0698 35 Brichtund Übendmahls- Buch. Herausgegeben und verlegt von dem Haupt- Verein für christliche Erbauungsschriften. Sechste Auflage. SOOD Berlin 1874. Zu haben im Magazin des Haupt- Vereins, Klosterstraße Nr. 67. Gb 2690 Univ.- Bibl. Glessen Borwort. Die Zahl der Communionbücher ist in der Kirche des Herrn so groß und reich, daß kein geringer Muth dazu gehört, ſie durch ein neues zu vermehren. Dabei sind viele unter ihnen, alte und neue, so vortrefflich und hoch bewährt, daß sie von diesem kleinen und geringen Büchlein nicht ersetzt oder erreicht werden können. Und doch hat der Verfasser dieses geringen Werkes einen oft und tief gefühlten Mangel im Auge gehabt und mit seinem Büchlein demselben abhelfen wollen. Es wird noch immer und mit Recht geklagt, daß unter so vielen Communionbüchern doch kaum ein einziges zu finden ist, das, seinem Inhalte nach vollständig, in seiner Sprache schlicht und einfach, und nebenbei auch wohlfei genug ist, um auch in den Hütten der ärmeren Brüder gekauft, gelesen und verstanden zu werden. Dieser Mangel hat das kleine Büchlein hervorgerufen. Dabei muß ich aber vor allen Dingen ein doppeltes Bekenntniß ablegen. Einmal, ich habe mich zu dieser Arbeit nicht gedrängt, sondern bin erst nach vielfacher Aufforderung und unter großen und schweren Bedenklichkeiten daran gegangen. Auch ist mir oftmals während meiner Arbeit der Muth entfallen, und ich hätte die Feder wieder aus der Hand gelegt, wenn nicht so manche herzliche und freundliche Ermunterung sie mir dann wieder in die Hand gedrückt hätte. Sodann will ich mich durchaus nicht rühmen, durch mein Büchlein jenem Mangel nun auch wirklich abgeholfen zu haben. Wer es versucht hat, der weiß am besten, wie schwer es ist, von solch einem hohen und herrlichen Geheimniß, als das heilige Abendmahl ist, ganz klar, schlicht und einfach zu reden. Auch der Beste muß mit Moje tlagen: Ich habe eine schwere Sprache und eine schwere Zunge." Ich will nur die Versicherung geben, daß ich es ernstlich versucht und den Gott, von dem alle gute und vollkommene Gabe kommt, um seinen gnädigen Beistand dabei täglich und reichlich angerufen habe. IV Dem Herrn sei Preis und Dank, der es an Kraft und Gnade, an Tröstung und Erquickung bei der Arbeit nicht hat fehlen lassen. Das kleine Büchlein ist nun fertig. Es will, wie jene kleine Dirne aus Israel( 2. Kön. 5, 2 ff.), die armen Sünder zu dem Heilande ihrer Seelen weisen und sie zu einer würdigen und gesegneten Feier seines hochheiligen Sacramentes vorbereiten. Das beste an dem Büchlein sind die Gedanken, Gebete und Lieder der lieben Alten, die ich fleißig benußt habe. Auch aus den neuen Communionbüchern habe ich genommen, was ich gebrauchen konnte, und ich hoffe, das wird mir Niemand übel deuten. Was ich aber selber verfaßt und geschrieben habe, das wolle der liebe Leser mit freundlicher Geduld und Nachsicht annehmen. Das Beste aber muß der Herr in Gnaden selber thun. Er, der da gesagt hat: ,, Du sollst den Kleinen hören, wie den Großen!" er drücke diesem kleinen und geringen Büchlein sein Gnadensiegel auf und lasse das, was in Armuth und Schwachheit gegeben wird, auch mit zu seinem Lobe und zum Dienste seiner heiligen Kirche gereichen! Er schaffe, daß es Niemandem mit Grund ein Aergerniß oder Anstoß gebe, aber recht vielen Herzen zur Erbauung und Belehrung, zur Mahnung und Warnung, zum Troste und zur Erquicung dienen möge! Das walte in Gnaden der barmherzige Heiland, der uns alle durch sein heilig theures Blut und durch sein bitteres Leiden und Sterben von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels erlöset hat. Er segne allen, die dieses Büchlein mit Andacht gebrauchen, und auch mir, seinem armen Knechte, sein hochheiliges Abendmahl je mehr und mehr, und helfe uns allen aus Gnaden, daß wir dereinst bei dem seligen Hochzeitsmahl des Lammes ihm das Gloria und Halleluja im höhern Chor singen können. Diesem unsern gnädigen und barmherzigen Heilande sammt dem Vater und dem heiligen Geiste sei Lob, Preis und Ehre von nun an bis in Ewigkeit! Amen. Am ersten Mittwoch in den heiligen Fasten. 1859. W. Ziethe. Inhalt. Erste Abtheilung: Betrachtungen. Erstes Kapitel: Die Einladung. §. 1. Kommet! §. 2. Kommet alle! §. 3. Kommet, ihr armen Sünder! §. 4. Macht euch bereit! Zweites Kapitel: Das heilige Abendmahl. §. 5. Das Wesen des heiligen Abendmahls §. 6. Der Zweck und Nutzen des heiligen Abendmahls §. 7. Die hohe Würde des heiligen Abendmahls §. 8. Der Gebrauch des heiligen Abendmahls Drittes Kapitel: Die Gäste • §. 9. Die unwürdigen Gäste §. 10. Die würdigen Gäste Viertes Kapitel: Das hochzeitliche Kleid. §. 11. Die Vorbereitung. §. 12. Die Beichte ● §. 13. Die heilige Absolution §. 14. Die Feier des heiligen Abendmahls §. 15. Die Bewahrung des Segens . Gebete. 1. Gebet um rechtschaffene Buße 2. Gebet um Vergebung der Sünden 3. Gebet vor der Beichte 4. Beichte Seite 61446 2 7 14 35 38 50 54 63 74 90 93 98 102 Anhang. Christliche Fragestücke Dr. M. Lutheri für die, so zum heiligen Abendmahl gehen wollen, mit ihren Antworten 109 Zweite Abtheilung: 113 114 115 117 VI 5. Gebet nach der Beichte. 6. Abendgebet am Beichttage 7. Morgengebet am Abendmahlstage 8. Gebet vor dem heiligen Abendmahle 9. Seufzer während des heiligen Abendmahls Lieder. I. Einladung II. Lehre III. Vor der Beichte IV. Nach der Beichte V. Vor dem heiligen Abendmahle VI. Bei dem heiligen Abendmahle VII. Nach dem heiligen Abendmahle §. 3. §. 4. 125 10. Gebet bei dem Empfangen des heiligen Abendmahls 126 11. Danksagung nach dem heiligen Abendmahle 12. Abendgebet am Abendmahlstage 127 129 Dritte Abtheilung: Erster Anhang. Für Neu- Confirmirte. §. 1. Ansprache §. 2. Gebet bei der Vorbereitung auf die erste Abendmahlsfeier • §. 1. Ansprache §. 2. Gebet eines Kranken vor der Beichte §. 3. Gebet eines Kranken nach der Beichte und Absolution §. 4. Gebet eines Kranken vor dem Genuß des heiligen Abendmahls §. 5. Danksagung eines Kranken nach dem Genuß des heiligen Abendmahls. ♦ Schluß.. Seite 117 120 121 124 163 171 Gebet vor dem ersten Genuß des heiligen Abendmahls 172 Gebet nach dem ersten Genuß des heiligen Abendmahls 173 Zweiter Anhang. Für Kranke. 133 138 140 146 147 153 155 175 185 186 186 187 189 Schönfter chönster Herr Jesu, Schöpfer aller Dinge, Gottes und Mariens Sohn, Dich will ich lieben, Dich will ich ehren, Meines Herzens Freud' und Kron'. Alle die Schönheit Himmels und der Erden Ist verfaßt in Dir allein, Keiner soll nimmer mir lieber werden, Als der schönste Jeſus mein. Schön ist die Sonne, schön ist der Monde, Schön sind die Sterne allzumal; Jesus ist feiner, Jesus ist reiner, Als die Engel im Himmelsfaal. Schön sind die Blumen, schön sind die Menschen In der frischen Jugendzeit. Sie müssen sterben, müssen verderben, Jesus lebt in Ewigkeit. Er ist wahrhaftig allzeit gegenwärtig In dem heiligen Sacrament; Jesu, Dich bitt' ich, sei uns genädig Jetzt und an dem letzten End'! d Im Namen Jesu. Amen. Erstes Kapitel. Die Einladung. §. 1. Kommet! " 1 Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, kommet zu meinem großen Abendmahl, kommet, denn es ist alles bereit, kommet zur Hochzeit!" ,, Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches thut zu meinem Gedächtniß. Nehmet hin und trinket, das ist mein Blut des neuen Testaments, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden." Das läßt der König Himmels und der Erde dir sagen. Er hat dir seine Mahlzeit bereitet. Er, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden, er will dich speisen mit seinem heiligen Leibe, er will dich tränken mit seinem theuern Blute. Das ist die Mahlzeit, die der König aller Könige, der Herr aller Herren, dir bereitet hat und wozu er dich einladet. Es ist schon eine große Ehre, wenn ein irdischer König dich zu seiner Tafel ladet. Aber es ist eine weit größere Ehre, eine Seligkeit und Herrlichkeit, von dem geladen zu werden, vor dem Beicht- und Abendmahlsbuch. 1 2 alle Engel Gottes anbeten. Und was sind selbst die allerköstlichsten Speisen der Erde gegen die Speise und den Trank, den er dir geben will? Er sagt selber: ,, Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel gekommen. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigfeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt. Werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschensohnes und nicht trinken sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isset und trinfet mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich Denn werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. mein Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trank. Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der bleibet in mir und ich in ihm" ( 3oh. 6, 35. 51. 53 ff.). Das sind die Worte deines Herrn und Heilandes Jesu Christi. Solche Worte sollst du mit großer Dankbarkeit und Freude hören und annehmen. Er hat sie auch für dich, dir zu gut und dir zu lieb gesprochen. Darum komm zu ſeinem Abendmahl, es ist alles bereit. Komm nur! §. 2. Kommet alle! asd Du freuest dich, liebes Herz, aber du freuest dich mit Zittern( Ps. 2, 11). Sünden, meine Sünden! Du sprichst: Aber meine Deine Worte, mein Jesu, 3 machen mir Muth, aber die Menge meiner Sünden drückt mich wie eine große und schwere Last. Wer bin ich, daß ich es wagen sollte, zu ihm zu kommen? Engel und Erzengel dienen ihm, Heilige und Gerechte scheuen sich vor ihm, und ich armer, elender Sünder, ich soll zu seinem Tische, zu seinem herrlichen und hochheiligen Mahle kommen? Höre doch, meine Seele, was dein Jesus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen"( Joh. 6, 37). ,, Rommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht" ( Matth. 11, 28-30). ,, Selig sind, die da geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihr. Selig sind, die da Leid tragen( über ihre Sünden), denn sie sollen getröstet werden. Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden"( Matth. 5, 3. 4. 6). Höre doch, armes Herz, was dein Jesus dir verspricht: ,, Ich will die müden Seelen erquicken und die bekümmerten Seelen sättigen"( Ser. 31, 25). ,, Wendet euch zu mir, so werdet ihr selig aller Welt Ende, denn ich bin Gott und feiner mehr"( Jes. 45, 22). Siehe, das thut er um seiner Liebe willen, so redet er um seiner großen Barmherzigkeit willen. Wenn ihm das nun so gefällt und er es dir befiehlt, zu ihm zu kommen, so muß es dir doch auch gefallen. Wenn er es dir versprochen und verheißen 1* 4 hat, so wird er es gewiß und wahrhaftig auch an dir erfüllen. Denn in seinem Munde ist nie ein Betrug erfunden worden, und was er zusagt, das hält er gewiß. Darum ktomm nur, liebe Seele, fomm nur! 151 Komm nur, mühselig und gebückt; Komm nur, so gut du weißt zu kommen; Wenn gleich die Last dich niederdrückt, Du wirst auch friechend angenommen. Sieh, wie sein Herz dir offen steht, Und wie er dir entgegen geht! Wie lang hat er mit vielem Flehen Sich brünstig nach dir umgesehen! So komm denn, armer Wurm, heran; Mein Heiland nimmt die Sünder an. Sprich nicht: Ich hab's zu grob gemacht, Ich hab' die Güter seiner Gnaden So lang und schändlich umgebracht, Er hat mich oft umsonst geladen. Wofern du's nur jeßt redlich meinst Und deinen Fall mit Ernst beweinst, So soll ihm nichts die Hände binden, Und du sollst dennoch Gnade finden. Er hilft, wenn sonst nichts helfen kann: Mein Heiland nimmt die Sünder an. Komm nur, es ist alles bereit! Komm nur! §. 3. Kommet, ihr armen Sünder! Du sprichst vielleicht: Ach, gelobet und gepriesen sei der Herr für seine große Gnade und Barmherzigteit! Aber meine Sünde ist zu groß, als daß sie mir 5 vergeben werden könnte. Ich kann, ich darf nicht zu ihm kommen. Armes Herz, höre doch, was dein Heiland spricht: ,, Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, zu rufen die Sünder zur Buße, und nicht die Gerechten"( Marc. 2, 17). ,, Des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, das verloren ist"( Luc. 19, 10). ,, Wenn eure Sünde gleich blutroth ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie gleich ist wie Rosinfarbe, soll sie doch wie Wolle werden" ( Jef. 1, 18). ,, Ich vertilge deine Missethat, wie eine Wolfe, und deine Sünde, wie den Nebel. Kehre dich zu mir, denn ich erlöse dich"( 3ef. 44, 22). So fasse doch Muth, arme Seele, zu seiner großen Treue und Barmherzigkeit! Siehe nicht auf dich und auf deine Sünden, siehe auf seine großen und gnädigen Verheißungen! Sprich zu ihm mit rechter Zuversicht: Ich Betrübter komme hier Und bekenne meine Sünden. Laß, mein Heiland, mich bei Dir Gnade und Vergebung finden, Daß dies Wort mich trösten kann: Jesus nimmt die Sünder an. Ich bin ganz getrosten Muth's; Ob die Sünden blutroth wären, Müssen sie kraft Deines Blut's Sich dennoch in Schneeweiß kehren, Da ich gläubig sprechen kann: Jesus nimmt die Sünder an! Komm nur, es ist alles bereit. Komm nur! 6 §. 4. Macht euch bereit! Komm nur, armes Herz, aber komm auch so, wie der Herr dich haben will. Er ruft auch: ,, Thut Buße und glaubet an das Evangelium!"( Marc. 1, 15). Er bittet dich: ,, Kehre wieder, du abtrünnige Ifrael, spricht der Herr, so will ich mein Antlitz nicht gegen euch verstellen. Denn ich bin barmherzig, spricht der Herr, und will nicht ewiglich zürnen. Allein erkenne deine Missethat, daß du wider den Herrn, deinen Gott, gesündiget hast, und hin und wieder gelaufen zu den fremden Göttern, und habt meiner Stimme nicht gehorchet, spricht der Herr. Bekehret euch, ihr abtrünnigen Kinder, spricht der Herr, denn ich will euch mir vertrauen und will euch bringen gen Zion" ( Serem. 3, 12-14). Er verspricht es dir: ,, Wenn ich zum Gottlosen spreche, er soll sterben, und er be kehret sich von seiner Sünde und thut, was recht und gut ist, und wandelt nach dem Wort des Lebens, so soll er leben und nicht sterben, und aller seiner Sünden, die er gethan hat, soll nicht gedacht werden" ( Hefet. 33, 14-16). ,, Ich will meinen Bund mit dir aufrichten, daß du erfahren sollst, daß ich der Herr sei. Auf daß du daran gedenkest und dich schämest und vor Schande nicht mehr deinen Mund aufthun dürfest, wenn ich dir alles vergeben werde, was du gethan haſt, spricht der Herr, Herr"( Hef. 16, 62. 63). Darum, so komm nur, aber komm mühselig und beladen, komm in herzlicher Traurigkeit über deine Sünden, komm in fester Zuversicht auf die Gnade 7 und Barmherzigkeit deines Heilandes Jesu Christi. Er wird auch an dir erfüllen, was er verheißt: ,, Siehe, ich stehe vor der Thür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören wird und die Thür aufthun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten, und er mit mir"( Offbg. 3, 20). and Sollt' er was sagen und nicht halten? Sollt' er was reden und nicht thun? Kann auch der Wahrheit Kraft veralten? Kann auch sein wallend Herze ruhn? O nein! Sein Wort steht felfenfest; Wohl dem, der sich auf ihn verläßt! Halleluja! Halleluja! Zweites Kapitel. Das heilige Abendmahl. 128 §. 5. trots Das Wesen des heiligen Abendmahls.ro Der heilige Apostel Paulus schreibt 1. Cor. 11, 23-25: ,, Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verrathen ward, nahm er das Brot, dankte und brach es und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird; solches thut zu meinem Gedächtniß. Desselbigen gleichen auch den Kelch nach dem Abendmahl, und sprach: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut; solches thut, so oft ihr es trinket, zu meinem Gedächtniß." Indo 8 Der Stifter des heiligen Abendmahls ist also Jesus Christus, mein hochgelobter Heiland. Er hat es eingesetzet in der Nacht, da er verrathen ward, da sein großes Leiden anging und er den bittern Tod auf sich nehmen wollte für alle unsere Sünden. Ehe er aber in den Tod ging, wollte er seinen Kindern noch vorher eine reiche Erbschaft vermachen, damit sie seiner in rechter Liebe gedenken und ihn für einen gütigen und liebreichen Vater halten sollten. Er ist der Erblasser, wir sind die Erben, die heiligen Apoſtel sind die Zeugen dieses seines Testamentes, Brot und Wein sind das Siegel, und die Bestätigung deſselben ist sein Tod am Kreuz auf Golgatha. Das, was uns der Herr Jesus im heiligen Abendmahle vermacht hat, ist sein Leib und sein Blut. Denn er spricht, indem er seinen Jüngern das Brot giebt: Das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird"; und als er den Kelch nimmt, spricht er: ,, Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird." Das sind Testamentsworte. Nun verachtet man eines Menschen Testament nicht, wenn es bestätiget ist, und thut auch nichts dazu( Gal. 3, 15). Darum müssen auch die Testamentsworte des Herrn Jesu so genommen und so verstanden werden, wie sie dastehen. Hätte der Herr etwas anderes gemeint, als was diese klaren Worte fagen, so hätte er auch etwas anderes gesagt. Darum bleibt der Glaube in einfältigem Gehorsam bei den Worten: Mein Leib, mein Blut. Darum bekennt die Kirche des Herrn auf die Frage: Was ist das Sacrament des Altars? Es ist der wahre Leib und Blut 9 und Unsichtbares unsers Herrn Jesu Christi, unter dem Brot und Wein uns Christen zu essen und zu trinken von Christo selbst eingesetzt. So genießen wir also im heiligen Abendmahle zweierlei: 1) etwas Irdisches und Sichtbares Brot und Wein, 2) etwas Himmlisches Leib und Blut Jesu Christi. Weil der Herr gesagt hat: Das ist mein Leib, das ist mein Blut, so sind durch dieses sein Wort das Brot im heiligen Abendmahle und der Leib Christi, der Wein im heiligen Abendmahle und das Blut Christi so vereiniget, wie in dem Herrn Jesu selbſt die Gottheit und Menschheit vereiniget war. Deshalb nennen wir das heilige Abendmahl ein Sacrament. Fragest du mich, wie ist das möglich? so ant worte ich dir: Das weiß ich nicht. Ich sage mit Dr. Luther: ,, Mein Herr Jesus kann das leicht thun, wenn er will. Daß er es aber wollte, das bezeugt er mit seinen Worten, darauf ich mich beständig verlasse, bis er mir durch sein Wort ein anderes faget." Im übrigen lege ich meine Hand auf den Mund und schweige still oder sage: Wir wissen es nicht, bei Gott aber ist kein Ding unmöglich( Luc. 1, 37). Was haben nun Brot und Wein mit dem Leibe und Blute des Herrn Jesu zu thun? Das weiß ich auch nicht. Der Regenbogen hat auch nichts mit einem Gnadenbunde zu thun, und doch spricht der Herr: ,, Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken, der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. Und wenn es kommt, daß ich Wolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken. Alsdann will ich gedenken an meinen - 10 Bund zwischen mir und euch und allem lebendigen Thier in allerlei Fleisch, daß nicht mehr hinfort eine Sündfluth komme, die alles Fleisch verderbe. Darum foll mein Bogen in den Wolken sein, daß ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und allem lebendigen Thier in allem Fleisch, das auf Erden ist“( 1. Mof. 9, 13-16). Das Blut an der Thürpfoste hat auch nichts mit der Gnade Gottes zu thun. Und doch gab Gott der Herr den Kindern Israel den Befehl, daß sie das Blut nehmen und beide Pfosten an der Thür und der obersten Schwelle damit bestreichen sollten. Dabei gab er die Verheißung: ,, Das Blut soll euer Zeichen sein an den Häusern, darinnen ihr seid, daß, wenn ich das Blut sehe, vor euch übergehe, und euch nicht die Plage widerfahre, die euch verderbe, wenn ich Egyptenland schlage"( 2. Moſ. 12, 13). Die eherne Schlange hatte auch keine Kraft, die Verwundeten zu heilen. Und doch sprach der Herr zu Moses: ,, Mache dir eine eherne Schlange, und richte sie zum Zeichen auf; wer gebissen ist und siehet sie an, der soll leben." Und es geschah also. Moses machte die eherne Schlange und richtete sie auf zum Zeichen; und wenn jemanden eine Schlange biß, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben( 4. Mos. 21, 8. 9). Das Wasser der Taufe hat auch nichts zu thun mit der Wiedergeburt des armen Sünders und mit dem Gnadenbunde, in den er aufgenommen wird. Und doch hat es Gott dazu verordnet. Darum bekennen wir: ,, Die Taufe ist nicht allein schlecht Wasser, 11 sondern sie ist das Wasser, in Gottes Gebot gefaffet und mit Gottes Wort verbunden. Sie wirket Ver= gebung der Sünden, erlöset vom Tode und Teufel und giebt die ewige Seligkeit allen, die es glauben, wie die Worte und Verheißung Gottes lauten." So ist es auch mit dem heiligen Abendmahle. Wenn wir wären, wie die Geister der vollendeten Gerechten im Himmel, so würde Gott freilich nicht nöthig haben, durch solche äußerliche Zeichen mit uns zu handeln, wenn er uns seine Gnadengüter mittheilen will. So lange wir aber in diesem armen, sterblichen Leibe wohnen, muß sich unser Gott liebreich und gnädig zu uns, seinen armen Kindern, Herablassen. Darum verordnet er uns, Brot und Wein zu essen und zu trinken. Daran sollen wir unsern. Glauben gleichsam binden und dabei zugleich gedenken, daß uns in, mit und unter dem Brot und Wein der Leib und das Blut Jesu Christi wahrhaftig mit getheilt und eine unaussprechliche Gnade geschenkt wird. Wie das zugeht, wissen wir nicht. Er sagt: Das ist mein Leib, das ist mein Blut. Und mehr hat es ihm nicht gefallen zu sagen. Es giebt ja auch manch Ding, das uns der Herr in seinem Worte geoffenbaret hat, das wir auch fröhlich und zuversichtlich glauben und dennoch nicht fassen noch verstehen. Ich glaube, daß ein einiger Gott iſt in drei Personen, Bater, Sohn und heiliger Geist; aber begreifen kann ich es nicht. Ich glaube, daß Gott die Welt aus nichts geschaffen hat; aber begreifen fann ich es nicht. Ich glaube, daß Gottes Sohn Mensch geworden ist; aber begreifen kann ich 12 es nicht. Ich glaube, daß Gottes Sohn am Kreuz gestorben ist; aber begreifen kann ich es nicht. So ist es auch mit dem heiligen Abendmahl. Ich weiß, daß der Herr Jesus das heilige Abendmahl selbſt verordnet und eingesetzet hat, denn das lese ich deutlich in der heiligen Schrift( Matth. 26, 26 f. Marc. 14, 22 f. Luc. 22, 19 f. 1. Cor. 11, 23 f.). 3ch weiß, daß sein heiliges Abendmahl in seiner Kirche soll gehalten werden bis zu seiner Zukunft, denn es heißt: ,, So oft ihr von diesem Brot esset und von dieſem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt"( 1. Cor. 11, 26). 3ch weiß, daß ich im heiligen Abendmahle den Leib und das Blut Christi empfange, denn der Herr sagt ausdrücklich: ,, Das ist mein Leib, das ist mein Blut." Ich weiß, daß das Brot nicht in den Leib Christi, und der Wein nicht in das Blut Christi verwandelt wird; denn Paulus nennt es nur die Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi, wenn er sagt: Der gesegnete Kelch, welchen mir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?"( 1. Cor. 10, 16). 3ch weiß, daß wir im heiligen Abendmahle nicht nur das gesegnete Brot essen, sondern auch den gesegneten Kelch trinken sollen; denn unser Herr spricht: ,, Nehmet hin und trinket alle daraus!" SIch weiß, daß das heilige Abendmahl fein Opfer ist, das ich meinem Gott bringe, sondern eine Gabe, die ich aus seiner Hand empfange, denn Christus sagt nicht: Bringet her und opfert! sondern er spricht: Nehmet hin und esset! nehmet hin und 13 trinket! Ich weiß, daß man das gefegnete Brot nicht als einen Gott verwahren, davor niederfallen und es anbeten, oder es auf den Straßen und Feldern herumtragen soll; denn unser Heiland sagt nicht: Nehmet hin und verwahret es, betet es an, traget es herum! sondern: Nehmet hin und esset, nehmet hin und trinket! Das weiß ich, das sagt mir das Wort meines Gottes klar und ausdrücklich. Ich weiß aber nicht, wie es zugeht, daß mir der Herr Christus, indem ich das Brot esse und den Wein trinke, auch seinen Leib und sein Blut wahrhaftig zu essen und zu trinken giebt. Ich weiß nicht, wie es zugeht, daß ich durch dieses Essen und Trinken mit Christo auf's allerinnigste vereint werde. Ich weiß nicht, wie es zugeht, daß dieses Sacrament den Gläubigen ein Mahl der Unsterblichkeit wird, und daß uns Christus überhaupt in demselben alle seine Heilsgüter schenkt. Da bleibt mir nichts übrig, als mich an sein Wort und seine Verheißung zu halten. Himmel und Erde werden vergehen, aber seine Worte werden nicht vergehen. ,, Daß aber etliche nicht glauben an dasselbe, was liegt daran? Sollte ihr Unglaube Gottes Glauben aufheben? Das fei ferne!"( Röm. 3, 3). Und so spreche ich mit dem ehrwürdigen Dr. Luther: ,, Wie Christus im Sacrament gebracht wird, weiß ich nicht; das aber weiß ich wohl, daß Gottes Wort nicht lügen kann, das da fagt, es sei Christi Leib und Blut im Sacrament. Gottes Wort ist da; das saget es: da bleiben wir bei und glauben. Danach kann ich auch fröhlich reden zu Christo an meinem Sterben und am jüngsten Gerichte, also: Mein lieber Herr Jesu Christe, es hat sich ein 14 Streit über deine Worte im Abendmahl erhoben. Etliche wollen, daß sie anders sollen verstanden werden, denn sie lauten. Aber dieweil sie mich nichts Gewisses lehren, sondern allein verwirren und ungewiß machen, und ihren Text in keinem Wege wollen noch können beweisen, so bin ich blieben auf deinem Text, wie die Worte lauten. Ist etwas finster darinnen, so hast du es wollen so finster haben; denn du hast keine Erklärung darüber gegeben noch zu geben befohlen!" un Nein, Vernunft die muß hier weichen, Kann dies Wunder nicht erreichen, Daß dies Brot nie wird verzehret, Ob es gleich viel Tausend uähret, Und daß mit dem Saft der Neben Uns wird Christi Blut gegeben. O der großen Heimlichkeiten, Die nur Gottes Geist kann deuten! §. 6. Zweck und Nutzen des heiligen Abendmahls. Was nützet denn solch Essen und Trinken? Zuerst sage ich: ,, Was liegt mir daran, ob es vonnöthen sei oder nicht? Gott weiß es wohl, wie oder warum es so sein solle oder müsse. Wenn er fagt, daß es noth ist, so schweigen alle Creaturen." Und doch hat der Herr selbst auf diese Frage geantwortet, indem er spricht: Für euch! Als der Herr Jesus zu seinen Jüngern sagte: ,, Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird," setzte er hinzu: ,, Solches thut zu meinem Gedächtniß!"( Luc. 22, 19). Und als er 15 ihnen den Kelch gab und sprach: ,, Das ist mein Blut des neuen Testaments, das für viele vergossen wird" ( Marc. 14, 24), setzte er hinzu: ,, Solches thut, so oft ihr es trinket, zu meinem Gedächtniß!"( 1. Cor. 11, 24. 25). So ist das heilige Abendmahl also 1) ein Gedächtnißmahl. Als Gott der Herr sein Volk aus dem Diensthause Egypten erretten wollte, setzte er zum Gedächtniß daran das Paſsahmahl ein und befahl: ,, Darum so halte diese Weise für dich und deine Kinder ewiglich. Und wenn ihr ins Land kommet, das euch der Herr geben wird, wie er geredet hat, so haltet diesen Dienst. Und wenn eure Kinder werden zu euch sagen: Was habt ihr da für einen Dienst? Sollt ihr sagen: Es ist das Paſsah-. opfer des Herrn, der vor den Kindern Israel überging in Egypten, da er die Egypter plagte und unsere Häuser errettete"( 2. Moſs. 12, 24-27). Und so ist es bei dem Volke Israel geblieben bis auf den heutigen Tag. Die Kinder fragen bei dem Paſſahmahle den Hausvater, was dasselbe bedeuten soll. Und der Vater antwortet: ,, Dies Passah essen wir, weil der Herr vor den Häusern unserer Väter in Egypten vorübergegangen ist. Diese bittern Kräuter essen wir darum, daß die Egypter das Leben unſerer Väter in Egypten bitter gemacht haben. Diese ungesäuerten Brote essen wir, weil unsere Väter nicht so viel Zeit hatten, daß sie den Teig säuern konnten, ehe ihnen Gott erschien und sie erlöste. Darum sollen wir den, der unsern Vätern und uns diese Wunder erwiesen hat, und hat uns aus der Dienstbarkeit in die Freiheit, aus dem Leide in die Freude, aus der 16 Finsterniß zum großen Lichte gebracht, bekennen, loben, preisen und erheben." So soll es mit dem heiligen Abendmahle auch sein. Das heilige Brot erinnert uns an den Leib Jesu Christi, der für unsere Sünden am Kreuz gebrochen und geopfert worden ist. Der heilige Wein erinnert uns an das Blut Jesu Christi, das er um unserer Sünden willen vergossen hat. Wenn dir nun ein Freund bei seinem Abschiede sagte: Mein Freund, gedenke meiner! wenn dein Vater oder deine Mutter auf dem Sterbebette noch zum letzten Male dich bitten würden: Mein Sohn, meine Tochter, vergiß meiner nimmermehr! ach, du würdest jenes Wortes und dieser Bitte gedenken an manchem Tage und in mancher Stunde. Siehe, hier ist mehr, als alle Freunde auf Erden, hier ist Jesus, der beste Freund. Hier ist mehr, denn Vater und Mutter, hier ist dein Heiland und Erlöser, der gesagt hat: ,, Wer Vater oder Mutter mehr liebt, denn mich, der ist meiner nicht werth; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt, denn mich, der ist meiner nicht werth." Er bittet dich: zu meinem Gedächtniß! und die Bitte kannst du dem nicht abschlagen, der in blutiger Marter und in schwerem Kampfe um deine Seele geworben hat. Du versprichst es ihm ja in der heiligen Passionszeit: Ich will von Deiner Lieblichkeit Bei Nacht und Tage singen, Mich selbst auch Dir zu aller Zeit Zum Freudenopfer bringen. Mein Bach des Lebens soll sich Dir Und Deinem Namen für und für In Dankbarkeit ergießen: 17 Und was Du mir zu gut gethan, Das will ich stets, so tief ich kann, In mein Gedächtniß schließen. Das versprichst du ihm; aber wie oft vergeffent wir das und werden träge zu seinem Gedächtniß. Darum hat der Herr sein heiliges Abendmahl als ein sonderlich Gedächtniß seines Todes eingesetzt. Da sollst du gedenken, wie er im Garten zu Gethsemane um deiner Sünde willen gezittert und gezaget hat, und wie seine Seele betrübt gewesen ist bis in den Tod. Da sollst du gedenken, wie er auf sein heiliges Angesicht niedergefallen, blutigen Angstschweiß geschwitzet und gebetet hat: ,, Mein Vater, ist es möglich, so gehe dieser Kelch von mir!" Da sollst du gedenken, wie man ihn als einen Mörder mit Schwertern und mit Stangen gefangen hat, wie er um deinetwillen gebunden und geschlagen, gegeißelt und verſpeiet worden ist, wie er unter der Dornenkrone blutet und unter der Kreuzeslast zu Boden sinkt. Da sollst du gedenken, wie er, von Gott verlassen, in finſterer Todesnacht und vor Durst verschmachtend am Kreuze hängt, bis daß er alles vollbracht hat und seinen Geist befehlen konnte in die Hände seines Vaters im Himmel. Daran sollst du gedenken, denn der Herr spricht: Solches thut zu meinem Gedächtniß! Und St. Paulus nennt das heilige Abendmahl darum eine Verkündigung des Todes Jesu, wenn er spricht: ,, So oft ihr von diesem Brote effet und von diesem Kelche trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er fommt"( 1. Cor. 11, 26). So oft du zum heiligen Abendmahle gehest, sollst du das Gedächtniß Beicht und Abendmahlsbuch. 2 18 seines heiligen Kreuzestodes feiern. Du sollst es bekennen, daß sein Tod dein Leben ist. Du sollst es rühmen, daß sein Blut dich rein macht von aller deiner Sünde. Davon sollen wir singen, lesen, predigen, hören und auch davon reden und unter einander verkündigen, uns zum Trost und vielen zur Seligkeit, nach dem Befehle unsers Herrn Jesu Chriſti. Das heilige Abendmahl ist aber nicht blos ein Gedächtnißmahl, wie manche Christen es dafür ansehen. Denn wir gedenken ja des Herrn bei jeder Predigt, die wir hören, bei jedem Worte Gottes, das wir lesen, in jedem Gebete, das wir zu ihm thun, in allem, was wir über ihn denken, reden, lesen und hören. Das heilige Abendmahl ist noch weit mehr. Der Herr hat uns nicht Brot und Wein hingestellt zum Zeichen und zum Andenken, sondern giebt uns seinen Leib und sein Blut zu essen und zu trinken. Unser Herr Christus, der überhaupt nicht gekommen war, daß er ihm dienen lasse, sondern daß er diene( Matth. 