Polj Golf didi loben mir 37 STATATATOT Gb- 4009 Christliches Gesangbuch für die evangelisch- lutherischen Gemeinden im Fürstenthum Osnabrück. Zum Gebrauche beim öffentlichen Gottesdienste und bei der Hausandacht. ( Zehnte Auflage.) ( Erste Hälfte.) Osnabrück. 3. G. Kisling's Verlag. 1874. Gf 4009 dne HI 10 häidonecz muntmaitra aux ainsidantine men Univ.- Bibl. Giessen 3. G. Kisling's Buchdruckerei in Osnabrück. Ausführliche Anzeige von der Ordnung und dem Inhalt dieses Gesangbuchs. Erste Abtheilung: Von der Erkenntniß der Religion. 1) Aus den Werken der Natur 2) Aus der Bibel oder der heiligen Schrift Er ist Ewig und unveränderlich Allwissend und allgegenwärtig Allmächtig Höchstweise 3 weite Abtheilung: Von Gottes Wesen, Eigenschaften und der göttlichen Dreieinigkeit Höchstgültig, barmherzig und langmüthig Höchstheilig und gerecht Höchsttren, zuverlässig und wahrhaftig Von der heiligen Dreieinigkeit. . Vom Gewicht dieser Lehren Von der Schöpfung Von Gottes Vorsehung und Weltregierung Würdiger Gebrauch der göttlichen Vorsorge ● . Von den Engeln Von der Natur, Würde und Bestimmung des Menschen ● Dritte Abtheilung: Von der Schöpfung der Welt und der göttlichen Vorsehung über sie ● ● Vierte Abtheilung: Von den vornehmsten Geschöpfen Gottes, die wir kennen, den Engeln und Menschen. Fünfte Abtheilung: Vom Sündenelend und der Verdorbenheit der Menschen.. №. 1= 4 5= 7 8= 44 12= 14 15- 19 20= 21 22- 24 25= 32 33 = 34 35 36= 44 45= 72 45 46- 49 = 50= 61 62= 72 73= 79 80= 89 90= 94 IV Inhalt. Sechste Abtheilung: Von der Erlösung der Menschen durch Jesum Christum, den Sohn Gottes Von der Messias- Würde Jeſu Von der Person des Erlösers Im Advent oder den Gedächtnißtagen der Ankunft Christi in die Welt Auf Weihnachten oder das Gedächtnißfest der Menschwerdung des Sohnes Gottes Bei seiner Beschneidung ( Die Neujahrsgesänge siehe unter Nr. 596 ff.) Von der Offenbarung Christi und seiner Lehre an die Heiden Von der Darstellung Christi im Tempel. Auf Mariä Reinigung Vom Verhalten und Geschäfte Jesu in seinem Leben Tod Jesu und Begräbniß 3weck und Gebrauch des Leidens und Todes Jesu Von Jesu Auferstehung; auf Ostern Von Jesu Himmelfahrt und Regierung Vom Reiche und der Kirche Christi Von der Reformation und christlichen Duldung Erhaltung und Ausbreitung. Beschützung und Beschirmung der christlichen Kirche Vom Leiden, Tode und Begräbniß Jesu; in der Passions- oder Fastenzeit. Siebente Abtheilung: Von der Glückseligkeit der Christen oder der Unterthanen Jesu in diesem und dem künftigen Leben. Eigenschaften wahrer Christen ra Gottseligkeit und Frömmigkeit Rechtfertigung und Begnadigung Vaterliebe und Freundschaft Gottes ● Ruhe und Freudigkeit der Seele und des Gewissens Trost im Leiden und Sterben Erweckung zur heilsamen Erkenntniß derselben 145- 149 Hingang und Bereitwilligkeit Jesu zum Leiden und Sterben 150- 154 Leiden Jesu 155= 170 171= 172 173- 182 183- 200 Hoffnung einer seligen Unsterblichkeit Seligkeit des Himmels.. Achte Abtheilung: Vom Wege zur Glückseligkeit oder der Heilsordnung. Gläubige Annahme der Lehren und Verheißungen des Evangeliums No. 95- 104 100 101 102= 104 = 105= 111 112= 127 128= 130 131- 134 135= 138 139= 144 201- 207 208 = 209 210 211= 214 215- 218 219= 222 223= 227 228= 229 230= 232 233= 236 237= 244 243= 250 251- 257 258= 259 Inhalt. Bekehrung und Besserung durch Buße und Glauben an Jesum. Erweckungen dazu Wider den Aufschub der Bekehrung Entschließung und Bitte um göttlichen Beistand zur Betehrung Gesinnungen der Bußfertigen Empfindungen bei tiefer Traurigkeit über die Sünde Empfindungen eines Solchen, der lange leichtsinnig gelebt Empfindungen beim Andenken an oft wiederholte Sünden Empfindungen beim Gefühl der Lieblingssünde und seiner Fehler und Mängel Der Glauben an Jesum und sein Verdienst Christliche Frömmigkeit und Tugend. Dankbare Liebe zu Gott Neunte Abtheilung: Vom Beweis der christlichen Gottseligkeit und Tugend oder dem wahren Gottesdienste. Bestreben, in der Erkenntniß Gottes, Jesu Christi und der Religion immer vollkommener zu. werden Kindliche Ehrfurcht vor Gott Liebe und Dankbarkeit gegen Gott Die Dankbarkeit und Liebe gegen Jesum, unsern Erlöser und Seligmacher 303= 307 Nothwendigkeit eines heiligen Lebens und wider die Heuchelei 308- 313 Beschaffenheit der christlichen Tugend und Heiligkeit Bestreben, dem Beispiel Jesu Christi nachzuahmen 314= 318 319= 324 Eifer in der Ausübung aller Pflichten und in der Unterlassung des Bösen Freude an Gott und Jesu und himmlischer Sinn Gehorsam gegen Gott und Jesum Vertrauen auf Gott und Ergebung in seinen Willen Lob Gottes und seiner Werke Vorsichtigkeit im Umgang mit Andern und beim Gebrauch der Sprache, des Gehörs, ff. are Arbeitsamkeit, Berufstreue und Vermeidung der Trägheit und des Müßiggangs V 260= 265 266 Rechte Anwendung der kurzen Lebenszeit Chriftliches Verhalten in Absicht auf Ehre und einen guten Ruf und Namen 267 268- 275 276- 279 280 281 282= 286 287= 296 297= 302 333= 338 339= 341 342 345 346 348 349= 351 352= 364 365 379 380= 384 Christliches Betragen bei eidlichen Aus- und Zusagen Selbsterkenntniß, Demuth und Vermeidung alles Stolzes 385 389 Gottgefällige Liebe zu sich selbst und Selbstverleugnung Seelsorge 390 Bewahrung eines guten Gewissens 391= 392 393 M 395 Vorsichtige Leibespflege und Mäßigkeit, und Vermeidung aller entgegenstehenden Laster 396= 397 Keuschheit und Vermeidung aller Arten von Unzucht und Unreinigkeit 325= 332 398 = 399 400 401- 404 405= 408 409 VI Inhalt. Christliches Verhalten in Absicht auf Erwerbung und Erhaltung zeitlicher Güter und Vermeidung des Geizes und Verschwendung Genügsamkeit. Im Hausstande, von Eheleuten, Eltern, Kindern, Herrschaften, Dienstboten zc. Geduld und getroster Muth im Leiden und bei den Unvollkommenheiten dieses Lebens Christliche Menschenliebe. Hoher Werth und Natur dieser Menschenliebe Bewegungsgründe dazu Dienstfertigkeit, Barmherzigkeit, Mildthätigkeit und Vermeidung des Neids, der Härte und des Eigennutes 448= 450 Friedfertigkeit, Sanftmuth, Versöhnlichkeit und Vermeidung aller Feindseligkeit und Rache Aufrichtigkeit, Redlichkeit, Wahrhaftigkeit und Vermei451= 456 dung der Falschheit, der Lügen und des Verleumdens 457= 459 Gerechtigkeit, Billigkeit und Vermeidung aller Arten der Ungerechtigkeit, des Betruges und Diebstahls Christliches Verhalten in Absicht wahrer Freundschaft Gewissenhaftigkeit und besondere Nächstenliebe in besondern gesellschaftlichen Verbindungen In der bürgerlichen Gesellschaft, von Obrigkeiten und Unterthanen In der kirchlichen oder Religionsgesellschaft, von Lehrern und Zuhörern Würdiger Gebrauch der Gotteshäuser Zehnte Abtheilung: Vom heiligen Geist und seinen Wohlthaten( besonders aufs Pfingstfeſt.) Elfte Abtheilung: Von den Mitteln zur Theilnehmung an den Wohlthaten Jesu Christi und des heiligen Geistes. Rechter Gebrauch des Wortes Gottes oder des Religionsunterrichts in der Bibel Die heilige Taufe Bei einer Taufhandlung Erneuerung des Taufbundes Bei der Confirmation. Das heilige Abendmahl. • Dank für die Stiftung desselben Wider die Nichtachtung desselben No. Erweckung zum würdigen Genuß Bei der Communion, vom 3weck, Nutzen und rechten Gebrauch des heiligen Abendmahls Nach der Communion 410= 412 413 414= 439 440- 444 445= 447 460 M 461 462= 464 465 466= 468 469 470 471 472= 485 486- 497 498= 507 508 509 510= 512 513 = 514 515 516 517 518 525 526= 531 Inhalt. 3 wölfte Abtheilung: Von den Beförderungs- und Stärkungsmitteln der Tugend. Abwartung des öffentlichen Gottesdienstes und die würdige Sonntagsfeier Gesänge vor der Predigt Beim Beschluß des öffentlichen Gottesdienstes. Haus- und Privatandacht Umgang mit Gott im Gebet. Erweckung dazu. Kraft und Nutzen des Gebets Kraft desselben wider die Sünde Eigenschaften eines gottgefälligen Gebets Allgemeine Bitten Tägliche Selbstprüfung und Wachsamkeit Dankbare Erinnerung an seinen Gnadenstand Betrachtung des Todes. Uleberhaupt Besonders bei Beerdigungen Betrachtung der Vergeltung nach dem Tode und des allgemeinen Weltgerichts Erwägung der Strafen der Lasterhaften in dieser und der künftigen Welt Beherzigung des hohen Werthes der künftigen Seligteit Dreizehnte Abtheilung: Bitten und Danksagungen. In besondern Zeiten: Beim Jahreswechſel Bei feierlicher Demüthigung vor Gott: an einem Bußtage Am Gedächtnißtage einer erlittenen Feuersbrunst Des Morgens Für einen Kranken Des Abends Für einen Kranken Zur Tischzeit, vor und nach dem Effen In den verschiedenen Jahreszeiten: Im Frühling Zur Saatzeit Im Sommer Bor, bei und nach der Ernte Dank für den Segen, der aus Künsten, Handlung und Gewerbe ensteht Im Herbst Im Winter VII No. 532= 536 537= 540 541= 542 543 544 545= 547 548 549= 550 551- 555 556= 557 558 559= 569 570- 582 583= 589 590- 593 594= 595 596= 602 603= 606 607 621 622 623= 634 635 636= 637 638= 639 640= 641 642 643= 648 608= 649 650 651 ( Beim Anfang des Kirchenjahrs, 5= 7, 102, 110, 134, 208, 211, 317, 498, 501, 502. Beim Schluß desselben, 210, 366, 368, 370, 498, 604.) VIII In besondern Fällen: Inhalt. Bei und nach anhaltendem Regen Bei und nach der Dürre Bei und nach einem Gewitter Bei Theurung. Bei gefährlichen Seuchen Beim Kriege und nach dem Frieden In einigen persönlichen Umständen: Für frohe Christen am Geburtstage und sonst Für Traurige und Bekümmerte ( Auch 414 439.) Für fromme Dürftige Für fromme Verarmte Für Reisende Für Kranke. Für Wiedergenesene Bei Erwartung des Todes Für Sterbende Fürbitte für Kranke Fürbitte für Sterbende Für einen sterbenden Religionsspötter Einsegnung eines Sterbenden Für Betrübte beim Absterben frommer Freunde Für Eltern beim Verlust ihrer Kinder Für eine Mutter besonders Beim Tode derer, die in Sünden gelebt haben Für Christen in der Einsamkeit Für Gesellige. Für die höheren Stände Für den mittleren Stand 300 ● №. 652 654 655= 656 657= 661 662= 663 664- 665 666= 671 672= 675 676= 677678 679 680= 681 682= 685 686= 689 690= 695 696= 698 699 700- 701 702 703 704= 705 706 707 708 709 710 711 712 I. Von der Erkenntniß der Religion aus den Werken der Natur und aus dem göttlichen Unterricht in der Bibel. Mel. Herzliebster Jesu, was haft 2c. dern Creaturen, auch an dir selbst siehst du der Allmacht nennen 1. Ist auch ein Gott? Wer Spuren. Kannst du dich denn darf noch also fragen? Hört mit Recht verständig man nicht laute Stimmen, die und Gott mißkennen? es sagen? Sieh', rufen Schrift, Vernunft und Creaturen, der ein Gott, zu sagen. Oft leug6. Doch nicht genug: Es ist Gottheit Spuren. 2. Sieh um dich her, sich sein Betragen, wenn er, als net's doch der Mensch durch Himmel, Länder, Meere, und wär' kein Gott, in Sünden schließ' von der Geschöpfe gro- wandelt und gottlos handelt. Bem Heere, von ihrem Bau und vom Verstand der Geister kennt mein ganzes Leben. Bist 7. Du sagst: Gott ist und auf ihren Meister. du ihm denn auch recht zum die Sonne Dienst ergeben? Fühlt Dant theilet, wie und Gegenliebe dein Gemüthe durch seine für seine Güte? 8. Im Wohlstand trotzig, beide Tag und Nacht der Erde zaghaft in Beschwerden, vergötregieret werde! tert man oft Dinge dieser Er4. Was machts, daß diese den; macht Geld zum Trost; Ordnung stets vorhanden und hält Fleisch für seinen Retter; unverrückt Jahrtausende bestan- elende Götter! ben? Kannst du der Gottheit Dasein, Kraft und Wesen nicht arin lesen? 5. Ja, Mensch, in allen anOsnabr. Landgesangb. X. Aufl. wie 3. Sieh, Jahr und Tage auch der Mond Laufbahn eilet und wie durch 9. Drum, Menschen, lernet Gottes heil'gen Willen mit Redlichkeit und Herzenslust erfüllen, sonst werdet ihr beim Ruhm des 1 Von der Erkenntniß der Religion 10. Laßt euch sein Wort den mit Weg der Wahrheit lehren, durch Dich Glauben und durch Liebe ihn zu ehren, bis er euch einst zum Himmel wird erheben, bei ihm zu leben. Glaubens lügen, euch selbst be- dig ist, in aller Welt erkennen; trügen. daß du sein Gott und Vater bist frohem Dank bekennen. ehre und dein freue sich, was da ist, denkt und lebt durch dich im Himmel und auf Erden. 6. Ich bin dein Werk, dein Eigenthum; gieb, daß ich auch so lebe; mit Herz und That stets deinen Ruhm laut preise und Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. erhebe. Dein Lob ſei mein Ge2. Du bist, o Gott, von Ewigkeit und bleibest ohne Ende; die schäfte hier und dort, wo ich Welt, so groß, das Meer, so werd für und für im hellern breit, sind Werke deiner Hände. Licht dich schauen. Des Himmels Bau, der Erden und was du, Herr, Mel. Wer nur den lieben Gott zc. schaffen haft, lehrt uns' dein 3. Gott des Himmels und Wesen kennen. 2. Du bist voll Licht und Majestät, voll Herrlichkeit und Stärke. Wer deine Größe nicht versteht, den lehren deine Werke, daß du der Herr der Herren bist, daß deine Macht unendlich ist im Himmel und auf Erden. der Erden, der du allgegenwärtig bist, von Niemand kannst ermessen werden, vor dem kein Ding verborgen ist, ach ziehe meinen Sinn zu dir und offen= bare dich auch mir. 2 2. Wohin ich Herz und Auge lenke, da find' ich deiner Gott3. Wer ist, den nicht der Sin-[ heit Spur. Wenn ich mit Annen Licht auf diese Fragen lei- dacht überdenke die großen Wuntet: Wer hat das Erdreich zuge- der der Natur, so ruft mir Alles, richt't, den Himmel ausgebrei- Alles zu: Wie groß ist Gott, tet? Wer hat der Sterne gro- wie klein bist du! Bes Heer, das tief und stark um= dammte meer so wunderbar erschaffen? 3. Es zeigen alle Elemente, wie groß der sei, der sie erschuf. Owenn das Stumme reden 4. Groß muß der sein, un- könnte, wie laut erschallte nicht endlich reich an Weisheit, Kraft der Ruf: Rühmt, Menschen, und Stärke; ein Wesen, wel- Gottes Güt' und Macht, der chem keines gleich, der so er- uns für euch hervorgebracht! habne Werke Werke hervorgebracht und aufgeführt, sie alle trägt und noch regiert, und keines übersiehet. 4. Unendlich, Gott, ist deine Liebe, die Erde deiner Güte voll! O gieb mir deines Geistes Triebe, daß ich dich preise, wie ich soll; nimm, was ich kann und hab 5. Dich müsse, wer verstän aus der Natur und heiligen Schrift. und bin, zu deinem Dienst auf; 4. Dich predigt Sonnenschein ewig hin. 5. Hilf, daß die Güter dieser Erden zu dir mich leiten, höchftes Gut; daß sie mir nicht zum Fallstrick werden, der statt des Nußens Schaden thut. Laß allen Mißbrauch ferne sein, der Wünsche Ziel sei du allein. und Sturm, dich preist der Sand am Meere; bringt, ruft auch der geringste Wurm, bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht; bringt unserm Schöpfer Ehre! 6. Hier ist mein Leben eine Reise, hier geht mein Weg zur andern Welt; drum mache du mich fromm und weise, daß ich hier thu', was dir gefällt, und nimm zu deiner Ruh' mich auf, wenn ich vollende meinen Lauf. 3 5. Des Menschen Leib, den deine Hand so wunderbar bereitet; des Menschen Geist, den sein Verstand, dich zu erkennen, leitet; der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, ist sich ein täglicher Beweis von deiner Güt' und Größe. Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. 6. Erheb' ihn ewig, o mein Geist, erhebe seinen Namen! 4. Wenn ich, o Schöpfer, Gott, unser Vater, ſei gepreiſt, deine Macht, die Weisheit dei- und alle Welt fag' Amen! Und ner Wege, die Liebe, die für alle alle Welt fürcht' ihren Herrn, wacht, anbetend überlege: so und hoff auf ihn, und dien' weiß ich, von Bewundrung voll, ihm gern; wer wollte Gott nicht, wie ich dich erheben soll, nicht dienen? mein Gott, mein Herr und Vater! 2. Mein wohin es blickt, die Wunder deiner Werke. Der Himmel, prächtig ausgeschmückt, preist dich, du Herzen dank ich dir. Gott der Stärke! Wer hat die durch Menschen mir's gegeben, Sonn' an ihn erhöht? Wer lleidet sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Him- 2. Auf ungewissen, finstern mel regnen? Wer schließt den Pfaden würd' ich ein Raub des Schooß der Erde auf, mit Vor- Todes sein; mit Sündenschuld rath uns zu segnen? Du, Gott und Fluch beladen, müßt' ich der Macht und Herrlichkeit, du, des Richters Strafe scheun. Ich dessen Güte reicht so weit, als fände keinen Trost in Noth, mich Erd' und Himmel reichen. schreckte stündlich Grab und Tod. 1* Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 5. Mein Gott, du schenkteſt mir das Leben, von ganzem Du hast die Christen waren; Heil sei mir! Sonst tennt' ich Christi Lehre nicht, sonst fehlte mir Glück, Trost und Licht. Von der Erkenntniß der Religion 3. Wozu hat mich mein Gott| der und dem Frommen den alerschaffen? Was ist hienieden lerbesten Unterricht. selig meine Pflicht? Wird auch den wer es achtsam hört, bewahrt und mit Gehorsam ehrt. der Tod hinraffen, und hält Gott fünftig ein Gericht? Wie werde ich darin bestehn? Wie der verdienten Straf' entgehn? 2. Es leuchtet uns auf unsern Wegen, vertreibt des Irrthums Finsterniß. Es füllt mit Freuden, bringt uns Segen und machet unser Herz gewiß, es lehrt uns, Höchster, was du bist, was gut vor deinen Augen ist. 4 4. Entscheidet die Vernunft die Fragen durch ihrer Einsicht schwaches Licht? Hebt sie die Zweifel, die mich plagen? Und bleibt der Trost, den sie verspricht? Ach, ohne Jesu Licht und Heil wär' Finsterniß und Angst mein Theil. 5. Ja, du hast mich den Finsternissen des Irrthums und der Sünde Macht durch deine Lehre, Herr, entrissen; ihr Licht zerstreut des Zweifels Nacht; du zeigest mir des Höchsten Rath und führst mich auf der Wahrheit Pfad. 3. Dein Wort ermuntert, dich zu lieben; es lehrt, wie viel du denen giebst, die freudig dein Gebot ausüben, und wie du väterlich uns liebst. Und was, o Herr, dein Mund verspricht, bleibt ewig wahr und trüget nicht. 4. Gott, deine Zeugnisse sind besser und mehr der Sehnsucht werth, als Gold; ihr Werth ist föstlicher und größer, als Alles, was die Erde zollt; wer das thut, was dein Wort gebeut, dem bist du wohlzuthun bereit. 6. Ich weiß, wozu mich Gott erschaffen, ich kenne meine ganze Pflicht; den Geist wird nicht der Tod hinraffen; wer an dich glaubt, wird im Gericht durch dich, o Heiland, wohl bestehn und dann verklärt dich selber sehn. 5. Drum laß mich auch mit Lust betrachten, was mich dein Wort, o Höchster, lehrt, und mit Gehorsam auf das achten, was 7. O Jesu, laß mich deiner es von mir zu thun begehrt: so Lehre gehorchen mit stets größ- fließen Trost und Seelenruh' rer Lust, und keines Spötters auch mir aus deinem Worte zu. Wahn zerstöre dein tröstend Wort in meiner Brust. ganzes Leben preise dich, dein Heil erfreu im Sterben mich! Mein mel. O Gott, du frommer Gott zc. 7. Wie dunkel wäre nicht, wie ungebahnt uns allen der Weg, auf dem wir hier hinab Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 6. Dein Wort, o Höchster, ist zum Grabe wallen, wenn du, vollkommen, es lehrt uns unsre o Gott, nicht selbst durch deines ganze Pflicht; es giebt dem Sün- Wortes Licht uns väterlich ge aus der Natur und heiligen Schrift. schenkt Rath, Trost und Unter-| womit stillt' ich mein Herz in richt. trüben Trauertagen, wenn du mir nicht gesagt, wie ich zu meinem Wohl die väterliche Zucht ausstehn und nüßen soll? 2. Wie viel weiß ich von dir, von deinem Rath und Willen, und woher nehm' ich Kraft, was du willst, zu erfüllen, wenn du nicht selbst zuvor mich deinen Willen lehrst und, ihn mit Folgsamkeit zu 7. Herr bist du, und ich Knecht! Dürft' ich es dann wohl wagen und zu dir, meinem Herrn, vertraulich Vater thun, mir Kraft gewährst? sagen, wenn du nicht durch dein Wort dich gegen mich erklärt, daß du dem Vater seist, der kindlich dich verehrt? 3. Wie wüßt' ich von mir selbst, wozu du dieses Leben mir auf so turze Zeit, die schnell vergeht, gegeben, wenn du nicht durch dein Wort mir seinen wahren Werth, Zweck, Absicht und Gebrauch entdecket und erklärt? 4. Wie furchtbar wäre mir der Weg zu meinem Grabe, wie wüßt ich, was hernach ich zu erwarten habe, wenn über 9. Gott, welche Seligkeit Tod und Grab den Weg zu jener quillt mir aus dieser Quelle! Welt du mir nicht durch dein Wie stärket und erquickt dein Wort gezeigt und vorgestellt? Wort, Herr, meine Seele! Geleitet durch dies Licht, wall' ich auf ebner Bahn voll Muth und Freudigkeit zur Ewigkeit hinan. 5. Was kann bei meiner Schuld Gewißheit mir verschaffen, daß du dem Schuldner wirst verzeihen, ihn nicht strafen? Das, was tein Sterblicher mir fest versichern kann, das hast du selbst, o Gott, in deinem Wort gethan! 10. Dank sei dir, hoher Dank für deines Wortes Lehren, sie müsse, wer sie kennt, hochschätzen und verehren und, wer sie ehret, nicht ihr Hörer 6. Wenn du mich züchtigest, nur allein, vielmehr mit allem wie trostlos müßt' ich zagen? Fleiß ihr treuer Thäter sein. 5 8. Dies Alles hast du uns, Gott, durch dein Wort gelehret, so huldreich hast du selbst dich gegen uns erkläret. Von dir belehrt, weiß ich, wie du gefinnet bist, was hier für mich zu thun, dort zu erwarten ist. II. Von Gottes Wesen und Eigenschaften. Mel. Christ, unser Herr, zum 2c. voll Andacht und betrachte, wie 8.0 Gott in seinem Worte sich bemeine Seel', erhebe dich, kannt den Menschen machte, Von Gottes Wesen daß er der Allerhöchste ist im 6. Unendlich ist, Herr, deine Himmel und auf Erden, und soll Macht, zu retten, die dich lieben, gerühmt zu jeder Frist, auch an- und wenn der Frevler dich vergerufen werden als Ursprung| lacht, Gericht an ihm zu üben. aller Dinge. Gieb, daß sich deiner Allmacht 2. Gott, du bist einig, für Schutz fort iber mich erstrecke; und für, nichts sind der Heiden mich auch nicht Menschengrimm Götter; tein Heil noch Trost ist und Truß, nur deine Strafe außer dir, kein Helfer noch Er- schrecke, du Richter meiner Seele! retter. Laß mich, o Herr, auf dich allein von ganzem Herzen du, Gott, die Niemand kann ertrauen, dir einzig nur ergeben gründen; wie groß und schwer sein, auf Niemand anders bauen auch ist die Noth, weißt du doch und deiner nur mich rühmen. Rath zu finden. Gieb, daß ich 7. Voll höchster Weisheit bist 3. Herr, mein Gott, du zu der Seelen Ruh' auf dich bist ein Geist, und theilest auch werf' meine Sorgen, auch Ueb= uns allen an Gaben aus, was les weder denk' noch thu'; denn geistlich heißt, nach deinem Wohl- dir ist nichts verborgen, du prügefallen. Laß mich stets geistlich fest Herz und Nieren. sein gesinnt, daß, wenn ich vor dich trete, ich deine Kraft in mir empfind' und dadurch dich anbete im Geist und in der Wahrheit. 8. Gott, du bist heilig und gerecht, du kannst die Sünd' nicht leiden; wer sagen will, er sei dein Knecht, der muß das Böse meiden; gieb, daß ich mich zu jeder Zeit der Heiligkeit befleiße, nachjage der Gerechtigteit, auch dein Gericht gut heiße, ob ich's schon nicht begreife. 9. Du bist sehr gnädig, Gott, und gut, vergiebst die Schuld dem Sünder; erbarmst dich, wie ein Vater thut, von Herzen deiner Kinder. Herr, laß von deiner Lieb' und Gnad' mich immer Trost bekommen; durch sie sei meine Missethat von mir hinweggenommen, daß ich Vergebung finde. 6 4. Du bist, o Gott, o Gott, von Ewigkeit, ohn' Anfang und ohn' Ende. Gieb, daß ich von der Eitelkeit des Zeitlichen mich wende, auf daß ich möge immerdar das bitten und drauf denken, weil alles Ird'sche wandelbar, daß du mir wollest schenken ein unvergänglich Erbe. 5. Gott, du bist an allem Ort und gar nicht zu ermessen; ob Einer hier ist, oder dort, ist er dir unvergessen. Laß mich nicht zweifeln, wo ich sei, könnst du dich mein annehmen; auch was ich thu, laß mich dabei des Bösen vor dir schämen und überall dich fürchten. 10. Gott, deine Wahrheit stets besteht; wohl denen, die dir gläuben! Wenn Erd' und HimImel einst vergeht, wird dein und Eigenschaften. Wort ewig bleiben. Gieb, dağ| sein Nam' ist groß, er ist unendich fürchte dein Gericht und Al- lich, grenzenlos in seinem ganles, was du dräuest; auch hoffe, zen Wesen. was dein Wort verspricht, daß 2. Jhn trifft kein Wechsel du mir's gern verleihest; wer flücht'ger Zeit. Nie größer oder hofft, wird nicht zu Schanden. 11. Höchstselig bist du, Gott, und frei; du thust, was dir beliebet. Du bist ein milder Herr dabei, der reichlich Gutes giebet. Laß mich mit dem zufrieden sein, was mir beschert dein Wille. Gieb auch, daß ich von dir allein, und deiner Güte Fülle, erwarte, was mir nüßet. kleiner wird seines Wesens Herrlichkeit. Nur er war stets, sonst Keiner. Wir Menschen sind von gestern her; eh' noch die Erde war, war er, noch eher als die Himmel. 3. Um seinen Thron her strömt ein Licht, das ihn vor uns verhüllet. Ihn fassen alle Himmel nicht, ihn, der sie all' erfüllet. Er bleibet ewig, wie er war, verborgen, und nur offenbar in seiner Werke Wundern. 12. Gott, wenn ich dich so kenn' und ehr', dein Wort zum Grunde seße, erfreu' ich mich darüber mehr, als über alle Schäße: bis ich dort, o mein Heil und Licht, dich ohne Lallen nenne, von Angesicht zu Angesicht dich schaue, dich erkenne und unaufhörlich lobe. 4. Was wären wir, wenn seine Kraft uns nicht gebildet hätte? Er kennet uns, fennt, was er schafft, kennt aller Dinge Kette. Bei ihm ist Weisheit und Verstand, und Kraft und Stärke; seine Hand umspannet Erd' und Himmel. 5. Ist er nicht nah, ist er nicht fern? Weiß er nicht alle groß werden. Verleih mir| Wege? Wo ist die Nacht, da sich Gnade, Kraft und Stärk', daß ich zu allen Zeiten, Herr, deinen Namen und dein Werk mag mehr und mehr ausbreiten, so lang ich hier noch lebe. dem Herrn ein Mensch verbergen möge? Die Finsterniß ist vor ihm Licht; Gedanken ſelbst entfliehn ihm nicht in ihrer ersten Bildung. 13. Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist, der du auch willst auf Erden von mir und allen sein gepreist, laß deinen Ruhm 7 6. Wer schützt den Weltbau Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. ohne dich, o Herr, vor seinem breitet 9. Der Herr ist Gott und Kei- fich dein Aufsehn über alle. Du bist voll Freundlichkeit und Huld, barmherzig, gnädig, voll Geduld, ein Vater, ein Verschoner! 7. Unsträflich bist du, heilig, ner mehr. Frohlockt ihm, alle Frommen. Wer ist ihm gleich? Wer ist wie er, so herrlich, so vollkommen? Der Herr ist groß, 8 Von Gottes Wesen gut, und reiner als die Sonne;| mit deinem kräftgen Wort trägst wohl dem, der deinen Willen du die ganze Welt, und deine thut; denn du belohnst mit Won- Macht vollführt, was uns unne. Du haft Unsterblichkeit al- möglich fällt. lein, bist selig, wirst es ewig sein, du aller Freuden Fülle. 5. Du bist der Herren Herr; der Erde Majestäten sind, Höch8. Du nur verdienest Lobster, vor dir Staub; schaffst Leben und Dank, verdienest Preis und und kannst tödten; wen du erEhre. Kommt, werdet Gottes niedrigest, Gott, wer kann den Lobgesang, ihr alle seine Heere. erhöhn? Wen du erhöhen willst, Der Herr ist Gott und Keiner deß Hoheit muß bestehn. mehr! Wer ist ihm gleich? Wer ist wie er so herrlich, so vollkommen? 6. Du bist es, der allein Unsterblichkeit besitzet, der Leben giebt und nimmt, der unsern Odem schüßzet. Den Geist, der in uns lebt, den haben wir von dir; willst du, so wird er nichts: du Mel. Nun danket alle Gott 2c. 10. Anbetungswürd'gerGott, bleibest für und für. mit Ehrfurcht stets zu nennen! du bist unendlich mehr, als wir begreifen können. O flöße meinem Geist die tiefste Demuth ein, und laß mich stets vor dir voll Ehrerbietung sein. 2. Du bist das höchste Gut, du weißt von keinem Leide; stets 8. Was wir, Unendlicher, ruhig in dir selbst, schenkst du von deinem Wesen wissen, das vollkommne Freude; dein ist die haft du selbst zuvor uns offenHerrlichkeit; auch ohne Creaturbaren müssen; die Schöpfung bist du dir selbst genug, du zeugt von dir; und deines SohSchöpfer der Natur. nes Mund macht uns noch deutlicher, Gott, deinen Namen fund. 7. Wer hat dich je gesehn? Wer kann im Fleisch dich sehen? Kein sterblich Auge reicht bis zu den Lichteshöhen, wo du voll Majestät auf deinem Stuhle thronst und unter'm frohen Lob der Himmelsbürger wohnst. 3. Du riefft dem, das nicht war, um Lust und Seligkeiten 9. Doch hier erkennen wir aufs mannigfaltigste um dich dich noch gar unvollkommen; her auszubreiten; die Liebe bist wird aber dermaleinst der Vordu selbst; Verstand und Rath hang weggenommen, der jetzt sind dein, und du gebrauchst sie gern, zu segnen, zu erfreun. das Heiligste noch unserm Blick verschließt, dann sehn wir dich, o Gott, so herrlich, wie du bist. 10. Indeß sei auch schon jetzt Werde! entstand dein großes dein Ruhm von uns besungen; Werk, der Himmel und die Erde!| verschmähe nicht ein Lob von 4. Du sprichst, und es geschieht; auf dein allmächtig und Eigenschaften. 9 lallend schwachen Zungen! Dort| sei selbst der höchste Geist; ganz soll, wenn wir dereinst vor dir Thätigkeit und Kraft, ganz Weisverherrlicht stehn, ein weit voll- heit, Freiheit, Leben! Kommt, kommner's Lied, dich, großer laßt uns ihn erheben, weil er Gott, erhöhn. auch Geister schafft. 6. Das preisen Engelchöre; stimm', Seele, freudig ein; auch dich schuf er zur Ehre, ein edler Mel. Aus meines Herzens zc. 11. Schwingt, heilige Ge- Geist zu sein. Empfind's; verkenne doch nicht deinen Werth; verachte, was sündlich ist, und achte ein reines Herz nur hoch. danken, euch von der Erde los! Gott, frei von allen Schranken, ist unaussprechlich groß. Ein Geist ist Gott; lobsingt vor seinem Angesichte! Gott wohnt in einem Lichte, zu dem kein Auge dringt. 7. Andächtig, bet' ihn, Seele, und ungeheuchelt an! Lieb' ich des Herrn Befehle, wie selig bin ich dann! Er hat Unsterblichkeit und Seligkeit und Leben; das Alles wird er geben dem, der sich 2. Kein Sinn kann ihn erreichen, kein endlicher Verstand; wer darf sich ihm vergleichen, ganz ihm weiht. wer hat ihn ganz erkannt? Macht euch von ihm fein Bild! Wer kann den Höchsten sehen, ob er gleich alle Höhen und jede Tief' erfüllt? 3. Die Sonn' in hoher Ferne glänzt heller noch, ihr Sterne, was seid ihr gegen ihn mit aller eurer Pracht, in euerm schönsten Lichte? Vor seinem Angesichte verschwindet ihr in Nacht. 4. Wie soll ich, Gott, dich nennen, dich, Vater der Natur? 2. Was bin ich, Herr, und Was wissen wir? Wir kennen alle Menschenkinder? Staub der Wesen Neußres nur. Wie sind vor dir der Fromme, wie der ändern Körper sich selbst bei dem Sünder. Wie schnell enteilt das schönsten Schimmer? Gott aber Leben doch von mir! Du, Höchwechselt nimmer, er ist unför- ster, nur du bleibest für und für. perlich. 3. Du hast vorhin die Erde Ewigkeit und Unveränderlichkeit Gottes. mel. Herr Gott, den man dreieinig zc. 12. Herr Gott, du bist die Zuflucht aller Zeiten; denn du bist Gott in allen Ewigkeiten. Du warst es schon, eh' Erd und Himmel ward, eh' noch dein Arm sich uns geoffenbart. 5. Preist unsern Herrn und zubereitet; dein Arm, Gott, hat Meister, der selbst uns unter den Himmel ausgebreitet. Doch weist: er, Vater aller Geister, sie vergehn, veralten wie ein 10 Von Gottes Wesen Kleid; du aber bleibst in alle vormals wollte, willst du noch. Ewigkeit. hilf uns allen thun nach deinem Wohlgefallen. 4. Es werden noch die Himmel sammt der Erden wie ein 4. Immer bleibst du, Gott, ein Gewand von dir verwandelt Feind derer, die das Unrecht üben. werden. Du bleibest wie du bist; Immer bleibst du, Gott, ein denn keine Zeit umgrenzet je- Freund derer, die das Gute liemals die Unendlichkeit. ben. Laß uns darin schon auf Erden deinem Bilde ähnlich werden. 5. Das ist der Trost, die Hoffnung deiner Knechte: du schüßest sie mit deiner starken Rechte. Ihr redlich Herz kann sich stets deiner freun. Du bleibst ihr Gott, und sie sind ewig dein. 6. Das sei mein Trost in allen trüben Stunden, vom Tode selbst bleibt er unüberwunden; kein Tod, kein Grab, trennt| Lust; ewig währet deine Liebe. mich, o Gott, von dir; mein Fels, mein Heil, das bleibst du ewig mir. Wohl mir, wenn ich auch mit Lust mich in deinem Willen übe. Dann, o Herr, wird's meiner Seelen nie an wahrem Wohlsein fehlen. Mel. Liebster Jesu, wir sind zc. 13. Gott, du bist von Ewigkeit, und dein herrlich großes Wesen ändert sich zu keiner Zeit; du bleibst stets, was du gewejen. Laß dies meinen Geist beleben, ehrfurchtsvoll dich zu erheben. 5. Deine Worte trügen nicht; du bist ewig der Getreue, der das hält, was er verspricht. O daß dies mich stets erfreue! Laß nur deinen Geist mich treiben, dir, Herr, auch getreu zu bleiben. 6. Stets ist Wohlthun deine 7. Erd' und Himmel wird vergehn, alle Welt wird mich verlassen; nur du bleibst mir ewig stehn, deine Hand wird mich umfassen, wenn ich nun von hinnen scheide, ewig bist du meine Freude. 8. Laß mir doch zu jeder Zeit, 2. Ewig und unwandelbar Herr des Himmels und der Erist, o Gott, dein hohes Wissen. den, diese deine Ewigkeit einen Was dir einmal Wahrheit war, starken Antrieb werden, dich zu wird es ewig bleiben müssen. lieben, dir zu trauen, und mein Niemals kann dein Ausspruch Glück auf dich zu bauen. fehlen; laß mich ihn zur Richtschnur wählen. 3. Du bist nicht, wie Men- Mel. Gott sei Dank durch alle zc. 3. schen sind, daß dich etwas reuen 14. Emger Gott, wie selig sollte; immer bleibst du gleich- ist, wer dich kennt und wohl ergesinnt. Was dein Rathschluß mißt, wie du dich uns offenbarst; und Eigenschaften. denn du bist, wirst sein und warst. Allwissenheit und Allgegenwart Gottes. 2. Ewig bleibst du selbst dir Mel. Es wolle Gott uns gnädig zc. gleich, weise, treu und gnaden reich, ewig mächtig und voll Kraft, heilig und untadelhaft. 15. Allwissender, vollkomm3. Wenn ich auf zum Himmel schau', welch ein wundervoller Bau! Doch er wird nicht ewig stehn, er entstand und wird vergehn. 4. Du nur bleibest, wie du bist; was dein weiser Rath beschließt, ist unwandelbar, wie du, gut und heilig stets, wie du. 5. Du bist nicht ein Men schenkind, daß du lügest; nicht gesinnt, wie der Mensch, der, wandelbar, nimmer bleibet, was er war. 6. Was du zusagst, ist gewiß ,; zwischen Licht und Finsterniß tappt der Mensch hin, wählt, bereut plöglich wieder, was ihn freut. 11 ner Geist, deß Auge Alles siehet, was durch der Nächte Dunkel dreist der Sünder frech vollziehet. Wer ist, der deinem Licht entflieht, will er sich gleich verstecken; was in der Finsterniß geschieht, das weißt du aufzudecken und an das Licht zu bringen. 9. Und in allgemeine Nacht sinte dann mit seiner Pracht jeder Himmel, und die Welt stürze hin, wenn Gott mich hält. 2. Selbst die Gedanken sind dir kund, die unsre Seele heget, eh' sie noch der verschlossne Mund durch Worte dargeleget. Die Herzen sind dir offenbar, du tannst ihr Dichten spüren; den Rath derselben siehst du klar, du prüfest Herz und Nieren, und dir bleibt nichts verborgen. 3. Was deiner Freunde Herz begehrt, das weißt du, eh' sie beten; ihr Seufzen wird von dir erhört, eh' sie noch vor dich treten. Was deiner Feinde Herz be= schließt, das ist dir unverborgen, 7. Und ich sollte nicht ver- dieweil du ihren Anschlag siehst, traun, nicht auf dessen Hülfe als wie den lichten Morgen, den baun, der mit Weisheit und Ver- keine Schatten decken. stand mich stets führt an seiner Hand? 8. Nein, Unwandelbarer, dein soll sich meine Seele freun; sei mein Fels, Gott, sei mein Licht, ewig meine Zuversicht! fund, es weiter auszubreiten, 4. Was nach Verfließung vieler Zeit noch fünftig wird geschehen, das sieht dein Auge allDu machst es deinen Knechten bereit als gegenwärtig stehen. läßt es noch durch ihren Mund auch den entfernten Zeiten in deinem Wort entdecken. 5. Bleibt gleich vor Menschen Manches noch in dieser 12 Von Gottes Wesen Zeit verschwiegen, so wird die böse That vor aller Welt verhehWahrheit fünftig doch die Fin- let, so weißt du sie, und strafest sterniß besiegen. Dein unparteii- mich, zu meiner Bessrung vätersches Gericht wird Alles offen- lich. baren; was noch so heimlich jetzt 5. Du hörest meinen Seufgeschicht, wird man alsdann er- zern zu, daß Hülfe mir erscheine. fahren und öffentlich erzählen. Voll Mitleid, Vater, zählest du, 6. Laß mich, o höchste Maje- die Thränen, die ich weine. Du stät, dein helles Auge scheuen, siehst und wägest meinen das nie ein Heuchler hintergeht Schmerz und stärkst mit deinem mit falschen Schmeicheleien. Er- Trost mein Herz. innere stets meinen Geist an des= sen scharfe Blicke. Laß, was geheime Schande heißt, und alle bösen Tücke mich lebenslang vermeiden. Mel. Mir nach spricht Christus zc. 16.Nie bist du, Höchster, von mir fern; du wirkst an allen Enden. Wo ich nur bin, Herr aller Herrn, bin ich in deinen Händen. Durch dich nur leb' und athme ich; denn deine Rechte schüßet mich. 6. O drück', Allgegenwärtiger, dies tief in meine Seele, daß, wo ich bin, nur dich, o Herr, mein Herz zur Zuflucht wähle; daß ich dein heilig Auge scheu' und fromm zu leben eifrig sei. 7. Laß überall gewissenhaft nach deinem Wort mich handeln, und stärke mich dann auch mit Kraft, vor dir getrost zu wandeln. Daß du, o Gott, stets um mich seist, dies tröst' und bessre meinen Geist. Mel. Nun danket alle Gott zc. 2. Was ich gedenke, Gott, weißt du, du prüfest meine 17. Herr, du erforscheft mich, Seele. Du siehst es, wenn ich Gutes thu', du siehst es, wenn ich fehle. Nichts, nichts kann deinem Aug' entfliehn, und nichts mich deiner Hand entziehn. dir bin ich unverborgen; du kennst mein ganzes Thun und alle meine Sorgen; was meine Seele denkt, war dir bereits bekannt, eh' der Gedanke noch in meiner Seel' entstand. 3. Wenn ich in stiller Einsamkeit mein Herz an dich ergebe und, über deine Huld erfreut, lobsingend dich erhebe: so hörst du es und stehst mir bei, daß ich dir immer treuer ſei. 2. Nie spricht mein Mund ein Wort, das du, o Herr, nicht wissest; du schaffest, was ich thu'; du ordnest, du beschließest, was mir begegnen soll. Erstaunt seh' 4. Du merkst es, wenn des ich auf dich; wie groß ist dein Herzens Rath verkehrte Wege Verstand, wie wunderbar für wählet; und bleibt auch eine| mich! und Eigenschaften. 13 3. Wohin, wohin soll ich vor, pfer, sehn, dir folgen, und dein deinem Geiste fliehen? Wo könnt' Lob, so gut ich kann, erhöh'n. ich jemals wohl mich deinem 9. Erforsche mich, mein Gott, Aug' entziehen? Führ ich gen und prüfe, wie ich's meine; ob Himmel auf, so bist du, Höchster, ich rechtschaffen bin, wie ichs da; führ ich zur Tief' hinab, von außen scheine. Sieh, ob auch hier bist du mir nah. mein Fuß vielleicht auf falschem Wege geht, und leite mich den Weg, der mich zu dir erhöht. 4. Sucht' ich auch schnell zu fliehn, vom Abend bis zum Morgen, selbst an das fernste Meer, blieb' ich dir nicht verborMel. Es ist gewißlich an der Zeit zc. gen; auch da umschlöſse mich 18. Umsonst, umsonst verdoch deine Allmachtshand; denn du bist überall, und dein ist jedes Land. hüllst du dich, mein Herz, in Finsternisse; was kann ich Gott verbergen, ich, daß er nicht Alles wisse? Wärst du auch dunkler, als das Grab, das Auge Gottes schaut hinab und fennet deine Tiefen. 2. Wo ist die Nacht der Einsamkeit, die mich vor ihm ver= hehle? Er sieht euch schon, eh' 6. Du warst schon über mir ihr noch seid, Gedanken meiner in meiner Mutter Leibe; du bil- Seele, eh' ich euch selbst empfindetest mein Herz, Gott, deß ich den fann, von eurer ersten Bilbin und bleibe. Ich danke dir, dung an, bis ihr euch ganz entdaß du mich wunderbar gemacht, faltet. und meiner eh' ich war schon väterlich gedacht. 5. Spräch' ich zur Finsterniß: Sei um mich, mich zu decken, so sucht' ich doch umsonst vor dir mich zu verstecken; denn auch die Finsterniß ist vor dir helles Licht, die Nacht glänzt wie der Tag vor deinem Angesicht. 3. Er tennet und erforschet euch, wenn ihr euch schnell ent= 7. Du kanntest mein Gebein, ziehet; bemerkt euch, wenn ihr, eh' ich an's Licht gekommen, da Strahlen gleich, schnell auffahrt, ich im Dunkeln erst die Bildung schnell entfliehet; vergebens angenommen; dein Auge sah' wünsch' ich: sterbt, vergeht! ich mich schon, eh' ich bereitet war, hafs' euch! Aufgezeichnet steht und meiner Tage Lauf war dir ihr all' in seinem Buche. schon offenbar. 4. Der Herr gedenket ihrer noch, wenn sie auch mir verschwinden; sie leben, und ich wähne doch, Gedanken sei'n nicht Sünden. Nein, alle müssen an 8. Was für Erkenntnisse, für föstliche Gedanken, unzählbar sind sie mir; denn sie sind ohne Schranken. Mit Ehrfurcht will ich stets auf dich, mein Schö- das Licht, wenn Gott kömmt, 14 Von Gottes Wesen daß er im Gericht des Herzens| weißt? Es hilft vor dir kein FlieRath enthülle. hen; führ' ich gen Himmel, bist du da; auch in dem Grab trittst du mir nah'. Kann ich mich dir entziehen? 5. Seid heilig denn, von Gott nur voll, Gedanken meiner Seele, daß, wenn gerichtet werden soll, tein einziger mich quäle. Seid heilig, und dann fürchtet nichts; Gott wird am Tage des Gerichts gleich Thaten euch belohnen. 4. Nun, großer Gott, weil deine Hand mich überall kann finden, und all' mein Thun dir ist bekannt, so hüt' ich mich vor Sünden. Denn Finster ist wie Licht bei dir; was heimlich war, kömmt klar herfür, ich kann dir gered't, gedacht, das wird vor nicht entgehen. Was ich gethan, deinen Thron gebracht; da muß ich vor dir stehen. Mel. König, dessen Majestät 2c. 19. Herr Gott, der du erforschest mich und kennst mich aus und innen, mein Thun und Las sen kommt vor dich, Gehn, Stehen und Beginnen; was ich im Bette denk' und dicht', siehst du von fern und fehlest nicht, du prüfest Herz und Nieren. Du kannst auch, wenn ich bin allein und gerne wollt' verborgen sein, all' meine Weg' ausspüren. 2. Du hörst das Wort aus meinem Mund, ich kann Dir im Lebenslauf gezählet. nichts verhehlen; Gott, du durchschaust des Herzens Grund, kennst jeden Rath der Seelen; du schaffest ja, was ich vollbring, wie groß es ist und wie gering, ich kann's ohn' dich nicht richten. Wenn aber du durch deine Gnad' Verstand mir giebst, auch Hülf' und Rath: so kann ich Alles schlichten. 5. Du hast, o Herr, mich gütevoll und wunderbar bereitet, und, wie der Gliederbau sein soll, so weisheitsvoll geleitet. Selbst wie mein Fleisch und mein Gebein und Alles an mir sollte sein, das hast du, Gott, erwählet. Da ich noch ungeboren war, hast du schon Stunden, Tag' und Jahr' 6. Ich danke dir und preise dich für solche große Thaten, und daß du mir so wunderlich an Leib und Seel' gerathen; sehr köstlich ist dein Wert an mir. Wenn ich erwach', bin ich bei dir und warte deiner Gnaden. Ich glaube fest, daß meine Sünd durch Christum mir vergeben sind, daß sie mir nicht mehr schaden. 3. Wie du die Deinen wunderlich, o Gott, hier pflegst zu führen, versteh' ich nicht, und lasse mich nur deine Gnad' regieren. Wo soll ich hin vor deinem Geist, da du auch die Gedanken scheide. Hilf, daß ich thu', was 7. Den Vorsatz gieb mir, Herr dabei, daß ich das Böse meide; was gottlos ist, fern von mir sei, vom Guten mich nichts und Eigenschaften. 15 dir gefällt, und ernstlich flieh' die| der zeigt, daß, Schöpfer, dein Lust der Welt, und ihren Haß Vermögen weit über die Gesetze nicht achte. Und jede Pflicht, die steigt, die die Natur bewegen; du, mein Hort, mir vorgeschrie- du bleibst ihr Herr, und ihren ben durch dein Wort, treu zu Lauf hebst du nach weiser Willvollbringen trachte. für auf. 8. Erforsch' mich, Gott, ergründ' mein Herz und prüfe die Gedanken, wenn wenn ich durch Freude oder Schmerz versuchet bin zu wanken. Bin ich vielleicht auf bösem Weg, so führ' du mich den rechten Steg, der nach dem Himmel weise, daß ich vom Sündendienste frei und dir, o Herr, gefällig sei, bis ich von hinnen reise. 5. Was für ein Wunder deiner Macht wirst du uns lassen sehen, wenn nach der langen Grabesnacht die Todten auferstehen; wenn du von unserm Staub den Rest zu neuen Körpern werden läßt. 6. Allmächtger, mein erstaunter Geist wirft sich vor dir darnieder, und ehrfurchtsvoll erhebt mein Geist den Schöpfer solcher Glieder. Mach' mich zum Zeugen deiner Kraft, die aus dem Tode Leben schafft. Allmacht Gottes. Mel. Mir nach, spricht Christus 2c. 7. Ozünd' in mir den Glau20. Herr, deine Allmacht ben an, der mich zu dir hintreibe, reicht so weit, als selbst dein Wesen reichet; nichts ist, das deiner Herrlichkeit und deinen Thaten gleichet; es ist kein Ding so groß und schwer, das dir zu thun unmöglich wär'. den deine Macht bewahren kann, daß er mir ewig bleibe. Gieb, daß ich traue deiner Kraft, die Alles kann und Alles schafft. Mel. Wirf, blöder Sinn 2c. 2. Du sprichst, und dein all- 21. Gott, grenzenlos, unmächtges Wort wirft Alles dir 21. zu Füßen; du führeft deinen Anschlag fort bei allen Hindernissen; du minkst, so stehet plözlich da, was noch zuvor kein Auge sah. denkbar groß, der Urquell aller Macht ist deine Stärke; schon seh'n wir hier so viel von ihr, doch sehn wir kaum den Anfang ihrer Werke. 3. Du haft dein großes Schöpfungswerk allmächtig ausgeführet; es bleibet stets dein Augenmerk und wird durch dich regieret; noch immerfort besteht die Welt, weil deine Allmacht sie erhält. 2. Durchflög ich gleich ihr weites Reich und sähe deine letzte Sonne glänzen; ich sähe dort doch nicht den Ort, wo du nicht wärst, nicht deiner Allmacht Grenzen. 4. Die Menge vieler Wun- 3. Was du erschufft, was du Von Gottes Wesen 16 jetzt rufft und rufen wirst, wer kann das Alles zählen? Doch, wolltest du noch mehr dazu erschaffen, würd' es dir an Kraft nicht fehlen. 4. So lange fließt ihr Quell, und ist doch nicht erschöpft, und wird es auch nie werden; sprich nur ein Wort, und er fließt fort in neuen Himmeln und auf neuen Erden. 4. Was du zu thun dir vorgenommen, frönt auch, sobald du willst, die That; wenn tausend Hindernisse kommen, so triumphirt dein hoher Rath; den besten Zweck wählt dein Verstand, die Mittel stehn in deiner Hand. 5. Die Menge so verschied'ner Willen, wo jeder seinen Weg erwählt, muß doch den deinen bloß erfüllen, der seines Zieles nie verfehlt und aller Feinde stoldu bist gut und weise. Das lehre zen Wahn als Unvernunft bemich, damit ich dich für alles schämen tann. das, auch was du nicht thust, preiſe. 5. Doch deine Kraft, o Gott, erschafft nur, was du willst, denn 6. Weisheit, decke meiner Seele des Eigendünkels Thor= heit auf, damit ich dich zum Leitstern wähle in dieses Lebens ganzem Lauf; ich weiß den Weg zur Wohlfahrt nicht, drum leite 22. Du weiser Schöpfer al- mich dein sichres Licht. Weisheit Gottes. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 7. Du hast mich durch mein ganzes Leben bisher auf's weifeste geführt; mein Geist muß dir die Ehre geben, daß du aufs beste mich regiert; o leite mich durch Welt und Zeit hinüber in die Ewigkeit. ler Dinge, der Alles weiß, er= kennt, versteht; nichts ist so groß, nichts so geringe, das nicht nach deiner Ordnung geht. Sie ist's, die deine große Welt im Dasein und in Pracht erhält. 2. Die vielen wundervollen Werke, was unsern Augen fern und nah, steht Alles wie durch deine mel, Gott des Himmels und der zc. deine Weisheit da. Unendlich, Herr, 23. Ich lobe dich und preise ist dein Verstand; der ganze dich, o mein Gott, allein. Wer Weltbau macht's bekannt. ist, wie du, so weise? Verstand 3. Mit eben diesen Meister- und Rath ist dein. Laß immer händen, mit welchen du die Welt meinen Geist in allen deinen. gemacht, regierst du auch an al- Werken auf deine Weisheit merlen Enden, was dein Verstand ten, die auch der Engel preist. hervorgebracht; du brauchst, o 2. Wohin mein Auge blicket, unerschaffnes Licht, der Men- ist Alles Harmonie, gut, ordschen Rath und Beistand nicht. Inungsvoll geschmücket, voll und Eigenschaften. Bis hieher, weiter nicht! Kunst, voll Pracht durch sie; spricht zu des Meeres Wellen: sie schaffet, sie erhält, zu segnen, zu ergößzen nach herr= lichen Gesetzen den weiten Bau der Welt. 8. Wer schafft das Laub der Wälder, wer ruft das Gras hervor, wer segnet unsre Fel3. Du hingst in lichten Fer- der, thürmt Berge hoch empor; nen, hoch über uns hinauf, die wer schmückt sie überall, wer Sonne mit den Sternen, uns gräbt dem Feuer Schlünde, zu erleuchten, auf; da hänget sie an nichts; von dir nur unterstüzet, erwärmt sie und erhitet und ist der Quell des Lichts. legt in der Tiefe Gründe den Marmor, das Metall? 9. Herr, deine Weisheit schmücket, bereichert und erhält, 4. Wer hält im Gleichge- nährt, segnet, schüßt, beglücket wichte so großer Körper Last? die lebensvolle Welf; sie rühme Wie schwimmt die Welt im mein Gesang! Ich finge dir Lichte, das du geschaffen haft? und preise dich, Gott, denn du Wer lenkt der Strahlen Flug, bist weise, dir weih ich Lob daß sie nur nüßen können, be- und Dank. leben, nicht verbrennen, so wun= derbar, so klug? Mel. Gott des Himmels und der zc. 5. Wer rief, uns zu umge 24. Unerforschlich sei mir ben, der Luft, die Alles trägt? Durch sie hat Alles Leben, und immer meines Gottes Weg und Alles wird bewegt. Da sam- Rath, und die Nacht sei ohne meln Dünste sich, und werden Schimmer, die mich hier umThau und Regen, und Frucht- schattet hat; doch ist Alles, was barkeit und Segen für Pflan- er thut, wie's auch scheine weis' zen, Thier und mich. 17 und gut. 6. Wer hat sie so bereitet, 2. Sollt ich das von Gott daß sie den Blig gebiert; daß nur loben, wo ich Rath und sie den Wind verbreitet, den Weisheit seh? Ist's nicht ein Schall zum Ohre führt; den Geschenk von oben, wenn ich leichten Vogel hebt, den schnel- seinen Weg versteh? Frevelt len Fisch zum Schwimmen und der nicht, welcher flagt, daß unsers Mundes Stimmen für ihm Gott mehr Licht versagt? deinen Ruhm belebt? 3. Soll ein Vater unterlas7. Wer hob, o Gott, die sen, was dem Kinde Thorheit Erde aus deinem Meer heraus; ist? Kühner Tadler! Engel theilt, daß sie fruchtbar werde, fassen das, wo du im Dunkel sogleich die Wasser aus? Wer bist; hier sollst du nicht völlig sammelt sie; wer bricht die schaun, lernen nur und Gott Flüsse, wenn sie schwellen, vertraun. Osnabr. Sandgesangb. X. Aufl. 2 18 Von Gottes Wesen 4. Sollt er zu Regiererinnen 3. Schau, o mein Geist, in seiner Werke, seiner Welt meine jenes Leben, zu welchem du erLüste setzen; sinnen, ordnen, schaffen bist; wo du mit Herrthun, was mir gefällt? Wohl lichkeit umgeben, Gott ewig uns, wenn er nie gewährt, siehest, wie er ist. Du hast ein was ein thöricht Herz begehrt. Recht zu diesen Freuden; durch 5. Hier in meinem Pilger- Gottes Güte sind sie dein. Sieh, stande sei mein Theil Zufrie- darum mußte Christus leiden, denheit! Dort in meinem Va- damit du könntest selig sein. terlande wohnt die wahre Se- 4. Und diesen Gott sollt ich ligkeit; find ich dort gewiß mein nicht ehren, und seine Güte Heil, o so sei mein Weg hier steil. nicht verstehn? Er sollte rufen, 6. Wenn du auch auf rau- ich nicht hören; den Weg, den hen Wegen wandelst, Seele, er mir zeigt, nicht gehn? Sein flage nicht; was hier schmerzet, Will ist mir ins Herz geschriewird dort Segen; was hier ben; sein Wort beſtärkt ihn Nacht ist, wird dort Licht: und ewiglich: Gott soll ich über ich fasse Gottes Sinn, wenn Alles lieben, und meinen Nächich ganz vollendet bin. sten gleich als mich. Güte und Langmuth Gottes. 5. Dies ist mein Dank, dies ist sein Wille: ich soll vollkommen sein, wie er. Indem ich 25. Wie groß ist des All- dies Gebot erfülle, stell ich sein mächtgen Güte! Ist der ein Bildniß in mir her. Lebt seine Mensch, den sie nicht rührt, der Lieb in meiner Seele, so treibt mit verhärtetem Gemüthe den sie mich zu jeder Pflicht, und Dank erstickt, der ihr gebührt? ob ich schon aus Schwachheit Nein, seine Liebe zu ermessen, fehle, herrscht doch in mir die sei ewig meine größte Pflicht. Sünde nicht. Der Herr hat mein noch nie vergessen; vergiß, mein Herz, auch seiner nicht. 6. Gott, laß deine Güt und Liebe mir immerdar vor Augen sein. Sie stärt' in mir 2. Wer hat mich wunderbar die guten Triebe, mein ganzes bereitet? Der Gott, der mei- Leben dir zu weihn; sie tröste ner nicht bedarf. Wer hat mit mich zur Zeit der Schmerzen, Langmuth mich geleitet? Er, sie leite mich zur Zeit des Glücks, dessen Rath ich oft verwarf. und sie besieg' in meinem Herzen Wer stärkt den Frieden im Ge- die Furcht des letzten Augenblicks. wissen? Wer giebt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so mel. Herzliebster Jesu, was haft zc. viel Glück genießen? Ift's nicht 26. Preist unsern Gott! Er der Herr, schafft? und Eigenschaften. 19 ist von großer Güte, barmherzig| 9. So werd ich ewig deiner und von duldendem Gemüthe;| Huld genießen: so wird mein er zürnt nicht ewig, will mit sei- Leben sanft vor dir verfließen; nen Knechten nicht ewig rechten. so werd ich dort mit allen Engelchören dich fröhlich ehren. 2. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden, und läßt verschonend uns das nicht em= was weil wir ihm unser Herz nicht gaben, 27. verschuldet haben. Mel. Wie schön leuchtet der zc. Gott, deß starke Hand die Welt erschaffen hat und 3. So hoch der Himmel über noch erhält, ich spüre deine Güte dieser Erde, so weit geht-o hier auf der Welt an jedem daß er geliebet werde!- die Ort, hier in der Näh und Ferne Huld des Herrn bei allen, die dort. Und richt ich mein Ge= ihn lieben und Gutes üben. müthe von hier zu dir, so strömt Segen mir entgegen, und mir Armen schenkst du Güte und Erbarmen. 4. Wem bleibt sein Antlig, wenn er's sucht, verborgen? So weit der Abend sich entfernt vom Morgen, entfernt auch Gott 2. Seh ich den hohen Himder Sünde Schuld und Schmer- mel an, so viel ich davon sehen zen von unserm Herzen. kann, so seh ich deine Güte. 5. So zärtlich sich ein Vater Der Himmelskörper Lauf und seiner Kinder erbarmet, so er- Pracht, das Sternenheer, das barmt sich Gott der Sünder, du gemacht, erreget mein Gewenn sie von Herzen sich zu ihm müthe, willig, frendig Dank zu bekehren, ihm Treue schwören. bringen und zu singen: Gott der Stärke, groß sind deiner Hände Werke. 6. Er schlägt und heilt; verwundet, läßt genesen; er weiß, der Mensch ist ein gebrechlich Wesen; er denkt daran, daß das Geschöpf der Erde bald Asche werde. 3. Wenn deine Luft mich hauchet an, die kein Geschöpf entbehren kann, so fühl ich deine Güte. Das Wasser, Feuer, Frost und Eis sind deines Wohlthuns lauter Preis und rühren mein Gemüthe, daß ich herzlich deine Ehre stets vermehre und die weise, die allmächtge Güte preise. 4. Dein Erdreich, Gott, das Jedermann giebt Brod und Speise, seh ich an und schmecke deine Güte. Ich sehe und empfinde sie an Feld und Wald, 2* 7. Ach, er ist Gras; er blüht, wie Blumen blühen: die Winde wehn darüber, sie verblühen, und ihre Stätte wird nach wenig Stunden nicht mehr gefunden. 8. Von Ewigkeit zu Ewigfeiten währet die Güte Gottes jedem, der ihn ehret; ach, leite denn auch mich auf deinem Pfade, du Gott der Gnade! 20 Von Gottes Wesen an Korn und Vieh. Dies drin- 3. Mit welchem reichen Ueber= get mein Gemüthe, Herr, dich flusse erfüllest du die Welt, dein innig ohn Aufhören zu vereh- Haus! Du theilft ihn, allen ren und zu loben für so viele zum Genusse und zum VergnüLiebesproben. gen, milde aus. Herr, unsers Lebens Quelle ist aus dir, der du das Leben bist. 5. Wenn ich mich selbst auch schaue an und das, was du an mir gethan, so seh ich lauter Mel. O König, dessen Majestät 2c. Güte. Die zeigt mir jedes Fußes 29. Lobfinget Gott und betet Tritt, in meinem Leben jeder Schritt, Leib, Seele und Ge- an, preist ihn mit Harf und müthe. Billig muß ich dir hin- Psalter! Ihm danke, wer nur wieder meine Glieder ganz er- danken kann, dem Schöpfer und geben und nach deinem Wil- Erhalter! Gott ist die Liebe, len leben. rühmt es laut, Geschöpfe, die 6. Herr, dazu, bitt ich, hilf ihr ihm vertraut, die ihr ihn du mir und zeuch mich immer kennt und ehret. Rühmt es, mehr zu dir durch deine große daß seine Gütigkeit mit jedem Güte. Erhalt zu deinem Dienst Morgen sich erneut und ewig, und Preis mir Seel und Leib, ewig währet. daß ich mit Fleiß mich vor dem Undanf hüte. Laß mich, was ich bitt, erlangen, so anhangen dir auf Erden, bis ich dort mag selig werden. 2. Daß außer dir nicht Alles leer von Freud und Leben bliebe, schufst du der Himmel ganzes Heer und unsre Welt aus Liebe. Du selbst bedurftest ihrer nie, Unendlicher, du lieBest sie zu ihrem Glücke wer= den. Dir aber selbst ist's Freude Mel. Wer nur den lieben Gott zc. nun, dem, was du schufest, wohlzuthun im Himmel und auf Erden. 28. Gott, dir ist kein Geschöpf verborgen, teins ist vor dir gering geacht; du würdigst jedes deiner Sorgen und bist auf aller Wohl bedacht. Vom Menschen bis auf jedes Thier dankt Alles seine Wohlfahrt dir. 3. Kein Mensch, tein Engel selbst ermißt die Größe deiner Segen, wie gütig deine Weisheit ist in allen ihren Wegen. 2. Mit dankbar freudigem Gott, deine Güte reicht so weit, Gemüthe erheb ich, Gott der als deines Reichs UnendlichLiebe, dich. Wie theuer ist doch keit, so weit, Herr, als dein deine Güte, wie liebst du uns Leben. Ach, was sind wir, die so väterlich! Wir können ohne deine Macht aus todtem Staub Furcht und Graun dir, unserm hervorgebracht, uns ewig Heil Vater, findlich traun. zu geben! und Eigenschaften. 21 erheben, das ist dein Rath und Sinn; drum gab für uns sein Leben dein ewger Sohn dahin. 4. O Vater, welchem Keiner| Aug erkannt. Dorthin uns zu gleicht an Liebe, wie an Stärke; kein Dank, kein Lobgesang erreicht die Wunder deiner Werke; doch ist dies angenehmer Dank, 3. Wie groß ist deine Gnade, dir ist es mehr als Lobgesang, wer ist so reich an Huld, wie wenn, ähnlich dir, ich liebe und du! Auch auf dem Sündenpfade diesen Sinn mit wahrer Freud siehst du uns voller Langmuth durch Wohlthun und Barmher- zu. Du rufest uns zur Buße; zigkeit an meinen Brüdern übe. und fällt voll Reu und Leid der Sünder dir zu Fuße, zur Bessrung auch bereit, so schenkest du dem Armen in Christo deine Huld und tilgest aus Erbarmen die ganze Sündenschuld. 5. Du bist die Liebe; Dank sei dir, daß ich dich so erkenne, und, dir zum Ruhm, zum Troste mir, dich, Gott, die Liebe nenne. Auch ich will ganz nur Liebe sein, mill glücklich machen, will 4. Mit jedem neuen Morgen erfreun, will segnen und dir wird über uns dein Wohlthun gleichen. Von diesem Heil, von neu; oft kömmst du unsern Sordieser Pflicht laß mich, mein gen zuvor mit deiner Vatertreu. Gott und Vater, nicht, so lang Du Ursprung aller Gaben, du ich lebe, weichen. weißt was uns gebricht; und was wir nöthig haben, versagst du, Gott, uns nicht. Vom Wohlthun, das du übest, find Mel. Nun lob mein Seel' den 2c. 30. Gott, du bist die Liebe; unsre Tage voll. Auch wenn allein zum Wohlthun hast du du uns betrübest, geschieht's zu Lust. Nur gnadenvolle Triebe unserm Wohl. erfüllen deine Baterbrust; ganz 5. Wer sollte dich nicht lieohne alle Grenzen ist deine Gü- ben? Du hast uns ja zuerst tigkeit. So weit die Himmel geliebt, und bist stets treu geglänzen, übst du Barmherzigkeit. blieben, wie viel wir wider dich Du, Herr, hast Wohlgefallen an verübt. Mit Gnade uns zu segdem, was du gemacht, und hast nen, ist ewig deine Lust. Mit uns Sündern allen noch Leben Dank dir zu begegnen, sei, Herr, zugedacht. auch unsre Lust! Laß, uns, treu 2. Als du uns hießest wer- zu erfüllen was du befiehlst, den, da schufst du uns zum nie ruhn. Wer sollte deinen ewgen Wohl. Nicht nur auf dieser Erden ist Alles deiner Güte voll; auch in dem Himmel droben hat deine Baterhand uns Güter aufgehoben, die noch kein schon hier, noch mehr in EwigWillen nicht gern, o Vater, thun? 6. Wer hier auf deinen Wegen sich willig deinem Dienste weiht, den segest du zum Segen Von Gottes Wesen keit. Du kröneft seine Leiden[ der nicht; du gehst mit deinen mit herrlichem Gewinn, und füh- Knechten nicht plötzlich ins Gereft ihn zu Freuden, zu ewgen richt; du trägst, du trägst den Freuden hin. Wie groß ist deine Sünder mit schonender Geduld, Güte! Gott, laß mich ihrer freun umfaffest deine Kinder mit väund stets mein ganz Gemüthe terlicher Huld. voll ihres Ruhmes sein. 6. Und wir, o Vater, sollten dein Wohlthun, dein Verzeihn Mel. O Haupt voll Blut und 2c. nicht achten, und wir wollten dir doch nicht folgsam sein? 31. Wer mißt, Gott, deine Nein, deine Liebe rühre und Güte, dein Wohlthun, deine besfre jedes Herz, daß keins sich Huld! Wie reich ist dein Ge- selbst verführe und deine Huld müthe an Langmuth und Ge- verscherz'. duld! Ein Meer von Liebe flie- 7. Lenk uns durch deine Liebe Bet um dich und deinen Thron, zur Gegenliebe hin, vermehre und welch ein Strom ergießet ihre Triebe, belebe Herz und sich auch auf uns davon. Sinn für deiner Güte Proben, die reichlich auf uns ruhn, durch Werke dich zu loben, die deine Freunde thun. 22 2. Was ich nur Gutes finde, erkenne und versteh; was ich mit Lust empfinde, genieße, dent und seh: das Alles kömmt und quillet von dir auf diese Welt, die deine Huld erfüllet, belebet und erhält. mel. O König, dessen Majeſtät zc. 32. Getreuer Gott, wie viel 3. Daß ich mit einem Triebe Geduld beweisest du uns Armen; zu lieben bin beglückt, und daß wir häufen täglich unsre Schuld, mich Andrer Liebe fo labet und du häufest dein Erbarmen. erquickt; auch diese sanften Was ist des Menschen LebensTriebe sind uns von dir ge- lauf? Er ist verderbt von Juschenkt; es hat sie deine Liebe gend auf, sein Sinn ist dir entin unser Herz geſenkt. gegen. Und doch, o Vater, suchst 4. Kein Vaterherz auf Erden du ihn langmüthig davon abist deinem Herzen gleich; kein zuziehn, zur Bessrung zu beMutterherz kann werden an wegen. Zärtlichkeit so reich. O Vater aller Väter, wer sorgt, wer giebt, wer ist sonst Pfleger, Schutz und Retter, wenn du es, Gott, nicht bist? 2. Der Menschen Elend jammert dich; selbst wenn sie sich verstocken, so suchst du sie doch väterlich durch Huld zu dir zu locken. Wie lange sahst und rie5. Schnell und nach stren- fest du nicht ehmals deinem gen Rechten strafst du die Sün- Volke zu, daß sich ihr Herz be und Eigenschaften. kehrte! Wie trugst du nicht mit und uns noch in der Gnaden= Gütigkeit die erste Welt so lange zeit den Reichthum deiner GüZeit, eh sie die Fluth verheerte! tigkeit zur Bessrung leiten lassen. 23 3. Noch immer giebst du Sündern Raum, der Strafe zu entgehen. Du läßt den unBaum ohne Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes. Mel. Freu dich sehr, o meine 2c. Pflege stehen. Du schoneft sein 33. Gott, vor dessen Ange4. Langmüthigster, so große Huld bezeugst du frechen Sünvon Zeit zu Zeit, und zögerst sichte nur ein reiner Wandel voll Barmherzigkeit, ihn gänz- gilt, ewges Licht, aus dessen lich abzuhauen. Du wartest sein Lichte stets die reinste Klarheit mit großer Treu und hörst, quillt: deines Namens Heiligkeit damit er fruchtbar sei, nicht werde stets von uns gescheut; auf, an ihm zu bauen. laß sie uns doch kräftig dringen, nach der Heiligung zu ringen. 2. Heilig ist dein ganzes Wedern. Und o, nicht weniger Ge- sen, denn kein Böses ist an dir. duld hast du mit deinen Kin- Ewig bist du so gewesen, und dern. Sie werden ja, weil so bleibst du für und für. Was Sünd und Welt hier ihnen dein Wille wählt und thut, ist häufig Neße stellt, oft sicher, unsträflich, recht und gut, und matt und träge. Sie straucheln, mit deines Armes Stärke wirkst sie vergehen sich und fehlen oft- du stets vollkommne Werke. mals wider dich auf falsch gewähltem Wege. 3. Herr, du willst, daß deine Kinder deinem Bilde ähnlich 5. Du rufest ihnen in Gefahr, sein. Nie besteht vor dir der so oft sie irre gehen; reichst Sünder, denn du bist vollkomihnen Hand und Stärke dar, men rein. Du bist nur der von Sünden aufzustehen. Du Frommen Freund; Uebelthätern trägest sie mit Baterhuld, bist bist du feind. Wer beharrt in. willig, ihre Sündenschuld durch seinen Sünden, kann vor dir Christum zu vergeben; giebst nicht Gnade finden. ihnen neue Glaubenskraft und nach vollbrachter Pilgrimschaft ein ewig Freudenleben. 4. O so laß uns nicht verscherzen, was du uns noch zugedacht. Schaffe in uns reine Herzen, tödt in uns der Lüste Macht; denn was sind wir, Gott, vor dir? Du bist heilig, aber wir sind verderbt, und wer kann zählen, großer Gott, wie 6. Laß diese Langmuth und Geduld, Gott, unsre Herzen rühren; nie müsse deine Baterhuld zur Sicherheit uns führen; trag uns erbarmend fernerhin, doch gieb uns auch dabei den oft wir fehlen! Sinn, daß wir die Sünde hassen l 5. Uns von Sünden zu er Von Gottes Wesen 2c. lösen, gabst du deinen Sohn 4. Ja, Herr, du liebst, was dahin. Oso reinige vom Bösen recht und gut, und bist ein durch ihn unsern ganzen Sinn. Freund der Frommen. Wer Gieb uns, wie du selbst ver- deinen Willen gerne thut, wird heißt, gieb uns deinen guten von dir aufgenommen. Sein Geist, daß er unser Herz regiere, Werk und Dienst gefällt dir wohl, und zu allem Guten führe. ist er gleich nicht so, wie er soll, ganz rein von allen Fehlern. 5. Doch dem, der dich, o Gott, nicht scheut, dem frevelnden Verbrecher, der dein Gesetz und Recht entweiht, bist du ein zu deinem Himmelreich wirst strenger Rächer. Verachtung, du, Herr, nur die erheben, die Elend, Schmerz und Hohn und im Glauben heilig leben. Angst ist seiner Bosheit Lohn oft schon in diesem Leben. 6. Keiner sündlichen Begierde bleibe unser Herz geweiht. Unsers Wandels größte Zierde sei rechtschaffne Heiligkeit. Mach uns deinem Bilde gleich; denn 24 6. Der Untergang der ersten Welt, die aus der Art geschlagen, das Feuer, das auf Sodom fällt, Egyptens lange Plagen und andre Wunder deiner Macht sind Zeugen, wenn dein Zorn erwacht, wie du dem Sünder lohnest. 7. Bleibt hier viel Böses unbestraft, viel Gutes unbelohnet: 2. Du siehst von deinem ho- so kömmt ein Tag der Rechenhen Thron auf alle Menschen- schaft, der keines Sünders schofinder, bestimmest jedem seinen net. Da stellst du, Herr, ins Lohn, dem Frommen und dem hellste Licht, wie recht und billig Sünder. Nie siehst du die Per- dein Gericht; dann triumphirt fonen an; allein auf das, was der Fromme. wir gethan, siehst du, gerechter Richter. 3. Viel Gutes und Barmherzigkeit giebst du schon hier den Frommen; du schüßzest sie vor manchem Leid, darein die Sünder kommen. So zeigest du vor aller Welt, daß dir der Eifer wohlgefällt, den man der Tugend widmet. Mel. Ach Gott vom Himmel sieh' zc. 34.Gerechter Gott, vor dein Gericht muß alle Welt sich stellen. Du wirst in ihrem Angesicht auch mir mein Urtheil fällen. O laß mich dein Gericht ftets scheun und hier mit Ernst beflissen sein, vor dir einst zu bestehen. 8. Gerechter Gott, laß mich, wie du, das Gute eifrig lieben; gieb selber mir die Kraft dazu. Wirk inniges Betrüben, wenn sich die Sünd in mir noch regt; dein Herz, das lauter Gutes hegt, sei meines Herzens Vorbild. 9. Und weil vor dir, gerechter Gott, nur die allein bestehen, die gläubig auf des Mitt Von der heiligen Dreieinigkeit. 25 lers Tod bei ihrer Reue sehen:[ ner Gnade traun. Wer kann so laß mich die Gerechtigkeit, die den Trost uns jemals rauben, mich von Straf und Schuld den wir auf dein Versprechen befreit, im Glauben eifrig suchen. baun? Du bist ein Fels, dein Bund steht fest. Wohl dem, der sich auf dich verläßt! Trene und Wahrhaftigkeit Gottes. 6. Wie stark sind unsers Glaubens Gründe! Hier iſt dein Wort, das niemals trügt. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 35. Noch nie hast du dein Und daß dies allen Beifall Wort gebrochen, nie deinen finde, hast du den Eid hinzuBund, o Gott, verlegt. Du hältst gefügt. Wahrhaftger, was dein getreu, was du versprochen, Mund beschwört, ist völlig unvollführst, was du dir vorge- sers Glaubens werth. jetzt. Wenn Wenn Erd und Himmel auch vergehn, bleibt ewig doch dein Wort bestehn. Laß, Seele, laß dich dies beschämen, und sich, wie treulich Gott es meint. Such ihn zum Muster anzunehmen, und sei auch aller Lügen Feind. Beweise dich als Gottes Kind, dem Treu und Wahrheit heilig sind. 2. Du bist kein Mensch, daß dich gereue, was uns dein Wort verheißen hat. Nach deiner Macht, nach deiner Treue bringst du, was du versprichst, zur That. Scheint die Erfüllung gleich noch weit, so kommt sie doch zur rechten Zeit. 36. 3. Und wie du das ohnfehlbar giebest, was deine Huld Gott, du höchster uns zugedacht, so wird, wenn Geist, dir ist nichts zu vergleidu Vergeltung übest, dein Droh- chen, und deine Hoheit fann wort auch gewiß vollbracht. tein schwacher Mensch erreichen. Wer dich, o Gott, beharrlich Wo ist der Sterbliche, der das, haßt, fühlt deiner Strafen schwere was Gott gethan, und was und Last. wie er ist, hier ganz begreifen kann? von der heiligen Dreieinigkeit. Mel. Nun danket alle Gott 2c. 4. O drücke dies tief in mein Herze, daß es vor deinem Wort 2. Zwar dieses kann ich schon sich scheut; gieb, daß ich nie auf alle Weise merken, daß ein leichtsinnig scherze mit deiner Gott sei; denn, Herr, du stellst Strafgerechtigkeit. Nie werde in deinen Werken dein Daſein, das von mir gewagt, was dein deine Macht uns Menschen deutBefehl mir unterſagt. lich dar. Mein Dasein macht mir schon dein Dasein offenbar. 3. Allein mein Wissen wird 5. Doch laß mich auch mit festem Glauben dem Worte dei 26 Von der heiligen Dreieinigkeit. durch das, was dein Wort leh- ist dir gleich? Du bist das höchste ret, weit über die Vernunft Wesen; und doch hast du, an erhoben und vermehret. Was Gnade reich, uns Niedrige erfür Geheimnisse thuſst du mir, lesen. Gemeinschaft sollen wir Gott, hier kund! Hier spricht mit dir, du Allerhöchster, hamein Geist erstaunt: O welch ben; mit deinem Heil willst du ein tiefer Grund! uns hier und ewig einst bega4. Nur ein Gott ist und ben, du Quelle alles Segens! herrscht im Himmel und auf 2. Wir beten dich, o Vater, Erden; es kann nichts außer an; sind wir gleich vor dir ihm ihm gleich geschäßzet wer- Sünder, so nimmst du dich doch den; doch dieser einge Gott, unsrer an, wie Väter ihrer Kindem nichts sonst gleichet, heißt, der. Du hast für uns aus großer wie uns sein Wort bezeugt: Huld selbst deinen Sohn gegeGott Vater, Sohn und Geist.ben; dein Herz, voll Güte und 5. Der Vater schuf die Welt, Geduld, verleih' uns Kraft zum er hat sie auch geliebet, daß Leben, daß wir dich findlich er den Sohn für uns und sei- ehren. nen Geist uns giebet. Und das Erlösungswerk hat Gottes Sohn vollbracht. Das Werk des Geistes ist's, daß er uns heilig macht. 3. O Jesu, ewger Gottes sohn, du Heil, darauf wir hoffen, durch dich steht zu des Vaters Thron der Weg uns wieder offen. Uns zu befrein von 6. Mehr darf der Mensch Sünd und Tod, kamst du zu hier nicht zu forschen sich ge- uns auf Erden; o laß uns, untrauen, da Engel felbst gebückt in ser Herr und Gott, froh deines dies Geheimniß schauen. Drei- Segens werden und dir im einger großer Gott, der du un- Glauben folgen. endlich bist, wo ist die Creatur, die dich, Gott, ganz ermißt? 7. Wir beugen uns vor dir, und beten an im Staube dich, Vater, Sohn und Geist! Es hält sich unser Glaube an das, was du uns selbst, Gott, durch dein Wort gelehrt; dort, in der Ewigkeit, wird uns mehr Licht gewährt. 4. O heilger Geist, du Geist von Gott, wehr in uns dem Verderben; im Glauben an des Mittlers Tod hilf uns der Sünde sterben. Du giebst zum Guten Lust und Kraft, laß es uns stets erfahren; stärt uns in unsrer Pilgrimschaft, bewahr uns vor Gefahren, gieb, daß wir dir gehorchen. 5. Laß, Gott, uns dein auf Erden schon als unsers Gottes freun. Laß unser Heil von deiMel. Christ, unser Herr, zum 2c. 37. Herr, unser Gott, wer nem Thron sich täglich noch erUniv.- Bibl. Giessen Von der heiligen Dreieinigkeit. 27 neuen. Dein ist das Reich, die zu seinem Preis die ganze ChriHerrlichkeit, dir wollen wir hier stenheit: Gelobet sei mein Gott leben, und du wirst nach voll- in 3eit und Ewigkeit. brachter Zeit uns einst dahin erheben, wo wir dich ewig schauen. 39. Gott der Vater, wohn' Mel. Nun danket alle Gott 2c. uns bei und laß' uns nicht ver= derben; von der Sünde uns 38. Gelobet sei der Herr, ben. Vor dem Teufel uns bebefrei' und hilf uns selig ster= mein Gott, mein Licht und Le- wahr; halt uns bei festem Glauben, mein Schöpfer, dessen Hand ben; auf dich, Herr, laß uns mir, was ich bin, gegeben, mein bauen, aus Herzensgrund verVater, der an mir von früher trauen, dir anhangen ganz und Jugend an mehr Gutes, als gar, mit allen rechten Christen ich weiß, beständig hat gethan. entfliehn des Teufels Listen, 2. Gelobet sei der Herr, mein mit Waffen Gott's uns rüsten. Gott, mein Heil und Leben, Amen, Amen, das sei wahr, des höchsten Vaters Sohn, der jo singen wir Hallelujah. sich für mich gegeben, der mich erlöset hat mit seinem theuren Blut und mir im Glauben schenkt das allerhöchste Gut. 3. Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Trost und Leben, des Vaters Geist, den mir mein 40. Kyrie, Gott Vater in Heiland hat gegeben, der mir 40. mein Herz erquict, der mir giebt neue Kraft, der mir in aller Noth Rath, Trost und Hülse schafft. 4. Gelobet sei der Herr, mein 2. Christe, aller Welt Trost, Gott, der ewig lebet, den Al- uns Sünder hast du allein erles rühmt und ehrt, was durch löst. O Jesu, Gottes Sohn ihn lebt und webet. Gelobet unser Mittler bist du auf dem ſei der Herr, deß Name hei- höchsten Thron. Zu Dir flehn lig heißt, der einge wahre wir mit herzlicher Begier: Gott, Gott Vater, Sohn und Eleison! Geist. 3. Kyrie, Gott heiliger Geist, 5. Ihm müsse, wer ihn fennt, treib uns zu dem, was dein Lob, Preis und Ehre bringen, Wort uns heißt, daß wir am und mit der Engel Chor das letzten End fröhlich abscheiden Heilig, Heilig singen. Es jag' aus diesem Elend; Eleison! 2. Jesus Christus, wohn' uns bei, 2c. 3. Heilger Geist, der wohn' uns bei, 2c. Ewigkeit, groß in deiner Barmherzigkeit. Aller Dinge Schöpfer und Regierer, Eleison! 28 Von der heiligen Dreieinigkeit. 41. Allein Gott in der Höh für uns, der Herr, und wacht Gnade an uns sparen. Er sorgt sei Ehr und Dank für seine und Alles steht in seiner Macht. Gnade. Er ist für uns! Wer ist nunmehr, der unsrer Wohl- jum Christ, seinen Sohn und 2. Wir glauben auch an Je fahrt schade? Mit Wohlgefal- unsern Herren, der ewig, wie len schaut herab auf uns, der der Vater, ist, Gott von glei seinen Sohn selbst gab dem cher Macht und Ehren; von menschlichen Geschlechte. 2. Wir preisen, Herr und ein wahrer Mensch geboren, Maria, uns zu Gnaden, auch Vater, dich, wir beten an und danken; denn du regierest ewig- ten für uns, die wir war'n und nach großen Wunderthalich, dein Thron kann niemals verloren, am Kreuz gestorben wanken. Mit Weisheit, Liebe und vom Tod wieder erstanden und mit Macht bist du auf un- ist durch Gott. ser Heil bedacht; wohl uns, daß du regiereft! 3. Wir glauben an den heil3. Jesu, Gottes einger gen Geist, Gott mit Vater und 3. Jeju, Gottes einger dem Sohne, den Jesus gnaSohn, für uns ein Mensch ge- denvoll verheißt, auch geſandt boren! Du kamst zu uns von deinem Thron, zu retten, was von seinem Throne. Allen Chriverloren. Hülfreicher Mittler, sten hier auf Erden ist er nun Mensch und Gott! Erlös uns zum Heil gegeben, heilig und von der Sündennoth, erbarm gerecht zu werden. Auch das dich unser aller! Fleisch wird wieder leben. Nach O 4. heilger Geist, du höch- dieser Prüfung ist bereit uns stes Gut, du Beistand der Er- ein Leben in Ewigkeit. Amen. lösten. Zur Tugend gieb uns Kraft und Muth, und komm, 43. Jch glaub' an einen Gott das Herz zu trösten. Hilf uns aus jeder Seelennoth; im gan= flein, im Himmel und auf Er allein, der alle Dinge, groß und zen Leben und im Tod wollst den aus Nichts hat lasſen wer du uns nicht verlassen. den; der zum Genusse seiner Gnad uns Menschen auch er42. Wir glauben all an ei- schaffen hat; mir Leib und Seel nen Gott, Schöpfer Himmels gegeben, Vernunft, Gefühl und und der Erden, Er, aller Va- Leben; der, reich an Weisheit, ter, unser Gott, hieß uns, seine Güt und Macht, stets über Kinder, werden. Er will uns seine Werke wacht; er ist mein auch stets ernähren, Leib und Vater und mein Gott, der mir Seele wohl bewahren; allem so gnädig hilft in Noth, mich Unfall will er wehren, keine schüßet und ernähret. Von der heiligen Dreieinigkeit. 2. Ich glaube auch an Je- sich dein erfreut, sei Alles, Herr, sum Christ, den Herrn, der zu deinem Dienst bereit! Gott vom Vater ist, ein wahrer Mensch geboren, zu retten, was verloren; der mir des Vaters Huld erwarb, am Kreuze willig für mich starb, fuhr zu der Hölle nieder, stand auf vom Tode wieder; um zu vollenden seinen Lauf, fuhr er zum Himmelsthron hinauf, von da er kommen wird einmal, zu richten die sehr große Zahl der Lebenden und Todten. 3. O reicher Gott, du unerforschtes Wesen, wer hat jemals, was du bist, ganz gelesen? O tiefes Meer, o unermess'ne Pracht! Unendlich groß, o Gott, ist deine Macht." 29 4. Wer kann die Tiefe deiner Wege finden? Kann auch ein Mensch wohl dein Gericht ergründen? Zu hoch sind Gott und seine Wege dir; drum bete an, o Mensch, und schweige hier! 3. Ich glaube an den heil- 5. Umsonst ist hier dein Den gen Geist, der gleich ist wah- ten und dein Dichten; du kannst rer Gott und heißt ein Lehrer nicht über Gottes Wege richunsrer Sinnen; der ewig ohn' ten. Wenn Gott nicht selbst Beginnen vom Vater und dem dich unterweisen wird, so ist Sohn ausgeht; der zur Be- dein Urtheil ungewiß und irrt. tehrung uns beisteht, daß wir 6. So lehr uns auch, die im Glauben finden Vergebung wir uns Christen nennen, mit aller Sünden. Ich glaube, daß ehrfurchtsvollem Glauben zu erhalten werd' die Kirche Got- bekennen, daß du, o Gott, der tes hier auf Erd durch den, der sich selbst für sie gab; ich glaub, daß dieser Leib vom Grab wird auferstehn zum Leben. Vater, Sohn und Geist, doch nur ein Gott in drei Personen seist. 7. Gieb, dağ man stets zu deinem Ruhme singe: Von ihm, 44, Herr Gott, den man drei- Dinge! Ja, unserm Gott ſei einig glaubt und nennet, des Preis in Ewigkeit, denn was Majestät man weit und breit er ist und thut, ist Herrlichkeit. erkennet, des Allmacht über Al- 8. Dein Nam' ist groß; dein les sich erstreckt und Jeden, der Reich, Herr, in uns wohne: ihn ehrt, beschirmt und deckt. dein Will' gescheh': gieb Brod, 2. Wir loben dich, wenn deine des Sünders schone; steh in Sonn erwachet, wir preisen dich, Versuchung bei; und nach der wenn sie den Abend machet. Zeit führ uns erlöst zur froWas lebt und webt und was hen Ewigkeit. 30 Von der Schöpfung. III. Von der Schöpfung der Welt und der göttlicher Vorschung über sie. Vom Gewicht dieser Lehren. Mel. Herzliebster Jesu, was haft zc. 45. Weh mir! Wenn Gott dauert, gehen und dann ver wehen. 7. Dann flög ich auf wie Staub und sänke wieder wie nicht wär, der mich erschaffen, leicht verwehter Staub zur was hätt ich wider Furcht und Erde nieder; Verzweiflung wär Gram für Waffen? Gleich der beste Trost dem Herzen in steuerlosen Schiffen in den allen Schmerzen. Seeen würd ich vergehen. 8. Flieht, tödtende Gedanken, 2. Dann müßt ich unter mir ihr befleckét von ferne schon die das Thier beneiden, und mir Seele, die ihr schrecket. Es ist versiegte jeder Quell der Freu- ein Gott, der mich gemacht, reden; und jeder Lustort würde gieret, als Vater führet. mir auf Erden zur Wüste werden. 9. Ich weiß es, daß er ist; weiß, wem ich glaube; weß 3. Und wär ich elend, wär Hauch die Seel ist; wer den mein Glück verloren: ach dann Leib von Staube einst neu be wär's besser, daß ich nie ge- lebt; wer mich hier unterstüzet boren, als nichts in grauen- und täglich schützet. vollen Finsternissen von Gott! zu wissen. 10. Heil mir, ich weiß, auf wen mein Glück ich baue, wen 4. Was kann den Muth in ich verehre, wem ich mich ver Kreuz und Tod erhöhen?- traue. Ihm zu gefallen, will ,, Gott sorgt für mich; einst ich mich nun üben; ihn will werd ich auferstehen! Doch ich lieben. ist kein Schöpfer, wer schützt vor Verderben, vor ergem Mel. Wer nur den lieben Gott u Von der Schöpfung. Sterben? 5. Wenn Gott nicht herrscht, 46. Noch war kein Himmel, so herrschet das Verbrechen, keine Sterne, tein Himmelszelt und wer wird dann der Un- war ausgespannt. Gott sprach; schuld Thränen rächen? Was und jene blaue Ferne und jenes hülf's mir, daß ich gut zu Sternenheer entstand, und Sonwerden strebe, in Unschuld lebe? nen strahlten nun ihr Licht mit aufgedecktem Angesicht. 6. Ein trauriges Geschenk in meiner Seele, wenn ich mich nur mit leeren Wünschen quäle, die auf ein Gut, das ewig keine Höh. Gott sprach allmäch2. Noch war er nicht, der Ball der Erde, noch keine Tiefe, Von der Schöpfung. 31 tig: Erdball, werde, vertheile| 8. Erkenne, sprach er, meine dich in Land und See! Nun Milde, mit der ich dich, o stand er da, nun floß das Meer Mensch beglückt; dich hab ich um die geschaffne Erde her. selbst nach meinem Bilde mit Freiheit und Verstand geschmückt; erkenne mich, leb mir zum Preis und thue willig mein Geheiß. 9. Preist, Menschen, preist den Gott der Stärke, der bloß durch seinen Wink und Ruf so unermeßlich große Werke aus nichts zu seinem Preise schuf. Preift ihn und fürchtet ihn, den Herrn, thut sein Geheiß und dient ihm gern. Hand. 10. Er schuf, was lebt und sich beweget, allgütig schuf er 5. Nun zogen Schaaren hin diese Welt; er ist's, der ihren und wallten durch Luft und Bau noch träget, noch unterMeer, Gebirg und Thal. Und stüzet, noch erhält; er trägt Berg und Thal und Luft er- das Meer, er trägt das Land, schallten von ihrer Stimme Wie- den Himmel selbst auf seiner derhall. Und jedem war sein Dasein Lust; doch keins war 11. Was Odem hat und seiner sich bewußt. Geist und Leben, verkündige des 6. Bewohnt, bevölkert und Schöpfers Ruhm. Auch du, geschmücket stand nun die Erde mein Geist, sei ihm ergeben, sei da; doch war auf ihr noch kein sein geweihtes Eigenthum; er= Geschöpf beglücket, noch keines zähl, von ihm belebt, erfreut, von der großen Schaar, mit des Schöpfers Lob in Ewigkeit. Geist und Weisheit und Verstand; ganz mit dem Schöpfer unbekannt. 3. Noch war die Erde nicht bekleidet, noch waren Berg und Thäler kahl. Gott sprach: Entsteht, Gewächse, kleidet den Berg, die Hügel und das Thal; und diese unsre Erde stand nun da im glänzenden Gewand. 4. Noch war die Erde, noch die Meere mit Lebenden nicht angefüllt. Der Schöpfer sprach; zahllose Heere, belebt, mit Sinnen ausgebild't, verbreiteten sich alsobald durch Wasser, Luft und Feld und Wald. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. Gott, den alle Him7. Gott sprach: Auch dies 47. Geschöpfe werde, das seinen mel ehren, von dir kommt alSchöpfer kennt und preist; ler Himmel Pracht. Was wir nahm seinen Leib zwar von der nur Schönes sehn und hören, Erde, macht aber es durch einen hat deine Hand allein gemacht; Geist, begabt mit Freiheit und an deine Weisheit, an dein Verstand, zugleich mit sich, mit Licht reicht aller Menschen DenGott, verwandt. ten nicht. 32 Von der Schöpfung. 2. Du bist's, der die Ge-| dich, den Ursprung, seh; ach, schöpfe weidet, der ihnen ihre reinige selbst meine Brust von Zierde schenkt. Du bist es, der jeder mir verbotnen Lust. die Erde kleidet, und sie mit grünem Schmuck behängt. Du Mel. Sei Lob und Ehr dem zc. bist es, der durch seine Kraft 48. Gott, es ist deine Macht, dem Frühling neue Anmuth schafft. 3. Daß Kraut und Pflanze sich verjüngen, und Alles neues Leben fühlt; daß alle Bäume Blüthen bringen, das Feld mit tausend Farben spielt, das fließt allein aus deiner Gnad, die unsre Welt gezieret hat. und Güt' an jedem Ort zu finden; gieb uns ein achtsames Gemüth, so werden wir's empfinden, wie deine große Majestät der Himmel und die Erd erhöht, der Baum, der Wurm, die Menschen. 4. Wie viel vermag dein mächtig Werde, erhabenster Herr Zebaoth! Dein Lob verkündigt zwar die Erde, doch stärker noch, o reicher Gott, verkündiget des Himmels Pracht die Größe deiner Schöpfermacht. 2. Die Himmel sind von deiner Hand, die Alles hat bereitet, weit wie ein Teppich ausgespannt und dir zum Ruhm verbreitet. Du, der im höchsten Himmel thront, du schufft die Sonne, schufft den Mond, die Erde zu erleuchten. 5. Aus dir, du Quelle al- 3. Den Menschen hast du, les Lichtes, fließt auch der Herr, gemacht, von dir hat er Sonne feurig Meer. Ja, gro- sein Leben; du hast durch deine Ber Schöpfer des Gesichtes, Güt' und macht ihm was er von dir kommt auch das Wun- hat gegeben; was ist vor dir, der her, daß mir die Schönheit o Gott, was ist der Mensch, dieser Welt so strahlend in die Augen fällt. daß du so gnädig bist, ihn deiner würdig achtest? 6. Was zeugt das Heer von 4. Du hast ihn mit Verstand tausend Sternen, das selbst die geziert und Freiheit ihm verNächte reizend macht? Von ih- liehen; ihn hast du in die Welt nen soll auch ich hier lernen, geführt, zum Himmel ihn zu wie groß, o Schöpfer, deine ziehen; er ist sowohl, o Herr, Pracht. Was gleichet deiner dein Kind, als es die höhern Herrlichkeit? Nur Licht und Strahlen sind dein Kleid. Engel sind; du liebst ihn, wie ein Vater. 7. Ach, Schöpfer, heilge mein Gesichte, wenn ich so voll Verwundrung steh, daß ich in deines Geistes Lichte allein auf 5. Stimmt, Menschen, Lobgesänge an, daß Gott erhöhet werde, Gott, der uns Alles unterthan, was da ist auf der Von der Schöpfung. 33 Erde. Wie viel ist hier, was| Stärke, und macht auch den geuns erquickt! Wie sehr sind ringsten Wurm für uns zum wir durch dich beglüct! Was Wunderwerke. Er pflanzt, uns kannst du mehr uns schenken? Menschen zu erfreun, dem Vogel jene Triebe ein, durch die sein Lied erschallet. 6. Ja herrlich, bist du, Gott, und gut; o laß es uns empfinden! Mach dankbar uns und 5. Die Erde nährt auf sein gieb uns Muth, zu fliehen alle Geheiß zahllose Millionen, erSünden; daß wir auch deine wecket und belohnt den Fleiß, Majestät, die Erd und Himmel so weit nur Menschen wohnen. stets erhöht, durch gute Thaten Das Meer, das sich empört ehren. und schwillt, wird stille, wenn der Herr es stillt; Gott herrscht auch in der Tiefe. Miel. Es ist das Heil uns kommen 2c. 49. Erhebet Gott, lobt ihn erfreut, jauchzt ihm, ihr Völker alle! Lobt seine Macht und Freundlichkeit mit jubelvollem Schalle; anbetend sinkt vor ihm dahin, besingt, erhebt, verherrlicht ihn, den Herrscher al ler Völker! 6. Herr, Herr, wie groß ist deine Pracht in deinen Greaturen! Wie find ich hier von deiner Macht so unleugbare Spuren! Die ganze Schöpfung predigt dich, sie ruft mir zu: Betrachte mich, und ehre meinen Schöpfer. 7. Mein Loblied, Schöpfer, 2. Gott ist es, der durch sei- will ich dir zum Freudenopfer nen Ruf aus Nichts die Ele- bringen. Ihr Menschen alle, mente, den Himmel und das helfet mir den Ruhm des Herrn Licht erschuf, und Erd und besingen. Welt, falle nieder, Wasser trennte. Gott ist es, bet ihn an! Der Gott, der dessen Hand das Meer und das Welten schaffen kann, verdient uns unzählbare Heer der Crea- das Lob der Menschen. turen machte. 3. Er schenkt der Sonne Von Gottes Vorsehung und Wärm und Licht, sie dienet Weltregierung. allen Ländern. Er macht es mel. Lobt Gott, ihr Christen alle 2c. zu des Mondes Pflicht, stets 50. Ich finge dir mit Herz Ort und Schein zu ändern. Er zeigt den Sternen ihre und Mund, Herr, meines HerBahn, ihm sind die Wolken zens Lust; ich rühme, preis' und unterthan und Blige seine mache fund, was mir von dir Diener. bewußt. 4. Er redet göttlich in dem 2. Ich weiß, Gott, groß von Sturm, spricht durch des Löwen Rath und That, daß du die Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. 3 34 Von Gottes Vorsehung Quelle seist, daraus uns allen| Kummer sei; und in der Noth, früh und spat viel Heil und wie schwer sie scheint, hilfft du Gutes fleußt. und stehst uns bei. 3. Was sind wir doch? Was 12. Was uns hier fehlet, haben wir auf dieser ganzen füllst du aus mit dem, was Erd, das uns, o Vater, nicht ewig steht; nimmst auf den von dir allein gegeben werd'? Geist, wenn dies sein Haus, der Leib, stirbt und vergeht. 4. Wer hat der Himmel weites Zelt hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns unser Feld mit Thau und Regen nett? 13. Wohlauf, mein Herz, sei froh und sing und habe guten Muth! Dein Gott, der Ursprung aller Ding', ist selbst und bleibt 5. Wer mäßigt Wärme, Luft und Frost? Wer schickt und dein Gut. lenkt den Wind? Wer macht 14. Er ist dein Gott, dein es, daß man Korn und Most Erb und Theil, dein Führer zu seinen Zeiten findt? und dein Licht, dein Schirm 6. Wer giebt das Leben und und Schild, dein ewig Heil, Geblüt, Gesundheit und Ver- schafft Rath, verläßt dich nicht. stand? Wer schafft es, daß der Friede blüht in unserm Vaterland? 15. Was kränkst du dich in deinem Sinn? Was sorgst du Tag und Nacht? Nimm deine Sorgen, wirf sie hin auf den, der dich gemacht. 16. Er hat dich ja von Jugend auf versorget und ernährt; in deinem ganzen Pilgerlauf dir Hülfe stets gewährt. 8. Du nährest uns von Jahr zu Jahr, bleibst immer gut und 17. Er hat noch niemals was treu, und stehst uns, wenn wir versehn in seinem Regiment; in Gefahr gerathen, treulich bei. nein, was er thut und läßt ge= 9. Du trägst uns Sünder schehn, das nimmt ein gutes mit Geduld und strafft nicht End. allzusehr; gedenkst nicht unsrer Sündenschuld und wirfst sie in das Meer. 7. Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir, du, du mußt alles thun; du schüßest uns, du schaffst, daß wir aufstehn und sicher ruhn. 18. Rechtschaffen sei dein ganzes Thun, vertraue ihm allein! So fannst du hier im Frieden ruhn und ewig fröhlich sein. 10. Wenn wir um Hülfe zu dir flehn, wirst du gar bald erweicht, und giebst, was uns zum Wohlergehn, zur Ehre dir mel. Kommt her zu mir, spricht 2. gereicht. 11. Du siehst den Christen, 51. Ich will, mein Gott, erwenn er weint, und was seinheben dich und deinen Namen und Weltregierung. 35 ewiglich, ich will dich täglich| du öffnest deine milde Hand preisen; du segnest mich zu je- zum Wohlthun über jedes Land, der Stund, drum will ich dir daß man dich fröhlich preiſe. mit Herz und Mund Lob, Ruhm und Dank erweisen. 8. Der Herr ist allenthalben da, er ist besonders denen nah, 2. Der Herr ist unaussprech- die ihn mit Ernst anflehen; lich groß; weit ist sein Reich und grenzenlos. Betrachtet, Menschenkinder, die Werke, die er aufgeführt; der Himmel wird von ihm regiert, die Erde auch nicht minder. thut, was der Frommen Herz begehrt, daß ihnen Hülfe wird gewährt, läßt ihnen Guts geschehen. 9. Der, der ist stets in Gottes Hut, der seinen Willen liebt 3. Wie groß und herrlich ist und thut; die Bösen aber fallen. die Pracht von dem, was er Bringt unserm Gott Lob, Preis hervorgebracht; wie groß sind und Ehr, und seiner Diener seine Thaten! Was er thut, ganzes Heer laß stets sein Lob schaffet und gewährt, verkündet erschallen. seine Macht und lehrt den Reichthum seiner Gnaden. 4. voller Huld ist Gott, voll Langmuth und Geduld, der Herr ist allen gütig; erbarmt sich aller seiner Werk', die er gemacht durch seine Stärk, ist allen hülferbietig. 5. Es sollen denn, Herr, 2. Du, Herr, bist nahe denen, nach Gebühr all deine Werke welche fallen; du, Höchster, danken dir, dich, ihren Vater, hilfft den Unterdrückten allen loben; es werde deines Reiches und eilft mit Gnade, die um Ehr von allen, welche um dich Heil dich bitten, zu überschütten. her, gepriesen und erhoben! Mel. Herzliebster Jesu, was hast 2c. 52. Dein Reich, o Gott, ist herrlich; ewig währen dein Reich und deine Macht, die wir verehren, und ewig wird von aller Völker Zungen dein Lob beſungen. 3. Nach dir, Gott, schauen 6. Dein Reich, Herr, ist ein aller Wesen Blicke, daß deine ewig Reich, und deiner Herr- Hand sie väterlich erquicke, du schaft ist nichts gleich, der Herr- giebst auch einem Jeden seine schaft ohne Ende. Du bist es, Speise, daß er dich preise. der den Kreis der Welt trägt, lentet, segnet und erhält durch Stärke deiner Hände. 4. Herr, du erhältst mit deinem Wohlgefallen, was lebt, thust deine Hand auf und giebst allen, was sie bedürfen; Keiner sucht vergebens dich, Quell des 7. Herr, aller Augen richten sich zu dir, und du erbarmest dich, und giebest ihnen Speise; Lebens. 3* 36 Von Gottes Vorsehung 5. In allen Wegen Gottes| treuen Hut das Kleine werth strahlet Gnade, untadelhaft sind zu schätzen. Auf Alles geht alle seine Pfade; und was er dein Augenmerk, und immer thut, gereicht zu seinem Preise, ist's dein liebstes Werk, zu segist gut und weise. nen, zu beglücken. 6. Der Herr ist nahe denen, 4. Wie recht ist, Höchster, die ihn bitten, die ernstlich ihn dein Gericht, der du die Wahrum seine Hülfe bitten; er thut, heit liebest; ein richtig Maß was die Gerechten, die ihn eh- hält dein Gewicht, wenn du ren, von ihm begehren. 7. Der Herr behütet alle, die ihn lieben; die aber, die Betrug und Frevel üben, verfolgt er, daß er ganz zu Schanden mache die böse Sache. Vergellung übest; du handelst stets nach Billigkeit in dieser und der künftgen Zeit, beim Strafen und Belohnen. 5. Wohl uns, daß du das Regiment, Gott, über Alles füh8. Auf ewig will ich seinen rest, und wohl dem, der den Namen loben; von allen Men- Ziveck erkennt, dazu du uns schen werde Gott erhoben; was lebet, müsse, Herr, zu allen Zeiten dein Lob verbreiten. regierest. Ich, dein geringster Unterthan, Herr, bete dich in Demuth an. O sich auf mich in Gnaden! Mel. Sei Lob und Ehr dem zc. 6. Ich bin verderbt und schuldenvoll und auf dem Tu53. Dir, unser Gott, ist Nie- gendwege nicht stets so eifrig, mand gleich im Himmel und als ich soll, bin oft zum Guten auf Erden. Du bist der Höchste, träge; doch du bist gnädig und und dein Reich kann nie be- voll Huld, vergiebst dem Reuengriffen werden. Unendlich ist den die Schuld; drum hoff ich die Majestät, die über alle dich auf Vergebung. erhöht, die Kron und Scepter tragen. 7. Jch hoff es, weil mich der vertritt, den du für mich gege2. Wie weit erstreckt sich dein ben. Mein Jesus, welcher für Gebiet! Wo ist der, der es mich fitt, erwarb mir Recht messe? Wohin auch nur mein zum Leben. Sein Tod macht Auge sieht, da seh ich deine mich vom Zweifel frei, ob ich Größe. Weit, über alle Him- der Gnade fähig sei; auch mich mel weit, geht deines Reiches hat er verföhnet. Herrlichkeit; du herrschest über Alles. 3. Du herrschest weislich, recht und gut, nach heiligen Geseßen. Du pflegst auch deiner 8. Herr, ewig will ich deinen Ruhm mit Lob und Dank erheben. Dir will ich, als dein Eigenthum, mich ganz zum Dienst ergeben. Mit Lust will ich bis und Weltregierung. in den Tod nach deinem heili-| Ausgang zeigt doch immerdar, gen Gebot durch deinen Beistand daß stets dein Rath voll Güte wandeln. war. 37 3. Nie sind die Tiefen zu ergründen von deiner Weisheit, Macht und Güt. Du kannst viel tausend Wege finden, wo die Vernunft nicht einen sieht. Aus Finsterniß bringst du das Licht. Du sprichst, o Gott, und es geschicht. 4. So weicht denn, ängstliche Gedanken: Gott kann weit mehr, als ihr versteht. Bleib, Seele, in der Demuth Schranken; die Demuth wird von Gott erhöht. Ja, Herr, du liebst den, der dich liebt und deiner Führung sich ergiebt. 6. Gieb, daß dies mein Vertrauen mehre in Glück und Un= glück, Freud und Leid. Schick Alles, Herr, zu deiner Ehre und meiner Seelen Seligkeit; so preis' ich einst vollkommen dich, so freu ich dein auf ewig mich. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 54. Fürwahr, du bist, o Gott, verborgen; dein Rath bleibt für uns wunderbar. Umsonst sind alle unsre Sorgen. Du sorgtest, eh die Welt noch war, für unser Wohl schon väterlich; dies sei genug zum Trost für mich. mel. Herzlich thut mich verlangen zc. 2. Dein Weg ist zwar in 55. Gott, meine ganze Seele, Finsternissen vor unsern Augen oft versteckt; doch wenn wir erst den Ausgang wissen, wird uns die Ursach auch entdeckt, warum dein Rath, der niemals fehlt, den uns so dunkeln Weg gewählt. macht deinen Ruhm bekannt, dir dank ich und erzähle die Wunder deiner Hand; mein Herz ist froh; ich singe: Herr, meine Lust bist du; dir, dem ich Lieder bringe, dir, Höchster, jauchz ich zu. 2. Du sitzest auf dem Throne als Richter aller Welt, der Jeglichem zum Lohne das rechte Urtheil fällt. Wenn dich die Menschen schmähen, dann rächst du ihren Spott; du dräuft, und sie vergehen vor deinem 3orn, o Gott. bleibt 3. Der Herr hat zum Gerichte sich seinen Thron erhöht; vor seinem Angesichte nicht, wer widersteht. Ihr kühnen Sünder, zittert, bereut noch euren Spott; sein Thron wird nie erschüttert, der Herr bleibt ewig Gott. 5. Drum will ich mich dir 4. Der Herr regiert; er lieüberlassen mit Allem, was ich bet, was ungerecht ist, nicht; hab und bin. Ich werfe, was er wägt die Welt, ich nicht kann fassen, auf deine parteilos sein Gericht. Die Macht und Weisheit hin. Der Wage finkt und steiget, wie sein und übet 38 Von Gottes Vorsehung Gesetz gebeut, und jedes Land 2. Er will, und Sonnen bezeuget des Richters Heiligkeit. flammen; auch drängt das Wasser, wenn er spricht, in Wolken sich zusammen, und ihre Schläuche reißen nicht; er ruft den Ungewittern: das Meer wird ungestüm; des Himmels Säulen zittern; die Erde bebt vor ihm. Er will, und es entzünden sich Welten und vergehn; er spricht und ruft den Winden: schnell wird sein Himmel schön. 3. Wer, wer gebeut den groß sich Gott beweiset, der, Wellen: Hieher, nicht weiter, was er zusagt, hält. Er denkt legt euch hie? Er legt in Feldaran und fraget nach des sen Quellen, sie rieseln und Gerechten Blut; er hört ihn, versiegen nie; er füllt auch wenn er flaget, und stillt der Wüsteneien mit seinen Wundern Wetter Wuth. 5. Gott ist ein Schutz der Armen, ein Schutz in jeder Noth; sie traun auf sein Erbarmen, wenn ihnen Unfall droht. Die Thränen, die sie weinen, sind dir bekannt und werth; du, Gott, versäumest Keinen, der deinen Schutz begehrt. 6. Ihr Kinder Gottes, preiset, verkündigt in der Welt, wie an, heißt Thiere da sich freuen, 7. Herr, sei mir gnädig, wo Niemand wohnen kann. Wer schaue voll Huld auf meine tann die Sterne führen; wer Noth. Du bist's, dem ich ver-| weiß, als er allein, die Himmel traue, du hilfft auch selbst vom zu regieren? Und du wagst Tod. Nach überwundnen Lei- stolz zu sein? den geh ich ins Heiligthum, und voll von Himmelsfreuden erheb ich deinen Ruhm. 4. Kannst du mit deiner Stimme, o Stolzer, wirken, wie Gott thut? Kannst du in deinem Grimme durch Blitze äußern deine Wuth? Versuche es und zeige dich mächtig, wie der Herr; nah dich den StolMel. Nun lob' mein Seel' den 2c. 56. Kommt, kommt, den Herrn zu preisen, der groß von zen, beuge und stürze sie, wie Rath ist, groß von That, den er! Was rühmen denn die Gütigen, den Weisen, der Kei- Thoren mit ihrer Stärke sich? nen, der ihm gleich sei, hat. O Staub, aus Staub geboren, Der Herr thut große Werke; nur Gottes rühme dich! wer hindert seine Kraft, wer 5. Herr, dein ist alle Stärke, seines Armes Stärke, die, was und alle Hülfe, Gott, ist dein! nur gut ist, schafft? Er dehnet, Das preisen deine Werke, die gleich Gezelten, die weiten Him- deiner Kraft allein sich freun. mel aus; er spricht, so gehen Wir auch erfreun uns ihrer; Welten aus ihrem Nichts heraus. ihr Lob sei unsre Pflicht. O und Weltregierung. 39 Vater, o Regierer, wen hält,| deine Huld; wem strahlet nicht wen schüßt sie nicht? Du lebst dein Licht? Mit welcher Langund wirfst in allen; dir, dir muth und Geduld verschonst du vertrauen wir. Erhalter, wer unsrer nicht! fann fallen, getragen, Herr, von dir? 9. Ach betet, Menschen, betet an! Erwägt's und denket nun: was hat nicht Gott an uns gethan? Was will er nicht noch thun? Besondere Fürsorge für die Menschen. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. Mel. Aus meines Herzens 2c. 57. Noch immer wechseln ordentlich des Jahres Zeiten ab; 158. Gott, der an allen Enden früh strömt und spät ergießet sich dein Regen, Gott, herab. 2. Du öffnest deine milde Hand, Jehovah Zebaoth! Du segnest, du erfüllst das Land mit deinen Gütern, Gott! viel große Wunder thut, in dessen treuen Händen mein ganzes Leben ruht! Du zählst die Zahl mir zu von meinen Lebenstagen, mit ihrem Glück und Plagen, mit Unruh und mit Ruh. 2. Da ich noch tief verborgen im Mutterleibe lag, da wachte schon dein Sorgen für mich; und wie vermag mein endlicher Verstand die Wohlthat zu erheben, die du in meinem Leben mir huldreich zugewandt? 3. Von deinem Himmel, Höchster, träuft Gedeihn und Fruchtbarkeit; die Saat geht auf und blüht und reift und jättigt und erfreut. 4. Von dir gesegnet giebt der Baum, wenn Einer Schatten sucht, ihm unter seinem Zweige Raum, Erfrischung und auch Frucht. 3. Du fängst an uns zu lieben, noch eh wir sind, hast 5. Wie fröhlich lächelt jede nie Lust zu betrüben; doch Flur! Es fließt sich immer nützt uns eine Last, so bleibst gleich der Freude Quell, und du mitleidsvoll, bist sorgsam, die Natur ist unerschöpflich reich. deinen Kindern die Bürdesanst zu lindern, die sie nun treffen soll. 6. Wem strömt sie nicht, von dir erfüllt, Luft und Erquicung zu? Wer ist so gut, so treu, 4. Muß ich hier Noth emso mild, so väterlich, wie du? pfinden, dein Wort, Herr, trö7. Herr, ohne dich vergingen stet mich. Durch dich muß fie wir, und wir verdienten's auch; verschwinden: drum hoff ich und dennoch leben wir in dir, stets auf dich mit findlich beseelt durch deinen Hauch. treuem Sinn, und werfe, was 8. Und wer erfährt nicht zu tragen mir schwer deucht, Von Gottes Vorsehung 5. Noch immer ist mein Hof3. Ein Mensch wird bald dahin gerissen, und schneller, als ein Strom, verfließen die fen, das sich auf dich verließ, Tage, welche Gott ihm gab. so sicher eingetroffen, wie mir's Wer sieht die Ernte seiner dein Wort verhieß. Du hast Saaten? Der Mensch beschließet mir wohlgethan; denn deine große Thaten, doch sie verschließt Gnad ist größer, und macht's mit ihm das Grab. mit mir viel besser, als ich ersinnen kann. 4. Beglückt ist, wer auf Gott nur schauet und sich dem gänz6. Dein Name sei gepriesen, lich anvertrauet, der seiner der sich so oft an mir so herr- Frommen nie vergißt. Bei lich hat erwiesen. Mein Herz ihm ist Heil; sein mächtig und Mund soll dir, du Retter Werde erschuf den Himmel aus Gefahr, mein schuldig und die Erde, das Meer und Opfer bringen und deiner Güte was darinnen ist. fingen jetzt und auch immerdar. 5. Was kann uns Trost und 7. Du hast mir wohl gera- Hoffnung rauben? Der Herr then und lauter Guts gethan, hält ewig Treu und Glauben, daß deiner Liebe Thaten ich nimmt väterlich sich unsrer an. nicht g'nug rühmen kann. Hilf, Die, so Gewalt und Unrecht Vater, daß ich dort, verklärt leiden, schüßt er, und sättigt sie und ganz vollkommen, mit al- mit Freuden, die ihnen nichts len deinen Frommen dir dante verbittern kann. fort und fort. 40 ohne Zagen noch täglich auf dich hin. 6. Wie Mancher wird von ihm gespeiset! Auch der Ge Gott vom Kerker ihn befreit. fangne rühmt und preiset, daß Gott öffnet das Gesicht der Blinden, daß sie des Lichtes Glück empfinden und seiner Schöpfung Herrlichkeit. Mel. Was sorgst du ängstlich für 2c. 59. Es werde Gott von uns erhoben! Wohlauf, laßt uns den Herren loben; du, meine Seele, werde Dank! Stets müsseft du den Herrn erheben; mein ganzes ihm geweihtes Leben sei seines Namens Lobgesang! 7. Oft flaget, elend und verachtet, der Fromme, der im 2. Sezzt nicht auf die, die, Staube schmachtet; Gott sieht's, euch zu schützen, nicht immer und hebet ihn empor. Der Macht genug befizen, auf Für- Herr ist gnädig seinen Knechten, sten, eure Zuversicht. Sind und seine Hand zieht den Gedoch die Mächtigsten auch Men- rechten aus seiner Dunkelheit schen; und was vermögen eitle hervor. Menschen? Wie schwach ist ihre Hülfe nicht 8. Gott, der den Fremdling unterstüßet, versorgt die Waisen und Weltregierung. und beschüßet die Wittwen, die seinem Mangel Sättigung, und verlassen sind. Er haßt die Freude in seinem Leide. Sünde, er, ihr Nächer; oft 6. Herr, du bist heilig, Herr, straft er hier schon die Ver- vor deinem Schelten entfeßen brecher, und keiner ist, der ihm sich und zittern alle Welten. entrinnt. Gott unsers Heils, erhör uns, 9. Der Herr ist König: auf wenn wir flehen, aus deinen und singet, ihr Christen, singt Höhen. dem Herrn, und bringet ihm, eurem Gott, Lob, Preis und Dank! Ihn preis' ich stets, so lang ich lebe. Stets ist er König: stets erhebe ihn aller Frommen Lobgesang. 7. So weit nur Menschen deine Welt bewohnen, bist du die Hoffnung aller Nationen, die Zuflucht aller, die an fernen Meeren dein Heil begehren. 8. Er hat durch seine Kraft die Berg' erhöhet, daß jeder wie ein Zeuge Gottes stehet; er er, der Herr Mel. Herzliebster Jesu, was hast zc. 60. Dich, Gott, lobt der, der Heere, mit Stärt und Ehre. der auf dich hofft, im Stillen: 9. Er stillt der Meere Braudoch um mein fromm Gelübde sen, wenn sie schwellen; er stillt zu erfüllen, so soll mein Lied das Brausen ihrer stolzen Wel= auch öffentlich vor Allen dir len, und den Tumult und die dankbar schallen! Rebellionen der Nationen. 2. Wo betet ein Geschöpf auf deiner Erde, das nicht von deiner Huld erhöret werde? Das wissen alle Wesen, alle treten zu dir und beten. 3. Uns drückt die Last von allen unsern Sünden; bedecke sie, und laß uns Gnade finden, von deiner Strafe, weil wir sie bereuen, uns zu befreien. 4. Dem, den du wählst, daß er zu deinem Throne sich nahen mög' und in den Räumen wohne, die du verherrlichst, welch ein selig Leben ist ihm gegeben! 41 10. Ein frommer, ehrfurchtsvoller Schauer bebet durch alle Völker; jedes Volk erhebet die Wunder deines Arms und deiner Stärfe ruhmvolle Werke. 11. Sie jauchzen, wenn sie deine Sonne sehen, in ihrem Morgenglanze dich erhöhen, und wenn die Abendländer dieser Erden erleuchtet werden. 12. Du suchst das Land heim, die Gefilde lachen; du wässerst sie mit Thau, sie reich zu machen; dein Strom ist voll; durch dich reift das Getreide zu unsrer Freude. 5. Dem giebst du aus dem 13. Die tiefgepflügten FurSize deines Ruhmes den reichen chen füllt dein Segen; das Ueberfluß des Heiligthumes, in dürre Land erquickst du durch 42 Von Gottes Vorsehung und Weltregierung. den Regen, erweichest es und nen Maß und Ziel, läßt fie segneft seine Saaten, daß sie nicht aus den Schranken, lenkt gerathen. Alles, wie er will. 14. Du krönst das Jahr mit 3. Er ordnet und regieret deiner milden Gnade; Gedeihn der Sterblichen Geschick; von und Wachsthum folgen deinem seiner Hand geführet, kommt Pfade, und träufeln, wo du unser Wohl und Glück. Der wandelst, daß die Erde befruchtet Herr fennt seine Treuen, hat werde. auf ihr Flehen Acht, und eilt, fie zu erfreuen, oft eh sie es gedacht. 4. Sein, sein ist das Gerichte, die Majestät, die Kraft; nach richtigem Gewichte belohnet 16. Du schmücft und kleidest Gott und straft. Er spricht, das Gefild mit Heerden, und so werden Welten, erheben sich schaffest Gras, daß sie gesättigt und blühn; durch seines Munwerden; dem Schnitter rauscht des Schelten vergehn sie und der vollen Felder Segen zur entfliehn. Ernt entgegen. 5. Gott ändert Zeit und 17. Und Dank und Freud Stunde, erniedrigt und erhebt. und Jubel jauchzt aus allen, Wohl dem, der treu im Bunde, und Hain und Auen und Ge- im Bunde Gottes lebt! Der fild erschallen von lautem und wird und darf nicht zittern, frohlockendem Getümmel bis in steht aufrecht und erhöht, wenn die Himmel. gleich in Ungewittern die Welt wankt und vergeht. 15. Sie träufeln, deine Tritte, daß von ihnen die frohen Auen in der Wüste grünen; die Hügel hüpfen, Gott, im Feierkleide vor Dank und Freude. Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c. 61. Gott ändert Zeit und Stunde, er lenkt den Lauf der ein Wort aus Munde erniedrigt und zerstreut, die sicher sich empören, sein Warnen achten nicht, und bringt, die ihn verehren, an das gewünschte Licht. 2. Gott schaut herab und siehet auf uns von seinem Thron. Würdiger Gebrauch der göttlichen Fürsorge. mel. Vater unser im Himmelr. 2c. 62. Gott, deine weiſe Macht erhält die ganze lebenvolle Welt; und aller Augen freuen sich und warten hoffnungsvoll auf dich, auf dich, der du sie alle liebst, und allen ihre Speise giebst. 2. Du öffnest deine Hand, so Nichts ist, was ihm entfliehet; fließt herab, was Jedem nöthig von ferne fennt er schon der ist; mit Wohlgefallen sättigt fie Sterblichen Gedanken, setzt ih- dein Aufsehn und versäumt sie Vom würdigen Gebrauch der göttlichen Fürsorge. 43 nie. Nie sind Geschöpfe deiner| sam sein und deiner Gaben mich Hand, dir unwerth oder unbe- erfreun; mehr aber deiner, der kannt. du dich so freundlich zeigest gegen mich, und selbst die reiche Quelle bist, aus welcher jede Wohlthat fließt. 9. Bei deiner Gaben Ueber= fluß erhalt mich mäßig im Genuß; bewahr mich in der Dürftigkeit vor Schmach und Unzufriedenheit. Du nährst mich immer; Preis und Dank bring ich dir, Gott, mein Lebelang. 3. Auch mir gabst du, mein Gott und Heil, noch täglich mein bestimmtes Theil; gabst mir's mit Huld und Freundlichkeit, so lang ich bin, zu rechter Zeit. Kein Vater sorgt so väterlich für seinen Sohn, als du für mich. 4. Ich bin gewiß, du kannst mich nicht verlassen, meine Zuversicht; ich bin gewiß, du thust mir wohl, so lang ich hier noch leben soll. Nicht Üeberfluß bitt Mel. Herzlich thut mich verlangen zc. ich von dir; was ich bedarf, 63. Nimmt Gott, dem wir das giebst du mir. vertrauen, nicht unsers Werks 5. Der Vogel bauet nicht das sich an; will er das Haus nicht Land, du nährst ihn doch mit bauen, vergebens baun wir milder Hand. Du schmückst die dann. Will er die Stadt nicht Blume königlich, die nicht zur schüßen, er, groß durch Rath Arbeit eilt, wie ich. Vergessen und macht, was wird der wirst du meiner nie: bin ich Wächter nüßen? Umſonst ist's, doch mehr vor dir, als sie. daß er wacht. 6. Mich schufst du nicht für diese Zeit; mein Ziel ist in der Ewigkeit; gabst mir Vernunft und Freiheit, Gott; für mich ging Jesus in den Tod. Nichts, was die Erde zeugt und nährt, gleicht mir an Hoheit und an Werth. 7. Von dir, der das an mir gethan, werd ich auch Speis und Trank empfahn. Selbst dem, der dich mit Sünden schmäht, giebst du fie ohne ſein Gebet. Und fleht ich nicht darum zu dir, gewährtest du sie dennoch mir. 8. Laß du mich nur genüg2. Ihr wachet spät und frühe und eit voll Traurigkeit das Brod der Sorg und Mühe und häuft euch Leid auf Leid. Was nüßt der bange Kummer, da Gött dem, den er liebt, Brod, Kleidung und auch Schlummer zu der Erquickung giebt? mel. In dich hab ich gehoffet zc. 64. Von ganzer Seele preis ich dich, Herr, der du mich so väterlich bis diesen Tag erhalten; laß ferner hier noch über mir dein göttlich Auge walten. Vom würdigen Gebrauch 2. Wer schenkt uns Leben, mich väterlich geführt und waGlück und Ruh? Wer giebt uns rest stets mit mir. Kraft zur Pflicht? Nur du schaffst Wollen und Vollbringen. Wird dein Gedeihn uns nicht erfreun, so kann uns nichts gelingen. 2. Wenn Angst und Noth mich überfiel, so hörtest du mein Flehn. Du segtest meinem Kummer Ziel und ließt mich nicht vergehn. 3. Ich fant in Krankheit sank und in Schmerz und rief: Herr, rette mich! Da halfst Du mir, Gott, und mein Herz ward froh und stärkte sich. 44 3. Du schufest und regierst die Welt nach deinem Rath, wie dir's gefällt: du lenkst der Menschen Herzen. Sei auch mein Licht und laß mich nicht, Gott, deine Huld verscherzen. 4. Dein Wort lehrt mich des Lebens Pflicht; doch fühl ich auch, was mir gebricht, die Mängel meiner Seele? Ach Gott der Huld, vergieb die Schuld, wenn ich aus Schwachheit fehle. 5. Verstand und Herz ist fehlerhaft; bald fehlt mir Licht, bald fehlt mir Kraft, mich weislich zu regieren; drum bitt ich dich, laß Höchster, mich selbst deine Weisheit führen. 6. Herr, dessen Huld uns ewig liebt, laß mich beim Segen, den sie giebt, auf dich, den Geber, schauen. Selbst wenn du schlägst und Kreuz auflegst, so laß mich dir vertrauen. 4. Oft fränkte mich des Feindes Haß; ich klagte dir den Schmerz. Du halfft mir, daß ich ihn vergaß und gabst Geduld ins Herz. 5. Wenn ich, verirrt vom richtgen Pfad, mich in Gefahren sah, rief ich zu dir, mein Gott, um Rath, und Hülfe war mir nah. 6. Oft war um Trost der Seele bang, denn du verbargest dich; ich rief voll Sehnsucht: Herr, wie lang? Und bald erhörtst du mich. 7. Du halfst und hältst mit Vatertreu mich noch in deiner Hut. Du stehst mir in Versu7. Gieb, daß ich meine Le- chung bei, giebst mir zur Tubenszeit, nur dir mit ganzem gend Muth. Ernst geweiht, in deiner Furcht 8. Herr, für die Leiden dank vollbringe, bis ich einst dir dort| ich dir, dadurch du mich geübt; für und für Lob, Preis und und für die Freuden, welche Ehre singe. mir dein milder Segen giebt. Mel. Lobt Gott, ihr Christen alle zc. 9. Dir dank ich, Herr, daß die Natur mich nährt und mich erfreut. Ich seh in jeder Crea65. Du bist's, dem Ehr und tur, Herr, deine Freundlichkeit. Ruhm gebührt; und Ruhm, 10. Selbst deinen Sohn Herr, bring ich dir. Du hast gabst du für mich. Welch Wun der göttlichen Fürsorge. 45 der deiner Huld! Von ganzem 4. Wenn ich die Himmel seh, Herzen preis' ich dich; du tilgest meine Schuld. 11. Gott liebt uns, fördert unser Wohl. Erheb ihn, Volk des Herrn! Die Erd ist seiner Güte voll, er hilft und rettet gern. die du, Herr, ausgebreitet, der Sonne Majestät, den Mond, den du bereitet; so sprech ich: Was ist doch der Mensch, daß du sein denkst, und daß du täglich uns so vieles Gute schenkst? 12. Er hilft und läßt die Traurigkeit bald vor uns über gehn; will uns nach kurzer Prüfungszeit zum ewgen Glück erhöhn. 5. Als Schafe läßt du uns auf grünen Auen weiden, nährst uns mit Speis' und Trank und füllst das Herz mit Freuden. Du sahst mich, eh der Grund der Welt geleget war; zogst mich aus Mutterleib, als mich ihr Schoß gebar. 13. Vergiß nicht, Seele, was dein Gott bisher an dir gethan. Verehr und halte sein Gebot und bet ihn ewig an. 6. Du wogst mein Glück mir ab und Leiden, die mich üben, und meiner Tage Zahl war Mel. Nun danket alle Gott 2c. 66. Durch dich, o großer Gott, auf dein Buch geschrieben. Du durch dich bin ich vorhanden. Die Himmel und ihr Heer sind durch dein Wort entstanden, denn wenn du sprichst, geschieht's, wenn du befiehlst, steht's da. Mit Allmacht bist du mir und auch mit Güte nah. bist der Frommen Schuh, du bist der Müden Ruh; ein Gott, der gern verzeiht. Wie gnädig, Gott, bist du! 2. Du bist der Gott der Kraft; dich preisen Erd und Meere, die Himmel predigen die Wunder deiner Ehre. Dich bet ich dankend an. Mein Heil kommt von dem Herrn. Du hörst der Menschen Flehn und du erretteft gern. 7. Wem soll ich sonst vertrauen, als dir, du Gott der Götter? Wen ehren, als nur dich, mein Schutz und mein Erretter? Wie sanft ist dein Befehl: Gieb mir dein Herz, mein Sohn, und wandle meinen Weg; ich bin dein Schild und Lohn. 8. Herr, dein Gebot ist Heil, dein Weg ist Heil und Leben. Wie könnt ich einem Gott der Liebe widerstreben? Umsonst lockt mich das Glück, in dem das Laster blüht; ich hasse seinen Weg, weil mich dein Auge sieht. 9. Auch wenn kein Mensch mich sieht, will ich die Sünde fliehen, denn du wirst aller Werk vor dein Gericht einst zie3. Und wenn ich deiner Huld, o Gott, gewürdigt werde, was frag ich außer dir nach Himmel und nach Erde? Im Himmel donnerst du, und Schrecken füllt das Land; noch fürcht ich nichts, denn du hältst mich bei meiner Hand. 46 Vom würdigen Gebrauch hen. Ich will, wenn auch die Höchster, welch Erbarmen, du Lust zum Bösen mich hinreißt, sorgest für mich Armen, du bist bedenken, daß mein Leib, o ein Vater, der verzeiht. Gott, dein Tempel heißt. 6. Für alle deine Treue, für das, deß ich mich freue, lobsinget dir mein Geist. Er ist dein größst Geschenke; daß ich durch ihn dich denke, ist dein; dein ist's, daß er dich preist. 7. Daß du mein Leben fristest und mich mit Kraft ausrüstest, dies, Vater, dank ich dir; daß du mich liebreich führest, mit deinem Geist regierest, dies Alles, Vater, dank ich dir. 10. Sollt ich der Menschen Ruhm stolz zu erringen trachten? Nein, Herr, wenn du mich ehrst, mag mich die Welt verachten. Du bist es, dem zum Dienst ich Leib und Seele weih. Gieb, daß mein Wandel stets voll deines Ruhmes sei. Mel. Nun ruhen alle Wälder 2c. 67. Dir dant ich für mein 8. Was mir in diesem Leben Leben, Gott, der du mir's ge- noch nützt, wirst du mir geben; geben, ich danke dir dafür. Du du giebst's, ich hoff auf dich. hast, von Huld bewogen, nich Dir, Vater, dir befehle ich meiaus dem Nichts gezogen; durch deine Güte bin ich hier. nen Leib und Seele; Herr, segne und behüte mich! 2. Du, Herr, hast mich bereitet, mich väterlich geleitet bis Diejen Augenblick. Du gabst mir frohe Tage, und selbst der Leiden Plage haft du verwandelt in mein Glück. Mel. Wer nur den lieben Gott z. 68. Mein Geiſt ermuntre 3. Ich bin, Herr, aller Dinge, der Treu viel zu geringe, mit der du mich bewacht. Damit ich, Staub und Erde, auf ewig glücklich werde, hast du schon ewig mein gedacht. dich zum Preise des Gottes, der dein Vater ist. Bedenke, auf wie viele Weise du ihm zum Dank verpflichtet bist; bring ihm, der stets dein Helfer war, mit Freuden Ruhm und Ehre dar. 2. Herr, deine Hand ist immer offen, zu geben, was mir 4. Du hörtest schon mein nüßlich ist; und doch bin ich Sehnen und zähltest meine Thrä- oft schwach im Hoffen auf dich, nen, eh ich bereitet war; eh| der du die Liebe bist. Mein ich zu sein begonnte und zu dir Gott, wie wenig bin ichs werth, rufen konnte, da wogst du schon daß mir noch Hülfe widerfährt. mein Theil mir dar. 3. Unendlich groß ist dein Erbarmen, nur wohlzuthun bist 5. Du ließt mich Gnade finden und sahst doch meine Sün- du gewohnt. Drum wird auch den vorher von Ewigkeit. Olmir, mein Gott, mir Armen, der göttlichen Fürsorge. 47 von dir nicht nach Verdienst 9. Drum soll mir deine Huld gelohnt. Noch immer steht mir und Güte beständig, Gott, vor deine Treu mit Segen, Trost Augen sein. Ich will mit redund Hülfe bei. lichem Gemüthe mein Leben 4. Du bist es, der in meinen deinem Lobe weihn, bis ich Sorgen mit Rettung mir ent- vollkommner deinen Ruhm ergegen eilt; und wenn sie noch heb im höhern Heiligthum. für mich verborgen, nach meinem Wahn zu lang verweilt, mel. Wer nur den lieben Gott zc. eh mich's verſehn, mich aus dem Kummer zu erhöhn. 69. Dir, Gott, dir will ich fröhlich singen, dir, dem das 5. Du wählst und wirkest Wohlthun Freude ist. Dir will stets das Beste. Und wenn auch ich Dank und Ehre bringen, meine Noth sich häuft, so steht dir, der du gut und freundlich durch dich mein Wohl doch bist. Ja, Gott, du bist ganz feste. Wenn Fluth von Elend Gnad und Treu; gieb, daß auf mich läuft, so siehst du mit mein Herz ganz Freude sei. Erbarmen drauf und hemmst allmächtig ihren Lauf. 2. Dich preisen aller Engel Heere, dir singen die Verklärten Dank; dir, Herrscher, brausen Wind und Meere, ihr Brausen ist dein Lobgesang; die ganze Schöpfung ruft mir zu, es sei tein solcher Gott wie du. 6. Du bist mein Heil; mein ganz Gemüthe ist deines Ruhms, mein Retter, voll. O könnt ich deine große Güte doch so erheben, wie ich soll. Doch meine Kraft reicht nicht dahin. Du weißt es, Gott, wie schwach ich bin. 3. Auf alle, die auf Erden wohnen, sieht, Herr, dein Auge 7. Und hätt ich auch viel unverwandt; die unzählbaren tausend Zungen, so würde dei- Millionen belebt und lenket nes Wohlthuns Preis nie wür- deine Hand; kein Wurm kriecht dig gnug von mir besungen auch bei dem allergrößten Fleiß. Denn mehr, Herr, als ich rühmen kann, hat deine Huld an mir gethan. unbemerkt dahin, du siehest und verpflegest ihn. 4. Auch mich hast du nach deiner Güte mit mancher Gnadengab erfreut, gepflanzet selbſt 8. Jedoch du siehst mit Wohl- in mein Gemüthe den Trieb gefallen auch auf des Herzens zur frohen Dankbarkeit. Lehr Redlichkeit, und hörest selbst das alles das, was in mirist, froh schwache Lallen der Deinen mit Zufriedenheit; du hörst es, wie ein Vater pflegt, der seiner Kinder Schwachheit trägt. rühmen, daß du gnädig bist. 5. Wer schuf die Seel und ihre Kräfte, Gedächtniß, Willen und Verstand? Wer segnet des Vom würdigen Gebrauch Berufs Geschäfte? Wer stärkt 4. Ach segne mich, mein Gott, die arbeitsame Hand? Wer in allen meinen Werken; laß schützte mich in der Gefahr, die deinen guten Geist im Guten nah und mir verborgen war? mich stets stärken. Gieb, daß ich 6. Wer fristet meine Lebens- so mein Thun anfange und betage? Wer schmückt und trö- schließ, daß sich dein Segen net sie mit Heil? Du, Vater, auch auf all mein Thun ergießt. thust's; drum Seele, jage: Gott, du bleibst ewiglich mein Theil; von ganzem Herzen liebst du mich, von ganzem Herzen preis' ich dich. 48 5. Erfülle mein Gemüth mit deines Geistes Gaben, daß bei mir Wort und Werk mag Kraft und Weisheit haben; regiere Herz und Mund, daß ich vor7. Dir will ich fernerhin ver- sichtig sei im Reden und mir nie trauen, denn du hast mir stets selbst schaffe Schmerz und Neu. wohlgethan. Ich will auf dich stets findlich schauen; sieh mich mit Vaterblicken an. So geh ich durch die Prüfungszeit mit Freuden hin zur Ewigkeit. 6. Gefällt es auch sonst dir, mir hier in diesem Leben an Ehre, Hab und Gut vor andern was zu geben: so hilf, daß dies Geschenk ich also wende an, damit ich ewiglich vor dir bestehen kann. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 70. Gelobet jeist du, Gott, für alle deine Güte, die du an Seel und Leib, an Sinnen und Gemüthe von Kindheit mir erzeigt; Dank dir für alle Gnad, die mich so unverdient bisher bestrahlet hat. 7. Behüte Leib und Seel vor Schmach, Gefahr und Sünden, und laß bei meiner Schuld mich wieder Gnade finden. Behutſam mach mich selbst, und dann beschüße mich vor aller Feinde Macht, vor böser Zungen Stich. 2. Laß deinen Segen fich 8. Gieb mir ein reines Herz noch fernerhin ergießen, mir und heilige Gedanken; gieb mir dieses Lebens Müh erleichtern Zufriedenheit in meines Stanund versüßen. Gieb Weisheit des Schranken; und schickst du und Verstand, gieb mir gesun- Kreuz, so gieb, daß ich's geden Leib; vor allem, daß stets duldig trag, mit meinem Nächrein Herz und Gewissen bleib'. sten auch in Friede leben mag. 3. Regier und führe mich, 9. Ja, mach mich so gesinnt, damit ich deinen Willen in daß ich selbst meine Feinde mit allem meinen Thun gehorsam Sanftmuth überwind', die Liebe mög' erfüllen; damit ich im- meiner Freunde mit Dank und merfort auf deinen Wegen geh' Gegenlieb erwidre jederzeit, und und niemals wissentlich mit auf das Ende mich mit Sorgfalt vorbereit'. Sünden mich vergeh'. der göttlichen Fürsorge. 49 10. Hilf mir im letzten[ ergründen, auf der ganzen Erde, Kampf, daß ich ihn bald voll- wer? Wer aus seiner Engel ende; den Geist befehle ich in Heer kann es, wie er liebt, erdeine Baterhände; mein fierb- gründen? Seine Lieb ist immer liches Gebein ruh' sanft in stiller neu, ewig seine Gnad und Treu. Erd, und dem, der um mich 4. Seinen Geist, den treuen Führer, welchen Jesus uns verheißt, schenkt er mir auch zum Preis hier und im Himmel Regierer, wenn die Welt mich oben; Herr Jesu, Gottes Sohn, an sich reißt, daß er meine Seele dich will ich allzeit loben; Gott fülle mit des Glaubens hellem heilger Geist, dein Ruhm er- Licht. Dann, dann fürcht ich schalle mehr und mehr. Drei- kein Gericht, und mein bebend einger Herr und Gott, dir sei Herz wird stille. Deines Heils Lob, Preis und Ehr! darf ich mich freun: Herr, dein bin ich, du bist mein! weint, sei Trost von dir gewährt. 11. Gott Vater, dir sei 5. Meinem bessern Theil, der 71. Sollt ich meinem Gott nicht singen? Sollt' ich ihm nicht dankbar sein? Sollte nicht Seele, giebst du Troft und Kraft und Ruh; wenn ich das, was du willst wähle, strömet mir in allen Dingen seine Liebe mich dein Frieden zu. Was, so lange erfreun? Lieben ist es, nichts wir hier wallen, wir bedürfen als Lieben, herzliche Barmher- in der Welt, was die Hütten zigkeit, die so oft und viel ver- stützt und hält, die dereinst in zeiht. Herr, ich will dich ewig Staub zerfallen, auch dies giebt lieben, ich will, als dein Eigen- uns, dessen Ruf diese Welt für thum, stets erheben deinen Ruhm. uns auch schuf. 6. Himmel, Erd und ihre Heere sind auch mir zum Dienste 2. Wie ein Adler sein Gefieder über seine Jungen streckt, so hat( dankt's ihm meine da. Wohin ich mein Auge fehre, Lieder) mich auch Gottes Arm ist mir Gottes Segen nah. bedeckt. Gott, der über mich schon Thier und Kräuter und Gewachte, als ich kaum zu sein treide in den Gründen, auf begann, sah mit Vaterhuld mich der Höh, in den Büschen, in an, eh ich lebte, eh ich dachte. der See, sind dachte. der See, sind mir Nahrung, Leib und Seele gabst du mir, sind mir Freude. Vom Gedeihn o Gott, wie verdant ich's dir? und Ueberfluß trieft des Aller= 3. Für mich, Armen, mich höchsten Fuß. Verlornen, mich der ich gefallen bin, gabst du deinen Eingebornen, Jesum Christum, selber hin. Wer kann, was er that, Osnabr. Landgefangb. X. Aufl. 7. Wenn ich schlafe, wacht sein Sorgen und beruhigt mein Gemüth; ich erwach und seh am Morgen neue Liebe, neue 4 Univ.- Bibl. Giessen 50 Vom würdigen Gebrauch Güt'. Wär Gott nicht mein Maße, und wird einst sein Glüc Schutz gewesen, hätte nicht sein erhöhn. Die, so hier mit ThräAngesicht mich geleitet, wär ich nen säen, ernten dort mit Freunicht aus so mancher Angst den ein; nach des kurzen Lebens genesen, nicht entgangen der Pein werd ich Gottes Weg verGefahr, die mir selbst verbor- stehen und ihm danken, daß sein gen war. Rath mich darauf geführet hat. 12. Weil denn ohne Ziel und Ende deiner Gnade Wunder sind, o so heb ich meine Hände auf 8. Wie so manche Noth und Plage, die dies Leben mit sich führt, hielt der Vater meiner Tage ab, daß sie mich nicht zu dir und fleh als Kind: berührt! Freude mehr, als Mach mein Herz dir ganz ergeSchmerz, gesendet hat er mir; ben, laß mich deine Lieb und manch bittres Weh, das ich macht, die für mich stets sorgt Andre dulden seh, gnädig von und wacht, froh empfinden, froh mir abgewendet, und bei dem, erheben, bis ich dich nach diewas mich beschwert, Trost und ser Zeit preise dort in Ewigkeit. Hülfe stets gewährt. 9. Wie ein Bater seinem 72. Gott ist mein Lied! Er Kinde niemals ganz sein Herz ist der Gott der Stärke! Groß entzeucht, ob es gleich, verführt ist sein Nam und groß sind zur Sünde, von der rechten seine Werke, und alle Himmel Bahn abweicht: also hält auch sein Gebiet. mein Vergehen Gott, mein Vater, mir zu gut, züchtiget mit sanfter Ruth', und läßt Gnad' für Recht ergehen, und mischt in die Züchtigung Liebe noch und Linderung. 2. Er will und spricht's, so sind und leben Welten; und er gebeut, so fallen durch sein Schelten die Himmel wieder in ihr Nichts. 3. Licht ist sein Kleid, und 10. Seine Strafen, seine seine Wahl die beste. Er herrscht Schläge, die mit Schmerzen ich als Gott, und seines Thrones empfind, sind, wenn ich es Feste ist Wahrheit und Gerechrecht erwäge, Zeichen, daß er tigkeit. mich, sein Kind, liebe und nur 4. Unendlich reich, ein Meer darauf denke, daß er bessre von Seligkeiten, ohn Anfang meinen Sinn, und ihn von dem Gott, und Gott in ewgen ZeiEitlen hin zu dem Unsichtba- ten! Herr aller Welt, wer ist ren lente, ja durch Leiden die- dir gleich? ser Zeit fördre meine Seligkeit. 11. Das weiß ich gewiß und lasse mir's nicht aus dem Sinne gehn: Christenkreuz hat seine sind ewig vor ihm offenbar. 5. Was ist und war im Himmel, Erd und Meere, das kennet Gott, und seiner Werke Heere der göttlichen Fürsorge. 6. Er ist um mich, schafft,| jeder Staub, den du hast werdaß ich sicher ruhe; er schafft, den lassen, verkündigt seines was ich vor oder nachmals thue, Schöpfers Macht. und er erforschet mich und dich. 7. Er ist dir nah, du sitzest oder gehest; ob du ans Meer, ob du gen Himmel flöhest, so ist er allenthalben da. 12. Der kleinste Halm ist deiner Weisheit Spiegel. Du, Luft und Meer, ihr Auen, Thal und Hügel, ihr seid sein Loblied und sein Psalm. 51 8. Er kennt mein Flehn und allen Rath der Seele; er weiß, wie oft ich Gutes thu und fehle, und eilt mir gnädig beizustehn. 13. Du tränkst das Land, führst uns auf grüne Weiden; und Nacht und Tag, und Korn und Wein und Freuden empfan9. Er wog mir dar, was er gen wir aus deiner Hand. mir geben wollte, schrieb auf 14. Rein Sperling fällt, sein Buch, wie lang ich leben| Herr, ohne deinen Willen; sollt' sollte, da ich noch unbereitet war. 10. Nichts, nichts ist mein, das Gott nicht angehöre. Herr, immerdar soll deines Namens Ehre, dein Lob in meinem Munde sein! ich mein Herz nicht mit dem Troste stillen, daß deine Hand mein Leben hält? 15. 3ft Gott mein Schuß, will Gott mein Retter werden: so frag ich nichts nach Him11. Wer kann die Pracht von mel und nach Erden und biete deinen Wundern fassen? Ein selbst der Hölle Truz. IV. Von den vornehmsten Geschöpfen Gottes, die wir kennen, den Engeln und Menschen. Von den Engeln. Mel. Nun freut euch liebe zc. Mel. Herr Jesu Chrift, dich zc. 74. Gott, der du aus Her73.Wir danken dir, o gro- zensgrund die Menschenkinder Ber Gott, du mächtiger Herr liebest, und uns zu aller Zeit und Zebaoth, daß du uns durch der Stund viel Gutes reichlich gieEngel Schar so gnädig schüßest best, wir danken dir, daß deine Treu bei uns ist alle Morgen neu in unserm ganzen Leben. immerdar. 2. Laß ferner deiner Engel Hut abwenden, was uns Scha= den thut, so wollen wir, o Bater, dich mit ihnen loben ewiglich. 2. Wir preisen dich insonderheit, daß du der Engel Schaaren zu deinem Dienste haft bereit, 52 Von den Engeln. und auch uns zu bewahren, daß| haft vorgestellt, voll Weisheit, unser Fuß an feinem Stein, Macht und Güte. wenn wir auf unsern Wegen sein, sich stoße, noch verlege. 8. Und wie du durch die Engel haft aus Noth uns oft ge3. Was ist vor dir der Mensch führet, ja auch bewahrt, daß auf Erd, den du so wohl be- manche Last und Plag uns nicht denkest, und achtest ihn so hoch berühret; so thu dasselbe auch und werth, daß du ihm lieb- hinfort, befiehl, daß sie an allem reich schenkest mit andern auch Ort sich stets um uns her lagern. noch diese Gnad, daß er, Herr, deine Engel hat zum Schuhe um sich stehen. 9. Laß deine Kirch und unser Land der Engel Schutz empfinden, daß Fried und Heil 4. Herr, diese theure, große in allem Stand sich bei uns Prob' der Freundlichkeit und möge finden. Laß sie der Feinde Güte erheischt ein immerwäh- Macht und List und Alles, was rend Lob aus dankbarem Ge- uns schädlich ist, durch deine müthe. Dich, Gott und Vater, Kraft abwenden. preisen wir für diese Huld, 10. 3ulegt laß sie an unserm wir danken dir für solche hohe End nach diesen PrüfungstaWohlthat. gen die Seele hin in deine 5. Bisher war deiner Helden Händ, in deinen Himmel traKraft uns immerdar zur Sei- gen, wo Alles, Herr, dir Ehre ten; durch sie hast du uns Rub bringt und heilig, heilig, heilig geschafft und friedevolle Zeiten; ingt ohn Ende und Aufhören. die Kirche und die Obrigkeit, Mel. O Gott, du frommer Gott u. auch jeden Stand in Sicherheit 75. Ich danke dir, mein durch ihren Schuzz erhalten. Gott, daß du mein ganzes Le6. Verleih, o Herr, durch ben mit deiner Engel Schaar deine Gnad, daß wir fest an haft jederzeit umgeben, daß deidir bleiben, und ja nicht selbst ner Engel Schutz mich hat bei durch Uebelthat die Engel von Tag und Nacht in drohender uns treiben; gieb, daß wir Gefahr behütet und bewacht. rein und heilig sein, demüthig, 2. Der Feind ist zwar beohne Heuchlerschein, dem Näch- müht, zu schaden, zu verderben, sten gerne dienen. er sieht das Elend gern von dei7. Gieb auch, daß wir der nen Himmelserben; doch bleibt Engel Wert verrichten dir zu der Engel Heer noch stets der Ehren, und deiner Wunder Deinen Schutz, und wehret große Stärk ausbreiten und früh und spät des Feindes vermehren, die du uns in der Macht und Truß. ganzen Welt und deinem Wort 3. Der Geist der 3wietracht Von den Engeln. wünscht Haß, Feindschaft, Mord nen Thron gestellt, wie herrlich und Toben; es wird bei menschen leicht ein Streit von ihm erhoben. Wo deiner Helden Macht der Streitsucht Geist nicht wehrt, wird plötzlich Fried und Ruh in Krieg und Streit verkehrt. mußt du wohnen, wie groß mußt du nicht sein, da Seraphim und Thronen sich deinem Dienste weihn! 2. Ganz werd ich einst verstehen, was deine Geister sind, wenn einst auf deinen Höhen 4. Wie lange würden wir, des Geistes Nacht zerrinnt; wenn Herr, ohne dich bestehen, wie mit den Seraphinen ich einst bald mit unsrer Macht verder in jenem Licht verklärt dir werde ben und vergehen: wenn du dienen und sehn dein Angesicht. uns nicht in Noth und Widerwärtigkeit durch deiner Engel Schutz verliehest Sicherheit? 3. Der Engel selges Leben ist Thätigkeit und Geist, mit nichts von dem umgeben, was 5. Für diese große Gnad, schwach und sterblich heißt. Ihr für alle Huld und Gaben, Wissen übersteiget den menschdie wir das ganze Jahr von lichen Verstand, weil Gott sich dir empfangen haben, für diese ihnen zeiget, wie ihn kein Mensch Vatertreu und reiche Gütigkeit erkannt. preist dich an diesem Tag die ganze Christenheit. 4. Sie leben frei von Sünde bei Gott, fie altern nicht, durch= 6. Gelobet sei der Herr, der schaun der Weisheit Gründe, mächtige Beschützer, der Herr- sind lauter Kraft und Licht: scher aller Ding, des Himmels- nichts schwächet ihre Stärke, bethrons Besitzer: es sei gelo- dürfen nicht zu ruhn; und was bet Gott, der Vater, Sohn und sind ihre Werke? Den Willen Geist, der heilig, heilig ist und Gottes thun. ewig heilig heißt. 5. Sie suchen Gottes Ehre, 7. Ach, treuer Gott, laß uns sie nehmen an uns Theil; wie die Engel ferner schügen! Laß freuten ihre Chöre sich über ununs, was du uns giebst, in ser Heil! Sie waren Christi Fried und Ruh besitzen: damit Boten, da er geboren ward dich jeder Stand für deine und aufstand von den Todten Gütigkeit und deiner Engel und bei der Himmelfahrt. Schuß erhebe jederzeit. 6. Mein Gott, sei hoch ge= priesen, daß du in dieser Welt die Wohlthat uns erwiesen, uns Engel uns unfern Wegen liebreich zur Seite gehn, und deinen Vatersegen für uns am Thron erflehn. Mel. Herzlich thut mich verlangen zc. 76. Der Greaturen Meister, du Herr der ganzen Welt, der so viel tausend Geister um sei53 54 Von den Engeln. 7. Einst werd ich mit den Willen: laß ihn auch mich erFrommen, wenn ich den Lauf füllen. Sie sind von Sünden vollbracht, zu deinen Engeln rein: laß mich auch nichts bekommen und ihnen gleich ge- flecken; auch wenn mich Schatmacht. Dann mischt in ihre ten decken, stets so wie sie die Chöre sich auch mein Lobgesang, Sünde scheun. und bringt dir ewig Ehre, An= betung, Preis und Dank. 7. Hilf Aug und Herz bezähmen, kein Aergerniß zu nehmen; lehr mich behutsam sein. Auch nie durch sündhaft Leben dem Nächsten Anstoß geben; Mel. Nun ruhen alle Wälder 2c. 77. Du Herr der Seraphi- denn dieses stürzt in Höllennen, dem tausend Engel dienen pein. und zu Gebote stehn! Du aller 8. Wenn ich denn endlich Wesen Meister und Vater aller scheide, so führe mich zur Freude Geister, auch ich will deinen in ihre Chöre ein. Dort bei Ruhm erhöhn. dir, Höchster, oben, da werd 2. Herr, deine Himmelsheere, ich dich recht loben, dir und die Zeugen deiner Ehre, sind den Engeln ähnlich sein. Diener deiner Macht; sie sehn von Angesichte dich im vollkommnen Lichte, und haben dennoch auf mich Acht. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc. 78. Herr, den in lauten Chö3. Ich preise deine Güte mit ren der Menschen Zungen ehdankbarem Gemüthe für deiner ren, die deine Hand erquidt; Engel Schaar. Dem menschlichen dich preisen auch die Schaaren Geschlechte verschaffet deine der Geister, die da waren, eh Rechte durch sie Beschirmung noch der Mensch das Licht erin Gefahr. blidt. 4. Gieb, Geber aller Güter, 2. Du sprachst: da wurden mir ferner diese Hüter zu mei- Wesen, unsichtbar, auserlesen, nem Schirme bei. Von ihrem unkörperlich und rein. Gott, laß Schuß umgeben, führ ich ein auch diese Werke uns Zeugen frohes Leben und bleibe meinen Pflichten treu. deiner Stärke und unerforschten Weisheit sein. 3. Die Engel find mit Kräften zu wichtigen Geschäften von dir, Gott, ausersehn; laß uns auch mit den Gaben, die wir empfangen haben, dein Lob und Andrer Wohl erhöhn. 4. Die du in Prüfungsstun5. Daß sie nicht mögen weichen, so laß mich ihnen gleichen an wahrer Heiligkeit; wie sie die Menschen lieben und wahre Demuth üben, so mach auch mich dazu bereit. 6. Sie thun gern deinen 55 Von den Engeln. den treu und bewährt erfun- liche Geschlechte wie ein treuer den, sehn nun dein Angesicht; Vater liebt; der in dieser großen hilf in den Probezeiten auch Welt Alles, was er schuf, eruns das Heil erstreiten, das hält; der, als Herr, uns in unsrer Treu dein Wort ver- Gefahren mächtig kann und spricht. will bewahren: 5. Es jauchzen jene Geister 2. Viele tausend Seraphinen vor dir, Gott, ihrem Meister, jauchzen und lobsingen dir; dich dem Herrn der ganzen Welt. zu loben, dir zu dienen, sind Sie ehren dich, erfüllen mit sie willig für und für; aber Freude deinen Willen; laß uns auch auf uns zu sehn und uns auch thun, was dir gefällt. Schwachen beizustehn, sind sie, wenn du winkest, fertig und den Deinen gegenwärtig. 6. Uns Sterblichen zu dienen, sind deine Seraphinen auf deinen Wink bereit; zum Wohl des Nächsten leben, das sei auch unser Streben, daß unser Wandel fie erfreut. 3. Gott der Engel, Herr der Welten, ach, was sind wir Menschen doch, daß wir so viel vor dir gelten! O wie hältst du 7. Ach, jene, welche fielen, uns so hoch! Deine Engel dieerfahren nun und fühlen den nen uns und sind Zeugen unLohn der Frevelthat. Uns soll jers Thuns. Laß uns einst in ihr Beispiel lehren, daß Stolz ihren Chören ewig dich im und sich empören Unseligkeit Himmel ehren. zur Folge hat. 8. Wir wollen hier auf Erden, wo wir geprüft noch werden, auf deinen Wegen gehn. Hilf du auf allen Seiten uns Mel. Nun danket alle Gott 2c. wachen, beten, streiten und ster- 80. Allmächtig großer Gott, bend noch als Sieger stehn. wer kann dich gnug erheben? Du gabst der ganzen Welt das Dasein, Kraft und Leben. Was Geist und Körper heißt, was 9. Herr, den in lauten Chören die Engel stets verehren, lobsingend beten an: laß unsern Geist am Ende, geführt durch Erd und Himmel schmückt, hat ihre Hände, verklärt sich dei- deine Hand gebaut, die Alles nem Throne nahn! noch beglückt. Von der Natur, Würde und Bestimmung des Menschen. 2. Du schufft( ich dant es dir) auch mich zu deiner Ehre, und Mel. Freu' dich sehr, o meine 2c. 79. Höchster, desſen starte dein Bildniß wäre. Darum Rechte Zuflucht, Schirm und hast du den Geist, der Schatten giebt; der das mensch- lebt und denkt, mir zur Unsterb= in mir 56 Von der Natur, Würde lichkeit aus deiner Huld ge- lo Gott von diesem Ziele; du schenkt. weißt, was mir noch fehlt, und 3. O welch ein großer 3weck, ich, ich selber fühle, wie wenig dazu du, Gott, mich schufest! ich dir noch im Guten ähnlich Wie herrlich ist das Glück, dazu bin. O bilde du mich ganz nach du mich berufest! Dir, Höch- dir und deinem Sinn. ster, ähnlich sein, vollkommen 9. Beglückt ist nur alsdann sein, wie du! O wohl mir, mein Lebenslauf auf Erden, wenn ich's bin! Hilf du mir selbst dazu! wenn ich dir immer mehr schon hier kann ähnlich werden. Dann 4. Laß dieses große Ziel mir werd ich ewig auch mit dir stets vor Augen schweben; mein vereinigt sein, und mich ohn allerhöchster Wunsch, mein ei- Unterlaß, Gott, deiner Güte frigstes Bestreben in allem mei- freun. nem Thun sei dies, o Gott, allein, daß ich auch so, wie du, mel. Wer nur den lieben Gott 2c. gesinnet möge sein! 5. Du bist der Wahrheit 81. Dein bin ich, Gott, dein Freund; laß mich auch Wahr- ist mein Leben; wie tröstlich ist heit lieben, und mit stets mun- mein Ursprung mir! Du hast term Fleiß in allem dem mich den Odem mir gegeben; mein üben, was mich zur Weisheit ganzes Wesen kommt von dir; führt; zur Weisheit, die dich du, Vater, riefst mich aus dem ehrt, und Allem Beifall giebt, Nichts zum frohen Anschaun was du uns selbst gelehrt. deines Lichts. 6. Laß deine Heiligkeit mich 2. Wie viel hab ich dir zu stets zum Muster nehmen. Hilf verdanken, Herr, der du mich mir die Sünde fliehn, des Flei- bereitet hast! Als mich die ensches Lüste zähmen; nur das, gen, finstern Schranken des erwas recht ist, thun, des Guten sten Daseins noch umfaßt, da mich erfreun, und dem, der's war dein Auge über mir, da üben will, auch gern behülflich lebt ich, Höchster, nur in dir. ſein. 3. Du gabst mir die ver7. Gieb, daß ich, so wie du, nünftge Seele, die nur so lang ein Freund der Menschen werde, im Fleische lebt, bis fie, dem Wohlthun Freude macht, ihr kein Wohlsein fehle, dein der Kummer und Beschwerde Ruf zum höhern Geist erhebt; dem Nächsten gern erspart, sein du hast mir Sinnen und VerLeiden ihm versüßt, und, wo stand, Begierd und Willen zuer helfen kann, zum Helfen wil gewandt. lig ist. 8. Noch bin ich weit entfernt, 4. Wenn ich auf meinen Körper sehe, den du so tunstvoll und Bestimmung des Menschen. 57 ausgebild't, so wird, o Vater] Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. in der Höhe, mein Herz mit Ebrfurcht ganz erfüllt; der Glieder Bau und jeder Sinn reißt mich zu deinem Lobe hin. 5. Durch deiner Vorsicht Vorsicht gnädges Walten, die mich von Kindheit an umfing, bin ich bis hieher noch erhalten, so daß der Tod vorüber ging; ich stehe noch und preise dich, Herr, deine Rechte schützet mich. 3. Was um mich ist, ver6. Jch bin nicht werth der fündigt mir, Gott, deine Herrgroßen Güte, die du, mein lichkeit; zu ihrem Preise reizt Gott, an mir gethan; beschämt mich hier jedwede Tageszeit. empfindet mein Gemüthe die 4. Und ich, ich sollte fühllos Schuld, die ich nicht leugnen sein; ich rühmte dich, Herr, tann; ich habe, was mich sehr nicht? Ein Herold deines Ruhms erschreckt, vielfältig Seel und Leib befleckt. zu sein, bleibt meine größte Pflicht. 5. O mache dieser Pflicht mich treu, so treu, Herr, als ich soll; mein Herz, mein Mund, mein Wandel sei stets deiner Ehre voll. 7. Ja, Herr, ich habe meine Glieder, zu Sündengliedern oft gemacht; vor dir fall ich in Demuth nieder; vergieb, was ich nicht recht bedacht; verwirf mich, Bater, nicht von dir; schaff selbst ein reines Herz in mir! 82. Ich bin, o Gott, dein Eigenthum; du schufft mich, dein zu sein, mein ganzes Leben dir zum Ruhm und deinem Dienst zu weihn. 2. Du gabst mir den vernünftgen Geist, bewundernd einzusehn, wie dich, Herr, deine Schöpfung preist, mit ihr dich zu erhöhn. Gebot, ihm ist's nicht Last, nicht 6. Wer dich verehrt, hält dein Bein, drum gieb auch mir die Kraft, o Gott, gehorsam dir 8. Hilf, daß ich dir zur Ehre lebe, und redlich thu, was dich erfreut, und Geist und Leib und zu sein. Glieder gebe zu Waffen der Ge- 7. Was du befiehlst, ist für rechtigkeit, daß ich bis in den uns gut, du willst nur unſer Tod dir treu und stets ein Freund Heil. Wohl dem, der deinen der Tugend sei. Willen thut: du bist sein Trost und Theil. 9. Fällt dieses Leibes Hütte nieder, vollend ich dieses Le- 8. Er wandelt hier auf ebbens Lauf: o Gott, so richte ner Bahn und selbst in Traudu mich wieder verherrlicht aus dem Staube auf; dein ewig's Leben sei mein Theil, so preis' ich ewig dich, mein Heil! rigkeit schmeckt er, dir, Höchster, zugethan, in dir Zufriedenheit. 9. Nach hier vollbrachter Prüfungszeit nimmt ihn der Himmel 58 Von der Natur, Würde ein; Herr, laß nach dieser Selig-| verbinden, sie trennen, wie es ligkeit mein ganz Bestreben sein! mir gefällt, die Welt empfinden, mich empfinden, mich unterscheiden von der Welt; zu tausend Thaten hab ich Kraft, Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 83. Cs werde Gott von dir die giebt mir Gott, der Alles schafft. erhoben, du, seiner Weisheit Werk, mein Geist! Sollt' ich 7. Wie feurig dürftet meine nicht meinen Vater loben, den Seele nach Wonne, Glück und jedes seiner Werke preist, ihn, Seligkeit; nur daß ich oft beder mich schuf, sein Bild zu trogen wähle, was mich nach sein, und seiner Liebe mich zu dem Genusse reut; doch das ist, freun? Vater, meine Schuld; die Kraft an sich zeugt nur von Huld. 2. Schön ist der sonnenreiche Himmel, den er zu seinem Stuhle 8. Begabt mit wundervollen wählt; doch ist der sonnenreiche Sinnen, mit Freiheit, mit VerHimmel gedankenlos und unbe- nunft von dir, sollt' ich nur dich, seelt; mir aber gab des Schö- Gott, lieb gewinnen, dich nur, pfers Hand Gefühl und Sinne und nichts gebräche mir. Ach, und Verstand. möchte meine Seele dein mit allen ihren Kräften sein! 9. Gott, meine Lust sei, dich zu tennen, dich, Urquell der Vollkommenheit; von deiner Liebe ganz zu brennen, das sei mir Ruhm und Seligkeit! Nimmst du zum Erben, Gott, mich an, hab ich nur dich, was fehlt mir dann? 10. Es werde Gott von dir erhoben, du, seiner Allmacht Werk, mein Geist! Sollt' ich nicht meinen Vater loben, den jedes seiner Werke preist? Ja, Leib und Geist will ich ihm ich gewinne, weil ich zu einem weihn, denn er schuf mich, sein Geiste ward, durch die Em- Bild zu sein. 5. Jch, Gott, kann denken; 3. Anmuthig, prächtig, zum Entzücken, ist seine ganze Körperwelt. Wer zählt die Reize, die sie schmücken? Was ich nur sehen kann, gefällt; und doch kann ich nie ganz, wie schön, wie wundervoll sie sei, verstehn. 4. Für Engel nur und nur für Seelen, die Gott zu ihrer Würd erhob, sind sie so herrlich, sie erzählen nur Geistern meines Schöpfers Lob. O Seele, jauchze, daß der Ruf der Allmacht dich zum Geiste schuf. pfindung meiner Sinne Gedan= ten tausendfacher Art. Ach strebt ich, alle Gott zu lig könnt' ich hier schon sein! 6. Ich kann sie sammeln, sie Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 84. Was ist vor deinem Angesichte der Mensch, Gott, daß und Bestimmung des Menschen. 59 du sein gedenkst, und einen der Erde, im Himmel deiner Strahl von deinem Lichte auf ewgen Stadt, ich, Gott, dein ihn, den Staub, hernieder senkst? Antlig schauen werde, von deiWas ist er? Nur ein fallend nem Licht stets froh und satt: Laub; du sprichst und er so sollen Leib und Seele dich wird wieder Staub. vollkommen rühmen ewiglich. - 2. Du sahest an den Menschenkindern den schweren Fall mel. Allein Gott in der Höh' zc. vor und hast du diesen Sündern aus 85. Wie wichtig ist doch der göttlicher Barmherzigkeit des Guten, ach, so viel gethan, ja mehr, als Jemand fassen kann. 3. Du hast den Leib, obschon de, doch wunderbar und schön gebaut, daß er der Seele würdig werde, ihm Sprach' und Sinnen anvertraut; du hast ihn selbst zum Herrn der Welt, dem Alles dienen soll, bestellt. Beruf, den uns der Herr gegeben! Gott, als uns deine Liebe schuf, da schuf sie uns zum Leben; zum Leben, welches ewig währt, das weder Leid noch Angst beschwert, willst du uns hier erziehen. 2. Nicht hier ist unser Vaterland; allein bei dir, Gott, droben, da ist der Ort, wo deine Hand das Glück uns aufgehoben, das nie ein traurig Ende nimmt. Hier sind wir nur von dir bestimmt, uns dazu an4. Du haft ihm noch viel mehr geschenket; du gabest ihm zum bessern Theil die Seele, welche will und denket, und ihr hast du ein ewges Heil, zuschicken. noch ehe sie nach dir gefragt, 3. O laß mir doch dies große in deinem Worte zugesagt. Ziel durch nichts verrücktet wer5. Drum laß es mich sehr den! Was hilft's, wenn ich auch wohl bedenken, was du, o Gott, noch so viel von Gütern dieser an mir gethan; dir Leib und Erden, von Ehre, Geld und Luft Seele wieder schenken, da ich gewinn', wenn ich dabei nicht dir sonst nichts schenken kann, tüchtig bin, dein Himmelreich damit sie beide nach der Zeit dich preisen in der Ewigkeit. zu erben? 4. Dein Pilgrim bin ich ja 6. Und nimm indeß sie alle nur hier; laß mich dies nie verbeide, Allmächtiger, in deinen gessen! Nur wenig Tage hast du Schuß, so bieten wir in allem mir zur Wallfahrt zugemessen; Leide mit dir auch allen Fein- schnell, wie ein Traum, sind fie den Truß. Wenn wir in dei- vollbracht, und dann wird dieser ner Gnade stehn, so muß es Erde Pracht auf ewig mir veruns stets wohl ergehn. gehen. 7. Doch wenn erhöhet von 5. Drum laß des Himmels Von der Natur, Würde Herrlichkeit mich stets vor Au- 3. Nicht Wunder für das gen haben, laß mich in meiner Aug allein, auch Wunder für Prüfungszeit um jene bessren die Seele, damit es ihr, sich Gaben, die mir im Tode nicht zu erfreun, an keiner Schönheit entfliehn, am ersten und mit fehle. Wie kunstvoll ändert er Ernst bemühn, damit ich nicht sie ab; versagt dem, was er einst darbe. andern gab; und doch ist jedes herrlich. 6. Ein Herz, das dich, o Vater, liebt und deines Sohns sich 4. Wo ist ein Gras, wo nur freuet, das in dem Glauben Tu- ein Blatt, ein Stäubchen auf gend übt und sich vor Sünden der Erde, wodurch, o Mensch, scheuet; ein solches Herz, das nicht Gottes Rath und Kraft wird allein sich ewig deiner Güte freun und einst dein Antlig schauen. 60 verkläret werde? O wie ist seine Macht so reich was aber deiner Trägheit gleich, daß du's nicht siehst, nicht fühleft? 7. Und solch ein Herz, das wollst du mir, Gott, aus Er- 5. Gab seine Macht, die barmen geben, damit ich möge Schöpferin der Schönheit und auch schon hier nach den Ge- des Lebens, dir deinen Geist, segen leben, die selbst im Him- so manchen Sinn, so viel Gemel gültig sind, bis ich einst fühl vergebens? Für wen, für als ein gutes Kind zu deiner wen als dich erschafft, erhält Freude gehe. und schmücket seine Kraft fo vieler Wesen Arten? - Mel. Sei Lob und Ehr' dem 2c. 6. Dein Gott bedarf nichts; seine Hand, die seine Schöpfung 86. Lobsinget Gott, und be- schmückte, gab dir Empfindung tet an! Es dant, es rühm, es und Verstand, damit er dich singe, es jauchze, wer nur jauch- beglückte. Willst du, o Mensch, zen kann, dem Schöpfer aller nicht glücklich sein? Will sich Dinge! Wie groß, wie schön nicht deine Seele freun, nicht ist seine Kraft! Wie herrlich, immer froher werden? wie untadelhaft sind alle seine Werke! 7. O warum suchest du dein Glück in eitlen Träumereien? 2. Wie schön, wie würdig Wirf auf die Schöpfung deinen ſeiner Macht, mit allen ihren Blick, da will er dich erfreuen. Heeren die Himmel! Wie viel Genieß, dein Vater sieht es Licht und Pracht bestrahlt sie, gern, genieß die Freuden deiihr zu Ehren! Das Auge sieht sich nimmer satt, und was es auch gesehen hat, doch immer neue Wunder. nes Herrn; nur sei es ohne Sünde! 8. Er selbst entflammt in deiner Brust die Sehnsucht nach und Bestimmung des Menschen. 61 Vergnügen. Er schuf auch nicht so meisterlich bereitet: was Quellen, die voll Lust stets rin-' nügte mir der Sonne Licht, ihr nen, nie versiegen. Gieb nur Glanz, vor mir verbreitet? auf seine Wunder Acht; wohlthätig ist des Schöpfers Macht; kann dir's an Freude mangeln? 9. Dir wohlzuthun, das ist ihr Ziel, zum Dank dich zu erwecken. Ach, hätt' ich nur genug Gefühl, wie gut er ist, zu schmecken! Ist seiner Wohnung Vorhof schon so schön, wie wird mich einst sein Thron, wie wird er selbst entzücken! Dann säh' ich nicht, mit welcher Pracht du, Herr, durch deine weise Macht, was du erschaffen, schmückest. 5. Ich jauchze, daß ich sehen kann, und hören und empfinden. Froh bet ich meinen Schöpfer an, der überall zu finden. Mein Mund sei voll von deinem Dank, und deiner Schöpfung Lobgesang sei mein Gehör gewidmet. Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. 6. Wer leitet meines Blutes Lauf? Wer lenkt des Herzens 87. Dir, Gott, sei Preis und Schläge? Wer regt die Lung Dank gebracht! Dich rühme Harf und Psalter! Jch bin ein Wunder deiner Macht, mein Schöpfer, mein Erhalter! Mein ganzer Leib, erbaut von dir, sammt einem jeden Sinn an und schwellt sie auf, damit ich leben möge? Gott ist es, der dies Alles thut. Schlag, Herz, entflamme mich, o Blut, daß ich den Höchsten preiſe. 2. Haupt, Aug und Ohr 7. O pries ich, Höchster, immir beweiset deine Größe. mer dich, wenn ich die Sinne brauche, geh, liege, ruhe oder und Mund und Hand, die ich mich bewege, athme, hauche! zu dir erhebe; die Haut, so Gieb, daß ich ewig dein mich fünstlich ausgespannt, der Ner- freu', und daß mein Leib ein ven fein Gewebe und alle Glie- Tempel sei, worin dein Geist der sagen mir, ich sei, o Gott, stets wohne. ein Werk von dir, ein Werk mel. Wer nur den lieben Gott zc. von deiner Weisheit. 3. Wie biegsam, wie gelent- 88. Ich bin zur Ewigkeit gevoll schließt den Thoren zu boren, für eine bessre Welt beverdammen, der's leugnet, daß stimmt; mein Leben ist nicht ein Schöpfer ist sich Glied an Glied zusammen; wie willig, Herr, gehorchen sie, wenn meine Seele spät und früh des Leibes Dienst verlanget. 4. Ach, hättest du mein Auge ganz verloren, wenn's gleich der Tod zum Raube nimmt. Ich lebe nicht für dieſe Zeit, mein Loos ist die Unsterblichkeit. - 2. Was ist die Welt, was Geld und Ehre? Gesetzt, es 62 Von der Natur, Würde wäre Alles mein: es bliebe, triumphirt, wird dort einst vors wenn kein Himmel wäre, für Gericht geführt. meine Wünsche viel zu klein. Mein Geist fühlt, daß die ganze Welt sein Wünschen nicht zu frieden stellt. 8. Ist's möglich, kann Gott anders handeln? Gilt denn kein Recht in seinem Reich? Die Frommen, die hier vor ihm 3. Er schuf mich ja, der Gott wandeln, sind die den Lasterder Liebe, zu meinem Glück, zu haften gleich? Nein, komm nur, seiner Lust; er pflanzte selbst Tod, ich sterbe drauf, Gott wedt die höhern Triebe mit eig- uns zur Vergeltung auf. ner Hand in meine Brust. Er, 9. Er der den Geist mit Sehnsucht füllt, läßt sie gewiß nicht ungeſtillt. 4. Der Wunsch, ihn ewig treibt vollends allen Zweifel treu zu lieben, in größrer Klar fort. Wie froh erhebt sich nun heit ihn zu sehn, der hier noch mein Geist, weil Gott ihn selbst unerfüllt geblieben, muß einst unsterblich heißt! noch in Erfüllung gehn, daß ich, was er an mir gethan, er= kennen und verehren kann. weckt mich auf aus meinem Grabe; dies hofft mein Herz, so spricht sein Wort; und was ich hier gefunden habe, 10. Noch mehr, ich kenne für mich gethan; was ich aus und das, was er heit, die nicht trügen kann. Ich seinem Munde höre, ist Wahrbin des Heilands Eigenthum, erlöst durch ihn zu seinem Ruhm. 11. Mein Jesus lebt, wer will mich tödten? Wer raubt mir die Unsterblichkeit? Sein Arm reißt mich aus Todesnöthen und führt mich hin zur Seligkeit. Auch dieser Leib muß auferstehn und schön verklärt zum Himmel gehn. 12. Jhr Thäler sinkt, fallt Berge, nieder! Mein fester Glaube fürchtet nichts. Ich sehe 7. Gerecht ist Gott, der einst den Morgen wieder, den höchste Richter. Die Tugend Morgen jenes ewgen Lichts. wird noch einst gekrönt, wenn Dann fängt mein neues Leben gleich ein Haufe Bösewichter an; o Gott, wie selig bin ich sie hier verwirft, verfolgt, verhöhnt. Der Heuchler, der hier 5. Gott prägte mir durch das Gewissen Gefühl von Recht und Unrecht ein. Daß Böse Böses leiden müssen und Tugendhafte glücklich sein, dies glaub ich; doch seh ich noch nicht den Richter, der das Urtheil spricht. 6. Dem Tugendhaften ist hienieden oft ein sehr widriges Geschick zum Loos für diese Zeit beschieden; dem Lasterhaften oft viel Glück. Gewiß, erst eine andre Welt ist zum Vergeltungsort bestellt. dann! 13. Herr Jesu, laß zu jenem und Bestimmung des Menschen. 63 Leben mich täglich hier die Aus- er sei tein eitler Traum und saat streun. Laß deinen Geist falscher Schein. Er stärke mich mir Kräfte geben, im Glauben in meiner Wanderschaft und tugendreich zu sein. Dann hältst gebe mir zum Kampf und du auch für mich bereit die Siege Kraft. Wonne der Unsterblichkeit. 3. Laß mich, so lang ich hier soll leben, auch in den bösen Tagen sein vergnügt und deinem Willen mich ergeben, der mir zum Besten Alles weislich fügt. Gieb Furcht und Demuth, wenn du mich beglückst; Geduld und Trost, wenn du mir Trübsal schickst. 4. Ach hilf mir beten, wachen, ringen: so will ich einst, wenn ich den Lauf vollbracht, dir ewig Dank und Ehre bringen, 2. Gieb meinem Glauben dir, der du Alles hast so wohl Muth und Stärke, laß ihn durch gemacht. Dann werd ich, heiMenschenliebe thätig sein, daß lig, rein und unentweiht, dein man an seinen Früchten merke, Lob verkündigen in Ewigkeit! Mel. Dir, dir Jehovah will ich sc. 89. Laß mich, o Herr, in allen Dingen auf deinen Willen sehn und dir mich weihn; gieb selbst das Wollen und Vollbringen und laß mein Herz dir ganz geheiligt sein. Nimm meinen Leib und Geist zum Opfer hin; dein, Herr, ist Alles, was ich hab und bin. V. Vom Sündenelend und der Verdorbenheit der Menschen. Mel. Wo soll ich fliehen hin 2c. 3. Hier ist kein Unterschied; 90. Du, der nichts Böses dein Auge, Höchster, sieht auf thut, du schufft den Menschen alle Menschenkinder, und sie gut. Du, Höchster, gabst ihm sind alle Sünder. Da ist vor dir, Kräfte zum seligen Geschäfte, in Herr, Reiner unschuldig, auch Heiligkeit zu wandeln, stets recht nicht Einer. vor dir zu handeln. 2. Wo ist der Unschuld 4. Verderbt ist oft der Sinn, Ruhm? Ach, wir, dein Eigen- die Weisheit dann dahin, die thum, wie tief sind wir gefallen! uns regieren sollte, nur, was Wo ist jetzt unter allen ein Mensch dein Wille wollte, mit freudenganz rein von Sünden vor dir, vollen Trieben zu wählen und o Gott, zu finden. zu üben. Von der Sünde 5. Ganz sinnlich sind wir| zu einem Kinde, das vor seinem nur, gesinnt so von Natur, daß Vater flieht. Ach, ich seh mit Güter dieser Erden von uns ge- Scham und Schrecken so viel suchet werden, mehr als die hö- Fehler, so viel Flecken, und in hern Gaben, die uns auf ewig der verderbten Brust regt sich laben. täglich böse Luft. 64 6. Dir folgen, dünkt uns 3. Was ich Gutes an mit Zwang. Des Herzens böser habe, ist von deiner Vaterhand, Hang reißt uns mit starkemo wie manche gute Gabe haft du, Triebe zur schnöden Sünden- Herr, mir zugewandt. Selber liebe. Und wer vermags zu zäh auf dem Sündenpfade trägt len, wie oft wir vor dir fehlen! mich schonend deine Gnade. 7. Herr, was uns gebricht, Nähmest du zurück, was dein, laß in der Wahrheit Licht so heilach was wird mir übrig sein? sam uns erkennen, daß wir von Ernst entbrennen, der Sünde zu Gaben tlagt nur meinen Undant 4. Doch die Menge deiner entsagen, der Bessrung nachzujagen. 8. Wohl dem, der sie gewinnt! Gott, so verderbt wir sind, so willst du uns doch heilen und Kräfte uns ertheilen, durch Christum schon auf Erden dir gleichgesinnt zu werden. an, weil ich sie oft ganz vergraben, oft damit nur groß ge= han, oft voll Leichtsinn sie verschwendet und zu Sünden angewendet. Owie häuft sich meine Schuld durch Verachtung deiner Huld! 9. Herr, diese deine Huld laß 5. Sieh mich, dein Geschöpf, uns durch unsere Schuld nicht im Staube, tief vor dir, mein freventlich verscherzen. Erwecke Gott, gebückt; doch mein deunsre Herzen, dir nicht zu wider- muthsvoller Glaube, der auf streben, damit wir ewig leben. meinen Heiland blickt, hofft auf deine Vatergüte, und mein tief beschämt Gemüthe, das den Muth fast ganz verfor, hebt sich noch zu dir empor. Mel. Alle Menschen müssen 2c. 91. Großer Gott, erhabnes Wesen, das voll segnender Begier Menschen sich zum Dienst 6. Ja, die Wunder deiner erlesen, ach was ist der Mensch Liebe ziehen ganz mein Herz vor dir? Wenn ich deine Größ zu dir. Ach, erhalte selbst die erwäge und, was ich bin, über- Triebe treuer Dankbarkeit in lege: o wie niedrig und wie klein mir. Vater, laß das schwache muß ich nicht mir selber sein! Lallen meines Lobes dir gefal2. Ach, es herrscht der Trieb len. Bilde mich, dein Eigenzur Sünde mächtig hin durch thum, ganz zu deines Namens mein Gemüth, und macht mich Ruhm. und Verdorbenheit des Menschen. 5. Du lockst, du warnst, du dräust, du brauchest Ernst und Güte, um mich zu dir zu ziehn, 7. Meine Kräfte, meine Glie-| der sind zu deinem Dienst bereit. Herr, ich falle vor dir nieder voller Ehrerbietigkeit. und doch wird mein Gemüthe Deinen Willen thun und leiden, durch alle deine Huld oft kaum sei die Quelle meiner Freuden! zum Dank erweckt, oft kaum Gott und Herr der ganzen durch dein Gericht zu seinem Welt, thu mit mir, was dir Heil erschreckt. gefällt. 65 6. Wer wird, wer kann mein Herz von diesem Hang zum Bösen, der es so oft besiegt, Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. befreien und erlösen? Wer bricht 92. Bin ich vor dir, o Gott, unschuldig, frei von Sünde? Möcht' ich es sein! Doch ach, ich sehe und empfinde, daß ich vor dir nicht sei so fromm, gerecht und rein und so untadelhaft, wie ich wohl sollte sein. der Sünde Macht, die sich in mir empört, mich vor dir, Gott, entstellt und meinen Frieden stört? 2. Wie feurig sollte ich dich, meinen Vater, lieben; wie freudig und wie gern, was du befiehleft, üben! Und doch neigt sich mein Herz von dir, durch den ich bin, zu dem, was eitel ist und dir mißfällig, hin. 7. Zu dir, Gott, fliehe ich, dir flag ich mein Verderben. Laß du die Sünde doch, die in mir herrschet, sterben; mach meine Seele neu, von Sünden= liebe rein, und laß sie dir getreu, fstets fromm und heilig sein. 8. Du prüfst des Menschen Herz und sein geheimstes Denfen; du kannst's durch deinen Geist zum Guten kräftig lenken. 3. Was du befiehlst, ist gut, Erfülle meinen Geist mit Weisist lauter Huld und Segen. heit und Verstand, und gieb Glückselig würd' ich sein, ging' mir Kraft zu thun, was ich ich auf deinen Wegen untadel- als gut erkannt. haft einher. Hier seh ich meine Pflicht, fühl und erkenne fie, und thu sie gleichwohl nicht. 9. Laß meine Besserung, so lang ich leb auf Erden, mein Hauptgeschäfte sein; laß mich 4. Ich fasse den Entschluß, stets frömmer werden! Ich will dem Guten nachzustreben, der nie sicher sein, will wachen, rinSünde feind zu sein und dir, gen, flehn: du wirst, mein Vamein Gott, zu leben; doch der ter, mir mit deiner Kraft beiGewohnheit macht schwächt die- stehn. sen Vorsak bald, macht mich mel. Was mein Gott will, gescheh' zc. nur allzu leicht zum Guten träg 93. Wenn Gott von ſeinem und kalt. 5 Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. 66 Von der Sünde Throne fieht auf seine Men- Herr, durch dein Licht zu dir schenkinder, was sieht sein Aug, lenkt und bekehret. dem nichts entflieht? Ach Sün6. Laß Jedem seine Besserung der sieht es, Sünder, die im- recht groß und wichtig werden, merhin sich wider ihn und sein und wachsen in der Heiligung Gesez empören, in eitlem Wahn so lang wir sind auf Erden! von Jugend an sich blenden Ach gieb, daß ich, o Vater, did und bethören. von ganzem Herzen liebe und 2. Ihn lieben, nur sich seiner dein Geheiß mit allem Fleiß an Ende übe. freun, nur seine Wege wählen, bis an mein Ende übe. ihm heilig, ihm ergeben sein, In eigner Melodie. das sollten ihre Seelen. Und 94. Wer bin ich von Natur, teiner lebt für ihn und strebt, dem Vater zu gefallen; ihn wenn ich mein Innres prüfe! fliehen sie; es dünkt sie Müh, Welch ein Verderben läßt mich auf seinen Wegen wallen. nicht mein Herz oft sehn! Es 3. Was Gott befiehlt, ist mir's seine Tiefe, und weigert ist verderbt, darum verbirgt recht und gut, und lauter Heil sich gar sehr, die Prüfung aus sein Wille. Doch wer ist, der mit frohem muth, was Gott zustehn. gebeut, erfülle? Er thut uns ist seine Thorheit kennen, und 2. Der Weisheit erster Schritt wohl, ist gütevoll, daß er zu diesen ersten Schritt, wie oft sich uns ziehe; doch wo ist der, verwehrt mir's ihn; voll Eigender seine Pflicht zu üben sich lieb und Stolz will sich's nicht bemühe? entgehn, doch nicht den Fehler strafbar nennen, der Reue zwar fliehn. 4. Nicht schwache Tugendfreunde bloß schaut Gott, oft Missethäter, für die kein Laster mehr zu groß, die ihn, den mir noch redendes Gewissen; 3. Wahr ist's, ich find in Gott der Götter verachten, schmähn und nicht mehr fehn auf sein furchtbares Dräuen; die sein Gericht, das Engel nicht ertragen, doch nicht scheuen. ich find in der Vernunft noch Kenntniß meiner Pflicht; ich kann mein Auge nicht der Tu gend ganz verschließen, und oft erscheinet mir ein Strahl von ihrem Licht. 5. So sehr sind wir, o Gott, vor dir und alle unsre Wege 4. Doch schwaches Licht, das unheilig, und stets bleiben wir mir den Reiz der Tugend zeizum Guten schwach und träge, get und vom Verstande nicht wenn nicht dein Geist uns bis zu dem Herzen dringt! VerHülfe leist, und dem Verder- gebens lehret es; das Herz ben wehret; wenn er uns nicht, bleibt ungebeuget, es fühlt der und Verdorbenheit des Menschen. 67 Sünde Trieb und folgt ihm so oft von mir entweiht. Verunbedingt. sagt er mir die Pflicht, so eil ich, ihn zu richten, und nenne sein Versehn gleich Ungerechtigkeit. 5. Ein Richter in mir selbst stört oft des Herzens Ruhe; er flagt mich strenge an. Ich steh erschrocken still und billige nicht mehr das Böse, das ich thue, und thue gleichwohl nicht das Gute, das ich will. 11. Nicht Liebe gegen Gott heißt mich dem Nächsten dienen, mehr Eigenliebe, Ruhm und niedrer Eigennut; aus ihnen 6. Verstellung, die ich doch fließt Betrug, Verstellung und an meinem Nächsten hasse, er- in ihnen hat Neid und Haß laube ich mir selbst und halt und Stolz und Härte ihren es für Gewinn, wenn ich in Schutz. falschem Licht mich Andern 12. Gott ehren ist mein sehen lasse, und das nur schei- Ruf; wenn ich den Ruf benen kann, was ich mir selbst trachte, was find ich Sünder nicht bin. da für Mängel meiner Pflicht! Die Wunder der Natur, die Gott zu Lehrern machte, stehn täglich vor mir da, und diese hör ich nicht. 7. Ich weiß, daß der Besitz der Güter dieser Erden des Menschen Seele nie das wahre Glück verleiht; doch bleiben sie mein Wunsch; und, um beglückt 13. Und heißt ihr Anblick zu werden, erring ich ängstlich mich auf seine Weisheit schliemir die Last der Eitelkeit. Ben, auf seine Güt und macht: 8. Ich weiß, wie groß es so schließt nur mein Verstand, sei, aus Ueberlegung handeln, das Herz bleibt ungerührt, beund handle mehrentheils aus täubt bleibt das Gewissen, als finnlichem Gefühl. Durch fal- hätt' ich meinen Herrn und schen Schein getäuscht, eil ich, Vater nicht erkannt. ihm nachzuwandeln, und bloße Leidenschaft und Irrthum stedt mein Ziel. 14. Er schenkt mir so viel Glück; gebrauch ich seine Güte zu meinem wahren Heil, und 9. Ein gegenwärtig Gut ver- geb ich ihr Gehör? Nein, durch säum ich zu genießen; das flich den Mißbrauch selbst verschließ ich, was mich sucht, und suche, ich mein Gemüthe der reinen was mich flieht. Im Glückej Dankbarkeit und Liebe desto bin ich stolz, verzagt in Rüm- mehr. mernissen, und ohne wahre Ruh um Ruhe stets bemüht. 10. Mein Nächster hat ein Recht auf viele meiner Pflichten; doch wird dies große Recht 15. Oft sagt mir mein Verstand, daß des Allmächtgen Gnade das allergrößte Gut, der Trost des Lebens ist, und welche Schulden ich auf mein Gewissen 5* 68 Von der Erlösung lade, wenn sie mein eitles Herz| nicht, o Gott, aus deiner Hand. für Menschengunst vergißt. Der Mensch durch eigne Schuld hat seine Würd' entehret; und beides ward verderbt, sein Herz und sein Verstand. 16. Und doch, o Gott, wie oft geb ich dies Glück der Seelen, dir angenehm zu sein, für kindischen Gewinn, für einen 19. Doch so verderbt wir Ruhm der Welt, für Lüfte, die sind, so schwach, uns selbst zu mich quälen, für schnöde Eitel- heilen: so steuert Gottes Huld keit und für ein Nichts dahin! doch der Verdorbenheit, läßt 17. Gott ist der Herr der durch sein heilig Wort uns Welt: auf seine Hülfe bauen, dem Verstande Licht, dem Herzen neue Kraft ertheilen, schenkt ist meine größte Pflicht. Doch Reinigkeit. wann gehorch ich ihr? Bald bebt mein Herz vor Furcht, und bald ist das Vertrauen, deß ich mich rühmen will, nur ein Vertraun zu mir. o Mensch, dich widersetzen? Gott 20. Und du willst dieser Kraft, beut sich selbst dir an, du aber wehrest ihr, und willst des größiten Glücks dich selber unwerth erkenne 18. Dies ist des Menschen schätzen? Mensch, Herz. Wer hat dies Herz ver- Gott; noch steht dein Heil bei Heeret? So kam es anfangs dir! VI. Von der Erlösung der Menschen durch Jesum Sohn Gottes. Christum, den 95. Durch Adams Fall ward erst verderbt der Menschen Thun und Wesen, dies Gift auf alle fortgeerbt. Wir wären nicht beschloß Gott, uns zu geben den zum denthron, damit wir möchten leben. geneſen, wenn Gottes Sohn fremde Schuld in Adam alle 3. Warf uns denn eine von seinem Thron nicht kam, um von dem Schaden, der so furchtbar und tödtlich war, die Menschen zu entladen. nieder: so bringt uns eine fremde Huld in Christo alle wieder. Und wie wir all in Adams Fall des ewgen Todes starben, 2. Seit es der Feind dahin so rettet Gott durch Christi Tod, gebracht, daß Adam abgefallen, die ohne ihn verdarben. so herrschet mit unselger Macht die Sünde nun in allen; uns drückt der Tod; in solcher Noth 4. Gott hat uns seinen Sohn geschenkt, da wir noch Feinde waren. Der ist für uns an's der Menschen überhaupt. 69 Kreuz gehenkt, erstanden, auf- Wer ihr vertraut, auf sie fest gefahren. Tod und Gericht baut, der wird den Tod nicht trifft uns nun nicht, so wir schauen. ihm nur vertrauen. Fest steht dies Wort. Wem mag hinfort noch vor dem Tode grauen? 5. Er ist das Licht, der Weg, die Pfort, die Wahrheit und das Leben, des Vaters Kraft, sein ewges Wort, zum Heiland uns gegeben. Dem Feind zum Truß umgiebt sein Schutz uns alle, die wir glauben. Er ist der nen wird aus ſeiner Hand nichts 96. Nun freut euch, Christen, rauben. insgemein, und laßt uns fröh6. Wer solchen Trost bei lich singen dem Gott des Heils, Menschen sucht und nicht bei uns seiner freun, ihm Dank seinem Gotte, der Mensch ist und Ehre bringen! Wer faßt gottlos und verrucht und wird der Liebe hohen Rath, die er zuletzt zum Spotte; denn wer auf uns gewendet hat, durch fich will ein ander Ziel ohn die uns Heil erworben. diesen Tröster stecken, den mag gar bald des Feinds Gewalt und arge List erschrecken. 7. Wer hofft in Gott und Schmach, darin ich war gebodem vertraut, kann nie zu ren; fiel immer tiefer noch hinSchanden werden. Wohl, wer ein in das Verderben, war auf diesen Felsen baut; trifft allein mit Sünd und Tod umihn schon hier auf Erden viel geben. Angst und Müh, hab ich doch allen. 3. Mein bestes Thun, das nie den Menschen sehen fallen, galt jeßt nicht vor Gott, es der sich nur fest auf Gott ver- war verdorben. Ich war zur läßt. Gott hilft den Seinen Uebung meiner Pflicht untüchtig und erstorben. Mich tödtete 8. Du wollest, Herr, von die Sünd und trieb so weit, meinem Mund dein heilig Wort daß mir kein Heil mehr blieb; nicht nehmen; so weiß ich, läßt zum Abgrund mußt ich sinten. dein theurer Bund mich Sünder nicht beschämen. Der Sün4. Gott jammerte von Ewigteit mein Elend ohne Maßen. den Schuld deckt deine Huld; Er dachte der Barmherzigkeit nur ihr will ich vertrauen. und wollt mir helfen lassen. 9. Mir zeigt schon jetzt dein heilig Wort den Himmel aus der Ferne; denn dies Licht führt zu Christo fort, dem hellen Morgensterne. Bricht der nun an, so faffet man den Werth der hohen Gaben, die Gottes Geist auch uns verheißt, wenn wir nur Glauben haben. 2. Vom Tode überwältigt lag ich da und war verloren. Mich drückte meiner Sünde 70 Von der Erlösung Er wandt zu mir sein Vaterherz, wenn er mich in dir verklärt, und ließ, zu heilen meinen in alle Wahrheit leitet. Schmerz, es sich sein Bestes koſten. 10. Was ich gethan, was ich gelehrt, das sollst du thun und 5. Er sprach zu seinem ein- lehren, so wird des Höchsten gen Sohn: Geh hin, dich zu Reich vermehrt zu seines Naerbarmen; zur Erde geh hinab mens Ehren. Nur hüte dich vom Thron, und sei das Heil vor Menschenwahn, der dir den der Armen. Hilf ihnen aus Schaz leicht rauben kann; dies der tiefen Noth, entwaffne ihren sei mein Abschiedssegen! Feind, den Tod, und laß fie mit dir leben. 6. Der Sohn, der ihm ge- 97. Alo hoch hat Gott geMel. Freu' dich sehr, o meine zc. horsam war, kam selbst zu uns auf Erden, als eine Jungfrau liebet diese unsre Sündenwelt, ihn gebar. Mein Bruder wollt daß er seinen Sohn uns giebet er werden. Er führte seines als ein theures Lösegeld, auf Arms Gewalt in Niedrigkeit daß durch ihn Jedermann, der und Knechtsgestalt, des Satans ihn nimmt im Glauben an, Reich zu stürzen. verzage, nicht verderbe, den Tod des Sünders nicht 7. Er sprach zu mir: Halt nicht dich an mich! Es soll dir jetzt sterbe: gelingen. Mich selber geb ich 2. Sondern daß er ewig lebe, ganz für dich, will mächtig für und dereinst nach dieser Zeit dich ringen. Denn ich bin dein Gott dort schaue und erhebe in und du bist mein; auch du der frohen Ewigkeit. Denn sollst, wo ich bleibe, sein; uns Gott hat von seinem Thron soll der Tod nicht scheiden! nicht darum gesandt den Sohn, daß er diese Welt zernichte und die Sünder strafend richte. 8. Vergießen wird man mir mein Blut, dazu mein Leben rauben. Gern leid ich Alles 3. Vielmehr soll er selig dir zu gut. Das halt mit machen Jedermann, der sich befestem Glauben. Dein Leben, kehrt, der mit Beten und mit Sterblicher, ist mein, und mein Wachen sein Heil suchet und Verdienst ist, Sünder, dein: so begehrt. Wer beständig glaubt bist du selig worden. an ihn, hat das Leben zum Gewinn; wer nicht glaubet, der wird müssen vor Gerichte stehn und büßen. 9. Den Himmel nehm ich wieder ein, und scheid aus diesem Leben. Da will ich stets dein Mittler sein, und meinen 4. Selig ist der, welcher Geist dir geben, der dir in glaubet an den Mittler, Gottes Trübsal Troft gewährt, dich, Sohn, und beständig bei dem der Menschen überhaupt. 71 bleibet, auf den auch die Väter! 3. Wo ist, o Tod, dein Staschon ihre Hoffnungen gesetzt, dhel nun? Hier ist dein Ueber= an dem sie ihr Herz ergößt, winder! Für unsre Schuld geund nach den Verheißungswor- nug zu thun, starb er, das Heil ten auch durch ihn sind selig der Sünder. Wo ist nun, worden. Sünde, deine Kraft? Hier ist der, der uns Kräfte schafft, dein Joch von uns zu werfen. 5. Dies ist aber das Gerichte, und der Welt ihr Untergang, daß sie zu dem hellen Lichte 4. Gelobt sei Gott, gelobt sich nicht fehren will mit Dant, sein Sohn, der Retter unsrer das doch wendet spät und früh Seelen! Nun kann uns auch seinen Gnadenglanz auf sie. auf Erden schon das wahre Sie will nicht vom Bösen lassen, Glück nicht fehlen, getroft und drum pflegt sie das Licht zu froh in Gott zu sein, wenn haffen. wir uns nur dem Heiland weihn, den Gott für uns verordnet. 6. Wer das Arge thut mit Freuden, der ist auch des Lich- 5. Was er zum Leben uns tes Feind, und muß dafür verschafft, das ist in seinen HänStrafe leiden, wenn der große den. Sein ist das Reich, sein Tag erscheint. Wer die Wahr- ist die Kraft, das Heil uns zuheit liebt und übt und der Tu- zuwenden, das er so liebreich gend sich ergiebt, der läßt seine uns erwarb, als er für uns Werke sehen, denn sie sind in am Kreuze starb. Wohl allen, Gott geschehen. die ihm trauen. 6. laßt uns ihm uns anvertraun und niemals uns schämen, auf seine Mittlershülfe baun und seine Lehr annehmen; das ist der Weg zum ewgen Wohl, der Weg, auf dem man friedenvoll auch schon auf Erden wandelt. 7. Herr, laß uns diese Seligkeit doch über Alles schätzen. 2. Selbst seinen eingebornen Nie können Güter dieser Zeit Sohn sandt er zu uns auf den Mangel uns ersetzen, wenn Erden, von dem verdienten- Sün- uns das größte Gut gebricht: denlohn ein Retter uns zu wer- ein reines Herz voll Zuversicht den. Er kam, und mit ihm zu dir, Gott, unserm Vater. unser Heil; er kam, am ewgen 8. D lent auf dies erhabne Leben Theil uns wieder zu er- Glück der Seele stärkste Triebe! Zeuch mächtig unser Herz zurück werben. Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. 98. Heil uns, aus unsrer Sündennoth ist Nettung uns erworben. Der Herr will nicht des Sünders Tod. Was Adams Fall verdorben, hat er aus Gnaden uns ersetzt. Wie werth sind wir vor ihm geschätzt! Wie groß ist sein Erbarmen! 72 Von der Messias- Würde Jesu. von schnöder Sündenliebe! an Von der Messias- Würde Jesu dem uns theur erworbnen Heil Mel. Nun danket alle Gott 2c. laß uns im wahren Glauben Theil stets suchen und gewinnen. 100. Laßt uns mit frohen 99. Wirf, blöder Sinn, den Kummer hin! Gott ist für dich; was will dich ferner tränken? Hallelujah, sein Sohn ist da! Wie sollt er uns mit ihm nicht Alles schenken? Dank den Gott der Wahrheit preisen, der das erfüllt, was uns versprachen jene Weisen. Gott, welcher Bund und Tren und Glauben ewig hält, hat zu uns hergesandt den Heiland al ler Welt. 2. Schlägt dir das Herz voll 2. Längst hoffte Israel, längst Angst und Schmerz, empfindest sehnten auch noch später nach du, wie sehr die Sünden trän- dem Verheißenen sich unse ten; dein Heil ist hier, wie sollte dir nicht Gott mit ihm auch Gnad und Friede schenken? frommen Väter. Ist noch, so sprach ihr Wunsch, der Tag des Herrn nicht nah? Wie lange 3. Ist deine Kraft zu man- harrt er noch? O wär' er doch gelhaft, mußt du mit Scham schon da! an deine Schwäche denken: er, der dir gibt das, was er liebt, Zeit, die Gott nach seinem Wil 3. Sie eilt, sie kömmt, die wird dir mit ihm zur Tugend len bestimmt, um das, was er Kräfte schenken. 4. Fehlt Weisheit dir, um große Tag des Herrn, der Tag versprochen, zu erfüllen; der glücklich hier noch zu entgehn des Heils ist nah; denn der, verführerischen Ränken: verzage der ihm den Weg bereiten soll, nicht! Gott ist dein Licht; er ist da. wird dir mit dem Sohn auch iſt Weisheit schenken. 4. Laut schallt das frohe Wort: Der Herr kommt! És verbreitet sich überall der Ruf: Erwachet und bereitet dem, der da kommt, den Weg! Macht ihm, dem Retter, Bahn! Macht Bahn, bereitet euch, ihn würdig zu empfahn. 5. Gebricht es dir bald da, bald hier, und sorgst du, wer dich speisen wird und tränken: o fasse Muth! Das höchste Gut wird mit dem Sohn, was du bedarfst, dir schenken. 6. Wirf, blöder Sinn, die Sorgen hin, die dich ins Meer 5. Er kommt, von Gott geder Traurigkeit versenken. Dein sandt, der Völker Trost und Heil ist da, Hallelujah! Wie Segen, und Heil und Gnade sollt' uns Goft mit ihm nicht Alles schenken? glänzt einher auf seinen Wegen. Er kommt, um seine Welt von Elend zu befrein, das mensch( Siehe auch Nr. 25. 293, 343. ff. 375.) Am Feste Johannis des Täufers. 73 liche Geschlecht zu segnen, zu ferer, der ohne Ansehn straft; erfreun. auf seiner Seele ruht Eliä Geist und Kraft. 6. Jauchzt, Menschen, kommt, laßt uns den Gott der Wahr4. Freimüthig, ohne Furcht, heit preisen! Er hat erfüllt, bei Fürsten selbst kein Schmeichwas sie versprachen, jene Wei- ler, der Wahrheit Freund war sen. Nie fehlt, was Gott ver- er, und fürchterlich dem Heuchspricht; sein Wort bleibt ewig ler; liebt nicht Gemächlichkeit, stehn, ob Berge fallen hin und und sucht nicht eigne Ehr; Welten gleich vergehn. strebt nur, daß er sein Volk zu seinem Herrn bekehr'. 7. Heil uns, mit uns ist Gott, die Hoffnung gläubger Beter, das längst gewünschte Licht, du Herr, Gott unsrer Väter! Versammelt, Völker, euch, versammelt euch zum Herrn! Freut, Erdbewohner, freut euch sein und dient ihm gern. 5. Jedoch es schallet auch durch ihn die Gnadenſtimme zum Trost der Traurigen. Gott ftraft nun nicht im Grimme die fündenvolle Welt; sein Himmelreich ist nah; denn der die Welt mit Gott versöhnen soll, ist da. 6. Allein zu Jesu hin verweist er seine Jünger; allein auf Jesum zeigt sein ausge= Am Fefte Johannis des Täufers. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. streckter Finger: Seht, das ist 101. Se Lag die ganze Welt Gottes Lamm, das, mit dem mit Zorn und Fluch beladen; Fluch belegt, für uns geopfert da öffnest du, o Gott, die Fülle wird und unsre Sünden trägt. deiner Gnaden. 7. Wohl dem, der dieses erscheint. Du schicst Johannes, Lamm, auf das Johannes weider die Bahn dem Herrn be- set, mit festem Glauben faßt reiten soll, als seinen Knecht und auch im Leben preiſet. Wer, seinem Taufbund treu, Dein Sohn voran. 2. Die Juden sollte er von sich Jesu ganz ergiebt, der ist deinem Heil belehren; und ihn in ihm von Gott begnadigt und auch ehrest du, um deinen Sohn geliebt. zu ehren. Sein Vater wird 8. Das werd auch unser erst stumm; der Stumme schnell Theil! Johannis Amt und Lehre beredt, und weissagt, da auf verherrliche noch stets, Gott, ihn der Geist des Herrn geräth. deines Namens Ehre! Wer 3. Erfüllt mit Kraft und Buße thut und gläubt, Geist, der Gnade treuer Lehrer, Trost auf alle Zeit; wer fromm wird Zacharias Sohn ein mäch- und liebreich lebt, der lebt in tiger Bekehrer, ein heilger Ei- Ewigkeit. hat 74 Von der Person des Erlösers. Von der Person des Erlösers. Jeignen Munde. Er helf' in jeder Stunde; er helf' zur Se 102. Herr Christ, du einger ligkeit. Gottessohn von aller Ewigkeit! Du Licht, von Licht entsprossen, du Glanz der Du gleichst dem Morgensterne, dein Glanz dringt in die Ferne vor andern Sternen klar. mel. O König, dessen Majestät*. 103. Lob, Ehre, Preis und Dant sei dir, o Jesu, unser Le ben. Preiswürdig bist du fi für 2. Für uns bist du geboren und für; wer kann dich gnug als Mensch zur letzten Zeit, erheben? Eh noch die Well zu retten, was verloren, zu ward, warst du schon groß schenken Seligkeit. Den Feind herrlich und des Höchsten Sohn, hast du verstoßen, den Himmel ein Erbe seiner Ehre. Dein it aufgeschlossen, das Leben wieder das Reich, die Herrlichkeit, und bracht. du beherrschest weit und breit der Creaturen Heere, 3. Laß uns in deiner Liebe und Kenntniß nehmen zu, daß 2. Dein sind sie; denn durch wir im Glauben bleiben, im wessen Kraft ward Himmel, Meer und Erde? Wer hat das hier mögen schmecken dein' Sü- Leben uns verschafft? Wer Bigkeit im Herzen, und dürsten stets nach dir. Geist dir dienen so, daß wir sprach zum Engel: Werde! Du bist es, dessen Allmachtsruf die 4. Du Schöpfer aller Dinge, Du bist's, der Alles träget, ganze Welt aus Nichts erschuf. des Vaters ewge Kraft, regierst was sichtbar und unsichtbar ist, ohn alles Ende mit gnaden was Erd und Himmel in sich reicher Macht; die Herzen zu schließt, und was im Meer sich dir wende, und lenke unsre Sinne, daß sie nichts zieh' von dir. reget. 3. Und dennoch bist du uns 5. Erzeig uns deine Güte; haft willig unser Fleisch und zu gut in diese Welt gekommen; erwecke uns durch Gnad; er- Blut, o Herr, an dich genomneure das Gemüthe, daß man men; aus der erschrecklichsten dir leben mag allhie schon auf Gefahr zu retten, was verloren der Erden; Gedanken und Be- war, wardst du ein Fluch auf gierden, auch Sinne richt zu Erden. Huld, die sonst dir. nichts Gleiches hat! Du starbst für unsre Missethat, ein Heiland uns zu werden. 6. Dank, Lob, Preis, Ruhm und Ehre sei Gott in Ewigkeit für seine süße Lehre, die uns 4. Du wardst es uns und sein Rath bereit aus seinem bist es noch jetzt auf der Him Von der Person des Erlösers. 75 mel Throne; suchst liebreich von der Geister, das früher dich erder Sünde Joch und ihrem schnöden Lohne, die ihr noch dienen, zu befrein; beschwerter Herzen Trost zu sein, ist deines Herzens Freude; du giebst den Müden Seelenruh, und wer dich liebt, den stärkest du, daß nichts ihn von dir scheide. fannt. Ein Erbe über Alles! Das ist dein ewger Ruhm; drum jammert dich des Falles von deinem Eigenthum. 3. Du trägest alle Dinge durch deiner Allmacht starkes Wort, das Große und Geringe geht bloß durch deinen Willen 5. Du hörst der Deinigen fort. Sohn Gottes, du regierest Gebet und endest ihre Plage. den ganzen Kreis der Welt. Du bleibst, bis Zeit und Welt Weil du das Ruder führest, gevergeht, bei uns noch alle Tage. schieht, was dir gefällt. Bei Herr, dir sei ewig Dank und dir steht Tod und Leben, drum Ruhm für deinen Tod und wird einst jede Gruft die TodMarterthum, für alle deine ten wiedergeben, wenn deine Liebe! Dir geb ich mich zu ei- Stimme ruft. gen hin; gieb, daß ich mich, so lang ich bin, in deinem Lobe übe! 4. Gott läßt dir Ehr erzeigen, die keinem andern widerfährt. Dir soll sich alles beugen; denn göttlich groß ist, Herr, dein Werth. Du bist das Heil der Erden. Wer auf dein Mel. Nun lob mein' Seel den 2c. 104. Mein Heiland, deine Wort nicht hört, der kann nicht Größe geht über alle Himmel selig werden; wer aber dich weit. Wer ist, der sie ermesse? verehrt, dem hilfst du vom Du warst bei Gott von Ewig- Verderben, schaffst ihm Zufriekeit. Du bist der Erstgeborne denheit, und machst ihn einst vor aller Creatur; kamst zwar zum Erben vollkommner Sefür uns Verlorne in menschlicher ligkeit. Natur; doch in der Menschheit. 5. Wie herrlich ist dein Name Orden tratst du erst in der schon jetzt, o Herr, in aller Zeit. Eh noch die Welt ge- Welt. Dich preist der Fromworden, hattst du schon Herr- men Same, der gläubig dir zu lichkeit. Füßen fällt; dich preisen Se= 2. Der Himmel und die Erde raphinen, erhabner Menschensind durch dein kräftig Wort sohn; mit Freuden dir zu diegemacht. Auf dein allmächtig nen, stehn sie vor deinem Thron. Werde entstand die Welt mit Wer sollte dein sich schämen? ihrer Pracht. Du bist auch Werth bist du, Preis und Ruhm unser Meister; auch uns schuf auch, Herr, von uns zu nehmen, deine Hand, so wie das Heer uns, deinem Eigenthum. 76 Von der heilsamen Ankunft 6. Sohn Gottes, ich verehre| deinetwegen jetzt schon Kind und bete dich in Demuth an. Gottes sein. Hat die Sün Beschäme und bekehre, die noch uns gleich verdorben: o so h in Sünd und stolzem Wahn du neue Kraft uns zur Heil nicht deinem Worte glauben und gung geschafft, und die Tüch dir, der für sie litt, der Gott- tigkeit erworben, einst, vo heit Würde rauben; theil ihnen Sünden völlig rein, ähnlich di Gnade mit, dich gläubig zu o Herr, zu sein. erkennen; laß nichts, die dich erkannt, von deiner Liebe tren nen! Dich preise jedes Land. worden, der die Welt mit Got 4. Du, du bist der Mittle versöhnt; haft der schwachen Menschheit Orden wieder mit mel einzugehen, und da Gottes dem Recht belehnt, in den Him Herrlichkeit nach vollbrachte Uebungszeit ewig einft verklärt zu sehen. Fromme, fasset 3uMel. Sollt' ich meinem Gott zc. 105. Der du uns das Heil bersicht glaubet fest und fün digt nicht. Von der Erscheinung Christiauf Erden und ihren Vortheilen. errungen, Mensch gewordner Gottessohn, ewig sei dir Lob gesungen, daß du von des Him- 5. Sollte mich wohl Gott, mels Thron uns zu gut in's verlassen, wenn ich krank und Fleisch gekommen; der du vol- hülflos bin? Nein, sein Heil ler Freundlichkeit längstens wird mich umfassen, trösten den schon vor meiner Zeit dich auch betrübten Sinn. Und dann meiner angenommen und mein kann mich nichts anfechten. Er, Bruder worden bist; sei gelobt, der meinen Jammer kennt und Herr Jesu Chrift! mich gnädig Bruder nennt, fizt durch ihn bin ich Gott vereint, als Herr zu Gottes Rechten; 2. Sei gelobt, denn dir gez höret Preis und Dank und Ruhm mit Recht. O wie hoch Gott ist Vater und mein Freund. hast du geehret unser sterbliches 6. Herr, wie groß ist deine Geschlecht! Herr, du hast es Güte; meine Seele freut sich selbst vermählet mit der gött- dein. Laß doch stets mein ganz lichen Natur, und aus aller Gemüthe voll von deinem Creatur es zum Wohlthun dir Ruhme sein. Nimmer will ich erwählet; ja in dir, du Gottes- dein vergessen; dir will ich mich sohn, herrscht die Menschheit ganz vertraun, freudig folgen, auf dem Thron. auf dich baun. Deine Huld ist 3. Du, du bist der Völker unermessen: gieb, daß ich für Segen; kamst, von Noth uns deine Treu dir auf ewig dankzu befrein; und wir können bar sei. des Sohnes Gottes. Jm Advent. 77 Mel. Von Gott will ich nicht lassen 2c.| uns, seine Knechte, durch seine 106. Mit Ernit, o Men- Armuth reich. 2. Er kömmt zu uns hernieschenkinder, das Herz in euch der und stellt sich für uns dar, bestellt, damit das Heil der Sünder, der große Wunderheld, er rettet und bringt wieder, den Gott aus Gnad allein der Welt zum Licht und Leben gefendet und gegeben, bei euch was sonst verloren war. Durch Tod und Sterben wird er ein seine Niedrigkeit, durch Leiden, eil erwerben, das währt in Ewigkeit. auch fehre ein. 2. Empfanget ihn mit Freuden, er kömmt voll Gnad und Huld; Leiden, schuld. 3. Kein Scepter, feine Krone nimmt auf sich unsre sucht er in dieser Welt; dort, tilgt unsre Sünden dort vor Gottes Throne ist ihm tät und Macht enthielt er sich sein Reich bestellt. Der Majemit Freuden, bis er durch Tod und Leiden des Vaters Rath vollbracht. Bereitet ihm die Bahn; er kömmt, voll Heil und Segen; auf, eilet ihm entgegen, und nehmt ihn willig an. 4. Jhr, die ihr lebt auf Er3. Ein Herz, das Demuth liebet, das will Gott selbst erhöhn; wer Stolz und Frevel den, nehmt diesen König an; übet, kann nicht vor ihm be- ihr sollet selig werden, geht nur stehn; wer rein und lauter ist, die rechte Bahn. Folgt ihm wer sich von Gott läßt leiten, gehorsam nach. Denn dem, burch seinen Geist bereiten, zu dem kommit Jesus Christ. der ihn verachtet, nach seinem Reich nicht trachtet, droht Strafe, Pein und Schmach. 4. Ach mache du mich Armen 5. Er schafft, daß es nie zu dieser heilgen Zeit aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst fehle an Hülfe, Troft und Licht; bereit! Berbinde dich mit mir. von ihm wird unsre Seele im Laß mich zu allen Zeiten, Herr, Kummer aufgericht; er wendet deine Gnade leiten, so leb und sterb ich dir. alles Leid. Drum laßt uns freudig fingen, und dem Dankopfer bringen, der uns so gern erfreut. Mel. Aus meines Herzens Grunde 2c. 6. Der Frommen kurzes Weinen und alle ver107. Preist unsern Gott, ihr wandelt ſein Erscheinen in Freud Frommen, in dieser Gnadenzeit, und Herrlichkeit. Laß uns dir da unser Heil gekommen; der folgsam sein; was wird uns, Herr der Herrlichkeit wird hier Herr, dann fehlen? Dann weruns Menschen gleich, begiebt den unsre Seelen sich Gottes sich seiner Rechte und macht ewig freun! 78 Von der heilsamen Ankunft 108. Gott sei Dank in aller Heil erschein auch mir! du aller Welt Verlangen? Dei Welt, der sein Wort beständig kommst, die Welt zu segnen hält und der Sünder Trost und schenkst uns selbst deinen Geit Rath zu uns hergesendet hat! der, dir recht zu begegnen, un 2. Was der alten Bäter Kraft und Beistand leist! Schaar höchster Wunsch so lange war, was der Herr uns prophe Palmen und grüne 3weige hin 2. Dort streute man di zeit, ist erfüllt o Seligkeit! jetzt soll mit Dank und Psalmer 3. 3ions Hülf und Abrams dich preisen unser Sinn. Dig Lohn, Jakobs Heil und Davids würdig zu verehren im Schmud Sohn, der erhabne Wunderheld, der Heiligkeit, und dein Lob zu hat sich treulich eingestellt. 4. Sei willkommen, o mein vermehren, mach mich, Herr, Heil! Hosianna dir, mein Theil! selbst bereit! Richte du dir eine Bahn auch zu meinem Herzen an! len zu unsrer Seligkeit? Wer 3. Was hast du lassen feh 5. Zieh, du Ehrenkönig, ein! du uns erfreut? Uns war das kann die Huld erzählen, mit der Es gehöret dir allein; mach es, Reich genommen, wo Fried wie du gerne thust, rein von und Freude lacht; du aber bist aller Sündenluft. 6. Und wie deine Zukunit gekommen und hast uns froh war, voller Sanftmuth, ohn gemacht. Gefahr, also sei auch jederzeit deine Sanftmuth mir bereit! 7. Tröste, tröste meinen Sinn, wenn ich schwach und elend bin, und des Satans Macht und List wider mich ge ſchäftig ist. 8. 3ch verehre deine Treu; mache mich von Sünden frei. Gieb, daß ich in Wohl und Weh kommt zu uns Gottes Sohn, 5. Aus Güte und Erbarmen fest im wahren Glauben steh. aus Liebe zu uns Armen ver9. Laß mich, wenn du, Le- läßt er seinen Thron. Er bringt bensfürst, herrlich wiederkom- uns Heil und Leben; durch seine men wirst, freudig dir entge Niedrigkeit will er uns hoch er= gen gehn und vor dir gerecht heben zu seiner Herrlichkeit. bestehn. 6. Dies mache unsre Herzen geduldig, froh und still, wenn 109. Wie soll ich dich em- unter Angst und Schmerzen pfangen, und wie begegnen dir, der Muth entsinken will. Laßt Bande: du kömmst und macht 4. Mich drückten schwere mich los; mir drohte Schmach und Schande: du kömmst und aus dem Staube, ich soll durch machst mich groß; du hebst mich dich, mein Heil, wenn ich nut haben Theil. an dich glaube, am Himmel des Sohnes Gottes. Jm Advent. 79 uns nicht ängstlich zagen, der fen; komm, du Heiland aller Retter stehet da, er heilet unfre Plagen, ist uns mit Hülfe nah. Welt, Herz und Seele steht dir offen; komm, verheißner Weibessamen, segne uns durch deinen Namen! 7. Er eilt uns selbst entgegen, er eilt und säumet nicht; 2. 3euch in unsre Herzen sind wir auf dunkeln Wegen, ein, o du großer Ehrenkönig! so schenket er uns Licht. Ihm Laß uns deine Wohnung sein, ist die Noth der Armen und sind wir Arme gleich zu wenig; was uns drückt, bekannt: er komm, um unser Herz zu lareichet mit Erbarmen uns ben mit den uns verheißnen Schwachen seine Hand. Gaben! 8. Uns soll nun nicht mehr 3. Nimm das Hosianna an schrecken der Sünden schwere mit den Siegespalmenzweigen; Schuld, denn Jesus will sie so viel nur ein Jeder kann, decken mit seiner Lieb und wollen wir dir Ehr erzeigen, Huld. Er kommt, er kommt damit wir durch dich auf Eruns Sündern zum Trost und den heilig und dort selig werden. wahren Heil; schafft, daß bei Gottes Kindern verbleib ihr Erb und Theil. 4. Hosianna, Davids Sohn! Herr, ach hilf, ach laß gelingen! Laß dein Scepter, Reich und Kron uns viel Heil und Gnade bringen; Amen, Amen, es geschehe! Hostanna in der 9. Wenn gleich die Feinde wüthen, so siegen sie doch nie; der Herr darf nur gebieten, und plötzlich stürzen sie. Er Höhe! fommt, er fommt, ein König: erbebe, frecher Feind; du bist ihm viel zu wenig, ich bin des Königs Freund! Mel. Jesus meine Zuversicht zc. Davids 111. Hosianna! 10. Er kommt zum Weltge- Sohn, der in seines Vaters Narichte, zum Fluch dem, der ihm men sich erhebet auf den Thron flucht; mit Gnad und süßem über Jakobs Haus und Samen; Lichte dem, der ihn liebt und dir hat Gott ein Reich bestimmt, sucht. Ach komm, ach komm, das niemals ein Ende nimmt. o Sonne, und führ uns allzumal zu ewgem Licht und Wonne in deinen Freudenſaat. Mel. Liebster Jesu, wir sind zc. 110. Komm, du werthes Lösegeld, dessen alle Heilge hof2. Sei gesegnet, heilig Reich, das ein solcher Herr befizet, dem kein Herr auf Erden gleich, der das Recht mit Nachdruck schüßet; schwinge dich im ste= empor. ten Flor mit vermehrtem Glanz 3. Deines Thrones Majestät 80 Von der Menschwerdung des Sohnes Gottes. müsse jedes Volk verehren, und niß umgab, glänzt Gottes so weit die Sonne geht müsse Wahrheit nun herab. Halleluja! fich dein Ruhm vermehren; 5. Der Herr entsündiget die dankbar mache jeder Mund dei- Welt, wird für sie das Löse nen großen Namen fund. geld, stellt sich für uns zum 4. Schreibe mich, Herr, auch Opfer dar, zu retten, was ver mit an unter deinen Untertha- loren war. Halleluja! nen; ich will dir, so gut ich 6. Er ist auf Erden kommer kann, in mein Herz die Wege arm, daß er unsrer sich erbarm bahnen. Zu der Schar drängt und einst den Engeln mache sich mein Geist, die dich, Herr, gleich an Herrlichkeit in seinem willkommen heißt! Reich. Halleluja. 5. Jauchzt, ihr Kräfte, freuet 7. Das Alles hat er uns ge euch, froh erwecket Herz und than, große Lieb zu zeigen an: Sinnen; Jesus und sein Gna- deß freue sich die Christenhei denreich wird bei euch nun und danke ihm in Ewigkeit Raum gewinnen. Kommt und Halleluja! schwöret ihm den Eid; denn bei ihm ist Seligkeit. Mel. Vom Himmel hoch, da 2c. Von der Menschwerdung des 113. Wir danken dir, Im Sohnes Gottes. manuel, du Lebensfürst und Herr Jesu Christ, von deinem Gnadenquell, daß du zu uns Thron gekommen bist. 2. Im Glauben warteten auf dich die Frommen längst und sehnten sich; dich hoffete so lange Jahr der Väter und Propheten Schar. 112. Gelobet jeist du, Jesu Christ, der du Mensch geboren bist, und unser Bruder worden hier; Anbetung, Preis und Dank sei dir. Halleluja! 2. Dich sahn die Väter schon von fern, Davids Sohn und Davids Herrn; ihr Heil und ihre Zuversicht und aller Völker Trost und Licht. Halleluja! 3. Ach, daß der Herr aus 3ion täm' und unsre Bande von uns nähm'! Ach, daß der Herr, uns zu erfreun, schon möchte 3. Durch den die Welt geschaffen ist, der sie richtet, Je- gegenwärtig sein! sus Chrift, der Schöpfung 4. Jauchzt, Christen, unser Herr, verläßt sein Reich, er- Heil ist nah; der uns verhei niedrigt sich und wird uns ßen war, ist da, der Frommen gleich. Halleluja! Wünsche sind erfüllt und alle 4. Die Nacht der Finsterniß Klagen nun gestillt. entweicht, Jesus hat die Welt 5. Du wirst uns armen Menerleucht; auf die, so Finster- schen gleich, auf daß wir durch Von der Menschwerdung des Sohnes Gottes. 81 dich würden reich; du schenkst| Zorn, besiegst den Tod und durch deine Niedrigkeit uns rettest uns aus aller Noth. Ehre, Gnad und Herrlichkeit. 14. Du bist mein Haupt, hin= 6. Du bist der wahre Men| wiederum bin ich dein Glied schenfreund und wirst von Men- und Eigenthum; Herr, du bist schen angefeindt; der Frechen mein, und ich bin dein, laß Schar ist wider dich und stößt ewig mich dir eigen sein. ihr großes Heil von sich. 15. Ich will denn Halleluja 7. Wenn dich, Herr, deine hier mit Freuden singen für Feinde schmähn, so soll mein und für, und dort in deiner Glaube nach dir sehn; ich ehre Herrlichkeit dich loben, Gott, in dich, doch nicht so viel, als ich Ewigkeit. dich ehren soll und will. 8. Schenk du mir deines GeiMel. Ein Kindelein, so löbelich zc. stes Kraft, die alles Gute in 114. Ein Kind, dem keines uns schafft; nimm mich und jemals glich, ist uns geboren Alles, was ich bin, zur Gabe heute. Der Sohn des Höchsten und zum Opfer hin. nahet sich zu uns und bringt uns Freude. Wär Gottes Sohn nicht Mensch geborn, so wärn wir allesammt verlorn; nun schafft er Heil uns allen! GroBer Heiland, Jesu Christ, der du Mensch geworden bist, bewahr uns vor der Hölle. 9. Hast du doch selbst, des Ewgen Sohn, für uns verlassen deinen Thron, dich für die Sünde aller Welt zum Heil und Opfer dargestellt. 10. Du kömmst aus deines Vaters Schoß, wirst für uns Arme arm und bloß; denn Alles, was dich hier umfing, war dürftig, schlecht und sehr gering. 