verschmähn, Versprichst, den vor dir einst niederfallen, schwachen beizustehn, Singt ein beßrer lobgesang Deiner hohen liebe dank. Die nach der beßrung trachten. Stets bleibst du deinen worten treu, Und wirst ein glänMel. Ein lämmlein geht 2c. 198. Du, Herr, hast big herz voll reu, Auch meines, nicht verachten. aus barmherzigkeit, Zum mahle deiner gnaden, Das ganze volk der christenheit, Wohlthätig eingeladen. Du rufft: mühſelge, kommt zu mir! Ich komme, Heiland! ja zu dir Erheb' ich meine seele. Entzeuch mir deine gnade nicht, Sei auch mein trost, mein heil, mein licht; Du siehst, wie oft ich fehle. 2. Sa meiner missethat ist mehr, Als ich vermag Mel. Schmücke dich, o liebe zc. zu zählen, Sie drückt mich 199. Herr! ich falle vor dir nieder, Danund ich leide sehr Vor unruh meiner seelen. Doch ke dir und singe lieder: Wer du bist meine zuversicht! o tilger meiner sünden, Wer Verlaß mit deinem trost kann deine lieb' ergründen? mich nicht! Du siehest mei- O, mit welch' erhabnem herne reue; Erbarmer, nimm zen Wolltest du die tiefsten sie gnädig an, Du bist's, schmerzen, Schmach und der helfen will und kann, spott für meine schulden, Ja Daß sich mein herz erfreue. des kreuzes tod erdulden! 2. 4. Regiere nun auch künftig mich, Taß ich vorsichtig handle, Und heilig, voll vertraun auf dich, Nach deinem willen wandle. Gieb, daß aus dank für deine huld, In lieb', im glauben, in geduld Ich dir auf erden lebe; Bis ich dereinst in deinem reich Verklärt, unsterblich, engeln. gleich, Dich ewig froh erhebe. XIX. Vom heiligen Abendmahl. 2. Meine sünden willst du decken, Willst mich todten auferwecken, Willst ein ewig sel'ges leben, mir, wenn ich dir glaube, geben. Wenn ich, heiland, hier im staube Dich anbet' und an dich glaube, Kann ich theil an deinen gaben, Theil an deinem himmel haben. 165 Komm, und eile mich vom bösen, Das ich thun will, zu erlösen. 6. Hilf den ersten reiz der sünden, Hilf ihn zeitig überwinden! Laß mich aug' und herze schließen, Eh' der geist wird hingerissen! Laß mich ihre folgen schrecken, Des gewissens freuden schmecken, Die mein herz so oft empfunden, Wenn ich sünden überwunden. 3. Ich gelobe dir von herzen: Meiner brüder noth und schmerzen Täglich brütderlich zu lindern; Elend, wo ich kann, zu mindern, Ich gelobe dir mit freuden, Auch das unrecht still zu lei den, Ungeduldig nie zu klagen, An dir niemals zu verzagen. 4. Was du hasfest, will ich hassen, Ganz von dir mich leiten lassen, Nie mit vor satz dich betrüben, Alles, was du liebest, lieben. Welt, und tand, und alle güter Eitler sündlicher gemüther, Sollen nie mein herze locken, Mein gewissen nie verstocken. 5. Zwar ich kenne meine schwäche, Jesu, da ich dir's verspreche. Morgen hab' ich oft gebrochen, Was ich heute dir DarIn voriger Melodie. hthilf du mir und ſtärke 200. Imenschenkinder, um Mich zu jedem guten werke! 7. Gieb, daß ich und alle christen Sich auf deine zukunft rüsten, Daß, wenn heut dein tag schon käme, Reiner, Herr, vor dir sich schäme! Schaff', o heiland aller sünder Dir viel jünger, viele kinder, Die dir leben, leiden, sterben, Deine herrlichkeit zu erben. 8. Großes abendmahl der frommen, Tag des heils, wann wirst du kommen? Daß wir mit der engel chören, Herr, dich sehn und ewig ehren! Halleluja! ewig leben Alle, die sich dir ergeben! Halleluja! welche freuden Sind die früchte deiner leiden! Univ.- Bibl. Giessen Der 166 Erste Abtheilung. dir mich leiten lassen. Der du dich zum heil der will ich hassen, Stets von fünder, Von des himmels hohen freuden Zu den bängsten todesleiden Willig haft herabgelassen, Wer kannt dein erbarmen fassen? Tief gerührt von solcher güte, Preist dich dankbar mein gemüthe. 2. Herr, du hast auch mir bereitet, Was zum wahren wohl mich leitet: Licht, den weg des heils zu finden; Trost, bei dem gefühl der fünden; Kraft, der beßrung nachzujagen; Muth, des lebens last zu tragen, Und die hoffnung beßrer zeiten In dem reich der ewigkeiten. 3. Ja du willst mit dei ner gnade Selbst mich auf des lebens pfade Zum genuß der seligkeiten, Die du mir erworben, leiten. Dut, du willst mich bessern, trösten, Und zum erbtheil der erlösten, Zu des himmels herrlichkeiten, Folg' ich dir nur, vorbereiten. 4. Nun, so sei der bund erneuet, Ganz sei dir mein herz geweihet; Täglich will ich mich bestreben, Nur nach deinem wort zu leben; Was du liebst, will ich auch lieben, Ernstlich mich im guten üben; Was du hasfest 5. Doch ich fühle meine schwäche: Jesu, was ich dir verspreche, Ach, wie leicht ist das gebrochen! Schneller oft, als ich's gesprochen. Darum stärk in mir die triebe Tankbeflissener gegenliebe, Daß ich, bis ich einst erkalte, Treu dir sei, und glauben halte. 6. Hilf mir wider alles streiten, Was von dir mich will verleiten. Auch den stärksten reiz zu fünden Hilf mir glücklich überwinden, Daß ich hier stets im gewif sen Deinen frieden mag genießen, Und im letzten augenblicke Glaub' und hoffnung mich erquicke. 7. O, wie will ich dich. erheben, Wenn du mich zum höhern leben, Zu den freuden deiner frommen Nach dem tode läsfest kommen. Da, da wird mich nichts mehr stören, Dich auf's innigste zu ehren; Da da werd' ich frei von sünden, Deinen frieden ganz empfinden. oder: Was Gott thut, das ist zc. Mel. Wer Jesum liebt und traut 2c. 201. Mit frohem dant erschein ich hier, Dein XIX. Vom heiligen Abendmahl 167 Dein leiden zu besingen Und deine stimme merke; Und mich im geiste bis zu dir, von dir gern Die weisheit Mein heiland, aufzuschwin- lern', Nach Gottes wort zu gen. Mein glaube ist Da, handeln Und fromm vor wo du bist, Anbetend bei dir zu wandeln. dem throne, Vor dir, des höchsten sohne. 2 3war immer groß ist mein gewinn An jedem stillen orte, Wo im im geiste bei dir bin. Es fließt aus deinem worte mir trost und ruh' In strömen zu; Dein leben und dein leiden, Sind stets ein quell der freuden. 3. Toch feierlich sei heut mein dank, Und festlich diese stunde! Und lauter töne mein gesang Aus meines herzens grunde! Du liebtest mich, Und starbst für mich; Für mich und meine brüder; Du starbst und lebst nun wieder. 4. Und dich, o freund, dich 6. Daß ich die luſt bei jedem streit Noch glücklicher bezwinge; Die früchte der gerechtigkeit Zu größrer reife bringe. O bilde mich, Ich flehe dich, Noch mehr nach deinem bilde, Demüthig, sanft und milde. 5. Bei diesem mahl gieb stärk, o Hen!( Denn dein ist kraft und stärke!) Daß ich von mun an williger Auf 7. Einst kommt die zeit, so wahr ich hier Vor deinem antlitz stehe, Daß ich in wonn', erhöht zu dir, Dich selbst, mein heiland, sehe. Wie wallt mein blut! Wie wächst der muth Zum hoffen und vertrauen! Auf glauben folgt das schauen. Mel. Gott werde stets von dir 2c. oder: Fürwahr, du bist, o Gott zc. follt ich nicht vor aller welt 202. Hier bin ich, Je= Für dich, nach zu erfüllen, ächter christenpflicht, Nicht Was du in deiner leidenswarm von liebe brennen? nacht, Nach deinem gnadenJa hand in hand, Im festen vollen willen, Zur pflicht band Mit allen deinen glie- und wohlthat mir gemacht. dern, Will ich dir lieb' er- Verleih, zur übung dieser wiedern. pflicht, Mir deines geistes kraft und licht. 2. Es werde mir für mein gewissen Dein mahlein tröstlich unterpfand, Daß ich der fün Erste Abtheilung sündenschuld entriffen, Durch den eifer ein, Wie du, o dich bei Gott vergebung Herr, gesinnt zu sein! fand; So freuet meine seele sich In deinem heil und lobet dich. 168 3. Bewundernd denk' ich an die liebe, Womit du un ser heil bedacht; Wie stark sind deines mitleids triebe, Die dich bis an das kreuz gebracht! Es mache, Herr, dein todesschmerz TJetzt neuen eindruck auf mein herz! 7, Laß mich mit ernst den nächsten lieben Und wenn er strauchelnd was versieht, Versöhnlichkeit und sanftmuth üben Aus wirklich christlichem gemüth, Stets eingedenk der schuldenlaſt, Die du mir, Herr, erlassen hast. 8. Es stärke sich in mir der glaube, Daß meine seele 4. Laß mich mit ernst die ewig lebt, Und daß einst aus sünde scheuen, Für welche des grabes staube Mich dein du, erlöſer, starbst; Durch allmächt'ger ruf erhebt, Wenn schnöden mißbrauch nie ent- du dich, großer lebensfürst! weihen, Was du so theuer Den völkern sichtbar zeigen mir erwarbst, Nie führe wirst. mich zur sicherheit Der trost, den mir dein tod verleiht. 5. Ich übergebe mich aufs neue, du, mein Herr und Gott, an dich! Ich schwöre dir beständ'ge treue Bei deinem mahle feierlich; Dein eigen will ich ewig sein. Du starbst für mich, drum bin ich dein. 9. Im geist lieg ich zu deinen füßzen Mit dank und neue gnade auf mich fließen! lob, gebet und flehn. Laß Mein heiland, laß es doch geschehn, Daß mir, zur stärkung meiner treu, Dein abendmahl geſegnet sei. Mel. Ein lämmlein geht 2c. ch komme, Herr, 203. Jund suche dich, 6. Nie will ich mich vor jemand schämen Der ehre, Mühselig und beladen. D die man dir erweist; Mich mein erbarmer, würd'ge mich nie zu einem schritt beque- Des siegels deiner gnaden. men, Den mein gewissen Ich liege hier vor deinem sündlich heißt. O flöße mir thron, Sohn Gottes und des XIX. Vom heiligen Abendmahl. 169 des menschensohn, Mich dei- Und deine huld zu preisen i ner zu getrösten. Ich fühle meiner fünden müh, Ich suche ruh und finde sie Im glauben der erlösten. 2. Dich bet' ich zuversichtlich an; Du bist das heil Mel. Sei lob und ehr' dem 2c. der fünder, Haſt ihre ſchul- 204. Ich preiſe bich Herr, mein heil, Für deine todesleiden! Hab ich an ihren früchten theil, Was fehlt dann meinen freuden? Du warst ein opfer auch für mich; O gieb, daß meine seele fich Des ewig freuen möge. 2. O wie viel segen läßt dein tod Zu meinem heil mich finden! Erlösung aus der todesnoth, Vergebung aller sünden! Gewissensruh, zur beßrung kraft, Das hast du, Herr, auch mir verschafft, Der du am kreuze starbeſt. den sind Gottes kinder. Ich denk' an deines leidens nacht Und an dein wort: es ist vollbracht! Du hast mir heil erworben. Für mich haft du dich dargestellt. Mit sich versöhnte Gott die welt, Da du für sie gestorben. 3. So freue dich, meir herz, in mir! Er tilget dei ne sünden, Und läßt, bei seinem mahle hier Mich gnad' um gnade finden; Er hört der reue sehnlich flehn, Will gern mich frei und glücklich sehn, Will mir die schuld vergeben. Nur soll ich dem, der für mich starb Und mir so großes heil erwarb, Von ganzem Herzen leben. 4. Ja, Herr, mein glück ist dein gebot; Ich will es treu erfüllen. Verleihe mir durch deinen tod, Die kraft zu diesem willen. Laß mich von nun an eifrig sein, Mein ganzes leben dir zu weihn Laß mich den ernst der heiligung, Durch eine wahre besserung, Mir und der welt beweisen. 3. Dein mahl ist mir ein unterpfand Von dieser großen güte. Wie viel hast du an mich gewandt! O stärke mein gemüthe Zum gläubigen vertraun auf dich, Daß ich, so lang ich lebe, mich An deine gnade halte. 4. Ich fühle, Herr, voll reu' und schmerz, Die schwere last der sünden. Laß mein vor dir gebeugtes herz Den gro 170 Erste Abtheilung. großen trost empfinden: Daß werd' ich einst der welt entdu, aus Gottes vaterhuld, rückt, So sei dein tod mein Auch mir vergebung meiner leben. schuld Auf buße haft erworben. Mel Meinem Jesum laß ich zc. 5. Der trost, den mir dein 205. Liebevollerheiland, tod ewig verschafft, Werd' mir zum segen; Er stärke mich mit neuer kraft Auf allen meinen wegen, Nur das zu thun, was dir gefällt, Und alle furcht und lust der welt, mit muth zu überwinden! du Bist für uns am kreuz gestorben, Und hast unsern seelen ruh, Trost und seligkeit erworben! Noch in deiner letzten nacht Hast du unser heil bedacht. 2. Sieh, wir feiern deinen tod In der seligsten der stunden, zu erfüllen dein gebot, Haben wir uns jetzt verbunden; Wollen alle dir. uns weihn, Alle deine jünger sein. 6. Die liebe, die du mir erzeigt, Ist gar nicht zu ermessen, O mache selbst mein herz geneigt, Sie nimmer zu vergessen. Gieb, daß ich dir mit ernster treu Bis in den tod ergeben sei, Und dir zur ehre lebe. 7. Laß deines leidens großen zweck Mir stets vor augen stehen; Räum' alle hindernisse weg, Die ebne bahn zu gehen, Die mir dein heilges vorbild weis't, Und die einst den erlösten geist Zu deinen freuden führet. -8. Zu meinem heile haft du dich Für mich dahin gegeben; Dein abendmahl erwecke mich, Mit ernst darnach zu streben. Herr, ma che mich dazu geschickt; Und 3. Ach für uns floß auch dein blut, Auch für uns bist du gestorben, Und hast uns im tode muth, Trost im lezzten kampf erworben, Du, mit preis und sieg gekrönt, haft auch uns mit Gott versöhnt. 4. Laß uns, mittler, Jesu Christ, Die vergebung unsrer fünden, Die aus deinem tode fließt, Hier bei deinem mahle finden. Freudig wollen wir uns nahn, Troft und guade zu empfahn. 5. Ach! daß keiner heute nicht 171 ter biſt. XIX. Vom heiligen Abendmahle. nicht Sich zu deiner tafel Der du mein freund und retnahe, Der sich selber zum gericht Dein hochheilig mahl empfahe; Denn ihm wird's nicht segen sein, Ihn nicht trösten und erfreun. 6. Uns, uns soll es siegel sein Der versicherung deiner gnade, Antrieb, dir uns ganz zu weihn, Nachzuwandeln deinem pfade; Daß wir in der prüfungszeit Reifen für die ewigkeit. 7. Kraft zur herzensbesfrung, Glauben, liebe, neues leben, Eifer in der heiz ligung Wird dein abendmahl uns geben. Heilig sei uns jede pflicht Hier vor deinem angesicht! 8. Oft und würdig zu begehn Diese deine todesfeier, Bis wir einst dein antlig sehn: Ach dies sei uns allen theuer, Uns, die jetzt dein mahl vereint, Liebevoller menschenfreund! 2. Du, dessen theures leben, Dem menschenwohl ergeben, Uns so viel heil gebracht; Du haft für uns gelitten, Den todeskampf gestritten In jener grauenvollen nacht. 3. Für uns hast du dein leben Am krenze hingegeben, In namenloser pein, Taß wir dem dienst der fünden Entrifdes größten glücks erfreun. sen, gnade finden Und uns 4. Nun können wir erlösten Uns deiner huld getröWenn wir die fünde fliehen, sten, und ewig glücklich sein, Und christlich uns bemühen, Uns stets der tugend treu zu weihn. 5. Drum will ich nicht mit fündern. Mein eignes glück verhindern, Durch sünden dieser welt. Nein, nein, ich will sie hassen, Und alles unterlassen, Was dir, o Jesu, nur mißfällt! Mel. Dir dank ich für 2c. 6. Dein beispiel, wort 206. Wie trostvoll und und lehren Will ich mit beiwie theuer fall ehren; Nachahmen will Ist deine todesfeier Für ich dir; Mich in der tugend mich, Herr Jesu Christ! üben, Gott über alles lieben Und meinen nächsten Bei der ich mich auf's neue Dir zum gehorsam weihe, gleich wie mich. 7. 172 Erste Abtheilung. 7. Bei deiner todesfeier, Und du gabst selbst aus Die mir so werth und theuer, liebe dich Für deine brüder Schwör' ich dir treu zu hin. sein! Und der gelobten trene, Dem bund, den ich erneue, Will ich von nun an ganz mich weihn. 8. Du wollest mich bewahren Vor reizung und gefahren Zur sünde, Jesu Christ! Daß ich nie mein versprechen Leichtsinnig möge brechen, und immer thu', was christlich iſt. 9. Ach, leite mich voll segen, D, Herr, auf deinen wegen Zu jenem großen ziel, Dem ich, bis ich am ende Hier meinen lauf vollende, Voll muth entgegen eilen will! Mel. Nun danket all' und 2c. 207. Anbetung, ehre, preis und dank D, großer freund, sei dir! Dich ehrt der engel lobgesang, Nimm auch dies lied von mir! 2. Gewohnheit nicht, nicht falscher wahn Bewegen mich dazu, Ich weiß, was du für mich gethan, Du frommer dulder, du! 3. Aus liebe gab der vater dich Für seine kinder hin, 4. Und diese liebe, o wie groß, Wie edel war sie doch! Mein wahres glückt, Mein beß'res loos Dank ich dir heute noch. 5. Wie helle leuchtet mir dein wort! Wie sicher ist dies licht! Getroft geh' ich zum ziele fort, Steh' fest und falle nicht. 6. Und millionen wandeln mun Auf dieser ebnen bahn Und lernen Gottes willen thun, Wie du ihn selbst gethan. 7. Auch dank ich dir für deinen tod; Du littest ihn für mich. Für jeden schmerz, für jede noth Verehr' ich, Jesu, dich. 8. Nun fürcht' ich weder tod noch grab, Nicht jenes weltgericht. Gott, der dich mir zum retter gab, Verwirft mich schwachen nicht. 9. Du lebst, o Herr, ich lebe mit! Der himmel ist mein theil! Kurz ist der kampf; mur noch ein schritt, So seh' ich dich, mein heil. 10. Preis sei dir, großer menschenfreund, Auch mein hast du gedacht! So lange mir 173 XIX. Vom heiligen Abendmahl. mir die sonne scheint, Sei wenn mein herz nicht weicht! dir mein dank gebracht. Doch der rückfall ist so leicht; Den nur fürcht' ich und empfinde Schon von fern die macht der fünde. 11. Auch jetzt erschallt dir mein gesang Mit brüdern feierlich. Es preise unser froher dank Beim abendmahle dich. 208. Voll und freuden Herr, auf dein gebot, zu dem denkmal deiner leiden, Und gedenk' an deinen tod. Mittler, der du für mich starbst, Mir ein ewig's heil erwarbst, Dir zur ehre stets zu leben, Sei mein eifrigstes bestreben. 4. Wenn sie mich von deinen wegen Abzuführen reizt und droht, Laß mich ernstMel. Freu dich sehr, o meine zc. lich überlegen: Welch' ein von ehr- tod war Jesu tod! Als er furcht, dank im gerichte stand, Als er Komm' ich starb, ach was empfand Er nicht da, von Gott verlassen! Ja, die sünde muß ich hassen. 5. Wenn ich in der irre wandle. Geh du mir, erbarmer, nach, Und, daß ich nicht unrecht handle, Stärke mich, denn ich bin schwach! Trag', o Sesu, mit geduld Meine schwachheit, meine schuld! Sage: gnade sollst du finden; Denn ich tilge deine fünden! 2. Laß mich, Jesu, nicht vergebens Diese deine huld empfahn! Laß, zur beßrung meines Lebens, Mich zu deinem mahle nahn: Ach, es nähr' und stärke mich, Mittler im vertraun auf dich! Mächtig lenk es meinen willen Dein gesetz, Herr, zu erfüllen! 3. Laß den vorsatz, den ich habe, Nie der fünde mich zu freun, Unbeweglich bis zum grabe, Stark und fest und thätig sein! Wohl mir, 6. Dir will ich es ewig danken, Daß du mir so gnädig bist. Laß mich nur nicht wieder wanken, Mein erretter, Jesu Christ! Mache selbst mich dir getreu, Daß mein vorsatz standhaft sei, Fede sünd' und ihre freuden Bis an meinen tod zu meiden. Vor 174 Erste Abtheilung. Vor dem heiligen Abendmahle. In eigener Melodie. Mel. Wachet auf, ruft uns 2c. 209.haffe in mir, 211. err, du wollst Gott, Ein reines herz, Und gieb mir einen neuen, gewissen geist:: 2. Verwirf mich nicht:,: Von deinem angesicht:: Und nimm deinen heiligen geist nicht von mir. 3. Tröste mich wieder:,: Mit deiner hülfe, Und der freudige geist enthalte mich. fie vorbereiren Zu deines mahles seligkeiten, Sei mitten unter ihnen, Gott! Heil und leben zu empfahen, Laß würdig sie zum heiland nahen, Und sprich sie los von sünd' und tod! Sind sie schon nicht ganz rein; So sind sie, Jesu, dein, Und unsterblich! Laß, laß sie sehn, in deinen höh'n, Bon fern der überwinder lohn! Mel. Jesu meine zuversicht 2c. 210. Sohn des höchsten! wir sind hier Deinen mittlertod zu feiern, Und mit ganzem herzen dir Das gelübde zu erneuern, Wie du uns erkauft hast, dein, Dein bis in den tod zu sein. 2. Nehmt und efst zum ew'gen leben Das brod, das euch der Herr will geben! Sein trost und friede sei mit euch! Nehmt und trinkt zum ew'gen le2. Freudig nah'n wir uns ben Den kelch des heils, herzu, Wir empfahn hier auch euch gegeben! Ererbt, heil und leben. Hier, hier ererbt des mittlers reich! stärkt dein leib, den du Wacht, eure seele sei Bis Selbst für uns dahin ge- in den tod getreu! Amen! geben, Dein für uns ver- Amen! Der weg ist schmal, goßznes blut Uns das Herz Seid in der zahl Der fiemit trost und muth. ger, die der richter Frönt. Nach dem heiligen Abendmahle. Mel. Nun habe dank für, oder: Fürwahr, du bist, o Gott zc. und freuden Geh' ich von 212. Herr, mit deinem mahl zurück! Und trost und dank danke dir für deine leiden Für XIX. Vom heiligen Abendmahle. Für meiner seele ruh und glück, Daß du auch mir am kreuz erwarbst, Als du für meine sünden starbst. 2. Jetzt in der seligsten der stunden Hat mich mit meinen brüdern hier Ein band der liebe fest verbunden. Wir alle, alle danken dir Mit einem minde, beten an, Und geh'n gestärkt auf deiner bahn. 3. Vollendet ist auch die se feier, Verkündigt aber mals dein tod! Dein angedenken sei uns theuer, Und unvergeßlich dein gebot! Anbetung sei vor deinem thron Dir, Gottes und des menschen sohn! In voriger Melodie 213. Anbetung dir und freudenthränen Für deine liebe, Jesu Christ! Du, der mit Gott mich zu versöhnen Aus Gottes schooß gekommen ist, Wie viel hast du für mich gethan! Dich bet' ich, Herr, in demuth an. 2. Ich habe nun dein brod gebrochen, Genossen deines bundes wein! In der gemeine dir versprochen, Bis in den tod dir treu zu sein! 175 Ich schwur's in meinem herzen dir! Den schwur zu halten hilf du mir. 3. Auch euch, ihr der gemeine glieder, Umfängt mein herz mit zärtlichkeit; Euch nennet Jesus Christus brütder, Und ihn erfreut, was euch erfreut. Wir brachen eines bundes brod, Sind all' erlöst durch seinen tod. 4. Wir tranken all' von einem weine! Für uns und alle floß sein blut O theure, heilige gemeine, Die in dem schooße Christi ruht! O laßt uns eine seele sein, Den liebenden durch lieb' erfreun. 5. Uns dulden, brüdern freude machen; Verfolgen, zanken, zürnen nicht! Wer stark ist, sei der stab der schwachen, Der weise rath und trost und licht: Der reiche trage armer last! Verföhnlich sei, wen bosheit haft! 6. Wie wir jetzt hier versammelt waren, Bei seinem mahl, ihn zn erhöhn; So werden mit der engelschaaren Wir einst vor seinem throne stehn, Und unaussprechlich freut sich dann, Wer, wie er liebte, lieben kann. XX. 176 Erste Abtheilung. XX. Von der christlichen Kirche. Mel. Ist auch ein Gott zc. Mel. Nun freut euch lieben 2c. ewig 215.Die feinde deines kreuzes drohn, Dein reich, Herr, zu verwüsten; Du aber, mitiler, Gottes sohn, Beschützest deine christen, Dein thron bestehet ewiglich: Vergeblich wird sich wider dich Die ganze hölle waffnen. 2. Dein reich ist nicht von dieser welt, Kein werk von menschenkindern; Drum konnte keine macht der welt, Herr, seinen fortgang hin dern. Dir können deine hasser nie Die ehre rauben, selbst durch sie Wird sie vergrößert werden. 3. Weit wollst du deine herrschaft noch In dieser welt verbreiten, Und unter dein so sanftes joch Die völfer alle leiten! Vom anfgang bis zum niedergang Bring' alle welt dir preis und dank, Und glaub' an deinen namen. 4. Auch deine feinde, die dich schmähn, Die frevelnd sich empören, Laß deiner gnade wunder sehn, Daß sie sich noch bekehren. Lehr sie mit ung 214. Jesu, ewig Jefu, wird dein wort bestehen; Und erd' und himmel werden eh' vergehen, Eh' eine macht das reich, daß du errichtet, Jemals vernichtet. 2. Noch immer sammleft du dir auf der erden Menschen, die willig dir gehorsam werden, Und deinen frieden hier schon im gewissen Fröhlich genießen. 3. Neizt blendende versuchung sie zu sünden, Bist du ihr beistand, und hilfft überwinden. Nichts wird sie jemals deiner hand entreißen; Du hast's verheißen! 4. Wohl allen denen, die dir, Jesu, trauen, Was sie dir glauben, wird ihr aug' einst schauen: Dich und die freuden, womit du belohnest, Da, wo du thronest. 5. Dann schallen fröhlich von der deinen menge Dir, unserm haupte, höh're lobgesänge, Wann einst dein volk, das hier dein geist regieret, Dort triumphiret. XX. Von der christlichen Kirche. 177 uns gen himmel schaun, Und und viel list Sein grausam unerschüttert, im vertraun, Auf deine zukunft warten. 5. Uns, deine christen, wollest du Fest in der wahrheit gründen, Daß wir durch sie heil, trost und ruh Für unsre seelen finden; Mach unsers glaubens uns gewiß: Vor irrthum und vor fin sterniß Bewahr uns, weil wir leben! 6. Ein reines Herz schaff in uns, Herr, Ein herz nach deinem willen, Und lehre täglich williger Dein heil'ges wort erfüllen! Gehorsam deiner vorschrift sein, Und dann uns deiner guade freun, Sei unser heil auf erden! 7. So wird dein volk dir unterthan und lernt die sünde meiden, Und du führst es auf ebner bahn Zu deines reiches freuden; Und herrlich wird in dieser zeit, Noch herrlicher in ewigkeit, Dein großer name werden. Eigene Melodie. 216. Gin' feste burg ist unser Gott, Ein gute wehr und waffen: Er hilft uns frei aus aller noth, Die uns jetzt hat betroffen. Der alte böſe feind Mit ernst ers jetzt meint; Groß macht rüstung ist; Auf erd' ist nicht seins gleichen. 2. Mit unsrer macht ist nichts gethan, Wir sind gar bald verloren. Es streit't für uns der rechte mann, Den Gott selbst hat erkoren. Fragst du, wer er ist? Er heißt Jesus Christ, Der Herr Zebaoth, Und ist kein and'rer Gott; Das feld muß er behalten. 3. Und wenn die welt voll teufel wär', Und wollt' uns gar verschlingen; So fürchten wir uns nicht so sehr; Es soll uns doch gelingen. Der fürst dieser welt, Wie sauer er sich stellt, Thut er uns doch nicht: Das macht er ist gericht't, Ein wörtlein kann ihn fällen. 4. Das wort sie sollen laffen stahn Und kein dank dazu haben. Er ist bei uns wohl auf dem plan Mit seinem geist und gaben. Nehm'n sie uns den leib, Gut, ehr, kind und weib, Laß fahren dahin, Sie haben's kein gewinn; Das reich muß uns doch bleiben. D.M.L. Mel. Kommt her zu mir ze. 217. hoff ich dann mit muth M Erste Abtheilung. 178 muth Auf Gottes gnad' und Christi blut; Ich hoff' ein ewig's leben. Gott ist ein vater, der verzeiht, Hat mir das recht zur seligkeit In seinem sohn gegeben. 2. Herr, welch ein unaussprechlich heil, An dir, an deiner gnade theil, Theil an dem himmel haben; Sm herzen durch den glauben rein; Dich lieben und versichert sein Von deines geistes gaben. 3. Dein wort, das wort der seligkeit, Wirkt göttliche zufriedenheit, Wenn wir es treu bewahren. Es spricht uns trost im elend zu, Versüßet uns des lebens ruh, Und stärkt uns in gefahren. 4. Erhalte mir, o Herr, mein hort, Den glauben an dein göttlich wort, Um dei nes namens willen: Laß ihn mein licht auf erden sein, Ihn täglich mehr mein herz erneun, Und mich mit trost erfüllen! Eigene Melodie. S 218.& wolle Gott uns gnädig sein Und seinen segen geben; Mit seiner wahrheit hellem schein Erleucht' er uns zum leben, Daß wir verstehn, was ihm gefällt, Und gern es thun auf erden; Daß Jesu, als dem heil der welt, Gehorsam alle werden, Und sich zu Gott bekehren. 2. So danken dir und loben dich, O Gott, die völ ker alle; So freuet dein der weltfreis sich, Und singt mit frohem schalle: Daß du sein Gott und vater bist, Und sünde nicht läßt walten; Und daß dein wort der segen ist, Durch den wir kraft erhalten, Auf rechter bahn zu wallen. 3. Laß wie ein gutes land uns sein, Und reichlich früchte bringen; Die aussaat deines worts gedeihn, Dein werk an uns gelingen. Uns segne, vater, sohn und geist, Daß unser heil sich mehre. Er, unser Gott, sei hoch gepreist, Shn lob' und ihn verehre Der ganze weltkreis! Amen.. M. Herr Jesu Christ meines leben 2c, 219. Gott, unser Gott, wie heilig ist Dein name dem, der Jesum Christ Lebendig für sein heil erkennt, Durch ihn dich ſeinen vater nennt. 2. 3m geiste betet er dich all, XX. Von der christlichen Kirche. an, Und geht unsträflich seine bahn: Denn, was er glaubt, und was er thut, Ist wahrheit, ist gerecht und gut. 179 ne wege gehn; Durch deines wortes licht und kraft, Mach' gläubig uns und tugendhaft. 10. Durch wahrheit dämpfe jeden wahn; Erleucht uns allen unsre bahn; Das laster tilg' aus unsrer brust, Und tödt' in uns die böse luſt. 11. So heiligt deine christenheit, Herr, deinen namen in der zeit, Und ist und bleibt dein eigenthum, Und ihre werke sind dein ruhm. 5. Ach heilig sei dein nam' und recht Dem ganzen mensch lichen geschlecht! Dich bete, 12. Dort stellst du sie um deinen thron, Und unaussprechlich ist ihr lohn. Geheiligt wird, wie in der wer dich denken kann, Im zeit, Durch sie dein nam' in geist und in der wahrheit an. ewigkeit. ES MIN 6. Verbreite deines wortes schall, Wie deine wohlMel. Ist auch ein Gott, wer? 2c. that überall: Daß alle ler- 220. Schliße die deinen, wer du vater, sohn und heilger geist. dir sich nennen, Und dich, 7. Dein rath, des, der da isto Jesut, vor der welt befenund war, Werd' allen völ- nen; Laß deinen Händen, wie kern offenbar: Daß dein ge- du selbst verheißen, Nichts sandter Jesus Christ Die sie entreißen. wahrheit und das leben ist. 3. Ein starker fels, der ewig steht, Ist ihm dein nam'; auf ihn erhöht Sieht er mit unverletzter ruh Dem untergang der erde zu. 4. Du sättigst ihn mit seligkeit Von nun an bis in ewigkeit. Und ewig ist sein frommer dank, Herr, deines namens lobgesang. 8. Daß, wer an ihn glaubt, sein gebot Auch halten muß bis an den tod; Daß er in seinem Lauf nicht irrt, Und durch den glauben selig wird. 9. Lehr uns, die deinen rath verstehn, Gehorsam dei2. Laß deine wahrheit rein verkündigt werden; mach' ihre siege herrlicher auf erden. Gieb muth und weisheit denen, die sie lehren, Dein reich zu mehren. 3. Du hast noch niemals Herr, dein wort gebrochen; M 2 Führe Erste Abtheilung. 180 Führe die deinen, wie du selbst versprochen; Führe sie endlich aus dem kampf hienieden Zum ew'gen frieden. 4. Ewig, o heiland, sei dein nam' erhoben! Ewig frohlockend müsse dich einst loben, O! du beschirmer deiner schwachen heerde, Himmel und erde. 2. Gieb unserm fürsten und aller obrigkeit Fried und gut regiment, Daß wir unter ihnen Ein geruhiges und stilles leben führen mögen In aller gottfeligkeit und ehrbahrkeit. Amen. Eigene Melodie. 223. We enn Christus Eigene Melodie. seine kirche schützt, So mag die hölle 221. Sehr groß, Herr, wüthen. Er, der zur rechist die huld, ten Gottes sitzt, Hat macht Die du an uns erwiesen: ihr zu gebieten. Er ist mit Sei dafür inniglich Gelobet und gepriesen! O pflanz dein wort in uns, Daß es je mehr und mehr Recht reife früchte bring, Zu deines namens ehr! hülfe nah; Wann er gebeut, steht's da. Erschüßt, zu sei nem ruhm, Mit macht sein christenthum; Mag doch die hölle wüthen! 2. Im glanze deines lichts Laß uns hienieden wallen, Zu unserm wahren heil Und dir zum wohlgefallen! Breit' deine lehre aus; Schütz deine christenheit; Und führ' uns allesammt Zum licht der ewigkeit! 2. Gott sieht wohl fürsten auf dem thron Sich wider ihn empören, Die den gesalbten, seinen sohn, Den Herrn der welt nicht ehren. Von ihrer macht bethört, Durch wollust ganz verkehrt, Ist's christenthum ihr spott; Doch duldet sie noch Gott, Ob sie sich gleich empören. 3. Der frevler mag die wahrheit schmähn, Uns kann er sie nicht rauben; Der unchrist mag ihr widerstehn, Wir halten fest am glauben, Gelobt sei Jesus Christ! Wer Eigene Melodie. 222. Verleih uns frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern zeiten! Du kannst alleine mächtiglich Für unsre wohlfahrt streiten; Nur du, Herr, kannst es alleine. XX. Von der christlichen Kirche. 181 Wer hier sein Jünger ist, cher von dem himmel schaut, Sein wort von herzen hält, Dem kann die ganze welt Die seligkeit nicht rauben. 4. Auf christen, die ihr ihm vertraut, Laßt euch kein Wird uns gewiß bedecken. Der Herr, der höchste Gott, Hält über sein gebot, Giebt uns geduld in noth, Und kraft und muth im tod: Was drohn erschrecken! Er, wel will uns denn erschrecken? XXI. Vom Tode. Eigene Melodie. ich mich ewig freun. Ja, 224. Alle menschen mir soll's durch ihn gelingen, müssen sterben, Mich zu ihm empor zu Ihre herrlichkeit verblüht, schwingen, Frendenvoll vor Keiner kann den himmel er- ihm zu stehn, Seine Herrben, Der zuvor den tod nicht lichkeit zu sehn. sieht. Staub wird dieser leib von erde; Doch, damit er himmlisch werde, Wird er einst von Gott erneut Und zieht an Unsterblichkeit. 4. Dort bei ihm ist wahres leben. Millionen stehen schon, Ihren retter zu erheben, Selig da vor seinem thron; Hohe himmelsgeister ringen, Mitanbetend ihm zu singen, Der des ruhms so würdig ist, Dem erbarmer, Jesu Christ. 2. Gerne will ich dieses leben, Wenn es deinem rath gefällt, Dir, mein vater, wieder geben, Gern verlassen diese welt. Denn ich bin durch Jesu leiden Dort einserbe seiner freuden; Bin erlöst und fürchte nicht Sünde, tod und weltgericht. 5. Alle, die ihm nachgewandelt, Sehn des glaubens dunkelheit Dort in licht und schaun verwandelt, Und in wonne jedes leid; Weihen ihm die neuen lieder, Werfen ihre kronen nieder Vor dem Herrn und opfern dank Ihr unendlich leben lang. 6. 3. Und wer kann mich ihm entreißen? Mein ist er, und ich bin sein. Er erfüllt, was er verheißen; Sein soll 182 Erste Abtheilung. 6. Vaterland verklärter dereinst unsterblich bin. Sie frommen! Heil, unsterblich keit und ruh, Was kein sterblicher vernommen, Gottes heil gewährest du. Fren denernten schenkt Gott denen, Welche hier gesät mit thränen. Alle thränen trock net er, Sünd und elend sind nicht mehr. 7. Ich entbreune von verlangen, Was ich glaub' im licht zu sehn, Jene krone zu empfangen Und vor Gottes thron zu stehn. Werde, hütte, nur zu staube! Denn ich weiß, an wen ich glaube. Mir ist sterben ein gewinn; Denn zum vater geh ich hin. 8. Welche tröstung, das zu wissen! Dieser großen hoffmung voll, Zag' ich nicht in kümmernissen, Die ich hier noch dulden soll, Leicht und kurz sind diese leiden; Sie verwandeln sich in freuden, Wenn ich christlich sie ertrug, Bis Gott sprach: es ist genug! Mel. Wie groß ist des allm. 2c. 225. Gilt, turze tage meines Lebens, Eilt in dem schnellsten flug dahin! Ich weiß, ich lebe nicht vergebens, Weil ich fliehn, die kurzen augenbli de, Wie süße morgenträume fliehn, Und jeder ist mir doch zum glücke Der ganzen ewigfeit verliehn. 2. Wie kurz ist meine pilgerreise Hinüber in das vaterland; Doch das ist wohlthat, das ist weise Negierung einer vaterhand. Nah ist vielleicht der prüfung ende Und nah am großen ziel mein lauf; Dann eil ich in des vaters hände, In seine herrlichkeit hinauf. 3. Was ist alsdann dies erdenleben, Mit aller seiner leiden pein? Wie froh wird sich mein geist erheben, Und seiner feligkeit sich freun! Wie kurz ist dieses lebens dauer! Bielleicht, daß bald die stunde schlägt, Da sich des nahen todes schauer In allen meinen adern regt. 4. Wohl mir, wenn dann nicht eine stunde Des lebens ungenützt verschwand, Wenn ich getren in meinem bunde; Nie meines daseins pflicht verkannt! Früh oder ſpät mag sie denn schlagen, Die sterbe glocke meiner zeit; Ich darf nicht zittern, nicht verzagen In dem gericht der ewigkeit. 5. XXI. Vom Tode. 5. Sie ist mir ruf zu hoher wonne, In eine welt voll trost und licht, Wo nichts den mittagsglanz der sonne Mit trüben nächten unterbricht. Wohl mir, ich hoffe auf ein leben, Das nicht mit dieser welt vergeht, Wenn einst mein leib, mit glanz umgeben, Aus seinem staube aufersteht! Mel. Von Gott will ich nicht zc. 5. Gott schaut von seinem 226. Der letzte meiner throne Mit huld auf mich tage 3st mir vielleicht nicht fern: O dann wird meine klage Ein lobgesang dem Herrn! Vollbracht ist dann mein lauf: Ich trete zu dem throne, Und Gott setzt mir die krone Der überwinder auf. herab, Dem er in ſeinent sohne Das recht der kindschaft gab. In seiner ewigkeit Wird er zu größern freuden Wich einstens sicher leiten, Wenn ich mich ihm geweiht. 6. Die leiber seiner frommen Sind saat, von Gott gesät: Die freudenzeit wird kommen, Da reif die ernte steht. Dann wird der erntetag Ein neues ew'ges leben Auch meinem staube geben, Der tief im tode lag. 7. Mit dir steh ich im bunde, Herr, meines lebens fürst! Der du mir einst die stunde Des todes senden wirst! Erhalt mich stets bereit Im glauben deiner frommen: Laß dann die stunde kommen, Die mich und sie befreit. 8, 2. Für seines reiches erben Hat Jesus mich erklärt: Was fürcht' ich mich zu sterben, Wie er mich sterben lehrt? Mir ist der tod gewinn! Daß ich ganz glücklich werde, Entschwing ich mich der erde Und geh zum himmel hin. 183 den tod; Der reißt die sündenglieder, Den trägen leib, darnieder; Mich selbst führt er zu Gott. 4. Ich, der gefähr entronnen, Geh' aus dem kampf hervor. Hoch über alle sonnen Hebt mich mein glaub' empor. Da tret ich in die reih'n Der engel, meiner brüder: In ihre hohen lieder Stimmt mein triumphflied ein. 3. Nicht mich, nur meine bürde, Verschließt die finstre gruft. Mich hebt zu höhrer würde Mein vater, der mich ruft. Er ruft mich durch 184 8. Dann geh' ich, frei von kummer, Des todes dunkle bahn: Mir bricht nach kurzem schlummer, Ein ew'ger mörgen an. Heil mir, er ist nicht fern, Der letzte meiner tage! Er kommt und meine klage Wird lobgesang dem Herrn. Erste Abtheilung. Mel. Ach Herr, mich armen 2c. 227. Die wir hienieden wallen, Wir sterbliche sind staub; Wir blühen auf und fallen Des todes sich'rer raub. Verborgen ist die stunde, Da Gottes stimme ruft; Doch jede, jede stunde Bringt näher uns zur, gruft. 4. Hilf, todesüberwinder! Hilf dem in solcher angst, Für den du, heil der fünder! Selbst mit dem tode rangſt. Und wann des kampfes ende Gewaltiger ihn faßt, Nimm ihn in deine hände, Den du erlöset hast. 5. Des himmels hohe freuden Ermißt kein sterblich herz; Otrost für kurze leiden, Für kurzen todesschmerz! Dem sündenüberwinder Sei ewig preis und dank! Preis ihm, der für uns fünder Den kelch des todes trank. 6. Heil denen, die auf erden Sich schon dem himmel weihn; Die, aufgelöst zu werden, mit heil'ger furcht sich freun! Bereit, es ihm zu geben, Wann Gott, ihr Gott, gebeut, Fließt dies ihr sterblich leben Hin zur unsterblichkeit. 2. Getrost gehn Gottes kinder Die schreckenvolle bahn, Zu der verstockte sünder Verzweiflungsvoll sich nahn: Wo selbst der freche spötter Nicht mehr zu spotten wagt, Und vor dir, seinem Mel. Wer nur den lieben 2c. retter, Erzittert und verzagt. 228. Du, Herr und vater meiner ta3. Wann diese bahn zu gehen, Dein will' einst mir gebeut; Wann vor mir offen stehen Gericht und ewigkeit; Wann meine kräfte beben Und nun mein herze bricht: Herr über tod und leben! Ach dann verlaß mich nicht. ge! Du weist, daß ich dein schwaches kind, Des todes keim in gliedern trage, Die irdisch und zerbrechlich sind. Drum gieb, daß ich zu jeder zeit Zu meinem tode sei bereit. 2. Daß du, o höchster! meis XXI. Vom Tode. 185 meinem leben Ein mir ver- höre, vater, auf mein flehn! borgnes ziel bestimmt; Und daß die zeit, die mir gegeben, Vielleicht gar bald ein ende nimmt, Das flöße mir die weisheit ein, Stets auf mein heil bedacht zu sein. Sei, wann mein herz im tode bricht, Mein troft und meine zuversicht! 3. Hier hab' ich lebenslang zu lernen, Mein herz von fünden abzuziehn, Mich von der weltlust zu entfernen Und um den himmel zu bemühn. O! mache mich dazu geschickt, Eh mich der tod der welt entrückt. 7. Dir will ich gänzlich mich ergeben, Dir, dessen eigenthum ich bin. Bist du, mein heiland! Nur mein leben; So bleibt selbst sterben mein gewinn. Ich lebe dir, und sterbe dir. Sei mur mein trost! so gnüget mir. Mel. Sohn des höchsten 2c. üde von des lebens kummer, 4. Nicht auf der erde, nein nur droben, Bei dir, Gott, meiner seele theil, Ist Freu' dich einst des grabes ruh. Drückt der tod im letzmir das beste aufgehoben, ten schlummer, Sanft dir Dort ist für mich vollkomm- deine augen zu, nes heil. Da, wo mein schatz ist, sei mein herz! Herr, lente selbst es himmelwärts! 5. Hier allen sünden abzusterben, zu leben der gerechtigkeit, Um einst dein himmelreich zu erben, Dazu laß meine sterblichkeit Mir stets, mein Gott! vor augen sein, Und deine hülfe mich erfreun. 6. Willst du mich länger leben lassen; So laß es mir zum heil geschehn. Doch soll ich heute noch erblassen; So 229. M dann haſt du ausgerungen, Ruhst in kühler erde schooß, Und dein geist empor geschwungen, Segnet nun sein beßres loos. 2. Hier umgiebt dich ruh und friede, Hier, wo deine asche ruht; Werde nicht im kampfe müde! Stärke dich mit neuem muth! Biele tausend dulder fanden Hier an ihrem abend ruh; Vor der noth, die sie empfanden, Deckte sie ihr grabmal zu. 3. Wirst du so, wie jene, ringen, Glauben, dulden, harren, flehn, Hin bis zut 186 Erste Abtheilung. zu dem ziele dringen, Und 2. Jetzt, da die fünde auf deine krone sehn; Dann mich noch drückt, Seufzt meiumgiebt dich ruh und friede, ne bange feele. Wie bald Hier am ende aller noth, ist nicht mein herz berückt! Und im feierabendliede Danfet deine seele Gott. 4. Schau mit unverwandten blicken Auf den dulder Jesu Christ, Der im kampf dich zu erquicken, Kämpfend selbst gestorben ist! Er auch lag im dunkeln grabe, Unsre gräber einzuweihn, Daß sein jünger hoffnung habe, Hier sich seiner ruh zu freun. Wer merkt, wie oft er fehle? Tocheinst werd' ich vollkommen rein, Ganz heilig und ganz selig sein: Dies tröstet meine ſeele. 3. In stiller nacht wein' ich oft, Herr, Hinauf zu deiner höhe; Mein schwaches herz seufzt freudenleer, Wenn ich den morgen sehe. Ein blick gen himmel tröstet mich, 5. Walle dann voll muth Und meine thränen stillen und glauben Deinen thrä- sich Einst ganz in jenem nenvollen pfad! Nichts wird dir die krone rauben Die er dir errungen hat. Dann wird's dir erquickung werden, Auszuruhn die todesnacht, Bis dein leib vom staub der erden Herrlich und verklärt erwacht. smink leben. 4. Wenn mich der zukunft schicksal schreckt, Die noth der fernen tage; Wenn sie in mir die sorg' erweckt, Ob ich sie auch ertrage: So mildert mir die ewigkeit Das kurze elend dieser zeit, Daß nicht mein herz verzage. 5. Wenn einst, der jetzt Mel. Wenn mein stündlein 2c. 230. in pilgrim bin von ferne dräut, Der tod, ich in der welt Uud kurz sind meine tage; So manche noth, die mich befällt, Neizt mich hier noch zur klage. Doch, vater, jene ewigkeit Verfüßt mir mei ne pilgrimmszeit Und stärfet mich im leiden. mir näher winket; Wenn nach der arbeit dieser zeit Mein haupt zum schlummer sintet; So sterb ich froh; die ewigkeit Zeigt mir des himmels herrlichkeit, Die alles überwieget. 6. Herr, diesen troft, der mich XXI. Vom Tode. 187 meiner seligkeit Deine guade mir verleiht. mich erfreut, Vermehr in stunde auszukaufen, Die zu meinem herzen. Mich stärke jene herrlichkeit Bei mei ner wallfahrt schmerzen; Sie sei in meinem tod mein heil, Und einst mein längst gewünschtes theil, Wenn ich vom tod erwache. 5. Deine schonende geduld Trage mich hier nicht vergebens! Ach, vergieb mir meine schuld, Daß so manchen theil des lebens Ich zu meiner seele wohl nicht gebraucht, so wie ich soll. Mel. Jesus, meine zuversicht sc. err, ich hab' aus 231. Het tren, rung Für mein hauptgeſchäf6. Laß mich meine bessete achten, Und nach meiner heiligung Mit so treuem eifer trachten, Als erwartete noch heut Mich gericht und ewigkeit. 7. Deine gnade steh mir' bei, Daß mein leben auf der erde Reich an tugendfrüchten sei, Und ich reif zum himmel werde. Nahet dann mein ende sich, O so stärk und tröste mich. deiner Mir zum heil, noch zeit in händen. Gieb, daß ich beflissen sei, Sie auch weislich anzuwenden; Denn wer weiß, wie bald zur gruft Deiner vorsicht wink mich ruft. 2. Unaussprechlich schnell entfliehn Die mir zugezählten stunden! Wie ein traum sind sie dahin Und auf ewig mir verschwunden; Nur der augenblick ist mein, Des ich mich noch jetzt kann freun. 3. Laß bei ihrer flüchtigkeit Mich, mein Gott, doch 232.J nie vergessen, Wie unschätzbar sei die zeit, Die du hier uns zugemessen: Wie, was hier von uns geschieht, Ew'ge folgen nach sich zieht. 4. Reize mich dadurch zum fleiß, Eh' die zeit des heils verlaufen, Mir zur wohl fahrt, dir zum preis, Jede Mel. Sohn des höchsten du zc. mmer näher kommt mein ende und der letzten stunde graun; Ach, daß sie mich reifer fände, Dich, o Herr, im licht zu schaun! Bald kann diese stunde schlagen, Welche meine letzte ist, Und den lauf von meinen tagen Dann für diese welt beschließt. 2. Erste Abtheilung. 188 2. Werden diese augen brechen, Die hier deine schöpfung sahn; Wird die zunge stammelnd sprechen, O dann nimm dich meiner an! Du hast alles überwunden, Nahmst dem tode seine macht, Hast durch deine letzten stunden Aufgehellt die todesnacht. 3. In den letzten augenblicken, Wenn mein todeskampf beginnt, Wenn mich nichts mehr kann erquicken, Wenn der freunde thräne rinnt, Wenn ich nicht mehr höre, sehe, Wenn erstarrt ist mein gebein; Dann wirst du aus deiner höhe Mich, den sterbenden, erfreun. a 4. Wenn des nahen todes grauen Meinen ganzen geist durchdringt; Wenn mein muth und mein vertrauen, Wenn die letzte hoff: nung sinkt: O dann stehe mir zur seite, Lindre meine angst und pein, Und laß mich im letzten streite, So wie du, ein sieger sein! 5. Laß mich, Jesu, nicht verzagen, Nimm dich meiner gnädig an; Du wardst auch für mich geschlagen, Hast für mich genug gethan! Stärke meinen schwachen glauben, Wenn mein Herz im tode bricht! Laß mir nichts die hoffnung rauben, Einst zu schaun dein angesicht. 6. O dann werd ich sanft verscheiden, Wann es deinem rath gefällt! Dann verwechselst du mein leiden Mit der wonne jener welt. Jesus Christus sei mein leben! Dannist mir der tod gewinn! Sterbend bleib ich dir ergeben, Weil ich dein erlöster bin. rufe sein; 7. Willig folg ich deinem Immer näher dir zn Um auf einer höhern stufe Reinrer wonne mich zu freun. Auch die letzten todesleiden Sind mir dann nicht fürchterlich, Denn zu deinen himmelsfreuden Schwinget meine seele sich. Mel. Wenn mein stündlein 2c. 233. Wenn einſt mein sterbend auge bricht, Mein letzter hauch verschwindet, Mein leib erstarrt und selbst es nicht, Daß er entschläft, empfindet; Wenn meine lieben um mich stehn, Und traurig mich entschlummern sehn, Und meinen tod beweinen: 2. Dann, vater, nimm ihn auf den geist, der freudig zu dir fliehet, Der dank bar XXI. Vom Tode. 189 bar deine güte preißt, Daß Mit jedem pulsschlag rückt er den tod nicht siehet! Dann tröste, die betrübt um mich Mit thränen klagen; laß sie sich Mehr meiner wonne freuen. die zeit, Die oft so ungenützt verstrich, Mich näher hin zur ewigkeit. 3. Mein hingefallner leib bleibt hier; Ihn wird das grab verschließen. Heil mir! das grab wird dennoch dir Ihn wieder geben müssen. Du kommst, erwecker! deine macht, Die ihn aus nichts hervorgebracht, Kann ihn aus staub erneuern. 4. Wie könnt ich trauern, daß im tod Mein leib zu staub vermodert? Wie könnt ich klagen, da ihn Gott Vom tode wieder fordert? Ohoffmung, daß nach kurzer ruh Mein leib erwacht, wie groß bist du! Und welch ein trost im tode! 5. Des todes schmerzen, Gott, will ich, Wenn er nun kommt, verachten, und mit getrostem blick auf dich Nach meinem ziele trachten, Und mich dem ziele freudig nahn, Mein himmlisch kleinod zu empfahn, Das Jesus mir erworben. 2. Herr, lehre mich der stunden werth, Die du mir zugezählt, verstehn; Laß keine, die mir noch gehört, Aus leichtsinn ungenützt vergehn. 3. Und wann, von dir geordnet, dann Die richterliche stund' erscheint; So nimm dich meiner seele an, Du! mein erlöser und mein freund. 4. Verleihe sterbensklugheit mir! Von eitelkeiten abgewandt, Sei meine seele ganz bei dir, Der für mich starb und auferstand. Mel. Herr Jesu Christ, mein's c. 234 h weiß, meinen de nahet sich: 5. Mich stärk, ob auch mein herz erbebt, Das felsenfeste glaubenswort: Sch weiß, daß mein erlöser lebt; Sein bin ich ewig hier und dort. 6. Es sei mein herzlicher entschluß, Mein leben meiner pflicht zu weihn, Und bei zufriedenem genuß Mich dankbar Gottes zu erfreun. 7. Mein ende komm früh oder spät, Wie es mein weiser vater schickt, In dessen hand mein leben steht; Ich weiß, daß mir's mit Jesu Mel. 190 Mel. Wenn mein stündlein 2c. nicht schrecken. Ich weiß, 235. Dann nach kurzer zwischenzeit Wirst st nun auch meiwill ich dir, o Gottes sohn, Du menschenfreund, vor deinem thron Mit freuden ewig Erste Abtheilung. Von dieser welt zu scheiden; So sei mit deiner hülfe nah, Du bester troft im leiden! Nimm du dich meiner seele danken. an, Dir übergeb ich sie als- he dann; Du wirst sie wohl bewahren. 2. Sind meine sünden dann vor mir, Drückt ihre last mich nieder: So sei mein seufzen auch vor dir; Erhebe du mich wieder. Mich stärk' in meiner tiefen noth, Herr, deine liebe bis zum tod, Und jenes lebens hoffnung. 3. Ich bin ein glied an deinem leib, Und freue mich von herzen, Daß ich mit dir vereinigt bleib, Auch nach des todes schmerzen. Wenn ich gleich sterbe, sterb' ich dir; Ein ewig leben hast du mir Durch deinen tod erworben. 4. Du Herr erstandest, drum darf ich nicht vor dem tode beben. Du lebst und herrschest ewiglich; Ich werdeinst mit dir leben. Wo du bist, da werd' ich auch sein, Mich ewig deiner liebe freun; Drum geh ich hin mit freuden. 5. Dein bin ich, dein in ewigkeit; Das grab soll mich Mel. Jesus, meine zuversicht 2c. 236. Meine Lebenszeit verstreicht, Stündlich eil ich zu dem grabe, Und wie wenig ist's vielleicht, Was ich noch zu leben habe? Denk' o mensch, an deinen tod; Säume nicht, denn eins ist noth. 2. Lebe, wie du, wann du stirbst, Wünschen wirst, gelebt zu haben. Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir menschen gaben, Werden dich dann nicht erfreun; Diese güter sind nicht dein. 3. Nur ein herz, das gutes liebt, Nur ein ruhiges gewissen, Das vor Gott dir zeugniß giebt, Wird dir deinen tod versüßen; Dieses herz verdient allein, Deiner wünsche ziel zu sein. 4. Wenn in deiner letzten noth Freunde hülflos um dich beben, Dann wird über welt und tod Dich dies reine herz erbeben. Dann erschreckt. XXI. Vom Tode. schreckt dich kein gericht: Gott ist deine zuversicht. 5. Ueberlaß des todes zeit Gott allein und bet' und was che, Daß er dich zur ewigkeit Fertiger im guten mache. Uebe dich, recht fromm zu sein; Lerne dich des todes freun. 191 rathe Gottes vorgeschrieben. Der tod führt aus der sterblichkeit Mich in ein befres leben ein, Ulm ewig glücklich dort zu sein. 6. Ueberwind ihn durch vertraun, Sprich: ich weiß, an wen ich glaube; Und ich weiß, ich werd' ihn schaun Einst in diesem meinen leibe. Er, der rief: es ist vollbracht! Nahm dem tode seine macht. 3. Ich weiß aus Gottes theurer lehre, Die seele tödtet nicht der tod: Er ist der weg zu glück und ehre, Das ziel und ende meiner noth, Der weg zur ruh, die mich erquickt, Wenn mich des tages last gedrückt. 7. Tritt im geist zum grab oft hin, Siehe dein gebein versenken; Sprich: Herr, daß ich erde bin, Lehre du mich selbst bedenken; Daß ich täglich weiser sei, zum tode dir getren. 4. O Herr, du wollest mich bereiten, Im wahren glauben zn bestehn: Wenn ich aus diesem land der leiden Zu dir soll in den himmel gehn. Ach mache stets mein herz bereit Zum eingang in die ewigkeit. Bis 5. Herr Jesu, laß mich oselig sterben, Steh mir im Mel. Wer weiß, wie nahe mir sc. letzten kampfe bei! Damit 237. Ich weiß, es wird der tod mir kein verderben, mein ende kommen, Doch weiß ich nicht wann, wo und wie? Vielleicht gar bald der erd' entnommen, Bin ich in kurzem nicht mehr hie. Vielleicht ist Vielmehr des lebens anfang sei; So scheid ich fröhlich aus der welt, Wie, wo und wanu es dir gefällt. Mel. Ich hab' mein sach', Gott zc. ſchon mein end bestimmt, Eh 238. Mein leben ſteht dieser tag ein ende nimmt. Gottes 2. Dies alles kann mich hand. Er thu, was er mir nicht betrüben; Weil mir heilsam fand! Er zählte ja, mein ziel der lebenszeit Im so wie mein haar, Mir, eh ich 192 ich war, Auch meine lebensstunden dar. 2. Zwar nütz ich mit zufriedenheit Die tage meiner sterblichkeit, Denn du verErste Abtheilung. sichert: ihr seid mein, Auch ihr sollt sein, Wo ich bin, und euch ewig freun. Mel. Wenn mein stündlein 2c. ſüßeſt ſie, o Gott! Doch 239. ch eile meinem müh und noth Sind ihr gefolg, Und dann der tod. 3. Die blume pranget und fällt ab; So blüht der mensch und sinkt ins grab; Nicht jugend schützt, nicht stand noch geld; nichts in der welt Ist, was ihn dafür sicher stellt. grabe zu, Ein schritt, so bin ich erde; Ach! meine zuflucht, Gott, bist du, So oft ich zaghaft werde. Was ist die zeit, in der ich bin? Sie fähret wie ein strom dahin, Der niemals wiederkehret. 4. Wer rüstet mich mit muth und kraft Aufs ende meiner pilgerschaft? Und wer beruhiget mich hier? Allein von dir, O Herr, kommt muth und ruhe mir. 5. Du bringst mich, bin ich nur bereit, Zum sichern glück der ewigkeit, Wo man des kurzen gram's vergißt, Wohin, Herr Christ, Du selbst vorangegangen bist. 6. Froh werd' auch ich, wenn's dir gefällt, Ein bürger deiner bessern welt; Dann fag ich dem, der um mich weint: Gott ist der freund, Der uns einst wieder froh vereint. 2. Von dem, was man von jugend an, Glück, vorzug, größe heißet, Ist nichts, das mich erretten kann, Und mich dem tod entreißet; Sch sei geehrt, arm oder reich, Mich macht der tod den menschen gleich, Die längst die erde decket. 3. Wer fühlet nicht des todes macht, Der unsern leib zerstöret, Wenn er in finsterniß und nacht, Zum staub zurücke kehret, Und wer entfliehet der gewalt, Mit der des moders keim so bald Den gliederbau zerrüttet? 4. Vergänglich ist der erde glück! Uns, die noch heute 7. Den trost, o Jesu, dank blühen, Droht morgen oft ich dir, Du brachtest ihn vom des todes blick, Man sieht himmel mir. Du hast ver- uns schnell entfliehen; Der mensch, TART XXI. Vom Tode. 193 mensch, der hier so viel be mel ein; Wie groß wird saß, Berwelket. wie ein Leichtes gras Auf feldern, eh' es reifet. dann ihr glück erst sein, Durch alle ewigkeiten! 5. Im farg ruht unser Mel Jesus meine zuversicht 2c. überrest In modernden ge- 240. Selig, Gott! beinen, Und sein zerstörtes sind die, die haus verläßt Der geist, mun Schon im friedenvolmuß da erscheinen, Wo ihm len grabe Von des lebens des ewigen gericht Ein un- arbeit rühn, Und sich deipartheiisch urtheil spricht, ner größten gabe, Eines Belohnet oder strafet. ew'gen lebens, freun. Möchten wir es auch schon sein! 2. Doch du willst: wir leben noch Mühsam hier in pilgerhütten. Alle trugen einst dies joch, Die des lebens kron' erstritten. Endlich aber führt der tod Uns auch hin zu dir, o Gott! 13. Jesus selber lebte hier Vormals auch in pilgerhütten. Noch unendlich mehr als wir. Hat er auf der erd' gelitten. Laß uns gläutbig auf ihn sehn Und durch ihn im kampf bestehn. 4. Was ist diese lebenszeit? Ach! nur eine kurze ftunde, Gegen jente ewigkeit. Gleichwohl kommt auf diese stunde, Die Gott noch verkürzen kann, Unser ew'ges schicksal an. 5. Gieb uns weisheit, Herr, und kraft, Diese stunN 6. Doch warum fürchten wir die gruft, Als wären wir noch heiden? Er, der uns von der erde ruft, Ruft uns zu bessern freuden. Wer glaubt, der lebt und stirbet nicht, Ob er gleich stirbt; tod und gericht, Die können ihn nicht schrecken. 7. Besiegt hat tod und grab der held, Er, der für uns gestorben, Er hat das lebent hergestellt, Er hoffmung uns erworben; Durch ihn, den jetzt kein grab mehr deckt, Werd' ich, aus meinem grab erweckt, Zum leben auferstehen. 8. O vater, laß nach deinem rath, Nur meine stunde kommen. Er, der des todes weg betrat, Führt einst auch deine frommen, Gott, in deinen him O Erste Abtheilung. 194 stunde wohl zu nüßen; Und beim schluß der pilgrimschaft Wollest du uns un terstügen, Daß wir freudig auf dich sehn, Und getroft zum tobe gehn. 6. Daß wir dein sind, nicht der welt, Daß du uns wirst auferweden: Diese traft der bessern welt Laß uns, wenn wir sterben, schmecken; Flöß uns muth und ruhe ein, Selbst im tode froh zu sein. 7. Wenn wir, um einſt auch zu ruhn Zu den todten Gottes gehen, Wollst bu mehr noch an uns thun, Als wir bitten und verste hen. Auch für unsre todes nacht Riefst du einst: es ist vollbracht! 2. Dank, anbetung, preis und ehre, Macht, weisheit, ewig, ewig ehre, Sei dir versöhner, Jesu Christ! 3hr, der überwinder höre, Bringt dank, anbetung, preis und ehre Dem lamme, das geopfert ist! Er jant, wie wir, ins grab! Die thränen trocknet ab, Alle thränen! Er hat's vollbracht! Nicht tag, nicht nacht Wird an des lammes throne sein! 3. Dorten glänzt uns, o der wonne! In Gott, in Gott die höh're sonne, Uns glänzt die herrlichkeit des Herrn! Heil, nach dem wir weinend rangen, Nun biſt du, heil, uns aufgegangen, Nicht mehr im dunkeln, nicht von fern! Nun weinen wir ben, Die tobten, die im nicht mehr! Das alt' iſt nun nicht mehr! Hallelujah! Er sank ins grab, Wie wir, Herrn sterben, Zur auf hinab! Er ging zu Gott! erstehung eingeweiht! Rach wir folgen ihm! ben legten augenbliden Des todesschlummers folgt entMel. Wadet auf, ruft uns zc. 241. Selig find bes himmels er Eigene Diclobie. züden, Folgt monne ver an-, 242.Was forgst the fterblichkeit. In frieben ruängſtlich für Hen fie, Los vor der erbe bein leben? Es Gott ges müh! Hilf, o Jefu, Bor lassen übergeben, 3st wahs Gottes throu, Bu bir, o sohn, re ruh und deine Begleiten ihre werke fie! Du sollst es lieben, weislich pflicht. nügen, XXI. Vom Tode. 195 nügen, Es dankbar, als sie dir entrissen werden, Dut ein glück, besitzen, Verlieren, als verlörst du's nicht. dann dich nicht zu sehr betrübst. 6. Denk an den tod bei frohen tagen. Kann deine lust sein bild vertragen: So ist sie gut und unschuldsvoll. Sprich, dein vergnügen zu versüßen: Welch glück werd' ich erst dort genießen, Wo ich unendlich leben soll! 2. Der tod soll nicht dein herz erschrecken: Doch, dich zur weisheit zu erwecken, Soll er dir stets vor augen sein. Er soll den wunsch zu leben mindern; Doch dich in deiner pflicht nicht hindern, Vielmehr dir kraft dazu verleihn. 3. Ermatieft du in deinen pflichten, So laß den tod dich unterrichten, Wie wenig deiner tage find. Sprich: Sollt ich pflichten wohl verschieben? Nein, meine zeit, sie auszuüben, Ist kurz und sie verfliegt geschwind. 4. Denk an den tod, wenn böse triebe, Wenn lust der welt und ihre liebe Dich reizen, und ersticke sie. Sprich: kann ich nicht noch heute sterben? Und könnt' ich auch die welt er werben, Beging ich doch solch übel nie. 5. Denk an den tod, wenn ruhm und ehren, Wenn deine schätze sich vermehren; Daß du sie nicht zu heftig liebst. Denk an die eitel keit der erden, Daß, wenn 7. Denk an den tod, wenn deinem leben Das fehlt, wonach die reichen streben; Sprich: bin ich hier um reich zu sein? Heil mir, wenn ich in Christo sterbe, Dann ist ein unbeflecktes erbe, Dann ist des himmels reichthum mein. 8. Denk an den tod, wenn leiden kommen; Sprich: alle trübsal eines frommen Ist zeitlich und durch hoffnung leicht. Ich leide, doch von allem bösen Wird mich der Herr im tod erlösen; Er ist's, der mir die krone reicht. 9. Denk an den tod, wenn freche rotten Des glaubens und der tugend spotten, Und laster stolz ihr haupt erhöhn. Sprich bei dir selbst: Gott trägt die ſpötter; Doch endlich ist für fie N 2 196 Erste Abtheilung. sie kein retter, Wenn sie mein haus bestellen, Daß nicht hier noch in sich gehn. ich bereit sei für und für, Und sagen könn' in allen fällen: Herr! wie du willst, so schicks mit mir. Mein Gott zc. 10. So suche dir in allen fällen Den tod oft lebhaft vorzustellen: So wirst du ihn nicht zitternd scheun: Dann wird er dir ein trost im klagen, Ein weiser freund in guten tagen, Ein schild in der versuchung sein. 5. Gieb mir ein brünſtiges verlangen Nach deinem himmel; laß, o Gott, Mich fest an meinem heiland hangen; So überwind ich leicht den tod. Mein Gott zc. 6. Ach vater! decke meine sünde Mit dem verEigene Melodie. er weiß, wie 243. Wer nahe mir dienste Christi zu, Damit ich hier vergebung finde, Und dort bei dir vollkommne ruh. Mein Gott 2c. mein ende! Die zeit geht hin; es kommt der tod. Ach, wie geschwind, ach, wie behende Kann kommen 7. Nichts ist, das mich meine todesnoth! Mein Gott! ich bitt' durch Christi blut, Mach's nur mit meinem ende gut. von Jesu scheide, Nichts, es sei leben oder tod; Er bleibt im leiden meine freude, Mein schutz und retter in der noth. Mein Gott zc. 8. So komm mein end' heut oder morgen; Ich weiß, daß mir's mit Jesu glückt. Er ist's, der mich in allen sorgen, Er ist's, der mich im tod erquickt. Drum glaub ich fest, durch Christi blut Macht's Gott mit meinem ende gut. 2. Es kann vor nacht leicht anders werden, Als es am frühen morgen war; So lang' ich lebe auf der erden, Leb' ich in steter todsgefahr. Mein Gott zc. 3. Herr! lehr mich stets ans ende denken Und laß mich, eh' ich sterben muß, Das heil der seele wohl bedenken, Ja nicht verſparen meine bug. Mein Gott 2c. 4. Laß mich doch bald Met. Herzlich lieb hab' ich dich. 244. Me ein heiland, wenn mein geist XXI. Vem Tode. 197 geist erfreut Im glauben mert in dem staube. Doch auf die herrlichkeit. Des ew' gen erbtheils blicket, Das du für mich bereitet hast: Wie leicht dünkt mir dann jede last, Die mich hienieden drücket! Dann wird der eitelkeiten tand In seinem unwerth mir bekannt; Der erde pracht ist mir wie nichts, Beim anblick jenes ew'gen lichts. Herr Jesu Christ, Mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! Dies heil verdank ich deinem tod. 2. Wann einst, auf deinem wink, mein geist Des körpers banden sich entreißt, Dann stärk ihn aus der höhe, Daß mir nicht schreck lich sei das grab, Daß ich ins todesthal hinab Getrost und freudig gehe. Die klarheit jener bessern welt Schafft wenn mich dunkelheit befällt, In meinem finstern Herzen licht Und heiterkeit im angesicht; Dann, Jesu Christ, Mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! Dann wird ein schlummer mir der tod. 3. Auf kurze zeit schließt sich zur ruh Mein thränender, der mich zum staube ruft, Der ruft mich einst auch aus der gruft; Ich weiß, an wen ich glaube. Er lebet, und ich werd durch ihn Der grabesnacht gewiß entfliehn; Mein geist und mein verklärt gebein Wird sich des Herrn, des mittlers freun. Herr Jesu Christ, Mein Herr und Gott! mein Herrund Gott! Du schaffst das leben aus dem tod. 4. Du bleibest meine zuversicht, Mein trost, wenn du zum weltgericht Mit majestät wirst kommen. Da werd ich nach des grabes graun, Dich, Jesu, meinen heiland, schaun; Dich schaun mit allen frommen! Auch mir schenkst du dann jenes heil, Der auserwählten sel'ges theil. Ich soll, dein mund schwur es mir zu, Sch soll verherrlicht sein, wie du. Herr Jesu Christ, Mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! Stärk diesen glauben einst im tod. Met. Dn lebensfürft, Herr Jesu zc. oder: Ermuntre dich, mein 2c. 245, Wie ungewiß ist, Herr, das volles auge zu, Und schlum- ziel Der wallfahrt auf der erde 198 erde! Ob ich noch oder viel An tagen zählen werde, Das weiß ich nicht! du weist's allein. Ich kann vielleicht der nächste sein, Vom abgekürzten leben Ein beispiel abzugeben. Erste Abtheilung wenig wissen schrecken Und todesfurcht erwecken. 2. Befrei' mich, Gott, von wahn und dunst, Von irdiſchen beſchwerden, Und lehre mich die große kunst Bei gräbern flug zu werden. Nur der ist weise, der bedenkt, Wie viel von ſeinem tod ábhängt, Und der dazu in zeiten Sein herz sucht zu bereiten. 3. Hilf, daß auf's vor gesteckte ziel, Mein auge stets sich kehre, Daß nicht der weltlust eitles spiel Mein schwaches herz bethöre. Und sicht dein auge, daß mein schritt Noch nicht den rechten weg betritt, So wollst du, Herr in zeiten Auf solchen weg mich leiten. 5. Gieb, daß ich dich mit frohem muth Als meinen Gott betrachte: Hingegen. freunde, glück und gut, Nicht als mein eigen achte: So wird mein tod mir augenehm, Ein schlaf mir sein, und nichts von dem, Was du mir hier verliehen, Mein Herz zur erde ziehen. 6. Laß des erlösers herrlichkeit Mit hoffnung mich erquicken, und mitten in der dunkelheit Mich diesen trost erblicken. Dann nimm, lauf, Den geist aus dieſer Herr, nach vollbrachtem Hütte auf, Die einst im reich der deinen Wird neu gebaut erscheinen. Mel. Wie schön leucht' uns 2c. dann, mein 246. Wie wird mir heiland, sein, Wenn ich mich deiner ganz zu freun, 4. Daß ich mich vor der In dir entschlafen werde? falten hand Des todes nicht Alsdann werd' ich auch ganz entfärbe: So mache mich befreit Von sünde und von mit ihm bekannt, sterblichkeit, Entfliehen dieſer noch eh' ich sterbe. Laß erde. Freu dich Innig, mir sein bild vor augen Meine seele, Und erwähle sein, Damit ich lerne fün- Schon hienieden, Was dir den scheun, Die das ge- dient zum ew'gen frieden. Vorher 2. XXI. Vom Tode. 2. Besiege denn des todes graun, Mein geist, er ist ein weg zum schaun In jenem bessern leben. Er sei dir nicht mehr fürchterlich! Zum allerheiligsten wird dich Der Herr dadurch erheben; Hier wird Dein hirt Nach den thränen, Nach dem sehnen, Dich erlösten Völlig und auf immer trösten. 199 4. Vielleicht sind meiner tage viel; Ich bin vielleicht noch fern vom ziel, An dem die krone schimmert. Bin ich von meinem ziel noch weit, So sei mein leben dir geweiht, Bis einst mein leib zertrümmert. Hilf mir, Herr, dir Ganz mein leben Zu ergeben, Daß ich droben Dich ohn ende könne loben. 3. Herr, Herr, ich weiß die stunde nicht, Die mich, wann nun mein auge bricht Zu deinen todten sammelt. Vielleicht umgiebt mich ihre nacht, Eh' ich dies flehen noch vollbracht, Mein lob herrlichkeit, Nicht mehr ein dir ausgestammelt Mach mensch von erde. Preis mich Fertig: Ich befehle dir! Daß mir Durch dein Meine seele Deinen händen; leiden Jene frenden Offen Laß mich meinen lauf gut stehen; Ewig will ich dich erhöhen. enden. 5. Wie wird mir dann, mein heiland, sein, Wann ich mich deiner ganz erfreun, Dich dort anbeten werde? Dann bin ich frei von sünd und leid, Ein mitgenoß der XXII. Von der Auferstehung der Todten. 247. Ich freue mich kommen. Mel. Was Gott thut, das ist zc. frommen, Zur ew'gen ruhe 2. Ja, Herr, du führst Da ich werd' auferstehen. sie einst heran, Die stunde Dann werd ich in der herr- der erlösung; Die stunde, lichkeit Dich, Gott, mein da ich hoffen kann Trost, heiland, sehen. Dann werd' freiheit und genesung; Da auch ich, O Herr! durch engeln gleich, Im himmeldich, Vereint mit allen reich 3ch ewig werde leben, 200 Erste Abtheilung. ben, mit herrlichkeit um- the Bermodre nur in staub; geben. Die wange, die sonst glühte, Sei der verwesung raub. 3. Der du die auferstehung bist! Du bist's an den ich glaube, 3ch weiß, daß ich durch dich, Herr Christ, Im tode, nicht verbleibe. Und dein gericht Wird mich dann nicht Mit trübsal, angst und schrecken, So wie die heuchler, decken. 5. Ich hoff', ein beßres leben, Das nie von mir. entflicht; Ein leib wird mich umgeben, Der nimmermehr verblüht. 6. Dann eil ich dir entgegen, Mein triumphirend haupt, Und seh' entzückt 4. Ich hoffe dann mit den segen Des heils, daß freudigkeit, Vor dir, mein ich geglaubt. dem haupt, zu stehen, Und mit dir in die herrlichkeit Frohlockend einzugehen. hilf 249. O mir doch Aus gnaden noch, Zum glück der ewigkeiten Mich würdig zu bereiten! Eigene Melodie. resus, meine zutversicht Und mein Heiland ist im leben! Dieses weiß ich; sollte nicht Sich mein Herz zufrieden geben? Was die lange toMel. Christus der ist mein 2c. 248. Cinst geh' ich oh- todesnacht Mir auch für gedanken macht. ne beben Zu meinem tode hin; Denn Christus ist mein leben Und sterben mein gewinn. 2. Ich scheue nicht die schrechen Der freudenleeren gruft; Der wird mich auferwecken, Der mich zum grabe ruft. 3. Und rief mich, abzuscheiden, Auch heute schon mein Gott; So folg' ich ihm mit freuden, Und sterb' auf sein gebot. 4. Des lebens frische blü2. Jesus, mein erlöser, lebt! Ich werd auch das leben schauen; Sein, wo mein erlöser schwebt: Warum sollte mir denn grauen? Läßt auch dieses haupt ein glied, Das es einst nicht nach sich zieht? 3. Ich bindurch des glaubens band Zu genau mit ihm verbunden. Er, der auch den tod empfand, Hat für mich ihn überwunden. Er, 201 XXII. Von der Auferstehung der Todten. Er erstand, und einst er- Sterbt ihr, Jesus ruft euch wacht Auch mein leib durch wieder, Wann einst die poseine macht. saun erklingt, Die durch alle gräber dringt. 4. Staub bin ich und muß daher Einmal auch zu 9. Scheuet nicht des grastanbe werden. Dieses weiß bes kluft: Blickt hinauf ins ich; doch wird er mich er- beßre leben! Dorthin wird wecken aus der erden, Daß euch aus der gruft Eures ich in der herrlichkeit Bei ihm sein mög' allezeit. Jesu macht erheben. Dann liegt schwachheit und verdruß Ewig unter eurem fuß. 5. Dieser leib, aus staub gebaut, Wird verklärt mich einst umgeben; Gott wird von mir angeschaut Dort in einem bessern leben; Und in diesem fleisch seh' ich, Meinen Jesum ewiglich. 10. Nur, daß ihr den geist erhebt, Von den lüsten dieser erden Und schon hier dem heiland lebt, Dem ihr dort sollt ähnlich werden. Schickt das Herz jetzt da hinein, Wo ihr ewig wünscht zu sein! ihr ewig w 6. Dann werd ich im hellern licht Seine große lieb erkennen; Und mit voller Mel Wenn ich, o schöpfer 2c. rid zuverſicht Ihn dann meinen 250. Mein heiland retter nennen: Wenn er lebt; er hat von der sterblichkeit Nun die macht Des todes ganz auf ewig mich befreit. 4** 7. Mich, der hier noch seufzt und fleht, Wird er herrlich dort erhöhen; Irdisch wird mein leib gesät, Himmlisch wird er auferstehen; Zum verwesen fällt er ein Dort wird er unsterblich sein. bezwungen, Und siegreich aus der grabesnacht Zn Gott sich aufgeschwungen. Er ist mein haupt, seint sieg ist mein. Sein soll mein ganzes leben sein, Und ihm will ich auch sterben. 8. Seid getrost und hocherfreut! Jesus kennt euch, seine glieder. Christen, 2. Nicht ewig wird, wer dein wort hält, Den tod, o Jesu, schauen; Das ist's, was mich zufrieden stellt, Selbst bei der gräber granen. Ich wehrt der traurigkeit, bin getrost und unverzagt, Weil Erste Abtheilung. 202 Weil du den deinen zugesagt: Ich leb' und ihr sollt leben. 3. Wird gleich mein leib des todes raub; Er wird doch wieder leben, Und einst aus der verwesung staub Sich nengebild't erheben, Wenn du, o großer lebensfürst, Nun deine todten rufen wirst, Zum leben aufzuwachen. 4. Wie froh und herrlich werd ich dann, Vor dir, mein heiland, stehen! Dann nimmst du mich mit ehren an, Läßt in dein reich mich gehen. Forthin von keiner last beschwert, Hingegen herrlich, ganz verklärt, Leb' ich bei dir dann ewig. 5. O welch' ein sel'ges theil ist mir Injener welt bereitet! Der freuden fülle ist bei dir! Von dir, o Herr, ge leitet, Werd ich in deinem himmelreich Unſterblich, deinen engeln gleich, Vollkommne luft genießen. 6. Denn, wo du bist, da sollen die, Die dir hier folgen, leben, und ewig frei von schmerz und müh, Von seligen umgeben, Genießen deiner herrlichkeit. O was sind leiden dieser zeit, Herr, ges gen jene freuden. 7. Laß die zukünft'ge herrlichkeit Mir stets vor augen schweben; Und oft in dieser prüfungszeit Mein herz dahin erheben, Wo keine schwachheit uns mehr drückt. Wo wir, der sterblichkeit entrückt, Frohlockend vor dir wandeln. 8. Erwecke mich dadurch zum fleiß, Der tugend nachzustreben, Und als ein christ, auch dir zum preis, Nach deinem wort zu leben. Und fühl ich hier noch noth und schmerz, So tröste selbst damit mein herz: Es kommt ein beßres leben. Eigene Melodie 251. Wachet auf! ruft einst die ſtimme, Des sohnes Gottes allmachtsſtimme: Verlaßt, ihr todten! eure gruft. Wachet auf, erlöste sünder! Verſammelt euch, ihr gotteskinder! Der welten Herr ist's, der euch ruft. Des todes stille nacht Ist nun vorbei; erwacht, und lobt den Herrn; Macht euch bereit Zur ewigkeit! Sein tag, sein großer tag, ist da! 2. Erd' und meer und hölle beben, Die fromment stehen auf zum leben, Zum neuen leben stehn sie auf! Ihr FIXAT XXIII. Von der Auferstehung der Todten. 203 Ihr versöhner kommt voll sen Von angesicht zu anklarheit; Vor ihm ist gnade, gesicht; Bewunderst deines treu und wahrheit, Des glau- Gottes macht In jener welbens Lohn frönt ihren lauf. ten bau und pracht. Licht ist um deinen thron Und leben, Gottes sohn! Preis dir Heiland! Erlöser, dir, Dir folgen wir Zu deines vaters herrlichkeit. 3. Dann, seele, wirst du das verstehen, Was dir kein sterblicher erklärt, Was hier vollkommen einzusehen, Der weiseste umsonst begehrt. Damn täuscht dich wahn und irrthum nicht, Und selbſt die finsterniß wird licht. 3. Ew'ges lob sei dir gesungen! Wir sind zum leben durchgedrungen! Am ziel sind wir zum großen lohn. Christus strömt der freudenfülle Auf uns! wir schaun ihn ohne hülle, Ihn, unsern freund und Gottes sohn! Kein auge sahe sie, Dem ohr erscholl sie nie, Diese wonne. In ewigkeit Sei dir geweiht, Herr, unser dank und lob und preis! Mel. Fürwahr, du bist, o Gotf x. 252. W arum erbebst feele, Bei dem gedanken an das grab? Nicht dich umschließt einst seine höhle; Es finket nur dein leib hinab. Ihn schuf der allmacht 4. Dann wirst du den, o! den erblicken, Den hier allein der glaube sieht, Dent, der, dich ewig zu beglücken, Verbrechern gleich am kreuz verschied. Dann jauchze, daß kein wahn, kein spott Dich hier getrennt von deinem Gott. met. Christus, der ist mein 2c. Mel. Hand aus staub; Drum 253. Wohl mir! ich wird er der verwesung raub. staub vom staube, Ich werde auferstehn, Und ihn, an den ich glaube, Verklärt und herrlich sehn! 2. Erwachtaus todesnächten 5. Wann nun der tag des Herrn erscheinet, Verläßt dein leib der gräber du, meine ruh. Zum zweitenmal mit dir vereinet, Wird er unsterblich, so wie du. O seele, zittre darum nicht, Daß deiner hütte bau zerbricht. 2. Du, zur unsterblich keit erlesen, Schwingst dich empor zu Gottes licht, Und schaust den ursprung aller we Erste Abtheilung. 204 ten, Verlaß ich meine gruft, Wann mich zu seiner rechten Der todtenwecker ruft. 3. Nicht staub mehr sind die glieder; Sie blühen neu hervor, Und leben, wirken wieder, Und schwingen sich empor. 4. Wohl mir, daß ich im grabe, Das meinen staub bedeckt, Dann ausgeschlummert habe, Wenn mich der Herr erweckt. 5. Ich schlummerte in friede, Beschützt von seiner hand; Ein pilger, welcher müde, Hier ruh am abend fand. 6. Allein nun wach' ich heiter zu himmelsfreuden auf, Und wall, als engel weiter Den sternenvollen lauf. Mel. Werde munter, mein 2c. 254. Gott schuf nicht der menschen feelen Blos für einen augenblick, Nicht, daß sie sich follten quälen, Nein, zu einem höhern glück; Nur für dieses schuf er sie; Seelen, seelen sterben nie; Selig machen, oder richten Wird er sie, doch nicht vernichten. 7. Wohl mir, ich pilger werde Vom grabe auferstehn Und unter mir die erde In dunkler ferne sehn. 8. Und freue mich der palmen, Die mir am throne wehn, Und in erhabnen psalmen, Erretter, dich erhöhn. 9. O tag! aus nacht und grauen Erwacht zum vollen licht, Soll dich mein auge schauen; Empor das angesicht! Hables do - Unsterblichkeit der Seele. - der frohen ewigkeit, Sichre zeugen sind sie mir, Daß ich mich, mein Gott, zu dir, Daß ich einst, wohin ich strebe, Mich erheb' und ewig lebe. 2. Dieser heiße durst im herzen Nach der unvergänglichkeit; Dieser wunsch, in leid und schmerzen, Nach werde. 3. Du, o schrecken im gewissen Bei verbrechern; du o ruh, Und was fromme nur genießen, Hoher beifall Gottes du, Sichre zeugen seid auch ihr, Wenn der tod mich schrecket, mir, Wenn der leib zerstäubt zur erde, Daß mein geist nicht sterben 4. TINCTA XXII. Von der Auferstehung der Todten. 205 4. Dankt es Jesu, Got- staube ruh; Er eilt erhabses finder, Daß euch keine nern gütern zu. zukunft schreckt! Taß des todes überwinder Einst auch unsern leib erweckt! Wenn ihr fterbet, führt Gott gleich Cure feelen in sein reich, Und will felbst ein beßres leben Euch in seinem reiche geben. 3. Mich schuf ja meines Gottes liebe zum höhern glück, zu größrer lust, Und pflanzte selbst dazu die triebe So stark und tief in meine brust. Er, der den geist mit hunger füllt, Läßt ihn fürwahr nicht ungestillt. 4. Der wunsch, ihn ewig treu zu lieben, In größrer klarheit ihn zu sehn, Der hier noch unerfüllt geblieben, Muß einst noch in erfüllung gehn. So wahr Gott mein verlangen kennt, Wir bleiben ewig ungetrennt. 5. Ewig, ewig werd' ich leben, Sicher der unsterblichkeit, Streb' ich mich empor zu heben, Ueber jeden traum der zeit! Wandeln will ich fest und still, Nur den pfad der tugend, will Unverrückt zum ziele streben, Hier schon für den himmel leben! 3. Er ist gerecht, der höchste richter. Die tugend wird bin zur ewig- einst gekrönt: Wenn 255.J feit gebouent, gleich ein haufe bösewichter Für eine beßre welt be- Sie hier verwirft, verfolgt, stimmt; Mein leben geht verhöhnt. Der heuchler, der nicht ganz verloren, Wenn hier triumphirt! Wird dort gleich das grab den leich- vor sein gericht geführt. nam nimmt; zu groß bin ich für diese zeit, Mein schicksal ist unsterblichkeit. 6. Ist's möglich, kann Gott anders handeln? Gilt denn kein recht in seinem 2. Was ist der erde reich? Die frommen, die glück und ehre? Und wäre hier vor ihm wandeln, Sind das auch alles mein: So die dem frechen spötter gleich? blieb es, wenn kein him- Nein, tugend siegt; ich stermel wäre, Für meinen be d'rauf: Gott weckt mich wunsch doch viel zu klein. zur vergeltung auf. Mein geist find't nicht im 7. Er weckt mich Mel. Du weiser schöpfer zc., oder Dir Gott, dir will ich zc. 191 auf aus 206 Erste Abtheilung. aus meinem grabe! Dies Und führt mich hin zur selighofft mein herz; dies sagt sein wort! Und da ich dieses vor mir habe; So fliehen alle zweifel fort. Wie froh erhebt sich nun mein geist, Da Gott ihn selbst unsterblich heißt. feit. Auch dieser leib muß auferstehn, Und schön verklärt zum himmel gehn. 8. Mein Jesus lebt! wer will mich tödten? Er sichert mir unsterblichkeit. Sein arm reißt mich aus todesnöthen 9. Ihr thäler, sinkt! fallt, berge, nieder! Mein fester glaube fürchtet nichts. Ich sehe einst den morgen wieder, Den morgen jenes ew'gen lichts. Dann fängt mein neues leben an, Und Gott! wie selig bin ich dann! XXIII. Vom jüngsten Gericht. Mel. O ewigkeit, du donnerw. sc. selbst sich vor dir beugen! 256. Grhöhter Jesu, Danu sieht die welt die majestät, Dazu dich Gott, dein Gott, erhöht. 3. Dann tönt dein ruf in jedes grab Mit allmachtsvoller kraft hinab, Und schafft ein neues leben. Auf deinen wink muß erd und meer Das große unzählbare heer Der todten wieder geben. Sie stehn durch dich, Herr, neu beseelt Nun alle auf, und keiner fehlt. Gottes sohn! Der du schon längst der himmel thron, Als herrscher eingenommen, Du wirst dereinst zu rechter zeit, In großer kraft und herrlichkiet Vom himmel wieder kommen. Gieb, daß dann froh und mit vertraun Dich, Herr, auch meine augen schaun. 2. Hier fast kein sterblicher die pracht, Die deinen tag einst herrlich macht; Wie groß wirst du dich zeigen, Wann du auf lich ten wolken einst Mit deiner engel heer erscheinst, Die 4. Du sammelst sie vor deinen thron, Um jedem den bestimmten lohn Nach seiner that zu geben. Dann trifft den bösen schmach und pein, Den XXIII. Vom jüngsten Gericht. Den frommen aber führst du ein In das verheißne leben. Dann zeigt die that, Herr Jesu Christ, Daß du der erden richter bist! 5. D! gieb, wann dieser tag erscheint, Daß ich in dir dann meinen Freund Und treuen heiland finde; Daß ich mit freuden vor dir steh, Und mit dir in den hinmel geh, Ganz frei von aller sünde. Wie wird dein anblick mich erfreun! Wie werd ich dann so selig sein! 6. Dein name sei mir ewig werth! Und was dein wort von mir begehrt, Das laß mich treulich üben! Dich, den der ganze himmel preist, Dich müsse hier auch schon mein geist Aus allen kräften lieben; So schreckt mich deine zukunft nicht; So hab' ich muth auch im gericht. Mel Es ist gewißlich an der zc. 257.& r kommt, er leugnen können? kommt zum weltgericht, Der heiland, den wir ehren. O weigert cuch, erlöste, nicht, Jetzt auf sein wort zu hören. Wer hier nicht seine stimme hört, Und sie nicht mit gehorsam ehrt, Wird nicht vor ihm bestehen. 207 2. Herr, laß mich deiner majestät Mit wahrer freude dienen! Wie herrlich dich dein Gott erhöht, Ist zwar noch nicht erschienen; Doch, was uns hier verborgen war, Macht jener tag uns offenbar, An welchem du erscheinest. 3. Da, wann vor dir die erde bebt, Und unter deinen füßen, Sich alles, was dir widersteht, Wird völlig beugen müssen; Wann alle engel vor dir stehn, Da wird auch jedes auge sehn, Wie hoch dich Gott erhoben. 4. Da werden, Herr, auf dein geheiß Die todten wieder leben; Dein feind mit furcht, dein frennd mit preis Sich aus dem grab erheben: Und wer wird da, Herr Jesu Christ, Daß du der Herr des lebens bist, Noch ferner 5. Wer spottet dann noch deiner kraft, Wann du, die hier dich fliehen, Für ihre schuld zur rechenschaft Mit majestät wirst ziehen? Wie wird, wenn dich ihr aug erblickt, Und sie dein strafgerichte drückt, Der spötter heer verstummen. 6. 208 Erste Abtheilung. X 6. Und wann du dann großer kraft Zum gericht auf die deinen nun Mit preis und ehre zierest, Sie, ewig ihnen wohlzuthun, Zu deinem himmel führest! Wie völlig wird's dann offenbar, Daß es in deinen händen war, Die deinen zu beglücken. erden. Dann soll ich zur redhenschaft Dargestellet werden. Dein gericht Schonet nicht, Nichter aller welten! Du, du willst vergelten. 3. Weh dann mir in ewigkeit, Wenn ich deine gåbe, 7. Gieb, daß ich dann, Meine fräfte, oft entweiht, Herr Jesu Christ, Mit fren- Und gemißbraucht habe! den vor dir stehe; Und dir, Weh dann mir, Hab' ich der du so herrlich bist, Getrost entgegen sehe. Wann deiner feinde rotte zagt, Von reu und angst und furcht geplagt, Dann jauchze meine ſeele. hier Meine zeit verschwendet, Uebel angewendet! 8. Daß ich dies glück erlangen mag, So laß in diesem leben, heiland, deinen großen tag Mir stets vor augen schweben. Er reize mich, dir mich zu weihn, In deinem dienste treu zu sein, Und so mein heil zu hoffen. 258. H Mel. Mache dich mein 2c. err, ich bin dein eigenthum; Dein ist auch mein leben! Mir zum heil und dir zum ruhm, Hast du mir's gegeben! Väterlich Führst du mich, Auf der prüfung wegen, Meinem ziel entgegen. 2. Einst kommst du mit 4. Laß mir täglich dein gericht, Gott, vor augen schweben! Und mich eifrig meiner pflicht Tren zu sein bestreben! Daß ich nie Thöricht sie Außer augen setze, Nie mit fleiß verletze.dmsd 5. Lehre mich gewissenhaft Meine zeit verwenden, Eingedenk der rechenschaft, Seden tag vollenden! Gieb, daß ich Ernstlich mich Täglich und noch heute, Darauf vorbereite! 6. Gieb, daß mir die ewigkeit Stets vor augen stehe, Damit ich die gnadenzeit Länger nicht verschmähe! Eh' der tod Mir noch droht, Laß mich deinen willen, Herr, getreu erfüllen. 7. Mein gewissen ftrafe mich Gleich für jede sünde, Daß XXIII Vom jüngsten Gericht. 209 Daß ich, mittler, bald durch nicht. Nun triumphirt ihr dich Gnade such und finde! Rufe du Dann mir zu: Alles ist vergeben! Sünder du sollst leben! hoffen; Erlöst von aller müh, Sehn sie den Himmel offen, Und du, Herr, segneft sie. 4. Wie angstvoll aber beben, Die hier dein wort verhöhnt, Und durch ein sündlich leben Das eitle herz verwöhnt. Du giebst den fündenknechten Ihr theil in jener pein Und führest die gerechten Zu deinen freuden ein. 8. Dann werd ich auch im gericht, Herr, vor dir bestehen und vor deinem angesicht Freud und wonne sehen. Ewig dein Werd ich sein, Und mich, dich zu lieben, Ewig, ewig üben. Mel. Ach Herr, mich armen 2c. 259.J ch denk an dein gerichte, Du richter aller welt! Dem thor sei's ein gedichte, Das schwachen nur gefällt; Mich soll sein wahn nicht stören, Weil mich dein göttlich licht Und mein gewissen lehren: Du haltest einst gericht. 2. Umsonst flieht dann der sünder Vor deines armes kraft, Herr, alle menschenfinder Ziehst du zur rechenschaft; Du rufst, und sie erscheinen Vor deinem richterthron, Den sündern und den deinen Giebst du gerechten lohn. 3. Frohlockend sehn die frommen Dein göttlich angesicht; Schon hier dem fluch entnommen, Zagt ihre seele 5. Drum laß, Herr, dein gerichte Mir stets vor augen sein, Und drücke sein gewichte Tief ins gewissen ein! Vor dir laß recht mich handeln Und hier zu aller zeit, So wie ein weiser wandeln, Der seinen richter scheut. 6. Ist dann dein tag vorhanden, Wird diese welt vergehn; So hoff ich, nicht mit schanden Vor deinem thron zu stehn. Du stellst mich dann zur rechten Von aller schuld befreit, Führst mich mit deinen knechten In deine herrlichkeit. 260 Mel. Es ist gewißlich an zc. chon ist der tag von Gott bestimmt, Da, wer auf erden wandelt, Sein loos aus Gottes häuden nimmt, Nachdem D er 210 Erste Abtheilung. er hier gehandelt. Er kommt, mit erstauntem blick, Daß er kommt, des menschen glaub und lieb das höchste sohn; Er kommt, und wot glück Aus Gottes huld erken sind sein thron, Den er- erben. denkreis zu richten. SET 2. Hier, an dem rand der ewigkeit, Hier stehn die millionen, Die feit demersten tag der zeit Auf dieser- erde wohnen, Nur dem allwissenden bekannt, Unzählbar, wie am meer der sand; Hier stehu sie vor dem richter. 3. Hier muß der falsche wahn der welt Der wahrheit unterliegen; Hier, wo das recht die wage hält, Wird keine bosheit siegen; Hier ist zur Buße nicht mehr frist, Hier gilt nicht mehr betrug und list; Hier gilt fein falscher zenge. 6. Sie gehn nun in das fel'ge reich, Das Gott für sie bereitet, Und sehn auf ewig, engeln gleich, Ihr wohlsein ausgebreitet. Das stückwerk wird vollkommenheit, Kein kummer, keine traurigkeit Stört forthin ihre frende. 7. Mein heiland, laß mich dein gericht Oft und mit ernst bedenken! Es stärke meine zuversicht, Wenn hier mich leiden kränken; Es reize mich gewissenhaft Und eingedenk der rechenschaft, Nach deinem wort zu wandeln. Mel. Wachet auf! ruft uns 2c. 4. Herr, mit welcher 261. Wachet auf vom schlaf, ihr fünmajestät, Wirst du das urtheil fällen! Die fünder, die dich hier verschmäht, Gehn dann gewiß zur höllen. Da der! Erwacht! denn euch, o menschenfinder! Erwarten tod und ewigkeit. Lohn und trifft sie unerforschte pein; strafe, tod und leben Wird Wer wird dann noch ihr retter sein? Ihr warten ist verloren. 5. Wie herrlich aber wird alsdann Der frommen werth erscheinen! Du, Herr, nimmst sie zu ehren an, Erklärst sie für die deinen; Und sie sehn der gerechte richter geben, Erwacht! noch ist zur buße zeit. Gerecht, gerecht ist Gott, Er hört der frevler spott. Frevler, zittert! Wißt, was er spricht, Ge reut ihn nicht. Er kommt gewiß und hält gericht. 2. XXIII. Vom jüngsten Gericht. 2. Trennt er dann euch sein gericht 3st unausbleibvon den seinen, So wird als, lich, strauchle nicht! richter auch erscheinen Des 2. Der weg der tugend, vaters eingeborner sohn. den ich walle, Sei rauh und Jauchzet, jauchzt, ihr seine steil: wo führt er hin? Zum frommen, Er wird zu eurem himmel, wenn ich Gott gefalheile kommen, Bald kommt le, Weil ich getreu und stander und mit ihm sein lohn; haft bin; Gestärkt, o Gott, Euch richtet Christus nicht. durch deine huld Zur selbstEr selbst ging ins gericht verlengnung, zur geduld. Für die fünder. Wir sind versöhnt, Mit Gott versöhnt. Wer überwindet, wird gekrönt. 3. Laß mich zu meiner seele sagen: Die welt vergeht mit ihrer lust! Wohl mir, wenn ich bei allen plagen, Mir keines frevels bin bewußt! Es kommt, es kommt die ewigkeit, Die mich aus jeder noth befreit. 4. Denn Jesus wird vom himmel kommen; Ich werd ihn, meinen heiland, sehn, Ihn, wie er ist; mit allen frommen Aus meinem grab auch auferstehn. Ihm werd ich völlig ähnlich sein, Mich ewig meines glaubens freu'n! 3. Seid bereit, ihn mit verlangen, Mit reinem her zen zu empfangen, Denn plötzlich bricht sein tag herein. Und der richter wird vom bösen Sein volk, die frommen, ganz erlösen, Von fünd und tode sie befrein. Dann ist vollkommnes heil In ewigkeit ihr theil. Jauchzt ihr frommen! Seid stets bereit Auf diese zeit, Und singt Gott dank in ewigkeit. Mel. Fürwahr du bist, o Gott zc. 262. enn ich auf Gottes wegen wanke Und straucheln will, so schrecke mich Der herzerschütternde gedanke: Gott richtet einst die welt und dich! Er hat's verkündigt; 211 SIE 5. Ich werde seine, stimrechten bist, Du warst geme hören: Der du zu meiner horsam meinen lehren; Nimm hin, was dir bereitet ist! Sei, treuer christ, den engeln gleich! Komm, erbe meines vaters reich! 6. Du haft in deinen armen brüdern Barmherzigkeit 2 an 212 Erste Abtheilung. an mir gethan; Ich nahm in ter sagen), Verschlossen habt meines leibes gliedern Den segen deiner wohlthat an! Nomm nun, gesegneter, zu mir! Den himmel geb ich dir dafür. ihr eure hand, Verachtet eurer brüder klagen: Entweicht, ich hab' euch nie erkannt! Wer mich bekennt, und doch nie sucht, Was menschen froh macht, sei verflucht. 10. So wirst du jede sünde richten, Die nicht bereut ist, wenn du einst Den übertretern ihrer pflichten In deiner majestät erscheinst; Dann wird der fromme mur bestehn; Wer lasterhaft bleibt, wird vergehn. 11. Gieb mir denn licht und muth und stärke, Damit mein glaube dir getreu, Geübt in jedem guten, werke, Bewährt und unverwerflich sei! So werd ich ewig selig sein, Mich ewig deiner, Gott, erfreun. 7. Solch eine wonne war tet meiner, Wenn ich mit brüderlichem sinn Den nächsten lieb, und gern mich seiner Erbarm, und Jesu ähnlich bin. Gott, wer kann hart und lieblos sein? Betrübte sehn und nicht erfreun? 8. Dort, dort trifft den, der ohn erbarmen Nie menschenfreundlich sich beweist, Der fühllos bei der noth der armen; Bedrängte nie erquickt noch speist; Den hungrigen sein brod nicht bricht, Ein unbarmherziges gericht. 9. Fühllose( wird der richXXIV. Von der Ewigkeit. le sehnsucht stillt, Und sich Mel. Sei lob und chr' dem 2c. 263. Der frenden füll' ohn' ende mehret. ist, Gott, bei dir; Und in dem höhern leben Wird deine huld daraus auch mir Die volle g'nüge geben, Was mich mit reiner luft erfüllt, Was meiner see 2. Dich lern' ich dann im hellern licht In deiner größe kennen, Und mit vollkommner zuversicht Dich meinen vater nennen. Mit hoher frende bet' ich dann Auf ewig dein XXIV. Von der Ewigkeit. 213 dein erbarmen an, Daß mich melsglanz umgeben, Von zum himmel führte. 3. Wann mein erhöhter geist da sieht, Was ich dir zugetrauet; Wann er dein unumschränkt gebiet Noch heller überschauet: Gott, welche wonne ist dann mein! Wie werd ich deiner da mich freun! Wie selig da mich finden! allem frei, was ihn beschwert, Geschickt zum höhern leben; Auch der nimmt dann an allem heil Und au der hohen wonne theil, Die meinen geist entzücket. 4. Noch größre werke seh ich dann Von deiner schöpfersgüte, Als ich auf erden sehen kann; und mein entzückt gemüthe Verliert voll dank und freude sich In deiner herrlichkeit, die ich In vollem glanz erblicke. 8. Den heiland, den ich hier geliebt, Seh ich dort, mir zur wonne. Die herrlichkeit, die ihn umgiebt, Ift mir auch licht und sonne; Auch da ist er mein Herr, mein freund, Durch den ich, Gott, mit dir vereint, Stets nene freuden schmecke. 5. Da werd' ich deinen gnäd'gen rath Noch mehr, als hier, verstehen; Dir danken, daß du mich den pfad Der tugend hießeft gehen, Und ſelbst durch leiden dieser zeit Mich zu dem glück der ewigteit So väterlich bereitet. 9. Mit allen bürgern jener welt, Die deinen thron umgeben, Werd ich dort, ihnen zugesellt, In reinster freundschaft leben. Wie klopfet dann in meiner brust Mein ganzes herz voll lieb und luſt, Die ich mit ihnen theile. 10. Sa ewig ist, mein Gott, bei dir Der frenden 6. In unbefleckter heilig- reichste quelle, Ich schöpfe keit Werd ich dann, Gott, draus, doch bleibt sie mir dich lieben,( Und was dein Etets voll auf alle fälle. wille mir gebeut, Mit fro- Mein glück währt da in hem herzen üben. O welche' ewigkeit, Nichts fehlt ihm quelle reiner lust, Sich kei- an vollkommenheit. Herr, ner fünde mehr bewußt, In hilf es mir erreichen! allem richtig handeln! Mel. O ewigkeit, du donnerw. 2C. 7. Mein leib aufs herr- 264. Gedanke voller lichste verklärt, Mit himseligkeit! Du be 214 Erste Abtheilung. bester trost der sterblichkeit! erd' und staub, Dann keiGlaub' an ein ewges leben! Was wär' mein dasein ohne dich! Mit welchem schauder würde mich Die zukunft oft durchbeben! Umsonst erhübe sich mein herz Zum himmel, bei so manchem schmerz. 2. Ich irrt' ein dunkles thal hinab Bis an mein schredenvolles grab, Das ziel von meinen thränen; Was wäre meines Lebens glück Mehr, als ein flücht'ger augenblick, Mehr, als ein banges sehnen? Was sind die freuden dieser welt, Wenn ew'ge nacht uns einst befällt? 3. Der leiden welche große zahl Ist oft in diesem dunkeln thal Das loos des pilgerlebens! Hier ist das laster oft beglückt; Und seufzt nicht, tief im staub gebückt, Die tugend oft vergebens? Wie manchen geist beugt sclaverei! Und wer bleibt hier von irrthum frei? 4. Heil mir, daß mich mein schöpfer schuf! Die ewigkeit ist mein beruf, Und stufe nur dies leben. Zwar diese hülle fällt einst ab Und asch und moder füllt mein grab; Doch wird mein geist sich heben, Sich heben über nem tode mehr ein räub. 5. Heil mir! mein frohes aug erblickt Die lieben, die, nun schon beglückt, Bor mir den sieg erstritten; Und andre lieben folgen mir. Gott, alle sammelst du zu dir In jene friedenshütten; Und meinem blick enthüllt sich dann, Mein Gott, dein großer weiser plan. ji lintaste Mel. Alle menschen müssen 2c. 265.Walle ſtets, christ, auf erden Standhaft deiner heimath zu, Wo dir beßre freuden werden, Wo dein wartet sieg und ruh! Werde nicht im streben lauer, Wenn durch trüber nächte dauer Sich kein strahl des trostes dringt, Und es dir nicht gleich gelingt. 2. Schaue jenseits dieser sonne Mit des glaubens sicherm blick Hin ins land der reinsten wonne, Dort ist mehr, als erdenglück! Freuden, ohne bitterkeiten, Namenlose seligkeiten, Wonne, die kein ende nimmt, Sind für dich, o christ, bestimmt. 3. Ach, weit über alles hoffen Wirst du dort einst selig sein; XXIV. Bon der Ewigkeit. 215 sein; Siehst der engel arme hände Dein erlöster geist hinoffen, Die sich deiner an kunft freun. In dem kreife deiner brüder Stimmst du dann in ihre lieder, In das halleluja ein, Deinem schöpfer dank zu weihn. auf! Deine prüfung ist zu ende, und gekrönt dein pilgerlauf. Nenes leben, ohne thränen, Ueber dein verstehn und sehnen, Ohne schmerzen, grab und tod, Das, das giebt dir mun dein Gott! 4. Froh eilst du hinauf, zu danken; Eilst zum thron des lichts hinan Ausgeschlossen sind die schranken, Offen ist Mel. Wie schön leucht' uns 2c. die neue bahn. Deine kennt= 266. Mein ganzer geiſt, wird niß wird erweitert, Dein verstand erhöht, erheitert; Was dir dunkel war, enthüllt; Deines wissens durft geſtillt. 5. O was sind des pilgers leiden Gegen jene seligkeit? Was die thränen gegen freuden Einer ganzen ewigkeit? Was die kämpfe turzer stunden, Die mun glücklich überwunden, Gegen solcher sieger lohn, Den er ernt't vor Gottes thron? 6. Nimm den pilgerstab und gehe, Christ, den steilen pfad hinan! Kraft aus himmelvoller höhe Stärke dich auf deiner bahn. Legst du ihn entkräftet nieder, Dedet dich, wie deine brüder, Einst ein friedlich grabmal zu; Dann gelangest du zur ruh. 7. O dann eilt in Gottes entzückt, Wenn er nach jenem himmel blickt, Dahin dein wort uns leitet; Wo deine milde vaterhand Aus neuen wundern wird erkannt, Die du da hast verbreitet. Mächtig Fühl ich Mich_getrieben, Dich zu lieben, Der zum leben Jeuer welt mich will erheben. 2. Was sind die freuden dieser zeit, Herr! gegen jene herrlichkeit, Die dort bei dir zu finden! Du stellst uns hier auf erden zwar Viel wunder deiner güte dar, Daß wir sie froh empfinden; Doch hier Sind wir Bei den freuden Noch mit leiden Stets umgeben, Dort ist nur vollkommnes leben. 3. Kein tod ist da mehr und kein grab; Dort wischest 216 Erste Abtheilung. schest du die thränen ab Bon Die deine liebe hier verband, deiner kinder wangen. Da ist kein leid mehr, kein geschrei, Denn du, o Herr! machst alles nen; Das alte ist vergangen. Hinfort Sind dort Für gerechte, Deine knechte, Keine plagen Mehr zur prüfung zu ertragen. 4. In deinem höhern heiligthum Erschallet deines namens ruhm Bon lauter frohen zungen. Da strahlt die Herrlichkeit des Herrn, Hier schaut man sie nicht mehr von fern, Da wird sie neu befungen. Völlig Giebt sich Den erlösten, Sie zu trösten, Der zu kennen, Den sie hier schon vater nennen. 5. Vor seinem antlitz wandeln sie Auf ewig frei von aller müh Und schmeden seine güte. Hier stört den frieden ihrer brust Und ihre tausendfache lust Kein feindliches gemüthe. Kein neid, Kein streit Hemmt die triebe Reiner liebe Unter seelen, Die hinfort nun nicht mehr fehlen. Mel. Du weiser schöpfer aller 2c. oder: Fürwahr, du bist, o Gott ze. 6. Gott, welche schaar ist 267. Nach einer prifung kurzer tadort vereint! Tie frommen, ge Erwartet uns die ewigkeit. die ich hier beweint, Find Dort, dort verwandelt sich ich dort alle wieder. Dort die klage In göttliche zufriesammelt deine vaterhand, denheit; Hier übt die tugend ihren Herr, alle deine glieder. Ewig Werd ich Frei von mängeln, Selbst mit engeln Freundschaft pflegen. O, ein umgang voller segen! 7. Da komm ich zu des menschen sohn, Der für mich starb, um dessen thron Viel tausend sel'ge stehen; Der du der deinen wonne bist, Dich werd ich da, Herr Jesu Christ, Auch mit entzücken sehen. Da wird Mein hirt, Von den freuden Nichts mich schei den, Die du droben Deinen freunden aufgehoben. 4 8. Wie selig werd ich da erst sein, Wie sicher werd ich mich dann freun! Dir ewiglich lobsingen. O Jeſu! Herr der herrlichkeit! Du hast dies glück auch mir bereit'; Hilf mir es auch erringen. Laß mich Eifrig Tarnach streben Und so leben Auf der erde, Daß ich dort dein erbe werde. XXIV. Von der Ewigkeit. 217 ihren fleiß, Und jene welt heil'ger wille Mein will und reicht ihr den preis. meine wohlfahrt sein; Und lieblich wesen, heil die fülle, Am throne Gottes mich erfreun. Dann läßt gewinn stets auf gewinn Mich fühlen, daß ich selig bin. 7. Dann werd ich das im licht erkennen, Was ich auf erden dunkel sah; Das wunderbar und heilig nennen, Was unerforschlich hier geschah. Ta denkt mein geist mit preis und dank Die schidung im zusammenhang. 8. Da werd ich zu dem throne dringen, Wo Gott, mein heil, sich offenbart; Ein heilig, heilig, heilig! singen Ihm, der ein opfer für mich ward. Und aller himmel selges heer Stimmt ein und singt ihm preis und ehr. 9. Da werd ich in der engel schaaren Mich ihnen gleich und heilig sehn: Das nie gestörte glück erfahren, Mit frommen stets fromm umzugehn. Da wird durch jeden augenblick, 3hr heil mein heil, ihr glück mein glück. 10. Da werd ich dem den dank bezahlen, Der Gottes weg mich gehen hieß, Und ihn zu millionenmalen Noch segnen, daß er mir ihn wies. Da 2. Wahr ist's, der from me schmeckt auf erden Schon manchen sel'gen augenblick; Doch alle freuden, die ihm werden, Sind ihm ein un vollkommnes glück. Er bleibt ein mensch, und seine ruh Nimmt in der seele ab und zu. 3. Bald stören ihn des körpers schmerzen, Bald das geräusche dieser welt; Bald kämpft in seinem eignen herzen Ein feind, der öfter siegt, als fällt; Bald sinkt er, durch des nächsten schuld, In kummer und in ungeduld. 4. Hier, wo die tugend öfters leidet, Tas laster öfters glücklich ist, Wo man den glücklichen beneidet, Und des bekümmerten vergißt; Hier kann der mensch nie frei von pein, Nie frei von aller schwachheit sein. 5. Hier such ichs nur, dort werd ichs finden; Dort werd ich, heilig und verklärt, Der tug end ganzen werth empfinden, Den unaussprechlich großen werth; Den Gott der liebe werd' ich sehn, Ihn lieben, ewig ihn erhöhn. 6. Da wird der vorsicht 218 Erste Abtheilung. Da find ich in des höchsten müh Sich noch des eiteln hand, Den freund, den ich freuen, Und, wenn das geauf erden fand. wissen plagt, Ihr gemüth zerstreuen. 5. In jener welt, Die nichts enthält Für sie an guten gaben, Auch ein tröpflein wassers nicht, Sie im durst zu laben. 11. Da ruft, o möchte Gott es geben! Vielleicht auch mir ein sel'ger zu: Heil sei dir! denn du hast mein leben, Die seele mir gerettet, du! O Gott, wie muß dies glück erfreun, Der retter einer seele sein! 12. Was seid ihr lei den dieser erden Doch gegen jene herrlichkeit, Die offenbart an uns soll werden, Von ewigkeit zu ewigkeit? Wie nichts, wie gar nichts gegen sie, Ist doch ein augenblick voll müh! 7. Ihr wurm, der nagt und fie zerplagt, Stirbt nimmer im gewissen: Nie vergeht die große pein, Die sie leiden müssen. 8. So dräut der Herr; Gerecht ist er, Wahrhaftig ist seindränen. Wehe denen, welche doch Sein gericht nicht scheuen. Die durch keine zucht von 9. O Gott des heils! Wir Gott Hier zu bessern waren. Mel. O traurigkeit 2c. 268. schrecklichs leid Der ewigkeit, Das sünder dort erfahren, 2. Durch ihre schuld von Gottes huld Und angesicht geschieden, Sehn sie nimmermehr das licht, Haben nimmer frieden. 6. Und wo forthin Ihr böser sinn Umsonst zerstreuung suchet: Da, da fühlen sie sich nun, Von dem Herrn verfluchet. 3. In dieser welt, Zum ort bestellt, Wo wir geprüfet werden, Haben auch die bösen unsers theils Verehren dich im glauben. Laß den trost der bessern welt Keinen feind uns rauben! daber 10. O rette doch Auch fünder noch, Die jetzt dir widerstreben! Laß sie, recht zu dir bekehrt, Ewig mit uns leben. eig. Mel. ob.: Alle menschen 2c: noch Theil am glück der erden. 269.Wie so unaus4. Hier können sie In ihrer sprechlich selig Wer 219 XXIV. Von der Ewigkeit. Werden wir im himmel sein! Denn die freuden sind unzählig, Die dann ewig uns erfreun. Keine sorgen, keine zähren Werden den genuß dort stören. Gott! zu welcher seligkeit Führst du uns durch diese zeit! 5. Da wird deiner finder menge Ein herz, eine seele sein; Liebe, dank und lobgesänge Dir, Gott, ihrem vater, weihn; Dir und dem, der selbst sein leben Willig für uns hingegeben, Mit ihm, unserm treusten freund, Sind wir ewig dann vereint. 2. Hier zwar ist, was du den frommen Dort für glück 6. O wer sollte sich nicht bereitet hast, Noch in keines sehnen Aufgelöst und da zu herz gekommen, Kein ver- sein, Wo nach ausgeweinstand hats noch gefaßt. Nach ten thränen Engelfreuden der erde kurzen leiden. War- uns erfreun. Kämpfer traten dort der ew'gen freuden gen siegespalmen, Dulder Mehr, als je ihr herz be- singen freudenpfalmen. Auf gehrt, Aller, die dich treu die angst folgt heitre ruh, verehrt. Gott, wie hoch beseligst du! 7. Was ist unser loos auf erden, Ob's auch noch so köstlich sei? Ganz ist's niemals von beschwerden, Ganz von kummer niemals frei. Bittre thränen weint oft heute, Wer noch gestern hoch sich freute. Dort, wo uns kein wechsel beugt, Sinkt die wonne nie, sie steigt. 8. Auf! bestimmt zu ſolchem glücke, Sei, o feele, hocherfreut! Täglich richte deine blicke Auf des himmels herrlichkeit. Streb' auch du mit allen frommen, Strebe dorthin einst zu kommen! Trachte, weil du hier noch 3. Neue wunder deiner güte Stellen ihrem blick sich dar. Mit erstaunendem gemüthe Nehmen sie stets heller wahr: Deine huld sei überschwenglich, Groß das heil und unvergänglich, Das dein rath dort jedem giebt, Der hier redlich dich geliebt. 4. Dann wirst du dich unsern seelen Offenbaren, wie du bist. Keine wonne wird uns fehlen, Da, wo alles wonne ist. Zu so hohen seligkeiten Wird uns da der mittler leiten, Die er, als er für uns starb, Uns in müh und pein erwarb. 220 Erste Abtheilung. noch bist, Nur nach dem, Jene frenden In den chören was droben iſt! Aller himmelsbürger stören. 3. Entflohn ist nun der erde leid, Geendigt aller kampf und streit, Errungen ist die krone! Und mein erbarmer, Jesus Christ, Der auch für mich gestorben ist, Rust mich zu seinem throne. Werd ich Tank ihm weihen, In der reihen Der getreuen Und gerechten mich erfreuen. 4. Wie oft sehnt sich mein Ewig volles herz Hienieden, unter harm und schmerz, Nach Die nach bewährter prü- jenem wonneleben! Ach! daß funsgszeit Auch mich einst wird umgeben; Wenn mun aus seines grabes nacht Mein längst verwester leib. erwacht, Um ewig froh zu leben! Dann wird Mein hirt, Nach dem leide, Große freude Mir dort geben; Welch ein wonnevolles leben! 9. Ohne heiligung wird keiner, Herr, in deinen himmel gehn. Mache drum mein herz stets reiner, Daß auch ich dich möge sehn! Hilf du selber meiner seele, Daß sie nicht den weg verfehle, Der mich sicher dahin bringt, Wo man ewig's lob dir fingt! Mel. Wie schön leucht' uns 2c. 270. Wie groß ist jene herrlichkeit, 2. Hier, wo so manche thräne fließt, Und sich so manches herz ergießt In seufzern und in klagen, Ach! hier ist jammer, angst und noth, Schmerz, kummer, ungenach und tod, Und tau send, tausend plagen; Jenseit Der zeit Wird kein leiden DHE ich in der gnadenzeit Stets reifte für die seligkeit, Die du mir, Gott, willst geben! Laß mich Eifrig Streben, leiden, Alles meiden, Was mich scheiden Würde von des himmels frenden! 5. Dann fren ich mich ,. wann er erscheint, Mein unaussprechlich großer freund, Der retter seiner brüder. Er kommt, wie mir sein wort verspricht, Als weltenrichter zum gericht, Und als belohner wieder. Und ich Schwing mich Zu dem sohne Auf dem throne, Und zum lohne Wird mir die errung'ne krone. T Zweite Zweite Abtheilung. Lieder über christliche Sittenlehre. 221 I. Von der Buße und Bekehrung. Mel. Jesu, der du meine seele 2c. dienst ergeben, Aller fünde 271. Ach, wann werd' widerstehn, Standhaft deine ich von der sün- wege gehn. de, Gott, mein vater, völlig frei, Daß ich ganz sie überwinde, Ganz dir wohlgefällig sei? Noch nicht, ich gesteh's mit thränen, Kann ich mich von ihr entwöhnen: Ach! zu oft noch regt sie sich Und versucht zum bösen mich. 2. In der andacht selgen stunden, Wo mein geist die wahrheit hört, Hab ich oft das glück empfunden, Das die frömmigkeit gewährt. Habe nichts so sehr hienieden Mir gewünscht, als innern frieden, Als ein herz dir ganz geweiht, Als der tugend seligkeit. 3. Voll von heiligen entschlüssen Schwur ich dann, dir treu zu sein, Und mit wachsamem gewissen Meiner unschuld mich zu freun; Willig wollt' ich da mein leben, Dir, mein Gott, zum 4. Aber ach! zu schnell empöret Sich der leidenschaften macht; Die verdunkelt, schwächt und störet, Was ich sonst so gut bedacht. Plötzliche versuchungszeiten, Beispiel, reiz der eitelkeiten, Deren schwarm mich stets umringt; Das ist's, was zum fall mich bringt. 5. O ich armer, dem zur trene, Feste seelenstärke fehlt, Den so oft aufricht'ge reue, Und so oft doch fruchtlos quält! Ach, wer wird mich ganz vom bösen, Von der sünde ganz erlösen! Ich elender! wer befreit Ganz mich von der sündlichkeit? 6. Du verzeihst, Gott, die gebrechen Meiner fündigen natur. Nicht die schwachheit wirst du rächen; Bösen vorsatz strafst du nur. Hätt ich nicht den trost, ich würde Unter 222 Erste Abtheilung. Unter meiner fehler bürde deinem angesichte! Gieb deiGanz erliegen, und mich dein, Höchstes gut, nie können freun. nen geist, daß er mich unterrichte! Gieb ihn, daß er auf deiner wahrheit wege Mich leiten möge. 7. Stellet mir denn hier auferden Lebenslang die fünde nach; Kann ich nicht vollkommen werden, Bin und bleib ich oft zu schwach: O so segne mein bestreben, So gerecht ich kann, zu leben; Daß ich von der heuchelei Und von bosheit ferne sei. 8. Wenn ich wanke, laß michs merken, Laß mich streben, fest zu stehn; Eile, mich, dein kind, zu stärken; Lehre selbst mich sichrer gehn; Warne mich, sei mein begleiter; Täglich führe, Gott, mich weiter, Bis ich in der ewigkeit Dringe zur vollkommenheit. Mel. Herzliebster Jesu, was 2c. 272. Allein vor dir, mein Gott, hab ich gesündigt; O laß die gnade, die dein wort verkündigt, Wenn sünden uns von ganzem herzen reuen, Auch mich erfreuen. 2. Schaff in mir höchster, eine reine seele, Ein nenes herz, das deine' wege wähle. Befördere und stärke mein bestreben, Nur dir zu leben. 3. Verwirf mich nicht von 4. Erquicke mich in meiner seele leiden Mit deiner hülfe; gieb den geist der freuden, Damit er, weil ich keine kraft besitze, Mich unterſtütze. 5. Mit neuer treue will ich dich verehren; Ich will die sünder deine wege lehren; Mein beispiel soll sie reizen, deinen willen Gern zu erfüllen. 6. O höre, Gott, erbarmend auf mein flehen! Wie solltest du ein reuend herz verschmähen? Ein herz, daß dich im glauben sucht, und faffet, Die fünde hasset. 7. Ein reuvoll herz, erbarmer, willst du haben; Ein solches herz willst du mit troste laben. Du willst die ſeelen, die nach gnade schmachten, Gott, nicht verachten. Eigene Melodie. 273. Allein zu dir, Herr Jesu Christ, Steht mein vertraun auf erden. Ich weiß, daß du mein tröster bist; Kein trost kann sonst mir werden. Es ist kein retter außer dir, Kein 223 I. Von der Buße und Bekehrung. Kein mensch, kein engel, Mel. Herzliebster Jesu, was zc. welcher mir Aus meinen nö- 274 Aus einem tief vor dir gebeugthen helfen kann. Dich ruf ich an; Du bist's, der helfen will und kann. tem herzen Ruf ich zu dir in meinen sündenschmerzen. O mache mich, Gott, meines kummers ledig Und sei mir gnädig! 2. Zwar meine schnld ist übergroß; Doch reut sie mich von herzen. Erbarme dich und sprich mich los Durch deines to des schmerzen. Nimmst du dich meiner hülfreich an, Wer ist, der mich verdammen kann? Dann werd ich los der fünden last, Mein glaube faßt, Herr, was du mir versprochen hast. 3. Dein guter geist ernenre mich, zu deines namens preise, Daß jederzeit mein glaube sich, Durch wahre lieb erweise. Sei mir in meiner prüfungszeit Ein helfer voll barmherzigkeit; Und naht die letzte stunde sich, So stärke mich Mit trost, daß ich soll schauen dich. 2. Beschämt erkenn' und fühl ich meine sünden. Laß, vater, mich erbarmung vor dir finden. Willst du auf schuld und übertretung sehen, Wer wird bestehen? 3. Bei dir allein, Herr, steht es, zu vergeben. Du schenkst uns gerne wahres glück und leben; Muß uns nicht diese große liebe lehren, Dich treu zu ehren? 4. Verzeihe mir, Herr, alle meine fehle; Dein harret, vater, meine müde seele; Laß trost und ruh, um des versöhners willen, Mein herz erfüllen. 