20, 28), hat wahrlich auch bei dem heiligen Abendmahle nicht bedient sein, sondern dienen wollen. Es ist auch 2) ein Versöhnungsmahl. Bei der Einsetzung sagt der Herr Jesus: ,, Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird" und: ,, Das ist mein Blut des neuen Testaments, welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden." Das ist eben so viel, als wenn der Herr sagte: Das ist mein Leib, und indem ihr ihn esset, so genießet ihr zugleich alle diejenigen Güter, welche ich euch mit der Dargebung meines Leibes in den Tod erworben habe; das 19 ist mein Blut, und indem ihr es trinket, so genießet ihr zugleich alle die Wohlthaten, welche ich mit Vergießung meines Blutes euch so theuer erworben habe. Im alten Bunde wurden der Altar im Vorhof, der Altar im Heiligthume und der Deckel der Bundeslade mit dem Blute der Opferthiere besprengt und dadurch das Heiligthum des Herrn, das durch die Sünden des Volkes verunreinigt worden war, wiederum gereinigt. Die Kleider Aarons und seiner Söhne, ja das ganze Volk, wurden mit dem Bundesblute besprengt, zum Zeichen, daß Gott der Herr aufs neue seinen Bund mit ihnen geschlossen hatte. So empfangen wir im heiligen Abendmahle den ganzen Reichthum der göttlichen Gnade und aller Heilsschätze. Alles, was der Herr Jesus für uns verdient, erworben und gewonnen hat, da er seinen Leib für uns in den Tod gab und sein Blut für uns vergoß, das wird uns geschenket, wenn wir uns bei der Gnadentafel des lieben Heilandes einfinden. Daher sagt Luther: ,, Darum gehen wir zum Sacrament, daß wir da empfahen solchen Schatz, durch und in dem wir Vergebung der Sünden überkommen. Darum heißet er mich essen und trinken, daß es mein sei und mir nütze als dasselbige Gut, so für mich gesetzet ist wider meine Sünde, Tod und alles Unglück. Wer den Worten:, für euch gegeben und vergossen" glaubet, der hat, was sie sagen und wie sie lauten, nämlich Vergebung der Sünden." Die Vergebung der Sünden ist die Summe aller Güter des neuen Testaments. Darum bekennen wir im dritten Artikel alles, was der heilige Geist in der 2* 20 11 Kirche auf Erden bis zur Auferstehung des Fleisches wirket, in dem Einen: ,, Ich glaube an die Vergebung der Sünden." Und unser Katechismus lehret uns: ,, Wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit." Wir haben schon Vergebung der Sünden, Leben und ewige Seligkeit in der heiligen Taufe empfangen. Weil aber die Sünde, die in den Getauften wohl vergeben, doch nicht ausgetilgt worden ist, uns noch täglich hart zusetzt und zu manchem Falle bringt, so daß wir immer wieder in herzlicher Buße zu Gott kommen müssen, darum versichert uns das heilige Abendmahl aufs neue der Gnade Gottes, durch welche wir erhalten werden zum ewigen Leben. Darum heißt es wohl eine Speise der Seelen, die den neuen Menschen stärkt und nährt. Denn durch die Taufe werden wir erstlich neu geboren, aber daneben bleibt gleichwohl die alte Haut im Fleisch und Blut am Menschen, da ist so viel Hinderniß und Anfechtung vom Teufel und der Welt, daß wir oft müde und matt werden und zuweilen auch straucheln. Darum ist es gegeben zur täglichen Weide, daß sich der Glaube erhebe und stärke, daß er in solchem Kampse nicht zurückfalle, sondern immerdar je stärker und stärker werde. Denn das neue Leben soll alſo gethan sein, daß es stärker zunehme und fortfahre. Es muß aber dagegen viel leiden; denn so ein zorniger Feind ist der Teufel: wenn er siehet, daß man sich wider ihn leget und den alten Menschen angreift und er uns nicht mit Macht überpoltern kann, so schleicht und streicht er auf allen Seiten umher, macht, daß man entweder den Glauben fallen oder Hände 21 und Füße gehen läßt und wird unlustig oder ungeduldig. Dazu ist nun der Trost gegeben, wenn das Herz solches fühlt, daß es ihm zu schwer werden will, daß es hier neue Kraft und Labsal hole." Freilich ist auch außer dem Sacrament Kraft und Labsal zu holen, nämlich im Worte Gottes, in welchem Christus vom Glauben und Gebet der Seinigen sich finden und ergreifen läßt sammt allen seinen Gütern und Gaben. Doch weil unser Glaube gar schwach und blöde ist, so lange wir unsern Schatz noch in irdenen Gefäßen tragen, so hat unser lieber Herr Christus seinen Leib und Blut an Brot und Wein im Sacrament binden wollen, daß wir desto fester und ohne Wankfen uns darauf verlassen sollen, sein Leib sei dahingegeben und sein Blut sei vergossen für uns zur Vergebung der Sünden, und nähre uns zum Leben und zur Seligkeit. ,, In Christi Leibe ist das Leben und die Seligfeit drinnen," sagt Luther kurz und bündig. So gewiß ich nun also seinen Leib esse und sein Blut trinke, so gewiß empfange ich Vergebung aller meiner Sünden. Was ich esse und trinke, das wird ganz mein eigen. Alles, was mir mein Heiland am Kreuze erworben hat, das wird durch das heilige Abendmahl mein Eigenthum, so daß ich getrost und freudig ausrufen kann: Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht mich rein von aller Sünde. Und damit bekomme ich viele, reiche und mannichfaltige Gnadengaben. Die Vergebung der Sünden wird in mir bestätiget, mein Glaube wird gestärket, die Gewißheit meines Gnadenstandes wird in mir befestiget, der Friede des Gewissens, die Ruhe der Seele und die 22 Freude im heiligen Geiste wird in mir befördert, der Trost in allen Anfechtungen und Widerwärtigkeiten dieses Lebens wird vermehrt, die Uleberwindung aller geistlichen Feinde erleichtert und die Treue in dem Bleiben bei Jefu bis zum Tode unterstützt. Das sind lauter Früchte, welche aus der erneuerten und völligen Zueignung der ewigen Versöhnung Jesu Christi im heiligen Abendmahle mir geschenket werden. Das heilige Abendmahl ist auch 3) ein Vereinigungsmahl mit Christo. Der Herr spricht: ,, Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der bleibet in mir und ich in ihm“( Joh. 6, 56). Die natürliche Speise und der natürliche Trank, die wir alle Tage essen und trinken, vereinigen sich in wenigen Stunden so innig mit unserm Fleisch und Blut, daß sie von demselben nicht mehr unterschieden und getrennt werden können. Ebenso geschieht es auch mit dieser himmlischen Speise im heiligen Abendmahl. Der Leib und das Blut Christi vereinigen sich mit uns, so daß wir nun in ihm wohnen, und er in uns. Das ist uns zwar unbegreiflich, aber doch geschieht es wirklich und wahrhaftig, wie der Herr selber es uns verheißen hat. Du darfst das aber nicht so verstehen, als ob nun Christi Leib und Blut in dein Fleisch und Blut verwandelt würde. Dieses hohe Gut wird nicht verwandelt, sondern hat eine solche Kraft, daß es wie ein edler Sauerteig uns durchdringt und uns umwandelt. Wenn wir Christi Leib und Blut würdiglich genießen, so werden wir je mehr und mehr seinem heiligen Bilde ähnlich. Gleichwie, wenn ein zartes, edles Reis einem wilden 23 Baume eingepflanzet wird, so wird nach und nach der ganze Baum durch dasselbe veredelt und trägt seine guten Früchte. Also geschieht es im heiligen Abendmahl. Das Leben Christi wird nun unser Leben, so daß wir rühmen können: Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Wir sind nun Glieder seines Leibes, von seinem Fleische und von ſeinem Gebeine( Eph. 5, 30). Wir sind die Reben an ihm, dem lebendigen Weinstock( Joh. 15). Wir sind ein Geist mit ihm( 1. Cor. 6, 17). Alle seine Kräfte, seine Gaben, sein Leiden und seine Herrlichfeit wird nun mein. Er wird meine Weisheit, meine Gerechtigkeit, meine Heiligung und meine Erlösung, so daß ich mit David singen und sagen kann: ,, Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke; Herr, mein Fels, meine Burg, mein Erretter, mein Gott, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Horn meines Heils, und mein Schutz"( Ps. 18, 2. 3). Das ist eine hohe und über alle Maaßen herrliche Seligkeit. Simeon trug das Jesuskind auf seinen Armen, Johannes lag an der Brust seines geliebten Herrn und Meisters; du hast ihn selber in dir, indem du sein Fleisch isfest und sein Blut trinkest. Sage, wo ist ein Volk, so herrlich wie das Christenvolf? Sage, wo ist ein Geschöpf unter dem weiten Himmel, so beseligt und so geliebt, wie eine gläubige Christenseele, bei der ihr Herr einkehrt, um sie mit seinem Fleische und seinem Blute zu nähren? Weiter kann ich dir nichts hiervon sagen. Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehöret, das kann auch kein Wort und keine Rede beschreiben. Das 24 muß man selber erfahren und erleben. Und das Allerschönste und Allerbeste, das läßt sich nicht in Worte fassen. Hier kannst du es nur rühmen: ,, Mein Freund ist mein, und ich bin sein"( Hohelied 2, 16). Die Ewigkeit wird es erst ganz klar machen, was der Herr gesagt hat: ,, Ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, daß sie eins seien, gleichwie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf daß sie vollkommen seien in eins"( Joh. 17, 22. 23). Unterdessen können wir rühmen und preisen: Otheures Lamm! So edle Gaben Hast Du in dieses Mahl gelegt. Da wir Dich selbst zur Speise haben, Wie wohl ist unser Geist verpflegt! Dies Mahl ist unter allen Leiden Ein wahrer Vorschmack jener Freuden. Dir sei Lob, Ehr' und Preis gesungen! Ein solcher hoher Liebesschein Verdient, daß aller Engel Zungen Zu dessen Ruhm geschäftig sein. Wird unser Geist zu Dir erhoben, So wird er Dich vollkommen loben. Ist das heilige Abendmahl aber ein Vereinigungsmahl mit Christo, so ist es auch 4) ein Vereinigungsmahl mit den Brüdern. Als der fromme König Hiskias das Osterfeſt wieder einsetzte, so heißt es ausdrücklich: ,, Und Gottes Hand kam in Juda, daß er ihnen gab einerlei Herz" ( 2. Chron. 30, 12). Von der Menge der Gläubigen aber, die zu Jerusalem waren, die da beständig blieben in der Apostel Lehre, in der Gemeinschaft, und im 25 Brotbrechen und im Gebet, sagt das Wort Gottes: ,, Der Menge aber der Gläubigen war ein Herz und eine Seele"( Apstg. 4, 32). Darum sagt auch St. Paulus: ,, Ein Brot ist es, so sind wir viele ein Leib, dieweil wir alle eines Brotes theilhaftig find"( 1. Cor. 10, 17). Und der ehrwürdige Vater Luther erklärt es also: ,, Die andere Frucht ist, daß die Christenheit einerlei Glauben und Lehre habe. Obwohl das Evangelium die Christen auch zusammenhält und einerlei Sinnes machet, so thut's doch dieſes Abendmahl noch mehr( wiewohl auch Heuchler sich dazu finden), da ein jeder Christ öffentlich und für sich bekennet, was er glaubt. Da dienet das heilige Sacrament dazu, daß Christus sein Häuflein zusammenhält. Daher die alten Lehrer feine Gedanken gehabt haben und gesagt, Christus habe darum zu seinem Abendmahle Brot und Wein gebraucht, daß, gleichwie viele Körnlein ein jedes seinen eigenen Leib und Gestalt haben, und mit einander gemahlen und zu einem Brote werden, also ist wohl ein jeder Mensch eine eigene Person und sonderlich Geschöpf; aber weil wir im Sacrament alle eines Brotes theilhaftig sind, sind wir alle ein Brot und Leib. Denn da ist einerlei Glauben, einerlei Bekenntniß, Liebe und Hoffnung. Also auch zum Wein kommen viele Trauben, viel Beerlein, davon ein jegliches seinen eigenen Leib und Gestalt hat; sobald sie aber ausgedrückt sind und zu Wein werden, so ist keine Ungleichheit im Wein, sondern es ist ein einiger, feiner, schöner Saft. Also sollen die Christen auch sein." So ist denn das heilige Abendmahl ein Liebes- und Bundesmahl. Die 26 Glieder Christi werden dadurch fest und innig mit einander verbunden, so daß sie als Kinder des einen Vaters im Himmel, als Brüder ihres einigen Hei landes Jesu Christi, in seliger Liebe an seinem Tische essen und trinken. Sie sind ein Leib. Sie sind ein Leib. Jeder gläubige Christ ist ein Glied dieses Leibes, davon Christus das Haupt ist, und erfreuet sich nun der Liebe, Freundschaft, Treue und Gemeinschaft der übrigen Glieder. Was nun unter den Gläubigen auf Erden und im Himmel an Leiden und Herrlichkeit, an Gebet und Danksagung, an Kampf und Sieg, an Glaube, Liebe, Hoffnung, und überhaupt an allen Gnadengaben und Kräften sich findet, das gehört ihnen allen und doch auch einem jeden von ihnen zu. Nun können wir singen und beten: Wie wir von einem Brote effen Und eins mit einem Leibe sind, So laß uns nimmermehr vergeffen, Was uns jetzt unter uns verbind't, Daß wir uns inniglich vereinen, Daß wir ein Leib in Lieb' erscheinen. Das heilige Abendmahl ist auch 5) ein Heiligungsmahl. Eine fromme Christin, Margaretha von Drandorf, sagte auf ihrem Sterbebette: ,, Gleichwie Elias ein geröstet Brot und eine Kanne Wasser gegessen und getrunken, und durch Kraft derselben Speise bis an den Berg Horeb gegangen ist, also hoffe und glaube ich, daß kraft des Leibes und Blutes Jesu Christi ich nunmehr meine letzte Reise zu dem Berge Gottes und dem himmlischen Jerusalem vollenden und vollbringen werde." Siehe, Univ.- Bisl. Glessen 27 den Weg machen wir allesammt, nach der hochgebauten Gottesstadt, dem Jerusalem dort oben. Da gilt es, nicht zu weichen und zu wanken vom rechten Wege, weder zur Rechten, noch zur Linken. Es ist auch ein beschwerlicher Weg; da gilt es, nicht müde und matt zu werden, sondern immer frisch und fröhlich weiter zu gehen. Da gilt, was ein frommer Gottesmann singt: Es soll uns nicht gereuen Der schmale Pilgrimspfad, Wir kennen ja den Treuen, Der uns gerufen hat. Kommt, folgt und trauet dem; Ein jeder sein Gesichte Mit ganzer Wendung richte Steif nach Jerusalem. Ist gleich der Weg was enge, So einfam, frumm und schlecht, Der Dornen in der Menge Und manches Kreuze trägt: Es ist doch nur ein Weg; Laß sein! Wir gehen weiter, Wir folgen unserm Leiter Und brechen durch's Geheg. Kommt, laßt uns munter wandern, Der Weg kürzt immer ab; Ein Tag der folgt dem andern, Bald fällt das Fleisch ins Grab; Nur noch ein wenig Muth, Ach, nur ein wenig treuer, Vor allen Dingen freier Gewandt zum ew'gen Gut! Es wird nicht lang mehr währen, Halt noch ein wenig aus; Es wird nicht lang mehr währen, So kommen wir nach Haus: 28 Da wird man ewig ruhn. Wenn wir mit allen Frommen Daheim zum Vater kommen, Wie wohl, wie wohl wird's thun! Aber, wie geht es mit uns armen Menschenfindern? Wir werden oft matt und müde, wir thun nicht immer gewisse Schritte und Tritte auf diesem Wege, wir weichen bald zur Rechten und bald zur Linken. Der Teufel sucht uns zu fällen, die Welt sucht uns zu verführen, und unser eigenes Fleisch und Blut ist so oft mit ihnen im Bunde. Da muß man täglich und treulich wachen, daß die Augen nicht hinsehen nach dem verbotenen Gute, daß die Ohren nicht hinhören auf das Wort der Verführung, daß die Zunge sich nicht verfündigt, die Hände sich nicht beflecken und die Füße nicht abweichen von dem Wege des Lebens. Summa: Der alte Mensch will nicht sterben, und der neue Mensch will nicht wachsen und zur rechten Kraft kommen. Der trene Gott giebt uns aber die Verheißung: ,, Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln, wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden"( 3ef. 40, 31). Und diese gnädige Verheißung erfüllt er am allerkräftigsten in dem heiligen Abendmahle. Das ist das rechte Labfal für die, so am neuen Leben noch schwach sind. Es macht uns auf dem Wege nach dem Himmel munter und frisch, es hilft uns, daß wir können demüthig, sanftmüthig, fromm und gehorsam sein. Es dämpfet in uns die Sünde und erwecket in uns einen Efel dagegen; es befreiet uns von allem Bösen und theilt 29 uns alles Gute mit. Das ist das geistliche Leben, das wir schon in der heiligen Taufe empfangen haben, das aber durch die Sünde und des alten Adams Trägheit immer wieder schwach wird und darum im heiligen Abendmahle gestärkt werden muß. Da werden unser Glaube, unsere Liebe, unsere Hoffnung, unsere Geduld, unser Gebet und dergleichen gestärket, so daß wir nun alles vermögen durch den, der in uns mächtig ist, unsern Herrn Jesum Christum. So bringt uns jeder würdige Genuß des heiligen Abendmahls immer näher an das Herz unsers Heilandes, hebt uns höher und immer höher von Stufe zu Stufe, bis wir endlich von der letzten Stufe eingehen in seinen Himmel aus der Morgenröthe des Glaubens in den ewigen, lichten Tag des Schauens. Darum sagte einmal ein Kind Gottes: ,, Es ist mir bei jeder Feier des heiligen Abendmahls wie dem Reisenden, wenn er an einen neuen Ruhepunkt fommt. Da ruhet man und erholt sich von der Beschwerde des zurückgelegten Weges, erquickt sich, ist und trinkt, und setzt neugestärkt in Kraft dieser Speise und dieses Trankes seinen Weg fröhlich fort bis zum folgenden Haltepunkte und endlich bis zum letzten, seligen Ziele." Daher kommt es auch, daß sich viele gläubige Christen, wenn sie zum Sacrament gehen, von dem Herrn Jesu dieses oder jenes, worin sie ganz besonders das Wachsthum des geistlichen Lebens nöthig haben, ausbitten. Zum Beispiel, daß er sie durch den Genuß seines Leibes und Blutes stärken wolle in der Demuth, oder in der Sanftmuth, oder in der Barmherzigkeit, oder in der Freudigkeit zum Gebet, oder in der Lust zu seinem 30 Wort, oder in der völligen Ablegung des irdischen Sinnes und Anziehung des himmlischen Sinnes, oder in andern Kräften und Gaben, die ihnen besonders nöthig find. Und wie fröhlich werden sie, wenn sie erlangen, was sie bitten, und oft alsbald nach dem heiligen Abendmahle den Mangel ersetzt sehen, der sie vorher drückte! Wobei aber wohl zu merken ist, daß das geistliche Wachsthum durch das heilige Abendmahl nicht immer so deutlich empfunden, und doch im Verborgenen befördert und gemehret wird. Man kann die Saat nicht wachsen sehen, und sie wächst doch. Merkest du es augenscheinlich, so freue dich der großen Gnade und des reichen Trostes! Hüte dich aber, dich danach zu prüfen, ob du würdig oder unwürdig zum heiligen Abendmahle gegangen seiest. Es gilt, daß du dich in fröhlichem Glauben an das Wort deines Heilandes hältst: ,, Ich bin das Brot des Lebens. Wie mich gesandt hat der lebendige Bater, und ich lebe um des Vaters willen; also: wer mich isset, derselbige wird auch leben um meinetwillen"( Joh. 6, 48. 57), und ihn anrufest: Herr Jesu Christ, ich bitte Dich, In meiner Schwachheit heile mich! Was unrein ist, das mache rein Durch Deinen hellen Gnadenschein. Erleuchte mein verfinstert Herz, Zünd' an die schöne Glaubenskerz'! In Reichthum meine Armuth kehr', Und meinem Fleische steur' und wehr'! Lösch' alle Laster aus in mir, Mein Herz mit Glaub' und Liebe zier', het 100 31 Und was sonst ist von Tugend mehr, Das pflanz' in mich zu Deiner Ehr'. Hilf, daß durch dieses Mahles Kraft Das Bös' in mir werd' abgeschafft, Erlassen alle Sünd' und Schuld, Erlangt des Vaters Lieb' und Huld. Vertreibe alle meine Feind', Die sichtbar und unsichtbar seind! Den guten Vorsatz, den ich führ', Durch Deinen Geist mach' fest in mir! Mein Leben, Sitten, Sinn und Pflicht Nach Deinen heil'gen Willen richt'! Ach, laß mich meine Tag' in Ruh Und Frieden christlich bringen zu, Bis daß Du mich, o Lebensfürst, Einst in den Himmel nehmen wirst, Daß ich bei Dir dort ewiglich An Deiner Tafel freue mich! Das heilige Abendmahl ist aber nicht blos eine Speise der Seele. Das ewige Leben, welches Christi Leib und Blut uns giebt, ist ein Leben des ganzen Menschen. Und da muß der Leib auch etwas davon haben. Darum ist es auch endlich 6) ein Auferstehungsmahl. Als der Herr noch in unserm Fleisch und Blut auf Erden wandelte, da wurden durch sein Anrühren und durch sein Wort die Todten wieder lebendig. Sollen wir nicht leben, die wir sein Fleisch essen und sein Blut trinken? Er sagt ja ausdrücklich: ,, Wer mein Fleisch isset und trinfet mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Denn mein 32 Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut iſt der rechte Trank"( Joh. 6, 54. 55). Darum nannten die frommen Alten das heilige Abendmahl gar schön ,, die Arzenei der Unsterblichkeit," und der Dr. Luther sagt: ,, Iffet man ihn geistlich durchs Wort, so bleibet er geistlich in uns, in der Seele; isset man ihn leiblich, so bleibet er auch leiblich in uns. Wie man ihn isset, so bleibet er in uns und wir in ihm. Denn er wird nicht verdauet und verwandelt, sondern er verwandelt ohne Unterlaß uns, die Seele in Gerechtigkeit, den Leib in Unsterblichkeit." Und an einem andern Orte sagt er: ,, Wird Christi Fleisch gegessen, so wird nichts denn Geist daraus. Denn es ist ein geistlich Fleisch und läßt sich nicht verwandeln, sondern verwandelt, und giebt den Geist dem, der es iſset. Weil denn unser Leib auch die Hoffnung hat der Auferstehung von den Todten und des ewigen Lebens, so muß er auch geistlich werden und alles, was fleischlich an ihm ist, verdauen und verzehren. Das thut aber dieſe geistliche Speise; wenn er sie isset leiblich, so verdauet sie sein Fleisch und verwandelt ihn, daß er auch geistlich, das ist, ewig lebendig und selig werde, wie Paulus 1. Cor. 15, 44. sagt: ,, Es wird der Leib geistlich auferstehen." Darum singt auch die Kirche: Dein Fleisch muß uns zum Pfande dienen, Daß unser Fleisch, der Schwachheit voll, Einst herrlich aus dem Staube grünen Und unverweslich werden soll; Ja, daß Du uns ein ewig Leben Nach diesem turzen werdest geben; 33 und in einem andern Liede: Wenn ich gleich sterb', so sterb' ich Dir, Dein Leib und Blut kommt nicht von mir, Und wo Du bist, da will ich sein; Hilf, Herr, dem schwachen Glauben mein! Der Apostel Paulus sagt 1. Cor. 15, 36 ff.: ,, Das du säest, wird nicht lebendig, es sterbe denn. Und das du säest, ist ja nicht der Leib, der werden foll; sondern ein bloßes Korn, nämlich Weizen, oder der andern eins. Gott aber giebt ihm einen Leib, wie er will, und einem jeglichen von den Saamen seinen eigenen Leib." Von dem Saamen, der in die Erde gelegt wird, verweset der allergrößte Theil. Nur ein ganz kleiner Theil bleibt übrig, und aus dem wächst die neue Pflanze frisch und fröhlich hervor. So ist auch in unserm sterblichen Leibe durch die heilige Taufe solch ein lebendig Theil, das nicht sterben und nicht verwesen kann. Dieser Lebensteim ist jetzt noch unter der Hülle des sterblichen Leibes verborgen, wächst und reifet aber immer mehr, je mehr der Geist in uns das Leben aus Gott anzieht. Im heiligen Abendmahle empfangen wir nun den am Kreuz für uns gestorbenen und hernach für uns auferstandenen Leib unsers Herrn Jesu Christi. Dieser Leib unsers Herrn Jesu nähret, stärket und kräftiget in uns den Auferstehungsleib, ſo daß unter dem Fleisch und Blut der unverwesliche Leib immer mehr wächst, um dessentwillen der Herr geſagt hat: ,, Wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben"( Joh. 11, 26). Und: ,, So jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich"( Joh. 8, 51). Wie einst Beicht- und Abendmahlsbuch. 3 34 bei und von dem ersten Adam durch die verbotene Speise der Tod kam, so kommt von dem zweiten Adam, Christus, durch die Speise seines Leibes das ewige Leben. Christus ist der Baum, das Brot des Lebens, auf daß, wer davon isset, nicht sterbe, sondern lebe in Ewigkeit( Joh. 6, 50. 51). Weil aber Brot und Wein gewürdigt werden, sich mit dem Leibe und Blute unsers Herrn Jesu Christi zu vereinigen, so haben wir auch darin das Unterpfand der großen Verheißung, daß auch die Creatur frei werden wird von dem Dienst des vergänglichen Wesens zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes." Denn der auf dem Stuhle sitzet, spricht: Siehe, ich mache alles neu!( Offbg. 21, 5). Dann wird das himmlische Abendmahl kommen, von dem der Herr sagt: ,, Wer überwindet, dem will ich zu eſsen geben von dem verborgenen Manna und von dem Holz des Lebens, das im Paradiese Gottes ist"( Offbg. 2, 17. 7). Dann wird kommen, was der Aeltesten einer verheißt: ,, Das Lamm mitten im Stuhl wird sie weiden und leiten zu den lebendigen Wasserbrunnen." Wir wissen es nicht, was es sein wird, wenn der Herr spricht: ,, Ich werde von nun an nicht mehr von dieſem Gewächs des Weinstocks trinken, bis an den Tag, da ich es neu trinken werde mit euch in meines Vaters Reich." Wir wissen es nicht, was es heißt: ,, Ich will euch das Reich bescheiden, wie mir's mein Vater beschieden hat, daß ihr essen und trinken sollt über meinem Tisch in meines Vaters Reich und sitzen auf Stühlen und richten die zwölf Geschlechter Israels." Wir bewegen aber seine Worte in unsern Herzen. 35 Und wenn die Stimme aus dem Himmel ruft: ,, Selig sind, die zu dem Abendmahl des Lammes Gottes berufen sind!" so antworten wir: ,, Ja, selig sind, die zu dem Abendmahl des Lammes Gottes berufen sind!" und bitten, so oft der Herr uns hier zu seinem Tische kommen läßt: Jesu, wahres Brot des Lebens, Hilf, daß ich doch nicht vergebens, Oder mir vielleicht zum Schaden, Sei zu Deinem Tisch geladen! Laß mich durch dies Seelenessen Deine Liebe recht ermessen, Daß ich auch, wie jetzt auf Erden, Mag Dein Gast im Himmel werden! §. 7. Die hohe Würde des heiligen Abendmahls. Also ist das heilige Abendmahl ein Gedächtnißmahl zum, Andenken an das Leiden und Sterben unsers Herrn Jesu Christi, ein Versöhnungsmahl zur Versöhnung mit unserm Gott, ein Vereinigungsmahl mit Gott und Menschen, ein Heiligungsund Auferstehungsmahl für Geist, Seele und Leib. Alles, was unser allerheiligster Glaube enthält, alles, was das ganze Wort Gottes uns lehrt, das wird uns im Leib und Blut des Herrn gegeben und geschenket. Darum sagt der gottselige Scriver mit Recht: ,, Die Liebe des Herrn hat in dieser Stiftung gleichsam ihre Höhe erreicht und nichts übrig behalten, das noch, zu unserm Heile an uns zu thun wäre. Gleichwie die Sonne, wenn sie zuerst hervorgehet, durch Dünste und 3* = 36 Nebel scheinet, bis sie durch stetiges Aufsteigen über dieselben kommt, sie ganz vertreibet, also daß sie im Mittage in ihrem völligen Glanze sich sehen läsfet und alles mit ihrem Lichte erfüllet: also hat die Sonne der Gerechtigkeit bald nach ihrem Eintritte in die Welt mit ihrem Liebesglanze um sich geleuchtet und in der Welt ihren Aufgang kund gemacht, hernach aber unter der Knechtsgestalt in tiefster Erniedrigung sich eine Weile gleichsam verborgen, bis sie beim Antritte ihres Amts zu steigen und am Kreuze ganz helle mit Liebesflammen zu leuchten begann. Ihr Mittag aber ist im heiligen Abendmahl und währet also noch an allen Orten, wo dasselbe gebührend gehalten wird." Und ein andermal sagt derselbe theure Gottesmann:„ Ich wundere mich zwar und erfreue mich herzlich über alle Wunder der Liebe Jesu Christi, doch über feines mehr, als über dies wunderbare Sacrament, worin er uns mit seinem heiligen, lebendig machenden Fleisch und Blut wahrhaftig speiset und tränket. Gleichwie die Sonne um Mittag am hellsten scheinet, so leuchtet die Liebe Gottes in dem wunderbaren Mahle am herrlichsten. Hier hat sich das göttliche Herz weit aufgethan, wie eine Rose, die in voller Blüthe ſtehet. Hier schenket er mir nicht seine Kleider, nicht sein Bild, nicht Silber oder Gold, nicht Krone oder Scepter, sondern sich selbst mit seinem ganzen Verdienst, seinem ganzen Himmel, seiner völligen Seligkeit. Hier wird meine Seele mit seiner Seele, mein Leib mit seinem Leibe, mein Blut mit seinem Blute, mein Herz mit seinem Herzen, meine Schwachheit, Elendigkeit, Dürftigkeit und Unvollkommenheit mit 37 seiner Gottheit, Herrlichkeit und Heiligkeit vereiniget, gemenget, verknüpfet und durchgangen. Wenn ich hinzutrete, so sehe ich dich im Geist und Glauben mit deinen heiligen und bluttriefenden Wunden; ich höre dich rufen: ,, Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!" Wenn ich es genieße, so dünket mich, ich höre dich zu meiner Seele sagen: ,, Ihr in mir und ich in euch!" Wenn ich abtrete, so spricht meine Seele: ,, Mein Freund ist mein und ich bin sein!" Nach dieser himmlischen Mahlzeit ist, wenn ich so reden darf, mein Nacheffen der Schluß des goldenen 8. Capitels an die Römer, vom 31. Verse bis zu Ende! O wie wohl ist mir dann! Wie trunken wird meine Seele! Wie getrost mein Herz! Wie stolz bin ich dann gegen den Satan, die Sünde, die Hölle, den Tod und gegen die Welt mit ihrer Eitelkeit! Da dünket mich, ich bin nicht mehr, der ich war, ich bin Christus, zwar nicht persönlich, aber Chrifti Gerechtigkeit, Sieg, Leben und alles, was er hat, ist mein eigen. Ich weiß dann nicht, ob noch Sünde, Elend, Kreuz, Noth, Tod und Teufel in der Welt sind; sondern das allein weiß ich, daß Jeſus überall herrschet und mein ist." Ja, wahrhaftig, das hochwürdige Sacrament des Abendmahls ist der christlichen Kirche föstlichste Perle und allertheuerstes Kleinod. Es ist das allertröstlichste Vermächtniß der gnadenreichen Gegenwart dessen in seiner Gemeinde, der da ist wahrhaftiger Gott und wahrhaftiger Mensch, hochgelobet in alle Ewigkeit. Es ist der unversiegliche Brunnen, woraus wir schöpfen Gnade um Gnade, der freie, offene Born für die 38 Bürger zu Jerusalem wider alle Sünde und Unreinigfeit. Darum können die frommen Alten nicht süße und schöne Worte genug finden, um das köstliche und hochheilige Sacrament zu nennen. Sie heißen es „ das hochheiligste und größeste Geheimniß, die Arzenei der Unsterblichkeit, das Gegengift gegen den Tod, die Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott, den göttlichen Tisch, die himmlische Speise, das neue Opfer des neuen Testaments, die unverwesliche Speise, das Pfand des ewigen Heils, den Schutz des Glaubens, die Hoffnung der Auferstehung, die Wehr wider den Satan, die Herzstärkung in aller Betrübniß, das Herzblatt des Evangeliums, das höchste Gut im Thränen- thal." Ach, liebe Seele, merke wohl auf solche herrlichen und köstlichen Namen! Hüte dich, daß du dir für deinen Glauben nichts davon nehmen lasseft und dies reiche Gut auch unversehrt und unverringert annehmest und behaltest. Merke wohl darauf, damit, wenn dein Herr ruft: ,, Kommet zu meinem großen Abendmahl; kommet, denn es ist alles bereit, fommet zur Hochzeit!"- du ihn auch recht lobest und preiſeſt und ihm von ganzem Herzen dankest für seine große Gnade und Barmherzigkeit! §. 8. Der Gebrauch des heiligen Abendmahls. Zu solch einem herrlichen und hochwürdigen Sacrament ladet dich dein Herr und Heiland. Wer an ihn 39 von ganzem Herzen glaubt, der kommt gern und kann nicht genug kommen. Die ersten Christen feierten dasselbe zuerst alle Tage, hernach alle Sonntage. Die Christen der Brüdergemeinde feiern es alle Monate. Ein frommer Christ sagte einmal: ,, Ich gehe darum gern oft zum heiligen Abendmahle, weil ich mir die Rechnung mache, Gott fönne mir an diesem Tage nichts versagen. Denn Christus in mir und ich in Christo müssen ja erhöret werden." Der fromme Hugo a St. Victor bat Gott immerfort um dreierlei: 1) sein letzter Gedanke möchte vom Leiden und Sterben Christi sein; 2) sein letztes Wort möchte der holdselige Name Jesu; und 3) seine letzte Speise möge das heilige Abendmahl sein. Solch Gebet hat Gott gewiß in Gnaden erhört. Aber nicht alle Christen denken also. Es mußte schon in alten Zeiten ein berühmter Kirchenlehrer klagen, ,, daß die Leute so gering achten das heilige Sacrament des Leibes und Blutes Christi und sich dagegen so stellen, als sei nichts auf Erden, das sie weniger bedürfen, denn eben dieses Sacrament." Aber wir müssen zu dieser unserer Zeit noch viel mehr klagen. Es giebt ja sehr viele Christen, die gar nicht mehr zum heiligen Abendmahle gehen, andere aber gehen so selten, daß es nicht der Rede werth ist. Ja, es ist eine Meinung geworden, die überall gang und gäbe ist, daß es vollkommen genug sei, wenn man alle Jahre einmal, höchstens zweimal, zu Gottes Tische komme. Ja, man meint sogar, als ob das heilige Sacrament durch einen häufigeren Genuß von seiner großen Würde und Feierlichkeit etwas verlieren könnte. Das kommt mir beinahe so vor, 40 als wollte ein Mensch sagen: Ich will von nun an nicht mehr alle Tage essen, sondern einen Tag um den andern, so werde ich von meinem Essen desto mehr Kraft und Nutzen haben. Er würde gar bald merken, daß er sich übel betrogen hat. Also trägt auch von der Schwachheit unsers Glaubens ein gut Theil der Schuld unsere Trägheit und Unwilligkeit zu dem hochheiligen Sacrament. Dr. Luther fragt in seinen bekannten Fragestücken also: Was soll einen Christen vermahnen und reizen, das Sacrament des Altars oft zu empfahen?" Und die Antwort darauf lautet so: ,, Von Gottes wegen sollen ihn beide, des Herrn Christi Gebot und Verheißung, danach auch seine eigne Noth, die ihm auf dem Halse liegt, treiben, um welcher willen solch Gebieten, Socken und Verheißen geschiehet." Da haſt du die hohen und wichtigen Ursachen kurz beisammen, welche dich zum fleißigen Gebrauche des heiligen Abendmahls treiben sollen. " 1 Zum Ersten also soll dich dazu antreiben die göttliche Einsetzung. Es ist unsers Herrn Jesu Christi Testament und Ordnung, aus seines Vaters Willen und Befehl, durch herzinnige Liebe gestiftet, uns Christen zu essen und zu trinken. Der allweise und heilige Gott kann nichts Unnützes thun und befehlen. Es ist darum auch sein ernster Wille, daß wir alle seine Ordnung sollen ehren und ihr Gehorsam leisten. Wir aber, die wir nicht allein seine Geschöpfe sind, die er mit seiner Hand gemacht hat, und die alles, was sie haben und brauchen, täglich aus seiner Hand nehmen, sondern auch sein Volk, das er mit seinem eigenen 41 Blute sich zu seinem Eigenthüme erworben hat, wir müssen ihm darinnen von ganzem Herzen gehorsam sein. Wenn daher das heilige Sacrament uns auch gar keinen Nußen brächte, so müßten wir es darum doch schon hoch halten und aufs sorgfältigste und fleißigste gebrauchen, weil es Gott also geboten hat. Wer nun das hochwürdige Sacrament verachtet oder versäumet, der glaubet nicht in seinem Herzen, daß Christus Gottes Sohn sei, daß es Christus, der Sohn des Vaters, gestiftet habe, daß es Gott der Vater und Gottes Sohn, unser Herr Jesus, so brüderlich aus grundloser Liebe mit uns gemeinet habe. Glaubt er aber das nicht, so ist er kein Christ, sondern ärger als ein Heide. Wer es aber glaubet, der wird von Herzen begehren, es oft zu genießen, andere Christen dazu vermahnen und von Herzen gern dabei sein, wo das heilige Sacrament des Leibes und Blutes Jesu Christi gehandelt wird. Bedenke aber weiter, daß Christus dies Sacrament auch hat eingesetzet zu seinem Gedächtniß. Denn er spricht: Solches thut zu meinem Gedächtniß! Ob wir seiner gedenken, will Christus also daran merken, daß wir zu seinem Tische kommen. Zwar wird seiner auch gedacht, wenn sein Wort gehöret und geprediget wird. Eine Predigt, welche des Herrn Christi nicht gedächte, wäre nicht werth, eine christliche Predigt zu heißen. Aber er erhebet das heilige Abendmahl ſo hoch, daß es allein soll heißen sein Gedächtniß begehen", wenn man dies heilige Sacrament genießt. Nun ist das doch wohl das Wenigste, was du einem Freunde zur Liebe thun kannst, daß du sein ge 42 denkest. Wenn du seiner nicht einmal gedächtest, ſo würdest du eben damit anzeigen, daß er nicht dein Freund wäre. Es ist also gewißlich eine große, schreckliche, unchristliche Sünde, das heilige Sacrament zu verachten, lange Zeit, ein ganz Jahr oder mehr, hinzugehen und nicht einmal zum hochwürdigen Sacrament zu kommen. Der himmlische Vater spricht von Christo Jesu: ,, Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören!" Was wird er dir nun thun, wenn du seinen lieben Sohn verachtest, indem du sein heiliges Sacrament nicht gebrauchest? Die Verächter des heiligen Sacraments haben von Gott dem Herrn nur eitel Rache, Fluch und Zorn zu erwarten, wie man zuweilen an solchen Verächtern, uns allen zur Warnung, siehet, daß sie in der Todesstunde übereilet werden und das Sacrament nicht bekommen können. Denn Gott achtet sie wieder nicht werth, daß sie sein Abendmahl schmecken sollen. Zudem ist solch Gebot des Herrn Christi allerdings dahin gerichtet, daß das Gedächtniß seines heiligen Namens erhalten und vermehret werde, daß wir Christen durch den Gebrauch des Sacraments bekennen, daß Christus, Gottes ewiger Sohn, unser Heiland und Erlöser sei, daß die ganze Christenheit Gottes Barmherzigkeit, die er uns in seinem lieben Sohne erzeiget hat, predige, höre, erkenne, lobe, preise und ihm dafür danke. Wer nun das heilige Sacrament verachtet und nicht empfangen will, der zerstöret unsers Herrn Jesu Christi Gedächtniß, Erkenntniß, Namen, Preis und Ehre nicht allein durch große, gottlose Undankbarkeit, sondern, soviel an ihm ist, müßte Christus 43 " 1 mit allem Christenthum gänzlich untergehen. Er giebt mit seinem gottlosen Beispiel auch den Andern unchristliches Aergerniß, daß sie solchen Befehl des Sohnes Gottes auch verachten und das ganze Sacrament gering halten. Das wird Gott nicht ungestraft lassen. Da hat wohl Recht ein alter Kirchenlehrer, wenn er ſagt: Es sollte kein Laub noch Gras wachsen, kein Tropfen Wassers noch Luft in der Welt bleiben vor solcher unmenschlichen Undankbarkeit. Die Juden sind böſe gewesen, die ihn gekreuzigt haben; aber wir sind viel ärger, die wir so schändlich sein Leiden verachten und so undankbar dafür sind, die wir nicht soviel ihm zur Ehre und Liebe thun, daß wir solches Sacrament gebrauchen und helfen sein Gedächtniß halten." Darum, wenn du auch keine andere Ursache und Nutzen hättest in diesem Sacrament, denn allein solch Gedächtniß, solltest du nicht in demselben Treibens und Reizens genug finden? Dein Herz müßte dann sagen: Wohlan, ich will zum Sacrament gehen, nicht daß ich damit ein gut Werk oder Verdienst wolle thun, sondern zu Lobe und Ehren meinem Gott, der mir solches zu empfangen gestiftet hat, und zu Liebe und Dank meinem Herrn und Heilande, der mir solches zu Ehren seines Leidens eingesetzet hat, damit ich der einer sei, der das Gedächtniß des Leidens Christi helfe halten und stärken und zugleich als ein Christ meinen Herrn bekenne vor der Welt. Solch Dankopfer will ich ihm thun, wenn ich gleich keinen Nutzen davon haben sollte. Denn es soll mein Dank sein dem Herrn für sein bitter Leiden, das er um meinetwillen erlitten hat. Ja, also will ich meinem Gott zu Ehren