2. Erhebet Gott mit Freudigteit und lobet ihn, ihr Frommen! Es ist der Herr der Herr11. Aus deiner Armuth lichkeit zu uns herabgekommen. schöpf ich Muth; auch mir er- Groß ist die Liebe, Huld und scheinest du zu gut, mein Herz Gnad, die uns der Herr erist nun voll Zuversicht, denn wiesen hat; ein Knecht ist er du verwirfst die Sünder nicht. hie worden, uns doch ohne 12. Bin ich gleich schuld- Sünde gleich, daß wir durch und sündenvoll, hab ich gelebt ihn würden reich und ewig le= nicht, wie ich soll, du kömmst ben möchten. voll Gnade zu uns her, daß sich der Sünder zu dir kehr'. 13. Du schaffst es, daß ich selig sei, machst mich von Fluch und Strafe frei, du trägst den Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. 3. Wohl dem, der dieses Glaubens ist, fest auf den Retter trauet, mit Zuversicht auf Jesum Christ und seine Gnade schauet! Denn Christus hat 6 Von der Menschwerdung des Sohnes Gottes. genug gethan für uns und völlig los von Sündenschuld wiederum die Bahn zur Se- und ihren schweren Bürden. ligkeit geöffnet. Unerhörte 5. Gelobt jei Gott! Au Wunderthat: er trägt unsre unsre Noth sah er als Bater Missethat und wendet unsern mitleidsvoll hernieder. D ChriJammer! stenheit, preis' ihn erfreut; denn Gottes Sohn bringt das Ver forne wieder. 82 4. Es danke ihm die Christenheit für dieje große Güte! Fleht ihn, daß er uns jederzeit Mel. Herzlich thut mich verlangen 2. durch seinen Geist behüte vor falscher Lehr und Menschen- 116. Jhr, die ihr wart verwahn, der unsern Seelen scha- loren, hört, was euch trösten den kann. Er woll' alle kann: der Heiland ist geboren, Schuld vergeben. Vater, Sohn und heilger Geist, vor dir flehn wir allermeist, laß uns in Friede leben. Mel. Wirf, blöder Sinn 2c. 2. Den, der geboren heute, verehrt ihr heilig Heer; uns 115. Christenheit, sei frohe Botschaft her: euch ist dies bringen sie, voll Freude, die hoch erfreut! Das Heil der Kind gegeben, euch ist dies Welt, der Mittler, ist geboren, Heil bereit, bei Gott mit uns der uns erlöst und ewig tröst; wer an ihn gläubt, geht nimmermehr verloren. 2. O große That! Nach Gottes Rath hat sich sein ewger Sohn für uns gegeben; ein Menschenkind, doch ohne Sünd, ward er für uns und bracht uns Heil und Leben. und nimmt sich eurer an. Deß freuet sich dort oben der Engel heilge Schaar und ihre Chöre loben Gott darum immerdar. 3. Seligkeit! Er hebt das Leid, das durch der Sünde Macht auf uns gekommen; mit uns ist Gott nun in der Noth; freut euch des Herrn und hofft auf ihn, ihr Frommen! zu leben in steter Seligkeit. 3. Was ist's, daß euch betrübe, da er geboren ist? Mit seiner Huld und Liebe beglüdt euch Jesus Christ; er schenkt ein ewig Erbe dem, der ihm trauet fest; schafft, daß der freudig sterbe, der sich auf ihn verläßt. 4. Ihr seid nun losgesprochen, von Schuld und Strafe frei. Das Joch ist ganz zerbrochen, die Bande sind ent zwei. Tod, Teufel, Sünd und Hölle, was wider euch gekriegt, hat er an eurer Stelle bestritten und besiegt. 4. Auch mein Gesang, Herr, bringt dir Dant. Du wurdest Mensch, damit wir selig wür= 5. So rühmen sie. Mit ihden; du machst uns groß und nen frohlocket jeder Christ, weil Am Geburtsfeste Jesu. 83 Gottes Sohn erschienen und, Das ist der, der für uns stirunser Bruder ist. Dein sind nun unsre Herzen! Herr, dir geloben wir uns trennen weder Schmerzen, noch Freud und Glück von dir! bet und bei Gott für den Tod Leben uns erwirbet. 7. Gottes Sohn hat sich hienieden eingestellt, bringt der Welt Gnade Heil und Frieden; er nennt Menschen seine Brüder; was uns quält, was uns fehlt, bringt er Alles wieder. 8. Lasset uns denn zu ihm eilen, säumet nicht! Er will Licht, Trost und Rath ertheilen; liebt den, der vor Liebe brennet; eilt zum Herrn, der euch gern Licht und Leben gönnet! Mel. Warum sollt ich mich denn 2c. 117. Fröhlich soll mein Herze fingen; mein Gesang soll Gott Dant, Preis und Ehre bringen. Gottes Sohn ist Mensch geboren; er befreit und erfreut, was sonst war verloren. 9. Der du klagst in Schmerz der der und Leiden; auch für dich öffwieder. net sich hier ein Quell voll Er wird Mensch, dir, Mensch, Freuden; eile nur, gebeugte zu gute! Es verbindt Gottes Kind sich mit unserm Blute. 2. Heute kommt zu uns hernieder Gottes Held, Welt Segen bringet Seele, tritt herzu, schöpfe Ruh hier aus dieser Quelle. 10. Wer sich fühlt beschwert im Herzen, wer empfindt seine Sünd, komm in seinen Schmerzen; hier, hier wird der Arzt gefunden. Er nimmt Theil und macht heil die Gewissenswun= den. 3. Sollte uns nun Gott verlassen, da er giebt, was er liebt, über alle Maßen? Ja, wir sind nun Gottes Kinder; denn sein Sohn kömmt vom Thron seiner Macht für Sünder. 4. Sollte er an uns nicht denken, der sein Reich und zu- 11. Fehlt es uns an guten gleich alles Heil will schenken? Gaben: sehet, hier können wir Sollt' uns Gottes Sohn nicht Alles reichlich haben; seid ihr lieben, der selbst büßt und ver- arm, so eilt behende, kommt füßt, was uns tann betrüben? herbei, füllet frei eures Glau5. Gott will es, wir sollen bens Hände. leben, denn er hat voller Gnad uns den Sohn gegeben. Gottes Sohn trägt unsre Bürden, büßt voll Huld unsre Schuld, daß wir selig würden. 12. Laß mich dich, mein Heil, umfangen! Laß mich dir für und für immer treu anhangen! Du, du bist mir Heil und Le= ben; nun kann ich mich durch dich wohl zufrieden geben. 6. Gottes Sohn erscheint auf Erden; uns zu gut soll sein Blut einst vergossen werden. nicht plagen, denn du haft meine 13. Meine Schuld kann mich 6* 84 Von der Menschwerdung des Sohnes Gottes. Last ohne Schuld getragen; 4. Laß nur indessen hell Gnade kann ich bei Gott finden, denn durch dich werde ich rein von meinen Sünden. scheinen des Glaubens und der Liebe Licht, sonst nennt dich Je sus nicht den Seinen, sonst nütt 14. Mangelhaft sind meine dir seine Gnade nicht. Will Werke; du verleihst durch den du einst durch ihn selig sein Geist Heiligung und Stärke. so mußt du heilig sein und Er erleuchtet unsre Seelen, hei- rein. ligt sie, läßt uns nie Kraft zum Guten fehlen. 5. Sei mir, o Jesu, Licht und Sonne, bestrahle mich mit 15. Ich will alles Böse mei- deiner Gunst; sei meinem Her den; ich will dir leben hier, bis zen Heil und Wonne, und lehre ich werde scheiden, und dann mich die selge Kunst, wie ich einst bei dir dort oben voller im Lichte wandeln soll, und Freud ohne Zeit, dich, mein mach mich deines Geistes voll. Heiland, loben. Mel. Was ist vor deinem Angesichte zc. Mel. O Gott, du frommer Gott 2 118. Dies ist der Tag, da 119. Du wesentliches Wort, uns erschienen des Himmels von Anfang her gewesen, du Glanz und Herrlichkeit. Der Gott, von Gott gezeugt, von Herr, dem alle Engel dienen, Ewigkeit erlesen zum Heil der bringt Licht in unsre Dunkel- ganzen Welt; mein Heiland heit. Und dieses Welt- und Jesu Christ, Dank sei dir, daß Himmelslicht weicht hundert du mir zum Heil geboren bist! tausend Sonnen nicht. 2. Gieb auch durch deinen 2. Laß dich erleuchten, meine Geist, daß es nie meiner Seele Seele, versäume diese Gnade an Licht und Heiligkeit und nicht; schöpf aus der gnaden- Kraft zum Guten fehle; im reichen Quelle Heil, Leben, Glauben wohn in mir und Troft und Unterricht. Der weiche nimmer nicht, laß mich Sünden und des Todes Nacht auch nicht von dir abweichen, hat Gottes Licht ganz hell ge- du mein Licht! macht. 3. Eh du den Erdkreis haft 3. In diesem Lichte kannst du durch deine Kraft beweget, sehen den Glanz der wahren Se- ward schon zu meinem Heil ligkeit. Wann Erd und Him- der Grund von dir geleget, da mel einst vergehen, die Sonne sahst du schon auf mich. Ja, und mit ihr die Zeit, wird du wirst Mensch, o Gott; durch dieses Licht mit seinem Schein dein Himmel und dein Alles sein. dich wird nun besiegt die Sünde und der Tod. 4. Nichts hat, o Jesu, dich Am Geburtsfeste Jesu. 85 von Anfang her bewogen, nichts| müthe, weil er auch uns geöffhat dich, Herr, zu mir, von net hat den Reichthum seiner deinem Thron gezogen, als deine Güte. Uns lehret seines Worgroße Huld. Dich jammert tes Licht, was sein Will ist meine Noth; du kömmst und und unsere Pflicht und was tilgest sie durch deinen Kreu- ihm wohlgefällig. zestod. 2. Durch seine Gnade soll 5. Den Himmel hast du, der Christ des Fleisches Lüfte Herr, mit Licht und Glanz um- dämpfen, und gegen das, was geben: von dir hat das, was sündlich ist, mit Ernst und Ei= ist, sein Dasein und sein Leben; fer kämpfen; er soll nun, als so bin ich denn, mein Heil, ein treuer Knecht, gottselig, auch dein Geschöpf und Gab', züchtig und gerecht dem Herrn der Alles, was ich bin, von dir zu Ehren leben. empfangen hab'. 6. Gieb, daß ich dir zum Dienst mein ganzes Herz ergebe, auch dir allein zum Preis auf dieser Erde lebe. Ja, Jesu, laß mein Herz ganz neu geschaffen sein und dir bis in den Tod gewidmet sein allein. 3. Wer, das zu thun, was Gott gefällt, sich und sein Herz bereitet, mit Ernst dem Argen dieser Welt und Lüften widerstreitet: der ist ihm werth, den wird die Kraft, die alles Gute in uns schafft, zur Heiligung erneuern. 7. Laß doch an mir nichts 4. Drum, meine Seel, ersein, was du nicht haft geschaf- muntre dich! Gott hat auch fen; erneure du mein Herz, dir gezeiget das Licht des Heils, jchent mir des Geiftes Waffen, durch welches sich der Himmel daß ich durch deine Kraft Ver- zu dir neiget; ihm folge nun suchung, Welt und Sünd, den mit Redlichkeit, und wandle, letzten Feind, den Tod, als Sie- wie es Gott gebeut, dein Chriger überwind. stenthum zu preisen. 8. Das Leben ist in dir und 5. Herr, der du uns zur alles Licht des Lebens. Laß an Seligkeit auf Erden bist ermir deine Gnad, mein Gott, schienen, hilf uns, daß wir in nicht sein vergebens! Weil du Heiligkeit dir, unserm Mittler, das Licht der Welt, so sei mein dienen durch unsre ganze LeLebenslicht, o Jeju, bis mir benszeit, bis wir dort in der dort erscheint dein ewges Licht. Ewigkeit dein heilig Antliz schauen. Mel. Allein Gott in der Höh' zc. Mel. Wirf, blöder Sinn 2c. 120. Gott jei gelobt für jeine Gnad mit dankbarem Ge- 121. Auf, schicke dich, recht 86 Von der Menschwerdung des Sohnes Gottes. feierlich des Heilands Fest mit Mel. Vom Himmel hoch, da zc. Danten zu begehen! Lieb' ist 122. Dies ist der Tag, da der Dant, der Lobgesang, durch Gott gemacht; sein werd' in den wir ihn, den Gott der aller Welt gedacht! Ihn preiſe Lieb', erhöhen. was durch Jesum Christ in 2. Sprich dankbar froh: Al- Himmel und auf Erden ist. so, also hat Gott die Welt in 2. Die Völfer haben dein ge feinem Sohn geliebet! wer harrt, bis daß die Zeit erfülle bin ich, Herr, daß du mich so ward; da jandte Gott von je herrlich hoch in deinem Sohn nem Thron das Heil der Welt, geliebet? dich, seinen Sohn. 3. Er, unser Freund, mit 3. Wenn ich dies Wunder uns vereint, zur Zeit, da wir fassen will, so steht mein Geit noch Gottes Feinde waren; er vor Ehrfurcht still; er betet an wird uns gleich, um Gottes und er ermißt, daß Gottes Lieb' Reich und seine Lieb' im Fleisch unendlich ist. zu offenbaren. 4. An ihm nimm Theil, er ist das Heil; thu' täglich Buß' 4. Damit der Sünder Gnad erhält, erniedrigst du dich, Herr der Welt, nimmst selbst an unund glaub' an seinen Namen. srer Menschheit Theil, erscheinst Der ehrt ihn nicht, wer Herr, im Fleisch zu unserm Heil. Herr spricht und doch nichtsucht sein Beispiel nachzuahmen. 5. Dein König, Zion, spricht zu dir: ,, Ich komm, im Buche steht von mir; Gott, deinen Willen thu ich gern." Gelobt tes Sohn, bekleiden, speisen, sei, der da kommt vom Herrn! tränken; der Frommen Herz in 6. Herr, der du Mensch geihrem Schmerz mit Trost er- boren wirst, Immanuel und freun und dein dabei gedenten. Friedefürst, auf den die Väter 6. Rath, Kraft und Held, hoffend sahn, dich, Gott, Mej durch den die Welt und Alles fias, bet ich an. ist, im Himmel und auf Erden! 7. Du, unser Heil und höchDie Christenheit preist dich er- stes Gut, vereinest dich mit freut und jedes Knie soll dir Fleisch und Blut, wirst unser gebeuget werden. Freund und Bruder hier, und Gottes Kinder werden wir. 7. Erhebt den Herrn! Er hilft uns gern, und wer ihn 8. Gedanke voller Majestät! ſucht, den wird sein Name trö- du bist es, der das Herz erhöht. sten. Halleluja, freut euch des Gedanke voller Seligkeit. Du Herrn und dient ihm gern und bist es, der das Herz erfreut. jauchzt ihm, ihr Erlösten! 9. Durch Eines Sünde fiel 5. Aus Dank will ich in Brüdern dich, dich, Got Am Geburtsfeste Jeſu. 87 die Welt; Ein Mittler ist's, der niedrigt auch für mich! Wie sie erhält. Was zagt der Mensch, wenn der ihn schüßt, der in des Vaters Schooße figt? arm bist du erschienen, um meinem Heil zu dienen. 4. Olehre mich den großen Werth von deiner Huld recht 10. Jauchzt, Himmel, die fassen; was reizte dich auf dieihr ihn erfuhrt, den Tag der jer Erd, dich so herab zu lasheiligsten Geburt, und Erde, die sen? Hier wartete dein nichts, ihn heute sieht, sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied. als Noth, Berachtung, Kummer, Schmerz und Tod, und doch kamst du auf Erden, ein Menschensohn zu werden. 5. Noch stärker, Herr, als Schmerz und Tod, war deine Menschenliebe. Du sahest unsre Sündennoth mit mitleidsvollem Triebe. Du stimmtest, unser Heil zu sein, in deines Vaters Rathschluß ein, wardst Mensch und kamst mit Freuden, für uns den Tod zu leiden. 11. Dies ist der Tag, den Gott gemacht; sein werd' in aller Welt gedacht! Jhn preise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist. Mel. Ermuntre dich, mein zc. 123. Gott, deine Gnade sei gepreist: sie schuf uns Heil und Leben. Ermuntre dich, mein träger Geist, ihr Wohlthun zu 6. Immanuel, dein freu ich erheben; dent an die Nacht, da mich. Du bist auch mein Erauf der Welt des Höchsten retter. Auch mir zum Troste Sohn sich dargestellt, um sein jandte dich der Herr, der Gott jo theures Leben für Sünder der Götter. Was mir ein hinzugeben. wahres Wohl verschafft, Erleuchtung, Friede, Bessrungskraft und Freuden, die stets währen, willst du auch mir gewähren. 2. O große That, erwünschte Nacht, von Engeln selbst besun= gen! Du hast den Mittler uns gebracht, der uns das Heil er rungen. In dir erschien der 7. Was soll ich dir, mein starke Held, der alles schuf und größter Freund, für deine Treue alles hält, der Freund der Men- geben? Du bist's, der mich mit schenkinder, des Todes Ueber- Gott vereint, du bringst mir Heil und Leben. Herr, was ich 3. Der du zu uns, gesandt hab und was ich bin, das geb vom Herrn, aus deinem Him- ich dir zum Dienste hin. Ich mel famest und unser Fleisch will dich ohn Aufhören mit und Blut so gern in Demuth Leib und Geist verehren. winder. an dich nahmest, Sohn Gottes, 8. Ich sehe dich zwar hier o wie hast du dich so tief er- noch nicht, doch du wirst wieder 88 Von der Menschwerdung des Sohnes Gottes. kommen, und dann schaun dich| denken kann, Erlösung, Seligvon Angesicht, Herr, alle deine feit und Leben. Ich darf ihn Frommen. Dann werd auch kindlich flehen an; er ist's, der ich, Herr Jesu Christ, dich väterlich mich liebt, da er mir schaun, so herrlich als du bist; diesen Retter giebt. dann wirst du mich zum Leben, das bei dir ist, erheben. 6. Tief schäm ich mich des Sündenfalles, mich beugt der Sünden große Schuld; doch hier ist er, mein Ein und Alles, des Menschen Sohn, er Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 124. Gott hat mir jeinen hat Geduld. Jch werde doch Sohn geschentet und mit ihm von ihm geliebt, weil er sich alles zugeſagt. Das ist's, zum Versöhner giebt. woran mein Glaube denket, 7. Lob, Ehr und Preis und wenn mich ein Kummer drückt Kraft und Stärke sei dir, mein und plagt. Ich sorge nicht, Gott, in Ewigkeit für deiner weil er mich liebt und seinen Biebe Wunderwerke, dadurch du Sohn zum Mittler giebt. 2. Er selbst tritt nun in meinen Orden, der eingeborne Gottessohn, er ist ein Mensch, gleich mir geworden, mein Mittler mich so sehr erfreut und mich so wunderbar geliebt, o Gott, der mir sein Liebstes giebt! da drist und mein Gnadenthron. Mel. Jesu, meine Freude zc. Ich bin erfreut und nie betrübt, 125. Gottes Sohn ist komweil Gott mir diesen Mittler giebt. men! Danket ihm, ihr Frommen, dankt ihm, daß er kam, 3. Mein Heiland wird ein daß er hier auf Erden, unser Mensch geboren, er kömmt zu Heil zu werden, seine Wohnung mir in diese Welt; durch ihn nahm! Mensch, wie wir, erwird alles, was verloren, uns schien er hier, der zur Schöpfung nunmehr wieder hergestellt. Er sprach: Entstehe! Der einst ist es, der die Sünder liebt spricht: Vergehe! und mir sich zum Erlöser giebt. 2. Laßt uns niederfallen vor 4. Nun wird mir Gott wohl ihm, daß er allen Freund und alles schenken, da er mir dieses Bruder ist! Gott auf seinem Kleinod giebt und über aller Throne liebt uns in dem Sohne, Menschen Denken so viel Er- hilft durch Jesum Christ. Welch barmen ausgeübt. Wer zwei- ein Heil, am Sohne Theil, Theil felt nun, daß er uns liebt, da durch seiner Zukunft Gaben an er uns diesen Bürgen giebt? Gott selbst zu haben! 5. Mein Vater will mir alles geben, was ich nur Gutes 3. Keine Macht der Leiden kann von ihm uns scheiden; er Am Geburtsfeste Jeſu. bleibt ewig treu! Dort wird er 3. Dir, Menschgewordner, vom Bösen gänzlich uns erlö- singen wir Anbetung, Preis sen; hier steht er uns bei. Unser und Dank, und ewig, ewig Freund, mit Gott vereint, kann schalle dir der Erde Lobgesang. nicht seine Brüder hassen, noch sie hilflos lassen. 4. Wenn wir führt er uns in Frieden in des Grabes Nacht. Die verwesten Glieder giebt die Erde wieder ihm, der sie bewacht. Jesus ruft uns aus der Gruft, er, der selbst den Tod einst schmeckte, den das Grab bedeckte. 89 Mel. Lobt Gott, ihr Christen alle zc. 127. Aljo hat Gott die Welt geliebt, daß er aus freiem Trieb uns seinen Sohn zum Heiland giebt; wie hat uns Gott so lieb! 2. Was sein erbarmungsvoller Rath schon in der Ewig5. Auf dem Richterthrone feit zu unserm Heil beschlossen werden wir im Sohne unsern hat, vollführt er in der Zeit. Bruder schaun. Heil und ewigs 3. Er, aller Menschen höchLeben wird er allen geben, die stes Gut, der alle segnen fann, ihm hier vertraun. Er ward nimmt, wie die Kinder, Fleisch hier versucht, wie wir; über- und Blut, doch ohne Sünde, schwenglich wird er lohnen und an. der Schwachheit schonen. 4. Ich freue mich, mein Heil, 6. Eilet, eilt, ihr Sünder, in dir; du wirst ein Mensch, werdet Gottes Kinder, werdet wie ich. Was fehlt mir nun? seiner werth! Gilet, eilt, ihr 3st Gott mit mir, wer ist dann Frommen, seid, wie er, voll- wider mich? tommen, bleibet seiner werth! 5. Du, Sohn des AllerhöchPreiset ihn, daß er erschien und sten, wirst auch mir Rath, Kraft für euch sich hingegeben durch und Held, mein Vater ein göttlich Leben. und mein Friedefürst, so wie das Heil der Welt. 2. Wer kommt, wer kommt? Wer ist der Held voll göttlich hoher Macht? Messias ist's! Lobsinge, Welt, dir wird dein Heil gebracht! Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. mir 126. Er tommt, er tommt, gebricht, das, Herr, erwarbſt der starke Held, voll göttlich du mir; Versöhnung, Leben, hoher Macht. Sein Arm zer- Trost und Licht, das hab ich streut, sein Blick erhellt des Todes Mitternacht. JICH nun an dir. 7. Dein Mangel wird mein reiches Theil; dein Leiden stillt mein Leid; durch deine Niedrig= feit, mein Heil, gewinn ich Herrlichkeit. 8. Gelobt sei Gott, gelobt Von der Benennung Christi sein Sohn, durch den er Gnad( den; wir stellen Gott den Mitterweist! Lobt, Engel, ihn vor ler für; Gott läßt uns Gnade seinem Thron, erheb ihn auch, finden, erlässet uns die ganze mein Geist! Schuld, umfasset uns mit neuer Huld um des Versöhners willen. Von der Benennung Christi 6. Durch Jefum flehen wir bei dessen Beschneidung. zu Gott um Kraft, das treu Mel. Allein Gott in der Höh' sei zc. zu üben, was uns sein heiliges 128. Des Vaters Sohn, von und Gott stärft uns mit ſeiner Gebot zu üben vorgeschrieben; Ewigkeit zum Mittler auser- Kraft, macht uns, die Schwaforen, der für uns zur bestimm- chen, start, und schafft in uns, ten Zeit ein wahrer Mensch was ihm gefällig. geboren, ward Jesus schon vor- 7. Durch Jesum und mit längst genannt, ein Name, wel- ihm befreundt, gehn wir gecher macht bekannt sein Werk trost zum Tode; uns ist der und sein Geschäfte. Sünder größter Feind kein fürch2. Errettung, Leben, Selig- terlicher Bote. Wir sehen ihn keit verkündet dieser Name. Er, und zittern nicht, weil Jesus der schon in der ersten Zeit ver- zu den Seinen spricht: Ich leb heißne Weibesjame, er nahm und ihr sollt leben! ihn an mit vollem Recht, weil er das sündliche Geschlecht mit Heil beglücken sollte. Mel. Jesus meine Zuversicht zc. 3. Er hat's gethan, er hat 129. Meinen Jeſum laß ich der Welt, der Welt, die tief gefallen, sich als den Retter dargestellt, hat gnadenvoll uns allen die Gnadenfülle aufgethan, und wer ihn nimmt im Glauben an, erhält Trost, Heil und und Theil. Leben. 90 nicht, denn er will mich nicht verlassen. Was sein Name mir verspricht, das will ich im Glauben fassen. Jesus heißt und ist mein Heil, meines Herzens Trost Sündern ist kein andres 4. Getrost, mit aller Zuver- Heil und kein Name sonst gesicht gehn wir nun hin und geben, durch den sie erhalten treten vor Gott, und er ver- Theil an der Seligkeit und Lewirft uns nicht; wenn wir durch ben. Gott ist es, der ihn uns Jesum beten, so hört der Vater giebt; so hat er die Welt geund gewährt, was unser Herz liebt! von ihm begehrt im Namen sei= nes Sohnes. 3. Jesus fängt den Glauben an, fann und will ihn auch 5. In diesem Namen suchen vollenden. Jesus ist es, welcher wir Vergebung unsrer Sün- tann allen Schmerz und Kum bei dessen Beschneidung. 91 mer wenden. Jesus ist der 2. Wer so dies Jahr anbeste Rath, wenn man Rath hebet, der folget Gottes Lehr, vonnöthen hat. weil er im Geiste lebet, nicht nach dem Fleische mehr; er ist ein Gotteskind, von oben her geboren, das alles, was ver= loren, in seinem Jesu findt. 05. Jesus spricht: Kommt her zu mir; zeiget uns den Weg des Lebens. Er verheißt: Ich bin bei dir, und verheißt es nicht vergebens, Jesus hilft aus 3. Doch wie muß dies Beschneiden im Geist, o Mensch, geschehn? Du mußt die Sünde meiden, ihr ernstlich widerstehn. Das Mittel ist die Buß', wo= durch, obwohl mit Schmerzen, die böse Lust im Herzen getödtet werden muß. aller Noth. Er versüßet selbst 4. Ach gieb zu solchem Werke den Tod. in diesem neuen Jahr, Herr 6. Seine Wunden sind mein Jesu, Kraft und Stärke, damit Heil; Jesu Wort ist meine sich offenbar dein Bild der HeiWeide. Er giebt mir am Him- ligkeit, an vielen tausend Seemel Theil und erhebt mich einst zur Freude, wenn ich meinen Pilgerlauf endige, nimmt er mich auf. len, die sich mit dir vermählen in Herzens Einigkeit. nimmt er 5. Ich seusze mit Verlangen und sehnlicher Begier, dich herz7. Dankvoll will ich mich lich zu umfangen, du meiner denn freun feines Heils und Seelen Zier! Und hab ich dich ihm vertrauen; treu ihm und allein, was will ich mehr auf ergeben sein, bis ich ihn dort Erden? Es muß mir Alles werde schauen, wo mein ganz werden und Alles nüglich sein. 6. Ach ihr verstockten Sünder, bedenket Jahr und Zeit, ihr abgewichnen Kinder, die ihr in Eitelkeit und Wollust Gottes Mel. Von Gott will ich nicht zc. 130. Wer sich im Geift be- Güte doch einmal zu Gemüthe schneidet und als ein wahrer und nehmt die Zeit in Acht! Christ der Lüfte Tödtung leidet, 7. Beschneidet eure Herzen die so hochnöthig ist, der wird und fallet Gott zu Fuß in dem Heiland gleich, der für wahrer Neu und Schmerzen: uns hat gelitten, und fordert so wird die Herzensbuß', die reine Sitten zum Eingang in glaubensvoll geschehn, des Va= sein Reich.ch fers Herz bewegen, daß man 4. Jesus ist des Vaters Wort; Jesus ist mein Weg und Leben; Jesus ist mein Fels und Hort; er der Weinstock, wir die Reben; Herr und Mittler seiner Welt, König, Friedefürst und Held. verklärter Geist ihn mit allen Selgen preist! 92 Von der Offenbarung Christi wird neuen Segen in diesem| Geist, wie man dich würdig Jahre sehn. ehrt und preist, er mach uns reuig, gläubig, rein, und laß uns stets voll Liebe sein. 6. Nimm, lieber Herr, zum Opfer an, was Herz und Mund dir bringen kann; wir loben dich, wir ehren dich als unsern König ewiglich. 8. Ja, mein Herr Jesu, gebe, daß deine Christenschaar mit dir im Geiste lebe in diesem neuen Jahr; daß sie in keiner Noth sich möge von dir scheiden; Herr, stärke sie im Leiden durch deinen bittern Tod. 9. So wollen wir dich ehren die ganze Lebenszeit und deinen Ruhm vermehren in jener 132. Gott, dir sei ewig Mel. Christ, unser Herr, zum 2c. Ewigkeit; da wirst du offenbar, da werden alle Frommen, be- Preis und Ruhm, daß unsere freit vom Uebel, kommen ins Vorfahren gebracht sind aus große neue Jahr. dem Heidenthum, darin sie alle waren verblendet an Verstand und Sinn, sich selbst nicht konnten rathen, den stummen Gößen immerhin göttliche Ehr' anthaten, die doch kein Leben Von der Offenbarung Christi und seiner Lehre an die Heiden. Mel. Wenn wir in höchsten 2c. 131. Herr Christ, es steigt hatten. des Dankes Pflicht zu dir für deines Wortes Licht, womit du uns haft angeblickt und unser mattes Herz erquict. 2. Vom Holze ward der eine Theil zerhauen und verbrennet, der andere ward durch Hand und Beil ein Bild und Gott 2. Wir saßen sonst im To- genennet. Der Meister, der's desthal, es herrschte Dunkel vorher gemacht, mußt davor überall; dir danken wir, Herr selbst nun treten; was seine Jesu Christ, daß uns daraus Hand zuwege bracht, das mußte geholfen ist. er anbeten, sein Werk göttlich verehren. 3. Gieb, daß dein Licht uns leuchten mag bis an den letzten. großen Tag, und wir auch wandeln jederzeit auf rechtem Weg der Seligkeit. 4. O wahrer Mensch und Gottes Sohn, ein König in des Himmels Thron! Niemand von uns verdienet hat solch eine Huld und große Gnad'. 5. Es lehre uns dein guter gebetet. 3. Des Himmels Heer von andern ward zum Gottesdienst erwählet; und manch Geschöpfe solcher Art den Göttern zuge= zählet. Auch von dem sündlichen Geschlecht sind viel vergöttert worden; es wurde mancher Lasterknecht doch in der Götter Orden versetzt und an und seiner Lehre an die Heiden. 93 4. Drum sei, Herr, für dein| Worts, und nicht nur Hörer, Wort gepreist, in welchem wir daß überall und allgemein wir .nun lesen, daß du, o Vater, und auch unsre Lehrer des Sohn und Geist, nur einig bist Glaubens End erlangen. im Wesen! Du bist der wahre Gott allein, der einige Erretter; zu rechnen Mel. Nun freut euch, liebe zc. sein der Heiden falsche Götter, 133. Ach, wie verschieden die Niemand können helfen. ist die Welt von Gottes wahren Kindern! Was diesen lieb ist und gefällt, kann jener Ruhe mindern. Der Heiland und sein neues Reich entdeckt sich beiden; doch nicht gleich ist man dabei gesinnet. 2. Herodes und Jerusalem erschrecken, da sie hören, es komme jetzt aus Bethlehem der König aller Ehren; bezeuget ihre Lehre schon, es sollte Davids großer Sohn allda ge= 5. Und daß dein Wille würd' bekannt, o Vater, uns auf Erden, so hast du deinen Sohn gesandt, und Mensch ihn lassen werden, da Gottes Heil und Gütigkeit uns allen ist erschienen, daß wir ihm züchtig jederzeit, gerecht und heilig dienen, auf sein' Erscheinung warten. 6. Herr Jesu, gieb uns Gnad und Stärk, daß wir der blinden Heiden ungöttlich Wesen, Thun und Werk verleugnen boren werden. stets und meiden; die, welche 3. Gelehrte wußten Gottes noch im Irrthum sein, laß auch Wort dem König anzupreisen; erleuchtet werden durch deines doch gingen sie nicht an den Wortes Kraft und Schein, daß Ort mit den erweckten Weisen. jede Zung auf Erden dich, So geht es noch; wie mancher Jefum Christ, bekenne. weiß die Wahrheit und des 7. Wie du vor diesem haft Herrn Geheiß, und thut nicht dein Wort durch treue fromme nach dem Wissen! Leute gebreitet aus an mandie 4. Wer fest auf bösem Wilchem Ort, so thu es, Herr, len steht, wen Stolz und Neid noch heute! gieb treue Hirten, regieren, wer nicht, wenn Gott zu dir fortan auch andre ihm winket, geht, der wird sein bringen, mit reiner Lehre für Heil verlieren. Wer Gottes und für durch aller Herzen Wort nur hat und kennt, nicht dringen und alle zu dir führen. aber thut, nicht heilsam nennt, wird Jesum nimmer finden. 8. Hilf, daß sie fleißig allezeit ermahnen, trösten, strafen, im Glauben und Gottseligkeit vorgehen ihren Schafen. Laß 5. Die Weisen forschen eifrig nach, bis sie das Haus erblicken, wo sie, wie ihnen Gott veruns ja alle Thäter sein des sprach, sich in der That er Von der Offenbarung Christi zc. quicken. Ach forschten wir doch| selber schon die Erstlinge der auch, wie sie, und sparten we- Heiden; zu ihrem neugebornen der Zeit noch Müh, bis wir Herrn muß sie ein wunderdas Heil gefunden. barer Stern aus fernen Landen führen. 6. Ach möchten wir doch Leib und Geist mit willigem Bestre- 3. Der vorgen Zeit denkt, ben, wie uns der Weisen Bei- Christen, doch; Heil uns, daß spiel heißt, dem Herrn Jum sie verschwunden! Was wart Opfer geben; Gehorsam, Lieb ihr, eh der Herr euch noch und und Treu allein wird ihm so eh ihr ihn gefunden? Dentt lieb, ja lieber sein, als Weih- selbst zurück, was waret ihr? rauch, Gold und Myrrhen. Volk des Herrn, erwecket 7. Herr, der du so wun- dir dein vorigs Bild nicht derbar der Weisen Herz gezo- Grauen? gen und vieler Völker fremde Schaar zu deinem Dienst bewogen: verleihe, daß ich nichts ſo sehr, als deiner Gottheit Ruhm und Ehr, so lang ich lebe, suche! 4. Ein Volk, mit Gott ganz unbekannt, von seinem Bund entfernet, das, von dem Guten abgewandt, nur Böses thun gelernet, das todten Stein, ge schnitztes Holz wohl gar auf seine Blindheit stolz, als seine Götter ehrte. 94 8. Empfang, o werthe Christenheit, das Heil, das dir erschienen, und laß es dir zur Seligkeit im wahren Glauben dienen. Ach lernet von den Weisen doch, ihr falschen Christen, die ihr noch nach Art der Heiden lebet. 5. Du gingst in Sünd und Laster hin, wie jede Lust dich führte. Und wenn nun den verkehrten Sinn Gewissensunruh rührte: so sahest du doch aus der Noth, die die Natur schon Sündern droht, tein Mittel zur Errettung. Mel. Nun freut euch, liebe zc. 6. O wäre nicht dein Licht, 134. Dem finstern Erdkreis o Gott, uns hell genug erschieist vom Herrn ein helles Licht nen, wir würden, der Vernunft erschienen. Es leuchtet nah und zum Spott, noch jetzt den Gößen leuchtet fern, und selbst auch dienen. Nicht eigner Wiß, Heiden dienen den tobten Gößen nicht Würdigkeit, nur Gottes nun nicht mehr; sie kennen nun Huld hat uns befreit von jenen den Herrn, und er läßt sie im Finsternissen. Lichte wandeln. 7. Nun prüfe heut, Volk 2. Kaum sandte Gott mit Gottes, dich vor seinem Angeseinem Sohn der Erde große sichte: folgst du auch unverFreuden: so sammelt er sich änderlich der Wahrheit reinem Von der Darstellung Chrifti im Tempel. Lichte? Was helfen Opfer des Gebets zum wahren Gott, wenn du noch stets der Sünde sclaisch dienest? 8. Was hilft es, daß du Gott erkennst und seinen ganzen Willen, wenn du das Thun vom Wissen, trennst, nicht strebst ihn zu erfüllen? Wenn Treue du gelobst und brichst, zwar christlich glaubst und christlich sprichst, und doch noch heidnisch wandelst? 9. Beherzige: Gott nimmt sein Licht, wenn man's nicht schätt, zurücke. Gebrauch es recht, damit er nicht sein Wort auch dir entrücke. Gott, nimm's uns nicht, doch mach uns treu dem Licht der Wahrheit und verleih es auch den fernsten Heiden! 95 grund und denke, wie ich alle Stund ihm dankbar funden werde. 3. Auch ich kann mit 3ufriedenheit, wie Simeon, mein Leben beschließen, und zu aller Zeit mich meinem Gott ergeben; getroft schließ ich die Augen zu, der Tod wird mir nun Schlaf und Ruh, führt mich zur Himmelsfreude. 4. Wie werd ich dann so selig sein, wenn ich, los von der Erde, befreit von ihrer Lust und Bein, zu Gott nun kommen werde; wenn ich erreicht die Ewigkeit, wenn ich erlangt die Seligkeit, die mir mein Gott bereitet. 5. Hilf, Herr, daß ich sei stets bereit, laß mich von dir nichts wenden; bring mich zu deiner Herrlichkeit; hilf Alles wohl vollenden! Komm bald, hilf mir aus aller Noth, Herr, durch dein Blut und deinen Tod; ja komm, Herr Jesu, Amen! Von der Darstellung Christi im Tempel. ( Mariä Reinigung.) Mel. Wenn mein Stündlein 2c. 135. Es stellte sich im Tempel ein, der Gottes Rath erfüllet, die Welt von Sünden Mel. O Haupt voll Blut und 2c. zu befrein; der Frommen Wunsch 136. Herr Jeju, Licht der gestillet; der Juden Preis, der Heiden, der Frommen Schatz peiden Licht, er, Jesus, meine und Lieb'! Wir kommen jetzt Zuversicht im Tode und im mit Freuden durch deines GeiLeben. stes Trieb in diesen deinen 2. Weil er mich nun von Tempel und suchen mit BeSünden rein durch sein Ver- gier, nach Simeons Erempel, dienst kann machen; weil er dich, unsern Gott, allhier. mich, frei von Qual und Pein, 2. Du wirst von uns gefunentreißt der Höllen Nachen: so den, o Herr, an jedem Ort, freu ich mich von Herzens- dahin du dich verbunden durch Univ.- Bibl. Giessen 96 dein Verheißungswort; ver= gönnst noch heut zu Tage, daß man dich gleicherweis auf Glaubensarmen trage, wie jener fromme Greis. Auf Maria Reinigung. 3. Sei uns auch Lust und Wonne, ein Trost in Schmerz und Pein, im Schrecken unsre Sonne, im Kreuz ein Gnadenschein, im Seufzen ein Vertreter, in Noth ein Freudenstrahl, in Krankheit Arzt, und Retter in unsrer Todesqual. 2. Er betet in dem Tempel hinauf zu seinem Gott, und blickt, dir zum Erempel, getroft auf seinen Tod. 3. Gott hatte ihn geleitet, die Tugendbahn zu gehn. Der Trost war ihm bereitet, den Heiland noch zu sehn. 4. Er sah ihn mit Entzücken, drückt ihn an seine Brust, und aus des Heilands Blicken schöpft er Kraft, Trost und Lust. 5. Nun sah er ohne Beben 4. Herr, laß es uns gelin- auf seinen Abschied hin; denn gen, daß wir, wie Simeon, auch Christus war sein Leben und endlich mögen singen im fro- Sterben sein Gewinn. hen Siegeston: Mir werden 6. Nicht mehr ein Glück hienun im Frieden die Augen zu- nieden war reizend für sein gedrückt, nachdem ich schon hie- Herz; belebt von großem Frienieden den Heiland hab erblickt. den sah er nur himmelwärts. 5. Ja, ja, ich hab im Glau- 7. Herr, leit mich auf dem ben, mein Jesu, dich gesehn; Pfade der wahren Frömmigkeit; kein Feind kann dich mir rau- gieb mir durch Jesum Gnade, ben, er muß zurückestehn; ich zum Sterben Freudigkeit. wohn in deinem Herzen und 8. 3war werde ich nicht sehen in dem meinen du; uns schei- ihn hier, wie Simeon; doch in den keine Schmerzen, nicht Angst des Himmels Höhen erwartet noch Tod dazu. er mich schon. 6. Hier prüfst du noch die Deinen, hier ist noch Kampf und Streit; hier muß ich oft noch weinen in mancher Traurigkeit; dort aber wird's ge= schehen, daß ich von Angesicht Mel. Kommt her zu mir, spricht 2. verklärt dich werde sehen im 138. Wohl auf, mein Herz, ewgen Freudenlicht. Mel. Christus, der ist mein Leben zc. verlaß die Welt, dem, der für 137. Komm, Wanderer, zum auch darzustellen; er ist das dich sich dargestellt, nun dich Grabe, komm, armer Erden- Licht, drum sei gewiß, er wird sohn, an deinem Wanderstabe, auch deine Finsterniß durch seibetrachte Simeon. Inen Glanz erhellen. 9. Dann tönen meine Lieder: Heil mir, nun seh ich ihn! Der Himmel tönet wieder: Heil dir, nun siehst du ihn! Vom Verhalten und Geschäfte Jesu zc. 97 2. Ach du sollst ihm sein Sinn, ein Herz. Sein Wille Tempel sein; er selbst macht war dein Wille. Du ehrteſt dich von Sünden rein, hat Luft ihn, auch unter Schmerz, mit in dir zu wohnen. Doch, höchst zufriedner Stille. Auch finstres Herz, auf, werde Licht, auf der allerrauhsten Bahn sahst denn Jesus wohnt in Seelen du ihn doch als Vater an. nicht, die noch den Lüsten fröhnen. 3. Du suchtest nichts, als sein Gebot vollkommen zu erfüllen, 3. Wer sich vom Geist, wie und unterwarfst dich bis zum Simeon, erwecken läßt und Got- Tod ganz deines Vaters Wiltes Sohn zum Heil begehrt zu len. Dein Hauptgeschäft war haben, Gott fürchtet, sich der das allein, Ausführer seines Welt entwöhnt, aus ihr sich| Raths zu sein. nach dem Himmel sehnt; der 4. Du gingst verstummt zur opfert rechte Gaben. Schlachtbank hin, Gehorsam zu bezeigen. Man sah dich mit gelassnem Sinn zur Schädelstätte steigen. Du warst zur tiefsten Schmach gefaßt und trugst die schwere Kreuzeslast. 4. Wer auf's Versprechen Gottes baut, im Glauben seinen Heiland schaut, der kann in Frieden fahren. Der Heiland hält, was er verspricht. Er wird sich ihm in seinem Licht dort herrlich offenbaren. 5. Herr, mache mich gerecht und rein, und laß mich stets voll Glaubens sein, mich tugendhaft stets leben; bis du auch mich, wenn's dir gefällt, in Frieden wirst aus dieser Welt in deine Wonn erheben. 5. O Heiland, der du mich versöhnt, laß dein Verdienst mich decken, wenn mich, der ich Gott oft verhöhnt, verdiente Strafen schrecken. Hilf mir, daß ich so gern, wie du, den Willen deines Vaters thu! 2. Du warst mit ihm ein Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. Mel. Schmücke dich, o liebe zc. 140. Heiland, deine Menschenliebe war die Quelle jener Triebe, die dein ganzes Herz Vom Verhalten und Geschäfte Jesu in seinem Leben auf Erden. Mel. Mir nach, spricht Christus 2c. 139. Du weſentliches Eben- geführet, daß du, unjerm Heil bild der allerhöchsten Liebe! Du zu dienen, bist in Knechtsgestalt warst, o Jesu, ganz erfüllt mit erschienen. O, wer faßt die Gott geweihtem Triebe. Gott Großmuthstriebe deiner treuen war dein Zweck, dein höchstes Menschenliebe. Gut; ihm folgtest du mit Hel2. Feinde mitleidsvoll bedenmuth. weinen; Jedermann mit Hülf erscheinen; sich der Blinden, 7 Vom Verhalten und Geschäfte Jesu Kranten, Armen mehr als vä-| 7. Laß mich, Herr, mir selbst terlich erbarmen; der Betrüb- zum Segen, deinen Wandel oft ten Klage hören; sich in andrer erwägen und die Lieb in deiDienst verzehren: dies sind Pro- nem Herzen mich erquicken in ben wahrer Güte, und so, Herr, den Schmerzen. Heilige auch war dein Gemüthe.meine Triebe zu rechtschaffner 3. Die Betrübten zu er- Menschenliebe; laß mich immer quicken, sie dem Kummer zu mehr auf Erden deinem Muster entrücken, die Unwissenden zu ähnlich werden. lehren, die Verkehrten zu bekehren; Sünder, die sich selbst verstocken, langmuthsvoll zu sich zu locken: war dein tägliches ( Vergl. Nr. 319-324. 443.) Mel. Allein zu dir, Herr Jeſu zc. Geschäfte ohne Schonung deiner 141. Du weinest um JeruKräfte. 98 falem, Herr Jesu, heiße Zäh4. O wie hoch stieg dein Er- ren, zum Zeugniß, daß dir's barmen, da du endlich für die angenehm, wenn Sünder sich Armen, die des Todes werth, bekehren; daß mir in Trübsal, dein Leben in den Tod dahin Angst und Pein, dein zärtlich gegeben! Da zur Tilgung Herz werd offen sein; daß du unsrer Schulden du die Stra- dem, der sich zu dir naht, fen wolltest dulden, und, uns schenkst Hülf und Rath zur Zeit, Leben zu erwerben, willig warst, wenn er sie nöthig hat. am Kreuz zu sterben. 2. Ja, Heiland, deine Thrä5. Deine Huld hat dich ge- nen sind's, die träftig für mich trieben, Sanfmuth und Geduld bitten, wenn ich die Pflichten zu üben, Haß mit Haß nicht eines Kinds undankbar überzu vergelten, deine Schmäher schritten. Wie hoch sind sie vor nicht zu schelten, allen freund- Gott geschätzt! Wer sie zu seilich zu begegnen, deine Lästerer nem Troste setzt, der wird, wenn zu segnen, deine Feinde zu er voll Traurigkeit sein Thun vertreten und für Mörder selbst bereut, mit Gnad und Heil von zu beten. Gott erfreut. 6. Aller Welten Herr und 3. Hier muß ich auch vor König! Sohn des Höchsten! Angst und Schmerz oft bittre wie wenig hast du je nach Thränen weinen. Der Bosheit Ruhm getrachtet und auf Men- Anblick quält mein Herz; oft schenlob geachtet! Deines Vaters fränkt die Welt die Deinen. heilgen Willen mit Gehorsam Bemächtiget dann meiner sich zu erfüllen und uns Heil und der Kummer, o so tröst ich Trost zu geben, war der Zwed mich, daß du, mein Heiland, von deinem Leben. Jesu Christ, im Himmel bist in seinem Leben auf Erden. 99 2. Du kamst zu uns, von Gott gesandt und machtest uns 4. Du siehst, Herr, meine den Weg bekannt, wie wir, beThränen an, und du hast sie freit von Sündenschuld, theilgezählet, wenn ich sie selbst haftig werden seiner Huld. Auf nicht zählen kann, daß dir nicht ewig sei dir Dant und Ruhm, eine fehlet. Sie bleiben immer- Herr, für dein Evangelium. dar vor dir und neigen bald 3. Du sahest in der Gottheit dein Herz zu mir, daß es, da Licht mit aufgeklärtem Angedu oft gleiche Last erfahren sicht, was nach des Höchsten haft, bei meinem Jammer Mit- weisem Rath die Welt noch zu leid faßt. erwarten hat; du machtest selbst durch deinen mund das Künftige den Menschen kund. und hülfreich auf die Deinen fiehst. 5. Der Christ, der hier mit Thränen jä't, zu Gott' in Demuth stille, der erntet, wenn 4. Dies und die Wunder dei= er aufersteht, der Freuden reichste ner Hand sind uns ein göttlich Fülle; er erntet Freuden, welche Unterpfand, daß das, was man man hier nicht verstehn noch von dir gehört, sei Wahrheit, nennen kann. Nach kurzem die uns Gott gelehrt. Nie Leiden dieser Zeit folgt Herr- schwäche mir der Frevler Spott lichkeit den Frommen nach in den Glauben an dies Wort von Ewigkeit. Gott. 6. Du selbst erduldest Qual 5. Du lehrtest, Herr, durch und Spott, eh Wonn und Preis Wort und That; man trifft dich frönen. Auch Thränen den reinsten Tugendpfad in weintest du zu Gott, uns Sün- deinem heilgen Wandel an. der zu versöhnen. Du strittest Gieb, Herr, daß ich auf dieser erst, dann gingest du aus allem Bahn, gestärkt von dir, mit Streit in deine Ruh; dorthin steter Treu dir nachzufolgen erhebst du einst auch mich, dann eifrig sei. preis ich dich für deine Thränen ewiglich. 6. Du bist es, Herr, von dem das Amt, das die Versöhnung durch treuer Lehrer Mund noch predigt, stammt. Du machst Mel. Bater unser im Himmelr. 2c. 142. Lehrer ist dir, Jeju, gleich; an Weisheit und tund. das Begleite stets mit deiner an Liebe reich, bist du sowohl Kraft ihr Amt, damit es Nutzen durch Wort als That der schwa- schafft! hen Menschen sichrer Rath. Es 7. Noch immer hilfst du deifreut mein Geist im Glauben nem Wort in seinen Siegen sich, Herr Jesu, dein und lobet; mächtig fort. Du sendest, wie dein Mund verheißt, noch immer dich. 7* 100 Vom Verhalten und Geschäfte Jesu deinen guten Geist, der dem, Engel Schar, so stellten sie fid der Wahrheit sucht und liebt, dienstbar dar. zum Glauben Licht und Kräfte giebt. 5. Sein Segen speiste gan Heere, da, wo es doch an Bro 8. Mein Heiland, send ihn gebrach. Er gab Befehl a auch zu mir, daß er mich zu Wind und Meere: es ließ ih der Wahrheit führ, von Eigen- Sturm gehorsam nach. S dünkel mich befrei, damit ich sahe man in allem Thun a dir gehorsam sei, bis mich bei ihm der Gottheit Fülle ruhn dir in Ewigkeit ein helles Licht dereinst erfreut. 6. Wir danken, Höchste deiner Stärke, die Jesum vo der Welt verklärt, der durd so große Wunderwerke al dein Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 143. Wie göttlich sind doch wir nehmen ihn im Glauben Jesu Lehren; wie überzeuget an und sind ihm willig unter seine Macht; so bald wir von than. den Thaten hören, die er auf Erden hat vollbracht: da stimmt ihm unser Glaube bei, daß er der Welt Erlöser sei. 7. Erfüll, o Herr, nur unst Herzen mit seiner Lehren Gött lichkeit, damit wir nicht da Heil verscherzen, das uns dein 2. Die Herrlichkeit war vol- Šohn allein verleiht, und schaffe ler Gnaden, die man aus sei- daß ihm unsre Treu bis in den nen Zeichen sah. Er wirkte Tod beständig sei. nie zu Jemands Schaden, wie hier von Menschen oft geschah; mel. Herzliebster Jesu, was haft 1. er raffte auch den Sünder nicht durch Tod und Plagen vor's 144. Still, niedrig, ohne Gericht. rauschendes Gepränge, entfernt 3. Er schenkte das Gesicht von dem, was sonst der Men den Blinden, den Tauben gabs schen Menge groß glaubt: ſo er das Gehör, der Aussaß mußte wandelte der Herren größter, vor ihm schwinden, der Stum- der Menschen bester. me sang ihm Dank und Ehr; sein Kraftwort hieß die Lahmen gehn und selbst die Todten auferstehn. 4. Er schalt des Satans Legionen; die Legionen scheuten ihn; so mußten sie die Menschen 3. Doch groß war er bei al schonen und plößlich in den Ab- ler äußern Blöße, groß durch grund fliehn. Berief er seiner die stille, ihm nur eigne Größe; 2. Nicht sich bedienen lassen, Andern dienen wollt er, der Herr, der uns zum Heil et schienen; freiwillig wählte et statt Erdenfreuden Armuth und Leiden. in seinem Leben auf Erden. erhaben, groß durch Alles,| Tod und Schmerz und Seuchen was er dachte, sprach und voll- sogleich entweichen. brachte. 11. Er sprach- und Heilung und Genesung kamen den schwer Bedrückten, Blinden, Tauben, Lahmen. Sein Wort beseelte und belebte wieder der Todten Glieder. 4. Unschuld und Wohlthun war sein ganzes Leben, der Menschen Wohl geweiht und Gott ergeben; ganz Thätigkeit sein Werk, und Gottes Willen tren zu erfüllen. 101 12. Wer hat jemals, wie er, 5. Von Gottes Kraft be- gelebt, gelehret? Wer so viel lebte Lehren flossen von seinem Licht und Heil der Welt ge= Munde, um ihn her ergossen währet? Wer hat je solcher sich Ströme von Holdseligkeit Thaten Ruhm erreichef, der sei= und Gnade auf jedem Pfade. nem gleichet. 6. Jhr Müden, sprach er 13. Er war's, der uns zum einst mit holden Blicken, tommt, Seil erscheinen sollte, durch den folget mir und ich will euch uns Gott begnadgen, jegnen erquiden! Wer mein Wort hört wollte. Ihn kennen und verund glaubet, der wird leben, ehren, macht auf ewig beglückt ja ewig leben! und selig. 14. Dem großen Beispiel, 7. Untadelhaft, von keiner das du uns gegeben, mit mögSünd entweihet, sprach er: lichstem Gehorsam nachzuleben, Wer ist, der mich nur einer das laß sich alle, Herr, die zeihet? Und zeihen konnten ihn dich hochschäßen, zum Ziele die Tadler keiner, ihn auch nicht sehen! Einer. 8. So unschuldsvoll, so ohne Vom Leiden, Tode und Bealle Fehle, so war sein ganzer Wandel; jeine Seele vor Gott gräbniß Jesu. so heilig und so himmlisch reine, Erweckung zur heilsamen Betrachtung derselben. als nie noch eine. 9. Auch Strahlen seiner Gottheit ließ er feuchten. Die Thaten und die Worte, ste bezeugten, daß er der Herzen Rath und innre Tiefe versteh' und prüfe. Mel. Herzliebster Jesu, was hast 2c. 145. Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken, mich in das Meer der Liebe zu versenken, die dich bewog, von aller Schuld des Bösen uns zu erlösen. 2. Vereint mit Gott, ein 10. Was er nur sprach, stand da zu seiner Ehre. Er sprach, Mensch, gleich uns auf Erden, und ihm gehorchten Wind und und bis zum Tod am Kreuz Meere. Auf sein Wort mußten gehorsam werden; an unsrer Vom Leiden und Tode Jesu. 10. Du liebtest mich, ich will dich wieder lieben und stets mit 3. Welch wundervoll hoch Freuden deinen Willen üben. heiliges Geschäfte! Sinn ich gieb zu diesem seligen Ge ihm nach, so zagen meine schäfte, Herr, selbst mir Kräfte. Kräfte, mein Herz erbebt, ich seh und ich empfinde den Fluch Met. Herzliebster Jesu, was haft z der Sünde. Sünder, 4. Gott ist gerecht, ein Rächer 146. Kommt her, ihr Chrisalles Bösen. Gott ist die Lieb sten, kommt, laßt uns von Her und läßt die Welt erlösen. Dies zen betrachten Christi Leiden, tann mein Geist mit Schrecken Pein und Schmerzen; er büßt und Entzücken am Kreuz er- für alle Sünden, blicken. weine! er büßt alleine! 5. Es schlägt den Stolz und 2. Ach seht, wie angst wird mein Verdienst darnieder; es ihm von unsern Sünden! Im stürzt mich tief und es erhebt Staube muß er sich am Delmich wieder; lehrt mich mein berg winden, daß ihm der ToGlück, macht mich aus Gottes desschweiß, mit dem er ringet, Feinde zu Gottes Freunde. blutig ausdringet. 102 Statt gemartert und zerschlagen, die Sünde tragen. - 6. Herr, mein Heil, an dessen Tod ich glaube! 3ch liege hier vor dir gebückt im Staube, verliere mich mit dankendem Gemüthe in deine Güte. 3. Der Heiland fällt im Gar ten zu der Erden; ein Engel muß des Trösters Tröster werden; es bringt die Creatur dem Herrn der Werke, dem Schöpfer Stärke. 7. Sie übersteigt die menschlichen Gedanken; allein sollt' ich 4. Was wir und Adam hatdarum im Glauben wanken? ten übertreten, dafür muß jezt Ich bin ein Mensch; darf der der Herr mit Zittern beten; es sich unterwinden, Gott zu er- ist der Zorn, der über uns ent gründen? zündet, den er empfindet. 5. Aus Geiz verrieth ihn Judas seinen Feinden, und, gleich als einer noch von seinen Freunden gab er der Schar die Losung durch sein Grüßen und falsches Küssen. 9. So sei denn ewig auch 6. Die nun mit Schwert und von mir gepriesen für das Er- Waffen fertig stunden, die führbarmen, das du mir erwiesen, ten ihn zu Caiphas gebunden, da du, mein Heiland, auch für wo er um seine Lehre ward bemich dein Leben dahin gegeben. fraget und hart verklaget. 8. Das Größt in Gott ist Gnad und Lieb erweisen; uns kömmt es zu, sie demuthsvoll zu preisen; zu sehn, wie hoch, wenn Gott uns Gnad erzeiget, die Gnade steiget. Vom Leiden und Tode Jesu. 103 Mel. Liebster Jesu, wir sind zc. 7. In dessen Munde nie Betrug gefunden, ließ sich von 147. Meine Seel, ermuntre Sündern, welche um ihn stun- dich, Jesu Liebe zu bedenken! den, verklagen, schlagen, schim- Auf sein Leiden müsse sich deine pfen und verhöhnen, mit Dorganze Andacht lenten. Ach, ernen krönen. wäg die große Treue und dich deines Jesu freue! 2. Sieh, der wahre Gottessohn ist für dich ans Kreuz ge= hänget; sein Haupt trägt die Dornenkron, sein Schweiß ist mit Blut vermenget; er läßt 9. Voll Bluts ward er zum sich für dich verwunden; wo ist Schimpf umhergeführet, mit eigrößre Liebe funden? nem Purpur nur zum Spott 3. Du, du solltest große Pein gezieret, durch höhnisch Grüßen ewig in der Hölle leiden und und Verspein entehret, sein Schmerz vermehret. von Gott verstoßen sein, ewig fern von allen Freuden; aber Jesus trägt die Sünden, daß du könntest Gnade finden. 8. Er ward gegeißelt mit geflochtnen Riemen; sein Rücken war blutrünstig voller Striemen; von seinem Haupt, mit Dornen wund gestoßen, Blutstropfen floffen. 10. Er ward verurtheilt und ans Kreuz gehenket, mit Eſsig und mit Gallentrant getränket, geſtillt des gerechten Gottes 4. Durch sein Leiden wird und mußte noch am Kreuze Rache. Er hat das Geſetz er= bis zum Scheiden Verspottung füllt, gut gemacht die böse Sache, Sünde, Teufel, Tod bezwungen und den Himmel dir errungen. leiden. 11. Das Alles hast du, Herr, für uns gelitten, so sauer uns 5. Was liegt dir nun ob, ein ewig Glück erstritten; o mein Herz, dem dich dankbar möchten wir Erlöste dich doch zu beweisen, der sogar durch preisen, dir Dank erweisen! Blut und Schmerz seine Lieb an dir will preisen? Kannst du wohl mit schwachen Liedern ihm so große Lieb erwiedern? 12. Nimm an den Dank, den Herz und Lippen singen, bis du uns zu der Engel Chor wirst bringen, wo wir, vollkommen in dem bessern Leben, dein Lob erheben. 6. Ach, ich kann ihm nimmermehr das Geringste nur vergelten. Ich muß leider täglich sehr meine große Trägheit schel13. Hilf, Jesu, daß wir Gott auch unsre Seelen, wie du ge- ten. Oft hab ich ihn lau gethan, an unserm End befehlen, liebet, oft durch Sünden gar und selig einst auf deinen Tod betrübet. und Leiden von hinnen scheiden. 7. Was geschehen ist, das 104 Vom Leiden und Tode Jesu. soll ferner nicht von mir ge-| hier solche Freud und Ruh zu schehen! Fest entschlossen, eifers- finden, wenn im Glauben wir voll, einen andern Weg zu mit dir uns, o Jesu, recht vergehen, will ich künstig Jesu binden; schenkst du schon so viel leben und mich ihm zum Opfer auf Erden, was wird uns im geben! Himmel werden! 8. Weicht, ihr Sünden, weit 14. Was für Luft und Süvon mir, euch darf ich nun ßigkeit, welchen Frieden, was nicht mehr leiden! Liebt' ich euch, für Freuden, was für Ruhe so würdet ihr mich von meinem nach dem Streit, was für Ehre Heiland scheiden, ohne welchen bringt dein Leiden! Ewig werd ist tein Leben, keine Gnade, kein Vergeben. ich dich dann loben, wenn mich Gott zu sich erhoben. 9. Dir, mein Jesu, dir mein 15. Täglich, täglich freu ich Heil, dir will ich mich ganz mich auf dies freudenvolle Leverschreiben, daß ich dir, mein ben. Heiland, dir sei Dant; bestes Theil, ewig will getreu durch dich wird es mir dereinst verbleiben. Nichts, nicht Leben, gegeben! Laß, es gläubig zu Sterben, Leiden, soll mich, Jesu, behalten, deine Kraft stets in von dir scheiden! mir walten. 10. Du, mein Jesu, sollst es sein, auf den stets mein Auge met. O König, dessen Majestät zc. blicket. Wie du mein, so will 148. Erforsch mich, Herr, Mel. prüfe ich dein bleiben stets und unverrücket. Was du liebst, will erfahr mein Herz, und ich auch lieben; was dich kränkt, meine Triebe. Ich denk an soll mich betrüben. deines Leidens Schmerz, ant 11. Was du willst, das sei deine große Liebe. Dein Kreuz mein Will, dein Wort meines sei mir gebenedeit! Welch WunHerzens Spiegel; wenn du schlä- der der Barmherzigkeit hast du gest, halt ich still. Dein Geist der Welt erwiesen! Wann hab bleibt mein Pfand und Siegel; ich dies genug bedacht und dich daß ich soll den Himmel erben, aus aller meiner Macht genug darauf kann ich fröhlich sterben. dafür gepriesen? 12. Nun, so bleibt es fest 2. Rath, Kraft und Friededabei: Jesus soll es sein und fürst und Held, in Fleisch und bleiben, dem ich lebe, deß ich Blut gekleidet, wirst du das sei; nichts soll mich von Jesu treiben. Du wirst, Jesu, mich nicht lassen, ewig will ich dich umfasſen. Opfer für die Welt, und deine Seele leidet. Dein Freund, der dich verräth, ist nah, die Stunde des Gerichts ist da und Schrecken strömen über. Du zagst und 13. Ist für uns schon jetzo Vom Leiden und Tode Jesu. 105 fühlst der Höllen Weh: Ist's gleich als ein Lamm, das man möglich, Vater, o, so geh der zur Schlachtbank führet. FreiKelch vor mir vorüber. willig als der Helden Held starbst du aus Liebe für die Welt den Tod, der uns gebühret. 3. Dein Schweiß wird Blut; du ringst und zagst und fällst zur Erde nieder; du, Sohn des Höchsten, kämpfst und wagst die erste Bitte wieder. Du fühlst, 7. Du neigst dein Haupt; es von Gott gestärkt im Streit, ist vollbracht. Du stirbst, die Erd die Schrecken einer Ewigkeit und erschüttert. Die Arbeit hab ich Strafen ohne Ende. Auf dich dir gemacht, Herr, meine Seele nimmst du der Menschen Schuld zittert. Was ist der Mensch, und giebst mit göttlicher Geduld den du befreit? O wär' ich doch dich in der Sünder Hände. 8. Welch Warten einer ew= ganz Dankbarkeit! Herr, laß 4. Du trägst der Missethäter mich Gnade finden, und deine Lohn und hattest nie gesündigt, Liebe dringe mich, daß ich dich du, der gerechte Gottessohn! wieder lieb' und dich nie treuSo war's vorher verkündigt. zige mit Sünden! Der Frechen Schar begehrt dein Blut: du duldest, göttlich groß, gen Pein für die, die dich ver= die Wuth, um Seelen zu er- achten; die, solcher Gnade werth retten. Dein Mörder, Jesu, zu sein, nach keinem Glauben war auch ich; denn Gott warf trachten; für die, die dein Veraller Sünd auf dich, damit wir dienst gestehn und dich durch Frieden hätten. ihre Laster schmähn als einen Sündendiener. Wer dich nicht liebt, kömmt ins Gericht. Wer nicht dein Wort hält, liebt dich und Gewalt voll Krankheit und nicht, warst du gleich sein Vervoll Schmerzen. Wir sahn dich, söhner. der Verheißung Ziel; doch da 5. Erniedrigt bis zur Knechtsgestalt, gehorsam Gott von Herzen, erträgst du Spott, Schmach 9. Du hast gesagt, du wirst war nichts, das uns gefiel, und die Kraft zur Heiligung mir nicht Gestalt, noch Schöne. Vor schenken. Dein Tod ist's, der dir, Herr, unsre Zuversicht, ver- mir Trost verschafft, wenn mich barg man selbst das Angesicht; die Sünden fränken. Laß mich dich schmähn des Bundes Söhne. im Eifer des Gebets, laß mich 6. Ein Opfer nach dem ew- in Lieb und Demuth stets vor gen Rath, belegt mit unsern dir erfunden werden. Dein Heil Plagen, um deines Volkes Misse- sei mir der Schirm in Noth, that gemartert und zerschlagen, mein Stab im Glück, mein gehst du den Weg zum Kreuzes- Schild im Tod, mein letzter stamm, in Unschuld, stumm, Trost auf Erden! Vom Leiden und Tode Jesu. Mel. Christus, der uns selig zc. Liebe, groß ist deine Macht 149. O hilf, Chrifte, Gottes daß Gott, was nie ein Mensc Sohn, durch dein bitter Leiden, gedacht, den eignen Sohn und daß wir, dir stets unterthan, schentet! Lieb des Sohnes, alle Sünden meiden; deinen du bist groß, du hast ihn au Tod und sein Ursach fruchtbar- des Vaters Schoß hinab in lich bedenken, dafür, wiewohl Grab geſentet. arm und schwach, dir Dantopfer schenken. 4. Er büßt für uns am Kreu zesstamm, damit wir Gnade finden; er läßt sich schlachten die Sünden; für alle stirbt er! wie ein Lamm zum Opfer füt Auch für mich ergießt hier seine Liebe sich in Strömen seines Mel. O König, dessen Majestät zc. 150. Ein Lamm geht hin Blutes. Otheures Lamm, was und trägt die Schuld der Welt soll ich dir dafür erweisen, daß und ihrer Kinder; es geht und du mir erzeigest so viel Gutes! büßet in Geduld die Sünden 5. Im ganzen Leben will ich aller Sünder. Es gehet hin dich aus meinem Sinn nicht zur Marterbank, fühlt Schmerz lassen; dich will ich stets, gleich und Angst, wird matt und frant, wie du mich, mit Liebesarmen wählt Leiden statt der Freu- fassen; du sollst sein meines den. Es duldet für uns Schmach Herzens Licht, und wenn mein und Spott, Angst, Wunden, Herz im Tode bricht, sollst du Striemen, Kreuz und Tod, und mein Leben bleiben. Du sollst sprach: Ich will's gern leiden. mir sein mein höchster Ruhm, 2. Das Lamm ist Jesus, un- ich will mich dir zum Eigen ser Freund, der Heiland unsrer| thum auf immerdar verschreiSeelen, den Gott, der aller ben. Sünde feind, zum Mittler wollte 6. Ich will von deiner wählen. Du, sprach er, nimm Freundlichkeit bei Nacht und dich derer an, die über sich im Tage singen; dir will ich auch blinden Wahn gebracht des zor- zu aller Zeit mich selbst zum nes Ruthen. Der Zorn ist Opfer bringen; mein ganzes schwer, die Strafe groß; doch Leben soll nun dir und deinem du vermagst es: mach sie los Namen für und für in Dankdurch Sterben und durch Bluten. barkeit verfließen; wie Großes 3. Ja, sprachst du, dies sei du an mir gethan, das will ich unser Bund: mich magst du stets, so tief ich tann, in mein für sie schlagen, mein Wollen Gedächtniß schließen. hängt an deinem Mund, ich will die Sünde tragen. 7. Erwach, mein Geist, um dich zu freun! Du sollst geseg 106 Hingang und Willigkeit Jesu zu seinem Leiden. Vom Leiden und Tode Jesu. 107 net werden mit Schätzen, die| Mel. Herzliebster Jesu, was haft zc. viel größer sein, als Schätze 151. Wie grundlos find die dieser Erden. Nichts seid ihr, Tiefen deiner Liebe; wie treu, Güter dieser Welt! Was mir wie zärtlich, Jesu, deine Triebe! vor alle dem gefällt, hat nun Kein Mutterherz gleicht deinem mein Herz gefunden: mein zen. Kleinod und mein bestes Gut treuen Herzen in deinen Schmerist, Jesu, dein vergoßnes Blut, 2. Was ist der Mensch, daß der Strom aus deinen Wunden. du sein so gedenkest, daß du 8. Das soll und will ich mir für ihn dich in das Elend sen= zu Nuz zu allen Zeiten machen; test? Was findest du an mir im Streite soll es sein mein und an uns allen für Wohl= Schuß, ein Trieb zum steten Wachen; es soll mich machen froh und still, und wenn mein Geift ermatten will, so soll es ihn erquicken; es soll mir sein ein Trostes quell, die Nacht der Sorgen machen hell, mich auch in's Kreuz zu schicken. 4. Was zieht dich denn, Er9. Was schadet mir des To- löser, auf die Erde? Was schades Gift? Dein Tod bringt mir det dir's, wenn ich nicht glückdas Leben; er tann in Allem, lich werde? Dir bleibet doch, was mich trifft, mir Rath und wenn ich gleich Strafe leide, Stärke geben; erquicket mich in des Himmels Freude. jedem Schmerz, erfüllt mit reichem Trost mein schon der Leib erkranket; schafft, daß, wenn hier auf diesem Meer auch Stürme brauſen um mich her, mein Glaube doch nicht wanket. 5. Verehrt beschämt den weiHerz, wenn sen Rath, ihr Christen, den einzusehn die Engel selbst gelüsten; bewundert doch in dem Erlösungswerke der Liebe Stärke! 6. Des Höchsten Sohn büßt 10. Wenn ich in jene Welt für die Menschenkinder, der geh ein nach überstandnen Lei- Heiligste bezahlet für die Sünden, so soll mein Schmuck dies Blut( der, der Lebensfürst und aller nur sein, mit dem ich mich Bosheit Rächer stirbt bei dem will fleiden. Es soll sein mei- Schächer. nes Hauptes Kron, in welcher 7. Kann dein Verstand so ich will vor den Thron des hohe Gnadenzeichen, so große höchsten Vaters treten, um dich, Wunder seiner Huld erreichen? dem er mich anvertraut, da, Thut er nicht mehr, uns Sünder wo man dich verkläret schaut, zu erhöhen, als wir verstehen? nun ewig anzubeten. 8. Herr, lehre selbst mich deine gefallen? 3. Verdient Verachtung göttlicher Gefeße; verdient Verschwendung unschäßbarerSchäße; verdient ein selbstgemachter böser Schade des Richters Gnade? 108 Vom Leiden und Tode Jesu. Huld erkennen; im rechten Glau- ertrugst du, Gottessohn, alle ben meinen Herrn dich nennen! Leiden gerne. Erbarme dich und heile meinen 2. Du entflohst nicht der Ge Schaden, Quell aller Gnaden! fahr, die dir, Heiland, drohte; 9. Ich bin verdeckt vom Fuße als die Stunde kommen war, bis zum Scheitel. Mein Herz gingst du froh zum Tode. Wilist trotzig, widerspänstig, eitel. lig übergabst du dich in der Mein bestes Thun ist mangelhaft Feinde Hände, und bliebst unund sündlich; ich fehle stündlich. veränderlich treu bis an das Ende. 10. Darum flieh ich zu dei- 3. Lehre mich, wie du, so nen Liebesarmen. Ich such still und geduldig leiden, wenn und bitte nichts, als dein Er- es einst dein Rathschluß will, barmen. Verstoß den nicht, sanft und selig scheiden. Stärke der seine Sünden hasset und mich, wenn ich einmal sterbend dich umfasset. 11. Was machst du, Feind, mir Christi Huld verdächtig? zu dir flehe, daß ich durch des Todes Thal ohne Schrecken gehe. 4. Dant, o Jesu, Dank jei Schweig, seine Kraft ist ja im dir für dein schweres Leiden, Schwachen mächtig; er selbst macht den gerecht, der an ihn gläubet und in ihm bleibet. 12. Zeuch mich, erwürgtes Lamm, zu deinem Kreuze, damit dein Tod die Seele dring' und reize, dich, den Erwerber aller guten Gaben, recht lieb zu haben. denn dadurch erwarbst du mir deines Himmels Freuden. Nunmehr weiß ich, daß im Tod ich nicht ewig sterbe; denn ich bin versöhnt mit Gott, bin des Himmels Erbe. Mel. Christus, der uns selig zc. 153. Jeju, meiner Seele 13. Dir, Jesu, leb ich; dir Licht, Ursprung meiner Freuwill ich auch sterben. Laß den den, meines Herzens Zuvernur nicht, den du versöhnt, ver- sicht! Nimm doch für dein Leiderben. O hilf mir jetzt und den meines Dankes Opfer an, in den letzten Stunden durch wenn mit schwacher Seele ich, deine Wunden. was du an mir gethan, preise und erzähle. 2. Ich erwäg es oft und Sünder ohne Maß und Ziel, viel, was dich doch getrieben, wie du thatst, zu lieben; daß du für uns Angst und Noth, Schläg und Hohn in Banden, Lästerung, ja Kreuz und Tod Mel. Christus, der uns selig 2c. 152. Mein Erlöser, auch für mich gingst du hin zum Leiden, und begabeft willig dich aller deiner Freuden. Du sahst Bande, Schmerz und Hohn, sahst den Tod von ferne; doch willig ausgestanden. Vom Leiden und Tode Jesu. 109 3. War es unsre Würdig- blickt, mich, Herr, Gnade finden, keit? Nein, des Vaters Güte; Jesu, sich, ich falle dir mit Jesu, deine Freundlichkeit und wahrhafter Buße und mit Bessedein treu Gemüthe. Dies hat rungsbegier glaubenskühn zu dich an's Kreuz gebracht, daß Fuße. kein Mensch verzagte, wenn der Sünden Meng und macht das Gewissen nagte. 4. O du wundervoller Rath, den man nie ergründet! O du liebevolle That, die man sonst nie findet! Was der Mensch, der Erdenknecht, gegen Gott verbrochen, wird an dir, der 10. Ich will, weil ich einst doch gerecht, uns zu gut ge- mit dir werd im Himmel errochen. ben, Herr, in deinem Dienste 9. Nun weiß ich, worauf ich bau und bei wem ich bleibe, wessen Fürsprach ich vertrau und an wen ich gläube. Jesu, du bist es allein, welcher mich beschirmet, wenn der Laster Schuld und Bein mein Gemüth bestürmet. 5. Meine schwere Sünden- hier leben und auch sterben, schuld hat dich so zerschlagen, bis mein Auge sehen wird nach diese haft du mit Geduld für den Todesbanden meinen Heimich abgetragen; Herr, für land, Freund und Hirt, Jesum, meine Missethat hast du dich der erstanden. verbürget; diese ist es, die dich hat an dem Kreuz erwürget. 6. Alle Strafe, die ich wär' Mel. Wenn meine Sünd' mich zc. auszustehn verbunden, lieget 154. Den en Rathschluß deiner auf dir, drückt dich schwer, und Güte, Herr, soll mein Geist er= durch deine Wunden wird uns höhn. Olenke mein Gemüthe, Fried und Heil gebracht. Sollt ihn richtig zu verstehn! Ich uns nicht geziemen, deine starte ehre deinen weisen Rath, der Liebesmacht ewiglich zu rüh- Jesum für uns Sünder dahin men? gegeben hat. 7. Die erworbne Sicherheit 2. Noch eh dein Wort die laß nun mein Gewissen zwi- Erde aus Nichts hervorgebracht, schen Angst und Tod und Streit da hast du schon der Erde zu träftiglich genießen; ach, stärt ihrem Heil gedacht. Von Ewigdu mit Trost mein Herz; wirf keit hast du ihn schon zum Opfer durch deine Schmerzen meine ausersehen, den eingebornen Schmerzen hinterwärts, fern Sohn. aus meinem Herzen. 3. Er kam zu uns hernieder 8. Laß, sobald mein Herz in der erfüllten Zeit, erwarb erschricht über seine Sünden, für seine Brüder des Himmels wenn auf dich mein Glaube Seligkeit. Was ihm sein Vater 110 Vom Leiden und Tode Jesu. zugedacht, das trug er mit Ge- wird betrübt, des Helden Gliehorsam, bis er es ganz voll- der zittern. Dort, hingesunken bracht. auf die Knie, arbeitet er in schwerer Müh und kämpfet im Gebete. Er wünscht den schwe ren Kampf verkürzt. Wer sieht dies und wird nicht bestürzt? O schauervolle Stätte! 4. Er wußte, was zu tragen ihm Gottes Rath gebot; er sah die Last der Plagen, sah seinen Kreuzestod. Doch floh er seine Leiden nicht, er ging dem Tod entgegen mit Muth und Zuversicht. 3. Wie bist du, Gott, so 5. Dir, Jesu, mein Erbar- ten! Ein Engel muß vom Himwunderbar in allen deinen Wermer, jei Dank für deine Treu; mel gar den Herrn des Himdurch dein Blut bin ich Armer mels stärken. Er ringt; von von allen Strafen frei. Die seinem Angesicht fließt Schweiß längst dir zugemessne Noth, dein Mittlertod am Kreuze, hat mich versöhnt mit Gott. - ach wer entsetzt sich nicht! gleich Tropfen Bluts zur 6. Laß mich bei meinen Pla- schuld prangst, wie konntest du Erden! Der du in reinster Un gen Gott ehren durch Geduld, von solcher Angst, o Herr, er= fie so gelassen tragen, wie du griffen werden? trugst meine Schuld. Sein Weg sei mir hier wunderbar; 4. Ach, Herr, dies Leiden dort werd ich es erkennen, wie selig er mir war. sollte ich, der Sündenknecht, empfinden; so sollten alle Sünder sich im Staube blutend winden. Ich Armer, wie beständ' ich da! Vor Gottes 3orne müßt ich ja ohn allen Leiden Jesu am Oelberge. Mel. O König, dessen Majestät zc. 155. So gehst du, Jesu, Trost versinken. Und da kommst ganzen Zornkelch trinken. 5. Wohl mir, der Sohn des Höchsten hat für mich sich richGott, welch ein williglich, dein Leiden anzutre- du, daß du ihn stillst, Sohn ten, mit heißen Thränen auch Gottes, du, du selber willst den für mich zu kämpfen und zu beten. Du, der du nichts verbrochen hast, gehst hin, um aller Sünden Last auf dich al- ten lassen. lein zu laden. So groß die wundervoller Rath! Wer kann Last der Leiden war, so stellst dies Wunder fassen? Ach, da du dich doch willig dar, damit uns Fluch und Rache drohn, sie uns nicht schaden. da richtet Gott für uns den 2. Du Held, der andern Sohn, den er uns selbst gegeStärke giebt, was kann dich so ben. Nun freu dich, Seele, du erschüttern? Ach, seine Seele tömmst nicht in Gottes schreck Vom Leiden und Tode Jesu. 111 barmung sehnen! du sinkst, und scheinst bei dieses Kelches Trinken ganz zu versinken. 6. D ner je 6. Doch denk, um welchen hohen Preis er dir dein Heil gst, dergleichen Keierstritten; wie er für dich im empfunden! In Jesu Todesschweiß und an dem Kreuz Seele, was für tiefe Wunden! gelitten! Ach, Seele, ringe, daß Jetzt muß er Gottes Abscheu dich nie die Sünd in ihre Netze an den Sünden als Mensch zieh, nichts deine Treu er- empfinden. schüttre! Lockt dich die Welt, ach folge nicht! Schau hin ins schwere Zorngericht, das Jesum traf und zittre! liches Gericht, du dringst hindurch zum Leben. Mel. Herzliebster Jesu, was hast zc. 156. Komm, Kind der Nacht, das gern im Dunkeln wandelt, kühn wider Gott und das Gewissen handelt; kommt alle, die ihr noch das Finstre liebet und Sünden übet! 7. Seht hier das Leben mit dem Tode ringen; wer konnte sonst den ewgen Tod bezwingen? Der Bürge fühlet jetzt an unsrer Stelle die Angst der Hölle. 8. Welch eine brennt jetzt in seinem Herzen! Er fleht zu Gott um Lindrung seiner Schmerzen; doch auch im Schmerz bereit, des Vaters Willen gern zu erfüllen! 9. Seht hier die Liebe blu2. Seht eine Nacht, in wel- ten, flehen, flagen; nun dürfen cher tausend Schrecken den Hei- Sünder ewig nicht verzagen. ligsten mit Furcht und Angst Dies Blut ist aller Welt zum bedecken, worin der Held der Heil geflossen; auch mir verHelden, ganz erschüttert, im gossen! Staube zittert! 10. Nun können Sünder im 3. Er, Jesus, zittert und Gericht bestehen, da Chrifti fängt an zu zagen; ihn drücken Blut und Tod um Gnade fle= ſolche Lasten, solche Plagen, daß hen. Gott öffnet nun, um sei= ihm der große Schmerz, mit nes Sohnes wegen, die Hand dem er ringet, Blutschweiß ab- zum Segen. dringet. 11. Doch, Sünder, der du 4. Warum mußt du, o Jesu, böse Früchte trägeft, und keinen doch so zagen? Ach, wer ermißt Trieb zu bessern Früchten hedie Größe deiner Plagen, da gest, bedenke: welch ein Fluch du dich bei der Angst, die du wird schon auf Erden und dort empfindest, im Staube windest! dir werden! 5. Du seufzest, bebest, 12. Muß Jesus im Gerichte schwimmst in heißen Thränen, so erzittern: wie Sünder, die sich nach Er- 1 Donner werden dich erschüttern, Mensch, 112 Vom Leiden und Tode Jesu. wenn er zur ewgen Pein, die in deiner großen Pein will ihn verschmähen, heißt von sich Keiner dich erquicken. gehen! 4. Und dennoch, Jesu, bleib 13. Erschrick einmal und sinke du treu und liebest diese Schwe bis zum Staube; denn in zer- chen. Mitleidig eilest du her schlagnen Herzen wächst der bei, sie wieder stark zu machen Glaube, der Glaube, der die Du gehst und duldest new Sünden ernstlich scheuet, be- Qual; du kommst und spricht weint, bereuet. zum dritten Mal: O wachet, meine Brüder! 14. Dann kommt dir Jesu Schmerz und Tod zu gute; Erquickung findst du dann in seinem Blute; dann wird dir seine Liebe schon auf Erden dein Himmel werden. 5. Herr, deine Gnade stärk auch mich, wenn ich aus Schwach heit fehle. Wie kraftlos bin ich ohne dich, wie träg ist meine Seele! Gieb, daß ich immer wachsam sei und täglich dich mit größrer Treu bis an mein Ende liebe. Leiden Jesu über seine Jünger. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit 2c. 157. Wie liebreich, Jesu, ist 158. Mein Jesu, für dein Mel. Wo soll ich fliehen hin zc. dein Herz, wer kann es gnug ermessen? Du konntest bei dem Herz welch ein so herber größten Schmerz die Deinen Schmerz, den du weit mehr nicht vergessen. Mit großer empfunden als Striemen, Nachsicht, mit Geduld ertrugst Schläge, Wunden! Die kleine du deiner Freunde Schuld und 3Zahl von Freunden kränkt dich, ihres Fleisches Trägheit. gleich deinen Feinden. 2. Kaum naht sich die Ge fahr, so bebt der Jünger Schaat, 2. Du littst im göttlichen Gericht die Strafen deiner Brüder; dich drückt der Leiden Die erst sich hoch vermessen, ch schwer Gewicht bis zu der Erde sie der Treu vergessen, den Tod nieder; du zagtest, kämpftest mit auch vorzuziehen, verlassen dich dem Tod, und Niemand wollte und fliehen. deine Noth durch sanften Trost versüßen. 3. Der tühn sein Schwert gezückt, dein Petrus selbst er3. Selbst deiner Freunde schrickt. Er flieht, eh Bande träges Herz vermehrte deinen Kummer; bei deiner Seele drohen; schämt sich, daß er geflohen, kehrt um, und eilt vergrößtem Schmerz ruhn sie in wegen dem tiefern Fall enttiefem Schlummer. Sie schwu- gegen. ren dir getreu zu sein, und nun! 4. Doch, Herr, dein Liebes Vom Leiden und Tode Jesu. 113 blick bringt ihn alsbald zurück., von allen; die Nacht, in der Er fühlet sein Verbrechen, kann sich Jesus ließ von Mördern nun vor Schmerz nicht sprechen überfallen. Sein Jünger, Juund weint nur bittre Thränen, das, tüsset ihn, er läßt sich die sich nach Gnade sehnen. willig küssen, treulos grüßen, gefesselt führen hin um unsre Schuld zu büßen. 5. Er sucht und findet sie. Verzagt drum, Sünder, nie! Kleinmüthge Zweifel, schweiget, 2. D Sanfmuth, die den von Seelenangst erzeuget; so Sünder trug, doch allmachtsgroß sind keine Sünden, sie voll nicht minder der Frevler fönnen Gnade finden. Schaar zu Boden schlug, jei 6. Daß der Verräther doch gnädig mir, dem Sünder! Du auch nach dem Frevel noch um duldest des Verräthers Kuß, Gnad in Reu geflehet, nicht drum kannst du den nicht has Gottes Huld verschmähet! In sen, noch verlassen, der dich in des Verrathnen Wunden hätt' er auch Heil gefunden. wahrer Buß und Glauben will umfassen. 7. Doch sein Herz foltert ihn. 3. Mein Freund, fragst du Der Marter zu entfliehn, er den falschen Feind, warum biſt wählt er gleich den Teufeln auf du gekommen? Du zeigst ihm, ewig zu verzweifeln, zum schreck- als ein Seelenfreund, wie leicht lichen Verderben durch eigne er aufgenommen, von dir beHand zu sterben. gnadigt werden sollt', im Fall 8. O schreckliches Gericht! Der nun mit Reue dich aufs neue Menschen, daß euch nicht des im Glauben küssen wollt'. D Satans Lift berücke! Herr, störe seine Tücke! Gieb Kraft aus deiner Höhe, daß ich ihm widerstehe. welche Huld und Treue! 4. An diese That erinnre mich, wenn mir die Sünden schmeicheln. Empfind ich fal= 9. Trennt gleich wohl ein scher Zungen Stich, verstellter Bersehn, o möcht es nie ge- Menschen Heucheln: so gieb mir schehn!- mich, Jesu, von den Vorsicht und Geduld. Ist NieDeinen: laß mich mit Petrus mand, wenn ich leide, mir zur weinen, um Gnad in Demuth Seite, so sei durch deine Huld beten, nie Judas Weg betreten. mir Beistand, Trost und Freude. Gefangennehmung Jesu. Mel. Ich ruf zu dir, Herr Jesu zc. 159. Dies war die Nacht der Finsterniß, die schwärzeste reinsten Freuden von mir schei5. Ich halte dich; gieb, daß ich nie von dir, mein Heiland, weiche, bis ich nach dieses Lebens Müh dich schau in jenem sich stets Treu und Wahrheit füßt, wo nie die Osnabr. Landgefangb. X. Aufl. 8 Vom Leiden und Tode Jesu. den; wo mir dein Trost ver-| Güte! Zeige nun auch deine süßt was bitter war zu leiden. Treu, und befreie mein Gemüthe von der Sünden Sklaverei, daß die Welt mich nicht bestricke, böse Lust mich nie beMel. Alle Menschen müssen 2c. 160. Jesu Christ, durch desrücke, des Versuchers Arglist sen Wunden unser Schmerz ge- nie mich in mein Verderben heilet wird! Sündern gleich zieh'. 114 wirst du gebunden, hin vor das 6. Laß in meinen LebensGericht geführt! Frevler wa- tagen den durch dich erlösten gen's dich zu binden, leicht Geist niemals andre Bande kannst du sie überwinden, doch tragen, als die du ihn tragen du giebst mit stillem Sinn dich heißst! Wehre du der Sünden in ihre Hände hin. Triebe! Bande deiner Furcht 2. Mehr als zwölf der Le- und Liebe lege meinem Willen gionen, die um deines Vaters an, daß ich dir nachwandeln Thron, seines Winks zu war- tann! ten, wohnen, stehn bereit, o 7. Sollt' ich auch die Pflicht Menschensohn, dich von Ban- erfüllen, hätt' es so dein Rath den zu befreien und die Frev- gewollt, daß ich um der Wahrler zu zerstreuen; doch wie viel heit willen Schmach und Marihr Grimm verbricht, winkst du ter dulden sollt': ach, so laß doch den Engeln nicht. mich auch in Banden, in Verfolgung, Schmach und Schanden, ja in aller Todespein standhaft und gelassen sein. 3. Deine Macht, dich selbst zu rächen, ließ ein einzig Wort schon sehn. Doch du wolltst der Wuth der Frechen nicht mit Allmacht widerstehn. Alle, hätt' es dir gefallen, müßten jüdischen Nation. dir zu Fuße fallen; doch du mel. O Haupt voll Blut und 2c. übst statt Rache Huld, nimmst 161. Der Herrscher aller die Fesseln mit Geduld. Jesus vor dem Gerichte der 4. Starter Held, um unsert- Lande muß zum Gerichte gehn. willen reichst du deine Hände Was lassen seine Bande uns dar; Gottes Rathschluß zu er- nicht für Wunder sehn; er, Jefüllen, schonest du der frechen jus, der Gerechte, der Richter Schaar; wehrst dem Schwerdte aller Welt, wird dort vor seine deines Freundes, heilst die Knechte gebunden hingestellt. Wunde deines Feindes, nimmst 2. Froh eilen sie, die Frechen, die Bande willig an, die dein die ihn schon längst gehaßt, Arm abwehren kann. das Urtheil ihm zu sprechen; 5. Dank sei dir für dieselihr Rath ist schon gefaßt: die Vom Leiden und Tode Jesu. 115 Unschuld zu verdammen, be- heit frei, daß ich ein Feind der schließt der Haffer Wuth, und Lügen, der Wahrheit Freund ihrer Rachsucht Flammen zu stets ſei. jättigen mit Blut. 8. Laß mich nie wieder schel3. Die Unschuld seiner Leh- ten, wenn ich gescholten werd, ren, wem war sie unbewußt? nie Haß mit Haß vergelten, wie Wer war's, der ihn mehr eh- du mich hast gelehrt. Ich will ren, wer, der ihn schützen mußt? das Böse meiden und muß ich Wem waren dies sonst Pflich- ohne Schuld doch Schmach und ten, als denen, die ihr Stand, Unrecht leiden, so tröst mich ein recht Gericht zu richten, deine Huld. auf's heiligste verband? Jesus vor dem römischen Gerichte. Mel. Alle Menschen müssen 2c. 162. Wer kann alle Leiden 4. Doch hier wird falscher Zungen Verleumdung gern gehört; hier wird durch Lästerun= gen der Heiligste entehrt; hier wird das Recht gebeuget, ent- zählen, wer mißt jener Qualen weiht das Richteramt, hier, wo Last, die du, Retter unsrer Seedie Falschheit zeuget, die Unschuld doch verdammt. len, für uns übernommen haft! Feinde, die dir Tod bereiten, drohen dir von allen Seiten; jede Stätte, jeder Tritt ist zum neuen Schmerz ein Schritt. doch seine Unschuld nicht. Er 2. Deines Volkes Häupter schweigt; es macht sein Schweigen und selbst der Lügner Mund, die wider ihn hier zeu gen, schon seine Unschuld kund. 5. Entweiht ist zwar die Stätte, entheiligt das Gericht, in dem man Jesum schmähte; streben rachevoll nach deinem Blut; deines Volkes Häupter geben, angeflammt von blinder Wuth, dich als einen Missethä6. O würde nie mit Ränken ter, Gotteslästrer und Verräther der Ungerechtigkeit, die Recht in den Haß, von dem sie glühn, und Unschuld kränken, ein in der Heiden Hände hin. Richterstuhl entweiht, entweiht 3. Jene fuhren fort, mit an keinem Orte die Wahrheit Klagen dich zu läslern und zu und das Recht, daß nie durch schmähn: diese ließen eitle FraLäfterworte die Unschuld leiden gen nur zum Spott an dich ergehn; jene wütheten und droh7. Lehr mich, Herr, wo ich ten; diese lachen dein und schweigen und wo ich reden spotten; beide kränken dich mit muß; mein Schweigen und Qual, Schmach und Leiden mein Zeugen erwede nie Ver- ohne Zahl. druß; laß meinen Mund nie 4. Menschen, die dich so enttrügen, mach mich von Falsch- ehren, trägst du gleichwohl mit möcht'! 8* Vom Leiden und Tode Jesu. Geduld, suchst sie liebreich zu unterthänig und mit unverle belehren, zeigst, du leideft ohne ter Treu deines Reiches Bü Schuld; sagest frei: du seist ger sei. ein König, doch sei Fürstenmacht zu wenig gegen deine, denn dein Reich sei dem irdi= schen nicht gleich. 116 Jefu Verurtheilung. 163. Herzliebster Jeſu, 5. Ja, du scheuest kein Ge- haft nichts verbrochen, doch wi richte, bist zur Antwort stets das Todes- Urtheil dir g bereit; an dir strahlt im rein- sprochen, als wenn du in du sten Lichte unschuldsvolle Heiz größten Missethaten wärest ge ligkeit. Der, bei dem man dich rathen. anklaget, tritt freimüthig auf und saget bei der Kläger Un2. Du wirst gegeißelt und gestüm: Ich find keine Schuld zur Schmach gekrönet, ins Ar an ihm. gesicht geschlagen und ver höhnet, mit Essig und mit Gak 6. Du wirst ohne Schuld lentrant getränket, ans Kreuz befunden, doch der Hafser Grau- gehentet. samkeit nicht entrissen, nicht von 3. Was ist die Ursach dieser Wunden, nicht von Schmach deiner Plagen? Ach, unj und Tod befreit fort ge- Sünden haben dich geschla martert, fort gehöhnet, mit gen! Wir, großer Mittler, ha dem Dornenkranz gefrönet und bestimmt durch diesen Spott zu der Missethäter Tod. ben das verschuldet, was du erduldet! 4. Wie wunderbarlich ist doc leidet für die Schafe; die diese Strafe; der gute Hirte Schuld bezahlt der Mittler, det Gerechte, für seine Knechte. 7. Der du Marter, Angst und Blagen willig ohne alle Schuld so geduldig haft ertragen, Dank sei dir für dieſe Huld! Führe du nun meine recht und richtig wandelt; det 5. Der Fromme stirbt, der Sache im Gerichte Gottes, Böse lebt, der wider Gott ge mache mich, den schuldenvollen handelt. Die Strafe, der det Knecht, Jesu, durch dein Blut Schuldige entgangen, hat ihn gerecht. umfangen. - 8. Dir, den jene Frevler 6. Ach, unsre Seele war be schmähten, dir gebühret Preis fleckt mit Sünden, an uns Verund Ruhm; schüß uns, die wir brechern war nichts Guts zu dich anbeten, schüße uns, dein finden; das hätten wir, von Eigenthum. Dich verehren wir Gott verworfen, müssen auf als König; gieb, daß ich dir ewig büßen. Vom Leiden und Tode Jesu. 117 ich dir jetzt für deine Liebe bringe; doch wird dein Auge huldreich mich anſehen, nicht ganz verschmähen. 7. große Liebe, niemals schlecht und sehr geringe, was auszusprechen! Du willst, an dir soll es der Höchste rächen; wir lebten sicher in den Sündenfreuden, und du willst leiden! 8. Ach, Mittler, der für uns 15. Wenn, o Herr Jesu, dort dahin gegeben, mit welchem vor deinem Throne auf meiLobe soll man dich erheben? nem Haupte steht die EhrenKein Sterblicher vermag es krone, da werd ich dir ein bes= auszudenken, was dir zu schen- ser Opfer bringen, stets Dank ten! dir fingen. 9. Ich kann's mit meinen Sinnen nicht erreichen, womit doch dein Erbarmen zu ver= was Jesu Hingang nach Golgatha. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. wir verschuldet hatten,' dir je 164. Auf, Seele, nimm des erstatten. Glaubens Flügel und eile mit 10. Doch willst du das für nach Golgatha! Dein Jeſus thätgen Dank annehmen, wenn geht zum Todeshügel und wir die sündlichen Begierden pflanzet deine Wohlfahrt da. zähmen, damit sie nicht das Er geht für dich zum Sterben Herz auf's neu entzünden zu hin; fomm, Seele, und bealten Sünden. gleite ihn. 11. Weil aber dies nicht steht 2. Jhn drücket schwer die in eignen Kräften, fest die Be- Kreuzes- Bürde, noch schwerer gierden an das Kreuz zu hef- meine Missethat, die er, daß ich ten: jo gieb uns deinen Geist, versöhnet würde, zu tragen überder uns regiere, zum Guten nommen hat. Erwache Seele, führe. werd erweicht, da Jesum deine Last so beugt. 12. Dann werde ich, Herr, dein Verdienst betrachten, ge3. Betrübte Bahn, Bahn volrührt von Lieb und Dant, nur ler Schmerzen, wo Jesus bludarauf achten, wie ich im tend, wankend, matt, für uns Thun und Leiden deinen Willen stets mög erfüllen. mit liebevollem Herzen des Kreuzes Last getragen hat. 13. Ich werde dir zu Ehren Du, Gottes Lamm, für diese Alles wagen, kein Kreuz nicht Pein kann ich dir nie gnug scheuen, keine Schmach, noch dankbar sein. Plagen; mich wird auch Spott, 4. Fürwahr, du trägest unsre Verfolgung, Tod und Leiden Plagen, um uns das Leben zu nie von dir scheiden. verleihn; du läsfest dich als 14. Dies Alles ist zwar Bürge schlagen, um uns, die Vom Leiden und Tode Jesu. Schuldner, zu befrein; du bist Liebe; dir, o Sünde, sterb es, der uns Glück ertheilt und ab. Weh mir, wenn ich de uns durch seine Wunden heilt. betrübe, der für mich sein 5. Laß deinen Weg zur Schä- ben gab. Kreuzigt' ich nic delstätte mir stets und dann Gottes Sohn? Trät' ich ni auch tröstlich sein, wenn ich des sein Blut mit Hohn? Ach, me Todes Weg betrete! Dann flöße Schuß sei der Erwürgte, d mir dies Wort noch ein: daß für mich beim Richter bürg ich durch deine Sterbensbahn 4. Der am Kreuz ist mein den Weg zum Leben finden Liebe; nun, Gewissen, hab kann. Ruh. Ach, was zeigt für heiß 6. Euch fliehe ich, ihr eitlen Triebe Gottes Herz! Was Gänge, worauf der Sünder gest du? Stille dich, denn Je thöricht lacht! Soll ich mit Blut macht die böse Sache gut Jesu durchs Gedränge der Trüb- drum dein Trost sei der Gr sal und der Todesnacht, so würgte, der für mich beim Rid folg ich gern und weiß als ter bürgte. Christ, daß dies der Weg zum Leben ist. Jesus am Kreuze. 5. Der am Kreuz ist mein Liebe, der allein mir Heil ge währt. Wenn ich ihm nicht treu verbliebe, wär ich da de Lebens werth? Nein, mich tren von ihm kein Dräun, fein Mel. Werde munter, mein Gemüthe 2c. Richter bürgte. 165. Der am Kreuz ist meine Schmach, Gefahr noch ein, Liebe; meine Lieb ist Jesus denn mein Fels ist der Er Christ. Weicht, ihr schnöden würgte, der für mich beim Sündentriebe, Alles fern, was eitel ist. Mich irrt nicht, daß 6. Der am Kreuz ist meine dieser Welt nur das Eitle wohl- Liebe und mein allerbeste gefällt; meine Lieb ist der Er- Freund. Wenn ich wie ein würgte, der für mich beim Richter bürgte. Staub zerstiebe, bleib ich dod mit ihm vereint; dann genies 2. Der am Kreuz ist meine ich ganz sein Heil. Meiner Seel Liebe; Welt, was wundert's Vicht und Theil bleibet ewig dich, daß ich" Jesum über Alles der Erwürgte, der für mich liebe? Er, er blutete für mich. beim Richter bürgte. Dürstend, bleich, zum Fluch gemacht, hing er in des Todes Wonn der Mel. Nun ruhen alle Wälder. Erwürgte, der für mich beim 166. Welt, sich hier dein fieh Richter bürgte. Leben am Stamm des Kreuzes 3. Der am Kreuz ist meine schweben! Dein Heil sinkt in 118 Vom Leiden und Tode Jesu. 119 den Tod. Den alle Engel ehren, mit großem Heldenmuth; du der läsfet sich beschweren mit Banden, Schlägen, Hohn und Spott. stirbst, daß ich nicht sterbe, noch ewiglich verderbe, und Alles thust du mir zu gut. 2. Tritt her und schau mit Fleiße: mit Blut und Todes- 9. Dir leb ich höchst verbunschweiße ist ganz sein Leib be- den, mein Heil, zu allen Stundeckt; unnennbar große Schmer- den; ich bin dein Eigenthum. zen fühlt er in seinem Herzen, Was Leib und Seel vermögen, da er des Todes Bittre schmeckt. will ich auf allen Wegen mit 3. Wer hat dich so geschla-, Sorgfalt thun zu deinem Ruhm. gen? Woher doch diese Plagen, 10. Kann ich gleich nicht viel dies schwere Strafgericht? Du geben in diesem armen Leben, bist ja nicht ein Sünder, wie will ich doch dieses thun: es wir und unsre Kinder; von soll dein Tod und Leiden, bis Missethaten weißt du nicht. Leib und Seele scheiden, mir 4. Ja, ich und meine Sün- stets in meinem Herzen ruhn. den, die sich so zahllos finden, 11. Ich will's vor Augen als wie der Sand am Meer; stellen, daß es in allen Fällen die haben dir erreget das Elend, mir unterrichtend sei; es soll das dich schläget, dies ganze mir sein ein Spiegel der Unschwere Marterheer. schuld und ein Siegel der Lieb und unverfälschten Treu. 5. Ich bin's, ich sollte büßen in ewgen Finsternissen, was 12. Wie heftig unsre Sünnun dein Tod verfühnt. Was den den heilgen Gott entzündu in deinen Banden an Mar- den; wie Rach und Eifer gehn; tern ausgestanden, das alles, wie tödtend seine Ruthen und Herr, hab ich verdient. seines Eifers Fluthen, will ich aus diesem Leiden sehn. 6. Du nimmst auf deinen Rücken die Laften, die mich 13. Dein Bild soll mich andrücken, mich davon zu befrein; führen, wie ich mein Herz soll du wirst ein Fluch, dagegen zieren mit stillem mit stillem sanftem erwirbst du mir den Segen:| Muth; wie ich soll Menschen dein Schmerz muß mir ein Lab- lieben, wenn sie mich auch besal sein. trüben mit Werken, so die Bos7. Du stellest dich zum Bür- heit thut. gen, du läsfest dich erwürgen 14. Wenn böse Zungen für mich und meine Schuld; stechen und lieblos von mir für mich läßt du dich frönen sprechen, will ich nicht rächen mit Dornen, die dich höhnen, mich; das Unrecht will ich und leidest Alles mit Geduld. dulden, dem Nächsten seine 8. Du gehst auch meinetwe- Schulden verzeihen gern und gen der Todesnacht entgegen williglich. 120 Vom Leiden und Tode Jesu. 15. Ich will an's Kreuz nun| du getragen hast. Schau her, schlagen mein Fleisch und dem hier steh ich Armer, der Zorn entsagen, was dir, Herr, nicht verdienet hat; von dir, o mein gefällt. Was deine Augen has- Erbarmer, erfleh ich Trost und sen, das will ich fliehn und Rath. lassen, gefiel es auch der ganzen Welt. 5. Erkenne mich, mein Hüter, mein Hirte, nimm mich an! Wie viel, Quell aller Güter, hast du für mich gethan: daß ich des Himmels Gaben, schon hier zum süßen Trost, dort völlig möchte haben, wenn du mich nicht verstoßst. 16. Geheiligt mit dem Blute, das dir, auch mir zu gute, am Kreuz geflossen zu, empfehle ich am Ende den Geist in deine Hände und gehe froh zur ewgen Ruh. 167. Haupt voll Blut 6. Ich will hier bei dir stenicht! Von dir will ich nicht hen; du, Herr, verwirfst mich und Wunden, voll Schmerzen, gehen, wenn Herz und Auge Schmach und Hohn; o Haupt, bricht. Wenn du nun wirst zum Spott gebunden mit einer erblassen, dein Geist, von BanDornenkron, o Haupt, sonst den los, entfliehn, will ich schön gefrönet mit höchster Ehr dich fassen in meinen Arm und und Zier, jetzt aber höchst ver- Schoß. höhnet: Preis, Lob und Dank sei dir! 7. Es hat mir ewge Freuden, Vergebung, Bessrungs2. Du holdes Angesichte, deß kraft und Trost im Tod und der sonst trägt und hält das Leiden dein Kreuzestod ver= große Weltgewichte, wie bist du schafft. Ach, möcht ich einst ſo entstellt, wie bist du so mein Leben, von diesem Segen erbleichet, daß deiner Augen hier durch dich beglückt, auf Licht, dem sonst kein Licht nicht geben, wie wohl geschähe mir! gleichet, nun aller Glanz gebricht! 8. Ich danke dir von Herzen, o du mein größter Freund, 3. Wie ist doch deiner Wan- für deine Todesschmerzen; wie gen sonst anmuthsvolle Pracht gut hast du's gemeint! Ach verfallen und vergangen! Des gieb, daß ich mich halte zu dir Todes finstre Nacht, die über mit aller Treu und, bis ich dich gekommen, hat alles hin- einst erkalte, ganz nur der gerafft, vom Leibe hingenom- Deine sei. men mun alle Lebenskraft. 9. Wenn ich dann einst soll 4. Das, was du, Herr, er- scheiden, so scheide nicht von duldet, ist alles meine Last. mir; wenn ich den Tod soll Ich habe das verschuldet, was leiden, so tritt du dann herfür; Vom Leiden und Tode Jesu. 121 wenn mir am allerbängsten hen; zum Johannes: Du kannst wird um das Herze sein, so hie deine Mutter sehen. Auch reiß mich aus den lengsten dies dritte Wort macht froh fraft deiner Angst und Bein. un dläßt Trost erscheinen, wenn 10. Erscheine mir mir zum ich denk, du wirst auch so sorSchilde in meiner Todesnoth, gen für die Meinen. und zeig dich mir im Bilde in deinem Kreuzestod. Da will ich mit Entzücken, da will ich glaubensvoll nach dir, mein Heiland, blicken. Wer so stirbt, der stirbt wohl. 5. Viertens muß bei aller Noth auch der Durst dich plagen, da man dich, o Mensch und Gott, hört: Mich dürftet! klagen. Laß mich Armen doch in mir statt der vorgen Sünden, Lebensquelle, stets nach dir heilgen Durst empfinden. Die letten Worte des sterbenden Erlöfers. 6. Fünftens riefst du, als die Last zunahm ohne Maßen: Mein mein Gott, warum Mel. Christus, der uns selig zc. 168. Laß mir alle Wochen hast du mich so verlaſſen? Daß sein, Jesu, stille Wochen, daß ich nie verlassen blieb, wurdest ich oft denk deiner Pein, deß, du verlassen; o der unerhörten was Du gesprochen an dem Lieb! Wer kann dieses fassen! Kreuze! Laß mich es fruchtbarlich erwägen, daß ich dessen nie vergeß, dazu schent mir Segen. 11 2. Herr, dein erstes Wort war das: Vater, vergieb ihnen, weil sie selbst nicht wissen, was sie an mir verdienen. Das spricht Gottes Sohn zu Gott? Das für seine Feinde? Was wird er nicht in der Noth thun für seine Freunde! 7. Sechstens, als du nun mit Macht so weit durchgebrochen, hast du auch Es ist vollbracht!" uns zum Trost ge= sprochen; denn durch dich ist ganz und gar Gottes Born gestillet, weil, was zu vollbringen war, du für uns erfüllet. 8. Endlich schriest du laut am End: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Händ! 3. Drauf der Schächer hört: Damit schied die Seele. Wenn der dir seinen Glauben wiese: mir auch der Tod zusetzt und Wahrlich, du wirst heut mit mein Herz will brechen, o laß mir sein im Paradieje. Gieb, wenn ich nun nichts mehr kann in des Todes Schmerzen, ich diese Wort alsdann hör in meinem Herzen. daß mich dies Wort zuletzt denken, wo nicht sprechen. 9. Jesu, Tilger aller Noth, bitt für mich, den Deinen; gieb des Schächers Trost im Tod; 4. Weib, sagst du zur Mut- sorg auch für die Meinen; laß ter, sieh deinen Sohn hier ste- mich nie aus deiner Acht; still 122 Vom Leiden und Tode Jesu. den Durst der Seele, daß ich, nicht in's Gericht. Oreuig wenn mein Lauf vollbracht, dir Verbrecher, hört, was de den Geist befehle. Mund der Liebe spricht zu den gebeugten Schächer:„ Du wir noch heut mit mir dich freu mit mir im Paradiese sein! 11 Mel. O König, dessen Majestät zc. 169. Begleite mich nach so ruft er ihm entgegen. C Golgatha, o Christ, auf dessen Herr, dies gnadenreiche Wor Höhen die Welt die höchste schent mir einst an des Tode Liebe sah, sah, was sie nie ge- Pfort Erquickung, Muth und sehen! Komm, denke jenen Wor- Segen. ten nach, die sterbend dein Er- 5. Als Jesus an dem Kreuz löser sprach. Sie können dir rief: Gott, hast du mich ver im Leben und, betest du Gott lassen?" wie beugt ihn da sein gläubig an, einst, wenn dich Schmerz so tief! Wer kann die nichts mehr trösten kann, noch Leiden fassen, die er für unste Trost im Tode geben. Sünden trug, da er, unschul 2. Hör ihn bei seinem größ- dig, als ein Fluch verlassen da ten Schmerz für seine Feinde gehangen! Mein Herr und Gott, beten, und sich sein sanfmuth- verlaß mich nicht! Du bist aud volles Herz noch sterbend sie mir zur Zuversicht in deinen vertreten! Vergieb, vergieb!" Tod gegangen. ruft er Gott an, sie wissen nicht, was sie gethan!" Muß, Mensch, dich dies nicht rühren? Auf, ahme seinem Beispiel 6. Von allem, was erquidt entblößt, wünscht er, der Her der Erde, daß ihm, der uns jo theur erlöst, sein Durst gestill nach: laß nie Beleidigung und werde. Mensch, noch jest Schmach zur Rache dich verführen! ruft er zu dir aus tausend Ar men neben dir, die Noth und 3. Dein zärtlich Herz, o Mangel drücket. O selig, wer Herr, empfahl aus findlich den Ruf erfüllt! Denn, wer frommen Triebe die Mutter, den Durst des Armen stillt, hat unter Schmerz und Qual, dem Jesum selbst erquicket. Jünger deiner Liebe. Ach, 7. Der Heiland spricht:„ Es wenn auch einst mein Auge ist vollbracht!" nun endet sich weint, einst sterbend um die sein Leiden. Es nimmt dem Meinen weint, dann soll dies Tode seine Macht dies Wor Wort mich trösten. Du wirst des Siegs, der Freuden! Heil auch ihnen Trost verleihn, ihr uns, wer flagt uns nun noch Beistand, Helfer, Pfleger sein, an, da er für uns genug ge auch sie sind dein' Erlösten. than? Wer kann von Gott uns 4. Wer glaubt, der kommt scheiden? Gieb, daß an meinem Vom Leiden und Tode Jesu. 123 Sterbetag auch ich mit Freuden| zu unsrer Ruh Erbarmen und sagen mag: Vollbracht ist nun Vergebung zu. Herr Jesu Christ, mein Leiden. gelobt seist du für deinen Tod! Gott ist durch dich noch unser Gott! 8. Das letzte Wort aus deinem Mund laß mir zum Trost gedeihen: mir noch in meiner Todesstund, Herr, Muth und Kraft verleihen. Du rufest: Bater, ich befehl in deine Hände meine Seel!" Laß mich auch nicht verderben, der du den Menschen Heil erwarbst; du neigtest sanft dein Haupt und starbst: ach, laß mich auch so sterben! 3. Daß Gott mit Langmuth und Geduld auch selbst bei sehr gehäufter Schuld der Sünder dennoch schonet; daß er so liebreich ihrer denkt und ihnen Frist zur Buße schenkt, eh nach Verdienst er lohnet; daß ich noch fröhlich sagen kann: Auch mich, mich Sünder, nimmt Gott an, hast du durch deiner Fürsprach Kraft, mein treuer Heiland, mir verschafft. Jesu Christ, mein Herr und Gott! Mein Herr und Gott! Vertritt du mich bis in den Tod. 4. Wird je mein Herz vom Troste leer, weil meiner Sünden furchtbar Heer auf's neue mich erschrecket, o dann versichre mich auf's neu, du stehest mir als Mittler bei, der meine Mein Geist Fürbitte Jesu für seine Feinde. Mel. Herzlich lieb hab' ich dich 2. 170. Von Menschenliebe ganz beseelt, flehst du, mein Heil, am Kreuz gequält, für freche Sünderrotten. Dir blutet das bedrängte Herz, da dich bei deinem großen Schmerz die Frevler noch verspotten. Du siehst, o Herr, mit sanftem Blick von Schuld bedecket. ihnen weg, auf den zurück, den blickt glaubensvoll auf dich, sei diese Schar in dir entehrt; rufft, du mir nur nicht fürchterlich; daß es Erd' und Himmel hört: und schließt sich meine PilgrimVergieb, o Gott, und führe schaft, so stärke mich mit neuer nicht sie ins Gericht; das, was Kraft. Herr Jesu Christ! Der sie thun, verstehn sie nicht. letzte Kampf werd mir versüßt, wenn du mein Trost im Tode bist. 2. Erstaunend seh ich diese Huld, wie mitleidsvoll ist die Geduld, womit er Mörder träget! 3hr, die ihr euren Heiland ehrt, fühlt seiner Großmuth hohen Werth und dantet ihm beweget. Er hat durch segnendes Gebet auch uns 5. Den sanften, liebevollen Sinn, daß ich ein Freund der Feinde bin, flöß, Herr, in meine Seele! Gieb, daß bei der Verfolgung Schmerz ich dir des ein ewig Feindes hartes Herz und meine Heil erfleht; er sagt auch uns Sach empfehle. Besänftige mein 124 Vom Leiden und Tode Jesu. reges Blut; und flammt des Tode brach! Du hast den Fluch Bornes wilde Gluth mein Herz hinweggewendet, der auf der zur Rachbegierde an, o so er- Welt voll Sünden lag. Für innre mich daran, Herr Jesu uns hast du genug gethan, und Christ, wie du am Kreuz durch Gott nimmt uns nun gnädig an. dein Gebet selbst deinen Mör= dern Gnad erfleht. 4. Dankvolle Thränen, nest die Wangen! Mein Glaube sieht 6. Mich tröste dein Versöh- nun offenbar die Handschrift nungstod! Es bilde mich dein an dem Kreuze hangen, die Geist, mein Gott, daß ich dir wider meine Seele war. Er, ähnlich werde! O zeuch mich, den mir Gott zum Heil gemacht, du erhöhter Held, zu dir hinauf rief auch für mich: Es ist vollvom Dienst der Welt, zum Him- bracht! mel von der Erde. Du bist das 5. Herr, laß mich nun Haupt, wir folgen dir, zeuch dir auch vollbringen, was wahre uns nach, so laufen wir, so wol- Dantbarkeit begehrt. Laß nach len wir uns deiner Pein und der Heiligung mich ringen, dazu deiner Fürsprach ewig freun. dein Tod mir Kraft gewährt. Herr Jesu Christ, wie selig ist, O stärke mich dazu mit Macht, wie selig ist der Mensch, dem du ein Heiland bist! vollbis meine Beßrung ganz bracht. 6. Du littst so viel zu meinem Leben, drum laß mich stets Doll Eifer sein, mich deinem Schmach dabei zu scheun. Dein und keine Dienst, mein Heiland, sei mein Ruhm; denn ich bin ganz dein Eigenthum. Vom Tode Jesu. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 171. Es ist vollbracht! So ruft am Kreuze des sterbenden Erlösers Mund. Wort voll Trost und Leben, reize zur Freude meines Herzens Grund! Das große Opfer ist geschehn, das Gott auch mir zum Heil ersehn. 7. Soll ich bei dir ergebnem Herzen auch hier durch manche Trübsal gehn, und hat mein Gott gehäufte Schmerzen zu 2. Mein Jesus stirbt: die meiner Prüfung ausersehn: so Felsen beben; der Sonne Schein laß auch mich den Trost erfreun, verlieret sich; in Todte dringt es kommt das Ende meiner ein neues Leben; der Heilgen Pein. Gräber öffnen sich; der Vor- 8. Ja, fühlt mein Herz des hang reißt; die Erde tracht, Todes Schrecken, so stärke mich und die Versöhnung ist vollbracht. 3. Wie viel, o Herr, hast du vollendet, als dir das Herz im in solcher Noth, laß mich den Trost auch sterbend schmecken, daß du besieget haft den Tod. Vom Leiden und Tode Jesu. 125 So sterb ich auch durch deine göttlich Kreuz durch Tugend so Macht mit dem Triumph: es zu ehren, daß ich getreu in dem ist vollbracht! Beruf der Liebe mich christlich übe. Auf das Begräbniß Jesu. Mel. O Traurigkeit/ zc. 172. Am Kreuz erblaßt, der Marterlast und Todesqualen müde, findet mein Erlöser erst in dem Grabe Friede. 2. Allmächtig rief er, der entschlief, den Todten; sie erstanden; so zerreißt er mächtig auch jeines Todes Banden. 3. Ich werde einst, bis du erscheinst, im stillen Grab auch liegen. Doch, o Herr, dein Grab hilft mir auch mein Grab besiegen. 5. Nein, nichtsverdirbt, selbst das, was stirbt; der Leib wird auferstehen, und zum Himmelsglanz verklärt, aus dem Grabe gehen. 2. Nur Gutes thun und jede Sünde meiden, Herr, diese Pflicht lehrt mich dein heilig Leiden. Kann ich zugleich das Böse mir erlauben und an dich glauben? 3. Da du dich selbst für mich dahin gegeben, wie könnt' ich noch nach meinem Willen leben, und nicht vielmehr, weil ich dir angehöre, zu deiner Ehre? 4. Ich weiß, du wirst, mein Lebensfürst, wie dich, auch mich erwecken. Sollte denn mein 5. Für welche du dein Legläubig Herz vor der Gruft ben selbst gelassen, wie könnt' erschreden? ich fie, sie meine Brüder hassen und nicht, wie du, wenn sie mich untertreten, für sie noch beten? 6. Ich will nicht Haß mit gleichem Haß vergelten; wenn man mich schilt, nicht rächend wieder schelten. Du, Heiliger, du Herr und Haupt der Glieder, schaltst ja nicht wieder. 7. Ein reines Herz, gleich deinem edlen Herzen, dies ist der Dank für deines Kreuzes Schmerzen. Und Gott giebt uns die Kraft in deinem Namen, dir nachzuahmen. 6. So fint ins Grab, mein Leib, hinab, ich will mich drum nicht fränken; nein, ich will, Herr, mir zum Trost an dein Grab gedenken. 4. Ich sollte nicht, wenn Leiden dieser Erden, wenn Noth mich trifft, gelaßnen Herzens werden, da du so viel für uns, die wir's verschuldet, liebreich erduldet? Your Zweck und Gebrauch der Leiden und des Todes Jeſu. Mel. Herzliebster Jesu, was hast du zc. 173. Lag deinen Geist mich stets, mein Heiland, lehren, dein uns zu Gute. Ich bin versöhnt 8. O höchstes Glück, du littest Univ.- Bibl. Giessen 126 Vom Leiden und Tode Jesu. mit deinem theuren Blute. Du Christ, so laß mich wohl behast mir Gnad, da du für denken, wie du gestorben bist, mich gestorben, vor Gott er- und wie du meiner Sünden worben. Last aus göttlichem Erbarmen 9. So bin ich denn schon auf dich genommen hast. selig hier durch Glauben? So 2. Liebe ohne Maaßen! wird mir nichts, nichts jene Für's sündliche Geschlecht haft Krone rauben? So werd ich du dich martern lassen, du, dort, von Herrlichkeit umgeben, Herr, für deinen Knecht! Herr einst ewig leben? Jesu, du mein Herr und Gott, hast dich für uns Verbrecher gegeben in den Tod. 3. Was kann die Schuld nun schaden, wie groß sie immer sei! Bei Gott bin ich in Gnaden und aller Strafen frei. Sie sind getilgt durch Christi Blut und ich darf nicht mehr fürchten der Hölle Qual und Gluth. 10. Ja, wenn ich stets der Tugend Pfad betrete, im Glauben kämpf im Glauben wach und bete: so ist mein Heil schon so gewiß erstrebet, als Jesus lebet! 11. Lodt böse Lust mein Herz mit ihrem Reize: so schrecke mich die Lehre von dem Kreuze, und laß ich nach, zu üben gute Werke, sei sie mir Stärke. 4. Drum sag ich dir von Herzen jetzt und mein Leben12. Seh ich dein Kreuz den lang für deine Bein und SchmerKlüglingen der Erden ein Aer- zen, o Jesu, Lob und Dank, gerniß und eine Thorheit wer- für deine Noth und Angstgeden: so sei's doch mir troß alles frechen Spottes die Weisheit Gottes. 13. Ach, eile nicht, sie nach Verdienst zu strafen! Erbarme dich, wenn von den Sündensclaven selbst Einer, welcher dich, o Herr, geschmähet, um Gnade flehet. schrei, für dein unschuldig Sterben, für deine Lieb und Treu. 5. Herr, laß dein bitt'res Leiden mich reizen für und für, mit allem Ernst zu meiden die sündliche Begier! laß nie mir kommen aus dem Sinn, wie viel es dir gekostet, daß ich erlöſet bin. 14. Wenn endlich, Herr, mich 6. Mein Kreuz und meine meine Sünden kränken, so laß Plagen, es sei auch Schmach dein Kreuz mir wieder Ruhe und Spott, hilf mir geduldig schenken; dein Opfertod, sei, tragen! Ja gieb, mein Herr wenn den Tod ich leide, mir und Gott, daß ich verleugne Ruh' und Freude. diese Welt, und folge dem Erempel, das du mir vorgestellt. 174. Wenn mich die Sünden tränken, mein Heiland, Jesu 7. Laß mich an Andern üben, was du an mir gethan, und Vom Leiden und Tode Jesu. 127 meinen Nächsten lieben; gern tränket, überwinden durch die dienen Jedermann ohn Eigennuß und Heuchlerschein, wie du mir Guts erwiesen, aus reiner Lieb allein. Kraft, die dem, der es recht bedenket, dein unschuldig Leiden schafft. Ruhe, Muth und Freudigkeit schent mir bis zur Ewigkeit, die du mir, o Herr, erworben, da du bist für mich geftorben. 8. Laß dabei deine Wunden mich trösten, wenn auch ich in meinen letzten Stunden mich ganz verlaß auf dich. Denn, wenn auf dein Verdienst ich trau, so wirst du mich annehmen, daß ich dich ewig schau! 5. Laß auf deinen Tod mich trauen, Jesu, meine Zuversicht! Er nimmt weg des Todes Grauen und befreiet vom Gericht. In der Todesangst laß mich dies erquicken, daß durch 175. Jeju, deine heilgen dich mir die Hoffnung jei geWunden und dein martervoller geben, einzugehn in's beffre LeTod laß mir geben alle Stun- ben! den Kraft zur Tugend, Trost in Noth. Wenn mir fällt was Arges ein, laß mich denken deiner Pein! Laß mich deine Angst und Schmerzen alsdann nehmen wohl zu Herzen. 2. Reizt mich zu der Wollust Freuden mein verderbtes Fleisch und Blut, laß den Anblick dei- mel. Ach Gott vom Himmel sieh' 2c. ner Leiden meiner Lüfte Gluth. Drohet der Ver- 176. Herr Jeju, deine Angst jucher mir, so stell mir dein und Bein, dein so gehäuftes Vorbild für; laß mich dir im Leiden laß mir allzeit vor Augen Kampfe gleichen, standhaft blei- sein, die Sünden zu vermeiden; ben und nicht weichen. laß mich an deine große Noth, an deinen martervollen Tod bei'm Sündenreiz gedenken. 3. Will mich diese Welt verführen und auf ihre Seite ziehn, so laß mich durch dein 2. Laß deiner Seelen bange Regieren ihren Reizen bald ent- Qual, die tief geschlagnen Wunfliehn. Laß der Leiden schwere den, die Angst und Schmerzen Laft, die du, Herr, getragen allzumal, die du für mich emhaft, immer stärker mich antrei- pfunden, bei böser Lust mir ben, treu in deinem Dienst zu fallen ein und eine starke War= nung sein vor weitern Missebleiben. 4. Laß mich Alles, was mich thaten. 6. Jesu, deine heilgen Wunden und dein martervoller Tod laß mir geben alle Stunden Kraft zur Tugend, Trost in Noth; sonderlich am letzten End hilf, daß ich mich zu dir wend', Trost in deinen Wunden finde, und dann fröhlich überwinde! 128 Vom Leiden und Tode Jesu. 3. Laß bei den Wunden, die der hat erduldet, die wir Got du haft für mich dir lassen so tief verschuldet! schlagen, laß durch des Kreuzes schwere Last, die du für mich getragen, mich von der Strafe zu befrein, mir alle Schuld vergeben sein und Gnad für Recht ergehen! Sün 4. Denn du verließest deinen Thron, bist in den Tod gegangen; du littest Schläge, Schmach 3. Ach gieb, daß ich werde und Hohn, wurdst an das innen, was der Sold der SinKreuz gehangen. Was war de sei; lenke dadurch Herz und dabei des Höchsten Rath? Daß Sinnen zu rechtschaffner Buf wir von unsrer Missethat Erlösung finden möchten. und Treu. Sünde rächt und ftrafet Gott an dem Mittlet mit dem Tod; laß mich solches wohl betrachten, Sünden nicht geringe achten. 5. Darum soll meine Dantbarkeit dir hier schon stets lobfingen, und wenn du mich nach dieser Zeit wirst näher zu dir 4. Laß mich nur am Fleische bringen: so will ich da, Herr, leiden und zu sündgen hören noch vielmehr mit den Erlösten auf; laß mich alles Böse medeine Ehr erheben und dich lo- den, fliehn der Uebertreter Lauf, ben. meine dir geweihte Brust reinigen von böser Lust, daß du möchtest in mir leben und ich dir sei ganz ergeben! 5. Theuer hast du mich er worben und erkaufet durch dein Blut; du bist mir zu gut ge storben, was man faum für Freunde thutz du, unschuldig und gerecht, hast, um mich, det Sünde Knecht, zu erlösen, selbst dein Leben in den Tod dahin 177. Was für Leiden, Angst gegeben. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele zc. und Plagen, Jesu, was für 6. Nun, so will ich nicht ver große Noth hast du doch für schweigen deiner großen Thaten mich getragen hier im Staube Ruhm, es mit Mund und That bis zum Tod! O wie bitter bezeugen, daß ich dir zum Eigen war der Schmerz, den dein mit- thum mich ergeben ganz und leidsvolles Herz für uns Sün- gar. Gieb, daß es auch werde 6. Herr Jesu, deine Angst und Bein und dein unschuldig Leiden laß mir einst Kraft und Leben sein, wenn ich von hier werd scheiden. Ach hilf, daß ich, durch deinen Tod besiege meine letzte Noth und selig sterbe! Amen! 2. Welchen Dank soll ich er weisen dir für diese große Huld wie dich würdig dafür preisen daß du dich für meine Schub willig aufgeopfert hast, meine Sünden schwere Last gern ge tragen, tief empfunden, bis du endlich überwunden? Vom Leiden und Tode Jesu. 129 wahr, daß ich möge, dir ganz mein ganzes Leben zum Dienst eigen, mit der That mich dank- ergeben. bar zeigen. 8. Nichts soll mich je von deiner Liebe scheiden. Ich bleibe dein, bis du mich dort wirst Mel. Herzliebster Jefu, was hast du zc. 178. Seihochgepriesen, Herr, weiden, wo deine Liebe mit für deine Liebe! Sie drang dich verklärten Zungen stets wird zu dem mitleidsvollen Triebe, beſungen. für eine Welt voll Sünden selbst dein Leben dahin zu geben. 179. Lamm Gottes, un2. Fürwahr, du trugest unsrer Sünden Schmerzen. Wo ist ein Herz gleich deinem edlen Herzen? Du ließest unsre Schuld schuldig, am Stamm des Kreuzes geschlachtet, allzeit gefunden geduldig, wiewohl du wurdest verachtet. All Sünd hast du an bir bestrafen, uns Heil zu getragen, sonst müßten wir verschaffen. 3. Laß dieses Heils auch mich zagen; erbarm dich unser, o theilhaftig werden! Was hab' Jeju! ich sonst für sichern Trost auf Erden? Was giebt mir sonst dig 2c. 2. O Lamm Gottes, unschulErbarm dich unser, o Jesu! wohl wahren Grund zur Freude, wenn ich einst scheide? 3. 4. Für mich, o Herr, bist du ja auch gestorben. Was du der Welt durch deinen Tod erworben, das hast du ja, von Mel. Christus, der uns selig zc. großer Treu geleitet, auch mir 180. Mein Erlöser, Gottes bereitet. Lamm Gottes, unschulGieb uns dein Frie7. Nein, dir allein, der du durch deine Wunden auf ewig mich zu deinem Dienst verbunden, nur dir, mein Heiland, sei Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. dig 2c. den, o Jesu! Sohn, der du für mich litteſt und auch auf der Himmel Thron jegt noch für mich bittest, welche Wohlthat ist für mich dein verföhnend Leiden! O wie preis ich würdig dich, Ursprung mei ner Freuden! 5. O stärke selbst mein Herz in diesem Glauben; kein banger Zweifel müsse ihn mir rauben; er müsse mich zum Fleiß in guten Werken beständig stärken. 6. Sollt' ich mich nun noch frevelhaft erkühnen, der Sünde, 2. Unbegrenzte Seligkeit war die dich tödtete, zu dienen; so dir, Herr, gegeben, und du wär ich ja, o Herr, nicht dein konntest ohne Leid froh und Erlöster, du nicht mein Tröster. glücklich leben. Aber, o der großen Huld, daß ich selig würde, übernahmst du in Geduld harter Leiden Bürde. 3. Nun kann jede Missethat 9 130 Vom Leiden und Tode Jesu. noch Vergebung finden; denn| nem Tod mich den Trost ge du starbst nach Gottes Rath nießen, daß du auch für mein für die größten Sünden. Unsre Schuld büßend bist gestorben, Strafe trugest du, uns, Herr, zu erretten, daß wir im Gewissen Ruh, mit Gott Friede hätten. und Vergebung, Gnad und Huld mir bei Gott erworben. 9. Stärke mich durch deinen Tod auf die letzten Stunden. 4. Was uns Muth zur Beß- Wie du deine Todesnoth sieg rung schafft, was zur Tugend reich überwunden: o fo hilf leitet, dazu hast du neue Kraft dazu auch mir. Laß mich fröh durch dein Kreuz bereitet. Nicht lich scheiden; Herr, so dank ic vergebens darf ich nun mich ewig dir für dein bittres Leiden. um Kraft bewerben, Gottes mel. Herzlich thut mich verlangen u. Willen noch zu thun, Sünden 181. Zag, der den Ueberabzusterben. 5. Nun kann ich selbst mei= winder des Todes sterben sah, nen Tod freudig kommen sehen getödtet für uns Sünder am und zu dir, du heilger Gott, Kreuz auf Golgatha! Wie zür ohne Schrecken gehen. Du, nend auf die Sünde zeigst du Herr, hast aus aller Noth Rettung mir errungen und die Angst vor unserm Tod durch dein Kreuz bezwungen. den Richter mir; doch auch der Liebe Gründe eröffnet Gott an dir! 2. Gott ist ein ernster Rächer, ist heilig, ist gerecht. Vor ihm 6. Herr, was bin ich, daß schützt die Verbrecher kein Andu mein dich so angenommen? sehn, kein Geschlecht. Vom HimLaß die Frucht von deiner Bein mel, da er wohnet, kommt et mir zu statten kommen! Gieb einst zum Gericht, verurtheilt, mir Weisheit, gieb mir Kraft, und verschonet verstockte Sün du hast sie in Händen, was der nicht. du mir zum Heil verschafft, gläubig anzuwenden. 3. Der seinen Sohn, den Bürgen, für uns verwunden 7. Laß das Wort von dei- ließ, der seinen Sohn erwürnem Kreuz mich mit Muth be- gen, am Kreuz erwürgen ließ, leben, siegreich jedem Sünden- wird der nun einem Knechte, reiz hier zu widerstreben. Treib mich mächtig dadurch an, mich vor Gott zu scheuen; was ich unrecht je gethan, innig zu beder böse bleibt, verzeihn? Könnt er so, der Gerechte, der ernste Richter sein? 4. Doch soll der Sünder le ben; erbarmungsvoller Gott, reuen. 8. Drückt mich meine Sün- du kannst, du willst vergeben dennoth, straft mich mein Ge- durch deines Sohnes Tod. wissen, o dann laß aus dei- Wenn wir die Sünde hasser Von der Auferstehung Jeſu. 131 und gläubig zu ihm fliehn,| vertrieben. Christus, der im willst du die Schuld erlassen Grabe lag, ist im Tode nicht und gnädig sein durch ihn. geblieben. Owie hoch sind 5. O wundervolle Güte, wie wirst du gnug verehrt, wie faffet mein Gemüthe ganz dieser Wohlthat Werth! Laß meines Herzens Triebe ganz dir geheiligt sein, mich ewig deiner Liebe in deinem Sohn zu freun! wir getröst! Jesus hat die Welt erlöst. 2. Er ist Gottes ewger Sohn; ewig sei er auch gepriesen! Seiner Feinde Schaar zum Hohn hat er sichtbar es bewiesen. Er erfüllte durch die That, was er prophezeihet hat. 6. Wenn noch die Lust zu Sünden mich zu verführen 3. Unsre Schulden sind zwar droht, lehr mich sie überwin- groß, doch wir dürfen nicht den durch Jesu Christi Tod! verzagen; Gott läßt unsern BürLehr mich die Sünde meiden, gen los, der sie büßend hat geweil er gestorben ist. Mir pre- tragen. Jesus ist mit Preis dige sein Leiden, Gott, wie ge- gefrönt, und wir sind mit Gott recht du bist! versöhnt. 7. Und deine Lieb erfülle 4. Sterben war der Sünden mein Herz mit Dankbarkeit! Sold; nun ist Christus unser Gehorsam sei mein Wille, mein Leben; der für unsre Schuld Thun Rechtschaffenheit; fromm nicht Gold, nein, sich selber hinlehr mich sein mit Freuden, gegeben. Er hat aus des Gra= weil er gestorben ist; mir pre- bes Nacht neues Leben mitge= dige sein Leiden, wie gütig, bracht. Gott, du bist! Mel. Jesus meines Lebens Leben 2c. 5. Tod, wo ist nun deine Kraft? Grab, wo sind nun Hier Gott, der 182. Nun ich danke dir von Hülfe schafft. Hier ist Jejus, Herzen für die ausgestandne der kann retten, wenn gleich Noth, für die Wunden, für die unser Fleisch und Bein wird in Schmerzen, für den herben Kreu- Staub verwandelt sein. zestod, für dein Zittern, für 6. Herr, dies glaub ich dir dein Zagen, für so unerhörte zum Ruhm, und mein Trost ist Plagen, Herr, für alle deine nicht vergebens; denn ich bin Pein will ich ewig dankbar sein! dein Eigenthum, du der Schöpfer meines Lebens. HocherVon der Auferstehung Jeju. freuet sing ich dir jetzt und ewig Dank dafür. Mel. Jejus meine Zuversicht 2c. 183. Freue bich! Des Herren 184. Christ ist erstanden von Tag hat die Nacht der Furcht der Marter alle; deß sollen wir 9* Von der Auferstehung Jesu. 132 alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrie, eleison! Spott aus d'm Tod ist worden. Halleluja! 2. Wär er nicht erstanden, 5. Hier ist das rechte Osterſo wär die Welt vergangen. lamm, davon Gott hat geboten, Seit daß er erstanden ist, so das ist an des Kreuzes Stamm lob'n wir den Herrn Jesum in heißer Lieb gebraten; des Christ. Kyrie, eleison! Blut bezeichnet unsre Thür, 3. Halleluja! Halleluja! das hält der Glaub dem Tode Halleluja! Deß sollen wir alle für, der Würg'r kann uns nicht froh sein, Christ will unser Trost rühren. Halleluja! sein. Kyrie, eleyson! 6. So feiern wir das hohe Fest mit Herzensfreud und Wpnne, das uns der Herr er185. Christ lag in Todes- scheinen läßt. Er ist selber die banden, für unsre Sünd gege- Sonne, der durch seiner Gnaben, der ist wieder erstanden den Glanz erleuchtet unsre Her und hat uns bracht das Leben; zen ganz, der Sünd'n Nacht deß wir sollen fröhlich sein, ist vergangen. Halleluja! Gott loben und dankbar sein, 7. Wir essen und leben wohl und singen Halleluja! Halleluja! in rechten Osterfladen; der alte 2. Den Tod Niemand zwin- Sauerteig nicht soll sein bei gen fonnt bei allen Menschen dem Wort der Gnaden; Chris findern; das macht alles unsre stus will die Koste sein und Sünd, kein Unschuld war zu speisen die Seel allein, der finden: davon kam der Tod so Glaub will feines andern leben. Halleluja! bald, und nahm über uns Gewalt, hielt uns in seinem Reich gefangen. Halleluja! 3. Mel. Sei Lob und Ehr dem u. Jesus Chriftus, Gottes 186. Wach auf, mein Herz, Sohn, an unsrer statt ist kom- die Nacht ist hin, die Sonn ist men und hat die Sünde abge- aufgegangen. Ermuntre deinen than, damit dem Tod genom- Geist und Sinn, den Heiland men all sein Recht und sein zu empfangen, der heute durch Gewalt, da bleibet nichts, denn des Todes Thür gebrochen aus Todesgestalt, den Stach'l hat dem Grab herfür, der ganzen er verloren. Halleluja! Welt zur Wonne. 4. Es war ein wunderlicher 2. Steh aus dem Grab der Krieg, da Tod und Leben rungen; Sünden auf und such ein neues das Leben behielt den Sieg, es Leben! Beschleunige zum Sieg hat den Tod verschlungen. Die den Lauf, und laß dein Herz Schrift hat verkündigt das, wie sich heben gen Himmel, wo dein ein Tod den andern fraß; ein Heiland ist! Such das, was Auf Ostern. 133 droben, als ein Christ, der geist-, Welt, noch Tod verzagt und lich auferstanden. muthlos machen. Er, Jesus, lebt, er hebt die Noth, er stärfet selbst die Schwachen, stärkt jeine Glieder in der Welt, ist Rath und Kraft und Sieg und Held! drum wirst du überwinden. 3. Vergiß nun, was auf Erden ist, und tracht nach dem, was droben. Zu deinem Mittler Jesu Christ sei stets dein Herz erhoben; hinauf zu jener besten Welt, die ewig bleibt, wenn diese fällt, wo du wirst Jesum schauen. 4. Drückt dich noch mancher Sorgenstein, dein Heiland wird ihn heben, wird dir mit Hülfe nahe sein, Rath, Trost und Ruhe geben. Wirf dein Anliegen auf den Herrn, und sorge nicht, er ist nicht fern, weil er ist auferstanden. 5. Geh aus und tritt im Geiste hin zu des Erlösers Grabe; schau auf die Stätte, wo man ihn zur Ruh geleget habe, ſo wirst du jehn, daß Jesus Christ vom Tode auferstanden ist und nicht im Grab zu finden. 6. Der für uns an des Kreu9. Herr, der du aus dem Tode bist zum Leben auferstanden, befrei uns, Sieger, Jesu Christ, von Sünd und Todesbanden, daß wir zusammen ins= gemein zum neuen Leben gehen ein, das du uns hast erworben. 10. Sei hochgelobt in dieser Zeit von allen Gottestindern, und ewig in der Herrlichkeit von allen Ueberwindern, die überwunden durch dein Blut. Gieb uns, o Jesu, Kraft und Muth, daß wir auch überwinden. Mel. Erschienen ist der zc. 187. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, wie herzlich er mich liebt. Und stürb zes Stamm erhöht war und auch alle Welt mir ab, g'nug, gebunden, für uns hinab zum daß ich seine Freundschaft hab. Grabe kam, er hat nun über- Halleluja! wunden; hat Leben und Gerech- 2. Er nährt, er schützt, er tigkeit erworben, und im har- tröstet mich; sterb ich, so nimmt. ten Streit den Sieg davon ge- er mich zu sich; wo er jetzt lebt, da komm ich hin, weil 7. Drum sei nun muthig, seines Leibes Glied ich bin. wach und streit! Da Jefus über- Halleluja! wunden, wirst du auch übertragen. 3. Durch seiner Auferstehung winden weit durch ihn, weil Kraft vollend ich meine Pilgerer gebunden der Feinde Macht, schaft. Durch ihn bin ich mit daß du aufstehst und in ein Gott versöhnt, durch ihn mit neues Leben gehst, und Gott Gnad und Heil gekrönt. Halleim Glauben dienest. luja! 8. Laß dich nicht Sünde, 4. Mein Herz, sei muthig, Von der Auferstehung Jesu. 134 freue dich! Gott und mein Heiland liebet mich. Die Freude, die mir ist bereit, besieget alle Traurigkeit. Halleluja! 5. Für diesen Trost, fiegreicher Held, Herr Jesu, dankt dir alle Welt. Dort wollen wir auf bessre Weis erheben deinen Ruhm und Preis. Halleluja! Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. 188. Freiwillig hast du dargebracht für uns, o Herr dein Leben. Du hattest es zu lassen Macht, Macht wieder dir's zu geben. Und darum liebte dich dein Gott, weil du, gehorsam bis zum Tod, dich haft für uns erniedrigt. 5. Du starbst am Kreuz; doch war dir ja die Kraft des Herrn gegeben. Du schafftest, daß der Blinde sah; du gabst den Tod ten Leben. Du sprachst schwiegen Wind und Meer, und selbst der bösen Geister Heet gehorchte deiner Stimme. es 6. Nun irren mich nicht Schmach und Spott, noch deines Kreuzes Schanden. D bist mein Herr, du bist mein Gott; denn du bist auferstanden. Du bleibst mein Helfer immer fort, der Herr, durch dessen mäch tig Wort auch ich einst ewig lebe. 7. Wir sind nun göttlichen Geschlechts, durch dich des Himmels Erben. Dies ist die Hoff2. Du warst nur eine kleine nung deines Knechts; in dieser Zeit von deinem Gott verlassen, will ich sterben. Wie du vom er frönte dich mit Herrlichkeit, Tod erstanden bist, so werd auch die Sterbliche nicht fassen. Dein ich, Herr Jesu Christ, durch dich Kreuz, daran man dich erhöht, einst auferstehen. verwandelt sich in Majeſtät, denn du aus dem Grabe. 3. Gehaßt in deiner Niedrigkeit, warst du das Ziel des Spottes und zeigtest doch zu gleicher Zeit an dir die Hoheit Gottes. Dein Kreuz schien zwar der Welt ein Gräul; doch sterben für der Feinde Heil, dies ist die höchste Tugend. 4. Dein Reich war nicht von dieser Welt, dein Ruhm nicht Menschenehre. An Demuth groß, an Lieb ein Held und göttlich in der Lehre; geduldig und von Sünden rein, gehorsam bis zum Kreuze sein, dies war, Herr, deine Größe. Mel. Du Friedefürst 2c. 189. Wie lieblich ist dein Siegesgruß, welch Glück verspricht dein Mund, da du den großen Friedensschluß machst, o Jesu, kund. Weg ist die Noth, weg ist der Tod, du Lebens- Wiederbringer. uns 2. Nun ist des Höchsten Wort erfüllt; sei froh, mein ganzert Sinn! Nun ist des Richters Zorn gesſtillt, nun ist die Furcht dahin. Mein Mittler hat an meiner Statt die ganze Schuld bezahlet. 3. Wie tröstlich ist der Friede Imir, der über die Vernunft, Auf Ostern. 135 den Jesus uns gebracht herfür erstritt, für dies erhabne Gut! bei seiner Wiederkunft. Wer Beglück auf ewig mich damit, freut sich nicht, wenn Jesus so hab ich frohen Muth, und spricht: Mit dir soll sein der zage nicht, wenn Alles bricht; Friede! denn mir bleibt doch dein Friede! 4. Wenn nun des Richters Stimme schallt und in des Sünders Ohr sein Donner furchtbar wiederhallt, so schüß ich Jefum vor und zage nicht. Mein Heiland spricht: Mit dir soll sein der Friede! Mel. Sollt' ich meinem Gott zc. 190. Herr, es sind recht edle Früchte, die dein großer Sieg verspricht, daß wir gehn vor dein Gerichte und das Urtheil scheuen nicht. Herr, dies sind 5. Wenn mich Welt und Ver- die großen Gaben: Gnade, Lesuchung plagt; setzt sie mir hef- ben, Freude, Sieg, Trost und fig zu; wird dann mein schwaches Herz verzagt, find ich bei Jesu Ruh. Ich falle nicht, weil Jesus spricht: Mit dir soll sein der Friede! Friede nach dem Krieg. D die können kräftig laben Leib und Seel in allem Leid; freue dich, o Christenheit! 2. Herr, ich sehne mich und dürfte, wie ein müder Wandrer schmacht, nach dem Frieden, Friedensfürste, den du durch dein Blut gemacht. Theil nun aus die große Beute, die dein Arm errungen hat, der so große Thaten that. Gieb, daß dich mit Dank und Freude nach so wohl geführtem Streit rühme deine Christenheit. 6. Wenn mich sonst mancher Rummer drückt, wenn mich mein Freund verstößt, so werd ich durch den Freund erquickt, der ihn und mich erlöst. Die Noth schreckt nicht, mein Heiland pricht: Mit dir soll sein mein Friede! 7. Wenn mich die Welt mit ihrer Macht lockt auf die Sündenbahn, wird doch ihr Wille nicht vollbracht, ich schaue Jeum an. Die Welt siegt nicht, weil Jesus spricht: Dir laß ich meinen Frieden! 3. Gieb uns, Herr, auch deine Gnade, geistlich mit dir, aufzu-. stehn; daß uns Sündenlust nicht schade, laß uns auf das Erge sehn! Laß durch dich auch unsre 8. Dringt endlich auch zu Herzen siegen über alle Noth, mir der Tod mit seinen Schreden womit uns die Sünde droht; ein, so will auch in der Todes- tilge in uns Pein und Schmernoth mein Heiland bei mir sein. zen; schente Glaubens- FreudigDer Tod schreckt nicht; mein feit uns und deiner ChristenHeiland spricht: Mit dir soll heit. sein mein Friede! 4. Meinen Leib wird man 9. Dank dir, der Frieden uns begraben, aber gleichwohl ewig 136 Von der Auferstehung Jesu. nicht; Leben wird er wieder 4. So hat er denn Gerech haben, wenn das letzte Welt- tigkeit wahrhaftig uns erwor gericht alle Gräber wird auf- ben, erworben Heil und Selig decken. Wenn, durch deine Macht teit, weil er für uns gestorben bewegt, aller Todten Staub sich und wieder auferstanden ist nach regt, dann wirst du auch mich dreier Tage turzer Frist, wie erwecken, dann schau ich in er zuvor geſaget. Ewigkeit deines Himmels Herrlichkeit. 5. Er lebet nun in Gottes Kraft, gekrönt mit Preis und 5. Dann so werden meine Ehre, herrscht hocherhaben und Glieder, die jetzt welten und verschafft den Sieg auch seiner verblühn, unverweslich leben Lehre; beut aller Welt nun dar wieder, eine Herrlichkeit anziehn, sein Heil und will dem, der mit der alle Pracht der Erden ihm glaubet, Theil an seinem gar nicht zu vergleichen ist. Segen schenken. Ja, mein Leib, Herr Jesu Christ, 6. Mein Friede, spricht er, soll dem deinen ähnlich werden, sei mit euch, den ich erworben voller Pracht und Herrlichkeit; habe! wie selig, wie so freudendarum freu dich, Christenheit! reich ist diese seine Gabe! Auf Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. ewig schüßt, beglückt er nun, die treu hier seinen Willen thun. 191. Ach, heilig, selig ist So herrlich lebt er wieder! der Tag, zum herrlichsten er= 7. Ach möchten wir nun auf höhet, da, der für uns im Grabe lerstehn durch Abkehr von den lag, hervor zum Leben gehet, Sünden, unsträflich seine Wege da, der für uns getödtet war, gehn, die Lüste überwinden: ſo sich nun als Sieger stellet dar, lebten wir in Christo Gott, so mit Preis von Gott gefrönet. würde uns der andre Tod mit 2. Er hatte sich für unsre seiner Macht nicht schaden! Schuld als Bürge hingegeben, 8. So laßt uns denn mit für uns aus unverdienter Huld Christo hier im Glauben also gelassen selbst sein Leben. Da leben, daß in uns stets sein er nun durch des Grabes Thür Geist regier; und bleib ihm ganz zum neuen Leben geht herfür, ergeben. Denn, wer so Chrifto so ist die Schuld bezahlet. lebt und stirbt, der wird, wenn 3. Ja, wäre nicht sein Löse- gleich der Leib verdirbt, einft geld vollgültig angenommen, selig auferstehen. wär nicht durch ihn versöhnt die Welt: so wär er nicht ent- 192. Jejus meine Zuverkommen des Todes Raube und ficht und mein Heiland ist im Gewalt, so hätte Gott ihn nicht Leben! Dieses weiß ich; sollt so baid zum Leben auferwecket. ich nicht völlig mich zufrieden Auf Oftern. 137 geben, wenn gleich sonst die 8. Seid getroft und freuet Todesnacht mir noch manche euch, freut euch, meines Leibes Sorge macht? Glieder! Welket ihr und sterbt 2. Jesus! er mein Heiland ihr gleich, euch ruft Christi lebi; ich werd auch das Leben Stimme wieder, die durch alle schauen, sein, wo mein Erlöser Gräber dringt und den Todten lebt; warum sollte mir denn Leben bringt. grauen? Er, er lebt, das Haupt, und zieht mich auch zu sich als sein Glied. 9. Jauchzt denn, Christen! Aus der Gruft werdet ihr euch einst erheben, und den Heiland, der euch ruft, sehn und mit ihm ewig leben! Dann liegt Kummer und Verdruß weit, weit unter eurem Fuß! 10. Nur, daß ihr den Geist erhebt von den Lüsten dieser Erden, und schon hier dem Jesu lebt, mit dem ihr vereint wollt werden: der muß sich der Tugend weihn, der dort ewig wünscht zu sein. 3. Ich bin durch der Hoffnung Band zu genau mit ihm verbunden, meines Glaubens starke Hand liegt so fest in seinen Wunden, daß mich auch tein Todesbann ewig von ihm trennen kann. 4. Dieser Leib ist Staub, daher wird er einst zu Staube werden; dies weiß ich! Doch auch, daß er mich wird wecken aus der Erden, daß ich in der Herrlichkeit bei ihm sei in Ewigkeit. Mel. Wie schön leucht't uns der zc. 5. Dann wird eben dieje 193. Anbetung, Preis und ToHaut, den verklärten Leib umgeben, eben dieses Auge schaut froher Dank dem, der des den, der es verklärt zum Leben. Ja, in diesem Fleisch werd ich Jesum sehen ewiglich. 6. Dort lern ich im vollen Licht meinen Heiland näher tennen. D, wie wird mein Herz dann nicht ganz in Dank und Liebe brennen! O, wie froh ihn beten an, wenn die Schwachheit abgethan! des Macht bezwang, und uns, den Staub, erhöhte. Der hohe Sieger überwand; Nacht war um ihn, und sie verschwand in helle Morgenröthe. Bebet, gebet, stolze Spötter, unserm Retter Preis und Ehre! Glaubt an ihn und seine Lehre. 2. Heil uns und Sieg! Das Grab ist leer! Fest steht es, 7. Was hier leidet, seufzt wie ein Fels im Meer, das und fleht, wird sich dort errettet Wort, das er gesprochen. O jehen. Irdisch werd ich ausgesät, selig, wer sich ihm vertraut, er himmlisch werd ich auferstehen. hat den Tempel neu gebaut, Sint ich hier ins Grab hinein, den blinde Wuth gebrochen. dort werd ich unsterblich sein. Hölle, fälle nun den Sieger; 138 Von der Auferstehung Jesu. Gottes Krieger, der erstanden, ¡ rung kämpft in mir; und voll macht nun deinen Stolz zu von Ehrfurcht, Dank und Pflicht, Schanden. fall ich, Gott, auf mein Angesicht. 7. Du, der du in den Himmeln thronst, ich soll da wohnen, wo du wohnst! Und du erfüllst einst mein Vertraun, dich dort verkläret anzuschaun! 8. Ich soll, wenn du, des Lebens Fürst, mit Majestät einst kommen wirst, erweckt aus meinem Grabe gehn und einst zu deiner Rechten stehn. 3. Leer ist die Gruft, die ihn umgab. Sei mir gegrüßt, mein fünftig Grab, du Wohnung ernster Stille! Nur wenig Tage werden's sein, dann, Grab, empfängst du mein Gebein in deiner Schatten Hülle. Freudig, selig werden wieder diese Glieder auferstehen, werden die Verklärung sehen. Mel. Vom Himmel hoch zc. 194. Crinnre dich, mein welchem Ruhm erhebt uns nicht 9. Zu welchem Glück, zu Geist, erfreut des frohen Tags das Christenthum! Mit dir ge der Herrlichkeit; halt im Ge- kreuzigt, Gottes Sohn, find wir dächtniß Jesum Christ, der von auch auferstanden schon. dem Tod erstanden ist. 10. Nie komm es mir aus 2. Fühl alle Dankbarkeit für meinem Sinn, was ich, mein ihn, als ob er heute dir er- Heil, dir schuldig bin, damit ich schien, als spräch er: Friede sei mich, in Liebe freu, zu deinem mit dir! So freue dich, mein Bilde stets erneu. Geist, in mir. 11. Er ist's, der Alles in uns schafft; sein ist das Reich, sein ist die Kraft; halt im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist! 3. Schau über dich und bet ihn an auf seiner hohen Sie gesbahn; er lebt und herrscht mit Gott vereint, und ist dein König und dein Freund. 4. O Glaube, der das Herz 195. Jejus lebt, mit ihm Mel. Jesus meine Zuversicht 2c. erhöht! Was ist der Erde Manun jestät, wenn sie mein Geist mit auch ich. Tod, wo sind der vergleicht, die ich durch deine Schrecken? Er, er lebt Gottes Sohn erreicht! wird auch mich von den 5. Vor seinem Thron, in sei- Todten auferwecken. Er vernem Reich, unsterblich, heilig, klärt mich in sein Licht; dies Engeln gleich, und ewig bei dir ist meine Zuversicht! selig sein; Herr, welche Herrlichkeit ist mein! 2. Jesus lebt! Thm ist das Reich über alle Welt gegeben; mit ihm werd auch ich zugleich ewig herrschen, ewig leben. Gott 6. Mein Herz erliegt froh unter ihr; Lieb und Verwund Auf Ostern. 139 erfüllt, was er verspricht; dies| Hütte bricht. Wird sich mein ist meine Zuversicht! Haupt einst neigen, alsdann 3. Jesus lebt! Wer nun ver- nimm nach vollbrachtem Lauf zagt, lästert ihn und Gottes auch mich in deinen Himmel Ehre. Gnade hat er zugesagt, auf; nimm, Herr, an meinem daß der Sünder sich bekehre. Ende den Geist in deine Hände. Gott verstößt in Christo nicht; dies ist meine Zuversicht. 3. Doch soll ich einst, o Gottessohn, in deinem Reich dich 4. Jesus lebt, sein Heil ist sehen, so muß ich auch auf Ermein! Sein sei auch mein gan- den schon vom Tode auferstehen. jes Leben! Reines Herzens will Der lebt nicht, den die Lust der ich sein und den Lüsten wider-! Welt und ihre Pracht gefeſſelt streben. Er verläßt den Schwa- hält. Nach Gott und Bessrung chen nicht! Dies ist meine Zu- streben, nur das heißt wirklich versicht! leben. 5. Jesus lebt! Ich bin gewiß, 4. Du auferstandner Mennichts soll mich von Jesu schei- schenfreund, erweck in mir die den, keine Macht der Finsterniß, Triebe, durch die man sich mit teine Herrlichkeit, tein Leiden. dir vereint, den Glauben und Er giebt Kraft zu dieser Pflicht; die Liebe. Ich will, o Herr, dies ist meine Zuversicht! dein eigen sein; laß mich mit Ernst die Sünde scheun, und gieb selbst Muth und Kräfte zum Heiligungsgeschäfte. 6. Jesus lebt! Nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnoth wird es meiner Seele geben, wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht! 5. So kann ich als ein wahrer Christ jetzt leben und einst sterben; und einmal da, wo du, Herr, bist, vollkommne Freude erben. Dahin, mein Heiland, hilf du mir, so bring ich, ewig froh in dir, mit deiner Frommen Mengé dir Dank und Lobgesänge. Mel. Ermuntre dich mein 2c. 196. Das Grab ist leer! Des Höchsten Sohn verläßt die Todtengrüfte, und seiner Jünger Jubelton dringt freudig durch Mel. Nun lob' mein Seel' den zc. die Lüfte. Du, den der Engel 197. Froh führte Gottes Loblied preist, entreiße, Heiland, meinen Geist den Neigungen der Erde, daß er dir heilig werde. 2. Die Menschheit, Herr, erlaubt mir nicht, mit dir empor zu steigen, bis diese schwache Sonne den festlich hohen Tag herauf. Da stand er, meine Wonne, mein Herr und mein Versöhner, auf. Gedante, der zu Freuden des Himmels mich er 140 Von der Auferstehung Jeſu. hebt! Gedanke, der im Leiden Sohn geehret. Deines Opfers mit reichem Trost belebt! Er hohen Werth hat er auf's herrstärkte deine Freunde, die vor- lichste bewährt, da er dich auf her ängstlich flohn; beschämte jerwecket. Halleluja! deine Feinde und ihren frechen 4. Erständner, ich frohlode Hohn. dir, daß du nun ewig lebest. 2. Herr, deine Boten siegen, Du lebst und siegst, daß du von dir und deinem Geist ge- auch mir das ewge Leben gebeft; lehrt. Die Gözentempel liegen, der Erdkreis wird zu Gott befehrt. Ich weiß, an wen ich glaube, bin freudevoll ein Christ. Ihn bet ich an im Staube, ihn, der mein Retter ist. Ich werd ihn ewig schauen, wenn er auch mich erhebt. Der Herr ist mein Vertrauen, er starb für mich und lebt. daß du mein Erretter seist und neue Kräfte mir verleihst, mit Freuden Gott zu dienen. Halle luja! 5. Mein Herr, mein Gott, hilf mir dazu, befreie mich von Sünden, laß mich für meine Seele Ruh im Frieden mit Gott finden. Pflanze deinen Sinn in mir, damit ich Gott ergeben, hier als dein Erlöster wandle. Halleluja! Mel. Christ lag in Todesbanden zc. 198. Bringt Preis 6. Dein ist das Reich; dein und ist die Macht, Verstorbne zu erRuhm dem Heiland dar, froh- wecken. Du rufft einft, und lockt ihm, alle Frommen. Er, der Gräber Nacht wird Todte der für uns getödtet war, ist nicht mehr decken. Wie du auf aus der Gruft gekommen. Sei erstanden bist, so werd auch ich, gelobt, Herr Jesu Christ, daß du für uns gestorben bist und siegreich auferstanden. Halleluja! Herr Jesu Christ, durch dich einst auferstehen. Halleluja! 7. O laß mich, weil ich hier noch bin, im Glauben an dich 2. Dein Leben in der Maje- wandeln, und jederzeit nach deiftät befestigt unsern Glauben. nem Sinn rechfschaffen sein und Wer kann, da dich dein Gott handeln, daß ich, wenn ich auf erhöht, uns nun den Trostgrund ersteh und dich, des Todes Sierauben, daß du unser Heil voll- ger seh, vor dir dann nicht erbracht, und von des ewgen To- schrecke. Halleluja! des Macht uns Sünder haft erlöset. Halleluja! 8. Da, wo du bist, da soll auch einst dein Jünger mit dir 3. Gott selbst, der dich dem leben. Du wirst ihn, wenn Grab entrüdt, hat dem, was du num erscheinst, zu deiner du gelehret, der Wahrheit Sie- Freud erheben. Laß dies aud gel aufgedrückt, und dich als mein Erbtheil sein, so werd ich Auf Oftern. 141 ewig deß mich freun, daß du dann bestehst, und mit ihm in vom Tod erstanden. Halleluja! sein Reich eingehst, dort ewig ihm zu danken! Mel. Allein Gott in der Höh' sei zc. Mel. Alle Menschen müssen 2c. 199. Halt im Gedächtniß Jeſum Chrift, o Seele, der zur 200. Jeju, die erlösten SünErden von seinem Thron gekommen ist, ein Retter dir zu werden. Vergiß sein nicht, denn dir zu gut verband er sich mit Fleisch und Blut. Dank ihm für diese Liebe. der preisen dich, der sie erfreut, dich, du Todesüberwinder, dich, du Herr der Herrlichkeit! Du, der todt war, lebest wieder, mit dir leben deine Glieder; uns, die Tod und Grab erschreckt, hat Gott mit dir auferweckt. 2. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der für dich hat gelitten, am Kreuz für dich gestorben ist, das Leben dir erftritten. Errettung aus der Sündennoth erwarb er dir durch seinen Tod. Dant ihm für diese Liebe! 2. mit welchen Gottes= freuden strahlst du aus der Grabesnacht! Ewig fern ist alles Leiden, ganz dein großes Werk vollbracht. Liebreich eilest du, den Deinen nun als Sieger zu erscheinen. Seht mich, Freunde, die ihr bebt! Jauchzet, euer Jesus lebt! 3. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden und jetzt zur Rechten 3. Lebend, zu verschiednen Gottes ist; er hat von Todes- Stunden, sahen sie dich dort und banden, die an ihn glauben, hier. Sie berührten deine Wunfrei gemacht, und ewges Leben wiederbracht. Dank ihm für diese Liebe. den, sprachen, aßen oft mit dir. Deinen Trost und deine Lehren ließest du sie wieder hören; und sie, die dich lebend sahn, beteten dich freudig an. 4. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der hin zum Siz der Freuden siegprangend auf4. Muthig wurden nun die gefahren ist, die Stätte zu be- Schwachen; durch dein Leben reiten, wo du einst seine Herr- neu belebt, gingen sie nun aus lichkeit und ihn wirst schaun in und sprachen: der am Kreuz Ewigkeit. Dank ihm für diese Erwürgte lebt! sprachen selbst bei Schmach und Banden: JeLiebe! 5. Halt im Gedächtniß Je- sus ist vom Tod erstanden, ist sum Christ, der einst wird wie- der Menschen Herr und Haupt; derkommen, zu richten, was auf selig wird, wer an ihn glaubt! Erden ist, die Sünder und die Frommen; und sorge, daß du Allen Gott in seinem Namen 5. Heil und Gnade beut nun Von Jesu Himmelfahrt dar, allen Sündern, die gefal- 3. Du bist für uns das Haupt, len; und was er verheißt, ist und wir sind deine Glieder; wahr. Alles, Alles wird ge- nur von dir kommt auf un schehen; Himmel werden eh ver- Licht und Leben. Heil, Fried gehen, eh ein Wort von Jesu und Freude, Stärk und Kraft, Christ nicht mehr wahr und und was uns sonst Erquicung göttlich ist. schafft, wird uns von dir ge geben. Rühre, führe, ewge Güte, mein Gemüthe, daß dich's preise, dir Lob, Ehr und Ruhm erweiſe. 4. Zeuch, Jeſu, uns, zeud uns nach dir! Hilf, daß wir künftig für und für nach deinem Reiche trachten! Laß uns im Wandel heilig, rein, voll Sanftmuth und voll Demuth sein, die Ueppigkeit verachten; Von Jesu Himmelfahrt und Unart, Hoffart laß uns meiden, seliger Regierung. auch im Leiden wohl ergründen, wo Errettung sei zu finden. 142 6. Preis sei dir, der du das Leben und die Auferstehung bist. Laß uns alle sein ergeben dir, dem Retter, Jesu Christ! Mach uns frei von Straf und Sünden! Daß du lebst, laß uns empfinden. Tief im Staube fingen wir dir dann ewig Dant dafür! Mel. Wie schön leucht't uns der zc. 5. Sei gegen aller Feinde Truß stets unser Retter, unſer 201. wundergroßer SieO gesheld, du Sündentilger aller Schutz, dich soll der Glaube Welt, heut hast du dich erho- fassen. Nur da ist Wonne, wo ben zur rechten Hand der höch- du bist; die Freude, die man sten Kraft. Dein Arm hat dir hier genießt, hört auf, wenn den Sieg verschafft, durch den wir erblassen. Hier sind, hier du jegt dort oben prächtig, sind manche Plagen zu ertramächtig triumphirest und re- gen, ach, es quälen hier noch gierest; Tod und Leben sind, Leiden unsre Seelen. Herr Christ, dir untergeben. 6. Einst kommst du auf der 2. Dir dienen alle Cherubim, Wolken Thron, du Siegesfürst, dir jauchzen alle Seraphim, die Held, Davids Sohn, und stillest dich, den Sieger, loben, der du das Verlangen der Deinen, wel den Segen wiederbracht, und chen du zu gut als Hoherprie dich mit Majestät und Pracht ster durch dein Blut in's Hei zur Herrlichkeit erhoben. Singet, ligste gegangen. Gieb mir, daß bringet Ruhm, und ehret den, hier ich so handle, stets jo der fähret durch die Himmel wandle, so vollende, daß ich mit frohlockendem Getümmel. dich schau ohne Ende. und seligen Regierung. Mel. Aus meines Herzens 2c. 202. Der Herr fährt auf gen Himmel mit hellem Jubelschall, mit jauchzendem Getümmel und mit Posaunenhall. Lobsingt, lobfinget Gott, lobfingt, lob fingt mit Freuden, dem Könige der Heiden, dem Herren Zebaoth! 143 gen, verführerische Welt! Sollt uns dein Nichts ergößen? Dort ist, was uns gefällt: der Herr selbst, und sein Heil! Der Herr und seine Freuden sein stets, auch wenn wir leiden, der Seele Trost und Heil! doch sie kommt einst, die Zeit, 7. Noch ist es nicht geschehen; da wir ihn werden sehen in 2. Der Herr wird aufgenom seiner Herrlichkeit. welch men in töniglicher Pracht. Deß ein Tag wird's sein, wenn wir freun sich alle Frommen, die ihn mit Entzücken auf seinem er hat frei gemacht. Es holen Thron erblicken, und sein uns Jejum ein des Himmels frohe ewig freun! Heere, die seiner Pracht und Ehre sich so wie wir erfreun. Mel. Wenn mein Stündlein 2c. 3. Wir nun die die unser Haupt erhöht, wo 203. Auf Christi Himmelunter seiner Pflege sein Volk fahrt darf sich getroft die Hoffeinst zu ihm geht. Der Herr, nung gründen, daß einst in der ging voran, wird nicht da- meinem Tode ich werd siegreich hinten lassen, die ihn im Glau- überwinden. Denn, weil mein ben fassen und wallen seine Haupt im Himmel ist, so wird Bahn. es auch nach kurzer Frist die Seinen zu sich nehmen. 4. Wir sollen himmlisch werden, und Jesum ewig schaun, 2. Gen Himmel fuhr mein wir Fremdlinge auf Erden, Heiland auf, um Herrschaft zu wenn wir ihm feft vertraun. empfangen. Zu ihm blickt nun Auf! Kinder Gottes, auf! Wo mein Geist hinauf mit freudiJejus hingegangen, dahin steh' gem Verlangen. Wo er, mein das Verlangen, dahin nehmt euren Lauf. Heil ist, ist mein Herz; zu ihm. schwingt es sich himmelwärts von dieser eitlen Erde. 5. Gen Himmel laßt uns schwingen uns schon im Geiste 3. Ach, Herr, verleihe du hier. Und wahr sei's, wenn mir Kraft nach deinem Reich wir singen: Dich, Jesu, suchen zu ringen; dein Geist, der Gutes wir, dich, Gottes eingen Sohn, in uns schafft, helf mir den dich, Weg, dich wahres Leben, Kampf vollbringen; und dann, dem alle macht gegeben, dich, am Ende dieser Zeit, führ mich unsern Schild und Lohn. 6. Hinweg mit deinen Schä- nen Himmelsfreuden. zum Licht der Ewigkeit, zu dei 144 Von Jesu Himmelfahrt Mel. Vom Himmel hoch, da zc. 204. Auf, Jesu Jünger, uns am Kreuze starbſt. 9. Wir freuen uns nach die freuet euch! Der Herr fährt auf zu seinem Reich. Er trium- ser Zeit bei dir zu sein in phirt. Lobsinget ihm, lobfinget tem Glaubenslauf nimmst du Ewigkeit; nach treu vollbrachihm mit hoher Stimm! uns in den Himmel auf. 2. Sein Werk auf Erden ist vollbracht, zerstört hat er des mehr zu dir. Hilf uns mit 10. zeuch uns immer Todes Macht, er hat die Welt eifrigster Begier nach dem nut mit Gott versöhnt und Gott trachten, was da ist, wo du, hat ihn mit Preis gekrönt. verklärter Heiland, bist. 3. Weit, über alle Himmel 11. Dein Eingang in die weiht geht seine Macht und Herrlichkeit stärk uns in unsrer Herrlichkeit; ihm dienen selbst Prüfungszeit, nur dir zu leben, die Seraphim. Lobsinget ihm dir zu fraun, bis wir dereinst mit hoher Stimm! dein Antlitz schaun. 4. Sein sind die Völker aller 12. Dann wird das ErdenWelt. Er herrscht als siegge- dunkel hell in deinem Licht, wohnter Held; er herrscht, bis Immanuel! Dann fingen wir unter seinem Fuß der Feinde von deinem Ruhm ein neues Heer sich beugen muß. Lied im Heiligthum. 5. Er schüzet seine Christenheit, erhält sie bis in Ewigkeit; er ist ihr Haupt. Zobsinget ihm, lobsinget ihm mit froher Stimm! 6. Ja, Heiland, wir erheben dich, und unsere Herzen freuen sich der Herrlichkeit und Majestät, dazu dich Gott, dein Gott, erhöht. du uns erwarbst, als du für Mel. Erschienen ist der zc. 205. Wir freuen uns, Hert Jesu Christ, daß du zur Rechten Immanuel, o stärk im Glauben Gottes bist. Du starker Herr, unsre Seel! Halleluja! Thron, als unser Freund, als 2. Du sigest auf der Himmel Menschensohn. Auch da schämst 7. Wohl nun auch uns; denn, du dich unsrer nicht, du bleibest Herr, bei dir steht Kraft und unsre Zuversicht. Halleluja! Macht, und dein sind wir. 3. Dein ist die Macht, dein Nimmst du dich unsrer hülf- ist das Reich. Wer ist an Mareich an, was ist es, das uns jestät dir gleich? Mensch, Engel, schaden kann? jede Kreatur ist dein, du Herr8. In deiner Hand ist unser scher der Natur. Halleluja! Heil, wer an dich glaubt, dem 4. Umsonst, umsonst empörte giebst du Theil am Segen, den sich der Fürst der Hölle wider und seligen Regierung. 145 dich. Dein Thron steht fest; der den schüßt, dem auch selbst die seine liegt; durch deine Macht ist er besiegt. Halleluja! Seraphimen mit verhülltem Antlig dienen, dessen Reich und Majestät über alle Dinge geht. 2. Dein Geschäft auf dieser Erden ist auf's herrlichste vollbracht. Der Verlornen Heil zu werden gingst du in die Todes= nacht, aus dem Tode in das Seben, um das Leben uns zu geben; ewig unser Haupt zu sein, gingst du in den Himmel ein. 5. Du, unser triumphirend Haupt, wie selig ist, wer an dich glaubt; du bist sein Licht, sein Trost, sein Heil, sein starter Schuß, sein ewges Heil. Halleluja! 6. Herr, unsre Herzen traun auf dich, dein freuet unfre Seele sich; du Held von unserm Fleisch und Blut, bist unser Trost und höchstes Gut. Halleluja! 3. Nun, o Herr, ist dein Ge7. Was uns gebricht, ist dir schäfte in des Himmels Heiligbekannt. Der Segen ist in dei- thum, die erworbnen Lebensner Hand. Von keinem Frommen träfte durch dein Evangelium bist du fern, du siehst auf ihn den Erlösten mitzutheilen und und hilfst ihm gern. Halleluja! 8. Sieh auf uns gnädig allezeit vom Throne deiner Herrlichkeit, hilf unserm schwachen Glauben auf und heilge unsern Lebenslauf. Halleluja! von Sünden sie zu heilen. O wohl Allen, die dir traun und auf deine Hülfe baun! 9. Gen Himmel fuhrst du als ein Held; als Herr und Rich4. Herr, du schauest voll Erbarmen stets auf diese Welt herab. Liebreich suchst du jeden Armen, der sein Herz der Welt ergab, von der Thorheit abzuter aller Welt wird dich der- schrecken und zur Buße zu er= einst der Erdkreis sehn; laß wedken. Selig, wer, o uns dann freudig vor dir stehn. Halleluja! guter Hirt, deiner Stimme folgsam wird! 5. Du vertrittst, die an dich 10. Dann triumphirt der Glaub' an dich; dann jauchzen gläuben; du bewahrst und stärwir dir ewiglich. Hilf uns dazu, kest sie, daß sie dir vereinigt Herr Jesu Christ, der du zur bleiben, daß sie dieses Lebens Rechten Gottes bist! Halleluja! Müh' standhaft durch dich überwinden, ihres Glaubens Ende finden und einst ewig bei dir sein, ewig deiner sich zu freun. 6. was sind wir MenMel. Jeju meines Lebens Leben zc. 206. Großer Mittler, der zur Rechten Gottes, seines Vaters, schenkinder, daß du unsrer so ſist, und die Schar von seinen gedenkst, und so hülfreich auf Knechten in dem Reich der Gna- luns Sünder immer noch dein Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. 10 146 Von dem Reiche Auge lenkst? Hilf, daß wir dich| Sacramente erweiterst und regläubig ehren und auf deine gierst. Stimme hören; nur bei dir steht unser Heil, gieb uns ewig daran Theil. 5. Ja, König, du regiereft das Reich der Herrlichkeit, in dem du triumphirest, wo man 7. Wenn wir zu dem Vater dir nach dem Streit des Dankes beten und uns unsre Sünde Opfer bringet, im höhern Chore schreckt, laß uns dein Verdienst singet: Dank dem erwürgten vertreten, welches unsre Schuld Lamm! bedeckt. Laß zum Fleiß in guten Werken deines Geistes Kraft uns stärken. Hilf uns durch die Prüfungszeit, Herr zu deiner Herrlichkeit. 6. Wohl mir, auch ich gehöre zu deinem Reich; wohl mir, dir dienen, Herr, ist Ehre, ich leb und sterbe dir. Dein Gnaden reich zu mehren, gehorsam dich zu ehren, sei stets mein größter Ruhm. Mel. Herr Christ, du einger zc. 7. Gerechtigkeit und Frieden 207. Lobt Gott, ihr, seine und Freude giebt dein Reich, Knechte! Verehret Jesu Reich! das du auch mir beschieden. BeWie stark ist seine Rechte! Wer size ich nun gleich von Erdenist, wer ist ihm gleich, dem ein- gütern wenig, so macht mich gebornen Sohne, der auf des doch mein König an HimmelsVaters Throne als Gott und gütern reich. Mensch regiert? 2. Du, Herr der Herrlichkeiten, des Vaters ewges Wort, du warst vor allen Zeiten und herrscheft immerfort. Dein Reich ist groß und prächtig, du bleibest ewig mächtig nach deiner Gottheit Kraft. 8. Gieb, daß vor deinem Throne auch ich einst mich er freu, und leg auch mir die Krone der Ueberwinder bei. Hilf mir, mich selbst regieren, hilf du mir triumphiren, hilf, Herr, so kommt dein Reich. 3. Du hattest für die Knechte Von dem Reiche und der dich in der Leidenszeit entäußert Kirche Christi. deiner Rechte, der du in Herr- Mel. Allein Gott in der Höh ſei lichkeit nunmehr zur Rechten fißeſt und stets dein Reich be- 208. Grworben hat sich Jeschüßest mit göttlicher Gewalt. sus Chrift, gesammelt die Ge20. 4. Du hast, als du gestorben, meine, die, ihm geweiht, gedir durch dein eigen Blut dein nennet ist die christliche, die seine. Gnadenreich erworben, das du Erworben durch sein eigen Blut nun uns zu gut bis an der hat er die Heerde seiner Hut sich Welten Ende durch's Wort und durch sein Wort geſammelt. und der Kirche Christi. 147 2. Er sandte dies sein kräf- Wort nicht gleich von Allen tig Wort durch seiner Jünger Lehre an jedes Volt, an jeden Ort, daß alle Welt es höre. Wo nun die Gnadenmittel sind, wo man sie rein und lauter findt, da ist die Kirche Christi. 3. Die Kirche wird ein Reich genannt, das Christus selbst regieret; ein Bau, den er mit seiaufgenommen; hier ist noch Kampf und Müh, hier steht noch mancher Frevler auf und schmäht den Retter seiner Seele. 8. Doch Jesus sieht und kennet schon in allem Volk die Seinen, und einst wird er auf seinem Thron vor aller Welt erscheinen. Er kömmt, der Herr, ner Hand gegründet, aufgefüh- und hält Gericht, bringt, was ret; sie ist der Leib, der Herr verborgen war, an's Licht, und das Haupt; der ist sein Glied, sondert seine Heerde. der an ihn glaubt und gute Früchte bringet. 9. Dann siegt die Wahrheit und das Recht; dann wird kein 4. Auch wir sind von der Feind mehr wüthen; dann zieht Schaar ein Theil, die sich der des Herrn erwählt Geschlecht Herr erwählet; auch wir von ihm zu unserm Heil zu seinem Volk gezählet, das er in dieser Prüfungszeit zum Himmel und zur Seligkeit ruft, sammelt und bereitet. mit ihm zum ewgen Frieden. Triumph, Lob, Ehre, Preis und Macht wird dann Gott und dem Herrn gebracht, dann siegt des Herrn Gemeine. Mel. Kommt her zu mir, spricht zc. 5. Erhalte uns, Gott, auf dem Grund, darauf du uns 209. Du Welterlöser, Schutz erbauet; bestärke, Jesu, selbst und Hort, wie herrlich hast du den Bund, der uns mit dir durch dein Wort dein Reich dir vertrauet; jei, Gottes Geist, sei hier bereitet, wie viele Siege hoch gepreift, da wir durch dich ihm verschafft, wie weit durch ein Leib und Geist in deiner deines Geistes Kraft in alle Kirche worden! Welt verbreitet. 6. Gieb Lehrer, welche stets 2. Du selbst hast dich zuvor dein Wort recht rein und lauter der Welt als ihren Retter darlehren; gieb Hörer, die auch gestellt, den Weg zum Heil geimmerfort vollbringen, was sie lehret; haft deine Zeugen aushören. Stärt uns mit deiner gerüst mit deinem Geist, nachAraft, o Gott, damit nicht Kalt- dem du bist zu Gott zurückge= finn oder Spott uns von der kehret. Wahrheit wende. 7. Vermischt ist hier noch Jeju Reich mit Böſen und mit Frommen; hier wird sein heilig gescheuet; stark, 3. Die haben dann, von dir gefandt, dein Wort vor aller Welt bekannt und keine Schmach unerschüttert 10* 148 Von dem Reiche war ihr Muth, so sehr sie auch mit wir, jenen Zeugen glei der Feinde Wuth bestürmet und bedräuet. durch dich stets überwinden. 10. Ja, gieb uns einen he 4. Sie trugen willig Schmach denmuth, damit wir gleichfall und Spott, sie starben selbst Gut und Blut für deine Leh den Martertod und starben ihn wagen; daß unsre Treu in Not mit Freuden. Ein Feind trat und Bein auch Andre stärk, nach dem andern auf, um dei- treu zu sein, und wir die Kron ner Lehre weitern Lauf zu hem- tragen. men, zu bestreiten. 11. Beschüß die Deinen über 5. Sie siegte selbst durch all, vermehre täglich ihre Za Schmach und Blut, und ward, im ganzen Kreis der Erden wie durch des Schmelzers Glut Verleihe Muth und Sieg i das echte Gold, bewähret. Es Streit, bis uns des Himmel wurde, Herr, zu deiner Ehr die Herrlichkeit wird offenbaret wer Welt durch sie je mehr und den. mehr erleuchtet und bekehret. 6. Wer sich, o Gott, von dir nicht trennt, hört diese Siege Von der Reformation der Kirch und erkennt der Wahrheit Kraft, und der christlichen Duldung. und siehet, daß nicht Verfol= und Schwerdt Mel. Durch Adams Fall z. die Schafe deiner treuen Heerd 210. Herr, dein selig dir raubet und entziehet. machend Wort, das du un haft gegeben, drängt Furcht und Aberglauben fort, wirkt Tugend, führt zum Leben! Allein es lag in Finsterniß verhüllt seit vielen Jahren; welch großes Glüd if nun nicht dies, so uns ist wi derfahren! 7. Auch wir, o Jesu, bitten dich, du wollest ferner gnädiglich ob deiner Heerde walten, bei deinem Wort, durch deinen Schuß auch gegen aller Feinde Truß sie unverrückt erhalten. 8. Dein Gnadenwort, Herr, welches du uns diese Zeit in stiller Ruh so reichlich läsfest hören, laß stets Erkenntniß, Glauben, Licht, Vertrauen, Biebe, Zuversicht in unsern Herzen mehren. 2. Du standest deiner Kirche bei und gabst dein Wort uns wieder; da wurden die Gewissen frei, des Irrthums Macht fiel nieder. Wir können nun im Heiligthum des Welterlösers 9. Und würden dann auch Lehren, von deiner Menschen wir mit Spott, mit Leiden und liebe Ruhm und unsern Pflichmit Schmach bedroht, sollt sich ten hören. Verfolgung finden: so mach 3. Es ist dein Wort, frei auch uns an Glauben reich, da- zum Gebrauch, zum täglichen, und der Kirche Christi. 149 Ergößen, sogar in unsern Häu-, bel nicht; nur heller wird es jern auch; lehr uns dies Glück immer. recht schätzen! Den Durst nach Wahrheit stillet es; giebt Kraft und Trost im Leiden; den Lasterhaften bessert es; dem Frommen schenkt es Freuden. 4. Den, der sich bessert, läsjest du Vergebung aller Sün8. Der Kirche Christi höchste Zier ist wahre Nächstenliebe. Dazu schenkt Kraft der Glaube ihr, dazu die Hoffnung Triebe. Olehr uns denn mit Bruder= hand stets wohlthun, Elend hindern, und leit uns durch der den und deine Huld und See- Liebe Band, des Nächsten Noth lenruh durch Jesum Christum finden. Und streben wir aus Dank und Pflicht, durch Rechtthun dich zu ehren, so kann uns Leid und Freude nicht in dieser Ruhe stören. zu lindern. 9. Laß uns den, der dich redlich ehrt und treu lebt seinen Pflichten, wenn er gleich anders denkt und lehrt, als wir, nie lieblos richten. Nein, nein! Erbarmen wollen wir für ihn und uns erflehen, daß er, Welt= richter, einst vor dir mit uns 10. Einst wird kein Glaube 5. Wir wissen, wie man andachtsvoll zu dir, o Gott, soll beten, und wie man dich recht ehren soll, wenn wir zusammen- mag freudig stehen. treten. Es herrschet nun Erbaulichkeit und auch Berstand uns entzwein! Ein Geist wird und Lehre in Liedern, die die uns beleben; ein Hirt und eine Christenheit dir singt zu deiner Heerde sein! Laßt, Christen, Ehre. uns erheben dahin, wo alle irrund lieben, und ohne Haß und thumsfrei die Wahrheit sehn man zur Wahrheit und zur Laster treu sich in der Tugend Tugend sorgfältger, wie man jonst gethan, Verstand und Herz 6. In unsern Schulen bildet üben. der Jugend. Der Laster und tung der christlichen Kirche. des Leichtsinns Nacht reizt zwar, yon der Erhaltung und Ausbreidein Wort zu schmähen, jetzt Viele; doch der Wahrheit macht und Glanz wird nie vergehen. 211. Erhalt uns, Herr, bei 7. Herr, dir sei Dant! Der deinem Wort und steure deiner Wahrheit Licht strahlt schon bei Feinde Mord, die Jesum ChriVölkerschaaren, die ehedem so stum, deinen Sohn, vom Throne glücklich nicht, als unsre Väter frech zu stürzen drohn. waren. Doch, wie die Sonne, 2. Beweis dein Macht, Herr o auch bricht der Lehre Jesu Jesu Christ, der du Herr aller Schimmer mit einmal alle Ne- Herren bist; beschirm dein arme Von dem Reiche Christenheit, daß sie dich lob| Weide ist, die alles Volk erha in Ewigkeit. ten, in rechter Bahn zu walle 3. Gott, heilger Geist, du 3. Es danke, Gott, und lob Tröster werth, gieb dein'm Volk dich das Volf in guten Thaten; ein'rlei Sinn auf Erd; steh das Land bringt Frucht un) bessert sich, dein Wort ist woh gerathen. Uns segne Vater und der Sohn, uns jegne Gott, d heilge Geist, dem alle Welt die Ehre thut, vor ihm sich fürcht allermeist. Nun sprecht vo Herzen Amen! 150 bei uns in der letzten Noth, gleit uns in's Leben aus dem Tod. 4. Herr, laß uns dir befohlen sein, schau unsre Noth, wir sind ja dein. Erhalt im Glauben uns getreu und mach uns von den Feinden frei. 5. Sie sinnen auf ein Frevel- Mel. Herzliebster Jeſu, was hast Herr, 213. Laß, o Herr Jesu, doch stück; treib ihre Tücke, zurück. wenn du uns von ihr befreist, gieb ihnen einen dein Reich auf Erden noch im bessern Geist. mer weiter ausgebreitet werden! 6. So werden sie erkennen Schenk allen Menschen deiner doch, du, unser Herr Gott, le- Leiden wegen Licht, Heil und best noch, und Hilfst gewaltig Segen. deiner Schaar, die sich auf dich verlassen gar. 2. Gieb ihnen Gnade, die recht zu erkennen, daß sie di ihren Herrn im Glauben nennen; gieb ihnen Eifer, deinen 212. Cs wolle uns Gott guten Willen treu zu erfüllen gnädig sein, und seinen Segen 3. Laß sie die Schrift mit geben; jein Antlig uns mit heilger Achtung ehren, denn fi Hellem Schein erleucht zum ew- enthält der wahren Weisheit gen Leben, daß wir erkennen Lehren. Die Menschen suchen seine Wert und was ihn liebt, außer ihr vergebens den Weg auf Erden, und Jesus Christus, des Lebens. Heil und Stärk bekannt den 4. Erhalte und bewahre deine Heiden werden, und sie zu Gott Freunde; vereitle du die Macht bekehren. und List der Feinde. Mach 2. So danken, Gott, und lo- uns sorgfältig, daß wir falsche ben dich die Heiden über Alle, Freuden vorsichtig meiden. und alle Welt, die freue fich 5. Sei unser Licht in allen und sing mit großem Schalle: Finsternissen; gieb uns ein retdaß du auf Erden Richter bist nes, freudiges Gewissen, und und läßt die Sünd nicht wal- schlägt ein Kummer unsre Her ten. Dein Wort die Hut und zen nieder, so stärk sie wieder. und der Kirche Christi. 151 6. Beschütz uns mächtig mit du fest in der Wahrheit grünten unter Bösen, bis du uns den, daß wir für unsre Seele ganz von ihnen wirst erlösen, Ruh hier und dort ewig finden. bis wir zum Umgang der ver- Mach unsers Glaubens uns geflärten Frommen frohlockend wiß; vor Jrrthum und vor tommen. Finsterniß bewahr uns, weil wir leben! 6. Ein reines Herz schaff in uns, ein nach deinem Willen, und laß uns täglich fertiger, was du befiehlst, erfüllen. Gehorsam deiner Vorschrift sein und dann uns deiner Gnade freun, sei unsre Lust auf Erden! 7. So wird dein Volk dir unterthan und lernt die Sünde 2. Dein Reich ist nicht von meiden, und du führst uns auf dieser Welt, kein Werk von ebner Bahn zu deines Reiches Menschenkindern; drum konnt Freuden; und herrlich wird in auch keine Macht der Welt, dieser Zeit, noch herrlicher in Herr, seinen Fortgang hindern. Ewigkeit, dein großer Name Dir können deine Hafser nie die werden! Herrschaft rauben, selbst durch sie wird sie vergrößert werden. Von der Beschütung und Beschir3. Weit wollst du deine Herrmung der christlichen Kirche. schaft noch in deiner Welt verbreiten, und in der Lehre sanf- 215. Cin feste Burg ist untem Joch die Völker alle leiten. ser Gott, auf ihm steht unser Vom Aufgang bis zum Nieder- Hoffen. Er hilft uns gern aus gang bring jedes Volt dir Preis aller Noth, die uns jetzt hat beund Dank und glaub an deinen troffen! Der Satan, unser Feind, der mit Ernst es meint, rüstet 4. Auch jene Armen, die dich sich mit List, trotzt, daß er mächschmähn, die frevelnd sich em- tig ist. Auf Erd'n ist nicht sein's pören, laß deiner Gnade Wun- Gleichen. Namen. Mel. Sei Lob und Ehr dem zc. 214. Wenn Feinde deines Kreuzes drohn, dein Reich, Herr, zu verwüsten, so schauest du von deinem Thron und schüßest deine Christen. Dein Thron bestehet ewiglich; vergeblich wird sich wider dich die ganze Hölle rüften. der sehn, daß sie sich noch be2. Mit unsrer Macht ist nichts tehren. Lehr sie mit uns gen gethan, wir sind gar bald verHimmel schaun, und, unerschüttert im Vertraun, auf deine Zukunft warten. 5. Uns Christen aber wollest loren; es streit für uns der rechte Mann, den Gott selbſt hat erkoren. Fragest du, wer er ist? Er heißt Jesus Christ, Reiche 3. Sie stehet fest und aufge richt, gleich einem Fels im Meere; der Feinde Macht be 3. Und wenn die Welt voll siegt sie nicht, Gott stürzt der Teufel wär und wollten uns Feinde Heere; sie können nicht verschlingen: so fürchten wir vor ihm bestehn, sie weichen, uns doch nicht sehr, es soll uns| sinken und vergehn, wenn er doch gelingen. Wenn er, der sich lässet hören. Fürst der Welt, sich schon grimmig stellt, schredt er uns doch nicht; das macht, er ist gericht; ein Wort kann ihn schon fällen. 152 Von dem der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott; den Sieg muß er behalten. baoth ist seinem Volkl zur Sei4. Der starke Herrscher Ze ten; der rechte Heiland, unser Gott, schüßt uns zu allen Zei 4. Das Wort sie sollen lassen ten. So oft uns Noth trifft stahn, und kein Dank dazu und Gefahr, errettet er uns haben; er ist bei uns wohl auf immerdar, wenn wir mit Ernst dem Plan mit seinem Geist drum bitten. und Gaben. Nehmen sie uns den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib; laß fahren dahin; sie haben's tein Gewinn; das Reich muß uns doch bleiben. Mel. Es ist das Heil uns kommen zc. 216. Gott ist die Stärt und Zuversicht, ein Schuß in unsern Nöthen, darum so fürchten wir uns nicht, wenn man uns gleich wollt tödten; ja, wenn die Welt gleich unterging, der Berge Höh im Meer versünk und alle Meere brausten: 5. Kommt, Völker, schaut des Herren Werk, das er selbst auf geführet, das er mit seines Armes Stärk erhält, beschützt, regieret. Er macht sich auf und hält Gericht, er wirft zu Boden und zerbricht, was ihm sich widersetzet. 6. Seid stille und erkennet doch, daß Gott ist Herr auf Erden. Wer ihn nicht ehrt, ach! der wird's noch einst sehn und inne werden! Er wird doch alle List und Macht, wie groß sie immer ist gedacht, zu seiner Ehre dämpfen. 2. Dennoch soll unsers Got- 7. Du starker Herrscher Zetes Stadt getrost und muthig baoth, du kennst und hilfft den bleiben. Der Herr, der sie ge- Deinen! Der rechte Heiland, gründet hat, fann alle Noth unser Gott, schützt und bewahrt vertreiben; der seine Wohnung die Seinen! Gott Vater, Sohn hat allda, des Höchsten Hülfe und heilger Geist, sei jetzt und ist ihr nah, und ewig wird sie immerdar gepreist, hilf uns aus allen Nöthen. dauern! und der Kirche Christi. 153 Mel. Ein feste Burg ist unser ic. Christi. Ob Erd und Himmel 217. Wenn Christus seine untergeht, beſtehst du, Kirche Kirche schüßt, so mag die Hölle Christi! Gottes ewger Sohn wüthen; er, der zur Rechten schützt von seinem Thron dich, Gottes sigt, hat Macht, ihr zu die ihm vertraut; du stehst, von gebieten. Er ist mit Hülfe nah; ihm erbaut, wie ein Gebirg im will er, so steht's da. Er schützt seinen Ruhm und hält das Christenthum, mag doch die Hölle wüthen! Meere! 2. Gott siehet Fürsten auf dem Thron sich wider ihn em pören, die den Gesalbten, seinen Sohn, den Herrn der Welt nicht ehren. Von ihrer Macht bethört, ist ihr Sinn verkehrt, Jesu Kreuz ihr Spott. Doch duldet sie noch Gott, ob sie sich gleich empören. 2. Was kann dir Satan thun, der sich stolz wider Gott empöret? Sei ruhig, ob er gegen dich und Christum sich verschwöret! Christus überwand ihn mit starker Hand. Seine Macht und List, so groß sie immer ist, muß doch zu Schanden werden. 3. Was können Spötter, die dir drohn, zu Schanden dich zu machen? Die kindisch träumen, daß du schon vergehst, wenn sie 3. Der Frevler mag die nur lachen; ihre Pfeile sind Wahrheit schmähn; uns kann Spreu, verweht vom Wind; er sie nicht rauben. Der Nicht- ruhig siehst du zu; fie selbst grist mag ihr widerstehn; wir vergehn, und du, du Kirche halten fest am Glauben. lobt sei Jesus Christ; wer sein Jünger ist, sein Wort treulich hält, dem kann die ganze Welt die Seligkeit nicht rauben. Ge- Jeju, bleibest. sich in deinem Schoße nähren, 4. Was können Feinde, welche der falschen Christen Heer, die 4. Auf, Christen, die ihr ihm Ihrer Laster Lohn wartet ihrer dich durch ihre That entehren? vertraut, laßt euch kein Drohn schon! Dich, o Kirche, nicht, sie erschrecken! Der Gott, der von selbst wird das Gericht des Sündem Himmel schaut, wird uns denrächers treffen. gewiß bedecken. Der Herr, der 5. Erhebe dich in deinem höchste Gott, dringt auf sein Gott, preis ihn mit Harf und Gebot, giebt Geduld in Noth und Kraft und Muth im Tod: Psalter! Er selbst, Jehova Ze= was will uns denn erschrecken? baoth, er selbst ist dein Erhalter! Huldreich sieht er hier seine Lust an dir! Herrlich wird er dort denn Wahrheit ist sein dich segnen und er= Mel. Ein feste Burg ist unser 2c. 218. Auf ihrem Felsen- Wort- grunde steht die Kirche Jesu höhen! - Eigenschaften wahrer Christen. VII. Von der Glückseligkeit der Unterthanen Jesu in diesem und dem künftigen Leben. 154 Eigenschaften wahrer Christen. quicken und der Feinde Haß ent rücken. Mel. Werde munter, mein Gemüthe zc. 5. Selig sind, die sehnlic 219. Kommt und laßt euch streben nach Gerechtigkeit und Jejum lehren, kommt und lernet Treu, wünschen, daß ihr Herz allzumal, welche die sind, die und Leben fromm und ohne gehören zu der echten Christen Tadel sei, deren Herz nicht Zahl, die betennen mit dem mehr begehrt, als was ihre Mund, glauben auch von Her- Tugend mehrt; Gott wird ihr zensgrund, und bemühen sich Verlangen stillen und den fromdaneben, wie es Gott gebeut, men Wunsch erfüllen. zu leben. 6. Selig, wer der Noth des 2. Selig, wer in Demuth Armen niemals fühllos sich ent lebet, seine Schwachheit nie ver- zieht, stets mit zärtlichem Ergißt, nie sich selbst, nur Gott barmen auf des Andern Kumerhebet, wenn er groß und glück- mer sieht; wohlthut, wo et lich ist; Gottes Huld wird ihn kann, durch Rath und, wo's erfreun und das Himmelreich nöthig, durch die That; dieſer ist sein: Gott wird dort zu Ehren wird auch Hülf empfangen und sezen, die sich hier geringe schätzen. Barmherzigkeit erlangen. 3. Selig find, die Leide tra- den reines Herzens jederzeit, die 7. Selig, die gefunden wergen, wenn sie vor Gott straf- in Wort, Werk und Geberden bar sind, die mit ernster Reu lieben Zucht und Heiligkeit; beklagen vor Gott die begangne diese, denen nicht gefällt die Sünd; die verbessern, was ver- unreine Lust der Welt, sondern sehn, und der Sünde widerstehn; sie mit Ernst vermeiden, führet diese sollen hier auf Erden und Gott zu ewgen Freuden. dort stets getröstet werden. 8. Selig sind, die Friede ma4. Selig sind die frommen chen, dahin sehn ohn Unterlaß, Herzen, die der Sanftmuth zu- daß man mög in allen Sachen gethan, Spott und Unrecht gern fliehen Hader, Streit und Haß; verschmerzen, gern verzeihen Je- die da lieben Fried und Ruh, dermann; die nicht üben eigne und behülflich sind dazu; die der Rach und befehlen Gott die Eintracht sich befleißen, werden Sach; sanft wird diese Gott er- Gottes Kinder heißen. 1 Eigenschaften wahrer Christen. 9. Selig sind, die ohn Ver-, der hoch empor sich schwinget schulden Schmach, Verfolgung, und gute Früchte bringet in Haß und Bein als Verehrer stetem Ueberfluß. Christi dulden, und Gott mehr, als Menschen scheun; Gott steht ihnen mächtig bei, und will sie für ihre Treu einst mit Preis und ewgen Kronen auf das herrlichste belohnen. 3. Ob Sturm und Winde toben, bleibt er doch ungefällt. Gott ist es, der von oben die Seinen schützt und hält, Gott, der die Welt regiert! Es muß, was sie beginnen, ein gutes 10. Herr, du wollest mich End gewinnen, weil Gottes stets leiten auf der wahren Tu- Hand sie führt. gendbahn, daß ich dieser Selig4. Die aber Gott nicht achten, teiten hier und dort mich freuen nicht seine Rechte scheun, was kann! Gieb, daß ich demüthig sei, meine Schuld vor dir bereu, die Gerechtigkeit stets liebe und an Feinden Sanftmuth übe. 155 ist ihr Thun und Trachten? Das Glück, deß sie sich freun? So wie die Spreu der Wind hin in die Lüfte treibet, so schwindet und zerstäubet der Sünder Glück geschwind. 5. Froh stehn nur die Gerechten vor Gottes Richterthron, wo er nun seinen Knechten gibt den verheißnen Lohn; des Richters Majestät erfüllt mit Angst und Grauen die Sünder; ihr Vertrauen, ihr Stolz und Trog vergeht. Mel. Aus meines Herzens Grunde 2c. 6. Erhalt nach deiner Güte mich, Gott, in deinem Bund; 220. Wohl dem, der ohne gieb mir ein solch Gemüthe, Wandel auf Gottes Wegen geht, daß ich von Herzensgrund dein sich zum verkehrten Handel der Wort und dein Geheiß vor Sünder nie versteht; stets flieht, Augen hab und liebe, und nach so sehr er kann, die Spötter, demselben übe, was dir gereicht die frech richten und Gott und zum Preis. ihre Pflichten stolz schmähn in ihrem Wahn. 11. Daß ich Armen helf und diene, immer hab ein reines Herz, die in Feindschaft stehn, verfühne, dir anhang in Freud und Schmerz! Bater, hilf von deinem Thron, daß ich glaub an deinen Sohn, und durch deines Geistes Stärke mich befleiße guter Werke. Mel. Herzliebster Jesu, was haft zc. Wer Gott Herzen liebet, mit Fleiß jein Wort be- 221. Wen wird, o Gott, tracht, gewissenhaft das übet, die Wonne der Erlösten nach was Gott zur Pflicht ihm macht, diesem kurzen Pilgerlaufe tröist wie ein Baum am Fluß, sten? Wen schmückt dereinst vor 156 Eigenschaften wahrer Christen. dir und deinem Throne des| Mel. O Gott, du frommer Gott. Mittlers Krone? 222.Wer Gottes Wege geht, 2. Wer heilig wird, wer, abgewandt vom Bösen, sich von kämpft und kennt den Lohn, den nur der hat großen Frieden. Er der Sünde Herrschaft läßt er Gott dem Kampf beschieden. Voll lösen, wer an den Sohn glaubt, Glaubens widersteht er jeder seinen Herrn ihn nennet, ihn bösen Luft, in seiner Tugend frei bekennet; 3. Wer deine Wahrheit unter sich froh vor dem Herrn beAdams Kinder verbreitet, sie er= leuchtet, und die Sünder durch wußt. Thaten reizt, mit einem bessern Leben dich zu erheben; 2. Er merkt auf seinen Gang, haßt jede Sünde stets und liebt geht ihn mit heilgem Muthe, und schmeckt das Gute, das sei4. Wer, was er glaubt, gewissenhaft auch übet, die Mennes Gottes Geist in seiner Seele schen all als seine Brüder liebet, schafft. So nimmt er immer zu nicht lästert, sie nicht kränkt, an Kenntniß und an Kraft. nicht stolz sich blähet und keinen schmähet; 3. Gott hat er alle Zeit vor Augen und im Herzen; prüft 5. Wer Sünde hasset, und täglich sich vor ihm und tilgt doch mit den Sündern Mitlei- der Sünden Schmerzen durch den fühlet und an deinen Kin- seines Mittlers Huld, durch dern die Gottesfurcht und ihre redliches Bemühn, der Tugend Gaben ehret, hält, was er treu zu sein, durch Zuversicht schwöret; auf ihn. 4. Getreu in seinem Stand, genießt er Gottes Gaben, und ist, wenn Andre gleich mehr Erdengüter haben, in Gott bei Wenigem zufrieden und erfreut. Sein Herz entehrt sich nie durch Mißgunst, Geiz und Neid. 7. Wer rein von Ueppigkeit und Wollust lebet, wer seiner Hoheit nie sich überhebet, wer auch die Leiden, die ihm auferleget, gelassen träget: 5. Schenkt Gottes Hand ihm viel, so wird er Vielen nützen, des Freundes Glück erhöhn, verz lasfne Tugend schützen, selbst 8. Den, den wird Gott, die seinen ärgsten Feind wird er Wonne der Erlösten, nach die- in Noth erfreun, und wie ses Lebens kurzem Kampfe trö- sein Gott es ist, wird er gutsten; den schmückt im Him- thätig sein. mel einst vor deinem Throne des Mittlers Krone! 6. Wer nicht der Brüder Glück und Ruhm beneidet, den Armen gerne speiset, tränkt und kleidet, wem's Freude ist, recht viel mit seinen Gaben genügt zu haben; 6. Die Liebe gegen Gott heißt ihn den nächsten lieben. Ihm Vortheile der Tugend überhaupt. 157 ist es wahre Luft, die Pflichten| derer, die Gott fürchten, werauszuüben, die er in jedem Fall den. Der Herr läßt ihr Gedem Nächsten schuldig ist. Die schlecht, sie zu belohnen, im Liebe macht ihn stark; durch Guten wohnen. Liebe siegt der Christ. 7. Er fränket nie dein Glück; schützt deinen Ruhm, dein Leben; er trägt dich mit Geduld, ist willig zu vergeben, denn Gott, der Heilige, denkt er, vergiebt auch mir. Voll Achtung ehret er des Höchsten Bild in dir. 3. Mit Gütern wird der Herr sie überschütten; sein Ueberfluß erfüllet ihre Hütten. Die fernste Nachwelt wird ihr from= mes Leben mit Lust erheben. 4. In grauenvollen lichtberaubten Nächten umstrahlet Gottes Schimmer den Gerechten, den Milden, dessen sich die Armen freuen, und den Getreuen. 8. Sein Beispiel sucht dein Herz im Guten zu bestärken; denn alle sind von Gott be- 5. Beglückt ist, wer Bedrängte stimmt zu guten Werken und gern erfreuet; wer seinem Nächsind von einem Herrn erlöst sten willig hilft und leihet; wer zu einem Heil, drum nimmt eifrig ist, der sonst verlassnen er auch mit Lust an deiner Tu- Armen sich zu erbarmen. gend Theil. 6. Heil ihm, daß er sie zu 9. Das Heil der Ewigkeit, erquicken eilet und seinen Üeberdas hier der Fromme schmecket, fluß mit ihnen theilet! Sein erhält sein Glück und macht, Heil ist ewig! Sein wird nie daß ihn kein Tod erschrecket; auf Erden vergessen werden. giebt ihm im Leiden Muth und 7. Es mögen Boten des Verstillet jeden Schmerz; im Tode derbens kommen, und doch verfreut sich noch sein Gott er- zaget nicht das Herz des Fromgebnes Herz. men; er hofft und traut mit freudigem Gemüthe auf Gottes Güte. 8. Er ist getrost, und wenn der Sünder zittert, so bleibet er doch ruhig, unerschüttert. Er wird sich einst an denen, die ihn schmähen, gerächet sehen. 9. Er streuet aus, etquicket voll Erbarmen das Herz der Waisen, Witwen, Kranten, Armen. Die Nachwelt wird noch in den spätsten Zeiten sein Lob ausbreiten. Vortheile der Tugend über haupt. Mel. Herzliebster Jesu, was hast zc. 223. Preis, Preis sei Gott! Und Glück und Heil und Segen jei dem, der Gott ehrt, und auf seinen Wegen einhergeht, und sich freuet, seinen Willen stets zu erfüllen. 2. Er ist beglückt, und mäch tig wird auf Erden der Same 158 Vortheile der Tugend überhaupt. 10. So hochbeglückt wird ihn| len. Sollt ich mit dem, was der Frevlersehen, unmuthig zür du, Herr, mir beschieden, nicht nen, knirschen und vergehen; sein zufrieden? denn was sein Herz sich hier zum Glück erkoren, ist dort verloren. Mel. Herzliebster Jesu, was hast zc. 224. Was helfen mir die ängstlich bangen Sorgen für den noch ungewissen andern Morgen? Ich quäle mich und mache meinem Herzen vergeblich Schmerzen. 7. Kann ich den Leib auch nicht, wie Reiche, laben, besorge nur den Geist mit jenen Gaben, die mehr als alles Irdische er quicken und stets beglücken. 8. Hier ist das gnug. Einst laß mich mit den Frommen zu dem Genuß der Himmelsgüter kommen, so wird mein Wunsch, den irdisch Gut nicht stillet, völlig erfüllet. 2. Es ist umsonst, ich werd es nicht erzwingen; wollt ich Mel. Nun sich der Tag geendet zc. auch Nächte durch mit Kummer 225. Der Mensch lebt selig, ringen und noch so früh mit lebt vergnügt, der Gottes Wege ängstlichen Geschäften den Leib geht, die arge Lust der Welt besiegt, fest in Versuchung steht. entkräften. 3. Mein Glück beruht, o Gott, auf deinem Segen. Bertrau ich dir, geh ich auf deinen Wegen, so wirst du mir auch ohne Sorg und Kränken, was nützlich, schenken. 2. Habt, was die Erde geben kann, habt Reichthum, Luft und Ehr! Blickt Gott euch nicht in Gnaden an, so bleibt das Herz doch leer. 3. Es findet teine wahre 4. Bin ich getreu mit dem Ruh, in allem Gut der Welt. verliehnen Pfunde und harr Ein innrer Kummer eilt herzu ich nur der rechten Segens= hin ist die Luft der Welt. stunde, so kommt sie, und dann 4. Und dringt ein Sturm werden meine Thaten zum Glück von außen ein und nimmt den gerathen. Schatz dahin, deß er gewohnt 5. Drum fördre selbst die war sich zu freun, ist auch der Werke meiner Hände. Gesegnet| Muth dahin. sei der Anfang und das Ende. 5. Das, das ist wahre SeligGieb guten Rath, damit, was teit, die im Gewissen wohnt, ich vollbringe, mir wohl ge- wenn sich's des hohen Beifalls linge. freut, womit es Gott belohnt. 6. Hilf mir mit Treue meine Pflicht erfüllen, und dann mein Herz mit froher Hoffnung stil- 6. Die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer thut, was Gott gebeut, der fühlt in seiner from Vortheile der Tugend überhaupt. 159 men Brust den Trost der Ewig-| beschwert, ist mir noch nicht erfeit. schienen, was jene beßre Welt gewährt, wo wir Gott heilig dienen. Dann, wenn mein Auge nicht mehr weint und mein Erlösungstag erscheint, dann werd ich's froh empfinden. 7. Herr, laß uns Alle und auch mich den Weg der Wahrheit gehn, so werden wir im Himmel dich voll ewger Freude sehn. 6. Jm Dunkel seh ich hier mein Heil; dort seh ich's klar und heiter. Hier ist die Sünde Mel. Sei Lob und Ehr dem zc. 226. Ich weiß, an wen mein noch mein Theil; dort ist ſie Glaub sich hält, kein Feind soll es nicht weiter. Hier ist mein mir ihn rauben. Als Bürger Werth mir noch verhüllt; dort einer bessern Welt leb ich hier wird er sichtbar, wenn dein nur im Glauben. Dort schau Bild mich, Gott, vollkommen. ich, was ich hier geglaubt. Wer schmücket. ist, der mir mein Erbtheil raubt? Es ruht in Jesu Händen. 7. Zu diesem Glück bin ich erkauft, o Herr, durch deine 2. Mein Leben ist ein kurzer Leiden. Auf deinen Tod bin Streit; lang ist der Tag des ich getauft;, wer will von dir Sieges. Ich kämpfe für die mich scheiden? Du zeichnest mich Ewigkeit erwünschter Lohn in deine Hand; mir bist du des Krieges! Der du für mich und ich dir bekannt; mein sind den Tod geschmeckt, durch deinen des Himmels Freuden. Schild werd ich bedeckt; was fann mir denn nun schaden? 3. O Herr, du bist mein ganzer Ruhm, mein Trost in dieſem Leben, in jener Welt mein Eigenthum; du hast dich mir gegeben. Ich eile nun dem himmel zu, indem ich alles 8. Wie groß ist meine Herrlichkeit! Empfinde sie, o Seele! Vom Tand der Erde unentweiht, erhebe Gott, o Seele! Der Erde glänzend Nichts vergeht; mur des Gerechten Glück besteht durch alle Ewigkeiten. willig thu, was deine Welt be- mel. Wie schön leucht't uns der zc. glücket. Blick von dieser Welt Getümmel ligkeit, 4. Herr, lenke meines Geistes 227. Wie groß ist unſre Seo Gott, schon in der auf dich, auf meiner Seele Glück, Prüfungszeit selbst unter viel auf Ewigkeit und Himmel. Die Beschwerden, wenn unser Herz Welt mit ihrer Herrlichkeit ver- sich dir ergiebt und treu in geht und währt nur kurze Zeit; Jesu Dienst sich übt. Wie groß wird sie einst werden, wenn sich herrlich jenes Leben wird anHimmel sei mein Wandel. 5. Jetzt, da mich dieser Leib 160 Begnadigung und Vergebung der Sünden. heben, wo man Freuden erntet Wohlthaten und Seligkeiten von der Saat der Leiden. die besonders durch den Gla ben an Jesum geschenkt werden Begnadigung und Vergebung d Sünden. 2. O wie erhaben ist das Recht, das du uns giebest, dein Geschlecht und Bundesvoll zu heißen! Bei dir ist unser Vaterland, und wer will deiner starMel. Es ist das Heil uns kommen ken Hand, Allmächtger, uns 228. Gott, mit frohr O entreißen? Wenn wir gleich hier Dankbarkeit gedenket mein Ge müssen streiten und zu Zeiten müthe an deiner Huld Unendschwach uns finden, hilfst du lichkeit, an deine große Güte uns doch überwinden. Dein Sohn hat uns von unsre 3. Du deckest unsre Schulden Noth erlöset und bis in den zu, schenkst unsern Seelen wahre Tod für uns sich hingegeben. Ruh und stärkest uns mit Freude. 2. Er nahm sich unsrer gniDein Sohn ist unser Haupt dig an, trug unser aller Sün und Ruhm; wir sein erkauftes den; ward dem Gesetze unter Eigenthum und Schafe seiner than, vom Fluch uns zu entWeide. Gutes Muthes sind auf binden, den es den Uebertretern Erden in Beschwerden unsre dräut; erwarb uns die Gerech Seelen. Herr, was kann bei tigkeit durch sein versöhnend dir uns fehlen? Leiden. 4. Es bleibet zwar der hohe 3. Er ließ zur Büßung un Werth der Gnade, die uns wi- frer Schuld von Gott sich willig derfährt, verborgen hier auf strafen. So wußte Gott voll Erden; doch wenn dereinst vor weiser Huld durch ihn uns Heil aller Welt, er, unser Haupt, zu schaffen, da es uns Sün Gerichtstag hält, dann wird er dern offenbar nach dem Gesch sichtbar werden; alsdann sieht unmöglich war, die Sache gut man ihn mit Kronen uns be- zu machen. lohnen, und mit Ehren für sein treues Volk erklären. 4. Die Strafe, die er Sündern dräut, fiel uns zu schwer 5. Wie wohl, o Gott, sind zu tragen; wir müßten bis in Christen dran! Wie viel hast Ewigteit, wenn sie uns träf, du an uns gethan! O laß uns verzagen. Der Heiland trug unsre Würde vor Augen haben sie uns zu gut; mit Willigkeit jederzeit, so tragen wir mit und starkem Muth hat er sie Willigkeit der kurzen Leiden überstanden. Bürde. Herr, gieb den Trieb 5. Wir konnten auch als in die Seelen, dich zu wählen, Sünder nicht des Schöpfers und das Leben ganz zu Jesu heilgen Willen in allem Wert, Dienst zu geben. in aller Pflicht untadelhaft er Begnadigung und Vergebung der Sünden. 161 füllen. Auch hierin half der, den Sündenwegen fern, folgt Heiland uns. Gott schäßt die seiner Zucht zum Himmel! Redlichkeit des Thuns durch ihn nun für vollkommen. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 6. Wer nun in ſeiner See 229. Gott, deine Gnad iſt lennoth auf dieſen Heiland schauet, mit Reu und Leid auf unser Leben, sie schafft uns Heil Jesu Tod und sein Verdienst und Seelenruh. Dein ist's, die vertrauet: der ist's, den Gott Sünden zu vergeben, und willig gerecht erklärt, der ist's, der ist dein Herz dazu. Dem tief jenes Glück erfährt, das Jesus gefallenen Geschlecht schenkst du uns erworben. zum Leben neues Recht. 2. Uns, uns Verlorne zu er= retten, gabst du für uns selbst deinen Sohn; er litt, damit wir Friede hätten, für uns den Tod, der Sünden Lohn; o Gott, wie hast du uns geliebt; welch ein 7. Dem schenket er Gerechfigkeit um feines Heilands wil len; der wird von Schuld und Straf befreit und kann sein Herz nun stillen; denn Jesu, des Verföhners, Blut kömmt zur Vergebung ihm zu gut, macht rein Erbarmen ausgeübt! von allen Sünden. 3. Dank, ewig Dank sei dei8. So hoch begnadiget der ner Treue, die Niemand gnug Herr uns sonst verlorne Sün- erheben kann! Nun nimmſt du der; voll Huld und Liebe nennet jede wahre Reue um Christi er hinfort uns seine Kinder. Willen gnädig an. Wohl dem, Sein Vaterherz ist uns nicht der sich zu dir bekehrt und gläufern, verzeiht uns unsre Fehler big seinen Mittler ehrt! gern, da wir noch täglich straucheln. 4. Den, Herr, befreist du von den Plagen, die dem Gewissen 9. Er schenkt uns auch zur furchtbar sind; der kann getrost füß'sten Ruh das Recht zum und freudig sagen: Gott ist für egen Leben, sagt uns dies mich; ich bin sein Kind! Hier große Erbtheil zu, das er uns ist der, welcher für mich litt einst will geben. Sein Geist und mich noch jetzt bei Gott belebet unser Herz mit diesem vertritt. Trost in allem Schmerz: İhr jeid des Himmels Erben! 5. O Herr, wie selig ist die Seele, die sich in deiner Gnade 10. Erkennet Gottes gnädgen freut! Ob auch ein äußres Glück Rath, schlagt in euch, sichre ihr fehle, fehlt ihr doch nicht Sünder! Frohloct, die er be- Zufriedenheit; und Gott, dein gnadigt hat, ihr, seine frommen Fried ist weit mehr werth, als Kinder! Dient ihm mit Freu- Alles, was die Welt gewährt. den, dient ihm gern, bleibt von 6. Dein Friede stärkt zum Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. 11 Vaterliebe und Freundschaft Gottes. frohen muthe das Herz auch mir der Feinde Verfolgung in der größten Noth, giebt Hoff- Schmach und Spott? nung zu dem ewgen Gute und 2. Nun weiß und glaub i macht getrost selbst auf den feste, rühm es ohn Heuchelei, Tod. Wer diesen Frieden hat, daß Gott auch mir der beste genießt Luft, die des Himmels und treuste Vater sei, daß a Anfang ist. 7. Laß, Vater, doch in diein allen Fällen zu meiner Rechten steh, mich auch bei Sturm sem Frieden auch meine Seele und Wellen erhalte und erhöh freudig ruhn! Auch mir hast 3. Der Fels, auf den i du dies Glück beschieden; denn gründe, ist Christus und sein auch für mich genug zu thun, Blut; der wirket, daß ich find ward sterbend der am Kreuz das ewig wahre Gut. An mit ein Fluch, der aller Menschen und meinem Leben ist nicht Sünde trug. der Liebe werth. Was Jesus 8. O laß mich dies im Glau- mir gegeben, das ist der Liebe ben fassen und mich mit starker werth. Zuversicht auf deine Bundes- 4. Er ist mir Ruhm und treu verlassen: wenn Alles Ehre, Gerechtigkeit und Licht; wankt, so wankt sie nicht. Mit wenn er nicht für mich wäre, Reu und Demuth such ich dich; so würd und könnt ich nicht gieb mir den Trost: Gott ist vor meinem Gott bestehen, da für mich! ich ein Sünder bin; nicht so ges trost einst gehen zu meinem Tode hin. 162 9. Lobsingend will ich dich erheben, mich ewig deiner Gnade freun, und deinem Dienst mein ganzes Leben in kindlichem Gehorsam weihn. Daß, Herr, bei dir Vergebung sei, das mach in deiner Furcht mich treu. Vaterliebe und Freundschaft Gottes. 5. Er starb, mich zu erlösen, den schweren Kreuzestod; macht mich frei vom Bösen und voll Vertraun zu Gott; ich darf mich seiner freuen mit unerschrocknem Muth, und kein Gericht mehr scheun, wie sonst ein Sünder thut. 6. Nichts, nichts fann mich tes Herz scheut nicht der Hö e verdammen; mein ihm geweih Flammen, scheut nicht des ToMel. Herzlich thut mich verlangen 2c. 230. Ist Gott für mich, so Sit trete sonst Alles wider mich: des Schmerz. Kein Urtheil kann wenn ich zu ihm nur bete, fernt mich schrecken, nichts, was uns jede Sorge sich. Hab ich das sonst betrübt; denn mich will Haupt zum Freunde und liebet Christus decken, der mich als mich mein Gott, was schadet Bruder liebt. Vaterliebe und Freundschaft Gottes. 163 7. Sein Geist wohnt mir im Gott wird schon für mich sorgen; Herzen, regieret meinen Sinn; er thut's, er hat's gesagt. Es nimmt Sorgen, die sonst schmer- koste Leib und Leben, es toste zen, und allen Unmuth hin, Gut und Ehr, ihm bleib ich fest giebt auch in trüben Tagen mir ergeben, ihn laß ich nimmerFreudigkeit, und schafft, daß ich mehr. fann Vater sagen durch seine Gnadenkraft. 13. Mag doch die Welt vergehen, sie ist veränderlich; ich 8. Und läßt sich Schwachheit bleibe aufrecht stehen, Gott hält sehen, vertritt mich dieser Geist und schüßzet mich. Er schränkt mit Seufzen, Bitten, Flehen, die Macht der Fürsten, er das unaussprechlich heißt. Gott, schränkt der Feinde Dräun, dem der Grund der Herzen und wenn sie nach Rache dürsten, meine Noth bewußt, er hört es, mit seinem Arme ein. hebt die Schmerzen, giebt Ruh in meine Brust. 14. Nicht dieser Erde Freuden, nicht ihre Herrlichkeit, nicht 9. Sein Geist spricht meinem ihre Müh und Leiden, nicht Geiste das Wort des Trostes Angst, Gefahr und Streit, zu: wie Gott dem Hülfe leiste, nichts, was wir denken können, der bei ihm suchet Ruh, und soll mich, sprech ich als Christ, ihm allein vertrauet; er zeigt von Gottes Liebe trennen, die ihm Gottes Stadt, wo Herz im Erlöser ist. und Auge schauet, was es geglaubet hat. 15. Mein Herz soll Gott lobfingen, sich seiner Liebe freun, ihm Freudenopfer bringen bei Sturm und Sonnenschein; mein Retter lebt und wachet, mein Heiland Jesus Christ! Er der mich jelig machet dort, wo er 10. Da ist mein Theil und Erbe mir herrlich zugericht. Wenn ich gleich fall und sterbe, fällt doch mein Himmel nicht. Muß ich auch hier mit Zähren oft meinen Weg bestreun, dort selber ist. ernt ich ohn Aufhören die Frucht des Friedens ein. 11. Wer Jesu sich verbindet, Mel. Wie schön leuchtet der 2c. die Sünde flieht und haßt, wird 231. Wo ist ein solcher Gott, oft verfolgt und findet hier müde manche schwere Past zu leiden wie du? Du läßt die und zu tragen; wird oft mit Seele Ruh in deinem Schooße Schmach und Spott hier in den finden; du bist ein Vater, der Prüfungstagen beleget und be- verzeiht, ein Gott der voll droht. Barmherzigkeit vergiebet uns 12. Das ist mir nicht verbor- die Sünden. Wenn wir zu dir gen, doch bin ich unverzagt; gläubig nahen, so empfahen wir 11* Vaterliebe und Freundschaft Gottes. den Frieden, den der Mittler 6. Durch deine Gnadenkraft, uns beschieden. o Herr, befreie du mich mehr 2. Herr, unsere Gerechtigkeit, und mehr vom sündlichen Verwie hoch wird dessen Herz er- derben. Jch bin auf deinen Tod freut, der dich im Glauben getauft; der du mich theuer haft kennet! Du bist sein Ruhm vor erkauft, du willst, ich soll nicht Gottes Thron, er wird zum sterben. Laß mich täglich hier Erben und zum Sohn vom auf Erden frömmer werden, bis Vater selbst ernennet. Herr, dich ich droben dich kann ohne Sünde will ich voll Verlangen nun loben. 164 umfangen und mit Freuden mich an deiner Liebe weiden. 3. Du Gottversöhner, Frie= mel. Wie groß ist des Allmächtgen. defürst, du tömmst von deinem Thron und wirst das Heil der 232. Wie mächtig spricht in Menschenkinder; du stellest dich meiner Seele, Herr, Herr, deine zum Mittler dar, verbindest, Stimme voller Huld; du schowas getrennet war, Gott und neft meiner, wenn ich fehle, verlorne Sünder. Seele, werde zürnst nicht; hast väterlich Ge ihm dein Leben zu ergeben, nie- duld, schickst deinen Geist, midh mals müde, denn er ist und zu regieren; sprichst meinem bleibt dein Friede. Herzen freundlich zu; wirst nie 4. Mitleidender Immanuel! mals müde, mich zu führen, beschwert bleibt hie noch meine und sorgst für meine wahre Seel mit Mängeln und Gebre- Ruh. chen; doch bleibt dein Herz auch voller Gnad, du willst nicht, was die Schwachheit that, am armen Staube rächen. Täglich zeigt sich deine Treue uns auf's neue zum Vergeben und uns Schwache zu erheben. 2. Erbarmer deiner Kreaturen, liebreicher Gott der ganzen Welt, die deiner Güte reiche Spuren in jedem Sonnenstaub enthält! Laß mein Herz immer mehr ermessen, was du zu mei nem Heil gethan, und laß mich 5. Dein Regiment ist voller niemals ganz vergessen den Huld, du trägst uns Schwache Dank, den ich dir geben kann. mit Geduld, machst frei vom 3. Sollt ich nun noch den Joch der Sünden. So will ich Gott mit Willen beleidigen, der deiner Huld mich freun, zum mir vergiebt? der mir Gebote Kampse nicht verdrossen sein, zu erfüllen gegeben hat, weil so werd ich überwinden. Wenn er mich liebt? der das Vollsich mächtig Sündenliebe, Flei- ziehn der kleinsten Pflichten als schestriebe noch empören, wirst eine Wohlthat mir vergilt? und du Kraft zum Sieg gewähren. der, anstatt mich streng zu rich Ruhe und Freude der Seele und des Gewissens. 165 tauft; Christus ist für mich gestorben, hat das Leben mir er= worben! ten, mein Herz mit Trost und Freude füllt? 4. Sein Dienst ist Leben meiner Seele, Gehorsam meine 3. Wohl mir, daß er mir Seligkeit; wie findlich wein ich, gegeben, daß ich mich sein freuen wenn ich fehle, vor ihm, dem kann! Seine Leiden, Tod und Bater, der verzeiht! Ich fühle Leben, Alles, was er hat gejede meiner Sünden, die weder than, er, und was er hat, ist Mensch noch Engel büßt; wie mein und auch ich bin wieder selig kann ich's dann empfinden, sein. Durch ihn kann ich Tod daß Christus mein Erlöser ist! und Sünden nun als Sieger 5. Den großen, tröstenden überwinden. Gedanken geb ich für alle Welten nicht. Er bleibet wahr, wenn Throne wanken; fest steht er, wenn die Welt zerbricht. Es mögen sündigen und zittern, die Kinder des Verderbens sind! Gott mag der Erde Grund erschüttern, ich bebe nicht; ich bin jein Kind. 4. Reizt mich innre Luft zu Sünden, in des Gottversöhners Blut kann ich Trost und Stärke finden, er macht mich gerecht und gut. Er, der als ein stilles Lamin meine Sünden auf sich nahm, läßt mich nicht im Kampf erliegen, hilft durch seine Kraft mir siegen. Ruhe und Freude der Seele und des Gewissens. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele zc. 5. Es ist wahr, ich werde sterben und hinab zum Grabe gehn; doch ich werde nicht verderben, sondern wieder aufer= stehn. Jesus hat des Todes unter seinen Fuß 233. Flicht, ihr traurigen und wird einst ein neues Leben meinen Gliedern wiedergeben. Gedanken, die ihr sonst mein Herz beschwert. Gott kann ich nun fröhlich danken, er hat mein 6. Feinde mögen ihre SchreGebet erhört. Er der mir nach den um mich her zusammeneiner Huld hat vergeben meine ziehn, um mir Grauen zu er= Schuld, wird, zu folgen seinem wecken! doch umsonst ist ihr Willen, mich mit seiner Kraft Bemühn. Wer ist, der mir schaden kann, wenn ich Jesum flehe erfüllen. 2. Warum sollt ich mich nun an, der die Hölle Schau getränken, da mich Gott und Je- tragen? warum sollte ich nun jus liebt? seiner Liebe will ich zagen? denken, wenn ein Kummer mich 7. Jesu, Geber wahrer betrübt. Ich, den Jesus sich er- Freaude, gieb mir deinen Freutauft, bin auf seinen Tod ge- dengeist, daß ér mich so führ 166 Ruhe und Freude der Seele und des Gewissens. und leite, wie dein Wort mich den sind süßer als der Erden unterweist! o gieb, daß ich trage Lohn; und was kann höher doch mit Geduld dein sanftes Trost verleihn, als leiden und Joch! laß mich sein in dir zu- unschuldig sein? frieden mit dem, was du mir beschieden. 5. Die Fröhlichkeit in meinem Herzen verkündiget auch mein Gesicht! Sie ist mein Labsal i den Schmerzen und in der Fin gebeffert und erneuet sich an sterniß mein Licht; sie macht dir ergöß und lab! Sei mir Leiter, Trost und Hort und laß durch dein heilig Wort deinen Geist mein Herz erquicken; o, so wird mir Alles glücken. getroft, wenn eine Welt erzittet und in Trümmer fällt. 8. Gieb, daß ich, in dir erfreuet, eine reine Seele hab, die 6. Ich eile mit gesetztem Schritte des Lebens letter Stunde zu; denn der verfallner Leibeshütte zeigt sich im Grabe sanfte Ruh, indem mein Geist, sprung sich erhebt. der Gott gelebt, zu seinem U Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. Le 234. Wenn ich ein gut Gewissen habe, so hab ich große 7. Für meines vorgen Seligkeit; es ist des Himmels bens Sünde giebt mir mein beste Gabe, das höchste Glück Heiland Trost und Muth; i in dieser Zeit. In Freud und weiß es, daß ich Gnade finde Leiden giebt es hier die wahre in der Versöhnung durch sein Ruh der Seele mir. Blut. Er, der für mich gebüßet hat, tilgt alle meine Missethat. 