4. Preis sei Gott auf der himmel thron, Dem vater aller güte! Preis dir, o Jesu, Gottes fohn! Dein guter geist behüte Und führ' uns auf der rechten bahn Des wahren glaubens himmelan: So preisen wir dich hocherfreut Hier in der zeit, Und Mel. Herr, ich habe mißgeh. sc. mehr noch in der ewigkeit. 275. Herr, an dir hab ich Tein 5. Sa hoffe mur, mein herz, auf Gottes gnade! Viel größer ist sie, als dein seelenschade: Und endlich wird sie dich von allem bösen Herrlich erlösen! Zweite Abtheilug. 224 Dein gerechter urtheils spruch, Allerheiligster, verfündigt Jedem übelthäter fluch. Und was kann vor deinem schrecken, Richter aller welt, mich decken? 2. Kann ich deinem arm entfliehen? Du bist allenthalben nah. Flöh' ich, dir mich zu entziehen, Himmelan, so bist du da; Stürzt ich in die tiefe nieder, Deine rechte faßt mich wieder. 3. Herr, ich flich in deine dir ist keine bah. Dein erbarmen hat kein 276. Hön höchstes gut, ruh. err Jesu Christ, du ende; Wer ist. gnädiger, als du? Du bist Gott, und kannst vergeben; Ach vergieb, und laß mich leben. Du zuflucht der erlösten! Ich komme mit gebeugtem muth Zu dir, mich dein zu trösten; 4. Groß sind meine sün- Durch dich zum vater mich denschulden, Ihre last ist mir zu nahn, Von ihm vergezu schwer, Ja, wenn länger, bung zu empfahn Und kraft mich zu dulden, Deine lang- zum neuen leben. muth müde wär, Müßt ich, würdest du nur winken, In des todes nacht versinken. 2. Wie drückt mich meiner sünden last! Nimm sie von meinem herzen, Der du auch mich versöhnest hast Amt kreuz mit todesschmerzen; Daß nicht mein herz vor angst und weh Bei der empfindung ganz vergeh, Wie sehr ich mich verschuldet. 5. Mich für straflos zu erklären, Reichet nicht bedaurung zu, Und zerflößß mein herz in zähren, Fänd ich darum doch nicht ruh. Können eines sünders thränen, Dich, o heiligster, versöhnen? 6. Herr, mein heiland, deinerbarmen, Dein für mich vergoßnes blut, Und dein tod erlöst mich armen, Heilet mich und giebt mir muth; Dein verdiest ist's, was mich decket, Wenn mich dein gerichtstag schrecket. 7. Rette mich von meinen sünden, Schaff' ein reines herz in mir, Laß bei dir mich ruhe finden, Zieh mich immer mehr zu dir. Dankbar will ich mich bestreben, Mein erlöser, dir zu leben. Eigene Melodie. 3. Denn, denke ich mit ernst zurück An mein geführtes leben, An das durch 225 I. Von der Buße und Bekehrung. durch sünd' verscherzte glück, auf ebner bahn, Daß, dir Was kann da trost mir geben? Doch find ich ihn bei dir allein Und brauche nicht trostlos zu sein, Weil ich dein wort nun habe. gehorsam, ich fortan Nur dir zu ehren lebe! 4. Dies ewig theure wort verspricht Ja allen gnad und leben, Die sich von neuem ihrer pflicht Und ihrem Gott ergeben, Und nun, vom sünden joch befreit, Mit ganzer herzenswilligkeit Treu deine wege wandeln. Mel. Freu dich sehr, o meine 2c. 5. Du rufft ja sündern an die güte, felbſten zu: 3hr reuerfill 277. Höchster, dent ten alle, Kommt her zu mir! ich schaff' euch ruh Und richt' euch auf vom falle; Mein joch ist sanft, leicht meine last, Nehmt willig sie auf euch, und faßt Die hoffnung, ruh zu finden. 6. Drum komm ich, Herr, auf dein gebot, Erfüllt mit haß der fünden, Und hoff' in meiner Seelennoth, Bei dir auch trost zu finden; Erbarme dich doch über mich! Bergieb mir, was ich wider dich Von jugend auf begangen! 8. Stärk' mich mit deinem freudengeist, In meinen letzten stunden; Wann sich mein geist der erd' entreißt, Gieb trost aus deinen wunden. Und nimm mich so, wann dirs gefällt, Im wahren glauben aus der welt Zu deinen auserwählten. 7.O schenke mir die selig keit, Mein herz vor dir zu stillen, Getrosten muth, entschloffenheit, zu thun nach deinem willen. O leite mich Die du mir bisher erzeigt O so wird mein ganz gemüthe Tief zur wehmuth hingebeugt. Dich hab' ich gering geschätzt, Dein ges bot hintan gesetzt, Dich, der du mich so geliebet, Doch so oft und sehr betrübet. 2. Alle meine seelenträfte, Meine glieder sind ja dein, Und sie sollten zum geschäfte Deines dienstes fertig sein; Doch hab ich der eitelkeit Unbedachtſam sie geweiht; Ja, zum schnöden dienst der sünden Ließ ich mich oft willig finden. 3. Deine huld war jeden morgen Ueber mir, mein vater, neu. Von wie manP djent Zweite Abtheilung. 226 chen schweren sorgen Machtest du das Herz mir frei. Was mir nügte, gabst du mir; Aber ach! wie dankt' ich dir! Wie hab ich doch so vermessen Deines wohlthuns zweck vergessen. 4. Bei dem hellen licht der gnaden Sollt' ich ja die sünde fliehn Und von meiner nerseele Den entschluß, mich dir zu weihn. Gieb, daß mir's an kraft nie fehle, Folgsam deinem wort zu sein. Steh mir schwachen mächtig bei, Und mach mich auf immer tren; Dich zu lieben, dir zu leben, Sei mein herzliches bestreben. feel bemühu. Deine güte 278. Jer, ich fünschaden zu werden. Mel. Wer nur den lieben 2c. ch armer mensch, lockte mich Oft zur buße, aber ich Floh vor ihrem sanftem locken, Suchte selbst mich zu verstocken. der, Steh hier vor deinem angesicht. Erbarmer aller menschenkinder, Gott, geh' mit mir nicht in's gericht! Bin ich es gleich vor dir nicht werth, Daß mir noch gnade wiederfährt. 5. Ich erkenne meine sünden, Beuge mich, mein Gott, vor dir. Laß mich bei dir gnade finden, Neige, Herr, dein ohr zu mir; Ach vergieb, was ich gethan! Nimm mich aus erbarmen an! Führe mich von sündenpfade Auf den sel'gen weg der gnade! 2. Um trost ist meiner seele bange; Die last gehäuftermissethat Liegt schwer auf mir, die mich so lange Von dir, mein Gott, entfernet hat. Weß tröst' ich mich, ich schuldiger, Als deiner nur, barmherzigster? 6. Dir ergeb ich mich aufs neue. Gieb, daß mein gebeugter geist Deiner vaterhuld sich freue, Die dein tröstend wort verheißt! Was dein sohn auch mir erwarb, Als er für uns fünder starb, Ach, das laß auch mich genießen: Fried' und freude im gewissen. 3. Soll ich an deiner huld verzagen, Ich, dein geschöpf? das willst du nicht. Du, der du mich bis jetzt ertragen, Bleibst ewig meine zuversicht. Du, Gott, Durch den ich leb und bin, Giebst mich nicht den verderben hin. 7. Stärke selbst in mei4. I. Von der Buße und Bekehrung. 227 4. Du siehst die folgen suchtsvoll, mein Gott, zu meiner fünden; Und denk ich:. dir. Ich verehre deine gütwer vertilget die? So läsfest te; O wie theuer ist sie du mich ruhe finden Und mir! Gott der liebe und sprichst: ich, ich vertilge sie! des Lebens, Keiner harrt Du schenkest mir an Jesu auf dich vergebens; Nur heil, Zur stillung meiner verächter deiner huld Stürunruh, theil. zet ihre eig'ne schuld. 5. Auch mir hat er das glück erworben, Getrost zu dir empor zu sehn; Auch ich soll, da er ist gestorben, Durch ihn begnadigung erflehn, Bei dir, dem Gott, der gern vergiebt Und lie ber segnet, als betrübt. 6. Sprich dann zu mir: dir ist vergeben! Und stille des gewissens schmerz; Und will mein zaghaft herz noch beben, So sprich du kräftger als mein herz. Dein guadenwort macht alles gut Und schenket selbst zur beßrung muth. wegen Meinem großen zie2. Leite mich auf deinen le zu; Daß ich, unter deinem segen, Freudig deinen willen thu. Gott, du siehest mein vertrauen! Sicher kann ich auf dich bauen; wie du selber bist. Deine vatertreue ist Ewig, 3. Ach! denk' aller meiner fünden, Auch der jugendsünden, nicht! Laß vor dir mich gnade finden! Geh mit mir nicht in's gericht! Sünden willst du ja verzeihen, Wenn sie ernstlich uns gereuen. Vater, sieh denn auch auf mich Und verzeih' mir väterlich! 7. Ich zweifle nicht: ich bin erhöret; Mein glaube ſagt mir, daß ich's bin. Der trost, der sich im herzen meh- 4. Ja, du willst des sünret, Der neue dir geweihte ders leben! Dir ist seine finn, Mein kindliches ver- seele werth, Gnädig willst traun auf dich Bezeugen's: du begnadigst mich. du ihm vergeben, Wenn er sich zu dir bekehrt. MitMel. Jesu, meines lebens 2c. ten auf dem sündenwege ch erhebe mein Machst du sein gewissen regemüthe Sehn- ge. Kehrt er um zu sei279.3 2 ner Zweite Abtheilung. 228 ner pflicht, Wohl ihm! du verwirfst ihn nicht. 5. Du erquickest die elenden, Deren herz sich dir er giebt, Die sich flehend zu dir wenden, Ueber ihre schuld betrübt. Freude schenket deine güte Dem geängsteten gemüthe, Welchem du die sündenlast Liebreich abgenommen hast. 6. Und zu was für seligkeiten Willst du in die beßre welt Jeden treu hinüber leiten, Der nur dir auch treue hält! Gieb, Herr, daß auch meine seele Dich zu ihrem führer wähle, Deinem himmel führest du, Die in Christo dein sind, zu. 3. Oft versäumt ich meine pflicht; Oft fing ich sie an zu lieben, Und ermannte mich doch nicht, Sie mit eifer auszuüben; War verdrossen, schwach und träge, Und ging dann verkehrte wege. 4. Oft der leidenschaften 7. Dir will ich mich dann spiel, That ich das, was ergeben. Gott, mein Gott, ich nicht wollte, Wankte verlaß mich nicht! Laß mich strauchelte und fiel, Liebte, heilig vor dir leben, Treu was ich hassen sollte, Und sein meiner ganzen pflicht; befleckte mein gewissen, Von Keine schnöde lust der sün- verblendung hingerissen. den Soll mich fernèr überwinden! Denn du nimmst dich meiner an, Daß ich standhaft bleiben kann. de reut, Mit erbarmen an uns denket: Laß auch mich im schmerz der sünden Bei dir trost und gnade finden. 2. Tief gebeugt und voller schaam, Beim bewußtsein meiner blöße, Fühl ich wehmuth, angst angst und gram Fühl' ich meiner sünden größe; Seh' im schrecklichsten gedränge Ihre ungezählte menge. 5. Allzu oft nur ward mein herz Der verführung sichre beute; Fühlte zwar der nach reu schmerz, Doch, nach schwachem gegenstreite, Ließ es sich zu neuen sünden, Gar Mel. Herr, wie lange willst du 2c. oder: Liebster Jesu, wir sind 22. 280. Vater, der so zu leicht nur überwinden. gern verzeiht, Gern uns seine liebe schenket, Und, wenn uns die sün6. So, fo fiel ich immer mehr, Ging einher verkehrte pfade, Liebte eitle Lust zu sehr, 229 I. Von der Buße und Bekehrung. sehr, Suchte, Gott, nicht 2. Wahr ist es, es ist deine guade; Scheute jeg-. schwer, Sein eigen herz beliches bemühen, Mich der kämpfen, Der sünde widersünde zu entziehen. stehn Und böse lüste dämpfen; Doch es bleibt meine pflicht, Und jede schwierigkeit, Die heute mich erschreckt, erlöser, mich, Mich den Wird größer durch die zeit. tiefgebeugten fünder! Daß mein herz bei meiner rene Sich der gnade Gottes freue. 8. Du, du siehst mich den entschluß Einer wahren beßrung fassen; Ja ich will nun, wie ich muß, Jede sünde fliehn und hassen, Will mein ganzes herz dir geben, Und nach deiner vorschrift leben. 3. Je öfter ich das thu', Was sinnlichkeit befohlen, Je stärker wird mein hang, Die that zu wiederholen. Schen ich mich heute nicht, Der lüste knecht zu sein, So werd ich morgen schon Das böse minder scheun. 7. O erbarme, vater, dich! Ich bin auch eins deiner kinder. Tröste, mein 9. Gieb mir weisheit, gieb mir fraft, Meinen vorsatz, auszuführen; Laß im kampf der leidenschaft Mich doch nicht den sieg verlieren; Laß mich nur das gute lieben; Stärke mich, es auszuüben. Mel. Was frag ich nach der zc. agt ich es län ger noch Die beßrung aufzuschieben, Zu der mein Gott mich ruft, So würd ich mich nicht lieben. Ist wahre besserung Nicht meiner seele glück? Warum verlier ich denn Noch einen augenblick? 281. Wa 4. Wie schnell kann nicht der tod Mich dieser welt entrücken? Und beßrung ist kein werk Von wenig angenblicken; Ein seufzer hin zu Gott, Ein wunsch nach besserung Und angst vor strafen reicht Nicht hin zur heiligung. 5. Mein Gott gewinnet nichts, Wenn ich ihn kindlich liebe, Und seiner werth zu sein, Mich in der tugend übe. Wenn ich das gute thu, Das mir sein wort gebeut, So bringt es mir allein Ruh und zufriedenheit. 6. So süß ein laster ist, Gewährt's doch keinen frieden; Der tugend nur allein Hat 230 Zweite Abtheilung. Hat Gott dies glück be- ungesäumt Bon allen böschieden; Nur der, der ihr sen kehre; So darf ich nicht gehorcht, Erwählt das be- zu spät, Zu meiner größste theil: Wer von der tu ten pein, Mein hier vergend weicht, Verläßt sein säumtes glück Als meine eigen heil. schuld bereu'n. 7. Was hält mich denn zurück, Das laster zu verlassen? Weil es mein unglück ist, Befiehlt es Gott zu hassen. Was hält mich denn zurück Der tugend freund zu sein? Weil sie mich selig macht, Befiehlt fie Gott allein. Mel. Schwing' dich auf zu deinem zc. oder: Christus, der uns selig zc. 282. Gott, mein vater, ich dein kind, Falle vor dir nieder, Du weißt, was wir menschen sind, Und erbarmst dich wieder. Groß ist meine sündenschuld, Die mich innig reuet, Größer deine vaterhuld, Die mich noch erfreuet. 8. Die beßrung führt mich nicht zu lauter angst und leiden, Sie führet mich vielmehr zu Gott, zu wahren freuden, Macht meine seele rein, Stärkt mich mit zuversicht, Giebt weisheit und verstand Und muth zu je der pflicht. 2. Zwar ich bin's nicht werth, zu dir Kindlich aufzusehen; Doch du bleibst ein vater mir, Du vernimmst mein flehen, Kennst mein inn'res, siehest mich, Weun ich vor dir weine; Und vergiebst mir väterlich, Wenn ich's redlich meine. 9. Herr, du verleihst uns selbst Die kraft, uns zu besiegen. Der sieg, so schwer 3. Dies, dies soll in je er ist, Schafft göttliches ver- dem schmerz Mein vertraun gnügen. Was zag' ich? erwecken. Vor der fünde geht er gleich I'm anfang soll mein herz, Nicht vor langsam fort! Du, Gott, dir, erschrecken. Trauen will bist mir ja nah Und stärkst ich vater, dir, Stets die mich durch dein wort. sünde hassen, Nie vergessen, daß du mir So viel schuld erlassen. 10. O gieb denn, weil ich jetzt, Herr, deinen ruf noch höre, Daß ich mich 4. Preis sei dem allgütigen 231 I. Von der Buße und Bekehrung. tigen, Der mein seufzen ken- wie ist mir bange um trost net! Der dem gnadesuchen den Freien zutritt gönnet. Sing' es, seele, vor dem Herrn, Fließ vor freuden über! Gott, dein Gott, verstößt nicht gern, Er begnadigt lieber. in dieser meiner noth! Wer rettet mich vom untergange, Den dein gesetz den fündern droht? Mein ganz vertraun setz ich auf dich, Du freund des Lebens, rette mich! 5. Ewig bist du so gefinnt, Schöpfer meiner seele! Auch wenn ich, dein strauchelnd kind, Noch aus schwachheit fehle, So gedenkst du, der du weißt, Daß mein herz dich ehret, Meiner schwachheit, und verzeihst Dem, der wieder kehret. 4. Es floß ja auch für meine fünden Des welterlösers theures blut; O laß mich durch ihn gnade finden, Und mache mich gerecht und gut! Sprich, mein erbarmer! sprich zu mir: Die ganze schuld erlaß ich dir. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 283. Erbarmer deiner menschenkinder, Du, der allein begnad'gen 5. Ich schwör' es dir, mein Gott, aufs neue: Mein herz soll dir gewidmet sein; Dir will ich nun mit ernst und treue Hinfort mein ganzes leben weihn! Der sünde will ich widerstehn Und kann, O sich auch mich ge- standhaft deine wege gehn. beugten fünder Mit schonung und erbarmen an, Ich fühle reuend meine schuld, Den mißbrauch deiner vaterhuld. 6. Doch ich bin schwach; wer wird mich stärken? Wer helfer in versuchung sein? Wer mir zum fleiß in guten werken Kraft und beständigkeit verleihn? Du kannſt es, meine zuversicht! O stärke mich, so want' ich nicht. 2. Wie oft hab' ich dir nicht versprochen, zu fliehn der übertretung schmach! Und doch hab ich so oft gebrochen, Was ich dir feierlich verſprach. Unstatt der 284. 3 großem zwe Mel. Ich armer, ach ich zc. u hast du reiz zu doch in ihr netz Ließ ich mich ziehn. mich Bestimmt, du Gott 3. Wie beugt mich dies! der liebe! Drum gabst du mir 232 Zweite Abtheilung. mir so väterlich Der seele mung, gnade finden! Zu dir kraft und triebe, Unsterb- flieh ich; Ich bitte dich, Verlichkeit, Um nach der zeit, gieb, vergieb mir armen Voll Mir noch in jenem leben göttlichem erbarmen! Ein höhres glück zu geben. 2. Drum fordert's mun auch mein beruf, Dem zweck gemäß zu handeln, Wozu mich deine güte schuf, Und stets vor dir zu wandeln, Nach meiner pflicht, Damit mir nicht, Durch sünden dieser erde Mein ziel verrücktet werde. 6. Erlaß durch Christum meine schuld Und tröste mein gewissen! Laß wieder deine vaterhuld In zukunft mich genießen! Ich will fortihn Die fünde fliehn, Und ernstlich mich bestreben, Recht tugendhaft zu leben. Mel. Werde munter mein 2c. 3. Doch werf ich forschend 285. Schafft einen blick, Um ernstlich mich zu prüfen, Auf meinen lebenslauf zurück; Ach, Gott, in welche tiefen Versinkt mein herz, Beschämt, voll schmerz, Bei des gewissens klagen, Die an der seele nagen! 4. Ich fühl es ganz, wie sträflich ich Durch mein vergehn gehandelt, Da ich den weg, vor dem du mich So treu gewarnt, gewandelt; Voll eitlem wahn, Oft das gethan, Was du mit ernst verbotest, Und scharfe strafe drohtest. mit ernst, ihr menschenkinder, Schaffet eure seligkeit. Bauet nicht, wie sichre fünder, Auf die ungewisse zeit. Unverweilt bekehret euch; Ringet nach dem himmelreich; Strebet, heilig hier auf erden Und so selig dort zu werden, 2. Selig, wer im glauben kämpfet; Selig, wer im kampf besteht; Wer des fleisches Lüste dämpfet Und den reiz der welt verschmäht! Ohne tapfern streit und krieg Folget nicht triumph und sieg. Nur den sieger schmückt zum lohne Unverwelkt die himmelskrone. 5. Barmherzigster, wo soll ich jetzt, Bei diesen meinen sünden, Die mein gewissen so verletzt, ErbarErbar 3. Brünstig beten, allzeit wachen; wachen; Die versuchung weiß 233 I. Von der Buße und Bekehrung. weißlich fliehn; Sich die Mel Straf mich nicht zc. pflicht zur freude machen Und. 286. Sichrer menſch, sich niemals ihr entziehn; noch ist es Selbst beim spott und hohn zeit, Aufzustehn vom schlader welt Das zu thun, was Gott gefällt: Dieses wollen nnd vollbringen, Das heißt nach dem himmel ringen. fe. Nah' ist dir die ewigkeit, Nahe lohn und strafe. Hör': Gott spricht! Säume nicht, Seinen ruf zu hören Und dich zu bekehren. 4. Drum entreißet euch den lüsten, Die ihr noch gefesselt feid, Und beweiset euch als christen, Muthig und getroft im streit. Schont der liebsten neigung nicht, Wär es auch die schwerste pflicht; Und denkt oft an Christi worte: Dringet durch die enge pforte! 2. Noch tönt nicht zum weltgericht Der posaune stimme; Noch sinkt dieser erdball nicht Vor des richters stimme. Aber bald, Bald erschallt Gottes ruf: zur erden Sollst du wieder werden. 3. Kommt nun, ehe du's gedacht, In der fünde freu5. Zittern will ich vor den, Deines lebens letzte der fünde Und dabei auf nacht: Was wirst du dann Jesum sehn, Daß ich sei- leiden, Wenn dein herz, nen beistand finde, In der Von dem schmerz Deiner gnade zu bestehn. Ach, mein schuld zerrissen, Wird verheiland, steh mir bei, Daß zagen müssen? ich wohl gerüstet fei! Gieb mir deines geistes waffen, Meine seligkeit zu schaffen. 4. Wenn vor deinem antlitz sich Jede sünd enthüllet; Wenn dann jede, jede dich Ganz mit graun erfüllet; Dich nichts dann Stärken kann, Keine deiner freuden: Was wirst du dann leiden? 6. Gieb zum wollen das vollbringen, Muth und kräfte zu dem streit! Lehre mich, mich selbst bezwingen, Und verleih' beständigkeit; Zeige 5. Nah dem untergang mir von deinem thron Den wirst du Andes grabes stuverheißnen gnadenlohn, Daß fen Bang um trost und seeich wache, bete, ringe, Und lenruh, Dann vergebens rualso zum himmel dringe. fen: Rette, Gott, Mich vom tod! Zweite Abtheilung. 234 tod! Rette noch im sterben Mich von dem verderben! 6. Noch, noch wandelst du, o christ, Auf des lebens pfade! Nahe zur errettung ist Dir noch Jesu guade. Eil' ihr zu: Du wirst ruh Für dein Herz empfinden, Und vergebung finden. Mel. Vater unser im himmelr. sc. 287. So wahr ich lebe, spricht dein Gott, Mir ist nicht lieb des sünders tod; Mein wunsch und wille ist vielmehr, Daß er von sünden sich bekehr', Sich beß're in der gnadenzeit Und selig werd' in ewigkeit! 2. Erwäge, sünder, was Gott spricht; Sei reuvoll, doch verzage nicht; Hier findet deine seele ruh: Gott selbst sagt dir vergebung zu, Und zwar durch einen theuren eid. Wohl dem, den seine fünde rent! 4. Wahr ist es: aus barmherzigkeit Ist er ein Gott, der gern verzeiht; Doch sündigst du auf gnade hin, Beharrst in deinem bösen sinn, Und sorgft nicht für dein ewig's heil: So ist, was du verdienst, dein theil. 5. Vergebung hat dir zwar dein Gott Verheißen durch des sohnes tod; Das aber sagt er nicht dabei, Ob dieser tag dein lezzter ſei. Daß du mußt sterben, ist dir kund, Verborgen ist des todes stund'. 6. Heut' lebst du, heut' bekehre dich: Eh' morgen kommt, kann's ändern sich; Wer heut ist. stark, gesund und roth, 3st morgen krant, vielleicht gar todt. Stirbst du nun öohne buße hin, Wie willst du dem gericht entfliehn? 7. Hilf, o Herr Jesu! hilf du mir, Daß ich mich wende bald zu dir, Und mich bekehre unverweilt, Eh' mich mein ende übereilt, Damit ich heut' und jeder zeit Zu meinem hingang sei bereit. 3. Doch hüte dich vor sicherheit! Denk nicht: zur buß' ist's immer zeit; Ich will mich meines Lebens freun! Und werd ich dessen müde sein, Alsdann will ich be- Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. kehren mich, Gott wird 288. Wie theuer, wohl mein erbarmen sich. deine TERATA 235 I. Von der Buße und Bekehoung. deine güte, Die alle misse- wund't gewissen Mit troft that vergiebt, So bald ein aus deiner vaterhuld. Ich reuendes gemüthe Die sün- will mit ernst die fünden den, die es sonst geliebt, scheun, Und willig dir ge= Erkennt, horsam sein. verdammt 6. Daß mit gerechtigkeit auch stärke Durch Chriſtum mir geschenket sei, Will ich durch übung guter werke Beweisen, mache selbst mich treu, Herr, in der liebe gegen dich! Sie dringe stets und leite mich. und ernstlich haßt Und zuversicht zum mittler faßt. 2. Doch laß mich ja nicht sicher werden, Weil du so reich an gnade bist. Wie kurz ist meine zeit auf erden, Die mir zum heil gegegeben ist! Gieb, daß sie mir recht wichtig sei, Daß ich sie meiner beßrung weih. 3. Zwar deine gnade zu verdienen, Sind ren und beßrung viel zu klein: Doch darf sich auch kein mensch erfühnen, zu glauben, dir versöhnt zu sein, Wenn er noch liebt, was dir mißfällt, Und nicht dein wort von herzen hält. 4. Nie kannst du dem die schuld erlassen, Der wissentlich in sünden lebt, Der kann kein herz zu Jesu fassen, Der sein verdienst zwar hoch erhebt, Doch in der sünde noch beharrt, Dafür der Herr ein opfer ward. 5. Drum fall ich dir, mein Gott, zu füßen, Vergieb mir gnädig meine schuld, Und heile mein ver7. Laß mich zu deiner ehre leben, Der du die missethat vergiebst! Das hassen, was du mir vergeben, Das lieben, was du selber liebst. Laß, vater, mein gewissen rein, Und heilig meinen wandel sein. Mel. Wo soll ich fliehen hin 2c. 289. Wo flieh ich fünder Der ich geängstigt bin? Wo soll ich rettung finden? Mich drückt die last der fünden! Wer wird sich mein erbarmen? Wer schaffet trost mir armen? 2. Du, mein Herr Jesu, du Rufft auch mir gnädig zu; Mit hoffendem gemüthe Flieh ich zu deiner güte. Du hilfst beladnen seelen, Die dich zum helfer wählen. 3. Zweite Abtheilung. 236 3. Ich traue ganz auf dich; Dein blut floß auch für mich! O tilger meiner fünden! Laß mich den frieden finden, Den der hat, der dich liebet, Und den die welt nicht giebet. 4. Wie groß die fünde sei, Tu machst von ihr mich frei, Wenn ich dein wort recht fasse, Mich fest darauf verlasse. Du sprichst: dir ist vergeben! Und ich fühl neues leben. 5. Zwar viel noch mangelt mir; Doch, gütigster, von dir Kommt jede gute gabe, Die ich noch nöthig habe. Du wirst mich unter stützen, Und in versuchung schützen. 6. Wie unerschrocken ruht Das herz in deiner hut! Du hast ja selbst verheißen, Nichts soll mich dir entreißen, Dir, dem ich angehöre, Folg ich nur deiner lehre. 7. Der du mein herz gewannst, Gedanken lesen kannst, Vor dem ich dankbar weine, Du siehest, wie ichs meine, Du siehest mein bestreben, Dir würdiger zu leben. 8. Herr, des ich ewig bin, Gieb mir den festen sinn, Das alles stets zu meiden, Was mich von dir kann scheiden; So leb ich dir und erbe Den himmel, wann ich sterbe. An öffentlichen Bußtagen. Met. Herzlich lieb hab ich zc. erbarmer, sehn. Herr, un290.D u Gott, der fer Gott! Verbirg uns nicht unsre zuflucht dein angesicht, Uud geh mit ist, Gott, unser mittler, uns nicht ins gericht. Jesu Christ, Gott heil'ger geist der gnaden! Unendlicher! verwirf uns nicht; Wir kommen vor dein angesicht Mit missethat beladen. Nimm von uns unfre sündenschuld, Du Gott der langmuth und geduld! Und merk auf unser heißes 2. Wir haben unsern stand entweiht, Den stand der christen, unsern eid, Und deinen weg verlassen: Doch, sieh, wir kehren voller ren Zurück zu dir; o laß aufs neu Uns deine rechte fassen! Laß sie uns leiten auf dem pfad, Den dein befehl geflehn, Daß wir dein heil, heiligt hat; Daß irrthum und 237 I. Von der Buße und Bekehrung. und versuchung nie Uns auf nicht Im tod, im grab', im die bahn des lasters zieh. weltgericht! Herr, unser Gott! Vor ungeduld, vor aller schuld Behüt uns deine vaterhuld. 3. Dein antlitz leucht auf unser land; Ringsum bedeckt von deiner hand Laß es der ruh genießen! Wend ab von uns, mit deiner hut, Der flammen grimm, den zorn der fluth, Des krieges blutvergießen. Sei rettend mit uns, wenn die noth Des mangels und der senchen droht, Und schütz uns, nicht ihr raub zu sein; Laß ficherheit das land erfreun. Herr, unser Gott! Das land ist dein; o laß gedeihn Und sicherheit das land erfreun. 4. Sohn Gottes, der zur erde kam Und unsre schwachheit auf sich nahm, Um Gott uns zu versöhnen; Der durch den tod ins Leben drang, Sich dann zur rechten Gottes schwang, Wo ehr' und preis dich krönen, Vertritt, o mittler, uns bei Gott Durch deine leiden, deinen tod! Stärk uns in unsrer prüfung lauf, Und wenn wir straucheln, hilf uns auf! Herr, unser Gott! Dein trost, dein licht, verlaß uns 5. Schütz' uns vor irrthum und gefahr; Erhalte deiner frommen schaar Der eintracht glück und segen; Uns leite, Gott, dein guter geist, Und was dein wort verspricht und heißt, Sei licht auf unsern wegen! Laß' auch in lehr und wandel rein Die diener deines wortes sein, Und bringe zu der wahrheit glück, Zu dir, die irrenden zurück. Herr, unser Gott! Breit aus dein wort an jedem ort, Gieb geist und Fraft zu deinem wort! 6. Auch die regenten lenke du, Daß sie durch weißheit und durch ruh Der länder wohlstand heben; Dem fürsten, der uns schützt und liebt, Gieb, der in ihm so viel uns giebt, das beste, spätste leben! Nochlange sei sein vaterblick Uns, seinen findern, schutz und glück; O! schütt' auf ihn und auf sein haus und seine räthe segnung aus! Herr, unser Gott! In deiner hand ist unser land; Beglück es, segne jeden stand! 7. Vernimm der leidenden gebet; Wer in gefahr und 238 Zweite Abtheilung. bitten dich, verwirf uns nicht, Und geh nicht mit uns ins gericht! und noth dir fleht, Dem les unrecht wir begehn. Wir hilf aus seinen nöthen! Gieb franken linderung und ruh; Die sterbenden erlöse dn, Erhör ihr christlich beten! Sei aller unterdrückten heil, Der wittwen und der waisen theil; Vereitle der verfolger wir oft, als verirrte finrath, Und Lehre sie den der, Die wege des verder=" rechten pfad. Herr, unser bens gehn? Ach, vater, Gott! Durch alles leid der groß ist unsre schuld, Doch pilgerzeit Führ uns zu dei- größer deine guad und huld! ner herrlichkeit! 2. Du bist gerecht und wir sind fünder, Wie wollen wir vor dir bestehn, Da 3. Drum, vater, sich voll guad und treue Uns schonend mit erbarmen an; Da du, bei unverstellter reue, Uns die versicherung gethau, Du wollst den tod des fünders nicht. Ach geh nicht mit uns ins gericht! 8. Du thust weit mehr, als wir verstehn, Kannst mehr gewähren, als wir flehn: Laß uns erhörung finden! O, neig auf unser Herz dein ohr, Heb' unser flehn zu dir empor, Und mach' uns rein von sünden. Laß uns mun ganz dein eigen sein, Im leben und im tode dein; Wir sind durch Christi blut erlöst, O du, der fünder nicht verstößt, Herr, unser Gott! Erbarme dich! erbarme dich! Vergieb uns, leit' uns väterlich! Mel. Wer nur den lieben 2c.. 291. Grabner Gott! wir unterwinden Uns demuthsvoll, dich anzuflehn, Die wir beschämt mit reu empfinden, Wie vie 4. Ach laß die wohlverdiente strafe Nicht über unsre häupter gehn! Laß, großer hirte, deine schafe, Die irrten, nicht verloren gehn! Sprich uns von sünd' und strafen los, Und sammle uns in deinen schooß! 5. Erhöre gnädig muſer bitten, Schenk uns durch Christum deine huld, Der liebevoll für uns gelitten Zur tilgung unsrer fündenschuld, Und deine gnade uns erwarb, Da er für uns am kreuze starb. 6. I. Von der Buße und Bekehrung. 6. Hilf, daß wir uns mit ernst bemühen, An wahrer tugend reich zu sein, Dem fündendienst uns zu entziehen, Und unsrer pflicht uns ganz zu weihu. Führ' uns auf echter tugend bahn Zu unserm großen ziel hinan. 7. Gieb, daß, geführt 9. So nehmen wir mit von deinen händen, Stets dank und freuden Das glück unser thun im segen blüht! aus deiner vaterhand, Das Heil unserm fürsten und re- du uns gnädig wirst bereiten genten, Der sich um unser Für uns und unser vaterwohl bemüht! Schütz ihn land. Ja, Herr, wir sind mit weiser vaterhand Und dein eigenthum, Dank sei segne unser ganzes land! dir, ehre, preis und ruhm! 239 8. Erhalte uns bei ruh und Frieden, Gesundheit, wohlstand, gute zeit. Beglücke unser thun hienieden; Befördre die gerechtigkeit. Laß kirch' und schul' im segen blühn, Um himmelsbürger zu erzieh'n. Nach geschehener Bekehruug. Mel. O Gott du fremmer/ 2c. 3. Daß ich nun bin be292. Was kann ich kehrt, Verdank ich deiner doch für dank, Herr, dir dafür sagen, Daß du mich mit geduld So lange zeit getragen: Da ich in großer fünd' Und übertretung lag, Und dich, o heilger Gott, Erzürnte manchen tag. gnade; Du, du riefst mich zurück Von des verderbens pfade. Durch deine güt' und tren, Die an die wolken reicht, Hast du mein hartes Herz Gerühret und erweicht. 2. Sehr große lieb und huld Erwiesest du mir armen; Ich führ in bosheit fort, Du aber in erbarmen: Ich schob die buße auf und widerstrebte dir; Du schobst die strafe auf Und trugst geduld mit mir. 4. Selbst konnte ich dich wohl Beleidigen mit fünden; Doch konnt' ich ohne dich Den weg zum, heil nicht finden: Selbst fallen konnte ich, Und ins verderben gehn; Nur selbsten konnt' ich nicht Bon meinem fall aufstehn. 5. Du hast mich aufgericht't, Zweite Abtheilung. 240 richt't, Und mir den weg gewiesen, Den ich nun wandeln soll: Dafür sei, Herr, gepriesen! Sei hochgelobt, daß ich die alten fünden haß'! Und daß, was dir mißfällt Nun willig unterlaß'. 6. Damit ich aber nicht Aufs neue wieder falle: So gieb mir deinen geist, So lang ich hier noch walle, Der mich, den schwachen, stärk Und in mir mächtig sei, Auch mein gemüthe stets Zu deinem dienst erneu. mich, So lang' ich leb' auf erden: Laß mich nicht, ohne dich, Durch mich geführet werden. Führ ich mich ohne dich, so werd ich leicht verführt: Wenn du mich lei test ſelbst, Thu ich, was mir gebührt. 8. Gott, du großer Gott! O vater, hör mein flehen! Laß, Jesu, Gottes sohn, Mich deine wege gehen; Regier', o heil'ger geist, Mich durch dein wort allzeit, Daß ich dir diene hier Und 7.. Ach leit' und führe dort in ewigkeit. II. Vom Glauben und seinen nächsten Folgen. Mel. Was frag ich nach der zc. nung rauben. Wer macht allerhöch- das Als du, 293.HTter Gott! Bon o Herr, allein? Laß deine hülfe doch Von mir nicht ferne sein! 3. O reiche du mir selbst Aus gnaden deine hände! Hilf meiner schwachheit auf, Daß mich nichts von dir wende. Ist schon, dem senfkorn gleich, Mein glaube noch sehr klein, So kann er doch durch dich In stetem wachsthum ſein. dem wir gute gaben Auf ernstliches gebet Getrost zu hoffen haben; O sich erbarmend mich In meiner schwachheit an, Mich, der wie du's verdienst, Dir nicht vertrauen fann. 2. Ich glaube zwar an dich, Doch nur mit schwachem glauben; Oft will die zweifelsucht Mir alle hoff 4. II. Vom Glauben und seinen nächsten Folgen. 241 4. Gieb, daß die zuver- Mit demuthsvollem flehen: sicht In meinem geist sich zünde selbst in mir Den mehre, Daß du mein vater wahren glauben an, Weil seist ,, Und ich dir angehö- ich durch meine fraft Ihn mir re, Daß alle meine schuld nicht geben kann. Von dir vergeben sei; Damit mein herz sich dein, Als meines Gottes, freu'. 2. Dein dasein laß mich, Gott, Mit überzeugung glauben, Nichts müsse mir das wort Aus meinem herzen rauben: Daß du dem, der dich sucht, Stets ein vergelter seist, Und hier und ewig ihn mit deinem heil erfreuſt. 3. Wahrhaftig ist dein wort: Laß mich ihm völlig trauen. Nie wanket deine treu, Laß fest darauf mich bauen. Gieb, daß ich dir im glück Und unglück stets getreu, Und dem, was du gebeutst, Von herzen folgsam sei. 5. Mach' diese zuversicht In mir, o Gott, stets kräftig; So bleib' ich lebenslang In deinem dienst geschäftig. Durch sie, Herr, stärke mich, Und gieb zu jeder zeit Mir, wenn versuchung droht, Muth und beständigkeit. 6. Mein heiland, der du einst Für deine jünger batest, Und, wenn sie wanketen, Beim vater sie vertratest; Ach, unterstütz auch jetzt Mein sehnliches gebet Und schente glaubenskraft Dem, der um sie dich fleht. 7. In deiner mittlers hand Ist heil und aller segen. Herr, unterstütze mich Auf allen meinen wegen; So geh ich freudig fort In dieser pilgerzeit Zu meines glaubens ziel, Der seelen feligkeit. Mel. O Gott, du frommer 2c. 294. He err, ohne glauben kann Kein mensch vor dir bestehen, Drum wend' ich mich zu dir 4. Laß mich, mein Jesu, dich Im glauben recht erkennen, Tich meinen Herrn und Gott In geist und wahrheit nennen. Laß mich im glanben thun, Was mich dein wort gelehrt, Daß dich herz mund und that, Als meinen Heiland, ehrt. 5. Dein göttliches verdienst Sei, Herr, mir ewig theuer; Es fülle mich mit trost; Es mache mich stets freier Vom eitlen lasterdienst. Es stärke 242 Zweite Abtheilung. stärke mich mit kraft, zu brich dein, brod, Das volk deines namens ruhm, In meiner pilgrimschaft. 6. Wie selig leb ich dann Im glauben schon auf erden! Wie herrlich wird mein theil Dereinst im himmel werden! Dann schau ich, was ich hier Geglaubt, in ew'ger ruh. Ostärk' im glauben mich, Gott meines heils, dazu! der armen zu verpflegen; Entreiß die wittwen ihrer noth, Und sei der waisen schutz und segen; Gieb alle deine habe hin: Noch haft du nichts vor Gott gegeben. Wenn lieb' und pflicht dich nicht beleben, So ist dir alles kein gewinn. 4. Thu' thaten, die der heldenmuth Noch jemals hat verrichten können; Vergieß fürs vaterland dein blut, Laß deinen leib sür audre brennen; Beseelet dich nicht lieb und pflicht; Bist du die absicht deiner thaten: So schütz' und rette ganze staaten, Gott achtet deiner' werke nicht. Eigene Melodie. 295.2 enn zur voll führung deiner pflicht Dich Gottes liebe nicht beseelet, So rühme dich der tugend nicht, Und wisse, daß dir alles fehlet. Wenn, vortheil, wollust, eigensinn Und stolz dir mur das gute rathen, So thue noch so gute thaten: Du hast vor Gott den lohn dahin. 2. Sei, durch die gaben der natur, Das wunder und das glück der erden; Beglückest du die menschen nur, Um vor der welt geehrt zu werden; Erfüllt die liebe nicht dein herz: So bist du bei den größten gaben, Bei dem verstand, den engel haben, Vor Gott doch nur ein tönend erz. 3. Bau hänser auf, und 5. Läg' ihm an unsern werken nur, So könnt' er uns, sie zu vollbringen, Sehr leicht durch fesseln der natur, Durch kräfte seiner allmacht, zwingen. Vor ihm, der alGilt les schafft und giebt, weisheit nichts, nichts macht und stärke; Er will die absicht deiner werke, Ein herz, das ihn verehrt und liebt. 6. Ein herz, von eigenliebe fern, Fern von des stol zes eitlem triebe, Geheiligt durch die furcht des Herrn, Erneut durch glauben zu der Liebe; II. Vom Glauben und seinen nächsten Folgen. 243 liebe; Dies ist's, was Gott füllen; Macht seinen finn von uns verlangt. Und wenn zu deinem willen, Und folgt wir nicht dies herz besitzen, dir in die ewigkeit. So wird ein leben uns nichts mützen, Das mit den größten thaten prangt. Mel. Ich dank' dir schon 2c. 296.h will mich meines glau7. Drum täusche dich nicht durch den schein, Nicht bens freun, Des glaubens durch der tugend bloßen na- der erlösten; Nur dieser men. Sieh' nicht auf deine kann mein Herz erfreun, werk' allein; Sich auf den Und mich im tode trösten. quell, aus dem sie kamen. 2. Mit namenloser feligPrüf dich vor Gottes ange- keit, Mit überwinderkrosicht, Ob seine liebe dich be- nen, Will Gott nach dieser feelet. Ein herz, dem nicht prüfungszeit Den glauben der glaube fehlet, Dem feh- einst belohnen. let auch die liebe nicht. 8. Wohnt liebe gegen Gott in dir, So wird sie dich zum guten stärken. Du wirst die gegenwart von ihr An liebe zu dem nächsten merken. Die liebe, die dich schmücken soll, Ist gütig, ohne list und tücke, Beneidet nicht des nächsten glücke; Sie bläht sich nicht, ist langmuthsvoll. 9. Sie deckt des nächsten fehler zu, Und freut sich niemals seines falles. Sie fuchet nicht blos ihre ruh; Sie hofft, und glaubt und duldet alles. Sie ist's, die dir den muth verleiht, Des höchsten wort gern zu er3. O welche wonne, welche ruh, Welch himmelvolles leben Wirst du, o menschenvater, du, Mir, deinem kinde, geben! 4. Mehr als die wärmste bitte fleht, Wirst du die sehnsucht stillen; Weit mehr als mein verstand versteht, Wirst du dein wort erfüllen. 5. O christenglaube, du allein Sollst meinen geist beleben, Mein kleinod hier auf erden sein, Und mich zu Gott erheben. 6. In allen kämpfen, die ich hier Noch durchzukämpfen habe, Sei du mein schild, sei stärkung mir, Und leite mich zum grabe! 2 7. 244 Zweite Abtheilung. 7. Durch dich ist's mir fern glänzt mir mein kleinod nicht fürchterlich, Nur über zu; Du schaffst mir nach gang ins leben, Wohin dem streite ruh Und reichst durch alle himmel sich Mein mir meine frone. geist einst wird erheben. 8. Wie groß ist meine seligkeit, Wie herrlich meine krone, Am ende meiner pilgerzeit, Vor Jesu Christi throne! Mel. Sei lob und ehr' dem 2c. 297. Ich weiß, an wen mein glaub' sich hält, Kein feind soll mir ihn rauben, Als bürger einer bessern welt, Leb' ich hier nur im glauben; Dort schau ich, was ich hier geglaubt; Wer ist, der mir mein erbtheil raubt? Es ruht in Jesu händen. 2. Mein leben ist ein kurzer streit, Und herrlich ist die krone. Das glück der ganzen ewigkeit Wird mir zum frohen lohne. Der du für mich den tod geschmeckt, Durch deinen schild werd' ich bedeckt; Was kann mir denn nun schaden? 4. Herr, lenke meines geistes blick Von diesem weltgetümmel Auf dich, auf meiner seele glück, Auf ewigkeit und himmel. Die welt mit ihrer herrlichkeit Vergeht und währt nur kurze zeit, Im himmel sei mein wandel. 3. Jesu, du bist mir allein Mein schutz und trost auf erden, und dort soll ich dir ähnlich sein; Was kann mir größres werden? Von 5. Jetzt, da mich dieser leib beschwert, Ist mir noch nicht erschienen, Was denen jene welt gewährt, Die hier Gott treulich dienen. Wenn mein erlösungstag erscheint, Und nun mein auge nicht mehr weint, Dann werd' ich's ganz empfinden. 6. 3m dunkeln seh' ich hier mein heil, Dort seh' ich's klar und heiter. Hier ist die schwachheit noch mein theil, Dort hebt mein geist sich weiter. Dort wird mein werth mir ganz enthüllt, Wenn ich, erwacht nach deinem bild, Dein antlitz ewig schaue. 7. Zu diesem glück bin ich erkauft, Herr, durch deine Leiden. Auf deinen tod, bin ich getauft, Wer will von dir mich scheiden? Nein 245 II. Vom Glauben und seinen nächsten Folgen. Nein! ich von dir als dein mein entschluß ist fest geerkannt, Gezeichnet, Herr, faßt, Ich will der sünd' in deine hand, Bin schon entsagen. Und kann ich's, in hoffnung selig. wenn ich nicht mit macht, So bald die böse lust erwacht, Ihr männlich widerstehe? s 8. Wie groß ist deine herrlichkeit! Frohlocke, meine seele! Vom tand der weltluft unentweiht, Sei Gottes ganz, o seele! Der weltlust glänzend nichts vergeht; Nur des gerechten glück besteht Durch alle ewigkeiten. Mel. Aus tiefer noth schrei zc. 298. Mer er sich des heilands rüh4. Ich will, im kampfe wider sie, Durch nachsicht nichts verschulden, Verwerfliche begierden nie In meiner seele dulden. Bei Jesu kreuz gelob' ich's an, Ich will, so viel ich immer kann, Sie kreuzigen und tödten. men will, Der muß auch ihm nur leben. Ihm wohl gefallen, sei mein ziel, Ihm folgen, mein bestreben. Rein ist er selbst: so muß auch rein, Wer ihm will angehören, sein, Und dienst der fünde fliehen. ser 2. Denn nicht vergoß der Herr sein blut, Der sünde reich zu schützen. Mir soll's, wie zum getrosten muth, Zur heiligung auch nützen. Am Freuz dein banges flaggeschrei, Versöhner, zeugt, wie schwer es sei, Der sünde schuld zu tilgen. 3. Wie darf nun, wer sich selbst nicht haßt, Ihr Mel. Alle menschen müssen zc. 299. Schweiget, ban= ge zweifel, schweiget! Mein erlöser ist getreu; Und sein geist in mir bezeuget, Daß ich Gott versöhnet sei. Mag auch selbst mein herz mich richten, Mich verdammen, mich vernichten, Gott ist größer als mein herz, Und giebt ruh' auf bangem schmerz. 2. Er, der das verborgne kennet, Kennt auch mich, und weiß allein, Wie mein herz vor eifer brennet, Ganz sich seinem dienst zu weihn; Schaut den kummer meiner seele, Der mich beugt, so oft noch zu dienen wagen? Nein, ich fehle; Und sieht nicht, was 246 Zweite Abtheilung. was ich gethan, Sondern mein Gott, wird mich bemehr den willen an. schirmen, Der für seine finder wacht. Wenn ich hier auch hülflos bliebe, Leitet mich doch seine liebe, Durch die leiden dieser zeit, Zur beglückten ewigkeit. isusun o Mel. O Gott, du frommer 2c. 3. Wer will ferner den verklagen, Welchen Gott zum kind erwählt? Wer darf zu verdammen wagen, Wen Gott selber losgezählt? Menschen freilich, selbst die engel, Sind vor ihm nicht ohne mängel; 300. Nie will ich vor der welt Doch das menschliche geschlecht Wird in seinem ſohn gerecht. 4. Mir ist auch sein sohn gegeben; Durch den glauben ist er mein. Ja, ich weiß, ich werde leben Und in ihm einst selig sein. Such ich nur den hang zu sünden Immer treu zu überwinden, Mich der tugend ganz zu weihn: So will Gott mir gnädig sein. 5. Theuer bin ich ihm erworben. Wohl mir! hier ist Jesus Christ, Er, der auch für mich gestorben, Auch für mich erstanden ist, Nun zur rechten Gottes fizet, Auf mich sieht, mich mächtig schützet, Mich vertritt, mich nie verstößt, Mich aus aller noth erlöst. 6. Nun so mag das un glück stürmen! Alles um mich her sei nacht! Gott, ihn verhieß. deines namens schämen; Ich freue Ich freue mich, dein heil, Herr Jesu, anzunehmen, Dein freuz ist thorheit nur Dem, der es nicht versteht, Und keiner spottet sein, Der Gottes wege geht. 2. Du kamst, des höchsten sohn, Im leben und im sterben Uns weisheit, kraft und trost Und gnade zu erwerben. Du Du wardst der welt ein licht; Und folg' ich seinem schein, Wie weise bin ich dann, Wie selig werd' ich sein! 3. Ich kann zwar freilich nicht Den rath des Herrn ergründen, Der seinen eignen sohn, Zur tilgung un srer sünden, In marter, schmach und tod Am kreuze kommen ließ, Und uns begnadigung Auch heil durch 4. II. Bom Glauben und seinen nächsten Folgen. 247 4. Doch kann mein herz weise mich, Den vater recht gar wohl Der wahrheit kraft erkennen, Gieb kraft, von empfinden, Die meinen geist herzen, Jesu, dich, Dich belebt, Mich reiniget von meinen Herrn zu nennen! sünden; Auch hab' ich, Herr, Gieb, daß ich, wenn mein durch dich Gerechtigkeit und lob dich preist, Mit dir auch heil, Und an der seligkeit deinen guten geist, Wie Der Gottversöhnten theil. deinen vater, ehre! 5. Dies müsse meine lust An dir, o Herr, erwecken. Zu schwach, den ganzen rath Der Gottheit zu entdecken, Nehm ich dein großes heil Mit dank und freuden an, Und folge dir getreu Auf ebner tugendbahn. 6. Herr, jene beßre welt Wird mir mehr licht gewähren, Und deine große lieb Im schauen mir erklären. Unendlich ist mein heil. O glaube, der erfreut! Gelobt sei Jesus Christ! Gelobt in ewigkeit! 3. Auch lehre mich, daß der nur heil In deinem tode finde, Nur der am himmel habe theil, Dem du vergiebst die sünde: Daß ich dich suche; denn du bist Der weg zu Gott; du, Jesu, bist Die wahrheit und das leben. 4. Ist meines glaubens eifer klein, Und schwach zu guten werken; So wolleft du ihm kraft verleihn Und seinen eifer stärken! Du wollest nicht ein glimmend licht Verlöschen lassen, wolleft nicht Ein schwaches rohr zerbrechen. Mel. Herr Jesu Christ, du 2c. 301.5 Gottes john, Herr Jesu Christ! Daß man an dich recht gläube, Der du das heil der fünder bist, Und glaubend treut dir bleibe, 5. Hilf, daß ich wach und eifrig sei, Den glauben zu bewahren! Ein gut gewissen gieb dabei Und hoffnung in gefahren; Mein leben sei nur dir geweiht, Das ist dein werk; drum Erfüllet mit gerechtigkeit hilf auch mir, Daß ich recht glaube, daß ich dir Auf ewig zugehöre. 2. Ja, lehr' und unter Und allen ihren früchten. 6. Ja, Jesu Christ, gieb du mir kraft, Dich ewig treu zu lieben, und eine gute 248 Zweite Abtheilung. te ritterschaft Bis in den hoffnung zu ihm hat, Der tod zu üben; O hilf auch in der letzten noth Mir siegen, und durch deinen tod Des glaubens ziel erlangen. flieht den pfad der fünder, Folgt Christi beispiel als ein christ, Und reinigt fich, wie er rein ist. 7. Du hast, o Jesu, selbst in mir Den glauben angezündet. Erhalt ihn! ich vertraue dir, Du hast mein heil gegründet. Hier lehr' und tröste mich dein wort, Und einst, mein heiland, folge dort Das schauen auf den glauben. 4. Alsdann bin ich Gott angenehm, Wenn ich gehorsam übe. Wer seinen willen thut, in dem Ist wahrlich Gottes liebe; Ein immer thätig's christenthum, Das ist des glaubens frucht, und ruhm. 5. Der bleibt in Gott, und Gott in ihm, Wer in Mel. Mir nach, spricht Christ zc. der liebe bleibet. Die lieb' ist's, die die seraphim Gott zu gehorchen treibet. Gott ist die lieb! an seinem heil Hat ohne liebe niemand theil. mel. Herr, mein licht, erleuchte zc. 302. Wer Gottes wort nicht hält, und spricht: Ich kenne Gott! der heuchelt. In dent ist Gottes liebe nicht, Wie sehr er sich auch ſchmei- 303. Wie viel troſt chelt. Wer aber sein work glaubt und hält, Der liebt ihn so, wie's ihm gefällt. 2. Der glaube, den sein wort erzeugt, Muß auch die lieb erzeugen. Je höher dein erkenntniß steigt, Jemehr wird diese steigen. Der glaub' erleuchtet nicht allein. Stärkt auch das herz und macht es rein. 3. Durch Jesum rein von missethat, Sind wir nun Gottes finder; Wer solche Hast du, gütigster, voll gnade, Mir durch deinen sohn bereit't, Der mich auf dem tugendpfade Durch den glauben zu dir leitet, Und zum himmel vorbereitet! 2. Hilf, daß ich nun jederzeit Ihn und seine weise lehre Auch mit treuer folg samkeit Gläubig, als ein christ, verehre; Daß sein zweck schon auf der erde, Auch an mir erreichet werde. 3. II. Bom Glauben und seinen nächsten Folgen. 249 3. Lehr mich, vater, im- mir gegeben: Daß ich weise merdar Vorsichtsvoll die sün. auf der erde, Und des himde meiden, In versuchung mels fähig werde. und gefahr Wachen, beten, kämpfen, streiten; Daß mich uie der reiz zur fünde In versuchung überwinde. 6. Gieb, daß, fern von heuchelei, Ich, voll warmer menschenliebe, Meinen nächsten gern erfreu, Nie mit vorsatz ihn betrübe; Um getreu in allen dingen Deinen willen zu vollbringen. 4. Stärke mich mit deiner kraft, Ueber alles dich zu lieben Und vor dir gewissenhaft In der tugend mich zu üben! Meiner pflicht gemäß zu leben, Sei mein tägliches bestreben! 7. Hilf, daß ich voll weisheit so, Wie mein' heiland, denk und handle Und in freud' und leiden froh Stets den pfad der tugend wandle, Bis ich einst an meinem ende Selig meinen lauf vol5. Jede kraft und fähigkeit, Meine zeit, mein ganzes leben, Bleibe stets dem zweck geweiht, Wozu du sie lende. III. Vom thätigen Chirstenthum überhaupt. Mel. Christ unser Herr zum 2c. ehren müssen, Die dir ge 304, Bewahr mich, fallen wollen. Herr, daß nie der wahn Mein schwaches herz bethöre, Als wär es schon genug gethan, Wenn dir nur äußre ehre Der mensch, dein unterthan, erweist. Erinnre mein gewissen, 2. Die kommen nicht in Jesu reich, Die ihren Herrn ihn heißen, Sich aber nicht mit ernst zugleich Der heiligung befleißen: Nur die, die deinen willen thun, Läßt du als deine kinder, Wie in der wahrheit Gott, in ew'gen frieden ruhn, Wenn heuchlerische sünund im geist Dich die ver Zweite Abtheilung. 250 sünder Von dir verstoßen werden. 3. Drum laß mich doch vom glauben nie Ein heil'ges leben trennen; Mich nicht für Jesu jünger hie Bloß äußerlich bekennen. Gieb, daß mein glaube thätig sei, Und tugendfrüchte bringe; Daß ich, vom sündendienste frei, Mit eiser darnach ringe, Im guten zuzunehmen. 4. Du kennst, o Gott, der menschen herz, Und liebst die redlich handeln; O laß, in frende wie im schmerz, Mich richtig vor dir wan deln. Dein wille sei mein augenmerk, Hilf selbst mir ihn vollbringen; Durch dich muß jedes gute werk, Sollt' es auch nicht gelingen, Zum segen mir gereichen. 5. Doch wenn ich aus unwissenheit und übereilung fehle, So thu' an mir barmherzigkeit; Sei gnädig meiner seele; Und hilf ihr auf von ihrem fall; Erhalt mich bei dem einen, Daß ich dich fürchte überall, Bis ich einst mit den deinen Dir ohne fehltritt diene. Mel. Jesu, der du meine fecle 2c. er du uns mit 305.De deinem blute Dir zum eigenthum erwarbst, Und uns fündern, uns zu gute, Schmachvoll an dem kreuze starbst! Ach, wie viele deiner christen Dienen, Herr, noch bösen lüsten, Und vergessen dein gebot, Deine schmach und deinen tod! 2. Ach, wann werden wir's erkennen, Wozu du gestorben bist? Wann nicht bloß uns christen nennen, Sondern thun, was christlich ist? Wann, um deines todes willen, Jesu, dein gebot erfüllen Und den Lüsten widerstehn, Weil sie deine leiden schmähn? 3. Wer dich sieht, von Gott verlassen, In der tiefsten traurigkeit, Dich, erlöser, sieht erblassen Nach vollbrachtem schweren streit, Und läßt doch zum dienst der sünden Seine lüste sich entzünden: Der hat nicht an deinem heil, Nicht an Gottes gnade theil.co 4. Meiden könnt er sein verderben, Hülfe giebt ihm Gott genug; Aber seht, er selbst will sterben, Denn sein glaub ist wahn und trug; Er bekennet deinen namen, Ohne doch dir nachzuahmen, Rüh III. Vom thätigen Christenthum überhaupt. 251 Rühmet seines glaubens tritte thu Und nur das gute fich, Und sein thun verleug- wähle? net dich. 2. Laß doch mein herz nicht ferner hin In seiner neigung wanken. Stärt meinen ungewissen sinn Zu festeren gedanken. Wenn von der lust zur eitelkeit Mich deines geistes kraft befreit, Wie will ich dir lobsingen! Mich ganz zu deinem dienst zu weihn, Soll stets mein ernster wille sein; Gieb dazu das vollbringen. 5. Ach, wenn uns der trieb zur fünde Reizet wider unsre pflicht, Heiligster, so überwinde Uns der trieb zur sünde nicht! Lehr uns muthig ihn bekämpfen Und die macht der lüste dämpfen! Steh' uns in versuchung bei Und erhalt uns dir getreut.deay Ho 6. Auf dich laß uns glänbig schauen, Uns besieg die sünde nie: Laß dein beispiel uns erbauen Und uns stärken wider sie. Ach, die absicht deiner schmerzen Präge tief in unsre herzen, Daß wir, von der fünde rein, Heiligster, dir ähnlich sein! 3. Auch wenn ich auf der tugend pfad, Bisweilen gleitend, walle, So unterstütze deine gnad' Mich vor dem nahen falle. Wenn in mir böse Lust aufsteigt, Und ich zum weichen bin geneigt, So lenke meinen willen; Erhebe meinen schwachen muth, Daß ich der leidenschaften wuth Durch dich, Herr, möge stillen. ette toquedad Mel. Ein Lämmlein geht 2c. dich, Herr, mein schwaches herz, Geneigt zu eitelkeiten, Läßt bald durch freude, bald durch schmerz, 306. Crt Erbarm rbarm 4. Mein Gott, mein Gott, gedenke nicht Der fünden meiner jugend. Wie hart Sich auf den irrweg leiten. schien mir oft meine pflicht! Gleich einem rohr, vom wind. Wie rauh die bahn der tubewegt, Wankt auch, von leidenschaft erregt, Oft meine schwache seele. Wann komm' ich zu der wahren ruh, Daß ich recht feste gend! Und doch trugst du mich mit geduld; Laß, vater, laß mich diese huld Nicht undankbar verachten. Dir folgen, ist mein wahres heil; D Zweite Abtheilung. 252 O laß mich's als mein be stes theil, Auch immerfort betrachten. 5. Ich bin ein mensch, du kennest mich. Wie schwach sind meine träfte! Doch meine seele hofft auf dich; Du wirst zu dem geschäfte Der heiligung mir kraft verleihn, Mein herz je mehr und mehr erneun, Vor dir gerecht zu leben. Ich aber will hier in der zeit Und einst in der vollkommenheit, Herr, dei ne kraft erheben. auf der tugend pfade. Die lust verführt die tugend nie; Und Gott, dein Gott, belohnet sie Mit segensreicher gnade. 4. Lenkt sich dein Herz zur sünde hin, So denke: kurz ist ihr gewinn Und täuschend ihre freuden; Bald, bald verwandelt ihr genuß In unruh sich und überdruß Und endigt sich in leiden. 5. Gott kennt der tugend hohen werth, Und den hat Jesus dich gelehrt, Den wolltest du verachten? Und nicht mit aller deiner kraft Die Mel. Kommt Her zu mir zc. seligkeiten, die sie schafft, Früh zu besitzen trachten? 307. Ermuntre, feele, dich, und sei Dem Gott, der dich erschuf, getreu, Und folge dem gewissen. Nie, glaub' es, wird es dich gereun, Hast du, unsträflich fromm zu sein, Aufrichtig dich beslissen. 6. Nein, übe sie mit allent fleiß Zu deinem glück und Gottes preis; Er siehet dein bestreben Und wird dir einst gewiß dafür, Nach treuem tugendlaufe hier, Der freuden fülle geben. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 308. Gott! dir gefällt 2. Des lasters ruf gehorche nicht! Gehorche Gott! er täuſcht dich nicht; Was er gebeut, ist segen. Er liebt uns menschen väterlich, Führt auf der bahn der tugend dich Dem höchsten heil entgegen.cop kein gottlos wesen, Wer bös ist, bleibet nicht vor dir; Drum laß von sünden mich genesen, Und schaff' ein reines herz 3. Gott theilet selbst die in mir; Ein herz, das sich kraft dir mit; Drum gehe vom finn der welt Entfernt stets mit festem schritt Fort und unbefleckt erhält. 2. III. Vom thätigen Christenthum überhaupt. 253 2. Laß mich auf die be- ke mich in freud und leiden; gang'nen fünden Mit inni So halt' ich mich, mein Gott, ger beschämung sehn; Durch zu dir, Bis nach vollbrachChristum vor dir gnade fin- ter übungszeit Der deinen den Und auf den weg der erbtheil mich erfreut. tugend gehn. Ich will forthin das unrecht scheun Und deinem dienst mein leben weihn. 3. O stärke mich in dem gedanken! Gieb meinem vorsatz festigkeit; Und will mein schwaches herz je wanken, So hilf der unentschlossenheit. Wie viel vermag ich, Gott, mit dir! Nimm deinen geist nur nicht von mir. 4. Gieb, daß er mir stets hülfe leiste, Und muth und kräfte mir verleih, Daß ich mit kindlich treuem geiste Dir bis zum tod ergeben sei: So sieg ich über fünd und welt, Und thue, was dir wohlgefällt. 5. Wenn ich indeß aus schwachheit fehle, Mein va ter! so verwirf mich nicht. Verbirg nicht der betrübten seele, Wenn sie dich sucht, dein angesicht, und mache in bekümmerniß Mein herz von deiner huld gewiß. 6. Erquicke mich mit dei nen freuden, Schaff ein getreues herz in mir Und stärMel. Was frag' ich nach der ze. 309. Herr, höre mein gebet Und laß es dir gefallen! Es ist mein ganzer ernst, Auf deiner bahn zu wallen. Ergreife, leite, stärk' Den schwachen, der dir fleht: Verwirf die bitte nicht, Die mir vom herzen geht. 2. Du willst, daß ich mich treu In jeder tugend übe. Der glaube, den du wirkst, Soll fruchtbar durch die liebe, In wahrer heiligkeit, Inguten werken sein; Drum will ich dir, mein Gott, Mein ganzes leben weihn. und 3. Dies will ich, doch macht Die schwäche meiner seele Und der versuchung reiz, Daß ich so oft noch fehle. Ich seh der tugend glück, Ich wünsche gut zu sein: Und doch giebt's immer noch So vieles zu bereun. 4. Das siehst du, Herr mein Gott, sieh' es mit erbarmen, Und reiche väterlich, Die helfershand mir arment 254 Zweite Abtheilung. Doch ja vor augen sein. armen. Gieb meinem geiste pein; Laß diesen wechsel mir licht, Gieb meinem vorsatz kraft; So kämpf ich glück licher Mit welt und leiden schaft. 9. So werd' ich, Herr mein Gott, Dir nicht umsonst vertrauen; Einst, wenn ich treu dir bin, Der freuden fülle schanen; Und, wenn du ewig lohust Für jede gute that, Frohlocken, daß mein herz Sich dir geheiligt hat. 5. Eröffne den verstand, Stets heller einzusehen, Daß sünd' uns elend macht; Daß wahres wohlergehen Und innrer friede nur Aus reinem Herzen fließt; Daß du mit deiner huld Der freuden quelle bist. Eigene Melodie. 6. Laß in versuchung mich 310. Hem Se Nicht zaghaft unterliegen; Ermuntre mich zum mith Und hilf mir schwachen sie gen. Mein auge laß allein Auf deine weisheit schaun, Mein Herz dir folgsam sein Und dann dir froh vertraun. 7. Ich bin ein pilger hier, Umringt von vielen fündern; Ihr beispiel könnte leicht Der tugend eifer hindern. Wenn der verführung gift, Des leichtsinns frecher spott Dem geist gefährlich wird, Dann steh mir bei, mein Gott! 8. Bewahre mein ge müth, Daß mich bis an mein ende Die falsche fröhlichkeit Der sünder nie verblende. Ihr thöricht lachen wird Bald lange reu' und err Jesu, gnadensonne! Des wahren lebens licht! Laß leben, licht und wonne, Die allen kummer bricht, Mein ganzes herz erfreun Und meinen geist ernenn, Dies glück versag mir nicht. 2. Vergieb mir meine fünden, Und laß mich, Herr, durch dich Der gnade trost empfinden. Verleihe gnädiglich, Daß deines friedens gabe Mein herz erquick und labe. Erbarmer, höre mich! 3. Bewahre meine seele Vor jedem bösen rath, Daß ich, was recht ist, wähle, Und daß ich in der that Mich dir zum dienst ergebe, Und dir zur ehre lebe, Der mich erlöset hat. 4. Befördre dein erkenntniß III. Bom thätigen Christenthum überhaupt. 255 niß In mir, mein seelen- haft dir anhange. Verleih, hort, Und öffne mein ver- daß ich Mit freuden dich zu ständniß Durch dein heil- allen zeiten finde; Drum gieb sames wort; Damit ich an forthin mir auch den sinn, dich glaube, Nichts böses Zu meiden alle sünde. mir erlaube, Sei selig hier und dort. 5. Ach, zünde deine liebe In meiner seele an, Daß ich aus innerm triebe Dich ewig lieben kann; Und, dir zum wohlgefallen, Beständig möge wallen Auf richt'ger tugendbahn. 6. Du giebst dem schwachen stärke. Verleih auch mir die kraft Zu jedem guten werke, Die dein geist in uns schafft. Mein eigenes bestreben Ist ohne kraft und leben, Ist viel zu mangelhaft. 7. Ich hoff auf deine gnade; Ich hoff auf deine treu. Leit auf der tugend pfade Mich, der ich dir mich weih; Damit ich deinen willen Aufrichtig mög' erfüllen, So steh mir kräftig bei. 2. Verleih, daß ich mit wahrer reu Mich deiner gnad' ergebe Und, als von sündenschulden frei, Im glauben Christo lebe. Gedenke nicht, Herr, im gericht Der alten missethaten. Bewahre mich, Ich bitte dich, In neue zu gerathen. 3. Drum dämpf' in mir des fleisches lust, Zur tugend gieb mir kräfte: Laß anders nichts mir sein be wußt, Als meines heils geschäfte. Dich und dein wort Laß immerfort Mich lieben und bekennen, und keine noth, Auch nicht den tod, Mich von der wahrheit trennen. 4. Gott der liebe, gieb daß ich Den nächsten Herzlich liebe; Vor stolz und zorn bewahre mich, Und vor der rachsucht triebe. Nach Christi sinn Laß mich fortmir, mein hin Sanft und demüthig Gott, hilf wandeln, Gerecht und treu, daß nach dir Von herzen Aufrichtig frei Mit allen mich verlange: Daß ich dich menschen handeln. suche mit begier, Und standMel. Was mein Gott will 2c. 311. 5. Nie müß' in meinem her Zweite Abtheilung. 256 herzen ich von andern arges Eigene Melodie. denken, Nie müſse meine 312. Dir immer ähnzu werzunge sich Zur bittern schmähsucht lenken. Ein lieblos den, Du hohes urbild der herz Boshafter scherz, Be- vollkommenheit, Das wertrübe nie die brüder. Un- de uns schon hier auf erreinigkeit Und unkenschheit den Das große ziel, nach Entweih nie meine glieder. dem in ewigkeit mit höh'rer kraft der geist zu dringen strebt, Und doch nie ganz zu ihm empor sich hebt. 6. Gieb, daß ich treu und fleißig sei, 3u thun, was mir gebühret, Doch daß ich nie von geiz dabei Noch ehr- 2. Wenn ich aus treuer sucht sei regieret. Auch miß- menschenliebe, Die selbst den gunst, neid Und haß und schein des eigennutes flicht, streit, Laß ernstlich mich Des wohlthuns edle pflichvermeiden; Gegnügsamkeit Bei frömmigkeit Giebt ruh und wahre frendent. ten übe; Wenn es durch rath und durch die that geschieht: Dann gleich ich Gott, der selig selbst die welt Aus liebe schuf und liebevoll erhält. 7. Hilf, daß ich folge treuem rath, Von falscher meinung trete, Den armen helfe mit der that, Für freund und feinde bete, Und jedermann, So viel ich kann, Zum wohlgefallen lebe; Und doch nur dir, In allem hier, Wohlzugefallen strebe. 3. Wenn ich auf seine weisheit achte, Die nicht dem kleinsten seiner werke fehlt; Wenn ich den edlen zweck betrachte, Zu dem er stets die besten mittel wählt; Und selbst mit weisheit handle, so wie er: Dann werd' ich meinem vorbild ähnlicher. 8. Herr, gieb, daß ich mein christenthum Mit ernst und weisheit treibe, Und dein erlöstes eigenthum Bis an mein ende bleibe; Vollend' in mir, Zum preise dir, Mein tugendhaft bestreben, Daß Und als mein glück das nach der zeit Sch sei bereit gute Liebe, Wie sinnereiZu gehn ins ew'ge leben. zend auch das laster lacht: Dann 4. Wenn ich mit immer regem triebe Das böse hasse, das mich elend macht; 257 III. Vom thätigen Christenthum überhaupt. Dann gleich' ich dem, der erden, Dies unser ziel, nach heilig, heilig ist, Nur gutes fiebt und feind dem bösen ist. dem in ewigkeit mit höhrer kraft der geist zu dringen strebt, Und doch nie ganz zu ihm empor sich hebt. 5. Wenn ich, um tugend auszubreiten, Der tugend müh' belohne, wo ich kann; Wenn ich, zur beßrung ihn oder: Durch Adams fall ist ganz zc. Mel. Das Jesulein soll zc. zu leiten, Den frevler stra: 313.Dft flagt dein herz, fe, der auf bosheit sann; Dann gleich ich ihm, der mit gerechtigkeit Den fünder straft, so gern sein herz verzeiht. 6. Wenn ich getreu der wahrheit lebe, Die nie der täuſchung unrecht dulden mag; Nie unbesonnen worte gebe; Tren jedem halte, was ich ihm versprach; Dann gleich ich ihm, der allwahrhaft nie lügt, Und weises hoffen nimmermehr betrügt. 7. Wenn ich des leidenden erbarmer, Gern, kann ich's, jeder thräne trockner bin; Nicht stolz erst frage, ob ein armer Es werth sei, daß ich sein erretter bin; Dann gleich ich ihm, der allerbarmend ist, und keines menschen, keines wurms vergißt. 8. So sei, dir ähnlicher zu werden Du hohes urbild der vollkommenheit, Zu unsermt glück schon hier auf schwer es sei, Den weg des Herrn zu wandeln, Und täglich, seinem worte treu, Zu denken und zu handeln. Wahr ist's, die tugend kostet müh, Sie ist der sieg der lüſte; Doch richte selbst, was wäre sie, Wenn sie nicht lämpfen müßte? 2. Die, die sich ihrer laster freun, Trifft die kein schmerz hienieden? Sie sind die sclaven eigner pein, Und haben keinen frieden. Der fromme, der die lüſte dämpft, Hat oft auch seine leiden; Allein der schmerz, mit dem er kämpft, Verwandelt sich in freuden. 3. Des lasters bahn ist anfangs zwar Ein breiter weg durch auen; Allein ſein fortgang wird gefahr, Sein ende nacht und grauen. Der tugend pfad ist anfangs steil, Läßt nichts als mühe blicken; Doch weiter fort führt er R zum Zweite Abtheilung. 258 zum heil Und endlich zum entzücken. 4. Nimm an, Gott hätt' es uns vergönnt, Nach unsers fleisches willen, Wenn wollust, neid und zorn entbrennt, Die Lüste frei zu stillen; Nimm an, Gott ließ den undank zu, Den frevel, dich zu kränken, Den menschenhaß; was würdest du Von diesem Gott wohl denken? 5. Gott will, wir sollen glücklich sein, Drum gab er uns gesetze, Sie sind es, die das herz erfreun, Sie sind des lebens schätze. Er red't in uns durch den verstand Und spricht durch das gewissen, Was wir, geschöpfe seiner hand, Fliehn oder wählen müssen. 5. Ihn fürchten, das ist weisheit nur, Und freiheit ist's, sie wählen, Ein thier folgt fesseln der natur, Ein mensch dem licht der seelen. Was ist des geistes eigen thum? Was sein bernf auf erden? Die tugend! was ihr lohn, ihr ruhm? Gott ewig ähnlich werden! getren und gern, Dein herz zu überwinden. Wer kräfte hat, wird durch gebrauch Von Gott noch mehr bekommen; Wer aber nicht hat, dem wird auch, Das, was er hat, genommen. 8. Du streitest nicht durch eigne kraft, Drum muß es dir gelingen. Gott ist es, welcher beides schafft, Das wollen und vollbringen. Wann gab ein vater einen stein Dem sohn, der brod begehrte? Bet oft: Gott müßte Gott nicht sein, Wenn er dich nicht erhörte. 7. Lern nur geschmack am wort des Herrn Und seiner gnade finden, Und übe dich 9. Dich stärke auf der tugend pfad Das beispiel sel'ger geister, Ihn zeigte dir, und ihn betrat Dein Gott und Herr, und meiſter. Dich müsse nie des frechen spott Auf diesem pfade hindern; Der wahre ruhm ist ruhm bei Gott, Und nicht bei menschenkindern. 10. Sei stark, sei männlich allezeit; Tritt oft an deine bahre; Vergleiche mit der ewigkeit Den kampf so furzer Jahre. Das kleinod, daß dein glaube hält, Wird neuen muth dir geben; Und kräfte der zukünft'gen welt, Die werden ihn beleben. 11. III. Bom thätigen Christenthum überhaupt. 259 11. Und endlich, christ, neuen sünden scheut. Gott ſei unverzagt, Wenn dir's will ihm die schuld verzeihn, nicht immer glücket; Wenn Kraft zum guten ihm verleihn, dich, so viel dein herz auch Und er soll schon hier auf wagt, Stets neue schwach- erden, Und auch dort geheit drücket, Gott sicht nicht tröstet werden. auf die that allein, Er sieht auf deinen willen. Ein göttliches verdienst ist dein! Dies muß dein herze stillen. Mel. Freu dich sehr, o meine c. 314. Rommt, laßt euch vom Herrn belehren! Kommt und lernet allzumal, Welche die sind, die gehören Zu der rechten christenzahl! Die im glau ben fest bestehn, Freudig Gottes wege gehn, Und den heiland frei bekennen, Dürfen sich die seinen nennen. 2. Selig, wer in demuth lebet, Seine schmachheit nie vergißt, Nie sich selbst mit stolz erhebet, Wenn er groß und glücklich ist. Gottes huld wird ihn erfreun Und das himmelreich ist sein; Gott wird dort zu ehren sehen, Die sich hier geringe schätzen. 3. Selig ist, wer seine sünde Wehmuthsvoll vor Gott bereut, Und, damit er gnade finde, Sich vor 4. Selig ist, wer sanftmuth übet, Seinem feinde niemals flucht, Seine fehler ihm vergiebet, Nie sich selbst zu rächen sucht, Ruhig seine pflicht vollbringt, Und sein eignes herz bezwingt. Gott wird selber ihn beschützen; Er wird Gottes reich besigzen. 5. Selig, die mit ernst verlangen, Necht gesinnt und fromm zu sein; Die feft an dem guten hangen, Und sich ganz der tngend weihn; Deren herz nichts mehr begehrt, Als was Gottes ruhm vermehrt. Gott wird ihr verlangen stillen Und den frommen wunsch erfüllen. 6. Selig, wer der noth des armen Nie gefühllos fich entzieht, Ihm aus zärtlichem erbarmen Wohlzuthun sich froh bemüht; Welcher dem mit trost erscheint, Der um troft und hülfe weint; Hülfe wird auch er empfangen, Und barmherzigkeit erlangen. R 2 7. 260 Zweite Abtheilung. an seinden sanftmuth übe; Die 7. Selig sind, die sich gerechtigkeit stets liebe, Auch bemühen, Züchtig, keusch und rein zu sein; Die der wollust netze fliehen, Und der heiligkeit sich weihn. nur thun, was Gott gefällt, Die der lockung dieser welt Immer standhaft widerstehen, Werden Gottes antlizz sehen. 8. Selig, wer in frieden lebet, Wer stets ruh und einigkeit zu erhalten sich beſtrebet, Und wenn feindschaft, haß und streit Seiner brüder glück zerstört, Sie die pflicht der eintracht lehrt. Die des friedens sich befleiBen, Werden Gottes kinder heißen. 9. Selig, die des guten wegen Leiden, und sich dessen freun; Gott wird gern mit feinem segen Seinen kämpfern nahe sein. Mächtig steht er ihnen bei, Und will sie für ihre treu Einst mit wonn' und siegeskronen In der ewigkeit belohnen. 11. Daß ich armen helf' und diene, Immer hab' ein reines herz; Die in feindschaft stehn, verfühne, Dir getreu in freud' und schmerz. Vater, hilf von deinem thron, Daß ich glaub' an deinen sohn, Und, durch deines geistes stärke Mich befleiß'ge guter werke. Mel. Wie groß ist des allm. 2C. 315. Schwer iſt der kampf! mur errungen Will jeder preis der tugend sein; Wer bis zum ziel hindurchgedrungen, Kann sich der siegeskrone freun. Hier ist der kampfplatz jeder tugend Das angewief'ne übungsfeld; Hier, wo das alter, wie die jugend, Wankt, strauchelt und oft niederfällt. 2. Schwer ist es, lüfte zu besiegen, Für die das herz empfänglich ist, Das liftig, den verstand zu trügen, 10. Herr, du wollest selbst Schon wählt, eh' sich der mich leiten Auf der tugend geist entschließt. Es strömt sichern bahn; Daß ich wah- die luft durch alle sinnen Ins rer seligkeiten Hier und dort off'ne herz, und siegt gemich freuen kann. Gieb, daß schwind! Schwer ist's, den ich demüthig sei, Meine sieg da zu gewinnen, Wo in schuld vor dir beren', Die uns selbst die feinde sind. 3. III. Vom thätigen Christenthum überhaupt. 261 3. Hier locken beispiel, dort dein mund an seiner reiz und triebe, Die ganze feite Triumphgesänge feiernd schmeichlerische welt; Parteiisch wählt die sinnenliebe Nur das, was ihrem hang gefällt. Die tugend soll der macht der sinnen, Dem spott der welt, der eitelkeit, Der siege schwersten abgewinfingt. Dort wehet mur der sieger palme, Hier übt die tugend sich im streit. Dort tönt dein lied in ihre pfalme Von ewigkeit zu ewigkeit. Mel. Was frag' ich nach' zc. nen; Ein großer aber edler 316. Mein vater und streit! Ft din usk mein Gott, 4. Sie soll die feinsten Lieblingssünden, Erregter leidenschaften macht, Und böse wünsche überwinden, Schon früh im Herzen angefacht. Wahr ist es, ach! nicht leicht errungen Wird hier der kranz des sieges sein; Und doch ist's tausenden gelungen, Die num sich ihres sieges freun! 5. Verzage nicht, du edler streiter, Schwer ist dein kampf, doch groß dein lohn. Ermanne dich und dringe weiter Bis zu des großen siegers thron. Er, aller kämpfer muster, litte, Und kämpfend floß herab sein blut, Daß er dir, wenn du zagst, erstritte In deinem kampfe neuen mutj. 6. O ring' ihm nach, dem sieger! streite, Bis dir die krone näher winkt, Und Der du in diesem Leben, Die lehre Jesu mir Zur führerin gegeben, Regiere doch mein herz Durch deinen guten geist, Daß ich dem folgsam sei, Was dein gebot mich heißt. 2. Vor allem hilf, daß ich Nach deinem reiche trachte, Und kein vergänglich gut Mehr, als es werth ist, achte. Wer sich das ewige Zur ersten sorge macht, Der wird auch wohl mit dem, Was zeitlich ist, bedacht. 3. Gieb, daß ich von der welt Mich unbefleckt erhalte, Und daß in mir der trieb Zum guten nie erkalte; Hilf, daß ich immer wach, Im kampf des glaubens treu, Und in der Hoffnung stark Und fest gegründet sei. 4. Gieb, daß ich als ein christ, Wie Christus denk' und 262 Zweite Abtheilung. und handle, nach seiner leh- meine hütte bricht, Verlaß re sinn Und seinem vorbild mich sterbenden Mit trost wandle. Sein geist regiere und beiſtand nicht. mich Und nicht der geist der welt, So wandl' ich, Herr, vor dir Den weg, der dir gefällt. 5. Hilf, daß ich dich, mein Gott, Von ganzer seele liebe, Und lieb' und gütigkeit An meinem nächsten übe. Laß fern von übermuth Mich bei des glückes schein, Und fern von ungeduld In trüben tagen sein. 6. Nie müsse sich mein herz Der fleischesluft ergeben, Auch nie dem schnöden geiz; Mein dir geweihtes leben Sei von betrug und neid, Von unbarmherzigkeit, Von ungerechtem gut Und stolzem sinn befreit. 7. Will deine hand mich hier Auf rauhe wege leiten, So unterstütze mich, Wenn meine tritte gleiten; Laß mich in aller noth Auf deine hülfe bau'n, Und auch, wenn sie verzeucht, Dir doch getrost vertraun... 8. Erlöse endlich mich Von allen meinen leiden; Und ist die stunde da, Aus dieser welt zu scheiden: Mein vater, ach verlaß, Wenn Eigene Melodie. 317. Gott, du from= mer Gott, Du geber aller gaben, Ohn' den nichts ist, was ist, Von dem wir alles haben. Gefunden leib gieb mir, Und daß in solchem leib' Ein unverletzte seel' Und rein gewissen bleib', 2. Gieb, daß ich thu' mit fleiß, Was mir zu thun gebühret, Wozu mich dein befehl In meinem stande führet; Gieb, daß ich jedesmal Thu, wann und wie ich soll, Und so gerathe mir's Durch deinen segen wohl! 3. Hilf, daß ich rede stets, Womit ich kann bestehen. Laß kein unnützes wort Aus meinem munde gehen; Und wenn nach meiner pflicht Ich reden soll und muß: So gieb den worten kraft Und nachdruck ohn' verdruß. 4. Zeigt sich gefährlichkeit, So laß mich nicht verzagen; Gieb einen frohen muth Und trost in leidenstagen. Durch sanftmuth lehre mich Besiegen meinen III. Vom thätigen Christenthum überhaupt. 263 .9. Gott vater! dir sei preis Hier und im himmel oben; Gott sohn, Herr Jesu Christ! Wir wollen dich stets loben; Gott heil'ger geist! dein ruhm Erschall je mehr und mehr: O Herr, dreiein'ger Gott! Dir sei nen feind; Und wenn ich rath bedarf: Gieb einen weisen freund. 5. Laß mich mit jeder mann In fried und eintracht leben, So weit es christlich ist. Willst du mir etwas geben An reichthum, ehr' und glück, So gieb auch lob, preis und ehr'. dies dabei: Daß ich nicht ungerecht, Nicht stolz, noch sicher ſei. 6. Soll ich in dieser welt Mein leben höher bringen, Durch manchen sauern tritt Hindurch ins alter dringen; So gieb, daß ich auch stets Ein frommes herz bewahr', Damit ich tragen mag Mit ehren graues haar. 7. Laß mich auf Christi tod Einst froh von hinnen scheiden; Die seele nimm zn dir Hinauf zu deinen freuden; Es ruhe sanft der leib In seiner stillen gruft, Bis ihn dein allmachtwort Ins nene leben ruft. 8. Wann deine stimme wird Die todten alle wecken; O, dann wird sie sich auch Auf meinen staub erstrecken. Durch deine macht werd ich Zum leben auferstehn; Mit allen seligen Dich dann verklärt erhöhn. Mel. Ein lämmlein geht' 2c. 318. Was hilft es mir ein chrift zu sein, Wenn ich nicht christlich lebe, Und heilig, fromm, gerecht und rein Zu wandeln mich bestrebe? Wenn ich dem seligen beruf, Zu welchem mich mein Gott erschuf Nicht würdig mich beweise, Und den, der mich erlöset hat, In worten bloß, nicht durch die that Und gute werke, preise? 2. Was hilft der glaub' an Jesum Christ, Den ich im munde führe, Wenn nicht mein herz rechtschaffen ist, Und ich die frucht verliere, Wenn mich die eitelkeit der welt Mit ihrer Lust gefangen hält, Ich ihre fesseln liebe, Und fühlbar für der sünde reiz, Stolz, rachgier, fleischeslüfte, geiz In werk und thaten übe? 3. 264 Zweite Abtheilung. 3. Weit strafenswürd'- und rechtschaffenheit; Der ger bin ich dann, Ich, der glaub' in guten werken. ich Christunt kenne, Weiß, 6. Gott, dieser hoffnung was er einst für mich gethan, 3hn Herr und meister nenne, Als der, der in der finsterniß Des irrthums tappt, noch ungewiß, Ob er auch richtig wandle. Was nützt mir seines wortes licht? Was hilft mir aller unterricht, Wenn ich nicht darnach handle? werth zu sein, Hilf, daß ich christlich lebe, Und vor dir heilig, fromm und rein Zu wandeln mich bestrebe. Gieb mir erkenntniß, kraft und muth, Damit ich welt und fleisch und blut Im glauben überwinde, Und dann, nach wohl durchlebter zeit, Den lohn in jener ewigkeit Für meine werke finde. 4. Und woher nehm' ich trost und ruh, Wenn leiden mich umgeben, Und Mel. O Gott, du frommer 2c. meine fünden noch dazu 319.Unendlich großer Mir vor augen schweben? Was hilft mir in der letzten noth, Wenn einst der schaudervolle tod, Grab und verwesung schrecken: Wenn mein gewissen wachet auf, Von meinem ganzen lebenslauf Die schuld mir aufzudecken? Gott, kann dich g'ung erheben? Du gabst der ganzen welt Bewegung, kraft und leben. Was geist und körper heißt; Was erd' und himmel schmückt, Hat deine huld gebaut, Die alles noch beglückt. 5. Weh' mir! was hilft es mir einst dort, Erweckt aus meinem grabe, Daß 2. Du schufst, ich dank' es dir, Auch mich zu deiner ehre, Und wolltest, gnäniß wäre. Darum hast du ich an Christum und sein digster! Daß ich dein bildwort Zum schein geglaubet habe? Wenn keine fromme den geist, Der in mir lebt gute that Mein leben hier und denkt, Mir zur unbezeichnet hat, Den glauben sterblichkeit Aus freier huld zu bestärken? Denn meine geschenkt. ganze feligkeit Wirkt glaube 3. welch ein großer zweck III. Vom thätigen Christenthum überhaupt. 265 recht ist, thun, Des guten mich erfreun, Und dem, der's üben will, Auch gern behülflich sein. 7. Gieb, daß ich, so wie du, Ein freund der menschen werde, Dem wohlthun freude macht, Der kummer 4. Laß mir dies große und beschwerde Dem nächziel Doch stets vor augen sten gern erspart, Sein schweben; Mein allerstärk- leben ihm versüßt, Und wo ster wunsch, Mein eifrigstes er helfen kann, Zum helfen bestreben, In allem meinem willig ist. thun Sei dies, o Gott, allein: Daß ich auch so, wie du, Gefinnet möge sein. 5. Du bist der wahrheit freund; Laß mich auch wahrheit lieben, Und mit stets munterm fleiß In allem dem mich üben, Was mich zur weisheit führt, Zur weisheit, die dich ehrt Und allem beifall giebt, Was du uns selbst gelehrt. 9. Beglückt ist nur alsdann Mein lebenslauf auf erden, Wenn ich dir immer mehr Schon hier kann ähn6. Laß deine heiligkeit lich werden; Dann werd ich Mich stets zum muster neh- ewig auch Mit dir vereinigt men. Hilf mir die sünde sein, Und mich ohn' unterfliehn, Die sinnlichkeit be- laß, Gott, deiner güte freun. zähmen; Nur das, was zweck, Dazu du, Gott, mich schufest! Wie herrlich ist das glück, Wozu du mich bern fest! Dir, höchster, ähnlich sein, Wohlthätig sein, wie du; O wohl mir, wenn ich's bin! Hilf du mir selbst dazu. 8. Noch bin ich weit entfernt, O Gott, von diesem ziele; Du weißt, was mir noch fehlt, Und ich, ich selber fühle, Wie wenig ich dir noch Im guten ähnlich bin. O bilde du mich ganz Nach dir und deinem sinn. IV. Von der Erkenntniß Gottes. Mel. Herr Jesu Christ, mein's sc. recht Dem ganzen mensch320. Gott, heilig sei lichen geschlecht! Dich bete, dein nam' und wer dich denken kann, Im geiſt 266 geist und in der wahrheit an! Zweite Abtheilung. 2. Verbreite deines wortes schall, Wie deine werke, überall, Daß alle lernen, wer du seist: Der allerhöchste, beste geist. 3. Durch Jesum Christ, den du gesandt, Werd' immer mehr der welt bekannt, Daß du stets unser vater bist, Und er der völker heiland ist. 4. Lehr' uns, die deinen rath verstehn, Gehorsam deine wege gehn. Durch deines wortes licht und kraft, Mach' gläubig uns und tugendhaft. 5. Durch wahrheit dämpfe jeden wahn; Erleucht' uns allen unsre bahn. Das laster tilg' aus uns'rer brust, Und tödt' in uns die böse luft. 6. So preiset deine christenheit, Herr, deinen namen in der zeit; Sie ist und bleibt dein eigenthum, Und ihre thaten sind dein ruhm. 7. Du sättigst sie mit seligkeit, Von nun an bis in ewigkeit, Und ewig ist ihr frommer dank, Herr, deiner gnade lobgesang. Mel. Fürwahr, du bist, o Gott 2c. 321. Mein ein Gott, du wohnest zwar re im lichte, Dahin kein sterb lich auge dringt, Doch giebst du uns zum unterrichte Dein wort, das uns erkenntniß bringt: Was du, o allerhöchster, bist, Was mit uns deine absicht ist. 2. So gieb denn, daß ich darauf achte Als auf ein licht im dunkeln ort; Und wenn ich ernstlich es betrachte, So hilf selbst meinem forschen fort. Für deiner wahrheit hellen schein Laß aug' und herz stets offen sein. 3. Hilf, daß ich deinem worte glaube, Daß mich zur wahren weisheit führt; Damit kein falscher wahn mir raube, Was mir ein ew'ges heil gebiert. Kein spöttergeist verführe mich, Kein zweifel sei mir hinderlich. 4. Das ist der weg zunt ew'gen leben, Daß wir, o vater, dich und den, Den du zum heil uns hast gegeben, Erkennen, lieben und erhöhn. O führe du auf dieser bahn Mich selbst durch deine wahrheit an. 5. Vor allem gieb, daß stets lebendig Bei mir, Gott, dein erkenntniß sei, Und daß ich dir darnach beständig, Lieb', ehrfurcht und gehor 267 gen fühlt er erfüllt Mit seligkeit die brust. IV. Von der Erkenntniß Gottes. gehorsam weih'. Gieb, daß ich thu mit allem fleiß, Was ich von deinem willen weiß. 16. Was hilft das richtigste erkenntniß, Wenn's nicht zu deiner liebe treibt? Was nützt ein aufgeklärt verständniß, Wenn doch das herz noch böse bleibt? Drum hilf, 4. Er spricht: sie werd' und preise mich! Schnell geht die welt hervor; Was lebt, freut seines daseins sich, Und jauchzt zu ihm empor. 5. Er spricht: es werd'! und ihn umringt Der geidaß ich der wahrheit tren, ster zahllos heer, Das ihn Und daß mein glaube thätig ſei. 7. Laß dein erkenntniß mir im leiden Die quelle wahren trostes sein, Um mich, wenn leib und seele scheiden, Des bessern lebens zu erfreun: Da irr' und wank' ich weiter nicht, Und sehe dich im hellern licht. urs Mel. Ich singe meiner seele sc. 322. Wie felig bin ich, wenn mein geist Hinauf zu Gott sich schwingt, Und wenn er ihn erkennt und preist, Der en gel werk vollbringt. 2. Wer ist Gott gleich, wer so geschmückt Mit herrlichkeit und licht? Er ist der schönste! wen entzückt Des schönsten anblick nicht? 3. Wer ihn erkennt und preist, dem quillt Ein voller strom von lust; Vom seli erkennt, und ihm lobsingt, Und selig ist, wie er. 6. Auch ich ward, weil er mich erschuf, Um ewig froh zu sein. Heil, feele, dir, denn dein beruf Ift Gottes dich zu fremn. 7. Schon siehst du durch ein dämmernd licht Den unaussprechlichen! Dort wirst du ihn von angesicht Int größrer klarheit ſehn. Mel. Dir Gott, bir will ich zc. 323. Nie ie kann ich meines Gottes wege, Mit meinen blicken übersehn; Noch, wenn ich alles überlege, Vollkommen seinen rath verstehn. Er herrscht als Gott, drum bleibt auch mir Sein thun stets unerforschlich hier. 2. Doch kann ich g'mug von ihm erkennen, Ihn zu bewundern und für ihn In frommer liebe zu entbrennen 268 Zweite Abtheilung. nen, Ihn jedem gute vor- in der nacht. Was er für zuziehn; Genug, um ihm seine kinder thut, Ist alles mich ganz allein, Mich sei- recht, ist alles gut. nem dienste gern zu weihn. 3. Er ist was brauch ich mehr zu wissen? Mein vater, thut verge bens nichts! Selbst in des lebens finsternissen Bedarf ich keines hellern lichts. Was er hier werden läßt ist ja, Zum besten euch, ihr frommen! da. 7. Kenn' ich den weg des lichts und regens, Des blitzes und der winde gang? Kenn' ich die quellen alles segens? Versteh' ich's, wie das meer entsprang? Sah' ich's, wie er die berge wog? Und seiuer erde richtschnur zog? 8. Wer kann, wie er, die welten gründen, Bestimmen ihrer somnnen stand? Der sterne heer zusammenbinden, Und lösen seiner sterne band? Der Herr mur! und ich sollte kühn Den welten schöpfer meistern, ihn? 9. Wer trägt die himmel, die nicht wanken? Wer hält uns, daß wir nicht vergehn? Wer giebet unserm geist gedanken, Der weisheit lehren zu verstehn? Er giebt sie; er, der nur beschließt, Nur thut, was gut und heilsam ist. 10. Ich will ihm folgen, alles haffen, Und meiden, was er mir verbeut; Ihm will ich kindlich überlassen Mein glück in zeit und ewigkeit. Er führe mich! er führt gewiß Zum lichte V. - - 4. Es ist, o glaubt ihm! alles euer: Die welt, das leben und der tod; Er führt durch ströme, führt durch's feuer; Nichts kann euch schaden, wies auch droht; In trümmer falle selbst die welt! Was zaget ihr, da er euch hält? 1 5. Der wolken sturm, des meers getümmel Braust oder ruht, wie er's beschließt; Er welcher höher als der himmel, Und tiefer, als der abgrund ist, Erquickt selbst durch den sturm, was lebt, Obgleich der erdkreis schaudernd bebt. He 6. Was brauch' ich al les zu ergründen, Was er beschlossen hat und macht? Genug, ich kann den vater finden Im sonnenglanz und aus der finsterniß. WARTY MATERIANG V. Von der Furcht Gottes. Mel. Fürwahr, du bist, o Gott zc. mich zur sicherheit Der reich324, Dich, höchster, thum deiner gütigkeit. ehrerbietig 5. Laß mich mit weiser vorsicht fliehen, Was mich zu sünden reizen kann, Mich um ein reines herz bemühen Und nimm dich meiner hülfreich an; So komm ich in der gnadenzeit Durch dich zur wahren seligkeit. scheuen, Ist unser glück und uns're pflicht. Kein mensch kann deiner huld sich freuen, Scheut er dein heilig auge nicht. Drumflöße, um mich dein zu freun, Mir wahre kindesehrfurcht ein. 269 2. Sie leite mich auf meinen wegen; Sie ſei mir weisheit und verstand, Und treibe mich, das abzulegen, Was ich als unrecht hab' 6. Erhalt' in mir ein gut gewissen, Das weder spott noch trübsal schen', Und mache von den hindernissen Der wahren tugend selbst mich Denn wer noch frei. Nie störe furcht und Lust zur fünde hat, Ehrt lust der welt Mich, das zie wahrlich dich nicht in der thun, was dir gefällt. erkannt. that. 3. Gieb, daß ich stets zu herzen nehme, Daß du all gegenwärtig bist, Und das vor dir zu thun mich schäme, Was dir, mein Gott, zu wider ist. Der beifall einer ganzen welt Hilft dem ja nichts, der dir mißfällt. 4. Nie laß mich dein gericht vergessen, Mich nie mit fündern sündlich freun; Nie muthlos, doch auch nie vermessen Und stolz in deinem dienste sein! Nie führe 7. Mit ehrfurcht laß mich vor dir wandeln, Und stets, ich sei auch, wo ich sei, Nach deiner vorschrift redlich handeln, Entfernt von aller heuchelei. Wer dich herzen liebt und ehrt, Nur der ist dir, o vater, werth. volt 8. In deiner guade laß mich sterben, So schreckt mich weder tod noch grab; So werd ich jenes leben erben, Dazu dein sohn sich für mich gab. Da werd' ich dein 270 Zweite Abtheilung. dein mich ewig freun Und rein, Nur wahrheit heiß' völlig durch dich selig sein. ihn sprechen! Sein ja sei ja, sein nein sei nein! Denn lügen wirst du rächen. Mel. Ich dank' dir schon 2c. 325. Du Herr und welt; Des auge alles siehet, Dem nur der redliche gefällt, Der trug und lügen fliehet. 2. Laß mir den eid stets heilig sein, Auch dadurch dich zu ehren; Mich nie aus leichtsinn ihn entweihn, Nie aus gewohnheit schwören. 3. Ehrwürdig sei dein name mir! So oft ich ihn nur nenne, So sei's mit ehrfurcht auch vor dir, Deß hoheit ich erkennte. richter aller Mel Fürwahr, du bist o Gott zc. 4. Erfordern es gesetz und pflicht, Bei dir es zu bezeugen, Was wahrheit sei, so laß mich nicht um alles sie verschweigen. 5. Die deines namens heiligkeit Durch falschen schwur entweihen, Die trifft in ihrer sicherheit Mit schrecken einst dein dräuen. 6. Drumi sei stets meines herzens grund Voll ernst dich, Gott, zu ehren; Und fern sei stets von meinem mund Entheiligendes schwören. 7. Er sei beständig lügen326. Willst du der weisheit quelle kennen? Es ist die furcht vor Gott, dem Herrn. Nur der ist weis' und klug zu nennen, Der alle seine pflichten gern, Weil Gott sie ihm gebeut, vollbringt, Wenn gleich dazu kein mensch ihn zwingt. 2. Lern' Gottes größe recht empfinden, Und fühle deine nichtigkeit, So wirst du nie dich unterwinden, Mit thörichter verwegenheit, Zu tadeln, was sein rath beschließt, Der wunderbar, doch heilig ist. 3. Wirst du den höchsten findlich scheuen, So wird dir keine pflicht zur last; Nur das wirst du vor ihm bereuen, Daß du sie oft versäumet hast. Wer Gott als zeugen vor sich hat, Der freut sich jeder guten that. 4. Wenn nacht und dunkelheit dich decken, Die dem verbrecher muth verleihu, Wird dich die furcht des Herrn WARTA V. Von der Furcht Gottes. 271 Herrn erwecken, Auch dann, niemals irre gehn. Wohl was unrecht ist, zu scheun. Denk nur: vor seinem ansicht 3st finsterniß, wie ist seligkeit! mittagslicht. dem, der dich stets kindlich scheut! Dich fürchten, Gott! 5. Den höchsten öffentlich Mel. Christ unser Herr 2c. verehren Sowohl, als in 327. Du schaust, mein des geschöpfer und wissens stimme hören, Und mein Herr, Ins innerste willig thun, was sie gebeut; der seelen, Und niemand Auch das lehrt dich die furcht kann, allwissender, Dir des Herrn; Auch das thut, wer ihn fürchtet, gern. 6. Läßt dich der thor verachtung, merken, Wenn du dich fromm von ihm entfernst; Die furcht des höchsten wird dich stärken, Daß du dich selbst recht schätzen lernst. Wer Gott, dem höchsten, was er denkt, verhehlen, Laß deine macht und hoheit mich Mit heil'ger schen erfüllen, Wenn ich als wahrheitszeuge dich, Nach meiner obern willen, Anruf' und bei dir schwöre. 2. Arglistig können menschen zwar Auch menschen wohlgefällt, Ist glücklich, hintergehen; Doch dir ist selbst beim spott der welt. 7. Sich stets vor dem all mächt'gen scheuen Giebt heldenmuth und tapferkeit. Wenn uns der menschen stolzes dränen, Was Gott mißfällt, zu thun gebeut. Ist Gott mein schuß, mein heil und licht, So fürcht' ich mich vor menschen nicht. 8. Laß deine furcht, Gott, mich regieren, Auf dich, den höchsten, stets zu sehn; Laß sie mich zu der weißheit führen; So werd' ich alles offenbar, Du siehst, was sie nicht sehen. Im zorn schaust du die lügner an, Berheimlichte verbrechen, Die menschenmacht nicht strafen kann, Wirst du, gerechter, rächen! Kein mensch kann dir entfliehen. 3. Und ich, ich sollt' aus geiz und neid, Aus falscher schaam, aus rache Verkehren die gerechtigkeit, Und meines nächsten sache? Durch meineid sollt' ich ihm den ruhm Der redlichkeit entwenden? 272 Zweite Abtheilung. wenden? Mein Gott! du mir selbst übergeben! Wie bringst die liigner um! So elend nach dem tode! 5. Betrug und lügen hilf mir, Gett, Von ganzem 4. Wenn ich, o Herr, herzen hassen; Und treu der so freventlich Dir trotz' und wahrheit, bis zum tod, Mich deiner rechte, Muthwillig nur auf dich verlassen. Laß deinen zorn auf mich Durch mich kein glück, so groß es solchen frevel brächte; Wie sei, Mit seinem reiz verfühelend würd' ich dann nicht ren, Durch falschen eid und sein, Schon hier in diesem heuchelei Den himmel zu leben! Der ſelbstverdam- verlieren, Und mich selbſt mung, furcht und pein Von zu verdammen. will ich mich nicht schänden, So nicht ins elend stürzen! VI. Von der Liebe und Treue zu Gott. 3. Du gabst mir aus erbarmen, Den sohn, der fir mich starb, Und großmuthsvoll mir armen Die feligkeit erwarb. D welch ein glück ist mein! Gott, wenn ich dies erwäge, Wie wird mein herz herz so rege, Dir ewig treu zu sein. 4. Mit hoffendem gemüthe, Denk ich an deine treu, Und harre deiner güte; Sie ist mir täglich neu. Du un terstützest mich; Auch wenn ich schweiß vergieße, Wird mir die arbeit süße, Seh ich dabei auf dich. Mel. Aus meines herzens 2c. n 328. A dich, mein Gott, zu denken Ist pflicht und trost für mich. Wenn sorg' und gram mich kränken, So sieht mein aug' auf dich. Dann mindert sich mein schmerz, Tann fliehn die bangen sorgen, Wie nebel vor dem morgen, und ruh' erfüllt mein herz. 2. Denk' ich an deine liebe, Wie werd' ich dann erfreut! Dann fühl ich nene triebe Zur dankbeslissenheit, Mein herz dir ganz zu weihn, Dich freudig zu erheben, Zur ehre dir zu leben, Vor sünden mich zu scheun. 5. Wie gut ist's, dein zu denken! Die welt mag immer 273 VI. Von der Treue und Liebe zu Gott. deine liebe, Wenn böses beispiet mich verführt, Und gieb daß ich verleugnung übe, Wenn sinnenlust zu sehr mich rührt. Wie sollt' ich je die kreatur Dir vorziehn, schöpfer der natur? merhin Ihr herz auf's böse lenken, Wie schlecht ist ihr gewinn! Ich halte mich zu Gott; Dies bringt mir wahre freude, Dies stärkt mich, wenn ich leide, Und ist inein troſt im tod. 6. Drum will ich an Gott denken, So lang ich denken kann. Wird man in's grab mich senken, So geh' ich zwar die bahn, Da mich die welt vergißt; Doch du, Herr, denkst noch meiner, Wenn auch auf erden keiner Mein eingedenk mehr ist. 4. Laß mich um deiner liebe willen Gern thun, was mir dein wort gebeut. Kann ichs nicht, wie ich soll, erfüllen, So sieh auf meine willigkeit; Und rechne mir, nach deiner huld, Die schwachheit, vater, nicht zur schuld. 5. Der liebt dich nicht, der noch mit freuden Das Mel. Fürwahr, du bist, o Gott zc. thut, was dir, o Gott, miß329. Du, vater deis fällt; Drum laß es mich mit ernst vermeiden, Gefiel es auch der ganzen welt. Die kleinste sünde selbst zu scheun, Laß, vater, mich behutſam sein. 2. Gieb, daß ich als dein kind dich liebe, Da du mich als ein vater liebst, Und so gesinnt zu sein mich übe, Wie du mir dazu vorschrift giebst. Was dir gefällt, gefall' auch mir; Nichts scheide mich, mein Gott, von dir. 6. Aus lieb' zu dir will ich auch leiden, was mir dein weiser rath beſtimmt. Du führst durch trübsal auch zu freuden, Und wer sie wilLig übernimmt, Geduldig trägt und weislich nützt, Wird mächtig von dir unterstützt. 7. In deiner liebe laß mich sterben, So ist selbst 3. Bewahre mich durch ſterben mein gewinn; So werd' ner menschen kinder, Der du die liebe selber bist, Und dessen herz auch gegen fünder Noch gütig und voll mitleid ist! Laß mich von ganzem Herzen dein, Laß mich's mit allen kräften sein. 274 Zweite Abtheilung. werd' ich deinen himmel er- derben Mich durch deinen ben, Wo ich ganz frei vom übel bin; Da werd' ich einmal völlig rein Dich lieben und ganz selig sein. sohn, o Gott; Ließzest den gerechten sterben; Mir zum leben ward sein tod; Dadurch hast du mir gegeben, Ewig dort mit ihm zu leben, Ewig Mel. Jesu meines lebens 2c. deiner mich zu freun Und von dir geliebt zu sein. 330. Quelle der vollkommenheiten, Gott, mein Gott, wie lieb' ich dich! Und mit welchen seligkeiten Sättigt deine liebe mich! Seel' und leib mag mir verschmachten; Hab ich 5. Sollt ich dich nicht wieder lieben, Der mir so viel gutes giebt? Und mit mehr als vatertrieben So unendlich mich geliebt? Könnt' dich, will ich's nicht achten; ich ruhig hier auf erden, Mir foll deine lieb' allein Mehr als erd' und himmel sein. Ohne dich zu lieben, werden? Ohne dies nach dieser zeit Würdig sein der seligkeit? 6. Heil mir, daß ich es empfinde, Wie so liebenswerth du bist, Daß mein herz vom haß der fünde Inniglich durchdrungen ist; Daß auf dein gebot ich achte, Und es zu erfüllen trachte. Heil mir! du verbirgest nicht Einst vor mir dein angesicht. 2. Denk' ich recht an deine güte, Wie frohlockt mein herz in mir! Mit dem frohesten gemüthe Seh' ich sie, und danke dir. Jeder blick auf deine werke, Deine güte, deine stärke, Wie entledigt er mein herz Von bekümmerniß und schmerz. 3. Floßß aus deiner segensfülle Mir nicht so viel gutes zu? Daß ich ward, das war dein wille; Daß ich noch bin, das machst du; Daß ich denke, daß ich wähle, Dafür dankt dir meine seele; Dankt dir, daß sie dich erkennt Und dich ihren vater nennt. 4. Du erlöstest vom ver7. Noch lieb' ich dich unvollkommen; Meine seel' erkennt es wohl. Dort im vaterland der frommen, Lieb' ich dich, Herr, wie ich soll. Ganz werd' ich dort deinen willen Kennen, ehren und erfüllen, Und empfahn an deinem thron Der vollkommnen liebe lohn. VII. Come and Prom KLEDA ST. VII. Von der Freude an Gott. 275 Eig. Mel. od.: Mein ersöser, Gottes zc herzen, Trösten und erhöh'n 331. Deines Gottes mich weit Uleber alle schmerfreue dich, zen. Dank' ihm, meine seele! Sorget er nicht väterlich, Daß dir glück nicht fehle! Schützt dich seine vorsicht nicht, Wenn gefahren dräuen? Ist's nicht seligkeit und pflicht, Seiner dich zu freuen? 2. Ja, mein Gott, ich hab' an dir, Was mein herz begehret: Einen vater, welcher mir, Was mir nützt gewähret; Der mich durch sein göttlich wort Hier zum guten lenket Und mit himmelswonne dort Meine seele 5. Du bist mein! so jauchz' ich dann: Wer ist, der mir schade? Heil mir, daß ich rühmen kann: Mein ist deine gnade! Dir ist meine wohlfahrt werth! Der du mir das leben Schenkteſt, wirst auch, was mich nährt Und erfreut, mir geben. 6. Jesus ist nach deinem rath In die welt gekommen; Alle meine missethat Hater weggenommen. Ihm vertrau' ich, bet' ihn an, Glaub' an seine leiden, Folg' ihm treulich; und so kann Nichts von dir mich scheiden. tränket. 3. Wenn ich dich, mein Herr und Gott, Kindlich ehr' und liebe, Wenn ich redlich dein gebot, Und mit freuden übe: O wie ist mir dann so wohl! Wie ist mein gemütthe Seliger empfindung voll, Voll von deiner güte! 4. Dann darf ich mit zuversicht Nach dem himmel blicken; Meine leiden acht 8. Meine lust an dir, mein ich nicht, Wie sie mich auch Gott, Wird dann ewig wähorücken. Hoffnung und zu- ren. Noch so furchtbar sei friedenheit Wohnen mir im der tod, Er wird sie nicht S2 stören; 7. Dich, du trost der sterblichkeit, Heil des bessern lebens, Himmlische vollkommenheit, Such' ich nicht vergebens! Wenn mein lauf vollendet ist, Und vollbracht mein leiden, Ruft mein mittler, Jesus Christ, Mich zu seinen freuden. 276 Zweite Abtheilung. stören! Willig werd ich mein das höchste gut; Nach dir gebein Der verwesung geben, Denn sie macht mich frei von pein, Führt zum neuen leben. steht mein verlangen. Erfülle mich mit kraft und muth, Allein dir anzuhangen. hätt ich doch Dein sanftes joch Allzeit auf mich genommen! So wär' auch ich Schon längst durch dich Zur wahren ruh gekommen. 3. Kann auch das größte glück der welt Das Herz vor kummer schützen? Kann es, wenn trübsal uns befällt, Mit trost uns unterstützen? Sein glanz verschwind't Wie rauch vom wind, Und schnell fliehn seine freuden; Nur deine treu Wird täglich neu, Und giebt auch ruh' im leiden. 9. Gieb mir mur, so lang ich hier In der fremde walle, Das bewußtsein, daß ich dir, Herr, mein Gott, gefalle; Diese sanfte freudigkeit, Die ich zu dir habe, Sei mein heil in dieser zeit, Und mein trost am grabe! 10. Laß die lust zur sünde nie Dieses heil mir rauben! Rüste selbst mich wider sie, Stärke meinen glauben: Gieb mir deinen geist, der mich Und mein thun regiere, Daß ich mein vertraum auf dich Ewig nicht, verliere. 4. Wer dich zu seinem trost erwählt, Sein herz zum guten neiget, Das arge haßt, und wenn er fehlt, Mel Das Jefulein soll doch zc. oder: Was mein Gott will 2c. 332. Hier ist mein herz, Sich gläubig vor dir benget; Herr, nimm Der schmeckt schon hier, Erfreut in dir, Der seele wahren frieden; Und volles heil Ist einst das theil, Daß du ihm hast beschieden. 5. Wie thöricht irrt' ich doch umher! Fern von dem sinn des christen, Sucht' ich, an wahrer frende leer, Ruh in der erde listen. Welch ein betrug! Es sei genug, Mich es hin; Dir sei es ganz ergeben! Was hat die seele für gewinn Vom schnöden sündenleben? Der sündentand Hat nicht bestand, Und statt den geiſt zu nähren, Füllt er das herz mit reu und schmerz. Wie, sollt ich's so beschweren? 2. Nur du, Gott, bist VII. Von der Freude an Gott. 277 Mich so getäuscht zu haben. du mein vergessen! Du liebſt Nicht meinen sinn, O Gott, mein wohl, Hast gnadenvoll forthin Nach wünschens Mein glück mir zugemessen. werthern gaben. 6. Hilf, daß ich mein gemüth zu dir In andacht oft erhebe, Und mit der eifrigsten begier Nach deiner gnade strebe; Dir folgsam sei, Und dein mich freu, Du meiner seele leben! Denn, Gott, nur du Kannst wahre ruh Und trost dem herzen geben. 7. Bei dir ist bis in ewigkeit Der reinsten freu den fülle, Des wohlseins größte sicherheit, Vollkommne ruh und stille. Nie reize mehr, Lust, geld und ehr zur sünde mein verlangen! Bis in den tod Soll dir, mein Gott, Getrost mein Herz anhangen. 3 Du trägst mich liebreich mit geduld, Vergiebst durch Christum mir die schuld, Wenn ich aus schwachheit fehle. An seinem heil Hab' ich auch theil; Dies tröstet meine seele. dir; Du bist mein trost! und was kann mir In deiner liebe fehlen? Du, Herr, bist mein, Und ich bin dein; Was mangelt meiner seelen? 2. Du hast mich von der welt erwählt Und deinen kindern zugezählt, Nie wirst 4. An dir hab' ich den treuen freund, Der es auf's beste mit mir meint; Wo find' ich deines gleichen? Du stehst mir bei, Uud bleibst mir treu, Wenn berg und hügel weichen. 5. In finsterniß bist du mein licht, Erfreust mein herz; drum acht ich nicht Zu sehr das gut der erde. Denn ohne dich Ist nichts für mich, Das einst zum trost mir werde. Mel. Ich weiß mein Gott zc. 6. Du bist mein allerhöchstes gut; Du stärkst im leiden meinen Durch oder: In dich hab ich gehoffet c. freue mich, 333.3 mein Gott, in dich muß mir's gelingen. Selbst was mich kränkt, Das muß, gelenkt Von dir, mir segen bringen. 7. Und schließ' ich dann einst meinen lauf, So nimmst du mich zu dir hinauf, Zu deines himmels freuden! Und da vergißt Der fel'ge Zweite Abtheilung. 278 selge christ Des lebens längste leiden. 8. Zwar hats kein menschlich ohr gehört, Was uns dein himmel einst gewährt, Doch seh ich schon im glanben: Vollkommnes heil Ist da mein theil; Und niemand wird mir's rauben. VIII. Vom Gehorsam gegen Gott. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. menschen, zu, Daß ich stets 334. Mein Gott, du deinen willen thu. hast mir zu 4. Dein sohn that deinen befehlen, Und ich muß dir willen gerne Und stellte sich gehorsam sein; Drum laß zum muster dar, Daß ich die pflicht mich nie verfehlen, Mich deinem willen ganz zu weihn. Du bist der Herr, und ich der knecht, Was du befiehlst, ist gut und recht. 2. Gehorsam soll vor allen dingen Dein angenehm stes opfer sein. Drum laß mich dir dies opfer bringen, Und deine rechte mich erfreun. Denn christen müssen dein gebot Aus liebe thun, und nicht aus noth. gehorsam von ihm lerne, Wie er dir stets gehorsam war. So laß mich deinen weisen rath Auch stets befolgen mit der that. 5. Laß mich nicht erst in solchen dingen Mit fleisch und blut zu rathe gehn, Die mein gehorsam soll vollbringen: Sie werden mir nur widerstehn. In unsern gliedern findet sich Ja ein gesetz, das wider dich. 6. Ach präge selber dein 3. Ich sehe, wie nach dei- gesetze Recht tief in meine nem worte Dir wind und seele ein, Daß ich nicht deimeer gehorsam sind, Und nen bund verletze, Um stets die natur an jedem orte Das gehorsam dir zu sein. Beanbefohl'ne werk beginnt: wahre, Herr, mich allezeit Vielmehr kommt mir's, als Vor aller widersetzlichkeit. 7. VIII. Vom Gehorsam gegen Gott. 279 Für sein glück und seine pflicht. 7. So bald ich deine stim- der mensch erkennt's oft nicht me höre, So mache du mein herz bereit, Daß ich sie mit gehorsam ehre, Und thue, was sie mir gebeut. Ein hörer soll ich nicht allein, Nein! auch zugleich ein thäter ſein. 2. Dir gehorcht mit sanfter wonne Sel'ger geiſter zahllos heer. Deine veste, deine sonne, Sturm und donner, erd und meer, Alles 8. Will mich die böse dienet deinem willen; Alwelt verleiten, Verbot'ne tha- les höchster, was du schufft, ten zu begehn; So laß mich Eilt und drängt sich, wenn ihrem reiz bei zeiten Mit du rufft, Dein gebot stets muth und eifer widerstehn. zu erfüllen; Nur der mensch Laß mich, mein Gott, nur dir allein Und nicht der welt gehorsam sein. erkennt's oft nicht Für sein glück und seine pflicht. 3. Oft empört sich seine seele, Herr und schöpfer, wider dich. Deine herrlichen befehle Wirft er thöricht hinter sich; Läßt sich nicht von dir regieren; Klüger oft, nach seinem wahn, Wählt er eine andre bahn, Die ihn soll zum heile führen; Aber seine bahn, sein sinn Führt ihn in's verderben hin. 9. Und drückt mich auch in trüben tagen, Herr, der leiden schwere last; So laß mich das geduldig tragen, Was du mir auferleget hast. Laß mich dir auch in kreuz und noth Gehorsam sein bis in den tod! Mel. Sollt' ich meinen Gott 2c. 335. Gut und heilig ist dein wille, Wie du selbst es bist, o Gott. Du gebeutst! in tiefster stille Hört die schöpfung dein gebot. Die im himmel dir lobsingen, Stehn um deinen thron bereit, Freuen sich der seligkeit, Deinen 4. Gott, laß es uns doch empfinden, Daß uns unser herz verführt, Daß die eitle lust der fünden Uns zuletzt den tod gebiert. Mach uns deinen willen wichtig, Führ' auf deine bahn uns hin, Lehr' uns jeden irrweg fliehn; Denn dein weg allein willen zu vollbringen; Nur ist richtig. Mach' uns unsern Zweite Abtheilung. 280 sern pflichten tren, Daß der wandel heilig ſei. deiner hände Werden unterthan dir sein, Alle deiner 5. So wird auch bei uns huld sich freun, Bis an deiauf erden, Wie im himmel, ner schöpfung ende; Denn, dein gebot Willig ausgerich- der deinen willen thut, Hat tet werden, Heiliger und allein es ewig gut. großer Gott! Alle werke IX. Vom Vertrauen auf Gott und Ergebung in seinen Willen. Eigene Melodie. 336.D er alle welten überschaut, Denkt nicht nach blöder menschen weise. Ihn lasset walten! ihm vertraut! Der euch beherrscht, ist der allweise. Er setzt sein ziel Sich, wie er will, Und hat der wege viele Zu jedem seiner ziele. 2. Ihm, dessen aug uns stets bewacht, 3st schon ein blick herab auf erden Entschluß mit weisheit überdacht, Und sein entschluß eilt that zu werden. Und immer muß That wie entſchluß Ihm wohl, ihm ganz gelingen, viel vollbringen. 3. So hat er auch ein vaterherz, Neigt sich zu uns als seinen kindern, Hat niemals lust an unserm schmerz Ung wird ihn heilen oder lindern. Hofft auf den Herrn, Denn er hilft gern. Bald hebt er eure leiden, Und wechselt sie mit freuden. 4. Laßt mit der hülf ihn auch verziehn Er bleibt doch treu in seinem bunde. Nie schreibt ihm vor, nie meistert ihn, Und still erwartet seine stunde. Wer ist ihm gleich? Er wird an euch Das glaubt! als den allweisen Sich allezeit beweisen. - - Mel. Was Gott thut, das zc. 337. Auf Gott, und nicht auf meinen rath, Will ich mein glück stets bauen, Und dem, der mich erschaffen hat, Mit ganzer seele trauen. Er, der die IX. Vom Vertrauen auf Gott. die welt Allmächtig hält, Wird mich in meinen tagen, Als Gott und vater, tragen. 2. Er sah von aller ewigkeit, Wie viel mir nützen würde! Bestimmte meine lebenszeit, Mein glück und meine bürde. Was zagt mein herz? 3st auch ein schmerz, Der zu des glaubens ehre, Nicht zu besiegen wäre? 3. Gott kennet, was mein herz begehrt, Und hätte, was ich bitte, Mir gnädig, eh' ich's bat, gewährt, Wenn's meine wohlfahrt litte. Er sorgt für mich Recht väterlich! Nicht, was ich mir ersehe, Sein wille nur geschehe. 4. Ist nicht ein ungestörtes glück Weit schwerer oft zu tragen, Als selbst das widrigste geschickt, Bei dessen last wir klagen? Die größte noth Hebt einst der tod; Und ehre, glück und habe Verläßt uns doch im grabe 281 6. Was ist der erden herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden! Was ist das leiden dieser zeit? Wie bald ists überwunden! Hofft auf den Herrn! Er hilft uns gern; Seid fröhlich ihr gerechten! Der Herr hilft seinen knechten. 5. An dem, was seelen glücklich macht, Läßt Gott es keinem fehlen; Gesundheit, weltlust, ehr' und pracht Sind nicht das glück der seelen. Wer gottes rath Vor augen hat, Dem wird ein gut gewissen Die trübsal auch verſüßzen. 338. Auf mel. Nun ruhen alle wälder zc. uf deine weißheit schauen, Gott, deiner güte trauen, Das schafft zufriedenheit. Wer kann mein wohl entscheiden? Wer schenkt mir beßre freuden, Als du, Herr aller seligkeit? 2. Vor dir ist nichts verborgen; Wie sollt ich ängſtlich sorgen, Da du mein vater bist? Du, Herr, gabst mir mein leben, Und wirst mir alles geben, Was mir zur wohlfahrt nöthig ist. 3. Dein rathschluß sei mein wille, Ich will in heilger stille Mich deiner vorschrift freun. Dein ewiges erbarmen, Dein beistand soll mir armen Zufriedenheit und muth verleih'n. 4. Laß mich nicht zweifelnd wanken, Wenn traurige gedanken Mir deinen trost entziehn. Ich werde nie Zweite Abtheilung. 282 nie vergebens Zu dir, Herr meines Lebens, Mit kindlichem vertrauen fliehn. 5. Erleichtre meine leiden Durch deines geistes freuden, Durch muth und hoffnung mir; Drückt mich die last der schmerzen, Dann sprich zu meinem herzen: Ich, dein erretter, helfe dir. Mel. Ach, was soll ich fünder zc. 339, Sollt ich dir, mein Gott, nicht trauen? Du, du liebst mich väterlich, Sorgft mit weisheit auch für mich. Sicher kann ich darauf bauen, Was dein theures wort verspricht: Gott verläßt die seinen nicht. 4. Wenn nach deinem reich ich trachte, Und nur meine seligkeit So, wie mir dein wort gebeut, Ueber alles such und achte: Hab ich des gewissens ruh Und das andre fällt mir zu. 5. Heiter sei der andre morgen, Oder nicht; was künftig ist, Quält mich nicht, ich bin ein christ. Dich, mein vater, laß ich sorgen; Froh bei allem, was dein rath Jeden tag beschlossen hat. 3. Der du alle vögel nährest, Aller felder blumen schmückst, Jedes dürre land erquicst, Speise allem vieh gewährest; Du verläsfest mich auch nie; ich bin ja weit mehr als sie. 6. Wohlzuthun ist deine freude, Das erhebt und tröstet mich; Darum hoff' ich stets auf dich, Ruhig auch im tiefsten leide. Was mir müßzet, giebst du mir. Vater, ewig dank sei dir! 2. Ja, du siehest, was mich drücket, Was mir Eigene Melodie. nützt, iſt dir bekannt; Weißt 340. Befiehl du deine und hast in deiner hand Alles, was mein herz erquikfet. Deine lieb' und vatertreu Wird mit jedem morgen neu. wege Und alles, was dich kränkt, Der treuen vaterpflege Des, der den weltkreis lenkt! Der wolken, fluth und winden Bestimmte ziel und bahn; Der wird auch wege finden, Die dein fuß gehen kann. 2. Dem Herrn mußt du vertrauen, Wenn dir's foll wohlergehn; Auf ihn nur mußt du schauen, Soll einst dein 283 IX. Vom Vertrauen auf Gott 2c. dein werk bestehn. Gott läßt nicht gehört; Er wird dir durch sorg' und grämen, hülfe senden, Wenn du's Und selbstgemachte pein am mind'sten gläubst, Und Sich keine wohlthat neh- alles unglück wenden, So men; Sie muß erbeten sein. du ihm treu verbleibst. 