das Sacrament 44 empfahen. Und solch Empfahen soll mein Gedächtniß sein, damit ich an seine Gnade denke, die er in Christo mir erzeiget hat, und ihm von ganzem Herzen dafür danke. Zum Dritten soll uns Christen bewegen und locken, daß wir mit Lust und Liebe zum hochwürdigen Sacrament gehen, die herrliche, gnadenreiche Verheißung unsers Herrn Jesu Christi, da er, spricht: ,, Das ist mein Leib, der für euch in den Tod gegeben wird; das ist mein Blut des neuen Testaments, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden." Bedenke doch, wer der ist, der so spricht: Mein Leib und mein Blut! Ist es nicht unser lieber Herr und Heiland, Gottes ewiger Sohn, der sein theuer Blut vergossen hat und für uns am Kreuz gestorben ist? Was sind wir aber? Elende Menschen, in Sünden geboren, verdammt, verloren, unter die Gewalt des Todes und des Teufels beschlossen. Davon hat uns niemand erlösen können, denn allein der eingeborene Sohn Gottes. Durch den haben wir Versöhnung und Vergebung der Sünden, durch sein Blut, aus lauter Gnade, ohne all unser Verdienst und Würdigkeit. Damit wir nun solches fest glauben, hat der Sohn Gottes uns sein eigen Fleisch zu essen und sein eigen Blut zu trinken im Sacrament eingesetzt. Darin will er uns schenken Vergebung der Sünden, Leben und ewige Seligkeit. Willst du solche Wohlthat und Gnadengabe verachten? Davor behüte dich der Liebe himmlische Vater! Zum Vierten soll uns auch zum heiligen Sacrament treiben unsere große Noth, weil wir hier in diesem Leben unter dem fündigen Fleische, unter der 45 bösen Welt und den mannichfaltigen Anfechtungen des Teufels gefangen liegen, täglich viel sündigen und wohl eitel Strafe verdienen. Dazu gehet der Satan allezeit um uns her als ein brüllender Löwe und suchet, wie er uns in Versuchung führe, zum Falle bringe und verschlinge. Dagegen hat der Sohn Gottes das heilige Abendmahl gestiftet und eingesetzt, daß dadurch der leidige Unglaube im Herzen getilget, durch das Blut Jesu Christi ausgelöschet, Freude und Friede im heiligen Geist angerichtet und vermehret, die fleischliche Sicherheit weggenommen, der alte Adam mit allen seinen bösen Lüsten getödtet, die Christen vor Sünde, Irrthum, Laster und Missethat behütet, feurig im Gebet, lustig und bereit zu allen guten Werken, erhalten werden in der Liebe Gottes und des Nächsten, fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübfal, daß wir, durch diese himmlische Speise des Leibes und Blutes Jesu Christi gestärket, des Teufels feurige Pfeile und Anfechtungen überwinden mögen oder, so wir ja sündigen, durch den Gebrauch des hochwürdigen Sacramentes, in rechter Buße und Glauben unserm Herrn Jesu Christo, dem Sohne Gottes, wieder einverleibet werden. Wenn du aber keine solche Noth und darum auch keinen Hunger und Durst nach dem Sacramente fühlest? Dann bist du nur desto bedürftiger. Dr. Luther schreibt: ,, Wenn du sonst keine Ursache noch Noth zum Sacrament hättest, Lieber, wäre das nicht Noth genug, daß du dich kalt und unluſtig fühlst zum Sacrament? Was ist das denn anders, als daß du dich kalt und unlustig findest zu glauben, zu danken, zu denken an deinen Heiland und alle Wohlthaten, die er durch sein 46 bitteres Leiden dir erzeigt hat, auf daß er dich von Sünde, Tod und Teufel erlösete und gerecht, selig und lebendig machte? Womit willst du dich aber wider solche Unlust, wider solchen Frost wärmen? Womit willst du den Glauben erwecken? Womit willst du dich reizen zu danken? Willst du harren, bis es dir selber ankomme, oder der Teufel dir dazu Raum mache? Da wird nimmer nichts daraus. Am Sacrament mußt du dich reiben und dahin halten, das ist ein Feuer, das die Herzen kann anzünden." ,, Sprichst du aber, du fühlest keine Sünde, Tod, Welt, Teufel und keinen Kampf noch Streit mit ihnen, darum zwinge dich auch der Noth keine zum Sacrament;- Antwort: Ich hoffe es nicht, daß solches dein Ernst sei, daß du allein unter allen Heiligen und Menschen auf Erden ohne solch Fühlen sein sollteſt. Und wo ich wüßte, daß es dein Ernst wäre, so wollte ich's wahrlich bestellen, daß man auf allen Gasſen, wo du gingest, alle Glocken läuten müßte und vor dir her ausrufen: ,, Hier gehet daher ein neuer Heiliger über alle Heiligen, der feine Sünde fühlet noch hat!" Aber ich will dir ungescherzt sagen: Fühlest du keine Sünde, so bist du gewißlich in Sünden gar todt, todt! und die Sünde herrschet mit Gewalt über dich. Und daß ich der groben äußerlichen Sünden schweige, als: Lust zur Unzucht, Ehebruch, Zorn, Haß, Neid, Rache, Hoffahrt, Geiz u. f. w., so ist das schon allzuviel und große Sünde, daß du keine Noth und Lust hast zum Sacrament. Denn daran merket man, daß du auch keinen Glauben hast, das Wort Gottes nicht achtest, Christi Leiden ver11 47 gessen hast, und voll Undankbarkeit steckst und aller geistlichen Gräuel." ,, Darum ist mein Rath, wenn du ja so gar unempfindlich dich findest, daß du nicht Sünde, Tod u. s. w. fühlest, so greif an dein Maul, Nafe, Ohren, Hände, und fühle, ob's Fleisch oder Stein sei. Ist's Fleisch, wohlan, so glaube doch der Schrift. Die Schrift sagt aber Gal. 5, 17: ,, Das Fleisch streitet wider den Geist;" desgleichen Röm. 7, 18: ,, 3m Fleische ist nichts Gutes;" Gal. 5, 19: ,, Offenbar sind die Werke des Fleisches, Ehebruch u. s. w." Ob wir in diesem Punkte gleich nicht öffentlich vor der Welt fündigen, so sündigen wir doch im Herzen, und wo wir Raum, Zeit, Statt- und Gelegenheit hätten, brächen wir alle die Ehe. Die Art ist allen Menschen eingepflanzt, es wird keiner ausgenommen, er heiße Mann oder Frau, alt oder jung; sie liegen allzumal in diesem Spital krank. Und die Seuche hänget uns nicht an wie ein rother Rock, daß wir's könnten ausziehen oder weglegen, sondern wir haben's aus Mutterleibe mitgebracht, und ist uns durch Fell und Fleisch, Mark und Bein und durch alle Adern durch und durch gezogen. ,, Sind aber doch viele, die nicht sündigen, sondern ein fein Leben führen." Ei, Lieber, ich sage nicht vom Thun, sondern von der Art. Gott läßt sich nicht mit den Werken äffen; die Schrift nennt ihn einen Herzenskündiger; er siehet tiefer denn wir." - ,, Also auch, fühlest du die Welt nicht, so siehe dich um, wo du bist, ob du nicht unter Teuten wohneſt, da du siehest, hörest und erfährest Mord, Ehebruch, Unlv, Bibl. Glessen 48 Raub, Irrthum, Ketzerei, Verfolgung und allerlei Untugend. Wenn du das siehest, so glaube der Schrift, die da sagt: ,, Wer stehet, der sehe zu, daß er nicht falle!" Denn in solche Stücke kannst du auch alle Stunden fallen, nicht allein mit dem Herzen, sondern auch mit der That. Darum, so lange du in der Welt bist, darfst du's wohl, daß du zum Sacrament geheft." ,, Desgleichen, fühlst du den Tod nicht, so gehe zu den Gräbern auf dem Kirchhofe, oder glaube der Schrift, die da sagt: ,, Allen Menschen ist gesetzt, einmal zu sterben"( Hebr. 9, 27), so wirst du finden, daß du auch noch nicht im Himmel bist, sondern hast den Tod noch vor dir, und dein Grab wartet dein auch unter den andern, und bist deß keinen Augenblick sicher. Wenn du das siehest, so gedenke: Wahrlich, ich bin noch nicht hinüber, ich muß mit dem Tode auch noch kämpfen. So lange ich nun noch lebe, iſt mir noth, zum Sacrament zu gehen, auf daß ich meinen Glauben stärke, damit der Tod mich, so er mich übereilt, nicht erschrecke und verzagt mache. Denn ob ihn Christus wohl überwunden hat, daß er uns nicht mehr fressen noch behalten darf, so kann er uns doch noch erschrecken und mit Verzagen anfechten." ,, Also auch, fühlest du den Teufel nicht, wie er zum Unglauben, Verzweifeln, Gotteslästern und zur Gottesfeindschaft treiben kann, so glaube der Schrift, die uns zeigt, wie er mit solchen Stücken den Hiob, David, St. Paulum u. a. zerplaget hat, und dich auch noch so plagen kann. Darnach sprich: Wahrlich, der Teufel ist noch ein Fürst dieser Welt, und ich bin 49 ihm noch nicht entronnen. So lange ich in seinem Fürstenthume bin, bin ich sein nicht sicher. Darum muß ich zum Sacrament gehen, und mich zu meinem lieben Helfer und Heilande halten. Denn obwohl Christus den Teufel überwunden hat, so ist er dennoch sofern ein Herr der Welt blieben, daß er uns mit hohen geistlichen Anfechtungen bestreiten und also unsern Glauben üben fann." ,, Gott hat uns solche Feinde überbleiben lassen, daß wir zu kämpfen hätten und nicht faul und sicher würden; gleichwie geschrieben steht( Richt. 2, 23), daß er seinem Volke Israel auch etliche Fürsten und Könige umher ließ bleiben, auf daß sie kriegen lernten und in Kriegsgewohnheit blieben. Denn Gottes Wort ist allmächtig; so ist der Glaube und Geist geschäftig und unruhig, muß immer zu thun haben und zu Felde liegen. So muß das Wort Gottes nicht geringe, sondern die allermächtigsten Feinde haben, an welchen es fann Ehre einlegen nach seiner großen Gewalt; als diese vier Gesellen sind: Fleisch, Welt, Tod, Teufel. Daher Christus heißet der Herr Zebaoth, das ist, ein Gott der Heerfahrt oder Heerschaaren, der immer krieget und in uns zu Felde lieget. Und soll das Sacrament eine Speise sein, damit wir uns laben und stärken, alle, die in seinem Heere mit ihm zu Felde liegen. Und ist eigentlich. der Sold und Proviant, damit er sein Heer und Kriegsvolk befoldet und speiset, bis sie endlich obsiegen und das Feld behalten mit ihm. O, es ist eine gute Münze, köstlich roth Gold und rein weiß Silber, herrlich schön Brot, und guter süßer Wein, und deß alles die Fülle, und Beicht- und Abendmahlsbuch. 4 50 reichlich vollauf, daß es gar lieblich ist, in dieser Heerfahrt zu sein!" Das helfe uns unser treuer Heiland Jesus Christus, daß wir solch heiliges und köstliches Sacrament immer mehr lieben und es hoch und heilig halten, wie sich gebühret. Er regiere uns mit seiner Gnade, daß wir in Gottesfurcht leben, von Herzen uns zu Gott befehren, mit Lust und Liebe den Leib und Blut Jesu Christi im Sacrament begehren, oft empfangen und dadurch in Christo dem Herrn leben, welcher sei hochgelobet in Ewigkeit. Amen. Drittes Kapitel. Die Gäste. Wenn du nun zum heiligen Abendmahle gehen willst, so ist es damit noch keinesweges gethan, daß du dein Abendmahlskleid anlegst, zum Altar hinzu trittst, das dir gereichte Brot isfest und aus dem dir gereichten Kelche trinkest. Es liegt alles daran, daß du würdig zum Tische Gottes kommest. Darum nimm es um Gotteswillen nicht zu leicht damit! Denn der heilige Apostel Paulus sagt: ,, Welcher nun unwürdig von diesem Brot isset oder von dem Kelch des Herrn trinket, der ist schuldig an dem Leibe und Blute des Herrn"( 1. Cor. 11, 27); und abermals V. 29: ,, Welcher unwürdig isset und trinfet, der isset und trinket ihm selber das Ge 51 richt, damit, daß er nicht unterscheidet den Leib des Herrn." Das Wort Gottes dringt in Jedermanns Ohr hinein mit seinem Schall, aber seine lebendigmachende Kraft beweist es nur an denen, die demselben nicht widerstreben, sondern stille halten und das Herz ihrem Herrn hingeben. Wer nun Gottes Wort nicht zum Leben hört, der höret es zum Tode( 2. Cor. 2, 16). Es bleibt dabei ein und dasselbe Wort Gottes. Es ist nur der Unterschied, ob es dir wird ein Geruch des Lebens zum Leben, oder ein Geruch des Todes zum Tode. So ist es auch mit dem heiligen Abendmahl. Ein jeder Abendmahlsgast, er mag glauben oder nicht, empfängt Christi Leib und Blut mit dem Munde. Aber nur denen gereicht das Empfangen zum Segen, welche das himmlische Gut zugleich geistlich nehmen, das heißt, im Herzen glauben, daß es sei der Leib, für sie gegeben, und das Blut, für sie vergoffen zur Vergebung der Sünden. Wer es aber nicht zum Segen empfängt, der empfängt es zum Gericht. Das ist gewißlich wahr. Es bleibt der Leib und das Blut des Herrn im Abendmahl kraft der göttlichen Einsetzung. Paulus sagt nicht: ,, Wer unwürdig isset und trinket, der empfängt nur Brot und Wein, aber nicht den Leib und das Blut Chriſti." Sondern er sagt: ,, Der isset und trinket sich selber das Gericht, damit, daß er nicht unterscheidet den Leib des Herrn." Das heißt doch nichts anders als: Der iffet und trinket sich selber das Gericht, weil er die Abendmahlsspeise genießt, als sei dieselbe nicht der Leib des Herrn, und sie nicht von schlechtem Brot 4* 52 und Wein unterscheidet. ,, Rein Heiliger auf Erden, ja fein Engel im Himmel kann Brot und Wein zu Christi Leib und Blut machen. Also kann es auch niemand ändern noch wandeln, ob es gleich gemißbraucht wird. Denn um der Person oder um des Unglaubens willen wird das Wort nicht falsch, dadurch es ein Sacrament geworden und eingesetzet ist. Denn Christus spricht nicht: ,, Wenn ihr glaubt oder würdig seid, so habt ihr meinen Leib und Blut", sondern: ,, Nehmet, esset und trinket, das ist mein Leib und Blut." Derhalben, wie die zehn Gebote, Vaterunser und Glauben bleiben in ihrem Wesen und Würden, ob du sie gleich nimmer hältst, betest und glaubest: also bleibet auch dies Sacrament unverändert, daß ihm nichts abgebrochen noch genommen wird, ob wir es gleich unwürdig nehmen oder geben. Was für Frucht kommt davon, so man Brot, Wein, Gold und alles Gut übel braucht, wiewohl sie an sich selbst Gott wohlgefallen? Verdammniß folget danach. Also auch hier. Je edler das Sacrament ist, desto größerer Schade kommt aus seinem Mißbrauch. Denn es ist nicht um seinetwegen, daß es Gott gefalle, sondern um unsertwillen, daß wir sein recht brauchen, den Glauben daran üben und durch dasselbe Gott gefällig werden." Durch das heilige Abendmahl werden wir also besser oder schlimmer. Wenn du nicht würdig zu Gottes Tische gehen willst, so thätest du besser, du gingest gar nicht dahin. Denn ein unwürdiger Genuß des Sacraments bringt nichts als Verderben an Leib und Seele. Judas nahm den Bissen, und der 53 Teufel fuhr in ihn( 3oh. 13, 27). Usa rührte die Lade Gottes an; da ergrimmete des Herrn Zorn über Usa, und Gott schlug ihn daselbst um seines Frevels willen, daß er starb bei der Lade Gottes( 2. Sam. 6, 6. 7). Die Sonne des Himmels stärkt und fräftigt alles, was Leben hat; das Todte aber verzehret sie, daß es desto eher verweset. Daher sagt der Herr ( 3ef. 65, 12 ff.): ,, Darum, daß ich rief, und ihr antwortetet nicht, daß ich redete, und ihr höretet nicht, sondern thatet, was mir übel gefiel, und erwähletet, das mir nicht gefiel; darum spricht der Herr Herr also: Siehe, meine Knechte sollen essen, ihr aber follt hungern; siehe, meine Knechte sollen trinken, ihr aber sollt dürsten; siehe, meine Knechte sollen fröhlich sein, ihr aber sollt zu Schanden werden; siehe, meine Knechte sollen vor gutem Muth jauchzen, ihr aber sollt vor Herzeleid schreien und vor Jammer heulen." Bedenke darum wohl, liebe Seele, was es heißt, ,, schuldig sein an dem Leibe und Blute des Herrn." Wer das Sacrament unwürdig isset und trinket, der wird von Gott als ein solcher angesehen, der seinen lieben Sohn selbst gekreuzigt und sein heiliges und theures Blut mitvergossen hat. Und wenn es nun im ewigen Gesetze Gottes heißt: ,, Wer Menschenblut vergießt, deß Blut foll wieder vergossen werden," welch unbarmherziges Gericht wird über den ergehen, der nicht Menschenblut, sondern das Blut des Gottessohnes vergossen hat! Und wenn Abels Blut um Rache schrie zu Gott, wie viel lauter wird Christi Blut zu ihm schreien, und wie viel schrecklicher wird 54 das Gericht sein, das über den kommt, der dies Blut vergossen hat, gegen jenes Gericht, welches den Cain traf, der seinen Bruder erschlug! Es wird ein solcher Rechenschaft geben müssen am jüngsten Tage von der schrecklichen Blutschuld, die er als Mörder Christi über sich gehäuft, und er wird zum Lohne empfangen den ewigen Tod. Davor behüte dich und mich der liebe himmlische Vater in Gnaden! Darum sind die beiden Fragen sehr ernst und wichtig: 1) Wer ist ein unwürdiger Gast und darf nicht zum heiligen Abendmahl gehen? 2) Wer ist würdig und darf zum heiligen Abendmahl gehen? Der Herr helfe mir, daß ich dir eine richtige Antwort gebe, und dir, daß du solch Wort auch zu Herzen nehmest, dich ernstlich prüfest und als ein würdiger Gast zu seinem Tische kommeſt! §. 9. Die unwürdigen Gäste. Wer sind die unwürdigen Communicanten? 1) Unbußfertige. Du weißt, das arme Menschenherz ist ein trotziges und verzagtes Ding. Die Entschuldigungen sind das Erste gewesen, womit der arme, sündige Mensch schon im Paradiese seine Blöße zudecken wollte. Die Entschuldigungen werden auch das Letzte sein, worin die armen Sünder noch am jüngsten Gerichte sich werden verstecken wollen. Dort sagt Adam: ,, Das Weib, das du mir zugesellet haſt, gab mir von dem Baum, und ich aß." Eva dagegen 55 spricht: ,, Die Schlange betrog mich also, daß ich aß"( 1. Mos. 3, 12. 13). Hier werden sie sagen: ,, Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig, oder durstig, oder einen Gast, oder nackend, oder krank, oder gefangen, und haben dir nicht gedienet"( Matth. 25, 44)? Oder sie werden sagen: ,, Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweisfaget? Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Thaten gethan"( Matth. 7, 22)? Solche Entschuldigungen macht sich das arme, unbekehrte Herz immerdar. Du darfst nur die kinder dieser Welt ansehen; ach, du darfst nur in dein eigenes Herz hineinsehen, so wirst du es finden und erfahren. Da wird bald an dem Worte des heiligen Gottes gerüttelt und geschüttelt; man möchte sich gern überreden, daß es nicht so genau und so streng zu verstehen sei, als da geschrieben stehet. Der Satan iſt immer bereit, sein Lügenwort: ,, Sollte Gott geſagt haben?" in das arme Herz hineinzurufen. Oder man sieht auf andere Menschen und fängt an, sich mit solchen zu vergleichen, die in offenbaren Sünden und Schanden leben. Dann heißt es gar bald: ,, Ich danke dir, Gott, daß ich nicht so bin, wie der oder jener, wie diese oder jene." Da fängt man an, seine eigenen Tugenden aufzusuchen und schmückt sich damit, und kommt sich wunder wie schön vor. Ich gehe fleißig zur Kirche, ich lese auch fleißig in der Bibel, ich bete alle Tage, am Morgen, am Abend und bei Tische, ich komme niemand mit Wissen und Willen zu nahe, ich thue auch manch gutes Werk." Summa: Ich bin ein guter Mensch, ich thue, was ich irgend kann, um 56 selig zu werden. Da werden die eigenen Sünden verdeckt und versteckt, oder gar zugestußt und zugeputzt, daß sie beinahe wie Tugenden aussehen. Der Geiz wird für Sparsamkeit, die Rechthaberei wird für Wahrheitsliebe u. dgl. ausgegeben. Am lieben Nächsten sieht man das allerkleinste und allergeringste Splitterchen, aber der Balken im eigenen Auge wird immer fleiner und kleiner, so daß man seiner zuletzt gar nicht mehr achtet. Wenn es hoch kommt, ſo bringt man es zu dem Bekenntniß: ,, Ich habe auch meine Fehler und Schwachheiten; nun, wir sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den wir an Gott haben sollen. Der liebe Gott wird ja gnädig und barmherzig sein und es nicht allzu streng mit mir nehmen." Das sind so in kurzem die jämmerlichen Entschuldigungen, hinter denen sich der alte Mensch versteckt, wenn das Wort Gottes ihm ernstlich zu Leibe will. Mein lieber Freund, das ist der Zustand der Unbußfertigkeit. Du willst nicht heran an das Bekenntniß: ,, Ich bin ein armer, elender Sünder." Du willst dich nicht demüthigen vor dem gerechten und heiligen Gott. Du meinst vielleicht gar, du thuſt dem lieben Gott noch einen Dienst damit, wenn du zu seinem Abendmahl gehst, und erwirbst dir damit ein großes Verdienst. Ach, mein Freund, hat denn der Bettler ein Verdienst, der dich um ein Almoſen bittet? Hat der Kranke ein Verdienst, der die Arzenei nimmt? Hüte dich vor solchen Gedanken! Du bist unwürdig zum heiligen Abendmahl. Jesus will nur mit armen Sündern zu thun haben. Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen." - " 1 57 Oder du gehest vielleicht dahin in Leichtsinn und Sicherheit. Die Welt schmeckt dir so süß und schön, ihre Lust und ihre Freuden haben dir dein Herz gefangen. Du gehest fröhlich und wohlgemuth mit dem großen Haufen auf dem breiten Wege dahin. Was der gerechte und heilige Gott von dir fordert, was sein Wort über dich und die Welt sagt, was er am jüngsten Tage sagen und richten wird, das kümmert dich nicht sehr. Du hast keine Zeit und keine Lust dazu, solche finsteren Gedanken in deinem Herzen auf kommen zu lassen. Du denkst wohl darüber nach, wie du fröhlich und glücklich leben, aber nicht, wie du selig sterben willst. Oder du meinst vielleicht, wenn du Vergebung der Sünden empfängst, nun sei alles abgemacht, nun könnest du ruhig wieder in den alten Sünden fortleben und die alten Wege wieder gehen. Dann trifft dich das Wort des Herrn: ,, Was soll mir die Menge eurer Opfer?" spricht der Herr. ,, Wenn ihr herein kommt, zu erscheinen vor mir; wer fordert solches von euren Händen, daß ihr auf meinen Vorhof tretet? Bringet nicht mehr Speisopfer so vergeblich. Das Räuchwerk ist mir ein Gräuel; der Neumonden und Sabbathe, da ihr zusammenkommt und Mühe und Angst habt, derer mag ich nicht. Meine Seele ist feind euren Neumonden und Jahreszeiten; ich bin derselben überdrüssig, ich bin es müde zu leiden. Und wenn ihr schon eure Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen von euch; und ob ihr schon viel betet, höre ich euch doch nicht; denn eure Hände sind voll Bluts. Waschet, reiniget euch, thut euer böses Wesen von meinen Augen, lasset ab vom 58 Bösen"( Jes. 1, 11-16)! Du bist unwürdig zum heiligen Abendmahl. Wenn du zu seinem Tische kommen willst, so sollst und mußt du erkennen, daß du ein armer Sünder bist. Du sollst und mußt erkennen, daß Christus auch um deiner Sünde willen hat leiden und sterben müssen, daß du ihm viele Arbeit gemacht hast mit deinen Sünden. Du sollst und mußt erkennen, daß du nichts, gar nichts hast, womit du vor deinem Gott bestehen und was du vor sein heiliges Angesicht bringen kannst, als die Gerechtigkeit und das Verdienst deines lieben Heilandes Jesu Christi. Du mußt, mit einem Worte, diese drei Stücke der rechtschaffenen Buße haben: 1) wahre Reue und Leid über die begangenen Sünden, 2) wahren Glauben an Jesum Christum, den einigen, wahren Sündenbüßer, 3) einen ernsten und beständigen Vorsatz, hinfort von Sünden abzustehen und dein Leben zu bessern. Hast du diese drei Stücke nicht, so bist du ein unwürdiger Gast am Tische deines Herrn. 2) Ungläubige. Wie stehst du zu deinem Heilande? Wer sagst du, daß des Menschen Sohn ſei? Das ist eine sehr ernste und wichtige Frage. Denn das heilige Abendmahl ist nicht ein Gedächtnißmahl zur Erinnerung an einen weisen und frommen Menschen, dessen man sich bei dieser Gelegenheit erinnern soll. Das heilige Abendmahl ist sein Leib, der für dich in den Tod gegeben ist, sein Blut, das für deine Sünden am Stamme des Kreuzes vergossen worden ist. Du mußt also glauben und bekennen, daß er der Sohn des lebendigen Gottes ist, der uns von unsern 59 Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels erlöset hat. Du mußt glauben und bekennen, daß er auch dein Heiland ist, daß er auch deine Missethat getragen hat, und daß sein Blut dich rein macht von allen deinen Sünden. Du mußt es wissen, glauben und bekennen, daß in keinem andern Heil ist, und daß den Menschen kein anderer Name gegeben ist, darin fie können selig werden, denn allein sein heiliger und hochgelobter Name. Wenn dir dieser Glaube fehlt, so bist du unwürdig zum heiligen Abendmahl. 3) Unverföhnliche. Du weißt, daß das heilige Abendmahl ein Versöhnungsmahl ist, und daß dir in demselben Vergebung deiner Sünden geschenket wird. Darum sollst du dich auch vorher mit deinem Bruder verföhnen. Der Herr sagt selbst: ,, Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst, und wirst allda eindenken, daß dein Bruder etwas wider dich habe, so laß allda vor dem Altar deine Gabe und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und alsdann komm und opfere deine Gabe"( Matth. 5, 23. 24)! Der Herr sagt ausdrücklich: ,, Wo ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben" ( Matth. 6, 15). Das kannst du sicherlich glauben. Wenn du mit einem Herzen voll Haß und Zorn vor deinem Gott und seinem Altar erscheinst, so bist du unwürdig zum heiligen Abendmahl. Du bekommſt keine Vergebung deiner Sünden, weil du deinem Bruder nicht vergeben willst, was er gegen dich gefündiget und gefehlet hat. Denn es ist ja ganz klar und deutlich, daß dir die Sünde deines Zornes und deiner 60 Feindschaft gegen deinen Bruder noch nicht von Herzen leid ist, du bist also noch unbußfertig. Es ist ganz klar und deutlich, daß du noch nicht an deinen Heiland glaubst. Sonst würdest du auch seinem Worte( Matth. 6, 15) glauben und gehorsam sein. Du darfst dich hierbei auch nicht entschuldigen, daß du deinem Feinde in deinem Herzen nicht zürnest, und daß du nur auf ihn wartest, daß er dir die Hand zur Versöhnung reiche. Du sollst zu ihm gehen, du sollst dich mit ihm versöhnen, du sollst ihm die Hand zum Frieden reichen und das Wort der Versöhnung sprechen. Das verlangt dein Heiland von dir. So lange du das noch nicht thun willst, so lange bist du auch noch ein unwürdiger Gast bei seinem heiligen Versöhnungsmahle. - 4) Heuchler. Warum willst du zum heiligen Abendmahle gehen? Hungert und dürstet dich nach der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, und die dein Heiland, Jesus Christus, allein dir schenken will und kann? Hast du ein herzliches Verlangen danach, seinen Tod zu rühmen und zu preisen, dich wiederum aufs neue mit deinem Heilande zu vereinigen und Kräfte des neuen Lebens von ihm zu bekommen? Hast du das ernste Verlangen, den neuen Bund der Liebe und des Gehorsams mit ihm in seinem heiligen Blute zu schließen? Das mußt du dich gar ernstlich fragen. Wehe dir, wenn du zu seinem Altare und zu seinem heiligen Mahle gingest um der Menschen willen, daß du von den Leuten gesehen würdest! Wehe dir, wenn du um deiner Freunde, um deiner Gönner, ja selbſt. um deines Predigers willen es thätest! Du willst 61 vielleicht, daß sie dich für einen frommen, rechtschaffenen Christenmenschen halten sollen. Du willst nicht ganz und gar mit der Kirche und ihren heiligen Ordnungen brechen. Das heißt lügen und trügen bei dem Namen des Herrn, und der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen heiligen Namen mißbraucht. Du hast es hier nicht mit Menschen zu thun, sondern mit dem heiligen und gerechten Gott, der Herzen und Nieren prüft, der alle Unlauterkeit sieht und im Gericht ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen war. Dann gilt auch von dir das ernste und furchtbare Wort des Herrn: ,, Dies Volk nahet sich zu mir mit seinem Munde und ehret mich mit ſeinen Lippen, aber ihr Herz ist ferne von mir." Du biſt unwürdig zum heiligen Abendmahl. 5) Abergläubische. Warum gehest du zum heiligen Abendmahl? Das bleibt immer noch die ernste Frage. Es giebt, Gott sei es geklagt, viele Christen, die suchen an seinem Altare etwas anderes, als was der Herr dort geben und schenken will. ,, Bergebung der Sünden, Leben und ewige Seligkeit," das ist die goldene Inschrift, die darüber geschrieben stehet. Das sollst du glauben, und daran hast du genug. Es giebt aber ihrer viele, die suchen, wenn sie krank sind, blos Heilung der leiblichen Krankheit in dem hochwürdigen Sacrament. Es giebt viele, die suchen dort Segen für irgend eine Arbeit und ein Werk, das sie anfangen und beginnen wollen. Es giebt sogar viele, die suchen dort eine Bekräftigung und Bestätigung, oft für sündliche und gottlose Absichten, und was des heillosen und abscheulichen Aberglaubens mehr iſt. 62 Davor behüte uns, lieber himmlischer Vater! Ich will nicht läugnen, was Matth. 6, 33 geschrieben steht: ,, Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen." Wenn du Vergebung der Sünden, Leben und Seligfeit dort suchest und findest, so wirst du auch reichen Segen für deinen Leib und dein Haus, für dein Werk und deine Arbeit erhalten. Darauf kannst du dich sicher verlassen. Denn derselbe treue Heiland, der zu dem armen Gichtbrüchigen sagte: ,, Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!" der heilte auch die Krankheit seines Leibes und sprach zu ihm: ,, Stehe auf, hebe dein Bette auf, und gehe heim!" Derselbe trene Heiland, der in des Zachäus Hause einkehrte und ihm seine Sünden vergab, der sprach auch zu ihm: ,, Heute ist diesem Hause Heil widerfahren." Du mußt dich aber ernstlich davor hüten, daß du etwas anderes bei ihm und in seinem heiligen Abendmahle suchest und begehrest, als Vergebung der Sünden, Leben und ewige Seligkeit. 3st dies nicht das Erste und Letzte, wonach du Verlangen hast, so bist du unwürdig zu seinem heiligen Abendmahl. 6) Gewohnheitsgäste. Warum gehest du zum heiligen Abendmahl? Das bleibt noch einmal die ernste und wichtige Frage, die du dir vorlegen sollst. Gehſt du vielleicht darum, weil dich dein Kalender daran erinnert, weil es nun wieder die Zeit ist, in der du gewöhnlich zu seinem Altar kommst? Ich will es nicht geradezu tadeln, daß du dir auch hierin eine Sitte und Ordnung gemacht hast. Wenn es aber blos die Gewohnheit wäre, die dich zum heiligen Sacrament 63 hintriebe, wenn es nicht der Hunger und Durst wäre nach der Gerechtigkeit, die dein Heiland dir schenken will, so wärest du unwürdig zum heiligen Abendmahl, und es wäre dir besser, du bliebest davon. Ich muß dir das sagen um deines eigenen Heiles willen. Darum prüfe dich ernstlich und nimm es nicht zu leicht mit dem heiligen Abendmahl! §. 10. Die würdigen Gäste. Nimm es aber auch nicht zu schwer mit dem heiligen Abendmahl! Es ist kein Gerichtsmahl, sondern es ist ein Freuden- und Liebesmahl. Es ist ja deines Heilandes Gnade und Barmherzigkeit, die es eingesetzet und verordnet hat, damit wir dadurch leben sollen. ,, Und des Menschen Sohn ist nicht in die Welt gekommen, daß er die Welt richte, sondern, daß die Welt durch ihn selig werde." Darum nimm es nicht zu schwer! Fürchte dich nicht, glaube nur! Ein bußfertiger Blick in dein Herz, ein gläubiger Blick auf das Kreuz des Herrn Jesu, das ist wahrlich ein leichter Weg zum Tische des Herrn. 1) Laß dich darum nicht vom heiligen Abendmahl zurückhalten, wenn du dich dürr und arm fühlst in deinem Herzen! Du fühlest dich vielleicht schwach im Glauben. Das soll dich nicht vom heiligen Sacrament scheiden. Denn es ist eben für arme, elende Sünder eingesetzet, für die erschrockenen Gewissen, welche ihre Sünden fühlen, vor Gottes Zorn 64 und Urtheil erschrecken und nach seinem Troste verlangen. Du sollst glauben und nicht wanken, Daß es sei ein' Speif' der Kranken, Deren Herz vor Sünden schwer Und vor Angst betrübet sehr. Du klagst vielleicht, daß du deine Sünden zu wenig fühlst, daß deine Reue und Buße noch lange nicht genug und völlig sei. Siehe, da hast du gleich eine Noth, die dich zum heiligen Abendmahl hintreiben, aber nicht davon wegtreiben foll. Denn nicht deine Buße und deine Zerknirschung ist es, womit du den großen Gott bezahlen kannst und sollst, sondern die Barmherzigkeit deines Gottes in Christo Jesu. Es kommt hier nicht auf dich, sondern auf ihn an. Und je ärmer du bist, desto reicher ist er in seiner Gnade und Barmherzigkeit. Es kommt nicht auf das an, was du fühlst und was du thust, sondern auf das, was er vor achtzehnhundert Jahren für dich gethan hat und täglich an dir thut. Glaubest du dies, und bist du bei allem Gefühle deiner Unwürdigkeit recht hungrig und durstig nach seiner Gnade, so komm getrost, iß und trink, was er in seinem heiligen Mahle dir vorsetzt, und womit er deinen Glauben stärken und deine Liebe entzünden will. Je ärmer du dich fühlst, desto fröhlicher kannst du dich seiner gnädigen Verheißung getrösten: ,, Selig sind, die da geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihr!" 2) Du klagest, daß dein Glaube und dein Gehorsam noch so schwach sei, daß du nicht mit rechter Freudigkeit und mit rechtem Ernste wachest und 65 beteſt, daß du noch nicht mit rechter Treue und Beständigkeit kämpfest und streitest wider den Teufel, die Welt und deines eigenen Fleisches Willen. Ach, liebes Herz, jemehr du über dich klagen mußt, desto mehr ist Jesus dein Arzt, der das zerstoßne Rohr nicht zerbrechen und das glimmende Docht nicht auslöschen will( Jes. 42, 3). Siehe die heiligen Apostel an! Als sie das erste Abendmahl empfingen, da waren sie noch gar schwach in der Nachfolge des Herrn. Darum verließen sie ihn alle in derselbigen Nacht, und Petrus verläugnete ihn sogar, indem er sich verfluchte und verschwor: ,, Ich kenne den Menschen nicht." Und doch gab ihnen der Herr sein Abendmahl. Ja, gleich nach demselben zanken sie sich und streiten darüber, welcher unter ihnen für den größesten gehalten werden soll. Das alles hat der Heiland mit Geduld und Sanftmuth getragen, weil es ihnen in der Hauptsache nicht fehlte. Sie hatten demüthigen Glauben an ihn und Liebe zu ihm. Wo dies nur in deinem armen Herzen zu finden ist, da spricht der Herr: ,, Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig"( 2. Cor. 12, 9). Daher sagt Paulus: ,, Ich will mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Christi bei mir wohne." Du klagest, daß du noch mit so vielen Sünden zu kämpfen hast. Du kannst noch nicht recht Herr über sie werden. Liebes Herz, wenn du darauf warten willst, daß alle Sünde und alle Sündenlust erst in dir getilget werden soll, dann kannst du in deinem Leben nicht zum heiligen Sacrament kommen. Es kommt Beicht- und Abendmahlsbuch. 5 66 nur darauf an, ob du an der Sünde noch Lust und Gefallen hast, oder ob du sie ernstlich los werden willst. Wohl dir, wenn du das nur willst, so bist du deinem Heilande grade recht. Solche Herzen will er haben, um als der himmlische Arzt sie zu heilen und zu bessern. ,, Ich will das Verlorene wiedersuchen, und das Verirrte wiederbringen, und das Verwundete verbinden, und des Schwachen warten": so spricht der Herr( Hesek. 