2. Jeh bebe nicht, wenn Sünder beben, daß Gott gerecht und heilig ist. Mein Herz giebt Zeugniß meinem Leben, daß ich gewandelt als ein Christ, des göttlichen Berufes werth, der mich hier heilig wandeln lehrt. regiere mich, denn o was könnt 3. Getrost wag ich's, vor ich ohne dich? 8. Seele, darum sei be fliffen, daß unbefleckte Heiligkeit dir immerdar ein gut Ge wissen und Glaubens- Zuversicht verleiht. Und du, mein Gott, Gott zu treten, und ihn voll Glaubensfreudigkeit als meinen Vater anzubeten, der, was ich 235. Jeju, meine Freude, habe, mir verleiht, undJe dem bester Trost im Leide, theuer Heil und Segen giebt, der ihn bist du mir! Denn was ich vers von Grund des Herzens li ebt. lange, Seelenruh, empfange ich 4. Mit Muth trag ich des Lebens Leiden, Verfolgung, Lästrung, Schmach und Hoh denn des Gewissens innre Freu allein von dir. Gottes Lamm, das auf sich nahm meine Schuld, nichts soll auf Erden lieb, wie du, mir werden. Ruhe und Freude der Seele und des Gewissens. 167 2. Unter deinem Schirmen Mel. Jesu, meine Freude zc. du bin ich vor den Stürmen aller 236. Wie getroft und heiter, Feinde frei. Laß bei Ungewittern Frevler bange zittern; mir steht Jesus bei. Ob erhitzt der Himmel blitzt, seine Donner Sünder schrecken; mich wird Jesus dedu Gebenedeiter, machst meinen Geist! was gleicht dem Frieden, den du schon hienieden Gläubigen verleihst! Niemals wird bei dir, o Hirt, Freund und Tröster aller Seelen, mir Erquickung fehlen. den. 3. Troß sei selbst dem Tode, der ein Schreckensbote Sterblichen sonst ist; ohne Furcht und Grauen kann ich auf ihn schauen nun durch Jesum Christ. Es erwacht durch seine Macht dieser Leib einst; neues Leben wird ihm Jesus geben. 4. Was die Sünder schätzen, fann mich nicht ergötzen, nicht den Geist erfreun. Jesum will ich ehren, solgsam ſeinen Lehren will ich ewig sein. Keine Noth, die mich bedroht, kein auch noch so herbes Leiden soll mich von ihm scheiden. 2. Deinem Rath ergeben, freu ich mich zu leben; was du willst, ist gut. Nichts vermag ich Schwacher, du, mein Seligmacher, schenkst mir Kraft und Muth; wenn die Welt erbebt und fällt, wenn Gericht und Hölle schrecken, willst du mich bedecken. 3. Ich kann ohne Grauen Gräber vor mir schauen; mein Erlöser lebt. Ich weiß, wem ich glaube, weiß, daß aus dem Staube er mich einst erhebt. Todestag, dein Schrecken mag den, der Jeſum haßt, erschüttern; ich darf nicht erzittern. 5. Fliche eitles Wesen, das die Welt erleſen, ich entsage dir. Euch entsag ich, Sünden! peinliches Empfinden, Angst gebähleben. 4. Auch in mir ist Sünde, ret ihr. Ueppigkeit, Geiz, Stolz doch ich überwinde, Heiland, ste und Neid, dir sei nie mein durch dich; sink ich oft noch Herz ergeben; Jeju will ich nieder, du erhebst mich wieder und begnadigst mich. Deine 6. Schweiget, bange Kla- Huld tilgt meine Schuld, nie gen, warum sollt ich zagen? entziehst du deinem Knechte der Jeſus ist ja mein. Jeden, der Erlösten Rechte. ihn liebet, muß, was erst betrübet, doch zuletzt erfreun. ihn Vater nenne, und sein Kind Bleibet hie noch Kampf und soll sein; daß ich hier am Grabe Müh, Jesus giebt, wenn ich Trost und Hoffnung habe, dank schon leide, mir doch Trost und ich dir allein; daß dein Geist 5. Daß ich Gott erkenne, froh Freude. mich unterweist und mich führt 168 Trost im Leiden und Sterben. auf deinem Pfade, dank ich dei-| Trost im Leiden und Sterbe ner Gnade. Mel. Wenn mein Stündlein 2. 6. Du hast selbst dein Leben für mich hingegeben, daß in 237. Jch bin ein Chri meiner Noth ich nicht hülflos bliebe; groß ist deine Liebe, stärker als der Tod! Herr, und ich, ich sollte mich deiner Huld nicht dankbar freuen? Dir mein Herz nicht weihen? Gott ist mein Freund, in die hohen Würde steh ich und für keinen Feind und scheue tein Bürde. Dies Glück erfüllt m Muth und Kraft mein Herz i dieser Pilgrimschaft des Leben und der Leiden! 7. Würdig dir zu leben, dies sei mein Bestreben, meine Luft 2. Mein Glaube steht un und Pflicht. Was die Welt so wanket nicht; er ist zu fest ge schäßzet, irdisch Glück, ergößet gründet. Er stüzet sich voll Z meine Seele nicht. Hab ich dich, versicht auf Jesum Chrift, un wie leicht kann ich das, wonach findet bei ihm allzeit Trot die Sünder trachten, reich in Heil und Ruh; er eignet je dir, verachten. Verdienst sich zu, und strebt. ihn stets zu lieben. 8. Macht ein Gut der Erde, daß ich glücklich werde? giebt's Zufriedenheit? Sind nicht auch feit und Güter dieser Erden 3. Sollt ich um Ehre, Eite die Ehren, so die Welt bethö- aus Wollust oder Sicherhe ren, Traum und Eitelkeit? Du Gott jemals untreu werden erfreust des Menschen Geist; Nein auf die Sünde folgt de Herr, du willst, die dich ver- Tod; allein die Tugend segne ehren, ewig wieder ehren. Gott mit enger Ruh und Freude. 9. Deinen hohen Frieden schmeck ich schon hinieden; und 4. Was sind die Leiden die was hoff ich dort? Unnennbare ser Zeit mir gegen jene Kronen Freuden, ewge Seligkeiten hoff womit Gott in der Herrlichkeit ich auf dein Wort. Sie sind die Frommen will belohnen. mein durch dich allein; bleib Was dieses Lebens kurze Frist, ich dir getreu im Glauben, kann Gott, gegen das, was ewigift! nichts sie mir rauben. Sollt ich nicht muthig kämpfen! 10. Deiner reichen Güte freut 5. Ich fürchte nicht des Tosich mein Gemüthe und lob- des Macht mit allen ſeinen finget dir. Dieser Geist der Freu- Schrecken. Es fann des Grabes den stärke mich im Leiden, weiche dunkle Nacht nur meinen Leib nie von mir! Laß mich so voll bedecken; ich aber geh sogleich Muth und froh einst durch's dahin, wo ich in ewger Wonne Thal des Todes dringen, dort bin, bei meinem Gott und Heidein Lob zu singen. land. Trost im Leiden und Sterben. 169 Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort zc. gend ist mir süße Pflicht. Doch 238. Mein Glaub ist mei- fühl ich es, ich bin noch nicht, nes Lebens Ruh und führt mich was ich dereinst soll werden. nes Lebens Ruh und führt mich mein Troft ist dies: Gott hat deinem Himmel zu, o du, an den ich glaube! Ach gieb mir, Herr, Beständigkeit, daß diesen Troft der Sterblichkeit nichts meiner Seele raube; tief präg es meinem Herzen ein, welch Heil es ist, ein Christ zu sein! Geduld und straft mich nicht nach meiner Schuld. ein Christ, und seine Gnad und 6. Gelobt sei Gott, ich bin Wahrheit ist an mir auch nicht vergebens; ich wachs an mei2. Du hast dem sterblichen ner Heiligung; ich merke tägGeschlecht zur felgen Ewigteit lich Besserung des Herzens und ein Recht durch deinen Tod er worben. Nun bin ich nicht mehr Asch und Staub, nicht mehr in mir schafft. des Todes ewger Raub; des Lebens; ich fühle, daß des Geistes Kraft ein neues Leben 7. Dank dir, o Vater, Dank du bist für mich gestorben. Mir, der ich und Ruhm, du lehrtest mich dein Erlöster bin, ist dieses Lei bes Tod Gewinn. das Christenthum fest glauben, willig üben. Dir, Gott, mein es immer mehr und weiß, ich Lehrer, Lob und Preis! Ich lieb werd es ewig lieben. Jetzt und mein künftig Lebenlang bring ich dir, Höchster, Preis und Dank. 3. Ich bin erlöst und bin ein Christ; mein Herz ist ruhig und vergißt die Schmerzen dieses Le bens. Ich dulde, was ich dulden joll, und bin des hohen Trostes voll: ich leide nicht vergebens. Met Wachet auf, ruft uns die zc. Gott selber mißt mein Theil 239. Jesus kommt, von almir zu; hier kurzen Schmerz, lem Bösen uns, seine Christen, dort ewge Ruh; zu erlösen, er kommt mit Macht 4. Was seid ihr, Leiden dieser und Herrlichkeit. Dann, an ſeiZeit mir, der ich meiner Ewig- nem großen Tage verwandelt feit mit Nuh entgegen schaue! sich der Frommen Plage in Bald ruft mich Gott, und ewig- ewige Zufriedenheit. Sei fröh= lich belohnet und erquickt er mich, lich, Volt des Herrn! Er kommt, weil ich ihm hier vertraue. Bald, er ist nicht fern, dein Erretter. bald verschwindet jeder Schmerz Dein Schmerz ist kaum ein und Himmelsfreuden schmeckt Morgentraum, auf ihn folgt ewig, ewig Heil. mein Herz. 5. Bin ich noch schwach, so 2. Augenblicke dieser Leiden, trag ich doch nicht mehr der was seid ihr gegen jene FreuSünde schmachvoll Joch in mei- den der unbegrenzten Ewigkeit; nem Lauf auf Erden; die Tu=' seht die Kron am 3iele pran= 170 Trost im Leiden und Sterben. gen, und kämpft und ringt, sie| wölbst, fall' über uns, wir zu erlangen, die ihr dazu be- gen nicht! rufen seid! Euch halt in eurem Lauf kein Schmerz des Lebens Mel. Aus meines Herzens Grundex. auf, Ueberwinder! Das Ziel ist nah, bald ſeid ihr da, und 240. Der lette meiner Tag eure Schmerzen sind nicht mehr. ist mir vielleicht nicht fern, 3. Der sich euch zum Volk dann wird meine Klage ein erwählet, der eure Thränen Lobgesang dem Herrn! Vollalle zählet, stritt auch mit un- bracht ist dann mein Lauf; i erschöpftem Muth. Wie hat trete zu dem Throne, und Gott Jesus nicht gerungen; wie tief setzt mir die Krone der Ueberwar er von Schmerz durch- winder auf. drungen; wie floß sein Schweiß, 2. Für seines Reiches Erben wie floß sein Blut; wie stand- hat Jesus mich erklärt: was haft trug er nicht der Leiden fürcht ich mich zu sterben, wenn schwer Gewicht; wie gelassen er mich sterben lehrt? Mi ging er zum Tod; wie frönt ist der Tod Gewinn! ihn Gott; wie jauchzen nun unsterblich werde, die Himmel ihm? Daß ich entschwing der ich Erde mich der Erde, ich, 4. Mitgenossen seiner Leiden bin. sind wir; einst ernten wir auch 3. Nicht mich, nur meine Freuden mit ihm, dem Ueber- Bürde verschließt die finstre winder, ein. Unverdrosfen laßt Gruft, mich hebt zur höhern uns ringen, zu unserm Haupt Würde mein Vater, der mich hindurch zu dringen und seines ruft. Er ruft mich durch den Himmels werth zu sein. Der Hülf uns schafft, ist Er; sein großer Nam ist: Herr, unsre Stärke! Die ihm vertraun, die werden schaun, welch eine feste Burg er ist! Tod, der reißt die Sündenglieder, den trägen Leib danieder; mich selbst führt er zu Gott. 4. Die Leiber ſeiner Frommen sind Saat, von Gott ge sä't; die frohe Zeit wird kom5. Ja, du kömmst, von al- men, da reif die Ernte steht. lem Bösen uns, deine Christen, Dann wird der Erntetag ein zu erlösen; deß freun wir uns ganz verjüngtes Leben auch und danken dir. Jesu Christe, meinem Staube geben, der tief nicht verzagen soll unser Herz im Tode lag. in trüben Tagen, auf deine Zu- 5. Drum geh ich, frei von kunft hoffen wir. Wir wissen, Kummer, des Todes dunkle wer du bist, was uns verhei- Bahn; mir bricht nach kurzem ßen ist, und sind stille. Der Schlummer ein ewger Mor Himmel selbst, den du, Herr, gen an. Heil mir! er ist nicht Trost im Leiden und Sterben. 171 fern, der letzte meiner Tage;| und Ehre dem Mittler, ſeinem er kommt, und meine Klage Heiland, an. wird Lobgesang dem Herrn! 7. Laß, Höchster, mich bestreben, so in der Welt zu leben, wie man das Glück erwirbt, damit ich einst, ein Erbe der Mel. In allen meinen Thaten 2c. 241. Wie sanft sehn wir Geligkeit, auch sterbe, wie ein den Frommen, nun bald der Gerechter, Frommer stirbt. Erd entnommen, sich seinem Ziele nahn; wo sich des Lebens Mel. Wenn mein Stündlein 2c. Freuden vom frechen Sünder 242. Wenn einst mein sterſcheiden, da gehn des Christen bend Auge bricht, mein Freuden an. letter 2. Er lächelt seinem Ende Hauch verschwindet, mein Leib und hebt voll Dank die Hände erstarrt und selbst es nicht, daß zu seinem Vater auf; wenn er entschläft, empfindet; wenn Sinn und Leib verderben, lehrt um mich, den Entschlummerner ihn fröhlich sterben nach ei- den, Gott! alle meine Lieben nem wohlvollbrachten Lauf. stehn und angstvoll zu dir weinen: 2. Dann, Schöpfer, nimm ihn 3. Sein ruhiges Gewissen bebt nicht vor Finsternissen der Bahn, die er nicht kennt; die auf, den Geist, der freudig zu chredensvollen Pfade erleuchtet dir strebet, der dankbar deine ihm die Gnade des Gottes, den Güte preist, daß er dir hier ge= lebet, dann tröste dadurch die um mich mit Thränen klagen, nen der Angst; hier ächzt kein daß nun ich zum Vater sei geStöhnen der Reu, die ihn zer- gangen. er Bater nennt. 4. Hier fließen keine Thräreißt; sein Herz, zu Gott erhoben, empfängt den Trost von oben, und Fried und Freud im heilgen Geist. Hoffnung einer seligen Fortdauer des Geistes und Auferstehung des Leibes. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 5. Er segnet froh die Seinen, die um Lager ermahnt und tröſtet ſie; und jei- 243. Warum erbebst du, ner Treue wegen erfüllt Gott meine Seele, bei dem Gedanken seinen Segen und weichet auch an das Grab? Nicht dich umschließt einst seine Höhle, nur 6. Die Engel steigen nieder, deine Hütte sinkt hinab. Sie voll froher Jubellieder, die schuf der Allmacht Wink aus Seele zu empfahn; er stimmt Staub, drum wird sie der Verin ihre Chöre, Anbetung, Preis wesung Raub. von diesen nie. 172 Hoffnung eines seligen Lebens nach dem Tode. 2. Du, zur Unsterblichkeit erlesen, schwingst dich empor zu Gottes Licht, und schaust den Ursprung aller Wesen von Angesicht zu Angesicht; bewunderst deines Gottes Macht in jener Welten Bau und Pracht. 2. Schlöffe nun des Leibe Sterben auch der Seele T mit ein, ach! so würde sol Verderben in dem Tode schre lich sein; denn was ist so fürd terlich, als die Zeit, in welche mich die Empfindung gar ve ließe und ich Nichts, wie vo mals, hieße? 3. Dann, Seele, wirst du das verstehen, was hier kein weiser Mund erklärt, was, hier voll- 3. Nein, der Geist wird ni kommen einzusehen, des Wissens vergehen, nur der Leib erfähr Trieb umsonst begehrt. Dann den Tod, Gottes Zeugniß m täuscht dich Wahn und Irrthum bestehen, Mensch, dein Ge nicht und selbst die Finsterniß wird Licht. kehrt einst zu Gott, geht in ei ndre Welt, wenn des Leibe Bau zerfällt, lebt und denkt jenem Stande, frei von sein Leibes Bande. 4. Dann wirst du den, ach! den erblicken, den hier allein der Glaube sieht, den, der, dich ewig zu beglücken, nach Gottes 4. Jesus predigt diese Lehrer Rath am Kreuz verschied; dann sterbend noch dem Schächer ein jauchzen, daß kein Wahn, kein Heute( läßt der Herr sich höre Spott dich hier getrennt von wirst du in dem Himmel sein deinem Gott. Jesu letzte Rede heißt: Treur Vater, meinen Geist übergeb i dir am Ende in die Obhut de ner Hände. 5. Welch ein reicher Scha von Gaben, die des Menschen Geist befizt! Sollt er fie dazu haben, daß er sie auf Gr den nützt: o, so hat er schon zu viel für dies turze Lebens 244. Gott, ich weiß es, schäften und ein größres Maj ziel, wenig Zeit zu den Ge Mel. Freu dich sehr, o meine zc. von Kräften. 5. Wenn nun der Tag des Herrn erscheinet, verläßt dein Leib der Gräber Ruh; zum zweiten Mal mit Dir vereinet, wird er unsterblich, so wie du. Drum jauchze voller Zuversicht, daß deiner Hütte Bau zerbricht. meine Glieder sinken einst in Staub dahin. Krankheit, Schmerz 6. In mir wohnet ein Verund Grab der Brüder zeugen, langen nach Unsterblichkeit und daß ich sterblich bin. Das ge- Licht. Güter, so auf Erden meine Loos, der Tod, ist mir prangen, sättigen die Seele nicht. Sünder auch gedroht. Diese Den Trieb hab ich von Natur Hütte wird zerstöret, von Ver- und das führt mich auf die wesung bald verzehret. Spur: der ihn gab, wird ihn Hoffnung eines seligen Lebens nach dem Tode. 173 erfüllen und des Geistes Sehn-| soll. Hilf, wenn dieser Bau sucht stillen. zerfällt, daß mein Geist in je7. Ja gewiß, zu Ewigkeiten ner Welt und der Leib, erweckt ist der Geist in mir gemacht, vom Grabe, ewig dich und Jeund gleich nach des Leibes sum habe. Zeiten Seligkeit ihm zugedacht. Nimmer, nimmer kann's ge- mel. Kommt her zu mir, spricht zc. schehn, daß die Seelen untergehn; was mir Gott so fest 245. Noch wallen wir im Thränenthal, gedrückt von Kummer, Müh und Qual, doch nur 8. Auch mein Leib wird aus noch wenig Tage! Dann fliehen dem Staube geistlich und un- wir aus dieser Zeit hinüber in sterblich gehn. Jesus lebt; ich die Ewigkeit, weit weg von weiß und glaube, mich erweckt sein Auferstehn. Großer Trost! mun kommen mir Tod und Gruft nicht schrecklich für. Ruhet nur, ihr, meine Glieder, der Erstandne ruft euch wieder. 9. Unverweslich, frei von Leiden, im verklärten Lichte rein, wird mein Leib in ewgen Freu3. Owohl ihm, war er den herrlich bei dem Mittler fromm und gut, wenn Thaten sein. Gott, wie beugt sich meine ihn begleiten! wenn er, vereint Schuld dankbar gnug vor dei- mit Jesu Christ, unsträflich, rein ner Huld, daß du, Herr, mein und fähig ist zum Glück der ganzes Wesen zu der Ewigkeit Ewigkeiten! erleſen! 4. O hohes Glück, vor Gott 10. Welch ein Ueberfluß der zu stehn; o Freude, Jesu, dich Güte, die tein Ende zu sehn, und mit dir deine Glienimmt, hast du mein Gemüthe Wonne, dies rührt der; zu sehen dich in deinem versprochen, das wird ewig nicht gebrochen. - jeder Plage. 2. Dann sinkt der Leib in's fühle Grab, der Staub zu allem Staub hinab, nicht sterblich mehr zu leben; mit freiem Flug und frohem Blick kehrt der entbundne Geist zurück zu dem, der ihn gegeben. Ewiger, für Licht von Angesicht zu Angemich bestimmt. Gleichet auch sicht, dich, Erster aller Brüder! ein Gut der Zeit der verheiß5. Doch erst am Tag des nen Herrlichkeit? Gott, laß je- Auferstehns, am Tag des frohen nes mich verachten, mich nach Wiedersehns, der Neugeburt der dieser ernstlich trachten! Erde, am Tag, wenn Gottes 11. Lehre mich in meinem Wunderkraft mich ganz verklärt Leben, wie ich nach dem ewgen und neu erschafft, was ich erst Wohl hier mit allem Eifer stre- dann sein werde! ben, glauben und recht leben 6. Wie wird mir dann zu 174 Hoffnung eines seligen Lebens nach dem Tode. Selige Auferstehung des Leibes. Muthe sein, wenn alle Todten, groß und klein, o Jesu, vor dir stehen; wenn du mich dann bei Namen vor Gott und Mel. Sei Lob und Ehr dem u. Engeln mich bekennst, ich ewig 246. Ich weiß, daß mein dich soll sehen. Erlöser lebt; auf Felsen steht 7. Ich, ich, der jetzt noch mein Glaube. Ich weiß, daß er Thränen weint, ich werde, wenn auch mich erhebt aus der Verder Herr erscheint, dann leuch- wesung Staube. Er lebt ten, wie die Sonne! Ich Sün- fürwahr, der starke Held, sein der werd von Sünden rein, ich Arm, der alle Feinde fällt, hat Sterblicher unsterblich sein, ich auch den Tod bezwungen. Gottes Bild und Wonne! 2. Ich habe Muth und Freu8. Befreit und ewig fern digkeit, so sehr der Tod mag von Qual, getränkt mit Freu- dräuen; was er zerstöret und den ohne Zahl, Gott immer, zerstreut, wird Jesus einst er immer näher! Dann steigt mit neuen. Mein Leib, mein sterb jedem Augenblick der Seele un- liches Gebein, sink immer in jedem Augenblick der Seele un- die Gruft hinein; das Grab aussprechlich Glück noch unaus- die Gruft hinein; das Grab sprechlich höher! umschließt's nicht ewig. lebt; so 3. Mein Heiland mag nun sich mein Leib zum 9. Und aller Seraphinen Schaar, und wer auf Erden Hei- Staube strecken, ich weiß, a lig war, find alle meine Brü- tommt, und wird auch mich der sind alle nun vereint mit mir, und fingen ewig, Jesu, dir wird mich rufen aus dem Grab; zum Leben auferwecken. Er aus einem Munde Lieder. wenn ich genug geruhet hab, jo weckt sein Ruf mich wieder. 4. Auf's neu umschließt mich diese Haut und eben diese Glie der; ein neuer Bau, von Gott erbaut, wird dann mein Kör= per wieder, und herrlicher als er hier war, nicht mehr entstellt, nicht wandelbar, vom Sterben frei auf ewig. 11. Sei start, sei freudenvoll, mein Geist, Gott lebt, Gott hält, was er verheißt! Gott ist der 5. 3war wird der Leib der Gott der Frommen! nichts, Sterblichkeit, wenn sterbend er glaub es, ist für dich zu groß, verblühet, so aufgelöst, so weit für dich, zu dem aus Gottes zerstreut, daß er uns ganz ent Schoß der eigne Sohn ge- fliehet. Jedoch wie weit zerstreut er wär, dem Weltenkommen. 10. Der Seligkeiten, Gott, wie viel! o Freuden ohne Maß und Ziel, hoch über alles Sehnen! o Ewigkeit! o Ewigteit! was ist das Leiden dieser Zeit! wie nichts sind alle Thränen! Zukünftige Seligkeit. 175 schöpfer ist's nicht schwer, ihn nicht in's Gericht: dies stärket wiederherzustellen. meine Zuversicht! 6. Erneut wird Alles wieder stehn, wie es zuvor gewesen; 2. Hier geh ich oftmals weinend hin, den Samen auszuwas niederlag, wird Gott er- streuen; dort wird der herrhöhn, was schwach war, wird genesen. Was die Verwesung hier zerstört, was hier der Zeiten Lauf verzehrt, das wird Gott wiederbringen. lichste Gewinn der Erndte mich erfreuen. Ich leide und verzage nicht; denn du bist meine Zuversicht. 7. O Hoffnung, die das Herz erhebt, verbannt des Todes Grauen! Ich werde den, der ewig lebt, in meinem Fleische schauen, der Leib, der hin zum Staube fintt, erhebt sich, wenn ihm Jesus winkt, vom Staube, ihn zu schauen. 3. Hier trag ich deine sanfte Last, wie groß ist meine Würde! Jedoch die Welt, die sie nicht faßt, nennt's fälschlich eine Bürde. Einst trifft den Spötter dein Gericht, und dann siegt meine Zuversicht. 4. Sint immer hin, mein Leib in Staub! Gott wird dich 8. Ich selber werd in seinem neu beleben. Hier werd ich Licht ihn sehn und mich er- nur des Todes Raub; dort quicken; mein Auge wird sein werd ich ewig leben. Wie stark Angesicht und wie so froh, er- ist dieses Trosts Gewicht! Wie bliden; zum ewgen Leben ein- sicher meine Zuversicht! geweiht, werd ich ihm dienen ohne Zeit, ich selber und kein Fremder. 5. Herr, diesen Segen dank ich dir. Mich aus der Gruft zu heben, gingst du aus deinem 9. Troß sei nun Allem, was Grab herfür. Du lebst und ich mir will das Sterben furchtbar soll leben; ich glaub es dir und machen; der Leib der in den zweifle nicht; dein Wort ist Staub hinfiel, wird froh daraus meine Zuversicht. erwachen. Ich zage nicht ob6. In diesem Glauben stärke gleich der Tod dem Körper mit mich; laß mich den Trost emVerwesung droht; denn mein pfinden, den großen Trost, daß Erlöser lebet. ich durch dich den Tod kann überwinden. Grab und Ver= wesung schreckt mich nicht: denn du bleibst meine Zuversicht. H. Mir nach, spricht Christus 2. 247. Herr, err, du bist meine Zuversicht, du lebst und ich soll leben. Du wirst mir, was dein Wort verspricht, Unsterblichkeit einst geben. Dein Jünger kommt frohen Zeit, da ich werd aufmet. Was Gott thut, das ist 2c. 248. Ich Selige Auferstehung des Leibes. erstehen: dann werd ich in der 2. Nicht ewig wird, wer dein Herrlichkeit dich, Gott, mein Wort hält, den Tod, o Jeju Heiland, sehen. Dann werd schauen, drum geh ich freudig auch ich, o Herr, durch dich in's aus der Welt, das Grab macht Reich verkärter Frommen zur mir kein Grauen. Ich bin ge ewgen Ruhe fommen. trost und unverzagt, weil du den Deinen zugesagt: Ich leb und ihr sollt leben. 2. Ja, Herr, du führst sie einst heran, die Stunde der Erlösung; die Stunde, da ich hoffen kann Trost, Freiheit und Genesung; da, Engeln gleich, im Himmelreich mich Ruhe, Lust und Leben in Ewigkeit umgeben. 176 3. Wird gleich mein Leib des Todes Raub, er wird doch wie der leben und einst aus der Verwesung Staub sich neu verklärt erheben, wenn du, o gro Ber Lebensfürft, nun deinen Todten rufen wirst, zum Leben aufzuwachen. 3. Der du die Auferstehung bist, du bist's, an den ich gläube; ich weiß, daß ich durch dich, 4. Wie froh und herrlich Herr Christ, im Tode nicht werd ich dann vor dir, mein verbleibe. Und dein Gericht Heiland, stehen! Dann nimmst wird mich dann nicht mit Trübfal, Angst und Schrecken, so wie die Heuchler, decken. du mich mit Ehren an, last in dein Reich mich gehen. Fort hin von keiner Last beschwert, 4. Ich hoffe dann mit Freu- an Leib und Seele ganz verdigkeit vor dir, mein Haupt, zu klärt, leb ich bei dir auf ewig. stehen, und mit dir in die Herrlichkeit frohlockend einzugehen. hilf mir doch aus Gnaden noch, zum Glück der Ewigkeiten mich würdig zu bereiten! 5. O welch ein selig Theil ist mir in jener Welt bereitet! Der Freuden Fülle ist bei dir! Von dir, o Herr, geleitet, werd ich in deinem Himmelreich uns sterblich, deinen Engeln gleich, das höchste Glück genießen. Mel. Allein Gott in der Höh zc. 6. Denn, wo du bist, da sol 249. Mein Heiland lebt; ben, und ewig frei von Schmerz len die, die dir hier folgen, leer hat die Macht des Todes und Müh ihr fiegreich Haupt ganz bezwungen und siegreich erheben. Was sind die Leiden aus des Grabes Nacht zu Gott dieser Zeit, Herr, gegen jene sich aufgeschwungen. Er ist Herrlichkeit und unbegrenzten mein Haupt; sein Sieg ist mein; Freuden! sein soll mein ganzes Leben 7. Laß die zukünftge Herrsein und ihm will ich auch lichkeit mir stets vor Augen sterben. schweben, und oft in dieser Zukün ige Seligkeit. 177 Prüfungszeit mein Herz dahin begleitet. Wir schauen in das erheben, wo keine Schwachheit tiefe Meer, erforschen's nicht, uns mehr drückt, wo wir, der denn Gott ist der, der unsrer Sterblichkeit entrückt, frohlockend sich erbarmet. Mehr, viel mehr, vor dir wandeln. als wir verstehn, mehr, als unsre Thränen flehn, giebt uns, der ewig liebte. 8. Erwecke mich dadurch zum Fleiß, der Tugend nachzustreben, und als dein Jünger, dir 4. Sei, Seele, stark und zum Preis, nach deinem Wort fürchte nicht, durch's finstre Thal zu leben. Und fühl ich hier zu wallen. Noch an des Thanoch Noth und Schmerz, so les Nacht ist Licht. Der Engel tröfte dies mein banges Herz: Jubel schallen in's letzte Seufes fommt ein besfres Leben. zen der Natur. Der bei sich selbst die Gnade schwur, sein Haupt am Kreuze neiget, der hält diesen Bundeseid, er ist ganz Barmherzigkeit. Dank sei ihm, Preis und Ehre! Mel. Ein Kindelein so löbelich zc. 250. Cinst reift die Saat, mein Staub ersteht zum neuen eigen Leben. O, die ihr meinen Glauben schmäht, wie werSeligkeit des Himmels. det ihr dann beben, wenn ihr 251. Alle Menschen müſsen den Sohn als Richter seht, mit verwelkt Angst entflieht, vergebens fleht: sterben, dieser Leib fallt über uns ihr Berge! Mein wie Heu; muß, gleich Samen, Erlöser Jesus Christ, der für erst verderben, eh er herrlich mich gestorben ist, ist auch für wird und neu; ausziehn erst mich erstanden. sein irdisch Wesen, wenn er anders soll genesen, und anziehn die Herrlichkeit, die ihm bleibt 2. Ich sinte zum Verwesen ein und werde wieder Erde; doch werd ich nicht auf ewig in Ewigkeit. ein, was ich im Grabe werde. 2. Darum will ich dieses LeIm Schoße Gottes ruht mein ben, das mir Gottes Güte gab, Geist von diesem Leben aus gern an ihn zurücke geben, nicht und fleußt von Wonn anbe- erzittern vor dem Grab. Leben tend über. Ach mein Auge quillt aus Jesu Wunden, in jah noch nie, meinem Ohr er- den allerbängsten Stunden, in tönte nie ein solches Heil hie- der allergrößten Noth, tröstet nieden. mich sein Mittlertod. 3. Das tam in keines Men- 3. Jesus ist für mich gestorschen Herz, was denen Gott be- ben, nun ist mir der Tod Ge= reitet, die Mühe hier, die man- winn; er hat mir das Heil ercher Schmerz bis an den Tod worben, daß ich Gottes Erbe Osnabr. Landgefangb. X. Aufl. 12 178 Zukünftige Seligkeit. bin. Dich verlaß ich, Weltge=| wohnen! Wär ich schon zum tümmel, willig; denn in jenen Tag erwacht, da Gott ruft, mid Himmel, wo er thront, werd zu belohnen, wäre schon mein ich eingehn, und ihn, meinen Lauf vollbracht! Gott, du will Retter, sehn. ich soll noch ringen; hilf mi 4. Dort erst ist das rechte so den Kampf vollbringen, da Leben. Millionen stehen schon, am Ziel mein Geist einst ſagt: mit des Himmels Glanz um- Wohl mir nun, es ist voll geben, selig da vor seinem bracht! Thron; in der Engel Lobgesänge singt der Ueberwinder heilig, heilig Mel. Wenn mein Stündlein 2. heißt Gott der Bater, Sohn 252. Ein Fremdling bin it und Geist. in der Welt und kurz sind mein 5. Dort ist's, wo die Väter Tage. So manche Noth, die mid wohnen, wo die Glaubenshel- befällt, reizt mich hier noch den all prangen nun in ihren Klage. Doch, Vater, deine EwigKronen; Gott, wie groß ist de- teit versüßt mir meine Lebens rer Zahl, die in so viel tau- zeit und stärkt mich selbst in send Jahren selig zu dir auf- Leiden. gefahren! Welche Schaar, die 2. Jezt, da die Sünde mich dort erhöht voller Wonne vor noch drückt, seufzt meine bang dir steht! Seele. Wie bald ist nicht mein 6. Gottes Stadt, voll Pracht Herz berückt! Wer merkt, w und Schöne, wie entzückend oft er fehle! Doch einft werd glänzest du! welche Halleluja- ich vollkommen rein, ganz heilig Töne singt ein Chor dem an- und ganz selig sein. Dies trött dern zu! Wer ermißt die hohe meine Seele. Wonne, wer den Glanz der ewgen Sonne, die erleuchtet jenen Tag; wer ist, der es hier vermag? 3. Vor meinen Augen wan deln die, die deine Lehre schmi hen, ihr freches Herz bethöret fie, daß sie dein Heil nicht sehen. 7. Schon im Geist hab ich Einst bebt der Spötter Heer vor erblicket jenes Heil der Ewig- dir, wenn du als Richter komm keit; schon im Geist bin ich ge- und wir frohlockend dich er schmücket mit des Himmels heben. Herrlichkeit; schon im Geist steh ich am Throne, auf dem Haupt die Siegestrone, schau die Wunder Gottes an, die kein Mensch aussprechen kann. 4. In stiller Nacht wein ich oft, Herr, hinauf zu deiner Höhe. Mein schwaches Herz seufzt freu denleer, wenn ich den Morgen sehe. Ein Blick gen Himmel trö 8. Möchte ich bereits dort stet mich, und meine Thränen Seligkeiten des Himmels. 179 stillen sich einst ganz in jenem| die sie gedrückt, wird ewig nun Leben. ihr Herz erquickt. 5. Wenn mich der Zukunft 3. Wie Mütter ihre Kinder Schicksal schreckt, die Noth der trösten, so segnet mit Zufriedenfernen Tage; wenn sie in mir heit auch deine Gnade die Erdie Sorg erweckt, ob ich sie lösten nach überstandner Prüauch ertrage: so mildert mir fungszeit; du selbst machst ihnen die Ewigkeit das turze Elend offenbar, wie gut, Herr, deine dieser Zeit, daß ich doch nie Führung war. 4. Da schweigen alle ihre Klagen; da bringt mit frohem Lobgesang selbst für die ausgestandnen Plagen dir ihre Seele Preis und Dank. Nun jauchzen sie: es ist vollbracht, der Herr hat Alles wohlgemacht! 7. Herr, diesen Trost, der mich erfreut, vermehr in meinem Herzen. Ewigkeit bei meiner Wallfahrt Schmerzen. Sie sei in meinem Tod mein Heil und einst mein 6. Forthin erwartet sie kein längst gewünschtes Theil, wenn Leiden, kein Schmerz und keine ich vom Tod erwache. 5. Wie Gott von seinen Werten ruhte, als er die Welt her= vorgebracht, so sehn auch mit zufriednem Muthe, vom Herren Mich stärke deine selbst gerecht gemacht, die Frommen bei dem ewgen Glück auf ihr vollbrachtes Werk zurück. Schwachheit mehr. Gott führt sie zu vollkommnen Freuden und trönet sie mit Preis und Ehr. Ounaussprechlich süße Ruh! wie herrlich, Höchster, Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 253. Es ist noch eine Ruh segnest du. vorhanden für jeden Gott er7. Wer kann hier deine Gnade gebnen Geist, wenn er sich die- fassen! Du willst den, der dich jes Körpers Banden nach Gottes redlich liebt, nicht ewig in der Willen einft entreißt, und nun Unruh lassen, die dieses Leben nicht mehr so eingeschränkt, als noch umgiebt. O mache mich hier auf Erden, lebt und denkt. doch in der Zeit geschickt zu die2. Die, Herr, zu dieser Ruhe ser Seligkeit. kommen, wie selig sind doch alle die! In deinen Himmel aufgenommen, ruhn sie von dieses Lebens Müh. Nach aller Last, verzage. 6. Wenn einst, der jetzt von ferne dräut, der Tod, mir näher winfet; wenn nach der Arbeit dieser Zeit mein Haupt zum Schlummer finket; so sterb ich froh, die Ewigkeit zeigt mir des Himmels Herrlichkeit, die Alles übersteiget. 8. Mein Heiland, der du selbst auf Erden der Leiden Joch getragen hast, will ich des Lebens müde werden und fühl 12* 180 Zukünftige Seligkeit. ich dieser Tage Last: so stärke 5. Hier such ich's nur, dod mächtig meinen Geist, daß er werd ich's finden; dort werd dem Unmuth sich entreißt. ich, heilig und verklärt, der 9. Gieb, daß in Hoffnung Tugend ganzen Werth empfinjener Ruhe, die Gottes Volt den, den unaussprechlich großen verheißen ist, ich gern des Va- Werth! Dich, Gott der Liebe, ters Willen thue, wie du darin werd ich sehn, dich lieben, ewig mein Vorbild bist, so folget dich erhöhn. nach der Prüfungszeit einst völlige Zufriedenheit. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 254. Nach einer Prüfung kurzer Tage führst du uns, Gott, 6. Da wird, o Herr, dein heilger Wille mein Will und meine Wohlfahrt sein, und liebdeinem Throne mich erfreun lich Wesen, Heil die Fülle, an Dann läßt Gewinn stets auf zur Ewigkeit. Dort endet sich Gewinn mich fühlen, daß i der Deinen Klage in himmlische selig bin. Zufriedenheit. Hier übt die Tugend ihren Fleiß, und dort erkennen, was ich auf Erden 7. Da werd ich das im Licht reichst du ihr selbst den Preis. dunkel sah; das wunderbar und 2. Du schenkst dem Frommen heilig nennen, was unerforsch zwar auf Erden schon manchen lich hier geschah: da denkt mein felgen Augenblick; doch alle Geist mit Preis und Dank die Freuden, die ihm werden, sind Schickung im Zusammenhang. ihm noch kein vollkommnes Glück. Er bleibt ein Mensch und seine Ruh nimmt in der Seele ab und zu. 8. Da werd ich zu dem Throne dringen, wo Gott, mein Heil, sich offenbart; ein Heilig, Hei 3. Bald stören ihn des Kör- lig, Heilig singen dem Lamme, pers Schmerzen, bald das Ge- das erwürget ward; und Che räusche dieser Welt; bald kämpft rubim und Seraphim und alle in seinem eignen Herzen ein Himmel jauchzen ihm! Feind, der öfter siegt, als fällt. 9. Da werd ich in der Engel Bald sinkt er durch des Näch- Schaaren mich ihnen gleich und sten Schuld in Kummer und heilig sehn; das nie gestörte in Ungeduld. Glück erfahren, mit Frommen 4. Hier, wo die Tugend öf- stets fromm umzugehn. Da ters leidet, das Laster öfters wird durch jenen Augenblid ihr glücklich ist, wo man den Glück- Heil mein Heil, mein Glück ihr lichen beneidet und des Beküm- Glück. merten vergißt; hier kann der 10. Da werd ich dem den Mensch nie frei von Pein, nie Dank bezahlen, der Gottes Weg frei von eigner Schwachheit sein. mich gehen hieß, und ihn zu Seligkeiten des Himmels. 181 Millionen Malen noch segnen, 3. Kein Tod ist da mehr daß er mir ihn wies. Da sind und kein Grab. Dort wischest ich, Herr, in deiner Hand den du die Thränen ab von deiner Freund, den ich auf Erden fand. Kinder Wangen. Da ist kein Leid mehr, kein Geschrei, denn du, o Herr, machst Alles neu; mir ein Selger zu: Heil sei das Alte ist vergangen; hinfort dir! denn du hast mein Leben, sind dort für Gerechte, deine die Seele mir gerettet, du! O Knechte, keine Plagen mehr zur Gott, wie muß dies Glück er- Prüfung zu ertragen. freun, der Retter einer Seele sein! 11. Da ruft- o möchtest du es geben! vielleicht auch 4. In unsers Gottes Heiligthum schallt seines Namens hoher Ruhm von lauter frohen 3ungen. Hier strahlt die Herrlichkeit des Herrn; hier schaut man sie nicht mehr von fern; zu Ewigkeit! Wie nichts, wie hier wird sie neu beſungen. gar nichts gegen sie ist doch ein Völlig giebt sich den Erlösten, Augenblick voll Müh. sie zu trösten, der zu kennen, den sie hier schon Vater nennen. 12. Was seid ihr, Leiden dieser Erden, doch gegen jene Herrlichkeit, die an uns offen bart soll werden von Ewigkeit Mel. Wie schön leucht uns der 2. 255. ganzer Mein deln sie, auf ewig frei von aller 5. Vor seinem Antlig wanGeist, Müh, und schmecken seine Güte; Gott, wird entzückt, wenn er hier stört den Frieden ihrer Brust nach jenem Himmel blickt, den und ihre tausendfache Lust kein du für uns bereitet, wo deine feindliches Gemüthe. Kein Neid, milde Baterhand aus neuen fein Streit hemmt die Triebe Wundern wird erkannt, die du reiner Liebe unter Seelen, die dajelbst verbreitet. Mächtig fühl dann weiter nicht mehr fehlen. ich mich erhoben, dich zu loben, 6. Gott, welche Schaar ist der zum Leben, das dort ist, dort vereint! Die Frommen, mich will erheben. die ich hier beweint, die find 2. Was sind die Freuden ich ewig wieder. Dort sammelt dieser Zeit, Herr, gegen jene deine Vaterhand, die deine Liebe Herrlichkeit, die dort bei dir zu hier verband, Herr, alle deine finden! Du stellst uns hier auf Glieder. Ewig werd ich, frei Erden zwar viel Wunder dei- von Mängeln, selbst mit Engeln, her Güte dar zum fröhlichen mir zum Segen, da die reinste Empfinden; doch hier sind wir Freundschaft pflegen. bei den Freuden noch mit Leiden stets umgeben; dort nur ist vollkommnes Leben. 7. Wo ist mein Freund, des Höchsten Sohn, der mich geliebt, wo glänzt sein Thron? 182 Zukünftige Seligkeit. In jenen Himmelshöhen, da Huld sei überschwänglich, und werd ich dich, Herr Jesu Christ, die Wohlfahrt unvergänglich, so menschenfreundlich als du bist, die dem, der dich redlich liebt, auch mit Entzücken sehen. Da deine Vaterhand dort giebt. wird, mein Hirt, von den Freu= 4. Dann wirst du dich unden nichts mich scheiden, die du sern Seelen offenbaren, wie du droben deinen Freunden aufge- bist, keine Lust wird da uns hoben. fehlen, wo das Land der Wonne 8. Wie herrlich ist die neue ist. Zu vollkommnen Selig Welt, die Gott den Frommen feiten wird uns dort der Mitt vorbehält! Kein Mensch kann ler leiten, der uns dieses Glüd fie erwerben. D Jesu, Herr erwarb, als am Kreuz er für der Herrlichkeit! du haft die uns starb. Stätte mir bereit; hilf sie mir auch ererben! Laß mich eifrig darnach streben und so leben auf der Erde, daß ich dort dein Erbe werde. 5. Da wird deiner Frommen Menge ein Herz, eine Seele sein, Dienst und Dank und Lobgesänge dir, erhabner Gott, weihn, dir und dem, der selbst sein Leben willig für uns hin 256. O wie unaussprechlich ten Freund, sind wir ewig dann gegeben. Mit ihm, unserm größMel. Alle Menschen müssen 2c. vereint. selig werden wir im Himmel sein! Da, da ernten wir un 6. wer sollte sich nicht zählig unsers Glaubens Früchte sehnen, aufgelöst und da zu sein, ein. Da wird ohne Leid und wo nach ausgeweinten Thränen Zähren unser Leben ewig wäh- ewge Güter uns erfreun; wo ren. Gott, zu welcher Selig- sich unser Kampf in Palmen, feit führst du uns durch diese unser Klagelied in Psalmen, Zeit! unsre Angst in Lust verkehrt, 2. Hier ist zwar, was du die forthin kein Kummer stört. den Frommen dort für Glück 7. Was ist unser Loos auf bereitet haft, noch in Keines Erden? Ob's auch noch so löft Herz gekommen. Welcher Mensch lich sei, ist's doch nie ganz von auf Erden faßt deines Himmels Beschwerden, Sorgen, Furcht Herrlichkeiten? Doch im Glanz und Kummer frei. Schnell folgt der Ewigkeiten werden Alle, die hier auf Lust oft Weinen; dort dir traun, mehr noch, als sie nur wird die Zeit erscheinen, hoffen, schaun. wo kein Wechsel mehr uns 3. Neue Wunder deiner Güte beugt, wo das Glück beständig werden da ihr Glück erhöhn. steigt. Mit erstaunendem Gemüthe wird 8. Sei, o Seele, hoch erfreuet dann unser Auge sehn: deine über das erhabne Glück, das Seligkeiten des Himmels. 183 dir einst dein Gott verleihet! wenn mich Dunkelheit befällt, Richte deines Glaubens Blick in meinem finstern Herzen Licht oft nach jener Stadt der From- und Heiterkeit im Angesicht. men, mit dem Ernst dahin zu Herr Jesu Christ! mein Herr kommen. Trachte, weil du hier und Gott! mein Herr und Gott! noch bist, nur nach dem, was Dann wird zum Schlummer droben ist. mir der Tod. 9. Ohne Heiligung wird keiner, Herr, in deinen Himmel gehn. O, so mache immer reiner hier mein Herz, dich einst zu sehn. Hilf du selber meiner Seele, daß sie nicht den Weg verfehle, der mich sicher dahin bringt, wo man ewig dir lobfingt. 3. Und wenn mein Geist aus Schüchternheit sich dennoch vor dem Tode scheut, weil ihn die Sünden kränken, dann laß mich, Herr, auf deinen Tod die Hoffnung baun: es werde Gott der Sünden nicht gedenken. Trost, den du auch mir erwarbst, als du zum Heil der Sünder starbst, und den dein Wort mir selbst verhieß, der mache mir das Sterben Jesu Der Chrift! mein Herr und Gott mein Herr und Gott! Verlaß mich nicht in meinem Tod. Mel. Herzlich lieb hab ich dich zc. 257. Mein Heiland, wenn mein Geist erfreut im Glauben auf die Herrlichkeit des ewgen Erbtheils blicket, das du für mich bereitet haft: wie leicht dünft mir dann jede Last, die mich hienieden drücket! Dann wird der Eitelkeiten Tand in ſeiner Nichtigkeit erkannt. Der Erde Pracht ist mir wie nichts beim Anblid jenes ewgen Lichts. Herr Jesu Christ! mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! Dies Heil verdank ich deinem Tod. 4. Auf kurze Zeit schließt sich zur Ruh mein thränenvolles Auge zu und schlummert in dem Staube. Doch der, der mich zum Grabe ruft, der ruft mich einst auch aus der Gruft; ich weiß, an wen ich glaube. Er lebet, und ich werd durch ihn der Grabesnacht gewiß entfliehn. Mein Geist und mein verklärt Gebein wird sich des Herrn, des Mittlers freun. Herr Jesu Christ! mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! Zum Leben machst du mir den 2. Wenn einst auf deinen Wink mein Geift des Körpers Banden sich entreißt, dann stärk ihn aus der Höhe, daß mir Tod. nicht schrecklich sei das Grab, daß ich in's Todesthal hinab getroft und freudig gehe. Die Klarheit jener bessern Welt schaff, 5. Du bleibst mein Trost; mich schrecket nicht der Erde Brand, das Weltgericht, der Donner der Posaunen. Vor 184 Vom Wege zur Glückseligkeit. deinem Thron werd ich dann dein Mund schwur es mir a stehn, dich, Richter aller Völker, ich soll lebendig sein wie du sehn, dich sehn und froh er- Herr Jesu Christ! mein Hen staunen. Auch mir schenkst du und Gott! mein Herr und Got dann jenes Heil, der Auser- Stärt diesen Glauben einst in wählten selges Theil. Ich soll, Tod. VIII. Vom Wege zur Glückseligkeit oder von der Ord nung, darin man jenes Gute erlangt. Gläubige Annahme und Ausübung im Glauben recht erkennen; die der christlichen Religion. meinen Herrn und Gott mit ganzer Seele nennen. Laß migh 258. Herr, ohne Glauben haft gelehrt, daß dich Her im Glauben thun, was du mich Mel. O Gott, du frommer Gott zc. kann kein Mensch vor dir be- Mund und That als meinen stehen, drum wend ich mich zu Heiland ehrt. dir mit demuthsvollem Flehen: 5. Dein göttliches Verdienst o zünde selbst in mir den wah- sei mir, o Herr, stets theuer. ren Glauben an, weil ich durch Es fülle mich mit Trost, meine Kraft ihn mir nicht geben kann. mache mich stets freier vom schnöden Lasterdienst. Es stärke mich mit Kraft zu deines Namens Ruhm in meiner Pilgrimschaft. Dein Dasein laß mich, Gott, mit leberzeugung glauben. Nichts müsse mir das Wort aus meinem Herzen rau6. Wie selig leb ich dann ben, daß du dem, der dich sucht, im Glauben schon auf Erden; stets ein Vergelter seist, und hier und ewig ihn mit deinem Heil erfreuft. 3. Wahrhaftig ist dein Wort; laß mich ihm völlig trauen. Nie wanket deine Treu; laß mich darauf stets bauen. Gieb, wie herrlich wird mein Theil dereinst im Himmel werden! Dann schau ich, was ich hier geglaubt, in ewger Ruh. stärt im Glauben mich, Gott meines Heils, dazu. daß ich dir im Glück und Un- Mel. Es wolle Gott uns gnädig 2. glück stets getreu, und dem, was du gebeutst, von Herzen 259. Bewahre mich, Herr, folgsam sei. daß der Wahn nie mein Ge 4. Laß mich, mein Jesu, dich müth bethöre, als wär es schon Heilsordnung. Besserung durch Buße und Glauben. 185 genug gethan, wenn dir nur| einst mit den Deinen dir ohne äußre Ehre der Mensch, dein Fehltritt diene! Unterthan, erweift. Erinnre mein Gewissen, wie in der Wahrheit und im Geist die dich verehren müssen, die dir gefallen wollen. 2. Die kommen nicht in's Bekehrung und Besserung durch Buße und Glauben an Jesum. Erweckung zur Bekehrung. mel. Werde munter, mein Gemüthe zc. ſagen, und nicht mit rechtem 260. Höchster, denk ich an Ernst zugleich der Heiligung nachjagen. Nur die, die deinen Willen thun, läßt du als deine Kinder, o Gott, in ewgem Frieden ruhn, wenn heuchlerische Sünder von dir verstoßen werden. die Güte, die du mir bisher erzeigt: o so wird mein ganz Gemüthe zu der tiefsten Scham gebeugt, daß ich dich gering geschätzt, dein Gebot häufig verlegt, und dich, der du mich geliebet, mit Vergehungen betrübet. 2. Alle meine Seelenträfte, meine Glieder sind ja dein, und 3. Drum laß mich doch vom Glauben nie ein heilig Leben trennen; mich nicht für Jesu Jünger hie blos äußerlich be- sie sollten zum Geschäfte deines fennen. Gieb, daß mein Glaube Dienstes fertig sein. 5 mie thätig sei und Tugendfrüchte hab ich sie entweiht; ach! zur bringe; daß ich, vom Sünden- Ungerechtigkeit und zum schnöden dienste frei, mit Eifer darnach Dienst der Sünden ließ ich mich ringe, im Guten zuzunehmen. oft willig finden. 4. Du kennst, o Gott, der 3. Deine Huld war jeden Menschen Herz, und liebst, die Morgen über mir, o Bater, redlich handeln. laß in neu. Von wie manchen schweFreude, wie im Schmerz, mich ren Sorgen machtest du mein richtig vor dir wandeln. Dein Herz mir frei! Was mir nützte, Wille sei mein Augenmerk; hilf gabst du mir. Aber ach! wie mir selbst ihn vollbringen! Durch dankt ich dir? O wie hab ich dich muß jedes gute Werk dem so vermessen deines Wohlthuns glücklich noch gelingen, der deine 3weck vergeſsen! Hülfe fuchet. 4. Gott, du bist so reich an 5. Doch wenn ich aus Un- Gnaden; sollt ich nicht die wisſenheit und Uebereilung fehle, Sünde fliehn und um Rettung jo thu an mir Barmherzigkeit von dem Schaden meiner Seele und richte meine Seele durch mich bemühn? Deine Güte loďte deine Gnade auf vom Fall. Er- mich oft zur Buße, aber ich floh halt mich bei dem Einen, daß vor ihrem sanften Locken, fuchte ich dich fürchte überall, bis ich mich selbst zu verstocken. 186 Heilsordnung. Besserung 5. Ach, an dir hab ich ge- Gott besiegelt's mit dem Eid fündigt, Gott, mein Vater, ohne o jelig, wem die Sünd ist leid! Scheu! Dir hab ich oft aufge= kündigt meine schuldge Kindestreu. Ach vergieb, was ich gethan! Nimm mich doch erbarmend an! führe mich vom Sündenpfade schnell zurück durch deine Gnade! 6. Dir ergeb ich mich auf's 4. Wahr ist es, Gott ist stet neue; gieb, daß mein beschwer- bereit zum Wohlthun, zur Barm ter Geist deiner Vaterhuld sich herzigkeit; doch wer auf Gnade freue, die mein Heiland mir Böses thut und der Versöhnung verheißt. Was dein Sohn auch theures Blut verachtet, seiner mir erwarb, da er für die Sün- selbst nicht schont, dem wird, der starb, Fried und Freude im wie er verdient, gelohnt. Gewissen, ach! das laß auch mich genießen. 5. Durch seinen Sohn ist a bereit, zu schenken Glück in 7. Stärke selbst in meiner Ewigkeit. Allein entdeckt sein Seele den Entschluß, mich dir Wort dir wohl, wer von un zu weihn! Gieb, daß mir's an morgen leben soll? Daß du mußt Kraft nicht fehle, folgsam dei- sterben, ist dir fund; verborgen nem Wort zu sein. Deine All- ist die Todesstund. macht steh mir bei; mache du mich selbst recht treu; dich zu lieben, dir zu leben, sei mein herzlichstes Bestreben. Mel. Vater unser im Himmelr. c. 261. Sowahr ich lebe, spricht 3. Doch hüte dich vor Sicher heit, denk nicht: Zur Buß ist! immer Zeit, ich will mich mei nes Lebens freun, und werd ich dessen müde sein, alsdann will ich bekehren mich, Gott wird wohl mein erbarmen sich. dein Gott, mir ist nicht lieb des Sünders Tod; ich, sein Erbarmer, will vielmehr, daß er von Sünden sich bekehr, sich bessre in der Gnadenzeit und mit mir leb in Ewigkeit. 6. Heut lebst du, heut be lehre dich; eh Morgen tommt, kann's ändern sich; wer heut ist start, gesund und schön, kann morgen an dem Grabe stehn; stirbst du nun ohne Beßrung entfliehn? hin, wie willst du dem Gericht 7. Hilf, o Herr Jesu, hilf du mir, daß ich mich gläubig nahe dir, und mich bekehre uns verweilt, eh mich mein Ende übereilt, damit ich heut und jederzeit zu meinem Tode sei bereit. 2. Dies Wort bedent, o Sünder, wohl, verzage nicht verzweiflungsvoll; du nimmst an Mel. Jesus, meine Zuversicht 2. der Erlösung Theil; hier findest du Trost, Gnad und Heil, und 262. Seele! Seele! willst durch Buße und Glauben. 187 du nicht dich entschließen, Gott denk an sein Gericht, denn es zu lieben, stets vergessen deine eilt und säumet nicht. Pflicht, undankbar Gott stets betrüben, seine Gnade stets verschmähn, stets in Sünden weiter gehn? 8. Siehe um dich, Sterblicher; sieh, der Tod geht dir zur Seite; und wer weiß, wer weiß, ob er dich nicht heute, ja noch heute, eh sich endigt dieser Tag, hin zum Richter führen mag? 9. Säume nicht, o Seele, eil! Jetzt hast du noch Zeit in Händen; suche sie zu deinem Heil doch so weise anzuwenden, daß dich nicht zu spät gereut die versäumte Gnadenzeit. 3. Liebe hat dir Gott gewährt; und du wolltest ihn nicht lieben, wolltest das, was er be10. Kehre ungesäumt zum gehrt, ihm versagen und nicht Herrn; such in Christo seine üben, immer thun, was er ver- Gnade. Werde fromm, und beut, haffen das, was ihn erfreut? wandle gern die von ihm ge4. Haft du etwas Gutes wohl, zeigten Pfade; er wird dir selbst was nicht Gottes Gabe wäre, Kraft verleihn, dich mit ſeinem was er dir nicht gütevoll mit- Heil erfreun. getheilt und ihm gehöre? Sind dein Leben, dein Verstand nicht Geschenke jeiner Hand? 2. Ihm, der dich sanft zu sich lockt, wolltest du stets widerstreben, immer fühllos und ver= stockt nur nach eitlen Lüsten leben, immer im verkehrten Sinn Todespfade wallen hin? 5. Richten, richten konnt er dich, dem Verderben übergeben; aber er erbarmte sich, und das mit du möchteft leben, fandte Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 263. Entschließe dich, und thue Buße, da noch des Hirten Stimme Lockt. Ach, falle Gott noch heut zu Fuße! Bleibst du noch fühllos und verstockt, wie er von seinem Thron dir zum würde deine Straf und Bein Retter seinen Sohn. so fürchterlich, so schwer einst 6. Daß du jetzt noch lebst sein! und denkst, ist blos Güte deines Gottes. Denke, wärst du nicht nicht fehlen! Hör du nun auch 2. Am Rufen läßt es Gott schon längst, schwacher Mensch, und beffre dich. Noch kannst ein Raub des Todes, hätte Gott du Fluch und Segen wählen. dich nicht bewacht und bedeckt Gott selbst bezeugt ja väterlich: durch seine Macht! ihn jammre deine große Noth, er wolle nicht des Sünders Tod. 7. Rühret deines Gottes Huld, rührt der Reichthum ſeiner Güte, seine schonende Geduld, rühret noch begehren, das Gott nicht dies nicht dein Gemüthe; o so schon an dir gethan? Er will, 3. Bedenk, was kannst du 188 Heilsordnung. Besserung du sollst zum Himmel kehren, Zeit dir Gott zum Heile no beut dir die Gnad, zeigt dir verleiht? die Bahn; bezeugt, er sei dir treu und hold, er wolle, daß du leben sollt. 9. Jetzt zeigt er dir noch sein Gnade; wend sie zu deinen Heile an. Kehr ungesäumt vom 4. Jetzt will dir Gott noch Sündenpfade und werde Christ Gnade schenken; du aber woll- unterthan. Schmeck, welch ein test sie verschmähn und eher Heil er dem gewährt, der si nicht an Beßrung denken und rechtschaffen zu ihm kehrt. Luft und Kraft dazu erflehn, als bis der Tag des Heils ent= 264. Mein Heiland nimmt flohn, bis Todesschrecken dich bedrohn? 5. Verlaß nicht auf die lezten Stunden, nicht auf des Schächers Beispiel dich, der Gnade noch am Kreuz gefunden; der andre neben ihm erblich und ging mit unbekehrtem Sinn an seinen Ort Richter hin. die Sünder an, die bei der schweren Laft der Sünden fein Mensch, kein Engel trösten kann, die nirgend Ruh und Rettung finden. Ja allen, welchen Fluch und Tod, Gesetz und ihr Ge wissen droht, die stets den Rich ter fürchten müssen und keine sichre Zuflucht wissen, wird eine nimmt die Sünder an. Freistatt aufgethan: denn Jesus zum - 6. Wir können uns nicht selbst bekehren, nicht schaffen unsre Heiligung, Gott muß selbst dern kam der Heilige herab u 2. Aus Liebe zu den Sün dem Verderben wehren und Erde und ward ein Mensch fördern unsre Besserung. Von und übernahm die Bürde, welche oben her nur kommt die Kraft, sie beschwerte; er senkte sich in die neue Herzen in uns schafft. ihre Noth, ging für sie willig 7. Von oben diese Kraft zu in den Tod, und nun, da et senden, ist Gott zwar immer- sein eigen Leben, sie zu versöh dar bereit; allein sie heilsam nen, hingegeben und so für fie anzuwenden, verlierst du Kraft genug gethan, so und Lust und Zeit, je länger nimmt die Sünder an. du die Sünde liebst und deine Besserung verschiebst. heißt's: et 3. Wer hat jemals ein Herj gesehen, das sich mehr nach den 8. Der Kampf wird schwerer, Sündern sehnet, sowohl wenn und du träger zum Wachen, sie noch irre gehen, als wenn Streiten und Entfliehn; die ihr Auge vor ihm thränet? Wie Sünde mächtiger, du schwächer, huldreich ist sein Blick und Wort dich ihrer Herrschaft zu entziehn. den Zöllnern und den Sündern Und weißt du denn, wie viele dort, die sich mit Reue und mit durch Buße und Glauben. 189 Thränen nach seiner Huld und ich genießen; Gott wird ja eben Freundschaft sehnen! Wie willig nicht schon heut die offne Thür nimmt er alle an, die sich buß- der Gnade schließen. Nein, weil fertig zu ihm nahn. er ruft, so höre du, und greif mit Glaubenshänden zu! Wer diesen Tag sein Heil verträumet, hat eine Gnadenzeit versäumet, die ihm den Himmel aufgethan. heut komm, heut nimmt dich 4. Wie huldreich sah er Petrum an, ob er gleich noch so tief gefallen! Noch thut er, was er dort gethan; sein Auge blickt noch stets nach allen, daß er sie rette und erfreu. Er bleibt Jesus an. stets gütevoll und treu; ist, wie 8. Du, aller Sünder Heiland, bort, unter Schmach und Leiden, rühr durch deine Liebe unsre so jegzt noch auf dem Thron Herzen. Ach, möchten Sünder der Freuden, den Sündern lieb- doch vor dir nicht fliehen und reich zugethan und nimmt sich ihr Heil verscherzen! Erfüllt die ihrer herzlich an. Sünde uns mit Schmerz, so 5. So nahe denn, wer Sün- heil und tröste unser Herz; wenn der heißt, wen seiner Sünden wir Tod und Verderben sehen, Last beschweret, zu dem, der so laß uns doch nicht stille stehen, Reinen von sich weist, der Heil bis daß nun Jeder sagen kann: und Trost von ihm begehret! Heil mir, auch mich nahm JeSollt er vergeblich nach dir sus an! jehn? Berlorner, wolltest du ihn schmähn, den Retter, wel bir mel. Werde munter, mein Gemüthe zc. noch der Sünde dienen? Nein, fliehe 265. Schaffet, schaffet, Menvon der Sünden Bahn zu ihm, er nimmt die Sünder an! 6. Ist deiner Sünden Menge schwer, hast du viel Schuld auf dich geladen: so schäme dich schenkinder, schaffet eure Seligfeit! Bauet nicht, wie sichre Sünder, auf die ungewisse Zeit; unverweilt bekehret euch, ringet nach dem Himmelreich und be= müht euch hier auf Erden heilig, selig dort zu werden. desto mehr; doch fliehe nicht om Thron der Gnaden. Wenn bu es jetzt recht ernstlich meinst, 2. Doch soll dieses recht geaufrichtig deine Schuld beweinst: schehen, so müßt ihr mit festem jo läßt bei noch so großen Sün- muth aller Sünde widerstehen, den dich doch dein Mittler Gnade nur was Gott, das höchste Gut, finden. Er, der für sie genug von euch fordert, muß allein gethan, nimmt auch die größten| eures Lebens Richtschnur sein; Sünder an. das, das wird dem reinen Her7. Nur sage nicht: Es hat zen Freude bringen ohne Schmernoch Zeit; noch diese Lust muß zen. Heilsordnung. Besserung 3. Selig, wer durch Glau- Gieb mir deines Geistes Waffen ben kämpfet, felig, wer im Kampf meine Seligkeit zu schaffen. besteht, wer der Sünde Lüfte 8. Gieb zum Wollen das Volldämpfet, standhaft ihren Reiz bringen, Muth und Kräfte verschmäht! Seht auf Christi dem Streit; lehre mich, mi Kreuzesschmach, jaget stets der selbst bezwingen, und verleih Tugend nach, so könnt ihr den Beständigkeit. Zeige mir von Himmel erben, fröhlich leben, deinem Thron den verheißnen fröhlich sterben. Gnadenlohn, daß ich wacht bete, ringe und also zum Himmel dringe. 4. Werdet ihr nicht standhaft ringen, sondern träg und lässig sein, eure Neigung zu bezwingen: wie kann euch der Sieg Wider den Aufschub der Bekehrung erfreun? Ohne tapfern Streit 190 und nie Mel. Nun danket alle Gott xc. und Sieg; nur den Sieger 266. Laß mich doch, o mein schmückt zum Lohne unverweltt Gott, die Buße nicht aufschie die Himmelskrone. ben, die mir dein Wort gebent. 5. Brünstig beten, allzeit Wie könnt ich sonst mich lieben! wachen, die Versuchung weis- Jst wahre Beßrung nicht me lich fliehn, sich die Pflicht zur ner Seele Glück? warum Freude machen, und mit Sorg- säum ich denn noch einen Aufalt sich bemühn, selbst beim genblick? Spott und Hohn der Welt das zu thun, was Gott gefällt; dieses wollen und vollbringen, deiner werth zu sein, im Glau heißet nach dem Himmel ringen. ben mich bestrebe. Wenn ich 2. Du, Gott, gewinneft nichts, wenn ich mich dir ergebe, und, 6. Drum entreißet euch den das Gute thu, was mir dein Lüsten, die ihr noch gefesselt Wort gebeut, wem dien ich? seid, und beweiset euch als Chri- Nur mir selbst und meiner Se sten, muthig, standhaft in dem ligkeit. Streit. Schont der liebsten 3. So süß das Laster ist Sünde nicht, wär es auch die so giebt's doch keinen Frieden; schwerste Pflicht, und denkt oft der Tugend nur allein haft du an Christi Worte: Dringet durch dies Glück beschieden. Wer dir, die enge Pforte! o Gott, gehorcht, erwählt das 7. Zittern will ich vor der beste Theil; wer dich, o Gott, Sünde und dabei auf Jesum verläßt, verläßt sein eignes Heil. fehn, daß ich seinen Beistand 4. Was weigre ich mich denn, finde, in der Gnade zu bestehn. Das Laster zu verlassen? Weil Ja, mein Heiland, ach geh nicht es mein Unglück ist, befiehlt mit mir Armen in's Gericht. du es zu hassen. Was säum durch Buße und Glauben. 191 ich länger noch, der Tugend 10. Noch heute, da ich leb' Freund zu sein! Weil sie mich glücklich macht, befiehlst du sie allein. und deine Stimme höre, gieb, daß ich ungesäumt mich, Herr, zu dir bekehre: so darf ich nicht dereinst zu meiner größten Pein mein hier versäumtes Glück, wiewohí zu spät, bereun. 5. Die Buße führt mich nicht in eine Welt voll Leiden! Sie führt zur Ruh, zum Glück, sie führt zu wahren Freuden! Sie macht die Seele rein, erfüllt mit Zuversicht, giebt Weisheit und Verstand und Muth zu jeder Pflicht. 6. Wahr ist es, es ist schwer, sein eigen Herz bekämpfen, Begierden widerstehn und seine Lüste dämpfen; doch bleibt es meine Pflicht, und alle Schwietigkeit, die heute mich erschreckt, wird größer mit der Zeit. 7. Je öfter ich das thu', was böje Luft befohlen, je stärker 2. Der Mensch kann sein wird der Hang, die That zu Verderben nicht aus eigner wiederholen. Scheu ich mich Kraft empfinden; er ist ohn heute nicht, dein Feind, o Herr, deines Wortes Licht, blind, taub, zu sein, um wie viel weniger ja todt in Sünden. Verderbt werd ich mich morgen scheun! ist Wissen, Wollen, Thun; von 8. Die Selbstbeherrschung diesem Elend wollst du nun, o schafft ein göttliches Vergnügen; Bater, mich entbinden. und du, Gott, giebst uns Kraft, Entschließung zur Bekehrung und Bitte um göttlichen Beistand dazu. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit zc. 267. Ich will von meiner Missethat mich, Herr, zu dir bekehren, und will auf dein Gebot und Rath dir neue Treue schwören. Mein Gott, du wirst mir dazu Kraft durch den, der neue Herzen schafft, aus Gnaden auch gewähren. 3. Klopf durch Erkenntniß uns selber zu besiegen. Es sei bei mir an, und führ mir wohl denn schwer und geh im An- zu Sinnen das Böse, welches ang langsam fort, so bringt's ich gethan; du kannst mein och Heil, und du stärfst uns, Herr, durch dein Wort. Herz gewinnen, daß ich vom Laster mich bekehr, daß über meine Wangen her reuvolle Thränen rinnen. 9. Wie schnell tann nicht der Lod mich dieser Welt entrücken! Und Buße ist kein Werk von 4. Wie hast du doch auf mich wenig Augenblicken. Ein Seuf- gewandt den Reichthum deiner zer, Gott, zu dir, ein Wunsch Gnaden! Mein Leben dant ich nach Beſserung, und Angst auf deiner Hand, du hast mich überMissethat ist noch nicht Heili- laden mit Ruh, Gesundheit, gung. Ehr und Brod; du machst, daß 192 Heilsordnung. Besserung durch Buße und Glauben. mir noch keine Noth bisher hat können schaden. 10. Jetzt aber endlich, jest erwacht mein Herz mit Angst 5. Du ließest deinen Sohn und Schrecken. Ich zittre vot für mich am Stamm des Kreu| des Richters Macht, vor der uns zes bluten; dein guter Geist be- nichts fann decken. Und was mühte sich mit meiner Zucht wird nun mein Urtheil sein! zum Guten; bisweilen bin ich auch dabei, daß ich nicht lebte ohne Scheu, gestäubt mit Vater- Ruthen. Ach, ewig ist der Laster Pein, die Leib und Seel beflecken! 11. Wo bleib ich denn in dieser Noth? Nichts helfen 6. Hab ich nun auch, o Gott, Thor und Riegel! Wo flieh ich vor dir zu wandeln mich be- hin? O Morgenroth, ertheil flissen? Ach nein, das sagt zur mir deine Flügel! Verbirg mich, Schande mir mein aufgeweckt o du fernes Meer! Bedecket Gewissen. Darin ist leider nichts mich, fallt auf mich her, ihr gesund; es fühlet, durch und Klippen, Berg und Hügel! durch verwund't, was Sünder leiden müssen. 12. Ach! ach! umsonst und könnte ich hinauf zum Himmel 7. Die Thorheit meiner jun- steigen, und dann auch zur gen Jahr, die vielen schnöden Verbergung mich herab zut Sachen, die Sünden, die dir Hölle neigen; dein Auge dringt offenbar und jetzt in mir er- durch Alles sich, du kannst an wachen, die liegen wie ein Berg allen Orten mich in meiner auf mir, weil sie mich, Heilig- Schande zeigen. ster, vor dir verdammungswürdig machen. 13. Herr Jesu, du, du machst uns rein und heileft unfre 8. Ach, meine Gräuel allzu- Wunden; du willst des Sünmal schäm ich mich zu gestehen; ders Zuflucht sein bis zu den groß sind sie und fast ohne letzten Stunden. Dir ist gewiß Zahl, wer kann sie übersehen! o Gotteslamm, auch meine Unsäglich schwer ist ihr Ge- Schuld am Kreuzesstamm zu wicht, und gehst du mit mir tragen aufgebunden. in's Gericht, so müßt ich gar 14. Dies glaub ich, Herr, und fleh zu dir: Nimm weg 9. Bisher hab ich in Sicher- den Fluch und schenke den Se heit ganz unbesorgt geschlafen; gen deines Todes mir, nicht gedacht, es hat noch lange Zeit, meiner Sünden denke; vielmehr Gott pflegt nicht bald zu stra- um jener Straf und Laft, die fen; er handelt nicht nach du auf dich genommen haft, unsrer Schuld, es hat der gute ins Meer sie alle sente. Hirt Geduld mit den verirrten Schafen. vergehen. 15. Dann will ich, Herr, aus Dankbarkeit den Weg der Sünde Gesinnungen der Bußfertigen. 193 meiden; die Tugend lieben alle=| wieder, was ihm Betrug und zeit, und lieber Alles leiden, als List entwandt; führ die von daß ich Sünd aus Vorsatz dir verführten Brüder zu Gott thu. Ach, Herr, gieb du stets zurück; reich deine Hand dem Kraft dazu, bis ich von hier Unterdrückten; liebevoll thu werd scheiden. Jedem, auch dem Feinde, wohl. 6. Flieh Neid, Verleumdung, Gesinnungen der Bußfertigen. Haß und Lügen; begehr nicht, Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. was des Nächsten ist; zeig durch den Abscheu vor Betrügen, daß 268. Mein Schöpfer, lehre du ein Freund der Tugend bist. mich wohl fassen, was wahre, Dies suchen und die Sünde rechte Buße sei. Hilf mir die fliehn, heißt Buße thun, nach Sünden ernstlich hassen, und Christi Sinn. laß mich ohne Heuchelei mein Leben bessern; dies allein kann ein Beweis der Buße sein. 2. Dein Sohn, mein Mitt7. Gott, ändre du selbst mein Gemüthe und gieb mir einen neuen Sinn; auch wirk in mir nach deiner Güte rechtschaffne ler, spricht: Thu Buße; ver- Buße; nimm dahin, was Sündändre, besfre deinen Sinn; fall liches noch an mir klebt und deinem Gott gebeugt zu Fuße, deinem Willen widerstrebt. und bleibe nicht mehr, wie vorhin, ein Mensch, der seine alte Sünd noch immer nährt und reizend findt. 8. Laß mich's mit ganzem Ernst bereuen, daß ich mit Sünden dich betrübt; laß mich durch Folgsamkeit erfreuen dich, 3. Bezähme nun in dir die der mir so viel Gnade giebt. Liebe zu alle dem, was Sünde Laß mich das Böse stets beheißt, und folge jedem guten reun, ein guter Mensch zeitle= Triebe, den dir Gott giebt bens sein! durch seinen Geist. Sei Mel. gegen Gott nun als sein Kind mel, Was mein Gott will, gescheh zc. recht folgsam und recht treu 269. Verwirf, verwirf mich gefinnt. 4. Dein Frommsein sei kein Sünder nicht, o Jesu, Quell Heuchelwesen, dein Beten nicht des Lebens! Zu dir steht meine Scheinheiligteit. Laß aus den Zuversicht. Du hast ja nicht außern Werken lesen, daß du vergebens erduldet Schmach und dein Herz Gott ganz geweiht. Tod und Schmerz. O denke Vollbringe nun, was Gott ge- an dein Sterben, und fällt, und flich die Lüste diejer mein zerknirschtes Herz vom sündlichen Verderben. rette Welt. 5. Erstatte auch dem Nächsten 2. Dir ist mehr, als mir 13 Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. 194 Gesinnungen der Bußfertigen. selbst bewußt, wie sich so viele| Redlichkeit dich und den NächSünden, so manche Arten böser sten liebe. Lust in meinem Herzen finden. 7. Und weil ich selbst nicht Da regt sich Wollust, Eitelkeit, tüchtig bin, das Gute zu vollGeiz, Hochmuth, Eigenliebe, führen, so wollest du, Herr, Zorn, Rachbegierde, Haß und meinen Sinn selbst lenken und Neid und andrer Sünden regieren, daß mich, gestärkt von Triebe. deiner Hand, die starke Lust zur Sünde, die sonst so oft mich überwand, num nicht mehr überwinde. 3. Ich Schwacher kann durch eigne Kraft mich nicht davon befreien. Wird nicht dein Geist, der Alles schafft, mein sündlich Herz erneuen: so bleibt es todt, mel. Herzliebster Jesu, was hast du z. so kann es nicht zur rechten Reu gelangen, auch keine wahre 270. Erzeig an mir, Gott, Zuversicht zu deiner Huld em- deine große Gnade; gieb, daß pfangen. sie meiner Sünde mich entlade; 4. Drum stehe du mir selber du hast ein Vaterherz; du liebst bei, o Jesu, reich von Gnaden; das Leben und fannst verge mach mich von dem Verderben ben. frei, heil meiner Seele Schaden! Ach, Herr, verleih, daß ich durch dich recht in mich selber gehe, und wie viel böse Lüste sich in mir noch regen, sehe! 2. Die Sünde müsse sich an mir nicht rächen! Gott, wasche mich von allen den Verbrechen, die mich beflecken, rein von allen Sünden, die ihn entzünden. 3. Ach, Richter, deine Dro 5. Laß deinen Geist mein hungen beweisen, daß du ge hartes Herz so rühren und er- recht bist! deine Strafen preis weichen, daß es nicht mehr, voll sen dich, daß du rein seist, heiReu und Schmerz, zum Lafter lig, der Verbrecher furchtbarer mög abweichen. Ach, mach es Rächer! durch den Glauben rein, ge- 4. Verbirg, verbirg vor deineigt zu guten Werken! Flöß nem Angesichte mein Uebertre du mir Matten Kräfte ein, du ten, daß es mich nicht richte! Tilg aus die Laster, welche mich entweihen, weil sie mich reuen. nst, du wirst mich stärken. 6. Zerbrich die Selbstgefälligfeit und meinen bösen Willen, 5. Ein Herz voll Kummer, und laß mich, was Dein dich erzürnt zu haben, gefällt Wort gebeut, aus Liebe treu dir mehr als Opferblut und erfüllen. Gieb, daß ich Demuth, Gaben; du wirst die Seelen, Mäßigkeit, Geduld und Sanft- die nach Gnade schmachten, Gott, muth übe und stets mit aller nicht verachten. Gesinnungen der Bußfertigen. 195 6, Erquick auch mich in mei- ich durch Gebet und Wachen ner Seele Leiden mit deiner die Seele unverletzt bewahr. Hülfe; gieb den Geist der Freu- Laß mich in deiner Gnade stehn, den, damit er, weil ich keine stets in der Beßrung weiter Kraft befize, mich unterstüße. gehn. 7. Verwirf mich nicht von 5. Nimm deinen Geist, den deinem Angesichte! Gieb dei- Geist der Liebe, Gott, mein Ernen Geist, daß er mich unter- barmer, nie von mir. Ach, richte, den heiligen, daß er auf leite mich durch seine Triebe deine Wege mich leiten möge. und seinen Beistand für und 8. Erschaff in mir, Gott, eine für. Ja, führe mich nach diereine Seele, ein neues Herz, ser Zeit ein zu der frohen Ewigdas deine Wege wähle; und feit. mach es feft und stärke sein Bestreben, nur dir zu leben. Mel. Ach Gott, vom Himmel sieh 2c. 272. Bater der Barmherzigkeit, ich falle dir zu Fuße! Du siehst, wie mich die Sünde reut, wie ernstlich meine Buße! Was ich begangen wieder dich, vergieb mir und erquicke mich durch deine große Güte. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 271. S großer Gott, du reines Wesen, der du nur reine Herzen dir zu deiner Wohnung auserlesen, ach, schaff ein reines Herz in mir, das sich vom Wesen dieser Welt und Lastern unbeflect erhält. 2. Nimm von mir meine Missethat, die mich betrübt und 2. Mach du zuvörderst mein quälet. Leit mich nun selbst Gemüthe durch wahre, echte den guten Pfad, den ich zu Buße rein, und laß es, Gott, gehn gewählet. Gieb Wollen, nach deiner Güte in Chrifti Weisheit, Kraft und Stärt, Blut entfündigt sein. Mach mich daß ich dein mir befohlnes denn auch zur Heiligkeit des Le- Wert, wie mir gebührt, vollbens fertig und bereit. bringe. 3. Regiere mich mit deinem 3. Jesu Christe, der du Geifte, gieb, daß er stets mein haft am Kreuze für mich ArFührer sei, und ich ihm gern men getragen meiner Sünden Gehorsam leiste. Steh mir mit Last, sich auf mich mit Erbardeiner Gnade bei, und gieb mir men! Du Welterlöser, Gottes einen solchen Geist, der dir ge- Sohn, ich bete an vor deinem weiht und heilig heißt. Thron, erhör mein sehnlich Flehen! 4. Durch deine Gnade stärt mich Schwachen; mach mich 4. Entfündige mich durch vorsichtig in Gefahr. Gieb, daß dein Blut, laß, was du durch 13* 196 Gesinnungen der Bußfertigen. dein Streben erwarbst, auch Doch gern schenkst du dem kommen mir zu gut: entreiß Müden auch wieder Ruh und mich dem Verderben. Vertritt Frieden. mich, Mittler, im Gericht, da= mit mit mir der Richter nicht verfahr, wie ich's verschuldet. 5. Gott, heilger Geist, der Seele Licht, Regierer der Gedanken, gieb mir die Kraft, die mir gebricht, und laß mich nicht 5. Durch dich, o Jesu. it mehr wanten. Mach' heilig das Alles auch gebüßt, was i meinen Sinn, und wehr dem gefündigt habe. Du brachte Fleisch, daß seine Lust nicht aus dem Grabe das, was aud mehr in mir die Herrschaft mir beschieden, Begnadigung führe. und Frieden. Du 4. Im Glauben an dein Blut kann ich auch dieses Gut de Friedens wieder finden. D willst, haß ich die Sünden, aus Gottes Ungedenken in's Meet sie alle senken. 6. Und wenn des Kampfes 6. 3st meine Strafe gro. Stunde naht, so hilf mir treu- du machst von ihr mich lo lich kämpfen; du weißt die der ich dein Kreuz umfasse und Angst, die Missethat dann rege dir mich überlasse. Du spricht: macht, zu dämpfen. Durch dich Dir ist besieg ich jede Noth; durch dich dring ich selbst durch den Tod als Sieger hin zum Leben. verziehen, und alle Schrecken fliehen. 7. Mir mangelt zwar noch viel, das sagt mir mein Gefühl. Doch was ich nöthig habe, is Alles deine Gabe. Den Reiz 273. Wo flieh ich Sünder überwinden. zu neuen Sünden hilfst du auch Mel. Wo soll ich fliehen hin zc. hin, der ich so strafbar bin? 8. Und wenn der Hölle Heer Wo kann ich Rettung finden? auf mich gerüstet wär, so will Mich drücken schwere Sünden, ich doch nicht zagen. Mit dit, daß alle Welt der Bürde mich nicht entladen würde. Herr, kann ich's wagen. Du hast ja selbst verheißen, nichts soll mich dir entreißen. 2. O Jesu, voller Gnad, auf dein Gebot und Rath flieh ich 9. Dein Tod ist's, was uns zu deiner Güte mit hoffendem Kraft, dir treu zu sein, vers Gemüthe. Laß du auf mein Ge- schafft. Er predigt Ernst und wissen Trost und Erquickung Liebe und so stärkt er die fließen. Triebe, durch Tugend und durch 3. Ich undankbares Kind, zum Guten träg und blind, seh zu machen. Wachen sich dir, Herr, werth L es mit Angst und Schrecken, 10. Darum ergeb ich mich daß Sünden mich beflecken. mein Heiland, ganz an dich, Gesinnungen der Bußfertigen. 197 vor dem ich dankbar weine; ben. Laß mich im Glauben liedu siehest wie ich's meine. Ich ben dich und meinen Nächsten will mich stets bestreben, dir gleich als mich; ach, leite mich würdiger zu leben. durch deine Händ so bis an's End, daß meinen Lauf ich froh 11. Stärk du mir nur den Sinn, Herr, deß ich ewig bin, vollend! mit Sorgfalt stets zu meiden, 4. Preis sei auf dem erhabwas mich von dir fann schei- nen Thron dem Vater aller den. So leb ich dir und erbe Güte! Preis Jesu Christo, den Himmel, wenn ich sterbe. seinem Sohn, mit dankbarem 12. Herr, Amen! Es gescheh, was ich in Demuth fleh. Steh du mir stets zur Seite, Gemüthe! Wir preisen auch den heilgen Geist, der uns den Weg zum Leben weist, uns ja mein Fuß nicht gleite; so Pilger stärket und erfreut hier werd ich deinen Namen einst in der Zeit und hilft uns zu ewig preisen. Amen! der Ewigkeit. daß Mel. Ach Gott und Herr 2c. 274. Allein zu dir, Herr Jeſu Chrift, fleh ich, gebeugt 275. Mein Gott und Herr, von Sünden; ich weiß, daß du ich bin nicht der, der vor dir mein Heiland bist, sonst ist kein tann bestehen. Erbarme dich, heil zu finden. Es ist kein laß über mich für Strafe Gnad Retter außer dir, kein Mensch, ergehen. tein Engel, welcher mir aus 2. Mit wahrer Reu bekenn meinen Nöthen helfen kann; ich frei, ich sei vor dir ein dich ruf ich an; du bist's, der Sünder. Doch du vergiebst helfen will und kann. uns gern, und liebst, uns deine 2. Erbarmer, meine Schuld schwachen Kinder. it groß, sie reuet mich von 3. Laß mich, dein Kind, doch berzen. Erbarmer, sprich von durch die Sünd nicht kommen hr mich los durch deines To- in's Verderben; ich bitte dich, des Schmerzen. Mit Huld du wollest mich, mein Vater, nimmt mich der Vater an, weil nicht enterben. genug für mich gethan; 4. Mein Jesus hat an meier nimmt von dem die Sünden- ner Statt, da er für mich gelaft, der gläubig faßt, was du storben, genug gethan. Ich uns selbst versprochen hast. 3. Gieb mir auch die Barmherzigkeit, beständig so zu glauben. Laß Lasterlieb und Eitel- der Noth, die feit dies Kleinod mir nicht rau- gelitten, da er für mich genehme an mit Dant, was er erworben. 5. Denk an den Tod, gedenk er am Kreuz 198 Gesinnungen der Bußfertigen. opfert sich und Frieden mir, suche unter des Gewissens Pein erstritten. 6. Mir, der ich bin versöhnt durch ihn, laß diesen Trost nichts rauben. Ich bin ja sein, sein Heil ist mein; Gott stärke meinen Glauben. Du gingst unter Schmach un Fluche für uns in's Gericht hin ein; du, des Todes Ueber winder, hast nun die erlöfte Sünder, so gerufen zu der Bus daß ich folgsam kommen mus 7. Jch bleibe sein, er bleibet mein und will mich nicht verlassen. Ihm zugethan, will ich fortan die Sünde fliehn und haffen. mich Sünden über mich weit ausge 3. Ach, es ist die Nacht da breit; tiefer, als ich kann er gründen, hat die Sünde mig 8. Ich weiß, daß mir, mein eitel, trachten, Gott und entweiht; nur nach dem, wa Gott, von dir die Sünden sind Gesetz nicht achten, sicher se je vergeben. Laß mich hinfort bei der Gefahr, reizt das Fleiſ nach deinem Wort und dir zu mich immerdar. Ehren leben. 4. Herr ,. ich fühl's, und mu bekennen, daß die Sünde wohnt in mir. Das zwar, was wit Tugend nennen, halt ich meiner Seele für; aber Fleisch und Blut bezwingen und das Gutte deinen zu vollbringen, ich thu selten, mach was ich soll, was ich nicht wil, thu ich wohl. 9. Was zag ich noch, verwandelt doch in Schaun sich einst mein Hoffen; bleib ich nur hier treu, Jesu, dir, steht mir der Himmel offen. 10. Da werd ich sein ganz sündenrein und preisen Namen in Ewigkeit; mich bereit dazu durch Jesum, Amen! 5. Gott, ich kann es selbst nicht wissen, wie viel meiner Fehler sind; mein von dir er weckt Gewissen straft mich, de ner Seele Sorgen, mein Ber abtrünnig Kind. Dir sind me stra Mel. Jesu, meines Lebens Leben zc. 276. Jeju, der du meine langen nicht verborgen; fr Seele haft erlöst durch deinen nicht meine Missethat, wie s Tod; der du mich von Bein es verdienet hat. und Hölle, welche sonst dem 6. Jesu, du haft weggenom Sünder droht, zu befrein, dein men meine Schulden durch dein Blut ließt fließen, und mich Blut; laß nur diese Gnade tom das nun läsfest wissen durch men mir in meiner Angst dein gnadenvolles Wort, sei gut. Herr, du hast ja mein: auch jegt mein Trost und Hort! Plagen büßend einst am Kreu 2. Treuer Retter, den ich getragen; ach, so sprich du mid Empfindungen bei tiefer Traurig. keit über die Sünde. Gesinnungen der Bußfertigen. 199 nun frei, daß mein Herz sich sagt: daß kein Pilger dieser wieder freu. Erde des Verderbens Beute werde, sondern ewig leben ſoll, war sein Herz nnr glaubensvoll. 7. Wird der Feind auch bald mit Schrecken, bald durch falsche Freundlichkeit in mir neuen Kampf erwecken und mich for12. Herr, ich glaube, stärk dern auf zum Streit: so laß mich Schwachen; lange laß mich mich nicht unterliegen. Hilf mir, zagen nicht. Du, du kannst mich hilf mir, Jesu, siegen! Du bist freudig machen, wenn es mir meine Zuversicht; ach, verlaß an Muth gebricht. Auf dich will mich Schwachen nicht. ich fest vertrauen, auf dein Wort und Vorbild schauen; du giebst Kämpfern nach dem Streit den Streitern gab, sende in den Kronen in der Ewigkeit. Prüfungsstunden Stärke auch auf mich herab! Deine Pein, dein 8. Du, der unter Schmach und Wunden Muth und Sieg wenn Kämpfe mich erhigen, 277. Straf mich nicht in deinem Zorn, großer Gott, ach schone! Ach mir, der verdienet dämpfen ihre Glut und mich überwinden, Herr, durch dich! 9. Werd ich vor's Gericht Zorn, nach Verdienst nicht lohne! hintreten, dem Niemand ent- Ich empfind meine Sünd und fliehen kann, ach, dann wollest schau nach dem Lamme an des du mich retten und dich meiner Kreuzes Stamme. nehmen an. Du allein, Herr, 2. Herr, wer kann sich deiner fannst es wehren, daß ich nicht freun in des Grabes Höhle? den Fluch darf hören: Ihr zu mache frei von Angst und Bein meiner linken Hand, seid von die gebeugte Seele, daß sie dir, mir noch nie erfannt. der du ihr halfft am Gnaden= 10. Das Gedächtniß deiner tage, sanft erquickt Dant sage. Schmerzen, das Gedächtniß dei- 3. Zeig in deiner Vaterhuld ner Pein, laß zum Troste mei- dich zum Trost mir Schwachen; nem Herzen immer gegenwär- du kannst von der schweren wärtig sein; denken, wenn mich Schuld mich allein frei machen. Leiden drängen und den Pil- Heile mich, zeige dich mir in gerlauf beengen, daß du mir, deiner Gnade, Gott, du Gott Herr Jesu Christ. Mittler und der Gnade! Bollender bist. 4. Ach, wie lange werd ich 11. Du wirst jeden Kummer noch seufzen, mein Erbarmer! stillen, den mein banges Herz Wann wird auf das Lager doch, dir flagt; es wird deine Treu wo im Schmerz ich Armer erfüllen, was du selber zuge- manche Nacht durchgewacht, Gefinnungen der Bußfertigen. wo jest Thränen fließen, fich| wandelt, wie oft ich Sünder dein Trost ergießen! wider dich und dein Gebot ge 5. Ach, wie ist dies Herz so handelt! Wer fönnte mich von matt, das die schweren Plagen dieser Pein, die meinen Frieden schon so lang gefühlet hat; stört, befrein, wenn ich dein kraftlos sie zu tragen, spricht's: Wort nicht hätte? Wie lang soll ich bang, Heiland müder Seelen, trübe Stunden zählen. 4. Du hast es selber zuge sagt, du wollteft dem vergeben, der seine Schuld vor dir be 6. Gott, ich weiß, du sendest tlagt und dir nun denkt zu le mir Hülfe auf mein Beten; bald ben; Trost giebst du, wie dein werd ich, erquickt von dir, dan- Wort verheißt, dem, welcher tend vor dich treten. Seele, mit gebeugtem Geist, Herr, deischweig! Gnadenreich will Gott nen Frieden suchet. an dich denken und dir Freuden schenken! 5. Du, dem ich nicht verbor gen bin, du, Herr, vor dem ich 7. Bater, dir sei ewig Preis flage, du siehst und kenneſt meihier und auch dort oben; Chri- nen Sinn, die Sehnsucht, die stus sei mit gleichem Preis hoch ich trage: daß du mir möget von uns erhoben! Heilger Geist, gnädig sein und mich mit dei ſei gepreist, der du uns be- ner Huld erfreun, wie David tehrest und uns Trost gewährest! und Manasse. 200 6. Herr, der du nicht ver278. Herr Jesu Christ, du treten, vor dir beug ich auch wirfest die, die flehend vor dich höchstes Gut! Erwerber aller meine Knie, erhöre du mein Gnaden! Ich komme mit ge- Beten! Vergieb mir, und ent beugtem Muth, mühselig und lade mich der Sünde, die ich beladen. Ach, Unruh ist mein wider dich und dein Gebot beganz Gefühl! Wie sind der Sünden doch so viel, die meine Seele drücken! gangen. 7. Ach Herr, verzeihe sie mir doch um deines Sohnes willen! 2. Erbarm dich meiner; nimm möchtest du nur diesmal noch die Laft, die schwere Last vom mir meinen Kummer stillen, daß Herzen, Herr, der du mich ver- sich mein Herz zufrieden geb söhnet haft am Kreuz durch und dir hinfort zu Ehren leb Todesschmerzen. Ach höre, Herr, zu dem ich fleh, und sieh herab von deiner Höh, was dir mein Herz jetzt klaget. in kindlichem Gehorsam. 8. Stärt auch mit deinem Freudengeist mich in den letzten Stunden; wenn sich mein Geist 3. Ach Herr, mit Schmerzen der Erd entreißt, von Sünden sehe ich, wie sündlich ich ge- ganz gebunden. Und nimm mich Gesinnungen der Bußfertigen. dann, wenn dir's gefällt, in| Empfindungen eines solchen, der wahrem Glauben aus der Welt lange leichtsinnig gelebet. zu deinen Auserwählten. 201 Mel. Werde munter, mein Gemüthe zc. 280. Vater, laß mich Gnade finden; väterlich ist ja dein Sinn; Mel. Herzliebster Jesu, was haft 2c. da ich über meine Sünden tief279. Aus dunkler Tiefe, Herr, mit schwerem Herzen ruf ich zu dir in meinen Sündenschmerzen. O mache mich, Gott, meines Kummers ledig, und sei mir gnädig. gebeugt und traurig bin. Ach, du siehest, wie ich hier, gleich dem Zöllner, Gott, vor dir voller Reu und Demuth stehe und zu dir um Gnade flehe. 2. Du bist heilig; ich dagegen bin auf meinen Sündenwegen bin durch Missethat entweiht, 2. Beschämt erkenn und fühl ich meine Sünden. Laß, Vater, mich Erbarmung bei dir finden. Willst du auf Schuld und Uebertretung sehen, wer wird bestehen? von dir abgewichen weit. Strafe nach Verdienst mich nicht. So Uebertreter gehen, wie wollt ich du wollteft in's Gericht mit mir vor dir bestehen! 3. Bei dir allein, Herr, stehet 3. Gott, nach deines Wortes zu vergeben. Du willst nicht, Lehre willst du nicht des Sündaß wir sterben, sondern leben; ders Tod; sondern, daß er wie= uns soll die Größe deiner Liebe derkehre ungesäumt zu dir, D lehren, dich treu zu ehren. Gott; Herr, auf dein Wort 4. Verzeihe mir, Gott, alle komme ich zu dir; leben laß meine Fehle. Dein, Bater, har- auch mich, der ich über meine tet meine müde Seele! Laß Sünde Kummer, Trost und Ruh um des Ver- Schmerz empfinde. Reu und jöhners willen mein Herz erfüllen! 5. Dir ist der Seele Sehnen nicht verborgen, erquide sie und fille ihre Sorgen. Du schenkest ja Beladenen und Müden gern deinen Frieden. 4. Gott, dein Sohn betrat die Erde und vergoß am Kreuz werde, welcher glaubt und Buße sein Blut, daß der Sünder selig thut. Ach, um seinetwillen schon! Ja, Herr, laß von deinem Thron sich auf mein verletzt Gewissen des Versöhners Trost ergießen. 6. Ja, hoffe nur, mein Herz, 5. 3war du riefft, ich sollte auf Gottes Gnade. Viel größer kommen, mich so oft, so lange ift fie, als dein Seelenschade. Zeit. Ich, der deinen Ruf verUnd endlich wird sie dich von nommen, Kommen allem Bösen herrlich erlöſen. nicht bereit. Ich hab deinen war zum 202 Gesinnungen der Bußfertigen. Wink verschmäht. Jeht nun| Vorsatz nieder, und herrscht komm ich, aber spät. Vater, wie vorher, in mir! Zum Wider ach, laß auf mein Flehen Gnade stehen träg und schwach, fl noch für Recht ergehen. ich nicht, sondern gab ihr na 6. Gott, von großer Gnad 4. Wie viele fündenvolle und Treue, laß um Christi willen Tage durchlebt ich fühllos doch auch bei später Buß und im Traum! Ich sammelte mi Reue Gnade mich empfahen Schmach und Plage, und fühl noch; schenke mir nach deiner dies méin Elend taum. Gott Huld die so sehr gehäufte Schuld; deine Stimme warnte mig laß mein langes Sündenleben allein ich Sichrer hörte nicht. mir aus Gnaden sein vergeben! 5. Weh mir, ich sehe und 7. O, wie selig bin ich Sün- empfinde, empfind es jetzt der, wenn du, Vater, mir ver- Schmerz und Reu, wie gro zeihst, und die Rechte deiner vor dir, Gott, meine Sünde und Kinder mir auch wiederum ver- meiner Schulden Mengejei; leihst! Ewig will ich dir dafür wie sehr mich das, was ig danken, ewig leben dir; drum vollbracht, Gott, deiner Gnade sprich du in Jesu Namen selbst unwerth macht! zu meinen Bitten Amen! 6. Zu wem, o Vater, soll ich fliehen; wo findet meine Seele Ruh? Wer kann sie au dem Abgrund ziehen, in dem sie seufzet, als nur du? Mein 281. Mein Gott, zu dem Du, Freund des Lebens, rette ganz Vertraun sezz ich auf dich! Mel. Wer nur den lieben Gott zc. Beim Andenken an oft wieder holte Sünden. ich reuig flehe, erbarme dich! mich! Erbarme dich! Noch einmal sieh 7. Für meine wiederholten von deiner Höhe mit gnaden- Sünden floß auch des Weltver vollem Blick auf mich! Erbarme föhners Blut; noch einmal las dich, und gehe nicht mit mir, mich Gnade finden, sein Leiden dem Sünder, in's Gericht. mal, Richter, jage mir: Auth komme mir zu gut, noch eindiese Schuld erlaß ich dir! 2. Wie oft hast du mir schon vergeben, wenn um Begnadigung ich bat; wie oft versprach 8. Erlaß mir sie, Herr, und ich dir ein Leben, gereiniget von gewähre mir neue Gnade, tre Missethat; wie oft gelobt ich zu sein. Auf's neue will ich deidir den Eid der Treue und ner Ehre mich und mein ganzes Beständigkeit! Leben weihn; der Sünde will 3. Ach, aber bald ergriff mich ich widerstehn und standhaft wieder die Sünd, und ihre deine Wege gehn. Lust mit ihr riß meinen ganzen! 9. Vergiß nicht wieder, meine Gesinnungen der Bußfertigen. Seele, wie oft du schon gefallen| sahst, daß ich nun immerdar bist! Merk auf die heiligen Be- fromm zu wandeln Willens war. fehle des Gottes, der dein Ret= ter ist! Ruf ihn im Glauben täglich an: Erhalt mich, Herr, auf ebner Bahn! 4. Aber ach wie oft empöret sich die Sünde noch in mir, übereilet mich und störet meine Freudigkeit zu dir! Leidenschaf10. Ja, ich bin schwach, du ten und die Triebe der verkehrwollst mich stärken, mein Hel- ten Eigenliebe, eh ich's merke, fer in Versuchung sein, zum ziehen sie mich zur Sünde, die Glauben und zu guten Werken mir Kraft und Freudigkeit verleihn. So steh ich fest und wante nicht und du bleibst meine Zuversicht. 203 2. Längst sprach ich zu meiner Seele: Gott will ich mein Leben weihn; alle auch geringe Fehle meiden, jede Sünde scheun; jeden Vortheil, alle Freuden, die mich könnten von ihm scheiden, will ich mit Verachtung fliehn, über Alles lieben ihn. ich flieh. 5. Du verzeihst, Gott, die Gebrechen meiner meiner sündlichen Natur; nicht die Schwachheit wirst du rächen; bösen Vorsatz strafst du nur. Hätt ich nicht den Trost, ich würde unter meiner Mängel Bürde immer voller Kummer sein, deiner, Gott, mich nie recht freun. Beim Gefühle seiner Fehler, Mängel und Lieblingssünde. Mel. Alle Menschen müssen 2c. 282. Ach, wann werd ich von der Sünde, Gott, mein Bater, völlig frei, daß ich ganz fie überwinde, ganz dir wohl gefällig sei? noch emfind ich 6. Stellet mir dann hier auf Erden lebenslang die Sünde nach; kann ich nicht vollkommen werden, bin und bleib ich hier noch schwach: ach, so segne mein ihre Triebe, ob ich sie gleich Bestreben, so gerecht ich kann nicht mehr liebe; noch zu oft zu leben, daß ich doch doch regt sie sich und versucht Heuchelei und zum Bösen mich. von von Bosheit ferne ſei. 7. Wenn ich falle, laß mich's merken; und vom Fall schnell aufzustehn, eile du selbst mich zu stärken. Lehre du mich fester gehn. Warne mich; sei mein Begleiter; täglich führe, Gott, mich weiter, bis ich zur Volltommenheit komme in der Ewigteit. 3. Gott, du sahest, wie ich's meinte, wie ich alle Miſsethat, der ich schuldig war, beweinte und dich um mel. Wer nur den lieben Gott zc. ſahſt mein ernstliches Beſtreben, 283. Wie oft regt sich die meinen Vorsatz, treu zu leben; alte Sünde mit neuem Reiz in Gesinnungen der Bußfertigen. Ruhm! meiner Brust! noch immer fühl| mein Werk, mein Heil, mein ich und empfinde, sie zu begehen, neue Lust. Wie unbegrenzt, wie fürchterlich ist ihre Herrschaft über mich! 7. Dann werd ich endlic überwinden und meiner Lü Sieger sein; dann wirst du all 2. Wie oft hab ich mir vor- meine Sünden, wie viel, wi genommen: Nun will ich meine groß sie sind, verzeihn. Mein Sünde fliehn, rein und unsträf- Leben hier, mein Lobgesang in lich und vollkommen zu wan- Himmel sei, o Gott, dein Dant! deln, will ich mich bemühn; ich will zu Gott um Beistand flehn Mel. Wer nur den lieben Gott und aller Sünde widerstehn! 284. Wie selig, Gott, ist der 3. Auf's neue reizte mich die Sünde: wie schwach war gleich Gerechte! Du bist sein Schild mein Widerstand! Ich gab ihr und großer Lohn. O daß in nach, und wie geschwinde er ganz gerecht sein möchte! Doch griff sie mich und überwand! ach, wie wenig bin ich's schon. Ihr nicht mehr folgen wollte Du weißt es, Gott, ich bin noch ich, und gleichwohl siegt fie weit entfernt von der Vollkomüber mich! menheit. 204 zu finden, das nicht mit deiner 2. Wie viel ist noch an mit Borschrift stimmt! Oft übereilen mich noch Sünden, wenn mein Herz bessern Borsatz nimmt. meine Schuld Ja oft verleg ich meine Pflicht, ge- mein Gott, und weiß es selber nicht. 4. Mein Vorsatz war nicht ganz verschwunden, mein Herz schlug, mein Gewissen rief: und gleichwohl ward ich überwunden und fiel durch so tief. Gott, Richter, ich dacht an dich: und dennoch, den noch fündigt ich! 3. Wer kann, wie oft er fehlet, 5. Wär ich von dieser Sün- merken? Nur du, du siehst mich, denliebe, wär ich doch einmal wie ich bin; nur du kannst mich von ihr frei! Wer schwächt und im Guten stärken, drum fall dämpfet ihre Triebe? Gott, mein ich, Bater, vor dir hin. O madh, Erretter, steh mir bei! Erbarme um heilig ganz zu sein, mich dich, erhör mein Flehn, und von verborgnen Fehlern rein! lehre mich ihr widerstehn! 4. Von aller eitlen Eigenliebe 6. pflanze du in meine befreie mich durch deine Kraft. Seele rechtschaffne Lieb und Luft Erweck und mehr in mir die zu dir! Gott, was ich denke, Triebe zu dem, was wahre was ich wähle, das zeuge durch Bessrung schafft; laß meinen die That von ihr. Dich lieben Fleiß gesegnet sein und meine als dein Eigenthum, das sei Heiligung gedeihn. Gesinnungen der Bußfertigen. 205 5. Du wirst das demuths-| Gottes Höhn, und Wenige, die volle Flehen des Sünders, der ihn recht gehn. Die Pfort ist dich scheut und ehrt, o Gott der eng, und der nur dringt durch Gnade, nicht verschmähen; du sie zu Gott empor, der ringt. bist es, der Gebet erhört. Mein Ich lieg auf meinem Angesicht, Fels, mein Heil, ich traue dir; und fleh und weine, laß dein das, was ich bitte, giebst du Licht mir leuchten, Vater, laß mir. mich dein im Leben und im Tode sein. Mel. Erbarm dich mein, o 2c. 5. Der mir in Christo Alles doch auf mich 285. Jch Staub vom Staube, herab; auf mich, der Sünde wer bin ich, ich Sünder, daß schnellen Raub, den Himmelsdu meiner dich noch stets, du erben und den Staub! Erbarm Heiligster, erbarmst, Weltrichter, dich mein und steh mir bei, d meiner stets erbarmst! Zum ich des Kleinods würdig sei, Glauben und zum Thun zu das Christus mir so theur erschwach, giebt oft mein Herz warb, als er für mich am der Sünde nach; ich kämpf, o Kreuze starb. Bater, nicht genung den Kampf der ernsten Heiligung. 2. Wie schnell ist rechten Bahn zum der Schritt gethan, Mein ganzes 6. Ja, du erbarmest über mich, versöhnter Gott und Vavon der ter, dich. Vom Leibe dieses Tods Irrweg oft befreit, führst du mich einst zur wie schnell! Herrlichkeit, wo meine Tugend Herz erschrict, nicht mehr wankt, und dir, Gott, ewig dafür dankt, daß sie dein blidt. Wie nahe grenzt die Misse- Gnadenlohn beglückt und deiner that an unsers Herzens bösen Sieger Krone schmückt. wenn es in diesen Abgrund Rath! Wie bald wird Frevel jelbst verübt, wenn man erst Schwachheitsfehler liebt! Mel. O König, dessen Majestät zc. 3. Vertreib, o Gott, thums Nacht, entreiße mich der 286. Crbarm dich, Herr, du Sünde Macht! Wie glänzet dei- tennst mein Herz; geneigt zu ner Streiter Sehaar, die einst, Eitelkeiten, läßt sich's durch wie ich, auf Erden war, und die nun, weil sie überwand, den Lohn empfängt aus deiner Hand! Sie ist gekrönt; ich noch im so irrt, von Leidenschaft verStreit; o gieb auch mir Be- führt, auch oftmals meine Seele. Herr, hilf mir, daß ich, als ein 4. Schmal ist der Weg zu Christ, das flich, was vor dir Freude und durch Schmerz oft auf den Irrweg leiten. So wantt ein Rohr, vom Wind regiert: ständigkeit! Glauben an Jeſum strafbar ist, und nur das Gutej recht zu leben. Ich, dein erkaufwähle. tes Eigenthum, will dafür dei2. Laß doch mein Herz nicht nes Namens Ruhm hier und fernerhin in seiner Neigung dereinst erheben. wanken. Erhebe den verirrten Sinn zu himmlischen Gedanken. Wenn von dem Dienst der Eitelkeit mich deines Geistes Kraft befreit, so wird es mir gelin- Mel. Herzlich lieb hab ich dich 2. gen. Ich halte deinem Geiste 287. Vor dir, Herr Jesu, still: ich will mich ändern, Herr, beug ich hie beschämt und trauich will; gieb selber das Voll- rig meine Knie, und wag e bringen. Glauben an Jesum und sein Verdienst. es 3. Umsonst such ich der Tu Sünd und Missethat die strengste kaum zu flagen, wie meine gend Bahn, wenn du mich nicht Straf verdienet hat; doch will begleitest und mich, befreit vom ich nicht verzagen. Herr Jesu Menschenwahn, zu deiner Wahr- Christ, dein Tod allein macht heit leitest. Du haffest jeden fal- mich von allen Sünden rein. schen Schein. Mit Ernst willst Wer an dich glaubt mit wahret du verehret sein; Herr, hilf um Reu, der wird von Schuld und Jesu willen! Erhebe den ge- Strafe frei. Dafür dank ich, beugten Muth; hilf mir der Herr Jeſu, dir, gelobe dir des Leidenschaften Wuth durch deine Lebens Bessrung! Hilf du mir! Gnade stillen. 4. Mein Gott, mein Gott, mel. Gott, du frommer Gott. gedente nicht der Sünden meiner Jugend. Wie hart schien 288. Mag doch der Spötmir oft meine Pflicht, wie rauh ter Heer des Namens Jesu spotdie Bahn der Tugend! Du trugst ten: dich, Heiland, bet ich an: mich dennoch mit Geduld; laß, du kommst, sie auszurotten. Vater, laß mich diese Huld nicht Dein Kreuz ist Thorheit nur undankbar verachten. Dir fol- dem, der verloren geht; uns, gen ist mein wahres Heil; o die der Glaube stärkt, ist's Heil laß mich's, als mein bestes Theil, und Majestät. auch immerfort betrachten! 206 du 5. Ich bin ein Mensch; kennest mich. Wie schwach sind meine Kräfte! Doch, meine Seele hofft auf dich. Du wirst zu dem Geschäfte der Heiligung mir Kraft verleihn und mich mit fiel, von ihrem Fall befrein? deiner Hülf erfreun, vor dir ge2. O du, des Höchsten Sohn, du bist für uns gestorben, haft uns Begnadigung und Selig feit erworben. Ift beides nicht gleich groß: der Welt ein Schö pfer sein, und eine Welt, die 3. Wer kann die Majestät 207 der Lieb und Großmuth faffen: als Sohn des Ewigen der Himmel Thron verlassen; sich selbst erniedrigen; einher in Demuth gehn; der Wahrheit Herold sein, und sich verspottet sehn! von Sünden rein! Herr Jesu Christ, mein Trost und Licht, mein Troft und Licht, verwirf mein sehnlich Flehen nicht! 2. Anbetend steh ich, Herr, vor dir; dein Antlig neige du und sei mir, Sünder 4. Die Wunder Gottes thun zu mir, und an das Kreuz geschlagen, gnädig. Wenn mein Bergehn freiwillig ohne Schuld, der um Rache schreit, so mache Menschen Schulden tragen: um der zu sein, der uns ein ewges heil erwirbt? Değ Herz ist göttlich groß, der selbst für Feinde ftirbt. aus Barmherzigkeit mich aller Strafe ledig. Der du am Kreuz gelitten hast, du trugst auch meiner Sünden Laft, als du zum Heil der Sünder starbst und 5. Dies müsse mein Vertraun| ihnen Gottes Huld erwarbst. ju dir, o Herr, erwecken. Zu Herr Jesu Christ, mein Herr schwach, der Gottheit Rath vom und Gott, mein Herr und Gott, Menschen zu entdecken, bet ich erlöse mich durch deinen Tod! der Liebe Macht, die ich nicht 3. Du, du bist meine Zuver= fassen kann, mit froher Zuversicht: durch dich entflieh ich dem sicht, doch auch in Demuth an. Gericht, dem schweren Lohn der 6. Herr, deine Ewigkeit wird Sünden! Durch dich kann ich mir mehr Licht gewähren; die dem Fluch entgehn und mich wird das Große mir in diesem mit Gott vereinigt sehn und Werk erklären. Unendlich ist ewges Leben finden. Dein Tod mein Heil; o Glaube, der er- ist der Verlornen Heil. Gieb mir freut! Gelobet jei der Herr, ge- an seinem Segen Theil. Er sei lobt in Ewigkeit! auch mir Beruhigung und meines Lebens Heiligung. Herr Jesu Mel. Herzlich lieb hab ich dich zc. auf dich; in dieser Hoffnung Christ, ich hoff auf dich, ich hoff 289. Ich komme, Friedens- stärte mich! fürst, zu dir, erbarmend rufft 4. Mein ganzes Leben preise du ja auch mir, den Frieden dich. Erlöst, mein Mittler, haft u empfangen. Der Sünden du mich, dein Eigenthum zu aft ist mir zu schwer; o laß werden. Wenn ich dein bin, so mein Herz von Trost nicht leer, fehlt mir nichts; nichts einst lag es die Ruh erlangen, die am Tage des Gerichts, nichts der zu dir fliehet, selbst ver- jer Bahn zum Vaterland entdu dem tief gebeugten Geist, hier auf dieſer Erden. Auf dieheißt. Wer tröstet mich als du zeuch mir niemals deine Hand. allein! Wer macht mein Herz Zu deinem Dienste stärke mich, und sein Verdienst. 208 Glauben an Jeſum und laß mich siegen einst durch sich ein, das Heil uns zu e dich. Herr Jesu Christ, mein werben. Der hat nun das Ge Herr und Gott, mein Herr und setz erfüllt, Gerechtigkeit, die vo Gott, hilf mir zum Leben durch Gott gilt, erworben für un den Tod! alle. 6. Da es durch den erfülle ist, durch welchen wir genesen 290. Es ist das Heil uns so lern und fasse wohl, o Christ kommen her aus Gottes freien des Glaubens rechtes Wesen. Gnaden. Die Werte können Der Glaube spricht: Du, Hert nimmermehr der Bürde uns bist mein! Dein Tod wird mit entladen. Im Glauben Jesum das Leben sein, du haft für nehmen an, nur das ist, was mich gebüßet. uns retten fann; denn er ist Mittler worden. 7. So glaub ich fest und zweifle nicht; dein Wort with 2. Da man, was das Gesetz du nicht brechen. Wenn alle gebot, nicht völlig konnte halten, Welt die Treue bricht, hältst du so zeigte Sündern sich der Tod doch deinVersprechen. Wer glaubt in schreckenden Gestalten. Das an dich und wird getauft, dem Fleisch gehorchte nicht dem Geist, ist die Seligkeit erfauft, der nicht dem, was Gott zu thun gehet nicht verloren. uns heißt; es war mit uns verloren. 8. Die sind gerecht vor Gott allein, die diesen Glauben fas 3. Es war ein falscher Wahn sen. Der Glaub kann nicht un dabei, als ob der Mensch, zu thätig sein; er lehrt die Sünde leben nach den Gesetzen tüchtig sei, die uns der Herr gegeben, da doch durch sie wird offen bar, daß Wort und That und Herz sogar bei uns jetzt sei verdorben. hassen. Er treibt zu guten Wer ten an; lehrt Menschenliebe und die Bahn der Frömmigkeit zu wandeln. 9. Schlägt den, der seine Sünd erkannt, gleich das Ge 4. Nicht möglich war's, auf sete nieder, so reicht der Mitt diese Art vollkommen Gott zu ler ihm die Hand und stärkt ehren. Ein Schein, der ange- den Sünder wieder. Er spricht: nommen ward, konnt auch kein Komm nur zum Kreuz herzu! Heil gewähren. Von Gott wird Denn das Gesetz giebt keine bloßer Schein verdammt; Ge- Ruh mit allen seinen Werken. horsam, der aus Liebe stammt, 10. Die guten Werte zeigen will er; wer konnt ihn leisten? sich stets bei dem echten Glau5. Erfüllt muß das Gesetße ben; Wahnglaube ist es sichers ſein, sonst mußten wir verder- lich, wenn man ihm die will ben. Da stellte Gottes Sohn rauben. Der echte Glaube macht und sein Verdienst. 209 gerecht; doch daran, daß er Früchte trägt, läßt seine Kraft sich merken. 16. Der Glaube harrt auf Gottes Huld und seines Worts Zusage, bestimmt ihm nicht mit Ungeduld zum Helfen selbst die sum Christ, sein Kreuz, Ver- Tage. Er weiß wohl, wenn's dienst und Sterben, dadurch am besten ist; er, der die Seiuns nun erworben ist, was nen nie vergißt und will, daß Keiner konnt erwerben. Die wir ihm trauen. 11. Der Glaub ergreifet Je17. Scheint's auch, als dächte Gott dein nicht, so laß es dich nicht schrecken: er wird dir das verborgne Licht zur rechten Zeit entdecken. Fällt dir manch banger Zweifel ein, laß dir sein Wort gewisser sein: er hält, was er verheißen. 18. Sei jetzt und immerdar gepreist um dieser Gutthat willen, Gott Vater, Sohn und heilger Geist. Du wollst uns selbst erfüllen mit Gnade, die das Herz erhöht, zu ehren deine Majestät; zu heilgen deinen Namen. 19. Dein Reich komm, daß dein Wille mag, wie droben, hier geschehen! Gieb unser Brod uns jeden Tag; verzeih, was 14. Wer aber sicher geht da- wir versehen, als wir den hin, thut, was ihm nur belie- Schuldigern verzeihn! Verbet, lebt fort nach seinem alten suchung laß fern von uns sein! Sinn, den Lüften sich ergiebet, Hilf uns vom Bösen. Amen! eigene Gerechtigkeit thut nichts dabei, ist wie ein Kleid, das durch und durch beflecket. 12. Doch wenn man durch den Glauben nun Gerechtigkeit empfangen, muß man auch rechte Werke thun, dem Guten stets anhangen; weil, wer noch gottlos Wesen treibt, beim Glauben ohne Liebe bleibt, ihn durch die That verleugnet. 13. Wer Gnad bei Gott erlanget hat, muß ihn vor Augen haben, daß er ihn preise durch die That für seine Gnadengaben, in seiner Furcht freiwillig leb, den böjen Lüften widerstreb in seinem ganzen Leben. tuft Gott nicht an, daß er ihn führ, mit seinem Geiste ihn regier; ist auf verkehrtem Wege. 291. Gottes Sohn, Herr 15. Mel. Ach Gott vom Himmel 2c. htgläubt: bewahrt, was Jesu Christ, an wen soll ich ihm gegeben; sieht zu, daß er mich wenden? Daß man recht das Fleisch betäubt; sehnt sich glaubt und standhaft ist, steht nach jenem Leben; dient seinem nicht in unsern Händen; drum Rächsten, ehrt und preist in hilf du mir von oben her, daß Christo Gott mit stillem Geist, ich, gestärkt je mehr und mehr es geh ihm, wie es wolle. recht und beharrlich glaube! Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. 14 210 Glauben an Jeſum 2. Lehr du und unterweise; fältig sei, den Glauben zu bemich, den Vater zu erkennen, wahren, ein gut Gewissen auch und mit der tiefsten Ehrfurcht dich des höchsten Sohn zu nennen; daß ich zugleich den heilgen Geist, der uns den Weg zum Himmel weist, von ganzem Herzen ehre. dabei, daß ich bei den Gefahren der Welt sei wachsam allezeit, durch Früchte der Gerechtigkeit des Glaubens Kraft beweise. 3. Laß mich das große Gnadentheil im rechten Licht erbli8. Ja, laß den Glauben sich in mir so mehren und so stärken, daß er sei fruchtbar für und für und reich an guten cken, und mich dazu an meinem Werken, daß er sei thätig durch Theil mit rechtem Eifer schicken. Nur in dir find ich Trost und Ruh und ewges Heil; der Weg bist du, die Wahrheit und das Leben. die Lieb, mit Freuden und Geduld sich üb in dem, was Gott gefällig. 9. Insonderheit gieb mir die Kraft, daß ich an meinem Ende 4. O gieb, daß ich dein theu- den letzten Schritt der Pilgerres Wort recht tief zu Herzen schaft im Glauben froh vollende! fasse; daß sich mein Glaube Steh dann zu meinem Trost immerfort auf dein Verdienst bereit, daß ich der Seelen Se verlasse; daß deines Todes ho- ligkeit, des Glaubens Ziel, erher Werth mir, der mit Sün- lange. den ist beschwert, auch werde zugerechnet. 5. Doch laß auch meinen Glauben sich des Bluts, das du vergossen, nicht anders trösten, als daß ich, zu deinem Dienst entschlossen, durch deine Kraft die arge Welt, und was fie dir entgegen stellt, besiege und verachte. 6. Oft ist mein Glaube schwach und klein, oft ist er leer an Werken. Wer hilft mir Schwachen? Du allein, du kannst mich mächtig stärken. Das schwache Rohr zerbrichst du nicht; du nährst und stärkst das schwache Licht; so stärt denn auch mich Schwachen! 7. Hilf, daß ich recht sorgin 10. Dein ist, was Guts sich mir findt; mit dir wird mir's gelingen. Du stärkst die, welche treu dir sind; hilf jelbst den Sieg erringen. Ja, bleibe, Herr, auch stets in mir, daß auf den Glauben dort bei dir erfolg ein fröhlich Schauen! Mel. O Gott, du frommer Gott z. 292. Herr, allerhöchster Gott, von dem wir gute Gaben bei redlichem Gebet uns zu vers sprechen haben, o fich erbarmend mich in meiner Schwachheit an, da ich, wie du's ver dienst, dir nicht vertrauen fann. 2. Ich glaube zwar an dich, doch nur mit schwachem Glauben. 211 und sein Verdienst. Oft will die Zweifelsucht mir, 8. Erbarmend wirst du, Gott, alle Hoffnung rauben. Wer mein Flehn gewiß erhören, macht das Herz gewiß, als du, muth und Beständigkeit von o Herr, allein! Laß deine Hülfe doch von mir nicht ferne sein! 3. O reiche du mir selbst aus Gnaden deine Hände. Hilf meiner Schwachheit auf, daß mich nichts von dir wende. Wär auch, dem oben mir gewähren; daß ich des Glaubens Ziel, der Seelen Seligkeit, erlange und dich rühm in alle Ewigkeit. Mel. Ich dank' dir schon zc. Glaube schwach und klein, so 293. Gedante, der uns Lekannst du ihm doch bald Wachsthum und Kraft verleihn. ben giebt, wer kann dich ganz durchdenken! Also hat Gott 4. Herr, deine Gnade sei in die Welt geliebt, uns mir, dem Schwachen, träftig, seinen Sohn zu schenken." jo wird mein Glaube auch recht 2. Hoch über die Vernunft thätig und geschäftig. Gieb, daß die Zuversicht in meinem Geist sich mehr, daß du mein Bater seist und ich dir angehör. 5. O treuer Gott, der uns 3. Ich kann der Sonne Wun= im Guten stärkt und gründet, der nicht, noch ihren Bau er= gieb mir Beständigkeit, wenn gründen; und doch kann ich der fich Versuchung findet, daß ich Sonne Licht und ihre Wärm mit fester Treu zu dir mich halten mag und wenn die hülfe säumt, nicht murre und erhöht, umringt mit Finsterniffen, füllst du mein Herz mit Majestät und stillest mein Gewissen. verzag. 6. Mein Jesu, sieh mich an mit Blicken deiner Gnade, wie Jenes Weib, als sie auf ihrem 5. Nimm mir den Trost, daß rauhen Pfade um Hülfe rief zu Jesus Christ nicht meine Schuld dir. Den Glauben gieb mir, getragen, nicht Gott und mein Gott, daß der, so deiner harrt, Erlöser ist, so werd ich angstnie sinkt, noch wird zu Spott. voll zagen. 7. Mein Heiland, wie du dort für deine Jünger bateft, und, 6. Ist Christi Wort nicht Gottes Sinn: so werd ich irren wenn sie wanketen, beim Vater müssen, und, wer Gott ist und sie vertratest; so unterstüß auch was ich bin, und werden soll, mich, der du mein Mittler bist. Du hilfest gern und weißt, wo Hülfe nöthig ist. empfinden. 4. So kann ich auch nicht Gottes Rath von Jesu Tod er= gründen, allein das Göttliche der That, das kann mein Herz empfinden. - nicht wissen. 7. Nein, diesen Trost der Christenheit soll mir kein Spötter 14* 212 Glauben an Jesum rauben; ich fühle seine Göttlich- 16. Und soll ich, Gott, nicht keit und halte fest am Glauben. für und für des Glauben 8. Ich bin dein ewges Eigen- Freud empfinden, so wirt a thum, durch dich des Himmels doch sein Werk in mir, und Erbe; dies, Sohn des Höchsten, reinge mich von Sünden. ist mein Ruhm, auf den ich leb und sterbe. 17. Hat Gott uns seinen Sohn geschenkt, laß mich noch sterbend denken: wie sollt uns der, der ihn geschenkt, mit ihm 9. Du giebst mir deinen Geist, das Pfand, im Glauben mich zu stärken, und bildest mich nicht Alles schenkten? durch deine Hand zu allen guten Werken. 10. So lang ich deinen Wil- mel. Kommt her zu mir, spricht. len gern mit thue, so fühl ich eine Kraft des 294. Jch hoff, o Gott, mit Herrn und schmecke Fried und Ruhe. 11. Und wenn mich meine Sünde kränkt und ich zu dir, festem muth auf deine Gnad und Christi Blut; ich hoff ein ewig Leben. Du bist ein Vater, der verzeiht, hast mir das Recht Herr, trete, weiß ich, daß dein zur Seligkeit durch deinen Sohn Herz mein gedenkt und thut, gegeben. warum ich bete. 2. Herr, welch ein unaus 12. Ich weiß, daß du, mein sprechlich Heil, an dir, an deHeiland, lebst und mich einst aus der Erde erweckst und zu dem Reich erhebst, wo ich dich schauen werde. ner Gnade Theil, Theil an dem Himmel haben; im Herzen durch den Glauben rein, dich lieben und versichert sein von deines Geistes Gaben! 13. Rann unsre Lieb im Glauben hier für dich jemals erkalten? Dies ist die Sieb, o Herr, zu dir: dein Wort von Herzen halten. 14. Erfüll mein Herz mit Dankbarkeit, so oft ich dich nur nenne, und hilf, daß ich dich allezeit treu vor der Welt be= fenne. 3. Dein Wort, das Wort der Seligkeit, wirkt göttliche Zufrie denheit, wenn wir es treu be wahren. Es spricht uns Trost im Elend zu, verfüßet uns des Lebens Ruh und stärkt uns in Gefahren. 4. Erhalte mir, o Herr, mein Hort, den Glauben an dein 15. Soll ich dereinst noch wür- göttlich Wort um deines Nodig sein, Herr, um dich Schmach mens willen! Laß ihn mein zu leiden, so laß mich keine Licht auf Erden sein, ihn täg Schmach und Bein von deiner lich mehr mein Herz erneun Liebe scheiden. und mich mit Trost erfüllen. und sein Verdienst. 213 Mel. O Gott, du frommer Gott zc. was mir widrig scheint, mit 295.Erbarmungsvoller Gott, weiser Wahl ertheile; daß deine wie groß ist deine Liebe, die Liebe mich zur allerbesten Zeit du zu Menschen trägst! Dies von dem, was mich beschwert, Auge, das oft trübe, wird hei- erlöset und erfreut. ter, wenn ich denk Freundlichkeit, und mein bean deine 7. Die Chrifti Glieder sind, wirst du, Gott, nie verlassen, im Todeskampfe sie mit Vaterhuld umfassen. Von dir erlöst, schwingt sich mein Geist zu jenem Licht, wo lieblich Wesen ist vor deinem Angesicht. 8. Da will ich, treuer Gott, von aller Sünd entladen, mit Thaten. Da, da wird's offenallen Seligen hochpreisen deine dem wir hier gelebt, der Mittbar, mit welcher Seligkeit der, ler, uns erfreut. fümmert Herz erleichtert und befreit. 2. Du hast den eingen Sohn für uns dahin gegeben; er starb den Tod am Kreuz, damit wir möchten leben. Hast du uns so geliebt, die doch verdienet Pein, wie folltest du denn nicht voll Baterliebe sein! 3. Nun wird mein müder Geist mit wahrem Trost erquidet, wenn mich der Sünde Joch beschwert und niederdrücket. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele zc. Ich weiß, mein Mittler hat zur Tilgung meiner Schuld sich selbst bei dir verbürgt, den Tod am Kreuz erduldt. 296. Auffelsenfestem Grunde ruht meiner Seele Heil. Ich hab am Friedensbunde, an Gottes Gnade Theil. Der Grund, auf den ich baue, ist von Gott i vor dir, mein Gott, bestehen, selbst gelegt. Das Ziel, nach nd, als sein Freund, kann ich dem ich schaue, steht fest und getroft zum Tode gehen. Er- unbewegt. halte nur in mir des wahren 4. Durch sein Verdienst kann 2. Auf unvollkommne Werke Glaubens Kraft, die mich mit vertrau ich Sünder nicht; Gott verbind und neues Leben gab dazu mir Stärke, und was schafft. ich that, war Pflicht. Ich blieb 5. Mit dir versöhnt durch noch tief verschuldet; nur mei= ihn, darf ich in trüben Tagen nes Jesu Tod, den er für mich auch bei gehäufter Laſst nicht erduldet, versöhnet mich mit ganz verlassen zagen. Im Glau- Gott. ben denke ich an deine Lieb und Huld, und trage, was du mir Freuden, wenn ich bekümmert 3. Nur dies gewährt mir auflegeft, mit Geduld. bin; nur dies giebt Trost im 6. Ich weiß, daß deine Huld Leiden; ja, reißt der Tod mich mir nur zu meinem Heile, auch hin, so laß ich mir nicht grauen. 214 Christliche Frömmigkeit und Tugend. Der Gottversöhner spricht: Geh,| hält und spricht: Ich kenne Got eile Gott zu schauen; wer mein der lüget; in solchem ist d ist, stirbet nicht. Wahrheit nicht, die durch de 4. Nun, hierauf will ich bauen. Glauben sieget. Wer aber j Mein Mittler, stärke mich! Stärk Wort glaubt und hält, der i in mir dies Vertrauen, wenn von Gott, nicht von der Wel Tod und Sünde sich mir Sün= 2. Der Glaube, den sein W der schreckend zeigen, wenn Lüste| erzeugt, muß auch die Liebe z oder Hohn, mich von Gott ab- gen. Je höher dein Erkenn zuneigen, bald locken, bald auch drohn. niß steigt, je mehr wird die steigen. Der Glaube tröstet nic allein, er macht das Herz aud fromm und rein. 5. Wenn ich sodann am schwächsten, mit Furcht umfangen bin: so sei du mir am 3. Durch Jesum rein von nächsten, und stärke meinen Sinn, Missethat, sind wir nun Gottes daß ich im Kreuz gelassen, voll Kinder. Wer solche Hoffnung Geist und Muthes sei. Mich zu ihm hat, der flieht den Weg als ein Christ zu fassen, hilf, der Sünder, folgt Christi B Herr, und steh mir bei! spiel als ein Christ und reinigt 6. 3u dir will ich mich hal- sich, wie er rein ist. ten, laß meinen Eifer nie, dir 4. Alsdann bin ich Gott an treu zu ſein, erkalten! Jst gleich genehm, wenn ich Gehorsa der Lauf voll Müh; dein Geist übe. Wer die Gebote hält, i flößt meinem Geiste Geduld und dem ist wahrlich Gottes Liebe Hoffnung ein, und, daß ich Ein immer thätig Christenthum Treue leiste, will er mir Kraft das ist des Glaubens Fruch verleihn. 7. Mach folgsam meinen Willen und stärke mich zugleich mit Kräften zum Erfüllen, so bin und Ruhm. 5. Der bleibt in Gott und Gott in ihm, wer in der Liebe bleibet. Die Lieb ist's, die die ich ewig reich. Leit mich durch Seraphim, Gott zu gehorchen deine Hände, so geh ich muthig fort und preise ohne Ende dich, treibet. Gott ist die Lieb! seinem Heil hat ohne Liebe Nie meinen Mittler, dort. mand Theil. Christliche Frömmigkeit und Tugend. Mel. Was mein Gott will, gescheh 298. We Wenn dich die Liebe Quelle derfelben: dankbare Liebe zu Gott. Mel. Mir nach, spricht Christus 2c. Gottes nicht zu deiner Pflich beseelet, so rühme dich der T gend nicht, weil dir dann Alle 297. Wer Gottes Wort nicht fehlet. Wenn Vortheil, Wollut Dankbare Liebe zu Gott. 215 Eigenfinn und Stolz dir Gutes| des Herrn, durch Glauben warm rathen, so hast du deinen Lohn von Liebe: dies ist's, was Gott dahin, thust du auch gute Thaten. von uns verlangt. Uns wird 2. Sei durch die Gaben der kein Leben nüßen, das mit den Natur das Wunder dieser Er- größten Thaten prangt, wenn den; beglückst du andre Men- wir dies nicht besitzen. schen nur, um selbst geehrt zu 7. Drum täusche dich nicht werden; erfüllt die Liebe nicht durch den Schein, nicht durch dein Herz: so sind die größten Gaben vor Gott doch nur ein fönend Erz, die keinen Werth sonst haben. der Tugend Namen. Sieh auf die Werke nicht allein; sich auch, woher sie tamen. Prüf dich vor Gottes Angesicht, ob Liebe dich beseelet; dem fehlt gewiß die Liebe nicht, dem nicht der Glaube fehlet. 3. Bau Häuser auf und brich dein Brod, die Armen zu verpflegen; entreiß die Wittwen ihrer Noth und sei der Waisen 8. Wohnt Liebe gegen Gott Segen; gieb alle deine Güter in dir, sie wird zum Guten hin! Noch hast du nichts gegeben, wenn Lieb und Dant nicht deinen Sinn vor Gott dazu bestärken; du wirst die Gegenwart von ihr an Menschenliebe merten. Die Liebe, die dich schmücken soll, ist gütig ohne Tücke: sie ist nicht stolz, ist langmuthsvoll, beneidet niemals Glücke. leben. 9. Sie deckt des Nächsten Fehler zu, freut sich nicht sei= brennen; beseelet dich nicht lieb nes Falles; sie suchet nicht blos und Pflicht, bist du der Zweck ihre Ruh, beglücket gerne Alles; der Thaten, so ehret Gott mit sie bessert gern. Was Gott ge= Beifall nicht die Rettung ganzer fällt, das hält sie stets für's Beste. Sie folgt uns nach in 5. Läg ihm an unsern Wer- jene Welt, ist da der Gaben len nur, so tönnt er uns leicht größte. Staaten. wingen, durch Macht und Fesjeln der Natur das Gute zu bollbringen. Allein vor ihm, Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. der Alles giebt, gilt Weisheit 299. Wie theuer, Gott, ist nichts, nichts Stärke. Er sieht deine Güte, die alle Missethat das Herz an, ob's ihn liebt bei vergiebt, sobald ein reuendes jedem guten Werke. Gemüthe die Sünden, die es fern, fern von des Stolzes und ernstlich haßt und Zuver= 6. Ein Herz, von Eigenliebe sonst geliebt, erkennt, verdammt Triebe, geheiligt durch die Furcht| sicht zum Mittler faßt. 4. Thu Thaten, die der Heldenmuth je hat verrichten tön nen; vergieß für's Baterland dein Blut, laß deinen Leib selbst Christliche Frömmigkeit und Tugend. 2. O laß mich ja nicht sicher selber liebst; laß, Vater, mein werden, weil du so reich an Gewissen rein, und heilig meGnade bist; wie kurz ist meine nen Wandel ſein. 216 Zeit auf Erden, die mir zum Heil gegebne Frist; gieb, daß mel. O Gott, du frommer Gott. sie mir recht wichtig sei, daß 300. Was kann ich doch für ich sie meiner Bessrung weih. 3. 3war deine Gnade zu Dank, o Herr, dir dafür sagen, verdienen, sind Reu und Bess- daß du mich mit Geduld so rung viel zu klein. Doch darf lange Zeit getragen; da ich der sich auch ein Mensch erkühnen, Sünden Freund, dir ungehorzu glauben, dir versöhnt zu sein, sam war, mich in verkehrtem wenn er noch liebt, was dir Simnn selbst stürzte in Gefahr. mißfällt, und nicht dein Wort von Herzen hält? 2. Sehr große Lieb und Huld erwiesest du mir Armen. 4. Nie kannst du dem die Ich fuhr in Sünden fort, du Schuld erlassen, der frevelnd aber im Erbarmen. Ich schob Schuld auf Schulden häuft. die Buße auf und widerstrebte Der tann tein Herz zu Jesu dir; du schobst die Strafe auf fassen, der zwar auf sein Verdienst sich steift, doch in der Sünde noch beharrt, dafür er selbst ein Opfer ward. und trugst Geduld mit mir. 3. Daß ich nun bin bekehrt, verdant ich deiner Gnade; du, du riefst mich zurück von des Verderbens Pfade. Durch deine Güt und Treu, der keine Güte gleicht, hast du mein hartes Herz 5. Drum fall ich dir, mein Gott, zu Füßen: vergieb mir gnädig meine Schuld, und heile mein verwundt Gewissen mit gerühret und erweicht. Trost an deiner Vaterhuld. 4. Selbst fonnte ich dich wohl Ich will mit Ernst die Sünde beleidigen mit Sünden, doch scheun und willig dir gehorsam sein. konnt ich ohne dich den Weg zum Heil nicht finden. Selbst 6. Daß mit Gerechtigkeit auch fallen konnte ich und in's VerStärke durch Christum mir ge- derben gehn, nicht ohne deine schenket sei, will ich durch Uebung Huld von meinem Fall aufstehn. guter Werke beweisen. Mache 5. Du hast mich aufgericht ſelbst mich treu, Herr, in der und mir den Weg gewiesen, Liebe gegen dich! Sie dringe den ich nun wandeln soll; sei, stets und leite mich! Gott, dafür gepriesen; sei hoch7. Laß mich zu deiner Ehre gelobt, daß ich die alte Sünde leben, der du die Missethat ver= haß und das, was dir mißfällt, giebst; das hassen, was du mir nun willig unterlaß. vergeben, das lieben, was du 6. Damit ich aber nicht auf's Dankbare Liebe zu Gott. 217 neue wieder falle, so gieb mir| Dein Sohn versöhnte dich und deinen Geist, so lang ich hier lehrte, wie die Sünde zum noch walle, der mich, den Schwa- Zorne dich entzünde, mit seinen hen, stärk und in mir mächtig Leiden mich. jei, und mein Gemüthe stets zu deinem Dienst erneu. 7. Ach, leit und führe mich, so lang ich leb auf Erden. Laß mich nicht ohne dich durch mich geführet werden. Führ ich mich 4. Ich will dich, Gott, erheben, daß du so heilig bist, daß, Sündern zu vergeben, dein Herz so willig ist; aus wahrer Dankbarkeit will ich's in meinen Liedern erzählen meinen. ohne dich, so werd ich leicht Brüdern, daß Gott sehr gern verführt; wenn du mich leitest selbst, thu ich, was mir gebührt. 8. Mein Vater und mein Gott, erhöre dies mein Flehen! Laß. Jeju, Gottes Sohn, mich deine Wege gehen! Regier, o heilger Geist, regier mich alleeit, daß ich dir diene hier und dort in Ewigkeit. verzeiht. 5. Verschonen kann der Rächer, der Rächer kann verzeihn und reuige Verbrecher rein machen und erfreun. Herr, wunderbar und groß im Strafen und Erbarmen, ach, mache du mich Armen von jeder Sünde los! Mel. Aus meines Herzens Grunde 2c. 6. Und einer solchen Liebe Gedächtniß treibe mich, daß ich das Gute aus Liebe gegen 301. Vernimm, Gott, was dich; sie preise, wer es weiß, ih flehe, erhöre mein Gebet, wie Sündenlaſten drücken, und fieh huldreich aus der Höhe auf opfre voll Entzücken dir Liebe, mich, der vor dir steht. Ich Dank und Preis. flehe, Herr, zu dir um Gnade, deinen Willen gehorsam zu er- Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. füllen; mein Gott, gewähr sie 302. Herr, höre mein Ge2. Gerührt von deiner Gnade, bet und laß es dir gefallen; ift nun die Sünde mir verhaßt| Es ist mein ganzer Ernst, auf und ihre Pfade, aus Liebe, Gott, deiner Bahn zu wallen; ergreife, dir. Denn du bist nicht ein leite, stärt den Schwachen, der Bott, der gottlos Wesen liebet; dir fleht! Du siehest, daß sein du liebst den nur, der übet dein Flehn aus lauterm Herzen geht. heiliges Gebot. 3. Wer sich befehrt, wird le2. Gieb, daß ich redlich mich in jeder Tugend übe; der Glaube, ben, denn du bist fromm und den du liebst, muß thätig durch gut; doch willst du nicht ver- die Liebe, durch Uebung und geben dem, der nicht Buße thut. durch Fleiß in guten Thaten 218 Christliche Frömmigkeit und Tugend. sein; ich will's, ich will dir,| mein Staub erwacht, von de Gott, mein ganzes Leben weihn. ner Wonne satt, frohlocken, da 3. Allein mein Herz ist noch mein Herz sich dir ergeben hat mir selbst oft unergründlich, beim besten Fleiß bleibt's doch veränderlich und sündlich; das Wollen hab ich wohl, zum Thun auch Licht und Kraft; doch bleibt mein Tugendruhm noch immer mangelhaft. Chriftliche Frömmigkeit aus fick und Dankbarkeit gegen Jesun. Mel. Nun freut euch, liebe zc. 4. Du kennest mich; du kannst mich reinigen und läutern; den Geist, wenn Licht ihm fehlt, mit deinem Licht erheitern; wenn eine Leidenschaft erwachen manche Missethat; ich suchte bei will, kannst du durch mein Ge- dir Trost und Rath und Friede wissen ihr gebieten, daß sie ruh. für die Seele. 303. Herr Jesu Christ, mein Trost, mein Licht! Ich preise di von Herzen, daß du mich Müden aufgericht. Ich sah mit Re und Schmerzen an mir j 5. Gott, darum wollest du 2. Du hörtest gnadenvoll mich läutern und belehren, der mein Flehn, warst willig zu Trägheit des Gemüths, der Lust Vergeben; gern läßt du Gnad zur Sünde wehren; mich, wo für Recht ergehn, du liebst de Gefahren sind, erschrecken, mich Sünders Leben. Du hast m zum Streit ermuntern, wo dein Huld an mich gedacht, mich von Wort zu streiten mir gebeut. der Sünde frei gemacht, die Nie mand konnte heben. 6. Ich Pilger walle hier noch stets umringt mit Sündern; ihr Beispiel könnte leicht den Tugendeifer mindern. Ogieb, daß nie ihr Spott und ihre falsche Luft bethöre und entweih die dir geweihte Brust. 3. Unschuldig, wie ein stilles Lamm, bist du für mich geftorben den herben Tod am Kreuzesstamm; du hast mir ſelbst ers worben durch deinen Tod die Seligkeit; dir dank ich, daß ich 7. Bewahre mich, wenn sie, so befreit durch dich bin vom bethört von eitlen Lüsten, sich Verderben. ihrer Sünden freun und sich 4. Herr, gieb mir deinen gu in Lastern brüsten. Des Sün- ten Geist, daß er mich unters ders Lachen wird in Weinen richte, was solche Lieb und einst verkehrt, in Trauern seine Wohlthat heißt; daß ich mich Lust, wenn er sich nicht bekehrt. treu verpflichte, zu preisen dich 8. Ich aber werde, Gott, dir mit Herz und Mund, und ernst nicht umsonst vertrauen; einst, lich deinen Gnadenbund zu halwenn ich treu dir bin, verklärt ten sei beslissen. dein Antlig schauen, und wenn 5. Herr, laß mich jede Sünde Dankbare Liebe zu Jesu. 219 scheun, den eitlen Sinn ablegen, dank ich dir mit treuem Herzen. und wider Lüfte wachsam sein, Treu dank ich, doch mangelhaft; die sonst von deinen Wegen ab- gieb zum bessern Dank mir leiten auf den Sündenpfad, da- Kraft. mit nicht neue Missethat mir meine Ruhe raube. 4. Welche Liebe, daß für mich Gottes Sohn sein Leben giebet! 6. Verleihe selbst mir Lust Hilf, daß meine Seele dich redund Muth, Herr, deinen heilgen lich, thätig, ewig liebet. Frohe Willen, der Alles mir zum Be- Tugend sei die Frucht von der sten thut, stets folgsam zu er- Liebe sanfter Zucht. füllen. Gieb, daß ich stets gedenk daran, was du bereits an mir gethan und was du noch verheißen. 5. An dir, Jesu, halt ich fest, an dir Treuester von allen; wehe dem, der dich verläßt! Er muß in's Verderben fallen. Wenn ich dir ergeben bin, wird mir Alles zum Gewinn. 6. Durch dich bin ich reich und hoch; ich bin Gottes Kind und Erbe; Gott liebt mich; was fehlt mir noch? Eins fehlt nun noch: daß ich sterbe. Auch gut sterben hilfst du mir, und dann nimmst du mich zu dir. 7. Herr Jesu, laß auf dich allein, so lang ich leb hienieden, mein ganzes Herz gerichtet sein, ſo stört nichts meinen Frieden; 10 werd ich durch dich alle Noth, die Welt, die Sünde und den Tod, als Sieger überwinden. Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c. Mel. Jesus meine Zuversicht zc. und 304. Preis und Lob Herrlichkeit sei, Erlöser, dir ge- 305. Meinen Jejum laß ich geben; Preis sei dir in dieser Zeit, Preis und Lob im ewgen leben! Denn du gabst dein Leben dar für die Welt, die strafnicht. Da er sich für mich ge= geben, so erfordert meine Pflicht, ihm zu folgen und zu leben. Er gewährt mir Trost und Licht; meinen Jesum laß ich nicht. bar war. 2. Dadurch hast du Allen heil, Allen Trost und Gnad er2. Jesu hab ich mich verworben, Ich auch habe daran pflicht auf dies ganze BilgerTheil, auch für mich bist du leben; ihm hab ich voll Zugestorben; Alles, Alles ist nun versicht, was ich bin und hab mein. Wie soll ich dir dant- ergeben; Alles ist auf ihn gebar sein! richt; meinen Jesum laß ich nicht. 3. Wenn auch dies mein Angesicht einst verwelket und ver= 3. Für die Leiden ohne Zahl, für die Leibs- und Seelenschmerzen und für deine Todesqual 220 Christliche Frömmigkeit und Tugend. bleichet, wenn dem Auge einft sein Licht und des Leibes Kraft entweichet, wenn dies Herz im Tode bricht, laß ich meinen Jesum nicht. 2. Es ist, Herr, dein Ge schenk und Gab, Leib, Seel und Alles, was ich hab in diesem ersten Leben. Daß ich es deinem Lobe weih, dem Nächsten 4. Ich verlasse Jesum nicht, damit nüzlich sei, dies Glüd bis ich werd dahin gelangen, wollst du mir geben. La wo vor seinem Angesicht seine Mittler, mein Erkenntniß rein Auserwählten prangen; wo den Glanz von seinem Licht keine Nacht mehr unterbricht. und heilig meinen Wandel sein. 3m Leiden stärke mich mit Muth; denn was du auflegst, ist mit gut. Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, mein Herr und Gott, stärt mich in meiner letzten Noth! 5. Diese Welt erfreut mich nicht; meines Herzens Wunsch und Sehnen ist auf Jesum nur gericht, der, mit Gott mich zu versöhnen, selbst dort hinging in's Gericht. Meinen Mittler laß ich nicht. 3. Ach gieb, wenn du mich sterben heißt, daß dann dein Engel meinen Geist zum Si 6. Jesu bleib ich für und für der Freuden trage! Mein ftill treu, nichts soll mich von ihm verwesendes Gebein wird Erde, scheiden: seinen Treuen giebt doch nicht immer, sein, nur bis er hier Seelenruh, dort ewge zum jüngsten Tage. Du kommst Freuden. Wohl dem, der von einst und erweckest mich, dann Herzen spricht: Meinen Jesum schauet dies mein Auge dich, laß ich nicht! dich, Welterlöser, Gottes Sohn! Dann preis ich dich vor deinem Thron. Herr Jesu Christ, mein 306. Herzlich hab ich dich Herr und Gott, erhöre mich, so lieb, o Herr! Sei du mir nahe preis ich ewig, ewig dich! und gewähr mir deine Gnaden= gaben. Die ganze Welt erfreut Mel. Jesus meine Zuversicht 2. mich nicht, nach Erd und Him- 307. Jejum lieb ich ewigmel frag ich nicht, wenn ich nur lich, sein Wort will ich treulich dich fann haben. Und wenn halten: stets soll dieser Eifer fich mein Herz im Tode bricht, bist in mir mehren, nie erfalten. du doch meine Zuversicht, mein Denn wer hat so inniglich je Theil, das meine Seele tröst, wie er geliebet mich! weil du mich durch dein Blut 2. Jesus ist, o große Huld, erlöst. Herr Jesu Christ, mein dort am Kreuz für mich geGott und Herr, mein Gott und storben; die Vergebung meiner Herr, verlaß, verlaß mich nim- Schuld hat er mir dadurch ermermehr! worben; Frieden, den die Welt Dankbare Liebe zu Jesu. nicht giebt, schenkt er, der mich so geliebt. 3. Gott wird, wie er selbst verheißt, mich um seinetwillen schonen; ja, der Vater, Sohn und Geist will in meinem Herzen wohnen; wer ist, der das würdig preist, was mir Jesu Wort verheißt? 221 9. Ich bleib Jesu Eigenthum; sein bin ich, und er mein Hirte. Er, mein Heiland und mein Ruhm, macht mich frei von aller Bürde. Ich bin Jesu Eigenthum; dieses bleibt mein Glück und Ruhm. 4. Also liebte, spricht der Sohn, Gott die Welt, daß er gegeben seinen eingebornen Sohn, Nothwendigkeit eines heiligen Lebens. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. so daß wir alle möchten leben; jo 308. Du sagst: Ich bin ein bin ich denn selig schon den Glauben an den Sohn! durch Christ. Wohl dir, wenn Werk 5. Wer beharrlich an ihn und Leben dir dessen, was du glaubt, geht im Tode nicht ver- sagst, Beweis und Zeugniß ge= loren; keine Macht ist, die ihm raubt, wozu Jeſus ihn erkoren; Das verheißne Erbe giebt Jejus dem, der treu ihn liebt. ben: wenn auch dein ganzes Thun durch Gottes Kraft und Geist von deinem Christenthum die echten Proben weist! 6. 3ft mir nur mein Mittler Chrift. Der ist's, der Jesum 2. Du sagst: Ich bin ein hold, o so schreckt mich kein Ge- tennet, ihn seinen Gott und richte. Wenn ich heute sterben Herrn nicht blos mit Worten follt, würd vor seinem Ange- nennet; nein, sondern willig fichte mich nicht quälen meine thut, was ihm sein Herr ge= Schuld; er vergab sie mir voll beut. Thust du das nicht, so Huld. 7. Jejus liebt mich für und für, drum will ich ihn wieder lieben; er hat mich bereits schon hier in das Lebensbuch geschrieben. Raubt der Tod mir Alles gier: Jefu Liebe bleibet mir. ist dein Ruhm nur Eitelkeit. Christ. Wer sich's will nennen 3. Du sagst: Ich bin ein lassen, muß leben, wie er glaubt, und alles Böse hassen; der liebet Christum nicht, der noch die Sünde liebt, ist auch kein Christ, 8. Er ist's, der mich sicher ob er sich gleich den Namen führt, ihm will ich mich anver- giebt. frauen; er mein Leiter, Schuß 4. Du sagst: Jch bin ein und Hirt, führet mich auf grüne Christ; denn ich bin ja getaufet duen; er gewähret meinem auf Christi Tod, der mich mit Beift Freuden, wie sein Wort seinem Blut erkaufet. Ja wohl, verheißt. doch prüfe dich, wie steht's um Nothwendigkeit deinen Bund, den du mit Gott Christ; ich bete, les' und singe, gemacht in jener Gnadenstund? ich geh in's Gotteshaus; sind 5. Hast du nicht etwa selbst das nicht gute Dinge? Sie ihn längst und oft gebrochen? sind's, wenn man sie thut mit Hast du als Gottes Kind dich, redlichem Gemüth und so, daß wie du ihm versprochen, in Gott dabei ein reines Herze allem Thun erzeigt, dem Guten sieht. nachgestrebt, nie wider deine 11. Du sagst: Ich bin ein Pflicht und Gottes Wort ge- Christ. Wer kann's dir zuge lebt? stehen, so lang man es nicht tann aus deinem Wandel sehen! Wer glaubt und rühmt, daß er dem Heiland angehör, muß auch gesinnet sein und wandeln, gleich wie er. 222 6. Du sagft: Ich bin ein Christ, weil ich die Gnadenlehre zu Haus und öffentlich oft les' und fleißig höre. Doch thust und übst du auch, was Gottes Wort dich lehrt? Der Thäter nur allein ist Gott und Christo werth. 12. Bist du ein wahrer Christ, so wirst du sein erfüllet mit Chrifti Sinn und Geift. 7. Du sagst: Ich bin ein Wenn wahre Liebe quillet aus Christ; ich beichte meine Sün- deiner Seele her, wenn du de den, und hoff durch Christi Blut müthig bist von Herzen, wie der Begnadigung zu finden. Allein Herr, dann sag: Ich bin ein zeigt sich nun auch die Besserung Christ! an dir nach abgelegter Beicht? Prüf dieses ernstlich hier! 13. So lang dich aber blos des Eitlen Liebe rühret, Stol, 8. Wenn du stets, wie zu- Geiz und Ueppigkeit bei dir noch vor, ungöttlich bleibst gesinnet, fortregieret, nicht Sanftmuth in wenn gar die alte Lust in dir dir herrscht, nur Zorn und Haß mehr Kraft gewinnet, und nicht und Neid, so lange bist du noch der fromme Trieb, Gehorsam vom Christenthume weit. Gott zu sein: so ist dein Beichten nichts, als Selbstbetrug und Schein. 9. Du sagst: Ich bin ein Christ, laß speisen mich und tränken mit dem, was Christus uns im Abendmahl will schenken. Doch prüfe auch dabei: ob Christi Leib und Blut in dir zur Heiligung nun seine Wirkung thut? 14. Du sagft: Ich bin ein Christ, und rühmst dich deß mit Freuden; doch thuft du auch wohl mehr, als manche weiſe Heiden? Ach, sorg, daß dieſe nicht dich einst dort klagen an, daß sie bei minder Licht mehr Guts als du gethan. 15. Sag nicht: Ich bin ein Christ; bis daß dir Werk und Leben auch dessen, was du sagst, 10. Du sagst: Ich bin ein Beweis und Zeugniß geben. eines heiligen Lebens. 223 Das wahre Christenthum be- sich meinen und in der That stehet nicht im Schein: ein Christ muß, was er heißt, im Thun und Wesen sein. verrichten. 4. Dergleichen Heuchelei, o Gott, laß mich doch niemals 16. Ach, mein Gott, gieb treiben; in Lieb und Leid, in mir Kraft, mit Ernst mich zu Noth und Tod aufrichtig vor befleißen, zu sein ein wahrer dir bleiben. Gieb, daß ich mag Christ, und nicht bloß so zu vor allen dich, in dir den Nächheißen; denn wer den Namen sten lieben, ja selbst auch lieben hat und nicht die That zugleich, die, die mich verlegen und begelanget nimmermehr zu dir trüben, und Christo treu nachin's Himmelreich. folgen. 5. Ich bin ein Mensch, du fennest mich, ich kann mich leicht vergehen; bewahre mich und Mel. Christ, unser Herr, zum 2c. 309. Ein Christ soll nicht gieb, daß ich mag ungefäumt der Meinung sein, daß unser Christenleben besteh im Namen nur allein, den Christus uns gegeben; und daß man möge immerhin nach eignem Wohlgefallen und angeerbten bösem Sinn in diesem Leben wallen auf eitlen Sündenwegen. aufstehen, wenn ich aus Uebereilung fall; erhalt mich bei dem Einen, daß ich dich fürchte überall, bis du mich zu den Deinen wirst in den Himmel nehmen. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 2. Ein wahrer Christ strebt 310. Mein Gott, ach, lehre emfiglich mit Thaten zu erwei- mich erkennen den Selbstbetrug en, daß er nicht bloß so nenne und falschen Schein, daß Viele, ich, und so Gott recht zu prei- die sich Christen nennen, mit en, der uns des Geistes Kräfte nichten Christi Glieder sein. gab, uns stärkt mit seiner Wirk in mir selbst zu deinem Gnade, daß wir durch ihn bis Ruhm, mein Gott das wahre an das Grab einhergehn auf Christenthum. dem Pfade des ihm gefällgen Le-| bens. 2. Hilf, daß ich dir allein ergeben, der Sünde abgestorben 3. Wer seinen Gott recht ehrt sei; und fromm, wie dir's geund liebt, wie einem Kind ge- fällt, zu leben, steh mir mit deibühret, ist wachsam, daß er ner Gnade bei, und wirke selbst nichts verübt, was ihn von Gott zu deinem Ruhm in mir das abführet. Der Heuchler Art wahre Christenthum. hingegen ist, von außen fromm| zu scheinen, zu blenden durch Erde nicht bloß von dir 3. Gieb, daß, da ich für dieſe Betrug und List, ein andres bei schaffen bin, ich himmlisch hier ge= 224 Nothwendigkeit gesinnet werde und gieb mir meines Heilands Sinn. Mein Gott, wirt selbst zu deinem Ruhm in mir das wahre Christenthum. 2. Was hilft der Glaub an Jesum Christ, den ich im Munde führe, wenn nicht mein Her rechtschaffen ist, und ich die Frucht verliere? Wenn mich die Eitelkeit der Welt mit ihre Lust gefangen hält, ich ihr Wenn ich, ver 4. Regiere du selbst meine Seele, damit ich Christo folge nach, und standhaft seine Wege Fesseln liebe? wähle, wenn mich auch träfe führt durch ihren Reiz, Stol Spott und Schmach. Denn bei Rachgier, Fleischeslüfte, Geiz in dem wahren Christenthum hier leiden, bringt dort Freud und Ruhm. Werk und Thaten übe? 3. Weit strafenswürdger bin ich dann, ich, der ich Christum 5. Gieb mir zum Streite tenne; weiß, was er einst für Muth und Kräfte, damit ich, mich gethan, ihn Herrn und Christo ewig treu, in meiner Meister nenne, als der, der in Heiligung Geschäfte nie träge der Finsterniß des Irrthums und verdrossen sei. Gott wirke tappt, noch ungewiß, ob er aud selbst zu deinem Ruhm in mir| richtig wandle. das wahre Christenthum. Drum ließ der Herr ein Vorbild hier in 6. So hab ich schon auf die- seinem Wort und Zeugniß mir, ser Erde, was mich beruhigt damit ich darnach handle. und erfreut; so sing ich einst im Tod und werde dich schaun in jener Herrlichkeit; so frönt mich einst mit Preis und Ruhm mein hier geführtes Christenthum. 4. Und ach, wo find ich Trost und Ruh, wenn mich die Leiden drücken, und mein Ge wissen tritt herzu, die Schuld mir vorzurücken! Wo find ich Trost in jener Noth, kommt nun der schauervolle Tod, mein Grab mir aufzudecken, und her, gewaffnet wider mich, mit meine Sünden lagern sich umeiner Hölle Schrecken! Mel. O König, deffen Majestät zc. 311. Was hilft es mir, ein Christ zu sein, wenn ich nicht christlich lebe, und heilig, fromm, 5. Weh mir! Was hilft es gerecht und rein zu wandeln mir einst dort, erweckt aus meimich bestrebe? Wenn ich dem nem Grabe, daß ich an Chriseligen Beruf, zu welchem mich stum und sein Wort zum Schein mein Gott erschuf, nicht wür- geglaubet habe: wenn keine dig mich beweise, und den, der fromme gute That mein Leben mich erlöset hat, in Worten blos, hier bezeichnet hat, den Glauben nicht durch die That und gute zu bestärken; zu dem Genuß Werke preise? der Seligkeit führt Glaube und eines heiligen Lebens. 225 6. Gott, dieser werth zu sein, hilf Rechtschaffenheit; der Glaub in 6. Wie billig, wie gerecht guten Werken. und gut ist Alles, was uns Hoffnung Gott gebeut! Wohl dem, der daß ich seinen Willen thut! Ihn thun, christlich lebe, und vor dir hei- ist Freud und Seligkeit. lig, fromm und rein zu wandeln mich bestrebe! Gieb mir Erkenntniß, Kraft und Muth, daß ich der Sünde scheinbar Gut im Glauben überwinde; daß ich nach wohldurchlebter Zeit den Lohn in jener Ewigfeit, wie du verheißest, finde. 7. Nur das, was bös und schädlich ist und uns entehrt, verbeut uns Gott. Weh dem, der seine Pflicht vergißt! Er stürzet sich in Schand und Noth. 8. Gott ist, wenn er Gesetze giebt, kein menschenfeindlicher Tyrann; bloß weil er unsre Wohlfahrt liebt, reizt er uns zum Gehorsam an. Mel. Wenn wir in höchsten 2c. 9. Leicht ist und 312. Dein, Gott, ist Maje- sanft sein Joch. Wer's willig stät und macht, und Alles ist trägt, setzt seinen Lauf stets dir unterthan. freudig fort; und fällt er noch, so hilft ihm Gott selbst wieder Dir werde Dank und Ruhm gebracht! Fallt nieder, Menschen, betet an! auf. 2. Dich preise jede Kreatur, 10. Es heißt uns seine Lieb der höchste Engel und der und Huld gehorsam sein aus Wurm; dich ehrt gehorsam die Dankbarkeit; er warnet uns Natur; dein Wink erregt und vor neuer Schuld, und übet stillt den Sturm. uns durch Kreuz und Leid. 3. Wohin mein Auge, Gott, 11. Er selbst ermahnt, droht tur blickt, ist Ordnung, Ein- und verheißt, und hält uns tracht, Harmonie; und ich, mit Tod und Leben vor; uns rühdeinem Bild geschmückt, empörte ret und erweckt sein Geist, und mich und störte sie. ich verschlösse Herz und Ohr? 12. Nein, Gott, dir sei mein 4. Du schufft das menschliche Geschlecht; durch dich, Gott, sind Herz geweiht, Gehorsam sei mein wir, was wir sind; du bist größter Ruhm. Verleihe mir mein Herr, ich bin dein Knecht; Beständigkeit, und heilge mich, du bist mein Vater, ich dein dein Eigenthum. Wider die Heuchelei. 5. Wie darf, wer, Vater, dich nicht ehrt, des Glücks, dein Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. Rind die find dieſer Ehre werth, die 313. Mein Gott, du prüfeſt ganz sich deinem Dienste weihn. Herz und Nieren, siehst in der Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. 15 226 Beschaffenheit der christlichen Seele Grund hinein, du weißt,| Christ erst rechter Art und thi was wir im Sinne führen und tig ist. hasfest allen falschen Schein; 7. So hab ich stets ein gut du bringest Alles an den Tag, Gewissen, in Leiden, Troft und was noch so tief verborgen lag. Freudigkeit, und bin, wenn fid 2. Laß mich in meinem die Augen schließen, von Ang Christenthume Unredlichkeit und und Seelenqual befreit; so fü Trägheit fliehn. Zur Schmach ret mich mein Tod dahin, wo gereicht mir's, nicht zum Ruhme, ich vollkommen selig bin. wenn ich den Gräbern ähnlich bin, in denen man nur Staub Beschaffenheit der christlichen erblickt, so sehr man sie von Tugend überhaupt. außen schmückt. 3. Die Frömmigkeit liebt Mel. Was mein Gott will, gescheh tein Verstellen, sie braucht der 314. Ach, höchster Gott, falschen Schminke nicht. Die verleihe mir, daß ich nur dich sich den Heuchlern zugesellen, begehre; mein ganzes Glück nut vermeiden gern der Wahrheit such in dir, dich über Alles ehre; Licht. Wer ein rechtschaffnes dich als ein Kind stets such und Wesen hat, beweist es auch in find im Wohlstand und in Wort und That. Leiden; laß weder Leid, noch Glüd und Freud mich jemals von dir scheiden! 4. Gieb, daß ich stets mit reiner Seele dir zu gefallen eifrig sei; und unversteckt, selbst wenn ich fehle, es dir bekenne und bereu! Wer das nicht thut, bestehet nicht vor deinem hellen Angesicht. 5. Bekenn ich dich mit meinem Munde, so laß es auch von Herzen gehn, und mich in deinem Gnadenbunde durch frommen Wandel fest bestehn, daß mich kein falscher Bahn bethört und sich mein Ruhm in Schmach verkehrt. 2. Erfülle mich mit wahrer Reu, wenn ich dich, Gott, be trübe; gieb, daß ich alles Böse scheu und stets das Gute liebe. Laß mich doch nicht, Herr, meine Pflicht mit Vorjah je verletzen; der Seele Heil, mem ewges Theil, laß mich recht theuer schätzen. 3. Lösch aus und dämpf in meiner Brust die lasterhaften Triebe. Zur Tugend gieb mit Kraft und Lust, daß ich mich 6. Was nütt mir's, vor den thätig übe, nach deinem Wort Menschen prangen, und vor dir, an jedem Ort das Gute zu Gott, verwerflich sein? Laß mich vollbringen; laß meinen Geist den wahren Schmuck erlangen, sich allermeist zu dir, Gott, und kleide mich in Tugend ein, aufwärts schwingen. durch die der Glaub an Jesum 4. Nie blähe sich von Stol Tugend überhaupt. 227 mein Sinn, laß mich in De- ergeben, so werd ich nicht, wie muth leben; nimm Neid und sonst geschicht, verdiente Schmach Rachsucht von mir hin, und erleben. laß mich gern vergeben. Dein Wort gebeut Versöhnlichkeit, verdammt der Rachsucht Triebe; gieb, daß den Feind, nicht bloß den Freund, mein Herz aufrichtig liebe. 5. Erneure mich und schmücke mich mit Glauben, Hoffnung Liebe; mit reinem Glauben, welcher sich treu im Gehorsam übe; die Hoffnung sei von Zweifeln frei, die Liebe reich an Werken, so daß ich mag von Tag zu Tag der Tugend Fortgang merken. 9. Gieb, daß ich stets den Müßiggang sammt aller Trägheit fliehe, daß Andern ich mein Lebelang zu dienen mich bemühe. Laß meinen Fleiß zu deinem Preis, o Gott, mir wohl gelingen; und segneft du das, was ich thu, so laß mich dir lobsingen. 10. Gott, gieb mir deinen guten Geist, daß er mich stets regiere und, wie dein Wort mich unterweist, auf deinen Wegen führe: so wird mein Herz in Freud und Schmerz dir zu ge= 6. Laß mich nach Reichthum, fallen streben, und du wirst mir, Gut und Geld nie unersättlich Gott, einft bei dir den Lohn trachten; die eitle Ehre dieser der Treue geben. Welt nie übermäßig achten; laß mich vielmehr nach Ruhm Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. und Ehr bei dir, Weltrichter, streben; mit dem, was du mit 315. Mein Vater und mein hier theilft zu, laß mich zu- Gott, der du mir dieses Leben, frieden leben. regiere guten Leib, Seele und Vernunft aus 7. Verstellung, Falschheit, Gnaden hast gegeben, Heuchelei laß mich sorgfältig ferner mich mit deinem fliehen; mich nicht durch List und Geist, daß er in allem Thun Bleißnerei um Menschengunst mir Kraft und Beistand leist. bemühen; laß Ja und Nein mir 2. Hilf, daß ich allezeit des heilig sein; laß mich nicht lieb- Fleisches Lüste meide, nie Haß, los richten; bei Jedermann, so ehr ich kann, den Zant mit Sanftmuth schlichten. 8. Herr, pflanz die wahre Glaubens treu, und in der Lauterfeit mir selber in's Ge- Hoffnung stark und fest gegrünmüthe, damit ich vor Unredlich- det sei. feit und Selbstbetrug mich hüte; des Herzens Grund sei, wie Christ mich Christo ähnlich zeige, der Mund, der Wahrheit treul und achtsam mein Gemüth zu noch Stolz, noch Geiz in meinem Herzen leide; gieb, daß ich immer wach, im Kampf des 3. Gieb, daß ich als ein 15* 228 Beschaffenheit der christlichen seiner Lehre neige. Sein Geist 316. Gott, du frommer regiere mich, und nicht der Geist der Welt, so geh ich, Herr, Gott, du Brunnquell aller Govor dir den Weg, der dir ge= ist, von dem wir Alles haben! ben, ohn den nichts ist, was fällt. Gejunden Leib gieb mir, und unverlegt, rein das Gewissen daß in diesem Leib die Seele bleib. 4. Erfülle du mein Herz mit Lust zu dir und Liebe, und gieb, daß ich zugleich am Nächsten Liebe übe. Verleihe mir Ge= duld, wenn Trübsal bricht herein, und gieb, daß ich im Glück demüthig möge sein. 2. Gieb, daß ich thu mit Fleiß, was mir zu thun gebühret, wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet; gieb, daß ich's thue bald, zu der Zeit, und wenn ich's 5. Verleih, daß ich zuerst nach deinem Reiche trachte, und kein vergänglich Gut je übermäßig achte. Wer nach dem thu, so gieb, daß es gerathe wohl. Ewigen vor allen Dingen tracht, empfängt im Zeitlichen 3. Hilf, daß ich rede stets, auch das, was glücklich macht. womit ich kann bestehen; las 6. Haß, Falschheit, Ueber- kein unnützes Wort aus meimuth und Heuchelei daneben nem Munde gehen; und wenn laß ferne von mir sein; mein soll und muß, o dann bewahre nach meiner Pflicht ich reden dir geweihtes Leben sei von mich vor Furcht und vor BerBetrug und Neid, von unbarm= druß. herzigkeit, von ungerechtem Gut und stolzem Sinn befreit. 4. Droht mir Gefährlichkeit, so laß mich nicht verzagen, gieb 7. Mit deiner Gnadenhand, du mir Heldenmuth, und hilf Herr, wollest du mich leiten, das Kreuz mir tragen. Gieb, mich auch auf dunkler Bahn daß ich Haß und Neid durch mit deinem Licht begleiten; in Sanftmuth überwind, und da, Nöthen und Gefahr mein Schuß wo ich's bedarf, stets Rath und und Retter sein, mit Trost und Beistand find. Hülfe mich zur besten Zeit erfreun. 5. Laß mich mit Jedermann in Fried und Freundschaft le 8. Erlöse endlich mich von ben, so weit es christlich heißt. allem Kampf und Leiden; laß wirst du vor Andern geben mit ſelig meinen Geist aus dieser Reichthum, Ehr und Gut, jo Hütte scheiden. Umfaß am gieb auch dies dabei, daß ich Ende mich mit deiner Vater- nicht ungerecht, nicht stolz, noch hand und führe selbst mich ein sicher sei. in's rechte Vaterland. 6. Soll ich's in dieser Welt Tugend überhaupt. zu vielen Jahren bringen, und| Eifer mich forthin zu deinem unter mancher Last in's hohe Dienst ergebe, und dir zu Ehren Alter dringen: so sei mein Füh- lebe, weil ich erlöset bin. rer selbst, mein Helfer in Gefahr, daß ich mit Ehren trag alsdann mein graues Haar. 7. Laß dann mich selig einst aus diesem Leben scheiden; gieb meiner Seele Theil an deines Himmels Freuden; belehrend mach indeß dem Sterblichen mein Grab, und trockne dem, der mich beweint, die Thrä4. Befördre dein Erkenntniß in mir, mein Seelenhort, erweitre mein Verständniß, Herr, durch dein göttlich Wort, daß ich fest an dich gläube, stets in der Wahrheit bleibe, ſei ſelig hier und dort. 5. Leit mich durch diese Wüste und unterdrück in mir die Herrschaft böser Lüste, daß ich dem für und für mög immermehr absterben, was mich sucht zu verderben; hingegen leb in dir. nen ab. 8. Du kommst, du wirst gewiß die Todten auferwecken, wirst deine Hand dann auch zu meinem Grab ausstrecken; er6. Ach, zünde deine Liebe in meiner Seele an, daß ich aus wedt steht dann mein Leib aus innrem Triebe dich ewig lieben jeinem Staube auf, und eilt kann, und dir zum Wohlgeverklärt mit dir zu deinem fallen beständig möge wallen Thron hinauf. auf rechter Lebensbahn. Mel. Herr Chrift, du einger 2c. 7. Verleih zum Guten Stärke, verleih mir Muth und Kraft; dies die die 317. Herr Jeju, Gnaden- dein Geist in uns schafft. Was jonne! Bon deinem Angesicht ist ohn ihn mein Sinnen, mein fließt auf uns wahre Wonne, Streben und Beginnen! Wie bestrahlt uns Heil und Licht; schwach, wie mangelhaft! du fannst den Geist erneuen, 8. Erwerber aller Gnaden, du fannst das Herz erfreuen; du wirst nach deiner Treu der versag es mir auch nicht! Sünde mich entladen, wirst 2. Vergieb mir meine Sün- täglich mir auf's neu, damit den und laß mich, Herr, durch ich deinen Willen gehorsam dich der Gnade Troft empfin- mög erfüllen, mit Kraft selbst den; versöhnet hast du mich. stehen bei. An deinen Friedensgaben laß mich stets Antheil haben; ach, Herr, erhöre mich! Mel. Durch Adams Fall 2c. 3. Bertilg aus meiner Seele 318. Klag nicht, mein Herz, des alten Menschen Sinn, daß daß schwer es sei, den Weg des ich, was du willst, wähle, voll Herrn zu wandeln, und täglich 229 Von der Nachahmung 6. Ihn fürchten, das ist Weisheit nur, und Freiheit ist's, f wählen; ein Thier folgt Fesseln der Natur, ein Mensch dem Licht der Seelen. Was ist des Gei stes Eigenthum? Was sein Be 2. Die, die sich ihrer Laster ruf auf Erden? Die Tugend; freun, trifft die kein Schmerz was ihr Lohn, ihr Ruhm! hienieden? Sie sind die Scla- Gott ewig ähnlich werden. ven eigner Pein und haben nur Geschmack am teinen Frieden. Der Fromme, Wort des Herrn und seinet der die Lüste dämpft, hat oft Gnade finden, und übe dich ge auch seine Leiden; allein der treu und gern, dein Herz Schmerz, mit dem er kämpft, verwandelt sich in Freuden. 7. Lern überwinden. Wer Kräfte hat, wird durch Gebrauch von Gott 3. Des Lasters Bahn ist an- noch mehr bekommen; wer aber fangs zwar ein breiter Weg nicht hat, dem wird auch das durch Auen; allein sein Fort- was er hat, genommen. gang wird Gefahr, sein Ende 8. Du streiteft nicht durch Nacht und Grauen; der Tu- eigne Kraft, drum muß es dir gend Pfad ist anfangs steil, gelingen; Gott ist es, welcher läßt nichts als Mühe blicken; Beides schafft, das Wollen und doch weiter fort führt er zum Vollbringen. Wann gab der Heil und endlich zum Entzücken. Vater einen Stein dem Sohn, 4. Was wär es, hätt uns der Brod begehrte? Bet oft! Gott vergönnt, nach unsers Gott müßte Gott nicht sein, Fleisches Willen, wenn Wollust, wenn er dich nicht erhörte. Neid und Zorn entbrennt, die Lüste frei zu stillen; ließ er den Raub, den Undant zu, den Frevel, dich zu kränken, den Menschenhaß; was würdest du von diesem Gotte denken? 9. Dich stärket auf der Tugend Pfad das Beispiel selger Geister; ihn zeigte dir und ihn betrat ja selbst dein Herr und Meister. Dich müsse nie des Frechen Spott auf diesem Pfade hindern; der wahre Ruhm ist Ruhm bei Gott und nicht bei Menschenkindern. 5. Gott will, wir sollen glücklich sein, drum gab er uns Gesetze. Sie sind es, die das Herz erfreun, sie find des Le= 10. Sei start, ſei männlich bens Schäße. Er redt in uns allezeit, tritt oft an deine Bahre; durch den Verstand, und spricht vergleiche mit der Ewigkeit den durch das Gewissen, was wir, Kampf so kurzer Jahre. Das Geschöpfe seiner Hand, fliehn oder wählen müssen. Kleinod, das dein Glaube hält, wird neuen Muth dir geben; 230 dem Gesetze treu zu denken und zu handeln, wahr ist's, die Tugend kostet müh, sie ist der Sieg der Lüfte; doch richte selbst, was wäre sie, wenn sie nicht kämpfen müßte? Christi insonderheit. 231 und Kräfte der zukünftgen Welt ,, vor Augen stellt, nie höher, als die werden ihn beleben. dich achten. 11. Und endlich, Christ, sei 5. Stärt du mich Schwachen unverzagt, wenn dir's nicht im- und verleih, daß ich wie du mer glücket, wenn dich, so viel gesinnet sei und dein Joch wildein Herz auch wagt, stets neue lig trage; für meinen Geist Schwachheit drücket; Gott sieht hier Ruh erlang, und den vernicht auf die That allein, er heißnen Preis empfang am sieht auf deinen Willen. Ein Schlusse meiner Tage. göttliches Verdienst ist dein! Dies muß das Herz dir stillen! Von der Nachahmung Christi. Mel. Kommt her zu mir, spricht zc. 319. Kommt her, Mühjelge, tommt zu mir, spricht liebreich Gottes Sohn, die ihr mit Sünden seid beladen; fommt her! Ich bin der gute Hirt, der euer Herz erquicken wird; ich heile euren Schaden. 320. Mir nach, spricht Christus, unser Held, mir nach, ihr Christen alle! Flieht die verkehrte Lust der Welt, folgt mei= nes Rufes nicht der Thoren Spott und Schmach, verachtet fie, und folgt mir nach! 2. Ich bin das Licht, ich leucht euch für mit reinem Tugendleben. Wer zu mir kommt und folget mir, wird Seelenruh gegeben. Ich bin der Weg, ich zeige wohl, wie man hier 2. Nehmt nur auf euch mein janftes Joch; seht auf mein Vorbild; lernet doch, euch so, richtig wandeln soll. wie ich bezeigen; seid sanftmuthsvoll, wie ich es bin, liebt Demuth; laßt nicht euren Sinn 3. Mit Demuth ist mein Herz erfüllt, voll Liebe meine Seele; ich übe Sanftmuth, wenn man zum Stolz und Geiz sich neigen. schilt, vergebe Schmach und 3. So werdet ihr zu jeder Fehle; Gott ganz ergeben ist Zeit für eure Seel, in Freud mein Sinn; tommt, Christen! und Leid, Trost und Erquickung werdet wie ich bin! finden. Sanft ist mein Joch, 4. Gleich mir verleugne Jeleicht meine Last; wer sie ge- der sich und folge meinen buldig auf sich faßt, dem helf Schritten; wer leiden muß, der ich überwinden. seh auf mich, der ich für euch 4. Dir will ich stets, o Jeju gelitten; nehmt willig euer Chrift, der du auch mir ein Kreuz auf euch und werdet an Vorbild bist, zu folgen eifrig Geduld mir gleich. trachten; mich selbst und Alles, was die Welt mir Sündliches ich geh voran, ich stehe euch 5. Dünkts euch zu schwer, 232 Von der Nachahmung zur Seite, ich kämpfe selbst und Schüchternheit sich, wie er wa mache Bahn, bin Alles selbst zu zeigen; und wenn er Bo im Streite; wer wollte muth- heit freveln sah, war er vol los stille stehn, da er mich edler Schmerzen: wenn abe selbst voran sieht gehn! Gottes Will geschah, war Freude seinem Herzen. 6. Wer hier sein Glück zu finden meint, wird's ohne mich 4. Was Weltlust ohne Lverlieren; wer es hier zu ver- gend heißt, verlangt er nie j lieren scheint, wird dort einst schmecken. Und sein in Got triumphiren. Wer Glück der erhabner Geist blieb rein von Erde mehr begehrt, als mich, allen Flecken. In Allem saha ist meiner auch nicht werth. immerdar mit Eifer, nie um 7. So lasset uns denn auf Scheine, auf das, was Menschen den Herrn und auf sein Vor- heilsam war, nicht aber au bild sehen; wer treu ihm bleibt, das Seine. 5. Stets floh er das Geräusch des Ruhms, blieb niedrig und geringe, enthielt sich alles G genthums, er, Schöpfer aller Dinge. Arm ward er selber, Mel. Was mein Gott will, geſcheh zc. muth würden. Er ist der her, daß wir reich aus seiner Ar 321. Kommt, die ihr noch sein ist das Reich; doch trg ihin folget gern, den wird er einst erhöhen; wer ihm nicht treu bleibt, trägt die Kron des ewgen Lebens nicht davon. nicht weise seid, euch selber zu fer unsre Bürden. regieren! Die ihr euch noch 6. Lag Gottes Strafe auf durch Eitelkeit, Geld, Wollust ihm schwer, er fand sie gut un laßt verführen; kommt, schauet billig, und jeden Tropfen Bluts Jesu Vorbild an; dies, dies war er ihm aufzuopfern willig. muß euch beschämen! lernt, Stets zeigt er, daß ihn keine geheilt von eurem Wahn, hin- Noth auch nur zur Klage reize. fort euch selbst bezähmen. Er ward gehorsam bis zum 2. Gott war sein Alles; nur Tod, selbst bis zum Tod am an dem hing seine ganze Liebe. Kreuze. Dem dienen, war ihm ange= 7. 3m tiefsten Leiden blieb nehm, dem weiht er alle Triebe. sein Herz an Gott trotz alles Wozu er stets sich willig fand, Spottes. Sein Sehnen war im war dies: den ganzen Willen bängsten Schmerz nichts, als des Vaters, welcher ihn gesandt, der Beifall Gottes. Folgt, Men= vollkommen zu erfüllen. schen, seinem Vorbild nach! Et 3. Hoch über Welt und Ei- hat für Euch gelitten. Er selbst telteit, ganz heilig, ganz Gott hat euch, seid ihr schon schwach, eigen, vermied er nie aus die Kraft dazu erstritten. Chrifti insonderheit. 8. Hilf meinem Vorsatz, daß| 4. Denn wer dich liebt, den ich dir, mein Heiland, ähnlich liebest du, giebst seinem Herzen werde. Bezähm das Fleisch; wahre Ruh, machst freudig sein vertilg in mir die Liebe dieser Gewissen. Ob ihn noch manche Erde; daß ich dein großes Bei- Bürde drückt, wird er doch mit spiel mir stets hier vor Augen dem Trost erquickt, den du auf jeze; des Vaters Willen thun, ihn läßt fließen. Die hier treu gleich dir, für eitel Wonne dir sind schäze. im Leiden, werden Freuden dort empfinden; Freuden, die nicht zu ergründen. 5. Es hat hier noch kein kein Mensch geMel. Wie schön leucht uns der zc. 322. Jeju, Jeju, Gottes sehen und gelehrt, es läßt sich nicht beschreiben die Größe jener Herrlichkeit, die denen ist von dir bereit, die in der Liebe bleiben. Gänzlich läßt sich nicht erreichen, noch vergleichen Erdenschätzen, was uns dort einst wird ergößen. 6. So soll denn, Jesu, dies allein mein Wunsch und mein Bestreben sein, daß ich dich herzlich liebe, daß ich in dem, was dir gefällt, was mir dein Wort hat vorgestellt, aus Liebe mich stets übe, bis ich selig werde scheiden, und voll Freuden werde kommen zu den schon vollkommnen Frommen. Sohn! Mein Mittler und mein Gnadenthron! Du meiner Seelen Wonne! Du siehst, ob mein Bekenntniß wahr, vor dir ist Alles offenbar und flarer als die Sonne: herzlich lieb ich dich vor Allen; mir gefallen wird auf Erden nichts, wie du, noch lieber werden. 233 2. Von ganzem Herzen sehn ich mich nach dir, o Mittler; fönnt ich dich so lieben, wie ich wollte! Wer ist, der deine Lieb ergründ? Ich denk anbetend nach und find, daß ich mehr lieben follte. Hierzu wollst du, höchste Güte, dem Gemüthe Kraft gewähren und die Gegenliebe 7. Da werd ich deine Seligmehren. keit von Ewigkeit zu Ewigkeit 3. Du, du bist meiner Wün- in reiner Liebe schmecken; da che Ziel, ich schaue nur auf dich, wird dein strahlend Angesicht und will mein ganzes Herz dir nun weiter keine Hülle nicht weihen. Mich kann doch diese vor meinem Auge decken; reichganze Welt, mit Allem, was lich werd ich sein erquicket und ſie in sich hält, nicht so, wie du, geschmücket mit der Krone, die erfreuen. Nichts ist, was mich du giebst zum Gnadenlohne. je jo labe, als die Gabe wahrer Mel. Jeju, meine Freude zc. Liebe gegen dich; stärt ihre 323. Jesus ist mein Hirte; 234 Von der Nachahmung Christi infonderheit. als ich mich verirrte, ich ver- Mel. Mir nach, spricht Christus Lornes Schaf, kam er mir ent- 324. Welch hohes Beispi gegen, eh auf meinen Wegen mich ein Unfall traf. Siech war ich, doch trug er mich zu der Heerde voll Erbarmen selbst auf seinen Armen. gabst du mir, mein Heiland durch dein Leben! Sollt ich ni zuahmen streben, und nicht da gern und mit Begier dir nach Weg, den du betratst, auch geh und das thun, was du thatt! 2. Dein Herz war voller Herz erfreut. Keine wahre Freude Heiligkeit, so rein wie deine mangelt seiner Weide, keine Lehre! Dein Thun Lieb und Seligkeit. Voll und hell ist stets Rechtschaffenheit; dein End sein Quell, der mich, wenn ein zweck Gottes Ehre; für un Kreuz mich drücket, stärket und allhier Zufriedenheit und dort erquicket. einst ewge Seligkeit. 2. Jesus ward mein Leben, will mir Alles geben, was das 3. Er, daß ich nicht falle, 3. Darum entäußertest du hält mich: und ich walle sicher dich und stiegst vom Himmel seine Bahn. Folgsam seiner Rech- nieder, wardst Mensch, ein at ten, stößt in finstern Nächten mer Mensch, wie ich und meine doch mein Fuß nicht an. Schreckt schwachen Brüder, der Bosheit und droht mir selbst der Tod: Raub, der Leute Spott, in deidu, wenn Furcht und Angst nem Wandel gleich wie Gott. mich schrecken, bist mein Stab und Stecken. 4. In Knechtsgestalt erschie nest du, um uns zu Herrn zu 4. Ich bei meinem Freunde Troft und Ruh, und warst stat machen; den Kranten gabst du fürchte keine Feinde, ich, von in den Schwachen; du trug ihm beschützt. Darb ich, er hat die Leiden mit Geduld, und Gaben, giebt mir, mich zu la= trugst sie ohne eigne Schuld. ben, was mir ewig nügt. Trost und Lust durchströmt die Brust; 5. Ein Opfer unsrer Misſe denn ich bete nie vergebens zu Freunde, erfüllſt für uns de that, liebst du uns doch als dem Herrn des Lebens. Vaters Rath und bittest selbst 5. Seine Lieb und Gnade für Feinde. Du starbst, gehorfolgt mir auf dem Pfade seines sam bis zum Tod, und ehrtest Beispiels hier. Wenn ich ihn auch im Tode Gott. vollende, reichet er am Ende 6. Dies große Beispiel haft seine Krone mir. Ich, verneut du mir zur Richtschnur hinterzur Seligkeit, bin dann ewig lassen, daß ich gesinnet sei gleich mit den Frommen herrlich und dir in meinem Thun und Laffen. Komm, sprichst du, nimm dein vollkommen. Vom Kreuz auf dich, komm, folge mir und thu, wie ich. Wachsthum im Guten. 7. Ich komme, Herr, gieb Kraft und Licht, daß ich mein Heil erkenne, dein wahrer Jünger sei, und nicht mich fälschlich nur so nenne, damit ich, deiner Lehre treu, auch Andern selbst ein Beispiel ſei. 235 war er gut, und recht ist immer, was er thut. 5. So bilde denn, Gott, meine Seele, nach deinem Willen bilde sie, daß ich das Gute stets erwähle, das Böse immer ernstlich flieh; daß nie der Sünde Täuscherei dem innern Frieden schädlich sei! Wachsthum und Beharrung 326. Ich ruf zu dir, Herr im Guten. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. Jesu Christ, der du uns beizu= stehen stets so geneigt und 325. Die schöne Tugend, willig bist, erhöre auch mein mein Verlangen, ist meiner gan- Flehen! Des wahren Glaubens zen Liebe werth. Mit aller Kraft Kraft und Licht, das selige Beihr anzuhangen, hat meine Seele streben, dir zu leben, und Muth oft begehrt. Ach, könnt ich's, zu dieser Pflicht, das wollest du wie würd ich mich freun, wie mir geben. ruhig und wie selig sein! 2. Ich bitt noch mehr, o Herr, 2. Doch schnell umhüllen Fin- mein Gott! Du fannst auch dies sternisse mich, wenn ich auch mir geben: den Muth, daß ich erleuchtet bin, dann fliehn die heiligsten Entschlüsse, den Morgennebeln gleich, dahin. Bald wähl ich, Herr, was dir gefällt, und bald das Böse dieser Welt. nicht werd zu Spott, wenn Leiden sich erheben; ja, daß ich, wenn ich sterben soll, auf deine Gnad mag bauen und vertrauen, und, deines Geistes voll, besiege Furcht und Grauen. 3. Jch Armer, darum kommt 3. Verleih, daß ich von Hertein Friede in mein verschmach- zens Grund den Feinden mög tetes Gebein. Wie bin ich dieses vergeben: so ehret dich nicht Wechsels müde! Wann werd bloß mein Mund, so preiset dich ich fest im Guten sein; wann mein Leben. Erquickend laß dein nicht mehr straucheln, allezeit Wort mir sein, den Geist danur deinem Dienfte, Gott, ge- mit zu nähren, und zu wehren, damit mich Leid und Bein von dir nicht mög abkehren. weiht? 4. Laß mich nicht Lust noch 4. Gott, der Seligkeiten Fülle, von Ewigkeit zu Ewigfeit, du bist unwandelbar; dein Furcht von dir in dieser Welt Wille ist Ordnung und Voll- abwenden; Beständigkeit verfommenheit. Von Ewigkeit her leihe mir; es steht in deinen Vom Wachsthum Händen: so schmückt mich einst Mel. Wer nur den lieben Gott x die Siegertron, die wir nicht 328. Nicht, daß ich's schon ſelbst erwerben, sondern erben ergriffen hätte; die beste Tugen als einen Gnadenlohn, den uns bleibt noch schwach; doch day erwarb dein Sterben. 5. Ich bin noch in der Prü- ich mein Seele rette, jo gie fungszeit; ach, leite, Herr, mich denn Tugend ohne Wachsamtet Herr, daß ich bet und wach; Schwachen! Du bist's, der alle Kraft verleiht, du kannst auch verliert sich bald in Sicherheit. mich stark machen. So kann ich, 2. So lang ich hier im Leibe wenn mir droht Gefahr, wenn walle, bin ich ein Kind, das mich die Feinde hassen; doch strauchelnd geht. Der sehe zu Muth fassen; dein Wort bleibt ewig wahr, du wirst mich nicht verlassen. daß er nicht falle, der, wenn sein Nächster fällt, noch steht Auch die bekämpfte böse Lust stirbt niemals ganz in unsrer Brust. 236 Mel. Ach Gott vom Himmel 2c. 3. Nicht jede Besserung Tugend, oft ist sie nur das 327. Wenn böse Lüfte manWerk der Zeit. Die wilde hipe nichfalt sich noch in mir erhe- roher Jugend wird mit den ben, so laß mich ihnen alsobald Jahren Sittſamkeit; und was und ernstlich widerstreben. Ja Natur und Zeit gethan, fieht gieb, daß ich vergesse nicht die unser Stolz für Tugend an. Todesstunde, das Gericht, den Himmel und die Hölle. 4. Oft ist die Uendrung dei ner Seelen ein Tausch der Triebe 2. Blick ich nur ernstlich je- der Natur. Du fühlst, wie derzeit nach diesen letzten Din- Stolz und Ruhmsucht quälen, gen, so wird der Reiz der Ei- und dämpfst sie; doch du wechtelkeit mich nicht zum Weichen selst nur; dein Herz fühlt einen bringen; vielmehr werd ich mein andern Reiz; dein Stolz wird Lebenlang dir dienen ohne Furcht Wollust oder Geiz. und 3mang in willigem Gehorsam. 5. Oft ist es Kunst und Ei genliebe, was Andern strenge 3. Gott Vater, deine Kraft Tugend scheint. Der Trieb des und Treu laß reichlich mich Neids, der Schmähsucht Triebe empfinden! Jesu Christe, steh erweckten dir so manchen Feind; mir bei, daß ich mag über- du wirst behutsam, schränti winden! Gott, heilger Geist, dich ein, fliehst nicht die Schmäh mein Schuh, mein Hort, von sucht, nur den Schein. dir geführt, erlang ich dort der Ueberwinder Krone! 6. Du dentst, weil Dinge dich nicht rühren, durch die der An und Beharrung im Guten insonderheit. 237 dern Tugend fällt: so werde sollst du rein, zu aller Tugend nichts dein Herz verführen; doch jedes Herz hat seine Welt. Den, welchen Stand und Gold nicht rührt, hat oft ein Blick, ein Wort verführt. willig sein. 12. Ach gieb, Herr, daß ich wach und streite, nie denke, daß ich's gnug gethan. Mein Herz hat seine schwache Seite, die greift der Feind der Wohlfahrt an. Die Sicherheit droht mir den Fall; hilf, daß ich wache überall. 7. Oft schläft der Trieb in deinem Herzen. Du scheinst von Rachjucht dir befreit; jetzt sollst du eine Schmach verschmerzen, und sieh, dein Herz wallt auf und draut, und schilt so lieblos und so hart, als es zuerst ge= 329. Bald oder spät des holten ward. Todes Raub, wall ich noch hier auf Erden, ich Sterblicher; doch dieser Staub soll einst unsterb= lich werden. Und dann, dann ist mein ewges Theil, o Gott, Verwerfung, oder Heil. mel, Mir nach, spricht Christus zc. Mel. 8. Oft denkt, wenn wir der Stille pflegen, das Herz im Stillen tugendhaft. Kaum lachet uns die Welt entgegen, so regt ich unsre Leidenschaft. Wir werden im Geräusche schwach und geben endlich strafbar nach. 2. Mit Furcht und Zittern 9. Du opferst Gott die leich soll ein Christ nach seinem Heile ten Triebe durch einen strengen ringen, verachten, was auf ErLebenslauf; doch opferst du, den ist, hinauf zu Gott sich will's seine Liebe, ihm auch die schwingen; getroft den Pfad der liebste Neigung auf? Dies ist Trübsal gehn und standhaft in das Auge, dies der Fuß, die Versuchung stehn. ich ein Christ entreißen muß. 10. Du fliehst, geneigt zur Ruh und Stille, die Welt, und ebst die Einsamkeit; doch bist 3. Noch weiß ich, daß ich laufen muß, noch bin ich in den Schranken, noch nicht am Ziele; doch mein Fuß beginnet oft zu wanten. Herr, stärke mich durch fordert's Gottes Wille, auch diefer zu entfliehn bereit? Dein deine Kraft auf dieser kurzen Herz haßt Habsucht, Neid und Pilgrimschaft. Bant; flieht's Unmuth auch und Müffiggang? 4. So lang ich noch, ein Fremdling hier, in diesem Leibe 11. Du bist gerecht; dann walle, so schaff ein reines auch bescheiden? Liebst mäßig- Herz in mir, ein Herz, das dir teit, dann auch Geduld? Du gefalle, und leite mich auf eb= bienest gern, wenn Andre lei- ner Bahn durch deinen Geist den; vergiebst den Feinden auch zu dir hinan. die Schuld? Bon allen Lastern' 5. Es sei mein Ruhm, dir 238 Vom Wachsthum werth zu sein, was du gebeutst] ner preist, ihr Engel, mein zu üben; mein höchstes Gut, mich dein zu freun, von Herzen dich zu lieben; mein Trost, auf deinen Schutz zu traun, und meine Hoffnung, dich zu schaun. Brüder, dann singet mein ver flärter Geist in eure Jubelliede und eurer hohen Harfen Klang ertönt in meinen Lobgesang. dieses 12. Du, der uns Heil erwarb, laß, Jesu, mich 6. Die freche Thorheit dieser Zeit soll nie mir meinen Glau- ererben; du, der für seine Men ben, den süßen Trost der Ewig- schen starb, laß Jesu, die mich teit, des Himmels Hoffnung sterben! Gieb, daß ich dir in rauben. Was lindert sonst des Leben treu, getreu bis in den Lebens Noth und was versüßt Tod dir sei! mir sonst den Tod? 7. Wie zaghaft sind wir von Natur, wie eitel unsre Werke! Mel. Alle Menschen müssen. Muth'schentet uns der Glaube 330. Nicht nur streiten, über nur, und nur durch Christi winden muß, wer nach der Stärke sind wir in Angst und Krone ringt. Ernstvoll ist der Traurigkeit getrost, und über- Kampf der Sünden und de winden weit. Heilige nur singt an dem Ziele Siegeslieder, er nur schaut mit Wonne nieder auf des heißen mich scheiden; nicht Wollust, Streits Gefahr, in der seine Güter oder Ruhm, nichtSchmach, nicht Tod, noch Leiden. Ich bin durch Jesu Blut erkauft; ich bin auf seinen Tod getauft. 8. Heil mir, ich bin sein Eigenthum; nichts soll von ihm Seele war. 2. Jesus Christus, überwun den haben deine Märtyrer; bänger waren jene Stunden ihres 9. Nicht Trübsal mehr, nicht Kampfs, sie stritten mehr, als Leid, noch Schmerz betrübet ich jemals streiten werde; denn dort die Seinen; nicht klagen dein Heiligthum, die Erde, deine mehr wird unser Herz, nur Hütte, Gottmensch, ruht, trieft Freudenthränen weinen; er, der nicht mehr von Christenblut. für uns sein Leben gab, er 3. Uleberwunden, trocknet unsre Thränen ab. den hast du, Herr der Herrlich 10. Dort schauen wir, teit; tiefe Schmach und Blut beten an vor seinem Angesichte, und Wunden, Kreuzestod, das und die wir hier im Dunfeln war dein Streit. Ganz ha jahn, wir werden dort im Lichte du den Kelch getrunken jenes die Wunder seiner Liebe sehn, Zornes; doch versunken bist du des Weisen Wege ganz ver- Mittler, ewig nicht, sondern wie der aufgericht. überwun und ſtehn. 11. 3hr, die ihr ihn erhab4. Wer kann dein Geheimniß 239 und Beharrung im Guten insonderheit. fasen; wer, wie hoch du dich that, als er für die Feinde bat. aufschwangst! Klagtest dich am Du mußt, soll dir Gott verKreuz verlassen, als du mit geben, auch verzeihn und liebdem Tode rangst; dennoch war reich leben. Triumph dein Ende. Eil, mein Geist, in Gottes Hände, sprachst du; riefft schon in der Nacht deines Tods: Es ist vollbracht! 4. Sei getreu in deinem Leiden, und laß dich kein Ungemach, teine Noth von Jesu scheiden, murre nicht in Weh 5. Was sind meine kurzen und Ach; denn du machest deine Leiden gegen die, die Jesus litt, Schuld größer durch die Ungeund was gegen jene Freuden, duld. Selig ist, wer willig die mir Christi Tod erstritt! träget, was sein Gott ihm auf Und doch folg ich dir mit Be- erleget. ben? Durchzudringen in dein Leben gieb mir, der du für mich ftrittst, für mich unaussprechlich littit. 5. Sei getreu in deinem Hoffen. Hilft Gott nicht gleich, wie du willt, er hat bald ein Mittel troffen, das nun deine Wünsche stillt; er verbirgt uns wo er weislich iſt Mel. Freu dich sehr, o meine zc. bereit, uns nun Hülfe zu verleihen, um uns stärker zu erfreuen. 331. Sei getreu bis an das Ende, wache, flehe, ring und fampf, richte auf die lassen Hände, und des Fleisches Lüste 6. Laß dein Hoffen nicht erdampf; denn das Leiden dieser talten, sei nicht muthlos in der Zeit ist nicht werth der Herr- Noth, Sprich: mein Gott! dich lichkeit, die dein Jesus einst laß ich walten, dich, mein Bawird geben dir in jenem besfern ter und mein Gott. Hoff auf Jesum festiglich, sein Herz bricht 2. Sei getreu in deinem Glau- ihm gegen dich, seine Hülf ist ben, lasse dessen festen Grund schon vorhanden; wer so hofft, durch Verführung dir nicht wird nie zu Schanden. tuben, halte tren den jelgen Leben. 7. Mein es treu mit deinem Bund, den dein Herz durch's, Herzen, fleuch Betrug und HeuBajerbad fest mit Gott ge- chelei; denn sie wirket Schmach schlossen hat. Ach! wie leicht und Schmerzen und oft allzu geht der verloren, der nicht hält, späte Reu. Sei dann aller was er beschworen! Falschheit feind, sei der Wahr3. Sei getreu in deiner Liebe heit steter Freund; sei vorsichtig gegen Gott, der dich geliebt; in dem Glauben, doch auch ohne Liebe auch am Nächsten übe; Falsch, wie Tauben. und wenn Jemand dich betrübt, denke, wie dein Heiland' chen; Anfang, Mittel und das 8. Sei getreu in allen Sa 240 Vom Wachsthum im Guten. End sei beflissen so zu machen, 4. Wenn deiner Lehre Hasse daß, was du beginnst, sich wend dich schmähten, und ihr Spot hin zu Gottes Preis und Ehr, von ihrem Mund als Wasser und du selbst je mehr und mehr dahinfloß wider Gott: dan mögest auf dem rechten Pfade schwieg ich furchtsam, schämte dich versichern seiner Gnade. mich, ein Christ zu sein, und scheute mehr ihren Spott, al 9. Sei getrost und scheu die Kämpfe nicht vom letzten Augen- dich! blick; Jesus eilt selbst, daß er dämpfe deine Noth und dich erquid. O, wer mit ihm kämpft und ringt, überwindet und bezwingt auch als Held das Graun des Todes, und eilt froh zum Throne Gottes. Entschließung zur Trene beim Nachdenken über Petri Fall und Buße. Mel. Wenn meine Sünd mich zc. 332. Von Angst dahin geriffen, verleugnet Petrus dich. Bald straft ihn sein Gewissen: da weint er bitterlich. Tief dringet ihm dein Blick in's Herz; er fleht zu dir um Gnade, und du stillst seinen Schmerz. 5. O du, der du dein Leben, du Herr der Ewigkeit, so willig hingegeben für meine Seligkeit! wie undankbar, wie schwach wat ich, daß ich den Hohn der Sünde mehr fürchtete, als dich! 6. Ach rechne nicht zur Sünde mir diese Feigheit zu! Den Schmerz, den ich empfinde, Gr löser, siehest du! du schenktet Petro seine Schuld: bedeck aud mein Vergehen mit deiner Lieb und Huld! 7. Nur laß mir diese Re ja unvergeßlich sein! ich will zu ewger Treue mich dir von nun an weihn! Dich zu verleugnen, Herr, mein Gott, das scheue meine Seele weit mehr, als selbst den Tod! deines 2. Wie wuchs nun Zeugen Beständigkeit und Muth! Furcht fonnt ihn nicht mehr beugen: für dich, Herr, floß sein Blut! Dich, seinen Herrn und seinen Gott, verherrlichte sein Leben, verherrlichte sein Tod! 8. Ich will dich frei belennen! Wenn Gott Gericht einf hält, wirst du mich dann aud nennen dem Nichter aller Welt! Dein Kreuz ist meine Zuver sicht; selbst denen, die dich schma hen, verhehle ich es nicht. 3. Betrübt ist meine Seele, 9. Bedeckt von deiner Gnade, ift erfüllt mit Reu und Schmerz! veracht ich ihren Spott; wer was hilft's, daß ich's verhehle! es, der mir schade? du hilfft mit du schaust mir ja in's Herz! be- aus, mein Gott! Von meinem kennen will ich es vor dir: auch; Haupte fällt tein Haar, und ich hab dich verleugnet! vergieb, drohten sie mir alle die schred vergieb es mir! lichste Gefahr. Streben nach Erkenntniß Gottes. IX. Vom Beweis der christlichen Gottseligkeit und Tugend, oder der Verehrung Gottes durch gute Gesinnungen, Worte und Werke. Streben nach der Erkenntniß Gottes und der Religion. Mel. Herzliebster Jesu, was haft 2c. 333. Was ist, o Gott, im himmel, was auf Erden, das, 10 wie du, verdient erkannt zu werden? Was ist, das meinen Durst nach Glück so stille, als deine Fülle? 3. Mit lauter Stimme lehren deine Werke uns deine Weisheit, deine Güt und Stärke. Auch hast du selbst- dafür gepriesen sei hoch wiejen. uns unter 241 leite meine Seele, daß Wahrheit ich und Tugend nie ver= fehle. Sie geben, suche ich sie ohn Ermüden, den höchsten 2. Dich suchen, ist die edelste der Sorgen. Zwar bist du unerforschlich und verborgen. Doch willst du, wenn wir nur dein Mel. Liebster Jesu, wir sind zc. licht nicht haffen, dich finden 334. Gott, mein Licht, erlaffen. - Frieden. 7. So laß mich sie denn immer besser kennen, mich täglich mehr von deiner Lieb entbrennen, dir gern gehorchen, fröhlich dich erheben, dir, Gott, nur leben. leuchte mich, dich und Jesum recht zu fennen; meinen Gott und Vater dich, meinen Heiland ihn zu nennen; fromm und ruhig hier auf Erden, einst im Himmel froh zu werden. 2. Lauter Wahrheit ist dein 4. Und immer mehr willst Wort. Lehre mich es recht verdu dich offenbaren, wenn wir stehen; hilf selbst meinem Forgetreu, was du uns lehrst, be- schen fort, richtig daraus einzuwahren; wenn wir, was deine sehen, was zu meinem Heil mich Lehren wirken sollen, uns bef- führet, und mir, deinem Knecht, sern wollen. gebühret. 3. Aber laß mich nicht allein, 5. Ach möcht ich, Gott, aus allen meinen Kräften, selbst bei richtig seinen Sinn verstehen; des Lebens Sorgen und Ge- laß mein Herz auch folgsam sein, schäften, stets mein Gemüth, den erkannten Weg zu gehen, um mich zu dir zu schwingen, denn sonst würd ich bei dem zur Stille bringen! Wissen doppelt Streiche leiden 6. Das gieb mir, Gott! und müssen. Osnabr. Landgejangb. X. Aufl. 16 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 4. Gieb, daß ich den Unter- selbst meinem Forschen fort. Laj richt deines Wortes treu be- für der Wahrheit hellen Schein wahre; daß ich, was es mir mein Aug und Herz stets offen verspricht, reichlich an mir selbst sein. erfahre. Ja, es sei in meinem 3. Dein Wort sei mir ein Leiden mir ein Quell von Trost Licht im Glauben, das mich und Freuden. zur wahren Weisheit führt. Laß 5. Hilf, daß ich von Zeit zu mir durch keinen Irrthum rauZeit meine Kenntnisse vermeh- ben, was mir ein ewig heil ren. Find ich manche Dunkel gebiert. Kein Spöttergeist verheit bei geheimnißvollen Lehren; führe mich; tein 3weifel sei laß mich Zweifelsucht entfernen mir hinderlich. 242 und in Demuth glauben lernen. 4. Dich kennen, ist das ewgt 6. Laß mich, Herr, in deinem Leben; drum hilf mir, Vater, Licht immermehr gerührt erken- daß ich dich und den, den du nen jener Herrlichkeit Gewicht, für uns gegeben, hier so er und wie glücklich der zu nennen, tenne, wie du mich in deinem der nach ihr mit Eifer trachtet wort es selbst gelehrt, bis einf und der Sünden Lust verachtet. fich meine Einficht mehrt. 7. O verleihe mir die Kraft, deinem Wort gemäß zu han lebendig, o Höchfter, dein G5. Vor allem laß bei mir deln, und vor dir gewiſsenhaft fenntniß sein; laß mich darnac als dein treues Kind zu wan- dir auch beständig die größte deln, so wird einst in jenem Le- Lieb und Ehrfurcht weihn. Gieb, ben mich ein heller Licht um- daß ich thu mit allem Fleiß. geben. was ich von deinem Willen weiß. 6. Was hilft das richtigste Erkenntniß, wenn's nicht zu dei ner Liebe treibt? Was nügt ein Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 335. Mein Gott, du woh- aufgeklärt Verständniß, wenn neft zwar im Lichte, dahin doch das Herz noch böse bleibt? fein sterblich Auge dringt; doch Drum lenke, Herr, auch meinen giebst du uns zum Unterrichte Sinn durch Wahrheit dir zum dein Wort, das uns Erkenntniß Dienste hin. bringt, was du, o Allerhöchster, bist, und was mit uns dein Endzweck ist. 2. So gieb denn, daß ich darauf achte, als auf ein Licht im 7. Laß dein Erkenntniß mit im Leiden des beſten Troftes Quelle sein. Laß dann, wenn Leib und Seele scheiden, mi noch im Glauben deiner freun dunkeln Ort; und wenn ich Dort seh ich dich im hellern ernstlich es betrachte, so hilf Licht von Angesicht zu Angesicht. Streben nach Erkenntniß Gottes. Mel. Herr Gott, den man dreieinig zc.[ fahren; wenn ich nur dem, was mir dein Wort gelehrt, geglaubt, gefolgt, und treu dich hier ver= ehrt. 336. Erhabner Gott, was reicht an deine Größe! Dent ich an dich, so fühl ich meine Blöße. Ich fühle, Herr, daß du unendlich bist, und daß umschränkt mein forschend Denken ist. 243 Ehrfurcht vor dir wandle; in 8. Drum hilf, daß ich mit len handle; zufrieden sei, wie allem Thun nach deinem Wil2. Du wohnst im Licht, dazu du mich hier regierst, bis du tein Mensch kann kommen; was mich einft zu deinem Himmel it's, das wir von deinem Ruhm führst. vernommen? Ach! nur ein Theil von jener Majestät, die über hellern Lichte sehen, und, froh 9. Dann werd ich dich im Alles dich, o Gott, erhöht. in dir, dein ewges Lob er3. Dein ewges Sein, dein höhen. Herr, du bist groß, und ganz vollkommnes Wesen, das, zeigst es mit der That, unendwas du wirkst, und was dein lich groß an Huld, an Macht Rath erlesen, ist viel zu hoch und Rath! für menschlichen Verstand. Von Engeln selbst wirst du nicht ganz erkannt. Mel. Wenn wir in höchsten 2c. 4. Wie sollt ich denn, ich 337. Herr, aller Weisheit Staub, mich unterwinden, Un- Quell und Grund, dir ist mein endlicher! dich völlig zu ergrün- Unvermögen kund; was ist der den? O mache mich von solchem Menschen Witz und Kunst, Gott, Dünkel frei, daß mir dein Wort ohne dich und deine Gunst! des Glaubens Richtschnur sei! 2. Ja, Vater, ich, dein schwa5. Mein eigner Geist tann ches Kind, bin oftmals abgefich leicht hintergehen. neigt und blind, zu sehn, was Wort ist wahr; es bleibet ewig dient zu meinem Wohl, und tehen. Erforsch ich gleich dein göttlich Wesen nicht, so g'nüge mir davon dein Unterricht! Dein träg, wenn ich dir folgen soll. 3. Bereite, Herr, mich, deinen Knecht, zu halten dein Ge6. Von dir, durch dich, zu setz und Recht; gieb Kraft, zu ir find alle Dinge; gieb, daß thun, was mein Verstand, von ich dir mich selbst zum Opfer dir belehrt, als gut erkannt. bringe. Begreif ich's nicht, wie du die Welt regierst, so sei mir's turze Zeit, du schufft mich für gnug, daß du mich selig führst. die Ewigkeit; zu wenig ist für 7. Einst wirst du dich mir meinen Geist, was man hier näher offenbaren; einst werd groß und herrlich heißt. ich mehr von deinem Rath er4. Mein Leben hier währt 5. Wenn ich auch gleich be16* 244 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. gabet wär mit vielen Gütern,| vertraun; denn die folgsam Ruhm und Ehr, und soll ent- darauf schaun, ihre Hoffnung rathen deines Lichts, so nützte darauf gründen, werden Heil jenes Glück mir nichts. und Leben finden. 6. Was hilft's, wenn Einer 3. Weisheit ist es, darnach gleich viel weiß, und sich doch trachten, recht mit sich bekannt nicht anschickt mit Fleiß zu dei- zu sein; sich nicht schon vollnem Ruhm, zu deinem Dienst? kommen achten, und den Eigenwie klein ist dann nicht sein Gewinnst! dünkel scheun; gern auf seine Fehler sehn, reuend sie vor Gott gestehn; eifrig stets nach Bess rung streben und sich deß doch nie erheben. 7. Wie leicht vergeht sich der, und irrt, den nicht, Herr, deine Weisheit führt, und trifft in dem nur Thorheit an, was er für flüglich hielt gethan. 4. Weisheit ist es, Christum ehren, seiner Mittlershuld ver8. Wie mancher, der sich flug traun; so auf seine Stimme dünkt, wählt, was nachher seine hören, und auf seinen Wandel Seele quält, und nimmt, weil schaun, daß man falsche Wege er dich nicht erkennt, mit sei- flieht, und mit Eifer sich benem Witz ein traurig End! müht, seinem Bilde hier auf Erden immer ähnlicher zu werden. 9. Mein Vater, unterweise mich, daß ich in Allem seh auf dich; nimm Wahn und Thorheit von mir hin; mach fromm und weise meinen Sinn! 5. Weisheit ist es, Alles meiden, was mit Reu das Herz beschwert, und sich hüten vor den Freuden, die der Sündendienst gewährt; nicht die Ehre dieser Welt, nicht Gemächlichkeit und Geld für das wahre Wohl sein achten; nein! nach besſern Mel. Freu dich sehr, o meine Seele zc. 338. Lehre mich, Herr, recht Gütern trachten. bedenken, was wahrhafte Weisheit sei. Meinen Fleiß darauf 6. Weisheit ist es, Gottes zu lenken, stehe mir aus Gna- Gnade sich zu seinem Zwed er den bei! Denn die Klugheit, sehn und auf seiner Wahrheit so die Welt ohne Grund für Pfade diesem Glück entgegen Weisheit hält, fordert nicht mein gehn; gerne Gottes Willen thun, Wohlergehen, und wird nie vor froh in seiner Fügung ruhn, dir bestehen. und wenn Leiden uns beschwe 2. Weisheit ist's, wenn unsre ren, hoffend mit Geduld fie Seelen sich, Herr, deines Wor- ehren. tes Licht nur allein zum Leit- 7. Weisheit ist es, stets be stern wählen, und mit fester denken, daß wir hier nur Pils Zuversicht diesem Licht sich an- grim sind; Wunsch und Hoff Ehrfurcht gegen Gott. 245 nung dahin lenken, wo die Seele| brecher Muth verleihn, wird Ruhe find; seine Augen unver- dich die Furcht des Herrn erwandt nach dem ewgen Vater- wecken, auch dann, was unrecht land richten, und sich hier be- ist, zu scheun. Denk nur: vor streben, wie man droben lebt, seinem Angesicht ist Finsterniß ju leben. wie Mittagslicht. 8. Diese Weisheit ist auf Erden, Höchster, unser bestes Theil; 5. Den Höchsten öffentlich verehren sowohl, als in der Eindie von ihr geleitet werden, de- samfeit; auf des Gewissens ren Weg ist Licht und Heil. Solche Beisheit kommt von dir; Gott, verleihe fie auch mir! Laß sie mich zu allen Zeiten auf den Weg des Friedens leiten. Stimme hören und willig thun, was er gebeut: auch das lehrt dich die Furcht des Herrn, auch das thut, wer ihn fürchtet, gern. 6. Läßt dich die Welt Verachtung merken, wenn du dich fromm von ihr entfernst: die Furcht des Höchsten wird dich stärken, daß du die Welt ver= achten lernst. Wer Gott, dem Höchsten, wohlgefällt, ist glücklich selbst beim Spott der Welt. 7. Sich stets vor dem Allmächtgen scheuen, giebt Heldenmuth und Tapferkeit, wenn uns bringt, wenn gleich dazu kein der Menschen stolzes Dräuen, Mensch ihn zwingt. 2. Lern Gottes Größe recht empfinden und fühle deine Niedrigkeit, so wirst du nie dich vor den Menschen nicht. unterwinden, mit thörichter Ver8. Laß deine Furcht, Gott, messenheit zu tadeln, was sein mich regieren, mich stets auf Rath beschließt, der wunderbar, dich, den Höchsten, sehn; laß sie doch heilig ist. mich zu der Weisheit führen, 3. Wirst du den Höchsten so werd ich niemals irre gehn. findlich scheuen, so wird dir Wohl dem, der dich stets kind= feine Pflicht zur Last; nur das lich scheut! Dich fürchten, Gott, wirst du vor ihm bereuen, daß ist Seligkeit. du sie oft versäumet hast. Wer Gott als Zeugen vor sich hat, der freut sich jeder guten That. Ehrfurcht gegen Gott. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 339. Willst du der Weisheit Quelle kennen? Es ist die Furcht bor Gott dem Herrn. Nur der ist weis und flug zu nennen, der alle seine Pflichten gern, weil Gott sie ihm gebeut, vollwas Gott mißfällt, zu thun gebeut; ist Gott mein Schuß, mein Heil und Licht, so beb ich Mel. O großer Gott von 2c. 340. du erhabner Gott, heit dich decken, die dem Ver- an Macht unendlich reich! Wer 246 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. ist dir auf der Erde und wer ter lieben fann; daß ich, vom im Himmel gleich! Vor dir er- Geist der Knechtschaft frei, mid bebt die Geisterwelt; und was ohne Zwang und Heuchelei aus der Himmel in sich hält, muß kindlich froher Liebe dir zu gesich mit tiefem Schweigen vor fallen übe. deinem Throne beugen. 7. Laß, Vater, diese Furcht 2. Du hast durch deine Kraft des Lebens Leitstern sein, so den Himmel ausgestreckt; die nimmt kein Leichtsinn mich, tein Erde fest gegründt, dem Meer Aberglaube ein; ich werde, von sein Ziel gestedt. Dein Wort Unredlichkeit, von Menschen bewegt der Berge Grund und furcht und Angst befreit, den stürzt sie in des Meeres Schlund. Frieden im Gewissen als dein Willst du zur Strafe ziehen, so Kind stets genießen. kann kein Mensch entfliehen. 3. Nach Seel und Leib sind wir, o Gott, in deiner Hand. Mel. Wer nur den lieben Gott*. Was an uns Gutes ist, hast du 341. Vor dir, o- Gott, sich uns zugewandt. Du lehrst dem tindlich scheuen, ist unsre aller menschlichen Geschlecht durch die größte Pflicht. Kein Mensch Vernunft und Schrift dein Recht; kann deiner Huld sich freuen, willst, daß wir Thun und scheut er dein heilig Auge nicht. Denten nach deiner Vorschrift Drum wirk in mir durch deis lenken. nen Geist die Furcht vor dit, die findlich heißt. 4. Erleuchte meinen Geist, o Gott, mit deinem Licht. Dich 2. In Allem, was ich thu fürchten, sei mir stets so Selig- und denke, laß, Herr, das meine teit, als Pflicht. Hilf, daß ich, Weisheit sein, daß ich mein Herz als dein Unterthan, der niemals zur Sorgfalt lenke, vor jeder dein entbehren kann, bemüht Sünde mich zu scheun. Denn ſei, deinen Willen gehorsam zu wer noch Luft zur Sünde hat, erfüllen. der fürchtet dich nicht in der 5. Laß deine Gegenwart mir That. stets vor Augen sein, und auch 3. Gieb, daß ich stets zu im Dunkeln mich dein helles Herzen nehme, daß du allgegen Antlitz scheun. Erinnre mich wärtig bist, und das zu thu an dein Gericht, wenn zur Ver- mich ernstlich schäme, was dit, legung meiner Pflicht die Lust mein Gott, zuwider ist. Der der Welt zu Zeiten mich Schwa- Beifall einer ganzen Welt hilft dem ja nichts, der dir mißfällt. 4. Laß immer dein Gericht mich scheuen, und wirke steten Ernst in mir, mein Leben de chen will verleiten. 6. Doch zünde auch in mir das Licht des Glaubens an, daß ich in Christo dich als Va Liebe gegen Gott. 247 nem Dienst zu weihen, daß ich gegen Sünder noch gütig und die Gnade nicht verlier, die vom verdienten Fluch befreit, die stets durch Wohlthun sich erneut. voll Mitleid ist! Laß mich von ganzem Herzen dein, laß mich's mit allen Kräften sein. 5. Ja, Vater, nun darf ich 2. Gieb, daß ich als dein nicht zittern, dein Sohn giebt Kind dich liebe, da du mich als mir die Seligkeit; allein soll ein Vater liebst, und so gesinnt nichts dies Glück erschüttern, so zu sein mich übe, wie du mir muß ich in der Gnadenzeit mit dazu Vorschrift giebst. Was Sorgfalt alles Unrecht fliehn, dir gefällt, gefall auch mir; mich nur um deine Gunst be- nichts scheide mich, mein Gott, mühn. von dir. 6. So gieb denn, Herr, daß 3. Vertilg in mir durch deine mein Gewissen rein, unbeflect Liebe den Hang zur Liebe dieund schuldlos sei, und mache ser Welt, und gieb, daß ich Vervon den Hindernissen der wah- leugnung übe, wenn mir was Ten Tugend selbst mich frei. Eitles noch gefällt. Wie sollte Nie störe Furcht und Lust der ich die Kreatur dir vorziehn, Welt mich, das zu thun, was Schöpfer der Natur? dir gefällt. 7. In deiner Furcht laß mich stets wandeln, und überall auch, 4. Laß mich um deines Namens Willen gern thun, was mir dein Wort gebeut. Kann o ich sei, nach deiner Vor- ich's nicht, wie ich soll, erfüllen, schrift redlich handeln; du hassest so sich auf meine Willigkeit, alle Heuchelei. Wer dich von und rechne mir nach deiner Derzen liebt und ehrt, der ist Huld die Schwachheit, Vater, dir angenehm und werth. nicht zur Schuld. 8. In deiner Furcht laß mich 5. Der liebt dich nicht, der einst sterben: so schreckt mich noch mit Freuden das thut, weder Tod noch Grab; so werd was dir, o Gott, mißfällt; drum ih jenes Leben erben, dazu dein laß es mich mit Ernst vermeiSohn sich für mich gab. Gott, den, gefiel es auch der ganzen deine Furcht bringt Segen ein; Welt. Die kleinste Sünde selbst ihr Lohn wird groß im Him- zu scheun, laß, Vater, mich bemel sein. hutsam sein. 6. Aus Liebe laß mich Alles Liebe gegen Gott. leiden, was mir dein weiser Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. Rath bestimmt. Auch Trübsal 342. Du führt zu ewgen Freuden; wer u Vater deiner Men- ihre Last gern übernimmt, ge= schenkinder, der du die Liebe duldig trägt und weislich nügt, jelber bist, und dessen Herz auch wird mächtig von dir unterstützt. 248 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 7. In deiner Liebe laß mich| harten Kreuzesschlägen hab ich sterben, dann wird der Tod selbst an deiner Huld doch Theil; mein Gewinn; dann werd ich und nach vollbrachter Leidens deinen Himmel erben, wo ich bahn nimmst du mich einst zu dir ewig nahe bin. Da lieb Ehren an. ich in Vollkommenheit dich, Va= ter der Barmherzigkeit! 6. O reiche mir auch, wenn ich sterbe, Herr, deine Baterhände zu. Dann tröste mich mein fünftges Erbe; dann führe mich in deine Ruh. Mit völMel. Wer nur den lieben Gott 2c. 343. Wie, jollt ich dich, liger Zufriedenheit lieb ich dich Du dann in Ewigkeit. mein Gott, nicht lieben? haft mich ja zuerst geliebt, und, von Erbarmen angetrieben, den Sohn geschenkt, der Leben giebt. 344. Quelle der Vollkom Herr, dies Geschenk zeigt rührend an, wie huldreich du mir zugethan. Mel. Alle Menschen müssen 2. Himmel sein. menheiten, Gott, mein Gott, wie lieb ich dich; und mit wel 2. Von Ewigkeit hast du be- chen Seligkeiten labet deine Liebe schlossen, ich soll dein Kind und mich! Mögen Welten doch verErbe sein. Und wann ist eine gehen; durch dich bleib ich aufZeit verfloffen, da du, mein recht stehen; deine Huld wird Gott, mich zu erfreun, mir nicht mir allein mehr als Erd und noch weit mehr Guts gethan, als ich jemals aussprechen kann? 2. Denk ich deiner: wie er 3. Wie sehr, Herr, bist du hebet meine Seele sich in mir! mir gewogen; du liebest mich wie getröstet, wie belebet fühl von Anbeginn, und hast mein ich mich, o Gott, von dir! Herz zu dir gezogen. selbst in mir den Sinn, daß dir, voll brünstger Dankbarkeit, mein ganzes Leben sei geweiht. 4. O welch ein seliges Ge- 3. Floß mir nicht aus dei schäfte, Herr, deinem Dienst sein ner Fülle tausendfache Wohl Leben weihn; gieb du mir dazu that zu? Daß ich würde, wat selber Kräfte, so wird mein dein Wille; daß ich noch bin, Fleiß gesegnet sein. Ist deine schaffest du; daß ich denke, daß Gnade nur mit mir, so bleib ich wähle, dantet dir, Gott, ich stets, mein Gott, an dir. meine Seele, dankt dir, daß sie 5. Führst du mich gleich auf dich erkennt, und dich ihren rauhen Wegen, so thust du es Vater nennt. zu meinem Heil. Auch unter Bewahre Jeder Blick auf deine Werte, deine Güte, deine Stärke, wie entledigt er mein Herz von Be tümmerniß und Schmerz. 4. Du erlöstest vom Verder Freude an Gott und himmlischer Sinn. 249 ben mich durch deinen Sohn,| müth bei allem Reichthum deio Gott! ließest den Gerechten ner Güt noch unerwärmet bliebe? sterben; mir zum Leben ward 2. Was alle deine Werke mir sein Tod. Hast die Hoffnung an Trefflichkeiten zeigen, das mir gegeben, ewig dort mit ihm find ich, höchstes Gut, in dir ju leben, ewig deiner mich zu viel besser und ganz eigen. Wie freun und von dir geliebt zu sollte ich nun Herz und Sinn jein. nicht zu dir, o mein Schöpfer, hin in wahrer Liebe neigen. 5. Sollt ich dich nicht wie der lieben, der du mich zuerst 3. Je mehr mein Geist dich geliebt; der mit mehr als Va- dentt und liebt, vermehrt er tertrieben so unendlich mich ge- seine Freuden; du, du bist's, liebt? Könnt ich ruhig hier auf der ihm Ruhe giebt und süßen Erden ohne deine Liebe werden; Trost im Leiden. Groß bist ohne sie nach dieser Zeit wür- du, Gott, unendlich groß! Es dig sein der Seligkeit? fließt, es fließt aus deinem Schoß 6. Heil mir, daß ich es em- ein Meer von Seligkeiten. pfinde, wie so liebenswerth du 4. Gieb, daß dich, der du bist; daß mein Herz vom Haß ewig bist, mein Geist recht lieb der Sünde, die dich schmäht, gewinne; es weiche, was verdurchdrungen ist; daß auf dein gänglich ist, vor dir aus meiGebot ich achte und es zu er- nem Sinne. Du sollst mein füllen trachte! Heil mir, du ver- höchstes Gut allein, die Freude birgeft nicht einst vor mir dein meiner Seele sein; stärk mich Angeficht! in diesem Sinne. 7. Noch lieb ich dich unvoll- 5. Und muß aus dieser Liebe tommen, meine Seel erkennt nun des Nächsten Liebe fließen: es wohl; dort im Vaterland so laß mich gerne Gutes thun, der Frommen, lieb ich dich, und nie mein Herz verschließen Herr, wie ich soll; dort erst vor derer Noth, die deiner Huld, werd ich deinen Willen recht sind sie gleich Sünder und voll extennen und erfüllen; dort Schuld, doch gnadenreich ge= schmeck ich vor deinem Thron nießen. der vollkommnen Liebe Lohn. Mel. Ach Gott vom Himmel 2c. 6. Es sei mein Nächster, wer er ist, auch ihm erzeigst du Liebe, erbarmest dich durch Je= triebe. sum Christ auch sein mit BaterDu gabst den Sohn und du bist die wesentliche Liebe; für uns dahin; o gieb, daß ich gieb, daß ich als ein wahrer nach deinem Sinn mich in der Thrift rechtschaffne Liebe übe. Liebe übe. 345. Mein Gott, du heißest Wer wäre ich, wenn mein Ge- 7. Jch liebe jeden, den du Beweis der Gottseligkeit und Tugend. schufft, gleich mir, zu deiner| 6. Du bist mein allerhöchste Ehre, den du, wie mich, zum Gut, darauf mein wahres Wohl Himmel rufft durch deines Soh- beruht. Wie fühl ich mich hie nes Lehre. Laß diese Liebe, nieden nicht schon beglückt, wi Gott, zu dir und meinem Näch sanft erquickt durch dich und sten sich in mir mit jedem Tage deinen Frieden. mehren. 7. Und ewig soll mir's wohl ergehn; ich soll dich einst nog näher sehn, du Ursprung wah rer Freuden; mein Geist foll sich dort ewiglich an deiner Liebe 250 Freude an Gott und himmlischer Sinn. Mel. In dich hab ich gehoffet zc. 346. Ich freue mich, mein Gott, in dir. Du bist mein Trost, und was fann mir in deiner Liebe fehlen! Du, Herr, bist mein, und ich bin dein: was mangelt meiner Seelen! 2. Du, Vater, haft auch mich erwählt, und deinen Kindern zugezählt in Chrifto, deinem Sohne. Du liebst mein Wohl, schaust gnadenvoll auf mich von deinem Throne. 3. Du trägst mich liebreich mit Geduld, vergiebst in Christo mir die Schuld, wenn ich aus Schwachheit fehle; du giebst mir Theil an seinem Heil, dies tröstet meine Seele. weiden. 8. Noch hat's kein menschlich Ohr gehört, was uns dein Him mel einst gewährt. Gott, hilf es mir erringen! Wie werd ich dort dich, Gott, mein Hort, an beten und besingen! Mel. Durch Adams Fall 2c. 347. ewig Licht, o höchstes Gut! Du giebst der Menschen Seelen Zufriedenheit und frohen Muth, die dich zum Ziele wählen. Wer auf dich ſeine Hoffnung setzt und nicht auf das, was nichtig, der wird durch deine Huld ergößt, der wandelt froh und richtig. dir 4. Du bist mir der bewährte 2. Wer aber an der Erde Freund, der es auf's beste mit flebt, nur Freude sucht hienie mir meint; wo find ich deines den, sich nicht hinauf zu Gleichen! Du stehst mir bei, erhebt, hat keinen wahren Frie du bleibest treu, wenn Berg und den. Wollt ich, o Gott, ent Hügel weichen. fernt von dir nach meinen Lü5. Du bist mein Leben, Trost sten wallen, wo fänd ich wahre und Licht, mein Fels und Heil: Ruhe hier;' wo Schuß, um nicht drum frag ich nicht nach Him- zu fallen? mel und nach Erde. dich ist nichts für mir erfreulich werde. Herr, ohne 3. Es kann der Seele wahre mich, was Ruh nie ohne dich, Gott, wet Iden. Sie sucht und forschet Gehorsam gegen Gott. immerzu in jedem Theil der Mel. Alle Menschen müssen 2c. Erden, und findet nirgend, was 348. Was ist alles Glück der 251 fie sucht, das Gut, das sie ver- Erden, was ist's ohne dich, o gnüget; all ihre Müh ist ohne Gott? Kann mir deine Huld Frucht, weil es in dir nur lieget. nicht werden, so ist Alles Trug 4. So laß denn zu dir, ew- und Spott. Du nur bist's, der ges Licht, stets meinen Geist mich alles Andre aufblicken; laß doch des Eitlen flieht und frügt. Kann ich deine vergnügt; mein Herz zu laben. Liebe nicht ihn täuschen und Huld nur haben, ist's genug, bestricken. Zeug meinen Fuß vom Sündenweg; laß mich mit Sorgfalt meiden verkehrte Lüste, denn ihr Steg führt. nur zu Schmerz und Leiden. 