3. Dein auge, Gott der 7. Wohl dir, wohl deignade, Sieht immer unge- ner treue! Sie trägt den schwächt, Was gut sei oder sieg davon. Daß sie dich nieschade Dem menschlichen ge- mals rene, Denk ihren groschlecht. Und was du dann ßen lohn! Nach noch so vieerlesen, Dein rath für's beste hält, Bringst du zum stand und wesen, Wie es dir wohlgefällt. lem leide, Das dir begegnen kann, Bricht einst der tag der freude Und ewger ruhe an. 4. An wunderbaren wegen Fehlt dir's, allweiser, nicht; Dein thun ist gnad' und segen, Dein gang ist recht und licht; Und wenn du deinen kindern Ein glück haft außersehn, Wer kann dich daran hindern? Du willst! es muß geschehn. 8. Mach', Herr, ein fröhlich ende Mit aller unsrer noth, Und reich uns deine hände 3m leben und im tod. Stets laß uns deiner pflege Und treu' empfohlen sein, So gehen unsre wege Gewiß zum himmel ein. 5. Drum, seele, laß ihn In voriger Melodie. walten; er will dein wohl 341. Chrift, ergehn, Und wird dich aufrecht halten! Bewundernd wirst du sehn, Wie gut er dich regieret, Wie wunderbar sein rath Das werk hinausgeführet, Das dich bekümmert hat. 6. Verzieht der trost auch lange, Den du von ihm begehrt, Und wird dir oftmals bange, Daß er dich alles, was dich fränket, Befiehl getrost dem Herrn! Er, der die himmel lenket, Ist auch von dir nicht fern. Erwach' aus deinem schlummer; Zu Gott erhebe dich! Er siehet deinen kummer Und liebt dich väterlich. 2. Tran Gott, nicht deinen schlüssen, Die wahl des besten 284 Zweite Abtheilung. besten zu. Sprich: wer wirds gißt?" Denk an dies wort besser wissen, Dein schöpfer, oder du? Er weiß ja, was dir fehlet, In jedem augenblick. Was er, dein vater, wählet, Das dient zu deinem glück. 3. Der Gott, auf dessen segen Dein ganzes avohl beruht, Ist stets in seinen wegen Gerecht und weis' und gut. Und was er seinen kindern Zu ihrem heil erfah, Kann kein erschaff'ner hindern; Wenn er gebeut, steht's da. 4. Gott zählet deine zähren, Und wird, was gut ist, gern Auch deinem wunsch gewähren. Sei stille vor dem Herrn! Er ist der schutz der frommen, Hoff unverzagt auf ihn; Denn seine zeit wird kommen, Und dei ne wohlfahrt blühn. und weine Die freudenthrän', o christ!, Und könnt ihn sie vergessen! Will ich doch fürchte nichts!- Ich deiner nicht vergessen!" Dein Gott, dein vater sprichts! — 7. Mit ruhigem gemüthe Verlaß auf ihn dich fest, Und wiss', daß seine güte Dich ewig nicht verläßt! Er will nach einer weile Dich desto mehr erfreun; Zu deinem größern heile Verzieht er; harre sein! 8. Wohl dir alsdann, du treuer! Wie groß ist einst dein lohn! Dein richter, dein befreier Reicht dir die siegeskron. Auf kurze prüfungstage Folgt ew'ger preis und dank; Dann schweiget jede klage Und wird ein Lobgesang. 5. Ergieb dich ihm mit Mel. Fürwahr, du bist, o Gott 2c. frenden, Sei stark in sei- 342. Wohlthätig find ner kraft! Sei auch zur zeit der leiden Ein christ und tugendhaft! Und dannergreif im glauben Den trost der ewigkeit! Wer kann dir die sen rauben, Der allen gram zerstreut? der erde leiden, Dies glaube christ, und murre nicht; Am ende folgen ihnen freuden, Auf nacht und grauen sonnenlicht. Vollende diese leidenszeiz Int glauben und gelassenheit. 6. ,, 3st auch der mütter eine, Die ihres sohns ver2. Durch glauben will dich Gott 285 IX. Bom Vertrauen auf Gott. Gott bewähren, Entwöh- zur tugend führt; Wohlthänen von der lust der welt; Will dich das weise streben lehren, Mit ernst zu thun, was ihm gefällt. Du sollst im kindlichen vertraun Auf ihn und seine hülfe schaun. tig sind die liebesschläge, Wodurch er dein gewissen rührt; Verehre seine vaterhand, Die dir dies leiden zugeſandt. 3. Wirst du bei lauter erdenfreuden, Und in des glüdes sonnenschein, So 7. Gott will, wie gute väter handeln, Durch weise zucht dich auferziehn; Du sollst vor ihm unsträflich wandeln, Die welt und ihre leicht die breite bahn ver- lüste fliehn; Dich bilden in meiden? So gern die sünde fliehn und scheun? Wird nicht, wenn gar kein schmerz dich rührt, Dein schwaches herz zu leicht verführt? 4. Was predigt mehr dir diese lehre:„ Vergänglich ist die lust der welt," Als wenn in trübsal manche zähre Herab von deinem auge fällt? Was lehrt dich mehr abhängigkeit, Mehr demuth, gottergebenheit? 5. Wenn alle deine stüBen brechen, Auf welche sich dein arm gestützt; Wenn krankheit, gram und schmerz dich schwächen, Und macht und reichthum dich nicht schützt: Dann solgst du gern der süßen pflicht, Zu suchen Gottes angesicht. 6. Ja, leiden sind die wei sen wege, Wodurch er dich der prüfungszeit Zum leben der unsterblichkeit. 8. So nimm in demuth und vertrauen Den kelch des leidens willig an, Und walle, ohne furcht und grauen, auch auf der allerranhſten bahn; Shr ende wird dich einst erfreun, Und wonne, ruh und friede sein. Mel. Was Gott thut, das ist sc. 343.¹ ut, Herr, bist meine zuversicht, Mein einz'ger trost im leben. Dem fehlt es nie an trost und licht, Der sich dir, Herr, ergeben. Du bist sein Gott, Auf dein gebot Wird seine seele stille. Und ihm genügt dein wille. 2. Wer wollte dir, Herr, nicht vertraun? Du bist des schwachen stärke; Die augen. 286 Zweite Abtheilung. gen, welche auf dich schaun, wenn christen freudenleer Zu Sehn deine wunderwerke. ihm um gnade stammeln. Herr, groß von rath Und stark von that! Mit gnaden vollen händen Wirst du dein werk vollenden. Die zeit der qual, Der thränenzahl Zählt er, und deine schmerzen Nimmt er dir von dem herzen. 3. Noch nie hat sich, wer dich geliebt, Verlassen sehen müssen; Du läff'st ihn, wenn ihn noth umgiebt, Doch deinen trost genießen. Des frommen herz Wird frei von schmerz; Der sünder eitles dichten Weißt du, Herr, zu zernichten. 7. Herr, du bist meine zuversicht! Auf dich hofft meine seele, Du weißt, was meinem wohl gebricht, Wenn ich mich sorgend quäle. Wer wollte sich nicht ganz auf dich, Allmächtiger, verlaſsen Und sich in kummer fassen? 4. Drum hoff', o seele, hoff' auf Gott! Der thoren 8. In deine hand befehl ich mich, Mein wohlsein und mein leben, Mein hoftrost verschwindet, Wenn fend auge blickt auf dich; der gerechte in der noth Hülf' und erbarmung findet. Wenn jener fällt, Ist er ein held; Er steht, wenn jene zittern, Ein fels in ungewittern. Dir will ich mich ergeben. Sei du mein Gott, Und einst im tod Mein fels, auf den ich traue, Bis ich dein antlitz schaue. 5. Wirf nicht die große Mel. Alle menschen müssen 2c. hoffnung hin, Die dir dein 344. Gott der wahrheit, dessen glaube reichet. Weh' denen, die zu menschen fliehn Weh' dem, der von Gott weichet! Dein heiland starb, Er, er erwarb Auf seinem todes hügel, Dir deines glaubens fiegel. treue Unsre hoffnung stützt und hält! Ich erkenn es voller reue, Daß mich kleinmuth oft befällt. Ach! mein herz hängt noch an dingen, Die nie wahre ruhe bringen; Und wie oft vergeh ich mich, Aengstlich zweifelnd, wider 2. 6. Sei unbewegt, wenn um dich her, Sich ungewitter sammeln! Gott hilft, dich! IX. Vom Vertrauen auf Gott 2c. 2. Gott, vergieb mir diese sünde! Nimm den kleinmuth von mir hin. Schenke, vater, deinem kinde Einen dir ergebnern sinn, Der von dir nur hülfe heischet, Den nicht falsche hoffnung täuschet, Die das herz aufs eitle zieht, Und so schnell wie rauch entflieht. 3. Laß mich gram und sorgen meiden, Weil dein auge für mich wacht, Und du schon in manchen leiden Mit mir alles wohlgemacht; Laß mich auf dein wort stets hoffen, Daß doch immer eingetroffen. Gott, wer dei nem wort nicht traut Hat auf leichten sand gebaut. 4. Laß mich fest im glanben werden, Daß dein wort wahrhaftig sei! D, so werd ich hier auf erden Von so mancher unruh frei. Dann werd' ich, Gott, mit vertrauen Stets auf deine hülfe schauen; Dann wächst meine zuversicht, Und die hoffnung trügt mich nicht. 5. Auch erhebt sich meine seele Selbst noch über tod und grab, Wenn ich den zum führer wähle, Der sich einst auch für mich gab. Er, der fiegreich auferstan287 den, Macht mich los von todesbanden, Führt mich zu dem leben ein, Wo kein leid wird weiter sein. 6. Muß ich gleich noch hier auf erden, Gott, vor dir ein pilgrim sein, Wirst du doch von den beschwerden, Dieser zeit mich einst befrein. Derwünschte sel'ge stunden! Ewig aller noth entbunden, Werd ich dich, mein heiland, sehn, Und wie du, zur freud' eingehn. 7. Laß mich fröhlich darauf hoffen, Herr, Herr, meine zuversicht! Bis das alles eingetroffen, Was auch mir dein wort verspricht. Auf dich, quelle alles lebens, Harrt der glaube nie vergebens: Was wir glauben, schauen wir Einst gewiß, o Herr, bei dir. Mel. Jesum lieb' ich ewiglich zc. oder: Meinen Jesum laß ich 2c. 345. Wer auf seinen vertraut, Aengstigt sich durch keine sorgen, Ihm, auf den er sicher baut, Bleibt sein kummer nicht verborgen! Gott verläßt die ſeinen nicht, Dies stärkt meine zuversicht. 2. Er, der schöpfer aller welt, Zweite Abtheilung. 288 welt, Der versorger seiner finder; Der, was er verspricht, auch hält, Huldreich selbst noch gegen fünder; Er, der uns hervorgebracht, Hat auch, uns zu helfen, macht. 3. 3hm, ihm ist es immand sonst entdeckt, Wo der zukunft nacht mich schreckt. 7. Ihm sei dann, dem Herrn der welt, Ganz mein schicksal überlassen. Ér, der auch den wurm erhält, Kann und wird mich nicht verlassen; Bleib' ich nur der tumer leicht, Unsre wünsche gend treu, So steht er mir zu erfüllen, Und, wenn's huldreich bei. uns unmöglich deucht, Kann doch er den kummer stillen, Mel. Jesus meine zuversicht 2c. Der das Herz des chriſten 346. Säe deine thränensaat, Fromquält, Wenn ihm rath und beistand fehlt. 4. Und wer gleichet ihm, dem Herrn? Ist so reich an heil und segen? Niemand hilft, wie er, so gern Auf des lebens rauhen wegen, Er, der seinen sohn uns schenkt, Und stets huldreich an uns denkt. 5. Wenn mein auge lange weint, Ich nicht seine hülfe sehe, Und sie nicht so früh erscheint, Als ich sie von ihm erflehe; Weiß ich doch voll zuversicht, Daß sie mir nicht stets gebricht. 6. Auch dann, wann, wie mir es scheint, Selbst der hoffnung troft verschwindet: Weiß ich doch: Gott ist mein freund, Der da tansend wege findet, Wo sie niemer dulder, hier im glauben; Auch der allerrauhste pfad Müsse dir den trost nicht rauben: Daß einst nach der dunkelheit Dich ein hellres licht erfreut. 2. Ausgerungen haben schon Alle, die im glauben litten; Beten an vor Gottes thron! Ihre krone ist erstritten! Du, auch du, wirst sieger sein, Und dich deiner króne freun. 3. Denk, daß Gottes vaterhand Weise dir das kreuz aufleget ,. Und dich hier im thränenland Immer mit erbarmen träget. Väterlich ist sein bemühn, Dich zum himmel zu erziehn. 4. Hier ist dein erziehungsstand, Hier sollst du durch IX. Bom Vertrauen auf Gott zc. 289 durch prüfung lernen; Dort oben her, Wird dir trost ins ist das vollkommne land, herz gegossen; Trost vom Jenseits über allen sternen. quell der seligkeit, UeberwieDort ist unvermischtes glück; gend alles leid! Dahin wende deinen blick! 5. Trage mit geduld und muth Deine last in trüben tagen; Kämpfe glaubend bis aufs blut! Wohlthat ist's, das kreuz zu tragen, Das einst auf dem rauhsten pfad Selbst der Herr getragen hat. 6. Glaube, daß dein er denloos Liebe zog und weisheit wählte, Daß Gott, durch erbarmen groß, Nimmer seine finder quälte; Sprich, wenn heiß die thräne fließt, Daß Gott selbst die liebe ist. 1 8. Lernim kreuz gelassenheit, Unterwverfung und vertrauen! An dem schluß der prüfungszeit Wirst du froh zurücke schauen Auf den weg, der durch die nacht Dich ins land des lichts gebracht. 10. Harre, dulder unverzagt, Harre in der nächte grauen; Bis der große morgen tagt, Hin ins ruheland zu schauen, Daß, für siegende bestimmt, Dich in seinen schoos aufnimmt. 7. Liebe, wenn sein vaMel. Nuu ruhen alle wälder 20. terherz Dich mit tauſend freu: 347. Wie gut sind unden tränket; Liebe, wenn dich angst und schmerz Und geheimer fummer fränket. Gott ist vater, gut und mild, Weis-. heitsvoller liebe bild. 9. O dann fließet ihr nicht mehr, Thränen, die vom auge flossen! Wie ein strom von 11. O dann fliehet alles leid, Wie der nebel vor der sonne; Vor dir liegt die ewigkeit Und das heitre land der woune. Ohne thränen gehſt du ein, Ewig glücklich da zu sein. Mit prüfungsvollen leiden Von dir, o Gott, gemischt! Du züchtigest die deinen; Doch oft, noch wenn sie weinen, Hast du die thänen abgewischt. 2. Du züchtigst sie mit maßen, Und wirst sie nie verlassen, Wenn sie um hülfe flehn. Die last, die sie beschweret, Wird nie zu stark vermehret, Nie über ihre kräfte gehn. 3. Es dient zu ihrem frieden, T 290 Zweite Abtheilung. den, Und, fehn sie auch hie- nen Im schooße ew'ger ruh. nieden Nicht einen strahl des lichts; So wirst du sie doch trösten, Wenn ihre noth am größten, Mit freuden deines angesichts. Es strömen seligkeiten Durch alle ewigkeiten Den nun gekrönten duldern zu. 4. Du willst sie hier bewähren, Und sie zu größern ehren Durch leiden auferziehn; Sie sollen hier, als christen, Die welt mit ihren lüsten Und allen ihren frenden fliehn. 5. Auf deinen ruf zu merken, Im glauben sich zu stärken, Voll stiller fassung sein, Dies soll dein kreuz sie leh ren, Damit sie dich verehren Und dir ihr ganzes leben weihn. 6. Es führt sie deine rechte Durch grauenvolle nächte, Durch finsterniß zum licht. Durch's thränenland hienieden Gelangen sie zum frieden, Und schauen einst dein angesicht. 7. Ach! wenn sie ausgelitten, Die krone sich erstritten, Und sie die palme schmückt; Dann werden sie mit freuden, Nach tausend weh und leiden Vor des erbarmers thron erquickt. 8. Versiegt sind ihre thränen, Gestillt das bange seh9. Gieb, daß auch ich ihn fühle, Den trost, bis ich am ziele Des pilgerlaufes bin. Ach lenke meine blicke Im widrigsten geschicke Auf jenen lohn der leiden hin. 10. Dann werd' ich nicht verzagen, Nicht ungeduldig klagen, Nein, kindlich dir vertraun. Einst werd ich ohne zähren Dich freudiger verehren, Und dich im reich der wonne schaun. 348. Mein Mel. Dir Gott, dir will ich zc. ein schuß ist Gott! ihn laß ich walten; Ich hoff' auf ihn, er kennet mich Ihm fehlt's, die seinen zu erhalten, An mitteln nie; und sein bin ich; Ich gründe meine zuversicht Auf diesen fels, und wanke nicht. 2. Was quäl ich mich? bin ich ein heide, Der ohne Gott und hoffnung ist? Nein, das ist meines herzens freude, Daß du, o Gott, mein Helfer bist. Hilf, mein erbarmer, stärke mich; Denn nichts vermag ich ohne dich. 3. IX. Vom Vertrauen auf Gott. 291 3. Der Herr erzieht hier sehn? Du, vater meiner taseine kinder Zur ewigkeit mit ge, Kennst, eh' ich dir's noch weiser huld. Er schont, er klage, Mein leid und auch züchtigt viel gelinder, Als mein wohlergehn. wir verdient, und hat geduld; Er hat nicht lust an unserm schmerz; Ganz anders denkt sein vaterherz. 3. Auf deine hand zu schauen, Dir kindlich zu vertrauen, Das, Herr, ist meine pflicht; Ich will sie treulich üben, Und dich, mein vater, lieben, Denn du verläßt die deinen nicht. 4. Die lieb' ist Gott, wie kann ich zagen? Gab er für mich nicht Jesum Christ? Was könnte mir ein Gott versagen, Der so unendlich gütig ist? Erhabner trost, der nimmer trügt, Und jeden zweifel überwiegt! 4. Der du die blumen kleidest Und alle thiere weidest, Du schöpfer der natur! Weißt alles, was mir fehlet; Drum, seele, was dich quälet, Befiehl dem Herrn und glaube nur. 5. Ich harre seiner und bin stille. Wie bald verstreicht die prüfungszeit! Dann schöpf' ich dort aus seiner fülle Unendliche zufriedenheit. Er leite mich nach seinem rath, Wie er mir zugefaget hat. 5. Herr, alle meine sorgen, Die noth, die oft verborgent An meinem herzen nagt, Werf ich auf dich und freue Mich ewig deiner treue; Du hältst, was du mir zugesagt. 6. Wenn meine augen thränen Und sich nach hülfe sehnen, So flag ich dir's, dem Herrn. Mein vater, ich befehle Dir jeden wunsch der seele: Du hörst, du hilfft, du segnest gern. 7. Du führest hier die deinen Nicht so, wie sie es meinen, Doch stets nach weisem rath. Ist mir die aussicht trübe, So leuchtet deine liebe Mir auf des lebens dunkelm- pfad. T 2 Mel. Nun ruhen alle wälder 2c. 349.2 as soll ich ängstlich klagen Und ohne Hoffnung zagen? Der höchste sorgt für mich, Er sorgt, daß meiner seele Ihr wahres wohl nie fehle. Genug zum trost, mein herz, für dich. 2. Was nützt es, ängstlich sorgen, Und jeden neuen morgen Mit neuem fummer 8. 292 Zweite Abtheilung. 8. Wenn ich hier tiefen der allwissende es fügt. Gott, sehe Und es nicht ganz ver- der uns ihm hat auserwählt, stehe, Was du mit mir ge- Der weiß am besten, was than; Kann ich doch des mich uns fehlt. trösten: Einst nimmst du mich erlösten Nach kurzer schmach zu ehren an. 9. Dort, bei der frommen schaaren, Dort werd' ich es erfahren, Wie gut du mich geführt. Nach überstandnen leiden Bring ich dir dann mit freuden Den dank, der ewig dir gebührt. Eigene Melodie. 350. We er nur den lieben Gott läßt walten, Und hoffet auf ihn allezeit, Den wird er wunderbar erhalten In aller noth und traurigkeit. Wer Gott, dem allerhöchsten, traut, Der hat auf keinen sand gebaut. 4. Er kennt die rechten freudenstunden, Weiß, wann uns hülfe nützlich sei! Wenn er uns nur hat treu erfunden, Geduldig, ohne heuchelei, So kommt er, eh' wir's uns versehn, Und lässet uns viel gut's geschehn. 5. Denk nicht in deiner drangfalshite, Daß du von Gott verlassen seist, Daß ihm nur der im schooße size, Den alle welt für glücklich preist; Die zukunft ändert oft sehr viel Und setzet jeglichem sein ziel. 6. Es sind ja Gott sehr leichte sachen, Und seiner allmacht gilt es gleich, Den reichen klein und arm zu machen, Den armen aber groß und reich. Er ist der Herr, der jedermann Gar bald erhöhn, bald stürzen kann. 7. Sing', bet' und geh' auf Gottes wegen. Verrichte deine pflicht getreu! Trau ihm und seinem reichen segen, So wird er bei dir werden neu. Denn wer nur seine zuversicht Auf Gott segt, den verläßt er nicht. X. Vom 2. Was helfen uns die schweren sorgen? Was hilft uns unser weh und ach? Was hilft es, daß wir alle morgen Beseufzen unser ungemach? Wir machen unser kreuz und leid Nur größer durch die traurigkeit. 3. O halte doch dem höchsten stille, Und sei mit seinem rath vergnügt; Erwarte, wie sein guter wille, Wie X. Vom Vom Gebet. Mel. Fürwahr, du bist, o Gott 2c. 351. Dein heil, o chrift, nicht zu verscherzen, Sei wach und nüchtern zum gebet! Ein flehn aus reinem guten herzen Hat Gott, dein vater, nie verschmäht. Er ist die liebe selbst; er hört, Was seiner finder herz begehrt. 2. Erschein' vor seinem angesichte Mit dank und demuth oft und gern, Und prüfe dich in seinem lichte, Und klage deine noth dem Herrn Er eilt, den seinen beizustehn, Und segnet sie, wenn sie noch flehn. 3. Welch' glück, so hoch geehrt zu werden Und im gebet vor Gott zu stehn! Der Herr des himmels und der erden, Bedarf der eines menschen flehn? Ist's nicht bloß deine seligkeit, Wenn er zu bitten dir gebeut? 4. Sagt Gott nicht: bittet, daß ihr nehmet? Ist des gebetes frucht nicht dein? Wer sich der pflicht zu be293 ten schämet, sich, Gottes freund zu sein, Und stößt das ihm bestimmte glück Muthwillig selbst von sich zurück. 5. Sein glück von seinem Gott begehren, Ist das denn eine schwere pflicht? Und seine wünsche Gott erklären, Erhebt das unsre seele nicht? Verleiht es uns nicht muth und kraft Zur dämpfung jeder leidenschaft. 6. Sich in der furcht des höchsten stärken, In dem vertraun, daß Gott uns liebt, Im fleiß zu allen guten werken: Ist diese pflicht für dich betrübt, So triffst du nichts auf erden an, Daß deinen geist erfreuen kann. 7. Gott, laß mich nicht mein heil verscherzen, Gieb luft und kraft mir zum gebet; Und wenn mein mund aus gutem herzen Zu dir um hülf' und gnade fleht: So höre mich von deinem thron, Durch Jesum Christum, deinen sohn. Mel. Wenn ich, o schöpfer 2c. Der schämt 352. Gott deine güte reicht so weit, So 294 Zweite Abtheilung. So weit die wolken gehen; Wie trostvoll, wie ermun-. Du frönst uns mit barmher- ternd ist, Waser, dein sohn, zigkeit, Und eilst, uns bei zu menschen spricht: Sucht, zustehen. Herr, meine burg, bittet, glaubt und zweifelt mein fels, mein hort! Ver- nicht; Gott, euer vater, nimm mein flehn, merk auf Gott verschmäht Gewiß kein mein wort; Denn ich will kindliches gebet. vor dir beten. 2. Wie sollt ich auf dies wort denn nicht, Gott, zut dir flehn voll zuversicht? Ein vater, den sein kind anfleht, Giebt gern ihm guts auf sein gebet: Wie wirst denn du uns gern erfreun! Wie mild in deinen gaben sein! 2. Ich bitte nicht um überfluß Und schätze dieser erden. Laß mir, so viel ich haben muß, Nach deiner gnade werden. Gieb mir nur weisheit und verstand, Dich, Gott, und den, den du gesandt! Und mich selbst zu erkennen. 3. Ich bitte nicht um ehr' und ruhm, So sehr sie menschen rühren; Des guten namens eigenthum Laß mich mur nicht verlieren. Mein wahrer ruhm sei meine pflicht, Der ruhm vor dei nem angesicht, Und frommer freunde liebe. 4. So bitt' ich dich, Herr Zebaoth, Auch nicht um langes leben. Im glücke demuth, muth in noth, as wollest du mir geben. In deiner hand steht meine zeit; Laß du mich nur barmherzigkeit Vor dir im tode finden. Mel. Vater unser im himmelr. sc. 353. Gott, der du uns ser vater bist! 3. So gut ist keiner, keiner ist So mild und mächtig, wie du bist. Was keiner thut und keiner kann, Kannſt du; du nimmst dich meiner an; Drum will ich flehn: erbarm dich mein! Nie wird mein flehen mich geren'n. 4. Wenn mir der zukunft dunkelheit Von allen seiten furchtbar dräut: Wo find' ich trost, als mur bei dir? Ruf ich dich an, so giebst du mir Getrosten muth in meine brust. Erbarmen, Herr, ist deine luſt. 5. Wenn mich so mancher kummer drückt, Und mir kein strahl der hoffnung blickt: So seh' ich glaubensvoll auf dich: Wie mindert X. Vom Gebet. 295 dert da mein kummer sich! Mel. Herr Jesu Christ, mein's 2c. Denn du erhöreft mein ge- 354.3 ch komme vor bet, Das zu dir um erleichtrung fleht. dein angesicht, Verwirf, o Gott, mein flehen nicht; Vergieb mir alle meine schuld, Du Gott der gnade und geduld. 6. Wenn mich der krankheit schmerz beklemmt, Und meines geist es denkkraft hemmt: Dann ruf ich dich um lindrung an, Dich, der die seele stärken kann; Und du gewährst von zeit zu zeit Mir kräfte zur gelassenheit. 7. Wenn ich nicht helfen kann dem freund, Der mit vertrauen zu mir weint; Nicht armen, die verlassen stehn; Nicht kranken, die um labsal flehn: So ruf ich doch für sie dich an; Und du, Herr, thust, was ich nicht kann. 8. Steh ich am ziele meiner fraft, Wo mir kein mensch mehr hülfe schafft: Wer hört dann des verlassnen ruf? Du bist's, der erd und himmel schuf. Du hörst mich und verkehrst mein leid In ewige zufriedenheit. 9. So will ich denn stets mitvertrauen Auf dich, mein Gott und vater, schauen, Und, deinen segen zu empfahn, Zu dir mich im gebete nahn. Du hörst, o Gott, ein frommes flehn; Und was mir gut ist, wird geschehn. 2. Schaff du ein reines herz in mir, Ein herz voll lieb und furcht zu dir, Ein herz voll demuth, preis und dank, Ein ruhig herz mein Lebelang. 3. Sei mein beschützer in gefahr, Ich harre deiner immerdar; Wo ist ein übel, das mich schreckt, Wenn deine vaterhand mich deckt? 4. Ich bin ja, Herr, in deiner hand, Von dir empfing ich den verstand; Erhalt ihn mir, Und durch dein wort Erleucht' und leit ihn immerfort. 5. Laß, deiner güte mich zu freun, Sie stets vor meinen augen sein; Laß meines glaubens mich zu freun, Ihn stets durch liebe thätig sein. 6. Das ist mein glück, was du mich lehrst; Das sei mein glück, daß ich zuerst Nach deinem reiche tracht', und treu In allen meinen pflichten sei! 7. Ich bin zu schmach aus eigner 296 eigner fraft Zur dämpfung meiner leidenschaft. Du aber ziehst mit kraft mich an, Daß ich den sieg erlangen kann. 8. Gieb von den gütern dieser welt, So viel mir nützt und dir gefällt; Bei wenigem zufriedenheit, Zu meinem fleiße heiterkeit. Zweite Abtheilung. 9. Schenkst du mir aber überfluß, So laß mich mäßig im genuß, Und, dürftge brüder zu erfreun, Mich einen frohen geber sein. 10. Gieb mir gesundheit, und verleih', Daß ich sie nütz' und dankbar sei, Und nie, aus liebe gegen sie, Mich zaghaft meiner pflicht entzieh. 11. Erwecke mir stets einen freund, Der's tren mit meiner wohlfahrt meint, Mit mir in deiner furcht sich übt, Mir rath und trost und beiſpiel giebt. 12. Bestimmst du mir ein längres ziel, Und werden meiner tage viel: So sei, Herr, meine zuversicht; Verlaß mich auch im alter nicht. 13. Und wann sich wird mein ende nah'n, So nimm dich meiner herzlich an, Und sei durch Christum, deinen sohn, Mein schirm und schild, mein großer lohn. Mel. Fürwahr, du bist, o Gott 2c. 355.K Tomm betend oft und mit vergnügen, chrift, vor Gottes angesicht. Laß keine trägheit dich besiegen In der erfüllung dieser pflicht. O übe sie, zu Gottes preis, Und deinem heil, mit treuem fleiß. 2. Bet' oft in einfalt deiner seelen; Gott sieht aufs herz, Gott ist ein geist. Wie können dir die worte fehlen, Wenn nur dein Herz dich beten heißt? Der glaub' an Gott und seinen sohn, Rührt ihn, nicht leerer worte ton. 3. Bet, oft zu Gott und schmeck' in freuden, Wie freundlich er, dein vater, ist; Bet oft zu Gott, und fühl im leiden, Wie treulich er das leid versüßt. Gott hörts, Gott ist's, der hülfe schafft; Er giebt dem müden trost und kraft. 4. Bet oft und heiter im gemüthe; Schau dich an seinen wundern satt; Schau auf den ernst, schau auf die güte, Womit er dich geleitet hat. Oft irrtest du, er trug geduld; Erkenn und preise seine huld. 5. Bet' oft, durchschau mit frohem muthe Die herzliche barmherzigkeit Des, der mit seinem X. Vom seinem theuren blute Uns vom verderben hat befreit, Und eigne dir, zu deiner ruh Und heiligung, sein opfer zu. 6. Bet' oft, Gott wohnt an jeder stätte; In keiner minder oder mehr. Denk nicht: wenn ich mit vielen bete, So find ich eh'r bei Gott gehör. 3st nur dein wunsch In voriger Melodie. gerecht und gut, So ſei ge- 356.3u dir, o Gott, ihn thut. das Herz erhe7. Doch säume nicht, in den gemeinen Auch öffentlich Gott anzuflehn, Und seinen namen, mit den seinen, Mit deinen brüdern, zu erhöhn. Fühl der vereinten andacht werth, Die deine eigne stärkt und nährt. 8. Bet' oft zu Gott für dei ne brüder, Für alle menschen, als ihr freund; Denn wir sind eines leibes glieder; Kein glied soll sein des andern feind: Solch bitten, das aus liebe fließt, Gefällt dent, der die liebe ist. Gebet. 297 10. Dies reize mich, vor dich zu treten Mit lob und dank, mit wunsch und flehn; Doch meine fehler bei dem beten Wollst du, mein vater, übersehnt, Weil der, der dir zur rechten sitzt, Mich als mein mittler unterstützt. 9. Bet oft, so wirst du glauben halten, Dich prüfen und das böse scheun, An lieb und eifer nicht erkalten, Und reich an guten werken sein; Denn muth und kraft und seelenruh Sagst du, Gott, dem, der bittet, zn. ben, Zu dir mit frommer andacht flehn; Dir dank und preis und ehre geben, Und meine schwäche dir gestehn: Ist dein befehl, ist meine pflicht, Und stärket meine zuversicht. 2. Wie könnt' ich diese pflicht vergessen? Nein täglich bleib' es, Gott, mir werth, Mit frohem danke zut ermessen, Welch heil von dir mir widerfährt, Der du auch mich als vater liebſt, Und gern mir, was mir nüBet, giebst. 3. Wenn ich zu deinem throne trete, Von dir mir gutes zu erflehn; Wenn ich im kummer zu dir bete, Und wünsche, mich erhört zu sehn: So gieb, daß ich von heuchelei, Und frei von eigendünfel ſei. 4. 298 4. Nie müss' ich das von dir begehren, Was deine weisheit nicht erlaubt, Nie bitten, daß mir zu gewähren, Was andern ihre wohlfahrt raubt. Denn du Denn du erhörest tein gebet, Das rache, neid und stolz verräth. Zweite Abtheilung. 6. Wünsch ich bei kummervollen leiden Von ihrer last mich frei zu sehn; Wünsch ich des lebens stille freuden, So laß nur so mich darum flehn: Wenn's deiner weißheit rath beschließt Und wenn mir beides nützlich ist. 5. Wünsch ich mir güter dieser erden, So laß zugleich mich darum flehn, Daß sie mir wirklich mittel werden, Des nächsten wohlfahrt zu erhöhn; Daß ich von geiz und fargheit fern, Mit weis7. Dann wird dir mein gebet gefallen, Ich werde nie mich trostlos sehn, Du, Herr und vater von uns allen, Erhörst dann auch gewiß mein flehn; Giebst mir im glück zufriedenheit, In heit sie gebrauchen lern'. trübsal ruh und heiterkeit. XI. Vom? obe Gotte 8. Mel Nun danket all' und 2C. 4. Aus seiner fülle neh357. Auf, christen, men wir Noch immer, was uns nährt Und unſern ſeelen auch schon hier Zufriedenheit gewährt. 5. Er breitet stets auf unserm pfad Viel frenden um uns her, Die noth, womit sein weiser rath Uns prüft, erleichtert er. 6. Er trägt, nach güt'ger vaterart, Uns schwache mit geduld; Er züchtigt wohl, doch nie zu hart, Und schenkt uns gern die schuld. 7. Er weckt uns das gewiffen bringet preis und ehr' Dem herrscher aller welt; Dem mächtigen, der erd' und meer, Und alle himmel hält. 2. Lobt Gott mit frohem jubelschall, Ihn, unser höch stes gut, Der große wunder überall, Auch an uns menschen thut. 3. Von unsrer zarten kindheit an Hat er uns unterstützt; Er, der allein uns helfen kann Und gern uns hilft und schützt. XI. Vom Lobe Gottes. 299 wissen auf, Ruft uns zur du die sterne zählen? Und besserung, Und stärkt uns, sieh! sie wandeln jauchzend achten wir darauf, Mit kraft fort, Ohn' ihres weg's zu zur heiligung. fehlen. Die erd' ist seiner wunder voll; Ja Herr! aus deinen werken soll Der mensch dich kennen lernen. 8. Er bleibt uns tren, sein wort steht fest; Wer hier sich zu ihm hält, Kommt, wenn er diese welt verläßt, 4. Dich, mächtiger! der Zum glück der bessern welt. du dem meer, Dem sturm 9. Drum, christen, singt gesetze giebest; Dich, vater! ihm preis und dank Für seine dich, barmherziger! Der du freundlichkeit. Dort preist so göttlich liebest! Dich kensie unser lobgesang Noch nen ist der weisheit ziel, Der mehr in ewigkeit. wahren weisheit; welch' gefühl Begeistert dann die seele! Mel. Sei lob und ehr' dem 2c. 358. Erschalle lied, zu Gottes ruhm! Ein jedes volk der erde Werd unsers Gottes eigenthum, Ein Hirt und eine heerde! Der Herr ist nah! beugt enre knie! Er ist nicht dort, er ist nicht hie, Er ist allgegenwärtig! 2. Ein heilig dunkel zwar vor unverhüllt Ihn selbst serm blicke; Doch allenhalHerrn! Wer preist, was ben strahlt sein bild, Die herrlich ist, nicht gern? Er, schöpfung, uns zurücke. Er- welchen erd' und himmel ehrt, kennt die allmacht seiner Isteures höchsten lobes werth. hand! Sie hat die himmel ausgespannt, Und rollt sie einst zusammen! 2. Pflicht ist es, daß ihr sein gedenkt. Wozu ward euch verstand geschenkt? Den zu erheben, der euch schuf, O welch' ein herrlicher beruf! 3. 3. Welch reich der ord mung leuchtet dort! Kannst 5. Ein tropfen deiner wonne fließt Durch unser ganzes wesen, Wenn wir, wie groß und gut du bist, In deinen werken lesen. Wir schaun ins heiligthum hinein; Wir sind durch dich und werden sein, Und ewig mit dir leben. Mel. Herr Gott, dich loben alle zc. oder: Nun jauchzt dem Herrn alle 2c. 359.Aufchriften! preist 300 Zweite Abtheilung. 3. Ofreut euch, wenn ihr ihn besingt, Daß ihr von ihm ein herz empfingt, Das sich zu Gott mit andacht nah'n, Und seine größe fühlen kann. 4. Wer ist wohlthätiger als er? Denn welche gabe sollt uns der Nicht schenken, der so sehr uns liebt, Daß er uns alles, alles giebt? 5. Auf, christen, preist mit mir den Herrn! Wer preist nicht milde geber gern? Gedenkt, wie viel er uns gewährt! Wer ist, wie er, des dankes werth? An hohen Festen. Mel. Herr Gott, dich loben 2c. 360. Her err Gott, dich loben wir! Herr Gott, wir danken dir! Dir, vater, sohn und heil'gem geist! Dir, den die ganze schöpfung preist! Bom aufgang bis zum niedergang Erschallet dir ihr lobgefang. Der engel lobgefang bist du; Ein seraph ruft dem andern zu: Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott, der allgewalt'ge Gott! Weit, über alle himmel weit, Reicht deine macht und herrlichkeit. Was je den erdkreis aufgeklärt, Was je die welt dein heil gelehrt, Prophet, apostel, märtyrer, Preist dort im höhern chor dich, Herr. Hier preist dich, noch vom leib beschwert, Dein volk nur schwach, doch gern gehört, Dich, vater, auf der himmel thron, Dich, Jesu Christ, des vaters sohn, Und dich, o geist, des gnad und kraft In sündern neues leben schafft. Du, Gottes sohn von ewigfeit! Du, abglanz seiner herrlichkeit! Ließ'st dich herab, ein mensch zu sein, Uns menschen wieder Gott zu weihn, Und herrschest nun in deinem reich Mit gnad' und macht, Dem vater gleich, Bis XI. Vom Lobe Gottes. 301 Bis du in herrlichkeit der Dann wird im himmel unser theil Dein großer lohn, dein ewig's heil. Amen. einst Als richter aller welt erscheinst. Hilf! hilf uns, Herr! wir sind ja dein! Freun uns, durch dich erlöst zu sein. Zu deines hohen namens ruhm Hilf deinem volk und eigenthum, Leit' uns durch unsre prüfungszeit Den weg zu deiner herrlichkeit! Wir wollen ihn, dir folgsam, gehn. Und dankbar froh dein lob erhöhn. Die erd' erfülle, Herr, dein ruhm, Wie deines himmels heiligthum. In unsers lebens pilgerschaft Ist, Herr, dein wort uns licht und kraft. Sei gnädig uns, o treuer Gott! Du starker schutz in jeder noth! Du hilfst, wo hülf' und rath gebricht; Im tod' auch läsfest du uns nicht. Bei feierlichen Vorfällen. In voriger Melodie. 361. Her err Gott, dich loben wir! Herr Gott, wir danken dir! Dein segen strömt ohn unterlaß Auf uns herab im reichsten maaß. Von uns steigt denn zut deinem ohr Ohn unterlaß auch dank empor. Unendlicher! wer ist, wie du? Uns rufen's alle himmel zu: Der uns erschuf, ist groß! An macht und weisheit groß! An güt' und segen groß! iſt unermeßlich groß! Der du das nichts ins daſein rufft, Groß zeigtest du dich, als du schufft. Dein wort gebot, und es geschah, Gleich standen zahllos welten da; Und Zweite Abtheilung. alsbald die 3. In unserm staub, Herr, bahn, flehen wir, Die ihr dein wink wies, Gott, unsre zuflucht für freudig an. und für! Groß bleibst du, da du aller denkst, Du aller welten schicksal lenkst. Thu deinem knecht, dem fürsten wohl, Das land mach' deines segens voll. Schütz' es und sichre seinen flor, Die erd' auch ist dir nicht zu klein; Und hebe stets ihn mehr empor; Du willst ihr milder herrscher sein. Wer deine wege forscht, erkennt's Vor allem hilf, daß frömmigkeit In unserm land stets mehr gedeiht. 4. Von deines hohen namens ruhm Erschallet heut dein heiligthum. Nimm au die opfer unsers danks, 302 Und jede trat Und freut sich deines regiments. 2. Groß, weise, gut und herrlich ist, Allherrscher, was dein rath beschließt. Die kronen sind in deiner hand; Den weisen schenkst nur du verstand; Giebst helden ihren heldenmuth; Und frönst das jahr mit deinem gut. Du treibst vom staate seuch und krieg; Verleihst am tag des streites sieg! Gewährst zu fröhlichem gemuß Durch frieden neuen überfluß. Die jubel unsers lobgefangs. Herr, dir gefällt ja wohl, wenn dein Vor dir sich deine menschen freun. Sie zu beglücken, schufft du sie; Und deine güt erschöpft fich nie. Wenn wir dich lieben, und dir traun, Wirst du auf uns mit gnade schaun. Amen. Mel. XI. Vom Lobe Gottes. Mel. Ich finge meiner seele zc. oder: Nun danket all' und zc. 362. Ich finge dir mit herz und mund, Herr, meines herzens lust; Wie gut du bist, sei allen fund, Und allen, was du thuſt. Mel. Nun danket all' und 2c. 2. Mit segen krönst du jedes jahr, Daß unſer herz 363. Kommt her, versich freut! Du liebest uns unwandelbar, Auch wenn dein donner dräut. 3. Des frühlings pracht ist, Herr, von dir, Des sommers frucht ist dein; Und was dein herbst giebt, des sen wir Im winter uns erfreun. 4. Dut nährest uns von jahr zu jahr, Bleibst immer gut und treu, Und stehest uns auch in gefahr, Im kummer gnädig bei. 5. Oft, wenn der christ verlassen scheint, Hast du ihn schon gestärkt, und keine thräne, die er weint, Bleibt von dir unbemerkt. 303 nahen noth Uns deinen schutz gewährt. 8. Ja, was Gott will, und was er thut, Und was er uns gebeut, Ist für dies erdenleben gut, Gut für die ewigkeit. 6. Du kennest unsrer arbeit müh, Dein beistand ist nicht fern, Du förderst, und vergilist uns sie, Erfreust und segnest gern. 7. Hast du uns nicht von jugend auf, So väterlich ernährt? Und oft in mancher tes ruhm, Ihr menschen, preist den Herrn! Denn ihr, ihr seid sein eigenthum; Lobsingt und dankt ihm gern. 2. Vom engel an bis auf den wurm Ist alles voller pracht! Das frühlingslüftchen, wie der sturm, Verfündigt seine macht. 3. Er giebt die sonne seiner welt Und seinem mond ihr licht. Er ist's, der unsern erdkreis hält In seinem gleichgewicht. 4. Das feld weiß seine zeit genau; Nichts dringt zu früh hervor. Der halm, erquicht durch seinen thau, Schießt täglich mehr empor. 5. Gott giebt der jungen saat gedeihn; Uns kräfte zum genuß; Auch unsre herzen zu erfreun, Oft reichen überfluß. 6. Er hält den blitz in seiner Zweite Abtheilung. 304 seiner hand; Und führt der wolken heer. Mit segen füllet er das land; Mit segen auch das meer. 7. Noch steht, zum zeichen seiner huld, Sein bogen in der luft. Noch trägt er sünder mit geduld, Die sie zur besserung ruft. 8. Der tag verkündigt seine macht Dem holden abendroth; Dem morgen sagt die mitternacht: Groß ist der schöpfer, Gott! 9. Groß, wenn sein donner rollt daher; Groß, wenn die sonn' entzückt; Groß, wenn der strom rauscht und daß meer; Groß, wenn der bach erquickt. 10. Allmächtiger! so weit und breit Schallt deines namens ruhm. Ein dankbar herz sei dir geweiht, Dir ganz zum heiligthum. In voriger Melodie. 364. Anbetungswürdiger, zu dir Steig' unser preisgesang! Wir alle deine kinder, wir Sind freude, lob und dank. 2. Gott singen, das ist unserziel; Erschalle preisgegesang! Wer fühlen kann, sei mitgefühl, Was odem hat, ſei dank. 3. Wir fühlen froh uns und beglückt, Wenn unser mund ihn preist. Sein unerreichtes lob entzückt, Hebt himmelan den geist. 4. Er schwingt sich über erdenlust Und spiel der eitelkeit, Und vorgefühl glüht in der brust Der nähern ewigkeit. 5. Zwar stammeln wir, es bebt der ton, So warm das Herz auch glüht. Dich, vater, dich und deinen sohn Erreicht kein sterblich lied. 6. Doch, christen, Gott verschmäht es nicht, das opfer, ist's auch klein. Naht euch, und singt voll zuversicht; Nur sei die seele rein. 7. Die lippe, die ihn sang, entweih' Nie schnöden lasters lob, Fern von der thorheit liedern sei Der mund, der ihn erhob. 8. Preis sei dem Herrn! Preis sei dem Herrn! Er gab der brust gefühl, Dent mund ein lied; preis sei dem Herrn! Der hand ein saitenſpiel. 9. Einst singen wir int höhern ton Ihm unsrer seele dank; Einst tönt den vater und dem sohn Ein beßzrer preisgesang. Mel. XI. Vom Lobe Gottes. Mel. Sei lob und ehr dem zc. 365. Lob, ehr und thränen! dank dem höchsten gut, Dem vater aller güte; Dem Gott, der so viel wunder thut; Dem Gott, der mein gemüthe Mit seinem reichen trost erfüllt; Dem Gott, der allen jammer stillt: Ihm, unserm Gott, sei ehre! 4. 3ch rief zum Herrn in meiner noth: Vernimm, o Gott, mein flehen! Da half mein Helfer mir vom tod Und ließ sein heil mich sehen. Ich ich danke dir! danke, 305 Dankt ihm mit freuden2. Der himmel heere danten dir Beherrscher aller thronen; Auch wir, die wir, o vater, hier In deinem schatten wohnen. Wir alle preisen deine macht, Die uns erschuf, die uns bewacht. Gebt unserm Gott die ehre! 3. Was deine macht geschaffen hat, Das willst du auch erhalten; Darüber will 7. So lang ich lebe, soll dein weiser rath Und deine mein dank Dich, meinen retgnade walten. In deinem ter, ehren; Einst sollen meiganzen königreich Herscht nen lobgesang Auch deine macht und recht und huld himmel hören. Mein geist, zugleich. Gebt unserm Gotto Gott, erhebe dich, Mein die ehre! ganzes herz erfreue sich: Gott ist mein Gott auf ewig! Und 5. Gott ist bei uns, und nimmer nicht Von seinem volk geschieden. Er ist des frommen zuversicht giebt ihm heil und frieden. Mit vaterhänden führt er die, Die ihm vertraun, und segnet sie: Freut euch des Herrn, ihr frommen! Gott, danket, nicht helfen kann, Erhört 6. Wann menschenmacht er unsre klagen; Er nimmt sich unsrer mächtig an, Wir dürfen nie verzagen. Wann keine ruh uns mehr erfreut Schafft er uns fried' und sicherheit. Gebt unserm Gott die ehre! 8. Die ihr euch Gottes kinder nennt! Gebt mit mir Gott die ehre! 3hr, die ihr seinen sohn bekennt, Gebt mit mir Gott die ehre! Der fünde götzen macht zu spott! fromme, Gott mit mir! Der Herr ist Gott! der 11 Herr Zweite Abtheilung. 306 Herr ist Gott! Gebt unserm Gott die ehre. den mich geleit't, Durch manche wohlthat mich erfreut, Und mir bisher geholfen. 2. O Herr! für deine gütigkeit Sei ehrfurchtsvoll gepriesen, Die du durch meine lebenszeit So reichlich mir erwiesen! In mein gedächtniß schreib ich an: Sehr großes hat der Herr gethan An mir, und mir geholfen! 3. Hilf ferner mir, mein treuer Gott! Hilf mir Mel. Herr Jesu Christ, du 2c. 366. Vis hierher hat. allen zeiten! Hilf mir im mich Gott gebracht Durch seine große gnade; Bis hierher hat er tag und nacht Auf diesem pilgerpfade mit vaterhän- ner hand geführet! leben und im tod; Hilf in gefahr und leiden! Gieb, daß ich meine lebenszeit Benutze für die ewigkeit, Von dei9. Kommt, laßt uns vor sein angesicht Mit froher ehrfurcht dringen! Bezahtet die gelobte pflicht Und laßt uns fröhlich singen: Der Herr hat alles wohl bedacht, Und alles recht und gut gemacht! Gebt unserm Gott die ehre! 8 XII. Dankbarkeit gegen Gott. Mel. Herr Gott, dich loben alle 2c. 3. Wer war der immer 367. Dich, Herr und gütige, der lengmuthsvoll vater aller welt, Preist mein gesang, und dir mißfällt Des menschen schwaches danklied nicht, Mein Gott und meine zuversicht! mich leitete? Und stürmte trübsal auf mich zu, Wer half mir überwinden? du. 2. Von mutterleib' an warst du es: Wie freu't sich meine seele des, Daß du auch mir ein vater bist, Der seines kindes nie vergißt! 4. Herr, dessen augen stets mich sahn, Du ließ'st auf meiner pilgerbahn Für mich so viele freuden blühn, Durch wohlthun mich zu dir zu ziehn. 5. Du bist und warest immerdar Mein Mein schuß, mein XII. Dankbarkeit gegen Gott. 307 mein retter in gefahr, Der Verwandeltest du in mein stifter meines wohlergehn's Und der erhörer meines flehns. 6. Wie oft entfernt ich mich von dir! Doch du, du bliebest vater mir, Der, wenn ich reuvoll wieder kam, Auch mir voll huld entgegen kam. 4. Du hörtest schon mein sehnen Und zähltest meine thränen, Eh' ich bereitet war; Eh' ich zu sein beo Gott, der gern erfreut, gonnte, Und zu dir rufen Die thräne meiner dankbar- konnte, Da wogst du schon feit. mein theil mir dar. 7. Unzählbar sind und täglich neu Die proben deiner vatertreu. Dir rinnt, 8. Nimm, da ich's nicht vergelten kann, Das opfer meines dantes an. Mein leben müsse zenge sein: Ich sei erkenntlich, ich sei dein. glück. 3. Ich bin, Herr aller dinge, Der tren' viel zu geringe, Mit der du mich bewacht. Damit ich, staub und erde, Auf ewig glücklich werde, Hast du schon ewig mein gedacht. 2. Du, Herr, hast mich bereitet, Mich väterlich geleitet Bis diesen augenblick; Du gabst mir frohe tage, Und selbst der leiden plage 5. Du ließ'st mich gnade finden, Und sahst doch meiteit. D höchster! welch erne sünden Vorher von ewigbarmen! Du sorgest für mich armen Und bift ein vater, der verzeiht. Eigene Melodie. 368. Dir ir dank ich für 6. Für alle deine trene, Für das, des ich mich freue, Lobsinget dir mein geist. mein leben, Gott, der du mir's gegeben, Ich danke dir dafür. Du hast, von huld bewo- Dein edelstes geschenke Ist gen, Mich aus dem nichts gezogen; Durch deine güte bin ich hier. er, durch den ich denke; Dein ist's, daß er dich vater heißt. 7. Daß du mit kraft mich stärkest, Auf meine tage merkest, Dies, vater, dank ich dir; Daß du mich liebreich führest, Mit deinem 11 2 geiſt Zweite Abtheilung. 308 geist regierest; Dies alles, vater, dank ich dir. 8. Was mir in diesem leben Noch nützt, wirst du mir geben. Du giebst's; ich hoff' auf dich. Dir, vater, dir befehle Ich meinen leib und seele Herr segne und behüte mich. Mel. Nun danfet all' und 2c. 369. D¹ u bist es, dem mein dank gebührt, Und den, Herr, bring ich dir. Mein schicksal hast du stets regiert, Und stets warst du mit mir. 2. Wenn angst und noth sich mir genaht, So hörtest du mein flehu, Und lieBest mich nach deinem rath Hülf und errettung sehn. 3. Wenn ich in schmerz und krankheit senk, Und rief: Herr, rette mich! So halfft du mir, Mit welchem dank, Mein Gott, erheb ich dich? 6. Herr, für die leiden dank ich dir, Dadurch du mich geübt; Und für die freuden, welche mir Dein milder segen giebt. 7. Dir dank ich es, daß die natur Mich nährt, und mich erfreut. Ich schmeck' in jeder kreatur, Gott, deine freundlichkeit. 8. Ich danke dir für deinen sohn, Der für mich sünder starb, Und der zu deinem gnadenthron Den zugang mir erwarb. 9. Wie sehr liebt Gott der menschen wohl! Erheb ihn, volk des Herrn! Die erd' ist seiner güte voll; Er hilft und rettet gern. 10. Er hilft und läßt die traurigkeit Bald vor uns übergehn; Will uns, nach kurzer prüfungszeit, Zu ew'gem glück erhöhn. 11. Bergiß nicht, seele, deinen Gott! Nicht, was er dir gethan. Berehr' und halte sein gebot, Und bet' ihn ewig an. 4. Betrübte mich des feindes haß, So klagt ich dir den schmerz, Du halst mir, daß ich ihn vergaß, Und gabst geduld ins herz. 5. Wenn ich den rechten pfad verlor Und mich ver- 370, Von ganzer feele schuldet sah, Rief ich zu mein Gott, empor, dir, dich, Und Herr, der du mich so vätergnade war mir nah. lich Bis diesen tag erhal ten. Mel. Ich weiß, mein Gott, daß 2c. oder. In dich hab ich gehoffet 2. XII. Dankbarkeit gegen Gott. ten. Noch für und für Laß über mir Dein segnend auge walten. 2. Wer schenkt uns leben, glück und ruh? Wer giebt uns fraft zur pflicht? mur du Schaffst wollen und vollbringen. Wird dein gedeihn Uns nicht erfreun, So kann uns nichts gelingen. Eigene Melodie. 3. Du schufft und du re- 371. Nu danket all un und bringet gierst die welt Nach deinem rath, wie dir's gefällt. Dn lenkst der menschen Herzen. Sei auch mein licht und laß mich nicht, Gott! deinte huld verscherzen. 4. Dein wort lehrt, wie ich wandeln soll. Ich folg' ihm auch, doch fühl ich wohl Die schwachheit meiner seele. Ach! Gott der huld! Vergieb die schuld, Wenn ich auß schwachheit fehle. 5. Verstand und herz ist fehlerhaft; Bald fehlt mir licht, bald fehlt mir kraft, Mich weislich zu regieren. Drum bitt' ich dich: Laß, höchster, mich Stets deine weisheit führen. 309 Und freuz auflegst, Laß dir mich fest vertrauen. 7. Gieb, daß ich meine lebenszeit Nur dir mit ganzem ernst geweiht In deiner furcht vollbringe, Bis ich einst dir, Dort für und für Lob, preis und ehre singe. ehr' Dem großen Herrn der welt; Ihm, dessen ruhm des himmels heer Und jedes werk erzählt. 2. Ermuntert euch und preist gerührt, Gott, unser höchstes gut; Der alles schuf, erhält, regiert, Und große dinge thut. 3. Der uns von mutterleibe an Gesund und froh erhält; Und wo kein mensch uns helfen kann, Sich selbst zum helfer stellt. 4. Der, ob wir ihm gleich hoch betrübt, Doch gnädig bleibt und gut, Die straf' erläßt, die schuld vergiebt, Uns so viel gutes thut. 6. Herr, dessen huld uns 5. Er gebe uns ein from ewig liebt! Laß mich beim mes herz, Daß wir uns fersegen, den fie giebt, Auf ner freun; Und laß' angst, dich, den geber, schauen. sorge, furcht, und schmerz Selbst, wenn du schlägst Stets ferne von uns sein. 6. 310 Zweite Abtheilung. 6. Er laffe seinen frieden zu bewahren, Seine schutzruhn Auf unserm vaterland! Hand ausgestreckt. Er, der Er gebe glück zu unserm über mich schon wachte, Als thun, Und heil für jeden ich kaum zu sein begann, stand! Sah mit vaterhuld mich an, Eh' ich war und eh' ich dachte. Leib und seele gabst du mir; Gott, o wie verdank' ich's dir! 7. Er trag' uns ferner mit geduld Und laß uns heilig sein, Und seiner väterlichen huld Uns allzeit hoch erfreun! 8. So, lange dieses leben währt, Sei er stets unser heil! Und wann wir scheiden von der erd', Verbleib er unser theil. 9. Er drücke, wann das Herz einst bricht, Uns unsre augen zu, Zeig uns dann dort sein angesicht, Und geb' uns seine ruh! Eigene Melodie. 372. Sollt ich meinem Gott nicht fingen? Sollt ich ihm nicht dankbar sein? Hab' ich doch in allen dingen, So viel anlaß mich zu freun! D, es ist ja nichts als liebe, Die sein vaterherz bewegt, Die mich mit erbarmen trägt, Wenn ich seinen willen übe. Alles währet seine zeit; Gottes lieb in ewigkeit. 2. Wie ein adler in gefahren Treulich seine jungen deckt; So hält Gott, mich 3. Für mich armen, mich verlornen, Mich, der ich gefallen bin, Gabst du deinen eingebornen, Jeſum Christum, selber hin. Mir zum heil kam er auf erden, Lehrte, litt, vergoß sein blut, Starb am kreuze, mir zu gut, Daß ich möchte felig werden. Seines heils kann ich mich freun; Gott, dein bin ich, du bist mein! 4. Du, mein vater, mein regierer, Hilfft mir selbst im guten fort; Du giebst mir zum sichern führer Deinen geist in deinem wort, Daß er meine seele fülle Mit des glaubens hellem licht, Das des todes schatten bricht, Und das bange herz macht stille. Er ist's, der durch feine kraft Gern, was gut ist, in mir schafft. 5. Meinem bessern theil der seele Giebst du troft und stärk' und ruh! Wenn ich, was XII. Dankbarkeit gegen Gott. 311 was du willst, erwähle, führt zur sünde, Von dem Strömet mir dein friede zu. Was, so lang ich hier noch walle, Ich bedarf in dieser welt, Was den leib ernährt und hält, Daß er nicht in staub zerfalle, Auch das wird von deiner hand Väterlich mir zugewandt. rechten wege weicht: Alſo siehst du meine schwächen, Höchster, mit erbarmen an, Züchtigst mich, daß ich's gethan. Ohn' es doch im zorn zu rächen; Weil, als ich's verirrt beging, Doch mein herz noch an dir hing. 1 1 6. Himmel, erd' und ihre heerde Sind auch mir zum mußzen da. Wohin ich mein auge tehre, Ist mir, Gott, dein segen nah'; Thier' und kräuter und getreide, In den gründen, auf der höh', In den büschen, in der see, Sind mir nahrung, sind mir frende. Deine welt ist, mir zum wohl, Unzählbarer güter voll. 9. Wenn dein kreuz und deine schläge Meinem fleisch gleich schmerzlich find; Sind's doch, wenn ich's recht erwäge, Zeichen, daß du mich, dein kind, Willst zum höhern glück erziehen. Wohl mir, wenn ich folgsam bin! Mir zum reichlichen gewinn, Ernt' ich von des lebens mühen Und der ausgestandnen pein Einstens ew'ge freuden ein. 10. Weil denn ohne ziel und ende, Vater, deine gnaden sind; So erheb ich herz und hände Freudig zu dir, als dein kind, Bitte: wollst mir gnade geben, Dir mein ganzes herz zu weihn, Deiner liebe mich zu freun, Ganz zu deinem ruhm zu leben, Bis ich dich nach dieser zeit Lieb' und lob' in ewigkeit. 7. Wann betrübniß meine seele, Schwachheit meinen leib umgiebt; Dann, dann bet' ich und verhehle Nichts vor dir, der doch mich liebt. Wärst du nicht, mein Gott, gewesen, Hätte mich dein angesicht Nicht erquickt; so wär' ich nicht Aus so mancher noth genesen. Nur allein von dir bewacht Ging ich durch die dunkle nacht. 8. Wie ein vater seinem Mel. Wachet auf, ruft uns 2c. Gott, der ehre, kiude Niemals ganz ſein herz 373.11nsern entzeucht, Ob es gleich, ver 312 Zweite Abtheilung. chre, Besingen seiner engel welt stand fertig da. Lobt chöre: Der Herr ist groß! den höchsten! Er will, er sein nam' ist hoch! Werd' spricht's, Er schafft aus auch du voll seines ruhmes, nichts, Der Herr, der vaVolk Gottes, volk des eigen- ter alles lichts. thumes! Ob du schon staub bist, preis' ihn doch. Ein dankbares gelall Ist ihm ein süßer schall. Lobt den höchsten! Der, reich an güt', Auf's niedre sieht, Verschmäht nicht schwacher men schen lied. 4. Herr, von dem wir alle gaben Aus deines reichthums fülle haben, Du, Herr, vergisfest unsrer nie. Du schufft alle millionen, Die auf dem weiten erdkreis wohnen, Du kennst und überschauest sie; Und jedem theilest du Sein maaß mit weisheit zu. Lobt den höchsten! Mein gott! durch dich aller himmel himmel hin. Entstand auch ich, Und du Nie hast du dein wort ge= regiest mich väterlich. 2. Höchster, deiner all macht gleichet Auch deine gnade, und sie reichet Durch brochen; Selbst hoffnung des, was dit versprochen, Mel. Ich finge meiner seele zc. 3st mehr als einer welt ge- 374. Mein geift er winn. Eh' erd und himmel war, Warst du unwandelbar. Lobt den höchsten! Ihn, ihn erhöht! Sein wort besteht, Wenn erd' und himmel schon vergeht. allmächtiger, Wenn' er die gnade denkt, Womit du mich, mein Gott und Herr! So unverdient beschenkt. 2. Dann ist mein herz so hoch erfreut, Ganz deiner güte voll, Und weiß vor Auch die, heißer dankbarkeit Nicht, wie es danken soll. 3. Als ich noch in der mutter schooß In nacht verz borgen schlief, Bestimmtest du für mich das loos, Das mich zum leben rief. 4. 3. Einst erschuf er, sich zur ehre, Der sonnen un zählbare heere; die uns strahlt und erquickt. Um die sonnen hießß er erden, Auch die, die uns ernähret, werden; Und herrlich hat er sie geschmückt. Er sprach, und es geschah; Die XII. Dankbarkeit gegen Gott. 313 4. Du wählst des sterb- dankbar spricht, Was du lichen geschick, Eh' er ge- an mir gethan! boren ist. Und so ward ich, o welch ein glück, Schon als ein kind ein chriſt. 11. Kein tag soll froher mir vergehn, Als, höchster, dir zum preis', Ich will dein hohes lob erhöhn, So gut ich kann und weiß. 12. In schrecken, angst, gefahr und noth Trau' ich allein auf dich; Durch dich gestärkt, ist selbst der tod Mir nicht mehr fürchterlich. 5. Eh' ich noch sprach, vernahmst du schon, Was noch kein flehen war, Und neigtest zu des weinens ton Dein ohr erbarmend dar. 6. Wann in der jugend ich vom pfad Der tugend mich verirrt: Hat mich höchst liebreich, Herr, dein rath Darauf zurück geführt. 7. Du warst mein schutz und meine wehr Vor unglück und gefahr, Und vor dem laster, das noch mehr Wie sie, zu fürchten war. 8. Ich sah, von frankheit bleich, durch dich Mein leben mir geschenkt: Und deine gnad' erquickte mich, Wenn sünden mich gefränkt. 13. Wann krachend einst der bau der welt Sich aus den angeln reißt, Will ich dich preisen, der mich hält, Dich, der mich leben heißt; 14. Dich, der mich bei der welten sturz Mit starkem arm erhob. Selbst ewigkeiten sind zu kurz, O höchster! für dein lob. Mel. Du weiser schöpfer aller zc. od.: Dir Gott, dir will ich fröhlich zc. 375. Mein herz, er= dich zum preise Des Gottes, der dein vater ist! Bedenk' es, auf wie viele weise Du ihm zum dank verpflichtest bist. 9. Von freudenstrahlen glänzt mein blick, Da du so hoch mich liebst, Und mir der erde bestes glück Bring ihm, der stets dein In treuen Freunden giebst. Helfer war, Mit freuden ruhm und ehre dar. 10. Und welche wohlDies that, Herr, ist nicht herz, das 2. Herr, deine hand ist immer offen, Zu geben, was fühlen kann; Dies herz, ganz dein, das mir nützlich ist. Und doch bin 314 Zweite Abtheilung. bin ich oft schwach im Hoffen Doch so erheben, wie ich Auf dich, der du die liebe bist. Mein Gott, wie wenig bin ich's werth, Daß mir noch hülfe wiederfährt! 3. Unendlich groß ist wohlgefallen Auf wahre herdein erbarmen, Nur wohl- zensredlichkeit; Und hörest zuthun bist du gewohnt. selbst das schwache tallen Drum wird auch mir, mein Der deinen mit zufriedenGott, mir armen, Von heit; Du hörst es, wie ein dir nicht nach verdienst ge- vater pflegt, Der seiner lohnt. Noch immer steht mir deine tren Mit segen, trost und hülfe bei. kinder schwachheit trägt. 8. Drum soll mir deine Huld und güte, Beständig, Gott, vor augen sein. Ich will mit redlichem gemüthe Mein Leben deinem Lobe weihn, Bis ich vollkommner deinen ruhm Erheb' im höhern heiligthum. 4. Du bist es, der in meinen forgen Mit rettung mir entgegen eilt. Und wenn sie noch vor mir verborgen, Nach meinem wahn zu lang verweilt; So kommst du, eh' ich's mich verfehn, Und hilfft mir und erhörst mein flehn. soll! Doch meine kraft reicht nicht dahin; Du weißt es, Gott, wie schwach ich bin. 7. Auch siehest du mit 5. Du wählst und wirtest stets das beste; Und wenn auch meine noth sich häuft, So steht durch dich mein wohl doch feste. Wenn mich das elend ganz ergreift, So bleibst du doch erbarmungsvoll, Und förderst stets mein wahres wohl. 6. Du bist mein heil; mein ganz gemüthe Ist deis nes ruhms, mein retter, voll. O könnt' ich deine große güte Eigene Melodie. 376.№ nn danket alle Gott, Mit herzen, mund und händen, Der große dinge thut An uns und allen enden; Der uns von mutterleib Und kindesbeinen an Bis diesen augenblick Unzählig gut's gethan! 2. Der ewig- reiche Gott Woll uns, so lang wir leben, Ein immer fröhlich herz Und edlen frieden geben; Und uns in seiner gnad' Erhal XII. Dankbarkeit gegen Gott. halten immerfort, Und uns aus aller noth Erlösen hier und dort. 3. Lob, ehr und preis sei Gott, Dem vater und dem sohne, Und seinem heil'gen geist. Er, der vom himmelsthrone Erbarmend auf uns sieht, Bleibt, wie er ewig war, Unendlich groß und gut. Lob sei ihm immerdar! 315 2. Du hast den himmel ausgespannt, Der unser herz enzückt. Du hast mit göttlich milder hand, Den erdkreis ausgeschmückt. 3. Du kleidest hügel, thal und au, Durch dich grünt busch und hain, Tränfft ſie mit regen und mit thau, und giebst der saat gedeihn. 4. Du führst die sonn' in ihrer pracht, Mit jedem tag herauf. Du ordnest in der dunklen nacht Der sterMel. Nun danket all' und 2c. 377.Was sind wir, ne glanz und lauf. Herr und Gott, vor dir, Daß du an uns gedenkst? Herr aller welt, was haben wir, Wenn du es uns nicht schenkst? Mel. Meinen Jesum laß ich zc. 378.D", u, o herrscher, stiegst vom thron, Und kamst als ein knecht auf erden. Du bist würdig, Gottes sohn, Ewig hochgelobt zu werden. Freund, der froh sein blut vergoß, Werd' und bleib mir ewig groß! 5. Allgütiger! allein von dir, Fließt alles heil uns zu. Geschöpfe deiner macht sind wir, Uud unser Gott bist du! XIII. Von den Gesinnungen gegen den Erlöser. 2. Du, erlöser, bist mein theil; Denn du bist für mich gestorben. Du hast gnade, trost und heil Und den himmel mir erworben. Alles, alles ist mun mein. Wie kann ich g'mug dankbar sein? 3. Für die leiden ohne zahl, Für die leibs- und seelenschmerzen Und für deine 316 Zweite Abtheilung. ne todesqual Dank ich dir singt ihm fröhlich! Alle fünmit treuem herzen. Tren den trug er gern, Nichts dank ich, doch mangelhaft; war für ihn zu beschwerlich, Gieb zu besserm dank mir Für die welt, die strafbar traft. war, Gab der heiligste sich dar. 4. Welche liebe, daß für mich Du dich ganz dahin gegeben! Freudig, ewig lieb ich dich, Und will dir zu ehren leben, Will dir stets gehorsam sein; Denn ich bin ja wig dein. 9. Preis und dank und herrlichkeit Müsse dir der weltkreis bringen; Und wenn aufhört erd' und zeit, Müff' sie dir der himmel singen: Menschen, engel, seraphim, Groß ist Jefus, janchzet ihm! 5. Nichts soll mich so sehr erfreun, Als, daß ich dir angehöre; Jesum lieben, JeMel. Alle menschen müssen zc. su sein, Ist des chriſten trost 379. Gins ist noth! Herr, und ehre. Wenn ich dein, o heiland! bin, Wird mir alles zum gewinn. 6. An dir, Jesu, halt ich fest, Weil ich werd' auf erden wallen. Wehe dem, der dich verläßt! Er muß ins verderben fallen. Meine ganze seele spricht: Meinen Jesum laß ich nicht. 7. Durch dich bin ich reich und hoch; Ich bin Gottes kind und erbe; Gott liebt mich; was fehlt mir noch? Eins noch: daß ich selig sterbe. Auch so sterben hilfft du mir Und dann nimmst du mich zu dir. - 8. Drum, erlösete des Herrn, Preiset ihn, lobeine Lehre meine Seele doch! Alles andre, wie's auch scheine, Ist nur ein beschwerlich joch, Unter dem das herz sich quälet, Und der ruhe doch verfehlet. Nur dies einzige giebt mir Wahren frieden dort und hier. 2. Seele, willst du dieses finden, Such's bei teiner freatur. Laß nichts irdisches dich binden; Erdengüter täuschen nur. Nur bei dem auf Gottes throne Hocherhöhten menschensohne Findest du dein wahres heil Und das allerbeste theil. 3. Dir ist auch das glück beschieden, Was Marie sich erlas XIII. Von den Gesinnungen gegen den Erlöser. erlas, Als sie, ohne zu ermüden, Fromm zu Jesu füßen saß. O wie brannt' ihr herz, die lehren Aus der weisheit mund zu hören! Da vergaß sie welt und sich, Als sie hörte, Jeſu, dich. 4. Also richt' auch mein verlangen, Mein erlöser, stets nach dir! Deiner wahr heit anzuhangen, Schenke trieb und träfte mir! Wenn auch andre sie nicht achten, Will ich sie mit lust betrachten Und, mich deines heils zu freun, Ihren lehren folgsam sein. 317 gütigkeit Dank ich dieſe sicherheit. 5. In dir liegt der weisheit fülle. Was die seel' allein beglückt, 7. Aber du bist meiner seele Auch zur heiligung gemacht, Daß sie nicht mit vorsatz fehle, Fliehe vor der sünde macht. Muth und kraft zum heil'gen leben Kannst und willst du allen geben, Die mit ernst ſich nur bemühn, Schnöde sündenLust zu fliehn. 8. Darum sollst du mir das eine, Jesu, und mein alles sein. Prüf' und forsche, wie ich's meine; Tilge allen heuchelschein, Daß ich hier schon auf der erde Durch dich gut und selig werde, Und dir treu sei bis zum Zeigst du tod! Nur dies eine ist mir mir; und wenn ein wille noth. Sich in deine Ordnung schickt, Dann werd ich wahrhaftig weise, Mir zum heil und dir zum preise, Lerne Gottes rath verstehn, Und den weg des lebens gehn. Eigene Melodie. 380. Mir nach, spricht 6. Mit vergebung aller sünden, Herr, begnadigst du mich dann; Läßt'st mich wahre ruhe finden, Daß ich fröhlich rühmen kann: Ich bin auch bei Gott in gnaden! 2. Ja, Herr, dein vorUnd was kann mir denn nun bild leuchtet mir Zu einem schaden? Meines mittlers heil'gen leben. Wem sollt ich Christus, unser held! Folgt meinem vorbild, christen! Verlengnet euch, besiegt die welt Mit ihren schnöden lüsten; Gebt ihren reizungen nicht nach, Erduldet lieber ungemach. auch 318 Zweite Abtheilung. auch wohl sonst als dir verehrt Und dir nicht folgt, Zu folgen, mich bestreben? Du zeigst den weg zum wahren wohl Und wie ich richtig wandeln soll. ist dein nicht werth. 7. So will ich denn, dir, meinem Herrn, Froh und getreu nachwandeln, 3. Dein herz, voll gott- Und in dem kampf der tuergebenheit, War auch voll gend gern, Wie du, auch menschenliebe, Voll demuth, standhaft handeln; Denn sanftmuth, freundlichkeit, wer nicht kämpft, trägt auch Und voller mitleidstriebe; den lohn Des ewgen lebens Selbst deinen feinden wand- nicht davon. test du Großmüthig hülf' und wohlthat zu. 4. Dein beispiel lehrt, was schädlich ist, Mit weiser vorsicht fliehen; Es lehret mich, mein herz der list Und heuchelei entziehen. Owohl mir, wenn ich deinem sinn Stets und in wahrheit ähnlich bin. 5. Du gingst als führer einst voran, Stehst mir auch noch zur seite; Du kämpftest selbst und brachst die bahn, Stärkst mun auch mich im streite. Wie könnt' ich denn noch zaghaft sein, Und mich, dir nachzufolgen, scheun? 6. Wer hier sein glück zu finden meint, Wird's ohne dich verlieren; Wers bei dir zu verlieren scheint, Den wirst du dazu führen. Wer dich als seinen Herrn Eigene Melodie. 381. Herzlich fich hab ich dich, o Herr! Und meine seele schätzt nichts mehr, Als deiner gua-. den gaben. Die ganze welt erfreut mich nicht, Nach ihren schätzen frag' ich nicht, Wenn ich dich nicht sollt' haben. Wenn auch mein herz im tode bricht, Bist du doch meine zuversicht, Mein heiland, der, weil ich erlöst, Mich auch im tode nicht verstößt. Herr Jesu Christ, Mein Herr und Gott, Mein Herr und Gott! Hilf mir im Leben und im tod. 2. Es ist ja dein geschenk und gab', Mein geist, mein leib und was ich hab' In meinem ganzen leben. Daß ich es deinem lobe weih', Dem nächsten damit nüglich sei, Wollst du mir gnade XIII. Von den Gesinnungen gegen den Erlöser. 319 gnade geben. Laß mein ver- ich auf erden, Nie recht glücktrauen auf dich rein Und lich werden. heilig meinen wandel sein. In aller trübsal stärke mich, Daß ich sie dulde williglich. Herr Jesu Christ, Mein Mein Herr und Gott! Mein Herr und Gott! Hilf mir auch in der letzten noth. 3. Verleih, wenn du mich sterben heißt, Daß dann dein engel meinen geist Ins reich der.wonne trage. Dann wird mein leib und mein gebein 3war erde, doch nicht länger, sein, Als bis zum letzten tage. Du lässest mich im tode nicht: Du kommst, du kommst und hältst gericht. Ach! laß mich dann dich ohne graun, Getrost als meinen richter schaun. Herr Jesu Christ, Erhöre mich! Erhöre mich! So preis ich hier und ewig dich. felsen 2. Unter deinem schirme Können keine stürme Mir erschrecklich sein. erschrecklich sein. Laß die felsen splittern, Laß den erdkreis zittern Und den einsturz dräun! Was ist's mehr? Rings um mich her Mag es stürmen, donnern, blitzen! Jesus will mich schützen. 3. Wenn der fünde schrekken Angst in mir erwecken, Jesus stillet sie. Mag der tod sich nahen, Mich das grab umfahen, Jesus läßt mich nie. Mich schreckt nicht Das weltgericht; Freudig, daß ich Jesum sehe, Blick" ich auf zur höhe. 4. Wer ist, der den glauben Meinem Herzen rauben, Ihn erschüttern kann? Bei der feinde toben Stimm ich, Gott zu loben, Freudenlieder an. Mich bewacht Des mittlers macht, Die kann Eigene Melodie. 382.Jefu, meine frent- ſelbſt der feinde wüthen Auch de! in eil' troft im leide! Meines herzens theil! Deine mittlertreue Macht, daß ich mich freue Deiner, Herr, mein heil. Hab' ich dich, Wie reich bin ich! Ohue dich kann 5. Lockt mur, gold und schäße! Ehre sei der götze Der so stolzen welt! Mich sollt ihr nicht blenden, Nicht von dem mich wenden, Der mich treu erhält. Elend, noth, 320 Zweite Abtheilung. noth, Krenz, schmach und tes gnade hätten. O wie bin tod Soll mich, ob ich viel ich ihm verpflicht't! Meinen muß leiden, Nicht von Je- Jesum laß ich nicht. su scheiden. 3. Durch ein Herz voll dankbarkeit, Durch gehorsam, den ich übe Gegen das, was er gebeut, Halt ich fest an seiner liebe; Traue dem, was er verspricht, Und so laß ich Jesum nicht. 4. So ist er mein theil und ruhm Bis an meines lebens ende; Ihm geb ich zum eigenthum Ganz mich hin in seine hände. Er ist meine zuversicht; Meinen Sesum laß ich nicht. 5. Wenn mein auge schon verlifcht, Wang’ und lippem sich entfärben, Mich kein labfal mehr erfrischt, Alle finnen mir ersterben, Und das matte herz nun bricht: Laß ich meinen Jeſum nicht. 6. Dort auch laß ich Jesum nie, Hange stets an seinen blicken; Denn nach dieses lebens müh' Will er ewig mich erquicken. Ewig strahlt mir dort sein licht. Meinen Sesum laß ich nicht. 7. Nichts auf dieser erdem ift's, Bas des Herzens wünsche stillet; Da, o Sefa, bu mur, biffs, Du mat, der sie ganz erfüllet. Dich incin 6. Weich, verbot'ne liebe, Weicht, der wollust triebe! Gift ist eure lust! Sünden, eure freuden Will ich ewig meiden, Flieht aus meiner brust. Ueppigkeit, Geiz, hochmuth, neid, Ihr beschweret das gewissen, Euch will ich nicht wissen. 7. Weg mit sorg' und zagen; Schweiget, bange flagen, Jesus ist ja mein; Seden, der ihn liebet, Muß, was erst betrübet, Noch zunlegt exfreun. Hab if) hie Viel angst und müh: Sesu, auch im bängsten leide Bleibst du meine freude. Eigene Melodie. 383.M einen J es um laß ich nicht; Er hat sich für mich gegeben, Sollt ich nicht, aus dank und pflicht, An ihm han gen, ihm mur leben? Er ist meines Lebens ficht; Meimen Jefum faß ich nicht. 2. Er, der welt und mir gefandt, Hm3 zu lehrem, ums zu rettem, Hat feim blut am ams gemandi, Daß wir Got XIII. Von den Gesinnungen gegen den Erlöser. 321 3. Stehst du mit deiner kraft mir bei, So werd ich stets mit fester tren' Und einzig dir anhangen. Nichts, was sonst menschen wohlgefällt, Nicht lust der sinne, ehr' und geld Befriedigt mein verlangen. Ohn' dich Kann mich Nichts von schätzen Recht ergötzen Noch beglükken; Du nur kannſt mein herz erquicken. mein reichthum, ruhm und licht, Dich, mein Jesu, laß ich nicht. 8. Dich, mein Jesu, halt ich fest, Lasse nichts von dir mich scheiden. Weh euch, die ihr ihn vergeßt! Ihr beraubt euch ew'ger freuden. Selig! wer in wahrheit spricht: Meinen Jesum laß ich nicht. Mel. Wie schön leucht' uns der 20. 384. Jefu, Gottes ew'ger sohn, Der du, noch eh' ich war, mich schon Geliebt aus reinem triebe. Vor dir ist alles sonnenflar; Mein Herz ist dir auch offenbar, Du weißt, daß ich dich liebe. Herzlich Such' ich, Dir vor allen Zu gefallen; Nichts auf erden kann und soll mir theurer werden. 2. Dies eine nur bekümmert mich: Daß ich mit solcher inbrunst dich Nicht liebe, wie ich wollte. Ich selbst empfind es nur zu sehr, Daß ich dich mit der that noch mehr, Mein heiland, lieben sollte. Raf mich Glün big Deine gite Sus gemilihe Süünler foffen, Dür mich ganz zu überlaffen. 4. Den, der dich liebt, den liebeſt du, Dem schaffſt du für die seele ruh Und trost für sein gewissen. Ob ihn auch manche noth hier drüdt, So wird er doch durch dich erquickt In seinen fümmernissen. Endlich Wird sich Nach dem leide Bolle freude Für ihn finden, Da wird all sein trauern schwinden. 5. Noch hat kein aug' es je gesehn, Es kann's auch hier tein mensch verstehn Und würdig g'mug beschreiben, Was denen dort für herrlichkeit Bei dir und von dir ist bereit, Die dir ergeben bleiben. Vou dir Bird gegeben, Unfer laben 3n engigen, Sp dagegen nichts zn füşen. 6. Dum laß ich billig dies X 322 Zweite Abtheilung. dies allein, O Jesu, meine und seelenruh, Ihn treulich zu erfüllen; Dir, feines eigenruhms bewußt, War, ihn zu preisen, deine Luſt. 3. Wenn wo dein auge frevler sah, Warst du voll edler schmerzen; Doch wenn des vaters wort geschah, Quoll frend aus deinem Herzen. An ihm nur hing dein ganzer sinn; Auf ihn sah stets dein ange hin. 4. Ihn ehrtest du mit wort und that Vor aller welt mit freuden. Du warst bereit, nach seinem rath, Zum heil für uns zu leiden. Wie er die liebe selber ist, So warst du's auch, Herr Jesu Christ. 5. Du zeigtest, daß die größte noth Dich nicht zum murren reize; Warst Gott gehorsam bis zum tod, Ja Mel. Mir nach, spricht Christ. 2c. bis zum tod am kreuze; Auch da war deine zuver sicht Auf ihn allein und fest gericht't. 6. Von ihm verlassen, blieb dein Herz An ihm, trotz alles spottes Dein hoffen war im größten schmerz Die sichre hülfe Gottes. Und was du hofftest, ist geschehn; Gott hörte deiner stimme flehn. 7. Mit ehr' und preis von freude sein, Daß ich dich Herzlich liebe Und mich in dem, was dir gefällt, Je mehr und mehr in dieser welt Nach deinem worte übe; Bis sich Für mich Senes leben Wird anheben, Wo die frommen Aller trübsal sind entnommen. 7. Da werd' ich deine gütigkeit, Die mich schon hier so sehr erfreut, Im vollen Umfang schmecken; Da seh' ich in dem hellsten licht Dein gnadenvolles angesicht, Aluf immer frei von schrecken. Wohl mir! Preis dir! Der mir droben Aufgehoben Ew'ge freuden; Nichts, Herr, soll mich von dir scheiden. 385. Seju, wahrer frömmig feit Vollkommenstes exempel! Dein herz, dem vater ganz geweiht, War jeder tugend tempel; Dein wandel, rein von aller schuld, Gott werth und würdig seiner Huld. 2. Wer war wohl eifriger als du, zu thun des vaters willen? Dir war es ruhun XIII. Von den Gesinnungen gegen den Erlöser. 323 von ihm gekrönt, Lebst du list Meinen glauben stören. zu seiner rechten Voll ma- Fielen tausend ab, nicht ich! jestät, und dir ertönt Von Mags die welt verdrießen! allen gottesknechten Das lob, Sie wird mein vertraun auf des du so würdig bist. O dich Mir doch lassen müſſen. selig, wer dir ähnlich ist! 8. Hilf, daß ich dein exempel mir, Nun auch zum muster setze, Und Gott den Herrn, gefinnt gleich dir, Weit über alles schätze, Mit freuden seinen willen thu', Und ganz in seiner fügung ruh'. 4. Zeigt sie mir ein heil, wie du? Bringt sie kraft den müden, Den bedrängten trost und ruh, Sündern Gottes frieden? Giebt sie mir die zuversicht, Daß ich, trotz dem grabe, Jener ewigkeiten licht Zu erwarten habe? 5. Nettet sie mich, wenn vor Gott Einst die völker stehen, Und das leben und der tod Ihm zur seite ſehen? Wenn der sichre nun zu spät Aus dem schlaf erwachet, Und der spötter, der hier schmäht, Bebt und nicht mehr lachet? Mel Schwing' dich auf zu zc. 286. Sollt ich jetzt noch, da mir schon Deine güt erschienen, Dich verlassen, Gottes sohn, Und der fünde dienen? Mit den lüften dieser zeit Wieder mich beflecken, Und nicht mehr die freudigkeit Meines glaubens schmecken? 2. Hab ich doch allein bei dir Meine ruh gefunden; Mittler, heiltest du doch mir Liebreich meine wunden; Und ich sollte dein gebot, Wie die fünder haffen, Und mein recht an deinem tod Wieder fahren lassen? 3. Nein, ich bin und bleib ein christ, Folge deinen lehren; laffe weder macht noch 6. O wie thöricht, wenn ich mich Noch verführen ließe, Jesu, da ich schon durch dich Gottes huld genieße; Da ich weiß, auf wessen wort Ich die hoffnung gründe, Daß auch ich unfehlbar dort Guad' und leben sinde. 7. Nicht das leben, nicht der tod, Tribsal nicht, noch freuden, Sollen mich, mein Herr und Gott, Jemals von dir scheiden. Sünden, welt und eitelkeit Und die 2 bösen Zweite Abtheilung. 324 böjen triebe, Alles überwind' ich weit, Herr, durch deine liebe. 5. Durch dein freuz erwarbst du mir Kraft und muth in meinem leiden. Und nun, Jesu, kann von dir Keine pein, kein tod mich Mel. Jesus, meine zuversicht sc. 387. S Mein erStärke, Jesu, scheiden. Werd ich muthlos, stärke mich, dann stärkt sich Willig alle last zit tragen! schrocknes herz durch dich. Ach, mein Herz entsetzet sich Muthloß vor des lebens plagen. Und doch soll ich auch in pein Deinem beispiel ähnlich ſein. 3. Endlich wirst du mich der noth Dieses lebens ganz entrücken, Endlich wird ein sanfter tod Den zerschlag'nen geist erquicken; Und in 2. Wer dir nachzufolgen der verwesung haus Ruh' ich strebt, Muß sich deiner von der arbeit aus. schmach nicht schämen, Und 7. Dort, wohin du nach wenn sich das fleisch erhebt, Sich zum ernsten kampf bequemen; Er nimmt auch des kreuzes schmach Willig an und folgt dir nach. dem streit Triumphirend dich geschwungen, Giebst du mir die herrlichkeit, Die du durch dein krenz errungen; Und bei dir wird jede pein, Mir ein neuer segen sein. 3. O wie sanft wird mir die last, Wenn ich's zuversichtlich wage, Und, wie du gelitten hast, Muthig alle noth ertrage. Dann wird, was mir schrecklich deucht, Süß und angenehm und leicht. 8. Nun, ich fliche nicht dein freuz; Sie, ich nehm's aus deinen händen, Nie soll mich der lüste reiz, Nie versuchung von dir wenden. Gern trag ich, wiewohl noch schwach, Dir dein kreuz, mein Jesu, nach. 4. Ach! viel mehr, un endlich mehr, Als ich je von noth empfinde, Littest du, o heiligster, Für die welt, für meine fünde. Ohne zahl war deine noth; Mel. Wie schön leucht' uns der 2. 388. Wie groß, wie angebetet ist Unaus- Dein name, o Herr Jesu sprechlich schwer dein tod. christ! Wie theuer deinem bolfe! XIII. Von den Gesinnungen gegen den Erlöser. 325 volke! Welch licht ging in herrlichkeit Entäußert eine der finsterniß Mit dir der kurze zeit Und deinen thron welt auf, wie zerriß, Wie verlassen; Doch nun, mit floh des irrthums wolte! ehr und ruhm gekrönt, Nun Als du Kamest, Hörten tau- machst du selig, die versöhnt, be, Und der glaube Half Der fünden gräuel haffen. den kranken, Stumme san- Ihnen Willst du Heil und gen, dir zu danken. leben Gerne geben, Und uns allen Helfen, daß wir Gott gefallen. 2. Nur schwache waren's, die dein licht Verbreiteten, die weisen nicht. Wo sind fie? wo die hohen? Und wo die reichen? wo die macht, Vor der des gögendienstes nacht Und seine schrecken flohen? Macht nicht, List nicht; Deine gaben, Mittler, haben Dich verkläret, Und den weg zu Gott gelehret. 3. Wir werden deinen ruhm erhöhn, Wir werden deine himmel sehn, Den 6. Wie groß, wie angepreis von deinen leiden; betet ist Dein name, hei Genießen, was du uns erwarbst, Als du für uns am freuze starbst, Der engel hohe freuden. Welche Gnade! Daß wir fünder, Gottes finder Werden sollen, Wenn wir an dich glauben wollen. land, Jesu Christ, Wie herrlich bei den deinen! Führst du uns einst zu dei ner ruh: D, wie weit herrlicher wirst du Den frommen dann erscheinen! Ewig müsse, Dir zur ehre, Ihrer chöre Lob erschallen, Durch die himmel wiederhallen. 4. Du hast dich deiner 5. Vom aufgang bis zum untergang Erschallet dir der lobgesang Erretter der gerechten. Unzählbar sind die schaaren schon, Die gerne dir vor deinem thron Ein würdig loblied brächten. Ihrer Mehr noch, Jesu, werden Schon auf erdent Dir lobsingen, Preis und dank und rühm dir bringen. XIV. 326 Zweite Abtheilung. XIV. Von der Selbsterkenntniß und Demuth. Mel. Nun ruhen alle wälder zc. wäre, Wes ist dies eigenthum? Wer ließ mich unterrichten? Wer ließ in meinen pflichten Mein glück mich sehn und meinen ruhm? 6. Wer gab mir, dich zu lieben, Und dein gebot zu üben Die lust und freudigfeit? Wer stärkte meine kräfte Im heiligungsgeschäf te? Wer gab mir muth und sieg im streit? 389. Gieb ieb Gott, wenn ich dir diene, Daß ich mich nicht erfühne, Auf mich selbst stolz zu sein: Wer kann bei seinen werten Wie oft er fehlet, merken? Wer ist von mängeln völlig rein? 2. Such ich stets deinen willen So eifrig zu erfüllen, Als es dein wort gebeut? Trag ich der tugend bürde, Aus kenntniß ihrer würde, Auch immer mit zufriedenheit? A 3. Entzieh ich mich den sünden Auch stets aus rechten gründen? Aus wahrer frömmigkeit? Oft sind die guten triebe Nicht früchte deiner liebe, Nur früchte der natur und zeit. 4. Der sünden meiner jugend, Der mängel meiner tugend, Herr, gedenke nicht! Willst du mit deinen knechten, Wie sie's verdienen, rechten, So trifft sie alle dein gericht. 5. Doch wenn auch dir zur 7. Du schaffst, daß ich dich wähle: Du rufft mich, wenn ich fehle, Auf rechten weg zurück; Du ziehst mich ab von sünden, Und läßt mich gnade finden, Und giebst zu meiner beß'rung glück. 8. Sollt ich mich des erheben, Was du mir, Herr, gegeben? Hab ich zum lohn ein recht? Könnt' ich auch alles üben, Was du mir vorgeschrieben: Wer bin ich? ein geringer knecht! 390. Heites giebst, Mel. Was frag' ich nach der zc. err, der du ehre Rein meine tugend Von dem ich alles habe! Was XIV. Von der Selbsterkenntniß und Demuth. 327 Was ist mein stand, mein Dazu giebst du gedeihn; glück, Und jede gute gabe? D'rum laß mich ewig fern Es ist nicht mein; es ist Bon stolz und hochmuth sein. Ein unverdientes gut. Darum bewahre mich Vor stolz und übermuth. Mel. Wer nur den lieben 2c. 2. Wenn ich vielleicht 391. Nicht, daß ich's der welt Mehr als mein nächster mütze, Und wenn ich mehr verstand, Als er besitzt, besige; Bin ich d'rum mehr, als er? O beides kommt von dir, Verstand und tüchtigkeit; Und du erhältst es mir. 3. Wenn mir ein größer glück Nach deinem rath begegnet, Und deine gütigkeit Mich mehr als andre segnet: Giebt diese deine huld Mir wohl zum stolz ein recht? Vin ich darum nicht auch, was andre sind, dein knecht? 4. Wenn ich geehrt und groß In höhern würden stehe, Und andre unter mir In kleinerm glücke sehe: Wer machte sie gering, Und wer erhöhte mich? Ist nicht mein nächster oft Viel würdiger, als ich? 5. Wie könnt' ich mich, o Gott! Des guten überheben? Was ich besitz, ist dein; Von dir hab' ich mein leben; Und was ich gutes thu', schon ergriffen hätte? Die beste tugend bleibt noch schwach; Doch, daß ich meine seele rette, Sag' ich dem kleinod eifrig nach; Denn tugend ohne wachsamkeit Verliert sich bald in sicherheit. 2. So lang' ich hier int leibe walle, Bin ich ein kind, das strauchelnd geht. Der sehe zu, daß er nicht falle, Der, wenn sein nächster fällt, noch steht. Auch die bekämpfte böse Lust Stirbt niemals ganz in unsrer brust. 3. Nicht jede beßerung ist tugend; Oft ist sie nur das werk der zeit. Die wilde hitze roher jugend Wird mit den jahren sittsamkeit; Und was natur und zeit gethan, Sieht unser stolz für tugend an. 4. Oft ist die änd'rung deiner seelen Ein tausch der triebe der natur Du fühlst, wie stolz und ruhmsucht quälen, Und dämpf'st sie; doch du wechselst nur; Dein herz fühlt einen andern reiz, Dein Zweite Abtheilung. 328 Dein stolz wird wollust oder geiz. 5. Oft ist es kunst und eigenliebe, Was andern strenge tugend scheint. Der trieb des neids, der schmähsucht triebe Erweckten dir so manchen feind; Du wirst behutsam, schränkst dich ein; Fliehst nicht die schmähsucht, nur den schein. 6. Du denkst, weil dinge dich nicht rühren, Durch die der andern tugend fällt; So werde nichts dein Herz verführen; Doch jedes herz hat seine welt. Den, welchen stand und gold nicht rührt, Hat oft ein blick, ein wort verführt. 7. Oft schläft der trieb in deinemherzen, Du scheinst von rachsucht dir befreit; Jetzt follst du eine schmach verschmerzen, Und sieh', dein herz wallt auf und dräut, Und schillt so lieblos und so Hart, Als es zuerst gescholten ward. räusche schwach, Und geben endlich strafbar nach. 9. Du opferst Gott die leichtern triebe Durch einen strengen lebenslauf: Doch opferst du, will's seine lie be, Ihm auch die liebste neigung auf? Dies ist das auge, dies der fuß, Die sich der christ entreißen muß. 10. Du fliehst, geneigt und liebst die einsamkeit; zu ruhund stille, Die welt, Doch bist du, fordert's Gottes wille, Auch dieser zu entfliehn bereit? Dein herz zank; Flieht's unmuth auch neid und und müssigang? 11. Du bist gerecht; dann auch bescheiden? Liebst mäßigkeit; dann auch geduld? Du dienest gern, wenn andre leiden; Bergiebst du feinden auch die schuld? allen lastern sollst du rein, Zu aller tugend willig sein. Bon 12. Sei nicht vermeſsen, wach' und streite; Denk nicht, daß du schon g'nug gethan. Dein herz hat seine schwache seite, Die greift der feind der wohlfahrt an. Die sicherheit droht dir den fall; Drum wache stets, 8. Oft denkt, wenn wir der stille pflegen, Das herz im stillen tugendhaft; Kaum lachet uns die welt entgegen: So regt sich unsere leidenschaft; Wir werden im ge- wach' überall! Mel. XIV. Von der Selbsterkenntniß und Demuth. 329 Mel. Nun ruhen alle wälder zc. 392. Was ich nur gutes habe, Ist deine milde gabe, Du vater alles lichts! Mein dasein und mein leben Ward mir von dir gegeben; Und ohne dich vermag ich nichts. 6. Das nützlich anzuivenden, Was du mit vakerhänden Mir gütig zugewandt: Dies sei in meinem leben, Mein eifrigstes bestreben; Wie's deiner weisheit wohlgefällt. 2. Mit einficht, lust und Mel. Ein lämmlein geht 2c. kräften Zu nützlichen geſchäf- 393. We enn ich, 0 Gott, von ten Begabt mich deine huld. Sie treibt zu guten thaten Und läßt sie mir gerathen; An fehlern bin allein ich schuld. dir geführt, Auf deinen wegen wandle; Wenn ich, durch deinen geist regiert, Nach deiner vorschrift handle; Wenn mir mein herz das zeugniß giebt, Daß meine seele mehr dich liebt Als alles gut auf erden; O! dann laß nicht durch sicherheit, Durch stolz und durch vermessenheit, Mich deiner unwerth werden. 3. Das glück, des ich mich freue, Schaffst du nach deiner treue, Du Herr der ganzen welt! Du ordnest unsre tage, Ihr glück und ihre plage, Nur so, wie dir es wohlgefällt. 4. Sollt ich mich denn er heben, Wenn mir in diesem leben Viel gutes widerfährt? Was hat dich, Herr, bewogen, Daß du mich vorgezogen? Bin ich auch jemals dessen werth? O 5. Ich bin viel zu gerin ge Der huld, Herr aller dinge, Die du mir haft erzeigt. Olaß mich's nie vergessen, Wenn sich mein herz vermessen Zum stolz und eigendünfel neigt. 2. Wie leicht erliegt ein sichrer sinn, Bekämpft durch schnöde lüste, Sieht ruhig auf gefahren hin, Wo vor er zittern müßte! Vollkommen glaubet er zu sein, Glaubt, diese sünde sei mur klein, Und jene pflicht nicht wichtig; Nun ist er seinem falle nah; Fällt schrecklich, aber glaubt noch da, Er wandle fest und richtig. 3. Wie schwach ist nicht der 330 Zweite Abtheilung. Mit der mensch! wie bald zur frömmigkeit, Und was ich sünde fortgerissen! Wie leicht in mir habe Von tugend wird nicht sein eifer kalt, und rechtschaffenheit, Ist Nachgiebig sein gewissen! alles deine gabe. Ich bin Weh ihm, wenn er vermes- mur staub, den du erschufft, sen ist, Wenn seiner schwach- Den du begnadigst und beheit er vergißt, In sich nur rufft, In deinem reich zu stärke stehet! Ach, ihn be- leben. Laß mich, entfernt siegt in jedem streit Der irr- von stolzem wahn, thum und die sinnlichkeit, demuth deine gab' empfah'n. Wenn er nicht zeitig fliehet! Und dir die ehre geben! 4. Wer sich mit stolzem muth erhöht, Kann nicht vor dir bestehen; Wer seine niedrigkeit gesteht, Den wirst du, Gott, erhöhen; Veracht' ich andre neben mir, So mißfällt meine tugend dir, Wie groß ich sie auch finde; Mein glaube selbst beleidigt dich, Denn ohne demuth macht er mich Nicht rein von meiner fünde. 7. So werd' ich, Gott, von dir geführt, Auf deinen wegen wandeln; Und stets, durch deinen geist regiert, Nach deiner vorschrift handeln. Ich werde nicht durch sicherheit, Durch stolz und durch vermessenheit Von deinen rechten weichen. Heil allen frommen, heil auch mir! Wir werden, preis und dank sei dir, Des glaubens ziel erreichen. 5. Ach, lehre mit behutsamkeit Auf meine bahn mich schauen, Und nie, o Gott, in sicherheit Auf meine tugend trauen! Wenn die versuchungen mir droh'n, Zeig' in der ferne mir sie schon, Daß ich mich zeitig rüste. Aufmerksam mache meinen blick Auf diese welt, auf zeit und glück, Und auf die macht der Lüste. 6. Mein glaube, meine Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 394. Wer bin ich? wichtig die frage! Gott, Lehre sie mich recht verstehn! Gieb, daß ich mir die wahrheit sage, Um mich, so wie ich bin, zu sehn. Wer sich nicht selbst recht kennen lernt, Bleibt von der weisheit weit entfernt. 2. Ich bin ein werk von dei XIV. Von der Selbsterkenntniß und Demuth. 331 deinen händen, Du schufft recht kennen, ist verstand; mich, Gott, zu deinem preis. Drum mache mich mit mir Dazu mein leben anzuwen- bekannt. den, Das ist dein väterlich geheiß. Doch leb' ich, als dein eigenthum, Auch, wie ich soll, zu deinem ruhm? 6. Was mir zu meinem heil noch fehlet, Mein vater, das entdecke mir! Hab' ich der wahrheit weg erwählet, So gieb, daß ich ihn nicht verlier'. Erleuchte mich mit deinem licht, So täuschen mich verführer nicht. 3. Ich bin ein christ nach dem bekenntniß; Doch, bin ich das auch in der that? Herr, öffne selbst mir das verständniß Recht einzusehn, ob ich den pfad, Den Jesus mir gewiesen, geh', Und ob ich auch im glauben steh'? 7. Bin ich jetzt von dem sichern pfade, Der mich zum leben führt, noch fern; So wecke mich durch deine gnade, Daß ich ihn ernstlich suchen lern'. Gieb mir zur beß'rung lust und kraft; Du bist's, der beides in uns schafft. 4. Du kennest unsers herzens tiefen, Die uns selbst unergründlich sind! Drum laß mich oft und ernstlich prüfen, Ob ich sei Christo gleichgesinnt. Befreie mich vom falschen wahn, Der auch den klügsten täuschen kann. 5. Wie kann der, der bei allem wissen Des herzens zustand sich verhehlt, Auf wahre beß'rung sein beflissen, Er, der nicht weiß, wie viel ihm fehlt? Sich selbst betrug. 8. Ich muß es einmal doch erfahren, Was ich hier war und hier gethan. D! laß mich's nicht bis dahin sparen, Wo rene nichts mehr helfen kann. Hier mache mich zum himmel klug, Und frei vom schnöden selbſtXV. Von der Selbstliebe. MII. Treuer Gott, ich muß dir 2c. selbst liebe, Kann dir nicht 395. Daß ich mich, mißfällig sein; Du, dut mein Gott, pflanztest ja die triebe Tief hiezu 332 Zweite Abtheilung. hiezu den menschen ein. in gnaden Mich von solcher Lenke du nur meinen sinn Auf die wahre weisheit hin, Daß ich nicht mein glück verfehle Und selbst das verderben wähle. unart frei, Daß ich nicht zu meinem schaden Gegen mich verblendet sei. Pflanze selbst den trieb mir ein, Mich vor allem dein zu freun; Auch nach andrer wohl zu trachten Und sie, wie du willst, zu achten. 6. Gieb mir dann auch das vollbringen Mich zu lieben, wie ich soll; Laß mich eifrig darnach ringen, Was mir dient zum wahren wohl. Auch dem nächsten beizustehn, Liebreich stets auf ihn zu sehn; Ueber alles dich zu lieben: Das, das hilf mir treulich üben. 2. Hilf mir, alle meine pflichten Recht verstehn, und mit bedacht Auf das mein bestreben richten, Was wahrhaftig glücklich macht. Wer dir, o du höchster, lebt, Und dir zu gefallen strebt, Der nur kennt der seele adel, Der nur liebt sich ohne tadel. 3. Doch wie oft und leicht verführet Eigenliebe unser herz! Durch den äußern schein gerühret, Wünscht es freud' und wählt den schmerz, Sucht und findet niemals ruh, Mel. O Gott, du frommer 2c. Hofft sie, und kommt nie da- 396. Du willst es, mein zu, Weil es sich verliert in dingen, Die kein wahres glück uns bringen. Herr, Gott, Daß ich mich selber Gieb, daß ich diese liebe. pflicht 4. Wir versäumen unsre pflichten Von bequemlichkeit schrift regiert; Werden, wenn wir gut's verrichten, Oft von eigenmuß verführt. Nur gar selten trachten wir Nach dem wahren ruhm bei dir; Und wie oft fehlt's uns am wollen, Wenn wir andern dienen sollen. Nach deiner vor übe; So wird der starke trieb, Mich meines glücks zu freun, Den du mir eingepflanzt, Nie mein verderben sein. 2. Gieb, daß mein ganzes herz Sich deiner liebe weihe, Und daß ich überall Dein ange kindlich scheue. Wer als ein christ sich liebt, Der flieht 5. Mache, o mein Gott, XV. Von der Selbstliebe. flieht auch als ein christ, Was wider deine furcht Und menschenliebe ist. 3. Kein niedrer eigennutz Beherrsche meine seele; Und wenn zu meinem glück Ich weg und mittel wähle: So laß mich stets dabei Auf recht und wahrheit schaun, Und nie mein wohlergehn Auf andrer elend bann. 333 lich gut Ist's, was uns glücklich macht. 4. Dein fluch trifft jedes glück, Dabei die tugend leidet: Dabei der, der es fucht, Gott, deine wege meidet. Wer unrecht liebt und thut, Erbt deinen himmel nicht; Nie treffe mich, o Gott, Dies schreckliche gericht. 6. Ein Gott ergeb'nes herz, Ein unverletzt gewis sen, Nur das kann uns allein Des lebens last versüßen; Das bleibt uns auch im tod, Und folgt uns aus der zeit Zum großen segen nach Bis in die ewigkeit. 7. O wohl dent, der darnach Mit heil'gem eifer trachtet, Und für sein größtes glück, Gott, deine gnade achtet! Der liebt allein sich recht Und sindet in der zeit Schon seelenruh und einst Vollkommne seligkeit. 8. Dies sei denn auch mein ziel! Olaß es mir gelingen, Mich, wie dein wort mich's lehrt, Mein wahres Bewahre 5. Nie blende mein gemüth Der eitelkeiten schimmer; Die welt mit ihrer wohl erringen. lust Bergeht doch einst auf immer. Was hilft uns turze lust? Was hilft uns eitle pracht? Nicht ein vergäng- es dir gefällt. du mein herz Vor eitlem sinn der welt. So lieb' ich, Herr, mich recht, Und wie XVI. Von der Sorge für die Seele. Met. Kommt her zu mir zc. 397. Herr err meiner seele großen werth, Den mir vernunft und schrift erklärt, laß mich mit ernst bedenken, Und auf die sorge für ihr wohl Šo unermüdet, als ich soll, Den größten eifer lenken. 2. Wie hoch ist sie vor dir geacht't, 334 geacht't, Welch glück hast du ihr zugedacht! Wie viel an sie gewendet! Du schufft sie, Gott, dein bild zu sein, Und hast, es in ihr zu erneun, Selbst deinen sohn gesendet. 3. Zu groß für diese kurze zeit, Beſtimmt zum glück der ewigkeit Lebt sie im fleisch auf erden, Durch glauben und gottseligkeit, größerer vollkommenheit, Im himmel reif zu werden. zu Zweite Abtheilung. 4. Mit großer treue willst du sie, Selbst durch des lebens kurze müh, Zu jenem leben führen. O! laß mich nicht durch eig'ne schuld Das heil, das deine vaterhuld Ihr außersehn, verlieren! 7. Gieb, daß ich dir mich ganz ergeb', Und was ich noch auf erden leb' Laß mich im glauben leben An Jeſum Christum, der auch mich So hoch geliebet, daß er sich Für mich dahin gegeben. 8. In meiner ganzen pilgrimschaft Laß mich, gestärkt durch deine kraft, Nach jenem kleinod trachten, Das mir dein ruf vor augen stellt, Und alle güter dieser welt, Wie nichts, dagegen achten. 6. Wer fünde liebt, bleibt nicht vor dir; Drum schaffe selbst, o Gott, in mir Ein Herz, das fünden haffet, Das seine schuld vor dir bereut, Und das zu deiner gütigkeit Durch Christum hoffung faffet. 9. Wie selig werd' ich dann nicht sein! Schon hier werd ich mich deiner freun, Durch dich, Gott, ruhig leben; Und du wirst, nach vollbrachter zeit, Auch mich gewiß zur herrlichkeit In deinem reich erheben. 5. Wie du, o Gott, gesinnt zu sein, Mich ewig deiner huld zu freun, Und dich zum trost zu wählen: Das sei mein fleiß und höchMel. Freu dich sehr, o meine 2c. ſter zweck; Laß mich dazu 398. Lehre mich, Herr, den rechten weg Aus leichtsinn nie verfehlen. bedenken, Was wahrhafte weisheit ſei; Meinen fleiß darauf zu lenken, Stehe mir aus gnaden bei; Denn die arglist, die die welt Ohne grund für weisheit hält, Fördert nicht mein wohlergehen und wird nie vor dir bestehen. 2. Weisheit ist's, wenn unfre 335 XVI. Von der Sorge für die Seele. unsre seelen Sich, Herr, dei- wohlfahrt achten; Nein, nach nes wortes licht Nur allein zum leitstern wählen, Und mit fester zuversicht Diesem licht sich anvertraun; Denn, die folgsam darauf schaun, Ihre Hoffnung darauf gründen, Werden heil und leben finden. 3. Weisheit ist es, dar nach trachten, Recht mit sich bekannt zu sein; Sich nicht schon vollkommen achten, Und den eigendünkel scheun; Gern auf seine fehler sehn, Reuig fie vor Gott gestehn; Eifrig stets nach beß'rung streben, Und doch nie sich stolz erheben. 4. Weisheit ist es, Christum ehren, Seiner mittlerhuld vertraun; So auf seine stimme hören Und auf seinen wandel schaun, Daß man falsche wege flieht, Und mit eifer sich bemüht, Seinem bilde hier auf erden Immer ähnlicher zu werden. bessern gütern trachten. 6. Weisheit ist es, Got tes gunade, Sich zu seinem ziel ersehn, Und auf seiner wahrheit pfade Diesem glück entgegen gehn; Gern nach Gottes willen thun; Froh in seiner fügung ruhn, Und, wenn leiden uns beschweren, Hoffend mit geduld ihn ehren. 7. Weisheit ist es, stets bedenken, Daß wir hier nur pilger sind; Wunsch und hoffnung dahin lenken, Wo die seele ruhe find't; Seine augen unverwandt Nach dem ew'gen vaterland Richten, und sich hier bestreben, Wie man droben lebt, zu leben. 8. Diese weisheit ist auf erden, Höchster, unser bestes theil; Die von ihr geleitet werden, Deren weg ist licht und heil. Solche weisheit kommt von dir; Gott, verleihe sie auch mir; Laß sie mich zu allen zeiten Auf den weg des friedens leiten. 5. Weisheit ist es, alles meiden, Was mit reu das herz beschwert, Und sich hüten vor den freuden, Die der sündendienst gewährt; Mel. Aus tiefer noth schrei zc. Titlen ruhm, der bald ver- 399.Nach meiner feeblüht, Luft, die im genuß len seligkeit schon flieht, Nicht für wahre Laß, Herr, mich eifrig ringen! 336 Zweite Abtheilung. gen! Sollt ich die kurze gna- fe mir's? nie kann die welt denzeit In sicherheit hin- Mit allem, was sie in sich bringen? Wie würd' ich einst hält, Mir deine gnad' ervor dir bestehn? Wer in setzen! dein reich wünscht einzugehn, Muß reines herzens werden. 5. Was führt mich zur zufriedenheit Schon hier in diesem leben? Was kann mir trost und frendigkeit In noth und tode geben? Nicht menschéngunst, nicht irdisch glück, Nur Gottes gnade und ein blick Auf jenes lebens freuden. 6. Nach diesem kleinod, Herr, laß mich Vor allen dingen trachten, Und, was mir daran hinderlich, Mit edlem muth verachten. Daß ich auf deinen wegen geh', Und im gericht dereinst besteh', Sei meine größte sorge. 2. Erst an dem schluß der lebensbahn Auf seine sünden sehen; Und wenn man nicht mehr sünd'gen kann, Gott um erbarmung flehen: Das ist der weg zum leben nicht, Den uns, o Gott, dein unterricht In deinem wort bezeichnet. 3. Du rufft uns hier zur heiligung; Drum laß auch hier auf erden Des geistes wahre beßerung Meinhauptgeschäfte werden. Herr, dazu gieb mir kraft und trieb; Nichts sei zu groß, nichts mir zu lieb, Es dir nicht aufzuopfern. 7. Doch, was vermag ich, wenn du nicht Vor trägheit mich beschützest, Und mich zur treu in dieser pflicht, 4. Gewönn ich auch die Mit kräften unterstüßest? ganze welt Mit allen ihren O stärke mich, mein Gott, freuden, Und sollte das, dazu! So find' ich hier was dir gefällt, O Gott, schon wahre ruh, Und dort darüber meiden: Was hül- das ew'ge leben. Wachsamkeit und Vorsichtigkeit. Eigene Melodie. Wache, fleh und bete! Daß 400.Mache dich mein dein herz zur bösen zeit geist bereit! Nicht von Gott abtrete. Ach 337 XVI. Von der Sorge für die Seele. Ach! schon ist Mancher Gott verleiht Munterfeit chrift In verſuchungsstunden Plötzlich überwunden. 2. Auf dann und ermuntre dich Aus dem sichern schlase! Immer, glaub es, zeiget sich Bald darauf die strafe. Der fällt leicht, Dem es däucht, Daß er sicher stehe Auf der tugend höhe. 3. Wache! denn hier hat der christ Noch von allen seiten, Was der seele schädlich ist, Muthig zu bestreiten. Gott läßt zu, Daß auch du, Wenn du sorglos wallest, In versuchung fallest. 4. Wache! daß dich nicht die welt Durch gewalt bezwinge; Oder, wenn ſie ſich verstellt, listig an sich bringe. Wach' und sieh! Daß dich nie Die verführer fällen, Die dir netze stellen. 5. Wach' und hab auf dich wohl acht! Trau nicht dei nem herzen; Leicht kann, wer es nicht bewacht, Gottes huld verscherzen. Ach, es ist Voller list, Weiß sich selbst zu heucheln, Und mag gern sich schmeicheln. 6. Aber bet' auch stets dabei, Bete bei dem wachen; Das wird dich von trägheit frei Und behutsam machen. Auf dem rechten pfade Durch crbetne guade. 7. Nahe hich denn mit gebet Oft zu seinem throne, Wenn dein herz nur gläubig fleht, Hört er in dem sohne. Er verheißt Seinen geist, Mit ihm kraft und leben, Auf dein flehn zu geben. 8. Nun, so will ich inmerdar Wachen, kämpfen, beten, Und, vermehrt sich die gefahr, Nie von Gott abtreten. Kurze zeit Währt der streit, Und welch' eine krone Wird mir dann zum lohne. Mel. Uch Herr mich armen 2e. 401. Wie schwach iſt meine tugend; Wie leicht verirr ich mich! Seit meiner frühen jugend Wie oftmals strauchelt' ich! Zum guten oft zu träge, Und sinnlich bis ins grab, Führt mich vom rechten wege Gar leicht verblendung ab. 2. Oft fehlt es mir an muthe, zu thun nach meiner pflicht; Ich kenne wohl das gute, Und thu' es dennoch nicht; Leicht laß ich mich verleiten, Das böse zu vollziehn; Schen mich, es zu bestreiten, Versäum', cs klug zu fliehn. Y 3. Zweite Abtheilung. 338 3. Gott, laß mich eifrig streben, Der tugend treu zu sein, Zur ehre dir zu leben, Des guten mich zu freun; Laß mich es nie vergessen, Daß auch der fromme fällt, Der sich, stolz und vermessen, Vor'm falle sicher hält. 4. Um auch die kleinsten sünden Vorsichtig stets zu fliehn, Laß lebhaft mich empfinden, Daß sie zu größern ziehn; Laß über meine triebe Mich immer wachsam sein, Erhalt von sündenliebe, Herr, meine seele rein. 5. Hilf mir bei den gefahren Der welt und eitelkeit Mein schwaches herz bewahren, Daß es fie klüglich schent; Auch nie verführer hören, Die in ihr net mich ziehn, Und, wenn sie mich bethören, Als falsche freunde fliehn. 6. Mein Herz kann bald verzagen! Bald wieder trozig sein! Hier, was es nicht soll, wagen, Dort, was es nicht darf, scheun; Kann leicht mich hintergehen Durch seiner lüste spiel; Will, was es täuscht, nicht sehen, Und trauet sich zu viel. 7. Gieb, Gott, auch hier mir schwachen Muth und entschlossenheit, Zu beten und zu wachen, Daß mich kein schritt gerent; Gieb, daß ich's stets bemerke, Wenn sich mein Herz verirrt, Und stolz auf seine stärke, Selbst sein verräther wird. 8. Dann werd ich nicht erliegen; Bei steter wachsamkeit Hilfst du, mein Gott, mir siegen In jedem schweren streit. Von dir werd ich nicht weichen, So sehr gefahren drohn, Des glaubens ziel erreichen, Mit ihm des kampfes lohn. XVII. Von der Sorge für den Leib. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. gift für unser leben, Und 402.De er wollust reiz ihre freuden werden pein. zu widerstre- Drum fleh ich demuthsvoll ben, Laß höchster, meine zu dir: O schaff' ein reines weisheit fein: Sie ist ein herz in mir! 2. XVII. Von der Sorge für den Leib. 2. Die wollust kürzet unfre tage! Sie raubt dem körper seine kraft; Und armuth, seuchen, schmerz und plage Sind früchte dieser leidenschaft! Der haßt sich selber, der sie liebt, Und sich in ihre fesseln giebt. 3. Sie raubt dem herzen muth und stärke; Schwächt den verstand, der seele licht: Sie raubt den eifer edler werke, Und ernst und lust zu jeder pflicht; Führt reue, führt gewissensschmerz In das ihr preis gegebne herz. 4. Der menſch sinkt unter ihrer bürde Zur niedrigkeit des thiers herab; Er schändet und entehrt die würde, Die ihm sein weiser schöpfer gab; Vergißt den zweck, dazu er lebt, Weil er nach niedern lüften strebt. 5. So schimpflich sind der wollust bande! Schon vor der welt sind sie ein spott. Sie sind vor dem gewissen schande, Und noch weit mehr vor dir, o Gott! Wer sich in ihre knechtschaft giebt, Wird nie von dir, o Gott, geliebt. 6. Den wird Gott wiederum verderben, Der seinen tempel hier verdirbt. 339 Die keuschheit wird den himmel erben, Da wolluſt das verderben erbt. Laß mich vor ihrer lockung fliehn, Und keusch zu sein mich stets bemühn. 7. Gieb, daß ich allen bösen lüsten Mit muth und nachdruck widersteh', Und stets dawider mich zu rüsten, Auf dich, allgegenwärt'ger, seh'. Wer dich, o Gott, vor augen hat, Flieht auch verborgne missethat. In voriger Melodie. 403. Des leibes warten, und ihn nähren, Das ist, o schöpfer, meine pflicht; Durch eigne schuld ihn zu zerstören, Verbietet mir dein unterricht. O! stehe mir mit weisheit bei, Daß diese pflicht mir heilig fei. 2. Sollt ich, o Herr, geringe schätzen, Was deine hand mir anvertraut? Den wundervollen bau verletzen, Den du, als schöpfer, selbſt erbaut? Wes ist mein leib? er ist ja dein: Sollt ich denn sein zerstörer sein? 3. Ihn zu erhalten, zu beschützen, Giebst du mit milder vaterhand Die mittel, 9 2 die Zweite Abtheilung. 340 die dazu uns nüßen; Und zum gebrauch giebst du verstand. Dir ist die sorge nicht zu klein: Wie sollte sie es mir denn sein? 4. Gefunde glieder, muntre träfte, O Gott, wie viel sind die nicht werth! Wer taugt zu des berufs geschäfte, Wenn frankheit seinen leib beschwert? Ist nicht der erde größtes gut Gesundheit und ein heitrer muth? 5. Drum gieb, daß ich mit forgfalt meide Was meines förpers wohlsein stört; Daß nicht, wenn ich je krankheit leide, Mein geist den innern vorwurf hört: Du selbst bist störer deiner ruh, Du zogst dir selbst dein übel zu! 6. Laß jeden sinn und alle glieder Mich zit bewahren achtsam sein; Und drückt mich eine frankheit nieder, So flöße selbst geduld mir ein. Gieb frohen muth, und dann verleih, Daß auch des arztes rath gedeih. 8. Mein größter fleiß auf dieser erde Sei meinem geiste, Gott, geweiht, Daß er zum himmel weise werde, Noch in der vorbereitungszeit; So wird sich leib und seele dein In aller ewigkeit erfreun. Mel. Nun ruhen alle wälder 26. 404. Was ist mein zeitlich leben, Das du mir, Gott, gege ben? Ein unschätzbares gut. Du gabst mir's, hier auf erden Zum himmel reif zu werden, Worauf mein wahres glück beruht. 2. Hier wird die saat gestreuet, Dort erntet man erfreutet, Der tugend früchte ein; Je länger ich hier lebe, Und gut zu handeln strebe, Je größer wird mein glück dort sein. 3. Sollt ich dies glück mir rauben? Herr, laß mir im glauben Der künft'gen erntezeit Mein Leben auf der erden So werth und wichtig werden, Als es mir selbst dein wort gebent. 4. Mir selbst es zu verz kürzen, Mich in den tod zu stürzen, Ist wider meine pflicht. Ein redliches gemü the 7. Doch gieb, daß ich nicht übertreibe, Was auf des körpers pflege zielt; Und stets in jenen schranken bleibe, Die dein gebot mir anbefiehlt. Des leibes wohl laß nie allein Der endzweck meiner sorgen sein. 341 XVII. Von der Sorge für den Leib. the Lohnt nie mit undank herzen zu erfreun, Giebst du güte, Entweicht auch dem berufe nicht. aus traubenvollen reben Mit segensreicher hand den wein. Du nährest und erfreust zugleich: Wer ist, wie du, so mild und reich! 5. Was leicht in frankheit stürzet, Das leben leicht verkürzet, Laß mich mit sorgfalt fliehn; Doch auch nicht ängstlich zagen, Für meine pflicht zu wagen, Was du mir, Gott, für sie verliehn. 6. In deine vaterhände Befehl ich, Herr, mein ende, Und meiner tage lauf. Es sei mein ganzes leben Dir hier zum dienst ergeben; Hilf du nur selbst der schwachheit auf. 3. Doch laß die kraft, uns zu vergnügen, Die du in speis' und trank gelegt, Mich nie, o höchster, so besiegen, Daß sie zum schwelgen mich bewegt. Laß, deiner gaben mich zu freun, Mich mäßig im genusse sein. 7. Wie heilsam ist das leben Dem, der dir ganz ergeben, Nach wahrer tugend strebt! Drum will ich dich treu lieben, Mich stets im guten üben; So hab' ich lang' und wohl gelebt. 4. Mit speis' und trank sein herz beschweren, Steht niemals wahren christen an. Dadurch wird das, was uns ernähren, Und unsern geist erquicken kann, Ein gift, das in die adern schleicht, Und krankheit, schmerz und tod erzeugt. 5. Die schwelgerei raubt Mel. Firwahr, du bist, o Gott zc. uns die kräfte Zu dent, was 405. Wie mannigfal- uns die pflicht gebeut, Macht tig sind die träge zum berufsgeschäfte, gaben, Wodurch uns, Herr, Untüchtig zur gottseligkeit: dein wohlthun nährt, Und Erweckt unordnung, streit die, den geist und leib zu la- und zank, Und hindert den. ben, Uns täglich deine hand Gott schuld'gen dank. gewährt. Auch das, was unser mund genießt, Zeigt uns, wie freundlich, Gott! du bist. 6. Wer sich den bauch zum gott erkoren, Unmäßig deine gaben braucht, Der iſt für's himmelreich verloren, Zu dem kein knecht der lüſte 2. Du giebst uns brod für unser Leben, Und unsre taugt Zweite Abtheilung. 342 taugt. Gott! laß mich ja dies laster scheun Und mäßig stets und nüchtern ſein. 7. So oft ich speis und trank genieße, So laß es mit vernunft geschehn, Und daß ich beides mir versüße, Mit dank auf dich, den geber, sehn; Auf dich, der du uns zärtlich liebst, Und narung und erquickung giebst. Mel. Ich weiß, mein Gott zc. 406, Wem Gott gesundheit hier verleiht, Der hat von gütern dieser zeit Gewiß die größte gabe. Allgütiger, Wie froh bin ich, Daß ich gesundheit habe! 2. Daß ich sie habe, dank ich dir; Nur, du, mein vater, hast sie mir Aus großer huld geschenket. Dein ist's, daß ich Noch munter bin, Und mich kein übel fränket. 3. Erhalte, Gott, auch fernerhin Das leben mir und jeden sinn zum frohsein auf der erde; Gieb, daß mir nie Durch eigne schuld, Dies glück entzogen werde. 4. Der sünde folgt verderben nach, Bald dies, bald jenes ungemach, An leib und seele schmerzen. Fern sei's von mir Durch eigne schuld Gesundheit zu verscherzen. 5. Ein gleicher muth in freud und leid, Zufriedner sinn und mäßigkeit Und ordmung in geschäften; Dies sei mir pflicht: So wird gewiß Kein laster mich entkräften. 6. Gieb, daß ich meines lebens kraft, Die deine gitgüte mir verschafft, Aufs nützlichste verwende, Und mei nen lauf Zu deinem ruhm und andrer glück vollende. 7. Doch schickst du mir auch krankheit zu; So gieb geduld und seelenruh, Das leiden zu versüßen. Mein trost im schmerz Sei deine huld Und ruhe im gewissen. 8. Und bringt die krankheit mir den tod, So müsse mich der trost, o Gott, Zum frohen muth erheben: Mich trifft nicht mehr Dann schmerz und tod In jenem bessern leben. XVIII. 343 XVIII. Von der Arbeitsamkeit und Treue im Berufe. Uns Mel. Aus tiefer noth schrei ich zc. furcht, gestärkt durch dich, 407.3¹ ur arbeit, nicht Mit freuden außzurichten. zum müssig- Ein herz, das sich des guten freut, Giebt zu der arbeit munterkeit, Läßt ihre last nicht fühlen. 5. Lehr' mich, mein schöpfer, wo ich bin, Vor deinen augen wandeln; Und mich erfaufe kein gewinn, Gewissenlos zu handeln! Mich sporn' ein frommer eifer an, So viel zu müßen, als ich kann; Das sei mir ehr' und reichthum! 2. Hilf, daß vor träger weichlichkeit Ich standhaft mich bewahre, Und, wenn die pflicht mir müh' gebeut, Nie meine kräfte spare. Wenn sie erschöpft sind, dann will ich Durch reine stille freuden mich zu neuer arbeit stärken. 6. Mir sei bei allem, was ich thu, Mein ziel dein wohlgefallen: So werd' ich zur gewissensruh Auf ebnem wege wallen. Dem, der dir, heiligster, mißfällt, Was nützet ihm die ganze welt Mit allen ihren freuden? 3. Gieb weisheit, mir zum vorwurf nicht Die zeit mit nebendingen Und mit versäumniß meiner pflicht Verschwend'risch hinzubringen. Mein eifrig streben müsse sein, Mich den geschäften ganz zu weihn, Die du mir auferleget. 7. Statt meinen irdischen beruf Je träg' hintanzuſetzen, Lehr mich du, der zu ihm mich schuf, Für gottesdienst ihn schätzen! So werd' ich durch geschäftigkeit In 4. Ein heil'ger trieb be- trener nügung meiner zeit seele mich, Treu meines zu höhern würden steigen. standes pflichten In deiner gang, Sind wir bestimmt auf erden. Drum laß mich hier mein lebenlang Durch arbeit müßlich werden. Gieb mir verstand und lust und kraft, Geschickt, tren und gewissenhaft Mein werk hier zu verrichten, Mel. Zweite Abtheilung. 344 Mel. Wo Gott zum haus 2c. oder: Herr Jesu Christ, mein's 2c. 408. Gott, deffen hand die welt er nährt, Und jedermann sein theil gewährt, Laß deinen segen auf mir ruhn, Und mich mein werk mit freuden thun. 2. Du sorgst für mich, doch so, daß ich Auch sorgen soll zu thun, was mich Dein of fenbarter wille heißt; Dazu verleih mir deinen geist. 3. Hilf, daß ich stets in dieser welt, So lebe, wie es dir gefällt; Mich von der sünde zu befrei'n, Laß mei ne erste forge sein. 6. Mit beten geh ich an mein werk, Gieb du dem leibe kraft und stärk'; Mirdir fang ich die arbeit an, Durch den ich sie vollenden kann, was meines standes ist; Erfreut, daß du mein helfer bist. 8. Zu dir hoff ich voll zuversicht, Du werdest meinem fleiße nicht Dein segnendes gedeihn entziehn; Vergebens ist sonst mein bemühn. 