34, 16). Und sein heiliges Abendmahl ist eben die allerbeste und allerkräftigste Arzenei, die sich an vielen Tausenden solcher schwachen und kranken Herzen schon kräftig und wirksam erwiesen hat. Darum gehe nur getrost zu ihm, klage ihm deine Noth und gieb ihm dein Herz; du wirst es erfahren, daß er helfen will und helfen fann. 3) Du bist vielleicht in schweren geistlichen Anfechtungen. Du klagest, du kannst nicht glauben. Es kommt dir so vor, als ob dein Gott dich verlassen habe. Du hast keinen Trost und keine Kraft zum Gebet; es ist finster und dunkel in deinem Herzen. Armes Herz, das ist Satans List, der dich von deinem Gott und Heiland abwendig machen will. In der Noth hat der fromme Hiob auch gesteckt. Darum klagt er: ,, Die Pfeile des Allmächtigen stecken in mir, derſelben Grimm säuft aus meinen Geist, und die Schreckniſse Gottes sind auf mich gerichtet"( Hiob 6, 4) und: ,, Schreie ich zu dir, so antwortest du mir nicht; trete ich hervor, so achtest du nicht auf mich. Du biſt mir verwandelt in einen Grausamen, und zeigest deinen Gram an mir mit der Stärke deiner Hand. Du hebest mich auf und läsfest mich auf dem Winde fahren 67 und zerschmelzest mich kräftiglich"( Hiob 30, 20-22). In der Noth hat der fromme David auch gesteckt und ist doch ein Mann nach dem Herzen Gottes geweſen. Darum klagt er: ,, Herr, wie lange willst du meiner so gar vergessen? Wie lange verbirgest du dein Antlitz vor mir"( Pf. 13, 2)? Wird denn der Herr ewiglich verstoßen und keine Gnade mehr erzeigen? Ist's denn ganz und gar aus mit seiner Güte? Und hat die Verheißung ein Ende? Hat denn Gott vergessen, gnädig zu sein, und seine Barmherzigkeit vor Zorn verschlossen"( Ps. 77, 8-10)? ,, Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe vor deinem Drohen, und ist kein Friede in meinen Gebeinen vor meiner Sünde"( Pf. 38, 4). Das sind die feurigen Pfeile des Bösewichts, von denen St. Paulus schreibt ( Eph. 6, 16); das sind die Faustschläge, die wir von des Satans Engel erdulden müssen( 2. Cor. 12, 7); das ist das Gebrüll des Löwen, der umhergeht und suchet, welchen er verschlinge( 1. Petr. 5, 8). Solche Noth kommt im Anfange unserer Bekehrung, wenn der Geist Gottes den armen Sünder aufweckt, ihm sein ganzes Elend und Verderben aufdeckt und die Welt mit ihrer Lust ihm bitter macht. Da ist eitel Angst und Herzeleid, wenn die Feigenblätter hinweggenommen sind, womit wir unsere jämmerliche Blöße zudeckten; wenn die faulen und morschen Stützen, auf die wir unsere Hoffnung gründeten, weggerissen werden. Da heißt es dann: ,, Meine Sünden gehen über mein Haupt, wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden"( Pf. 38, 5). Solche Noth kommt aber auch, wenn wir schon im Stande der Unly, Bibl, Glessen 5* 68 Gnade sind. Da geräth das Herz um der vielen Sünden und Untreue willen, deren wir uns täglich und reichlich anklagen müssen, oft in großen Kummer und Noth und fängt an, an seinem Gnadenstande zu verzweifeln. Da fängt der Herr manchmal an, sich zu stellen, als wollte er von uns gehen, damit wir desto demüthiger und zerschlagener ihn bitten und anrufen sollen: ,, Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden!" Solche Anfechtungen sind uns gar nöthig, damit das Gold des Glaubens in der Hitze der Trübsal und Anfechtung gereiniget und bewähret werde. Das Gold wird auf dem Feuerheerd, der Christ wird in der Noth bewährt." Und oft wird die Noth und die Anfechtung so groß und furchtbar, daß das arme Herz sich einredet, es habe die Sünde wider den heiligen Geist begangen und sei unrettbar und in alle Ewigkeit verloren. Da meint dann so eine arme, angefochtene Seele, sie dürfe nicht zum heiligen Abendmahle kommen. Da mußt du dir ganz besonders die eine Frage vorlegen: Wünschest du von ganzem Herzen, in der Buße und im Glauben zu stehen? Wenn solch Wünschen und Verlangen in deinem Herzen ist, dann hast du ein sicheres und gewisses Zeugniß, daß du auf gutem Wege bist. Die unbekehrten Sünder machen weder einen rechten Ansatz zur Buße, noch tragen sie ein herzliches Verlangen nach der Gnade Gottes in sich. Wenn du sehnlich dir die Buße wünschest, so iſt das schon Buße; wenn du sehnlich dir den Glauben wünschest, so ist das schon Glaube. Wenn du angefochten wirst, ob du auch die Sünde wider 69 den heiligen Geist begangen habest, so ist das ein sicheres Zeugniß, daß der heilige Geist noch in deinem Herzen lebet und wirket, daß er dein Gewissen zart und ängstlich und die Erkenntniß deiner Sünde groß und start gemacht hat. Denn wer die Sünde wider den heiligen Geist begangen hat, der bekümmert sich nicht mehr über seine Sünde, der ist in seinem Herzen so hartnäckig und verstockt, daß er kein Wort und keinen Ruf des heiligen Geistes mehr hört und muthwillig die Gnade seines Gottes von sich stößt und die Gnadenmittel verachtet. Darum sei getrost, armes Herz, dir gilt das Wort deines Heilandes: ,, Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken"( Luc. 5, 31). Dir gilt die Verheißung: ,, Die Elenden sollen essen, daß sie satt werden, und die nach dem Herrn fragen, werden ihn preisen; euer Herz foll ewiglich leben"( Ps. 22, 27). Wenn du auch findest, daß grade vor dem Abendmahl die bösen Gedanken lauter und heftiger als sonst in dir werden, so laß dich dadurch nicht abschrecken. Der böse Feind möchte dir gern den Weg zum Altar verschließen. Darum schickt er dir die gottlosen und die unkeuschen, die gemeinen und die gotteslästerlichen Gedanken. Das sind die Steine, die er dir in den Weg wirft, daß du dich daran stoßen oder darüber fallen sollst. Da mußt du Muth fassen und fröhlich und getrost sprechen: ,, Hebe dich weg, Satan! Ich gehe so gewiß würdig zum heiligen Abendmahl, als Gott im Himmel lebt. Jesus ist mein Heiland, und ich lasse ihn nicht. Er wird mir gewiß helfen, deine Pfeile auslöschen und deine Werke zerstören." Und 70 dann demüthige dich um so tiefer, und klage deinem Heilande deine Noth um so inbrünstiger, und du wirst es erfahren, daß er dein Heiland, dein Helfer und Erbarmer ist. Und wenn du klagest, daß du nicht beten könnest und doch so gern beten wollest, so halte dich an das Wort Röm. 8, 26: ,, Der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sichs gebühret; sondern der Geist selbst vertritt uns aufs beste mit unaussprechlichem Seufzen." Oder wie du in dem schönen Liede singst: Und wenn an meinem Orte Sich Furcht und Schwachheit find't, So seufzt und spricht er Worte, Die unaussprechlich sind Mir zwar und meinem Munde, Gott aber wohl bewußt, Der an des Herzens Grunde Erfiehet seine Lust. Deine Seufzer sind auch herzinnige Gebete und dringen zum Herzen deines Gottes. Sei nur stille und harre des Herrn! Er sagt: ,, Wenn ihr stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein"( Jef. 30, 15). 4) Du hast vielleicht viele Geschäfte und Zer= streuungen, schwere Sorgen und Leiden, die dein Herz einnehmen und beschweren. Du meinst, du kannst so nicht zum heiligen Abendmahle gehen. Du sollst dich freilich hüten, daß du deine Seele nicht so sehr in irdische Geschäfte und Sorgen verstrickest, damit du dir nicht den Zutritt zum heiligen Abendmahle selbſt verschließest. Du kannst aber auch in diesem Stücke 71 zu ängstlich und besorgt sein. Wenn es dein herzliches Verlangen ist, aus allen Sorgen und Zerstreuungen heraus zu treten auf die Höhe, wo dein Gott und Herr dich trösten und erquicken kann, so biſt du des heiligen Abendmahls würdig und bedürftig. Gehe dann nur getrost zum Tische des Herrn, nachdem du zu ihm gerufen haft: Ach erheb' die matten Kräfte, Sich einmal zu reißen los, Und durch alle Weltgeschäfte Durchgebrochen stehen bloß! Gehe zu ihm, wirf alle deine Sorgen auf ihn, und er wird dir schon helfen. Es hat schon so manche Seele erfahren, daß sie gerade nach solchen Sorgen und Geschäften, die ihr Herz gefangen hielten, durch das heilige Abendmahl einen rechten Segen bekommen hat. Und die allzu große Aengstlichkeit in dieſem Stück kann dich vielleicht um diesen großen und reichen Segen bringen. Höre, was der ehrwürdige Dr. Martin Luther davon schreibt: ,, Ich will," spricht er ,,, allen, die sich wollen warnen lassen, meine selbst eigene Erfahrung hier anzeigen, damit man lerne, welch ein listiger Schalk der Teufel sei. Es ist mir etliche Male vorgekommen, daß ich mir vorgesetzet habe, auf den einen oder andern Tag zum Sacrament zu gehen. Wenn der Tag gekommen ist, ist solche Andacht weg gewesen, oder sonst etwa ein Hinderniß gekommen, oder habe mich ungeschickt gedäucht, daß ich sprach: Wohlan, über acht Tage will ichs thun!" Der achte Tag fand mich abermal ebenfo ungeschickt und gehindert als jener. ,, Wohlan! abermal über acht Tage "" 72 will ichs thun!" Solcher acht Tage wurden mir so viel, daß ich wohl wäre gar davon gekommen und nimmer zum Sacrament gegangen. Als mir aber Gott die Gnade gab, daß ich merkte des Teufels Büberei, sprach ich: ,, Wollen wir das, Satan, ſo habe dir ein gut Jahr mit deiner und meiner Geschicklichkeit!" Und riß mich durch und ging hinzu, zum Trotz dem Teufel. Und habe also bei mir selbst erfunden: Wenn einer schon keine Lust und Andacht zum Sacrament hat und doch mit Ernst sich erwäget, dahin zu gehen, so machen ihm solche Gedanken und das Werk an ihm selbst auch Andacht und Lust genug, vertreiben auch fein solche faulen und unlustigen Gedanken, die einen hindern und ungeschickt machen. Denn es ist ein gnadenreich und kräftig Sacrament; wenn man nur ein wenig daran mit Ernst gedenket und sich hierzu schickt, so zündet es an, reizet und ziehet weiter ein Herz zu sich. Versuchs nur, und wo du es nicht findest, so strafe mich Lügen. Was gilts, du wirst auch finden, wie dich der Teufel so meiſterlich genarrt und so listig vom Sacrament gehalten hat, damit er dich mit der Zeit gar vom Glauben und ins Bergessen deines lieben Heilandes und aller deiner Noth bringen möchte." Da gilt es einen fröhlichen Muth und ein frisches Gebet zu dem Durchbrecher aller Bande, und er wird dir schon helfen und dich frei und los, andächtig und geschickt machen. 5) Vielleicht hält dich vom Abendmahle noch ab, daß du mit deinem Nächsten in Unfrieden lebst. Da hast du ganz recht und thust wohl daran. So lange du deinem Nächsten noch nicht vergeben und ihn 73 nicht um Vergebung gebeten hast, so lange darfst du nicht zum Tische des Herrn kommen. Du würdeſt dir sonst dort das Gericht essen und trinken. Darum mußt du vorher deinem Widersacher von Herzen vergeben. Alsdann gehe zu ihm, reiche ihm die Hand des Friedens und der Versöhnung, auch wenn er dich beleidiget hat, erweise ihm alles Gute und Liebe, damit du sein Herz wieder gewinnest, und rede herzlich und freundlich mit ihm. Wenn du das in christlicher Weise gethan haft, und dein Widersacher will sich durchaus nicht mit dir versöhnen, so hast du es nur noch mit deinem Gott zu thun. Vergieb deinem Feinde alles, was er gegen dich gefehlet und gesündiget hat, vor dem heiligen Angesichte deines Gottes! Bitte den Herrn, deinen Gott, um Vergebung aller deiner Sünden, die du gegen deinen Nächsten begangen hast! Bete auch für deinen Feind, wie dein Heiland es am Stamme des Kreuzes gethan hat, daß Gott ihm gnädig und barmherzig sein möge. Wenn du das gethan haſt, kannst du getrost alles dem anheimstellen, der da recht richtet, und voller Zuversicht zu dem Tische deines Herrn treten. Der Gott aber aller Gnade und alles Trostes gebe dir seinen reichen Segen, und lasse dir sein heiliges Abendmahl gereichen zur Stärkung deines Glaubens, zum Trost deines betrübten und angefochtenen Gewissens, zum leiblichen und geistlichen, zum zeitlichen und ewigen Heil und Wohlergehen! Amen. 74 Viertes Kapitel. Das hochzeitliche Kleid. §. 11. Die Vorbereitung. STADT 327 Du suchst dein bestes Kleid aus, um es deinem lieben Heilande zu Ehren bei seinem heiligen Mahle anzulegen. Liebe Seele, vergiß aber das Allerbeste nicht, dich selber zu schmücken! Wie es in dem Liede heißt: Schmücke dich, o liebe Seele, Laß die dunkle Sündenhöhle; Komm ans helle Licht gegangen, Fange herrlich an zu prangen; Denn der Herr voll Heil und Gnaden Will dich jetzt zu Gaste laden; Der den Himmel kann verwalten, Will jetzt Herberg' in dir halten. Der König kommt, seine Gäste zu besehen( Matth. 22, 11). Er sieht nicht auf das auswendige Kleid, das du trägst, er sieht, ob du das rechte hochzeitliche Kleid haft, um an seinem Tische auch würdiglich zu erscheinen. ,, Wer empfängt denn solch Sacrament würdiglich?" Darauf antwortet unser kleiner Katechismus also: ,, Fasten und leiblich sich bereiten ist wohl eine feine äußerliche Zucht; aber der ist recht würdig und wohl geschickt, der den Glauben hat an diese Worte: Für 75 euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden! Wer aber diesen Worten nicht glaubet oder zweifelt, der ist unwürdig und ungeschickt, denn das Wort: Für euch! erfordert eitel gläubige Herzen." Daraus wirst du sehen, daß es eine zwiefache Bereitung für das heilige Abendmahl giebt, eine äußerliche und eine innerliche, eine leibliche und eine geistliche. Die äußerliche Vorbereitung ist das Fasten und leiblich sich Bereiten. Das ist eine gute Vorbereitung, und Gottes Wort verwirft sie nicht. Der Herr sagt selber( Matth. 17, 21): ,, Diese Art fähret nicht aus, denn durch Beten und Fasten." Und sein. Apostel ermahnt die Eheleute: ,, Entziehe sich nicht eines dem andern, es sei denn aus beider Bewilligung eine Zeit lang, daß ihr zum Fasten und Beten Muße habt, und kommt wieder zusammen, auf daß euch der Satan nicht versuche um eurer Unkeuschheit willen"( 1. Cor. 7, 5)! Und an einem andern Orte: ,, In allen Dingen lasset uns beweisen als die Diener Gottes, in großer Geduld, in Trübfalen, in Nöthen, in Aengſten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhren, in Arbeit, in Wachen, in Fasten"( 2. Cor. 6, 4. 5). Darum nennt der Dr. Luther das Fasten auch ,, eine feine äußerliche Zucht." Wenn der Leib recht nüchtern ist, so ist auch Herz und Sinn nüchtern und zur Andacht weit mehr geschickt. Darum soll man das Fasten durchaus nicht verwerfen, sondern als eine gute Zucht und Uebung in Ehren halten. Aber dabei darf doch nicht vergessen werden: 1) Es ist nur eine leibliche Uebung, eine äußerliche Zucht, und die heilige Schrift sagt davon: ,, Die leibliche Uebung 76 ist wenig nütze; aber die Gottseligkeit ist zu allen Dingen nüße und hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens"( 1. Tim. 4, 8). 2) Den Schwachen darf daraus kein Gesetz gemacht und fein neues Joch auferlegt werden. 3) Du darfst nicht meinen, daß du dadurch schon ein würdiger Gast bei dem heiligen Abendmahle wirst, sonst möchte ich dir von ganzem Herzen rathen, es lieber zu lassen.- Zu dem Fasten und der leiblichen Bereitung gehört auch noch, daß du dich mit deinem Anzuge, deiner Kleidung und deinem Schmuck nicht zerstreuest. Du sollst nur auf das Eine denken, daß du auch mit dem rechten hochzeitlichen Kleide an der Tafel deines Königs erscheinest. Das ist die rechte Hauptsache; und das giebt dir nur die innerliche, geistliche Bereitung. Was gehört nun also zur rechten, würdigen Vorbereitung? St. Paulus fagt: ,, Der Mensch aber prüfe sich selbst, und also esse er von diesem Brot und trinke von diesem Kelch. Denn welcher unwürdig isset und trinket, der isset und trinket ihm selber das Gericht, damit daß er nicht unterscheidet den Leib des Herrn"( 1. Cor. 11, 28. 29). Daraus siehest du, daß es unbedingt nöthig ist, daß du dich selbst und dein Herz recht ernstlich und gründlich prüfest und erforschest, ehe du zum heiligen Abendmahle geheft. Denn, wie es im Katechismus heißt: ,, Der ist recht würdig und wohl geschickt, der den Glauben hat an diese Worte: Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden!" Du kannſt aber das Wort: Für euch! für dich! nicht mit frischem und fröhlichem Herzen glauben, wenn du nicht vorher 77 deine Sünden erkannt und bekannt haft. Darum ist es vor allen Dingen nothwendig, daß du deine Sünde rechtschaffen erkennest, oder daß du betrachtest, wie oft und wie mannichfaltig du gefündiget hast. Das kannſt du aber nicht, wenn du dich nicht vorher ernstlich und gründlich prüfest. Diese Selbstprüfung mußt du zu Hause vornehmen, im stillen Kämmerlein, ehe du zur Kirche gehest. Dazu können dir die heiligen zehn Gebote dienen, welche sind der Spiegel zart, der uns anzeigt die sündig' Art, in unserm Fleisch verborgen." ,, Durch das Gesetz kommt Erkenntniß der Sünde" ( Röm. 3, 20). Darum frage dich also, indem du bei jeder Frage stille steheſt: Habe ich meinen Gott immer vor Augen und im Herzen gehabt und mich gehütet, daß ich in keine Sünde willigte, noch wider Gottes Gebot gethan? Habe ich, wenn mich der Teufel oder die Welt, oder mein Fleisch und Blut zur Sünde reizen wollten, sie träftig abgewiesen? Habe ich immer an das allsehende Auge und an das allhörende Ohr meines Gottes gedacht? Habe ich nach vollbrachter Sünde mehr geforget und mich bemühet, daß es nur die Menschen nicht erführen, und es vor ihnen verschwiegen bliebe, als wie ich Gott verföhnen möchte? Habe ich mich also mehr vor Menschen gefürchtet und gescheuet, als vor dem hochheiligen und gerechten Gott? Habe ich auch alles, was ich gethan habe, blos darum gethan, daß ich meinen Gott ehrte, oder um meiner selbſt willen, damit ich Ehre und Ruhm vor der Welt haben möchte? Habe ich auch, wenn ich etwas Gutes ausgerichtet, es Gott allein zugeschrieben und ihm die 78 Ehre gegeben, oder habe ich meiner Kunst und Geschicklichkeit, meiner Arbeit und Klugheit es zugeschrieben? Habe ich auch alle Mühe angewendet, daß ich meinen Gott recht erkennen möchte, und wie viel Stunden habe ich die Woche darauf verwendet, daß ich in meinem Glauben zunehmen möchte, oder ist dies meine geringste Sorge gewesen? Habe ich auch meinen Gott von Herzen geliebt, und ist mir nichts auf der Welt so lieb gewesen als mein Gott, oder habe ich meine Ehre, meinen Eigennut, meine Freunde, meine eigene Lust dem großen Gott vorgezogen? Habe ich meinen Gott auch unter schwerem Kreuz so lieb gehabt, als in guten Tagen, oder bin ich ungeduldig geworden und habe wider den Herrn gemurret? Habe ich auch meinem Jesus, der mich so brünstig geliebt hat, für seine Martern und Qualen, die er um meinetwillen ausgestanden, täglich herzlich gedanket und ihm mein ganzes Herz zum Eigenthum gegeben? Habe ich auch meinem Fleische um Christi willen wehe gethan, um Christi willen mich selbst verleugnet, mit aller Macht und Gewalt meinen fündlichen Lüften widerstanden und mein Fleisch gekreuziget, oder habe ich gewandelt nach meinen eigenen Lüsten? Habe ich auch oft böse Gedanken von Gott gehabt, wenn ich mich in seine Gerichte nicht finden konnte, da er es den Bösen oft wohl und den Frommen übel gehen läßt, und also den gerechtesten Richter für einen ungerechten Gott gehalten? Habe ich auch Gottes Langmuth und Barmherzigkeit, wenn er mich bei Begehung einer Sünde nicht alsbald strafte, gemißbraucht und immer auf's neue gesündigt? Habe ich auch in der Noth mich einzig 79 und allein auf Gott verlassen, oder mehr auf Menschen, ihre Freundschaft und ihren Reichthum, ihre Macht und Gewalt gesehen, und also Menschen zu meinem Gotte gemacht? Habe ich auch jemals einen falschen Eid gethan und damit alle Hülfe Gottes verschworen? Habe ich auch den Eid, den ich bei Antretung meines Amtes und Standes abgelegt, treulich gehalten und demselben genau nachgelebt? Habe ich auch meine Lippen gewöhnt, mich aller Schwüre im gemeinen Leben zu ent halten, und meine Worte: Ja, ja, nein, nein! sein lassen? Habe ich meines Gottes Namen durch Fluchen geschändet und gemißbraucht? Habe ich auch meinen Nächsten, wenn er leichtsinnig geschworen und sündlich gefluchet, dafür ernstlich gestraft und ihm sein Unrecht vorgestellt? Habe ich auch Lust an Wahrsagen, Aberglauben, Besprechen und andern solchen sündlichen Dingen gehabt? Habe ich zu meinem Gott immer von Herzen gebetet, ihm gedanket und ihn gelobet? Habe ich immer seinen Namen, sein Wort und seine Wahrheit, und alles, was zu seiner Ehre und zu seinem Reiche gehöret, beständiglich bekannt und christlich gebraucht? Habe ich auch meinem Gott von Grund des Herzens gedankt, daß er mich in solcher Kirche hat laſſen. geboren werden, in welcher sein heiliges Wort rein und lauter gelehret und die heiligen Sacramente nach seiner Einsetzung verwaltet werden? Habe ich ihn auch brünstig angerufen, daß er sein Wort noch ferner unter uns unverfälscht erhalten möge? Habe ich auch meinem Gott herzlich dafür gedankt, daß er durch das Bad 80 der heiligen Taufe mich zu seinem Kinde angenommen hat? Habe ich auch den Sonntag meinem Gott zu seinem Dienste ganz gegeben, oder habe ich denselben zu meinen weltlichen Geschäften oder zu den Lüsten meines Fleisches gemißbraucht? Bin ich auch immer aus herzlicher Andacht in die Kirche gegangen, weil meine Seele hungerte nach dem Brot des Lebens, oder habe ich aus bloßer Gewohnheit, weil es Sonntag war, und damit die Leute nicht übel von mir reden möchten, den Gottesdienst besucht? Habe ich in der Kirche auch mit Andacht gesungen und gebetet, mit herzlicher Andacht die Predigt angehöret und sie im Herzen bewegt und behalten, so gut ich konnte? Haben die Predigten, die ich gehört, mir etwas geholfen und bin ich dadurch frömmer geworden, oder habe ich den Segen mir durch meine Schuld verderbt? Habe ich auch die Meinigen, meinen Ehegatten, meine Kinder und mein Gesinde und alle Genossen meines Hauſes fleißig zum Gottesdienste angehalten? Habe ich die Bibel lieb gehabt und fleißig darin gelesen, sie heilig gehalten und darinnen geforschet und gelernet? Habe ich auch meine Eltern in Ehren gehalten? Bin ich ihnen recht dankbar gewesen für alle ihre große Mühe und Arbeit, die sie mit mir gehabt haben? Bin ich ungehorsam und widerwillig gewesen, und habe ich ihre große Wohlthat mit Undankbarkeit vergolten? Habe ich auch für meine Obrigkeit fleißig gebetet, daß der Geist des Herrn auf ihr ruhe, Gott sie regiere, heilige Rathschläge ihr eingebe, und sie wider alle Feinde beschirme und beschütze? Habe ich wider meine Obrigkeit, die Gott an seiner Statt eingesezzet, Böſes 81 geredet? Habe ich ihre Ordnungen und Gesetze in Acht genommen oder denselben widerstrebt? Bin ich allen meinen Herren im Hause, in der Kirche und im Vaterlande treu und gehorsam gewesen? Habe ich als Vater oder Mutter mich auch meiner Kinder und meines Gesindes treulich angenommen und dafür geforgt, daß sie auch in Erkenntniß Gottes und in christlichem Wandel wohl erzogen werden? Habe ich mein Leben durch muthwillige Sünden, durch Saufen, Fressen und dergleichen selbst verkürzet? Erinnere ich mich auch öfters meines Todes, und bereite ich mich alle Tage dazu? Habe ich mir nicht muthwillig und ohne Noth manchen Feind gemacht? Habe ich meinem Widersacher alle seine Sünden gegen mich herzlich vergeben? Bin ich nicht vielleicht auf Rache bedacht gewesen und habe gesonnen, wie ich ihn in Noth und Unglück bringen möchte? Habe ich meinem Feinde vielleicht den Haß und die Feindschaft anderer Leute zugezogen? Habe ich immer gesegnet, wo mir geflucht wurde, habe ich denen, die mich hassen, wohlgethan, und für die gebetet, die mich beleidigten oder verfolgten? Habe ich meinen Nächsten durch böſe, sündliche Worte gekräntet, oder ihm vielleicht gar an seinem Leibe Schaden gethan? Habe ich jemals mein Ehebett befleckt? Habe ich niemals einen andern Ehegatten angesehen, ihn zu begehren, und also die Ehe vor Gott gebrochen? Habe ich auch die Fehler meines Ehegatten und alle seine Schwachheiten mit Sanftmuth und Geduld getragen, und ihn geliebt und geehret? Habe ich unkeusche und unzüchtige Lüste und Gedanken in meinem Herzen ge-. Beicht- und Abendmahlsbuch. 6 82 heget und gepfleget? Habe ich durch unkeusche Geberden und Worte, oder durch leichtfertige Kleidung Andern Aergerniß und Anstoß gegeben, oder sie zur bösen Lust gereizet? Ist unter meinem Gut und Habe auch kein unrechtes Gut, ist es nicht mit Thränen armer, bevortheilter, betrogener und gedrückter Leute beschweret? Bin ich auch im Handel und Wandel mit meinem Nächsten immer ehrlich umgegangen? Habe ich ihm nie das Seine durch Wucher, falsche Waare, unrechtes Maaß und Gewicht entzogen? Bin ich in meiner Arbeit, in meinem Handel und Wandel faul, untreu oder arglistig gewesen? Habe ich von meinem Gute und meiner Nahrung auch den Armen, den Wittwen und Waisen willig wohlgethan, oder bin ich hart und unbarmherzig gegen sie gewesen? Habe ich meine Nahrung nie wider Gottes Gebot mit Arglistigkeit und Ungerechtigkeit, sondern immer mit Gebet und Arbeit gesucht? Habe ich Gottes Gaben nie unnützlich verbracht und gemißbraucht? Bin ich in meinen Reden allezeit wahrhaftig gewesen? Habe ich auch vor Gericht, wenn ich als Zeuge begehrt wurde, die Wahrheit redlich ausgesagt, so gut ich sie wußte? Habe ich meine Freude daran gehabt, wenn von meinem Nächsten Böses geredet wurde? Habe ich selbst etwa von ihm übel geredet und ihn in böse Gerüchte gebracht? Bin ich vor seinen Augen freundlich, hinter seinem Rücken ihm böse gewesen? Habe ich ihn allezeit entschuldigt, so viel ich konnte, Gutes von ihm geredet und alles zum Besten gefehret? 83 Habe ich meinem Nächsten mit Freuden gegönnet, was ihm Gott gegönnet und gegeben hat? Habe ich mir immer mit dem Meinigen genügen lassen und bin dabei zufrieden gewesen? Habe ich meinen Nächsten in unnöthige Processe geführt, um ihn um das Seinige zu bringen? Habe ich auch sein Gut begehrt und gewünscht, sein Habe und Haus arglistig und unter dem Scheine des Rechten an mich bringen wollen? Habe ich ihm seine Dienstboten oder anderes, was sein ist, abwendig gemacht? Bin ich ihm förderlich und dienſtlich gewesen in allen Dingen, oder habe ich ihm muthwilligen Schaden zugefügt? Nach solchen und ähnlichen Fragen siehe noch besonders deinen Stand und Beruf an! Bist du ein Mann oder Weib, so frage dich, ob du den heiligen Ehestand auch nach Gottes Wort und Willen führst. Führe ich meinen Ehestand und mein ganzes Hauswesen also, daß dadurch der Name Gottes geheiliget, fein Lob in meinem Hause verkündiget wird, sein Wort, seine Ehre und sein Friede reichlich darinnen wohnet, also daß es eine Hütte Gottes unter den Menschen ist? Bist du ein Vater oder eine Mutter, so frage dich: Danke ich meinem Gott auch für den Segen, den er mir in meinen Kindern aus Gnaden und Barmherzigkeit geschenket hat? Ziehe ich meine Kinder auf in der Zucht und Vermahnung zum Herrn? Gebe ich ihnen auch kein Aergerniß durch Wort oder Beispiel? Halte ich sie zur Kirche und zum Gebet, und lasse ich das meine erste Sorge sein, daß ich sie zu Christo, ihrem Heilande, führe? Lehre, strafe, ver6* 84 mahne und züchtige ich sie auch, wie es Gott der Herr in seinen heiligen Worten von mir fordert? Hast du Knechte oder Mägde? so frage dich also: Behandle ich mein Gesinde auch also, wie es mein Herr im Himmel haben will, der mich richten wird über alles, was ich an ihnen gethan habe? Gebe ich ihnen nicht mehr Arbeit, als sie tragen können? Bin ich freundlich und geduldig, gütig und barmherzig gegen sie? Gebe ich ihnen durch Wort und Wandel ein gottseliges Beispiel? Denke ich auch daran, daß sie eine unsterbliche Seele haben, die auch ihrem Heilande gehören soll? Halte ich sie an zur Kirche, unterrichte ich sie in Gottes Wort, bete ich mit ihnen und für sie? Bist du ein Sohn oder eine Tochter, so sollst du dich fragen: Ehre ich Vater und Mutter, diene ich ihnen von ganzem Herzen, halte ich sie lieb und werth, wie es sich für mich geziemt? Helfe ich ihnen mit treuer Liebe in allen ihren Arbeiten, Nöthen und Verlegenheiten? Pflege ich sie auch in ihrem Alter und in ihrer Schwachheit? Bin ich meiner Eltern Freude, oder ihre Furcht und ihr Herzeleid? Bist du ein Knecht oder eine Magd, so sollst du dich fragen: Bin ich zufrieden mit meinem Stande, in den mich mein Gott und Herr geſetzet hat? Diene ich meiner Herrschaft nicht blos um des Lohnes willen, nicht allein mit Dienst vor Augen, sondern um des Herrn willen und Christo zu gefallen? Bin ich ehrerbietig und gehorsam, freundlich und willig, treu und ehrlich in allen Stücken, auch gegen die wunderlichen Herren, um Gottes willen? 85 Das sind Fragen, die dir das heilige Gesetz deines Gottes vorhält. Nimm es recht gründlich und ernst mit dieser deiner Selbstprüfung! Du thust sie ja vor dem Angesichte des gerechten und heiligen Gottes. Du sollst nicht blos obenhin in den Spiegel des göttlichen Gesetzes hineinschauen, sondern du sollst wirklich wissen und erfahren, wie es mit dir steht. 7901919 1) Dente dir, du solltest diesen Tag sterben, ganz gewiß sterben; welche Sünden würdest du auf deinem Sterbebette am meisten bereuen und beklagen? 2) Denke dir, dein Heiland Jesus Christus reichte dir selber das heilige Abendmahl und sähe mit seinen allwissenden Augen dich an. Er, der wohl weiß, was in dem Menschen ist, welche Sünden würde er bei dir und in dir finden? stid and 3) Dente dir, der unwürdige Genuß des heiligen Abendmahls würde von Gott auf der Stelle bestraft; was würdest du am ernstlichsten und demüthigſten deinem Gott abbitten müssen? vor welcher Sünde würdest du am meisten erschrecken müssen? was würdeſt du dir von deinem Gott erbitten? 4) Denke dir, alle Menschen um dich und neben dir könnten in dein Herz hineinsehen; vor welchen Sünden würdest du dich am meisten schämen müssen? 5) Denke dir, du ständest unter dem Kreuz auf Golgatha! Ueber dir dein gefreuzigter Heiland, der seine durchbohrten Gnadenhände nach dir ausstreckt. Mit welchen Sünden hast du ihn am meisten betrübt und beleidigt, wodurch hast du seine suchende Liebe am meisten zurückgestoßen? Das sind ernste Fragen. Das Wort Gottes vor 86 dir, die Augen in dein Herz und Leben hineingerichtet, den Blick auf den gerechten und heiligen Gott, auf die erbarmende Liebe am Kreuz, auf dein Sterbebett und das Gericht am Tage des Herrn, so mußt du stehen und dein Herz und Leben prüfen und erforschen. Dann wirst du wohl erkennen, daß du ein armer, elender Sünder bist, und daß du durch böse Lust und Begierde, durch Gedanken, Worte und Werke reichlich und täglich gesündigt und die Gebote deines Gottes übertreten hast. Dann denke an den Schluß der heiligen zehn Gebote in deinem Katechismus, wo es also heißt: ,, Ich, der Herr, dein Gott, bin ein starker, eifriger Gott, der über die, so mich hassen, die Sünde der Väter heimsucht an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied; aber denen, die mich lieben und meine Gebote halten, thue ich wohl bis ins tausendste Glied." - Auf deiner rechte Erkenntniß der Sünde und der Gerechtigkeit des großen Gottes folgt dann wahre Reue und Leid über deine Sünden. Du weißt, daß der Herr, dein Gott, gesagt hat: ,, Verflucht sei, wer nicht alle Worte dieses Gesetzes erfüllet, daß er darnach thue"( 5. Mos. 27, 26). Du weißt aber auch, daß des Herrn Apostel sagt: ,, So jemand das ganze Gefetz hält, und fündigt an Einem, der ist es ganz schuldig"( 3ac. 2, 10). Du weißt, wie Gott die ungehorsamen Menschenkinder durch die Wasser der Sündfluth verderbet, wie er über die gottlosen Städte Sodom und Gomorrha ein schreckliches Gericht gehalten, und wie er die ungehorsamen Kinder Israel schwer gestrafet hat( 1. Mof. 7. C. 19; 4. Mos. 11, 33). 87 Du weißt, ,, daß Gott geben wird einem jeglichen nach seinen Werken: nämlich Preis und Ehre und unvergängliches Wesen denen, die mit Geduld in guten Werken trachten nach dem ewigen Leben; aber denen, die da zänkisch sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber dem Ungerechten, Ungnade und Zorn; Trübfal und Angst über alle Seelen der Menschen, die da Böses thun"( Röm. 2, 6-9). Tu weißt, ,, daß wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhle Christi, auf daß ein jeglicher empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse"( 2. Cor. 5, 10). Daraus kannst du den Zorn Gottes wider die Sünde erkennen. Dann wirst du auch herzlich davor erschrecken und es dir schmerzlich lassen leid sein, daß du den Zorn Gottes über dich erwecket und dein Gewissen beschweret und verletzet hast. In solcher herzlichen und schmerzlichen Angſt und Traurigkeit über deine Sünden sollst du sie dann vor deinem Gott beklagen, bekennen und bereuen. Sprich mit David: ,, Da ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine, durch mein täglich Heulen. Denn deine Hand war Tag und Nacht schwer auf mir, daß mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird. Darum bekenne ich dir meine Sünde, und verhehle meine Missethat nicht. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Uebertretung bekennen“ ( Pf. 32, 3-5). Und wenn du dann auf Mittel und Wege denkest, damit du deiner vielen Sünden mögest los und ledig werden und wiederum einen gnädigen Gott und ein ruhiges Gewissen bekommen, siehe im Glauben auf 88 deinen Heiland und Erlöser, Jesum Christum. Du hast es gelernt und bekennest es: ,, Ich glaube, daß Jesus Christus, wahrhaftiger Gott, vom Bater in Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger Mensch, von der Jungfrau Maria geboren, sei mein Herr, der mich verlornen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen theuren Blute, und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben." Das mußt du dann auch fröhlich glauben und dich deines Heilandes wider alle deine Sünden herzlich getrösten. Dann kannst du in deinem Herzen sprechen: ,, Ich bin ein armer und sehr großer Sünder. Ich gestehe und bekenne auch, daß ich mit meinen Sünden verdienet habe Gottes Zorn und Ungnade, zeitlichen Tod und ewige Verdammniß. Jedoch aber will ich meiner Sünden halber nicht verzagen. Denn Christus, wahrer Gott und Mensch, ist mein Herr, der mich erlöset hat, wie in meiner Bibel und in meinem Katechismus steht. Das glaube ich festiglich und bin gewiß, daß mir Gott im Himmel um seinetwillen alle meine Sünden aus Gnaden vergeben wird." Dann bete getrost und mit freudigem Glauben zu deinem Heilande und Erlöser. Der Herr aber erhöre dich in der Noth, der Name des Gottes Jakobs schütze dich. Er sende dir Hülfe vom Heiligthum und stärke dich aus Zion! Vor und nach der Selbstprüfung magst du auch in dem Worte Gottes, in deinem Communionbuche oder in einem guten Gebetbuche lesen. Doch mußt 89 du dir hierbei das Eine merken. Denke nicht, daß das Lesen und Beten aus Büchern die Hauptsache sei! Hüte dich, daß es nicht ein bloßes Lippenwerk werde! Denn das ist deinem Gott ein Gräuel und kann dir nichts helfen. Es soll solches Lesen blos dazu dienen, daß du dein Elend und Verderben, aber auch die Gnade und Barmherzigkeit deines großen Gottes und Heilandes immer mehr erkennen mögest. Darum lies besonders folgende Abschnitte der heiligen Schrift, die ich dir um deswillen hierhersetze. Vergiß es aber auch nicht, vor und nach dem Lesen den Gott aller Gnade und alles Trostes um seine Gnade und um den Segen seines Wortes an deinem Herzen recht inbrünstig anzurufen! Solche Abschnitte des göttlichen Wortes sind: Die Geschichte vom ersten Sündenfall. 1. Mofe 2, 16-18; 3, 1-21. Die Gesetzgebung auf Sinai. 2. Mos. 19, 1-20; Cap. 20. Bußgebete. Pf. 6. 38. 51. 85. 102. 130; Klagel. 3; Daniel Cap. 9. Seligkeit der Sündenvergebung. Pſ. 32. Ernste Aufforderung zur Buße. Jef. 1, 1-20; 48, 1-22. Gott verheißt Vergebung der Sünde. Jef. 43; 44, 1-8, 21-27; 49, 14-16; 54, 7-15. Die wahrhaftige Buße. Jef. 58 und 59. Verheißungen für Bußfertige. Jer. 3-18; Hef. 18; 36, 25-27; Joel 2, 12-14. Die Buße der Niniviten. Jonas Cap. 3. 90 Die Bergpredigt, die beste Anleitung zur Selbstprüfung. Matth. 