2. Ohne dich wär selbst im Himmel für mich keine Freude nicht, wär der Welt Pracht und Getümmel wie ein Tag, der ohne Licht, wie ein Körper ohne Geist, nur ein Schatten, der laß mich niemals verdrossen nichts heißt. Kann ich deine jein, was du gebeutst zu üben. Laß meine Hoffnung sein gestellt auf dich, mein Heil und Leben; laß nie mein Herz dir, Herr der Welt, unwillig widerstreGnade haben, ist's genug, mein Herz zu laben. ben. 5. Du höchstes Gut, laß mich allein dich über Alles lieben; 3. Nichts will ich denn höher achten, als dich, Gott, mein bestes Theil, nur nach deiner Gnade trachten, denn auf ihr 6. So bin ich ruhig und beruht mein Heil. Du allein, vergnügt; so fühl ich Trost und o höchstes Gut, giebst dem HerFrieden; so werd ich nicht durch zen frohen Muth; kann ich deine das besiegt, was mich umgiebt Huld nur haben, ist's genug, hienieden; so dringt mein Geist mein Herz zu laben. zu dir hinan mit sehnlichem Verlangen; so wirst du auf der Pilger Bahn mich stets mit Huld umfangen. Gehorsam gegen Gott. Mel. Lobe den Herrn 2c. 7. Dewges Licht, o höchstes 349. Seligkeit ist es, o Seele, But, welch Licht wird mir auf den gütigen Willen deines dich gehen, wenn ich dort, wo man liebenden Gottes in Allem erewig ruht, den Mittler werde füllen. Dies sei dein Dank, dies sehen; wenn du, erhabnes We- sei dein bester Gesang, öffentsen, dich mir näher wirst ent- lich und auch im Stillen. decken! Gott, dieser Trost soll fräftig mich zu deiner Lieb er- Alles auf's beste regieret; der 2. Freudig gehorch ihm, der weden! dich bis hieher mit Weisheit 252 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. und Güte geführet; der dir gewährt, was dich erfreuet und nährt; folg ihm, durch Wohlthun gerühret. 3. Gehorsam soll vor allen Dingen dein angenehmstes Opfer sein; um dir dies Opfer dar zubringen, wollst du mir Folg 3. Redlich gehorch ihm, der samteit verleihn, daß ich au deinen Leib künstlich bereitet; Liebe dein Gebot vollziehe, night der dir Gesundheit verliehen, aus Zwang und Noth. dich freundlich geleitet. In wie 4. Dein Sohn that deinen viel Roth hat nicht der gnädige Willen gerne und stellte sich zum Gott über dir Flügel gebreitet! Muster dar, daß ich Gehorsam 4. 3mmer halt Gottes Ge- von ihm lerne, wie er dir selbst ge bote, der stets dich gesegnet. horsam war, und solches freu Ströme des Guten hat's auf dig durch die That bis in der dich, im Kreuz auch, geregnet. Tod bewiesen hat. Denke daran, was der Allmächtige tann, wie er dir huldreich begegnet. chen Dingen mit Fleisch und 5. Laß mich nicht erst in fol 5. Wie Gott uns liebet, das Gehorsam soll vollbringen, viel Blut zu Rathe gehn, die mein lerne durch Sehen und Hören; mehr auf Jeju Vorbild seh lern es aus Jesu beglückenden Nur allzu leicht empöret fig troftvollen Lehren. Dann fehlt mein eigner Wille wider di dir nicht Wollen und Stärke und Licht, Got tauch durch Thaten .6. Sobald ich deine Stimme zu ehren. höre, so mache auch mein Her bereit, daß ich sie mit Gehorsam ehre, und thue, was sie mit gebeut. Ein Herz nur, das dich willig ehrt, ist dir, Gott, ange nehm und werth. 7. Gieb, daß ich nie, wenn Menschen dräuen, dir zu ge horchen unterlaß; laß dein Mißfallen mehr mich scheuen, als aller Menschen Gunst und Has Bist du mit Huld mir zugethan, wer ist dann, der mir schaden kann? Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 350. Mein Gott, du haft mir zu befehlen, und ich muß dir gehorsam sein. Will ich das beste Theil mir wählen, so muß dein Wille mich erfreun. Du bist der Herr, ich bin dein Knecht, und was du willst, ist gut und recht. 2. Ich sehe, wie selbst Wind und Meere dir folgen, wenn dein Wink nur spricht; wie jedes Werk zu deiner Ehre das, was len leiden, so laß mich alle Un 8. Soll ich nach deinem Wildu ihm gebeutst, verricht. Und geduld und kummervolles 30² ich, o Vater, sollte nun nicht gen meiden. Das Leiden wird gerne deinen Willen thun? durch deine Huld mir leicht, ja 253 Dom Vertrauen auf Gott und Ergebung in seinen Willen. 352. Was mein Gott will, der beste! Zu helfen ist er dem gescheh allzeit, sein Will ist stets bereit, der an ihm glaubet feste. Der treue Gott hilft in der Noth und züchtiget mit Maßen. Wer ihm vertraut, fest auf ihn baut, den wird er nie verlaffen. 2. Mein Heiland ist mir vor- 2. Er ist mir Trost und Zugegangen; er that, Gott, deinen versicht, Ruh, Hoffnung, Freude, Willen gern. Will ich des Leben; drum, was er will, dem Christen Ruhm erlangen, und will ich nicht undankbar widerihm gefallen, meinem Herrn: streben. Sein Wort ist wahr; so muß auch ich von Lastern er hat mein Haar auf meinem rein, gleich ihm zum Guten Haupt gezählet. Des höchsten willig sein. Macht, die für mich wacht, giebt mir stets, was mir fehlet. 3. Sein Herz war willig und voll Freuden, die ihm befimmte Bahn zu gehn; ergeben dir in schwersten Leiden, 3. Wenn es sein Wille mir gebeut, das Leben zu verlassen, so will ich mit Ergebenheit in prach er: dein Wille joll ge- seinen Rath mich fassen. Dir, schehn. Und ging, ihn willig Gott, befehl ich meine Seel in zu vollziehn, zum Kreuzestod meinen letzten Stunden; dein geduldig hin. Sohn, o Gott, hat Höll und Tod für mich auch überwunden. Vertrauen auf Gott 2c. Segen und Gewinn, wenn ich| dir nur gehorsam bin. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 351. Gieb mir das Wollen und Vollbringen, o Vater aller Gütigkeit, und mache mich vor allen Dingen durch deinen guten Geist bereit, daß meinem Herzen nur gefällt, was mir dein Wille vorgestellt. 4. Omach mein Herz, gleich jeinem Herzen, Gott, gegen dich 4. Nur Eins, o Herr, versag voll Folgsamkeit, daß sich's dir mir nicht: wenn in den letzten auch zur Zeit der Schmerzen Tagen mich meiner Sünden unterwerfen sei bereit, und Heer ansicht, so laß mich nicht u alles das gelassen trägt, was verzagen. Daß Gott vergiebt, deine Hand mir auferlegt. den Sünder liebt, der glaubt 5. Laß mich im Leben und an Jesu Namen: das lehr mich im Sterben mit deinem Willen doch im Sterben noch zu meisein vergnügt; er sucht mein ner Ruhe, Amen! peil, nicht mein Verderben, bei dem, was er befiehlt und fügt; Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. ihm folgsam sein, ist Seligkeit; Gott, mache mich dazu bereit! 353. Ich bin in dir, mein Beweis der Gottseligkeit und Tugend. Gott, zufrieden; was deine Va-| Seele trauen. Du, der die Welt terliebe will, was deine Weis- allmächtig hält, wirst mich in heit mir beschieden, damit bin meinen Tagen als Gott und ich vergnügt und still. Mein Vater tragen. ganzes Herz soll dir allein und deinem Willen heilig sein. 2. Du sahest schon von Ewigfeit, wie viel mir nützen würde; 2. Willst du mit Leiden mich bestimmtest meine Lebenszeit, belegen, so laß mein Herz ge- mein Glück und meine Bürde. duldig sein; das Leiden wird Was zagt mein Herz? Ist auch mir selbst zum Segen, wenn ich ein Schmerz, der zu des Glaumich willig schicke drein. Du bens Ehre nicht zu besiegen sorgst als Vater und als Gott wäre? für mich im Leben und im Tod. 254 3. Du kenneft, was mein Herz begehrt, und hättest, was ich bitte, mir gnädig, eh ich wenn's deine Weisheit litte. Du sorgst für mich stets väterlich. Nicht, was ich mir ersehe; dein Wille, Hert, 3. Willst du mir manche irdsche Gabe hier noch versagen bat, gewährt, und entziehn: genug, wenn ich den Trost nur habe, daß ich dir werth in Chrifto bin, und nicht verscherz durch eigne Schuld die geschehe. mir durch ihn erworbne Huld. 4. 3st nicht ein ungestörtes 4. Sein Tod erklärt mir dei- Glück weit schwerer oft zu tranen Willen; dein Will ist, daß gen, als selbst das widrige Ge ich heilig sei. Steh mir, ihn schidh, bei dessen Last wir flagen! treulich zu erfüllen, mit deines Die größte Noth hebt doch det Geistes Gnade bei; laß mich mit Tod, und Ehre, Glück und Ernst die Sünde scheun und Habe verläßt mich doch im ganz mich deinem Dienste weihn. Grabe. 5. So nehme ich, was du 5. An dem, was Seelen glüdmir giebest, aus deinen Händen lich macht, lässt du es keinem dankbar an, und thue, was du, fehlen. Gesundheit, Ehre, Glüd Vater, liebest, so treu, als ich| und Pracht sind nicht das Glüd es immer tann; so ist mein der Seelen. Wer deinen Rath Herz vergnügt und still mit vor Augen hat, dem wird ein Allem, was dein Wille will. gut Gewissen die Trübsal auch versüßen. 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit; wie bald iſt ſie wer schwunden! Was ist das Leiden dieser Zeit; wie bald ist's überwunden! Hofft auf den Herrn, er hilft uns gern. Seid fröhMel. Was Gott thut, das ist zc. 354. Auf dich, Herr, nicht auf meinen Rath, will ich mein Glück stets bauen, und dir, der mich erschaffen hat, mit ganzer Vertrauen auf Gott. 255 lich, ihr Gerechten; der Herr| schon den eingen Sohn; will hilft seinen Knechten. mit ihm Alles schenken: so lehrt der Glaube denken. Mel. Was Gott thut, das ist zc. 6. Sei unbewegt, wenn um dich her sich Ungewitter sam= 355. Der Herr ist meine mein; Gott hilft, wenn Chri= Zuversicht, mein einzger Trost sten, freudenleer, zu ihm um im Leben. Dem fehlt es nie Gnade stammeln. Die Zeit der an Trost und Licht, der sich Qual, der Thränen Zahl zählt dem Herrn ergeben; Gott ist sein er: er wägt die Schmerzen und Gott, auf sein Gebot wird seine wälzt sie von dem Herzen. Seele stille; ihm gnügt des Vaters Wille. 7. Herr, du bist meine 3uversicht, auf dich hofft meine Seele; du weißt, was meinem Glück gebricht, ück gebricht, wenn ich mich sorgend quäle. Wer wollte fich nicht ganz auf dich, Allmächtiger, verlassen und sich im Kummer fassen! 2. Wer wollte dir, Herr, nicht vertraun! Du bist des Schwachen Stärke; die Augen, welche auf dich schaun, sehn deine Wunderwerke! Herr, groß von Rath und stark von That! Mit gnadenvollen Händen wirst du dein Werk vollenden. 8. In deine Hand befehle ich mein Wohlsein und mein Leben. 3. Noch nie hat sich, wer Mein hoffend Auge blickt auf dich geliebt, verlassen sehen müſsen; du läßst ihn, wenn ihn Roth umgiebt, doch deinen Trost im Tod mein dich, dir will ich mich ergeben. Gott, und einst Fels, auf den Sei du mein genießen. Des Frommen Herz ich traue, bis ich dein Antlitz wird frei von Schmerz; der schaue. Sünder eitles Dichten pflegst du, Herr, zu vernichten. 4. Drum hoff, o Seele, hoff Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. auf Gott! Der Thoren Troft 356. Mein Schutz ist Gott, verschwindet, wenn der Gerechte ihn läß ich walten; ich hoff in der Noth die Gunst des auf ihn, er fennet mich. Ihm Schöpfers findet. Wenn jener fehlt's, die Seinen zu erhalten, fällt, ist er ein Held; er steht, an Mitteln nie, und sein bin wenn Jene zittern, ein Fels in ich. Ich gründe meine ZuverUngewittern. sicht auf diesen Fels und wanke 5. Wirf nicht die große Hoff- nicht. hung hin, die dir dein Glaube 2. Sollt ich gleich einem reichet. Weh denen, die zu Heiden sorgen, der Gott nur Menschen fliehn! Weh dem, der kennt im schwachen Licht? Ist von Gott weichet! Er gab dir mir, wie ihm, auch Gott ver Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 256 borgen? Renn ich Liebe nicht? Ach! ihm, der seinen Rath zum Trost mir selbst entdecket hat. 4. Ich trau auf seine Gnade, 3. Er ist die Lieb! Wie sollt und nichts ist, das mir schade, ich zagen? Er hat's bezeugt wenn er mich selber schüzt; leb durch Jesum Christ. Was könnte ich nach seinen Sägen, so wird mir ein Gott versagen, der so mich nichts verlegen, mir fehlen, unendlich gütig ist? Erhabner nichts, was ewig nüßt. Trost, der nimmer trügt und denn seine] er mir Freuden giebet, selbst Preis sei wenn er mich betrübet, verehr ich seinen Rath als Chrift. 5. Er laffe meine Sünden jede Kümmerniß besiegt! vor ihm Vergebung finden, 4. Der Herr erzieht uns, durchstreiche meine Schuld; seine Kinder, zur Ewigkeit mit und wenn ich zu ihm schreie, weiser Huld; er schont, er züch- so schenk er mir auf's neue in tigt viel gelinder, als wir ver- Christo seine Vaterhuld. dient, und hat Geduld; er hat ein zärtlich Baterherz, das sich erbarmt bei unserm Schmerz. 6. Leg ich zum Schlaf mich nieder, weckt mich der Morgen wieder, Gott ist und bleibt mein 5. Ich harre seiner und bin Hort; hat jeder meiner Tage stille. Wie bald verstreicht die gleich seine Müh und Plage, Prüfungszeit! Dann nehm ich so stärkt und tröstet mich ſein Wort. dort aus seiner Fülle unend= liche Zufriedenheit. Er leite mich nach seinem Rath, wie er. mir zugesaget hat. 7. Schein ich auch gleich ver lassen, so will ich mich doch fassen, getroft auf Gott hin sehn; fein Unfall unter allen 357. In allen meinen Tha- wird mir so schwer je fallen; ten laß ich den Höchsten rathen, mit Gott werd ich ihn überder Alles fann und hat; er muß stehn. in allen Dingen, soll's anders 8. Ihm hab ich mich erge wohl gelingen, der Helfer sein ben, zu sterben und zu leben, durch Rath und That. wie und wann er gebeut; c 2. Sorg ich gleich spät und sei heut oder morgen, ich will frühe, ohn ihn hilft keine Mühe, nicht ängstlich sorgen, Gott nicht Menschen Rath und Kunst; weiß die allerbeste Zeit. er mag's mit meinen Sachen 9. So bin ich denn ganz nach seinem Willen machen; ich seine, und trau auf den alleine, stell's in seine Vatergunst. der mich geschaffen hat; es gehe 3. Es wird mir nichts ge- wie es gehe, mein Vater in der schehen, als was er ausersehen Höhe weiß schon zu und was mir heilsam ist; wenn Sachen Rath. allen Vertrauen Mel. Ermuntre dich mein 2c. 358. Du bist ein Mensch! Bedenk dein Wohl, und strebe nicht nach Dingen, die man Gott überlassen soll, die er nur fann vollbringen. Was lenkst du ängstlich deinen Sinn auf tausend eitle Sorgen hin, und dentst: Wie will's auf Erden noch endlich mit mir werden? 2. Es ist umsonst! Du kannst fürwahr nicht durch dein Thun und Dichten das, was dir nicht beschieden war, in's Werk nach auf Gott 2c. 257 seine Hülle? Wer die Adern hier und dort, an den so abgez meßnen Ort? Wer setzte hin und wieder so weise deine Glieder? 6. Wo warest du, wo dein Verstand, da sich des Himmels Decken weit über Seen, Berg und Land anfingen zu erstrecken? Wer brachte Sonn und Mond hervor? Wer der Geschöpfe zahlreich Chor? Wer hieß sie, deinen Willen und Wünsche zu erfüllen? 7. Heb auf dein Haupt, Buniche richten. Dein Sorgen schau überall! Hienieden und dienet bloß dazu, daß du dich dort oben siehst du, wie Gott jelbst aus deiner Ruh in Angst für jeden Fall gesorgt, aus und Schmerzen stürzest und dir tausend Proben. War, was dich das Leben kürzest. nähret und erfreut, war es nicht längst schon zubereit, eh du in's Leben famest und Nahrung zu dir nahmest? 3. Willst du das thun, was Gott gefällt, und dir selbst Heil gebieret: so traue dem, der Erd und Welt beherrschet und regieret; vertrau dein Leben, Thun und Stand, vertrau es Gottes Baterhand, er wird's in allen Sachen auf's befte mit dir machen. 8. Der für die Werke alle wacht, die vor uns offen liegen, wie wohl hat er schon längst bedacht dein Wohl und dein Bergnügen, wie weislich Alles eingericht, eh noch dein Aug und Angesicht eröffnet war und sahe, was in der Welt ge9. Willst du dich bloß durch's 4. Wer hat gesorgt, wer hat gewacht in deinen ersten Tagen, als deine Augen noch in Nacht, schahe! im Schoß der Mutter lagen? Wer hat allda dein Heil be: schwache Licht der eignen Eindacht? Was that da aller Men- ficht führen? Traust du mehr, then Macht, da Geist und Sinn als dir selber, nicht des Ewigen und Leben dir ward in's Herz Regieren? Kann das, was du gegeben? vermagst, allein geschehen und 5. Durch wessen Kunst steht dir heilsam sein? Ist, was du dein Gebein in ordentlicher nicht erforen, zu achten für Fülle? Wer gab dem Auge verloren? Licht und Schein, dem Leibe 10. Bedenke: ist nicht manOsnabr. Landgesangb. X. Aufl. 17 258 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. ches oft ganz anders schon er- so ihn regieret, ihn habe wohl gangen, was andre und du geführet. selbst gehofft, unfehlbar zu erlangen? Hingegen, wie so man- 15. Darum sei, Seele wohl chesmal ist das geschehn, was gemuth, vermeid unnüßes Griüberall kein Mensch, kein Rath, men; der Gott, der ewig tra tein Sinnen vermochte zu be- und gut wird sich dein stets are ginnen. nehmen; er hat ein Vaterher 11. Wie oft wärst du in das sich zum wohlthun neigt, große Noth durch eigne Wahl das gegen dich und uns hier gekommen, wenn sich nicht dei- allzusammen ist voller Liebe ner noch dein Gott so treulich flammen. angenommen! Ja, hätte Gott stets Werk und That erfolgen lafsen nach dem Rath, wie du es angefangen, wie wär es dir ergangen? 16. Es gehet seine Vatertren weit über unser Denken; sie wirkt und zeigt sich täglich neu, was wolltest du dich fränken, als ob, der uns bisher geführt, bei unsern Klagen ungerührt, uns tönnte je verlassen und nicht mit Huld umfassen? 12. Der aber, der uns ewig liebt, macht gut, was wir verwirren; erfreut, wo wir uns selbst betrübt, und führt uns, 17. Verstatte dieser Sorge wo wir irren. Er ist von dul- nicht, daß sie dein Herz beschwe dendem Gemüth, beweist so viele ret; obgleich nicht allzeit das Huld und Güt, so lange Zeit geschicht, was Menschenwung selbst Sündern und ewig seinen begehret: so wird doch wahrlic das geschehn, was Gottes Beis heit ausersehn, und was dein Heil kann mehren, das wird e Kindern. 13. Verborgen ist uns oft sein Will; er thut doch, was uns nüget; o wäre unser Herz dir gewähren. nur still; allein es zagt und 18. Thu als ein Kind und sitet in Sorgen, ringt und lege dich in deines Vaters schaffet nichts, will sehn und Arme! Fleh tindlich zu ihm, mangelt doch des Lichts, will daß er sich dein väterlich et aus der Noth sich winden und barme: so wird er dich durd fann den Weg nicht finden. seinen Geist auf Wegen, die du 14. Gott gehet ohne Wan- jetzt nicht weißt, aus allem ten fort auf seinen weisen We- Kampf und Ringen zur wahgen; er bringt uns endlich an ren Ruhe bringen. den Ort, wo Noth und Sturm sich legen. Am Ende, wenn das Werk geschehn, nur da erst fann Mel. In allen meinen Thaten der Mensch dann sehn, daß der, 359. Was soll ich ängstlich 20 Vertrauen auf Gott zc. flagen und in der Noth ver-| mich zum Unmuth reizt und zagen? Der Höchste sorgt für kränkt. mich! Er sorgt, daß meiner Seele tein wahres Wohlsein fehle. Genug zum Trost, mein Herz, für dich. 8. Du führeft, Herr, die Deinen nicht so, wie sie es meinen; stets weise ist dein Rath. Ob ich mich auch betrübe, bleibt 2. Was nüßt es, heidnisch doch dein Rath voll Liebe. Das jorgen, und jeden neuen Mor- zeigt der Ausgang mit der gen mit neuem Kummer sehn? That. Du, Vater meiner Tage, weißt, eh ich dir's noch sage, mein Leid und auch mein Wohlergehn. 3. Auf deine Hand zu schauen, dir findlich zu vertrauen, das, Herr, ist meine Pflicht. Ich will ſie treulich üben, und dich, mein Bater, lieben; denn du verläßt die Deinen nicht. 259 9. Wenn ich hier Tiefen sehe, und es nicht ganz verstehe, was du mit mir gethan, kann ich doch deß mich trösten: du nimmst mich, mich Erlösten, gewiß der= einst zu Ehren an. 10. Dort, bei der Frommen Schaaren, dort werd ich es er= fahren, wie gut du mich geführt. Da sing ich dir mit Freuden nach überstandnen Leiden den Dank, der deiner Huld gebührt. 4. Der du die Blumen kleideft und alle Thiere weidest, du, Schöpfer der Natur, weißt Alles, was mir fehlet. Drum, Seele, was dich quälet, befiehl Mel. Gott, du frommer Gott zc. dem Herrn und glaube nur 360. Es hilft uns unser 5. Herr, alle meine Sorgen, Gott, er höret unser Flehen; die Noth, die mich verborgen in wir dürfen stets getrost zu seimeinem Geiste nagt, werf ich nem Throne gehen, wenn wir auf dich, den Treuen; du weißt gebessert nur ihm tlagen unsre den zu erfreuen, der fromm Noth; so werden wir erhört, nach deiner Hülfe fragt. so hilft uns unser Gott. 6. Wenn meine Augen thräen und sich nach Hülfe sehnen, o flag ich dir's, dem Herrn Dir, Bater, dir befehle ich je- nicht entfliehet. Ja, Alles, was den Wunsch der Seele; du hörst, uns fehlt, und unser sehnlich 2. Es hilft uns unser Gott, der Alles weiß und siehet, dem auch das Innerste des Herzens du hilfft, du fegnest gern. Flehn, das hat der Höchste schon 3. Es hilft uns unser Gott, 7. Der du mir hier im Le- von Ewigkeit geſehn. ben schon größres Heil gegeben und deinen Sohn geschenkt! Du der Alles wohl vollführet, und wirst mir Alles schenken und auf das weisefte zu aller Zeit mit zum Besten lenten, was regieret; sein herrlicher Verstand 17* 260 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. sieht es am besten ein, was 4. Laß uns stets unsre Ruh uns wahrhaftig kann gut oder schädlich sein. in deinem Willen finden, und wenn's zum Sterben kommt, dann hilf uns überwinden! Laj deines Sohnes Lehr und seine Todespein alsdann der Seelen 4. Es hilft uns unser Gott, der alle Macht besiget, dem nichts unmöglich ist; wohl uns, daß er uns schüßet! Ist unser Trost, Ruh und Erquickung Leiden gleich sehr groß und sein! mancherlei; getroft und unver= zagt, die Allmacht steht uns bei. Mel. Wer nur den lieben Gott z 5. Es hilft uns unser Gott, 362. Auf dich alleine will den unser Jammer kränket, der ich hoffen, der du mein Gott sein erbarmend Herz auf unsre und Vater bist! Denn noch ist Bitte lenket; der, aller Güte Alles eingetroffen, was uns von voll, die Liebe selber ist, und dir verheißen ist. Ich seh, daß von dem alles Heil auf uns deine Vatertreu unwandelbar durch Christum fließt. und ewig sei. 2. Du bist ein Fels; wer auf dich bauet, fann fest und unbeweglich stehn. Wer dir und deinem Worte frauet, wird nie beschämt zu Grunde gehn. Du krönest ihn in Ewigkeit mit Gnade und Barmherzigkeit. Mel. Nun danket alle Gott 2c. 361. Zreu ist der Herr und gut, der große Gott der Götter; kein Böses ist an ihm, und außer ihm kein Retter; er ist gerecht und fromm und voll Barmherzigkeit; die Seinen läßt er nicht, und hilft zur rechten Zeit. 3. O gieb denn, daß in meinem Leben mich eitle Hoffnung nie verführt, die, statt dem Her2. Wer sich an ihn fest hält zen Troft zu geben, nur blenmit tugendreichem Glauben, den det und dann Schmerz gebiert, läßt der Treue nie sich aus den wenn sie dahinfällt und zer Händen rauben. Wer sich auf rinnt, gleich einem Bau auf ihn verläßt und auf sein theures Sand gegründt. Wort, dem steht er mächtig bei, er ist sein Schuß und Hort. 4. Ich will auf meinen Mittler schauen, ich will in allem 3. Ach, hilf uns, Herr, die meinem Thun nur dir und deiwir noch in der Fremde wallen, nem Worte trauen, und in der ſo leben, daß wir dir, nur dir, Zuversicht beruhn: du werdest. Gott wohlgefallen; der Glaube was mein Wohlergehn beförwirk in uns ein dir gelassen dert, für mich ausersehn. Herz, dem du, Herr, Alles seist 5. Wenn ich in meinen Prüim Wohlsein und im Schmerz. fungstagen nach deiner Hülf Vertrauen auf Gott zc. 261 im Himmelsglanze wohnst. oft harren muß, so will ich doch im Lichte, das ich dunkel seh, nicht muthlos zagen. Ich weiß, mein Zagen wird Genuß; weiß, daß mein Glück nur schöner blüht, je länger deine Hand verzicht. 5. Dein Wort- und Wahrheit ist dein Wort- spricht Hoffnung in die Brust; hab, spricht es, habe immerfort an Gott nur deine Lust. 6. Laß mir die Hoffnung leichte machen, was Fleisch und Blut beschwerlich fällt; wenn Ungewitter um mich trachen, 6. Trau betend ihm, und du empfängst nur hier, sonst nirgend Ruh; er wog mit Vaterso stärke du mich, Herr der händen längst dir Glück und LeiWelt, und flöße mir die Hoffmung ein, du werdest doch mein Retter ſein! den zu. 7. Nimm, was er giebt, und murre nicht; auch Leiden sei dir werth; es macht dich klug, hat deine Pflicht dich mehr, als Glück, gelehrt. 7. So hoff ich in den größten Nöthen, mein Gott, dennoch getroft auf dich. Wenn Leiden diesen Leib auch tödten, ſo trö- 8. Wohlan, so will ich dir et doch die Hoffnung mich: allein, Allmächtiger, vertraun, daß ich an dem verheißnen dein Antlitz suchen, und mich heil, an deinem Himmel habe Theil. freun, dein Antlig bald zu schaun. Mel. Ermuntre dich, mein zc. Mel. Nun fich der Tag geendet zc. 364. Der Herr hat Alles 363. Allein auf dich verlaß wohl gemacht und wird es ſtets ich mich, Gott, meine Zuver- wohl machen; der uns bisher ht! Auf dich, der, wenn auch so wohl bedacht, wird ferner Alles wich, stets bleibt und für uns wachen! Deß freue dich, wantet nicht. und preise Gott; das nimm, 2. Sollt ich auf's Eitle wohl wenn dir ein Unfall droht, nimm vertraun? Wie schnell wird's es zur Zeit der Schmerzen, ich auf Menschen baun? Wie Herzen! tein Raub der Zeit! Sollt nimm's stets, o Christ, zu bald find sie auch Staub! 3. Des Tages bet ich, Gott, dir voll Zuversicht und gern; bei filler Nacht fleh ich: Sei mir mit deiner Huld nicht fern! 4. Du sendest sie von jener Höh, wo du allmächtig thronst, an Gütern reich, die Gott zu 2. Der Herr hat Alles wohl gemacht! Er hieß die Menschen werden; und als er sie an's Bicht gebracht, ertönte bald auf Erden der Segens- Machtspruch: Mehret euch! Das Erdreich ward 262 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. diesem Leben mit milder Hand| schicket; durch väterliche Zücht gegeben. gung sucht er nur unsre Bee rung, und läßt uns, eh wir meinen, die Sonne wieder 3. Der Herr hat Alles wohl gemacht! Obschon der Mensch gefallen, läßt er ihn doch nicht scheinen. aus der Acht. Wenn seine Don= ner schallen: so ruft er dich, so ruft er mich durch ihre Stimme selbst zu sich, und zeigt dabei uns Armen ein Antlitz voll ( Vom Gebet und öffentlichen Got tesdienst siehe unter Nr. 539 u. f.) Lob Gottes und seiner Werkt. Mel. Vom Himmel hoch, da 2. Erbarmen. 4. Der Herr hat Alles wohl 365. Auf, Christen, pri gemacht, hat uns sein Wort mit mir den Herrn! Wer preift gegeben, woraus dem, der nach Troste schmacht, quillt Freude, Trost und Leben! Da redet Gott selbst und bezeugt, wie sehr sein Vaterherz geneigt, uns Alle 2. Lobt ihn! Sein ganze zu erquicken und ewig zu be- Nam ist Ruhm; Unendlichte glücken. was herrlich ist, nicht gern Und welch ein Glanz, der Gott verklärt! Wer ist, wie er, de Lobes werth! sein Eigenthum. Dies grenzen 5. Der Herr hat Alles wohl lose Meer von Licht durchschaut gemacht, da selbst sein Sohn selbst der Engel nicht. gestorben, und aus des Todes 3. Ja, eure Luft sei, ihn e tiefer Nacht Errettung uns er- höhn! Solch Lob ist heilsam, worben! Dem denke nach, be- lieblich, schön; schärft den Ber trübter Geist! Komm her, schau stand, erhebt das Herz, und hier, was lieben heißt! Wird stillt im Leiden allen Schmerz der nicht Alles geben, der für dich giebt sein Leben? 4. Wie wird dein Geist da durch entzückt, hinauf gen Him 6. Der Herr hat Alles wohl mel hingerückt, mit seinem hod gemacht, uns wunderbar ge- erhabnen Freund, mit Gotth leitet, oft selbst da, wo wir's stets inniger vereint! nicht gedacht, uns unser Wohl 5. Welch ein so herrlicher bereitet! Verborgen war uns Beruf, zu dem Gott selbst die oft sein Rath, doch lehrte uns Engel schuf! Welch eine theur zulegt die That, sein Rath sei süße Pflicht, die uns so reichen stets der beste, und seine Huld Lohn verspricht! die größte. 6. Ja, Pflicht ist's, daß ihr 7. Der Herr hat Alles wohl sein gedenkt, ihr, denen er Ber gemacht; er hat uns stets be- stand geschenkt! Die Ehre de glücket! Er ist auf unser Wohl Verstandes ist, daß ihr den bedacht, auch wenn er Leiden Ewgen kennt und wißt. Lob Gottes und seiner Werke. 263 hebet seinen Namen! 7. Pflicht ist es, daß ihr ihn uns anzuschauen dargestellt; erbefingt, die ihr von ihm ein Herz empfingt, das sich zu Gott mit Inbrunst nahn und seine Größe fühlen kann. 8. Auch euer Mund, so oft er spricht, erinnert euch an diese Pflicht. Die Sprache dankt ihr ihm allein, und wolltet nicht voll Ruhmes sein? 9. Wer ist gutthätiger, als er? Denn welche Gabe soll uns der nicht schenken, der so sehr uns liebt, daß er auch seinen Sohn uns giebt? 10. Was gebet ihr nun ihm dafür? Ist nicht ein Herz voll Dankbegier, das ganz in seiner Liebe brennt, das Einzge, was ihr geben tönnt? 3. Lobt Gott, der uns er= schaffen hat; der Seele, Leib und Leben aus väterlicher Huld und Gnad uns Allen hat gegeben; uns vor Gefahr und Unfall schüßt, und täglich giebet, was uns nügt; preist dankbar seinen Namen! 4. Lobt Gott; er gab uns seinen Sohn, der für uns ist gestorben, und uns des Lebens Gnadenlohn durch seinen Tod erworben; der für uns Alles hat vollbracht, was uns zu selgen Menschen macht; drum danket seinem Namen! 5. Lobt Gott, der in uns durch den Geist den Glauben 11. Auf, Christen, preist mit angezündet, und den, der folgmir den Herrn! Wer preist nicht sam sich beweist, fest in der milde Geber gern! Gedenkt, wie Wahrheit gründet; der durch viel er uns gewährt! Wer ist, sein gnadenvolles Wort warnt, wie er, des Dankes werth! tröstet, stärket fort und fort; erhebet seine Gnade. Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. 6. Lobt Gott; er hat sein gutes Werk selbst in uns ange= es giebt 366. Bringt her dem Höch straft und Stärt, das Kleinod ten Preis und Dank aus freu- zu erlangen, das er uns Allen digem Gemüthe; es rühme un- dargestellt, und dem verleiht, jer Lobgesang den Reichthum der Glauben hält; preist seine jeiner Güte. Erhebet, lobet Alle Vatertreue! Gott, der uns errettet aus der 7. Lobt Gott, die ihr dort Noth, und preiset seinen Na- seid vor ihm, wo er im Lichte thronet; es lobe ihn mit lauter men! 2. Lobt Gott, und rühmet Stimm, wer noch auf Erden allezeit die großen Wunderwerke, wohnet; ja, Alles, was nur die Majestät und Herrlichkeit, Odem hat, erhebe Gott mit die Weisheit, Kraft und Stärke, Wort und That, und lobe sei= die er so reich in aller Welt nen Namen! 264 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. Mel. Lobt Gott, ihr Christen zc. geben, der Last mich machte 367. Wie selig bin ich, wenn mein Geist hinauf zu Gott sich schwingt, und, wenn er seinen Schöpfer preist, der Engel Wert vollbringt! los, zurück mich rief in's Leben, der mich aus seinem Schoß mit Troste überschüttet, der mich so gnadenreich geschützet und be hütet; wer ist, wer ist ihm gleich! 2. Wer gleicht ihm; wer ist so geschmückt mit Herrlichkeit und Licht! Er ist der Schönste! Wen entzückt des Schönsten Anblick nicht? 3. Ein voller Strom von Wollust quillt aus seiner Wissen schaft; denn er ist selig und erfüllt mit Freuden, was er schafft. 2. Er hat uns wissen laffen sein heilig Recht und sein Ge richt; Erbarmung ohne Maßen strahlt aus des Vaters Angesicht; nach Gnade zu verfahren, und nicht nach unsrer Schuld, pflegt er, und nie zu sparen an Sündern seine Huld; groß ist fie und erhaben; sie schonet 4. Er ging aus seiner Ewig- und verzeiht; fie eilt mit Trost teit heraus, um nicht allein, zu laben den, der die Schuld nicht bloß für sich, wie vor der Zeit der Selige zu sein. bereut. 3. Wie Väter voll Erbarmen 5. Er spricht ein Wort, und und Milde gegen Kinder sind, schnell umringt den Seligen ein o handelt mit uns Armen der Heer, das selig ist, und ihm lobsingt, das Niemand zählt. als er. 6. So will es der, der mich erschuf, auch ich soll selig sein. Heil, Seele, dir, denn dein Beruf ist, seiner dich zu freun! Herr erbarmend und gelind. Erkennt das schwach Geschlechte; weiß, dieser Leib von Staub, wie stark er jcheinen möchte, i Doch ein welkend Laub; kaum daß die Winde wehen, so ist es nicht mehr da; so kann der Mensch vergehen, ihm ist der Tod stets nah. 7. Schon siehst du durch ein dämmernd Licht den Unaussprechlichen; dort wirst du ihn 4. Nur Gottes Gnad alleine Angesicht zu Angesichte steht fest und zeigt sich jederzeit voll Huld an der Gemeine, die treu sich seinem Dienste weiht. 3hr, die ihr nicht gefallen, last erschallen; wir singen fie ihr im Himmelreich Loblieder den Herren, was in mir ist, mit euch; dem großen Herrn das müsse sein sich freuen, laut zu Ehren soll man an jedem ihn ehren, ihm hohe Lobgesänge Ort auch Lobgesänge hören, bei weihn, der nun die Schuld ver- luns hier fort und fort. 368. Nun Lob mein Seel stets von ſehn. Lob Gottes und seiner Werke. 265 5. Anbetung, Preis und Ehre ergeben, dich dankbar zu erfei dir, Gott Vater, Sohn und heben, sei meine liebste Pflicht! Geist! Gieb, daß bei uns sich mehre, was uns dein Gnaden wort Uns werde das Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. Vertrauen, mit dem wir zu dir 370. Sei Lob und Ehr dem hin hier aus der Ferne schauen, höchsten Gut, dem Vater aller zum seligsten Gewinn; erfülle Güte; dem Gott, der Großes das Verlangen der Deinen; laß an uns thut; dem Gott, der vor dir uns schauen und empfan- mein Gemüthe mit seinem reichen gen, was wir geglaubet hier. Troft erfüllt; der unsers Herzens Sehnen stillt; gebt unserm Gott die Ehre! Mel. Aus meines Herzens Grunde zc. 369. Groß ist des Höchsten Güte; wer sie nicht achtete, welch fühllos Herz verriethe der Unerkenntliche! Sie rettet uns aus Noth, erquicket Leide, verwandelt es in Freude, verjüßet selbst den Tod. 2. Es preist der Himmel großes Heer dich, Herr der Welt und Thronen; und welche Erde, Luft und Meer, von dir belebt, bewohnen, die preisen, uns im Schöpfer, deine Macht, die uns und sie hervorgebracht. Gebt unserm Gott die Ehre! 2. Und meine Lippen schwie3. Was unser Gott geschaffen gen? Ich raubte selber mir das hat, das will er auch erhalten; himmlische Vergnügen, Gott, darüber will des Weisen Rath, lobzufingen dir? Nein, Herr, des Vaters Gnade walten. In von meinem Dank jei jeder seinem ganzen weiten Reich Morgen Zeuge, und jeden sist Alles recht, ist Alles gleich: Abend steige zu dir mein Lob- bringt ihm Dank, Preis und Ehre! gejang. 3. Du wirst mich ferner lei- 4. Ich rief zum Herrn in ten, so unwerth ich's auch bin. meiner Noth: Du willst, du treu bleibt zu allen Zeiten dein fannst erfreuen! Da half er mir, milder Vaterfinn. Dem, der da ließ mir Gott Errettung tur liebet dich, wirst du in angedeihen. Ich danke Gott, Kümmernissen stets wohl zu ich danke dir; dankt Alle, preiset helfen wissen; dir überlaß ich Gott mit mir; gebt ihm allein mich! die Ehre! 4. Ja, deine Huld ist größer, 5. Der Herr verläßt die Seials es der Mensch versteht; dein nen nicht; auch dann, wenn Rath unendlich besser, als was Stürme wüthen, ist er doch ihre sein Wunsch erfleht, Herr, meine Zuversicht, denn er fann fie Zuversicht, dir froh mich zu behüten; mit Baterhänden leitet 266 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. er die Seinen alle; bringet her Himmel nebst der Erden, und dem Herrn Preis, Dank und Alles, was darin ist, lassen we Ehre! den. 6. Wenn Niemand sonst nicht helfen kann, so kömmt Gott ſelbst und zeiget, daß er auch da noch helfen kann. Gott, un= ser Vater, neiget sein huldreich Angesicht uns zu, erquickt und schenkt der Seele Ruh. Gebt Alle ihm die Ehre! 3. Uns Menschen hast du dieses Leibes Leben und diesen Geist, der dich erkennt, gegeben. 4. Du läsfest uns in deinem Worte lehren, wie wir dir die nen sollen und dich ehren. 7. Ich will mein ganzes Leben lang dich, Gott, mein Ket= 5. Von Kindheit an hast du uns stets ernähret; was wi bedurft, uns väterlich beſcheeret. 6. Du sättigst, was da lebt ter, ehren; einst werden meinen mit Wohlgefallen, und stärft Lobgefang auch deine Himmel uns, freudig unsre Bahn hören. Du, meine Seele, freue wallen. dich, und du, mein Geist, er= hebe dich zu Gott; gebt ihm die Ehre! 7. In Leiden, Kümmernissen und Gefahren läßt du uns Troft und Rettung widerfahren. 8. Sehr groß ist deine Weis heit, Güt und Stärke, und wun derbar find alle deine Werke. 9. Herr, wir bekennen es mit unserm Munde, und danken dit dafür von Herzensgrunde. 8. Jhr, die ihr euch nach Chrifto nennt, bringt dar ihm Dank und Ehre; die ihr des Vaters Gabe fennt, bringt dar ihm Dank und Ehre; der Herr ist Gott, der Herr ist Gott, und außer ihm ist sonst kein Gott; gebt ihm allein die Ehre! 10. Wir beten an dich, Bater mit dem Sohne und heilgem Geist auf dem erhabnen Throne. 9. Kommt, tretet vor sein Angesicht, Dank, Dank ihm darzubringen; entrichtet die gelobte Pflicht, und laßt uns fröhlich singen: Der Herr hat Alles 12. Hilf, daß wir dir hier wohl gemacht, und besser noch, leben und vertrauen, und laß uns als wir gedacht. Gebt unserm dort dein Antlitz ewig schauen 11. Hoch sei dein großer Name stets geprieſen für alles Gute, was du uns erwieſen. Gott die Ehre! 372. Nun laßt uns Gott 371. Was für ein Lob joll dem Herren, Dant ſagen und man dir, Vater, bringen? Wer ihn ehren von wegen seiner Ga kann dich würdig und genug ben, die wir empfangen haben. 2. Er ist's, der uns das Le 2. Du hast aus nichts den ben und Seel und Leib gege befingen? Lob Gottes und seiner Werke. ben und schützet und bewahret, geht deine Macht und Herrlichund keine Gnade sparet. 3. Nahrung giebt er und Speise; auch hat Gott der Allweise, selbst für der Seele Wunden Genesung uns erfunden. feit. Sie, die, wie es dein Wort befahl, gelehrt, gelebt, die Frommen all, die nun entflohn dem Pilgerthal, lobsingen dir mit frohem Schall. Dich betet an 4. Ein Arzt ist uns gegeben, die Christenheit, die noch lebt der selber ist das Leben: Chri- in der Prüfungszeit: Dich, Va= stus, für uns gestorben, hat uns ter auf dem höchsten Thron, und das Heil erworben. dich, des Vaters eingen Sohn, dich Gottes Geist, der uns bemale eröffnet er für Alle, die kehrt, mit stetem Preis sie lobt müde und beladen, die Quelle aller Gnaden. 5. Im Wort, im Bundesund ehrt. 267 6. Die Sünde wird vergeben, durch ihn geschenkt das Leben; Dank dir und Ehre, Jesu Christ, der du herabgekommen bist, damit durch dich genesen mit göttlich hohen Gaben wird möcht das sündlich, sterbliche uns sein Himmel laben. 7. Wir preisen deine Güte mit dankbarem Gemüthe. Gott, laffe uns, den Deinen, dein Licht zum Trost stets scheinen. 8. Leit uns in deiner Wahrheit, bis wir in voller Klarheit dich schaun und deinen Namen dort ewig preisen. Amen. Geschlecht; du hast zerstört des Todes Macht, das Leben an das Licht gebracht; du bist erhöht; du haft ein Reich, das ewig währt, dem keines gleich; ein Richter du zukünftig bist deß, was dann todt und lebend ist. Hilf uns, o Herr, den Dienern dein, dir folgsam und dir treu zu sein; gieb uns an deinem Himmel Theil, an dem durch dich erworbnen dei= Das ambrosianische Te Deum. 373. Herr Gott, dich loben nem Volke, Jesu Christ, und wir! Herr Gott, wir danken dir! segne, was dein Erbe ist, beDich, Bater, Gott von Ewigkeit, schüz und pfleg es allezeit, erpreist deine Schöpfung weit und höh es dort in Ewigkeit. breit. Die Himmel alle und ihr Wir loben, Gott, wir preisen Heer sind laute Zeugen deiner dich hier täglich und dort ewighr. Es sagen alle Seraphim lich; behüte uns, o treuer Goft, - hört's, Himmel, Erdenkreis, vor Sünde, sie gebiert den Tod; Gott! Heilig ist unser Gott! Hei- Gott; sei gnädig uns in aller : Heilig ist unser sei uns, den Deinen, gnädig, lig ist unser Gott! Jehovah Ze- Noth; umfass uns mit Barmbernimm! baoth! herzigkeit! Du bist ein Gott, der Weit über alle Himmel weit gern erfreut! Dir trauen wir, 268 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. dein sind wir, Herr; verlaß, ver- wie du beglücken, so lieben und laß uns nimmermehr! Amen! so segnen kann? Du, Herr, den wir erhöhn, du, deffen Heil wit sehn, warst die Liebe schon vo der Zeit, von Ewigkeit war du die Liebe, wirst es sein. 374. Nun dantet alle Gott; ihm, der mit Vaterhänden fo große Dinge thut, hier und an 2. Um zu dir uns zu erhe allen Enden; der lebend uns er- ben, hauchst du in unfre Brut hält, der uns von Kindheit an das Leben und schenkest un mehr Gutes hat erzeigt, als Je- der Erde Glück. Um zu dir uns mand zählen kann. 2. Es wolle unser Gott ein Brust das Leben und schenfest zu erheben, entziehst du unsre fröhlich Herz uns geben; er laffe uns des Himmels Glüd. Du uns, sein Volk, in stiller Ruhe giebst das Leben, Gott, du sen leben und wahrer Frömmigkeit, Sest uns den Tod nur zum daß seine Gnad und Treu auch Segen, bist liebevoll; nur unser mit uns allezeit und unserm Wohl, nicht unser Elend schaf Lande sei. fest du. 3. Der große, starte Gott 3. Als wir von der Sünde woll uns von allem Bösen, und, Plagen tief, tief gebeugt im was uns schaden kann, des seine Hand erlösen; er schüß und Staube lagen, und Nacht leite uns, er helf uns allezeit, als deine Gnade, den Sündern, Todes uns umfing: da war es, jo lang er uns allhier das Le- als deine Gnade, den Sündern, so ben noch verleiht. ewig theure Gnade, erbarmend Liebe Blick in's Leben uns zuvor uns überging; da rief der Liebe Blick in's Leben uns zu rück; von der Sünde, von ihret Nacht sind wir erwacht, erwacht, um Gottes Licht zu sehn. 4. Gott Vater, dir sei Preis hier und im Himmel oben! Gott Sohn, Herr Jesu Christ, wir wollen dich stets loben! Gott heilger Geist, dein Ruhm er schalle mehr und mehr! O Herr, dreieinger Gott, dir sei Lob, Preis und Ehr! 4. Preiset ihn, ihr Jubellie der! Es tam sein Sohn zu uns hernieder, ward Mensch, ging für uns in den Tod. Christus hat den Tod bezwungen; neues Lied werd ihm gesungen, ihm, der uns hat versöhnt mit ein Mel. Wachet auf, ruft uns die zc. 375. Herr, wir fingen dei- Gott. Heil uns! wir sind verner Ehre; erbarm dich unser jöhnt; ihr, Lobgesänge, tönt, und erhöre, nimm gnädig unser tönt zum Himmel; erschallt schon Loblied an! Herr, wir danken hier; einst stehen wir vor seinem voll Entzücken; wer ist, der so Thron und beten an. 269 Mel. Komm, heil'ger Geist zc. Sünden, Erbarmung, Gnad und 376. Anbetung und Dant Leben finden in Ewigkeit!:,:. bringen wir, Herr, unser Gott und Bater, dir; dein Ruhm soll unter uns erschalln; laß unser Rob dir wohlgefalln! Laßt seiner Baterhuld uns freun, und ewig, ewig dankbar sein; fallt vor dem Gott der Liebe nieder, bringt ihm das Opfer eurer Lieder und betet an!:,: 5. Gelobet jeift du, Geist des Herrn! Wir Sünder waren von Gott fern, vom Licht, das Trost giebt und Leben, mit Finsterniß ganz umgeben. Du hast durch deines Wortes Macht zu du lehrst uns leben, hilft uns uns ein heitres Licht gebracht; sterben; du machest uns zu Himmelserben durch deine Kraft.:: 2. Du gabst uns Leben, wir 6. Anbetung und Dank brinind dein; find dein und wer- gen wir, wir bringen's, o Jeden's ewig sein. Wie groß und hova, dir! O daß jedes Land viel find deine Werk, du Gott der der Erde voll deines Lichts Macht und Gott der Stärt! Dein und Ruhms werde; wie jelig, it der Erdkreis und in dir, o wie begnadigt ist ein Volk, des Höchster, sind und leben wir; Zuversicht du bist! Jehova, dir du schufest Seraphim und Thro- und deinem Namen sei ewig nen und uns, die auf der Erde Ruhm und Ehre, Amen! Hallewohnen, zu deiner Ehr.:,: luja!:,: Lob Gottes und seiner Werke. Mel. Allein Gott in der Höh zc. 3. Du, Gott, vergiebst uns unsre Schuld, und trägst uns Sünder mit Geduld; du warnst| 377. Der Herr ist Gott, der liebreich, zeigst uns Armen Herr ist Gott! Wie groß sind in Baterherz voll Erbarmen; seine Werte! Sie gingen einſt lohnst uns nach dieser Prüfungs- auf sein Gebot hervor durch eit mit deines Himmels Seligkeit; feine Stärke. Der Geist, der auf abt uns schon hier mit so viel der Tiefe schwebt, ruft Milliofreuden und schidst zu unserm nen und belebt dies Heer durch eil uns Leiden, liebreicher seinen Odem. Gott!:,: 2. Gott, der den Himmel 4. Anbetung und Dank, überspannt, auf hohen Wolken. Christe, dir! Berlorne Sünder fähret, wie viel hat seine milde waren wir; du, für uns am Hand den Menschen nicht ge= Kreuz gestorben, hast ewig Heil währet! Zu ihnen, die nach seiuns erworben. Wer zu dir nem Bild geschaffen, sprach der flehet, an dich gläubt, und, lockt Herr: Erfüllt, beherrscht den die Sünd ihn, treu dir bleibt, Kreis der Erden! der foll, befreit vom Fluch der 3. Lobsinget ihm! Aus seiner Beweis der Gottseligkeit und Tugend. Hand kam die vernünftge Seele,[ bis an das Grab, und über's damit der menschliche Verstand Grab zum Himmel. 270 selbst seine Freuden wähle. Wie 9. Lobsinget Gott; was Odem herrlich wirkt des Menschen hat, erhebe seine Güte! Preift Geist, wenn er sich dieser Welt Christen, Gottes größte That entreißt und sich zu Gott auf- mit fröhlichem Gemüthe! G schwinget. preise unser Herz, voll Dant, 4. Wie herrlich ziert Gott je- les rühme unser Lobgesang des den Sinn, die Spiegel seiner Ewigen Erbarmen! Ehre! Pflanzt in das Herz Empfindung hin und neiget es zur Behre; macht weich und fühlend . mel. Jeju, meines Lebens Leben diese Brust zu besfrer, als des 378. Wie soll ich dich wit Thieres Lust, und zur Liebe. zur Freundschaft dig loben, mächtiger Herr Ze 5. Voll Huld sieht Gottes baoth? Sende mir dazu von Majestät auf jeine Werke nieder. oben deines Geistes Kraft, mein Eh ein Geschlecht hier untergeht, Gott! Groß find deiner Liebe blüht dort ein andres wieder, Zeichen; wer kann ihre Zahl und steigt in abgemessner Zeit erreichen! Tausend-, tausendmal zum Gipfel der Vollkommenheit, sei dir, großer König, Dant do die ihm Gott angewiesen. für! 6. Gott, deine Güte zeiget sich 2. Herr, entzünde mein Ge erneut mit jedem Morgen: sie müthe, daß ich deine Wunderist's, die das, was ohne dich macht, deine Weisheit, Treu und sich selbst nicht kann versorgen, Güte froh erhebe Tag und Nacht; verpfleget, nähret und erhält; Leib und Seel ist deine Gabe; sie schmücket und erfüllt die Welt ja, sonst Alles, was ich habe. mit Leben und mit Freude. Tausend-, 2c. 7. Dein väterliches Auge sieht 3. Denk ich: wie ich dich ver auf unser Wohl vor allen; ein lassen und gehäufet Schuld aut stilles Herz, ein froh Gemüth, Schuld, so fann ich beschämt ein täglich Wohlgefallen, Ge- kaum fassen deine Langmuth sundheit, Freude, Fried und Rast, was unser Wohl nur in sich faßt, ist deine milde Gabe. und Geduld, womit du, o Gott, mich Armien haft getragen m Erbarmen. Tausend-, 2c. 8. Du öffnest uns dein Hei4. Ja, Herr, wenn ich über ligthum, hörst unsers Dantes lege, wie du gnädig mich regiert, Lieder, siehst auf uns, die wir mich viel wunderbare Wege und deinen Ruhm befingen, huld- doch immer wohl geführt: 10 reich nieder. Die Liebe, die den durchdringen mein Gemüthe dieſe Sohn uns gab, begleitet uns Proben weiser Güte; und mein Dank für die Gesundheit. 271 Herz und Mund bringt dir, ter bist, hast dich meiner angroßer König, Dank dafür. genommen, wenn's auch gleich 5. Du, Herr, bist mir nach- auf's höchste kommen. Taugeeilet, haft zur Buße mich er- send-, 2c. wedt; lange hatt ich zwar verweilet, doch dein Arm ward ausgestreckt, der, so bald ich nur gekommen, väterlich mich aufgenommen. Tausend-, 2c. 6. O wie suchst du meine Seele täglich mehr zu dir zu ziehn! Wenn ich je das Böse wähle, darf ich zu den Wunden fliehn, die auch mich geheilet haben, die mir Kraft zum Guten gaben. Tausend-, 2c. 7. Ja, Herr, Majestät und Alarheit strahlt von deinem Angesicht! all dein Thun ist Güt und Wahrheit, recht und heilig 13. Tausendmal sei dir gedein Gericht. Wer muß nicht sungen, Herr, mein Gott, Preis, Werken Macht Lob und Dant, daß es mir bisund weise Güte merken. Tau- her gelungen; ach laß ferner jend-, 2c. aus deinen meinen Gang sicher gehn durch Christi Leiten in die frohen Ewigkeiten; da will ich, o Bater, dir freudig danken für und für! 11. Trugst du nicht in deinen Armen mich oft treu und väterlich? Hast du nicht oft voll Erbarmen wunderbar errettet mich? Mußt ich einsam troftlos weinen, du, du ließest Trost erscheinen. Tausend-, 2c. 12. Vater, du haft mir erzeiget lauter Gnad und Gütigkeit; und du haft zu mir ge= neiget, Jesu, deine Freundlichkeit. Und dein Wort, o Geist der Gnaden, heilet meinen Seelenschaden. Tausend-, 2c. 8. Herr, du wählst in allen Dingen, was für uns das Beste ist; auch im Kleinen und Geringen sehn wir, daß du weise bist. Ja, auch ich muß dich, den Beijen, der mit mir es wohl macht, preisen. Tauſend-, 2c. 9. du Tod Dank für die Gesundheit. Mel. Nun lob mein Seel den zc. und Leiden, bald durch Wohl- 379. Der größte von den thun, Gott, zu mir, um mein berz recht zu bereiten, ganz sich ju ergeben dir; nach dem Himel zu verlangen; stets der TuSchätzen, die sich der Mensch hier oft erwählt, giebt dem doch tein Ergößzen, dem ein Schatz, die Gesundheit, fehlt. Kann den gend anzuhangen. Tausend-, 2c. sein Glück erfreuen, hilft dem 10. Wie ein Vater nimmt sein leberfluß, der unter Schmerund giebet, so wie's Kindern zen schreien, in Krankheit ächzen nüglich ist, so hast du mich auch muß? Wird nicht der Held selbst geliebet; du, der du mein Va- beben bei langer Leibesnoth? 272 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. ist nicht ein fieches Leben viel jdu dein und wen willst du be härter als der Tod? lohnen? Wer wird sich ewig deiner freun und ewig bei di wohnen. 2. Uns Menschen unaussprechlich ist, Schöpfer, deine Gnad und Huld. Wie schwach 2. Der heilig vor dir lebt und wie zerbrechlich ist unser und thut, was dein Geset i Leib durch Sündenschuld; hin- lehret; der, dessen Herz ist rei fällig ist die Hütte, in der die und gut, und sich vom Bön Seele wohnt. Jedoch der Gott fehret. der Güte fieht uns, den Staub, 3. Wer treu die Wahrheit und schont; er wacht, daß keine liebt und nicht mit seiner Zunge Plage und Krankheit uns er- lüget; und niemals lieblos reicht, und macht die Last der übelspricht, nie lästert und be Tage uns durch Gesundheit leicht. trüget. 3. Gott, der auch mein ge- 4. Der, was er schwur, stel denket, du haft aus großer Liebe heilig hält und nie unredlich mir dies Gut bisher geschenket; schwöret; der Alles, was er zu Dank jei, o bester Bater, dir! jagt, hält, auch dann, wenn e Mit Krankheit und Gebrechen nicht schwöret. verschone ferner mich! Dann 5. Der mit Verachtung I darf ich's mir versprechen, wenn den flieht, der sich vor Go du mir väterlich hilfst meinen nicht scheuet; hingegen Gottes Lauf vollenden und alle Lebens- Freunde liebt und sich der Lu kraft zur Tugend stets verwen gend freuet. den, die deine Huld verschafft. 6. Der nie verbotne Zinsen 4. So lang ich leb auf Er- nimmt, nie drängt und pres den, laß mich doch meiner Sin- den Armen; gerecht erworbne nen nicht jemals beraubet wer- Gut bestimmt zum Wohlthun den, wenn dir's gefällt, o Gott, und Erbarmen. mein Licht. Bewahre mich vor 7. Der den Geringen nicht Schmerzen; laß mich durch verschmäht, mit Fleiß ihn e eigne Schuld Gesundheit nie betrübet; den graden Weg verscherzen; erquick mit deiner Allem geht, und Alle, wie sic Huld die Siechen. Laß die liebet. Kranken, die winselnd zu dir 8. Der nie weicht von der schrein, mir Antrieb, dir zu Tugendbahn, zum Bösen nic danken für die Gesundheit sein. kann schweigen; nie Gaben Chriftliches Betragen bei Eidschwüren. der nimmt von Frevlern an, Unschuld Recht zu beugen. 9. Wer das thut, ja, den nennt Gott sein; einst will Mel. Ich dank dir schon tc. 380. Heiligster, wennennst ihn belohnen! Er wird sich ewig 273 5. Osteure, steure, Herr, allzeit dem Gräuel solcher Sünden! Laß deines Namens Heiligkeit ein jedes Herz empfinden, das je zum Eide sich entschließt. Du, Mel. Es wolle Gott uns gnädig zc. 381. O Gott, mein Schöpfer, aller Falschheit Nächer, du, deſHerr der Welt, des Auge Alles sen Drohen Wahrheit ist, strafft fiehet, vor dem der Engel nie- strenge die Verbrecher, die fälschderfällt, der höchste lich bei dir schwören. Seraph knieet, laß deines Namens Ma- 6. Laß Niemand auch Gelejestät mein Herz mit Ehrfurcht genheit zu falschen Eiden geben; füllen, wenn ich hin vor dein und will sich oft um KleinigAntlig tret, nach meiner Obern teit ein böser Streit erheben: Willen dich eidlich zu verehren. so lenke du durch deinen Geist 2. Wenn mich des Vortheils zum Frieden die Gemüther, daß Stimme lodt, so laß mich sie Niemand jemals sich grdreift, nicht hören, und nicht, durch nie- um Ehre oder Güter mit Undern Geiz verstockt, mir unrecht bedacht zu schwören. Gut erschwören. Was Arglist 7. Jedoch läßt sonst ein Haund Betrug gewinnt, wird lange der nicht sich von den Obern nicht gedeihen. Was nie da- schlichten, als wenn nach ihres hinfällt, nie zerrinnt und ewig Amtes Pflicht sie nach dem Eide fann erfreuen, ist Redlichteit und richten: so laß uns Christi BeiUnschuld. spiel ehrn und vor Gerichte 3. Laß deine Gegenwart mich schwören; Gott werde das, was scheun, o allerhöchstes Wesen. wir beschwörn, allgegenwärtig Nichts kann vor dir verborgen hören als Zeuge und jein; Gedanken kannst du lesen. Richter. Dir, dir, o Herr, bin ich ja fund an all und jedem Orte. Du tennest meines Herzens Grund, weißt alle meine Worte 382. Wer bei dem Namen Mel. Wer nur den lieben Gott tc. Bei Eidschwüren. seiner freun und ewig bei ihm wohnen. als und was ich dabei denke. Gottes schwöret und sein gerecht 4. Du bist auch, o Allwissen- Versprechen bricht, der ist ein der, der Menschen höchster Rich- Frevler, der entehret den Gott ter, und strafft, als ein gerechter der Wahrheit und darf nicht Herr, die frechen Bösewichter, zu ihm, als seinem Vater, flehn, die sich in ihrer Tollfühnheit nicht eigem Glück entgegen vor deiner Macht nicht scheuen, sehn. die deines Namens Heiligkeit durch falschen Schwur entwei- tes Willen die Wahrheit lieben, 2. Wir sollen stets nach Gothen, vor deinem Antlitz lügen. so wie er, und was wir zugeOsnabr. Landgefangb. X. Aufl 18 274 Beweise der Gottseligkeit und Tugend. sagt erfüllen, würd uns die du, Herr! Jm Himmel und Pflicht auch noch so schwer; auf Erden soll deines großen drum wird, so wahr Gott Namens Ehr tief angebetet wer Wahrheit liebt, kein Meineid den. Wer deines Namens Hei ungestraft verübt. ligkeit durch Lästrung, Flud und Schwur entweiht, den treffen deine Strafen. 3. Wie kann der Mensch sich unterstehen, durch seinen Eid, den Gott gehört, den Andern 2.wehe dem verwegnen frech zu hintergehen, indem er Mund, der gerne flucht und falsch voll Leichtsinn schwört! schwöret! Der macht den größ Vor des Allwissenden Gericht ten Leichtsinn kund, der so den besteht ein solcher Frevler nicht. Herrn entehret. Wer oft so 4. Und flöh er zu dem fern- schwöret, fündigt oft. O weh sten Meere, Gott findet allent- ihm, wenn er unverhofft in fei halben ihn, wenn er auch noch nem Leichtsinn stürbe. so glücklich wäre; der Hand des 3. Laß doch in meines Her Herrn sich zu entziehn, hilft zensgrund, Gott, deine Furcht ihm nicht Ehre, Gut und Geld stets wohnen, so werd ich aud und nicht die Gunst der gan- in meinem Mund stets deines zen Welt. Namens schonen, und nicht 5. Drum will ich, soll ich durch Fluchen ihn entehrn, nicht was betheuern mit Ernst be- aus Leichtsinn gewohntem denken, was ich thu, und den schwörn, nie mit der Bibel Gedanken oft erneuern: Gott, scherzen. meines Eides Zeuge, du siehst meines Herzens Innerstes, prüfft mel. Wer nur den lieben Gott 1. es genau und richtest es. 6. O hilf mir, Gott, daß ich 384. Herr, präge deines Na voll Treue, so wie ich schwöre, mens Ehre tief, tief in Aller denk und thu, daß ich mich vor Seelen ein, daß man nicht freche dem Meineid scheue, zu deiner Flucher höre, die deine Maje Ehr und meiner Ruh. Wer stät nicht scheun. O mach dich fälschlich schwört, kömmt in's ihren Herzen kund! Kein Fluch Gericht; der Redliche, der entweihe ihren Mund. Fromme nicht. 2. Sind alle Lafter ein Ver brechen, wie ist des Fluchers Schuld dann schwer! Der Hert muß diese Sünde rächen; dies, dies erfordert seine Ehr. O Mel. Es ist gewißlich an der Zeit 2c. Fluchen seine Ehre an! wie abscheulich tastet man durch 383. Groß, majestätisch bist 3. Dem, der Gott fürchtet, Wider den Mißbrauch des Namens Gottes. Selbstkenntniß und Demuth. 275 macht es Schmerzen, wenn er 3. Ich bin ein Christ nach dein freches Fluchen hört. Es dem Bekenntniß; doch bin ich's, wird die Unschuld junger Herzen durch dein Erempel oft zerstört. Des Nächsten Zutraun mindert sich; und was, was hilft das Fluchen, sprich? Herr, auch in der That? O öffne du mir mein Verständniß, recht einzusehn, ob ich den Pfad, den Jesus mir gewiesen, geh, und ob ich auch im Glauben steh? 4. Du kennest unsers Herzens Tiefen, die uns selbst unergründlich sind. Drum laß mich oft und ernstlich prüfen, wie ich, mein Gott, vor dir ge= sinnt, ob ich in Lieb und Leid mit Treu dir folgsam und er= geben ſei? 5. O lerne deine Zunge zwingen, bedente Gottes Heiligkeit! 5. Wer Alles weiß und doch Ginst wird er vor's Gerichte verborgen und unbekannt sich bringen den, der sich nicht vor selbst noch bleibt:. wie will der ihm gescheut. Gott sieht, Gott hört, Gott richtet mich; frecher Flucher, schrecke dich. dies, für sein Bestes sorgen, was ist, das den zur Beßrung treibt? Sich selbst recht kennen, ist Verstand; drum mache mich mit mir bekannt. 4. Gewinnt durch Fluchen dein Vergnügen, meinst du, das Fluchen stehe wohl? Willst du zu Reden Flüche fügen, daß man dich achten, fürchten soll? Bernünftige verachten dich, fluchst du auch noch so fürchterlich. Selbstkenntniß und Demuth. Wel. Wer nur den lieben Gott zc. noch fehlet, mein Vater, das 6. Was mir zu meinem Heil 385. Wer bin ich? Welche entdecke mir. Hab ich der Wahrwichtge Frage! Gott, lehre sie heit Weg erwählet, so gieb, daß mich recht verstehn. Gieb, daß ich mir die Wahrheit fage, und laß mich achtsam auf mich sehn. Wer sich nicht selbst recht ken-| nen lernt, bleibt von der Weisheit weit entfernt. ich ihn nicht verlier. Uch leite mich mit deinem Licht, so täuschen mich Verführer nicht. 7. Bin ich noch fern vom rechten Wege, der mich zum ewgen Leben führt, so bringe mich zurück vom Stege, der 2. Ich bin ein Wert von deinen Händen; du schufft mich, in's Verderben sich verliert. Gieb Gott, zu deinem Preis; dazu mir zur Beßrung Luft und mein Leben anzuwenden, das Kraft, du bist's, der Beides in ist dein väterlich Geheiß. Leb uns schafft. ich nun als dein Eigenthum, 8. Ich muß es einmal doch jo, wie ich soll, zu deinem erfahren, was ich hier war und Ruhm? hier gethan. O laß mich's nicht 18* 276 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. bis dahin sparen, wo Reue| gungsgeschäfte, wer gab mit nichts mehr helfen kann. Herr, Muth und Sieg im Streit? mach mich hier zum Himmel flug und frei vom schnöden Selbstbetrug. 7. Daß ich das Gute wähle, das schaffst du; wenn ich fehle, so rufft du mich zurück. Du ziehst mich ab von Sünden, du läßt mich Gnade finden, und giebst zu meiner Beßrung Glüd. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc. 386. Gieb, Gott, wenn ich 8. Sollt ich mich des erhe dir diene, daß ich mich nie er- ben, was du mir, Herr, gege tühne, darüber stolz zu sein. ben, hab ich zum Stolz ein Wer kann bei seinen Werken, Recht? Könnt ich auch Alles wie oft er fehlet, merken, wer üben, was du mir vorgeschrieist von Mängeln völlig rein? ben, wer bin ich? Ein geringer Knecht. 2. Such ich stets deinen Willen so eifrig zu erfüllen, als es dein Wort gebeut? Trag ich der Tugend Bürde aus Kennt= Mel. Nun ruhen alle Wälder u. niß ihrer Würde auch immer 387. Was ich nur Guttes mit Zufriedenheit? habe, ist deine milde Gabe, du 3. Entzieh ich mich den Sün- Vater alles Lichts. Mein Da den auch stets aus rechten Grün- sein und mein Leben ward mit den, aus wahrer Frömmigkeit? von dir gegeben, und ohne di Oft sind die guten Triebe nicht vermag ich nichts. Früchte deiner Liebe, nur Früchte der Natur und Zeit. Verstand, als 2. Sowohl Kräfte zum nützlichen Geschäfte 4. Der Sünden meiner Ju- hab ich aus deiner Huld. Dein gend, der Mängel meiner Tu- ist's, wenn gute Thaten dem gend, o Herr, gedente nicht! Vorsatz wohlgerathen; an FehWillst du mit deinen Knechten, lern bin allein ich schuld. wie sie's verdienen, rechten, so trifft sie alle dein Gericht. 3. Das Glüd, deß ich mich freue, wer schafft mir's? Deine 5. Doch, wenn auch dir zur| Treue, du Herr der ganzen Welt! Ehre rein meine Tugend wäre: Du ordnest unsre Tage, iht weß ist dies Eigenthum? Wer Glück und ihre Plage, nur so. ließ mich unterrichten, wer ließ wie dir es wohlgefällt. in meinen Pflichten mein Glück 4. Soll ich mich denn erhemich sehn und meinen Ruhm? ben, wenn mir in diesem Leben 6. Wer schenkte, dich zu lie- viel Gutes widerfährt? Was ben und dein Gebot zu üben, hat dich, Herr, bewogen, daß mir Lust und Freudigkeit? Wer du mich vorgezogen, bin ich stärkte meine Kräfte im Heili- auch jemals dessen werth? Selbstkenntniß und Demuth. 277 5. Ich bin viel zu geringe nicht mein Flehen; ich stürze der Huld, die ich befinge, und werd es ewig sein. O laß mich's nie vergessen, so werd ich nicht vermessen der Eigenliebe Weihrauch streun. mich sonst in Gefahr, daß mein Gebet dir zum Verdruß und mir zur Sünde werden muß. 5. Nicht meiner, sondern deiner Ehre laß all mein Thun 6. Das nützlich anzuwenden, gewidmet sein; damit ich deiwas du mit Baterhänden mir nen Ruhm vermehre, so präge gütig zugewandt; dein treuer mir mit Nachdruck ein: ich sei Knecht zu werden: das sei mein nicht werth der Gnadenkraft, Fleiß auf Erden; nur das ist Demuth und Verstand. die alles Gute in mir schafft. 6. Hätt ich sonst alle Tugendgaben, und hätte doch die De= muth nicht, so würde ich den Mel. Wer nur den lieben Gott zc. Ruhm nicht haben, der gilt vor deinem Angesicht. Die 388. Mein Gott, du woh- Demuth, die dein Wort mich nest in der Höhe, und siehst auf lehrt, giebt jeder Tugend ihren das, was niedrig ist. Daß ich Werth. mich nie vor dir vergehe, der du ein Herr des Himmels bist, so laß mein Herz, vom Stolze rein, der Demuth stets ergeben jein. 7. Regiere mich, daß ich bescheiden und demuthsvoll im Herzen sei, daß ich den Stolz mög ernstlich meiden, nicht bloß 2. Was bin ich? ein Geschöpf aus Schein und Heuchelei; du von Erde, ein Sünder und des fiehst nicht auf das schlechte Todes Raub. Auch ich, ein Kleid, du liebst des Herzens Sterblicher, ich werde einst ster- Niedrigkeit. ben und mein Beib wird Staub: hin. 8. Gieb, daß ich mich nicht das präge tief in meinen Sinn, überhebe, weil wir ja Alle Brüder jo reißet mich kein Hochmuth sind; auch dem Geringen Ehre gebe; er ist sowohl, als ich, 3. Noch nie hat Hochmuth dein Kind. Der Tod macht, dir gefallen; du bist und bleibst wär ich noch so reich, mich doch den Stolzen feind. Nur der gefällt dem ärmsten Bruder gleich. dir unter Allen, der ohne Stolz 9. Auch laß mich dir bei vor dir erscheint. Der ist dein allem Leiden in Demuth unterFreund, der in der Welt De- würfig sein. Dort wirst du müthigen sich beigesellt. mich mit Ehre kleiden, auf ewig bild sehen, der hier die Demuth sich selbst erniedrigt hier, steht 4. Laß mich auf Christi Bor- laben und erfreun. Denn wer jelber war; denn sonst erhörst du dort gewiß erhöht vor dir. 1 278 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. Mel. Alle Menschen müssen 2c. und wie niedrig ward er hier. 389. Sei nicht stolz, Ge- Der vollkommenste Gerechte schöpf von Erde, sei nicht stolz starb für uns den Tod der und fürchte dich. Gott ist's, der Knechte; und wie herrlich auch dir rief: werde! der dir krönte Gott ihn nach seinem jagt: dein Gott bin ich. Alles Kreuzestod! hab ich dir gegeben. Brauche mir zum Ruhm dein Leben; frage, wozu gab ich's dir? Und durch Demuth danke mir. Throne aus der tiefsten Niedrig 6. Jhn rief Gott hinan zum Throne aus der tiefsten Niedrig keit; denn er sprach zu seinem Sohne: Herrsche nun in Ewigteit! Seine Treuen zu beloh, was rühmt ihr eure 2. Werte, Menschen, was erhebt nen, kommt er einst mit Ehrenihr Euch? Machet ihr euch fronen, und ertheilt von sei selbst an Stärke, Weisheit und nem Thron ihnen ihrer De Vermögen reich? Wollt ihr muth Lohn. euch des Gebers schämen? Der's euch gab, der kann's auch neh- Gottgefällige fiebe zu fich felbf. men. Seid nicht sicher, seid Mel. O Gott, du frommer Gott nicht fühn, noch undankbar ge- 390. Dein Wille ist's, mein 3. Weh den Stolzen, weh laß mich diese Pflicht na Gott, ich soll mich selber lieben. den Spöttern! Schrecklich wer deiner Vorschrift üben, und den sie vergehn. Sünder, die gegen ihn. sich selbst vergöttern, werden schränke selbst den Trieb, froh nicht vor Gott bestehn. Die nur, mir eingepflanzt, in heilge Grenz und beglückt zu sein, den du welche seinen Willen demuths= voll und treu erfüllen, die, so zen ein. ihn und sein Gebot ehren, ha- Herz sich deiner Liebe weithe, 2. Gieb, daß mein ganzes ben Ruhm vor Gott. 4. Nie den Bruder zu ver- findlich scheue. Wer als em und daß in Allem ich dein Auge ein achten, sei uns ewig theure Christ sich liebt, der flieht au Pflicht; stolz sich zu erheben als ein Christ, was wider deine trachten, führt zum Fall, ziemt Furcht und Menschenliebe ist. Christen nicht. So, wie Christus, Allen dienen, auch den beherrsche meine Seele, und 3. Kein schnöder Eigennu Niedrigsten aus ihnen, ohne wenn zu meinem Glück ich weg bittern Stolz und gern: das und Mittel wähle; so laß mich ist Gnade vor dem Herrn. stets dabei auf Recht und Wahr5. Jesu gleichgesinnt zu wer- heit schaun, auch nie mem den, eifrig streben sollten wir; Wohlergehn auf Andrer Elend er erschien bei uns auf Erden, baun. Seelsorge. 279 4. Dein Fluch trifft jedes; theures Wort erklärt, laß mich Glück, dabei die Tugend leidet, mit Ernst bedenken; und auf die dabei der, der es sucht, Gott, Sorge für ihr Wohl so unerdeine Wege meidet; wer Unrecht müdet, als ich soll, den größten liebt und thut, erbt deinen Eifer lenken. himmel nicht. Nie treffe mich, o Gott, dies schreckliche Gericht. 5. Nie blende mein Gemüth der Eitelkeiten Schimmer. Die Welt mit ihrer Lust vergeht doch einft auf immer. Was hilft uns furze Lust, was hilft uns eitle Bracht! Nicht ein 3. 3u groß für diese kurze vergänglich Gut ist's, was uns glücklich macht. 3eit, bestimmt zum Glück der Ewigkeit, wohnt fie im Leib der Erden; durch Glauben und Gottseligkeit zu größerer Vollkommenheit im Himmel reif zu werden. 2. Wie hoch ist sie vor dir geacht; welch Glück hast du ihr zugedacht, wie viel an fie gewendet; du schufft sie, Gott, dein Bild zu sein, und hast, vom Fluch sie zu befrein, selbst deinen Sohn gesendet. 6. Ein Gott ergebnes Herz, ein unverlegt Gewissen, nur das tann uns allein des Lebens Last versüßen; das bleibt uns auch im Tod, und folgt uns aus der Zeit zum großen Segen nach bis in die Ewigkeit. 7. O selig, wer darnach mit heilgem Eifer trachtet, und für fein größtes Glüd, Gott, deine Gnade achtet! Der liebt allein sich recht, der find't schon in 5. Nach dir, o Gott, gebildet der Zeit die wahre Ruh und sein, mich ewig deiner Güte einst vollkommne Seligkeit. 8. Das sei mein Zweck, mein Fleiß. O segne mein Bemühen. So wird das wahre Wohl nicht meinem Wunsch entfliehen; so flich ich vor dem Pfad der laſterhaften Welt und liebe mich selbst jo, wie es dir wohlgefällt. freun und dich zum Troste wäh= len: das sei mein Fleiß und höchster Zweck; laß mich dazu den rechten Weg aus Leichtsinn nie verfehlen. 6. Wer böse ist, bleibt nicht vor dir. Drum schaffe selbst, o Gott, in mir ein Herz, das Sünden haffet, das seine Schuld vor dir bereut und das zu dei= ner Gütigkeit durch Christum Hoffnung fasset. 7. Gieb, daß ich dir mich 4. Mit großer Treue willst du sie selbst durch des Lebens kurze Müh zu diesem Ziele führen. O laß mich nicht durch eigne Schuld das Heil, das deine Baterhuld ihr zugedacht, ver= lieren. Sorge für die Seele. Mel. Kommt her zu mir, spricht zc. 391. Herr, meiner Seele großen Werth, den mir dein ganz ergeb; und, was ich hier 280 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. im Fleisch noch leb, laß mich, werden. Herr, stärke mir dazu im Glauben leben an Jesum den Trieb. Nichts sei so groß Christum, der auch mi o hoch nichts mir so lieb, das ich ihn geliebet, daß er sich für mich nicht aufopfre. auch hingegeben. 4. Gewönn ich auch die garz 8. In meiner ganzen Pil- Welt mit allen ihren Freuden, grimschaft laß mich, gestärkt und sollte das, was dir gefällt, durch deine Kraft, nach jenem o Gott, darüber meiden, wa Kleinod trachten, das mir dein hülfe mir's? Kann auch die Ruf vor Augen stellt, und alle Welt mit Allem, was sie it Leiden dieser Welt wie nichts sich hält, mir deine Huld edagegen achten. 9. Wie selig werd ich dann nicht sein, schon hier wird dann mein Herz sich freun, in dir, Gott, ruhig leben; und du wirst nach vollbrachter Zeit auch mich gewiß zur Herrlichkeit in deinem Reich erheben. jetzen? 5. Was führt mich zur 3friedenheit schon hier in diesem Leben? Was kann mir Trof und Freudigkeit auch selbſt im Tode geben? Nicht Menschengunst, nicht irdisch Glück, nut Gottes Gnade und der Blid auf jenes Lebens Freude. Mel. Allein Gott in der Höh zc. 392. Nach meiner Seelen 6. Nach diesem Kleinod, Hert trachten, und, was mir daran laß mich vor allen Dingen Seligkeit lap, Herr, mich eifrig hinderlich, mit edlem Muth ver ringen. Sollt ich die kurze Gnadenzeit in Sicherheit verbringen? Wie würd ich einst vor dir bestehn? Wer in dein Reich wünscht einzugehn, muß reines Herzens werden. achten. Daß ich auf deinen Wegen geh und im Gericht der einst besteh, sei meine größte Sorge. 7. Doch, was vermag i wenn du nicht vor Trägheit 2. Erst an dem Schluß der mich beschüßzest, und mich zu Lebensbahn auf seine Sünde Treu in dieser Pflicht mit Kräfe sehen, und, wenn man nicht ten unterstüßeft? stärke mig mehr sündgen kann, Gott um mein Gott, dazu, so find ich Erbarmung flehen, das ist der hier schon wahre Ruh und dort Weg zum Leben nicht, den uns, das ewge Leben. o Gott, dein Unterricht in deinem Wort bezeichnet. 3. Du rufft uns hier zur Bewahrung eines guten Gewissens. Heiligung; drum laß auch hier mel. Gott des Himmels und der auf Erden des Geiftes wahre 393. Herr, mein Gott, ein Besserung mein Hauptgeschäfte 281 Bewahrung eines guten Gewissens. gut Gewissen ist des Menschen bares Gut ist, Herr, ein rein größter Ruhm. Muß er alles Gewissen; wer dieses hat, der Andre missen, bleibt ihm doch hat auch Muth, wenn Andre dies Eigenthum. Theuer sei mir zagen müssen. Sein ruhig Herz stets dies Gut, denn es giebt erzittert nicht, ihn schreckt nicht getroften Muth. Tod, nicht das Gericht; denn mit dir hat er Friede. 2. Aber ein verletzt Gewissen flagt vor dir den Sünder an; 2. Sich deines Beifalls, Gott, dämpft er's gleich, und will nicht bewußt, rühmt er sich deiner wissen, was er Böses hat ge- Gnade. Dein Friede wohnt in than; tritt es doch zuletzt em- seiner Brust; und wer ist, der por und hält ihm die Sünde vor. ihm schade? Auf dich sieht er bei aller Noth, womit die 3utunft ihn bedroht; ihn tröstet deine Vorsicht. 3. Trifft ihn auch hier zuweilen noch die Geißel böſer Zungen, wird seines Herzens Ruhe doch dadurch nicht ganz bezwungen. Er hütet sich vor Uebelthat, und denkt: Gott kennt des Herzens Rath und wird die Unschuld retten. 4. Sein Geist sieht mit 3u3. Mögen doch der Spötter Rotten, die nur Fleischeslust ergözt, über das Gewissen spotten; es erwachet doch zuletzt, und straft des Verächters Herz mun mit desto größerm Schmerz. 4. Herr, von dir kommt alles Gute; mache mein Gewissen rein; ich will dir mit frohem Muthe unterthan und eigen sein; beffre meinen Geist und Sinn, bis ich dir ganz folgsam bin. friedenheit der künftgen Welt 5. Stärke mich dabei im entgegen; die giebt ihm Muth Glauben, mach mich Christo und Freudigkeit auf allen seinen gleichgesinnt; so bin ich, wenn Wegen; denn dort macht selbst, Hafjer schnauben, Feinde auf o Herr, dein Mund den wahren mich zornig sind, doch getroft Werth des Menschen kund; da und zage nicht, weil die Un- wird der Fromme siegen. schuld für mich spricht. 5. So hilf denn, daß ich mir 6. Fliehen will ich jeden zum Heil ein unverletzt Gewissen, Handel, wo man falsche Ränte des Lebens allerbestes Theil, schließt, weil ein solcher Lebens- zu haben sei beflissen. Mit dir, wandel wider das Gewissen ist. Gott, ausgeföhnt zu sein, dein best will ich darauf beruhn:( heilig Recht nicht zu entweihn, nichts zu scheun und recht zu das jei mein größter Eifer. thut. 6. Des richtigen Gewissens Spruch laß mich stets folgsam ehren, und immer aufmertsam welch ein unschätz- genug auf seine Warnung höMel. Allein Gott in der Höh sei 2c. 394. Q. 282 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. ren. Erinnert's mich an meine| pfen, ist freilich schwere Pflicht Schuld, so laß mich, Vater, doch, wenn wir uns besiegen, deine Huld voll Reu und Glau- welch seliges Vergnügen gewähr ben suchen. der Pflicht Vollbringung nicht 6. Nichts kann im Wohler gehen so unser Glück erhöhen, nichts als ein ruhig Herz. Da schaffet innre Freuden selbst in den größten Leiden, und mat zur Wohlthat selbst den Schmerz, 7. Die Güter zu verachten, wonach die Thoren schmachten, was giebt uns dazu Muth! Was tröstet Gottes Kinder bein Spotte frecher Sünder? Ein Mel. Nun ruhen alle Välder zc. 395. Ein ruhiges Gewissen ruhig Herz, dies größte Gut. genießen; laß, Herr, mich stets 8. 3u dir gen Himmel schauen, denn hab ich dieses nur, so o Gott, und mit Vertrauen fi schredt in solchen Tagen, wo rühmen: Ich bin dein; ich unter Andre ängstlich klagen, mich den Erlösten darf deiner Huld mich trösten, welch Glück, mein Gott, kann größer sein! weiter nichts in der Natur. 9. O laß mich im Gewissen einst diesen Trost genießen, we Alles von mir weicht; wenn ich den Lauf vollendet und sich mein Leben endet: so wird mit selbst das Sterben leicht. 10. Ja, laß zu allen Zeiten mich deine Weisheit leiten, und mache selbst mich treu! 3 Fleiß in guten Werken laß mid die Hoffnung stärken, daß selbst der Tod mein Leben sei. 7. Mit deiner Gnade tröste mich, und stärke meine Seele, daß sie vor Sünden hüte sich, und nie aus Vorsatz fehle; denn, wer nur reines Herzens ist, hat immer dich durch Jesum Christ, Allwissender, zum Troste. 2. Wenn meine Sünde schweiget, und mir dein Geist bezeuget, daß ich begnadigt bin; wenn mich dein Trost erquicket, so oft mich Trübsal drücket: wie unschätzbar ist mein Gewinn. 3. Sollt ich dies frohe Leben für Lust der Sünde geben, und dann die innre Pein, mich selber zu verklagen, in meinem Busen tragen; groß würde meine Thorheit sein. 4. Denn folget einst Verderben auf's Lafter, tommt's zum Sterben, welch schreckliches Gericht! Dann zu sich sagen müs= sen:„ Ich konnte mir verschließen den Weg zum Fall, und that es nicht." Vorsichtige Leibespflege und Mäßigkeit. Mel. Wer nur den lieben Gott 5. Sein eigen Herz bekäm- 396. Des Leibes warten und pfen und seine Neigung däm- ihn nähren, das ist, o Schöpfer, Leibespflege und Mäßigkeit. 283 thut. meine Pflicht; muthwillig sei- und segne, was der Arzt dann nen Bau versehren, verbietet mir dein Unterricht. O stehe mir mit Weisheit bei, daß diese Pflicht mir heilig sei. 2. Sollt ich mit Vorsatz das verlegen, was zur Erhaltung mir vertraut? Sollt ich gering ein Kunststück schätzen, das du als Schöpfer selbst erbaut? Weß ist mein Leib? Er ist ja dein; sollt ich denn sein Zertörer sein? 3. Ihn zu erhalten, zu beſchützen, giebst du mit' milder Baterhand die Mittel, die dazu uns nüßen, und zum Gebrauch giebst du Verstand. Dir ist die Sorge nicht zu klein; wie sollte fie es mir denn sein? 7. Doch gieb, daß ich nicht übertreibe, was auf des Leibes Pflege zielt; nein, stets in jenen Schranken bleibe, die dein Gesetz mir anbefiehlt. Des Körpers Wohl laß nie allein den Endzweck meiner Sorgen sein. 8. Mein größter Fleiß auf dieser Erde sei stets auf meinen Geist gericht. Daß er zum Himmel tüchtig werde, eh dieses Leibes Hütte bricht, dazu, Herr, segne meinen Fleiß, so leb ich stets zu deinem Preis. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 397. Wie mannigfaltig sind 4. Gesunde Glieder, muntre Rräfte, o Gott, wie viel sind dein Wohlthun nährt, und die, die Gaben, wodurch uns, Herr, so Geift als Leib zu laben, uns die nicht werth! Wer taugt zu täglich deine Hand gewährt! dem Berufsgeschäfte, Krantheit seinen Leib beschwert? genießt, zeigt uns, wie freundwenn Auch das, was unser Mund 3st nicht der Erde größtes Gut lich, Gott, du biſt. Gesundheit und ein heitrer Muth? 2. 5. So laß mich denn mit unser Leben, und, unsre Herzen Du giebst uns Brod für Sorgfalt meiden, was meines zu erfreun, giebst du den trauKörpers Wohlsein stört, daß benvollen Reben mit segensreinicht, wenn seine Kräfte leiden, cher Hand den Wein. Wie anmein Geist den innern Vorwurf genehm ist der Genuß von dem, hört: du selbst bist Störer dei- was uns ernähren muß. ner Ruh, du zogst dir selbst dein lebel zu! 3. Doch laß die Kraft, uns zu vergnügen, die du in Speis 6. Laß jeden Sinn und alle und Trank gelegt, mich nie, o Glieder mich zu bewahren acht- Höchster, so besiegen, daß sie sam sein; drückt mich die Last zum Schwelgen mich bewegt. der Krankheit nieder, so flöße Laß, deiner Gaben mich zu freun, jelbst Geduld mir ein. Gewähr mich mäßig im Genusse sein. auch dann mir guten Muth, 4. Mit Speis und Trank 284 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. sein Herz beschweren, steht nie- 2. Die Wollust kürzet un mals wahren Christen an. Da- Tage; sie raubt dem Kön durch wird das, was uns er- seine Kraft, und Armuth, Sa nähren und unsern Geist er- chen, Schmerz und Plage f quicken kann, ein Gift, das in Früchte ihrer Leidenschaft. D die Adern schleicht, und Krank- haßt sich selber, der sie üb heit, Schmerz und Tod erzeugt. und sich in ihre Fesseln giebt 5. Die Schwelgerei raubt 3. Wie blühte nicht des Jüng uns die Kräfte zu dem, was lings Jugend, eh ihn der Wol uns die Pflicht gebeut; macht lust Reiz bethört! Doch er v träge zum Berufsgeschäfte, un- gaß den Weg der Tugend; und tüchtig zur Gottseligkeit; erweckt seine Kräfte sind verzehrt. Ber Unordnung, Streit und 3ant, wesung schändet sein Gesicht un und hindert den Gott schuldgen predigt Gottes Strafgericht. 4. Die Wollust raubt dem 6. Wer sich den Bauch zum Herzen Stärke, schwächt der Gott erforen, unmäßig deine Berstand, der Seele Licht; Gaben braucht, der ist für's raubt den Eifer edler Werte Himmelreich verloren, zu dem und Ernst und Lust zu jeder kein Knecht der Lüfte taugt. Pflicht. Sie führt Reu Gott, laß mich ja die Laster Gewissensschmerz in das ih scheun, und mäßig stets und hingegebne Herz. nüchtern sein. Dant. 5. Der Mensch sinkt un 7. So oft ich Speis und ihrer Bürde zur Niedrigkeit de Trank genieße, so laß es mit Thiers herab; er schändet und Vernunft geschehn, und, daß ich entehrt die Würde, die ihm se Beides mir versüße, mit Dant weiser Schöpfer gab; vergi auf dich, den Geber, sehn; auf den Zweck, dazu er lebt, well dich, der du uns zärtlich liebst, er nach niedern Lüften firebt. und Nahrung und Erquickung giebst! 6. So schimpflich sind der Wollust Bande, schon vor der Welt sind sie ein Spott. E sind vor dem Gewissen Schande und noch weit mehr vor dir o Gott. Wer sich in ihre Knecht Keuschheit. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 398. Der Wollust Reiz zu schaft giebt, wird nie von dit widerstreben, laß, Höchster, meine o Gott, geliebt. Weisheit sein! Sie ist ein Gift 7. Du wirst den wiederum für unser Leben, und ihre Freu- verderben, der deinen Tempe den werden Bein. Drum fleh hier verdirbt. Dein Himmel ich demuthsvoll zu dir: o schaff reich wird Niemand erben, in ein reines Herz in mir! Idem die böse Luft nicht stirbt Keuschheit. 285 Drum laß mich ihre Reizung du haft ihn nicht gleich erstickt: fliehn, und, keusch zu sein, mich so wird er schwerlich unterdrückt. fiets bemühn. 5. Oft täuschen dich des La8. Gieb, daß ich allen bösen sters Triebe und du erblickst Lüften mit Muth und Nachdruck nicht die Gefahr; oft wird das widersteh, und stets, dawider unerlaubte Liebe, was anfangs mich zu rüsten, auf dich, Al- nichts als Freundschaft war. gegenwärtger, seh. Wer dich, Ein langer Umgang macht dich o Gott, vor Augen hat, flieht dreist und du vergißt, was Unauch verborgne Missethat. schuld heißt. Beförderungsmittel der Keuschheit. 6. Dein fühlend Herz wird sich's verzeihen, daß es des Lasters Trieb ernährt; es wird nur seinen Ausbruch scheuen, weil vor der Welt entMel. Wer nur den lieben Gott 2c. 399. Willst du dem Reiz zur ehrt, die kleinen Fehler überWolluft wehren, so sei ein sehn und so zu großen überFreund der Nüchternheit. Laß gehn. Speis und Trank dich nie be- 7. Ist's Sünde nur, die That schweren und steure deiner Sinn- vollbringen? Macht äußreKeuschlichkeit. Sei deiner Schwach- heit tugendhaft? Sollst du nicht heit dir bewußt, und meid oft auch den Trieb bezwingen, nicht felbst erlaubte Luft. 2. Sei, um die Wolluft zu verhüten, stets schamhaft gegen deinen Leib; laß nicht dein Auge deine Seele sein? auch den Wunsch der Leidenschaft? Soll blos dein äußrer. Wandel rein, soll's nicht auch dit gebieten; flieh eitlen Scherz 8. Begierden sind es, die uns und Zeitvertreib. Des frechen schänden und die verleßen unsre Biglings freier Scherz ernie- Pflicht, auch ohne daß wir sie rigt und verdirbt dein Herz. vollenden. Drum rühme dich 3. Entzieh der Wollust ihre der Keuschheit nicht; es sei kräfte im Schweiße deines An- denn, daß du durch den Geist gesichts. Der Unschuld Schuß- der Lüfte Herrschaft dich entreißt. wehr find Geschäfte; Nichtsthun 9. Dent oft den mächtigen das Net des Bösewichts. Bei Gedanken: die Unschuld ist der Trägheit und bei Müßiggang Seele Glück! Er halte, fängst besiegt uns jeder böse Hang. du an zu wanken, dich noch 4. Willst du der Wollust Trieb von deinem Fall zurück. Dir bekämpfen, eh er die Freiheit giebt dein ganzer Lebenslauf bir verwehrt: so such ihn früh sie nicht zurück, giebst du fie auf! in dir zu dämpfen. Hat ihn dein Herz zuvor genährt, und lust Pfade, und lockt dich schmei10. Drum fliehe vor der Wol 286 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. chelnd ihre Bahn: so rufe brün-| rücken; was reine Sitten a ftig Gott um Gnade und Weis- recht hält, darnach laß mi heit in Versuchung an. Erzittre stets trachten; was dir, o vor dem ersten Fall, denn sonst ter, wohlgefällt, laß micha fällst du mehr als ein Mal! höchsten achten; was üppig i vermeiden. Vorsicht im Umgang mit Andern. Mel. Es wolle Gott uns gnädig 2c. 5. Behüte mich vor Schwe gerei, die leicht das Herz be Gott, der du zur ohne Scheu Schandthaten üba schweret; vor Trunkenheit, 400. Die Luft, die nur d Weisheit führst, du Bater mei- lehret. nes Lebens! Wenn du mein Leib ergößt, wird leicht d Leben nicht regierst, so leb ich Weg zur Hölle; und was di hier vergebens. Der, den dein Welt für Freude schäßt, ist Geist nicht neu gebiert, der bleibt des Lasters Quelle und wi der Sünd ergeben; und wen mit Reue quälen. die Sünde noch regiert, der ist 6. Hilf, daß mein Ohr nicht zum rechten Leben noch nie hin- lieber hört, mein Geist night durch gedrungen. lieber denket, als was die 2 2. Darum verleihe deine gend stärkt und nährt und u Gnad mir, deinem schwachen zum Guten schenket; was mi Kinde, daß ich erwähl der Tu- zu jenem Lichte bringt, wo ma gend Pfad und meide stets die bei dir stets lebet, dein Lob Sünde. Behüte meinen Mund, allen Engeln singt, den Heiland daß mir kein schlüpfrig Wort stets erhebet, und sich ihm äh entfalle, vielmehr von meinen lich schauet. Lippen dir ein dankbar Lob er= schalle, den nächsten zu erbauen. 3. Bewahre, Gott, mein Ohr, daß ich nicht gern die Spötter höre, damit in meinem GlauArbeitsamkeit und Berufstren. Mel Gott, du frommer Gott ben mich des Frechen Mund 401. Du haft uns, Herr, die nie störe; laß mich der Läster- Pflicht zur Arbeit auferlege zunge Gift zum Schmähen nie und Fleiß in dem Beruf un verführen, und, wenn ihr Pfeil ernstlich eingepräget; der träge den Nächsten trifft, so müsse Müßiggang ist dir, o Gott, ver mich dies rühren, mich seiner haßt, für uns der Laster Ne anzunehmen. und unserm Nächsten Last. 4. Die Augen, Gott, bewahre 2. Nach deiner Ordnung mir vor unverschämten Blicken; Herr, laß willig mich beques laß mich, aus heilger Schen men, die Bürden des Berufsg vor dir, die Unschuld nie be- troft auf mich zu nehmen. Wird Arbeitsamkeit und Berufstreue. 287 gleich mein Angesicht mit sau-| gunst ihnen schaden? Mit seirem Schweiß benett; daß du mich selbst in den Beruf gesetzt. genug, nem Schutz bedeckt er sie, und segnet bei des Lebens Müh ihr Herz mit Trost und Hoffnung. 3. Bewahre nur mein Herz 4. Drum gieb, o Gott, daß vor bangen Nahrungssorgen. ich auf dich bei meiner Arbeit Gieb mir mein täglich Brod sehe. Mit Licht und Weisheit und sorge du für morgen. Laß segne mich, daß ich nie Wege mich an meinem Theil das gehe, die mir dein heilig Wort Meine fleißig thun, und dann verbeut. Nach deines Reichs mit Zuversicht in deiner Fügung Gerechtigkeit laß mich vor allem trachten. ruhn. 4. Ach fördre, großer Gott, die Werke meiner Hände. Hilf mir bei meinem Thun im Anfang und am Ende. Laß mich bei meiner Laft auf jenen Sabbath sehn, da wir nach treuem Fleiß in deine Ruhe gehn. Mel. Sei Lob und Ehr dem zc. 402. Gott ist's, der das Vermögen schafft, das Gute zu vollbringen; er giebt zur Arbeit Muth und Kraft und läßt sie uns gelingen. Was man mit ihm nur unternimmt, wird, wenn's mit seinem Willen stimmt, nicht ohne Fortgang bleiben. 2. Wer das zu ſeinem Hauptwed macht, vor ihm gerecht zu werden, und erst nach seinem 5. Laß Müßiggang und Trägheit mich, als dir mißfällig, meiden, und hilf, daß ich, gestärkt durch dich, voll Muth mit Lust und Freuden in meinem Stande thätig sei! Dein Segen fröne meine Treu, daß sie auch Ändern nüße. 6. Sei überall, mein Gott, mit mir! Die Werke meiner Hände befehl ich, Allerhöchster, dir; hilf, daß ich sie vollende zu deines großen Namens Preis, daß mir die Frucht von meinem Fleiß in jenes Leben folge. Mel. Sei Lob und Ehr dem 2c. 403. 3ur Arbeit, nicht zum Müßiggang sind wir o Herr auf Erden. Drum laß mich doch Reiche tracht, dem giebt er mein Lebelang kein Knecht der hier auf Erden vom irdschen Trägheit werden. Gieb mir But mit milder Hand so viel Berstand und Luft und Kraft, beim Fleiß in seinem Stand, geschickt, treu und gewissenhaft als ihm wahrhaftig nüßet. 3. Gott ist der Frommen mein Wert hier zu verwalten. Schild und Lohn; und frönt warte sein", das ist, o Gott, 2. Hast du ein Amt, so sie mit Gnaden, was sollte dein Wille. O flöße selbst den ihrer Feinde Hohn und Miß- Trieb mir ein, daß ich ihn treu 288 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. erfülle. Hilf mir, daß ich von nüßet dem die ganze Welt m Zeit zu Zeit an Einsicht und allen ihren Schätzen? an Tüchtigkeit zu meinem Amte wachse. 8. Laß mich den weltlicha Beruf niemals geringe achter 3. Herr, vor träger Weich- das Werk, wozu dein Rath mi lichkeit wollst du mein Herz be- schuf, als Gottesdienst betrad wahren, so werd ich aus Ge- ten, damit ich einst in jen mächlichkeit nie meine Kräfte Welt, die mich den Engeln sparen. Erholen werd ich mich gesellt, zu höhern Würden steig nur dann, wenn ich, an Kraft erschöpft, mich kann zu neuer Arbeit stärken. Mel. Werde munter, mein Gemüther. 404. Herr, nichts Gutes fam 4. Weck mich zum Fleiß und laß mich nicht die Zeit mit Ne- auf Erden blos durch unſern bendingen, die weit entfernt von Fleiß allein ohne dich verricht meiner Pflicht, verschwenderisch werden, nur von dir kommt de verbringen. Das müsse mein Gedeihn. Steht uns deine Be Vergnügen sein, mich den Ge- tertreu nicht mit Rath und schäften ganz zu weihn, die du Hülfe bei, was kann dann da mir auferleget. Mensch vollbringen? Weld belebe That kann uns gelingen? Pflich- schäfte, das ich hier verrichte 2. Gieb zu jeglichem Ge 5. Ein heilger Trieb mich, o Höchster, meine ten in deiner Furcht, gestärkt soll, du mir Weisheit, Luft un durch dich, mit Freuden zu ver- Kräfte, daß es mir gerathe wo richten. Ein Herz, das sich des Laß mich deinen Segen feh Guten freut, giebt zu der beit Munterkeit, versüßt uns ihre Lasten. gehn; und, was ich wohl d laß mein Thun von Statten gefangen, zum erwünschten Zid gelangen. 3. Gieb mir fleißig zu 6. Laß mich vor dir, Herr, unverrückt mit einem Herzen wandeln, sucht nie bestrict. Gewissenhaft Laß durch deinen Geist mi das Geiz und Ehr- denken, wozu ich gesetzet bin zu handeln, mein Leben deinem lenken, und regiere meinen Sin Dienst zu weihn, so nüßlich, als daß ich, als dein treuer Knecht ich kann, zu sein: das sei mir was gebeut dein heilig Recht wohl erwäg und deinen Willen 7. Dir zu gefallen, sei mein suche treulich zu erfüllen. Ziel bei Allem, was ich thue, 4. Gieb, daß ich durch Müßig so hat, es gehe, wie es will, doch gehen keine Zeit verschwenden mein Gewissen Ruhe. Denn, mag; laß mich achtsam dahi wer dir, Heiliger, mißfällt, was sehen, daß ich jeden Lebensta Ehr und Reichthum. be Rechter Gebrauch der Lebenszeit. 289 so anwende, daß ich dir stets| und falle dir mit Gebet und ergebner werde hier, und mein Fleiß stets deine Ehre, auch des Nächsten Wohlfahrt mehre. 5. Dann darf ich mich meines Lebens stets vor dir, mein Gott, erfreun; mein Bemühn wird nicht vergebens, niemals ohne Segen sein; du giebst mir gewiß, mein Gott, was zu diesem Leben noth, und mein ruhiges Gewissen wird mir selbst den Tod versüßen. Rechter Gebrauch der Lebenszeit. Mel. Jesus meine Zuversicht 2c. 405. Großer Schöpfer, Herr der Zeit, mache mich bis an mein Ende dazu wachsam und bereit, daß ich recht die Zeit anwende, die mir noch weiser Rath in der Welt beschieden hat. Flehn zu Fuße, und mein ganzes Herz bereut meine schon verIorne Zeit. 5. Wiederbringen kann ich nicht, was von meiner Zeit verschwunden. Doch, wenn ich nach meiner Pflicht besser nüße meine Stunden, als bisher von mir geschehn, so vergiebst du mein Versehn. 6. Lehre mich, Gott, daß die Frist, die du mir noch zuge= messen, wie ein schneller Strom verfließt: laß mich nimmermehr vergessen, hier sei die Erziehungszeit zu dem Glück der Ewigkeit. 7. Säen laß mich hier mit Fleiß zu der Ernte jenes Lebens. O wie glücklich, daß ich weiß, dies geschehe nicht vergedein bens. Gieb, daß ich stets Samen streu, dessen ich mich ewig freu! 2. Ach wie flügelschnell entfliehn Jahr und Tage, Zeit und eh man's denkt, sind Mel. Jesus meine Zuversicht zc. weiht. file dahin wie ein Augenblick 406. Herr, ich hab von deiverschwunden. Der ist flug, der ner Treu mir zum Heil noch jeine Zeit nüglichen Geschäften Zeit in Händen. Gieb doch, daß ich sorgsam sei, sie auch weislich anzuwenden. Denn, wer weiß, wie bald zur Gruft deiner Vorsicht Wint mich ruft! 2. Unaussprechlich schnell entMunde das geliebt und das fliehn die uns zugezählten Stungethan, was mir Kummer ma- den; eh man's denkt, find fie 3. Herr, vergieb mir väterlich, daß ich manche Zeit und Stunde übel angewandt; daß ich oft mit Herzen, Hand und chen kann. dahin und auf ewig uns ver4. Dir sei Preis! Du schen- schwunden. Niemals tehrt ein test mir jetzt noch Zeit und Augenblick uns zum Heil davon Raum zur Buße. Nun ich komm zurück. Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. 19 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 3. Laß bei ihrer Flüchtigkeit| worauf mein wahres Glück be mich, mein Gott, doch nie ver- ruht. gessen, wie unschätzbar sei die 2. Hier wird die Saat ge Zeit, die du hier uns zugemes= streuet, dort erntet man erfreud sen; wie, was hier von uns ge- der Tugend Früchte ein. 3 schieht, ewge Folgen nach sich mehr ich Gutes übe, Gott und zieht. den Nächsten liebe, je größer 4. Reize mich dadurch zum wird mein Glück dort sein. Fleiß, eh die Zeit des Heils 3. Sollt ich dies Glück mit verlaufen, mir zur Wohlfahrt, rauben? Herr, laß mir in dir zum Preis noch die Stun- Glauben der künftgen Ernte den auszutaufen, die zu meiner zeit mein Leben auf der Erden Seligkeit deine Gnade mir ver- so werth und wichtig werden, leiht. als es mir selbst dein Wort go 5. Deine schonende Geduld beut. trage mich, Gott, nicht verge- 4. Das Leben sich verkürzen, bens; ach vergieb mir meine sich selbst in Trübsal stürzen, it Schuld, daß so manchen Theil Undank gegen Gott. Doch groß des Lebens ich zu meiner Seele ist's, Leiden tragen, sein Leben Wohl nicht gebraucht so, wie ich soll. muthig wagen, wenn Pflicht es heischt und sein Gebot. 6. Laß mich meine Besserung 5. So sei dir denn mein für mein Hauptgeschäfte achten, ben, o Herr, zum Dienft erge und nach meiner Heiligung mit ben! Wer nach der Tugend so treuem Eifer trachten, als strebt, wer Gott und Menschen erwartete noch heut mich Ge- liebet, im Wohlthun sich stets richt und Ewigkeit. übet, hat lange und auch gut gelebt. 7. Deine Gnade steh mir bei, daß mein Leben auf der Erde reich an guten Früchten sei und dem Nächsten nützlich werde. Und ist einst mein Ende da, o so sei mit Trost mir nah! 290 Mel. Wer nur den lieben Gott 408. Wo eilt ihr hin, int Lebensstunden? Zeit, edle Zeit, wo fliehst du hin? Wie mancher Tag ist schon verschwun den, seitdem ich leb und sterb lich bin! Vielleicht der größte Mel. In allen meinen Thaten zc. 407. Was ist mein zeitlich Theil der Zeit ist schon immea Leben, das du mir, Gott, gege- der Ewigkeit. 2. Der Thor durchlebet feine Jahre, eh er des Lebens Werth zum Himmel reif zu werden, versteht; er nahet früher sich ben? Ein unschäßbares Gut! Du gabst mir's, hier auf Erden Chriftl. Verhalten in Absicht auf zeitl. Güter. 291 der Bahre, als er den Weg der| Ehren mich niemals geizig sein. Tugend geht. Was ist ein Laß deinen Geist mich lehren, menschlich Leben werth, das un- der Ehre mich zu freun, die genügt vorüber fährt? ewiglich vor dir besteht und mit mir von der Erde zum Himmel übergeht. 3. Mensch, sei ein Mensch! Fang an zu leben, fang an, ein Glied der Welt zu sein; fang 2. Nie blende mich der Schiman, dem Guten nachzustreben,| mer des Anschns vor der Welt; bring das Versäumte zwiefach denn dieser ist nicht immer Verein; daß, wenn man deinen diensten zugesellt. Oft finden Leib begräbt, dein Werk dann Rang und Würden Statt, wo noch im Segen lebt. man auf wahre Achtung kein Recht noch Anspruch hat. 4. Thu oft von jedem deiner Tage vor dem Gewissen Rechenschaft; durchdenk ihn, leg ihn auf die Wage; vollbrachtest du ihn tugendhaft; hast du Gottseligkeit geübt, den nächsten als dich selbst geliebt? 3. Nicht im Besitz von Schägen und Gütern dieser Zeit faß meinen Ruhm mich setzen; sie sind doch Eitelkeit, sind oftmals selbst des Thoren Glück, ver= lassen uns im Sterben und bleiben hier zurück. 5. Ermuntre dich aus deinem Schlummer, o Seele, auf, er4. In Demuth laß mich lemuntre dich! Dies sei dein ben, wenn die Geburt mich Gram, dies sei dein Kummer, ehrt; durch Stolz mich nie erdaß mancher Tag umsonst ver- heben, wenn sich mein Ansehn strich. Denn wenn du das be- mehrt; und schenkst du mir der dauern mußt, das ist der wich- Erde Gut, so wollst du mich tigste Berlust. bewahren vor allem Uebermuth. 6. Herr meines Lebens, ſei 5. Dich kennen, meine Pflichdoch fünftig mein Heil und ten mit Treu und Redlichkeit meines Lebens Kraft; fo leb gewissenhaft verrichten, wie mir ich als ein Mensch vernünftig dein Wort gebeut, und überall und als ein Christ gewissen- mein Christenthum nach Jesu haft; jo dant ich in der Ewig- Vorbild üben: das sei mein teit dir für den großen Schatz wahrer Ruhm. - die Zeit. 6. Dein Beifall ist das Beste, was ich mir wünschen kann; steh ich im Guten feste, wo fehlt Chriftliches Verhalten in Absicht mir Ehre dann, und wenn mir's auf Ehre und einen guten Namen. auch an Ruhm der Welt bei allen guten Thaten, die ich ver= richte, fehlt. 7. Nie laß mich Ruhm erMel. Wenn meine Sünd mich zc. 409. Herr, laß nach eitlen 19* Beweis der Gottseligkeit und Tugend. schmeicheln, der dem Verdienst 2. Mein Hab und Gut kommi gehört, nie als ein Gleißner ja von dir und deinem milden Heucheln, den Menschengunst Segen. Nicht zum Verderben bethört. Der Tugend meinen gabst du mir mein zeitliches Fleiß zu weihn und Andrer Vermögen. Du gabst es mit Glück zu fördern, laß mein Be- zum wahren Wohl. Drum gieb streben sein. Herr, daß ich's, wie ich soll nach deiner Vorschrift brauche 8. Auf dieser Bahn der Ehre erhalte meinen Gang durch dei- 3. Es ist das mir geschenkte nes Sohnes Lehre mein ganzes Gut vergänglich wie die Erde. Leben lang: so werd ich bei Hilf, daß ich nie zum UleberVerständigen das Glück des gu- muth dadurch verleitet werde! ten Namens mir ganz gesichert sehn. 292 Nie reiße irdischer Gewinn mein Herz so weit zum Eitlen hin, daß ich mein Heil vergesse. Chriftliches Verhalten in Absicht auf zeitliche Güter. 9. In diesem Glück zu stehen, ist meines Wunsches werth; mein eignes Wohlergehen wird 4. Was hülfe mir die ganze Welt mit allen ihren Schätzen! sehr dadurch gemehrt; und wenn Verführt mich zeitlich Gut und man ehrenwerth mich hält, dien Geld, sorglos hintan zu ſehen, ich in größerm Segen auch An- was meiner Seelen Heil be dern in der Welt. gehrt und mir ein ewig Glüd 10. Nun, Herr, gieb mir die gewährt, wie strafbar würd ich Gnade, mich dieses Glücks zu handeln! freun; leit mich auf rechtem 5. Mein größtes Trachten sei Pfade, allhier ein Mensch zu allhier nach deines Reiches Gasein, den einst die Ehrenfrone ben, so werd ich reich genug schmückt, die deine frommen in dir die besten Güter haben. Diener in jener Welt beglückt. Dann wird beim Fleiße lebens lang mir Kleidung nie, mie Speis und Trank durch deinen Segen fehlen. Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. 6. Den Geiz laß ferne von mir sein, die Quelle alles Bo sen. Von Unruh und Gewissens 410. Herr laß mich stets ge- pein kann Reichthum nicht er wissenhaft mein Erdengut ver- lösen. Er nüßt in Todesstunden walten. Gieb selbst mir Weis- nichts, und nichts am Tage heit, gieb mir Kraft, damit so des Gerichts, da schüßt er keine hauszuhalten, wie es mir nüßt Sünder. und dir gefällt, damit ich nicht 7. Laß mich in weiser Sparin jener Welt an ewgen Gü- samkeit die Güter nie verschwen tern darbe. den, die du mir gabst in dieser Christl. Verhalten in Absicht auf zeitl. Güter. 293 Zeit, fie nüglich anzuwenden!| winnt, bald prassend es verGieb mir die Klugheit, daß ich zehrt, bald geizig es bewacht, hier dadurch dem Nächsten, so und bald mit Fluch vermehrt. wie mir, des Lebens Müh erleichtre. 8. Es kommt ein Tag der Rechenschaft; das laß mich stets bedenken, und mein Gemüth gewissenhaft zu ernfter Sorgfalt lenken, also die Güter dieser Zeit zu nüßen, daß ich einst er freut noch Segen davon ernte. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 411. Laß mich nic, o mein Gott, den Schäßen dieser Erden jo meine Seele weihn, daß sie mein Abgott werden. Oft fehlt beim Ueberfluß doch die Zufriedenheit. Und was ist ohne fie des Lebens Herrlichkeit? 2. Kann ein vergänglich auch unsre Wünsche stillen; es steht ja sein Besitz nicht stets in unserm Willen. Oft wird's nicht dem zu Theil, der ängstlich darnach ringt, und schnell verliert's oft der, dem der Be5. Ein weises, frommes Herz, das sei mein Glück auf Erden. Sonst Alles, nur nicht dies, kann mir entriffen werden. Dies bleibt im Tod auch mein, dies folgt mir aus der Zeit zum seligsten Gewinn bis in die Ewigkeit. 6. Was sind, wenn dieses fehlt, die größesten Vergnügen? Nur süße Träume sind's, die Drum lente, Gott, den Wunsch vom irdischen Gewinn durch deines Geistes Kraft zu ewgen Gütern hin. Mel. Mir nach, spricht Christus 2c. 412. Wohl dem, der beſſre Schäße liebt, als Schäße dieser Erden! Wohl dem, der sich mit Eifer übt, an Tugend reich zu werden, und in dem Glauben, daß er lebt, sich über Zeit und Welt erhebt.. is gelingt. 3. Ein Gut, das unsern Geist 2. Gott, du verwehrst es uns wahrhaftig soll beglücken, muß zwar nicht, hier Güter zu benicht vergänglich sein und für sizen. Du gabst sie uns, und den Geist sich schicken. Der Thor auch die Pflicht, mit Weisheit hat Geld und Gut; er hat's sie zu nützen. Sie dürfen unser und wünscht noch mehr, und Herz erfreun und unsers Fleidabei bleibt sein Herz von wah-| ßes Antrieb sein. ter Ruhe leer. 3. Doch nach den Gütern 4. Gott, so wehre doch den dieser Zeit mit ganzer Seele ungerechten Trieben und heilige schmachten, nicht erst nach der mein Herz, nie sclavisch das zu Gerechtigkeit und deinem Reiche lieben, was man mit Müh ge=' trachten; das ist, o Herr, nicht 294 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. der Beruf, dazu uns deine Liebe| der Tugend größter Feind er schuf. kauft an dir sich einen Freund. 4. Der Geiz erniedrigt unser 10. Gewinnsucht raubt di Herz, erstickt die edlern Triebe. Muth und Geist, die Wahrheit Die Liebe für ein schimmernd frei zu lehren; du schweigt Erz verdrängt der Tugend Liebe, wenn sie dich reden heißt, ehr und machet der Vernunft zum Spott ein nichtig Gold zu deinem Gott. wo du nicht sollst ehren, un wirst um Reichthum, Gut un Geld ein Schmeichler und die Pest der Welt. 5. Der Geiz, so viel er an sich reißt, läßt doch kein Gut 11. O Gott, erhalte mich da genießen; er quält duch Hab- bei, daß ich mir gnügen laffe, sucht deinen Geist und tödtet entfernt von niedrer Habjucht dein Gewissen. Er reißt durch sei, den Geiz als Sünde hasse. schmeichelnden Gewinn dich Ein weises Herz, ein froher blind zu jedem Frevel hin. Muth sei meines Lebens höch6. Um wenig Vortheil wird stes Gut! er schon aus dir mit meineid sprechen; dich zwingen, der Arbeiter Lohn unmenschlich abzu= brechen; er wird in dir der mel. Es ist gewißlich an der Zeit Genügsamkeit. Waisen Flehn, der Wittwen 413. Ach, treuer Gott, is Thränen widerstehn. ich ich stark, so kann ich bald den Aufruhr in mir dämpfen. 7. Nie kann ein Herz, vom ruf zu dir, mir Gnade zu Geize hart, des Wohlthuns gewähren, daß Geiz und Sor Freuden schmecken und in des gen nie in mir den Seelenfrie Unglücks Gegenwart den Ruf den stören. Gieb, daß ich an zur Hülf entdecken. Und wo ist dein Wort mich halt: so werd eines Standes Pflicht, die nicht der Geiz entehrt und bricht? 8. Du bist ein Vater, und 2. Du, der dem Vieh sein aus Geiz entziehst du dich den Futter schafft, du solltest gute Kindern, und läsfest dich des Gaben uns nicht verleihn; durch Goldes Reiz, ihr Herz zu bil- deine Kraft nicht auch uns Menden, hindern; und glaubst, du schen laben? Du, der das Feld habst sie wohl bedacht, wenn mit Blumen ziert, du solltest du sie reich und groß gemacht. nicht, was uns gebührt, an 9. Du hast ein richterliches Kleidung gerne geben? Amt, und du wirst dich er- 3. Der Ueberfluß beglückt noch frechen, die Sache, die das nicht. Wenn nur bei unſer Recht verdammt, aus Habsucht Fleiße uns unsre Nothdurft nic recht zu sprechen; und selbst gebricht an Kleidung, Trant Geduld und getrofter Muth im Leiden. 295 und Speise, das ist genug zu auf diese Welt, und müssen sie, unserm Wohl; ob Mehreres wenn's Gott gefällt, mit ihrem uns werden soll und nüßt, weiß Gut verlassen. Gott am besten. 9. Herr, was mir hier von 4. Wer wenig hat und hat's nöthen thut, mich redlich zu mit Recht und braucht's nach ernähren, das wollst du mir Gottes Willen, was ist, das an Hab und Gut bei meinem dem noch fehlen möcht, sein Fleiß gewähren, daß ich und Herz vor Gott zu stillen? Sein mein Geschlecht nach mir nicht Weniges wird mehr gedeihn etwa unser Brod noch hier beund im Genuß ihn mehr erfreun, tümmert suchen müsſen. als was der Geiz erpreſset. 5. Der Reichthum trügt oft, 10. Mein Geist kann seine wahre Ruh im Zeitlichen nicht eh man's meint, schon hier in finden; was ich da habe, wünſch diesem Leben, und kann, wenn und thu, wird doch im Tode nun der Tod erscheint, nicht schwinden. Unsterblich ist mein Trost und Ruhe geben. Denn Geist; es muß unsterblich sein, Geld und Gut vertritt uns was im Genuß mich völlig soll nicht vor Gottes ewigen Gericht bei Sünden dieses Lebens. vergnügen. 11. Mir ist nichts auf der Welt bewußt, das solche Ruh 6. O wohl dem, der sein kann geben; die Welt vergeht, Herz erhebt zum Himmel von und ihre Luft verſüßt kaum dieder Erde, und hier mit regem ses Leben: drum soll mein Herz Eifer strebt, daß dort sein Lohn fich nicht darauf, vielmehr soll groß werde; der, so wie Gott ihn und ſein Haus geſegnet, ich's zu Gott hinauf und seiner Gnade richten. wieder theilet aus mit mildem, frohem Herzen. 12. O höchstes Gut, sei hier und dort mir Reichthum, Lust 7. Er zeiget, daß er willig und Ehre! Gieb, daß in mir jei, auch Andre zu ergößen; er sich fort und fort die Liebe zu streuet aus und wird dabei dir mehre, daß ich dich stets auch reich an wahren Schäßen; die gehen niemals auf im Rauch bis und sind daneben sicher auch verleugne. vor Raub, vor Rost und Motten.| vor Augen hab und dir ergeben an's Grab, was sündlich ist, 13. Hilf, daß ich fleißig blicke 8. Das ist der sicherste Ge- hier nach meiner Wohnung winn, der keinen je betrüget, oben, wo ich werd ewig sein bei wenn man mit kindlich from- dir, dich schauen und dich loben: mem Sinn Gott traut und sich so wird mein Herz zufrieden begnüget. Bloß kommen wir sein, and findet, Gott, in dir 296 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. allein die wahre Ruh und gen fehlt's dir, Allweiser, nicht Freude. was du uns schickt, ist Segen; 14. Hierzu gieb mir von dein Rath ist Recht und Light deinem Thron, o Vater, Gnad Dein Werk fann Niemand hin und Stärte! Gieb, daß mein dern, es bleibt dabei beruh Glaube, Gottes Sohn, stets wenn du, was deinen Kinde thätig sei im Werke. O Heil- ersprießlich ist, willst thun. ger Geist, steh du mir bei, daß mein Begehren dies nur sei: Gott über Alles lieben. um 5. Ob aller Welten Kräft ihm wollten widerstehn: jonst!- des Herrn Geschäft wird ungestört fortgehn. Was er sich vorgenommen und wa er haben will, das muß unfehl den Leiden und Anvollkommen- bar kommen zu dem bestimm ten Ziel. Geduld und getroster Muth bei heiten dieses Lebens. Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c. Seele, hoff und sei unverzagt 6. Drum hoff, bedrängtt 414. Befiehl du deine Wege Gott weiß es, was dich quale, und Alles, was dich fränkt, der den Kummer, der dich nagt. G treuen Vaterpflege deß, der den wird dich ihm entrüden. Gr Weltkreis lenkt. Der Wolten, warte nur die Zeit, bis dig Luft und Winden giebt Wege, mit holden Blicken sein Ange Lauf und Bahn, wird für dich sicht erfreut. Wege finden, wo es der Mensch nicht fann. 2. Dem Herrn mußt du vertrauen, soll es dir wohl ergehn. Auf sein Werk mußt du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen, mit selbstgemachter Pein läßt 8. Jhn, Seele, ihn laß wal Gott sich das nicht nehmen, ten, er ist ein weiser Fürst; was er uns soll verleihn. wird dich aufrecht halten, daß 7. Auf, wehre deinen Schmet zen, entflieh der Trauernacht. Laß fahren, was dem Herzen unnütze Sorgen macht. Bi du doch nicht Regente, der Alles führen soll; Gott fizt am Regimente und ordnet Alles wohl. er 3. Dein Auge, Gott der du dich wundern wirst, wenn Gnade, erkennt allein und sieht, er, wie ihm gebühret, mit gna was gut sei oder schade; wählt denvollem Rath das Alles aus jenes voller Güt. Und was du geführet, was dich bekümmert ausersehen, dein Rath für's hat. fällt. Beste hält, muß kommen und 9. Sollt seine Hand auch geschehen, so wie es dir ge- weilen und nicht nach deinem Sinn die Hülfe gleich ertheilen, 4. An Mitteln und an We- so wirf den Muth nicht hin; 297 Geduld und getroster Muth im Leiden. harr und bleib ihm ergeben ,, Huld. Zu wahrer Ruhe führet du wirst nicht für und für be- die Reu, die Gott gefällt; allein drängt und hülflos leben; Gott den Tod gebieret die Traurigkommt und zeigt sich dir. keit der Welt. 10. Er wird dir Hülfe sen- 3. Trau Gott, nicht deinen den, wenn du ihm treu ver- Schlüssen, die Wahl des Besten bleibst; er wird dein Leiden zu. Sollt er denn nicht mehr wenden, noch ehe du es gläubst; wissen und übersehn, als du? der Herr wird dich erlösen, Er weiß ja, was dir fehlet, in entladen von der Laft, die du, jedem Augenblick, und was er und nicht zum Bösen, bisher ge- für dich wählet, gereicht zu deitragen hast. nem Glück. 11. Wohl dir, wohl deiner Treue! Sie trägt den Sieg davon. Sieh muthig auf und freue dich über ihren Lohn; Gott schmückt mit Siegespalmen gewiß noch deine Hand, und du singst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt. 4. Gott zählt der Frommen Zähren, er wird, was gut ist, gern, auch deinen Wunsch ge= währen; sei stille vor dem Herrn. Er ist ein Schutz der Frommen, hoff unverzagt auf ihn; denn seine Zeit wird kommen und deine Wohlfahrt blühn. 12. Der du zum besten Ende stets lentft der Deinen Noth, reich uns die Vaterhände im Leben und im Tod. Laß deiner treuen Pflege uns stets empfohlen sein, so gehen unsre Wege, gewiß zum Himmel ein. 5. Ergieb dich ihm mit Freuden, sei start in seiner Kraft. Sei auch zur Zeit der Leiden ein Christ und tugendhaft. Und dann ergreif im Glauben den Trost der Ewigkeit! Wer kann dir diesen rauben, welch Leiden dieser Zeit? Mel. Herzlich thut mich verlangen 20. gieret, fein Rath iſt wunder6. Sei froh; dein Gott re415. Christ, Alles, was dich dar. Einst wirst du überführet, tränket, befiehl getrost dem daß er der beste war. Du denHerrn. Er, der den Weltkreis test wohl indessen: der Herr lentet, ist auch von dir nicht erbarmt sich nicht, der Herr Erwach aus deinem hat mein vergessen: Doch höre, Schlummer, zu Gott erhebe dich! was er spricht: Er fiehet deinen Kummer und liebt noch väterlich. fern. 7. Ist auch der Mütter 2. Sind's Sünden, die dich eine, die ihres Sohns vergißt?" Denk an dies Wort, und 0 schmerzen, dann fühle deine weine die Freudenthrän, Schuld, fleh mit gebeugtem Chrift-„ und könnt ſie ihn Herzen zu Gott um Gnad und vergessen, will ich doch deiner - 298 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. nicht, nicht deines Flehns ver-| zum Himmel uns erwählt, wei gessen! Der Herr ist's, der es wohl, was uns hienieden fehlt spricht! 4. Er kennt die wahren Freu 8. Mit ruhigem Gemüthe denstunden, weiß, wann un verlaß auf ihn dich fest; bedenk, Freude nützlich sei; und wen daß seine Güte dich, sein Kind, er uns bewährt erfunden, de nicht verläßt. Er wird nach müthig, ohne Heuchelei: fo kurzer Weile dich desto mehr kommt Gott, eh wir's uns vererfreun, zu deinem größern sehn, und lässet uns viel Guts Heile verzeucht er: harre sein! geschehn. 9. Wohl dir alsdann, du 5. Denk nicht in deiner TrübTreuer, wie groß ist einst dein sal Hizze, daß du von Gott Lohn! Dein Retter, dein Be- verlassen seist, daß der mut freier reicht dir die Siegestron: Gott im Schoße size, dem fid auf kurze Prüfungstage folgt das Glück geneigt erweist. Die Ruhe, Preis und Dank; dann Zukunft ändert oft sehr viel, schweiget jede Klage und wird und Glück und Leiden hat ſein ein Labgesang. Ziel. 416. Wer nur den lieben Gott läßt walten und still erwartet seine Zeit, der wird gewiß von ihm erhalten, was unterthan, der bald erhöhn, bald ewig nützet und erfreut; wer stürzen kann. 6. Was sind vor Gott det Menschen Sachen? Sein starReichen klein und arm zu ma ker Arm vermag sogleich die chen, den Armen aber groß und reich. Ihm, ihm ist Alles Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut. 7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verrichte deine 2. Was helfen uns die schwe- Himmels reichem Segen: jo Pflicht getreu, und trau des ren Sorgen? Was hilft uns wird er bei dir werden ne unser Weh und Ach? Was Denn wer nur seine Zuversicht auf Gott setzt, den verläßt er hilft's, vom Abend bis zum Morgen nur seufzen über Un- nicht. gemach? Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch mel. Was mein Gott will, gescheh 2. die Traurigkeit. 3. Man sei in frommer Ehr- 417. Ich hab in Gottes Herz furcht stille, sei Gott ergeben und Sinn mein Herz und Sim und vergnügt mit dem, was ergeben. Was widrig scheint, sein liebreicher Wille, sein ewig wird mir Gewinn; der Tod weiser Rath verfügt. Er, der selbst wird mein Leben. Ich Geduld und getroster Muth, im Leiden. 299 bin değ Sohn, der seinen Thron Blut begehret, es sei mit allzu in himmel aufgeschlagen. Was großer Last dein Leben hier beder auflegt, der Alles trägt, wird schweret; sorgst spät und früh, mit auch leicht zu tragen. machst dir viel Müh, zu ändern 2. Mir sagt mein Gott er- dein Geschicke, und denkest nicht, genes Herz: er werd als Kind daß, was geschicht, gescheh zu mich lieben; belegt er mich mit deinem Glüce. kreuz und Schmerz, so will 7. Fürwahr, der dich gemich nur üben und mein schaffen hat, mit Leben dich beBemüth nach seiner Güt ver- jeelet, der hat schon längst in toeln selbst durch Leiden; den feinem Rath ersehen und geBrüfungsstand macht seine Hand wählet mit Batertreu, was dienlich sei dir und den Deinen. allen; o laß nur ihn thun fernerhin nach seinem Wohlgefallen! Quelle höhrer Freuden. 3. Ich bin ja von mir selber nicht in's Leben eingeführet; Bott ift es, der mich an das Sit geleitet, und gezieret mit Beift und Witz, und seinen ben sein, so wird er dich er= 8. Wirst du nur Gott ergeBig, den Leib, so schön ge= freuen; was du jetzt nenneſt müdet. Der dieses that, ge- Kreuz und Pein, wird dir zum der hat ein Herz, das gern Heil gedeihen. Wart in Geduld! 4. Wie könnt ich meinen Un- wird sich finden; die Noth und Des Vaters Huld und Hülfe halt auf dieser Welt erlan- Qual wird auf einmal gleich gen? Das Grab wär längst einem Nebel schwinden. ein Aufenthalt, wenn mich Bott nicht umfangen mit ſeibeglücket. 9. Das Feld würd ohne Un=. em Arm, der Alles warm, ge- gestüm so reiche Frucht nicht und und fröhlich machet. Was tragen; so auch der Mensch nicht hält, das sinkt und nicht, wär bei ihm kein Wechsel allt; was er erfreut, das lachet. in den Tagen. Wie Arzenein, 5. Bei ihm ist Weisheit und die Kranke scheun, am meiſten als wir oft verfangen, so muß durch Menschen faffen; er hat von Schmerz des Menschen Herz zu Ewigkeit erkannt, was er will seinem Heil gelangen. Serstand mehr, 10. So übergeb ich mich denn men laffen; er weiß, wann freud, er weiß, wann Leid uns, dir, mein Gott, in deine Hände; men Kindern, diene; und was nimm mich und mach es so mit et thut, ist alles gut, ob's noch mir bis an mein letztes Ende, o widrig schiene. wie du wohl weißt, daß mei6. Du denkst oft, wenn du nem Geist dadurch sein Heil Das nicht haft, was Fleisch und entstehe, und deine Ehr sich mehr 300 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. und mehr in ihrem Glanz er-| Vater, deine Güte ist alle Mor höhe. gen neu. Seh ich nur stets auf dich, wird mir die Arbeit füße, in der ich Schweiß vergieße; du unterstüßest mich. 11. Willst du mir geben Sonnenschein, so nehm ich's an mit Freuden; soll's aber Schmerz und Trübsal sein, will ich's ge= 4. Du gabst mir aus Er duldig leiden. Willst du auch barmen den Sohn, der für mich mir mehr Tage hier und hohe starb, und großmuthsvoll mit Jahre geben, so fleh ich dich, Armen dein Kindschaftsrecht er Gott, laß sie mich zu meinem warb. Ja du, Gott, du bist Heil durchleben. mein, drum tann ich Hoffnung faffen, du wirst mich nie verlassen, nein, stets mein Helfer 12. Vielleicht ist jener Tag nicht weit, auf den dein Wort mich weiset; Gott mache meinen sein. Geist bereit, daß er dich dann auch preiset! Du bist mein Hirt, der Alles wird zu solchem Ende kehren, daß ich dich dort am Freudenort anbetend werde ehren. 5. Drum will ich an dich denten, so lang ich denken kann. Den Leib wird man versenten dann geht der Zeitpunkt an, wo sich mein Geist ergießt in ewge Freudenlieder; da seh ich niemals wieder, was hier von Kummer ist. Mel. Aus meines Herzens Grunde zc. 418. An dich, mein Gott, gedenken, ist Pflicht und Trost 419. Auf meinen lieben Gott für mich. Wenn Sorg und trau ich in Angst und Noth; Gram mich fränken, so sieht die ihn um Rettung flehten, mein Aug auf dich; dann min- verließ er nie in Nöthen; et dert sich mein Schmerz; dann kann mein Leiden wenden, es fliehn die bangen Sorgen wie steht in seinen Händen. Nebel vor dem Morgen, und Ruh erfüllt mein Herz. 2. Die Sünde droht Gericht; doch droht fie's denen nicht, die 2. Denk ich an deine Liebe, sie nun fliehn und bauen auf wie werd ich dann erfreut! Christum ihr Vertrauen; ihm Wenn Alles um mich trübe und will ich mich ergeben; so werd mir ein Wetter dräut, sie ist ich Sünder leben. mein Sonnenschein. Mich können 3. Ob mich der Tod nimmt keine Leiden von deiner Liebe hin, ist Sterben mein Gewinn: scheiden, fo groß sie immer denn Christus ist mein Leben, dem hab ich mich ergeben; i ſein. 3. Mit fröhlichem Gemüthe sterb heut oder morgen, er wird denk ich an deine Treu; denn, mein Wohl besorgen. Geduld und getroster Muth im Leiden. 301 4. Mein Mittler, Jesu Christ, mich ergeben in Freud und der du aus Liebe bist für mich Leid; es kommt die Zeit, da am Kreuz gestorben, das Heil, öffentlich erscheinet, wie treulich das du erworben, laß mich auch er es meinet. hier erquicken und einst im Tod erbliden. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan; will er mir Leiden senden, ich nehme das gelassen an, was kommt aus seinen Händen, weil er zuletzt mich doch ergößt mit süßem Trost im Herzen und wegnimmt meine Schmerzen. 5. 3ch fleh zu aller Stund zu dir mit Herz und Mund, du wollest so mich leiten, Herr Chrift, zu allen Zeiten, daß ich bort deinen Namen mög ewig preisen. Amen! 6. Was Gott thut, das ist darauf will ich fest 420. Was Gott thut, das bauen, und, wenn er winti, die Todesbahn betreten ohne Grauen. Auch da wird mich Gott väterlich in seinen Armen halten, drum laß ich ihn nur walten. it wohlgethan, es bleibt geteht sein Wille. Wie er fängt meine Sachen an, erwart ich in der Stille. Er ist mein Gott, er in der Noth mich wohlweiß erhalten, drum laß ich ihn nur walten. 2. Was Gott Mel. In dich hab ich gehoffet zc. ist wohlgethan: sein Wort kann 421. Sei, Seele, stark und mich nicht trügen. Ist mühsam unverzagt, wenn irgend dich auch die Pilgerbahn, so laß ich ein Kummer plagt; befiehl Gott genügen an seiner Huld deine Sachen. In aller Pein und hab Geduld; er kann das vertrau allein auf ihn, er wird's Seid bald enden, es steht in wohl machen. mir Einen Händen. 2. Rein Leiden kommt von 3. Was Gott thut, das ist ungefähr; die Hand des Höchohlgethan; er wird mich wohl sten schickt es her; sein Rath benten, zu dem, was meine hat's so ersehen! Drum sei nur kraft nicht tann, mir Licht und still; was dein Gott will, laß Atajte schenken; ja, seine Treu immer gern geschehen. it täglich neu, drum will ich| ihn bauen und seiner Güte Leiden Pein, soll's doch zu dei= 3. Erweckt dir gleich das trauert. 4. Was Gott thut, das ist Kind nicht hassen. Wer ihn nur nem Besten sein. Gott kann sein wohlgethan; er ist mein Licht liebt, sich ihm ergiebt, den wird und Leben, der mir nichts Bö- er nicht verlassen. jes gönnen kann; ihm will ich 4. Wie lange währt der From 302 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. men Leid? Nicht ewig, Herr, mein Flehen! Du bist der Gott nur kurze Zeit. Nach überstand- noch, der schon oft bei meinem nem Leide erquickest du ihr Leiden unverhofft mit deinem Herz mit Ruh, und einst mit Trost erschienen. ewger Freude. 2. Du bist der Gott nod 5. Drum hab, o Seele, gu- dessen Macht Egyptens Fürsten ten Muth, vertraue Gott! Es schreckte; der aus des Todes wird noch gut nach aller Trüb- öder Nacht den Lazarus erwedte. sal werden. Er ziehet dich durch's Herr, hilf mir! Ja, ein himm Kreuz zu sich, zum Himmel von lisch Licht, das in die dunkle der Erden. Seele bricht, verheißt mir deine Hülfe. 6. Gott ist dein Gott; er ist getreu und stehet dir als Vater bei in allem Kreuz auf Erden. Der Leiden Heer wird nie zu schwer durch ihn dem Christen werden. 3. Mit deinem Trost erquid du mich, wenn mir ein Leid begegnet. Herr, nimmermehr ver laß ich dich, bis daß du mich gesegnet. Ich glaube, was dein 7. Es haben ja zu aller Zeit Mund verspricht: Ich bin dein die Heiligen in Traurigkeit hier Schuß, dein Trost, dein Licht; oftmals wandeln müssen. War- geh hin, mein Sohn, in um willst du hier nur von Frieden! Ruh und nichts von Trübfal wissen? 8. bet und sich auf dei= 423. Sh bin Gottes; Gott Mel. Christus, der uns selig. nen Gott in aller deiner Angst und Noth! Laß, wie er will, ist mein; was kann uns denn es gehen. Sein Rath ist gut; scheiden? Dringt nun gleich das behalte Muth; Gott wird dich Kreuz herein und das bitte einst erhöhen. Leiden: laß es kommen, kommt 9. Der du ein Gott des Tro- es doch von des Vaters Hän stes bist! Laß Jeden, der hier den; er kann's bald, und eh ich's traurig ist, doch deinen Troft noch meine, wieder wenden. empfinden. Hilf, den du liebst 2. Kindern, die ein Vater und prüfend übst, den Unmuth soll wohl erziehn und pflegen, muß er oft zu ihrem Wohl was sie scheun, auflegen. Bin ich denn nun Gottes Kind, warum will ich fliehen, wenn er mich 422. Sch hoff auf teine Hülfe von meiner Sünd will zur überwinden. Mel. Sei Lob und Ehr dem 2c. mehr, Herr, als von deinen Tugend ziehen? Höhen. Find ich bei Menschen 3. Väterlich ist's stets gemeint, kein Gehör, Gott, höre doch was dir Gott auch schicket. Selbst Geduld und getroster Muth im Leiden. 303 das, was dir widrig scheint, genug zu loben in meiner Unit's, was dich beglücket. Lust vollkommenheit, aus denen ich gewährt dir einst die Last, und doch schließen kann: was Gott die bängsten Leiden, die du still thut, das sei wohlgethan! getragen haft mehren deine Freuden. 4. Aus Güte sendet er mir Freuden, daß ich ihn lieb ge4. Gottes Kinder säen zwar winnen soll; aus gleicher Huld oft hier aus mit Thränen; aber schickt er mir Leiden, wenn's endlich kommt das Jahr, wo- nöthig ist zu meinem Wohl. nach sie sich sehnen; endlich Das Leid macht meines Herzens ommt die frohe Zeit, wo nach Grund und Gottes Liebe mir weren Plagen sie im Glanz recht kund. der Ewigkeit Freudenkränze tragen. 5. Damit sich nun mein Herz recht schicke zur wahren Gott= 5. Danke Gott, mein traurend gelassenheit, so wünsch ich mir Derz, selbst auch unter Schmer- im Leid und Glücke Geduld und jen; blick empor, schau himmel- Demuth jederzeit. Ich dulde still warts, stärt in deinem Herzen das bängste Weh, wenn ich bei Lieb und Hoffnung mehr und Gott in Gnaden steh. mehr; fing dem großen Namen deines Gottes Preis und Ehr: er wird helfen. Amen! 425. Warum sollt ich mich doch Mel. Wer nur den lieben Gott zc. denn grämen? Hab ich Christum noch, wer will mir Wer will mir den 24. Gott weiß es Alles Himmel rauben, den mir ſchon 2. Nichts bracht ich in dieses Ich Leben, und doch hat Gottes Gnad, was mir noth, gegeben. Weltgut ist mir nur geliehen, und ich werd mich der Erd wohl zu machen, und was er Gottes Sohn beigelegt im ut, ist wohlgethan. Ihm nur Glauben? empfehl ich meine Sachen, und ete ihn in Demuth an. in bei seiner Fügung still, bei Allem ruhig, was er will. 2. Kann doch kein Unfall mir begegnen, der meinem Gott wieder arm entziehen. erborgen sei; auch kann mich Themand anders segnen, als und Leben ist nicht mein; Gott meines Gottes Vatertreu; ihn allein hat es mir gegeben. Forhebt, ihn lobet stets mein Herz, dert er's von mir nun wieder, er sende Freuden oder Schmerz. er nehm's hin; doch mein Sinn 3. Jch zähle ja schon tausend weiht ihm fromme Lieder. Proben von meines Vaters Butigkeit, die ich nicht weiß zu tragen, dringt herein Schmerz 3. Gut und Blut, Leib, Seel 4. Schickt er mir ein Kreuz 304 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. und Pein: sollt ich drum ver-| aller Freuden, du bist mein, ich zagen? Der es schickt, der wird bin dein; Niemand kann uns es wenden, er weiß wohl, wie scheiden. Dein bin ich, weil er soll all mein Leiden enden. du dein Leben und dein Blut 5. Gott hat mich in guten mir zu gut in den Tod ge Tagen oft ergött; sollt ich jetzt geben. nicht auch etwas tragen? Oer züchtigt mit Verschonen, und will nicht im Gericht nach Verdienst mir lohnen. 12. Du bist mein, weil ic dich fasse, und dich nicht, o mein Licht, aus dem Herzen lasse. Laß mich einst dahin gelangen, wo du mich und ich dich ewig werd umfangen. 6. Satan, Welt und ihre Rotten können mir nichts mehr hier thun, als meiner spotten. Laß sie spotten, laß sie lachen! Gott, mein Heil, wird in Eil Mel. Was Gott thut, das ist*. sie zu Schanden machen. 426. Jch weiß, daß daž, 7. Unverzagt und ohne was mir geschieht, zu meinem Grauen soll ein Christ, wo er Heile diene. Gut ist, was mit ist, seinem Gott vertrauen. Wollt mein Gott beschied, wenn's no ihn auch der Tod aufreiben, so widrig schiene. Allweisheit soll der Muth dennoch gut, fest ist, was Gott beschließt; All und standhaft bleiben. weisheit, Liebe, Gnade find alle 8. Kann uns doch der Tod seine Pfade. nicht tödten; nein er reißt un2. Schon hat, seit Erd und sern Geist aus viel tausend Himmel stehn, sein Regiment Nöthen; endigt selbst die schwer- gewähret; und niemals hat sten Leiden, führt uns dann noch ein Versehn sein Regi himmelan, hin zum Ort der Freyden. ment entehret. Nein, was e thut, ist Alles gut, gereicht seiner Ehre, wenn's noch 10 dunkel wäre. 9. Dort kann ich an bessern Schäßen nun mein Herz nach dem Schmerz ewiglich ergößen. 3. Uns herbe zwar, doch reich Hier ist kein recht Glück zu fin- an Frucht, find Gottes Züchti den; was die Welt in sich hält, gungen; oft ist, was Gut um muß wie Rauch verschwinden, sonst versucht, durch Leiden ihm 10. Was sind dieses Lebens gelungen. Des Kreuzes Schmerz Güter? Eine Hand voller Sand, erweicht das Herz, erwedt und Kummer der Gemüther. Dort, stärkt die Triebe der Demuth dort sind die edlen Gaben, da mein Hirt, Christus, wird mich und der Liebe. ohn Ende laben. 4. Ich weiß, was auch für Elend dräut, daß der doch mei11. Herr, mein Hirt, Brunn[ ner schone, der mich zu seiner Geduld und getroster Muth im Leiden. 305 Herrlichkeit berief in seinem| Trägen klagen; sind Haß und Sohne. Ach, sollte der, der Pein, die Stolz und Wollust mich so sehr in Jesu wollen lie- tragen; des Schwelgers Schmerz, ben, mich ohne Maß betrüben? des Neids vermißte Freuden 5. Gott, führe mich denn, christliche Leiden? wie du willst; dir bin ich übergeben. Wenn du dich schon in Dunkel hüllst, will ich nicht bange beben. So wunderbar der Weg auch war, den mich dein Rath geführet, wohl hast du mich geführet! 6. Oft schien der Weg, der mir gefiel, viel besser; doch ich inte. Denn endlich führte mich um Ziel, was erst den Geist verwirrte. Drum faß ich Muth, es ist mir gut, auf rauhen Wegen gehen, kann ich's gleich nicht verstehen. 5. Ist deren Qual, die deinen Rath verachtet, nach Gottesfurcht und Glauben nie getrachtet, und die sich jetzt in finstrer Schwermuth quälen, Prüfung der Seelen? Strafen unsrer Sünden läßt 6. Doch selbst, o Herr, in du den Weg zu unserm Heil uns finden, wenn wir uns sie, die Missethat zu hassen, erwecken lassen. den im Gewissen, wird Alles 7. Bewahr ich nur den Friemir zum Besten dienen müssen. Du, Herr, regierst, dein väter= Mel Herzliebster Jesu, was hast zc. licher Wille wirkt Guts die Fülle. 427. Cin Herz, o Gott, in das 8. Ich bin ein Gast und PilSeid und Kreuz geduldig, bin ich dir und meinem Heile ger auf der Erden; nicht hier, die wir so oft vergessen, täglich werden; und was sind gegen huldig. Laß mich die Pflicht, erst dort soll ich ganz glücklich euch, ihr ewgen Freuden, zeittrmejen. 2. Bin ich nicht Staub, wie liche Leiden? alle meine Väter? Bin ich, Herr, 9. Wenn ich nur nicht mein nicht vor dir ein Uebertreter? Elend selbst verschulde; wenn Thu ich zu viel, wenn ich die ich, als Mensch, als Christ, wie weren Tage standhaft er-/ Gott will, dulde, so kann auch trage? ich der Hülfe der Erlösten sicher 3. Wie oft, o Gott, wenn wir mich trösten. das Böse dulden, erdulden wir 10. Jch bin ein Mensch, und ut unfrer Thorheit Schulden, Leiden müssen kränten; doch in and nennen Lohn, den wir ver- der Noth an seinen Schöpfer bient befommen, ein Kreuz der denken und ihm vertraun, das stärket unsre Herzen mitten in rommen. 4.3ft Dürftigkeit, in der die Schmerzen. Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. 20 306 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 11. Schau über dich! Wer Plage, o Gott, auf mein Gebet trägt der Himmel Heere? Merk den Muth, daß ich gelassen sie auf! Wer spricht: Bis hieher ertrage, und machst zuletzt doch zu dem Meere? Ist er nicht Alles gut. Auf Kummer folgt auch dein Helfer und Berather, zufriedner Dant, ewig dein Vater? auf Klagen - froher Lobgesang. 12. Willst du so viel als der Allweise wissen? jetzt weißt du nicht, warum du leiden müssen; allein du wirst, was seine Wege waren, nachmals erfahren. 4. 3u sichern, ungestörten Freuden schickt sich gewiß fein Prüfungsstand. Mit Hoffnung und Geduld im Leiden wird man durch Noth erst recht be 13. Er züchtigt uns, daß wir kannt, Vollkommne Ruh und uns zu ihm nahen, die Heiligung Sicherheit ist nur ein Glück der des Geistes zu empfahen, und Ewigkeit. mit dem Trost der Hülfe, die wir merken, auch Andre stärken. 5. Was bist du denn, o meine Seele, in deiner Noth so kum14. Das Kreuz vom Herrn mervoll? Vertraue Gott: nut wirkt Weisheit und Erfahrung; ihn erwähle zu deinem Trost; e Erfahrung giebt dem Glauben schüßt dein Wohl. Einst dankst Muth und Nahrung. Ein star- du ihm nach der Gefahr, das tes Herz steht in der Noth noch feste, hofft stets das Beste! er dein Gott und Retter wat Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 6. Er wird es sein; ruf in Gefahren ihn als den einzgen Helfer an. Er weiß dich mäch428. Was ist mein Leben Niemand helfen kann, fehlt ihm tig zu bewahren; und da, wo auf der Erde? Ein Wechsel ist's die Kraft zum Helfen nicht. von Lust und Leid. Hier stört Dies stärke deine Zuversicht. oft Unruh und Beschwerde die 7. Befiehl ihm alle deine glücklichste Zufriedenheit. Hier Wege, und hoffe auf ihn allezeit. wohn ich noch in einer Welt, Auch auf dem allerrauhsten Stege die fein vollkommnes Glück ent- fich fröhlich hin zur Ewigkeit; hält. da wirst du frei von aller 2. Weß soll ich mich, o Herr, Bein, ganz selig, ganz zufrieden nun trösten? Nur deiner Huld; sein. du bist mein Heil und bleibst, 8. sieh dahin zu allen wenn auch die Noth am größten, Zeiten, in eigner und bei Andoch meines Herzens Trost und drer Noth, und wenn im Glüd Theil, und stehst nach deiner dir auch von weitem ein finfires Vatertreu mir stets mit Rath Unglückswetter droht. Nichts giebt uns Trost zu solcher Zeit, 3. Du stärkst mir unter aller als Gott und jene Herrlichkeit. und Hülfe bei! Geduld und getroster Muth im Leiden. 307 9. Ja, laß mich, Gott, stets Willen brechen, entwöhnen uns dahin schauen, und dann mit der Lust der Welt. starkem Muth auf dich auch in der größten Noth vertrauen. Du bist bei mir, das stärke mich. Wer dessen stets versichert ist, der lebt und stirbt getrost als Chrift. 6. Du willst den Eifer mehren, gehorsam dich zu ehren mit Glauben und Geduld, daß wir in unsern Nöthen, auch wenn du uns willst tödten, doch trauen deiner Vaterhuld. 7. Was will uns, Herr, auch scheiden von dir und jenen Freuden, die du für uns ersehn? Man lebe oder wird Mel. In allen meinen Thaten 2c. 429. Will mich, o Gott, hie- des Himmels Erbe doch deinen mieden des Lebens Last ermü- Kindern nicht entgehn. den, fo stärke meinen Geist! Wenn mich die Leiden fränken, willst du auch mich erheben; 8. 3u jenem bessern Leben 10 laß mich wohl bedenten: der Tod ist mein Gewinn. Muß auch das sei gut, was Tribjal gleich mein Leib verwesen, wird doch mein Geist genesen, er eilt zu Seligkeiten hin. beigt. 2. Nicht ewig soll sie währen; oft werden unsre Zähren schnell 9. O, drücke meinem Herzen on dir abgewischt, und seufzen auch unter Sorg und Schmerwir, wie lange, ist meiner Seele zen dies doch auf's tiefste ein. bange? so wird mit Trost das Der, den du, Vater, liebest, kann, Herz erfrischt. 3. Die Lasten, die uns pressen, haft du, Herr, abgemessen, so groß sie immer sein. Du hilfst he felbft uns tragen, und rich-| unire Plagen nach unfern Mel. In allen meinen Thaten zc. kraften weislich ein. Wider die Verzagtheit. 4. Ja, wenn ich's recht er- 430. Was ist's, daß ich mich page, so find's nur Liebes- quäle? Harr nur auf Gott, o lage, womit du uns belegst; Seele; harr und sei unverzagt! nicht Schwerdter sind's, nur Du weißt nicht, was dir nüket; Buten als Vater deine Kinder er schüßet den, der nach ihm Ruthen, womit du bloß zum Gott weiß es, und er schüßet, glägit. fragt. 5. Dein väterlich Bemühen 2. Er zählte meine Tage, will uns nur hier erziehen, zu mein Glück und meine Plage, tun, was dir gefällt; du willst eh ich die Welt noch sah. Eh Die Lüste schwächen; den eignen ich mich selbst noch kannte, eh wenn du ihn betrübest, doch nie= mals ganz unglücklich sein. 20* 308 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. ich ihn Vater nannte, war er| nie verließ, die wird mich nicht mir schon mit Hülfe nah. verlassen. 3. Die kleinste meiner Sor- 2. Sein Auge schaut auf meigen ist dir, Gott, nicht verbor- nen Schmerz, und seine Blide gen, der Alles sieht und hält. zählen die Sorgen, die mein Und was du mir beschieden, das armes Herz mit Angst und Kumdient zu meinem Frieden, wär's mer quälen. Er sandte mir das auch die größte Laft der Welt. Leiden zu, daß nicht mein Herz 4. Ich lebe nicht auf Erden, in stolzer Ruh des Ewigen ver ganz glücklich hier zu werden; die Lust der Welt vergeht. Ich 3. Gesegnet sind die Leiden lebe hier im Segen, den Grund mir, die mich der Sünd entzie zum Glück zu legen, das ewig, hen, mich lehren, Gott, allein wie mein Geist, besteht. zu dir nach Trost und Hülfe 5. Was dieses Glück vermeh- fliehen. Ich weiß, einst brings gäße. ret, sei mir von dir gewähret! Gott, du gewährst es gern. Was dieses Glück verleget, wenn's alle Welt auch schätzet, sei, Herr, mein Gott, mir ewig fern! du meinem Blid der Sonne sanftes Licht zurück, das Duntel mir verhüllet. 4. Wie will ich dann, von Schmerz befreit, Herr, deine 6. Sind auch der Krankheit Huld erheben; wie freudig dir, Plagen und Armuth schwer zu selbst für das Leid, Lob, Preis tragen, noch schwerer Haß und und Ehre geben! Wohl denen, Spott: so harr ich und bin die dem Herrn vertraun, die ihre stille zu Gott; denn nicht mein Hoffnung auf ihn baun! Nie Wille, dein Wille nur gescheh, werden sie zu Schanden. D Gott! 7. Du bist der Müden Stärke, und aller deiner Werke erbarmſt du ewig dich; was kann mir widerfahren, wenn du mich willst Beim Verzug göttlicher Hülfe. Mel. Wer nur den lieben Gott 2. bewahren? Und du, mein Gott, 432. Herr, mache meine bewahrest mich. Seele stille! Bei Allem, was mich kränkt und drückt, geschieht doch einzig nur dein Wille, der meinem Schaden Mel. Wenn mein Stündlein zc. nichts 431. Wenn gleich in tiefer schickt. Du bist's, der Alles än Mitternacht Gewitter um mich dern kann; und was du thuft bligen, so zag ich nicht; mein ist wohlgethan. Vater wacht, er wacht, mich zu 2. Auch auf den allerraul beschüßen. Die Güte, die mich sten Wegen führst du uns zull werden hieß, die den Bedrängten Glückseligkeit. Dem bringt die Geduld und getroster Muth im Leiden. 309 jein Trubjal großen Segen, der dir| Du, Herr, hast für mein Heil ganzes Herze weiht. Ihr gewacht, haft Alles mit mir Ausgang wird doch herrlich wohl gemacht. jein, fieht's gleich der blöde Geist nicht ein. Troft aus Betrachtung der Ewigkeit. 3. Drum laß mich stille sein und hoffen, wenn du mir Prüfungen bestimmt. Dein Vaterherz steht dem doch der Mel. Was Gott thut, das ist zc. ju dir ſeine Zuflucht nimmt. 433. Die Bahn ist rauh, auf Wer still in deiner Fügung tuht, mit dem machst du es immer gut. der ich hier zu meiner Heimath eile. Wie viel Gefahr seh ich vor mir, wie droht sie meinem Heile! Gott, wärst du nicht mein Trost, mein Licht, mein Heil in finstern Tagen, wie ängstlich würd ich zagen! 4. Uns bleibt oft, was uns migt, verborgen; wer hat's je anz genau erkannt? Wie oft find unsre Wünsch und Sorgen boll Thorheit und voll Unver- 2. Vor dir darf sich mein and! Wer kann, was seinem traurig Herz, Erbarmer, nicht Wohlergehn zum Schaden dient, verhehlen, darf seinen Kummer, ganz übersehn? tesfülle, und meine Seel ist stille. seinen Schmerz vertrauend dir 5. Nur du, du kennst und erzählen. Dann schaffest du mir wählst das Beste. Vater, Trost und Ruh aus deiner Gotmache selbst mein Herz in dieer Ueberzeugung feste: so ehr 3. Du lehrest mich den hohen auch im größten Schmerz Werth der Trübſal, die ich leide, Was mein Gott will, gescheh mich führt zur wahren Freude. dich noch mit der Gelaſsenheit: daß sie mich dir vertrauen lehrt, allzeit! Ich würde dein mich minder 6. Die Stunde wird doch freun, nur irdisch Glück begehendlich kommen, da mich voll- ren, wenn keine Leiden wären. tommnes Glück erfreut. Denn einmal führst du doch die From- Zuversicht: Du sorgst für meine 4. Dein Wort giebt mir die men zur völligen Zufrieden Tage; dein Auge schläft und heit; und dann wird Jedem schlummert nicht; du hörest enbar, daß, Gott, dein Rath meine Klage; du frönest einst, der beste war. wenn du erscheinst, in deinem 7. Dann wird von allen mei- Heiligthume mit Wonne und nen Plagen der ewge Nußen mit Ruhme. mich erfreun; dann wird mein er, statt aller Klagen, dir rigteit aus meiner Brust verfreudevoll das Loblied weihn: schwinden! Vergessen werd ich 5. O dann wird alle Trau 310 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. ganz mein Leid, und nur dein treten; mit Zuversicht, du giebt Heil empfinden. Mein Lobge- sie mir, mit Freuden will ich sang, voll Preis und Dank, beten. Dein Angesicht verbirgst wird dir zum Wohlgefallen durch du nicht vor denen, die dich deinen Himmel schallen. ehren; du merfft auf sie, verwirfst fie nie, und eilst, fie zu 6. Mich, den Vollendeten, darf dann nicht mehr die Sünd erhören. entweihen; mit Unschuld steh 4. Gott, hilf mir, daß ich ich angethan in deiner Kinder immer hier ein frommes Leben Reihen. Und väterlich erquidst führe und meine Freudigkeit du mich, wenn ich, der Mensch zu dir durch Sünden nicht ver von Erde, gleich deinen Engetn liere. Der Sünder Schma werde. folgt ihnen nach; du zürnef und sie zittern. Doch mich wird Schmerz der Sterblichkeit er- nie dein Zorn, wie sie, wen tragen. Beruhigen soll sich mein du sie strafft, erschüttern. Herz, nicht mehr voll Unmuth 7. Geduldig will ich hier den flagen. Du bist bereit zu rech- mel. Was mein Gott will, geſcheh it. ter Zeit, o Gott, von allem Bösen mich herrlich zu erlösen. 435. Ich habe schon ſo Mel. Was mein Gott will, gescheh zc. manche Zeit in Trübsal hinge lebet. Vielleicht ist nun det Tag nicht weit, da man den 434. Die dich nicht kennen, Leib begräbet! Ach wär ich die nicht, Gott, nach deinen schon vor Gottes Thron, vollen Rechten fragen, die müssen in det meine Leiden! Wie sehnt der Zeit der Noth mit banger mein Herz sich, matt vo Beklemmt von Schmerz, nach jenes Lebens Schmerz, verzagt ihr Herz und Freuden! findet keinen Retter; denn du 2. Gott, stärke mich, wenn bist nicht die Zuversicht der lang ich hier den Leidensteld Sünder und der Spötter. soll trinten. 3war weiß ich Seele zagen. 2. Ich aber darf auf dich Alles kommt von dir; dod allein mit ganzer Seele trauen. fann mein Muth bald sinter Wie finster auch die Zeiten sein, wenn du, mein Gott, mit i darf dennoch mir nicht grauen. der Noth nicht selbst Geduld Ich kenne dich und weiß, daß verleihest, aus Lieb und Huld ich nach deinem Worte frage, die Ungeduld mir Schwache weiß, deine Treu wird täglich nicht verzeihest. neu und sorgt für meine Tage. 3. Sind hier noch meiner 3. Nicht tlagen mill ich, Gott, Leiden viel, so sei dein Trof vor dir, nicht muthlos zu dir nicht minder. Groß ist de Geduld und getroster Muth im Leiden. 311 Preis, den du am Ziel ertheilst 3. Mühselig und beladen dem Ueberwinder. Die Lei- hör ich das Wort der Gnaden; allein mich tröstet's nicht. Ich kann in meinen Nöthen nicht zuversichtlich beten; ich denke Gott, doch ohne Licht. denszeit bringt Herrlichkeit für die, die standhaft waren. Einst wirst du sie nach Schmerz und Müh an mir auch offenbaren. 4. Sollt auch dein wunder- 4. Sonst eilt ich, seinen Wilbarer Rath von Hülfe jetzt noch len mit Freuden zu erfüllen; schweigen, und über meiner sein Wort war mir gewiß. Jetzt Thränen Saat Gewitter sich kann's mein Herz nicht fassen, noch zeigen: zuletzt, zuletzt werd mein Muth hat mich verlassen, ich ergötzt im nähern Lichte se- und meinen Geist deckt Fin= hen, daß mich dein Rath den sterniß. rauhen Pfad zu meinem Glück hieß gehen. 5. Oft, wenn mich Zweifel quälen, ergreift mich Angst der Seelen, und meine Hülf iſt fern. Ich suche Ruh, und finde in mir nur immer Sünde, nur deine Liebe schlägt, sie immer Unmuth, keine Lust am Herrn. nicht verlassen. Du bist getreu 6. 3ag nicht, Christ! Deine 5. Fürwahr, du, der den Sünder trägt, fannst teine Kinder hassen, kannst, wenn auch und stehst mir bei; mich' wer- Schmerzen sind Zeugen besfrer den keine Leiden, auch nicht der Herzen, als dir das deine scheint. Tod von dir, mein Gott, und Selbst dies: daß dich's betrüdeiner Liebe scheiden. bet, daß ihn dein Herz nicht liebet, beweist, es sei mit ihm vereint. Troft für fromme Schwermüthige. Mel. In allen meinen Thaten 2c. 7. Kein Mensch tann Gott erkennen, noch Jesum gläubig nennen, als durch den 436. Du tlagst in schweren Geift. Den Geiſt haft du emLeiden, klagst, daß der Geist pfangen, der dich nach Gott der Freuden von dir gewichen verlangen und sein Erbarmen it; bu seufzest: Herr, wie lange ſuchen heißt. verzeuchst du? Dir wird bange, daß du von Gott verlassen bist. bei denen, die sich so nach ihm 2. Hat Gott, sprichst du, ver- sehnen; er kennt und will dein geben; mir Sünder Heil und Glück, hört deines Leben in seinem Sohn verliehn: Stimme, verbirgt er, als im 8. Trau Gott! Er wohnt Weinens to find des Dankes Triebe? Grimme, sich dir gleich einen Warum fühl ich nicht Liebe, Augenblick. nicht freudiges Vertraun zu ihm? 9. Gott ließ so manchen Frommen in diese Trübsal kom 312 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. men und stand ihm mächtig| Glauben nicht! Ift mir Gott bei. Du sollst dein Nichts em- gleich jetzt verborgen, so verpfinden, auf Gott allein dich wirft er mich doch nicht. Sind gründen und sehn, was seine gleich meiner Sünden viel Gnade sei. Gottes Huld ist ohne Ziel; 10. Er läßt dich Streng er- denn uns Sündern, den Berfahren, vor Stolz dich zu be- lornen, gab er seinen Einge wahren. Er macht dein Herze bornen. rein; so wie das Gold im 2. Theuer, theuer hat erwor Feuer gereinigt wird, daß ben mich mein Heiland Jesus theuer der Seelen Heil dir Christ; er, der auch für mich möge sein. gestorben, auch für mich erstan11. Wie Väter ihrer Kinder, den ist; der zur Rechten Got erbarmt sich Gott der Sünder, tes sißt, Jeden sieht und Jeden die seinen Namen scheun. Auch schützt., er kann, er tann dir will er die Sünden, die nicht hassen, den, der sich will sich noch täglich finden, um bessern lassen. Christi willen gern verzeihn. 3. Du, der das Verborgne 12. 3war ist um Troft dir tennet, kennst auch mich und bange; denn Züchtigung, so weißt allein, wie dies Herz von lange sie da ist, scheint uns Sehnsucht brennet, ganz sich de hart. Doch nachmals wird sie nem Dienst zu weihn. Lente geben Gerechtigkeit und Leben ferner meinen Sinn auf mein dem, der durch sie geübet ward. wahres Wohlsein hin. Lehrst 13. Fahr fort, Christ, bet du mich, was recht ist, wählen, und wache; Gott trägt und werd ich nie mein Heil verstärkt uns Schwache, ist Güte fehlen. für und für. Laß seine Huld dir gnügen, sein Wort kann nimmer trügen: Ich stärke dich, ich helfe dir! Wider Unzufriedenheit und 14. Faß dich in deinen Nöthen! Sprich: Wollte mich auch ängstliche Sorgen. Mel. Wie groß ist des Allmächtgen x. 438. Du flagst und fühleſt tödten der Herr, so bleibt doch die Beschwerden des Stands, in mein das Erbtheil der Erlösten; dem du dürftig lebst; du fre will Gott nicht eher trösten, best glücklicher zu werden, und wird er mich doch im Tod er- siehst, daß du vergebens strebst. Ja, flage Gott erlaubt die Mel. Werde munter, mein Gemüthe zc. Zähren; doch denk im Klagen 437. Weicht, ihr zweifel, Glück, was wir begehren, fir auch zurück. Ist denn das für weicht ihr Sorgen, störet meinen uns auch stets ein wahres Glück. freun! 11 Wider Unzufriedenheit und Sorgen. 313 2. Nie schenkt der Stand, nie 2. Gott hat dir dein Loos schenken Güter dem Menschen beschieden; nimm's mit Dank die Zufriedenheit. Die wahre aus seiner Hand; leiste jede Ruhe der Gemüther ist Tugend Pflicht zufrieden, die dein Gott und Genügsamkeit. Genieße, damit verband. Brauche, dies ist was dir Gott beschieden, ent- dein Geschäfte, treu und munter behre gern, was du nicht hast. alle Kräfte, die dir Gott giebt bin jeder Stand hat seinen väterlich; ihr Gebrauch ist Ruhm Frieden, ein jeder Stand auch für dich! jeine Last. 3. Gott ist der Herr und seinen Segen vertheilt er stets mit weiser Hand; nicht so, wie wir's ju wünschen pflegen, 3. Zwar es hat des Himmels Segen jenem mehr geschenkt, als dir! Soll dies deinen Neid erregen? Denk: wer ist Gott; doch so, wer sind wir? Gott weiß, was wie er's uns heilsam fand. uns allen nützet. Wenn er dich Willst du zu denken dich er- regiert und schüßzet, giebt der fühnen, daß seine Liebe dich Speise Freude zu: was fehlt vergißt? Er giebt uns mehr, dann zu deiner Ruh? als wir verdienen und niemals, was uns schädlich ist. 4. Du prangst nicht mit hohen Würden, und was ist 4. Verzehre nicht des Lebens der Großen Glück? Acth fie kräfte in träger Unzufrieden- seufzen unter Bürden; oft stürzt heit, beforge des Berufs Ge- sie ein Augenblick. Reichthum schäfte und nüße deine Lebens- ward dir nicht gewähret,- wer zeit. Bei Pflicht und Fleiß sich gern Ueberfluß entbehret, ist Gott ergeben, ein ewig Glück beglückt und reich genug; wünin Hoffnung sehn, dies ist der schen mehr, ist Selbbetrug. Weg zu Ruh und Leben. Herr, lchre diesen Weg mich gehn. 5. Herr, du hast zum frohen Leben, was ich brauch, und mehr, verliehn. Laß mein Herz sich stets bestreben, sorgenvollen Gram zu fliehn. Dir vertraun, dich fürchten, lieben, Wider mürrische Klagen. Mel. Alle Menschen müssen 2c. 439, Menich, entehre nicht Demuth, Menschenliebe üben, mit Klagen Gott, der dich zum deiner Güte mich zu freun: das soll mein Vergnügen sein! Christliche Menschenliebe. Glücke schuf. Müh ertragen, froh zu sein, ist Dieses Lebens dein Beruf. Murre nicht bei den Beschwerden; such, daß sie Werth und Natur derselben. dir nützlich werden, und bet Gottes Willen an auf der rau= j hen Lebensbahn. Gott, du frommer Gott 2c. 440. Wenn einer alle Kunst - 314 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. und alle Weisheit hätte, wenn wenn Unrecht wird gerichtet; er beredter noch, als Engelzun- die Wahrheit ist ihr werth, und gen redte, und hätte doch da- wer ihr treu beipflichtet. Die bei die wahre Liebe nicht, so Liebe decket gern des Nächsten wär mit jenem doch vor Gott Fehler zu, liebt und begünstiget nichts ausgericht. Verträglichkeit und Ruh. 2. Er wäre wie ein Erz, das 8. Ohn Argwohn dentet sie zwar sehr helle klinget; sonst das Beste nur von allen; sie aber keine Frucht und keinen hoffet Besserung, wenn Jemand Nugen bringet. Der Mensch, ist gefallen; verdammt nicht bei welchem man der Liebe streng; vergiebt dem Nächsten Geist vermißt, ist einer Schelle gern die Schuld; erträgt den gleich, die ohne Leben ist. Widrigen mit Sanftmuth und 3. Wenn er weissagen könnt Geduld. und hätte allen Glauben, so, 9. So mancher Vorzug wird, daß er Wunderwerk an Ber- der hier galt dort aufhören; gen, Blinden, Tauben erwies, die Liebe und ihr Werth wird und hätte doch die wahre Liebe dort noch stets fortwähren. Det nicht, so wäre abermal damit Glaube endigt sich mit dieſer nichts ausgericht. Pilgerzeit; allein die Liebe 4. Wenn Einer all sein Gut bleibt in alle Ewigkeit. austheilete den Armen, wär 10. Jesu, der du bist das aber nicht erfüllt mit herzlichem Muster aller Liebe! Verleihe Erbarmen, sollt er des Märter- daß auch ich rechtschaffne Liebe thums sich ohne Liebe freun: übe. Gieb, daß ich allezeit und so würde dieses selbst Gott nicht herzlich Jedermann zu dienen gefällig sein. ſei bereit, wo ich nur soll und 5. kann. voll, langmüthig und gelinde; mel. Ach Gott, vom Himmel sieh sie dem so Die Lieb ist sanftmuthwillig als geschwinde, in Nö- 441. O himmlische Barmthen beizustehn; die Liebe eifert herzigkeit, die Jesus uns an nicht; es schmerzt und träntet preiset! Ohimmlische Glüdje sie, wenn Jemand Leid geschicht. ligkeit, die er zum Lohn a 6. Die Liebe ist nicht stolz, weiset dem, der gleich Gott haßt und verachtet keinen; ver- barmherzig ist! O du, der du abscheut jede Lust, worüber mir Alles bist, pflanz fie in Andre weinen. Die Liebe zür- meine Seele! net nicht, ist freundlich Jedermann, und wendet Schaden ab, wo sie nur immer kann. 2. Die göttliche Barmherzig teit rühmt Jedermann auf G den; wenn aber Jesus uns ge 7. Die Liebe ist betrübt, beut, gefinnt wie Gott Christliche Menschenliebe. 315 werden, verschließt der Mensch stets so rühre, wie du, Gott, oft Herz und Ohr, da wankt der Glaube wie ein Rohr, ist falt und ohne Leben. dich über mich erbarmest. 8. Du übst so viel Barmherzigkeit an uns schon hier 3. Wir hoffen auf Barmher- auf Erden: so mache nun mein jigkeit bei Gott im ganzen Le- Herz bereit, auch ähnlich dir ben; mitleidig soll er jederzeit zu werden, daß es von dem, uns wohlthun und vergeben; was du beschert, dem Nächsten und wären gleichwohl nicht be- auch sein Theil gewährt, den teit zu dem, was Jesus uns Dürftigen erquicket. gebeut, zum herzlichen Erbarmen? 4. Bedenke, wie barmherzig ich Gott gegen dich erzeiget. Erwäg es ernstlich; sieh, ob dich dies noch nicht rührt und neiget, gesinnt zu sein, wie Gott es ist? Bedent, was ferner Jejus Christ und selbst dein Herz bezeuget! 9. Hält mancher Reiche dieser Welt oft Herz und Hand verschlossen: so mach in dem, was dir gefällt, mein Herz stets unverdrossen, damit es dir, o Bater, gleich an Liebe und an Mitleid reich, nie wohlzuthun ermüde. 5. Ein unbarmherziges Geticht wird über den ergehen, der lieblos war; Gott achtet 10. Gieb mir ein Herz, das Jeden liebt, das von den guten Gaben, die du mir giebst, gern wiedergiebt, die Dürftigen zu laben. Mach mich nach deinem nicht auf sein Gebet und Fle- Ebenbild mitleidig, schonend, hen. Verwerfung droht sein An- sanft und mild: so bin ich dein gesicht dem, der der Liebe sanfte Kind. Amen! Pflicht erkannt und nicht geübet. 6. des Mel. Jesus meine Zuversicht 2c. Hlehn erweicht, wer hart sein 442. Allen Christen und Herz verschließet, dem, der's be- auch mir hat der Herr dies darf, die Hand nicht reicht, sein vorgeschrieben: euren Nächsten Leid ihm nicht versüßet, nicht, sollet ihr, als euch selbst, von andre labet und erfreut: den Herzen lieben; wer ihn haffet, wird, so ängstlich er auch schreit, schlägt ihn todt, und die MörGott nicht erfreun noch hören. der haffet Gott. 7. Ich will, o Herr, barm-| herzig sein, stets auf dein mu- Welt, Kinder Eines Vaters, ster sehen; den Nächsten, wo ich Brüder, die er huldreich stets fann, erfreun, mit Rath und erhält; alle Eines Leibes GlieThat beistehen; gieb, daß sein der, die sein weiser AllmachtsSchmerz und seine Noth mich ruf alle sich zu dienen schuf. 2. Wir sind Bürger Einer 316 Beweis der Gottfeligkeit und Tugend. 3. Eine sterbliche Natur, Ein| schenfreund, Jesu, daß ich auf gebrechlich kurzes Leben, Eine der Erde, allem Stolz und Hoffnung hat uns nur Gott Neide feind, dir in allem ähnohn Unterschied gegeben: Eine lich werde, um der Hoffnung Straf und Seligkeit wartet mich zn freun, ewig einst bei unsrer nach der Zeit. dir zu sein. Mel. O König, dessen Majestät*. 4. Ehre, Reichthum, Würde, Stand, Kraft des Körpers, Geistesgaben, und was wir aus Gotteshand, sonst für einen Vorzug haben: alles dies be- 443. Der du die Liebe selfreit uns nicht von der Men- ber bist und gern uns Menschenliebe Pflicht. schen segnest; ja selbst dem, der dein Feind noch ist, mit Wohlthun doch begegnest! O bilde meinen Sinn nach dir, und laß mich doch, mein Heiland, hier nach deinem Vorbild wandeln! Die können teine Christen sein, die sich nicht Andrer Wohlfahrt freun, die menschenfeindlich handeln. 5. Selbst der Gaben Unterschied knüpft das große Band auf Erden: Jeder, wenn er sich bemüht, kann dem Andern nützlich werden; den, der hier dir dienen muß, nährt mit Recht dein Ueberfluß. 6. Nach dem dir vertrauten Pfand messen sich auch deine Pflichten. Gab Gott viel in deine Hand, so hast du viel zu entrichten. Dies bestimmt den Lohn; dein Knecht hat mit dir dort gleiches Recht. 2. Dein Leben in der Sterb lichkeit war für die Menschen Segen; dir folgten Lieb und Freundlichkeit auf allen deinen Wegen. Wohin du gingst, ging 7. Dein Erlöser sagt es dir: Wohlthun mit; dein Wort, dein Wer hier der Geringsten einen Werk und jeden Schritt begleipflegt, der thut es selber mir; tete Erbarmen. Du übernahmst denn ihr alle seid die Meinen. die schwerste Pein, uns vom Mancher, den die Welt ver- Verderben zu befrein, und schmäht, ist und wird vor Gott starbst zum Heil uns Armen. erhöht. 3. Auch jetzt noch auf des 8. Darum, Gott, gieb mir Himmels Thron bist du das ein Herz, das von Menschenlieb Heil der Sünder. Auch da entbrennet, auch in Niedrigkeit bleibst du, o Gottes Sohn, ein und Schmerz seinen Nächsten Freund der Menschenkinder. nicht verkennet, nie voll eitlen Du schaffst den Deinen wahre Wahns vergißt, daß auch er Ruh, und die Verirrten ſucheft mein Bruder ist. du auf rechten Weg zu leiten. 9. Ja, gieb, großer Men- Du hörst der Seufzenden Ge Christliche Menschenliebe. bet und brauchest deine Maje- 1 3. Dies sei mein Gottesdienst. ät, um Segen auszubreiten. 4. O laß in meiner Pil grimschaft mich auf dein Vorbild ſehen. Erfülle mich mit treibe nicht erst Dank zu milLuft und Kraft, dem Nächsten der Wohlthat an; nein, was beizustehen, betrübter Herzen ich Brüdern thu, das sei Troft zu sein, mich mit dem dir, Gott, gethan. fröhlichen zu freun, mit Weinenden zu klagen. Laß mich dem, der sein Herz mir weiht, ein Herz voll frommer Redlich teit und Treue nicht versagen. 5. Laß mich mit brüderlicher huld des Nächsten Fehler decken und ihn durch Sanftmuth und Geduld zur Besserung erwecken. Und fündiget er gegen mich, jo neige meine Seele sich verzeihend auf sein Flehen; dann wird mich in der bessern Welt, die nur Beglückte in sich hält, der Liebe Lohn erhöhen. 4. Ein Trunt, mit dem mein Dienst dem Durstigen begegnet, ein Blick voll Trost, mit dem mein Herz Bedrängte ſegnet, ein Rath mit dem mein Mund im Kummer Andre stärkt, nichts bleibt, so klein es ist, vor dir, Herr, unbemerkt. 5. Eilt wo ein boshaft Herz, Unfrieden anzurichten, so laß mich sorgsam sein, der Brüder Zwist zu schlichten; aus Schmähsucht störe nie mein Mund des Nächsten Ruh; er rühme sein Verdienst, deck seine Fehler zu. 6. Die Rach ist dein, o Gott! Du sprichst: Ich will vergelten. 317 Auch unbemerkt von ihnen, muß Andern stets mein Herz mit Rath und Hülfe dienen. Mich Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. Drum laß mich stille sein, wenn 444. Gieb mir, o Gott, ein Menschen auf mich schelten. Herz, daß jeden Menschen lie- Gieb, daß ich dem verzeih, der bet, bei seinem Wohl sich freut, mir zu schaden sucht; den liebe, bei seiner Noth betrübet; ein der mich haßt; den segne, der Herz, das Eigennuß und Neid mir flucht. und Härte flicht, und sich um Anderer Glück als um sein Glück auf zeitlich Wohlergehen mit 7. Doch laß mich nicht allein bemüht. eingeschränktem Blick bei meijo laß mich liebreich eilen, von fer müsse mich sein ewig Glück 2. Seh ich den Dürftigen, nem nächsten sehen. Noch stärdem, was du mir giebst, ihm erfreun; noch mehr sein Seelenhilfreich mitzutheilen. Laß mich heil mir angelegen sein. swillig thun, nicht, um ge8. Den, der im Glauben rühmt zu sein und mich ver- wankt, im Glauben zu bestärchrt zu sehn; nein, Menschen ken; den, der sich elend macht lasterhaften Werken, von zu erfreun. mit 318 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. der verkehrten Bahn auf rechten[ nen Tagen! Jch aber sollte nicht Weg zu ziehn, dazu verleih Geduld mit meinen Brüdern mir Kraft und segne mein Be- tragen; dem nicht verzeihn, dem mühn. du vergiebst; und den nicht lie ben, den du liebst? 9. O heilige du selbst, Herr, meiner Seelen Triebe durch 5. Was ich den Frommen deine Lieb und Furcht zu wah- hier gethan, den Kleinsten auch rer Menschenliebe. Wer nicht von diesen, das siehst du, mein den Nächsten liebt, geht nicht Erlöser, an, als hätt ich dir's zum Himmel ein. Laß diese erwiesen. Und ich, ich sollt ein Wahrheit, Gott, mir stets vor Mensch noch sein und dich in Augen sein! Brüdern nicht erfreun? 6. Ein unbarmherziges Gericht wird über den ergehen, der nicht barmherzig ist, der nicht die rettet, die ihn flehen. Drum gieb mir, Gott, durch durch Liebe preist. deinen Geist ein Herz, das dich Evangelische Beweggründe zur Menschenliebe. Mel. Mir nach, spricht Chriftus c. 445. So Jemand spricht: Ich liebe Gott, und haßt doch seine Brüder, der treibt mit Gottes Wahrheit Spott, und Mel. Ach was soll ich Sünder 2. handelt ganz dawider. Gott 446. Sollten Menschen, meine mich. ist die Lieb und will, daß ich Brüder, mir, o Gott, nicht den Nächsten liebe, gleich als theuer sein, sollt ich sie nicht gern erfreun? Sie sind alle 2. Wir haben einen Gott Christi Glieder, dessen, der für und Herrn, sind eines Leibes alle starb, allen Gottes Huld Glieder; drum diene deinem erwarb. alle Brüder. Nächsten gern; denn wir sind 2. Er hat All aus einem Gott schuf die Blute stammen lasſen, alle find Welt nicht blos für mich; mein sein, und Jeder ist sein Kind; Nächster ist sein Kind, wie ich. all erkauft mit einem Blute, 3. Sein Heil ist unser aller alle Erben seines Sohns, ErGut. Ich sollte Brüder hassen, ben eines Gnadenlohns. die Gott durch seines Sohnes 3. Gottes Kinder sollt ich Blut so theur erkaufen lassen? haffen, lieblos, unbarmherzig Daß ich durch Christum ward sein, meinem Feinde nicht ververfühnt, hab ich dies mehr, zeihn; keine Schulden ihm er als sie, verdient? lassen? Gott, nicht fürchten dein Gericht; dein Erbarmen achten nicht? 4. Du schenkst mir täglich so viel Schuld, du Herr von mei Christliche Menschenliebe. 319 4. Der du für die Uebel-] Mel. Herzliebster Jesu, was haft 2c. thäter Schonung flehtest, und 447. Hilf, Jeſu, daß ich die Last unsrer Schuld getra- meinen Nächsten liebe, durch gan haft, großer Mittler und lieblos Richten ihn niemals beSertreter! Es versöhnte Gott trübe, ihn nicht verleumde, noch durch dich eine Sünderwelt mit durch falsche Ränke sein Wohl= fich. sein tränte. 5. Wenn mein Herz vom hang zur Sünde hingerissen, chen, seine Flecken, wo Pflicht 2. Vielmehr laß seine Schwädich verkennt, und zu Haß und Rach entbrennt, überwind, und auf mich selbst, wenn anes zuläßt, liebevoll bedecken; iberwinde meinen Haß und laß mich sehn in den Tod für uns dich gehn. o dre sich vergehen, mit Vorsicht ſehen. 3. Hilf, daß ich weislich ihn 6. Wie dir deine Augen flos- zu bessern trachte und seiner en, als dein Aug um mich ge- Seelen Wohl höchst theuer achte. beint; wie du, großer Men- Denn du haft selbst für uns henfreund, auch für mich dein in Todesbanden viel ausgestanBlut vergossen, wie du littest den! h für mich, dies zeig' meiner Seele fich! 7. Dein Wort schall in meine 11 4. Was andre Menschen Gutes an sich haben, laß mich er= tennen, Herr, als deine Gaben. Ohren: Was ich that, geschah Es müsse nie mein Herz des für dich; wer den Bruder liebt, Nächsten Freuden und Glück liebt mich. Wer nicht liebet, beneiden! verloren, Gottes 3orn ist über ihm! Gottes Zorn ist über ihm 14 5. Gieb, daß ich nie zum Zorne leicht entbrenne, auch größres Glück dem Nächsten 8. Oso hilf mir, daß ich freudig gönne; in Trübsal ihm übe, was dein Wille mir ge- des Mitleids Thränen schenke, beut, Nachsicht, Sanftmuth, Gü- nie Arges denke. tigkeit, daß ich, wie du liebtest, Hebe, innig liebe; milde, treu, immer mehr auf Erden an Lieb janft und leicht versöhnlich sei. und Gütigkeit dir ähnlich werd. Ja, ihr, eines Hauptes den; und so wie du selbst die, Blieder, Christi, der für alle die mich betrüben, selbst Feinde tarb, allen Gnad und Huld lieben. trwarb, lieben will ich euch als 6. Laß mich, mein Heiland, 7. Brüder, für euch beten, euch dir, mein Gott, in Gnaden, Dann steh ich auch bei erfreun, wohlthun, dulden und wenn Neider, wenn Verleumder verzeihn. mir auch schaden; du wirst mich 320 Beweis der Gottfeligkeit und Tugend. schüßen und mit deinen Treuen sei, was man willig giebet, ein ewig erfreuen. Opfer, das dir wohlgefällt. 7. Laß mich hier reichlich jäen. Denn, Herr, was hier geschehen, folgt uns in jene Zeit. Wer hier gern hilft und giebet und sich im Wohlthun übet, der erntet dort die Her lichkeit. Dienstfertigkeit, Barmherzigkeit und Mildthätigkeit. Mel. Nun ruhen alle Wälder 2c. 448. Du aller Menschen Vater, du gütigster Berather in Allem, was uns drückt! Du Mel. O Gott, du frommer Gott. wir hier Guts genießen, du bist's, 449. Wie selig lebt ein der unser Herz erquickt. Mensch, der Dienstbegierde ten2. Du läßt dich von uns net, großmüthi wohlzuthun Sündern durch Undank nicht aus Menschenliebe brennet; der, verhindern, uns segnend zu er- wenn ihn auch kein Eid zum freun. Zu ewgen Seligkeiten Dienst der Welt verbindt, Beruf uns Sterbliche zu leiten, ist und Eid und Amt schon in sich Weisheit, Macht und Güte dein. selber find. 3. Wie groß ist deine Milde! 2. Dir, Höchster, ahmt er Barmherzger Vater, bilde mein nach, dir als dein Bild zu glei Herz nach deinem Sinn, daß chen; durch Dienstbeflissenheit ich der Noth der Armen mich sucht er dies zu erreichen; et willig mög erbarmen; nimm hält für eignes Wohl sich nicht alle Härte von mir hin. allein gemacht; er hält sich für die Welt von dir hervorgebracht. 4. Gieb, daß ich willig gebe, mich wohlzuthun bestrebe, so 3. Die Welt, denkt er, hat wie mein Heiland that, der Recht auf meinen Dienst und göttliche Erbarmer, den kein be- Kräfte: ihr nüßen, ist für mich drängter Armer vergebens je ein seliges Geschäfte. Als Glie um Hülfe bat. der schuf uns Gott, als Bürger 5. Erhalt in mir die Triebe einer Welt, in der des Einen der mitleidsvollen Liebe. Wie Hand die Hand des Andern hält. du mir Guts gethan, so laß 4. So denkt der Menschenum deinetwillen mich Andrer freund; und das ist sein Be Noth gern stillen, so oft ich sie streben, so treu, als er sich lebt, nur stillen kann. zum Wohl der Welt zu leben. 6. 3um Fleiß in guten Wer- Ihm wird des Nächsten Heil ten laß mich die Hoffnung stär- sein eignes Himmelreich; er füh ken: vor dir, dem Herrn der let fremde Noth, als träf ihn Welt, der frohe Geber liebet, selbst der Streich. Dienstfertigkeit, 5. Er eilt dem, der's bedarf, mit Hülfe beizustehen; sein Anjehn und sein Freund, sein Stand, sein Wohlergehen sind Mittel, die er braucht, behülflich gern zu sein, und einen Leidenden mit Troste zu erfreun. 6. Was Andrer Noth er heicht, das reizet seine Triebe auch ohne Ruhm und Lohn zu wahrer Menschenliebe. Kein Stoly, noch Eigennuß wirkt seine Butigkeit; er sieht auf seinen Bott, der Liebe ihm gebeut. Mildthätigkeit. 321 unterstüzet, doch nur aus Stolz und Eigenmuß, aus Weichlichteit ihm nüßet; nicht aus Gehorsam, nicht aus Pflicht, auch der liebt seinen Nächsten nicht. 4. Wer harret, bis ihn anzuflehn ein Dürftger erst er= cheinet, nicht eilt, dem Armen weinet, nicht gütig forscht, ob's beizustehn, der im Verborgnen ihm gebricht: auch der liebt seinen Nächsten nicht. 5. Wer Niedre, wenn er sie 7. So laß mich auch gefinnt, beschirmt, mit Härt und Vormein Gott, durch Christum wer- wurf quälet, und ohne Nach= den; voll regen Eifers sei mein sicht straft und stürmt, sobald leben hier auf Erden, so müß- sein Nächster fehlet; wie bleibt lich, als ich kann, dem Nächsten bei seinem Ungestüm, Gott, deine fets zu sein. Dann geh ich Liebe wohl bei ihm! ent, o Gott, in's Reich der Liebe ein. 6. Wer für der Armen Heil und Zucht mit Rath und That nicht wachet, dem Uebel nicht zu wehren sucht, das oft sie dürftig machet, nur sorglos ihnen Gaben giebt, der hat sie Mel. Mir nach, spricht Christus 2c. 450. Wer dieser Erden Gü- wenig noch geliebt. er hat und sieht den Nächsten leiden, und macht den Hungri-| en nicht satt, läßt Nackende nicht kleiden: der ist ein Feind 7. 3war du, mein Herz, vermagst es nicht, stets durch die That zu lieben. Doch bist du der ersten Pflicht, und liebt dich, nur geneigt, die Pflicht getreuGott der Liebe, nicht. lich auszuüben, und wünschest 8. Ermattet dieser Trieb in 2. Wer seines Nächsten Ehre Dir die Kraft dazu und strebst mäht und gern sie schmähen dafür: so liebeft du. höret, sich freut, wenn sich sein Feind vergeht, und nichts zum dir, so such ihn zu beleben! Besten kehret, nicht dem Ver- Denk oft: Gott ist die Lieb, und leumder widerspricht: der liebet mir hat er sein Bild gegeben. jeinen Nächsten nicht. Ja, Höchster, was ich hab, ist 3. Wer zwar mit Rath, mit dein; sollt ich, wie du, nicht Troft und Schutz den Nächsten' gütig ſein? Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. 21 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. Friedfertigkeit, Sanftmuth und| Gnade übest an dem fündlichen Versöhnlichkeit. Geschlecht! Laß mich deinen Geist beleben, daß ich, Vater, Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. als dein Kind, liebreich sei, wie 451. Von dir, liebreicher du, gesinnt. Herr, du wollt Gott, muß Fried und Eintracht den Sinn mir geben, der bei kommen, der du uns gnädiglich Fehlern Nachsicht zeigt und mit zum Frieden aufgenommen. Dir Saftmuth spricht und schweigt. ist die Eintracht lieb, du hasseft 2. Laß mich meines Näch Streit und Groll und lehrest, sten schonen, willig tragen ſeine wie man hier recht einig leben ſoll. Last; und, so lang ich hier soll wohnen, bleibe Zantsucht mir 2. Drum flehen wir zu dir verhaßt, denn das ist, o Gott, um deines Geistes Gabe, daß dein Wille, und die Eintracht Jeder hier ein Herz, geneigt liebest du; o so hilf auch mit zum Frieden, habe. Gieb, daß dazu; gieb ein Herz mir, das wir allesammt im Guten einig die Stille und den Frieden sucht sein so sammeln wir zugleich und liebt, das für Rache Sanft die Frucht des Friedens ein. muth übt. 322 3. Laß Eins dem Andern 3. das Leben wird er stets zum wahren Beistand wer- schweret durch des Zornes Le den, daß ein bedrängtes Herz denschaft! Zantsucht, Groll und in allerlei Beschwerden von sei- Haß verzehret nach und nac nem Nächsten Trost und Hülfe des Körpers Kraft, hemmt den kommen ſeh, und daß ein Bru- Lauf von unsern Jahren, macht der ja den andern nicht ver- zum Himmel ungeschidt. Hert, schmäh. der auf mich Schwachen blidt, 4. Laß uns in Einigkeit stets ach, du wollest mich bewahren, bei einander wohnen, und duld daß des Jähzorns Raserei me uns allezeit mit gnädigem Ver- des Herzens Meister sei. schonen. Laß unter deinem Volk 4. Wer mir flucht, den will die Eintracht herrlich blühn, bis ich segnen, so wie mein Erlöwir aus Krieg und Streit zum jer that, und dem nachsichtsvoll ewgen Frieden ziehn. begegnen, der zum Zanten Ne gung hat. Für die Feinde will ich beten; und vor dich, du Friedensfürst, wenn du MenMel. Sollt ich meinem Gott nicht zc.ichen richten wirst, ausgeföhnt 452. Gott, der du die Men- mit ihnen treten. Gott bes schen liebest, der du nicht ein Friedens, stärke du mich mit strenges Recht, sondern ewig deiner Kraft dazu. Friedfertigkeit, Sanftmuth, Versöhnlichkeit. 323 5. Ewig Heil ist dem be- finden. Dein Jünger ist nur: ghieden, der nach frommer der, wie du, vergiebet und Gintracht strebt. Höchster gieb Feinde liebet. mit deinen Frieden, der zur 6. So heilige denn meiner Sanftmuth uns erhebt; er re- Seele Triebe, mein Heiland, giete Herz und Sinnen! Denn, durch den Geist der wahren enn er das Herz regiert, wird, Liebe; vertilge durch die Scheu was zu der Zwietracht führt, vor deinem Namen der Rachniemals Uebermacht gewinnen! gier Samen. is einst in der Herrlichkeit ger Friede uns erfreut. 7. Wenn meine Brüder sich an mir vergehen, so lehre mich ihr Unrecht übersehen. Laß mich, wenn sie mich auch empfindlich tränken, an dich gedenken. Mel. Herzliebster Jesu, was haft zc. 8. Erwecke o Herr, 53. Herr, mein Versöhner, in meinem Herzen auf's neue er du für mich littest, und das Gedächtniß jener Schmeroch zur Rechten Gottes für zen, die du in deinen schweren mich bitteft! Erwed in mir, du Leidensstunden für mich em= Muster wahrer Liebe, der Sanft- pfunden. muth Triebe. 2. Wann hast du jemals mit Haß vergolten? Du halist nicht wieder, als man 9. Laß mich mit Sanftmuth meinem Feind begegnen; den, der mir flucht, wie du großmüthig jegnen. Herr, mache ich gescholten; du segnetest mit gegen alle, die mich hassen, Wohlthun nicht blos Freunde, mein Herz gelassen. ein, selbst auch Feinde. 10. Will zu der Rachsucht 3. Und ich, Herr, sollte mich mich die Furcht verführen, als mein ganzes en Deinen nennen, und doch würd ich sonst bon Rachgier gegen Andre Glück verlieren: o Herr, so laß brennen? Ich sollte jemals mich, ihr zu widerstehen, auf amit Haß vergelten und dich dann sehen. wieder schelten? 11. Du schüßest den, der 4. Kann ich wohl Vater zu redlich vor dir wandelt und Dem Höchsten sagen und Groll überall nach deinem Vorbild im Herzen gegen Brüder tra- handelt. Drum laß in Allem gen? Darf ich, wenn Gott mir mich schon hier auf Erden dir oll die Schuld verzeihen, um ähnlich werden. tache schreien? wird für seine Sünden bei dir, 5. Ber nicht vergiebt, der Mel. Herzliebster Jesu, was haft zc. Herr, 454. Herr, deine Sanftmuth 21* 324 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. ist nicht zu ermessen! Wie viel| die Seligkeit, wozu fie jenes hast du vergeben und vergessen! Leben einst wird erheben. Ach führe mir doch deine große Güte recht zu Gemüthe! 2. Du segnetest, die deinem Mel. Christus, der ist mein Leben s Namen fluchten; du heilteft die, 455. Nie will ich wieder die dich zu greifen suchten, und fluchen, wenn mir mein Hafe zeigtest unter deiner Feinde To- flucht; nie dem zu schaden s ben der Langmuth Proben. chen, der mir zu schaden sucht. 3. Ach, glich ich dir, o Heiland! Jch bekenne, daß ich noch oft von schnellem Zorn entbrenne, und mich vor dir gar leicht durch eigne Rache ver= werflich mache. 2. Ich will ihm sanft begeg nen, nicht drohen, wenn er droht; schilt er, so will ich jeg nen; dies ist des Herrn Gebot. 3. Mein Heiland, der Ge rechte, vergalt die Schmach mit 4. Dir muß ich's wehmuths- Huld; die Wuth ergrimmer voll, mein Heiland, tlagen: Knechte ertrug er mit Geduld. Beleidigungen kann ich schwer 4. Sollt ich denn wieder ertragen, und selten weiß sich, schelten, da er nicht wieder wenn mich Andre hassen, mein schalt? Nicht so den Haß verHerz zu fassen. gelten, wie er den Haß ver 5. Vergieb mir, Herr, und galt? wende mein Verderben! Bei 5. Verläumdung dulden müß Zorn und Haß läßt sich dein Reich nicht erben. Und jener Tag vergilt nach strengem Rechte dem harten Senechte. sen, ist schwer; doch diese Pflid wird leicht, wenn das Gewissen zu meiner Ehre spricht. 6. Dies will ich treu bewah 6. So hilf mir denn die ren, so bessert mich mein Feind Rachbegier ersticken! Laß sich und lehrt mich flug verfahren. dein, Bild in meine Seele indem er's böse meint. drücken; so werd ich mich ver- 7. Ich will die Fehler me föhnlich finden lassen, den Feind den, die er von mir erfann nicht hassen. auch die nicht an mir leiden die er nicht wissen kann. 7. Flucht mir der Feind, so laß mich, Herr, ihn segnen und 8. Durch Huld will ich mig nicht überwinde. seinem Grimm mit Freundlich- rächen, an ihm das Gute sehn feit begegnen, daß mich das und Gutes von ihm sprechen; Böse, das ich dann empfinde, wie könnt er länger schmähn 9. Im Haß ihn zu ermi 8. Verleih mir dies um dei- den, will ich ihm gern verzeihn ner Sanftmuth willen, so erb und als ein Christ zum Frie ich auch im Lande deiner Stillen¹ den, zum Wohlthun willig sein Aufrichtigkeit, 10. Wenn mich zu untertreten, ihn Güte mehr erhitzt, so will ich für ihn beten, und Gott vertraun: Gott schüßt. Wahrhaftigkeit. 6. Wohl uns! Gott verzeiht uns Sündern, geht nicht mit uns in's Gericht, nimmt uns auf zu seinen Kindern, denkt der vorgen Sünden nicht. Laßt uns beten, laßt uns fämpfen, alle Rache in uns dämpfen. 2. Ach, wir alle sind Verbrecher, häuften alle Schuld auf Schuld; du, der Sünden ernster Rächer, habe doch mit uns Geduld. Sei uns gnädig, daß wir leben, und gieb, wie wir vergeben. 325 el. Herr, ich habe mißgehandelt 2c. 456. Allen, welche nicht vergeben, wirst du, Richter, nicht Aufrichtigkeit und Unsträslichverzeihn; troftlos werden sie keit im Reden. in Leben, troftlos einst im Lode sein; und Vergebung ihrer Mel. O Haupt voll Blut und zc. Günden nie, so lang sie haffen, 457. Wohl dem, der richtig finden. wandelt, der als ein Wahrheitsfreund in Wort und Werfen handelt, und das ist, was er scheint; der Recht und Treue liebet, und von dem Sinn der Welt, die Trug und Falschheit übet, sich unbefleckt erhält. 2. Wohl dem, der Lügen 3. Wir geloben's dir mit hasset und der, so oft er spricht, Freuden: willig wollen wir so seine Reden fasset, daß er die terzeihn; nie uns rächen, wenn Wahrheit nicht mit Vorbedacht wir leiden, nie zu dir um Rache verleget, und der an keinem Stein; täglich vor dein Antlitz Ort dies aus den Augen setzet: eten und für unsre Feinde Gott merkt auf jedes Wort. beten. 4. Stärt uns, Vater, deine 3. Wohl ihm, wenn sein Gemüthe, Herr, so die Wahrheit Frommen, treu zu bleiben die- übt. Ihn leitet deine Güte, er Pflicht. Wenn wir in Ver- wird von dir geliebt. Du wirst uchung tommen, so besiege sie ihn einst erhöhen, wenn in der uns nicht. Laß sie uns gewaff- Wahrheit Licht net finden; laß sie uns schnell Falschen stehen, geschreckt durch die überwinden. dein Gericht. 5. Mach uns dir und dei4. Herr, drücke diese Sache em Leben, o Herr Jesu, gleich- tief in mein Herz mir ein, daß gefimmt! Dann vergieb, wie wir ich's zur Pflicht mir mache, der bergeben allen, die uns schuldig Lügen Feind zu sein. Erinnre find. Laß für unsere Verbre- mein Gewissen, du hasfest Heuben dann dein Blut versöhnend chelei, damit ich stets beslissen prechert. der Treu und Wahrheit sei. 326 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 5. Laß niemals mich verspre-| ach Gott, erhöre meine Bitt chen, was ich nicht halten kann, daß ich sie recht gebrauche. auch nie Zusagen brechen, die 2. Laß doch in meines Her ich einmal gethan; nie mich den zens Grund, Gott, deine Furcht Stolz verleiten, und nie des stets wohnen; gewissenhaft wird Beispiels Macht, als Wahrheit dann mein Mund der Wahrauszubreiten, was ich doch heit Rechte schonen. Und wohl ſelbst erdacht. dem, der von Schmeichelei, Lift, Lästersucht, Verstellung fret, nicht mit den Lippen sündigt! 6. Doch laß zu allen Zeiten auch deiner Weisheit Licht, Herr, meine Seele leiten, damit ich 3. Auf deinen Ruhm und an meine Pflicht mit Klugheit üb drer Wohl soll stets mein Sinn und wisse, wann ich für andrer sich lenten; dies will ich, wenn Wohl und für mich reden ich reden soll, auch stets müsse, und wann ich schweigen Ernst bedenken. ſoll. Gott, deinet Ehr, des Nächsten Nuß, der 7. Wenn je, um mich zu Tugend Ruhm, der Unschuld drücken, des Feindes Anschlag Schuß sei Herz und Mund gegilt, der sich bei bösen Tücken widmet. in guten Schein verhüllt; so stärke meine Seele, daß sie nicht unterliegt, und Alles dir befehle, durch den die Unschuld fiegt. 8. Ein Herz voll Treu und Glauben, das, Gott, zu dir sich hält, das soll mir Niemand rauben: so kann ich aus der 4. Weh dem, der frech und ungescheut mit Falschheit und mit Lügen die Wahrheit und sich selbst entweiht! Weh dem, deß Worte trügen, dem Schwur und Fluch gewöhnlich ist, und der mit Tücken und mit Lift den Nächsten hintergehet! Welt einst mit der Hoffnung 5. Die Falschheit schändet gehen: ich werde, als dein Kind, dich mit den Frommen sehen, die reines Herzens sind. bringet Müh, ist eine Frucht der Hölle; lehr sie mich haffen. daß ich nie mich Lügnern zu geselle. Die Wahrheit ehren bringet Ruhm und ziert das wahre Christenthum; auch mit sei fie stets heilig! Mel. Ach Gott vom Himmel zc. 458. Die 3unge, die vernehmlich spricht, 6. Gieb mir, o Gott, ein re hat dir dein nes Herz, und laß mich Spöt Gott gegeben. Welch ein Ge- tereien, schandbare Worte, fe schenk! Mißbrauch es nicht; sie chen Scherz mit heilgem Gifer bringet Tod und Leben; man scheuen; was ehrbar, andern fluchet und man lobt damit; nüglich ist, das laß mich reden Billigkeit und Gerechtigkeit. 327 als ein Christ, zu rechter Zeit Orte meines Wandels Zeuge auch schweigen. bist; daß nicht eines meiner Worte deinem Ohr verborgen ist dies sei stets mir im Gemüthe, daß ich mich vor Lügen hüte; denn du liebst den Wahrheitsfreund, und bist falschen Herzen feind. Mel. Alle Menschen müssen 2c. 459. Redlich will ich mich bestreben, stets der Wahrheit Freund zu sein; denn zu jenem Freudenleben geht kein frecher Lügner ein. Gott, vor deinem Angefichte werden sie beschämt Billigkeit und Gerechtigkeit. zunichte, so wie Satans Trug Mel. Kommt her zu mir, ſpricht zc. und Lift, der der Lügner Va= 460. Du liebst, o Gott, Geter ift. 2. Andern zu Gefallen lügen, rechtigkeit, und hassest den, der leeren Schwäßern gleich zu sein, sie entweiht, am nächsten Unheuchelnd Brüder zu betrügen, recht übet. Du bist's, der Jeherr, dies falle mir nicht ein! dem seinen Lohn ohn alles AnWahrheit leit an allen Orten sehn der Person nach seinen mich in Werken und in Worten. Werken giebet. Redlich sei des Herzens Grund, 2. Gerechter Gott, laß deinen redlich sprech auch stets der Geist zu dem, was recht und Mund. billig heißt, stets meine Seele 3. Die der Falschheit sich er- lenken. Nie komm es mir doch geben, sind vor dir, o Gott, ein in den Sinn, aus schnöder HabGräul, und ein freudenleeres sucht und Gewinn des Nächsten Leben bleibet einst gewiß ihr Recht zu tränfen. Theil. Hier schon trifft verdiente Schande sie bei Redlichen Brust, und laß mich stets mit im Lande; jeder wahre Men- wahrer Lust der Liebe Pflichten henfreund ist der Falschheit üben. Ein Herz, das nur auf 3. Pflanz Redlichkeit in meine kanten feind. Unrecht denkt, nur Schaden sucht 4. Schmäht mich, ohne mein und andre kränkt, wie kann das Verschulden, der Verläumder Brüder lieben? Lästermund: Herr, so laß mich ftill erdulden; einst wird doch mich! Mein ganzes Herz bedie Wahrheit kund. Darf ich strebe sich, dem Nächsten gern ja nicht länger schweigen, meine zu geben, was er mit Recht 4. Nie seufze Jemand über Unschuld daß stets dabei Herz und Mund mit Jedermann in Einigkeit zu zu bezeugen: o so gieb, verlangen kann, und immerfort boll Sanftmuth sei. 5. Daß du, Herr, an jedem leben. 5. Laß mich beständig dahin 328 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. sehn, mit Jedermann so umzu-| verflucht, wird hier schon zeit gehn, wie ich's von ihm be- lich heimgesucht, und dort trifft gehre; damit ich keines Men vollends dein Gericht den unschen Herz durch meine Härte gerechten Bösewicht. je mit Schmerz und Kümmerniß beschwere. 7. Auf Buße, die er meint zu thun, tann nie dein Wohl 6. Herr, mit dem Maß, wo- gefallen ruhn, wenn er nicht mit ich hier dem Nächsten messe, redlich wiedergiebt, um was er wirst du mir dereinst auch wie- Andre hat betrübt. der messen. Dies lehre stets 8. Sein Gottesdienst ist fal mich Billigkeit, und lasse mich scher Schein, macht er nicht zu feiner Zeit der Liebe Pflicht vergessen. Herz und Hände rein von dem, was je sein böser Rath durch Macht und Lift entwendet hat. Mel. Erhalt uns, Herr, bei zc. 9. Gieb, Herr, daß ich dies wohl bedent und nie durch Un461. Fern sei von Ungerech- recht Andre tränt. Es leite Geiz tigkeit, o Herr, mein Leben alle- und Dürftigkeit mich nie zur zeit! Sonst kann ich nicht dein Ungerechtigkeit. Diener sein, sonst deiner Gnade mich nicht freun. 2. Wer Ungerechtigkeit verübt, den nächsten um sein Gut betrübt, der achtet deinen Willen nicht, verletzt die offenbarste Christliches Verhalten in Absicht wahrer Freundschaft. Mel. Es ist das Heil uns kommen 2. Pflicht. 3. Denn tief in's Herz schriebst du mir, Gott, und jedem Menschen dies Gebot: Was du nicht willst, das dir geschicht, das thue auch dem Andern nicht. 462. Welch Glück, o Gott, ist Freundschaft hier in diesem Pilgerleben! Sie kann im Inglück und im Glück uns Trost und Freuden geben. Sie ist der Tugend startes Band; vom La4. Dein Wort, das Sündern ster ab führt ihre Hand; sie ist des Himmels Vorhof. Strafe droht, schärft mir dies heilige Gebot, frei von unrech2. O Jesu, bester Menschentem Gut zu sein, mit noch viel freund, der du uns Sünder größerm Ernste ein. liebtest, nur das, was groß und 5. Dem drohet jederzeit dein edel heißt, uns hier zum Beis Fluch, der seinem Nächsten durch spiel übtest; so göttlich liebreich Betrug, durch Dieberei an sei- für uns starbst und Gottes nem Gut und seiner Habe Scha- Freundschaft uns erwarbst, uns den thut. ewig zu beglücken: 6. Das Haus des Diebes ist 3. Schenk mir auch einen Freundschaft. 329 frommen Freund nur du den! Bild unser Herz zur Eifannst ihn mir geben- der nigkeit, lehr uns, daß jene Seedel und rechtschaffen denkt, der ligkeit sei wahre Lieb und mir in meinem Leben ein rei- Freundschaft. dim - end Tugendmuster sei und bei mir standhaft und getreu im Mel. Nun fich der Tag geendet zc. Blüd und Unglück stehe. 4. Der meine Unvollkommen- 463. Das Glück ist groß, heit mit sanfter Schonung trage, mir Fehler ohne Bitterfeit, nur das Gott mir schenkt in einem wahren Freund, der als ein mich zu bessern, sage; der mich Christ rechtschaffen denkt und bor Sünden immerdar, vor treu es mit mir meint. Irrthum, Schaden und Gefahr an Leib und Seele warne. 5. Doch laß mein Herz vor2. Man schäßt den Freund in Jedermann, wär er auch nicht ein Christ. Doch ganz ihtig sein, mit wem es Freund- unschätzbar ist er dann, ift er haft machet. Kein Spötter auch wahrer Christ. der Religion, der über Tugend lachet, tein Wollüstling, fein tolzes Herz, wer fühllos ist bei Andrer Schmerz, sei jemals mein Bertrauter. 3. Als Wahrheits- und als Tugendfreund befißet er mein Herz. Ich theil mit ihm, der's redlich meint, mein Glück und meinen Schmerz. 6. Ein Mensch, vom Laster 4. Ich schmeck des Lebens angestedt, wird mich auch leicht Süßigkeit in doppelt starter anstecken. Laß mich ihn fliehn Kraft, wenn mich das edle Glück als eine Best, mich nicht durch erfreut, das so ein Freund verihn befleden. Wie tann ein schafft. Mensch, der ohne Scheu stets 5. Manch Leid umwölket Gott verleugnet, Menschen treu mein Gemüth; ich klag es meiund redlich sein und bleiben? nem Freund, fühl, daß schon 7. Doch hab ich einen wah- halb der Kummer flieht, wenn ten Freund von dir, o Gott, er nur mit mir weint. erhalten, so laß dann auch mein 6. Oft lindert mir sein guter barmes Herz nie gegen ihn er- Rath des Lebens herben Schmerz. falten. Laß mich verschwiegen, Oft hilft er mir auch in der redlich sein, Neid, Falschheit, That, und froh dankt ihm mein Argwohn, Schmeichelein und Herz. igennus stets fliehen. 7. Freimüthig, ohne Bitter8. Gott, präge du der Liebe feit, straft er mich, wenn ich einn so Freunden ein, als Fein- fehl, und eigne Unvollkommenden. Auch die, die meine Feinde heit hält er vor mir nicht hehl. find, die mache mir zu Freun8. Manch Wort, zu unsers 330 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. Gottes Ruhm, theil ich mit ihm| ihr Retter aus der Noth, auf vertraut, und werd in meinem den sie sicher trauen! Laß sie Christenthum oft sehr durch ihn erbaut. im Glanze deines, Lichts die Gnade deines Angesichts, dein 9. Ich freue mich mit ihm Vaterherz sie schauen! Stärt sie der Zeit, da uns in jener Welt, auf ihrer Pilgrimschaft bei jedem verklärt zum Glück der Ewig- Schritt mit neuer Kraft! keit, nichts mehr am Wohlsein 4. Bau ihnen Häuser; ohne fehlt; Müh bereichre fie und segne sie 10. Da wir, vor Gottes und auch noch ihren Samen. Thron vereint, von allen Män- Gesegnet sei durch sie das Land, geln rein, ihn sehn, den aller- in welches sie dein Wink ge höchsten Freund, mit ihm uns sandt; mach herrlich ihren Naewig freun. men! Laß fie in Fried und 11. O Gott, mein Gott, wie Wohlergehn einft ihrer Kinder dank ich dir, wenn so ein Freund Kinder sehn! mich schäßt. Ich bitte dich, er= halte mir dies Glück stets unverlegt. Fürbitte für abwesende Freunde. Mel. Ewigkeit, du Donnerwort zc. 464. Du, welchen keine Welt 5. Gieb, daß sie ihrer Tugend Ruhm, ihr unverleßlich Eigenthum, einst durch den Tod be gleite! Beim Sterben sei ihr Trost und Licht! Ach, ihre Aſche ruht zwar nicht dereinst an mei ein Tag erscheint, der ewig mich ner Seite; doch froher Trost, umschließt, der du allgegenwär- und sie vereint. tig bist mit allem deinem Se6. O, wie gedenk ich dein gen, du großer Schöpfer, Je- so gern, du Tag des Lebens, hovah, bist auch den fernen Tag des Herrn! Wann wird Freunden nah auf allen ihren Wegen; du übersiehst, o Gott, dein Licht erscheinen? Tag, der auch die mir wieder giebt, die sie nie; ach segne, Vater, segne sie! ich, entfernt von mir, geliebt, 2. Du selber trenntest sie von die Seligen, die Meinen! Wie mir; da seufzte laut mein Herz wird sich unsre Seele freun! zu dir, da flossen meine Thrä- Gott, welche Wonne wird das nen; ich suchte sie und fand sie sein! nicht. Du Menschenfreund, mein Angesicht verhüllt ein schmerz- Zufriedenheit und gewiſſen lich Sehnen. Doch du gabst hafte Treue in seinem Berufe meiner Seele Ruh: Ich will ihr Gott sein, sagtest du. und Stande. 3. Ja, sei und bleib ihr Mel. Alle Menschen müssen 2c. Freund, ihr Gott, ihr Schuß, 465. Du, von dem wir Alles Stand und Beruf. 331 haben, Schöpfer, Vater, Herr| ten, was der mund verspricht, der Welt! Geben kannst du deine sei uns immer heilge Pflicht. Gaben wem und wie es dir 6. Laß, wenn ich von Andern gefällt; mannigfaltig und ver- borge, zum Ersatz mich sein ghieden theilest du sie aus hie- bereit; Dankbarkeit sei meine mieden, weise stets, und wie du Sorge und die strengste Redsiehst, daß es uns ersprießlich ist. lichkeit. Laß uns dankbar un2. Mache jeden doch so weise, sern Brüdern Beistand, Hülf daß er, was du ihm verliehn, und Rath erwiedern; Vorschub, daß er, was du ihm verliehn, den ein Freund uns thut, ist sich zum Heil und dir zum Preise müzen mag, den Mißbrauch ja sein, nicht unser Gut. fliehn. Denn, was du mit mil7. Herr, bewahre unsre Hände den Händen uns ertheilst, so von Betrug und Raube rein; anzuwenden, wie es, Höchster, Eigenthum, das ich entwende, bir gefällt, nüßet uns, beglückt würde Fluch und Tod mir ſein. die Welt. Sind wir reich von fremden Schäzen, hilf, daß wir es bald ersetzen. Beſser ist es, dürftig sein, als sich des Geraubten 3. Du verknüpftest uns als Glieder. Karger Eigennuß und Neid, Stolz und Zwietracht der freun. Gemüther, Müßiggang und Weichlichkeit, was das Glück 8. Gieb, dağ Keiner neidisch das Glück sehe auf den, welcher mehr emder Menschheit störet, was uns fing, noch daß dieser stolz sich händet und entehret vor dir, blähe, Brüder achtend für ge= unserm höchsten Herrn, sei auf ring. Gieb, daß Jedermann ewig von uns fern. zufrieden mit dem, was du ihm beschieden, unverdrossen, emsig, treu hier in seinem Stande sei. 9. Herr, du ziehest einst uns 4. Jedem laß uns willig geben, was er Recht zu fordern hat; nicht den Obern widerstreben, denn sie sind an deiner alle zur genausten Rechenschaft; Statt. Ja, ein freudiges Ge- gieb, daß dies uns nie entfalle wissen wird uns jede Last ver- und uns so gewissenhaft hier füßen, geben wir mit frohem auf Erden wandeln lehre, daß Sinn schuldgen Zoll und Steuern wir einst, gekrönt mit Ehre, mit der treuen Knechte Lohn bin. 5. Dem, der mühsam für stehen dort vor deinem Thron. mich schwitte, der mit ſeinen Kräften mir und mit seiner/ Christliches Verhalten der Arbeit nüßte, dem gebühret Obrigkeit und der Unterthanen. John dafür. Laß uns denn das Unrecht fliehen, Keinem| Lohn und Sold entziehen; hal-| Mel. Herr Christ, du einger 2c. Gott ist's, der einge 332 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. setzet den Stand der Obrigkeit, bereit sein immerfort, daß wir der den, der ihn nicht schätzet, als treue Glieder dem Haupt zu strafen ernstlich dräut. Die nie sein zuwider, das für uns Gottes Stell verwalten, soll sorgt und wacht. man in Ehren halten aus Ehrfurcht gegen Gott. 8. Gott, der du uns gegeben rechtschaffne Obrigkeit, erhalt 2. Was sie Amts halber hei- sie lang am Leben, sei ihr stets Ben, soll man sich weigern nie, nah und leit sie so durch deine Gehorsams sich befleißen, Gott Gnade, daß Unruh, Sünd und bitten, daß er sie zur Weisheit Schade durch sie werd abgemöge lenken, damit sie stets be- wandt. denken, sie stehen unter Gott; 3. Daß sie von ihrem Leben, und was durch sie geschicht, Mel. Nun freut euch, liebe zc. einst Rechenschaft zu geben, dori 467. Gott, jei unsrer müssen vor Gericht, auf daß Obrigkeit stets nah mit deiner von ihnen werde die anvertraute Gnade; gieb, daß dein Geist sie Heerde geliebet und verpflegt. ficher leit auf ihrem steilen 4. Durch sie wird uns ge- Pfade. Verleih ihr Weisheit, währet Ruh, Sicherheit und Muth und Kraft, daß sie ihr Schuß. Sie schafft, daß uns Amt gewissenhaft und freudig nicht störet des fühnen Frevlers vor dir führe. Truß. Sie setzet Ziel und Maße der Bosheit und dem Hasse, 2. Laß unter ihrem Schut und macht uns deinen Segen der uns zu fränken sucht. spüren, daß wir, durch ihren 5. So ist es denn auch bil- Schuß bewacht, ein stilles Leben lig, daß man Schoß, Dienst führen; daß nie Empörung, und Pflicht, die ihr gebühret, 3wift und Neid die Ruhe und willig und ungesäumt entricht; die Einigkeit zu unserm Schadaß nichts die Last und Bürde, den störe. die sie bei ihrer Würde trägt, ihr erschweren mag. 3. Verleih uns, Gott, dies große Gut, daß die, die uns 6. Wenn man zu Dienst nur regieren, in deiner Furcht mit stehet vor Augen und und zum sanftem Muth stets ihre Herr Schein, daß man der Strafschaft zieren. Laß sie durch Ernst entgehet, da ist das Herz nicht und noch viel mehr durch Huld, rein. Wer das zu thun be- wie du, Allgütiger, des Landes flissen, was Liebe und Gewissen Heil befördern. gebeut, den liebet Gott. 4. Gieb denen Eifer, Fleiß 7. Ach Herr, verleih uns und Treu, die unter ihnen le allen, daß wir nach deinem ben; und Jeder, der gehorchet, Wort den Obern zu gefallen sei dem, der befiehlt, ergeben. In der bürgerlichen Gesellschaft. 333 Und Jeder sei in seinem Stand| stehen, zu wachen und des Lanbei seiner Treu von deiner des Wohl durch Tugend zu erHand, Allgütiger, geſegnet. höhen. Was den Genuß des 5. Laß deines Geistes Gnade Friedens stört, mit Kümmerniß ruhn, Allherrscher, auf uns al- sein Herz beschwert, sei fern len; lehr du selbst Haupt und von unsern Grenzen! Glieder thun nach deinem Wohlgefallen; und führe uns nach 5. Erhöre seinen Wunsch, und laß den Flor des Landes dieser Zeit ein in das Reich der steigen, erhöre unsern Wunsch, Herrlichkeit, das ewig, ewig und laß spät seinen Tag sich währet. neigen. Und, wenn mun seine Zeit entflohn, dann gieb ihm dort vor deinem Thron die Krone der Gerechten. Gebet der Unterthanen für ihren Fürsten. Mel. Nun freut euch, liebe zc. 468. Dem Lande, dem du gnädig bist, Gott, wird ein Fürst Volkes Christliches Verhalten der Lehrer und Zuhörer in der Religionsgesellschaft. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. Freude ist, als Bater herrscht 469. Preis jei dir, der uns, und denket. Ihn hast du, Gott, zu beglücken, die einst nicht auch uns verliehn; Preis dir! Grhalte, segne ihn und uns durch ihn noch ferner. waren, werden hieß, und der, durch sie uns zu beglücken, sein Wort uns offenbaren ließ. 3u 2. Laß deine Gnade mit ihm unserm Heile sendest du uns gehn auf seinem hohen Pfade. stets noch treue Lehrer zu. Sie, die auf dieser Höhe stehn, 2. Herr, segne ihres Amtes bedürfen deiner Gnade, bedür- Werke, damit sie es mit Freuen fie im höhern Maß; auf den thun; ach, rüste sie mit ihn, auf unsern Fürsten, laß Muth und Stärke, laß deinen sie reichlich sich ergießen. Geist auf ihnen ruhn, und gieb, 3. Gieb, daß der Geist der daß Jeder vor dir treu im Weisheit ihn bei jedem Schritte Lehren und im Leben sei. leite, daß seinen Vorsatz und 3. Besonders gieb, o HeiBemühn dein Segen stets be- land, Kräfte zu seinem Amt, gleite. Was ihn und uns, sein Beruf und Stand dem, den Bolt, beglückt, was den, der zum Predigtamtsgeschäfte du Hülfe sucht, erquickt, sei ihm von uns hast gnädig zugesandt. dir gewähret. 4. Gleich ihm mach die auch eifervoll, die ihm zur Seite| sein. Hilf du ihm selbst, so wird allein sein Amt an uns gesegnet 334 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 4. Gieb, daß von dieser gan=| Vaters Thron dich glorreich aufzen Heerde, die du, Herr, ihm geschwungen, da fandtest du den haft anvertraut, tein Einziger Geist herab, der deinen Boten verloren werde, und daß sein Zeugniß gab, daß sie von dir Wandel uns erbaut, daß uns gesendet. sein Vortrag überzeugt und jeden Sünder zu ihm neigt. 5. Laß ihn mit deines Gei2. Nun traten sie, ob Haß und Wuth, sich noch so sehr empörten, doch auf mit unbe stes Waffen der Wahrheit siegtem Muth vor aller Welt Feinden widerstehn; und muß und lehrten, der Welt zum Heil er Lafter hart bestrafen, laß und dir zum Ruhm dein göttihn auf Menschengunst nicht lich Evangelium; und deine sehn; gieb, wenn er tröstet, Lehre siegte! Kraft und Licht; uns selsenfeste Zuversicht. 3. Herr, welche Scharen ste hen schon vor dir als Ueber6. Herr, segne so auch unser winder, empfinden dort vor Hören; erwecke den, der geistlich deinem Thron das Heil erlötodt; mach uns die sanften ster Sünder, und beten an, und Gnadenlehren zum wahren Lab- freuen sich und jauchzen, daß sal in der Noth; es zeige dein sie, Herr, durch dich den Weg Gesetz die Kraft, die Reue, zum Leben fanden! Scham und Beßrung schafft. 4. Noch stets hat sie gefiegt 7. Knüpf zwischen ihm und durch dich, Sohn Gottes, deine uns die Bande der Liebe und Lehre; noch steht sie unerschüt der Einigkeit. Was ihm gebührt terlich, gleich einem Fels im in seinem Stande, sei Jeder Meere, und nimmermehr wird ihm zu thun bereit. Wer Gott sie vergehn, wie sehr sie auch und sein Wort liebt und ehrt, die Spötter schmähn und deine der hält auch seine Diener werth. Feinde hafsen. 8. Laß auch dereinst ihn, un5. Laß ferner unter uns dies sern Lehrer, o Gott, zu deiner Licht in reinem Glanze strahlen, Rechten stehn; und laß uns und dadurch Trost und Unteralle, seine Hörer, mit ihm zur richt in unsre Herzen fallen. Himmelsfreude gehn. Da wer- Laß Glauben, Hoffnung, Tu den wir uns ewig freun und gend, Fleiß zu unserm Heil ewig mit ihm selig sein. und dir zum Preis sich unter uns stets mehren. Mel. Allein Gott in der Höh 2c. 6. Verleih und sende immerfort uns auch rechtschaffne Leh470. Dir, Welterlöser, Got- rer; gieb ihnen Kraft, und deites Sohn, sei Preis und Dant nem Wort auch stets folgfame gesungen! Einst, als du zu des Hörer. Erfreue, stärk und leite In der kirchlichen Gesellschaft. 335 sie mit deinem Geist, damit sie| Barmherzigkeit bei dir durch nie in ihrem Fleiß ermüden. 7. Den guten Samen, den e hier auf Hoffnung hin ausfreuen, laß doch, gesegnet, Herr, von dir, zu reicher Frucht gedeihen. So leben laß uns alle hier, daß unsre Lehrer und auch wir dort froh vor dir ereinen. Jesum finden. Erlaß uns gnädig unsre Schuld, und laß die Größe deiner Huld die Liebe zu dir mehren. ( Vergl. Nr. 142.) Wirdiger Gebrauch der Gotteshäuser. 5. Laß, Mittler, hier auch immerdar uns deine Gnadengaben, wenn wir voll Sehnsucht zum Altar uns nahen, kräftig laben. Das Lebensbrod, der Lebenstrant entflamm uns gegen dich zum Dank und stärk uns in der Liebe. 6. Laß auf die hier vollzognen Eh'n, Gott, deinen Segen fallen; laß unsern Dank, Gebet und Flehn dir, Vater, wohlgefallen. Hör, wenn wir dem Regentenstand, der Kirche und dem ganzen Land vor dir, Gott, Heil erbitten. Mel. Es ist gewißlich an der zc. 471. Sieh, Gott, den schon nähern Licht dort schauen fre Brüder, mit gnadenvollem Angesicht auf unser Flehen nieder; vernimm das innige Gebet, das zu dir, Gott, um Se-| 7. Nun, Gott, was wir für en fleht an dieser heilgen dieses Haus jetzt flehn, sei uns Stätte! gewähret. Treib Feindschaft, Stolz und Zank hinaus, und was die Andacht störet. Erfreu uns stets an diesem Ort mit deiner Gnade, bis wir dort im nähern Licht dich schauen. 2. An dieser Stätte können wir vereinigt dich anbeten; sei enn mit deinem Segen hier, oft wir sie betreten; laß uns ein feligmachend Wort an die jam dir geweihten Ort zum| beil der Seelen hören! 