9. Du machst die dürren berge naß, Du kleidest blumen, laub und gras; Für deine sorg' ist nichts zu klein: Du wirst auch mein versorger sein. 4. Steht's erst mit meiner seele wohl, Dann lehre mich auch, wie ich soll, Auf meines leibes wohlergehn Mit wahrer christenweisheit sehn. 5. Dich rufich an, verlaß mich nicht! Du weißt ja wohl was mir gebricht. Was du Mel. Es ist gewißlich an der z. willst geben, gieb du mir, Und 409. Gott ist's, der dann zufriedenheit mit dir. das vermögen schafft, Das gute zu vollbringen; Er giebt zur arbeit muth und kraft, Und läßt sie uns gelingen. Was man mit ihm nur unternimmt, Wird, wenn's mit seinem willen stimmt, Nicht ohne fortgang bleiben. 2. 7. Erleichtre mir der arbeit last; Laß mich, wie du befohlen hast, Das thun, 10. Verstünd ich nur nach deinem sinn, So lang ich noch auf erden bin, Mit deinen gaben umzugehn; Wie wohl würd' es dann um mich stehn! 11. O mache mich dazu recht tren, Daß ich dir tha tig dankbar sei! Hilf, daß ich sorge, wie ich soll; Ja sorge du, so geht mir's wohl. XVIII. Von der Arbeitsamkeit und Treue im Beruf. 345 2. Wer das zu seinem hauptzweck macht, Gefällig ihm zu werden, Zuerst nach seinem beifall tracht't, Dem giebt er auch auf erden Bom zeitlichen mit milder hand So viel, beim fleiß in sei nem stand, Als ihm wahrhaftig nützet. 3. Gott ist der frommen Mel. Fürwahr, du bist, o Gott zc. ſchild und Lohn; Er krönet 410. Mit dir geh ich sie mit gnaden: Was sollte ihrer feinde Hohn Und mißgunst ihnen schaden? Mit seinem schutz bedeckt er sie, Und segnet, bei des lebens müh, Ihr herz mit troft und hoffnung. an mein geschäfte, O Gott, du giebst durch deinen geist mir auch gewiß zur arbeit kräfte, So lange du mich leben heißt. Saß, dieser hoffnung mich zu freun, Auch deinen rath mir heilig sein. 4. Drum gieb, o Gott, daß ich auf dich Bei meiner arbeit sehe. Mit licht und weisheit segne mich, Daß ich nie wege gehe, Die mir, Herr, dein gesetz verbeut. Nach christlicher rechtschaffenheit Laß mich vor allem trachten. 6. Sei überall, mein Gott, mit mir! Die werke meiner hände. Befehl ich, Allerhöchster, dir; Hilf, daß ich sie vollende Zu deines großen namens preis; Daß mir die frucht von meinem fleiß In jenes leben folge. 5. Laß müssigang und trägheit mich, Als dir mißfällig, meiden, Und hilf, daß ich, gestärkt durch dich, Voll muth, mit lust und freuden, In meinem stand geschäftig sei; Dein segen fröne meine treu, Daß sie auch andern nüße. 2. Der ehrt dich nicht, der seine tage In trägem müssigang verlebt, Und, sich und andern gleich zur plage, Das ihm gelieh'ne pfund vergräbt. Du bist's, der uns den fleiß gebot; Und wer ihn übt, ehrt dich, mein Gott! 3. Du gabst, mit so viel andern trieben, uns auch den trieb zur thätigkeit, Und ihn aufs nützlichste zu üben, Giebst du uns auch gelegenheit. Du kennest unsrer arbeit müh, Und deine kraft erleichtert sie. 4. Laß mich auf diese ordnung 346 mung sehen, Ihr folgen und mich ihrer freun! Wie sollt' ich dabei irre gehen, Und nicht vielmehr gesegnet sein Von dir, der du der arbeit last Auch reichen lohn beschieden hast? Zweite Abtheilung. 5. So wart' ich, Gott, auf deinen segen, Und sorge nicht, wie's werden soll: Ich geh' ihm doch gewiß entgegen Uud bin der frohen hoffnung voll: Mein fleiß ist wohlgefällig dir; Du siehst und du vergiltst ihn mir. 6. Ich tröste mich des nicht vergebens, Bleibt er gleich unvergolten hier; Du reichst am abend meines lebens Auch mir der treue lohn dafür. Dann freu ich mich in ewigkeit Des müzlichen gebrauch's der zeit. Mel. Sei lob und ehr dem 2C. 411. Aus [ us deiner milden segenshand, Du geber aller gaben! Muß jedes volk und jedes land Des guten zufluß haben. Mit großer weisheit hältst du haus, Und breitest deine güte aus, Der völker wohl zu gründen. 2. Von dir kommt kunst und wissenschaft, Wodurch die länder blühen. Du schenkest jeglichem die kraft, Sich nützlich zu bemühen In seinem amt, beruf und stand, Dazu dein rath ihn tüchtig fand, Zum besten mitzuwirken. 3. Als milder geber zeigst du dich Den völkern aller lande; Und du verknüpfst ſie unter sich Durch deines segens bande. Zum fernen oft, zum fernen nord Strömt deines segens quelle fort Von westen und von süden. 4. Du giebst den schiffen ihren lauf Auf strömen und auf meeren, Und hilfst den flor der Handlung auf, Viel tausende zu nähren. Zur nothdurft, zur bequemlichkeit Vertheilst du deine gaben weit Von einem land zum andern. 5. Du segnest jedes menschen fleiß Zum nutzen seiner brüder. Was er nur gutes kann und weiß, Das kommt von dir hernieder. Was deine hand uns zugewandt, Das fließet stets aus hand in hand Durch nüßliche gewerbe. 6. Herr, unser Gott, wir preisen dich Mit dankbarem gemüthe. Du Herrschest unveränderlich Mit weisheit und XVIII. Von der Arbeitsamkeit und Treue im Beruf. 347 und mit güte. Geuß deinen handel; Rechtschaffen, brüsegen ferner aus Auf unser derlich und treu In seinem land, auf jedes haus, Zu ganzen wandel. Mit luft, o deines namens ehre. vater, wendest du Dem lande deinen segen zu, Das solch ein volk bewohnet. 7. Hilf, daß ein jeder redlich sei In seinem thun und XIX. Vom rechten Verhalten gegen die zeitlichen Gitter, Reichthum, Ehre und dergleichen. Mel. Aus tiefer noth schrei zc. 412. Laß mich, o Gott, gewissenhaft Mein irdisch gut verwalten! Gewähre mir verstand und kraft, Um weislich haus zu halten, Wie es mir nüßt und dir gefällt, Daß ich die schäßze jener welt Bewahr' und nie verliere. irdischer gewinn Mein herz zu üppigkeiten hin; Sie hindern beßre sorgen. 4. Was hülfe mir die ganze welt Mit allen ihren schäzen, Verblendete mich gut und geld, Mich dir zu widersetzen? Verschmäht' ich, was dein wort begehrt, Was mir ein ewig heil gewährt: Wie elend würd ich werden! 2. Mein hab und gut kommt ja von dir Und deinem milden segen. Nicht mir zum schaden gabst du mir Mein irdisches vermögen; Du gabst's für mein und andrer wohl; Drum hilf mir, daß ich's, wie ich soll, Nach deiner vorschrift brauche. 3. Bewahre mich vor übermuth, Daß ich nicht eitel werde; Denn alles mir geschenkte gut Verlaß ich, wie die erde. Nie reiß ein wissenspein Rann reichthum nicht 5. Mein größtes trachten sei allhier Nach deines reiches gaben, Dann werd ich wahres wohl von dir Auch zu erwarten haben. Dann wird beim fleiße lebenslang Mir kleidung nie, nie speis uud trank Durch deinen segen fehlen. 6. Den geiz laß ferne von mir sein, Die wurzel alles bösen. Von unruh, von ge 348 Zweite Abtheilung. nicht erlösen. Er hilft in der demuth pfade, Verbirgt todesstunden nichts, Und mir, wer ich bin! wird am tage des gerichts Den fünder nicht erretten. 7. Laß mich die güter die ser zeit nicht schwelgerisch verschwenden; Du gabst sie, um mit sparsamkeit Sie nüt, lich anzuwenden, Gieb mir die klugheit, daß ich hier, Durch fie dem nächsten so, wie mir, Des lebens müh' erleichtre! 8. Es kommt ein tag der rechenschaft! Dies laß mich stets erwägen; So brauch' ich, Gott, gewissenhaft Den mir vertrauten segen. Wohl dem, der mild ist! denn er hat In seinem reichthum eine saat Zu einer ew'gen ernte. 3. Nicht im besitz von schätzen Und gütern dieser zeit Laß meinen ruhm mich setzen; Sie sind doch eitelkeit. Sie sind so oft des thoren glück, Verlassen uns im tode, Und bleiben hier zurück. 4. Nicht hoher stand und würde Vereitle meinen finn! Wie oft zieht ihre bürde Den geift zur erde hin. Verdienst und tugend sei allein Der ruhm, nach dem ich ringe, Und der bleibt ewig mein. 5. Dich kennen, meine pflichten Mit fleiß und redlichkeit Gewissenhaft verrichten, Wie mir dein wort gebeut, Und überall mein christenthum Nach Jesu vorbild üben: Das sei mein wahrer ruhm. Mel. Wenn meine sünd' mich 2c. 413.a, Herr, nach eitlen ehren Mich niemals geizig sein. Laß deinen geist mich lehren, Der ehre mich zu freun, Die ewiglich vor dir besteht, Einst mit mir von der erde Zum himmel übergeht. 6. Dein beifall ist der beste, Nach dem ich strebent kann; Wenn ich mich dessen tröste, Hab' ich genug daran; Ob mir es auch an lohn der welt, An menschenlob und ehre Bei guten thaten fehlt. 2. Nie blende mich der schimmer Des ansehns vor 7. Einft, wenn die eitle der welt. Das bleib, o vater, würde Wie leichter dunst ver immer Mein ruhm, was dir fliegt, Einst, wenn verdienst gefällt. Wie bald entführt und bürde Auf Gottes waaein stolzer sinn Mich von ge liegt: Dann müsse meinem XIX. Vom rechten Verhalten gegen die zeitl. Güter 2c. 349 nem ewgen geist Die beßre frone werden, Die mir mein Gott verheißt. Mel.aWas frag ich nach der 2c. 414. Laß mich doch nicht, o Gott, Den schäßen dieser erden So sehr ergeben sein, Daß sie mein abgott werden! Oft fehlt beim überfluß Doch die zufriedenheit; Und was ist ohne sie Des lebens herrlichkeit? 2. Kann ein vergänglich gut Auch unsre wünsche stil len? Es steht ja sein besitz Nicht blos in unserm wil len, Nicht stets wird's dem zu theil, Der ängstlich darnach ringt; Und schnell verliert's oft der, Dem sein bemüh'n gelingt. 3. Ein gut, daß unsern geist Wahrhaftig soll beglücken, Muß nicht vergänglich sein; Muß für den geist sich schicken. Der thor hat geld und gut, Er hat's und wünscht noch mehr: Doch immer bleibt sein Herz Von wahrer ruhe leer. 4. Gott, so wehre doch Der habsucht niedern trieben, Und heilige mein herz, Nie geld und gut zu lieben, Das man mit müh' gewinnt, Bald schwelgerisch verzehrt, Bald unruhvoll bewacht, Und bald mit fluch vermehrt. 5. Ein weises, frommes herz, Das sei mein schatz auf erden! Sonst alles, nur nicht dies, Kann mir entrissen werden; Es bleibt im tod auch mein, Und folgt mir aus der zeit, Zum seligsten gewinn, Bis in die ewigkeit. 6. Wenn dies mir fehlt, was sind Die herrlichsten vergnügen? Nur süße träume sind's, Die unsern geist betrügen. Drum lenke, Gott, den wunsch, Bom irdischen gewinn, Durch deines geistes kraft Zu ew'gen gütern hin. mel. Mir nach, spricht Chrift zc. 415. Wohl dem, der beß're schätze liebt, Als schätze dieser erden! Wohl dem, der sich mit eiser übt, An tugend reich zu werden, und in dem glauben, daß er lebt, Sich über diese welt erhebt! 2. Wahr ist es, Gott verwehrt uns nicht, Hier güter zu besitzen; Er gab sie uns, und auch die pflicht, Mit weisheit sie zu nügen; Sie dürfen unser herz erfreu'n Und unsers fleißes antrieb sein. 3. 350 Zweite Abtheilung. 3. Doch nach den gütern mervollem flehn, Der waisen dieser zeit Mit ganzer seele thränen widerstehn. schmachten; Nicht erst nach der gerechtigkeit Und Gottes reiche trachten: 3st die ses eines menschen ruf, Den Gott zur ewigkeit erschuf? 8. Erhalte mich, o Gott, dabei, Daß ich mir g'nügen lasse, Entfernt von niedrer habsucht sei, Den geiz von herzen hasse. Unschuld, ver4. Der geiz erniedrigt sland und guter muth Sei unser herz, Erstickt die ed- meines lebens größtes gut! lern triebe; Die liebe für ein schimmernd erz, VerMel. Kommt her zu mir 2. drängt der tugend liebe, 416. Du förderst gern mein Und machet, der vernunft zum spott, Ein elend gold zu unserm Gott. 5. Der geiz, so viel er an sich reißt, Läßt uns kein gut genießen; Er quält durch habsucht unsern geist, Und tödtet das gewissen. Er reißt durch schmeichelnden gewinn Uns blind zu jedem frevel hin. wohl, Drum hilf mir, Gott, auch wie ich soll, Mit weißheit darnach streben. Bon dir selbst kommt die starke lust, Der rege trieb in meine brust, Beglückt und froh zu leben. 6. Wie kann ein herz, vom geize hart, Des wohlthuns freude schmecken? Nach dem, der arm und elend ward, Die hand zur hülfe strecken? Es lebt nur sich, dem bruder nicht, Nicht für die welt, nicht seiner pflicht. 2. Stets heilig sei mir dieser trieb! Doch auch dein wille mir so lieb, Daß ich mein wohlergehen Nur such auf jedem sichern pfad, Den mir dazu dein weiser rath Von ewigkeit ersehen! 7. Gewinnsucht raubt uns muth und geist, Die wahrheit frei zu lehren. Sie schweigt, wenn tugend reden heißt: Sie kaun, ihr gut 3. Untrüglich ist nur dein verstand; Nur dir ist ganz genau bekannt, Was noth, was heil gebieret. Mich aber täuscht oft falscher wahn; Ich seh' noch oft als nützlich an, Was mich zum elend führet. 4. Drum laß mich nie dem zu mehren, Der wittwe jam- scheine traun, Und niemals, um XIX. Bom rechten Verhalten gegen die zeitl. Güter 2c. 351 schnöde lust der fünde fliehn, Und nur der tugend leben. um mein glück zu baun, Was mir gut dünkt, erwählen. Auch hier sei stets dein wort mein licht; Folg' ich nur dem, so werd ich nicht Mein wahres wohl verfehlen. 5. Hilf mir den unter schiednen werth Der güter, die der mensch begehrt, Recht einsehn und bedenken; Und meine größte emsigkeit Auf das, was ewig mich erfreut, Mit weiser sorgfalt lenken, 6. Hilfst du zu dieser weißheit mir, So werd' ich auch vorzüglich hier Nach deinem beifall streben, Mich um ein reines herz bemühu, Die 7. Dann wird mich wahres glück erfreun; Froh, ruhig wird mein geist dann fein In meinen pilgertagen; Und was sonst meinem wohl gebricht, Das wird mir deine liebe nicht, Allgütiger, versagen. 8. Ich gehe dann den ebnen pfad, Auf welchem mich dein weiser rath Zum höhern leben führet, Wo mich vollkommnes glück erfreut, Und wo mich nun in ewigkeit Rein unfall mehr berühret. XX. Vom rechten Gebrauch des Lebens. stand und willen, Die wahrheit zu erkennen, licht; Kraft, dein gebot gern zu erfüllen, Und lehrtest selbst mich meine pflicht; zur tugend gabst du mir gefühl, Und freiheit, was ich wählen will. 3. Du gossest zwar auf diese erde Viel anmuth, pracht und schönheit aus; Und schmücktest durch dein mächMel. Fürwahr, du bist, o Gott 2c. 417. Dtt u gabst mir, ewiger, dies leben, Nicht für den augenblick der zeit. Du hast es mir, mein Gott, gegeben, 3ur ausfaat für die ewigkeit. Hier kann ich nur den saamen streun; Die früchte ernt' ich dort erst ein. 2. Du schenktest mir ver 352 Zweite Abtheilung. mächtig werde! Auch mei- gewinn! Als sieger dort gener seele irdisch haus, Gabst krönet bin. mir der finne fein gefühl, Und auch dadurch der freuden viel. 4. Doch einst muß ich dies leben schließen, Weil dies mein irdisch Haus zerbricht. Drum soll ich zwar der welt genießen, Doch als genöß ich ihrer nicht. Ich soll der finne lüste fliehn, Wenn sie mich hin zur sünde ziehn. 5. Dein unterricht sei nicht vergebens! Gieb, vater, daß ich ihm getren, Und beim gemusse dieses lebens Auch einst zu jenem tüchtig sci. Vollkommne freude wohnt nicht hier, Wohnt mur, vollkommenster, bei dir. 8. D gieb mir deines geistes stärke, Der du in schwachen mächtig bist, Mir, der zu diesem großen werke Zu schwach und noch zu sinnlich ist; Lehr mich, was eitel ist, verschmähn, Und auf das ew'ge kleinod sehn. 6. Wohl mir, wenn ich es muthig wage, Der groBen hoffnung werth zu sein, Und diese kurzen übungstage Dir und der tugend ganz zu weihn; Wenn nie mein fuß den pfad verliert, Der mich zum bessern leben führt. 9. O laß schon in gesunden tagen Mich oft zu meinem grabe gehu, Und da, bei frenden und bei plagen Auf dich und deine zukunft sehn; Damit ich meiner pflicht getreu, Des höhern lebens fähig sei. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 418. Der letzte tag bon deinen tagen, mensch, eilt immer mehr herbei. Statt über ihre flucht zu klagen, Erkauf' und brauche sie getreu. Nimm mit erkenntlichem gemüth Der nahen stunde wahr; sie flieht! 7. Wohl mir, wenn ich 2. Getäuscht von tausend den hang zur fünde, Die eitelkeiten, Versäumst du lust des fleisches und der welt, deines Lebens zweck; VerUnd jede lockung überwinde, schiebst dein heil auf ferne Die meinem Herzen nekze zeiten, Und wirfst so sorgstellt; Wenn ich, o seliger los jahre weg. Und bist du denn, 353 XX. Vom rechten Gebrauch des Lebens. nem reiche nachgestrebt, Jit dir gefälligen geschäften Die pilgertage durchgelebt! Dann wohl mir, wenn ich sagen kann: Du nimmst mich, Gott, zu ehren an! 8. Mein sprachlos flehn an meinem ende Vernimmſt du herzenskündiger. In deine treuen vaterhände Befehl ich meinen geist, o Herr! Er schwingt, wenn seine hütte fällt, zu dir sich über grab und welt. denn, o sterblicher, Des nächsten augenblickes herr? 3. Ein ewig glück einst zu besitzen, Sollst du des furzen lebens zeit Als deine saatzeit weißlich nützen Und thun, was dir dein Herr gebeut. Wie ruft er dir so freundlich zu: Nur eins ist noth! was säumest du? 4. Drum eil' und rette deine seele, Und denke nicht: ein andermal! Sei wachsam, bet' und überzähle Der menschen tage kleine zahl. Sei fromm und wandle vor Mel. Filrwahr, du bist, o Gott zc. dem Herrn, Wär auch dein ende noch so fern. 419. daß von meinen lebensta5. Mit jedem dir geschenk- gen Doch keiner ganz verloten morgen Erwecke dich, ren sei! Verlorne stunden, gewissenhaft Für deiner seele ach, sie nagen Zu spät das heil zu sorgen, Und suche herz mit gram und reu, Und Gottes licht und kraft. den entfloh'nen augenblick Sprich: o mein Gott, ich Bringt kein gebet, kein will allein Mein leben dei- flehn zurück. nem dienste weihn! 6. Erleucht' und stärke meine seele, Weil ohne dich sie nichts vermag. Gieb, daß ich das, was gut ist, wähle; Dazu giebst du mir diesen tag. Was ist nicht jede stunde werth, Die dei ne langmuth mir gewährt? 7. Wohl mir, hab' ich aus allen kräften Hier dei2. Laß jeden meiner augenblicke, O Gott, mir werth und theuer sein: Laß mich die zeit zu meinem glücke Nie durch der fünde dienſt entweihn, Nie durch die luſt der eitelkeit, Die doch zuletzt das Herz bereut. 3. Noch ist es tag; jetzt laß mich werke Der tugend wirken, eh' die nacht, Wo 3 nie 354 Zweite Abtheilung. streben lehrt? niemand wirkt, erscheint; Wonach dein wort mich jetzt stärke Mich deine lieb' und deine macht. Wie viel ist noch für mich zu thun! Und ich, ich sollte jetzt schon ruhn? 2. Nein, wecke mich zu größ'rer treue In dem gebrauch der pilgerzeit! O Gott, ermuntre mich auf's 4. Auf, auf, mein geist neue Zur sorge für die se laß keine stunde Des lebens ligkeit! Von allen meinen ungenützt vorbei. Auf, erdentagen Sei jeder mir schwör' es jetzt mit herz und ein theures pfand! Ich will munde, Und sei dem ernsten mich jeden abend fragen: schwur getreu: Dir, Herr Hast du ihn weise ange der zeit und ewigkeit, Sei wandt? jeder augenblick geweiht! 5. Einst seh ich an der laufbahn ende Getróst auf meine tage hin, Und sage: Herr, durch deine hände Empfing ich, was ich hab' und bin; Hier ist mein tagewerk! nicht mein, Dein ist der ruhmi, die ehre dein! 3. Nicht, um sie unnük zu verschwenden, Gabst du mir diese gnadenzeit; Nein, um sie heilig anzuwenden, Zur saat für zeit und ewigkeit. Selbst jahre fliehn wie au genblicke, Auf schnellen fittigen dahin; Drum sei zut meinem ew'gen glücke Mir jede stunde ein gewinn! 4. Denn ach, sie sorg los zu verschwenden, Das würde mich zu spät geren'n; Drum soll, sie treulich anzuwenden, Hier meine größ te sorge sein! Dann schau Auf ich heiterer am ende meine lebenszeit zurück; Und eil' in deine vaterhände Hinauf zu meinem ew'a Eig. M. od.: Wie groß ist des allm, 2c. 420. Schon viele tage sind verschwunden, Die deine güte, Gott, mir gab: Dahin sind so viel gnadenstunden, Und immer näher rückt mein grab! Ach! soll ich länger sie verträumen, Verkennen ihren hohen werth, Und meiner seele heil versäumen, gen glück. XXI 355 XXI. Von der Zufriedenheit. Mel. Nun ruhen alle wälder zc. banges herz? Ach, hilf es 421.Dir ir hab' ich mich ergeben, Mein Gott, im ganzen leben, Im unglück wie im glück: Dir dank ich meine freuden; Dich preis' ich auch im leiden Bis an den letzten augenmir besiegen! Es wünschet sich vergnügen, Und was es wünscht, wird oft sein schmerz. 6. D'rum will ich kindlich schweigen, Zufrieden mich bezeigen Mit allem, was du giebst. Du kannst uns nicht verlassen, Die dir vertraun, nicht hassen, Weil du die frommen ewig liebst. blick. 7. Nicht das, warum ich flehe, Dein wille nur geſchehe, Und was mir selig ist. Ich will, dir ganz ergeben, Getrost und ruhig leben, Bis einst der tod mein auge schließt. 2. Du bist's, der für mich wachte, Noch eh' ich war und dachte; Du hast mit treuer hand Mich huldvoll stets geleitet, Auch da mir glück bereitet, Wo ich nur schmerz und leiden fand. 3. Was helfen meine sorgen? Ist mir mein glück verborgen, So ist's doch dir, Mel. Ist auch ein Gott 2c. Herr, nicht. Dir will ich 422. Gott forgt für mich! was mich empfehlen, Du weißt was meiner seelen Und meinem leibe hier gebricht. 4. Warum ich heute flehe, Das möchte, wenn's geschähe, Schou morgen mich gereu'n. Nur einen wunsch von allen, Laß dir, o Herr! gefallen: Zufrieden allezeit zu sein. 5. Wenn ich verlassen scheine, Im leiden zag' und weine, Was wünscht mein fen bange forgen Für den doch ungewissen andern morgen? Ach, unzufried'ne machen ihrem Herzen Vergebens schmerzen! 2. Es ist umsonst! wir können nichts erzwingen, Wenn wir auch nächte durch mit fummer ringen, Und noch so früh mit ängstlichen geschäften Uns selbst entkräften. 32 3. 356 Zweite Abtheilung. 3. Mein glück beruht, denk im klagen auch zurück: o Gott, auf deinem segen. Ist denn das glück, das Vertrau ich dir, geh ich auf wir begehren, Für uns auch deinen wegen; So wirst du stets ein wahres glück? mir, was noth ist, täglich schenken. Ich sollt mich fränken? 3. Nie schenkt der stand, nie schenken güter Dem menschen die zufriedenheit. Die wahre ruhe der gemüther Ist tugend und genügsamkeit. 4. Laß mich mit dem mir anvertrauten pfunde Nur redlich wuchern; deiner hülse stunde Wird schon nach deinem rathe mir begegnen, Mich, Herr! zu segnen. 5. So fördere denn die arbeit meiner hände! Gesegnet sei ihr anfang und ihr ende! Gieb rath und kraft, Damit mir auch gelinge, Was ich vollbringe! 6. Gewähre mir nur deines geistes gaben, So mö gen andre mehr an reichthum haben; Ist mir doch auch dein ewig reich beschieden! Ich bin zufrieden. 4. Genieße, was dir Gott beschieden, Entbehre gern, was du nicht hast. Ein jeder stand hat seinen frieden, Ein jeder stand auch seine last. 5. Gott ist der Herr, und seinen segen Vertheilt er stets mit weiser hand; Nicht so, wie wir's 311 wünschen pflegen, Doch so, wie er's uns heilsam fand. 6. Willst du zu denken dich erkühnen, Daß seine liebe dich vergißt? Er giebt uns mehr, als wir verdienen, Und niemals, was uns schädlich ist. 7. Verzehre nicht des le bens kräfte In träger unzu friedenheit; Besorge deines stand's geschäfte Und nüge deine lebenszeit. Eigene Melodie. 423.D u klagst, und fühlest die beschwerden Des stand's, in dem du dürftig lebst; Du strebest glücklicher zu werden, Und siehst, daß du vergebens strebst. 8. Bei pflicht und fleiß sich Gott ergeben, Ein ewig 2. Ja, flage! Gott er- glück in hoffnung sehn, Dies laubt die zähren; Doch ist der weg zu ruh und lebent XXI. Von der Zufriedenheit. ben. Herr, lehre diesen weg mich gehn! 357 sehnen, Blüht dort zur freude auf; Dort werd ich sie genießen; Der erde noth entrissen, Ist nun am froMel. Nun ruhen alle wälder 2c. 424. Wenn ich in trit- hen ziel mein lauf. ben stunden Des lebens last empfunden, Dann klagt ich dir mein leid, Und sah mit heiterm blicke Im herbesten geschicke Voll glauben auf die ewigkeit; 2. Und himmelvolle stille, Aus deines troftes fülle, Kam in mein Herz Herab. So dankbar wie die freuden, Nahm ich den kelch der leiden, Den deine vaterhand mir gab. 3. Das bittre dieses lebens Hast du, Gott, nicht vergebens In unser loos gemischt. Die thräne, die wir weinen, Wird oft, eh' wir es meinen, Sanft von dir, vater, abgewischt. 4. Wie balsam fließt er nieder, Dein trost! ich fühle wieder In meiner seele ruh. Ach! wer giebt mei nem Herzen In seinen bängsten schmerzen, Beruhigung und trost, als du? 5. Die saat geheimer thränen, Der klage stilles 6. Wie werth bist du auf erden Der kleineren beschwerden, Du edle thränenſaat, Die hier im pilgerleben, Mit tausend angst umgeben, Mein müder geist gesäet hat. 7. Wenn alle ausgerungen, Zu Gott sich aufgeschwungen; Dann kommt die erntezeit! Dann bringen ihre garben, Die hier in thränen starben, und freu'n sich ihrer seligkeit. 8. Wenn ich einst ausgelitten, Den edlen kampf gestritten, Und sieger ward im streit; Dann seh' ich an dem throne Die mir errung'ne trone Im glanze ihrer herrlichkeit. 9. Was sind doch jene leiden Nun gegen diese freuden? Ein trüber augenblick! Wie bald ist er verschwunden! Dann folgt auf thränenstunden Einst aller ewigteiten glück. XXII 358 Zweite Abtheilung. XXII. Von der Geduld. Mel. Was Gott thut, das ist sc. 425. Die bahn istrauh, auf der ich hier Nach meiner Heimath eile. Wie viel gefahr seh' ich ich vor mir! Wie droht sie meinem heile! Gott, wärst du nicht mein trost und licht, Mein heil in finstern tagen, So müßt ich längst verzagen. 2. Vor dir darf ich mein traurig herz, Erbarmer, nicht verhehlen; Darf meinen kummer, meinen schmerz Vertraulich dir erzählen; Dann schaffest du Mir trost und ruh Aus deiner segensfülle; Und meine seel' ist stille. 3. Du lehrest mich den hohen werth Der trübsal, die ich leide; Daß sie mich dir vertrauen lehrt, Mich führt zu wahrer freude. Ich würde dein Mich minder freun, Nur dieser welt begehren, Wenn keine leiden wären. erscheinst, In deinem heilig thume, Mit wonne, preis und ruhme. 5. D, dann wird alle traurigkeit Aus meiner brust verschwinden; Bergessen werd' ich ganz mein leid, Und nur dein heil empfinden. Mein lobgesang, Voll preis und dank, Wird, dir zum wohlgefallen, Durch deinen himmel schallen. 6. Mich, den vollendeten, darf dann nicht mehr die sünd' entweihen; Mit unschuld steh' ich angethan In der verklärten reihen. Und ewiglich Erfreust du mich, Daß ich, der mensch von erde, Gleich deinen engeln werde! 7. Drum will ich dieses lebens schmerz, Mein Gott, geduldig tragen; Beruhigent soll sich mein herz, Nicht mehr voll unmuth klagen. Du bist bereit, Zur rechtent zeit, Gott, von allem bösen Mich herrlich zu erlösen! 4. Dein wort giebt mir die zuversicht, Du sorgst für meine tage, Dein auge schläft und schlummert nicht, Junt Mel. Nuu ruhen alle wälder 2c. Du hörest meine klage; Du 426.Du fühlst, frönst mich einst, Wenn du christ, das leident, XXII. Von der Geduld. 359 den, Daß nun der geist der deine scheint. Verlangst du freuden, Von dir gewichen ist. Du rufst, Herr, wie so lange! Gott schweigt, und dir wird bange, Daß du von Gott verlassen bist. Gott zu lieben, Wie kannſt du dich betrüben? Du bist gewiß mit ihm vereint. 2. Ist mir die schuld vergeben-Klagst du und heil und leben Durch Christum mir verschafft, Warum fühl ich die liebe Und seines geistes triebe, Und hoffmung nicht in voller kraft? - 3. Mühselig und beladen Hör' ich das wort der gnaden Und ich empfind' es nicht; Bin scheu, vor Gott zu treten, Und kann nicht freudig beten, Und fühle keine zuversicht. 4. Mir, der ich seinen willen Tren suchte zu erfüllen, War sonst sein wort gewiß. Jetzt kann's ich's nicht recht fassen; Sein licht will mich verlassen; Mich decket nacht und finsterniß. 5. Ich konnte sonst die sünden Weit besser überwinden, Und ich bestritt sie gern. Die sünd' ist jetzt geschäftig, Und ihre reizung heftig; Ich fühle keine kraft vom Herrn. 7. Vermagst du Gott zu kennen Und Jesum Herr zu nennen, Als nur durch Gottes geist? Den hast du ja empfangen; Er ist's, der mit verlangen Dich Gottes gnade suchen heißt. 8. Trau Gott! er wohnt bei denen, Die sich nach hülfe sehnen; Er kennt und will dein glück. Er höret deine stimme, Und schweigt, doch nie im grimme, Nur einen kleinen augenblick. 9. Gott ließ schon manchen frommen In dies gedränge kommen, Und stand ihm dennoch bei. Du sollft dich kennen lernen, Vom hochmuth dich entfernen, Und sehn, was Gottes gnade sei. 10. Die sicherheit zu hindern, Schickt Gott oft seinen kindern, Auch dir jetzt, diese last. Er reinigt dich im feuer, Macht dir dein heil jetzt theuer, Damit du haltest, was du hast. 6. Christ, faffe muth! 11. Zwar ist dir jego die schmerzen Sind zeugen bange: Denn züchtigung, beß'rer herzen, Als dir das so lange Sie da ist, scheint uns 360 Zweite Abtheilung. uns hart; Doch nachmals heit schulden, Und nennen wird sie geben Heilsame lohn, den wir verdient befrucht und leben Dem, der kommen, Trübsal der fromdurch sie geübet ward. 12. Fahr betend fort zu wachen; Stark ist Gott in den schwachen Und gütig für und für. Sein wort kann nimmer trügen; Laß, spricht er, laß dir g'nügen An meiner gnad', ich helfe dir. 13. Drum hoff' in deinen nöthen Will dich der Herr auch tödten, Auf ihn und harre sein! Er wird mit den erlösten Dich einst noch völlig trösten, Und du wirst seiner stets dich freun. Mel. Herzliebster Jesu, was 2c. 427. Gin herz, o Gott, in leid und kreuz geduldig, Das bin ich dir und meinem heile schuldig. Laß mich die pflicht, die wir so oft vergessen, Täglich ermessen. 2. Bin ich nicht staub, wie alle meine väter? Bin ich vor dir, Herr, nicht ein übertreter? Thu ich zu viel, wenn ich die schweren tage Standhaft ertrage? 3. Wie oft, o Gott, wann wir das böse dulden, Erdulden wir nur unsrer thormen. 4. 3st dürftigkeit, in der die trägen klagen; Sind haß und pein, die stolz und wollust tragen; Des schwelgers schmerz; Des neids vermißte freuden, Christliches leiden? 5. Ist deren qual, die deinen rath verachtet, Nach gottesfurcht und glauben nie getrachtet, Und die sich jetzt in finst'rer schwermuth quälen, Prüfung der seelen? 6. Doch selbst, o Gott, in strafen uns'rer fünden Läßt du den weg zu unserm heil uns finden, Wenn wir sie uns, die missethat zu hassen, Züchtigen lassen. 7. Jag' ich nur nach dem frieden im gewissen; Wird alles mir zum besten dienen müssen. Du, Herr, regierst, und ewig wirkt dein wille Gutes die fülle. 8. Ich bin ein gast und pilger auf der erden; Nicht hier, erst dort soll ich ganz glücklich werden: Und was sind gegen euch, ihr ew'gen freuden, Dieser zeit leiden? 9. Wenn ich nur nicht mein XXII. Von der Geduld. 361 mein elend selbst verschulde; Mel. Nun ruhen alle wälder zc. Wenn ich, als menſch, als 428: Ich hab' in que guchrist leid' und So kann ich mich der hülfe der erlösten Sicher getrösten. 10. Ich bin ein mensch; und leiden müffen kränken. Doch in der noth an seinen schöpfer denken Und ihm vertraun, dies stärket uns're Herzeit Mitten in schmerzen. ten stunden, Des lebens glück empfunden Und freuden ohne zahl: So will ich denn gelassen Mich auch im leiden fassen. Welch leben hat nicht seine qual? 11. Schau über dich, wer trägt der himmel heere? Merk auf, wer spricht: bis hieher! zu dem meere? Ist er nicht auch dein helfer und berather, Ewig dein vater? 12. Willst du so viel, als der allweise, wissen? Jetzt weißt du nicht, warum du leiden müssen; Allein du wirst, was seine wege waren, Nachmals erfahren. 13. Er züchtigt uns, damit wir zu ihm nahen, Die heiligung des geistes zu empfahen, und mit dem troft der hülfe, die wir merken, Andre zu stärken. 14. Das kreuz des Herrn wirkt weisheit und erfahrung; Erfahrung giebt dem glauben muth und nahrung. Ein starkes herz steht in der noth noch feste, Hoffet das beste. 2. Ja, Herr, ich bin ein sünder, Und stets strafft du gelinder, als es der mensch verdient. Sollt' ich, beschwert von schulden, Kein zeitlich weh erdulden, Das doch zu meinem besten dient? 3. Dir will will ich mich ergeben: Nicht meine ruh, mein Leben Mehr lieben, als den Herrn. Dir, Gott, will ich vertrauen Und nicht auf menschen bauen; Du hilfft und du errettest gern. 4. Laß mich nur gnade finden, Mich alle meine fünden Erkennen und bereu'n. Jegt hat mein geist noch kräfte; Sein heil laß mein geschäfte, Dein wort mir troft und leben sein. 5. Wenn ich in Christo sterbe, Bin ich des himmels erbe; Was schreckt mich grab und tod? Auch auf des todes pfade Vertrau ich deiner he 362 Zweite Abtheilung. ner gnade; Du, Herr, bist Wünscht zwar, ihn zu verbei mir in der noth. 6. Ich will dem fummer wehren, Dich durch geduld verehren, Im glauben auf dich sehn; Ich will den tod bedenken: Du, Herr, wirst alles lenken, Und, was mir gut ist, wird geschehn. mindern, Und sucht, doch ohne fleiß und müh', Umsonst ihn zu verhindern. 4. Du, vater, weißt, was mir gebricht, Du kenneſt meine leiden; Wie leicht verwandeln sie sich nicht, Wenn du es willst, in freuden! Die last, die du mir auferlegt, Kann mich nicht un Mel. Was mein Gott will 2c. herz nur willig trägt, Wirst du mich bald beglücken. 429. Gott! immer terdrücken, Wenn sie mein groß an weiser huld, Du geber meiner freuden, Behüte mich vor ungeduld Bei dieses Lebens leiden! Auch sie verhängst du über mich Nach deiner weisheit schlüssen; Sie werden mir, trau' ich auf dich, Zum besten dienen müssen. 2. Ich raube mir durch ungeduld Selbst viele meiner freuden; Verkenne deine vaterhuld, Vermehre meine 5. Gott, deine hülfe ist nicht fern, Wenn man sich ganz dir weihet; Du rettest, tröstest, segnest gern Den, der sich ihrer freuet. O laß mein dir ergebnes herz Auf diese hülfe sehen; So werd' ich auch im größten schmerz Durch dich, mein Gott, bestehen. Mel. Sohn des Höchsten sei zc. leiden; Vergeß' oft des be- 430.Schwerist's, dann rufes pflicht, Und qual' mich jeden morgen, Beim mangel froher zuversicht, Mit immer nenen sorgen. 3. Mein banges, unruhvolles herz, Unfähig sich zu fassen, Wird sich dem gram, dem kleinsten schmerz, Ganz trostlos überlassen; Bekämpfet seinen kummer nie; noch muth zu fassen, Wenn die aussicht trübe wird; Wenn, von kraft und licht verlassen, Sich der blick in nacht verliert; Wenn umsonst das bangste sehnen Einen tropfen trost erbat! Wenn das auge teine thränen, Und der mund nicht worte hat. 2. XXII. Von der Geduld. 363 quickt? Wann dies auge nicht mehr weinen, Das hier naß gen himmel blickt? 2. Wenn ermattet hinge Dessen glanz mich einst erfunken Auch die letzte hoffnung flieht; Wenn der kelch unausgetrunken Noch an heißen lippen glüht: Schwer ist's, dann nicht zu Zu ermatten ach! wie leicht, Wenn, auch bei den bängsten klagen Jeder ruf des trostes schweigt! verzagen, 6. Komm, erbet'ner freund der müden! Drücke mir die augen zu Und begleite mich in frieden Hin zu meiner letzten ruh! Dort erst wird die aussicht helle, Die sich hier in nacht verhüllt; Dort wird an der lebensquelle Meine sehnsucht ganz geftillt. 3. Oft ist meine aussicht trübe, Rauh und dunkel meine bahn; Nimm dich meiner, Gott voll liebe, Nimm dich deines Kindes an! Reiche du mir deine hände, Aller väter vater, du! Leite du mich bis an's ende, Bis zu meines grabes ruh! 4. Laß nur einen strahl mich sehen, zu erhellen meinen gang! Höre gnädig auf mein flehen! Und dann nimm den thränendank! Ach! ein tropfen labfal falle In den leidensweil kelch herab, Den mir, ich hier noch walle, Deine hand aus liebe gab. - - - - 1 5. Stärke mich auf meinem pfade, In der zeit der thränensaat; Bis zum helleren geftade, Welches keine wolken hat! Ach! wann wird dies licht erscheinen, 7. Aus sind dann der prüfung leiden; Ausgerungen hat mein herz! Thränen wandeln sich in freuden,-Wonne folget auf den schmerz. Sei dann meine aussicht trübe; Einst wird sie doch aufgehellt! Alles lös't sich auf in liebe, Und im licht der bessern welt. Mel. Wenn wir in höchsten 2c.. 431. Von dir, o bas vater, nimmt mein herz Glück, unglück, freuden oder schmerz, Von dir, der nichts als lieben kann, Voll dank und voll vertrauen an. 2. Nur du, der du allweise bist, Nur du weißt, was mir heilsam ist; Nur dit 364 Zweite Abtheilung. du siehst, was mir jedes me! ob er das gebet Geleid Für heil bringt in der ewigkeit. duldig leidender verschmäht? 3. Ist alles dunkel um mich her, Die seele müd' und freudenleer: Bist du doch meine zuversicht; Bist in der nacht, o Gott, mein licht. 9. Die stunde kommt früh oder spät, Wo dank und freud aus leid entsteht; Wo pein, die stunden nur gewährt, In freudenjahre sich verkehrt. 10. Du erntest deiner leiden lohn Vielleicht in diesem leben schon; Vielleicht daß, eh' du ausgeweint, Dir Gott mit seiner hülf' erscheint. 11. Schau deinen heiland gläubig an; Wenn niemand dich erquicken kann, So schütte du in seinen schooß, Dein herz aus, seine huld ist groß. 12. Einst hat er auch, der menschenfreund, Im thränenthale hier geweint; Auf deine thränen giebt er acht, Und dir zu helfen hat er macht. 4. Verzage herz, verzage nie! Gott legt die last auf, Gott kennt sie. Er weiß den fummer, der dich quält; Und geben kann er, was dir fehlt. 5. Wie oft, Herr, weint ich, und wie oft Half deine hand mir unverhofft! Oft jammert' ich untröstbar heut, Und morgen ward ich schon erfreut. 6. Oft sah ich keinen aus gang mehr; Dann weint' ich laut und klagte sehr: Ach, siehst du, Gott, mein elend nicht? Verbirgst du gar dein angesicht? 7. Dann hörtest du, o Herr, mein flehn, Und eiltest bald mir beizustehn. Du öffnetest mein auge mir: Ich sah mein glück und dankte dir. 13. Und helfen will er; zweifle nicht! Er hält getreu, was er verspricht: Verlafsen sollst du nimmer sein! Dies laß dein sorgend herz erfreu'n. 8. Sagt's alle, die Gott Mel. Wie groß ist des allmächt' gen 2c. je geprüft, Die ihr zu ihm 432. Grheit're dich, du um hülfe rieft; Sagt's fromlebensmüder, Er XXII. Von der Geduld. 365 Erheitre deinen trüben dich durch dornen führt. Erblick! Bald kehren ruh und hoffnung wieder Sanft lindernd in dein Herz zurück. Erhebe dich aus deinen nächten, Aus deinen thränen, bete an! Ein vater ist zu deiner rechten, Und leitet dich auf deiner bahn. heitre dich, du lebensmüder! Dort dämmert schon dein licht hervor; Und in gefrönter dulder lieder Schwingt sich auch dein gesang empor. 2. Nicht immer wall't durch blumenauen Der fuß des pilgers durch die welt, Wo thränen oft den pfad bethanen, Und ihn kein son nenschein erhellt. Ach manche fromme pilger rangen, Wie du; und mun sind sie gekrönt! Sie sind zur ruhe eingegangen, Wo jetzt ihr Halleluja tönt. 3. Auch du wirst trost und ruhe finden; In wonne endigt sich dein pfad, Wo jetzt sich labyrinthe winden, Die fummervoll dein fuß betrat. Noch ist zwar deine aussicht trübe, Von keinem lichtstrahl aufgehellt; Doch bald führt dich ein Gott voll liebe zu freuden einer beffern welt. 4. Ach! werde nicht, du dulder, müde, Wenn sich dein weg in nacht verliert; Dank auch im thränenvollen liede Dem Gott, der 5. Dort wird sich deinem blick enthüllen, Des höchsten liebevoller plan; Hier bete seinen heil'gen willen In demuth und gehorsam an. Hier mußt du tragen, dulden, leiden, Bis di reinigt und bewährt, Die fülle namenloser freuden Den zweck der erdenleiden lehrt. ge= Mel. Sei zufrieden mein 2c. 433. War arum sollt ich mich denn grämen? Hab ich doch Jesum noch, Wer will mir den nehmen? Wer will mir den himmel rauben, Den mir schon Gottes sohn Beigelegt im glauben? 2. Arm und bloß kam ich in's leben, Da es mir, Ward von dir, Herr, zuerst gegeben; Nichts nehm ich auch von der erde, Wann ich sie, Nach viel müh', Einst verlassen werde. 3. Was ich hab', leib seel und leben Ist nicht mein 366 mein; Gott allein Hat es mir gegeben. Soll ich es ihm wieder geben, Nehm' er's hin; Mein gewinn Bleibt ein ewig's leben. Zweite Abtheilung. 4. Schickt er mir ein frenz zu tragen, Dringt herein Angst und pein, Sollt' ich d'rum verzagen? Der es schickt, der wird's auch wenden; Er weiß wohl, Wie er soll Alles unglück enden. 5. Gott hat mich bei guten tagen Oft ergötzt, Sollt' ich jetzt nicht auch etwas tragen? Liebt er mich doch d'rum nicht minder. Nie zu schwer Züchtigt er Seine treuen finder, 6. Stolz, haß, neid und ihre rotten Können mir Nichts mehr hier Thun, als meiner spotten; Laß sie spotten, laß sie lachen! Gott, mein heil, Wird in eil Sie zu schanden machen. 7. Unverzagt und ohne grauen Soll ein christ, Wo er ist, Stets sich lassen schauen. Was sollt' er zu schrecklich finden? Auch den tod Hilft ihn Gott Freudig überwinden. send nöthen; Endigt dieses lebens leiden, Und giebt mir Einst dafür Dauerhafte freuden. 9. Dann wird sich an bessern schätzen Geist und herz Auf den schmerz Ewiglich ergößen. Hier ist kein recht gut zu finden; Was die welt In sich hält Muß wie rauch verschwinden. 10. Was sind dieser erden güter? Unbestand, Eitler tand, Lasten der gemütther. Dort, dort sind die edlern gaben, Da mein hirt, Christus, wird Mich ohn' ende laben. 11. Herr, mein heil, quell aller frenden! Du bist mein, Ich bin dein; Niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein leben Und dein blut, Mir zu gut In den tod gegeben. 12. Du bist mein, weil ich dich fasse, Und dich nicht, O mein licht, Aus dem her zen lasse. Laß mich, laß mich hin gelangen, Wo du mich, Und ich dich Ewig werd' umfangen. 8. Denn er fann den leib Eigene Melodie. nur tödten; Und dann reißt 434. Was Gott thut, Er den geist Aus viel tauist wohlge XXII. Von der Geduld. 367 gethan, Gs bleibt gerecht ist wohlgethan, Muß ich sein wille. Ich bete seine führung an, Harr' seiner und bin stille. Er ist mein Gott, Der in der noth Mich wohl weiß zu erhalten; Drum laß ich ihn nur walten. den kelch gleich schmecken, Der mir mißfällt nach meinem wahn Laß ich mich doch nicht schrecken Weil er zulegt Mich doch ergötzt Mit süßem trost im herzen; Da weichen alle schmerzen. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan, Sein wort kann nimmer trügen; Er führet mich auf rechter bahn, Drum laß ich mir genügen 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan, Darauf will ich stets bauen; Auch, wenn er will, die todesbahn Betreten ohne grauen: Denn An seiner huld Und hab' da wird mich Gott vätergeduld; Er wird mein un- lich In seinen armen halglück wenden, Es steht in ten; D'rum laß ich ihn nur seinen händen. At walten. 3. Was Gott thut, das mel. Filrwahr, du bist, o Gott 2c. ist wohlgethan, Er wird mich 435. Was ist mein le= wohl bedenken, Und mir auch auf der Leidensbahn Trost, kraft und hülfe schenken; Denn seine treu Ift täglich nen; Drum will ich auf ihn bauen, Und seiner güte tranen. ben auf der erde? Ein wechsel ist's von lust und leid. Hier stört oft unruh und beschwerde Die sanfteste zufriedenheit. Hier wohn ich noch in einer welt, Die fein vollkomm'nes glück enthält. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan, Er ist mein licht und leben, Der mir nichts böses gönnen kann; Ihm will ich mich ergeben In frend' und leid; Es kommt die zeit, Da öffentlich erscheinet, Wie gut er's mit uns meinet. 2. Wes soll ich mich, o Herr, denn trösten? Nur deiner huld, du bist mein heil, Und bleibst, wenn auch die noth am größten, Doch meines herzens trost und theil, Und stehst, nach deiner vatertreu, Mir stets mit rath und hülfe bei. 5. Was Gott thut, das 3. 368 Zweite Abtheilung. 3. Du stärkst mir unter noth vertrauen. Du bist aller plage, O Gott, auf bei mir: das stärke mich mein gebet den muth, Daß Wer dessen stets versichert ich gelassen sie ertrage, Und ist, Der lebt und stirbt machst zulett doch alles gut. getrost als christ. Auf kummer folgt zufriedner dank, Auf klagen froher lobgesang. Mel. Nun ruhen alle wälder 2c. 436. Was ist's, daß ich mich quäle? Harr' Gottes, meine so kummervoll? Du weißt seele, Harr' und sei unver4. Was bist du denn, o meine seele! In deiner noth ja wohl, daß Gott nur wähle, Was dir zum besten die nen soll. Einst dankst du ihm nach der gefahr, Daß er dein Gott und retter war. zagt! Du weißt nicht, was dir müget! Gott weiß es, und Gott schützet; Er schüzet den, der nach ihm fragt. 5. Er wird es sein: ruf in gefahren Ihn, als den 2. Er zählte meine tage, Mein glück und meine plage, Eh' ich die welt noch besten helfer, an. Er weiß sah. Eh' ich mich selbst noch dich mächtig zu bewahren, Und da wo niemand helfen kann, Fehlt ihm die kraft zu helfen nicht, Dies stärke deine zuversicht. kannte, Eh ich ihn vater nannte, War er mir schon mit hülfe nah. 6. Empfiehl' dich seiner vaterpflege, Hoff und vertrau ihm allezeit. Auch auf dem allerrauhsten wege Sich' fröhlich hin zur ewigkeit; Da wirst du frei von aller pein, Ganz selig, ganz zufrieden sein. 3. Die kleinste meiner forgen Ist dem Gott nicht verborgen Der alles sieht und hält; Und was er mir beschieden, Das dient zu meinem frieden, Wär's auch die größte last der welt. 7. So laß mich, Gott, stets dahin schauen, Und dann mit starkem muth auf dich Auch in der größten mein geist, besteht. 4. Sch lebe nicht auf erden, Ganz glücklich hier zu werden! Die lust der welt vergeht. Ich lebe hier, im segen Den grund zum glück zu legen, Das ewig, wie 5. V XXII. Von der Geduld. 369 5. Was dieses glück ver- gewischt. Und seufzen wir: mehret, Sei mir von dir wie lange Ist uns'rer seele gewähret! Gott, du ge- bange? So wird mit trost währst es gern. Was die- das Herz erfrischt. ses glück verlegzet, wenn's alle welt auch schäßzet, Sei, Herr mein Gott, mir ewig fern. 6. Sind auch der krank heit plagen, Ist mangel schwer zu tragen, Noch schwerer haß und spott; So harr' ich und bin stille Zu Gott, denn nicht mein wille, Dein wille nur gescheh', o Gott. 7. Du bist der müden stärke, Und aller deiner werke Erbarmst du ewig dich. Was kann mir widerfahren, Wenn du mich willst bewahren? Und du, mein Gott, bewahrest mich. In voriger Melodie. 437.Will ill mich, mich, o Gott, hie 3. Die lasten, die uns pressen, Hast du, Herr, abgemessen, So groß sie immer sein. Du hilfft sie selber tragen, Und richtest unsre plagen Nach unsern kräften weislich ein. 4. Du willst den eifer mehren, Gehorsam dich zu ehren Mit glauben und geduld; Daß, wenn uns feinde haffen, Und freunde uns verlassen, Wir stets vertrauen deiner huld. 5. Zu jenem besfern leben Willst du auch mich erheben, Der tod ist mein gewinn. Muß gleich mein leib verwesen, Wird doch mein geist genesen; Er eilt zu seinem schöpfer hin. Eigene Melodie. nieden Des lebens last er 438. Sei zufrieden, mein gemümüden, So stärke meinen geist! Wenn leiden mich hier tränken, So laß mich wohl bedenken: Auch das sei gut, was trübsal heißt. 2. Nicht ewig soll sie währen; Oft werden uns're zähren Schnell von dir abthe! Gott ist gut! Was er thut, Ist voll lieb' und güte. Er nur weiß in allen sachen, Groß an rath, Wie von that, Alles wohl zu machen. 2. Beides, erd' und himAa mel 370 Zweite Abtheilung. mel preifen Seine macht; es sorgen Tag und nacht Tag und nacht Müssen sie beweisen. Sonn' und mond, das heer der sterne, Was sich regt Und bewegt, Lobt ihn nah und ferne. Nimmt in acht, Das zeigt jeder morgen. Ja, kein augenblick verschwindet, Der mich nicht, Gott, mein licht! Dir zum dank verbindet. 3. Schau die werke seiner hände! Mensch und thier Melden dir Seinen ruhm ohit ende. Was wir noch so kleines nennen, Gras und geduld vorhanden, laub, Selbst der staub Giebt ihn zu erkennen. 4. Was auf bergen und in gründen, In der höh', In der see Oder sonst zu finden, Rühmt die weisheit seiner werke; Jeder wurm, Wind und sturm, Preisen seine stärke. 7. Setzten mir des freuzes plagen Heftig zu, So halfst du, O mein Gott, sie tragen; War kaum noch Deine 5. Sollt' ich denn nicht ihn erheben? Wie so gar Wunderbar Gab er mir mein leben! Was ich hab', ist sein geschenke, Auch der geist, Der ihn preist, Mit dem ich ihn denke. 6. Wie mich sein getreukraft Hat geschafft, Daß ich's überstanden. 8. Nun, mein Herz, das hat schon lange Gott gethan; Denke d'ran, Wird dir jemals bange, Als wollt er dich ganz verlassen; Es geschicht Wahrlich nicht; kann dich nicht haffen. Er 9. D'rum ergieb dich seinem willen, Heiße gut, Was er thut, Er wird's auch erfüllen. Denn er ist in allen sachen Groß von rath, Wie von that; Er, er wird's wohl machen. XXIII. Von der Liebe des Nächsten. Mel. Jefns, meine zuversicht 2. Hat der Herr dies vorge 439. Allen menschen schrieben: Euren nächsten und auch mir sollet ihr Als euch selbst DONI XXIII. Von der Liebe des Nächsten. 371 von herzen lieben. Christen! andern nützlich werden. Nur was Gott hier gebent, Sei erfüllung unsrer pflicht Giebt uns heilig allezeit. uns werth, das äußre nicht. 2. Wir sind bürger einer welt, Kinder eines vaters, brüder, Die er huldreich all' erhält; Alle eines leibes glieder, Die fein weiser allmachtsruf Alle, sich zu lieben, schuf. 7. Darum gieb uns, Gott, ein herz, Das von menschenliebe brennet, Auch in niedrigkeit und schmerz Seinen bruder nicht verkennet; Nie voll eiteln wahns vergißt, Daß ein mensch, wie ich, er ist! 3. Eine sterbliche natur Hat uns allen er gegeben, Und auch eine Hoffnung mur: Hoffnung auf ein beff'res leben, Wenn wir nur in dieser welt Redlich thu, was ihm gefällt. RU 8. Laß dem größten menschenfreund, Laß uns Jesu ähnlich werden, Daß wir hier mit ihm vereint, Nach der übungszeit anf erden, Einst auch ewig bei ihm sein, Und uns seiner liebe freu'n. 4. Und wir sollten uns entzwei'n? Lieblos uns einander hassen? Uns, zu unMel. Ein lämmlein geht sc. frer eignen pein, Stolz und 440. Der du die liebe neid beherrschen lassen? Wer felber bist, kein freund des nächsten ist, Ist kein mensch, kein wahrer christ. 5. Was wir auch aus Gottes hand Zum voraus vor andern haben: Ansehn, reichthum, hoher stand, Leibeskräfte, geistesgaben: Alles dies befreit uns nicht Von der menschenliebe pflicht. 6. Nein, der gaben unterschied Knüpst das große band auf erden: Jeder, wenn er sich bemüht, Kann dem Und gern die menschen segnest, Ja selbst dem, der dein feind noch ist, Mit freundlichkeit begegnest; O bilde meinen sinn nach dir, Und laß mich doch, mein Heiland, hier, Wie du gewandelt, wandeln! Die können keine christen sein, Die sich nicht andrer wohlfahrt freun, Und menschenfeindlich handeln. 2. Dein leben in der sterblichkeit War für die menA a 2 schen 372 Zweite Abtheilung. schen segen; Dir folgten lieb' ler decken; Durch sanftmuth, und freundlichkeit Auf allen deinen wegen. Wohin du gingst, ging wohlthun mit; Dein wort, dein werk und jeden schritt Begleitete erbarmen; Du übernahmst die schwerste pein, Uns vom verderben zu befrein, Und starbst zum heil uns armen. 3. Auch jetzt noch, auf himmel thron, Biſt du der 4. O laß in meiner pilgerschaft Mich auf dein vorbild sehen! Erfülle mich mit luft und kraft, Dem nächsten beizustehen, Betrübter herzen trost zu sein, Mich mit den fröhlichen zu freu'n, Mit weinenden zu klagen, Und dem, der mir sein herz vertraut, Die redlichkeit, auf die er baut, Nicht treulos zu versagen. mitleid und geduld, Zur beß'rung ihn erwecken; Und sündiget er gegen mich, So freue meine seele sich, Ihm willig zu vergeben: So werd' ich dich, Herr Jesu Christ, Der du die liebe selber bist, Auf's würdigste erheben. das heil der fünder; Auch jeden menschen liebet, Bei da bleibst du, o Gottessohn, seinem wohl sich freut, Bei Ein freund der menschenkin seiner noth betrübet; Ein der. Du schaffst den deinen herz, das eigenmuß Und wahre ruh, Und die verirr- neid und härte flieht, Und ten suchest du Auf rechten weg zu leiten; Du hörst der seufzenden gebet, Und brauchest deine majestät, Nur segen auszubreiten. sich um andrer glück, Wie um sein glück, bemüht. 5. Laß mich mit brüderlicher huld Des nächsten fehMel. Gott, du frommer. 441. Gieb mir, o Gott, herz, Das 2. Seh' ich den dürftigen, So laß mich liebreich eilen, Von dem, was du mir giebst, Ihm willig mitzutheilen; Nicht aus dem eitlen trieb, Groß vor der welt zu sein, Und mich verehrt zu sehn; Nein, menschen zu erfreun! 3. Dies sei mir gottesdienst! Auch, unbemerkt von ihnen, Den nebenmenschen gern, Mit rath und that zu dienen. Mich treibe nicht erst dank Zu milder wohlthat an; Nein, was ich andern thu, Das sei dir, Gott! gethan. 4. XXIII. Von der Liebe des Nächsten. 373 4. Ein trunk, mit dem wankt Zu leiten und zu stärmein dienst Dem durstigen ken; Den, der noch sicher begegnet; Ein blick voll troft, mit dem Mein herz bedrängte segnet; Ein rath, mit dem mein mund 3m kummer andre stärkt: Nichts bleibt, so klein es ist, Von dir, Herr! unbemerkt. ist Bei seinen bösen werken, Von der verkehrten bahn Des lasters abzuziehn: Dazu verleih mir kraft, Und fegne mein bemühn. 9. O heilige du selbst, Herr, meiner seelen triebe 5. Eilt wo ein boshaft Durch deine lieb' und furcht herz, Unfrieden anzurichten; zu wahrer menschenliebe. So laß mich sorgsam sein, Wer nicht den nächsten liebt, Der brüder zwist zu schlich- Geht nicht zum himmel ein. ten. Aus schmähsucht störe Laß diese wahrheit, Gott! nie Mein mund des näch- Mir stets vor augen sein! sten ruh; Er rühme sein 30 verdienst, Deck' seine fehler zut. 6. Die rach' ist dein, o Gott! Du sprichst: ich will vergelten. Drum laß mich stille sein, Wenn menschen auf mich schelten. Gieb, daß ich dem verzeih, Der mir zu schaden sucht; Den liebe, der mich haßt, Den segne, der mir flucht. 7. Doch laß mich nicht allein Auf zeitlich wohlergehen, Mit eingeschränktem blick, Bei meinem nächsten sehen: Noch stärker müsse mich Sein ewig glück er freun; Noch mehr sein seelenheil mir angelegen sein. 8. Den, der im glauben mel. Mir nach, spricht Christus 2c. 442. Wer dieser erbe güter hat Und sieht den nächsten leiden, Und macht den hung'rigen nicht satt, Läßt nackende nicht kleiden; O! der vergißt der ersten pflicht, Und liebt dich, Gott der liebe, nicht. 2. Wer seines nächsten ehre schmäht, Und gern fie schmähen höret; Sich freut, wenn sich sein feind vergeht, Es nicht zum besten kehret; Nicht dem verläumder widerspricht: Der liebet seinen nächsten nicht. 3. Wer zwar mit rath, mit troft und schütz Den näch 374 Zweite Abtheilung. AN für: so liebest du. nächsten unterstützet, Doch kraft dazu, Und sorgft danur aus stolz und eigennutz, Aus weichlichkeit ihm nützet, Nicht aus gehorsam, nicht aus pflicht: Auch der liebt seinen nächsten nicht. 4. Wer harret, bis ihn anzuflehn, Ein dürft'ger erst erscheinet, Nicht eilt dem armen beizustehn, Der im verborgnen weinet; Nicht 8. Ermattet dieser trieb in dir, So such' ihn zu beleben. Denk' oft: Gott ist die lieb', und mir, Hat er sein bild gegeben. Ja, höchster, was ich hab' ist dein; Sollt' ich, gleich dir, nicht liebreich sein? Mel. Herzliebster Jesu, was zc. gütig forscht, ob's ihm ge 443. Hilf Gott, ba daß bricht: Auch der liebt seiich den näch nen nächsten nicht. sten redlich liebe; Durch 5. Wer andre, wenn er sie beschirmt, Mit härt' und vorwurf quälet, Und ohne nachsicht straft und stürmt, So bald sein nächster feh- 2. Gieb, Herr, daß ich, let; Wie bleibt, bei seinemt ungeſtüm, Gott, deine liebe wohl in ihm? lieblos richten nimmer ihn betrübe, Ihn nicht verläumde, noch durch falsche ränke Sein wohlsein kränke. der ich selbst täglich fehle, Mit nachsicht seine fehler gern verhehle; Und, wenn er fällt, auf mich, der ich noch stehe, Mit vorsicht sehe! 3. Hilf, daß ich flüglich ihn zu bessern trachte, Und seiner seele wohlfahrt theuer achte. Hat doch für ihn, o Gott, dein sohn sein leben Dahin gegeben. 7. Zwar du, mein herz, 4. Aufrichtig laß mich vermagst es nicht, Stets schätzen alle gaben, Die an durch die that zu lieben; dre deiner huld zu danken Doch bist du mur geneigt, haben; Mein herz bewahre die pflicht Getreulich auszu- sich bei ihrer freude Vor üben, Und wünscheft dir die allem neide. 5. 6. Wer für der armen heil und zucht Mit rath und that nicht wachet; Dem übel nicht zu wehren sucht Das oft sie dürftig machet; Nur sorglos ihnen gaben giebt: Der hat sie wenig noch geLiebt. XXIII. Von der Liebe des Nächsten. 375 5. Laß mich, mein Gott ich sollte nicht geduld Mit und heiland schon auf erden Dir immer ähnlicher an liebe werden, Und gieb, damit ich willig mich d'rin übe, Selbst kraft und triebe! Mel. Mir nach, spricht Chriftus zc. 444. S. jemand Sº spricht: ich liebe Gott, Und haßt doch seine brüder, Der treibt mit Gottes wahrheit spott, Und handelt ganz dawider. Gott ist die lieb' und will, daß ich Den nächsten liebe, gleich als mich. meinen brüdern tragen? Dem nicht verzeihn, dem du vergiebst, Und den nicht lieben, den du liebst? 5. Was ich den frommen hier gethan, Dem kleinsten auch von diesen, Das siehst du, mein erlöser, an, Als hätt' ich's dir erwiesen. ich, ich sollt' ein mensch noch sein, Und dich in brüdern nicht erfreu'n? Und 2. Wir haben einen Gott und Herrn, Sind eines leibes glieder; D'rum diene deinem nächsten gern, Denn liebe preist. wir sind alle brüder. Gott 3. Ein heil ist unser aller gut. Ich sollte brüder haffen, Die Gott durch seines sohnes blut So theu'r erkaufen lasfen? Daß Gott mich schuf und mich verfühnt, Hab' ich dies mehr als sie verdient? 6. Ein unbarmherziges gericht Wird über den ergehen, Der nicht barmherzig ist, und nicht Die rettet, die ihn flehen; D'rum gieb mir, Gott, durch deinen geist Ein herz, das dich mit schuf die welt nicht blos für mich: Mein nächster ist sein Mel. Ach, was soll ich fünder zc. find, wie ich. 445.Soff 4. Du schenkst mir täglich so viel schuld, Du, Herr von meinen tagen! Und ich, ollten menfchen, meine brüder, Mir, o Gott, nicht theuer sein? Sollt' ich sie nicht gern erfreu'n? Sie find alle Christi glieder; Christi der für alle starb, Allen Gottes huld erwarb. 2. Gottes kinder sollt' ich haffen? Lieblos, unbarm> Herzig sein? Meinem feinde nicht verzeihn? Seine schuld 376 Zweite Abtheilung. schuld ihm nicht erlassen? zu erfreun: Das laß mir Und der Herr erläßt mir vor augen sein! doch Meine schuld, und trägt mich noch. 3. Der du für die übelthäter Um geduld bat'st, und die last Uns'rer schuld getragen hast, Unser mittler und vertreter! Du, du warst von rache fern; Duldeteſt, vergabest gern. 5. Hilf mir, Jeſu, daß ich übe, Was dein wille mir gebeut: Nachsicht, sanftmuth, gütigkeit! Daß ich, wie du liebtest, liebe, Feurig liebe; mild, getreu, Sanft und leicht versöhnlich sei. 6. Ja, ihr, eines hauptes glieder, Christi, der für 4. Wie dir deine thrä- alle starb, Allen gnad und nen flossen, Als dein aug' huld erwarb, Lieben will um mich geweint; Wie du, ich euch, ihr brüder! Für großer menschenfreund, Auch euch beten, euch erfreun, für mich dein blut vergos- Wohlthun, dulden und versen; Wie du litt'st, mich zeih'n! XXIV. Von der Gerechtigkeit und Billigkeit. Mel. Kommt her zu mir, alle zc. komm' es mir doch in den zum gewinn, Des nächsten recht zu kränken. 446. D¹ zu liebst, o sinn, Aus habsucht, mir nur Gott, gerechtigkeit, Und hasfest den, der sie entweiht, Am nächsten unrecht übet. Du bist's, der jedem seinen lohn, Ohn' alles ansehn der person, Nach seinen werken giebet. 2. Gerechter Gott, laß deinen geist Zu dem, was recht und billig heißt, Stets meine seele lenken. Nie 3. Pflanz' redlichkeit in meine brust, Und laß mich stets mit freud' und lust Der liebe pflichten üben. Ein herz, das nur auf unrecht denkt, Nur schaden sucht, und and're kränkt, Wie kannst du, Gott, das lieben? 4. Nie seufze jemand über mich XXIV. Von der Gerechtigkeit und Billigkeit. 377 mich, Mein ganzes herz heilige gebot: Was dir mißbestrebe sich, Dem nächsten fällt, wenn dir's geschicht gern zu geben, Was er mit Das thue du auch andern recht verlangen kain, Und nicht. immerfort mit jedermann In einigkeit zu leben. 4. Wenn ich dies billige gesetz Durch ungerechtigkeit 5. Laß mich beständig da- verletz', Verurtheil' ich ja hin sehn, Mit jeglichem so selber mich Als übertreter umzugehn, Wie ich's von wider dich. ihm begehre; Damit ich keines menschen herz Durch meine härte je mit schmerz Und kümmerniß beschwere. 6. Herr, mit dem maaß, damit ich hier Dem nächsten messe, wirst du mir Dereinst auch wieder messen. Dies reize mich zur billigkeit, Und lasse mich zu keiner zeit Der liebe pflicht vergessen. 447. Mel. Erhalt' uns, Herr, bei zc. ern sei mein leben jederzeit Von aller ungerechtigkeit, Wie könnt' ich Gottes freund sonst sein, Und seiner gnade mich erfreun. 2. Wer seines nächsten rechte kränkt, Auf seinen schaden boshaft denkt, Verletzet des gewissens pflicht Und ehrt den Gott der liebe nicht. 3. Du schriebst in jedes 5. Dein wort, das sündern strafe droht, Schärft mir dies heilige gebot, Frei von unrechtem gut zu sein, Mit noch viel größerm ernste ein. 6. Es drohet jedem deinen fluch, Der seinem nächsten durch betrug, Durch dieberei, an seinem gut Und seiner habe schaden thut. 7. Das haus des diebes ist verflucht, Wird hier auch schon oft heimgesucht, Und dort trifft vollends dein gericht Den ungerechten bösewicht. 8. Darum, mein Gott, bewahre mich Vor allem unrecht väterlich; Beging ich's je, so sei mir's leid Und zum ersaß mein Herz bereit. 9. Wer andern schaden einst gethan, Und irgend ihn erstatten kann, Doch des herz, o Gott, Tief ein das sich weigert, findet nicht Vor 378 Zweite Abtheilung. Vor dir erbarmen im ge- verlieret, Kann nie mir sericht. gen sein. Sein recht gehört mir nicht, Nie darf ich es verletzen, Ich muß es heilig schäßen, Das ist gewissenspflicht. 4. Er soll durch mich nicht leiden; Und, raub' ich ihm sein gut, Raub' ich ihm seine freuden Aus geiz und übermuth: So wird sein tiefer schmerz, Der gram, der ihn verzehret, Das glück, das er entbehret, Ein vorwurf 10. Er kann nicht wahre buße thun, Dein segen kann nicht auf ihm ruhn, Eh' er das böse, das er that, Nach möglichkeit ersetzet hat. 11. Gieb, Herr! daß ich dies wohl bedenk', Und nie durch unrecht andre kränk'. Die habsucht, auch die armuth nicht Verleite mich von meiner pflicht. 1 Mel. Von Gott will ich nicht ic. für mein herz. 448. Gott! segne mein bestreben, Den eigennutz zu scheun, Frei von betrug zu leben, Gerecht und treu zu sein; Aus habsucht laß mich nicht Mit schlau erdachten ränken Des nächsten rechte kränken, So viel mir auch gebricht. 2. Ich soll sein glück vermehren, Weil ich sein bruder bin, Nicht seine wohlfahrt stören Durch räub'rischen gewinn; Das, was er mir geliehen, Gelieh'n zu treuen händen, Darf ich ihm nicht entwenden Und listig an mich ziehn. 3. Gewinn, der ihm gebühret, Wird durch betrug nur mein; Was er dadurch 5. Ich muß mir das verbieten, Was andern schaden bringt, Und schaden auch verhüten, Wo kein geſetz mich zwingt. Was ich erstatten soll, Das darf ich nicht verschieben; Gerechtigkeit ganz lieben, Sft pflicht für andrer wohl. 6. Das gut, das sie entbehren Durch habsucht oder list, Kann nie ihr fleiß vermehren, Wenn's nicht erstattet ist; Der wichtigste gewinn Wird ihrem wunsch entriffen, Wenn sie dies gut vermissen, Und ist oft ganz dahin. 7. Wer, dies gut zu ersegzen, Aus falscher scham sich scheut, Weißß nicht das glück XXIV. Von der Gerechtigkeit und Billigkeit. 379 glück zu schätzen, Das dau- versagen Und immer strenge erhaft erfrent; Raubt sich sein ew'ges heil; Hat, weil er brüder kränket, An seine pflicht nicht denket, Auch nicht am himmel theil. sein? Ich sollte ihn nicht hören? Sein elend zu vermehren Ihm noch mit gröferm elend dräun? 8. Gott, laß mich dies ermessen, Den reiz der habsucht scheun, Die folgen nie vergessen, Die tod und zukunft dräun. Die liebe zum gewinn Wie leicht, wie leicht bethöret Sie mich, und dann zerstöret Sie meinen frohen sinn. 4. Nein! ich muß lieber leiden, Sein unglück zu vermeiden, Wenn alles für ihn spricht; Auch bei erwies'nen klagen Ihm mitleid nicht versagen: Dies ist sein wunsch, dies meine pflicht. 5. Beim recht, das mir gebühret Wird das, was er verlieret, Sehr selten wieder sein; Ich kann's vielleicht Mel. Nun ruhen alle wälder ac. vermissen, Er, wird es ihm 449.Nach Jeft groentrissen, Vielleicht nie wieder glücklich sein. ßen lehren darf ich nicht stets begehren, Was vor dem richter gift; Nicht immer darauf bringen, Den durch gewalt zu zwingen Der meine ford'rung nicht erfüllt. 2. Der mangel seiner träfte, Sein stillstand der geschäfte Befiehlt mir billigfeit; Bei allem guten willen, Kann er oft nicht erfüllen, Was ihm gesetz und pflicht gebeut. 3. Und ich, ich sollt' es wagen, Ihm nachsicht zu apt 6. Streng' auf sein recht zu dringen, Und um es zu erzwingen, Den härt'sten schritt nicht scheun: Das heißt nicht, sich des armen In seiner noth erbarmen, Nicht christ, nicht freund des bruders sein. 7. Sein elend zu vermindern, Und seinen schmerz zu lindern, Laß, Gott, mir freude sein; Mein recht nie übertreiben, Mich immer billig bleiben, Und jede art der härte scheun. XXV. 380 Zweite Abtheilung. XXV. Von der Sanftmuth und Versöhnlichkeit. Mel. Herr, ich habe mißgeh. zc. leben Uns dir gleichgesinnet 450. Allen, welche nicht sein, Willig feinden zu ver= vergeben, Wirst geben; Denn, wenn ihnen du richter, nicht verzeihn; wir verzeih'n, Läsfest du uns Trostlos werden sie im leben, gnade finden Auch für uns're Trostlos einst im tode sein; eig'nen fünden. Unentladen ihrer fünden, Nimmer vor dir guade finden. 6. Wohl uns! Gott verzeiht uns fündern, Geht nicht mit uns in's gericht, Nimmt uns auf zu seinen findern, Strafet uns dann ewig nicht. Laßt uns beten, laßt uns kämpfen, Rachsucht in uns stets zu däm2. Wie dein herz mit je dem sünder Väterliches mitleid hat; Wie der freund der menschenkinder Selbst für seine mörder bat: So soll auch der christ verzeihen Und pfen. sich nicht der rache freuen. 3. Wir geloben's dir mit freuden, Willig wollen wir verzeih'n, Nie uns rächen, wenn wir leiden, Nie zu dir um rache schrein, Vielmehr vor dein antlig treten Und für uns're feinde beten. 4. Bater, stärk' uns, deine frommen, Tren zu bleiben dieser pflicht! Wenn wir in versuchung kommen, So besiege sie uns nicht; Laß uns sanftmuth dann empfinden, Um sie schnell zu überwinden. 5. Laß in unserm ganzen Mel. Sollt' ich meinen Gott 2c. 451. Gott, der du die menschen liebest, Der du nicht ein strenges recht, Sondern lauter gnade übest, An dem sündlichen geschlecht: Laß mich deinen geist beleben, Daß ich, vater, als dein kind, Liebreich sei, wie du, gesinnt. Herr, du wollst den sinn mir geben, Der bei fehlern nachsicht zeigt, Und mit sanftmuth spricht und schweigt. 2. Laß mich meines nächsten XXV. Von der Sanftmuth und Versöhnlichkeit. 381 5. Ewig heil ist dem beschieden, Der nach frommer eintracht strebt. Höchster, gieb mir deinen frieden, Der zur sanftmuth uns erhebt. Er regiere herz und sinnen; Denn, wenn er das Herz regiert, Wird, was zu der zwietracht führt, Niemals übermacht gewinnen; Bis einst in der herrlichkeit Ew'ger friede uns erfreut. sten schonen, Willig tragen seine last; Und, so lang ich hier soll wohnen, Bleibe zanksucht mir verhaßt! Auch das ist, o Gott, dein wille, Und die eintracht liebest du; Oso hilf mir auch dazu. Gieb ein herz mir, das die stille Und den frieden sucht und liebt, Das statt rache sanftmuth übt. 3. O, wie wird das herz beschweret Durch des zornes leidenschaft! Zanksucht, Mel. Was frag ich nach der zc. rachgier, haß verzehret Nach 452. Suchst du des und nach des Lebens kraft; Kürzt das ziel von unsern jahren Macht zum himmel ungeschickt. Herr, der auf mich schwachen blickt, Ach! du wollest mich bewahren, Daß des jähzorns raserei Nie des Herzens meister sei. nächsten ehr' Und achtung ihm zu schntälern; Sprichst du so oft und gern Von deines nächstent fehlern; Verkleinerst du aus stolz, Aus mißgunst seinen ruhm, Deckst seine schwachHeit auf: Wo bleibt dein christenthum? 4. Wer mir flucht, den will ich segnen, So wie mein 2. Wenn du aus argerlöser that, Und dem nach- wohn blos Von ihm nur sichtsvoll begegnen, Der böses denkeſt, Der böses denkest, Und durch zum zanken neigung hat; ein falsch gerücht Ihm schaFür die feinde will ich be dest und ihn kränkest; Wenn ten, Und vor dich, du frie ihn dein neid, dein Haß, densfürst, Wenn du men- Dein stolz, dein spott entschen richten wirst, Mit dem ehrt: Bist du dann noch schmuck der liebe treten. ein christ, Und dieses naGott des friedens, stärke mens werth? du Mich mit deiner kraft dazu! 3. Wer, wenn er lästrer hört, Und unter spöttern fizet, Ne 382 Zweite Abtheilung. siget, Aus scheuer menschen- schaden? Und, wenn du sie furcht, Nicht andrer unschuld schützet; Wer aus gefälligkeit Selbst ein verläumder ist, Und nichts zum besten fehrt: Bleibt der auch noch ein christ? verlegt, Dich nicht der schuld entladen? Sie sei in zukunft dir So werth als eigner ruhm, Beschütz' und rette fie Stets als dein heiligthum. 8. Wie hoch verbeut uns Gott Den mißbrauch unsrer zungen! Drum hüte dich, o christ Vor allen lästerungen. Wer in dem menschen Gott Und seine gaben ehrt: Den ehrt auch Gott, und der 3st seines beifalls werth. 4. O mensch, bedenke doch: Gott hört an jedem orte, Wo du nur immer bist, Ein jedes deiner worte. Und er, der alles sieht, Er sollte dich nicht sehn, Wenn du dich frech erkühnst, Die unschuld selbst zu 5. Wenn du der from 453. Hier, der bu für Mel. Herzliebster Jesu, was zc. mein erlödie du men lachst, Wenn du tugend schändest, Dem würdigen das lob, Daß er verdient, entwendest, Verläumder! sieht's nicht Gott, Wie zügellos dann du Ihn in den seinen schmähst? Dein richter hört dir zu. mich littest, Und noch zur rechten Gottes für mich bittest; Erweck' in mir, du muster wahrer liebe, Der sanftmuth triebe! 6. Die thränen zählt der Herr, Die von gefränkten frommen, Die du entehret hast, Wehklagend vor ihn kommen. Es kommt, es kommt ein tag, Wo Gott einst vor gericht, Im an gesicht der welt, Auch dir dein urtheil spricht. 2. Wann hast du jemals haß mit haß vergolten? Du schalt'st nicht wieder, da man dich gescholten. Du segnetest mit wohlthun nicht blos freunde, Auch deine feinde. 3. Und ich, Herr, follte mich den deinen nennen, Und doch von rachgier gegen andre brennen? Ich sollte 7. Und du, du wolltest jemals haß mit haß vergelnoch Des nächsten ehre ten, Und wieder schelten? 4. XXV. Von der Sanftmuth 4. Wie kann ich vater zu den höchſten ſagen, Und groll im herzen gegen brüder tragen? Wie kann ich zu ihm flehn, mir zu verzeihen; Und rache schreien? 5. Wer nicht vergiebt, der wird für seine sünden Auch nicht bei dir, o Herr, vergebung finden: Dein jünger ist nur, der wie du vergiebet Und feinde liebet. 6. So heilige denn meiner seele triebe, Mein heiland, durch den geist der wahren liebe; Daß nie die unglücksel'ge lust der rache Mich strafbar mache. 7. Wenn meine brüder sich an mir vergehen; So lehre mich ihr unrecht übersehen, Und sollten sie mich auch empfindlich kränken, An dich gedenken. 8. Laß mich mit sanftmuth meinem feind begegnen, Und, so wie du, den, der mir fluchet, segnen. Herr mache gegen alle, die mich hassen, Mein Herz gelassen, 9. Du schüßest den, der redlich vor dir wandelt, Und überall nach deinem vorbild handelt; D'rum laß in allem mich schon hier auf erden, Dir ähnlich werden. und Versöhnlichkeit. 383 Mel. Ach, Herr, mich armen ze. 454. Nie will ich wieder fluchen, Wenn mir mein hasser flucht; Nie dem zu schaden suchen, Der mir zu schaden sucht. Ich will ihm sanft begegnen, Nicht drohen, wenn er droht; Schilt er, so will ich segnen. Dies ist des Herrn gebot. 2. Mein Jesus, der gerechte, Vergalt die schmach mit huld; Die wuth ergrimmter knechte Ertrug er mit geduld. Sollt' ich denn wieder schelten, Da er nicht wieder schalt? Mit liebe nicht vergelten, Wie er dem feind vergalt? 3. Verläumdung dulden müssen Ist schwer; doch diese pflicht Wird leicht, wenn daß gewissen Für meine unschuld spricht. Dies will ich treu bewalten; So bessert mich mein feind, Und lehrt mich klug verfahren, Indem er's böse meint. 4. Ich will die fehler schenen, Die er von mir ersann, Auch die will ich bereuen, Die er nicht wissen kann. Durch huld will ich mich rächen, An ihm das gute sehn, Und gutes von ihm sprechen: Zweite Abtheilung. 384 chen: Wie, könnt' er länger schmähn? fich, So sieh auf ihn, befiege dich. 5. Ich will niemals er4. Wer hat wohl grömüden, İhm thätig zu ver- ßern widerspruch Von sünzeih'n, Und als ein christ dern hier erduldet, Als er, zum frieden, zu diensten der Herr, der schmach und willig sein. Wenn, mich fluch Von andern nie verzu untertreten, Ihn güte schuldet; Und dennoch will mehr erhitzt; So will ich er langmuthsvoll, Daß keifür ihn beten Und Gott ver- ner ewig sterben soll. traun; Gott schützt! 5. Ihm folgen ist dein wahrer ruhm. Beleidigern verzeihen Ist ehre für dein Mel. Mir nach, spricht Christ. 2c. 455.Verbitt're dir dein leben nicht, eigne rache; christ, durch christenthum; Sich ihres falls nicht freuen, nicht den, der dich schmäht, wieder Verzeihen ist des christen schmähn, Gereicht dir selbst pflicht, Bergelten Gottes zum wohlergehn. sache. Die sanftmuth, die sein wort gebeut, Liebt feinde, segnet und verzeiht. 6. Im zorn denkt niemand ernstlich nach, Was Gott gefallen sollte. Die rache selbst vermehrt die schmach, Die man bestra2. Wahr ist's, empfindlich ist der schmerz, von fen wollte. Kein schimpf menschen unrecht leiden: wird ungeschehn gemacht, Und dennoch soll des chri- Wenn deine rachgier wild sten herz Am zorne sich nicht erwacht. weiden, Soll nicht sein eigner richter sein, Soll alles unrecht gern verzeihn. 3. So widrig diese pflicht dir scheint, So mußt du sie doch üben! Sonst bist du nicht des heilands freund, Der sie dir vorgeschrieben. Empört dein Herz dawider aus 7. Die rachgier reißt gerechtigkeit, Reißt glauben dem Herzen, Stört des gemühts zufriedenheit Und straft mit bittern schmerzen. Sie hindert dank, ge bet, vertraun, Und raubt den muth, auf Gott zu baun. 8. Durch sanftmuth( übe nur XXV. Van der Sanftmuth und Versöhnlichkeit. 385 mur die pflicht!) Wirst du Ob er gleich voll edelmuth den feind besiegen. D raube Seine pflicht im stillen deiner seele nicht Dies gött thut. liche vergnügen; Dann wird der Herr auch dir verzeihn, Dein vater und vergelter sein. 9. Laß mich aus liebe, Gott, zu dir Das unrecht nicht selbst rächen; Du wirst, verzeih ich gern, auch mir Ein gnädig urtheil sprechen, Von dir kommt auch der sanftmuth sinn; Nach deiner gnade gieb mir ihn. Mel. In dem leben hier zc. 456. Richte nicht mit harter strenge, Wenn du and're fehlen siehst; Da du selber einer menge Fehler unterworfen bist. Uebereil', nach deiner pflicht, Dich in deinem urtheil nicht. 4. Selbst bei wirklichem vergehen Meide mit bescheidenheit Alles unbefugte schmähen, Härte, spott und bitterkeit. Menschenfreundlich decke du Deines nächsten fehler zu. 5. Jener richter aller welten Richtet mit gerechtigkeit, Und wird jeden einst vergelten Nach dem leben dieser zeit. Ueberlaß ihm dies gericht, Richte du den nächsten nicht. 6. Statt ihn zu verläumden biete Ihm die hand zu seinem glück, Bringe, wenn du kannst, voll güte Aus der irre ihn zurück. Hüte selbst dich, wenn du stehst, Daß du keinen fall begehst. 2. Siehst du immer auch die gründe Von des nächsten handlung ein? Ist das, was du tadelst, sünde, Oder trüget dich der schein? Handelt er wohl gar aus pflicht? Dies bedenk und richte nicht. 3. Klugheit, pflicht, beruf befiehlet Ihm verschwiegenheit vielleicht Bei dem zweck, den er bezielet Und voll weisheit dir verschweigt, fehler sanft erträgt. Beß're Bb 7. Klage nicht bedrängter leiden Gleich als strafen Gottes an; Gönne dem erlaubte freuden, Der sie froh genießen kann; Und gieb seinen frohen sinn Nicht verworfner schmähsucht hin. 8. Laß die liebe dich beseelen, Die nie falschen argwohn hegt, Und wenn and're wirklich fehlen, Ihre 386 Zweite Abtheilung. an dir selbst mit müh', Und kennet Und des nächsten verläumde and're nie. glück mißgönnet. Mel. Freu dich sehr, o meine 2c. ollt' ich den beneiden können, Den Gott mehr als mich beglückt? Oder ihm die leiden gönnen, Die der Herr ihm zugeschickt? Sollte ich so grausam sein, Seines unglücks mich zu freun, Hämisch seine noth vermehren, Und sein glück aus mißgunst stören? 2. Nein, so würd' ich ein empörer In dem reiche Gottes sein; Stürzte, als ein ruhestörer Mich in eigne noth und pein; Wäre meines glückts nicht werth, Das der Herr auch mir gewährt; Ja, ich würde selbst mich hassen, Und den weg des glücks verlassen. 4. Würde ich die kleinsten freuden Die er mehr als ich erfährt, Auch mur lieblos ihm beneiden, Würde schon mein geist entehrt; Wenn ich sein geringstes weh Nur mit schadenfreude säh, Würde ich mein Herz entweihen, Mich nicht Gottes huld erfreuen. 5. Sollte ich noch mißgunst nähren, Die des lebens kraft verzehrt? Oder mich durch neid entehren, Der mein eignes glück zerstört? Nein, ich will mich Neid und treu bemüh'n, mißgunst stets zu flieh'n; Will mit fröhlichen mich freuen, Traurigen mein mitleid weihen. 6. Schenke mir, du Gott der liebe! Liebe gegen jedermann, Daß ich mich aus reinem triebe And'rer glückes freuen kann: Hilf mir, daß ich mitleidsvoll And'rer noth, so wie ich soll, Thätig mir zu herzen ziehe, Und zu 3. D'rum will ich mit ernst erwägen, Daß wir alle brü der sind, Und der nächste glück und segen Nur nach Gottes rathschluß find't; Sa, wie sehr sich der entehrt, Der, von niederm neid empört lindern mich bemühe. Seinen eignen werth verXXVI. DE LIT ANG XXVI. Von der Dienstfertigkeit, Barmherzigkeit und Leutſeligkeit. Mel. Nun ruhen alle wälder zc. liebe; Wie du mir gut's 458. D¹, ju, aller men- gethan, So laß, um deinetschen vater, willen, Mich and'rer seufzer Du gütigster berather In stillen, So oft ich sie nur allem, was uns drückt! Die stillen kann. freuden, die wir haben, Sind einzig deine gaben; Du bist's, der unser Herz erquickt. 2. Du läßt dich von uns sündern Durch undank nicht verhindern, Uns täglich zu erfreun; 3u ew'gen seligkeiten, Uns sterbliche zu leiten, Wird immer dein vergnügen sein. 387 6. Zum fleiß in guten werken Laß mich die hoffnung stärken: Vor dir, dem Herrn der welt, Der frohe geber liebet, Sei, was man willig giebet, Ein opfer, das dir wohlgefällt. 7. O wohl mir! ich gewinne Schon hier, bei diesem sinne, Trost und zufriedenheit, Und einst vor Gottes throne Zum unbilde Mein Herz nach dei- schäzbaren lohne Die freunem sinn. 3. Wie groß ist deine milde! Barmherz'ger vater, den einer ewigkeit. Daß ich der noth der armen Mich willig mög' erbarmen Nimm alle härte von mir hin. 4. Gieb, daß ich willig gebe, Mich wohlzuthun bestrebe, So wie mein Heiland that, Der zärtliche erbarmer, Den kein bedrängter armer Vergebens je um hülfe bat. 5. Erhalt' in mir die triebe Der mitleidsvollen Eigene Melodie. od.: Christus, der uns selig macht zc. 459. Heilig, heilig ist Das die menschen bindet; Ist geknüpft von dessen hand, der die welt gegründet; Iſt geknüpft, daß besser mir Seine welt gefalle. Einen vater haben wir, Einen schöpfer alle. 2. Der im glück und in B62 der RECOMUSE Zweite Abtheilung. 388 der noth Uns gleich herzlich liebet, Der uns täglich unser brod Und gesundheit giebet. Der nicht nur mit gütigkeit Sieht auf fürstenthronen, Der auch segnet und erfreut Die in hütten wohnen. 1 3. Wohl mir! auch auf mich, sein kind, Siehet er Hernieder. Menschen, wer und wo sie sind, Alle sind sie brüder. Ach, wie könnt' ich ihn mit lust. Meinen vater nennen, Fühlt' ich nicht in dieser brust Bruderliebe brennen? nicht, o dann Euch ein trostwort sagen. Dann sollt ihr an meiner brust Euern gram verweinen, Bis die sonn' euch neue Lust Wird in's herze scheinen. 5. Brüder! nein, dies herze soll Nie vor euch sich schlieBen: Sich in jubel wonnevoll, Seid ihr froh, ergießen; Aber, thenre, sinket ihr Unter leiden nieder, Fühlend schlägt das herz in mir, Bleibt euch tren und bieder. 7. O gewiß, dann denket ihr Liebreich auch der armen, Stoßt sie nicht von eurer thür Und zeigt gern erbarmen. Und, o süßer trost! auch mich, Wenn mich sorgen drücken, Wenn von mir die freude wich, Werdet ihr erquicken. Mel. Meine scele, laß es zc. oder: Herr, ich habe mißgehandelt 2c. 4. Blutete mir nicht daß herz Bei des bruders lei- 460. Seid barmherden; Blieb ich kalt bei seinem schmerz, Kalt bei seinen freuden: Glücklich könnt ich dann nicht sein; Einsam und verlassen, Würd' ich erst die menschen scheun, Dann mich selber haffen. zig! christen, höret, Hört das heilige gebot, Das euch der erlöser lehret! Seid barmherzig, seid's wie Gott! Gebt, fo wird euch auch gegeben: Segen hier, dort ew'ges leben. 2. So viel menschen, so viel brüder; Ein Gott ist's, der alle schuf. Alle find wir Christi glieder, Allgemein ist Gottes ruf. So den bösen, wie den seinen, Läßt Gott seine sonne scheinen. 6. Gerne will ich, wenn 3. Gleicht dem vater an ich kann, Sie euch helfen erbarmen! Seid barmherzig tragen; Und kann ich es seid's wie er! Gebt mit milder XXVI. Von der Dienstfertigkeit, Barmherzigkeit zc. 389 milder hand den armen! eignes sinden, Und wenit Was ihr gebt, empfängt ich kann, auch wie ich soll, der Herr! Helft! und eilt, Gern ihre wohlfahrt grünauch ungesehen Euren brü- den. dern beizuſtehen. 4. Hülfreich zu bedrängten eilen, Der verlaß'nen stüße sein; Kummer lindern, wunden heilen; Wohlthun, trösten und erfreun; Und das thun aus edlem triebe, Das ist ächte menschenliebe. 5. Gott, wir geben's von dem deinen! Uns're hand verweig're nie: Hülfe da, wo brüder weinen, Unser mitleid tröste sie, Daß, wenn wir zu dir uns nahen, Wir auch hülf und trost empfahen. Mel. Ich dank' dir schon 2c. 461. Allliebender, du schufst mein herz, Bei meines nächsten freuden Mich mitzufreu'n, und, fühlt er schmerz, Mit ihm auch mit zu leiden. 2. O laß mich diese heil'ge pflicht Nie aus den angen setzen, Und, wär's auch der geringste, nicht Gering sein wohlfein schätzen. 3. Laß mich vielmehr in and'rer wohl, O Gott, mein 4. Ja, laß mich selbst dem ärgsten feind Des mitleids thränen weihen, Wann er in seinem unglück weint, Ihn gern mit hülf' erfreuen. 5. Gott, welch' ein feliger gewinn 3st dann schon mein auf erden, Wenn ich an liebevollem sinn Dir lerne ähnlich werden. 6. Dein beifall ist mir dann gewiß, Und unter deinem segen Geh' ich dein wort verspricht mir dies- Froh jener welt entgegen. g Mel. Ach Herr mich armen zc. 462. Gmpfinde mensch, die triebe Des mitleids, das dich ehrt, Damit dein herz voll liebe, Hülfloser klagen hört! Erwärme dich im Herzen Zum mitgefühl der noth, Und lind're and're schmerzen Nach deines Herrn gebot. 2. Du bist ein mensch, und brüder Sind alle menschen! sich Erbarmend auf sie nieder; Entzeuch dich ihnen nie! Welch' göttliches vergnügen, Bedrängter retter 390 Zweite Abtheilung. ter sein, Und die, so hülf- barme Dich! schließ dein Los liegen, Mit hülfe zu erfreu'n. 3. Zu trocknen sanft die thränen, Die der gebeugte weint; Dem bei dem bängherz nicht zu! Mit holden vaterblicken Schaut er von seinem thron Und wird dich einst erquicken Mit himmelvollem lohn. sten sehnen Kein strahl des 6. Was du an deinen brüdern Aus liebe haft gethan, Sieht er als seinen gliedern, Als ihm geschehen an, Dann wartet dein die krone Vor der erweckten welt, Wenn er auf seinem throne Dereinst gerichtstag hält. H 4. Dies lehrte und dies übte Dein mittler, Jesus Christ, Der alle menschen liebte, Für sie gestorben ist. O folg' ihm nach und übe Des wohlthuns süße pflicht! Dies will der Gott der liebe, Der freundlich mit dir spricht. 7. Dann ruft die schaar der frommen: ,, Er ist's, der uns'rer noth Sich liebreich angenommen; Vergilt es ihm, o Gott!" Er stellt dich dann zur rechten; Wird 5. Er ruft dir zu durch dein vergelter sein; Du arme, Die menschen sind gehst mit seinen knechten, wie du: Erbarme dich! er- Zu seiner freude ein. trostes scheint; Die tugend unterstützen Mit sanfter bruderhand; Die unschuld zu beschützen, Die keinen retter fand! 2 XXVII. Von der Aufrichtigkeit und Rechtschaffenheit. Mel. Alle Menschen müssen zc. 463. Laß mich, höchster, darnach streben, Stets der wahrheit freund zu sein. Zu des himmels frohem leben Geht kein frecher lügner ein, Und vor deinem angesichte Werden sie beschämt zu nichte; Denn vor dir sind immerdar Aller herzen offenbar. 2. Andern zu gefallen lügen XXVII. Von der Aufrichtigkeit und Rechtschaffenheit. 391 gen Leeren schwätzern gleich liebst den wahrheitsfreund, zu sein, Heuchelnd brüder Und bist allen falschen feind, zu betrügen, Herr, das falle mir nicht ein! Wahrheit leit' an allen orten Mich in werken und in worten; Redlich sei des herzens grund, Redlich sprech' auch stets der mund. 3. Die der falschheit sich ergeben, Sind vor dir, o Gott, ein gräul; Und ein unglückselig leben Ist gewiß ihr künft'ges theil. Hier schon trifft verdiente schande Sie bei redlichen im lande; Denn ein jeder menschenfreund Ist der falschheit ränten feind. Mel. Befiehl du deine wege zc. 464. Wohl dem, der richtig wandelt, Der als ein wahrheitsfreund In wort und werken handelt, Ganz das ist, was er scheint, Nie lügen red't, nie schmeichelt, Nie doppelzüngig spricht, Nie redlichkeit bloß heuchelt, Nie treu und glauben bricht. 2. Wohl ihm, da deine güte Ihn leitet, ihn umgiebt! Ein redliches gemüthe Haft du, Herr, stets geliebt. An lügnern, an verräthern, An falschen hast du gräul; Ein loos mit übelthätern Ist dort dereinst ihr theil. 4. Schmäht mich, ohne mein verschulden, Der verläumder lästermund, so laß mich's still erdulden! Einst wird doch die wahr3. Laß falschheit denn und lügen, Gott, ferne von mir heit kund. Darf ich ja nicht sein. Nie laß die lippen länger schweigen, Meine unschuld zu bezeugen, So verleihe, daß dabei Herz und mund voll sanftmuth ſei. trügen; Nie sei die tugend schein. Erinmre mein gewissen, Du hasseft heuchelei, Damit ich stets beflissen Der treu und wahrheit sei. 5. Daß du, Herr, an jedemorte Zeuge meines wandels bist, Daß kein einz'ges meiner worte Deinem ohr verborgen ist: Dies erwecke mein gemüthe, Daß ich mich vor lügen hüte; Denn du 4. Laß niemals mich versprechen Was ich nicht wohl bedacht; Auch dann mein wort nie brechen, Weil mir's beschwerde macht. Nie reize meine seele Witz oder leichtfinn Zweite Abtheilung. 392 sinn an, Daß ich als wahr erzähle, Was lästersucht er fann. 5. Gieb muth, daß ich, nicht blöde, Wenn pflicht dazu mich dringt, Die wahr heit dennoch rede, So viel gefahr sie bringt. Gieb flugheit, daß ich wisse, Wo ich ohn' alle schen, Freimüthig reden müsse, Wo schweigen besser ſei. 6. Wenn jemals, mich zu drücken, Des feindes rath gelingt, Wenn er mit bösen XXVIII. Von der Freundschaft. Mel. Nun danfet all' und 2c.. Mein glück und meinen schmerz. 4. Ich schmeck des lebens süßigkeit In doppelt starker kraft, Wenn mich das edle glück erfreut, Das so ein freund verschafft. 465.Das as glück ist groß, das Gott mir schenkt In einem wahren freund! Der als ein christ rechtschaffen denkt, Und tren es mit mir meint. 2. Man schätzt den freund in jedermann, Wär' er auch nicht ein christ; Doch ganz unschätzbar ist er dann, Ist er auch wahrer chriſt. tücken In kümmerniß mich bringt; So stärke meine seele, Daß sie nicht unterlieg', Und alles dir befehle; Du giebst der unschuld sieg. 7. Ein herz voll tren' und glauben, Das, Gott, dein auge schent, Das soll mir niemand rauben; So kann mit freudigkeit Ich hier zu dir aufsehen, Und dort vergiltst du mir, Wenn falsche nicht bestehen, Mit wonn' und preis dafür. 3. Als wahrheits- und als tugendfreund Besitzet er mein herz. Ich their mit ihm, der's redlich meint, 5. Manch leid umwölket mein gemüth; Ich klag' es meinem freund, Fühl, daß schön halb der fummer flieht, Wenn er nur mit mir weint. 6. Oft lindert mir sein guter rath Des leidens herben schmerz; Oft hilft er mir XXVIII. Von der Freundschaft. 393 mir auch mit der that, Und der tugend starkes band; froh danft ihm mein herz. Es führet ihre fromme hand Uns ab vom sündenwege. 7. Freimüthig, ohne bitterfeit Straft er mich, wenn ich fehl', Und eigne unvollkommenheit Hält er vor mir nicht hehl. 8. Manch wort zu unsers Gottes ruhm Theil' ich mit ihm vertraut; Und werd' in meinem christenthum Oft sehr durch ihn erbaut. 2. O Jesu, bester menschenfreund! Der du uns fünder liebtest, Nur das, was groß und edel heißt, Uns hier zum beispiel übteſt; So göttlich liebreich für uns starbst, Selbst Gottes freundschaft uns erwarbst, Uns ewig zu beglücken: 3. Schenk mir auch einen frommen freund( Nur du fannst ihn mir geben), Der edel und rechtschaffen denkt, Der mir in meinem leben Ein reizend tugendmuſter sei, Und bei mir standhaft und getren Von allen und getren Im glück und unglück stehe. 4. Der meine unvollkommenheit Mit sanfter schomung trage, Mir fehler, ohne bitterkeit Nur mich zu beffern, sage; Der mich vor fünden immerdar, Bor irrthum, schaden und gefahr An leib und seele warne. 9. Ich freue mich mit ihm der zeit Da uns in jener welt, Verklärt zum glück der ewigkeit, Nichts mehr am wohlfein fehlt. 10. Da wir, vor Gottes thron vereint, Von allen mängeln rein, Ihn sehn, den allerhöchsten freund, Mit ihm uns ewig freu'n, 11. O Gott, mein Gott, wie dank' ich dir, Wenn so ein freund mich schätzt! Ich bitte dich, erhalte mir Dies glück stets unverletzt. 90 Mel. Es ist gewißlich an der 2c. 5. Doch laß mein herz 466. Welch glüdk, o vorsichtig sein, Mit wem Gott, ist freundschaft hier In diesem pilgerleben! Sie kann imunglück und im glück Uns trost es freundschaft machet. Kein spötter der religion, Der über tugend lachet; Kein wolllüstling, kein stolzes herz; und frenden geben. Sie ist Wer fühllos ist bei andrer schmerz Zweite Abtheilung. 394 schmerz, Sei niemals mein vertrauter. denn auch mein warmes herz Nie gegen ihn erkalten. Laß 6. Ein mensch, vom la- mich verschwiegen, redlich ster angesteckt, Wird mich sein, Neid, falschheit, argauch leicht anstecken: Laß flug mich seinen umgang fliehn, Mich nicht durch ihn beflecken. Und wie kann der, der ohne schen Stets Gott verleugnet, menschen tren Und redlich sein und bleiben? wohn, schmeichelei'n Und eigennut stets fliehen. 8. Gott, präge du der liebe finn So freunden ein als feinden. Auch die, die meine feinde sind, Die mache mir zu freunden! Bild' unser Herz zur einig7. Doch hab' ich einen keit! Lehr uns, daß jene wahren Freund Von dir, seligkeit Sei wahre lieb' o Gott, erhalten; So laß und freundschaft. HAUT XXIX. Vaterlandsliebe. oder: Es ist das heil uns kommen 2c. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes zc. gemeine wohl und weh Als eignes wohl und weh anseh', Das mehr' und dieses mindre. 467.Mein ein vaterland, daß mir mein Gott Zur wohnung ange3. Drum will ich stets wiesen, Läßt in bedrückun- bemühet sein, Durch nützgen und noth Mich seinen liche geschäfte Dem dienst schutz genießen; Es giebt des staates mich zu weihn; mir brod und sicherheit; Erhält recht und gerechtigkeit, Und schützt mein gut und leben. Und zeit, beruf und kräfte Dem vaterlande, das mich schützt Und mir und meinen brüdern nützt, Mit treuem eifer widmen. 2. Es knüpfet mit der liebe band Mich fest an meine brüder, Daß jedes glied und jeder stand, Treu, liebevoll und bieder, Das all4. Nie will ich ruh und sicherheit Im staate frevelnd stören; Will meine landesobrig XXIX. Vaterlandsliebe. obrigkeit, Als Gottes ord nung ehren, Und ihren wil len jederzeit Mit treuer unterwürfigkeit Nach möglichteit befolgen. 5. Auch will ich meiner brüder glück Durch meine schuld nie hindern; Und stets ihr widriges geschickt, So viel ich kann, vermindern; Will gerne dienen jedermann, Und helfen, wo ich helfen kann, Zum allgemeinen besten. 395 luft; Jeder bürger, sich bewußt, Daß nicht jeder herrschen kann, Sei ein guter unterthan. 2. Der ist niedrig; der ist groß; Ungleich ist der menschen loos. Schäme deines stand's dich nicht; Nöthig ist doch jede pflicht. 3. Zur gemeinen wohlfahrt sei Dem gesetze stets getren! Wer ihm gern- gehorchen kann, Der mur ist ein freier mann. That, was 6. Auf, brüder die ihr's 4. Schaue Jesum Chriredlich meint, Nützt eurem stum an; Er wie du ein vaterlande, Das euch zu unterthan, Und doch aller gleichem zweck vereint, In fürsten Gott, jedem amt und stande! Ja, das gesetz gebot. opfert treu und liebevoll Auch gern dem allgemeinen wohl Das auf, was pflicht erfordert. 5. Selbstbeherrschung ist so schwer. Irrt dein Herrscher, strauchelt er, Schonend sei dein urtheil; sprich: Er ist auch ein mensch wie ich! 7. Gott! steh uns gnädig bei, daß wir Nach dieser pflicht stets leben, Und schon als treue bürger hier Nach jenem reiche streben, In das nur treue knechte gehn, Die hier im dienste treu bestehn, Zu dem du sie berufen. 6. Lebe selbst gewissenhaft; Seines wandels rechenschaft Laß dem Herrn, und sich nur zu, Daß du selbst gerecht seist. du! 7. König, fürst und unterthan, Betet Gott, den Mel. Jesu komm doch selbst zu zc. höchsten, an! Fürchtet ihn, 468. Mer gehorcht, denn sein gericht 3st gerecht; der thu's mit o sündigt nicht! 11 XXX. 396 Zweite Abtheilung. XXX. Vernünftiges Verhalten gegent die Thiere. Mel. Herr Jesu Christ, du höchstes z. eben so wie ich ein herz, oder: Es ist das heil uns kommen 20. 469.Der er weise schöpfer, dessen ruf Hat sinneskraft, fühlt lust und schmerz, Verläßt wie ich das leben. Einst mächtig scholl: es werde! 5. Dem, der für alles Und aller welt bewohner forge trägt, Dem schöpfer schuf, Bestimmte diese erde Nicht für die menschen nur allein; Auch thiere schuf er, groß und klein, Des lebens sich zu freuen. b aller dinge, Ist nichts, was auf der welt sich regt, Zu klein und zu geringe. Er, dessen huld kein engel mißt, Er, der des menschen vater ist, Ist auch des wurmes vater. 2. Sein wille war, daß ihre zahl Sich allenthalben mehre; Sie füllten wälder, berg und thal Und seen, flüff' und meere, Belebten hier die hohe luft, Und dort der erde tieffte kluft, Und freuten sich des lebens. 3. Nie kann des klügsten menschen sinn Der arten an zahl wissen; Doch sänk' auch nur die kleinste hin, So wär' das band zerrissen, Das in der weiten Gotteswelt Die wesen an aneinder hält, Zu einem großen ganzen. 4. Das kleinste thier betritt die welt Mit mir auf gleiche weise, Es fühlt sein dasein und erhält Sich auch mit trank und speise, Hat 6. Und er, der alle wesen liebt, Er sollte mir erlauben, Dem thiere das, was er ihm giebt, Gedankenlos zu rauben? Was gäbe mir wohl den beruf, Ein leben, das die allmacht schuf, Leichtsinnig zu zerstören? 7. Nein, kein geschöpf, das mit mir lebt, Darf ich aus frevel quälen, Mag auch, was mich zur menschheit hebt, Mag die vernunft ihm fehlen; Sie macht mich zu der Gottheit bild, Doch lehrt sie mich auch, göttlich mild Glück um mich her verbreiten. 8. 397 XXX. Vernünftiges Verhalten gegen die Thiere. 8. Vernunft, erhabne see stolz ein mitgeschöpf verlenkraft, Geschenk aus Got- schmäht, Das unter Gottes tes händen! Ich müsse nie aufsicht steht, Entehrt auch durch leidenschaft Selbst dei- seinen schöpfer. ne würde schänden! Wer den erhabnen zweck vergißt, Wozu du ihm gegeben bist, Der schändet deine würde! 10. Wen eines thieres qual erfreut, Der wird, es kann nicht fehlen, Kalt und gefühllos mit der zeit Gewiß 9. Vernunft! du sollst auch menschen quälen. Wer mich immer mehr Die wahre frech ein mitgeschöpf betrübt, weisheit lehreit, In der ge- Und härt' und grauſamkeit schöpfe großem heer Den verübt, Der kann auch Gott schöpfer zu verehren. Wer nicht lieben. XXXI. Von der Glückseligkeit wahrer Christen in diesem Leben. Mel. Herr, der du mir das leben 2c. od.: Nun ruhen alle wälder zc, leben Für lust der fünde geben, und dann die innre pein, 470.Gin ruhiges ge- Mich selber zu verklagen, In meinem busen tragen? Gott, laß dies ferne von mir sein! wissen Laß, Herr, mich stets genießen! Denn hab' ich dieses mur, So ift für mich in tagen Wo, andre ängstlich zagen, Nichts schreckliches in der natur. 2. Wenn meine schuld mich beuget, Und dann dein geist bezeuget, Daß ich begnadigt bin; Wenn mich dein trost erquicket, So oft mich trübsal drücket: Wie unschätzbar ist mein gewinn! 3. Sollt' ich solch ruhig 4. Sein eignes herz bekämpfen und seine neigung dämpfen Ist freilich schwere pflicht; Doch wenn wir uns besiegen, Welch himmlisches vergnügen Gewährt die überwindung nicht! 5. Nichts kann im wohlergehen So unser glück erhöhen, Als ein geruhig herz; Das schafft uns inn're frenden, Und mildert auch im leiden 398 Zweite Abtheilung. den Durch seinen troft den sünden zu vergeben, Und größten schmerz. willig ist dein herz dazu. Du nimmst die fünder gnädig an, Die sich voll reue zu dir nah'n. 6. Die freuden zu verachten, Wonach die fünder schmachten, Was giebt uns dazu muth? Was tröstet 2. Uns, uns verlorne Gottes kinder Beim spotte zu erretten, Gabst du für frecher fünder? Ein ruhig herz, das beste gut. 7. Zu dir gen himmel schauen, Gott, und mit vertrauen Sich rühmen: ich bin dein; Im glauben der erlösten, Sich deiner huld getrösten: Welch glück mein Gott, kann größer sein! uns selbst deinen sohn. Er litt, damit wir friede hätten, Für uns den tod, der sünde lohn. O Gott! wie hast du uns geliebt! Welch ein erbarmen ausgeübt! 8. Läßt du mich im gewissen Einst diesen trost genießen, Wenn alles von mir weicht; Kann ich dann voll vertrauen, Auf dich noch, vater, schauen, So wird mir selbst das sterben leicht. 3. Dank, ewig dank sei deiner treue, Die niemand g'nug erheben kann! Nun nimmst du jede wahre reue Um Chrifti willen gnädig an. Wohl dem, der sich zu dir bekehrt, Und gläubig seinen mittler ehrt! 9. O, laß zu allen zeiten Mich deine weisheit leiten, Und mache selbst mich tren! Zum fleiß in guten werken Laß mich die hoffnung stärken, Daß groß der lohn im himmel sei. Mel. Fürwahr, du bist o Gott 2c. 471. Gott, deine gnad' ist unser leben, Sie schafft uns heil und seelenruh. Dein ist's, die 4. Den, Herr, befreist du von den plagen, Die dem gewissen furchtbar sind; Der kann getrost und freudig sagen: Gott ist für mich, ich bin sein kind; Hier ist der, welcher für mich litt, Und mich noch jetzt bei Gott vertritt. 5. O Herr, wie selig ist die seele, Die so sich deiner gnade freut! Ob auch groß irdisch gut ihr fehle, Fehlt ihr doch nicht zufriedenheit. Gott, deine huld ist weit mehr XXXI. Von der Glückseligkeit wahrer Christen 2c. 399 mehr werth Als alles, was Mel. Dir, Gott, dir will ich zc. die welt gewährt. 6. Dein friede stärkt mit frohem muthe Das herz, auch in der größten noth; Giebt hoffnung zu dem ew'gen gute, Und macht getrost selbst in dem tod. Wer diesen frieden hat, genießt Lust, die des himmels anfang iſt. 7. Laß, vater, denn in diesem frieden Auch meine seele frendig ruhn. Auch mir hast du dies glück beschieden; Denn auch für mich genug zu thun, Ward sterbend der am kreuz ein fluch, Der aller menschen sünden trug. 8. O laß mich dies im glauben fassen, Und mich mit starker zuversicht Auf deine vatertreu verlassen; Wenn alles wankt, wankt sie doch nicht. Wohl dem, der sich auf dich verläßt! Sein heil steht unbeweglich feſt. 472.2 enn ich ein gut gewissen habe, Wie groß ist meine seligkeit! Es ist des himmels beste gabe, Das höchste glück in dieser zeit; In freud' und leide giebt es hier Die wahre ruh' der seele mir. 2. Ich bebe nicht, wenn sünder beben, Daß, Gott, gerecht und heilig ist: Mein herz giebt zeugniß meinem leben, Daß ich gewandelt als ein christ, Des göttchen berufes werth, Der hier mich himmlisch wandeln lehrt. 3. Getrost wag ich's, vor Gott zu treten, Und ihn, voll glaubensfreudigkeit, Als meinen pater anzubeten, Der, was ich habe, mir verleiht, Und jedem heil und segen giebt, Der ihn von grund des Herzens liebt. 4. Mit muth trag' ich des lebens leiden, Sie dau9. Lobsingend will ich ren einen augenblick; Und dich erheben, Mich ewig des gewissens inn're freuden deiner gnade freun, Und Sind süßer als der fünder deinem dienst mein ganzes glück; Und was kann höhern leben In kindlichem gehor- trost verleihn, Als leiden sam weihn; Denn du ver- und unschuldig sein! gabst mir meine schuld, Nie, 5. Ich eile mit geſetzten nie vergeß ich diese huld. schritte Des lebens letzter stunde Zweite Abtheilung. 400 stunde zu. Es falle dieses 3. Ich bin erlöst und bin Leibes hütte, So geh' ich ein christ! Mein Herz ist ruein zur wahren ruh'; Indem mein geiſt, der Gott gelebt, Zu seinem ursprung sich erhebt. 6. O feele! darum sei beflissen, Daß unverrückte, fromme tren Dir immerdar ein gut gewissen Und glaubenszuversicht verleih'. Und du, mein Gott, regiere mich; Denn was vermag ich ohne dich? hig und vergißt Die schmerzen dieses lebens. Ich dulde, was ich dulden soll, Und bin des hohen trostes voll: Ich leide nicht vergebens. Gott selber mißt mein theil mir zu, Hier kurzen schmerz, dort ew'ge ruh. 4. Was seid ihr, leiden dieser zeit Mir, der ich jener herrlichkeit Mit ruh entgegen schaue? Bald ruft mich Gott, und ewiglich Belohnet und erquickt er mich), Weil ich ihm hier vertraue; Bald, bald verschwindet aller schmerz Und himmelsfreuden schmeckt mein herz. bens ruh, Und führt mich deinem himmel zu, Odu, an den ich glaube! Ach gieb mir, Herr! beständigkeit, 5. Bin ich gleich schwach, Daß diesen trost der sterb- so trag' ich doch nicht mehr lichkeit nichts meiner seele der fünde schändlich joch raube. Tief präg' es meinem Herzen ein, Welch glück es sei, ein chrift zu sein! In meinem lauf auf erden. Die tugend ist mir süße pflicht; Und kann ich gleich hienieden nicht Ganz frei von fehlern werden, So ist mein trost: Gott hat geduld Und straft nicht meiner schwachheit schuld. 2. Du hast dem sterblichen geschlecht Zur sel'gen ewigkeit ein recht Durch dei nen tod erworben. Nun wird mein leib zwar asch' und staub, Doch nicht des todes ew'ger raub; Du bist für mich gestorben. Mir, der ich dein erlöster bin, 3st, daß ich sterbe, nur gewinn. Mel. O ewigkeit, du bonnerw. sc. 473.Mein glaub' ist meines le 6. Der du den tod für mich bezwangst, du hast mich, mittler, aus der angst, Die ich verdient, gerissen. Dir, dir verdank' ich meite XXXI. Von der Glückseligkeit wahrer Christen 2c. 401 ne ruh; Du heilest meine wunden zu, Du stillest mein gewissen; Und fall' ich noch in meinem lauf, So richtest du mich wieder auf. nicht schrecklich bist? Kann ich getrost auf dich nur schauen, Dem alles unterworfen ist: So seh' ich auch mit heit'rem sinn Auf alles andre ruhig hin. 7. Gelobt sei Gott! ich bin ein christ, Und seine guad' und wahrheit ist An mir auch nicht vergebens. Ich wachs' in meiner heiligung, Ich ſpüre täglich besserung Des herzens und des lebens. Ich fühle durch des geistes kraft Mich, Herr, getroft und tugendhaft. 3 Beschämt mich meiner fehler menge? Du, vater, du verzeihst sie mir. Bringt eine noth mich in's gedränge, So hab ich doch den trost an dir, Daß du auch leiden dieser zeit Stets lenkſt zu meiner seligkeit. 8. Dank sei dir, vater, dank und ruhin! Du lehrtest mich das christenthum Fest glauben, redlich üben: Es macht mich ruhig und erfrent, Führt mich zur wahren seligkeit: Wie, sollt' ich es nicht lieben? Erhalte stets mein Herz dabei, So preif' ich ewig deine tren. mel. Dir Gott, dir will ich zc. 474. Mit dir, o höchster, friede haben, und deiner huld versichert sein, Das ist die größte aller gaben, Die je des menschen Herz erfreun, Das bleibt auch in der ewigkeit Die quelle der zufriedenheit. 2. Wovor darf meiner seele grauen, Wenn du mir, Gott, 4. Froh' seh' ich deinem höhern segen, Den deine hand in jener welt Den deinen aufbewahrt, entgegen; Und wenn mein leib in staub zerfällt, So zagt mein herz doch darum nicht; Denn du bist meine zuversicht. 5. Mein heil steht bloß in deinen Händen, Und dein ist, vater, alle macht, Mir jedes gute zuzuwenden, Das deine huld mir zugedacht. Nur du vollführst stets deinen rath. Wohl dem, der dich zum freunde hat! 6. Dies ist das glück der reinen seelen, Die sich mit ernst vor fünden scheun, Nur dich zu ihrem trost erwählen, Und vor dir recht zu thun, sich freun. Wer dich mit solchem sinn verehrt, Der Sc ift Zweite Abtheilung. 402 ist dein freund, der ist dir werth. 7. Der hat dich auch in allen fällen Gewiß zum trost, und kann sein herz Durch dich, o Gott, zufrieden stellen, Bei jedem gram, in jedem schmerz; Den wird zum ew'gen wohlergehn Unfehlbar deine huld erhöhn. 8. So hilf denn, daß ich, weil ich lebe, Um deiner gnade mich zu freun, Nach einem reinen herzen strebe, Und präg' es mir auf's tiefste ein: Rein größres glück sei auf der welt, Als wenn man dir, Gott, wohlgefällt. Mel. Es ist das heil uns kommen 2c. 475 welch ein unschätzbares gut Ist doch ein gut gewissen! Hab' ich nur das, so hab' ich muth, Wenn andre zagen müssen. Dann zittert meine seele nicht; Mich schreckt kein tod und kein gericht; Ich habe Gott zum freunde. 2. Bin ich mir deiner huld bewußt Und, Gott, bei dir in gnaden So wohnet ruh in meiner brust, Und wer will dann mir schaden? Ich seh' auf dich in aller noth, Womit die zukunft mich bedroht; Mich tröstet deine liebe. 3. Trifft mich auch hier zuweilen noch Das gift der lästerungen; Wird meines herzens ruhe doch Dadurch nicht ganz bezwungen. Weiß ich nur mein gewissen rein, Und meid' ich auch den bösen schein, Wirst du mich schon beschützen. 4. Ich sehe mit zufriedenheit Der künft'gen welt entgegen, Sie giebt mir muth und freudigkeit Auf allen meinen wegen. Denn dort macht selbst, o Herr, dein mund Den wahren werth den menschen kund; Da wird der fromme siegen. 5. So hilf denn, daß ich mir zum heil Ein unverletzt gewissen, Des Lebens allerbeftes theil, Zu haben sei beflissen. Mit dir, Gott, ausgeföhnt zu sein, Dein heilig recht nicht zu entweihn; Das sei mein größter eifer. 6. Gieb, daß ich des gewissens spruch Als deine stimme ehre, Und immer aufmerk sam genug Auf seine warmung höre. Erinnert's mich an meine schuld, So laß mich, vater, deine huld, Voll reu und glauben suchen. 7. Mit deiner gnade tröste mich Und stärke meine seele, Daß sie vor fünden hüte fich XXXI. Von der Glückscligkeit wahrer Christent 2c. 403 sich, Und nie aus vorsatz wehmuthsvollen klagen, So fehle; Denn wer nur reines weiß ich: Gott verläßt mich herzens ist, Hat immer dich, nicht. Der Herr ist meine durch Jesum Christ, All- zuversicht; Und soll es ewig wissender, zum troste. bleiben. Mel. Es ist gewißlich an der 2C. 5. Und wenn mich seine 476. Wie sanft fließt huld erfrent, Wenn mich kein mir mein le ben hin, Und jeder meiner tage, Wenn ich ganz Gott ergeben bin, Der sündenlust entsage, Von allem schnöden triebe frei, Der lehre meines Heilands treu, Rechtschaffen denk und handle! kummer kränket, Gott glück zu meinem fleiß verleiht, Mir ruh' und wohlstand schenket: So fühl' ich doppelt ihren werth; Mein herz, das seine huld erfährt, Dankt ihm, dem besten vater. 6. Wenn sich mein schwaches herz verirrt, Und ich aus schwachheit fehle: Wenn meine tugend wankend wird, Und ich ein scheingut wähle: So führt er mich zu meinem glück, Von meinem irrthum bald zurück, Und lehrt mich weiser handeln. 2. Erhabne ruhe füllt mein herz; O mich beherrscht kein laster, Mich quält nicht des gewissens schmerz; Stets fühl ich mich gefaßter Zum kampf mit jeder leidenschaft, Und Gott verleihet mir die fraft, Sie christlich zu befiegen. 3. Mich führet seine va tertreu' Auf dieses lebens wegen; Sie wird mit jedem morgen neu In wohlthun und in segen. Er, dessen allmacht mich beschützt, Gewährt mir alles, was mir nützt, Lenkt übel selbst zum guten. 7. Ich weiß, Gott führt durch jede pflicht Mich hier zum frohen leben; Drum trau' ich ihm voll zuversicht, Er werde zum bestreben, Sie auch zu thun, mir kraft verleihn, Und gnade, wachsam stets zu sein, Um keine zu verletzen. 4. In trüben stunden wird mein Herz Aus kleinmuth nie verzagen; Und zwingt mich 8. Wie freut mich jede gute that, Die ich mit Gott vollbringe! Wie freut's mich, auch der leiden schmerz Zu wenn ich auf dem pfad Der Cc 2 tugend 404 Zweite Abtheilung. tugend weiter dringe! Den zeit Den vorschmack jener ernst in meiner besserung, Den eifer in der heiligung Belohnt einst hohe wonne. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c, 477.2 er durch dein wort ist neu geboren, vater! und von dir empfängt Ein herz, das dich zum heil erkoren, Der sünd' entsagt, und göttlich denkt, Und heilig lebt: wie selig ist Ein solcher mensch, ein wahrer christ! 2. Befreit von seinen finsternissen Und von der fünde sclaverei, Begnadigt, ruhig im gewissen, Von strafen des gesetzes frei, Sieht Sieht er in dir, mit dir vereint, Den vater und den besten freund. Herrlichkeit. 5. In seinem kindlichen gebete Ist er der frohen zuversicht, Daß ihn dein sohn vor dir vertrete, Und du be schämst dein kind auch nicht: Ja, deine vaterhuld gewährt Ihm immer mehr, als er begehrt. 6. Bereit zu helfen und zu trösten, Lenkst du mit väterlicher huld, Zum besten alles dem erlösten, Und haft, wenn er auch fehlt, geduld; Hilfft ihm in seiner schwachheit auf, Und förderst seinen tugendlauf. 7. Er wandelt gern auf deinen wegen liebt alle menschen brüderlich; Sein thun, o Herr, wird endlich segen, Auch freut er deines beifalls sich; Wenn alle sünder ihn verschmähn, Bleibt doch sein trost und glück bestehn. 8. Er, sicher, daß er se lig werde, Zufrieden stets Ift für mit seinem loos, die schnöde lust der erde glücklich schon, zu reich, zu groß. Ein zeitlich glück ist ihm zu klein, Denn er wird ewig glücklich sein. 9. Er sieht den tod von ferne kommen Und zittert nicht, 3. Er darf, o Gott, von dir verlangen, Was ihm dein eigner sohn erwarb; Er wird es auch von dir empfangen, Weil er auch ihm zum heile starb: Verständniß, so wie muth und kraft, 3um kampf in seiner pilgrimschaft. 4. Zum sichern siege deine stärke, Und deinen geist der heiligung zu einem jeden guten werke, Im leiden trost und finderung; Und selbst in dieser übungs XXXI. Von der Glückseligkeit wahrer Christen zc. 405 nicht, er ist sein freund; Von der fünden schmerzen; Er dir zum erben angenommen eilet, wenn er fällt, Den Frohlockt er, wenn der tod fall gleich zu bereun; Sucht erscheint; Er endet fröhlich gnad' und strebt noch mehr seinen lauf, Und schwinget Der tugend treu zu sein. sich zu dir hinauf. 