5-7. Wider die Heuchelei. Matth. 23, 1-33. Der Pharisäer und Zöllner. Euc. 18, 9-14. Der verlorene Sohn. Luc. 15. sie d Die große Sünderin. Luc. 7, 36-50. Einsetzung des heiligen Abendmahls. Matth. 26, 26-30; Marc. 14, 22 ff.; Luc. 22, 19 ff.; 1. Cor. 11, 23 ff. Die letzten Reden Jesu. Joh. 15. 16. 17. Die heilige Passionsgeschichte. Matth. 26. 27; Marc. 14. 15; Luc. 22. 23; Joh. 18. 19. Der heilige Geist straft die Heuchler. Apostelg. 5, 1-11. Das sündige Verderben der Menschen. Röm. 3, 1-28. Aufforderung zum Kampfe gegen die Sünde. Hebr. 2, 1-4; 3, 12-14; 4, 11-16; 10, 22-31; 12, 25-29; Jac. 2, 10. 11. 17-26; Offenb. Joh. 3, 17-21. §. 12. Die Beichte. Nach solcher deiner Selbstprüfung und Vorbereitung gehest du zur Beichte. Die Beichte ist von der christlichen Kirche eingesetzt und verordnet. Der Herr hat zwar keinen ausdrücklichen Befehl dazu gegeben. Dennoch aber ist sie sehr heilsam und nothwendig. Es wird dadurch dem Mißbrauch des heiligen Abend 91 mahls so viel wie möglich vorgebeugt. Der Prediger kann den Abendmahlsgästen noch einmal Gesetz und Evangelium, Lehre und Strafe, Trost und Ermahnung an das Herz legen. Den Abendmahlsgenossen aber wird dadurch die nöthige Selbstprüfung erleichtert. Darum sollst du dieser Ordnung folgen, weil sie löblich, heilsam und nützlich ist, und weil der heilige Geist überhaupt den Befehl giebt: ,, Seid unterthan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen" ( 1. Petr. 2, 13), und insonderheit, daß man bei allem Gottesdienste, also auch bei der Feier des heiligen Abendmahls, soll alles ehrlich und ordentlich zugehen lassen( 1. Cor. 14, 40). In manchen Orten und Gemeinden ist es eine gute Sitte, daß sich diejenigen, welche zum heiligen Abendmahle gehen, vorher bei ihrem Beichtvater anmelden. Das wirst du gewiß recht gern und freudig thun. Denn da kann dich dein Beichtvater weit besser aus Gottes Wort unterrichten, dir rathen und dich trösten, als du selber es vermagst, oder als er es kann, wenn du unter dem großen Haufen stehest. Und wenn dich sonst noch auf deinem Herzen und Gewissen etwas drückt und be schwert, so gehe mit rechtem Vertrauen zu deinem Beichtvater und bitte ihn, daß er dich mit dem Evangelio trösten und ermahnen möge. Wenn du das ein oder das andere Mal versucht hast, so wirst du hernach mit Freuden wiederkommen. ,, Die Beichte begreift zwei Stücke in sich, Eines, daß man die Sünde bekenne; das Andere, daß man die Absolution oder Vergebung vom Beichtiger empfahe, als von Gott 92 selbst, und ja nicht daran zweifle, sondern fest glaube, die Sünden seien dadurch vergeben vor Gott im Himmel." ,, Das erste Stück in der Beichte also ist, daß man die Sünde bekenne. Welche Sünden sollst du beichten? Vor Gott soll man aller Sünden sich schuldig geben, auch die wir nicht kennen, wie wir im Vaterunser thun. Aber vor dem Beichtvater sollen wir allein die Sünde bekennen, die wir wissen und fühlen." ,, Welche sind das?. Da siehe deinen Stand an nach den zehn Geboten: Ob du Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Herr, Frau, Knecht, Magd seiest; ob du ungehorsam, untreu, unfleißig, zornig, unzüchtig, gehässig gewesen seiest; ob du jemand Leid gethan hasſt mit Worten oder Werken, ob du gestohlen, versäumet, verwahrloset oder sonsten Schaden gethan hast." Es thut nicht noth, hier noch einmal zu sagen, was zu einer rechten Erkenntniß und Bekenntniß der Sünden gehört. Wenn du dich vorher recht ernstlich und gründlich geprüft hast, wie es das Wort Gottes von dir verlangt, so wirst du auch solch ein Beichtbekenntniß und Gebet thun, wie es dem heiligen Gott wohlgefällt. Vor allen Dingen gehören diese Stücke zu einer rechten Beichte: Du mußt bekennen, daß du in der Erbsünde geboren bist und dieselbe mit vielen wirklichen Sünden vermehret hast. Du mußt bekennen, daß du damit Gottes Zorn, zeitliche Strafe und ewige Verdammniß verdienet hast. Du mußt bekennen, daß dir solches von ganzem Herzen leid sei. Du mußt bekennen, daß du glaubest, und dich wider 93 deine Sünde tröstest deines lieben Herrn Jesu Christi, der dich davon erlöset und dir Vergebung deiner Sünde erworben hat. Du mußt bekennen, daß du darauf wollest hinzugehen zu dem Tische des Herrn und daselbst zur Bekräftigung deines Glaubens empfangen den wahren Leib und Blut Christi. Du mußt bekennen, daß du hinfort durch die Gnade Gottes, soviel dir möglich, dein Leben wollest bessern und frömmer werden. Du mußt endlich bekennen, daß du begehrest, der Beichtvater wolle dich an Gottes Statt von aller deiner Sünde loszählen und Gott für dich bitten. Nun gehöret aber noch zu einer rechten Beichte, daß, so du jemand beleidiget hast, es sei Vater, Mutter, Mann, Frau, Herr, Geschwister und sonst jemand, du ihm solches bekennest und abbittest. Wie geschrieben steht: ,, Bekenne einer dem andern seine Sünden"( Jac. 5, 16). Dieses Bekenntniß, welches dem Nächsten geschiehet, muß aufrichtig und herzlich sein. Dazu gehöret auch, daß du ihm wiedererstattest, wenn du ihm etwas entwendet hast, und daß du allen Schaden, so weit es dir möglich ist, wieder gut macheſt, den du ihm in leiblichen oder geistlichen Dingen, an seiner Gesundheit oder Ehre oder andern Gütern verursacht hast. Wenn du alle diese Stücke wohl in Acht nimmst, so hast du eine rechte christliche Beichte und Buße gethan. §. 13. Die heilige Absolution. ,, Das andere Stück in der Beichte ist, daß man die Absolution oder Vergebung vom Beichtiger empfahe, 94 als von Gott selbst, und ja nicht daran zweifle, sondern fest glaube, die Sünden seien dadurch vergeben vor Gott im Himmel." Erst hast du dein Werk gethan, daß du deine Sünde klagest und begehrest Trost und Erquickung für deine Seele. Darauf thut Gott sein Werk, daß er dich losspricht von allen deinen Sünden. Absolution bedeutet eigentlich eine Erlassung oder Loslassung, und ist bei einem bußfertigen Sünder nichts anderes, als die Rechtfertigung oder Vergebung der Sünden, welche ihm von Gott um Christi willen geschenket wird. Der Herr Jesus hat dem Petrus verheißen: ,, Ich will dir des Himmelreichs Schlüſſel geben. Alles, was du auf Erden binden wirst, foll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein" ( Matth. 16, 19). Hernach spricht er zu allen ſeinen Jüngern( am Abende des Auferstehungstages): ,, Friede sei mit euch! Gleich wie mich der Vater gefandt hat, so sende ich euch. Und da er das sagte, blies er sie an, und spricht zu ihnen: Nehmet hin den heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten"( Joh. 20, 21-23). Diefe seine heiligen Apostel haben, so lange sie lebten, auch im Namen des Herrn Jesu Sünden erlassen und Sünden behalten. Diese Worte des Herrn gelten aber nicht blos den Aposteln, sondern allen Predigern, welche nach göttlicher Ordnung und Regel zum Amte geweihet und eingesetzet sind. ,, In der Noth kann aber auch ein Christenmensch dem andern mit diesem Wort 95 den Himmel aufschließen und die Hölle zuschließen, und mag ein jeglicher den andern in Todesnöthen, oder wo es sonst noth ist, trösten und ihm eine Absolution sprechen. Christus, der um der Sünder willen kommen ist, sie selig zu machen, hat befohlen, beide, durch das öffentliche Amt den berufenen Dienern, und in der Noth einem jeden insonderheit, daß einer den andern von seinetwegen trösten und in seinem Namen von Sünden lossprechen soll." $ Die Vergebung der Sünden bekommt ihre Kraft nicht von den Gaben, noch von der Frömmigkeit, noch von der Absicht und den Würden dessen, der sie dir spricht. Denn dann würdest du immer in Zweifel und Ungewißheit sein müssen, ob die Absolution auch kräftig wäre. Die Absolution bekommt auch nicht ihre Kraft von deiner Reue und Buße. Gottes Wort und Verheißung bekommt seine Kraft und seinen Segen nicht erst von unserm Thun und Werk. Darum warnt Luther: ,, Siehe zu, daß du dich keinesweges darauf verlassest, du feiest absolviret um deiner Reue willen. Denn also wirst du dein Vertrauen setzen auf dich selbst und auf deine Werke, und dich damit erheben. Die Absolution fehlet nicht( hat ihre Kraft und Wirkung), es mag um deine Reue stehen, wie es wolle. Die Reue ist niemals recht; und ob sie recht wäre, so ist man ihrer doch nicht gewiß; und ob man ihrer gewiß wäre, ist sie doch nicht genugsam. Reuen sollst du, das ist wahr; aber daß darum die Vergebung der Sünden sollte gewiß werden und des Schlüssels Werk bestätigen, das heißt den Glauben verlassen und Christum verläugnen." 96 Da hätte Satan auch ein leichtes Spiel, das arme Herz in Furcht und Angst zu bringen. Er dürfte ihm nur sagen: Deine Reue ist nicht genugsam geweſen; darum sind dir auch deine Sünden nicht vergeben. Die Absolution bekommt ihre Kraft auch nicht von deinem Glauben. Denn unser Glaube ist nur die Hand des Herzens, mit der wir nehmen, was der gnädige Gott uns giebt. So wenig nun das Wort Gottes, das Sacrament der heiligen Taufe oder des heiligen Abendmahls anders wird, ich mag daran glauben oder nicht, so wenig auch die Absolution. Die Absolution hat ihre Kraft einzig und allein von dem Befehl und der Verheißung unseres Herrn Jesu Christi. Er hat befohlen, die Sünde zu vergeben in seinem Namen. Und wo dieſe Vergebung der Sünde in seinem Namen gegeben wird, da hat der Herr verheißen, daß es also geschieht im Himmel, wie es auf Erden geredet wird. Das ist ein kräftiger Trost, daß wir wissen, die Absolution, die an uns geschieht, ist also kräftig und gewiß, als handelte unser lieber Herr Christus mit uns selber. Nun darfst du nicht mehr auf den Prediger sehen, der sie dir spricht, ob er auch fromm und von Herzen gläubig sei und alles Ernstes selber an diese Verheißung seines Gottes glaube. Nun darfst du nicht auf dich armen, elenden Sünder sehen, ob auch deine Reue und Buße genugsam sei, um dir die Absolution vom Himmel herunter zu holen. Nun darfst du nur sehen auf deinen Herrn Jesum Christum, dich einzig und allein an seinen Befehl und seine Verheißung halten, und weißt, du kannst nimmer betrogen werden. 97 Mag nun Satan und das eigene Herz dich anklagen und verdammen. Du kannst freudig und getroſt sprechen: Hebe dich weg von mir, Satan, du hast mit mir nichts zu thun, und ich nichts mit dir, mein Herr und Heiland hat mir meine Sünden vergeben. Du kannst freudig und getrost sagen: Schweig' still, armes Herz! Hier kommt es auf dich und mich nicht an. Hier kommt es nur auf Jesum Christum an, der mir meine Sünden vergiebt aus großer Gnade und Barmherzigkeit! Die Absolution soll dich aber auch nicht sicher machen in deinem Unglauben und in der Trägheit deines Herzens. Wenn du nicht daran glaubst, so hilft dir die Absolution auch nichts. Sie kann dir dann weder Friede noch Freude schenken, und das ist deines Unglaubens große und schwere Schuld. Ja, deine Sünde wird durch solchen Unglauben noch vermehret. Bist du vorher schon ein Sünder gewesen, so thust du nun noch die Sünde hinzu, daß du die Vergebung der Sünden, die dein Gott dir aus Gnaden schenken will, durch deinen Unglauben von dir stößest und damit deinem Gott ins Angesicht schlägſt. Der Fels, der dir zum Auferstehen gereichen sollte, der wird dir nun zum schweren Fall( Luc. 2, 34). Darum, so glaube nur, und dir wird geschehen, wie du geglaubet hast! Wenn dein Beichtvater dir die Absolution verkündigt und dich von deinen Sünden im Namen Jesu Christi losspricht, so nimm es von ganzem Herzen an, nicht als Menschenſtimme, fondern, wie es auch wahrhaftig ist, als Gottes Stimme. Danke deinem Gott und Herrn, daß er Beicht und Abendmahlsbuch. 7 98 dich zur Erkenntniß deiner Sünden gebracht und sie dir um Christi willen vergeben hat, und bitte ihn demüthiglich, daß er dich nun auch die Kraft der heiligen Absolution in deinem Herzen kräftiglich empfinden lassen wolle. Und dann gehe hin in Frieden und warte der größeren Gnade, mit welcher Gott sein Wort im heiligen Abendmahle dir versiegeln wird! Ist die Beichte am Tage vor dem heiligen Abendmahle, so hüte dich, daß du dich nicht wieder zerstreuest! Gehe in dein Kämmerlein und wiederhole dein Bekenntniß und dein Gelübde, und danke dem Herrn, daß er dir deine Sünden vergeben hat! Haſt du irdische Geschäfte zu besorgen, so thut es um so mehr noth, über dein armes Herz zu wachen. Den Abend vor dem Genusse des heiligen Abendmahls bringe in der Stille zu. Lies in dem Worte deines Gottes und höre nicht auf zu beten und zu flehen. Dein gekreuzigter Heiland sei dein letzter Gedanke, und in seiner Liebe magst du dann gläubig und fröhlich einschlafen. §. 14. Die Feier des heiligen Abendmahls. Gott siehet das Herz an! Dieses Wort gilt auch bei der Feier des heiligen Abendmahls. Es ſteht mancher vor dem Altare, macht fromme Geberden und vergießt häufige Thränen, oder sieht andächtig gen Himmel, und ist doch nicht in der rechten Herzensstimmung, die dem Herrn gefällt. Gott siehet das 99 Herz an! das muß der erste Gedanke sein, der dich am Morgen des heiligen Tages bewegt und erfüllt. Zerstreue dein Herz ja nicht mit irdischen Dingen! Denke nicht daran, wie du am besten und schönsten dich ankleiden willst, um vor dem Tische des Herrn zu glänzen, sondern denke daran, wie du deine Seele recht schmücken willst, um deinem Bräutigam entgegen zu gehen. Wenn du deinen Fuß bewahren sollst, ſo oft du zum Hause Gottes gehest( Pred. Sal. 4, 17), so mußt du es besonders dann thun, wenn du als Gast an seinem Tische erscheinen sollst. Bitte den Herrn bei dem Ausgange aus deinem Hause, bitte ihn unterweges und bei dem Eintritte in das Gotteshaus, daß er dich zu einem recht würdigen Abendmahlsgaſte mache, damit du seine Güter und Gaben in rechtem Glauben und mit rechter Danksagung empfangeſt. Höre die Predigt mit herzlicher Andacht! Das Wort der Ermahnung, das vor der Austheilung des heiligen Sacraments den Gästen zugerufen wird, laß dir, nur dir gesagt sein! Nimm es mit rechter Andacht und Demuth, aber auch mit recht herzlichem und demüthigem Glauben an! Wenn du dann zum Tische des Herrn trittst, so komm in heiliger Ehrfurcht, denn der Herr ist König. Komm aber auch in herzlicher Freude über die große Ehre und Gnade, die dir zu Theil wird. ,, Eile, wie Verlobte pflegen, deinem Bräutigam entgegen!" Komm mit einem Herzen, das da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit. Denke dabei an die Verheißung deines Heilandes:, Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werUniv. Bibl. Glessen 100 den"( Matth. 5, 6) und: ,, Wohlan alle, die ihr durstig seid, kommt her, zum Wasser, und die ihr nicht Geld habt, kommt her, kaufet und esset; kommt her und kaufet ohne Geld und umsonst beides Wein und Milch" ( Jef. 55, 1). Verlaß dich dabei auf die Wahrhaftigkeit deines Herrn und Heilandes von ganzem Herzen! Vergiß alles, was dahinten ist, vergiß alles, was dich drückt und beschwert! Komm mit rechter Herzensfreude und sprich in deinem Herzen: ,, Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott. Denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils und mit dem Rocke der Gerechtigkeit gekleidet" ( Sef. 61, 10). Sprich zu deiner Seele: ,, Lasset uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf daß wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden auf die Zeit, wenn uns Hülfe noth sein wird" ( Hebr. 4, 16)! Siehe nun nicht mehr auf dich, auf deine Würdigfeit oder Unwürdigkeit! Siehe nicht auf den Pfarrer, der dir das heilige Abendmahl reichen soll! Siehe nicht auf die Brüder und Schwestern, die es mit dir genießen! Siehe nur auf deinen Heiland, als ob er allein da wäre und du mit ihm! Wenn die heiligen Einsetzungsworte gesprochen werden, so höre sie mit rechter Andacht! Denke an die Nacht, da Jesus Christus verrathen ward, an sein letztes Mahl mit seinen Jüngern, an sein Zittern und Zagen im Garten Gethsemane, an seine Stricke und Bande, an sein Blut und seine Wunden, an sein Angstgeschrei und seinen bittern Tod! Halte dich mit festem Glauben an das Wort: ,, Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird! 101 Das ist das neue Testament in meinem Blute, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden!" und freue dich in herzinnigem Glauben, daß er auch deine Sünden getragen hat und sie dir vergeben will. Nimm dann in herzlicher Demuth und in fröhlichem Glauben die allerheiligsten Gaben, die der Herr dir reichet. Sprich in Demuth bei dir selber: ,, Ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an deinem Knechte thust!" Nimm sie mit einfältigem Herzen! Sprich nicht: ,, Wie mag solches zugehen?" sondern: ,, Mir geschehe, wie du willst!" Nimm sie im Glauben, daß der Leib, den du iſfest, auch für dich gegeben, und das Blut, das du trinfeſt, auch für dich vergossen worden ist, damit du habest Vergebung der Sünden, Leben und ewige Seligkeit! Bete dabei zu dem Herrn mit stillem, inbrünstigem Seufzen: ,, Herr, erbarme dich meiner, sei mir Sün der gnädig! Sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigfeit!" Oder: - Schau her, hier steh' ich Armer, Der Zorn verdienet hat; Gieb mir, o mein Erbarmer, Den Anblick Deiner Gnad'! Dann gehe still und freudig auf deinen Platz. Danke deinem Gott und Heiland, daß er dir wieder solchen theuren Schatz geschenket hat, und sprich mit heiliger Freude: ,, Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat, der dir alle deine Sünden vergiebt, und heilet alle 102 deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöset, der dich frönet mit Gnade und Barmherzigkeit" ( Pf. 103, 1-4)! Dann aber bitte den Herrn, daß er dir sein Sacrament wolle gedeihen lassen zu starfem Glauben gegen Gott, zu brünstiger Liebe gegen deinen Nächsten, zur beständigen Hoffnung und Geduld in Kreuz und Widerwärtigkeit, auch in der letzten Todesnoth. §. 15. Die Bewahrung des Segens. Es giebt leider viele Christen, die, wenn sie das heilige Abendmahl empfangen haben, es damit nun auch gut sein lassen. Wenn es hoch kommt, so lesen sie noch am Nachmittage in der Bibel oder dem Gesangbuch, oder in einem andern frommen Buche; es wird ihnen aber dies schon schwer. Hernach ist das heilige Sacrament für sie ein Werk, das für eine gewisse Zeit abgethan ist. Sie haben keinen rechten Segen empfangen, sie haben die Güte und Freundlichkeit ihres Heilandes nicht geschmecket, sie wollen auch keinen Segen behalten und gehen nun wieder ihren vorigen Weg unter den alten Sorgen und Lüsten dahin. Ja, fie sind vielleicht dadurch nur desto sicherer geworden. Sie meinen, sie haben Vergebung der Sünden empfangen, und können nun ruhig wieder von vorn anfangen, Sünde auf Sünde zu häufen. Da geht dann das furchtbare Wort des Herrn in Erfüllung: ,, Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen aus 103 fährt, so durchwandert er dürre Stätte, suchet Ruhe, und findet ihrer nicht; so spricht er: Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er es mit Besemen gefehret und geschmücket. Dann geht er hin und nimmt sieben Geister zu sich, die ärger sind, denn er ſelbst; und wenn sie hinein kommen, wohnen sie da; und wird hernach mit demselben Menschen ärger denn vorhin"( Luc. 11, 24-26). Der Herr sagt: ,, Das thut zu meinem Gedächtniß!"( Luc. 22, 19) und sein Apostel vermahnt uns: ,, So oft ihr von diesem Brot esset und von dieſem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt"( 1. Cor. 11, 26). 3u solchem Gedächtniß und solcher Verkündigung gehören aber diese vier Stücke: 1) Die gläubige Danksagung. Dein Heiland hat dir eine so große Wohlthat erwiesen, ist zu dir gekommen und hat dir alle seine himmlischen Güter mitgebracht, ja, er ist selber bei dir eingekehret. Das ist eine Gnade und ein Segen, wofür du ihm nicht genug danken kannst. ,, Wer Dank opfert, der preiſet mich," spricht der Herr, und das ist der Weg, daß ich ihm zeige das Heil Gottes"( Pf. 50, 23). Die neun Aussätzigen, welche dem Herrn nach der wunderbaren Heilung nicht dankten, empfingen das Beste nicht; der Samariter aber, der wieder umkehrte, auf sein Angesicht fiel, und pries und lobte Gott mit lauter Stimme, der empfing doppelten Segen. Jesus sprach zu ihm: ,, Dein Glaube hat dir geholfen!" So sollst du in der Kirche und zu Hause, mit dem Munde und 104 mit dem Herzen, mit Gesang und Gebet und mit dem ganzen Leben seine Gnade rühmen und dankbar preiſen. Christus dankt vor dem Abendmahl; danke du mit ganzem Herzen nach demselben! Dabei kannst du Psalm 23, 33, 66, 95, 99, 100, 103, 113, 118, 145, 147, 148, 150 mit rechter Andacht lesen. 2) Die Liebe Gottes. Du hast die unaussprechliche Liebe deines Gottes und Heilandes in dem heiligen Sacrament erfahren. Nun gilt das Wort: ,, Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns erst geliebet" ( 1. Joh. 4, 19). Diese Liebe zu deinem Gott follst du dadurch beweisen, daß du den empfangenen Segen treulich bewahrest. Der Herr hat dir ein weißes Kleid geschenket und angezogen; hüte dich, es muthwillig wieder zu beschmußen! Jesus Christus, der süße Herzensgast, ist bei dir eingekehrt; hüte dich, ihn durch muthwillige Sünden zu betrüben und wiederum zu vertreiben! Denke an das Wort, das der Herr zu jenem Kranken sprach, als er ihn im Tempel fand: ,, Siehe zu, du bist gesund geworden, sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Aergeres widerfahre" ( Joh. 5, 14)! Bedenke, daß der Teufel begierig und geschäftig ist, den Segen des hochwürdigen Sacramentes dir wieder zu rauben. Darum sei und bleibe auf deiner Hut! Hüte dich vor allen Zerstreuungen, vor allen unnöthigen Arbeiten und Gesellschaften an dem Tage! Deine Beschäftigung sei Gottes Wort, fromme Betrachtungen und Gebet. Hüte dich aber auch aus Liebe zu deinem Gott alle Tage, daß nicht die Sünde, noch der Teufel und die Welt dich wieder fällen und überwinden mögen! Sei fleißig in guten 105 Werken, damit auch Andere deinen Heiland und deinen Vater im Himmel um deinetwillen preisen! Das foll dein ernster und fester Vorsatz sein, was( Ps. 116, 12-14) geschrieben steht: ,, Wie soll ich dem Herrn vergelten alle seine Wohlthat, die er an mir thut? Ich will den heilsamen Kelch nehmen, und des Herrn Namen predigen. Ich will meine Gelübde dem Herrn bezahlen vor allem seinem Volk." 3) Die Liebe zu den Brüdern. ,, Ein Brot ist es, so sind wir viele ein Leib, dieweil wir alle eines Brotes theilhaftig sind"( 1. Cor. 10, 17). Du hast die große Liebe deines Gottes und die Gnadengaben deines Heilandes in Gemeinschaft mit deinen Brüdern geschmecket und erfahren. Darum gilt nun das Wort des Apostels: ,, Ihr Lieben, hat uns Gott also geliebet, so sollen wir uns auch unter einander lieben"( 1. Joh. 4, 11). Diese Liebe deines Gottes muß dich antreiben, alle deine Brüder in Christo um so brünstiger zu lieben, und ihnen das Gute, so dir dein Heiland erwiesen, dankbarlich zu vergelten, ihr Heil im Leiblichen, und sonderlich im Geistlichen, aus allen Kräften zu befördern, und ihnen mit Willfährigkeit, Demuth und Sanftmuth in allen Stücken zu begegnen. Darum sagt Dr. Luther also: ,, Das ist nun aber die Frucht des heiligen Abendmahls, daß wir uns unsern Brüdern auf dieselbe Weise ganz hingeben, wie der Herr im Sacrament sich uns ganz mitgetheilt hat. Er sagt: Da bin ich selber, der für dich wird gegeben; den Schatz schenke ich dir; was ich habe, sollst du auch haben; wenn dir's mangelt, soll mir's auch mangeln. Du hast meine Gerechtigkeit, Leben 106 und Seligkeit, daß dich weder Sünde, noch Tod, noch Hölle, noch alles Unglück überwältigen soll. So lange ich gerecht bin und lebe, so lange sollst du auch fromm und lebendig bleiben. Solche Worte spricht er zu uns. Die müssen wir auch fassen und gegen unſern Nächsten reden( nicht aber nur mit dem Munde, sondern auch mit der That), nämlich also: ,, Siehe, mein lieber Bruder, ich habe nun den Herrn empfangen, der ist mein; ich habe nun übrig genug und alle Fülle. So nimm du nun auch; was ich habe, das soll alles dein sein, und will es auch für dich darsetzen. Ist es nöthig, daß ich für dich sterben soll, so will ich es auch thun." Das Sacrament soll also mit uns umgehen, daß es uns wandle und ganz andere Leute aus uns mache. Denn die Werke und Worte Gottes wollen nicht müssig sein, sondern große Dinge schaffen: daß wir nämlich frei und los werden von Sünde, Tod und Teufel- und doch wieder Knechte des allergeringsten Menschen auf Erden; und daß wir uns darob gar nicht beschweren, sondern vielmehr deß froh werden, daß wir jemand finden mögen, der unserer Hülfe bedarf, und uns lassen bange werden, daß wir so viel Gutes haben und nicht anlegen sollen." 4). Geduld. Du sollst den Tod des Herrn Christi verkündigen und hast dich im Sacrament aufs neue mit seinem Kreuze verbunden. Darum sollst du auch in Kreuz und Leiden geduldig sein und dich in Demuth und Vertrauen unter die Hand deines Gottes beugen und in seinen heiligen Willen dich ergeben. Dein Heiland will dir nun dein Kreuz tragen helfen; darum ist er bei dir eingekehret. Wenn er aber tragen 107 hilft, so ist jedes Joch sanft und jede Last leicht. Darum befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird es wohl machen! Das sind die Früchte, die der Genuß des heiligen Abendmahls in dir wirken und schaffen soll. Du fannst sie nicht aus eigener Kraft in dir hervorbringen. Du kannst dich aber darauf verlassen, daß dein Heiland, der bei dir eingekehrt ist, in dir leben und regieren und diese Früchte aus Gnaden in dir schaffent will. Daran halte dich in fester und fröhlicher Zuversicht! Wenn darum das Fleisch sich wieder zu regen anfängt, wenn du merkest, daß die Sünde dir, noch immer anklebt und dich träge macht, so verzage deshalb nicht! Meine nicht, daß du unwürdig zum heiligen Abendmahle gegangen seiest und daß du keinen Segen dort empfangen habeft. So lange wir noch auf dieser armen Erde wallen, haben wir noch immerdar mit Fleisch und Blut und mit den Geistern der Finsterniß zu kämpfen. Darum sollst du immer und immer wieder zu dem heiligen Sacrament kommen, damit dein Glaube neu gestärket und die Liebe zu deinem Heilande neu in dir entzündet werde. Und dann immer fröhlicher geglaubt, immer herzlicher geliebt, immer muthiger gestritten und immer inbrünstiger gebetet! Jesus wird es schon machen. Er, der das gute Werk in dir angefangen hat, er wird es auch vollenden auf den Tag seiner herrlichen Zukunft. Er wird dich heben und tragen, für dich bitten und dich erretten. Das ist gewißlich wahr. Bete fleißig: ,, Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!" Bete herzlich und inbrünstig: 108 Mach' End', o Herr, mach' Ende 1 30 Mit aller meiner Noth, fed Stärk" meine Füß' und Hände Und laß bis in den Tod Mich allzeit Deiner Pflege Und Tren befohlen sein, So gehen meine Wege Gewiß zum Himmel ein! 3 o 1 Jesus wird es dann schon machen. Darum immer fröhlicher geglaubt, immer herzlicher geliebt, immer muthiger gestritten und immer inbrünstiger gebetet! Einst kommt der Tag, der herrliche Tag, wo aller Kampf und Streit ein Ende hat. Da wirst du ein gehen zu seiner Freude, da wirst du sitzen an seinem Tische in seinem himmlischen Reiche und unter Lobund Zubelliedern essen von des Lammes Abendmahl. Selig sind, die zu dem Abendmahl des Lammes berufen sind! Das helfe dir und mir unser hochgelobter Herr und Heiland, Jesus Christus, durch seine Gnade und Barmherzigkeit! Amen. sded dild let the hid pinioni come chil: sod . 109 Anhang. Christliche Fragestücke Dr. M. Lutheri für die, so zum heiligen Abendmahl gehen wollen, mit ihren Antworten. 1. Glaubest du, daß du ein Sünder seist? Ja, ich glaube es, ich bin ein Sünder. 2. Woher weißt du das? Aus den heiligen zehn Geboten, die habe ich nicht gehalten. 3. Sind dir deine Sünden auch leid? Ja, es ist mir leid, daß ich wider Gott gefündiget habe. 4. Was hast du denn mit deinen Sünden bei Gott verdienet? Seinen Zorn und Ungnade, zeitlichen Tod und ewige Verdammniß. 5. Hoffest du auch selig zu werden? Ja, ich hoffe es. 6. Weß tröstest du dich denn? Meines lieben Herrn Jesu Christi. 7. Wer ist Christus? Gottes Sohn, wahrer Gott und Mensch. madenie inft 8. Sind denn viele Götter? Nein, nur ein Gott, aber drei Personen: Vater, Sohn und heiliger Geist. 110 9. Was hat denn Christus für dich gethan, daß du dich seiner tröstest? Er ist für mich gestorben und hat sein Blut am Kreuz für mich vergossen zur Vergebung der Sünden. 133310. 10. Ist der Vater auch für dich gestorben? Nein, denn der Vater ist nur Gott, der heilige Geist auch; aber der Sohn ist wahrer Gott und wahrer Mensch, für mich gestorben, und hat sein Blut für mich vergossen. in thi sond 11. Woher weißt du das? 6 Aus dem heiligen Evangelio und aus den Worten vom Sacrament, und bei seinem Leib und Blut, im Sacrament mir zum Pfande gegeben. 12. Wie lauten die Worte? Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verrathen ward, nahm er das Brot, dankete und brach's und gab es seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches thut zu meinem Gedächtniß. Desselbigen gleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankete und gab ihnen den, und sprach: Nehmet hin und trinket Alle daraus; dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches thut, so oft ihr's trinket, zu meinem Gedächtniß. 13. Glaubest du, daß im Sacrament der wahre Leib und das osshair wahre Blut Christi sei? Ja, ich glaube es. piling din mo 111 14. Was bewegt dich, das zu glauben? Die Worte Christi: Nehmet hin, esset, das ist mein Leib; trinket Alle daraus, das ist mein Blut. 15. Was sollen wir thun, wenn wir seinen Leib essen und sein Blut trinken, und das Pfand also uehmen? Seinen Tod und Blutvergießen verkündigen, und gedenken, wie er uns gelehret hat: Solches thut, so oft ihr's thut, zu meinem Gedächtniß. 16. Warum sollen wir seines Todes gedenken, und denselben verkündigen? Daß wir lernen glauben, daß keine Kreatur hat können genug thun für unsere Sünde, denn Christus, wahrer Gott und Mensch, und daß wir lernen erschrecken vor unsern Sünden, und dieselben lernen groß achten, und uns seiner allein freuen und trösten, und also durch denselben Glauben selig werden. 17. Was hat ihn denn bewegt, für deine Sünden zu sterben und genug zu thun? Die große Liebe zu seinem Vater, zu mir und zu andern Sündern, wie geschrieben stehet: Joh. 14, 31. Röm. 5, 8. Gal. 2, 20. Ephes. 5, 2. 18. Endlich aber, warum willst du zum Sacrament gehen? Auf daß ich lerne glauben, daß Christus um meiner Sünde willen aus großer Liebe gestorben sei, wie gesagt, und darnach von ihm auch lerne, Gott und meinen Nächsten lieben. 19. Was soll einen Christen vermahnen und reizen, das Sacrament des Altars oft zu empfangen? Von Gottes wegen sollen ihn beide, des Herrn Christi Gebot und Berheißung, darnach auch seine 112 eigene Noth, so ihm auf dem Halse lieget, treiben, um welcher willen folch Gebieten, Locken und Verheißen geschiehet. 20. Was soll ein Mensch thun, wenn er solche Noth nicht fühlen kann, oder keinen Hunger noch Durst des Sacraments empfindet? Dem kann nicht besser gerathen werden, denn daß er ernstlich in seinen Busen greife, und fühle, ob er auch noch Fleisch und Blut habe, und glaube doch der Schrift, was sie davon sagt: Gal. 5, 17. Röm. 7, 18. Zum andern, daß er um sich sehe, ob er auch noch in der Welt sei, und denke, daß es an Sünde und Noth nicht fehlen werde, wie die Schrift faget: Joh. 30h. 15, 18. 19. und 16, 33. 1. Joh. 2, 16. und 5, 19. Zum dritten, so wird er auch den Teufel um sich haben, der ihm mit Lügen und Morden Tag und Nacht feinen Frieden innerlich und äußerlich lassen wird, wie ihn die Schrift nennet: Joh. 8, 44. und 14, 30. 1. Petr. 5, 8. Ehph. 6, 11. 12. 2. Tim. 2, 25. u. f. m. bost 113 Zweite Abtheilung. Gebete. 1. Gebet um rechtschaffene Buße. Allmächtiger, ewiger Gott, barmherziger Vater! Du weißt, daß des Menschen Thun nicht stehet in seiner Gewalt, und in Niemandes Macht, wie er wandle und seinen Gang richte. Wir sind auch nicht tüchtig von uns selber, etwas zu denken als von uns selber, sondern, daß wir tüchtig sind, ist von dir, Herr, du getreuer Gott. Insonderheit ist die Buße nicht ein Werk unsers sündlichen Fleisches und Blutes, sondern es ist dein Werk. Du mußt uns Buße geben und uns bekehren, wenn wir sollen bekehret werden und Buße thun. Deswegen komme ich jetzt auch vor dich mit diesem meinem demüthigen Gebet, o frommer Gott! Ich habe wohl den Willen zur Buße und Bekehrung, das Vermögen aber will sich nirgends finden. Nun, lieber Herr, hast du mir den Willen gegeben, so gieb mir auch das Vermögen. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gieb mir deinen heiligen Geist! Laß ihn in mir kräftig wirken rechtschaffene Erkenntniß der Sünden, und erleuchte die Augen meines Verständnisses, daß ich erkennen möge die Menge und Größe meiner Sünden, auch wie dein Zorn, den du den Sündern drohest, unerträglich, und wie dagegent Beicht- und Abendmahlsbuch. 8 114 deine Barmherzigkeit, die du verheißest denen, so wahre Buße thun, unermeßlich und unaussprechlich ist. Wie du solches durch deinen heiligen Geist gewirket in Manasse, Petro, Maria Magdalena und am Zöllner, der an seine Brust schlug und sprach: Gott sei mir Sünder gnädig!