3. Laß allen denen, die wir hier dir durch die Taufe wei-| en, das Recht der Kindschaft, Bott, bei dir in Chrifto beihen. Christliches Verhalten im Hausstande. mel. Wie schön leucht uns der zc. Fürbitte vor der Trauung. ange= 472. Von dir, du Gott der Zur Eltern Sorgfalt und Bemühn, die Kinder christ- Einigkeit, ward einst der Ehelich zu erziehn, gieb Segen, bund geweiht. Oweih auch die Araft und Weisheit. zum Segen, die hier vor dei4. Wenn wir vor dir mit nem Angesicht bereit stehn, dir Reu und Leid hier beichten den Schwur der Pflicht und unire Sünden, so laß uns, Herr, Eintracht abzulegen. Laß sie, 336 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. Vater, dir ergeben einig leben, 4. Zusammen laß sie dir ver treu sich lieben, treu die Pflicht traun, zusammen ihre Seel er der Christen üben. baun, zusammen deinen Schu erflehn, vereinigt auch dein Lob erhöhn. 2. Du hast sie sich geneigt gemacht, der Liebe Flammen angefacht, die ihre Brust ent= 5. Was ihnen ihr Beruf ge zünden. Olaß die Regung beut, laß sie mit Lust und He lauter sein, laß Untreu nicht terkeit vor dir verrichten, und den Bund entweihn, zu dem sie verleih, daß auch durch dich iht sich verbinden. Immer laß sie Fleiß gedeih. dir ergeben friedlich leben, einig handeln, fromm und heilig vor dir wandeln. 6. Willst du mit Kindern fil erfreun, so gieb zu ihrer Zucht Gedeihn, daß an den Pfändern 3. O segne sie, der gern be- ihrer Eh ihr Herz nie Gram glückt, der gern den Frommen und Jammer seh. Freude schickt auf allen ihren Wegen. Lehr sie, in Noth sich deiner freun; gieb ihrem Stand und Fleiß gedeihn; laß ihr Geschlecht im Segen! Laß fie, Bater, dir ergeben glücklich leben, freudig sterben, mach sie einst zu Himmelserben! 7. Herr, Leibesfrucht ist dein Geschent. Laß Eltern, desſen eine gedenk, mit Sorgfalt böses Be spiel fliehn, und ihre Kinder dit erziehn. 8. Wenn sie der Leiden Bürde drüct, so laß sie da nicht erquickt, gieb heitre Tage nad dem Leid, und segn es füt die Ewigkeit. 9. Und wenn der Tod se trennt, alsdann sich ihre Thre nen gnädig an, und einst be eine sie erfreut für immer in der Ewigkeit. Nach der Trauung. Mel. Wenn wir in höchsten ze. 473. Gesegnet laß stets sein durch dich, Allgütiger, die, welche sich verbunden durch der Ehe Band zu steter Treu mit Herz und Hand. Das Glück und die Pflicht chriftlicher Ehelente. 474. Uns heilig soll der 6 Mel. Wie schön leucht uns der Ch fürchtig sind. stand sein: du, Schöpfer, septe 3. Laß sie einander inniglich selbst ihn ein, versprachst ihm stets lieben, doch nie mehr, als deinen Segen. Erhalt und jegne dich; laß sie in ihrem Herzen diesen Stand auch stets mit de rein und keusch in Wort und ner Vaterhand; wend ab, was ihm entgegen. Stifter, Stifter, Werken sein. 2. Mit Gnade schau auf sie herab, daß sie zusammen bis in's Grab verträglich, freundlich, vor Im Hausstande. 337 dich erhöhen, die in Ehen sich deine Gnade leite sie auf jedem dein freuen, durch dich blühen und gedeihen. Pfade. 6. Lent ab ihr Herz von 2. Wie glücklich lebt ein from- leppigkeit auf Freuden, die man mer Mann, wenn die sein Herz nie bereut, auf Freuden wahrer ihm abgewann, die Gott ihm Tugend, damit noch einst ihr ausersehen! Wie glücklich lebt Alter sei von drückenden Bean seiner Hand die Fromme, schwerden frei, noch munter wie die Gott ihm verband, ihm hülfe die Jugend. Segne, segne, beſter teich beizustehen. Heil euch, Heil Vater, Nährer, Rather, Schutz euch, fromme Galten, in dem der Chen, alle, die um Segen Schatten seiner Güte jauchzt flehen. mit fröhlichem Gemüthe. 3. Sie sind Gesegnete des Herrn, von ihnen ist der Arqwohn fern, um sie glänzt holder Friede. Häuft auch die Laft des Kreuzes sich, sie tragen sie gemeinschaftlich und so macht le nicht müde. Wenn sie beten, will's Gott hören, Leiden wehten, Schmerzen lindern und des Lebens Bürde mindern. Für eine mit Leibesfrucht gesegnete Ehefran. Mel. Es wolle Gott uns gnädig zc. 475. Du hast, o weiser Schöpfer, mir jetzt Leibesfrucht gegeben; von Herzen dank ich dir dafür. Laß, Herr, sie nun auch leben! Es fann dein liebdeden. So schüß denn deiner reich Augenmerk vor allem Uebel Hände Werk und mich vor Furcht und Schrecken, vor Schwermuth, Angst und Unfall. 2. Schmück meines lieben 4. So wie sich breitet um ein Haus ein rebenreicher Weintod aus: so blühn oft Eh'genofsen. Und rings umpflanzen ihren Tisch die Kinder fröhlich, munter, frisch, wie junge Früh- Kindes Seel mit Weisheit und lingssproffen. Sorgt nicht, Väter; Verstande, daß es den Tugendwie viel Kinder, so viel Beter, weg einst wähl und fliehe jählt ihr Mütter; Sorg und Sünd und Schande. GesundMüh ist minder bitter. heit schenke seinem Leib; du 5. Gott, du haft Alles wohl fannst Gebrechen wehren. Und gemacht; du hast den Eh'stand wenn, o Gott, ich schwaches hochgeacht, daß ihm kein Se- Weib mein Kind nun soll ge= gen fehle. Laß Gatten nicht den bähren, so hilf Bund entweihn, keusch laß sie, Nöthen. friedjam, zärtlich sein, ein Herz mir in den 3. Ja, kommt einst meine und eine Seele; heilge, heilge, Stund und Zeit, dann stärke Geift der Liebe, ihre Triebe; mich in Gnaden; entbinde mich Osnabr. Landgefangb. X. Aufl. 22 338 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. zu rechter Zeit, behüte mich vor| und Sünd und Spott und LeichtSchaden; gieb zur Geburt mir sinn herrschend sind. Muth und Kraft und lindre 5. Durch deine Weisheit, meine Schmerzen. Du bist's, Macht und Güt vor schwerem Herr, der uns Hülfe schafft, Unfall sie behüt; führ du fie der nach der Angst dem Herzen selbst auf rechter Bahn und auch Freude wieder schenket. nimm in Noth dich ihrer an. 4. O Freude, wenn mein 6. Hilf, daß fie dich an je Kind nun ist gesund zur Welt dem Ort vor Augen haben und gekommen, wenn's durch die dein Wort, und sich befleißen Taufe Jesus Christ in sein Reich jederzeit der Tugend, Zucht und aufgenommen. Dankbar gelobe Frömmigkeit. ich dann dir:" Ich will's dir, Gott, erziehen!" und du giebst die Versichrung mir:„ Ich segne dein Bemühen und will's als Vater lieben! 7. Wo sie ausgehen oder ein, laß sie durch dich gesegnet sein; vor allem mach von Jahr zu Jahr sie gut und frömmer immerdar. 8. Laß eifrig sie und uns zugleich stets trachten, Herr, na deinem Reich; und endet sig dereinst ihr Lauf, so nimm sie in den Himmel auf; Um Segen zur Erziehung der Kinder. Mel. Vom Himmel hoch da zc. 9. Daß einst an jenem 11 476. Verleih, Gott, daß die Ben Tag der Eltern Mund fro Kinderzucht geübet werd mit sagen mag: Sieh, ich bin mit Nuß und Frucht, daß der Er- Vater, schenktest mir." den Kindern hier, die du, mein ziehung hoher Werth an unsern Kindern sei bewährt. Fürbitte der Eltern für ihre Kinder. 2. Die Eltern laß sie kindlich scheun, den Vorgesetzten folgsam ſein; laß sie vermeiden lebens- Mel. Werde munter, mein Gemüther. lang Troy, Eigensinn und Mü- 477. Sorge doch für meine Biggang. Kinder, Vater, der mit Gnade 3. Verleih, daß ihnen mangle frönt! Zwar auch sie sind vor nicht heilsame Zehr und Unter- dir Sünder, doch durch Jesum richt; laß sie auf's Wort aus dir versöhnt. Dir, o Vater, Chrifti Mund sich gründen wie Sohn und Geist, Gott, den unauf Felsengrund. ser Glaube preist, durch die Taufe 4. Hier steh ihr Fuß fest und übergeben, dein zu sein und dir gewiß; bewahre sie vor erger- zu leben. niß: entferne sie, wo Schand! 2. Du hast sie bisher genäh Im Hausstande. 339 ret, ihre Schwachheit unterstüßt,| 7. Nicht bitt ich, daß du mit manchem Unglücksfall gewehret Leiden meine Kinder ganz verund durch Engel sie beschützt. schonst; nicht, daß du mit steten Engel schaun dein Angesicht und Freuden ihre Tugend hier bedoch schämen sie sich nicht der lohnst; nicht daß du sie hoch Beschirmung dieser Kleinen, die erhebst, ihnen großen Reichthum uns oft verächtlich scheinen. gebst, jeden ihrer Wünsche stil= 3. Sollt ich dir für diese lest, jeden Anschlag gleich erBüte nicht von Herzen dankbar füllest. sein? Sollte sich nicht mein Gemüthe über diese Wohlthat freun? Werth sind meine Kinder mir als Geschent, o Herr, bon dir! Giebst du mir nicht ihretwegen manchen unerkannten Segen? 4. Du, mein Schöpfer und Erhalter, du von Kindheit auf mein Gott, du mein Gott auch einst im Alter: sei auch meiner Kinder Gott! Segne und behüte sie. Deine Furcht erfüll sie früh, daß sie dir zum Wohlgefallen jung schon deine Wege wallen. 5. Wie viel drohende Gefahren warten ihrer in der Welt! Ver vermag's, sie zu bewahren, wenn sie deine Hand nicht hält! 8. Gieb du ihnen, o Allweiser, wie es längst dein Rath bedacht, das nur, was sie frömmer, weiser und zum Himmel reifer macht. Nie kann eine ganze Welt, wenn der Seelen Heil zerfällt, nie mit allen ihren Schätzen den Verlust der Seel ersetzen. 9. Doch, was ich zu bitten wage, find ein gnädiges Gehör: kann es sein, laß ihre Tage nicht an Freuden gänzlich leer. Werden sie geprüft durch dich, Gott, so sei es väterlich; und dann laß es ihren Seelen nicht an Trost und Stärke fehlen. 10. Jener Siegstag der Gerechten sei auch mir ein Freudentag. Hilf, daß zu des Richdaß ihr Herz Verführung flieh, ters Rechten ich dann fröhlich mach sie weise und nimm nie sagen mag: Siehe, Welterlöser, deinen guten Geist von ihnen, sieh! Hier bin ich; hier sind daß fie unverrückt dir dienen. 6. Reines unter ihnen werde auch die, die dein Vater mir verliehen, sie dem Himmel zu 11. Nichts fann unser Glück ach, verhüt es, Herr, mein erziehen. Gott!- je den Freunden zur Beschwerde, noch den Feinden dann mindern, wenn du stets je zum Spott. Sei ihr Schild mit Wonne labst und mit allen und fester Stab; laß sie sich meinen Kindern dank ich, daß bis in ihr Grab harten Man- du mir sie gabst. Dann drückt gels stets erwehren, ihres Fleißes| ferner keine Noth, dann trennt redlich nähren. ferner uns kein Tod, dann sind 22* 340 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. wir gleich deinen Engeln freil Herz kindlich sei, nicht blos so von Sorgen, rein von Mängeln. scheine; gieb, daß ich bei ihrem Schmerz vor dir kindlich fleh und weine, für ihr Glück dir dankbar sei und mich ihrer Freuden freu. Gesinnungen frommer Kinder. Mel. Jesus meine Zuversicht 2c. 478. Dir, Gott, sei mein 7. Laß auf ihre Winke mich Dank geweiht, heilig dir mein kindlich und mit Sorgfalt ach ganzes Leben, denn aus freier ten; ja, laß ihren Wünschen Mildigkeit hast du selbst es mir mich noch zuvorzukommen trach gegeben, es durch Eltern mir ten; gern, was sie erfreut, verliehn, die zur Tugend mich vollziehn; stets, was ihnen erziehn. Gram bringt, fliehn. 2. Sie, sie haben, schon als ich mich zu fühlen kaum begonnte, als ich noch nicht selbst für mich denken, sorgen, wählen konnte, stets für mich, von Treu beseelt, überdacht, gesorgt, gewählt. 8. Jesus stelle sich mir dar, er, das Beispiel aller Kinder. Er, der so erhaben war, Gottes Sohn, das Heil der Sünder, er war doch von Kindheit an seinen Eltern unterthan. 9. Gern gehorchen, sei auch 3. Welche Wohlthat ist's, daß mir wahre Luft, so ist es billig sie rastlos ihren Fleiß mir schen- und gefällig, Gott, vor dir; ten und mein schwaches Herz mache mich dazu recht willig Wohl mir dann, so wird auch mein dein verheißner Segen sein. schon früh von der Sünd auf's Gute lenken; stets auf meine Wege schaun, stets an meiner Wohlfahrt baun.. 10. Laß den Eltern ihre Müh mich, so sehr ich kann, versüßen, 4. Sollt ich diese Liebe nicht und sich reichlich über fie deidankbar stets zu Herzen neh- nen Segen, Gott, ergießen; höre men? Ach, der oft verletzten mein und ihr Gebet, das um Pflicht muß ich, Gott, vor dir deinen Segen fleht. mich schämen; denn nicht stets hab ich vollbracht, was den Eltern Freude macht. Für einen Jüngling. 5. Laß hinfort, wie du verMel. Ermuntre dich, mein 2. langst, meine Pflicht mich treu 479. Ich trete vor dein Anerfüllen. Denn wie oft hat gesicht, du Schöpfer meiner Ju Sorg und Angst sie beschwert gend! Verwirf mein kindlich um meinetwillen, wie so tief lehen nicht um Weisheit und empfand ihr Herz meine Lei- um Tugend! Der du den Säugden, meinen Schmerz. ling beten lehrst und gern sein 6. Hilf, daß gegen sie mein stammelnd Flehen hörst, hör auch Im Hausstande. mit Wohlgefallen mein betend| Mitternacht noch Einsamkeit Lied erschallen. mein Leben, die Sünde, die im Finstern schleicht, verbirgt vor Menschen sich vielleicht: vor deinem Angesichte steht sie im 2. Mein Weg ist schlüpfrig; wer erhält mich, daß mein u nicht gleite? Wer führt mich sicher durch die Welt und hellen Lichte. geht mir treu zur Seite? Wer warnt mich, wenn Gefahren brohn, und lehrt mich in der Ferne schon, daß sie mich nicht erreichen, die Klugheit auszuweichen? 341 7. Der Leichtsinn, der mich oft verführt, das Böse zu er= wählen; die Wollust, welche Schmerz gebiert, der Hochmuth schwacher Seelen; die Trägheit, die den Geist verzehrt und je= den Trieb zum Laster nährt: Gott, laß zu diesen Sünden mich niemals willig finden. 3. Eh ich dich kannte, hast du mich so wunderbar bereitet, und durch die Kindheit väterich mich bis hieher geleitet. 8. Wenn sich auf meiner Zegt, Herr, da ich dir danken Jugendbahn, mich in ihr Netz tann, nimm dich auch meiner zu ziehen, Verführer meiner Jugend an, daß ich auf meinem Seele nahn, so laß mich flügWege unsträflich wandeln möge. lich fliehen! Ihr schmeichelnd 4. Mein Herz, noch unver- Locen lente nicht mein Herz führt und rein, iſt jung und von dir und meiner Pflicht! merfahren; wie leicht, geblen- Ihr Spotten und ihr Lachen et durch den Schein, stürzt es laß nie mich wankend machen! fih in Gefahren! Ach, mache 9. Der Glaub an Jesum mich mir selbst bekannt, und bleibe mir, o Gott, unendlich gieb mir Weisheit und Ver- wichtig! denn er macht mich gestand, fstets auf dein Wort zu recht vor dir, und meine Steige hauen und nie mir selbst zu richtig! Nicht Zweifel, die ein Herz erzeugt, das sich zur Sün5. Du pflanztest, Herr, in denliebe neigt, noch Lust zu meine Brust Verlangen nach widersprechen, laß meinen GlauVergnügen, laß mich den Hang ben schwächen. trauen. jeder Luft, die du verbeutst, 10. Der Tugend heilige mich besiegen! Dein unausbleibliches ganz, mein Schöpfer und ErBericht vergesse meine Seele halter! Sie werde meiner Ju= nicht, und weder Glück noch gend Glanz und einst mein Leiden laß, Herr, von dir mich Trost im Alter. Erhalte mein heiden. Gewissen rein! Laß keinen mei6. Von dir, o Gott, werd ich ner Tage sein, der nicht zu dei= bewacht, bin stets mit dir um ner Ehre geschmückt mit Tugeben. Vor dir bedeckt nicht gend wäre! Beweis der Gottseligkeit und Tugend. 11. Ach, lehre mich den sund ihre Schönheit Tugend; Werth der Zeit, daß ich sie gieb mir den sanften, stillen nicht verschwende, daß ich mit Geist, der dich durch seine Deweiser Thätigkeit zum Guten muth preist, den Nächsten nie sie verwende. Gott, meiner verachtet, sich selbst zu bessern Jugend! Fleiß und Müh laß nicht umsonst sein; segne sie! 4. Die Lust der Eitelkeit lag Laß auch durch mich auf Er- nicht mein junges Herz entzün den dein Werk gefördert werden. den. Sie macht mich untren trachtet. 12. Erhöre gnädig mein Ge- meiner Pflicht, Bahnt mir den bet, du Schöpfer meiner Ju- Weg zu Sünden; geſuchte Zier gend! Erhör es! Meine Seele und Pracht der Welt ist nicht fleht um Weisheit und um Tu- der Schmuck, der dir gefällt; gend! Mein ganzes Leben du willst, ich soll bescheiden mit dank ich dir! Weich nur, Sittsamkeit mich kleiden. Erbarmer, nicht von mir, damit ich meine Wege unsträflich gehen möge. 342 5. Preis dir und Dank, mein Schöpfer, Gott, du gabst mit eine Seele! Preis dir und Dank, mein Mittler, Gott, du starbst für meine Seele! Mein Leib ist doch nur Asch und Staub, nie wird mein Geist Für ein junges Frauenzimmer. Mel. Ermuntre dich, mein 2c. 480. Ich will in meiner des Todes Raub. Mein erst Einsamkeit zu dir mein Herz Geschäft auf Erden sei, schön erheben: du selber wollst mir am Geist zu werden. Freudigkeit, dich anzurufen, geben! Vernimm, o Bater, mein Gebet, das dich um Licht und Stärke fleht; um deiner Liebe willen eil, Herr, es zu erfüllen. 6. Gott, lehre du mich eilen, ihn mit Weisheit auszuschmiden, denn meine Tage flicht dahin gleich schnellen Augen blicken. Gieb, daß zu leerer Läns delei mir meine Zeit zu kostbar 2. Du bist mein Vater, ich sei, und laß es mir gelingen, dein Kind; mein Heil ist, dich sie nüßlich zuzubringen. zu lieben! Ach, mache mich dir 7. Bewahr mein Auge, daß gleichgesinnt in allen meinen es nie unreine Gluth ernähre, Trieben! Laß meine Seele keusch und meine Reden, Gott, daß e und rein und treu in deiner fein Spötter falsch erkläre! Die Liebe sein; sie suche dir vor Unschuld sei mein liebster Ruhm, allen, o Vater, zu gefallen! ein guter Ruf mein Eigenthum, 3. Vor stolzer Selbstgefällig- den Jeder gern mir gönne und teit bewahre meine Jugend; Niemand lästern könne. ihr Vorzug sei Bescheidenheit, 8. Bewaffnet sei mein gan Im Hausstande. 343 jer Blick mit Ernst der keuschen ich in den Chören der Engel Tugend! Seht ihn und bebet dich verehren! scheu zurück, Versucher frommer Für Bejahrte. Jugend! Der Verführung Umgang, der droht, sei mir Mel. O Gott, du frommer Gott zc. furchtbarer als der Tod; laß eine wilden Freuden wie eine 481. Dich preis ich, höchfter Best mich meiden. 9. Die Frevler, die mit ihtem Spott sogar dein Wort befleden, vertreibe fern von mir, Gott, mein Vater und Erhalter, daß du mich gnadenvoll geleitet bis in's Alter. Du hast oft wunderlich, doch stets mich Gott, daß sie mich nicht er- wohl geführt; im Kummer selbst greden, dich lästern sie und hab ich dich nah und treu geſpürt. deinen Sohn, und sprechen deiner Wahrheit Hohn; unselige Verführer, erbarm, erbarm dich ihrer. 2. Du gabst mir Ehr und Brod, Gesundheit und Bergnügen. Durch deine Kraft hab ich, was schwer war, überstie= gen. Was mir oft furchtbar war, das lenkte deine Hand so weise, daß zuletzt ich darin Wonne fand. 10. Laß fromme Freundin en in mir ein Herz wie ihres finden. Verknüpf durch Unhuld uns, daß wir der Freundhaft Glück empfinden. Laß unsre 3. Jetzt schwindet meine Kraft. Liebe sanft und rein, wie dei- Bei diesem Unvermögen bedarf ner Engel Umgang sein: daß ich mehr als sonst dein väternimmer unsre Seelen Neid lich Verpflegen. Du warst ja oder Argwohn quälen. 11. Schickst du einst einen reund für mich, so gieb, daß ihn wähle! Er sei Chrift und fürchte dich, und 4. Ja, heb und trage mich, lieb auch meine Seele! Laß mein Gott, wie du verheißen; feines Hauses edle Zier mich und mit erhöhtem Dank will werden! Gott, laß ihn in mir ich dafür dich preisen. Verzeihe die beste deiner Gaben für dies mir, was ich je Böses hab gesonst mein Gott; verlaß auch jetzt mich nicht! Auf dein Wort gründe ich, Herr, meine Zuversicht. ein ein Leben haben! than; um Jesu willen sich mich mit Erbarmen an. 5. Ich bin nun nicht mehr von meiner Laufbahn dein Gebot den Weg zum Heile 12. Der du mich selbst durch lehreft, ich will dich preisen, weit meinen Gott, daß du mein Flehn Ende. Ich stehe nah am Grab. erhörest. Ich opfre dir mein Gottlob! In Jesu Hände ergeb Lebenlang der Unschuld und ich meinen Geist; er will mein der Tugend Dank; dort will Heiland sein! Ich werde nach 344 Beweis der Gottseligkeit und Tugend. dem Kampf mit ihm mich ewig| auf dich; mein Gott und Ba freun. ter, sorg für mich, und mach es mit mir wohl. Gieb nut, daß ich mit jedem Tag zum Himmel reifer werden mag. Für Waisen. Mel. Warum betrübst du dich zc. 8. Wie freu ich mich, ich 482. Zu dir, erbarmungs- werde sie, die mir der Tod entvoller Gott, nach dessen weisem zog zu früh, die Lieben wieder Rath der Tod mir meine Eltern sehen, dort, wo die Seligen kein nahm, zu dir flieht mein gebeug- Tod mehr trennt, vor deinem ter Sinn, zu dir, dem höchsten Throne, Gott! Helfer hin. Für eine Wittwe. 2. Du, der an's Licht mich kommen ließ und meine Eltern du mir Mel. In allen meinen Thaten. bei; du, der Verlaßnen Zuver- 483. Fest soll mein Hoffen sicht, sei auch mein Vater, Trost stehen! Gott hört der Wittwen und Licht! 3. Ach, flöß mir wahre Tugend ein, so werd ich immer glücklich sein; Herr, leit und führe mich; laß mich bei dir in Gnaden ftehn, so wird mir's immer wohl ergehn. Flehen, er nimmt sich meiner an. In jedem Schmerz und Leide ist Gott mein Trost und Freude, der Fels, den ich um fassen kann! 4. Von dir kommt alles wahre Gut, drum gieb mir Weisheit, Kraft und Muth, und deinen guten Geist, damit mein schwaches Herz nicht fehl und stets das beste Theil erwähl. 2. Mich tröstet ſeine Gnade; er ist auf jedem Pfade bei mit bis an das Grab; nie will et mich verlassen, dies Troftwort will ich fassen; Gott schaut auf mich mit Huld herab. 3. Die, die in stiller Kammer dir flagten ihren Jammer, er 5. Bater aller Gütigkeit, hörtest ehmals du; auf sie flos. beschere mir von Zeit zu Zeit Gott, dein Segen; auf allen die Mittel meines Glücks; du ihren Wegen war Friede, Siweißt ja leicht für Jeden Rath, cherheit und Ruh! den deine Hand geschaffen hat. 4. So viel seit so viel Jah6. Du hörest, wenn die Ra- ren betrübte Witwen waren, ben schrein; laß auch dein Kind so viel hast du verpflegt; die erhöret sein, und nimm dich in Bekümmernissen sich, Gott, meiner an; verleih mir Unter- auf dich verließen, sahn ihre halt und Brod, so viel zu die- Last auf dich gelegt. sem Leben noth. 5. Auch mich wird dein Arm 7. Ich werf all meine Sorg stärken, auf mich dein Auge Im Hausstande. 345 merken, und auf mein Flehn liebte, des Abschied mich bedein Ohr! Ich will mit heißem Flehen vor deinem Antlig stehen, und seufzen, Gott, zu dir empor. trübte, find ich in Gottes Hand. Wie wollen wir uns freuen, und unsre Lieb erneuen im thräseh ich sie bei meinem Gott! 6. Mein Joch will ich still nenfreien Vaterland! tragen. Dir, Vater, darf ich 13. Gestärkt durch Gottes agen, was je mein Herze drückt! Gnade, geh ich die schweren Du bist mir in der Nähe! Gott, Pfade, er lindert meine Noth. den ich zwar nicht sehe, den Nicht ewig werd ich weinen; aber doch mein Glaub erblickt. ich komme zu den Meinen; bald 7. Du siehst mich,- o Gedante des Trostes, wenn ich wante in meiner Einsamkeit! Und du wirst, Herr der Welten, sen mit mir den Vater preisen, mir's öffentlich vergelten, wenn der sie erhalten kann! Gott, till mein Herz sich deiner freut! sei du ihr Vater, ihr Schüßer 8. Ja bis zum letzten Schritte; und Berather, nimm dich der 1, wenn ich noch mehr litte, armen Waisen an. ( Wenn sie Kinder hat.) 14. Dann sollen meine Waieh ich mit Lust auf dich; nur dir, dir zu gefallen, hier zu wallen, sei mein Be- 484. Durch dich, Gott, bin fireben; stärke mich! es ist 9. Mit Ernst und frohen mu- ich, was ich bin, und thes will ich sorgfältig Gutes deine Gabe, daß ich die Dienste vor deinen Augen thun; gern und Gewinn von andern Menmich der Welt entziehen, Zer- schen habe. Sie leihen ihre treuung, Thorheit fliehen, und Kräfte mir; dies, höchster Herr, nur in deinem Schoße ruhn. verdank ich dir. - Gesinnungen guter Herrſchaften. unsträflich Mel. Mir nach, spricht Christus 2c. 10. Dann eilen meine Tage 2. Mich zu beglücken, dienen mit jeder Last und Plage leicht sie, verzehren ihre Kräfte und wie ein Traum dahin! Dann dulden gern des Lebens Müh leg ich meine Glieder froh einst in meinem Hausgeschäfte. Tode nieder, wenn ich zum dieses Vorrechts fromm Himmel reifer bin. freun, nie hart, nie stolz, noch Laß mich 3. Auch der geringste Diener 11. Dann geh ich, den zu lieblos sein. schauen, der mein Stab, mein Bertrauen, mein Gott ist und ist bestimmt zum ewgen Leben; mein Freund. Wie will ich für ihn und mich hat Jesus dann ihn ehren, wie danken für Christ sich in den Tod gegeben. die Zähren, die ich als Witwe Vor deinem Throne hat mein hier geweint. Knecht mit mir als Mensch ein 12. Den ich und der mich gleiches Recht. Vom heiligen Geiste und 4. Gott, präg dies meinem füllen der Herrschaft guten Wil Herzen ein, als Bruder ihn zu len als deinen Willen und Gebot. lieben; laß immer mich beflissen 3. Bewahre mich vor klagen. sein und nie mich ihn betrüben, Lehr mich, mein Joch zu tragen, daß über meine Grausamkeit er auf deinen Willen sehn. Be nie zu Gott um Hülfe schreit. wahr vor Stolz und Neide, vor Rachgier, wenn ich leide, und lehr mich grade Wege gehn. 5. Laß mich ihm seine saure Pflicht auf's möglichste versüßen. Er soll, wenn Hülfe ihm ge= bricht, sie stets von mir genieBen. Ihn tragen will ich, ihm verzeihn, und, wird er krank, sein Pfleger sein! 4. Beim Reden und beim Schweigen ein redlich Herze zeigen, das sei mir strenge Pflicht. Lehr mich, Gott, stets treu han deln; sehn Menschen mich nicht wandeln, so sieht mich doch dein Angesicht. 346 Gesinnungen guter Dienstboten. Mel. In allen meinen Thaten 2c. 5. Der Herrschaft beizustehen, an ihrem Wohlergehen theil 485. Du, Gott, bist der Ge- Zucht an ihren Kindern durch nehmend mich zu freun; die rechte, der Herr der Herrn und Aergerniß nicht hindern: dies Knechte, bist aller Menschen laß, Gott, mein Bestreben sein. Heil! Der Niedrigste auf Erden 6. Ich finde jeden Morgen fann groß durch dich einst wer- mein Brod ohn eignes Sorgen den, an ewgen Ehren haben durch meiner Herrschaft Güt. Theil. Einst soll ich bei dir wohnen, den Treuen willst du lohnen! Dies stärt zur Treue mein Ge 2. Jest muß ich andern dienen. Wem folg ich, folg ich ihnen? Dir, meinem Herrn und müth. Gott! So laß mich denn er= X. Vom heiligen Geiste und seinen Wohlthaten zur Besserung und Heiligung der Menschen. Mel. Aus meines Herzens Grunde zc.| Geist, der durch sein Wort uns 486. Freut euch, ihr Chriften lehret, des Glaubens Licht veralle! Gott schenkt uns seinen mehret und uns auf Chriftum Sohn. Preis, Lob und Dant weiſt. erschalle! Er giebt von seinem 2. Es läffet offenbaren Gott, Thron uns auch den heilgen unser höchster Hort, uns, die dessen Wohlthaten. Auf Pfingsten. 347 boll Blindheit waren, sein himm- an Jesum Christum kein Spötich Licht und Wort; o seht, ter rauben, noch Macht der wie er uns liebt! Lernt, Chri- Hölle. ften, ihn erkennen und euren Sater nennen, der alles Gute giebt! 4. Wenn wir des Vaters Willen thun, können wir in sicherm Frieden ruhn, still und unüberwindlich. Des Vaters Willen lehr uns denn durch deine Kraft erfüllen in edler Einfalt! 3. Verleih, daß wir dich lieben, o Gott von großer Huld; daß wir dich nie betrüben durch wiffentliche Schuld! Leit uns auf ebner Bahn. Laß uns dein Wort recht hören und thun nach deinen Lehren, so ist es wohlgethan! O 5. du, der Liebe Geist, erhöh unsre Seele, daß sie schmeck und seh, wie der Herr uns liebte; daß in den Brüdern und in seinen geheiligten Gliedern wir ihn auch lieben. 4. Laß auch des Geistes Gaben, die du verheißen haft, die matte Seele laben im Druc 6. Du höchster Trost in aller der Leidenslaft. Tröst uns in Noth, hilf getreu uns sein bis Lodespein durch diesen Geist in den Tod! Heilig laß uns le= der Freude und führ uns nach ben, uns nicht verzagen, wenn dem Leide zur Himmelsfreude uns unsre Sünden verklagen vor der Welt Richter. ein. Mel. Nun bitten wir den 2c. 7. Geist Gottes, die dir widerstehn, laß sie, ach, nicht ewig 487. Des untergehn, deinem Todesurtheil es Baters und des sie noch entrinnen, noch das Sohnes Geist, du, der uns den ewge Leben gewinnen! Sei Weg zum Heile weist, gnaden- ihnen gnädig! voller Tröster, laß, wenn wir ferben, uns das ewge Leben terben durch Jesum Christum. mel. O König, dessen Majestät zc. 2. Es leucht uns, Licht des 488. Dir, Bater, dankt mein Herrn, dein Schein, wenn schon Herz und singt, daß du den Tod und Verwesung uns dräun; Sohn gegeben, den Sohn, der hr uns Jesum, den Sohn Heil den Sündern bringt und unGottes, erkennen, im Glauben vergänglichs Leben! Ich danke unsern Herrn ihn nennen, lebend dir, daß du den Geist, der uns und im Tod. der Finßerniß entreißt, zur 3. So trifft des Irrthums Erde haft gesendet. Der Geist Läuscherei, als ob kein Versöh-| der Wahrheit kam herab, der ner Gottes sei, niemals unsre deinen Knechten Stärke gab, Seele; so kann den Glauben daß sie dein Werk vollendet. 348 Vom heiligen Geiste und 2. Erfüllt von seiner Wun-[ zeige voll Erbarmen dich mit derkraft, gehn sie, die Welt zu einst in Todesnöthen. lehren; der Geist, der neue Her= zen schafft, hilft ihnen sie bedie Völker Mel. Herr Jesu Christ, dich erfreut die Botschaft ihrer Se- 489. Du Führer, der mit ligkeit: Licht, Wahrheit, Tugend treuer Hand den Weg uns zu siegen; das Laster und die dem Himmel weist! Du, Blindheit flieht; wo man den sers Erbes theures Pfand! Finger Gottes sieht, muß bei- Gepriesen seist du, heilger Geift! des unterliegen. 2. Auch dich preist deine 3. Umsonst, daß wilder Eifer Christenheit, du Geist des Vaters tobt, Verfolgung zu erregen. und des Sohns! Du bist, wie Dein Name, Jesu, wird gelobt; sie, von Ewigkeit mit ihnen dein Wort ist Kraft und Segen. Herrscher eines Throns. Die Jünger schreckt nicht ein 3. Dem Vater und dem und Müh; dein Geist, o Vater, Sohn und dir sind wir zum stärkte sie in Martern und im Eigenthum erkauft. Auf dich, Tode. Sie blieben ihrem Herrndreieinger Gott, sind wir getreu, bekannten seinen Namen deines Namens Preis getauft. frei und lobten ihn im Tode. 4. Der Gottheit Willen that zu 4. Noch jetzt bist du der Geist du kund. Durch dich weissage der Kraft, noch jetzt der Men der Prophet. Du legtest ihm schen Lehrer, der Jesu neue in seinen Mund das Wort des Jünger schafft, des Sünden- Heils, das nie vergeht. reichs Zerstörer. In Sündern 5. Nichts schließt vor de wirkst du Reu und Leid, in nem Blick sich zu; den Abgrund Frommen Tugend, Trost und der Unendlichkeit, der Gottheit Freud, und Muth im Kampf Nath erkennest du mit göttlicher der Sünden. In bangen Stun- Allwissenheit. überwinden. den schenkest du, so wie im 6. Du haft dem Erdkreis Tode Seelenruh, und lehrst ihn offenbart, was feine Weisheit je erkannt, als dich nach seiner 5. Des Vaters und des Soh- Himmelfahrt der Herr den Senes Geist, du Quell des Lichts, nen zugesandt. der Liebe, den Jesus Betenden 7. Welch eine Pracht ver verheißt, ach, heilge meine klärte dich! Ein schnelles BrauTriebe! Gieb über meine Sün- sen füllt das Haus. Da gießet den Schmerz und Muth zum du dich sichtbarlich auf sie in Glauben in mein Herz! Hilf Feuerflammen aus. mir in Andacht beten. In ban8. Sie scheuen nun nicht gen Stunden tröste mich und Schmach und Müh; denn du dessen Wohlthaten. Auf Pfingsten. 349 haft alle Furcht entfernt. Die erkennen, Jesu, noch mit echter Thaten Gottes preisen sie in Treu meinen Gott und Herrn Sprachen, die sie nie erlernt. dich nennen, stehet mir dein 9. Wir haben, Geist der Geist nicht bei. Drum so laß ihn Ghad und Stärk, an deinen kräftiglich in mir wirken, daß Baben gleichfalls Theil. Un- ich dich glaubensvoll als Mittsichtbar schaffest du dein Wert ler ehre und auf Deine Stimme 4. Ewge Quelle wahrer Gühochgelobter Gottesgeist, du menschliche Gemüther besserst und mit Trost erfreust! Nach dem Glück verlangt auch mich! Ich ergebe mich an dich. Mache mich zu Gottes Preise Ghad und die Gemeinschaft heilig und zum Himmel weise. deiner Kraft verleih uns Tu-| gend, Trost infrer ganzen Pilgerschaft. in uns zu unsrer Seelen Heil. höre. 10. So setz auch unser Herz in Gluth, mach uns des Robes ter, Bottes voll! Stärt auch in der Drangsal unsern Muth, tröst is in Angst und leit uns wohl! 11. Des Vaters Liebe, Christi 5. Fülle mich mit heilgen und Rath auf Trieben, daß ich Gott, mein höchstes Gut, über Alles möge lieben, daß ich mit getrostem Muth seiner Vaterhuld mich freu und mit wahrer Kindestreu stets vor seinen Augen wandle und rechtschaffen denk und handle. 6. Geist des Friedens und Mel. Werde munter, mein Gemüthe zc. 190, Der liebest, er du uns als Vatreuer Gott, und deinen Geist denen, die dich bittan, giebest, ja uns um ihn, bit- der Liebe, bilde mich nach deiheißt, demuthsvoll fleh ich nem Sinn, daß ich lieb und Tor dir: Vater, send ihn auch Sanftmuth übe, und mir's mir, daß er meinen Geist rechne zum Gewinn, wenn ich meue und ihn dir zum Tem- je ein Friedensband knüpfen pel weihe. kann, wenn meine Hand zur 2. Ohne ihn fehlt meinem Erleichtrung der Beschwerden Biffen Leben, Kraft und Frucht- kann dem Nächsten nützlich barkeit; und mein Herz bleibt werden. di entriffen und dem Dienſt der Welt geweiht, wenn mit durch seine Kraft die Ge- ler seh, und durch demuthsvoll ir mich ganz ergebe und zu gebung fleh. Mache täglich mung in mir schafft, daß ich Bekenntniß Gott um die Ver7. Gieb mir wahre Selbster erkenntniß, daß ich meine Fehdeiner Ehre lebe. Ernst und Treu, sie zu bessern, 3. Auch dich kann ich nicht in mir neu. 3u dem Heili1 Vom heiligen Geiste und gungsgeschäfte gieb mir immer| wir gläuben und im Glauben neue Kräfte. standhaft bleiben. 8. Wenn der Anblick meiner 3. Du Quell, aus dem das Sünden mein Gewissen nieder- Gute fließt, was sich in fromme schlägt; wenn sich in mir 3wei- Seelen gießt, füll uns mit dei fel finden, die mein Herz mit nen Freuden, daß wir zur Kummer hegt; wenn mein Glaubens- Einigkeit, durch WahrAug in Nöthen weint und Gott heit und durch Heiligkeit au nicht zu hören scheint: o dann Andre mögen leiten. Lehren, laß es meiner Seelen nicht an hören laß gelingen, Früchte Trost und Stärkung fehlen. bringen, Gott zu preisen, Guts dem Nächsten zu erweisen. 9. Was sich Gutes in mir findet, ist dein Gnadenwerk in 4. Steh uns stets bei mit mir. Selbst den Trieb hast du deinem Rath und führ un entzündet, daß mich, Herr, ver- selbst den rechten Pfad, langt nach dir. nach dir. O so sezze wir den Weg nicht wissen. Gieb durch dein Wort deine Gna- uns Beständigkeit, daß wir ge denwirkung fort, bis fie durch treu dir bleiben für und für ein selig Ende herrlich sich an auch wenn wir leiden müffen. mir vollende. Eile, heile, was zerrissen, was beflissen, dir zu frauen und in dir sich zu erbauen. 350 Mel. Wie schön leucht uns de 2C. 5. Laß, starter Geift, mit dei 491.heilger Geist, kehr benskampfe schafft, auch uns ner Kraft, die Sieg im Glau bei uns ein und laß uns deine gestärket werden, daß wir auch Wohnung sein; erleucht uns, unter deinem Schutz begegnen Gnadensonne! Du göttlich Licht, aller Feinde Truß, so lang wit laß deinen Schein bei uns und find auf Erden. Laß dich reich in uns träftig sein zu steter| lich auf uns nieder. Chrifti Freud und Wonne, daß wir Glieder laß empfinden Muth ganz dir recht zu leben uns zum Streit, und überwinden. ergeben, und mit Beten oft ver= trauend vor dich treten. 6. Du Liebesquell, ergieße dich, erwärme und belebe mid 2. Gieb Kraft und Nachdruck zu wahrer Menschenliebe, das deinem Wort, laß es wie Feuer ich stets möge willig sein zu immerfort in unsern Herzen Wohlthun, Lieben und Verzeihn, brennen, daß wir Gott Vater, und mich darinnen übe. Kein seinen Sohn, dich, beider Geist, Neid, kein Streit dich betrübe! auf einem Thron als wahren Fried und Liebe wollst du ge Gott bekennen. Bleibe, treibe ben, daß wir froh und ruhig und behüte das Gemüthe, daß leben. 351 dessen Wohlthaten. Auf Pfingsten. 7. Hilf, daß in wahrer Hei- ihm treten findlich und mit ligkeit wir führen unsre Lebens- Freudigkeit, nur nach seinem jeit; sei unsers Geistes Stärke, Willen beten, und vertritt uns daß uns forthin sei wohl be- allezeit: so wird unser Flehn wußt die Eitelkeit der Sinnen- erhört und die Zuversicht verluft und aller Sündenwerke. mehrt. ühre, führe unsre Sinnen. und Beginnen von der daß es hier schon himmlisch werde. 6. Macht der Hülfe Aufschub Erde, bange, daß das Herze seufzt und spricht: Ach mein Gott, mein Gott, wie lange?- so laß uns verzagen nicht. Sprich uns Trostesworte zu und gieb Muth, Geduld und Ruh. Mel. Gott des Himmels und der zc. 492. Komm zu uns, o Geist des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit; unser Flehn sei nicht bergebens; komm, set mit uns jederzeit! Laß dein Licht die Seel erfreun, mach die Herzen fromm und rein. 7. O du Geist der Kraft und Stärke, der in Schwachen mächtig ist, fördre in uns deine Werke gegen Welt und Satans List, daß der Geist nicht unterlieg, sondern überwind und sieg! 8. Mache uns so fest im Glau2. Gieb in unser Herz und ben, daß kein Zweifel, Schmach Ginnen wahre Weisheit, heilge und Spott uns dies Kleinod Zucht; lente unser ganz Begin- möge rauben: Du bist unser nen auf das, was dein Wille Schuß und Gott! Sagt das ucht! Dein Erkenntniß werde Herz gleich zweifelnd nein, laß groß und mach uns von Lastern dein Wort gewisser sein. los. 9. Wenn es mit uns kommt 3. Zeig uns selbst die rech- zum Sterben, so versichre uns en Stege zu der wahren Wohl- je mehr, daß wir hingehn, um fahrt an: räume alles aus dem zu erben jene Herrlichkeit und Wege, was uns daran hindern Ehr, die uns dort durch Jesum fann. Wirke Reue nach der Christ längst schon zubereitet ist. That, wenn der Fuß gestrauchelt bat. Mel. Warum sollt ich mich denn 2c. 4. Laß uns stets dein Zeugni ſpüren, daß wir Gottes 493. Höchster Tröster, komm finder sind. Und wenn sich hernieder! Geist des Herrn, sei durch sein Regieren Elend, Noth nicht fern, stärke Jesu Glieder; und Drangsal findt, dann lehrer, der nie sein Wort gebrochen, uns, daß Alles gut, was der Jesus hat deinen Rath seinem befte Bater thut. Volk versprochen. 5. Treib uns, daß wir zul 2. Geist der Weisheit, gieb 352 Vom heiligen Geiste und uns Allen durch dein Licht Un- 2. Laß auf jedem meiner terricht, wie wir Gott gefallen. Wege deine Weisheit mit mit Lehr uns recht vor Gott zu tre- sein; wenn ich bange Zweifel ten; sei uns nah und sprich ja! hege, laß die Wahrheit mich er wenn wir gläubig beten. freun. Lenke kräftig meinen 3. Hilf den Kampf der Tu- Sinn auf mein wahres Wohl gend kämpfen; gieb uns Muth, sein hin. Lehrst du mich, was Fleisch und Blut, Sünd und recht ist, wählen, werd ich nie Welt zu dämpfen; laß uns mein Heil verfehlen. Trübsal, Kreuz und Leiden, Angst und Noth, Schmerz und Tod nicht von Jesu scheiden! 3. Heilige des Herzens Triebe, daß ich über Alles treu meinen Gott und Vater liebe; daß mit 4. Hilf uns nach dem Besten nichts so wichtig sei, als in set streben; schenk uns Kraft, tu ner Huld zu stehn; seinen Nagendhaft und gerecht zu leben. men zu erhöhn, seinen Willen Gieb, daß wir nie stille stehen; zu vollbringen, müsse mir durch treib uns an, froh die Bahn dich gelingen. deines Worts zu gehen! 5. Sei in Schwachheit unsre Stüße; steh uns bei, mach uns treu in der Brüfungshizze! Führ, wenn Gott uns nach dem Leide sterben heißt, unsern Geist in des Himmels Freude! 6. Wecke aus dem Sündenschlafe, rette doch heute noch die verlornen Schafe! Reiß die Welt aus dem Verderben! Laß sie 5. Treib mich an, mit Flehn nicht im Gericht der Verstockung und Beten, wenn mir Hülfe sterben! nöthig ist, zu dem Gnadenthron zu treten. Gieb, daß ich auf Jesum Christ als auf meinen Mittler und auf ihn die Mel. Freu dich sehr, o meine 2c. 494. Geift Geist vom Vater und Hoffnung bau, Gnad um Gnad vom Sohne, der du unser Trö- auf mein Verlangen von dem ster bist und von unsers Got- Vater zu empfangen. tes Throne hülfreich auf uns 6. Stehe mir in allem LeiSchwache siehst! Stehe du mir den stets mit deinem Trofte bei, mächtig bei, daß ich Gott er- daß ich auch alsdann mit Freu geben sei: o so wird mein Herz den Gottes Führung folgfam auf Erden schon ein Tempel sei. Gieb mir ein gelassen Herz. Laß mich selbst in Todesschmerz Gottes werden. Sünde mein Gemüth gereizet 4. Stärke mich, wenn je zur wird, daß sie mich nicht überwinde. Hab ich irgend mich vetirrt, o so strafe selbst mein Herz daß ich unter Reu und Schmerz und den Sinn zur Bessrung mich vor Gott demüthig beuge neige. dessen Wohlthaten. Auf Pfingsten. 353 bis zum frohen Ueberwinden dir, Herr, lobgesungen. Halledeinen reichen Troft empfinden. lujah! Hallelujah! 2. Du heilges Licht, o starter Hort, durch dich leucht uns Lebens Wort. Den Mel. Nun sich der Tag geendet zc. 495. Nicht um ein flüchtig lehr uns erkennen, von Her= But der Zeit, ich fleh um dei en Geist, Gott, den zu meiner Seligkeit dein theures Wortverheißt. zen Vater ihn nennen. Dies Glück hat Christus uns gebracht. Zerstreue denn des Irrthums Nacht, der deinen Christen will den Glauben auf Gottes Gnad in Christo rauben. Hallelujah! Hallelujah! 2. Die Weisheit, die vom himmel stammt, o Vater, lehr mich; die Weisheit, die das Derz entflammt zur Liebe gegen Sich. 3. Dich lieben, Gott, ist Seligkeit; gern thun, was dir gefällt, wirkt größere Zufrieden eit, als alles Glück der Welt. 4. Alsdann hab ich Vertraun ju dir, dann schenket selbst dein Beift das freudige Bewußtsein mir, daß du mir gnädig seist. 3. Du großer Helfer, süßer Trost, hilf, daß wir freudig und getrost in unsers Gottes Dienst bleiben, laß Trübsal nicht von ihm treiben. Dies Leben daurt nur kurze Zeit; mach uns zum selgen Tod bereit! Ja hilf uns einst mit Muthe ringen und durch den Tod ins Leben dringen. Halle5. Er leite mich zur Wahr- lujah! Hallelujah! beit hin, zur Tugend stärk er mich; beweise, wenn ich traurig bin, auch mir als Tröster sich. 497. Nun bitten wir den 6. Er schaff in mir ein reines heilgen Geist, der uns den Weg Herz, versiegle deine Huld, und zum Heile weist, daß er uns bewaffne mich in jedem Schmerz hüte an unserm Ende, wenn mit Muth und mit Geduld. wir hingehn aus diesem Elende. Kyrie eleison! 196. Komm 2. Du werthes Licht, uns omm, heilger Geist, leucht dein Schein! Lehr uns, von Gott gesandt, mach deine auf Jesum sehn allein, daß wir kraft auch uns bekannt. Führ an ihm bleiben, dem treuen aller Christen Herz und Sinn Heiland, der uns gebracht zum zur Wahrheit und zur Tugend rechten Vaterland. Kyrie eleison! hin. Versammlet hast du hier 3. Du süße Lieb, laß Gotund dort, zum Glauben an dein| tes Gunst uns reizen, daß wir göttlich Wort, die Völker von mit Inbrunst uns mögen herzverschiednen zungen. Dafür sei lich gegenseitig lieben, mit Fried Denabr. Landgefangb. X. Aufl. 23 354 und Eintracht uns im Wohlthun| Schmach, noch Tod, daß in uns üben. Kyrie eleison! Geist und Herz nicht verzagen, wenn wir ringen in den letzten Tagen. Kyrie eleiſon! Gnaden- Mittel. 4. Du höchster Trost in aller Noth, hilf uns nicht scheuen IX. Von den Mitteln zur Theilnehmung an den Wohlthaten Jesu Christi und des heiligen Geistes. 1. Von dem Worte Gottes in Lehre Kraft, und laß der Wirder Bibel. fung, die sie schafft, uns nie Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. mals widerstreben. 498. Wir Menschen sind zu 5. Herr, öffne du Verstand dem, o Gott, was geistlich ist, und Herz daß wir dein Wort untüchtig. Dein Wesen, Wille recht fassen; in Lieb und Leid, und Gebot ist viel zu hoch und in Freud und Schmerz es aus wichtig; wir wissen's und ver- der Acht nicht lassen, daß wir stehen's nicht, wenn uns dein nicht Hörer nur allein, nein, göttlich Wort und Licht den auch des Wortes Thäter sein, Weg zu dir nicht zeiget. Frucht hundertfältig bringen. 6. Am Weg der Same wird sofort vom Teufel hingenom men; in Fels und Steinen fann das Wort die Wurzel nicht be kommen: der Same, der in Dornen fällt, der wird von Sor gen dieser Welt und ihrer Luft ersticket. 2. Von jeher hast du ausgesandt Propheten, deine Knechte; sie machten in der Welt bekannt dein Heil und deine Rechte. Zuletzt ist selbst dein eigner Sohn, o Bater, von des Himmels Thron gekommen, uns zu lehren. 3. Für solches Heil sei, Herr, gepreist, laß uns dabei verblei- 7. Ach hilf, Herr, daß wir ben, und gieb uns deinen heil- werden gleich dem fruchtbar gugen Geist, daß wir dem Worte ten Lande, und sein an guten gläuben, daß wir's annehmen Werken reich in unserm Amt jederzeit mit Ehrfurcht und mit Willigkeit, als Gottes, nicht der Menschen. und Stande, viel Früchte bringen in Geduld, bewahren deine Lehr und Huld in einem from men Herzen. 4. Hilf, daß der Frevler frecher Spott uns nicht vom Wort 8. Laß uns so lang wir le abwende, denn du bist ein ge- ben hier, den Weg der Sünden rechter Gott und strafft gewiß meiden; gieb, daß wir halten am Ende. Gieb du fjelbst deiner fest an dir im Glüce, Kampf Das Wort Gottes in der H. Schrift. 355 und Leiden. Rott aus, was und klar, ein Richtschnur reiner dir, o Herr mißfällt; hilf uns die Sorgen dieser Welt und böse Lüfte dämpfen. Lehre, es zeiget uns ganz offenbar Gott, seinen Dienst und Ehre, und wie man soll hier leben wohl, Lieb, Hoffnung, Glauben üben. Drum fort und fort wir dieses Wort von Herzen sollen lieben. 4. Es zeiget uns in Traurigfeit des wahren Trostes Stelle, und führt den, dem die Sünd ist leid, zu der Versöhnung 10. Gott Vater, laß zu dei- Quelle; giebt Rath an Hand er Ehr dein Wort sich weit und macht bekannt, wie man usbreiten; hilf, Jesu, daß uns soll willig sterben, und wie zudeine Lehr erleuchten mög und gleich das Himmelreich durch leiten; oheilger Geift, dein Christum zu ererben. göttlich Wort laß in uns wirken 5. Sieh, solchen Nuß, so ott und fort Lieb, Glauben, große Kraft, die Jeder hoch muß Troft und Hoffnung. schäßen, des Herrn Wort in uns wirft und schafft! Zurück lağ D Herre Gott, dein göttlich zc. Geld und was die Welt sonſt uns drum setzen Macht, Ansehn, Mel. 199. treuer Gott, dein pflegt zu und eilges Wort, das du uns haft gegeben zu unsrer Vorschrift fort und fort im Lehren und im Leben, ist worden fund aus deijederzeit in Lieb und Leid nach diesem Kleinod trachten. 6. Erhalt uns denn, Herr, dies dein Wort, laß uns die Mund und ist hernach be- Kraft empfinden; den Feinden chrieben untrüglich recht durch steur an allem Ort und laß es deine Knecht, von deinem Geist frei verkünden: so wollen wir 9. Dein Wort, o Herr, laß immer sein die Leuchte unsern Füßen; erhalt uns deine Lehre tein; hilf, daß wir draus genießen Kraft, Rath und Trost in ailer Noth, daß wir im Leben und im Tod beständig darauf trauen. getrieben. dir für und für von ganzem 2. Dies Wort, das in der Herzen danken. Herr, unser Schrift jetzt steht, wird unbe- Hort. laß uns dein Wort fest weglich stehen; wenn Erd und halten und nicht wanken. himmel gleich vergeht, soll dies oh nicht vergehen; nicht macht, noch List, wie groß sie ist, wird mel. O Gott, du frommer Gott zc.. joll fjein ewig wohl, die sich dar- mein Herz zur Heiligkeit genese. 500. Du willst, Gott, daß nach stets richten. 3. Es ist vollkommen hell loft und mit Andacht lese, das Drum gieb, daß ich dein Wort 23* 356 Gnaden- Mittel. Wort, das deinen Rath von un-[ 7. Um tugendhaft zu sein, serm Heil enthält. Dank sei dir dazu sind wir auf Erden. Wer für dies Wort, den größten deinem Wort gehorcht, der wird Schatz der Welt! bald inne werden: die Lehre 2. Erfülle mein Gemüth mit sei von dir, die uns die Bibel Ehrfurcht und Vertrauen, mit giebt; man lernt ihr Wort ver Luft und frommem Ernst, da- stehn, wenn man es thut und durch mich zu erbauen. Du übt. tann bist's, der in der Schrift zu 8. Spricht sie geheimnißvoll, meiner Seele spricht. segne so laß mich dies nicht schreden; doch an mir, Herr, deinen Un- tein endlicher Verstand terricht. dich, Gott, ganz entdecken. Du 3. Mein Gott, vor welchem bleibst unendlich hoch. Was mit ich jetzt meine Hände falte, gieb, dein Wort erklärt, nicht was daß ich allezeit dein Wort für mein Wizz verlangt, ist meines Wahrheit halte; und laß mich Glaubens werth. deinen Rath empfindungsvoll 9. Sich seines schwachen Lichts verstehn, die Wunder am Gesez, bei Gottes Licht nicht schämen am Wort vom Kreuze sehn! ist Ruhm. Und die Vernunft 4. Du aller Wahrheit Gott, alsdann gefangen nehmen, wenn fannst mich nicht irren lassen. Gott sich offenbart, ist der Ge Untrüglich ist dein Wort; o schöpfe Bflicht, und weise De laß mich daraus fassen, so viel muth ist's, zu glauben, was mein Heil verlangt. Du bist's, Gott spricht. der Weisheit giebt, wenn man sie redlich sucht, gewissenhaft fie übt. 10. Erinnre mich hieran, wenn mich die Zweifel kränken, und lehre mich dabei zu me 5. So will ich denn, befreit nem Heil bedenken: dort sei die von Sorgen und Geschäften, Zeit des Schauns, und hier des erforschen, Herr, dein Wort aus Glaubens Zeit. Dort wachse, allen meinen Kräften; der beste wie mein Glück, mein Licht in Theil des Tags, des Morgens Ewigkeit. Heiterkeit und dann der Tag des Herrn sei deiner Schrift geweiht! 11. Find ich in deinem Wort noch manche Dunkelheiten, laß mich einen Freund, der mehr 6. Gieb dabei, daß dein Wort, als ich sieht, leiten. Ein for o Gott, mein Herze rühre, und schender Verstand, der sich der daß ich mir den Spruch oft zu Schrift geweiht, ein Herz, durd Gemüthe führe, der mich vor Kreuz geübt, hebt manche Dur andern rührt. stärke mich felheit. durch ihn mit Ernst und Mun12. Stets ſei dein Wort mit terkeit, das Gute zu vollziehn. werth! Es ist mein Glüd auf Das Wort Gottes Erden, und wird, so wahr du bift, mein Glück im Himmel werden. Nie irre mein Gemüth der Bibelfeinde Spott! Die Lehre, die sie schmähn, bleibt doch dein Wort, o Gott! in der h. Schrift. 357 mag ich's nie; dein Wort giebt mir die Kräfte. und auf sein Wort soll meine Seele trauen! Ich wandle hier, mein Gott, vor dir im Glauben, nicht im Schauen. 2. Dein Wort ist wahr; laß immerdar mich seine Kräfte jhmeden. Laß keinen Spott, o Herr, mein Gott, mich von dem Glauben schrecken. 8. Herr, unser Hort, laß uns dies Wort! Denn du haft's uns gegeben. Es sei mein Theil, es sei mir Heil und Kraft zum ewgen Leben. Mel. Ach Gott und Herr zc. Mel. Ich ruf zu dir, Herr Jesu zc. 501, Gott ist mein Hort, 502. Wohl, wohl dem Volke, dem du dich, Jehovah, offenbarest, das du regierst und väterlich auf ebner Bahn bewahrest! Wohl uns, denn dies dein Volk sind wir! Du lehrst uns deinen Willen recht erfüllen, und unsern Durst nach dir selbst aus der Quelle stillen. 2. Der Spötter jagt: du werdest nicht uns deine Rechte leh= ren; denn die Vernunft jei unser Licht, dich würdig zu ver= ehren. Doch wem dies schwache Licht nur scheint, der kann nicht völlig sehen, sicher gehen, und sinket, wenn er meint auf festem 3. Wo hätt ich Licht, wofern mich nicht dein Wort die Wahrheit lehrte? Gott, ohne sie verand ich nie, wie ich dich würdig ehrte. 4. Dein Wort erklärt der Seele Werth, Unsterblichkeit und Leben, daß diese Zeit zur Ewig- Grund zu stehen. feit mir sei von dir gegeben! 3. 3war die Vernunft er5. Dein ewger Rath, die tennet dich in deinen großen Missethat der Sünder zu ver- Werken, weiß dein Gebot; doch fühnen, den kennt ich nicht, wär weiß sie sich zum Guten nicht mir das Licht nicht durch dein zu stärfen. Wir fündigen, und Bort erschienen. fie fann nie uns wieder dir ver= Reut und Schmerz der Sünden doch fönnen sie die Sünden 6. Nun darf mein Herz in söhnen. Unsre Thränen siehst du; nicht verzagen; nein, du ver- nicht versöhnen. eihst, lehrst meinen Geist recht findlich Vater! jagen. 4. Aus Furcht des Todes wären wir im ganzen Leben u weihn, ist meines Heils Ge- nicht, Gott, von dir Trost aus 7. Mich zu erneun, mich dir Knechte, wenn uns dein Wort häfte. Durch meine Müh ver- der Höhe brächte. Der Sünder 358 Gnaden- Mittel. kann durch Jesum Christ für| Gebot, aus allen Kräften übe. alle seine Sünden Gnade finden, Es will, daß, wie du heilig der Lüste Macht und List durch heißt, auch unser Herz und Glauben überwinden. ganzer Geist sei heilig und unsträflich. 5. Unschäßbar werth sei uns das Wort, das du, Gott, uns 5. Der Geist, von Erdenliche gegeben! Es leit uns hier, es rein, soll sich zu Gott erheben. bring uns dort zu jenem sel- soll immerhin beflissen sein, tra gen Leben! Lehr auch die Spöt- jeder Pflicht zu leben. Begierig ter, die es noch mit stolzem Muth auf des nächsten Wohl, nad verachten, darnach schmachten, Weisheit und der Tugend foll und unter Jesu Joch nach seinem Reiche trachten. der Mensch voll Eifer streben. 6. So hat uns Gott geoffenbart jein Recht und seinen Wil len. Kannst du, o Mensch, auf 503. Herr, dein Gesetz, das füllen? Wie sehr der Sünder solche Art nun sein Gesez erMel. Es ist das Heil uns kommen 2c. du der Welt zur Richtschnur Sclaverei dein Wille unterwor haft gegeben, das du zur Regel fen sei, das wirst du leicht ervorgestellt, wonach wir sollen tennen. leben, das deinen Willen offen= bart, ist ganz von einer andern Art, als menschliche Gesetze. 2. Mit äußerlicher Ehrbar7. Und du wolltst nicht zu deinem Heil dem Mittler dich ergeben? Komm, nimm an des sen Gnade Theil, durch den die keit läßt es sich nicht begnügen, Sünder leben; nimm dankbar obgleich die Hand nicht schlägt, froh und gläubig an, was at noch dräut, die Lippen nicht be- zu deinem Heil gethan, und trügen, das Auge nichts Ver- preise seine Liebe! botnes sieht, und unbefleckt sonst jedes Glied in seiner Ordnung bleibet. 8. Laß aber auch in deinen Geist dir sein Geseße schreiben; thu Alles willig, was er heißt 3. Ob man nicht flucht, be- laß seinen Geist dich treiben. trüget nicht, ob man tein Sab- Denn wer nun nicht die Sünde bathsschänder, kein Frevler, der flieht, nicht ihm zu leben fich die Ehe bricht, kein Mörder, bemüht, der bleibet im Gerichte. kein Verschwender, kein Freund von sündlichem Geschwätz: so ist dein heiliges Gesetz doch damit nicht zufrieden. mel. Es ist das Heil uns kommen i. 504. Herr, deine Rechte und 4. Es fordert, daß das Herz Gebot, darnach wir sollen leben, dich, Gott, wie du's verdienest, zu halten, wollest du, o Gott, liebe, und sich, zu halten dein mir Kraft und Gnade geben, 359 Das Wort Gottes in der h. Schrift. daß ich zum Guten willig sei,| Finsterniß, laß mich sorgfältig mit Sorgfalt, ohne Heuchelei, meiden; du siehst und strafest was du befiehlst, vollbringe. sie gewiß mit schwer gehäuften 2. Gieb, daß ich dir allein Leiden; schaff in mir, Gott, ein vertrau, dich über Alles liebe; reines Herz, daß ich schandbare it gierig auf das Jrdsche Wort und Scherz und alles hau, nicht muthlos mich betrübe: daß mir nicht andrer Menschen Gunst, Macht, Ansehn, Reichthum, Witz und Kunst zu einem Abgott werde. En 3. Hilf, daß ich deinen Gnadenbund recht schätze und ertenne; von Herzen, nicht bloß mit dem Mund, dich und dein Wort bekenne; daß ich bedenke jederzeit, wie sehr mich meiner Laufe Eid zum Dienste dir verbindet. Schwelgen fliehe. 8. Verleih, daß ich mich redlich nähr, mich böser Ränte schäme; mein Herz niemals zum Geize kehr, mit Unrecht nichts hinnehme, und von der Arbeit meiner Händ, was übrig ist, auf Arme wend und nicht auf Pracht und Hoffahrt. 9. Hilf, daß ich meines Näch= sten Glimpf zu retten mich befleiße, von ihm abwende Schmach und Schimpf; doch Böses nicht gut heiße! Gieb, daß ich lieb Aufrichtigkeit, hab einen Abscheu jederzeit an Lästern und an Lügen. 4. Am Tage deiner heilgen Ruh laß mich früh vor dich treten, die Zeit auch heilig bringen jumit danken und mit Beten: daß ich hab meine Lust an dir, dein Wort gern höre und es mir auch recht zu nutzen mache. 5. Die Eltern, Lehrer, Obrigleit, die vorgeſetzt mir werden, laß mich verehren jederzeit, daß mir's wohl geh auf Erden; daß ich für ihre Sorg und Treu recht folgsam und recht dankdar jei und sie niemals betrübe. 10. Laß mich des Nächsten Haus und Gut nicht wünschen noch begehren; was aber mir vonnöthen thut, das wollst du mir gewähren; doch daß es Niemand schädlich sei, ich auch ein ruhig Herz dabei und deine Gnad behalte. 11. Mein Gott, dein mir gegebnes Recht und deinen heil6. Hilf, daß ich niemals eigne gen Willen, wie mir gebühret, Rach aus Zorn und Feindschaft deinem Knecht, unsträflich zu übe, und die mir zugefügte erfüllen, vermag ich von mir Schmach verzeih und Feinde selber nicht; ich fühle, daß es liebe; sein Glück gern gönne mir gebricht dazu an eignen Jedermann; seh, ob ich Jemand Kräften. dienen kann, und es dann thu mit Freuden. 12. Drum gieb du mir von deinem Thron, Gott Vater, 7. Unzucht, das Werk der Gnad und Stärke! Verleih, o 360 Gnaden- Mittel. Jesu, Gottes Sohn, daß ich thu( ihm mich freun. Ihm nur will rechte Werke! Oheilger Geist, ich leben, ihm mich ganz erhilf, daß ich dich von ganzem geben, ewig treu ihm sein. So Herzen und, wie mich, den Näch- werd ich auch einst durch sten thätig liebe. dich, mein Erlöser, selig sterben und den Himmel erben. Mel. Jesu meine Freude zc. aus Gottes 505. Wort Munde, Wort vom Friedensbunde, Evangelium! Dich ließ Gott erschallen uns, die wir gefallen; du bist unser Ruhm, Gottes Kraft, die Glauben schafft, gute Botschaft, uns zum Leben von Gott selbst gegeben. Mel. Christus, der uns selig. 506. Gott, der du die Wahrheit bist; Gott, zu dem ich singe; Gott, den fein Verstand ermißt, Ursprung aller Dinge! Alle Wahrheit kommt von dir zu den Menschenkindern, sie erleuchtet uns, wenn wir selbst ihr 2. Was dein Wohlgefallen, Licht nicht hindern. Gott, schon längst uns allen 2. Vorurtheil und Finsternis hatte zugedacht; was sonst füllen unsre Seelen; unser Blid dunkle Schatten vorgebildet hat- ist ungewiß, unsre Schlüsse feh ten, ist nunmehr vollbracht. len; aber dein Verstand weight Daß dein Eid dich nicht gereut, nicht von der lautern Wahrzeigst du nun; in Jesu Namen heit; was du denkest, das is wird er Ja und Amen. Licht, Richtigkeit und Klarheit. 3. Alles ist vollendet, Gott hat den geſendet, der verheißen war. Jesus, der sein Leben wollte für uns geben, stellt sich wirklich dar; ja er hat des Höchsten Rath ganz vollbracht welche vor uns waren, deine und lebt in Ehre; ach, erwünschte 3. Gott, was uns dein Wort verspricht, wird und muß ge schehen; deine Drohung fa auch nicht leer vorübergehen. Haben Tausende nicht schon, Lehre! Strafen, deinen Lohn dir zum Ruhm erfahren? 4. Seele, wollteft du nicht Gott zuversichtlich glauben; sollte Gott uns kund. Gott will uns Leichtsinn, sollte Spott deinen vergeben; will, wir sollen le- Trost dir rauben? Die den Himben. Welch ein theurer Bund! mel aufgebaut, kann die WahrGottes Huld tilgt unfre Schuld, heit lügen; fann sie den, det und wer ihn im Glauben ehret, ihr vertraut, heuchlerisch be dem wird Heil gewähret. trügen? 5. Hierauf will ich bauen, 5. Stille die Vernunft, die Christo mich vertrauen, und in sich wider Gott empöret, widet 4. Da uns Strafen drohten, thaten Friedensboten Heil von Die heilige Taufe. 361 jeinen Geist, der dich sein Ge-, Herz und macht es rein; und heimniß lehret! Lach des Spöt- ewig bleiben die beglücket, die ters, der sich bläht, mehr als sich dem Dienste Gottes weihn; Gott zu wissen; er wird einst, denn Alles, was der Herr ge= vielleicht zu spät, Gott noch beut, ist Wahrheit und Gerechglauben müssen. tigkeit. 6. Erd und Himmel wird 4. Die Zeugnisse des Herrn vergehn; Gott, dein Wort wird sind besser und mehr der Sehnbleiben. Lasterhafte, die es sucht werth, als Gold; ihr Werth mähn, werden's nicht ver- ift föstlicher und größer, als treiben. Könige find Staub alles noch so feine Gold; süß por dir, sie mit ihren Heeren. sind sie, wie der Honig ist, wie Du im Himmel Most, der aus den Trauben wenn sie sich empören. fließt. lachest ihr, 7. Du bist Wahrheit; ewig 5. Wie adeln sie nicht deine joll mich von dir nichts tren- Knechte! Der hat viel Segen, nen, mich die Welt, von Arglist voll, nicht erschüttern fönnen. Müßte ich auch um dein Wort Schmach und Trübjal leiden: du belohnest mir es dort, Gott, mit Ehr und Freuden. der sie hält. Ich will sie halten, deine Rechte; doch wenn dein Knecht aus Schwachheit fällt, so schon' ihn, und entzeuch ihm nicht, Herr, deine Hülfe und dein Licht. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 6. Bewahre mich vor solchen Sünden, die Sicherheit und Stolz erzeugt, 507. Das Wort, das uns nicht liberwinden, der willig in der Herr gegeben, ist heilig und dein Joch sich beugt; daß ich untadelhaft. Es stärkt die See- unschuldig, rein und frei von len, daß sie leben, und giebt vorsätzlicher Sünde sei. den franken Herzen Kraft; es macht auf unser Heil uns flug| meinem Munde die Reden, die und frei von allem Wahn und sich deiner freun, und laß zur 7. Vernimm voll Huld aus Trug. angenehmen Stunde dir mein 2. Aus Gottes heiligen Ge- Gebet geweihet sein; mein Licht, jeßen quillt Freude für die mein Führer sei dein Wort, Traurigkeit; sie heiligen und bis ich dich, Gott, einst schaue he ergötzen den, der sie fennt dort. und nicht entweiht; fie geben dem Verstande Licht, dem Her- 2. Von der heiligen Taufe. zen frohe Zuversicht. 3. Die Furcht vor Gott erhebt und schmücket ein folgsam! Mel. Christ, unser Herr, zum 2c. 508. Gott, du nur, du COME 362 Gnaden- Mittel. konntest Rath für unsre Seele] stärken. Zum Tempel richtet finden. Du hast gestift Taufe Bad, zu reingen uns von Sünden. Dein gnadenvoller Rath erweist hier durch ein sichtbar Zeichen, o Vater, Sohn und heilger Geist, es sei nichts zu vergleichen mit deiner Gnad und Liebe. der du mich zu. Dir bin ich neu geboren; daß ich nur gute Werke thu, dazu bin ich erkoren, er schaffen und erlöſet. 6. Der alte Mensch muß sterben ab, der neue aber leben; den bösen Lüsten, die ich hab, muß ich stets widerstreben. Ih 2. Du hast mich in den Gna- muß dem Guten hangen an, denbund zum Kinde aufgenom- verrichten deinen Willen, mit men. Du magst voll Huld den Fleiß und Sorgfalt denken dran, Weg mir kund, wie ich kann daß ich ihn mög erfüllen durch zu dir kommen, Du hattest Ur- deine Kraft und Stärke. sach, uns vielmehr zu strafen 7. Gott Vater, Sohn und und zu hassen; und doch haft Geist, verleih, daß ich fest an du dich, Gott, so sehr zu uns dich gläube, mich meines Tauf herabgelassen, den Bund mit bunds tröst und freu, darin uns geſtiftet. beständig bleibe; daß ich das 3. Dadurch bin ich nun als Böse flieh und haß, des Fleisches dein Kind versichert deiner Gna- Lüste dämpfe, im Guten nic den; was sich noch Schwaches mals werde laß, hier bis ans an mir sind, das läßt du mir Ende kämpfe und dort dein nicht schaden. Den Geist der Reich ererbe! Gnaden giebst du mir; und wenn ich vor dich trete, mein Herz ausschütte, Gott, vor dir, nach deinem Willen bete, so werde ich erhöret. Bei einer Taufhandlung. Mel. Es ist gewißlich an der. 4. Ich übernahm dabei die 509. Der du der rechte VaPflicht: ich wollt ein gut Ge- ter bist im Himmel und auf wiffen bei meines Glaubens Erden! Nimm die, so hier durch Zuversicht zu halten sein be- Jesum Christ dir vorgestellet fliffen; dich, Bater, Sohn und werden, nimm sie zu deinen Geift, allzeit für meinen Gott Kindern auf und mach sie durch erkennen, mit tiefer Ehrerbietig- die heilge Tauf zu Erben deifeit dich meinen Herren nennen ner Gnade. und dir alleine dienen. 2. Wir bringen zu dir, Jeju, 5. Dem Satan hab ich ab- die, so du dir selbst erkaufet. gesagt, auch allen seinen Werken; Dir, unserm Mittler, werden und wenn er nun sich an mich sie geheiligt und getaufet. Laß wagt, fann dieser Bund mich sie nun mit uns haben Theil 363 Die heilige Taufe. an mein Gewissen an und lockst mich auf die rechte Bahn. an dem durch dich erworbnen Vaterherz mich sehn! Du klopfst heil, an deines Todes Früchten! 3. Sei du nun auch, o heilger Geist, ihr Leiter und ihr Führer, ihr Lehrer, der sie un terweist, ihr Schutz und ihr Regierer. Laß fie mit uns. dreieinger Gott, die wir getauft auf Christi Tod, dort ewig bei 5. Ich gebe, o mein Gott, auf's neue mich ganz zu deinem Opfer hin; erwecke mich zu neuer Treue, und bilde mich nach deinem Sinn. Weich, eitle Welt, o Sünde, weich! Gott hört es; jeßt entsag ich euch. 6. Befestige dies mein Versprechen, mein Vater, und bewahre mich, daß ich es niemals Mein möge bei dir leben. Erneuerung des Taufbundes. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 510. Ich bin getauft auf Leben preiſe dich! Gott meines Heils, sei ewig mein, und laß mich dein auch ewig sein! deinen Namen, Gott Vater, Sohn und heilger Geist! Jch bin gezählt zu deinem Samen, zum Volk, das dir geheiligt beist. O welch ein Glück ward Mel. Liebster Jesu wir sind zc. dadurch mein! Laß, Herr, mich 511. Mein Erlöser, der du deffen würdig sein! mich dir zum Eigenthum er2. Du hast mich für dein taufet, als dein Jünger bin Rind erkläret, mein Vater, und auch ich vormals auf dein Wort in selig Theil haft du, Sohn getaufet, o erwede mich zum Bottes, mir gewähret an dem Fleiße, recht zu sein das, was von dir erworbnen Heil., Du ich heiße. willst mein Leben, Gott zu 2. Laß mich oft mit Achtweihn, Geist Gottes, selbst mein samkeit meiner Taufe Bund betrachten, und nur das zu jeder 3. Die Liebe ist nicht zu er- Zeit für mein größtes Wohl= mesſen, die du, mein Gott, mir sein achten, daß ich, Jesu, deizugewandt. Olaß mich nie nen Willen treulich suche zu erBeistand sein. 3. Dieser Erde Gut und famit. Pflicht vergessen, dazu ich füllen. felbst mich dir verband, als du in deinen Bund mich nahmst Ruhm bleibt im Tode doch zuund mir mit Heil entgegen rücke: nur ein wahres Christenthum folgt uns nach zum ewGeite bleibt dieser Bund stets dem Sterben ewig Segen zu 4. Du bist getreu, auf deiner gen Glücke; davon ist auch nach fefte stehn. Ja selbst, wenn ich ererben. ihn überschreite, läßst du dein 4. Laß mich nur, wie dir's 364 Gnaden- Mittel. gefällt, deinem Dienst mich ganz| In dir allein ist meine Ruh, ergeben, und entfernt vom Sinn an dir will ich auch bleiben. der Welt, als dein treuer Jün- Von dir soll mich nicht Angst, ger leben, daß ich einst auch, noch Noth, nicht Glück, noch wenn ich sterbe, das verheißne Wollust, Leben, Tod, noch irgend etwas scheiden. Leben erbe. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit zc. deinen Geist, der deine From 6. Gieb mir, mein Vater, 512. Verwirf, verwirf, o men feitet, fie ſtärket, tröfted. Gott, mich nicht; eil nicht, um unterweist, zur Seligkeit bereitet, mein Verbrechen, eil nicht, um damit ich einst vor dir besteh, die verlegte Pflicht, wie ich ver- zu jenes Lebens Freuden geh, dient, zu rächen! Verwerflich die Jesus uns bereitet. bin ich, Gott, vor dir. Ach, geh nicht in's Gericht mit mir, sei mir, dem Sünder, gnädig! Bei der Confirmation junger Christen. 2. Ich denke, Gott, mit tie- mel. Mitten wir im Leben find 2. fem Schmerz an die verletzte Treue; es sehnt, es ſehnet fich 513. Stärke, Mittler, stärke mein Herz nach Gnade; Gott, sie, deine theur Erlösten; laß fie erfreue, erfreue es mit deiner ihr Vertraun auf dich unaus Huld, du Gott der Langmuth sprechlich trösten; wach über und Geduld, um Jesu Christi ihre Seelen. Sie stehen und willen! geloben dir: Herr, dein Eigen 3. Nimm mich auf's neue in thum sind wir. Heiliger Schö den Bund, vergieb mir meine pfer, Gott! Heiliger Mittler, Sünden! Auf's neue laß mich, Gott! Heiliger Gott, Lehrer und Gott, jegund bei dir Erbarmung Tröster! Dreieiniger Gott! Lo finden! Sprich mich von mei- sie nie vergessen ihren theuren, nen Schulden frei, steh mir mit großen Eid bei deinem Namen. deiner Gnade bei, daß ich mich ernstlich bessre. 2. Ach, wie Viel gelobten auch, fest an dir zu halten; 4. Ich will von heute mei- ließen aber treulos doch ihre nen Bund nun täglich wieder- Lieb erfalten; Verderben ward holen, und thun, was deiner ihr Ende! Beständig laß dit Zeugen Mund zu üben mir be- diese sein, die sich dir auf ewig fohlen. Ich sage nun den Sün- weihn! Heiliger Schöpfer, Gott! den ab, und will durch dich bis Heiliger Mittler, Gott! Heiliger an das Grab mit Ernst dage= Gott, Lehrer und Tröster! Dreis gen streiten. einiger Gott, stärke fie, die Dei5. Dir aber sag ich feste zu, nen, im Vertraun auf Jesu Tod standhaft an dich zu gläuben. und wahrer Tugend! Das heilige Abendmahl. 365 3. Locken wird sie nun die 3. Auf ihres Glaubens ReWelt, Herr, zu ihren Lüsten. chenschaft, auf ihrem Angeloben Ah, du wolleft sie mit Kraft ruh, Bater, deines Geistes Kraft, aus der Höhe rüsten! Laß strei- daß sie des Glaubens Proben ten sie und siegen! Die Triebe zu und Eifer in dem Christenthum, berbotner Lust dämpfe früh in sich selbst zum Heil und dir ihrer Brust! Heiliger Schöpfer, zum Ruhm, im ganzen Leben Bott! Heiliger Mittler, Gott! zeigen. heiliger Gott, Lehrer und Tröter! Dreieiniger Gott! Laß sie ihre Feinde, alle Feinde ihres heils, weit überwinden! 4. 3war mächtig wird in ihrer Brust die Sünde sich empören, sie werden sie zu böser Lust gefährlich locken hören; mächtig 4. In der Todesnoth laß sie, ach, dann steh ihnen deine theur Erlösten, daß ihr bei, mach selbst sie eingedenk Glaube standhaft blieb, unaus- der Treu, die sie dir, Gott, geprechlich trösten! Zähl sie zu lobet! deinen Todten! Einst führe sie 5. Vorsichtig mache sie und mit uns zugleich in dein un- flug in dieser Welt Gefahren, bergänglich Reich! Heiliger Schöpfer, Gott! Heiliger Mittler, Gott! Heiliger Gott, Lehrer und röfter! Dreieiniger Gott! Laß ſe nie vergessen ihren theuren, Jesus uns erworben. daß sie vor eitler Lüste Trug sich unverletzt bewahren; erweck und stärke sie zum Streit, zum Streite um die Seligkeit, die großen Eid bei deinem Namen! 6. Wir flehen, Gott, für uns und sie; mach uns durch deine Mel. Es ist gewißlich an 2c. Gnade dir so ergeben, daß wir 514. Du, nie abweichen von dem Pfade, u, der den eingebor- der uns zu jenem Leben führt, nen Sohn zum Mittler gabst wo nun der Glaube triumphirt; für Sünder, Gott, schaue jetzt dahin, Gott, laß uns kommen. von deinem Thron mit Huld uf diese Kinder. Du nahmest 3. Vom heiligen Abendmahle. he bei ihrer Tauf bereits zu deinen Kindern auf, zu Erben Von deffen Stiftung. deines Himmels. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. hier den Gnadenbund auf's neue, dem Scheiden, beim Anbruch 2. Sie stehen und beschwören 515. Du haft uns, Jeſu, vor geloben jetzt, o Vater, dir un- deiner letzten Nacht, mit einem wandelbare Treue. Gieb ihnen Denkmal deiner Leiden, mit jelbst durch deine Kraft, die einem Bundesmahl bedacht, das alles Gute in uns schafft, das deinen Freunden Proben giebt, Wollen und Vollbringen. wie ungemein du uns geliebt. 366 Gnaden- Mittel. 2. So oft wir dieses Mahl, tes Freundschaft zu vertraun. genießen wird dein Gedächtniß Denn was ist's, was uns ferbei uns neu. Man kann aus ner kränkt, da Gott mit dir uns neuen Proben schließen, wie Alles schenkt? groß, Herr, deine Liebe sei, und 8. Bei diesem Mahl stärkt welch ein Heil du uns erwarbst, sich der Glaube, daß du der da du für uns am Kreuze Todten Scharen einst erwedst starbst. aus der Verwesung Staube, und näher uns mit dir vereinst, uns, die wir dir geglaubt, ge lebt, auf deiner Bahn dir nachgestrebt. 3. Es werden hier gebeugte Herzen auf's neue mit dem Trost erfreut, daß du durch deine Todesschmerzen uns von der Sündenlast befreit, daß du für Jeden haft verschafft, Bergebung, Gnad und Behrungskraft. 4. Du läßt, wenn wir dies Mahl genießen mit Dank und Besserungsbegier, stets neue Gnade auf uns fließen, belebst mit neuem muth uns hier, im Herzen und im Wandel rein und so, wie du, gesinnt zu sein. Wider die Nichtachtung des *. heiligen Abendmahls. 5. Hier wächst die Hoffnung, Mel. König, dessen Majestät und die Liebe, die zu der Tu= 516. Wer Jeju Gnadengend Kraft giebt, steigt; es wird durch dankbar frohe Triebe mahl nicht acht, der hajfet ſei das ganze Herz dahin geneigt, nen Frieden, der ist nicht auf in deiner Huld sich stets zu das Wohl bedacht, das Jejus freun, das ganze Leben dir zu uns beschieden, durch dies sein weihn. großes Bundesmahl; er wählet 6. Hier wo ein Brod wir sich durch eigne Wahl den alle effen, aus einem Becher Tod anstatt des Lebens. Meint trinken; hier wo wir mit er gleichwohl und rühmt dabei, frohem Dank ermeſsen, daß Je- daß er doch Gott ergeben sei; der sei erlöst von dir: hier sein Ruhm ist ganz vergebens. 2. Wer Jeju Mahl nicht vereint der Herr und Knecht, liebt, der hat nicht Lust, Gott wird zum Freundschaftsbund 9. So sei denn, Jesu, stets gepriesen für dieses Dentmal deiner Treu. Gieb, daß so oft wir es genießen, es unsers Glaubens Stärkung sei: daß Menschenliebe, Freud und Ruh in unsern Seelen nehme zu. der Freund und Feind. zu gefallen; ihm ist es Lust, 7. Hier lernen wir Geduld den Sündenpfad noch fernerim Leiden, wenn wir auf dein hin zu wallen. Ach, wär et Erempel schaun; hier lernen nicht der Sünde Freund, nicht wir, zu allen Zeiten auf Got- Gott und seinem Wege feind, Das heilige Abendmahl. Blicken, wenn des Mittlers Mahl dich soll mit wahrhaftem Trost erquicken. Wer's genießt und prüft sich nicht, ißt's und trinkt's sich zum Gericht. at würde sich entschließen, das wohl, prüf dich mit geschärften Mahl, das uns der Herr bereit, mit Andacht und mit Dantbarkeit nebst andern zu genießen! 3. Wer den Genuß von Jesu Wahl nicht wünschet, noch begehret, der trennt sich von der rommen Zahl, die ihn rechthaffen ehret; der Schar, die brüderlich sich liebt, in ihrem Glauben Tugend übt, die Chritus fanft regieret und näher einst mit sich vereint und, wenn zum Gericht erscheint, mit zum Himmel führet. 4. Die nicht an diesem Mahle gern mit andern Antheil nehmen, die müssen sich auch selbst des Herrn und seines Dienstes dämen. Wer aber Jesum offentlich zu ehren schämt, und weigert sich, den will er auch 2. Kommen sollst du nicht mit Qual, nicht mit zitterndem Gemüthe. Der es dir gewährt, dies Mahl, ist so reich an Huld und Güte, daß er Fromme gern erfreut, gern auch Reuigen verzeiht. 3. Aber heilig ist das Mahl, heilig der, zu dem du nahest! Sieh, daß du durch eigne Wahl nicht für Segen Fluch empfa= hest. Dent, was dir dies Mahl verspricht und wozu es dich verpflicht. 4. Zum Gedächtniß seiner Huld, zum Gedächtniß seines nicht ehren; und wen er nicht Todes, der der Menschen Straf den Seinen nennt, Gott, seinem und Schuld tilgte im Gerichte Bater, nicht bekennt, wer kann Gottes, halten wir, wie er be367 dem Heil gewähren? fahl, dieses heilge Bundesmahl. 5. Dich von Sünden zu be5. 3st dir dein Heil, o Seele, werth, so laß zum Mahl der frein, hat der Herr sich tödten Gnaden, das Jesu Liebe uns lassen; und du wolltest sie nicht gewährt, dich nicht vergeblich scheun, sie nicht ernstlich fliehn laden. Komm und geneuß mitj und hassen? Ach, mit heilger ohem Dank die Lebensspeise Sorgfalt flieh, fliehe und be und den Trank, den dir der streite sie! herr bereitet! Komm mit dem 6. Liebe, die sich thätig zeigt, Sorjak, sein zu sein, dein gan- diese uns in's Herz zu gießen, Leben dem zu weihn, der wird dies Mahl uns darge= ich hier labt, dort weidet. reicht; um es würdig zu ge= nießen, laß dein Herz von SünErweckung zum würdigen Genuh. den rein, voll von wahrer Liebe Mel. Jejus meine Zuversicht 2c. sein! 7. dem Herrn lift beflüſſen, ihm zu leben. Folgt 368 Gnaden- Mittel. dem großen Beispiel gern, das empfangen! Denn dein Licht der Herr uns selbst gegeben; ist aufgegangen, und der Herr liest, erforscht sein Wort mit voll Heil und Gnaden hat zu Fleiß und thut willig sein Ge- sich dich eingeladen. Deinen Bund sollst du erneuen und dich heiß. 8. Wahre Liebe zu dem Herrn seines Todes freuen. lehret jeden Menschen lieben; lehrt, selbst an Beleidigern Sanftmuth, so wie er, zu üben; tröstet, bessert und erfreut, schonet, duldet und verzeiht. 2. Herr, ich falle vor dir nie, der, danke dir und singe Lieders dir, o Tilger meiner Sünden: wer kann deine Lieb ergründen! Meine Schulden willst du decken, 9. 3st, o Seele, dies dein willst mich Todten auferweden, Sinn, dies dein Vorsatz und willst ein ewig selig Leben mir, Bestreben? Willst du jede wenn ich dir glaube, geben. Sünde fliehn; denkest du dem Herrn zu leben; schnst du dich, von Sünden rein und wie er gesinnt zu sein? 3. Ja, ich preise deine Sei den, denn wie groß sind jene Freuden, die du, Heiland, mit erftrittest, als du unaussprech10. 3ft dir deine Besserung lich littest, als dich Todesschweiße ein recht ernstliches Geschäfte? deckten und die Schrecken Got Wünschest du zur Heiligung tes schreckten, als du, selbst für Wachsthum, Fortgang, Lust mich gestorben, mir des Vaters und Kräfte; willst du lieben, Huld erworben. wie der Herr; verzeihn wie er? Feinden gern 4. Und nun sei der Bund erneuet; ganz sei dir mein Herz 11. Dann, o Seele, wird der geweihet; wie du hier gelebt Herr durch sein Mahl dich sanft zu leben, will ich täglich mich erquicken; er, der Herzenstün- bestreben. Dir gelob ich, deine diger, huldreich auf dich nieder- Glieder, alle Menschen, meine blicken; dann hast du an seinem Brüder, immer mit den reinsten Heil, an des Himmels Erbe Trieben, immer wie mich selbst Theil. zu lieben. 5. Ich gelobe dir von Her zen, meiner Brüder Noth und Schmerzen täglich brüderlich zu lindern, Elend, wo ich tam zu mindern. Ich gelobe dir mit Freuden, auch das Unrecht still zu leiden; ungeduldig nie zu 518. Seele, willst du Ruhe klagen, an dir niemals zu verMel. Schmücke dich, o liebe zc. finden, drücket dich die Last der zagen. Sünden: tomm, Vergebung zul Bei der Communion; vom Zweck, Nuken und rechten Gebrauche des heiligen Abendmahls. 6. Was du haffeft, will ich Das heilige Abendmahl. 369 haffen, ganz von dir mich lei-| Strafe wohl verdienet; doch hat ten lassen, nie mit Vorsaz dich dein Sohn uns mit dir ausgebetrüben; was du liebest, will fühnet, nachdem er uns zu gut ih lieben. Doch ich kenne meine vom Himmel kommen, Fleisch Schwäche, Jesu, da ich dies angenommen. Perspreche. Ach wie oft hab i gebrochen, was ich feierlich bersprochen. 4. Für uns, die dir halsstarrig widerstrebet, hat er gehorsam stets vor dir gelebet; für uns, die dein Gesetz oft überschritten, hat er gelitten. 5. Die Schmach, die Strafe vom Bösen, das ich thun will, und die schweren Plagen, die zu erlösen. Hilf, den ersten wir verdient, hat er für uns Reiz der Sünden gleich im An- ertragen; sich in den Tod, daang überwinden. Laß mich mit wir möchten leben, dahin ihre Folgen schrecken und der gegeben. alle Unschuld Freuden schmecken. 6. Wir können sonst für uns 8. Gieb, daß ich und und unsre Sünden kein LöseChristen sich auf deine Zutunft geld, kein ander Opfer finden; tüften, daß, wenn heut dein du willst, o Gott, von keinem Tag schon käme, Keiner, Herr, andern Büßen, als seinem, bor dir sich schäme. Schaff, o wissen. ME Heiland aller Sünder, dir viel 7. So wirst du denn an unJünger, viele Kinder, die dir sern Mittler denken und Gnade leben, die dir sterben, deine uns um seinetwillen schenken, Herrlichkeit zu erben. 7. Darum hilf du mir und fürke mich zu jedem guten Berte; komm und eile, mich da wir, das Mahl des Bundes zu empfahen, uns gläubig nahen. 8. 3u unserm Flehn wirst du dich huldreich neigen, die Mel. Herzliebster Jesu, was haft zc. Gnade, die wir suchen, uns er= 519. Bater, groß von zeigen, da wir im Glauben zum Ghade, Lieb und Güte, wir Altare treten und zu dir beten. fommen jetzt mit reuigem Ge- 9. Dies Mahl, das wir nach müthe und bitten: Schent uns Jesu Vorschrift feiern, dient, seiSündern, schent uns Armen nes Tods Gedächtniß zu er= huld und Erbarmen. neuern; hier wird das Blut, das er für uns vergossen, von uns 2. Nimm von uns weg all unfre Missethaten, worein wir genossen. Sünder alle sind gerathen! Herr,| daß wir dir ein reines Opfer Gott, nicht verachten, wirst es bringen, das laß gelingen! 10. Dies Lösegeld wirst du, als gültig auch für uns betrach3. Wir haben 3orn und ten: du hast auf den, der unsre Denabe. Landgefangb. X. Aufl. 24 THE 370 Gnaden- Mittel. Sünden träget, sie selbst ge- deinen Tod und Leiden erquide leget. uns, wenn wir von hinnen 11. Drum, Vater, wirst du scheiden, daß wir getroft und uns um Chrifti willen begnad- freudig darauf sterben, dein gen und mit reichem Trost er- Reich ererben. füllen; dein Sohn hat ja an 19. Oheilger Geist, durch unsrer Statt erduldet, was wir deine Gnad und Stärke zerstör verschuldet. der Sünden Lust und böse Werke; so wollen wir hier und im Himmel oben, o Gott, dich loben. 12. Vergieb die Sünd, darin wir sind empfangen, und alles Unrecht, was wir sonst begangen; auch was aus Schwachheit von uns ist versehen und nicht geschehen. Mel. Herr Jesu Christ, wahr 2. 13. In's tiefe Meer wollst du 520. O Jeju, der du als es alles senten, nicht mehr dar- ein Lamm am martervollen an um Christi willen denken, Kreuzesstamm zur Tilgung mei und das, was wir durch ihn ner Sündenlast dich sanftmuths von dir begehren, huldreich ge- voll geopfert hast: währen. 14. Schüß deine Kirch; gieb, daß bei reiner Lehre sich Gottesfurcht und heilges Leben mehre; daß wir von deinem Geist uns leiten lassen, die Sünde haffen. 2. Ich komm zu deinem Abendmahl, ich beuge mich vor dir und fall in Demuth nieder. Ach verleih, daß ich zu kommen würdig sei! 3. Arzt bist du, Retter, Kraft und Licht; verwirf, verwirf mich Sünder nicht! Du bist der Brunn der Heiligkeit, der Geber aller Seligkeit. 15. Gieb Friede, Glück und Heil in jedem Stande, der Obrigkeit und unserm ganzen Lande; was schädlich ist, wollst du an allen Enden gnädig abwenden. 16. Erfreu die Traurigen, die ihre Plagen dir, unserm Vater, gläubig betend flagen; die in Gefahr sind und mit Kreuz beladen, errett in Gnaden. 17. Gott Vater, hilf du uns, gieb deinen Segen uns, deinen Kindern, deiner Liebe wegen; laß uns um Jesu willen deine Gaben von oben haben. 18. Herr Jesu Christ, durch 4. Drum, o Herr Jesu, bitt ich dich, ach blicke gnädig jetzt auf mich! Laß deine Gnade mich erfreun und mache mich von Sünden rein. 5. Gieb Ernst und Andacht mir in's Herz, daß es nicht selbst sein Heil verscherz; stärk meinen Glauben und vermehr die Lieb, mit der ich dein begehr. 6. Dağ, wenn mich nährt dein Himmelsbrod, ich feiern möge deinen Tod; daß deſſen Das heilige Abendmahl. Ursach ich ermeß und seiner Folgen nie vergeß. 7. Lösch alle Laster aus in mir, mein Herz mit Lieb und Glauben zier, und was sonst ist an Tugend mehr, das pflanz in mich zu deiner Ehr. 8. Dir übergeb ich Seel und Leib zum Opfer, nimm mich an und bleib mit deinem Lebensgeist in mir, daß ich vereinigt bleib mit dir. 371 erwarbst, ach möcht ich mich würdig nahen und das Leben hier empfahen! 9. Gieb durch dein Mahl mir neue Kraft und mach mich recht gewissenhaft, daß ich die mir geschenkte Huld verscherze nicht durch neue Schuld. 10. Bist du für mich, so kann tein Feind mir Schaden thun; was böse scheint, verwandelt mir in Segen sich. In diesem Blauben stärke mich! 11. Mach mich recht treu in meiner Pflicht; der freudge Geift verlaß mich nicht; ach, laß mich meine Tag in Ruh und Friede christlich bringen zu: 3. Herr, dies glaub ich und empfinde Freudigkeit und Zu= versicht. Stellt doch Gott um meine Sünde nun mich nimmer in's Gericht! Bin ich doch durch deinen Tod völlig ausgeföhnt mit Gott und wenn ich im Glauben sterbe, ewig seines Himmels Erbe! 4. Laß mich vor dein Antlitz kommen, dein Gedächtniß zu er= neun; laß mich heut mit deinen Frommen deines Todes Zeuge sein! Herr, ich schau nach Golgatha! wo dein Gott dich opfern sah, sehe dich in deinem Blute, wie du litteft mir zu gute! 5. Möcht ich, Jesu, nicht vergebens mich zu deinem Kreuze nahn; möcht ich dieses Mahl des Lebens nicht mir zum Gericht empfahn! Nein, dies Denkmal stärke mich, Mittler, im Vertraun dich! Ach, es Mel. Freu dich sehr, o meine zc. 521. Voller Ehrfurcht, Dant lente meinen Willen, dein Geund Freuden tomm ich, Herr, jeg, Herr, zu erfüllen! auf dein Gebot, und gedenk an 6. Diesen Vorsah, den ich deine Leiden und an deinen habe, mich nicht wieder zu entOpfertod! Mittler, der du für weihn, laß ihn, Jesu, bis zum mich starbst, mir ein ewig Heil Grabe fest in meiner Seele sein! 24* 12. Bis du mich, o du Lebensfürst, in deinen Himmel nehmen wirst, daß ich bei dir dort ewiglich in deinem Reiche freue mich. 2. Weil du, Heiligster, aus Gnaden aller meiner Sünden Last mir zum Heil auf dich ge= laden und am Kreuz gebüßet haft: darum stellet mich nun nicht Gott, der Richter, in's Gericht; darum will er mein Verbrechen mir verzeihn und nimmer rächen. 372 Gnaden- Mittel. Vor der drohenden Gefahr, der, und finde sie im Glauben da zu werden, der ich war, beb ich zaghaft und empfinde schon von fern die Macht der Sünde. 7. Wenn sie mich von deinen Wegen schmeichelnd abzuführen droht, laß mich ernstvoll überlegen, welch ein Tod war Jesu Tod! Gott, vor dem er im Gericht stand verlassen, laß mich nicht ihn in seinem Leiden sehen und ihn doch durch Sünden schmähen! Erlösten. 2. Dich bet ich zuversichtlich an; du bist das Heil der Sünder! Du hast die Handschrift abgethan, und wir sind Gottes Kinder. Ich denk an deines Leidens Macht, und an dein Wort: Es ist vollbracht! Du haft mir Heil erworben. Du haft für mich dich dargestellt. Mit sich versöhnte Gott die Welt, da du für sie gestorben. 8. Wenn ich in der Irre 3. So freue dich mein Herz wandle, geh du mir, Erbarmer, in mir, er tilget deine Sünden, nach; zeig mir, wie ich unrecht und läßt an seiner Tafel hier handle; stärke mich, denn ich dich Gnad um Gnade finden. bin schwach; und ertrage mit Du rufft, und er erhört dich Geduld meine Schwachheit, meine schon, spricht liebreich: Sei ge Schuld! Laß mich wieder Gnade troft, mein Sohn, die Schuld finden, wenn ich traure über ist dir vergeben. Du bist in meinen Tod getauft; vergiß nicht, dem, der dich erkauft, zu Ehren stets zu leben. Sünden! 9. Dir will ich es ewig danken, daß du so barmherzig bist. Laß mich nur nicht wieder wanten, mein Erretter, Jesu Christ! Hilf mir, daß ich dir getreu, und mein Vorsatz standhaft sei, jeder Sünde falsche Freuden immer als wie Gift zu meiden! 4. Dein, spricht er, ist die Seligkeit; bewahr sie hier im Glauben, und laß durch keine Sicherheit dir deine Krone raus ben. Sieh, ich vereine mich mit dir; ich bin der Weinstock; bleib an mir: so wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich, und durch die Liebe gegen Mel. OKönig, dessen Majestät 2c. 522. Ich komme, Herr, und mich wird dir der Sieg gesuche dich mühselig und beladen.[ lingen. Gott, mein Erbarmer, würdge 5. Ja, Herr, mein Glüd ist mich des Siegels deiner Gna- dein Gebot; ich will es treu ers den! Ich liege hier vor deinem füllen, und' bitte dich durch deis Thron, Sohn Gottes und des nen Tod um Kraft zu meinem Menschen Sohn, mich deiner zu Willen. Laß mich von nun an getrösten. Ich fühle meiner tüchtig sein, mein ganzes Herz Sünden Müh, ich suche Ruh( dir, Herr, zu weihn und deinen Das heilige Abendmahl. 373 Tod zu preisen! Laß mich den sein, du starbst für mich; drum Ernst der Heiligung durch eine wahre Besserung mir und der Welt beweisen. bin ich dein. Mel. Was ist vor deinem Angesichte zc. 523. Hier bin ich, Jesu, zu erfüllen, was du in deiner Leidensnacht nach deinem gnadenvollen Willen zur Pflicht und Wohlthat mir gemacht. Verleih zur Uebung dieser Pflicht mir deines Geistes Kraft und Licht. 2. Es werde, Herr, für mein Gewissen dein Abendmahl ein Unterpfand, auch mir jei dein versöhnend Büßen zu meiner Rettung zuerkannt; so freuet meine Seele sich in deinem Heil und lobet dich. 3. Bewundernd denk ich an die Liebe, mit der du unser Heil bedacht. Wie stark sind deine Mitleidstriebe, die dich bis an das Kreuz gebracht! Ogieb von deinem Todesschmerz jetzt neuen Eindruck in mein Herz. 6. Nie will ich mich vor Spöttern schämen des Dienstes, den man dir erweist; mich nie zu einem Schritt bequemen, den mein Gewissen sündlich heißt. O flöße mir den Eifer ein, wie du, o Herr, gesinnt zu sein! 7. Laß mich mit Ernst den Nächsten lieben, und wenn er strauchelnd was versieht, Verjöhnlichkeit und Sanftmuth üben. Nie komm es mir aus dem Gemüth, welch eine schwere Sündenlast du mir aus Huld erlaffen haft. 8. Es stärke sich in mir der Glaube, daß meine Seele ewig lebt, und daß einst aus des Grabes Staube mich dein allmächtger Ruf erhebt, wenn du dich, großer Lebensfürst, den Völkern sichtbar zeigen wirst. Mel. Es ist gewißlich an der zc. 524. Ich preise dich, o Herr, 4. Laß mich mit Ernst die mein Heil, für deine TodesleiSünde scheuen, für welche du den! Hab ich an ihren Früchten dich opfernd starbft; durch schnö- Theil, was fehlt dann meinen den Mißbrauch nie entweihen, Freuden? Du wardst ein Opfer was du so theuer mir erwarbst. auch für mich: o gieb, daß Nie führe mich zur Sicherheit meine Seele sich deß ewig freuen der Trost, den mir dein Tod möge! verleiht. 2. Was fann mein Geift 5. Ich übergebe mich auf's durch deinen Tod nicht noch für neue, o du mein Herr und Gott, Segen finden! Erlösung aus der an dich. Ich schwöre dir stand- Todesnoth, Vergebung aller hafte Treue vor deinem Tische Sünden, Gewissensruh, zur feierlich: dein eigen will ich ewigl Bessrung Kraft; das hast du, 374 Gnaden- Mittel. Herr, auch mir verschafft, da du Dein Abendmahl erwecke mich, am Kreuze starbest. mit Ernst darnach zu streben! 3. Dein Mahl ist mir ein Herr, mache mich dazu geſchickt, Unterpfand von dieser großen und werd ich einst der Welt Güte. Wie viel hast du an entrückt, so sei dein Tod mein mich gewandt! Ostärke mein Leben. Gemüthe zum gläubigen Ber- Mel. Herzlich lieb hab ich dich 22. traun auf dich, daß ich, so lang ich lebe, mich an deiner Gnade 525. Gelobt jeift du, Herr halte. unser Gott, gelobt für unsers 4. Jch fühle, Herr, voll Reu Mittlers Tod, der uns das Heil und Schmerz, die Last von mei- erworben! Wie haft du, Gott, nen Sünden. Laß mein vor dir auch mich geliebt! Er, der uns gebeugtes Herz den großen Trost ewig Leben giebt, ist auch für empfinden, daß du aus Gottes mich gestorben. Mein ganzes Vaterhuld auch mir Vergebung Herz frohlockt in mir; o Vater, meiner Schuld auf Buße hast ich lobsinge dir. Gieb, daß ich jeden Tag auf's neu mich dei5. Der Trost, den mir dein ner Vaterhuld erfreu. Gott Tod verschafft, werd ewig mir meines Heils, jei ewig mein, zum Segen. Er stärke mich mit sei ewig mein und laß mich dir neuer Kraft, auf allen meinen recht dankbar sein! erworben. Wegen nur das zu thun, was dir gefällt, und alle Furcht und Lust der Welt standhaft zu überwinden. 2. Voll froher Ehrfurcht beug ich mich vor dir, Sohn Gottes, der du dich für mich dahingegeben. Es fomme mit 6. Die Liebe, die du mir er- nie aus dem Sinn, wie viel zeigt, ist gar nicht zu ermessen. ich dir, Herr, schuldig bin; dein mache selbst mein Herz ge- Tod bringt mir das Leben. Durch neigt, sie nimmer zu vergessen, deines Opfers ewge Kraft haft daß ich aus echter Gegentreu du, o Herr, auch mir verschafft, dir bis zum Tod ergeben sei was mich vor dem Verderben und dir zur Ehre lebe. schützt, was meinem Geiste ewig 7. Laß deines Leidens großen nügt. Herr Jesu Christ, wie 3weck mir stets vor Augen ste- liebst du mich, wie liebst du hen. Nimm alle Hindernisse mich; gieb, daß ich ewig liebe weg, die ebne Bahn zu gehen, dich! die mir dein heilig Vorbild 3. Mit Inbrunst fleh ich, weist und die einst den erlösten Herr, zu dir, befördre du doch Geist zu deiner Freude führet. selbst in mir ein gläubiges Ge8. Zum ewgen Leben hast müthe! Mich dürftet gleich dem du dich für mich dahin gegeben, dürren Land, bei deiner Liebe Das heilige Abendmahl. 375 Unterpfand nach deiner großen du hast dein Leben für uns Güte. Ich fühle, Herr, was mir Sünder hingegeben! Stärt ungebricht; o stärke meine Zuver- sern Glauben; lehr uns Tugend sicht, daß du auch mein Ver- üben, Gott und unsern Nächsten söhner seist und mich vom ew- lieben nach deinem Erempel! gen Tod befreist; Herr, dieser Trost sei fest in mir, sei fest in mir, so dien ich voller Freu- mel. Werde munter, mein Gemüthe zc. den dir. 4. Zur Weisheit und Ge- 527. Preise dankbar, mein rechtigkeit, zur Heiligung und Gemüthe, lobe Gottes FreundGeligkeit bist du mir auserfehen. lichkeit! Rühm die Wunder Auch mir zum herrlichsten Ge- seiner Güte, die er dir zu aller winn gabst du dein Leben willig Zeit hat erwiesen, sonderlich, hin, drum hör auch jetzt mein daß er nun auf's neue dich hat Flehen: Mein Heiland, zeuch durch seines Sohnes Wunden mich ganz zu dir; ja, durch den deiner Sündenlast entbunden. Glauben wohn in mir, so nimmt in mir die Seelenruh und meines Herzens Bessrung zu. Mein Herr und Gott, verlaß mich nicht, verlaß mich nicht! So komm ich einst nicht in's Gericht! 5. Zu deinem Himmel hilf du mir. Der Freuden Fülle ist bei dir; laß sie mich einst ge- bei Gott in Gnaden. nießen! Belebe mich mit Muth 2. Glauben darfst du nun und hoffen, daß dir nach vergebner Schuld sei der Zugang frei und offen zu des Vaters ewger Huld. Sei getrost; denn keine Noth, selbst nicht deines Leibes Tod kann an deinem Heil dir schaden, wenn du bist 3. Wie soll ich dir würdig und Kraft, so meine ganze Pil- sagen Lob und Dank, Herr, grimschaft zu führen und zu daß du hast liebevoll für mich schließen, daß mir dein Wort getragen meiner Sünden große stets heilig sei, daß ich bis in Last; daß du mich durch deinen den Tod dir treu, mit Freu- Tod haft errettet aus der Noth, den thu, was dir gefällt, und in die ich durch Missethatent dich so ehre vor der Welt. war aus eigner Schuld geraHerr, mein Heil, sei stets mit then! mir, jei stets mit mir, so komm ich einst gewiß zu dir! 4. Gieb nach deiner großen Güte mir nun deinen guten den hüte und das suche aller= Geist, daß ich mich vor Sün= meist, was du willst und dir den Mel. Gott sei gelobet und zc. 526. Herr, jei gelobet, daß Welt ich mich immer mehr ent= Nach dem Genusfe des heiligen Abendmahls. 376 Gnaden- Mittel. ziehe und den Reiz der Sünde will ich streiten. Nach dem fliehe. Kampfe gieb die Krone mir, deinem Streiter, und die Seligfeiten der Unsterblichen zum Lohne! Sieger und Bergelter! 5. Gieb mir auch Geduld im Leiden; stärke mich zu jeder Pflicht! Geiz und Hochmuth laß mich meiden; gieb, daß ich mich räche nicht, wenn der Nächste mich betrübt, wie du Mel. Wer nur den lieben Gott. mich geliebt und mir meine 529. Ich preise dich für Schuld vergeben, mit ihm möge friedlich leben. deine Liebe, mein Herr und Heiland, Jesu Chrift! Gieb, daß 6. Hilf, daß ich dich herzlich ich dich nicht mehr betrübe, der liebe und im Beten standhaft du für mich gestorben bist. La ſei; Liebe auch am Nächsten deinen Tod und deine Bein übe. Schwermuth, Leichtsinn, mir immerdar vor Augen sein. Heuchelei laß entfernet sein von mir! Laß mich allezeit vor dir heilig wandeln hier auf Erden und dort ewig selig werden. 2. Wie kann ich dich genug erheben; ich, der ich Bein und Tod verdient, ich soll nicht sterben, sondern leben, weil du mich selbst mit Gott verfühnt. Ach du, sein Sohn, du starbst für mich! Wie preis ich, Herr, Mel. Gott sei gelobet und zc. 528. Ich habe, Herr, ent- wie preis ich dich! lastet von der Bürde meiner 3. Heil mir, Sünden, deinem Namen mich ganz geheiligt! würde nur, ach würde mein Gelübde That und Amen! Du mein Gott und Mittler. 2. Es ruft, es seufzet meine ganze Seele um die Kraft, es zu erfüllen, damit ich standhaft deine Wege wähle, eifrig thue deinen Willen, nicht den Bunsch der Lüfte. mir ward das Brod gebrochen, ich trant, Herr, deines Bundes Wein! Voll Freude hab ich dir versprochen, dir, treuster Jesu, treu zu fein. Ich schwör es nun noch einmal dir; schenk du nur deine Gnade mir! 4. Laß stets mich dankbar, Herr, ermessen was du für mich gelitten hast, und deine Liebe nie vergessen, die so viel 3. Ruf mir aus deinem Him- Segen in sich faßt. Laß meinen mel: Ueberwinde Lüfte, Lügen Glauben thätig sein und mit und Verderben, ich fröne dich, zur Tugend Kraft verleihn. wenn ich getreu dich finde! Heil 5. Im Kampfe hilf mir den Kämpfern, die mir sterben; überwinden, und stärke mich denn sie werden leben! zu meiner Pflicht; bewahre 4. Mit dir, du Ueberwinder, mich vor neuen Sünden; ver Das heilige Abendmahl. laß mich in Versuchung nicht, und dein für mich vergoßnes Blut schent mir im Todeskampfe Muth. 6. Und euch, ihr seines Leibes Glieder, die Jesu Heil, wie mich erfreut, euch lieb ich stets als meine Brüder, als Erben jeiner Herrlichkeit. Wir haben einen Herrn und Gott; uns speift und tränkt ein Wein, ein Brod. 377 gelabet. Herr, dir sind wir fest verbunden, heil von Wunden, reich an Gnaden, aller Furcht und Angst entladen. 2. Herr, groß ist unsre Seligkeit; in allem Leiden dieser 3eit sind wir nun voll Vertrauen. Der Weg aus diesem finstern Thal führt uns zum großen Abendmahl, wo wir dein Antlig schauen; wo wir bei dir nach dem Leiden uns mit Freuden herrlich laben, ewig volle Gnüge haben. 7. Wie jetzt in unsers Heilands Namen sein Volk vor ihm versammelt war, jo tommen wir noch einft zusammen vor ihm mit seiner Engelschar, und preisen als jein Eigenthum, dann ewig seiner Gnade Ruhm. 8. Hier will ich mich mit euch vereinen, die ihr durch Tugend ihn erhöht; und wenn wir 3. Wir haben jett ja, Gottes Sohn, das Pfand des ewgen Lebens schon, die Hoffnung fann nicht trügen; uns scheidet, Heiland, nichts von dir; wenn wir nur kämpfen, werden wir in jenem Kampfe siegen. Amen, Amen! Furcht in Freuden, einst vor ihm erscheinen im Muth in Leiden, Muth im Glanze seiner Majestät, dann Sterben helf auch uns, dein geh ich im Triumph mit euch, Reich zu erben! ihr Auserwählten, in sein Reich. 9. So soll denn weder Spott, mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. noch Leiden, noch Ehre, Freud und Luſt der Welt mich, Herr, 531. Anbetung, 2ob und von deiner Liebe scheiden, die froher Dank sei dir, der uns ſelbst im Tode mich erhält. begabet mit Lebensbrod, mit Du bist, du bleibest ewig mein! Lebenstrant, Dank dir, der uns laß mich deiner würdig sein. gelabet! Erlöst, erquicket durch. sein Blut, jauchzt unser Herz mit frohem Muth und freut sich deines Heiles. Mel. Wie schön leucht uns der zc. 530. Himmelsbrod, o 2. Erquidt, gestärket durch dein Lebenstrant! Herr, ewig preist Mahl, gehn wir nun hin, und liedich unser Dant! Du haft uns ben die Brüder all, die Menschen hoch begabet; du, du bist unser all, die du erlöft; und üben mit Leib und Blut den matten Geist scheun nicht Leiden, Schmach, höchstes Gut, auch jezo hat dein frohem Herzen dein Gebot, und 378 noch Tod; wir werden durch dich siegen! Tugend- Mittel. 4. Erhabner Mittler, Gottes Sohn, Beschüßer deiner Heerde, 3. Erbarmer, der du uns er- einst fährst du auf der Wolken quidt, uns so gelabet heute; Thron herab auf diese Erde. mach Andre auch, gleich uns, Tod und Verwesung wird entbeglückt, gieb allen Menschen fliehn, und wir, wir deine Freude! Gieb, daß zu dei- Scharen ziehn verklärt mit dir nes Namens Ehr der Frommen zum Himmel. Zahl sich täglich mehr', die deines Heils sich freuen. XII. Von den Beförderungs- und Stärkungsmitteln der Tugend. Oeffentlicher Gottesdienst und würdige Sonntagsfeier. Mel. Was ist vor deinem Angesichte zc. 532. Den höchsten öffentlich verehren, anbetend vor ihm gerne stehn, und, um sein theures Wort zu hören, gern in die Gotteshäuser gehn, ist eine Pflicht, wozu der Christ, so lang er fann, verbunden ist. 2. Wie billig ist's, das höchste Wesen, durch das der Mensch ist, lebt und denkt, den Herrn und Richter aller Wesen, den, der uns jede Wohlthat schenkt, mit Lob und Preise zu erhöhn und neue Huld uns zu erflehn. 3. Wer Gott nur in der Stille ehret und der Versammlung sich entzieht; wer Jesum mit dem Herzen ehret, jedoch ihn zu be= kennen flieht: der, der verlegzet seine Pflicht, verachtet Gott, ehrt Jesum nicht. 4. Auch deinen Nächsten zu den, da man durch Danten erbauen, mußt du zum Gottes hause gehn. Wie viele sind, die auf dich schauen, die bloß auf's Einer durch dich träge wird, bit Beispiel andrer sehn! Wenn du es nicht, der ihn verführt? 5. Und selber uns in unsern Pflichten bei Schwäche und Unwissenheit noch immer mehr zu unterrichten, um fromm zu sein in Freud und Leid; wie nöthig ist dies nicht, o Christ, der du geneigt zu fehlen bist; 6. Der Gottesdienst ist ein Geschäfte, wozu aus Lieb uns Gott verband. Er stärket unste schwachen Kräfte, er stärkt Gr kenntniß und Verstand; er ist ein Mittel, das uns Kraft zum Glauben und zur Tugend schafft. 7. Wie manchen Troft hab ich empfunden, wenn ich das Wort des Herrn gehört! Wie lieb ich euch, ihr frohen Stun Deffentlicher Gottesdienst. Gott verehrt und sich um's Ewige bemüht, den Sorgen für die Welt entzieht. 8. Nichts gleicht dem himmlischen Entzücken, das hier ein frommes Herz belebt, wenn es in stillen Augenblicken sich im Gebet zu Gott erhebt, und voll des Glücks, das es genießt, von Dank und Freuden über fließt. 9. Wie nichtig sind der Erde Freuden dann dem, der diese Freuden schmeckt! Wie süß der Trost, wenn man im Leiden dem besten Freund sein Herz entdeckt! Wie nichts ist alles Glück der Welt dem, der mit Gott sich unterhält. 10. Kommt denn, o Christen, theure Brüder, vereint im Geist vor Gott zu stehn, und alle, eines Leibes Glieder, den großen Schöpfer zu erhöhn. Frohlodend preiset Jesum Christ, der unser Herr und Heiland ist. 379 giebst du deinen Geist, der uns den. Weg zum Leben weist, uns tröstet und erfreuet. Laß mich, freudig im Gemüthe, deine Güte, Gott, empfinden, und vergieb mir meine Sünden! 3. Sieh mich, o Vater, gnädig an; vergieb mir, was ich mißgethan in den verfloßnen Tagen. Vergieb es mir durch Christi Blut; er hat gelitten uns zu gut und unsre Schuld getragen. Da sich täglich manche Sünden noch befinden an uns Schwachen, so verschon und hilf mir wachen! 4. Nimm mich mit Allem, was ich bin, in deine Hand und Obhut hin; dir sei es ganz ergeben. Wend ab Noth, Angst und Herzeleid, du Vater der Barmherzigkeit, in meinem ganzen Leben; daß ich fröhlich deinen Willen mög erfüllen und dich lieben, Liebe auch am Nächsten üben. Mel. Wie schön leucht uns der 2c. 5. Gieb, daß bei mir dein Ruhetag des Geistes Ruh befördern mag, dein 533. Ich will, o Bater, allezeit erheben deine Gütigkeit, die mich schon seit viel Jahren beglückt; die mich oft wunderbar errettet, die ich immerdar bis diesen Tag erfahren. Singet, bringet mit mir heute Gott voll Freude Dank und Ehre; Jedermann sein Lob vermehre! wort zu merfen; gieb, daß es mir zu Herzen dring und bei mir gute Früchte bring; laß mich's im Guten stärken; laß sich reichlich das Bestreben, dir zu Leben, in uns mehren durch des Geistes Kraft und Lehren. 6. Laß mich in dieser Prüfungswelt stets üben, was dir 2. Durch deine Hand, die zu wohlgefällt, dir in Geduld ver= erfreun stets offen, wird von trauen; bis ich die wahre Ruh Schmerz und Pein, wer zu dir und Freud erlange in der Ewigflieht, befreiet. Durch Christum keit, und dich werd näher 380 Tugend- Mittel. schauen. Welche Fülle deiner 7. Dein Tag sei mir ein Gaben werd ich haben, einst dort oben! Gott, wie werd ich dich da loben! Denkmal deiner Güte. Er bring mir Heil und lenke mein Gemüthe auf jenen Trost, den uns dein Sohn erworben. da er gestorben. Mel. Herzliebster Jesu, was hast zc. 8. Dich bet ich an, du Todes534. Dies ist der Tag, zum überwinder, der du an dieſem Segen eingeweihet. Jhn feiert Tag zum Heil der Sünder, die, gern, wer deiner, Gott, sich fern von Gott, im Todesschatten freuet. Olağ auch mich mit saßen, dein Grab verlassen. Freuden vor dich treten, dich 9. Dein Siegstag ist ein Tag anzubeten. des Heils der Erden. Als Sab2. Dich rühmt der Lobge- bath müß er mir stets heilig fang der Himmelsheere; auch werden! Lob jei, Erlöjer, deiunser Tempel schallt von deiner nem großen Namen auf ewig! Ehre. Auch unser Dank und Amen! unsers Geistes Flehen soll dich erhöhen. 3. Wie freu ich mich, die Mel. Was ist vor deinem Angesichte x. Stätte zu begrüßen, wo Dürsten- 535. Wie lieblich ist doch, den des Lebens Bäche fließen, Herr, die Stätte, wo man sich und wo dein Heil von den er- deiner Güte freut! O gieb, daß lösten Zungen froh wird be ich sie gern betrete, weil deren fungen. Tugend recht gedeiht, die deiner 4. Vergebens lockt die Welt Lehre sich erfreun und feierlich zu ihren Freuden; mein Geist sich oft dir weihn. soll sich auf Gottes Auen wei= 2. Wohl dem, der dich in den. Sein heilges Wort, das deinem Tempel, Gott, zu ver ſeine Boten lehren, das will ich ehren Ernst beweist. Du hörst hören. sein Lob, und sein Erempel stärkt 5. Mit Andacht will ich, auch des Nebenmenschen Geist, Höchster, vor dich treten. Ich daß er auf deiner Wahrheit weiß, du liebst, die kindlich zu Bahn rechtschaffen vor dir wandir beten. Der Thoren Glück, deln kann. die sich der Sünde freuen, wirst laß auch heute deinen 3. Dein Wort bleibt niemals du zerstreuen. ohne Segen, wenn man's nur 6. recht zu Herzen nimmt. Es Geist mich lehren, vom Sünden- giebt uns Trost auf Trübfalswege ganz mich abzukehren. Re- wegen, die du zu unserm Heil giere mich, daß meine ganze bestimmt. Es giebt im Kampf Seele zum Trost dich wähle. uns Muth und Kraft und ist Deffentlicher Gottesdienst. 381 ein Schwerdt, das Sieg ver- tag zu meinem Segen feiern schafft. mag. Bewahr mich vor dem Geist der Welt, die deinen Tag verächtlich hält. 4. Gott, laß auch mir dein Antlig scheinen! Dein Sabbath bring auch mir Gewinn, wenn andachtsvoll ich mit den Deinen vor dir an heilger Stätte bin. Laß dir das Lob, das wir dir weihn, ein angenehmes Opfer sein! 6. Doch laß mich nicht dabei bestehn, dich nur am Sabbath zu erhöhn. Herr, meine ganze Lebenszeit sei deinem Dienst und Ruhn geweiht! Por der Predigt. Mel. Liebster Jesu, wir sind zc. 5. Ja, du bist Sonn und Schild den Frommen; du, Herr, giebst ihnen Gnad und Ehr. 537. Demuthsvoll komm Und wer nur erst zu dir gekommen, dem fehlt das wahre Glück nicht mehr. Was du verheißest, hältst du fest. Wohl dem, der sich auf dich verläßt! ich zu dir, dich im Geiste zu verehren, Vater, ach, verleihe mir wahre Andacht, daß die Lehren deiner Weisheit mich recht rühren und den Weg zum Himmel führen. 2. Gieb, daß mir dein heilges Wort traftvoll an die Seele dringe, und in mir, o Herr, mein Hort, Frucht zum eigen Leben bringe; gieb, daß es mich mächtig stärke zur Vollbringung Mel. Herr Jesu Christ, dich zc. 536. Gott, du biſt mein Preis und Ruhm, mein Herz jei ganz dein Eigenthum: laß deinen Tag mir heilig sein, laß mich ihn deinem Dienste weihn. 2. Gieb, daß ich mein Ge- guter Werke. müth bewahr, wenn ich mit dei3. Gieb aus ihm mir Trost ner Christenschaar zu deines und Licht auf den dunklen LeiHauses Stätte geh, daß ich mit denswegen, und dem Glauben Ehrfurcht vor dir steh. Zuversicht, wenn sich Zweifel in mir regen; es sei meines Geist, daß du mir gegenwärtig Herzens Freude, wenn ich von feist, damit ich deines Wortes der Welt abscheide! 3. Erinnre selber meinen Lehr mit Andacht und mit Nußen hör. 4. Drüd Alles tief in's Herz 538. Herr Jesu Christ, dich hinein, und laß mich nicht bloß zu uns uns wend, den heilgen hörer sein. Steh mir mit dei- Geist du zu uns send; mit Hülf ner Gnade bei, daß ich des und Gnad, Herr, uns regier, und Wortes Thäter sei. uns den Weg der Wahrheit 5. Hilf, daß ich deinen Ruhe- führ. 382 Tugend- Mittel. 2. Thu auf den Mund zu gesicht hat die Andacht uns verdeinem Ruhm; dazu sind wir sammelt; ach, verwirf die Bitte dein Eigenthum. Rühr unser nicht, die dein Volk dit, HöchHerz, stärk den Verstand; mach ster, stammelt; hör sein Flehn, deine Lehren uns bekannt. hör seine Lieder, und sich gnädig auf uns nieder. 3. Dann, Herr und Gott, dann singen wir einst heilig, 2. Laß das Wort, das hier heilig, heilig dir und schauen erschallt, unsern Widerstand be dich von Angesicht in ewger zwingen, und mit göttlicher GeFreud und selgem Licht. walt tief in unsre Herzen dringen; laß es unsern Sinn erneuen und des Irrthums Nacht zerstreuen: 4. Dir, Gott, den Erd und Himmel preift, dir, Vater, Sohn und heilgem Geist, dir, heilige Dreieinigkeit, sei Lob und Preis in Ewigkeit! 3. Daß, von Eifer ganz entbrannt, wir, was du befohlen, üben; dich und den, den du ge= lieben; daß kein Schmerz und sandt, Jesum Christum, herzlich 539. Liebster Jeju, wir sind hier, dich und dein Wort an- teine Freude uns von dieser zuhören; lenke Sinnen und Be- Liebe scheide. gier auf die süßen Himmelslehren; laß die Herzen von der Beim Beschluß des Gottesdienstes. Erden ganz zu dir erhoben Mel. Liebster Jesu, wir sind u. werden. 2. Unser Wissen und Ver- 541. Selig sind, die Gottes stand ist mit Finsterniß um- Wort hören und zugleich bewahhüllet; nur der Geist, von dir ren. Laß auch mir, o Herr mein gesandt, ist's, der uns mit Licht erfüllet; laß in unsern Christenpflichten ihn uns kräftig unter Hort, diese Wohlthat widerfahren; laß doch deines Wortes Lehren mich nicht ohne Nutzen hören. richten. 3. O du Glanz der Herrlich2. Präg sie meiner Seele ein; keit, Licht vom Licht, aus Gott laß sie bei mir kräftig werden, geboren! Mach uns allesammt und ich werde selig sein schon bereit, öffne Herzen, Mund und als Pilger hier auf Erden, im Ohren; unser Bitten, Flehn und Singen laß, Herr Jesu, wohl elingen. mer deines Heils mich freuen und die Todesnacht nicht scheuen. Mel. Liebster Jesu, wir sind 2. Mel. Liebster Jesu, wir sind zc. 542. Gott jei Lob, es ist 540. Herr, vor deinem Un- vollbracht, Singen, Beten, Leſen, Hausandacht. Umgang mit Gott im Gebet. 383 hören. Wohl hat uns der Herr gute Hausgenossen haben: wen bedacht; lasset uns sein Lob ver- muß nicht dies Glück erfreun! mehren. Unser Gott sei hoch 3m Gebet ist Reiz zur Tugend gepreiset, der so milde sich er- für Bediente, für die Jugend. weifet. Sich einander zu erbaun, wirket Liebe und Vertraun. 2. Er, der unser Herz erquidt, gebe ferner seinen Segen, daß wir alle unverrüct wandeln stets auf seinen Wegen; Gottes Geist uns ferner leite und zum Himmel uns bereite. 4. Jede Stunde, frei von Sorgen, in der stillen Abendzeit und an jedem neuen Morgen sei, Christ, deinem Gott geweiht. Bete selbst, bet mit den Deinen; Gott hört's und beglückt die Seinen! Achtsam forsche in der Schrift; sie lehrt, was dein Heil betrifft. 5. Höchster, mache dies Gesohäfte allen Häusern theur und werth. Gieb dazu uns Trieb und Kräfte, hindre, was es uns erschwert. Laß dir unser schwaMel. Alle Menschen müssen 2c. ches Lallen in der Stille wohl gefallen, bis wir ewig vor dir ein segensvoll stehn und mit Engeln dich erGeschäfte ist ein häusliches Ge- höhn! Hausandacht. 543. Welch bet! Zu der Arbeit Lust und 3. Unsern Ausgang segne Gott; unsern Eingang gleichermaßen. Segne unser täglich Brod, segne unser Thun und Laffen. Segne uns mit selgem Sterben und mach uns zu Himmelserben. Kräfte giebt Gott dem, der zu ihm fleht. Tröstung in betrüb- Der Umgang mit Goit im Gebet. ten Stunden haben Fromme tets gefunden, die, im Gottesdienst vereint, stille Thränen ihm geweint. Kraft und Nußen des Gebets. mel. Was ist vor deinem Angesichte zc. 2. Sichtbar mehrt sich Glaub 544. Dein Heil, o Christ, und Tugend; Glück und Segen nicht zu verscherzen, sei wach blüht und grünt, wo das Alter und nüchtern zum Gebet. Ein und die Jugend Gott mit Herz findlich Flehn aus reinem Herund Thaten dient. Aber Unord- zen hat Gott, dein Vater, nie ung und Sünden wird man verschmäht. Erschein in Demuth In den Häusern finden, wo man oft und gern mit Dank und lebt, wie ohne Gott, nicht an Flehen vor dem Herrn. Pflicht denkt, nicht an Tod. 2. Welch Glück, so hoch ge3. Gute fromme Kinder ha- ehrt zu werden und im Gebet ben; froh in seinem Hause sein; vor Gott zu stehn! Du, Herr 384 Tugend- Mittel. des Himmels und der Erden, wahren Wohl erfreun. Mein brauchst freilich keines Menschen Leben und mein Glüd beruht Flehn. Du eilst die Deinen zu allein auf dir, du höchstes Gut. erfreun und segneft sie, eh sie noch schrein. 2. Umsonst ist alle meine Mühe, wenn sie dein Segen, 3. Doch sprichst du: Bittet, Herr, nicht krönt. Was ich auch daß ihr nehmet; der Bitten noch so ängstlich fliehe, wird Frucht ist einzig mein. Wer sich doch von mir nicht abgelehnt, der Pflicht zu beten schämet, wenn vor dem Uebel, das mich der schämt sich, Gott, dein Freund schreckt, dein starker Schutz mich zu sein, und stößt das ange- nicht bedeckt. botne Glück muthwillig selbst von sich zurück. 4. Sein Heil von dir, o Gott, begehren, ist Wohlthat mehr, als schwere Pflicht. Des Herzens Wünsche dir erklären, das stärkt das Herz zur Zuversicht, macht dankbar, liebreich und giebt Kraft zur Dämpfung jeder Leidenschaft. 3. Wie sollt ich denn nicht von dir bitten, was meiner Seele Wunsch begehrt? Vor dir, o Gott, sein Herz ausschütter, wenn Noth und Kummer uns beschwert, besänftigt unster Seelen Schmerz und öffnet deinem Trost das Herz. 5. Was kann zum Fleiß in guten Werken uns kräftiger den Muth erhöhn, was mehr in Leidensstunden stärken, als wenn wir betend auf dich sehn? O Vater, unsre Seelenruh nimmt durch Gebet beständig zu. 4. Sollt ich nicht Dank und Ruhm dir bringen, wenn mich ein wahres Glück erfreut? Dit, Allerhöchster, dir lobsingen, ist gut, ist für uns Seligkeit, und flößt uns neuen Eifer ein, in deinem Dienste treu zu sein. 5. Du hörst es, Gott; mit Wohlgefallen, wenn deine Kin 6. Dein Wort ist immer Ja der zu dir flehn; verschmähest und Amen; wer gläubig bittet, nicht ihr schwaches Lallen, wenn der empfäht. Drum laß auch sie lobsingend dich erhöhn. Du mich in Jesu Namen oft vor ehrst den wieder, der dich ehrt, dich kommen mit Gebet. Nie und höreft den, der dich, Gott, sei mir diese Pflicht zur Last, hört. die du zum Heil geboten hast. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 6. Mit Segen uns zu überschütten, bist du, o Vater, stets bereit; was wir nach deinem Willen bitten, giebst du uns 545. Von dir tommt jede aus Barmherzigkeit. Und wer gute Gabe; nur du, mein Gott, dir dankt, dem strömest du be fannst mich allein mit Allem, ständig neuen Segen zu. was ich nöthig habe, zu meinem 7. So will ich denn zu dei Umgang mit Gott im Gebet. 385 nem Throne oft im Gebet mich Kraft gebricht, so bitt ich Gott; findlich nahn. Nimm, Vater, nimm in deinem Sohne der Andacht Opfer gnädig an. Dein Geift regiere meinen Geist, daß er dich betend würdig preist. er hilft mir kämpfen, er giebt mir Muth zu jeder Pflicht, und schenkt mir Willigkeit und Kraft zum Siege meiner Leidenschaft. 6. Wenn je ein Kummer mich beschweret, den ich Niemand entdecken kann, dann ruf ich Gott, der mich erhöret, um Trost in diesem Kummer an; das Herz wird froh, die Last wird leicht vom Troste, den mir Gott darreicht. 7. Wenn ich im letzten Kampf des Lebens bei Niemand Hülfe finden kann, so ruf ich Gott doch nicht vergebens um seinen Trost und Beistand an, der, wenn die Sprache mir vergeht, doch meine Seufzer noch versteht. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 546. Mein bester Troft in diesem Leben ist ein Gebet zu meinem Gott. Dies kann mir Kraft in Schwachheit geben, Geduld und Muth in jeder Noth; bei jedem Gram, bei jedem Schmerz ein ruhiges, zufriednes Herz. 2. Wie kann ich Trost und Ruhe finden, wenn mein Gewissen mich anklagt, wenn bei der Menge meiner Sünden mein Herz vor seinem Richter zagt? Ich bet um Gnad und weiß: Gott hört den, der in Christo fie begehrt. Kraft des Gebets gegen die Sünde. Mel. Nun bitten wir den heiligen 2c. 547. Wenn ich am Fuße deines Throns, o Gott, fleh im Namen deines Sohns, wie abscheulich finde ich dann die Sünde! Dann wünscht mein Geist zu göttlichen Werken kräftig sich zu stärken. 3. Muß ich um meiner Tugend willen ein Spott der Lasterhaften jein, so bete ich zu Gott im Stillen, er hört's und tommt, mich zu erfreun; nimmt väterlich sich meiner an, und stärkt mich auf der Tugend Bahn. 4. Ruf ich ihn an bei dem Geschäfte des Amtes, das er mir verlieh: so fleh ich nicht umsonst um Kräfte, der Gott der Stärke giebt mir sie: er giebt aus väterlicher Huld mir Segen, Klugheit und Geduld. 5. Wenn, eine böse Lust zu dämpfen, mir Wille, Muth und Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. 2. Dann fühl ich deiner Liebe Gluth; mein Herz wird voll Freudigkeit und Muth, Bater, deinen Willen treu zu erfüllen, nie zur Sünde mich locken zu lassen, ewig sie zu haffen. 3. Dann regt sich nicht die Sinnlichkeit; feine Luft, die dein Geset verbeut, wagt es aufzu25 386 Tugend- Mittel. wallen. Dir zu gefallen und Wer schnell die Treu, die er das Kleinod am Ziel zu erlan- Gott schwur, vergißt, der spotgen, das ist mein Verlangen!| tet seiner nur. 4. O du, der du mich beten 4. Bet oft zu Gott und lehrst, der du väterlich mein schmeckt in Freuden, wie freundFlehn erhörst! Wenn ich Lust lich er, dein Vater, ist. Bet oft zur Sünde in mir empfinde, zu Gott und fühl im Leiden, will ich gleich vor dein Ange- wie göttlich er das Leid versicht treten, Gott, vor dir zu süßt. Gott hört's; Gott ist's, beten. der Hülfe schafft. Er giebt den Müden Trost und Kraft. 5. Und tödten wird in meiner Brust das Gebet die dir 5. Bet oft und heiter im verhaßte Lust! Kindlich dich zu Gemüthe, schau dich an seinen lieben werd ich mich üben, und Wundern satt. Schau auf den am Ende der Laufbahn auf Ernst, schau auf die Güte, wo Erden ewig selig werden. mit er dich geleitet hat. Oft irrtest du: er trug Geduld; ertenn und preise seine Huld. Mel. Was ist vor deinem Angesichte 2c. 6. Bet oft; durchschau mit frohem Muthe die herzliche Barmherzigkeit deß, der mit 548. Komm betend oft und denwelt vom Fluch befreit, und seinem theuren Blute die Sünmit Vergnügen, mein Geist, vor eigne dir zu deiner Ruh und Gottes Angesicht! Nie müsse Heiligung sein Opfer zu. 7. Bet oft; Gott wohnt an jeder Stätte; in keiner minder oder mehr. Dent nicht: Wenn ich mit vielen bete, so find ich eh'r bei Gott Gehör. Ist nur Eigenschaften eines Gott gefälligen Gebets. Trägheit dich besiegen in der Erfüllung dieser Pflicht. O übe sie zu Gottes Preis und deinem Heil mit treuem Fleiß. 2. Bet oft, doch mit aufrichtger Seelen. Gott sieht auf's dein Wunsch gerecht und gut, Herz, Gott ist ein Geist. Wie so sei gewiß, daß Gott ihn können dir die Worte fehlen, thut. wofern das Herz dich beten 8. Doch säume nicht, in den heißt? Der Glaub an Gott und Gemeinen auch öffentlich Gott seinen Sohn rührt ihn, nicht leerer Worte Ton. mit den Seinen, anzuflehn, und seinen Namen mit deinen 3. Wer das, was uns zur Brüdern zu erhöhn. Wie eifrig Wohlfahrt dienet, von Herzen war dein Heiland nicht in sucht, der ehret Gott. Wer das Uebung dieser selgen Pflicht. zu bitten sich erfühnet, was er nicht wünscht, entehret Gott. 9. Bet oft zu Gott für deine Brüder, für alle Menschen, als 387 Umgang mit Gott im Gebet. ihr Freund; denn wir sind eines fallen auf das Opfer, das wir Leibes Glieder; ein Glied davon bringen. Nur da siehst du uns ist auch dein Feind. Solch Bit- gnädig an, wenn wir mit wahten, das aus Liebe fließt, ehrt rer Andacht nahn; Gott, der selbst die Liebe ist. das Herz entfernet. 10. Bet oft, so wirst du Glaunicht, wo 4. Im Geist und Wahrheit ben halten, dich prüfen und laß zu dir das Herz uns imdas Böse scheun, an Lieb und mer richten; uns auch beim Eifer nicht erkalten und reich Beten für und für zu deinem an guten Werken sein. Denn Dienst verpflichten; gieb mir Muth und Kraft und Seelen- dabei die Zuversicht, du werdest ruh sagst du, Gott, dem, der uns versagen nicht, was wir durch Jesum bitten. bittet 31. 11. Dies reize mich, vor dich 5. Laß uns zur Hülfe Zeit zu treten mit Lob und Dank, und Maß beim Beten nicht vormit Wunsch und Flehn. Doch schreiben; anhalten ohne Untermeine Fehler bei dem Beten laß; bei dem alleine bleiben, wollst du, mein Vater, über- was dir gefällt, was deine sehn, weil mich, der dir zur Ehr und unsre Wohlfahrt mehr Rechten sitzt, durch seine Für- und mehr befördert hier und sprach unterstützt. ewig. Mel. O Vater, unser Gott, es ist zc. 6. Nie müsse stolz sich das Gemüth mit eignem Ruhme blähen, voll Demuth nur auf 549. Bater, der die Liebe deine Gut und auf den Mitt ist, laß uns den Geist gewinnen, ler sehen; das, was wir an uns mit dem du anzurufen bist! selbst nicht werth, wird uns Belebe Herz und Sinnen, belebe durch ihn von dir gewährt, sie mit deinem Geist, wie uns wenn wir ihn gläubig ehren. dein theures Wort verheißt, dem Geiste des Gebetes. 7. Du, Vater, weißt, was uns gebricht in diesem Pilger2. Er unterstüßt uns träftig- leben; es ist dir auch verborgen lich, wenn wir mit Dank und nicht die Noth, in der wir schweBeten, Gott, unser Bater, hin ben. Du hast ein Vaterherz; bor dich als deine Kinder es kann, wenn wir dich findlich treten. Da rede nicht allein flehen an, nicht unerhört uns der Mund, es steige aus des lassen. Herzens Grund zu dir, Gott, unser Flehen.. 8. Wir haben Glaubensfreudigkeit durch Jesum Christ em3. Zeuch unser Herz zu dir pfangen; der Zugang ist durch hinauf beim Beten und beim ihn bereit, Hülf und Heil zu Singen, so steigt mit Wohlge- erlangen: drum wollen wir an 25* 388 Tugend- Mittel. allem End zu dir aufheben Sünde liebet; wer voll träger heilge Händ; du hörest unser Flehen. Weichlichkeit seine Besserung verschiebet; wer des Herrn Gebot nicht ehrt, deß Gebet wird nicht erhört Mel. Jesus meine Zuversicht x. 7. Wer nur auf den schlech550. Diejes Herz vor Gottes tern Theil, nur auf Leibesgaben, Thron im Gebete auszuschüt- denket; wer nicht auf der Seele ten, sich vom Vater durch den Heil achtsam seine Wünsche lenSohn Heil und Segen zu er- fet; wer sein Bitten so verbitten, welche freudenreiche richt, fleht nach Christi Sinne Pflicht! Du, mein Herz, ver- nicht. säum sie nicht! 8. Wer noch Menschenhaß 2. Er, den alle Himmel nicht, und Neid bei sich unterhält und er, den nicht der Welt Gebiete übet; wer dem Nächsten nicht je umschränken tönnen, spricht selbst zum Menschen voller Güte: Rufe an mich, deinen Gott; klag mir findlich deine Noth! 3. Er, der ewig Heil erwarb, der, als der Geliebte Gottes, verzeiht, nicht nach Jesu Sinne liebet: den, hört was sein Mund auch spricht, doch der Gott der Liebe nicht. 9. Nur ein Herz, das sich vor Gott redlich prüft, sich seizu uns kam und für uns starb, nem Willen unterwirft, und um uns von der Macht des Todes Rettung zu verschaffen, ſpricht: Bittet nur, und zweifelt nicht. sein Gebot eifrig strebet zu erfüllen, nur ein Herz, das liebevoll; nur dies Herz gefällt Gott wohl. 4. Laßt uns denn mit 3u- 10. 3ft Gott unser Herz ge versicht zu dem Throne Gottes weiht, wenn wir vor sein Antnahen, da die ewge Wahrheit lig treten, dann laßt uns mit spricht: Bittet, und ihr sollt Freudigkeit in des Mittlers empfahen, was die Seele fromm Namen beten. So gefällt's Gott, begehrt, was ihr Heil und Trost so allein wird es Ja und Amen gewährt. ſein. 5. Aber auch, wie Jesus will, sei das Herz gesinnt beim Beten; voll Bedachtsamkeit und still sei es, wenn wir vor Gott Allgemeine Bitten. Mel. OKönig, dessen Majestät zc. treten; wer mit Gott leicht- 551. Gott, der du so licfinnig spricht, deß Gebet gefällt bevoll dich unsern Vater nenneft, Gott nicht. für unser, deiner Kinder, Wohl 6. Wer nicht ganz sein Herz von Vatereifer brennest; dit, Gott weiht, sondern noch die dessen Thron im Himmel ist, Umgang mit Gott im Gebet. 389 und huldreich auf uns alle dem, o Gott, was Fried und siehst, auch uns selbst haft ge- Eintracht störet. Laß uns in lehret, wie man erhörlich beten Fried und stiller Ruh dies un soll: gieb, daß das Herz dich ser Leben bringen zu. Zu unandachtsvoll und nicht der Mund serm Fleiß gieb Segen. Vor blog chret. großer Trübsal und Gefahr beschüß uns gnädig immerdar auf allen unsern Wegen. 2. Laß uns stets deinen hohen Ruhm so in der Welt vermehren, wie dich in deinem 6. Vergieb uns alle unsre Heiligthum die Auserwählten Schuld, die wir auf uns gelaehren, daß wir auch deinen den; vergieb sie uns nach deiner Namen hier, wie deine Engel Huld, und nimm uns auf zu dort vor dir, mit froher Ehr- Gnaden; wir wollen auch von furcht preisen, gieb reine Lehr, Herzensgrund all denen, die mit und hilf dazu, daß wir auch That und Mund uns Leid anuns, o Gott, wie du, der Hei- thun, vergeben. Herr, gieb uns ligteit befleißen. einen sanften Geift, der denen 3. Du haft an deinem Gna- selbst auch Gut's erweist, die denreich auch Antheil uns ge- uns zuwider leben. geben; einst willst du uns zu 7. Verleihe uns stets Kraft jenem Reich, das ewig währt, und Muth zum Wachen und erheben. Indessen steh dein zum Kämpfen! Und würde je Geist uns bei, daß unser Herz die Prüfungsglut zu stark, wollst nicht irdisch sei; er schent uns du sie dämpfen. Du bist es, jeine Gaben, daß wir in dieser der uns stärken fann; o nimm Vilgerzeit uns sehnen nach der dich unsrer gnädig an, laß nie Seligkeit und und ihren Vor- uns unterliegen! Wir sind zu schmack haben. schwach zum Widerstand; doch 4. Herr, was du willst und wenn uns stärket deine Hand, dir gefällt, das laß vollendet so kämpfen wir und siegen. werden, wie dort in jener hö8. Wir dürfen hier im Pilhern Welt, so auch bei uns auf gerthal ein ander Leben hoffen, Erden. Hilf, daß wir dir ge- wo keine Sorge, Müh und horsam sein; uns über deine Qual wird weiter angetroffen. Wege freun; bei dem, was Laß diese Hoffnung uns erfreun uns betrübet, bedenken, daß, und uns zur Tugend Kraft verwenn du uns schlägst, du doch leihn, daß wir mit allen From= ein Herz voll Gnade hegst, das men zu deines Himmels Herrväterlich uns liebet. lichkeit, die uns von Anbeginn bereit, wie wir gehofft, einst 5. Gieb uns heut unser täglich Brod und was den Leib er- kommen. nähret; bewahr uns auch vor 9. Gott, deine Macht und 390 Tugend- Mittel. Herrlichkeit währt ewig ohne! 7. Ich bin zu schwach aus Ende. Wir übergeben jederzeit eigner Kraft zur Dämpfung uns ganz in deine Hände. Du meiner Leidenschaft; du aber kannst und willst es thun, was ziehst mit Kraft mich an, daß wir uns gläubig jetzt erfleht von ich den Sieg erlangen kann. dir in Jesu Christi Namen, der 8. Gieb von den Gütern dieuns zum Beten unterweist und ser Welt so viel mir nützt und die Erhörung hoffen heißt. Wir dir gefällt. Es sei Genügsamkeit sagen freudig: Amen! mein Theil, und bei der Arbeit Glück und Heil. Mel. Wenn wir in höchsten zc. 552. Sch tomme vor dein 9. Schenkst du mir aber Ueberfluß, so laß mich mäßig im Genuß und dürftge Brüder Angesicht; verwirf, o Gott, mein zu erfreun, mich einen frohen Flehen nicht: vergieb mir alle Geber sein. meine Schuld, du Gott der Gnade und Geduld! 10. Gieb mir Gesundheit und verleih, daß ich sie nüh 2. Schaff du ein reines Herz und dankbar sei, und nie aus in mir; ein Herz voll Lieb und Liebe gegen sie mich zaghaft Furcht zu dir; ein Herz voll Demuth, Preis und Dank; ein ruhig Herz mein Lebenlang. einer Pflicht entzieh. 3. Sei mein Beschüßer in Gefahr; ich harre deiner immerdar. Ist wohl ein Ulebel, das mich schreckt, wenn deine Vaterhand mich deckt? 11. Erwede mir stets einen Freund, der's treu mit meiner Wohlfahrt meint, mit mir in deiner Furcht sich übt, mir Rath und Trost und Beispiel giebt. 4. Ich bin ja, Herr, in deiner Hand. Von dir empfing ich den Verstand: erhalt ihn mir, o Herr, mein Hort, und stärk ihn durch dein göttlich Wort! 12. Bestimmst du mir ein längres Ziel, und werden meiner Tage viel: so bleib, Gott, meine Zuversicht; verlaß mich auch im Alter nicht! 13. Und wird sich einst mein Ende nahn, so nimm dich mei5. Laß, deines Namens mich ner herzlich an, und sei durch zu freun, ihn stets vor meinen Christum deinen Sohn, mein Augen sein. Laß, meines Glau- Schirm, mein Schild und grobens mich zu freun, ihn stets ßer Lohn! durch Liebe thätig sein. 6. Das ist mein Glück, was Mel. Es ist das Heil uns kommen zc. du mich lehrst; drum gieb mir 553. Gott, deine Güte reicht Kraft, daß ich zuerst nach dei- so weit, so weit die Wolken genem Reiche tracht und treu in hen; du schenfest uns Barmherallen meinen Pflichten sei. zigkeit, und eilst, uns beizuste Umgang mit Gott im Gebet. 391 hen. Herr, du mein Glück, mein| laß hier und dort mich selig ewges Heil! Laß mich an dei- sein und, was vor dir, Herr, bös ner Gnade Theil, Theil an dem ist, scheun in meinem ganzen Himmel haben. Leben. 2. Jch bitte nicht um Ueberfluß und Schätze dieser Erden; laß mir, so viel ich haben muß, von deiner Gnade werden. Gieb mir nur Weisheit und Verstand, dich, Gott, und den, den du gesandt, und mich selbst zu erkennen. 3. Soll ich nach deinem wei= sen Rath einst von der Welt abscheiden, o so verleih mir deine Gnad, daß es gescheh mit Freuden. Herr, Seel und Leib befehl ich dir; gieb du ein selges Ende mir durch Jesum Christum, Amen. 3. Jch bitte nicht um Ehr und Ruhm, so sehr sie MenMel. Wer nur den lieben Gott 2c. schen rühren; des guten Na- 555. Wer kann, Gott, je mens Eigenthum laß mich nur was Gutes haben, das nicht nicht verlieren. Mein wahrer von dir den Ursprung hat? Du Ruhm sei meine Pflicht, der bist der Geber aller Gaben und Ruhm vor deinem Angesicht und immer groß an Rath und That! frommer Freunde Liebe. Du willst, daß mit Gebet und Flehn wir stets auf deine Hülfe sehn. 4. So bitt ich dich, o Herr, mein Gott, auch nicht um langes Leben. Im Glücke Demuth, 2. Drum komm ich auch mit Muth in Noth, das wollest du meinem Beten, o Gott, vor deimir geben. In deiner Hand steht nen heilgen Thron. Wie freumeine Zeit; laß du mich nur dig kann ich vor dich treten, Barmherzigkeit vor dir im Tode denn mich vertritt bei dir dein finden. Sohn. In ihm hab ich die Zuversicht: mein schwaches Flehn verwirfst du nicht. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich zc. 554. Herr, wie du willst, ſo 3. So gieb mir denn nach schicks mit mir im Leben und im deinem Willen, was deinem Sterben; mein Herz verlangt Kinde heilsam ist. Du nur kannſt allein nach dir, entreiß mich dem meinen Mangel stillen, weil du Verderben. Erhalte mich in dei- des Segens Quelle bist. Vor ner Huld, sonst wie du willst; gieb mir Geduld; was du willst, ist das Beste. allen Dingen sorge du für meines Geistes wahre Ruh. 2. Zucht, Ehr und Treu verleihe mir zu deiner Lehre Liebe; gieb, daß ich wanke nie von dir, noch deinen Geist betrübe; 4. Gieb mir Beständigkeit im Glauben; laß ihn durch Liebe thätig sein. Will etwas mir dies Kleinod rauben, so flöß den edlen Sinn mir ein, der 392 Tugend- Mittel. stets mit wahrem Heldenmuth weißt, Gott, wie viel Kraft dein nach deiner Lehr und Muster Knecht noch nöthig hat; verleih thut. sie mir und leit mich selbst den rechten Pfad. 5. Bewahr in mir ein gut Gewissen, ein Herz voll reiner 2. In meinem ganzen Thun Freudigkeit; ein Herz, auf's laß mich auf dich nur sehen; Gute stets beflissen, das sich vor nie untreu meiner Pflicht, mich deinem Auge scheut. Und fehl vor dir, Gott, vergehen. Laß ich, Gott, so züchtge mich zu meiner Bessrung väterlich. diese Wahrheit mir allzeit vor Augen sein: Gott ist auch jetzt um mich, er schaut in's Herz 6. Ein Herz, das in beglückten Tagen, o Vater, deiner nie hinein. vergißt; ein Herz, das unter 3. Gieb, daß ich sagen mag Noth und Plagen vor dir still zu mir in allen Fällen: Ist's und demüthig ist; ein Herz voll denn auch recht, wenn ich der Zuversicht zu dir und voll Ge- Welt mich gleich will stellen; duld verleihe mir. und siehet mich denn auch der Menschen Auge nicht; ist's recht vor Gott; ist's recht vor seinem 7. Das Andre alles wirst du fügen. Du weißt am besten, was mir nüßt. An deiner Huld laß Angesicht? ich mir gnügen, die Schwache mächtig unterstützt. Zufrieden, Vater, folg ich dir. Ach stärke diesen Sinn in mir! 8. Soll ich auf Erden länger 4. Lehr mich die große Pflicht, mich selber zu verleugnen, und was ich hab und bin, nur dir, Gott, zuzueignen. Nur dann gefall ich dir, und habe leben, so gieb, daß ich dir leben Freudigkeit, wenn ich gewissenmag; laß mir den Tod vor haft thu, was dein Wort geAugen schweben; und kommt beut. dereinst mein Sterbetag: so sei mein Hingang aus der Zeit der Eingang in die Herrlichkeit! 5. Dein Wort, dein Gnadenruf sei an mir nicht vergebens; erfülle du mich selbst mit Kräften deines Lebens, daß ich in dir allein mich hier schon glüdTägliche Selbstprüfung und lich seh, und meine Seele dich Wachsamkeit. in Ewigkeit erhöh. Mel. O Gott, du frommer Gott zc. 556. 3u dir fleh ich, mein Gott! du wolleft selbst mich leh- 557. Mache dich, mein Geist, ren, dich und dein heilig Recht bereit, wache, fleh und bete, daß stets heilig zu verehren. Du dich nicht in Sicherheit Noth Dankbare Erinnerung an seinen Gnadenstand. 393 und Angst betrete! Wache, Chrift,| strickt, daß du schläfrig bleibest denn mit List kann selbst zu den Frommen der Versucher komund sein Werk nicht treibest. 8. Betend müssen wir den Geist pft zu Gott erheben, daß men. 2. Stehe ohne Aufschub auf er uns selbst Beistand leist, von dem Sündenschlafe, denn wenn wir wollen leben, und es folget sonst darauf schwere durch ihn unsern Sinn und den Bein und Strafe. Täglich droht Reiz zu Sünden kräftig überdir der Tod; schaff, daß er in winden. Sünden dich nicht möge finden. 9. Doch getrost! Es wird uns wohl bei dem Kampf ergehen, wenn wir zu Gott glaubensvoll in dem Sohne flehen. Denn er will uns mit Füll seiner Gunst beschütten, wenn wir gläubig bitten. 10. Drum so laßt uns immerdar wachen, flehen, beten; laßt uns, häuft sich auch Gefahr, nicht zurücke treten. Kurze Zeit währt der Streit, und welch eine Krone giebt uns Gott zum Lohne! 3. Wache auf, sonst kann dich nicht Christi Geist erheitern, deinen Sinn nicht durch sein Licht reinigen und läutern. Denn er will bei der Füll seiner Gnadengaben offne Augen haben. 4. Wache, daß dich Satans List nicht im Schlafe finde, weil er den, der sicher ist, leicht verführt zur Sünde. Gott läßt zu, daß auch du, wenn du sicher walleft, in Versuchung fallest. Mel. Sollt ich meinem Gott 2c. dern. 5. Wache, daß dich nicht die Welt durch ihr Dräun bezwinge, oder wenn sie sich verstellt, listig an sich bringe. Liebst du dich, so halt dich gern zu Christi Gliedern; flich von falschen Brü- 558. Gott, durch welchen alle Dinge sind und wirken und 6. Wach am meisten über vergehn, stärke mich, daß ich dich und dein eignes Herze, daß dich singe, lehre mich dein Lob s nicht selbst täusche sich und erhöhn! Laß mich dich im Stildas Heil verscherze; wache du, len loben, mich, den du voll gieb nicht zu, daß es möge heu- Lieb und Huld aus den Tiefen heln und voll Hoffart schmei- seiner Schuld zu des Christen Höh erhoben; dich erheb ich geln. bei dem Wachen. Gottes Gnade neu gebar. 7. Bete aber auch dabei; bete immerdar, der mich schuf und Dankbare Erinnerung an seinen Gnadenstand. muß dich frei von der Trägheit 2. Könnt ihr die Gestirne machen, die dich drückt und be- zählen? Gottes Gnaden zählt 394 ihr nicht. Er errettet unsre Seelen, ist ihr Lohn, ihr Trost und Licht. Wenn wir mit den Eitelkeiten, wenn wir mit der Mel. Wenn wir in höchsten zc. bösen Luft, dieſem Feind in 559. Auf aufgeſpannten unsrer Brust, wenn wir mit Schwingen eilt, unaufgehalten, dem Tode streiten; dann ver- unverweilt, eilt sie dahin, die süßt er Kampf und Lauf und kurze Zeit, in's tiefe Meer der hilft unsrer Schwachheit auf. Ewigkeit. Tugend- Mittel. Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 3. Wenn uns Welt und 2. Dort fließen Ströme ohne Freunde meiden, weil wir ihre Ruh und wellenreich dem Meere Wollust fliehn, dann giebt er zu; sieh hin, wie keine Welle uns seine Freuden; unser Herz bleibt, wie eine stets die andre empfindet ihn. Kann ich größ- treibt. res Glück begehren? Ewiger, hat dich mein Herz, o so wird es ohne Schmerz den Besitz der Welt entbehren; Erd und Himmel wird mir klein gegen deine Gnade sein. 3. So folgt, so dränget immerdar sich Tag auf Tag und Jahr auf Jahr! So flieht das letzte schnell herbei, eh man bemerkt, wie nah es sei. man nicht mehr wirken kann. 4. Habt, Menschen, auch auf 4. Wenn mich Leiden nie- Stunden Acht, wirft Gutes, derdrücken, nehm ich sie als denn es kommt die Nacht; die Wohlthat an von der Hand, finstre Stunde eilt heran, worin die nur beglücken, aber niemals schaden kann. Du belohnst mir 5. Jetzt währet noch der Tag meine Schmerzen mit der See- des Heils, jetzt trefft die Wahl len Heiterkeit, und versüßest alles des besten Theils; die Wahl, Leid, Gott, durch deine Ruh die nach verfloßner Zeit auf im Herzen, die mich ganz mit ewig euren Geist erfreut. Muth belebt, über allen Schmerz erhebt. 6. Die ihr mit dieser Wahl noch säumt, die Zeit in träger 5. Von Gefahr und Noth Ruh verträumt, in eitlen müumgeben, über diesen rauhen hen sie verderbt; welch Weh Pfad geh ich, Vater, in dein ergreift euch, wenn ihr sterbt! Leben, das nicht Leid, Gefahr 7. Denn der Versäumniß nicht hat. Sollten mich der eurer Pflicht folgt dort im göttErde Freuden, sollte mich der lichen Gericht, wenn euch der Sünder Spott und das Elend Tod dahin gerafft, gewiß die und der Tod, Herr, von deiner strengste Rechenschaft. Liebe scheiden? Nein, nichts 8. Wie ruhig lebt schon hier raubt die Krone mir; denn ich der Christ, der Gottes Huld leb und sterbe dir! versichert ist, und eingedenk der Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 395 Ewigkeit, zu seiner Wohlfahrt| winnen, was unser Fleiß ermußt die Zeit. wirbt! Kann wohl, was wir besigen, uns vor dem Tode schüßen; stirbt dies nicht alles, wenn man stirbt? 9. Die turze Zeit, da sich sein Geist der Uebung seiner Pflicht befleißt, flieht ihm in froher Hoffnung hin und wird ihm ewiger Gewinn. 10. Die Stunde, da er andern nützt, Hülflosen hilft, Verlaßne schützt und Arme labet, dauert dort in ihrem Lohne ewig fort. 4. Was sind der Erde Freuden? Wie bald folgt Angst und Leiden auf Unmaß im Genuß! Was ist's, womit wir prangen; wo wirst du Ehr erlangen, die nicht zuletzt verschwinden muß? 5. Was sind selbst alle Thronen? Giebt's wohl auf Erden Kronen, die unverwelklich blühn; fann vor des Grabes Schrecken der Purpur dich bedecken; die Krone dich dem Tod entziehn? 11. Beglückt ist, wer an Jejum gläubt, in sich den Sündenreiz betäubt, der seine Zeit unußen strebt und Gott und jeinem Nächsten lebt. 12. Wohl ihm, denn er ent- 6. Wie, wenn die Sonn aufschläft dem Herrn. Der Tod gehet, die Rose blühend stehet erscheint; er folgt ihm gern, in ihrer schönsten Zier und oft und erntet in der Ewigkeit die Frucht, die er hier ausgestreut. verweltt sich beuget, eh sich der Abend zeiget: so blühen und verwelken wir. 7. Froh wachsen wir auf Erden und hoffen alt zu werden im Wohlstand, Glück und Ruh; Mel. Nun ruhen alle Wälder 2c. 560. Die Herrlichkeit der doch in den schönsten Tagen, Erden muß Staub und Asche noch eh wir Früchte tragen, werden, und nichts bleibt ewig eilt Krankheit, Schmerz und stehn; das, was uns hier er- Tod herzu. göget, wird, wie so hoch man's schäßzet, doch wie ein Wintertag vergehn. 8. Wir rechnen Jahr auf Jahre, inzwischen wird die Bahre vor unser Haus gebracht. Man 2. Was hilft unnützes Wis- scheidet von den Seinen, die sen? Wird's, wenn wir sterben hülflos uns beweinen, und uns müssen, ein großer Vorzug sein? bedeckt des Grabes Nacht. Was hilft uns Macht und Ehre, 9. Dies laß uns wohl beso glänzend sie auch wäre? denken und uns zum Himmel kann sie uns wohl alsdann lenken, weil er uns offen steht. erfreun? Wer dahin will gelangen, darf 3. Wie bald an der Welt nicht hangen, die tinnen, was wir mit Müh ge- einst mit ihrer Lust vergeht. wird das zer 396 Tugend- Mittel. Mel. Was ist vor deinem Angesichte zc.| mir noch diesen Tag. Was is 561. Es eilt der lette von nicht eine Stunde werth, die den Tagen, die du hier lebeft, deine Langmuth mir gewährt? Mensch, herbei. Nimm wahr 7. Wohl mir, wenn ich aus die Zeit, und statt zu tlagen, allen Kräften nach Gottes Reiche fie sei zu kurz, gebrauch sie hier gestrebt, in Gott gefälligen treu. Nimm mit erkenntlichem Geschäften die Pilgertage durchGemüth der nahen Stunde gelebt, und einst im Glauben wahr; sie flieht. jagen fann: Du nimmst mich, 2. Beschäftiget mit Kleinig- Herr, zu Ehren an. teiten, verlierst du deines Le- meinem Ende vernimmst du, 8. Mein sprachlos Flehn bei bens Zweck, verschiebst dein Heil Herzenstündiger! In deine auf ferne Zeiten und wirfst treuen Vaterhände befehl ich leichtsinnig Jahre weg, als wä= meinen Geist, o Herr! Er rest du, du Sterblicher, des schwingt sich über Grab und nächsten Augenblickes Herr! Welt zu dir, wenn seine Hütte 3. Des Himmels Glück einst fällt. zu besigen, mußt du die kurze Lebenszeit als deine Saatzeit weislich nüßen, und thun, was dir der Herr gebeut. Er ruft Mel Wer nur den lieben Gott u. dir menschenfreundlich zu: Eins, 562. Sie kommt, sie kommt, Eins ist noth? Was säumest du? die letzte Stunde! Bald ist der 4. Drum eil, errette deine Richter vor der Thür! Was Seele, und dente nicht: Ein für ein Wort aus seinem Munde andermal! Sei wachsam, bet bestimmt mein ewig Schicfal und überzähle der Menschentage mir? Komm, du Gesegneter, kleine Zahl. Gesetzt, dein Ende wäre fern: so wandle doch vor Gott dem Herrn. herein! Ach, oder: Geh zur Höllenpein! 2. Mir sagt, o Gott, es mein Gewissen, daß ich ein Ueber= treter bin. Ließ ich auch fromme Thränen fließen und floh zu Jesu gläubig hin? Hab ich Ver= traun auf Christi Tod, wenn mir des Grabes Schrecken droht? 3. Hat dieser Glaube wahre Liebe zu dir, mein Gott, in mir 6. Erleucht und stärke meine Seele, weil ohne dich ich nichts erzeugt? Entflammte er des vermag. Du schenkst, daß ich Dantes Triebe, womit ich finddas Beste wähle, aus Gnaden lich mich gebeugt, wenn du mich 5. Mit jedem neu erlebten Morgen erwecke dich zu dieser Pflicht. Sprich: Dir, o Gott, ist nichts verborgen, ich bin vor deinem Angesicht, und will, mich deiner Huld zu freun, mein Leben gern der Tugend weihn. 4 Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 397 als ein Vater trugst, wenn du] 3. Lehr mich das Ende stets mich als ein Vater schlugst? 4. Du willst, ich soll die Welt verlassen: thu ich's auch gern und mit Geduld? Vergab ich denen, die mich hassen, mit Hand bedenken, den Sinn, noch eh ich sterben muß, auf meiner Seele Wohlfahrt lenken, und nicht verschieben meine Buß, sonst käme mir des Mittlers Blut an meiund Herzen ihre Schuld? That nem Ende nicht zu gut. ich auch einem Menschen leid, der über mich noch klagt und schreit? 4. Lehr mich auch sonst mein Haus bestellen in Menschenlieb und Furcht vor dir; so sag ich dann in allen Fällen: Herr, wie du willst, so schick's mit mir; und weiß, des Mittlers theures Blut kommt mir an meinem 5. Empfahl ich dir auch stets die Meinen: hab ich auch treu für sie gewacht; darf ihrer Keiner darum weinen, daß ich nicht als ihr Freund gedacht? Und End zu gut. sterb ich in der Zuversicht: Der Herr verläßt die Meinen nicht! 6. Herr, prüfe mich noch hier am Grabe, erforsche, wie mein Herz es meint; und was ich zu erwarten habe, wenn Jesus zum Gericht erscheint. Laß mich durch deines Geistes Kraft stets fertig jein zur Rechenschaft! 5. Vermehr in mir die Luft zum Himmel und dämpf in mir die Lust zur Welt. Denn wem ihr rauschendes Getümmel, ihr eitler Reiz noth wohl gefällt, der ist im Sterben ohne Muth, mit dessen Ende wird's nicht gut. 6. Ach, laß mich die begangnen Sünden vor dir mit wahrem Ernst bereun, laß mich bei dir Vergebung finden, mich selbst es Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 563. Wer weiß, wie nahe tomme mir des Mittlers Blut im Leben und im Tod zu gut. mir mein Ende! Die Zeit flieht hin, es kommt der Tod. Ach, wie so plötzlich und behende tann kommen meine letzte Noth! Mein Gott, ich fleh durch Christi Blut: Mach's doch mit meinem Ende gut! 7. Ich weiß, wenn ich zu Jesu Wunden hinflieh im Glau= ben und Gebet, so find ich in den bängsten Stunden die Kraft, die sich mein Herz erfleht. Auch in der stärksten Prüfungsglut erquickt mich sein vergoßnes Blut. 2. Es kann vor Nacht leicht anders werden, als es am frühen Morgen war; wo ich nur 8. Nichts sei dann, was mich bin auf dieser Erden, leb ich in von ihm scheide, nicht Lust, noch teter Todsgefahr. Mein Gott, Furcht, noch Schmach, noch nimm mich in deine Hut und Noth! Er ist es, dem ich leb mach's mit meinem Ende gut! und leide und treu verbleibe bis 398 zum Tod. An seiner Hand, in seiner Hut, da lebt man froh, da stirbt sich's gut. Tugend- Mittel. 2. Bald kommst du mit gro ßer Kraft zum Gericht auf Erden, dann soll ich zur Rechen9. Ich habe Jesum angezo- schaft dargestellet werden. Dein gen, bin ihm geweihet durch Gericht schonet nicht, Richter die Tauf; als Vater bist du aller Welten; denn du willst mir gewogen, hast mich zum vergelten. Kind genommen auf. So mach's mit mir durch Christi Blut nun ferner bis ans Ende gut. 3. Weh dann mir in Ewigkeit, wenn ich deine Gabe, meine Kräfte, meine Zeit hier mißbrauchet habe! Weh dann mir, hab ich hier dein Geschenk verschwendet und nicht angewendet. 10. Ich habe Jesu Mahl genossen, dies Denkmal seiner Lieb und Treu, daß er für mich sein Blut vergossen und ewig mein Erbarmer sei. Dank ihm, der fließen ließ sein Blut, der macht gewiß mein Ende gut. 11. So tomm mein End heut oder morgen, ich weiß, dağ mir's mit Jesu glückt. Er ists, der mich in allen Sorgen, er ist's, der mich im Tod erquickt zur Rechenschaft mich mit Vorund mir, zu schaun das höchste sicht wählen. Gieb, daß ich Gut, die Thore jener Welt aufthut. 4. Möchte täglich dein Gericht mir vor Augen schweben! möcht ich mich stets meiner Pflicht treu zu sein bestreben; daß ich nie thöricht sie außer Augen setze, wissentlich verlege! 5. Lehre mich gewissenhaft meine Tage zählen; jeden Schritt ernstlich mich jeden Tag, auch heute, auf sie zubereite. 12. Ich bin getrost; mein 6. Zeigt sich erst die EwigGlaube sieget; Gott, über Furcht keit furchtbar in der Nähe, o und Kümmerniß. Wie es dein dann ist es nicht mehr Zeit, Wille mit mir füget, bin ich daß ich Gnad erflehe! Wenn vergnügt; ich weiß gewiß: Durch der Tod mir schon droht, kann deine Gnad und Christi Blut ich deinen Willen, Herr, nicht machst du's mit meinem Ende mehr erfüllen! gut. Mel. Mache dich, mein Geist 2c. 564. Herr, ich bin dein Eigenthum; dein ist auch mein Leben! Mir zum Heil und dir zum Ruhm hast du mir's gegeben! Bäterlich führst du mich auf des Lebens Wegen meinem Ziel entgegen. 7. Mein Gewissen strafe mich gleich für jede Sünde, Mittler, daß ich bald durch dich Gnade such und finde! Rufe du dann mir zu: Alles ist vergeben; beffre nur dein Leben! 8. Dann erscheine zum Ge richt: ich darf zu dir beten! Mich verstößt dein Vater nicht; du wirst mich vertreten! Ewig Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 399 dein werd ich sein, und mich, deine Hände, Herr, stets mich dich zu lieben, ewig, ewig üben. als dein Eigenthum. Dir folgen, sei bis an mein Ende vor Menschen und vor Gott mein Ruhm; ja nimm, wenn ich vollMel. Wer nur den lieben Gott zc. 565. Weil nichts gemeiner bracht den Lauf auch mich in deinen Himmel auf. ist als Sterben, mein Tod stets näher rückt heran: so will ich mich mit Ernst bewerben, daß 7. Bereit von außen und von innen mich auf das Ende meiich einst selig sterben kann. Ich ner Zeit; mein ganzes Denken will erst sterben, eh ich sterb, daß ich im Tode nicht verderb. 2. Jedoch es ist dies eine Sache, die nicht blos bei uns Menschen steht. Damit ich nun das möglich mache, was sonst dem Herzen schwer eingeht: so ruf ich meinen Mittler an, der wohl zu sterben helfen kann. und Beginnen sei dir und deinem Dienst geweiht; dann ist mir auch, mein Gott und Herr, der Tod nicht schwer, nicht furcht= bar mehr. 3. Er ist mein Heiland, der 8. Dann quillt mir Trost aus deinen Wunden, dann stehet deine Kraft mir bei; dann machst du in den Todesstunden mich bald vom letzten Kampfe sein Leben für meines aufge= frei, und führeft über Grab opfert hat, der, aus dem Staub und Zeit mich zu des Himmels mich zu erheben, als Sieger Herrlichkeit. aus dem Grabe trat; und mir, wie furchtbar er sonst droht, nun überwinden hilft den Tod. 4. Ach, großer Retter, denke meiner und steh mit deiner kraft mir bei; denn außer dir macht mich sonst Keiner von Todesfurcht und Sünden frei. O gieb, daß sich voll Troft und Ruh mein Auge schließ im 5. Laß mich abſterben allen Sünden durch ernste Reu und wahre Buß; im Glauben mich mit dir verbinden, stets denken, daß ich sterben muß, und gieb, daß ich zu jeder Zeit zu meinem Ende sei bereit. 6. Leit und bewahr durch Tode 311. 9. Auf diese Weise mag ich sterben in kurzem oder über lang; mir macht, als einem Himmelserben, die Todesnacht das Herz nicht bang; ich weiß, ich rühm's voll Dank und Muth: Du machst's mit meinem Ende gut. Mel. Herr Jesu Christ, wahr 2c. 566. Wie sicher lebt der Mensch, der Staub! Sein Le= ben ist ein fallend Laub; und dennoch schmeichelt er sich gern, der Tag des Todes sei noch fern. 2. Der Jüngling hofft des Greises Ziel, der Mann noch 400 Tugend- Mittel. seiner Jahre viel, der Greis zu Heiligung, ist wahre Todserinvielen noch ein Jahr, und Kei- nerung. ner nimmt den Irrthum wahr. 11. Wie leicht vergeß ich 3. Sprich nicht: Ich denk in diese Pflicht! Herr, geh nicht Glück und Noth im Herzen oft mit mir in's Gericht! An meian meinen Tod. Der, den der nen Tod erinnre mich, daß ich Tod nicht weiser macht, hat dir wandle würdiglich; nie mit Ernst an ihn gedacht. 12. Daß ich mein Herz mit 4. Wir leben für die Ewig- jedem Tag vor dir, o Gott, feit, zu thun, was uns der erforschen mag, ob Glaube, Herr gebeut, und unsers Lebens Demuth, Lieb und Treu die fleinster Theil ist eine Frist Frucht des Geistes in mir ſei; zu unserm Heil. 13. Daß ich zu dir um Gnade fleh, stets meinen Lüften widerbens Macht mit Freuden ruf: steh, und einstens in des GlauEs ist vollbracht! 5. Der Tod rückt Seelen vor's Gericht; da bringt Gott Alles an das Licht, und macht, was hier verborgen war, den Rath der Herzen offenbar. 6. Drum da dein Tod dir 567. Was sorgst du ängsttäglich dräut, so sei doch wacker lich für dein Leben? Es Gott und bereit; prüf deinen Glau= gelassen übergeben, ist wahre ben als ein Chrift, ob er durch Ruh und deine Pflicht. Du sollst Liebe thätig ist. dankbar als ein Glück befizen; es lieben, weislich nüßen, es verlieren, als verlörst du's nicht. 7. Ein Seufzer in der letzten Noth, ein Wunsch, durch des Erlösers Tod vor Gottes Thron gerecht zu sein, dies macht dich nicht von Sünden rein. 2. Der Tod soll dich nicht traurig schrecken; doch, dich zur Weisheit zu erwecken, soll er 8. Ein Herz, das Gottes dir stets vor Augen sein. Er Stimme hört, ihm folgt und soll den Wunsch zu leben min sich vom Bösen kehrt; ein gläu- dern: doch dich in deiner Pflicht big Herz von Lieb erfüllt: dies nicht hindern, ist es, was in Christo gilt. Kraft dazu verleihn. vielmehr dir - 9. Die Heiligung erfordert Müh; du wirkst sie nicht, Gott 3. Ermatteft du in deinen g Pflichten, so laß den Tod dich wirket sie. Du aber ringe stets unterrichten, wie wenig deiner nach ihr, als wäre sie ein Werk Tage sind. Sprich: Sollt ich Gutes wohl verschieben? Nein, meine Zeit, es auszuüben, ist kurz, und sie verfliegt geschwind. des sein; und wachsen in der 4. Dent an den Tod, wenn von dir. 10. 3hr alle seine Tage weihn, heißt eingedenk des To Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 401 böje Triebe, wenn Lust der stolz ihr Haupt erhöhn. Sprich Welt und ihre Liebe dich reizen, und erstice fie. Sprich: Kann ich nicht noch heute sterben? und fönnt ich auch die Welt erwerben, beging ich doch solch Uebel bei dir selbst: Gott trägt die Spötter; doch endlich ist für sie fein Retter, wenn sie nicht hier noch in sich gehn. nie. 10. Denk an den Tod zur Zeit der Schrecken, wenn Pfeile Gottes in dir stecken; du rufft, und er antwortet nicht. Sprich: Sollte Gott mich ewig hassen? Er wird mich sterbend nicht verlassen; dann zeigt er mir ſein Angesicht. 11. So suche dir in allen Fällen den Tod oft lebhaft vor= zustellen, so wirst du ihn nicht zitternd scheun; so wird er dir 6. Denk an den Tod bei frohen Tagen. Kann deine Luft sein Bild vertragen, so ist ein Trost in Klagen, ein weisie gut und unschuldsvoll. ser Freund in guten Tagen, Sprich, dein Vergnügen zu ver- ein Schild in der Versuchung jüßen: Welch Glück werd ich sein. 5. Denk an den Tod, wenn Ruhm und Ehren, wenn deine Schäße sich vermehren, daß du sie nicht zu heftig liebst. Denk an die Eitelkeit der Erden, daß, wenn sie dir entriffen werden, du dann dich nicht zu sehr betrübft. erst dort genießen, wo ich unendlich leben soll! Mel. Jejus meine Zuversicht 2c. 7. Denk an den Tod, wenn deinem Leben das fehlt, wor= 568. Meine Lebenszeit vernach die Reichen streben; sprich: streicht, stündlich eil ich zu dem Sin ich hier, um reich zu sein? Grabe. Und was ist's, das ich Wohl mir, wenn ich in Christo( vielleicht hier annoch zu leben terbe, dann ist ein unbeflectes habe? Dent, o Seele, an den Erbe, dann ist des Himmels Tod; säume nicht, denn Eins Reichthum mein. ist Noth! 8. Denk an den Tod, wenn 2. Lebe, wie du, wenn du Leiden kommen; sprich: Alle stirbst, wünschen wirst, gelebt Trübfal eines Frommen ist zeit- zu haben. Güter, die du hier erich und durch Hoffnung leicht. wirbst, Würden, die dir Menich leide; doch von allem Bö- schen gaben, nichts wird dich en wird mich der Tod bald, im Tod erfreun; diese Güter bald erlösen; er ist's, der mir sind nicht dein. die Krone reicht. 3. Nur ein Herz, das Jesum 9. Denk an den Tod, wenn liebt, nur ein ruhiges Gewissen, freche Rotten des Glaubens und das vor Gott dir Zeugniß giebt, der Tugend spotten und Laster wird dir deinen Tod versüßen; 26 Osnabr. Vandgejangb. X. Aufl. 402 Tugend- Mittel. dieses Herz, von Gott erneut, zu der einst kühne Sünder voll giebt zum Tode Freudigkeit. Angst und Unmuth nahn; wo 4. Wenn in deiner letzten nun der freche Spötter nicht Noth Freunde hülflos um dich mehr zu spotten wagt und vor stehen, dann wird über Welt des Frommen Retter erzittert und Tod dich dies reine Herz und verzagt. erhöhen; dann erschreckt dich 3. Wenn, diefe Bahn zu gekein Gericht: Gott ist deine hen, mir, Gott, dein Wink geZuversicht! beut; wenn vor mir offen stehen 5. Daß du dieses Herz er- Gericht und Ewigkeit; wenn wirbst, fürchte Gott und bet meine Glieder beben, mein sterund wache. Sorge nicht, wie bend Auge bricht: Herr über früh du stirbst; deine Zeit ist Tod und Leben, o dann verlaß Gottes Sache. Lern nicht nur, mich nicht! den Tod nicht scheun; lern auch seiner dich erfreun. 4. Hilf, Todesüberwinder, hilf dem in solcher Angst, für 6. Ueberwind ihn durch Ver- den du, Heil der Sünder, selbst traun, sprich: Ich weiß, an mit dem Tode rangft. Und wenn wen ich gläube, und ich weiß, des Kampfes Ende gewaltiger ich werd ihn schaun einst in ihn faßt, so reiche dem die diesem meinem Leibe. Er, der Hände, den du erlöset haft. rief: Es ist vollbracht! dem Tode seine Macht. nahm 5. Des Himmels hohe Freuden ermißt kein sterblich Herz; wie lindern sie die Leiden, den kurzen Todesschmerz! Dant ihm, dem Ueberwinder des Todes, hoher Dank! Preis ihm, der für uns Sünder den Kelch des Todes trank! Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c. 6. Wohl denen, die auf Erden sich schon dem Himmel weihn, und, aufgelöft zu wer569. Die auf der Erde wal- den, mit heilger Furcht ſich len, die Sterblichen sind Staub. freun! Bereit, es aufzugeben, Sie wachsen auf und fallen, wenn Gott, ihr Gott, gebeut, wie leicht verweltend Laub. Ver- fließt ihnen dieses Leben sanft borgen ist die Stunde, die uns hin zur Ewigkeit. zum Tode ruft; doch führt uns jede Stunde stets näher hin zur Gruft. Bei Beerdigungen. 2. Getroft gehn Gottes KinMel. Nun laßt uns den Leib zc. der auf seinen Wint die Bahn, 570. Nun grabt den Leib in 7. Tritt im Geist zum Grab oft hin: siehe dein Gebein versenten; sprich: Herr, daß ich Erde bin, lehre du mich selbst bedenken; lehre du mich's jeden Tag, daß ich weiser werden mag. Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 403 seine Gruft, bis ihn des Rich-, entseelt Gebein, o ihr, noch ters Stimme ruft! Dann wird Sterbliche, nur ein. Ich bleib, er aus dem Grab aufstehn, her- ich bleib im Grabe nicht; denn vor zu der Bergeltung gehn. Jesus tommt und hält Gericht. 2. Aus Erde schuf ihn einst der Herr! Er war schon Staub und wird's nur mehr. Er ward gesät, verwest, erwacht einst herrlich aus des Grabes Nacht. 3. Des- Frommen Seele lebt bei Gott, der sie aus aller ihrer Noth, aus aller ihrer Missethat durch seinen Sohn erlöset hat. 4. Sein Jammer, Trübsal und Elend ist kommen zum er= wünschten End. Er hat nun abgelegt das Joch, das wir, wir Pilger, tragen noch. 5. Die Seele lebt ohn alle Qual, der Leib ruht, fern vom Thränenthal; Gott, dem er treu blieb bis an's Grab, wischt nun auch seine Thränen ab. 6. Hier hat ihn Trübsal oft gedrückt, doch nun wird er von Gott erquickt. Was sind die Leiden dieser Zeit doch gegen jene Herrlichkeit! 7. Nun, du Erlöster, schlaf in Ruh, wir gehn nach unsern hütten zu, und machen zu der Ewigkeit mit Ernst und Sorgfalt uns bereit. 2. Ja, ja, mein aufgelöst Gebein wird die Verwesung weit verstreun. Doch einst erwedt mich wunderbar Gott, der den Staub zählt, wie mein Haar. 3. Gott ist barmherzig und verstößt im Tode nicht, die er erlöst, die sich von Sünd und Missethat der Mittler selbst geheiligt hat. 4. Die Trübsal, die mich hier verletzt, wird mir durch Freude dort ersetzt. Tragt, Christen, Jefu sanstes Joch! O tragt es treu! Einst ruht ihr doch! 5. Ja, Ruhe, die ich sonst nicht fand, die find ich nun in Gottes Hand, wo alle Noth vergessen ist, wo keine Thräne weiter fließt. 6. Bei euch hat Trübsal mich gedrückt; doch herrlich werd ich nun erquickt; ich schaue Gott, so wie er ist, und meinen Heiland Jesum Christ. 7. Die Liebe höret nimmer auf; mit ihr vollendet euren Lauf! Wollt ihr euch eures Glaubens freun, muß er durch 8. Sei mit uns, Jesu, stärk Liebe thätig sein. und tröst uns Alle, die du hast erlöst. Laß unsre ganze Seele dein, und freudig unser Ende sein. 572. Wir tragen dieſen Leib Mel. Nun laßt uns den Leib zc. Zweiter Chor. Mel. Nun laßt uns den Leib zc. 571. So o grabt denn mein zur Gruft, zur Ruhe, bis der Herr ihn ruft, bis einst durch Jesu Christi Macht er aus dem Todesschlaf erwacht. 26* 404 Tugend- Mittel. 2. Nichts als den Leib zer- Gottes Hand ein euch geliehnes stört der Tod; die Seele geht Liebespfand. hinauf zu Gott; sie erntet dort vor seinem Thron des Glaubens und der Tugend Lohn. 3. Daß ich die Welt und euch verlasse, geschiehet nicht von ungefähr; und daß ich schon 3. Deß immer eingedenk will so früh erblasse, kommt von des ich zum Tode so bereiten mich, Schöpfers Weisheit her. Gott daß ich voll Muth und Heiter- ist's, der unser Ziel bestimmt teit ihn zu erwarten sei bereit. und Alt und Junge zu sich 4. Auch zag in dieser Zuver- nimmt. sicht ich bei dem Tod der Meinen nicht. Sie sterben Gott! Liebe nennet, thut Alles lieb4. Gott, der sich selbst die Nach seinem Wort vereint er reich, was er thut; auch da, uns auf ewig dort. wenn 5. Gott, wisch du jelbst die meint es sein Vaterherze gut. er die Herzen trennet, Thränen ab dem, der bei dieses Ja, wohl dem, der es glauben Todten Grab in tiefen Schmerz fann: Was Gott thut, das ist versenket weint, dem sein Verlust zu herbe scheint. wohlgethan! 5. Was sind der Menschen 6. Heil jedes Herz und binde du die Wunde, die noch blutet, Lebenstage? Ein Schatten, Nezu! Dein Wille, die Unsterblich- bel, Rauch und Dampf; voll teit, erheitre jede Dunkelheit. von Versuchung, Angst und Plage; Noth folgt auf Noth und Kampf auf Kampf. Man fehlt, man weint, man sorgt, man wacht, bis daß der Tod ein Ende macht. Beim Begräbniß eines Kindes. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 573. Gottlob, mein Lauf eilt früh zum Ende und auch mein Leid und Ungemach. Durch seine liebevollen Hände zieht mich mein Heiland früh ihm nach. An Gottes Reich gab er mir Theil; mein Loos ist Seligkeit und Heil. 6. Dort bin ich frei von allen Leiden; vor Sünden dort in Sicherheit. Dort schmeck ich nichts als reine Freuden, dort ist fein Leid, Gefahr noch Streit. Dort bin ich schön, geehrt und reich, an Tugend Gottes Engeln gleich. 2. Ihr Meinen, hemmet 7. Betrachtet, Freunde, statt Schmerz und Grämen; seid, wie der Leiche, die euer Herz in es Christen ziemt, betrübt! Gott Unruh seßt, das Glück, das mich kann das Seine wieder nehmen, im Freudenreiche, bis ich euch wenn, wo und wie es ihm be- wiederseh, ergößt. Glaubt chrift liebt. Ich war ja nur von lich, daß ich selig bin, fo Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 405 werden Schmerz und Zähren, zu nüßen; und am Ziel der fliehn. Pilgerschaft wollest du uns unterstüßen, daß wir freudig auf dich sehn und getrost zum Tode 8. Indessen lebt und bleibt im Segen; kein schweres Unglück rühr euch an; geht freu- gehn. big auf der Tugend Wegen; liebt Gott, sein Wort, liebt Jedermann Flieht Sünden, fliehet Heuchelei; bleibt Jesu, bis ihr sterbt, getreu! 300515 Mel. Jesus meine Zuversicht 2c. 574. Selig, Gott, find sie, die nun hier in ihrem stillen Grabe nach des Lebens Mühe tuhn, und sich deiner größten Gabe, eines ewgen Lebens freun. Möchten wir uns auch jo freun! 6. Daß wir dein sind, nicht der Welt, daß du uns wirst auferwecken: diesen Trost der bessern Welt laß uns, wenn wir sterben, schmecken; stärk den blöden Geist, wenn ihn Todesschrecken überziehn. 7. Soll ich einst, um auch zu ruhn, zu den Todten Gottes gehen: wollst du mehr noch an mir thun, als wir bitten und verstehen. Dann in meiner Todesnacht sag ich froh: Es ist vollbracht! Mel. Wachet auf, ruft uns die zc. 2. Gott, du willst's, wir leben noch mühsam hier in Pilgerhütten; unser Kampf ist endlich doch und vielleicht bald ausgestritten. Endlich führt auch uns der Tod, so wie jene, zu dir, Gott! 575. Selig find des Himmels Erben, die Todten, die im Herren sterben, zur Auferstehung eingeweiht! Nach den letzten Augenblicken des Todesschlum= 3. Jesus lebte selbst auch hier, mers folgt Entzücken, folgt hier in unsern Pilgerhütten; Wonne der Unsterblichkeit! Im ach, viel mehr, viel mehr, als Frieden ruhen sie, los von der ir, hat der Göttliche gelitten. Erde Müh! Gelobt sei Gott! Standhaft laßt im Kampf uns Vor seinen Thron, zu seinem tehn, auf ihn, den Vollender, jebyn. Sohn begleiten ihre Werke fie. 2. Dank, Anbetung, Preis und Ehre, in alle Ewigkeiten Ehre sei dir, Versöhner, Jesus Christ! Ihr, der Üleberwinder Chöre, bringt Dank, Anbetung, Preis und Ehre dem Lamme, das geopfert ist! Er sant wie 5. Gieb uns Weisheit, Muth wir in's Grab, wischt unsre und Kraft, diese Stunde wohl Thränen ab. Hallelujah! Er 4. Was ist diese Lebenszeit? Ach, nur eine kurze Stunde geenjene Ewigkeit! Doch von dieſer kurzen Stunde hängt es ab, ob Weh, ob Wohl dort zu Theil uns werden soll. 406 Tugend- Mittel. hat's vollbracht! Nicht Tag, I macht: so würd ich oft mit nicht Nacht wird an des Lam- Schrecken mein eigen Herz entmes Throne sein! decken. 3. Nicht der Mond, nicht 4. Mein Gott, befreie mich mehr die Sonne scheint uns vom Dunst der irdischen Bealsdann; er ist uns Sonne, der schwerden und lehre mich die Sohn der Herrlichkeit des Herrn! große Kunst, bei Gräbern flug Heil, nach dem wir weinend zu werden. Nur der ist weise, rangen, nun bist du Heil uns der bedenkt, wie viel von seiaufgegangen, nicht mehr im nem Tod abhängt, und der Dunkeln, nicht mehr fern. Nun dazu in Zeiten sein Herz sucht weinen wir nicht mehr; das zu bereiten. Alte ist nicht mehr. Hallelujah! 5. Erinnre mich an's große Er sank hinab, wie wir in's Ziel, dazu du mich geschaffen, Grab! Er ging zu Gott! Wir folgen ihm! damit ich mich nie in das Spiel der Weltluft mag vergaffen. Und sieht mein Auge, daß mein Schritt noch nicht den rechten Weg betritt, so wollst du, Herr, in Zeiten auf solchen Weg mich Mel. Ermuntre dich, mein zc. 576. Wie ungewiß ist, Herr, leiten. das Ziel der Wallfahrt auf der Erde! Ob ich noch wenig oder 6. Damit ich einst mich vor viel an Tagen zählen werde, der Hand des Todes nicht entdas weiß ich nicht, du weißt's färbe, so mache mich mit ihm allein. Ich tann vielleicht der bekannt, vorher noch, eh ich Nächste sein, vom abgekürzten Leben ein Beispiel abzugeben. sterbe. Laß mir sein Bild vor Augen sein, damit ich lerne 2. Bin ich erbaut aus besserm Sünden scheun, die das Gewissen Zeug, als Andre, die, an Jah- schrecken und Todesfurcht erren und Munterfeit mir völlig wecken. Wie gleich, des Todes Beute waren? 7. Gieb, daß ich dich mit Manchem starrte schnell frohem Muth als meinen Gott das Herz, eh weder Krankheit betrachte, hingegen Freunde, oder Schmerz ihm, als des Todes Boten, sein nahes Ende drohten. Glück und Gut nicht als mein eigen achte: so wird, wenn mich die Zeit wegnimmt, die du zum 3. Wenn ich die Gottesäder Abschied mir bestimmt, nichts, seh, und Alles tönnte lesen, was was mir hier verliehen, mein der, auf dessen Grab ich geh, Herz zurücke ziehen. in seinem Sinn gewesen, und 8. Dir sei es gänzlich heimwas bei ihm die Todesnacht gestellt, wie, wo und wann ich für Hoffnungen zu nichts ge- scheide. Wer unter deinem Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 407 Schuße fällt, wird frei von] 4. Bei Manchem, der gehofft, allem Leide. Doch wünsch ich, begehrt: er sollte nicht erscheidaß ich wohlgeschickt von hinnen nen, ist doch der Tod schon einwerde weggerückt, und allzu gekehrt; wie darfst du doch nun hweres Kämpfen nicht die Ver- meinen: du sterbest nicht in deinunft mag dämpfen. diner Blüth, da man Beweise 9. Laß mich auf Jesu Herr- täglich sieht, daß junge Leute lichkeit mit froher Hoffnung sterben. blicken und mitten in der Duntelheit mich sein Verdienst erquicken. Dann nimm, Herr, nach vollbrachtem Lauf den Geist aus dieser Hütte auf, die einst im Reich der Deinen wird neu gebaut erscheinen. 5. Den Blüthen ist dies Leben gleich, die Winde bald verwehen; sei denn nicht sicher und verzeuch nicht, auf dein Heil zu sehen. Wer weiß, ob den der nächste Schritt, der sicher jetzt auf Gräber tritt, nicht selbst zum Grabe führet? Mel. Aus tiefer Noth schrei zc. 6. Sprich nicht zu dreist: Ich bin gesund und munter zu Ge= 577. Komm, Sterblicher, be- schäften. Kann's dir nicht in trachte mich; ich lebte auch auf der nächsten Stund gebrechen Erden; und was du bist, das schon an Kräften? Die Wange, war auch ich; was ich bin, wirst die noch heut so roth, so blüdu werden. Du folgest nach, hend war, ist oft vom Tod in ich ging vorhin; gedente nicht furzer Zeit entfärbet. in deinem Sinn, es sei weit fern dein Sterben. 7. Dies Leben gleicht der Welle Schaum, der kurze Zeit 2. Bereite dich, stirb ab der bestehet; gleich einem leichten Welt, denk an die letzten Stun- Morgentraum, der schnell vorden; oft hat, eh man sich's vor- übergehet. Wenn man's am gestellt, der Tod sich eingefun- wenigsten gedacht, so heißt's den. Heut hat er hingenom- oft schon: Es ist vollbracht, men mich, vielleicht trifft er auch der ist hier gewesen! schon morgen dich, vielleicht wohl gar vor Abend. 8. Indem du lebest, lebe so, Madaß du magst selig sterben. Du 3. Sprich nicht: ich bin noch weißt nicht wann, wie oder wo viel zu jung, ich werd noch dein Körper wird langer leben. Du bist schon Bedenk dein Wohl, dein wahres verderben. Glück; auf diesen kurzen Augenblick erfolgen Ewigkeiten. teif und alt genung, den Geist von dir zu geben. Wie bald ist's nicht um dich gethan! Es 9. Du magst bereit sein oder fieht der Tod kein Alter an; nicht, der Tod wird nicht ver= bau nicht auf deine Jugend. weilen, und dann mit dir so 408 Tugend- Mittel. zum Gericht, wie er dich fand, steht unsre Zeit, du haft der hineilen. Und Freude oder ganzen Menschenschaar ihr ToSchmerz und Bein, wird dann desjahr bestimmt, als keine Zeit dein Loos auf ewig sein, nach- noch war. dem du hier gelebet. 10. Ach denke nicht: Es hat nicht Noth ich will mich schon befehren, wenn mir die Krankheit zeigt den Tod; Gott wird mein Flehn erhören. Wer weiß doch, ob's zur Krankheit kömmt, 3. Nimm nach vollbrachtem ob nicht ein schneller Fall dich Lebenslauf in deine ewge Ruh hemmt im Laufe dieses Lebens? uns auf. Verwirf, wenn unser 2. Wenn nun auch unser Ende kömmt und deine Hand das Leben hemmt, dann hilf uns in der Todesnoth, Herr, unser Gott; ein sanfter Schlaf werd unser Tod! 201 11. Zudem, wer hier in Si- Herz uns bricht, verwirf uns cherheit auf Gottes Gnade nicht, o Herr, von deinem Anbauet, wann kommt dem die gesicht! bequeme Zeit, auf die er säumend bauet? O lerne sterben, eh du stirbst, damit du ewig nicht verdirbst, wenn Gott die Welt wird richten. 12. Zum Tode mache dich geschickt; gedent in allen Dingen: Wie, wenn mich jetzt der Tod hinrückt, wohin würd er mich bringen? Könnt ich wohl so vor Gott bestehn, getrost vor sein Gericht hingehn und Rechenschaft ablegen? 4. Drückt uns dann noch der Krankheit Schmerz, so stärke das beklemmte Herz, daß es auch in der Schmerzen Wuth mit starkem Muth in deiner weisen Fügung ruht. 5. Gieb Hoffnung zu der ewgen Ruh. In unsern Herzen wirke du, Geist Gottes, daß wir glaubend traun und ohne Graun hin in die Nacht des Todes schaun. 6. Hilf unsrer Schwachheit, Geist des Herrn; zeig uns den Himmel dann von fern! Laß uns, wenn wir zum Vater flehn, getröstet sehn, wie der uns liebt, 13. So forge, wenn der Tod herbei, von Gott gesandt, wird fommen, daß dir sein Ruf ein Hingang sei zu jener Ruh der Frommen. Bereite dich, daß zu dem wir gehn. dich der Tod entlade aller Bürd und Noth; bedente stets das für Recht! Ende! 7. Ach, Gnad ergehe dann Denn von dem menschlichen Geschlecht ist auch der Heiligste nicht rein. Wer fann je dein, Gott, ohne deine Gnade sein? Mel. Ich hab mein Sach Gott 2c. 578. Dein sind wir, Gott, 8. O jei uns dann nicht in Ewigkeit. In deiner Hand fürchterlich! Erbarme, Vater, Betrachtung des Todes und der Ewigkeit. 409 unsrer dich. Wenn unser Auge| ergeben, daß nicht Sündensterbend bricht, leit uns dein schuld dies Herz mache vor dem Licht, so fehlt uns Trost im Tode beben. Gott, dein sind Tode nicht. wir; laß uns dein lebend, sterbend ewig sein. he Mel. Jejus, meine Zuversicht 2c. 579. Du, der ordnet und er= mist, was soll werden und gehehen! nur bei dir, der ewig it, nur in deinen Händen stehen Welten, Menschen, ihre Zeit, Leben, Tod und Ewigkeit. 2. Du des Lebens Geber, Gott, läsfest uns dies Licht erbliden; wenn du winkest, kommt der Tod, dieser Welt uns zu entrüden. Nicht uns selber, jondern dir leben wir und sterben wir. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 580. Du, Herr und Vater meiner Tage, du weißt, daß ich, dein schwaches Kind, des Todes Keim in Gliedern trage, die irdisch und zerbrechlich sind: drum gieb, daß ich zu jeder Zeit zu meinem Tode sei bereit. nem Leben ein mir verborgnes 2. Daß du, o Höchster, mei Ziel bestimmt, und daß die Zeit, die mir gegeben, vielleicht 3. Unerforschlich ist dein Rath gar bald ein Ende nimmt: dies 3. Unerforschlich ist dein Rath flöße mir die Wahrheit ein, uns zwar oft, doch immer weise. stets auf mein Heil bedacht zu Duntel ist uns oft dein Pfad, jein. doch es wird zu deinem Preise uns zuletzt auch offenbar, daß et gut und heilig war. 3. Hier hab ich lebenslang zu lernen, mein Herz von Sün= mich von der 4. Preis und Dant, Gott, den abzuziehn, ſollten wir fingen hin zu dei- Weltlust zu entfernen und um ten Höhen selbst an diesen den Himmel zu bemühn; o Gräbern hier, wo wir oft tief- mache mich dazu geschickt, eh trauernd stehen. Stärt uns, daß mich der Tod der Welt entrückt! der Schmerz werd Dank, und die Klage Lobgesang. 4. Nicht auf der Erde, nein, nur droben bei dir, Gott, mei5. Tröfte, Gott des Trostes, ner Seele Theil, ist mir das die, die gebeugt hier zu dir Beste aufgehoben; dort ist für weinen. Schmecken, Vater, laß mich vollkommnes Heil. Da, auch sie, daß du mit dem wo mein Schatz ist, sei mein Schmerz der Deinen Mitleid Herz! Herr, lenke selbst es himhaft und nahe bist, wo die melwärts! fromme Thräne fließt. 5. Hier allen Sünden abzu6. Herr, in Freuden und in sterben, zu leben in RechtschafSchmerz, laß uns dir so sein fenheit, um einst dein Himmel 410 Tugend- Mittel. reich zu erben, dazu laß meine| gleich stirbt; Tod und Gericht Sterblichkeit mir stets, mein drohn ihm nicht ewge Strafen. Gott, vor Augen sein, und deinen Beistand mich erfreun. 4. So laß denn, Herr, nach deinem Rath auch meine Stunde 6. Willst du mich länger le- kommen. Du bist's, der ſelbst ben lassen, so laß es mir zum den Weg betrat, Beschützer deiHeil geschehn; doch soll ich heute ner Frommen! Mit dir, mein noch erblassen, so höre, Vater, Jesu, schlaf ich ein; wie du, auf mein Flehn: Sei, wenn mein werd ich begraben sein, wie Herz im Tode bricht, mein du auch auferstehen. Troft und meine Zuversicht! 7. Dir will ich gänzlich mich ergeben, dir, dessen Eigenthum mel. Herzliebster Jesu, was haft jelig, selig jeid ihr nun, ihr Frommen, die ihr schon durch den Tod zu Gott getommen; der Müh und Sorge, die uns noch umfangen, seid ihr entgangen. ich nur mein Leben, so bleibt jelbft 582. Sterben mein Gewinn. Ich lebe dir, ich sterbe dir; sei nur mein Trost, so gnüget mir. dieser Erde leben, wir sind mit 2. Wir, die wir noch auf kummer und Gefahr umgeben; Mel. Es ist gewißlich an der ic. 581. Jch eile meinem Grabe zu; ein Schritt, so bin ich Erde. es ist nur Müh und Eitelkeit Ach, meine Zuflucht, Gott, bist zu nennen, was wir hier kendu, so oft ich zaghaft werde. Was ist die Zeit, in der ich bin; sie fährt ja wie ein Strom dahin, der niemals wiederkehret! nen. 3. Hingegen ihr, ihr ruht im sanften Schlummer, ganz sicher und befreit von allem Kummer; 2. Ein Sarg verschließt den euch stört in dem Genusse reiUeberrest von modernden Ge- ner Freuden kein Kreuz, noch beinen, und sein zerbrochnes Leiden. Haus verläßt der Geist, da zu 4. Euch trocnet Christus erscheinen, wo ihm des Ewigen nun ab alle Thränen; ja ihr Gericht ein unparteiisch Urtheil genießt, wonach wir uns noch spricht, belohnet oder strafet. sehnen; ihr habt die Sieges 3. Jedoch, was fürchten wir fron nun schon errungen, ſeid die Gruft, als wären wir noch durchgedrungen. Heiden? Er, der uns von der 5. Wir wollen nach euch Érde ruft, führt durch den Tod tämpfen, uns bewerben um je zu Freuden. Wer glaubt, der nen Preis der selgen Himmelsbleibt und stirbet nicht, ob er erben; denn,- wohl uns!- Betrachtung des allgemeinen Weltgerichts. 411 wir auch werden hier nicht] 4. Jch hör bereits den Donbleiben, nicht immer bleiben. 6. Zu allen denen, die vorangegangen zu dir, ach Heiland, auch uns gelangen. Schent nach dem Kampfe die verheißne Krone auch uns zum Lohne! nerton, ich höre meinen Richter schon das Endurtheil mir sprechen; ich seh vor seinem Angesicht, ich sehe in dem hellsten Licht die Reihe der Verbrechen, die ich in dieser Welt gethan; wer ist's, der mich nun retten kann? Betrachtung der Vergeltung nach dem Tode und des allgemeinen Weltgerichts. Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort zc. 5. Kein Geld an Arme ret= tet mich; und weint ich noch so bitterlich, es kann mich nicht wird als583. Ich bin ja, Herr, in dann empfahn nach dem, was deiner Macht, du hast mich an er allhier gethan; nichts schüßt das Licht gebracht, du forgest alsdann die Bösen. Hier ist für mein Leben; du tennest Gott zum Verzeihn bereit, dann meiner Tage Zahl, weißt, wann übet er Gerechtigkeit. aus diesem Jammerthal mein Geist sich soll erheben. Wo, wie und wann ich sterben soll, das weißt du, Herr des Lebens, wohl. 6. Wie soll ich denn, o Gott, bestehn, wenn du in das Gericht willst gehn und nach Verdienst mir lohnen? Wie kann ich deiner Straf entfliehn, mich dir in deiner Welt entziehn, wirst du nicht meiner schonen? mich erfreun, mir Muth und Ach, Höchster, geh nicht in's Hoffnung geben? Wer nimmt Gericht; verwirf mich armen. sich meiner Seele an, wenn ich Sünder nicht! von dem, was ich gethan, Gott 7. Voll Reu und Buße such Rechenschaft soll geben? Wer ist, ich dich. Errette, Gott, bekehre der alsdann für mich spricht, mich und tilge meine Sünden. thust du es, o mein Heiland, Dir weih ich meine Lebenszeit, dein Dienst sei meine Seligkeit. 3. Mich dünkt, da lieg ich Ach, laß mich Gnade finden! schon; ich seh, daß ich am fin- Gieb, daß ich meiner Pflicht stern Grabe steh, mit Todes- getreu, zum Tode stets bereitet angst umgeben; der Augen Licht sei. nicht? 2. Wer wird in meiner leßzten Pein mich Sünder trösten, verdunkelt sich, des Grabes Nacht umhüllet mich, ein Traum Mel. Es ist gewißlich an der zc. ist nun mein Leben! Doch schwei- 584. Es ist gewiß, ſie naht, gen meine Sünden nicht, sie fordern mich vor das Gericht. die Zeit, da Gottes Sohn wird 412 21 Tugend- Mittel. tommen mit großer Kraft und fluche frei, und zugezählt den Herrlichkeit, zu richten Bös und Deinen, mich einst mit jener Frommen. Gott hat die Stunde Schaar verein, die mit dir zieht schon bestimmt, da diese Welt zum Himmel ein: dies Glüd ein Ende nimmt; sein Wort laß mich erringen! sagt's, das nicht trüget. 2. Dann wird der große Ruf mel. Herzlich thut mich verlangen 2. ergehn: Wacht, Todte, auf zum 585. Ich denk an dein GeLeben! Und plötzlich werden sie erstehn, vom Grabe sich er- richte, du Richter aller Welt! heben. Auch sie, die dieses der Thor nennt's ein Gedichte, Lebens Bahn noch wallen, wird das Schwachen nur gefällt! der Herr alsdann zur Ewig- mich soll der Wahn nicht stören, keit einweihen. weil mich dein göttlich Licht 3. Des Richters letztes Ur- und mein Gewissen lehren, du theil schallt auf Welt und En- haltest einst Gericht. gel nieder; ein laut ertönend 2. Ich seh im Geist die Blize Amen hallt durch alle Himmel und hör die Donner schon, erwieder. Empfangen hat nun hohen Richterthron, um den die blick dich auf dem Size und Jedermann den Lohn; die Ewigkeit bricht an, und Welt und Zeit entfliehen. heilge Menge erhabner Engel steht. Welch herrliches Gepränge! Welch hohe Majestät! Sünder vor deiner Macht zu 3. Umsonst sucht nun der fliehn. Herr, alle Menschenkin der wirst du zur Rechnung ziehn. Du rufft, und sie erscheinen vor deinem Richterthron. Den Sündern und den Deinen giebst du gerechten Lohn. 4. Weh dann dem Sünder, welcher hat das Wort des Herrn verachtet, nicht ernstlich auf dem Pilgerpfad nach Gottes Reich getrachtet! Wie will, wie wird er nun bestehn? Noch einmal wird er Jesum sehn mit Zittern, und nie wieder. 5. O hilf, Herr, daß ich sei bereit so auf die letzten Stunden, daß mich einst meine Zeit erfreut, wenn sie nun ganz verschwunden. Zur treuen Ulebung meiner Pflicht erwecke mich das Weltgericht, das du dereinst wirst halten! 6. Daß mir der Tag erfreulich sei, an dem du wirst er scheinen, daß ich vom Sünden4. Frohlockend sehn die Frommen dein göttlich Angesicht. Schon hier dem Fluch entnom men, zagt ihre Seele nicht. Nun triumphirt ihr Hoffen; erlöft von aller müh, sehn sie den Himmel offen, und du, Herr, fegneft fie. 5. Wie angstvoll aber beben, die hier dein Wort verhöhnt und durch ein fleischlich Leben Betrachtung des allgemeinen Weltgerichts. 413 das eitle Herz verwöhnt. Du der Welt der Wahrheit unter= giebst der Sünde Knechten ihr liegen. Hier, wo das Recht Theil in ewger Pein, und füh- die Wage hält, wird keine test die Gerechten zu deiner Sünde siegen. Hier ist zur Buße Freude ein. nicht mehr Frist; hier gilt nicht mehr Betrug und List; hier gilt kein falscher Zeuge. 4. Der Richter spricht, der Himmel schweigt und alle Völfer hören erwartungsvoll und tiefgebeugt: Kommt, erbt das Reich der Ehren! So spricht er zu der Frommen Schaar. Die 6. Drum laß, Herr, dein Gerichte mir stets vor Augen sein, und drücke sein Gewichte in mein Gewissen ein; vor dir laß mich fromm wandeln und hier zu aller Zeit so wie ein Weiser handeln, der seinen Richter scheut. 7. Ist dann dein Tag vor- aber widerspenstig war, heißt handen, wird diese Welt ver- er nun von sich weichen. gehn: so werd ich nicht mit Schanden vor deinem Thron bestehn. Du stellst mich dann zur Rechten, von aller Schuld befreit, führst mich mit deinen Knechten in deine Herrlichkeit. 5. O Herr, mit welcher Majestät wirst du dies Urtheil fälfen! Die Sünder, die dich hier verschmäht, gehn dann gewiß zur Höllen. Hier trifft sie des Gewissens Pein. Wer wird dann noch ihr Retter sein? Jhr Warten ist verloren! Mel. Es ist gewißlich an der zc. 6. Sie, die leuch586. Schon ist der Tag von ten dann wie Sonnen an dem Gott bestimmt, da, wer auf Himmel. Du selbst nimmst sie Erden wandelt, sein Loos aus zu Ehren an. O welch ein Gottes Händen nimmt, nachdem froh Getümmel! Nun sehn fie hier gehandelt. Er kommt, mit erstauntem Blick, daß Glaub at kommt, des Menschen Sohn; und Lieb das höchste Glück aus kommt und Wolten sind Gottes Gnade erben. ein Thron, der Erden Kreis zu richten. 7. Sie gehn nun in das Wonnereich, das Gott für sie 2. Hier, an den Rand der bereitet, und sehn auf ewig, Ewigkeit, hier stehn die Millio- Engeln gleich, ihr Wohlsein nen, die seit dem ersten Tag ausgebreitet. Das Stückwerk der Zeit auf dieser Erde woh- wird Vollkommenheit, en; nur dem Allwissenden Kummer, teine Traurigkeit stört befannt, unzählbar, wie am ihre ewge Freude. Meer der Sand; hier stehn sie fein vor dem Richter. 3. Hier muß der falsche Wahn 8. Mein Heiland, laß mich dein Gericht oft und mit Ernst bedenken! Es stärke meine 3u 414 Tugend- Mittel. versicht, wenn mich die Leiden 1 in das verheißne Leben. Nun tränken. Es reize mich gewissen- zeigt die That, Herr Jesu Christ, haft und eingedent der Rechen- daß du der Erden Richter bist. schaft nach deinem Wort zu wandeln. 5. O gieb, wenn nun dein Tag erscheint, daß ich in dir dann meinen Freund und Heiland wiederfinde; daß ich mit Freuden vor dir steh und mit Mel. Ewigkeit, du Donnerwort zc. 587. Erhöhter Jesu, Gottes dir in den Himmel geh, ganz Sohn, der du schon längst der frei von Fluch und Sünde. Laß Himmel Thron als Herrscher mich im Glauben wachsam sein eingenommen; du wirst dereinst und auch die kleinste Sünde zu rechter Zeit in großer Kraft scheun. und Herrlichkeit vom Himmel 6. Die Tugend sei mir ewig wieder kommen. Gieb, daß dann werth, und was dein Wort von froh und mit Vertraun dich, mir begehrt, laß mich mit EiHerr, auch meine Augen schaun. fer üben. Niemals ermüde hier 2. Wer faßt, o Heiland, jetzt mein Geist, dich, den schon jetzt die Pracht, die deinen Tag einst der Himmel preist, aus aller herrlich macht! Wie groß wirst Kraft zu lieben: so hab ich du dich zeigen, wenn du auf in der Ewigkeit auch Theil an lichten Wolken einst mit deiner deiner Herrlichkeit. Engel Heer erscheinst, die sich vor dir, Herr, beugen! Dann sieht die Welt die Majestät, Mel. Es ist das Heil uns kommen 2. dazu dich Gott, dein Gott, er- 588. Cr tommt, er kommt höht. zum Weltgericht, der Heiland, 3. Dann tönt dein Ruf in den wir ehren. O weigert euch, jedes Grab mit allmachtsvoller Erlöste, nicht, jetzt auf sein Wort Kraft hinab und schafft ein zu hören. Wer hier nicht seine neues Leben. Auf deinen Wint Stimme hört und sie nicht mit muß Erd und Meer das große Gehorsam ehrt, wird nicht vor unzählbare Heer der Todten ihm bestehen. wiedergeben. Sie stehn durch dich, Herr, neubeseelt nun alle auf und Keiner fehlt. 4. Du sammelst sie vor deinem Thron, um Jedem den bestimmten Lohn nach seiner borgen war, das wird dereinst That zu geben. Dann trifft den uns offenbar, wenn du wirst Bösen Schmach und Pein; den wiederkommen. Frommen aber führst du ein 3. Wenn vor dir die Natur 2. Herr, laß mich deiner Ma jestät mit wahrer Freude dienen! Wie herrlich dich dein Gott er höht, ist zwar noch nicht erschie nen; doch was uns hier ver Betrachtung des allgemeinen Weltgerichts. 415 dann bebt und unter deinen ben. Er reize mich, dir mich zu Füßen sich Alles, was dir wi- weihn, in deinem Dienste treu derstrebt, wird willig beugen zu sein und nie dich zu vermüssen, wenn alle Engel vor leugnen. dir stehn, dann werden aller Augen fehn, wie hoch dich Gott Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort zc. erhoben. 4. Wenn dann, o Herr, auf 589. Der unsre Menſchheit dein Geheiß die Todten wieder an sich nahm, als er uns zu leben; dein Feind mit Furcht, versöhnen tam, kommt einst zu dein Freund mit Preis sich aus richten wieder. Nicht fern ist dem Grab erheben; wer wird seiner Zukunft Zeit; in aller dann noch, Herr Jesu Christ, seiner Herrlichkeit steigt Jesus daß du die Auferstehung bist, dann hernieder. Vernimm's, o mit Frechheit leugnen können? Welt, und beßre dich! Der Tag 5. Wer spottet dann noch deiner Kraft, wenn du, die hier 2. Warum verzieht er? dich fliehen, für ihre Schuld fragt der Spott. Wo bleibt der zur Rechenschaft mit Majestät Sündenrächer, Gott? Hört, Sünwirst ziehen? Wenn nun ihr der, hört's mit Beben: Euch, Auge dich erblickt und sie dein die ihr frech ihm widerstrebt Strafgerichte drückt, dann wer- und in der Bosheit sicher lebt, den sie verstummen. zur Beßrung Frist zu geben! des Schreckens nahet sich. 6. Und wenn du dann die Doch bald ist euer Maß erfüllt; Deinen nun mit Preis und Ehre bald kommt der Richter und ziereft, und ihnen ewig wohl zu vergilt! thun, fie in den Himmel führest: 3. Dann öffnet um euch her dann, Herr, wird völlig offen sich weit der Abgrund jener bar, daß es doch nie vergeblich Ewigkeit mit allen seinen Schrewar, Rechtschaffenheit zu lieben. den; dann wird euch, wenn der 7. O laß mich dann, Herr Richter droht, nicht Berg, noch Jesu Christ, mit Freuden vor Meer, nicht Grab und Tod vor dir stehen, und dir, so herrlich seiner Ahndung decken. Denn du auch bist, getrost entgegen nun nicht mehr erbarmt er sich, sehen. Wenn deiner Feinde Rotte, und sein Gericht ist fürchterlich. zagt von Reu und Angst und 4. Wenn furchtbar seiner Furcht geplagt; dann jauchze Donner Schall von tausendmeine Seele! fachem Wiederhall der ErdeGrund 8. Das ich dies Glück erle- erschüttern, und plötzlich nun ben, o Heiland, deinen großen chend stürzt, in Trümmer fällt, mag, so laß in diesem Le- der Bau der Welt wankt, traTag mir stets vor Augen schwe- 1 wenn selbst die Himmel zittern; ben 416 Tugend- Mittel. und vor den Richter hingerückt heit ganz umgeben. Bewahre, der Spötter glaubet und er- Herr, durch deine Hand mein schrickt: Herz vor solchem Unverstand! 5. Dann ist nicht mehr zur 2. Wer Sünde thut, nährt Buße Zeit; wo werdet ihr Barm- falschen Wahn, liebt Träume, herzigkeit und Gnad und Ret- welche trügen, und wandelt auf tung finden? Die ihr der Sün- der finstern Bahn des Vaters den Maß noch häuft, fühlt, eh aller Lügen. Hilf, treuer Gott, euch dieser Tag ergreift, die Schande eurer Sünden; daß ihr nicht selbst euch einst ver= flucht und in Verzweiflung Lind= rung sucht. daß nimmermehr Betrug der Sünde mich bethör! 6. Mein Herz erschrickt: es bebt in mir mein Innerstes, o Gott, vor dir! Ich bin ein Missethäter. Begnadige, wenn dein Gericht auch mir ein ewig Ur- 4. Wer Sünde thut, von dem theil spricht, mich, Herr, den entflieht der Herr mit seiner Ulebertreter. Du, der die Sün- Gnade; verkehrt, verstockt wird 3. Wer Sünde thut der un[ terdrückt und schwächt die Seelenkräfte, wird frech, stolz, blind und ungeschickt zum Heiligungsgeschäfte. Wie oft raubt uns das Laster nicht Gesundheit, Güter, gut Gerücht! der nicht verstößt, du, Jesu, haft auch mich erlöst. sein Gemüth. O welcher Seelenschade! Was hilft mir wohl der Name Christ, wenn Gott von mir gewichen ist? 7. Tag Gottes und der Ewigfeit! Du predigst uns den Werth der Zeit laut mit des Donners 5. Wer Gott verläßt und Stimme. Reizt, Menschen, nicht Sünde thut, beraubt sich wahrer durch eure Schuld den Gott der Freuden; ihm fehlt Beruhigung Langmuth und Geduld, daß er und Muth in Trübsal, Schmerz nicht schnell ergrimme. Denn und Leiden. Das Scheinglüc, schrecklich wird der Sünder Bein, und groß der Frommen Wonne sein. das er sich versprach, läßt nichts als Pein und Ekel nach. 6. Wer Sünde thut, sieht schreckensvoll sein letztes Ende kommen; die Hoffnung, die ihn trösten soll, ist seinem Geist be nommen. Er liebte Gott und Jesum nicht, und auf den Tod folgt das Gericht. Mel. Mir nach, spricht Christus 2c. 590. Wer Sünde thut, ent7. So folget Trübjal, Angst ehrt den Herrn und haßt sein und Bein dem Lafter schon auf Glück und Leben, bleibt von dem Erden. Unendlich größer wird Reiche Gottes fern, mit Blind- die Pein in jenem Leben werErwägung der Strafen der Lasterhaften in dieser und in jener Welt. Erwägung der Strafen der Lasterhaften. 417 den. Ach fürchterlich ist Beides| kein Glück, tein Heil, nein, laumir! Gott, führ vom Laster mich ter Elend ist sein Theil von ju dir! innen und von außen. 6. Herr, dies bezeugt dein klares Wort: wahrhaftig ist dein Dräuen. So hilf, daß wir an Mel. Es ist gewißlich an c. 591. Gerechter Gott, dein Strafgericht entdeckt sich schon jedem Ort den Weg der Sünder scheuen. Erbarm dich unser auf Erden. Du läsfest, fürch- insgesammt, daß Niemand unten wir dich nicht, uns hier ter uns verdammt, ein Jeder schon inne werden, daß du auf selig werde! unsre Thaten siehst und ein ge- de rechter Richter bist, das Böse ju bestrafen. 2. Es flagt uns das Gewissen an, wenn wir dir widerstreben, und sagt uns, daß wir mißgethan durch unser böses Leben. Es raubet uns die innre Ruh und spricht uns die Bergeltung zu, die Missethat verdienet. 3. Oft strafft du hier die Bösen schon für ihre bösen Thaten, du läffest sie in Schmerz und Hohn und andre Noth getathen. Hat fie der Sünden Just erfreut, so müssen sie auch oft das Leid, das sie gebiert, empfinden. Mel. Erbarm dich mein, o zc. 592. 592. Gott, Beherrscher aller Welt, wer böse ist, bleibt nicht vor dir; die Strafe, die du festgestellt, trifft oft die Sünder auch schon hier. Doch oft trägst du auch ihre Schuld, die durch gehäufte Sünden schwer, mit Langmuth, und rufft mit Geduld Abtrünnige zur Wiedertehr. 2. Allein wenn sie nun wandeln hin in Habsucht, Unbarmherzigkeit, in Feindschaft, Neid und stolzem Sinn, in Wollust und in Trunkenheit: so sind sie 4. Jedoch, o Herr, zur Besse- der Verwerfung werth! Kann rung strafft du noch hier die der im Himmel selig sein, der Sünder, und züchtigest zur Hei- selbst des Himmels Freude stört; ligung selbst deine schwachen der Gott nicht liebt; deß Herz Kinder; wohl dem, der dir ge- nicht rein? horchen lernt, der sich vom Sün-| 3. Nein, von dem Angesicht denpfad entfernt, so lebt, wie des Herrn verbannt, beraubt Jefus lebte. der Seligkeit, und von den Tu5. Den aber trifft ein streng gendhaften fern, empfinden fie Gericht, das ohn Aufhören mit Recht dort Leid. Haß, währet, der in der Zeit der Neid, Zorn, Trauern, Furcht Gnade nicht sich recht zu dir und Schmerz, Verzweiflung, bekehret. Kein Gutes mehr,' Schrecken, Angst und Wuth beOsnabr. Landgesangb. X. Aufl. 27 418 Tugend- Mittel. stürmen der Verdammten Herz,| fahren, die durch keine Zucht das nie bei seiner Bosheit ruht. von Gott hier zu bessern waren. 4. Ein Feuer, welches Gott 2. Durch ihre Schuld von gedräut, wird ihres Leibes Hölle Gottes Huld und Angesicht ge= sein, und nie wird jemals eine schieden, sehn sie nimmer Trost Beit von diesem Jammer sie und Licht, haben nimmer Frie. befrein. Umsonst ruft da die den. Angst den Tod, er naget sie 3. In dieser Welt( dazu beund tödtet nicht. Gott, wie stellt, daß wir geprüfet werden) groß ist diese Noth, durch die haben auch die Bösen noch Theil fein Strahl des Trostes bricht. am Glück der Erden. 5. Hier, Sünder, hast du 4. Hier können sie in ihrer noch die Wahl: Gott hat dir müh sich noch des Eitlen freuen, Beides vorgestellt, den Himmel und wenn das Gewissen plagt. und die ewge Qual! Erwähle ihr Gemüth zerstreuen, nun, was dir gefällt. Kann 5. In jener Welt, die nichts dich die frohe Ewigkeit nicht enthält für sie an guten Gaben, reizen, daß du Gutes thust: so auch ein Tropfen Wassers dent an der Verdammten Leid und fliehe jede böse Lust! nicht, sie im Durst zu laben; 6. Da, wo forthin ihr böser Sinn umsonst Zerstreuung ju chet: da, da fühlen sie sich ganz von dem Herrn verfluchet. 6. Herr Jesu, der du durch dein Blut von meiner Sünden schweren Last und von der ewgen Höllenglut erbarmend mich 7. Ihr Wurm, der plagt und erlöset haft: dein Ruf sucht mich sie stets nagt, stirbt nimmer von jener Bein noch gnädig im Gewissen; nie verlischt des hier zurückzuziehn; ach, laß mich Feuers Gluth, das sie leiden dir auch folgsam sein; gestärkt müssen. durch dich, die Sünde fliehn! 8. So straft der Herr, gerecht 7. Regiere mich durch deinen ist er, wahrhaftig ist sein Dräuen! Geist, daß ich stets auf der rech- Wehe denen, welche doch sein ten Bahn, die mir dein Wort Gericht nicht scheuen! zum Leben weist, im Glauben 9. O rette doch, Herr Jesu, Liebe üben kann; damit das noch, die jetzt dir widerstreben; Ende meiner Zeit mich zu der bessre sie und laß sie dann ewig Schar der Selgen bringt, die mit dir leben! dir, von allem Weh befreit, ein neues Lied frohlockend singt. Mel. O Traurigkeit zc. 593. schrecklich Leid der Ewigkeit, das Sünder dort erBeherzigung des hohen Werths der künftigen Seligkeit. Mel. Von Gott will ich nicht zc. 594. Wie lieblich ist's, dort Beherzigung der künftigen Seligkeit. 419 oben zu wohnen bei dir, Gott, muß ich es lassen, bis auf ein wo Tugendhafte loben dich, ihren Tuch in's Grab. Herrn und Gott. Ach wäre ich auch werth, die Krone zu em- statt pfangen, die Ruhe zu erlangen, die keine Unruh stört. 7. Dort werde ich empfangen Armuth Ueberfluß; ich ein Gut erlangen, das im Genuß, dem nicht mehr droht Gefahr vom Roste noch wider Furcht und Lust; und von Schaben, dem Diebe werd sicher 2. Hier habe ich zu streiten hier stört noch Kampf und Lei- nicht nachgraben, das bleibet immerdar. den den Frieden meiner Brust; hier schmeck ich wahre Ruh nicht fiets, nur unterweilen; es drohet den getrennt, in Noth allein; 8. Hier bin ich oft von Freunhier, es eilen noch Schrecken auf mich zu. muß oft bei Tugendfeinden zu 3. Dort wird nicht mehr em- Manche, die mir hier des Lemeinem Schmerze sein; so pfunden der Lüfte innrer Krieg, bens Müh versüßen, muß ich dort find sie überwunden, und oft früh vermissen; der Tod mich erquickt der Sieg. Da werd ich dich, mein Gott, mit entreißt sie mir. reiner Seele lieben, nicht man9. Dort seh ich fröhlich wiegelhaft mehr üben dein heiliges der sie, meine Lieben all; bekomm dort neue Brüder und 4. Gott, von den Pilgerta- Freunde ohne Zahl. Die Engel gen, die du gezählet hast, hat werden sich nicht meines Umjeder seine Plagen und die ihm gangs schämen, wie Brüder tigne Laft. Ist dies Anliegen mich aufnehmen und ewig liein, muß ich auf's andre den- ben mich. ten, auf neue Sorgen lenken hier täglich meinen Sinn. 10. Hier muß ich oft erdulden Verachtung, Schmach und 5. Dort werd ich von nichts Hohn; mich trifft oft ohn Verwiffen, was mir zuwider sei; schulden Haß statt der Liebe ich werde Ruh genießen von Lohn. Der Menschen Gunst allen Sorgen frei. Was uns und Ehr, wie groß sie scheint, beschwerlich fällt in diesem Bil- wie wichtig, ist wandelbar und gerleben, wird uns nicht mehr flüchtig, ein Schatten und nichts umgeben in jener höhern Welt. mehr! 6. Hier muß noch Mancher 11. Dort aber jene Krone leben in Noth und Dürftigkeit; bleibt ewig unversehrt, womit was mir das Glück gegeben, an seinem Throne Gott seine verzehrt gar bald die Zeit. Von Treuen ehrt; kein Auge hat Allem, was ich hab, kann ich gesehn, kein Ohr hat noch verim Tod nichts fassen, zurück nommen, es ist in kein Herz 27* 420 Tugend- Mittel. kommen, was uns dort wird singen dir ewig Preis und geschehn. Dank. Wie lieblich wird er12. Gott, wenn ich dies be- tlingen der hohe Lobgesang, trachte, wie wird mein Geist das frohe Siegeslied, mit dem erfreut! Ich sehne mich und man, Herr, dich ehret und deischmachte nach jener Herrlich- nen Ruhm vermehret in alle teit. Der Welt Lust, Geld und Ewigkeit. Gut ist eitel und betrüget, das Ewge nur vergnüget vollkommen Herz und Muth. 13. Ob wir mit Thränen säen, froh ernten wir doch dort; 18. Auch hier schon will ich loben dich, Vater, Sohn und Geist, für das, was mich dort oben mein Glaube hoffen heißt. Sie kommt, sie kommt, die Zeit, einst folgt auf unser Flehen da du von allem Bösen mich dort Jauchzen fort und fort. völlig wirst erlösen! Gieb, daß Hier sei der Trübsal viel; was ich sei bereit! sind der Erden Leiden doch ge= gen jene Freuden, die ohne Maß und Ziel! Mel. Wie schön leucht uns der 2. 595. Wie wird mir dann, 14. Laß eifrig mich auf Erden dem Ziele jagen nach, und o dann mir sein, wenn ich, nie verdrossen werden bei allem Ungemach. Hab ich viel Mühen hier, dort in des Himmels Wohnung wird reichliche Belohnung einst widerfahren mir. mich ganz des Herrn zu freun, in ihm entschlafen werde! Dann, Seele, wirst du, ganz befreit von Sünde und von Sterblichteit, entfliehen dieser Erde. 15. Gieb, daß mich nichts Freu dich innig; stärke, tröste abziehe von der gerechten Bahn, dich, Erlöste, mit dem Leben, daß ich die Wege fliehe, wo das dir dann dein Gott wird man leicht gleiten kann. Die geben. Lüfte, welche sich erheben, bald zu dämpfen, der Tugend Kampf zu kämpfen: dazu, Herr, stärke mich. 2. Ich freue mich und bebe doch; so drückt mich meines Elends Joch, der Fluch der Sünde nieder. Doch du, o 16. Wenn ich mit treuem Herr, erleichterst mir dies Joch; Herzen, was du befiehlst, verricht, werd ich nach Müh und Schmerzen dich schaun in jenem Licht; dort, wo die Quelle fließt der Wonne deinen Knechten; dort, wo zu deiner Rechten der Freuden Fülle ift. mein Herz stärkt sich in dir, glaubt, und erhebt sich wieder. Durch dich laß mich dahin streben, dir zu leben, dir zu sterben, und dein Himmelreich zu erben. 3. Verachte denn des Todes 17. Mit Engeln werd ich Graun, mein Geist, er ist ein Beherzigung der künftigen Seligkeit. 