10. Wie selig, wer so neu geboren Ein frommes herz von dir empfängt, Und dir zum eigenthum erforen, Der sünd' entsagt und göttlich denkt Und heilig lebt: wie selig ist Dein kind, dein eigenthum, der christ! 4. Getreu in seinem stand Genießt er Gottes gaben Vergnügt, wenn andre gleich Mehr glück und ansehn haben; Mit dent, was Gott ihm giebt, Zufrieden, frei von neid, Von habsucht und von geiz, Von stolz und eitelkeit. Mel. O Gott, du frommer 2c. 478.Wer Gottes wege geht, Nur der hat wahren frieden; Wie herrlich ist sein glück Ihm selbst von Gott beschieden! Voll glaubens widersteht Er jeder bösen lust, 3st seiner tugend sich Froh vor dem Herrn bewußt. 2. Er merkt auf seinen gang, Geht ihn mit festem muthe; Wird in der schwachheit stark, Liebt immer mehr das gute. Ihn machet Gottes geist Durch sein wort tugendhaft, Und er nimmt immer zu An kenntniß und an kraft. 3. Gott hat er allezeit Vor augen und im herzen, Wacht über sich und scheut Sich vor 5. Schenkt Gottes hand ihm viel, So wird er vielen nüßen; Des freundes glück erhöhnt, Verlaßne tugend schützen; Auch selbst beleidiger Wird er in noth erfreun; Gut, wie sein Gott gesinnt, Und milde wird er sein. 6. Er kränkt den nächsten nie, Schützt seinen ruhm, sein leben; Er trägt ihn mit geduld, Ist willig zu vergeben; Und übereilt ihn auch Der zorn, so faßt er sich Und denket bald: wie oft Verschonet Gott auch mich. 7. Er suchet jedes herz Im guten zu bestärken; Und jeden reizet er zu allen guten werken; Mit allen suchet er Ein herz und sinn zit Zweite Abtheilung. 406 zu sein, Mit ihnen eines Herrn Und heils sich einst zu freun. 8. Das heil der ewigkeit, Das hier der fromme schmekket, Erhält ihn so getrost, Daß ihn kein unfall schrecket; Es schafft ihm frohen muth, Und stillet seinen schmerz: Im tode selbst frohlockt Sein Gott ergebnes herz. 3. Sollt' ich nun noch den Gott mit willen Beleidigen, der mir vergiebt? Der mir, gebote zu erfüllen, Gegeben hat, weil er mich liebt? Der die erfüllung meiner pflichten Aus lauter güte mir vergilt? Und der, anstatt mich streng zu richten, Mein herz mit troft und freud' erfüllt? 4. Sein dienst ist glück für meine seele; Gehorsam Mel. Wie groß ist des allm. zc. 479. Wie mächtig meine seligkeit! Wie kindlich wein' ich, wenn ich fehle, Vor ihm, dem vater, der verzeiht! Ich fühl' die schwere meiner' sünden, Die weder mensch noch engel büßt: Wie freudig kann ich's dann empfinden, Daß Christus mein erlöser ist! spricht in meiner seele, Herr, deine stimme voller huld! Du schonest meiner, wenn ich fehle; Zürnst nicht, hast väterlich geduld; Schickst deinen geist, mich zu regieren: Sprichst meinem herzen freundlich zu, Wirst niemals müde, mich zu führen, Und sorgst für meine wahre ruh. 5. Den großen, tröstenden gedanken Geb' ich für alle welten nicht. Wahr bleibt er, wenn auch thronen wanken, Fest steht er, wenn die welt auch bricht. Es mögen fündigen und zit tern, Die finder des verderbens sind; Gott wird der erde grund erschüttern; Ich bebe nicht; ich bin sein 2. Erbarmer deiner freaturen! Liebreicher Herr der ganzen welt! Die deiner güte reiche spuren In jedem sonnenstaub enthält: Zu groß sind sie, daß ich ermessen Die wunder deiner liebe kann. Nie will ich undankbar vergessen, Was du zu kind. meinem heil gethan. Dritte Dritte Abtheilung. Lieder für besondere Zeiten, Stände und Vorfälle. I. Bei dem öffentlichen Gottesdienſte. 407 1) Bei dem Anfange desselben. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns z. nem throne stehn, Und dann 480. Erhör uns Gott, vollkommner dich erhöhn. wir flehn um Mel. Liebster Jesu, wir 2c. licht, Verfage deinen geift 481. Hilfe be Herr, daß dein theures uns nicht, uns dein heilig wort verstehn, Und freudig deine wege gehn. 2. Erleuchte unsre see len nun, Stärk' uns und lehr' nns redlich thun, Nach deinem wohlgefallen, Gott! Denn wir sind dein jetzt und im tod. wort Unsre seele so durchdringe, Daß es jetzt und immerfort In uns reiche früchte bringe. Gieb, daß es uns kräftig stärke Zur vollbringung guter werke. 2. Es sei unser trost und licht, Herr, auf allen unsern wegen; Unfre starke zuversicht, Wenn sich noth und trübsal regen. Es gewähr uns glück und freuden, Bis in alle ewigkeiten. 482. H 3. Mach' uns im glauben stark und frei Bon trägheit und von heuchelei; Zu die nen dir die lebenszeit In christlicher rechtschaffenheit. 4. O höchster! unser lobgesang Gefalle dir und unser dank, Bis wir vor deiIn voriger Melodie. err! vor deinem ongesicht Sind wir Dritte Abtheilung. 408 wir hier, dich anzubeten. Hilf, daß wir ohn' andacht nicht, Ohne ernst nicht vor dich treten; Gieb uns herzen, die dich ehren, Redlich flehn, aufmerksam hören. 3. Deiner wahrheit reines licht, Leuchte jetzt auch unsern seelen: Daß wir ihrem unterricht Folgen und das gute wählen. Lenke du gebet und lehre Uns zum heil und dir zur ehre. 2. Laß das wort, das hier erschallt, Viele gute früchte bringen, Und mit göttlicher Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns 2c. gewalt Tief in unſre herzen 484. Kommt, chriſten, dringen; Laß es unsern sinn erneuen Und des irrthums nacht zerstreuen! betet, betet an, Und rühmt, was Gott an euch gethan! Ihn preisen, ist der frommen pflicht: Drum christen, auf! versäumt sie nicht. 3. Mach' uns so deinwort bekannt, Daß wir dessen vorschrift üben: Dich und den, den du gesandt, Jesum Christum, herzlich lieben; Daß kein leid und keine freude Uns von dieser liebe scheide. Eigene Melodie. 2. Rühmt seine große schöpfermacht, Die alles einst hervorgebracht, Den himmel und die ganze welt, Und alles, was sie in sich hält. 3. Rühmt heute laut, Jesus Christ Vom tode auferstanden ist, Und einst durch seiner wahrheit macht Uns menschen glück und heil gebracht. daß 4. Gieb, vater, daß dein unterricht Sei immer unsers lebens licht, Daß sich in uns durch Jesu lehr' Stets glaube, liebe, hoffnung mehr! 483. Niebster Jesu! wir sind hier, Um dein göttlich wort zu hören. Gieb uns andacht und begier Nach der wahrheit sel'gen lehren, Daß die herzen von der erden Ganz zu dir gezogen werden. 2. Unser wissen und verstand Ist mit finsterniß umgeben. Mache du uns das bekannt, Was uns dient zum frommen leben. Gutes denken, gutes üben, kommt Kommt 485. Herr, vor von deines geistes trieben. Mel. Allein Gott in der höh' 2c. deiner majeftät I. Bei dem öffentlichen Gottesdienste. 409 stät Erscheinen wir jetzt gen Allen eitelkeiten, Die wieder, Dich zu verehren von dir die seele leiten. Undurch gebet Und andachts- fers geistes kräfte, Sinne, volle lieder; Den weg zu leib und leben Wollen wir unsrer seligkeit, Den deine dir übergeben. Du allein güte uns bereit, Aus dei- Sollst es sein, Dessen wir nem wort zu lernen. uns freuen, Dem wir ganz uns weihen. 2. Bewahre, gütigster, dabei Vor kaltsinn unsre seelen, Damit wir ja durch heuchelei Nicht unsern zweck verfehlen! Nein, ehrfurchtsvoll sei unser dank, Voll feuer unser lobgesang, Erhörlich unser beten. 3. Möchten wir doch würdig Deinen namen preiſen! Stets dir dankbar uns erweisen! Möchten wir, gleich engeln Einst dein lob erhöhen, Und wie sie, dein antlit sehen! Hilf, daß wir Hier schon dir, Einzig dir vor voll gütigkeit Den vortrag allen Streben zu gefallen. deiner lehren! Und mache unser herz bereit, Ihn folgsam anzuhören! Erwecke uns zu unsrer pflicht, Damit wir ungebessert nicht Aus deinem tempel gehen! 3. Ach, segne, Herr, 4. Gieb, daß unsre kenntniß Sich von dir vermehre; Uns zum heil und dir zur ehre. Unsre ganze seele Müfse schon auf erden, Großer Gott, dein tempel werden. Wo wir stehn, Wo wir gehn, Hilf uns, dir nur leben, Und dich stets erheben. Cigene Melodie. 486. Got ott ist gegenwärtig. Laßt uns vor ihn treten, Ihn in ehrfürcht anzubeten! Gott ist herz erfülle Demuth, andacht, fromme stille! Wer ihn kennt, Wer ihn nennt, Falle vor ihm nieder; Singe fromme lieder! 2. Höchster, wir entsaMel. Herr Jesu Christ, dich zu 2c. 487. Herr Jefu, send' uns deinen geist, Den uns dein göttlich wort verheißt; Der uns mit seiner gnad' regiert, Und uns den weg zur wahrheit führt. 2. Von andacht sei das Herz Dritte Abtheilung. 410 herz belebt, Wenn unser mund dein lob erhebt; Dein wort erleuchte den verstand, Und mache uns mit dir bekannt. 3. Einst fingen wir mit deinem heer Das heilig, heilig, heilig, Herr! Und schauen dich von angesicht, In ew'ger freud' und sel'gem licht. 4. Dir, Gott, den erd' und himmel preist, Dir vater, sohn und heil'gem geist, Dir, der mit hülfe uns erfreut, Sei lob und preis in ewigkeit. 3. Hilf, daß alle fünder sich Durch dein wort zu dir bekehren, Und wir alle, Gott, durch dich, Gern vollbringen, was wir hören; Alle fromm durch dich auf erden Und im himmel selig werden. nen hier vor dir, Dich, o vater, zu verehren, Und mit heiliger begier Auf dein heilsam wort zu hören; Von der welt uns zu entfernen und des lebens weg zu lernen. In voriger Melodie. 489. Sende, vater, deinen geist, Da ich vor dein antlitz trete, Daß, wie du mich selber heißt, Ich im geist und wahrheit bete. Lehre mich dich recht erkennen, Und dich meinen vater nennen. Mel. Liebster Jesu, wir sind zc. 2. Mach auch den, den 488. Wir erschei- du gesandt, Deinen sohn und seine lehren Immer näher mir bekannt, Um ihn würdig zu verehren. Hilf mir durch ihn seinen willen Tren und eifrig zu erfüllen. 3. Hilf, durch deines 2. Hilf durch deinen geist geistes kraft Mir nach waho Gott, Daß wir deinem rer beßrung ringen, Um worte glauben; Und laß vor dir gewissenhaft Meiweder noth noch tod Sei- ne pflichten zu vollbringen, nen reichen troft uns ran- Bis du mich in jenem le ben; Gieb dadurch licht, ben Wirst zu größerm glück muth und stärke Uns zu erheben. jedem guten werke. 2) I. Bei dem öffentlichen Gottesdienſte. 2) Beim Schluß desselben. Mel. Freu dich sehr, o meine xc. und liebe, Und mit fünden. nicht betrübe. 4. Um dies alles recht zu wissen, Sei dein wort uns rath und licht. Laß uns trost daraus genießen, Wemi es uns an trost gebricht. Es versüß' uns jede noth; Es erquick' uns auch im tod, Durch die hoffnung: nach dem leiden Dort zu schmecken himmelsfreuden. 490. Gott, durch den wir sind und leben! Höre, wie der christ dich preist, Daß du uns dein wort gegeben, Das uns heilsam unterweist, Das uns unsre pflichten lehrt, Warnt, ermahnet, straft, bekehrt, Und, wenn uns ein leiden drücket, Uns mit reichem troft erquicket. 411 2. Gieb, daß wir dein wort recht lieben, Ernstlich, Mel. Herr, mein licht, erleuchte 2c. ohne heuchelschein, Daß wir 491. Trener, Gott, wir uns im guten üben, Und nicht bloße hörer sein. Denn wer deinen willen weiß, Und ihn doch nicht thut mit fleiß, Der ist ärger, als die heiden, Und wird doppelt streiche leiden. 3. Drum drück was wir vernommen, Tief in unsre seelen ein; Laß uns zur erkenntniß kommen, Und des wortes thäter sein; Dein geist treibe stets uns an, Daß dich von uns jedermann Recht erkenne, ehr' du uns dein wort gegeben, Hilf uns ferner, daß auch wir Nach demselben heilig Leben: Gieb dem glauben solche stärke, Daß er thätig sei durch werke. 2. Uns, o vater, Lehrest du, Was wir thun und glauben sollen. Schenk uns deine kraft dazu; Gjeb zum wissen auch das wollen, Und zum wollen das vollbringen, So wird alles wohl gelingen. II. 412 Dritte Abtheilung. II. Von der Feier des Sonntags. Mel. Fiirwahr, du bist, o Gott zc. 492.D en höchsten öffentlich verehren, Und in sein haus mit freuden gehn, Um andachtsvoll sein wort zu hören, Und ihn Lobpreisend zu erhöhn, Ist eine pflicht, wozu der christ, So lang er kann, verbunden ist. 2. Denn billig ist's, das höchste wesen, Durch das der mensch ist, lebt und denkt, Den Herrn und rich ter aller wesen, Den, der uns jede wohlthat schenkt, Mit lob und preise zu erhöhu, Um neue huld ihn anzuflehn. 3. Wenn du nur in der still' ihn ehrest, Und Jesum deinen heiland nennst; Doch ihn nicht öffentlich verehrest, Ihn nicht auch vor der welt bekennst, Bist du dann sein? bist du ein christ, Der seinem heiland dankbar iſt? 4. Wer sich dem dienst des Herrn eutziehet An dem dazu bestimmten tag, Aus leichtsinn die versammlung fliehet, Und nicht mit andern beten mag: Der, der verLetzet seine pflicht, Verachtet Gott, ehrt Jesum nicht. 5. Auch deinen nächsten zu erbauen, Mußt du zum hause Gottes gehn; Wie viele sind, die auf dich schauen, Die sehr auf andrer beispiel sehn; Wenn einer durch dich träge wird, Bist du es nicht, der ihn verführt? 6. Und selbsten uns in unsern pflichten Und von der bahn zur seligkeit Noch immer mehr zu unterrichten In dieser vorbereitungszeit: Wie nöthig ist dies nicht, o christ, Der du geneigt zu fehlern bist. 7. Der Gottesdienst ist ein geschäfte, Dazu aus lieb' uns Gott verband; Er stärfet unsers geistes kräfte, Giebt mehr erkenntniß und verstand, Er ist ein mittel, das uns kraft Zum glauben und zur tugend schafft. 8. Hast du nicht auch oft trost empfunden, Wenn du das wort des Herrn gehört? Sind dir nicht lieb die frohen stunden, Da man Gott öffentlich verehrt, Und um das ewige bemüht, Sich dem II. Von der Feier des Sonntags. dem geräusch der welt entzieht? 9. Was gleicht dem himmlischen entzücken, Das hier ein frommes herz belebt? Wenn es in stillen augenblicken, Mit andern sich zu Gott erhebt, Und, voll des glücks, das es genießt, Von dank und freuden überfließt. 10. Kommt dann, o chriften, theure brüder; Vereint im geist vor Gott zu stehn! Kommt, wir sind eines leibes glieder! Kommt, unsern vater zu erhöhn! Frohlockend preiset Jesumt Christ, Der unser Herr und Heiland ist. 413 weiß, du liebst, die gläubig vor dir beten. Der thoren glück, die sich der sünden freuen, Kann nicht gedeihen. Mel. Ist auch ein Gott? wer zc. 493. Dir, ewiger, sei dieser tag geweihet, Ihn feiert gern, wer deiner, Gott, sich freuet; O laß auch mich mit freuden vor dich treten, Dich anzubeten. 4. D laß auch heute deinen geist mich lehren, Vom wege, der dir mißfällt, mich zu kehren, Regiere mich, daß meine ganze seele 3um trost dich wähle. 5. Dein tag sei mir ein denkmal deiner güte, Er bring' mir heil, und lenke mein gemüthe Auf jenen trost, den uns dein sohn erworben, Da er gestorben. 6. Dich bet' ich an, du todesüberwinder An diesem tag hast du, zum heil der fünder, Die fern von Gott in todesschatten saßen, Dein grab verlassen. 7. Es fei're dankbar diesen tag die erde, Daß jedes land voll deines ruhmes werde! Lob sei, erlöser, deinem großen namen Auf 2. Dich preist der Lobge- ewig, amen! fang der himmelsheere, Auch unser tempel schall von dei- Mel. Herr Jesu Christ, mein's 2c. ner chre; Auch unser dant, 494. Gott! du biſt und unser kindlich flehen Soll dich erhöhen. mein preis 3. Ich will mit andacht, vater, vor dich treten, Ich und ruhm, Mein Herz sei ganz dein eigenthum. Laß mir den sonntag heilig sein, Und 414 Und gern ihn meinem glücke weihn. Dritte Abtheilung. 2. Gieb, daß ich mein gemüth bewahr', Wenn ich mit deiner christenschaar Zu deines Hauses stätte geh'; Und so mit andacht vor Sir steh'. 3. Erinnre selber meinen geist, Daß du mir gegen wärtig seist, Damit ich deines geistes lehr' Begierig und mit mußzen hör'. 4. Drück alles tief in's herz hinein, Und laß mich nicht blos hörer sein; Steh' mir mit deiner gnade bei, Daß ich der lehre thäter sei. 5. Hilf, daß ich deinen ruhetag Zu meinem segen feiern mag. Bewahr' mich vor dem geist der welt, Der diesen tag verächtlich hält. 6. Was dein wort heute in uns schafft, Behalt' die ganze woche kraft; Daß jeder tag und allezeit Sei deinem Lob und dienst geweiht. Mel. Filrwahr, du bist, o Gott 2c. 495. Wie heilsam ist doch, Herr, die stätte, Wo deines na mens ehre wohnt! O gieb, daß ich sie gern betrete, Weil da dein segen die belohnt, Die deiner Lehre fich erfreun, Sich feierlich dir oftmals weihn. 2. Wohl dem, der dich in deinem tempel, Gott, zu verehren, ernst beweist! Du hörst sein lob: und sein exempel Stärkt auch des nebenmenschen geist, Daß er auf deiner wahrheit bahn Rechtschaffen vor dir wandeln kann. 3. Dein wort bleibt niemals ohne segen, Wenn man's nur recht zu herzen nimmt, Es giebt uns trost auf trübsals wegen, Die du zu unserm heil bestimmt. Es giebt im kampf uns muth und kraft, So wie es sieg und freude schafft. 4. O, laß auch mir dein licht heut scheinen! Dein tag, Herr, bring' auch mir gewinn, Wenn andachtsvoll ich mit den deinen Vor dir an heil'ger stätte bin. Laß dir das lob, das wir dir weihn, Ein angenehmes opfer sein. 5. Du bist der vater aller frommen, Osegne heute deine lehr! Erhör', wenn wir zusammen kommen, Der frommen wunsch, zu deiner ehr'; Wir suchen nur, Herr, deine gnad', Ach, leit uns auf der tugend pfad! III. III. Bei der Katechismus- Lehre. 415 In voriger Melodie. gönnet: Der uns den weg 496. Du läsfest, Herr, zur wahrheit zeigt, Und unser herz zum guten neigt; Gebt unserm Gott die ehre! uns unterweisen Durch deiner Lehre helles licht, Ogieb, daß wir dich dafür preisen, Und segne jetzt den unterricht An uns, aus unsers lehrers mund; Mach' dich recht unsern seelen kund. 2. Dein sind wir, vater, sohn und geist, Dich wollen wir bekennen. Von dem, was uns dein wort verheißt, Soll ewig uns nichts trennen. Nicht ruhm der menschen, nicht ihr spott, Nicht trübsal, nicht der martertod, Nichts soll uns von dir trennen. 2. Hier wird dein saame ausgestreuet, Der fünftig früchte tragen soll. Wer sich dir in der jugend weihet, Legt grund zu seinem wahren wohl. Aus jugendlicher frömmigkeit Quillt segen uns'rer künft'gen zeit. 3. So gieb denn jetzt zu deinen lehren Auch bei uns allen das gedeihn. Laß uns mit lernbegierde hören, Und auch der lehre thäter sein. O pflanz' dadurch, zu deinem ruhm, In uns das wahre christenthum. 3. Den weg der wahrheit wählen wir, Und wissen deinen willen; Gieb uns die kraft, sie kommt von dir, Ihn immer zu erfüllen. Erhalt in deiner furcht das Herz, Daß es im glücke, wie beim schmerz, Sich findlich dir ergebe. 4. Herr, wir sind dein! verlaß uns nicht! Nichts müsse dich uns rauben. Du bleibest uns're zuversicht: Mel. Es ist das heil uns kommen 2c. Denn du hältst ewig glau497. Lobt Gott in sei- ben. Getreu bist du auch nem heiligthum, uns mach' treu, Daß unser Die ihr den höchsten ken- bund beständig sei. net, Der uns sein evange- sei dir, dank und lium Von jugend auf verPreis ehre! IV. 416 IV. Dritte Abtheilung. Bei der Confirmation junger Christen. 1) Vor der Confirmation. Mel Fürwahr, du bist, o Gott zc. Dort liegt für mich an dei498. Wie heilig ist mir nem thron Getreuer finder gnadenlohn. diese stunde, Da ich dir treu zu sein 5. D du, der du dein versprach! Ach stärke mich in meinem bunde; Erinnre mich an diesen tag! Mein herz vergesse seiner pflicht, Der neu beschwornen treue nicht. theures leben Für mich auch in den kreuzestod Auf golgatha dahin gegeben; Wie dank ich's dir, mein Herr und Gott! Mein herz sei voll von deinem ruhm, Sei ewig ganz dein eigenthum! 6. Dir, dir will ich mich ganz ergeben, Entfliehn dent eitlen dienst der welt, Und hier in diesem pilgerleben Mit freuden thun, was dir gefällt. Dein dienst ist schon in dieser zeit Belohnung, friede, seligkeit. 7. Du bist der hirte deiner heerde, Und suchest, was verloren war; Ach! wenn ich jemals irren werde, So rette mich aus der gefahr; Und bringe mich zu meinem glück Auf deinen gu ten pfad zurück. 2. Dich, vater, will ich kindlich ehren, Der mich zur ewigkeit erschuf; Auf deine stimme will ich hören, Nie auf der fünden zauberruf; Denn ihre reize sind betrug, Und einst ihr ende tod und fluch. 3. Dich will ich über alles lieben, Und, deiner liebe werth zu sein, Dein herz durch fünden nie betrüben, Nein, ernstlich alles böse scheun. Doch, ach! du weist, wie schwach wir sind, Drum stärke du dein schwaches kind! 4. Erhalte mich auf dei- 8. Nichts soll, mein heil, nen wegen, Und leite mich mich von dir scheiden, Nichts, an deiner hand Dem gro- es sei leben oder tod! Auf ßen schönen ziel entgegen, kurze prüfung folgen freuHinauf ins beßre vaterland. den Am frohen ende aller noth, IV. Bei der Confirmation junger Christen. 417 noth, Wenn du zum trost nie entweihn! Ihr angedender deinen einst In deiner ken wird mir thener, Und herrlichkeit erscheinst. ewig unvergeßlich sein. Bis einst mein aug' im tode bricht Vergeß' ich dieses tages nicht. 9. Herr, stärke mich in meiner jugend In der versuchungsvollen welt Zum steten wachsthum in der Mel. Jesus, meine zuversicht 2c. tugend, Die deinem Herzen 499.Heilig fei uns wohlgefällt; Damit nicht diese schönste zeit Mich einst zu spät im tode reut. dieser tag, Diese feier unsers bundes! Unsre herzen sprechen nach Die gelübde unsers mundes. Gott, du bist es, der es hört, Was dir unsre seele schwört! 2. Wir versprechen alle dir Neue treue, nene liebe, Und wir alle weihen dir Des gerührten herzens triebe. Alle wollen wir nur dein, Nie der welt und fünde sein. 10. Und du, erbetner geist der liebe, Der alles gute in uns schafft, Beförd're jeder tugend triebe! Erfülle mich mit deiner kraft! Erleuchte mich in finsterniß, Und mache meinen gang gewiß! 11. Erinn're du mich, wenn ich fehle; Hilf meiner schwachheit liebreich auf! Erwecke, stärke meine seele Im angewies'nen tugendlauf! In trüben stunden sende du, O tröfter, deinen trost mir zu! 12. Laß mich das alles treulich halten Was heute dir mein mund, verspricht; Und laß mich nimmermehr erkalten In meiner dir beschwornen pflicht. Ach stärke du mich, Herr, mein Gott, Dir treu zu sein bis in den tod! 13. So werd' ich diese bundesfeier In meinem Leben 3. Aber ach! wie schwach sind wir, Leicht vom bösen überwunden! Herr! wir alle stehn zu dir: Stärk' uns dann in solchen stunden; Stärke uns durch deinen geist, Welchen uns dein wort verheißt! 4. Will die welt mit ihrer lust, Will die fünde uns betrügen, Will in unsrer eignen brust Unsre böse neigung siegen; Dann ach! dann verlaß uns nicht, Du, der schwachen zuversicht! Dd 5. 418 Dritte Abtheilung. 5. Laß uns deiner heiMel. Herr, wie freuten fich zc. landshand, Treuer mittler, 500. Mittler! ſchau nie entfallen! Gieb uns deines geistes pfand; Lehre uns behutsam wallen, Daß wir in der prüfungszeit Reifen für die ewigkeit! auf sie hernieder, Die sich deiner gnade freun! Höre ihres bundes lieder, Höre, wie sie dir sich weihn, Dir, der mit der größten treue Auch für sie dahin sich gab! Sie find 6. Sich herab, dies auge weint Dir geweihte christenthränen, Unaussprechlich dein! erbarmer, weihe naher freund! Dein zu sein ist unser sehnen; Dir zu leben unser ruhm, Unser fleiß im christenthum! Sie dir ganz bis in das grab! 2. Sie bekennen deine lehre, Sind in deinen tod getauft. Laß sie leben dir zur ehre, Denn sie sind durch dich erkauft. Leite sie mit deinen händen, Daß sie auf der rechten bahn Ihren lauf durch dich vollenden, Wallen immer himmelan. 3. Laß die blüthe ihrer jugend Dir, mur dir geheiligt, sein, Daß sie nicht vom pfad der tugend In der irre sich zerstreun. Schütze sie vor allen schlingen Der verführerischen welt; Laß es nimmer ihr gelingen, Daß sie ihre tugend fäll't. 9. Ach, wie werden wir 4. Laß sie warm in deiner uns freun, Alle dann vor liebe Fest in deiner lehre deinem throne! Groß wird sein, Und durch deines gei unser erbe sein, Unverwelk- stes triebe Wunsch und that lich unsre krone! Laß uns des bösen scheun. Stärke alle, ach! wir flehn, Die- sie durch deine gnade, Wenn sem glück entgegen gehn! fie kindlich zu dir flehn, Daß fie 7. Unvergeßlich soll sie sein Diese feier unser's bundes; Unsre herzen stimmen ein In die schwüre unsers mundes. Unsre treute wan ke nicht, Bis das Herz im tode bricht. - o 8. Ach dann werden wir uns einst Alle, alle wieder fehen. Und wenn du, Herr, erscheinst, Dir getrost entgegen gehen, Einzusammlen vor dem thron, Ausgehaltner treue lohn. IV. Bei der Confirmation junger Christen. 419 sie immer auf dem pfade Laß nichts ihre krone rautDeiner wahrheit weiter gehn. ben, Die du ihnen zugedacht. 7. Sieh' hernieder auf die 5. Halte sie mit starken deinen, Die sich nun zu dir armen, Wenn sie straucheln gewandt; Ihre thränen, die wollen, fest; Laß sie fühlen sie weinen, Zeugen, was dein erbarmen, Das sie ihr herz empfand. Laß die nimmermehr verläßt. Und seligen gefühle Nie erkalten, wenn einer sich verirrte nie vergehn; Laß sie bis zum Und verließe deine bahn-- großen ziele Fest in ihrem Ach dann nimm dich, tren- glauben stehn! er hirte, Des verirrten findes an! 8. Sammle sie einst alle wieder Dort in deines va6. Keinen, keinen, ach! ters reich! Alle deines leivon allen, Die mit dir den bes glieder, Alle, engeln bund erneun, Laß aus dei- Gottes gleich, Singen dir ner gnade fallen, Und von alsdann zu ehren Dort ihr dir geschieden sein. Herr, loblied hoch erfreut, In der versieg'le ihren glauben, Der engel hohen chören Laut sie ewig glücklich macht; durch alle ewigkeit! 2) Nach der Confirmation. Mel. Jesum lieb' ich ewiglich. c. versprochen! Was heut euer mund versprach, Werde nie von euch gebrochen. Die Gemeine. 501. Gottes gnade fei Bleibt auch in gefahr und Standhaft treu bis in noth den tod. mit euch, Stärke euch mit kraft und segen! Wallet standhaft, engeln gleich, Eurem hohen ziel entgegen! Dort am ziele winkt euch schon Ausgeharrter trene fohit. 2. Heilig sei euch dieser tag, Heilig, was ihr jetzt 3. Kämpfet, um den sieg im streit Mit der sünde zu erringen! Wißt, euch legt die sinnlichkeit und die welt oft fündenschlingen. Doch bleibt treu und wanket nicht, Bis das Herz im tode bricht. D52 Die 420 Dritte Abtheilung. Die Confirmirten. 4. Gott! zur trenen folgfamkeit Haben wir uns dir verpflichtet, Und der taufe bund erneut, Den wir einst mit dir errichtet. Hilf du uns nun, daß wir nicht Brechen die gelobte pflicht. 5. Stärke uns mit deiner kraft, Schütz' uns vor gefahr der fünden! Gieb, daß wir gewissenhaft Jhre loktung überwinden. Hilf, daß unser herz dir treu, Standhaft unsre tugend sei! Die Gemeine. 6. Ja, o vater, stärke sie, Diese dir geweihten seelen! Hilf du ihnen, daß sie nie Ihren großen zweck verfehlen. Gieb, daß ihre lebenszeit Ganz der tugend sei geweiht. lust In eurer Gott geweihten brust! Die Schüler. 2. Ihr weihtet euch aus freiem triebe Dem christenthum an diesem tag! Nun übt es auch mit lust und liebe, Und folget eurem Heiland nach. Verlaßt die bahn der tugend nicht: Bleibt Gott getreu und eurer pflicht! Mel. Fürwahr, du bist, o Gott 2c. Die Schüler. 502.hr habet Gott euch übergeben Zur trenen übung eurer pflicht: Weiht ihm nun ener ganzes leben; Bleibt treu, geliebte, wantet nicht! Nährt nie verbotne sündenluft In eurer Gott geweihten brust! Die Gemeine. Nährt nie verbotne sündenDie Gemeine. Ihr lieben dies versäumet nicht: Bleibt Gott getreu und eurer pflicht! Die Schüler. 3. Sucht eure tugend zu bewahren, Wenn die verführerische welt Durch fündenreiz und in gefahren Euch zur verführung neßze stellt. Erhaltet eure unschuld rein! Gott wird euch schutz und kraft verleihn. Die Gemeine. Erhaltet eure unschuld rein! Gott wird euch schutz und kraft verleihn. Die Confirmirten. 4. Gott zählet uns nun. zu den seinen, Die er mit vatergüte trägt; Und dies thränen, die wir weinen, Dies herz, das ihm entges genschlägt, Ihr alle selbst follt 421 IV. Bei der. Confirmation junger Christen. sollt zeugen sein, Daß wir Er schütz' euch vor den sünuns ihm auf ewig weihn. Die Gemeinde. denlüften Und vor dent trug der argen welt; Er führ' euch auf der tugend geweihte christen, Bei die- bahn Zu eurem großen ziel v sem sinn, der ihm gefällt! hinan. 5. Gott stärk' euch, ihm V. Für die Obrigkeit und Unterthanen. Mel. Es ist gewißlich an der 2c. dienen, und schon in der zeit 503. Dank dir, Herr, Die frucht davon empfinfür die obrig- den. feit! Du gabst sie uns, auf erden mit wohlstand und mit sicherheit Durch sie beglückt zu werden. Verleih' ihr weisheit, trieb und kraft, Was wahres wohl dem lande schafft, Mit sorgfalt wahrzunehmen. 4. Beschirme sie durch deinen schutz, Daß, die ihr übels gönnen, Mit ihrer lift, mit ihrem truk, Ihr niemals schaden können. Nie fehle jeder guten that, Die sie sich vorgenommen hat, Dein segnendes gedeihen. 2. Gieb, daß sie, gleich gefinnet dir, Uns väterlich 5. Gieb denen eifer, fleiß und tren, Die du ihr unterregiere; Daß jeder bürger geben, Daß jedermann beunter ihr Ein ruhig leben führe. Laß sie der unschuld zuflucht sein, Den redlichen im land erfreun, Dem un recht kräftig steuern. flissen sei, Nach seiner pflicht zu leben. Erleichtre ihr des Lebens müh; Mit deinem segen kröne sie, Und sei ihr lohn auf ewig. 6. Laß sie mit uns beflissen sein, In deiner furcht zu leben; Und deine oberherrschaft scheun; Mit uns dein lob erheben: Daß so vor deiner majestät, Die über 3. Laß uns, von ihrem schutz bewacht, Des friedens glück genießen, Und ruhig unter ihrer macht Das leben uns verfließen. Hilf uns, daß wir in frömmigkeit Dir Dritte Abtheilung. 422 über alle hoheit geht, Wir alle tief uns beugen. Mel. Nun danket all' und 20. 504. Gs freu' der first des landes sich, Gott, deiner allezeit; Sein auge sehe stets auf dich; Sein herz sei dir geweiht. 2. Begnadiget mit deiner kraft Und deines geistes voll, Gedenk' er stets der rechenschaft, Die er dir geben soll. 3. Sehr groß und schwer ist seine pflicht, Und er ein mensch, wie wir: Wie sehr braucht er vor andern licht Und rath und kraft von dir. 4. Verleih' ihm das, wenn er begehrt Dir ähnlich, Gott, zu sein; Und laß ihn, in dein bild verklärt, Sein volk wie dut, erfreun. 5. Er zeig' in seinen thaten sich Als deinen treusten sohn; Den lastern sei er fürchterlich, Der tugend schutz und lohn. 6. Beglückter völker liebe sei Sein edelster gewinn; Und fein gerechter seufzer schrei' Um rache wider ihn. 7. Um seinen stuhl sei immerdar Recht und gerechtigkeit; Und dann beschüß' ihn in gefahr, Wenn ihm und uns sie dräut. 8. Er wünsche nie der helden ruhm; doch zeucht er in den krieg, zu schützen recht und eigenthum, So folg' ihm muth und sieg. 9. Auch ihm hast du bestimmt das ziel, Das er erreichen soll; Laß werden ſeiner tage viel, Und jeden segensvoll. 10. Sein werd' in jedem flehn zu dir Mit lieb und dank gedacht. Erhör' uns, Gott! so jauchzen wir Und preisen deine macht. Mel. Aus tiefer noth schrei 2c. 505. Gott, der thron der herrscher ist Ein schemel deinen füßen! Sie sind nur fleisch; du aber bist Gott, dem fie dienen müssen! Das reich ist dein und dein die welt, Du, der sie schuf und sie erhält, Du bist allein ihr herrscher! 2. Zu fürsten sprachst du: fürchtet mich Den Herrn, der erde götter! Regiert mit weiser huld wie ich, Und seid der unschuld retter! Schafft recht den armen, lasset nicht Die wittwe seufzen im ge richt, Laßt nicht den frevel siegen. 3. Ihr seid wohl götter, aber 423 V. Für die Obrigkeit und Unterthanen. aber bald Sollt ihr wie men- sie nie Die rechte bahn verschen sterben! Weh' dann euch, habt ihr die gewalt Gemißbraucht zu verderben! Ich selbst will euer richter sein! Ein jedes volk der erd' ist mein; Von euch will ich es fordern! lieren; Vor schmeichlern auch bewahre sie, Daß die sie nicht verführen. Lehr' sie ihr eigen herz durchschaun, Und nur mit furcht sich selber traun, Und dich um weisheit bitten. 4. Unendlicher, regiere sie, Daß sie getreu dir dienen! Verlaß mit deiner huld sie nie, Noch ihr geschlecht nach ihnen! Die furcht vor dir, barmherzigkeit Und weis6. So weit dein reich auf erden geht Fleh'n dar um deine christen; Erhöre gnädig dies gebet, Du vater deiner christen! So weit dein reich, die erde geht, heit und gerechtigkeit Sei Wird jeder deine majeſtät ihres hauptes frone. In seinen fürsten ehren! 5. D weltbeherrscher, laß VI. Bei Einführung eines neuen Predigers. Mel. Herr, mein licht, erleuchte 2c. 3. Ruf ihm zu: so hab' 506. Herr! hier stehet mun acht Auf dich ſelbſt, und die hirt, Der sein amt mun angetreten, Der uns künftig weiden wird. Höre sein und unser beten: Sein gebet, uns recht zu lehren; Unser flehn, ihn recht zu hören. Daß, wenn er für andre wacht, Er nicht selbst verwerflich werde: Daß er nicht die frucht der lehre Durch den wandel selbst zerstöre. 4. Legt er endlich in das 2. Gieb ihm kraft, nach grab Lebenssatt die matten seinem flehn, Den verwun- glieder, Und auch seinen deten zu heilen, Den ver- hirtenstab Nach der sauren irrten nachzugehn, Den be- arbeit nieder: Herr! so stürzten zuzueilen, Frevler gieb ihm, dort zum lohne, heilsam zu erschrecken, Und Die verheißne gnadenkrone. die trägen zu erwecken. VII. 424 Dritte Abtheilung. VII. Bei Einsegnung neu angehender Eheleute. Mel. WoGott zum haus nichtigiebt zc, oder: Herr Seſu Chriſt, mein's 2. ihrer liebreich an; Es stärke sie in kreuz und leid Die 507. Gichlossen, hoffnung deiner seligkeit. Herr, mit Herz und mund Die neuen gatten ihren bund. Und sie bestätigen die pflicht Jetzt hier vor deinem angesicht. 7. Und trennt der tod sie, dann, o dann Sieh' ihre thränen gnädig an, Und bringe sie, o seligkeit! Zu sammen in der ewigkeit. 2. Mit guade schau auf sie herab, Daß sie zusammen bis in's grab, Berträglich, freundlich, gleichgesinnt, Vor allem gottesfürchtig sind. 3. Laß sie einander inniglich Stets lieben, doch nie mehr als dich: Von untren fern, im Herzen rein, Und keusch in wort und thaten sein. 4. Auch mache sie zu dem beruf, Wozu sie deine weisheit schuf, Geschickt und munter, emsig, treu, Da mit ihr werk gesegnet sei. 5. Willst du mit kindern sie erfreun; So gieb zu ihrer zucht gedeihn; Daß sie mit segen sich bemühn, Dem himmel bürger zu erziehn. 6. Führst du sie auch auf rauhe bahn, So nimm dich Mel. Nun danfet all' und 2c. 508. Auf euch wird Aufeuch_wied Gottes segen ruhn; Er hat ihn euch gewährt! Geht hin und macht durch frommes thun Euch dieses segens werth. 2. Der Herr erfüllt, was er versprach; Sein heil sollt ihr empfahn: Kommt ihr nur dem gelübde nach, Das ihr dem Herrn gethan. 3. Ihm heiligt nun beruf und stand, 3hm heiligt euer herz, Und folgt der Leitung seiner hand Durch freuden und durch schmerz. 4. Bis ihr den lauf der pilgerzeit Nach Gottes wil len schließt, Und ihn in seiner herrlichkeit Einst schauet, wie er ist. VIII. 425 VIII. Für Eltern und Kinder. Mel. Von Gott will ich nicht zc. willen,( Du wollst die bitt' 509. Aus frendigem ge- erfüllen!) Regiere sie und müthe, Sing' ich zu Gott hinauf; Es mich. Mel. Herr Jesu Christ, mein's 2c. zeugt von seiner gile Mein 510.Die kinder, deganzer lebenslauf. Von dir, mein Gott! von dir Kommt jede gute gabe, Kommt alles, was ich habe, Auch kinder gabst du mir. ren uns freun, Sind alle, Gott und vater, dein, Sind deine beste gabe. Herr! Bewahre sie, barmherziger! 2. Laß mich stets überlegen, Daß du ihr Vater bist, Und daß auch ihretwegen Dein fohn gestorben ist. Verhüte, daß ich die Nicht ärg're, nicht verachte, Die Christus selig machte. Ach, dies geschehe nie! 2. Wenn treuer eltern liebe sucht Sie aufzuziehn in deiner zucht: So steh, damit sie glücklich sei, Mit deiner weisheit ihnen bei. 3. Gieb allen findern lernbegier, Zum guten lust und lieb' zu dir; Und laß sie meiden ohne zwang Troß, eigensinn und müssigang. 3. Dir, vater! dir zum preise, Wollt' ich sie gern erziehn: O! mache du mich 4. Gesegnet sei ihr unweise, Und segne mein bemühn. Dies sei mein au genmerk, Dir, Gott! sie zuzuführen, Und keines zu verlieren; Welch großes, wicht'ges werk! terricht; Laß sie durch deines wortes licht, Dich recht erkennen; laß sie nie Gefährlich irren; leite fie. 4. Zu schwach sind meine kräfte, Zu schwach ist mein verstand; Der finderzucht geschäfte Steht unter deiner hand: Gott! darum bitt' 5. Im glauben mache sie gewiß; Bewahre sie vor ärgerniß Und wider der verführung list, Weil Jesus ihr erlöser ist. 6. Hilf, daß sie dich an jedem ort Vor augen haich dich, Um Jesu Christi ben und dein wort, Und sich be 426 Dritte Abtheilung. befleißen jederzeit Der ti- bitte dich Um weisheit und gend, zucht und frömmigkeit! um tugend. Regiere du mich 7. Daß wir in ihnen christen sehn, Die freudig deine wege gehn, Und menschen einst voll lust und muth Zu thun, was edel ist und gut. väterlich In meiner frühen jugend. Laß deinen segen auf mir ruhn, Nur das zu lieben und zu thun Was dir, mein Gott gefällig. 8. O hilf uns, vater, sohn und geist, Bis man dich dort im himmel preist! Dann danken noch vollkommner wir mit allen unsern kin dern dir! Zu 2. Gieb, daß sich meine eltern freun Mich tugendhaft zu sehen. Laß ihre zucht an mir gedeihn meinem wohlergehen. Das gute, was sie mir gethan, Mel. Es ist gewißlich an der zc. Von meiner ersten kindheit 511. Herr, mein an, daß vergilt du ihGott! ich nen! IX. Für Herrschaften und Gesinde.in Mel. Mir nach, spricht Chrift. c. Nie hart, nie stolz, nie lieb512. Durch dich, Gott, los sein. bin ich, was 3. Auch der geringste die ich bin, Und es ist deine ner ist Bestimmt zum ew¹ gabe, Daß ich, als herr, gen leben; Für ihn und so viel gewinn Von mei- mich hat Jesus Christ Sich nen brüdern habe: Sie leis in den tod gegeben. Vor hen ihre kräfte mir; Dies, deinem richtstuhl hat mein höchster Herr! verdank ich knecht Mit mir dereinst ein dir. gleiches recht. 2. Mich zu beglücken, 4. Gott! präg' dies meienen sie, Verzehren ihre nem herzen ein; Als bruHin Und dulden gern des der ihn zu lieben Laß im6 müh In meinem haus- mer mich beflissen sein. Wie rauhee. Laß dieses vor- sollt ich den betrüben, Der fromm mich freun, über meine grausamkeit Um rache 427 IX. Für Herrschaften und Gesinde. rache still gen, himmel weglich treu erzeigen, Und schreit? nur gerade wege gehn. 5. Laß mich ihm seine saure pflicht Durch lindigkeit versüßzen. Er soll, wenn hülfe ihm gebricht, Sie stets von mir genießen. Ihn tragen will ich, ihm verzeihn, Und, wird er krank, sein pfleger sein. 4. Der herrschaft glück soll mich erfreuen. Laß jeden fehler mich berenen, Und frommer werde stets mein herz. Bewahre mich vor stolz und neide, Vor ungeduld, Herr, wenn ich leide; Sei du mein trost in jedem schmerz. Mel. Was sorgst du ängstlich 2c. 5. O! gieb mir weisheit, 513. Gott, deffenweis- mich zu schmiegen, Gehorsam, Herr, sei mein vergnügen, und freude sei mir jede pflicht. Ich bin ja, wo ich geh' und wandle, Bei allem, was ich thu' und handle, O Herr! vor deinem angesicht. 6. Du bist der treue, der gerechte, Der Herr der herren und der knechte, Der armen, wie der reichen heil. Der allerniedrigste auf erdeit Kann groß in deinem reiche werden, Hat dort an ew'gen ehren theil. 7. Ja, du wirst ewig froh erfüller, Als deinen mich belohnen, In deinem willen, dein gebot.himmel werd' ich wohnen, heitsvollen wil len Ein jeder mensch hier soll erfüllen, Laß meine pflicht mir heilig sein; Laß treu mich alle meine kräfte Sich gern und willig dem geschäfte, Zu dem du mich beriefest, weih'n. 2. Du heißest mich den menschen dienen; Und dir mur folg' ich, dien' ich ihnen Mit fleiß und treue, Herr, mein Gott! Drum hilf mir meiner herrschaft willen, Gewissenhaft und 3. Bewahre mich vor bit- Und mich mit deinen engeln tern klagen, Lehr mich mein freun. Ach, Herr! laß joch gelassen tragen, Und mich dies recht ermessen, stets auf deinen willen sehn. Nie dein und deines reichs Herr! lehr' mich reden, lehr' vergessen, So werd' ich ewig mich schweigen, Mich unbe- glücklich sein! X. 428 Dritte Abtheilung. X. Für Alte, Jünglinge, Jungfrauen, Wittwen und Waisen. Mel. Nun ruhen alle wälder zc. Bin ich gleich schwach und 514. Gott hat in mei- müde; Bei ihm ist troſt und friede; Er steht auch meiner schwachheit bei. nen tagen Mich väterlich getragen, Von meiner jugend auf; Hat mich auf meinen wegen Geleitet, und zum segen Gelenket meines lebens lauf. 6. Nach wenig bangen stunden Hab ich ganz überwunden, Ich bin dem ziele nah, Dem ziele meiner leiden. O welche Hohe freuden Erwarten meiner seele da! 2. Ich hatt' oft große sorgen; doch wie ein heit'rer morgen Durch dunkle nächte bricht, So hab' ich stets erfahren: Der Herr weiß zu bewahren, Und führt durch finsterniß zum licht. 7. Ich harre froh und stille, Bis meines Gottes wille Mich nach dem kampfe krönt. An meiner laufbahn ende Sink' ich in Jesu hände; Denn er hat mich mit Gott versöhnt. 3. War menschenrath vergebens, So kam der Herr des lebens, Und half und machte bahn. Ich ließ ihn thum und rathen! Denn er Und 51 thut große thaten, Und nimmt sich aller mächtig an. 4. Bis zu des alters tagen Will ich dich heben, tragen, Und dein erretter sein! Dies hat mir Gott versprochen; Hat nie sein wort gebrochen; Des will ich auch als greis mich freum. dein angesicht, Du schöpfer meiner jugend! Verwirf mein kindlich flehen nicht Um weisheit und um tugend. Mein ganzes leben dank ich dir; Erbarmer, wei che nicht von mir, Damit ich deine wege Unsträflich wandeln möge! 5. Er wird in meinem al- 2. Du pflanztest, Herr, ter Mich tragen; mein er- in meine brust Verlangen halter 3st gütig und getreu, nach vergnügen; Laß mich den Mel. Du lebensfürst, Herr Jesu 2c. oder: Ermuntre dich, mein zc. ch komme bor 515.3 du verbeutst, besiegen! Dein 516. Ich will it felt X. Für Alte, Jünglinge, Jungfrauen, Wittwen 2c. 429 In voriger Melodie. den hang zu jeder lust, Die in stiller einsamkeit Mein herz zu dir erheben! Nur deinem dienste sei's geweiht, Dir ewig, Gott, ergeben. Vernimm, o vater, mein gebet, Das stets um licht und stärke fleht, Ganz deinen guten willen, Mit trene zu erfüllen! 2. Preis dir und dank, mein schöpfer, Gott! Du gabst mir meine seele. Preis dir und dank, mein mittfer, Gott! Du starbst für meine seele, Preis sei dem geiste, dank und lob, Der mich zu seinem licht erhob, Der mich zur wahrheit führet, Erleuchtet und regieret. 3. Ich bin, o Herr, mein Gott, dein kind; Mein heil ist's, dich zu lieben. O mache mich dir gleich gesinnt In allen meinen trieben! Laß meine seele keusch und rein Stets deiner liebe wohnung sein Und suchen dir vor allen, O vater, zu gefallen! 4. Vor eitler selbstgefäl ligkeit Bewahre meine jugend; Stets sei ihr schmuck bescheidenheit, Und ihre schöngericht geffe meine seele nicht; Und weder glück noch leiden Laß, Herr, von dir mich scheiden. 3. Wenn, vater, sich auf meiner bahn, Mich in ihr netz zu ziehen, Verführer meiner seele nahn, So laß mich klüglich fliehen. Ihr beispiel, Herr, entferne nicht Mein herz von dir und meiner pflicht; Ihr spotten und ihr lachen Laß nie mich wantend machen. 4. Der tugend heilige mich ganz, Mein schöpfer und erhalter; Sie werde meiner jugend glanz, Und einst mein trost im alter. Erhalte mein gewissen rein, Laß keinen meiner tage sein, Der nicht zu deiner ehre Von mir geheiligt wäre. 5. Ach lehre mich den werth der zeit, Daß ich sie nie verschwende; Daß ich mit weiser thätigkeit Zum guten sie verwende. Laß meiner jugend fleiß und müh Umsonst nicht sein, und segne sie, Laß auch durch mich auf erden Dein werk gefördert werden. Dritte Abtheilung. 430 schönheit tugend. Kein schmuck gefalle mir, wie sie; Den gieb mir, gieb, daß ich mich nie Für unbescheidne blicke, Um sie zu reizen, schmücke! migkeit verbinden; Und ihrer liebe werth durch dich Der freundschaft glück empfinden. Laß diesen umgang sanft und rein, Mir lehrreich durch ihr beispiel sein, Daß mich, wenn ich mich freue, Nie mein vergnügen reue. 5. Die lust zur eitelkeit laß nicht mein junges herz entzünden; Sie streitet wider meine pflicht, Und locket mich zu sünden. Was hilft das prangen vor der welt, Wenn, Gott, mein herz nicht dir gefällt? Drum will ich mich bescheiden In zucht und demuth kleiden. 6. Auch sei mein auge wie mein herz Unsträflich; nie entzünde Ein freier unsittsamer scherz Geheime lust zur fünde. Die unschuld ſei Mel. Wenn wir in höchsten 2c. 517.5 Gott, erbars mein Laß sie nie Verzagen, schütz' und segne sie. liebster ruhm; Ein me väterlich guter ruf mein eigenthum, Der wittwen und der waiDen jeder gern mir gönne, sen dich! Sei ihr versorger; Und niemand lästern könne. 7. Gieb, daß in stiller häuslichkeit, Ich eitle zeitvertreibe Stets gern entbehr' und allezeit Im guten thätig bleibe! Der umgang, der verführung droht, Sei mir mehr schrecklich als der tod; Laß seine wilden freuden, Wie eine pest mich meiden. 2. Sei felbst ihr vater, trost und rath. Die witt we, welche kinder hat, Soll, dir sie zu erziehn, sich freun; Keusch, sittsam, still, untadlich sein. 3. Fromm, lehrreich, nur geschwäßig nicht, Sei jede; 8. Mit wahren frommen sei ein scheinend licht Für müß' ich mich Durch fröm- ihr geschlecht, sanft, voll geduld, 9. Ach, sende deine hülfe mir, Dies gern zu thun! erhöre Mein brünstiges gebet zu dir, Daß ich dich ewig ehre. Dir weih' ich, Gott, mein lebelang Der unschuld und der tugend dank; Und will, zu dir erhoben, Dich einst vollkommner loben. X. Für Alte, Jünglinge, Jungfrauen, Wittwen 2c. 431 duld, Und hoffnung, Herr, auf deine huld. 4. Es nehme, wer ihr dienen kann, Sich ihrer mild und liebreich an. Wohl dem, der sie beglückt und ehrt! Denn er ist dir und menschen werth. 5. Hilf ihnen! sei der waisen Gott; Früh lehre diese dein gebot, Fleiß, demuth, dienstbeflissenheit, Zur tugend lust und willigkeit. 6. Bewahre sie vor ärgerniß, Und mach' auch ihren gang gewiß, Auf deinen wegen leite fie; Verlaß sie in versuchung nie; 7. Daß wer sie sieht, sich ihrer freu', Und gern ihr rath und beistand sei; Daß sie, hier glücklich, sich auch dein, O Gott, in deinem himmel freun! In voriger Melodie. 518. So früh bringt, Gott, mich deine hand In einen fummervollen stand! Und ach! auf einer dunkeln bahn Tret ich den lauf des lebens an! 2. Ich fasse deinen rathschluß nicht: Doch sei es, vater, meine pflicht 3ut dunkeln auch auf dich zu sehn, Und willig deinen pfad zu gehn. 3. Wie treulich du mit mir es meinst, Dies, o mein Gott, erfahr ich einst; Vielleicht noch in der prüfungszeit, Gewiß in deiner ewigkeit. 4. Gieb stärke, daß ich dir getreu In meinem frühen leiden sei! Laß nur der tugend weg mich gehn, Und stets auf deine hülfe sehn. XI. Neujahrs- Lieder. Mel. Es ist das heil uns 2c. mals dahin. Wem dank ich's, 519. D, Gott, du Gott, daß ich noch bin? bist der Nur deiner gnad und güte. Herr der zeit, So wie der ewigkeiten. Laß mich auch jezt mit freudigkeit Dein hohes Lob verbreiten. Ein jahr ist aber2. Dich, ewiger, dich bet' ich an, Unwandelbares wesen! Dich, den kein wechsel treffen kann, Wir werden, sind ge= Dritte Abtheilung. 432 gewesen, Und blühen und vergehn durch dich; Nur du bist unveränderlich; Du warst und bist, und bleibest. 3. Herr, ewig währet deine treu, Mit huld uns zu begegnen, Und jeden mor gen wird sie neu, Mit wohlthun uns zu segnen. Ich kenne teinen augenblick, Da nicht von ihr stets nenes glück Mir zugeflossen wäre. 4. Du hast auch im verfloßnen jahr Mich väterlich geleitet, Und, wenn mein herz voll sorgen war, Mir hülf' und trost bereitet. Von ganzer seele preis ich dich; Auf's neue übergeb' ich mich, Eigene Melodie. Gott, deiner weisen führung. 520. Herr, den die fon mir meine und er7. Die welt vergeht; dies reize mich, Die lust der welt zu fliehen; Um beßre freuden lerne sich Mein geist schon jetzt bemühen. Dent engeln bin ich ja verwandt, Im himmel ist mein vaterland; Dahin, Herr, laß mich trachten. 8. Olehre selbst mich meine zeit Mit wahrer weißheit kaufen. Laß mich die bahn zur ewigkeit Mit heil'ger vorsicht laufen. Der tage last erleichtre mir, Bis meine ruhe einst bei dir Kein wechsel weiter störet. schuld Von den verfloßnen den, Durch ihren bau voll tagen, Und laß mich deine pracht erhöhn! Durch desvaterhuld In Christo ferner sen machtwort welten wertragen; Laß mich in deiner den Und welten wieder un gnade ruhn, Und lehre le- tergehn; Herr, den durch benslang mich thun Nach frohe lobgesänge Der kreadeinem wohlgefallen. turen ganze menge Und aller zeiten lauf erhob: Der engel chöre nachzuahmen, Dankt unser Herz stets deinem namen, Und unsern mund erfüllt dein lob. 2. Wie deine fraft die welt bewahre Verkündiget der tag der nacht, Ein jahr er= 6. Gieb nene lust und neue kraft Vor dir gerecht zu wandeln. Laß mich, Herr, stets gewissenhaft Mit mir und andern handeln. Dein geist belebe herz und muth Dich, o du allerhöchstes gut, Und nicht die welt zu lieben. IX. Neujahrs- Lieder. 433 erzählt dem nächsten jahre dann sei du sein schutz und Die großen wunder deiner lohn. macht. Dein thron, o Gott, bleibt ewig stehen. Du bleibst derselbe; wir vergehen. Wie schnell verströmet unsre zeit! Schon wieder ist ein jahr vom leben, Daß deine huld uns hat gegeben, Im abgrund der vergänglichkeit. 3. Kommt! dies sei uns ein tag des bundes! Bleibt 5. Tritt den gewaltigen zur seite, Die um den stuhl des fürsten stehn, Daß ihren anschlag glück begleite, Und sie des volkes wohl erhöhn. Auf alles, was das land kann bauen, Laß sie mit wahrer forgfalt schauen, Sie, die des fürsten hülfe sind. Der unschuld flehn, Gott, dem höchsten, ewig des land's begehren, Laß tren; Und den gelübden un sie mit wacher sorgfalt sers mundes Stimm' un- hören, Sie, die das ohr verstellt das Herz auch bei! des fürsten sind. Oland, gelobe Gott zu dienen, Und du wirst wie ein garten grünen, Den er sich selbst gepflanzet hat. Nur wandelt tren auf seinen we gen; Und aus der fülle seiner segen Macht uns dann seine gnade satt. 4. Gott, schau herab von deinen höhen! Du, der du deine menschen liebst! Erhöre unser kindlich flehen, Weil du uns gerne gutes giebst; Gieb unserm fürsten langes leben, Laß huld und weisheit ihn umgeben Allzeit auf seinem fürstenthron; Laß ihn auf recht und tugend schauen, Stets seines landes wohlfahrt bauen, Und 6. Schenk' weisen eifer unsern lehrern Für deiner lehre lauterkeit; Mach' fie zu redlichen verehrern Der sanftmuth, lieb' und frömmigkeit. Hilf ihnen, Herr, daß ihre lehren Nie ohne früchte wiederkehren; Wir ganz der gottesfurcht uns weihn. Laß deinen segen auf uns fließen: Denn, Herr, sie pflanzen und begießen, Von dir kommt aber das gedeihn. 7. Die obrigkeiten dieses landes Erhalt, Herr, ihren pflichten treu, Daß uns die wohlfahrt jedes standes Und unsers fleißes frucht erfreu'. Bild' auch das Herz der zar& c ten 434 Dritte Abtheilung. ten jugend; Und hilf, daß schuld beladen, Ach, erlaß weisheit, fleiß und tugend In allen unsern schulen blüh'. Des landes hoffnung laß gerathen, Daß man da bürger für die staaten, Und für den himmel selbst erzieh'. sie uns aus huld! Wirke wahre ren und leid, Dann laß uns barmherzigkeit Und vergebung aller sünden In dem blute Jesu finden. 8. Ach, keinen laß sein heil verscherzen, Mach' für ihr heil die fünder klug! Gieb troft und kraft bedrängten Herzen, Und unsern armen brod genug. Dies unser flehn sei ja und amen Durch Jesum; denn in Jesu namen Giebst du, 3. Du hast uns dies jahr gegeben: Gieb, daß dirs geheiligt sei! Laß uns fromm und christlich leben, Redlich ohne heuchelei, Und voll nächstenliebe sein, Auch den feinden gern verzeihn; Daß wir glücklich hier auf erden, Und dort ewig selig werden. 4. 3m vertraun auf deine was unser herz begehrt. Auch liebe Gehn wir dann getrost dies jahr segne, dir zum preise! O vater, auch an uns beweise, Du seist es, der gebet erhört. dahin; Was ist, das uns noch betrübe Bei dem dir ergebnen sinn? Lebend, sterbend sind wir dein, Du wirst uns stets gnädig sein Und uns, wann wir zu dir treMel. Werde munter mein ze. 521. Hilf, Herr, laß ten, Schützen, fegnen und erretten. es wohl gelingen, Hilf, das neue jahr geht an! Laß es neue kräfte bringen, Neuen segen jedermann. Unsern leib, seel', hab' und gut, Nimm in deine vaterhut; Neues glück und neues leben Wollst du uns aus gnaden geben. 2. Laß dies sein ein jahr der gnaden, Habe ferner noch geduld; Denn wir sind mit 5. O so laß uns fröhlich enden Dieses angefang'ne jahr! Leit' uns, Herr, mit vaterhänden, Schütze uns doch in gefahr. Steh' uns bei in aller noth, Auch verlaß uns nicht im tod; Dann so können wir mit frenden Auch dereinst von hinnen scheiden. Mel. XI. Neujahr- Lieder. Mel. Nun laßt uns Gott 2c. 522. Mit freuden laßt uns treten Vor Gott, ihn anzubeten, Vor Gott, der unserm leben, Bis hieher kraft gegeben. 2. Wir, seine pilger, wandern Von einem jahr zum andern; Die schnelle flucht der stunden Wird kaum von uns empfunden. 10. Gieb deinen reichen 3. Und diese wandertage segen Zu allen guten weSind nie ganz frei von gen. Laß großen, Herr, plage; Auf sorgenvollen und kleinen Die gnadenwegen Gehn wir dem grab somne scheinen. entgegen. 9. O, wehre du den kriegen, Laß menschenliebe siegen Und da, wo thränen fließen, Sich deinen trost ergießen. 4. Doch du bist voll er barmen, Und wirst mit vaterarmen, In nöthen und schüße, gefahren, Uns schützen und stütze. bewahren. 11. Sei der verlaßnen vater, Der irrenden berather. Den unterdrückten Den armen unter12. Hilf gnädig allen kranken; Gieb fröhliche gedanken Den kummervollen seelen, Die sich mit schwermuth quälen. 13. Vor allem, Herr, verleihe Uns deinen geist aufs neue, Der uns mit tugend ziere Und so zum himmel führe. 14. Das wollest du uns 7. Hör' ferner unser geben, Du Herr von unflehen Und eil' uns bei- ferm leben! So gehen wir zustehen; Gieb mäßigung im segen Der ewigkeit entin frenden, Geduld und gegen. troft im leiden. 5. Erhalter unsers lebens, Wir sorgen ja vergebens, Wenn du uns nicht beschützest, Mit kraft nicht unterstützest. 435 8. Gieb uns und allen denen, Die sich von herzen sehnen Zu thun, Herr, deinen willen, Auch kraft, ihn zu erfüllen. 6. Lob sei dir, Gott, aufs neue Für deine vatertrene! Lob sei den starken händen, Die alles unglück wenden! e2 Mel. 436 Dritte Abtheilung. Mel. Nun sich der tag zc. 523. chon wieder ist wer, wer vermag, von meiner zeit Ein lebensjahr dahin! So eilend fliehn zur ewigkeit Der menschen tage hin! 8. Sei gnädig uns! Herr, zu bestehn vor dir? Ach! prüftest du nur einen tag, Wo, richter, wären wir? 9. Längst wären wir vor 2. Ach, unaufhaltsam dir nicht mehr, Der erde flichen sie; Und ich bemerk längst entrückt: Nie hätten es kaum. Des ganzen le- wir die wiederkehr Des bens trost und müh Ist neuen jahrs erblickt. mur ein kurzer traum. 3. Und doch ist dieser traum ein theil Von meiner übungszeit, Fruchtbar an elend und an heil Für welt und ewigkeit. 10. Doch, dank sei deiner vaterhuld! Noch sind und leben wir! O Gott, voll langmuth und geduld, Wir leben! dank sei dir! 11. Wir leben! doch jetzt näher schon Dem ziel der kurzen bahn: Und näher täglich rückt der Lohn Der ewigkeit heran. 4. Wohl mir, wenn jeder augenblick Zum segen mir verschwand. Wenn ich gewissensruh und glück Durch gute thaten fand! 5. Dann könnt ich ohne scham und qual Jetzt vor dem richter stehn, Und heiter die durchlebte zahl Der stunden übersehn. 6. Doch ach, zur hälfte ist die zeit, Die Gott mir gab, verträumt: Und mei nes geistes seligkeit In träger ruh versäumt. 12. Herr, lehr uns unser bestes theil, Des lebens zweck, verstehn. Zeig' uns den sichern weg zum heil, Und stärk' uns, ihn zu gehn. 13. Dann werden wit uns immerdar, Gott, deiner güte freun; Und jedem wird das neue jahr Zur ewigkeit gedeihn. 7. Da stehu vor meinem angesicht Der lebensstunden 524. Gott reih'n, Und jede ruft mich vor gericht, und jede lohnt mit pein. Mel. Es ist das heil uns 2c. ott ruft der sonn' und schafft den mond, Das jaht darnach zu theilen; Er schafft es XI. Neujahrslieder. 437 es, daß man sicher wohnt dich Und der bedrängten Und heißt die zeiten eilen. Er ordnet jahre, tag und nacht. Auf, laßt uns ihm, dem Gott der macht, Ruhm, preis und dank ertheilen! 2. Herr, der da ist, und der da war, Von dank erfüllten zungen Sei dir für das verfloss'ne jahr Ein heilig lied gesungen, Für le ben, wohlthat, trost und rath, Für fried' und ruh, für jede that, Die uns durch dich gelungen! 3. Laß auch dies jahr gesegnet sein, Das du uns neu gegeben. Verleih' uns kraft, die kraft ist dein! In deiner furcht zu leben. Du schürzest uns und du vermehrst Der menschen glück, wenn sie zuerst Nach deinem reiche streben. 4. Gieb mir, wofern es dir gefällt, Des lebens ruh' und freuden; Doch schadet mir das glück der welt, So gieb mir kreuz und leiden. Nur stärke mit geduld mein herz, Und laß mich nicht in noth und schmerz Die glück lichern beneiden. 5. Hilf deinem volle väterlich In diesem jahre wieder. Erbarme der verlaßnen glieder. Gieb glück zu jeder guten that, Und laß dich, Gott, mit heil und rath Auf uns're obern nieder. 6. Daß weisheit und gerechtigkeit Stets gute thaten lohne, Und tugend und zufriedenheit In unsern häusern wohne; Daß treu und liebe bei uns sei: Dies, lieber vater, dies verleih' In Christo, deinem sohne! Mel. Wie groß ist des allmächt. xc. 525. Des es neuen jahres feiermorgen Sei dir, o christ, ein ernster ruf, Noch heute für das glück zu sorgen, Zu welchem dich dein Gott erschuf! Denn wohlthat ist's, daß seine guade Dir dieses erdenjahr noch schenkt; Er, der so gern auf seinem pfade Dich sanft mit vaterhänden lenkt. 2. Verbrauche jeden deiner tage Mit weiser, frommer thätigkeit, Daß keiner dich bei Gott verklage, Daß keiner dich im tode reut; Verschwende nicht dies erdenleben, Zu weiserem gebrauch verlieh'n; Es für die 438 Dritte Abtheilung. die tugend hinzugeben, Ist 4. Dann segnest du an für die ewigkeit gewinn. Gottes throne Dies jahr 3. Ermuntre dich zu dei- noch als die zeit der saat; pflichten, Zu allem, Und schöner glänzet deine was dir Gott gebeut! Dies krone Voll perlen jeder guten gern und freudig zu verrich- that. O welch ein antrieb, ten, Sei jede stunde einge- auch nicht eine, Nicht eine weiht. Weih' sie dem eifri- stunde zu entweihn! O leb' gen bestreben Für dein und ihm, christ! ſei ganz der deiner brüder glück; Dann seine! Das wird dich ewig fiehst du auf dein ganzes leben nicht gereun! Getrost im tode noch zurück. Am Geburtstage. mel. Dir dank ich für mein 2c. reitet? Wem dank ich's, oder: Nun ruhen alle wälder 2c. 526. Aus warmer Her- vater, sonst als dir? zensfülle, Sei hier in sabbathsstille, Dir, Gott, mein dank geweiht; Daß du noch meinem Leben Dies gnadenjahr gegeben, Verlängert meine prüfungszeit. 2. Du sorgtest für mein glücke Vom ersten augenblicke, So wie mein sein begann. Mehr, als ich von dir flehe, Mehr, als ich jetzt verstehe, Hast du, o Gott, an mir gethan. 4. Du hast, von Huld bewogen, Mir selbst ein loos gezogen, So wie ich es bedarf; Doch war ich's, der verwegen, Entfernt von deinen wegen, Oft deinen weisen rath verwarf! 5. Du bist es, der erquickte, Wenn kümmerniß mich drückte, Mir trost in's herz ergoß; Du stilltest sanft mein sehnen, Wenn mir ein strom von thränen Herab vom trüben auge floß. 3. Wer war im jünglings- 6. Auf allen meinen wealter Ein führer und erhal gen Umgab mich stets deint ter, Ein schutz und retter segen, Du, Gott der lieb' mir? Wer hat mich stets ge- und macht! Vom anfang ant leitet, mir meinen weg be- bis heute Warst du an meiner XI. Neujahrs- Lieder. 439 ner seite, Warst immer auf leben, Soll künftig mein mein glück bedacht. 7. Laß mich dies ganz erkennen, Von lieb' und dank entbrennen, Und dir mein leben weihn! Dir völlig hin gegeben, 3u sterben und zu bestreben sein! 8. An deinen vaterhänden Laß meinen lauf mich enden, So wie du es bestimmst; Daß dann, wenn ich hienieden Entschlafe, einst im frieden Du meine seele zu dir nimmst! Am Reformations- Feste. Mel. Was Gott gefällt mein from. c. 527 Jobfinget! Got * tes huld und macht Vertrieb des aberglaubens nacht Und jedes irrthums finsterniß, Der uns die wahrheit sonst entriß. Lobsingt dem Herrn! 2. Verdunkelt hatten uns sein licht Selbst christen lehrer, ließen's nicht Uns leuchten, bis durch list und zwang In tand und wahn und irrthum sank Das volk des Herrn. wie ihr sollt, bereit! Die tugend sei der wahrheit zier; So sieget sie; Gott ist mit ihr; Gott ist ihr schutz. 5. Bagt nicht, weil jeder wahrheit licht nicht gleich durch alle nebel bricht, Und spötter Gottes wahrheit schmähn. Gott hat sich seine zeit ersehn. Er ist der Herr! 6. Seht Gottes sonn' an, sie erhellt Nicht gleich auf einmal alle welt. Wohl dem, der reines licht genießt, Und ihm auch tren im wandel ist! Das laßt uns sein. 3. Lobsingt, lobsingt dem Herrn! denn er Hat uns befreit; es ist nunmehr Von des gewissens tyrannei Doch hie und da ein wohnplatz frei. Lobsingt dem Herrn! 7. Lobsingt, lobsingt dem Herrn, und freut Ihr Christen, euch der ewigkeit! Da wird kein zwiespalt, da 4. Ruft laut die wahr- allein Ein hirte, eine heerde heit aus und seid Zu dulden, sein. Lobsingt dem Herrn! XII. 440 XII. Dritte Abtheilung. Von den vier Jahreszeiten. 1) Vom Frühling. ich preise dich! Wo ich nur bin, bist du um mich Mit allmacht, lieb' und gnade. Mel. Wenn ich, o schöpfer, deine 2c. halben da, Im himmel, erd' 528. Lobt Gott, der und meere! Ich lobe Gott, uns den frühling schafft, Gott, der den erdkreis schmücket, Der mit allmächtig reicher kraft, Das, was er schuf, erquicket. Der Herr erschafft, der Herr erhält, Er liebt und segnet seine welt. Lobsinget ihm, geschöpfe! 5. Du rufft die wolken über's land, Und tränkest dieſe erde, Daß mit den gaben deiner hand Der mensch gesättigt werde. Thau, regen, sonnenschein und wind, Die deiner allmacht diener sind, Erzählen deine güte. 2. Das land, daß erst erstorben lag, Erwacht und lebt nun wieder. Es strömt mit jedem neuen tag Der segen neu hernieder. Der wurm, der in dem staube webt, Der vogel, der in Lüften schwebt, Erfreut sich seines Lebens. 3. Der erde antlig ist verjüngt, Und heiter glänzt der himmel. Gebirg und thal und wald erklingt Von freudigem getümmel. Und gnädig schauet Gott herab, Der allen sein und leben gab, Auf seiner hände werke. 6. Es strömen, wenn dein donner dräut, Wenn berg und thal erzittern, Gesundheit, stärkung, fruchtbarkeit Selbst aus den ungewittern. Dann bricht die sonne neu hervor; Und aller kreaturen chor Jauchzt und erfreut sich wieder. 7. Von dir kommt, was uns hier erfreut, Du ge ber aller gaben! Dort wirst du uns mit seligkeit In reichen strömen laben. Dein freuen deine engel sich Auch wir, o Gott, wir loben dich, Sind einst, wie 4. Lobfinget ihm! er ist uns nah. Singt, alle seine heere! Der Herr ist allent- sie, unsterblich. 2) XII. Von den vier Jahreszeiten. Sommer. 2) Vom Eigene Melodie. 529, Rings um mich zu schön! Mir sagt, beglänzt vom morgenthane, Die flur, der garten und die aue: Wie segnet unser Gott so gern! Mir sagen auch des meeres fluthen: Gott ist der urquell alles guten. Des baches rauschen lobt den Herrn. her ist alles freude, Verschönt ist, schöpfer, deine welt! Es prangt in seinem feierkleide Gebirg' und thal, und wald und feld! Wie heilig wird mir jede stätte! Wohin ich seh', wohin ich trete, Bist du so nahe, Gott, um mich! Ich sehe dich auf allen fluren; In allen deinen kreaturen Erblick ich, aller vater, dich. 2. Dort prangt die flur im bunten kleide, und lockt die welt zur munterkeit; In jedem vogel hüpft die freude; Aus ihm singt die zufriedenheit. Du, schöpfer, Lehrst ihn seine lieder; Er singt sie deinen menschen wieder, Und lehret uns die heil'ge 5. Wie haft dit, Gott pflicht: Entehret doch nicht der güt' und stärke, So väGott durch klagen; Gedenket sein in frohen tagen, Vergeßt des milden schöpfers nicht. terlich an uns gedacht! Wie viel und groß sind deine werke, Wie schön, wie wundervoll gemacht! Zum vollen 3. Das murmeln in be- fröhlichen genusse Empfängt laubten bäumen Ruft: fröh- von deinem überflusse, Was lich soll ich Gott erhöh'n! Die lebet, seine speis', o Gott! zeit empfindungslos verträu- Gebirge geben, thäler gemen, 3st seine welt zu voll, ben, Was allen nöthig ist zum 441 4. Wie beugen sich der saaten spizzen! Wie schwelkaum der halm die ähre len sie von segen an, Daß stützen, Die reiche last kaum tragen kann! Hier sammeln wirthschaftliche bienen, Sie sammeln emsig uns zu dienen Die süßigkeit den bludenwürmer weben; Sie men ab. Du lehrst die seisterben, schöner aufzuleben, Und spinnen sich ihr kostbar 442 Dritte Abtheilung. zum leben: Den thieren schallen, Der dich bekrönt gras; uns wein und brod. mit wohlgefallen, Und der 6. Weit um mich her ist alles freude, O freu' auch, meine seele, dich, In Gottes schönem weltgebäude! Wie reichlich segnet er auch mich! Laß dessen lob umher er so gut und freundlich ist! Stimm' ein in der geschöpfe chöre; Dir, Gott, sei preis, dir dank und ehre, Der du so mild und gnädig bist. 3) Vom Mel. Herr Gott, dich loben aller zc. oder: Nun dankt dem Herrn alle zc. err, unser Gott, wir danken dir! Herr, unser Gott, dich loben wir! Herbst. 3. Du, der du saat und ernte giebst, Du zeigst, wie herzlich du uns liebst. Was lebt und webt und odem hat, Wird, vater, sieh', wir alle beten an Für durch dich froh und satt. 530. Her das, was du an uns gethan. 2. Auch dieses jahr hat unser land Gesegnet deine vaterhand. Der same, den wir streuten hin Schoß auf, ward herrlicher gewinn. Y 4) Vom Mel. Wohl dem, der sich auf 2c. oder: Mir nach, spricht Christus zc. 531. Des jahres schönes jahres heit ist nun fort! Wie traurig stehn die triften! Es stürmt ein ungestümer nord Aus schwer beladnen lüften. Die erde starrt vom froste nun, Und ihre nahrungskräfte ruhn. 4. Gieb uns ein herz voll dankbarkeit, Ein herz, das jede sünde scheut, Ein weises herz, das nie ver gißt Die ernte, die noch künftig ist. Winter. rauhen zeit! Ich darf vor 2. Wohl mir bei dieser frost nicht beben. Mich schützt mein dach, Mich wärmt mein kleid, Und brod erhält mein leben. Auf meinen betten schlaf ich ein, Und kann mich sanfter ruhe freun. 3. So hat's der arme bruder XII. Von den vier Jahreszeiten. bruder nicht, Dem brod und kleidung fehlet, Den, wenn es sehr daran gebricht, Frost oder hunger quälet. Und dreifach fühlt er seine pein, Wenn krankheit plagt, und kinder schrein. 4. O zaudre, zaudre nicht, mein herz, Ihm liebreich zuzueilen! Fühl' seinen jammer, seinen schmerz, Dein brod mit ihm zu theilen. Wer seiner brüder noth vergißt, Verdient nicht, daß er glücklich ist. 443 5. Vor tausenden bist du beglückt, Die in der stille klagen, Da wärm' und nahrung dich erquickt In dieſen rauhen tagen. Lobsinge, frohes herz, in mir, Und bringe Gott den dank dafür! 2. Es freue meine seele sich, Hin in dein haus zu gehen. Dein göttlich wort erleuchte mich; Laß schmecken mich und sehen, Wie freund 6. Sieh' nicht auf das, was dir noch fehlt, Und mancher mehr besitzet. Nein! anf die noth, die andre quält, Auf Gott, der dich beschützet. Ach, vater, lindre jeden schmerz, Und gieb mir ein zufriednes herz. XIII. Morgen- Lieder. Am Sonntage. Mel. Allein Gott in der höh' zc. lich du, mein vater, biſt, 532. Wie dein gesetz nur liebe ist, Und selig, wer dir folget. zench mich, heiliger, zu dir Am tage deiner ehre! Gieb, daß ich heut' mit lernbegier Dein wort erkenn' und höre. Laß diesen ruhetag allein Dir, o mein Gott, geheiligt sein, Geheiligt deinem ruhme. 3. Dann, wenn der wahrheit lehrer mir Den weg zum himmel zeigen, Dann laß mein Herz empor zu dir In heißer andacht steigen. Gieb Lernbegier, lust und verstand, Daß mir dein wille recht bekannt, Dein rath mir heilig werde. 4. Gieb, daß des wortes geist und kraft Mein ganzes herz durchdringe, Und ich 444 Dritte Abtheilung. ich treu und gewissenhaft, gens werden; So seh' ich Was du mich lehrst voll- und empfind' in dir Den bringe. Laß mich durch dei- himmel schon auf erden; nen unterricht Stets eifriger So werd' ich nach der in meiner pflicht, I'm glau- prüfungszeit Zur ruh' in ben stärker werden. deiner seligkeit, Zu deinem 5. So wird dein tag, o anschaun kommen. vater, mir Ein tag des seAn Werkeltagen. Mel. Aus meines herzens 2c. Mich stärke der gedanke: 533. Allmächtiger, ich Daß du stets um mich biſt. hebe Mein aug' 4. Er stärke mich mit empor zu dir. Preis dir, freuden Zu thun, was dir durch den ich lebe, Und gefällt; Er tröste mich im neuer dank dafür! Herr, leiden; Und will die lust der deine huld ist groß, Und welt Mich jemals nach sich niemals hat das lallen Des ziehn, Helf er mein herz dankes dir mißfallen, Das bewahren, Helf' er mir die aus dem Herzen floß. gefahren Der fünde sehn und flieh'n. 2. Daß nicht im tiefen schlummer Des lebens licht verlischt, Und daß mich frei vont fummer, Ein sanfter schlaf erfrischt: Dies dank ich deiner macht und deiner vatertreue. Durch sie bin ich auf's neue Mit heit'rem muth erwacht. 3. Beschützer uns'rer seelen! Ich trane stets auf dich. Was soll ich für mich wählen? D wähle du für mich! Gieb, was mir nüglich ist. Gott, dem ich alles danke, 5. Beglücke du die meis nen Nach deiner gütigkeit. Verlaß' der armen keinen; Wend' alles herzeleid. Du willst zwar gern erfreu'n, Eilst allen beizustehn; Doch soll der liebe flehen Dir auch gefällig sein. 6. Gott, dem ich ange Dein segen ruh' auf Mein seufzen, meine höre, mir. zähre, Erbarmer, ist vor dir, Des soll mein herz sich freu'n, Wer dir nicht traut, der 445 XIII. Morgen- Lieder. der bebe! Ich sterbe oder Mel. Aus meines herzens zc. lebe, So bin ich ewig dein. 535. Des morgens mel. Dir Gott, dir will ich zc. 534.Der er frohe morSoll dir, Gott, heilig sein. gen weckt mich Mein herz stimmt mit dem wieder, Und ladet mich zur munde, Dich hochzupreisen arbeit ein; Der schlaf er- ein. Ob ich dein lob hier quickte meine glieder; Num schon Mit schwachen lippen will ich wieder thätig sein. lalle: So weiß ich, es geMit frohem herzen will ich falle Dir doch durch deinen mun, Was meine pflicht er sohn. fordert, thun! 2. Gott, dir sei dank für diesen schlummer! Und dir befehl' ich mich auf's neu. In deinem schutz bin ich von kummer, Bin ich von allen sorgen frei. Du weißt es, was mir nützlich ist, Und giebst es, weil du gütig bist. 3. Du unterhälst mir meine kräfte, Damit ich sie gebrauchen soll, Und treib' ich redlich mein geschäfte, O! so geräth es immer wohl; Bei tren und fleiß giebst du gedeih'n: Drum will ich tren und fleißig sein. 4. Ich will es sein, so lang ich lebe, So lange du mir kräfte schenkst; Damit ich mir das glück erstrebe, Daß du mit beifall an mich denkst. Dann hab' ich hier zufriedenheit Und dort volltommme seligkeit. 2. Auch mich hat deine gnade In dieser nacht bedeckt; Mich hat kein schmerz noch schade Verletzet und erschreckt. Der schlaf hat mich erquickt; Ich bin mit frischen träften Zu des berufs geschäften Durch deine huld beglückt. 3. Gieb gnade mir auch heute, Daß ich gewissenhaft Die fündenlust bestreite, Gestärkt durch deine kraft. Den ganzen tag laß mich Vor deinen angen wandeln, Fromm denken und fromm Handeln, Aus liebe gegen dich. 4. Bei fleiß und arbeit schleiche Kein geiz sich in mein herz; Leicht rühre, leicht erweiche Mich meines nächsten schmerz! Kein glück, das andern blüht, Empöre mich zum neide; Und kein genuß 446 genuß der freude Verderbe mein gemüth. 5. Bewahr' an diesem tage Mich vor gefahr und leid; Und trifft mich eine plage, So gieb gelaffenheit. Nur hilf, o vater, mir, Daß ich sie nicht verschulde; Und dann sie christlich dulde, Voll zuversicht zu dir. Dritte Abtheilung. meinem Leben sehest du Jetzt einen neuen tag hinzu; Sei hoch dafür gepriesen! Durch dich Bin ich, Und ich merke Neue Stärke; Dich erhebe Herz und mund, so lang' ich lebe. 3. Verleih, o Gott der lieb' und macht, Daß sünd' und gram, wie diese nacht, 6. Wie bald ist's über- Auf ewig von mir fliehe; wunden Das leiden dieser Daß ich die kurze lebenszeit zeit! Auf wenig bange stun- In christlicher zufriedenheit den Folgt glück der ewigkeit. Zu nutzen mich bemühe. Dies stärke mich in noth, Prüse, Siehe, Wie ich's Daß ich nicht ängstlich zage. meine, Dir ist keine MeiAm letzten meiner tage Sei ner sorgen, Auch die kleinste leben mir der tod. nicht, verborgen. Mel. Wie schön leuchtet 2c. 536. Dich seh' ich wieder, morgenlicht, und freue mich der edlen pflicht, Dem höchsten lob zu singen. Ich will voll frommer dankbegier, Omildester erbarmer, dir Preis und anbetung bringen. Schöpfer! Bater! Deine treue Nührt aufs neue Mein gemüthe. Froh empfind' ich deine güte. 2. Du warst auch diese nacht um mich. Was wär' ich, hättest du nicht dich So hülfreich mir bewiesen? Zu 4. Ich bin ein christ; o Herr, verleih, Daß ich des namens würdig sei! Mein ruhm sei deine gnade. Denn ach, was bin ich ohne dich? Ein irrend schaaf; erhalte mich, Mein hirt, auf dei nem pfade. Stärk' mich, Daß ich Stets mich übe, Deine liebe Zu betrachten, Ueber alles dich zu achten. 5. Auch im geräusch der welt soll mich Der heilige gedank' an dich Oft still zut dir erheben. Im dunkeln thale wall' ich hier: Einst nimmst du mich hinauf zu dir. Zum licht und höhern Leben. XIII. Morgen- Lieder. leben, Auf dich Hoff' ich. Herr, ich werde Mich der erde Gern entschwingen, Dir dort ewig lobzufingen. Mel. Befiehl du deine wege 2c. 537. Auch diesen frohen morgen Gabst du, Gott, nach der nacht, In der mich, frei von sorgen, Dein vateraug' bewacht; Du, welcher uns er quicket Und uns're kraft er neut, Für uns die erde schmüdet, Uns jeden tag erfreut! 2. Dir will ich mich ergeben, Durch den ich leb' und bin! Wie flüchtig eilt dies leben Zu seinem ziele hin! Bald ist es ganz verschwunden; Doch hängt an seiner zeit, An ihren schnellen stunden, Das heil der ewigkeit. 3. Dies reize meine seele Zum fleiß im guten an, Daß ich nichts denk noch wähle, Was dir mißfallen kann! Dann kann ich nicht verderben! Ich fürchte nicht den tod; Ich werde selig sterben, Denn ich bin dein, o Gott! 4. Dann tröstet mich der glaube: Ich werde nicht vergehn, Und einst erweckt vom staube Zum himmel aufer447 stehn. Dies will ich nie vergessen, Und, dieser Hoffnung voll, Will täglich ich ermessen, Was ich dann werden soll! 5. Durch sie gestärkt, ermüde Ich auch im guten nicht! Es stärkt mich Gottes friede Mit kraft und zuversicht. Ich sieg' in jedem streite; Des steges lohn iſt nah! Wer weiß, vielleicht iſt heute Des kampfes ziel schon da! Eigene Melodie. 538. Gott des Himmels und der erden, Vater, sohn und heil'ger geist! Der du tag und nacht läff'st werden, Sonn' und mond uns scheinen heiß'st; Deffen starke hand die welt, Und was drinnen ist, erhält. 2. Gott, ich danke dir von herzen, Daß du mich in dieser nacht Vor gefahr, angst, noth und schmerzen Hast behütet und bewacht, Und, bei aller meiner schuld, Mich noch trägst mit vaterhuld. 3. Gleich der nacht, laß meine sünden Vor der gnade glanz vergehn, Die durch Christum alle finden, Welche 448 Dritte Abtheilung. che gläubig auf ihn sehn, ehre, Dir, o vater, sohn Der für unsre missethat und geist! Du erhörst gebet Sich am freuz geopfert hat. und flehn! Ewig will ich dich erhöhn. 4. Hilf, daß ich an die sem morgen Geistlich auferstehen mag, Und für meine Eigene Melodie. ſcele forgen; Daß ich, kont 539.Jm, berchest daß dein großer tag, Meines richters antlitz dann Ohne schrecken schauen kann. entstehen hieß Und mich gesund erwachen ließ, Sei preis und froher dank! Ihm bring' ich dieses opfer heut; Ihm sei mein ganzes herz geweiht. 5. Führe mich, o Herr, und leite Meinen gang nach deinem wort; Sei und bleibe du auch heute Mein beschützer und mein hort! Unter deinem schutz allein Kann ich froh und sicher sein. 2. Sich, Herr, ich unterwinde mich Mit dir zu reden, obgleich ich Zum theil nur asche bin. Gleich einem todten lag ich hier; Daß ich noch lebe, dank' ich dir. 6. Deinem schutze sei ergeben Alles, was ich hab' und bin. Dir vertrau' ich seel' und leben, Werf' auf dich die sorgen hin. Herr, mein heil, mein schild, mein ruhm, Segne mich, dein eigenthum. 3. Ein jedes gut, des ich mich freu', Empfang' ich jetzo wieder neu Aus deiner milden hand. Mein auge wird, wohin es blickt, Von wundern deiner huld entzückt. 4. Dich, dem ich nichts vergelten kann, Dich, vater, bet' ich findlich au: Ich opf're dir mein herz. Ein herz, voll lieb' und zuversicht, Ein dankbar herz verwirfst du nicht. 7. Hülfe wollest du mir senden, Wenn gefahr und noth mir droht: Alles mir zum besten wenden; Es sei leben oder tod. Sterb' ich, Gott, so bringe du Mich in deines himmels ruh. 8. Höre, Gott, was ich begehre! Gieb mir, was 5. O du, den meine seele dein wort verheißt. Dir preist! Erwecke mich durch sei preis und dank und deinen geist Zur übung meiiter XIII. Morgen- Lieder. 449 ner pflicht; Er helfe meiner ser morgen, Der noch zu schwachheit auf, Bis ich meinem heil begann! Sch will vollende meinen lauf. für meine seele sorgen, Weil ich noch heute sorgen kann. Vielleicht, eh noch der tag vollbracht, Umschattet mich des todes nacht. 6. Ein gut gewissen sei mein theil! Dies wirk in mir, o Herr, mein heil, Und segne meinen fleiß. Dir ist, was ich bedarf, bekannt, Und alles steht in deiner hand. 7. Die blume kleidest du mit pracht, Nährst jeden vogel, Gott der macht! Bin ich nicht mehr denn sie? Ich werfe meine sorg' auf dich, Du, mein erbarmer, sorgst für mich. Mel. Wer weiß, wie nahe mir 2c. 540. Noch wall ich pilger dieser erden, Und tausende bedeckt das grab! Auch ich muß staub wie sie einst werden; Bald leg' ich diese hülle ab. Vielleicht ist dieser tag nur mein- Und ach! ich sollte ihn entweihn? 2. Nein, pflicht ist's, ganz ihn auszukaufen Für mich zu einem gnadentag; Den weg zur heiligung zu laufen, Ihm, meinem großen führer, nach, Der vormals selbst durch wort und that Die bahn mir vorgezeichnet hat. 3. Gesegnet sei mir die 4. Wohl mir, wenn ich am letzten tage, Wenn sich mein pilgerlauf beschließt, Nicht trostlos mit den thoren klage, Daß er umsonst verschwendet ist! Wohl mir, wenn in der ewigkeit Mein herz sich dieses morgens frent! 5. Auch ihr, die ihr auf einem wege Mit mir durch dieſes leben eilt, Flieht heute noch des lasters stege Wo, euer fuß so gern verweilt, Und kehrt zu eurer seele glück Zum schmalen tugendpfad zurück. Mel. Ich dank' dir schon 2c. 541. Mein erst gefühl und dank! Erhebe Gott, o seele! Der Herr hört deinen Lobgesang, Lobsing' ihm, meine seele! 2. Mich selbst zu schügen, ohne macht, Lag ich und schlief in frieden. Wer schafft die sicherheit der nacht, Und ruhe für die müden? F f 3. Dritte Abtheilung. 450 3. Wer wacht, wann ich von mir nichts weiß, Mein leben zu bewahren? Wer stärkt mein blut in seinem fleiß, Und schützt mich vor gefahren? 4. Wer lehrt das auge seine pflicht, Sich sicher zu bedecken? Wer ruft dem tag und seinem licht, Uns wieder aufzuwecken? 10. Daß ich als dein gehorsam kind, Dir zu gefallen strebe; Dir tren ergeben, gutgefinnt, In deinem reiche lebe. 8. Nimm meines Lebens gnädig wahr; Auf dich hofft meine seele. Sei mir ein retter in gefahr; Ein vater, wenn ich fehle. 9. Gieb mir ein herz voll zuversicht, Erfüllt mit lieb' und ruhe; Ein weises herz, das seine pflicht Erkenn' und willig thue. 11. Daß ich dem nächsten beizustehn, Nie fleiß und arbeit scheue; Mich gern an andrer wohlergehn, Und ihrer tugend freue. 12. Daß ich das glück der Lebenszeit In deiner furcht genieße, Und meinen Lauf mit freudigkeit, Wann du gebeust, beschließe. 5. Du bist es, Gott und Herr der welt, Und dein ist unser Leben; Du bist es, der es uns erhält, Und mir's jetzt nen gegeben. 6. Gelobet seist du, o Gott Mel. Nun danket all' und 2c. der macht! Gelobt ſei deine 542. Grwache, herz, treue, Daß ich nach einer sanften nacht Mich dieses tags erfreue. dem Herrn zum preis Und denk an deine pflicht. Ich schlief; und Gott, auf dein geheiß Sah ich das morgenlicht. 7. Laß deinen segen auf mir tuhn, Mich deine wege wallen, Und lehre du mich selber ruhn Nach deinem wohlgefallen. 2. Ohnmächtig lag ich in der nacht, Und niemand dachte mein. hättest du O mich nicht bewacht, Wo wird' ich heute sein. 3. Mein neues leben dank ich dir, Dir die verjüngte kraft. Denn beides, vater, hast du mir, Nach deiner huld verschafft. 4. Von deiner güte nehm² ich's hin, Voll frommer dankbarkeit: Herr, was ich habe, XIII. Morgen- Lieder. 451 be, was ich bin, Sei ewig dir, Viel köstlicher, als ledir geweiht! ben, 3st deine güte mir. 8. O führe mich auch heute Auf wahrer tugend pfad. Mel. Christus, der ist mein 2c. 543. Noch läßt der Du, ewig weiser! Leite Mich selbst nach deinem rath. Herr mich leben! Mit fröhlichem gemüth Eil' ich ihn zu erheben, Er hört mein frohes lied. 9. Noch eins laß mich erflehen, Das christlich weise herz, Auf dich stets aufzusehen, In freuden, wie im schmerz. 2. 3u ihm ruft mich jetzt wieder Der morgensonne pracht, Ich falle vor ihm nieder, Der sie und mich gemacht. 10. Laß mich am ersten trachten, Nach dem, was dir gefällt; Mehr deinen beifall achten, Als allen ruhm der welt. 3. Du herrscher aller wel ten, Nimmst dich auch meiner an: Wie soll ich dir vergelten, was du an mir gethan? 4. Wirst du nach opfern schauen? Sie gelten nichts vor dir. Du forderst mur vertrauen Und liebe, Gott, von mir. 11. Laß mich dir kindlich trauen, Das gute redlich thun, Getrost gen himmel schauen, In deinem willen ruhn. 12. Daß, frei vom dienst der fünde, Getroft und glaubensvoll, Der tod alsdann mich finde, Wann ich einst sterben soll. 5. Drum will ich dir lobsingen, Mich deines namens freun, Nach deiner gnade ringen, Mein ganzes herz dir weihn. Eigene Melodie. O fün6. tilger meiner fin- 544 Wach' auf mein den, Chrift, Laß mich den trost empfinden, Daß du mir gnädig bist. herz, und finge Mein heiland, Jesu Dem schöpfer aller dinge, Dem geber aller güter, Dem treuen menschenhüter! 2. Mit mächtigem erbar7. Dir hab' ich mich er- men Bedeckte Gött mich argeben, Ich freue mich in men; Er stärkte mein verFf 2 trauen, Dritte Abtheilung. 452 trauen, Der sonne licht zu schauen. 3. Und dies, Herr, ist geschehen; Ich kann das licht noch sehen; Du machst, daß ich aufs neue Mich meines lebens frene. 4. Steig' auf, mein dank, zum throne! Dem vater und dem sohne, Dem geist des Herrn sei ehre, Anbetung, preis und ehre! 5. Hör meinen dank, mein flehen! Du kannst ins herz mir sehen. Ach möchte dir gefallen, Herr, meines herzens fallen! 6. Dein werk wollst du vollenden; Dich nimmer von mir wenden, Und mich in meinen tagen Stets mit verschonen tragen. 7. In allen meinen thaten Wollst du mir selber rathen, Mich stets zum besten leiten, Zum himmel mich bereiten. 8. Auf allen meinen we gen Begleite mich dein segen; Dein wort sei meine Mel. Ich singe meiner seele 2c. ſpeise Auf meiner pilgerreise. 546.3 u deinem preis und ruhm erwacht, Bring' ich dir ruhm und preis: Dir, Gott, der durch die ruh der nacht Uns zu erquicken weiß. 2. Mel. Nun danfet all' und zc. 545. Bernimm, o Herr, den lobgefang, Den früh mein herz dir weiht, Es freut sich dein und ist voll dank, Daß sich der tag erneut. 2. Ich lag und schlief in tiefer ruh, Mir selbst ganz unbewußt, Du warst bei mir, mein Gott, der du Nie, uns zu schüßzen, ruhst. 3. Nun steh' ich, durch den schlaf erquickt, Wie neu geschaffen da, Und freue mich der welt, entzückt, Daß ich sie wieder sah. 4. O gieb, daß ich auch diesen tag In dir ergebnem sinn, Für mich und andre leben, mag Denn dazu gabst du ihn. 5. Laß mich mit trenem eifer thun, Was dein gebot mich lehrt Und in der überzeugung ruhn, Daß man nur so dich ehrt. 6. Ja, leite selbst, o Herr der zeit, Mich durch dies leben hin, Bis ich einst in der ewigkeit Be freit von schwachheit bin! XIII. Morgen- Lieder. 2. O vater, deine gütigfeit 3st alle morgen neu. Du thust uns wohl, von zeit zu zeit; Und groß ist deine treu. 3. Jetzt schenkst du mir zu meinem heil Von neuem einen tag, Gieb, daß ich davon jeden theil Mit weisheit nutzen mag. 4. Die zeit, in deiner furcht vollbracht, Bringt ewigen gewinn; So fließe vor dir, Gott der macht, Auch dieser tag mir hin. 5. Gieb, daß ich fern von müssigang In meinem stande treu, Und wem ich kann mein lebenlang Bereit zu dienen sei. 453 6. In allem, was ich denk und thu, Sei dein gebot vor mir; Und wenn ich von geschäften ruh: So sei mein herz bei dir. 7. Was du mir zum vergnügen giebst, Vermehr' in mir die lust, Ganz dein zit sein, der du mich liebst Und so viel gut's mir thust. Mel. Nun ruhen alle wälder 2c. 547.Am mabend dir zu danken, Voll heiliger gedanken Mich deinem thron zu nahn; Dies sei jetzt mein geschäfte, Nimm meine letzten kräfte Noch als ein opfer, vater an! 8. Wenn sorg' und kummer mich befällt: So laß mich auf dich schaun, Und deiner vorsicht, Herr der welt, Mit frohem muthe traun. 9. An deiner gnade gnüge mir! Sie ist mein bestes theil; Mein trost und meine zuflucht hier Und dort mein volles heil. Jin& 1: 13 XIV. Abend- Lieder. dem pfade Des lebens gabst du mir; In feierlicher stille Tönt aus des herzens fülle, Dies abendlied, o vater, dir! 3. Du hast mir kraft und stärke Zu meinem tagewerke Durch deine huld verlichn; Ach möcht' ein herz voll liebe, Voll dankbar from2. Auch diesen tag voll mer triebe, Mir stets in gnade, Voll wohlthat auf meinem busen glühn! 4. 454 Dritte Abtheilung. 4. Für wohlthat, kraft Mel. Werde munter mein 2c. und segen Auf allen meinen 548. Alter und o feele, wer wegen, Dank' ich, am abend dir. Auch am verfloßnen tage, War, fern von jeder plage Dein arm beschir mend über mir. de munter bezahl des dankes pflicht; Unsre sonne gehet unter, Unsers Gottes güte nicht! Sie erschuf der sonne pracht, Auch den mond, des glanz der nacht Leuchtet; und in jener ferne Funkelt sie in jedem sterne. 5. Ach möcht' ich auch von fünden Mich heute freier finden, Als ich mich gestern fand! Vergieb die schuld der sünde Dem rentevollen kinde, Daß deine stimme oft verkannt! 6. Dir, vater, dir befehle Ich meinen leib und seele, Denn sie sind beide dein; Du wollst sie vor gefahren Durch deine macht bewahren, Und beiden sanfte ruh verleihn. 2. Und ich sollte sie nicht singen? Stets sei sie mein Lobgefang! Sie half diesen tag vollbringen, Daß es meinem fleiß gelang. Sie hat heute mich genährt, Mir der freuden viel bescheert, Vor gefahren mich geschütet, Meine schwachheit un terstützet. 7. Ein süßer schlummer 3. Angebetet, hochgepriestärke Mich zu dem tage- sen Sei mein treuer Gott, werke, Das mir beschieden von mir. Was du gutes mir ist. Erwacht zum neuen erwiesen, Dankt kein gan leben Soll dich mein geist zes leben dir. Noch trägst erheben, Wenn mich der junge morgen grüßt. du mich mit geduld Und vergiebst mir meine schuld: Leitest mich mit vaterarmen, Voll verschonen, voll erbarmen. 4. Gieb jetzt bis zum frohen morgen Meinem leibe sanfte ruh! Durch dich schlaf ich ohne sorgen; Wenn ich schlafe, wachest du. Seel' und 8. Du hörest, was ich flehe Und giebst aus deiner höhe Mir schutz und schlaf und ruh. So schließt sich voll vertrauen Dein mor genlicht zu schauen Mein müdes aug' im schlummer zu. XIV. Abend- Lieder. 455 und leib befehl ich dir! tag( dieses jahr) Mein eiWalt' allmächtig über mir; gen herz regieret? Hat mich Sei der schutzgott all' der im stillen oft Ein blick auf meinen; Tröste, die zu dir Gott gerühret? Erfreut' ich wo weinen! mich des Herrn, Der unser flehn bemerkt? Und hab' ich im vertraun Auf ihn mein Mel. Was frag' ich nach der zc. 549. Der tag( das Herz gestärkt? jahr) ist wieder hin; Und diesen theil des lebens, Wie hab' ich ihn vollbracht? Verstrich er mir vergebens? Hab' ich mit allem ernst Dem guten nachgestrebt? Hab' ich viel leicht nur mir, Nicht meiner pflicht gelebt? 2. Hab' in der furcht des Herrn Ich ihn auch angefangen? Mit dank und mit gebet, Mit eifrigem verlangen, Als ein geschöpf von Gott, Der tugend mich zu weihn, Und züchtig und gerecht, Und Gottes freund zu sein? 5. Dacht' ich bei dem gemuß Der güter dieser erden An den allmächtigen, Durch den sie sind und werden? Verehrte ich ihn recht? Empfand ich seine huld? Trug ich das glück mit dank, Den unfall mit geduld? 6. Und wie genoß mein herz Des umgangs süße stunden? Fühlt ich der Freundschaft glück? Hab ich's mit dank empfunden? War stets mein ernst auch sanft, Mein scherzen unschuldsvoll? Und hab' ich nichts gered't, Das ich bereuen soll? 7. Hab' ich die meinigen 3. Hab' ich in dem beruf, Durch sorgfalt mir verpflichDen Gott mir angewiesen, tet, Sie durch mein beiſpiel Durch eifer und durch fleiß still Zum guten unterrichIhn, meinen Gott, geprie- tet? War zu des mitleids sen? Mir und der welt pflicht Mein herz nicht zu genützt, Und jeden dienst bequem? Ein glück, das angethan, Weil ihn der Herr dre traf, War das mir angebot, Nicht weil mich men- genehm? schen sahn? 4. Wie hab' ich diesen 8. War mir mein fehltritt leid, Sobald ich ihn began Dritte Abtheilung. 456 begangen? Bestritt ich auch in mir Ein unerlaubt verlangen? Und wenn in dieser nacht( diesem jahr) Gott über mich gebeut, Bin ich, vor ihm zu stehn, Auch wilfig und bereit? Mel. Ich weiß, mein Gott zc. 550.F ür alle güte sei gepreist, Gott vater, sohn und heil'ger geist! Ihr bin ihr zu geringe. Vernimm den dank, Den Lobgesang, Den ich dir kindlich finge. heut an mir gethan, Mir mein gebet gewähret; Haft vtäerlich Mein haus und mich Beschützet und ernähret. 9. Gott! der du alles weißt, Was könnt' ich dir verhehlen? Ich fühle täglich noch, Die schwachheit meiner seelen. Vergieb durch Christi blut, Mir die verletzte pflicht; Vergieb und gehe du Nicht mit mir ins gericht! 10. Ja, du verzeihest dem, Den seine sünden kränken; Du liebst barmherzigkeit, Eigene Melodie. Und wirst auch mir ſie schen- 551. Herr, der bu mis du ken. nacht( dieses Jahr) bist du Der wäch ter über mir. Leb' ich, so leb' ich dir! Sterb ich, so sterb' ich dir! das leben diesen tag gegeben, Dich bet' ich findlich an! Ich bin viel zu geringe Der treue, die ich singe, Die du bisher an mir gethan. 2. Mit dankendem gemitthe Freu ich mich deiner güte; Ich freue mich in dir. Du giebst mir kraft und stärke, Gedeihn zu meinem werke, Und schaffft ein reines herz in mir. 2. Du nahmst dich meiner herzlich an, Hast großes 3. Herr, was ich bin, ist dein geschenk; Der geist, mit dem ich dein gedent', Ein ruhiges gemüthe, Was ich vermag Bis diesen tag, Ist alles deine güte. 4. Sei auch, nach deiner lieb' und macht Mein schutz und schirm in dieser nacht; Vergieb mir meine sünden. Und kommt mein tod, Mein Herr und Gott, So laß mich gnade finden. 3. Gott, welche ruh der seelen, Nach deines worts befehlen Einher im Leben gehn; 457 gabe; Das leben, das ich habe, Die sicherheit der nacht, Auch alle andern güter, Verdank' ich, treuer hüter, Bloß 4. Ich weiß, an wen ich deiner vaterhuld und macht. glaube, Und nahe mich im 4. Du läßt es finster werstaube, Zu dir, o Gott, mein heil! Ich bin der schuld entladen, Ich bin bei dir, in gnaden; Und in dem himmel ist mein theil. den, Und hüllst den kreis der erden In schwarze dunkelheit. Doch auch in dunkler stille, Wohnst du mit deiner fülle, Und zeigst uns deine herrlichkeit. 5. Bedeckt mit deinem segen, Eil' ich der ruh entgegen. Dein name sei gepreist! Mein leben und mein ende Ist dein; in deine hände, Befehl ich, vater meinen geist. XIV. Abend- Lieder. gehn; Auf deine güte hoffen, Im geist den himmel offen und dort den preis des glaubens sehn! 5. Du führst aus dunkler ferne Den mond und tauſend sterne: Mit majestät herauf: Sie leuchten dir zur ehre Hoch über erd' und meere, Und deine hand lenkt ihren lauf. Mel. Nun ruhen alle wälder zc. etzt 6. Groß, wenn der morwenn 552. Inne nieder, der abend thanet; Groß in der stillen nacht; Im sonnenschein und sturme, Am menschen und am wurme; Groß zeigst du, vater! deine macht. Die stille nacht kommt wieder, Und schlaf und ruh mit ihr Sie schenkt uns neue kräfte Für jedes tags geschäfte; Das danken wir, o vater! dir. 2. Noch wach' ich, und erzähle Mit tiefgerührter seele, Was du an mir gethan. Sei dankbar, mein gemütthe! Befing' des schöpfers güte! Stimm' ihm ein frohes loblied an. 3. Von dir kommt jede 7. Voll ordnung, pracht und stärke Stehn deiner hände werke In deiner schöpfung da. Wie kann ich dirs vergelten? Du Gott und Herr der welten Warst auch mit deiner huld mir nah. 8. Wem kann ich ohne grauen Mich froher anvertrauen 458 Dritte Abtheilung. trauen Allmächtiger als dir? geben Auch jetzt in dieser Ja, vater! dir befehle Sch darum leib und seele, Verherrliche dich auch an mir. nacht; Beschütze du mein leben Durch deine lieb und macht! 9. Dir dafür ruhm zu singen Und ferner dank zu bringen, Sei meine liebste pflicht. Ich leg' mun meine glieder Getrost und freudig nieder: Du wachst für mich, ich sorge nicht. 10. Soll mir der schlaf zum leben Noch neue kräfte geben, So schlaf' ich fröhlich ein: Soll er mein leben 553.3" fille, Singt, Mel. Christus, der ist mein 2c. n feierlicher Tief vater, mein gesang, aus des herzens fülle, Dir seinen abenddant. 2. Du warst an diesem tage Mir licht und schutz und rath, Gabst mir in je der lage, Was ich von dir erbat. 5. Fern von des tages kummer, Von seinen laſten frei, Gieb, daß ein sanfter schlummer Mir nun erquiding sei! enden, So wirst du mich 554. vollenden, Und auch mein Gott im tode sein. 3. Hast mich so gut geleitet, So sanft mein herz gerührt, Und mir den weg bereitet, Der mich zum himmel führt. 4. Dir will ich mich er6. Erwecke mich dann heiter, Gestärkt zur tages, pflicht; Dein wort sei mein begleiter, Mein schutz dein angesicht. Mel. Nun sich der tag zc. fliehen unfre tage hin! Auch dieser ist nicht mehr. Die nacht, der müden trösterin, Cilt wieder zut uns her. 2. Nur du, Herr! bleibest wie du bist, Du schläfft und schlummerst nicht; Die finsterniß, die uns umschließt, Ist deinem auge licht. 3. Voll zuversicht befehl ich mich Dir auch in dieser nacht; Ich bin getrost, ich tran' auf dich; Mich schütet deine macht. 4. Hab' ich an deiner gnade mur Noch theil, o Herr, mein Gott! So fürcht ich keine kreatur Und scheue nicht den tod. 5. XIV. Abend- Lieder. 459 5. Zwar ich erkenne mei- Herzen weih' es dir Zu ne schuld, Mit reue fühl' deinem tempel ein! ich sie; Doch, mein versöhner, deine huld, Wie trostvoll ist mir die! 8. Ist dies vielleicht die letzte nacht In meiner pilgrimszeit; So führe mich durch deine macht zum licht der ewigkeit. 9. Ich lebe dir, ich sterbe dir, Dein bin ich auch im tod! Du mein erretter, 6. Ich eil' im glauben zu dir hin, Und weiß, wie sicher ich I'm schatten deinér flügel bin; Du wachest über mich. 7. Flieht, bange sorgen, bist bei mir; Und hilfst weit von mir; Du, Jesu, aus aller noth! wohn' allein In meinem Abend- Lied am Sonntage. In voriger Melodie. heute manches hat versehn, 555. Nun bricht die War gleich der wille gut. finstre nacht herein; Die ruhe wünschen wir; Doch ehe wir noch schlafen ein, Spricht unser herz mit dir. 5. Drum schenk' uns gnad' von deinem thron; Sieh' unsre schuld nicht an, Und denke, daß dein theurer sohn Für uns genug gethan. 2. D vater, Gott und Herr der welt! Den niemand sehen kann, Du siehst, wer dir zu fuße fällt; Sieh uns auch gnädig an. 3. Der tag, den wir nunmehr vollbracht, Der war, o höchster! dein; Dir sollt' er auch bis in die nacht Von uns geheiligt sein. 4. Doch ach! wir müssen's mur gestehn, O Herr! daß fleisch und blut Auch 6. Schreib das, was du uns heut gelehrt, In unsre herzen ein, Und fasse uns, die wirs gehört, Dir auch gehorsam sein. 7. Gieb, daß stets fruchtbar sei dein wort, Und thu uns ferner wohl; Damit wir dir auch immerfort Tren dienen, wie man soll. 8. Nun suchen wir, Gott unsre ruh; Steh deinen findern bei, Und Lasse keinem übel 460 übel zu, Daß es uns schädlich ſei. Dritte Abtheilung. 9. So stehen wir, wenn dir's gefällt, Froh morgen wieder auf; Und wir vollbringen in der welt Dann glücklich unsern lauf. 10. Und dann führst du uns, wenn es zeit, Auch in den himmel ein. Da wird in deiner Herrlichkeit Für uns stets freude sein. Am Ende der Woche. Mel. Wenn wir in höchsten zc. uns die verletzte pflicht. Ach 556. Unwiederbringlich sich', Erbarmer! uns're reu' Und sprich durch deinen sohn uns frei. schnell entfliehn Die tage, die uns Gott verliehn. Die woche kommt ( Das jahr tritt ein) und eilt davon; Vergangen ist 5. Wir eilen mit dem strom der zeit Stets näher hin zur ewigkeit. Herr auch diese( dieses) schon. unsers Lebens, mache du Uns selber recht geschickt dazu. 2. Dank dir, du ewigtrener Gott; Für deinen beistand in der noth, Für 6. Du läßt, uns länger tauſend proben deiner treu; zu erziehn, Uns wochent, Denn deine huld war täglich neu. 3. Wenn unser Herz von schuld befreit, Sich mancher guten that erfreut: Weß war die kraft? wer gab gedeihn? Dir, Herr, gebührt der ruhm allein. monde, jahr' entfliehn' Doch an dem ziel der pilgerschaft Kommt unsre große rechenschaft. 7. Dann laß uns, wie wir alle flehn, Mit freudigkeit vor dir bestehn; Und führ' uns aus der prüfungszeit Zu deiner frohen ewig4. Oft fehlten wir, und merkten's nicht. Verzeih' keit! XV. XV. Bei Reisen. Vor der Reise. Mel. Befiehl du deine wege zc. 557. Beglücke meine leben, vater, und mein reise, Gott! ich vertraue dir. Du bist der Herr, beweise, Wie tren du bist, an mir. Auf allen meinen wegen Begleite väterlich Mit deinem heil und segen, Mit deinem schutze mich. 3. So will ich denn mein O gut, Dir freudig übergeben, Und deiner treuen hut. Erhalte meine kräfte, Beglüce meinen fleiß Und meiner pflicht geschäfte Zu deinem ruhm und preis. 4. Laß dir auch meine lieben Zum schutz empfohlen sein. Nichts müsse sie betrüben; Dein trost sie stets erfreun. Sehn wir uns fröhlich wieder Jn glück und In wohlergehn, Wie sollen unfre lieder Dann deinen ruhm erhöhn! 2. Ich bin in deinen händen: Des soll mein herz sich freun; Denn du kannst hülfe senden, Wo mir gefahren dräun. Bin ich bei dir in gnaden, So fürcht' ich nichts, o Gott! Du weh reft allem schaden Mein helfer in der noth! 461 Nach glücklich Mel. Dir Gott, dir will ich zc. 558. Dank ank sei dir, vater meines lebens, Du hast mich froh zurück gebracht; Ich flehte nicht zu dir vergebens, Du hast mich väterlich bewacht: Durch deine gnade bin ich hier, Dein schutz und schirm war über mir. vollbrachter Reise. 2. Gesundheit hast dit mir verliehen, Und schaden von mir abgewandt; Du hast gesegn et mein bemühen, Durch deine milde vaterhand: Auch meiner seele wandteſt du, O Herr, so manches gute zu. 3. Nun kann ich wieder mit den meinen Mich deiner 462 Dritte Abtheilung. ner güt' und Hülfe freun; hochgepriesen Für alles guMit ihnen mein gebet vereinen, Und dir des dankes opfer weihn; Daß du mit deiner vaterhand, Gefahr und schaden abgewandt. te, das du mir, Auf meiner reise hast erwiesen; Mein frohes lob gefalle dir: Dir will ich nun mich ferner weihn, Dein lebend und 4. Sei ewig, Gott, sei im tode sein. XVI. Vor und bei der Ernte. Mel. Nun laßt uns Gott 2c. Und uns noch trägt und 559. Kommt, laßt uns schonet! Gott lobsingen, 6. Auf preiset seine Und preis und dank ihm gnade Und wandelt seine bringen Für seiner ernte pfade Daß seine vatergaben, Die wir gesammelt treue Euch, weil ihr lebt, haben. erfrene! 2. Was nöthig ist zum leben gegeben, 3um freudigen ge= 560. Wir alle, menmusse Aus seinem überflusse. 3. Die scheuren sind voll fegen, Denn er gab thau und regen, Gab wachsthum und gedeihen Der frucht, der wir uns freuen. schenvater, bringen Dir unsern feierlichsten dank! Und unsre frohen herzen singen Dir heute pfalm und Lobgesang. Gekrönt hast du mit deiner milde Nings um uns her das ganze land; Dein segen floß auf die gefilde, Aus deiner offnen vaterhand. Hat uns der Herr Mel. Wie groß ist des Allmächt. z. 4. Lobsinget den erretter! Oft drohten sturm und wetter! Den untergang der saaten; Und doch sind sie gerathen. 5. Mit freudigem gemüthe Bewundert Gottes güte, Die frommen fleiß belohnet, 2. Du schenktest sonnenschein und regen Für jede frucht zur rechten zeit Und gabst gedeihen, kraft und segen XVI. Vor und bei der Ernte. 463 segen Dem saamen, den wir sehen, schmecken und emausgestreut. Wie prangte pfinden, Was uns dein nicht im feierkleide Das volle ährenreiche feld! Von Hoffnung, dank und süßer freude War jedes gute herz beseelt. 3. O welchen reichthum deiner gaben Hast du mit liebevoller hand, Uns zu ergöttlich wort verspricht. 6. Wer kann die güte ganz ermessen, Die weiter als die wolken reicht? Wer kann sie undankbar vergessen, Da jede stunde von ihr zeugt? Ach, lies in diesen freudenzähren, Versornähren und zu laben, Von ger, vater, unsern dank! neuem uns herabgesandt! Es preise in vereinten Für millionen deiner finder chören Dich unser aller Hast du jetzt einen tisch be- lobgefang. reit't; Du nährst den frommen, wie den sünder, Und alles wird durch dich erfrent. 4. Wir ernteten aus deiner fülle Korn, obst und öl im segen ein; Denn uns zu segnen ist dein wille, Und deine lust, uns zu erfreun. Wie väterlich kannst du nicht sorgen, Mehr als wir bitten und verstehn! Du hörst am abend, wie am morgen, Auf deiner kreaturen flehnt. 7. Um deine gaben anzuwenden, Verleih' uns weisheit und verstand; Denn nicht sie üppig zu verschwenden, Gab sie uns deine vaterhand. Wir sollen alle sie genießen Und mäßig, mild und dankbar sein, Um so mit ruhigem gewissen, Uns deines segens, Gott, zu freun. 8. Der arme freu' auch sich des segens, Den deine hand uns reichlich gab; Er bitte nicht um brod vergebens, Und trockne seine thränen ab. Er danke heute mit uns allen, Frohlocke laut und bete an, Daß du nach deinem wohlgefallen, So viel, o Gott, an uns 5. Unendlich mehr, als wir verdienen, Liebreicher Gott der ganzen welt, Und wir zu bitten uns erkühnen, Hast du rings um uns auf gestellt. Selbst unser undank, unsre sünden Ermitden deine Liebe nicht; Wir gethan! Mel. 464 Dritte Abtheilung: Mel. In dich hab' ich gehoffet 2c. erst verdirbt, Und in der er561, Liebreicher Gott! de gleichsam stirbt, Um nene dein segenswort Erzeiget sich noch immerfort In seiner kraft auf erden, Daß unser feld Mit mutz bestellt Und angebaut kann werden. frucht zu bringen; So werd' o Gott! Ich durch den tod Ins beßre leben dringen. 2. In hoffnung streun wir samen aus; Doch segnest du nicht feld und haus, So ist die müh vergebens. Nur deine kraft Und güte schafft Uns unterhalt deß lebens. 3. Laß unsre saat gesegnet sein; Gieb regen, wind und sonnenschein, Daß wachsthum und gedeihen, Uns spät und früh, Nach sorg' und müh', Einst wiederum erfreuen. 4. Bewahre sie das ganze jahr Vor so vielfältiger gefahr, Die sie leicht kann verlegen, Und den, den heut Sein feld erfreut, In kummer bald versetzen. 5. Bei solcher saat seh' ich allhier Zugleich manch tröstlich bild von mir, Denn unter sturm und winden Erhebt sie sich; So muß auch ich Beim freuz den himmel finden. 6. Und wie das körnlein 7. Auf diesen seligen gewinn Freut sich bereits mein Herz und sinn; Muß ich bei trüben fällen Die thränensaat Nach deinem rath Gleich öfters hier bestellen. 8. Nur mache mich, o Gott! bereit 3m glauben und gottseligkeit Viel gute frucht zu bringen; So will ich dir, Dereinst dafür In ewigkeit lobsingen. Mel. Fürwahr, du bist, o Gott ze. 562.0, daß doch bei der reichen ernte, Womit du, Höchster, uns erfreust, Ein jeder froh empfinden lernte, Wie reich du, uns zu segnen, seist; Wie gern du unsern mangel stillst! Und uns mit speis' und freud' erfüllst. 2. Du siehst es gern, wenn deiner güte, vater! unser herz sich freut; Und ein erkenntliches gemüthe Auch das, was du für dieſe zeit Uns zur erquicung hast bestimmt, Mit dank aus deinen Händen nimmt. 3. XVI. Vor und bei der Ernte. 465 3. So kommt denn, Got- der armen, Wer ihren mantes huld zu feiern, Kommt, gel stillen kann; Herr! der christen, laßt uns seiner du aller vater bist, Gieb freun! Und bei den ange- jedem, was ihm nützlich ist. füllten scheuren Dem Herrn der ernte dankbar sein. Ihm, der uns stets versorger war, Bringt neuen dank zum opfer dar. 6. Thu deine milden segenshände Uns zu erquikken ferner auf. Versorg' uns bis an unser ende, Und mach' in unserm lebenslauf Uns dir im kleinsten auch getreu; Daß einst uns größres glück erfreu. 4. Nimm gnädig an das lob der liebe, Das unser herz dir, vater, weiht. Dein segen mehr' in uns die triebe, Zum that'gen dank, zur folgsamkeit; Daß preis für deine vatertren Auch unser ganzes Leben sei. 5. Du nährest uns blos aus erbarmen, Dies treib' auch uns zum wohlthun an. Nun sei auch gern ein trost 7. Bewahr uns den geschenkten segen; Gieb, daß uns sein genuß gedeih', Und unser herz auch seinetwegen Dir dankbar und ergeben sei. Du, der uns täglich nährt und speist, Erquick' auch ewig unsern geist! Bei sparsamer Ernte. Mel. Wer Jesum liebt und traut. oder: Was Gott thut, das ist wohl ac. 563.Was as Gott thut ist sehr wohl gethan; So denken Gottes kinder. Wenn man nicht reichlich ernten kann: Liebt er uns doch nicht minder. Er zieht das Herz Doch himmelwärts, Ob wir gleich oft auf erden Bei mangel traurig werden. 2. Was Gott thut ist sehr wohlgethan: Im nehmen und im geben Sind wir bei ihm stets' wohl daran, Und können ruhig leben. Er nimmt und giebt, Weil er uns liebt, Und seine hände müssen Wir stets in demuth küssen. 3. Was Gott thut, ist sehr wohlgethan. Er zeigt ☎ g uns Dritte Abtheilung. 466 uns oft den segen, Und ehe heit, man ihn ernten kann, Muß sich die hoffnung legen; Weil er allein Der schutz will sein, So nimmt er andre güter Und bessert die gemüther. Preist Gott, den Herrn der ernte, Daß sich nicht ganz die fruchtbarkeit Von an' und feld entfernte. Noch stets erhält Er seine welt; Was nöthig ist zum leben, Will er uns alles geben. 4. Was Gott thut, ist sehr wohlgethan; Es geh' nach seinem willen. Läßt 2. Er ist der Herr; in sich es auch zum hunger seiner hand Ist, was die an, Weiß er ihn doch zu stillen; Obgleich das feld Nicht viel enthält, Wird er doch seinen segen kleinern vorrath legen. In erde bringet. So sehr auch menschenfleiß das land Baut, pfleget und bedünget, Kommt doch allein Von ihm gedeihn. Nur er, er läßt die sa aten Blühn, reifen und gerathen. 3. Oft sehn wir froh in hoffnung schon Der reichsten ernt' entgegen, Und plötzlich ist er uns entflohn, Der uns gezeigte segen. Gott nimmt und giebt, Was ihm beliebt, Daß er, als Herr der erde Von uns verehret werde. 5. Was Gott thut, ist sehr wohlgethan; Das feld mag traurig stehen: Wir gehn getroft auf seiner bahn, Und wollen ihn erhöhen. Sein wort verschafft Uns lebenskraft: Er nennt uns Gottes erben, Wie können wir verderben? 6. Was Gott thut, ist sehr wohlgethan; Wir wolSo len ihn verehren. Er sieht 4. Zeigt auch gleich nicht uns alle gnädig an, Und so sichtbar sich Der reichwird uns ferner nähren. thum seiner gaben; Denn unser Gott Hilft in giebt er uns doch sicherlich, der noth; Er wird das So viel wir nöthig haben; wen'ge segnen Und uns mit 3st stets bedacht, Voll guad' huld begegnen. und macht, Die seinen zu erhalten, Die ihn nur lassen walten. 5. und o, was ist's für ein In voriger Melodie. 564. Preift, christen, zufrieden XVI. Vor und bei der Ernte. 467 Wirst du uns, Gott, Von zeit zu zeit gewähren, Wenn wir dich findlich ehren. ein gewinn, An dem sich segen. Auch unser brod, gnügen lassen, Was da ist, und mit heiterm sinn Das feste zutraun fassen, Daß, der die welt Regiert und hält Auch uns, so lang wir leben Was nöthig ist, wird geben. 7. Wir beten demuthsvoll dich an, Der alles weislich füget, Des vorsicht niemals irren kann, Des wohlthun niemals trüget. Froh danfen wir, Erhalter dir, Und preisen deine güte Mit gnügsamem gemüthe. 6. Ja, höchster, wir verehren dich In allen deinen wegen, Und trauen under änderlich Auf deinen milden XVII. 3n allgemeiner Noth. Mel. Auf meinen lieben Gott zc. unsre schulden, Und du be4. 565,68 züchtigt deine strafft uns minder, Als hand, O höchster jetzt das land. Zu deinem vaterherzen Erhebt in bittern schmerzen Sich das gebet der armen; Erhör es mit erbarmen. wir's verdient, wir sünder. Doch, vater, deine huld Ist größer, als die schuld. Gedenke an die deinen, Die reuend vor dir weinen; Gedenke mit erbarmen An die gebeugten armen. 5. Verkürze doch, o Gott, Die dauer unsrer noth! Laß, die jetzt vor dir flehen, Trost und erleichtrung sehen; Berwandle alles leiden In nene lebensfreuden. 2. Du siehst des landes noth, Sie kam auf dein gebot. Du kannst mit mächtgen händen Sie lindern und auch enden. Ein wort aus deinem munde Verändert zeit und stunde. 3. O Herr, wir murren nicht; Gerecht ist dein ge- 6. Doch wenn, Herr aller richt Bei allem, was wir welt, Es dir noch nicht gedulden; Denn groß sind fällt, Die trübsal zu entfer= Gg 2 nen: 468 Dritte Abtheilung. nen: So stärk' uns, daß Gott, zu dir. Laß wir lernen Mit ehrfurchtsvollem schweigen Vor dir uns findlich beugen. Laß sie nicht hülflos, tröste die, Die du gebeugt hast, segne sie! 2. Gieb, wen du jetzt 7. Sa, deine züchtigung betrübet hast, Geduld, zut Leit' uns zur besserung! Laß tragen seine last; Erfreu' sie die sichern schrecken, Die ihn, wenn er ausgeweint: schläfrigen erwecken, Auf Sei du sein erster, bester dein gebot zu merken, Und freund. redlich fromme stärken. 3. Der, des du schonst, 8. Wenn unser herz dich vergesse nicht In undank liebt: So wird, was uns seiner menschenpflicht, Bebetrübt, Uns doch zum heil trübte brüder zu erfreun, gedeihen, Und uns zuletzt Barmherzig und auch mild erfreuen; So wird uns zu sein. deine gnade Zum licht auf dunklem pfade. In voriger Melod ie. 9. So stärke denn daß 567. Sehn wir mit herz, Daß auch im größten schmerz Es nie an muth uns fehle; sprich zu unfrer seele; Getrost! dich soll kein leiden Von meiner liebe scheiden. trübſal um uns her, Und wissen keinen ausgang mehr, Und finden weder schutz noch rath, Ob wir auch sorgen früh und spat: 10. Am schluß von unserm lauf, Dann klärt sich alles auf; Dann wird die aussicht heiter, Dann thränt kein ange weiter; Und die ses lebens leiden Verwandeln sich in freuden. 