- ein solch bußfertiges Herz gieb mir auch, o getreuer Gott! Wirke in mir wahre Reue und Leid wegen meiner begangenen Sünden, daß ich anfange, mit Petro und Maria Magdalena bitterlich zu weinen und mit Manasse inniglich zu seufzen: Ach Herr, ich habe gefündigt, ja, ich habe gröblich gefündigt und Unrecht vor dir gethan! Und mit dem Zöllner im Tempel: Ach Gott, sei mir armen Sünder gnädig und barmherzig! Denn du willst ja nicht des Sünders Tod, sondern, daß er sich bekehre und lebe. Um dieser deiner Verheißung und Zufage willen erhöre dieses mein Gebet gnädiglich, und ich will dich preisen ewiglich. Amen. 2. Gebet um Bergebung der Sünden. Herr Jesu Christe, du allergnädigster Ehrenkönig und ewiger Hoherpriester, ich komme hier vor dein allerheiligstes Angesicht mit betrübtem Herzen und klage mich selbst an: Ach Herr, ich habe gesündigt, deine Barmherzigkeit gemißbraucht, und darum große und schwere Strafen verdienet! Ach, ich bitte dich, erbarme dich über mich! Blicke mich an mit den Gnadenaugen, wie du Petrum, Mariam Magdalenam, den Schächer am Kreuz, und andere bußfertige Sünder mehr angeblicket hast. Regiere und erleuchte mich, daß ich auch der Sünde gram werde, und thue, was 115 dir gefällig ist. Herr Jesu Christe, der du gekommen bist, die armen Sünder selig zu machen, o laß mich auch bei deiner trostreichen Barmherzigkeit reichen Trost und Gnade finden! O verachte ja nicht das Seufzen und Flehen meines Herzens! D sprich doch jetzt zu mir das herzerquickende Freudenwort: Dir sind deine Sünden vergeben! Stehe mir allezeit bei mit deiner göttlichen Hülfe, deiner begehre ich herzlich, deiner fann ich nicht entrathen. Darum komm zu mir und schenke mir ein rechtschaffenes Herz. O du ewiger Sohn Gottes, erlaß mir doch meine große Sündenschuld! Vergieb sie mir aus Gnaden und zünde in meinem Herzen an die rechte heilige, christliche Liebe! Erhalte mich bei deiner Wahrheit! Gieb mir den zeitlichen, geistlichen und ewigen Frieden! Laß mich auch nach deinem gnädigen Willen, mit Fried und Freuden von hinnen fahren und zu dir in dein Himmelreich kommen! so will ich alle deine Barmherzigkeit rühmen und preisen immer und ewiglich. Amen. 3. Gebet vor der Beichte. Ach, du frommer und getreuer Herr Jesu Christe, mein allerliebster Bruder und einiger Nothhelfer! Ich armer, sündiger Mensch, ob ich gleich meine Sünde gern läugnen wollte, so kann ich doch nicht vorüber; denn ich werde aus den heiligen zehn Geboten und aus der Handschrift meines Gewissens gar hart überwiesen, daß ich wegen meiner vielfältigen und großen Sünden nichts anderes als die Hölle und ewige Verdammniß verdient habe. Was soll ich aber thun? Weß soll ich mich trösten? Zu wem soll ich mich 8* 116 wenden? Wohin soll ich meine Zuflucht nehmen? Wer wird sich meiner erbarmen? Gen Himmel darf ich meine Augen nicht aufheben, denn ich habe schwerlich an Gott gefündigt. Auf Erden finde ich keine Hülfe und Trost, denn ich habe meinem Nächsten schweres Aergerniß gegeben. Soll ich nun verzagen? Das sei ferne! Ich weiß, daß Gott, mein himmlischer Vater, barmherzig ist, und du, Herr Jesu Christe, biſt gütig und langmüthig. So bist du, Gott, allein meine Hoffnung, Trost und Zuflucht. Du wirst ja deiner Hände Werk und Geschöpf nicht verachten, noch dein Bildniß verwerfen. Deshalb komme ich zu dir voller Angst und Beschwerung. Was soll ich aber zu dir sagen? Sch erinnere dich deiner göttlichen und tröstlichen Zusage, die du mir und allen bußfertigen Sündern gethan hast, daß du die armen Sünder willst in Gnaden annehmen. Denn du willst ja nicht, daß der Sünder ewig sterbe, sondern, daß er sich von Herzen zu dir befehre und ewig lebe. Du lockest uns noch überdies freundlich zu dir und sprichst: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Du willst ja auch niemand von dir hinausstoßen, der zu dir kommt. Du bist ja darum in die Welt gekommen, alle armen Sünder selig zu machen. Und niemand soll verdammt, sondern alle, die wahrhaft an dich glauben, sollen selig werden. An diese deine tröstliche und gnädige Zusage halte ich mich mit festem Glauben. Und weil mir meine Sünden auch herzlich leid sind und mich sehr reuen, so bitte ich dich, lieber Herr Jesu Christe, um deines schmerzlichen Leidens, seligen Sterbens und fröhlicher 117 Auferstehung willen, du wollest für mich bei deinem Vater bitten, mich, weil du für alle meine Sünden mit deinem theuern Blüte bezahlt hast, diesmal wieder zu Gnaden annehmen, meiner Sünden nicht gedenken, und mich durch deinen Diener, meinen Beichtvater, von allen meinen Sünden lossprechen und zur Stärkung meines Glaubens und zur Besserung meines Lebens mit deinem Leibe und Blute zum ewigen Leben mich speisen und tränken und in einem christlichen Leben und seligen Sterben in Ewigkeit bei dir sein und bleiben lassen. Solches verleihe mir um deines allerheiligsten Blutes und Todes willen. Amen. 4. Beichte. O allmächtiger Gott, barmherziger Vater! ich armer, elender Sünder bekenne dir alle meine Sünden und Missethaten, womit ich dich je beleidigt und deine gerechte Strafe zeitlich und ewig wohl verdient habe. Sie sind mir aber alle von Herzen leid und reuen mich sehr; darum bitte ich durch deine grundlose Barmherzigkeit und durch das heilige, unschuldige, bittere Leiden und Sterben unsers Heilandes Jesu Christi, du wollest mir armen sündhaften Menschen gnädig und barmherzig sein und mir solche begangenen Sünden aus Gnaden vergeben, auch den heiligen Geist zur Besserung meines Lebens mildiglich verleihen. Amen. 5. Gebet nach der Beichte. Wohl dem, dem die Uebertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedecket ist, wohl dem Menschen, dem 118 der Herr die Missethaten nicht zurechnet, in deß Geist kein Falsch ist. Ich sprach: ich will dem Herrn meine Uebertretung bekennen. Da vergabst du mir die Miſsethat meiner Sünde. Du, o Herr, bist mein Schirm, du wollest auch ferner mich vor aller Angst behüten, daß ich errettet ganz fröhlich rühmen könne. Ja, freuet euch des Herrn, und seid fröhlich, ihr Gerechten, und rühmet, alle ihr Frommen. Der Herr hat Großes an uns gethan, der da mächtig ist und deß Name heilig ist, und seine Barmherzigkeit währet immer für und für bei denen, die ihn fürchten. Er will nicht immer hadern, noch ewiglich Zorn halten. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unserer Missethat. So fern der Morgen ist vom Abend, läßt er unsere Uebertretung von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Darum soll mein Mund des Herrn Lob sagen, und alles Fleisch lobe seinen heiligen Namen immer und ewiglich. Amen. Ein anderes: Herr Gott Vater, du hast mir, deinem Kinde, nun die Sünde vergeben. Ach, laß solche deine Gnade allzeit ob und bei mir schweben! Herr Gott Sohn, mein Heiland, du hast mir solchen Schatz wollen erwerben durch dein bitter Leiden und Sterben. Ach, laß mich auch hinfort in feiner Sünde verderben! Herr Gott heiliger Geist, der du billig ein Tröster heißt, du bist jetzt mein Beistand gewesen und haſt mich geführet zum Brunnen der Barmherzigkeit. Ach, 119 leite mich auch in Zukunft in alle Wahrheit, damit ich durch deine Lehre und Trost an Leib und Seele möge genesen, hier zeitlich und dort ewiglich! Amen. Ein anderes: Gnädiger Gott, barmherziger, Vater! ich sage dir von Herzen Dank, daß du mein Gebet erhöret und mir um Christi willen alle meine Sünden vergeben hast. Nun erfahre ich in der That, daß du keinen Gefallen haft am Tode des Gottlosen, sondern willst, daß er sich bekehre und lebe. Denn du hast meine Seele vom Tode und mein Leben vom Verderben errettet. Nun empfinde ich in der Wahrheit, daß du bist nahe denen, die zerbrochenes Herzens sind, und hilfft denen, die ein zerschlagen Gemüth haben. Denn da ich rief, hörtest du es und halfest mir aus meiner Noth. Nun kann ich aus eigener Erfahrung sagen, daß deine Barmherzigkeit groß sei, und du dich gnädig finden läsfest denen, die sich zu dir bekehren. Nun merke ich, daß du nicht handelst mit uns nach unsern Sünden und vergiltst uns nicht nach unserer Miſsethat; sondern so fern der Morgen ist vom Abend, läsfest du unsere Uebertretung von uns sein; und wie sich ein Vater erbarmet über seine Kinder, so erbarmest du dich über die, so dich fürchten. Darum lobe den Herrn, meine Seele! und was in mir iſt, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat; der dir alle deine Sünden vergiebt und heilet alle deine Gebrechen; der dein Leben vom Verderben erlöset und dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Laß mich 120 ferner Gnade finden und bereite mich durch deinen heiligen Geist, damit ich im heiligen Abendmahl würdig esse den Leib und trinke das Blut Christi, zu mehrerer Versicherung deiner Gnade und der gnädigen Vergebung meiner Sünden, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, meines Heilandes willen. Amen. 6. Abendgebet am Beichttage. Mein Gott! der Tag ist nun zu Ende. Ich danke dir, daß du mich heute leiblich beschützet und vor allem Unfall bewahret hast, sonderlich aber, daß du mich an diesem Tage die liebliche Stimme der Vergebung aller meiner Sünden haft hören lassen. Heute hast du mich aus der Finsterniß, darinnen ich so lange Zeit geirret habe, wieder gerissen und an das Licht gebracht. Heute ist meinem Hause Heil widerfahren, weil du mit deiner unbegreiflichen Gnade darein gezogen biſt. Es hat dich meiner, als deines unwürdigen Knechtes ( deiner unwürdigen Magd), gejammert, du hast mich losgelassen, und die Schuld erließest du mir auch. Wie soll ich doch nur dir, meinem Herrn, genugſam danken! Ich will den heilsamen Kelch des Blutes deines Sohnes morgen durch deinen göttlichen Beistand nehmen und deine Gnade verkündigen. Ich will mich mit dir vereinigen, Jesu, mein Bräutigam, und in und mit dir ewig sein und bleiben. Mache du deinen Tempel und Wohnung aus mir. Herr Gott, heiliger Geist, in dir will ich leben und sterben. Hochgelobte Dreieinigkeit, auf dein Wort will ich getrost und fröhlich einschlafen und morgen, zu deinem Lobe, durch deine getreue Hülfe wieder erwachen. Vollführe 121 du das gute Werk, so du in mir angefangen hast, und gieb Gnade, daß ich morgen den Leib und das Blut meines Herrn Jesu Christi würdiglich genieße. Wehre dem Teufel, daß er meinen guten Vorsatz nicht hindere oder breche. Laß deine heiligen Engel mit mir zu Bette gehen, und morgen mit mir aufstehen. Indessen wache meine Seele zu dir, und harre auf dich von einer Morgenwache zu der andern, bis ich den finde, den meine Seele liebet. Ich bitte dich, du höchstes Gut, stärke meine Liebe. Du getreuer Hirte, locke mich, daß ich armes, verirrtes Schäflein deine Stimme höre und mich bei dir einfinde. O Herr Jesu, wie verlanget meine Seele nach dir! Meine Seele dürftet nach dir, wie ein dürres Land. Wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue? Sei mir gnädig, vergieb mir, was ich heute diesen Tag und die ganze Zeit meines Lebens wider dich gesündiget habe. Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knechte, sondern laß mich diese Nacht mit ruhigem Gewiſsen einschlafen, morgen gesund und fröhlich wieder erwachen und dein heiliges Sacrament würdiglich und zum Segen genießen. Dir lebe ich, mein Gott! dir sterbe ich, dein bin ich, ich wache oder schlafe. Weiche nicht von mir, und verlaß mich nicht! Amen. 7. Morgengebet am Abendmahlstage. Halleluja! Lobe den Herrn, meine Seele! Dies ist der Tag, den der Herr macht, lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein. O Herr hilf, o Herr, laß wohl gelingen! Hosianna in der Höhe! Gelobet 122 sei, der da kommt im Namen des Herrn. Wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seid. Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet. Schmücket das Fest und strenet Palmen, daß der König der Ehren einziehe. Thut mir auf die Thore der Gerechtigkeit, daß ich da hineingehe und dem Herrn danke. Du bist mein Gott, und ich danke dir, mein Gott, ich will dich preisen. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Ich will dich erhöhen, mein Gott und König, und deinen Namen loben immer und ewiglich. Barmherzig und gnädig bist du, geduldig und von großer Güte. Du bist allen gütig und erbarmest dich aller deiner Werke. Du erhältst alle, die da fallen, und richtest auf alle, die niedergeschlagen sind. Aller Augen warten auf dich, und du giebſt ihnen ihre Speise zu seiner Zeit, du thust deine Hand auf und erfüllest alles, was lebet, mit Wohlgefallen. Darum erhebet dich meine Seele, und mein Geist freuet sich deiner, meines Heilandes. Du wollest heute bei mir einkehren und mir diesen Tag zu einem Gnadenund Segenstage machen für Zeit und Ewigkeit. Laß mich fühlen, daß ich dein versöhntes Kind und ein Erbe deiner himmlischen Güter sei. Fülle mich an deinem Gnadentische mit den reichen Gütern deines. Hauses! Schenke mir vollkommene Vergebung aller meiner Sünden, stärke meinen Glauben, befestige meine Liebe, gieb mir deinen Frieden und durchdringe mich mit himmlischen Lebenskräften, daß ich einen Vorschmack bekomme der ewigen Herrlichkeit, die an uns foll geoffenbaret werden. Amen. 123 Ein anderes: Gott Lob! die Nacht ist dahin, und aus der Finsterniß ist ein lichter Morgen geworden. Du Sonne der Gerechtigkeit, gehe auch diesen Tag in meinem Herzen auf und vertreibe alle Finsterniß aus meiner Seele. Ich sage dir Lob und Dank, du Vater der Barmherzigkeit, daß du mir gestern die schwere Sündenlast abgenommen, mich die Nacht sanft ruhen und das Licht des Tages hast erblicken lassen. Dies ist nun heute der Tag, den mir der Herr gemacht hat. Freue dich, meine Seele, und sei fröhlich in dem Herrn! Höre mur, wie freundlich dein Jesus dir zuruft: Komm zur Hochzeit, die Mahlzeit ist bereitet. O welch' eine gnädige und liebreiche Einladung! Ich will mich jetzt zu dieser theuern Mahlzeit schicken und bereiten. Gieb, liebster Jesu, daß ich mit dem vergänglichen Schmuck meines Leibes auch anziehe das rechte hochzeitliche Kleid und meine Seele schön ausschmücke, damit ich als ein würdiger Hochzeitsgast erscheinen möge. Hinweg mit aller sündlichen Pracht und Hoffahrt! Hinweg mit aller Freude dieser Welt! Hinweg mit allen Lügen der Erde! Sie sind nichts gegen diese himmlische, über alle Maaßen wichtige Herrlichkeit. Ich werde heut in dem heiligen Sacrament berufen zu der Hochzeit des Lammes, da ich werde zu Tische sitzen mit Abraham, Isaak und Jakob, und die Fülle haben immer und ewiglich. Gieb, liebster Herr Jesu, daß ich dieses hohe Werk heute ja wohl überlege, mich prüfe und in wahrem Glauben hinzutrete, damit mir diese theure Seelenspeiſe 124 nicht zum Tode und zur Verdammniß, sondern zum Leben und zur ewigen Seligkeit gereichen möge. Schenke mir deinen heiligen Geist, der mich recht zubereite und wohl geschickt mache. Jetzt flopfet er an bei mir in meinem Herzen durch sein Wort. Verleihe mir die Gnade, daß ich ihm willig aufthue im Glauben und Gehorsam, auf daß er das rechte Abendmahl bei mir halte, und ich mit ihm. Erhalte mich auch diesen ganzen Tag im heiligen Leben und Wandel, behüte mich vor bösen Gedanken, unnützen Worten und fündlichen Werken. Wehre dem Satan und allen gottlosen Menschen, daß sie mir weder am Leibe noch an der Seele einigen Schaden und Unglück zufügen mögen. Laß mich auch den Abend dieses Tages gesund und fröhlich erleben, damit ich dir mein Abendopfer bringen und für alle Gnade und Wohlthat danken, und dich rühmen und preisen möge. Amen. 8. Gebet vor dem heiligen Abendmahle. Gnädiger Gott, lieber himmlischer Vater, ich danke dir von Herzen, daß du durch deinen lieben Sohn, Jesum Christum, das heilige, hochwürdige Abendmahl uns zu gut hast eingesetzt, darinnen er uns wahrhaftig unter dem gesegneten Brot und Wein mit seinem Leibe und Blute zur Vergebung unserer Sünden speiset und tränket. Verleihe mir nun auch deine Gnade, daß ich mich recht dazu bereite, solche herrliche Gabe würdiglich gebrauche, und mein Leben hernach heilig anstelle, bis ich endlich selig werde durch denselben deinen lieben Sohn, Jesum Christum, meinen Herrn. Amen. 125 Ein anderes: Barmherziger Gott, himmlischer Vater! Du rufest mich nun zu deinem heiligen Abendmahle. Ich flehe dich demüthig an, du wollest die göttliche Kraft des Blutes, welches mein liebster Heiland zur Vergebung meiner Sünden vergossen hat, auch mir angedeihen lassen. Sende mir aus deiner himmlischen Wohnung dein Licht und deine Wahrheit, daß sie mich zu deiner heiligen Tafel leiten, und ich daselbst deinen Frieden und die Gnade deines heiligen Geistes empfange. Reinige mein Herz, damit ich es meinem Jesu opfere, der sich selbst für mich gegeben hat. Erfülle meine Seele je mehr und mehr mit Buße, Glauben, Liebe, Eifer, Freudigkeit und Dankbarkeit. Gott, mein Herz sagt mir um deinetwillen, ich soll dein Angesicht suchen. Ich suche es, o Herr! hilf mir und erlöse mich um deines heiligen und hochgelobten Namens willen. Amen. 9. Seufzer während des heiligen Abendmahls. O Gott Vater, sei mir armen Sünder gnädig und barmherzig, und laß mich den Leib und das Blut meines Herrn Jesu Christi empfangen nicht zum Gerichte, sondern zur Vergebung der Sünden und zu meiner Seelen Seligkeit! Amen. Ein anderer: Herr Jesu Christe, dein heiliger Leib speise mich, dein theures Blut tränke mich, dein bitteres Leiden und Sterben stärke mich. Herr Jesu Christ erhöre mich, in deine heiligen fünf Wunden verberge mich, und laß mich werden, mein Jesu. 126 nimmermehr von dir geschieden Amen. Ein anderer: O Herr Jesu Christe, ich bin nicht werth, daß du bei mir armen Sünder einkehrest. Du weißt und erkennest aber meine große Armuth und Nothdurft, darum ich von Herzen begehre, du wollest mich armen Sünder mit deinem Leibe und Blute speisen und tränken. Sprich, o Herr und Gott, nur ein Wort, so werde ich an Leib und Seele gesund. Amen. 10. Gebete bei dem Empfange des heiligen Abendmahls. Herr Jesu Christe, dein heiliger Leib stärke und bewahre mich im rechten Glauben, zum ewigen Leben. Amen. Herr Jesu Christe, dein heiliges Blut stärke und bewahre mich im rechten Glauben, zum ewigen Leben. Amen. Ein anderes: O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, dein heiliger Leib und dein theures Blut stärke, heilige und bewahre mich und alle die Deinen in wahrem Glauben, Liebe und Hoffnung zum ewigen Leben! Amen. Ein anderes: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn! Herr, hilf, o Herr, laß wohl gelingen! Hilf deinem Volt 127 und segne dein Erbe, und weide sie und erhöhe sie ewiglich. Amen. 11. Danksagung nach dem heiligen Abendmahle. O mein Herr Jesu Christe, ich sage dir Lob und Dank, daß du mich jetzt abermals so liebreich an deinem Tische mit deinem eigenen Leibe und Blute haſt gespeiset und getränket. Ich bitte dich von Herzen, laß mir solches gedeihen zur Stärkung meines Glaubens, zum seligen und ewigen Leben. Amen. Eine andere: Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich! Ich danke dir, allmächtiger Herr Gott, daß du mich durch diese heilsame Gabe des Leibes und Blutes deines Sohnes hast erquicket, und bitte deine Barmherzigkeit, daß du mir solches gedeihen lassest zu starkem Glauben gegen dich und zu Herzlicher Liebe gegen alle Menschen durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, meinen Herrn. Amen. Eine andere: Herr Jesu Christe, ich danke dir für dein Leiden und Sterben und für deine Gnade, die du mir durch dein heilig Fleisch und Blut in dem heiligen Abendmahl versichert und geschenket hast. Ich bitte deine große Barmherzigkeit, daß du mich erhalten wollest in wahrem Glauben an dich und in brünstiger Liebe gegen dich und den Nächsten, auch in christlicher Geduld und schuldigem Gehorsam im Leben, Leiden und Sterben; der du mit Gott dem Vater in Einigkeit des hei 128 ligen Geistes lebeft und regierest immer und ewiglich. Amen. Eine andere: Barmherziger Gott und Vater! Ich lobe und preiſe deinen heiligen Namen und danke dir für deine unaussprechliche Güte, daß du mich armen, unwürdigen Sünder mit dem Leibe und Blute deines Sohnes Jesu Christi gespeiset und getränket hast. Ach Herr, ich bin viel zu geringe aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir thust. So hilf mir denn, getreuer Gott, daß mir dieses Mahl gedeihen möge zur Stärkung meines Glaubens, zu brünstiger Liebe gegen die Brüder, zur Kraft in der Gottseligkeit, zur Geduld in Kreuz und Leiden, und dereinst zu einem fröhlichen, seligen Sterben. Mache mich brünstig im Geist, fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, laß mich anhalten im Gebet, auf daß ich den guten Vorsatz, den ich durch deine Gnade gefaßt habe, durch deine Kraft nun auch in's Werk setzen und alle Anfechtungen des Teufels, der Welt und des Fleisches überwinden möge. Erhalte auch deine Kirche auf Erden in rechtem Glauben und wahrer Einigkeit des Geistes, und hilf uns allesammt aus zu deinem himmlischen Reiche, das du erworben hast durch Jesum Christum, welchem sei fammt dir und dem heiligen Geiste Lob, Ehre, Preis und Herrlichkeit von nun an bis in Ewigkeit! Amen. Eine andere: O allmächtiger Herr Jesu Christe! Ich danke dir von Herzen, daß du mich armen Sünder von allen 129 meinen Missethaten rein gewaschen, mit deinem hei ligen Leibe und Blute mich gespeiset und getränket, und mich, als dein liebes Kind, wieder zu Gnaden angenommen hast. Ich bitte dich, du wollest mir durch deinen heiligen Geist solche deine große Gnade zu erkennen geben, auf daß ich hinfort dich über alle Dinge liebe, deine Werke andächtig betrachte, meine unordentlichen Begierden dämpfe, meinen Nächsten liebe, und mein ganzes Leben in deiner Kraft bessere. Amen. 12. Abendgebet am Abendmahlstage. Barmherziger Gott, liebreicher Vater! Ich preise dich in dieser Abendstunde von ganzem Herzen für alles Gute, so du heute an mir gethan hast. Du hast nicht nur meinen Leib und meine Seele, und alles, was ich von deiner milden Hand genieße, vor Gefahr und Unglück gnädiglich bewahret; sondern du hast mich auch aller meiner Sünden entbunden und mit dem Leibe und Blute deines Sohnes gespeiset und getränket. Herr, deine Liebe und Wohlthat ist so groß, daß ich dir dafür in Zeit und Ewigkeit nicht genug danken kann. Hilf mir durch deinen guten Geist, daß ich solche in stetem Andenken bewahre und niemals vergesse, dich dafür zu preisen. Laß mich nichts denken, reden oder thun, was dir zuwider ist, sondern hinfort dir zu Ehren leben, und meinen Wandel nach der Vorschrift deines Wortes also führen, daß ich mich deiner Gnade und deines Beistandes in Noth und Tod sonder Zweifel getrösten könne. Ach, getreuer Gott, ziehe deine Gnadenhand nicht von mir ab. Laß auch diese Nacht, da mein Leib sich zur Ruhe legt, die Seele Beicht und Abendmahlsbuch. 9 130 stets zu dir wachen. Walte über mir und den lieben Meinigen mit deiner Gnade, und beschirme mich und alles, was du mir gegeben hast, daß der böse Feind mit allen seinen Werkzeugen mir keinen Schaden zufügen könne. Laß mich nach deinem gnädigen Willen morgen gefund wieder erwachen, und mit dem frohen Tageslichte deine Güte und Treue kräftig spüren und genießen. Gott Bater! was du erschaffen; Gott Sohn! was du erlöset; Gott heiliger Geist! was du geheiliget haſt, das befehle ich dir in deine Hände. Erhalte, stärke, regiere und bewahre dasselbe zum ewigen Leben. Deinem großen Namen sei Lob, Preis, Ehre und Herrlichkeit geſagt, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen. Ein anderes: Abba, lieber Vater im Himmel! Du haſt heute meiner Seele viel Gutes erzeiget. Darum will ich dir in dieser Abendstunde ein Dankopfer bringen und deinen Namen loben. Ich danke dir von ganzem Herzen, denn du bist freundlich, und deine Güte währet ewiglich. Du hast aus unaussprechlicher Liebe mich, dein verlorenes Kind, heute wieder zu Gnaden angenommen und mich deines himmlischen Erbes aus Gnaden wiederum theilhaftig gemacht. Jesu, du treuer Heiland aller armen Sünder, du hast mich durch dein Blut mit Gott verföhnt, für mich gebeten, mich, dein verirrtes Schäflein, wieder auf deine Achseln geleget, über meine Buße mit deinen heiligen Engeln dich heute gefreur, und bist jetzt ganz eins mit mir. O Gott heilige Geist, du hast meine Buße, Andacht und Glauben in mir gewirket; du hast mir heute den Weg 131 wieder gezeigt, den ich hinfort zum Himmel wandeln soll. Nun bin ich gewiß, daß alle meine Sünden mir vergeben sind, und Gott feiner mehr gedenken wird. Ich bin gewiß, mein Gebet ist durch die Wolken gedrungen, und Gott hat es zu meinem Besten erhöret. Darum, mein Gott, komme ich an dem Abende dieſes Tages mit Jauchzen und Frohlocken vor dein Angesicht. Herr, ich bin zu geringe dieser großen, unbeschreiblichen Barmherzigkeit, die du heute an mir bewieſen hast. Mein gnädiger Gott, dafür will ich dich loben immer und ewiglich. Aber zürne nicht, Herr, daß ich noch einmal mit dir rede. Mir iſt bange, daß ich den heute mit dir gemachten Bund bald wieder übertreten und in die vorigen Sünden wiederum willigen möge. Denn ich weiß, mein Gott, daß in mir, das ist in meinem Fleische, wohnet nichts Gutes: Wollen habe ich wohl, aber vollbringen das Gute finde ich nicht. So wird auch der Satan nicht ruhen, er habe mich denn wieder in den vorigen Jammer und Noth gebracht. Ach, so erbarme dich um aller deiner Güte willen über mich, mein Gott, gedenke doch, daß ich Staub und Asche bin. Nimm deinen heiligen Geist nicht von mir, und laß ihn mich stets leiten auf ebener Bahn. Hilf mir durch ihn meiden alle Gelegenheit, die mich zur Sünde verlocken könnte. Erwecke mich durch ihn zur wahren Selbstverläugnung, wo ich in Gefahr stände, in die Sünde zu willigen. Mache zu Schanden alle listigen Anschläge des Teufels, der Welt und meines eigenen Fleisches und Blutes. Treibe mich durch deinen Geist zu den Früchten des Geistes, damit in mir wachſe 9* 132 Glaube, Liebe, Hoffnung, Demuth, Andacht und Gottesfurcht. Siehe, ich übergebe mich dir und deiner Regierung ganz und gar. Herr, mein Gott, stärke mich und hilf mir gnädiglich meine Buße und Besserung vollbringen, die ich mir mit ganzem Vertrauen auf dich vorgenommen habe. Ich gehe nun hin, der Ruhe meines Leibes zu pflegen. O du Hüter Israel, der du nicht schläfft noch schlummerst, laß mich ruhig und mit Frieden schlafen. Erhalte mich, daß ich liege, schlafe und erwache, und nicht mit Schrecken erwecket werde. Laß deine heiligen Engel diese Nacht sich um mich her lagern, daß alle die Meinigen und das Meinige verwahret bleibe. Hilf, daß auch im Schlafe mein Herz zu dir wache. So schlafe ich nun ein im Namen Gottes des Vaters, Gottes des Sohnes und Gottes des heiligen Geistes. Denn ich weiß, du allein, Herr, hilfst mir, daß ich sicher wohne. Herr, laß mich nicht zu Schanden werden, um des theuern Verdienstes Jesu Christi willen! Amen. 133 Dritte Abtheilung. Lieder. I. Einladung. 1. In eigener Melodie. Mein Heiland nimmt die Sünder an, Die unter ihrer Last der Sünden Kein Mensch, kein Engel trösten kann, Die nirgend Ruh und Rettung finden, Den'n selbst die weite Welt zu klein, Die sich und Gott ein Greuel sein; Den'n Moses schon den Stab gebrochen Und sie der Hölle zugesprochen, Wird diese Freiſtadt aufgethan: Mein Heiland nimmt die Sünder an.:Sein mehr als mütterliches Herz Trieb ihn von seinem Thron auf Erden; Ihn drang der Sünder Noth und Schmerz, An ihrer Statt ein Fluch zu werden; Er senkte sich in ihre Noth Und schmeckte den verdienten Tod; Nun, da er denn sein eigen Leben Zur theuern Zahlung hingegeben Und seinem Vater gnug gethan, So heißt's: er nimmt die Sünder an.:,: Nun ist sein aufgethaner Schooß Ein sichres Schloß gejagter Seelen; Er spricht sie von dem Urtheil los, Und tilget bald ihr ängstlich Quälen. Es wird ihr ganzes Sündenheer Ins unergründlich tiefe Meer Von seinem reinen Blut versenket; Der Geist, der ihnen wird geschenket, Schwingt über sie die Gnadenfahn: Mein Heiland nimmt die Sünder an.:,: 134 So bringt er sie dem Vater hin In seinen blutbefloffnen Armen; Das neiget denn den Vatersinn Zu lauter ewigem Erbarmen; Er nimmt sie an an Kindes Statt; Ja, alles, was er ist und hat, Wird ihnen eigen übergeben, und selbst die Thür zum ewgen Leben Wird ihnen fröhlich aufgethan. Mein Heiland nimmt die Sünder an.:;: O, solltest du sein Herze sehn, Wie sichs nach armen Sündern sehnet, Sowohl wenn sie noch irre gehn, Als wenn ihr Auge vor ihm thränet. Wie streckt er sich nach Zöllnern aus, Wie eilt er in Zachäi Haus, Wie sanft stillt er der Magdalenen Den milden Fluß erpreßter Thränen, Und denkt nicht, was sie sonst gethan. Mein Heiland nimmt die Sünder an.:,: Wie freundlich blickt er Petrum an, Ob er gleich noch so tief gefallen! Nun, dies hat er nicht nur gethan, Da er auf Erden mußte wallen: Nein, er ist immer einerlei, Gerecht und fromm und ewig treu; Und wie er unter Schmach und Leiden, So ist er auf dem Thron der Freuden Den Sündern liebreich zugethan; Mein Heiland nimmt die Sünder an.:;: So komme denn, wer Sünder heißt, Und wen sein Sündengreul betrübet, Zu dem, der keinen von sich weist, Der sich gebeugt zu ihm begiebet. Wie? willst du dir im Lichte stehn, Und ohne Noth verloren gehn? Willst du der Sünde länger dienen, Da dich zu retten er erschienen? Onein, verlaß die Sündenbahn; Mein Heiland nimmt die Sünder an.:: 135 Komm nur mühselig und gebückt; komm nur, so gut du weißt zu kommen; Wenn gleich die Last dich niederdrückt, Du wirst auch friechend angenommen. Sieh, wie sein Herz dir offen steht, Und wie er dir entgegen geht! Wie lang hat er mit vielem Flehen Sich brünstig nach dir umgesehen! So komm denn, armer Wurm, heran: Mein Heiland nimmt die Sünder an.:: Sprich nicht: Ich habs zu grob gemacht, Ich hab die Güter seiner Gnaden so lang und schändlich umgebracht, Er hat mich oft umsonst geladen. Wofern du's nur jetzt redlich meinst, Und deinen Fall mit Ernst beweinst, So soll ihm nichts die Hände binden, Und du sollst dennoch Gnade finden; Er hilft, wenn sonst nichts helfen kann; Mein Heiland nimmt die Sünder ant.:: Doch sprich auch nicht: Es ist noch Zeit, Ich muß erst diese Lust genießen, Gott wird ja eben nicht gleich heut Die offnen Gnadenpforten schließen. Nein, weil er ruft, so höre du, Und greif mit beiden Händen zu; Wer seiner Seelen heut verträumet, Der hat die Gnadenzeit versäumet; Ihm wird hernach nicht aufgethan; Heut komm, heut nimmt dich Jesus an.;;; Ja, zeuch uns selbsten recht zu dir, Holdselig süßer Freund der Sünder; Erfüll mit sehnender Begier Auch uns und alle Adams- Kinder. Zeig uns bei unserm Seelenschmerz Dein aufgespaltnes Liebesherz; Und wenn wir unser Elend sehen, So laß uns ja nicht stille stehen, Bis daß ein Jeder sagen kann: Gott Lob, auch mich nimmt Jesus an.: 136 2. Mel. Gott ist getreu, der über meine Kräfte. Das Brünnlein quillt, das Lebenswasser fließet, Komm, durstig Herz, komm, wer sich elend schaut! Nimm hin umsonst! Dies merfe, wer es liefet! So ruft das Lamm, so spricht der Geist und Braut. Komm nur getrost herbei und trink, so viel du willt, Es steht dir wahrlich frei. Das Brünnlein quillt. Das Brünnlein quillt. Laßt Augen, Herz und Hände, Ihr Durstigen, darauf gerichtet sein! Das A und O, der Anfang und das Ende, Steht da und ladet alle selber ein. Nehmt Lebenswasser an, wer Durst und Mangel fühlt! Umsonst hat's jedermann. Das Brünnlein quillt. Das Brünnlein quillt. Gott Lob! die ganze Fülle Der Gnaden und der Kraft thut sich uns auf. O Seele, ist in dir nur ernster Wille, So eile, wie ein Hirsch, mit schnellem Lauf Zu dieser Lebensquell', die Durst und Hunger stillt, Die lieblich, klar und hell. Das Brünnlein quillt. Das Brünnlein quillt. Es stehet frei und offen. Wer unrein und befleckt ist, fomm herbei! Hier wird das Bad der Seelen angetroffen, Hier quillet Blut zu unsrer Arzenei. Sünd' und Unreinigkeit wird dadurch weggeſpült, Geist, Seel' und Leib erneut. Das Brünnlein quillt. Das Brünnlein quillt. So schöpfet doch mit Freuden, Ihr Traurigen, auf euren Seelenschmerz, Auf 137 manchen Schlag, den ihr habt müssen leiden, Nun kommt und labt das frank' und matte Herz! Kein Zorn und Donnerkeil wird ferner hier gefühlt; Der Brunnen heißet Heil. Das Brünnlein quillt. Das Brünnlein quillt. Es stürzet Kraft und Leben, Ein Gnadenwasser, Milch und Wein herfür. Es heißt: wohlan, ich will es allen geben, Kommt her und kauft, ach kommet mit Begier! Hier habt ihr, was euch fehlt, was euren Wunsch erfüllt, Umsonst und ohne Geld. Das Brünnlein quillt. Das Brünnlein quillt. Laß alle Teufel wüthen, Und alle Welt zu Grund und Trümmern gehn; Die Gottesstadt bleibt lustig und im Frieden Dennoch mit ihrem Brünnlein ewig stehn. Der große Jehovah, ihr' Hülfe, Sonn' und Schild, 3st ihr von innen nah. Das Brünnlein quillt. Das Brünnlein quillt zum Heil der dürren Erden, Oselig, wer von dessen Wassern trinkt! Das wird in ihm ein Brunn des Wassers werden, Der mit ihm in das ew'ge Leben springt. Wer hier in Zuversicht des Glaubens Eimer füllt, Den dürftet ewig nicht. Das Brünnlein quillt. Das Brünnlein quillt, hier unten und dort oben, Und du, gekröntes Lamm, bist Wirth und Hirt. Es müsse dich das Heer des Himmels loben, Das streitende, und das dort triumphirt. Du Trostbrunn Ifraels, der allen Jammer stillt, Es jauchze Leib und Seel. Das Brünnlein quillt. 138 II. Lehre. 3. In eigener Melodie. Jesus Christus, unser Heiland, Der von uns den Zorn Gottes wandt', Durch das bitter Leiden sein Half er uns aus der Höllen Bein. Daß wir nimmer deß vergessen, Gab er uns sein'n Leib zu essen, Verborgen im Brot so klein, Und zu trinken sein Blut im Wein. Wer sich zu dem Tisch will machen, Der hab' wohl Acht auf sein' Sachen, Wer unwürdig hinzugeht, Für das Leben den Tod empfäht. Du sollst Gott, den Vater, preisen, Daß er dich so wohl wollt' speisen, Und für deine Missethat In den Tod sein'n Sohn geben hat. Du sollst glauben und nicht wanken, daß es sei ein Speif' der Kranken, Den'n ihr Herz von Sünden schwer Und vor Angst ist betrübet sehr. Solch groß' Gnad' und Barmherzigkeit Sucht ein Herz in großer Arbeit. Ist dir wohl, so bleib' davon, Daß du nicht kriegest bösen Lohn. Er spricht selber: Kommt, ihr Armen! Laßt mich über euch erbarmen; Kein Arzt ist dem Starken noth, Sein' Kunst wird an ihm gar ein Spott. Hätt'st du dir was tönn'n erwerben, Was dürft' ich denn für dich sterben? Dieser Tisch auch dir nicht gilt, So du dir selber helfen willt. 139 Glaubst du das von Herzensgrunde Und bekennest mit dem Munde, So bist du recht wohlgeschickt, Und die Speis' deine Seel' erquickt. Die Frucht soll auch nicht ausbleiben, Deinen Nächsten sollst du lieben, Daß er dein genießen kann, Wie dein Gott an dir hat gethan. 4. Mel. Herr Jesu, hier sind deine Brüder. Mein Jesu, der du vor dem Scheiden, In deiner letzten Trauernacht, Uns hast die Früchte deiner Leiden In einem Testament vermacht, Es preisen gläubige Gemüther Dich, Stifter dieser hohen Güter. So oft wir dieses Mahl genießen, Wird dein Gedächtniß bei uns neu. Man kann aus frischen Proben schließen, Wie brünstig deine Liebe sei. Dein Blut, dein Tod und deine Schmerzen Verneuern sich in unserm Herzen. Es wird dem zagenden Gewissen Ein neues Siegel aufgedrückt, Daß unser Schuldbrief sei zerrissen, Und Leib und Seele wird erquickt, Da wir Vergebung unsrer Sünden In deinen blut'gen Wunden finden. Das Band wird fester zugezogen, Das dich und uns zusammenfügt. Die Freundschaft, die wir sonst gepflogen, Fühlt, wie sie neue Stützen kriegt, Wir werden mehr in solchen Stunden Mit dir zu einem Geist verbunden. Dies Brot kann wahre Nahrung geben, Dies Blut erquicket unsern Geist. Es mehrt sich unser 140 inn'res Leben, Wenn unser Glaube dich geneußt. Wir fühlen neue Kraft und Stärke In unserm Kampf und Glaubenswerte. Wir treten in genau're Bande Mit deines Leibes Gliedern ein, Mit denen wir in solchem Stande Ein Herz und eine Seele sein. Der Geist muß mehr zusammenfließen, Da wir ein Fleisch und Blut genießen. Dein Fleisch muß uns zum Pfande dienen, daß unser Fleisch, der Schwachheit voll, Einst herrlich aus dem Staube grünen Und unverweslich werden soll; Ja, daß du uns ein ewig Leben Nach diesem kurzen werdest geben. Otheures Lamm, so edle Gaben Hast du in dieses Mahl gelegt, Da wir dich selbst zur Speiſe haben. Wie wohl ist unser Geist verpflegt! Dies Mahl ist unter allen Leiden Ein wahrer Vorschmack ew'ger Freuden. Dir sei Lob, Ehr' und Preis gesungen! Ein solcher hoher Liebesschein Verdient, daß aller Engel Zungen Zu dessen Ruhm geschäftig sein. Wird unser Geist zu dir erhoben, So wird er dich vollkommen loben. III. Vor der Beichte. 