421 Weg zum Schaun in jenem| viel, ich bin vielleicht noch fern bessern Leben. Er sei dir nicht vom Ziel, an dem die Krone mehr fürchterlich; zum Aller- schimmert. Bin ich von meiheiligsten wird dich der Herr nem Ziel noch weit, noch weit, so sei mein dadurch erheben. Hier wird Leben dir geweiht, bis einst dein Hirt nach den Thränen, mein Leib zertrümmert. Hilf nach dem Sehnen dich Erlösten mir, Herr, dir ganz mein Leben völlig und auf immer trösten. zu ergeben, daß ich droben dich 4. Herr, Herr, ich weiß die ohn Ende könne loben. Stunde nicht, die mich, wenn 6. Wie wird mir dann, mein mun mein Auge bricht, zu dei- Heiland, sein, wenn ich, mich nen Todten sammelt. Vielleicht deiner ganz zu freun, dich dort umgiebt mich ihre Nacht, eh ich anbeten werde: dann bin ich dies Flehen noch vollbracht, mein frei von Sünd und Leid, ein Lob dir ausgestammelt. Mach Mitgenoß der Herrlichkeit, nicht mich fertig, ich befehle meine mehr gebeugt zur Erde. Preis Seele deinen Händen; laß mich dir, daß mir durch dein Leiden meinen Lauf gut enden! jene Freuden offen stehen. Ewig will ich dich erhöhen! 5. Vielleicht sind meiner Tage XIII. Lieder in besondern Zeiten, besondern Fällen und einigen persönlichen Umständen. A. In besondern Zeiten. 1. Beim Jahreswechſel. Mel. Es ist das Heil uns kommen zc. 3. Herr, währet deine 596. Du, Gott, du bist der Treu, mit Huld uns zu begegHerr der Zeit und auch der nen; und jeden Morgen wird Ewigkeiten! Laß mich auch sie neu, mit Wohlthun uns zu est mit Freudigkeit dein hohes segnen. Ich kenne keinen Auob verbreiten. Ein Jahr ist genblick, in dem von ihr nicht abermal dahin. Wem dank neues Glück mir zugeflossen ich's, Gott, daß ich noch bin? wäre. Nur deiner Gnad und Güte. 4. Du haft auch im verfloss2. Dich, Ewiger, dich bet ich nen Jahr mich väterlich geleian unwandelbares Wesen; dich, tet; und wenn mein Herz voll den fein Wechsel treffen tann. Sorgen war, mir Hülf und Wir werden, sind gewesen, wir Trost bereitet. Von ganzer blühen und vergehn durch dich; nur du bist unveränderlich; du warst und bist und bleibest. 422 In besondern Zeiten. Seele preis ich dich. Auf's junsern Ort in Friede noch neue übergeb ich mich, Gott, regieret. Du haft gesegnet jedeiner weisen Führung. den Stand, uns bei den Werfen unsrer Hand versorgt und wohl geführet. 5. Vergieb mir die bereute Schuld von den verfloßnen Tagen, und laß mich deine Vaterhuld in Christo ferner tragen. Laß mich in deiner Gnade ruhn, und lehre Lebenslang mich thun nach deinem Wohlgefallen! 2. Du hast viel Noth und Herzeleid von uns ganz abgewendet; in andern noch zu rechter Zeit Rath, Hülf und Troft gesendet; hast uns mit deiner 6. Gieb neue Lust und neue Baterhuld durch deine Langmuth Kraft vor dir gerecht zu wan- und Geduld zu dir mehr wollen deln. Laß mich, Herr, stets ge- ziehen, daß wir dich liebten wissenhaft mit mir und andern und mit Fleiß verrichten möchhandeln. Dein Geist belebe ten dein Geheiß, die Sünde Herz und Muth, dich, o du ernstlich fliehen. allerhöchstes Gut, und nicht die Welt zu lieben. 3. Doch ist bei uns, wenn wir es bloß uns frei bekennen 7. Die Welt vergeht; dies wollen, in alle dem der Manlehre mich, die Lust der Welt gel groß, was wir verrichten zu fliehen. Um beffre Freuden sollen. Wir haben, Vater, unmüsse sich mein Geist mit Ernst ser Gott, gesündigt wider dein bemühen. Der Ewigkeit bin ich Gebot, sind dir abtrünnig worverwandt, im Himmel ist mein den; den Nächsten haben wir Vaterland; dahin, Herr, laß betrübt, nicht also wie uns mich trachten. ſelbst geliebt, in keinem Stand und Orden. 8. Olehre selbst mich meine Zeit recht weislich auszukaufen. 4. Verschon, o Vater, uns, Laß mich die Bahn der Ewig- verschon; straf nicht, wie wir's keit mit heilger Vorsicht laufen. verschuldet; gedenke, was für Der Tage Last erleichtre mir, uns dein Sohn, der Mittler, bis meine Ruhe einst bei dir hat erduldet; um seinetwillen kein Wechsel weiter störet. uns verzeih; gieb deines Geistes Kraft dabei, uns täglich zu erneuen; des Nächsten Nuß 597. O und deine Ehr zu suchen und großer Gott, wir uns dessen mehr, als aller danken dir. Dein Name sei Schäße freuen. Mel. OKönig, dessen majestät zc. gepriesen, daß du uns so viel 5. In deiner Kirche weit und Wohlthat hier im vorgen Jahr breit gieb fort die reine Lehre, erwiesen. Gegeben hast du uns daß Wahrheit, Lieb und Einigdein Wort; die Obrigkeit hat keit, auch Gottesfurcht fich Beim Jahreswechsel. 423 mehre. Der Obrigkeit gieb Fried| ner Sünd! Hilf, daß sie mir und Ruh, gut Regiment, auch nicht mehr schade; gieb, daß ich kraft dazu, zu schützen Reich Verzeihung find! Auch durch und Arme. All derer, die in Kreuz deine Gnad verleih, daß ich und Noth gerathen, oder die der herzlich sie bereu. Sünde wird Tod erwartet, dich erbarme! durch dich vergeben Allen, die 6. Das Jahr laß uns ge- nach Beßrung streben. jegnet sein vom Anfang bis zu 3. Tröste mich mit deiner Ende; wenn wir ausgehen oder Liebe und erfreue meinen Sinn, ein, das Uebel von uns wende. wenn ich göttlich mich betrübe Laß Alles, was wir fangen an, und voll Schmerz und Reue gesegnet sein und wohlgethan, bin. Nimm zu Gottes Kind wenn wir den Fleiß nicht spa- mich an; und was du für ten. Gieb, daß wir, wenn es uns gethan, laß, wenn Sünd dir gefällt, uns abzufordern und Tod mich schrecken, mich bon der Welt, in Frieden zu zur Zuversicht erwecken. dir fahren. 4. Herr, du wollest Gnade 7. Gott Vater auf dem höch- geben, daß dies Jahr mir heien Thron, erhöre unser Flehen; lig sei, daß ich christlich möge durch unsern Mittler, deinen leben, ohne Falsch und HeucheSohn, laß alles dies geschehen! lei; daß ich auch den Nächsten hilf uns, o Heiland Jesu Christ, lieb und denselben nie betrüb; der du für uns gestorben bist, daß ich schon allhier auf Erden daß wir Gott stets gefallen; fromm und selig möge werden. durch deine Kraft, o heilger Geist, zur Frömmigkeit uns Beistand leist, und schenke Trost uns allen. 5. Jesu, segne bis an's Ende dieses angefangne Jahr: schütze uns durch deine Hände, bleibe bei uns in in Gefahr. Steh mir bei in aller Noth, verlaß mich nicht im Tod. Freudig laß mich dich umfassen, auch Rel. Werde munter, mein Gemüthe zc. 598. Hilf, Hert Jeſu, laß wed ich pour die Welt ver lassen. gelingen, hilf, das neue Jahr geht an; laß mir's neue Kräfte bringen, daß auf's neu ich wandeln fann; deiner Güte laß, was Mel. Nun laßt uns Gott, dem 2c. mein, und auch mich empfohlen 599. Nun laßt uns freudig sein; neues Heil und neues treten vor Gott, ihn anzubeten; Leben wollst du uns aus Gna- er ist's, der unserm Leben bis hieher Kraft gegeben. 2. Wir Erdenpilger wandern den geben. 2. Laß dies sein ein Jahr der Gnade zur Vergebung mei- von einem Jahr zum andern, 424 In besondern Zeiten. und gehn auf unsern Wegen| Unversorgten Gabe, der Armen dem Grabe schnell entgegen. Gut und Habe. 3. Und diese schnellen Tage 13. Hilf gnädig allen Kranfind nie ganz frei von Plage. ten; gieb fröhliche Gedanken | Jedoch bei Noth und Schrecken den tiefgebeugten Seelen, die kann Gott und will bedecken. sich mit Schwermuth quälen. 14. Und endlich, was das ter in Sturm und Ungewitter, Meiste, füll uns mit deinem in Nöthen und Gefahren die Geiste, der uns hier stets regiere Kinder treu bewahren: und einst zum Himmel führe. 15. Das Alles wollst du ge4. Wie Väter und wie Müt5. So will auch Gott nicht minder uns, seine schwachen ben, du Herr von unserm Leben; Kinder, wenn Trübsals Wetter so werden wir im Segen dies bligen, mit seiner Hand be- Jahr zurücke legen. schützen. 6. Beschüßer unsers Lebens, Mel. Es ist das Heil uns kommen 2. ohnmächtig und vergebens wär 600. Herr, der da iſt und wo du nicht würdest wachen. der da war! Von danterfüllten 7. Gelobt sei deine Treue, die 3ungen sei dir für das veralle Morgen neue! Lob sei den Floßne Jahr ein heilig Lied gestarken Händen, die allen Jam- sungen; für Leben, Wohlfahrt, Trost und Rath, für Ruh und jede gute That, die uns durch dich gelungen. mer wenden. 8. Laß ferner dich erbitten, o Bater, und bleib mitten in allem Kreuz und Leiden die Quelle unsrer Freuden. 2. Laß auch dies Jahr gesegnet sein, das du uns neu gegeben. Verleih uns Kraft, du 9. Gieb, daß bei allen denen, fannst's allein, in deiner Furcht die sich nach Hülfe sehnen, der zu leben. Du schüßzest uns und Glaube sich vermehre, der durch du vermehrst der Menschen Geduld dich ehre. Glück, wenn sie zuerst nach deinem Reiche streben. 10. Schleuß zu die Jammerpforten, und laß an allen Orten, wo irgend Thränen fließen, sich deinen Trost ergießen. 3. Gieb mir, wofern es dir gefällt, des Lebens Ruh und Freuden. Doch schadet mir das 11. Sprich deinen milden Glück der Welt, so gieb mir Segen zu allen unsern Wegen; Kreuz und Leiden. Nur stärke laß Großen und auch Kleinen mit Geduld mein Herz, und die Gnadensonne scheinen. laß mich nicht in Noth und 12. Sei der Verlaßnen Va- Schmerz die Glücklichern beter, der Irrenden Berather, der neiden. Beim Jahreswechsel. 425 4. Hilf deinem Volke väter-, helfen wird durch Rath und lich in diesem Jahre wieder. ErThat. barme der Verlaßnen dich und 4. Ach willst du auf die der bedrängten Glieder. Gieb Sünden sehen, die ich im alten Glück zu jeder guten That, und Jahr vollbracht, so kann mir laß dich, Gott, mit Heil und anders nichts geschehen, als Rath auf unsern Fürsten nieder. was mir Angst und Schrecken 5. Laß Weisheit und Ge- macht. Doch, Herr, gedenk nicht rechtigkeit auf seinem Stuhle meiner Schuld; schenk mir in thronen! Laß Tugend und Zufriedenheit in unserm Lande wohnen! Laß Treu und Liebe bei uns sein! Dies, Vater, wollst du uns verleihn in Chrifto, deinem Sohne. Christo Gnad und Huld! 5. In Christo laß mich deinen Segen auch in dem neuen Jahre sehn und es gefund zurücke legen; jedoch dein Wille mag geschehn, denn was der= selbe schickt und fügt, mit demt bin ich auch wohl vergnügt. 6. Ich überlasse dir mein Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. Leben und dessen Länge, Freud Doch willst du mir und Noth. so mehr Jahre geben, so gieb, daß 601. Gottlob, geht mit gutem Glücke, und besser als ich selbst gedacht, der Rest des alten Jahrs zurücke. Gott, der fets für mein Heil gewacht, hat auch durch seine starke Hand manch Unglück von mir abgeGlauben, Lieb und Hoffnung ich dir bis zum Tod durch treu, und auch dem Nächsten nützlich sei. wandt. lestes Ende, jo trete solches 7. Bringt ja dies Jahr mein selig ein. Ich gebe mich in deine Hände, so bleib ich todt und lebend dein. Es sei mein 2. Ich trete nun durch seine Güte ein neues Jahr mit Freuden an; ach daß mein Mund Wahlspruch für und für: Herr, und mein Gemüthe ihn nicht wie du willt, so schick's mit nach Würden preisen kann! Gott mir. thut ja mehr, als ich begehrt, ich bin nicht des Geringsten werth. mel. Dir, dir, Jehovah, will ich zc. 3. Das Gute, Herr, kann ich nicht zählen, was mir von dir 602. Herr, den die Sonnen erwiesen ist; doch preis ich dich und die Erden durch ihren Bau, on Grund der Seelen, daß du voll schöner Pracht, erhöhn; mein Gott und Vater bist, der durch dessen Machtwort Welten hilft und der geholfen hat und werden, auf dessen Wink sie 426 In besondern Zeiten. wieder untergehn! Dein Thron, migkeit. Ihr Pflanzen und Beo Gott, bleibt ewig, ewig stehn; gießen laß gedeihn, daß wir du bleibst derselbe stets, doch uns ganz der wahren Tugend wir vergehn. weihn! 2. Schon wieder ist von un- 7. Gieb, Gott, daß Weisheit, serm Leben, von unsrer kurzen Fleiß und Tugend stets mehr Vorbereitungszeit, die deine in allen unsern Schulen blüh, Güte uns gegeben, ein Jahr daß man die hoffnungsvolle im Abgrund der Vergänglich- Jugend zum Heil des Lands teit. In ihm erzählte jeder und dir zum Preis erzieh. Breit Tag der Nacht die Wunder allenthalben Ruh und Wohl deiner Weisheit, Güt und Macht. fahrt aus, und Dant erfüll 3. Dir, Gott, geloben wir zu dienen; dann macht uns deine Gnade ferner satt und läßt uns wie ein Garten grünen, den deine Hand sich selbst gepflanzet hat! Dem frommen Bunde bleib nur Jeder treu, und Herz und Wandel stimm dem Munde bei! das Land und jedes Haus! 8. Ach, Keinen laß sein Heil verscherzen; Herr, durch dein Wort mach selbst die Thoren flug! Gieb Trost und Kraft bedrängten Herzen, und unsern Armen Unterhalt genug. Erhör uns, der du deine Menschen liebst, und gern uns Guts um Christi willen giebst! 4. Gott, schau herab mit holden Blicken auf unsern König und auf seinen Thron! Lehr du ihn selbst das Land beglücken, und sei sein Schuß, sein Beistand und sein Lohn. Fern sei das Ziel, nachdem er wallen soll, und jeder seiner Tage segensvoll. 5. Tritt den Gewaltigen zur 603. Kyrie eleison! Ewiger, Seite, die um den Thron des erbarm dich! Gnädiger, erbarm Landesvaters stehn, daß ihren dich! Herr, Herr, erhöre uns! Anschlag Glück begleite, der Un- Herr Gott Vater in dem Him terthanen Wohlfahrt zu erhöhn. mel, Herr Gott Sohn, der Welt Laß jede Obrigkeit mit Sorg- Heiland, Herr Gott heiliger falt schaun auf Alles, was das Geist, Wohl des Staats fann baun. erbarme dich über uns! 6. Schenk echten Eifer unsern Sei uns gnädig, verschon Lehrern, zu predigen dein Wort uns, Herr, Herr, unser Gott. mit Lauterkeit. Mach sie zu Sei uns gnädig, hilf uns, Hert, redlichen Verehrern der Sanft- Herr, unser Gott! Vor allen und Demuth, Lieb und Fröm- Sünden, vor allem Irrthum, 2. Bei feierlicher Demüthi gung vor Gott an Buß- und Bettagen. Litanei. An Bußtagen. 427 vor allem Uebel, vor des Teu-| in Noth und Gefahr find, mit fels Macht und List, vor bösem Hülf erscheinen, alle Schwanschnellem Tod, vor Theurung gere glücklich entbinden, und und bösen Seuchen, vor Krieg zur Erziehung der Jugend Seund Blutvergießen, vor Aufruhr gen und Gedeihen geben; aller und 3wietracht, vor Hagel und Schwachen und Kranken dich Ingewitter, vor Feuer und gnädig annehmen; alle UnterWassersnoth, vor dem ewigen drückte retten und befreien; alle Witwen und Waisen be= behüt uns, herr, Herr, unser schirmen und versorgen; aller Tod Gott! Durch deine heilige Geburt, durch deine Leiden, Angst und Schweiß, durch deinen KreuzesMenschen dich erbarmen; unsern Feinden, Verfolgern und Lästerern vergeben und sie bekehren; die Früchte auf dem Lande getod, durch deine Auferstehung ben und bewahren, und uns und Himmelfahrt, in unsrer letz- gnädiglich erhören! ten Noth, am jüngsten Gericht, hilf uns, Jesn, Herr und Gott! Erhör uns, Herr, Herr, unser Gott! Jesu Christe, Gottes Sohn, erbarm dich über uns! du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, erbarme dich über uns! O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, eralle barm dich über uns! du Wir armen Sünder bitten: du wollest uns erhören, Herr, Herr, unser Gott, und die Kirche Jesu Christi beschüßen und vermehren; alle ihre Diener und Glieder im rechten Glauben und heilgen Leben erhalten; wietracht und Aergerniß ab- Lamm Gottes, das der Welt tehren; alle Irrige und Ver- Sünde trägt, gieb uns deinen ührte wieder zurecht bringen; Frieden! Herr, Herr, erhöre uns, die Zahl der Frommen täglich Ewiger, erbarm dich, Herr, mehren; treue Arbeiter in deine Herr, erbarm dich, Ewiger, erErnte senden; deinen Geist und barm dich unsrer! Amen. Kraft zum Worte geben; allen| Betrübten und Blöden helfen und fie trösten; allen Königen mel. und Fürsten Frieden, Ruh und Ewigkeit, du Donnerwort zc. Eintracht geben; unserm König/ 604. Du Gott, der unsre feten Sieg wider deine Feinde Zuflucht ist, Gott, unser Mittgönnen: ihn, den Landesherrn, ler, Jesu Christ, Gott, heilger mit allen seinen Dienern leiten Geist der Gnaden! Unendlicher, und schützen; unsre Obern, un verwirf uns nicht; wir kommen en Rath, Schul und Gemeine vor dein Angesicht, mit Sünjegnen und behüten; allen, die denschuld beladen. Verbirg uns 428 In besondern Zeiten. nicht dein Angesicht und geh| Segen! Uns leite, Gott, dein mit uns nicht in's Gericht! guter Geist, und was dein Wort 2. Wir haben unsern Bund verspricht und heißt, sei Licht entweiht, gebrochen unsern theu- auf unsern Wegen; und bringe ren Eid und deinen Weg ver- zu der Wahrheit Glück, die auf lassen. Doch sieh, wir kehren dem Irrweg sind, zurück. voller Reu zurück zu dir; o laß auf's neu uns deine Rechte fassen! Verzeih durch Jesum alle Schuld und schenk uns deine Vaterhuld! 7. Auch die Regenten lente du, daß sie durch Weisheit, Tugend, Ruh der Länder Wohlstand heben. Dem König, der uns schützt und liebt, gieb, der 3. In deiner Hand ist unser in ihm so viel uns giebt, das Land; beglück es, segne jeden beste, längste Leben. O schütt Stand, laß es stets Ruh ge- auf ihn und auf sein Haus nießen. Wend ab von uns durch und seine Räthe Segnung aus! deine Hut der Flammen Grimm, 8. Vernimm der Leidenden den Zorn der Fluth, des Krieges Gebet! Wer in Gefahr und Blutvergießen! Sei rettend mit Noth dir fleht, dem hilf aus uns, wenn die Noth des Man- seinen Nöthen! Gieb Kranken gels und der Seuchen droht. Linderung und Ruh; die Sterder Waisen Theil! 4. Sohn Gottes, der auf benden erlöse du; erhör ihr Erden kam und unsre Schwach- letztes Beten! Sei aller Unter heit auf sich nahm, um uns drückten Heil, der Witwen und Gott zu verföhnen; der durch den Tod in's Leben drang, sich dann zur RechtenGottes schwang, wo Ehr und Preis dich frönen: vertritt uns und verlaß uns nicht im Tod, im Grab, im Weltgericht! 9. Du thuft weit mehr, als wir verstehn, fannst mehr ge währen, als wir flehn; laß uns Erhörung finden! Laß uns nun ganz dein eigen sein, im Leben und im Tode dein, und mach 5. Gieb Geist und Kraft zu uns rein von Sünden. Herr, deinem Wort, und gieb, daß es unser Gott, erbarme dich; veran jedem Ort mög ausgebreitet gieb uns, leit uns väterlich! werden. Verbinde deine Christenheit durch's Band der Glaubens- Einigkeit je mehr und mehr auf Erden. Erhalte deiner Mel. So wahr ich lebe, spricht 2. 605. Gott Bater, denk an Frommen Schar, schüß sie vor Irrthum und Gefahr. Christi Tod, an seinen theuren 6. Laß in der Lehr und Wan- Mittlertod; durch ihn, der sich del rein die Diener deines Wor- zum Heil der Welt, zum Mentes sein; schenk ihrem Vortrag schenretter dargestellt, hilf uns An Buğtagen. 429 und zeig uns jederzeit ein Ant-| des Rechts empfangen. Fahre liz voll Barmherzigkeit! fort, unser Hort, Langmuth auszuüben und die Welt zu lieben. 2. Die Obern leit mit deiner hand, beschütz und segne unser Land, Gedeihen gieb zu deinem Bort, wend ab Pest, Theurung, krieg und Mord; auch allen, die in Angst und Pein, wollst du ein naher Helfer sein. 5. Durch den Mittler, welcher starb, uns dir zu versöhnen, durch den, der uns Heil erwarb, ruf nach unserm Sehnen, Va= ter du, uns auch zu: Alles ist 3. O du, der stets so gnädig| vergeben; Sünder, ihr sollt war, erhör uns und sieh imnerdar mit Huld auf uns von deinem Thron durch Jesum Christum, deinen Sohn, bis dich, Gott Bater, Sohn und Geist, dort unser Loblied ewig preist. leben! 6. Unverstellt geloben wir, dich, Herr, stets zu lieben. Auch den nächsten wollen wir nun nicht mehr betrüben. Unser Gott bist du, Gott; lehr uns deinen Willen täglich mehr erfüllen. wir, Herr, uns selbst überwin7. Hilf uns kämpfen, daß den. Mach uns täglich heiliger, zc. el. Straf mich nicht in deinem 2. 606. Heilger Gott, hier steen wir, ach, beschwert mit Sün- frei von allen Sünden. den; Bater, laß uns doch vor dein laß uns sein, und uns, dir Gnade wieder finden. In's dich zu lieben, ewig, ewig üben. Bericht führ uns nicht! Laß uns Ewig nicht verderben, ach nicht ewig Am Gedächtnistage einer erlitteterben. nen Feuersbrunft. Mel. Wenn wir in höchsten 2c. 2. Rein, von feiner Sünd entweiht, ist von uns nicht Einer. Inbefleckter Reinigkeit kann sich 607. Ach Gott, wir denken tühmen Reiner. Es ist hier, Gott, heut daran, was du an dieſem or dir teine Menschen- Seele, Ort gethan, da er durch Feuer die nicht oftmals fehle. ward erschreckt und zur Bekeh3. Denen doch, die ihre rung aufgeweckt. Schuld wehmuthsvoll bereuen, 2. Vor deinem heilgen Anſehnend suchen deine Huld, gesicht erkennen wir, daß dies willst du gern verzeihen. Unser Gericht wir längſt, mit SünSchmerz rührt dein Herz, und den ohne Zahl, verdient hätten du willft der Armen gnädig dich| abermal. erbarmen. 3. Doch du strafft nicht nach unsrer Schuld. Mit großer feit 4. Wer mit wahrer Lauterit zu dir, Herr, gegangen, hat Langmuth und Geduld vernoch stets Barmherzigkeit statt, schonst du uns in deinem Sohn 430 In besondern Zeiten. mit dem verdienten Sünden| mer bewahrst du uns vor Kumlohn! mer. 4. Wir danken dir's, Herr Jesu Christ, der du auch unser Mittler bist, daß du die Noth von uns gekehrt, die ehmals unsern Ort verheert. 4. Mit göttlichem Erbarmen bedecktest du mich Armen. Schlaf, sprachst du, ohne Grauen; die Sonne sollst du schauen. 5. Dein Wort, Herr, ist ge 5. Trag uns erbarmend fer- schehen; ich kann das Licht noch nerhin. Doch gieb uns auch sehen. Du machst, daß ich auf's dabei den Sinn, daß wir mit neue mich meines Lebens freue. Ernst die Sünde scheun und willig dir gehorsam sein. 6. Du willst ein Opfer ha ben; hier bring ich meine Gaben; der Leib, die Seel, das Leben sei dir ganz übergeben. 6. Ja, Vater, reich an Gnad und Treu, mach du selbst unsre Herzen neu, und laß in steter Furcht und Lieb uns folgen deines Geistes Trieb. 7. Hör meinen Dant, mein Flehen! Du kannst in's Herz mir sehen, und weißt, daß ich zur Gabe für dich nichts Beffres 7. Behüte unsern Ort und Land vor bösen Seuchen und habe. vor Brand; auch Krieg und 8. Dein Wert wollst du vollTheurung von uns kehr; ein enden; dich nimmer von mir selig Ende uns bescher. wenden, und mich in meinen 8. Und wenn des letzten Tagen stets mit Verschonen Feuers Glut verzehret alles Er- tragen. dengut; dann laß uns reich sein, Herr, in dir und mit dir leben für und für. 9. Du selber wollst mir rathen in allen meinen Thaten; zu jeglichem Geschäfte gieb Muth, Berstand und Kräfte. 3. Des Morgens. 10. Auf allen meinen Wegen begleite mich dein Segen. Dein 608. Wach auf, mein Herz ner Lebensreise. Wort sei meine Speise auf meiund finge dem Schöpfer aller Dinge, dem Geber aller Güter, 609. Aus meines Herzens der Menschen treuem Hüter. 2. Als nächtliche Gefahren Grunde sag ich dir Lob und verborgen um mich waren, als Dant in dieser Morgenstunde, ich nicht sah, nicht dachte, warst ja all mein Lebelang. Gott, du's, der für mich wachte. vor deinen Thron komm ich, 3. Ja, Vater, jei gepriesen! dich zu verehren; du wirst mein Ich konnte fröhlich schließen Flehn erhören durch Christum, mein Auge. Auch im Schlum- deinen Sohn. Des Morgens. 431 2. Dir, der du mich aus| Flehen gnädig an. Was mir Gnaden in der vergangnen Nacht befiehlt mein Stand, verricht vor Schrecken, Angst und Scha- ich nun mit Freuden; dein Seden so väterlich bewacht, dank gen wird begleiten die Werke ich, und bitte dich: du wollest meiner Hand. mir vergeben, womit ich je im Leben gesündigt wider dich. 3. Du wollest auch behüten Mel. Herzliebster Jesu, was haft zc. mich gnädigst diesen Tag vor 610. Sn In dieser Morgenaller Feinde Wüthen, vor Sün- stunde will ich loben dich, Gott! den und vor Schmach, vor Feur für deiner Huld und Liebe Pround Wassersnoth, vor Darben ben will ich auch heute dankbar und vor Schanden, vor schwe- mich beweisen und froh dich ren Kreuzesbanden, vor bösem, ihnellem Tod. 4. Den Leib, die Seel, das Leben, mein Ehr und Gut bewahr. Ich will dir übergeben jegund und immerdar, als dein Geschenk und Gab, die Obern und Verwandte, die Freunde und Bekannte und alles, was ich hab. preisen. 2. Du hast an's Licht auch mich, Herr, lassen kommen, in dein Reich durch die Taufe auf= genommen, und läsfest mich Vergebung meiner Sünden durch Jesum finden. 3. Du hast mir deinen guten Geist gegeben, der mich hier lehret, fromm und gut zu leben, damit ich kann mit kindlichem Vertrauen zu dir aufschauen. 5. Laß deinen Geist stets bleiben und wirksam sein in mir, mich stärken und mich treiben, daß ich, so lang ich hier nach deinem Rath noch wall, mein Christenthum treu übe, daß ich aus deiner Liebe durch Laster nimmer fall. 4. Du hast mich allzeit väterlich ernähret, was ich bedurft, mir immer noch bescheret; oft, wenn auch eine Noth mich hat berühret, herausgeführet. 6. Gott, Leite mich aus Gna5. Daß du stets wachst, die den auf meinem Pilgerpfad im Deinen zu bewahren, hab ich Denken, Wort und Thaten nach auch noch in dieser Nacht erdeinem weisen Rath; dir hab fahren; vor allem Unfall hast heimgestellt den Leib, den du mich bedecket, und froh er= Geift, das Leben, und was du wecket. 6. O Herr, mit meinem Munde und Gemüthe erzähl mir gegeben; mach's, wie es bir gefällt. 7. Im Glauben sprech ich und rühm ich deine große Güte, Amen, und zweifle nicht daran, die ich empfangen hab an allen du nimmst in Jesu Namen mein Enden aus deinen Händen. In besondern Zeiten. 7. Ich bitt, du wollest über laß Alles, was ich jetzt von dir mich fort walten, und mich auch begehret, mir sein gewähret. heute diesen Tag erhalten, da432 mit der, nem Heile, mich nicht ereile.611. Gott des Himmels und 8. Erhalte mir das beste der Erden, Vater, Sohn und Glück des Christen, ein reines heilger Geist; der den Tag und Herz, das, von den bösen Lüften Nacht läßt werden, Mond und und ihrer Herrschaft frei, nur Sonne scheinen heißt, dessen deinen Willen wünscht zu er- starke Hand die Welt, und was füllen. in ihr ist, erhält; 9. Herr, laß in deinen Schutz 2. Gott, ich danke dir von sein eingeschlossen den Leib, die Herzen, daß du mich in dieser Seele, Freunde, Hausgenossen, Nacht, vor Gefahr, Angst, Noth und was ich sonst durch deine und Schmerzen treu behütet milde Gabe auf Erden habe. und bewacht, und bei aller mei10. Die Obrigkeit beglück in ner Schuld mich noch trägst ihrem Stande; gieb Frieden mit Vaterhuld. und Gedeihn im ganzen Lande; Sünden jetzt mit dieſer Nacht 3. Laß in mir die Lust zu behüt uns allerseits, o Herr, aus Gnaden vor Schand und mich finden deine Wunden offen Jesu, laß Schaden. 11. Du wollest auch an die stehn! da alleine Hülf und Rath sem Tag mich stärken in mei- ist für meine Missethat. nes Standes und Berufes Wer= ten. Ja, jegne fie; laß mich in ihnen allen dir wohlgefallen. 4. Hilf, daß ich mit diesem Morgen geistlich auferſtehen mag, und für meine Seele sorgen, Lag uns erscheint und dein Ge daß, wenn nun dein großer richt, ich davor erschrecke nicht. 5. Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinent Wort; sei und bleibe du auch 13. So bin ich dann an heute mein Beschüßer und mein Leib und Seel genesen und Hort; nirgends, als bei dir nicht vergebens in der Welt allein, fann ich recht bewahret gewesen; ich bin in Ruh; die fein. Kampfs- und Prüfungsstunden sind dann verschwunden. 12. Zulett verleih, wenn ich aus diesem Leiden, es sei heut oder morgen, werde scheiden, daß ich auf Christi Tod mag selig sterben, den Himmel erben. 6. Meinen Leib und meine Seele jammt den Sinnen und 14. Erhör mich, Vater, den Verstand, großer Gott, ich dir ich mit dem Sohne und heilgen befehle unter deine starke Hand. Geist verehr auf einem Throne; Herr, mein Schild, mein Ehr Des Morgens. 433 und Ruhm, nimm mich auf, Bürde erleichtert und auf steilem dein Eigenthum. Pfad mich kräftig unterstüzet hat. 4. Weil ich denn deß verList und Anschläg von mir wende, sichert bin, so geh ich auch mit und mich halt in guter Acht;| frohem Sinn dem neuen Tag der auch endlich mich zur Ruh entgegen. Bringt er auch neue bringe nach dem Himmel zu. Last mit sich, du, Herr der Welt, begleitest mich mit deiner Kraft und Segen. Ich tret den Lauf mit Freuden an und scheue nicht die steile Bahn. 8. Höre, Gott, was ich begehre, Vater, Sohn und heilger Geist; meine Bitte mir gewähre, der du selbst mich bitten heißt: so will ich dich hier und dort herzlich preisen fort und fort. 7. Deinen Engel zu mir sende, der des bösen Feindes Macht, 5. Ich bin getrost und habe Muth; was könnte unter Gottes Hut mir Widriges geschehen! Doch daß ich deß versichert sei, muß ich von Sünden leben frei und Die bas thun, trennet nichts von Gott, nicht Freud und Glück, noch Leid und Tod. Mel, O Ewigkeit, du Donnerwort 2c. 612. Nun tret ich wieder aus der Ruh und gehe dem Geschäfte zu, das mir ist auf exleget. Ich weiß nicht, was 6. Darum, mein Gott, leit an diesem Tag mir Alles noch meinen Fuß; lehr du mich, wie begegnen mag; doch weiß ich: ich wandeln muß, und läutre Gott selbst wäget mein Schick- mich von Sünden; wenn deine ſal ab; und recht und gut ist Hand mich stärkt und hält, Alles, was er schickt und thut. werd ich die Lust und Last der 2. Ist meine Bürde täglich Welt auch heute überwinden. neu, so will mich auch mein Entgegen geh ich so dem Tag, Gott auf's neu recht väterlich und fürchte nicht, was kommen versorgen. Obgleich mein Herz mag. noch nicht vernimmt, was mir 7. Ich weiß, du haft, Allgüfür diesen Tag bestimmt; ob tiger, mit Vaterhuld und nicht denn auch jeder Morgen mich zu schwer die Last mir zuge= führt zu neuer Laft und Müh; wogen. Zur schwersten Pflicht Gott stärkt mich und versüßet sie. in meinem Stand stärkst du 3. Wie oft, wenn ich bei mir mich mit der Baterhand, die gedacht: ach wär der saure Tag du mir nie entzogen; mit der vollbracht, getragen seine Bürde; du mich von Jugend auf gehat mich der Abend überführt, leitet haft in meinem Lauf. daß du mich, Höchster, wohl 8. Dir übergeb ich, was nur geführt, daß deine Hand die mein; laß es in deine Arme Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. 28 434 In besondern Zeiten. sein auch heute eingeschlossen; bis zum Tod mir und den Meiach stärke mich, daß ich dir nen nütt. treu in diesem Pilgerleben sei, 8. Hilf mir, daß ich aus fround wenn es nun verflossen, hem Dank dir Leib und Seele dann führe mich ein fanfter weih; nach Jesu Beispiel leTod in's rechte Leben zu dir, benslang im Wohlthun eifrig Gott! ſei. Mel. Nun sich der Tag geendet 2c. 613. Jhr alle, die ihr jetzt erwacht, erhebt den Herrn erfreut; ihn, dessen Güte Tag und Nacht sich über uns erneut. 2. Ihm, dessen Arm die Welt umfaßt, mein Geist, Lobfing auch du! Ihm, der mich führt nach sanfter Raft dem neuen Tage zu. 3. Noch hab ich des Verstandes Licht, kann hören noch und sehn; gelähmt ist Hand und Zunge nicht; ich kann noch stehn und gehn. Mel. Ich dank dir schon z. 4. Du, Schöpfer, der mir 614. Mein erst Gefühl sei Alles gab, Kraft, Sinne und Preis und Dant! Erhebe Gott, Verstand, du hast's erhalten, o Seele; der Herr hört deinen was ich hab, durch deiner All- Lobgefang; lobsing ihm, meine macht Hand. Seele! 9. Gedente, Herr, auch heut an mich, an diesem ganzen Tag und wende von mir gnädiglich Noth, Jammer, Angst und Plag. Nacht. 6. In deinem Schuße schlief 5. Ja, fie war's, deine Va- 2. Wer wacht, wenn ich von terhand, die mich an's Licht ge- mir nichts weiß, mein Leben zu bracht, die allen Schaden ab- bewahren? Wer stärkt mein gewandt in der verfloßnen Blut in seinem Fleiß? Wer schützt mich in Gefahren? 3. Wer lehrt dem Auge seine 10. Laß mich mit Vorjah feine Sünd an diesem Tag begehn; wie stark auch ihre Reize find, ihr dennoch widerstehn. 11. 3ieh immer mehr mein Herz hier ab von aller Eitelfeit durch die Gedanken an mein Grab, an Tod und Ewigfeit. nicht mit Macht und List mir schädlich sein, die sie auf mich gericht. ich ein; und Feinde konnten Pflicht, das sich im Schlaf bedecket? Wer ist es, der beint Morgenlicht die Schlafenden er wecket? 7. Vor Rauben und vor Feuersnoth hast du mich, Herr, Gott der Welt, und dein ist 4. Du bist es, Herr und beſchüßt; gieb ferner mun, was unser Leben! Du bist es, der sidordans nEL Des Morgens. 435 es uns erhält und mir's jetzt uns im Schlaf erquicket und neu gegeben! unsre Kraft erneut, Gott, der die Erde schmücket und was er schuf, erfreut. 5. Gelobet seist du, Gott der Macht, gelobt sei deine Treue, daß ich nach einer sanften Nacht mich dieses Tags erfreue. 6. Laß mir ruhn, mich deine Wege wallen; und lehre du mich selber thun nach deinem Wohlgefallen. 2. Der Engel heilge Heere erhöhn ihn mit Gesang; auf, deinen Segen auf singt in ihre Chöre, in ihrer Jubel Klang! Wer wollte Gott nicht lieben, wer ihm sein Herz nicht weihn; sich nicht in Tugend üben, um ihm recht werth zu sein. 197 7. Nimm meines Lebens gnädig wahr; auf dich hofft meine Seele. Sei mir ein Sefahr, ein Vater, fehle. 3. Auch mir hast du gegeben, Retter in Herr, was ich hab und bin; wenn ich doch dies mein irdisch Leben flieht schnell zum Tode hin. Bald ist sie ganz verschwunden, die Vorbereitungszeit: doch hängt an ihren Stunden das Heil der Ewigkeit. 8. Gieb mir ein Herz voll Zuversicht, erfüllt mit Lieb und Ruhe, ein weises Herz, das seine Pflicht erkenn und willig thue. 4. O süßer, hoher Glaube: im Tod nicht ganz vergehn! Nein, ich, der Mensch vom Staube, soll wieder auferstehn. Laß mich dies nie vergessen und dieser Hoffnung voll bedachtsam stets ermessen, was ich einst wer9. Daß ich, als ein getreuer Knecht, nach deinem Reiche frebe; gottselig, züchtig und gerecht durch deine Gnade lebe; 10. Daß ich, dem Nächsten beizustehn, nie Fleiß und Arbeit scheue; mich gern an Andrer den soll. Wohlergehn und ihrer Tugend 5. Getroft, mein Geist, erfreue; müde im Tugendeifer nicht, dich 11. Daß ich das Glück der stärket Gottes Friede mit Kraft Lebenszeit in deiner Furcht ge- und Zuversicht. Ermuntre dich nieße und meinen Lauf mit und streite; des Sieges Lohn Freudigkeit, wenn du gebeutst, ist nah. Getrost, vielleicht ist beschließe. heute des Kampfes Ende da. Mel. Herzlich thut mich verlangen 2c. Mel. Wie schön leucht uns der zc. 615. Erhebt ihn, meine Lie- 616. Dich seh ich wieder, der, ihn, der den Tag gemacht! Morgenlicht, und freue mich der Dankt ihm, dem Menschenhüter, edlen Pflicht, dem Höchsten Lob der allzeit für uns wacht; der zu singen. Ich will, entbrannt 28* 436 In besondern Zeiten. von Dankbegier, o mildester Er-| ich werde mich der Erde gern barmer, dir mit frohem Muth entschwingen, dir dort ewig Lob lobsingen. Schöpfer, Vater, zu singen. deine Treue rührt auf's neue mein Gemüthe, froh empfind ich deine Güte. 2. Du warst auch diese Nacht um mich. Was wär ich, hättest Gott, bin ich, erwacht durch deine du dich nicht so hülfreich mir be- Güte. Hier steh ich nun und wiesen? Zu meinem Leben setzest preise dich mit fröhlichem Ge du jegzt einen neuen Tag hin- müthe. Herr, wer ermißt, wie zu; sei hoch dafür gepriesen. gut du bist, wie weit dein WohlDurch dich bin ich, und ich merke fhun reichet, dem keine Güte neue Stärke, dich erhebe meine gleichet! 3unge, weil ich lebe. 2. Erwacht und rege ist die 3. Verleih, o Gott der Lieb Welt, die Todesstille deckte. Wer und Macht, daß Sünd und ist, der die Geschöpfe zählt, die Gram, wie diese Nacht, auf dieser Morgen weckte, die nach ewig von mir fliehe; daß ich der Ruh dem Tage zu, mit die kurze Lebenszeit in christ- Lust und Wohlgefallen von dir licher Zufriedenheit zu nüßen belebet, wallen. mich bemühe. Prüfe, siehe, wie ich's meine; dir ist teine meiner Sorgen, auch die kleinste nicht, verborgen. Mel. Was Gott thut, das ist zc. 617. Grwacht auf's neue, 3. O daß der Menschen keiner wär bis an der Erden Ende, der deine Huld, Allgütiger, nicht dankbar froh empfände, dem nicht die Brust voll frommer Luft zu dir, Quell aller Güte, voll Dank und Liebe glühte! 4. Dem, der noch ungebessert ist, noch fühllos, noch verblendet, verlängre doch die Gnadenfrist, die er bisher verschwendet: er wird vielleicht doch noch erweicht, dir ganz sich zu ergeben; darum laß ihn noch leben. 5, Auch im Geräusch der 5. Den, der sich deiner Gnade Welt soll mich der heilige Ge- freut, stärk, Herr, durch deine dank an dich oft still zu dir er- Güte, damit sein Herz zu keiner heben. Ich walle nur als Pil- Zeit im Tugendfleiß ermüde. ger hier; einst führst du mich Daß überall der Frommen Zahl hinauf zu dir, hinauf in's rechte noch täglich größer werde: dies Leben. Auf dich hoff ich, Herr, Glück gewähr der Erde. 4. Ich bin ein Christ; o Herr, verleih, daß ich des Namens würdig sei, mein Ruhm ist deine Gnade. Denn ach, was bin ich ohne dich? Ein Irrender, erhalte mich, mein Hirt, auf deinem Pfade. Stärk mich, daß ich stets mich übe, deine Liebe zu betrachten, über Alles dich zu achten. Des Morgens. 6. Dem, der bedrängt und kann ich den Trost empfinden, unerquickt, im Stillen seufzt daß du mir gnädig bist. und thränet, der nirgend hier den Trost erblickt, nach dem sein herz sich sehnet, dem schenke du selbst Troft und Ruh; ja, thue wohl an Allen, die auf der Erde wallen. 7. Dir hab ich mich ergeben, ich freue mich in dir; erfreuender als Leben, ist deine Güte mir. 8. Sie führe mich auch heute auf wahrer Tugend Pfad; du, Ewigweiser, leite mich selbst 7. Dem Sterbenden versüße, Gott, den Schmerz der letzten Stunden; bald sei der Kampf] nach deinem Rath. 9. Nur Eins sei mir gewähund mit dem Tod nun all sein ret; das christlich weise Herz, Leid verschwunden. Leicht mach das dich demüthig ehret in mir, Gott, auch meinen Tod, und laß mich mit den Meinen dort froh vor dir erscheinen. Freuden, wie im Schmerz; 437 10. Daß ich am ersten trachte nach dem, was dir gefällt; mehr deinen Beifall achte, als allen Ruhm der Welt. Mel. Christus, der ist mein Leben 2c. 11. Daß ich dir, innig trauend, das Gute standhaft thu, 618. Noch läßt der Herr mich leben; mit fröhlichem Gemüth eil ich, ihn zu erheben, und, früh gen Himmel schauend, dent: Herr, mich siehest du. 12. Bereit, den Lauf zu schlieer hört mein frühes Lied. Ben auf deinen Wink, mein 2. 3u ihm erhebt mich wie- Gott, und schuldlos im Ge= der der Morgensonne Pracht, wissen: so finde mich der Tod. ich falle vor ihm nieder, der sie und mich gemacht. ten, 3. Du, Herrscher aller Wel- Mel. Aus meines Herzens Grunde 2c. nimmſt dich auch meiner 619. Des Morgens erste an; wie soll ich dir vergelten, Stunde will ich, mein Gott, was du an mir gethan? dir weihn. Mein Herz stimmt 4. Soll ich Åltäre bauen, mit dem Munde zu deinem Lobe und opfern, Herr, vor dir? Nein, ein. Ja, laß den ganzen Tag du willst nur Vertrauen und mich so vor dir, Herr, wandeln, Liebe, Gott, von mir. daß ich nicht bloß fromm han= 5. So will ich dir lobsingen, deln, nein, auch Fromm denken mich deiner Güte freun; aus Liebe zu dir ringen, ein Menschenfreund zu sein. mag. 2. Fromm laß mich, doch gesellig; klug, doch von Falsch6. So, Tilger meiner Sün- heit rein; freimüthig, doch ge= den, mein Mittler, Jesu Christ, fällig; und stark zur Tugend 438 In besondern Zeiten. sein; auch standhaft in der ner Tage giebt dies mir Muth Noth; kein Zorn schwäch meine im Tod. Liebe, kein Ernst der Sanft= muth Triebe, kein Scherz die mel. Gott des Himmels und der ic. Furcht vor Gott. 3. Was dein Gebot verleget, 620. Dank sei dir, ich lebe laß nie mit Lust mich schaun; wieder, Vater, und empfinde wenn es die Welt ergößzet, er- mich; mit mir wächen meine weck es mir doch Graun. Schnell Lieder wieder auf und preisen wirkt des Lasters Gift. Nichts, dich, dessen Auge in der Nacht nichts sei mir verhaßter; doch, mich, den Schlafenden, bewacht. daß mein Haß das Laster, nicht 2. Einst schläft so mein Leib meinen Mittnecht trifft. im Grabe nach vollbrachter 4. Des Nächsten Ehre schmä- Pilgerzeit; modert zwar, doch lern, entehrt mein Christenthum. wie ein Same teimt er für die Ein Ruhm aus fremden Feh- Ewigkeit, bis auch jene lange lern ist Schande und kein Ruhm. Nacht der Verwesung ist vollLaß mich das Richten fliehn; bracht. nie schlimm, was gut ist, deuten; und seh ich Andre gleiten, es jedem Aug entziehn. 3. Dann erwacht mein Staub auch wieder, Jesu, neu belebt von dir. Herrlicher sind dann 5. Bei Fleiß und Arbeit die Glieder, Alles ist verklärt schleiche kein Geiz sich in mein an mir. Ganz unsterblich werd Herz, und fremde Noth erweiche ich sein, ewig nicht mehr schlamich leicht zu edlerm Schmerz. fen ein. Kein Glück, das Andern blüht, 4. Wach auch über meine empöre mich zum Neide, und Tage, Jesu, meine Zuversicht, kein Genuß der Freude verzärtle mein Gemüth. daß mich keiner einst verklage, wenn du kommst zum Welt6. Gieb, daß an diesem Tage gericht; daß ich meiner Pflicht sich mir kein Unfall naht, und hier treu und dort unerschrocken trifft mich eine Plage nach dei- ſei. nem weisen Rath: so gieb, daß 5. Reinen Tag zählst du verich alsdann mein Leiden nicht gebens, Gott, durch den ich bin, verschulde, nicht murre, christlich mir zu. Jeder ist ein Theil dulde, froh dir vertrauen tann. des Lebens; jeden, jeden richtest 7. Wie bald ist überwunden du, Lehr mich wachen, daß mir das Leiden dieser Zeit; auf nie ungenügt ein Tag entflieh. wenig bange Stunden folgt 6. Heute leb ich; laß auch Glück in Ewigkeit. Dies stärket heute nicht umsonst mein Leben mich in Noth, daß ich nicht sein. Laß mich nach vollbrachtem ängstlich zage. Am letzten mei- Streite mich auch dieses Tages Des Morgens. freun. Recht zu handeln, gieb Morgenlied eines Kranken. mir heut Stärke, Lust, Gelegen- Mel. Werde munter, mein Gemüthe 2c. 7. Segne mich, Herr, und die 622. Ich auch, find gleich beit. Meinen, stärke unser Freundschaftsband; Traurigen laß Trost erscheinen, Trost, den oft mein Herz empfand. Segen fließ aus deiner Hand jedem Menhen, jedem Stand. matt die Glieder, sehe nach vollbrachter Nacht nun die Morgensonne wieder, welche Alles munter macht; darum fang ich freudig an, so viel ich in Schwachheit kann, diesen Tag mit Beten, Singen und mit Andacht zuzubringen. 439 Mel. Werde munter, mein Gemüthe zc. 621. Wenn ich einst von je2. Daß ich jetzt mich krank und Rath, welcher mir, als befinde, Herr, das ist dein Will nem Schlummer, welcher Tod deinem Kinde, dieses zugeschicket heißt, aufersteh, und, von die- hat; nun, ich nehme es auf ses Lebens Kummer frei, den mich, ja, ich trag es willigchönern Morgen ſeh: o, dann lich; was du pflegeft aufzu= wach ich anders auf; schon am legen, ist nicht ohne Gnad und Ziel ist dann mein Lauf; Sorgen, die mich ängstlich machten, Segen. werd ich dann für Träume achten. 3. Dieser Tag ist angefangen, weil mich deine Gnad erhält. 2. Gieb, daß keiner meiner Laß mich auch das End erlanLage, Geber der Unsterblichkeit, gen, wenn es dir, mein Gott, in Gericht mich einst verflage: gefällt. Lindre mir so Schmerz, sei ganz von mir entweiht. als Noth; ach, mein Vater, auch noch jett bin ich erwacht; Herr und Gott. Jeju, meiner Dant jei deiner Güt und Macht: Seelen Sonne, schenke mir heut laß mich heilig und im Segen Trost und Wonne. diesen Tag zurückelegen. 4. Doch dein Wille soll ge3. Daß ich nicht untröstbar schehen, Herr, dein Wille nur sittre, wenn mein letzter Tag allein. Wie du willst, so soll erscheint; mich nicht Höllenangst mir's gehen, so will ich zufrieerschüttre, wenn mein Freund den sein. Ich will leben, wenn's un um mich weint; o, so dein Will, auch im Tod halt lindre mir die Pein, laß mein ich dir still, ich will mich zum End ihm lehrreich sein, daß Tod und Leben dir hiemit, mein ich ihn zum Himmel weise, Gott, ergeben. und dich, Herrn des Todes, preise. 5. Segne meine Arzeneien, stärke mich je mehr und mehr, 440 In besondern Zeiten. laß dieſelben mir gedeihen, Herr, deine Welt regiereft, wie du zu deines Namens Ehr; hör deine Menschen führest! in Gnaden mein Gebet, wenn ich gläubig vor dich tret, daß ich dich im Glauben fasse und mich fest auf dich verlasse. 4. Dieser Tag ist nun vergangen, und die stille Nagt bricht an. Mit inbrünstigem Verlangen fleh ich dich, mein 6. Vater, auch an diesem Vater, an: jei mir gnädig und Tage bleibe bei mir in der verleih, daß mein Herz verNoth; die Verkürzung meiner sichert sei deiner Huld, die Plage, durch Genesung oder Fromme schützet, wenn dein Tod, Herr, die überlaß ich dir; wie du willst, geschehe mir. Dein bin ich mit Leib und Seele, du bist's, dem ich mich befehle. Zorn auf Sünder bliget. 4. Des Abends. 623. Werde munter, mein 5. Herr, verzeihe mir aus Gnaden alle Schuld und Miſſethat, du, der keinen, der beladen zu dir kam, verworfen hat, nicht den Tod der Sünder willst, sondern den mit Trost erfüllst, der bußfertig und mit Beten wird zu deinem Throne treten. 6. Bin ich von dir abge= Gemüthe, du, mein Geist, er wichen, Herr, da ist mein Herz wach in mir; preise deines Gottes Güte, unvergeßlich sei sie dir; rühme es und denke nach, wie er auch noch diesen Tag mich genährt und unter stüßet, mich erfreuet und beschützet. auf's neu. Stärt mich, den Veränderlichen, daß ich künftig treuer sei; daß mir deine Baterhuld schenkt so manche Sündenschuld, soll mich mehr zum Haß der Sünden, mehr zu deiner Lieb entzünden. 2. Lob und Dank sei dir ge7. Du, o Retter meiner Seele, jungen, Vater der Barmherzig- Stifter meiner Seligkeit, bist es, teit; was ich vornahm, ist ge- dem ich mich empfehle auf die lungen, du hast mich vor her- ganze Pilgerzeit. Blicken soll bem Leid, in Gefahren mancher mein Geist in mir auf zum Art heute väterlich bewahrt, Himmel, auf zu dir; schauen, manche Freuden mir verliehen wenn es um mich trübe, in die und versüßet meine Mühen. Tiefen deiner Liebe. 3. Gott, ich kann nicht ganz 8. Schätzen, über alles schäverstehen, wie viel deine Güte gen will ich deiner Huld Genuß; that, noch das alles übersehen, auf dich mein Vertrauen seßen, was sie abgewendet hat. Dei- wenn ich hier noch leiden muß; ner Wunder sind zu viel. Wer ich, erleuchtet durch dein Licht, ist, der ermessen will, wie du fürchte Todesnächte nicht, und Des Abends. 441 fann mit gelaßnem Herzen Lei- dern ein Theil der müden Welt; den dieser Zeit verschmerzen. ihr aber, meine Sinnen, ihr 9. Froh kann ich die Augen sollt das Lob beginnen deß, der schließen, ohne Kummer schlum- die Welt schuf und erhält. mern ein, wenn ich lauter im 2. Die Sonn ist unterganGewissen, wenn vor dir mein gen und ihres Lichtes Prangen Herz nur rein. Stärke dann den erfreut das Aug jetzt nicht; doch Trost in mir, daß mich, Herr, eine andre Sonne ertheilt mir mein Heil von dir und von je- größre Wonne, denn Jesus ist nes Lebens Freuden auch der mein Lebenslicht. Tod nicht werde scheiden. 3. Wie nach der Sonn Ent10. Laß mich diese Nacht ge- fernen ein glänzend Heer von nießen eine sanft und süße Ruh; Sternen den Himmel prächtig wenn sich meine Augen schließen, macht: so ist nach meinem SterEwiger, dann wache du. Laß ben auch mir, als Himmelsin deine Gnadenhut sein mein erben, der Glanz des Himmels Leben, Hab und Gut, meine zugedacht. Freund und Hausgenossen zur Bewahrung eingeschlossen! 4. Der Leibesruh zu pflegen, 11. Ach, laß uns nicht ban- Bild der Sterblichkeit: das zieh will ich das Kleid ablegen, das ges Schrecen, nicht der Räuber ich aus; dagegen wird Christus Uleberfall aus der sanften Ruhe mir anlegen dereinst das Kleid wecken; wende jeden schweren der Herrlichkeit. Fall; schüße uns vor Feuers= noth und vor einem bösen Tod; feiern Haupt und Reinen laß in Sünden sterben, Hände, da dieser Tag zu Ende noch an Leib und Seel ver- und Sorg und Müh vorbei; mein Herz wird von Beschwer5. Es derben. 12. O du großer Gott, er- den, vom Elend dieser Erden höre, was mein Herz begehret am Abend meines Lebens hat. Jesu, schenk mir und ge- frei. währe, was ich jegt im Glau-| ben bat. Geist der Gottes Geist, der du gern erfreust, ſehnlich Flehen. wird geschehen! höre dies mein Amen, ja, es 6. Nun geht, ihr müden GlieGnaden, der, geht hin und legt euch nieFromme der, ruht, wie ein Wandrer thut. Man wird nach kurzen Zeiten euch einen Ort bereiten, wo ihr ohn Arbeit länger ruht. Mel. Nun ruhen alle Wälder 2c. 624. Nun un ruhet in den Wäldern, in Städten, auf den Fel- Gnaden, bewahret sie vor Scha7. Die Augen stehn verdrossen; wer wacht, wenn sie verschlossen? Wer schützt dann Leib und Geist? Gott schüßet sie aus 442 den, er, der allmächtig ist und heißt. Bielne bo0 8. Laß du vor allem Leide, o Jesu, meine Freude, mein Lager sicher sein; dann will ich Herr, dir singen, mich selbst zum Opfer bringen, dir Reden, Thun und Denken weihn. In besondern Zeiten. 5. Denk nicht der Schuld der Jugend, wenn ich oft statt der Tugend die Sünde reizend fand; durch Jesu Christi Gnade wird dieses Irrthums Schade in wahrer Buße abgewandt. 6. Will künftig noch an Sünden mein Herz Gefallen finden, 9. Auch euch, ihr meine Lie- so zeig mir, wie die Welt mit ben, erschüttre kein Betrüben, ihrer Lust vergehet, und wie fein Unfall, noch Gefahr; schlaft nur der bestehet, der deines ruhig bis zum Morgen, der Wortes Vorschrift hält. Herr wird für euch sorgen, der immer unser Helfer war. 7. Ich kann geruhig schlafen; denn von der Sünden Strafen hat mich mein Gott befreit. Wenn Unglückswetter stürmen, will mich mein Gott beschirmen: Mel. Nun ruhen alle Wälder2c. 625. Der Tag hat sich ge- was fehlt noch meiner Seligkeit? neiget, der hohe Himmel zeiget die Herrlichkeit der Nacht; in 8. Soll dann der Schlafzum jener blauen Ferne erzählen tau- Leben mir neue Kräfte geben, send Sterne des Schöpfers Ma- so will ich Gott es weihn; soll jestät und Macht. 2. Der Herr versäumet Keinen. Der fernen Welt zu scheinen, rief er den Sonnen jetzt. Uns decken Finsternisse; doch er mein Leben enden, so wird mich Gott vollenden und auch mein Gott im Tode sein. Mel. Nun ruhen alle Wälder 2. ohne Kümmerniſſe ruhn wir, 626. Herr, der du mir das da seine Hand uns schützt. 3. Auch hier in meiner Stille Leben bis diesen Tag gegeben, wohnt Gott mit seiner Fülle, dich bet ich findlich an: ich bin mit seiner Gegenwart; er siehet viel zu geringe der Treu, die auf mich nieder und jeden mei- ich besinge, die du bisher an ner Brüder nach seiner Huld mir gethan. und Vaterart. 4. Sei, Gott, sei hoch gepriesen, der du mir hast erwie2. Mit dankendem Gemüthe freu ich mich deiner Güte; ich freue mich in dir. O gieb mir sen so viele Huld auch heut. Kraft und Stärke, Gedeihn zu Sei, was du warst, noch weiter, mein Schuß und reuer Leiter in dieser Nacht und allezeit. meinem Werke, und schaff ein reines Herz in mir. 3. Gott, welche Ruh der Seelen, nach deines Worts Be 443 5. Wie gar nichts sind wir, Herr, vor dir, gleich Blumen blühn und welfen wir; doch dauert unsre Missethat, die deinen Zorn entzündet hat. im 6. Jch zittre, Herr, und mein Staube zu dir, o Gott, mein Gebein durchängstet dein geHeil. Bin ich der Schuld ent- waltig Dräun; denn denkst du laden und nur bei dir in Gna- in's Gericht zu gehn, wer kann, den, so ist im Himmel auch wer kann vor dir bestehn? d mein Theil. Des Abends. fehlen einher im Leben gehn, auf deine Güte hoffen, im Geist den Himmel offen und dort den Preis der Treue sehn. 4. Ich weiß, an wen ich glaube, und nahe mich 5. O leite mich im Segen dem großen Ziel entgegen, dahin dein Wort mich weist. Mein Leben und mein Ende ist dein; in deine Hände befehl ich, Vater, meinen Geist. Mcl. Wenn wir in höchsten 2c. 627. Wie ein Geschwätz des Tags verfließt die Zeit, die mir verliehen ist. Sie rauscht vorbei, schnell wie ein Bach, und dein Gericht, Gott, folgt ihr nach. 7. Ach, zürne nicht auf deinen Knecht, und Gnade, Gnad ergeh für Recht. Versöhner, Gottessohn, mein Heil, sei meine Zuflucht, sei mein Theil, 8. Daß ich muß sterben, lehre mich; dann fürcht ich nichts so sehr als dich; dann leb und sterb ich dir allein und bin im Tod und Leben dein. 9. Ich fürchte nicht, von dir bewacht, den Pfeil des Tags, das Graun der Nacht; ich zittre, wenn der Tod kommt, nicht: denn Gott ist meine Zuversicht! 2. Die Ewigkeit, die Ewigleit ergreift mich nach durch- Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. lebter Zeit; wer ich, wenn sie 628. Gin einst kommt, auch sei, ein Sünder, oder Gott getreu. in Tag ist wieder hin, und dieser Theil des Lebens, 3. Da wall ich hin, da war- wie ist er angewandt? Verstrich et mein das Anschaun Gottes, er mir vergebens? hab ich mit oder Bein. Ach Gott, mein Heil allem Ernst dem Guten nachund mein Vertraun, laß mich gestrebt? Hab ich vielleicht nur bein selig Antlitz schaun. mir, nicht meiner Pflicht gelebt? 4. Du träufelst auf die Mü2. War's in der Furcht des den Ruh, und, wenn wir Herrn, daß ich ihn angefangen? ichlummern, wachest du. Doch Mit Dank und mit Gebet, mit wie viel Seelen wallen nicht eifrigem Verlangen, als ein GeSchlummer hin vor dein schöpf von Gott, der Tugend Gericht! mich zu weihn, und züchtig und 444 In besondern Zeiten. gerecht und Gottes Freund zu ſein. 8. War mir der Fehltritt leid, so bald ich ihn begangen! Beftritt ich auch in mir ein sträfliches Verlangen? Und wenn in dieser Nacht Gott über mich gebeut, bin ich, vor ihm zustehn, auch willig und bereit? 3. Hab ich in dem Beruf, den Gott mir angewiesen, durch Eifer und durch Fleiß ihn, meinen Gott, gepriesen? Mir und der Welt genützt, und jeden Dienst gethan, weil ihn der Herr ge= 9. Gott, der du Alles weißt, bot, nicht, weil mich Menschen was tönnt ich dir verhehlen? ſahn? 4. Wie hab ich diesen Tag Schwachheit Ich fühle täglich noch die meiner Seelen. mein eignes Herz regieret? Hat Vergieb durch Christi Blut mit mich im Stillen oft ein Blick die verletzte Pflicht; vergieb, auf Gott gerühret? Erfreut ich und gehe du nicht mit mir in' mich des Herrn, der unser Flehn Gericht! bemerkt, und hab ich, im Vertraun auf ihn, mein Herz gestärkt? den seine Sünden kränken; du 10. Ja, du verzeihest dem, auch mir sie schenken. Auch dieſe liebst Barmherzigkeit, und wirft 5. Dacht ich bei dem Genuß der Güter dieser Erden an den Allmächtigen, durch den sie sind Nacht bist du der Wächter über und werden? Verehrt ich ihn mir; leb ich, so leb ich dir; im Staub? Empfand ich seine sterb ich, so sterb ich dir. Huld? Trug ich das Glück mit Dank, den Unfall mit Geduld? Mel. O Jesu Christi, Gottes Lamm x. 629. 3u so viel Tagen, die mir schon von meiner Prüfungszeit entflohn, stürzt sich auch 6. Und wie genoß mein Herz des Umgangs süße Stunden? Fühlt ich der FreundschaftGlück? Sprach ich, was ich empfunden? Dieſer, den ich heut durchlebt, War auch mein Ernst noch sanft, in's Meer der Ewigkeit. mein Scherz noch unschuldsvoll? 2. Gott, dessen Auge mich Und hab ich nichts geredt, das bewacht, Gott weiß, wie ich ich bereuen soll? ihn zugebracht; was ich gedacht, 7. Hab ich die Meinigen geredt, gethan, sah er genau und durch Sorgfalt mir verpflichtet, merkt es an. fie durch mein Beispiel still zum Guten unterrichtet? War zu des Mitleids Pflicht mein Herz nicht zu bequem? Ein Glüd, das Andre traf, war das mir an- Punkt der Zeit? genehm? 3. Seele, fordert er dich nicht um diesen Tag einst vor's Gericht? Hängt nicht dein Loos in Ewigkeit auch mit an dieſem 4. Der Tod pollendet mich Des Abends. vielleicht, eh diese Nacht dem terlich gespeiset und getränket, Morgen weicht, und führet mich, wie ich hier bin, vor Gott, vor meinen Richter hin. beschüßet in Gefahren mich, zum Guten mich gelenket. Mich führte deine Vaterhand, mein dir geweihtes Herz empfand so manche fromme Freude. 5. Wie bebt, wie klopft mein Herz in mir! Gedanke, wie erschridt's vor dir! Der Tod vollendet mich vielleicht, noch eh die Nacht dem Morgen weicht." 3. Für jeden sanften Trost, den ich auch heute noch geschmedet, für jeden Trieb, mit dem du mich zur Frömmigkeit erwecket, für das, was ich als Christ gedacht, mir vorgenommen und vollbracht, sei, Vater, hochgepriesen. 6. Vor einem bösen schnellen Tod bewahre gnädig mich, o Gott! Zur Besserung, zur Frömmigkeit gieb, mein Erbarmer, mir noch Zeit! 445 7. Erhöre väterlich mein 4. Vergieb, wo ich noch strafbar bin, und laß mich Gnade Flehn: laß mich den Morgen finden. Dein Geist verbeßre wieder sehn! Verkürze meine Tage nicht; führ nicht so bald mich in's Gericht! meinen Sinn und reinge mich von Sünden. So laß mich ruhig diese Nacht, von deiner Güte, Gott, bewacht, und frei von Schrecken schlafen. 8. Von allem bösen Vorsag rein, will ich dir ganz mein Leben weihn. Kein Tag soll fünftig mir entfliehn, es segne denn dein Beifall ihn. 9. Von dir bewacht, entschlaf ich nun; laß mich in sanfter Stille ruhn! Mein erst Gefühl nach meiner Ruh sei mein Gelübde, Gott, sei du. 5. Auch bitt ich, bester Vater, dich: bewahre du die Meinen; beschüßze Alles väterlich, und tröste die, so weinen; gieb allen Kranten sanfte Ruh, die Sterbenden erquicke du und laß sie sanft entschlafen. Mel. Ich freue mich, mein Gott 2c. Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. 631. Für alle Güte ſei ge630. Mit Preis und Danke preist, Gott Vater, Sohn und nah ich mich dir, Gott, und heilger Geist, ihr bin ich zu falle nieder vor dir, der mir geringe. Vernimm den Dank, erzeiget sich als Bater heute den Lobgesang, den ich dir kindwieder. Viel mehr, als ich er- lich singe. zählen kann, haft du mir heute 2. Du nahmst dich meiner Guts gethan, wie soll ich, Gott, herzlich an, hast Großes heut an mir gethan, mir mein Ge2. Du hast mich heute vä- bet gewähret; hast väterlich dir danken! 446 In besondern Zeiten. mein Haus und mich beschüßzet| Namens Preise, still und sie und genähret. gen Himmel weise. 3. Herr, was ich bin, ift dein Geschenk; der Geist, mit Mel. Befiehl du deine Wege zc. dem ich dein gedent, ein ruhi- 633, Herr, es gescheh dein ges Gemüthe; was ich vermag Wille! Der Körper eilt zur bis diesen Tag, ist Alles deine Ruh; es fallen in der Stille Güte. 4. Sei auch nach deiner Lieb die müden Augen zu. Erlaß und Macht mein Schuß und mir Schuld und Strafe, daß Schirm in dieser Nacht; ver- ich, von Sünden rein, zum Tode, gieb mir meine Sünden. Und wie zum Schlafe bereitet möge kommt mein Tod, o Herr, mein sein. Gott, so laß mich Gnade finden. bildern und wilder Träumerei 2. Laß fern von Schreckensdie Seele sich nichts schildern, was ihrer unwerth sei. Laß Mel. Werde munter, mein Gemüthe zc. 632. Sint ich einst in jenen frei von eitlen Sorgen mich Schlummer, Todesruh, in deine wieder auferstehn, und an die Nacht, aus dem Keiner mehr Tugendübung mit neuen Kräfzum Kummer, der im Herrn ten gehn. entschlief, erwacht: o dann schlaf 3. Doch wenn der Todesich anders ein; weg aus dieser schlummer für mich in dieſer Lebenspein eil ich hin zu derer Hütten, die, nun selig, einft auch litten. Nacht den Freuden sammt dem Rummer ein schnelles Ende macht: dann stärt mich, wenn der Schrecken der letzten Stunde droht. Du wirst mich ja er wecken; ein Schlaf nur ist mein Tod. 2. Jetzt hoff ich noch aufzuwachen aus dem Schlaf für diese Zeit. Lehr mich doch, mich fertig machen, Vater, zu der Ewigkeit, daß ich Wan- 4. Dein Heil hab ich gesederer dann sei wohl bereitet, hen; im Frieden fahr ich hin, leicht und frei von den Ban weil ich beim Auferstehen in den dieser Erde, wenn ich ab- deinem Reiche bin. Wohl dem, gerufen werde. der bis an's Ende sich als ein 3. Gerne laß den Tag mich Christ erweist. Mein Gott, in sehen, der als Retter mir erdeine Hände befehl ich meinen scheint. Wenn mit unerhörtem Geist! Flehen, wer mich liebet, um mel. Herzliebster Jeſu, was haft 2c. mich weint: o dann stärke so mein Herz, daß ich meiner Lie- 634, Entflohen sind auch ben Schmerz, voll von deines dieses Tages Stunden, an dem Des Abends. 447 wir noch des Lebens Glück em-| hebt und trägt, ist der Tag zupfunden; mit frohem Dank rückgelegt; deine Kraft hat mich laßt uns den Herrn erheben, erquicket, daß der Schmerz mich durch den wir leben. nicht ersticket.. 2. Des Lebens Müh und 2. Dein erbarmendes GeElend zu versüßen, giebt uns müthe hat mich Kranken wohl der Herr viel Freuden zu ge- bedacht; Jesu, deine Lieb und nießen, und welche Güter schenkt Güte schütze mich auch dieſe er unsern Seelen; wer kann sie Nacht. Leg mir nicht mehr zählen? r du diub Schmerzen zu, gieb den schwachen Gliedern Ruh. Bleib, Herr, es will Abend werden, bei mir; mindre die Beschwerden. 3. Wie unwerth sind wir, Bater, deiner Treue! Sieh unser Herz; es fleht zu dir voll Reue. Ach, laß es uns vor dir im Glauben stillen, um Chrifti willen. soin col 3. Laß, Herr, mich und auch die Meinen deiner Treu empfohlen sein; weck uns wieder als die Deinen, wenn der Sonne Licht und Schein aus des Schlafes finstrer Gruft uns, dir Dant zu opfern, ruft. Soll ich länger hier noch leben, so will ich dein Lob erheben. ing 4. Uns wohlthun, ist dein göttliches Vergnügen. Du, Vater, schirmst uns, wenn wir hülflos liegen, und wie entseelt, umhüllt von Finsternissen, von uns nichts wissen, end? 5. War dies für uns der 4. Doch soll mich des Tolegte Tag auf Erden, soll unser des Schrecken, Herr, nach deiSchlaf ein Todesschlummer nem weisen Rath diese Nacht werden: dann wedst du uns, vom Schlaf aufwecken, ach, die wir uns dir ergeben, zum so denke, was ich bat. Tod und bessern Leben. Sterben scheu ich nicht, wenn es 6. So legen wir getrost zur selig nur geschicht. Dir hab ich Ruh uns nieder. Sehn wir er- nicht vorzuschreiben; du wirst freut die Morgensonne wieder, mein, ich dein verbleiben. dann preisen wir mit heiterem Gemüthe des Höchsten Güte. schlos 5. Laß mich nicht in Sünden sterben; nimm die Seel in deine Hand; mache mich zum Himmelserben, führe mich in's Vaterland; Jesu, laß mich auf mein Flehn einst ein selig Ende Abendlied eines Kranken. Mel. Freu dich sehr, o meine zc. 635. Arzt des Leibes, Trost jehn. Bringe mich nach dieſem der Seelen, Jesu, hör mein Leiden in das Reich vollkommDanklied an. Ich will deine ner Freuden. Huld erzählen, die du heut an 6. Ach, wann werd ich dich mir gethan; durch sie, die mich erreichen, du von Gott gesetztes 448 In besondern Zeiten. Ziel! Sterbend will ich auch zu deinem Preis, o Vater, nicht nicht weichen; wenn mir gleich bewegen? der Muth entfiel, stärk mich, 3. Du machst zahlloſe HeerHerr, dein theures Wort, und den satt, läßt sie am Bach sich zeig mir den frohen Ort, wo| laben; reichst Allem, was nur ich nach dem Kampf auf Erden Odem hat, die angemeßnen ewig soll erquicket werden. Gaben; thuft täglich auf die milde Hand und sättigest das ganze Land mit Lust und Wohl5. Zur Tischzeit. Mel. Nun sich der Tag geendet zc. gefallen. 636. Gott, was des Lebens wir, wie uns gebührt, genießen: 4. Gott, deine Gaben wollen Kräfte nährt, wird uns durch| Fruchtbarkeit, durch Fleiß und Glück von dir beschert: wir dan ten's dir erfreut. stets soll sich Herz und Mund vor dir in Lob und Dant ergießen; auch wollen wir vergessen nicht die Dürftigen, nach unsrer Pflicht sie kleiden, speiſen, laben. 2. Durch deinen Segen haben wir auch heute unser Brod. Wir nehmen's hin und danten dir, dir, Vater, unserm Gott. 5. Von dir, unendlich milder Gott, der uns bisher genähret, jei, was zu dieſem Leben noth, uns fernerhin gewähret. Bewahre uns vor theurer Zeit, gieb Nahrung, Fried und Einigkeit, Gesundheit, Heil und Segen. Nach der Mahlzeit. Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. 6. Laß hier schon, Gott, wie gut du bist, uns täglich mehr 637. Gott, dir sei Preis ermessen, und welch ein Heil und Dank gebracht, da wir ver- uns dort noch ist bereitet, nie gnügt gegessen. Du hast uns vergessen. Da schmeckt man erst, alle wohl bedacht und Jedem Alliebender, wie du beglücst zugemessen sein Theil, an dem und welch ein Meer von Wonne er sich erquickt; sei, Vater, der um dich fließet. auf Alle blickt, sei hoch dafür geprieſen. 3. Vernünftig froh laß im Genuß und stets uns mäßig sein und, schenkest du uns Ueberfluß, die Armen auch erfreun. 6. In den verschiedenen Jahreszeiten. Im Frühling. 2. Du lenkst die Sonn in ihrem Lauf, und schenkest Thau und Regen; du thust den Schoß der Erde auf, und tausendMel. Vom Himmel hoch, da zc. fachen Segen reicht sie uns dar 638. Mit welcher Pracht auf dein Geheiß; wen sollte dies und Anmuth wallt der Früh Nach der Mahlzeit. Im Frühling. 449 ling jetzt durch Feld und Wald!| Lüften schwebt, erfreut sich seiWie neu belebt, wie reich ge- nes Lebens. schmückt ist Alles, was das Aug erblickt! 2. Der Wald ist grün, der Anger grün, auf den die Heerden weidend ziehn; die Saat steht auf der Flur erhöht, die wir in Hoffnung ausgesät. 3. Wie süße macht die milde Luft der Blüthen und der Blumen Duft! Wie reizet, wie entzückt das Ohr der Vögel laut ertönend Chor! 4. Du, der die Welt so schön geschmückt, hast uns mit einem Geist beglückt, der dich erkennt und froh empfindt, wie herrlich deine Werke sind. 5. Dafür, Herr, preis ich dich erfreut, und fauchze, daß nach dieser Zeit dem, der dich liebt, durch Jesum Christ ein ewig Glüd bereitet ist. 3. Der Erden Antlig ist verjüngt, erheitert glänzt der Himmel; Gebirg und Thal und Wald durchdringt ein freudiges Getümmel; und voll Erbarmen schaut herab, der allen Wesen Leben gab, auf seiner Schöpfung Werke. 4. Doch fühllos nur und unbeseelt sind Auen und Gefilde; auch sind die Thiere nicht erwählt zu deinem Ebenbilde. Der Mensch nur freuet deiner sich; kennt, fühlet und empfin= det dich und hofft ein ewig Leben. 5. Du rufft die Wolken in das Land und stillst den Durst der Erde, daß mit den Gaben deiner Hand der Mensch gesegnet werde; du machest Regen, Thau und Wind, die deiner Almacht Boten sind, zu unsrer Freude Quellen. Mel. Es ist das Heil uns kommen zc. 6. Selbst, wenn vom Donnersturm bedräut, erschrockne 639. Lobt Gott, der uns den Länder zittern, strömt StärFrühling schafft, Gott, der den tung, Segen, Fruchtbarkeit aus Erdkreis schmücktet, der mit all- schwarzen Ungewittern. Dann mächtig reicher Kraft das, was bricht die Sonne neu hervor, er schuf, erquictet. Der Herr und Alles jauchzt zu dir empor, erschafft, der Herr erhält; er vor dem die Wetter schweigen. liebt und segnet seine Welt; lobsinget ihm, Geschöpfe! 7. Von dir kommt, was uns hier erfreut, du Brunnquell 2. Das Land, das ganz er- aller Gaben; dort wirst du uns storben lag, erwacht und lebet mit Seligkeit in reichern Ströwieder; es strömt an jedem men laben. Wohl, wohl den neuen Tag auch neuer Segen Menschen, die schon hier sich nieder. Der Wurm, der in dem dir ergeben und einst dir in Staube lebt, der Vogel, der in Christo freudig sterben! Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. 29 In besondern Zeiten. Zur Saatzeit. wenn du erscheinst, dort FreuMel. Ich freue mich, mein Gott, zc. den ohne Ende. 640. Augütiger, dein Se- Met. Viebster Jefu, wir find hier xc. genswort erweiset sich noch fort 641. Herr, du Schöpfer der und fort auf unsrer Erde kräf- Natur, laß die Saat, die wir tig; noch macht dein Ruf das, ausstreuen, sich erheben auf der was er schuf, zu unserm Wohl Flur, und zu reicher Frucht ge geschäftig. deihen, die im Anblick schon entzücke und einst im Genuß erquicke. 2. So segne denn durch deine Hand die Saat, die wir jetzt streun in's Land, mit Wachs= thum und Gedeihen; mein Gott, laß sie nach Sorg und Müh der. uns laben und erfreuen. 450 winn, wollen wir auch arme 3. Bei aller drohenden Ge- Brüder gern von deinem Se= fahr bewahr sie; laß das ganze gen speisen und durch FrömmigJahr uns deine Güte zeigen, feit dich preisen. daß unser Dank und Lobgesang mag 4. 2. Was wir einfach streuen hin, giebst du mannigfaltig wie Dankbar dir für den Gefroh zu dir aufsteigen. An diesem Samen hab mel. Was ist vor deinem Angesichte zc. Im Sommer. ich hier ein lehr- und Bild von mir. Bei Sturm und trüben Zeiten erhebt er sich so übst du mich, Gott, auch durch Kreuz und Leiden. 642. Rund um uns her ist nichts als Freude und fröhliche Zufriedenheit; wie schön ist diejes Weltgebäude für uns zum 5. Wie dieser Samen fast Wohnhaus eingeweiht! Gelobt verdirbt, im Schoß der Erde sei Gott! Hallelujah! In jedem gleichsam stirbt, um sich neu zu erheben; so führst du, Gott, uns durch den Tod dereinst in's beßre Leben. Werk ist er uns nah. 2. Dort prangt die Flur im bunten Kleide und lockt die Welt zur Munterfeit. Seht, in dem 6. Laß diesen herrlichen Ge- Vogel hüpft die Freude, aus winn mir alle Arbeit und Be- ihm singt die Zufriedenheit. mühn erleichtern und versüßen; Lernt, Menschen, lernt hier eure er mach mein Herz getroft im Pflicht: freut euch; vergeßt nur Schmerz und wachend mein Gottes nicht. Gewissen. 3. Die Rosen prangen, uns 7. Ja, mach mein Leben dir zu schmücken; uns blüht der zu weihn und guten Samen Blumengärten Pracht; der Men= auszustreun, recht emsig Herz schen Auge zu entzücken, hat ſie und Hände: so ernt ich einst, der Herr so schön gemacht. D Zur Saatzeit und im Sommer. lernet, Menschen, dankbar sein, Vor und bei der Ernte. lernt Gott vertraun, euch seiner freun. 4. Dort, uns zum Besten, jammeln Bienen den süßen Saft Alles haben, was uns belebt, den Blumen ab; und dort spinnt nährt und erfreut; wie mannigsich, uns auch zu dienen, der faltig sind die Gaben, die tägSeidenwurm sein eigen Grab. lich deine Huld verleiht; wer Wie herrlich hat uns Gott be- ist dir, Gott, an Stärke gleich, dacht, wie Alles wundervoll ge- wer ist, wie du, an Güte reich! macht! 2. Wer kann die Menschen 5. Selbst Felsen, die so trau- alle zählen, die zu dir, Gott, rig scheinen, sind dir, o Mensch, um Nahrung flehn! Doch muß zum Dienst geweiht; die Quelle die Nothdurft Keinem fehlen: tröpfelt aus den Steinen und du jorgst für Aller Wohlergehn; mit der Quelle Fruchtbarkeit. du öffnest deine milde Hand Der Baum beut seine Frucht und nähreft uns und jedes Land. dir dar. Nimm, Mensch, der Güte Gottes wahr. 7. Ja, Vater, jeder Grashalm zeuget von deiner Freund lichkeit und Güt. Zur Saat, die fich zur Ernte neiget, gieb ferner Segen, und behüt bei aller drohenden Gefahr die Früchte auch in diesem Jahr. 3. Du machst, daß man auf 6. Das Korn vergoldet nun Hoffnung fäet und endlich auch die Felder, die Nehren sind vom die Frucht genießt; der Wind, Segen schwer. Es grünen Wie- der durch die Felder wehet, die jen, Gärten, Wälder in Thal Wolke, die das Land begießt, und Höhen um uns her. Es der Thau, der warme Sonnen= fühlt des Segens Ueberfluß in strahl sind deine Diener allzuBerg mal. und Thal mein Aug und Fuß. 8. Laß uns zu rechter Zeit erfreuen Wind, Regen, Thau und Sonnenschein, dann sammeln wir durch dein Gedeihen auch deiner Hand Geschenke ein; und jeder Mensch in jedem Land preist deine milde Baterhand. 451 Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 643. Gott, von dem wir 4. So wächst durch dich des Menschen Speise, so giebt ihm deine Erde Brod; und daß er dich noch froher preise, giebst du ihm, milder, reicher Gott, aus Meer und Fluß, aus Feld und Wald Erquickung auch beim Unterhalt. 5. Nie wollen wir es, Gott, vergessen, wie gerne du uns Menschen labst; bei jedem Mahle, das wir essen, bedenken, daß du, Gott, es gabst, und dich, der so viel Guts verleiht, erfreun durch Dank und Frömmigkeit. 29* 452 Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. 644. Dir, Gott, der Hügel, Thal und Feld an Früchten reich gemacht, dir, der, was ist und lebt, erhält, sei Dant und Ruhm gebracht. 2. Es prangt die ährenreiche Flur, wallt wie ein weites Meer; doch prangt sie so und wallet nur durch dich, Allgütiger. haben Brod und ein gesundes 3. Du öffnetest der Erde Blut! Wer ist, wie du, Herr, Schoß, gabst Thau und Son- unser Gott, so milde und so gut! nenschein: da hob sich unsre Saat und schoß empor in dich ten Reihn. In besondern Zeiten. 4. Da steht sie nun und neigt sich schon zur Hand des Schnitters hin; und wer gesät, empfängt nun Lohn und herrlichen Gewinn. entzück; gieb, daß es nun auch im Genuß uns Dürftige erquid. voll neigt sich der Aehren Haupt und winkt, daß man ſie schneiden soll. 5. Gieb, daß der Früchte feuriger, Gott, deinen Ruhm Uleberfluß nicht blos das Aug erhöhn. feit. 7. Und jeder lebe so, daß ihn, von Erdenmüh einst Frei, der größte, seligste Gewinn, des Himmels Ruh, erfreu. 3. Nur wenig Körner streuten wir auf unsern Acker hin! nun schenkt uns Gott so viel dafür: dankt ihm für den Gewinn! 4. Wir sind noch da und 5. So lange unser Herz nur schlägt, die Augen offen stehn, soll unser Herz, von Dant bewegt, Gott, deinen Ruhm erhöhn. 6. Und wenn wir einst, Unendlicher, im nähern Licht dich sehn, dann wollen wir noch Nach der Erntezeit. 6. Und Jeder, den du näh- Mel. Wer nur den lieben Gott. rest, freu sich dein voll Dank- 646. Du sorgst, o Gott, nach barteit, vermeide Mißbrauch, Baterweise, vergiffest deine KinSchwelgerei und Ungenügsam- der nie; du giebest allem Fleiſche Speise, du sorgst und segneft spät und früh; auch Bösen wirfft du Gutes zu! wer ist so gütevoll, wie du! Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. 645. Erhebt den Herrn, singt ihm erfreut, der stets so milde war! Die Ernte ist nun da und beut uns ihre Schäße dar. 2. Du tränfst das Land mit mildem Regen, erwärmest es die Zeiten, wie den Segen zu durch Sonnenschein; du theilst unserm Besten weislich ein; bei Wärme, Hiße, Kält und Frost grünt, wächst und reifet unsre Kost. 2. Ergreift die Sichel froh 3. Die kleinste deiner Greatuund singt; von reifen Körnern ren macht deine Weisheit offen Vor, bei und nach der Ernte. 453 4. O Vater, da uns deine Liebe mit so viel Gaben hat erfreut, so mehre auch in uns die Triebe zur Demuth und bar; man siehet deiner Güte uns gethan. Herr, Herr, AllSpuren und deine Macht von gütiger, wer ist so liebenswerth, Jahr zu Jahr. Es zeugt von wie du es bist! Was ist und deiner Herrlichkeit auch dieses lebt, das schufest du; und was Jahres Erntezeit. du schufft, das ruft uns zu: Unendlich groß ist Gott! Unendlich start ist Gott! Unendlich gut ist Gott, Jehovah, Zebaoth! zur Dankbarkeit. Das Gute, ermißt, wie groß, wie stark, wie Ja, Herr, kein Sterblicher das du uns gethan, treib uns gut du bist; die Erde, die uns nun auch zum Guten an. 5. Gieb denen herzliches Er- fich um sie bewegt, ist vor dir, Menschen trägt, das Meer, das barmen, die deine Hand mit Herr, der ewig lebt, ein Tropfen, Gütern füllt. Dann fehlt es der am Halme klebt, ist nur auch den wahren Armen an ein kleiner Theil, ist kaum ein dem nicht, was den Mangel Bunkt in deiner Schöpfung stillt; dann wird die Wittwe Raum; doch fassen wir die sich auch freun, der Kranke mit Wunder nicht, die täglich hier uns dankbar sein. dein Arm verricht. Gott, deine Weisheit, Huld 6. Bewahr vor Raub und Brand die Güter, die deine milde Hand uns gab; sei du und Macht verfündiget der Tag, ſelbſt unser treuer Hüter und die Nacht; sie predigt Sonnenwende schwere Zeiten ab; in schein und Sturm, des Meeres Ruh und Frieden laß uns, Gott, Brausen und der Wurm. Wie genießen unser täglich Brod. groß ist der Geschöpfe Zahl, 7. Schent uns dabei ver- wer zählt die Millionen all, gnügte Herzen; Hochmuth und die hier durch Erde, Luft und Geiz laß ferne sein; laß uns Meer fich froh bewegen! Du es niemals neidisch schmerzen, nur, Herr, du tennest ihre ganze wirst du auch Andern mehr ver- 3ahl, du liebst, belebst und leihn. Mach Jedem in dem nährst sie all. Kleinern treu, daß er zum Größern tüchtig sei. Auch dieses Jahr hat unser Land gesegnet deine Baterhand; der Same, den wir streuten hin, schoß auf, ward herrlicher Gewinn. der ErnteMel, Herr Gott, dich loben wir zc. 647. Herr Gott, wir danken jegen gab, wend allen Schaden dir; Herr Gott, dich preisen ferner ab. Gieb uns ein Herz wir. Im Staube beten wir voll Dankbarkeit, ein Herz, das dich an für das, was du an jede Sünde scheut, ein weises 454 In besondern Zeiten. Herz, das nie vergißt die Ernte,| nem Willen. Läßt sich es gleich die noch fünftig ist. zum Mangel an, Gott weiß ihn Nicht blos für dieses Leben doch zu stillen. Er kann und schuf uns deine Hand; dein will aus seiner Füll uns Untergroßer Ruf ruft uns einst von halt gewähren, wenn wir ihn der Erde ab, und dann sinkt findlich ehren. dieser Leib in's Grab. Doch, herrlich wieder aufzublühn, sinkt dieser Leib in's Grab dahin. Dank für den Segen, der aus Dein Sohn kommt einst und Künsten und Wissenschaften, aus hält Gericht; die ihm hier leb- Handlung und Gewerbe entsteht. ten, beben nicht; sie ernten ewge mel. Es ist das Heil uns kommen. Freuden ein. Ach, laß in ihrer 649. Aus deiner milden Se3ahl uns sein. Amen. Bei nicht sehr reicher Ernte. genshand, du Geber aller Gaben, muß jedes Volk und jedes 648. Was Gott thut, das ist Mit großer Weisheit hältst du Land des Segens Zufluß haben. wohlgethan, so denken Gottes Haus und breitest deine Güte Kinder. Wenn man nicht reich- aus zum Besten aller Völker. lich ernten kann, liebt er uns 2. Von dir stammt Kunst doch nicht minder. Er nimmt und Wissenschaft, wodurch die und giebt, weil er uns liebt, Länder blühen; du schenkest Jeund seine Hände müssen wir dem Trieb und Kraft, sich nützstets in Demuth küssen. lich zu bemühen in seinem Amt, Beruf und Stand, darin dein Rath ihn tüchtig fand, zum Besten mitzuwirken. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan; er nimmt der Erde Güter zurück, eh man sie ernten kann, zur Beßrung der Gemü- 3. Du fegnest auch des Künstther. Uns Dantbarkeit und Mä- lers Fleiß zum Nußen seiner Bigkeit und Demuth einzuprägen, Brüder. Was er nur Gutes drum fehlt uns Gottes Segen. kann und weiß, das kommt von 3. Was Gott thut, das ist dir hernieder. Es fließet stets wohlgethan, ob wir's gleich nicht aus Hand in Hand, was uns verstehen. Er läßt uns selbst die deine zugewandt, durch nüßauf dunkler Bahn noch Gnaden- liche Gewerbe. zeichen sehen; sein Wort ver= 4. Du schaffst, daß menschschafft uns Trost und Kraft, es licher Verstand zur See die nennt uns Gottes Erben; wie fönnen wir verderben? Wege findet, daß Fleiß und Handlung Land an Land und 4. Was Gott thut, das ist Bolt an Volk verbindet. Der wohlgethan; es geh nach sei- Länder Frucht, des Landmanns Vor, bei und nach der Ernte. 455 Schweiß, des Künstlers Werk, mel wieder. Des Jahres Schönder Bürger Fleiß wird hin und heit ist entflohn. Die rauhen her geführet. Stürme rauschen schon durch die entfärbten Felder; die letzte Blume neigt ihr Haupt; des 5. Du giebst den Schiffen ihren Lauf auf Strömen und auf Meeren und hilfst dem Herbstes falter Hauch entlaubt Flor der Handlung auf, viel die schattenreichen Wälder. Tausende zu nähren. Zur Noth- 2. Verlassen steht die öde durft, zur Bequemlichkeit ver- Flur, entblößt von ihrem Setheilst du deine Gaben weit gen; entkräftet siehet die Natur durch manche Handlungszweige. der Winterruh entgegen. In 6. Manch unermeßlich Was- Schaaren abgetheilt, entfliehn serheer dringt aus dem grauen die Vögel vor der Kält und Eise, durchstreicht zu seiner Zeit ziehn weit über Land und Meere. das Meer und wird der Men- Gott nimmt der Wandernden schen Speise. Das Ungeheur der sich an, bezeichnet ihnen ihre Wasserwelt wird doch durch Bahn und sättigt ihre Heere. Menschenhand gefällt zum Nugen vieler Tausend. 3. Uns, seine Menschen, will er hier im Winter selbst ver= sorgen. Und seiner Huld verGe- traun auch wir, die neu wird uns sehr jeden Morgen. Durch seine Vorsicht läsfet Gott dem Menschen für den Winter Brod, dem Vieh sein Futter geben; und Wein, der unser Herz erfreut und unsers Lebens Kraft erneut, trieft aus der Frucht der Reben. 7. Herr, unser Gott, wir preisen dich mit dankbarem müthe. Du segnest mildiglich mit Proben deiner Güte. Geuß deinen Segen ferner aus auf unsern Ort, auf jedes Haus zu deines Namens Ehre. 8. Hilf auch, daß Jeder redlich sei in seinem Thun und 4. Ach, unser Leben auch verHandel, rechtschaffen, brüderlich, blüht, wie jetzt das Feld, im getreu in seinem ganzen Wan- Alter. Getroft, Gott ist, wenn del. Mit Lust, o Bater, wendest es verblüht, Schuß, Beistand du dem Lande deinen Segen und Erhalter. Er zu, das solch ein Volk bewohnet. trägt die Müden, er beschützt die Schwachen, seine Rechte stüzt, die nah am Grabe wanken. Gebeugt vom Alter, werden wir von ganzem Herzen dennoch dir, Gott unsrer Jugend, danken. Im Herbst. Mel. O König, dessen Majestät zc. 650, Früh mit umwölktem Angesicht geht schon die Sonne nieder, und spät erscheint ihr schwächer Licht am trüben Him5. Wohl Allen, die dein Angesicht in frühen Jahren suchen, die werden ihrer Jugend nicht 456 In besondern Fällen. im Herbst des Alters fluchen: 1gen, da Wärm und Nahrung denn dem, der redlich sich be- dich erquickt in diesen rauhen müht, weil seiner Jahre Kraft Tagen. O jauchze, frohes Herz, noch blüht, der Tugend Frucht in mir und bringe Gott den zu tragen, dem wird das Alter Dank dafür! Jugend sein, und dankbar wird er sich noch freun in seinen letzten Tagen. 6. Sieh nicht auf das, was dir noch fehlt und Mancher mehr befizet. Nein, auf die Noth, die Andre quält, auf Gott, der dich beschüzet. Ach, Vater, lindre jeden Schmerz, und mir gieb ein zufriednes Herz. Im Winter. Mel. Mir nach, spricht Christus c. 651. Des es Jahres Schönheit ist nun fort; wie traurig stehn die Triften! Es stürmt ein ungestümer Nord aus schwer beladnen Lüften. Die Erde starrt B. In besonderen Fällen. 1. Bei anhaltendem Regen. Mel. Es ist gewißlich an der 2. vom Froste nun und ihre Nah- 652. Gott, du kannst den rungskräfte ruhn. Himmel ganz mit schwarzen 2. Wohl mir bei dieser rauhen Wolken decken, du kannst der Zeit! Ich darf vor Frost nicht Sonne heitern Glanz auch wiebeben, mich schüßt mein Dach, der bald erwecken; ach, möchmich wärmt mein Kleid und test du den Sonnenschein, nach Brod erhält mein Leben. Auf dem wir seufzen, bald verleihn, meinem Bette schlaf ich ein und daß unser Land sich freue. kann mich sanfter Ruhe freun. 3. So hat's der arme Bruder nicht, dem Brod und Kleidung fehlet, den, wenn es sehr daran gebricht, Frost oder Hunger quälet. Und dreifach fühlt er seine Pein, wenn Krankheit plagt und Kinder schrein. 2. Die Felder trauern weit und breit, die Früchte leiden Schaden; sie sind von vieler Feuchtigkeit entstellt und schwer beladen. Der Segen, den du uns gezeigt, liegt tief zur hingebeugt und scheinet zu verErde derben. 4. O säume, säume nicht, 3. So warneft du vor Missemein Herz, ihm lieblich zu- that, vor fündlich sicherm Lezueilen. Fühl seinen Jammer, ben; hier soll, wer dein verseinen Schmerz, dein Brod mit gessen hat, das Herz zu dir erihm zu theilen. Wer seiner Brüder heben. Herr, wir bekennen unsre Noth vergißt, verdient nicht, Schuld; verzeih, und sich auf daß er glücklich ist. uns mit Huld von deinem Himmel nieder. 5. Vor Tausenden bist du beglückt, die in der Stille kla4. Gedenk an deine Vater Bei vielem Regen und nach demſelben. 457 treu, du haft uns selbst befoh-| sterben. Wer fann uns retten. len, daß wir mit Flehen, Buß und befrein von dieser Noth, und Reu dein Antlig suchen als du allein, Herr Himmels sollen. Laß uns zu dieser trüben und der Erden. Zeit erquicken deine Freundlichfeit, du bist ja unser Vater. 5. Vor dir, der heilig und gerecht, bereun wir unsre Sünden; Du, Herr, der alle Dinge trägt, ach, laß doch bald verschwinden die trübe Zeit; nach unsrer Schuld vergilt uns nicht; laß deine Huld uns wiederum empfinden. 5. Gieb, daß an deinem Himmel strahl in heitrem Glanz die Sonne, und laß uns wieder überall empfinden Freud und Wonne; wir wissen und bekennen frei, daß außer dir kein Helfer sei im Himmel und auf Erden. 6. Wir stehn gebeugt, er= barme dich, erhöre unser Flehen; hilf deinen Kindern väterlich; laß einmal stille stehen die Fluth, ohne Unterlaß verschwemmet 653. Du großer Gott, der das Getreid und Gras und unſre Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. die Flur verödet. du die Welt so wundervoll erbauet, so herrlich Alles darge- 7. Erheitre den Himmel bald stellt, was man hienieden schauet, und wehr hinfort dem Regen; den Wolken auch gesetzt ihr Ziel, es muß ja, wenn dein Wort damit des Wassers nicht zu viel erschallt, der Stürme Macht sich herab auf's Erdreich fließe. legen. Gieb einmal wieder 2. Wir klagen dir, daß wir trodne Zeit, damit wir, Gott, die Sonn jetzt kaum aufblicken mit Freudigkeit einsammeln dei= sehen, daß Wolken, die Verder- nen Segen. ben drohn, jetzt stets am Him8. Du Gott, zu dem voll mel stehen; es strömet ohne Un- Zuversicht wir unser Herz er= terlaß der Regen im gehäuften heben, du wirst der Sonne Maß aus den bewölkten Höhen. heitres Licht uns gnädig wieder= 3. Die Schnitter sollten ihre geben. Wir wollen dann mit Hand zwar bald mit Garben höchstem Fleiß dir, Vater, sin= füllen, auch konnte das so reiche gen Lob und Preis hier und Land den Mangel völlig stillen; in jenem Leben. nun aber, da man freudevoll die reifen Früchte sammeln soll, muß sich der Tag verhüllen. 4. Die Fluth ergießt sich weit 2. Nach dem Sonnenschein. mel. Nun laßt uns Gott, dem zc. und breit und droht der Saat 654. Erschallt, ihr FreudenVerderben; die Frucht muß vor der Erntezeit hinsinken und er- lieder, sie scheint, sie strahlet 458 In besondern Fällen. wieder, ich seh sie, welche Wonne,| mehr; um ihretwillen schließe die lang verhüllte Sonne. du doch nicht die milden Händezu. 2. Der Himmel ist enthüllet, mit Heiterkeit erfüllet, der Abend zeigt die Sterne in jener blauen Ferne. 3. Jauchzt mit uns, ihr Gefilde, der neuen Sonne Milde, befingt des Schöpfers Ehre, ihr alle seine Heere! 4. Erhöre unser sehnlich Flehn; send Regen uns aus deinen Höhn, der bald erquick das dürre Land, das von der Sonne Glut verbrannt. 5. Mach unsre Felder feucht und weich, mach sie an milden Früchten reich; erquick uns nach der dürren Zeit, du Gott, der Menschen gern erfreut. 6. Erhör uns, Herr, von deinem Thron, wir bitten dich durch deinen Sohn, und wollen deine Gütigkeit mit Dank erheben 4. Gott, welche Sorgen lagen auf uns in jenen Tagen, als Regen und als Schlossen sich auf die Flur ergossen. 5. Dank dir, der unser Flehen, das hin zu deinen Höhen so sehnend drang, erhöret und allezeit. Sonnenschein gewähret. 6. Erhalt den Himmel heiter, 4. Nach dem Regen. und segne uns noch weiter, laß mel. Herr Gott, den man dreieinig zc. uns mit frohen Händen die Ernte ganz vollenden. 656. Bereite dich, mein Herz, 7. Wir wollen deine Güte aus allen Kräften, entzeuch dich mit fröhlichem Gemüthe, mit jetzt den irdischen Geschäften, unserm ganzen Leben hochpreisen ergreif dein Saitenspiel mit froher Hand und finge Gott dein Lied, von Dant entbrannt. und erheben. 3. Bei anhaltender Dürre. Mel. Wenn wir in höchsten 2c. 2. Schwing dich empor mit fröhlichem Gemüthe und preise dein Gebet so gnädig hat ers Gott, erhebe seine Güte, der 655. Ach Herr, du allerhöchster Gott, es drückt uns eine hört; sprich: Herr, wer ist, wie große Noth: es sinkt dahin, es stirbt die Saat, da sie nicht Thau noch Regen hat. du, so liebenswerth! 3. Du fiehest, Gott, auf der Bedrängten Flehen erbarmungs2. Das Erdreich ist wie Asch voll von deines Himmels Höhen; und Staub; matt, ausgedorrt wir haben kaum gebeugt vor sind Gras und Laub; das ganze deinem Thron die Noth getlagt, Land steht jämmerlich, nach so hilfest du uns schon. Kühlung lechzt und sehnt es sich. 4. Du siehest an das lech3. Erbarme dich, Gott unser zende Gefilde und wässerst es Herr; nicht unsrer Sünden denke so gnädig und so milde; du 459 und Wetter her, machst durch der Blite Brand die Luft von Dünsten rein und tränkst das dürre Land. 5. Ein Tropfenstrom, getrieben von dem Winde, ergießet sich und netzt die dürren Gründe, und unser Feld, das so erstorben schien, lacht und steht jezt so neu belebt, so grün. 3. Güte, welcher nichts, wie nichts der Allmacht gleichet; o Weisheit, die kein Sinn der Sterblichen erreichet! Ach, möchten wir es doch in froher Ehrfurcht sehn, die Größe deiner Huld in Wettern selbst verstehn! 6. Herr, unser Gott, wer ist dir zu vergleichen; wer gab von seiner Macht uns solche Zeichen, wie du, o Gott! Dir muß der Sonnenschein, Wind, Regen, Bliz sogleich gehorsam sein. 4. Denn, wenn die Wetter gleich Luft, Erd und Meer erschüttern, so darf ein frommtes Herz dabei nicht ängstlich zit7. Nun, höchster Herr, wir tern. Christ, siehst du Gottes preisen deinen Namen; wir dan- Macht, so denke froh dabei, daß ten dir, daß du Gras, Frucht sie so furchtbar groß zu deinem und Samen zu rechter Zeit mit Schutze sei. Regen haft erquict, und schaffst, daß dann die Sonne wieder blickt. 5. Gewiß, du ehrst Gott nicht, wenn du als Sclave bebest und bei des Donners Schall in lauter engsten schwebest. Es liebet Gott an uns zwar EhrRuh erbietigkeit, allein auch Zuversicht und Glaubens- Freudigkeit. 5. Bei Gewittern. Mel. O Gott, du frommer Gott zc. 6. Und sollte dieser Sturm dir etwa Schaden bringen, so suche bezwingen. Gott ist's, der es christlich stark den Unmuth zu 657. Höchster, deſsen Kraft verhängt; und was er läßt geLuft, Meer und Erde träget, der schehn, ist weise und uns gut, Erde, Luft und Meer durch wenn wir's gleich nicht ver= einen Wink beweget, ich traue stehn. deiner Güt und ehre deine 7. Doch weil so fester Muth Macht, selbst wenn bei Sturm in unsrer Macht nicht stehet und und Blizz dein Donner schreckend man sich nur durch dich zu dir, tracht. o Gott, erhöhet, so flehe ich zu 2. Du führest väterlich der dir, der alles Gute schafft, gieb Saat zum reichen Segen, in mir, dir zu vertraun, selbſt Wolten über uns den oft ge- Freudigkeit und Kraft. wünschten Regen durch Wind 8. So oft wir blizen sehn, Bei Gewittern. giebst Befehl, daß sich die Woltenfluth ergießen soll, wie sie es jeho thut. 8. Auch bitten wir: beglück mit deinem Segen uns fernerhin auf allen unsern Wegen; laß uns mit Dank in und ungekränkt genießen das, was deine Huld uns schenkt. 460 In besondern Fällen. so oft wir donnern hören, laß| 3. ,, Den, der dich schuf, eruns durch Ehrfurcht dich, doch nährt und schüßt, dich väterlich auch durch Hoffnung ehren. Hat umfing, den Gott, der nun am deine Güte schon den Bliz her- Himmel bligt, den hieltest du vorgebracht, so ist sein Strahl gering!" doch auch ein Zeichen deiner Macht. 9. Was ist, das dir dein Nichts mehr fühlbar machen könnte, o Mensch, als dieser Sturm empörter Elemente? Er predigt, Sterblicher, der oft so tropig ist, mit lauter Stimme dir, wie schwach, wie klein du bist. 10. Gott, der die Wolken lenkt, erbarme dich aus Gna- 6. Vielleicht, daß noch ihr den; deck uns mit deiner Hand sichres Herz erwacht, und seine und wende allen Schaden; gieb, Schuld vor dir bekennt mit Neu daß der Feuerstrahl, der Wind, und Schmerz, drum trage noch der Schlossen Heer nicht Men- Geduld. schen, Wohnung, Vieh und unsre Flur versehr. 11. Bei drohender Gefahr, bei Donner, Blizz und Stürmen laß deine Lieb und Macht uns, deine Kinder, schirmen. Vor allem aber gieb, wenn die Gefahr vorbei, daß dir nun Jedermann recht herzlich dankbar sei. Mel. Lobt Gott, ihr Christen alle 2c. 658. Es donnert; Gott, wie 4. ,, Gott fennt dein Herz, er weiß dein Thun, er, der die Menschen wägt; was bist du, wenn sein Blizstrahl nun dich schnell zu Boden schlägt?" 5. Verschone, geh nicht in's Gericht mit Sündern diesmal, Gott; du bist barmherzig, liebest nicht der Sünder schnellen Tod. schrecklich ist des Himmels Wetternacht! Es bligt, es donnert; Gott, du bist, und groß ist deine Macht! 7. Vor deines Gottes Majestät erzittre nicht, o Chrift, wenn er in Donnerwolken geht und um sich Blizze schießt! 8. Der Blitz des Herrn fährt wunderbar von seinem Wolkenthron; trifft nur, wenn Gott will; frümmt kein Haar, wenn Gott ihm ruft: verschon! 9. Sprich, Christ: wenn Gott sein Gericht; er ist der Hert, mich tödten will, gerecht ist erwarte still und laß im Tod ihn nicht. 10. Des Donners Schöpfer ist mein Freund; wenn er mich schnell entrückt, so weiß ich, daß er's gnädig meint, und ewig mich beglückt. 2. Der Donner Gottes schallt in's Ohr des Sünders, und er zagt, hebt zitternd kaum sein 11. Wer Gott bei stillem Aug empor, wenn sein Ge- Himmel ehrt, singt ihm auch wissen sagt: dann ein Lied, wenn er auf Bei und nach Gewittern. 461 schwarzen Wolken fährt; steht, beschüßen, ob Erd und Welt den wenn der Sünder flieht. Einsturz dräun; drum will ich unter Sturm und Blizen nur weiß, mich trifft nichts ohne beten und dann stille sein. Ich dich, und was du schickst, beſeligt mich. ( S. auch Nr. 23. 49. 56. 60. 66.) Mel. Was ist vor deinem Angesichte 2. 659. Du bist es, Gott, der aus dem Wetter mit uns so majestätisch spricht, und außer dir ist ein Erretter, ein Helfer, ein Beschützer nicht; nur du, durch den die Donner dräun, fannst tödten und auch Schuß verleihn. 6. Nach dem Gewitter. Mel. Herr Christ, der einig 2c. 660. Herr Gott, nun ſei ge= 2. Wer kann sich deiner Hand priesen, daß du zu dieser Zeit entziehen; du bist uns allent- uns Schutz und Schirm erwiehalben nah. Wollt ich in tiefe sen in der Gefährlichkeit des Höhlen fliehen, so bist du auch Donners, der uns schreckte, des in Tiefen da. So will ich denn Blizzes, der sich streckte so feurig zu dir selbst hin, in deine Va- durch die Luft. terarme fliehn. 2. Wir haben jett gesehen, Herr, deine große Macht, vor der nichts kann bestehen; denn, wenn dein Donner fracht und sich dein Blitz entzündet, wer ist, der nicht empfindet, wie groß, wie stark du bist? 3. Verschone mich erbarmend, schone, vergieb mir gnädig alle Schuld; umfaß in Christo, deinem Sohne, mich, Gott, mit deiner Baterhuld; dein Geist versichre meinen Geist, daß du durch ihn mir gnädig seist. 4. Dann mögen Wetter sich erheben und Blitze noch so feurig glühn, ich bin getrost, ich darf nicht beben, wenn ich dir werth in Christo bin. Ach, laß doch, Bater, laß mich dein in Christo Jeju ewig sein. 3. Das Wetter ist vergangen, vorüber die Gefahr; wir haben Schutz empfangen von dir, der um uns war; du hast uns unser Leben, und was du sonst gegeben, auch gnädig jetzt bewahrt. 4. So reiche, hohe Gnade er5. Erheben will ich dich, mein weist uns Menschen Gott; er Retter, für deine Huld, die mich schützet uns vor Schaden auch erhält, und riefst du auch in in der größten Noth. Laßt uns diesem Wetter mich ab aus die- ihn herzlich loben, sein Ruhm ser Unterwelt: so ist mir selbst sei hoch erhoben, so weit der der Tod Gewinn, da ich dir Erdkreis geht. werth in Christo bin. 6. Du wirst mich decken und I 5. Laßt uns stets beten, wachen, daß wir an jenem Tag, 462 In besondern Fällen. der Alles fund wird machen,| 7. In theuern, nahrungsschweren was noch verborgen lag, einst Zeiten. mögen wohl bestehen und mit Mel. Warum betrübst du dich zc. dem Herrn eingehen zur ewgen 662. Anmächtiger, gerechter Seligkeit. Gott, wir klagen dir jett unsre Noth, erhör uns gnädiglich. vernimm, Gott, unjer Sieh unser Weh und UngeMel. Was ist vor deinem Angesichte ic. mach, 661. Jch preise dich, Herr, seufzend Ach. mein Erretter, der seine große 2. Mit Reu und Wehmuth Kraft bewies, dich, starken Gott, müssen wir, gerechter Gott, be der sich im Wetter so majestä- tennen dir in dieser theuern tisch hören ließ; dich, der des Zeit, daß Sündenschuld und Bliges Strahlen lenkt, im Missethat sie über uns geführet Sturm uns deckt, uns Gutes hat. schenkt. 3. Du hast uns zwar viel 2. Selbst Sturm und Don- Guts gethan, dies muß bekenner bringt uns Segen, macht nen Jedermann; wer aber hat, nicht bloß deine Macht bekanni; o Gott, die unverdiente große er bahnt den Weg dem milden Güt erkannt mit dankbarem Regen, verbreitet Fruchtbarkeit Gemüth? auf's Land, und macht die Luft, die sonst zu schwül und drückend wäre, leicht und fühl. 4. Wie Mancher liebte Schwelgerei, wie mancher Geiz, und hat dabei die Armen nicht 3. Wie lieblich hebt sich das bedacht und nur das Irdische Getreide, geträntet durch den gesucht: drum fehlt nun NahRegenguß, und wie vergnügt rung, Korn und Frucht. betritt die Weide der neubeleb- 5. Ach, drückend schwer, groß ten Thiere Fuß; wie munter ist die Noth; so Biele seufzen fingt der Vögel Chor zu dei- jetzt nach Brod mit fummer nem Preise, Gott, empor. voller Stimm; Vorrath und Segen sind hinweg, so ganz von uns genommen weg. 4. Sprichst du, Herr, gleich nicht mehr aus Wettern, dein Zorn bleibt schrecklich für und 6. Laß dir, erbarmungsvoller für; droht gleich kein Blitz uns Gott, zu Herzen gehen unsre zu zerschmettern, so bleibe doch noth nach deiner großen Güt; die Furcht vor dir. Wer dich, vergieb uns unsre Missethat, Gott, stets recht findlich scheut, weil sie dein Sohn getilget hat. verzagt nicht, wenn dein Donner dräut. 7. Laß unser Elend jammern dich, und überschütt uns mil( S. auch) Nr. 50. 57. 69. 72. 364.) diglich mit Segen aus der Höh; In Theurung. 463 laß uns nicht länger traurig der Engel Schar dort loben gehn, die wir auf deine Hand werden immerdar. nur sehn. 8. Thu auf, Herr, deine milde Hand, such heim in Gnaden unser Land und segne dein Gewächs; tränk seine Furchen, mach es reich, mach es mit Thau und Regen weich. Mel. Aus meines Herzens zc. 663. Du bester Trost der Armen, Gott, Schöpfer aller Welt, du Bater voll Erbarmen, der, was er zusagt, hält; du, 9. Laß das Getreid gerathen du erhörst Gebet, o höre, was wohl, daß unsre Scheunen wer- der Glaube zu dir jetzt aus den voll, o gnadenreicher Gott, dem Staube in tiefer Noth ermit deiner Güte frön das Jahr und reich uns wieder Segen dar. fleht. 2. Der Nahrungsmangel 10. Du, der sogar die Thiere dringet auf uns und unser Land; nährt, das Schrein der jungen so Mancher steht und ringet die Raben hört und ihnen Speise nahrungsleere Hand. Du weißt, giebt, auch uns wirst du ver- du siehest, Gott, wie unter banlassen nicht, du, unsers Herzens gen Sorgen vom Abend bis Zuversicht. zum Morgen so mancher seufzt nach Brod. 3. Ach, Sünd und Sorgen drücken uns jetzt so schwer, so hart; doch schonen und erquicken ist ja der Väter Art. Und du, o Vater, du bist gut vor allen Vätern, und neigst selbst Uebertretern dein Herz bald wieder zu. 11. Es hat uns ja dein Sohn erkauft; wir sind auf seinen Tod getauft, zu Kindern dir geweiht; um seinetwillen hilf uns, Gott, und rette uns aus dieser Noth. 12. Vor allen Dingen, höchfter Hort, erquicke uns mit deinem Wort, und gieb uns deine Gnad, zu suchen das, was droben ist, und aufzusehn auf Jejum Christ. 13. Daß wir die Güter diejer Welt gebrauchen, wie es dir gefällt, zu deines Namens Ehr, zum Wohlthun und mit Mäßigfeit, dazu hilf uns, Herr, allejeit. 4. Wenn sie mit ernster Reue zu dir um Hülfe schrein, jo willst du bald auf's neue ihr Gott in Christo sein. Herr, unsre Zuversicht, zu dem wir weinend flehen, auf den wir alle sehen, hilf uns, verlaß uns nicht. 14. Dein wollen wir, Gott, Bater, Sohn und heilger Geist, hienieden schon uns freun, dir 5. Gott, unser Heil, ach wende der schweren Zeiten Lauf. Thu deine milden Hände, die Vaterhände auf. Was webt und danten stets, bis wir dich mit Leben hat, nährst du mit Wohl 464 In besondern Fällen. gefallen; so schaff denn auch| Sarg hinaus in banger Angst uns Allen bei diesem Mangel getragen. Der Seuche plözlich Rath. födtend Gift greift um sich weit, und wen es trifft, weiß oft kein Arzt zu heilen. 4. Bekümmert treten wir 6. Herr, der du uns auch schufest, sei uns mit Hülfe nah. Allmächtiger, du rufest, und, was nicht war, steht da. Uns vor dich in Herzensreu und helfen, ist dir leicht; du kannst Buße, wir fallen dir demüthigdem Mangel wehren und Ueber- lich, du bester Arzt, zu Fuße; fluß bescheeren, wenn's uns erbarme dich, Allgütiger, er unmöglich däucht. barme dich, Allmächtiger, und wehre dem Verderben. 7. Erhöre uns und fröne das Jahr mit deinem Gut; 5. Erbarmender, zeig uns dein und unser Herz gewöhne, daß Heil, laß uns doch vor dir lees in dir ganz ruht, daß wir ben und bei der Seuche schneluns deiner freun, und, wenn lem Pfeil uns deinen Schuh wir Güter haben, gern geben, umgeben. Allmächtig bist du, deine Gaben durch Mißbrauch Gott, und gut; nimm Leib und nicht entweihn. Seel in deine Hut, daß wir bewahret bleiben. 8. Bei gefährlichen Seuchen. Mel. Ach Gott vom Himmel zc. 6. Laß deine Engel ferner fort uns auf den Händen tragen; wehr bei uns und an je 664. Gerechter Gott, wir dem Ort dem Lauf gehäuffer klagen dir, daß Missethat und Plagen; wend ab die drohende Sünden der Plage Ursach sind, Gefahr; vor bösem schnellem die wir jetzt scheun und schon Tod bewahr uns, die wir auf empfinden. Der Seuchen und dich trauen. des Todes Pfeil fleucht um 7. Sollt aber dieses sein dein uns her in schneller Eil von Will, uns jetzt mit hinzurüden, einem Ort zum andern. so gieb, daß wir uns christlich 2. Der Tod geht, du erlaubst still zum Tode recht anschicken. es ihmn, umher, würgt und ver- Dann wird der Tod, wenn et heeret, weil wir nach deines uns hin in's andre Leben führt, Wortes Stimm uns nicht zu Gewinn, da wir die Hoffnung dir bekehret, wir nahmen es haben: nicht folgsam an; nun, nun erinnert uns daran der Tag der Angst und Schrecken. 8. Wer Jesum liebt, sein Wort nimmt an mit redlichem Verlangen, dem wird auch auf 3. Man höret in so manchem der Todesbahn, Gott, deine Haus nur weinen und wehtla- Huld umfangen: gereiniget von gen; und Sarg wird jetzt auf Missethat, geht er zur Ruh 465 unsre Noth; auch uns bedroht mit Schmerz und Tod die mörderische Seuche. Hilf uns, 0 Gott; hilf, treuer Gott, daß sie uns nicht erreiche. 9. Am besten ist's auch jederzeit, in deine Hände fallen, du liebst und übst Barmherzigfeit so gerne an uns Allen. Weh dem, der sich zu dir nicht hält und hin in Menschenhände fällt, da ist oft kein Erbarmen. 10. Nun, Vater, thu, was dir beliebt, wir wollen's dir empfehlen; wer sich in deinen 3. Oft haben wir dir widerWillen giebt, darf sich nicht strebt, den Lüsten mehr, als dir ängstlich quälen. Ein Sper- gelebt, was dir mißfällt, verling hat so wenig Werth, und übet; wenn du gelockt, uns doch keiner fällt doch auf die Erd, verstockt, durch Undank dich bewenn du es nicht verstattest. 2. 3war unsre große Missethat verdient nicht, daß dein Liebesrath uns noch mit Langmuth träget. Sind wir mehr werth, als die dein Schwert jetzt häufig niederschläget? trübet. Bei ansteckenden Krankheiten. nach deinem Rath, zum Leben, wenn er stirbet. 11. Wir wissen, unsers 4. Doch, Vater, gehe mit Hauptes Haar sind, Herr, von uns nicht, nach unsern Sünden dir gezählet; es dient zum Besten in's Gericht; Erbarmer, ach, verimmerdar, was du uns hast er- schone! Erlaß die Schuld nach wählet; du nur, Allweiser siehest deiner Huld in deinem liebsten ein, was uns mag gut und selig Sohne. sein, und wirst es uns verleihen. 5. Beschüß uns, Herr, mit deiner Hand, schüß unsern Ort 12. Vornehmlich stehe denen und unser Land, entferne Furcht bei, die schon die Noth betroffen; und Plagen. Gieb, was uns laß sie auf deine Batertreu im gut, gieb frohen Muth, das Kummer christlich hoffen, und glauben, daß du ihnen doch mit Hülfe nahe seist und noch voll Huld an sie gedenkest. Glück von unsern Tagen. 6. Und sollen wir gezüchtigt sein, so flöß uns die Gesinnung ein, daß wir bereitet stehen, wenn dir's gefällt, aus dieser Welt vor deinen Thron zu gehen. 13. Gott Vater, Sohn und heilger Geist, es zeugen alle Zeiten, daß du den Deinen nahe jeist in allen Fährlichkeiten; o rette jetzt uns gnädiglich, und 9. Bei Kriegsunruhen. Mel. Ach Gott vom Himmel 2c. unser Herz soll ewig dich für 666. Ach Gott, uns schreckt, deine Güte preisen. Mel. Ich freue mich, mein Gott c. uns liegt im Sinn die Fluth der Kriegesplagen, die 665. Gott, du tenneft manche Länder hin ergießt in 30 Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. 466 In besondern Fällen. diesen Tagen. Entblößet hat| Recht und Wahrheit halt emder Völker Zwist das Schwert, por die Ruhe und der Friede. und sein Gefolge ist Verheerung, Elend, Jammer. 2. Wir müssen alle nun vor 7. Steh anderswo auch denen bei, die schon die Noth betroffen, erfüll nach deiner Vadir, gerechter Gott, bekennen: tertreu, was sie im Glauben du wärst, wenn uns die Noth hoffen: du warst stets gnädig, auch hier beträf, gerecht zu nen- bist es noch, mit deiner Hülfe nen. Denn sollten jene nur wirst du doch auch sie der Noth allein der Strafe werth und mehr noch sein, als wir, die du noch schoneft? entreißen. 8. Gott, du, du fannst der Fürsten Herz wie Wasserbäche 3. Drum treten wir gebeugt lenken; ach, laß sie ihrer Völker vor dich in Herzens Reu und Schmerz recht väterlich bedenBuße, wir fallen dir demüthig- ken. Sprich du selbst ihnen lich, gerechter Gott, zu Fuße: mächtig zu, so können wir in ach, sei uns gnädig, schon und Fried und Ruh dich, Vater, wend die Flamme, die noch dankbar preisen. ferne brennt, daß sie uns nicht ergreife. mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 667. Es zieht, o Gott, ein 4. Ach, oft ist auch der Nebenchrist bei uns gedrückt, be- Kriegeswetter jetzt über unser trogen, durch Schein des Rechts, Gewalt und List das Seine ihm entzogen. Dein Segen ist so lange Zeit zur Wollust, Pracht und Ueppigkeit auch unter uns mißbrauchet. Haupt einher. Doch bist du unser Schutz und Retter, so fürchten wir uns nicht zu sehr. Nicht Menschen Macht, nur deine Kraft ist's, die uns Sieg und Heil verschafft. 5. Verzeih es, Gott, und laß 2. Drum fliehen wir in deine hinfort uns deine Hand be- Arme, du Vater der Barmherwahren, daß wir nicht auch an zigkeit, und flehen voll Verunserm Ort die Kriegesnoth er- traun: erbarme dich über uns fahren. So wie ein guter Va- zur schweren Zeit. Laß Gnade ter thut, so nimm uns auch in doch für Recht ergehn, so bleideine Hut, daß wir im Frieden ben wir noch aufrecht stehn. bleiben. 3. Doch findet, Herr, dein 6. Dem Feinde, der jetzt auf weiser Wille noch ferner Züchuns dringt, dem wollest du bald tigungen gut, so mache meine wehren, und das, was uns Seele stille bei dem, was deine Verderben bringt von unsern Vorsicht thut; ich, dein Geschöpf Grenzen kehren; dein Schuß und auch dein Kind, weiß, daß umschließe unsre Thor, und es Vaterschläge sind. In Kriegszeiten. 467 4. Die kleine Einsicht meiner| des Würgens und der Angst erSeele, Allweiser, schreibe dir nie stickt. Auf, werdet jegt ganz vor. Gieb, daß ich nie so gröb- Dankbarkeit, die ihr durch ihn lich fehle; das wagt vermessen begnadigt seid. nur ein Thor. Ist gleich, was beine Weisheit thut, mir unbegreiflich, ist's doch gut. 2. Gott ist der Herr der Kriegesscharen; er schlägt und bricht der Stolzen Truß. Er ist der 5. Du züchtigest, doch stets| Retter aus Gefahren; er, er ist mit Maßen, und meinst es im- der Verlaßnen Schuß. Preist, mer väterlich; auch uns wirst du nicht ganz verlassen, auch unsrer Noth erbarmst du dich. Wir sollen nur durch Angst und Bein geläutert und gereinigt sein. Menschen, seine große Macht, die liebevoll an uns gedacht! 3. Wie furchtbar zog, gleich wilden Fluthen, des Krieges Grimm und Wuth daher und 6. Zuletzt wird Jeder sagen traf die Bösen und die Guten. müssen: das hat die Hand des Doch Gott gebot: Nur bis hieHerrn gethan: so brach er nach her! Zur Pflugschar ward des verborgnen Schlüssen zum bes- Würgers Schwerdt, der Spieß jern Ziele leicht die Bahn: so zur Sichel umgekehrt. hat der, der die Himmel trägt, 4. Preist Gott, und lernt ihm den Zwift der Völker beigelegt. ferner trauen, wenn sich ein Un= glück auf euch stürzt. Ihr wer668. Verleih uns Frieden det seine Hülfe schauen, denn gnädiglich, Herr Gott, zu unsern seine Hand ist nie verkürzt, und Zeiten. Es ist ja doch ein An- immer steht uns seine Treu mit drer nicht, der für uns könnte Hülfe, Trost und Segen bei. streiten, denn du nur, Gott, alleine. 2. Gieb unserm Fürsten und aller Obrigkeit Fried und gut Regiment, daß wir unter ihnen 5. Nun preist ihn auch durch frommes Leben und reizet seinen Arm nicht mehr. Bedenkt mit heiligem Erbeben: hart war sein Zorn, sein Eifer schwer. Und doch trug er, der Gott der Huld, geruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottselig- noch schonend unsre größre feit und Ehrbarkeit. Amen. 10. Nach dem Friedensfchluß. Mel. Was ist vor deinem Angesichte zc. du GeSchuld. 6. Preist ihn durch Wohlthun und Erbarmen, wo Elend eure tigen und Armen ſpeiſt, tränket, Brüder drückt; die Hülfsbedürf= hent des Himmels, o Friede, fich des Friedens freu und Nieder die Welt beglüdt! Gott hat mand ferner traurig sei. die Schrecken des Getümmels, 7. Dann fingt ihr wahre 30* In besondern Fällen. Friedenslieder, dann ist das; hin; und Schmerz der Mütter Herz voll Dankbarkeit, wenn Herzen brach, und Thränen ihr als eines Leibes Glieder in flossen ihnen nach. Lieb und Frömmigkeit euch freut. Dies Glück, dies große Glück, o Gott, erhalt uns bis an unsern Tod. 468 Gott, furchtbar war der Völter 3wist. Dank dir, Allgütiger, er ist durch dich, der Erd und Himmelträgt, geschlichtet und nun beigelegt. Das Schwerdt, das Bruderblut vergoß, ist wegMel. Herr Gott, dich loben wir zc. 670. Zu dir, Unendlicher, gelegt. Aus seinem Schoß strömt zu dir, Allgütiger, der Völkern uns der Friede, sanfte Ruh und still zu sein gebot und Frieden Ueberfluß und Segen zu. sandte, zu dir, Gott, steigt unser Du siehst uns hier, wir beJubelton empor, zu unsrer hö- ten an dich, Gott, der dies an hern Brüder Chor singt unser uns gethan. Laß ihn, laß ihn Herz, entflammt von Dank, den beständig sein, den Frieden, deß lauten, hohen Lobgesang: Ge- wir uns jetzt freun; in seinem lobt, gelobt sei Gott, der Welt- Schoße laß uns nun und auch beherrscher, Gott; der Weltbe- noch unsre Nachwelt ruhn. glücker, Gott; der Friedensgeber, Gott! Aus deiner milden Fülle geuß Gedeihn herab auf unsern Fleiß. So lang du uns noch wallen heißt im Bilgerthal, laß deinen Geist, den treuen Führer, mit uns sein; dann führ zur ewgen Ruh uns ein. Amen. Wer ist an Majestät dir gleich, an Güte und an Macht so reich! Du sprichst ein Wort: der Himmel schweigt. Du sprichst ein Wort: der Erdtreis neigt sich tief anbetend vor dir, Gott, und ehret schweigend dein Ge- 11. Um Erhaltung des Friedens. bot. Du siehst, wenn Völker sich Mel. Es ist das Heil uns kommen 2. entzwein, mit Schwerdt und Waffen sich bedräun. Die Waf- 671. Herr Gott, wir preiſen fen sinten, und der Streit wird deine Macht mit freudigem Gestill, wird Ruh und Einigkeit, müthe. Du haft bisher für so bald nur deine Rechte dräut uns gewacht durch deine große und Völkern still zu sein gebeut. Güte, daß Jedermann von uns Wie schreckend, wie verhee- in Ruh die Werke des Berufs, rend war empörter Völker wie du befiehleft, kann verrichten. 3wist! Gefahr und Angst und 2. In unserm Lande blitt Noth und Tod umgab uns dro- tein Schwerdt, Unschuldige zu hend; offen stand das Grab, tödten; es ist von Feinden unund unsre Brüder santen hin, verheert und frei von Krieges bei Scharen in das Grab da- nöthen. Es füssen Treu und Um Erhaltung des Friedens. 469 Güte sich, und es umpfahn sich| 3. Nie gedentet mein Geschwesterlich Gerechtigkeit und müthe ohne frohe Dankbegier Friede. jener unverdienten Güte, da du durch die Taufe mir das erhabne Recht gewährt, daß ich, Gieb allen Mächtigen den Sinn, für dein Kind erklärt, mich des in Frieden zu regieren. Er- Segens der Erlösten voller 3uhalt uns deine Lehr und Wort, versicht darf trösten. und laß in Ruh an jedem Ort Glüd, Heil und Tugend blühen. 4. Laß uns auch selbst friedfertig sein und alle 3wietracht meiden. Ein Herz von Haß und Feindschaft rein, entgehet manchen Leiden; hier strömt ihm manche Wonne zu und dort genießt es ewge Ruh, wo ewger Friede herrschet. 3. Allmächtiger, laß uns forthin auch deine Gnade spüren. C. In einigen persönlichen Umständen. 4. In den zarten Jugendjahren warst du meines Lebens Stab, mein Beschirmer in Gefahren. An dir hab ich bis in's Grab einen Vater, der mich liebt, einen Vater, der mir giebt, was zum wahrenWohl mirmützet; einen Vater, der mich schützet. 5. Gott, du machst es alles besser, als wir wünschen und verstehn. Deine Güte ist viel größer, als die Kraft, dich zu erhöhn. Schallte gleich so hoch mein Dank, wie der Seraphim Gesang: dennoch würde durch mein Loben deine Huld nicht gnug erhoben. 1. Für frohe Christen am Geburtstage und sonst. Mel. Freu dich sehr, o meine zc. 672. Gott, mein Vater, deine 6. Oso zeug durch deine Liebe reicht so weit der Himmel Liebe, Herr, mein ganzes Herz it. Deines Wohlthuns starke zu dir. Stärt und mehre selbst Triebe sind so ewig, als du die Triebe wahrer Dankbarkeit bift. Deiner Huld Unendlich feil, Gott, erschöpfet feine Zeit; und wer fann die vielen Broben deiner Güte würdig loben! in mir. Laß mich ganz dein eigen sein, so mich deines Wohlthuns freun, daß auch mir auf dieser Erde Wohlthun wahre 7. Ja, laß jede deiner Ga2. Als ich noch, der Welt Freude werde. verborgen, in dem Schoß der Mutter lag, wachtest du, für ben recht zu brauchen mich bemich zu sorgen, über mich schon mühn; stets den 3wed vor jeden Tag. Durch den Beistand Augen haben, dazu du sie mir deiner Macht bin ich an das verliehn. Deine Güte reize mich, Licht gebracht, und was hat daß ich immer stärker dich, mein ganzes Leben Gutes, das Gott, von ganzem Herzen liebe, du nicht gegeben? deinen Willen freudig übe. 470 In persönlichen Umständen. Mel. Lobt Gott, ihr Chriften, 2c. 10. Und welche Wohlthat, 673. Mein Geist erstaunt, Herr, ist nicht dies Herz, das Allmächtiger, wenn er der Gnade fühlen kann; dies Herz, ganz denkt, womit du mich, mein Gott dein, das dankbar spricht, was und Herr, so unverdient beschenkt. du an mir gethan! 2. Dann ist mein Herz so hoch erfreut, ganz deiner Güte voll, und weiß vor heißer Dankbarkeit nicht, wie es danken soll. 11. Rein Lag soll anders mir vergehn, als unter deinem Preis, ich will dich lieben und erhöhn, so gut ich kann und weiß. 12. In Schreden, Angst, Ge 3. Alls ich noch in der Mut- fahr und Noth trau ich allein ter Schoß, in Nacht verborgen, auf dich. Durch dich gestärkt, schlief, bestimmtest du für mich ist selbst der Tod mir nicht das Loos, das mich zum Leben rief. mehr fürchterlich. 4. Du wählst des Sterblichen 13. Wenn trachend einst der Geschick, eh er geboren ist; und Bau der Welt sich aus den Anso ward ich,- o welch ein Glück! geln reißt, will ich den preisen, -schon als ein Kind ein Christ. der mich hält, dich, der mich 5. Mein Lallen, Herr, ver- leben heißt. nahmst du schon, was noch kein 14. Dich, der mich bei der Flehen war, und neigtest zu des Welten Sturz mit starkem Arm Weinens Ton dein Öhr erbarerhob. Selbst Ewigkeiten find zu kurz, o Höchster, für dein Lob. mend dar. 6. Wenn in der Jugend ich vom Pfad der Tugend mich Mel. Nun danket alle Gott zc. verirrt, hat mich dein liebevoller 674. So lang ich athme, Rath darauf zurückgeführt. Gott, will ich dein Lob verbreiDies Leben gabst du mit seinen Süßigkeiten; du und Gefahr, und vor dem Laster, gabeft mir Verstand, der dich das noch mehr, wie sie zu fürch7. Du warst mein Schutz ten. und meine Wehr vor Unglück mit erkennen kann, und boteft ewig Heil durch deinen Sohn mir an. ten war. 8. Ich sah, von Krankheit 2. Was bin ich, Gott det bleich, durch dich mein Leben Huld, daß du so viel mir schen mir geschenkt, und deine Gnad test? Was ist der Erden Sohn, erquickte mich, wenn Sünden Herr, daß du sein gedenkest? mich gekränkt. Ja, du gedachtest, Herr, schon 9. Von Freudenstrahlen glänzt vor der Welt an mich, und mein Blick, da du so hoch mich denkst noch meiner stets, und liebst und in der wahren Freundschaft Glück des Lebens Trost mir giebst. oft vergeß ich dich. 3. Und dennoch nimmst du mich, wenn ich die Schuld be Für frohe Christen. 471 reue, voll Gnade wieder an und segneft mich auf's neue. Hier 5. Dazu werden deine Wege mir noch täglich kund gethan, an des Grabes Nacht sei dir denn du führst zum Himmelsmein Dank geweiht, und einst stege mich durch deinen Geist vor deinem Thron, Gott der hinan, daß ich schon in meinem Barmherzigkeit. Sinn durch die Hoffnung selig bin, und hier schon im Glauben schmecke, was ich dort im Schaun entdecke. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele 2c. 675. Gott, mein Vater, sei gepriesen für die große Gütig- 6. Bin ich gleich mit Kreuz leit, die mir deine Hand er beladen, setzt mir Welt und wiesen durch die ganze Lebens- Satan zu; dies darf meinem zeit. Ach, wie soll ich doch da- Heil nicht schaden, bei dir find für recht mit Innbrunst danken ich Hülf und Ruh. Ja, es muß dir? Alle Kräfte meiner Seelen die Kreuzespein mir mehr gut, sollen deinen Ruhm erzählen. als schädlich sein, denn sie lehrt die Sünde hassen und mich ganz 2. Du hast, was genannt mag werden, erst aus Nichts auf dich verlassen. hervorgebracht, auch den Men- 7. Reichlich hast du auch geschen aus der Erden wunder- geben mir, o Gott, mein tägvoll und schön gemacht, und lich Brod; läsfest mich in Friewie viele Pracht enthält nicht den leben, frei von Best und sein Wohnplaß, diese Welt! Wie Hungersnoth; meine Ehre, meiviel Güter, wie viel Freuden, nen Stand dank ich deiner Vawie viel Hülfe selbst im Leiden! terhand; und was ich an Gütern habe, ist blos deine Gnadengabe. 3. Daß ich mit Verstand geboren und gesund bin in der Welt, auch, zum Christen ausettoren, wissen kann, was dir gefällt, oder mag zuwider sein: das hab ich von dir allein; was ist seliger zu nennen, als dich und uns selbst erkennen. 8. Ja, Herr, deine Güt und Treue ist ohn Ende, ohne Zahl. Jeden Morgen glänzt auf's neue mir dein holder Gnadenstrahl; drum, ihr Menschen, bringt mit Fleiß unserm Gott Lob, Ehr und Preis, rühmet seine große 4. Du hast auch die Straf Güte, lobt sein väterlich Gemüthe. und Plagen, die mit 9. Auch ihr, Engel, und ihr, ich verdient, deinen Sohn selbst Seelen, die ihr schon den Himlaffen tragen und bist mit mir mel schmückt, helft des Herren ausgefühnt, da er an des Kreu- Lob erzählen, tretet dort vor zes Stamm meine Sünden auf Gott entzückt, preiset seine Güsich nahm und mich von dem tigkeit, rühmet seine HerrlichFluch befreite, den mir das Ge- keit, und laßt da in vollen Chösebe dräute. ' ren eure Jubellieder hören. Sünden 472 In persönlichen Umständen. 10. Ich will auch zu seinen| Leiden: wie Gott will; es kommt Zeiten, wenn ich werde bei euch mir doch stets aus Baterhänden, sein, ihm sein Lob stets zu be- und wie bald zerbricht mein Joch, reiten, mich mit euch ohn Ende wenn es Gott will enden. freun. Unterdessen will voll Dank ich allhier mein Lebelang Herz und Hand zu ihm erheben und ihn preisen durch mein Leben. 4. Gottes Kinder säen zwar traurig und mit Thränen; aber endlich bringt das Jahr Frucht nach langem Sehnen. Dann 11. Heilig, heilig, heilig ist ihrer Ernte Zeit, da sie Garwerde Gott, dein Name stets ben binden; dann muß Sorge, genannt; denn der Himmel und Furcht und Leid ewiglich verdie Erde machen deinen Ruhm schwinden. bekannt. Deine Güte, deine Macht, Weisheit, Majestät und Mel. Nicht so traurig zc. Pracht, o, wo hat sie ihres 677. Warum bin ich so beGleichen! Gott, wer fann dein Lob erreichen! ( S. auch Nr. 365-379.) trübt? Weiß ich doch, ich bin ein Christ; weiß ich doch, daß Gott mich liebt und mein treuer Vater ist. Er führt mich mit weiser Hand, und ihm bin ich ganz bekannt. 2. Für Traurige und Bekümmerte. Mel. Christus, der uns selig 2c. 2. Mangelt mir, was in der 676. Gieb nicht deinem Un- Welt nöthig ist, zu meiner Ruh? das fällt muth Raum, schwermuthsvolle Ach, was ich bedarf, Seele; wache, daß kein leerer mir durch seine Gnade zu. Eh Traum dich mit engsten quäle. er mich an's Licht gebracht, hat Gottes weise Vaterhand mischt er's mir schon zugedacht. das Glück mit Bösen; dein Vertrauen halte Stand; er wird uns erlösen. 3. Hab ich Feinde, die mir drohn, ist ihr Haß mir fürchterlich? Sist dort Gott auf sei2. Unrecht, das ich einst ge- nem Thron, richtet und beschüßzet than, will ich gern ersetzen, blei- mich. Ich kann sicher sein und ben auf des Rechtes Bahn, ruhn, denn was kann ein Mensch Niemand mehr verletzen. Als- mir thun? dann reinigt Christi Blut mich 4. Fürcht ich künftige Gevon allen Schulden, und was fahr? Nein, so weit seh ich meine Schwachheit thut, will nicht hin. Ich, der erst ſeit der Vater dulden. turzem war, weiß nicht, ob ich 3. Ich bin Gottes, Gott ist morgen bin. Bin ich morgennoch: mein, Niemand kann uns schei- o da ist mir Gott wie heute nah. Dringt Verfolgung auf 5. Ist's das Voos der Sterbmich ein, Ärmuth, Krankheit, lichen, was mich ängstet, ist's den. Für Traurige und Bekümmerte. 473 der Tod? O, der Gott der Le-| Jesus meine Freude. Mir ward benden ist auch seiner Todten Gott. nicht viel beschieden, doch ist Und vollend ich meinen Lauf, mein Herz zufrieden. einst weckt er mich wieder auf. 6. Ist's auch meiner Sünden Schuld, was so schmerzlich mich betrübt? Kenn ich doch des Vaters Huld, der so gern, so gern vergiebt, glaub ich doch, daß Jesus Christ selber mein Vertreter ift. 3. Mein Heiland, Freund und Herr, wie arm, wie arm war der! Wie viel hat der gelitten, eh er ganz ausgestritten! Doch hat er alle Plagen mit Heldenmuth getragen. 4. Gieb, daß ich meine Schmach dir christlich trage nach. Laß meiner Last Beschwerden mir nie zum Fallstrick werden und für den andern Morgen wie Licht, deinem Blick kann mich niemals heidnisch sorgen. nichts entgehn; schau du selber 5. Nicht ewig währt mein. in mein Herz, und dann heile Leid; es kommt die Rettungsmeinen Schmerz. zeit. Du kannst mit deinen Ga7. Nun, mein Gott, ich selbst fann nicht meines Kummers Quelle sehn. Finsternis ist dir 8. Oder soll in Traurigkeit ben mich hier noch reichlich lameine Lebenszeit verblühn? Wie ben. Soll ich hier länger darben: du willst, kurz ist die Zeit, sie dort ernt ich reiche Garben. wird bald vorüber fliehn. Dort im Glanze deines Lichts, dort betrübt mich ewig nichts. 4. Für fromme Verarmte. Mel. Herr Gott, den man dreieinig 2c. 9. will das mir in den Schmerzen Linde- 679. Gott hat's gegeben und rung. Ich will fromm sein Gott hat's genommen! Ich und vor dir wandeln in der preise dich, Regierer deiner Heiligung; so wird alle meine Frommen. Zwar fühl ich wohl Bein mir nicht unerträglich sein. die Last der Dürftigkeit, doch murr ich nicht in Unzufriedenheit. 2. Du bist der Herr, und meine Seel ist stille; dein Wille 3. Für fromme Dürftige. Mel. Auf meinen lieben Gott 2c. 678. Nein, murren will ich Du führst uns wunderbar, doch väterlich: das glaub ich, Herr, und damit tröst ich mich. nicht, Herr, meine Zuversicht, daß ich nur wenig habe. Die allergrößte Gabe für dieses Pilgerleben hast du mir, Herr, gegeben. 2. Mir ward das beste Theil. Du bist mein Trost und Heil. In Tribsal, die ich leide, ist 3. Wenn's nüßlich mir und wenn es deiner Ehre, Allwissender, gemäß gewesen wäre, ſo hättest du mit milder Vaterhand mir gern der Erde Güter zugewandt. 474 4. Allein, was hülf's, hätt ich die Welt gewonnen und wäre nicht aus der Gefahr entronnen, darin man leicht durch Güter dieser Welt, wenn man sein Herz dran hängt, sie mißbraucht, fällt? In persönlichen Umständen. 5. Für Reisende. Vor der Reise. Mel. Nun freut euch, liebe zc. 680. In deinem Namen, Herr, mein Gott, schick ich mich jetzt zur Reise. Bewahr mich 5. Du jahst vielleicht: ich vor Gefahr und Noth zu deiwürd in guten Tagen nicht mehr nes Namens Preise. Herr, Leib nach dir und deinen Rechten und Seel empfehl ich dir nebst fragen, mein Herz dem Hoch- Ehr und Gut und was du mit muth und der Habsucht weihn und auf dieser Welt gegeben. gegen Arme unempfindlich sein. 2. Schick deinen Engel vor mir her, den Weg mir zu be6. Du sahst: die Tugend würde in mir sterben; ich würd im Mü- reiten; befiehl, daß er dem UnBiggange mich verderben, die Wol- glück wehr und allen bösen luft lieben und in Sicherheit nicht Leuten. Nimm, Vater, meiner sorgen für das Glück der Ewigkeit. gnädig wahr, daß keine Angst, 7. Gott, wenn ich dies aufrichtig überlege, so preis ich dich und ehre deine Wege. So viel Gefahren schwebten übermir: errettet hast du mich, deß dank ich dir. Verlust, Gefahr an Seel und Leib mir schade. 3. Gieb mir nach deiner gro Ben Treu, daß ich stets vor dir wandle, behutsam, flüglich und 8. Viel Segen ist mir auch dabei gewissenhaft auch handle; noch übrig blieben: ein guter steh mir stets bei mit deinem Ruf und Freunde, die mich lie- Rath; gieb Segen, Herr, zu ben; Gesundheit, Stärke und jeder That, du bist ja allentGewissensruh und, was das halben. Beste ist, mein Gott, auch du. 4. Bring mich gesund zur 9. Auch du?- so wirst du rechten Zeit zu den geliebten mir auch ferner geben, was nö- Meinen; erhalte sie, schütz_fie thig ist zu diesem armen Leben. vor Leid. Wird, Herr, der Tag Von dir, der so viel Tausende erscheinen, da wir uns fröhlich ernährt, wird mir auch leicht, wiedersehn: wie wollen wir was ich bedarf, gewährt. dich froh erhöhn und deiner 10. Befördre nur die Werke Güte danken! meiner Hände; zur Arbeit gieb 5. Laß mich mein Pilgermir Kräfte bis ans Ende; bleib leben hier in deiner Furcht stets du mein Trost in meiner Dürf- führen. Wo Hülfe noth ist, hilf tigkeit, einst werd ich reich bei du mir; laß deinen Geist mich Dir in Ewigkeit. führen. Und end ich meine Pilgerbahn, so nimm mich dort ( Vergleiche Nr. 414-439.) Für fromme Verarmte und für Reisende. 475 mit Ehren an; bring mich zu, duldig tragen Schmerz und deiner Ruhe. Qual. 2. Ja, Herr, ich bin ein Sünder, und stets strafst du gelinder, als es der Mensch verdient. Sollt ich, beschwert mit Schulden, kein zeitlich Weh erdulden, das doch zu meinem Besten dient? Nach glücklicher Reiſe. Mel. Was ist vor deinem Angesichte 2c. 681. Dant sei dir, Vater meines Lebens, daß du mich froh zurückgebracht. Ich flehte nicht zu dir vergebens; du haft mich väterlich bewacht. Du warst mir allenthalben nah, 3. Dir will ich mich ergeben, nicht meine Ruh, mein Leben mehr lieben, als den Herrn. wo ich Gefahren vor mir sah. Dir, Gott, will ich vertrauen 2. Nun kann ich wieder mit und nicht auf Menschen bauen; den Meinen mich deiner Huld du hilfft und du errettest gern. und Güte Freun, mit ihnen Freudenthränen weinen und dir des Dantes Opfer weihn. Du haft die Meinen, Gott, bewahrt, sie mir vergnügt und wohl gespart. 3. Gesundheit hast du mir verliehen und Schaden von mir 5. Wenn ich in Christo sterbe, abgewandt. Du hast gesegnet bin ich des Himmels Erbe; was mein Bemühen mit deiner mil- schreckt mich Grab und Tod? den Vaterhand. Auch meiner Seele wandtest du Genuß von vielem Guten zu. Auch auf des Todes Pfade vertrau ich deiner Gnade; du, Herr, bist bei mir in der Noth. 4. Nun sei gelobt, sei hoch gepriesen für alles Gute, das du mir und auch den Meinen haft erwiesen. Oheilge sie und mich ganz dir; dann werden wir uns ewig freun und dann nie mehr getrennet ſein. 4. Laß du mich Gnade finden, mich alle meine Sünden erkennen und bereun. Jetzt hat mein Geist noch Kräfte; mein Heil laß mein Geschäfte, dein Wort mir Trost und Leben sein. 6. Ich will dem Kummer wehren, Gott durch Geduld verehren, im Glauben zu ihm flehn; ich will den Tod bedenken, der Herr wird Alles lenten, und, was mir gut ist, wird geschehn. Mel. Es ist gewißlich an der zc. 683. Mir sagt, auf deinen 6. Für Kranke. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc. Wink, mein Gott, die Krankheit, die ich spüre, daß ich Gebrech682. Ich hab in guten licher den Tod stets in und bei Stunden des Lebens Glück empfunden und Freuden ohne Zahl; so will ich denn gelassen mich auch im Leiden fassen, gemir führe. Des Todes Ursach ist in mir, mein Leben aber kommt von dir und steht in deinenHänden. 2. Du giebst den Blinden ihr 476 In persönlichen Umständen. Gesicht, die Lahmen heißt du der mir Ruh für meine Seele gehen; es müssen, wenn dein schenke; laß mich die künftge SeWort nur spricht, auch Todte ligkeit und Jesu Christi Herrlichauferstehen; und also kannst du keit und sein Verdienst erquiden. auch allein der Arzt in meiner Schwachheit sein, wenn Menschenhülfe fehlet. 4. Das Eilen meiner Lebenszeit laß mich, mein Gott, er= wägen; der Todesnacht, der Ewigkeit flieg ich sehr schnell entgegen. Erst dann, wenn dies mein Geist bedenkt, sich recht zu Gott, zum Himmel lenkt, wird mir mein Schmerz zum Segen. 4. Dies Eine bitt ich, wenn die Cur des Leibes sollte fehlen, 5. Ja, Gott, ich wende mich zu dir, dir will ich mich erge= ben; schenk wahren Ernst und Weisheit mir, wie du befiehlst, so heile du durch Christum nur zu leben. Laß dein Mißfallen die Wunden meiner Seelen. Bin mich stets scheun, mein ganzes ich bekehrt, liebt mich mein Gott, Herz gerichtet sein auf dich und was ist alsdann für mich der deinen Himmel. Tod? Ein Hingang zu dem Vater. 3. Beschlossest du in deinem Rath, ich solle länger leben: so fannst du leicht auch in der That den Mitteln Kräfte geben. Ist aber dies dein weiser Schluß, daß ich anjego sterben muß: so bin ich auch zufrieden. 6. Ach, jeden, jeden Augenblick laß mich, mein Gott, dir weihen; zich von der Erde mich zurück, laß nichts den Geist zerstreuen: kein Glück der Welt, kein Traum der Zeit. Gott und das Glück der Ewigkeit sei meine höchste Freude. 7. Ach, zum Gebete schenke mir noch Munterkeit und Stärke; mein Herz wird sonst entfernt von dir und träg zum guten Werke. Zwar willig ist der Geist, doch schwach das Fleisch; 0 treuer Vater, mach, daß deine Kraft ich spüre. 2. Wenn in mir einen Augenblick gesundes Blut geflossen, so schenktest du mir, Gott, dies Glück, das ich so oft genossen. Oft war ich frei von jedem Schmerz, war gutes Muths, 8. Laß nicht zu, daß der drum, o mein Herz, leid jetzt Krankheit Pein zu groß mir auch unverdrossen. Schwachen werde; erquide gnä3. Nein, bester Vater, gieb dig mein Gebein, erleichtre die nicht zu, daß Ungeduld mich Beschwerde. Du, Vater, weißt, tränke; gieb deinen Geist mir, was jeden Tag dein schwaches Mel. Es ist gewißlich an 2c. 684. Dein Wille, Herr und Schöpfer, ist, daß ich nun Krankheit trage; doch weiß ich, daß du Vater bist, von dir kommt Glück und Plage. Dir ist mein ganzer Schmerz bekannt; mein Leben steht in deiner Hand, du zählest meine Tage. Für Kranke. Kind ertragen mag, mach mir| Du, Herr, hast mich gestärket; mein Leid erträglich. ich hab es kaum gemerket, daß ich gesund und glücklich war. 9. Auch bitt ich, treuer Vater, dich für alle andre Kranken, 3. Jetzt, da ich Schmerz emo segne Jeden, gleich wie mich, pfinde, denk ich an meine Sünde mit heiligen Gedanken; gieb mit Reue, Schmerz und Leid; Jedem für die Seele Ruh; du hast mich stets geliebet und ihr Arzt und höchstes Gut sei Treu an mir geübet; ich liebte du, ihr Labsal, ihre Hülfe. dich nicht allezeit. 10. O treuer Vater, segne 4. Ich warf mich nicht in die, die meiner Krankheit pfle- Demuth und in bußfertger Wehgen; belohne ihre Treu und muth vor dir, Erhabner, hin; Müh mit deinem besten Segen; jetzt wirfst du meine Glieder gieb gegen sie mir Freundlich- auf's Krankenlager nieder, und teit, laß mich aus Unzufrieden- lehrst mich, daß ich Erde bin. heit sie nie durch Murren tränken. 5. Ich wandte meine Kräfte 477 11. Ist diese Krankheit tödt- nicht stets zum Hauptgeschäfte, lich mir, soll bald mein Leib dir zu gefallen, an. Die Trägerblassen: so laß mit Besserungs- heit wird gerächet, jetzt bin ich begier mich Jesum gläubig fas- so geschwächet, daß ich kaum jen. Wie Sterbenden zu Muthe Gutes denten kann. sei, weiß er, und steht den Seinen bei, die nach Erquickung schmachten. 12. Allein, mein Vater, willst du mir Gesundheit wieder schenten, so laß mich stets mein Herz zu dir und allem Guten lenken. Gieb Luft und Kraft zu jeder Pflicht, und laß mich ja vergessen nicht, was ich dir angelobte. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc. 685. Jesu, der voll Schmerzen, mit tiefbetrübtem Herzen am Delberg niedersant, du bester Arzt und Tröster, ach siehe, dein Erlöster liegt hier, sich nach dir sehnend, frant. 2. Wie viel gesunde Stunden sind wie ein Strom verschwunden, wie schnell verfloß ein Jahr! 6. Wie oft bin ich beim Beten ohn Ernst vor dich getreten, wie laulich sucht ich dich; jetzt lernt mein Herz nun ringen, mit Eifer zu dir dringen, und nur nach dir, Herr, sehnt es sich. 7. So züchtigst du aus Gnaden, du heilst den Seelenschaden, wenn du den Körper stäupft; mein Leiden wird mir Segen; auch auf den rauhen Wegen seh ich, daß du die Liebe bleibst. 8. Vermindre meine Plage, verlängre meine Tage, wenn es mir nüßlich ist. Im neugeschenkten Leben will ich mich dir ergeben und rühmen, daß du hülfreich bist. 9. Doch soll ich bald erblassen und diese Welt verlassen, so waffne mich mit Muth; laß mich mein Haus bestellen und mach's 478 In persönlichen Umständen. in allen Fällen mit mir und sehe den theuren Eid an mir mit den Meinen gut. 7. Für Wiedergeneſene. Mel. Aus meines Herzensgrunde zc. erfüllt. Wenn ich mit Reu um Gnade flehe, wird meiner Seele Angst gestillt. Da meine Werke nichts verdienen, bleibt deiner mir so groß erschienen, als ich Gnade aller Preis; die ist an nicht zu befingen weiß. 686. Dir, Herr, will ich nun danken für deine große Gnad, die sich an mir, dem Kranken, 3. Ich sah die Welt und Alles so sehr verherrlicht hat. Dich schwinden, und Sinn und preisen ist mir Pflicht. Ich will Sprache starben schon; ich fühlte mein neues Leben dir ganz zu nichts als meine Sünden, und eigen geben; mehr hab und sah nur deinen Richterthron; kann ich nicht. da rührte dich mein letztes Seh2. Wie schmerzvoll war ich nen, mein Jammer brach dein Armer! Du hörtest mein Ge- Vaterherz; es flehten für mich schrei, du halfft mir, mein Er- Jesu Thränen; die Krankheit barmer, und standst mit Trost mir bei. Viel Andre fuhren hin zur finstern Grabeshöhle; du hieltest meine Seele, daß ich noch lebend bin. floh, es wich der Schmerz. 3. Mich hat der Schmerz belehret; ich sah des Todes Bild. Nun hast du mich erhöret und mich mit Freud erfüllt. Herr, nie vergeß ich dein; ich will in Angst und Plagen vor dir nicht trostlos zagen, im Glück mich deiner freun. 4. O welcher hohen Freuden Menge erwecket dieses Heil in mir! Dem Dante ward mein Herz zu enge, es brennt und wallet nur von dir. Des Todes Stricke sind zerrissen, dem Grabe hast du mich entführt; im ganzen Leben laß mich's wissen, wie start mich dieses Glück gerührt. 5. Ich weihe, was ich von dir habe, mein Herz, dir ganz zum Opfer ein: es wird, 0 Mel. Wie groß ist des Allmächtgen 2c. Schöpfer, deine Gabe doch werth 687. So wahr der Aller- nun, was es ſei, zu leben, da in deinen Augen sein. Ich weiß höchste lebet, er will den Tod ich, was sterben sei, erfuhr. Nun des Sünders nicht, der voller soll mir stets im Sinne schweben, Reu vor ihm erbebet und was ich dir in der Prüfung schwur. sich sein eigen Urtheil spricht. Er züchtigt uns zu seiner Ehre 6. Es ist genug, daß ich vor Zeiten nach meines Fleisches und unserm Heil mit Batertreu, Lüften ging und an den flüchtnur daß man sich zu ihm bekehre, zum bessern Leben tüchtig sei. gen Eitelkeiten mehr, als an dir, o Bater, hing. Ich bin ja darum nur genesen, daß ich die 2. Du milder Gott, ich selber Für Wiedergeneſene 479 Seele retten kann; so fang ich die ihn lieben, hat für Freud denn ein ander Wesen mit dei- und Seligkeit bereitet! ner Gnade Beistand an. 7. Von Gott verlassen, hingst du da, von Gott verlassen, im Schweiß, im Blut, dem Tode nah; Herr, wir fassen, ach, vor Freud und Zittern nicht, was du hast uns erworben. Jank des Frommen, der die Träfungen der Erlösung geschmeckt. Mel. Mit Fried und Freud ich zc. Mel. Mit Fried und Freud ich c. 688. Mein Vater und mein 8. Für Errettete Richter ließ ans Grab mich fommen; faum fühlt ich noch, nach überstandener Krankheit und was er verhieß seinen Frommen; schwach, zermalmt lag mein Gebein, ich lechzte nur nach Gnade. 2. An meines Mittlers Kreuz hinab sant meine Seele, hier war mein Grab, dort war sein Grab. Meine Seele lechzte nicht nach Troste mehr; er hatte mich getröstet. andern Fällen. mel. Ich freue mich, mein Gott zc. 689. Gelobet feist du, Gott, mein Hort, der du noch täglich fort und fort dein wahres Wort erfüllest, der Trübsal wehrst, Gebet erhörst und allen Kummer stillest. 3. O Trost, erlöst zu sein, 2. Schlägst du die Deinen erlöft! Du Trost im Sterben; väterlich: so rufen sie ganz wenn es nun scheint, daß uns ängstiglich und halten dein Ververstößt in's Verderben Gott, sprechen dir gläubig vor: wie der wog, und leicht erfand, sollte dir dein Vaterherz nicht was wir im Leben thaten. brechen? 4. Herr, Herr, allmächtig 3. Ja, eh sie rufen, bist du tröstest du; ich lag; den Müden da, und sprichst, noch eh fie umströmte wonnevolle Ruh, Gottes Frieden; das ist teines Menschen Arm, der uns im Tode stärket. bitten; ja, so bald sie vor dich treten, Herr, hilfst du oft ganz unverhofft und rettest sie aus Nöthen. 4. So liebreich ist dein Herz 5. Es ist dein Arm, o der gesinnt; dies hab ich selbst, du starbst, daß auf uns ruhte, dein schwaches Kind, von meiwas du mit deinem Tod er- ner Kindheit Jahren so mannigwarbst, deinem Blute: unaus- fach und überall bis diese Stund sprechlich ewges Heil! Kein Aug hat das gesehen; erfahren. 5. Du züchtigest mich allezeit 6. Kein Ohr gehört, und in mit väterlicher Lindigkeit und fein Herz ist jemals kommen, nicht nach meinen Sünden. was nach des kurzen Todes Herr, deine Huld gab mir GeSchmerz Gott den Frommen, duld, die Noth zu überwinden. 480 In persönlichen Umständen. 6. Du hast durch deine Gna-, du mir; gieb mir Muth und denhand mein Kreuz nun aber- Kraft zum Siege, gieb nicht mals gewandt, drum will ich zu, daß ich erliege; Jesus, daß und die Meinen zugleich mit ich glaube dir; hilf im Kampfe, mir ein Danklied dir jetzt brin- Helfer, mir. gen nach dem Weinen. 4. Wenn mir alles Licht ver7. Sei ferner unser Trost schwindet, Ohnmacht mich und und Schild; und wenn du noch Nacht umgiebt, g'nug, wenn uns Schwache willt mit einer Last nur mein Herz empfindet, daß belegen: so schaue doch auch bei mich Gott, mein Heiland, liebt; dem Joch auf unser Unvermögen. diesen Trost laß mir nicht feh8. Denn unsre Schwachheit len, Freund und Retter unsrer kennest du, drum sprich den Seelen, deine Lieb, ich bitte dich, blöden Herzen zu; den Glauben tröst in meinem Tode mich. stärk und mehre, daß unser Herz bei allem Schmerz dich mit Gehorsam ehre. 5. Mehr, als tein Erschaffner fasset, weißt du, Herr, was Sterben ist, denn du bist am Kreuz erblasset, auch für mich, o Jesu Christ. Nun, du wirst auch mich bemerken und mein Lebender mir mehr, o so hilf, Herz im Tode stärken; hilft kein Allmächtiger. Bei Erwartung des Todes. Mel. Alle Menschen müssen 2c. 690. Vater, Vater, voll Gebrechen nah ich deinem Throne mich; kaum darf ich mit dir noch sprechen, denn ein Sünder, Herr, bin ich; aber reuig, tief zerschlagen, will ich doch zu dir mich wagen, weil du uns durch Jesum Christ gern verzeihst und gnädig bist. 6. Laß mich in dein Herz eindringen, sehn dein freundlich Angesicht; hilf mir mit dem Tode ringen, schone meiner im Gericht. Müden kannst du Stärke geben; Jesus, du lebst, ich soll leben; wenn mein Herz im Sterben bebt, o so denk ich: Jesus lebt. 2. Ach, verlaß an meinem Ende mich, mein treuer Schö7. Jesus, ach, bei deinem Tode, pfer, nicht; zeig mir deine Hel- deinem Blute bitt ich dich: ach, fershände und dein Vaterange- verlaß mich nicht im Tode, ach, sicht. Ach, erquice meine Seele, erbarm dich über mich! Hilf die ich deiner Huld empfehle; mir froh und selig sterben; hilf Vater der Barmherzigkeit, gieb mir deinen Himmel erben, hilf mir Muth im letzten Streit. mir! Ach du starbest ja auch 3. Herr, erhöhe mein Ver- für mich auf Golgatha. trauen; mehre meine Lust an Mel. Herzliebſter Jeſu, was haſt 26. dir; laß vor'm Grabe mir nicht grauen, ach, zur Rechten steh 691. Herr, sei mir nah, Bei Erwartung des Todes. 481 mein Sterben ist vorhanden, 9. Nimm meinen Geist an mein Geist entreißt sich bald des Körpers Banden; Herr, sei mir nah und laß mich selig sterben, den Himmel erben. meinem letzten Ende, Herr Jesu, auf in deine treuen Hände! Ich bleibe dein, ich sterb in deinem Namen; sprich, Jesu, Amen. 2. Wie du, mein Trost, am bist und mir Mel. Freu dich sehr, o meine 2c. dadurch die Seligkeit erworben: 692. Nah den letzten Auso laß mich nun auf deinen Tod abscheiden zu deinen Freuden. genblicken, fleh ich zu dir, Herr, mein Hort; du wollst meinen Geist erquicken durch das segensvolle Wort, das dein Mund am Kreuze sprach, ehe noch das Herz dir brach, daß ich darauf meine Seele, wie du, freudig Gott befehle. 3. Vergieb, o Vater, denen, die mich hassen, die ihren Haß mich wohl empfinden lassen; vergieb du denen, die es nicht verstehen, was sie begehen. 4. Vergieb auch mir, o Vater, alle Sünde, und was ich jest noch Böses an mir finde. Bergieb, wenn Fleisch und Blut mich wider Wissen von dir gerissen. 5. Die Meinigen empfehl ich deinen Händen; du wollest Sünd und Noth von ihnen wenden. Du wirst dies, Herr, nach deinem guten Willen liebreich erfüllen. 6. Ach Jesu, zeige mir jetzt 3. Herr, du hast's vollbracht, deine Güte, gieb mir ein gläubig ich glaube, daß du es für mich himmlisches Gemüthe, und richt vollbracht, und mir, sonst ver= es ganz nach deinem Gnaden- worfnem Staube, auch mein lohne, des Lebens Krone. 7. Ach, laß mich nicht in meiner Noth vergehen; laß mich die Kraft von deinem Leiden ſehen. Im Durst nach Labsal laß mich nach dir blicken, mich zu erquicken. 8. Es ist vollbracht; nun endet sich mein Jammer; nun, schwacher Leib, schlaf sanft in deiner Kammer, bis Jesus tommt, der giebt mir diese Glieder einst schöner wieder. Osnabr. Sandgesangb. X. Aufl. 2. Ach, was für ein Wort erklinget, das mich Armen fröhlich macht und mein ganzes Herz durchdringet, da du rufft: es ist vollbracht! Ach, vollbracht! O welches Wort! Weicht, ihr Sünden, weichet fort! Nun wird mir mein Herz gestillet, ja mit Freudigkeit erfüllet. ewig Heil gemacht. Hab ich Unrecht oft gethan, seh ich dich, mein Heiland, an, so in deinem Thun als Leiden, da ich soll von hinnen scheiden. 4. Dich will ich im Glauben fassen, meine Schuld sei noch so groß; hab ich Vieles unter= lassen, bin ich elend, arm und bloß; o so littest du für mich, gläubig stark ergreif ich dich; Alles, was mich kann verklagen, ist von dir ganz abgetragen. 31 482 In persönlichen Umständen. 5. Heil der Sünder! Dir seil Mitleid an. Erfreue, tröste, Ehre, Preis sei deiner starken stärke, rette; nur du bist's, der Macht, daß du, wie ich von dir mir helfen kann. Beschüße den, höre, Alles, Alles hast voll- der an dich gläubt, daß er im bracht. Jesu, nicht in eignem Tode treu verbleibt. Thun, nur in dir will ich beruhn; durch dein Leiden, Thun und Sterben werde ich dein Reich ererben. 5. Mein Heiland, treib die Furcht zurücke, besiege meinen letzten Feind. Lent auch im Sterben meine Blicke auf dein 6. Ja, Herr Jesu, dein Voll- Verdienst, D Seelenfreund. bringen ist's, worauf mein Heil Sprich mir Trost, Muth und beruht. Hilf mir nun im letzten Freude zu und führe mich sanft Ringen und mach auch mein Ende gut. So ist Alles wohl= gemacht, Alles, Alles ist vollbracht. Gott, mein Vater, nun befehle ich dir freudig meine Seele. ein zur Ruh. 6. Ich übergebe dir die Meinen, du Vater der Barmherzigkeit; laß ihnen stets dein Troftlicht scheinen und bleib ihr Gott zu aller Zeit. Behüte sie vor Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 693. Ich fasse, Bater, deine Ungemach und bringe ſie mir Hände und halte sie im Glau- selig nach. ben fest. Verlaß den nicht an ſeinem Ende, der ewig sich auf 694. Christus, der ist mein dich verläßt; du bist mein Gott Leben, und Sterben mein Gevon Jugend auf, beschließ auch winn; ihm hab ich mich ergemeinen Lebenslauf. ben, mit Freuden fahr ich hin. 2. Du hast nach deiner Va= 2. Bald werd ich nun, enttergüte beständig wohl an mir nommen der Welt, bei Christo gethan; erhör auch meine letzte sein, mich mit verklärten FromBitte: nimm, Gott, mich dort men vor seinem Throne freun. zu Ehren an. Ach, Vater, Eins, noch Eins ist noth, ein guter Schluß, ein selger Tod. 3. Bald hab ich überwunden auf ewig meine Noth durch ihn, durch dessen Wunden ich bin versöhnt mit Gott." 3. Du hast mich je und je geliebet, versorgt, geſtärkt, geschüßt, regiert, mich oft erquickt, mit Kreuz geübet, oft wunderbar, stets wohl geführt. Wohin ich ging, wohin ich sah, war 5. Wenn Sinne und Gedanmir stets deine Güte nah. ten verlöschen, wie ein Licht, 4. Auch jetzt auf meinem das hin und her muß wanten, Sterbebette sich meine Noth mit weil ihm die Kraft gebricht: 4. Wenn meine Augen brechen, der Athem wird so schwer, daß ich nicht mehr kann ſprechen: auch dannerbarm dich, Herr. Bei Erwartung des Todes. 483 6. Dann laß mich sanft undi tes Huld erhöhn!- ich bin, stille und ohne schwere Pein, und werde nicht vergehen, so wenn es dein Rath und Wille, wenig Gott vergehen kann. Gott, Erbarmer, schlafen ein. Gott, wie kann ich gnug mich freun! So lang du sein wirst, soll ich sein. 7. Dann wandelt sich mein Leben und wird Unsterblichkeit; dann wirst du mich erheben zur wahren Seligkeit. 8. Wenn ich da bei dir wohne, 4. Ja, meines Gottes Huld und Liebe ist unaussprechlich; jene Liebe, die tausendmal mein wo man dich würdig preist: Herz empfand, sie führte mich wie wird vor deinem Throne jo selig sein mein Geist! in meiner Jugend. Wie liebreich lenkte mich zur Tugend, o Vater, deine Vaterhand! Was du mir thatest, war nur Huld, 9. Der sterbende Gerechte beim nur Treue, Langmuth und Ge= Abschiede von den Seinigen. duld. 5. Schon frühe ich 695. Kommt her, an mei- Jeſu Lehren, schon früh von nes Lebens Ende, Geliebte, Gottes Wundern hören, schon reicht mir noch die Hände; jetzt frühe ward ich Gott geweiht; wall ich noch im Thränenthal, schon in der Kindheit ersten Tadoch bald sind meines Lebens gen hört ich von deiner Liebe Stunden auf ewig mir und sagen, o Vater der Barmherzigeuch verschwunden; ich weine feit; voll Freude seh ich auf heut zum letzten Mal, zum dies Glück mit Dank und Lob, legten Mal! weinet nicht mein Gott, zurück. zu laut vor Gottes Angesicht. 6. Ja, Gott, Erlöser, meine 2. Seid männlich, stärket Freude, mein Trost warst du mein Gemüthe! Helft mir im in jedem Leide und deine Liebe Kampf, preift Gottes Güte; o meine Lust; für deine Lehren, preiſt sie, betet an mit mir! für dein Leben soll ewig dich Ach, an dem letzten meiner Tage mein Mund erheben, dich ewig bernehmt, Geliebte, was ich preisen meine Brust. Nimm, jage: weint nicht zu sehr, denn weil ich's hier nicht besser kann, Gott ist hier. Ach, hört mich o Jesu, jetzt mein Stammeln an. und vergeßt es nicht, was euer Freund noch sterbend spricht: 7. Für deine Arbeit, Qual und Schinerzen erheb ich dich mit vollem Herzen; erhebt, Ge3. Ich ward, denn deine Güte liebte, Gott mit mir; ach, möchwollte, daß ich entſtehn und le- test du ihr Herz entzünden, Gott, ben sollte. Ich bin, o betet deine Liebe zu empfinden! Ach, mit mir an und helft mir Got- Gott, erfülle sie mit dir, so viel 31* 1 484 In persönlichen Umständen. ihr Herz Empfindung faßt, em-| 12. Seid muthig, widersteht pfind es, wie du lieb sie hast. den Lüsten! Seht nur auf Jesum: bleibet Christen! Der Herr 8. O danket, Herzgeliebte, ist Gott, der Herr ist Gott! betet den Gott, der mich so oft Rein Satan soll euch wankend errettet, mit mir den Ewigtreuen machen; nicht immer wird der an! Wie oft, wie oft riß seine Spötter lachen, einst wird sein Gnade zurück mich von des Scherz, einst wird sein Spott Lasters Pfade und führte mich in Angst und Scham verwan' die rechte Bahn! Er gab mir delt sein; dann, Christ, ist Freud Stärke, war ich schwach, und und Ehre dein. ging mir, wenn ich irrte, nach. 13. Müßt ihr für Recht und 9. Ließ ich zur Sünde mich Wahrheit leiden, so duldet gerne verleiten und schlich der Reiz und mit Freuden Verlust und der Eitelkeiten zu schnell in's unverwahrte Herz:- o hört's, ihr Schwachen, Unerfahrnen, - wie bange ward mir! Laßt euch warnen, treibt mit der nach. Sünde teinen Scherz. betete, Gott stärkte mich, bis fern Liebe fränkt. von mir die Sünde wich. Schmerz und Tod und Schmach. Groß ist der Ueberwinder Würde, und ihrer zeitlich leichten Bürde folgt ewige Erquicung In jedem, jedem Leiden Ich denkt, daß Gott uns nur aus - 10. Sie schlägt der Seele 14. Gott ist die Liebe, lauter tiefe Wunden. Gekämpft, ge- Liebe! Wie, wenn ich immer bei kämpft und überwunden, ja euch bliebe, so, Herzgeliebte, lie überwunden muß es sein! Ent- bet euch. haltet brüderlich setzlich ist vor Gott die Sünde; zusammen; und liebt in Jeju fie stürzt in ewig tiefe Schlünde, Christi Namen einander Jeju und ihre Lust wird Höllenpein; Christo gleich; fie isto hört's und glaubt der Schrift tödtend Gift. sie ist ein ewig und seid vor Gott in Freud, im Schmerz nur eine Seele, nur ein Herz! 15. Fern, ewig fern von Zant 11. Schätzt nicht zu hoch der und Streite seid immerdar! Erde Güter, erhebt die himm- noch hier, noch heute, umarmet lischen Gemüther weit über euch und schaut mich an! Nie, Tand und Pracht und Geld; nie befleck euch, theure Seelen, wie nichts, wie unwerth des die Höllenfreude, den zu quälen, Bestrebens sind sie für Erben der heute noch wohl sterben jenes Lebens, für Bürger jener kann. Entsetzlicher Gedanke! Nein, bessern Welt! Wie nichts ist alle ich weiß, ihr werdet Brüder sein. Lust der Zeit für Kinder der Unsterblichkeit! 16. Und Brüder, Schwestern, auch der Armen, voll Mensch- Bei Erwartung des Todes. 485 lichkeit und voll Erbarmen, er-[ ser Herz ihm widerspricht. Ach, leichtert gern des Nächsten Noth; dann ist oft die Reu zu späte: folgt jedem gütigen Gedanken, drum fleh ich noch am Sterbeerquidt die Schwachen, labt die bette mit meinem Auge, das Kranken, theilt mit den Armen jetzt bricht, mit heißen ThräKleid und Brod; umfangt mit nen, schaut mich an:- flieht, liebevollem Geist, wer Bruder, was im Tod euch reuen kann! Christ und Mensch nur heißt. 17. Auch Feinde segnet herz21. Ach, könnt ich noch, eh lich; liebet auch den, der bos- ich erblasse, euch, die ich All haft euch betrübet, und Jeden, im Geist umfasse, gnug segnen der euch übel will. Das füllt noch und glücklich sehn! Bleibt mit Wonne unser Leben: ver- auf der Tugend schönen Wegen; gebt, so wird euch Gott verge- nein, Seelen, keinen bessern ben. Gott fennt euch; schweigt Segen kann ich vom Himmel und leidet still, denn ach, vor euch erflehn! die Tugend Christi, Gottes Strafgericht besteht der Christi Heil sei, theure Herzen, Feind des Feindes nicht. euer Theil. 18. Und immer, wo ihr steht und gehet, Geliebte, betet, seufzet, flehet zu Gott, dem Hörer des Gebets. Wenn alle Menschen euch verließen; in Bangigfeit, in Finsternissen, im Glück, im Unglück betet stets; vor dem Gebet flieht jede Qual; ich hab's erfahren tausendmal. - 22. Hieher, in meine Hand zu schwören: den Gott, der euch erschuf, zu ehren, ihm ewig, ewig treu zu sein! Ihm, der einst Sündern auch geschworen, daß Reiner, Reiner sei verloren, der sich will Jesu Christo weihn. Ein Zeug ist zwischen euch und mir: mein Tod und Gott, denn Gott ist hier. 19. Vergeßt, vergeßt nicht 23. Und nun, wenn ich euch dieser Lehren, ihr werdet sie je betrübte, verzeiht mir, ach nicht immer hören; einst liegt verzeiht, Geliebte, die Fehler, ihr, wie ich, sterbend da. Die die mein Herz bereut. Mein Stunde, da man euch beweinet, Herz ist voll der reinsten Triebe, da Alles, wie es ist, erscheinet, voll Segen für euch, voll von vielleicht ist schon die Stunde Liebe, Gott weiß es, voller nah, wo jede Hand, die mich Zärtlichkeit; gern bitt ich jeden noch faßt, auch müd ist, zittert Fehler ab; vergebt mir, wie und erblaßt. mir Gott vergab. 24. Viel Gutes habt ihr mir 20. Ach, dann am Abend unjers Lebens ist jeder Wunsch und Trost vergebens, wenn unerwiesen; für Alles sei der Herr gepriesen, für Alles sagt mein 486 In persönlichen Umständen. Herz euch Dant! Für jedes Gott noch tiefer nieder und beTrostwort, jede Lehre, für jedes Mitleid, jede Zähre, die je aus eurem Auge sant. Gott weiß es, was ihr mir gethan, Gott, der vergelten will und fann. tet mit mir an und preist! O Gott, wie dürftet mich nach dir! Nimm meine Seele bald von mir. 29. Wonne, die ich vor mir sehe! Ich werde Gott 25. Dies dentet ,. würd euch schaun; denn ich gehe, wo alle auch noch bänger; doch weint, Todten Gottes sind. Wie leicht, Geliebte, nun nicht länger; ihr wie nichts wird mir mein weinet, daß ich selig bin? Mein Leiden! Ich schmecke schon des Gott wird eure Seelen trösten. Himmels Freuden, ich sterb und Hin zu den Scharen der Er- sterb als Gottes Kind; o theure löften, zu meinem Heiland geh Seelen, denkt ihm nach, was ich hin. Ach, gönnt mir gern ich am Todestage sprach. des Himmels Glück und wünscht mich nicht zu euch zurück. 10. Für Sterbende. 26. Nun und eilt, mir nachzukommen; voll Sehnsucht 696. Auferstehn, ja aufermit viel tausend Frommen er- stehn wirst du, mein Staub, wart ich euch, Geliebte, dort; nach kurzer Ruh! Unsterblichs dann, dann wird uns kein Tod Leben wird, der dich schuf, dir mehr trennen, kein Schmerz uns geben. Hallelujah! wieder fränken können; Geliebte, strebt und kämpfet fort. Wie bald ist jeder Tag entflohn, wie herrlich ist der Siegeslohn! 27. O fönntet ihr, was ich, empfinden, ihr überwändet affe 3. Ach, in's Allerheiligste Sünden, besiegtet jede Leiden- führt mich mein Mittler, dann schaft. helles Licht der leb ich im Heiligthume zu seiEwigkeiten, wen du bestrahlest, nes Namens Ruhme! Halle hat zum Streiten, zum schnel- lujah! len Siegen Heldenkraft! Du Glaube, du, den Jesus lehrt, 2. Der Freudenthränen Tag wird dann sein! Mit Jesu gehn wir ein zu seinen Freuden; der müden Pilger Leiden sind dann nicht mehr. bist mehr, als alle Weisheit werth. Mel. Wer nur den lieben Gott 2. 697. Ich will dich noch im Tod erheben, selbst nah am Grabe preis ich dich; zum Se 28. Wie herrlich ist des Glau- gen gabst du mir mein Leben, bens Ende! Ja, Vater, nun in du nimmst es mir und segneft deine Hände befehl ich ewig mich. Mein Leben sucht ich dir meinen Geist; ihr Kinder Gottes, zu weihn; mein Tod auch soll| Christi Brüder, werft euch vor dir heilig sein. Bei Erwartung des Todes. 487 2. Gott, welche feierliche| Tod, o Sterben, mein GeStunden, wenn du mich nun winn! Wohl mir, daß ich erder Erd entziehst, auf mich, den löset bin! du getreu befunden, voll schonender Erbarmung siehst! Allmächtiger, in dein Gericht geht du mit mir Erlösten nicht. 3. Der Leib wird schwach; die irdsche Hütte, in der mein Geist hier wohnt, zerfällt; schon gehen meine müden Schritte den Weg zu Gott aus dieser Welt. Ich bin getrost und zage nicht, denn Gott ist selbst mein Heil und Licht. 4. Wie sollt ich vor dem Tode beben, da du für mich, Erlöser, starbst? Er ist durch dich der Weg zum Leben, das du am Kreuze mir erwarbst. Wie du Gott siehst, werd ich ihn sehn, und auch wie du, einst auferstehn. Mel. Herzlich lieb hab ich dich zc. 698. Noch einmal blick ich auf zu dir, noch einmal, Vater, falt ich hier vor dir die welten Hände. Gott, nach Erlösung sehn ich mich; o gieb, daß ich, gestärkt durch dich, den letzten Kampf bald ende. Der du der Deinen Flehen hörst und Leben Sterbenden gewährst, wenn nun mein sterbend Auge bricht, ach dann verlaß, verlaß mich nicht! Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott! zum Leben führ mich durch den Tod. 2. Noch einmal, Vater, preis 5. Laß Qual und Leid mein ich dich voll Dant, eh meine Grab umringen und mir die Lippen sich im Todesschlummer legten Schrecken dräun, du halfst schließen. Mehr Huld und Liebe die Sünde mir bezwingen; den Tod darf ich mit dir nicht scheun; so nah dem Lohn, den Gott verspricht, so nah am Ziele fint ich nicht. hast du mir in diesem ersten Leben hier, als ich verdient, erwiesen. So viele deiner Wunder sah ich hier bereits, was werd ich da für Wunder 6. Du wachest über meine schaun, wenn nun mein Geist Seele, wenn ihre Stärke sich dich nah an deinem Throne berliert! giebst deinem Engel preist! Herr Jesu Christ, bald schon Befehle, der sie zu deinen laß auch mich, bald laß auch Freuden führt, des Todes Nacht mich im bessern Leben preisen um mich verscheucht und mir dich. des Lebens Krone reicht. 7. Ich will dich noch im 3. Noch einmal blick ich auf Tod erheben, selbst nah am zu dir, noch einmal, Gott, emGrabe preis ich dich; denn ewig pfehl ich dir mich selbst und werd ich vor dir leben. Wie all die Meinen. Verlaß, o Gott, jegnet dann dein Untlig mich! verlaß sie nie, still ihrer See 488 In persönlichen Umständen. len Schmerz, wenn sie an mei- Zeit versüßt den Frommen nem Grabe weinen. Ach, leite werden! sie nach deinem Rath, führ fie 5. Den Kranken, der nun des Lebens schmalen Pfad, und sterben soll, den lehre, Vater, wenn nun ganz vollbracht ihr sterben; ach, mach ihn deines Lauf, so nimm auch sie zu Eh- Trostes voll als einen Himren auf. Herr Jesu Christ, laß melserben. Ach, Jesu, mach sie und mich am Freudenorte zu deinem Reich ihn fähig, deischauen dich! nem Bilde gleich, schon heilig hier auf Erden. 11. Fürbitte für Kranke. Mel. Ach Gott, vom Himmel sieh zc. 6. Den Kranken, der durch dich genest, den lehre heilig leben, der müsse dir, der ihn er699. Für alle Krante bitt löst, sein Herz zum Opfer ge= ich dich mit brüderlichem Her- ben. Nicht mehr im Traum zen: mein Gott, erleichtre vä- der Sicherheit, nein, eingedenk terlich die Last von ihren der Ewigteit, müß er unsträflich Schmerzen: sprich Tröstung al- wandeln! len Schwachen ein und laß auf dich, und dich allein mit festem Muth sie trauen! 12. Fürbitte für Sterbende. Mel. Mitten wir im Leben sind zc. 2. Des Gnadenlebens furze Zeit, den Greuel ihrer Sünden 700. Alle, die zu dieſer Zeit, und deine Treu und Freund- da wir, Herr, dir singen, sprachlichkeit laß, Vater, sie empfinden; stärk und erwecke ihren Geist; gieb Jedem reichlich, was du weißt, das er bedarf zum Heile! 3. Den Geist der Ruh und der Geduld, in dich sich einzusenken, o möchte, Vater, deine Huld den Schwachen diesen schenken! Will allein ihr Wille, ihre Freude sein, o Vater aller Gnaden! los und voll Bangigkeit mit dem Tode ringen, die wollst du, Herr, erquicken. Sie liegen da und sehn hinab in das schauervolle Grab. Heilger Gott, Bater, hilf; barmherziger Heiland, hilf; hilf, heilger, gnadenvoller Tröster! Du Gott unsers Heils, laß sie nicht versinken! In des möchte doch dein Todes letzter Angst erbarm dich ihrer. 2. Ach, mohl Jedem, welcher 4. Gieb ihnen allen Kraft gern labet, die da gläuben! und Muth, die Schmerzen zu Kein Trunk Wassers soll vom besiegen! Sei du, o allerhöchstes Herrn unvergolten bleiben. Wir Gut, ihr innigstes Vergnügen! wollten gern sie laben. Doch Laß durch den Trost der Ewig- da sie nichts mehr laben kann, teit die Leiden dieser kurzen flehen wir für sie dich an. Heil Fürbitte für Kranke und für Sterbende. 489 licht. 5. Erleichtre ihm den letzten Schmerz, von dir erquicket, ruh sein Herz; durch Jesu Todesschweiß und Blut, so ihm zu gut vergossen, stärke seinen Muth! ger Gott, Vater, hilf, barmherz-| Herr, Herr, mit deinem Gnadenger Heiland, hilf; hilf, heilger, gnadenvoller Tröster! Du Gott unsers Heils, laß sie nicht erliegen. In der Stunde des Gerichts erbarm dich ihrer. 3. Ach, weil er selbst, Jesus 7 Chrift, diesen Kelch getrunken, 6. In ihm vermehre deine unter bängrer Arbeit ist in das Ruh, in seinem Herzen bete du, Grab gesunken; um seines To- Geist Gottes, laß ihn glaubend des willen hör unser brüderlich traun, auf Jesum schaun, und Gebet, das für sie um Gnade so entgehn des Todes Graun. fleht. Heilger Gott, Vater, hilf; 7. Zeig ihm die Herrlichkeit barmherzger Heiland, hilf; hilf, des Herrn, zeig ihm den Gnaheilger, gnadenreicher Tröster! denlohn von fern; laß ihn den Du Gott unsers Heils, laß sie Himmel offen sehn und Jesum sanft entschlummern, und einst stehn bereit, ihn gnädig zu erhöhn. fröhlich auferstehn! Erbarm 8. Ach, Gnade, Gnad ergeh dich ihrer! für Recht! Denn von dem menschlichen Geschlecht ist selbst Mel. Ich hab mein Sach Gott 2c. der Heiligste nicht rein. Wer 701. Du wollst erhören, kann wohl dein, Gott, ohne deine Gnade sein! Gott, sein Flehn, mit ihm nicht in's Gerichte gehn, der jetzt der 9. Sei, Richter, ihm nicht emsten Ewigkeit sich naht, be- fürchterlich, erbarme seiner Seele freit nun bald von dieser Ei- dich! Auch aus der Tieferufet fie! erhöre sie, erlöse, Gott, erlöse sie! telteit. 2. Des Lebens und des To- 10. Behüte ihn in seinem des Herr, nun ist für ihn die Tod; ihn segne, segne, segne, Zeit nicht mehr; du hast ge- Gott! Wenn nun sein Auge zählet all sein Haar, sein Lo- sterbend bricht, leit ihn dein desjahr bestimmt, als keine Zeit Licht; tröst ihn mit deinem Angesicht. noch war. Mel. O wir armen Sünder zc. 3. Erfüllt ist seiner Leiden Bahl, er leidet heut zum letzten Mal. Ach, sei in seiner Todesnoth sein Helfer, Gott! Ein Schlummer sei für ihn der Tod! 4. Bollende, Bater, seinen 702. Lief in Todesschmerzen Lauf, nimm ihn zu deinem Frie- liegt nun der Spötter da. Ohne den auf; verlaß ihn, wenn sein Trost im Herzen ist er dem Derz nun bricht, verlaß ihn nicht, Richtstuhl nah, nah dem UnterFür einen sterbenden Religionsſpötter. 490 In persönlichen Umständen. gange, der nun nicht mehr ver=| 6. Ihm entflieht die Stimme, zieht. Ach, wie ist ihm bange nur seine Seele fleht: sprich um Trost, der vor ihm flieht! nicht, Gott, im Grimme, sprich Herr, erbarme dich! Mittler, nicht: es ist zu spät! Laß ihn erbarme dich! Gott, erbarme dich! nicht verderben, erlaß ihm seine 2. Der du für ihn littest in Schuld, zeig ihm noch im Stertiefster Seelenangst, selbst den ben die Größe deiner Huld. Tod bestrittest und siegreich ihn Herr, erbarme dich! Mittler, bezwangst, Gottmensch; er ver- erbarme dich! Gott, erbarme schmähte dein Leiden, deinen dich! Tod. Du, der für ihn flehte, zeugst wider ihn vor Gott. Herr, erbarme dich, Mittler, erbarme dich! Gott, erbarme dich! 7. Jesus Christus, flehe für ihn den Richter an! Für den Sünder flehe, der nicht mehr flehen kann! Herr, auf deinen 3. Er, der Sünd ergeben, Namen schenk ihm noch Zuvernie ihrer Lüste satt, türzte selbst sicht; sprich, o Vater, Amen! sein Leben durch seine Missethat. Wer glaubt, stirbt ewig nicht. Strafe nicht, noch Gnade, nichts hielt den Frevler auf; auf des Lasters Pfade blieb unverrückt Herr, erbarme dich! Mittler, erbarmedich! Gott, erbarme dich! 8. Hört den Gott der Götter, sein Lauf. Herr, erbarme dich! wie furchtbar er euch droht! Mittler, erbarme dich! Gott, Eilt! Vielleicht, ihr Spötter, erbarme dich! seid ihr schon morgen todt! Laßt 4. Aus dem langen Schlum- von euren Sünden, kehrt bald mer weckt ihn der Krankheit zu Gott zurück! Schwer ist's, Schmerz. Nie empfundner Kum- Gnade finden im letzten Augenmer betlemmt sein bebend Herz. Ihn, der Bosheit Rächer, den Richter, der ihn ruft, höret der Verbrecher, und zittert, daß er ruft: Herr, erbarme dich! Mittler, erbarme dich! Gott erbarme dich! blick. Herr, erbarme dich! Mittler, erbarme dich! Gott, erbarme dich! 9. Gott fährt einst im Grimme herab zum Weltgericht; der Verzweiflung Stimme rettet dann euch nicht; Felsen, uns zu decken, stürzt euch auf uns herab, vor zu dir, o Mittler, fliehn! Todes- des Richtstuhls Schrecken verüberwinder, vielleicht verträtst birg uns ewig, Grab! Herr, du ihn. An des Grabes Stufen, erbarme dich! Mittler, erbarme den Tod im Angesicht, möcht dich! Gott, erbarme dich! 5. Möchte doch der Sünder er jegt noch rufen: mein Gott, verwirf mich nicht! Herr, er= Einsegnung eines Sterbenden. Mel. Wachet auf, ruft uns die 2. barme dich! Mittler, erbarme 703. Halleluja! Amen! Amen! dich! Gott, erbarme dich! Beim Absterben frommer Freunde. 491 Entschlaf in jenem großen Na- liebe treue Seele. Entflohn aus men, vor dem sich himmel beugt. Sieh, an deiner Laufbahn Ende bist du; er nimmt in seine Hände den Geist Erd und meinen Armen weit bist du, vom Thal der Sterblichkeit, o beste, treuste Seele. 2. Der Freundschaft Labsal auf, der der Erd entfleucht. Hör, ist dahin; dein Trost, wenn ich o erlöster Geist, der bald am verlassen bin, dein Mitleid, Thron ihn preist: Jesus Christus wenn ich leide; mir fehlt, mir hat dich versöhnt, von ihm ge- fehlt die treue Hand am Weg krönt empfähst du nun den in's besfre Vaterland, dein Blick Gnadenlohn. voll Ernst und Freude. 3. Ja, weinen darf ich, Gott, vor dir, daß du die fromme Seele mir so früh und bald entriffen. Die Wunde blutet sehr, und ich, ich flag, geliebtes Herz, um dich: Gott hat dich mir entriſsen. 4. Doch ruhst du nicht in Gottes Schoß? So sei mein Schmerz denn noch so groß; ich will vor Gott mich beugen. Nein, Theure, keinen Augenblick wünsch ich dich in den Staub zurück; geduldig will ich schweigen. 2. Welcher Glanz wird dich umfangen, ist dir der Tag nun aufgegangen des Lebens nach der Todesnacht! Sei gesegnet, Amen, Amen! Entschlaf in Jesu Chrifti Namen, in ihm, der rief: Es ist vollbracht. Nicht du, der Herr allein macht dich von Sünden rein, und du sündigst nun bald nicht mehr; der Brüder Heer, der Engel Heer nimmt dich nun auf! 3. Noch ein Segen soll dich legen: daß du verwesest, dies Entsegen verfinstre deine Seele nicht; zwar wir gehen hin und jäen hier den Leib, doch auf erstehen wird er mit jenes Tages Licht. Geh ein zu deiner Ruh; der Herr schleußt nach dir zu. Auferstehen nach furzer Ruh, du Todter, du, wirst du, zum Leben auferstehn! 5. Der Leichnam ruht im fühlen Grab; Gott nahm ihm seine Schmerzen ab und jede Last von Leiden. Empor schwang sich der frohe Geist zu dem, der ganz die Liebe heißt, genießt nun Gottes Freuden. 6. Die Seele, die hier heilig war, feirt dort mit der ver= klärten Schar den Sabbath der Erlösten; ist Wonne, Liebe, Dank und Licht, und lebt und schaut: das sollte nicht mein banges Herze trösten? 13. Für Betrübte, beim Absterben frommer Freunde. Mel. Kommt her zu mir, spricht zc. 704. Ach, hier nicht mehr, ach, fern von mir bist du! 7. O Trost, o hoher Trost Jch für mich; mein banges Herz, weiß nichts mehr von dir, olerheitre dich, und stille deine 492 In persönlichen Umständen. Klagen. Erlöst von ihres Leibes die Ruhe der Erlösten! Wer Joch, lebt die geliebte Seele im Glauben Liebe übt, den, den noch: und ich, ich sollte zagen? wird sie trösten. 8. Nein, stille will ich Gott 5. Am Sarge hier geloben vertraun; wer Jesu glaubt, wir, als Brüder uns zu lieben; wird dort ihn schaun, wird jedem Menschen Guts zu thun; Seligkeit empfinden. Ich weiß, Niemand zu betrüben. ring ich vom Staub empor, so werd ich, was ich hier verlor, Für Eltern beim Absterben ihrer im Himmel wiederfinden. Kinder. 9. 3war hört, wenn einst Mel. Ewigkeit, du Donnerwort zc. mein Auge bricht, mein Ohr von dir, o Threure, nicht Er- 706. Ach, meine Kinder sind muntrung, Trost und Segen. nicht mehr, mein traurig Herz Doch wenn auf Gottes Wink ist hoffnungsleer, von Freuden mein Geist sich im Triumpf leer mein Leben. Ich sah sie wie dem Staub entreißt, so eilst du den Frühling blühn; dir, Gott mir entgegen. hofft ich sie zu erziehn, dir, der 10. Dann schau und bet ich sie mir gegeben; mein Alter an mit dir; wir Beid ein Herz; sollten sie erfreun, beim Sterdann singen wir von wegge- ben meine Pfleger sein. weinten Leiden und von der Tugend hohem Lohn; sind Freud und Dank und schmecken schon des Himmels hohe Freuden. 2. Herr, ich verehre dein Gebot; doch laß mich meiner Kinder Tod, Barmherziger, beweinen; du, unser Aller Vater, weißt, was zärtlichkeit der Eltern heißt, o laß mich sie beweinen, verzeih den Triebender Mel. O Traurigkeit zc. 705. Dir, Gott, sei Ehr! Natur; nicht murren, flagen Bei uns nicht mehr ist Jener, will ich nur. den wir liebten. Er entschlief zur Todesruh; stärk uns, die Betrübten. 3. Auch meine Thränen preisen dich; sie sind die Zeugen, Gott, daß ich die liebte, die du liebest, und nun im Lichte deines Throns, in der Erkenntniß deines Sohns und aller Tugend übest. Herr, meine Seufzer danten dir; du, du vertrauteft fie nur mir. 3. Er, der nun tedt, er lebte Gott, und starb durch Jesum selig. Laß, wie er zu sterben, uns leben fromm und heilig. 4. Mit Thränen preis ich dich auch einst, wenn du zum 4. Für Alle, ja, ist Ruhe da, Weltgericht erscheinst, ach, dann 2. Er ist nicht fern, der Tag des Herrn: dann sehen wir uns wieder, singen dem, der uns vereint, ewig Jubellieder. Für Eltern beim Verluste ihrer Kinder. 493 mit Freudenthränen! Dann Wiedersehen; dann sollen dort werd ich meine Kinder sehn, an meiner Hand, die mir der mit ihnen dankend vor dir stehn, Tod so früh entwandt, vor dir, mich nicht mehr bange sehnen. Herr, dankbar stehen. Dann werd ich stets bei ihnen sein und ewig mich mit ihnen freun! 14. Beim Tode derer, die in Sünden gelebt haben. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt zc. Für eine Mutter besonders. Mel. Kommt her zu mir, spricht 2c. 708. Nichtet nicht, wenn 707. War's dazu, daß ich Sünder sterben; wißt, es iſt euch gebar mit so viel Schmer- ein Einiger, welcher richten und zen, mit Gefahr, Geliebte, mei- verderben und vergeben kann nes Lebens? den Beistand, den der Herr! Er, der Gott ist, kann ich mir versprach von euch auf erretten, kann im Tode noch meinen spätern Tag, den hoffte erretten. ich vergebens. 2. Bar dir's nicht möglich, Ewiger, des Todes, 2. Richtet nicht, denn wer kann wissen, wer von ihnen, wie des wie ein Brand noch des Zornes Lebens Herr, mein Beten zu Flamm entrissen, bei dem Herrn erhören? mein Flehn für sie Erbarmen fand? Ueberschaut stieg auf zu dir, und dennoch ihr alle Pfade seiner wunderriefst du sie von mir; mit Recht baren Gnade? vergieß ich Zähren. 3. Aber heilig Dunkel decket, 3. Jedoch, Gott, was dein was Gott thun tann oder will. Wille thut, ist Weisheit, ist ge= Durch der Sünder Tod er= recht und gut, du kannst nicht schrecket, stehe, wer noch irret, unrecht handeln. Ich muß, ich still, und wer steht,- vernehmt will auch diesen Pfad, den mir es Alle sehe zu, daß er nicht dein Wink bezeichnet hat, dir falle. ganz ergeben wandeln. - 4. Laßt nicht erst des Grabes 4. Ich will mich nicht durch Schrecken ach, wie furchtbar Ungeduld unwürdig machen sind nicht die!- euch zur Heideiner Huld, nicht endlos mich ligung erwecken; eilet und be= betrüben. Verzeih nur meine schleunigt sie; die nur, welche Schwachheit mir, und lehr mich heilig leben, dürfen nicht im stille sein vor dir und in Ge- Tode beben. duld mich üben. 5. Die des Herrn sind, eh' 5. Ich weiß, Gott, du er- sie sterben, eifrig nüßen ihre barmest dich doch meiner, du Zeit: selig sind sie, Gottes Ererfreuest mich durch's frohelben, Erben seiner Herrlichkeit: - 494 In persönlichen Umständen. o beharrt in Gottes Gnade auf| fiel; mehr auch flammt mein der Tugend sichrem Pfade. Herz sich dann zu der Tugend Kämpfen an. 15. Der Chrift in der Einsamkeit. Mel. Gott des Himmels und der 2c. auch mit euch zu freun. 7. Und so fehr ich, theure Brüder, freudiger zu demzurück, 709. Ja, zur Stille will ich unter euch, für euer Glück, um was mein Amt ist, lebe wieder fliehen, will durch Eingezogen- euch nützlicher zu sein; um mich heit dem Geräusche mich entziehen, das mich störet und zer- 8. Aber meine Seel erhebet streut. Ruhig will ich und allein, sich zu dem, was sie erfor, zu Gott, mit dir beschäftigt sein. dem Himmel, dem sie lebet, nunt 2. Nicht aus Wahn, noch mit leichterm Flug empor, daß, Aberglauben, oder nur aus von jeder Bürde frei, fie auch Eigensinn; nicht der Welt den einst ganz selig sei. Fleiß zu rauben, den ich Brüdern schuldig bin; weder wild, noch menschenscheu; nicht aus Stolz noch Gleißnerei. 16. Jer Chrift in Gesellschaft. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 3. Nur zu prüfen mehr im 710. Nicht mürrisch, finster, Stillen, wie entschlossen, wie ungesellig ist, wer ein Chrift zu getreu, deinen Willen zu erfüllen, sein sich freut; ist ohne Schmeimeiner Seele Wille sei; weiser chelei gefällig; vereinigt Ernst noch zu werden, Herr, und im mit Freundlichkeit; ist traurig Beten eifriger. mit den Traurigen und fröhlich mit den Fröhlichen. 4. Wenn in dir geweihter Stille meine Leidenschaften ruhn, 2. Es liegt in feinem seiner werd ich fester, strebt mein Wille, Blicke, als wie in einem Hinterfroher, was du willst, zu thun; halt, auflauernd schadenfrohe und ich hab durch deine Huld Tücke und Haß in lächelnder auch in Trübsal mehr Geduld. Gestalt. Sein Blick, kein Blick 5. Mehr empfind ich deine der Heuchelei, ist liebreich, offen, Liebe, wo mich kein Geräusch gut und frei. zerstreut; stärker deines Geistes 3. Sein Antlitz, heiter, wie Triebe; mehr der Zukunft Herr- der Morgen, wird trüb und lichkeit; heller seh ich dein Ge- seine Freud entflieht, wenn er richt; mehr die Würde jeder Bekümmerniß und Sorgen in Pflicht. seines Bruders Augen sieht, 6. Jeder Täuschung dann und strahlt in neuer Heiterkeit, entrissen, seh ich näher, Gott, wenn ein Getrösteter fich freut. mein Ziel; freier sieht auch mein 4. Er schleicht, für fromm Gewissen, wo ich siegte, wo ich erklärt zu werden, nicht traurig, Der Christ im Leben. 495 | Heuchlern gleich, einher. Doch fenn als Christ des bessern Sünde, reizende Geberden haßt, Adels Werth und Pflicht; den wie sein Gott sie haßt, auch er. Er ist im Blick auch keusch und rein, stets fröhlich, ohne frech zu ſein. fühl er, den entehr er nicht. 2. Er, sind ihm Brüder unterthan, er sei ihr Vater, kein Tyrann; so mild und liebreich, als gerecht; er ist, wie sie, auch Gottes Knecht. 3. Nicht wähn er, weil er groß und frei vor den Gerinist, er sei erhaben über er sagt und was er thut, ist Recht und Pflicht und Rechen5. Durch liebliche Gespräch erheitert er auch des Blöden Angesicht, und jedes Herz fühlt sich erweitert und freudenvoller, wenn er spricht. Denn, was gern anmuthsvoll, ist wahr und gut. schaft: das wähn er nicht. 6. Er muß gefallen, er gebiete, er warn, er straf auch; er gebeut, er warnt, er straft voll Lieb und Güte, mit Ernst und doch mit Freundlichkeit. Und tröstet er, wie leicht vergißt sein Bruder, was sein Kummer ist. 4. Er sehe, mehr beglückt von Gott, nicht mit Verachtung oder Spott auf den, von deſſen Schweiß er lebt, der ihm erwirbt, was ihn erhebt. 5. Er hasse Grausamkeit und 3wang, verprasse nicht im Mü7. Sanft, redlich, sittsam, Biggang, was Gott ihm giebt, menschenfreundlich ist, wer ein beglückt zu sein mit Andern, Jünger Jesu ist, nie sclavisch, aber nie allein. auch nicht übermüthig, wenn er sein; denn er ward darum nur des Armen Herr. 6. Froh neben ihm, mit ihm er vor Andern glücklich ist. Ach, vergnügt sei, wer ihm feine wären wir's, ach glichen wir, Felder pflügt. Wohlthätig soll 0 Vorbild wahrer Liebe, dir! 8. In allen Worten und Geberden, in allen Thaten laß, o Herr, uns aller Menschen Freude werden, dir, Heiland, immer ähnlicher: so werden wir uns ewig freun und Gottes wahre Kinder sein. 7. Verloren schätz er jede Zeit, wo er nicht wohlthut und erfreut, und Wonne werde jeder Schmerz, den er geheilt hat, für sein Herz. 8. Er denn er hat mehr Macht und Zeit zu höhern Tha= ten sei bereit, auch mehr zu 17. Für Vornehme und Reiche. thun für Volk und Staat, von dem er seinen Vorzug hat. - - Mel. Vom Himmel hoch da zc. 711. Wer er burt schon ist, als seine Brüder, gißt, daß er des Vaterlandes 9. Verächtlicher, als Sclaven, ist im Tod einst Jeder, der verhöher durch Ge 496 In persönlichen Umständen. Wohl auch mehr als Andre Last und Müh vergißt, wenn fördern soll. es dein Brod mit Freuden ist. 10. Doch wenn er's nicht 5. Ist auch nicht köstlich dein vergißt, so freut der Niedrige sich ohne Neid, weil der der Welt zum Segen lebt, den Gott mehr segnet, mehr erhebt; 11. Und spricht bei seinem 6. In seiner Werke HerrlichTode dann: das war ein edler, feit siehst du Gott täglich; dich großer Mann! Er, durch der erfreut der Sonne Glanz, der Tugend Glanz vertlärt, war sanfte Mond; dich freut's, wenn seines Glücks und Vorzugs werth! Gott dein Wert belohnt. ( Vergl. 410 448-450.) 18. Für die im mittleren Stande. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen zc. 712. Im Schweiße deines Gewand, gewirkt von deines Weibes Hand: beneide du kein Feierkleid, oft deckt's ein Herz voll Gram und Neid. Angesichts arbeitest du; doch dir gebricht's nie, wenn du thust, was Gott gebeut, an Segen, an Zufriedenheit. 2. Thust du, was dir befohlen ist, so bist du frei wie Fürsten; bist vor Schmeichlern sicher; bist ein Mann, der seinen Gott nur betet an. 7. Was hat der Reiche mehr? Mehr Pracht, mehr Ansehn und mehr Glanz, mehr Macht, doch auch mehr Sorg und Ueberdruß bei allem seinem Ueberfluß. 8. Nicht mehr Gesundheit, Ruh und Kraft, nur eine größre Rechenschaft. Mühseligkeit iſt Aller Loos, der Mensch sei niedrig oder groß. 9. So dank denn Gott für deinen Stand; genieß die Gaben seiner Hand durch nützliche Geschäftigkeit und findliche Zufriedenheit. mehr dir gab; auf Alle wartet 10. Klag nie, daß Gott nicht Tod und Grab. Auch du kannst dann ganz selig sein und ewig dort des Herrn dich freun. 3. Auf teine Höhen hingestellt, dienst du doch deiner Brüder Welt; für dich hast du 11. Nur ftrebe stets gewissenDach, Kleid und Brod, und haft und fromm zu sein durch minder, als der Reiche, Noth. Gottes Kraft; im Glauben wil 4. Dein Brod hat Kraft und lig bis zum Tod zu halten, stärkt den Leib zur Arbeit; und was dir Gott gebot. dein Kind und Weib des Tages ( Vergleiche Nr. 439.) Register der Gesänge nach der Nummer. No. 665 Auf meinen lieben Gott 607 Auf, schicke dich recht feierlich 191 Auf, Seele, nimm des 655 Aus deiner milden & Gott, uns schreckt Ach Gott, wir denken heut Ah, heilig, selig ist Ach Herr, du allerhöchster , hier nicht mehr, ach, , höchster Gott, verleihe Ach, meine Kinder sind nicht Ach, treuer Gott, ich ruf Ach, wann werd ich Ach, wie verschieden ist Alle, die zu dieser Zeit, Allein auf dich verlaß ich Allein Gott in der Höh Allein zu dir, Herr Allen Christen und auch mir len, welche nicht vergeben Alle Menschen müssen Allgütiger, dein Segenswort Allmächtiger, gerechter Gott, Allmächtig großer Gott, Also hat Gott die Welt Also hoch hat Gott geliebet Allwissender, vollkommner Geist 15 Am Kreuz erblaßt, 172 Anbetung, Lob und froher Anbetung, Preis und froher Anbetungs würdger Gott Anbetung und Dank 97 An dich, mein Gott, Arzt des Leibes, Trost der uf aufgespannten Schwingen Auf, Christen, preist mit mir Auf Christi Himmelfahrt Auf dich alleine will ich Auf dich, Herr, nicht auf Auferstehn, ja auferstehn Auf felfenfestem Grunde Auf, Jeju Jünger, Auf ihrem Felsengrunde Osnabr. Landgefangb. X. Aufl. 704 Aus dunkler Tiefe, Herr, 314 Aus meines Herzens 706 413 Bald oder spät des Todes 282 Befiehl du deine Wege 133 Begleite mich nach 700 Bereite dich, mein Herz, 363 Bewahre mich, Herr, daß 41 Bin ich vor dir, o Gott, 274 Bringt her dem Höchsten 442 Bringt Preis und Ruhm 456 Dank sei dir, ich lebe Dank sei dir, Vater meines 531 Das Glück ist groß, das 193 Das Grab ist leer 10 Das Wort, das uns der 376 Dein bin ich, Gott, dein ist 418 Dein Glück und 640 694 251 Christ, Alles, was dich kränket, 415 Christus, der ist mein Leben, 80 Chrift ist erstanden 127 Christ lag in Todesbanden 662 184 185 635 Dein, Gott, ist Majestät 559 Dein Heil, o Chrift 365 Dein Reich, o Gott, ist 203 Dein sind wir, Gott, 362 Dein Wille, Herr und 354 Dein Wille ist's, mein Gott, 696 Dein Wort, o Höchster 296 Dem finstern Erdkreis 204 Dem Lande, dem du 213 Demuthsvoll komm ich No. 419 121 164 649 279 609 32 329 414 169 656 259 92 366 198 620 681 463 196 507 81 349 312 544 52 578 684 390 134 468 537 498 Register. Den Höchsten öffentlich Den Rathschluß deiner Der am Kreuz ist Der Creaturen Meister Der du der rechte Vater Der du die Liebe selber Der du uns als Vater Der du uns das Heil Der größte von den Schätzen Der Herr fährt auf Der Herr hat Alles wohl Der Herr ist Gott, der Herr Der verr ist Gott und keiner Der Herr ist meine Zuversicht Der Herrscher aller Lande Der letzte meiner Tage Der Mensch lebt selig Der Tag hat sich geneiget Der unsre Menschheit Der Wollust Reiz zu Des Jahres Schönheit Des Leibes warten und ihn Des Morgens erste Stunde Des Vaters Sohn von Des Vaters und des Sohns Dich, Gott, lobt der Dich preis ich, höchster Gott, Dich seh ich wieder, Die auf der Erde wallen, Die Bahn ist rauh, auf Die dich nicht kennen, die Die Herrlichkeit der Erden Die schöne Tugend, mein Die Zunge, die vernehmlich Dies ist der Tag, da uns Dies ist der Tag, den Gott Dies ist der Tag, zum Segen Dies war die Nacht Dieses Herz vor Gottes No. 532 Du bist ein Mensch: bedenk 154 Du bist es, Gott, der 165 Du bist's, dem Ehr und Ruhm 76 Du bist, o Gott, 514 90 579 489 485 604 596 653 475 509 Du, der den Eingebornen 443 Du, der nichts Böses thut 490 Du, der ordnet und ermißt, 105 Du Führer, der mit 379 Du, Gott, bist der Gerechte 202 Du Gott, der unsre Zuflucht 364 Du Gott, du bist der Herr 377 Du großer Gott, der du die 9 Du hast, o weifer Schöpfer 355 Du hast uns, Herr, die Pflicht 401 161 Du hast uns, Jesu, vor 240 Du Herr der Seraphinen 225 Du Herr und Vater 625 Du flagst in schweren 589 Du flagst und fühlest 398 Du liebst, o Gott, 651 Durch Adams Fall 396 Durch dich, Gott, bin ich, 619 Durch dich, o großer Gott, 128 Du fagst: ich bin ein Christ 487 Du sorgst, o Gott, nach 515 77 580 436 438 60 Du Vater deiner Menschenkinder 342 481 Du, von dem wir Alles 616 Du weinest um Jerusalem 569 Du weiser Schöpfer 465 141 433 Du, welchen keine Welt 434 Du Welterlöser, Schutz 560 Du wesentliches Ebenbild 325 Du wesentliches Wort, 458 Du willst, Gott, daß mein 118 Du wollst erhören, Gott, Dir dank ich für mein Leben Dir, Gott, der Hügel, Thal Dir, Gott, dir will ich fröhlich Dir, Gott, sei Ehr! Dir, Gott, sei mein Dank Dir, Gott, sei Preis und Dank Dir Herr, will ich nun Dir, unser Gott, ist Niemand Dir, Vater, dankt mein Dir Welterlöser, Gottes Sohn, Du aller Menschen Vater Du bester Trost der Armen, 122 534 Ein Christ soll nicht 159 Ein feste Burg 550 Ein Fremdling bin ich 67 Ein Herz, o Gott, in 644 Ein Kind, dem Keines 69 Ein Lamm geht hin 705 Ein ruhiges Gewissen 478 Einst reift die Saat, No. 358 659 65 2 87 Ein Tag ist wieder hin! 686 Entflohen sind auch dieses 53 Entschließe dich und thue 488 Erbarm dich, Herr, du 470 Erbarmungsvoller Gott, 448 Erforsch mich, Herr, 663 Erhabner Gott, was reicht 460 95 484 66 308 646 464 209 139 119 500 701 309 215 252 427 114 150 395 250 628 634 263 286 295 148 336 Register. Erhalt uns, Herr, Gebt den Herrn, fingt ihm Erhebet Gott! lobt ihn Erhebt ihn, meine Lieder, Erhöhter Jesus, Gottes Erinnre dich, mein Geist, & fommt, er kommt, der & kommt, er kommt zum Erschallt, ihr Freudenlieder Erwacht auf's Neue, Gott, Grworben hat sich Grzeig an mir, Gott Es donnert, Gott, wie Es eilt der letzte von den Es hilft uns unser Gott Es ist das Heil uns kommen Es ist gewiß, sie naht, die Es ist noch eine Ruh Es ist vollbracht! Es lag die ganze Welt Es stellte sich im Tempel Es werde Gott von dir Es werde Gott von uns Es woll uns Gott Gs zieht, o Gott, ein Gwger Gott, wie selig ist, Jen jei von Ungerechtigkeit, Fest soll mein Hoffent Flieht, ihr traurigen Freiwillig haft du Freue dich des Herren Freut euch, ihr Christen Froh führte Gottes Sonne Fröhlich soll mein Herze Früh mit umwölktem Für alle Güte sei gepreist Für alle Kranke bitt ich dich Fürwahr, du bist, o Gott Gedanke, der uns Geift vom Vater und Gelobet jei der Herr, Gelobet feift du, Gott, für Gelobet jeist du, Gott, mein Gelobet jeist du, Herr Gelobet jeist du, Jesus Christ Gerechter Gott, dein Gerechter Gott, vor dein Gerechter Gott, wir flagen Bejegnet laß ftets fein No. 211 Getreuer Gott, wie viel Geduld 645 Gieb, Gott, wenn ich dir Gieb mir das Wollen 49 615 Gieb mir, o Gott, ein 587 Gieb nicht deinem Unmuth 194 Gott ändert Zeit und Stunde 126 Gott, deine Gnad ist unser 588 Gott, deine Gnad sei 654 Gott, deine Güte 617 Gott, deine weise Macht 208 Gott, der an allen Enden 270 Gott, der du die Menschen 658 Gott, der du die Wahrheit 561 Gott der Vater, wohn 360 Gott des Himmels und 290 Gott, dir ist kein Geschöpf 584 Gott, dir jei ewig Preis 253 Gott, dir sei Preis und Dank 171 Gott, du bist von Ewigkeit 101 Gott, durch welchen alle 135 Gott, es ist deine Macht und 83 Gott, grenzenlos 59 Gott hat mir seinen Sohn 212 Gott hat's gegeben 667 Gott, ich weiß es, 14 Gott ist die Stärk Gott ist mein Hort! Gott ist mein Lied! 461 483 Gott ist's, der das Vermögen 233 Gott ist's, der eingesetzet 188 Gottlob! Mein Lauf eilt 183 Gottlob so geht mit gutem 486 Gott, meine ganze Seele 197 Gott, mein Licht, erleuchte 117 Gott, mein Vater, deine 650 Gott, mein Vater, sei 631 Gott sei Dank in aller Welt, 699 Gott jei gelobt für seine 54 Gott sei Lob, es ist Gottes Sohn ist kommen 203 Gott Bater, denk an 494 Gott, vor dessen Angesichte 38 Gott, was des Lebens 70 Gott weiß es Alles wohl 689 Großer Gott, erhabnes Wesen 525 Großer Mittler, der zur 112 Großer Schöpfer, Herr 591 Groß ist des Höchsten Güte 34 Groß, majestätisch bist du, 664 473 alleluja! Amen! 32* 499 No. 32 386 351 444 676 61 229 123 553 62 58 452 506 39 611 28 132 637 13 558 48 21 124 679 244 216 501 72 402 466 573 601 55 334 672 675 108 120 542 125 605 33 636 424 91 206 405 369 383 703 500 Halt im Gedächtniß Heiland, deine Menschenliebe Heilger Gott, hier stehen Heil uns! Aus unsrer Herr, allerhöchster Gott, Herr, aller Weisheit Herr Chrift, du einger Herr Christ, es steigt des Herr, deine Allmacht reicht Herr, dein Gesetz, das du Herr, deine Rechte und Herr, deine Sanftmuth Herr, den die Sonnen Herr, den in lauten Chören Herr, der da ist und der Herr, der du mir das Leben Herr, du bist meine Herr, du erforschest mich Herr, du Schöpfer der Natur Herr, es gescheh dein Wille! Herr, es sind recht edle Herr Gott, den man dreieinig Herr Gott, der du erforschest Herr Gott, dich loben wir! Herr Gott, du bist die Zuflucht Herr Gott, nun sei gepriesen, Herr Gott, wir danken dir! Herr Gott, wir preisen Herr, höre mein Gebet Herr, ich bin dein Eigenthum Herr, ich hab von deiner Treu Herr Jesu Christ, dich zu Herr Jesu Christ, du höchstes Herr Jesu Christ, mein Trost, Herr Jesu, deine Angst Herr Jesu, Gnadensonne, Herr Jesu, Licht der Heiden, Herr, laß mich stets Herr, laß nach eitlen Ehren Herr, mache meine Seele Herr, mein Gott, ein gut Herr, meiner Seele großen Herr, mein Versöhner! Herr, nichts Gutes kann Herr, ohne Glauben Herr, präge deines Namens Herr, sei gelobet, Herr, sei mir nah! Herr, stärke mich, Register. Herr, unser Gott, wer ist dir Herr, vor deinem Angesicht No. 199 Herr, wie du willst, so 140 Herr, wir singen deiner Ehre, 606 Herzlich hab ich dich lieb, 98 Herzliebster Jesu, du hast 292 Hier bin ich! Jesu, zu Na 554 375 306 163 523 447 260 337 Hilf, Herr Jeju, laß gelingen, 598 102 Hilf, Jesu, daß ich meinen 131 Höchster, denk ich an die 20 Höchster, dessen starke Rechte 503 Höchster Tröster, komm 504 Hofianna, Davids Sohn, 79 493 111 454 602 Ja, zur Stille will ich 78 3ch auch, sind gleich matt 600 Ich bin ein Christ! 626 Ich bin getauft auf deinen 247 Ich bin Gottes, Gott ist 17 Ich bin ja, Herr, in deiner 641 Ich bin in dir, mein Gott, 633 Ich bin, o Gott, dein 190 ch bin zur Ewigkeit 44 Ich danke dir, mein Gott, 19 Ich denk an dein Gerichte, 373 Sch eile meinem Grabe zu! 12 Ich faffe, Vater, deine 660 3ch freue mich der 647 3ch freue mich, mein Gott, 671 3ch glaub an einen Gott 302 Ich habe, Herr, entlastet 564 Ich hab in Gottes Herz 406 3ch hab in guten Stunden 538 Ich habe schon so manche 278 Ich hoff auf keine Hülfe 303 Ich hoff, o Gott, 709 622 237 510 423 583 353 82 585 581 693 248 346 528 417 682 435 422 294 289 176 Sch tomme, Friedensfürst, 317 Ich komme, Herr, und suche 136 3ch komme vor dein 410 Ich lobe dich und preise dich, 409 Sch preise dich für deine 432 Ich preise dich, Herr, mein 393 3ch preise dich, o Herr, 391 Ich ruf zu dir, Herr 453 Sch finge dir mit Herz und 404 3ch Staub vom Staube 258 3ch trete vor dein Angesicht 384 3ch weiß, an wen mein 526 Ich weiß, daß das, was 591 Ich weiß, daß mein Erlöser 145 Ich will dich noch im Tod 37 Ich will in meiner Einsamkeit 480 540 3ch will, mein Gott, 51 522 552 23 529 661 524 326 50 285 479 226 426 246 697 Ich will, o Vater, allezeit Ich will von meiner Jesu Christ, durch dessen Jesu, deine heilgen Wunden, Jesu, der du meine Seele Jesus, die erlösten Sünder Jesus ist mein Hirte; Jejus kommt, von allem Jefus lebt, mit ihm auch ich, Jejum lieb ich ewiglich, Jesus, meine Freude, Jeju meiner Seele Licht, Jesus meine Zuversicht Ihr Alle, die ihr jetzt Ihr, die ihr wart verloren Im Schweiße deines In allen meinen Thaten In deinem Namen, Herr, In dieser Morgenstunde Ist auch ein Gott? Ist Gott für mich, so trete Register. Kein Lehrer ist dir, Jeſu, Klag nicht, mein Herz, Komm, du werthes Lösegeld, Komm, heilger Geist, von Komm, Kind der Nacht, Komm, Sterblicher, betrachte Kommt, die ihr noch nicht Kommt her, an meines Kommt her, ihr Christen, Kommt her, Mühselge, Kommt, kommt, den Herrn Kommt und laßt euch Komm, Wanderer, zum Grabe Komm zu uns, o Geist Kyrie, eleison! Kyrie, Gott Vater, 501 No. No. 533 Lobsinget Gott und betet an, preist 29 267 Lobt Gott, der uns den 160 Lobt Gott, ihr, seine Knechte, 639 207 175 276 Mache dich, mein Geist, 200 Mag doch der Spötter 323 Mein bester Trost in diesem 239 Meine Lebenszeit verstreicht 195 Mein Erlöser, auch für mich 307 Mein Erlöser, der du mich 235 Mein Erlöser, Gottes Sohn, 135 Mein erst Gefühl sei Preis 192 Mein ganzer Geist, Gott, 613 Mein Geist, ermuntre dich 116 Mein Geist erstaunt, 712 Mein Glaub ist meines 357 Mein Gott, ach, lehre mich 680 Mein Gott, du hast mir zu 610 Mein Gott, du heißest 1 Mein Gott, du prüfest 230 Mein Gott, du schenktest Mein Gott, du wohnest in der 142 Mein Gott, du wohnest zwar 318 Mein Gott und Herr, 110 Mein Gott, zu dem ich 496 Mein Heiland, deine Größe 156 Mein Heiland lebt, 577 Mein Heiland nimmt die 321 Mein Heiland, wenn mein 695 Mein Jesu, für dein Herz 146 Meinen Jesum laß ich nicht, 319 Meinen Jesum laß ich nicht, denn 56 Mein Schöpfer, lehre mich 219 Mein Schutz ist Gott, ihn 137 Meine Seel, ermuntre dich, 492 Mein Vater und mein Gott, 603 Mein Vater und mein Richter 40 Mensch, entehre nicht mit Mir nach, spricht Christus, 173 Mir sagt auf deinen Wink 266 Mit Ernst, o Menschenkinder, 411 Mit Preis und Danke 89 Mit welcher Pracht 168 213 Nach einer Prüfung 100 Nach meiner Seelen Laß deinen Geist mich Laß mich doch, o mein Saß mich nie, o mein Gott, Laß mich, o Herr, in allen Laß mir alle Wochen sein, Laß, o Herr Jesu, Laß uns mit frohem Dank Lebt Christus, was bin ich Lehre mich, Herr, recht Liebster Jesu, wir sind Lob, Ehre, Preis und Dank 187 Nah den letzten Augenblicken, 338 Nein, murren will ich nicht, 539 Nicht, daß ich's schon 103 Nicht mürrisch, sinster, Jobfinget Gott und betet an! es 86 Nicht nur streiten, überwinden 557 288 546 568 152 511 180 614 255 68 673 238 310 350 345 313 5 388 336 275 281 104 249 264 25'7 158 305 129 268 356 147 315 688 439 320 683 106 630 638 254 392 692 678 328 710 330 502 No. 495 O Himmelsbrod, 16 O Höchster, dessen Kraft 455 O Jesu, der du als ein Lamm 63 O Jesu, der voll Schmerzen 698 O Jesu, Jesu, Gottes Sohn, 57 O Lamm Gottes 618 O meine Seel, erhebe dich 35 Ofelig, selig seid ihr 245 O schrecklich Leid der Ewigkeit 46 O treuer Gott, dein heilges 497 Vater der Barmherzigkeit 374 O Vater, der die Liebe ist, 96 O Vater, groß von Gnade, 570 O welch ein unschätzbares 182 O Welt, sich hier 599 O wie unaussprechlich 372 wundergroßer 368 624 Preise dantbar, mein 612 Preis, Preis sei Gott! Preis sei dir, der 115 Preist unsern Gott, er ist 340 Preist unsern Gott, ihr 347 Preis und Lob und 592 Prüfe dich, o Seele, wohl 47 O ewig Licht, o höchstes Gut, O Gott, Beherrscher aller O Gott, den alle Himmel Gott, der du aus Herzensgrund 74 Quelle der Vollkommenheiten 344 O Gott, der du so liebevoll O Gott, der du zur O Gott des Himmels Nicht um ein flüchtig Gut Nie bist du, Höchster, Nie will ich wieder fluchen, Nimmt Gott, dem wir Noch einmal blick ich auf Noch immer wechseln Noch läßt der Herr mich Noch nie hast du dein Wort Noch wallen wir Noch war kein Himmel Nun bitten wir den Nun danket alle Gott; Nun freut euch, Christen, Nun grabt den Leib Nun, ich danke dir Nun laßt uns freudig treten Nun laßt uns Gott, dem Nun lob mein Seel den Herren Nun ruhet in den Wäldern Nun tret ich wieder Christenheit, sei hoch O du erhabner Gott, O Gott, deß starke Hand O Gott, du bist die Liebe O Gott, du bist mein Preis Gott, du frommer Gott, O Gott, du höchster Geist, O Gott, du kannst den Register. Gott, du kennest unsre Gott, du nur, du konntest Gottes Sohn, Herr Jesu O Gott, mein Schöpfer, Gott, mit froher Gott, sei unsrer Obrigkeit Gott, von dem wir alles großer Gott, du großer Gott, wir danken Haupt voll Blut heilger Geist, kehr bei Heiligster, wen nennst Herr, dein seligmachend hilf, Chrifte, Gottes Sohn Ohimmlische Barmherzigkeit 899aa 551 400 Redlich will ich mich 3 Richtet nicht, wenn Sünder 27 Rund um uns her ist nichts 30 536 Schaffet, schaffet, 316 Schon ist der Tag 36 Schwingt, heilige Gedanken 652 Seele, Seele, willst du nicht 665 Seele, willst du Ruhe finden, 508 Selig, Gott, sind fie, die 291 Selig find des Himmels 381 Selig find, die Gottes Wort 228 Seligkeit ist es, o Seele, 467 Sei getreu bis an das Ende, 643 Sei hochgepriesen, Herr, 271 Sei Lob und Ehr dem 597 Sei nicht stolz, Geschöpf 167 Sei, Seele, stark und 491 Sieh, Gott, den schon 380 Sie kommt, sie kommt, die 210 Sink ich einst in jenen 149 So gehst du, Jesu 441 So grabt denn mein No. 530 657 520 685 322 179 582 593 499 272 549 519 394 166 256 201 527 223 469 26 107 304 517 459 708 642 265 586 11 262 518 574 575 541 349 331 178 370 389 421 471 562 632 155 571 So Jemand spricht: ich So lang ich athme, Gott, Sollt ich meinem Gott nicht Sollten Menschen, meine Sorge doch für meine So wahr der Allerhöchste So wahr ich lebe, spricht Stärke, Mittler, stärke sie Still, niedrig, ohne Straf mich nicht Tag, der den Ueberwinder Tief in Todesschmerzen Treu ist der Herr und Umsonst, umsonst verhüllst Unerforschlich sei mir immer Uns heilig soll der Register. No. 445 Was ist alles Glück der 674 Was ist mein Leben 71 Was ist mein zeitlich Leben, 446 Was ist, o Gott, im Himmel 477 Was ist's, daß ich mich quäle 687 Was ist vor deinem Angesichte 261 Was kann ich doch 513 Was mein Gott will, Vater, laß mich Gnade Vater, Vater, voll Gebrechen Verleih, Gott, daß die Verleih uns Frieden Vernimm, Gott, was ich flehe, Verwirf, verwirf mich Verwirf, verwirf, o Gott, Voller Ehrfurcht, Dank und Von Angst dahingerissen, Von dir, du Gott der Von dir kommt jede Von dir, liebreicher Gott! Von ganzer Seele preis ich dich Von Menschenliebe Von dir, Herr Jesu, Vor dir, o Gott, sich kindlich 144 Was soll ich ängstlich klagen 277 Was sorgst du ängstlich Weh mir, wenn Gott nicht wär, Weicht, ihr Zweifel, Weil nichts gemeiner ist, Welch ein segensvoll Welch ein Glück, o Gott, ist 18 Welch hohes Beispiel 24 Wenn böse Lüste 474 Wenn Christus seine Wenn dich die Liebe Gottes 280 Wenn Einer alle Kunst 690 Wenn einst mein sterbend 476 Wenn Feinde deines 668 Wenn gleich in tiefer 301 Wenn Gott von seinem 269 Wenn ich am Fuße 512 Wenn ich ein gut Gewissen 521 Wenn ich einst von jenem 332 Wenn ich, o Schöpfer, 472 Wenn mich die Sünden 545 Wen wird, o Gott, 451 Wer bei dem Namen 181 702 361 Wach auf, mein Herz, die Wach auf, mein Herz und War's dazu, daß ich Warum bin ich so betrübt? Warum erbebst du, Warum sollt ich mich denn Was für ein Lob Was für Leiden, Was Gott thut, das ist wohlgethan; es bleibt Was Gott thut, das ist wohlgethan; so denken Was helfen mir Was hilft es mir, ein Christ Was ich nur Gutes habe, 503 64 Wer bin ich von Natur, 170 Wer bin ich? Welche 287 Werde munter, mein Gemüthe, 341 Wer dieser Erden Güter Wer Gottes Wege geht, 186 Wer Gottes Wort nicht hält 608 Wer höher durch Geburt 707 Wer Jesu Gnadenmahl 677 Wer kann alle Leiden 243 Wer kann, Gott, je was 425 Wer mißt, Gott, deine Güte, 371 Wer nur den lieben Gott 177 Wer sich im Geist beschneidet Wer Sünde thut, entehrt Wer weiß, wie nahe mir Wie dunkel wäre nicht, 420 648 Wie ein Geschwätz des Tags 224 Wie getroft und heiter 311 Wie göttlich sind doch Jesu 387 Wie groß ist des Allmächtgen No. 348 428 407 333 430 84 300 352 359 567 45 437 565 543 462 324 327 217 298 440 242 214 431 93 547 234 621 4 174 221 382 94 385 623 450 222 297 711 516 162 555 31 416 130 590 563 7 627 236 143 25 504 Register. No. No. 339 113 99 205 42 498 572 227 Willst du der Weisheit 151 Wir danken dir, Immanuel, 189 Wir danken dir, o großer Gott, 73 535 Wirf, blöder Sinn, 594 Wir freuen uns, Herr, 157 Wir glauben All an einen 232 Wir Menschen sind zu dem, 397 Wir tragen diesen Leib 283 Wo eilt ihr hin, ihr 241 Wo flieh ich Sünder hin, 367 Wo ist ein solcher Gott, 284 Wohl auf, mein Herz, 449 Wohl dem, der begre Schätze 566 Wohl dem, der ohne Wandel 109 Wohl dem, der richtig wandelt, 457 378 Wohl, wohl dem Volke, 343 Wort aus Gottes Munde, 299 408 273 231 138 412 220 505 502 576 3u dir, erbarmungsvoller Gott, 482 85 3u dir fleh ich, mein Gott, 595 3u dir, Unendlicher, 556 670 403 669 3ur Arbeit, nicht zum 429 3u so viel Tagen, die mir 399 629 Wie groß ist unsre Wie grundlos find Wie lieblich ist dein Wie lieblich ist doch, Herr, Wie lieblich ist's, dort oben Wie liebreich, Jeju, Wie mächtig spricht Wie mannigfaltig find Wie oft regt sich Wie sanft sehn wir Wie selig bin ich, wenn Wie selig, Gott, ist der Wie selig lebt ein Mensch, Wie sicher lebt der Mensch, Wie soll ich dich empfangen, Wie soll ich dich würdig Wie, sollt ich dich, mein Gott, Wie theuer, Gott, ist Wie ungewiß ist, Herr, Wie wichtig ist doch der Beruf, Wie wird mir dann, o dann Willkommen, du Geschenk Will mich, o Gott, hienieden Willst du den Reiz zur Lieder- Anhang zum Osnabrücker Landgesangbuche. Religion. 