2. Dann bleibt das unser troft allein, Du, Herr, du könnest uns befrein. Wir fliehn zu dir, du trener Gott, Du einz'ger helfer in der noth. 3. Wir heben unser aug' und herz Hinauf zu dir in unserm schmerz, Ünd flehn 566. Mit unsern brü- dich um begnadigung Und Mel. Wenn wir in höchsten 2c. dern seufzen wir In ihrem jammer, aller strafen linderung. 4. Versöhnt den fündern fagest 469 XVII. In allgemeiner Noth. sagest du Sie allen, die dir versicht! Vergilt nach unsrer trauen, zu. Versöhnt bist du durch Jesum Christ, Der unser heil und mittler ist. schuld uns nicht. Um Chrifti willen steh' uns bei, Und mach' uns aller plage frei. 5. Dir, unserm vater, unserm Gott, Dir klagen wir all' unsre noth Ach deine vateraugen sehn, Wie so verlassen wir da stehn! 6. Nur du bist unsre zu- und dort. 7. Dann danken und lobsingen wir mit freudenvollem herzen dir; Gehorsam deinem theuren wort, Herr, preisen wir dich hier XVIII. Witterungs- Lieder. Um Regen. 3. D erhalt' uns deinen segen, Trener, liebevoller Gott! Gieb uns einen milden regen, Und verkürz uns unsre noth. Doch, wir trauen es dir zu, Was uns gut ist, fügest du. 4. Stärke du uns dies vertrauen: Unser wohl ver2. Längst schon lechzt am säumst du nicht. Auf dich, sonnenlichte Unser erdreich, gnadenvoller, bauen Wir dürr wie sand, Und es die feste zuversicht: Du, schmachten alle früchte In der helfen will und kann, dem säfteleeren land. Schreck- Nimmst dich unsrer gnädig lich droht uns ihr verlust; an. Sorge nagt an unsrer brust. Mel. Abba, lieber vater, höre 20. voer: In dem leben hier auf erden. 568. Gott! von großer macht und gütte! Deinen segen suchen wir; Mit geängstetem gemüthe Schauen wir empor zu dir. Du, du weißt, was uns gebricht; Unser trost, verlaß uns nicht. Nach Dritte Abtheilung. Nach erhaltenem Regen. Mel. Nun lob mein seel' den 2c. Vom mark der erde voll, 569 Gin milder regen Das seine menschen nähren, sinket Erquik- Und sie erfreuen soll. Auf! kend auf die dürre flur! preiset Gottes milde! Er Wie labet sich, wie trinket ist's, der regen schickt, Und Ihn die verschmachtende na- lechzende gefilde Voll vatertur! Die sanften ströme huld erquickt. fühlen Der lüfte weites. 3. Erhalter unsers le meer Und die geschöpfe füh- bens, Gott, dem wir uns len Sich nicht mehr träg' jetzt dankbar nahn, Olaß und schwer. Gott spricht: uns nicht vergebens Die das seufzen schweiget, Und gaben deiner huld empfahn! hig' und dürre fliehn. Der Du sendest thau und regen, frommen danklied steiget Giebst milden sonnenschein; Hinauf und preiset ihn. Du eilst mit deinem segen Uns alle zu erfreun. Ach! laß uns nicht vergebens So manche gab' empfahn, Und nimm, o quell des lebens, Dich unser ferner an! 2. Mit muth im angesichte Beschaut des acters herr sein feld. Erquickt hat Gott die früchte, Er, der versorger seiner welt. Dick steht die saat, die ähren, 470 Um Sonnenschein. Mel. Ach Gott! vom himmel zc. Laß doch der sonne frohen 570. Gott, du blick Uns wiederum erfreuen. 2. Die felder trauern weit und breit; Die früchte leiden schaden; Sie sind von vieler feuchtigkeit Ertränkt Dein se gezeigt, Der kannst den himmel ganz Mit wolken überziehen; Doch müssen vor der sonne glanz Sie, wenn du willst, entfliehen. Laß und überladen. doch, du liebst ja unser glück, gen, den du uns XVIII. Bitterungs- Lieder. 471 Der fich betrübt zur erde In wohlthat uns verkehneigt, Scheint dem verderben nahe. ren. 4. Herr, thue was dir wohlgefällt. Erquick auch, uns zur wonne, Das schon so lang durchnäßte feld Durch heitern schein der sonne. Doch, findest du es uns nicht gut, So stärk', allweiser, uns den muth, was uns verderben scheint, Auch diese noth zu tragen! 3. Wer hilft uns hier? o Gott, wir sehn Auf dich bei diesen plagen. Du thust weit mehr, als wir verstehn Und dich zu bitten wagen. Du, der's mit uns auf's beste meint, Kannst leicht, Nach erlangtem Sonnenschein. Mel. Gott des himmels und 2c. 3. Werth ist er, daß 571. Lieblich scheint die wir ihn ehren, Und befolsonne wieder gen sein gebot; Voll verAn dem heitern firmament. traun zu ihm uns kehren, Sanft erquickend strahlt sie Wenn uns eine trübsal nieder Auf die frucht, die droht; Werth, daß ohne Gott uns gönnt. Sehet, heuchelei Unser herz sein wie sie, neu belebt, Wieder eigen sei. sich so schön erhebt. 2. Mit erkenntlichem gemüthe Laßt uns dankbar fröhlich sein, Ihm, dem vàter, reich an güte, Ewig unsre liebe weihn. Er, der liebreich uns ernährt, 3st tröster sein! ja dieses opfers werth. 4. Ja, dir, leben aller leben, Aller träfte ew'ge kraft! Dir sei unser Herz ergeben, Du bist's, der uns segen schafft; Ewig müſsest du allein Unser ruhm und XIX. 472 Dritte Abtheilung. XIX. Lieder in Feuersgefahr. Für Abgebrannte. Mel. Nun ruhen alle wälder 20. deren willen Doch unser elend stillen, Gieb uns an deiner gnade theil. 572.D jammervolle tage, Da so viel angst und plage Uns hart betroffen hat; Ein grojes maaß voll thränen Ist bei dem bangen sehnen Jetzt unsre speise früh und spat. 2. Drum fallen wir in buße Dir, höchster Gott, zu fuße, Erkennen unsre 7. Indessen gönn' uns schuld. Erbarme dich der armen, vater! dein ersünder, Verstoß nicht deine finder, Erzeig' uns wieder gnad' und huld. 3. Gedenk an deine treue, Wir flehen voller reue, Ach, merk auf unser flehn! Dit bist ja unser vater, Erhalter und berather, Laß uns nicht gänzlich untergehn. 4. So groß der sündenschade: So ist doch deine gnade Noch größer als die schuld. Du kannst uns nicht verderben: Denn Christi blut und sterben Erwarb uns allen deine huld. 5. Wir flehn durch seine wunden, Wo wir stets heil gefunden: Ach! gieb uns trost und heil. Laß sich um 6. Es soll dir leib und leben Zu deinem dienst ergeben und aufgeopfert sein. Dein geist, Herr, soll uns führen Und jederzeit regieren Dein wort, o Herr, soll uns erfreun. barmen, Und steh' uns mächtig bei; Daß künftig neuer segen Auf allen unsern wegen Nach deiner huld stets bei uns sei. 8. Ersetze, was zuſammen Wir durch die wuth der flammen So schleunig eingebüßt. Erfülle dies begehren; Du wirst uns, Gott, gewähren, Was unsrer wohlfahrt dienlich ist. 9. Erbane, was zerstöret Und was die gluth verzehret; Steu'r fünftig allem brand: So wollen wir von neuem Uns deiner güte freuen, Und ehren dankbar deine hand. Nach XIX. Lieder in Feuersnöthen. Nach der Feuersgefahr. Mel. Wenn wir in höchsten 2c. 5. Ogieb, daß, wer 573. Gott, dessen verschont ward, nicht Ber= macht des feuers kraft Zum segen und verderben schafft: Mit welcher schrecklichen gewalt Verwüstet's! und wie leicht, wie bald! gesse seiner schönsten pflicht, Der pflicht, betrübte zu er= freun, Barmherzig und auch mild zu sein! 2. So manche Häuser hat's verzehrt; So mancher menschen glück gestört! Auch dies hat deine hand gethan; Wir weinen, Herr, und beten an. 3. Wir weinen; doch verehren wir Auch deine huld; fie half auch hier, Und hielt der flamme schnellen lauf, Der übrigen zu schonen, auf. 4. Mit unsern brüdern seufzen wir In ihrem jammer, Gott, zu dir; Laß sie nicht hülflos! tröste die, Die du gebeugt hast; segne sie! 473 XX. Beim 6. Was du uns nimmst, das kannst du, Gott, Auch wieder geben; jede noth In heil verwandeln; weis' und gut 3st alles, was dein wille thut. 7. Gieb unterwerfung und geduld, Daß wir nie deiner vaterhuld Verlustig werden; voll vertraun Dich wo kein leid ist, einst zu schaun. 8. Schütz' unser gan zes vaterland Vor mangel, seuchen, krieg und brand! Gieb, weil du unser vater bist, Uns allen, was uns selig ist! Gewitter. Mel. Ist auch ein Gott 2c. seine blitze auch die erd' er574. Kommt, laßt schüttern, Nicht muthlos zittern. uns Gott und seine größ' erheben, Ihm preis und rühm, auch wenn 2. Nicht wähnen, daß wir dann erbeben sollen, er donnert, geben; Wenn Wann donner unter seinem throne 474 Dritte Abtheilung. athmen wir, von leichter luft umgeben, Mehr kraft, mehr leben. throne rollen, Und daß, drohn, entweichen; Auch wenn blitze flammen, dann zur rache Sein zorn erwache. 3. Sie zeugen, Gott, wie alle deine werke, Von deiner weisheit, deiner huld und stärke. Gleich herrlich ist im sturm und in der stille Dein rath und wille. 4. Von tiefer ehrfurcht, Herr, vor dir durchdrungen, Sehn wir in der natur erMel. Nun danket all' und 2c. ſchütterungen Auch güte, die 575.Der hohe himmel dunkelt sich; und Selbst wenn sie bebet. 5. Fruchtbarer wird sie dann; wie deine frommen, Geprüft zu werden, oft in trübsal kommen. Sie leiden, durch geduld zu edlen werken Sich mehr zu stärken. 6. Dann reifen herrlicher der tugend saaten Zu mannigfaltigen und schönen thaten. Sie werden, wenn die trübsal sie bewähret, Nur mehr berkläret. 7. So strahlt, wenn donner die natur erschüttern, In größrer schönheit sie nach ungewittern, Als schmückte fie nun eine neue sonne, Mit neuer wonne. 9. Wie sollten wir, wenn deine donner toben, Allmächtiger, nicht deine güte loben! Dir bringen wir für alle deine werke, Herr, preis und stärke. 8. Verderbenvolle dünst' entfliehn, und seuchen, Die uns und unsern heerden Ein Wetter Gottes dräut: Ich bebe nicht; ich freue mich, Gott, deiner Herrlichkeit. 2. Du zürnest, wenn du donnerst, nicht; Du bist der menschen freund. Froh sei denn auch mein angesicht, Wann uns dein blitz erscheint. 3. Dem sünder nur, der dich nicht kennt, Dem biſt du fürchterlich; Dem aber, der dich vater nennt, Zeigst du als vater dich. 4. Gut ist für uns der sonne licht, Gut für uns tag und nacht! Auch gut iſt für uns dein gericht, Und deiner blitze pracht. 5. Du reinigst durch den blitz die luft; Dein regent fühlt 475 kühlt die saat; Und deines donners stimme ruft: Seid rein von missethat! schwachen geist, Trag' mit geduld dein kind. 7. Laß frei das Herz von 6. Doch wir sind men- ängsten sein, Wenn uns dein schen, und du weißt, Wie wetter droht, Weg bange schwach wir, vater, sind. furcht; wir sind ja dein, Stärk' im vertraun den Du bist die lieb', o Gott! XX. Beim Gewitter. Nach dem Mel. Gott werde stets von dir. oder: Fürwahr, du bist, o Gott 2c. 576.So ist nach Got tes rath und wille, Dies wetter glücklich mun vorbei, Und bei der angenehmsten stille Lebt alles auf und lebt auf's neu. Herz! fordert dies nicht deinen dank, Und deinen frohen Lobgesang? Gewitter. 4. Wie lieblich hebt sich das getreide, Getränket durch den regenguß! Und wie vergnügt betritt die weide Der neubelebten thiere fuß! Der muntern vögel frohes heer Singt froher des erhalters ehr. 2. O seele! preise den erretter, Der seine große kraft bewies; Den starken Gott! der sich im wetter. So majestätisch hören ließ; Der selbst des blitzes strahlen lenkt, Und stets an uns in gnaden denkt. 5. O Gott! es bringt uns manchen segen Der blitz und donner deiner hand. Er bahnt den weg wohlthätgem regen, Und fruchtbarfeit strömt auf das land. Drum wird dir, wann der frevler zagt, Vom christen frendig dank gesagt. 3. Wenn die erhitzten dünste glühen, So, daß die menschen und das vieh Den odem matt und schmachtend ziehen: Wie froh, wie munter werden sie, Sobald nur 6. Jetzt sprichst du zwar nicht mehr aus wettern, Doch heilig bleibst du für und für; Dein blitz droht nicht mehr zu zerschmettern, Doch bleib' ich ehrfurchtsvoll vor dir: Du bleibst stets meine zuverin die schwüle luft Der don- sicht, Ich liebe dich, und ner kühle winde ruft. zage nicht. XXI. 476 Dritte Abtheilung. XXI. In Wassersnoth. Mel. Was mein Gott will 2c. 577. Wir sind in noth; laß uns, o Gott, Die fluth nicht überschwemmen! Nimm uns in acht; wehr' ihrer macht; Du kannst die wogen hemmen. Verbirg jetzt nicht Dein angesicht: Gedenk an uns in gnaden. Gott, wenn uns jetzt Dein arm beschützt: Was Nach geendigter Wassersnoth. Mel. Sehr groß, Herr, ist die huld bei, Die fluth hört' auf zu oder: Nun danfet all' und 2c. 578. Lob, ehr' und dank fei dir, gro Ber Gott! gesungen, Daß du durch deine macht Die wilde fluth bezwungen. Es tobete der wind, Das waffer schreckte sehr, Die wellen rauschten schon Fast über uns daher. kann die fluth uns schaden? 2. Ach hilf uns, Herr, Allmächtiger! Um Jesu Christi willen! Ach du allein kannst uns befrein, Kannst sturm und wellen stillen! Erbarme dich; Hilf väterlich; Beschütz uns gut und leben! Dann wollen wir Dir Gott dafür Dank, preis und ehre geben. 2. Doch mitten in der fluth Bewiesest du erbarmen, Und halfft uns väterlich. Du zeigtest an uns armen, Daß du von Herzen doch Die menschen nie betrübst, Und im betrüben auch Sie als ein vater liebst. 3. Nun ist der sturm vortoben. Gott, du hast uns bedroht, Mit starker hand von oben. Die Wasser laufen ab, Der mensch wird wieder froh, Der voll von furcht und angst Nach Hohen orten 4. So sei denn nun gepreist O vater aller güte! Nimm an, was wir dir jetzt Aus dankbarem gemüthe Für deine große tren Zum opfer bringen dar: Selbst unser herz soll sein, Der lob- und dankaltar. 5. Wir rühmen deine macht, Denn die gebot den wellen, Daß sie sich legeten Und XXI. In Wassersnoth. Und uns nicht konnten fällen; laß in deiner hand Du sprachest nur ein wort: eingezeichnet sein. Bis hieher sollt ihr gehn! Da konnten wir uns gleich Frei und errettet sehn. 7. Erfreue nun das land, Das du bisher betrübet; Erquickle, Herr, dein volk, Das sich dir, Herr, ergiebet 3u ewig treuem 6. Wir wollen dir hinfort Allein zur ehre Leben, Und nicht mehr, wie bisher, dienst; Gieb neue fruchtMit sünden widerstreben: barkeit, Und schenk auf diese So halt denn ferner auch fluth Uns segensvolle zeit. Mit deinen strafen ein, Und XXII. 3n Kriegeszeiten. 477 Uns FEC 733 that In eigener Melodie. tert nicht, Wenn auch un579.11m erbarmen schuld, recht und pflicht Uns flehen wir, Um erbarmen, Gott, zu dir, Um erbarmen flehn wir, Herr, mit unerschrockenheit Streiten heißt und muth gebeut! Wird doch auch gerechter Gnädiger! allmächtiger! muth Leicht zur rache, leicht Hör uns! rett' uns! hilf, zur wuth! Was vergießt o Gott! Hilf! denn allent- er? bruderblut. halben droht Uns verwistung, schwert und tod. 2. Ach! des krieges flammen glühn! Friede, Luft und segen fliehn! Der zer störer fliegt daher, Stürmet, brauset, wie das meer; Wie ein hagelsturm verzehrt Er die länder; blut begehrt, Blut und tod sein durstig schwert. 3. Ach! o Gott, wer zit4. Zagend möchten wir vergehn, Wenn des krieges gräul wir sehn. Um erbarmen flehen wir, Um erbarmen, Gott zu dir! Denk' an uns in gnad' und huld; Nicht an unsrer laster schuld! Rett' uns bald, gieb uns geduld! 5. Alle, fürst und unterthan, Knie'n vor dir und beten an. Was ist unsrer waffen macht, Wenn dein eifer 478 Dritte Abtheilung. eifer, Herr, erwacht? Willst ser schutz und retter, So du ins gericht nun gehn? Ach! wie könnten wir bestehn! Wir verzagen: wir vergehn. 2. Gieb, vater, in so triben tagen Uns nur den sinn, auf dich zu sehn, Und da, wo andre trostlos zagen, Mit zuversicht zu dir zu flehn, Weil nie doch menschenhülfe nützt, Wenn deine rechte uns nicht schützt. 6. Send herab von deinem thron Deines segens ersten sohn, Der zu brüdern feind und freund Durch der liebe band vereint. Deinen frieden und sein glück Sende Herr, zu uns zurück! Deinen frieden und sein glück. 7. Der du, allgewalti- 3. Keinblinder zufall ger. Sprichst zum meere: herrscht auf erden; Du biſt bis hieher! Sprich, was es, der die welt regiert. unser flehn begehrt: Fahr' Ein jeder wird schon inne in deine scheid', o schwert! Sprich zur zwietracht, Herr: entweich! Zur verwüstung sprich: entfleuch! Denn die welt ist, Gott, dein reich. werden, Daß deine hand die welt regiert. Drum wollen wir, Herr! voll vertraun, Auf deinen schutz und hülfe baun. 8. Ach! die völker beten dann Deine macht frohlockend an, Und mit harfen in der hand Dankt das volk und jedes land. Hör' uns, hör' uns, flehen wir Um erbarmen, Gott, zu dir! Um den frieden flehen wir. Mel. Wer weiß, wie nahe mir zc. 580. Cs zieht, o Gott, ein kriegeswetter Jetzt über unser haupt einher. Doch, bist du unfürchten wir uns nicht so sehr, Wie heftig auch gefahr und noth Den völkern und den Ländern droht. 4. Wir fallen gern in deine arme, vater der barmherzigkeit! Und flehen demuthsvoll: erbarme Dich über uns zu dieser zeit! Laß gnade nur für recht ergehn, So bleiben wir noch aufrecht stehn. 5. Und findet, Herr, dein weiser wille Noch ferner züchtigungen gut; So faffen wir in frommer stille Dennoch zu dir den frohen muth: Daß du gewiß zur rech XXII. In Kriegeszeiten. rechten zeit Uns zu erretten feist bereit. 6. Du züchtigest doch stets mit maßen Und meinst es immer väterlich; Auch uns wirst du nicht ganz verlassen; Und unsrer noth erbarmst du dich, Wir sollen nur durch angst und pein verlaß uns nicht. Geläutert und gereinigt sein. Nach erlangtem Frieden. Mel. Nun danket all' und zc. 5. Die feinde toben nun 518. Bringt Gott, nicht mehr, Drohn nicht ihr christen, preis und dank! Ihm, der den frieden schafft. Erhebt mit frohem lobgesang Die wunder seiner kraft! mehr fürchterlich; Wo menschenblut sonst floß, daher Ergießt sein segen sich. 6. Das feld giebt nun zu seiner zeit Die frucht Er dem, der es baut; sammelt ruhig und erfreut, Was er ihm anvertraut. 7. In jedem stand lebt neuer muth Zu fleiß und arbeit auf; Und keine furcht vor feindes wuth Stört der geschäfte lauf. 8. Allgütiger, allein von dir Fließst dieses heil uns zu; Dein waren, sind und bleiben wir, Und unser Gott bist du! 479 7. Froh werden auch wir rühmen müssen, Wenn du uns wieder wohlgethan: Gott brach, nach uns verborg'nen schlüssen, Zum heil uns auch durch noth die bahnt. Di bleibest unfre zuversicht, Barmherziger, 2. Wer ist ihm gleich? wer ist, wie er? Der so zur rechten zeit Den streitenden und ihrem heer Mit macht, seid still! gebeut. 3. Er sieht der völker angst und müh, Und hilft sie überstehn; Er hört ihr flehn und lasset sie Hülf' und erretttung sehn. 4. Auch wir sehn sie, erfreut von ihm, Der allen jammer heilt, Wie, wenn des ungewitters grimm Sein sonnenstrahl zertheilt. 9. Erweck' uns selbst durch deinen geist Zur wahren Dankbarkeit, Die dich durch fromE 480 frommes leben preist Und stets sich deiner freut. Dritte Abtheilung. 10. Lehr' uns des friedens großen werth Mit wei sem ernst verstehn, Und allem, was das Herz beschwert, In deiner furcht entgehn. 11. Daß güte und gerechtigkeit Und aller laster schen, Vereinigt mit zufriedenheit, I'm lande herrschend sei. 12. Durch unsre ganze lebenszeit Leit' uns nach deinem rath, Und froh sei dir von uns geweiht Gedanke, wort und that. 13. Getroft sehn wir auf deine hand Und warten deiner güt', Und hoffen auf das vaterland, Wo ew'ger friede blüht. Mel. Herr, Gott, dich loben wir z. 582.3 u dir, unendlicher! Zu dir, allgütiger! Der völkern still zu sein gebot, Und frieden fandte, zu dir, Gott! Steigt unser jubelton empor; Zu unsrer höhern brüder chor Singt unser herz, entflammt von dank, Den lanten hohen lobgefang: Gelobt, geLobt sei Gott! Der weltbeherrscher, Gott! Der weltbeglücker, Gott! Der friedensgeber, Gott! Wer ist an majeſtät dir gleich! An güte und an macht so reich! Du sprichst ein wort: der himmel schweigt. Du sprichst ein wort: der erdkreis neigt Sich tiefanbetend vor dir, Gott, Und ehret schweigend dein gebot! Du siehst, wenn völker sich entzwein, Mit schwert und waffen sich bedränn. Die waffen sinken, und der streit Wird still, wird ruh' und einigkeit, Sobald Herr, deine rechte dräut Und völkern still zu sein gebeut. Wie schreckend, wie verheerend war Empörter völter zwist! gefahr Und angst und noth und tod umgab Uns drohend, offen stand das grab; Und unsre brüder sanken hin, Bei schaaren in das grab dahin; Und schmerz der mutterherzen brach, Und thränen floffent ihnen nach. Gott, furchtbar war der völfer zwist! Dank dir, allgütiger, er ist Durch dich, der erd' und himmel trägt, Geschlichtet, und mun beige legt. Das schwert, das bruderblut vergoß, 3st weggelegt. XXII. Jn Kriegeszeiten: 481 unsre nachwelt ruhn! gelegt. Aus deinem schooß laß uns ruhn, Und spät noch Strömt uns des friedens sanfte ruh' Und überflüß und segen zu. Aus deiner milden fülle geuß Gedeihn herab auf unHier liegen wir, und be- sern fleiß. So lang du uns ten an, Dich Gott, der dies noch wallen heiß'st Im pilan uns gethan. Laß ihn, gerthal, laß deinen geist, laß ihn beständig sein Den Den treuen führer, mit uns frieden, des wir uns jetzt sein! Dann führ' zur ew'gen freun; In seinem schooße ruh' uns ein. Amen. XXIII. In Theurung. Mel. Von Gott will ich nicht zc. hülfe bei. 583. Du befter trost du rufest Dem der armen, mit es sei; Zu Beherrscher aller welt! Du vater, voll erbarmen, Der ewig glauben hält! Du unsre zuversicht, Zu dem wir alle flehen, Auf den wir findlich sehen, Verlaß, verlaß uns nicht. Allmächtiger, nichts, da helfen ist dir leicht, Du kannst dem mangel wehren, In überfluß ihn kehren, Wenn's uns unmöglich deucht. 4. Die früchte laß gerathen, Und deine hülf' uns sehn; Erquicke du die saa2. Erbarmender, ach ten, So oft fie traurig wende Der zeiten schweren stehn. Herr, baue selbst lauf, Thu deine milden hände, Uns zu versorgen, auf! Was irgend leben hat Nährst du mit wohlgefallent. Nähr' uns auch! schaff' uns allen, Bei unserm mangel daß land, Tränk' es mit thau und regen, Und füll' es an mit segen Aus deiner milden hand. rath. 3. Herr, der du auch uns schufest, Steh' uns mit 5. Erhör' uns, uns, vater kröne Das jahr mit deinem gut, Daß sich das Herz gewöhne Zu wohlgefaßtem muth. Lehr' es sich deiner freun; Dritte Abtheilung. 482 freun; Stets zutraun zu dir haben, Und deine segensgaben Durch mißbrauch nie entweihn. 6. Allgütiger, wir hoffen Auf dich und deine treu. hier und dort. Oft hat uns noth betrofXXIV. Bei gefährlichen Seuchen. Mel. In dich hab ich gehoffet 2c. kein stand, kein ort; Hier weinen wittwen, eltern dort, Und da verwaiste kinder. Die seuch' erreicht Auch den, der fleucht, Den frommen, wie den sünder. 584.D, Gott, bist unsre hülf' und macht. Wenn uns dein auge nicht bewacht: Wer wacht, wer hilft uns armen? Erretter, dir, Dir flehen wir; Du wollest dich erbarmen. 2. Der seuchen gift verbreitet sich Weit um uns her; erbarme dich; Laß uns nicht plößlich sterben! Entzeuch dem tod Uns, der uns droht; Entreiß' uns dem verderben. fen, Und da standst du uns bei. Sprich nur dein mächtig wort! Das wird den mangel heben; Wir werden froher leben, Dich preisen 3. Du bist ein Gott, der gern verzeiht; Laß uns denn noch barmherzigkeit Vor deinem throne finden; Und dein gericht Vertilg' uns nicht In unbeweinten sünden. 4. Kein reichthum schützt, 5. Des allen sind wir werth; doch wir Beweinen's, Gott, Und flehn zu dir, Du wollest uns vergeben! Wir wollen gern Dir unserm Herrn, Gehor chen, dir nur leben. 6. Auch glauben wir an deinen sohn. Um Jesu wil len duld' uns schon, Und laß uns trost erscheinen! Stred' aus die hand, Und laß das land, Nicht länger hülflos weinen. 7. Sei mit den sterbenden, daß sie Dein antlis schaun, und alle die Noch Leben 483 NE leben, die bewahre; Tröst' lockt dir dann, Und betet in dem schmerz, Daß bald dich, erretter, an Und preiſet ihr herz, Wie gern du hilfft, deine gnade. Dann wandeln erfahre. Gott, vor dir Mit wir, O 8. Das ganze volk froh- freuden deine pfade. XXIV. Bei' gefährlichen Seuchen. XXV. In Krankheiten. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. und kraft Ist allem nah, 585. Gott, der du was sie erschafft. schmerz und freuden sendest, Mit weis4. Wenn schmerz und leiden mich umstürmen! So heit unser schicksal lenkst, denk' ich dein und deiner Und alles uns zum besten huld. In allen schmerzen, wendest, Was du nur über allen stürmen Verleih mir uns verhängst. Du hast weisheit und geduld! Benicht lust an meiner pein; ruhige mein herz und sprich: Auch sie soll mir zum heil Sei nur getrost und hoff' gedeihn. auf mich! 2. Auch durch die noth führt mich zum ziele Der seligkeit, Gott, deine hand, Und deiner tröstungen, wie viele Hast du mir schon ins herz gesandt! Wie oft ruft mir dein wort nicht zu: Gott ist dein vater; find bist du! 5. Wie litt im allerbangsten leiden So stille duldend Jesus Christ! Leid' ich ihm nach, ein meer von freuden, Das ewig unerschöpflich ist, Umfließt mich dann vor deinem thron; Wie meine leiden, so mein lohn. 3. O du mein bester vater, glaubte Nur meine seele kindlich dir! O daß mir doch keine zweifel raubte Den süßen trost: Gott ist bei 6. Durch leiden wird mein herz ihm offen; Durch glauben naht sich ihm mein geist. Der stille dulder mur darf hoffen, Mehr hoffen noch als Gott verheißt. mir! Ja, vater, deine huld zu solcher hoffnung stärke H2 mich: Dritte Abtheilung. 484 mich So preif' ich auch in krankheit dich. Mel. Ach Gott, wie ist mein zc. oder: Es ist gewißlich an der zeit z. 586. Ach, lieber Gott, ich bitte dich, Hilf mir und andern kran fen, Und segne jeden doch, wie mich, mit heiligen gedanken; Gieb uns gelassenheit und ruh, Und unser befter arzt sei du, In schmerzen unser tröster. neuer treu und redlichkeit, Auf deinen wegen wandle. 5. Du weißt, wie wenig ich vermag, Du wolleft selbst mich leiten! Und recht auf meinen sterbetag Durch frömmigkeit bereiten: Daß über alles, alles ich Dich lieb', und dankvoll gegen dich, Dir lebe, Gott, dir sterbe. Mel. Wer nur den lieben Gott 20. 2. Belohne, trener vater, 587. Nicht mehr, als die, Die liebreich meiner pflegen; Für ihre treue segne sie mit deinem reichen se gen. Gieb gegen sie mir freundlichkeit, Laß mich aus unzufriedenheit Sie nie durch murren fränken. meine tragen, Barmherziger, legst du mir auf. Der schmerz wird mich nicht endlos na gen, Es folgt gewiß erquitkung drauf. Auf meinem krankenlager hier, Lobsing' ich, naher helfer, dir! 3. Soll diese krankheit tödtlich sein, Soll ich die welt verlassen; So laß von sündenlieb' mich rein, I'm glauben dich umfassen. Gieb luft und kraft zu jeder pflicht, Lehr' mich, im glauben ans gericht, Die liebste sünde haffen. 2. Weil mich die welt zu sehr zerstreute, Russt du mich in die einsamkeit; Weil ich den kampf so ängstlich scheute, Führst du mich mit ten in den streit; Und übft durch körperlichen schmerz Mein der geduld entwöhntes herz. 4. Doch willst du, bester vater, mir, Gesundheit wieder schenken; So fleht mein herz dankbar zu dir, Es allzeit so zu lenken, Daß ich in meiner pilgrimszeit Mit 3. Den felch der trübfal soll ich leeren? Ach Herr! du weißt, das fleisch ist schwach! Vergieb, daß eine fluth von zähren Aus meinen XXV. In Krankheiten. 485 nen matten augen brach! geflossen; So schenktest du Du, Gott, voll tren und mir, Gott, dies glück, vaterhuld, Stärk mich Das ich so oft genossen, durch glauben und geduld. Oft war ich frei von jedem 4. Der schmerz, der schmerz, War gutes muths, meine glieder schwächte, drum, o mein herz, Leid' Raubt mir des schlummers jetzt auch unverdroffen. sanfte ruh', Ich bringe num 3. Nein bester vater, die langen nächte Auf mei- gieb nicht zu, Daß ungeduld nem lager ächzend zu. Der mich kränke; Gieb deinen menschen hülf' ist schwach geist mir, der mir ruh Für und klein: Du aber wirst meine seele schenke! Den mein helfer sein. geist, der stark in schwachen ist; Damit ich, als ein wahrer christ, Dies leiden willig trage. 5. Dein wille mag allein entscheiden Wie lang' die prüfungsstunde währt; Und wenn sie auch im kampf und leiden Ganz meine lebenskraft verzehrt; Wenn auch mein Herz im tode bricht; Du, Herr, bist meine zuversicht. 4. Vergessen laß michs, vater, nie, Du seist und bleibst die liebe. Gieb nicht zu, daß mein herz doch je Ungläubig sich betrübe. Trug Jesus nicht auch meine schuld, Ist grenzenlos deine huld, Nicht Mel. Wenn mein stündlein 2c. nicht 588. Dein wille Herr ewig deine liebe? und vater, ist, Daß ich jetzt schmerzen leide; Doch weiß ich, daß du vater bist, Und dies ist meine freude. Dir ist die krankheit wohl bekannt; Mein leben steht in deiner hand, Du zählest meine tage. 2. Wenn in mir manchen augenblick Gesundes blut 5. Das eilen meiner lebenszeit, Laß mich, mein Gott, erwägen: Der todesnacht, der ewigkeit Flieg' ich stets mehr entgegen. Erst dann, wenn dies mein geist bedenkt, Sich recht zu dir zum himmel lenkt, Wird mir mein schmerz zum segen. 6. Voll Hoffnung wend' ich Dritte Abtheilung. 486 ich mich zu dir, Dir will ich mich ergeben; Schenk 589. Der morgen wahren ernst und weisheit mir, Wie du befiehlst zu leben. Bewahre mur vor hen chelei, O Gott, mein herz; zum himmel sei Gerichtet mein bestreben. Mel. Wer nur den lieben 2c. 8. Ach zum gebete schenke mir Noch munterfeit und stärke; Mein Herz wird sonst entfernt von dir, Und träg zum guten werke. Will gleich mein geist, der leib ist schwach; Hilf deinem finde, vater, mach, deine kraft ich spüre. Daß meine klage Wird auch mit diesem morgen nen! Wie traurig eilen mir die tage In meiner pilgerschaft vorbei. Der sonne neu ge 7. Ach jeden, jeden au- schenktes licht Erheitert genblick, Laß mich, mein meine seele nicht. Gott, dir weihen! Zieh von der erde mich zurück; 2. Noch immer bin ich auf der erde, Wo mich ge Laß nichts den geist zer- fahr und noth umringt, streuen; Rein glück der Und täglich härtere be welf, kein traum der zeit, schwerde Zu klagen und Gott, und das glück der zu thränen zwingt. Noch ewigkeit, Sei meine höchste immer fleh' ich unerhört freude. Um stärkung, die mein herz begehrt. 3. Herr, eile doch, mir beizustehen, Verlaß den müden wandrer nicht! D neige, vater, auf mein flehen Zu mir dein freundlich angesicht. Gieb mir geduld und bei dem schmerz Ein hoffend und gelaßnes herz, 9. Laß nicht zu, daß der krankheit pein zu groß mir schwachem werde; Laß deine gnade mich erfreun Und mildre die beschwerde. Du vater weißt, was jeden tag Dein schwaches kind ertragen mag. Hilf mir, thut, Ist heilig, ist gerecht erbarm dich meiner. und gut. 4. Mir ist mein schicksal noch verborgen, Das diesen tag mich treffen soll. Doch bin ich ohne gram und sor gen; Du, vater, kennst mein wahres wohl, Und was dein rath beschließt und 5. 487 2. Wie viel gefunde stunden Sind wie ein strom verschwunden! Wie schnell verfloß ein jahr! Du, Herr, hast mich gestärket; Ich hab' es kaum gemerket, Daß ich gesund und glücklich war. XXV. In Krankheiten. 5. Soll ich die last noch länger tragen? Ich halte deiner fügung still. Dein will' geschehe, will ich sagen; Herr, wie du willst; nicht, wie ich will. So, vater, laß bei jeder pein Geduldig mich, wie Jesus, sein. 3. Jetzt, da ich schmerz empfinde, Denk' ich an meine sünde Mit wahrer reu Du hast mich 6. Mit allen schmerzenvollen stunden Rückt doch ihr ende auch herbei. Dann und leid. hab' ich ewig überwunden, stets geliebet Und treu' an Und bin von aller trübsal frei. Und du giebst mir, o Gottes sohn, Den theu'rerworb'nen gnadenlohn. mir geübet; Doch liebte ich dich nicht allzeit. 7. Gestärkt durch diesen hohen glauben, Tret' ich auf meinen leidenspfad. Herr, stärke, stärke meinen glauben, Auch dann, wann sich der tod mir naht. Vielleicht erscheint er heute mir; Wohl mir, ich leb' und sterbe dir. 4. Ich warf mich nicht in demuth, Und nicht in wahrer wehmuth Vor dir, erhabner, hin. Jegzt wirfst du meine glieder Aufs kranfenbette nieder, Und lehrst mich, daß ich erde bin. 5. Ich wandte meine kräfte Nicht stets zum Hauptgeschäfte, Nicht stets zur tugend an. Das fühl' ich jetzt mit reue, Gelob' dir wahre treue, Dieweil ich Mel. O welt, fieh hier dein 2c. 590. Mein Jesu, der gutes denken kann. voll schmer- 6. Wie oft bin ich beim zen Und matt an leib und beten Ohn' ernst vor dich herzen Am ölberg nieder getreten, Wie laulicht sucht' sank; Mein bester freund ich dich! Jetzt lernt mein und tröster, Ach, siehe! herz nun ringen, Und ernſtdein erlöster Liegt jetzt nach lich zu dir dringen, Jegt deinem willen krant. ruf' ich zu dir flehentlich. 7. Dritte Abtheilung. 488 7. So hilfst du, Herr, in gnaden Und heilst den seelenschaden, Wenn du den körper stäupst. Mein leiden wird mir segen; Auch auf den rauhen wegen Seh' ich, daß du die liebe bleibst. 8. Vernimm mein gläu- warten habe, Wenn Jesus big flehen, Laß mich doch zum gericht erscheint. Bin hülfe sehen, Verbirg dich ich noch nicht auf rechter nicht vor mir. Mein bester bahn: So nimm' dich, vahelfer, eile, Erquicke, lindre, ter, meiner an. heile, Denn meine hoffmung steht zu dir. 9. Vermindre meine plage, Verlängre meine tage, Wenn es mir nützlich ist. Im neugeschenkten feben Will ich mich dir ergeben, Und rühmen, daß du hülf reich bist. ewig schicksal mir? ,, Komm du gesegneter, herein!" Ach! oder: ,, geh' zur höllenpein." 10. Doch soll ich bald er blaffen, Und diese welt verlassen; So waffne mich mit muth. Laß mich mein hauß bestellen, Und mach's in allen fällen, Mit mir und mit den meinen gut. 2. Herr, zeige mir noch vor dem grabe, Lehr' mich recht, wie mein Herz es meint, Und was ich zu er3. Allwissender, ist mein vertrauen, Auf Jesum auch von rechter art? Nicht, wie auf ihn die heuchler bauen, Bei denen er zum spotte ward; Die niemals auf sein beispiel sehn, Nie folgsam seine wege gehn. 4: Hat auch mein glaube dank und liebe Vor dir, mein Gott, in mir erzeugt? Entflammte er der demuth triebe, Damit ich kindlich mich gebeugt, Wenn du mich als ein vater trugst, Wenn du mich als ein vater schlugst? Mel. Wer weiß, wie nahe mir zc. 5. Du willst, ich soll die 591.Sie kommt, sie fünd' verlaffen; Thu' ich tommt, die es treu und mit geduld? letzte stunde! Schon ist der Vergab ich denen, die mich richter vor der thür; Was hafsen, Mit hand und herfür ein wort aus seinem zen ihre schuld? That' ich munde, Bestimmt mein auch einem menschen leid, Der XXV. Bei Krankheiten. 489 Der über mich noch rache macht, Getrost und froh: schreit? es ist vollbracht! 6. Empfahl ich dir auch die meinen? Hab' ich recht auch tren für ſie gewacht? 592. Hett, in angst Mel. Schon viele tage sind z. ier ich darum Darf ihrer keiner weinen, Daß ich nicht als ihr freund gedacht; Und sterb' ich in der zuversicht: Der Herr verläßt die mei nen nicht? 7. Such' ich in deinem wort erquicklung, Wenn mir um trost jetzt bange wird; Sehnt sich mein herz nach der entzückung, Die mir der Herr, mein guter hirt, Erworben, und in jener welt, Am quell des lebens vorbehält? 8. Mir sagt dein wort und mein gewissen, Daß ich ein übertreter bin. Laß ich auch fromme thränen fließen, Und fliche betend zu dir hin? Bleib' ich getrost durch Christi tod, Auch, wenn des grabes schrecken droht? 9. Gott, richter! vater! schone, schone! Weil er den kelch des leidens trank. Gieb kraft mir zu der sie geskrone, Die er dem frommen christ errang; Dann sag' ich durch des glaubens und schmerzen, Und flehe, weil ich flehen kann, Aus vollemt, tiefgerührtem herzen, Um Linderung dich, vater, an! Wen hab' ich sonst in diesen stunden Der angst, der pein, der einsamkeit? Wer heilt die mir geschlagnen wunden? Wer kennt so ganz, wie du, mein leid? 2. Wer ist's, der meinen schmerz zu lindern, Voll liebe auf mich nieder blickt? Wer ist's, der meine angst zu mindern, Mit seinem trofte mich erquickt? Du bist's, du vater aller väter, Der gern den leidenden erfreut, Zu dem so mancher fromme beter Ach! nicht umsonst um hülfe schreit. 3. Dich ruft auch mein gebet der thränen Um linderung und hülfe an; Du kennst des franken herzens sehnen, Und hast schon viel an mir gethan. Laß, laß mich nicht vergeblich bitten! Hör' 490 Dritte Abtheilung. Hör' auf mein stammeln- genuß der freuden, Erkennt des gebet, Damit dich, mein herz als vater dich. wenn ich ausgelitten, Mein 6. Gieb mir im schmerz, froher Lobgesang erhöht. den ich empfinde, Den geist der stärke und geduld; Bergieb, mir dem verirrten kinde, O vater, meine fündenschuld! Verläng're noch mein erdenleben, Wenn's deinem weisen rath gefällt! Dein ist es, du hast mir's gegeben; Dein sei es künftig, nicht der welt! 4. Du wirst ja nie des helfens müde, Nie müde, kranke zu erfreun; Du giebst genesung, trost und friede, Und wirst auch jetzt mein helfer sein. Dies sagt mir, der ich dir vertrane, Zu meiner ruh dein göttlich wort; Dies stärkt mich, wenn ich nach dir schaue, O mein erbarmer und mein hort! 5. In diesen bangen augenblicken, Wo angst und unruh mich betäubt, Wo mich der krankheit schmerzen drücken, Bist du der troft, der ewig bleibt. Auch dieser krankheit schweres leiden Sandtst du aus liebe über mich; Hier, so wie im 7. Laß mir den schmerz, den ich empfinde, Mir Herr, dazu gesegnet sein, Mich zu entreißen aller fünde, und ganz mich deinem dienst zu weihn. Wie dankbar will ich dich verehren Und leben als dein eigenthum; Auf deine stim me immer hören, Und lant verkünd'gen deinen ruhm. Bei der Communion eines Kranken. Mel. Wer nur den lieben 2c. 593.Ah! könnt' ich doch mit deinen gliedern Im tempel, Jesu, dich erhöhn, Und freudenvoll mit deinen brüdern Das denkmal deines tod's begehn! Doch, weil mich noth und krankheit plagt, Ist diese freude mir versagt. 2. Sieh, hier auf meinem krankenbette Feir' ich dein abendmahl allein, Doch, Herr, ich weiß, an jeder stätte, Hast du verheißzen, nah zu sein. Wo je XXV. In Krankheiten. 491 je ein frommer seufzt und leihn. Laß es die quelle weint, Da bist du, großer menschenfreund! höh'rer freuden Und jenes lebens vorschma& sein. Dein leiden, dein versöhmungstod Erquicke mich in 3. Um trost ist meinem herzen bange, Ich suche, Herr, dein angesicht. Um meiner noth. deine hülfe, Gott, wie lange Ruf' ich! und du erhörst noch nicht! Ach, stärke bei des leibes schmerz Mein banges und beklemmtes herz! 4. Vielleicht, o Herr! empfang' ich heute Zum letzten mal dein leib und blut; Drum gieb dadurch dem Herzen freude, Und der verzagten seele muth. Noch einmal, Jesu, flehe ich: Ach tröste und erfreue mich! 6. Ich sehe schon den himmel offen: Ich tröst' mich meiner seligkeit. Was kannst du, seele, größres hoffen, Als was dir da dein Gott verleiht? Nun komm ein neues leiden her, Mein Herz erbebt dafür nicht mehr. 7. Und naht der tod mit seinen schrecken; Ich bin getroft und zage nicht. Vom tode wirst du mich erwecken, Ich fürchte, Herr nicht dein gericht. Ich bin 5. Laß das gedächtniß getrost; dein leib und blut deiner leiden Mir schwa- Giebt auch im tode trost chem trost und kraft ver- und muth. Nach der Genesung. Mel. Aus meines herzens zc. ch lobe dich und 594.3 singe, Herr, deiner liebe rath. Die mir so große dinge Bisher er wiesen hat. Dich preifen ist mir pflicht: Ich will mein neues leben Dir ganz zu eigen geben; Mehr hab' und kann ich nicht. 2. Als in der frankheit schmerzen Die se ele faſt versank, Und nun aus volhem herzen Zu dir mein flehen drang: Da thateſt du mir kund, Du könnest uns das 492 Dritte Abtheilung. leben, Leicht nehmen, leicht es geben, und machtest mich gefund. 4. Herr über tod und leben, Du helfer in der noth! Wie kann ich g'nug 3. Des todes angedenken erheben Dich! o mein Herr Hast du in mir erneut; Den und Gott! Hört's alle: geist auf dich zu lenken, Mit Gott nur kann Uns helhülfe mich erfreut. Herr, fen, uns erretten! Ach, nie vergeß ich dein; Ich wenn wir Gott nicht hätwill in angst und plagen ten, Wer hülf' uns armen Hinfort nie troftlos zagen; dann! Im glück mich deiner freun. XXVI. In Todesnöthen. Mel. Mir uach, spricht Christus 2c. stille gruft; Die seele geht 595. Mach's mit mir zum vater; Bis ihn die Gott, wie stimme Jesu ruft, Auch dir's gefällt; Hilf mir in ihn zu ihrem vater. Wie allen leiden! Und, rufest werd ich dann mich seiner du mich von der welt, So freun! Wie selig werd' ich laß getrost mich scheiden! dann nicht sein! Dir, der du ewig mich erfreust, Befehl' ich vater, meinen geist. 2. Gern will ich folgen, lieber Herr! Ich werde nicht verderben; Du bist bei mir, allmächtiger, Ob ich gleich hier muß sterben, Verlassen einen jeden freund, Wie herzlich er's auch mit 4. Und seh' ich dich, o richter, dann: Ich werde nicht erbeben. Du nimmst mich, Herr, zu ehren an; Die fünden sind vergeben. Dein eigner sohn voll lieb' und huld Ertrug und tilgte meine schuld. 5. Warum wollt' ich denn traurig sein, Wenn ich vor dir bestehe, Und mir meint. 3. Den leib bedeckt die ich durch Christi blut mun rein XXVI. In Todesnöthen. rein In deinen himmel gehe? Getrost verlaß ich dich, o welt, Weil Gottes himmel mir gefällt. Mel. Herr Jesu Christ, meins 20 596.Herr err Jesu, meines lebens licht, Mein trost und meine zuversicht! Tief beugt mich meiner leiden last; Ach! unter ihr erlieg ich fast. 2. Mein Gott, wo nehm' ich kräfte her? Der gang zur ewigkeit ist schwer. Nimm deinen pilgrim an der hand, Und führ' ihn in das vaterland. 493 6. Mit sieg gefrönt gingst du ins grab, Ich folge dir getroft hinab. Ich geh' zu Gott mit freuden hin, Und jauchze, daß ich selig bin. 7. Ich traue, Herr, auf deinen tod In meiner letzten todesnoth; So schließ' ich meinen lebenslauf, Und du nimmst mich im himmel auf. 8. Am jüngsten tag erweckst du mich, Da sieht mein auge froh auf dich; In jenes schreckliche gericht Führst du mich, deinen freund, ja nicht. 9. Unsterblich werd' ich auferstehn, Verklärt werd' ich den vater sehn, Und du machſt mich in deinem reich Auf ewig deinen engeln gleich. 3. In mir tobt jetzt des todes schmerz, Voll ist davon mein armes herz; Es schreiet sehnsuchtsvoll in mir: Nimm mich, o Herr, nimm mich zu dir! 4. Ich seh' zu deinem kreuz empor, Und halte mir dein sterben vor, Denn nichts kann, selbst in todespein, Mir tröstender, als dieses sein. 5. Wann dann mein sterbend haupt sich neigt, Und sich mein grab mir traurig zeigt; So sei dein wort: es ist vollbracht: Mein licht in meiner todesnacht. Mel. Wer weiß, wie nahe mir zc. 597. I beine hände Und vater, halte sie im glauben fest; Verlaß den nicht an seinem ende, Der ewig sich auf dich verläßt; Du bist mein Gott von jugend auf, Hilf glücklich enden meinen lauf. 2. Du hast nach deiner vatergüte Beständig wohl an mir gethan; Erhör' auch meine letzte bitte: Nimm, Gott, mich dort zu ehren an! Dritte Abtheilung. 494 an! Ach, vater, ach! noch eins ist noth: Ein gutes end', ein sel'ger tod. 3. Du hast mich je und je geliebet, Versorgt, gestärkt, geschützt, regiert, Mich oft erquickt, durch leid geübet, Oft wunderbar, stets wohl geführt. Wohin ich In voriger Melodie. ging, wohin ich fah, War 598. Ich will ich deine güte nah. Gott, im tod erheben, Selbst nah' am grabe dank' ich dir. Zum segen gabst du mir mein leben, Und auch zum segen nimmst du's mir. Mein leben, sucht' ich dir zu weihn; Drum bleib ich auch im tode dein. 4. Auch jetzt, auf mei nem sterbebette, Sich meine noth mit mitleid an! Erquicke, lindere, errette! Denn du bist's, der mir helfen kann. Stärk mich im guten bis ans end, Damit ich treu den lauf vollend'. 5. Mein heiland, treib die furcht zurücke. Besiege meinen letzten feind; Lenk' auch im sterben meine blicke Auf deinen tod, o seelenfreund! Sprich mir trost, muth und freude zu, Mach ende, bringe mich zur ruh! 6. Ihr, meine güter dieser erden, Ihr machet mir den tod nicht schwer; Denn jetund werd' ich selig werden, Drum brauch' ich eurer nun nicht mehr. Du, Gott, bist's, wenn das eitle weicht, Der mir des lebens krone reicht. 7. Ich übergebe dir die meinen, Du vater der barmherzigkeit! Laß ihnen stets dein trostlicht scheinen, Und bleib ihr Gott zu aller zeit. Behüte sie vor ungemach, Und bringe sie mir selig nach. 2. Gott, welche feierlichestunden, Wenn du mich nun der erd' entziehst, Auf mich, den du getreu befunden, Voll schonender erbarmung siehst! Allmächtiger, in dein gericht Gehst du mit mir, erlöftem, nicht. 3. Der leib wird schwach; die morsche Hütte, In der mein geist hier wohnt, zerfällt; Schon gehen meine müden schritte Den weg zu Gott aus dieser welt. Ich bin getroft und zage nicht; Denn Gott ist selbst mein heil und licht. 4. XXVI. In Todesnöthen. 4. Wie, sollt' ich vor dem tode beben, Da du, erlöser für mich starbst? Er ist durch dich der weg zum leben, Das du am freuze mir erwarbst. Wie du ihn gingst, will ich ihn gehn, Wie du, werd' ich auch auferstehn. 5. Laß auch das grab in seiner Nähe Mir noch die letzten schrecken dräun: Du, Herr, auf den ich hoffend sehe, Wirst auch noch dann mein beistand sein. So nah dem lohn, den Gott verspricht, So nah' am ziele zag' ich nicht. 6. Du wachest über meine seele, Wann sie ihr haus, den leib, verliert; Giebst deinem boten dann befehl, Der sie zu deinen freuden führt, Zu denen der rechtschaffne christ Durch Jesu tod berechtigt ist. 7. Ich will dich noch im tod erheben, Selbst nah' am grabe preif' ich dich; Denn ewig werd' ich bei dir leben, Und da erfreu' ich ewig mich; Für mich ist selbst der tod gewinn. Wohl mir, daß ich erlöset bin! 495 müh' und qual, Doch nur noch wenig tage! Dann eile ich aus dieser zeit Hinüber in die ewigkeit, Weit weg von jeder plage. thal, Gedrückt von kummer, 2. Dann sinkt der leib ins fühle grab, Der staub zu allem staub herab, Nicht sterblich mehr zu leben: Mit freiem flug und frohem blick Kehrt der entbundne geist zurück Zu dem, der ihn gegeben. 3. Wohl meinem geist, wenn er dann ruht, Wenn er rechtschaffen, fromm und gut, Wenn thaten ihn begleiten! Wenn er, vereint mit Jesu Christ, Unsträf lich, rein und fähig ist Zum glück der ewigkeiten! 4. O hohes glück, vor Gott zu stehn! O freude, Jesu, dich zu sehn, Und mit dir deine glieder! Zu sehen dich in deinem licht Von angesicht zu angesicht, Dich, größter aller brüder! 5. Doch erst am tag des auferstehns, Am tag des frohen wiedersehns, Wann neu wird diese erde; Am tag, wo Gottes wunderkraft Mich ganz verklärt und neu erMel. Kommt her zu mir 2c. 599. Noch walle ich schafft: Was ich erst dann im thränen- sein werde! 6. www 496 Dritte Abtheilung. 6. Wie wird mir dann leib mit mir, Und singen zu muthe sein, Wann alle ewig, Jefu, dir, Aus frohem todten groß und klein, munde lieder. Jesu! vor dir stehen! Wann du mich dann beim namen nennst, Vor Gott und engeln mich bekennst; Ich ewig dich soll sehen! 7. Wann ich in jener großen stadt, Die Gottes hand gegründet hat, Im anschaun mich verliere! Wann ich in deinem himmelreich, Den engeln und dir selber gleich, Ein neues leben führe. 8. Ich, ich, der jetzt noch thränen weint, Ich werde, wann der Herr erscheint, Dann leuchten, wie die sonne! Ich fünder werd' von Mel. Schon viele tage sind z. ſünden rein, Ich sterblicher 600.Hier lieg' ich vor dir, Gott, und flehe, Und todesschweiß deckt mein gesicht: Geh', vas ter, Herr und richter, gehe Mit deinem knecht nicht in's gericht! Ach nimmer könnt' ich als ein sünder Bor deinem richterstuhl besteht, Wärst du nicht vater deiner kinder, Und hörteft gnädig auf ihr flehn. 2. Erzittern würde meine seele Und dies mein sterAllein, mein tes bild und wonne! 9. Befreit und ewig fern von qual; Erquickt mit freuden ohne zahl, Gott immer, immer näher: Dann steigt mit jedem augenblick, Der seele unaussprechlich glück Noch unaussprechlich höher. 11. Wie sind der freuden, Herr, so viel! O frenden ohne maaß und ziel, Hoch über alles sehnen! O ewigkeit, o ewigkeit! Was ist das leiden dieser zeit? Wie uichts sind alle thränen! 12. Sei start! sei freu denvoll, mein geist! Gott lebt, Gott hält, was er verheißt! Gott ist der Gott der frommen! Glaub's nur, nichts ist für dich zu groß, Für dich, zu dem aus Gottes schooß Der eigne sohn gekommen. 10. Und aller seraphinen schaar, Und wer auf erden heilig war, Sind alle meine brüder; Sind alle nur ein bendes gebein; XXVI. In Todesnöthen. 497 mein vater, ich befehle Dir zum sterben; Durch dich ist meine seele, sie ist dein! mir der tod gewint; Du Ich traue deinem theuren rufest mich zu deinen erben worte: Wer glaubet kommt Am throne deines vaters nicht ins gericht. Du hin. Und schließen meine öffnest mir des himmels augenlider Sich auch im letzpforte Und stärkest meine ten schlummer zu, So öffnen zuversicht. sie dereinst sich wieder Erwacht aus meines grabes ruh. 3. Getilgt, versöhnt sind meine sünden Durch ihn, des blut am kreuze floß; Durch ihn läßt du mich gnade finden, Und herrlich wird durch ihn mein loos. Dein war ich schon in diesem leben, Und auch im to de bin ich dein; Ich darf im letzten kampf nicht beben, 5. Im allerletzten augenblicke Sei mir, versöhner Gottes, nah, Daß mich im letzten kampf erquicke Dein letzter kampf auf golgatha! Laß mich getrost, wie du, verscheiden; Dir ruf' ich nach: ,, es ist vollbracht!" Vollendet sind der prüfung du wirst meine stärke sein. leiden! Besieget ist des to4. Sch folge deinem ruf des macht. Denn - Fürbitte für Sterbende. Mel. O haupt voll blut 2c. und weinten, Voll mitleid 601. Barmherziger, brach das herz. Du pflanztest ja dem herzen Des mitleids triebe ein; Wie solltest du nicht fühlen, Du nicht erbarmer sein? erhöre Der liebe heißes flehn: Laß, den wir innig lieben, Bald deine hülfe sehn. Der leiden schwere stunde, Laß sie vorüber gehn! Doch, Herr, nicht unser wille, Dein wille soll geschehn. 3. Sich deine kinder flehen Für ihren bruder dich; Gieß balsam in die wunden, Und hilf ihm väterlich. Wir wollten gern ihn retten, Doch ach, wir sind zu schwach. Thu', mächtigster, was keiJi ner 2. Er liegt und ringt und duldet, Gequält von bitterm schmerz, Wir sah'n ihn an Dritte Abtheilung. 498 ner Von uns für ihn vermag. 5. Lehr' uns mit heil' gem beben Am sterbelager 4. Doch soll des todes be- stehn; Uns näher jene stuncher Er leeren, soll er schon de, Die uns entfesselt, Zu weisern, edlern freuden, sehn; Dir neue treue schwö Zu des vergelters thron, ren; Durch dich von fünHinüber gehn; so führe Du den rein Mit jedem neuen ihn im dunkeln thal, Und morgen Bereit zum tode findre du, erbarmer, Des sein. todes letzte qual. Beim frühen Hinsterben geliebter Kinder. Eigene Melodie. 3. Auch meine thränen 602. Ah! meine tin preisen dich, Sie sind die der sind nicht zeugen, Gott, daß ich Die mehr! Mein traurig herz ist liebte, die du liebest, Und Hoffnungsleer, Von freuden nun im lichte deines throns, leer mein leben. Ich sah sie In der gemeinschaft deines wie den frühling blühn, Dir, sohns In höhrer tugend dir hofft' ich sie zu erziehn, übest. Herr, meine seufzer Gott, der sie mir gegeben. danken dir; Du, du verMein alter sollten sie er trautest sie nur mir. freun, Und mir einst trost im tode sein. preif 4. Mit thränen ich dich auch einst, Wenn du zum weltgericht er scheinst. Ach! dann mit freudenthränen Werd' ich sie, meine kinder, sehn, Mit ihnen dankend vor dir steht, Mich nicht mehr troftlos sehnen: Dann werd' ich froh bei ihnen sein, Und ewig mich mit ihnen freun. 2. Herr, ich verehre dein gebot, Doch laß mich meiner finder tod, Barmherziger, beweinen. Du, der du aller vater bist, Und weist, was herz der eltern ist, Laß mich jetzt gehn und wei nen! Verzeih den trieben der natur: Nicht murren flagen will ich mur. - XXVII. 28320 XXVII. Bei Begräbnissen. Mel. Nun laßt uns den leib 2c. nach unsern hütten zu, Und 603. Begrabt den machen zu der ewigkeit, Durch glaub' und tugend uns bereit! leib in seine gruft, Bis ihn des richters stimme ruft. Wir säen ihn; einst blüht er auf, Und steigt verklärt zu Gott hinauf. 7. Ach, Jesu Christ! dein bittrer tod Stärk' uns in unsrer letzten noth! Laß unsre ganze seele dein, Und selig unser ende sein! 2. Aus staube schuf ihn einst der Herr. Er war schon staub; und wirds nur In voriger Melodie. mehr. Er liegt, er schläft, 604. Grabt mein ververwest, Dereinst wesliches geerwacht aus dieser todesnächt. 3. Des frommen seele lebt bei Gott, Der sie aus aller ihrer noth, Aus aller ihrer missethat, Durch seinen sohn erlöset hat. 4. Hier hat ihn trübsal oft gedrückt; Nun wird er, Gott, von dir erquict. Hier trug er Jefu sanftes joch; Entschlief imt tod und lebt doch noch. 5. Gott blieb er treu bis an sein grab, Nun wischt Gott seine thränen ab. Was sind die leiden dieser zeit. Gott, gegen deine herrlichfeit? 499 6. Nun, du erlöster! schlaf in ruh. Wir gehn bein, ihr noch sterblichen, nur ein, Es bleibt, es bleibt im grabe nicht: Denn Jesus kommt und hält gericht. 2. Du wirst mein aufgelöst gebein, Odu verwesung, weit verstreun; Allein gezählt ist, wie mein haar, Mein staub Gott weckt mich wunderbar. 3. Gott ist barmherzig und verstößt Im tode nicht, die er erlöst, Die nicht, für deren missethat Der mittler sich geheiligt hat. 4. Bei euch hat trübsal mich gedrückt, Nun hat mich Gottes ruh erquickt; Ich trug des heilands sanf 312 tes 500 Dritte Abtheilung. tes joch, Entschlief im tod, und leb' doch noch. XXVII. Bei Begräbnissen. erntet dort vor seinem thron, Des glaubens und der tugend lohn. 5. Ihm blieb ich treu bis in mein grab; Nun wischt 3. Des immer eingeer meine thränen ab. Was denk will ich Zum tode sind die leiden jener zeit, so bereiten mich, Daß ich, Gott, gegen deine herrlich- voll muth und heiterkeit, feit! Ihn zu erwarten sei be reit. 6. Nun laffet mich in meiner ruh, Und geht nach euren hütten zu; Schafft, daß ihr selig werdet; ringt, Bis ihr euch auch der erd' entschwingt. 4. Auch zag' in dieser zuversicht Sch bei der meinen tode nicht. Sie sterben Gott; nach seinem wort Vereint er uns auf ewig dort. In voriger Melodie. 605. Wir ir tragen die sen leib zur gruft, Zur ruhe, bis der Herr ihn ruft: Bis einst durch Jesu Christi macht, Er aus dem todesschlaf erwacht. 5. Gott, wisch du selbst die thränen ab Dem, der bei dieses todten grab, Im tiefen schmerz versenket, weint, Dem noch kein licht und trost erscheint. 6. Heil' jedes Herz und binde du Die wunde, die 2. Nichts, als den leib, noch blutet, zu! Die hoffzerstört der tod; Die seele mung der unsterblichkeit Be geht hinauf zu Gott; Sie siege dieses lebens leid. Einige 501 Einige Gebete. I. Morgen- Gebete. 1) Morgen- Gebet in der Woche. Pi 5, 4. Herr! frühe wollest dur meine Stimme hören; frühe will ich mich zu dir schicken, und darauf merken. err, mein Gott, du Erhalter und Wohlthäter meines LeGnade, daß du mich auch diesen Tag haft erleben lassen. Du hast mich die Nacht über beschützt und durch den Schlaf erquickt; und von dir habe ich die erneuerte Munterfeit, mit welcher ich nun abermals die Pflichten meines Berufs und Standes vollbringen kann. Gieb mir dies so lebendig zit erkennen, daß es mir nie aus dem Sinne komme, wie ich dir ganz angehöre und dir alles, was ich bin und habe, verdante. Leite mich nun auch an diesem heutigen Tage mit deiner Gnade auf lauter guten Wegen. Bewahre mich vor aller Ungerechtigkeit und Sünde, damit ich nicht durch eigene Schuld mich unglücklich mache. Mache mich wachsam und stark gegen die Versuchungen, die mir heute vorkommen könnten; damit ich ich nicht am Abend Vergehungen gegen dich und Untreue gegen mein Gewissen mit bitterm Schmerz bereuen darf. Gieb meinen rechtmäßigen Geschäften und Unternehmungen einen guten Fortgang, da ohne dein Gedeihen doch alle unsre Arbeit vergebens ist. Wende Gefahr und Unglück ab von mir und denen, die mir angehören. Erbarme dich auch nach deiner väterlichen Güte aller Menschen, die mit mir deine Kinder sind, und laß die Welt deines Segens voll werden. Dir, mein Gott, übergebe ich also auch heute mein Herz, mein Leben und mein Schicksale. Erhalte mich in deinem Wohlgefallen und in deiner Liebe, und laß dann alles, was mir begegnen soll, zu meinem Besten dienen. Du wirst mich gnädig erhören, wie du durch Jesum Christum mir verheißen hast. Amen. Klagel. Jer. 3, 23. 24. Die Barmherzigkeit des Herrn ist alle Morgen neu, und deine Treue, o Gott, ist groß. Der Herr ist mein Theil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn to hoffen. Ein 502 I. Morgen- Gebete. Ein anderes. 2) Pf. 63, 7. Wenn ich erwache, so rede ich von dir. [ bermal bin ich vom Schlaf erwacht. A Das Licht der Sonne ist wieder über mich aufgegangen, und mit demselben empfinde ich die Güte eines allgemeinen Vaters der Menschen. Viele seiner guten Kinder beten ihn jetzt an, und in ihrer Gesellschaft soll mein Gebet zu einer Zeit zu ihm aufsteigen, in welcher ich zu seiner Verehrung am geschicktesten bin. Dir, mein Schöpfer, Herr, Wohlthäter und Vater! dir danke ich von Herzen für die Erhaltung meines Lebens, meiner Kräfte und meiner Gesundheit. Du warst mein Schutz, da ich in der Nacht vom Schlaf überwältigt, weder über mich, noch über die Meinigen wachen konnte; und, gütiger Erhalter, da ruhte ich sicher unter deiner mächtigen Bewahrung. Himmlischer Bater! laß deine Gnade auch heute mich beglücken. Gieb mir zur gewissenhaften Vollbringung meiner Berufsgeschäfte deinen Beistand und Segen. Nichts will ich heute thun, alles unterlassen, was mir Schaden und Reue verursachen könnte. Ich will über mein Herz, über meinen Mund, über mein Leben machen und unter deiner Aufsicht, großer Gott, ein tugendhafter Mensch sein. Unter deinem Beistande werde ich heute alles, was Pflicht für mich ist, als ein Christ, im Namen meines Heilandes verrichten; beten, arbeiten, mich über deine Wohlthaten freuen, mit Mäßigkeit essen und trinken, meinen Nächsten uüglich und mit deinen Fügungen zufrieden sein. Gieb mir an irdischen Gütern so viel mir heilsam ist, und versage mir, was mir Schaden bringen könnte, wenn ich dich auch noch so eifrig darum bitten sollte. Du, bester Va ter, weißt, was zu meinem wahren Wohl dienet. Das gieb mir aus Gnaden, wenn ich dich auch nicht ausdrücklich darum anrufe. Mein Christenthum und deine Allgegenwart soll mich in die Einsamkeit und in die Gesellschaft begleiten, und mich vor allen Versuchungen zur Sünde, vor den unerkannten Sün den des Uebelredens von meinen Mitmenschen, vor der feinern Ungerechtigkeit, vor dem Neid, wenn andere glücklicher sind, vor der Spottsucht und Heuchelei und allem, was dir mißfällig ist, bewahren. Wenn ich dies alles unter dem gegründeten Beifalle meines Gewissens, vor dir, Allgegenwärtiger, deſſen scharfem Auge nichts verborgen bleibt, thue, o, wie vergnügt werde ich am Abend mich in Dank und Anbetung vor dir dars I. Morgen- Gebete. 503 darstellen. Ja, Herr, bewahre meinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Pf. 73, 23. 24. Sch bleibe stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rath und nimmst mich endlich mit Ehren an. Mehrere Gebete am Morgen sind in den Liedern Nro. 533 bis 546. 3) An Sonn- und Festtagen, bei dem MorgenGebete hinzuzufügen. Verleihe mir auch insonderheit, o Gott, die Gnade, daß ich den deiner zu nem eigenen Besten recht zu Nugen mache. Es ist Wohlthat für meine Seele, daß eigne Zeiten verordnet und bestimmt sind, an welchen das Andenken an dich und die Sorge für mein geistiges Wohl stärker und feierlicher erwecket werden soll. Mache also den Eindruck davon in meinem Gemüthe auch heute so lebendig, daß ich mich von allen irdischen Zerstreuungen, mehr als sonst, los reiße; mit ernsthafter Ueberlegung meine Gedanten zu diesem wichtigen Geschäfte sammle; den öffentlichen Unterricht aus deinem Worte mit Aufmerksamkeit höre und annehme; bei der gemeinschaftlichen Anbetung mit meinen Nebenchristen mein Herz so viel lebhafter gerührt, zu dir erhebe; und in meinen eigenen Andachtsübungen und Betrachtungen ein ernstliches Nachdenken auf mich selbst und auf meine weitere Besserung richte. Laß mich auf solche Weise von diesem Tage wahren Segen erfahren, dessen ich mich in dem Wachsthum meiner Erfenntniß, in der Ermunterung meiner Gottseligkeit und in der Stärkung meines Vertrauens und meiner Hoffnung noch auf meine folgende Lebenszeit erfreuen könne. Heilige mich ganz dir und deiner Verehrung, so werde ich glücklich sein und dir dafür danken in Ewigkeit. Amen. Ges. B. Nro. 532. 4) Nöthige Entschließungen am Morgen. Pf. 25, 4. 5. Herr, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige. Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich; denn du bist der Gott, der mir hilft. uch dieſen neuen Tag meines Lebens von Gott; darum ist es für mich höchst nothwendig 504 I. Morgen- Gebete. dig, denselben nach seinem Willen und zu den Absichten zu ge brauchen, zu welchen er ihn mir gegeben hat. 1) Vor allen Dingen will ich mir deswegen jetzt wieder den Gedanken tief und lebendig ins Gemüth prägen, daß Rechtthun und Gott gefallen der Hauptzweck meines Lebens ist, weil ich dabei allein ein ruhiges Herz und eine freudige Hoffnung, durch Jesum Christum, meinen Heiland, haben kann. 2) Ich will mich hieran diesen Tag über, so oft ich kann, auch während meiner Geschäfte und unter den Umständen, worin ich mich etwa befinden mag, wenigstens mit einem fur zen ernstlichen Gedanken zu erinnern suchen, damit es mir ja nie ganz aus dem Sinne komme, wozu ich in der Welt lebe. 3) Ich will zum Voraus mit Aufmerksamkeit bedenken, was für Gelegenheiten zu Verfündigungen in meinem Berufe und in demjenigen, was ich mit andern Menschen zu thun habe, mir heute aufstoßen möchten; und ich will auf meiner Hut sein, daß ich mich nicht zu etwas Bösem hinreißen lasse. 4) Besonders will ich über die Neigung meines Gemüths wachen, von welcher ich weiß, daß sie am meisten in mir herrschet und am leichtesten mich übereilet. 5) Ich will, so viel es sich thun lässet, folche Gesellschaf ten, Verbindungen und Unternehmungen vermeiden, wo entweder ein äußerliches Vergnügen zu leicht mein Gewissen betäuben, oder eine Absicht auf zeitlichen Gewinn zu leicht mein Herz verblenden und mich verleiten könnte, etwas zu reden oder zu thun, was mich hernach bittere Rene kosten würde. 6) In den Verrichtungen meines Berufs will ich mit Treue und Fleiß arbeiten; nicht allein um meines eigenen Vortheils willen, sondern auch vornehmlich aus der Betrachtung, daß es Gottes Ordnung und Wille ist, der mich zu dem Ende in diesen meinen Stand gesetzt hat, daß ich darin thätig und nützlich sein soll. 7) Jeder Betrug in meinen Geschäften, jede Berückung meines Nächsten, jedes unrechtmäßige Mittel des zeitlichen Erwerbs oder irgend einer anderen zeitlichen Absicht, soll mir ein Abscheu sein, so sehr auch etwa das Urtheil und die Gewohnheit meines gleichen solches als etwas erlaubtes, zu rechts fertigen scheinen mag. Denn Gott siehet mich und ihm muß ich Rechenschaft davon geben. 8) Bei allen meinem Verfahren gegen meine Nebenmenschen soll mir die große heilige Regel vor Augen schweben: ihnen das zu thun, was ich mit Billigfeit will, daß sie mir thun möchten 9) I. Morgen- Gebete. 505 9) Wenn mir heute ein Hülfsbedürftiger bekannt oder in Erinnerung gebracht wird, so will ich mit herzlicher Willigkeit nach meinen Umständen und nach dem Maaße meines Vermögens, durch eigene Mildthätigkeit, oder durch Fürsprache, Rath und Trost die Liebe an ihm beweisen, die ich als Mensch und als Christ ihm schuldig bin. 10) 3ch will mich sorgfältig hüten, daß ich meinen Angehörigen, Hausgenossen, Freunden oder anderen, mit welchen ich sonst umgehe, durch Worte oder Thaten keinen Anstoß gebe, damit ich nicht die schwere Verantwortung auf mich lade, ihnen eine Ursach zur Sünde und zum Verderben geworden zu sein. Vielmehr soll es mir mit Ernst am Herzen liegen, wo ich kann, und wo irgend ein guter Erfolg davon zu hoffen ist, durch meine Reden, Ermahnungen und Vorstellungen, wenigstens durch mein eigenes gleichförmiges, gewissenhaftes Verhalten, meinem Nächsten zu seiner Besserung oder Befestigung im Guten beförderlich zu sein. 11) Vielleicht soll mich heute auch noch eine Noth und Plage befallen; dann will ich mein Gemüth in Geduld und Gottergebenheit fassen mit der festen Ueberzeugung, daß mein Vater im Himmel das, woran ich nicht durch eigene Thorheit und Sünde schuld bin, gewiß auch für mich zu etwas Gutem lenten werde. 77 Ders 12) Bei allem aber, was mir erfreuliches und glückliches widerfährt, auch bei den gewöhnlichsten, täglichen Wohlthaten der Gesundheit, der Ernährung, des Genusses von Speise und Trank, der Gemächlichkeiten des Lebens, die ich etwa genieße; bei dem allen will ich es mir immer mehr zur Gewohnheit machen, mit dankbarem Herzen an Gott, den gütigen Geber desselben, zu denken, weil das an sich selbst so billig ist und weil zugleich dadurch meine Freude an solchen Gaben so viel reinrr und rührender wird. 13) Ueberhaupt will ich den seligen Gedanken von der beständigen Gegenwart meines Gottes so fest zu halten und in meinem Gemüthe immer so nahe zu haben suchen, daß er bei jeder Gelegenheit bald in mir merklich und rege werde, daß er mich in Gefahren der Bersuchung warne und stärke, daß er mein Vergnütgen reinige und erhöhe, daß er die Last der Leiden mir erleichtere und daß ich also, gleichsam in seiner steten Begleitung, den ganzen Tag so viel sicherer und froher wandele. 14) Auch dies Heute wird bald nicht mehr sein und ist dann, was seine Dauer betrifft, unwiderruflich und auf ewig vers I. Morgen- Gebete. verschwunden. Nur die Folgen und Früchte davon, wie ich diesen Tag angewendet habe, die bleiben; es sei nun zum Guten oder zum Bösen; zu meinem Glücke, oder zu meinem Elende. Ich will mit Gottes Hülfe dafür sorgen, daß es kein verlorner Tag, kein Tag des künftigen Vorwurfs und eines schreckenden Andenkens für mich sein möge. Und du, allwissender und heiliger Gott, bist Zeuge dieser meiner Vorsätze; sei du aber auch mein Beistand, fie zu erfüllen. Lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen; denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebner Bahn. Amen. daß mein Leben deine Rechte mit ganzem Ernste 506 Pf. 119, 5. hielte. II. Abend- Gebete. 1) Abendgebet an Wochentagen. 1. Sam. 7, 12. Bis hieher hat uns der Herr geholfen. ier erscheine ich vor dir, mein Vater, um mit dankerfülltem Herzen dich für die unzähligen Wohlthaten zu preisen, womit deine Hand auch heute mich überschüttet hat. Deine Gnade ist es, durch die ich war und lebte. Von dir kam die Kraft zu jedem guten Geschäfte, von dir der Segen, der es begleitete. Leben und Wohlthat hast du an mir gethan; dein Aufsehen bewahret meinen Odem. Des danke ich dir, mein Gott, und erhebe deinen Namen. Möchte ich dir doch eben so ange nehm gewesen sein, als du mir gnädig warest! Möchte ich doch keins der Gelübde gebrochen haben, wodurch ich mich an dem Morgen des vergangenen Tages vor deinem Angesichte mit dir aufs neue verband! Aber Herr, allwissender Gott, wie könnte ich vor dir meine Schwäche verhehlen? Wie manche Gelegenheit zum Guten habe ich auch heute ungenutzt gelaſsen; wie viele meiner Kräfte nicht so angewandt, daß ich mir ge trauen dürfte, dir einst Rechenschaft davon abzulegen! Ach, handle nicht mit mir nach meinen Sünden, vergilt mir nicht nach meinen Missethaten! Um deines Sohnes, meines gelieb ten Erlösers willen, verzeihe mir die Vergehungen dieses und aller verflossenen Tage meines Lebens. Entziehe mir den Schutz nicht, welchen alle deine vernünftigen Geschöpfe genießen, die fich II. Abend- Gebete. sich mit kindlicher Demuth deiner Regierung unterwerfen. Erneure die Kräfte meines Körpers durch einen ruhigen Schlaf, damit ich mein Tagewerk morgen mit Freuden wieder antreten und mit allem Eifer muthig treiben könne. Laß kein Uebel mir und den Meinigen begegnen und keine Plage zu unsrer Wohnung nahen. Laß mich mit reinem Herzen, voll Preis und Dank für deine auch im Schlafe mir erzeigte Gnade, morgen erwachen. Amen. 507 Pf. 4, 9. ch liege und schlafe ganz mit Frieden, denn du Herr, hilfest mir, daß ich sicher wohne. 2) Ein andere 8. Pf. 63, 7. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich. nädiger Gott! unter deiner Beschützung und Leitung ist nun auch dieser Tag wieder von mir zurückgelegt; und ich beschließe ihn mit dem innigsten Danke gegen dich für all' das Gute, welches du mir an demselben hast widerfahren lafsen; für die mir erhaltene Gesundheit, für die Abwendung so manchen sonst möglichen Unglücks, für den gesegneten Fortgang meiner Geschäfte, und auch für die Wohlthat, daß ich mich nun einer erquickenden Ruhe überlassen kann. Das erkenne ich mit gerührtem Herzen und freue mich deiner Güte. Siehe du aber auch mit Langmuth auf die Fehler, mit welchen ich an dem heutigen Tage mein Herz und mein Leben etwa befleckt habe; und mache sie in meinen eigenen Augen so offenbar, daß ich sie mit ernstlicher Empfindung bereue, und mit treuer Gewissenhaftigkeit fürs tünftige vermeide. Laß mich dann mit Freudigkeit Antheil haben an der Vergebung der Sünden und an deiner Gnade, welche auch mir dein Sohn, Jesus Christus, durch seinen Tod verschafft und durch seine heilige Lehre versichert hat. Gieb mir, da wieder ein Tag dahin ist, hierdurch einen neuen lebendigen Eindruck von der schnellen Flucht meiner Lebenszeit, und hilf mir einen jeden Theil derselben so anzuwenden, daß ich auch vor dem letten meiner Tage, der vielleicht bald und unvermuthet kommen mag, nicht zurückschrecken darf. Darauf lege ich mich nun auch jetzt getrost zur Ruhe; und übergebe mich, die Meinigen und alle Menschen deinem allmächtigen väterlichen Schutze. Wache du über mir mit deiner Liebe, so wird kein Verderben mich treffen; und wenn ich morgen erwache, soll mein Herz wieder mit Freuden deines Preises voll sein. Segne mich, mein Gott und Vater, nach deis ner 508 II. Abend- Gebete. ner ewigen Güte, um Jesu Christi, meines Erlösers willen. Amen. Ps. 40, 12. Laß deine Güte und Treue mich alle Wege behütten Gef. B. Nr. 548. 549. 550-554. 3) Abend- Gebet an Sonn- und Fest- Tagen. omit soll ich, mein Gott und Vater! auch jetzt, indem ich mich zu dir wende, anders anfangen, als mit Lob und Danksagung? denn du hast mir bis auf diesen Augenblick lauter Gutes erwiesen. Wie viel Gutes habe ich auch heute hören, lesen oder sonst lernen können! Du hast mir Zeit und Ge legenheit gegönnt, über mich selbst, mein eigen Herz und Leben und über deine mannigfaltige Barmherzigkeit nachzudenken. Du hast mir dein Wort gegeben, mich bei diesem Nachdenken zu leiten. Wie viel Licht, wie viel Ermunterung und Trost würde uns fehlen, wenn uns dein Wort fehlte! Darum danke ich dir herzlich, gütiger Bater, für die unschätzbare Wohlthat deiner Offenbarung, welche uns zur himmlischen Seligkeit leitet. Laß mich nur nicht morgen oder übermorgen schon wieder vergessen, was ich heute aus dersel ben Gutes und Wahres gehört und gelernt habe; und laß auch andre eben dieser Gnade theilhaftig werden und nicht vergeßliche Hörer, sondern Thäter deines Wortes sein. Hilf uns allen das halten, was wir dir heute gelobet haben; und das Gute ausüben, wozu wir ermuntert worden sind! Gieb, daß wir uns alle durch unser ganzes Verhalten als treue Jünger Jesu beweisen. read Der morgende Tag und alle folgende Tage sollen mir heilig und wichtig sein. Möchte ich es nur nie vergessen, daß du mir in meinem Hause eben so nahe bist, als in der Kirche; daß du alle meine übrigen Worte eben so wohl hörest, als mein Gebet, und daß jeder Tag für mich ein Vorbereitungs tag auf die Ewigkeit ist. Laß mich darauf merken, was ich heute gesündiget habe; was ich hätte etwa unterlassen oder besser machen sollen. Laß mich so mit jedem Tage meines Lebens im Guten immer mehr zunehmen und behüte mich gnädig vor Rückfälle in Leichtsinn und Sorglosigkeit. O laß mich recht darauf denken, den Schaden, den meine Sünden vielleicht anrichten, so viel ich kann, wieder gut zu machen, und mich immer sorgfältiger hüten, mich von der Sünde hinreißen zu lassen! 901 Gieb II. Abend- Gebete. 509 Gieb mir einen sanften erquickenden Schlaf. Vor Unglück und Gefahr bewahre, o Gott, mich, die Meinigen und alle meine Mätmenschen. Beweise infonderheit deine Gnade allen Elenden, Trostlosen und Verlassenen! Unterstüße, stärke, tröste sie durch dein Wort und deinen Geist! Laß sie mitten in ihrem Elende noch erkennen, daß du die Liebe bist. Laß mich morgen gesund erwachen und mit Freuden und Munterfeit an meine Arbeit gehen, die ich zum voraus deinem Segen anbefehle. Nun, Bater! ich verlasse mich auf deine Güte! Erhöre mich durch Jesum Christum, meinen Herrn. Amen. Ges. B. Nr. 555. III. Gebete an Festtagen. 1) Gebet in der Adventszeit, wie auch an den Marien- Festen. Ba armherziger Gott und Vater! du hast nach deiner unaussprechlichen Liebe deinen eingebornen Sohn in die Welt gesendet und ihn zum Heil des ganzen menschlichen Geschlechts lassen geboren werden. Wir preisen deine unendliche Güte gegen uns Sünder; und bitten dich demüthig, du wollest durch deine göttliche Kraft eine aufrichtige thätige Dankbarkeit in uns wirken. Nie müssen wir es vergessen, nie mit Kaltsinn und Gleichgültigkeit daran denken, wie viel du uns gethan und mit welchen Vorzügen du uns Christen begnadiget haſt. Du hast uns an Jesu einen Erlöser gegeben, der uns von der Herrschaft der Sünde und des Lasters befreien und uns auf dem Wege der Rechtschaffenheit und der Tugend zur Vollkommenheit führen sollte. Gieb doch, daß wir alle der Sünde absterben und der Gerechtigkeit leben; daß wir ihm nachfolgen und unter seiner Anführung von einer Stufe der Bollkommenheit zu der andern fortgehen. Du hast uns durch ihn zu der Hoffnung des ewigen Lebens erhoben. Laß doch diese Hoffnung unserm Geiste stets gegenwärtig sein. Bewahre uns, daß wir uns derselben nie durch muthwillige Sünden und 510 III. Gebete an Fest- Tagen. und durch ein unchristliches, lasterhaftes Leben unwürdig und verlustig machen. Laß sie vielmehr immer edlere, himmlischere Gesinnungen in uns erwecken, unsere Anhänglichkeit an das, was sinnlich und vergänglich ist, immer mehr mäßigen und uns in dem Bestreben nach geistigen bleibenden Gütern immer, eifriger und unverdrossener machen, damit wir dereinst heilig und unsträflich erfunden werden. Erhalte uns im Glauben und in der Tugend, und gieb, daß wir, als deine Erlöseten, bis an das Ende unsers Lebens nicht uns und unsern Lüsten, sondern nur dir zum Wohlgefallen leben. Erneuere besonders auch in diesen Tagen das Andenken deiner Liebe und der heilbringenden Zukunft deines Sohnes in unsern Seelen. Erwecke uns zur wahren Dankbarkeit gegen dich und gegen den erha benen Freund, der selbst Mensch wurde, um uns, seinen Brü dern, zu helfen, damit wir nicht allein mit dem Lobe unsers Mundes, sondern mit einem demüthigen, dir ganz ergebenen Herzen und durch Gehorsam und Vertrauen deinen Namen verehren! Dir übergeben wir uns ganz! Herr, unser Gott! deine Weisheit leite, deine Kraft unterstütze, deine Huld und Gnade erfreue uns im Leben und im Tode und bringe uns dereinst in die Versammlung der vollendeten Gerechten und zu Jesu, ihrem und unserem Haupte, wo wir dich würdiger ehren, und in deiner Verehrung unsere höchste Glückseligkeit finden werden. Erhöre uns, barmherziger Gott, durch deinen Sohn, unsern Heiland. Amen. 2) Am Feste der Geburt Jesu. Gelobet feist du, allgütiger Bater deiner Menschen, der du uns unendlich mehr Gutes und Seliges gewährest, als wir begreifen und verstehen. Dich beten wir an und preisen mit findlicher Freude die himmlische Wohlthat, welcher wir uns Heute bei der Feier der Geburt unsers Heilandes erinnern. Heiliger und Allgütiger! unaussprechlich groß ist dies Werk deiner Liebe! Wo erhob sich ehemels ein Menschenherz mit der Liebe, mit dem Vertrauen und der Frendigkeit zu dit, wie es jetzt geschieht, da wir's durch Jesum wissen, daß du der Menschen Vater seift? Wo konnte der in trostleeren Zeis ten der Finsterniß und Unwissenheit Verirrte und Verlaffene mit uns durch Jesum sagen: ich weiß, an wen ich glaube- weiß, daß ein Gott ist- ein weiser allgütiger Gott, der ſeine Schöp III. Gebete an Fest- Tagen. 511 Schöpfung nach ewigen liebevollen Gesetzen regiert, meinen Geist mit dem Lichte der Wahrheit erleuchtet, mein Herz mit Muth und Hoffnung belebt, daß ich den Weg wandle, auf dem ich ruhig leben, selig sterben und zu der unwandelbaren Glückseligkeit gelangen kann, die meiner nach dem Tode wartet. O Vater, daß doch unser Herz dies große Werk deiner Liebe empfinden und unser Geist es fassen möchte, welch eine Wohlthat bie Erscheinung deines Sohnes dem Menschengeschlechte sei! Daß Gesinnungen und Thaten uns werth machten, deine Kinder zu sein! Und das, o heiliger Gott, sei der Gedanke und Vorsatz, der heute unsere Herzen belebe zu guten Werken und einem rechtschaffenen Wandel vor dir; damit wir dereinst noch dieses Tages Wohlthat mit größerer Freude gedenken und mit der Menge der Vollendeten lobpreisen mögen: Dieß ist der Tag, den Gott gemacht; Sein werd' in aller Welt gedacht! Ihn preise, wer durch Jesum Christ, Freund und Verehrer Gottes ist! Amen. 3) Am Neuenjahres- Feste. D u Gott, bist unsere Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge und die Erde und die Welt erschaffen worden, biſt du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! deine Jahre nehmen kein Ende. Darum wendet sich alles zu dir und erflehet von dir Hülfe und Segen! Ein Jahr ist wieder verlebet; ach, daß auch die Menschen alle, die du nach deinem Bilde geschaffen haft, der Seligkeit näher gebracht sein möchten, welche ihnent ewig bereitet ist! Verbreite die Kenntniß von dir und deinem Sohne noch weiter unter sie; erwecke in ihnen immer mehr den Geist des Nachdenkens; unterstütze ihre Bemühungen zunt Besten wahrer Aufklärung, der Tugend fördernden Gewissensfreiheit und der allgemeinen Menschenliebe! Die Völker, welche deinen Sohn wie dich verehren, stärke zu neuem Sinne und Gefühle für Wahrheit, Tugend und Frömmigkeit. Erhalte und gründe den Frieden in unserm deutschen Baterlande; steure dem Aberglauben, dem Unglanben und dem Laster; besänftige die Gemüther der Empörer und laß alle unter deinem Segen nach deinem Wohlgefallen leben. Allgütiger! segne ferner unser ganzes Land und mit ihm alle seine Bewohner. Bewahre uns alle vor Unglück und schädlichen Zufällen, welche den Fleiß des redlichen Arbeiters hinderu 512 III. Gebete an Fest- Tagen. dern und deine Segnungen, für welche wir dir findlich danken, hemmen können. Schente uns gesunde Witterung; laß das Land seine Gewächse geben; bewahre uns vor Theuerung, ansteckenden Krankheiten und Hungersnoth! Erwecke in uns immer mehr den Geist der Thätigkeit und gieb zu adden unsern redlichen und guten Bemühungen deinen göttlichen Segen! Daß Jünglinge und Jungfrauen das Gefühl für Ehre und Unschuld; Gatten das Gelübde ehelicher Treue, Eltern die Sorge für ihre Kinder; Kinder die Liebe für ihre Eltern; Herrschaften Güte gegen ihr Gesinde und das Gesinde Pflichteifer beseelen möge, darum bitten wir dich! Gieb den Fröhlichen und Traurigen Fassung, trockne du die Thränen der Wittwen und Waisen, sei mit dem Greise und mit dem Säuglinge! Und kommt der Augenblick des Scheidenser kommt von dir, Herr über Leben und Tod!- so laß uns sterben mit dem Troste, dir gelebt zu haben. Amen! 4) Am grünen Donnerstage. Daß dir wohlgefallen, heiliger Gott, den Dank unsrer Herzen, womit wir hente der Stiftung des Abendmahls unsers Herrn gedenken. Gieb, daß wir jedesmal den Trost und die Beruhigung, die Stärkung zum Guten und die Hoffnung auf die Ewigkeit aus der würdigen Feier dieser heiligen Stiftung neh men, welche wir Christen nach Jesu Absicht daraus erhalten sollen. Erleuchte uns mit deiner Weisheit, daß wir diese so wohlthätige Religionsübung nie mißbrauchen, sie nie als ein Mittel betrachten, Sünden und Laster wieder gut zu machen, ohne sie zu verabscheuen und zu vermeiden. Laß uns vielmehr durch das rührende Andenken an Jesu Leiden und Sterben und an die großen Absichten seiner Erlösung immer neue Kräfte gewinnen, ihm nachzuwandeln, ihm zur Ehre zu leben. Und so verherrliche jede wiederholte Feier dieses heiligen Mahls unter uns deine und unsers Jesu Liebe und Fürsorge für unsere Tugend und unsere Beruhigung. Amen. 5) Am Charfreitage. Anbetungswürdigster, heiliger Gott! Mit ſtiller Ehrfurcht geunseres Heilandes Durchdrungen von dem Mitgefühle der Schmach und der Lei den, unter welchen der Menschenfreund, der Gerechte, starb, blicken wir auf dich, der du sein und unser Vater biſt. Gott! III. Gebete an Fest- Tagen. 513 Gott! wer fann die Weisheit deiner Rathschlüsse ergründen? Mit einem Herzen voll Dankbarkeit und Bewunderung verehren wir diese und den Tod unsers Jesu. Zu unserm Besten ging er dahin, der Erhabene, vollbrachte deinen Willen, litt und starb. Daß wir weise zum gottseligen Leben, von der Sünde und ihrem Verderben erlöset, einer frohen und seligen Unsterblichkeit versichert würden, dazu gabst du deinen Geliebten dahin.- Allgütiger, wo ist ein Gott, wie du? Ach, daß wir es erkennen und fühlen möchten, wie unaussprechlich groß und erhaben du in der Erweisung deiner Liebe bist! daß wir dankbar und weise genug wären, deine durch den Tod Jesu uns geoffenbarte Fürsorge zu unserm wahren Heile anzuwenden! Vater, erleuchte uns mit deiner Weisheit, daß Jesu Tod und die Betrachtung desselben uns Segen bringe, daß wir bessere, einer seligen Unsterblichkeit würdige Menschen, daß wir wahre Christen werden.- Erwecke in uns die Ueberzeugung, daß nur der Rechtschaffene, der Menschenfreund, der wahre Gottesverehrer, an den seligen Früchten des Todes Jesu Theil nehmen, daß dagegen der Freund der Sünde, der Undankbare, der Jesum und seinen Unterricht nicht liebt, der Menschenhasser, der Lasterhafte und Gottesverächter, nie, wie Jesus, von deiner Liebe getröstet, von der Tugend gestärkt, selig sterben werde. Belebe uns mit den edlen Empfindungen der Liebe und Dankbarkeit für Jesum, den Menschenbeglücker, der die Schmach und Bitterfeit des Todes nicht achtete, um der Freude willen, Menschen, die du zur Unsterblichkeit schufft, für ihre Freuden fähig und geschickt zu machen. O laß es uns bedenken, daß nur unser dankbares Herz, unser Gehorsam gegen seine Vorschriften, unsere Bereitwilligkeit, ihm auf seinen Wegen nachzufolgen, das angenehmste und beste Opfer sei, das wir ihm heute und in Ewigkeit darbringen können. Ja, mit Freuden und mit Dank heiligen wir dir, erhabener Menschenfreund, unsere Herzen. Laß sie dein sein, laß sie erfüllt werden mit der Kraft, edel und deiner würdig gesinnt zu sein, mit dem Troste und der Freudigkeit, mit welcher du zu deinem und unserm Vater gingest. Das laß unsere Gesinnung, das die Frucht unserer dankbaren Ergebung an dich sein. Du, von dem Weisheit und Kraft zu allem Guten kommt, Vater, heilige und stärke uns dazu um deiner Liebe willen. Amen. 6) Am Feste der Auferstehung Jeſu. Gelobet feist du, gnädiger und barmherziger Gott, daß du uns durch die Auferweckung Jesu Christi von den Todten Kt 514 III. Gebete an Fest- Tagen. zu einer lebendigen, festgegründeten Hoffnung, zur Hoffnung eines unverweltlichen Erbes, einer ganz reinen und unaufhörlichen Geligkeit im Himmel erhoben hast! So gewiß Jesus lebt, und ewig lebt, so gewiß sollen auch wir leben, und nie zu leben aufhören. So gewiß er das Grab verlassen hat, und mit verklärtem, unsterblichem Leibe in den Himmel eingegangen ist, so gewiß werden auch wir dereinst auf seinen Nuf uns fere Gräber verlassen, und mit unverweslichen herrlichen Lei bern in sein Reich eingehen. Nun darf uns der Gedanke des Todes nicht ängstlich verwirren. Jesus hat ihm seine Macht, seine Echrecknisse benommen. Unter der Aufsicht unsers aufers standenen, über Alles erhöheten Heilandes dürfen wir weder Ver nichtung, noch Todesschlaf fürchten. Ach Gott! möchte doch diese Hoffnung uns alle beleben, aber auch alle auf's träftigste antreiben, uns der seligen Unsterblichkeit, zu welcher du uns berufen hast, durch ein frommes Herz, durch eine recht christliche Sinnesart, durch ein unschuldiges, heiliges Leben fäs hig und würdig zu machen! Stärke du unsern Glauben; gieb du uns den Willen und das Vermögen, nach deinem Sinn zu wandeln, und unterstütze uns mit deiner Alles vermögenden Kraft, daß wir geschickt werden, in deine Herrlichkeit einzu gehen, und daheim zu sein bei dem Herrn, der um unserer Seligteit willen gestorben und auferstanden ist. Amen. 7) Am Feste der Himmelfahrt Christi. err, unser Herrscher! wie herrlich ist dein Name in allen Landen! wie groß deine Herrlichkeit in dem Himmel! Dein ist das Reich, du herrschest über Alles! Dein Rath bes steht; dein Wille geschiehet, und dein Wille ist lauter Weisheit und Gute! Deine ewige Erbarmung beschloß der fündigen Menschen Erl fung, und dieser festliche Tag rufet uns zu, daß dein Sohn das große Werk auf Erden vollbracht hat. Du hast ihn, unsern Mittler und Heiland, mit Preis und Ehre gekrönt und über alles erhöhet. Du haft ihn für das Haupt seiner Gemeinde erklärt. Alle müssen ihn ehren, wie sie dich, den Vater ehren. Alle, die durch ihn zu dir sich führen laſsen, können und werden durch ihn selig werden. Lob, Preis und Danf sei dir für alle diese weisen und herrlichen Anstalten, die du zu unserer Errettung und Seligkeit gemacht hast. Nun beruhet unsere Hoffnung auf unbeweglichen Gründen! Nun kön nen wir getrost auf dem Wege wandeln, auf welchem uns 3e fue Herr III. Gebete an Fest- Tagen. 515 fus vorangegangen ist! Nun dürfen wir die Seligkeit, zu wel her er uns berufen hat, zuversichtlich erwarten. Dank sei dir, erhöheter Heiland! für deine unendliche Liebe und für die erhabene Hoffnung, die du uns gegeben hast. Laß uns doch alle von nun an einen ganz himmlischen Sinn anneh men, einen Sinn, der unsere Seele über Sünde, Erde und Zeit erhebt, und nur das sucht, was im Himmel und in der Ewigkeit Werth haben kann. Gicb uns Kraft und Stärke, die bösen Lüste in uns zu besiegen, die Versuchungen der Welt zu überwinden, die Leiden, die uns treffen, mit Standhaftigkeit zu ertragen, und deiner Lehre und deinem Beispiele mit willigem Gehorsam bis an unser Ende zu folgen. So werden wir, wenn du einst zum Gerichte kommst, dir mit Freuden entgegen eilen und mit dir in jene Herrlichkeit eingehen. Amen. 8) Am Pfingst- Feste. Gott ott und Vater aller Geister und Menschen, ewig unerschöpflicher Quell aller Kräfte und Gaben, die alle deine Ges schöpfe in deinem ganzen unermeßlichen Reiche besigen! Du giebst Veben und Odem allem, was da lebet und wirket. Auch wir bestehen durch deine Kraft und werden durch deinen Geist lebendig gemacht. Wir sind deines Geschlechts, denn du hast uns nach deinem Bilde geschaffen und zur nähern Gemeinschaft mit dir bestimmt. Nie hast du dich in der Mittheilung deines Geistes an den Menschen unbezeugt gelassen, aber auch nie dich ihnen herrlicher geoffenbaret, als durch Jesum Christum, deinen Sohn und durch dessen Boten und Zeugen. Sie hast du mit dem reichsten Maaße deines Geistes begabt und seine Kraft in ihnen und durch sie tund werden lassen. Durch diesen deinen Geist erlangten sie helle Einsicht in deine götte liche Wahrheit, feste Ueberzeugung von ihr, und Fähigkeit und Muth, sie zu verkündigen. Durch ihn wurden sie auserwählte Werkzeuge zur Ausrottung des Aberglaubens und Götzendienstes und zur Ausbreitung des Reiches der Wahrheit. Dieser glücklichen Veränderung, die dein Geist schuf, haben auch wir uns zu erfreuen. Auch wir, deren ehemalige Vorfah ren von dir und dem Wege des Heils ferne waren, fönnen nun durch das selige Evangelium Jesu Christi belehrt und zur Se ligkeit geführt werden. Dant, inniger Dant sei dir, du Geber aller guten und vollkommenen Gaben! für diese Beweise deiner Baterhuld und Treue, für alle die gesegneten Mittel, die du uns zu unserer Erleuchtung, Begnadigung und Hei ligung R12 516 III. Gebete an Fest- Tagen. ligung verliehen und bisher erhalten hast. Gieb, daß dein Wort durch die Kraft deines Geistes unsere Gesinnungen heilige und uns immer eine Quelle des Trostes und der Hoffnung sei. Ja, Herr! lehre uns thun nach deinem Wohlgefallen, und dein guter Geist führe uns auf ebener Bahn. Amen. 9) Am Erntefeste. Gott ott, der du aller Menschen Vater und Versorger bist, wir sind heute vor dir versammelt, um uns deiner väterlichen Fürsorge gemeinschaftlich zu freuen, und deine Wohlthaten und Güte laut zu preisen. Unser aller Augen warteten bisher auf dich, und du hast uns nicht vergebens warten laſsen. Du hast uns allen unsre Speise angewiesen, hast deine milde Hand aufgethan, um uns alle reichlich zu sättigen. Regen und Sonnenschein und Gedeihn gabst du unsern Feldern, und Kräfte, Gesundheit und bequeme Witterung unsern Arbeitern, den Segen deiner väterlichen Güte einzuernten. Gott! was ist der Mensch, daß du seiner so gedenkst, und des Menschen Kind, daß du dich seiner so annimmst! Ach möchten wir doch alle deine unverdiente Huld und Gnade erkennen, und dich mit gerührtem Herzen dafür preisen! Möchten wir doch von dir lernen, eben so wohlthätig und liebreich gegen unsre weniger beglückten Mitmenschen zu werden, wie du es gegen uns gewesen bist! Möchte doch jeder mit dem, was du ihm zu geben für gut fandest, völlig zufrieden sein, und auch die Anordnung seiner künftigen Schicksale voll Vertrauen dir überlassen, der du alles wohl machest, alles zu einem guten Ende zu führen weißt! Laß, gütiger Gott, laß auch durch die Feier dieses Tages uns alle zu solchen Gesinnungen und Thaten erwecket und gestärket werden, die uns dir wohlgefällig machen. Amen. 10) Am Reformationsfeste. Gott und für die unschätzbare Wohlthat der freien Predigt deines göttlichen Wortes, und aller übrigen Vortheile, die damit verbunden sind. Von dir, o Vater des Lichts! kommt Er fenntniß der Wahrheit; von dir kommt alles, was Tugend und Freiheit und Glückseligkeit unter den Menschen befördern, alles, was uns bessern und erfreuen fann. III. Gebete an Fest- Tagen. 517 Gott, erwecktest durch deine weise Vorschung Männer, die, über die Vorurtheile und die sclavische Dentungsart ihres Zeitalters erhaben, den traurigen Verfall der Religion und des Christenthums zu Herzen nahmen, mit dem Elende ihrer Brüder Mitleiden hatten, und demselben nicht durch unthätige Wünsche, sondern durch eifrige, standhafte Bemühungen abzuhelfen suchten. Du gabst ihnen Muth und Freudigkeit, sich verjährten und für heilig gehaltenen Irrthümern und Mißbräuchen zu widersetzen; den herrschenden Aberglauben zu bestreiten, die Rechte des Gewissens zu vertheidigen; und das, was sie für Wahrheit erkannten, uuerschrocken als Wahrheit zu behaupten. Du segnetest ihre edlen Bemühungen, halfft ihnen alle Hindernisse übersteigen, allen Widerstand besiegen und mitten unter allen Feinden und Gefahren einen festen, dauerhaften Grund zur Wiederherstellung des christlichen Glaubens und der christlichen Freiheit Legen. Und nun sind auch wir von dem Joche des Aberglaubens und der geistlichen Herrschsucht frei. Nun leuchtet dein Wort als ein helles Licht auch unter uns, und wir können bei seinem Glanze die Wahrheit, die uns weise und glücklich machen kann, suchen und finden, und unsers Glaubens gewiß werden. Nun können wir dich im Geiste und in der Wahrheit verehren; den Einsichten unsers Gewissens ungehindert folgen und von einer Stufe der Erkenntniß und der Vollkommenheit zur andern fortgehen. Dir, unserm gütigsten Vater und Wohlthäter, sei für dieses alles Lob und Ehre und Preis gesagt, jetzt und in Ewigkeit! Laß doch diese Empfindungen der Dankbarkeit unsere Herzen stets durchdringen und beleben, damit wir uns deiner Wohlthat niemals unwürdig und verlustig, sondern durch den treuen Gebrauch derselben noch größerer Vorzüge und Segnungen uns fähig machen. Schütze, o Gott, erleuchte und heilige deine Kirche, die Gemeinde der Verehrer deines Sohnes, die auf dem ganzen Erdboden zerstreuet ist. Schüße und segne insbesondere die ganze evangelische Kirche. Erhalte sie mächtig bei dem Besitze ihrer Religionsfreiheit; und laß auch die folgenden Zeiten und Menschengeschlechter dieses unschätzbaren Gutes immer völliger genießen. Laß den Geist der Eintracht und des Friedens, den Geist der Duldung und der brüderlichen Liebe uns alle beleben, und immer genauer mit einander vereinigen. Laß uns den Grundsätzen des Christenthums immer gemäßer 518 III. Gebete an Fest- Tagen. gemäßer denken und handeln, und die herzlichste Liebe zu dir und zu unsern Mitmenschen aller Erkenntniß und allen Wissenschaften vorziehen, mit dem Glauben stets auch das Thun verbinden und die Einigkeit des Geistes durch das Band der Verträglichkeit und des Friedens unterhalten. Wir bitten dich auch, barmherziger Gott! für alle unsere Mitchristen, die der Vortheile, woruber wir uns heute vor dir freuen, noch ganz oder zum Theil entbehren. O möchten auch sie alle der vorzüglichen Guter theilhaftig werden, mit welchen du uns begnadiget hast! O möchte das Licht der Wahrheit und das Glück der christlichen Freiheit sich immer weiter verbreiten und die Herrschaft der Unwissenheit, des Irrthums und des Aberglaubens immer mehr abnehmen! Flöße allen Fürsten und Obrigkeiten, die du über die Menschen gesetzet hast, Ehrfurcht für die Religion, nnd friedsame, liebereiche Gesinnungen gegen alle deine Verehrer ein, wie sie auch heißen mögen. Deiner Aufsicht, o Gott! und der Leitung deines Geistes empfehlen wir alle Lehrer der Christen, und insbesondere der evangelischen Kirche. Laß allen Stolz, alle Herrschsucht, alle Parteilichkeit fern von ihnen sein und gieb, daß sie alle deinen Sohn Jesum für ihr einziges Haupt, ihren einzigen untrüglichen Lehrer erkennen. Schenke ihnen Weisheit und Verstand und Kraft und Muth, das Christenthum immer mehr von allen Zusätzen des Aberglaubens und des Irrthums zu reinigen, und es dadurch immer verchrungswürdiger zu machen. Laß sie den reinsten Eifer für die Wahrheit stets mit der wirksamsten Liebe zum Frieden verbinden. Lehre sie die Schwachen mit väterlicher Nachsicht tragen, die Verirrten mit Sanftmuth zurechtweisen und alle diejenigen, die ihrer Führung anvertraut sind, immer zu den lautersten Quellen des Glaubens, der Tugend und des Trostes leiten! O Gott, erbarme dich aller Menschen! Steure allents halben dem Unglanben und dem Aberglauben, dem Laster und dem Elende. Erleuchte die Unwissenden; bessere die Lasters haften; tröste die Traurigen; errette die Nothleidenden und Unterdrückten; führe die Zweifelnden zur Gewißheit; stärke die Schwachen und Wankelmuthigen. Laß dich finden von des nen, die dich suchen, und bringe uns alle der Vollfommenhit immer näher, zu welcher du uns bestimmt und berufen hast, durch Jesum Christum, unsern Herrn, welcher uns gelehret hat, dich anzurufen: V. u. IV. 319 IV. Ermunterung zur Zufriedenheit mit Gottes Schickungen. SERIT SG Pred. Sal. 7, 15. Um guten Tage sei guter Dinge, und den bösen nimm auch für gut, denn diesen schaffet Gott neben jenem. H err und Vater meines Lebens! Es ist wahrer und ewiger Gewinn für mich, daß ich unter deiner Obhut und Leitung stehe, und mit allen meinen Veränderungen von dersel ben abhange. Du willst nach deiner unendlichen Güte nur mein Bestes; in dem Lichte deiner Allwissenheit siehest du uns trüglich, was dazu irgend etwas beitragen kann, und bist vermögend genug, das alles in die Reihe meiner Schicksale einzubringen, was mir das heilsamste und nützlichste ist. Wie sollte ich mir denn nicht gern alle deine Schickungen gefallen lassen? Allweiser und gutigster Vater! sicher kann ich es dir zutrauen, daß du den Lauf meines Lebens mit allem, was mir darinnen begegnet, gerade so geordnet hast, wie er für mich gehört und wie er sein müßte, daß ich der gute und glückliche Mensch würde, dazu deine Liebe mich erziehen will. Gieb du mir nur, daß dieser Gedanke mir bei allem, was mir in meinem Leben aufstößt, und mich etwa zum Mißvergnügen reizen will, sogleich gegenwärtig und lebhaft werde, daß das durch aller Unmuth, der sich bei mir regt, überwunden wird. Meine Wünsche stimmen freilich nicht immer überein mit dem, was du mich erfahren lässest. Aber es wäre Thorheit und kindischer Unverstand, wenn ich dich deshalb meistern, wider dich murren und mich unglücklich finden wollte, daß du mich nicht so leitest, wie es mein Herz begehret. Deine Wege, die du mich fuhrest, sind doch immer unendlich besser, als diejenigen, welche ich vielleicht nach meinem Gutdünken zu meinem Wohlergehen wünschen und wählen würde; und wenn sie auch für mich hie und da rauh und schmerzhaft sein sollten; so weiß ich doch gewiß, daß sie unfehlbar, wenn ich dir nur treulich folge, in Glück und Freude enden werden. Denn du machest Alles allezeit wohl und läsfest denen, die dich lieben, alle Dinge in der Welt zum Besten dienen. Stärke mich denn, mein Vater, in diesem Glauben an dich, daß ich.dadurch gewöhnt werde, das alles gut zu finden, was dein Nath für mich gut gefunden hat; daß ich mit jeder Lage meiner äußeren Umstände, darinnen mich deine Vor 520 Ermunt. zur Zufr. mit Gottes Schickungen. Vorsehung setzt, von Herzen zufrieden sei und immer mehr nur das wünschen und wollen lerne, was mit deinem heiligen und unverbesserlich guten Willen übereinstimmt. Mache es mir immer einleuchtender, daß das wahre Glück an nichts Äußerliches gebunden, sondern allein in einem rechtschaffenen dir ergebenen Herzen zu finden sei. Und mit solchem Herzen gieb, daß ich dich in jedem Stande meines Lebens ehre, so werde ich es gewiß auch in der Folge aus eigener Erfahrung erkennen lernen, was ich dir jetzt noch zum Theil glauben muß: daß alle deine Wege mit mir lauter Güte und zu meinem wahren Wahl nöthig sind. Amen. Phil. 4, 11. Ich habe gelernt, bei welchem ich bin, mir genügen zu lassen. Gebete für Kranke und Sterbende sind im Gesangbuch Nr. 585 bis 601 anzutreffen. Register über die Gebete. Morgen- Gebet in der Woche. Ein anderes. An Sonn- und Festtagen, bei dem Morgengebet hinzuzus fügen. Nöthige Entschließungen am Morgen. Abend Gebet an Wochentagen. Ein anderes. Abend- Gebet an Sonn- und Festtagen. Gebet in der Adventszeit, wie auch an den Marien- Festen. Am Feste der Geburt Jesu. Am Neujahrs- Feste. Um grünen Donnerstage. Am Charfreitage. Am Feste der Auferstehung Jesu. Am Feste der Himmelfahrt Christi. Am Pfingst- Feste. Am Ernte- Feste. Am Reformationsfeste. Ermunterung zur Zufriedenheit mit Gottes Schickungen. Seite 501 502 503 503 506 507 508 509 510 511 512 512 513 514 515 516 516 519 Ha Episteln und Evangelia auf alle Sonn- und Festtage durchs ganze Jahr. Nebst beigefügter Historia vom Leiden und Sterben Jefu Chrifti und Beschreibung von der Zerstörung der Stadt Jerusalem. Rinteln. Druck und Verlag von C. Bösendahl jun. 1873. Epistel am 1. Sonntage des Advents, Nöm. am 13. C. v. 11 bis 14. W eil wir solches wissen, nämlich die Zeit, daß die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf( sintemal unser Heil jetzt näher ist, denn da wirs glaubten), die Nacht ist vergan gen, der Tag aber herbei gekommen; so lasset uns ablegen die Werke der Finsterniß, und anlegen die Waffen des Lichts. Lasset uns chrbarlich wandeln, als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid; sondern ziehet an den Herrn Jesum Christ, und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde. Evangelium, Matth. am 21. C. v. 1-9. a sie nun nahe bei Jerusalem kamen, gen Bethphage an den Delberg, sandte Jesus seiner Jünger zween, und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor cuch liegt, und bald werdet ihr eine Eselin finden angebunden, und ein Füllen bei ihr, töset sie auf und führet sie zu mir; und so ench jemand etwas wird sagen, so sprechet: Der Herr bedarf ihr; sobald wird er sie euch lassen. Das geschah aber alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Saget der Tochter Zion, siehe, dein König kommt zu dir sanftmüthig, und reitet auf einem Esel, und auf einem Füllen der lastbaren Eselin. Die Jünger gingen hin, und tha ten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen, und legten ihre Kleider darauf und setzten ihn darauf. Aber viel Bolks breitete die Kleider auf den Weg; die andern hieben Zweige von den Bäumen, und streuten sie auf den Weg. Das Volk aber, das vorging und nachfolgete, schrie und sprach: Hostanna, dem Sohn David! gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn, Hosianna in der Höhe! Epistel am 2. S. des Advents, Röm. am 15. C. v. 4-13. W und Schrift as aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschries Hoffnung haben. Gott aber der Geduld und des Trostes gebe ench, daß ihr einerlei gesinnet seid unter einander, nach Jeju Christ; auf daß ihr einmüthiglich mit einem Munde lobet Gott und den Vater unsers Herrn Jesu Christi. Darum nehmet euch unter einander auf, gleich wie euch Christus hat aufges nome Episteln und Evangelia. 3 nommen zu Gottes Lobe. Ich sage aber, daß Jesus Christus sei ein Diener gewesen der Beschneidung, um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen; daß die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigfeit willen, wie geschrieben stehet. Tarum will ich dich loben unter den Heiden, und deinen Namen singen. Und abermal spricht er: Freuet euch, ihr Heiden, mit seinem Volke. Und abermal: Lobet den Herru alle Heiden, und preiset ihn alle Völker. Und abermal spricht Esaias: Es wird sein die Wurzel Jesse, und der auferstehen wird zu herrschen über die Heiden, auf den werden die Heiden hoffen. Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Friede im Glauben, daß ihr völlige Hoffnung habt, durch die Kraft des heiligen Geistes. Evangelium, Luc. am 21. C. v. 25-36. Und nd es werden Zeichen geschehen an der Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen, und das Meer und die Wasserwogen werden brausen, und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolfe, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses an fängt zu geschehen, so sehet auf und hebet cure Häupter auf, darum, daß sich eure Erlösung nahet. Und er sagte ihnen ein Gleichniß: Eehet an den Feigenbaum, und alle Bäume; wenn fie jetzt ausschlagen, so sehet ihrs an ihnen, und merket, daß jetzt der Sommer nahe ist; also auch ihr, wenn ihr dies alles sehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß es alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, daß eure Herzen nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch; denn, wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die. auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, daß ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. Epistel am 3. Sonnt. des Advents, 1 Cor. am 4. C. v. 1-5. Dafür halte uns jedermann, nämlich für Chriſti Diener und A 2 Haus Episteln und Evangelia. Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun suchet man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden. mir aber ist's ein Geringes, daß ich von euch gerichtet werde, oder von einem menschlichen Tage; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mirwohl nichts bewußt, aber darinnen bin ich nicht gerechtfertiget. Der Herr ist's aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rath der Herzen offenbaren; alsdann wird einem jeglichen von Gott Lob widerfahren. Evangelium, Matth. am 11. C. v. 2-10. D a aber Johannes im Gefängniß die Werke Christi hörete, sandte er seiner Jünger zween, und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete, und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johanni wieder, was ihr sehet und höret: die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Aussäßigen werden rein, und die Tauben hören, die Todten stchen auf, und den Armen wird das Evangelium geprediget, und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volke von Johanne: Was seid ihr hinaus gegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, daß der Wind hin und Her wehet? oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häuser; oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen; Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben stehet: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll. Epistel am 4. Sonnt. des Advents, Phil. am 4. C. v. 4-7. Creuet euch in dem Herrn allewege, und abermal sage ich: der Herr ist nahe. Sorget nichts; sondern in allen Dingen la set, eure Bitte im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott fund werden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Siune in Christo Jesu. Evan Episteln und Evangelia.. Evangelium, Joh. am 1. C. v. 19-28. Und nd dies ist das Zeugniß Johannis, da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten: Wer bist du? Und er bekannte und leugnete nicht, und er bekannte: Ich bin nicht Christus. Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elias? Er sprach: Ich bins nicht. Bist du ein Prophet: Und er antwortete: Nein. Da sprachen sie zu ihm: Was bist du denn? daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben, was sagest du von dir selbst? Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste, richtet den Weg des Herrn, wie der Prophet Esaias gesagt hat. Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern, und fragten ihn, und sprachen zu ihm: Warum taufest du denn, so du nicht Christus bist, noch Elias, noch ein Prophet? Johannes antwortete ihnen, und sprach: Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet. Der ist's, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, deß ich nicht werth bin, daß ich seine Schuhriemen auflöse. Dies geschah zu Bethabara, jenseits des Jordans, da Johannes taufete. Epistel aut heil. Christtage, Tit. am 2. C. v. 11-14. s ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und züchtiget uns, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen, und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt; und warten auf die jelige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes Jesu Christi, der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlösete von aller ungerechtigkeit, und reinigte ihm selbst ein Volk zum Eigenthum, das fleißig wäre zu guten Werken. Evangelium, Luc. am 2. C. v. 1-14. 8 begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augusto ausging, daß alle Welt geschätzet würde, und diese Schatzung war die allererste, und geschah zur Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land, zur Stadt David, die da heißet Bethlehem; darum, daß er von dem Hause und Geschlechte Darid war, auf daß er sich schätzen ließe, mit Maria, seinem vertrant 6 Episteln und Evangelia. trauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte; und sie gebar ihren ersten Sohn, und wickelte ihn in Windeln, und legte ihn in eine Krippe: denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Heerde. Und siche, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht; siehe, ich vertündige ench große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt David. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt, und in einer Krippe liegend. Und alsbald war da bei dem Engel bie Menge der himmlischen Heerschaaren, die lobten Gott, und sprachen: Ghre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Epistel am Tage St. Stephani eder andern Christage, Apostelg. 6 v. 8-15 und Cap. 7 v. 54-60. tephanus aber voll Glaubens und Kräften, that Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Da standen etliche auf von der Schule, die da heißet der Libertiner und der Cyrener, und der Aleranderer, und derer, die aus Cilicia und Asia waren, und befragten sich mit Stephano. Und sie vermochten nicht zu widerstehn der Weisheit und dem Geiste, der da redete. Da richteten sie zu etliche Männer, die sprachen; wir haben ihn gehöret Lästerworte reden, wider Mosen und wider Gott. Und bewegten das Volk und die Aeltesten, und die Schriftgelehrten, und traten hinzu, und rissen ihn hin, und führeten ihn vor den Rath, und stelleten falsche Zeugen dar, die sprachen: Dieser Mensch höret nicht auf, zu reden Lästerworte wider die heilige Stätte und das Geset Denn wir haben ihn hören sagen: Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören, und ändern die Sitten, die uns Moses gegeben hat. Und sie sahen auf ihn alle, die im Nath saßen, und sahen sein Angesicht, wie eines Engels Angesicht. Da sie solches hörcten, gings ihnen durchs Herz, und bissen die Zähne zusammen über ihn. Als er aber voll heiligen Geistes war, sahe er auf gen Himmel, und sahe die Herrlichkeit Gottes, und Jesum stehen zur Rechten Gottes, und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen, und Episteln und Evangelia. und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Sie schrieen aber laut, und hielten ihre Ohren zu, und stürmeten einmüthiglich zu ihm ein, stießen ihn zur Stadt hinaus, und steinigten ihn. Und die Zeugen legten ab ihre Kleider zu den Füßen eines Jünglings, der hieß Saulus. Und steinigten Staphanum, der anrief, und sprach: Herr Jesut, nimm meinen Geist auf! Er tnicte aber nieder und schrie lant: Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht. Und als er das gesagt, entschlief er. Evangelium, Matth. am 23. C. v. 34-39. esus sprach zu den Phärisäern und Schriftgelehrten, und Obersten der Juden: Darum siehe, ich sende zu euch Propheten, und Weise, und Schriftgelehrte, und derselbigen werdet ihr etliche tödten und kreuzigen, und etliche werdet ihr geißeln in euren Schulen, und werdet sie verfolgen von einer Stadt zur andern. Auf daß über euch komme alles das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut an des gerechten Abels, bis auf das Blut Zacharias, Barachiä Sohn, welchen ihr getödtet habt zwischen dem Tempel und Altar. Wahrlich, ich sage euch, daß solches alles wird über dies Geschlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem, die du tödtest die Propheten, und steinigest, die zu dir gefandt sind, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt! Siehe, euer Haus soll euch wüste gelassen werden. Denn ich sage euch, ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprechet: Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn! 11 Epistel am Sonnt. nach dem Christtage, Gal. 4, v. 1-4. Jof ch sage aber, so lange der Erbe ein Kind ist, so ist unter ihm und einem Knecht kein Unterschied, ob er wohlein Herr ist aller Güter; sondern er ist unter den Vormündern und Pflegern, bis auf die bestimmte Zeit vom Vater. Also auch wir, da wir Kinder waren, waren wir gefangen unter den äußerlichen SaBungen. Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe, und unter das Gesetz gethan, auf daß er die, so unter dem Gesetz waren, erlösete, daß wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr denn Kinder seid, hat Gott gesandt den Geist seines Sohnes in eure Herzen, der schreit: Abba, lieber Vater! Also ist nun hier kein Knecht mehr, sondern eitel Kinder; sinds aber Kinder, so sinds auch Erben Gottes durch Christum. Evan 8 Episteln und Evangelia. Evangelium, Luc. am 2. Cap. v. 33-40. nd sein Vater und Mutter verwunderten sich deß, das von ihm geredet ward. Und Simeon segnete sie, und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Israel, und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird. Und es wird ein Schwerdt durch deine Seele dringen, auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Und es war eine Prophetin Hanna, eine Tochter Phanuel, vom Geschlecht Aser, die war wohl betaget, und hatte gelebet sieben Jahr mit ihrem Manne, nach ihrer Jungfrauschaft, und war nun eine Wittwe bei vier und achtzig Jahren, die fam nimmer vom Tempel, dienete Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht, dieselbe trat auch hinzu zu derselbigen Stunde, und preisete den Herrn, und redete von ihm, zu allen, die auf die Erlösung zu Jerusalem warteten. Und da sie es alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehreten sie wieder in Galiläam zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Kind wuchs, und ward stark im Geist, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm. Epistel am Neuenjahrstage, Gal. am 3. C. v. 23-29. & he he denn aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Ge setz verwahret, und verschlossen auf den Glauben, der da sollte offenbaret werden. Also ist das Gesetz unser Zuchtmeis fter gewesen auf Christum, daß wir durch den Glauben gerecht würden. Nun aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. Denn ihrseid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christo Jesu. Denn wie viel eurer getauft sind, die haben Christum angezogen. Hier ist kein Jude noch Grieche, hier ist kein Knecht noch Freyer, hier ist kein Mann noch Weib, denn ihr seis allzumal einer in Chrifto Jesu. Seid ift aber Christi, so seid ihr ja Abrahams Samen, und nach der Verheißung Erben. Evangelium, Luc. am 2. C. v. 21. Un nd da acht Tage um waren, daß das Kind beschnitten wür de, da ward sein Name genannt Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe denn er in Mutterleibe empfangen ward.- Epi Episteln und Evangelia. Epistel am Sonntage nach dem Neuenjahr, Tit. am 3. Cap. v. 4-7. a aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes 9 keit, die wir gethan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machet er uns selig, durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich, durch Jesum Christum, unsern Heiland, auf daß wir durch desselben Gnade gerecht und Erben sein des ewigen Lebens nach der Hoffnung, das ist gewißlich wahr. Evangelium, Matth. am 2. Cap. v. 13-23. a aber ren, siehe, da erschien der Eugel des Herrn dem Joseph im Traum, und sprach: Stehe auf und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir, und fliehe in Egyptenland, und bleib allda, bis ich dir sage. Denn es ist vorhanden, daß Herodes das Kindlein suche, dasselbe umzubringen. Und er stand auf, und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich bei der Nacht, und entwich in Egyptenland, und blieb allda, bis nach dem Tode Herodis, auf daß erfüllet würde, das der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: Aus Egypten habe ich meinen Sohn gerufen. ( Da aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum, in Egyptenland, und sprach: Stehe auf und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir, und ziehe hin in das Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kinde nach dem Leben standen. Und er stand auf und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich, und kam in das Land Israel. Da er aber hörte, daß Archelaus im jüdischen Lande König war, anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich dahin zu kommen, und im Traum empfing er Befehl von Gott, und zog an die Derter des galiläischen Landes, und kam, und wohnete in der Stadt, die da heißet Nazareth, auf daß erfüllet würde, das da gesagt ist durch die Propheten: Ersoll Nazarenus heißen.) Lection, am Tage der heil. 3 Könige, Ef. am 60. Cap. v. 1-6. ache dich auf, werde Licht, denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn gehet auf über dir: denn siehe, Finster 10 Episteln und Evangelia. sterniß bedecket das Erdreich und Dunkel die Völker. Aber über dir gehet auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheinet über dir. Und die Heiden werden in deinem Licht wandeln, und die Könige im Glanz, der über dir aufgehet. Hebe deine Augen auf, und siehe umher, diese alle versammelt kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen, und deine Töchter zur Seite erzogen werden. Denn wirst du deine Lust sehen, und ausbrechen, und dein Herz wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich die Menge am Meer zu dir bekehret, und die Macht der Heiden zu dir kommt. Denn die Menge der Kameele wird dich bedecken, die Läufer aus Midian und Epha; sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen, und des Herrn Lob verkündigen. Evangelium, Matth. am 2. Cap. 1-12. Da a Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, zur Zeit des Königs Herodis, siehe, da kamen die Weisen aus Morgenland gen Jerusalem, und sprachen: Wo ist der neugeborne König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande, und sind gekommen ihn anzubeten. Da das derkönig Herodes hörete, erschrak er und mit ihm das ganze Jerusalem, und ließ versammeln alle Hohenpriester und Schriftgelehrten unter dem Volk, und erforschete von ihnen, wo Christus sollte geboren werden? und sie sagten ihm: Zu Bethlehem im jüdischen Lande; denn also stehet geschrieben durch den Propheten: Und du Bethlehem im jüdischen Lande, bist mit nichten die Kleinste unter den Fürsten Juda; denn aus dir soll mirkommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sei. Da bes rief Herodes die Weisen heimlich, und erlernete mit Fleiß von ihnen, wenn der Stern erschienen wäre. Und weisete sie gen Bethlehem, und sprach: Ziehet hin, und forschet fleißig nach dem Kindlein, und wenn ihrs findet, so saget mir's wieder, daß ich auch komme und es anbete. Als sie nunden König gehört hatten, zogen sie hin. Und siche, der Stern, den sie im Morgens lande gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis daß er kam, und stand oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreuet, und gingen in das Hans, und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder, und beteten es an, und thaten ihre Schäßze auf, und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen, und Gott befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken. Und zogen durch einen andern Weg in ihr Land. Epi Episteln und Evangelia. Epistel am 1. Sonnt. nach der heil. 3 Könige, Röm. am 12. Cap. v. 1-6. 11 ch ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit zum das dig, heilig und Gott wohl gefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst, und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Verneuerung cures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige, und der vollkommene Gottes Wille. Denn ich sage, durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedermann unter euch, daß niemand weiter von ihm halte, denn sichs gebühret zu halten, sondern, daß er von ihm mäßiglich halte, ein jeglicher nach dem Gott ausgetheilet hat das Maß des Glaubens. Denn gleicher Weise, als wir in einem Leibe viele Glieder haben, aber alle Glieder nicht einerlei Geschäfte haben: also sind wir viele ein Leib in Christo, aber unter einander ist einer des andern Glied und haben mancherlei Gaben, nach der Gnade, die uns gegeben ist. Evangelium, Luc. am 2. Cap. v. 41-52. 11nd nd seine Eltern gingen alle Jahr gen Jerusalem auf das Osterfest. Und da er zwölf Jahr alt war, gingen sie hinauf gen Jerusalem, nach Gewohnheit des Festes. Und da die Tage vollendet waren, und sie wieder zu Hause gingen, blieb das Kind Jesu zu Jerusalem, und seine Eltern wußtens nicht. Sie meineten aber, er wäre unter den Gefährten, und famen eine Tagereise und suchten ihn unter den Gefreundten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wiederum gen Jerusalem, und suchten ihn. Und es begab sich nach dreien Tagen, fanden sie ihn im Tempel sitzen mitten unter den Lehrern, daß er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihn zuhöreten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antwort. Und da sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das gethan? siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Uud er sprach zu ihnen: Was ists, daß ihr mich gesucht habt? Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das ermit ihnen redete. Und er ging mit ihnen hinab, und kam gen Nazareth, und war ihnen unterthan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnadebei Golt und den Menschen. Epi= Episteln und Evangelia. Sonnt. nach der heil. 3 Könige, Röm. am 12. Cap. v. 6-16. 12 Epistel am 2 Mi ir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns geges ben ist. Hat jemand Weissagung, so sei dem Glauben ähnlich. Hat jemand ein Amt, so warte er des Amts. Lehret jemand, so warte er der Lehre. Ermahnet jemand, so warte er des Ermahnens. Giebt jemand, so gebe er einfältiglich. Regieret jemand, so set er sorgfältig. Uebet jemand Barmherzigkeit, so thue er's mit Lust. Die Liebe sei nicht falsch. Hasset das Arge, Hanget dem Guten an. Die brüderliche Liebe unter einander sei Herzlich. Einer komme dem Andern mit Ehrerbietung zuvor. Seid nicht träge, was ihr thun sollt. Seid brünstig im Geist, Schicket euch in die Zeit. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal. Haltet an am Gebet. Nehmet euch der heiligen Nothdurft an, herberget gerne. Segnet, die euch verfolgen, segnet und fluchet nicht. Frenct euch mit den Fröhlichen, und weinet mit den Weinenden. Habt einerlei Sinn unter einan der. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen. Evangelium, Joh. am 2. Cap. v. 1-11. 11nd nd am dritten Tage war eine Hochzeit zu Cana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es am Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht Wein. Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: was er euch saget, das thut. Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzet, nach der Weise der jüdis schen Reinigung, und ging je in einen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie fülleten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen: schöpfet nun, und bringets dem Speisemeister. Und sie brachtens. Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, von wannen er tam, die Diener aber wußtens, die das Wasser geschöpfet hatten, rufet der Speise meister dem Bräutigam, und spricht zu ihm: Jedermann giebt zum ersten guten Wein, und wenn sie trunken worden sind, alss dann den geringern: du hast den guten Wein bisher behalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus that, geschehen zu Cana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. Epi Episteln und Evangelia. Epistel am 3. Sonnt. nach der heil. 3 Könige, Röm. am 12. Cap. v. 16-21. 13 H altet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Fleißiget euch in der Ehrbarkeit gegen jedermann. Ist's möglich, so viel an euch ist, so habet mit allen Menschen Friede. Nächet euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn( Gottes). Denn es stehet geschrieben: Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr. So nun deinen Feind hungert, so speise ihn, dürstet ihn, so tränke ihn; wenn du das thust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Laß dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Evangelium, Matth. am 8. Cap. v. 1-13. Dª a Jesus vom Berge herab ging, folgte ihm viel Volks nach. Und siehe, ein Aussäßiger kam, und betete ihn an, und sprach: Herr, so du willst, kannst du mich wohl reinigen. Und Jesus streckte seine Hand aus, rührete ihn an, und sprach: Ich will's thun, sei gereiniget. Und alsbald ward er von seinem Aussatz rein. Und Jesus sprach zu ihm: Siehe zu, sag's niemand, sondern gehe hin, und zeige dich dem Priester, und opfere die Gabe, die Moses befohlen hat, zu einem Zeugniß über sie. Da aber Jesus einging zu Capernaum, trat ein Hauptmann zu ihm, der bat ihn, und sprach: Herr, meint Knecht liegt zu Hause, und ist gichtbrüchig, und hat große Qual. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen, und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht werth, daß du unter mein Dach gehest, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn ich bin ein Mensch, dazu der Obrigkeit unterthan, und habe unter mir Kriegsknechte, noch wenn ich sage zu einem, gehe hin, so gehet er, und zum andern: komm her, so kommt er, und zu meinem Knecht: thuedas, so thut er's. Da das Jesus hörete, verwunderte er sich, und sprach zu denen, die ihm nachfolgeten: Wahrlich, ich sage euch, solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden. Aber ich sage euch, viele werden kommen vom Morgen und vom Abend, und mit Abraham, und mit Isaak, und Jakob im Himmelreich sitzen; aber die Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die äußerste Finsterniß hinaus, da wird sein Heulen und Zähnklappen. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Gehe hin, dir geschehe, wie du geglaubet hast. Und sein Knecht ward gesund zu derselbigen Stunde. Epis 14 Episteln und Evangelia. Epistel am 4. Sonnt. nach der heil. 3 Könige. Nöm. am 13. Cap. v. 8-10. eid niemand nichts schuldig, denn daß ihr euch unter einander liebet. Denn werden andern liebet, der hat das Gefeßz erfüllet. Denn das da gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht tödten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugniß geben; dich soll nichts gelüsten, und so ein ander Gebot mehr ist, das wird in diesem Worte verfaffet: Du sollst deinen Nächsten lieben, als dich selbst. Die Liebe thut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. Evangelium, Matth. am 8. Cap. v. 23-27. I fe efus trat in ein Schiff, und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da erhob sich ein groß Ungestüm im Meer, also daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward, und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm, und weckten ihn auf, und sprachen: Herr, hilf uns, wir verderben! Dasagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warumseid ihr so furchtsam? Und stand auf, und bedrohete den Wind und das Meer; da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich, und sprachen: Was ist das für ein Mann, das ihm Wind und Meer gehorsam ist? Epistel am 5. Sonntage nach der heil. 3 Könige. Col. am 3. Cap. v. 12-17. o ziehet nun an als die auserwählten Gottes, Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demuth, Sanftmuth, Geduld, und vertrage einer den andern, und vergebet euch unter einander, so jemand Klage hat wider den andern; gleich wie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. Ueber alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit, und der Friede Gottes regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen scid in einem Leibe, und seid dankbar. Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit, lehret und ermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen, und geistlichen lieblichen Liedern, und singet dem Herrn in eurem Herzen; und alles, was ihr thut mit Worten oder mit Werken, das thut alles in dem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Evangelium, Matth. am 13. C. v. 24-30. Jesus esus legte ihnen ein ander Gleichniß vor und sprach: Das Him Episteln und Evangelia. 15 Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acter säete; da aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säcte Unkraut zwischen den Waizen, und ging davon. Da nun das Kraut wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unfraut. Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gefået? Woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: Das hat der Feind gethan. Da sprachen die Knechte: Willst du denn, das wir hingehen und es ausgäten? Ersprach: Nein, auf daß ihr nicht zugleich den Waizen mit ausraufet, so ihr das Unkraut ausgätet. Laffet beides mit einander wachsen bis zur Ernte, und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuvor das Unkraut, und bindet es in Bündlein, daß man es verbrenne; aber den Waizen sammelt mir in meine Scheuren. Epistel am 6. Sonntage nach der heil. 3 Könige, 2 Petr. am 1. Cap. s. 16-21. W ir haben nicht den klugen Fabeln gefolgt, da wir euch kund gethan haben die Kraft und Zukunft unsers Herrn Jesu Chrsti; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen, da er empfing von Gott dem Vater, Ehre und Preis, durch eine Stimme, die zu ihm geschah von der großen Herrlichkeit dermaßen: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehöret vom Himmel gebracht, da wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. Wir haben ein festes prophetisches Wort, und ihr thut wohl, daß ihr darauf achtet, als auf ein Licht, das da scheinet in einem dunkeln Ort, bis der Tag anbreche, und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. Und das sollt ihr für das erste wissen, daß keine Weisjagung in der Schrift geschieht aus eigener Auslegung. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichen Willen hervorgebracht, sondern die heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem heiligen Geist. Evangelium, Matth. am 17. Cap. v. 1-9. nd nach sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrum und Jacobum, und Johannem, seinen Bruder, und führete sie beiseits auf einen hohen Berg. Und ward verkläret vor ihnen. Und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß, als ein Licht. Und siehe, da erschien ihnen Moses und Elias, die redeten mit ihm. Petrus aber antwortete und sprach 16 Episteln und Evangelia. sprach zu Jesu: Herr, hier ist gut sein; willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen, dir eine, most eine und Elias eine. Da er noch also redete, stehe, da überschattete sie eine lichte Wolte. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören. Da das die Jünger höreten, fielen sie auf ihr Angesicht, und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührete sie an, und sprach: Stehet auf, und fürchtet euch nicht. Da sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand, denn Jesus allein. Und da sie vom Berge herab gingen, gebot ihnen Jesus, und sprach: Ihr sollt dies Gesicht niemand sagen, bis des Menschen Sohn von den Todten auferstanden ist. W Epistel am Sonnt. Septuagefima, 1 Cor. am 9. u. 10 C. isset ihr nicht, daß die, so in den Schranken laufen, die laufen alle, aber einer erlanget das Kleinod. Laufet nun also, daß ihr es ergreifet. Ein jeglicher aber, der da kämpfet, enthält sich alles Dinges. Jené also, daß sie eine vergängliche Krone empfangen, wir aber eine unvergängliche. Ich laufe aber also, nicht als aufs Ungewisse, ich fechte alsó, nicht als der in die Luft streichet, sondern ich betäube meinen Leib, und zähme ihn, daß ich nicht den andern predige und selbst verwerflich werde. Ich will euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten, daß unsere Väter sind alle unter der Wolke gewesen, und find alle durchs Meer gegangen, und sind alle unter Mosen getaufet mit der Wolke und mit dem Meer, und haben alle einerlei geistliche Speise gegessen, und haben alle einerlei geistlichen Trank ge trunken. Sie tranten aber von dem geistlichen Fels, der mit folgete, welcher war Christus. Aber an ihrer vielen hatte Gott keinen Wohlgefallen, denn sie sind niedergeschlagen in der Wüste. Evangelium, Matth. am 20. Cap. v. 1-16. Je esus sprach zu seinen Jüngern: Das Himmelreich ist gleich ei nem Hausvater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu mie then in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und ging aus um die dritte Stunde und sah andere an dem Markte müssig stehen, und sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg, ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermal ging eraus um die sechste und neun Episteln und Evangelia. 17 neunte Stunde, und that gleich also. Um die elfte Stunde aber ging er aus, und fand andere müssig stehen, und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hier den ganzen Tag müssig? Sie sprachen: Es hat uns niemand gedinget. Er sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg, und was recht sein wird, soll ench werden. Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinberges zu seinem Schaffner: Rufe die Arbeiter, und gieb ihnen den Lohn, und hebe an an den letzten, bis zu dem Ersten. Da kamen, die um die elfte Stunde gedinget waren, und empfing ein jeglicher seinen Groschen. Da aber die Ersten kamen, meineten sie, sie würden mehr empfangen, und sic empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da sie den empfingen, murreten sie wider den Hausvater, und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben? Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich thue dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir eins geworden um einen Groschen? Nimm, was dein ist, und gehe hin. Ich will aber diesen Letzten geben, gleich wie dir; oder habe ich ich nicht macht zu thun, was ich will, mit dem Meinen? Siehst du darum scheel, daß ich so gütig bin? Also werden die Letzten die Ersten, und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt. Epistel am Sonnt. Seragesima. 2. Cor. am 11. u. 12. C. hr vertraget gern die Narren, dieweil ihr flug seid. Ihr I mand schindet, so euch jemand nimmt, so euch jemand trotzt, so cuch jemand ins Angesicht streichet. Das sage ich nach der Unehre, als wären wir schwach geworden. Worauf nun jemand fühn ist,( ich rede in Thorheit) darauf bin ich auch fühn. Sie sind Ebräer, ich auch. Sie sind Jsraeliten, ich auch. Sie sind Abrahams Samen, ich auch. Sie sind Diener Christi, ( ich rede thörlich) ich bin wohl mehr. Ich habe mehr gearbeitet, ich habe mehr Schläge erlitten, ich bin öfters gefangen, oft in Todesnöthen gewesen. Von den Juden habe ich fünfmal empfangen vierzig Streiche weniger eins. Ich bin dreimal gestäupet, einmal gesteiniget, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, Tag und Nacht habe ich zugebracht in der Tiefe des Meeres. Ich habe oft gereiset, ich bin in Gefahr gewesen zu Wasser, in Gefahr unter den Mördern, in Gefahr unter den Juden, in Gefahr unter den Heiden, in Gefahr in den Städten, in B GeP 18 Episteln und Evangelia. Gefahr in der Wüste, in Gefahr auf dem Meere, in Gefahr unter den falschen Brüdern. In Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße, ohne was sich sonst zuträgt, nämlich, daß ich täglich werde angelaufen, und trage Sorge für alle Gemeinen. Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? Wer wird geärgert, und ich brenne nicht? So ich mich je rühmen soll, will ich mich meiner Schwachheit rühmen. Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, welcher sei gelobet in Ewigkeit, weiß, daß ich nicht lüge. Zu Damasco der Landpfleger des Königes Aretha verwahrete die Stadt der Damascer, und wollte mich greifen; und ich ward in einem Korbe zum Fenster aus durch die Mauer niedergelassen, und entrann aus seinen Händen. Es ist mir ja das Rühmen nichts nüße, doch will ich kommen auf die Gesichte und Offenbarung des Herrn. Ich fenne einen Menschen in Christo vor vierzehn Jahren,( ist er in dem Leibe gewesen, so weiß ichs nicht, oder ist er außer dem Leibe gewesen, so weiß ichs auch nicht, Gott weiß es), derselbige ward entzückt bis in den dritten Himmel. Und ich kenne denselbigen Menschen,( ob er in dem Leibe, oder außer dem Leibe gewesen ist, weiß ich nicht, Gott weiß es.) Er ward entzückt in das Paradies, und hörte unaussprechliche Worte, welche kein Mensch sagen kann, davon will ich mich rühmen, von mir selbst aber will ich mich nichts rühmen, ohne meiner Schwachheit. Und so ich mich rühmen wollte, thäte ich darum nicht thöricht; denn ich wollte die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber deß, auf daß nicht jemand mich höher achte, denn er an mir siehet, oder von mir höret. Und auf daß ich mich nicht der hohen Offenbarung überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlage, auf daß ich mich nicht überhebe, dafür ich dreimal den Herrn geflehet habe, daß er von mir wiche. Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Christi bei mir wohne. Evangelium, Luc. am 8. Cap. v. 4-15. D a nun viel Volks bei einander war, und aus den Städten zu Jesu eilten, sprach er durch ein Gleichniß: Es ging ein Säemann aus, zu jäen seinen Samen, und indem er säcte, fiel etliches an den Weg, und ward vertreten, und die Vögel un Episteln und Evangelia. 19 unter dem Himmel fraßen es auf. Und etliches fiel auf den Fels, und da es aufging, verborrete es, darum, daß es nicht Saft hatte. Und etliches fiel mitten unter die Dornen, und die Dornen gingen mit auf und erstickten es. Und etliches fiel auf ein gut Land, und es ging auf und trug hundertfältige Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre. Es fragten ihn aber seine Jünger und sprachen: Was dieses Gleichniß wäre? Er aber sprach: Guch ists gegeben, zu wissen das Geheimniß des Reiches Gottes; den andern aber in Gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen und nicht verstehen, ob sie es schon hören. Das ist aber das Gleichniß: Der Same ist das Wort Gottes, die aber an dem Wege sind, das sind die es hören, darnach kommt der Teufel, und nimmt das Wort von ihrem Herzen, auf daß sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die, wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an, und die haben nicht Wurzel, eine Zeitlang glauben sie, und zur Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel, sind die, so es hören und gehen hin unter den Sorgen, Reichthum und Wollust dieses Lebens, und ersticken, und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Lande, sind, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen, und bringen Frucht in Geduld. Epistel am Sonntage Quinquagesima ,. 1 Cor. am 13. Cap. v. 1-13. m enn ich mit Menschen und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen könnte, und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntniß, und hätte allen Glauben, also, daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe, und ließe meinen Leib brennen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir nichts nüße. Die Liebe ist langmüthig freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Muthwillen, sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungeberdig, sie suchet nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie trachtet nicht nach Schaden, sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freuet sich aber der Wahrheit; sie verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles. Die Liebe hört nimmer auf; es müssen aufhören die Weissagungen, und aufhören die SpraB2 20 Episteln und Evangelia. Sprachen und das Erkenntniß wird auch aufhören. Denu unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, und war klug wie ein Kind, und hatte kindische Anschläge. Da ich aber ein Mann ward, that ich ab, was findisch war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunfeln Wort, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich es stüchweise, dann aber werde ich es erkennen, gleichwie ich erkennet bin. Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größeste unter ihnen. Evangelium, Luc. am 18. Cap. v. 31-43. Jeh vesus nahm zu sich die Zwölfe, und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, das geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und geschmähet, und verspeiet werden. Und sie werden ihn geißeln und tödten, und am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen der keins, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was das gesagt war. Es geschahe aber, da er nahe zu Jericho kam, saß ein Blinder am Wege und bettelte. Da er aber hörte das Volk, das durchhin ging, forschte er, was das wäre? Da verkündigten sie ihm: Jesus von Nazareth ginge vorüber. Und er rief, und sprach: Jesu, du Sohn David, erbarme dich mein! Die aber vorne an gingen, bedroheten ihn, er sollte schweigen. Er aber schrie vielmehr: Du Sohn David, erbarme dich mein! Jesus aber stand stille, und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe bei ihm brachten, fragte er ihn und sprach: Was willst du, daß ich dir thun soll? Er sprach: Herr, daß ich sehen möge. Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend, dein Glaube hat dir geholfen. Und alsbald ward er sehend, und folgte ihm nach, und preisete Gott, und alles Volk, das solches sahe, lobte Gott. Epistel am 1. Sonntage in der Fasten, 2. Cor. am 6. Cap. v. 1-10. ir ermahnen aber euch, als Mithelfer, daß ihr nicht vergeb lich die Gnade Gottes empfanget. Denn er spricht: Ich habe dich in der angenehmen Zeit erhöret, und habe dir am Tage des Heils geholfen. Sehet, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag 21 Episteln und Evangelia. Tag des Heils. Lasset uns aber niemand irgend ein Nergerniß geben, auf daß unser Amt nicht verlästert werde, sondern in allen Dingen lasset uns beweisen als die Diener Gottes, in großer Geduld, in Trübsal, in Nöthen, in Aengsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhren, in Arbeit, in Wachen, in Fasten, in Kenschheit, in Erkenntniß, in Langmuth, in Freundlichkeit, in dem heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit, zur Rechten und zur Linken, durch Ehre und Schande, durch böse Gerüchte und gute Gerüchte, als die Verführer, und doch wahrhaftig; als die Unbekannten und doch Bekannten; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten und doch nicht getödtet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viel reich machen; als die nichts inne haben, und doch alles haben. Evangelium, Matth. am 4. Cap. v. 1-11. D a ward Jesus vom Geist in die Wüste geführet, auf daß er vom Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brod werden. Und er antwortete und sprach: Es stehet geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brod allein, sondern von einem jeglichen Wort, daß durch den Mund Gottes gehet. Da führete ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt, und stellete ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab, denn es stehet geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl thun, und sie werden dich auf den Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stofest. Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum stehet auch geschrieben: Du sollsi Gott deinen Herrn nicht versuchen. Wiederum führete ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg, und zeigete ihm alle Reiche der Welt, und ihre Herrlichkeit, und sprach zu ihm: Dies alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir, Satan! denn es stehet geschrieben: Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen. Da verließ ihn der Teufel, und siehe, da traten die Engel zu ihm und dieneten ihm. Epi 22 Episteln und Evangelia. Epistel am 2. Sonnt. in der Fasten, oder Reminiscere, 1. Theff. am 4. Cap. v. 1-7. eiter, lieben Brüder, bitten wir euch, und ermahnen in dem ihr sollt wandeln und Gott gefallen, daß ihr immer völliger werdet. Denn ihr wisset, welche Gebote wir euch gegeben haben, durch den Herrn Jesum. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, daß ihr meidet die Hurerei, und ein jeglicher unter euch wisse sein Faß zu behalten in Heiligung und Ehren; nicht in der Luft- Seuche, wie die speiden, die von Gott nichts wissen; und daß niemand zu weit greife, noch vervortheile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist Rächer über das alles, wie wir euch zuvor gesagt und bezeugt haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung. Evangelium, Matth. am 15. Cap. v. 21.- 28. Und nd Jesus ging aus von dannen, und entwich in die Gegend Tyro und Sydon. Und siehe, ein cananäisch Weib ging aus derselbigen Grenze, und schrie ihm nach, und sprach: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich mein! meine Tochter wird vom Teufel übel geplaget. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: Laß sie doch von dir, denn sie schreiet uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlornen Schafen von dem Hause Israel. Sie kam aber, und fiel vor ihm nieder, und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht sein, daß man den Kindern ihr Brod nehme, und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja Herr, aber doch essen die Hündlein von dem Brosamen, die von ihrer Herren Tische fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: D Weib, dein Glaube ist groß! dir geschehe, wie du willst. Und ihre Tochter ward gesund zu derselbigen Stunde. Epistel am 3. Sonntage in der Fasten, Eph. am 5. Cap. v. 1-9. o seid nun Gottes Nachfolger, als die lieben Kinder, und wandelt in der Liebe, gleich wie Christus uns hat geliebet, und sich selbst dargegeben für uns zur Gabe und Opfer, Gott zu einem süßen Geruch. Hurerei aber und alle Unreinigkeit, oder Geiz lasset nicht von euch gesagt werden, wie den Hei ligen zustehet. Auch schandbare Worte und Narrentheidung, oder Scherz 23 Episteln und Evangelia. Scherz, welche cuch nicht ziemen, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer oder Unreiner, oder Geiziger, welcher ist ein Sößendiener, Erbe hat an dem Reiche Christi und Gottes. Lasset euch niemand verführen mit vergeblichen Worten: denn um dieser willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Darum seid nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr waret weiland Finsterniß, nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts. Die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit. Evangelium, Luc. am 11. Cap. v. 14-28. J esus trieb einen Teufel aus, der war stumm, und es geschah, da der Teufel ausführ, da redete der Stumme. Und das Volf verwunderte sich. Etliche aber vnter ihnen sprachen: Er treibet die Teufel aus durch Beelzebub, den Obersten der Teufel. Die andern aber versuchten ihn, und begehrten ein Zeichen von ihm, vom Himmel. Er aber vernahm ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Ein jegliches Neich, so es mit sich selbst uneins wird, das wird wüste, und ein Haus fällt über das andere. Ist denn der Satanas auch mit sich selbst uneins, wie will sein Reich bestehen? dieweil ihr saget: ich treibe die Teufel aus durch Beelzebub. So ich aber die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben sie eure Kinder aus? darum werden sie eure Richter sein. So ich aber durch Gottes Finger die Teufel austreibe, ſo kommt je das Reich Gottes zu cuch. Wenn ein starker Gewappncter seinen Palast verwahret, so bleibet das Seine mit Frieden; wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt, und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen Harnisch, darauf er sich verließ, und theilet den Raub aus. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet. Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfährt, so durchwandelt er dürre Stätte, suchet Ruhe, und findet ihrer nicht. So spricht er: ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet ers mit Besemen gekehret und geschmücket. Dann geht er hin, und nimmt sieben Geister, zu sich, die ärger sind, denn er selbst; und wenn sie hinein kommen, wohnen sie da, und wird hernach mit demselbigen Menschen ärger, denn vorhin. Und es begab sich, da er solches redete, erhob ein Weib im Volke die Stimme, und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du ge10= 24 Episteln und Evangelia. sogen hast. Er aber sprach: Ja selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Epistel am 4. Sonntage in der Fasten, Gal. am 4. Cap. v. 21-31. ( aget mir, die ihr unter dem Gesetze sein wollt, habt ihr das Gesetz nicht gehöret?-denn es stehet geschrieben, daß Abraham zween Söhne hatte, einen von der Magd, den andern von der Freien. Aber der von der Magd war, ist nach dem Fleisch geboren, der aber von der Freien, ist durch die Verheißung geboren. Die Worte bedeuten etwas. Denn das sind die zwei Testamente, eines von dem Berge Sinai, das zur Knechtschaft gebieret, welches ist die Agar, denn Agar heißt in Arabien der Berg Sinai, und langet bis gen Jerusalem, das zu dieser Zeit ist, und ist dienstbar mit seinen Kindern. Aber das Jerusalem, das dro: ben ist, das ist die Freie, die ist unser aller Mutter. Denn es stehet geschrieben: Sei fröhlich, du unfruchtbare, die du nicht gebierest und brich hervor, und rufe, die du nicht schwanger bist; denn die Einsame hat viel mehr Kinder, denn die den Mann hat. Wir aber, lieben Brüder, sind, Jsaak nach, der Verheißung Kinder. Aber gleichwie zu der Zeit, der nach dem Fleisch geboren war, verfolgte den, der nach dem Geist geboren war; also gehet es jetzt auch. Aber was spricht die Schrift? Stoße die Magd hinaus mit ihrem Sohn, denn der Magd Sohn soll nicht er ben mit dem Sohn der Freien. So sind wir nun, lieben Brüder, nicht der Magd Kinder, sondern der Freien. Evangelium, Joh. am 6. Cap. v. 1-15. über das an der Stadt Tibes rias in Galiläa, und es zog ihm viel Volks nach, darum, daß sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken that. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg, und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern. Es war aber nahe die Ostern, der Juden Fest, da hob Jesus seine Augen auf, und siehet, daß viel Volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippo: Wo kaufen wir Brod, daß diese essen?( das sagte er aber, ihn zu versuchen, denn er wußte wohl, was er thun wollte). Philippus antwortete ihm: Zwei Hundert Pfennige werth Brodes ist nicht genug unter sie, daß ein jeglicher unter ihnen ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder Simonis Petri: Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrode und zween Fische, aber was Episteln und Evangelia. 25 was ist das unter so viele? Jesus aber sprach: Schaffet, daß sich das Volk lagere. Es war aber viel Gras an dem Orte, da lagerten sich bei fünf tausend Mann. Jesus aber nahm die Brode, dankte, und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen, die sich gelagert hatten, desselbigen gleichen auch von den Fischen, wie viel er wollte. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, daß nichts umkomme. Da sammelten sie, und füllten zwölf Körbe mit Brocken, von den fünf Gerstenbroden, die überblieben denen, die gespeiset wurden. Da nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus that, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, daß sie kommen würden und ihn haschen, daß sie ihn zum Könige machten, entwich er abermal auf einen Berg, er selbst alleine. Epistel am 5. Sonntage in der Fasten, Judica, Hebr. am 9. Cap. v. 11-15. Chrifti hristus aber ist gekommen, daß er sei ein Hoherprieſter der zukünftigen Güter, durch eine größere und vollkommnere Hütte, die nicht mit der Hand gemacht ist, das ist: die nicht also gebauet ist, auch nicht durch der Böcke oder Kälber Blut, sondern er ist durch sein eigen Blut einmal in das Heilige eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden. Denn so der Ochsen und der Böcke Blut, und die Asche von der Kuh gesprenget, heiliget die Unreinen zu der leiblichen Reinigkeit: Wie vielmehr wird das Blut Christi, der sich selbst ohne allen Wandel, durch den heiligen Geist Gott geopfert hat, unser Gewissen reinigen von den todten Werfen, zu dienen dem lebendigen Gott? Und darum ist er auch ein Mittler des neuen Testaments, auf daß durch den Tod, so geschehen ist zur Erlösung von den Uebertretungen, die unter dem ersten Testament waren, die so berufen sind, das verheißene ewige Erbe empfangen. Evangelium, Joh. am 8. Cap. v. 46-59. Je esus sprach zu den Juden: Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? So ich euch aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der höret Gottet Wort, darum höret ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott. Da antworteten die Juden, und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist, und hast den Teufel? Jesus antwortete: Ich haben keinen Teufel, sondern ich ehre mei 26 Episteln und Evangelia. meinen Vater, und ihr unehret mich. Ich suche nicht meine Ehre, es ist aber einer, der sie suchet und richtet. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Da sprachen die Juden zu ihm: Nun erkennen wir: daß du den Teufel bast. Abraham ist gestorben, und die Propheten, und du sprichst: Eojemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich. Bist du mehr, denn unser Vater Abraham, welcher gestorben ist, und die Propheten sind gestorben, was machst du aus dir selbst? Jesus antwortete: Se ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehret, welchen ihr sprechet, er sei euer Gott, und kennet ihn nicht, ich aber kenne ihn. Und so ich würde sagen, ich kenne ihn nicht, so würde ich ein Lügner, gleich wie ihr seid, aber ich kenne ihn und halte sein Wort. Abraham, ener Bater, ward froh, daß er meinen Tag sehen sollte, und er sahe ihn und freuete sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahr alt, und haft Abraham geschen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: ehe denn Abraham war, war ich. Da hoben sie Steine auf, daß sie auf ihn würfen. Aber Jesus verbarg sich, und ging zum Tempel hinaus. Cin Epistel am Palm- Sonntage, Phil. am 2. Cap. v.5-11. in jeglicher sei gesinnet, wie Jesus Christus auch war. Welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, hielt er es nicht für einen Raub, Gott gleich sein, sondern äußerte sich selbst, und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch, und an Geberden, als ein Mensch erfunden. Er niedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöhet, und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen alle derer Knie, die im Himmel und auf Erden, und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes des Vaters. Evangelium am Palmsonntage, siehe am ersten Sonntage des Advents. NB. An etlichen Orten werden die Worte vom heil. Abendmahl anſtatt des Evangelii gelesen und erklärt, aus 1. Cor. am 11. Cap. v. 23-32. ch habe es von dem Herrn empfangen, das ich euch gegeben habe. Denn der Herr Jesus, in der Nacht, da er verrathen ward, nahm er das Brod, dankete und brachs, und sprach: Episteln und Evangelia. 27 sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird, solches thut zu meinem Gedächtniß. Desselbigen gleichen auch den Kelch nach dem Abendmahl, und sprach: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blute; solches thut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtniß. Denn so oft ihr von diesem Brode esset, und von diesem Kelche trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. Welcher uun unwürdig von diesem Brode isset, oder von dem Kelche des Herrn trinket, der ist schuldig an dem Leibe und Blute des Herrn. Der Mensch prüfe aber sich selbst, und also esse er von diesem Brode, und trinke von diesem Kelche. Denn welcher unwürdig isset und trinket, der isset und trinket ihm selber das Gericht, damit, daß er nicht unterscheidet den Leib des Herrn. Darum sind auch so viel Schwache und Kranke unter euch, und ein gut Theil schlafen. Denn so wir uns selber richteten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem Herrn gezüchtiget, auf daß wir nicht sammt der Welt verdammet werden. Epistel am 1. heil. Ostertage, 1. Cor. am 5. Cap. v. 6-8. && uer uer Ruhm ist nicht sein. Wisset ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig versäuert? Darum feget den alten Sauerteig aus, auf daß ihr ein neuer Teig seid, gleichwie ihr ungesäuert seid. Denn wir haben auch ein Osterlamm, das ist Christus, für uns geopfert. Darum lasset uns Ostern halten, nicht im alten Sauerteige, auch nicht im Sauerteige der Bosheit und Schalkheit, sondern in dem Süßteige der Lauterfeit und der Wahrheit. Evangelium, Marci am 16. Cap. v. 1-8. nd da der Sabbath vergangen war, kauften Maria Magdalena, und Maria Jacobi und Salome Specerei, auf daß sie kämen und salbeten ihn. Und sie kamen zum Grabe an einem Sabbather sehr frühe, da die Sonne aufging. Und sie sprachen unter einander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Thür? Und sie sahen dahin und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzt war, denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab, und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sizzen, der hatte ein langes weißes Kleid an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsezzet euch nicht, ihr suchet Jesum von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, und ist nicht hier, sie WASTE 28 Episteln und Evangelia. siehe da die Stätte, da sie ihn hinlegten. Gehet aber hin, und saget es seinen Jüngern und Petro, daß er vor euch hingehen wird in Galiläa, da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen schnell heraus und flohen von dem Grabe, denn es war sie Zittern und Entsetzen angekommen, und sagten niemand nichts, denn sie fürchteten sich. Lection am 2. Ostertage, aus der Apostelgeschichte am 10. Cap. v. 34-41. und Run erfahre Pich mit der Wahrheit, daß Gott die Perſon nicht anſiehet, sondern in allerlei Volk, wer ihn fürchtet und Necht thut, der ist ihm angenehm. Ihr wisset wohl von der Predigt, die Gott zu den Kindern Jsrael gesandt hat, und verkündigen lassen den Frieden durch Jesum Christum,( welcher ist ein Herr über alles) die durchs ganze jüdische Land geschehen ist, und angegangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannis predigte, wie Gott denselbigen Jesum von Nazareth gesalbet hat mit dem heiligen Geist und Kraft, der umhergezogen ist, und hat wohl gethan und gesund gemacht alle, die vom Teufel überwältigt waren, denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen alles deß, das er. gethan hat im jüdischen Lande und zu Jerusalem. Den haben sie getödtet und an ein Holz gehänget. Denselbigen hat Gott auferwecket am dritten Tage, und ihn lassen offenbar werden, nicht allem Volt, sondern uns, den vorerwählten Zeugen von Gott, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden ist von den Todten. Evangelium, Luc. am 24. Cap. v. 13-35. nd aus ihnen an in einen Flecken, der war von Jerusalem sechzig Feldweges weit, deß Name heißt Emmahus. Und sie redeten mit einander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, da ste so redeten, und befragten sich miteinder, nahete sich Jesus zu ihnen, und wandelte mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht kannten. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Ne den, die ihr zwischen euch handelt unterwegs, und seid traurig? Da antwortete einer, mit Namen Cleophas, und sprach zu ihm: Bist du allein unter den Fremdlingen zu Jerusalem, der nicht wisse, was in diesen Tagen darinnen geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Welches? Sic aber sprachen zu ihm: Das von Episteln und Evangelia. 29 Jesus von Nazareth, welcher war ein Prophet, mächtig von Thaten und Worten, vor Gott und allem Volt, wie ihn unsere Hohenpriester und Obersten überantwortet haben zur Verdammniß des Todes, und gekreuziget. Wir aber hofften, er sollte Israel erlösen. Und über das alles ist heute der dritte Tag, daß solches geschehen ist. Auch haben uns erschreckt etliche Weiber der Unsern, die sind frühe bei dem Grabe gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben ein Gesicht der Engel gesehen, welche sagen, er tebe. Und etliche unter uns gingen hin zum Grabe, und fanden es also, wie die Weiber sagten, aber ihn fanden sie nicht. Und er sprach zu ihnen: Oihr Thoren und trägen Herzens, zu glauben alle dem, das die Propheten geredet haben. Mußte nicht Christus solches leiden, und zu seiner Herrlichkeit eingehen? und fing an von Mose und allen Propheten, und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren. Und sie tamen nahe zum Flecken, da sie hingingen, und er stellete sich, als wollte er weiter gehen. Und sie nöthigten ihn, und sprachen: Bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brod, dankte, und brach es, und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und erkannten ihn, Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen unter einander: Brannte nicht un= ser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete? Und sie standen auf zu derselbigen Stunde, fehrten wieder gen Jerusalem, und fanden die Elfe versammelt, und die bei ihnen waren, welche sprachen: der Herr ist wahrhaftig auferstanden, und Simoni erschienen. Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war, und wie er von ihnen erkannt wäre an dem, da er das Brod brach. Epistel am 1. Somntage nach Ostern Quasimodogeniti genannt, 1. Joh. am 5. Cap. v. 4-10. Alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt, und unser ist der die Welt hat. Wer ist aber, der die Weltüberwindet, ohne der da glaubet, daß Jesu Gottes Sohn ist? Dieser ist es, der da kommt mit Wasser und Blut, Jesus Christus, nicht mit Wasser allein, sondern mit Wasser und Blut. Und der Geist ist es, der da zeuget, daß Geist Wahrheit ist. Denn drei sind, die da zeugen im Himmel, der Vater, das Wort und der heil. Geist, und diese drei find 30 Episteln und Evangelia. sind eins. Und drei sind, die da zeugen auf Erden, der Geist und das Wasser, und das Blut, und die drei sind beisammen. So wir der Menschen Zeugniß annehmen, so ist Gottes Zeugniß größer. Denn Gottes Zeugniß ist das, das er gezeuget hat von seinem Sohn. Wer da glaubet an den Sohn Gottes, der hat solches Zeugniß bei ihm. Evangelium, Joh. am 20. Cap. v. 19-23. A m Abend aber desselbigen Sabbaths, da die Jünger versammelt, und die Thüren verschlossen waren, aus Furcht vorden Juden, kam Jesus und trat mitten ein und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das sagte: zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermal zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleich wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das sagte, blies er sie an und sprach zu ihnen: Nehmet hin den heiligen Geist; welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Epistel am 2. Sonntage nach Ostern, Misericordias Domini genannt, 1. Petr. am 2. Cap. v. 21-25. D enn dazu seid ihr berufen, sintemal auch Christus gelitten hat für uns, und uns ein Vorbild gelassen, daß ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen. Welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden. Welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward; nicht drohete, da er litt; er stellete es aber dem heim, der da recht richtet; welcher unsere Sünde selbst geopfert hat an seinem Leibe auf dem Holze, auf daß wir der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben, durch welches Wunden ihr seid heil geworden. Denn ihr waret wie die irrenden Schafe, aber ihr seid nun bekehret zu dem Hirten und Bischofe eurer Seelen. Evangelium, Joh. am 10. Cap. v. 12-16. J ch bin ein guter Hirte, ein guter Hirte läßt sein Leben für die Schafe. Ein Miethling aber, dernicht Hirte ist, deß die Schafe nicht eigen sind, sichet den Wolf fommen, und verläßt die Schafe und fliehet, und der Wolf erhaschet und zerstrenet die Schafe. Der Miethling aber fliehet, denn er ist ein Miethling, und achtet der Schafe nicht. Ich bin ein guter Hir Episteln und Evangelia. 31 Hirte, und erkenne die Meinen, und bin bekannt den Meinen, wie mich mein Vater kennet, und ich kenne den Vater, und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle, und dieselbigen muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Heerde und ein Hirte werden. Epistel am 3. Sonnt. nach Ostern, Jubilate genannt, 1. Petr. am 2.( Sap. v. 11-17. chermahne euch, als die Fremdlinge und Pilgrimme, enthaltet ten; und führet einen guten Wandel unter den Heiden, auf daß die, so von euch afterreden, als von Uebelthätern, eure guten Werke sehen und Gott preisen, wenn es nun an den Tag kommen wird. Seid unterthan aller menschlichen Ordnung, um des Herrn willen, es sei dem Könige, als dem Obersten, oder den Hauptleuten, als den Gesandten von ihm, zur Rache über die Ulebelthäter, und zu Lobe den Frommen. Denn das ist der Wille Gottes, daß ihr mit Wohlthun verstopfet die Unwissenheit der thörichten Menschen, als die Freien, und nicht, als hättet ihr die Freiheit zum Deckel der Bosheit, sondern als die Knechte Gottes. Thut Ehre Jedermann. Habet die Brüder lieb. Fürchtet Gott. Ehret den König. ( Ihr Knechte, seid unterthan mit aller Furcht den Herren, nicht allein den gütigen und gelinden, sondern auch den wunderlichen. Denn das ist Gnade, so jemand, um des Gewissens willen zu Gott, das Uebel verträgt, und leidet das Unrecht. Denn was ist das für ein Ruhm, so ihr um Missethat willen Streiche leidet? aber wenn ihr um Wohlthat willen leidet und erduldet, das ist Gnade bei Gott.) Evangelium, Joh, am 16. Cap. v. 16-23. eber ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen, denn ich gehe zum Bater. Da sprachen etliche unter seinen Jüngern unter einander: Was ist das, daß er sagt zu uns: über ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen, und daß ich zum Bater gehe? Dasprachen sie, was ist das, daß er sagt, über ein Kleines? wir wissen nicht, was er redet. Da merkte Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fragt ihr unter einander, daß ich gesagt ha= 32 Episteln und Evangelia. habe: Ueber ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen, ihr aber werdet traurig sein, doch eure Tramigkeit soll in Freude verkehret werden. Ein Weib, wenn sie gebieret, so hat sie Traurigkeit, denn ihre Stunde ist gekommen; wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist, Und ihr habt auch nun Traurigkeit, aber ich will euch wieder schen und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Und an demselbigen Tage werdet ihr mich nichts fragen. Epistel am 4. Sonntage nach Ostern, Cantate genannt, Jacobi am 1: Cap. v. 16-21. I'm rret nicht, lieben Kinder! Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe fommt von oben herab von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und der Finsterniß. Er hat uns gezeuget nach seinem Willen, durch das Wort der Wahrheit, auf daß wir wären Erstlinge seiner Kreaturen. Darum, lieben Brüder, ein jeglicher Mensch sei schnell zu hören, langsam aber zu reden, und langsam zum Zorn. Denn des Menschen Zorn thut nicht, was vor Gott recht ist. Darum, so leget ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit, und nehmet das Wort an mit Sanftmuth, das in euch gepflanzet ist, welches kann eure Seelen selig machen. Evangelium, Joh. am 16. Cap. v. 5-15. Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich geſandt hat, und niesondern dieweil ich solches zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Traurens geworden. Aber ich sage euch die Wahrheit, es ist euch gut, daß ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch: so ich aber hingehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, der wird die Welt strafen um die Sünde, und um die Gerechtigkeit, und um das Gericht. Um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich; um die Ge rechtigkeit aber, daß ich zum Vater gehe, und ihr mich fort nicht sehet; um das Gericht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jeßt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der Episteln und Evangelia. 33 der wird euch in alle Wahrheit leiten; denn er wird nicht von ihm selber reden, sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünstig ist, wird er euch verkündigen. Derselbige wird mich verklären, denn von dem Meinen wird er es nehmen und euch verkündigen. Alles was der Vater hat, das ist mein, darum habe ich gesagt, er wird es von dem Meinen nehmen und euch verkündigen. Epistel am 5. Sonnt. nach Ostern, Rogate genannt, Jac. am 1. Cap. v. 22-27. eid aber Thäter des Worts und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbst betrüget. Denn so jemand ist ein Hörer des Worts und nicht ein Thäter, der ist gleich einem Manne, der sein leiblich Angesicht im Spiegel beschauet; denn nachdem er sich beschauet hat, geht er von Stund an davon und vergißt, wie er gestaltet war. Wer aber durchschauet in das vollkommene Gesetz der Freiheit und darinnen beharret, und ist nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter, derselbige wird selig sein in seiner That. So aber sich jemand unter euch läßt dünten, er diene Gott und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern verführet sein Herz, des Gottesdienst ist eitel. Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott dem Vater ist der, die Waisen und Wittwen in ihrer Trübsal besuchen, und sich von der Welt unbefleckt behalten. Evangelium, Joh. am 16. Cap. v. 23-30. ahrlich, wahrlich ich sage euch: So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird ers euch geben. Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei. Solches habe ich zu euch durch Sprichwort geredet. Es kommt aber die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprichwort mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. An demselbigen Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will, denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum, daß ihr mich liebet und glaubet, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und gekommen in die Welt, wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater. Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus und sagest kein Sprichwort. Nun wissen wir, daß du alle Dinge weißt, und beC 34 Episteln und Evangelia. bedarst nicht, daß dich jemand frage: Darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist. Lection am Tage der Himmelfahrt Christi. Apostelgeschichte am 1. Cap. v. 1-11. Die ie erste Rede habe ich zwar gethan, lieber Theophile, von alle dem, daß Jesus anfing, beides zu thun und zu lehren, bis an den Tag, da er aufgenommen ward, nachdem er den Aposteln, welche er hat erwählet, durch den heiligen Geist Befehl gethan hatte, welchen er sich nach seinem Leiden lebendig er zeiget hatte, durch mancherlei Erweisungen, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. Und als er sie versammelt hatte, befahl er ihnen, daß sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die Verheißung des Vaters, welche ihr habt gehöret( sprach er) von mir. Denn Johannis hat mit Wasser getaufet, ihr abersellt mit dem heiligen Geiste getaufet werden, nicht lange nach diesen Tagen. Die aber, so zusammen gekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du auf diese Zeit wieder aufrichten das Reich Israel? Er aber sprach zu ihnen: Es gebühret euch nicht zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat; sondern ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine zengen sein zu Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde. Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zuschens, und eine Wolke nahm ihn auf vor ih ren Augen weg. Und als sie ihm nachfahen gen Himmelfahren, siehe, da standen bei ihnen zween Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn geschen habt, gen Himmel fahren. Evangelium, Marc. am 16. Cap. v. 14-20. 3 uleßt, da die Elfe zu Tische saßen, offenbarte sich Jesus und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härtigkeit, daß sie nicht geglaubet hatten denen, die ihn gesehen hatten auf erstanden. Und sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium allen Kreaturen. Wer da glanbet und getaufet wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden. Die Zeichen aber, die da folgen wer der Episteln und Evangelia. 35 den denen, die da glauben, sind die: Jn meinem Namen werden fie Teufel austreiben, mit neuen Zungen reden, Schlangen vertreiben, und so sie etwas Tödtliches trinken, wird's ihnen nicht schaden; auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wird es besser mit ihnen werden. Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel und sitzet zur rechten Hand Gottes. Sie aber gingen aus und predigten an allen Orten, und der Herr wirkete mit ihnen und bekräftigte das Wort durch mitfolgende Zeichen. Epistel am 6. Sonnt. nach Ostern, Exaudi genannt, 1 Petr. am 4. Cap. v. 8--11. ( o seid nun mäßig und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen aber habet unter einander eine brünstige Liebe; denn die Liebe decket auch der Sünden Menge. Seid gastfrei unter einander ohne Murmeln und dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnaden Gottis. So jemand redet, daß er es rede, als Wort Gottes. So jemand ein Amt hat, daß er es thue, als aus dem Vermögen, das Gott darreichet, auf daß in allen Dingen Gott gepreiset werde durch Jesum Christum, welchem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Evangelium, Joh. am 15. und 16. Cap. W enn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgehet, der wird zeugen von mir, und ihr werdet auch zeugen, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen. Solches habe ich zu euch geredet, auf daß ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch in den Bann thun; es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tödtet, wird meinen, er thue Gott einen Dienst daran. Und solches werden sie euch darum thun, daß sie weder meinen Vater noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, auf daß, wenn die Zeit kommen wird, daß ihr daran gedenket, daß ich s euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesaget, denn ich war bei euch. Lection am heil. Pfingsttage, aus der Apostelgesch. am 2. Cap. v. 1-13. nd als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmüthig bei einander. Und es geschahe schnell ein Brausen € 2 vom 36 Episteln und Evangelia. vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllete das ganze Haus, da sie saßen. Und man sahe an ihnen die Zungen zertheilet, als wären sie feurig, und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen, und wurden alle voll des heiligen Geistes, und fingen an zu predigen mit andern Zungen, nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es waren aber Juden zu Jerus salem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer, aus allerlei Voll das unter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen, und wurden verstürzet, denn es hörete ein jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten. Sie entsetzten sich aber alle, verwunderten sich und sprachen unter einander: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache darinnen wir geboren sind, Parther und Meder, und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamia und in Judäa und Cappadocia, Ponto und Asia, Phrygia und Pamphylia, Egypten und an den Enden der Lybien, bei Cyrenen, und Ausländer von Rom, Juden und Judengenossen, Creter und Araber. Wir hören sie mit unsern Zungen die großen Thaten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden irre und sprachen einer zu dem andern: was will das werden? Die andern aber hatten's ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßes Weins: Evangelium, Joh. am 14. Cap. v. 23-31. $ 13 er mich liebet, der wird mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Wer aber mich nicht liebet, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Solches habe ich zu euch geredet, weil ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in mei nem Namen, derselbige wird es euch alles lehren, und euch erinnern alles des, das ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt giebt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Ihr habt gehöret, daß ich euch gesagt habe: Ich gehe hin und fomme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe: Ich gehe zum Vater, denn der Vater ist größer, denn ich. Und nun habe ichs euch gesagt, ehe es denn geschieht, auf daß, wenn es nun geschehen wird, daß ihr glaubet. Ich werde hinfort mehr nicht viel mit euch reden, denn es kommt der Fürst dieser Welt und hat nichts an mir. Aber Episteln und Evangelia. 37 Aber auf daß die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe, und ich also thue, wie mir der Vater geboten hat: Stehet auf und lasset uns von hinnen gehen. Lection am 2. Pfingsttage, Apostelgeschichte am 10. Cap. v. 42-48. er Her hat uns geboten, zu predigen dem Volk und zu zeugen, daß er ist verordnet von Gott ein Richter der Lebendigen und der Todten. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen. Da Petrus noch diese Worte rebete, fiel der heilige Geist auf alle, die dem Worte zuhöreten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Petro gekommen waren, entsetzten sich, daß auch auf die Heiden die Gabe des heiligen Geistes ausgegossen ward, denn sie hörten, daß sie mit Zungen redeten, und Gott hoch preiseten. Da antwortete Petrus: Mag auch jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getaufet werden, die den heiligen Geist empfangen haben, gleich wie auchwir? Und befahl sie zu taufen in dem Namen des Herrn. Evangelium, Joh. am 3. Cap. v. 16-21. esus sprach zu Nicodemo: Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf das alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubet, der wird nicht gerichtet, wer aber nicht glaubet, der ist schon gerichtet, denn er glaubet nicht an den Namen des eingebornen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsterniß mehr, denn das Licht, denn ihre Werke waren höse. Wer Arges thut, der hasset das Licht, und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht gestraft werden. Wer aber die Wahrheit thut, der kommt an das Licht, daß seine Werke offenbar werden, denn sie sind in Gott gethan. Epistel am Sonntage Trinitatis, Röm. am 11. Cap. v. 33-36. welch eine Tiefe des Reichthums, beide, der Weisheit und Erkenntniß Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerich 38 Episteln und Evangelia. richte, und unerforschlich seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt? oder wer ist sein Rathgeber gewesen? oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, das ihm werde wieder vergolten? Denn von ihm, und durch ihn und in ihm sind alle Dinge, ihm sei Ehre in Ewigkeit. Amen. Evangelium, Joh. am 3. Cap. v. 1-15. & ze 8 war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen su bei der Nacht, und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du bist ein Lehrer von Gott gekommen, denn niemand kann die Zeichen thun, die du hust, es sei denn Gott mit ihm. Jefus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich jage dir: es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nicodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen, und geboren werden? Jesus antwortete: wahrlich, wahrlich, ich fage dir: es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes fommen. Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch, und was vom Geist geboren wird, das ist Geist. Laß dichs nicht wundern, daß ich dir gesagt habe, ihr müsset von neuem gehoren werden. Der Wind bläset, wo er will, und du hörest sein Sausen wohl, aber du weißt nicht, von wannen er kommt und wohin er fähret; also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist. Nicodemus antwortete und sprach zu ihm: wie mag jolches zugehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du ein Meister in Israel und weißt das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, wir reden, das wir wissen, und zeugen, das wir gesehen haben, und ihr nehmet unser Zeugniß nicht an. Glaubet ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde? Und niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel hernieder gekommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist Und wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhet hat, also muß des Menschen Sohn erhöhet werden, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Epis Episteln und Evangelia. Epistel am 1. Sonntage nach Trinitatis. 1. Joh. am 4. Cap. v. 16-21. 39 G ott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. Daran ist die Liebe völlig bei uns, auf daß wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts. Denn gleich wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibet die Furcht aus, denn die Furcht hat Pein; wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe. Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns erst geliebet. Co jemand spricht: Ich liebe Gott, und haffet seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann der Gott lieben, den er nicht siehet? Und dies Gebot haben wir von ihm, daß wer Gott liebet, daß der auch seinen Bruder liebe. Evangelium, Luc. am 16. Cap. v. 19-31. 8 war ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur und Freuden. Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Thür voller Schwären und begehrte sich zu sättigen von den Brosamen, die von des Reichen Tische fielen. Doch kamen die Hunde und leckten ihm seine Schwären. Es begab sich aber, daß der Arme starb, und ward getragen von den En gein in Abrahams Schooß. Der Neiche aber starb auch und ward begraben. Als er nun in der Hölle und in der Qual war, hob er seine Augen auf und sahe Abraham von ferne und Lajarum in seinem Schooß, rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich mein und sende Lazarum, daß er das Neußerste seines Fingers ins Wasser tauche und fühle meine Zunge, denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Gedenke Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, und Lazarus dagegen hat Böses empfangen, nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeiniget. Und über das alles ist zwischen uns und euch eine große Klust befestiget, daß die da wollten von hinnen hinab fahren zu euch, können nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüber fahren. Da iprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus, denn ich habe noch fünf Brüder, daß er ihnen bezeuge, auf daß sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. Abraham sprach zu ihm: Sie haben Mosen und die Propheten, laß sie dieselbigen hören. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern, wenn einer von den 40 Episteln und Evangelia. den Todten zu ihnen ginge, so würden sie Buße thun. Ersprach zu ihm: Hören sie Mosen und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, ob jemand von den Todten auferstände. Epistel am 2. Sonntage nach Trinitatis, 1 Joh. am 3. Cap. v. 13-18. V erwundert euch nicht, meine Brüder, ob euch die Welt haffet, Wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben gekommen sind, denn wir lieben die Brüder. Wer den Bruder nicht liebet, der bleibet im Tode. Wer seinen Bruder hasset, der ist ein Todtschläger, und ihr wisset, daß ein Tostschläger nicht hat das ewige Leben bei ihm bleibend. Daran haben wir erkannt die Liebe, daß er sein Leben für uns gelassen hat, und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und siehet seinen Bruder darben, und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibet die Liebe Gottes bei ihm? Meine Kindlein, lasset uns nicht lieben mit Worten, noch mit derZunge, sondern mit der That und mit der Wahrheit. Evangelium, Luc. am 14. Cap. v. 16-24. Es war ein Mensch, der machte ein groß Abendmahl, und ladete viel dazu. Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, zu sagen den geladenen: Kommt, denn es ist alles bereit. Und sie fingen an alle nach einander sich zu entschuldigen. Der erste sprach zum ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muß hinaus gehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der andere sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen ges kauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam, und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig, und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus bald auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Krüppel und Lahmen und Blinden herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist gescheben, was du befohlen hast, es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe aus auf die Landstraßen und an die Zäune, und nöthige sie herein zu kommen, auf daß mein Haus voll werde. Ich sage euch aber, daß der Männer feiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken wird. Epis Episteln und Evangelia. Epistel am 3. Sonntage nach Trinitatis, 1 Petr. am 5. Cap. v. 6-11. 41 o demüthiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit; alle eure Sorge werfet auf ihn, denn er forget für euch. Seid nüchtern und wachet, denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umher wie ein brüllender Löwe, und suchet, welchen er verschlinge, dem widerstehet fest im Glauben und wisset, daß eben dieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aber aller Gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, derselbige wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen. Demselbigen sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. Evangelium, Luc. am 15. Cap. v. 1-10. 8 naheten aber zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, daß sie ihn höreten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murreten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichniß und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und so er der eines verlieret, der nicht lasse die neun und neunzig in der Wüste und hingehe nach dem Verlornen, bis daß ers finde? Und wenn ers gefunden hat, so leget er es auf seine Achsel mit Freuden. Und wenn er heim kommt, rufet er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war: Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße thut, vor neun und neunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen. Oder, welch Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie der einen verlieret, die nicht ein Licht anzünde und kehre das Haus und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, rufet sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freuet euch mit mir, denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte. Also auch sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße thut. Epistel am 4. Sountage nach Trinitatis, Nöm. am 8. Cap. v. 18-23. Denn ich halte es dafür, daß dieſer Zeit Leiden der Herrlichkeit sei, die an uns das 42 Episteln und Evangelia. das ängstliche Harren der Kreaturen wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Sintemal die Kreatur unterworfen ist der Eitelkeit ohne ihren Willen, sondern um des Willen, der sie unterworfen hat auf Hoffnung. Denn auch die Kreatur frei wer: den wird von dem Dienst des vergänglichen Wesens, zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß alle Kreatur sehuet sich mit uns und ängstiget sich noch immerdar. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft und warten auf unsers Leibes Erlösung. Evangelium, Luc. am 6. Cap. v. 36-42. arum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. nicht, so werdet ihr auch nicht verdammet. Vergebet, so wird euch vergeben. Gebet, so wird euch gegeben. Ein voll gedrückt, gerüttelt und überflüssig Maaß wird man in euren Schooß geben; denn eben mit dem Maaß, da ihr mit messet, wird man euch wieder messen. Und er sagte ihnen ein Gleichniß: Mag auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger ist nicht über seinem Meister, wenn der Jünger ist, wie sein Meister, so ist er vollkommen. Was siehest du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balten in deinem Auge wirst du nicht gewahr? oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt stille, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du sieHest selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, ziehe zuvor den Balken aus deinem Auge, und besiehe dann, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest. Epistel am 5. Sonntage nach Trinitatis. 1. Petr. am 3. Cap. v. 8-15. Endlich aber seid allesammt gleich gesinnet, mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich. Vergeltet nicht Böses mit Bösem, oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern dagegen segnet, und wisset, daß ihr dazu berufen seid, daß ihr den Segen beerbet. Denn wer leben will und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, daß sie nicht Böses rede, und seine Lippen, daß sie nicht trügen. Er wende sich vom Bösen, und thue Gutes; er suche Friede und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Gebet. Das Ange= Episteln und Evangelia. 43 gesicht aber des Herrn sichet auf die, so da Böses thun. Und wer ist, der euch schaden könnte, so ihr dem Guten nachkommet? Und ob ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen. so seid ihr doch selig Fürchtet euch aber vor ihrem Trotzen nicht, und erschrecket nicht. Heiliget aber Gott den Herrn in eurem Herzen. Evangelium, Luc. am 5. Cap. v. 1-11. das Wort Gottes, und er stand am See Genezareth und sabe zwei Schiffe am See stehen, die Fischer aber waren ausgetreten, und wuschen ihre Netze; trat er in der Schiffe eines, welches Simonis war, und bat ihn, daß ers ein wenig vom Lande führete. Und er setzte sich und lehrete das Volk aus dem Echiffe. Und als er hatte aufgehört zu reden, sprach er zu Simon: Fahret auf die Höhe und werfet eure Neße aus, daß ihr einen Zug thut. Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet, und nichts gefangen, aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen. Und da sie das thaten, beschlossen sie eine große Menge Fische, und ihr Netz zerriß. Und sie winketen ihren Gesellen, die im andern Schiffe waren, daß sie kämen und hülfen ihnen ziehen. Und sic kamen, und fülleten beide Schiffe voll, also, daß sie sanken. Da das Simon Petrus sahe, fiel er Jesu zu den Knieen und sprach: Herr, gehe von mir hinaus, ich bin ein sündiger Mensch. Denn es war ihm ein Schrecken angekommen, und alle, die mit ihm waren, über diesen Fischzug, den sie mit einander gethan hatten. Desselbigen gleichen auch Jacobum und Johannem, die Söhne Zebedäi, Simonis Gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht, denn von nun an wirst du Menschen fahen. Und sie führeten die Schiffe zu Lande und verließen alles und folgeten ihm nach. Epistel am 6. Sonntage nach Trinitatis. Röm. am 6. Cap. v. 3-11. iffet ihr nicht, daß alle, die wir in Jesum Christum getaufet sind, die sind in seinen Tod getaufet? So sind wir je mit ihm begraben durch die Taufe, in den Tod, auf daß, gleich wie Christus ist auferwecket von den Todten, durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir aber gleich ihm gepflanzet werden zu gleichem Tode, so werden wir auch der Auferstehung gleich sein. Dieweil wir wissen 44 Episteln und Evangelina. sen, daß unser alter Mensch sammt ihm gekreuziget ist, auf daß der sündliche Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertiget von der Sün de. Sind wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden; und wissen, daß Christus von den Todten erwecket, hinfort nicht stirbt, der Tod wird hinfort über ihn nicht herrschen. Denn das er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben, zu einem mal, das er aber lebet, das lebt er Gott. Also auch ihr, haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seid, und lebet Gott, in Christo Jesu unserm Herrn. Evangelium, Matth. am 5. Cap. v. 20-26. D enn ich sage euch: Es sei denn enre Gerechtigkeit besser, denn der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Jhr habt gehöret, daß zu den Alten gesagt ist: du sollst nicht tödten; wer aber tödtet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichts schuldig. Wer aber zu seinem Bruder faget: Nacha, der ist des Naths schuldig. Wer aber saget: du Narr, der ist des höllischen Feners schuldig. Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst, und wirst allda eindenken, daß dein Bruder etwas wider dich habe: so laß allda vor dem Altar deine Gabe und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder und alsdann komm und opfere deine Gabe. Sei willfärtig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist, auf daß dich der Widersacher nicht dermaleinst überantworte dem Richter, und der Richter überantworte dich dem Diener, und werdest in den Kerker geworfen. Ich sage dir, wahrlich du wirst nicht von dannen heraus kommen, bis du auch den letzten Heller bezahlest. Epistel am 7. Sonntage nach Trinitatis, Röm. am 6. Cap. v. 19-23. Id ch muß menschlich davon reden, um der Schwachheit willen eures Fleisches. Gleichwie ihr eure Glieder begeben habt zum Dienste der Unreinigkeit, und von einer Ungerechtigkeit zu der andern: also begebet auch nun eure Glieder zum Dienste der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden. Denn da ihr der Sünden Knechte waret, dawaret ihr frei von der Gerechtigkeit. Was hattet ihr nun zu der Zeit für Frucht? welcher ihr euch jetzt schämet; denn das Ende derselbigen ist der Tod. Nun ihr aber seid von der Episteln und Evangelia. 45 der Sünde frei und Gottes Knechte geworden, habt ihr eure Frucht, daß ihr heilig werdet, das Ende aber das ewige Leben. Denn der Tod ist der Sünden Seld, aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unserm Herrn. Evangelium, Marc. am 8. Cap. v. 1-9. 3" u der Zeit, da viel Volks da war, und hatten nichts zu essen, rief Jesus seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich fammert des Volks, denn sie haben nun drei Tage bei mir verharret, und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie ungegessen von mir heim ließe gehen, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn etliche waren von ferne gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brod hier in der Wüste, daß wir sie sättigen? Und er fragte sie: Wie viel habt ihr Brod? Sie sprachen: sieben. Und er gebot dem Volk, daß sie sich auf die Erde lagerten. Und er nahm die sieben Brode und dankete und brach sie und gab sie seinen Jüngern, daß sie dieselbigen vorlegten. Und sie legten dem Volke vor. Und hatten ein wenig Fischlein, und er dankete und hieß dieselbigen auch vortragen. Sie aßen aber und wurden satt und hoben die übrigen Brocken auf, sieben Körbe, und ihrer waren bei vier tausend, die da gegessen hatten. Und er ließ sie von sich. Epistel am 8 Sountage nach Trinitatis, Röm. am 8. Cap. v. 12-17. o sind wir nun, lieben Brüder, Schuldner, nicht dem Fleisch, daß wir nach dem Fleisch leben. Denn wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen. Wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tödtet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibet, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtlichen Geist empfangen, daß ihr euch abermal fürchten müsset; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater. Derselbige Geist giebt Zeugniß nnserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämmlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. Evangelium, Matth. am 7. Cap. v. 15-23. ( ehet euch vor, vor den falschen Propheten, die in Schafsfleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wöl 46 Episteln und Evangelia. Wölfe, an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen? oder Feigen von den Disteln? Also, ein jeglicher guter Baum bringet gute Früchte, aber ein fauler Baum bringet arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen; darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissaget? Haben wir nicht in deinem Namen 3 eufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Thaten gethan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt, weichet alle von mir, ihr Ulebelthäter. Epistel am 9. Sonntage nach Trinitatis. 1 Cor. am 10. Cap. v. 6--13. as ist aber uns zum Vorbilde geschehen, daß wir uns nicht gelüsten lassen des Bösen, gleichwie jene gelüstet hat. Werdet auch nicht Abgöttische, gleichwie jener etliche wurden, als geschrieben stehet. Das Volk setzte sich nieder zu essen und zu trinken, und stand aufzu spielen. Auch lasset uns nicht Hurerei treiben, wie etliche unter jenen Hurerei trieben, und fielen auf einen Tag drei und zwanzig tausend. Lasset uns aber auch Christum nicht versuchen, wie etliche von jenen ihn ver suchten, und wurden von den Schlangen umgebracht. Murret auch nicht, gleichwie jener etliche murreten, und wurden umgebracht durch den Verderber. Solches alles widerfuhr ihnen zum Vorbilde; es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf welche das Ende der Welt gekommen ist. Darum, wer sich lässet dünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. Es hat euch noch keine, denn menschliche Versuchung betreten. Aber Gott ist getreu, der euch nicht lässet versuchen über euer Vermögen, sondern machet, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr es könnet ertragen. Evangelium, Luc. am 16. Cap. v. 1-9. I esus sprach zu seinen Jüngern: Es warein reicher Mann, der hatte einen Haushalter, der ward vor ihm berüchtiget, als hätte er ihm seine Güter umgebracht. Und er forderte ihn, und sprach Episteln und Evangelia. 47 sprach zu ihm: Wir höre ich das von dir? Thne Rechnung von deinem Haushalten, denn du kannst hinfort nicht mehr Haushalter sein. Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich thun? mein Herr nimmt das Amt von mir: Graben mag ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich thun will, wenn ich nun von dem Amte gesetzt werde, daß sie mich in ihre Häuser nehmen. Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert Tonnen Oels. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, setze dich und schreib flugs fünfzig. Darnach sprach er zu dem andern: Du aber, wie viel bist du schuldig: Er sprch: Hundert Malter Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreibe achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, daß er flüglich gethan hatte. Denn die Kinder dieser Welt sind klüger, denn die Kinder des Lichts, in ihrem Geschlechte. Und ich sage euch auch: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. Epistel am 10. Sonnt. nach Trinitatis. 1 Cor. am 12. Cap. v. 1-11. V on den geistlichen Gaben aber will ich euch, lieben Brüder, nicht verhalten: Ihr wisset, daß ihr Heiden seid gewesen, und hingegangen zu den stummen Götzen, wie ihr geführet wurdet. Darum thue ich euch kund, daß niemand Jesum verfluchet, der durch den Geist Gottes redet. Und niemand kann Jesum einen Herrn heißen, ohne durch den heiligen Geist. Es sind mancherlei Gaben, aber es ist ein Geist. Und es sind mancherlei Aemter, aber es ist ein Herr. Und es sind mancherlei Kräfte, aber es ist ein Gott, der da wirket Alles in Allen. In einem jeglichen erzeigen sich die Gaben des Geistes zum gemeinen Nutzen. Einem wird gegeben durch den Geist zu reden von der Weisheit: dem andern wird gegeben zu reden von der Erkenntniß, nach demselbigen Geist; einem andern der Glaube, in demselbigen Geist; einem andern die Gabe gesund zu machen, in demselbigen Geist; einem andern Wunder zu thun; einem andern Weisfagung; einem andern Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Eprachen; einem andern die Sprachen auszulegen. Dies aber Alles wirket derselbige einige Geist, und theilet einem jeglichen seines zu, nachdem er will. Evan Episteln und Evangelia. Evangelium, Luc. am 19. Cap. v. 41-48.. nd als er nahe hinzu kam, sahe er die Stadt an und weies so du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet; aber nun ist es vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, dich belagern und an allen Orten ängsten; und werden dich schleifen, und keinen Stein auf dem andern lassen, darum, daß du nicht erkennet hast die Zeit, darinnen du heimgesucht bist. Und er ging in den Tempel und fing an auszutreiben, die darinnen verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: Es stehet geschrieben: Mein Haus ist ein Bethaus, ihr aber habt es gemacht zur Mördergrube. Und er lehrete täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten und die Vornehmsten im Volk trachteten ihm pach, daß sie ihn umbrächten. Und fanden nicht, wie sie ihm thun sollten, denn alles Volk hing ihm an und hörete ihn. 48 Epistel am 11. Sonntage nach Trinitatis, 1 Cor. am 15. Cap. v. 1-10. Ich ch erinnere euch aber, lieben Brüder, des Evangelii, das ich euch verkündiget habe, welches ihr auch angenommen habt, in welchem ihr auch stehet, durch welches ihr auch selig werdet, welcher Gestalt ich es euch verkündiget habe, so ihrs behalten habt, es wäre denn, daß ihrs umsonst geglaubet hättet. Denn ich habe euch zuvörderst gegeben, welches ich auch empfangen habe, daß Christus gestorben sei für unsere Sünde, nach der Schrift, und daß er begraben sei und daß er auferstanden sei am dritten Tage, nach der Schrift, und daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den Zwölfen; darnach ist er gesehen worden von mehr denn fünf hundert Brüdern auf einmal, derer noch viele leben, etliche aber sind entschlafen. Darnach ist er gesehen worden von Jacobus, darnach von allen Aposteln; am letzten nach allen ist er auch von mir, als einer unzeitigen Geburt, gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, als der ich nicht werth bin, daß ich ein Apostel heiße, darum, daß ich die Gemeine Gottes verfolget habe. Aber von Gottes Gnade bin ich, das ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr Episteln und Evangelia. 49 mehr gearbeitet, denn sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. Evangelium, Luc. am 18. Cap. v. 9-14. Der er Herr Jesus sagte zu etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären, und verachteten die andern, ein solch Gleichniß: Es gingen zween Menschen hinauf in den Tempel zu beten, einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie andere Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von Allem, was ich habe. Und der Zöllner stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: dieser ging hinab gerechtfertiget in sein Haus vor jenem; denn wer sich selbst erhöhet, der wird erniedriget werden, und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöhet werden. Epistel am 12. Sonntage nach Trinitatis. 2. Cor. am 3. Cap. v. 4-11. in solch Vertrauen aber haben wir durch Christum zu Gott: nicht, daß wir tüchtig sind von uns selber, etwas zu denken, als von uns selber; sondern, daß wir tüchtig sind, ist von Gott, welcher auch uns tüchtig gemacht hat, das Amt zu führen des neuen Testaments, nicht des Buchstabens, son= dern des Geistes.. Denn der Buchstabe tödtet, aber der Seist macht lebendig. So aber das Amt, das durch die Buchstaben födtet, und in die Steine ist gebildet, Klarheit hatte, also daß die Kinder Israel nicht konnten ansehen das Angesicht Mose, um der Klarheit willen seines Angesichts, die doch aufhöret; wie sollte nicht vielmehr das Amt, das den Geist giebt, Klarheit haben? Denn so das Amt, das die Verdammniß prediget, Klarheit hat, vielmehr hat das Amt, das die Gerechtigkeit prediget, überschwengliche Klarheit. Denn auch jenes Theil, das verkfäret war, ist nicht für Klarheit zu achten gegen diese überschwengliche Klarheit. Denn so das Klarheit hatte, das da aufhöret, vielmehr wird das Klarheit haben, das da bleibet. Evangelium, Marc. am 7. Cap. v. 31-37. 11 nd da er wieder ausging von den Grenzen Tyrus und Sidon, kam er an das galiläische Meer, mitten unter die Grenze der 50 Episteln und Evangelia. der zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem Volk besonders, und legte ihm die Finger in die Ohren, und spüßzete, und rührte seine Zunge, und sahe auf gen Himmel, seufzete und sprach zu ihm: Hephata, das ist: thue dich auf. Und alsbald thaten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge ward los, und redete recht. Und er verbot ihnen, sie sollten es niemand sagen. Jemehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten. Und verwunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht, die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend. Epistel am 13. Sonntage nach Trinitatis, Gal. am 3. Cap. v. 15-22. Leieben Brüder! Ich will nach menschlicher Weise reden: ver achtet man doch eines Menschen Testament nicht,( wenn es bestätiget ist) und thut auch nichts dazu. Nun ist je die Verheißung Abraham und seinem Saamen zugesagt. Er spricht nicht durch die Saamen, als durch viele; sondern als durch einen, durch deinen Saamen, welcher ist Christus. Jch sage aber davon, das Testament, das von Gott zuvor bestätiget ist auf Christum, wird nicht aufgehoben, daß die Berheißung sollte durch das Gesetz aufhören, welches gegeben ist über vier hundert und dreißig Jahr hernach. Denn so das Erbe durch das Gesetz erworben würde, so würde es nicht durch Verheißung gegeben. Gott aber hat es Abraham durch Verheißung frei ge schenket. Was soll denn das Gesetz? Es ist dazu gekommen, um der Sünde willen, bis der Saamen käme, dem die Verheißung geschehen ist, und ist gestellet von den Engeln, durch die Hand des Mittlers; ein Mittler aber ist nicht eines einigen Mittler; Gott aber ist einig. Wie? ist denn das Gesetz wider Gottes Verheißung? das sei ferne. Wenn aber ein Gesetz gegeben wäre, das da könnte lebendig machen, so käme die Gerechtigfeit wahrhaftig aus dem Gesetz. Aber die Schrift hat es Alles beschlossen unter die Sünde, auf daß die Verheißzung käme durch den Glauben an Jesum Christum, gegeben denen, die da glauben. Evangelium, Luc. am 10 Cap. v. 23-37. Jeh esus wandte sich zu seinen Jüngern und sprach insonderheit: Selig sind die Augen, die da sehen, das ihr sehet! Denn ich sage euch, viele Propheten und Könige wollten sehen, das 51 Episteln und Evangelia. das ihr sehet, und haben es nicht gesehen; und hören, das ihr höret, und haben es nicht gehöret. Und siehe, da stund ein Schrifgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß ich thun, daß ich das ewige Leben ererbé? Er aber sprach zu ihm: Wie stehet im Gesetz geschriebeu? wie liesest du? Er antwortete, und sprach: Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften, und von ganzem Gemüthe, und deinen Nächsten als dich selbst. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet, thue das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen, und sprach zu Jesu: Wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus, und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Mörder; die zogen ihn aus, und schlugen ihn, und gingen davon, und ließen ihn halb todt liegen. Es begab sich aber ungefähr, daß ein Priester dieselbe Straße hinab zog, und da er ihn sahe, ging er vorüber. Desselbigen gleichen auch ein Levit, da er kam an die Stätte, und sahe ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reisete, und kam dahin, und da er ihn sahe, jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihm seine Wunden, und goß darein Del und Wein, und hob ihn auf sein Thier, und führete ihn in die Herberge, und pflegte sein. Des andern Tages reifete er, und zog heraus zween Groschen, und gab sie dem Wirth, und sprach zu ihm: Pflege sein, und so du was mehr wirst darthun, will ich dirs bezahlen, wenn ich wieder komme. Welcher dünket dich, der unter diesen dreien der Nächste sei gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm that. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin, und thue desgleichen. Epistel am 14. Sonntage nach Tinitatis, Gal. am 5. Cap. v 16-24. gch jage aber: wandelt im Geist, so werdet ihr die Lüste des. Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, und den Geist wider das Fleisch, dieselbigen sind wider einander, daß ihr nicht thut, was ihr wollet. Regieret euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetze. Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zank, Zwietracht, Rotten, Haß, Mord, Saufen, Fressen, und dergleichen. Von D2 wel 52 Episteln und Evangelia. welchen ich euch habe zuvor gesagt, und sage noch zuvor, daß die solches thun, werden das Reich Gottes nicht ererben. Die Frucht aber des Geistes ist: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmuth, Keuschheit. Wider solche ist das Geseß nicht. Welche aber Christum angehören, die freuzigen ihr Fleisch, sammt den Lüsten und Begierden. Evangelium, Luc. am 17. Cap. v. 11-15. 11n nd es begab sich, da Jesus reisete gen Jerusalem, zog er mitten durch Samarien und Galiläa. Und als er in cinen Markt kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die standen von ferne und erhoben ihre Stimme und sprachen: Je su, lieber Meister, erbarme dich unser! Und da er sie sahe, sprach er zu ihnen: Gehet hin, und zeiget euch den Priestern. Und es geschah, da sie hingingen, wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, da er sahe, daß er gesund geworden war, fehrete er um und preisete Gott mit lauter Stimme und fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und dankete ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: Sind ihrer nicht zehn rein geworden, wo sind aber die neune? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehre und gebe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling? Und er sprach zu ihm: Stche auf, gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen. Epistel am 15. Sonntage nach Trinitatis. Gal. am 6. Cap. v. 1-10. im uns im Lasset uns nicht eitler Ehre geizig sein, unter einander uns. zu entrüsten und zu hassen. Lieben Brüder, so ein Mensch etwa von einem Fehler übereilet würde, so helset ihm wieder zurecht mit sanftmüthigem Geiste, die ihr geistlich seid, und siehe auf dich selbst, daß du nicht auch versuchet werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. So aber sich jemand läßt dünken, er sei etwas, so er doch nichts ist, der betrüget sich selbst. Ein jeglicher aber prüfe sein felst Werk, und alsdann wird er an ihm selber Ruhm haben und nicht an einem andern. Denn ein jeglicher wird seine Last tragen. Der aber unterrichtet wird mit dem Wort, der theile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet. Jrret cuch nicht, Gott läßt sich nicht spotten. Wiensch säet, das wird er ernten. Wer Denn was der auf sein Fleisch få Episteln und Evangelia. 53 säet, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten, wer aber auf den Geist säet, der wird von dem Geiste das ewige Leben ernten. Lasset uns aber Gutes thun und nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören. Als wir denn nun Zeit haben, so lasset uns Gutes thun an jedermann, allermeist aber an den Glaubensgenossen. Evangelium, Matth. am 6. Cap. v. 24-34. Yesus sprach zu seinen Jüngern: Niemand kann zween I Herren dienen: entweder er wird einen hassen und den andern lieben, oder wird einem anhangen und den andern verachten. Jhr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet; ist nicht das Leben mehr, denn die Speise, und der Leib mehr, denn die Nahrung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an, sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheuren, und ener himmlischer Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht vielmehr denn sie? Wer ist unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen möge, ob er gleich darum sørget? Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derselben eins. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute stehet, und morgen in den Ofen geworfen wird, sollte er das nicht vielmehr euch thun? O ihr Kleingläubigen! Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allen trachten die Heiden; denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr des alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Darum sorget nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen; es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe. Epistel am 16. Sonntage nach Trinitatis. Eph. am 3. Cap. v. 13-21. Da arum bitte ich, daß ihr nicht müde werdet um meiner Trübsal willen, die ich für euch leide, welche euch eine Ehre sind. Derhalben beuge ich meine Knie gegen den Vater unsers Herrn 54 Episteln und Evangelia. Jesu Christi, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, daß er euch Kraft gebe, nach dem Neich hum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, und Christum zu wohnen durch den Glauben in euren Herzen, und durch die Liebe cingewurzelt und gegründet zu werden. Auf daß ihr begreifen möget mit allen Heiligen, welches da sei die Breite, und die Läuge, und die Tiefe, und die Höhe. Auch erkennen, daß Christum lieb haben viel besser ist, denn alles Wissen; auf daß ihr erfüllet werdet mit allerlei Gottesfülle. Dem aber, der überschwenglich thun kann über Alles, das wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirket, dem sei Ehre in der Gemeine, die in Christo Jesu ist, zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. Evangelium, Luc. am 7. Cap. v. 11-18. nd es begab sich darnach, daß er in eine Stadt, mit Namen Nain ging, und seiner Jünger gingen viel mit ihm, und viel Volks. Als er aber nahe an das Stadtthor kam, fiche, da trug man einen Todten heraus, der ein einziger Sohn war seiner Mutter, und sie war eine Wittwe und viel Volks aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sahe, jammerte ihn derselbigen, und sprach zu ihr: Weine nicht! und trat hinzu und rührte den Sarg an, und die Träger standen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf! Und der Todte richtete sich auf und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner Mutter. Und es kam sie alle cine Furcht an und preiseten Gott und sprachen: Es ist ein großer Pro: phet unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Polk heimgesucht. Und diese Rede von ihm erscholl in das ganze jüdische Land, und in alle umliegende Länder. Epistel am 17. Sonntage nach Trinitatis. Ephes, am 4. Cap. v. 1-6. ( o ermahne nun ench ich Gefangener in dem Herrn, daß ihr wandelt, wie sichs gebühret eurem Beruf, darinnen ihr berufen seid, mit aller Demuth und Sanftmuth, mit Geduld; und vertraget einer den andern in der Liebe, und seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist, durch das Band des Friedens. Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid auf einerlei Hoffnung eures Berufes. Ein Herr, ein Glaube, eis Episteln und Evangelia. 55 eine Taufe, ein Gott und Vater( unser) aller, der da ist über euch alle, und durch euch alle, und in euch allen. Evangelium, Luc. am 14. Cap. v. 1-12. nd es begab sich, daß er kam in ein Haus eines Obersten der Pharisäer auf einen Sabbath, das Brod zu essen, und sie hielten auf ihn. Und siehe, da war ein Mensch vor ihm, der war wassersüchtig, und Jesus antwortete und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharisäern und sprach: Jsts auch recht, auf dem Sabbath heilen? Sie aber schwiegen stille; und er griff ihn an und heilete ihn, und ließ ihn gehen. Und antwortete und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem sein Ochse oder Esel in den Brunnen fällt und er nicht alsbald ihn herauszieht am Sabbathtage? Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben. Er sagte aber ein Gleichniß zu den Gästen, da er merkete, wie sie erwähleten, oben an zu sizzen, und sprach zu ihnen: Wenn du von jemand geladen wirst zur Hochzeit, so sebze dich nicht oben an, daß nicht etwa ein Ehrlicherer denn du von ihm geladen sei. Und so dann kommt, der dich und ihn geladen hat, spreche zu dir: weiche diesem; und du müsseft dann mit Schaam unten an sitzen. Sondern wenn du geladen wirst, so gehe hin und setze dich unten an, auf daß, wenn da kommt, der dich geladen hat, spreche zu dir: Freund, rücke hinauf; dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit dir zu Tische sizzen. Denn wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden, und wer sich selbst erniedriget, der soll erböhet werden. Epistel am 18. Sonntage nach Trinitatis. 1. Cor. am 1. Cap. v. 4-9. ch danke meinem Gott allezeit eurethalben, für die Gnade I euch gegeben in Chriſto Jeſu, dajz ihr durch ihn in allen Stücken reich gemacht an aller Lehre und in aller Erkenntniß, wie denn die Predigt von Christo in euch kräftig worden ist, also, daß ihr keinen Mangel habt an irgend einer Gabe und wartet nrr auf die Offenbarung unsers Herrn Jesu Christi, welcher auch wird euch festbehalten bis ans Enbe, daß ihr unsträflich seid auf den Tag unsers Herrn Jesu Christi. Denn Gott ist treu, durch welchen ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn. Evangelium, Matth. am 22. Cap. v. 34-46. D a aber die Pharisäer hörten, daß er den Sadducäern das Maul 36 Episteln und Evangelia. Maul gestopft hatte, versammelten sie sich und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und sprach: Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesetz? Jesus aber sprach zu ihm: Du sollst lieben Gott, deinen Herrn von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüthe. Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. In diesen zweien Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten. Da nun die Pharisäer bei einander waren, fragte sie Jesus und sprach: Wie dünket ench um Christo, wes Sohn er ist? fie sprachen: Davids. Er sprach zu ihnen: Wie nennet ihn denn David im Geist einen Herrn? da er saget: Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn, setze dich zu meiner Rechten, bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße. So nun David ihn einen Herrn nennet, wie ist denn er sein Sohn? Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, und durfte auch niemand von dem Tage an hinfort ihn fragen. Epistel am 19. Sonntage nach Trinitatis. Ephes. am 4. Cap. v. 22-28. o leget nun von euch ab, nach dem vorigen Wandel, den alten Menschen, der durch Lüste in Frrthum sich verderbet; erneuert euch aber im Geist cures Gemüths und zichet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist, in rechtschaffener Gerechtigket und Heiligkeit. Darum leget die Lügen ab, und redet die Wahrheit, ein jeglicher mit seinem Nächsten, sintemal wir unter einander Glieder sind. Zürnet und sündi get nicht, lasset die Sonne nicht über eurem Zorne untergehen. Gebet auch nicht Raum dem Lästerer. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit den Hän den etwas Gutes, auf daß er habe zu geben dem Dürftigen. Evangelium, Matth. am 9. Cap. v. 1-8. D a trat Jesus in das Schiff und fuhr wieder herüber und kam in seine Stadt. Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gichtbrüchigen, der lag auf einem Bette. Da nun Jesus ihren Glauben sahe, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sei getrost mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Und siehe, etliche unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott. Da aber Jesus ihre Gedanken sahe, sprach er: Warum denket ihr so Arges in euren Herzen? Welches ist leichter zu sagell: Episteln und Evangelia. 