5. In eigener Melodie. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen; Dein gnädig Ohren kehr zu mir, Und meiner Bitt sie öffen. Denn so du willst das sehen 141 an, Was Sünd und Unrecht ist gethan, Wer kann, Herr, vor dir bleiben? Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst, Die Sünde zu vergeben; Es ist doch unser Thun umsonst Auch in dem besten Leben. Vor dir niemand sich rühmen kann; Deß muß sich fürchten jedermann, Und deiner Gnaden leben. Darum auf Gott will hoffen ich, Auf mein Verdienst nicht bauen; Auf ihn mein Herz soll lassen sich, Und seiner Güte trauen, Die mir zusagt sein werthes Wort: Das ist mein Trost und treuer Hort, Deß will ich allzeit harren. Und ob es währt bis in die Nacht, Und wieder an den Morgen: Doch soll mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht noch sorgen. So thu Israel rechter Art, Der aus dem Geift erzeuget ward, Und seines Gotts erharre. Ob bei uns ist der Sünden viel, Bei Gott ist viel mehr Gnaden; Sein Hand zu helfen hat tein Ziel, Wie groß auch sei der Schaden. Er ist allein der gute Hirt, Der Israel erlösen wird aus seinen Sünden allen. 6. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Ich armer Mensch, ich armer Sünder Steh hier vor Gottes Angesicht. Ach Gott, ach Gott, verfahr gelinder, Und geh nicht mit mir ins Gericht. Erbarme dich, erbarme dich, Gott mein Erbarmer, über mich. 142 Wie ist mir doch so herzlich bange Von wegen meiner großen Sünd. Ach, daß ich Gnad vor dir erlange, Ich armes und verlornes Kind! Erbarme dich, erbarme dich, Gott mein Erbarmer, über mich. Ach, höre doch mein seufzend Schreien, Du allerliebstes Vaterherz; Wollst alle Sünden mir verzeihen, Und lindern meines Herzens Schmerz. Erbarme dich, erbarme dich, Gott mein Erbarmer, über mich. Wie lang soll ich vergeblich klagen? Hörst du denn nicht, ach, hörst du nicht? Wie kannst du das Geschrei vertragen? Hör, was der arme Sünder spricht: Erbarme dich, erbarme dich, Gott mein Erbarmer, über mich. Wahr ist es, übel steht der Schade, Den niemand heilet, außer du. Ach, aber ach, ach Gnade, Gnade! Ich lasse dir nicht eher Ruh: Erbarme dich, erbarme dich, Gott mein Erbarmer, über mich. Nicht, wie ich hab verschuldet, lohne, Und handle nicht nach meiner Sünd. O treuer Vater, schone, schone, Und nimm mich wieder an zum Kind. Erbarme dich, erbarme dich, Gott mein Erbarmer, über mich. Sprich nur ein Wort, so werd ich leben, Sprich, daß der arme Sünder hör: Geh hin, die Sünd ist dir vergeben; nur fündige hinfort nicht mehr. Erbarme dich, erbarme dich, Gott mein Erbarmer, über mich. Ich zweifle nicht, ich bin erhöret, Erhöret bin ich Zweifels- frei, Weil sich der Trost im Herzen mehret, Drum will ich enden mein Geschrei. Ich lobe dich, ich lobe dich, Gott mein Erbarmer, über mich. 143 7. Mel. Nun lasset uns den Leib begrabn. frommer und getreuer Gott, Ich hab gebrochen dein Gebot, Und sehr gesündigt wider dich: Das ist mir leid und reuet mich. Weil aber du, o gnädger Gott, Nicht hast Gefalln an meinem Tod Und ist dein herzliches Begehrn, Daß ich mich soll zu dir bekehrn: Auf dies Wort, lieber Vater fromm, Ich armer Sünder zu dir komm, Und bitt dich durch den bittern Tod Und heilige fünf Wunden roth Deins lieben Sohnes Jesu Christ, Der mir zu gut Mensch worden ist: Laß deine Gnad und Gütigkeit mehr gelten denn Gerechtigkeit. Verschon, o Herr, laß deine Huld Zudecken alle meine Schuld: So werd ich arm verlornes Kind Ledig und los all meiner Sünd. Ich will, o Herr, nach deinem Wort Mich bessern, leben fromm hinfort, Damit ich mög nach dieser Zeit Gelangen zu der Ewigkeit. 8. In eigener Melodie. Allein zu dir, Herr Jesu Christ, Mein Hoffnung steht auf Erden;. Ich weiß, daß du mein Tröster biſt, Kein Trost mag mir sonst werden. Von Anbeginn ist nichts erkorn, Auf Erden war kein Mensch geborn, Der mir aus Nöthen helfen kann; 3ch ruf dich an, Zu dem ich all mein Vertraun hab. 144 Mein Sündn sind schwer und übergroß, Und reuen mich von Herzen; Derselben mach mich quitt und los Durch deinen Tod und Schmerzen, Und zeig mich deinem Vater an, Daß du hast gnug für mich ge than: So werd ich quitt der Sündenlast. Erhalt mich fest In dem, das du versprochen hast. Gieb mir nach deinr Barmherzigkeit Den rechten Christenglauben, Und daß ich deine Gütigkeit Mög inniglich beschauen; Vor allen Dingen lieben dich Und meinen Nächsten gleich als mich. Am letzten End dein Hülf mir send, Dadurch behend Des Teufels List sich von mir wend. Ehr sei Gott in dem höchsten Thron, Dem Vater aller Güte, Und Jesu Christ, seinm eingen Sohn, Der woll uns all behüten, Auch Gott dem heiligen Geiſte, Der uns sein Hülf allzeit leiste, Damit wir ihm gefällig sein Hier in diesr Zeit, Und folgen ihm in Ewigkeit. 9. Mel. Auf meinen lieben Gott. Wo soll ich fliehen hin, Weil ich beschweret bin Mit vielen großen Sünden? Wo soll ich Rettung finden? Wenn alle Welt herkäme, Mein Angst sie nicht wegnähme. Jesu, voller Gnad, Auf dein Gebot und Rath Kommt mein betrübt Gemüthe Zu deiner großen Güte: Laß du auf mein Gewissen Ein Gnadentröpflein fließen. Ich, dein betrübtes Kind, Werf alle meine Sünd', So viel ihr'r in mir stecken Und mich so heftig 145 schrecken, In deine tiefen Wunden, Da ich stets Heil gefunden. Durch dein unschuldig's Blut, Die schöne rothe Fluth, Wasch ab all' meine Sünde, Mit Trost mein Herz verbinde, Und ihr'r nicht mehr gedenke, Ins Meer sie tief versenke! os Du bist es, der mich tröst't, Weil du mich selbst erlös't; Was ich gesündigt habe, Hast du verscharrt im Grabe; Da hast du es verschlossen, Da wird's auch bleiben müſsen. on Ist meine Bosheit groß, So werd' ich ihr'r doch los, Wenn ich dein Blut auffasse Und mich darauf verlasse. Wer sich zu dir nur findet, All' Angst ihm bald verschwindet. AGT istis? Ho spboil? Mir mangelt zwar sehr viel; Doch, was ich haben will, Ist alles mir zu gute Erlangt mit deinem Blute, Damit ich überwinde Tod, Teufel, Höll' und Sünde. Und wenn des Satans Heer Mir ganz entgegen wär', Darf ich doch nicht verzagen: Mit dir kann ich sie schlagen, Dein Blut darf ich nur zeigen, So muß ihr Trotz bald schweigen. onst Dein Blut, der edle Saft, Hat solche Stärk' und Kraft, Daß dieses Blut alleine Die ganze Welt kann reine, Ja, gar aus Todes Rachen Frei, los und selig machen. adier, chi mom Darum allein auf dich, Herr Christ, verlass' ich mich; Jetzt kann ich nicht verderben, Dein Reich muß ich ererben; Denn du hast mir's erworben, Da du für mich gestorben. b) ds to usfol Beicht- und Abendmahlsbuch. 10 146 Führ auch mein Herz und Sinn Durch deinen Geist dahin, Daß ich mög' alles meiden, Was mich und dich kann scheiden, Und ich an deinem Leibe Ein Gliedmaaß ewig bleibe. IV. Nach der Beichte. tidist hier und lie 10. 1/ 20hp/ 94 and Mel. O Durchbrecher aller Bande. Schuld und Strafe sind erlassen, Gott erbarmt sich über mich; Dies Wort darf ich Sünder fassen, Und mein Glaube freuet sich. Lobe Gott, befrei'te Seele! Diese Gabe ist ja groß, Seine gnädigen Befehle Machen mich von Ketten los. Meine Rechnung ist vollendet, Weil ein reicher Bürge fam, Der sein theures Blut verwendet Und die Zahlung auf sich nahm; Nicht ein Heller blieb mir stehen; Millionen sind gebüßt. O, wie wäre mir geschehen, Wenn ich selber büßen müßt'! O, wie hat der Schulden Menge Mich in tausend Noth gebracht! Wie hat mir des Königs Strenge Ob der Sünden bang' gemacht! Aber Gott ließ sich erbitten, Da ich ihm den Fußfall that, Weil mein Bürge in der Mitten Selber für den Schuldner bat. Nunmehr darf ich wieder leben, Kein Verklagen ficht mich an; Alles hat mir Gott vergeben, Alles Jesus abgethan. Darauf kann ich froh erblassen; Meine Seele tröstet sich, Schuld und Strafe sind erlassen, Gott erbarmt sich über mich. 147 V. Vor dem heiligen Abendmahl. 11. Mel. Gott sei gelobet und gebenedeiet. Herr Jesu Christe, mein getreuer Hirte, Komm, mit Gnaden mich bewirthe, Bei dir alleine find ich Heil und Leben: Was ich darf, kannst du mir geben. Kyrie eleison. Dein arm Schäflein wollest du weiden Auf Israels Bergen in Freuden, Und zum frischen Wasser führn, Da das Leben her thut rühru. Kyrie eleison. All' andre Speis und Trank ist ganz vergebens, Du bist selbst das Brot des Lebens; Kein Hunger plaget den, der von dir isset, Alles Jammers er vergiffet. Kyrie eleison. Du bist die lebendige Quelle, Zu dir ich mein Herzkrüglein stelle; Laß mit Trost es fließen voll, So wird meiner Seelen wohl. Kyrie eleiſon. Laß mich recht trauren über meine Sünde, Doch den Glauben auch anzünde, Den wahren Glauben, mit dem ich dich fasse, Mich auf dein Verdienst verlaſſe. Kyrie eleison. Gieb mir ein recht bußfertig Herze, Daß ich mit der Sünde nicht scherze, Noch durch meine Sicherheit Mich bring um die Seligkeit. Kyrie eleiſon. Mir ist befleckt sehr greulich mein Gewissen. Ach, laß ein Blutströpflein fließen Aus deinen Wunden, welche du empfangen, Da du biſt ans Kreuz gehangen. Kyrie eleison. Wird damit mein Herze gerühret, Wirds von Stund an rein und gezieret Durch dein Blut mit Glauben schön, Kann in dir vor Gott bestehn. Kyrie eleiſon. 10* 148 Der darf des Arztes, den die Krankheit plaget, Mit Begier er nach ihm fraget. D süßer Jesu, schau, wie tiefe Wunden Werden auch in mir gefunden. Kyrie eleison. Du bist ja der Arzt, den ich rufe, Auf den mit Verlangen ich hoffe. Hilf, o wahrer Mensch und Gott; Hilfst du nicht, so bin ich todt. Kyrie eleison. Du rufest alle zu dir in Gnaden, Die mühselig und beladen; All' ihre Missethat willst du verzeihen, Ihrer Bürde sie befreien. Kyrie eleison. Ach komm selbst, leg' an deine Hände, Und die schwere Last von mir wende. Mache mich von Sünden frei; Dir zu dienen, Kraft verleih'. Kyrie eleiſon. Du wollest Geist und Herze zu dir neigen; Nimm mich mir, gieb mich dir eigen. Du bist der Weinstock, ich bin deine Rebe, Nimm mich in dich, daß ich lebe. Kyrie eleison. Ach, in mir find ich eitel Sünden, In die müssen sie bald verschwinden. In mir find' ich Höllenpein, In dir muß ich selig sein. Kyrie eleiſon. Komm, mein Freund, o komm, du schönste Krone, Jesu, komm, und in mir wohne. In mir will ich dich mit Gebet oft grüßen, Ja, mit Lieb' und Glauben küssen. Kyrie eleison. Komm, und schenke mir deine Liebe, So wird nichts sein, das mich betrübe: Deine Sanftmuth und Geduld, Die Frucht deiner Gnad' und Huld. Kyrie eleison. Dies sind die Blümlein, die mich können heilen, Und mir Lebenssaft ertheilen, Daß ich aus mir nun all' Untugend reiße, Dir zu dienen mich befleiße. 149 Kyrie eleison. In dir hab' ich, was ich soll haben, Deiner Gnaden Brünnlein mich laben. Laß mich ewig sein in dir, Und bleib' ewig auch in mir. Kyrie eleison. 12. In eigener Melodie. Schmücke dich, o liebe Seele, Laß die dunkle Sündenhöhle; Komm ans helle Licht gegangen, Fange herrlich an zu prangen; Denn der Herr voll Heil und Gnaden Will dich jetzt zu Gaste laden; Der den Himmel fann verwalten, Will jetzt Herberg' in dir halten. Eile, wie Verlobte pflegen, Deinem Bräutigam entgegen, Der da mit dem Gnadenhammer Klopft an deine Herzens- Kammer; Deffn' ihm bald die GeistesPforten, Red' ihn an mit schönen Worten: Komm, mein Siebster, laß dich küssen, Laß mich deiner nicht mehr missen. 3war in Kaufung theurer Waaren Pflegt man sonst kein Geld zu sparen; Aber du willst für die Gaben Deiner Huld kein Geld nicht haben, Weil in allen Bergwerksgründen Kein solch Kleinod ist zu finden, Das die blutgefüllten Schalen und dies Manna kann bezahlen. Ach, wie hungert mein Gemüthe, Menschenfreund, anch deiner Güte! Ach, wie pfleg' ich oft mit Thränen Mich nach deiner Kost zu sehnen! Ach, wie pfleget mich zu dürsten Nach dem Trank des Lebensfürsten! Wünsche stets, daß mein Gebeine Sich durch Gott mit Gott vereine. 150 Beides, Lachen und auch Zittern Lässet sich in mir jetzt wittern. Das Geheimniß dieser Speise Und die unerforschte Weise Machen, daß ich früh vermerke, Herr, die Größe deiner Werke. 3st auch wohl ein Mensch zu finden, Der dein' Allmacht sollt' ergründen? Nein, Vernunft, die muß hier weichen, kann dies Wunder nicht erreichen, Daß dies Brot nie wird verzehret, Ob es gleich viel Tausend nähret, Und daß mit dem Saft der Reben Uns wird Christi Blut gegeben. Oder großen Heimlichkeiten, Die nur Gottes Geist kann deuten! Jesu, meine Lebenssonne, Jesu, meine Freud' und Wonne, Jesu, du mein ganz Beginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen: Hier fall' ich zu deinen Füßen, Laß mich würdiglich genießen Dieser deiner Himmelsspeise, Mir zum Heil und dir zum Preiſe. Herr, es hat dein treues Lieben Dich vom Himmel abgetrieben, Daß du willig hast dein Leben In den Tod für uns gegeben, Und dazu ganz unverdrossen, Herr, dein Blut für uns vergossen, Das uns jetzt kann träftig tränken, Deiner Liebe zu gedenken. d Jesu, wahres Brot des Lebens, Hilf, daß ich doch nicht vergebens, Oder mir vielleicht zum Schaden, Sei zu deinem Tisch geladen; Laß mich durch dies Seelenessen Deine Liebe recht ermessen, Daß ich auch, wie jetzt auf Erden, Mag dein Gast im Himmel werden. 4700 151 0 Mel. Komm, mein Herz, in Jesu Leiden Deinen Hunger satt zu weiden. Stille hier dein sehnlich Dürsten In dem Blut des Lebensfürsten. Daß ich einen Heiland habe, Und in seinem Heil mich labe, Und in sein Verdienst mich kleide: Das ist meines Herzens Freude. düm din 13. Schmücke dich, o liebe Seele. HOMIN Zwar hab' ich ihn alle Tage, Wenn ich in sein Blut mich wage. Er ist auf der Himmelsreise Täglich mein Getränk und Speise. Daß ich einen Heiland habe, Bleibt mein Alles bis zum Grabe; Und ich mag nichts Anders wissen, Als sein Leiden zu genießen. Dennoch will ich mit Verlangen Auch sein Abendmahl empfangen; Hier darf Seel' und Leib ihn essen, Und so kann ich's nicht vergessen: Daß ich einen Hei land habe, Der am Kreuz und in dem Grabe, Wie sein Wort mir sagt und schreibet, Mein Erlöser war und bleibet. Weil der Unglaub' uns besessen, Kann man nichts so leicht vergessen, Als den Tilger uns'rer Sünden. Ja, auch mir will's oft verschwinden: Daß ich einen Heiland habe! Und dann weiß ich keine Gabe Zur Versöhnung darzubringen, Meine Schuld muß mich verschlingen. Ach, wie werd ich da so müde! Wie entweicht der süße Friede! Sünd' und Welt kann mich verwun den, Wenn mir dieses Licht entschwunden: Daß ich einen Heiland habe, Der mit seinem Hirtenstabe Sanft 152 und mild und voll Vergeben, mir nichts ist als Heil und Leben. O ich Sünder, ich Verdammter, Und von Sündern Abgestammter! Was wollt' ich vom Troste wissen, Wäre dieses weggerissen: Daß ich einen Heiland habe, Dessen Blut mich Sünder labe. Besser wär' es, nie geboren, Als dies theure Wort verloren! Sei gesegnet, ew'ge Liebe, Daß du mir aus treuem Triebe, Da das Mistraun mich vergiftet, Solch ein Denkmal selbst gestiftet: Daß ich einen Heiland habe, Der den Gang zum Kreuz und Grabe, Ja, den Sprung in's Todes Rachen Gern gethan, mich los zu machen. Heil'ges Brot, fei mir gesegnet! Weil Er mir mit dir begegnet, Dessen Leichnam voller Wunden Die Erlösung ausgefunden. Daß ich einen Heiland habe, Der erblaßt und todt im Grabe Auch für meine Schuld gelegen, Will ich schmecken und erwägen. Heil'ger Wein, sei mir gesegnet! Denn wie Christi Blut geregnet Zur Vergebung aller Sünden, Das will ich in dir empfinden. Daß ich einen Heiland habe, der die dürre Seele labe: Wie kann mir das fremde dünken? Hab' ich doch sein Blut zu trinken! Er befiehlt's, mich satt zu essen, Meines Jammers zu vergessen; Er gebeut's, mich satt zu trinken, Ganz in Freude zu versinken: Daß ich einen Heiland habe, Der sich selbst zur Opfergabe, Ja, sein Opfer mir zum Leben, Mir zur Speis', zum Trank gegeben. Gott! was brauch ich mehr zu wissen? Ja, was will ich mehr genießen? Wer kann nun mein Heil er 153 messen? Werd' ich das nur nie vergessen: Daß ich einen Heiland habe! Ich bin frei vom Tod und Grabe. Wenn mich Sünd' und Hölle schrecken, So wird mich mein Heiland decken. Ja, mein Heiland, den ich nehme, Weil ich mich nicht knechtisch schäme! Nehmet hin! so rufst du Allen. Darum soll es laut erschallen: Daß ich einen Heiland habe, Und an ihm mich muthig labe. Trotz den Feinden, die mich hassen, Will ich mich nicht stören lassen. Will hinfort mich etwas quälen, Oder wird mir etwas fehlen, Oder wird die Kraft zerrinnen: So will ich mich auch besinnen, Daß ich einen Heiland habe, Der vom Kripplein bis zum Grabe, Bis zum Thron, wo man ihn ehret, Mir, dem Sünder, zugehöret. VI. Bei dem heiligen Abendmahl. 14. In eigener Melodie. O Lamm Gottes unschuldig Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit gefunden duldig, Wiewohl du warst verachtet; All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unser, o Jeſu. O Lamm Gottes unschuldig Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit gefunden duldig, Wiewohl du warst verachtet; All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unser, o Jesu. O Lamm Gottes unschuldig Am Stamm des Kreuzes geschlachtet, Allzeit gefunden duldig, Wiewohl du 154 warst verachtet; All Sünd hast du getragen, Sonst müßten wir verzagen. Gieb uns deinen Frieden, o Jesu. 15. Mel. Nun laffet uns den Leib begrabn. Die Seele Christi heilge mich, Sein Geist versenke mich in sich; Sein Leichnam, der für mich verwundt, Der mach mir Leib und Seel gesund. Das Wasser, welches auf den Stoß Des Speers aus seiner Seiten floß, Das sei mein Bad, und all sein Blut Erquicke mir Herz, Sinn und Muth. Der Schweiß von seinem Angesicht Laß mich nicht kommen in's Gericht; Sein ganzes Leiden, Kreuz und Bein, Das wolle meine Stärke sein. O Jesu Christ, erhöre mich, Nimm und verbirg mich ganz in dich; Laß mich in deine Wunden ein, Daß ich vorm Feind kann sicher sein. Ruf mir in meiner letzten Noth, Und setz mich neben dich, mein Gott, Daß ich mit deinen Heilgen alln Mög ewiglich dein Lob erschalln. Jolan 16. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, Du Brunnquell aller Gnaden: Wir kommen, deinen Leib und Blut, Wie du uns hast geladen, Zu deiner Liebe Herrlichkeit Und unsrer Seelen Seligkeit zu essen und zu trinken. hid andro Jesu, mach uns selbst bereit Zu diesem hohen Werke; Schenk uns dein schönes Ehrenkleid Durch 155 deines Geistes Stärke. Hilf, daß wir würdge Gäſte sein, Und werden dir gepflanzet ein Zu ewgen Himmelswesen. Bleib du in uns, daß wir in dir Auch bis ans Ende bleiben; Laß Sünd und Noth uns für und für Nicht wieder von dir treiben, Bis wir durch deines Nachtmahls Kraft Zu'n Auserwählten fortgeschafft Und ewig felig werden. VII. Nach dem heiligen Abendmahl, 17. 3n eigener Melodie... Gott sei gelobet und gebenedeiet, Der uns selber hat gespeiset Mit seinem Fleische und mit seinem Blute, Das gieb uns, Herr Gott, zu gute. Kyrie eleison. Herr, durch deinen heiligen Leichnam, Der von deiner Mutter Maria kam, Und das heilige Blut Hilf uns, Herr, aus aller Noth. Kyrie eleison. Der heilig Leichnam ist für uns gegeben Zum Tod, daß wir dadurch leben. Nicht größer Güte konnt er uns geschenken, Dabei wir sein solln gedenken. Kyrie eleison. Herr, dein Lieb so groß dich zwungen hat, Daß dein Blut an uns groß Wunder that, und bezahlt unser Schuld, Daß uns Gott iſt worden hold. Kyrie eleison. si Gott geb uns allen seiner Gnaden Segen, Daß wir gehn auf seinen Wegen In rechter Lieb und brüderlicher Treue, Daß uns die Speis nicht gerente. Kyrie eleison. Herr, dein heilig Geist uns nimmer laß, Der uns geb zu halten rechte Maaß, Daß dein 156 arme Christenheit Leb in Fried und Einigkeit. Kyrie eleiſon. 18. Mel. Nun lob', mein' Seel', den Herren. Wie wohl hast du gelabet, O liebster Jesu, deinen Gast, Ja, mich so reich begabet, Da ich jetzt fühle Freud und Rast! O wundersame Speise, süßer Lebenstrank! O Lieb'smahl, das ich preise Mit einem Lobgefang! Indem es hat erquicket Mein Leben, Herz und Muth; Mein Geist, der hat erblicket Das allerhöchſte Gut. Du hast mich jetzt geführet, O Herr, in deinen Gnadensaal, Daselbst hab ich berühret Dein' edle Güter allzumal; Da hast du mir gegeben, Geschenket mildiglich Das werthe Brot zum Leben, Das sehr ergötzet mich; Du hast mir zugelassen, Daß ich den Seelenwein 3m Glauben möchte fassen, Und dir vermählet ſein. Bei dir hab ich gegessen Die Speise der Unsterblichkeit, Du hast mir vollgemessen Den edlen Kelch, der mich erfreut. Ach Gott! du hast erzeiget Mir Armen solche Gunst, Daß billig jetzt sich neiget Mein Herz vor Liebesbrunst. Du hast mich lassen schmecken Das köstlich' Engelbrot; Hinfort kann mich nicht schrecken Welt, Teufel, Sünd und Tod. So lang ich leb' auf Erden, Preis' ich dich, liebster Jesu, wohl, Daß du mich lässest werden Von dir und durch dich satt und voll. Du hast mich selbst getränket Mit deinem theuren Blut, Und dich zu mir gelenket; unvergleichlich's Gut! Nun werd ich 157 nicht sterben, Weil mich gespeiset hat, Der nimmer kann verderben, Mein Trost, Schutz, Hülf und Rath. Wie kann ich's aber fassen, Herr Jesu, daß du mit Begier Dich haft so tief gelassen Vom Himmelsfaal herab zu mir? Du Schöpfer aller Dinge, Besuchest deinen Knecht, Ach hilf, daß ich dir bringe Ein Herz, das fromm und schlecht, Das gläubig dir vertraue, Damit nach dieser Zeit Ich ja dein Antlitz schaue Dort in der Ewigkeit. Du bist's, der ewig bleibet, 3ch aber bin dem Schatten gleich, Den bald ein Wind vertreibet; Herr, ich bin arm, und du bist reich. Du bist sehr groß von Güte, Kein Unrecht gilt bei dir; Ich, boshaft von Gemüthe, Kann fehlen für und für; Noch kommest du hernieder zu mir, dem Sündenmann. Was geb ich dir doch wieder, Das dir gefallen kann? Ein Herz, durch Reu zerschlagen, Ein Herz, das ganz zerknirschet ist, Das weiß ich, wird behagen, Mein Heiland, dir zu jeder Frist; Du wirst es nicht verachten, Demnach ich emsig bin, Nach deiner Gunst zu trachten; Nimm doch in Gnaden hin Das Opfer meiner Zungen; Denn billig wird jetzund Dein theurer Ruhm besungen, Herr Gott, durch meinen Mund. Hilf ja, daß dies Genießen Des edlen Schatzes schaff in mir Ein heilges Thränenfließen, Daß ich mich wende stets zu dir; Laß mich hinführo spüren Kein' andre Lieblichkeit, Als welche pflegt zu rühren Von dir zu dieser Zeit; Laß mich ja nichts begehren, Als deine Lieb und Gunst; Denn niemand kann entbehren Hier deiner Liebe Brunst. 158 Wohl mir! ich bin versehen Mit Himmels- Speis' und Engeltrank; Nun will ich rüstig stehen, zu singen dir Lob, Ehr' und Dank. Ade, du Weltgetümmel, Du bist ein eitler Tand! Ich seufze nach dem Himmel, Dem rechten Vaterland. Ade, dort werd ich leben Ohn' Unglück und Verdruß; Mein Gott, du wirst mir geben Der Wollust Ueberfluß. 19. Mel. Allein Gott in der Höh' sei Ehr'. Gott Lob, der meine Sündenlast Auf's neu' von mir genommen! Ich bin als ein geliebter Gast zu seinem Nachtmahl kommen; Ich bin mit ihm zu einem Geist Mit Christi Fleisch und Blut gespeist, Daß ich nun in ihm lebe. Jesu, wahres Gotteslamm, Das sich für mich hingiebet, O meiner Seelen Bräutigam, Der mich so hoch geliebet: Mein Freund ist mein und ich bin sein, Den schließ ich in mein Herz hinein, An ihm genug zu haben. Wohlan, ich bin nun deine Braut, Du sollst mein Bräut'gam bleiben; Du hast mich dir einmal vertraut, Laß mich von dir nichts treiben! Ich liebe dich, du ſollst allein Mein Heiland und Erretter sein Im Leben und im Sterben. 20. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. Gott Lob, ich bin aufs neu' erquicket Mit Christi theurem Leib und Blut. Das Heil, das hier mein Geist erblicket, Macht allen meinen Schaden gut. 159 Mein Glaube jauchzt und freuet sich; Denn Jeſus Christus starb für mich. Gott Lob, die ganze Last der Sünden Ist nun aus Gnaden weggeschafft. Mich aller Schulden zu entbinden, Hat Jesu Blut die volle Kraft. Heut nahm ich ja der Freiheit Pfand Beim Abendmahl aus seiner Hand. Gott Lob, mein zagendes Gewissen Fühlt sich in Jesu Tod gestillt. Ich seh die Handschrift ganz zerrissen, Die mich vorhin mit Furcht erfüllt. Durch ihn bin ich mit Gott versöhnt, Werd' an sein Vaterherz gewöhnt. Gott Lob, der süße Seelenfriede Kehrt wieder in mein Herz zurück. Wie war ich doch so krank, ſo müde, Bis meines Jesu Gnadenblick Aufs neue sich zu mir gelenkt und Trost und Ruhe mir geschenkt. Gott Lob, von ihm kommt neues Leben, Deß Leib und Blut ich heut genoß. Er kann mir, was mir mangelt, geben, Sein Reichthum ist unendlich groß; Und der ist für die Sünder da, Ist auch für mich: Halleluja! Gott Lob, in dem erfreuten Herzen Wohnt Jesus und die Seligkeit. Der Hoffnung weichen alle Schmerzen, Leicht wird das Leiden dieser Zeit. Ein ewig Glück lacht mir von fern, Drum harr' und glaub' und duld' ich gern. 20 Gott Lob, mit Freuden will ich sterben, Der Himmel ist mir aufgethan. Einst darf ich dort mit Jesu erben Nach einst durchwallter Leidensbahn, Und mit 160 der Auserwählten Zahl Halt' ich erst dann recht Abendmahl. 410 21. Mel. Mir nach, spricht Christus, unser Held. Nun weiß ich, nun ist Jesus mein, Von ihm hab' ichs vernommen. Nun ist er in mein Herz hinein, Darin zu wohnen, kommen. In diesem meinem Herzenssaal Hält er mit mir das Abendmahl. Nun ist mir Heil, Barmherzigkeit Und Gnade widerfahren; Nun wird er seine Herrlichkeit In mir auch offenbaren. Nun wird er zeigen, daß er treu Und mein Erlöser worden sei. Nun leb' ich, doch nun nicht mehr ich: Er lebt in meiner Seele. Nun hab' ich ihn, nun hat er mich Und alle meine Fehle. Nun ist er steht mir selbst dafür Gar nichts Verdammlich's mehr an mir. - Nun hab' ich Gott in ihm erkannt, Und darf ihn Vater nennen; Ja er, der vielmehr mich erkannt, Will mich als Kind erkennen. Von Sünd' und vom Gesetze Los Sitz ich dem Vater nun im Schooß. Nun will und kann ich nach dem Sinn Des Fleisches nimmer leben, Noch meine Glieder fernerhin Zum Sündendienst ergeben. Was an mir ist, das lebt und dient Nur dem allein, der mich verfühnt. Nun will ich auch mit ihm zugleich Gern leben, leiden, sterben, Und dann mit ihm das Himmelreich, Das er ererbt, ererben. Ich ruf ihn an zum letzten End': Herr, nimm mich nun in deine Händ'! re 22. Mel. Herr und Aelt'ster deiner Kreuzgemeinde. Eines wünsch' ich mir vor allem Andern, Eine Speise früh und spät; Selig läßt's im Thränenthal sich wandern, Wenn dies Eine mit uns geht: Unverrückt auf einen Mann zu schauen, Der mit blut'gem Schweiß und, Todesgrauen Auf sein Antlig niedersank Und den Kelch des Vaters trank. 161 Ewig soll er mir vor Augen stehen, Wie er, als ein stilles Lamm, Dort so blutig und so bleich zu sehen, Hängend an des Kreuzes Stamm; Wie er dürftend rang um meine Seele, Daß sie ihm zu ſeinem Lohn nicht fehle, Und dann auch an mich gedacht, Als er rief: Es ist vollbracht! Ja, mein Jesu, laß mich nie vergessen Meine Schuld und deine Huld! Als ich in der Finsterniß gefessen, Trugest du mit mir Geduld; Hattest längſt nach deinem Schaf getrachtet, Eh' es auf des Hirten Ruf geachtet, Und mit theurem Lösegeld Mich erkauft von dieser Welt. Ich bin dein! sprich du darauf dein Amen! Treuſter Jesu, du bist mein! Drücke deinen süßen Jesusnamen Brennend in mein Herz hinein! Mit dir Alles thun und Alles lassen, In dir leben, und in dir erblassen, Das sei bis zur letzten Stund' Unser Wandel, unser Bund. 23. Mel. Warum sollt' ich mich denn grämen. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, Du bist mein, Ich bin dein, Niemand kann uns scheiden. Ich Beicht- und Abendmahlsbuch. 11 162 bin dein, weil du dein Leben Und dein Blut Mir zu gut In den Tod gegeben. Du bist mein, weil ich dich fasse Und dich nicht, O mein Licht, Aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, Da du mich Und ich dich Leiblich werd umfangen. 24. Mel. Wer weiß, wie nahe mir mein Ende. Ich habe Jesu Fleisch gegessen, Ich hab sein Blut getrunken hier; Nun kannst du meiner nicht vergessen, Ich bleib in ihm und er in mir. Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, Machs nur mit meinem Ende gut. Guentr BADE 163 Erster Anhang. für Neuconfirmirte. §. 1. Ansprache. Mein liebes Kind! Ich habe dich in meinem Leben noch nicht gesehen, und weiß von dir nicht, wo du wohnst und lebst, und ob du reicher oder armer Eltern Kind bist. Ich weiß auch nicht, ob du bisher ein gutes, frommes Kind gewesen bist zu deiner Eltern Freude, oder ob du vielleicht deinem Vater und deiner Mutter manch Herzeleid gemacht hast. Eines aber weiß ich: Du bist ein getauftes Christenkind! Da du noch ganz klein warest und von dir nichts wußteſt, bist du getauft worden in dem Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Weißt du auch, was die heilige Taufe zu bedeuten hat? Du hast in deinem Katechismus gelernt: ,, Die Taufe ist nicht allein schlecht Wasser; sondern sie ist das Wasser in Gottes Gebot gefasset und mit Gottes Wort verbunden." Du hast gelernt, daß die Taufe ,, wirket Vergebung der Sünden, erlöset vom Tode und Teufel und giebt die ewige Seligkeit allen, die es glauben, wie die Worte und Verheißung Gottes lauten." Glaubest du das auch von ganzem Herzen? Ach, daß du es von Herzen glauben und dich deiner Taufe recht 11* 164 dankbar freuen fönntest! Sie ist die allerbeste Gabe und die köstlichste Wohlthat, die dir dein Gott und Vater geschenket hat. Da hat dich der himmlische Vater auch zu seinem Kinde gemacht und dir das Anrecht auf die Erbschaft des ewigen Lebens aus Gnaden gegeben. Da hat dir dein Jesus, dein Heiland und Erbarmer, sein ganzes Verdienst und alle seine Gerechtigkeit aus Gnaden geschenkt. Da ist der werthe, heilige Geist zu dir gefommen und hat Wohnung gemacht in deinem Herzen. Der dreieinige Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist, hat in deiner Taufe einen Bund mit dir gemacht. Er hat dir versprochen, dein gnädiger Gott und Vater zu sein. Er hat versprochen, daß er sich dir immerdar als ein rechter Vater erweisen, dich in allem Zeitlichen versorgen, in aller Schwachheit dich mit Geduld tragen, dir deine Sünden um Christi willen aus Gnaden vergeben und dir den heiligen Geist und das ewige Leben schenken will. Das hat dir dein Gott damals versprochen und hat es treulich gehalten bis auf diesen Tag und dieſe Stunde. Er sagt selber: ,, Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade foll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer"( 3ef. 54, 10). Und was er zusaget, das hält er gewiß, das hat er auch dir gehalten. Er hat dir bis auf diesen Tag Leib und Seele, alle Glieder deines Leibes und alle Kräfte deiner Seele erhalten. Er hat dir Kleider und Schuhe, Essen und Trinken gegeben, hat dich mit aller Nothdurft und Nahrung dieses Leibes und Lebens reichlich und täg 165 lich versorget, wider alle Fährlichkeit beschirmet und vor allem Uebel behütet und bewahret, und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohne all' dein Verdienst und Würdigkeit. Dein Jesus, dein Heiland und Erlöser, ist auch für dich Mensch geworden, hat dich verlornen und verdammten Menschen erlöset, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem hei ligen theuern Blute, und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben, auf daß du sein eigen seiest und in seinem Reiche unter ihm lebest und ihm dienest in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. Der heilige Geist hat seine große Macht und Gnade an deinem Herzen bis auf diesen Tag und Stunde erwieſen. Du bist gelehret und unterwiesen worden im Worte deines Gottes. ,, Weil du von Kind auf die heilige Schrift weißt, kann dich dieselbe unterweiſen zur Seligkeit durch den Glauben an Christum Jesum." Der heilige Geist hat dich durch das Wort Gottes, das du gehöret, gelesen und gelernt hast, zu deinem Heilande Jesu Christo rufen wollen, er hat dich mit seinen Gaben erleuchten, im rechten Glauben heiligen und erhalten wollen. Dein Gott hat nichts an dir unversucht gelassen, damit der Gnadenbund, den er mit dir gemacht hat, auch fest stehen bleibe, und du auch wirklich ein Erbe seines ewigen und seligen Himmelreiches werdest. Dafür mußt du ihm danken und ihn loben, ihm dafür dienen und gehorsam sein. Das ist gewißlich wahr. Wie steht es nun aber mit dir? Damals haben 166 deine Pathen und der Pfarrer, der dich taufte, die Gnade und den Segen des dreieinigen Gottes für dich erbeten. Damals haben deine Pathen für dich versprochen, daß du dem Teufel und allen seinen Werken und allem seinem Wesen entsagen willst, daß du dich zu dem dreieinigen Gott bekennst, in dessen Namen du getauft wirst, und daß du diesem deinem Gott treu und gehorsam sein willst bis an dein letztes Ende. Du bist an den Bund, den sie an deiner Statt in der heiligen Taufe mit Gott gemacht haben, immer wieder ermahnet und erinnert worden. Wie steht es nun mit dir? Hast du diesen deinen Bund gehalten? Du bist in der heiligen Taufe ein Kind Gottes geworden. Hast du nun auch als ein rechtes, frommes Kind Gottes deinen himmlischen Vater geliebt und geehrt und dich von seinem heiligen Geiste regieren lassen? Du hast in der heiligen Taufe deinen lieben Herrn Jesum Christum angezogen. Hast du deinen Heiland auch etwa zum Sündendiener gemacht, oder bist du in ihm geblieben und hast also gewandelt, gleichwie er gewandelt hat? Der heilige Geist iſt in deiner Taufe zu dir gekommen und hat Wohnung in dir gemacht. Hast du ihn nicht etwa durch muthwillige Sünden betrübet oder gar ausgetrieben, haft du ihn auch sein Werk in deinem Herzen treiben lassen? Hast du immer daran gedacht, daß der alte Adam in uns Getauften, also auch in dir, ,, durch tägliche Reute und Buße soll ersäufet werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten, und wiederum täglich herauskommen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinigkeit vor Gott ewiglich lebe?" 167 Hast du den dreieinigen Gott immer über alle Dinge gefürchtet, geliebt und ihm vertraut? Hast du bei seinem heiligen Namen nicht geflucht und ge= schworen, gelogen oder getrogen, sondern hast du ihn in allen Nöthen angerufen, gebetet, gelobet und gedanket? Hast du die Predigt und sein Wort nicht verachtet, sondern dasselbe heilig gehalten, gerne gehöret und gelernt? Hast du deine Eltern und Lehrer nie verachtet noch erzürnet, sondern sie stets in Ehren gehalten, ihnen gedienet, gehorchet, sie immer lieb und werth gehabt? Hast du deinen Geschwistern oder deinen Gespielen und Gefährten nie einen Schaden noch Leid gethan? Bist du niemals boshaftig und gehässig, bist du immer sanftmüthig und verträglich, nachgiebig, friedfertig und versöhnlich gegen sie gewesen? Bist du keusch und züchtig gewesen in Worten und Werken? Hast du nie deinen Eltern oder Geschwistern, deinen Freunden und Bekannten, oder sonst jemand, etwas heimlich weggenommen, und wäre es auch nur eine kleine und geringe Sache gewesen? Hast du niemals gelogen, niemals von andern Kindern Böses geredet, sondern sie entschuldiget, Gutes von ihnen geredet und alles zum Besten gekehret? Hast du die bösen Lüfte und Begierden, die in deinem Herzen aufstiegen, immer sogleich bekämpfet, sogleich dagegen gemacht und gebetet, und mit dem frommen Joseph gesprochen: ,, Wie sollte ich ein so groß Uebel thun und wider den Herrn, meinen Gott, fündigen?" Ach, mein herzliebes Kind, ich irre mich nicht. Dein treuer Gott hat seinen Bund gehalten, du aber haft ihn nicht gehalten. Du hast reichlich und täg 168 lich gefündigt und den Bund der Treue gar oft ge brochen. Das muß dir von Herzen leid sein. Du hast deinen Vater im Himmel betrübt, der sich dir immerdar als ein rechter Vater erwiesen hat. Du hast deinen Jesus betrübt, der dich geliebt hat bis in den Tod, und dich heute noch liebt. Du haft den heiligen Geist betrübt, der mit seinem Segen und mit seiner Gnade alles Gute hat in dir wirken wollen. Das muß dir herzlich leid fein. Möchtest du nicht gern selig werden? Möchtest du nicht gern am lieben, jüngsten Tage zur Rechten deines Heilandes stehen und mit ihm eingehen in das Reich seiner ewigen Herrlichkeit? Ich wünsche dir von ganzem Herzen, mein liebes Kind, daß du nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben ererben mögest. Wünschest du das nicht auch? Was hilft dir alles Glück und das ganze Leben auf Erden, wenn du in Ewigkeit verloren fein solltest? Selig sterben, das ist die Hauptsache. Du weißt nicht, wann du stirbst. Möchtest du nicht selig sterben? Du wirst freilich viele arme Menschen rings um dich sehen, die sich um ihren Gott nnd um ihren Heiland nicht kümmern, die nach seinem heiligen Worte und nach ihrer Seelen Seligkeit nicht viel fragen. Sie denken nur daran, wie sie am besten leben, aber nicht, wie sie einmal am besten sterben können. Laß dich um Gotteswillen nicht betrügen und verführen, liebes Kind! denke, sie alle können dir einmal am Tage des jüngsten Gerichtes nicht helfen. Und wenn sie hier noch so reich und vornehm wären, und wenn sie hier in den allergrößten Ehren ständen, und wenn 169 sie noch so hohe und trotzige Worte redeten, sie können dir nichts helfen. Sie werden den Zorn und die Strafe des großen Gottes erfahren müssen und dem Herrn Jesu gelegt werden zum Schemel seiner Füße. Denn das Wort Gottes lügt und trügt nimmermehr. Was da geschrieben steht, das bleibt in alle Ewigkeit wahr, wenn auch Himmel und Erde vergehen, und wenn alle Menschen sich dawider empören. Es bleibt doch wahr, mein liebes Kind, dein Jesus, dein Heiland und Erbarmer, der wird einmal wiederkommen, zu richten die Lebendigen und die Todten. Dann werden sie alle, ich auch, du aber auch, vor seinem heiligen Stuhle stehen müssen, und er wird dann geben und vergelten einem jeglichen nach seinen Werken. Möchtest du dann nicht zu seiner Rechten stehen und aus seinem holdseligen Munde den Gruß hören: ,, Ei, du frommer und getreuer Knecht, du fromme und getreue Magd, du bist über Wenigem getreu geweſen, ich will dich über Viel setzen; gehe ein zu deines Herrn Freude?" - Das helfe dir der Herr in seiner Gnade und Barmherzigkeit! Siehe, du willst nun deinen Taufbund mit ihm erneuern. Du willst es ihm aufs neue geloben und versprechen, im Glauben und Gehorsam ihm treu zu sein bis an dein letztes Ende. Ach, so bitte doch den Herrn, mein liebes Kind, daß er dir das rechte Wollen und Vollbringen dazu aus Gnaden schenken möge! Bitte ihn, daß er Reue und Leid über deine bisherigen Sünden in deinem Herzen wirken möge! Bitte ihn, daß er dir den rechten, fröhlichen und zuversichtlichen Glauben an deinen Heiland und 170 Erlöser schenken möge! Siehe, dein Gott ist so gnädig und barmherzig. Er will dir nun in seinem heiligen Sacrament des Abendmahls entgegenkommen. Er will dir in diesem Sacrament abermals schenken, wie in deiner Taufe, Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit. Er will freundlich und holdselig bei dir einkehren und Wohnung in dir machen. Das sollst du wissen und dich fest und freudig darauf verlaſsen. Mein liebes Kind, rufe ihn darum an, daß er dir alle deine Sünden aus Gnaden vergeben möge! Rufe deinen Heiland an, daß er das Sacrament seines Leibes und Blutes an dir segnen möge! Rufe den heiligen Geist an, daß er dich nicht lasse, sondern dich erleuchte, heilige und bei Jesu Christo erhalte im rechten Glauben! Dann wirst du einen Segenstag haben und erleben, dafür du seine Gnade und Treue nicht genug loben und preifen kannst. Dazu will dies Büchlein und die Gebete, die du mit herzinniger Andacht lesen follst, dir auch verhelfen. Der barmherzige Gott segne dies Wort und das kleine Büchlein auch an deinem Herzen! Er segne den Tag deiner Confirmation, er segne sein heiliges Abendmahl reichlich und überschwänglich an dir! Was du auch in der Welt werden mögest, er erhalte dich nur in seinem Gnadenbunde und im festen Glauben, damit du sein Kind, ein Eigenthum des Herrn Jesu und ein Erbe des ewigen Lebens bleibest! Dann wirst du, wie hier vor seinem Altar, auch dereinst stehen vor seinem Throne und ihm mit dankbarem Herzen ein ewiges Halleluja singen. Amen. 171 §. 