5. Sie leitet mich auf allen Mel. Wer nur den lieben Gott zc. Wegen; sie zeiget mir das höchste 1.Religion, von Gott gege= Gut; sie macht mir jedes Glück ben, jei ewig meinem Herzen zum Segen und giebt im Unwerth! Wie traurig ist das Er- glück frohen Muth. Wo nichts denleben für den, der deinen sonst, nichts mich trösten kann, da hebt ihr wahrer Trost erst an. Troft entbehrt! Nur du erheiterft meinen Sinn, führst sicher mich zum Ziele hin. 6. Sie schafft dem Geiste hohen Frieden, verscheucht den sor2. zeigt mir eine besfre genvollen Sinn, und reichet jeLehre, ihr Thoren, die ihr sie ver- dem Lebensmüden den sichern lacht, die mehr als sie mir Trost gewähre; was habt ihr, das euch weise macht? wo find' ich außer ihr das Licht, das durch des Lebens Dunkel bricht? Stab der Hoffnung hin, auf den er still und fest sich lehnt, so oft er sich nach Ruhe sehnt. 7. Sie läßt mich ewig's Dasein hoffen, verkündigt mir Un3. Sie ist es, die mich Gott sterblichkeit. Durch sie steht mir erkennen, mich meinen Schöpfer der Himmel offen, und mein ist lieben lehrt. Ich darf getrost ihn seine Seligkeit. Entschwinge dich Bater nennen, darf sicher sein, der Erde Land, mein Geist, emdaß er mich hört. Sie ruft mirzu: por ins Vaterland. Dein Gott ist gut! Wohl dem, der seinen Willen thut! 8. Ich weiß, ich weiß, an wen ich glaube; ich glaube fest und 4. Sie treibt mein Herz, sich zweifle nicht. Kein Wahn, kein ſelbst zu richten, sie schärfet mei- Wik des Spötters raube mir nes Geistes Blic, belehrt mich jemals meines Glaubens Licht! über meine Pflichten und schredt Religion erheb' mein Herz; sie vom Bösen mich zurück; fie stär- adelt mich in Glück und Schmerz. fet des Gewissens Trieb und macht mir jede Tugend lieb. Osnabr. Sandgesangb. X. Aufl. Anhang. 9. Ja, du des Lebens reinste Wonne, begleite du mich bis ans 1 2 Anhang. Grab, und leuchte dann, gleich| heit geh' und dein mich nimmer einer Sonne, mir vor ins Todes- schäme, bis ich durch dich, wenn thal hinab. Mein erster Laut ich sterbe, zu dem Erbe deiner vor Gottes Thron sei Dank für Frommen auch dereinst werd' dich, Religion. aufgenommen. ( Thieß.) 5. Ich bringe dir ein dankbar Am Geburtsfeste Jesu. Herz, bereit in Freuden, wie in Mel. Wie schön leucht't uns der zc. Schmerz, wie dir's gefällt, zu 2. Auf, stimme du mit frohem die Kraft, nach deinem Wort gewandeln. Verleihe du mir selbst Dank, mein Geist, in jenen Lob- wissenhaft zu denken und zu hangesang, davon der Himmel deln! Fröhlich will ich hier im Letönte, als der zur Welt hernieder ben dich erheben und einst drokam und unsre Menschheit an ben wonnevoll dich ewig loben. sich nahm, der uns mit Gott ver= söhnte! Freu' dich innig! Er, dein Führer und Regierer tam Mel. Nun lob' mein Seel' den 2. auf Erden, Licht und Heil auch 3.Vom Grab', an dem wit ( Dieterich.) dir zu werden. 2. Ja, Preis und Ehre, Gott, wallen, soll, Jesu Christ, dein sei dir! Wie gnadenvoll bist du Lobgesang empor zum Himmel auch mir in deinem Sohn er- schallen; dir opfre jede Seele schienen! Du sendest aus Erbar- Dank! Und jeder der Gebornen men ihn, die dem Verderben zu erfreu' sich Mensch zu ſein, und entziehn, die schnöden Lüsten die jeder der Verlornen rühm' es, nen. Preis dir, daß mir neue erlöst zu sein! Zum Heiland uns Pfade zu der Gnade offen stehen, gegeben, erschienst du, Gottes mich durch dich beglückt zu sehen. Sohn; mit dir erschien das Le3. Und wie vergelt' ich, Hei- ben, mit dir des Himmels Lohn. land, dir die große Treue, die du 2. Kommt, laßt uns niedermir, schon eh ich war, bewiesen. fallen vor unserm Mittler Jesu Du bahntest unter bitterm Leid Christ, und danken, daß er Allen auch mir den Weg zur Seligkeit: Erretter, Freund und Bruder ist. sei hoch dafür gepriesen! Durch Er gleicht der Morgensonne mit dich kann ich nun hienieden Got- ihrem ersten Strahl, verbreitet tes Frieden schon empfangen Licht und Wonne und Leben und einst volles Glück erlangen. überall. Durch ihn kommt Heil 4. O gieb, daß ich an diesem und Gnade auf unsre Welt herHeil nun auch im wahren Glau- ab; er leuchtet unfrem Pfade ben Theil durch deinen Beistand durchs Leben übers Grab. nehme; daß ich hinweg vom Ei3. Frohlockt, ihr Mitgenoffen teln seh', die Wege deiner Wahr- der Erde und der Sterblichkeit! Anhang. 3 Fuß, seh' ich nur fest auf dich! Er ist nicht mehr verschlossen, der| leite mich; denn sicher geht mein Eingang in die Herrlichkeit. Zu unsrer Erde nieder kam Gottes 2. Du Heiliger, wie rein, wie ewger Sohn; nun hebt er seine unbefleckt von Sünde floh deine Brüder empor zu Gottes Thron. Jugend hin! Wie theuer war Er war das Heil der Sünder, dem Kinde, wie werth dem er bleibt es immerfort; hier Jüngling schon nur das, was find sie Gottes Kinder und Gott gefällt! Vergebens lockte Gottes Erben dort. dich die eitle Lust der Welt. 3. So arm, so freudenlos, in Müh' und Kümmernissen, durch frühen Druck geübt, was AnDern ward, zu missen; so flohn die Jahre dir der jugendlichen Lust; da seufzet schon der Gram aus deiner frommen Brust. 4. Doch du, gehorsam stets bereit, des Vaters Willen, wär' er auch Kreuzestod, mit Freuden zu erfüllen, du trugst geduldig, still Verlust und Müh' und Schmerz, sahst die Beglückteren und neidlos blieb dein Herz. 5. Sind wir dann zu dem Lohne der Himmelsbürger dort erhöht, dann find wir nah dem 5. Dein edles Herz! Wer mag Throne und schauen deine Ma- die hohe Schönheit fassen, die jestät. Nicht mehr aus dunkler göttliche Geduld, so schonend, Ferne dringt dann der Dank zu so gelassen, den himmlisch reidir; weit über Sonn' und Sterne nen Sinn, von Eigenmutz so erhaben, jauchzen wir. In aller fern; wer würdig dich erhöhn, Himmel Heere schall unser Lob- du frommer Knecht des Herrn! gefang: dem Ewigen sei Ehre, 6. Hat je dein reines Herz dem Welterlöjer Dank!( Sturm.) die kleinste Pflicht verlegzet? Den Leidenden gesehn und nicht mit Trost gelezet? Nicht gern gewarnt, belehrt, wo sich ein Mensch verirrt, und ihn mit treuer Hand auf bessern Weg 4. Erhabner, dem die Menge der Engel und Verklärten singt, bernimm die Lobgesänge, die dir dein Volk im Staube bringt. Auch du warst einst auf Erden, was deine Brüder sind, ein Dulder der Beschwerden, ein schwahes Menschenkind. Was du nun bist, das werden einst deine Brüder sein, wenn sie, entrückt der Erden, sich deines Anschauns freun. Jesus in seinem Leben auf Erden. Mel. O Gott, du frommer Gott zc. 4. Erscheine meinem Geist, geführt? erhabnes Bild der Tugend, er7. Versuchung ohne Zahl! helle mir den Pfad der Kindheit hier Ruhm und Schmeicheleien, und der Jugend! Du, Jesu, dort lockender Gewinn, hier gingst den Pfad; dein Beispiel bittrer Feinde Dräuen umga1* Anhang. ben, wo du gingst, dich, Heili- Lehren hellen Schein der Menger, doch du gingst standhaft schenseelen Licht zu sein! durch sie hin, voll Glaubens und voll Ruh'. 3. Ihr Licht, den Weg zu Gottes Gnade und ihrem Heil 8. Voll hohen Friedens blieb recht einzusehn,-ihr Licht, auf bis an des Lebens Ende dein diesem selgen Pfade mit sicherm schuldlos Herz; dein Geist gab Schritt einherzugehn ihr in des Vaters Hände sich ohne Licht, mit freudigem Vertraun Beben hin. Vollendet war die bis in die Ewigkeit zu schaun. Bahn; du sahst mit Himmels= ruh' den großen Lohn sich nahn. 4. Und um der Welt dies Licht zu werden, wie willig über9. Vollendeter, auch ich, auch nahmst du nicht auch stets die ich kann ohne Beben in meines größesten Beschwerden! Und Vaters Hand die Seele über- drückte dich gleich ihr Gewicht, geben, wenn sie voll Eifers, so trugst du doch, voll Güt' rein von des Gewissens Schuld, und Huld, sie gern mit himmdir ähnlich ward an Treu', an lischer Geduld. Liebe, an Geduld. 4 1 5. Was konnte deinen Eifer 10. Blick auf, mein Geist, stören, das Glück, das Gott auf ihn; verschmäh' des Lasters uns zugedacht, den Weg, der Freuden; der Sünde Sold ist dahin führt, zu lehren? Du Tod und ihre Frucht ist Leiden. fürchtet'st keines Menschen Macht. Wie Jesus weihe Gott des Le- Rein Undant, den die Welt bens kurze Zeit, dann erbst dir gab, hielt dich von diesem auch du, wie er, das Reich der Eifer ab. Herrlichkeit.. ( Niemeyer.) Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 6. Dein Licht ist auch zu uns gedrungen; du bist noch jest das Licht der Welt. Auf ewig 5. Auf Erden Wahrheit aus- das Dunkle aufgehellt, das einst sei dir Lob gesungen, dir, der zubreiten, die Wahrheit, die vom Himmel stammt, die, uns zum ewgen Glück zu leiten, das Herz zu Gottes Lieb' entflammt: dazu auf ganzen Völkern lag. Nacht entfloh, es kam der Tag. Die 7. Wir sehen nun in größrer Klarheit, als es vor dir die auch mir. erschienst du, Jesu, hier, Völker sahn, erleuchtet nur durch von Gott gesandt, zum Heil deine Wahrheit, zur Seligkeit die sichre Bahn. Der du auch 2. Dies war das tägliche uns zum Licht erschienst, wie Geschäfte, darin dein Geist Ver- groß ist um uns dein Verdienst! gnügen fand. Wie emsig hast 8. Fürwahr, noch immer ist du Zeit und Kräfte, beseelt von das Leben, das du auf Erden Liebe, angewandt, durch deiner hast geführt, ein Segen, den Anhang. uns Gott gegeben, dafür ihm| Leiden, o großer Dulder, heilig ewger Dank gebührt; ein Se- sein! Sie lehre mich die Sünde gen, dessen auch mein Geist sich meiden und dir mein ganzes Lefreut und dich, Erlöser, preist. ben weihn, dir, dessen Blut für 9. Ja, Preis sei dir, du bester mich geflossen, deß Herz für mich Lehrer, auch mir zum Heil von im Tode schlug, der ruhig, Gott gesandt! würde Jeder heiter und entschlossen auch dein Verehrer, der deinen Werth meiner Sünden Strafe trug. noch nicht erkannt! Gieb, daß ich deiner Wahrheit treu und ewig durch sie selig sei. 2. Auch in der stillsten meiner Stunden will ich nach deinem Kreuze sehn, und dich, o Herr, für deine Wunden, durch Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. meinen Thränendant erhöhn; ( Meister.) 6. Bis hieher hat mich Gott will tief gerührt die Huldergebracht durch seine große Güte. messen, womit dein Herz die Bis hieher hat er Tag und Welt umfaßt, und nie es unNacht bewahrt Leib und Ge- dankbar vergessen, was du für müthe. Bis hieher hat er mich mich erduldet haft. erfreut mit seiner Gnad' und Freundlichkeit, bis hieher mir geholfen. 2. Nimm Lob und Ehre, Preis und Dant, o Gott, für deine Treue, die du bewiesen lebenslang mir jeden Tag aufs neue! In mein Gedächtniß schreib' ich an: Der Herr hat Großes mir gethan; bis hieher mir geholfen. 5 3. Hilf, mein Erbarmer, ferner fort, hilf mir durch Jesu Wunden, zu aller Zeit, an jedem Ort! Und in den letzten Stunden, da rufe mir mein mittler zu: Verzage nicht, denn mein bist du! Dein Glaub' hat dir geholfen. 3. Mir sollen diese Feierzeiten der größten Liebe heilig sein; ich will dich an dein Kreuz begleiten und jeden Reiz der Sünde scheun. Dein Leiden sei mein höchster Segen, dein Tod mein seligster Gewinn; mein Herz schlägt dir voll Dank ent= gegen, weil ich durch dich gerettet bin. 4. Bleibt mir in diesen Tagen theuer, Gethsemane und Golgatha, ihr Stätten, wo die Welt die Feier der allergrößten Liebe jah! Nach euch will ich voll Andacht schauen, wo mein Erlöser litt und starb; auf ih allein will ich vertrauen, der mir die Seligkeit erwarb.( Meister.) Leiden Jesu. Mel. Alle Menschen müssen 2c. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen zc. 8. Du, der Menschen Heil 7. Laß mir die Feier deiner und Leben, deß sich meine Seele 6 Anhang. freut, der du dich für mich ge=| Mel. Dir, bir, Jehova will ich zc. geben, Stifter meiner Seligkeit; 9. Ach sieh' ihn dulden, bludu, der lieber wollt' erblassen, als mich im Verderben lassen, ten, sterben! O meine Seele, ach, wie dank, wie dant ich sag ihm frommen Dant! Sieh dir, mein Erlöser, gnug dafür! Gottes eingen Sohn und Er= ben, wie mächtig ihn die Men2. Du betratst, für uns zu schenliebe drang! Wo ist ein sterben, willig deine Leidensbahn; Freund, der je was er gethan, stiegst, uns Leben zu erwerben, der so wie er für Sünder stergern den Todesberg hinan. Du ben kann? vergaßeft eigne Schmerzen, trugst 2. Wie dunkel waren jene nur uns in deinem Herzen. Stunden, o Herr, und welche Diese Liebe preisen wir; unver- Lasten drückten dich! Wie quoll geßlich sei sie mir. das Blut aus deinen Wunden! 3. Meinetwegen trugst du Und ach, es floß zum Heil und Bande, littest frecher Lästrer| Troft für mich, und ruft noch Spott, achtetest nicht Schmach heute mir ermunternd zu, daß und Schande, mein Versöhner du mich liebst, du frommer und mein Gott! Mich hast du Dulder, du. der Noth entrissen, die mich 3. So sollt' es sein. Du hätte treffen müssen. Wie ver- mußtest leiden; dein Tod macht pflichtet bin ich dir lebenslang, mir des Vaters Liebe fund. mein Heil, dafür! Er wird für mich ein Quell 4. Wie gemartert, wie ver- der Freuden, ein Siegel auf höhnet hingst du, Herr, am den ewgen Friedensbund. So Kreuze da! Ach, mit Dornen wahr dich Gott für mich zum ſelbst gekrönet! Jeder schmähte, Opfer giebt, so feste steht's, daß der dich sah. Das ertrugst du, er mich herzlich liebt. mich zum Leben, mich zum 4. Dein bin ich nun und Himmel zu erheben. Preis, Verehrung, Dank sei dir, Ehrfurchtswürdiger, dafür! Gottes Erbe; ich sehe in sein Vaterherz hinein. Wenn ich nun leide, wenn ich sterbe, kann ich unmöglich je verloren sein. Wenn Sonn' und Mond und winn, den ich dir zu danken Erde untergehn, so bleibt mir habe, daß ich durch dich selig Gottes Gnade ewig stehn. bin. Jesu, dir mein Herz zu 5. Ruh' im Leben, Trost am Grabe, unaussprechlicher Ge5. Ja, mir zum Troft und geben, und, wie du gelebt, zu dir zur Ehre gereicht dein ganz leben, willig einst zu sterben zer Kampf, dein Kreuzestod; dir:- dies, dies sei mein Dank bestätigt ist nun deine Lehre; dafür. ( Neander.) ich baue fest darauf in jeder Anhang. 7 Mel. Wachet auf, ruft uns die zc. 10. Sterbend für das Heil der Sünder, rief Jesus laut, bald Uleberwinder: Mein Gott, 6. Herr, dies dein Beispiel mein Gott, es ist vollbracht! soll mich lehren, des Lebens Un- Tiefe Still' ergriff am Throne schuld sei mein Ehrenkleid. die Engel Gottes, und dem Gern will ich deine Stimme hören, und willig thun, was mir dein Wort gebeut. Die Dantbarkeit dringt innigst mich dazu; wer hat es mehr um mich verdient, als du! Noth. Unschuldig littest du; doch Preis und Ruhm ist auch im Kampf der Unschuld Eigenthum. Sohne antwortet Gott: Es ist vollbracht! Der Himmel hört's und sang sein neues Lied voll Dant dem Vollender: er hat gesiegt; wenn er gleich liegt, der Löw' aus Juda hat gesiegt. 7. Nie will ich mich am Feinde rächen; auch dies lern' 2. Durch ihn war die Welt versöhnet; der Herr erstand, mit ich, mein Heiland, hier von dir; Preis gekrönet, der Fluch vom nie Gottes Schickung wider- Berge Sina schwieg. Tod, wo prechen, wär' gleich sein Pfad ist dein Sieg, und Hölle, wo jeht noch so dunkel mir. Auf dein Triumph! Der Tod, die Dornen gingst du selbst zum Hölle, sie sind verschlungen in Ziele hin; ich folge dir, weil den Sieg. Er hat's, er hat's ich dein Jünger bin. vollbracht, das Werk der Gnad' und Macht. Preis sei Jesu; Todes Schrecken? Du schliefst nicht; dir, dir, Jesus Christus, nun fürchten wir den Tod auch einst im Grab, o Seelenfreund. Mag sie doch meine Asche decken, die Erde, wenn des Todes Nacht erscheint; der Gott, der dir das Leben wieder gab, wälzt einstens auch den 8. Was fürcht' ich noch des folgen wir! Stein von meinem Grab. 3. Jauchzet Gott mit lautem Schalle! Der ganze Weltkreis widerhalle, und jauchz' ihm: Unser Herr fährt auf! Wir im Staub anbetend sehen dem Sie= ger nach, und zu den Höhen, 9. Nimm hin den Dank für zu denen er uns führt, hinauf. deine Plagen, mein Retter, den Jesus Christus, dir, dir, die treuste Liebe bringt! Dort Jesus, folgen wir! Sei gepriewill ich dir's noch besser sagen, sen, nicht ins Gericht, zum wenn dich mein Geist im Engelchor besingt. Dann stimmen alle Selgen fröhlich ein, der ganze Himmel soll dann Zeuge jein. Erb' im Licht führst du uns vor dein Angesicht. 4. Jesu, du wirst wiederkommen. Olaß uns, Herr, mit allen Frommen verklärt zu ( Cramer.) 8 Anhang. deiner Rechten stehn! Ach du| sicht; und sie schämt sich zu wollst, wenn deine Flammen vergießen der gerührte Jünger dem Sünder drohn, uns nicht nicht; er enteilet dem Getümverdammen! O laß den Sün- mel, flehet brünstig zu dem der nicht vergehn, und setz auf Himmel, daß Gott ihm die deinen Thron die Frommen, Schuld verzeih' und im SchwaGottes Sohn! Hilf uns, Jesu; hen mächtig sei. zur Seligkeit mach uns bereit durch Glauben und Gerechtigfeit. ( Cramer.) 5. Deinem Freunde bin ich ähnlich. Ach, erbarm auch meiner dich! Sieh ich fleh' zu dir so sehnlich, stärke, leite, beffre mich! Stets auf deinem Pfad handeln, bis in Tod dir zu wandeln, liebevoll, wie du Schmerzen sieht dein holder treu zu sein, dies sei meine Lust Blick herab auf den Freund, allein. der deinem Herzen, Jesu, neues Leiden gab. Da noch zeigt sich dein Gemüthe reich an göttlich großer Güte; es vergißt den Mel. Jesu, der du meine Seele zc. 11. Mitten unter deinen zu ( Elise v. d. Redke.) eignen Schmerz; für den Freund sorgt nur dein Herz. der Todestag des Erlösers. mel. Jesus meine Zuversicht 2. 12. Geist der Andacht, senke du dich in unsre Seelen nieder! Sie erfülle Trost und Ruh' im Gesange frommer Lieder; in geDein Blid sagt: Es ist weihter Psalmen Chor hebe sie 2. Jhn vom Falle zu erheben, blickst du ihn voll Mitleid an. zu dir empor! 2. Diesen feierlichen Tag weih' der Ehrfurcht heil'ge Stille, der Wehmuth Seufzen unsers Dankes Thräne quille, Unsre Seele, still vor Gott, dent' an ihres Mittlers Tod. vergeben, sei an Muth und Treu' ein Mann, und zu deines Meisters Ehre gieb durch deinen Fall die Lehre, daß auch selbst der Starke irrt, wenn er je vermessen wird. daß nach 3. was fühlt dein Freund für Leiden bei dem liebevollen Blick! Sonst erfüllt er ihn mit 3. 3wischen Erd' und HimFreuden, doch nun läßt er mel schwebt blutend er, der Schmerz zurück; jammert, daß er ihn beleidigt, dessen Huld ihn selbst vertheidigt, dem er treu zu sein verhieß, wenn ihn alle Welt verließ. nichts verschuldet; für der Brüder Wohl gelebt, Spott und Undant still geduldet, oft die stille, lange Nacht im Gebet für fie durchwacht. 4. Thränen bittrer Reue 4. O, wie oft hat an sein fließen nun von seinem Ange- Herz, mit den ausgespannten Anhang. 9 Armen, ausgespannt zu Qual Throne. Du bist Liebe; wir verund Schmerz, er voll Mitleid und Erbarmen Kinder seines Volts gedrückt und die Schmachtenden erquickt! traun dir und deinem hohen Sohne, leben dir und sterben dir; hochbeglückt durch ihn sind wir. ( Niemeyer.) 5. Nun verschmachtet er und ringt, ach, von aller Welt ver- mel, Wie groß ist des Allmächt'gen 2c. Kein des Mitleids dringt in die Seelen, die 13. Sei heilig mir, o Tag ihn haffen. Vor der Feinde wil- voll Segen, an dem mein Mittdem Drohn sind die Freunde ler für mich starb, und mir auf jelbst entflohn. nie betretnen Wegen des Himmels Seligkeit erwarb! Sein Todestag soll mir die Feier der größten Lieb' und Treue sein; er sei mir heilig, ewig theuer, und meine Thräne weih' ihn ein! 6. Er nur liebt bis an den Tod, O wie heilt er jede Wunde! Sterbenden quillt Trost von Gott, Himmelstroft aus seinem Munde; milder wird der Mutter Schmerz; seinem Volk verzeiht sein Herz. 7. Bang' ist ihm; doch zagt er nicht, will des Vaters Rath vollenden; weiß, das Dunkel wird in Licht, Schmach in Herrlichkeit sich enden! Heil ihm! Heil! Schon weicht die Nacht, und sein Werk es ist vollbracht! 2. Soll ich aus diesem Leben scheiden, ist meine letzte Stunde da: so sei mir in des To= des Leiden der Segen dieses Tages nah! Im allerletzten Augenblicke sei du mir nahe, Jesu Christ, damit mich dann der Trost erquicke, der mir aus deinen Wunden fließt! - 3. Laß mich getroft, wie du, 8. Hocherhabner! Ewiger! verscheiden: dir ruf ich nach: bor dir werfen wir uns nieder. Es ist vollbracht! Vollendet sind Dich, du Unerforschlicher, prei- der Prüfung Leiden; besieget ist sen unsers Dankes Lieder. Wel- des Todes Macht! Ach, sterb' ches Heil und welche Ruh' ich einst den Tod der Frommen, strömt aus diesem Tod uns zu! und wird mein Ende Friede ſein: dann werd' ich zu dir aufgenommen und geh in deinen Himmel 9. Der des Sohnes nicht verschont, wird dem Reuigen vergeben; der dem Dulder herr- ein. lich lohnt, schenkt uns Theil an ( Meister.) seinem Leben. Dort in seiner Mel. Wer nur den lieben Gott zc. Herrlichkeit ist die Stätt' auch 14. Golgatha, zu deinen uns bereit't. 10. Ja, Erbarmender, wir Höhen erhebet dankend sich mein schaun fröhlich auf zu deinem Herz. Ich will den Heilgen Got 10 Anhang. tes sehen in seines Opfertodes| auf die Ewigkeit, dankst Gott, Schmerz; ich will für seine Lieb' und Pein ihm meine ganze Seele weih'n. durch den dein Werk gerathen, der bald dafür den Lohndir beut; empfiehlst den Geist in seine Hand und gehst getroft ins Vaterland. 2. Wie rührend scheidet der Gerechte, im Tod als Gottes Sohn bewährt! 3war leidet er den Tod der Knechte, von Frevlern noch am Kreuz entehrt; doch Freudigkeit; laut zeugt, Herr der Herrlichkeit, bend Seelenfrieden, den Trost, dein Tod von deiner Göttlichkeit! den uns dein Tod verleiht. O 8. Erlöser, tausend Fromme schieden auf dein Verdienst mit empfanden ster3. Du stirbst, die hohen Him- laß mich dir mein Leben weihn, melslehren von Tugend und Un- dir auch noch sterbend dankbar sterblichkeit der Welt als göttlich sein! zu bewähren. Mein Lehrer, sei 9. Das Wort vom Kreuze gebenedeit! Nun tenn ich mei- bleibt den Deinen Erquicung, ner Seele Werth und Gott, den wenn's die Welt auch schmäht; du uns hier verklärt. es mag dem Spötter Thorheit 4. Nur Segen hast du hier scheinen, der auf des Lasters verbreitet, oft Nächte betend Pfade geht; uns ist es Ruhm durchgewacht, die Sterblichen zu und Gottestraft und Trost in Gott geleitet und treu dein Tage- unsrer Pilgerschaft. werk vollbracht. Wie freudenvoll stirbt nun ein Christ, dem Jesu Kreuz den Tod versüßt. Auf Ostern. 5. Froh feierst du die große 15. Wer ist's, der mit HimMel. Wachet auf, ruft uns die z. Stunde, da du zu deinem Vater gehst, und noch zuvor aus Her- mels Lichte vertlärt, mit Sieg zensgrunde für deinen Feind im Angesichte aus jener Todesvoll Großmuth flehst; den ster- höhle geht? Er ist's, o ihr Menbend jegnest, der dich schalt, der schenkinder, er ist's, des Todes Wohlthun dir mit Haß vergalt. Ueberwinder, der siegreich auf 6. Auf die, die weinend um dem Grabe steht. Das offne dich stehen, gießt du der Freund- Grab ist leer, dort liegen um schaft Segen aus, sprichst glau- ihn her seine Feinde. Preis ihm bensvoll vom Wiedersehen im und Dant; er, er bezwang den Himmel, in des Vaters Haus; Tod, die Hölle und ihr Heer. strömst hohen Muth und Trost und Ruh' den kummervollen Seelen zu. 2. Du bist's, der für mich Verbürgte, der Fürst des Lebens, der Erwürgte, der du die Macht 7. Du siehst auf die voll- dem Tode nahmst! Du bist's, brachten Thaten, als Aussaat dem ich glaubend traue, den ich Anhang. 11 Todesnächte an seines Vaters Rechte. einst auf dem Throne schaue,| Er ist erhöht! Er drang durch von dem du zu uns Sündern lamst. Du kämpftest nicht für dich; du siegtest, Herr für mich, mich Verlornen. Durch deinen Tod versöhnte Gott die ganze Sünderwelt mit sich. rauben! 4. Besiegt ist seiner Feinde Macht, und er mit Ruhm gekrönet. Er hat sein großes Werk vollbracht, und uns mit Gott 3. Sollt' ich nicht mit Dan- versöhnet. Wer an ihn glaubt, ten kommen? Dir, du Erretter wird selig sein. O laßt euch diedeiner Frommen, dir sollt' ich sen Glauben durch keine Leiden nicht mein Loblied weihn? Du haft bis zum Tod gerungen und 5. Schaut hin zu seiner Herrsterbend meinen Feind bezwun- lichkeit, und lernt als Helden gen; dein Sieg, du Sieges- leiden! Schaut hin! Die Leiden. fürst, ist mein! Lob, Preis und dieser Zeit sind Keime hoher Dank sei dir! Du halfft vom Freuden. Seid unverzagt! Seid Tode mir, Ueberwinder! Mein hoffnungsvoll! Nach wenig banLobgesang, mein heißer Dank gen Stunden ist Alles übererhebt sich ewig, Gott, zu dir! wunden. 6. Was ist der Tod? Ein Schlaf ist er! O sanfter Schlaf des Müden! Bald glänzt ein schöner Tag daher; dann ſtehn Jesus lebt! Lobsingt dem Ue- wir auf im Frieden. Tag berwinder! Herbei, wer dan tend ihn erhebt, den Retter aller Sünder! Er starb für sie! Er starb für uns! Heil uns! Nun lebt er wieder für alle seine Brüder. des Danks! O Tag des Heils! Gern wollen wir nun sterben; wir wissen, was wir erben. 7. Erstand'ner, gieb nur, daß wir hier auf deinen Pfaden wandeln, und stets mit reinster 2. Er lebt, er lebt! O weiht Dankbegier als Kinder Gottes ihm Dank mit reiner frommer handeln! Unsterblich sein, unSeele! Ihm schalle jeder Fest- sterblich sein, und einst dir nägesang, und jedes Herz erzähle, her kommen, o welch ein Lohn wie viel er litt, wie gern er der Frommen! starb, um tausend Seligkeiten uns Armen zu bereiten. geschmückt mit ( Reche.) Mel. Wachet auf, ruft uns die zc. Heiligkeit; er stard von Frev- 17. Preist den Sieger, lerhänden! Wo waltet hier Ge- jauchzt, ihr Chöre, singt Jesu rechtigkeit? Wie konnt er hier Christo Lob und Ehre! Wie schon enden? O Christen, jauchzt! groß, wie herrlich ist sein Tag! Mel. Was Gott thut, das ist zc. 16. Empor, ihr Chriften! 12 Anhang. ( Funt.) Er, der Held, ist, von den Ban-| unserm Herrn; es ist nicht fern; den des Todes frei, nun aufer- bald ist der Tag des Sieges da. standen; er, der für uns im Grabe lag. Sein ist Gewalt und Macht; er hat sein Werk vollbracht! Preis dem Sieger! Mel. Sollt' ich meinem Gott z. Er hat's vollbracht, er, der die 18. Auferstanden, auferstanMacht des Todes und des Grabes hat. den ist der Herr, der uns versöhnt! wie hat nach Schmerz 2. Glorreich hat der Held und Banden Gott mit Ehren ihn gerungen, hat mächtig Tod und gekrönt! Dort zu seines Vaters Grab bezwungen, von ihren Rechten, über Schmach und Tod Schrecken uns befreit. Wir von erhöht, herrscht er nun in MaGott gewichne Sünder sind nun jestät. Freut euch seiner, ihr mit ihm versöhnt, sind Kinder Gerechten; und ihr, seine Feinde, und Erben seiner Seligkeit. Bald, bald entschlafen wir, entschlafen, Jesu, dir; ruhn im Frieden die kurze Nacht, bis deine Macht zum Tag der Ewigfeit uns ruft. bebt! Halleluja, Jesus lebt! 2. Singt dem Herrn! Er if erstanden, er, der starb auf Golgatha! Rühmt es, rühmt's in allen Landen: was sein Wort verhieß, geschah. Wer, wer kann 3. Unsern Staub mag Staub ihm widerstreben? Mächtig bedecken; du wirst ihn herrlich dringt der Held empor, im auferwecken, der du des Stau- Triumph bricht er hervor, und bes Schöpfer bist. Du wirst un- des Abgrunds Pforten beben, vergänglich's Leben und Kraft da ihr Sieger sich erhebt. Heil und Herrlichkeit ihm geben, dem uns Allen: Jesus lebt! Staub, der dir geheiligt ist. 3. Uns vom Tode zu beWir werden ewig dein, gerecht freien, sant er in des Grabes und selig sein. Preis dem Sie- Nacht. Uns zum Leben einzu ger! Tod und Gericht erschreckt weihen, steht er auf durch Got uns nicht: der Todesüberwin- tes Macht. Tod, durch ihn bist du bezwungen, deine Schreden 4. Auferstandner, welch ein sind zerstreut, von der Furcht Segen erwartet uns, wenn auf sind wir befreit, uns ist Leben den Wegen wir wandeln, die nun errungen. Jauchzt, ihr, die dein Fuß betrat! Unnennbare man einst begräbt, jauchzt dem Seligkeiten, die ewig währen, Höchsten: Jesus lebt! find die Beuten, die uns dein Sieg erkämpfet hat. Bald sind sie unser Theil, bald frönet uns der lebt! 4. Aus dem Grab uns zu erheben, ging er zu dem Vater hin. Laßt uns ihm zur Ehre das Heil deines Lebens. Preis leben; dann ist Sterben uns Anhang. 13 Gewinn. Haltet unter Lust und 4. Auf Felsen ruht des ChriLeiden im Gedächtniß Jesum sten Glaube, da sein Erlöser Christ, der vom Tod erstan- ewig lebt, und einst mit Macht den ist! Unvergänglich sind die aus seinem Staube ihn zur UnFreuden deß, der nach dem sterblichkeit erhebt. Nun wird himmel strebt. Singet, preiset: der Tod an Jesu Hand ihm Jesus lebt! Hingang in sein Vaterland. 5. Freut euch seiner, Gottes 5. Ja, Christen, singt! Er ist finder; er sei euer Lobgesang! erstanden! Singt im Triumph Bringt dem Todesüberwinder und Preisgesang! Entfesselt von ewig Ehre, Lob und Dank! der Sünde Banden, sei nun Rühmt's in den Versuchungs- Gehorsam euer Dank! Nicht stunden, wenn euch Sünd' mehr der Welt und Eitelkeit, und Elend droht, rühmt's in nein, ihm weiht eure Lebenszeit! eurer Todesnoth: unser Herr hat überwunden; und wenn er euch zu sich hebt, dann rühmt's ewig: Jesus lebt!( Lavater.) 6. Ein Tag erscheint, erlöste Brüder, freut euch, es ist ein Wonnetag! Dann kommt der Herr von neuem wieder, und Engelheere folgen nach. Dann dringet auch in euer Grab des Todtenweckers Ruf hinab. Mel. Was ist vor deinem Angesichte z. 19. Heil ihm, dem Todes7. Dann werdet ihr zum höüberwinder! Aus seiner Gruft hern Leben, zum Lohn der Fromgeht er hervor. Als Retter der men auferstehn, und mit des verlornen Sünder empfängt ihn Himmels Glanz umgeben genun der Engel Chor, und aller trost zum Richterstuhle gehn. Himmel Jubelton preist ihn, Dann wird euch der erstandne den großen Gottessohn. Held ein Führer durch die bessre Welt. ( Meister.) 2. Er hat des Grabes Ruh' empfunden; doch kurzer Schlummer war sein Tod. Er hat gefämpft und überwunden; dahin iſt alle seine Noth. Ihm, der das Felsengrab durchdrang, erschallt nun ein Triumphgesang. Mel. Wachet auf, ruft uns die zc. 20. Amen! Lob und Preis und Stärke sei dem Vollender seiner Werke, dem Todesüber= 3. Das segensreichste seiner winder Dant. Singt des HelWerke, die Rettung einer Men- den Auferstehen, ihr Himmel schenwelt, vollendet ist's mit all' in euren Höhen, auch unser Gottesstärke; die Nacht des Jrr- Erdkreis sei Gesang! Ihm, der thums ist erhellt. Sein göttlich vom Tod erstand, ihm, der einst Evangelium steht fest zu seines überwand, weiht Anbetung! Namens Ruhm. Sein ist die Macht; er hat's Anhang: vollbracht; ihm werde Preis| Jesus lebt, und meine Glieder und Dank gebracht! belebt einst seine Allmacht wie2. Ja, du Land der Grä- der; wie er, werd' ich unsterb= ber, Erde, empor aus deinem lich sein. In der Verwesung Staube; werde ein Land des Grab dringt dann sein Ruf Lebens und des Lichts! Er, hinab; und ich lebe, und ich der siegreich auferstanden, be- bin sein, auf ewig sein; wie freit uns von des Todes Ban= wird mir dann, o dann mir den und von den Schrecken des sein! Gerichts. Heil uns, das Grab ist leer; des Abgrunds furchtbar Heer ist bezwungen! Des To- Mel. Wachet auf, ruft uns die uc. Auf Himmelfahrt. des Nacht, der Hölle Macht, der ( Sturm.) Gräber Grauen ist besiegt! 21. Ueber aller Himmel Heere 14 3. Was vermag uns zu er- erhebst du dich zum Thron der schüttern? Nur freche Sünder Ehre, du Stifter unsrer Seligmüssen zittern vor ihm, der keit. Hin zu dem, der dich geewig, ewig lebt. Wir, des Auf- sendet, gehst du, da hier dein erstandnen Brüder, wir Chri- Werk vollendet, mit göttlisten, seines Leibes Glieder, wir cher zufriedenheit. Du haft die freun uns deß, der ewig lebt. Sünderwelt mit deinem Licht Für uns litt er den Tod; erhellt. Preis und Ehre sei für uns entrüdte Gott ihn dem Jesu, dir! Froh sehen wir dir Grabe. Empörer, bebt! Der nach in deine Herrlichkeit. Sieger lebt! Er lebt und stirbt hinfort nicht mehr! S 2. Deines Vaters Gnaden= willen auf Erden völlig zu er4. Unser Herz darf nun nicht füllen, warst du gehorsam bis wanten; die bangen, zweifeln- zum Tod. Sige, Sohn, auf den Gedanken besiegt des Glau- deinem Throne, dir geb' ich bens Zuversicht. Wie ein Fels meine Welt zum Lohne und des Herrn im Meere steht uner- meine Herrlichkeit, sprach Gott. schüttert Jesu Lehre, umglänzt Wie herrlich ist dein Lohn, ermit Seligkeit und Licht. Der höhter Gottesjohn! Jhr, ihr Himmel Bau zerfällt; die Herr- Frommen, folgt ihm getreu, lichkeit der Welt wird verschwin- er steht euch bei! Gott, dem den; doch fort und fort steht ihr dient, belohnt als Gott. Jesu Wort, giebt Trost uns hier und Wonne dort. 3. Deine trauernden Erlös= ten, o Herr, zu stärken und zu 5. Doch auch wir, wir wer- trösten, tam über sie von dir den bleiben; mag doch des dein Geist. Er ist's, der auch Körpers Bau zerstäuben; um- uns im Leiden mit Troft erfüllt schließe, Erde, mein Gebein! und zu den Freuden der bessern. 15 4. Uns die Stätte zu berei ten, um die wir Pilger hier Anhang. Welt den Weg uns weist. Er| Thron in fröhlichem Gedränge leitet uns die Bahn, auf der schon Tausende, durch dich bedich wandeln sahn deine Freunde. glückt, belehrt, geheiligt und Bald, bald empfahn auf dieser erquickt. Bahn auch wir, wie du, die Aron' am Ziel. 4. Noch rettest du, die sich verirrt, in Finsterniß verloren. Welch eine Schar von Kindern 3. Aus allen Völkern kamen sie, mühselig und beladen, und juchten Ruh' und fanden sie, des schweren Jochs entladen; noch streiten, gingst du voran und, wohl bewährt in ihrem in's Vaterland. Herrlich wirst Lauf, nahm sie, wie dich, der du wiederkommen, und zu dir Himmel auf. alle deine Frommen versammeln in dies Vaterland. Erkauft haft du uns Gott und dir durch deinen Tod. Wo du lebest und wird dir durch dein Wort geboGott mit dir, da sollen wir ren: wie auf der frischen Morauch mit dir leben ewiglich. genau, auf Blumen ungezählt 5. Welch ein Jubel wird es der Thau! werden, wenn wir dich wieder- 5. És tönt der Himmelslehre sehn auf Erden in aller maje- Schall in allen Zungen wieder. stät des Herrn! Dann ver- Wohin es blickt, sieht überall das schwinden unsre Leiden; dann Auge theure Brüder. Sie leben gehn wir ein zu deinen Freuden dir, sie sterben dir; dein Eigenund schauen dich nicht mehr von| thum sind, Herr, auch wir. fern. Dann sehn wir hoch er6. Auch wir!-schau von freut ganz deine Herrlichkeit! deinem Thron herab auf deine Welterlöser! Uns führest du Kinder! Sind wir doch deines der Wonne zu, die bei dir ist Kampfes Lohn, zwar sterblich in Ewigkeit. noch und Sünder, doch das ist unsre Zuversicht- einst sündenfrei und sterblich nicht. -- ( Münter.) 7. dann mit der selmel. Mir nach, spricht Chriftus. 22. Mit Breis und Ruhm gekrönt, hast du dein großes Werk geendet, blichst auf dein Tagewerk mit Ruh', denn Alles ist vollendet; dein ist der Sieg nach Kampf und Streit, und dich empfängt die Herrlichkeit. gen Schar, der Endlichkeit entnommen, wird droben erst uns offenbar, zu welchem Heil wir kommen. Kein Ohr vernimmt, fein Aug' erblickt, was den verflärten Geist entzückt. 8. Das ist, das ist dein Werk! 2. Ohn' Ende erntest du den sich von Dant die Herzen Lohn für deiner Leiden Menge. brennen! Ach, daß, Vollender, Versammelt stehn um deinen daß sie nie undankbar dich ver 16 kennen. Nicht Einer von uns Allen sei dem Liebenden, ihm, ungetreu! 9. Vollenden hilf uns selbst den Lauf, das Tagewerk vollbringen, und, ist's vollbracht, zu dir hinauf die Seele freudig dringen! Was sind die Leiden dieser Zeit, Herr, gegen jene Herrlichkeit! ( Niemeyer.) Anhang. 5. Und wenn ich endlich sterben soll, so mach mich deiner Gnade voll! Deckt Nacht und Dunkel mein Gesicht, so sei du mir ein Sonnenlicht, ein heller Stern, ein Gnadenstrahl durch's grauenvolle Todesthal! ( Schubart.) 4. Wenn mein Gewissen mich verklagt, mein Herz belastet in mir zagt, so flöße mir die Engellust des Seelenfriedens in die Brust, und wehe wieder nach dem Schmerz mir Ruh' und Frieden in das Herz. Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. 24. Der Mächtige ruft aller Welt, daß man auf ihn doch merke. Er hat zu Predigern bestellt die Wunder seiner Werke. Laut hört man seiner Stimme Schall; verständlich ist auch überall die Sprache, die sie reden. Auf Pfingsten. Mel. So wahr ich lebe, spricht zc. 23. Du Geist vom Vater, komm herab, von dem, der dich der Erde gab! Du Flamme Gottes, ruh' auf mir! Jm tiefsten Staube wart' ich hier, bis auch in mir dein Feuer glimmt und mich zu deinem Lobe stimmt. 2. Auch durch's Gewissen ruft der Herr, daß Sünder sich bekehren; läßt oft durch diesen Prediger laut seine Stimme hören, daß aus dem Schlaf der Sicherheit und aus dem Traum der Eitelkeit ihr Herz zu ihm erwache. 3. Durch Wohlthun zeugt er die Bahn der Tugend weist! auch von sich im menschlichen 2. Entzieh mir, mich zu trösten, nicht dein gnadenstrahlendes Gesicht! Noch tobt in mir der Sünden Schmerz: drum schaff in mir ein reines Herz, und sei mir ein gewisser Geist, der mir 3. Du Licht aus Gott, erleuchte mich, und mein Verstand erkenne dich; und wenn ich sinke, reiche du die Wahrheit mir als Stüße zu! Dann sei die Welt von Zweifeln voll: ich weiß, an wen ich glauben soll. Gemüthe, und lockt den Sünder väterlich durch Proben seiner Güte. Doch, achtet es der Sünder nicht, sucht Gott durch Strafen und Gericht ihn aus dem Schlaf zu wecken. 4. So rufst du, Herr, uns laut genug, daß man dich such' und höre, und daß der Eitelkeit Betrug die Herzen nicht bethöre. Doch riefest du nicht auch durch's Wort, so irrten wir noch immer fort auf finstern Sündenwegen. 5. Für diese Gabe, Bater, Anhang. 17 preist dich unser Herz; es schenket| auf mich tausend Feinde stießen, uns Beßrungskraft dein guter auch in der schrecklichsten Gefahr. Geist, der unsre Herzen lentet. 2. Kein Unglück soll mich zag6. Durch das, was uns dein Mund gebeut in deines Wortes Lehren, ruft er uns von der Eitelkeit, zu dir uns zu bekehren. Er lehrt uns, daß der Sünde Wahn den Menschen nie beglücken tann, und leitet uns zur Bahrheit. Er weiset uns allein zu dir, daß haft machen; die Thoren mö= wir dich suchen für und für, dich gen meiner lachen; ich kenne, recht verehren lernen. höchste Weisheit, dich. Du siehst, was wir im Staub nicht sehen; nur, was du willst, Herr, muß geschehen! Du leitest Alles, leitest mich! 7. Dein herrlich's Evangelium legt er an unsre Seelen, daß wir zu deines Namens Ruhm den Weg des Heils erwählen; beut uns die größten Schätze an, die nur Gott selbst uns geben kann, und schenkt sie frommen Hörern. 8. Erweckt uns, Herr, in deiner Kraft, dem Ruf Gehör zu geben; dein Geist, der alles Gute schafft, führ' uns den Weg zum Leben, wozu du Alle uns erschufft und nun so gnädig uns berufst durch deines Wortes Lehre. ( Heeren.) 3. Von meinen ersten Lebensstunden hab' ich dich immer treu erfunden. Was hast du schon an mir gethan! Was thust du, Vater, alle Tage! Empfind ich's nicht, selbst wenn ich klage, daß Niemand dir gleich lieben fann? 4. Sei still, sei fröhlich, mein Gemüthe: Unendlich, Herr, ist deine Güte, ich weiß, daß du mich allzeit liebst! Von dir laßich mich gern regieren; du wirst zu meinem Glück mich führen, indem du durch Geduld mich übst. 5. Nie, nie soll mein Vertrauen wanken. Im tiefsten Elend will ich danken. Das tiefste Elend kommt von dir. Von Herzen kannst du nicht betrüben; du kannst, o Liebe, Beweis der Gottseligkeit und nichts als lieben! Du sorgest für Tugend. uns mehr, als wir. Vertrauen auf Gott. 6. Drum will ich aus den tiefsten Nöthen zu dir, mein HelMel. Was sorgft du ängstlich für 2c. Bater, stets bei mir. Wenn ich fer, freudig beten. Du bist, mein 25. Auf dich, mein Vater, vergnüigt bin, wenn ich leide, biſt will ich trauen, in Angst empor du mein Trost und meine zu dir nur schauen, so binich ru- Freude, hängt meine Seele nur hig immerdar, wenn meine an dir. Freunde mich verließen, wenn 7. Und wenn ich keinen AusOsnabr. Landgesangb. X. Aufl. Anhang. 2 18 Anhang. gang merke, so bet' ich an und| feile Natterbrut. Ist Gott mein fleh' um Stärke, dir auch im Schutz in bösen Zeiten, was soll Dunkeln zu vertraun. Kann ich ich fürchten in Gefahr? Wer gleich deinen Weg nicht sehen, Gott vertraut, hat ihn zur Seigenug, du führst mich; ich will ten; er hilft ihm treu und wungehen! Ich weiß, mein Glaube derbar. wird zum Schau'n. ( Ut.) 8. Wer ist, der trostlos zu dir blicke? Wen führst du nicht zu Hoffnung, besonders im Leiden. Mel. Befiehl du deine Wege zc. jeinem Glücke? Wer hat dir je 27. Hoffnung! Lebensumsonst geglaubt? Ich glaube dir mit froher Seele; weiß, daß wonne! Du Menschentrösterin! ich nicht mein Heil verfehle; Gleich Gottes milder Sonne erweiß, daß kein Satan dir mich freust du Geist und Sinn. Du strömest reine Freuden in jedes Menschen Herz, du linderst seine Leiden, versüßest seinen Schmerz. raubt! ( Lavater.) Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen 2c. 26. Gott ist mein Schuß in der Nächte Dunkelheit, zerstreuſt 2. Du heiterst trübe Morgen, bösen Zeiten: Was sollt' ich des Lebens Sorgen und stärkst fürchten in Gefahr? Wer Gott zur Thätigkeit; sprichst Muth vertraut, hat ihn zur Seiten, er auf rauhen Wegen in des Verhilft ihm treu und wunderbar. zagten Brust; verheißest neuen Wenn heulend sich die Fluthen Segen bei jeglichem Verlust. thürmen, und eine Tief' der andern ruft, ist er, geschützt durch Gottes Schirmen, wie in der sichern Felsenkluft. 3. Aus Donner, Thau und Regen, aus Wind und Sonnenschein versprichst du Gottes Segen, um Sorgen zu zerstreun; 2. Und wenn die Wolten und frohe Lieder tönen, durch Flammen speien, geht er getrost dich hervorgebracht, von froman Gottes Hand, getrost durch men Erdensöhnen dem Gott der dürre Wüsteneien und ihren Huld und Macht. brennend heißen Sand; getrost 4. Du bist es, die den Kranin Pest und unter Leichen, wenn ken der Todesfurcht entreißt; wüthend rings umher der Tod mit himmlischen Gedanken erauf schwarzen Flügeln fauler füllst du seinen Geist; in seinen Seuchen ein eilendes Verderben letzten Stunden zeigst du ihm Seligkeit, die ihn, der Hüll' entbunden, auf ewig dort erfreut. 5. Auch mir, auch mir zur droht. leumdung Wuth, geht uner- Seite, gehst du, o Hoffnung, schrocken seine Pfade, zertritt die! treu; machst, daß in jedem 3. Gestüßt, o Herr, auf deine Gnade, scheut er nicht der Ver Anhang. 19 Leide ich mich der Zukunft freu';| liegen, wirst über jede Noth der zeigst dort mir neue Blüthe, Welt, wie Jesus Christus, fiewelft hier ein Glück mir ab, gen. Sei standhaft: deines Preis ihm, der dich aus Güte,| Vaters Huld krönt deine Hoffmir zur Gefährtin gab. nung und Geduld mit seiner Himmelskrone. 6. Gott, mit Herz und Leben will ich dir dankbar 5. Gott des Heils, ich sein, will deinen Ruhm erheben hoff' auf dich; Geduld ist deine und meines Heils mich freun. Gabe. Mit dieser Gabe segne Dein Freund darf immer hof- mich! Sie stärk'' mich bis zum fen; ihn täuscht die Hoffnung Grabe. Laß mich Laß mich in allen Leinicht; der Himmel steht ihm den dein, geduldig, so wie Jeoffen; da sieht er einst dein Licht. sus, sein, und einst sein Reich ( Bürger und Dolz.) ererben. ( Wolf.) Geduld und Standhaftigkeit. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit zc. 28. Es ist gewiß ein köstlich Ding, sich in Geduld zu fassen, und stets sich Gottes Vaterwink getroft zu überlassen. Rauh oder eben sei die Bahn: was Gott thut, das ist wohlgethan; Geduld erhält das Leben. 2. Wenn umsonst das bängste Sehnen einen Tropfen Trosterbat; wenn das Auge keine 2. Sei still, mein Herz, und Thränen und der Mund nicht unverzagt, wenn dich ein Lei- Worte hat; den drücket; klag's deinem Gott, 3. Wenn, ermattet, hingeder väterlich dich tröstet und sunken, jetzt die letzte Hoffnung erquicket. Verzieht er gleich, er flieht; wenn der Kelch unausthut's aus Huld. Bewahre dich getrunken noch an heißer Lippe vor Ungeduld! Geduld giebt glüht. Muth und Stärke. 4. Schwer ist's, dann nicht zu verzagen; zu ermatten, ach wie leicht, wenn auch bei den Er wird voll Lieb' und Freund- bängsten Klagen jedes Wort des lichkeit sich neu mit dir ver- Trostes schweigt! 3. Erwarte nur die rechte Zeit; du wirst den Bater finden. binden. Er will und wird dein 5. Mir ist auch die Aussicht Tröster sein, und ewig wird er trübe, rauh und dunkel meine dich erfreun; Geduld wird nie Bahn; nimm dich meiner, Gott zu Schanden. der Liebe, nimm dich deines Kindes an! 6. Reiche du mir deine Hände, 2* 4. Ja streit und kämpfe nur als Held; du wirst nicht unterMel. Herr, wir kennen deinen zc. 29. Schwer ist's, dann noch Muth zu fassen, wenn die Aussicht trüber wird, wenn, von Licht und Kraft verlassen, sich der Blick in Nacht verliert; 20 Anhang. aller Väter Vater, du; leite du 30. Und müßt' ich auch noch mich bis ans Ende, bis zu mei= nes Grabes Ruh'! Jahre weinen und Leiden dul7. Laß nur einen Strahl den ohne Zahl: der Tag wird mich sehen, zu erhellen meinen endlich doch erscheinen, der FreuGang; höre gnädig auf mein den bringt für jede Qual. Der Flehen, und dann nimm den Abend fehlte keinem Tage, und Freude quoll aus jeder Klage, Thränendant! die ich vor meinen Gott gebracht. 8. Ach, ein Tropfen Balsam falle in den Leidenskelch herab, 2. Erreicht, erkämpft ist bald den mir, weil ich hier noch die Stunde, die mir für Thräwalle, doch nur deine Liebe gab. nen Wonne giebt; vertilgt die 9. Stärke mich auf meinem Narbe jeder Wunde durch den, Pfade in der Zeit der Thränen- der züchtigt, weil er liebt. O saat bis zum helleren Gestade, frohe Aussicht freiern Lebens, welches keine Nebel hat. Ziel meines täglich heißern Strebens, in jeder bangen Stunde Trost! 10. Ach, wann wird das Licht mir scheinen, dessen Glanz mich einst erquickt? Wann dies Auge nicht mehr weinen, das jetzt naß gen Himmel blickt? feit! 3. Fels Gottes, den mein Arm umschlinget! UnsterblichUnsterblichkeit! Wenn Nacht und Trübsal mich um11. Komm, erbetner Freundringet, mich Alles drängt, mir der Müden, drücke mir die Au- Alles dräut: sollt' ich dann stille gen zu, und begleite mich in stehn, ermatten? Nein! SehnFrieden hin zu meiner letzten sucht nach dem fühlen Schatten, Ruh'. nach Ruhe Gottes stärke mich! 12. Dort erst wird die Aus4. Wie auf erstiegnen Ber sicht helle, die sich hier in Nacht geshöhen uns Alles Leib und verhüllt; dort erst an der Le- Geist entzückt, uns kühle Winde bensquelle wird die Sehnsucht dann umwehen, uns dann ein ganz gestillt. frischer Quell erquickt: so wird 13. Hin find dann der Prü- uns nach durchweintem Leide fung Leiden; ausgerungen hat beseligen des Himmels Freude; mein Herz; Thränen wandeln doch fliche, Bild, zu schwach sich in Freuden, Wonne wird bist du! der Erde Schmerz. 14. Sei denn meine Aussicht trübe; einst wird sie doch aufgehellt; Alles löst sich auf in Liebe in dem Licht der bessern Welt. 5. Rein Sterblicher kann hier durchdenken die Wonne, die mein Herz erfüllt, wenn keine Schmerzen mehr mich fränken, Licht Gottes mir aus Chrifto ( Meister.) quillt: o dann erst ist mein Geist Anhang. 21 genesen, und Freiheit, Freiheit all mein Wesen und meine Seele Seligkeit! 5. Geht, o Mitgenossen, geht muthig durch die kurze Wüste! Seht auf Jesum! Wacht und 6. O Jesus Christus, wie fleht, daß er selbst zum Kampf dir danken für dieser Hoffnung euch rüste! Ihm, der uns in Herrlichkeit? Eh löschen Sonnen, Welten wanken, eh deine Liebe dich gereut!. Du bist und lebst; ich werde leben! Was Gott dir gab, willst du mir geben! Schwachheit stärkt, bleibt kein Kämpfer unbemerkt.( Bürde.) mel. Wie groß ist des Allmächtgen 2c. Wo du bist, soll ich ewig sein! 32. Ist Hoffnung nicht des ( Lavater.) Himmels Gabe, die in des Le= bens Dunkelheit uns von der Wiege bis zum Grabe stets Mel. Jesus meine Zuversicht 2c. 31. Steil und dornicht ist freundlich tröstet und erfreut? der Pfad, der uns zur Vollendung leitet. Selig ist, wer ihn betrat und zur Ehre Jesu streitet! Selig, wer den Lauf vollbringt und das hohe Ziel erringt! Viel Gutes bliebe unvollendet, und manche Wunde ungeheilt, wenn Gott nicht sie herabgesendet in's Land, wo steter Wechsel weilt. 2. Sie spricht dem schmerzen2. Ueberschwenglich ist der müden Kranken das süße Wort Lohn der bis in den Tod Ge- Genesung zu; sie zeigt, wenn treuen, die, der Lust der Welt seine Kräfte wanken, dem Wanentflohn, ihrem Schöpfer ganz sich weihen, deren Hoffnung unverrückt nach der Siegestrone derer das Ziel der Ruh. Der Redliche, der unverschuldet vertannt ist, wird von ihr erfreut; der Arme, der im Stillen duldet, harrt, stark durch sie, der bessern Zeit. blickt. 3. Den wir lieben und nicht sehn, der hat uns den Lohn errungen, von dem Kreuz zu 3. Durch sie nur streut für Gottes Höh'n hat er sich empor goldne Saaten der Landmann geschwungen. Sieger in des seinen Samen hin; sie stärkt Todes Nacht, sprach er selbst: den Muth zu edlen Thaten, erEs ist vollbracht! hellt mit Trost den bangen 4. Zeuch, o Herr, uns hin Sinn; sie träufelt in die tiefzu dir! Zeuch uns nach, die sten Wunden des Herzens heiSchar der Streiter! Sturm und lend Balsam ein, und in des Nacht umfängt uns hier; dro- Lebens trübsten Stunden erben ist es still und heiter, jen- glänzt ihr Strahl mit mildem seits, hinter Grab und Tod, Schein. strahlt des Lebens Morgenroth. 4. Sie waffnet oft mit Hel Anhang. denstärke, und giebt der That- 1 Mel. Ach, um des Gerechten zc. kraft fühnen Schwung, fie füllt 33. Warten ist die Schule, für edle, große Werke das Herz hoch mit Begeisterung. Vor ihr zerfließt der dunkle Schleier der Zukunft; über Tod und Gruft hebt sie die Seele; reiner, freier strebt sie, wohin die Pflicht sie ruft. 22 die hienieden mit dem ersten Lebenshauch beginnt, und die selbst nicht endet, wenn in Frie den unser Geist dem Prüfungsstand entrinnt. 2. Unentwickelt liegen alle Kräfte, langsam reifend in dem 5. Osagt mir nicht, die Hoff- Erdensohn; Warten sei sein nung fliehe oft schneller, als tägliches Geschäfte; vorzugreifen ein Morgentraum, und dunkles Nachtgewölk umziehe dann schwärzer noch des Daseins Raum. Nur eitler Thoren Hoffnung schwindet; des Christen Hoffnung trüget nie. Sie ist zu fest auf Gott gegründet, dem schwersten Unfall trobet sie. 6. Sie blicket nicht nach Ruhm und Kronen, blickt nicht nach eitlem Sinnentand: dort, wo die höhern Geister wohnen, im Himmel, ist ihr Vaterland! Und brausten fürchterlich die Wogen, bedräute fie des Todes Schlund: am Himmel strahlt ihr Friedensbogen, Gott selbst ist ihres Ankers Grund. trägt der Thorheit Lohn. 3. Jeder Landmann streuet seinen Samen nur in Hoffnung auf den Acker aus, und erwartet dann in Gottes Namen, bis der Frühling treibt die Saat heraus. 4. Wenig Früchte reift die Frühlingssonne, nur der späte Herbst bringt den Genuß. Ohne Warten wird uns nie die Wonne, einzusammeln reichen Ueberfluß. 5. Warten mußten hier im Erdenthale, die zu Großem sich der Herr erwählt; Joseph, Da= vid, Abraham und Alle, die er später ihnen beigezählt. 6. Und er selbst, der Menschheit erste Krone, glühte sich in 7. Auf diese Hoffnung will dunkler Werkstatt aus. Nur ich bauen, will freudig in der durch lange Nächte ging's zum Dunkelheit auf den, der sie mir Throne und durch Leiden zu sandte, schauen: dann hab' ich des Vaters Haus. Muth und Freudigkeit. Ich weiß, Gott wählet stets das Beste; was Nacht mir scheinet, ist ihm Licht; drum gründ' ich meine Hoffnung feste auf mei nen Gott und wante nicht. 7. Gott hat unerwartet oft gegeben, was das Herz auch dies aufs neu' uns nicht beleben, nicht zu wünschen wagt; sollte zu erharren, was er zugesagt? 8. Reines seiner Worte geht verloren, scheint uns die Erfül( Neuhofer.) Anhang. 23 lung noch so fern; Großes sich beugen, wo ich leide, Gott wird nur langsam hier geboren, ist da. Im Verborgnen, wo und das Größte finden wir ich weine, bleibt von meinen beim Herrn! Thränen keine dem, der mich in Schwachheit stärkt, meinem Vater, unbemerkt. 9. Ueberraschen wird er uns mit Freuden, die des Christen Sehnsucht nicht erreicht. Schnell verschwinden dann des Wartens Leiden, wie der Nebel vor der Sonne weicht. 10. Blicke, müdes Herz, nach diesem Biele, wenn des Wartens Nacht schwer auf dir liegt. O! dort findest du der Brüder viele, die noch mehr gekämpft, und doch gesiegt. 4. Jesus Christus trug im 11. Siegen wirst auch du, Staube muthig seines Leidens durch Läut'rungsleiden rein und Last; und auch mich erhebt der ähnlich werden deinem Herrn; Glaube, der die Ewigkeit um= fähig zum Genusse seiner Freu- faßt. Gott, mein Vater, sieht den: darum kämpfe, dulde, warte gern. mein Leiden; Gott, mein Vater, sieht die Freuden, die das Lei= den mir gewährt, wenn mein Herz ihn duldend ehrt. 5. Fließet denn, ihr stillen Thränen! Gott im Himmel zählet euch. Gott bemerket all mein Sehnen; Gott ist gnädig, Gott ist reich, naht sich freund= meinem es Mel. Alle Menschen müssen 2c. 34. Muthig, muthig, bald durch Angst und Schmerzen, errungen ist das Ziel von jeder lenkt und reißet meinen Sinn Pein! Bald ist jeder Schmerz ganz zu seiner Liebe hin. verschlungen von der Freude, frei zu sein, frei von Sorgen und Gefahren, die mir oft so drückend waren. Unaussprechlich, ewig liebt er, der uns durch Zeiden übt. 6. Bald erscheint die letzte Stunde, meiner Thränen lezte bald! O dann heilet jede Wunde, und der Gnade Stimm' er= schallt: überstanden, überstanden, sei erlöst von allen Banden! Sei befreit von jeder Pein! Geh zu meinen Freuden ein! ( Lavater.) 12. Warten, harren in der tiefsten Stille ist die Weihe fünft'ger Seligkeit! Warten, harren ist in dunkler Hülle Botschaft namenloser Herrlichkeit. 3. Seine Vateraugen blicken sanften Trost auf mich herab, und die Lasten, die mich drücken, nimmt er einst gewiß mir ab. Bis zum letzten trüben Tage stärkt er mich, daß ich sie trage. Wenn mein Herz verschmachten will, ruft er mir: Sei fromm und still! 2. Ich will harren, hoffen, schweigen; mein Erbarmer ist mir nah; betend soll mein Geist 24 Anhang. Mel. Eins ist Noth, ach! 2c. den. Bedenk' es und jauchze, 35. Baget nicht, wenn Dun- daß Gott dich regiert! Sei felheiten auf des Lebens Pfade folgsam, auch wenn er durch ruhn; Gott ist gut: er wird Dornen dich führt. euch leiten; ihm ist's Freude, 5. Nicht das sinnliche Verwohlzuthun. Sind seine Ge- gnügen wird von Edlen hochgedanken nicht eure Gedanken, ehrt. Schäße nur, die niemals laßt dennoch, o Christen, den trügen, sind des heißen Strebens Glauben nicht wanten, daß werth. Hinweg denn, ihr banGott, der des Wurmes im Staube gen, entehrenden Sorgen! Die gedenkt, auch sorgsam und freund- Schätze des Edlen sind in ihm lich durchs Dunkel euch lentt. Unfall, fein tobender Schmerz; Da sie klein 2. Alles Dunkel dieses Leauch traurige Wunden bereichern bens glänzt vor Gott wie Son das Herz. nenlicht. Wir durchforschen's 6. Dulden wir gleich manche oft vergebens; seinen Blick be- Plage; der Allweise wägt sie schränkt es nicht. Er tennet ab. Er durchschauet unsre Tage das Große, das Kleine, das von der Wiege bis ins Grab. Ferne, die Thränen der Armen, Was jetzt uns betrübet, soll einst die Scharen der Sterne. Mit uns entzücken.selige Hoffmächtiger Liebe verfolgt er den Plan, den seine unendliche Weis- Nun ängsten die künftigen Tage nung, wie kannst du erquicken! heit ersann. uns nicht; der Ewige spricht und das Dunkel wird Licht. 7. Hebe dich empor vom Staube! Fasse Muth, verzagter Geist! Siegen, siegen wird der Glaube, der den Herrn des Lei3. Von Erstaunen hingerissen, sinnt der hohe Seraph nach. Alles kann er doch nicht wissen; ewig fühlt er sich noch schwach. Was murren wir Menschen von stumpfem Verstande? Wir dens preist. O laß dich das sind ja nur Wandrer im däm- Dunkel der Erde nicht kümmern! mernden Lande. Nur Demuth erhebet den ängstlichen Sinn; sie wirft in die Arme des Vaters uns hin. Schon sieht ja dein Glaube die Herrlichkeit schimmern, die jen seits der Sterne dir Jesus ent hüllt. Dort rufft du einst jauchzend: Mein Wunsch ist erfüllt! 4. Ach, erkenne dich, o Seele, fühle, wie so schwach du bist; ( Reche.) blicke still zu Gott und wähle, Vernünftige Schätzung des was von ihm Dem Unglück entströmen gehei= mel. Wer nur den lieben Gott. und ist oft nur die Quelle der Lei- 36. daß von meinen Le Anhang. benstagen doch keiner ganz ver-| mich erquicken: einst tömmt loren sei! Verlorne Stunden, mein Abend, still und kühl; die adh sie nagen zu spät das Herz mit Gram und Reu', und den entflohnen Augenblick bringt kein Gebet, kein Flehn zurück. Last der Arbeit wird Entzücken; Geduld wird Wonn' und Dankgefühl; Ernt' ohne Ende giebt die Saat, die Demuth ausge= streuet hat. 2. Was ist die Reih' durchlebter Jahre, wenn sie dahin ist 8. Noch ist es Tag, jetzt laß wie ein Traum? Gieb, daß ich mich Werke der Tugend wirken, Augenblicke spare, hilf, daß nicht eh die Nacht, wo Niemand wie ein leerer Traum mein gan- wirkt, erscheint; jetzt stärke mich zes Leben mir verfließt, der deine Lieb' und deine Macht. Geist stets dürftet, nie genießt. Wie viel ist noch für mich zu thun! Und ich, ich sollte jetzt schon ruhn? 3. Laß jeden meiner Augenblicke hinfört mir innig theuer sein; die Zeit, die du zu meinem Glücke mir gabst, durch Sünde nie entweihn; nie durch die Lust der Eitelkeit, die doch zuletzt das Herz bereut. 4. Stets weiter auf den Weg zum Ziele, stets näher zur Volltommenheit, voll von dem himmlischen Gefühle: Ich ward nicht bloß für diese Zeit; weil du mir, Pilger hier und Gast, ein bess'res Land bereitet hast. 25 5. Wenn dieser Erde Kleinigkeiten zu sehr mich reizen, wenn die Lust der Welt und höhre Pflichten streiten: o dann erwach in meiner Brust der feste Muth: Herr, ich bin dein, der Erdentand ist mir zu klein! 6. Wenn mich des Tages Hiße brücket, von Arbeitsschweiß die Stirne trieft, das Auge matt nach Ruhe blicket, wenn Undant meine Tugend prüft; wenn mir der Lohn zu lange säumt, zu ſparsam meine Aussaat teimt: 7. Dann laß die Hoffnung 9. Auf, auf, mein Geist! Laß keine Stunde des Lebens ungenutzt vorbei! Auf, schwör es heut mit Herz und Munde, und sei dem ersten Schwur ge= treu: Dir, Herr der Zeit und Ewigkeit, sei jeder Augenblick geweiht! 10. Einst seh ich an der Laufbahn Ende dann gern auf meine Tage hin, und sage: Herr, durch deine Hände empfing ich, was ich hab' und bin. Hier ist mein Tagewerk! Nicht mein, dein ist der Ruhm, die Ehre dein. ( Niemeyer.) Wohlthätigkeit. Mel. Komm, laß uns Jesum sterben 2c. 37. Wie wohl ist mir, wenn mit Erbarmen ich meiner Brüder Elend seh! Wie wohl ist mir, wenn ich dem Armen mit Rath und Hülf' entgegen geh; wenn seiner Freude stille Zähre Gott, der durch mich ihm half, 26 Anhang. zur Ehre von seiner bleichen 5. Du schufft zum Menschen Wange fließt: wenn dann mein mich! Erhalte, mein Schöpfer, Herz die süßen Freuden beim stets den Sinn in mir, daß Anblick weggeschwundner Lei- meine Liebe nie erkalte, durch den, des Wohlthuns Freuden Lieb' und Güte gleich' ich dir. ganz genießt. Nichts laß mir die Empfindung 2. Wie wohl ist mir, wenn nehmen für Menschenwohl, ich erquicken und Menschen und nie mich schämen des Mitfröhlich machen kann, dem, wel- gefühls bei fremder Noth. Erchen schwere Lasten drücken, quickung gieb, wenn ich den mittragend sie erleichtern kann; Armen durch Hülf' erfreue, voll wenn ich durch sanften Sinn Erbarmen auch mir in meiner und Mienen den armen Brü- Noth, o Gott! ( Niemeyer.) dern, die mir dienen, das Loo8 versüße, das sie traf; in ihnen Vaterlandsliebe. nie mich selbst verkenne, Erho- mel. Es ist das Heil uns kommen zc. ihren gönne und nach der Arbeit süßen Schlaf. 38. Bei deinem Namen, Va3. Wie wohl ist mir, wenn terland, erwachen frohe Triebe; ich dem Kranken, der unter Angst mit dir bin näher ich verwandt; und Schmerzen ringt, wenn sein dir schlägt mein Herz voll Liebe. Vertraun beginnt zu wanken, Hier ging des Lebens Tag mir ob sein Gebet zu Gott auch auf; o Land, in dir begann dringt; wenn ich ihm treu ent- mein Lauf zum hohen Ziel des gegen eile, sein Elend willig Lebens. mit ihm theile, ihn tröst' in 2. In heitrer Unschuld lernt' seiner Einsamkeit, ihm seiner ich hier die ersten Worte stamArmuth Jammer mindre, ihm meln, und mir Erkenntniß, seiner Wunden Schmerzen lindre, Gott, von dir und deinen Werund mich sein stiller Dank erfreut! ten sammeln. Mit Eltern sah 4. Wie wohl, wenn vaterlo- ich mich vereint; und sie und sen Kindern ich Vater werde; mancher Jugendfreund versüßwenn ich sie der Noth entrissen, ten meine Tage. wenn ich mindern ihr Elend 3. Und Viele strebten um mich fann; sie weis' erzieh; wenn her, mich Schwachen zu verThrem Geist ich Güter schenke, pflegen! Wie Viele führten imdie mehr als Gold sind; ihrer mer mehr der Wahrheit mich denke, wenn ihrer auch die Welt entgegen! Hier war mein Bürvergißt; wenn ohne Lohn, selbst gerrecht bereit, hier fand ich ohne Bitte, der Frühverwaiste Ruh und Sicherheit im Schuhe in der Hütte so werth mir als der Gesetze. der Reiche ist. 4. So will ich denn auch Anhang. 27 2. Uns Alle, die wir flehn, verbindet des Blutes und der Freundschaft Band, und unser Herz, o Gott, empfindet die milde Leitung deiner Hand. Wir preisen dich, o Menschenfreund, der uns durch dieses Band vereint. dankbar sein und Andern wieder nüßen, will rathen, helfen und erfreun, und Gutes unter fügen. Was Ordnung, Recht und Eintracht nährt, und was des Landes Wohlstand mehrt, foll stets mir theuer bleiben. 5. Um überall aus Dankbegier des Landes Ruhm zu gründen, soll auch der Fremde stets in mir den Freund der Men schen finden; ich will gerecht und liebreich sein, ihm in Gefahren Schutz verleihn, und Freuden ihm gewähren. 3. Wohl dem, der in der Ehe Bunde in treuer Lieb' und Eintracht lebt; ihm wird so manche Lebensstunde mit Lust und Seligkeit durchwebt. Er blickt mit Ruh, mit heiterm Sinn auf Pfad und Ziel der Wohlfahrt hin. 6. Wie könnt' ich, ist mein 4. Wohl ihm, wenn fromVaterland mir werth, mich so smer Kinder Segen den Ehebergehen, ein fremdes Volk mit bund noch schöner macht; wenn Unverstand zu hassen und zu sie im Herzen Tugend hegen, schmähen? Verdienst und Tu- und Unschuld in den Blicken gend, nah und fern, soll immer lacht; wenn sie der Eltern Beimeine Seele gern an jedem spiel rührt und auf den Weg Menschen schätzen. zum Himmel führt. 7. O wohl dem Lande, wo 5. Wohl ihm, wenn seinen der Geist des Christenthums re- Hausgenossen die Furcht des gieret, wo Jeder dich, o Vater, Herrn vor Augen schwebt, preist und sich mit Weisheit wenn Jeder treu und unverzieret; wo nie die Bürgertreu' drossen nach seiner Pflicht Erentflieht und einer sich der füllung strebt; wenn Eintracht Pflicht entzieht, Gemeinwohl zu und Zufriedenheit das Haus befördern. ( Reche.) zum Sig des Segens weiht. Häusliche Gesellschaft. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 6. Wohl uns, wenn auch bei unsern Freuden sich freut der Nachbar und der Freund; 39. Im Stillen wollen wir wenn er beim Anblic unfrer dich ehren, Gott, der du from= Leiden des Mitleids sanfte men Wandel liebst, und was wir fromm von dir begehren, so gern, so liebevoll uns giebst. Schon oft sind wir erquict, erhört von deinem Thron zurückgekehrt. Thränen weint; die Bruderhand uns willig reicht und Hülf' und Beistand gern erzeigt. 7. Den Frommen, die dich kindlich ehren, o Vater, strömt dein Segen zu. Sie wandeln 28 Anhang. treu nach deinen Lehren, ver-| Lieben sind, auch da bist du voll trauen dir und finden Ruh, Huld, bist ihnen nah auf allen und finden Freuden, deren Werth ihren Wegen. Dies ist's, was und Dauer keine Zeit zerstört. meine Thränen stillt, wenn banges Sehnen mich erfüllt. 8. 3war oft wird auch der Kelch der Leiden den Deinen, 2. Die Pflicht entfernte fie Herr, von dir gesandt. Oft von mir, und seufzend schaut' muß der Tod die Freunde ich auf zu dir, mein Auge scheiden, die Blut und Treue fest schwamm in Thränen. Oft verband. Oft stört des Grams, sucht' ich sie noch um mich her, des Unglücks Wuth, oft Krank- und ach! hier fand ich sie nicht heit ihren heitern Muth. mehr; umsonst war all mein Sehnen. Doch du gabst meiner Seele Ruh; ich will ihr Gott sein, sagtest du. 9. Doch trinken sie den Kelch gelassen; du sandtest ihn, du zürnest nicht; du, Vater, kannst nicht Kinder hassen; der Trostgedanke ist ihr Licht, daß, wenn ihr Glaube standhaft ringt, das Leiden sie zur Wonne bringt. 10. Mag uns der Arm des Todes trennen, wir werden einft uns wiedersehn, vor deinem Thron die Unsern kennen, mit ihnen dankend vor dir stehn. Wo uns kein Tod mehr tren= nen kann, da beten wir dich schauend an. 3. Ja, sei und bleib ihr Freund und Gott, ihr Schuh und Retter in der Noth, auf den sie sicher trauen! Mit ihren Schwächen hab Geduld! Laß sie die Spuren deiner Huld an allen Orten schauen! Odu, der alles Gute schafft, belebe sie mit deiner Kraft! 4. Erleicht're ihres Lebens Müh'; dein reichster Segen komm' auf sie; bewahre sie vor 11. Wir preisen ewig deine Sünden! Beschüße sie mit starGüte, die unerschöpflich ewig ter Hand, und laß sie auch im liebt, und jedem redlichen Ge- fernen Land noch fromme müthe schon hier des Himmels Freunde finden! Auch da sei Vorschmack giebt, durch Freund- stets der Tugend Ruhm ihr unschaft uns zur Ewigkeit, zur verletztes Eigenthum. Wonne der Verklärung weiht. ( Eschenburg.) Für abwesende Freunde. 5. O fehrten sie mir einst zurück! Des Wiedersehens gro Bes Glück macht froh schon Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort zc. auch ihr Angesicht nun ferner meine Seele. Doch säh' ich 40. Wo ist die Welt, die hier auf Erden nicht: was ist's, dich umschließt, das Land, wo daß ich mich quäle? 3ch weiß, nicht dein Segen fließt? Gott, o Gott, ein Tag erscheint, der überall zugegen! Wo meine wieder mich und sie vereint. Anhang. 29 6. O wie gedenk' ich dein so ringe. Er, dessen Huld kein gern, du Tag des Lebens, Tag Engel mißt, er, der des Mendes Herrn! Wann wird dein schen Vater ist, ist auch des licht erscheinen? O Tag, der Wurms Erhalter. die mir wieder giebt, die auch entfernt mein Herz so liebt, die Seligen, die Meinen! Wie wird sich unsre Seele freun! Gott, welch ein Anblick wird das sein! 5. Und er, der alle Wesen liebt, er sollte mir erlauben, dem Thiere das, was er ihm giebt, gedankenlos zu rauben? Was gäbe mir wohl den Beruf, ein Leben, das die Allmacht schuf, leichtsinnig zu zerstören? 6. Nein, kein Geschöpf, das mit mir lebt, darf ich aus Frevel quälen, mag auch, was Mel. Es ist gewißlich an der zc. Sie 41. Der weise Schöpfer, mich zur Menschheit hebt, mag dessen Ruf einst mächtig scholl: die Vernunft ihm fehlen. Es werde! und aller Welt Be- macht mich zu der Gottheit wohner schuf, bestimmte diese Bild; doch lehrt sie mich auch Erde für seine Menschen nicht göttlich mild, Glück um mich allein; auch Thiere schuf er her verbreiten. groß und klein, des Lebens sich zu freuen. ( Münter.) Rechtes Verhalten gegen die Thiere. 7. Vernunft, du sollst mich immer mehr die wahre Weis2. Sein Wille war, daß ihre heit lehren, in der Geschöpfe Zahl sich allenthalben mehre. großem Heer den Schöpfer zu Nun füllen Thiere Berg und verehren. Wer stolz ein MitThal und Wälder, Flüss' und geschöpf verschmäht, das unter Meere; beleben hier die hohe Gottes Aufsicht steht, entehrt Luft und dort der Erde tiefste auch seinen Schöpfer. Kluft, und finden, was sie nähret. 8. Wen eines Thieres Qual erfreut, der wird, das kann 3. Nie kann des flügsten nicht fehlen, kalt und gefühllos, Menschen Sinn der Arten An- mit der Zeit gewiß auch Menzahl wissen; doch sänk' auch schen quälen. Wer frech ein nur die kleinste hin, so wär das Mitgeschöpf betrübt und Härt' Band zerrissen, das in der wei- und Grausamkeit verübt, der ten Gotteswelt die Wesen an kann auch Gott nicht lieben. einander hält zu einem großen Ganzen. ( Fulda.) Gnaden Mittel. 4. Dem, der für Alles Sorge trägt, dem Schöpfer aller DinVor der Taufe. Mel. Jesus meine Zuversicht zc. ge, ist nichts, was auf der Welt 42. Betend nahen wir uns sich regt, zu klein und zu ge= 30 Anhang. dir, bringen dir auf unsern Ar- stenheit ist dies Kind nun aufmen dieses Kind; dich flehen genommen. Laß durch ihn es wir, großer Vater, um Erbar- in der Zeit zu der Ruh des men. Dein ist es und lebt Glaubens kommen, in ihm seine durch dich; segn' es, schüz' es Würde sehn und getreu durch's väterlich! Leben gehn. 2. Schwach und hülflos liegt 2. Noch erkennt den Tag es f es da, ohne Kraft zu dir zu nicht, der sein Antlitz mild beflehen. Aber du bist, Gott, ihm scheinet, weiß noch nicht, was nah, wirst ihm stets zur Seite ihm gebricht, wenn es hülfsbestehen; führst es aus der Nacht| dürftig weinet; sieht nicht, wer zum Licht einst durch deinen es sorgsam trägt, nicht, wer Unterricht. mütterlich es pflegt. 3. Sieh, wir weihen dir 3. So umstrahlt uns höhers dies Pfand deiner väterlichen Licht, ohne daß wir jetzt noch Güte, bitten: deine Vaterhand sehen; wissen, was uns gut ist, leit' es, warne und behüte, nicht, wenn wir bang' um wenn es sich nicht leiten kann, Hülfe flehen; sehn die Hand selbst auf seines Lebens Bahn! nicht, die uns schützt, und uns 4. Zu der Christen hohem spendet, was uns nüßt. Glück ward von dir es auserfo= ren. Ach, es weiche nicht zu- bist. rück, sei zu ew'gem Heil gebo- uns rauben. Daß ein Gott ren, hab' in Jesu Christi Reich stets nah ihm ist, müff' auch Bürgerrecht, und werd ihm gleich! dieses Kind einst glauben. Gieb, 4. Doch wir wissen, daß du Nichts soll diesen Trost 5. Liebend, wie ein gutes daß es, der Unschuld treu, Gott, Kind, müss' es dich als Vater sich immer deiner freu'! ehren; deinem Sohne gleichgefinnt, nur auf deine Stimme hören! Gottes Geist, erfülle du sein Gemüth mit Licht und Ruh! Erneuerung des Taufbundes. mel. Was ist vor deinem Angesichte z. 6. Laß es unter Schmerz und 44. Herr, dir gelob' ich Luft treu an seinen Pflichten heilge Treue und ernsten Fleiß hangen; ach, es nähre seine im Christenthum. Dir, Jesu, Brust nie ein unerlaubt Verlan- weih ich mich auf's neue zu gen! Wenn sein Aug' im Tode deinem ewgen Eigenthum. Von bricht, Gott, auch dann verlaff' deinem guten Geist allein will es nicht! ( Niemeyer.) ich hinfort geleitet sein. Nach der Taufe. 2. Nimm, Heiliger, von deinem Kinde der Treue fromm Gelübde hin! Versuchet mich 43. In den Bund der Chri- hinfort die Sünde, so will ich Mel. Jesus meine Zuversicht zc. Anhang. 31 3. Schenk' ihnen Muth und Freudigkeit! Laß ihrer Zusag' Heiligkeit so stark, so tief ihr Herz durchdringen, daß sie ihr Wollen treu vollbringen! Auch uns laß jetzt mit Herz und Mund mit dir erneuern unsern 4. Einst werd' ich, Herr, vor Bund, und einst hör unser deinem Throne mich dieses Bun- brünstig Flehen- mit ihnen destages freun; geschmückt mit ein zum Himmel gehen. Erjener Siegestrone, werd' ich hör uns, Gott! Erhör uns Gott! dann ewig selig sein. O welch ihre Lockung fliehn, will dir| im Wandel rein und rein im mich und der Tugend weihn, Herzen, dein Heil nie sorglos und dieser Tag soll Zeugesein. zu verscherzen. Gieb Kraft dazu! 3. Nie will ich treulos an Gieb Kraft dazu! dir werden, nie deine guten Wege fliehn. Kein Scheingut, keine Lust der Erden, tein Unglück soll mich dir entziehn. Weich, eitle Welt! Weich, Sünde, fleuch! Gott hört es! Jezt entsag' ich euch! ( Küster.) ein Heil! Wie freu' ich mich! Wie es die Confirmanden zu fingen haben. Herr, nimm dies Herz! Dein, 45. Erhör, o Gott, das heiße b. dein bin ich. ( Sturm.) Erhör, o Gott, das 2. Wir wollen, deiner uns Flehn von uns, die wir hier vor dir stehn! Erbarmend blick auf uns hernieder, denn dein sind wir, sind Christi Glieder! 45. 6th Gieb uns, Gott, Vater, Sohn und Geist, den Segen, den dein heiße Flehn der Kinder, die hier Wort verheißt; erfülle uns mit bor dir stehn! Erbarmend blick' deinen Gaben! Laß uns mit auf sie hernieder! Denn dein dir Gemeinschaft haben! Erfind fie, find Christi Glieder. barme dich! Erbarme dich! Gieb ihnen, Vater, Schn und Geist, den Segen, den dein zu freun, uns jetzt, Gott, deiWort verheißt; erfülle sie mit nem Dienste weihn, den Taufdeinen Gaben! Laß sie mit dir bund feierlich erneuern, und dir Gemeinschaft haben! Erbarme mit Herz und Mund betheuern, dich! Erbarme dich! in unserm Glauben fest zu stehn, 2. Sie wollen, deiner sich zu in unserm Thun auf dich zu freun, sich jetzt, Gott, deinem sehn, im Wandel rein und rein Dienste weihn, den Taufbund im Herzen, dein Heil nie sorgfeierlich erneuern, und dir mit los zu verscherzen. Gieb Kraft Herz und Mund betheuern, in dazu! Gieb Kraft dazu! ihrem Glauben fest zu stehn, in 3. Schenk, Herr, uns Muth ihrem Thun auf dich zu sehn, und Freudigkeit, laß unſrer Confirmations- Lied, wie es die Gemeinde singt. Mel. Komm, heiliger Geist zc. a. - Anhang. 3ujag' Heiligkeit so stark, so chen harten Streit: dann nahst tief das Herz durchdringen, daß du dich der Tugendbahn, dann wir das Wollen treu vollbrin- gehe zum Altar hinan. gen. Ach, laß jetzt Aller Herz und Mund, gleich uns, erneuern ihren Bund. Sie Alle laß hör unser Flehen- mit uns einst in den Himmel gehen. Erhör uns, Gott! Erhör uns Gott! ( Küster.) 32 5. Beschämt und mit gebeugtem Sinn schau auf den groBen Dulder hin, der liebreich für die Sünder starb und ihnen Gottes Huld erwarb; dann glaube froh, daß Gott uns liebt, gern Reuigen die Schuld vergiebt. 6. So, frei von Heuchelei und Wahn, muß Jeder sich dem Mahle nahn, das du in deiner Mel. Bater unser im Himmelreich 2c. mal uns gemacht; da dämpfe lezten Nacht, o Herr, zum Denk46. Christ, eile nie mit der Gedank an's Kreuz der sicherm Sinn zum Liebesmahle Thorheit Lust, der Sünde Reiz. Jesu hin; denk nicht, des gro= 7. Da rühr' uns tief dein ßen Dulders Blut macht jedes göttlich Bild und mach uns Sünders Laster gut. Weh dem, liebreich, sanft und mild, da der dieses Mahl entweiht durch schenk' dein Geist uns Muth Selbstbetrug und Sicherheit! und Kraft zum Kampfe mit 2. Wer sich zu ihm unwür- der Leidenschaft, daß heilig wir dig naht, der häuft die Schuld durch's Leben gehn, dem Tode der Missethat. Sei nicht dein froh entgegen sehn. Feind, empfah es nicht dir, ach, zum strengeren Gericht! Nein erst empfinde tief dein Herz der Sünde Schmach, der Reue Schmerz. Vor, bei und nach der Abendmahlsfeier. mel. Herzlich thut mich verlangen 2. 47. Versammelt hatte Jeſus die Jünger feierlich; es nahte seine Stunde, die Abschieds3. Erst sei dein Vorsatz fest stunde sich. Die sich der Hoffund rein, nicht mehr der Sünde nung freuten, mit ihm zum Sclav zu sein; erst gieb zurück, Thron zu gehn, sie sollten nun ihn was deine Hand durch List, dulden, ach bluten, sterben sehn. durch Trug, durch Raub ent- 2. Sie sollten nun Bekenner wandt; erst, Zürnender, ver- der heilgen Wahrheit ſein, für söhne dich mit deinem Bruder sie und für die Brüder, wie er, brüderlich. den Tod nicht scheun. Ach, wie 4. Besiegst du so in deiner er jetzt so rührend beim fromBrust des Lasters Macht, die men Abschiedsmahl den Freunböse Luft; bist du entschlossen den, den Erwählten, noch Lieb' und bereit, zu kämpfen man- und Treu' empfahl! Anhang. 33 3. Er sah am Kreuz fich| Nacht, die Nacht voll Angst sterben und weihte Brod und und Schmerzen, die Ruh und Wein, den Blick zu Gott erho- Segen uns gebracht, sei heilig ben, für sie laut dankand ein. unsern Herzen! An deiner letzNehmt, sprach er, diese Gaben; ten Stunden Qual laß uns bei das ist mein Leib, mein Blut; deinem Abendmahl mit Dank o dentet mein, ihr Lieben, so und Rührung denken. oft ihr solches thut. 2. Um zu vollenden, wolltest du jetzt von den Deinen scheiden; sahst ihre Hoffnung, ihre Ruh, vertilgt durch Furcht und Leiden; da weihtest du der Liebe Mahl, und einer bessern Hoffnung Strahl ging auf in ihrer Seele. 4. Wie konnten sie vergessen, was jetzt ihr Lehrer that, der scheidende Geliebte jetzt, ach, so zärtlich bat: Nehmt hin, für euch gegeben wird dieser Leib, dies Blut; o denket mein, ihr Lieben, so oft ihr solches thut! 5. Nun ward dies Mahl zur 3. Du gingst zum Tode, Feier, flets schwebte liebreich, Herr, mit Muth und liebevolmild und hehr vor ihren Blicken lem Herzen, und jeder Fußtritt des treusten Freundes Bild; war voll Blut; du gingst durch gab ihnen reinre Liebe, zur tausend Schmerzen; doch im Tugend höhern Muth. Sie Triumph vom Blutaltar zu opferten der Wahrheit mit Gott, um dort der Deinen Freuden Gut und Blut. Schaar die Stätte zu bereiten. 6. Auch uns zum Heil ge- 4. Wie froh erhebt sich unser stiftet ward sein Gedächtniß- Blick an deines Altars Stufen mahl; für uns auch starb aus zu jenem höhern, ewgen Glück, Liebe er unter Schmach und zu dem uns Gott berufen durch Qual. Wer könnte sein ver- dich, der du für Alle starbst, gessen, vergessen, was er bat, und Hoffnung uns, auch uns eh er den Weg des Todes zu erwarbst, des ewgen Lebens unserm Heil betrat! Hoffnung. 7. O laßt uns am Altare 5. Gieb, daß aus Dankbaruns seiner dankbar freun, und feit wir nun die Sünde ernstfroh den Bund der Liebe, der lich meiden, mit Freuden GotTugend Bund erneu'n! Sein tes Willen thun und standhaft Mahl stärt unsern Glauben. stärt ihn in Schmerz und Noth, mach' heilig unser Leben, mach' freudig unsern Tod. sein im Leiden, daß wir, Herr, deine große Huld durch Liebe, Sanftmuth und Geduld und frommes Leben ehren. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit 2c. 6. Hilf, daß, so oft wir feierlich der Liebe Bund erneuen, 48. Herr, deines Lebens letzte in immer höh'rer Tugend ſich 3 Osnabr. Sandgesangb. X. Aufl. Anhang. 34 Anhang. die Herzen deiner freuen; daß des Dankes Pflicht nicht ganz nie wir diesen Bund entweihn; von Liebe brennen? Nicht Hand nein, unverbrüchlich treu dir in Hand, in festem Band mit sein im Leben und im Tode. allen deinen Gliedern die Liebe dir erwiedern? Mel. Was Gott thut, das ist zc. 6. Nein, Jesu Tod vergess' ich nicht, nicht seine Huld und 49. Mit frohem Dank er- Treue; nicht meine Schuldigschein ich hier, dein Leiden zu keit und Pflicht, das schwör' ich befingen, von deinem Mahle jetzt auf's neue. Du hörst den bis zu dir mich, Jesu, aufzu Schwur.- Gott hör ihn nur! schwingen. Mein Glaube ist da, Die Liebe soll mich drinwo du bist, anbetend bei dem Throne, vor dir, des Höchsten Sohne. - gen, ihn redlich zu vollbringen. 7. Bei deinem Mahl stärk mich, o Herr! Du bist der 2. 3war immer groß ist Gott der Stärke, daß ich von mein Gewinn an jedem stillen nun an williger auf Jesu Orte, wo ich im Geiste bei dir Stimme merke, und von ihm bin. Es fließt aus deinem Worte gern die Weisheit lern', auf mir Trost und Ruh in Strö- deiner Bahn zu wandeln, nach men zu; dein Leben und dein deinem Wort zu handeln. Leiden sind stets ein Quell der Freuden. 8. Daß ich die Luft bei jedem Streit noch glücklicher bezwinge; 3. Auch weißt du, Herr, wie die Früchte der Gerechtigkeit herzlich dich die ganze Seele in größrer Schönheit bringe. liebet, und wie dein Knecht so O bilde mich, ich bitte dich, willig sich in guten Werken noch mehr nach Jesu Bilde, übet. Längst ist der Bund mit demüthig, sanft und milde! Herz und Mund geknüpft, ich 9. Einst fommt die Zeit- bin der Deine, und du, oso wahr ich hier vor deinem Freund, der Meine! Tische stehe!- daß ich in 4. Doch feierlich sei heut' Wonne, Herr, bei dir ihn selbst, mein Dank und festlich diese den Heiland, sehe. Wie wallt Stunden! Und lauter töne mein mein Blut, wie wächst der Gesang vom Tod, den du em Muth zum Hoffen und Verpfunden! Du liebtest mich und trauen! Auf Glauben folgt das starbst für mich, für mich und Schauen. meine Brüder; du starbst und lebst nun wieder. ( J. A. Hermes.) 5. Und dich, o Freund, dich vor aller Welt Nach der Ernte. mel. Wie groß ist des Allmächt'gen zc. betennen? Für dich und für 50. In deinem Heiligthume Anhang. 35 Sonntagsfeier. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen 2c. bringen dir heute, Gott, wir, er trockne seine Thränen ab. unsern Dank. Das Alter und Er dante heute mit uns Allen, die Jugend singen dir feierli- frohlocke laut und bete an, daß Chen Lobgesang. Gekrönt hast du nach deinem Wohlgefallen du mit deiner Milde rings um so viel, o Gott, an uns gethan. uns her das ganze Land. Dein Segen floß auf die Gefilde aus deiner offnen Vaterhand. 2. Du schenkteft Sonnen- 51. Du, Tag des Herrn, ſollst schein und Regen für jede Frucht zu rechter Zeit, und" gabst dem meiner Seele ein stiller, froher Samen Kraft und Segen, den Festtag sein; ein Tag, den ich Menschenhände ausgestreut. Für mit Ernst erwähle, um ihn dem Millionen deiner Kinder reicht Lebenswort zu weihn. Zum deiner Gaben Fülle hin. Du Himmel soll mein Geist sich nährst den Frommen, nährst schwingen, zum Himmel, denn den Sünder mit ewig treuem ich feire heut', entfernt von Baterfinn. allen eitlen Dingen, den Festtag der Unsterblichkeit. 3. Wer kann die Güte ganz ermessen, die weiter als die Wolken reicht! Wer undankbar die Treu' vergessen, die nie von uns, dem Staube, weicht? nimm in heißen Freudenzähren, nimm an, o Bater, unsern Dank! Wir wollen ewig dich verehren durch Thaten, wie durch Preisgesang. 4. Was du uns gabst, wohl anzuwenden, verleih' uns Weisheit und Verstand. Nicht um es üppig zu verschwenden, empfingen wir's aus deiner Hand. Du willst, wir sollen froh genießen, doch mäßig im Genuß uns freun, und mild, wie du, Herr, dich bewiesen, soll Jeder der Beglückten sein. 5. Auch für den Armen wuchs der Segen, den deine Hand so reichlich gab. Wir wollen seiner liebreich pflegen; 2. Sei stark und triumphir', mein Glaube, ich weiß es, daß du Wahrheit bist! Emporgeschwungen aus dem Staube des Todes hat sich Jesus Christ. Ja, Licht und Wahrheit, Worte Gottes, find deine Worte! Ja du bist, du bleibst, trotz jedes frechen Spottes, der Sohn des Höchsten, Jesus Christ! 3. Mit deinen heiligen Gemeinen, die heut' vor deinem Antlig stehn, soll meine Seele sich vereinen, Herr, deine Liebe zu erhöhn, dein Lob mit Ehrfurcht hier zu stammeln, bis einst, wenn in der Engel Chor sich deine Heiligen versammeln, mein Psalm mit ihnen dringt empor! 4. Noch hier am Gott geweihten Orte erschallt der Gnade Stimme mir. Ich höre, 3* 36 Anhang. Jesu, deine Worte und stille Frieden, der des Geistes Sehnseufzt mein Herz zu dir, zu dir, sucht stillt. An dem Strom der daß ich, als dein Erlöster, für Erdenlust schmachtet doch zulegt den du starbst, mich kann er- die Brust; in des Lebens wilfreun; zu dir, mein Licht, mein dem Drängen kann das Herz Schild, mein Tröster, durch den sich nur verengen. ich geh zum Leben ein. 5. Und sammeln soll in heil- Lieder, dünft es mich ein En 3. Hör ich hier der Andacht Kraft die ger Stille zu neuer Seele sich, und fragen: Was gelchor; sink ich bang und zweiverfolgt dein Wille; was quält mich empor. Milder wird der felnd nieder, hebt der Glaube und was ergötzet dich? Sie soll ergründen ihr Bestreben; im Blick auf jenen heilgen Pfad erfüllt das Herz, seh zu den erwägen Sinn und Wort und geweihten Hallen ich die Mitanbeter wallen. Leben, den Jesus Christ ge= wandelt hat. Kränkung Schmerz, Bruderlieb' 4. Heilges Wort der ewgen 6. Als milder, brüderlicher Wahrheit, die dem Irrthum Tröster will ich zu dir, Ver- uns entreißt! Du erhellst die laßner, gehn; mit Freundlich- Nacht zur Klarheit, du durchkeit, du Hülfentblößter, soll strahlst mit Licht den Geift. gern mein Herz dir offen stehn. Nichts verhehlet sich vor dir, Ich will zu dir, du Kranker, Fehl und Schuld enthüllst du eilen, du sollst in meiner Liebe mir. Wo dies Machtwort je ruhn; will deine Schmerzen erklungen, hat es Mark und mit dir theilen; denn Sab- Bein durchdrungen. bathsfei'r ist: Gutes thun. ( Lavater.) 5. Weinend oft mit bangem 3agen trat ich in das HeiligMel. Freu' dich sehr, o meine 2c. Slagen und mein Leiden ward thum; da verstummten meine 52. Hehr und heilig ist die mein Ruhm. Willig, wie aus Stätte, wo die Frommen zu Baterhand, nahm, zum Mittler dir flehn; wenn ich feiernd sie hingewandt, ich, in Demuth hinbetrete, laß mich, Herr, dein gesunken, auch den Kelch, den Antlitz sehn! Wohl, wohin mein er getrunken. Auge sah, war dein Geist mir 6. Knie ich an des Altars immer nah, doch es trübt das Stufen, ein gebeugter Sünder, Weltgetümmel oft vor meinem Blick den Himmel. hin, hör ich heilge Stimmen rufen: ,, Sei getrost, dir ist ver2. Von dem Irdischen ge- ziehn!"" Hochbegnadigt steh ich schieden, von dem Ewigen er- auf: fröhlich fördr' ich meinen füllt, find ich hier den hohen Lauf, und das Herz wird voll Anhang. 37 erhellten ein unzählbar Heer von Welten. 7. Sieht mein Auge, naß 3. Wie sie so herrlich sind, von Thränen, der Geliebten so schön, einträchtig alle Gott Stelle leer: hier stillt sich das erhöhn und seine Größe preisen! bange Sehnen; leben sie doch Wie jede Jubel ist und Dank, hoch und hehr! Aus der Welt ein hoher, lauter Lobgesang dem voll Kampf und Streit zu des Gütigen und Weisen! O wie Himmels Herrlichkeit, zur Ge- könnt ich fühllos schweigen, meine selger Frommen sind solcher Zeugen Lob vernehmen die Glücklichen gekommen. und doch seines Ruhms mich schämen? 8. Theuer bleibst du meiner Seele, Haus des Herrn, so lang 4. Er hat der Sonne hoch ich bin. Nimmt des Grabes Gezelt, die Himmel, über seine dunkle Höhle einst den Staub Welt auch für mich ausgebreides Pilgers hin, schwebt der tet. Wer nutzt die Erde mehr, Geist mit Preis und Ruhm in als ich? Hat sie mein Vater das höhre Heiligthum, daß er nicht für mich gegründet und ewig sich vereine mit der himm- bereitet? Lächeln mir nicht alle lischen Gemeine. Wälder, alle Felder froh entgegen, reich für mich von seinem Segen? Vertrauen, was ich glaube, dort zu schauen. ( Niemeyer.) Mel. Wie schön leuchtet der zc. 53. Flieg auf, mein Psalm, Lobgesang, Anbetung 5. Wem blüht das Thal, für mein wen erhebt sich das Gebirg? Gott und Ruhm und Dank Wem tönt und schwebt der vor seinen Thron zu bringen! Sänger in den Lüften? Für Gott hört auch Menschenlieder wen bevölkert sich das Meer? gern, wenn gleich die Engel Wem lebt der Thiere zahllos ihrem Herrn erhabner Psalmen Heer auf segensreichen Triften? singen. Darum hat er mit den Quellen rieseln; Winde wehen; Heeren, die ihn ehren, zu den Flüss' und Seen werden Meere Stufen seines Throns auch dich mir zum Segen, ihm zur Ehre. gerufen. 6. Noch strahlt mir unge2. Wie groß ist Gottes Herr- schwächt sein Licht; noch weilichkeit! Er sprach zu seinen gert die Natur sich nicht, die Himmeln: Seid! zu seinem Welt für mich zu schmücken; Erdkreis: Werde! Gleich stan- noch hat sie Freuden g'nug für den da voll Reiz und Pracht mich, noch immer schön und vor ihm, zum Preise seiner jugendlich mein Auge zu entMacht, der Himmel und die zücken. Eher werden diese Werke Erde. Wie er's ausrief, da be seiner Stärke nicht veralten, gonnen tausend Sonnen, und bis er kommt, Gericht zu halten. 38 Anhang. 7. So hat mein Gott an derdrückt; ich weiß es, dir ist mich gedacht, hat über sie durch nichts verborgen, auch nicht der seine Macht zum Herrscher mich Seufzer, den mein Herz erstickt. erhoben; er gab mir meinen Du bist ein Vater, der mich Leib und auch die Seele, seines ewig liebt, auch wenn er mich Odems Hauch, gleich Engeln durch kurze Leiden übt. ihn zu loben. Rühm ihn Seele, und es schalle von dem Halle deiner Lieder Gottes Erd' und Himmel wieder! 4. Ja, das Gebet giebt Kraft im Leiden, belebt und stärkt zur Tugend meinen Geist, und hilft mir Alles, Alles meiden, was 8. Das Kind, der Jüngling mir den Sinn für Edelmuth und der Mann, die ganze entreißt; nur muß mein Flehn Schöpfung bet' ihn an, und auch ernstlich fromm und rein seiner Wunder Menge! Strömt und eines wahren Christen würhin aus meiner vollen Brust, dig sein. strömt hin, Empfindungen voll 5. Drum bitt' ich nicht in Lust, in hohe Dankgesänge! meinen Leiden: o Vater, Vater, Schöpfer, Bater, dich erhebe, nimm sie weg von mir! Auch weil ich lebe, meine Seele, bitt' ich nicht in meinen Freumeine hochbeglückte Seele! ( Cramer.) den: erhalt, o Schöpfer, diese Freuden mir! Nur um ein frommes, dir ergebnes Herz bet 54. Wenn ich vor dich, mein Schmerz. ich zu dir in Freuden und in Mel. Dir, dir, Jehovah will ich zc. ( Elife v. d. Redke.) Neujahrslied. Schöpfer, trete, und andachtsvoll in stiller Einsamkeit aus vollem Herzen zu dir bete, was fühl ich da für hohe Seligkeit! Ich bin entzückt, und Alles, 55. Das Jahr ist hingeAlles flieht, was meinen Geist schwunden, wie Schaum im zur Erde niederzieht. Mel. O Haupt voll Blut und z. wilden Bach. Denkt seinen hei 2. Dann spott ich jener fal- tern Stunden, denkt seinen trüschen Freuden und achte nicht ben nach! Es floh zu jenen der eitlen Flitterpracht, um die Jahren der Freud' und Leiden sich Menschen oft beneiden, und viel, die schon erschienen waren, die sie nur zu Sinnenstlaven rückt näher uns ans Ziel. macht; ich fühl es lebhaft: dir gefällig sein, nur das fann stets und wahrhaft uns erfreun. 2. Jn stetem Wechsel kreiset des Menschen kurze Zeit; er blüht, er altert, greiset, und 3. Dann weichen selbst die geht zur Ewigkeit. Es schwinden schwersten Sorgen, dann flicht selbst die Schriften, wie früher der Schmerz, der sonst mich nie- Ehr' und Macht, an seinen mor Anhang. 39 schen Grüften hinab in Todes-| tes Licht nicht scheun? Wenn nacht. ich dies Jahr gestorben wäre, 3. Ist heut noch jeder lebend, wo würde meine Seele sein? der heut vor einem Jahr, in Stünd' ich verklärt bei Gottes Lebensfülle strebend, mit Freun- Kindern, von meines Gottes den fröhlich war? Ach, Manche Preis entflammt? Wie? Oder sind geschieden! Senft einen hätte mit den Sündern der Blick hinab, sie sind nicht mehr Allgerechte mich verdammt? hienieden, sie deckt das stille Grab. 3. Den Gott, der liebt, wie Väter lieben, hat ihn mein Undank nie betrübt? Den Gott, der mir so treu geblieben, hab ich ihn auch so treu geliebt? Lebt' ich vor ihm nach seinem Willen, stets als vor seinem Angesicht, fromm öffentlich, und fromm im Stillen, treu dem Gewissen, treu der Pflicht? 5. Und dennoch frohes Mu- 4. Nein, Vater, sie sind nicht thes, auch wenn uns Trennung zu zählen, die Sünden dieses droht! Wer fromm ist, findet Jahres. Nein, wie könnt' ich's Gutes im Leben und im Tod! Wir sammeln einst uns wieder; wir sind in Gottes Hand, und fingen heilge Lieder im ewgen Baterland. dir, wie mir verhehlen: ich bin nicht werth, noch hier zu sein. zu oft ließ ich das Herz erfalten; zu oft verlegt ich meine Pflicht. Ich darf vor dir nicht Rechnung halten; ich zittre: geh nicht ins Gericht! ( Voß.) 4. Wer weiß, wie Mancher modert ums Jahr, versenkt ins Grab! Unangemeldet fodert der Tod die Menschen ab. Bei lauem Frühlingswetter und grüner Bäume Pracht wehn oft verwelkte Blätter, vom Todeswurm benagt. Schluß des Jahrs. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen 2c. 5. Nein, Vater, sie sind nicht zu zählen, die Gnaden dieses 56. Ach, wieder ist ein Jahr Jahres. Nein, wie kann ich's verschwunden, ein Jahr, und dir, wie mir verhehlen: ich bin kommt nicht mehr zurück! Mit nicht werth, noch hier zu ſein. ihm, wie viele tausend Stun- Wo fang ich an? Gott, welche den sind weg, weg wie ein Au- menge, vom ersten bis zum letzgenblick; weg meine Tugenden ten Tag! Ich weiß, daß wenn und Sünden. Doch nein! Der ich Jahre sänge, ich dir zu danRichter aller Welt läßt jegliche mich wiederfinden, wenn er vor sein Gericht mich stellt. ten nicht vermag. 6. An manchem ruhevollen Morgen fühlt' ich auf's neu' des Lebens Werth! Wie oft genoß ich ohne Sorgen die Nah2. Gedanken, Worte, Thaten heere! Wie? Dürft ihr Got Anhang. rung, die mir Gott beschert! Du trugest uns mit viel GeWie viele schreckliche Gefahren duld; wir aber häuften Schuld hat er von mir hinweggewandt! auf Schuld. Wenn tausend Andre elend waren, erhielt mich seine Vaterhand. 40 dir heut ewge Treu', daß sie nicht weiter herrschend sei. 4. O laß es deinem Geist gelingen, bei uns in diesem neuen Jahr die Sünde mächtig 7. Verzeih den Undant, zu bezwingen, wo sie bisher noch schenk Erbarmen, gedenke mei- herrschend war! Wir schwören ner Sünden nicht, und zeig dem Neuenden, dem Armen, der Gnade sucht, dein Ange- 5. Laß hier, wo wir jetzt sicht! Wie freudig will ich dann niederfallen, dein unverfälschtes mein Leben von neuem deinem Gnadenwort bei unsrer NachDienste weihn! Wie eifrig will welt noch erschallen, und sie an ich mich bestreben, durch deinen diesem heilgen Ort der Tauf' Geist ein Christ zu sein! und deines Mahls sich freun, und deine wahre Kirche sein! 5. Gieb, daß wir dich stets Beim Anfange des Kirchen- kindlich ehren, als dein geweihjahrs. tes Eigenthum! Einst führst Mel. Was ist vor deinem Angesichte 2c. du uns zu jenen Chören, wo ( Lavater.) man, erfüllt von deinem Ruhm, 57. Fest steht dein Bund, ren zählt. ( Schlegel.) das Leben, das uns dort beſeelt, wie Felsen stehen, du Gott der nicht mehr nach Tag und JahGnade, Gott der Treu'! Jahr und Jahrhunderte vergehen, doch deine Güt' ist täglich neu. Für diese Güte bringen wir auch o Bater, dir. Am Ende einer Woche. Mel. Vom Himmel hoch, da zc. 2. Kein Feind zerstörte die 58. Unwiederbringlich ſchnell Altäre, kein Feind zertrat dein entfliehn die Tage, die uns Heiligthum. Noch singen wir Gott geliehn. Auch diese Woche von deiner Ehre, noch predigt eilet schon unwiederbringlich man von deinem Ruhm. Durch schnell davon. Taufe, Abendmahl und Wort 2. Dank unferm Vater, unpflanzt sich auch hier die Kirche serm Gott! Uns traf kein Gram fort. und keine Noth; denn seine 3. Doch fragst du nach des ewge Vatertreu ward uns an Wortes Früchten, und bringst, jedem Morgen neu. was wir gethan, ans Licht, nach 3. Dank ihm! Wenn jetzt voll unsern Werten uns zu richten, Freudigkeit das Herz sich manso, Heiligster, bestehn wir nicht. cher Tugend freut, weß war Anhang. 41 die Kraft? Wer gab Gedeihn? 4. Ja, Vater, dir gebührt Dem Herrn gebührt der Ruhm die Ehre; ich bin, was ich nur bin, durch dich. Dank, Dank allein. 4. Oft fehlten wir, und merk- dir! Der Geschöpfe Heere ertens nicht! Verzeih uns die schufst du, Vater, auch für mich. verletzte Pflicht., Nimm an, Erbarmer, unsre Reu, und sprich uns, deine Kinder, frei. 5. Dank dir, du gabst mir Kraft zum Denken, und Willensfreiheit gabst du mir; Vernunft, mein Leben hier zu lenfen; Empfindung; ach, wie dank' ich dir! 5. Wir eilen mit dem Strom der Zeit stets näher hin zur Ewigkeit. Herr unsers Lebens, mache du uns selber recht geschickt dazu. 6. Ich kann dich in der Schöpfung finden, mich deiner großen Werke freun; Dank dir, ich kann dich, Gott, empfinden; wie freu' ich mich, durch dich zu 6. Du läßt, uns länger zu erziehn, uns Wochen, Monden, Jahr' entfliehn; doch an dem Ziel der Pilgerschaft kommt sein! unsre große Rechenschaft. 7. Für meinen Leib und alle 7. O dann laß uns, wir alle Glieder gebührt dir Dank! Mit flehn, mit Freudigkeit vor dir jedem Sinn fall' ich anbetend bestehn. Denn ach, wer dann vor dir erbebt, hat thöricht, hat umsonst gelebt. vor dir nieder, und danke laut dir, daß ich bin! ( Neander.) Allgemeines Danklied. Mel. Errett' mich, o mein zc. 8. Du hast mir Dach und Kleid bescheret; was fehlte, Vater, jemals mir? Hast du mich nicht bis jetzt ernähret? Von ganzem Herzen dank' ich dir. 9. War ich umringet von ich singen, Dank dir, der mir Gefahren, du hattest, Vater, mich nur Gutes giebt. Mit aller bewacht; und immer stand, mich Kraft, vor allen Dingen sei du zu bewahren, an meiner Seite gelobet und geliebt. 59. Dant, bester Bater, will deine Macht. 2. Dant, lauter Dank dir, für mein Leben, ich steh vor deinem Angesicht, du hast mein Dasein mir gegeben; wenn du nicht wolltest, wär' ich nicht! 3. Du warst mir, eh ich war, gewogen, und ewig auf mein Glück bedacht; du hast mich aus dem Nichts gezogen, zum Wienschen hast du mich gemacht. 10. Erwäg' ich, Vater, alle Pfade, die deine Hand mich durchgeführt, so seh' ich Weisheit nur und Gnade, und fühle, daß dir Ruhm gebührt. 11. Wie oft entrisfest du dem Feinde der Wahrheit und der Tugend mich! Für meine Eltern, meine Freunde, für meine Lehrer preis' ich dich! Anhang. 12. Du lenttest von der frü-| 20. Ja, Vater, Vater, überhen Jugend durch viele Freude, schwenglich und über jeden Auswenig Schmerz zu deiner Kennt- druck groß sind deine Gnaden; niß und zur Tugend, o bester unausdenklich! Und deine Güte Gott, Verstand und Herz. namenlos! 42 13. Für jede nützliche Erfahrung, für Alles, was mich lehren kann, für Unterricht und Offenbarung bet' ich im Staube, Gott, dich an! 14. Jm Dunkeln forsch' ich nicht vergebens, du gabest mir dein Wort du Morgenlieder. test mir den Weg des Lebens; 60. Wie lieblich winkt sie mein Glück, mein Elend, meine mir, die sanfte Morgenröthe, Pflicht. der Schatten weicht vor ihr zu15. Nein, nein! Die Zunge rück. Wie schön ist die Natur! kann nicht sagen, wie unaus- O Herr, vor dem ich bete, wie sprechlich gut du bist; nun überströmt sie mich mit Glüc! darf die Seele nicht mehr zagen, die Seele, die unsterblich ist. 21. Dank sei mein Mund, mein Herz, mein Leben! Du bist die Liebe: Nichts bin ich! O du, der mir so viel gegeben, gieb mir noch Dankgefühl für dich! - ( Lavater.) - 2. Du hast mir mehr ge schenkt, als in den Abendstun16. Unsterblich!- Vater! den mein Glaube gestern von Ewig leben soll ich, ich, der nur dir bat. Viel mehr, als ich verTod verdient; ich ewig sein! stand, hast du im Flehn gefunDu hast vergeben, haft mit dem den, womit ich vor dein AntSünder dich versöhnt! lig trat. 17. Dein Sohn, faßt das Erbarmen! äußerte des Himmels sich; vom Tode zu befrein mich Armen, ward er, der Sohn, ein Mensch, wie ich. o wer 3. Du schenktest mir den ent- Schlaf zur Sammlung neuer Stärke für diesen neuen Lebenstag; jetzt ruft dein Wohlthun mich, zu wirken gute Werke, aus meinem stillen Schlafgemach. 18. Ein Mensch, um Men- 4. Wie prächtig kommt der schen zu versöhnen, er, der mich Tag! Ich athme frische Lüfte; schuf und mich erhält! Er starb; der Wald singt mir ein Loblied o fließet, Freudenthränen! Wie vor; ich stimme jauchzend ein, dank' ich dir, o Herr der Welt! und rein, wie Blüthendüfte, 19. Anbetung dir und ewig steig', Herr, mein Lob Ehre; und Dank und Liebe, Je- empor. sus Christ! Von mir, der ewig elend wäre und nun unendlich selig ist! zu dir 5. Und sanft ergieße sich dein Licht in meine Seele, und zeige mir den Weg zu dir! Mich Anhang. 43 stärke deine Kraft, und wenn in dem Dunkel nicht der Friede ich Schwacher fehle, dann habe du Geduld mit mir. von meinem stillen Lager wich. ( J. T. Hermes.) Met. Wie groß ist des Allmächt'gen 2c. 5. Nun leb' ich, wie im Morgenglanze die ganze Schöpfung wieder lebt, und seh', wie bis sich Alles 61. Es jauchzen schon die froh verjüngt erhebt; hör', wie Morgensterne dem Schöpfer, der die Lerch' dem Sonnenstrahle ihr Sein gebot; schon glüht voll Jubels sich entgegenschwingt, in halb erwachter Ferne der und rings vom Hügel und im Berge Haupt vom Morgenroth. Thale dem Schöpfer Lob und Die Sonne kommt, von Gott ge- Dank erklingt. rufen, tritt sie dort im Triumph hervor und wirft an seines Thrones Stufen des Lichtes Erstlingsstrahl empor. 6. Mit Gnade siehst du, Gott, hernieder, wenn dir die Schwachheit Opfer bringt, verschmähest nicht der Andacht Lieder, wenn sie dein Lob im Staube singt. Nein, dir ist wie des Sturmes Wehen das leise Wehn der Morgenluft, und wie der Opferrauch der Höhen der niedern Blume sanfter Duft. 7. So sei denn, ferner vom Getümmel, vom Taumelpfad der falschen Lust, ein froher An= blick dir im Himmel auch das Entzücken meiner Brust. Laß, weil ich lebe, deinem Preise mich jede Kraft und Stunde weihn, und jede Pflicht auf meiner Reise ins Vaterland mir heilig ſein. 2. O du, von dessen Macht und Milde die herrliche so mächtig spricht, wenn sie durch dämmernde Gefilde mit jugendlichen Strahlen bricht, und Alles weckt, was durch den Schlummer zum Leben neue Kraft empfing, und Alle tröstet, die im Kummer der sanfte Schlaf vorüberging. 3. Wie schlägt mein Herz, da ich den Morgen so freundlich wiederkommen seh', und ohne Thränen, ohne Sorgen in seinem Rosenschimmer steh'! Vernimm mein Lob und meine Wonne, vernimm des Herzens Feierlied, das, in dem Glanz der Morgensonne entflammt, in frommer Andacht glüht. 8. Den Pfad, den ich zu wandeln habe, jollt' ich ihn einst entkräftet gehn, sollt' wankend 4. Als ich, von Finsterniß ich am schwachen Stabe, an steiumgeben, mir fremd im Schoß len Höhen zu dir flehn: dann der Ruhe lag, gab deine Huld beut, o Gott, auf seinem Pfade mir neues Leben, der Erde die- dem müden Wandrer deine sen neuen Tag. Du sahst auch Hand, zeig' mit dem Lichtstrahl mich im Weltgebiete, daß sich deiner Gnade ihm dann das kein Unfall zu mir schlich, und nahe Vaterland! Anhang. ( Bürde.) 9. Dort, wo kein mitternächt-| weih' und Frömmigkeit und Tulich Grauen an furze Sonnen- gend stets meine Freude sei! schimmer grenzt und über ewig jungen Auen der herrlichste der Morgen glänzt, dort jauchzt, von wenn Abendlied. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc. ich an deinem Throne knie, dir, 63. Der Mond ist aufgegan44 Herr, der Jubel meiner Saiten, mein Dank in reinrer Harmonie. ( Voß.) gen, die gold'nen Sterne prangen am Himmel hell und klar; der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiesen steiget der graue Nebel wunderbar. Morgenlied für Kinder. Mel. Befiehl du deine Wege zc. 2. Wie ist die Welt so stille 62. Ich bin vom süßen und, in der Dämmrung Hülle, Schlummer gesund und froh so traulich und so hold! Wie erwacht, es weckte mich tein eine stille Kammer, wo ihr des Kummer, kein Schmerz die ganze Tages Jammer verschlafen und Nacht. Sanft ruheten die Glie- vergessen sollt. der auf meinem Lager hier, nun scheint so freundlich wieder die liebe Sonne mir. 3. Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen, und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getroft belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn. 2. Und meine Eltern leben; sie eilen froh herbei und segnen mich, und geben mir neue Lieb' und Treu'. Soll das mein Herz nicht rühren? O Gott, ich danke 4. Wir stolze Menschenkinder dir! Wie viel konnt' ich ver- sind alle doch nur Sünder, und lieren, und du erhieltst es mir. wissen gar nicht viel; wir spin3. Ich will mit schwachem| nen Luftgespinnste und suchen Munde dir, Herr, mein Loblied viele Künste, und kommen weiweihn, in dieser Morgenstunde ter von dem Ziel. mich deiner Güte freun. Wenn 5. Gott, laß dein Heil uns ich dich gleich nicht sehe, doch schauen, auf nichts Vergängsiehst und hörst du mich; du, lich's bauen, nicht Eitelkeit uns Vater in der Höhe, ich weiß, dein Kind bin ich. freun. Laß uns voll Einfalt werden, und vor dir hier auf Erden, wie Kinder, fromm und fröhlich sein. 4. Lent alle meine Triebe, Allgütiger, zu dir; gieb Demuth, Sanftmuth, Liebe, Fleiß und 6. Wollst endlich sonder GräGehorsam mir, daß ich in früh- men aus dieser Welt uns nehster Jugend mich deinem Dienste men durch einen sanften Tod! 45 laß, wenn du uns genommen, Mel. Vom Himmel hoch, da zc. me in den Himmel kommen, 65. Sternennacht, o Sildu, unser Herr und unser Gott! berlicht, das durch zerrissne 7. So legt euch denn, ihr Wolten bricht! Bild von Glieder, in Gottes Namen nie- Gottes Herrlichkeit, der jene der. Kalt ist der Abendhauch. Sterne hingestreut! Verschon' uns, Gott, mit Strafen, und laß uns ruhig schlafen und unsre tranken Brüder auch. 2. Ein heilger Schauer überfällt mich, nie empfundne Ahnung schwellt die Brust empor, mein Auge starrt; ich fühle Gottes Gegenwart. ( Claudius.) 3. Ich sehe teine Sterne mehr, nein, lauter Welten um mich her; es strebt und forscht der tühne Sinn durch alle diese welten hin. Anhang. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen 2c. 64. Hier steh ich unter dei nem Himmel, seh tausend Welten über mir, und fern vom rauschenden Getümmel, weih ich die heilge Stille dir. Mein 4. Ich schweb im grenzenloGeist sinkt betend vor dir nieder, sen Raum der Schöpfung, als vordir, Herr, dessen Allmachtsruf ein Lichtpunkt kaum erscheinet den Himmel dort und meine unser Erdenball mir in dem Brüder und mich, wie jenen großen Schöpfungsall. Himmel, schuf. 5. Durch Millionen Welten 2. Ich finge dir, der jene flieht voll Staunen jetzt mein Sterne aus seiner Hand hin- Geist und sieht in jeder, wie warf wie Saat, und der in un- in unsrer Welt, durch Gott gemessner Ferne auch ihre Bahn Bewohner aufgestellt. bezeichnet hat. Dort wandern 6. Und alle sind, wie wir fie in sichern Kreisen so friedlich beglückt, und Gottes Baterauge hin, wie Freund an Freund, blickt auf Alle gütig, wie auf ein großes Chor, das, dich zu uns, und sorgt für Alle, wie preisen, in seinem Fluge sich für uns. vereint! 3. Wer nennt, wer nennt die Wesen alle, aus deren Mund 7. Gott, Gott, wie groß erscheinst du hier dem Staube! Worte fehlen mir, womit ich dein Loblied steigt, das mit der dich lobpreisen kann, die Seele Welten Jubelhalle bis zu dem betet schweigend an.( Hänlein.) Psalm des Seraphs reicht! Ich mische mich in ihre Heere; mein Soblied steigt zu dir empor. Gott, wann tritt zu deiner Chre mein Geist in beffrer 66. Den Abendlied für Kinder. mel. O Jesu Christe, Gottes Lamm 2c. 66. Den süßen Schlaf erbitten wir, du bester Vater, Welt empor? ( Köpken.) Anhang. 46 Landmann. uns von dir. Gieb deinen müden Kindern Ruh, und wenn sie schlafen, wache du. Mel. Nun sich der Tag geendet zc. 2. Du waltest mit Barmher- 67. Ueb immer Treu' und zigkeit stets über unsre Lebens- Redlichkeit bis an dein kühles zeit; voll Lieb' und Weisheit Grab, und weiche keinen Finger theilst du sie in Tag und Nacht, breit von Gottes Wegen ab. in Ruh und Müh. 2. Dann wird die Sichel und 3. Was gut ist, Vater, kommt der Pflug in deiner Hand dir von dir! Des Guten viel em- leicht; dein frohes Herz hat pfingen wir; nimm unser dan- dann genug, und Neid und fend Lallen an für das, was Unmuth weicht. du an uns gethan! 4. Wir wollen deine Kinder sein und immer bleiben; und uns freun, daß du, Gott, unser Vater bist durch unsern Heiland Jesum Christ. 4. Der schöne Frühling lacht ihm nicht; ihm lacht kein 5. Als der ein Mensch auf Aehrenfeld; er ist auf List und Erden war, da brachten sie ihm Trug erpicht, und wünscht sich Kinder dar; er ließ sie freund- nichts als Geld. lich zu sich nahn, den Segen seiner Hand empfahn. 6. Er liebt und segnet auch noch heut ein Herz voll reiner Kindlichkeit. Gieb uns ein Herz vom Argen rein, und laß uns fromme Kinder sein. 7. Wir sammeln uns, mit frohem Muth zu ruhn in deiner Vaterhut; kein Haar von unserm Haupte fällt ohn' dein Geheiß, du Herr der Welt. 3. Dem Bösewicht wird Alles schwer, er thue, was er thu'; das Böse treibt ihn hin und her und läßt ihm keine Ruh. 8. Wir schlummern ein jung und gesund, und doch kommt einst die letzte Stund'! Ach, sollt' es diese Nacht geschehn, so laß uns in den Himmel gehn. ( Bürde.) 5. Das Laub am Baum, der Wind im Hain fauft ihm Entsehen zu; des Lebens kann er sich nicht freun, denn nirgends hat er Ruh. 6. Drum übe Treu' und Redlichkeit bis an dein fühles Grab, und weiche keinen Finger breit von Gottes Wegen ab! 7. Dann wirst du wie auf grünen Aun durchs Erdenleben gehn; dann kannst du ohne Furcht und Graun dem Tod entgegen gehn. 8. Dann suchen Enkel deine Gruft und weinen Thränen drauf, und schaun zu Gott, der einst sie ruft, voll Freudigkeit hinauf. ( Hölty.) Anhang. Gewitter. Mel. Lobt Gott, ihr Christen zc. 68. Der hohe Himmel dunlt sich; ein Wetter Gottes träut! Ich bebe nicht, ich freue mich, Gott, deiner Herrlichkeit. 2. Du zürnest, wenn du donnerst, nicht; du bist der Men schen Freund. Nicht blasser sei mein Angesicht, wenn mir dein Blitz erscheint. 3. Dem Sünder nur, der dich nicht kennt, dem bist du fürchterlich; doch wessen Herz dich Vater nennt, der sieht als Bater dich. 4. Wie gut ist deiner Sonne Schein! Wie gut die finstre Nacht! Auch gut muß, Herr, dein Blitz uns sein; er zeugt von weiser Macht. 5. Du reinigst durch den Blig die Luft, dein Regen tränkt die Flur; ein frischer, balsamboller Duft durchschwebet die Natur. 47 2. Nimm für alle Erdenfreuden, Vater, Herzensdank von mir; Dank für alle meine Lei= den bringt die frohe Seeledir! Leiden, einst durch dich entführt, dank ich tiefer noch gerührt. 3. Hier nicht, dort nur, dort nur quillen Freuden, ungetrübt von Qual; dort nur strömt nach deinem Willen lautre Wonne ohne Zahl. Deckt die Nacht einst mein Gebein, werd ich Licht und Freiheit sein. 4. Welche Freude soll mich heften an die Erde, die Erde, an die Beit? Nein, mit allen meinen Kräften ring' ich nach Unsterblichkeit. Weiche, Furcht des Grabes fern! Aehnlich werd ich meinem Herrn. 5. Frei von jeglicher Beschwerde, losgewunden von der Nacht, flieg' ich über Zeit und Erde voll Gefühl: Es ist vollbracht! Ueber Bitten und Verstehn werd ich fühlen, werd ich sehn. 6. Laß frei das Herz von 6. Nie vernommne PreisMengsten sein, wenn das Gewit gesänge hört dann mein entter droht! Weg, bange Furcht! zücktes Ohr, und zur auserHerr, wir sind dein, du bist die wählten Menge tragen Engel Liebe, Gott! ( Lavater.) Vom Tode. mich empor. Selig bin ich dann, wie sie; fliehe, Furcht des Todes, flich! überMel. Meines Lebens beste Freude 2c. bald 69. Weiche, Grabesschrecken, standen; ruhig harr ich, Herr, weiche! Freu' des Todes dich, auf dich; viele Tausend übermein Herz! Liegt sie da, die wanden; überwinden werd auch falte Leiche, weggeweint ist je- ich; denn ich traue deinem Wort, der Schmerz, und der Thränen Jesu, o mein Herr und Hort! Quell versiegt, wenn der Staub beim Staube liegt. 8. Soll ich zagen? Soll ich beben? Du, mein Heiland, ret= 48 test mich durch des Todes Nacht| in's Leben; ich soll zagen, beben ich? Da mich der, der ewig lebt, zu sich in sein Reich erhebt? Anhang. 5. Mächtger noch faßt mich der Schmerz, denk' ich an der Trennung Jammer, an der Freunde blutend Herz, wenn nun in der stillen Kammer ihren Harm die Lippe schweigt, von des Todes Hauch gebleicht. 9. Fliehe denn von meinem Munde, Lebensodem, immerhin! Sinke, Leib, zu deiner 6. Zürne nicht, der mich erStunde in die Nacht des Gra- schuf; höre meiner Schwachheit bes hin! Herr, du starbst, du lehen! Du vernahmst des lebest mir; Mittlers Ruf: ,, Laß den Kelch sterb ich dir. vorübergehen!" Meinen Meister stärktest du, send' auch Muth dem Jünger zu. freudig, freudig ( Lavater.) Mel. Jesus meine Zuversicht 2c. 70. Immer näher kömmt das Strahl mir herab aus lichten 7. Sende deines Troftes Grab, flügelschnell entfliehn die Höhen; in der Gräber finsterm Stunden; meines Lebens Kraft Thal laß der Hoffnung Stern nimmt ab, ist, wie bald vielleicht, mich sehen; wenn des Zweifels geschwunden, und sie senken Sturm erwacht, sei mein Fühmeinen Staub in die Gruft, rer in der Nacht. des Todes Raub. 2. Was der Erde angehört, ficht, daß ich mich zu dir er8. Stärk' in mir die Zuverhofft Unsterblichkeit vergebens; jeder Augenblick zerstört an der hebe, wenn die morsche Hütte Wurzel dieses Lebens. Ach, wie bricht; daß ich ewig vor dir schnell verlischt das Licht, wenn die Nahrung ihm gebricht! Lebe, sicher ruh in deiner Hand in dem unbekannten Land. 3. Ob, eh ich den Morgen 9. Gieb der Hoffnung Freuseh, schon des Lebens Docht digkeit, die ich liebte dort zu verglimmet, ob des Alters finden. Vorgefühl der Ewigsteilste Höh' doch vielleicht mein feit ist's, wenn Seelen sich verFuß erflimmet; keine Stimme binden; nicht für einen Augensagt es mir; Herr, es steht al- blick gabst du mir dies höchste lein bei dir. Glück. 4. Oft verzagt der schwache 10. Sei denn nah, sei fern Sinn, Furcht ergreift mich, mein Ziel: was ich glaubte, banges Grauen, seh ich auf die werd ich schauen; ein beſeligend Gräber hin, muß ich die Ver- Gefühl stärkt das Herz mir mit Dunkel wird Vertrauen. Freudig folg ich, des Auges Blick, schaudernd stets bereit, wenn des Vaters wesung schauen. bebt der Geist zurück. Ruf gebeut. ( Niemeyer.) 1 Anhang. 49 Mel. Alle Menschen müssen zc. in Helle, nicht mehr täuscht der blöde Sinn. Was mein Herz 71. Was in Keines Herz ge= kommen, was kein Auge hier hier treu erfunden, lebt mir hier treu erfunden, lebt mir erblickt, Ruh des Himmels, die ewig dort verbunden, und in den Frommen nach dem lan- Lieb' und Heiligkeit reif ich gen Kampf erquict; namenlose zur Vollkommenheit. 6. O mein Mittler, o der Herrlichkeiten will den Siegern Wonne, wenn auch dich mein Gott bereiten. Kämpft nur treu und weichet nicht, bis das Herz im Tode bricht. Aug' erblickt, meines dunklen Lebens Sonne, deren Strahl 2. Dunkel ist der Weg im mich oft erquict! Bei der Selgen Huldigungen, die du kämpfend dir errungen, singt dann auch mein Jubelton dich, des Baters hohen Sohn. Staube, rauh und steil des Streiters Bahn; sonnenhell macht ihn der Glaube, und sie führt doch himmelan. Doch welch Heil uns dort beschieden, fasset kein Verstand hienieden; bis die morsche Hütte fällt, decket Nacht die höhre Welt. 7. Denn in deinem Angesichte spiegelt sich der Gottheit Bild, und es wird in deinem Lichte der Erkenntniß Durst gestillt. Reißet denn, ihr Erdenbande, daß ich bald in jenem Lande Gottes Wunder schauen mag! Komm, o komm, Vollendungstag! ( Niemeyer.) Mel. Wiedersehn! Mit raschen zc. 72. Erdentöchter, Erdensöhne, seid nicht stolz auf Reiz und Schöne, troket nicht auf 4. Welche Bahn er dann eure Kraft! Eures Mundes wird finden durch des Todes Hauch verflieget; eures Lebens Thal zum Licht, wenn der Erde Quell versieget; auch des StarSchranken schwinden, ahnet ken Arm erschlafft. meine Seele nicht. Ob mit 2. Doch, ihr Christen, seid ſehnendem Verlangen die Ge- nicht traurig, wenn so früh, so liebten mich empfangen: bleib dumpf, so schaurig euch die es mir auch unbekannt, bleib Sterbeglocke ruft. Edler, kräfich doch in Gottes Hand. tiger, verklärter, liebevoller, lie5. Diese Hand führt mich benswerther überfliegt der Geist zur Quelle ewger Wahrheit die Gruft. sicher hin; Zweifelnacht zerfließt 3. O, was ist des Grabes Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. Anhang. 3. Aber in der Seelen Grunde wird das Ewge angeschaut; da giebt selger Zukunft Kunde mir der Hoffnung Stimme laut: an dem Irdischen verschmachtend, wird, nach höherm Leben trachtend, einst der Geist der Hülle los, der Unsterblichkeit Genoß. 4 Anhang. Höhle? Menschen mit der sanf= her Ziel; dies Streben nach ten Seele, fürchtet nicht, hinab Vollkommenheit ist sichrer Ruf zu sehn! Ueber Grab und Gra- zur Ewigkeit. bestrümmer wird der Geist im 4. Dich, Höchster, hab ich Sonnenschimmer himmlischer hier erkannt, voll Liebe Bater Erkenntniß stehn. dich genannt; in dieser Seelenwürde liegt ein Hoffnungsgrund, der nimmer trügt. 50 4. Nein, umsonst ist nichts geboren! Alles ruhet unverloren in des ewgen Vaters Schoß. Süße Hoffnung! Schöner Glaube! Alles windet einst vom Staube herrlicher sich wieder los. 5. Wohl uns, daß Jesu Unterricht hiervon zu uns so tröstlich spricht! Wie herrlich wird der Menschheit Werth durch diese Aussicht aufgeklärt! 5. Leibesschönheit wird ver- 6. O frohe Aussicht auch für blühen, Seelenschönheit nie ent- mich! Voll Muths hebt meine fliehen; sie ist für die Ewigkeit. Seele sich; ich seh im Geist Sanfter Sinn und reine Tugend des Christen Lohn; ich sehe lohnt mit ewig froher Jugend, meinen Himmel schon. lohnt mit Himmelsseligkeit. 7. Da find ich, was dein 6. Himmelsseligkeit bestehet; weiser Rath, mir unbewußt, nur der Erde Glück vergehet; geordnet hat, genieße deines nur das Eitle bleibt zurück. Gnadenblicks zu der Vollendung Wie die Gottheit unvergänglich, meines Glücks. wie der Himmel überschwenglich, ist des Christen wahres Glück. ( Roſegarten.) 8. Der Freuden viel gabst du schon hier, o Gütiger, wie dant ich's dir! Oft folgte kleinerm Ungemach ein größeres Vergnügen nach. Mel. Nun laßt uns den Leib zc. 73. Des Todes Graun, des Grabes Nacht flieht, Herr, vor deiner Wahrheit Macht; mein die Geist, erhellt von deinem Licht, bebt vor des Leibs Zerstörung nicht. bungsstand der höhern Hoff9. So hat schon dieser Uenung Unterpfand; die Liebe, mich hier beglückt, bleibt mir und segnet unverrückt. 10. Des heitersten Vertrauens voll, erwart ich, was mir wer2. Es falle nur die Hülle den soll, wenn künftig weder hin, mit der ich hier umgeben Schuld noch Noth dem schnellen bin. Ich selbst, dann freier als Reifen Schaden droht. zuvor, schwing' aus den Trüm= mern mich empor. 3. Ein 11. Mir wird der Tod, den Frevler scheun, Geburt zu ed innres mächtiges lerm Leben sein; durch Kraft Gefühl verkündigt mir ein hö- von Gott besiegt mein Herz der Anhang. 51 Krankheit Laft, der Trennung zend sind des Himmels PforSchmerz. ten; o welch ein Heer an allen Orten freut sich mit uns um deinen Thron! Noch sah kein Auge sie; dem Ohr erscholl sie nie, diese Wonne. Von Ewigfeit zu Ewigkeit sei Dank und Preis und Ehre dir! ( Nicolai und Klopstock.) 12. Wenn hier von uns, die Gott vereint, der Letzte auch hat ausgeweint, dann wird ein besfres Wiedersehn auf ewig unser Glück erhöhn. 13. Herr unsrer Tage, führe du uns Alle diesem Ziele zu, daß uns bei standhaft frommer Treu der Abschied einst willtommen sei! ( Spalding.) 74. Wachet auf, so ruft die Stimme, des Sohnes Gottes Allmachtsstimme, verlaßt, ihr Todten, eure Gruft! Wachet auf, erlöste Sünder! Versammelt euch, ihr Gottestinder, der Weltenherrscher ist's, der tuft. Des Todes stille Nacht ist nun vorbei; erwacht, Halleluja! Macht euch bereit zur Ewigkeit, sein Tag, sein großer Tag ist da. Mel. Befiehl du deine Wege zc. 75. In Gottes Rath ergeben, verlaß ich gern die Welt, und geh zum bessern Leben, sobald es ihm gefällt. Was wär's, das mich betrübte? Dort schau ich ewig den, den meine Seele liebte, noch eh ich ihn gesehn. 2. Er ruft zur Zeit der Schmerzen uns voll Erbarmen zu: Kommt her, beladne Herzen, ihr findet bei mir Ruh. Dies Wort aus deinem Munde laß, Herr, mich zu erfreun, in meiner letzten Stunde mir Trost und Leben sein. 2. Erd und Meer und Fel- 3. Mit dir muß es mir sen beben, die Frommen stehen glücken, den Kampf zu überauf zum Leben, zum neuen Le- stehn; in gläubigem Entzücken ben stehn sie auf. Ihr Ver- laß meine Seele sehn, wie an jöhner kommt voll Klarheit, dem Kreuz der Sünder du mit durch Gnade mächtig, start dem Tode rangst, und wie du, durch Wahrheit; ihr Licht wird Ueberwinder, allmächtig ihn behell, ihr Stern geht auf. Sie zwangst. stehn vor deinem Thron und 4. Der frohe Siegsgedanke: leben, Gottes Sohn! Hosianna, Wo ist dein Stachel? Tod Vollender, dir, dir folgen wir stärk' mich, daß ich nicht wante in deines Vaters Herrlichkeit! in meiner Todesnoth. So ist, 3. Ewig sei dir Lob gesun- ob ich gleich sterbe, doch Stergen! Wir sind zum Leben ben mein Gewinn. Ich bindes durchgedrungen! Am Ziel sind Himmels Erbe; dein Wort sagt, wir bei deinem Lohn. Glän- daß ich's bin. 4* - 52 Anhang. 5. Du schriebst ins Buch des weihn uns dir; nach Jesu Lebens auch meinen Namen Vorbild wollen wir ganz unser ein; dein Blut kann nicht ver- Herz dir geben; wie er des gebens für mich vergossen sein. Guten Samen streun, dort wird Dir trauet meine Seele, dich die Ernte uns erfreun. preis' ich noch im Tod, Erlöser meiner Seele, mein Heiland und mein Gott! ( Neander.) ( Demme.) Mel. Herr, ich habe mißgehandelt zc. 77. Was geboren ist auf Erden, wenn's der Mensch auch mächtig heißt, muß zu Staub Mel. Ewigkeit, du Donnerwort zc. 76. Unsterblichkeit! Unsterblichkeit! Gedanke, der das Herz erfreut, den Geist zu Gott er hebet, uns Troft für alle Schmerzen schafft, mit hohem Muth, 2. Laß mit Jauchzen sich ermit Gottes Kraft zum Tugend- heben einen ruhelosen Geist, kampf belebet! Fühlt des Ge- der, ob auch die Bölfer beben, dankens Seligkeit, bedenkt es, daß ihr ewig seid. und Asche werden; was er mit Erstaunen preift, Alles, Alles muß auf Erden Erde, Staub und Asche werden. Alles vor sich niederreißt: dies Gewaltige auf Erden, Staub muß Alles, Asche werden. 3. Mann und Greis und Jüngling wallen, und die Mutter wallt entzückt durch des 2. Sei's, daß der Erde Bau zerbricht, erlösche einst der Sonne Licht: wir, mehr als Erd und Sonne, wir leben für die Ewigkeit! Schon in des Gottestempels Hallen, wenn Daseins erster Zeit fühlt dies ihr Kind sie an sich drückt. das Herz mit Wonne; und All dies Wallende auf Erden, seine Würde fühlt der Geist, der ewig seinen Schöpfer preist. Staub muß Alles, Asche werden. ach so 4. Wie sie kommen, 3. Gott, dir sei Preis! Gott, kamen viele Tausend; ihr Gedir sei Dant! Nun mischt sich bein decket bei erloschnen Nain den Klaggesang an unsrer men ein zuletzt zertretner Stein. Lieben Grabe der Ewigkeit Tri- Was belebt erscheint auf Erumphlied ein. Nur unser sterb- den, Staub muß Alles, Asche liches Gebein fällt zu dem werden. dunkeln Grabe; der Geist 5. Aber von der Welt geschwingt, wenn die Hülle fällt, schieden, blickt die Treue starr sich frei empor zur höhern Welt. hinab, ohne Freud und ohne 4. Gott, dir sei Preis! Gott, Frieden in das modervolle Grab. dir sei Dank! Und rührender, Wie, der Mensch soll ganz zerals ein Gesang, danksage dir stäuben? Erde, Staub und das Leben! Wir, deine Kinder, Asche bleiben? 53 Anhang. 6. In des Lebens schönen geleert. Wie sanft er schläft, Tagen jammert die verwaiste wie ungestört! Ihn weckt des Braut, füllt die Luft mit ban- Weinens Stimme nicht, den gen Klagen, einem Schatten Geist umfließt ein himmlisch angetraut. Schatten? Nein! Er Licht. wird erstehen. Nein! Er tann nicht untergehen. 5. Zeuch hin in Frieden! Ewge Ruh strömt dir vom 7. Nein! Was trocknet heiße Throne Gottes zu. Bald legen Thränen, was die Hand der unsern Pilgerstab auch wir bei Armuth füllt, was erfreut das unsern Gräbern ab.( Niemeyer.) fille Sehnen, was mit Großmuth Haß vergilt, kann im Tod nicht untergehen, Liebendes Tod der Unsrigen. Mel. Alle Menschen müssen 2c. 8. Menschen, die zum Him- 79. Trodnet eures Jammers mel schauen, wenn sie dieser Thränen, heitert euren trüben Erd entfliehn, die dem Lebens- Blick! Denn es bringt kein banworte trauen, vor dem Allbele- ges Sehnen ihn, der von euch ber knien, werden wieder aufschied, zurück. Ach, die holde erstehen: Glaubendes kann nicht Stimm und Rede, und der vergehen. Lieblichkeiten jede und sein freundliches Gesicht ruht im Grab und kehret nicht. ( Jacobi.) Mel. Nun laßt uns den Leib zc. 2. Gleich des Feldes Blumen schwindet, was da lebet, rings umher; trauernd sucht der 78. Wir bringen weinend Freund und findet den geliebKnabe; unsern Dant, wir stammeln dir ten Freund nicht mehr. Vor den Lobgesang, dir, der den dem matten Greis am Stabe Retter aus der Noth gesendet sinkt der Jüngling und der hat, den sanften Tod. und so zog das stille 2. Auf Dornen ging nach Grab, den wir liebten auch deinem Rath des Erdenpilgers hinab. steiler Pfad; durch große Trübsal hart geübt, sah jeden Morgen er getrübt. 3. Gleich des Feldes Blumen werde, was geboren wird, zerstäubt! Nur der Erdenleib 3. Schwer war der letzte wird Erde, aber sein Bewohner Kampf und heiß; die Stirne bleibt. Ja, du lebst, Geliebter, deckte talter Schweiß; hoch hob das Herz und zitternd sich: da tamſt du und erbarmteft dich. 4. Nun ist der Leiden Kelch weint. lebest über Sternen, ja du le= best noch voll Liebe für den Freund, der an deinem Grabe Grabgesang nach schweren Leiden. Anhang. 4. Diese Kräfte, dieses Trach- immer gut und redlich hanten aufwärts zur Vollkommen- deln, daß wir, wenn der Vaheit, dieses Vorgefühl, dies ter ruft, freudig sinken in die Schmachten nach der Unver- Gruft. gänglichkeit, dieser Geist, der Welten denket, würde mit ins ( Voß.) Met. Nun ruhen alle Wälder zc. Grab gesenket? Und geschaffen 80. Mein banges Herz, sei hätte Gott dieses alles für den Tod? stille! Es war des Vaters Wille, des Vaters Will ist gut. 5. Nein, o Vater, nicht ver- Was seine Hand geliehen, darf gebens schufst du uns zu dei- sie das nicht entziehen? Und nem Bild; Lieb und Weisheit darfst du tadeln, was sie thut? hat des Lebens edlen Geist in 2. Es blutet nur die Wunde; Staub gehüllt. Diese Hülle wird schon naht der Heilung Stunde; vernichtet; doch die freie Seele vertrau, sie ist nicht weit. Was richtet zu der höhern Geister dir der Tod entrissen, sollst du Chor freudig ihren Lauf empor. nicht ewig missen; auf, freu 6. Auf, von Moder und dich der Unsterblichkeit. Verwesung, blicke dort hinauf, 3. Wer wohl den Lauf vollmein Geist, wo im Friedens- brachte, dem kommt, oft eh thal Genesung alles Erden- er's dachte, des Kampfes Ruh jammers fleußt; wo nicht Krieg, am Ziel. Er ruht in Vaternicht Sturm, nicht Fluthen, händen; ihn herrlich zu vollHunger, Pest und wilde Glu-, enden, entrückt ihn Gott dem then, wo nicht Trennung mehr, Weltgewühl. noch Tod liebenden Geliebten droht. 54 Gott hinauf. 4. Des Lebens Freud und Kummer löst sich im sanften 7. Ach, des Wonnetags, der Schlummer des Todes endlich wieder, was am Grabe hier auf. Der Tod kommt, uns zu geweint, Eltern, Kinder, Schwe= retten von allen unsern Ketstern, Brüder, Freund und Gat- ten, frei steigt der Geist zu ten fest vereint; wenn, gelehrt von Himmelsweisen, wir des 5. Schwer ist der Trennung Vaters Liebe preisen, der aus Stunde, tief ist der Seelen Irrthum, Schmach und Gram Wunde; ach, es erliegt der uns in seine Ruhe nahm. Geist, wenn Alles nun ver8. Bald vielleicht, ach bald schwindet, was Herz an Herzen verschwunden ist auch meine bindet, das letzte Band der Lebenszeit; und wer weiß, von meinen Stunden kommt die letzte wohl schon heut. O, laßt Gottes Weg uns wandeln, Tod zerreißt. 6. Doch dauern? Es trauern: denk, - konnt es ewig mußte Einer daß Gott dich Anhang. 55 rfor. Gehorsam seinem Wil- 1 3. Du gingst voran; wir len, fühl deinen Schmerz im folgen dir. Auch deine Freunde Stillen und schaue gläubig wallen hier auf ihres Lebens dann empor. Bahn hinab zum Ziel, zur Ruh im stillen Grab. 4. Du wirst uns unvergeßlich sein. Dein frommes Herz, durch Liebe rein, mit List und Falschheit unbekannt, ruht nun in Gottes Vaterhand. 5. So 7. Sprich: Was du mir gegeben, Herr über Tod und Leben, es war mein höchstes Glück; doch blieb es ja das deine; ob ich auch klag und weine, geb ich's doch willig dir zurück. 8. Zum Himmel früh erkoblickt denn bei der ten, seid ihr uns nicht verlo- Wehmuth Schmerz auch unser ten, um die die Thräne fließt. Glaube himmelwärts, wo Je= Hier trübten unsre Freuden doch sus Christus, unser Hirt, Sorgen oft und Leiden; wir Seinen alle sammeln wird. suchen nur, was ihr genießt. die 6. Auch er hat den entschlaf9. In jenen selgen Chören nen Freund, wie wir den unsriwird uns kein Mißlaut stören, gen, beweint. Er bleib uns uns keine Täuschung nahn. Trost und Zuversicht, wenn Des Erdenlebens Schwächen, unser Herz im Tode bricht! die Mängel, die Gebrechen sind dort auf ewig abgethan. ( Bürde.) 10. Wer weiß, wie bald zum Scheiden von allen ErdenfreuMel. Christus, der uns selig zc. 82. Laßt dem Tode ſeinen den für uns die Stunde Raub, Würmern ihre Habe! schlägt? Drum trocknet, Weh- Seelen werden nicht zu Staub, muthszähren! Es wird nicht schlummern nicht im Grabe. lange währen, daß man auch Senkt nur diesen Leichnam ein, uns zur Ruhe trägt.( Niemeyer.) laßt ihn niederrollen; wir, wir wollen deß uns freun, daß wir leben sollen. Mel. Nun lass't uns den Leib zc. 2. da der Todte 81. Wir gehn ans Grab nun in geweihter Stille! Laßt und hoffen doch, der Geist der ihn, Freunde, laßt ihn ruhn! Todten lebet noch, er lebt, von Es ist Gottes Wille. Weinet Schmerz und Noth befreit, im nicht! Er hat nun schon, was Lande der Unsterblichkeit. wir erst ersehnen; ihn erweckt 2. Dahin ist nun die kürze kein Klageton! Trocknet eure Angst, in der du mit dem Thränen! 3. Stimmet an das hohe Tode rangst; dein Gott hat wohl an mir gethan. Nun Lied von der Auferstehung! rührt dich keine Qual mehr an. Wißt: als Jesus einst verschied, Anhang. 4. Sentt nun den Leichnam nieder zum Staube seiner Brüder, die längst die Erde deckt! Im Grab ist sanfter Schlummer, ihn stört kein Erdenkum4. Wenn er kommt und, mer; Gott ist es, der ihn einst Stürmen gleich, seine Stimm erweckt. erhebet: Deffnet Gräber, öffnet 5. Zum Leben ohne Sorgen euch! Lebt, ihr Todten, lebet! weckt ihn der frohe Morgen, Dann erschallt des Jubels Ton, wo eine Welt erwacht. Heil nie gestört von Leiden, werden diesem todten Staube! So dann vor seinem Thron sich singt der Christen Glaube: die Frommen weiden. auch er erwacht, auch er erwacht! 5. Saaten der Unsterblichkeit, modernde Gebeine! Bald verströmt auch unsre Zeit, ruft der Tod: Erscheine! Ruf er nur; wir sind bereit. Wer des Lebens Gabe nüzet für die Ewigkeit, zittert nicht am Grabe! 6. Nun schauet auf, Betrübte! Dort wandelt der Geliebte nach Finsterniß im Licht. Vergönnet ihm die Freude, o wehret eurem Leide, und wischt die Zähre vom Gesicht! ( Schubart.) ( Pfranger.) Mel. Nun ruhen alle Wälder 2c. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit zc. 83. Da stehen wir, die Dei- 84. Schwer liegt der Trennen, Unendlicher, und weinen nung Schmerz auf mir, der ein Grablied an der Gruft. Trennung von den Meinen. Wir singen auf vom Staube, O laß, mein Gott, mein Gott, uns stärkt der Christen Glaube, vor dir mich diese Fragen weidaß Gott uns einst zum Leben nen: Werd ich nach meinem ruft. Tode gleich, werd ich, o Herr, deinem Reich die Meinen wieder sehen? 2. Fließt nur, ihr Thränen, in fließet! Ein Sterblicher beschlieBet des Lebens kurzen Lauf. Nimm, mütterliche Erde, dein Kind, frei von Beschwerde, in deine milden Arme auf! 56 folgte bald Erhöhung. Fromme ruhn in seiner Hand, ruhn in sanftem Frieden. Er, der starb und auferstand, hat ihr Heil entschieden. 3. Sei ihm ein Ruhebette, nachtvolle Grabesstätte, Grabesstätte, und deck ihn kühlend zu! Er schlafe hier in Frieden den stillen Schlaf der Müden, des ten lang erseufzte Ruh. 2. Wohl mir, o Gott, ich höre schon des Geistes Stimme wehen; sie ruft mir zu mit sanftem Ton: Du wirst sie wieder sehen! Bist du nur fromm, sind sie nur gut, dort oben unter Gottes Hut wirst du sie wieder sehen. Kran= 3. Des Frommen Seele trennt sich nicht von gleichge Anhang. 57 sinnten Frommen. Sie werden sie sich so schön. Wenn des all in Gottes Licht aufs neu Morgens rothe Strahlen nach zusammen kommen, forthin der Nacht die Berge malen, durch keinen Tod getrennt; denn spricht die Sonne: Wiedersehn. Gottes Engel, der sie kennt, 3. Wiedersehn! 3u, deinen vereinigt sie zusammen. Freuden wachsen Blumen frisch, 4. Der Freund findt seine und kleiden herrlich sich im Freunde dann am Throne Got- Frühlingswehn; und der frohen tes wieder; der Gatte trifft den Nachtigallen kummerfreie LieGatten an, der Bruder seine der schallen: Hofft getroft ein Brüder. Die Mutter sieht, Wiedersehn! umarmt ihr Kind; denn alle guten Seelen find in Gottes Stadt beisammen. 4. Wiedersehn mit Gruß und Segen! O wie schmacht ich dir entgegen über Auen, Ström' und Höhn! Lieben! Aller Welt Gewalten sollen meinen Fuß nicht halten; ja ich werd euch wiedersehn. 5. Drum laßt uns hier schon Hand in Hand auf Gottes Wegen gehen, damit wir dort im Baterland uns einst beisammen sehen; wie wird's uns 5. Wiedersehn! Ich darf dich sein, wenn wir uns sehn, wenn hoffen. Lieben, fommt, mein wir uns dort entgegen gehn, Arm ist offen; kommt, laßt neund ewges Heil uns leuchtet! ben euch mich gehn! Lieben, in 6. Seid froh, ihr Lieben, der letzten Stunde ruf ich mit denn gewiß, wir werden dort schon blassem Munde: Ewig, uns finden in Gottes Stadt, ewig Wiedersehn! im Paradies, befreit von allen Sünden. Verkläret werden wir erstehn; o Wiedersehn, o Wiedersehn, wie tröstest du die Seele! ( Jacobi.) ( Schubart.) Gebrauch christlicher Lieder. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 86. Noch sing ich hier aus dunkler Ferne, Gott meines Lebens, dir mein Lied. Wenn 85. Wiedersehn! Mit raschen einst, weit über alle Sterne, Schlägen flopft die Brust dir dich mein verklärtes Auge sieht, warm entgegen; nimmer kann dann schallet dir im Jubelklang das untergehn, was ans Herz der Ueberwinder mein Gesang. wir liebend schlossen; und wenn 2. Wohl mir, duschaust auch Abschiedsthränen flossen, hofft jetzt hernieder auf mich aus die Liebe Wiedersehn. deiner Herrlichkeit, vernimmst 2. Wiedersehn! In holden das Lallen schwacher Lieder Bildern will uns die Natur mit väterlicher Freundlichkeit. dich schildern, drum verjüngt Preis unserm Gott! Groß ist Anhang. 58 der Herr! Wer schaut aufs Niedrige, wie er. 3. Ich walle froh mit meinen Brüdern zu deines Tempels Heiligthum. Da schallt in dir ge= 87. Wie feierlich bist du weihten Liedern des Dankes Stimme dir zum Ruhm, und für mich, o Tag des heilgen dann durchwandelt meine Brust Bundes! Ich schwöre heut dem ein fromm Gefühl voll heilger Herrn den Eid des Herzens Lust. und des Mundes. Confirmation. ( Unmittelbar vor Ablegung des Glaubensbekenntniſſes. Die Confirmanden allein.) Mel. Ach Gott und Herr zc. 4. Die Kraft von deinen 2. Herr, fieh auf mich, und Himmelslehren ergreifet mäch- väterlich vernimm den Eid der tig meinen Geist, wenn er, Treue. Verleihe mir, daß ich mich vereint mit heilgen Chören, dir von ganzem Herzen weihe! voll Inbrunst deinen Namen 3. Ich will forthin die Sünde preist; mit Ernst gelobet dein fliehn, nur deine Wege gehen. zu sein, sich deinem Willen ganz Herr, segne mich! Behüte mich! Laß mich dein Antlitz sehen. zu weihn. ( Unmittelbar nach der Ablegung des Glaubensbekenntnisses. Die Gemeine.) 5. Oft hab ich auch in stillen Stunden, wenn ich dir meine Freuden sang, der Andacht riene Gluth empfunden, die 88. Gottes Gnade jei mit durch die frohe Seele drang. Mel. Jesus meine Zuversicht zc. Mein Herz, wenn dir mein euch! Sie verleih euch Kraft Lied erscholl, ward seliger Em- und Segen. Wandelt standpfindung voll. haft, Jesu gleich, eurem hohen 3iel entgegen. Groß ist einst der Treue Lohn vor des Weltenrichters Thron. 6. Oft hab ich auch die Last der Leiden mir durch ein Trostlied leicht gemacht; und singend Stille, Ruh und Freuden in mein beklommnes Herz gebracht. Die Hoffnung lebte wieder auf, schwang sich mein Geist zu Gott hinauf. 2. Heilig sei euch dieser Tag, heilig, was ihr jetzt versprochen. Ach, was euer Mund versprach, werde nie von euch gebrochen! Bleibet fromm und wanket nicht, bis das Herz im Tode bricht! 7. Doch sing ich noch aus dunkler Ferne. O welche Wonne 3. Hör uns, Gott, wir Alle wird es sein, wenn einst weit flehn für die dir geweihten über alle Sterne, mich, Herr, Seelen. Hilf, daß sie nie irre dein Antlitz wird erfreun! Dann gehn, nie den Weg des Heils schallet dir im Jubelklang der verfehlen. Laß sie, Herr, im Ueberwinder mein Gesang. Leben dein, dein laß sie einst ( M. Heeren, geb. Wolters.) ewig sein. Register des Anhangs. Ach sieh ihn dulden, bluten Ach, wieder ist ein Jahr Amen, Bob und Preis Auf dich, mein Vater, will Auf Erden Wahrheit Auferstanden, auferstanden Auf! stimme du mit frohem Betend nahen wir uns Bei deinem Namen, Bis hieher hat mich Gott Christ! eile nie mit sicherm Da stehen wir, die Deinen, Dank, bester Vater, will Das Jahr ist hingeschwunden Den süßen Schlaf Der hohe Himmel dunkelt Der Mächtige ruft aller Der Mond ist aufgegangen Der weise Schöpfer, deffen Des Todes Graun, des Du, der Menschen Heil und Du Geist vom Vater, komm' Du, Tag des Herrn, sollst Empor, ihr Christen! Jesus Erdentöchter! Erdenjöhne! Erhör, o Gott, das Erscheine meinem Geist Es ist gewiß ein köstlich Ding Es jauchzen schon Fest steht dein Bund Flieg auf, mein Psalm Geist der Andacht, senke du Gott ist mein Schuß Gottes Gnade sei mit euch! Hehr und heilig ist die Heil ihm, dem Todesüberwinder! Herr, dir gelob ich heilge Herr, deines Lebens letzte Hier steh ich unter deinem Ich bin von süßem Immer näher kommt Im Stillen wollen wir In deinem Heiligthume In Gottes Rath ergeben, No. 9 In den Bund der Christenheit 56 st Hoffnung nicht des 20 Laß mir die Feier deiner Laßt dem Tode seinen Raub 25 5 18 2 42 38 6 46 83 59 55 66 16 72 a. b. 45 Preist den Sieger, jauchzt 68 24 Religion, von Gott gegeben 63 Schwer ist's, dann noch 41 Schwer liegt der Trennung Sei heilig mir, o Tag voll Steil und dornicht ist der 23 Sterbend für das Heil 51 Trocknet eures Jammers Web immer Treu' 73 8 12 Mein banges Herz, sei stille! Mit frohem Dank erschein Mit Preis und Ruhm Mitten unter deinen Schmerzen Muthig, muthig, bald Noch sing ich hier aus Ueber aller Himmel Heere Und müßt' ich auch noch Unwiederbringlich schnell 28 Unsterblichkeit! Unsterblichkeit! 61 Versammelt hatte Jeſus 4 Vom Grab, an dem wir wallen 26 88 57 53 Wachet auf! so ruft die Warten ist die Schule Was geboren ist auf Erden, Was in Keines Herz Weiche, Grabesschrecken, Wenn ich vor dich, mein Wer ist's, der mit Himmels Wiedersehn! mit 44 48 Wie lieblich winkt sie mir, Golgatha! zu deinen Hoffnung! Lebenswonne! O Šternennacht, o Silberlicht! 52 19 22 11 34 86 O! daß von meinen Lebenstagen 36 14 27 65 17 1 64 Wie feierlich bist du 62 70 39 50 75 Wie wohl ist mir, wenn No. 43 32 Wir bringen weinend Wir gehn ans Grab Wo ist die Welt, die dich 3aget nicht, wenn 7 85 80 49 29 84 13 31 10 79 67 21 30 58 76 47 3 74 33 371845 77 69 85 60 87 37 78 81 40 35 bunds m Sing appo, dum indiri! Gebete zum Gebrauch für die Privat- und Haus- Andacht und auch beim öffentlichen Gottesdienste. Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. Gebete. 1 Inhalt. 1. Die Gebets- Vorschrift Jesu Chri- 25. Demüthigung nach einem bisheristi, unsers Herrn. 2. Allgemeines Morgen- Gebet. 3. Allgemeines Abend- Gebet. 4. 5. 6. Am Sonntage, des Morgens, um würdige Sonntagsfeier; des Abends, um Frömmigkeit und Tugend überhaupt. Am Montage, des Morgens, um Berufstreue; 29. Nach den sonntäglichen und medgold, bid bin Wochenpredigten, rd sa dn 7. des Abends, Fürbitte für Andere 30. Zu eben dem Gebrauch.sd um treue Erfüllung der Berufspflichten. 31. Im Advent und am Weihnachts1919X Am Dienstage, des Morgens, um zeitliche Wohlfahrt; 8. 9. gen lasterhaften Leben. 26. Beim Bewußtsein mancher Feh10ler und Mängel. 91 est 16. Am Sonnabend, des Morgens, um rechten Gebrauch unseres tur zen und flüchtigen Lebens; 17. des Abends, Bekenntniß der Sünden; Vorsatz zur Besserung; Mittel ihn auszuführen. 27. Beim Genuß des heil. Abendmahls.( Vergl. auch №. 35.) Nach dem Genuß desselben. 28. des Abends, um redliche Ausübung der Pflichten gegen sich selbst. 10. Am Mittwoch, des Morgens, um Liebe des Nächsten; 11. des Abends, um christliches Verhalten im Umgange 2c. 12. Am Donnerstage, des Morgens, 38. um rechtmäßige Gesinnung zc. 13. des Abends, um Vertrauen auf 331 18. Im Wohlstande. 19. Für Nothleidende. 20. Für einen Kranken, der sich seine Krankheit selbst zugezogen. 21. Für einen Kranken redl. Christ. 22. Bei Annäherung des Todes. 23. Für die Umstehenden bei Sterbenden. Gottes Vorsehung insonderheit. 39. 14. Am Freitage, des Morgens, um 40. rechten Gebrauch des Veid. Jesu; 41. 15. des Abends, um Anwendung des Todes Jesu, zur Vorbereitung auf unsern Tod. 24. Nachdenken über das heilige Abendmahl und Selbstprüfung vor dem Genuß desselben. fefte. 32. Am Neujahrstage. Hilded sof 33. Am Feste der Offenbar. Christi und seiner Lehre an die Heiden. In den Gedächtnißtagen des Leidens und des Todes Jesu. Am Osterfeste. 36. Am Feste der Himmelfahrt Jesu. 37. Am Pfingstfeſte. 34. 35. Am Michaelis- und Erntefeste; Dank für die Erhaltung und Beschirmung unseres Lebens. An öffentlichen Bußtagen. In gem. Nöthen u. Trübsalen. In Betstunden und bei andern feierlichen Demüthigungen vor Gott, als beim Wechsel eines Jahres, einer Woche zc. * Bisher gewöhnliche Kirchengebete. 26 42. Nach der Predigt am Sonntag, ist im alten Gebetbuch Mo. 27 43. Ein anderes. 44. In den Montagsbetstunden 3 45. Nach der Wochenpredigt 46. Auf Weihnachten. 47. Am Neujahrstage 30 48. Dank fürs Leiden Christi 49. Auf Ostern 31 32 339 034 50. Auf Himmelfahrt 51. Am Pfingstfeste 35 36 52. Für die Früchte des Landes 41 53. Nach der Ernte 42 54. In gemeinen Nöthen. 74 * Anhang einiger kurzen Gebete. tlndrE disdeld manis chor prupitims 32| stad she Hedluisda si L mods2 natfodroffal neg is avains in poft! Banismspl 1. Die Gebets- Vorschrist Jesu Christi, dhed i 1990 sed gumsu ( os a un stunsers medised duns 100 dai Herrn.ha Can Brigade Bronsons and a Autopred despu ( Matth. 6, 7. 2c.) sobilorinnal and Gro Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern, wie die Heiden, denn sie meinen, sie werden erhöret, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr auch ihnen nicht gleichen. Euer Vater weiß, was ihr bedürft ehe denn ihr ihn bittet. Darum sollt ihr also beten: 18 Unser Vater in dem Himmel, dein Name werde geheiliget; dein Reich komme; dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel; unser täglich Brod gieb uns heute, und vergieb uus unsere Schul den, wie wir unsern Schuldigern vergeben; und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Lebel. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen!" Das heißt in Worten, die in unserer Sprache gewöhnlicher sind, etwa Folgendes: 11 ( Bater unser Aller, die wir Menschen sind, der du über Alles allenthalben regierest, und an Macht, Güte und Weisheit über alle Väter auf Erden unendlich erhaben bist... deine Majestät und Herrlichkeit müsse von uns und unsern Nebenmenschen erkannt, angebetet und verehrt werden;. die Glückseligkeit, die du uns durch den Messias und Weltheiland und seine Religion schenken willst, müsse Allen zu Theil werden;- die Anordnungen und Führungen deiner Vorsehung müſsen von uns auf Erden mit der Demuth, Dankbarkeit und Freude verehrt, und deine Befehle und Gebote müssen, ohne Ausnahme, so aufrichtig, willig, eifrig und beständig ausgeübt werden, als es von den seligen Bewohnern des Himmels geschieht. Das, was zum Unterhalte unsers Leibes und Lebens nöthig und zulänglich ist, gieb uns und Andern heute und täglich; unsere begangenen Sünden, unsre Mängel und Fehler verzeihe uns; strafe uns nicht, wie wir's verdienen, sondern sei uns gnädig, so wie wir unsern Feinden und denen, die uns beleidiget haben, verzeihen, ihre Beleidigungen vergessen, ihnen weder Böses wünschen, noch vergelten, sondern vielmehr wohlthun wollen; bewahre uns vor allen zu großen Nöthen und Trübsalen und vor allen zu starken und gefährlichen Reizungen zur Sünde, errette uns vielmehr von Allem, was uns schädlich ist; befreie uns von der Sünde. dem größten Übel und der Quelle des so mannigfaltigen Elends und bringe uns nach dem Tode zur ewigen Seligkeit, denn unsere und der ganzen Welt Schicksale stehen unter deiner weisen und gütigen Regierung. Du haft die Macht, unsre Bitten zu erfüllen und noch überschwenglich mehr zu geben, als wir gebeten; deine Macht und Güte nimmt kein Ende; du kannst und willst uns ewig beglücken und jegnen. Amen! es geschehe uns so; ja mit größter Zuversicht erwarten wir alles Gute von dir, unjerm Vater.) 1* Morgen- und Abend- Andachten. ( Ich habe euch aber, nicht ohne Ursache, befohlen zu sagen: gleich wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.) Denn so ihr den Menschen ihre Fehler vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. So ihr aber den Menschen ihre Fehler nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben. 4 2. Allgemeines Morgen- Gebet. Unendlich gütiger Gott! wir danken dir herzlich, daß du uns in der vergangenen Nacht Ruhe und Erquickung geschenkt, uns vor Unglück bewahrt und bis auf diesen Augenblick gesund erhalten haft. Unser Dasein, unsere Kräfte, unser Leben, alles Wohlsein an Leib und Seele haben wir deiner Güte zu danken. Wie glücklich sind wir, daß wir als Christen erwachen, daß wir dich durch die Gnade Jesu Christi, unsers Heilandes, erkennen, daß wir wissen, warum wir auf der Welt leben, vie wir im Glauben an seinen Namen deine Vaterhuld genießen, heilig und fromm leben und einst ewig selig werden mögen! Du weißt, allwissender Gott, ob diese große Sache uns recht am Herzen liege. Ach, mache sie uns recht wichtig, und gieb, daß wir auch an diesem Tage durch unser Wohlverhalten nach deinem Willen eine gesegnete Aussaat für die Ewigkeit thun. Gieb uns Muth und Stärke, alle bösen Begierden, die in uns aufsteigen möchten, zu unterdrücken, und uns besonders vor den Sünden sorgfältig zu hüten, wozu wir am meisten geneigt sind, damit wir durch Sünde weder unsere eigene Seele verletzen, noch Andern ein Ärgerniß geben, oder sie zum Bösen reizen und verführen. Gieb uns Luft und Vermögen, heute recht viel Gutes zu thun. Laß uns wachen und beten; laß uns in Allem, was wir denken, reden und thun, auf deinen Willen und das Beispiel und Muster unsers Heilandes Jesu Christi, sehen, damit wir gegen alle Menschen liebreich, mit den Elenden mitleidig; gegen die Armen, nach unserm Vermögen, wohlthätig; gegen die, welche uns Gutes thun, dankbar, und gegen die, die uns beleidigen, sanftmüthig und versöhnlich sein mögen. Gieb deinen Segen zu unsern Geschäften; laß uns die Pflichten unsers Berufs treu und gewissenhaft verrichten, und immer daran denken, daß wir nicht den Menschen nur dienen, sondern dir, und auch bei unsern Arbeiten allezeit vor deinen Augen sind. Bewahre uns an diesem Tage vor Gefahr, Unglück und Leiden; und wenn dergleichen über uns kommen sollten, so schenke uns Geduld, Muth und Standhaftigkeit und Hülfe, und mache uns bereitwillig durch gegenseitige Liebe und Mitleiden Einer des Andern Laft zu erleichtern und zu tragen. Laß uns auch in Allem auf deine Vorsehung vertrauen und die Flüchtigkeit unsers ungewissen Lebens stets wohl erwägen. Erbarme dich aller Menschen, breite Wahrheit und Frömmigkeit cinsila 5 Morgen- und Abend- Andachten. immer mehr auf dem Erdboden aus, und laß das Heil deines Sohns auch denen kund werden, die es noch nicht kennen. Gedenke in Gnaden aller Armen und Verlassenen, aller Traurigen und Bedrückten, aller Schwachen und Kranken. Erhöre unser und alles andere gläubige Gebet, welches heute zu dir gethan wird, um Jesu Christi, deines Sohnes, estilte unsers Amen! 19090)= 1900 nd ni am: 13. Allgemeines Abend- Gebet. Herr, unser Gott, du unerschöpfliche Quelle alles Guten! wir danken dir für alles Gute, das du heute an uns gethan hast. Du hast uns beim Leben erhalten. Du hast es uns nicht an der nöthigen Nahrung, nicht an Kleidern, nicht an einem sichern Ort des Aufenthalts fehlen lassen. Du hast uns vor schweren Krankheiten, Schmerzen, Gefahr und Elend behütet. Du hast uns Kräfte und Gelegenheit geschenkt, weiser, besser und glücklicher zu werden. Und wer kann die Wohlthaten alle zählen, die wir täglich genießen? Laß uns dabei nicht unempfindlich und gleichgültig bleiben, weil wir sie täglich genießen. Laß uns zu dem Ende lebhaft empfinden, wie übel wir daran wären, wenn wir dieser deiner täglichen Wohlthaten auch nur einen Tag entbehren müßten. Laß uns unsere Unwürdigkeit erkennen, und wohl erwägen, daß wir keine einzige dieser Wohlthaten durch unser Verdienst, sondern durch deine Gnade empfangen. Ja auch an diesem Tage waren wir deiner Gnade und Erbarmung nicht werth. Auch an diesem Tage haben wir Gutes unterlassen und Fehltritte und Sünde begangen. Ach, allwissender und heiliger Gott, gieb uns doch recht lebhaft zu erkennen Alles, was dir heute an uns mißfällig gewesen, und laß uns deine unverdiente Güte und unsere Strafwürdigkeit so stark empfinden, daß wir alle unsre Abweichungen und Sünden schmerzhaft bereuen und den ernstlichen Vorsatz fassen mögen, künftig unter dem Beistande deines Geistes frömmer und rechtschaffener vor dir zu wandeln. Dann aber verzeihe uns auch alle unsere Übertretungen durch Jesum Chriftum, unsern Heiland, und befreie uns von allem ütbel, welches sonst auf unsre Sünden in Zeit und Ewigkeit folgen müßte. Du gönnst uns, barmherziger Vater, die Nacht zur Ruhe und Erquichung. Wir nehmen diese Wohlthat mit findlichem Herzen aus deiner Baterhand an. Wache durch deine gütige Vorsehung über uns, wenn wir schlafen; bewahre unsern Odem, der in deiner Hand ist, und wende alle Schrecken und alles Unglück von uns ab. Laß uns morgen gesund wieder erwachen, die mit neuen Kräften dienen, und der ewigen Seligkeit mit neuem Eifer entgegeneilen. Verhüte, o allgegenwärtiger, allmächtiger Gott, diese Nacht allent Morgen- und Abend- Andachten. halben Unglück und Sünden. Zerstöre den Rath der Bosheit und die Unternehmungen der Frevler. Laß Alle, die ihre Laster mit der Nacht decken wollen, von dem Gedanken an deine Alwissenheit und Allgegenwart ergriffen und von der Sünde abgeschreckt werden, am n Erbarme dich in dieser Nacht aller Menschen, insbesondere aller Elenden, Hülflosen, Verlassenen, Kranken und Sterbenden. Laß Alle, einen Jeden nach seinen Umständen und Bedürfnissen erfahren, daß du der treue Vater der Menschen seist, und Jesus Christus ein Erbarmer und Freund aller Hülfsbedürftigen, die sich zu ihm nahen. Erhöre uns um dieses unsers Erlösers willen, Amen! nout this one m8 89 schoill nsonsamo fistpim 6 en jy 114 In 4. Am Sonntage, des Morgens... Gott, mein Vater! mit Freude und Dank erscheine ich jetzt vor deinem Angesicht. Mit dem demüthigsten Danke preise ich dich für den mannichfaltigen Segen, den du über mich und die Meinigen in der vorigen Woche ausgeschüttet haft; für den Schutz, den du uns in der abgewichenen Nacht angedeihen lassen; für die Ruhe, durch welche wir erquickt worden. Ich freue mich herzlich, daß du mich diesen Tag wieder erleben läßt, der zu deiner feierlichen Verehrung besonders bestimmt ist. O wie glücklich bin ich, daß ich mich heute frei von irdischen Geschäften und Sorgen, in deinem Hause mit meinen Nebenchristen versammeln kann; daß ich da über Alles, woran mir am meisten gelegen ist, mit stillem Geiste nachdenken, mich von deinem Willen unterrichten, mich im Glauben an dich und deinen Sohn Jesum stärken, mich deiner Wohlthaten und der Hoffnung der seligen Unsterblichkeit freuen und so meinen Geist nähren und zu einem bessern höhern Leben vorbereiten kann. Dank sei es deiner weisen väterlichen Güte, die diese Veranstaltungen getroffen els es d und uns bis auf diesen Tag in dem Genusse derselben erhalten hat. Aber, ach Gott, vergieb es auch mir und Allen, die nach deinem Namen genennet sind, um Christi willen, wenn wir die wohlthätige Veranstaltung zu unserm Unterricht, Besserung und Trost nicht genug geschätzt; wenn wir diesen Tag der Erquickung und des gemeinschaftlichen und öffentlichen Gottesdienstes nicht würdig gebraucht, sondern wohl gar durch sündlichen Mißbrauch entheiligt und verschwendet haben. O laß nicht diesen Sonntag die Anzahl der verlornen, der unnüt und sündlich zugebrachten vermehren; sondern gieb, daß wir ihn ganz deiner Ehre und unserm Heile widmen, und durch einen deinen Absichten gemäßen Gebrauch heiligen mögen. 900150 Bewahre uns, gütiger Gott, daß wir nicht durch unnöthige Geschäfte und unnüße Zerstreuungen den Segen dieses Tages an uns vereiteln. Heilige alle unsere Vergnügungen und Freuden, die uns deine 7 Über die Sonntags- Feier. Freundlichkeit auch im Leiblichen schenket, damit wir immer mehr dadurch zu dir, der Quelle aller Freuden, geführet werden, und laß uns nur solche Ergögungen genießen, die mit Versicherung deiner Gnade genossen werden mögen; nur solche Freuden suchen, welche die Seele aufmuntern, ohne der Frömmigkeit und Tugend nachtheilig zu werden. Die Ruhe, die du uns heute von unsern irdischen Geschäften verstattest, segne zur wahren Erholung unserer Kräfte und zur Sammlung und Richtung unsers Gemüths auf's Ewige. Laß uns die gottesdienstlichen Versammlungen nicht ohne Noth verlassen, sondern sie zur Vermehrung unserer Erkenntniß in der Religion und zum Wachsthum in der Frömmigkeit anwenden. Mache es uns zur Freude, dich, unsern Schöpfer und Vater, mit unsern Brüdern gemeinschaftlich zu loben und anzurufen, und sie durch unser Beispiel zur Liebe und guten Werken zu reizen. Laß uns aber auch in unsern Häusern diesen Tag zu heiligen Handlungen und frommen Übungen anwenden. Und wenn wir dann öffentlich, oder in der Einsamkeit zu dir beten, oder dir und deinem Sohne, Jesu Christo, zu Ehren Loblieder singen, so laß es mit Andacht und Inbrunst geschehen. Wenn wir dein Wort betrachten, oder verfündigen hören, so mache es träftig durch deinen Geist an unsern Herzen, damit wir erleuchtet und überzeugt, gebeffert und gestärkt, ermuntert und getröstet werden mögen. Laß insbesondere den Gedanten von der Auferweckung und Erhöhung deines Sohnes Jesu, an welche uns dieser Tag erinnert, uns im Glauben an seine göttliche Lehre und im Vertrauen auf seine Verheißung befestigen, und zur Nachfolge seines heiligen, wohlthätigen, gemeinnütigen Lebens, das einen so herrlichen Ausgang genommen hat, erwecken, und uns recht himmlische und liebevolle Gesinnungen einflößen. doler Erbarme dich der Verirrten und führe sie auf den Weg der Wahrheit und Seligkeit. Bekehre die Lasterhaften, und gieb, daß heute Viele durch dein Wort gewonnen werden. Stärke die Schwachen im Guten, daß sie immer vollkommner und beständiger werden mögen. Gieb allen Traurigen heute Trost und Freude, und den Kranken Erquickung und Hoffnung. Sorge väterlich für die Bedürfnisse aller deiner Kinder auf Erden. Walte mit deiner Gnade über den Regenten, über alle Obrigkeit, über alle Einwohner dieses Landes und dieses Orts, und laß dir unser Leben und unsre ganze Wohlfahrt heute, auf diese Woche und auf die ganze Zeit unserer hiesigen Pilgrimschaft empfohlen sein, um Jesu Christi willen, Amen! pop matchers spidion 5. Am Sonntage, des Abends. Gütiger Gott! du thuft gerne wohl. Ich weiß es aus tausend Proben, daß du auch an meiner Glückseligkeit arbeitest. Auch in dieser Abend 8 Morgen- und Abend- Andachten. stunde muß mein Blut zu deinem Lobe wallen; denn auch heute habe ich es geschmeckt und gesehen, wie freundlich du bist. Unter deiner Aufsicht bin ich frei von Gefahren und Leiden geblieben. Du haft mir Gesundheit, Nahrung und Freude geschenkt, und, was noch mehr ist, du haft für die Bedürfnisse meines unsterblichen Geistes gesorgt und mir aus deinem Wort Unterricht, Warnung, Aufmunterung und Troft gegeben. Aber wie beschämt werde ich, wenn ich bedenke, wie wenig ich bis her deine gnädige Absicht habe an mir erreichen lassen. Ich hörte oft dein Wort verkündigen, aber die Sorgen und Zerstreuungen dieses Lebens schwächten den Eindruck desselben auf mein Herz. Ich betrachtete dein Wort; aber mehr aus Gewohnheit, als aus dem Triebe, dir wohlzugefallen. Ich betete, ich sang; aber mehr mit den Lippen, als mit der Seele. Ich faßte gute Vorfäße; aber ich versäumte es, sie auszuüben. Ach wie traurig müßte ich nun diesen Tag beschließen, wenn ich nicht hoffen könnte, um Jesu Christi willen Vergebung dieser und aller meiner Sünden zu erlangen. Und darum flehe ich zu dir, o Vater aller Barmherzigkeit, gedenke nicht meiner Sünden, sondern gedenke meiner nach deiner Gnade, die du allen Bußfertigen durch Jesum Christum verheißen hast, und gieb mir Kraft zu einer redlichen Besserung meines Herzens und Wandels. So viele Tage habe ich mich um meiner Sünde willen mit Scham und Reue zu dir nahen müssen. O wie glücklich würde ich sein, wenn ich mich in meinem fünftigen Leben, von dem ich nicht weiß, ob's Tage, Monate oder Jahre dauern werde, nun auch des Guten freuen könnte, was ich durch deine Gnade ausgeübt habe. Und damit ich so glücklich sein möge, so erleuchte und bessere mich durch deinen Geist, daß ich in der Ausrichtung dessen, was du mir befohlen hast, und in der Nachfolge meines Heilandes immer rechtschaffener, treuer und fester werde. Ich bin ein schwaches Geschöpf, das mit vielen Gefahren zu straucheln und zu fallen umringt ist, das ohne dich seine mannichfaltigen Pflichten nicht erfüllen und das herrliche Ziel des Christenthums nicht erreichen kann. Aber du, o Herr, mein Gott haft Weisheit und Stärke allen denen verheißen, die dich darum anrufen, die herzlich wünschen, weiser, besser und frömmer zu werden. Diesen Wunsch, o bester Vater, hast du selbst in meine Seele gelegt; du hast mir das Wollen gegeben. Gieb mir nun auch das Vollbringen, damit ich den Weg vollenden möge, der nach der Anweisung deines Sohnes, meines Heilandes zur wahren Glückseligkeit führt. Hilf mir alle Schwierigkeiten und Hindernisse des Guten, hilf mir alle Reizungen der Welt und meines eigenen Herzens zum Bösen überwinden. Mache mich treu im Gebrauch der Mittel des Unterrichts und der Besserung, die du uns gegeben hast, und laß diesen Gebrauch stets gesegnet sein. rod por std modne med tim 9 Über die christliche Frömmigkeit. Gieb mir die föstlichen Lehren und Verheißungen des Evangefums, die für mich die rechte Quelle des Trostes und die Kraft der Gottseligkeit sind, immer deutlicher und vollständiger zu erkennen. Gieb mir aber auch Lust und Kraft, die Vorschriften und Gebote, die du uns in der Bibel für unsere Gedanken, Reden und Thaten gegeben, immer richtiger zu lernen und williger und treuer auszurichten; dir, meinem himmlischen Vater, immer ähnlicher zu werden, und mein Herz und meinen Wandel immer mehr nach dem Herzen und Wandel Jesu, des Sohnes deines Wohlgefallens und meines Erlösers, zu bilden. Laß es mein eifrigstes Bestreben sein, Alles, was böse ist, zu verabscheun und zu fliehen, und alles Gute zu lieben und zu thun; und zwar zu allen Zeiten, an allen Orten, unter allen Umständen; in der Welt, wie in der Kirche; bei meinen Geschäften und Vergnügungen, wie bei meinen Andachts- Übungen; im Geräusch des Lebens, wie in der Stille der Einjamkeit. Laß es mein tägliches, liebstes Geschäft sein, auf dich, das erste, größte und beste aller Wesen, stets zu sehen, dich, meinen Schöpfer und Herrn, meinen Vater und Wohlthäter, über Alles zu lieben, dir zu gehorchen, auf dich zu vertrauen, und mit deinen Schickungen zufrieden zu sein. Laß mich immer besser einsehen, wie genau Gottesdienst und Christenthum mit den ordentlichen Berufspflichten und den Werken der Menschenliebe zusammenhangen, damit ich nicht die bloßen AndachtsÜbungen für den höchsten Theil meiner Pflichten ansehe und darüber die Pflichten gegen mich und meinen Nächsten versäume. Laß mich vielmehr mein ganzes Leben zum Gottesdienste machen, und Alles, was ich thue, aus dankbarer Liebe und Gehorsam gegen dich und meinen Erlöser thun, und so thun, wie es deinen Geboten und deinem Muster gemäß ist, und wie Jesus es gethan hätte, wenn er an meiner Stelle und in meinen Umständen gewesen wäre. Gieb mir Vorsichtigkeit, nie meiner Bestimmung zuwider zu handeln, nie meinen Verstand zu schwächen, nie meine Gesundheit und mein zeitliches Glück zu zerrütten. Gieb mir die Klugheit, die von den zeitlichen Gütern und sinnlichen Freuden dieses Lebens einen mäßigen Gebrauch macht, um nicht von ihnen gefesselt zu werden, oder bei dem Gewinn des Irdischen ewige und bessere Güter einzubüßen. Gieb mir einen wahren christlichen Heldenmuth, der die liebsten Lüste überwindet, der ein gutes Gewissen höher achtet, als Königreiche und Goldgruben, der Alles, auch das Leben selbst, für Wahrheit und Tugend aufopfert, der die Widerwärtigkeiten dieses Lebens mit Geduld und Unterwerfung unter deinen Willen erduldet. Gieb mir Lust und Kraft, als Bürger dieser Welt und als Erbe des Himmels, für mein zeitliches und ewiges Glück zu arbeiten. Laß mich aber auch nicht eigennütig für mich allein leben; laß mich meinen Freunden, meinen Mitbürgern, meinem Vaterlande, ja allen Menschen gern dienen mit den Gaben, die ich von dir empfangen habe. Laß keinen niedrigen Morgen- und Abend- Andachten. Eigennut, keinen Neid, keinen Haß sich in meinem Herzen festsetzen, sondern gieb, daß ich alle meine Nebenmenschen aufrichtig lieben, ihren Mangel und Kummer mitleidig ansehen, ihm nach Vermögen abhelfen, ihre Freude und Glück vermehren, und so meinem Heilande, der umherging und wohlthat, und deiner höchsten Güte nachahmen möge, die die Sonne scheinen läßt über Böse und Gute, und reg nen läßt über Gerechte und Ungerechte.snapmn thisllsid zint hid Erhöre dies Gebet, o barmherziger Gott, daß ich in der wichtigsten Angelegenheit meines Lebens vor dich bringe. Laß mich deiner Vatertreue empfohlen sein, da ich mich jetzt zum Schlafe niederlegen will. Beschütze, erquicke und segne mich; beschütze, erquicke und segne alle meine Geliebten, alle meine Mitchristen. Jegt in dieser Abendstunde steigen so viele tausend Lobgesänge, Thränen und Gebete von Glücklichen und Unglücklichen, Frommen und Sündern, Kranken und Gesunden zu deinem Throne empor. Siehe gnädig auf alle cab, die zu dir rufen, o allgegenwärtiger, allmächtiger, gütiger Vater, durch Jesum Christum, unsern Heiland, Amen! dishgitchersgall hurdammoist gift 6. Am Montage, des Morgens. Redach osil susd Herr, du Urheber und Erhalter unsers Lebens! durch den wir sind, leben und uns bewegen, von ganzem Herzen danke ich dir, daß du mich, die lieben Meinigen und so viel tausend meiner Brüder und Schwestern, die ich kenne und nicht kenne, in dieser Nacht so gnädig erhalten, vor Unglück bewahret und uns aufs neue deine väterliche Güte und Treue hast empfinden lassen. Auch zu diesem angefangenen Tage brauche ich nun deinen Beistand und Segen. Ich komme daher in dieser Morgenstunde zu dir, wie ein Kind zu seinem Vater, und suche in Demuth, aber auch mit einem Herzen voll Vertrauen das bei dir, was ich mir selbst zu geben nicht bermag. prophall Buvörderst bitte ich um deine Gnade, die mir mehr werth ist, als alle Güter der Welt. Und da ich gestehen muß, daß ich meiner Sünden und Fehler wegen keine Gnade von dir verdient habe, so bitte ich desto mehr, vergieb mir alle meine Sünden um Jesu Christi, meines Versöhners und Mittlers willen. Schenke mir aber auch deinen heiligen Geist, daß ich von nun an aus Dankbarkeit gegen dich die Sünden meiden, Gutes thun und mein ganzes Leben so einrichten möge, damit du durch alle meine Worte und Werke gepriesen werdest.se Insonderheit gieb mir Gnade, daß ich die Pflichten, die mein Beruf, mein Stand, meine Lebensart von mit fordern, gewissenhaft ausrichte, und die Stelle, die du mir in deiner Welt angewiesen hast, würdig behaupte. Lehre mich meine Zeit, die Kräfte und Munterfeit meines Leibes und Gemüths, den 10 11 Arbeitsamkeit und Berufstreue. fröhlichen Gebrauch meiner Augen und andern Sinne, meine Vernunft und Sprache und alle andere Gaben, die du mir auch heute schenkest, so anwenden und gebrauchen, wie es dir gefällig, deinen Absichten gemäß und zu meinem und meiner Nebenmenschen Wohl dienlich ist; Gieb, daß ich allen Müßiggang, Trägheit und Untreue fliehe, daß ich die nöthigen Berufsgeschäfte allen andern Beschäftigungen vorziehe, die mir vielleicht angenehmer und mehr zum Vergnügen sein möchten; daß ich sie mit Fleiß und Emsigkeit, zu rechter Zeit und mit redlicher Treue, fo gut als möglich ist, ausrichte. Gieb, daß ich das, was du mir in der häuslichen und bürgerlichen Gesellschaft zu thun befohlen baft, mit unverdroffener Willigkeit thue; denn wer deinen Willen thut, der verehret dich, und wer seinem Nächsten dienet, der dienet dir, o Gott, in deinen Kindern. Laß mich bei meinen Berufsgeschäften nicht bloß auf meinen, sondern auch auf meines Nächsten Nußen sehen, und sie stets so wahrnehmen, daß ich dabei ein gutes Gewissen bewahren und mich deines Wohlgefallens getrösten dürfe. Laß mich alle Ungerechtigkeit, und alle die kleinen und größern Betrügereien sorgfältig meiden, wodurch ich mich bereichern, meinen Brüdern hingegen Schaden thun und mein Gewissen beflecken würde. Laß mich die güldene Regel nie außer den Augen setzen: Wie ihr wollet, daß euch die Leute thun, aljo thut ihr auch ihnen. Laß mich nie vergessen, daß ich stets und überall in deiner Gegenwart sei und dir dereinst von Allem Rechenschaft geben müsse. Laß mich fleißig und treu sein in meinem Beruf, nicht um von Andern gesehen und gerühmt zu werden, sondern in der edlen Absicht, dir zu gefallen, dir zu gehorchen und durch einen guten Gebrauch meiner Gaben und Kräfte mir und Andern nüglich zu werden; daß so mein ganzes Leben ein beständiger Gottesdienst sein möge. Dann aber lehre mich auch, o bester Vater, mit kindlichem Vertrauen auf deinen Segen arbeiten, und den Fort- und Ausgang meiner Geschäfte ohne ängstliche Sorgen und rastloſe Bestrebungen deiner gütigen und weisen Vorsehung zuversichtlich überlassen. for and dum undulion dol sd 1st sllp Bip bat dan menti dog insidrad vid nod sdnn shiel nopaus Gehen meine Geschäfte glücklich von statten, bringen sie mir Vortheil, Ehre und Freude, oder befördern sie das Beste meiner Brüder, so laß mich nie vergessen, daß ich ohne deinen Segen nichts vermag, damit ich nicht eitel und stolz oder undankbar werde. Laß mich aber auch jeden Segen und jede Freude, die mir auf dem Wege durch dies Leben begegnet, ganz und innig genießen, darin deine Baterliebe schmecken, mich über dich freuen, und durch solche Freude meine Dankbarkeit und Gehorsam gegen dich stärken.- Scheint meine Arbeit vergeblich zu sein, wird sie nicht erkannt oder belohnt, genießen Andere die Früchte und den Nutzen von dem, was ich gethan habe: so bewahre mich, daß ich 12 Morgen- und Abend- Andachten. nicht unzufrieden, muthlos und neidisch werde, sondern mich dadurch beruhige, daß ich meine Pflicht gethan, und daß unter deiner Aufsicht nichts Gutes verloren gehe oder unbelohnt bleiben fann. Kommt mir die Stelle, die ich bekleide, der Beruf, den ich treibe, die Lebensart, die ich führe, zu niedrig und beschwerlich vor, so laß mich nie vergessen, daß du nach deiner weisen Regierung mir diesen Posten angewiesen, und daß ein christliches Verhalten jeden Beruf wichtig und edel, und jede Lebensart, wenn sie nur rechtmäßig ist, nüzlich und angenehm mache.- Werde ich in meinen Berufsgeschäften gestört oder durch Pflicht der Menschenliebe und Gefälligkeit davon abgerufen, so laß mich nie dadurch zur Ungeduld und zu einem mürrischen Wesen verleitet werden, mache mich vielmehr dienstfertig, und willig, meinen lieben Nebenmenschen mit meinem Vermögen und mit meinem Rath gern zu helfen, sie zu unterstüßen und durch freundschaftlichen Umgang mit ihnen zu erfreuen, zu belehren und zu bessern. - nisin igat Und damit ich bei Verrichtung meiner Geschäfte so gesinnet ſein und handeln möge, so laß mich bedenken, daß der treue Gebrauch unsrer Zeit und Kräfte der beste Dank sei, den wir dir für diese Geschenke deiner Hand bringen können; daß wir durch gemeinnützige Geschäftigkeit die Ehre erlangen, dir ähnlich zu werden, und Nachfolger unsers Heilandes zu sein; daß wir zur Arbeit erschaffen, und dazu auch erlöset sind, um fleißig zu sein in guten Werken; daß der menschenfreundliche Gebrauch unserer Gaben und Güter die beste Vorbereitung sei zum Tode und zur Ewigkeit; daß die Treue im Geringen einst herrlich belohnt, hingegen die Unterlassung des uns möglichen Guten mit dem Verlust der göttlichen Gnade und der ewigen Seligkeit bestraft werden soll; daß es Lieblosigkeit und Ungerechtigkeit gegen unsere Nächsten sei, nichts zu thun, da sich doch so viele Andere für uns beschäftigen; daß Gott endlich bei der Verordnung eines arbeitsamen Lebens nicht die Absicht gehabt, uns ein schweres Joch aufzulegen, sondern vielmehr die Gesundheit unsers Leibes und die Ruhe der Seelen, besonders in den Tagen des Kummers und der Trübsale, zu befördern, uns vor Sünden und Thors heiten zu bewahren, uns die Besiegung unordentlicher Begierden zu erleichtern, und uns mit mannichfachem Segen zu erquicken. Laß mich dies täglich erwägen, und darum meine Geschäfte mit Gebet anfangen, auch unter demselben oft mein Herz zu dir erheben, damit mir meine Pflichten nebst den großen Bewegungsgründen dazu zu rechter Zeit einfallen und mich zu vielen guten Thaten erwecken und geschickt machen mögen. Erhöre mich, gütigfter Vater, und schaffe selbst in mir, was dir wohlgefällt, durch unsern Herrn Jesum Christum, Amen! proiff 100 13 od Allgemeine Fürbitte. 7. Am Montage, des Abends. Beim Schluß dieses Tages erscheine ich vor dir, mein gütiger Vater, und bringe dir meinen Dank für alle die Wohlthaten, die du mir an demselben erzeigt hast. Du hast mein Leben und meine Gesundheit erhalten, mir Speise, Trank und Freuden beschert, und auch für meine übrigen Bedürfnisse treulich gesorgt. Unter deinem Beistande habe ich meine Berufsgeschäfte treiben können, und deinem Segen verdante ich's allein, wenn sie glücklich gerathen sind. Ja alles Gute, was mir widerfahren ist, es sei groß oder klein, ist ein Geschenk deiner Hand, dessen ich nicht werth bin. Denn auch an diesem Tage habe ich auf mancherlei Weise wider dich gesündiget und lange nicht Alles so gethan, was und wie ich es zu thun schuldig war. Vergieb es mir um Jesu willen, und laß mich immer besser und frömmer werden, immer mehr nach deinem Willen leben und als ein Christ in die Fußstapfen meines Erlösers treten. Diesen besten Dank für deine Wohlthaten wollte ich dir gern immer völliger bringen. Unterstütze mich dazu mit dem fräftigen Beistande deines heiligen Geistes. Sei dann auch, gütiger Gott, in dieser Nacht mein Schutz und mein Erretter. Wende die Gefahren ab, die mich bei der nächtlichen Finsterniß umgeben, daß sich kein Unfall meiner Hütte nahe und kein Bösewicht meine Ruhe unterbreche. Ist es deinem heiligen Rathe nicht zuwider, so erhalte mein Leben und verlängere meine Gnadenzeit. Mache mich aber auch willig und gefaßt, mich bei allen widrigen Verhängnissen deinem väterlichen Willen zu unterwerfen.alvodicty Gott, du bist unser und aller Menschen Gott und Vater. Du willst, daß wir alle für einander sorgen und beten sollen. Verherrliche deine Güte an allen Menschen auf dem Erdboden. Thue wohl unserm Landesherrn und allen Obrigkeiten. Beschirme den Ort, dessen Einwohner ich bin, und wache über meine Hausgenossen und Angehörigen, über meine Freunde und Feinde. Laß Allen die Gnade widerfahren, um welche ich dich an dem Morgen dieses Tages für mich selbst bat: Mache sie gewissenhaft und treu in ihrem Beruf und erleichtere ihnen durch deinen Beistand die Erfüllung der Pflichten desselben. Erinnere die Könige, Fürsten und Hohen dieser Erde an ihre hohe Bestimmung, Freunde und Väter ihres Volts und ihrer Unterthanen zu sein. Laß sie darin ihre Ehre setzen und ihr Vergnügen suchen, daß sie, gleich dir, dem Bösen steuern, das Gute befördern, die Unschuld schüßen, und ihre Untergebenen als ihre Kinder und Freunde mit Gerechtigkeit, Billigkeit und Liebe regieren. Erinnere die Unterthanen, daß sie ihre Obrigkeiten als ihre Herren und Wohlthäter ehren und lieben, ihnen gehorchen, die Abgaben, die 14 Morgen- und Abend- Andachten. sie zum gemeinen Besten geben sollen, willig und gewissenhaft bezahlen und Gott für sie bitten, damit wir ein geruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Arhipnk noo Laß die Lehrer der Religion und des Christenthums die Würde und Seligkeit ihres Berufs stets empfinden, und keine Gabe, feine Mittel, teine Gelegenheit ungebraucht lassen, ihre Zuhörer zu unterrichten, zu bessern, zu trösten und zu beruhigen, sie zu deiner und deines Sohnes Jesu Erkenntniß und dadurch auf den Weg der seligen Unsterblichkeit zu führen. Laß aber auch die Zuhörer ihre Lehrer ehren und lieben, auf ihre Lehren aufmerksam sein, ihnen, insofern sie dein Wort vortragen, ge horchen und folgen, für sie beten, für ihren anständigen Unterhalt sorgen, und gern mittheilen allerlei Gutes denen, die sie unterrichten. Mache die Eheleute durch deinen Geist geneigt und willig, ihr heiliges Versprechen zu erfüllen, daß sie sich bis an ihren Tod vorzüglich und mit beständiger Treue lieben, ehren, versorgen und einander glücklich und vergnügt machen wollen. sid yn? Laß die Eltern es zu ihrem täglichen und wichtigsten Geschäfte machen, ihre Kinder christlich zu erziehen, ihnen Erkenntniß und Liebe der Religion, Gehorsam, Menschenliebe und Tugend einzuprägen, und sie zu Zierden ihrer Familien, zu nützlichen und würdigen Menschen, und zu Erben der ewigen Seligkeit zu bilden. Flöße den Kindern Ehrerbietung, dankbare Liebe und Gehorsam gegen die Eltern und Vorgesetzten ein. Laß sie alles Gute, wodurch sie fromm, glücklich und der Welt brauchbar werden können, mit Eifer lernen. Befreie ihre Herzen von aller Bosheit und Rachsucht, und laß sie alle Lügen, Falschheit, Betrug und Verleumdung als die ärgste Schande fliehen. Mache ihr Herz mitleidig gegen Arme und Traurige, und mache ihnen das Wohlthun zur Freude. Laß sie mit den Jahren so wie an Alter also auch an Gnade bei dir und den Menschen zunehmen. Präge ihren Gemüthern eine stets dankbare Erinnerung gegen ihre Eltern, Lehrer, Freunde und Wohlthäter ein, damit sie sich bemühen mögen, ihnen Freude zu machen, ihnen zu helfen, wo sie können, sie im Alter zu verpflegen und ihre Wohlthaten zu vergelten; denn das ist wohlgethan und angenehm vor dir. dod idstrs dalag thi Erinnere die Häupter und Herrschaften eines jeden Hauses, daß auch sie ihren Herrn im Himmel haben, bei dem kein Ansehen der Person ist, damit sie gegen ihre Dienstboten Gerechtigkeit, Billigkeit und Sanftmuth beweisen und das Glück und Vergnügen derer gern befördern, die ihnen dienen; präge aber auch allen Dienstboten und Tagelöhnern Gottesfurcht und Tugend ins Herz, als die Grundlage aller Redlichkeit und Treue. Lehre sie, daß gewissenhafte Treue in der Abwartung ihrer Arbeiten ein Haupttheil ihres christlichen Gottesdienstes sei, daß 15 oth Allgemeine Fürbitte prat Aufrichtigkeit und Fleiß, Folgsamkeit und Bescheidenheit, Keuschheit und Ehrbarkeit ihre Ehre, hingegen Lügen, Betrug und Faulheit, Grobheit und Widerspenstigkeit, Unteuschheit und wüstes Leben ihre wahre Schande sei. Erfülle sie daher mit Abscheu gegen diese und alle übrigen laster und mit Liebe zu allen Tugenden, damit auch sie dir wohlgefallen in Chrifto und der Belohnungen in deinem Reiche fähig sein mögen. Gütiger, himmlischer Vater, du hast uns Alle berufen einander zu dienen, Einer des Andern Wohlfahrt zu befördern; gieb doch, daß der, welcher Andere an Einsicht, Weisheit und Erfahrung übertrifft, seine Vorzüglichkeit zum gemeinen Besten anwende, und seinen Nebenmenhen neue Quellen des Fleißes öffne. Laß die Alten den Jungen gute Beispiele und Rath geben, und diese ihren Ermahnungen und gutem Erempel folgen. Laß den Reichen auf seinen Reichthum nicht stolz sein, jein Herz nicht daran hängen, sondern ihn zum Wohlthun anwenden; laß den Niedrigen und Armen seine Armuth durch Rechtschaffenheit, Demuth, Arbeitsamkeit, Geduld und Mäßigkeit achtungswürdig mache Laß die Gefunden ihre Zeit und Kräfte wohl nügen, und nichts von dem, was sie jetzt thun können, auf die ungewisse Zukunft verschieben. Laß die Kranken für die Wiederherstellung ihrer Gesundheit sorgen, sich deinem Willen mit kindlicher Gelassenheit unterwerfen. ihr Haus in Absicht auf das Irdische bestellen, sich näher auf die Ewigkeit vorbereiten; und wenn sie diese Welt verlassen sollten, so gieb, daß sie dieſelbe mit christlichen Gesinnungen verlassen, und erleichtere ihnen den Ausgang aus derselben durch die Hoffnung eines bessern, ewigen Lebens. So lehre uns alle, o Gott, deinen Willen thun, und unserm Beruf gemäß leben, um deines Sohnes, Jesu Chrifti, willen, und durch den Beistand des heiligen Geistes, Amen! n 8. Am Dienstage, des Morgens. quo alla Deine Güte, o Gott, mein Vater, ist alle Morgen neu, und deine Barmherzigkeit währet für und für. Das erkennet mein Herz mit froher dankbarer Empfindung in der Stille, und eben das soll mein Mund bei aller Gelegenheit laut vor Andern bekennen und rühmen. Der Tag, den ich wieder gesund erlebt habe, ist ein neuer Beweis deiner Treue und Güte. Behre mich nun die Weisheit, meine Lebenstage recht anzuwenden, durch Glauben und Gottseligkeit mich auf den Himmel vorzubereiten, dir und meinen Nebenmenschen zu dienen, und durch Alles, was ich denke, rede oder thue, deine Ehre zu befördern. Meine irdischen Schicksale ordne du, o Herr, nach deiner Weisheit und Güte. more si gh Ich will mit dir reden, wie ein Kind mit seinem Vater spricht; ich will dir sagen, was sich mein Herz in Absicht meines 16 Morgen- und Abend- Andachten. zeitlichen Glücks von dir wünscht. Aber ich will dir nicht vorschreiben, was du thun sollst. Ich will es deinem väterlichen Rath überlassen, in wiefern du meine Bitte erfüllen willst. Erhalte mir vor allen Dingen den Gebrauch meiner Vernunft, ſo lange ich auf Erden leben soll. Durch sie bin ich ein Mensch; durch sie bin ich fähig, dich, meinen Schöpfer, zu erkennen, Jrrthum und Wahrheit, Gutes und Böses zu unterscheiden, die Pflichten meines Berufs und der Menschenliebe zu erfüllen. Sehr traurig und unglücklich ist der Zustand derer, die des Gebrauchs ihres Verstandes beraubt werden. Ach bewahre mich doch vor solchen Zufällen des Alters und der Krankheit, die mich entweder ganz, oder zum Theil diesen Unglücklichen gleich machen könnten. Setze mich dagegen nach deiner Güte in solche Umstände, daß ich immer vernünftiger denken und Handeln lerne, bis ich einmal nach vollendeter Prüfungszeit in Gesellschaft aller vernünftigen, seligen Geister die Wunder deiner Weisheit, Macht und Güte vollkommner erkennen und unaufhörlich preisen kann. Die Gesundheit des Leibes ist nächst einer gesunden Vernunft unter allen irdischen Gütern das vorzüglichste. Ohne sie kann ich weder zu meiner eigenen Wohlfahrt noch zum Besten meines Nächsten recht thätig sein. So erhalte mir denn dies, von den meisten unerkannte Gnadengeschenk. Und ob ich gleich als ein sterblicher Mensch zu viel begehren würde, wenn ich einen ununterbrochenen Gesundheitszustand begehren wollte: so bitte ich doch, wenn's dir gefällt, be wahre mich vor solchen Krankheiten, die meine Gesundheit auf immer zerrütten, und vor solchen Zufällen, die mich außer Stand setzen, meinen Beruf und meine Pflicht abzuwarten. Große Reichthümer und Überfluß an Geld und Gut begehre ich nicht von dir. Das größte Vermögen ist ohne deinen Segen bald zer streut und verloren; und Niemand lebt davon( Niemand ist um deß willen allein glücklich), daß er viele Güter hat. Doch darum bitte ich, mein Vater, behüte mich vor drückenden Nahrungssorgen. Beschere mir so viel, daß ich meine nothwendigen Bedürfnisse bestreiten und auch Anderen in der Zeit der Noth beistehen kann. Bewahre mich, daß ich niemals in Versuchung falle, durch List und Ungerechtigkeit mein Brod zu suchen, oder, vom Hunger gezwungen, meine Hand nach fremdem Gut auszustrecken. Mache mich sparsam und fleißig, segne meine Arbeiten und mein Vermögen, daß ich weit damit reiche. Erwecke mir aber auch Wohlthäter, wenn ich sie nöthig habe. Allgemeinen Beifall und den Glanz der äußerlichen Ehre verlange ich auch nicht. Schenke mir nur Kräfte, Drittel und Gelegenheit, immer vollkommener und tugendhafter und mir selbst und Andern nüßlich zu werden, daß ich der Achtung der Rechtschaffenen würdig sein und vor Gebet um zeitliche Wohlfahrt. allen Dingen das Zeugniß eines guten Gewissens und die Versicherung deines Beifalls haben möge. 17 Laß in meinem Hause Liebe, Eintracht, Rechtschaffenheit und Gottesfurcht wohnen, damit ich in seinem stillen Schoße die Freuden des häuslichen Lebens genießen möge. Schenkst du mir Kinder, so schenke mir auch Freude an ihnen. Erheitere mein Leben durch das Glück der Freundschaft, und laß mir wenigstens einige redliche Freunde übrig bleiben, mit denen ich meine Freuden, Widerwärtigkeiten und Leiden theilen und auf deren Treue ich mich verlassen kann. Um ein hohes Alter will ich nicht bitten, denn ich weiß auch hierin nicht, was mir nützlich ist. Willst du mich aber so lange leben lassen, daß ich nicht nur für das Glück der Meinigen besser sorgen, sondern auch mich selbst zur Ewigkeit mehr zubereiten kann, so werde ich dir mit kindlichem Herzen dafür danken. Sei du nur, wenn ich alt und grau werden joll, meine Stüße; mindere mir die Lasten des Alters und hilf sie tragen. Dir sei es heimgestellt, wie, wann und wo ich sterben soll. Bewahre mich nur vor einer schrecklichen Todesart und gieb mir ein sanftes, vernünftiges und seliges Ende. So überlasse ich findlich und zuversichtlich deiner weisen Regierung das ganze Glück meines Lebens. So viele Tage habe ich schon zurückgelegt, worin du für mich väterlich gesorgt hast. Du wirst auch ferner an mich denken und alle meine irdischen Angelegenheiten so ordnen, daß mein wahres Glück dadurch befördert werde. Du hast mir ja deinen Sohn zum Erlöser und Seligmacher geschenkt. Wie solltest du mir mit ihm nicht Alles schenken, was mir nüßlich und heilsam ist? Nun Herr, mein Gott, deine Gnade ſei mit mir, mit den Meinigen und allen Menschen. Sie segne, stärke und leite uns Alle bis zum ewigen Leben, durch Jesum Christum, Amen! 9. Um Dienstage, des Abends. Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen; des Morgens deine Gnade, des Abends deine Wahrheit, deine Treue und Güte verkündigen. O wie freue ich mich, daß auch ich mit fröhlichem Munde dich jest loben darf! Deiner Wohlthaten sind mehr, als ich sie zählen kann. Wenn ich nur bei diesem einzigen Tage stehen bleibe, so muß ich erstaunen über die Größe deiner Güte und Treue, die du an mir gethan haft. O mein gütiger Gott, laß es mich schmecken und sehen, wie freundlich du bist. Laß mich das Gute, die Vortheile und Vorzüge des Geistes und Leibesund meines ganzen Zustandes im Natürlichen und Geistlichen, die du mir geschenkt haft, sorgfältig erkennen und gebührend schätzen, um dich dafür zu preisen, sie recht zu ge= brauchen und zu bewahren, nicht aber, um stolz und hochmüthig Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. Gebete. 2 18 Morgen- und Abend- Andachten. zu werden, mich selbst zu erheben und andere zu verachten. Nein, o Allerheiligster, diese Gemütheart ist nicht nur thöricht, sondern auch dir abscheulich. Du widerstehst den Hoffärtigen, aber den Demüthigen giebst du Gnade. Und wie dürfte ich mich erheben, da ich Alles, was ich habe, von dir habe, da mich so viele Fehler, Sünden und Mängel unter Tausende heruntersehen, die besser sind als ich. So gieb denn, daß ich schwaches sündliches Geschöpf von meinem Heiland lernen möge, von Herzen demüthig zu sein, und nicht bloß in Worten, in Geberden und andern äußerlichen Bezeigungen. Er war gleich, wie ein anderer Mensch, und an Geberden als ein Mensch erfunden; und er will, daß seine wahren Nachfolger weder eine unnatürliche Gestalt des Gesichts und des Leibes im Gebet und den Übungen der Buße, noch eine gezwungene Geistlichkeit in der Kleidung, in dem Genuß und Gebrauch der Gaben Gottes für den Leib und für die Nothdurst und das Vergnügen des zeitlichen Lebens annehmen sollen. Laß mich da her diesen bloßen Schein, unter welchem oft Heuchler ihr stolzes Herz verbergen, fliehen, und laß die echte Demuth deines Sohnes, meines Herrn und Erlösers, mein Eigenthum und meine Zierde werden. Gieb, daß ich von Allem, was ich Gutes habe, wenn es auch eine Frucht meiner Arbeit wäre, nicht mir, sondern Alles dir zuschreibe, und Alles für ein freies Geschenk deiner Güte erkenne, das ich ohne alle meine Würdigkeit, ja wider mein Verdienst empfangen habe. Laß mich daher die Gaben des Geistes, des Leibes und des Glücks nicht als ein solches Eigenthum ansehen, welches ich nach meinem eigenen Gefallen brauchen kann, sondern als ein vertrautes Eigenthum von dir, meinem Gott und Herrn, was ich ganz deiner Vorschrift und deis nem Willen gemäß anwenden muß. Dein Wille ist's, daß wir unsere Gaben und Kräfte nicht zu un ferm Verderben und Unglück, nicht zur Betrübung und Beschädigung unserer Nebenmenschen mißbrauchen, sondern dazu brauchen sollen, um unsere eigene zeitliche und ewige Glückseligkeit zu befördern, und unter unsern Nebenmenschen Ruhe, Vergnügen und Wohlfahrt auszubreiten. Dein Wille ist's, daß wir am ersten trachten nach deinem Reich und nach deiner Gerechtigkeit; daß wir deine Gnade und die Seligkeit des Himmels für unser höchstes Gut achten, und uns auf's eifrigste bestreben, dies große Glück durch den Glauben, der durch die Liebe thätig ist, zu erlan gen und zu bewahren; daß wir dies in Allem, was wir thun, im Auge haben; daß wir dagegen uns selbst und die Welt verleugnen, und lieber Alles fahren lassen, als deine Gunst und das ewice Leben zu verlieren. Dein Wille ist's, daß wir für unsern unsterblichen Geist und ſeine Vollkommenheiten vorzüglich sorgen, und stets wachfam und beeifert sein sollen, in der Erkenntniß alles Guten zuzunehmen, unsere Gesinnungen Über die uns schuldige Selbstliebe. 19 und Begierden zu bessern und ein richtiges, gutes und ruhiges Gewissen zu haben. Dein Wille ist's, daß wir unsern Leib in Gesundheit und Krankheit gehörig pflegen; daß wir alle seine Glieder nur allein zu gottgefälligen Geschäften gebrauchen; daß wir uns weder auf eine gewaltsame Weise, noch durch Unmäßigkeit, Sorgen, Traurigkeit, Zorn, Geiz und übertriebene Arbeit an unserm Leben und Gesundheit Schaden thun; daß wir zwar, wenn es Pflicht und Beruf erfordert, unsers Lebens nicht schonen, sonst aber auf alle Weise es zu erhalten suchen sollen, so lange wir können. Du haft befohlen, daß wir alle Unmäßigkeit im Genuß der Speise und des Getränts, alle Trunkenheit und Schwelgerei, diesen sträflichen Mißbrauch der Gaben Gottes, der die Gesundheit schwächt, die Vernunft unterdrückt und allen Lastern den Weg öffnet, sorgfältig vermeiden sollen. Du willst, daß wir reines Herzens seien; daß kein faules Geschwäß aus unserm Munde gehe; daß man in seiner Kleidung und äußerm Bezeigen ehrsam und sittsam sei; daß man Hurerei, Ehebruch und alle Arten von Unreinigkeit, die du o Allerheiligster, zu strafen gedrohet, die das Gemüth verwildern, den Leib und die Gesundheit zerrütten, in Armuth und Verachtung stürzen, und zu den ärgsten Vergehungen, ja oft zu Todschlägen verleiten, auf's stärkste verabscheuen, daß man allen Gelegenheiten dazu, welche unzüchtige Gesellschaften, Bücher und Gemälde, Unmäßigkeit und Müßiggang verschaffen, mit Vorsicht und Klugheit ausweichen, und den ersten aufsteigenden Begierden zu jenen unwürdigen, viehischen Lüsten durch das Andenken an deine Allgegenwart, durch Arbeitsamkeit, Mäßigkeit und Gebet widerstehe. Du willst, daß wir die erlaubten Ergößungen, die deinen Geboten nicht zuwider und weder uns selbst, noch andern schädlich sind, mit mäßigkeit genießen, durch das Andenken an dich heiligen, dabei in den Schranken der Gottesfurcht und Wohlanständigkeit bleiben und uns besonders zur Freude an dir und unserm Erlöser und zur Freude an löblichen Thaten erheben sollen. Schentst du uns zeitliche Güter, Reichthum, Anfehn, Ehre und Würde, so sollen wir nicht stolz sein, nicht auf die ungewissen Güter unsere Hoffnung setzen, sondern auf dich, den lebendigen Gott, der uns dargiebt reichlich, Allerlei zu genießen, und sie als Mittel ansehen, und brauchen, Gutes zu thun und reich zu werden an wohlthätigen Werken gegen unsre Nebenmenschen. Nun, das verlangſt du auch von mir, o mein Schöpfer und Herr, mein Vater, und Wohlthäter. Gieb mir durch deinen heiligen Geist Lust und Kraft, diesen deinen Willen immer besser zu lernen und redlicher zu erfüllen. Und gelingt es mir, das zu thun, was recht und gut und deinen Geboten gemäß ist, so bewahre mich vor der Einbildung, daß ich um değwillen etwas von dir zu fordern berechtigt wäre, denn ich habe ja 2* Morgen- und Abend- Andachten. nur gethan, was ich zu thun schuldig war. Laß mich daher das Gute, was mir zu Theil wird, nie als ein Verdienst ansehen; aber auch über das Übel, das mir begegnet, nicht murren, als widerführe mir dadurch etwas, das ich nicht verdient hätte. Laß mich vielmehr allen Leiden und Trübsalen, die du aus weisen und gütigen Absichten über mich verhängst, mit standhaftem Heldenmuth entgegen gehen, sie mit Sanftmuth und Geduld ertragen, ohne darum in der Beobachtung meiner Pflicht und Schuldigkeit träge oder nachlässig zu werden, und allemal lieber Böses leiden, als Böses thun. 20 Alle meine übrigen Bedürfnisse, die du tenneft, überlasse ich deiner Fürsorge. Bleibe mit deiner Gnade und Hülfe in dieser Nacht bei mir, bei allen meinen Freunden und bei allen Menschen. Behüte uns vor Schrecken und Schaden. Wehre der Bosheit derer, die Schaden thun wollen. Tröste alle Betrübten, und erbarme dich väterlich über Alle, die jetzt um Hülfe zu dir rufen, um Jesu Christi willen, Amen! 10. Am Mittwoch, des Morgens Gott, du bist die Liebe, das beweisen alle Wohlthaten, die du auf so mancherlei Art täglich über uns ausschüttest. Deine Liebe war es, die dich bewog, mir das Leben zu schenken, mich mit Sinnen, Gliedern und einer vernünftigen Seele zu begaben. Deine Liebe hat mich von Jugend auf bis hieher mit allen Nothwendigkeiten des Lebens versehen, mit vielen angenehmen Begegnissen erfreuet, mich in Leiden getröstet und in meinen Fehlern langmüthig getragen. Aus unaussprechlicher Liebe gabſt du deinen eingebornen Sohn für uns strafwürdige Menschen dahin, um uns Vergebung der Sünden, Leben und Seligteit zu verschaffen. Deine Liebe und väterliche Fürsorge hat auch in dieser vergangenen Nacht über mich, die lieben Meinigen, und so viel tausend meiner Nebenmenschen gewacht, und Tausende schmecken und sehen es an diesem Morgen auf's neue mit mir, wie freundlich und gütig du bist. Oso lehre mich denn, Allgütigster, dich wieder lieben, denn du haft mich erst geliebet. Laß mich immer an deine allgemeine väterliche Menschenliebe mit froher Dankbarkeit denken, und schenke mir dadurch Lust und Kraft, deinen Willen zu thun und dir ähnlich zu werden. Es ist dein Gebot: Liebe deinen Nächsten so wohl, als dich selbst. Könnte ich dich lieben, wenn ich diesem Gebot ungehorsam würde? Du bist gütig, barmherzig und langmüthig; könnte ich dein Kind sein, ohne dir nachzuahmen und zum Glück meiner Nebenmenschen so viel beizutragen, als es in meinen Kräften steht? Helfen und Gutes thun war dein vornehmstes Geschäft und deine liebste Freude hier auf Erden, o Herr Jesu, und noch ist's Seligkeit für dich, deine erlösten Menschen zu erretten, zu begnadigen, zu bessern, zu erfreuen und selig zu machen. Über die Liebe des Nächsten. Das Bestreben, diesem deinen Vorbilde nachzufolgen, ist das Unterscheidungsmerkmal deiner wahren Bekenner, ist der beste Dank für deine unaussprechlichen Verdienste um unsere Seligkeit. Ohne diese Tugend gelten unsere übrigen Eigenschaften und Handlungen nichts vor Gott, ohne diese Tugend können wir einst die frohe Stimme nicht hören: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. 21 Ach, so sende doch den Geist der Liebe in mein Herz herab, und hilf mir alle menschenfeindlichen, neidischen, argwöhnischen, schadenfrohen und boshaften Gesinnungen in demselben unterdrücken. Erfülle meine Seele mit einem aufrichtigen Wohlwollen gegen alle Menschen ohne Ausnahme. Laß mich keinen einzigen Menschen mit Gleichgültigfeit oder Verachtung ansehen, feinem ein Ärgerniß geben durch böses Beispiel oder Verführung zur Sünde; feinem an seinem Leben und Gesundheit Schaden thun; keines Ehre und guten Namen durch Schmähen, üble Nachreden und Verleumdungen fränken; mich an dem Eigenthum keines einzigen durch die mannigfaltigen Arten des Diebstahls und des Betruges verfündigen. Und wenn durch meine Schuld Andern an ihrer Gesundheit, Ehre und Eigenthum ein Schaden zugefügt worden, so mache mich bereit, ihnen denselben auf's möglichste zu ersetzen. Laß mich an dem Elend, den Leiden und betrübten Zufällen meiner Nebenmenschen redlichen Antheil nehmen und ihre Noth auf alle mir mögliche Art zu erleichtern oder zu endigen suchen. O, wie viele göttliche Freuden würde ich genießen, wenn ich durch Unterricht, Ermahnung, Warnung und Fürbitte zur Rettung der Seele aller derer, die auf dem Wege des Verderbens wandeln, wenn ich zur Erquickung jedes Kranken, Armen und jedes nothleidenden, schwachen Greises, wenn ich zur Unterstützung der Dürftigen, zur Erziehung verlassener Waisen und Versorgung kummervoller Witwen recht Vieles beitragen könnte. Weil mir aber dies überaus große Vergnügen der Anzahl der Elenden und meines Unvermögens wegen versagt ist, so will ich mich doch bemühen, Niemanden unglücklich zu machen, mit den Weinenden zu weinen und, wenn ich zu andern Hülfleistungen zu schwach bin, ihnen mit Trost, Rath und Fürbitte beizustehen. So weit es aber meine Fähigkeiten und Umstände verstatten, will ich mich aller Verlassenen, Trost- und Hülflosen nach ihren geistlichen und leiblichen Bedürfnissen aufrichtig und thätig und auf die beste Art annehmen. Jedes Gute, was einem meiner Nebenmenschen zu Theil wird, jede rechtmäßige Freude meiner Brüder will ich als ein Geschenk deiner allgemeinen Vaterliebe als meine eigene Freude, als mein eigenes Glück dankbar empfinden. Fern von allem Neid und Mißgunst will ich meinen Nebenmenschen ihre Glücksumstände Morgen- und Abend- Andachten. und Vorzüge gern auch alsdann gönnen, wenn mein irdischer Ruhm dadurch verdunkelt, oder mein irdischer Vortheil dadurch verringert würde. Mit den Gaben, die ich, o Gott, empfangen habe, will ich Andern gern dienen, und heilsame Erkenntnisse unter ihnen ausbreiten, sie vor Schaden warnen, und die Ehre, das Einkommen, die Ruhe und das Vergnügen so vieler Menschen befördern, als es nur immer geschehen kann. Ich will Andern alles dasjenige gern. erweisen, was ich vernünftiger Weise von ihnen erwarten würde, wenn ich in ihren und sie in meinen Umständen wären. Hingegen will ich das, was Andere mir zu leisten schuldig sind, nicht nach dem strengsten Recht fordern, zumal wenn sie dadurch zu sehr leiden oder beschwert werden follten. Und diese Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Wohlthätigkeit, Dienstfertigkeit, Billigkeit und Gelindigkeit will ich vornämlich meinen Anverwandten, Freunden, Wohlthätern, Nachbarn und Glaubensgenossen, aber nicht ihnen allein, sondern ohne Unterschied Allen, ja gar meinen Feinden und Beleidigern, kund werden laffen. Wir sind ja alle Mitgenossen einer Natur; von einem Blute ist's, was in unsern Adern fließt; einerlei Schwachheiten umgeben uns alle. Wir sind Kinder eines Vaters, Erlöste eines Mittlers, bestimmte Erben einer gemeinschaftlichen Seligkeit. Sch will auch nicht etwa nur denen Gutes erzeigen, von welchen ich Dank und Freundschaftsdienste wieder erwarte; sondern ohne Eigennut, Ehrgeiz und Heuchelei, aus Gehorsam gegen dich und aus Begierde, dir ähnlich und dir dankbar zu werden, mich bemühen, das Elend aller deiner Menschen zu erleichtern und Segen, Ruhe und Freude unter ihnen auszubreiten. 22 Du hast mir, Gott, das Wollen gegeben, gieb mir auch das Vollbringen nach deiner großen Güte durch deinen heiligen Geist. So bin ich ein Jünger meines Heilandes; so kann ich deines Wohlgefallens, deines Segens, deines Schußes, deines Beistandes und Trostes versichert sein; so werde ich immer mehr zu den hohen himmlischen Freuden geschickt werden, die du uns in jenen ewigen Häusern der Liebe, der Freundschaft und des Friedens zubereitet hast. Nun, Herr, deine Gnade sei heute und allezeit mit mir, mit den Meinigen, mit allen Menschen, durch Jesum Christum, Amen! 11. Am Mittwoch, des Abends. Was bin ich, Herr, daß du meiner so gnädig gedenkst? Auch heute hast du Großes an mir gethan. Wenig Gutes habe ich verdienet, und viele Wohlthaten hast du mir zufließen lassen. Laß jetzt in dieser Abendstunde das Gefühl deiner Güte recht lebendig in mir sein, damit ich alle meine Abweichungen und Sünden schmerzhaft bereuen und den Über die Liebe des Nächsten. emstlichen Vorsatz fassen möge, künftig rechtschaffener und frömmer vor dir zu wandeln. 