57 gen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Stehe auf und wandele? Auf daß ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht habe, auf Erden die Sünden zu vergeben, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Stehe auf, hebe dein Bett auf und gehe heim. Und er stand auf und ging heim. Da das Volk das sahe, verwunderte es sich und preisete Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat. Epistel am 20. Sonntage nach Trinitatis. Ephes. am 5. Cap. v. 15-21.. o sehet nun zu, wie ihr vorsichtig wandelt, nicht als die Un weisen, sondern als die Weisen, und schicket cuch in die Zeit, denn es ist böse Zeit; darum werdet nicht unverständig, sondern verständig, was da sei des Herrn Wille, und sanfet ench nicht voll Weins, darans ein unordentlich Wesen folget, sondern werdet voll Geistes, und redet unter einander von Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singet und spielet dem Herrn in euren Herzen und saget Dank allezeit für Alles Gott und dem Vater in dem Namen unsers Herrn Jesu Christi, und seid unter einander unterthan in der Furcht Gottes. Evangelium, Matth. am 22. Cap. v. 1-14. nd Jesus antwortete und redete abermal durch Gleichnisse zu ihnen und sprach: das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohne Hochzeit machte und sandte seine Knechte aus, daß sie die Gäste zur Hochzeit ruften, und sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus und sprach: Saget den Gästen: siche, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet, und Alles bereit, kommet zur Hochzeit. Aber sie verachteten das, und gingen hin einer auf seinen Acker, der andere zu seiner Handthierung. Etliche aber griffer seine Knechte, höhneten und tödteten sie. Da das der König hörete: ward er zornig und schickte sein Heer aus, und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an. Da sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereitet, aber die Gäste warens nicht werth; darum gehet hin auf die Straßen, und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet. Und die Knechte gingen aus auf die Straßen und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute, und die Tische wurden alle voll. Da ging der König hinein, die Gäste zu beschen und sahe allda einen Menschen, der haite kein hochzeitlich Kleid an. Und sprach zut 58 Episteln und Evangelia. zu ihm: Freund, wie bist du hereingekommen und hast doch fein hochzeitlich Kleid an? Er aber verstummete. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werfet ihn in die äußerste Finsterniß hinaus, da wird sein Heulen und Zähnklappen. Denn Viele sind berufen, aber Wenige sind auserwählet. Epistel am 21. Sonntage nach Trinitatis. Ephes. am 6. Cap. v. 10-17. 3 Macht seiner Stärke. Ziehet an den Harnisch Gottes, daß ihr bestehen könnet gegen die listigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsterniß dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Um des willen, so ergreifet den Harnisch Gettes, auf daß ihr, wenn das böse Stündlein kommt, Widerstand thun und Alles wohl ausrichten, und das Feld behalten möget. So stehet nun, umgürtet eure Lenden mit Wahrheit, und angezogen mit dem Krebs der Gerechtigkeit, und an Beinen gestiefelt, als fertig zu treiben das Evangelium des Friedens, damit ihr bereitet seid. Vor allen Dingen aber ergreifset den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösewichts. Und nehmet den Helm des Heils und das Schwerdt des Geistes, welches ist das Wort Gottes. Evangelium, Joh. am 4. Cap. v. 47-54. nd es war ein Königischer, des Sohn lag frank zu Cavernaum; dieser hörete, daß Jesus kam aus Judäa in Galiläa, und ging bin zu ihm und bat ihn, daß er hinab käme und hülfe seinem Sohn, denn er war todtfrank. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht. Der Königische sprach zu ihm: Herr, komm hinab, ehe denn mein Kind stirbt. Jejus sprach zu ihm: Gehe hin, dein Sohn lebet. Der Mensch glaubete dem Wort, das Jesus zu ihm sagte und ging hin. Und indem er hinab ging, begegneten ihm seine Knechte, verkündigten ihm und sprachen: Dein Kind lebet. Da forschete er von ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm gewor den war. Und sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkete der Vater, daß es um die Stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Episteln und Evangelia. 59 Dein Sohn lebet. Und er glaubete mit seinem ganzen Hause. Das ist nun das andere Zeichen, das Jesus that, da er aus Judäa in Galiläa kam. Epistel am 22. Sonntage nach Trinitatis. Phil. am 1. Cap. v. 3-11. ch danke meinem Gott, so oft ich eurer gedenke,( welches ich allezeit thue in allem meinen Gebet für euch alle und thue das Gebet mit Freuden), über eurer Gemeinschaft am Evangelio, vom ersten Tage an bisher. Und bin desselbigen in guter Zuversicht, daß, der in cuch angefangen hat das gute Werk, der wird's auch vollführen bis an den Tag Jesu Christi. Wie es denn mir billig ist, daß ich dermaßen von euch allen halte, darum, daß ich euch in meinem Herzen habe, in diesem meinen Gefängniß, darinnen ich das Evangelium verantworte und bekräftige, als die ihr alle mit mir der Gnade theilhaftig seid. Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch allen verlanget von Herzensgrund in Jesu Christo; und daselbst um bete ich, daß eure Liebe je mehr und mehr reich werde in allerlei Erkenntniß und Erfahrung: daß ihr prüfen möget, was das beste sei, auf daß ihr seid lauter und unanstößig bis auf den Tag Christi, erfüllet mit Früchten der Gerechtigheit, die durch Jesum Christum geschehen( in ench), zur Ehre und Lobe Gottes. Evangelium, Luc. am 18. Cap. v. 23-35. D arum ist das Himmelreich gleich einem Könige, der mit seinen Knechtenrechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen fam ihm einer vor, der war ihm zehn tausend Pfund schuldig. Da er's nun nicht hatte zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn und sein Weib, und seine Kinder und alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel der Knecht nieder, und betete ihn an, und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Da jammerte dem Herrn desselbigen Knechts, und ließ ihn los und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbige Knecht hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen schuldig, und er griff ihn an und würgete ihn, und sprach: Bezahle mir, was du mir schuldig bist. Da fiel sein Mitknecht nieder unb bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin, warf ihn ins Gefängnif, bis daß er bezablete, was er schuldig war. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden sie 60 Episteln und Evangelia. sie sehr betrübt und kamen und brachten vor ihren Herrn alles, was sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du Schalksknecht, alle diese Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich batest. Solltest du denn dich nicht auch erbarmen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmet habe? Und sein Herr ward zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis daß er bezahlete alles, was er ihm schuldig war. Also wird euch mein himmlischer Vater auch thun, so ihr nicht vergebet von euren Herzen, ein jeglicher seinem Bruder seine Fehler. Epistel am 23. Sonntage nach Trinitatis. Phil. am 3. Cap. v. 17-21. F olget mir, lieben Brüder und sehet auf die, die also wandeln, wie ihr uns habt zum Vorbilde. Denn viele wandeln, von welchen ich euch oft gesagt habe, nun aber sage ich auch mit Weinen, die Feinde des Kreuzes Christi, welcher Ende ist die Verdammniß, welchen der Bauch ihr Gott ist, und ihre Ehre zu Schanden wird, derer, die irdisch gesinnt sind. Unser Wandel aber ist im Himmel, von- dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi, des Herrn, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde ſeinem verklärten Leibe nach der Wirkung, damit er kann auch alle Dinge ihm anterthänig machen. Evangelium, Matth. am 22. Cap. v. 15-22. D a gingen die Pharisäer hin und hielten einen Rath, wie sie ihn fingen in seiner Rede, und sandten zu ihm ihre Jünger sammt- Herodes Dienern und sprachen: Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist, und lehrest den Weg Gottes recht und du fragest nach niemand, denn du achtest nicht das Ansehn der Menschen; darum fage uns, was dünket dich? 3st's recht, daß man dem Kaiser Zins gebe oder nicht? Da nun Jesus merkete ihre Schalkheit, sprach er: Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich? weiset mir die Zinsmünze. Und sie reichten ihm einen Groschen dar. Und er sprach zu ihnen: Wes ist das Bild und die Ueberschrift? Sie sprachen zu ihm: des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: Eo gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist. Da sie das höreten, verwunderten sie sich, und ließen ihn und gingen davon. Epi Episteln und Evangelia. Epistel am 24. Sonntage nach Trinitatis. Col. am 1. Cap. v. 9-14. 61 Tage hören wir nicht auf für euch zu beten, und bitten, daß ihr erfüllet werdet mit Erkenntniß seines Willens, in allerlei geistlicher Weisheit und Verstand, daß ihr wandelt würdiglich dem Herrn zu allen Gefallen und fruchtbar seid in allen guten Werken und wachset in der Erkenntniß Gottes, und gestärket werdet mit aller Kraft nach seiner herrlichen Macht in aller Geduld und Langmüthigkeit mit Freuden; und danksaget dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erbtheil der Heiligen im Licht, welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsterniß, und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes, an welchem wir haben die Erlösung durch jein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. Evangelium, Matth. am 9. Cap. v. 18-26. D a Jesus solches mit ihnen redete, siehe da kam der Obersten einer und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, meine Tochter ist jetzt gestorben, aber komm und lege deine Hand auf sie, so wird sie lebendig. Und Jesus stand auf und folgete ihm nach, und seine Jünger. Und siche, ein Weib, das zwölf Jahr den Blutgang gehabt, trat von hinten zu ihm, und rührete seines Kleides Saum an; denn sie sprach bei sich selbst: Möchte ich nur sein Kleid anrühren, so würde ich gesund. Da wendete sich Jesus um und sahe sie und sprach: Sei getrost meine Tochter, dein( Glaube hat dir geholfen. Und das Weib ward gesund zu derselbigen Stunde. Und als er in des Obersten Haus kam und sabe die Pfeiffer und das Getümmel des Volks, sprach er zu ihnen: Weichet, denn das Mägdlein ist nicht, todt, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn. Als aber das Volt ausgetrieben war, ging er hinein und ergriff sie bei der Hand; da stand das Mägdlein auf. Und dies Gerücht erscholl in dasselbige ganze Land. Epistel am 25. Sonntage nach Trinitatis. 1. Thess. am 4. Cap. v. 13-18. ir wollen euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten, von denen, die da schlafen, auf daß ihr nicht traurig seid, wie die andern, die keine Hoffnung haben. Denn so wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist, also wird Gott auch die da ent 62 Episteln und Evangelia. entschlafen sind, durch Jesum mit ihm führen. Denn das sagen wir euch als ein Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und überbleiben in der Zukunft des Herrn, werden denen nicht vorkommen, die da schlafen. Denn er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei, und Stimme des Erz- Engels, und mit der Posaune Gottes hernieder kommen vom Himmel, und die Todten in Chrifto werden auferstehen zuerst, darnach wir, die wir leben und überbleiben, werden zugleich mit denselbigen hingerücket werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet euch nun mit diesen Worten unter einander. Evangelium, Matth. am 24. Cap. v. 15-28. W enn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung, davon gesagt ist durch den Propheten Daniet, daß er stehe an der heiligen Stätte,( wer das liefet, der merke darauf), alsdann fliehe auf die Berge, wer im Jüdischen Lande ist. Und wer auf dem Dache ist, der steige nicht hernieder, etwas aus seinem Hause zu holen, und wer auf dem Felde ist, der kehre nicht um, seine Kleider zu holen. Wehe aber den Schwangern und Säugern zu der Zeit. Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbath. Denn es wird alsdann eine große Trübsal sein, als nicht gewesen ist von Anfang der Welt bisher, und als auch nicht werden wird. Und wo diese Tage nicht würden verkürzet, so würde kein Mensch selig; aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzet. So alsdann jemand zu euch wird sagen: Siehe hier ist Christus, oder da, so sollt ihrs nicht glauben. Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder thun, daß verführet werden in den Irrthum( wo es möglich wäre) auch die Auserwählten. Siehe ich habe es euch zuvor gesagt. Darum, wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste, so gehet nicht hinaus; siche, er ist in der Kammer, so glaubets nicht. Denn gleichwie der Blitz ausgehet vom Aufgang, und scheinet bis zum Niedergang, also wird auch sein die Zukunft des Menschen Sohns. Wo aber ein Aas ist, da sammlen sich die Adler. Epistel am 26. Sonntage nach Trinitatis, 2. Petr. am 3. Cap. v. 3-13. Unbr ndwisset das aufs erste, daß in den letzten Tagen fommen wer den Spötter, die nach ihren eigenen Lüsten wandeln, und sagen: Episteln und Evangelia. 63 gen: Wo ist die Verheißung seiner Zukunft? denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibet es Alles, wie es von Anfang der Kreaturen gewesen ist. Aber muthwillens wollen sie nicht wis sen, daß der Himmel vorzeiten auch war, dazu die Erde aus Wasser und im Wasser bestanden durch Gottes Wort; dennoch ward zu der Zeit die Welt durch dieselbigen mit der Sündfluth verderbet. Also auch der Himmel jehund und die Erde werden durch sein Wort gesparet, daß sie zum Feuer behalten werden am Tage des Gerichts und Verdammniß der gottlosen Menschen. Eines aber sei euch unverhalten, ihr Lieben, daß ein Tag vor dem Herrn ist, wie tausend Jahr, und tausend Jahr wie ein Tag. Der Herr verzeugt nicht die Verheißung, wie es etliche für einen Verzug achten, sondern er hat Geduld mit uns, und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße fehre. Es wird aber des Herrn Tag kommen als ein Dieb in der Nacht, in welcher die Himmel zergehen werden mit großem Krachen, die Elemente aber werden vor Hitze zerschmelzen, und die Erde und die Werke, die darinnen sind, werden verbrennen. Co nun das alles soll zergehen, wie sollt ihr denn geschickt sein mit heiligem Wandel und holdseligen Wesen, daß ihr wartet und eilet zu der Zukunft des Tages des Herrn, in welchem die Himmel vom Feuer zergehen, und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden! Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde, nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet. Evangelium, Matth. am 25. Cap. v. 31-46. enn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner HerrW Engel mit ihm, er auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle Völfer versammelt werden. Und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schaafe von den Böcken scheidet. Und wird die Schaafe zu seiner Rechten stellen, und die Böcke zur Linken. Da wird denn der König sagen zu denen zu seiner Nechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, crerbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungerig gewesen, und ihr habt mich gespeiset. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränket. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherberget. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin frank gewesen, und ihr habt mich besuchet. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir kommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: 64 Episteln und Evangelia. gen: Herr, wann haben wir dich hungerig gesehen, und haben dich gespeiset? oder durstig und haben dich getränket? wann haben wir dich einen Gast gesehen und beherberget? oder nackend und haben dich bekleidet? wann haben wir dich frank oder gefangen gesehen und sind zu dir kommen? Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr gethan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Ich bin hungerig gewesen und ihr habt mich nicht gespeiset; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränket; ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget; ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet; ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besuchet. Dawerden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig, oder durstig, oder einen Gast, oder nackend, oder krank, oder gefangen und haben dir nicht gedienet? dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr nicht gethan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht gethan. Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben. Epistel am 27. Sonntage nach Trinitatis. 1. Thess. am 5. Cap. v 1-11. on den Zeiten aber und Stunden, lieben Brüder ist nicht Vnöthig schreiben, selbſt willet gewiß, baß der Tag des Herrn wird kommen wie ein Dieb in der Nacht. Denn, wenn sie werden sagen: Es ist Friede, es hat keine Gefahr, so wird sie das Verderben schnell überfallen, gleichwie der Schmerz, ein schwanger Weib und werden nicht entfliehen. Ihr aber, lieben Brüder, seid nicht in der Finsterniß, daß euch der Tag wie ein Dieb ergreife. Ihr seid allzumal Kinder des Lichts und Kinder des Tages, wir sind nicht von der Nacht, noch von der Finsterniß; so lasset uus nun nicht schlafen, wie die andern, sondern lasset uns wachen und nüchtern sein; denn die da schlafen, die schlafen des Nachts, und die da trunken sind, die sind des Nachts trunken; wir aber, die wir des Tages sind, sollen nüchtern sein, angethan mit dem Krebs des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung zur Seligkeit. Denn Gott hat uns nicht gesetzt zum Zorn, sondern die Seligkeit zu be Episteln und Evangelia. 65 besißen durch unsern Herrn Jesum Christ, der für uns gestorben ist, auf daß wir, wir wachen oder schlafen, zugleich mit ihm leben sollen. Darum ermahnet euch unter einander, und bauet einer den andern, wie ihr denn thut. Evangelium, Matth. am 25. Cap. v. 1-13. ann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren thöricht und fünf waren flug. Die Thörichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen nicht Del mit sich. Die Klugen aber nahmen Del in ihren Gefäßen, sammt ihren Lampen. Da nun der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig und entschliefen. Zu Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam fommt, gehet aus, ihm entgegen; da standen diese Jungfrauen alle auf, und schmückten ihre Lampen. Die Thörichten aber sprachen zu den Klugen: Gebet uns von eurem Del, denn unsere Lampen verlöschen. Da antworteten die Klugen und sprachen: Nicht also, auf daß nicht uns und euch gebreche; gehet aber hin zu den Krämern und kaufet für euch selbst. Und da sie hingingen zu kaufen, kam der Brautigam, und welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Thür ward verschlossen. Zulett kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, thue uns auf. Erantwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage cuch, ich kenne eurer nicht. Darum wachet, denn ihr wiffet weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn fommen wird. Episteln und Evangelia auf die übrigen Fest- und Feiertage. Epistel am Tage Andreä des Apostels. Nöm. am 10. Cap. v. 8-18. du mit deinem Munde bekennest Jesum, daß er der Herr sei, und glaubest in deinem Herzen, daß ihn Gott von den Todten auferwecket hat, so wirst du selig. Denn so man von Herzen glaubet, so wird man gerecht, und so man mit dem Munde bekennet, so wird man selig. Denn die Schriftspricht: Wer an ihn glaubet, wird nicht zu Schanden werden. Es ist hier kein Unterschied unter Juden und Griechen, es ist aller zumal ein Herr, € reich 66 Episteln und Evangelia. reich über alle, die ihn anrufen Denn wer den Namen des Herrn wird anrufen, soll selig werden. Wie sollen sie aber anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören, ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wo sie nicht gesandt werden? wie denn geschrieben steht: Wie lieblich sind die Füße derer, die den Frieden verkündigen, die das Gute verkündigen. Aber sie sind nicht alle dem Evangelio gehorsam. Denn Jesaias spricht: Herr, wer glaubet unserm Predigen? So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes. Jch sage aber: haben sie es nicht gehöret? zwar es ist je in alle Lande ausgegangen ihr Schall und in alle Welt ihre Worte. Evangelium Matth. am 4. Cap. v. 18-22. [ Is nun Jesus an dem galiläischen Meer ging, sahe er zween Brüder, Simon, der da heißt Petrus, und Andream, seinen Bruder, die warfen ihre Netze ins Meer, denn sie waren Fischer. Und er sprach zu ihnen: Folget mir nach, ich will euch zu Menschenfischern machen. Bald verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach. Und da er von dannen fürbaß ging, sahe er zween andere Brüder, Jacobum, den Sohn Zebedai, und Johannem seinen Bruder, im Schiff, mit ihrem Vater Zebedav, daß sie ihre Netze flickten, und er rief sie. Bald verließen sie das Schiff und ihren Vater und folgten ihm nach. Epistel am St. Thomas- Tage. Ephes. am 1. Cap. v. 3-6. Gelobt elobt sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christum, wie er uns denn erwählet hat durch denselbigen, ehe der Welt Grund gelegt war, daß wir sollten sein heilig und unsträflich vor ihm in der Liebe, und hat uns verordnet zur Kindschaft gegen ihn selbst durch Jesum Christum, nach dem Wohlgefallen seines Willens, zu Lobe seiner herrlichen Gnade, durch welche er uns hat angenehm gemacht in dem Geliebten. Evangelium Joh. am 20. Cap. v. 24-31. Thomas aber der Zwölfen einer, der da heißt Zwilling, wat nicht da andern ger Episteln und Evangelia. 67 ger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen; er aber sprach zu ihnen: Es sei denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmale, und lege meine Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, will ichs nicht glauben Und über acht Tage waren abermals seine Jünger darinnen und Thomas mit ihnen, kommt Jesus, da die Thüren verschlossen waren und tritt mitten ein und spricht: Friede sei mit euch! Darnach spricht er zu Thoma: Reiche deine Finger her und siehe meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen hast, Thoma, so glaubest du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Auch viele andere Zeichen that Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, daß ihr glaubet, Jesus sei Christ, der Sohn Gottes, und daß ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen. Lection am Tage Johannis des Apostels und Evangelisten. Sir. am 15. Cap. v. 1-8. W er Gott fürchtet, der wird Gutes thun und wer sich an Gottes Wort hält, der findet Weisheit. Und sie wird ihm begegnen, wie eine Mutter und wird ihn empfangen, wie eine junge Braut. Sie wird ihn speisen mit Brod des Verstandes, und wird ihn tränken mit Wasser der Weishheit. Dadurch wird er stark werden, daß er fest stehen kann und wird sich an sie halten, daß er nicht zu Schanden wird. Sie wird ihn erhöhen über seinen Nächsten und wird ihm seinen Mund austhun in der Gemeine. Sie wird ihn krönen mit Freude und Wonne und mit ewigem Namen begaben. Aber die Narren finden sie nicht und die Gottlosen können sie nicht ersehen, denn sie ist ferne von den Hoffärtigen, und die Heuchler wissen nichts von ihr. Evangelium Joh. am 21. Cap. v. 15-24. D a sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petro: Simon Johanna, hast du mich lieber, denn mich diese haben? er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Lämmer. Spricht er zum andernmal zu ihm: Simon Johanna, hast du mich lieb: er spricht zu ihm: ja Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Schafe. Spricht er & 2 zum 68 Episteln und Evangelia. zum drittenmal zu ihm: Simon Johanna, hast du mich lieb? Petrus ward traurig, daß er zum drittenmal zu ihm sagte: hast du mich lieb? und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe. Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: da du jünger warest, gürtetest du dich selbst, und wandeltest, wo du hin wolltest. Wenn du aber altwirst, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hin willst. Das sagte er aber zu deuten, mit welchem Tode er Gott preisen würde. Da er aber das gesagt, spricht er zu ihm: Folge mir nach. Petrus aber wandte sich um und sahe den Jünger folgen, welchen Jesus lieb hatte, der auch an seiner Brust am Abendessen gelegen war und gesagt hatte: Herr, wer ists, der dich verräth? Da Petrus diesen sahe, spricht er zu Jesu: Herr, was soll aber dieser? Jesus spricht zu ihm: so ich will, daß er bleibe, bis ich komme, was gehet es dich an? folge du mir nach. Da ging eine Rede aus unter den Brüdern: dieser Jünger stirbt nicht. Und Jesus sprach nicht zu ihm: er stirbet nicht; sondern: so ich will, daß er bleibe, bis ich femme, was gehet es dich an? Dies ist der Jünger, der von diesen Tingen zeuget, und hat dies geschrieben, und wir wissen, daß sein Zeugniß wahrhaftig ist. Lection am Tage St. Pauli Bekehrung. Apostelgesch. am 9. Cap. v. 1-22. aulus aber schnaubte noch mit Drehen und Morden wider die Jünger des Herrn. Und ging zum Hohenpriester und bat ihn um Briefe gen Damascon an die Schulen, auf daß, so er etliche dieses Weges fände, Männer und Weiber, er sie gebunden führete gen Jerufalem. Und da er auf dem Wege war, und nahe bei Damascon fam, umieuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel, und er siel auf die Erde, und hörete eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgest du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der Herr sprach: ich bin Jesus, den du verfolgest, es wird dir schwer werden, wider den Stachel zu löcken. Und er sprach mit Zittern und Zagen: Herr, was willst du, das ich thun soll? der Herr sprach zu ihm: Stehe auf und gehe in die Stadt, da wird man dir sagen, was on thun sollst. Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen und waren erstarrt, denn sie höreten eine Stimme und sahen Niemand. Saulns aber richtete sich auf von der Erde Und als erseine Augen aufthat, sahe er Niemand. Sie nahmen ihn aber bei der Hand Episteln und Evangelia. 69 Hand und führeten ihn gen Damascon, und ward drei Tage nicht sehend, und aß nicht und trant nicht. Es war aber ein Jünger zu Damasco mit Namen Ananias, zu dem sprach der Herr im Gesichte: Anania! und er sprach: hier bin ich, Herr. Der Herr sprach zu ihm: Stehe auf und gehe in die Gasse, die da heißt die Richtige, und frage in dem Hause Juda nach Saulo, mit Namen von Tarsen, denn siche, er betet und hat gesehen im Gesicht einen Mann mit Namen Ananias zu ihm hinein kommen und die Hand auf ihn legen, daß er wieder sehend werde. Ananias aber antwortete: Herr, ich habe von vielen gehöret von diesem Manne, wie viel Ulebels er deinen Heiligen gethan hat zu Jerusalem. Und er hat allhie Macht von den Hohenpriestern, zu binden alle, die deinen Namen anrufen. Der Herr sprach zu ihm: Gehe hin, denn dieser ist mir ein erwähltes Rüstzeug, daß er meinen Namen trage vor den Heiden und vor den Königen und vor den Kindern vou Ifrael. Ich will ihm zeigen ,, wie viel er leiden muß um meines Namens willen. Und Ananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, der dir erschienen ist auf dem Wege, da du herkamest, daß du wieder sehend und mit dem heiligen Geiste erfüllet werdest. Und alsbald fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und er ward wieder sehend und stand auf und ließ sich taufen, und nahm Speise zu sich und stärkte sich. Saulus aber war etliche Tage bei den Jüngern zu Damasco. Und alsbald predigte er Christum in den Schulen, daß derselbige Gottes Sohn sei. Sie entsetzten sich aber alle, die es hörten, und sprachen: Ist das nicht, der zu Jerusalem verstörete alle, die diesen Namen anrufen und darum hergekommen, daß er sie gebunden führe zu den Hohenpriestern? Saulus aber ward je mehr kräftiger, und trieb die Juden ein, die zu Damasco wohneten und bewährte, daß dieser ist der Chriſt. Evangelium Matth. am 19. Cap. v. 27-29. a antwortete Petrus und sprach zu ihm: Siehe, wir haben. uns Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, daß ihr, die ihr mir seid nachgefolget in der Wiedergeburt, da des Menschen Sohn wird sizzen auf dem Stuhle seiner Herrlichkeit, werdet ihr auch sitzen auf zwölf Stühlen und richten die zwölf Geschlechter Israel. Und wer verläßt Häuser, oder Brüder, oder Schwestern, oder Bater, oder Mutter, oder Weib, oder Fin 70 Episteln und Evangelia. Kinder, oder Necker uin meines Namens willen, der wird's hurdertfältig nehmen und das ewige Leben ererben. Lection am Tage der Reinigung Mariä. Mal am 3. Cap. v. 1-4. iehe, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll: und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr suchet und der Engel des Bundes, des ihr begehret: fiche, er kommt, spricht der Herr Zebaoth. Wer wird aber den Tag seiner Zukunft erleiden mögen. Und wer wird bestehen, wenn er wird erscheinen? Denn er ist wie das Feuer eines Goldschmiedes und wie die Seife der Wäscher. Er wird sitzen und schmelzen und das Silber reinigen; er wird die Kinder Levi renigen und läutern wie Gold und Silber. Dann werden sie dem Herrn Speisopfer bringen in Gerechtigkeit, und wird dem Herrn wohlgefallen das Speisopfer Juda und Jerusalem, wie vorhin und vor langen Jahren. Evangelium Luc. am 2. Cap. v. 22-32. U nd da die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz Mosis kamen, brachten sie ihn, Jesum, gen Jerufalem, auf daß sie ihn darstelleten dem Herrn( wie denn geschrieben stehet in dem Gesetz des Herrn: Allerlei Männlein, das zum ersten die Mutter bricht, soll dem Herrn geheiligt heißen). Und daß sie geben das Opfer, nachdem gesagt ist im Gesetz des Herrn, ein paar Turteltauben oder zwo junge Tauben. Und siche, ein Mensch war zu, Jerusalem, mit Namen Simeon und derselbige Mensch war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israel und der heil. Geist war in ihm. Und ihm war eine Antwort gewor den von dem heil. Geist, er sollte den Tod nicht sehen, er hätte denn zuvor den Christ des Herrn gesehen, und kam aus Anregen des Geistes in den Tempel. Und da die Eltern das Kind Jesum in den Tempel brachten, daß sie für ihn thäten, wie man pflegte nach dem Gesetz, da nahm er ihn auf seine Ärme und lobte Gott und sprach: Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren wie du gesagt hast. Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volks Israel. Lec Episteln und Evangelia. Lection am Tage Matthäi. Apostelgeschichte am 1. Cap. v. 15-26. 71 11D Ind in den Tagen trat auf Petrus unter die Jünger und sprach:( es war aber die Schaar der Namen zu Haufe bei hundert und zwanzig). Ihr Männer und Brüder, es mußte die Schrift erfüllet werden, welche zuvor gesagt hat der heilige Geist durch den Mund David von Juda, der ein Vorgänger war, derer, die Jesum fingen, denn er war mit uns gezähler und hat dies Amt mit uns übernommen; dieser hat erworben den Acker um den ungerechten Lohn und sich erhentet und ist mitten entzwei geborsten und alle seine Eingeweide ausgeschüttet. Und es ist kund geworden allen, die zu Jerusalem wohnen, also, daß derselbige Acker genannt wird auf ihre Sprache Hakeldama, das ist ein Blutacker. Denn es stehet geschrieben im Psalmbuch: Ihre Behausung müsse wüste werden und es sei niemand, der darinnen wohne und sein Bisthum empfange ein anderer. So muß nun einer unter diesen Männern, die bei uns gewesen sind die ganze Zeit über, welche der Herr Jesus unter uns ist ausund eingegangen von der Taufe Johannis an bis auf den Tag, da er von uns genommen ist, ein Zeuge seiner Auferstehung mit uns zu werden. Und sie stelleten zween, Joseph, genannt Barsabas mit dem Zunamen Just, und Matthiam, beteten und sprachen: Herr, aller Herzen Kündiger, zeige an, welchen du erwählet hast unter diesen zween, daß einer empfange diesen Dienst und Apostelamt, davon Judas abgewichen ist, daß er hinginge an seinen Ort. Und sie warfen das Loos über sie, und das Loos fiel auf Matthiam, und er ward zugeordnet zu den elf Aposteln. Evangelium Matth. am 11. Cap. v. 25-30. 3 u derselbigen Zeit antwortete Jesus und sprach: Ich preise dich Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du solches den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbaret. Ja Bater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir. Alle Dinge sind mir offenbaret von meinem Bater. Und niemand kennet den Sohn, denn nur der Vater, und niemand kenuet den Vater, denn nur der Sohn und wem es der Sohn will offenbaren. Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Nehmet auf cuch mein Soch und fernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. Lec= 72 Episteln und Evangelia. Lection am Tage der Verkündigung Mariä. Ef. am 7. Cap. v. 10-15. nd der Herr redete abermals zu Ahas und sprach: Fordere U dir ein Zeichen vom Herrn deinen Gott, es sei unten in der Hölle oder droben in der Höhe. Aber Ahas sprach: Ich will nichts fordern, daß ich den Herrn nicht versuche. Da sprach er: Wohlan, so höret ihr vom Hause Davids: ists euch zu wenig, daß ihr die Leute beleidigt, ihr müsset auch meinen Gott beleidigen? Darum so wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie heißen Immanuel; Butter und Honig wird er essen, daß er wisse Böses zu verwerfen und Gutes zu erwählen. Evangelium, Luc. am 1. Cap. v. 26-38. nd im sechsten Monat ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt, in Galiläa, die da heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertrauet war mit einem Manne mit Namen Joseph, vom Hause David, und die Jugfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Gegrüßet seist du Holdselige, der Herr ist mit dir, du Gebenedeiete unter den Weibern! Da sie aber ihn sahe, erschrat sie über seine Rede und dachte, welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht Maria, du hast Guade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden im Leibe und einen Sohn ge bären, des Namen sollst du Jesus heißen, der wird groß und ein Sohn des Höchsten genannt werden, und Gott der Herr wird ihm den Stuhl seines Vaters David geben, und er wird ein König fein über das Haus Jakob ewiglich, und seines Königreichs wird kein Ende sein. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, sintemal ich von keinem Manne weiß? Der Engel autwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Darum auch das Heilige, das von dir geboren wird, wird Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Gefreundin ist auch schwanger mit einem Sohn in ihrem Alter und gehet jeßzt im sechsten Monat, die im Geschrei ist, daß sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siche, ich bin des Herrn Magd, mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr. 73 Episteln und Evangelia. Lection am Tage Philippi und Jacobi. Buch der Weisheit am 5. Cap. b. 1-12. A Isdann wird der Gerechte stehen mit großer Freudigkeit wider die, so ihn geängstiget haben und so seine Arbeit verworfen haben. Wenn dieselbigen dann solches schen, werden sie grausam erschrecken für solcher Seligkeit, der sie sich nicht versehen hätten. Und werden unter einander reden mit Neue und für Angst des Geistes seufzen: Das ist der, welchen wir etwa für einen Spott hatten und für ein höhnisch Beispiel. Wir Narren hielten sein Leben für unsinnig und sein Ende für eine Schande. Wie ist er nun gezählet unter die Kinder Gottes und sein Erbe ist unter den Heiligen? Darum so haben wir des rechten Weges gefehlet und das Licht der Gerechtigkeit hat uns nicht geschienen und die Sonne ist uns nicht aufgegangen. Wir haben eitel unrechte und schädliche Wege gegangen und haben gewandelt wüste Umwege. Aber des Herrn Wege haben wir nicht gewußt. Was hilft uns nun die Pracht? Was bringt uns nun der Reichthum sammt dem Hochmnth? Es ist alles dahin gefahren, wie ein Echatten und wie ein Geschrei, das vorüber fähret, wie ein Schiff auf den Wasserwogen dahin läuft, welches man, so es vorüber ist, keine Spur finden kann, noch desselbigen Bahn in der Fluth, oder wie ein Vogel, der durch die Luft fliegt, da man seines Weges feine Spur finden kann. Denn er reget und schlägt in die leichte Luft, treibt und zertheilet sie mit seinen schwebenden Flügeln, und darnach findet man kein Zeichen solches Fluges darinnen. Oder als wenn ein Pfeil abgeschossen wird zum Ziel, da die zertheilte Luft bald wieder zusammen fällt, daß man seinen Flug dadurch nicht spüren kann. Evangelium, Joh. am 14. Cap. v. 1-14. esus sprach zu seinen Jüngern: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubet ihr an Gott, so glaubet ihr auch an mich. In meis nes Vaters Hause sind viele Wohnungen; wenn's nicht so wäre, so wollte ich zu euch sagen: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Und ob ich hinginge, euch die Stätte zu bereiten, will ich doch wieder kommen und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin. Und wo ich hingehe, das wisset ihr und den Weg wisset ihr auch. Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehest und wie können wir den Weg wissen? Jesus spricht zu ihm: ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Bater, denn durch mich. Wenn ihr mich kennetet, so kennetet ihr auch meinen Vater. Und von 74 Episteln und Evangelia. nun an fennet ihr ihn und habt ihn gesehen. Spricht zu ihm Philippus: Herr, zeige uns den Vater, so genüget uns. Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch und du kennest mich nicht? Philippe, wer mich sichet, der sichet den Bater; wie sprichst du denn: Zeige uns den Bater? Glaubst du nicht, daß ich im Vater und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu cuch rede, die rede ich nicht von mir selbst; der Vater aber, der in mir wohnet, derselbige thut die Werke. Glaubet mir, daß ich im Vater und der Vater in mir ist, wo nicht, so glaubet mir doch um der Werke willen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer an mich glaubet, der wird die Werfe auch thun, die ich thue und wird größere denn diese thun, denn ich gehe zum Vater, und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich thun, auf daß der Vater gechret werde in dem Sohne. Lection am Tage Johannes des Täufers. Es. am 40. Cap. v. 1-5. röstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott, redet mit Jerufalem freundlich und prediget ihr, daß ihre Ritterschaft ein Ende hat, denn ihre Missethat ist vergeben; denn sie hat zweifältiges empfangen von der Hand des Herrn um alle ihre Sünde. Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg, machet auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Gott. Alle Thäfer sollen erhöhet werden und alle Berge und Hügel sollen geniedrigt werden. Und was ungleich ist, soll eben und was höckricht ist, soll schlicht werden; denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbaret werden und alles Fleisch mit einander wird sehen, daß des Herrn Mund redet. Evangelium, Luc. am 1. Cap. v. 57-80. 11d nd Elifabeth kam ihre Zeit, daß sie gebären sollte und sie gebar einen Sohn. Und ihre Nachbarn und Gefreundten höreten, daß der Herr große Barmherzigkeit an ihr gethan hatte, und freueten sich mit ihr. Und es begab sich am achten Tage kamen sie zu beschneiden das Kindlein, und hießen ihn nach seinen Vater Zacharias. Aber seine Mutter antwortete und sprach: Mit nichten, sondern er soll Johannes heißen. Und sie sprachen zu ihr: 3st doch niemand in deiner Freundschaft, der also heiße. Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn wollte heißen lassen? Und er forderte ein Täflein, schireb und sprach: Er heißt Johannes. Und sie verwunderten sich alle. Und alsbald ward sein Mund Episteln und Evangelia. 75 Mund und seine Zunge aufgethan und redete und lobete Gott. Und es kam eine Furcht über alle Nachbarn, und diese Geschichte ward alle ruchtbar auf dem ganzen jüdischen Gebirge. Und alle, die es höreten, nahmen es zu Herzen und sprachen: Was meinest du, will aus dem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm. Und sein Vater Zacharias ward des heiligen Geistes voll, weifsagte und sprach: Gelobet sei der Herr, der Gott Ifraels! Denn er besuchet und erlöset sein Volk. Und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils in dem Hause seines Dieners David, als er vor Zeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten. Daß er uns errettete von unsern Feinden und von der Hand aller, die uns haffen. Und die Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern, und gedächte an seinen heiligen Bund, und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, daß wir erlöset aus der Hand unserer Feinde, ihm dieneten ohne Furcht unser Lebenlang, in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist. Und du Kindlein wirst ein Prophet des Höchsten heißen, du wirst vor dem Herrn hergehen, daß du seinen Weg bereitest und Erkenntniß des Heils gebest seinem Volk, die da ist in Vergebung ihrer Sünden durch die herzliche Barmherzigkeit unsers Gottes, durch welche uns besucht hat der Aufgang aus der Höhe. Auf daß er erscheine denen, die da sißen in Finsterniß und Schatten des Todes und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Und das Kindlein wuchs und ward stark im Geist, und war in der Wüste, bis daß er sollte hervortreten vor das Volk Israel. Lection am Tage Petri u. Pauli, Apostelgesch. 12 v. 1-11. 11T m dieselbige Zeit legte der König Herodes die Hände an etliche von der Gemeine, zu peinigen. Er tödtete aber Jacobum, Johannes Bruder mit dem Schwert. Und, da er sahe, daß es den Juden gefiel, fuhr er fort und fing Petrum auch. Es waren aber eben die Tage der süßen Brode. Da er ihn nun griff, legte er ihn ins Gefängniß und überantwortete ihn vier Viertheilen Kriegsknechten, ihn zu bewahren und gedachte, ihn nach den Ostern dem Volke vorzustellen. Und Petrus ward zwar im Gefängniß gehalten, aber die Gemeine betete ohne Aufhören für ihn zu Gott. Und da ihn Herodes wollte vorstellen, in derselbigen Nacht schlief Petrus zwischen zween Kriegsknechten, gebunden mit zwo Ketten und die Hüter vor der Thür hüteten das Gefängniß. Und siehe, der Engel des Herrn kam daher und ein Licht 76 Episteln und Evangelia. Licht schien in dem Gemache und schlug Betrum an die Seite und weckte ihn auf und sprach: Stehe behende auf. Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen, und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich und thue deine Schuhe an, und er that also. Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um dich und folge mir nach. Und er ging hinaus und folgte ihm und wußte nicht, daß ihm wahrhaftig solches geschähe durch den Engel, sondern es dünkte ihm, er sähe ein Gesicht. Sie gingen aber durch die erste und andere Hut und kamen zu der eisernen Thür, welche zur Stadt führet, die that sich ihnen von ihr selbst auf, und traten hinaus, und gingen hin eine Gaffe lang, und alsbald schied der Engel von ihm. Und da Petrus zu sich selber kam, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig, daß der Herr seinen Engel gesandt hat und mich errettet aus der Hand Herodis und von allem Warten des jüdischen Volks. Evangelium, Matth. am 16. Cap. v. 13-20. a fam Jesus in die Gegend der Stadt Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Lente, daß des Menschen Sohn sei? Sie sprachen: Etliche sagen, du seist Johannes der Täufer, die andern, du seist Elias, etliche du seist Jeremias, oder der Propheten einer. Er sprach zu ihnen: Wer sagt denn ihr, daß ich sei? Da antwortete Simon Petrus und cach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn. Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du Simon, Jonas Sohn, denn Fleisch und Blut hat dir das nicht geoffenbaret, sondern mein Vater im Himmel. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeine, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Und will dir des Himmelreichs Schlüssel geben: alles, was du auf Ers den binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein. Da verbot er seinen Jüngern, daß sie niemand sagen sollten, daß er Jesus der Christ wäre. Lection am Tage der Heimsuchung Mariä. Esaias am 11. Cap. v. 1-5. U nd es wird eine Ruthe aufgchen von dem Stamm Jsai, und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf welchem wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Raths und der Stärke, der Geist der 77 Episteln und Evangelia. Erkenntniß und der Furcht des Herrn. Und sein Riechen wird sein in der Furcht des Herrn. Er wird nicht richten nach dem seine Augen sehen, noch strasen nach dem seine Ohren hören. Sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen, und mit Gericht strafen die Elenden im Lande. Und wird mit dem Stabe seines Mundes die Erde schlagen und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen tödten. Gerechtigkeit wird die Gurt feiner Lenden sein, und der Glaube die Gurt seiner Nieren. Evangelium, Luc. am 1. Cap. v. 39-56. Mar Paria aber stand auf in den Tagen, und ging auf das Gebirge endelich zu der Stadt Judäa, und kam in das Haus Zacharias und grüßte Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Maria hörte, hüpste das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth ward des heiligen Geistes voll, und rief laut und sprach: Gebenedeiet bist du unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht deines Leibes: Und woher kommt mir das, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Siehe, da ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte mit Freuden das Kind in meinem Leibe: Und o selig bist du, die du geglaubet hast, denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn. Und Maria sprach: Meine Seele erhebet den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd, angesehen; siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mirgethan, der da mächtig ist, und des Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währet immer für und für bei denen, die ihn fürchten. Er übet Gewalt mit seinem Arm, und zerstrenet, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Erstoßet die Gewaltigen vom Stuhl und erhebet die Niedrigen. Die Hungrigen füllet er mit Gütern und lösset die Reichen leer. Er denket der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf. Wie er geredet hat unsern Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich. Und Maria blieb bei ihr bei drei Monden, darnach kehrete sie wiederum heim. Lection am Tage St. Mariä Magdalenä. Spr. Sal. am 31. Cap. v. 10-31. em ein tugendsam Weib bescheert ist, die ist viel edler denn die köstlichen Perlen. Ihres Mannes Herz darf sich auffie verlassen und Nahrung wird ihm nicht mangeln. Sie thut ihm Vie 78 Episteln und Evangelia. Liebes und kein Leides sein Lebenlang. Sie gehet mit Wolle und Flachs um und arbeitet gern mit ihren Händen. Sie ist wie ein Kaufmannsschiff, das seine Nahrung von ferne bringet. Sie stehet des Nachts auf und giebt Futter ihrem Hause und Essen ihren Dirnen. Sie denkt nach einem Acker und kauft ihn und pflanzet einen Weinberg von den Früchten ihrer Hände. Sie gürtet ihre Lenden fest und stärket ihre Arme. Sie merket, wie ihr Handel Frommen bringt; ihre Leuchte verlöschet des Nachts nicht. Sie streckt ihre Hand nach dem Rocken und ihre Finger fassen die Spindel. Sie breitet ihre Hände aus zu den Armen und reichet ihre Hand den Dürstigen. Sie fürchtet ihres Hauses nicht für den Schnee, denn ihr ganzes Haus hat zwiefache Kleider. Sie macht ihr selbst Decken, weiße Seide und Purpur ist ihr Kleid. Ihr Mann ist berühmt in den Thoren, wenn er sikzet bei den Aeltesten des Landes. Sie macht einen Rock und verkauft ihn, einen Gürtel giebt sie dem Krämer. Ihr Schmuck ist, daß sie reinlich und fleißig ist und wird hernach lachen. Sie thut ihren Mund auf mit Weisheit, und auf ihrer Zunge ist holdselige Lehre. Sie schauet, wie es in ihrem Hause zugehet und isset ihr Brod nicht mit Faulheit. Ihre Söhne kommen auf und preisen sie selig. Ihr Mann lobt sie. Viele Töchter bringen Reichthuin, du aber übertriffst sie alle. Lieblich und schön sein ist nichts, ein Weib, das den Herrn fürchtet, soll man loben. Sie wird gerühmet werden von den Früchten ihrer Hände, und ihre Werke werden sie loben in den Thoren. Evangelium, Luc. am 7. Cap. v. 36-50. s bat ihn aber der Pharisäer einer, daß er mit ihm äße. Und er in und zu Tische. Und siehe, ein Weib war in der Stadt, die war eine Sünderin. Da die vernahm, daß er zu Tische saß in das Pharisäers Hause, brachte sie ein Glas mit Salben und trat hinten zu seinen Füßen und weinte und fing an, seine Füße zu netzen mit Thränen, und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küssete seine Füße und sälbete sie mit Salben. Da aber das der Pharisäer sahe, der ihn geladen hatte, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüßte er, wer und welch Weib das ist, die ihn anrühret; denn sie ist eine Sünderin. Fesus antwortete und sprach zu ihm: Eimon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister, sage an. Es hatte ein Wucherer zween Schuldner, einer war schuldig fünf hundert Groschen, der andere funfzig. Da sie aber nicht hatten zu Episteln und Evangelia. 79 zu bezahlen, schenkte er's beiden. Sage an, welcher unter denen wird ihn am meisten lieben? Simon antwortete und sprach: Ich achte, dem er am meisten geschenket hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht gerichtet. Und er wandte sich zu dem Weibe, und sprach zu Simon: Siehest du dies Weib? Ich bin gekommen in dein Haus, du hast mir nicht Wasser gegeben zu meinen Füßen; diese aber hat meine Füße mit Thränen genezzet und mit den Haaren ihres Hauptes getrocknet. Du hast mir keinen Kuß gegeben; diese aber, nachdem sie herein gekommen ist, hat sie nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. Du hast mein Haupt nicht mit Del gesalbet, sie hat aber meine Füße mit Salben gesalbet. Derhalben sage ich dir: Ihr sind viele Sünden vergeben, denn sie hat viel geliebet; welchem aber wenig vergeben wird, der liebet wenig. Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben. Da fingen an, die mit ihm zu Tische saßen und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser, der auch die Sünden vergiebt? Er aber sprach zu dem Weib: Dein Glaube hat dir geholfen, gehe hin mit Frieden. Epistel am Tage St. Jacobi, Nöm. am 8. Cap. v. 28-39. Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten nach dem welche er zuvor versehen hat, die hat er auch verordnet, daß sie gleich sein sollten dem Ebenbilde seines Sohnes, auf daß derselbige der Erstgeborne sei unter vielen Brüdern. Welche er aber verordnet hat, die hat er auch berufen; welche er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; welche er aber hat gerecht ge= macht, die hat er auch herrlich gemacht. Was wollen wir denn weiter sagen? 3st Gott für uns, wer mag wider uns sein? Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschonet, sondern hat ihn für uns alle dahin gegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns. Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal oder Angst, oder Verfolgung, oder Hunger, oder Blöße, oder Fährlichkeit, oder Schwert? Wie geschrieben stehet: Um deinet willen werden wir getödtet den ganzen Tag, wir sind geachtet wie Schlachtschafe; aber in dem allen überwinden wir weit, um des willen, der uns geliebet. Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstenthum, noch Gewalt, we 80 Episteln und Evangelia. weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch keine andere Kreatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn. Evangelium, Matth. am 20. Cap. v. 20-23. D a trat zu ihm die Mutter der Kinder Zebedäi mit ihren Söhnen, fick vor ihm nieder und bat etwas von ihm. Und er sprach zu ihr: Was willst du? Sie sprach zu ihm: Laß diese meine zween Söhne sitzen in deinem Reich, einen zu deiner Rechten, und den andern zu deiner Linken. Aber Jesus antwortete, und sprach: Ihr wisset nicht, was ihr bittet. Könnet ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde, und ench taufen lassen mit der Taufe, da ich mit getaufet werde? Sie sprach zu ihm: Ja wohl. Und er sprach zu ihnen: Meinen Kelch sollt ihr zwar trinken, und mit der Taufe, da ich mit getaufet werde, sollt ihr getauft werden; aber das Sitzen zu meiner Rechten und Linken zu geben, stehet mir nicht zu, sondern denen es bereitet ist von meinem Vater. Epistel am Tage Bartholomäi, Eph. am 2. Cap. v. 19-22. o seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbauet auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau in einander gefüget, wächset zu einem heiligen Tempel in dem Herrn, auf welchem auch ihr mit erbauet werdet zu einer Behausung Gottes im Geift. Evangelium, Luc. am 22. Cap. v. 24-30. & s erhob sich aber ein Zank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für den Größesten gehalten werden? Er aber sprach zu ihnen: Die weltlichen Könige herrschen und die Gewaltigen heißet man gnädige Herren: Ihr aber nicht also, sondern ber Größeste unter cuch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener. Denn welcher ist der Größeste? Der zu Tische sizet oder der da dienet? Jsts nicht also, daß der zu Tische sitzet? Ich aber bin unter euch wie ein Diener. Jhr aber seid's, die ihr beharret habt bei mir in meinen Anfechtungen. Und ich will euch das Reich bescheiden, wie es mir mein Vater beschieden hat, daß ihr essen und trinken' sollt über meinem Tisch, in meinem Reich, und sizen auf Stühlen und richten die zwölf Geschlechte Israel Ep Episteln und Evangelia. 81 Cine Epistel am Tage St. Matthäi, Eph. am 4. Cap. v. 7-14. inem jeglichen aber unter uns ist gegeben die Gnade nach den Maß der Gabe Christi. Darum spricht er: Er ist aufgefahren in die Höhe, und hat das Gefängniß gefangen geführet, und hat den Menschen Gaben gegeben. Daß er aber aufgefahren ist, was ist's, denn daß er zuvor ist hinunter gefahren in die untersten Derter der Erden: Der hinunter gefahren ist, das ist derselbige, er aufgefahren ist über alle Himmel, auf das er alles erfüllete. ind er hat etliche zu Aposteln gesetzet, etliche aber zit Propheten,- etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern, daß die Heiligen zugerichtet werden zum Werk des Amts, dadurch der Leib Chrifti erbauet werde: bis daß wir alle hinauskommen zu einerlei Glauben und Erkenntniß des Sohnes Gottes, und ein vollkommen Mann werden, der da sei in dem Maße des vollkommenen Alters Christi; auf daß wir nicht mehr Kinder sein, und uns wägen und wiegen lassen von allerlei Wind der Lehre durch Schaltheit der Menschen und Täuscherei, damit sie uns erschleichen zu verführen. Evangelium, Matth. am 9. Cap. v. 9-13. da sitzen, der hieß Matthäus, und sprach zu ihm: Folge mir, und er stund auf und folgete ihm. Und es begab sich, da er zir Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder, und saßen zu Tische mit Jesu und seinen Jüngern. Da das die Bharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isset her Meister mit den Zöllnern und Sündern? Da das Jesus höFete, sprach er zu ihnen: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, ondern die Kranken; geht aber hin, und lernet was das sei: h habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit, und nicht am Opfer. ch bin fommen, die Sünder zur Buße zu rufen, und nicht ie Frommen. Und Lection am Tage Michaelis, Off. Joh. am 12. Cap.v.7-12. nd es erhob sich ein Streit im Himmel, Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen, und der Drache stritte und eine Engel, und siegeten nicht, auch ward ihre Stätte nicht mehr unden im Himmel. Und es ward ausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißet der Teufel und Satanas, rdie ganze Welt verführet, und ward geworfen auf die Erden, d seine Engel wurden auch dahin geworfen; und ich hörete F cine 82. Episteln und Evangelia. eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil, und die Kraft, und das Reich, und die Macht unsers Gottes, seines Christus worden, weil der Verkläger unserer Brüder verworfen ist, der sie verklaget Tag und Nacht vor Gott. Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut, und durch das Wort ihrer Zeugniß, und haben ihr Leben nicht gelicbt bis an den Tod. Darum freuet euch, ihr Himmel, und die darin nen wohnen. Evangelium, Matth. am 18. Cap. v. 1-11. u derselbigen Stunde traten die Jünger zu Jesu, und sprachen: Wer ist doch der Größeste im Himmelreich? Jesus rief cin Kind zu sich, und stellete es mitten unter sie, und sprach: Wahrlich, ich sage euch, es sei denn, daß ihr euch umkehret, und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer sich nun selbst erniedrigt, wie dies Kind, der ist der Größeste im Himmelreich. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget würde, und ersäufet würde im Meer, da es am tiefsten ist. Wehe der Welt, der Acrgerniß halben, es muß ja Aergerniß kommen, doch wehe dem Menschen, durch welchen ergerniß kommt. So aber deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab, und wirf ihn von dir, es ist dir besser, daß du zum Leben lahm oder ein Krüppel eingehest, denn daß du zwo Hände oder zween Füße habest, und werdest in das ewige Feuer geworfen. Und so dich dein Auge ärgert, reiß es aus, und wirf's von dir, es ist dir besser, daß du einängig zum Leben eingehest, denn daß duzween Augen habest, und werdest in das höllische Feuer geworfen. Schetzu, daß ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Him mel. Denn des Menschen Sohn ist kommen, selig zu machen, das verloren ist. Epistel am Tage Simonis und Judäa, 1. Petr. am 1. Cap. v. 3-9. der der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat, zu einer lebendigen Hoffnung, durch die Auferstehung Jesu Christi von den Todten, zu einem unvergänglichen, und unbe fleck Episteln und Evangelia. 83 fleckten, und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel, cuch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahret werdet zur Seligkeit, welche zubereitet ist, daß sie offenbar werde zu der letzten Zeit, in welcher ihr euch freuen werdet, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wo es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf daß euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde, denn das vergängliche Gold( das durchs Feuer bewährt wird) zu Lobe, Preis und Ehren, wenn' nun offenbaret wird Jesus Christus, welchen ihr nicht gesehen, und doch lieb habt, und nun an ihn glaubet, wiewohl ihr ihn nicht sehet, so werdet ihr euch freuen mit unaussprechlicher und Herrlicher Freude, und das Ende eures Glaubens davon bringen, nämlich der Seelen Seligkeit. Evangelium, Joh. am 15. Cap. v. 17-21. esus sprach zu seinen Jüngern: Das gebiete ich euch, daß ihr ench unter einander liebet. So euch die Welt Hasset, so wisset, daß sie mich vor euch gehasset hat. Wärct ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb. Dieweil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich habe euch von der Welt erwählet, darum hafset cuch die Welt. Gedenket an mein Wort, das ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr. Haben sie mich verfolget, so werden sie euch auch verfolgen. Haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten. Aber das alles werden sie euch thun, um meines Namens willen, denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat. Die harmonische Geschichte. des Leidens und des Todes Jesu Christi, aus den vier Evangelisten zusammengezogen. 1. Abtheilung. Das Leiden Jefu am Delberge. a Jefus und seine Sünger( nach dem Genusse des Osterlamms sprochen hatten, ging er hinaus, nach seiner Gewohnheit, über den Bach Kidron, an den Selberg. Es folgeten ihm aber seine Sünger nach. Da sprach Jesus zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr euch alle ärgern an mir, denn es stehet geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Heerde werden sich zerstreuen. Wenn ich aber 2 84 Die harmonische Geschichte. aber auferstehe, will ich vor euch hingehen in Galiläam. Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sie auch alle sich an dir ärgerten, so will ich mich doch nimmermehr ärgern. Sesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute in dieser Nacht, ehe denn der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen. Er aber redete noch weiter: Ja, wenn ich auch mit dir sterben müßte, so wollte ich dich nicht verleugnen. Desselbigen gleichen sagten auch alle Jünger. Da kam Jesus mit ihnen zu einem Hofe, der hieß Gethsemane, da war ein Garten, darein ging Jesus und seine Jüngerr. Judas aber, der ihn verrieth, wußte den Ort auch: denn Jesus versammelte sich oft daselbst mit seinen Jüngern. Da sprach Jesus zu ihnen: Seget euch hie, bis daß ich dort hingehe und bete. Und er nahm zu sich Petrum, und Jacobum und Johannem, die zween Söhne Zebedäi, und fing an zu trauern, zu zittern und zu zagen, und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod, bleibet hie, wachet mit mir, und betet, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Und er riß sich von ihnen bei einem Steinwurf, und kniete nieder, fiel auf sein Angesicht auf die Erde, und betete, daß, so es möglich wäre, die Stunde vorüber ginge, und sprach: Abba, mein Vater! es ist dir alles möglich, überhebe mich dieses Kelchs, doch nicht, was ich will, sondern was du willt. Und er kam zu seinen Jüngern, und fand sie schlafend, und sprach zu Petro: Simon! schläfest du? vermöchtest du nicht eine Stunde mit mir zu machen? Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Zum andernmal ging er hin, betete und sprach: Mein Bater, ist es nicht möglich, daß dieser Kelch von mir gehe? ich trinke ihn denn; so geschehe dein Wille. Und er kam, und fand sie abermal schlafend, denn ihre Augen waren voll Schlafs, und wußten nicht, was sie ihm antworteten. Und er ließ sie, und ging abermal hin, und betete zum dritten mal, und redete dieselbigen Worte. Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel, und stärkete ihn. Und es kam, daß er mit dem Tode rang, und betete heftiger. Es war aber sein Schweiß wie Blutstropfen, und fielen auf die Erde. Und er stund auf vom Gebet, und kam zu seinen Jüngern, und fand sie schlafend vor Traurigkeit, und sprach zu ihnen: Ach! wollet ihr nun schlafen und ruhen! Es ist genug. Sehet, die Stunde ist kommen, und des Menschen Sohn wird überantwortet in der Sünder Hände, stehet auf und lasset uns gehen, siehe, der mich verräth, ist nahe, betet aber, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Und alsobald, da er noch redete, kam Judas der Zwölfen einer, da er hatte zu sich genommen die Schaar und Diener der Hohenpriester und der Ueltesten und Schriftgelehrten, ging vor ihnen her, und kam dahin mit Fackeln, Lampen mit Schwerdtern und mit Stangen. Der Verräther aber hatte ihnen ein Zeichen gegeben, und gesaget: welchen ich küssen werde, der ist es, den greifet und führet ihn gewiß. Als nun Jesus wußte alles, was ihm begegnen sollte, ging er hinand, und sprach zu ihnen: wen suchet ihr? Sie antworteten ihm: Sesum von Nazaceth. Jesus sprach zu ihnen: Ich bins. Judas aber, der ihn verrieth, stund auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bins, wichen sie zurück, und fielen zu Boden. Da fragte er sie abermal: Wen suchet ihr: Sie aber sprachen: Jesum von Nazareth. Jesus antwortete: Ich habe euch gefagt, daß ichs sei; suchet ihr denn mich, so lasjset diese gehen. Auf daß des Leidens und Todes Jesu Christi. 85 daß das Wort erfüllet würde, welches er fagte: Sch habe der keinen verloren, die du mir gegeben hast. Und Judas nahete sich zu Jesu, ihn zu küssen, und sprach: Gegrüßet seist du, Rabbi! und küssete ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund! warum bist du kommen? Juda! verräthst du des Menschen Sohn mit einem Kuß? Da traten fie hinzu, und legten die Häude an Jesum, und griffen ihn. Da aber sahen, die um ihn waren, was da werden wollte, sprachen sie zu ihm: Herr! sollen wir mit dem Schwerdt drein schlagen? Da hatte Simon Petrus ein Schwerdt, und zog es aus und schlug nach des Hohenpriesters Knecht, und hieb ihm sein recht Chr ab. Und der Knecht hieß Malchus. Jesus aber antwortete und sprach: Lasset' sie doch so ferne machen. Und zu Petro: Stecke dein Schwerdt in die Scheide; denn wer das Schwerdt nimmt, der soll durch das Schwerdt umkommen. Oder meinest du, daß ich nicht könnte meinen Vater bitten, daß er mir zuschickte mehr denn zwölf Legionen Engel? Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Wie würde aber die Schrift erfüllet? Es muß also geschehen. Und er rührete sein Ohr an, und heilete ihn. Zu der Stunde sprach Jesus zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels, und die Aéltesten, die über ihn kommen waren: Jhr seid, als zu einem Mörder, mit Schwerdten und mit Stangen ausgegangen mich zu fahen; bin ich doch täglich gesessen bei euch und habe gelehret. im Tempel, und ihr habet keine Hand an mich geleget. Aber dies ist eure Stunde, und die Macht der Finsterniß, auf daß die Schrift erfüllet werde. Da verließen ihn alle Jünger, und flohen. Und es war ein Jüngling, der folgte ihm nach, der war mit Leinwand gekleidet auf der bloßen Haut, und die Jünglinge griffen ihn, er aber ließ den Leinwand fahren, und flohe bloß von ihnen. 2. Abtheilung. Das Leiden Jesu vor dem weltlichen Gerichte. Die ie Schaar aber und der Oberhauptmann und die Diener der Juden nahmen Jesum, und bunden ihn, führeten ihn aufs erste zu Hannas, der war Gaiphas Schwäher, welcher des Jahrs Hoherprieſter war. Es war aber Caiphas, der den Juden rieth, es wäre gut, daß ein Mensch würde umgebracht für das Volk. Und führeten ihn zu dem Hohenpriester Caiphas, dahin alle Hohenpriester und Aeltesten sich versammelt hatten. Simon Petrus aber folgete Jesu von ferne, und ein anderer Jünger, bis an den Palast des Hohenpriesters. Derselbe Jünger war mit dem Hohenpriester bekannt, und ging mit Jesu hinein in des Hohenpriesters Palast. Petrus aber stund draußen vor der Thür. Da ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus, und redete mit der Thürhüterin, und führete Petrum hinein. Es stunden aber die Knechte und Diener, und hatten ein Kohlfeuer gemacht, danieden mitten im Palast: denn es war kalt, und wärmeten sich. Petrus aber stund bei ihnen, und wärmete sich, auf daß er sähe, wo es hinans wollte. Über der Hohenpriester fragte Jesum um seine Jünger und um seine Lehre. Jesus antwortete: Ich habe frei öffentlich geredet vor der Welt, 86 Die harmonische Geschichte. Welt, ich habe allezeit gelehrf in der Schule, und in dem Tempel, da alle Juden zusammen kommen, und habe nichts im Verborgenen geres. det. Was fragest du mich darum? Frage die darum, die gehöret haben, was ich zu ihnen geredet habe; siehe, dieselbigen wissen, was ich gesagt habe. Als er aber solches redete, gab der Diener einer, die dabei stunden, Jesum einen Backenstreich und sprach: Sollt du dem Hohenpriester also antworten? Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise es, daß es unrecht sei, habe ich aber recht geredet, was schlägest du mich? Und Hannas hatte ihn gebunden gesandt zu dem Hohenpriester Caiphas. Die Hohenpriester aber und die Aeltesten und der ganze Nath suchten falsch Zeugniß wider Jesum, auf daß sie ihn zum Tode brächten, funden feines, wiewol viele falsche Zeugen herzutraten: denn ihre und Zeugnisse stimmeten nicht überein. Zuletzt traten herzu zween falsche Zeugen, und sprachen: Wir haben gehöret, daß er sagte: Ich kann und will den Tempel Gottes, der mit Händen gemacht ist, abbrechen, und in dreien Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht ist. Ihr Zeugniß aber stimmete noch nicht überein. Und der Hohepriester stund auf unter sie, und fragte Jesum, und sprach: Antwortest du nichts zu dem, das diese wider dich zeugen? Jesus aber schwieg stille, und antwortete nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermal, und sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du seist Chrisius, der Sohn des hochgelobten Gottes? Jesus sprach: Du sagest es, ich bin es; doch sage ich euch: von nun an werdet ihr sehen des Menschen Sohn sißen zur rechten Hand der Kraft, und kommen in den Wolken des Himmels. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat Gott gelästert, was dürfen wir weiter Zeugniß? Siehe, jetzt habet ihr seine Gotteslästerung gehöret, was dünket euch? Sie aber verdammten ihn alle, und sprachen: Er ist des Todes schuldig. Die Männer aber, die Jesum hielten, verspotteten ihn, und speieten aus in sein Angesicht, und schlugen ihn mit Fäusten; etliche aber verz deckten ihn, und schlugen ihn ins Angesicht,( besonders die Knechte) und sprachen: Weissage uns, Christe, wer ists, der dich schlug? Und viele andere Lästerung sagten sie wider ihn. Simon Petrus aber war,( wie oben erwähnt worden) draußen im Palast; da kam des Hohenpriesters Mägde cine, die Thürhüterin; und da sie Petrum unter den Knechten, bei dem Feuer sabe, schauete sie ihn an, und sprach zu ihm: Und du warest auch mit dem Jefu aus Galiläa. Er aber verleugnete vor ihnen allen und sprach: Weib! ich bins nicht, ich kenne ihn nicht, ich weiß auch nicht, was du sagest. Und er ging hinaus in den Vorhof, und der Hahn krähete. Und als er zur Thür hinaus ging, sahe ihn nebst der vorigen, eine andere Magd, die sprachen zu denen, die dabei stunden: dieser war auch mit dem Jesu von Nazareth. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht seiner Jünger ciner? Und eine andere sprach: Du bist auch der einer Und er leugnete abermal, und sprach: Mensch, ich bins nicht, und schwur dazu: ich kenne den Menschen nicht. Und über eine kleine Weile bei einer Stunde bekräftigte es ein anderer, mit denen, die dabei stunden, und sprachen: Wahrlich, du bist auch der einer: denn du bist ein Galiläer, und deine Sprache verräth dich. Spricht des Hohenpriesters Knecht einer, ein des Leidens und Todes Jesu Chriſti. 87 ein Gefreundter deß, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sahe ich dich nicht im Garten bei ihm? Da fing er an sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht, von dem ihr saget. Und alsbald, da er noch redete, krähete der Hahn zum andernmal. Und der Herr wandte sich um, und sahe Petrum an. Da gedachte Petrus an das Wort Jesu, daß er zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen; und er ging hinaus, und weinete bitterlich. Des Morgens aber versammelten sich alle Hohenpriester, Schriftgelehrten und die Neltesten des Bolts, dazu der ganze Rath, und hielten einen Rath über Jesum, daß sie ihn tödteten. Und führten ihn hinauf vor ihren Rath, und sprachen: Bist du Christus? sage es uns. Er aber sprach zu ihnen: Sage ich es euch, so gläubet ihrs nicht; frage ich aber, so antwortet ihr nicht, und lasset mich dennoch nicht los. Darum von nun an wird des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft Gottes. Da sprachen sie alle: bist du denn Gottes Sohn? Er aber sprach zu ihnen: Shr sagets, denn ich bins. Sie aber sprachen: Was dürfen wir weiter Zeugniß? Wir habens selber gehört aus seinem Munde. 3. Abtheilung. Das Leiden Jesu vor dem weltlichen Gerichte. Und nd der ganze Haufe stund auf, und bunden Jesum, führeten ihn voll Caipha vor das Richthaus, und überantworteten ihn dem Landpfleger Pontio Pilato, und es war noch frühe. Da das sahe Judas, der ihn verrathen hatte, daß er verdammet war zum Tode, gereuete es ihn, und brachte herwieder die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und Aeltesten, und sprach: Ich habe übel gethan, daß ich unschuldig Blut verrathen habe. Sie sprachen: Was gehet uns das an? da siche du zu. Und er warf die Silberlinge in den Tempel, hub sich davon, ging hin, und erhenkte sich selbst, und ist mitten entzwei geborsten, und sein Eingeweide ausgeschüttet. Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge, und sprachen: Es taugt nicht, daß wir sie in den Gotteskasten legen; denn es ist Blutgeld. Sie hielten aber einen Rath, und kauften eines Töpfers Acker darum, zum Begräbniß der Pilger. Und ist kund worden allen, die zu Serusalem wohnen, also, daß derselbige Acker genennet wird auf ihre Sprache: Ackeldama, das ist, ein Blutacker, bis auf den heutigen Tag. Da ist erfüllet, das gesagt ist durch den Propheten Jeremiam, da er spricht: Sie haben genommen dreißig Silberlinge, damit bezahlet ward der Verkaufte, welchen sie kauften von den Kindern Israel, und haben sie gegeben um einen Töpfersacker, als mir der Herr befohlen hat. Die Juden aber gingen nicht in das Richthaus, auf daß sie nicht unrein würden, sondern die Ostern essen möchten. Da ging Pilatus zu ihnen heraus, und sprach: Was bringet ihr für eine Klage wider diesen Menschen? Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht. ein Uebelthäter, wir hätten ihn dir nicht überantantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmet ihr ihn hin, und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen niemand tödten. Auf daß erfüllet würde das Wort Jesu, welches er sagete, da er deutete, welches Todes er sterben würde. Die harmonische Geschichte. Da fingen an die Hohenpriester und die Aeltesten ihn hart zu verklagen, und sprachen: Diesen finden wir, daß er das Volk abwendet, und verbeut den Schoss dem Kaiser zu geben, und spricht: Er sei Christus, ein König. Da ging Pilatus wieder hinein in das Richthaus, und rief Jesu, und fragte ihn und sprach: Bist du der Juden König? Jesus stund vor ihm, und antwortete: Redest du das von dir selbst, oder haben es dir andere von mir gesaget? Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Voll und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet, was hast du gethan? Icsus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt, wäre mein Neich von dieser Welt, meine Diener würden darob kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde Aber nun ist mein Reich nicht von dannen. Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König; ich bin dazu geboren, und auf die Welt kommen, daß ich die Wahrheit zeugen soll, wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? und da er das gefaget, ging er wieder hinaus zu den Juden, und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm. Und da er verklaget ward von den Hohenpriestern und Aeltesten, antwortete er nichts. Pilatus aber fragte ihn abermal, und sprach: Antwortes du nichts? Hörest du nicht, wie hart sie dich verklagen? Und er antwortete ihm nicht auf ein Wort mehr, also, daß sich auch der Landpfleger sehr verwunderte. Sie aber hielten an und sprachen: Er hat das Volk erreget, damit, daß er gelehret hat hin und her im ganzen jüdischen Lande, und hat in Galiläa angefangen bis hieher. 88 Da aber Pilatus Galiläam hörete, fragete er: Ob er aus Galiläa wäre? Und als er vernahm, daß er unter Herodis Obrigkeit war, ülbersandte er ihn zu Herodes, welcher in denselbigen Tagen auch zu Jeusalem war. Da aber Herodes Jesum sahe, ward er sehr froh; denn er hätte ihn längst gerne gesehen; denn er hatte viel von ihm gehöret, und hoffete, er würde ein Zeichen von ihm sehen. Und er fragte ihn mancherlei; er antwortete ihm aber nichts. Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten stunden, und verklageten ihn hart. Aber Herodes mit seinem Hofgesinde verachtete und verspottete ihn, legte ihm ein weißes Kleid an, und fandte ihn wieder zu Pilato. Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde miteinander, denn zuvor waren sie einander feind. Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Obersten, und das Volk zusammen, und sprach zu ihnen: Ihr habet diesen Menschen zu mir bracht, als der das Volk abwendet, und sehet, ich habe ihn vor euch verhöret, und finde an dem Menschen der Sache keine, die ihr ihn beschuldiget, Herodes auch nicht: Denn ich habe euch zu ihm gesandt, und sehet: man hat nichts auf ihn gebracht, das des Todes werth sei, darum will ich ihn züchtigen und losgeben. Auf das Feft aber mußte der Landpfleger nach Gewohnheit dem Volte einen Gefangenen losgeben, welchen sie begehrten. Er hatte aber zu der Zeit einen Gefangenen, einen sonderlichen vor andern, der hieß Barrabas, welcher war um eines Aufruhrs, der in der Stadt geschahe und um eines Mords willen in das Gefängniß geworfen. Und das Volk ging hinauf, und bat, daß er thäte, wie er pflegete, und da sie versammelt waren, antwortete ihnen Pilatus: Jhr habet eine Gewohnheit, daß ich euch einen losgebe auf Ostern, welchen wollet ihr, daß ich des Leidens und Todes Jesu Chrifti. 89 ich euch losgebe, Barrabam, oder Jesum, den König der Juden, von dem gesagt wird: Er fei Christus? Denn er wußte wohl, daß ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet hatten. Und da er auf dem Nichtstuhl saß, schickte sein Weib zu ihm, und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten: denn ich habe heute viel erlitten im Traum von seinetwegen. Aber die Hohenpriester und Aeltesten überredeten und reizeten das Volk, daß sie um Barrabam bitten sollten, und Jesum umbrächten. Da antwortete nun der Landpfleger, und sprach zu ihnen: Welchen wollet ihr unter diesen zween, den ich euch soll losgeben? Da schrie der ganze Haufe und sprach: Hinweg mit diesem, und gieb uns Barrabam los. Da rief Pilatus abermal zu ihnen, und wollte Jesum los lassen, und sprach: Was soll ich denn machen mit Jesu, den man Christum nennet? Sie schrien abermal: Kreuzige, kreuzige ihn. Er aber sprach zum drittenmal zu ihnen: Was hat er denn Ulebels gethan? Sch finde keine Ursache des Todes an ihm, darum will ich ihn züchtigen und loslassen. Aber sie lagen ihn an mit großem Geschrei, und forderten, daß er gekreuziget würde, und ihr und der Hohenpriester Geschrei nahm überhand. Da aber Pilatus sahe, daß er nichts schaffete, sondern daß viel ein größer Getümmel ward, gedachte er dem Volke genug zu thun, und urtheilete, daß ihre Bitte geschehe, nahm Wasser, und wusch die Hände vor dem Volke, und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten, sehet ihr zu. Da antwortete das ganze Volk, und sprach: Sein Blut komme über uns, nnd über unsere Kinder. Da gab er ihnen Barrabam los, der um Aufruhrs nnd Mordes willen war ins Gefängniß geworfen, um welchen sie baten; aber Jesum ließ er geißeln und überantwortete ihn, daß er gekreuziget würde. Da nahmen die Kriegsknechte des Landpflegers Jesum zu sich in das Richthaus und riefen zusammen die ganze Schaar, und zogen ihn aus, und legten ihm cinen Purpurmantel um, und flochten eine Krone von Dornen, und setzten sie auf sein Haupt, und gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand, und beugeten die Knie vor ihm, spotteten ihn und sprachen: Gegrüßet seist du, der Juden König! und gaben ihm Backenstreiche, speieten ihn an, und nahmen das Rohr, und schlugen damit sein Haupt. Da ging Pilatus wieder heraus, und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich keine Schuld an ihm finde. Also ging Jesus heraus, und trug eine Dornenkrone und Purpurkleid. Und er spricht zu ihnen: Sehet, welch ein Mensch! Da ihn die Hohenpriester und die Diener sahen, schrien sie und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn. Pilatus spricht zu ihnen: Nehmet ihr ihn hin, und freuziget ihn: deun ich finde keine Schuld an ihm. Die Juden anfworteten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz soll er sterben, denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht. Da Pilatus das Wort hörete, fürchtete er sich noch mehr, und ging wieder hinein in das Richthaus, und spricht zu Jesu: Von wannen bist du? Aber Jesus gab ihm keine Antwort. Da sprach Pilatus zu ihm: Redeft du nicht mit mir? Weisfest du nicht, daß ich macht habe dich zu freuzigen, und Macht habe dich los zu geben? Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben, darum, der mich dir überantwortet hat, der hats größere Sünde. Von dem 90 Die harmonische Geschichte. dem an trachtete Pilatus, wie er ihn los ließe. Die Juden aber schrien, und sprachen: Lässest du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nichts denn wer sich selbst zum Könige macht, der ist wider den Kaiser. Da Pilatus das Wort hörete, führete er Jesum heraus, und setzte sich auf den Richtstuhl, an der Stätte, die da heißet Hochpflaster, auf hebräisch aber Gabbatha. Es war aber der Rüsttag in Ostern, um die sechste Stunde, und er spricht zu den Juden: Sehet, das ist eucr König. Sie schrieen aber: Weg, weg mit dem, freuzige ihn. Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren König kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König, denn den Kaiser. Da überantwortete er ihn, daß er gekreuziget würde. 4. Abtheilung.. Die Kreuzigung und der Tod Jesu. D a nahmen die Kriegsknechte Iesum( den sie verspottet hatten), zogen ihm den Mantel aus, und zogen ihm seine Kleider an, und führeten ihn hin, daß sie ihn freuzigten; und er trug sein Kreuz. Und indem sie hinaus gingen, funden sie einen Menschen, der vorüber ging, von Cyrene, mit Namen Simon, der vom Felde kam, der ein Vater Alexandri und Ruffi war, den zwangen sie, und legten das Kreuz auf ihn, daß er's Jesu nachtrüge. Es folgete ihm aber nach ein großer Haufe Volks und Weiber, die klagten und beweineten ihn. Sesus aber wandte sich um zu ihnen, und sprach: Shr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst, und über eure Kinder. Denn siche, es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren, und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäuget haben: Denn werden sie anfahen, zu sagen zu den Bergen: Fallet über uns, und zu den Hügeln: Decket uns! Denn so man das thut am grünen Holz, was will am dürren werden? Es wurden aber auch hingeführet zween andere Ulebelthäter, daß sie mit ihm abgethan würden. Und sie brachten ihn an die Stätte, die da heißet auf hebräisch Golgatha, das ist verdeutschet, Schädelstätte, und ſie gaben ihm Myrrhen in Wein zu trinken; und da er's schmeckte, wollte er's nicht trinken. Und sie kreuzigten ihn daselbst und die zween Uebelthäter mit ihm, einen zur Rechten, und einen zur Linken, Jesum aber mitten in. Da ward die Schrift erfüllet, die da saget: Er ist unter die Uebelthäter gerechnet. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen: Denn sie wissen nicht, was sie thun. Pilatus aber schrieb eine Ueberschrift, und setzte sie auf das Kreuz, oben zu seinem Haupt, als die Ursache seines Todes: Es war aber geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Ueberschrift lafen viele Juden: denn die Stätte war nahe bei der Stadt, da Jesus gekreuziget ist. Und es war geschrieben auf ebräische, griechische und lateinische Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilato: Schreib nicht der Juden König! sondern daß er gesagt habe: Sch bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. Und die Kriegsknechte, da ste Jesum gefreuziget hatten, nahmen seine Kleider, und machten vier Theile, einem jeglichen Kriegsknecht ein Theil, da des Leidens und Todes Jesu Christi. 91 dazu auch den Rock. Der Rock aber war ungenähet, von oben an gewirket, durch und durch. Da sprachen sie unter einander: Laßt uns den nicht zertheilen, sondern darum loosen, weß er sein soll. Auf daß er-. füllet würde die Schrift, die da saget: Sie haben meine Kleider unter sich getheilet, und haben über meinen Rock das Loos geworfen; solches thaten die Kriegsknechte. Und sie saßzeu allda und hüteten sein. Es war aber um die dritte Stunde, da sie ihn kreuzigten. Und das Volk stund, und sahe zu. Die aber vorüber gingen, lästerten ihn, und schüttelten ihre Köpfe, und sprachen: Pfui dich, wie fein zerbrichst dn den Tempel, und bauest ihn in dreien Tagen, hilf dir selber. Bist du Gottes Sohn, so steige herab vom Kreuz. Desgleichen auch die Hohenpriester verspotteten ihn unter einander, mit den Schriftgelehrten und Aeltesten, sammt dem Volke, und sprachen: Er hat andern geholfen, und kann ihm selber nicht helfen. Ist er Christ, der König von Israel, der Auserwählte Gottes, so helfe er ihm selber, und steige nun vom Kreuz, auf daß wirs sehen, und glänben ihm. Er hat Gott vertrauet, der erlöse ihn nun, lüstet es ihn: Denn er hat gesaget: Ich bin Gottes Sohn. Es verspotteten ihn auch die Kriegsknechte, traten zu ihm, und brachten ihm Essig, und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber. Aber der Uebelthäter einer, die da gehenkt waren, lästerte ihn, und sprach: Bist du Christus, so bilf dir selbst, und uns. Da antwortete der andere, strafte ihn und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammniß bist? Und zwar wir sind billig drinnen; denn wir empfahen, was unfre Thaten werth sind. Dieser aber hat nichts ungeschicktes gehandelt, und sprach zu Jesu: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kömmst. Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Es stund aber bei dem Kreuze Jefu seine Mutter, und seiner Mutter Schwester Maria, Cleophas Weib, und Maria Magdalena. Da nun Jefus seine Mutter sahe, und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib! siche, das ist dein Sohn. Darnach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter. Und von Stund an nahm sic der Jünger zu sich. Und von der sechsten Stunde an ward eine Finsterniß über das ganze Land, bis an die neunte Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein. Und um die neunte Stunde rief Jesus laut, und sprach: Eli, Eli, Lama, Usabthani! das ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Etliche aber, die da stunden, da sie das höreten, sprachen sie: Siche, er rufet dem Elias. Darnach als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, daß die Schrift erfüllet würde, spricht er: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig, und bald lief einer unter ihnen hin, nahm einen Schwamm, und füllete ihn mit Essig, und steckte ihn auf ein Rohr von Ysop, und hielt es ihm dar zum Munde, und tränkete ihn, und sprach mit den andern: Halt, laß sehen, ob Elias komme und ihn herab nehme. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und abermal rief er laut, und sprach: Bater! ich befehle meinen Geist in deine Hände.- Und als er das gefaget, neigete er das Haupt, und gab seinen Geist auf. Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke, von oben an bis unten aus, und die Erde erbebete, und die Felsen zerrissen, und die Grä 92 Die harmonische Geschichte. Gräber thaten sich auf, und stunden auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen, und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung, und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen. Aber der Hauptmann, der dabei stund gegen ihm über, und die bei ihm waren, und bewahreten Jesum, da sie sahen, daß er mit solchem Geschrei verschied, und fahen das Erdbeben, und was da geschah, erschrafen sie sehr, und preiseten Gott, und sprachen: Wahrlich, dieser ist ein frommer Mensch, und Gottes Sohn gewesen. Und alles Volk, daß dabei war, und zusahe, da sie sahen, was da geschah, schlugen sie an ihre Brust, und wandten wieder um. Es stunden aber alle seine Verwandten von ferne und viele Weiber, die ihm aus Galiläa waren nachgefolget, unter welchen war Maria Magdalena, und Maria des kleinen Jacobs und Joses Mutter und Salome, die Mutter der Kinder Zebedäi, und viele andere, die mit ihm hinauf gen Jerusalem gegangen waren, und hatten ihm gedienet, und sahen das alles. Die Juden aber, dieweil es der Rüsttag war, daß nicht die Leichname am Kreuze blieben den Sabbath über,( denn desselbigen Sabbath war groß) baten fie Pilatus: daß ihre Beine gebrochen und sie abgenommen würden. Da kamen die Kriegsknechte, und brachen dem ersten die Beine und dem andern, der mit ihm gefreuziget war. Als sie aber zu Jesu kamen, da sie sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; sondern der Kriegsknechte einer öffnete seine Seite mit ei nem Speer, und alsbald ging Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeuget, und sein Zeugniß ist wahr, und derfelbige weiß, daß er die Wahrheit saget, auf daß auch ihr gläubet: denn solches ist geschehen, daß die Schrift erfüllet würde: Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen. Und abermal spricht eine andere Schrift: Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben. 5. Abtheilung. Das Begräbniß Jesu. der fabbath, kam ein reicher Mann von Arimathia, der Stadt der Juden, mit Namen Joseph, der war ein Rathsherr; ein guter frommer Mann, welcher auch auf das Reich Gottes wartete; der hatte nicht gewilligt in ihren Rath und Handel; denn er war ein Jünger Jesu, doch heimlich, aus Furcht vor den Juden. Der wagte es und ging zu Pilato, und bat, daß er möchte abnehmen den Leichnam Jesu. Pilatus aber verwunderte sich, daß er schon todt war, und rief den Hauptmann, und fragete ihn: ob er längst gestorben wäre? Und als er es erkundet von dem Hauptmann, befahl er, man sollte Joseph den Leichnam Jesu geben. Und Joseph kaufte ein Leinwand. Es kam aber auch Nicodemus, der vormals bei der Nacht zu Jesu gekommen war, und brachte Myrrhen und Aloen unter einander, bei hundert Pfunden. Da nahmen sie den Leichnam Jesu, und wickelten ihn in ein rein Leinwand, und bunden ihn in leinene Tücher mit Specereien, wie die Juden pflegten zu begraben. Es war aber an der Stätte, da er gekreuziget ward, ein Garten, und in dem Garten ein neu Grab, das war Josephs, welches er hatte laffen in einem Felsen hauen, in welches niemand je gelegt war. Da selbst hin legten sie Jesum um des Rüsttags willen der Juden, dieweil der des Leidens und Todes Jesu Chriſti. 93 der Sabbath anbrach, und das Grab nahe war, und wälzeten einen großen Stein por die Thür des Grabes, und gingen davor. Es waren aber allda Maria Magdalena, und Maria Joses, und die Weiber, die mit Jesu kommen waren aus Galiläa, die folgeken nach, setzten sich gegen das Grab, und beschaueten, wohin und wie sein Leib geleget ward. Sie fehreten aber um, und bereiteten Specerei und Salben, und den Sabbath über waren sie stille nach dem Gesetz. Des andern Tages, der da folgete nach dem Rüsttage, kamen die Hohenpriester und Pharisäer sämmtlich zu Pilato, und sprachen: Herr, wir haben gedacht, daß dieser Verführer sprach, da er noch lebte: Ich will nach dreien Tagen auferstehen. Darum befiehl, daß man das Grab verwahre bis an den dritten Tag, auf daß nicht seine Jünger kommen und stehlen ihn, und sagen zu dem Volke: er ist auferstanden von den Todten, und werde der letzte Betrug ärger, denn der erste. Pilatus sprach zu ihnen. Da habet ihr die Hüter, gehet hin und verwahret, es, wie ihr wisset. Sie gingen hin, und verwahreten das Grab mit Hültern, und versiegelten den Stein. Zuverlässige Nachricht von der Zerstörung der Stadt Jerusalem. A Is bas vormals von Gott fo außerordentlich begnadigte Volk der Juden das Maß feiner gehäuften Sünden durch die Verwerfung und Kreuzigung des unter ihnen erschienenen Heilandes der Welt erfüllet batte: so näherte sich dasselbe demjenis gen erschrecklichen Strafgerichte immer merklicher, welches durch die Propheten und den mitleidigen Erlöser selbst mit Thränen zuvor verkündiget war, und in der gänzli chen Zerstörung Jerusalems und des ganzenjüdischen Reichs, der Welt ein belehrens des Denkmal vor Augen legte: wie schwer der Zorn Gottes gegen beharrliche Verächter ferner Gnade, und wie groß insonderbeit die Verschuldung ſei, die dieses unglückliche Volk durch die Vergießung des unschuldigen und heiligen Blutes Jesu Christi auf sich geladen. Josephus erzählet verschiedene vor dem usbruche dieser Gerichte Gottes hergegans gene Beichen; alleindie sicherste und näheste Unzeige davon war wol, das sich in demjüs dischen Reiche immer weiter ausbreitende gänzliche Werderben. Man verließ nun völ lig die beil. GefeßeGottes, feste die ganze Religionnur in eine abergläubische Beobach. tung äußerlicher Gebräuche, und überließ sich mit einemfrechen Leichtsinn allen Laftern. Daher nahmen Unordnungen und Spaltungen in allen Ständen immer mehr übers hand; Serufalem und das ganze Land ward mit Räubern und Mördern angefüllet, und die ganze Nation beförderte ihren Untergang durch ihre eigene Zerrüttung mehr, als die Gewalt der Römer. Diese beherrichten feit den Beiten Jefu Christi das jüdische Land durch Landpfleger, welche durch Geiz und Härte das römische Joch den Juden noch unerträglicher machten. Cestius Florus, derzulegt dieseStelle verwaltete, übertraf hierin alle feine Vorgänger. Er beförderte alle Unordnungen, auch felbst die öffentlichen Räubereven, wenn er nur feine unerfättliche Gewinnsucht dabey befriedigen konnte; vergriff sich sogar an dem Schatz des Tempels, und war recht geflissen, das Volkzur Empörung gegen die Römer zu reizen. Daher entstandin mehrern Gegenden des Landes ein häufiges Blutvergießen und Florus ließfelbstben einem solchen Aufstande in Jerusalem über 3000 Juden ers schlagen und viele der angesehenften geißeln und Freuzigen. Die Juden suchten zwar in diefen Bedrängnisfen bey dem fyrischen StadthalterCestius Gallus Hülfe; allein Florus wußte nicht nur folche zu vereiteln, sondern auch die Unruhen also zu vermehren, daß. endlich Eestius genöthigt ward, mit einem Beere anzurücken, mit welchem er nach Vers wüstung vielerStädte in Jerusalem drang.die Juden in demTempeleinschloß, und dem Kriege würde ein Ende gemacht haben, wenn nicht die Juden schwereren Gerichten wäs ren aufbehalten gewesen. So aber verleitete Florus den Cestius durch List und Verrä therei zur Verzögerung, die Juden gewannen Zeit zur Gegenwebr, und nöthigten fogar den fyrischen Stadthalter mit einem sehr beträchtlichen Berluft zum Ubzuge. Diefer anfcheinende Vortheil vermehrte ihnen zu ihrem Unglück den Muth: Die damals faft allgemeine Erwartung eines irdischen Erretters undmächtigen Beherrschersstärkteihre eitele 94 Zuverlässige Nachricht. eitele Hoffnung, und der Krieg wider die Römer ward mit großer Heftigkeit beschloffen. Man machte dazu überall die stärksten Zurüstungen, wählte inJerufalem den Joseph, einen Sohn Gorions, nebst den hohenpriester Unanus, in Idumáa den Eleazar, und in Galiläa Jofephum, einen sehr verständigen und tapfern Mann, der diefe Geschichte hinterlassen hat, zu Unführern; und fing die Feindseligkeiten in verschiedenen Se genden, doch mehrentheiis mit sehr großem Berlust an: wie denn allein vor der Stadt Uscalon über 18,000 Juden ihr Leben einbüßten. Die Christen hingegen waren der Warnung ihres Heilandes eingebent, und festen sich durch ihre Flucht in die benachbarte Stadt Pella in Sicherheit. 2018 der römische Kaifer Nero den allgemeinen Aufstand der jüdischen Nation erfuhr, trug er den Vefpafianus, einem sehr erfahrnen Feldherrn, den Krieg wider die Juden auf, der nebst seinem Sohn, dem Titus, mit einem zahlreichen Heere den Anfang dess felben in Galiläa machte Josephus hatte daselbstzwar100000 Mannversammelt: allein das Schrecken zerstreuete folche fogleich bei der Ankunft der Römer, und Josephus ward genöthiget, mit dem Rest seiner Truppen sich in dieFestung Jotapata zu werfen, welche nach einer tapfern Vertheidigung erobert, und 40000 Juden dabei erschlagen wurden. Jofephus gerieth selbst in die Gefangenschaft der Römer, erh: elt aber durch die Vorfpras che des Titus, und weil er dem Befpafian die künftige Selangungzur kaiserlichen Würde vorher fagte, sein Leben, und nach der Erfüllung dieser seiner Vermuthung auch die Freiheit. Vefpafian bemächtigte sich darauf des ganzen Galiläa; wobei viele tauſend erschlagen, oder als Leibeigene verkauft, oder sonst in eine elende Sclaverey geführet wurden. In Jerufalem und den übrigen Gegenden des jüdischen Landes häufte sich ins zwischen das größte Elend. Die Parthei derer die auf den Frieg drungen, verübte gegen biejenigen, die zum Frieden riethen, die äußersten Gewaltthätigkeiten. Mit ihnen vers band sich unter der Unführung des Eleazar eine andere Art von Räubern, die Zeloten oder Eiferer genannt wurden, weil sie unter dem Vorgeben eines befondern Eifers für Religion und Freiheit die größten Grausamkeiten begingen; und Plünderung und Mord breiteten sich allenthalben aus. Der Hohepriester Unanus fuchte zwar in Jerufas lem diefer böfen Rotte Einhalt zu thun; als aber Johannes vonGiscala, ein sehr bes rüchtigter Bösewicht nach Jerufalemkam, und die Zeloten dafelbst auf seine Seite brach te, auch 20000 Idumäer in die Stadtzog; so ward die Parthei des Unanus überwältis Bet, und dieser Hohepriester, denJosephus als einen ber besten Männer der damaligen Zeit beschreibet, nebst 12,000 ber vornehmsten Einwohner getödtet. Befpafianus eroberte in dem folgenden Jahre unter vielem Blutvergießen die um Jes rufalem liegenden festenDerter, und näherte sich darauf dieser Hauptstadt des jüdischen Landes. Sein Heer verlangte zwar, daß er solche, bei der darin herrschenden Uneinig, keit unverzüglich angreifen möchte; allein der römische Feldherr hielt rathfamer, einem Volte, das sich selbst aufrieb, und welches Gott, wie er sagte, in die Hände der Römer geben würde, zureigenen Beförderung seines Unterganges noch ferner Raum zu lassen. Der Tod des Nero, und die darauf folgende öftere Veränderung mit dem römischen Kaiserthum, verzögerte die Belagerung noch weiter; und als Vefpafian selbst zum Kais fer erwählt ward, begab er sich nach Rom, undüberließ die Fortsetzung des Krieges dem Titus. Die durch die unerhörten Grausamkeiten des Johannes und derZeloten äußerst beängstigten Einwohner in Jerusalem hatteninzwischen ein neuesheer von Räubern, unter einem Unführer Namens Simon, in die Stadt gelaffen, um durch fie von jenen Ungeheuern befreiet zu werden; alleinbiefe abermalige Verblendung vergrößerte nur ihr Elend. Denn dieser Simon, der bereits in Soumäa die fürchterlichsten Verwüstuns gen angerichtet, übertraf annoch den Johannes an Graufamkeit und Blutbegierde: zwang denselben, sich in den Tempel zurück zu ziehen, und da auch dessen Parthei sich trennte, und ein Theil derselben unter dem Eleazarden innern Tempel behauptete; fo bekriegten diese drey räuberische Haufen fich unter einander auf das beftigste, opferten eine große Menge der Einwohner ibrer Wuth auf, verdarben durch Raub und Brand den in der Stadt befindlichen Vorrath der Lebensmittel, und legten dadurch den Grund zu der bald darauf erfolgenden schrecklichen Hungersnoth. Titus näherte sich darauf im siebenzigsten Jabre nack ChristiGeburtim Unfangedes Aprils mit einem wohlgerüsteten Heere, undin Begleitung des Jofephus, der Stadt Jes rufalem. Selbige war mit einer drenfachen sehr starken Mauer und vielen Thürmen umgeben, und faßte, außer dem sehr befestigten Tempel, die Burg Untonia und andere fefte Schlöffer in sich Die Feyer des Osterfestes hatte auch damals eine ungewöhnliche Menge Juden in derfelben verfammelt, wodurch sowohl die Hungersnoth desto ge schwinder vermehret, als auch der auf der ganzen Nation ruhendeFluch um so deutlicher offenbaret wurde. Bei dem Unfange der Belagerung vereinigten sich die drey aufrühres rischen Rotten zum tapfern Widerstande gegen die Römer, fügten ihnen durch heftige Ausfälle vielen Schaden zu, und festen bei einem derselbigen selbst den Titus in die äußerste Gefahr. Allein jene Vereinigung dauerte nicht lange. Johannes überwältigte durch von der Zerstörung der Stadt Jerusalem. 95 durch List und Gewalt die Parthei des Eleazar, und bemächtigte fich unter vielem Blutvergießen des ganzen Tempels. Die Vertheidigung der Stadt war alfo zwischen ihm und dem Simon getheilet, die indeß nicht aufhörten, sich unter einander zu bes kriegen, fobalb nur die Römer ihnen einige Ruhe ließen. Nachdem Titus den Juden vergeblich den Frieden anbieten laffen, ward die Belas gerungmit großem Eifer fortgefegt, und gegen das Ende des Uprils die erste Mauer, und fünf Tage nachher die andere eingenommen; und obwohl die Juden sich der letzten wies der bemächtigten, folche doch nach einer breitägigen Bestürmung mit einer großen Nies derlage der Juden völl g behauptet. WenigeTage nachher ward der Angriff auf die Burg Antoniam gerichtet. Titus ließ zwar nach seiner gütigen und mitleidigen( Sefinnung die Belagerten abermals durch den Jofephum zur Uebergabe ermahnen; allein ob dies fer gleich durch eine sehr nachdrückliche Rede und mit Thränen fie zu bewegen suchte, so wurden doch alle Vorstellungen nur mit Schimpfworten und ſogar mit Pfeilen erwies dert. Viele Einwohner fuchten indeß durch die Flucht ihre Rettung, und erhielten auch folchewenn sie andere der Wachfamkeit und denSchwerdtern der Befazung zu entgehen vermochten, durch die Gelindigkeit des Titus. Die aber als Gefangene in die Hände der Römer fielen, wurden in fo großer Menge in dem Ungesichte der Stadt gekreuziget, daß nach Jofephi Uusdruck es zulegt an Raum und Holz zu Kreuzen mangelte. Ein gewiß sehr merkwürdiger Unblick vor einer Stadt, deren Einwohner die Kreuzigung Chrifti dem Pilatus mit der größten Wuth abgedrungen bhatten! Titus ließ inzwischen dieſe Graufam feit zu, um zu versuchen, ob vielleicht die Furcht vor einer gleichen Bestrafung die hartnäckigkeit der Belagerten überwinden möcte. Uber so wenig dieses, als die bes reits fehr zunehmende hungersnoth, noch auch die wiederholten Warnungen des römis fchen Feldberrn, die Stadt, denTempel und ihr eigenes Leben zu retten, vermochten ets was bei diesen gänzlich Verstockten, auszurichten; fie sagten vielmehr dem Tito selbst mit untermengter Berschmähung, daß fie lieber sterben, als sich ergeben wollten, und beriefen sich dabei frech auf den Schuß Gottes, bessen Verächter sie doch waren. DieFortsetzung ihrerverzweiflungsvollen Gegenwehr nöthigte endlich den Titus, die Stadt mit einer Mauer völlig einzuschließen. Hierdurch ward dasjenige aufs genqueste erfüllet, was Christus vorher geweiffaget, und die erschrecklichste Hungersnoth, nebst allem damit verbundenen äußersten Elend, nahm nun völlig überband. Ausgezehrte Menschen fuchten bei taufenden in den legten Zügen vergeblich ihre Erhaltung. Die bes waffneten Räuber fielen in die Häufer, bemächtigten sich aller Nahrungsmittel, und quälten mit den entfeglichsten Martern alle und jede, auf welche nur der Verdachteiniger Verbergung fiel D'e Eltern riffen ihren Kindern und diese ihren Eltern und Geschwis stern den legten Bissen aus dem Munde. Viele, die dieſen Sammer durch die Flucht zu den Römern zu entrinnen suchten, wurden von den Soldaten in der Bermutbung, daß fie Gold verschlungen, lebendig aufgeschnitten. Man fuchte durch die unnatürlichsten Mittel die Stillung des Hungers, und eine bemittelte Mutter, die durch diese Plage zur äußersten Verzweiflung gebracht war, schlachtete und kochte ihr eigenes Kind, und bot, da fie e'nen Theil deffelben verzehret, den grausamen Kriegsknechten die andere Hälfte dar. Ulle Straßen waren mit Leichen bedeckt, und das Sterben war so häufig, daß vom 14.April bis zum 1. Julius 115,880Leichen zu einem Thorehinaus gebracht, und 600,000 über die Mauer geworfen wurden. Titus ward durch diese erschrecklichsten Umstände äußerst gerührt, und bezeugte mit gen pimmel gehobenen Händen, daß er an diefen unrätürlichen Grausamkeiten unschuldig sei, und solche unerhörte Gräuel unter den Trümmern der Stadt begraben werden müßten. Nachdem endlich die Burg Untonia unter vielen Blutvergießen erobert u. völlig nies berger ffen war, mußte nun auch der, sowohl durch seine Lage, als die stärksten Mauren ausnehmend feste Tempel angegriffen werden, zu welcher Zeit denn auch das tägliche Opfer in demselben aufhörte. Titus, der für diefes herrliche Gebäude und für den( Sots tesdienst der Juden eine bewundernswürdige Ehrerbietung äußerte, ließ sich zwar deffen Erhaltung mit der äußersten Sorgfalt angelegen fein, und ermüdete nicht, so wohlin eigener Perfon, als durch den Jofephus, dem Johannes mit feinem go: tlosen Haufen durch wiederholte rührende Vorstellungen zu bewegen, daß fie durch ihren fortgefetten Frevel dasheiligthumGottes nicht entweihen, und durch eine endliche Ulebergabe esdem naben Untergange entreißen möchten: wobei er ihnen die ungestörte Fortsegung ihres Gottesdienstes versprac. Ullein diefe Böfewichter verschmäheten diefes alles, betegten die Thore des Tempels mit Kriegsmaschinen, und machten denfeiben durch Raub und Blutvergießen, nach ChristiWorten nun völlig zur Mördergrube. Daher sabe sich Titus endlich genöthiget, die äußerste Gewalt zu gebrauchen, und nach verschiedenen abges fchlagenen Stürmen an hie Thore deffelbenFeuer legen zu lassen, welches denn alle bes deckte Gänge um den Tempel ergriff. Er gab zwar sogleich den Befehl, das Feuer zu löschen, um das noch unverfehrte Hauptgebäude des Tempels zu erhalten; aber keine menschliche Vorsicht vermochte den Rathschluß Gottes zu verhindern. Ein heftigeruus. fall 96 Zuverl. Nachr. der Zerstörung der Stadt Jerusalem. fall der Juden zog das Gefecht in die Nähe des Tempels, und ein römischer Soldat warf aus eigenem Untriebe oder vielmehr von einer höhern Hand gele: tet, einen feuris gen Brand in ein Fenster der an dem Tempel gebaueten Zimmer. Gogleich breitete fich das Feuer in diese Nebengebäude aus. Titus eilte zwar alsbald den Brano zu löschen; aber seine Befehle wurden nicht vernommen. Die römischen Legionen brangen wüs thend auf den Tempel zu, und erhielten die immer weiter um fich greifende Flame men, und erfülleten alles mit Blut und Leichen. Titus begab sich mit einigen ſeiner Speerführer selbft in den Tempel, befabe deffen Heiligthum und die darin befindlichen Geräthe, und fand, daß die Pracht alle Nachrichten davon weit überträfe. Er erneu: erte die eifrigsten Bemühungen, diefes Junere des Tempels zu retten; aber vergeblich; der ganze Tempel ward, wie Josephus bemerkt, an eben dem Tage da der erste von den Babyloniern verbrannt worden, durch die Flammen völlig verzehret. Ein allgemeiner Raub und die blut gste Niederlage verbreitete sich ohne einiges Verschonen in dem ganzen Raum des Tempels. Die römischen Soldaten pflanzten an das öftliche Thor desselben ihre Kriegszeichen, brachten dafeibst ihre heidnischen Opfer und riefen den Titus als Sieger aus Eine Unzahl Priester fo auf einer Mauer des Tempels ihre Sicherheit gefucht, fleheten vergeblich um ihr Leben; Titus antwortete: daß die Zeit der Begnadigung geendet, und fie mit ihrem Tempel umkommen müßten. Die Unführer hatten sich inzwischen mit gewaffneter Hand den Weg aus dem Zems pel geöffnet, und verlangten eine Unterredung mit dem Titus. Dieser erbot fich zwar ihnen das Leben zu schenken, wenn sie sogleich die Waffen niederlegen und sich ergeben würden; als sie sich aber deffen unter der Borschüßung eines Eides weigerten, und eis nen freyen Ubzug verlangten, verfagteer ihnen alle Gnade; übergab die untere Stadt der Plünderung und dem Feuer, und grif den noch übrigen obern Theil derfelben an, in welchem sich nun die fämmtlichen Unfüprer unter dem Simon und Johannesgezos gen hatten. Sobald die römischen Maschinen auch hier die Mauer durchbrachen, übers fiel diesen Hartnäckigen die mutblofeste Verwirrung. VollFurcht und Schrecken verlies Ben sie die von ihnen befesten sehr festen Thürme, versuchten vergeblich durch die römis foben Berschanzungen zu entkommen, und verbargen sich endlich in unterirdis fch en höhlen. Die Römer bemächtigten sich also auch der ganzen obern Stadt, plüns berten felbige, und zündeten fie, nach der entfseßlichsten Niederlage unter den Eins wohnern, mit Feuer an. Diefes geschah am 8. Geptember des Jahrb 70 nach Chrifti Geburt. U18 Titus in die völlig eroberte Stadt ging, und die ungemeine Festigkeit ihrer Mauren und Thürme bewunderte; brach er in diefes ihm rühmliche Seständnißaus: Wir haben mit Gottes Beystand Kiteggeführet; es ist Gott, der die Juden aus diefen Festungen herausgetrieben hat: benn was würden menschliche Hände und Maschis nen gegen solche Thürme vermögen? Gleich nach der Eroberung wurden die noch übrigen Unführer sämmtlich getödtet. Die anfehnlichsten Jünglinge wurden zum Triumph des Titus, die übrigen Gefanges nen aber zu den römischen Schauspielen oder zu schweren Urbeiten bestimmt; die, fo unter 17 Sahren, wurden verkauft. Die Zahl aller in dem ganzen KriegeGefangenen rechnete Jofephus auf 97,000, und der in der Belagerung umgekommenen 1,100,000 außer der großen Menge, die sonst in diesem Kriege ihr Leben verloren; und machtje. nes aus der unter dem Cestius berechneten Zahl der Osterlämmer begreiflich. Simon und Johannes geriethen aus ihren Höhlen endlich auch in die Hände der Römer. Sie wurden gleichfalls zum Triumph des Titus aufbehalten, und nach felbigen der Erste zum Tode, der andere aber zeitlebens zum Gefängniß verurtheilet. Die sämmtlichen Ueberbleibfel der Stadt, außer dreyen Thürmen und einem Theil ber Mauer, wurden auf Titi Befehl dem Erdbodengleich gemacht; und Jerusalem ward also nach Christi Weissagung völlig geschleifet. Wie nun diefe merkwürdige Geſchichte, nebst der ganz fonderbaren Erhaltuug der jüdischen Nation bey ihrer großen Berstreuung, die Göttlichkeit der Lehre Jefu ausnehmend bestätiget; fo muß einem jeden, der solche erkennet, hey einer mitleidigen Bewegung dieser Berichte Sottes jene Warnung des Apoftels stets wichtig bleiben: Sen nicht stol, sondern fürchte dich. Hat Gott der natürli chen Zweige nicht verschonet, daß er vielleicht dein auch nicht verschone. Dars um schaue die Güte und den Ernst Gottes: den Ernst an denen, die gefallen find; die Güte aber an dir, so ferne du an ber Güte bleibest; sonst wirst du auch abgehauen werden. 60. اور ان کی را در مروری Inches 1 Centimetres Blue ¹2 HeWorstorff Gnädig und barmherzig der 3 2 Cyan 5 6 44, 17 3 Farbkarte# 13 Green 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 ( O 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8