2. Gebet bei der Vorbereitung auf die erste Abendmahlsfeier. Abba, lieber Vater, ich gedenke heute an deine Gnade und an meine Sünde. Wie groß ist deine Güte, Geduld und Langmuth, die du mir, deinem armen Kinde, bis auf diese Stunde erzeigt haft! Sei gelobt und gepriesen, mein Gott und Vater, daß du mir das Leben gegeben hast. Sei gelobt und gepriesen dafür, daß du mich durch das Wasserbad im Wort und durch deinen heiligen Geist von neuem geboren, mich von meinen Sünden im Blute meines Jesu rein gewaschen und zu deinem Kinde und Erben deines ewigen Lebens aus Gnaden eingesetzet hast. Ich danke dir auch von ganzem Herzen, daß du mir durch meine lieben Eltern und Lehrer von Kindesbeinen an die Erkenntniß des Heils gegeben hast, welches ist die Vergebung der Sünden. Ich danke dir auch, daß du an meinem Herzen bisher so treulich gearbeitet haſt, mich in meiner Taufgnade zu bewahren und dir und deinem lieben Sohne, meinem Herrn Jesu Christo, von der Welt unbefleckt zu behalten. Ich armes Kind habe aber aus Zeichtsinn und Uebereilung, aus böser Gewohnheit und leider auch mit Muthwillen deine heiligen Gebote täglich und reichlich übertreten. Darum bekenne ich dir mit Reue und Leid: Vater, ich habe gesündiget im Himmel und vor dir, und bin hinfort nicht mehr werth, daß ich dein Kind heiße! Sei mir gnädig nach deiner Güte, gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und aller meiner 172 Uebertretung; gedenke aber meiner nach deiner großen Barmherzigkeit! Nimm mich wieder zu Gnaden an und tilge alle meine Sünden um Christi willen! Ich verspreche es dir auch ernst und heilig, ich will beſser und frömmer werden, wozu du mir deines Geistes Gnade, Kraft und Beistand verleihen wollest. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gieb mir einen neuen, gewissen Geist! Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! Laß dir wohlgefallen mein demüthiges Gebet, und erhöre dein armes Kind um Jesu Christi, deines lieben Sohnes, willen! Amen. §. 3. Gebet vor dem ersten Genuß des heiligen Abendmahls. Barmherziger Gott und Vater! Nun ist der frohe Tag gekommen, nach dem sich meine Seele schon so lange gesehnet hat. O wie gnädig bist du, daß du auch mich armes Kind zu deinem Tische geladen hast! Ich danke dir von ganzem Herzen für diese deine Liebe und Güte. Aber nun bitte ich dich auch, du wollest selber mich anziehen, wie eine Mutter ihr Kind anziehet, und mich kleiden in die Kleider des Heils und in den Rock deiner Gerechtigkeit, daß ich in solch reinem Schmuck würdig sei, an deiner Gnadentafel zu erscheinen, und zu essen und zu trinken über deinem Tisch. O mein Jesu, auf dich verlasse ich mich! Du allein kannst mir geben, was mir fehlt. Schenke du mir das ganze Verdienst deines allerheiligsten Lebens, Leidens und Sterbens, deiner glorreichen Auferstehung 173 und Himmelfahrt und deines Sitzens zur Rechten Gottes! O du reicher Herr, fülle mich mit deinen Gnadengütern! O du starker Gott, laß mich stark werden in deiner Kraft! O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, erbarme dich über mich und gieb mir deinen Frieden! Nimm alle meine Schuld und Sünde von mir und schenke mir deine Gerechtigkeit! O Herr, ich lasse dich nicht, du segnest mich denn! Wie Jairi Töchterlein und wie den Jüngling zu Nain, so wecke auch mich auf zu neuem Leben! Wie Johannes an deiner Brust lag, so schenke mir deine Liebe! Laß mich in dir bleiben, als die Rebe im Weinstock, und ewig bleibe du in mir, daß ich in deiner Kraft alles überwinde und dein Eigenthum sei im Leben und im Sterben! Erhöre mich, mein liebster Heiland, um deines heiligen und hochgelobten Namens willen! Amen. §. 4. Gebet nach dem ersten Genuß des heiligen Abendmahls. Herr Jesu Christ, ich danke dir, daß du mich nun mit deinem heiligen Leibe gespeiset und mit deinem heiligen, theuern Blute getränket hast. Bereite du nun auch mein Herz, daß ich die große Gnade und Gabe, die du mir geschenket hast, auch zu deinem Lobe und Preise bewahre und gebrauche! Hilf, daß ich nie vergesse, wie theuer du mich zu deinem Eigenthum erworben, gewonnen und erlöset hast! Hilf, daß ich hinfort nur dir lebe, der du für mich gestorben und auferstanden biſt. Dazu segne mir dein heiliges Abendmahl aus Gnaden und Barmherzigkeit! Segne 174 auch alle, die heute zu deinem Tische gekommen sind, sonderlich, die dein heiliges Sacrament heute mit mir zum ersten Mal empfangen haben! Hilf, daß wir in deiner Kraft und Gnade allesammt dir leben, und auch einmal in deiner Kraft und Gnade selig sterben! Erhöre mich, mein lieber Jesu, um deiner Güte und Treue willen! Amen. 2nd 175 Zweiter Anhang. Für kranke. spoty §. 1. Ansprache. Mein lieber Freund( meine liebe Freundin)! Du liegst schon manchen Tag und manche schwere Nacht auf deinem Krankenbette und hast vielleicht viele Schmerzen dabei auszustehen. Das ist kein Zufall. Es kann kein Sperling auf die Erde fallen ohne den Willen deines Vaters im Himmel. Er hat alle Haare auf deinem Haupte gezählt. Darum kannst du fest und sicher glauben, auch die Tage deiner Krankheit sind in seinem Rath und Willen beschlossen. Das mußt du vor allen Dingen wissen und bekennen: Es kann mir nichts geschehen, Als was er hat ersehen, Und was mir selig ist: Ich nehm es, wie ers giebet; Was ihm von mir beliebet Das hab ich willig auch erties't. Was will nun dein Gott, der dir deine Krankheit zugeschickt hat, mit dieser seiner Heimsuchung? Das ist die andere Frage, die du dir vorlegen und beantworten ſollst. Vielleicht hast du noch nicht daran gedacht. Du hast vielleicht nur gesorgt, wie du die Krankheit mit ihren Schmerzen und Beschwerden los € I 176 werden könntest. Das ist nicht recht. Wenn du erkennen und bekennen mußt, daß dein Gott dir das Kreuz auferlegt hat, welches dich drückt, wenn du weißt, daß er bei allem, was er thut, auch weiß, was er will, so mußt du dir ganz besonders die Frage vorlegen: Was will mein Gott und Vater mit dem Kreuz und der Plage, die er mir auferlegt hat? Vor allen Dingen höre sein Wort, das er auch zu dir gesprochen hat: ,, Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr, nämlich Gedanken des Friedens, und nicht des Leides, daß ich euch gebe das Ende, deß ihr wartet"( Jerem. 29, 11). Darauf kannst du dich fest und freudig verlassen, daß er in seiner Liebe und Barmherzigkeit dich heimgesucht und auf das Krankenbett gelegt hat. Welche Gedanken er aber ganz besonders mit dir hat, das kann ich dir nicht sagen. Ich kenne dich nicht einmal von Angesicht. Und wenn ich dich auch kennen würde, so könnte ich nicht in dein Herz hineinsehen und dir sagen, was dein Gott mit dir vor hat. Du mußt dich selber recht ernstlich und gründlich prüfen, damit du die Wege und die Gedanken deines himmlischen Vaters verstehen lernest. Bist du noch unbekehrt und hast du bisher noch gewandelt auf dem Wege des Verderbens, so will dein Gott und Herr dir durch deine Krankheit mit mächtiger und ernster Stimme zurufen: Eile und errette deine Seele! Es ist ihm an deiner Seelen Seligkeit gar viel gelegen. Er hat bisher nichts unversucht gelassen, dich herumzuholen von dem Wege des Verderbens, und dich zu erleuchten mit dem Lichte des Lebens. 177 Er hat dir viel Gutes und Liebes erwiesen, damit du dich durch seine Güte sollst zur Buße leiten lassen. Er hat mit seinem heiligen Worte an deinem Herzen angeklopft. Du hast seine Stimme nicht hören und dem treuen Gott nicht folgen wollen. Nun versucht er es mit Krankheit und Trübfal, ob er dich noch retten und dich ewig selig machen kann. Es ist vielleicht der letzte Versuch, den er mit dir macht. Vielleicht wird schon in wenigen Tagen die Gnadenthür für dich verschlossen. Darum, liebes Herz, eile und errette deine Seele! Heute, so du seine Stimme hörest, verstocke dein Herz nicht! Bist du schon ein bekehrtes Kind Gottes, das seinem Gott und seinem Heilande treu und gehorsam dienen will, so hat dein Gott erst recht Gedanken des Friedens, und nicht des Leides, mit dir. Weißt du nicht, was dein Heiland sagt? ,, Einen jeglichen Reben, der da Frucht bringt, wird er reinigen, daß er mehr Frucht bringe"( Joh. 15, 2). Dein Gott will dir vielleicht die Welt mit ihrer Lust recht bitter machen, damit du sie ja nicht lieb gewinnen sollst. Oder er will dir deine Augen öffnen, damit du dich gründlich. prüfest und versuchest, ob du auch wahrhaftig im Glauben stehest. Du hast dir vielleicht in guten Tagen Glauben und Beständigkeit, Geduld und Ergebung in seinen heiligen Willen zugetraut. Siehe, nun soll es darauf ankommen, ob du auch wirklich im festen Glauben treu, beständig und geduldig aushalten wirst. Du sollst die Schwäche deines armen Herzens gründlicher erfahren; du sollst im Glauben geübt und geſtärket werden; die Noth und Trübsal sollen dich noch näher Beicht- und Abendmahlsbuch. 12 178 und die zu deinem Jesus treiben und deine Gebete immer Herzlicher und inbrünstiger machen. Die Trübfal soll dir Geduld bringen, die Geduld soll Erfahrung bringen, die Erfahrung soll Hoffnung bringen, Hoffnung, die läßt nimmermehr zu Schanden werden ( Röm. 5, 3-5). Frage dich vor seinem heiligen Angesichte in rechter, ernster Demuth: Was fehlt mir noch? dann hast du die Antwort auf die Frage, was dein Gott und Herr bei dieser Krankheit für Gedanken mit dir hat. FOTO - Darum ist es vor allen Dingen nothwendig, daß du dein Herz und dein ganzes Leben gründlich prüfeſt und untersuchest. Du mußt wissen, ob du noch ein Kind der Welt und des Teufels bist, todt in Uebertretung und Sünden, oder ob du schon ein Kind Gottes bist durch den Glauben an Christum Jesum. Dein Heiland heilte jenen Taubstummen dadurch, daß er ihn von dem Volk besonders nahm( Marc. 7, 33). Durch deine Krankheit hat er dich nun auch besonders genommen, um ganz in der Stille mit dir zu reden. Jetzt stören dich nicht mehr die Arbeiten und Geschäfte deines Berufes. Jetzt störet dich keine Gesellschaft und kein Vergnügen. Es ziehen einsame, stille Stunden an deinem Lager vorüber. Dein Gott und Herr nimmt dich besonders und will in der Einsamkeit und in der Stille mit dir reden und verhandeln. Wie steht es mit dir, liebes Herz? Kannst du mit fröhlichem Glauben sprechen: ,, Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebet hat und sich 179 selbst für mich dargegeben"( Gal. 2, 20)? Wohl dir, wenn du in Wahrheit so sprechen kannst! Dann kannſt du auch beten: Herr, wie du willst, so schicks mit mir Im Leben und im Sterben; Allein zu dir steht mein Begier, Laß mich, Herr, nicht verderben, Erhalt mich nur in deiner Huld, Sonst, wie du willst; gieb nur Geduld, Denn dein Will' ist der beste. Soll ich nunmehr nach deinem Rath Von dieser Welt abscheiden, Verleih mir, Herr, nur deine Gnad, Daß es gescheh mit Freuden. Mein Leib und Seel befehl ich dir, O Herr, ein seligs End' gieb mir Durch Jesum Christum! Amen. Verlaß dich nur auf deinen Jesus, auf den allerbesten Freund, den du im Himmel und auf Erden hast. Er hat sogar jenen neun undankbaren Aussätzigen geholfen, wie sollte er dir nicht helfen? Es ist ja nichts, das ihn von dir und dich von ihm scheiden könnte. Du kannst mit Freuden dich zu ihm halten, kannst mit herzlicher Zuversicht zu ihm beten, und weißt, daß er alle Tage und Stunden mit seiner Gnade und Barmherzigkeit bei dir ist. Du weißt, daß er auch in der Noth dich nicht läßt, dich immer stärket, tröstet und erquicket. Bitte ihn, daß er dir den rechten Glauben erhalten und dich vor Kleinglauben gnädiglich bewahren möge. Halte ihm nur in Demuth stille! Du weißt es ja, dein Freund kann es nicht böse mit dir meinen. Bitte ihn, daß er das heilige Abendmahl dir zur Stär12* 180 kung und zum Troste, zur Kraft und zur Hülfe in deiner Noth gedeihen lassen möge! Wohl dir, wenn du dich so ganz unter seine Gnadenhand beugest und ihm still hältst immerdar! Du wirst ihm immer näher und näher kommen in den Tagen des Kreuzes und der Trübsal. Es werden selige Tage für dich sein, so daß du ihn auch in den Tagen der neuen Gesundheit dafür wirst loben und preisen müssen. Und wenn er dich heimholen wollte, liebes Herz! Ach, freue dich, er will dich bei sich haben in seiner Herrlichkeit. Du sollst bei ihm, und er will bei dir sein in alle Ewigkeit. Freue dich, liebes Herz, und sprich mit Freuden: Jesu, meine Wonne, Komm bald und mach' dich auf! Geh auf, verlangte Sonne, Und eile deinen Lauf! O Jesu, mach' ein Ende Und führ' mich aus dem Streit! Ich hebe Haupt und Hände sa Nach der Erlösungszeit. Bitte ihn, daß er bei dir sei, ,, daß in dir die Sinne nicht verzagen, wenn der Feind das Leben will verflagen." Bitte ihn, daß er mit seiner Gnade und Barmherzigkeit auch in dem letzten Stündlein zu deinem Schilde erscheine! Er wird dein Gebet in Gnaden erhören. Du wirst dahinfahren in seinem Frieden, ruhen im Grabe unter seinem Schutze, auferstehen in seiner Kraft und darauf ererben die selige Hoffnung, das ewige Leben. Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben, von nun an! Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen ihnen nach. 181 Vielleicht aber hast du in deinen gesunden Tagen wenig nach deinem Gott und Heiland gefragt, wenig um sein Wort und deiner Seelen Seligkeit dich gefümmert. Du bist vielleicht alt und grau geworden in Sünden. Darum ist dir jetzt angst und bange auf deinem Krankenlager. Du kannst kein rechtes Vertrauen und keine Freudigkeit zu deinem Gott haben. Du hast keinen Frieden in deinem Herzen. Du hast keine Hoffnung des ewigen Lebens. Armes Herz, es steht trübe und traurig mit dir. Aber es ist noch nichts verloren. Bei Gott ist kein Ding unmöglich. Er hat die gnädige Verheißung gegeben: ,, Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll selig werden"( Joel 3, 5. Apostelgesch. 2, 21). Und grade diese Trübsal und dieses Elend, die über dich gekommen sind, sind dir ein sicheres Zeichen, daß dich dein Gott noch nicht aufgegeben hat, sondern daß er noch seine Hände nach dir ausstreckt und an deinem Herzen arbeitet. Nun, so widerstrebe doch seinem heiligen. Geiste nicht, der dich berufen, erleuchten und selig machen will! Bekenne deine Sünden, die du begangen haft in Gedanken, Worten und Werken, und womit du den Zorn und die Strafe des großen Gottes verdienet haſt! Du sprichst vielleicht in deinem Herzen: Gott sei Dank, ich habe keine groben Sünden und Laster begangen! Ich habe rechtschaffen und ehrbar gelebt, so gut ich konnte. Ich habe zwar auch meine Fehler, aber die haben alle Menschen, und der große Gott wird es gewiß einmal nicht so genau damit nehmen. Armes Herz! Was ist deine erste Sorge in deinem Leben gewesen? Hast du gesucht das Eine, das da 182 noth thut, daß du Vergebung der Sünden, Leben und ewige Seligkeit haben möchtest? Hast du deinen Gott mehr als alle Menschen gefürchtet? Hast du ihn geliebt über alle Dinge in dieser Welt? über alle? Haſt du allen deinen Nächsten die Liebe erwiesen, die dein Jesus von seinen Jüngern verlangt? Hast du die Welt lieb gehabt, oder hast du mit Furcht und Zittern geschafft deiner Seelen Seligkeit? Armes Herz, wenn du vor deinem Gott dich noch entschuldigen willst, so biſt du noch sehr weit und fern vom Reiche Gottes. Da gilt keine Entschuldigung, da giebt es fein Kleid, das die Blöße deines Herzens zudecken kann. Da gilt nur das eine Gebet: ,, Gott sei mir Sünder gnädig!" und nur das eine Kleid von weißer Seide, das dein Heiland, Jesus Christus, dir anlegen will. Denke um Gottes willen nicht, daß du durch die Krankheit, die du jetzt erleidest, alle deine Sünden wieder gut machest! Ich weiß, daß manch armer Christenmensch sich das zu seinem Schaden einbildet. Alle deine Leiden, und wären sie noch so schwer und schmerzlich, ja die Leiden der ganzen Welt, können nicht eine einzige Sünde auslöschen. Nur das Leiden des Gottessohnes deckt alle deine Schuld und deine Sünde zu. Liebes Herz, komm zu deinem Heilande! Er ladet dich ein, er bittet: ,, Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken." Denke daran, wie der arme Gichtbrüchige auf seinem Bette vor ihm liegt. Denke daran, wie der Herr zu ihm spricht: ,, Sei getrost mein Sohn, dir sind deine Sünden vergeben"( Matth. 9, 1-8)! ,, Das ist je gewißlich wahr und ein theuer werthes Wort, daß 183 Christus Jesus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen"( 1. Timoth. 1, 15). Siehe, das ist wie eine Stimme vom Himmel, das ist die rechte Freudenbotschaft, das ist ein Balsam für alle deine Wunden. Komm zu deinem Jesus! Er wartet auf dich, er ist dir nachgegangen bis auf diesen Tag und Stunde. Wer zu ihm kommt, das hat er selbst verheißen, den will er nicht hinausstoßen( Joh. 6, 37). Darum komm zu deinem Jesus! komm wie du bist, arm und elend, blind, nackt und bloß, aber fomm nur! Du willft nun sein heiliges Abendmahl empfangen, seinen Leib, der auch für dich in den Tod gegeben, sein Blut, das auch für deine Sünden am Stamme des Kreuzes vergossen worden ist. Ach, denke nicht, wie so viele, daß das heilige Abendmahl ein sicherer Reiſepaß in den Himmel ist, man mag sonst aussehen, wie man will! Das ist ein gefährlicher und seelenverderblicher Irrthum. Du mußt deine Sünden erkennen und bekennen. Sie müssen dir von ganzem Herzen leid sein, und du mußt dich darüber betrüben. Du mußt in freudiger Zuversicht dich an deinen Heiland und Erlöser halten, wenn dir sein Sacrament auch wirklich nügen soll. Darum so bitte ihm alle deine Sünden ab, fage und klage ihm alles, was dein Herz bedrückt! Wirf dich in die Arme seiner Gnade und Barmherzigfeit allein! Vertraue seiner Liebe und zweifle nicht, und du wirst schmecken, wie freundlich der Herr ist, und wirst ihm nicht genug danken und ihn nicht genug loben können für seine große Güte und Freundlichkeit. Bitte den heiligen Geist, daß er dich erleuchte, damit du dein Sündenelend und die Gnade des 184 Sünderfreundes recht erkennest! Bitte ihn, daß er das hochheilige Sacrament an deinem Herzen recht segnen möge! Wohl dir, wenn du es in Buße und Glauben empfängst und dann ausrufen kannst: Mir ist Barmherzigkeit widerfahren! Wenn dann Gott der Herr dir wieder neue Kraft und Gesundheit schenket, so werden die Tage der Krankheit und des Leidens rechte Tage des Heils und des Segens für dich gewesen sein. Dann vergisß aber auch nicht das Wort, das der Herr zu jenem Kranken sagte: ,, Siehe zu, du bist geſund geworden; fündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Aergeres widerfahre"( Joh. 5, 14)! Vergiß dann nicht die Angst und Noth, in der du jetzt den Herrn anrufest. Vergiß nicht die Gelübde, die du ihm gethan hast! Bekenne es dann mit dem Wort und mit der That, daß der Herr dein Gott große Dinge an dir gethan hat! Das Leben, das er dir aufs neue schenkt, das muß dann auch ein neues Leben nach seinem Willen und zu seiner Ehre, zum Lobe und zum Preise seines allerheiligsten Namens sein. Wenn dein Gott und Herr dich aber durch den Tod abrufen sollte, wohl dir, wenn du sagen fannst: Mir ist Barmherzigkeit widerfahren! Dann kannst du auch in deinem lieben Heilande Jesu Christo dich aller Gnade, alles Trostes, alles Heiles und aller Seligkeit von Gott dem Vater versichert halten, kannst in solcher tröstlichen Zuversicht dich in seinen gnädigen Willen ergeben und sprechen: Der Herr ist mein Licht, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist mein 185 Heil, wovor sollte mir grauen? Mein Vater im Him mel, dein Wille geschehe. In deine Hände befehle ich meinen Geiſst. Du hast mich erlöset, Herr, du getreuer Gott!- Das helfe dir der barmherzige und gnädige Gott um seines lieben Sohnes, deines und meines Heilandes, Jesu Christi, willen! Amen. §. 2. Gebet eines Kranken vor der Beichte. Herr Jesu, du sprichst: Ich bin der Herr, dein Arzt. Ich bin frank und habe einen Arzt nöthig. Ich nehme darum meine Zuflucht zu dir und bitte dich demüthig, du wollest mir helfen. Ich bin frank, nicht nur am Leibe, sondern auch an der Seele. Die Sünde hat mich so übel zugerichtet, daß nichts Gefundes an mir ist. Auch die Krankheit meines Leibes ist nichts anderes, als eine traurige Frucht der Sünde. Ach, mein Heiland, ich weiß sonst nirgends hin, als zu dir. Ich bin gar arm und elend, und mein Herz ist verwundet. Wo du mir nicht hilfft, so bin ich ewig verloren. Ach, so erbarme dich meiner und wirke durch deinen Geist in meiner Seele, damit ich eine neue Creatur in dir werde. Mache mich vor allen Dingen an meiner Seele gefund, durch gnädige Vergebung aller meiner Sünden, durch deinen Trost und Erquickung, durch deine Kraft und Stärke. Meine leibliche Krankheit aber laß zu einem solchen Ende ausgehen, wie es zu meiner Seligkeit gereicht. Soll ich wieder zu diesem Leben aufkommen, ach! so gieb mir Gnade, daß ich der Sünde immer mehr absterbe und mein ganzes Leben dir zum Eigenthum aufopfere. 186 Soll ich aber an dieser Krankheit sterben, ach, so gieb mir ein seliges Ende. Wasche und reinige mich mit deinem Blute von allen meinen Sünden, und laß mich durch das Amt der Versöhnung deiner Vergebung derfelben, in der Ueberzeugung deines Geistes, recht versichert werden. Herr Jesu, erhöre mich, so will ich dich preisen ewiglich. Amen. §. 3. Gebet eines Kranken nach der Beichte und Absolution. Mein Leib ist krank, aber meine Seele ist geneſen. Ach Gott, wie groß ist deine Barmherzigkeit! Ich rief zu dir in meiner Sündennoth, und du hast mich erhöret und mir alle meine Sünden um Jesu Christi willen aus Gnaden vergeben. Du hast mir durch das Amt der Versöhnung, welches du aus unendlicher Liebe zur Stärkung der schwachen Menschen unter uns aufgerichtet, die Versicherung geben lassen, daß ich nun völlig mit dir ausgeföhnt sei. Ach, mein Gott, ſtärke mich im Glauben, daß ich dir nun unverrückt anhange und dir treu bleibe bis an mein seliges Ende. Gelobet sei dein Name, und alle Welt müsse deiner Ehre voll werden. Halleluja! Amen. S. 4. Gebet eines Kranken vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. Herr Jesu, mich verlangt nach dir. Deine Gnade ist besser denn Leben. Denn mein Leben wäre lauter Tod, wenn ich deine Gnade nicht hätte. Mein Hei 187 land, du hast dein heiliges Abendmahl eingesetzet zu einem Mittel der Gnade, zu einer Arzenei für unsere kranken Seelen, und zur Stärkung unsers schwachen Glaubens. Ach, so erbarme dich über mich, und laß mich deinen Leib und dein Blut würdig genießen, damit ich der Heilsgüter, die du uns erworben hast, theilhaftig werde. Ich bin schwach und kann mein Herz nicht so andächtig zu dir erheben, wie ich wünsche. Ach, so habe Geduld mit meiner Schwachheit, und ersetze meine Fehler durch dein vollkommenes Versöhnopfer. Ich halte mich an deine Verheißung, daß du das zerstoßene Rohr nicht gar zerbrechen, noch den glimmenden Docht auslöschen wolleft. So wirst du denn auch mit mir Armen Geduld haben. Herr, erquicke mich mit deiner Gnade, so will ich deinen großen Namen preisen in alle Ewigkeit. Amen. §. 5. Danksagung eines Kranken nach dem Genuß des heiligen Abendmahls. Ach, mein treuer Heiland, nun hast du dich abermals meiner Seele herzlich angenommen, daß sie nicht verderbe. Du hast mich gespeiset mit deinem Leibe und getränket mit deinem Blute, und mir zugleich Gerechtigkeit, Leben und Seligkeit geschenkt. Wie kann ich armer, schwacher Mensch dir genug danken für dieſe unaussprechlichen Wohlthaten? Ach, nimm mein armes Lobopfer in Gnaden an! Laß mich nun recht stark werden am inwendigen Menschen, obgleich mein äußerlicher Mensch abnimmt. Ich bin 188 nun mit dir vereinigt, darum will ich nur dein Eigenthum bleiben in Zeit und Ewigkeit. Herr Jesu, dir lebe ich, dir sterbe ich, dein bin ich todt und lebendig. Mache es mit mir in meiner Krankheit, wie es dir wohlgefällt! Nur daß ich ewig selig werde! So will ich dich preisen und deinen Namen verherrlichen in alle Ewigkeit. Amen. 189 Schluß. ,, Und ich hörte eine Stimme einer großen Schaar, und als eine Stimme großer Wasser, und als eine Stimme starker Donner, die sprachen: Halleluja! Denn der allmächtige Gott hat das Reich eingenommen. Laßt uns freuen und fröhlich sein, und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und sein Weib hat sich bereitet. Und es ward ihr gegeben, sich anzuthun mit reiner und schöner Seide. Die Seide aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen. Und er sprach zu mir: Schreibe: Selig sind, die zu dem Abendmahl des Lammes berufen sind! Und er sprach zu mir: Dies sind wahrhaftige Worte Gottes( Offbg. 19, 6-9). Und ich sahe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Denn der erste Himmel und die erſte Erde verging, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sahe die heilige Stadt, das neue Jerufalem, von Gott aus dem Himmel herab fahren, zubereitet als eine geschmückte Braut ihrem Manne. Und hörte eine große Stimme von dem Stuhl, die sprach: Siehe da, eine Hütte Gottes bei den Menschen, und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein. Und Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch 190 Schmerzen wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Stuhle saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht zu mir: Schreibe; denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß. Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das D, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird es alles ererben; und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein( Offbg. 21, 1-7). Und die große Stadt, das heilige Jerusalem, hatte die Herrlichkeit Gottes, und ihr Licht war gleich dem alleredelsten Stein, einem hellen Jaspis; und hatte große und hohe Mauern, und hatte zwölf Thore, und auf den Thoren zwölf Engel, und Namen geschrieben, welche sind die zwölf Geschlechter der Kinder Ifrael. Vom Morgen drei Thore, vom Mitternacht drei Thore, vom Mittag drei Thore, vom Abend drei Thore. Und die Mauer der Stadt hatte zwölf Gründe, und in denselben die Namen der zwölf Apostel des Lammes( Offbg. 21, 11-14). Und der Bau ihrer Mauern war von Jaspis, und die Stadt von lauterm Golde, gleich dem reinen Glase. Und die Gründe der Mauern und der Stadt waren geschmückt mit allerlei Edelsteinen( Offbg. 21, 18. 19). Und die zwölf Thore waren zwölf Perlen, und ein jegliches Thor war von einer Perle; und die Gassen der Stadt waren lauter Gold, als ein durchscheinendes Glas. Und ich sahe keinen Tempel darinnen; denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel, und das Lamm. Und die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, daß sie ihr scheinen; denn die Herrlich 191 keit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm. Und die Heiden, die da selig werden, wandeln in demselben Licht. Und die Könige auf Erden werden ihre Herrlichkeit in dieselbe bringen. Und ihre Thore werden nicht verschlossen des Tages, denn da wird keine Nacht sein( Offbg. 21, 22-25). Und er zeigte mir einen lautern Strom des lebendigen Wassers, klar wie ein Krystall: der ging von dem Stuhl Gottes und des Lammes. Mitten auf ihrer Gasse und auf beiden Seiten des Stromes stand Holz des Lebens, das trug zwölferlei Früchte, und brachte seine Früchte alle Monate; und die Blätter des Holzes dienten zu der Gesundheit der Heiden. Und wird kein Verbanntes mehr sein; und der Stuhl Gottes und des Lammes wird darinnen sein, und seine Knechte werden ihm dienen, und sehen sein Angesicht; und sein Name wird an ihren Stirnen sein( Offbg. 22, 1-4). Und sie werden essen und trinken über seinem Tisch in seinem Reich und sitzen auf Stühlen und richten die zwölf Geschlechter Ifraels( Luc. 22, 30). Sie werden trunken von den reichen Gütern seines Hauses, und er tränket sie mit Wohlluft, als mit einem Strom( Pf. 36, 9). Selig sind die Knechte, die der Herr, so er kommt, wachend findet. Wahrlich, er wird sich aufschürzen, und wird sie zu Tische setzen, und vor ihnen gehen, und ihnen dienen( Luc. 12, 37). Und der Geist und die Braut sprechen: Komm. Und wer es höret, der spreche: Komm. Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst. Es spricht, der solches zeuget: Ja, ich komme bald. Amen. Ja, komm, Herr Jesu!( Offbg. 22, 17. 20)." 192 Wachet auf, ruft uns die Stimme Der Wächter sehr hoch auf der Zinne; Wachy' auf, du Stadt Jerusalem! Mitternacht heißt diese Stunde; Sie rufen uns mit hellem Munde: Wo seid ihr tlugen Jungfrauen? Wohl auf, der Bräutgam kömmt! Steht auf, die Lampen nehmt! Halleluja! Macht euch bereit Zu der Hochzeit; Ihr müsset ihm entgegen gehn. Zion hört die Wächter singen, Das Herz thut ihr vor Freuden springen, Sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, Von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig, Ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werthe Kron', Herr Jesu, Gottes Sohn! Hostanna! Wir folgen all Zum Freudensaal Und halten mit das Abendmahl. Gloria sei dir gesungen Mit Menschen- und englischen Zungen, Mit Harfen und mit Cymbeln schön. Von zwölf Perlen sind die Thore An deiner Stadt, wir stehn im Chore Der Engel hoch um deinen Thron. Kein Aug' Hat je gespürt, Kein Ohr hat je gehört Solche Freude; Drum jauchzen wir Und singen dir das Halleluja für und für: Heil sei dem, der auf dem Stuhle sitzt, unserm Gott und dem Lamme. Amen! Lob und Ehre, und Weisheit, und Dank, und Preis, und Kraft, und Stärke fei unserm Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Druck von Carl Jahnke( Franz Jahnke) in Berlin, Klosterstraße Nr. 64. 35 Inches 1 Centimetres Blue 2 3 4 Cyan 2 5 114, 6 17 Farbkarte# 13 3 Green 8 Yellow 9 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 6 () 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8