23 Vergieb es mir insonderheit um Christi willen, wenn ich heute die wahre brüderliche Liebe gegen meinen Nächsten nicht stets bei mir zu unterhalten gesucht; wenn ich dem Kaltsinn, der Mißgunst und andern dir mißfälligen Neigungen in meiner Seele Raum gegeben; wenn ich eine Gelegenheit versäumt habe, Betrübte zu erfreuen und Verlaffene mit Rath und Hülfe zu unterstüßen. Sende den Geist der Liebe in mein Herz und laß es fünftig meine Freude und die vornehmste Beschäftigung meines Lebens sein, gleich dir, meinem Gott, ein Wohlthäter der Menschen zu werden. Laß mir das Beispiel meines Erlösers stets vor Augen schweben, damit ich seine Sanftmuth und Demuth, seine Freundlichfeit und Holdseligkeit im Umgang mit Andern nachzuahmen mich ernstlich bestreben möge. Lehre mich alle Menschen als meine Brüder und Schwestern achten und lieben, ihnen mit Freundlichkeit und Güte zuvorkommen, ihnen durch Bescheidenheit und unfündliches Nachgeben gefällig zu werden, und auf Alles, was ihnen ihr Leben angenehm machen und versüßen fann, aufmerksam sein. Gieb mir Weisheit, meinem Nächsten auch in meinen Reden und Gesprächen angenehm und nützlich zu werden. Laß mich bei allen schicklichen Gelegenheiten es öffentlich betennen, daß ich Licht und Stärke zur Tugend, alle meine Gewissensruhe, alle wahre Freude, allen Trost im Tode, alle frohen Aussichten in die Ewigkeit dem theuren Verdienst meines Heilandes und seiner Religion zu danken habe, damit Andere zur Werthschätzung Jesu und zur Ausübung seiner Religion erweckt werden mögen. Laß mich in Gegenwart unwissender Kinder und schwacher Personen nichts reden oder thun, was sie ärgern, verwirren oder verführen könnte. Laß mich alle Lügen und Falschheit verabscheuen und mich der Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit befleißigen. Laß mich verschwiegen sein, aber auch offenherzig Andern sagen, was ihnen gut ist, und auch ihre Fehler ihnen nicht verbergen, damit sie dieselben bessern können. Laß mich die rühmlichen Eigenschaften und Handlungen Anderer sorgfältig bemerten und gern davon reden; hingegen ihre Mängel, Fehler und Vergehungen nie ohne Noth bekannt machen, oder gar vergrößern. Laß mich gegen die, welche in ihren Meinungen und Sitten von mir unterschieden find, und besonders in der Religion anders denken, duldende Nachsicht beweisen. Laß mich böse, leichtsinnige und lasterhafte Menschen nicht hassen oder verdammen, sondern Alles, was in meinen Kräften steht, dazu beitragen, damit sie aus dem Abgrund der Laster und des Unglücks herausgerissen werden mögen. Bewahre mich, daß ihr Beispiel den Morgen- und Abend- Andachten. Abschen vor dem Bösen nicht in mir schwäche. Laß mich vielmehr dem Exempel der verständigen und tugendhaften Menschen folgen, ihren Erinnerungen und Bestrafungen Gehör geben, um dadurch weiter, besfer und frömmer zu werden. Gieb, daß ich mich bestreben möge, mit allen Menschen, so viel nur immer möglich ist, friedlich zu leben, und auch unter meinen Nebenmenschen Ruhe und Einigkeit zu erhalten oder herzustellen. Reinige mein Herz von aller Bitterfeit, Zantsucht und Rachbegierde. Bewahre mich vor stolzem und unbiegsamem Eigen sinn und Argwohn. Laß mich nicht leicht eine Miene, Rede oder Handlung Anderer für Beleidigung halten. Und wenn ich wirklich beleidigt oder gekränkt werde, so lehre mich den Zorn beherrschen, und die Vergehungen meines Nächsten lieber einer übereilten Unbedachtsamkeit, als einer vorsätzlichen Feindseligkeit zuschreiben. Lehre mich das mir zuge fügte Unrecht mit Gelassenheit ertragen. Laß mich nicht Böses mit Bösem vergelten, sondern meine Feinde von ihrer Ungerechtigkeit überzeugen, ihnen von Herzen vergeben, ihnen alles Gute aufrichtig wünschen, ihnen gern dienen und sie durch Wohlthun wieder zu meinen Freunden machen. Und muß ich zu meiner Schadloshaltung, zur Nettung meiner Ruhe, Ehre und Glückseligkeit, oder auch, um böse Gemüther zu ihrem und anderer guten Menschen Nachtheile nicht noch fühner zu machen, den Schutz der Obrigkeit anflehen: so laß mich dabei alle Rachbegierde und alles schadenfrohe Vergnügen an der Bestrafung meiner Beleidiger vermeiden und Schonung und Großmuth beweisen. Dann wird mein Leben ruhig sein; dann bin ich ein wahrer Schüler und Nachfolger Jesu Christi, der das Böse mit Gutem überwand und für seine Mörder bat; dann bin ich erkenntlich gegen die große Gnade, nach welcher mir um Jesu willen solche Beleidigungen vergeben werden, gegen welche auch die größten Feinseligkeiten der Menschen gegen mich nicht zu rechnen sind; dann bin ich erkenntlich gegen die Geduld und Langmuth, womit du noch täglich meinen Fehlern und Mängeln nachsiehst. 24 Dir, mein Gott! übergebe ich mich und die Meinigen und alle Menschen in der bevorstehenden Nacht. Beschütze, segne, erquicke uns Alle und erhalte uns zum ewigen Leben, durch Jesum Christum, Amen! 12. Am Donnerstage, des Morgens. Die Gefahren der finstern Nacht sind abermals überstanden durch die Beschirmung, die du, o allmächtiger Gott, mir, den Meinigen und so vielen tausend meiner Nebenmenschen hast widerfahren lassen. Ich fühle meine Glieder durch einen sanften Schlaf erquickt, Leben und Gesundheit sind auf's neue mein Eigenthum. Auf's neue sind alle meine Kräfte und Empfindungen in mir erwacht, durch welche ich wieder in den Stand Über die Liebe und Gehorsam gegen Gott. 25 gesetzt werde, die Schönheit deiner Werke zu empfinden, mein Leben recht zu genießen und anzuwenden, und dich, den Schöpfer und Erhalter meines Lebens, meinen allerhöchsten Wohlthäter und Herrn, zu erkennen, zu verehren und anzubeten. O laß denn dies das Ziel meiner Bemühungen sein, so lange ich auf Erden lebe. Du, o unsichtbarer Gott, wohnest zwar in einem Lichte, dahin kein menschliches Auge dringen kann. Du hast dich aber durch deine Werke allen vernünftigen Geschöpfen, und außerdem auch uns durch dein Wort in der Bibel geoffenbaret, so daß wir deine unsichtbare Kraft und Gottheit gleichsam zu schauen und zu fühlen im Stande sind. Ach erwecke mich, daß ich nach jener höchsten Weisheit, die in deiner Erkenntniß besteht, immer begieriger werde, und dazu die Vernunft und deine Offenbarung in der Bibel sorgfältig brauche. Du, unser Schöpfer, bist der Herr der Herren und König der Könige, aber auch der beste Vater und größte Wohlthäter der Menschen. Du bist der ewige Urheber alles Guten; du bist allmächtig, allwissend, unendlich, weise, heilig, gütig und wahrhastig. Du bist auch mein Herr und Vater, auch mein höchstes Gut. Du hast mir Leben und Odem ge= geben und mich zum Genuß unzähliger Wohlthaten fähig gemacht. Alle Sinne und Glieder meines Leibes sind Merkmale deiner Huld. Du giebst mir das Licht der Augen, dich in deinen Geschöpfen zu sehen, und das Gehör, um die Stimme der Menschen, ja die Stimme deines erquickenden Worts zu vernehmen; du hast einen unermeßlichen Reichthum von Geschöpfen zu meiner Nahrung und zu meinem Vergnügen gemacht. Du hast die Hügel, Thäler und Felder mit unzähligen das Auge und ben Geschmack vergnügenden Früchten bedeckt. Denn es war deiner Liebe nicht genug, mich zu ernähren; du wolltest auch, daß eben die Speisen und Getränke, die zu meiner Erhaltung dienen, durch den Geschmack und Geruch zugleich ergötzen und mein Herz desto mehr zur Dankbarkeit gegen dich aufmuntern sollten. Viele unschuldige Freuden des Umgangs habe ich genossen. Oft hast du meine Arbeit mit glücklichem Erfolge gesegnet. Unvermuthet fand ich den Weg zu meiner Versorgung. Du gabst mir Freunde zur Beförderung meines Glücks, ja selbst Feinde, und meine eigenen Fehler mußten oft zu meinem Besten mitwirken. Und mit wie vielen herrlichen Kräften hast du nicht meinen Geist geschmückt! Du hast mich nach deinem Bilde zur Unsterblichkeit geschaffen! Du schenktest mir die edle Gabe der Vernunft und sehtest das Gewissen in meine Brust. Deine väterliche Fürsorge wachte stets für mein irdisches Leben, aber noch mehr und bewunderungswürdiger für das Heil meiner Seele und mein ewiges Glück. Du sandtest deinen eingebornen Sohn in die Welt, um meine durch Sünden beflecte Natur vom Verderben zu retten, um mir Vergebung der Sünde, deine Gnade und die ewige Selig 26 Morgen- und Abend- Andachten. keit zu verschaffen, und mich durch seinen Geist dazu zu heiligen. So viel, ja noch viel mehr hast du schon für mich gethan; und was willst du nicht noch thun, o ewige Liebe! O, gieb denn, daß ich dich, meinen Gott, meinen getreuesten Freund und gütigsten Vater, wieder lieben möge mit der zärtlichsten und ehrerbietigsten Zuneigung. Laß mich dich über Alles hochschäßzen, mit Vergnügen daran denken, daß du so herrlich und gütig bist, und durch Nachdenken und Gebet gern mich mit dir beschäftigen. Dir in allen Stücken zu gefallen, dir ähnlich zu werden, deinen Befehlen zu gehorchen, dies sei mein feurigfter Wunsch, mein beständiges Bestreben, denn das ist die Liebe zu dir, wenn wir deine Gebote halten. Wider dich, meinen Gott, zu fündigen, das laß mich für meine größte Schande, für mein größtes Unglück halten. Und wenn ein Fall kommen sollte, wo ich entweder Gott beleidigen, oder an meiner Ehre vor der Welt, an meinen Gütern und Glück Schaden leiden müßte, so laß mich immer lieber Unrecht leiden, als Unrecht thun. Denn deine Gnade ist besser, als das Leben. Laß mich aber nicht bloß vor groben Ausbrüchen des Lasters mich hüten, oder einzelne gute Werke verrichten, oder bloß fleißig und strenge sein in den äußerlichen gottesdienstlichen Handlungen und Andachtsübungen. Laß mich vielmehr Alles, ich mag essen oder trinken, oder was ich sonst thue, zu deiner Ehre thun. Mit fröhlichem, danbarem Herzen und deiner Vorschrift gemäß laß mich essen und trinken; nach deinem Willen und aus Liebe und Gehorsam gegen dich laß mich fleißig arbeiten, meinem Nächsten mit Rath und That helfen, Traurige trösten, Kranke erquicken und die Widerwärtigkeiten dieses Lebens mit stiller Geduld ertragen. Dann ist mein ganzes Leben Gottesdienst. Laß aber auch den Gedanken: mein Vater im Himmel ist der beste Freund, den ich habe; aber er hat auch alles Böse, er kennt mich und ist mir nahe; er tann und will alles Gute belohnen und alles Böse bestrafen," laß diesen großen Gedanken meine ganze Seele mit Empfindungen einer find lichen Ehrfurcht gegen dich, meinen Gott, erfüllen. Laß mich allen Leichtsinn und unehrerbietige Kaltsinnigkeit gegen dich und die Religion, allen Mißbrauch deines Namens durch Fluchen und Schwören vermeiden. Und wenn ich bete, wenn ich dein Wort höre, lese oder betrachte, bei den Versammlungen des öffentlichen Gottesdienstes sowohl, als im täglichen Umgange mit meinen Nebenmenschen, laß mich dir, dem allerhöchsten Herrn der Welt, und Jesu, meinem größten Wohl thäter, die tiefste Ehrerbietung ohne Heuchelei und Aberglauben erzeigen, damit auch Andre zur Hochachtung der Religion und Werthschätzung der Wahrheit und Zugend gereizet und erweckt werden mögen. 27 Über das Vertrauen auf Gott. Erbarme dich, unendlich gütiger Gott, aller Menschen, insondereit aller Elenden und Bekümmerten, wo sie auch sein mögen. Deiner itung und Gnade empfehle ich besonders alle die, welche mir besonrs angehören. Laß sie immer mehr das große Glück, dessen sie hurch Religion und Tugend fähig sind, erfahren und segne sie auch in Leiblichen mit allem demjenigen, was deine Weisheit als heilsam für sie erkennt. Erhöre mich, Vater der Barmherzigkeit, um Jesu Christi willen. Amen! 13. Am Donnerstage, des Abends. Unendlicher Gott, du Schöpfer und Erhalter aller Dinge, an dir haben wir einen Vater, der uns Alle fennt, uns Alle liebt, für uns Alle sorgt, und uns Alle glückselig machen will. Nichts fann mir begegnen, was du nicht wüßtest, teine Noth fann mich treffen, die dir verborgen wäre. Alle meine Mängel, Bedürfnisse und Wünsche sind dir, dem Allwissenben, bekannt. Du weißt und siehst dies Alles mit der Theilnehmung eines Vaters, der ganz Weisheit und Liebe ist. Du hilfft gern und es fehlt dir nie an Kraft und Einsicht, zu rechter Zeit und auf die beste Art zu helfen. Himmel und Erde ist dein; die ganze Natur muß dir gehorchen; nichts kann ohne deinen Willen geschehen. Du kannst überschwenglich mehr thun, über Alles, was wir bitten und verstehen. Wenn ich in meinen Bekümmernissen feinen glücklichen Ausgang sehe, so siehest bu ihn. Du weißt Alles wohl zu machen und herrlich auszuführen, so daß Böses und Gutes, Leiden und Freuden, Leben und Tod, Freunde und Feinde, Alles, Alles uns zu der Glücseligkeit näher bringen muß, wozu du uns führen willst. Du, o Treuer und Wahrhaftiger, haft mir deine Aufsicht, Fürsorge und deinen Beistand versprochen, und mir schon das Größte, deinen Sohn, gegeben, so daß ich nun das Uebrige, was mir gut ist, von dir zuversichtlich erwarten kann. Tausende haben schon deine Fürsorge und Errettung erfahren, und auch mir hast du davon in meinen vorigen Tagen viele Proben gegeben. Vor vieler Gefahr haft du mich geschüßt; aus mancher Trübsal errettet. Du hast mir viele Vortheile gewährt, die ich nicht wünschte, aber auch manches Glück versagt, was ich ängstlich und rastlos suchte. Und der Ausgang deiner Führungen und Schickungen hat mich überzeugt, daß auch deine unbegreiflidhen Wege Wahrheit und Güte sind bei denen, die deinen Bund und Beugniß halten. so will ich denn Alles, was zur Nahrung, Bekleidung und Erhaltung meines Leibes und überhaupt zu meinem ganzen Glück in Zeit und Ewigkeit nöthig und ersprießlich ist von dir, 28 Morgen- und Abend- Andachten. meinem himmlischen Vater, zu versichtlich erwarten; mich und mein ganzes Schicksal jederzeit deinem unverbesserlich guten Willen unterwerfen, und mich bemühen, zufrieden zu sein. Dein Wille soll mein Wille sein: den Weg, den du mich gehen heißest, den Zustand, in welchen du mich sehest, will ich stets für den besten halten. Mit standhafter Geduld will ich das leiden, was du mir zu leiden auflegst. Mach mich nur gewiß von dei ner Gnade in Christo Jesu. Laß mich nur allen Müßiggang und Leichtsinn, alle Ruchlosigkeit, Vermessenheit und Verschwendung verabscheuen, dich lieben und deinen Willen thun. So weiß ich, daß alle Dinge zu meinem Besten gereichen werden; so wirst du mich schützen, erretten, versorgen und es auf alle Weise mit mir wohl machen. So wird einst die Zeit kommen, wo ich einsehen werde, wie gut du es auch auf den beschwerlichen Pfaden meines Lebens mit mir gemeint hast, und wie väterlich du gegen mich gesinnet gewesen. Ach, laß doch Alle, welche deine Hand heute mit Widerwärtig keiten heimgesucht hat, in der Ueberzeugung, daß du ihr Vater seiest und besser als sie weißt, was zu ihrem Besten dient, ihre Erquichung finden. Laß alle Bekümmerten, Dürftigen, Kranken und Sterbenden auf dich hoffen, daß du so gnädig bist, und sich freuen, daß du so gern hilfft. Dir sei Lob und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen! 14. Am Freitag, des Morgens. Ich danke dir, mein Gott und Vater, daß du mich abermals gefund erwachen läsfest und meinem Leben einen Tag zulegest. Aber vornehmlich preise ich dich mit gerührtem Herzen für die unaussprechliche Gnade, die mir durch die Mittlers- Leiden und den Versöhnungstod deines Sohnes Jesu Christi widerfahren ist. O wie sehr sind dadurch alle meine Lebenstage gesegnet worden! Mit jedem Morgen konnte ich deiner Ba terliebe versichert sein, und es zuversichtlich erwarten, daß du, der mit das Größte geschenkt, mir auch das Geringere mittheilen werdest; daß du, der für meine Seele so herrlich gesorget, auch die Bedürfnisse meines Leibes befriedigen werdest. Mit jedem Morgen konnte ich es zubersichtlich erwarten, daß du mir alle meine begangenen Sünden, die ich aufrichtig verabscheue, vollkommen vergeben und mir auch meine täglichen Fehler und Mängel verzeihen werdest. Denn was will mich verdammen? Christus ist hie, der auch für mich gestorben ist. O, ewiger Sohn Gottes, theuerster Heiland, für mich bist du gestorben! Laß mich diesen Tag über, ja mein ganzes Leben hindurch daran denken, damit ich dadurch beruhiget und im Glauben an die Gnade Gottes gestärkt werde, Erinnere mich aber auch an dein Leiden und Sterben, damit dadurch mein Eifer für die Gottselig Über die Anwendung des Leidens Jeſu. 29 leit und Tugend aufs neue belebt und meine Liebe zu dir ind meinen miterlösten Nebenmenschen entzündet werde. In deinem Leiden sehe ich, wie ernstlich Gott die Sünde hasse and strafe. Erinnere mich daran bei jeder Reizung zur Sünde, woran mir auch heute nicht fehlen wird, damit ich mit Entsetzen jede Sünde verabscheuen und meiden möge. Wenn die Lüste der Erde, wenn sündliche Vergnügungen für mein Herz gefährlich werden sollten, dann mache es meiner Seele recht gegenwärtig, wie du dich meinetwegen aller Freuden begeben, und mir solche Vergnügungen verhafft haft, die meinen Geist jättigen und ewig nähren. In deinem Leiden sehe ich die unerforschliche Größe der göttlichen Gnade und deiner Menschenliebe. Neige dadurch mein Herz zu einem findlichen Vertrauen und zu einer aufrichtigen Gegenliebe, da du mich zuerst so zärtlich geliebt hast. In dieser Liebe laß mich suchen dir zu gefallen, deine Gebote zu halten, so gesinnet zu sein, wie du warest, und so zuwandeln und zu leben, wie du gelebt hast. Laß mich nach deinem heiligen Beispiel und Muster den Willen Gottes mit aller Treue thun, und mich seinen Fügungen mit stiller Gelassenheit unterwerfen. Laß mich, so wie du gethan, auch für Andere leben, und wo ich Gelegenheit finde, Gutes zu thun und des Elends in der Welt weniger zu machen, keinen Verlust, keine Beschwerde, kein Leiden scheuen. Vielleicht werde ich heute aufgefordert, Jrrende zu unterrichten, Schwache ju ermuntern, Traurige zu trösten, Elenden zu helfen und Verlassenen beizustehen; o laß mich dann an allen Orten und in allen Stücken suchen dir ähnlich zu sein. Laß mich, gleich dir, die Versuchung zur Eitelkeit, zur Rache, zur Ungeduld und Muthlosigkeit überwinden. Und findet es mein himmlischer Vater für nöthig, mich zu meinem Besten zu züchtigen, so laß mich auch so willig wie du das Kreuz auf mich nehmen, und mit unwandelbarem Vertrauen Gott und der Tugend treu bleiben. Oder begegnen mir heute durch Menschen unangenehme Vorfälle, so gieb mir die Sanftmuth, womit du selbst für deine Mörder batest. Auf dich, o Jesu, laß mich aufsehen, wenn ich in meinem Lauf ermatten, zum Guten verdrossen und bei den göttlichen Schickungen unzufrieden werden sollte. Bis daß mein Ende kommt, laß mich nicht aufhören zu beten, zu kämpfen und dem Guten nach ujagen. Und wie du mitten in der Pein der Deinigen nicht vergaßeft, sondern auch auf ihre leibliche Wohlfahrt und Erhaltung dachtest, so laß mich auch heute deiner treuen Fürsorge genießen. Wende dadurch alles Ulebel von mir ab und gieb mir alles nöthige Gute. Erwecke redliche Herzen, mir zu allem Guten mit Rath und That behülflich 30 Morgen- und Abend- Andachten. zu sein. In deine Hände, mein Gott und Erlöser, übergebe ich mich, die Meinigen und alle meine Nebenmenschen. Um deines Leidens willen sei ihnen gnädig, und laß sie nach ihren Umständen deine Erbarmung an Seele und Leib erfahren. Laß alle Sünder Frist zur Besserung finden. Bringe die Verirrten auf den Weg der Wahrheit und des Heils zurück. Laß die Leidenden aus deinen Leiden Trost und Erquickung schöpfen. Stehe denen bei, die an diesem Tage sterben werden; erlöse sie von allem Utebel und versekze sie in dein himmlisches Reich. Dir sei Lob und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen! 15. Am Freitage, des Abends. Herr und Vater meines Lebens, du bist würdig zu nehmen Preis und Ehre und Dank. Tu haft auch heute mich erhalten, manche Gefahren des Lebens und der Gesundheit von mir abgewendet und mir mannichfaltige Wohlthaten zur Nothdurft, zur Bequemlichkeit und zum Vergnügen meines Lebens verliehen. Ja, habe ich heute nur eine gute Handlung vollbracht, oder nur eine Sünde vermieden, das ist dein Werk, mein Gott, und ich preise dich dafür mit gerührter Seele. Aber wie wenig ist des Guten, das ich an diesem Tage gethan, und wie viele Sünden sind es nicht, deren ich mich in Gedanken, Worten und Werken schuldig gemacht habe! Gerechter Gott, handle nicht mit mir nach meinen Sünden und vergilt mir nicht nach meinen Missethaten: Um der Versöhnung deines Sohnes, meines Heilands, willen, in welchem du den Sündern Gnade und Vergebung verheißen haft, siehe mich mit Erbarmung an, und laß Alles, was wider mich in deinem Gerichte zeuget, vergeben sein. Stärke mich aber durch den Geist, welchen mir Jesus erworben, daß ich aus Liebe zu dir alles Böse meide und alles Gute thue, täglich mehr Fehler ablegen und in deinem Dienste treuer werden möge. Ach, so viele Tage habe ich schon verschwendet, verträumet und wider deine Absicht angewendet. Lehre mich, meine noch übrige Lebenszeit recht auskaufen, damit ich von Tage zu Tage meiner Bestimmung zu einer seligen Ewigkeit näher kommen und einst den Tod mit eben der ruhigen Fassung des Gemüths erdulden möge, momit ihn Jesus, der Welt- Heiland, er duldete, an dessen Tod mich der heutige Wochentag erinnert. Er empfand den Schauer, der jeden Menschen beim Anblick des Grabes erschüttert. Aber er überließ seine Seele feiner ausschweifen den Angst, keiner muthlosen Verzweiflung, keiner unthätigen Betäubung. Er ging seinem Leiden und Sterben mit Willigkeit entgegen, aus Gehorsam gegen seinen himmlischen Vater und aus großmüthiger Über die christliche Vorbereitung zum Tode. 31 Menschenliebe. Er verließ ruhig die Welt, um zu seinem Vater zu gehen. Mitten unter dem Gefühl der Schrecken des Todes war sein Herz noch mit der zärtlichsten, treuesten Fürsorge für das Heil der Menschen, ja selbst seiner Feinde, und besonders für die Beruhigung. und Versorgung seiner Mutter erfüllet. Ihn aber überfiel auch der Tod nicht unvorbereitet. Er dachte oft an seinen Tod, an die Absicht und seligen Folgen desselben. Deinen Willen, o Gott, hatte er gethan, dein Wert vollbracht. Er hatte ein unschuldiges, wohlthätiges Leben geführt. Auf dieses Leben fonnte er nun mit Freudigkeit zurücksehen, und sich von demselben die herrlichsten Früchte für sich und seine Brüder versprechen. Gieb mir die Gnade, gütigster Vater, daß ich mich auf eben die Art auf meinen Tod gefaßt mache. Laß mich oft an den Tod denken, und die herrlichen Folgen des Todes für diejenigen, die dir in Christo Jesu zu gefallen suchen, oft erwägen. Laß mich ernstlich trachten, von der Vergebung meiner Sünden und von meinem Antheil an deiner Gnade und der ewigen Seligfeit versichert zu sein. Laß mich daher Jesum Christum, deinen Sohn, der nicht nur mein Versöhner, sondern auch mein Beispiel geworden, in wahrer Buße und Glauben annehmen, und ihm mein ganzes Leben weihen. Laß mich nicht länger mir selbst leben, sondern ihm, der für mich gestorben und auferstanden ist. Auch mir hast du, mein Herr und Vater, ein Wert aufgegeben, das ich hier vollbringen soll. Laß mich die Stelle, den Beruf und Stand, den du mir in deinem Reich angewiesen, würdig behaupten, meine Pflichten treulich erfüllen; meine Kräfte und Gelegenheiten, den Menschen nüglich zu werden, auf's beste anwenden, und im Recht und Wohlthun niemals ermüden. Laß mich nie etwas thun, was mich in meinen letzten Stunden beschämen oder ängstigen würde; nie etwas unterlassen, dessen Andenken mich noch im Tode erquicken kann. Laß mich meine irdischen Angelegenheiten bei Zeiten in Ordnung bringen. Laß mich die Meinigen so anführen, daß ich bei meinem Abschiede von ihnen die Hoffnung haben fann, sie in der frohen Ewigkeit wieder zu finden. Laß mich allezeit. und an allen Orten mich üben, heilig und unschuldig zu leben, damit der Tod mich in keiner muthwilligen und vorsetzlichen Sünde übereile. Dann mag meine Auflösung erfolgen, wie, wo und wann es dir gefällt, dann mag ich langsam, oder plötzlich sterben: ich kann allezeit jelig und ruhig sterben. Denn ist Christus mein Leben, bemühe ich mich, nach seinen Gesetzen und Erempel zu denken, zu reden und zu thun, so ist Sterben mein Gewinn. So werde ich, wenn du mich zu dir rufest, deinem Ruf getrost folgen, und mit meinem Heiland sagen können: Es ist vollbracht. So werde ich fähig sein, zu wünschen, aufgelöst zu werden, und ewig bei Christo zu sein. So wird die Erwartung eines ewigen Glücks mich, wenn sich mein Ende nähert, aufrichten und voll Morgen- und Abend- Andachten. Hoffnung und Zuversicht sagen lassen: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. So werde ich die Furcht vor dem Grabe durch die Hoffnung einer herrlichen Auferweckung meines Leibes besiegen. So werde ich Alles, was mir auf Erden theuer und werth ist, ohne übertriebenen Schmerz und Kummer verlassen. So werde ich im Stande sein, auch in der Gegenwart des Todes noch die Pflichten der Menschenliebe und Freundschaft auszuüben, die Meinigen zu ermahnen, zu trösten, sie zu segnen, sie deiner väterlichen Fürsorge zu empfehlen, und mir selbst die bittre Trennung von meinen frommen Freunden durch die Hoffnung, sie einst ewig wieder zu sehen, zu versüßen. 32 Erbarme dich in der bevorstehenden Nacht, barmherziger Gott, aller Lebenden, Leidenden und Sterbenden. Breite deine Güte über uns Alle aus, und laß sie mit dem anbrechenden Morgen wieder neu über uns werden durch den, den du zum Heiland und Erretter aller Menschen bestimmt haft, der für Alle gestorben ist, durch Jesum Christum, unsern Herrn, Amen! 16. Am Sonnabend, des Morgens. Durch deine Güte, lieber himmlischer Vater, habe ich nun auch den letzten Tag dieser Woche erlebet. In der vergangenen Nacht und in allen Stunden der vergangenen Woche habe ich unzählig viel Gutes empfan gen, wofür ich dir jegt mit kindlichem Herzen danke. Aber ich habe auch einen neuen Beweis erhalten, wie flüchtig, furz und vergänglich mein Leben sei. Diese Woche ist dahin mit allen ihren Freuden, Sorgen und Beschwerden. So bin ich, so lange ich hier bin, einem steten Wechsel unterworfen. Heute bin ich gesund; ob ich's morgen sein werde, weiß ich nicht. Ich bin wieder so viele Tage älter geworden, dem Tode, dem Grabe und der Ewigkeit nähergekommen. Ach wie schnell sind sie dahin gegangen, die Tage dieser Woche, die sich mit aller Welt Gütern nicht wieder erkaufen lassen! und so schnell werde ich endlich das Ziel meiner ganzen Pilgrimschaft auf Ecden erreichen. Was sind vierzig, funfzig, ja achtzig Jahre, wenn man sie zurückgelegt hat! Wie der Tag, der gestern vergangen ist. Und woher nehme ich Gewißheit, daß ich so alt werden soll? Kann diese Woche nicht die letzte meines Lebens sein? Doch das tröstet mich: du selbst, o Herr und Vater meines Lebens, haft die Hinfälligkeit meines Lebens weislich geordnet; du hast das Ziel meiner Tage mit eigener Hand gesteckt, und bei allem Wechsel und Flüchtigkeit meines Lebens habe ich an dir einen unveränderlichen Führer, Beschützer und Freund, unter dessen gnädiger Aufsicht ich sicher fortwandeln kann. Ich muß sterben; alle meine Güter bleiben im Tode zurück; mein Beib wird durch die Verwesung zerstört. Aber du stirbest Über die Anwendung des kurzen Lebens 33 nicht; deine Jahre nehmen kein Ende; du bleibest meines Herzens Trost und Theil, wenn gleich Leib und Seele verschmachten. Du haft mich zum ewigen Leben erschaffen; ich bin dazu durch deinen Sohn erlöst. Ich habe deine Verheißung, daß ich nicht im Tode bleiben, sondern durch deine Macht wieder aus dem Grabe auferweckt werden, und daß mein Geist inzwischen, bis jener herrliche Tag der Aufer= stehung erscheint, in deiner Hand ruhen, und bei Jesu Christo sein soll. Von meiner Kindheit an bis hieher ist kein Tag vorbei gegangen, an welchem du mich nicht zur Vorbereitung auf den Genuß des ewigen Lebens berufen hättest. Nun mögen. meine Tage noch so schnell dahin eilen; nun mag mein Leben noch so vielen Veränderungen unterworsen sein: was schadet mir das Alles, wenn ich nur mein kurzes, flüchtiges Leben recht anwende, um zum Genuß jener zufünftigen, ewigen Güter fähig zu werden. Und dazu erwecke du selbst, gütigster Gott, mich und alle meine Nebenmenschen. Du mußt als ein gerechter Richter in jener Zukunft einem Jeglichen vergelten nach seinen Werken; du kannst dem nicht himmlische Freuden schenken, der ohne himmlische Gesinnungen in die Ewigkeit übergehet. Du kannst den nicht selig machen, der noch von Neid, Stolz, Rachbegierde, Geiz und Ungerechtigkeit beherrscht wird, der kein Vergnügen im Umgang mit Gott und in der Ausübung des Guten findet, dem der Umgang mit Frommen efelhaft und lästig ist, der sein höchstes Gut in der Befriedigung fleischlicher Begierden sucht. Was wir hier säen, das werden wir dort ernten. Durch die gute oder böse Anwendung dieses eitlen, furzen Lebens können wir unaussprechlich selig, oder unglücklich werden. Ach, so öffne doch, o Erbarmer, allen leichtsinnigen Sündern, die ihre äußerst wichtige Lebenszeit verschwenden und ihre Besserung und Anschickung auf den Übergang in die Ewigkeit von einem Tage zum andern aufschieben, die Augen, daß sie ihre Gefahr mit Schrecken wahrnehmen, und eilen ihre Seele zu retten. Ach, laß sie Alle dich suchen, weil du noch zu finden bist. Laß heute noch viele Gottlose den Weg des Verderbens verlassen und zu dir umfehren, o Herr, daß du dich ihrer erbarmest! Befestige alle Frommen in dem Vorsatze, ihre furze, unwiederbringliche Zeit, die du ihnen noch gönneft, zu einer gesegneten Aussaat für die Ewigkeit aufs weijeste und treueste zu nüßen. Erwecke auch mich, mein gütiger Vater, zu diesem ernstlichen Bestreben. Manche Tage meines Lebens sind für die Ewigkeit so gut als verloren, weil ich an ihnen meinen unordentlichen Begierden folgte, oder doch das Gute nicht that, wozu ich Gelegenheit hatte. Die Ersekung dieses Verlustes ist unmöglich. Es bleibt mir kein anderer Trost übrig, als die Begnadigung, die du um Christi willen den Bußfertigen versprochen. Indessen ist's doch billig, Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. Gebete. 3 34 Morgen- und Abend- Andachten. meine noch übrige Zeit so zu gebrauchen, daß ich die seligen Früchte davon in der Ewigkeit wieder einernte. Und das ist auch jetzt mein überlegter fester Vorsah. Ich will jede Gelegenheit ergreifen, weiser und frömmer zu werden, meine Berufspflichten zu erfüllen, meinem Nächsten zu dienen, und thätige Beweise der Menschenliebe abzulegen. Schenke mir doch dazu den segensreichen Beistand deines guten Geistes, und laß mich auf solche Weise zu jenem bessern Leben immer mehr vorbereitet werden. Und soll ich dann über kurz oder lang sterben, so führe mich bei deiner Hand durch das finstere Thal des Todes zu dem unvergänglichen, unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel. Sei indessen mir, meinen Freunden und allen Bewohnern des Erdbodens gnädig, und laß besonders in unserm Vaterlande Regenten und Unterthanen, Hohe und Niedrige, Reiche und Arme, Gesunde und Kranke deine wohlthätige Hülfe nach allen ihren Bedürfnissen erfahren, um Jesu Christi willen, Amen! 17. Am Sonnabend, des Abends. Gott, du bist unendlich gütig, ein Vater und Freund der Menschen, der nicht müde wird wohlzuthun. Davon habe ich auch in der Woche, die ich jetzt beschließe, Proben genug empfangen. Mit welcher Freudigkeit und Zuversicht könnte ich dich jetzt um deine väterliche Gnade und Erbarmung auch auf die Zukunft anflehen, wenn mir mein Gewissen das Zeugniß gäbe, daß ich diese Woche hindurch als ein dankbares und gehorsames Kind vor dir gewandelt hätte. Aber wie wenig verdiene ich diesen ehrenvollen Namen. Dich, meinen Schöpfer, Erhalter, Versorger, Herrn und Richter, sollte ich, überzeugt von deiner Allmacht, Weisheit und Güte, durch Liebe, Gehorsam und Vertrauen über Alles ehren. Oft aber verliere ich dich aus den Augen, oder denke doch nur kurz und flüchtig an dich. Wie verdrossen bin ich zu manchen Zeiten zum Gebet, zum Nachdenken über dein Wort und deine Werte, zur Danksagung für deine Wohlthaten. Nicht sorgfältig genug frage ich bei Jedem, was ich denke, rede und thue: ist's auch recht; stimmt es auch mit dem heiligen Willen meines Gottes überein? Ich wache nicht genug über mein Herz, widerstrebe nicht ernstlich genug den Reizungen zur Sünde, oder versäume doch manche Gelegenheit, da ich Gutes thun fönnte. Geht mir's nach Wunsch, wie leicht hängt sich mein Herz an die vergänglichen Güter, wird sicher und stolz im Glück, oder zerstreut und leichtsinnig in fröh lichen Stunden. Ich erkenne es, daß ich nicht lauter gute Tage von dir begehren kann, und daß ich eigentlich gar keine Wohlthat von Entschluß, besser zu werden. 35 dir verdient habe. Auch weiß ich, daß alle deine Führungen, selbst in den Trübsalen des Lebens, denen, die dich lieben, zum Besten dienen sollen. Dennoch scheue ich jedes Leiden, werde in der Zeit der Noth so geschwind zaghaft und ungeduldig, und versäume darüber den rechten Gebrauch zeitlicher Leiden zum Heil meiner Seele. Ich sollte nicht nur die Wohlfahrt meiner Angehörigen ernstlich besorgen, nicht ur in allen meinen Berufspflichten Treue beweisen, sondern auch jede andere Gelegenheit ergreifen, da ich nach meinem Vermögen zum Besten meines Nächsten etwas beitragen kann. Aber wie weit bin ich noch zurück in der Erfüllung des Gebots der Liebe, wenn ich die Thätigkeit und Wärme der Menschenliebe meines anbetungswürdigen Erlösers mit meinen Handlungen vergleiche. Bald lasse ich mich durch Parteilichkeit, bald durch unzeitige Sparsamkeit, bald durch Trägheit und Liebe zur Ge= mächlichkeit von der Erweisung dieser Tugend abhalten, oder ich übe sie nicht so willig und vorsichtig aus, wie es nach dem Vorbilde Jesu jein müßte. Zuweilen regte sich Rachgier in meinem Herzen, wenn ich beleidigt war. Jch vergab nicht geschwind, nicht herzlich genug, und ließ mich wohl gar vom Zorn zu Übereilungen hinreißen. Auch ist mir nicht selten manches Urtheil über den Nächsten entfahren, welches zu hart und lieblos war, oder ich überfah meine eigenen Fehler und tadelte das an ihm, worin ich selbst noch strafwürdig bin. Wie wenig treu und gewissenhaft war ich in der Ausrichtung meiner Berufsgeschäfte; wie widerspenstig gegen deine Bemühungen mich zu bessern, wie sorglos für mein Seelenheil! Ja, Vater, ich habe gesündiget; ich bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße. Und du, o Allwissender, siehst ohne 3weifel noch mehr strafwürdige Sünden, Fehler und Mängel an mir, als ich. Doch du bist barmherzig, gnädig, geduldig und von großer Güte. Dein Sohn, Jesus Christus, ist in die Welt gekommen, die Sünder jelig zu machen. Er ist auch für mich am Kreuz gestorben und von den Todten wieder auferstanden. Das Evangelium ist gewiß, daß in ſeinem Namen Alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfahen sollen. Mit Sorgen und Furcht müßte ich einschlafen, und eben so fummervoll wieder erwachen, wenn ich dies nicht wüßte. Nun aber kann ich getrost meine Augen schließen, in der Zuversicht: du werdest auch mir um Jesu' willen gnädig sein, und alle meine Vergehungen und Fehler in die Liefe des Meeres werfen, und um derselben willen mich nicht von deinem Angesicht verwerfen. Ich verabscheue das Böse, was ich bisher gethan habe, und wünsche nichts mehr, als immer besser, tugendhafter und frömmer zu werden. Ich erneuere den aufrichtigen Vorsatz, alle unordentlichen Begierden zu unterdrücken, alle bösen Gewohnheiten abzulegen, und in meinem ganzen Verhalten nicht meinen sündliHen Neigungen und Leidenschaften, nicht dem Beispiel der Lasterhaf3* 36 Morgen- und Abend- Andachten. ten, sondern dem Vorbilde Jesu und deinem heiligen Willen zu folgen. Vollkommen werde ich nie werden. Aber ich will doch dahin trachten, auf dem Wege des Glaubens und der Gottseligkeit immer weiter zu kommen. Stärke mich in diesem Entschluß durch deinen Geist und verleihe mir Kraft, denselben auszuführen. Laß mich zu dem Ende fleißig sein in der Abwartung des öffent lichen Gottesdienstes und im würdigen Gebrauch des heiligen Abendmahls. Laß mich jeden Tag meines Lebens mit andächtiger Betrachtung deines Wortes uno mit Gebet anfangen. Laß mich das viele große und unverdiente Gute, was du mir bisher an Leib und Seel' erwiesen und noch ferner erzeigen willst, nie vergessen, damit meine Seele mit find licher Liebe und Dankbarkeit gegen dich, und dadurch mit göttlicher Kraft zum Haß und Kampf wider alle Sünde und zum freudigen Gehorsam gegen alle deine Befehle und Schickungen erfüllet werde. Laß der großen Gedanten von deiner Allwissenheit und Allgegenwart mich in dem Lauf meines Lebens überall begleiten, und mich fleißig erinnern, daß keine Begierde in meiner Seele, kein Wort auf meiner Zunge sei, das du nicht wissen solltest, daß ich nie allein sei, daß du mir auch de nahe seist, wo kein menschliches Auge mich entdecken fann, damit i mich scheue, allenthalben und zu allen Zeiten etwas zu denken, zu begeh ren, zu reden und zu thun, was dir mißfällig wäre; damit ich trachter, möge, dir in der Einsamkeit und in Gesellschaften, bei meinen Arbeiten und Ergößungen, bei meinen Leiden und Freuden wohl zu gefallen, mich aber auch dadurch zu trösten, du werdest überall mein Bestes befördern, mich in jedem Unfall schützen, mir in jeder Versuchung beistehen, jeden guten Gedanken, jedes gute Wort und Werk mit Gnaden bemerken und um Jesu willen nicht das Geringste unbelohnt lassen. Laß mich oft daran denken, was es für eine erhabene Würde sei, um Jesu willen dein Freund und Kind zu sein; was für ein Glück, was für ein süßes Gefühl der Ruhe, Zufriedenheit und Freude mit dem Vorsatze und der Bemühung, dich zu ehren und recht zu thun, verbunden sei, damit ich jede Sünde, als die äußerste Schande und Störerin meines Glüds, hassen und fliehen, und alle meine Kräfte darauf richten möge, durd gute Gesinnungen und Thaten dir, meinem Freunde und Vater, täglish ähnlicher zu werden, und meine Ruhe, Freude und Glückseligkeit vermehren. Laß mich die großen Vorstellungen, welche una dein Won von der fünftigen Seligkeit giebt, und den Gedanken, daß mich jeder Augenblick in die Ewigkeit einführen kann, oft in meiner Seele er neuern, damit ich in der Ausübung der Pflichten des Christens thums fest und unbeweglich sein, immer zunehmen und endlich die unvergängliche Krone der Gerechtigkeit empfangen möge, welche der gerechte Richter mir und allen denen geben wird, die seine Erschei nung lieb haben. Gebet im Wohlstande. 37 Deiner weisen und väterlichen Regierung übergebe ich mich und die Meinigen und alle Menschen. Deine Gnade sei mit mir und mit uns Allen, im Leben und Tode, von nun an bis in Ewigkeit. Amen! 18. Gebet im Wohlstande. Gott Vater des Lichts, von welchem alle guten und vollkommenen Gaben zu uns herabkommen, du bist auch der Urheber des Segens, welchen ich im Zeitlichen genieße. So viele neben mir haben mit Sorgen und Kummer zu kämpfen, sind niedrig, unbekannt und verachtet, essen ihr Brod mit Seufzen, und führen ein hartes Leben, oder liegen unter quälenden Schmerzen krank und elend darnieder. Und mich erfreuet Ehre, Glück und Gesundheit. Was bin ich, Herr, daß du mich hervorgezogen und mit Vortheilen und Bequemlichkeiten, die viele Tausende entbehren müssen, versehen haft? Ich habe gar nichts vor andern Menschen bei dir verdient. Alles, was du an mir thust, ist und bleibet freie Gnade. Gott, mein Vater, gieb mir die Weisheit, deine große Güte und Freundlichkeit gegen mich dankbarer zu erkennen, die Tage der Heiterkeit und des Wohlstandes auf's beste zu gebrauchen, und dir durch treue Anwendung derselben in der That dankbar zu sein. Lehre mich in die Ferne hinsehen, wo vielleicht Verachtung, Kummer, Sorgen und Elend mich eben sowohl drücken werden, als die, welche jetzt verachtet, tranf mühselig und dürftig find. Hier ist ja alles dem Wechsel und der Veränderung unterworfen. Und wie bald ist mein Glück umgestürzt, wie schnell meine Gesundheit zerrüttet, wie leicht mein Vergnügen und Wohlergehen in Traurigkeit und Elend verwandelt! Bewahre mich vor den Sünden, in die wir so leicht gerathen, wenn wir haben, was unsere Herzen gelüstet. Gieb, daß ich nie in der Fröhlichkeit ausschweifend sei, daß ich nie auf das vergängliche Glück dieses Lebens meine Zuversicht jeze; daß ich nie über meinen Nächsten, der weniger glücklich ist, als ih, stolz hinwegsehe. Mache mich demüthig, daß ich Alles dir zuschreibe, und mit willigem Herzen meinem Nächsten diene. Mache mich mild gegen die Armen, mitleidig gegen die Kranken und Nothleidenden, und gelinde gegen die, welche mir gehorchen müssen. Mache mich zufrieden mit meinem Zuſtand, damit ich mich nicht stets mit neuen Wünschen und unersättlicher Habſucht martere. Laß mich deine Gnade, deinen Beifall und die selige Unsterblichkeit über Alles in der Welt hochschätzen, und darin die Beruhigung finden, welche ich im irdischen Glück vergebens suchen würde. Führe mich endlich durch die Abwechselungen dieser Welt zu den unwandelbaren Freuden des Himmels. Dir sei Ehre und Lob in Emigkeit. Amen! 19. Für Nothleidende. Dir, o Allwissender, ist die Trübsal bekannt, welche mein Leben so D 38 Für Nothleidende. bitter macht; du kennst auch das Maß meiner Kräfte und weißt, wie sauer mir's wird, meine Last zu tragen. Aber das ist mein Trost meine Schicksale stehen in deiner Hand, ohne deine Vorsicht und Lenfung fann mir fein Haar auf meinem Haupte gekrümmt werden. Ich leide also nach deinem Willen. Und du hast nicht aus Haß und Zorn, nicht zu meinem Verderben und Untergang diese Leiden über mich verhängt; nein du meinst es gut mit mir, und bist, auch wenn du züchtigeft, ein treuer Vater, der das Beste seines Kindes sucht. Ja noch mehr: du legst uns eine Last auf, aber du hilfft uns auch; wir haben an dir einen Gott, der hilft, und einen Herrn, der auch vom Tode errettet. Du hörest auch meine Seufzer, zählest auch meine Thränen, bist mein Tröster, Beistand und Erretter. O Gott, wie oft habe ich das erfahren, wie oft hast du mein Gebet erhöret, und mich aus der Noth herrlich errettet. Und doch ver gesse ich deine Hülfe so leicht, überlasse mich ängstlichen Sorgen und zweifele an deiner weisen Regierung und vermehre auf solche Art meine Plage. Habe Geduld, Herr, mein Gott, mit meiner Schwachheit. Ver gieb es mir um Jesu Chrifti willen, daß ich noch so kleinmüthig bin, so oft vergeblich sorge, so leicht ungeduldig werde und nicht willig genug deiner Führung folge. Uleberzeuge mich immermehr, daß es Undankbarkeit sein würde, wenn ich in der gegenwärtigen Noth wider dich murren, oder an deiner Hülfe verzagen wollte, da ich schon so viel Gutes aus deiner Hand empfangen habe. Lehre mich den großen Trost recht fassen: daß du mein Vater und Freund seiest, weil du mir deinen Sohn zum Erlöser gegeben, und daß du mir mit ihm nun auch das Geringere nicht versagen werdest; daß dein Sohn, Jesus Christus, mein Heiland und Seligmacher, auch gelitten und dadurch Mitleiden gegen das Elend seiner Erlösten gelernt habe; daß es dir, der du Alles in deinen Händen haft, und Alles mit Weisheit und Gnade regierest, nicht an Mitteln fehle, meine Noth zu lindern, und überschwänglich mehr an mir zu thun, als mein bekümmertes Herz erwarten fann; daß uns jede Trübsal aus weisen und gütigen Ab sichten von dir aufgelegt werde, und daß dieser Zeit Leiden nicht werth seien der Herrlichkeit, die an uns soll offenbaret werden. O gütiger, treuer Vater, so sei denn bei mir in der Noth, errette mich, und laß mir deine Sonne nach so vielen dunklen Tagen wieder scheinen. O wie will ich dich preisen, wenn du mir hilfst. Ich will es vor aller Welt bekennen, daß du so gnädig bist und so gern hilfft. Sollten aber meine Beschwerden sortdauern, so erleichtere sie mir durch deine Tröstungen, und laß mich sie zum Heil meiner Seele recht anwenden. Du willst durch die Trübsal dieses Lebens mich demüthigen, mich von der übertriebenen Anhänglichkeit an die vergänglichen Güter dieser Erde losmachen, und mir durch Verbitterung dieses Lebens das fünftige Für Nothleidende. 39 süßer und schäßbarer machen. Du willst mir dadurch Gelegenheit geben, meinen Glauben und Liebe gegen dich zu üben, gegen meinen Nächsten liebreicher und mitleidiger zu werden, und so meine Vergeltung in jener Ewigkeit zu vergrößern. Dies laß mich jetzt, und so lange ich noch hier bin, bedenken. Schenke mir durch den mächtigen Beistand deines Geistes ausharrende Geduld und Treue und richte mein Auge auf das Kleinod, welches mir dein Evangelium vorhält, so hin, daß ich unter allen Bekümmernissen getrost und muthig bleiben und in allen Widerwärtigkeiten so christlich handeln möge, daß ich endlich von aller Noth, Angst und Unruhe erlöst, zu der unbeschreiblichen großen Ruhe, Herrlichkeit und Seligkeit komme, die niemals ein Ende nimmt, und mit welcher alle Trübsale des gegenwärtigen Lebens nicht verglichen werden können. Das verleihe mir um Jesu Christi willen, Amen! 20. Für einen Kranken, der sich seine Krankheit selbst zugezogen. Heiliger und gerechter Gott, ich bekenne vor dir, daß ich durch den mannichfaltigen Mißbrauch der unschäßbaren Gabe der Gesundheit den Verlust derselben wohl verdient. Ja, mein Gewissen ängstiget mich durch den Vorwurf, daß ich selbst mir das ülbel, welches ich empfinde, jugezogen habe, indem ich mich solchen Sünden und Ausschweifungen überlassen, die die Kräfte des Lebens zerstören( indem die Heftigkeit meiner Affecten: Neid, Zorn, Mißvergnügen und Gram, meine sonst blühende Gesundheit in Unordnung gebracht). Jeht empfinde ich davon die traurigsten Folgen. Die Macht der Krankheit wühlet in meinen Gliedern. Ich kann meine Geschäfte nicht treiben. Das Denken wird mir schwer, da die Krankheit mit den Kräften meines Körpers zugleich die Kräfte meiner Seele schwächt; ich bin denen lästig, die um mich sind. Und wenn ich sterben sollte, welchen Kummer würde der Tod den Meinigen verursachen! Mein Gemüth ist unruhig, und Schrecken überfällt mich, wenn ich bedenke, wie schwer ich mich durch meine Unordnungen an dir, meinem Gott, verfündigt habe, und wie werth ich es bin, gestraft zu werden. Aber, o gnädiger und barmherziger Vater, so wahr du lebst, du willst nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. Wenn du uns hier züchtigest, so hast du nicht unser Verderben, sondern unsre Besserung zum Zweck. Du gönnst mir noch Zeit, zu dir um Erbarmung zu flehen. Ach! so erbarme dich denn deines elenden Geschöpfes; erbarme dich meiner um der theuren Erlösung willen, die dein Sohn Jesus Christus, auch für mich geſtiftet hat, und vergieb mir alle meine Sünden. Segne die Krankheit meines Leibes zur Gesundheit meiner Seele, und erwecke mich dadurch zu einem treuen Gebrauch deines 40 In Krankheiten. Worts, damit ich durch die Kraft defselben tüchtig werde, alle Sünden, und besonders auch die, welche die Ursachen meines Elends sind, zu verabscheuen und meine Gesinnungen, Worte und Werke zu bessern. Heile, wenn es dein heiliger Wille ist, meinen Leib und verlängere mir meine Gnadenzeit. Hilf mir aber auch durch deinen Geist, daß ich fünftig mäßigkeit und Ordnung lieben und meine Glieder nicht dem Dienst der Ungerechtigkeit, sondern dem Dienst der Tugend und Gerechtigkeit widmen und so rechtschaffene Früchte der Buße bringen möge. Hast du aber nach deiner Weisheit beschlossen, mich aus der Zeit in die Ewigkeit zu fordern, o so verwirf mich nicht von deinem Angesicht, Allerheiligster, und gehe nicht in's Gericht mit deinem Kinde. Wenn im Todeskampf meine Seele nach Troft schmachtet, wenn sie beim Anblick ihrer Sünden, des Grabes und der Ewigkeit, zittert, dann stärke mich durch die Versicherung, daß Jesus Christus in die Welt gekommen sei, die Sünder selig zu machen, und daß auch alle meine Sünden durch sein Blut und Tod getilget sind. Erhöre mich, Gott, mein Erbarmer, um Jesu Christi willen, Amen! 21. Für einen kranken, redlichen Christen. Dir, o mein Gott, der du alle meine Schicksale, mein Wohl und Wehe zu meinem Besten lentest, dir gefällt es, mich jetzt mit Krankheit heimzusuchen, und ich weiß nicht, ob ich noch länger leben, oder sterben werde. Dein Wille geschehe an mir! du wirst das Beste für mich wählen, und ich will mich befleißigen, das mit Gelassenheit anzunehmen, was du über mich verhängen wirst. Ich will aber auch nicht vergessen, daß du uns die Erhaltung unsers Lebens als eine wichtige Pflicht geboten hast. Ich will mich dem Gebrauch der Arzneimittel nicht widersehen, aus dem gemeinen, aber unvernünftigen Vorurtheil, daß wenn Zeit und Stunde da sei, teine Arznei etwas helfen fann. Ich will vielmehr bedenken, daß die Kranken des Arztes bedürfen, und daß du, o gütiger Schöpfer, die Natur nicht umsonst mit so vielen heilenden Kräften versehen hast. Ich will die Mittel, die deine Güte zur Erhaltung unsers Lebens darbietet, gehörig gebrauchen, und um deinen göttlichen Segen dazu unablässig bitten, damit meine Gesundheit wieder hergestellet, oder doch meine Krankheit erleichtert werden möge. Soll ich dann länger leben, oso will ich jeden Tag, den du zu meinem Leben noch hinzufügst, dazu anwenden, daß ich in der Beobachtung deiner Gebote, in dem Bestreben meinem Nächsten zu dienen, und in der Ausrichtung meiner Berufsgeschäfte immer treuer und rechtschaffener werde. Schenke du mir, mein Vater, deine Hülfe und Beistand, dieſe meine redlichen Entschließungen zu vollbringen. Soll ich aber sterben, nun ſo mache mich auch zu dem wichtigen Schritt aus der Zeit in die Ewigkeit fertig. Ich bin nicht erst jett durch den Anblick des Todes aus dem Schlafe 41 Bei Annäherung des Todes. der Sicherheit erwacht. Ich babe durch deine Gnade schon früher ange= fangen, mich auf die Ewigkeit vorzubereiten. Ich kenne dich als meinen gnädigen Vater, der mir um Jesu Christi willen meine Sünden vergiebt und mir ein ewiges Leben schenkt. Ich habe gesucht als ein Chrift so zu leben, daß ich vor dir und meinem Erlöser, dem Richter der Welt, bestehen fönne. Dennoch finde ich bei genauer Prüfung so vielfältige Vergehungen bei mir; ich habe oft aus Unwissenheit und Uebereilung gefehlt; ich habe nicht so viel Gutes gethan, als ich hätte thun können, und bin wegen Versäumniß mancher Pflicht und wegen Untreue und Unlauterfeit strafbar. Vergieb mir, mein Vater, um Jesu Chrifti willen, alle mir befannten und unbekannten Sünden, und beruhige und stärke mich durch den seligen Trost, daß Alle, die an ihn glauben, nicht sollen verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Mein Leib mag immerhin verwesen; du weckst mich zum ewigen Leben wieder auf. Du konntest Welten schaffen und vernünftige Seelen bilden. Du kannst auch Todte wieder lebendig machen und meinen Geist bis in die Ewigkeit erhalten. So gewiß du Jesum, meinen Erlöser, vom Tode erweckt hast, so gewiß wirst du eben das auch an mir thun, weil ich ihm angehöre, und weil er's seinen Freunden jugesagt hat, daß sie durch den Tod zu ihm kommen und ewig mit ihm leben sollen. Erhalte mir diesen Trost, treuer Gott, bis an mein Ende, daß ich dadurch alle Furcht vor dem Tode überwinden und ruhig meine Augen schließen könne. Mache mir die Schmerzen des Leibes und die Angst des Todes erträglich. Gieb mir Geduld und beständige Treue. Nimm meine Freunde und Angehörigen, die ich verlassen muß, in deine Aufsicht und Fürsorge. Du wirst mehr an ihnen thun, als ich bei einem längeren Leben hätte thun können. Dir übergebe ich alle meine noch übrigen Sorgen. Bald werde ich dich, Vater meines Lebens, näher fennen, bald werde ich ihn sehen, den göttlichen Freund, der aus Drang der Liebe für mich am Kreuze starb. Dann ist alle meine Traurigkeit in Freude verwandelt; dann lobe und preise ich dich in der Gesellschaft jeliger Geister immer und ewig, Amen! 22. Bei Annäherung des Todes. du Ewiger, ich komme dem Augenblick immer näher, der alle meine Tage auf Erden endigen wird. Gott, mein Schöpfer, mein Vater, fei mir gnädig, so lange ich lebe und in der Todesstunde! In meinem ganzen Leben, auch in diesen meinen letzten Stunden, hast du unaussprechlich viel Gutes an mir gethan. Mit sterbenden Lippen preise ich dich dafür, und ewig, ewig will ich dir dafür danken. Ach verlaß mich nur 42 Für die Umstehenden bei Sterbenden. nicht bei dem Uebergang in die Ewigkeit. Wie ein Vater sich über Kinder erbarmet, so erbarme dich über mich. Vergieb mir meine Sünden um Jesu Christi, deines Sohnes willen, der auch mich geliebet hat und sich selbst für mich dargegeben. Ach, nichts, nichts als dieser Glaube fann mich jett trösten und beruhigen. Ostärte mich denn in diesem Vertrauen. Hilf mir meinen Lauf vollenden, Glauben halten, und das Kleinod erlangen, das den Gläubigen verheißen ist. Erleichtere mir, wenn es dein Wille ist, meine Leiden; verkürze mir die Angst des Todes; erlöse mich bald von allem Uebel des Leibes und der Seele, und hilf mir zum Genuß des bessern Lebens im Himmel. O wie froh, wie selig werde ich da sein! Dich, Gott, werde ich schauen von Angesicht zu Angesicht. Dich, den ich hier nicht gesehen und doch lieb hatte, dich, meinen Heiland, werde ich sehen, und mich freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude. In deines Vaters Hause sind viele Wohnungen; und du bist hingegangen, auch mir eine Stätte zu bereiten. Da wirst du alle Thränen von meinen Augen abwischen; und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen. Da werde ich sicher sein, vor allen Beleidigungen der Gottlosen, befreit von aller Sünde und von allen Verführungen dazu. Da wird meine Erkenntniß, meine Tugend, meine Freude ewig wachsen. Da werde ich die wunderbaren, aber doch seligen Wege preisen, auf welchen du mich durch diese Welt geführt. Da komme ich zu der Menge vieler tausend Engel, in die Gesellschaft der vollendeten Gerechten, die schon zur Freude eingegangen sind. Da finde ich meine frommen Freunde wieder, und unsere Freundschaft wird vollkommen und ewig sein, wie unsre Seligkeit. Oso nimm denn, Herr Jesu, meinen Geist auf! Laß einst meinen Leib, zum ewigen Leben verklärt, wieder erwachen. Sorge für die Meinigen, und Hilf ihnen und mir und allen Menschen durch die Kraft deines Geistes, standhaft im Glauben und Gehorsam zu bleiben, damit wir die Krone des ewigen Lebens empfahen. Lob und Preis sei dir in Ewigkeit, Amen! 23. Für die Umstehenden bei Sterbenden. Liebreicher Gott, himmlischer Vater, wir flehen zu dir für diesen Menschen, der zu deinen Füßen liegt und seine Auflösung erwartet. Herr, sei ihm gnädig nach deiner Güte und tilge alle seine Sünden nach deis ner großen Barmherzigkeit. Stärke ihn; hilf ihm und errette ihn aus der Angst seines Herzens. Drücke das Wort: Ich bin dein Gott, tief in sein Herz, damit er den Tod mit allen seinen Schrecken überwinden möge. Herr Jesu, du Welt- Heiland, du hast auch für ihn gekämpfet und Leiden ohne Zahl ausgestanden. Tröste ihn damit in seinem Todeskampfe und stärke ihn durch die Versicherung, daß seine Leiden bald vollendet sind, und daß er nahe an dem Ziele sei, welches ihm die Krone Vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. 43 des ewigen Lebens entgegen hält. Gott, heiliger Geist, sei du sein Licht, seine Kraft, sein Beistand, da die Kraft seiner Sinne verschwindet. Vertritt du ihn mit unaussprechlichen Seufzern; heilige ihn durch und durch, und mache ihn unsträflich auf den Tag der Zukunft Jesu Christi. Schenke auch uns diese Gnade, o Gott, uns, die wir jetzt noch leben. Mache uns die Gedanken an Tod und Ewigkeit, an die Kürze unsers Lebens und an die Ungewißheit der Todesstunde zu aller Zeit recht wichtig, damit wir nicht in Sicherheit leben, nicht unsere Besserung aufschieben mögen, bis wir frank werden. Erwecke uns, daß wir recht ernstlich trachten nach dem, das droben ist; daß wir dich, der du uns in Christo Jesu so hoch geliebet hast, über Alles lieben; daß wir die Liebe dieser Welt und unsre Begierden nach irdischen Gütern so mäßigen, daß sie uns an der Erlangung einer ewigen Seligkeit nicht hinderlich werden können. Gieb, daß wir mit Jedermann in Liebe und Frieden leben; daß wir keinen Haß, teine Feindschaft, keine Rachbegierde unterhalten; daß wir bereit seien, uns mit unserm Nebenmenschen, der uns beleidiget hatte, auszusöhnen, dieweil wir noch mit ihm auf dem Wege sind. Laß uns demüthig, liebreich, wohlthätig, keusch, gerecht und heilig in unserm ganzen Wandel sein, und gieb, daß wir so unser Leben zu einer fteten Vorbereitung zur Ewigkeit machen. Denn ist Christus unser Leben, so wird auch Sterben unser Gewinn sein. Erhöre, o Gott, unser Flehen um deiner Barmherzigkeit willen, Amen! 24. Nachdenken über das heilige Abendmahl und Selbstprüfung vor dem Genuß desselben. Jesus, der Heiland der Welt, unser Herr, hat des Abends, da er in der Nacht daraus verrathen und zum Tode überliefert worden, nach der letzten jüdischen Ostermahlzeit, die er mit seinen Jüngern hielt, das heilige Abendmahl als ein feierliches Denkmal seines Todes eingesetzt und gestiftet. Er nahm nämlich Brod, und nach Gebet und Danksagung zerbrach er's und gab es seinen Jüngern mit den Worten: Nehmet, esset, das ist mein Leib, welcherfür euch hingegeben und gebrochen wird; thut dieses zu meiner Erinnerung. So nahm er auch nach dem Essen einen mit Wein gefüllten Becher, und nach einem Dankgebete sprach er: Trinket Alle daraus, denn dieses ist mein Blut, das Blut des neuen Bundes, welches für euch und für Viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Er fügte abermals den Befehl hinzu: Solches thut, so oft ihr's wiederholt, zu meinem Gedächtniß. Und damit wir wüßten, daß diese Mahlzeit für alle Christen und für alle Zeiten verordnet sei, so hat er durch Paulum ausdrücklich er 44 Vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. klären lassen, daß alle Bekenner seiner Religion diese gottesdienstliche Handlung bis an's Ende der Welt feierlich begehen, solche oft wiederholen, sich jedesmal dabei an ihn erinnern und seinen Tod verkündigen und preisen sollen. Das heilige Abendmahl ist also eine gottesdienstliche Handlung, die ich eben so wenig, als die übrigen Anordnungen der Religion Jesu verachten und vorsätzlich unterlassen darf, wenn ich ein Christ sein will. Denn nur dann sind wir seine Freunde, wenn wir thun, was er gebietet. In dem heiligen Abendmahl sollen wir das Gedächtniß der herrlichen Erlösung, die uns Gott durch Jesum Christum verschafft hat, und besonders das Andenken an sein Leiden und Sterben feierlich begehen. Wir sollen es öffentlich bekennen, rühmen und mit fröhlichen Danksagungen preisen, daß wir ihm alle Erkenntnisse von Gott, von seinem Willen und unserer Bestimmung, daß wir ihm die Errettung von der Schande und Strafe der Sünde, die Gnade Gottes und Leben und Seligkeit, daß wir ihm alle Antriebe, Kräfte und Mittel zur Frömmigkeit und Tugend, alle wahre Ruhe und Freudigkeit im Leben, und den besten Trost im Leiden und Sterben zu danken haben. Wäre ich nicht höchst undankbar, wenn ich das Allerbeste, was ein Mensch thun kann, die Wunder der Güte Gottes und Jesu Christi mit fröhlichem Herzen zu loben und zu preisen, leichtsinnig verabsäumte, und die leichte und angenehme Pflicht vernachlässigte, an meinen größten Wohlthäter und besten Freund zu denken und ihn öffentlich vor den Menschen zu bekennen? Das heilige Abendmahl, dessen Genuß mir und allen Bekennern der christlichen Religion befohlen, ist überdies nicht nur Pflicht, sondern auch Wohlthat für uns. 3war ist der Genuß desselben kein Mittel zur Abwendung leiblicher Übel oder zur Erlangung der Gesundheit und anderer irdischen Vortheile. Der bloß äußere Genuß hilft auch dem nichts, der ohne Bereuung und Verabscheuung seiner Sünden, der ohne gläubiges Verlangen nach Gottes Gnade und ohne Begierde nach Tugend und Besserung hinzunahet. Allein der würdige Genuß, wenn wir es zu der edlen Absicht brauchen, zu welcher es Jesus Christus eingesetzt hat, und solches mit einer Gemüthsfassung thun, die sich zu dieser Absichtschickt, ist doch mit einem großen Segen für unsere Seelen verknüpft. Er befördert erstens die Beruhigung unsers Gewissens, indem er uns die Gewißheit schenkt, daß uns Gott unsere Sünden vergeben habe, und daß wir von ihm, als unserm versöhnten Vater, nun alles Gute in Zeit und Ewigkeit erwarten dürfen. Schon das Evangelium giebt diese Versiche rung einem Jeden, der Buße thut, an Jesum Christum glaubt und sich wirklich bessert. Aber das heilige Abendmahl macht diese Versicherung Vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. 45 17 noch stärker und freudiger. Es versiegelt einem Jeden für seine Person diesen erquickenden Trost auf eine anschauende und sinnlich rührende Art. Jeder Communicant sieht, riecht und schmeckt Brod und Wein. Jeder wird, nach den Worten der Einsetzung, beim Essen des Brods des Leibes Jesu, und beim Trinken des Weines seines Bluts theilhaftig. Jedem wird die Versicherung gegeben: Das ist der Leib Jesu, für euch gegeben; das ist das Blut Jesu, für euch vergossen zur Vergebung der Sünden. Da darf dann jeder Bußfertige und Gläubige zu sich selber sagen: So gewiß du jetzt dieses Brod isfest und diesen Wein trinkest, so gewiß ist Jesu Leib auch für dich getödtet und sein Blut auch zur Vergebung deiner Sünden vergossen. Und so gewiß dieser Kelch dazu bestimmt ist, den neuen Bund, der durch das Blut Jefu errichtet ist, feierlich zu versichern: so gewiß wirst du an allen Verheißungen des neuen Bundes in Zeit und Ewigkeit Theil nehmen; so gewiß wird folglich Gott die Strafen deiner Sünden aufheben, dich als sein Kind väterlich lieben, dir wohlthun und dich fromm und selig machen." Der würdige Genuß des heiligen Abendmahls ist zweitens ein jegensvolles, träftiges Mittel, der Wohlthaten des heiligen Geistes theilhaftig zu werden, und die Gesinnungen in uns zu wirken, zu vermehren und zu stärken, welche das Evangelium von denen fordert, die an den Früchten und Vortheilen der Erlösung Jesu Christi Theil zu nehmen wünschen. Denn wenn wir uns zum heiligen Abendmahl durch Gebet und genaue Prüfung unsrer selbst gehörig vorbereiten, wenn wir vor und bei dem Genuß desselben über die evangelischen Lehren, woran uns dies Denkmal des Todes Jesu erinnert, ruhig nachdenken, wenn wir dabei die Liebe des Vaters, der seinen Sohn für uns in den Tod gegeben, und die Liebe Jesu Christi, der für unsere und der ganzen Welt Sünde so viel erduldet hat, ernstlich erwägen und preisen, wenn wir die herrlichen Wohlthaten betrachten, die wir seinem Tode zu danken haben, und endlich auch die Pflichten zu Herzen nehmen, zu denen uns seine Erlösung verbindet: dann giebt uns diese gottesdienstliche Handlung immer mehr Lust und Kraft, alle Sünden zu verabscheuen, die Gnade Gottes in Jesu Christo mit zuversichtlichem Glauben zu ergreifen, Gott unsern Vater, und Jesum unsern Erlöser und Herrn mit Liebe, Gehorsam und Vertrauen zu berehren, die Trübsale dieses Lebens nach dem Muster des Herrn Jesu mit Gelassenheit und fröhlicher Hoffnung zu erdulden, alle unsere Nebenmenschen mit Aufrichtigkeit und Eifer zu lieben, ihnen ihre Fehler zu vergeben und uns mit ihnen zu versöhnen, wenn wir sie beleidigt haben. So oft ich also wahrnehme und empfinde, daß ich einer besondern Erquickung und Beruhigung meines Gewissens, oder einer besondern Ermunterung und Stärkung meines Glaubens, meiner Gottfeligkeit und Tugend, meiner Geduld und Menschenliebe bedarf: so oft will ich durch den Gebrauch des heiligen Abendmahls den Tod Jesu, meines 46 Vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. Herrn, verkündigen, bis daß er kommt, bis ich dort im Himmel ihn selbst sehen und in seiner Gemeinschaft ewig froh und selig ſein werde. * Auch jetzt bin ich entschlossen, das zu thun, was der sterbende Heiland seinen Erlös'ten befohlen hat: ich will zum heiligen Abendmahl gehen. Mich geht also die Ermahnung des Apostels an: Der Mensch prüfe sich selbst und also effe er von diesem Brode und trinke von diesem Kelch. O Seele, so sammle denn deine Gedanken zur Aufmerksamkeit auf dich selbst! Erforsche und frage dich selbst: Warum will ich zum Tische des Herrn gehen; was bewegt mich zu dieser Entschließung? Viele treibt blos die Gewohnheit dazu an, weil sie es zu gewissen Zeiten zu thun pflegen, oder die Nachahmung Anderer, oder die Furcht, durch die Unterlassung dieser Handlung den Namen guter Christen zu verlieren, oder die Einbildung, durch bloße Beobachtung dieser gottesdienstlichen Handlung irdische Vortheile, ja gar Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit zu erlangen. Sind es auch meine Bewegungsgründe und meine Absichten? Oder nahe ich mich zum heiligen Abendmahl, um dem leichten Befehl meines Heilandes zu folgen, das Gedächtniß der Liebe Gottes und Jesu Chrifti zu begehen, ein öffentliches Bekenntniß von meinem Glauben an ihn abzulegen, mich über alles das Gute, was ich ihm zu danken habe und von ihm erwarte, gemeinschaftlich mit meinen Miterlösten zu freuen, mich im Glauben an die evangelischen Verheißungen zu stärken und mich dadurch mit Trost im Leiden und Sterben zu versehen, mich auf's neue zur Verabscheuung aller Sünden, zur Ausübung alles Guten und zur Nachahmung des Beispiels Jesu zu verpflichten, mich mit allen meinen Nebenchristen in brüderlicher Liebe zu vereinigen, damit ich immer bereitwilliger werde, ihnen zu dienen, zu helfen und Gutes zu thun? Habe ich ferner auch die Gemüthsfassung, die ein Christ haben muß, der das heilige Abendmahl nicht unwürdig, sondern würdig zu halten wünscht? Erfenne und empfinde ich den großen Werth der unverdienten Gnade, die uns Gott in seinem Sohn erwiesen hat? Verehre ich Jesum Christum als den eingebornen Sohn Gottes, als den Erretter und Seligmacher der Menschen, als den Herrn und König der Welt? Erinnere ich mich mit dankbarer Freude an das, was er für mich und die Menschen überhaupt gethan und gelitten hat, wie unwissend, elend und trostlos wir ohne ihn gewesen wären, und wie glücklich wir durch ihn geworden sind und noch werden können? Schäße ich mich glücklich, ein Chrift zu sein? Wünsche ich, sehnlich, an den Früchten der Erlösung, die durch Chriftum geschehen ist, Theil zu haben, und durch ihn gerecht und selig Vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. 47 zu werden? Habe ich mich zu dem Ende auch bisher ernstlich bestrebt, die Bedingungen zu erfüllen, auf welche uns Gott durch Jesum Christum begnadigen und selig machen will? Oder, wenn es bisher nicht geschehen, ist es von nun an mein redlicher Wunsch und Entschluß? Erkenne ich jetzt das große Verderben meiner Natur und die mannichfachen Sünden, deren ich mich durch Ausübung des Bösen und Unterlassung des Guten in Gedanken und Begierden, in Worten und Thaten schuldig gemacht? Reuet es mich herzlich, daß ich dadurch ungehorsam gegen Gott, meinen Schöpfer und Herrn, undankbar gegen meinen himmlischen Vater und Wohlthäter, und feindselig gegen mich selbst und meinen Nächsten gehandelt habe, wenn ich es unterließ, Gott durch Liebe, Gehorsam, Vertrauen und Zufriedenheit mit seinen Schickungen zu ehren; wenn ich die Güter und Freuden dieser Erde und den Beifall der Welt höher schätzte als die Gunst und das Wohlgefallen Gottes und die Seligkeit des Himmels; wenn ich Gottes Namen durch Fluchen, falsches und leichtsinniges Schwören mißbrauchte; wenn ich ein Sklave der Unkeuschheit und Unreinigkeit war; wenn ich Zorn, Haß, Rachsucht, Stolz, Neid, Mißgunst, Geiz und Habsucht in meinem Herzen nährte; wenn ich Böses mit Bösem, oder Scheltworte mit Scheltworten bergalt; wenn ich den Unschuldigen durch Verleumdungen und üble Nachreden fränkte; wenn ich mich durch Ungerechtigkeit und Betrug zu bereichern und zu erheben suchte; wenn ich es unterließ, demüthig, sanftmüthig, versöhnlich, gerecht, billig, gütig, barmherzig, aufrichtig und freundlich zu sein; wenn ich in meinem Stande und Beruf( als Obrigfeit oder Unterthan, als Lehrer oder Zuhörer, als Ehemann oder Ehefrau, als Vater, Mutter, oder Kind, als Hausherr, Hausfrau, oder als Dienstbote und Tagelöhner) die Pflichten vernachlässigte, die mir obliegen? Erkenne ich die Sünde, um derentwillen Jesus Christus gestorben ist, für das größte Übel, und bin ich ernstlich entschlossen, sie alle, ohne Ausnahme, zu fliehen und zu meiden, auch meine Lieblingsfinden, wozu mich mein Temperament und meine Leidenschaften am meisten reizen, immer mehr zu verabscheuen und zu bekämpfen? Nehme ich die Zusagen Gottes, daß er jeden Bußfertigen um des Verdienstes Jesu willen begnadigen wolle, mit demüthigem Glauben an? Habe ich den redlichen Vorsatz, mich täglich zu bessern und mein Herz und Leben nach den Geboten und nach dem Muster Gottes und Jesu Christi einzurichten? Bin ich bereit, diesen Vorsat nicht nur einige Lage, sondern in meinem ganzen noch übrigen Leben, davon ich nicht weiß, ob's Tage, Monate oder Jahre dauern werde, zu erfüllen, in allen christlichen Gesinnungen und Tugenden zuzunehmen und beständig zu beharren? Bin ich willig, stets zu denken, zu reden und zu thun, wie ich dereinst im Tode und der Ewigkeit wünschen werde, geredet und gehandelt zu haben? Habe ich insonderheit allem Hasse, aller Vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. Rachbegierde entsagt; bin ich brüderlich gegen alle meine Nebenchristen, gegen alle Menschen gesinnt, und bereit, jedes begangene Unrecht wieder gut zu machen, jede Verleumdung und Lügen zurück zu nehmen und meinen Beleidigern alle ihre Fehler zu verzeihen? 48 * Kann ich dieses mit redlichem Herzen vor dir, o allwissender Gott, bejahen: so darf ich nicht daran zweifeln, du werdest mich für dein Kind und für einen rechtschaffenen Verehrer deines Sohnes Jesu Chrifti erkennen, und als einen solchen begnadigen und segnen, wenn gleich mein Glaube, meine Tugend und Frömmigkeit nicht so rein und vollkommen wäre, als sie wohl sein sollte. Schwachheiten und Fehler, die wir erkennen und bestreiten, die willst du uns, o güttiger Vater, nicht zurechnen. Ja auch Sünden und Laster, die wir aufrichtig bereuen und wirklich lassen, die willst du uns gnädig verzeihen. Davon hast du uns durch Jesum versichert; dessen erinnern und freuen wir uns an seinem Tische. Wenn mich also mein Herz nicht verdammet, wenn es mir das Zeugniß eines redlichen Bestrebens nach Tugend und Rechtschaffenheit giebt: so habe ich Freudigkeit zu dir, meinem Gott; so darf ich mich der Gemeinschaft mit dir und deinem Sohne Jesu Christo, rühmen; so darf ich, von der Vergebung aller meiner Sünden gewiß, mich der Hoffnung der ewigen Seligkeit freuen; so werde ich in dem Gedächtniß deiner Liebe und der Liebe Jesu Christi neuen Antrieb, neue Kraft und Stärke zur Ausübung alles Guten bekommen, unter deinem Beistande alle Reizungen zum Bösen überwinden, auf dem Wege der Tugend fortgehen und einst das herrliche Ziel meines Glaubens und meiner Hoffnung unfehlbar erreichen. Gott, Vater der Barmherzigkeit, hilf mir dazu und segne dazu an mir den Gebrauch des heiligen Abendmahls um deiner ewigen Liebe willen, Amen! 25. Demüthigung nach einem bisherigen laſterhaften Leben. Allwissender, du kennest mich und ergründest mein Herz; ich kann vor dir meine Undankbarkeit und Treulosigkeit nicht leugnen. Die Sünde habe ich über mich herrschen lassen und ihr in ihren verderblichen Lüften Folge geleistet. Manche Arten der Laster habe ich zwar wirklich vermie den, weil ich wenig natürlichen Hang dazu spürte, oder keine Gelegen heit und Reizung zu ihrer Vollbringung hatte, oder weil ich die Schande vor Menschen und andere traurige Folgen scheuete. Dagegen sind manche andere unerlaubte Begierden desto heftiger bei mir geworden. Ich habe mir kein Gewissen darüber gemacht, ihnen blindlings zu folgen, und die Vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. 49 böse That öffentlich oder insgeheim zu vollziehen. Oft habe ich durch Mißbrauch meiner Seelen- und Leibeskräfte mir selbst manche Übel zugezogen. Oft habe ich auch dadurch ungerecht und feindselig gegen meinen Nächsten gehandelt und ihn wohl gar zum Lafter verführt. Und wenn auch das Alles nicht wäre, so habe ich doch viel Gutes unterlassen, was ich hätte thun können. Ich habe es versäumt, dir, meinem Gott und Vater, für die vielen Wohlthaten zu danken, die ich täglich aus deinen Händen empfing; dich durch Liebe, Gehorsam, Vertrauen und Unterwerfung unter deinen Willen zu verehren, und dich auch öffentlich und gemeinschaftlich mit meinen Brüdern anzubeten, zu loben und dein Wort zu hören und zu lernen. Ich bin gleichgültig gewesen gegen das Wohl meiner unsterblichen Seele, die doch so hoch in deinen Augen geachtet ist. Ich habe in Erfüllung dessen, was mein Stand und Beruf bon mir fordert, nicht den Eifer und die Treue bewiesen, die ich hätte beweisen sollen. Mein Leben, meine Gesundheit, Güter, Ehre, Ansehen und alle übrigen Gaben und Kräfte, die du mir verliehen, habe ich nicht so nützlich angewandt, als ich hätte thun können und sollen. Ich habe es versäumt, meine Nebenmenschen zu erfreuen, ihnen zu dienen und ihre Zufriedenheit, ihr Glück, ihre Besserung und Tugend zu befördern. In solcher Gesinnung bin ich manche Jahre fortgegangen und doch haft du mich bis diesen Tag mit göttlicher Langmuth getragen. Du bist nicht müde geworden, mir Gutes zu thun und an meiner Zurechtbringung zu arbeiten. Oft hörte ich deine Stimme, wenn ich mich mit deinem Worte beschäftigte; oft sagte mir's mein Gewissen, daß mein Thun unrecht und mein Zustand verdammungswürdig sei. Aber ich hatte die Sünde zu lieb, als daß ich deinem gütigen Rufe folgen sollte. Jetzt aber, o gütiger Gott, hast du angefangen, mir meine Augen zu öffnen und sie durch das Licht deines Wortes zu erleuchten. Ich erkenne es wenigstens mit Scham und Reue, daß ich so sicher und lasterhaft bisher gelebt und sehe es ein, daß ich in solchem 3ulande dir unmöglich angenehm sein kann. Ich wünsche von Herzen besser zu werden, und ein wahrer Christ zu sein, der Vergebung der Sünden hat, und auf dem Wege der Tugend seinem Erlöser nachfolgt. sei mir denn gnädig, du Gott und Vater unsers Herrn Jesu Chrifti, und vergieb mir meine Sünde! Du hast ja deinen Sohn für uns in die Welt gesandt, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden; sondern das ewige Leben haben. Du haft ihn für uns in den Tod gegeben, und willst uns mit ihm und um seinetwillen Alles schenken. Auch mir, barmherziger Gott, auch mir Unwürdigem bietest du Vergebung aller meiner Sünden, deine Gnade und eine ewige Seligkeit an; auch mir willst du davon die feierlichsten Pfänder und Versicherung im heiligen Abendmahl mittheilen, wenn ich mit wahrer Bußfertigkeit, mit lebendigem Glauben und mit dem aufrichtigen Vorsake, ein heiliges Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. Gebete. 4 50 Vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. Leben zu führen, zu dir nahe. Erfreue denn mein Herz mit deiner Gnade und mit der Versicherung deiner väterlichen Liebe. Schenke mir aber auch deinen Geist, der mich allezeit leite, damit meine Besserung gründlich und anhaltend werde. Bewahre mich vor allem Leichtsinn und Trägheit, damit ich nicht auf's neue in Sünden gerathe und durch neuen Ungehorsam meine Schulden vergrößere. Laß die Betrachtung deiner unendlichen Liebe und der Liebe meines Heilandes, laß den Genuß der Unterpfänder derselben, die ich am Tisch des Herrn empfangen werde, laß die Hoffung der zukünftigen Herrlichkeit, die du mir vorhältst, so gesegnete Eindrücke auf mich machen, daß die Beschämung wegen meiner vorigen Sünden und der Haß dagegen, daß die Liebe zu dir und zu allem Guten dadurch gestärkt, und ich dadurch noch williger werde, allen Geboten Jesu Christi zu gehorchen und dir bis in den Tod getreu zu bleiben, Amen! 26. Demüthigung beim Bewußtsein mancher Fehler und Mängel. Gütiger Gott, ich bin bereit, die Handlung auszurichten, die mir dein Sohn, Jesus Christus, mein theuerster Erlöser, zu seinem Andenken und besonders zum Andenken seines Versöhnungstodes befohlen hat. Indem ich mich selbst vor deinem Angesicht prüfe, finde ich in mir Spuren einer dankbaren, ehrfurchtsvollen Liebe gegen dich, und zu gleich ein wahres Verlangen, als ein würdiger Gast an dem Gedächtnißmahl des Todes Jesu Antheil zu nehmen. Ich finde, daß du mich bisher vor schweren Sündenfällen und gefährlicher Verlegung meines Gewissens gnädig bewahrt hast. Aber darum bin ich nicht gerechtfertigt vor dir, o Allerheiligster, deine Allwissenheit siehet noch viele Fehler und übereilungen an mir, siehet, wie schwach und unvollkommen meine Tugend und Frömmigkeit ſei. Du hast das gute Werk der Bekehrung in mir angefangen, du haſt mich durch den heiligen Geist auf den Weg des Lebens geleitet. Aber habe ich mich auch beslissen, durch würdigen Gebrauch deines Wortes und durch das Gebet auf demselben fortzugehen und im Guten be ständig zuzunehmen. Bin ich insonderheit seit dem letzten Genuß des heiligen Abendmahls besser, oder schlimmer geworden? Ach Gott, du weißt es! ich habe oft nicht eifrig genug gegen die Sünde gekämpft, die in mir wohnt. Ich habe zu wenig über mich selbst und die Reizungen außer mir gewacht. Ich habe mich oft durch Widerspenstigkeit gegen deinen Willen, durch Mißtrauen und Ungeduld, durch Zorn, Stolz, Haß und Neid durch irdischen Sinn und andere unerlaubte Begierden und Vergehungen, aus Unwissenheit, übereilung und Unbedachtsamkeit verfündiget. Ich habe oft viel Gutes, das du Vor dem Genuß des heiligen Abendmahls. 51 mir befohlen, aus Trägheit versäumt. Meine frommen Gelübde, die ich des morgens und Abends in den Stunden der Andacht that, habe ich oft bald wieder gebrochen. Und wenn ich noch eine gute That verrichtete, so geschah es oft mehr aus Eigennuß und Ehrgeiz, als aus dankbarer Liebe zu dir. Es ist mir oft schwer geworden, mich selbst zu verleugnen, meine Feinde zu lieben, und die zu segnen, die mir fluchen. Und dein helles Auge entdeckt noch tausend Fehler und Flecken mehr an mir, die ich nicht sehe. Ach, mein Gott, verwirf mich um deßwillen nicht! Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmest du dich über die, die dich fürchten. Erbarme dich auch über mich, und habe Geduld mit deinem schwachen Kinde, um Jesu Christi willen, der eine vollkommene Gerechtigkeit auch mir erworben hat. Ja Herr Jesu, du verwarfest ja deine ersten Jünger nicht, ob sie gleich noch große Schwachheiten an sich hatten. Du hast auch dein Abendmahl für deine unvollkommenen, aber doch redlichen Freunde verordnet, welche Stärkung ihres Glaubens und ihrer Tugend nöthig haben. Komm denn auch meiner Schwachheit zu Hülfe. Mache den Trost fest in mir, daß an denen keine Verdammung sei, die dich annehmen, wenn sie nicht nach den sündlichen Begierden, sondern nach den Vorschriften des heiligen Geistes leben. Und das ist auch mein Vorsat: ich möchte gern unsträflich vor dir wandeln. O hilf mir dazu durch den Beistand deines Geistes! Laß mich nie gegen meine Fehler und übereilungen gleichgültig werden. Lehre mich vielmehr immer eifriger thun nach deinem Wohlgefallen, und laß mich die Wunder deiner Barmherzigkeit bei dem Genuß des heiligen Abendmahls so bedenken, daß Glaube, Liebe und Hoffnung dadurch in mir gestärkt, und ich auf's träftigste bewogen werde, mit Beständigkeit in guten Werken nach dem ewigen Leben zu trachten, Amen! 27. Beim Genuß des heiligen Abendmahls. Herr Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi, du bist die Liebe. Laß es uns jetzt beim Genuß des heiligen Abendmahls schmecken und sehen, wie freundlich du bist, wie unschätzbar die Wohlthaten sind, mit welchen du uns als Christen begnadiget hast. Himmel und Erde sind voll von Beweisen deiner Güte; aber dadurch hast du dieselbe auf eine ganz ausnehmende Weise offenbart, daß du deinen Sohn zur Versöhnung unserer Sünde in die Welt gesandt, daß du ihn für uns in den Tod dahin gegeben, daß du uns an ihm einen so vollkommenen Lehrer, einen so mächtigen und großmüthigen Erretter und Seligmacher geschenkt haft, und daß du uns noch jetzt durch ihn Gnade, Leben und Seligkeit anbieten läſfeſt. Wie können wir nun an deiner Huld und Liebe zweifeln? Du Beim Genuß des heiligen Abendmahls. haft uns deinen Sohn geschenkt mit ihm und durch ihn willst und wirst du uns Alles schenken. Du willst uns unsre Sünden vergeben und unsre Gebrechen heilen. Wir dürfen uns deiner Gnade und deines Wohlgefallens, deiner väterlichen Aufsicht und Fürsorge getrösten. O unaussprechliche Gnade! Dir, unserm wohlthätigsten Vater, heiligen wir uns ganz und gar; dir bringen wir Leib und Seele und Alles, was wir sind und haben, zum Opfer unserer Dankbarkeit. Und wie sollen wir deine Liebe, o göttlicher Erlöser, Herr Jesu, würdig genug erheben? Du, der Sohn Gottes, dessen Herrlichkeit göttlich ist, du famest aus Liebe zu uns auf Erden, wurdest ein Mensch, gleich uns, die Sünde ausgenommen. Du unterwarfest dich allen Beschwerden des irdischen Lebens, ließest dich in den niedrigsten Stand herab, wo weder Reichthum, noch Ehre und Freude dein Loos war. Du verleugnetest willig allerlei Bequemlichkeiten, die du hättest haben können, um unser Lehrer, Vorbild und Erretter zu werden. Wie groß war dein Eifer, Unwissenheit und Irrthum zu vertreiben, und die Erkennt niß der Wahrheit zur Gottseligkeit unter den Menschen auszubreiten! Wie heilig war dein Wandel, und wie vollkommen deine Tugend und Menschenliebe! Wie wohlthätig waren deine Werke, und wie groß die Gotteskraft, die sich darinnen offenbarte! Wie unzählig und bitter waren aber auch die Leiden und Verfolgungen, die du ausge standen haft! Welche Zunge vermag es auszusprechen, was du da empfunden hast, wie du in jenen, für dich so schrecklichen, für uns aber so heilsamen und trostvollen letzten Stunden deines Lebens mit Todesangst rangest, zittertest und zagtest; wie dein Schweiß, gleich Blutstropfen, auf die Erde siel; wie du vom Geist der Lügen mit falschen Beugnissen und Gotteslästerungen gequält wurdest: wie dein Haupt mit Dornen zerstochen, dein Antlitz verhöhnt, dein Rücken gegeißelt, deine Hände und Füße mit Nägeln durchgraben wurden; wie man dich zwischen Mördern und Übelthätern lästerte, und dich als einen verworfenen Missethäter keines Trostes und keiner Erbarmung werth achtete; wie du da tlagtest: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, und endlich unter den peinlichsten Schmerzen eines schmählichen Todes starbest! Dies Alles littest du, o Herr Jesu, als der Sohn Gottes, als der erhabenste Gegenstand des Wohlgefallens Gottes, aus Gehorsam gegen deinen himmlischen Bater. O präge die Wahrheit tief in mein Herz, daß nichts als liebevoller Gehorsam uns vor ihm angenehm und werth mache, damit ich nicht in den Gütern dieser Welt, nicht in dem Beifalle und Ruhm, dem Gelde und der Macht der Erde, sondern in der Gnade Gottes und dem Besitz der Seligkeit, die du uns erworben, mein höchstes Gut suche. 52 Beim Genuß des heiligen Abendmahls. Dies Alles littest du willig, geduldig und mit Unterwerfung unter den Willen deines himmlischen Vaters. O lehre mich auf dich sehen, und dir nachahmen bei allen Widerwärtigkeiten diejes Lebens, bei den Beschwerden meines Leibes, bei den Beunruhigungen und Mühseligkeiten, die mit den Geschäften meines Standes und Be= rufs verbunden sind, bei den gefahrvollen Kämpfen wider die Sünde und sonst allenthalben, wo ich die Last dieser Pilgrimschaft schwer fühle. Dies Alles littest du aus Liebe zum menschlichen Geschlecht und auch für mich. Denn so gewiß ich jetzt im heiligen Abendmahl Brod esse und Wein trinke, so gewiß ist dein Leib auch für mich hingegeben, und dein Blut auch zur Vergebung meiner Sünden vergossen, durch deinen Tod sind nun alle meine Sünden versöhnt, auch alle meine fortdauernden Mängel und Schwachheiten gut gemacht. Erquicke mich durch diesen Trost im Leben und Sterben, und stärke dadurch meinen Glauben an Gottes Gnade. Gieb mir aber auch Kraft, dich wieder zu lieben, der du mich erst geliebet haft, und als dein erlöstes Eigenthum recht fleißig zu sein in guten Werken. 53 Du, o Herr Jesu, bist für unsere Sünde gestorben. Welch ein Beweis des Hasses Gottes gegen alle Sünde und seiner vollkommensten Strafgerechtigkeit! Ermuntere mich dadurch, jede Sünde zu verabscheuen und zu fliehen, und das größte Glück der Welt eher zu verleugnen, als wider Gott mit Wissen und Willen zu fündigen. Du, o theuerster Heiland, bist für alle Menschen gestorben. Und ich sollte dem nicht wohlwollen, den nicht herzlich lieben, für den Jesus sein Leben gelassen, für den Gott seinen Sohn gegeben hat? Ja, hier im Abendmahl überzeuge ich mich auf's neue von der Pflicht einer allgemeinen Menschenliebe, und erneuere meine Entschließung: was du an mir gethan, das will ich, so viel mir möglich ist, an meinen Brüdern wieder thun. Bei dem Brode, von dem ich in Gesellschaft mit meinen vornehmern und geringern, mit meinen reichern und armen Nebenmenschen esse, bei dem Freundschaftsbecher, aus welchem ich mit ihnen Allen trinke, bei dem Leibe und Blute unsers gemeinschaftlichen Bruders, Erlösers und Herrn gelobe ich:„ Fern sei von mir alle Verstellung, Tücke und Bosheit, alle Lieblosigkeit, Unbarmhersigkeit, Argwohn, Neid, Eigennutz, Stolz, Feindseligkeit, Haß und Rachgier! Jeder Mensch, auch der niedrigste Knecht, auch mein ärgfter Feind, sei ein Gegenstand meines Wohlwollens! Und es sei meine Freude, Andere zu erfreuen und ihnen wohl zu thun!" Du hist endlich, o Herr Jesu, nicht nur um unserer Sünden willen gestorben, sondern auch um unserer Gerechtigkeit willen wieder auferwecket. Selbst dein Abendmahl, das wir jetzt genießen, beweist es. Du würdest tein feierliches Denkmal deines schmachvollen Todes gestiftet haben, wenn du nicht deine nahe Auferstehung und Nach dem Genuß des heiligen Abendmahls. Verehrung unter allen Völkern vorhergesehen hättest. Deine Bekenner würden deinen Kreuzestod auch eher verborgen, als durch ein öffentliches Andenken feierlich begangen haben, wenn du nicht auferstanden wärest. Du lebst also, und ich werde auch leben. Einft nimmst du meinen Geist auf; einst erweckst du meinen Leib aus dem Grabe, und rufft ihn hervor zum ewigen Leben. Einft werde ich, erlöst von allem Übel, Gott schauen und dich, meinen Heiland, sehen und bei dir sein in deiner Herrlichkeit. Einst werde ich mit dir, meinem besten Freunde, mit den Personen, die hier meinem Herzen theuer sind, mit allen guten Seelen unter den Menschen und mit den Engeln zu einer ewigen Freundschaft vereiniget und von Ewigkeit zu Ewigkeit immer vollkommener und glückseliger werden. O drücke mir heute, theuerster Erlöser, durch deinen Geist diese große Hoffnung und deine Liebe so start in's Herz, daß ich darin den kräftigsten Antrieb zu allen Tugenden, die Versüßung und das Gewürz meiner Freuden und den besten Trost in Leiden und Ster ben finden möge, Amen. 54 28. Nach dem Genuß des heiligen Abendmahls. Herr Gott, himmlischer Vater, dir sei Lob und Dank für allen Unterricht, alle Ermunterung, allen Trost, womit du uns durch die Feier des Gedächtnisses deiner Liebe und der Liebe deines Sohnes Jesu Christi begnadiget haft. Wie sollen wir dir alles das Gute ver gelten, das du an uns gethan hast? Möchte doch unser ganzes Leben lauter Dank und eine immerwährende Lobpreisung deines Namens sein! Ja! deine Liebe dringt uns, o Gott; die Begierde, dir zu ge fallen und deinen Willen zu thun, belebt uns jetzt Alle. Ach laß sie uns stets beleben und unser ganzes fünftiges Leben regieren. Gieb doch, barmherziger Gott, daß wir die Versprechungen der Treue und des Gehorsams, die wir dir heute gethan haben, nie vergessen, sondern von nun an mit unermüdetem Eifer an ihrer Erfüllung arbeiten mögen. Lehre uns selbst deinen Willen thun, und leite uns durch deinen Geist auf ebner Bahn. Laß uns alle Tage unsers übrigen Lebens im Glauben und in der Nachfolge deines Sohnes leben, der uns geliebet und sich selbst für uns dahin gegeben hat. Den großen Zweck seines Leidens und Sterbens, uns zu Gliedern seines eigenthümlichen Volls zu machen, die recht eifrig in allen Tugendwerken sein sollen, laß uns stets vor Augen schweben. Laß uns insbesondere immer mehr redliche und herzliche Freunde aller Menschen werden, so wie er es war und du es bist. Ja, gütigster Gott, heilige uns ganz und gar, und laß unsre Seele und unsern Leib unsträflich und unbefleckt erhalten wer den auf die Zukunft unsers Herrn Jesu Christi, welchem sammt dit sei Lob und Ehre in Ewigkeit, Amen! Nach den sonntäglichen und Wochenpredigten. 55 29. Nach den sonntäglichen und Wochenpredigten. Ewiger Gott, himmlischer Vater, wir danken dir für alle deine Wohlthaten und besonders auch für die Gnade, die du uns jetzt wieder erwiesen hast, uns dein Wort verkündigen zu lassen. Laß das Licht deiner Offenbarung sich immer weiter unter den Völkern ausbreiten. Vergieb uns unsere Sünden und Undankbarkeit und erhalte uns bei dem Genusse des Guten, womit du uns bisher nach deiner unendlichen Liebe gesegnet hast, um Jesu Christi willen. Laß den heilsamen Unterricht, den uns dein Wort giebt, durch deinen Geist in uns Allen fräftig werden, damit dadurch Erkenntniß und Weisheit, Rechtschaffenheit, Tugend und Menschenliebe, Trost, Freude und Glückseligkeit sich allenthalben unter uns vermehren möge. Laß deinen Segen, o Gott, nicht von dem Lande, von dem Ort und von der Gemeinde weichen, darin wir wohnen. Bewahre uns vor großem Unglück und Landplagen und beglücke uns und unsere Nach= kommen mit allem dem, was zu einer vollkommenen Wohlfahrt auf Zeit und Ewigkeit gehört. Walte mit deiner Aufsicht und Fürsorge über alle Könige und Fürsten, und insbesondere über unsern theuersten König und das ganze Königliche Haus. Erhalte ihn bei beharrlichem Wohlergehen, und laß uns unter seiner Regierung eines unverrückten Wohlstandes genießen. Kröne die Bemühungen aller seiner Räthe und Diener, aller Stände, Obrigkeiten und Richter dieses Landes, aller Lehrer der Religion, der Künste und Wissenschaften mit Glück und Gedeihen, daß überall Religion, Gewissenhaftigkeit, Ordnung, Ruhe und Wohlstand vermehrt und befördert, und der Landbau, die Künste und Wissenschaften, die Handlung und alle andere Arten des Gewerbes mit gutem Fortgang getrieben und immer blühender werden. Dir, o Gott, und deiner väterlichen Fürsorge empfehlen wir alle unsere Nebenmenschen. Führe die Unwissenden zur Erkenntniß, die Irrenden zur Wahrheit, die Zweifelnden zur Gewißheit, die Lasterhaften auf den Weg der Besserung. Erfreue die Traurigen mit Trofte, die Elenden mit Hülfe, die Kranten mit Erquickung, und die Sterbenden mit Hoffnung eines bessern Lebens. Endlich siehe mit Gnade und Erbarmung auf uns Alle herab. Verleih uns Allen, daß wir uns die Gnade, die uns in Jesu Christo, deinem Sohne, erschienen ist, wohl zu Nuße machen, damit wir durch seine Lehre erleuchtet, durch sein Verdienst begnadiget, durch sein Beispiel geleitet und von seinem Geiste beseelt, der Sünde immer mehr absterben, alle unsere Pflichten treulich erfüllen, die uns anvertrauten Fähigkeiten und Güter nach deinem Willen gebrauchen, und ein soldes Leben führen mögen, daß wir zu dem höhern seligen Leben geschickt werden, welches du uns im Himmel bereitet hast. Stehe uns 56 Im Advent und am Weihnachtsfeste. dazu bei mit deiner Gnade und deinem Geiste, durch Jesum Christum unsern Heiland, Amen! 30. Ein anderes Gebet zu eben dem Gebrauch. Groß und mannichfaltig sind die Wohlthaten, die du uns schenkst, Herr, unser Gott. Aber auch groß und stark ist unsere Verpflichtung, dich zu lieben, dir zu gehorchen, und uns in unserm ganzen Verhalten bloß nach deinem Willen zu richten. Gieb uns denn durch deis nen Geist die Gnade, daß es das Ziel unserer höchsten Ehrbegierde und unser unablässiges Bestreben sein möge, dir, unserm gütigsten, freigebigsten Wohlthäter zu gefallen, und gleich dir an der Beförderung der Vollkommenheit und Glückseligkeit unserer Nebenmenschen zu arbeiten. In diesen Gesinnungen laß uns dein Wort, das wir jetzt gelesen und gehört haben, stärken, damit wir nicht unfruchtbare Hörer, sondern Thäter desselben seien, und so immer ruhiger und seliger werden mögen. Laß dieses Glück auch denen zu Theil werden, welchen es noch fehlt. Segne zu dem Ende alle Fürsten, alle Obrigkeiten, alle Lehrer in Kirchen und Schulen mit vorzüglicher Weisheit, Menschenliebe und Treue, daß sie die Ausbreitung der Wahrheit und Tugend und die Glückseligkeit derjenigen, die du ihrer Fürsorge empfohlen hast, auf alle Weise befördern. Insbesondere heilige zu diesem großen Zweck unsern gnädigsten König und Herrn. Begnadige ihn mit der Versicherung deines Wohl gefallens. Erfreue ihn durch das Glück und die Liebe seiner Unterthanen. Entferne von ihm alles Widerwärtige und mache ihn zum Beispiel deiner wohlthuenden Gnade bis zum höchsten Ziel des menschlichen Lebens. Alle die, denen die Regierung dieses Landes und die Verwaltung der Gerechtigkeit anvertraut ist, und die, die diesem Amt, Ort und Gemeinde vorgesetzt sind, empfehlen wir deiner Fürsorge, Gnade, Beschirmung und Hülfe. Dir empfehlen wir diese ganze Gemeinde, die Gesunden und die Kranken, die Reichen und die Armen, die Glücklichen und die Unglücklichen. Segne uns Alle mit Gedeihen in unserm Beruf, mit gefunden, fruchtbaren und ruhigen Zeiten, und vor allen Dingen mit Weisheit, Tugend und christlicher Frömmigkeit, mit Kraft und Gelegenheit zu vielen guten, christlichen Thaten, mit der Freude des Recht- und Wohlthuns, mit der Versicherung deines höchsten Wohlgefallens und der frohen Hoffnung eines ewigen Lebens, durch Jesum Chriftum, Amen! 31. Im Advent und am Weihnachtsfeſte. Gott, Schöpfer und Vater der Menschen, wir, dein Volk, deine Erlöften, deine Kinder, werfen uns, von Bewunderung und Freude durch Im Advent und am Weihnachtsfeste. 57 brungen, vor deinem Throne nieder, und beten dich voll Ehrfurcht und Dankbarkeit an. Uns ungehorsamen Geschöpfen und strafbaren Aufrührern in deinem Reiche haft du deinen eingebornen Sohn zum Lehrer, Mittler und Heiland geschenkt, und läsfest uns durch ihn anstatt der Strafe, die wir verdient, Gnade, und anstatt des Elends, worin wir uns gestürzt hatten, Trost und Seligkeit verschaffen und anbieten. Gott, wer kann die Größe dieser deiner Erbarmung und Gnade faffen? Wer kann dir den Dank und das Lob geben, die dir gebühren? Die Beweise deiner Liebe gegen uns sind unzählig; aber die Sendung deines Sohnes in die Welt, um Friede, Heil und Glückseligkeit auf die Erde, und Freude, Wonne, und Zufriedenheit unter die Menschen zu bringen, ist die rührendste Probe von deiner unermeßlichen Huld und Güte, ist das Siegel deiner Vaterliebe und Freundschaft gegen uns.O möchten wir es recht erwägen, recht empfinden, wie viel du für uns gethan, wie hoch du uns geachtet, wie herrlich die Hülfe und Errettung sei, die uns durch deinen Sohn, Jesum, den Weltheiland, zu Theil wird. Daß wir dich und deinen Willen fennen, und das frohe Evangelium Jesu auch den Armen und Geringen gepredigt wird; daß wir strafwürdige Sünder uns auf Buße und Besserung deiner Begnadigung und der Vergebung der Sünde getrösten fönnen; daß wir Muth und Kräfte haben können, von Sünden abzulassen, und ein tugendhaftes Leben zu führen; daß wir uns bei dem Gefühl unserer Mängel und Fehler deiner väterlichen Nachsicht, und beim Gefühl unserer Schwachheit des Beistandes deines Geistes versichern können; daß wir uns deiner Fürsorge mit findlicher Zuversicht überlaffen und stets das Beste von dir erwarten können; daß wir nun nicht mehr mit einem slavischen Schrecken vor dir, unserm Herrn und Richter, zittern, sondern dich als unsern Vater mit findlicher Liebe und Zuversicht anbeten und verehren dürfen; daß wir wissen, du wollest jede gute Gesinnung und That, die aus Liebe und Gehorsam zu dir herrührt, als einen Gottesdienst ansehen und belohnen; daß wir eine unerschöpfliche Quelle des Trostes und der Beruhigung bei allen Trübfalen und Bekümmernissen dieses Lebens haben; daß wir uns zur Hoffnung einer seligen Unsterblichkeit erheben; alle Furcht des Todes und des Grabes besiegen, den Tag des Gerichts und der Vergeltung ohne Schrecken erwarten und uns der Seligkeit der zukünftigen Welt zum voraus erfreuen können; dies Alles, o Gott, haben wir der Sendung deines Sohnes in die Welt und dem großen Werk zu danken, das er auf Erden vollbracht hat. Ehre, Ehre und Preis sei denn dir, o Allerhöchster, für alle diese Wohlthaten, Vortheile und Segen! Schenke uns nun auch mit deinem Sohne deinen mächtigen Geist, damit die Absichten der Ankunft Jesu, deines Sohnes, in die Welt an uns Allen erreicht werden mögen. Laß 58 Am Neujahrstage. uns die Wahrheit, die er uns verfündiget hat, immer höher schätzen, immer eifriger lernen, damit das Reich der Finsterniß, des Irrthums und des Aberglaubens immer mehr dadurch zerstört werde. Laß die Begnadigung, die Beruhigung und Hoffnung des ewigen Lebens, die er uns erworben, uns allen zu Theil werden: aber bewahre uns auch, daß wir deinem gnädigen Vorhaben, uns dieses Glück zu schenken, nie durch muthwillige Sünden uns widersehen, und desselben nie durch ein unchristlich lasterhaftes Leben uns unwürdig und verlustig machen mögen. Mache vielmehr diese Seligkeit des Christenthums unsern Herzen immer theuerer und wichtiger. Erzeuge in uns die kindliche, dankbare Liebe, die dir so wohl gefällt, und stärke uns dadurch, alle Laster zu meiden, alles Gute mit Freuden zu verrichten, alle Reizungen zu bösen, niedrigen Thaten zu überwinden, im Leben, Leiden und Sterben dich mit allen unsern Gesinnungen, Worten und Werken zu preisen, damit wir dereinst, wenn unser Heiland zum zweiten Male erscheinen und die Menschen richten wird, heilig und unsträflich vor ihm erfunden werden, und mit ihm in dein Reich eingehen mögen. Erhöre uns durch Jesum Chriftum, Amen! 32. Am Neujahrstage. Gott, der du von Ewigkeit zu Ewigkeit lebest und herrschest und wirfest, stets bleibest, wie du bist, und dessen Jahre kein Ende nehmen, wir, deren Tage nur einer Hand breit sind, heiligen dir, dem unsere Zeit und Alles, was wir sind und haben, zugehört, die Erftlinge dieses Jahres. Mit Danken kommen wir vor dein Angesicht; denn jeder Tag, jede Stunde des vergangenen Jahres zeugt von deiner Güte, Liebe und Treue gegen uns. O daß auch jeder Tag, jede Stunde des verflossenen Jahrs von unserer Dankbarkeit, Gegenliebe und unserm Gehorsam gegen dich zeugen möchten! Aber, Herr, wir müssen uns schämen; voll Reue und Kummer fühlen wir die Laft, die schwer drückende Last von Sünden und Schulden, die ein ganzes Jahr auf uns häufet. Ach, wie vieles unters laffenen Guten, wie vieler unordentlichen Lüste und böser Thaten muß es uns nicht vor dir, dem Allwissenden, anklagen! Wie groß war nicht die Gefahr Vieler unter uns, von dem Tode und der Ewigkeit übereilt zu werden, ehe sie sich zum Übergang in ein besseres Leben geschickt gemacht hatten! Ach Gott, tilge unsere Sünden nach deiner großen Barms herzigkeit um Jesu Christi willen, der Jesus genannt wurde, weil er sein Volt felig machen sollte von Sünden, und laß sie gleich dem verganges nen Jahre in's Meer der Vergessenheit versinken. Laß aber auch dieſes neue Jahr, das uns deine Güte heute antreten läßt, nicht unsere Schuld vermehren. Laß es fruchtbarer an guten christlichen Gesinnungen und Thaten für uns sein, als es unsere bisherigen Lebensjahre gewesen find. Am Feste der Offenbarung Chriſti. 59 Laß uns die Kürze und Flüchtigkeit unsers irdischen Lebens und seine Verbindung mit unserm künftigen ewigen Schicksal nie vergessen, damit wir stets wählen und thun, was wir dereinst, wenn uns der Tod vor's Gericht führt, wünschen werden, gewählt und gethan zu haben. Laß dieses Jahr für uns und alle unsere Brüder auf Erden gesegnet sein. Laß es ein Jahr der Erquickung und Hülfe für alle Elenden und Nothleidenden, ein Jahr der Freiheit für alle Unterdrückten und Verfolgten, ein Jahr der Erleuchtung für alle Unwissenden und Verirrten, ein Jahr der Besserung für die Lasterhaften, ein Jahr des Fortgangs und Wachsthums auf dem Wege der Vollkommenheit für alle deine rechtschaffenen Verehrer sein! Segne alle Könige und Fürsten. Überschütte vornämlich mit den besten Segnungen unsern gnädigsten König, das ganze Königliche Haus und alle seine Diener. Segne alle Lehrer der Religion, und besonders, die du uns gegeben hast. Verherrliche deine Hülfe an allen Kranken, Armen und Traurigen unter uns. Laß deine Güte uns Alle erfreuen, und sei mit uns, wie du bisher mit uns und unsern Vätern gewesen bist. Erhöre uns, barmherziger Gott, um deiner ewigen Liebe willen, durch Jesum Christum unsern Herrn, Amen! 33. Am Feste der Offenbarung Christi und seiner Lehre an die Heiden. Herr, unser Gott, wir freuen uns vor dir, und bringen dir mit vereinigten Herzen Lob und Dank, daß du uns, die wir in Finsterniß saßen, erleuchtet und uns auf den Weg der Glückseligkeit geleitet hast. Die Finsterniß der Unwissenheit und des Irrthums bedeckte ehemals die Gegenden, wo jetzt das Licht deiner Wahrheit scheint. Abgötterei und Aberglauben erniedrigten da die Menschen, wo jetzt deine Verehrer dich, den einigen wahren Gott, den Schöpfer Himmels und der Erden und den du gesandt hast, Jesum Christum, im Geist und in der Wahrheit anbeten. Unglaube, 3weifelsucht und Trostlosigkeit, Raub, Mord, Unterdrückung, Meineid und Ehebruch herrschten da über den größten Theil der Völker, wo jetzt froher Glaube, fester Trost und Hoffnung, christliche Frömmigkeit, Menschenliebe, Gerechtigkeit, Friede und Treue bekannt ist.. Ach! ohne deine Hülfe, o Gott, ohne die Erleuchtung durch Jesum Christum und seine Lehre wären auch wir das, was unsere weniger glücklichen Voreltern waren. Gleich ihnen würden wir dich, unsern Gott, deine herrlichen Vollkommenheiten, deine liebreichen Rathschlüsſe über uns nicht kennen. Gleich ihnen würden wir vor stummen Gögen niederfallen, auf kindische Gebräuche, auf grausame Opfer unser Vertrauen seßen, uns von blinden Führern leiten und bald von vergeblicher Furcht, bald von eitler Hoffnung täuschen lassen. Gleich ihnen würden 60 Am Feste der Offenbarung Christi. wir vielleicht nach Begnadigung und Trost, nach Kraft zum Guten schmachten und doch elend und entkräftet bleiben. Aber wie groß ist jetzt unser Glück, da wir Christen sind. Wir kennen dich, den Ewigen und Allmächtigen, als den Gott, der die Liebe ist und unser Vater. Wir wissen, daß du für einen Jeden unter uns sorgest; denn alle unsere Haare, alle unsere Seufzer und Thränen sind von dir gezählet. Wollen uns unsere begangenen Sünden deine Gnade zweifelhaft machen, wie beruhigend ist dann die Lehre deines Wortes für bußfertige Seelen: An Jesu, dem Sohne Gottes, haben wir die Erlösung durch jein Blut, die Vergebung der Sünden. Die Lehre Jesu zeigt uns den Weg zur wahren Glückseligkeit in diesem und dem zukünftigen Leben, und giebt uns bei gehörigem Gebrauch derselben Antrieb, Beistand und Kräfte, auf demselben zu wandeln. Ihr haben wir den besten Troft in dem mannichfaltigen Elend dieses Lebens und die Versüßung unsers Todes zu danken. Wir dürfen nun nicht bei den Gräbern der Unsrigen traurig sein, wie die Andern, die keine Hoffnung haben. Jesus lebt; wir werden auch leben, auch unsere frommen Freunde, deren Verlust wir beweinen, werden leben, mit uns bei Jesu Christo sein, seine Herr lichkeit sehen, Gott schauen! Dant, froher Dant, Lob, ewiges Lob sei dir, o unser Erbarmer, für diese unverdiente Wohlthat. Bewahre uns, daß wir die großen Vorzüge, die wir als Christen haben, nie verlieren, nie geringschäßen mögen. Mache uns vielmehr geneigt, oft daran zu gedenken, daß wir Christen sind, und segne diese dankbare Erinnerung dazu, daß dadurch in uns jede Versuchung zum Unglauben und zu Sünden geschwächt, daß dadurch uns die Ausübung jeder Tugend erleichtert und alle Bitterfeiten des Lebens und des Todes versüßt werden mögen. Ja, hochgelobter Jesus, ewiger Sohn Gottes, der du über Alles herrschest und das Glück deiner erlösten Menschen besorgest, erhalte, reinige und heilige dir selbst deine Kirche. Laß deine Lehre unter uns immer mehr Wahrheit, Tugend, Ruhe, Freude und Seligkeit wirken. Lehre uns Alle dem Lichte folgen, womit du uns erleuchtet haft; den Namen, den wir tragen, mit der That behaupten; durch Vertrauen und Geduld, durch Demuth, Sanftmuth und Verträglichkeit, durch Menschenliebe, Gütigkeit, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Wahrheitsliebe und Aufrichtigkeit, durch Mäßigkeit, Keuschheit, Fleiß und gewissenhafte Treue in unserm Beruf und Stande Jedem das Christenthum verehrungs und liebenswürdig machen, und so beweisen, daß du in uns wohnst und wir von deinem Geist belebt und regiert werden. Erweitere denn auch die Grenzen deines Reichs auf Erden. Er barme dich aller Menschen, die noch von dir entfernt sind. Laß dein Evangelium auch ihnen verkündiget werden und in ihnen ein neues Leben In den Gedächtnißtagen 2c. 61 hervorbringen, damit sie mit uns der höheren Glückseligkeit fähig werden, die deinen aufrichtigen Verehrern bereitet ist auf Zeit und Ewig= feit, Amen! 34. In den Gedächtnißtagen des Leidens und des Todes Jesu. Ewiger Sohn Gottes, Herr Jesu, du Erretter und Seligmacher der Menschen, mit einem Herzen voll Dank und Freude preisen wir dich, daß du in die Welt kamst, den Rath Gottes von unserer Erlösung auszuführen. Reine äußere Herrlichkeit umgab dich, da du zur Seligmachung der Sünder auf Erden erschienest. Zwar warest du ganz ohne Sünde, ein heiliger und unbefleckter Mensch, mit den herrlichsten Kräften, mit hoher Weisheit und mit den vortrefflichsten Gaben des heiligen Geistes geziert; du wohntest unter den Menschen voll Gnade und Wahrheit, und man jahe deine Herrlichkeit als des Eingebornen vom Vater in vielen göttlichen wohlthätigen Werken. Aber du erschienest doch nicht im Glanz deiner göttlichen Majestät, du begabeft dich des beständigen Gebrauchs der Herrlichkeit, die dir, als dem ewigen Sohne Gottes, eigen war; du nahmest unsern schwachen gebrechlichen Leib an, lebtest in Knechtsgestalt ohne äußerliches Ansehen; unter warfest dich allen Einschränkungen, Bedürfnissen und Beschwerden unserer Natur. Dein ganzes Leben war ein Zusammenhang von unermüdeter Geschäftigkeit, die Menschen zu unterrichten, zu bessern, zu trösten, zu begnadigen und glücklich zu machen. Du lehrtest den Weg, der zu Gott und der wahren Glückseligkeit führt. Du gabest der Welt das vollkommenste Muster von der höchsten menschlichen Unschuld und Tugend. Du zogest umher und thatest wohl. Auf allen deinen Wegen begleitete dich Licht, Weisheit und Wahrheit, Menschenliebe, Mitleiden, Trost, Hülfe und Errettung. Gleichwohl wurdest du von feindseligen Menschen gehaßt, verfolgt, geschmähet. Du wirst endlich gar als ein Übelthäter gefangen, als ein Gotteslästerer angeklagt, mit falschen 3eugnissen getränket, von heuchlerischen und zum Theil blutgierigen Richtern verurtheilt, von unbarm= herzigen Gerichtsdienern geschlagen, verspottet, gelästert. Dein Haupt wird mit Dornen zerstochen; dein Angesicht durch grausame Schläge verstellt; dein Rücken blutig gegeißelt. Du wirst an Händen und Füßen mit Nägeln durchgraben, an's Kreuz geheftet, und erduldest den schimpflichsten, schmerzlichsten Tod. Und was sind alle diese äußerlichen Leiden gegen die Leiden deines Geistes, gegen die außerordentliche Angst und Bangigkeit, womit deine Seele angefüllt war, da am Ölberg deine Glieder vor Beklemmung und Traurigkeit der Seele zitterten; da du in 62 In den Gedächtnißtagen dieser großen Beängstigung auf der Erde lageft und flehtest, daß, wenn's möglich wäre, die Stunde des Schreckens und Jammers vorüber gehen möchte; da du im Beten so heftig rangest, daß dein Schweiß wie Blutstropfen auf die Erde floß; da deine innere Qual so peinlich wurde, daß ein Engel dich stärken mußte, um nicht unter ihrer Laft zu erliegen. Dieser Angst, diesen Mißhandlungen und Verspottungen, diesen Martern, Schmerzen und Tod gingest du, o theuerster Jesu, mit gesetztem, ruhigem Gemüth und williger Entschlossenheit entgegen und dulde test alle diese Leiden mit der größten Gelassenheit und Geduld, mit beispielloser Sanftmuth und mit findlicher Ergebung in den Willen deines Vaters; in der Absicht, um die Barmherzigkeit und Güte, die Heiligkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit Gottes auf's neue zu verherrlichen und uns strafwürdigen Sündern Errettung, Trost und Seligkeit zu verschaffen. Nun dürfen wir uns bei redlicher Besserung vor den verdienten Strafen der Sünden nicht fürchten, und an der Bereitwilligkeit Gottes, uns Gnade für Recht widerfahren zu lassen, nicht zweifeln, denn du haft für uns und an unserer Statt gelitten, um uns eine völlige Begnadigung, Vergebung aller Sünden und eine neue Hoffnung und ein neues Recht zur Seligkeit zu erwerben. Nun haben wir eine zuverlässige Versicherung von der väterlichen Huld und Liebe Gottes gegen uns und eine gewisse Hoffnung des ewigen Lebens; denn Gott hat seines eigenen Sohnes nicht verschonet, sondern ihn für uns Alle dahingege ben; wie sollte er uns mit ihm nicht Alles schenken? Nun dürfen wir in keiner Art des Leidens verzagen; denn du regierst jetzt als Herr über Alles alle unsere Schicksale, und wirst uns nie verlassen noch versäumen, da wir dir dein Blut und Leben gekostet, da du weißt, wie leidenden und sterbenden Menschen zu Muthe sei, und durch die eigenen Empfindungen unsers Elends zu mitleidigen, fanft müthigen und zärtlichen Gesinnungen gegen uns bist zubereitet worden. Nun wissen wir, wie wir uns im Leiden und Sterben Gott wohlge fällig betragen können: denn du hast gelitten für uns und uns ein Vorbild gelassen, daß wir sollen nachfolgen deinen Fußstapfen. Nun sind uns neue Kräfte erworben, der Sünde abzusterben und der Gerechtigkeit zu leben; denn nichts verpflichtet uns stärker und ermuntert uns träftiger dazu, als die ernste Erwägung deiner Mittlersleiden und deines Versöhnungstodes. O so laß uns denn nie vergessen, was wir dir, unserm groß müthigen Erretter und Seligmacher, schuldig sind, und mach unser ganzes Leben zu einem beständigen Dant gegen dich. Siehe herab vom Thron deiner Herrlichkeit auf uns alle, die wir jetzt mit un ferm Geiste unter deinem Kreuze stehen, und mache uns das Wort vom Kreuz zur göttlichen Kraft, um dadurch begnadiget, beruhiget und gebessert zu werden. Bringe uns unter die Zahl derer, die dir dein Vater zur Beute, zum süßen Lohn für deine saure Seelenarbeit des Leidens und des Todes Jeſu. 63 bestimmt hat. Lehre uns, dir dadurch Freude machen, daß wir den Segen deines Todes mit dankbarem Glauben annehmen und nicht uns, sondern dir leben. Laß alle die, welche noch den Sinn haben, der Sünde zu dienen, aus deiner Marter, Angst und Tod die er-. schreckliche Gefahr erkennen, darin sie sich befinden, wenn sie im Laster fortfahren, damit sie mit Entsegen alle Sünden, auch ihre ge= wöhnlichsten und angenehmsten, bußfertig verabscheuen und mit völliger Absagung ihres Dienstes Gnade und Vergebung bei Gott im Glauben an dein Verdienst suchen und finden mögen. Laß Alle, welche durch dich zu Gott gekommen sind und noch zu ihm kommen, des Trostes der Vergebung der Sünden genießen. Erbarme dich aller Menschen, auch derer, die nicht Christen sind und dich nicht kennen, im Leben und im Tode. Laß die Kraft deines Todes sich insbesondere an allen denen verherrlichen, die jetzt unter der Last schwerer Leiden, unter dem schmerzhaften Gefühl eines bekümmerten Geistes, oder eines kranken, der Auflösung sich nähernden Körpers seufzen, oder vielleicht gar von Angst und Schrecken des Todes umfangen sind. Laß dein Marterbild ihrem Geiste gegenwärtig sein und Licht in ihre Finsterniß, Trost und Hoffnung in ihr geängstetes Gemüth bringen. Erinnere uns Alle stets an deine großmüthige Aufopferung zu unserm und unserer Nebenmenschen Besten, damit wir dadurch Kräfte erlangen, jede Reizung zum Bösen, zur Ungerechtigkeit, zum Neid und Geiz, zum Stolz, zur Rachbegierde und Wollust zu besiegen; unsere Größe und Glück nicht in Pracht, Reichthum und andern glänjenden Dingen, sondern gleich dir in Weisheit, Frömmigkeit, Demuth, Sanftmuth, Geduld, Versöhnlichkeit, Großmuth, Menschenliebe und Wohlthätigkeit zu sehen: gleich dir in dem Dienste Gottes, in der Beförderung des gemeinen Besten und des Wohls unserer Brüder, ja selbst unserer Feinde, weder Mühe noch Arbeit, weder Tadel, noch Undant, weder Beschwerden noch Gefahr zu scheuen; gleich dir bei Beleidigungen, die uns Andere unter göttlicher Zulassung zufügen, zu dulden und zu schweigen, gern und ohne Genugthuung zu verzeihen und das Böse mit Gutem zu vergelten; gleich dir uns dem Willen Gottes zu ergeben, und Alles, was er uns zuschickt, mit Gelaffenheit zu leiden, ohne von seinen Geboten zu weichen, um uns davor zu bewahren oder uns davon zu befreien, sondern gleich dir unverdrossen, standhaft und treu zu bleiben im Guten bis in den Tod. Dann wird dir, o Herr Jesu, der Dank gefallen, den wir dir hienieden stammeln; dann werden wir, wenn du uns zu dir rufft, wenn unser Ende sich hier nähert, voll Hoffnung und Zuversicht mit dir sagen können: Es ist vollbracht, Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist; dann werden wir einst dich und deine Herrlichkeit sehen, ganz Dantbarkeit und Freude sein; dich, so wie du 64 Am Osterfeste. dessen würdig bist, lieben, und das Glück, deine Erlösten zu sein, ganz empfinden, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Es geschehe uns so, Amen! 35. Am Osterfeste. Allmächtiger Gott, du hast Jesum Christum, unsern geliebten Erlöser, nach überstandenen Schmerzen des Todes nicht im Grabe gelassen, sondern ihn aus demselben in's Leben hervorgeführt. Auf eine kleine Zeit war er der Allerverachtetste und Unwertheste. Aber nun ist er mit Ehre und Preis gefrönet und zu deiner Rechten im Himmel über Alles erhöhet. Du hast uns auch von dieser Begebenheit, daß Jesus von dem Tode wieder auferwecket worden, eine solche Gewißheit ges geben, daß wir darauf unsern Glauben, unsere Entschließungen und Hoffnungen zuverlässig bauen können. Seinen redlichen frommen Freunden und Schülern zeigte sich Jesus nach seiner Auferstehung lebendig vierzig Tage lang, zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten. Sie, in deren Herzen sein Bild so tief eingegraben war, daß sie ihn unmöglich verkennen konnten, sie sahen, sie betasteten ihn, sie hörten seine Stimme, sie gingen so wie ehemals vertraut mit ihm um. Sie empfanden die Kraft seines Lebens, und wurden aus zweifelnden, verzagten und schüchternen Menschen solche Helden des Glaubens, daß sie ohne die geringsten eigennüßigen Absichten, vielmehr unter Mühseligkeit, Verfolgung und beständiger Erwartung des Todes das Leben ihres Herrn der Welt öffentlich und feierlich mit ruhiger Standhaftigkeit verkündigten. Sie bekräftigten die Auf erstehung Jesu durch Wunder, welche sie in seinem Namen verrichteten. Seine Lehre hat sich, der mächtigsten Hindernisse ungeachtet, unter den Völkern ausgebreitet, und seine Weissagungen gehen noch jetzt an den Nachkommen des Volks, das ihn gekreuziget hat, in Erfüllung. Auf die Art sind auch wir versichert, o gütiger Gott, daß wir den Lehrer und Heiland der Welt nicht im Grabe bei den Todten suchen dürfen. Auf die Art wissen auch wir mit 3uverlässigkeit, daß Jesus auferstanden sei von den Todten. Und wohl uns, daß wir das wissen; denn jetzt fönnen wir nicht daran zweifeln, daß er dein Sohn sei und der von dir bestimmte Mittler und Seligmacher der Menschen; du haft ihn selbst feierlich dafür erklärt, indem du ihn von den Todten auferwecket hast. Dadurch hast du allen seinen Lehren, Verheißungen und Befehlen das Siegel der Göttlichkeit und Wahrheit aufgedrückt. Jetzt ist's gewiß, was uns Jesus von unserm Gott und Vater und unserer Bestimmung gelehret hat. Jetzt kön nen wir uns darauf verlassen, daß du für uns sorgest und daß alle Haare auf unserm Haupte gezählet sind; daß du allen denen, Am Osterfeste. 65 die dich darum bitten, den heiligen Geist zur Besserung geben willst; daß wir bei redlicher Verabscheuung der Sünde durch den Blauben an Jesum Christum Vergebung der Sünden, deine Gnade und das ewige Leben erlangen können; denn er ist um unserer Sünden willen dahin gegeben und um unserer Gerechtigkeit willen auferwedet. Jetzt wird uns das Bestreben, das zu thun, was uns Jesus gebo= ten hat und was er gethan hat, gefallen; denn seine Gebote sind deine Gebote, o Gott, und sein Leben hast du vor aller Welt mit deinem höchsten Wohlgefallen geehrt. Jetzt können wir es wagen, in der Tugend zu beharren, wenn wir auch dabei hier Verfolgung, Schmach und Leiden zu übernehmen hätten; denn auch deinen Sohn Jesum hast du auf dem Wege des Leidens zur Herrlichkeit geführt und dahin willst du auch uns durch ihn führen, wenn wir auf ihn sehen und gleich ihm leiden. Jetzt können wir uns bei allen Mühseligkeiten, bei unserm Tode, bei dem Absterben unserer frommen Freunde mit der großen Hoffnung eines bessern, ewigen Lebens trösten und aufrichten; denn so gewiß unser Erlöser lebt, und ewig lebt, so gewiß sollen auch wir leben und nie zu leben aufhören. So gewiß. er das Grab verlassen hat und mit verklärtem, unsterblichem Leibe in den Himmel eingegangen ist, so gewiß werden auch wir dereinst auf seinen Ruf unsere Gräber verlassen und mit unverweslichen herrlichen Leibern in sein Reich eingehen. Gütigster Gott, barmherziger Vater! Ruhm, Dank und Ehre sei dir, daß du uns durch die Auferstehung Jesu Christi von den Todten mit so vielen Wohlthaten und Segnungen, mit so großen Erwartungen und Hoffnungen begnadiget hast. Gieb uns nun deinen Geist, daß, so wie er durch deine herrliche Macht auferwecket, ein göttliches, himmlisches Leben führt, auch wir mit ihm in einem neuen Leben wandeln mögen. Ja, göttlicher Erlöser, beweise dein Leben selbst an unsern Seelen. Erwecke die, welche noch unter uns todt sind in Übertretung und Sünden, daß ihnen Wahrheit und Tugend, deine Gnade und die ewige Seligkeit so wichtig werden, daß sie endlich einmal den Weg betreten mögen, der sie zu dir und zur seligen Unsterblichkeit führen kann. Denen, welche nur wünschen, fromm und tugendhaft zu sein und die Seligkeit des Christenthums zu genießen, die die betrüglichen Vergnügungen der Sünde nur selten ohne Angst und Gewissensbisse genießen können, und doch nicht Muth und Entschlossenheit genug haben, denselben zu entsagen, denen verleihe Luft und Kraft, das wirklich zu sein und zu thun, was sie bisher zu sein und zu thun nur gewünscht haben, damit sie Ruhe finden für ihre Seelen. Flöße allen denen, die dich von ganzem Herzen ehren und lieben, neues Leben ein. Erfüllé ihre Herzen mit erneuertem Vertrauen auf Gottes Gnade, mit neuem Eifer zur Erfüllung aller ihrer Pflichten, mit neuer Thätigkeit zum Guten, Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. Gebete. 5 66 Am Feste der Himmelfahrt Jesu. mit neuer Luft und Kraft, dein Reich auf Erden zu erweitern, und die Glückseligkeit aller ihrer Nebenmenschen zu befördern, damit wir Alle in Wahrheit sagen können: Ich lebe, aber nun nicht mehr ich ,. sondern Christus lebt in mir, und so lange ich noch in diesem sterblichen Leibe lebe, will ich nicht mir selbst leben, noch meinen undr dentlichen sündlichen Begierden, sondern dem leben, mich nach den Lehren und dem Beispiel desjenigen richten, der für mich gestorben und auferstanden ist. So können wir mit der gewissen Erwartung einer bessern zukunft unsere Freuden versüßen, unser Leiden erleichtern und selbst in der letzten Stunde der großen Veränderung des Todes herzhaft entgegen gehen. So dürfen wir nicht zu Schanden werden, wenn du kommen wirst, die Welt zu richten und deine rechtschaffenen Nachfolger zum Genuß der Herrlichkeit einzuführen. Dazu hilf uns Allen, o du, der du lebst von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen! 36. Am Feste der Himmelfahrt Jeſu. Gott, du bist die Liebe, deine ewige Erbarmung beschloß der fündigen Menschen Erlösung, fie sandte uns deinen Sohn zum Erretter und Seligmacher; und dieser festliche Tag rufet uns zu, daß er sein großes Wert auf Erden vollbracht hat und nun vollkommen selig. mache Alle, die sich durch ihn zu dir und zur Glückseligkeit führen laffen. Er hat alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Er ist das Haupt der Gemeinde, der Herr und König seines erlösten Volks. Du haft ihn erhöhet, und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in seinem Namen sich alle Knie beugen sollen. Und wir, göttlicher Erlöser, Versöhner, Freund und Beherrscher deiner Brüder, der Menschen, wir beugen uns mit heiliger Ehrfurcht vor deinem Thron und beten dich mit allen Engeln und Seligen im Himmel auf's demüthigste an. Ja, mit der dankbarsten, innigsten Freude wollen wir dich jetzt und ewig verehren. Aus Liebe zu uns hast du den Himmel verlassen. Denn für uns hast du auf Erden gelebt, gelehrt, gelitten; für uns bist du gestorben. Aus Liebe zu uns hast du die Erde wieder vers lassen, bist in's Speiligthum des Himmels eingegangen, und gebrauchst da zu unserm Besten die Herrlichkeit, die du bei dem Vater hattest, ehe die Welt war. Du beherrschest dein Reich, das Reich der Wahrheit und Tugend und erhälft es wider alle Stürme des Unglaubens und der Laster. Du unser bester Freund, der sein Leben für uns gelaffen, der eben so viel Liebe als Macht und Weisheit besigt, unser Heil zu besorgen, du lebest immerdar und vertrittst uns. Du siehest von dem Thron des Himmels mit erbarmenden Augen auf uns herab; regierest unser ganzes Leben mit allen seinen Schicksalen, und lenkest Am Feste der Himmelfahrt Jesu. 67 jeden Zustand, worin wir uns befinden, zu unserm Besten. Du bewahrst uns, wenn wir nur in aufrichtigem Gehorsam gegen deine liebreichen und heilsamen Gesetze treu bleiben, daß uns nichts aus deiner Hand reißen fann. Du bereitest uns und allen deinen rechtschaffenen und treuen Verehrern eine Stätte im Himmel zu, und kommst endlich, uns dahin zu führen, wo wir, von allem Übel erlöst, dich, unsern Herrn und unsern Gott, sehen, und von dir unterrichtet, erfreuet, mit deinem Dienst beschäftiget, in deinem Umgang unaussprechlich selig sein werden. O entzückende Aussichten, o erwünschte Hoffnung! Unser Vaterland ist im Himmel; da finden wir ganz reine und göttliche Freuden, unschätzbare Güter und eine unvergängliche Herrlichkeit. Ach, was wäre unser Leben auf Erden ohne die Hoffnung? Ohne sie würden wir nicht ohne Schauer an die Zukunft denken können. Ohne sie würden wir die Güter und Freuden dieses Lebens nicht fröhlich genießen können. Ohne sie würden uns die Mühseligkeit und Trübjale dieser Zeit unerträglich werden. Ohne sie fehlten uns die mächtigsten Antriebe, gut und fromm zu werden und zu bleiben. Ermuntere und stärke uns aber auch, verherrlichter Erlöser, daß wir, von dieser Hoffnung belebt, trachten mögen nicht nach dem, was auf Erden ist, sondern nach dem, das droben ist, wo du bist, sizend zur rechten Hand Gottes. Dir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden und auch über unsere Herzen. Schenke uns denn einen wahrhaft himmlischen Sinn, daß wir alle Sünde als unſer größtes Unglück mit aller Sorgfalt bekämpfen und vermeiden, in dem erlaubten Genuß der Freuden und Güter dieses Lebens uns mäßigen, und Gottes Gnade und den Besitz einer seligen Ewigkeit bei unserm Beruf und Stand in der Welt, in der Einsamkeit und Gesellschaft, bei unsern Ergößungen und Leiden zum höchsten Ziel unserer Wünsche, Hoffnungen und Bestebungen machen mögen. Laß es uns zu feiner Zeit aus dem Sinne kommen, daß der Tag bestimmt sei, an welchem du als der König der Könige und der Herr der Herren, als der Richter der Lebendigen und Todten wieder kommen, an welchem du uns und alle Menschen vor deinen Thron rufen, Rechenschaft von uns fordern und einem Jeglichen nach seinen Werken vergelten wirft. Laß diesen feierlichen Tag unserm Geiste stets gegenwärtig sein, und lehre uns Alle so denken, reden und thun, daß deine letzte Zukunft Keinem von uns schrecklich sei, sondern wir Alle alsdann in dir, dem Richter der Welt, unsern Freund, Seligmacher und Beschüßer erblicken mögen. O wie wird uns dann sein; welche Wonne, welche Freude, welches neue Leben wird uns denn durchströmen! Heilige uns dazu! Dir, deiner Obhut, Leitung und Regierung übergeben wir uns ganz und gar, Amen! 5* Am Pfingstfeste. 37. Am Pfingstfeſte. Großer Gott, du Quelle aller guten und vollkommenen Gaben, wir danken dir, daß du durch Jesum Christum, unsern göttlichen Mittler, deinen heiligen Geist gesandt hast, uns Menschen zu belehren und zu erleuchten, zu heiligen und zu beffern. Wir preisen dich insonderheit, daß du die Boten des Herrn Jesu, die nach seinem Hingange zu dir sein Werk auf Erden fortsetzen und Lehrer des menschlichen Geschlechts werden sollten, mit dem reichsten Maße deines Geistes begnadiget haft. Dein Geist erfüllte sie mit Weisheit und Verstand, mit höhern Einsichten in die Lehre der Wahrheit und mit der Gewißheit, daß es göttliche Wahrheit sei. Dein Geift erinnerte sie an Alles, was ihnen Jesus gelehrt hatte; besiegte ihre Vorurtheile, zerstreuete ihre Frrthümer, und gab ihnen Muth und Freudigkeit, der Wahrheit Zeugniß zu geben, und für die Ausbreitung und Behauptung der selben Alles, ja selbst ihr Leben, aufzuopfern. Dein Geist wirkte durch sie Zeichen und Wunder, und theilte ihnen und durch sie auch Andern Gaben und Kräfte mit, die deutlich davon zeugten, daß du sie gesandt habeft, und es dein Werk sei, was sie unter den Menschen trieben. Mit deinem Geiste ausgerüstet, bestritten sie Unglauben, Aberglauben, Gößendienst und Laster; verkündigten Jesum als deinen Sohn und Gesandten, als den Mittler zwischen dir und den Menschen, als den Erretter von Sünde und Tod, als den von dir verordneten Richter der Welt, und predigten in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden, Unsterblichkeit und ewiges Leben. Von deinem Geist getrieben, zeichneten sie ihren Unterricht in den gött lichen Schriften des Neuen Testaments zur Belehrung aller nachfol genden Zeiten untrüglich auf. Und so brachten sie tauſend und wieder tausend Menschen von der Finsterniß zum Licht, von dem Laster zur Tugend, aus dem Elende zur Glückseligkeit. Preis, Lob und Dank sei dir, barmherziger Gott, daß du auch uns an diesen Wohlthaten haft Theil nehmen lassen. Auch unter uns ist das Reich deines Sohnes Jesu auf Erden gegründet. Auch unter uns ist ihm eine Gemeinde gesammelt. Auch wir wissen, was wir glauben und thun müssen, wenn wir zum Genuß deiner unschäzbaren Wohlthaten durch Jesum hier in der Zeit und dort in der Ewigkeit zu kommen wünschen. Auch uns hast du die Verheißung des heiligen Geistes gegeben und sie auf's gnädigste erfüllt. Von Kindheit an regten sich oft gute Ge danken und Empfindungen in uns. Wir sahen oft die Wahrheit im hellen Lichte und die Tugend in ihrer Schönheit. Wir glaubten an unsern Herrn Jesum; unsere Gewissen wurden beruhiget; wir fühlten Trost und himmlische Freuden; Gottes- und Menschenliebe beseelte uns. Dann wirkte dein Geist in uns, so wie er in der ganzen Welt 68 Am Pfingstfeste. 69 wirkt in Allen, die dich fürchten. Schenke uns nun ferner, gütiger Gott, den Geist der Wahrheit und der Heiligung, damit das Werk unserer Erleuchtung, Besserung und Seligmachung in uns angefangen und vollendet werden möge. Ja, göttlicher Geist, auf dessen Namen wir getauft, zu dessen Verehrung wir verpflichtet sind, wir flehen dich um deine Hülfe auf's demüthigste an. Wir fühlen es, daß wir in uns selbst schwach sind und ohne deinen Beistand nichts vermögen. Wir sind durch die Sünde verblendet und zu aller Tugend untüchtig. Wir geben leicht den Reizungen zur Sünde nach und werden träge im Guten. Nimm uns denn hin; fange dein Wert in unsern Seelen an und vollende es. Du wirkest durch das göttliche Wort in der Bibel. Gieb doch, daß wir dies Mittel des Unterrichts und der Besserung mit rechter Sorgfalt und Treue gebrauchen; daß wir ohne alles muthwillige Widerstreben jeden guten Gedanken, der dadurch in uns entsteht, wohl bewahren; jede gute Rührung und Begierde, die dadurch in uns erregt wird, durch Gebet und Nachdenken nähren und unterhalten, und jede gute That, wozu wir dadurch angetrieben wer= ben, unverzüglich verrichten. Gieb, daß wir unsere Sünden erkennen, ihre Schädlichkeit, Schändlichkeit und Strafbarkeit fühlen, und sie nicht nur herzlich bereuen, sondern auch haffen und verabscheuen mögen. Schenke uns ein Verlangen, von der Sünde und ihren Strafen befreiet zu werden, und lehre uns dann auch, der Verheißung Gottes, uns um Jesu Christi willen gnädig zu sein, wahrhaftig trauen, und unsere Begnadigung bei Gott im Glauben an Jesum, unsern Erlöser, zuversichtlich hoffen. Tröste und erquicke uns durch die Versicherung, an dem Allmächtigen einen Freund und Vater zu haben, und durch die große Erwartung einer ewigen Seligkeit. Mache uns voll Dantbarkeit und Liebe gegen Gott, der die Liebe ist, und gegen unsern hochverdienten Erlöser, damit dadurch die Herrschaft aller sündlichen Begierden in uns zerstöret und wir Lust und Kraft erlangen, alle die schönen Tugenden auszuüben, die Gottes Gesetze gebieten, und wodurch wir Gott und unserm Heiland ähnlich und wohlgefällig werden. Schaffe immer mehr in uns ein reines Herz und gieb uns einen im Guten wohlbefestigten Sinn. Hilf uns alle sündlichen Lüfte und Leidenschaften überwinden. Treib uns an zum Gebet und zur Bachsamkeit. Stärke uns in der Stunde der Versuchung und zur Zeit des Leidens. Erfülle uns mit Macht und Freudigkeit in den letzten Augenblicken unsers Lebens, damit wir im Glauben an unsern getödteten Heiland und in der gewissen Hoffnung einer nahen Erlösung von allem lebel und einer unvergänglichen Herrlichkeit ohne Furcht unsere Seele in die Hände unsers himmlischen Vaters empfehlen und so zum Besitz der Seligkeit gelangen mögen, die er seinen Kindern im Himmel bereitet hat, durch unsern Herrn Jesum Christum, Amen! Am Michaelis- und Erntefeste. 38. Dank für die Erhaltung und Beschirmung unsers Lebens; am Michaelis- und Erntefeste. Gütigster Vater, von welchem alle guten und vollkommenen Gaben herabkommen, du bist der Urheber, Erhalter und Beschirmer unsers Lebens. Du, Herr, hast uns gemacht und nicht wir selber; wir sind das Werk deiner Hände. Du hast unsere Seele mit den edelsten Vorzügen geschmückt. Du hast unsern Leib auf das fünstlichste gebildet, und es bestimmt, wann, wo und von wem wir geboren werden soll ten. Du hast uns erschaffen; aber du erhälst, versorgest und beschirmest uns auch. In dir leben, weben und sind wir. Du reinigest die Luft, in der wir athmen. Deine Sonne erquickt uns mit Licht und Wärme. Wenn wir uns zur Ruhe begeben, bedeckst du uns mit dem Schatten der Nacht, daß wir sicher wohnen. Unter dem Schutz deiner Vorsehung schlafen wir im Frieden; wenn wir erwachen, sind wir noch bei dir und dein Segen ist über uns. Du giebst uns Speise und Trank, die uns nähren, stärken und ergößen; Kleider, die uns bedecken; Wohnungen, die uns schüßen und tausend Bequemlichkeiten verschaffen. Du schenkest uns Fähigkeiten, Geschicklichkeiten und Kräfte, die Pflichten unsers Berufs zu erfüllen, der menschlichen Gesellschaft zu dienen und ihrer Dienste zu genießen. Ohne deinen Segen würde unsere Arbeit vergeblich sein, würden wir nichts aus der Erde hervorbringen können, würden wir verschmachten. Aber wenn du deine milde Hand aufthuft, so sammeln wir; wenn du Segen herabschüttest, so wird Alles, was auf Erden lebt, mit Wohlgefallen gesättigt. Wir sind von der Geburt an bis zum Grabe mit vielen Gefahren unsers Lebens umringt. Aber dein Aufsehen bewahrt unsern Odem. Du hast uns Mittel gegeben, das zu vermeiden, zu heben und zu lindern, was uns schädlich ist. Du brauchst Menschen zu unserer Verpflegung und Beschüßung. Deine Engel haben sich oft um die hergelagert, die dich fürchteten. Und noch jetzt sendest du, so oft du willst, deine Geister, die stets dein Angesicht sehen, zum Dienste derer aus, denen Rettung und Heil widerfahren soll. Diese deine erhaltende und beschützende Güte hast du auch in diesem Jahre ohne unser Verdienst und Würdigkeit reichlich und täglich an uns bewiesen, o barmherziger Vater, und wir sind hier vor deinem Angesicht versammelt, dir dafür das Opfer des Dants und des Lobes zu bringen. Schenke uns Gnade, daß wir dir nicht nur mit dem Munde danken, sondern dich auch mit unserm ganzen Leben ehren und preisen mögen. 70 Du hast abermals deine gnädige 3usage erfüllt, daß, so lange die Erde steht, nicht aufhören soll Samen und Ernte. Du haft die Arbeit derer, die das Feld bauen, gesegnet. Du hast unser Land An öffentlichen Bußtagen. 71 heimgesucht, es voll Früchte gemacht, und uns Gras für's Vieh und Getreide zum Nußen der Menschen einernten lassen. Du hast uns unser Leben gnädig gefristet, uns aus mancher Noth errettet, vor manchem Übel behütet und bewahrt. Gieb, daß wir unser Leben mit allen seinen Vortheilen dankbar froh genießen, und es dazu anwenden mögen, dir, unserm freigebigsten Wohlthäter, zu gefallen, und an der Beförderung der Vollkommenheit und Glückseligkeit deiner Geschöpfe zu arbeiten. Erwecke uns dazu auch durch das Muster der heiligen Engel. Laß uns ihnen durch unsere Buße und Besserung Freude machen, ihnen in Vollbringung deines Willens ähnlich werden, damit wir jelig werden mögen, wie sie sind. Behüte uns, daß wir die Geschenke und Gaben, die du uns zur Nahrung und Erquickung für uns und unsere Nebenmenschen geschenkt hast, nicht mißbrauchen. Bewahre die Ärmern vor Ungerechtigkeit und Unzufriedenheit, vor Neid und Mißgunst gegen die Begüterten, und diese vor Stolz und Hochmuth, vor abgöttischem Vertrauen auf das Irdische, vor Habsucht und Geiz, vor schändlichem Wucher und Beschwerung der Armen. Behüte uns vor üppigkeit, Unmäßigkeit und allem unordentlichen Wesen, wodurch wir unsere Herzen beschweren und in mancherlei Sünden gerathen. Lehre uns mäßig essen, trinken, uns fleiden, und sparsam haushalten. Lehre uns unsere Arbeit mit Fleiß und Gebet christlich verrichten und genügsam sein. Mache uns mitleidig mit der Noth der Armen, Dürftigen und Elenden, und bereitwillig, ihnen zu helfen und sie zu erquicken. Laß uns die Abgaben, die wir der Obrigkeit und Andern schuldig sind, treulich entrichten, und das, was zur Erhaltung der Kirchen und Schulen erfordert wird, gern darlegen. Dann wirst du, o Gott, was uns deine milde Hand gegeben, väterlich bewahren; Krieg, Seuchen, Feuer und Wassersnoth und andere Plagen in Gnaden von uns abwenden; uns deinen uns verliehenen Segen in Ruhe und Gesundheit genießen lassen, und was uns sonst nöthig und nützlich sein möchte, gnädig verleihen, bis wir endlich zum Genuß des unvergänglichen, unbefleckten und unverwelklichen Glücks gelangen, das behalten wird im Himmel. Dazu berhilf uns durch unsern Herrn und Heiland Jesum Christum, Amen! 39. An öffentlichen Bußtagen. Gott, der du unser Schöpfer und unser Vater bist, deine Wohlthaten sind zu zahlreich und zu groß, als daß wir sie alle bemerken, gehörig schätzen und dich genug dafür preisen könnten. Deine väterliche Fürsorge hat viele Gefahren und Unglücksfälle von uns abgewandt und uns mit tausendfachem Segen, ja auch mit vielen Vorzügen vor andern Menschen und Völkern begnadiget. Von unserer Kindheit an hast du das Licht des Evangeliums über uns leuchten und es uns an feinem An öffentlichen Bußtagen. Mittel des Unterrichts, der Besserung und des Trostes fehlen lassen. Bald haft du durch Wohlthaten, bald durch Züchtigungen, bald durch andere Schickungen deiner Vorsehung uns auf uns selbst und auf dein Wort aufmerksam zu machen gesucht, um uns dadurch auf den Weg der Tugend und der Seligkeit zu führen, oder, wenn wir davon abgewichen waren, wieder auf denselben zurück zu bringen. Noch heute läsfest du uns deine Stimme, die Stimme eines verschonenden, huldreichen Vaters, hören; noch heute lässest du uns Gnade und Heil anbieten und uns zur Buße und Besserung rufen. O laß uns Alle auf deine Stimme hören und ihr unverzüglich Folge leisten! 72 Ja wir kommen, barmherziger Gott, dir unsere Sünden und Übertretungen zu bekennen. Wir Alle, Obrigkeiten und Unterthanen, Lehrer und Zuhörer, Hausväter, Hausmütter, Kinder und Dienstboten, Reiche und Arme, Alte und Junge, ach, wir Alle müssen es vor dir, dem Allwissenden, gestehen, daß wir uns vieler Sünden und Fehler schuldig gemacht, daß wir unsere Pflicht oft versäumet, oder doch nicht so willig, aufrichtig und eifrig erfüllt haben, als es unsere Schuldigkeit war. Wir sind deine Geschöpfe; aber aufrührische und strafbare Geschöpfe. Wir nennen dich unsern Vater; aber wir sind meistens ungeborsame und undankbare Kinder, die sich nicht wollen bessern lassen, die dich mit Gedanken, Worten und Werken beleidigen. Auch unter uns sind Viele, die gegen Religion und Christenthum unempfindlich und gleichgültig sind; die die betrüglichen und flüchtigen Güter dieser Welt höher schägen, als die Seligkeit des Himmels; die mehr darauf bedacht sind, ihre unordentlichen Lüste und Leidenschaften zu befriedigen, als sich deiner Gnade und deines Wohl. gefallens zu versichern. Auch unter uns fehlt es nicht an solchen, die sich von Unglauben und Zweifelsucht, von Stolz und Eitelkeit, von üppigkeit und Pracht beherrschen lassen; die ihre Unschuld und Gewissensruhe den thierischen Vergnügungen der fleischlichen Wollust aufopfern; die sich dem Eigennuk und Geiz ergeben; die in Neid, Haß, Feindschaft und Rachsucht leben; die ihren Nebenmenschen durch Verleumdungen, üble Nachreden und Ungerechtigkeiten von aller Art fränken. Wie könnten wir denn vor dir bestehen, o Allerheiligster, wenn du mit uns in's Gericht gehen wolltest? Dürften wir uns wohl darüber beschweren, wenn du uns deine so sehr gemißbrauchten Wohlthaten entzögest, und uns, als ungehorsame und undankbare Kinder, als aufrührische Unterthanen, auf dem Wege der Sünder umkommen ließest, den wir seibst gewählt haben, und auf welchem Viele von uns schon so lange einhergegangen sind! Aber ach, barmherziger Gott, erbarme dich unser; handle nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsern In gemeinen Nöthen und Trübsalen. 73 Missethaten! Wir bereuen unsere Vergehungen und Sünden; wir wünschen aufrichtig, nicht nur von der Schuld und Strafe, sondern auch von der Macht und Herrschaft der Sünde frei zu werden und von nun an ein besseres, dir wohlgefälliges Leben zu führen. Ach, verwirf unsere Reue, unser Verlangen nach Hülfe und Rettung, unsern Vorsatz der Besserung nicht. Laß uns die Verzeihung und Gnade widerfahren, die unser Heiland uns mit seinem Leiden und Sterben erworben, und die er allen bußfertigen Sündern in deinem Namen verheißen hat. Und damit wir nicht mehr das Unglück haben, dir zu mißfallen, o Gott, so heilige uns durch deinen Geist und dein Wort. Rotte Alles, was dir mißfällt, aus unserm Herzen aus, und laß das ernstlichste Bestreben, dir zu gefallen und deinen Willen zu thun, unser ganzes fünftiges Verhalten regieren. Bleibe denn auch bei uns mit deiner Gnade und deinem Segen, 0 Allmächtiger! Laß deiner wohlthuenden Gnade alle Regenten und Obrigkeiten, und besonders die empfohlen sein, die du über uns gesegt haft. Begnadige alle Hirten und Lehrer deiner Kirche, und insonderheit die, denen du diese Gemeinde anvertrauet hast. Erbarme dich aller Betrübten, Kranken und Armen und nimm dich insbesondere der Elenden in dieser Gemeinde gnädig an. Laß deine Güte, deinen Schutz und Segen sich über alle Völker des Erdbodens und besonders über dieses Land und alle Einwohner desselben verbreiten. Entferne durch deine weise und gnädige Vorsehung die Plagen des Krieges, der Theurung, der Hungersnoth, ansteckender Seuchen und frankheiten, und die noch größern Übel des Aberglaubens, der Gottesvergessenheit und Lasterhaftigkeit. Laß Wahrheit und Tugend, Gerechtigkeit, Friede und alle Arten des Fleißes und des Wohlstandes unter uns blühen. Gieb uns endlich Alles, was uns zu dem gegenwärtigen und dem zukünftigen Leben nöthig und nützlich ist, durch unsern Herrn und Heiland Jesum Chriftum, Amen! 40. In gemeinen Nöthen und Trübſalen. Ewiger und allmächtiger Gott, gerechter Richter, barmherziger Vater, wir, deine Geschöpfe, deine von dir erlösten Menschen, wenden uns zu dir und bitten dich um Gnade, Erbarmung, Hülfe und Trost in dieser großen Trübfal, die unter deiner allwaltenden Regierung und Zulassung über uns gekommen. * * Der unschäßbare Segen des Friedens und der öffentlichen Ruhe ist von uns gewichen; die Flammen des Krieges bringen die Sicherheit 74 In gemeinen Nöthen und Trübsalen. unsers Vaterlandes, unsern Wohlstand und Leben in Gefahr und breiten Verwüstung und Elend aus. Der Vorrath, den wir zur Erhaltung und Erquickung unsers dürftigen Lebens brauchen, ist hinweg; uns drückt Mangel und Theurung. Eine ansteckende Seuche wüthet unter den Thieren, die uns zur Nahrung, Kleidung und Bequemlichkeit gegeben. Eine gefährliche Krankheit reißet unter uns ein, raffet so viele Menschen weg, und drohet auch uns Schmerzen, Verderben und Tod. * Freilich müssen wir bekennen, daß wir diese schwere Plage, womit du, o gerechter Gott, uns heimsuchst, wohi verdienet haben; denn wir haben deine Gebote übertreten und vielfältig gefündiget. Ach, Manche unter uns haben ja alle Empfindung von Religion und Ehrbarkeit verloren, sie treten Wahrheit und Gerechtigkeit, Zucht und Ehrbarkeit unter die Füße; sie leben ungescheut in der Ausübung der schädlichsten und schändlichsten Laster. Sehr Viele bilden sich ein, daß sie Gott mit bloßen übungen der Andacht gefallen können, unerachtet sie es unterlassen, sich der Mäßigkeit und Reinig teit in Gedanken, Worten und Werken zu befleißigen und gegen ihre Nebenmenschen Billigkeit, Liebe, Sanftmuth und Aufrichtigkeit zu be weisen. Aber ach, Herr! du bist barmherzig, gnädig, geduldig und von großer Güte. Du betrübest nicht gern die Menschen; du willst uns gern glücklich haben. Gieb daher, daß wir durch die Empfindung der gegenwärtigen Noth Alle erweckt werden mögen, an unsre Sünden und Abweichungen zu denken, mit Scham und Reue uns vor dir, dem Allmächtigen, zu demüthigen, und von dir den Trieb und die Kraft zu erbitten, nicht nur eine Zeitlang von äußerlichen und gro ben Sünden abzulassen, sondern durch den Gebrauch deines Worts und durch Folgsamkeit gegen das Geschäft des heiligen Geiftes gänz lich und auf immer gebessert und gute, fromme Menschen zu werden. Dann aber sei uns auch, um Jesu unsers Mittlers willen, gnädig; gedente nicht unsrer Sünden; vergilt uns nicht nach unsern Misses thaten; schenke uns deine Vaterliebe wieder, und verherrliche deine Weisheit und Güte an uns durch Errettung, Hülfe und Trost. * * Laß die Dauer des Krieges kurz sein; laß der Verwüstung, des Elends und Blutvergießens so wenig werden, als möglich, und erfreue bald Alle wieder durch die erwünschte Wiederkehr des Friedens und der Ruhe. In gemeinen Nöthen und Trübfalen. 75 Deine Augen sehen auf die, die dich fürchten und auf deine Güte hoffen, daß du ihre Seele erretteft vom Tode und ernährst sie in der Theurung. Ach, so siehe denn auch in dieser schweren theuren Zeit auf uns; thue deine milde Hand auf und sättige Alles, was lebet, mit Wohlgefallen. Steure der weitern Ausbreitung der gegenwärtigen Seuche; befreie die damit behafteten Örter bald wieder, und segne zu dem Ende die dagegen angewandte Vorsicht und dienlichen Mittel. * * Ist es aber dein Wille, daß dieses übel noch fortdauern soll, so geschehe dein Wille, o allweiser und gütiger Vater. Laß uns nur durch die böse Zeit, wie es oft von den Gottlosen geschieht, nicht zu Werken der Ungerechtigkeit und der Bosheit verleitet und so immer strafbarer werden; sondern gieb uns Weisheit und Kraft, uns die gegenwärtige Plage zu erleichtern und heilsam zu machen. Laß uns beherzigen, daß uns ohne deinen Willen kein Haar vom Haupte fallen könne, und daß die uns drückende Noth, so wie alle Trübsale, ja selbst alle Verwüstungen, die von Ungewittern, Erdbeben und Feuer entstehen, sowohl zur Verherrlichung deiner Macht, Heiligkeit und Güte, als auch zum Besten derer, die dich lieben, dienen müssen. Erinnere uns an das mannichfaltige Gute, was wir in den vorigen Zeiten aus deiner Vaterhand so reichlich genossen haben, und was uns jetzt noch übrig bleibt. Lehre uns den großen Werth der geistlichen Güter, bei welchen man den Verlust der zeitlichen verschmerzen tann, lebendig erkennen, und laß uns, selbst durch die gegenwärtige Noth gedrungen, dein Wort immer treuer brauchen, immer ernstlicher beten und immer eifriger uns bestreben, von deiner Gnade in Jesu Chrifto gegen uns gewiß und in der Hoffnung einer ewigen Seligkeit froh zu werden. Die Zeiten der Ruhe, des überflusses und des Wohlslandes verleiten oft die Menschen zum Leichtsinn, zur Träg= heit, zum Stolz, zur Härte und Unbarmherzigkeit, zum überflüffigen Aufwand auf Wohnung, Kleidung, Speise, Trant und üppigkeiten des Lebens, und es ist oft tein anderes Mittel, dem Übel zu steuern und dem gänzlichen Verderben des gemeinen Wesens vorzubauen, als die Empfindung öffentlicher und allgemeiner Trübsale. O möchte denn die gegenwärtige böse Zeit für uns und unser Vaterland eine solche heilende Wirkung haben und eine solche wohlthätige Arznei für uns werden! Möchte sie uns doch Alle antreiben, weiser und vorsichtiger, arbeitsamer, sparsamer, demüthiger, liebreicher, mitleidiger zu werden; unsre Begierden für das Jrdische und Eitle zu verleugnen und einzuschränken, und uns der häufigen Gelegenheit, die sie uns giebt, Gutes zu thun, aufrichtig, fleißig und unermüdet zu bedienen. Hilf uns dazu 76 In Betstunden. durch den Beistand deines guten Geistes, o Gott. Dann wird der Nußen dieses Ungemachs für unser Christenthum so groß und herrlich sein, daß wir dir, o Gott, danken werden, daß du uns gedemüthiget hast. Dann wirst du, o treuer Vater, bei uns sein in der Noth, sie mäßigen und zu rechter Zeit endigen. Dann wird weder Trübsal noch Angst oder Verfolgung, weder Hunger noch Blöße, weder Gefahr noch Schwerdt, weder Tod noch Leben, weder Gegenwärtiges noch 3ufünftiges uns scheiden von deiner Liebe, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn. Erhöre unser Flehen, o Vater, um Jesu, unsers Mittlers willen, Amen! 41. In Betstunden und bei andern feierlichen Demüthigungen vor Gott, als beim Wechsel eines Jahrs, einer Woche zc. Gott, du bist der Schöpfer und Erhalter aller Dinge, der Herr des Himmels und der Erde, der Urheber, Beherrscher und Vater aller vernünftigen Geschöpfe im Himmel und auf Erden; du bist auch unser Schöpfer, Herr und Vater. Demüthig und ehrfurchtsvoll werfen wir uns denn als deine Geschöpfe, Kinder und Unterthanen vor dem Thron deiner Allmacht nieder und bringen dir gemeinschaftlich das Opfer des Danks und des Lobes für deine unzähligen und unermeßlichen Wohlthaten. Du hast uns in's Leben gerufen und seit dem ersten Athemzuge hast du uns vor tausend Gefahren täglich geschützt, und täglich uns Alles geschenkt, was zum Unterhalt unsers Lebens gehört. Von dir kommt Alles, was wir besitzen und genießen, Alles, was uns das Leben bequem und angenehm macht. Du giebst uns die Nahrung, die sich für uns schickt, und flößest uns, wenn unsere Kräfte erschöpft sind, neues Leben und neue Munterfeit ein. Deiner Vorsehung sind wir Alles schuldig: unsere Kleidung, Wohnungen und Güter; unsern Stand und jeden Segen, jeden guten Erfolg unserer Geschäfte und alle Früchte unsers Fleißes und unsrer Arbeit; gesunde und fruchtbare Zeiten; Ruhe und Frieden; die Erhaltung guter und weiser Gefeße und die Fortdauer unsrer bürgerlichen und Religions- Freiheit. Du hast uns täglich den Gebrauch unsrer Augen, Ohren und der übrigen Sinne gegeben, und einen jeden derselben zur Quelle der Erkenntniß und Freuden für uns gemacht. Du haft uns durch Vernunft über alle anderen Geschöpfe der Erde erhaben und zu Herren des unerschöpflichen Reichthums der Schönheiten, Güter, Bequemlichfeiten und Ergögungen der Natur gemacht. Du hast uns tausend, tausendmal auf's innigste erquickt durch die Liebe und Wohlgewogenheit unsrer Nebenmenschen, durch den Umgang mit unsern Bekannten, dur die Verbindung mit unsern Eltern, Ehegatten und andern In Betstunden. Blutsfreunden, und besonders durch die Zärtlichkeit unserer Herzensfreunde. Um uns das Alles zum wahren Glück, zu einem ewig dauernden Glück zu machen, hast du uns gar deinen eingebornen Sohn ge= schenkt, der uns das wahre, das ewig dauernde Glück erworben; deinen heiligen Geist gesandt, der uns dazu bereitet; und die Bibel, das Buch gegeben, worin du selbst zu uns redest; uns Versicherung von deiner Gnade, Fürsorge und Beistand und Unterricht von deinem Willen und unsern Pflichten ertheilst, wodurch du unsre Freuden reinigest und verdoppelst und unser Leiden versüßest, wodurch du uns die frohen entzückenden Aussichten in die Ewigkeit eröffnest und über unser ganzes Leben Ruhe und Friede verbreiteſt. Ja, Gott, du bist Liebe; deine Güte ist unermeßlich! In einem Jahre, in einer Woche, ja nur an einem Tage giebst du uns so viele Wohlthaten, daß wir am Schlusse desselben sie nicht alle zählen können. 77 Und o wie großmüthig bist du in deinem Wohlthun, denn, wer sind wir, die du mit Wohlthaten überhäufst? Unwürdige, die nichts Gutes verdienen; Sünder, die nur Strafe verdienen. Allwissender, Allerheiligster, dir ist es bekannt, daß wir bisher täglich viel Gutes vernachlässiget, und so manches Böse, ja Laster, verübet; daß wir zum Theil in solcher Trägheit und Gottesvergessenheit lange dahin gelebt, ja die Kräfte und Gaben deiner Huld gar dazu angewendet, durch Müßiggang, Neid, Zwietracht, Verleumdung und Lästerung, Ungerechtigkeit, Unteuschheit, Stolz und Herschsucht und auf viele andere Art den Wohlstand deines Reichs, der menschlichen Gesellschaft, zu stören, und dagegen Verwirrung, Schmerz, Elend und Jammer zu verbreiten. Unser Gewissen und die Vernunft zwingen uns zu bekennen, daß dieses der schwärzeste Undant, der schändlichste Ungehorsam und der verwegenste und strafbarste Aufruhr sei. Denn es ist Undant, Ungehorsam und Aufruhr gegen dich, unsern allerhöchsten, besten und gütigsten Herrn, Vater und Wohlthäter. Durchdrungen von Reue und Scham darüber, fliehen wir zu dem Verdienste deines Sohnes, den du, o Barmherziger, dahingegeben, damit Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Um seinetwillen begnadige uns und vergieb uns alle unsere vorigen Sünden; nimm alle dadurch verwirfte Schande und Strafe bon uns, und wirf sie in die Tiefe des Meeres, so daß ihrer ewig nicht gedacht werde. Ja, begnadige uns nicht nur, sondern nimm uns auch durch Jesum Christum zu deinen Freunden und Kindern und zu Erben des ewigen Lebens auf. Gieb uns aber auch Lust und Kraft, daß wir aus Dankbarkeit gegen eine so unaussprechlich große Erbarmung nun alle Sünden von Herzen verabscheuen und aus allen Kräften meiden, 78 In Betstunden. daß wir den redlichen Entschluß fassen und uns aus allen Kräften bestreben mögen, uns täglich nach deinen Geboten, nach deinem Muster und nach dem Exempel Jesu Christi, unsers Erlösers, in allen Tugenden immer mehr zu stärken und zu üben. Denn dieser Abscheu gegen unsere Sünden und dieser Entschluß und diese Bestrebung, tu gendhafte Menschen zu werden, die wir in uns fühlen, sind uns untrügliche Kennzeichen von der Wahrheit unsers Glaubens und von der Gewißheit unsers Antheils an dem Verdienste deines Sohnes. Gieb uns denn vor allen Dingen, o Vater aller Glückseligkeit, stets deinen heiligen Geist; bewahre uns vor gar zu schweren Brüfungen unserer Tugend, und schenke uns Gnade, daß wir es für unser größtes Unglück halten, zu fündigen und dir zu mißfallen, und hingegen für unser höchstes Glück, dir zu gefallen und würdig deiner Religion, würdig unserm erhabenen Christenberuf und würdig dir zu leben, dem Gott, der uns zu einer ewigen Herrlichkeit berufen hat. Lehre uns zu dem Ende auch bedenken, o Herr, daß wir ster ben müssen; daß wir hier nur Fremdlinge und Reisende sind; daß unser Leben furz, flüchtig und unsicher sei; daß auf dasselbe eine Ewigkeit folge, wo einem Jeden vergolten wird nach dem, was er hier gethan. Lehre uns unser Auge stets auf das große Ziel der Ewigkeit zu heften, allezeit chriftlich zu leben, in unsern häuslichen Umständen Alles in Ordnung zu halten, um den Tod freudig zu er warten und selig zu dulden. Und sollte etwa dieses Jahr unser Sterbes jahr und diese Woche unsre letzte sein, so stärke unsern abscheidenden Geist mit dem Troste und Kraft deiner Religion, daß wir zu der Ehre derselben mit der Ruhe und Freude eines Christen sterben, welcher weiß, daß der Tod für ihn nichts anders sei, als ein Hingang zu dir, seinem Gott und Vater. Dies, o Gott, sind die vornehmsten Wünsche unsrer Seele. Unser ganzes übriges Glück empfehlen wir dir, dem Allwissenden, der in seiner Schöpfung nicht den geringsten Wurm, nicht das kleinste Sandkörnchen übersiehet; dir, dem Allweisen, dem nichts unerwartet kommt, der vol Ewigkeit her jedes Gebet, jeden Seufzer vorhergesehen und darnach den Plan seiner Regierung gemacht hat, dir, dem zärtlichsten Freund und Bater deiner begnadigten und gebesserten Kinder. Regiere unsere irdischen Schicksale nicht, nach den Einfällen und Wünschen unsers Unverstandes und unserer Eitelkeit, sondern wie du willst und siehest, daß es für un sere Tugend und Seligkeit nöthig und heilsam ist. Uns aber gieb Weis heit und Kraft, jede Freude, wie jedes Leid zu einem neuen Bande zu machen, welches uns immer fester mit dir, unserm einzigen höchsten Gute, verknüpfet, und dann dir zu vertrauen, daß du mit uns Alles wohl machst. Vater der Menschen, du willst, daß Fürbitte und Danksagung für Alles, was Mensch ist, ein Hauptstück unsers Gottesdienstes sei, denn In Betstunden. 79 sie sind Alle deine Geschöpfe; dein Sohn Jesus Christus hat sich für Alle zur Erlösung hingegeben, und du willst sie Alle gern durch ihn beglücken. So preisen wir dich denn für die Wohlthaten, wodurch du viele Millionen Menschen auf dem Erdboden in der verflossenen Zeit erfreuet, und flehen um neue Gnade, Hülfe und Segen für unsere Mitchristen und alle unsere Nebenmenschen in allen Ständen und an jedem Orte der Welt. Erhalte und segne unsern Landesfürsten und Herrn; mache ihn zum 3iel deiner reichsten Begnadigung: fröne seine Regierung mit Ehre und Glück, und laß ihn lange die Freude seiner Unterthanen sein. Segne die von ihm bestellten Obern mit Weisheit, mit glücklichem Fortgang bei ihren Geschäften und mit blühendem Wohlstand in ihren Häusern. Erbarme dich aller Nothleidenden. Tröste die Bedrängten, erfreue die Traurigen, versorge die Dürftigen, heile und stärke alle Kranken, sei der Vater aller Waisen und Wittwen, der Retter aller Unterdrückten, Verfolgten und ungerecht Gefangenen, der Helfer aller Niedrigen und Verlassenen. Auf einen Jeden, der jetzt, da wir uns vor dir freuen, unter irgend einem Schmerz und Leiden jeufzet, wir flehen voll Wehmuth und Theilnehmung zu dir- richte dein Vaterherz und deine allmächtige Hand; flöße ihm deinen Trost in die Seele; stärke ihn mit deiner Kraft, sein Leiden nach deiner väterlichen Absicht sich zur Wohlthat zu machen; endige bald sein Leiden und ersehe es mit größern und dauerhaften Freuden. Erleuchte Alle, die in Unwissenheit, Irrthum und Aberglauben leben. Erwecke die sichern Sünder, daß nach deinem gnädigen Willen kein einziger Mensch deines ewigen Glücks verlustig gehe. - Vereitle die menschenfeindlichen Bemühungen derer, die der Welt dein Wort, dies theuerste Labsal und Kleinod, rauben wollen. Sie selbst aber, die Ungläubigen, führe zur Werthschätzung deiner Religion zurück; mache sie zu treuen Verehrern und Thätern derselben und dadurch zu glücklichen Menschen in Zeit und Ewigkeit. Segne die Lehrer der Religion mit Geist und Kraft; laß sie die Würde und Nußbarkeit ihres Berufs stets empfinden, und keine Gabe, kein Mittel, keine Gelegenheit ungebraucht laffen, die Menschen zu unterrichten, zu bessern und zu beruhigen. Breite deinen Segen aus über unsere und alle Schulen, daß sie Pflanzschulen heilsamer Kenntnisse und christlicher Tugenden werden. Segne überhaupt alle guten und besonders frommen und wichtigen Unternehmungen und Geschäfte. Segne und schüße unsere lieben Eltern, Ehegatten, Kinder, Hausgenossen und Untergebenen, alle unsere Blutsverwandten und vornämlich unsere liebsten Freunde und Wohlthäter. Segne aber auch unsere Beleidiger und Feinde. Gieb uns Klugheit, ihre Feindschaft nicht selbst zu verursachen, 80 Kirchengebete. und Kraft, ihnen zu vergeben und sie durch Liebe zu gewinnen. Ihnen laß jedes Gute an Leib und Seele zu Theil werden, das wir uns selbst wünschen. Segne vornämlich deine treuen Verehrer hier und an jedem Orte der Welt. Vermehre täglich die Zahl dieser glücklichen Menschen und stärke sie täglich, in allen Tugenden und in deiner Gunst bis an ihr Ende zu beharren und zu wachsen. Allwissender, allmächtiger und allgütiger Vater, in deinen Schoß legen wir alle unsere Sorgen im Zeitlichen und Geistlichen nieder. Alles, was du für Leib und Geist heilsam erkennest, das schenke uns, allen Christen und allen unsern Nebenmenschen um Chrifti willen, Amen! 42. Kirchengebet nach der Predigt am Sonntag. Allmächtiger Gott und Vater unsers Herrn Jesu Chrifti, wir danken dir für alle Gnade, Liebe und Treue, die du uns bisher erwiesen hast, und bitten dich herzlich, du wollest deine heilige christliche Kirche mit ihren Dienern, Wächtern und Hirten durch deinen heiligen Geist re gieren, daß sie bei der rechtschaffenen Weide deines seligmachenden Wortes erhalten werden möge, dadurch der wahre Glaube und die Liebe gegen dich und alle Menschen in uns erwachse und zunehme. Laß, o Herr, deine Gnade groß werden über den Kaiser, unsern König und Herrn, über die Kaiserin und Königin, seine Ge mahlin, über den Kronprinzen und die Kronprinzessin, seine Ge mahlin, über sämmtliche Königliche Prinzen und Prinzessinnen und alle, welche dem Kaiser und dem Königlichen Hause anverwandt und zugethan sind. Erhalte sie uns bei langem Leben zu beständigem Segen und christlichem Vorbild. Verleihe dem Kaiser, unserm Könige, eine lange und gesegnete Regierung, ein weises Herz, tönigliche Gedanken, heilsame Rathschläge, gerechte Werke, einen tapfern Muth, starken Arm, verständige und getreue Räthe, sieghafte Kriegsheere, getreue Diener und gehorsame Unterthanen, damit wir noch lange Zeit unter seinem Schuß und Schirm ein geruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Segne uns und alle Königlichen Länder, sei du des Deutſchen Reiches und Volkes starker Schutz und Schirm. Laß deine Gnade ruhen auf seinen Fürsten und freien Städten, gieb ihnen allen eine friedevolle und gesegnete Regierung in ihren Landen und laß Glauben und Treu, Kraft und Einigkeit unsers Voltes Ruhm und Ehre sein. [ Fürbitte für den Reichstag: Kröne mit deiner Gnade die Arbeiten des Reichstages, daß sie zum Frieden und Heile des gesammten Vaterlandes und zum Preise deines heiligen Namens gereichen.] Kirchengebete. 81 [ Fürbitte für den Landtag: Blicke in Gnaden herab auf den Landtag der Monarchie, der jetzt wieder um den Thron unsers Königs sich versammelt( versammelt ist), auf daß seine Berathungen geschehen in deiner Furcht und seine Arbeiten zu deiner Ehre und zum Segen des Landes gedeihen.] Nimm alle christliche Obrigkeit in deine gnädige Obhut und hilf, daß sie mit dem Kaiser, unserm Könige und allen Regierenden im Reiche unter deinem Segen trachte, dein himmlisches Reich auf Erden bauen zu helfen und deines Namens Herrlichkeit zu preisen. Wir bitten dich ferner, lieber himmlischer Vater, für den Hausstand und Alle, die dazu gehören. Gieb gottesfürchtige Eheleute, E1tern und Herren, gehorsame Kinder, frommes und getreues Gesinde und segne alle ehrliche Nahrung und Gewerbe. [ Fürbitte für die Ernte: Du wollest auch den Früchten des Feldes gute und fruchtbare Witterung verleihen und sie vor allem Schaden und Unfall bewahren, daß wir deinen Segen fröhlich einbringen und deine milde Hand mit Danksagung erkennen.] Wittwen und Waisen und Alle, so in Armuth, Krankheit, Kindesbanden und anderen Anfechtungen sind, auch die, so um deines heiligen Namens und der Wahrheit willen angefochten werden oder sonst Verfolgung leiden: tröste sie, o Gott, mit deinem heiligen Geiste, daß sie solches Alles für deinen väterlichen Willen aufnehmen und erkennen. Und ob wir zwar mit unsern Sünden deinen Zorn wohl verdient haben, so bitten wir doch, o treuer, barmherziger Vater, du wolleft unserer nicht gedenken nach unsern Sünden, sondern nach deiner großen Barmherzigkeit, uns vor allem Unglück und Herzeleid gnädiglich behüten, und zuletzt, wenn unser Stündlein vorhanden ist, ein seliges Ende bescheren. Um deines lieben Sohnes Jesu Christi willen, welcher mit dir und dem heiligen Geiste lebet und regieret in Ewigkeit. Amen! 43. Ein anderes Gebet. ( M. 26 im alt. G.-B.) Gnädiger Gott, lieber himmlischer Vater, wir danken dir für dein heiliges, seligmachendes Wort, welches du uns aus lauter Güte geoffenbaret und auch jetzt zu lehren und zu hören verliehen hast. Wir bitten dich, du wollest dasselbe rein und lauter unter uns erhalten und durch deinen Geist es in unser Herz und Sinn schreiben, daß es nicht leer wieder zu dir komme, sondern ausrichte, wozu du es sendest. Ach ver= gieb uns doch um Jesu Christi willen unsre große Unachtsamkeit, und Osnabr. Landgesangb. X. Aufl. Gebete. 6 82 Kirchengebete. nimm ja nicht von uns das Wort der Wahrheit, sondern laß es noch ferner und immer reichlicher unter uns wohnen. Erwede bei uns eine innige Begierde, allezeit mit mehr Fleiß und Andacht darauf zu merken, es in uns pflanzen zu lassen und mit Sanftmuth anzunehmen, daß es unsre Seelen selig mache. Gieb, daß wir dem, was wir gehört, fleißig nachdenken, und es in unsern Herzen erwägen, auch der Kraft und heilsamen Wirkung deines Wortes nicht widerstreben, sondern Raum und Plaß geben, damit wir desselben Thäter werden und nicht Hö rer allein seien und bleiben. Laß davon die Rede sein, wenn wir zu Haus gehen, und verleihe gnädiglich, daß der Samen deines Worts durch die Sorgen zeitlicher Dinge und Nahrung nicht erstickt werde, noch denselben der Satan von unsern Herzen nehme. Pflanze selbst, o gütiger Vater, durch deinen Geist dein Wort in unser aller Herz, und laß es als einen lebendigen Samen darin bleiben; ja, laß es bleiben und viele Früchte bringen zu deinem Preise und unserm Heil und Seligkeit, hier und dort ewiglich, um Jesu Christi willen, Amen! 44. Beim Anfange der Woche. ( M. 3 im alt. G.-B.) Barmherziger Gott und Vater, nachdem wir abermals eine Woche zurückgelegt und in eine neue getreten sind, so danken wir dir für alle erwiesenen Wohlthaten. Du hast dein Wort und Sacrament un ter uns rein und lauter erhalten. Ruhe und Frieden, auch tägliche Nahrung bescheret, und ob wir schon mit Sünden dich oft erzürnet, dennoch unserer in Gnaden verschonet, zwar gezüchtiget, aber im 30mm nicht aufgerieben noch dem Tode übergeben. Du haft der vorigen Woche Tage und Plage uns gnädig überwinden helfen, und läsfest uns mit Liebe und Gesundheit diese Woche antreten. Für solche und andere Gutthaten sagen wir dir von Herzen Lob und Dank. Weil wir aber in der vergangenen Woche wider dich, Herr und Gott, vielfältig gefündiget haben, so ist uns dasselbe herzlich leid, und bitten Alle um Gnade und Vergebung. Laß uns der heiligen Char und Marterwoche deines lieben Sohnes und dessen, was er durch sein Leiden, Kreuz und Tod in derselben erworben, heilsam genießen. Gieb, daß wir aus der alten Woche keine Sünde in die neue einnehmen, sondern den alten fündigen Menschen ausziehen, hingegen den neuen Menschen, der nach dir geschaffen ist, in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit anziehen. Gieb uns mit dieser neuen Woche neue Herzen, einen neuen gewissen Geist und Kräfte, ein neues, dir wohlgefälliges Leben zu führen. Insonderheit laß deine Gnade alle Morgen über uns neu aufgehen, und erhalte uns bei deinem reinen Wort und rechten Gebrauch der heiligen Sacramente. Stärke auch mit Kraft aus der Höhe unsere gnä Kirchengebete. 83 digste fürstliche Herrschaft und alle christlichen Obrigkeiten und frommen Regenten, sonderlich an diesem Ort. Fördere guten Rath und nüßliche That, und wende in Gnaden ab Krieg, Pest, Theurung, Feuersbrunst, Wassersnoth und sonst alles Herzeleid. Gieb uns Frieden und Gesundheit, auch Glück und Heil zu unsrer Aller Beruf und Stand. Und weil wir nun mit der neuen Woche unsere Amts- und Berufsarbeit wieder antreten, so fange, o Gott, von neuem an, uns zu segnen. Laß uns das Werk, dazu du uns beschieden, mit Freuden angreifen, und führe durch deinen Segen Alles, was wir in deinem Namen anfangen, zu deiner Ehre, auch unserer und unsers Nächsten Wohlfahrt glücklich hinaus. Und wenn es uns bei unserm Stand und Nahrung sauer und schwer fällt, so laß uns gedenken an die Hoffnung unsers Berufs im Himmel, da alle unsere Arbeit desto völliger soll belohnt werden. Befiehl deinen heiligen Engeln diese Woche über uns, daß sie uns und die lieben Unsrigen auf allen unsern Wegen behüten, ja auf den Händen tragen, damit der böse Feind und sein Anhang teine Macht an uns finde. Ist es ferner dein Wille und uns nüß und selig, so laß uns nicht diese Woche allein, sondern auch viele folgende in guter Gesundheit und erwünschtem Wohlstand ableben. Gefällt es dir aber, lieber Vater, in der angehenden Woche mit Kreuz und Trübsal uns heimzusuchen, so gieb Geduld, vergieb die Schuld, verleihe ein gehorsames Herz, und mache uns das Kreuz nicht schwerer, als wir es ertragen können. Hast du endlich über Einen oder Andern von uns beschlossen, ihn in dieser Woche durch den zeitlichen Tod aus dieser Welt zu fordern, so gieb demselben ein seliges Ende hier, daß er dort ewig bei dir sei, und wir zuletzt insgesammt nach aller Mühe und Arbeit auf Erden bei dir im Himmel einen Sabbath nach dem anderen feiern mögen in ewiger Freude und Herrlichkeit. Das verleihe, o Gott, in des heiligen Geistes Kraft, durch Jesum Christum, Amen! 45. Nach der Wochenpredigt. ( M. 30 im alt. G.-B.) Gnädiger Gott, barmherziger Bater, wie groß ist deine Güte, daß du auch zwischen dem Sabbath und in der Woche, wie vormals zur Zeit deiner heiligen Apostel, läsfest dein Wort predigen und zur Seligkeit uns unterweisen! Wir danken dir von Herzen, und bitten dich im Namen Jesu Chrifti, du wollest dasselbe in uns lassen kräftig sein, und verleihen, daß wir in der Erkenntniß der Wahrheit und im Eifer der Gott 6* 84 Kirchengebete. seligkeit dadurch wachsen und zunehmen, und ja nicht Hörer allein, sondern auch Thäter desselben seien und von dir erfunden werden. Du wollest dich sonst auch unsrer und aller derer, welchen wir Fürbitte schuldig sind, sie seien über, neben oder unter uns, Verwandte oder Unverwandte, Freunde oder Feinde, Wohlthäter oder Beleidiger, auch derer insonderheit, die unsrer Fürbitte bedürfen und in besondern Anliegen begehren, in Gnaden annehmen, und was zu unserm und Aller Heil zeitlich und ewig dienet, nach dem Reichthum deiner Herrlichkeit in Christo Jesu unserm Heilande verleihen, welchem mit dir und dem heiligen Geiste sei Ehre und Preis in Ewigkeit, Amen! 46. Auf Weihnachten. ( No. 31 im alt. G.-B.) allmächtiger Gott, himmlischer Vater, wir danken dir von Grund unsrer Herzen, daß du aus lauter Wohlgefallen und unaussprechlicher Liebe deinen eingebornen Sohn, Jesum Christum, den Glanz deiner Herrlichkeit und das Ebenbild deines Wesens, in die Welt gesandt hast, welcher unser armes Fleisch und Blut an sich genommen und uns in Allem gleich geworden ist, ausgenommen die Sünde, auf daß er uns von Sünden, Tod, Teufel und Hölle erlösete und mit sich versette in das Reich der ewigen Seligkeit; das Alles, o höchster Gott, hat gethan deine herzliche Barmherzigkeit, durch welche uns besuchet hat der Aufgang aus der Höhe, auf daß er erscheine denen, die da siken in Finsterniß und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. So erfülle nun, o Herr, unsrer Aller Herzen mit deiner Gnade, und gieb, daß wir solche deine große Liebe und Barmherzigkeit dankbarlich erkennen, nicht uns, sondern dir leben, dir vertrauen, dich lieben und loben unser Lebelang. Gieb auch, daß wir in allem Kreuz und Trübsal unsers einigen Heilands, Seligmachers und getreuen Hir ten Jesu Christi uns trösten, und daß wir Alles, was in dieser Welt ist, getroft hintanseßen und für Koth achten mögen gegen die überschwängliche Erfenntniß deines lieben Sohnes. Erhalte auch bei uns und unsern Nachkommen dein heiliges seligmachendes Wort; sende treue Diener in deine Ernte. Wir bitten auch für alle, insonderheit aber für unsere christliche Obrigkeit. Regiere sie durch deinen Geist, daß sie zu vörderst und vor allen Dingen bei ihrer Regierung, so viel an ihnen ist, das Reich unsers einigen, ewigen Königs, Jesu Christi befördern und ausbreiten, und ja also ihren Stand und Wandel aus dieser Welt führen, damit sie dermaleinst mit ihm im Himmelreich herrschen mögen in aller Ewigkeit. Siehe auch in Gnaden an deine arme bedrängte Kirche und kleine Herde; tomme ihr zu Hülfe und errette sie endlich aus den großen Nöthen, die sie getroffen haben; tröfte sie, Herr, durch Kirchengebete. 85 deinen Geist, nach dem du weißt, daß es ihre Nothdurft erfordert, auf daß sie sich deiner Güte erfreuen und deinen Namen ewig preisen möge. Laß eine tröstliche Chriftfreude heute aufgehen in den Herzen aller Angefochtenen, Kranken, Verfolgten, Witwen, Waisen und aller Anderer, so in Noth und Trübsal stecken. Auch die, welche deinen Sohn Jesum Christum noch nicht erkennen, noch ehren, bringe an das Licht deiner Wahrheit, damit sie sammt uns und allen auserwählten Engeln und Menschen dich loben und dir zu Lob in wahrem Glauben und mit herzlicher Freudigkeit singen mögen: Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen, Amen! 47. Am Neujahrstage. ( №. 32 im alt. G.- B.) D Herr Himmels und der Erden, du großer und starker Gott, wir sagen dir von Herzen Lob und Dank, daß du uns nicht allein erschaffen, bis hieher erhalten und sonderlich auch das vergangene Jahr so gnädiglich und väterlich beschüßet, und uns so viele, unzählbare Wohlthaten erzeiget hast, sondern auch und vornämlich, daß du aus lauter Gnaden uns deinen Sohn, Jesum Christum, zum Erlöser und Heiland geschenket, und, da die Zeit erfüllet war, in die Welt gesandt hast, welcher sich seiner göttlichen Gestalt geäußert, Knechtsgestalt an sich genommen, dem Gesetz unterworfen und dir gehorsam geworden ist bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuze, damit er also für uns das Gesetz erfüllete, und uns vom Fluch, den wir verdienet hatten, erlöfete. Wir erkennen und bekennen es von ganzem Herzen, daß wir nicht allein das verschiedene Jahr, sondern auch die ganze Zeit unsers Lebens von Jugend auf für solche deine Wohlthaten sehr undankbar gewesen und dich vielfältig erzürnet haben, daß du ja wohl Ursach hättest, deine Gnade von uns abzuwenden und nach deiner strengen Gerechtigkeit uns zu bestrafen. Wir bitten dich aber, himmlischer Vater, im Namen deines Sohnes, Jesu Chrifti, unsers einigen Heilandes, du wolleft mit dem neuen Jahre uns neue Gnade widerfahren lassen, unsere alten bisher begangenen Sünden aus Gnaden um Jesu Christi willen uns schenken, und mit dem alten Jahre zurück, ja in die Tiefe des Meeres werfen, und derselben nimmermehr gedenken. Gieb uns auch mit dem neuen Jahre neue Kraft, dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu dienen. Erleuchte auf's neue unsern Verstand, deinen Willen und dein Geheimniß zu erkennen; lente und erneuere unsern Willen zu einem neuen, heiligen Gehorsam, auf daß wir es doch genug sein lassen, daß wir die vergangene Zeit in Sünden und eitlem Wandel zugebracht haben, und was noch hinterstelliger Zeit im Fleisch ist, nicht uns, nicht der Welt, nicht des Fleisches Lüften, sondern dir leben und auf deinen Wegen gehen. Beschneide du, o Herr, 86 Kirchengebete. durch deinen Geist unser Aller Herzen, und reinige sie von aller Ungerechtigkeit und bösen Lüsten. Gieb uns nach deiner Verheißung einerlei Herz und Wesen, daß wir dich fürchten unser Lebelang, auf daß es uns und unsern Kindern nach uns wohlgehe. Erhalte instünftige bei uns und unsern Nachkommen dein heiliges Wort; gieb auch in diesem angetretenen Jahre deinen Segen zu den Früchten der Erde; wende ab alle wohlverdienten Landplagen, und sei uns noch ferner gnädig. Laß dir auch in deinen väterlichen Schutz befohlen sein unsere christlichen Herrschaften und Obrigkeiten, regiere und segne ihre Anschläge, Thun und Laffen, daß es zur Ausbreitung deiner Ehre, zur Fortpflanzung der göttlichen Wahrheit und zu des Vaterlandes Wohlfahrt gereiche. Dafern auch in dem neuen Jahre neues Kreuz und Trübsal erfolgen sollte, so wollest du uns, o Gott, mit neuem Troste, Stärke und Geduld waffnen, und durch deine Kraft in unsrer Schwachheit mächtig sein, damit wir überwinden, Alles wohl ausrichten und wider alle Anfechtungen das Feld behalten mögen. Laß doch dieses fünftige neue Jahr deiner armen bedrängten Kirche und allen betrübten, angefochtenen, verfolgten oder sonst nothleidenden Herzen ein troftreiches, fröhliches Erlösungsjahr sein, und wenn wir die Zeit unseres elenden Lebens in dieser Welt nach deiner Bestimmung erfüllet haben, so hilf uns getroft hindurch in das rechte, neue, himmlische, ewige Jubeljahr, um deines al ferliebsten Sohnes, unsers einigen Heilandes Jesu Christi willen, Amen! 48. Dank für das Leiden Christi. ( №. 33 im alt. G.-B.) Ich danke dir, Herr Jesu Christe, wahrer Gott und Mensch, daß du mich armen Sünder und verdammten Menschen ohne alle meine Werke, Verdienst und Würdigkeit erlöset hast durch dein heiliges Leiden, Sterben und Blutvergießen. O Herr Jesu Christe, wie groß ist dein Leiden, wie schwer ist deine Bein, wie viel ist deiner Marter, wie tief sind deine Wunden, wie bitter und schmerzlich ist dein Tod, wie unaussprechlich ist deine Liebe, damit du mich deinem lieben Vater versöhnet hast, da du am Ölberge blutigen Schweiß vor großer Angst geschwißet, daß Bluts tropfen auf die Erde gefallen, bist darauf von allen deinen Jüngern verlassen, und hast dich in die Hände der schnöden Juden und gottlosen Schar willig für mich ergeben, welche dich hart gebunden und verstricket und von einem ungerechten Richter zum andern unbarmherzig geführet. Daselbst bist du fälschlich verklaget, verurtheilet, verspeiet, verhöhnet und mit Fäusten in das Angesicht geschlagen worden. Du biſt um unserer Miffethat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen, gegeißelt und mit Dornen gekrönet und jämmerlich zuge richtet, wie ein armer Wurm, der keinem Menschen ähnlich; denn du Kirchengebete. 87 warest der Allerverachtetste und Unwertheste, voller Schmerzen und Krankheit, also daß es auch ein heidnisches Herz erbarmet hat und geſaget: Siehe, welch ein Mensch ist das! Du bist wegen meiner Mißhandlung mitten unter zween Übelthäter gerechnet und als ein Fluch aufgehänget, an Händen und Füßen mit Nägeln durchgraben, dazu in deinem höchsten Durst mit Essig und Gallen getränket, und mit großen Schmerzen hast du deinen Geist aufgegeben, auf daß du unsere Schuld bezahl= test und wir durch deine Wunden geheilt würden. Für alle diese deine Marter und Bein sage ich dir Lob und Dank, und bitte dich, laß dein heiliges und bitteres Leiden an mir armen Sünder nicht verloren sein, sondern gieb, daß ich mich dessen von Herzen tröste und rühme, auch desselben Gedächtniß also begehe und es solchermaßen betrachte, daß alle bösen Lüste dadurch in mir ausgelöschet und gedämpfet, dagegen aber alle Tugenden eingepflanzet und gemehret werden, auf daß ich, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit lebe und deinem gelassenen Vorbilde nachfolge, in deine Fußstapfen trete, das Übel mit Geduld ertrage und das Unrecht mit gutem Gewissen leide; das gieb und verleihe mir nun, o Herr Jesu, um deines heiligen theuern Verdienstes willen, Amen! 49. Auf Ostern. ( No. 34 im alt. G.-B.) Herr Jesu Christe, du Überwinder des Todes und Zerstörer der Hölle, wir sagen dir herzlich Dank für deine siegreiche Auferstehung, dadurch du dem Tode die Macht genommen, und ein ewiges, unvergängliches Wesen wieder ans Licht gebracht hast. Du hast dich bewiesen als ein allmächtiger Herr, der da hat die Schlüssel der Hölle und des Todes, der da aufschleußt und Niemand zuschleußt. Du wareft todt, und siehe, nun lebest du von Ewigkeit zu Ewigkeit. Du hast dein Volk vom Tode errettet und aus der Hölle erlöset, daß wir nun mit Freudigkeit sagen können: Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg? Dir sei Dant, daß du uns den Sieg gegeben hast, denn du bist dem Tode ein Gift gewesen und der Hölle eine Pestilenz; du hast den Tod verschlungen ewiglich. Darum freuet sich unser Herz und unsere Ehre ist fröhlich, denn Gott hat deine Seele nicht in der Hölle gelassen, und nicht zugegeben, daß sein Heiliger die Verwesung sehe. Du bist eine kleine Zeit von Gott verlassen gewesen, aber nun mit Ehren und Schmuck gekrönet; du bist aus der Angst und dem Gericht hinweggerissen; wer will deines Lebens Länge ausreden? Der Stein, den die Bauleute verworfen hatten, ist zum Eckstein geworden; das ist vom Herrn geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen. Man singet mit Freuden in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des Herrn behält den Sieg, die Rechte des Herrn ist erhöhet, die Rechte des Herrn behält den Sieg! Kirchengebete. Ach Herr Jesu, du bist hervorgebrochen, wie die schöne Morgenröthe; majestätischer Weise bist du auferstanden in einem Erdbeben. Deine heiligen Engel eröffnen und zeigen uns das Grab und sogen: Was suchet ihr den Lebendigen bei den Todten? kommet her, sehet die Stätte, da der Herr gelegen! O du freundlicher, leutseliger Herr, du er= scheinest den großen Sündern, Maria Magdalena und Betro, und sprichst: Gehe hin und sage meinen Brüdern: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Du wirft ein Pilgrim nach Emaus und legeft deinen betrübten Jüngern alle Schrift aus; du kommest zu den Aposteln im verschlossenen Hause, zeigst ihnen Hände und Füße, deine Seite und Wundenmale, und heilest damit die Wunden ihres Unglaubens, issest mit ihnen aus Liebe und zum Zeugniß, daß du wahrhaftig lebeft, auf daß du sie speisest mit den Früchten deiner Auferstehung. Denn du theilest dieselben Früchte aus durch deinen edlen Frieden, welcher alle himmlischen Güter in sich begreifet. Wir bitten dich, lieber Herr, gieb uns die Gnade des heiligen Geistes, daß wir die Kraft deiner Auferstehung und den beständigen Trost in unsern Herzen empfinden, daß nunmehr weder Sünde noch Verdammniß, weder Fluch noch Tod, weder Satan noch Hölle einige Macht noch Anspruch an uns habe. Laß uns auch, o Herr, mit dir durch wahre Buße auferstehen, laß uns Theil haben an der ersten Auferstehung, auf daß der andere Tod an uns nicht macht habe. Erwecke auch am jüngsten Tage durch Kraft deiner Auferstehung unsere Leiber zum ewigen Leben, damit unser nichtiger, verweslicher, sterblicher Leib anziehe Unverwes lichkeit, Unsterblichkeit, Kraft und Ehre, und wir ähnlich seien deinem verklärten Leibe. Unser Leben ist jetzt bei dir verborgen; wenn du aber, unser Leben, wirst offenbar werden, so werden wir auch mit dir offenbar werden in der Herrlichkeit. Das verleihe uns, o Herr Jesu Christe, durch deine siegreiche Auferstehung und um deines Namens Ehre willen, Amen! 88 50. Am Feste der Himmelfahrt Jeſu. ( №. 35 im alt. G.-B.) Herr Jesu Christe, du allmächtiger Siegesfürst, der du dich durch deine sieghafte und fröhliche Himmelfahrt gesetzet hast zur Rechten der Majestät und Kraft Gottes, und alle deine Feinde, Sünde, Tod, Teufel, Hölle und Welt, gelegt zum Schemel deiner Füße, wie sollen wir diesen Triumph, diesen Sieg, diese Herrlichkeit, diesen deinen hohen Namen genugsam und würdiglich rühmen und preisen? Denn nachdem du ges machet hast die Reinigung unserer Sünden durch dich selbst, hast du dich in den Himmel gesetzet zur Rechten der Majestät Gottes, so viel beſſer Kirchengebete. 89 worden, denn die Engel, so viel gar einen höhern Namen du vor ihnen ererbet hast. Denn zu welchem Engel hat Gott jemals gesagt: Setze dich zu meiner Rechten? Dein himmlischer Vater hat dir Alles unter deine Füße gethan, nichts ausgenommen, als sich selbst; du hast dir unterthan gemacht die Engel, die Gewaltigen, die Fürstenthümer und die Kräfte, auch hast du in diesem sieghaften Triumph ausgezogen die höllischen Fürstenthümer und Gewaltigen, sie öffentlich zur Schau getragen und einen Triumph aus ihnen gemacht durch dich selbst. Du, starker Gott, fähreft auf mit Jauchzen, und du, Herr, mit heller Posaune. Lobfinget unserm Gott, lobsinget ihm flüglich; der Wagen Gottes ist viel tausendmal tausend. Du bist aufgefahren in die Höhe, und hast das Ge= fängniß gefangen geführet, du hast Gaben empfangen für die Menschen, du bist erhöhet über alle Engel und Fürstenthum, über alle Gewalt und Macht, und über Alles, was in dieser und jener Welt mag genennet werden. Gott hat dich zum Haupt geseget deiner Gemeinde, die da ist dein Leib und die Fülle des, der Alles in Allem erfüllet; du bist unser ewiges, einiges Haupt, der seinen Leib und seine Glieder mit Leben, Licht und Kraft, Trost, Stärke, Sieg, Frieden und Freude erfüllet. Du bist unser ewiger Hoherpriester, salbest uns mit deinem heiligen Geist, giebst Evangelisten, Apostel und Propheten, Hirten und Lehrer, auf daß dein geistlicher Leib erbauet werde. Ach sende treue und fleißige Bauleute, und erfülle fie mit dem Geist der Weisheit und des Verstandes! Du hast ein ewiges hohes Priesterthum, darum kannst du allezeit selig machen, und die Gebete derer erhören, die zu dir kommen und dich anrufen. Du hast uns durch deine Himmelfahrt den richtigen Weg gezeiget, den Himmel und das Paradies eröffnet, und die Stätte im Himmel bereitet. Weil du nun als unser Haupt im Himmel bist, so werden wir, deine Glieder, auch gewiß nicht draußen bleiben. Du wirst uns alle nachholen, auf daß wir ſeien, wo du dist, daß wir deine Herrlichkeit sehen. Durch deine Himmelfahrt ist unsere selige Hoffnung bestätiget, daß wir gewiß zu dir kommen werden; es ist auch unsere Gerechtigkeit dadurch bekräftiget, denn du erscheinest nun vor deinem himmlischen Vater zum Zeugniß, daß du durch dein Blut in's Allerheiligste eingegangen bist, und eine ewige Erlösung erfunden und die ewige Gerechtigkeit wieder gebracht hast. 3euch uns nach dir, daß wir mit unsern Gemüthern bei dir im himmlischen Wesen und Leben wandeln und wohnen mögen; daß wir allda unser Herz haben, wo unser Schatz ist, und suchen, was droben ist, und nicht, was auf Erden ist, und strecken uns nach dem, was zukünftig ist. Zeuch uns nach dir, so laufen wir, gieb uns Flügel der himmlischen Morgenröthe und des herzlichen Verlangens nach dir, daß wir zu dir fliehen. O wann werden wir dahin kommen, daß wir dein Angesicht sehen, und mit dir auffahren zu deinem Vater und zu unserm Vater, zu deinem Gott und zu unserm Gott? Komm, Herr Jesu, und nimm uns zu dir, Amen! 90 Kirchengebete. 51. Am Pfingstfeste. ( №. 36 im alt. G.- B.) Gott, heiliger Geist, der du ausgehest vom Vater und dem Sohne, bist mit ihnen gleich ewig in einem göttlichen, unzertheilten Wesen. Wir beten dich an, wir ehren, loben und preisen dich, und danken dir aus Grund unserer Herzen für alle deine Wohlthaten, sonderlich, daß du uns durch deine Gnade zum heiligen christlichen Glauben berufen und gebracht, dich selbst unserer Seele in der Taufe eingegossen hast, und noch ohne Aufhören in uns wirkest deine Werke. Wir bitten dich, weil wir nicht aus eigener Vernunft, noch Kraft an Jesum Chriftum unsern Herrn glauben oder zu ihm kommen können, du wolleft uns lehren, in alle Wahrheit leiten und führen, den wahren Glauben in uns erhalten und vermehren, mit rechtem Verstand deines Wortes begaben, in wahrer Anrufung und rechtem Vertrauen heiligen, innerlichen Frieden des Ge wissens mit ewig währendem Troft neben aller Freudigkeit und Beständigkeit uns geben und schenken. Schreibe du Jesum Christum in unser Herz, der du bist der lebendige Finger Gottes; vergewissere uns mit deinem Zeugniß; tröste uns wider alle Furcht und Blödigkeit des Fleisches. Sei du unser treuer Beistand wider des bösen Feindes Anflagung; stärke uns wider die Verzagung, auf daß wir also im Glau ben durch deine Gnade der Verheißung vergewissert und versiegelt werden; denn du bist das Pfand unsers Erbes zu unserer Erlösung. Verleihe uns auch rechte Andacht zu unserm Seufzen und Gebet, daß wit mit wahrer Zuversicht und findlichem Vertrauen schreien und sprechen: Abba, lieber Vater! Gieb uns rechte Einfalt des Herzens ohne alle Galle und Bitterkeit, der du in Gestalt einer Taube über unsern Herrn Jesum Christum am Jordan in seiner heiligen Taufe erschienen bist. Entzünde in uns das Feuer der herzlichen inbrünstigen Liebe, der du dich in feurigen Bungen über den heiligen Aposteln schwebend haft sehen lassen, damit wir die Salbung empfahen. Erneuere uns an dem in wendigen Menschen, daß wir durch dich, der du durchs Wort und Sacrament träftig bist, mögen je mehr und mehr wiedergeboren und nach dem innerlichen Menschen von Tag zu Tag erneuert werden. Behüte uns vor Abgötterei und Lügen, vor Irrthum und Keßereien und vor aller Bosheit und gottlosem Wesen. Nimm hinweg die Un reinigkeit unsers Gemüths; laß die sündlichen Lüste nicht kräftig werden in unserm sterblichen Leibe, sondern mache du deine Woh nung in uns und herrsche in allen unsern Gliedern. Begleite un auch endlich in das rechte ewige Baterland, auf daß wir daselbst in vollkommener Heiligkeit dich sammt dem Vater und Sohne von Angesicht zu Angesicht schauen und ewiglich loben und preisen mögen, Amen! Kirchengebete. 52. Für die Früchte des Landes. ( No. 41 im alt. G.- B.) 91 allmächtiger Gott, barmherziger, lieber himmlischer Vater, wir müssen ja bekennen, daß wir dürftige Kreaturen sind, und nicht bestehen, noch einen Augenblick leben fönnen, wo du nicht, nachdem du uns erschaffen, auch uns erhältst und ernährest. In solcher Dürftigkeit nun bitten wir deine unerschöpfliche Güte, du wollest ferner nach deiner theuren Verheißung uns nicht verlassen, noch versäumen. Bis hieher hast du uns ja geholfen und uns väterlich ernähret und versorget. Dafür preisen wir dich demüthiglich, müssen aber auch bekennen, daß wir deine Güter und Gaben auf mancherlei Weise sündlich mißbrauchet, damit deinen Zorn wider uns gereizet, und du nach deiner Gerechtigkeit daher Ursache hättest, deine Hand von uns abzuziehen und uns darben zu lassen. Gieb es uns aber bußfertig zu erkennen, und siehe nicht an unser Verdienst, sondern deine Barmherzigkeit und unser Elend und Bedürfniß, und laß dich unserer noch ferner jammern. Vergieb uns um Christi willen alle unsere Sünde, und laß uns noch weiter schmecken und sehen, wie freundlich du bist. Laß unser Land sein Gewächs geben, und gieb dazu Segen und Gedeihen. Behüte die Saat und Früchte des Landes vor Hagel und anderm verderblichem Ungewitter; steure und wehre dem Ungeziefer und kehre ab Mißwachs sammt allem Unheil. Laß uns sehen deinen Segen und auch denselben einsammeln und genießen. Laß es aber auch geschehen mit Danksagung, und gieb Gnade, daß wir je länger je mehr deine Güte erkennen und preisen. Ziehe und lente uns zu dir, auf dich, den Geber aller guten Gaben, allezeit zu sehen, dir zu vertrauen, dich zu lieben und dir gehorsam zu sein. Laß uns vorsichtig mit deinem Segen und deinen Gaben umgehen, und ja dahin sehen, daß wir ihrer nicht miß-, sondern recht gebrauchen, eingedent, daß wir dir davon Rechenschaft geben müssen, schuldig aber seien, Alles zu deiner Ehre, zu unsers Nächsten Besten und unserer eigenen Nothdurft anzuwenden. Gieb dazu Gnade, und segne uns vor allen Dingen mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christum, damit wir versorgt seien hier und dort ewiglich, Amen! 53. Nach der Ernte. ( Na. 42 im alt. G.-B.) Ewiger barmherziger Gott, du hast uns gemacht und nicht wir selbst; in dir leben, weben und sind wir, und so viel Gutes hast du uns bisher gethan, uns zu ernähren und zu erhalten. Durch deine heilige mächtige Vorsehung hat noch nicht aufgehöret Saat und Ernte, Frost und Hiße, Sommer und Winter. Und dir haben wir es demnach auch zu danken, 92 Kirchengebete. daß auch dieses Jahr unser Land sein Gewächs gegeben, und sein Ge treide wohl gerathen ist. Du hast deine milde Hand aufgethan, und ge= geben, das wir gesammelt. So groß ist deine Güte, da doch wir deine Wohlthaten bisher wenig erkannt, und dich nicht, wie wir schuldig, gefürchtet und geliebet, sondern hingegen mannichfaltig erzürnet, deinen Willen, Wort und Gebot übertreten, dir widerstrebet und dieses Segens mißbrauchet. Aber du bist gütig auch über die Undankbaren und Boshaftigen, läsfest deine Sonne aufgehen über Böse und Gute, und regnen über Gerechte und Ungerechte. Und nach deiner Barmherzigkeit hast du auch noch dieses Jahr gekrönet mit deinem Gut. Du hast unser Land reich gemacht, unsere Ernte treulich behütet, früh und spät Regen gege ben und vor Hagel und Ungewitter die Erde bewahret. Wenn du gleich deinen Donner hören ließest, so hast du uns doch gnädiglich behütet, und bist mit der Ruthe, womit du andere heimgesuchet und gezüchtiget haft, bei uns vorüber gegangen. Du haft endlich auch deinen Segen uns lassen einsammeln und gedeihliches Wetter dazu verliehen. Ach Herr, was ist doch der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich sein so annimmst! Nun bitten wir dich, vergieb uns alle unsere Sünde. Wir loben und preisen dich um alle deine Güte, und bekennen, daß wir aller deiner Barmherzigkeit und Treue viel zu gering sind. Ach, gieb uns doch Allen ein erfenntliches, dankbares Herz, ja auch ein genügsames Herz, und schaffe in uns, daß wir von nun an dir recht vertrauen, dich über Alles fürchten und lieben. Gieb, daß wir bedenken, wir seien deine Haushalter und müssen einmal von allem dem, was du uns verliehen, dir Rechnung thun, auf daß wir vorsichtig han deln, und ja uns hüten, daß wir deine Gaben nicht mißbrauchen. Gieb, daß wir Alles brauchen zu deinem Lob und Ehren und zum Nuß und Dienst unsers Nächsten. Laß uns dann auch unsere Nothdurft davon dahin nehmen mit Danksagung, und behüte uns dabei vor Krieg, Brand und anderm Übel. Lehre uns am ersten trachten nach deinem Reich und deiner Gerechtigkeit. Laß uns herzlich lieben dein Wort und Gebot, und es unsere Freude sein, uns zu dir zu halten. Ach Gott, verleihe uns doch solches, damit wir noch ferner uns deiner Güte zu erfreuen und deinen Segen zu genießen haben mögen; ja damit wir endlich dahin kommen, wo uns ewiglich nicht mehr hungert noch dürstet, sondern du uns Alles in Allem sein wirst, um Jesu Christi willen, Amen! 54. In gemeinen Nöthen. ( No. 74 im alt. G.-B.) Allmächtiger, barmherziger Gott, lieber Vater, wir sagen dir Lob und Dank für alle deine Wohlthaten, so du uns an Leib und Seele bis hie her erzeiget hast, und bekennen mit demüthigen, zerschlagenen Herzen Kirchengebete. 93 unsere vielfältigen großen Sünden, damit wir deinen Zorn wider uns gereizet und deine schwere Strafe wohl verdienet haben. Ach, Herr, wir haben ja dein Wort lange gehöret, deinen Willen wohl verstanden: aber nicht darnach gelebet, wie sich's gebühret. Wir haben deines Segens lange im guten Frieden genoffen, aber denselben zu aller fleischlichen Sicherheit, Ungerechtigkeit, Geiz, Schwelgerei, Pracht, Übermuth, und allerlei andern Sünden mißbrauchet. Den schuldigen Gottesdienst und das Gebet leider sehr versäumet, oder doch meistentheils ohne herzliche Andacht, ohne findliches Vertrauen, ohne Demuth und ohne wirkliche, wahrhafte Buße und Bekehrung verrichtet. Dessen überweisen uns unsere eigenen Gewissen und geben Zeugniß wider uns; ja deine gerechten Strafen machen uns schamroth vor dir. Darum demüthigen wir uns nun vor deiner Majestät, und bitten nur um Gnade; ach sei du uns nur nicht schrecklich, lieber Vater. Züchtige uns mit Maßen und nicht in deinem Grimm, auf daß du uns nicht aufreibest. Vergieb uns unsere Missethaten um des heiligen, theuren Leidens und Sterbens Jesu Christi willen. Behüte uns vor fernerem Krieg und Landes- Verheerung( vor Theuerung, Bestilenz, Feuer und Wassersnoth), sonderlich aber vor falscher Lehre. Bewahre und schüge in diesen lezten bösen Zeiten deine liebe Kirche vor allen denen, so wider dieselbe wüthen und toben; wie wir denn auch bitten für alle unsere bedrängten und geängsteten Mitglieder und Glaubensge= noffen hin und wider; tröste, stärke, schüße und errette sie durch deinen starken Arm aus aller Noth und Gefahr. Erhalte bei uns und ihnen dein heiliges Wort und den reinen Gottesdienst. Sende treue Diener in deine Ernte, und gieb deinen Segen zu ihrer Arbeit, und verleihe dabei beständigen Frieden, damit wir allesammt Ursache haben, uns über deine Güte zu erfreuen und dir dafür von Herzen zu danken. Du wollest auch den Stand der weltlichen Obrigkeit segnen und erhalten, insonderheit aber dir in allen Gnaden lassen befohlen sein unsern gnädigsten König und Herrn sammt allen dessen Räthen und Dienern. Du wolleft ihnen Gnade und alles Wohlergehen verleihen, auch Weisheit und Einigkeit, und deine Furcht in's Herz geben, daß sie allezeit dasjenige rathen und thun, was dir gefällig ist, und dadurch das Gute befördert, das Böse und Gottlose aber verhindert und gestrafet werde. Erneuere und bekehre doch uns Alle je mehr und mehr durch die Kraft deines heiligen Geistes, daß wir von Herzen unser Leben bessern. Erhalte und vermehre in uns den wahren Glauben, herzliche Buße, beständige Hoffnung und Geduld. Segne und behüte auch die Früchte des Landes, und gieb, daß wir derselben im Frieden mit Dantjagung genießen mögen. Ach, Herr, tröste und errette sonst auch alle angefochtenen, verfolgten, franken und sterbenden Christen, und komme ihnen und uns zu Hülfe in aller 94 Kirchengebete. Noth. Laß keinen versucht werden über sein Vermögen, sondern mache der Trübsal so ein Ende, daß man's fönne ertragen, ja damit man endlich mit fröhlichem Herzen dir danke und deinen Namen preise. Erhöre uns, o Vater aller Barmherzigkeit, und sei uns armen Sündern gnädig um deines allerliebsten Sohnes Jesu Christi willen, Amen! Öffentliche Beichte. ( M 45 im alt. G.-B.) Weil wir nun Gottes Wort haben angehört, so wollen wir uns auch vor Gott demüthigen und ihm unsere Sünden von Herzen be kennen, beichten und also sprechen: Wir armen Sünder bekennen Gott, unserm himmlischen Vater, daßs wir, leider, schwerlich und mannichfaltig wider Gott und Menschen wissentlich und unwissentlich gesündiget und auf mancherlei Weise mit Gedanken, Geberden, Worten und Werken die allerheiligsten Gebote Gottes übertreten haben, wie das unser Herr und Gott an uns erkennet, und wir, leider, so vollkommen nicht erkennen. Es reuet uns aber und ist uns leid, und wir begehren von Herzen Gnade von Gott und Vergebung aller unserer Sünden durch seinen lieben Sohn, Jesum Christum. Wir bitten, daß er uns seinen heiligen Geist zur Stärkung unsers Glaubens und zur Besserung unsers Lebens mittheilen wolle, um Jesu Chrifti willen, Amen! Absolution. Auf solch euer Bekenntniß verkündige ich euch Allen, die ihr eure Sünden herzlich bereuet und euch des Verdienstes Jesu Christi mit wahrem Glauben tröstet, auch euer Leben nach den Geboten und dem Willen Gottes einzurichten gedenkt, fraft meines Amts, als ein ver ordneter Diener des göttlichen Worts, die Gnade Gottes, und vergebe euch, anstatt und aus Befehl meines Herrn Jesu Christi, alle eure Sünde, im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes! Dagegen aber sage ich allen Unbußfertigen, Ungläubigen, Sichern, Gottes, seines Worts und der heiligen Sacramente Verächtern aus Gottes Wort und im Namen Jesu Christi, daß ihnen ihre Sünden zum Gericht vorbehalten werden, wofern sie nicht Buße thun, welche Buße und Bekehrung aber wir ihnen von Gott herzlich bitten und wünschen. Anhang kurzer Gebete. Das Erste. Zum Gebrauch beim öffentlichen Gottesdienste. Anbetungswürdiger Gott, dich preiset Himmel und Erde; deiner freuet sich die ganze Schöpfung. Auch wir freuen uns vor dir und bringen dir das Opfer der Anbetung und des Dants für alle Güte, die du bisher an uns erwiesen hast. Vornämlich danken wir dir, daß du uns durch dein göttliches Wort die Fähigkeit und die Mittel verliehen, dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, zu erkennen und in dieser Erkenntniß unsere wahre Glückseligkeit zu finden. Lehre uns, o gütiger Vater, diese große Wohlthat recht schätzen, und gieb uns durch deinen Geist Weisheit, Muth und Kraft, so gesinnet zu sein und zu wandeln, daß wir von unserm Antheil an deiner Gnade in Jesu Christo gewiß seien und dem zukünftigen Leben mit ruhiger Zuversicht entgegen sehen können. In guten und gesunden Tagen erhalte uns wachsam durch die stete Erinnerung deiner Allgegenwart, unserer Sterblichkeit und fünftigen Rechenschaft, und bewahre uns, daß wir deine unschäßbare Liebe, die Reinigkeit und Ruhe unsers Gewissens und die Hoffnung eines beffern Lebens nach dem Tode nicht verscherzen mögen. Gefällt es dir, über uns und die Unsrigen, über unser Vaterland, über deine Kirche und Welt Widerwärtigkeiten zu verhängen, so behüte die Leidenden vor Verzweiflung und jeder fündlichen Selbsthülfe, und stärke ihre Seelen, daß sie in stiller Unterwerfung unter deinen Willen es dir zutrauen: du werdest Alles wohl machen. Alle diejenigen, welche deine Menschen plagen und das Elend auf der Welt vermehren, erschüttere mit Schrecken vor dir, der du aller Welt Richter bist. Uns aber, die wir auf deine Liebe in Jesu Christo unsere ganze Zuversicht und Seligkeit gründen, flöße deinen liebreichen Sinn ein, daß es unsere höchste Freude sei, wohlzuthun und die Zufriedenheit unserer Nebenmenschen aus allen Kräften zu befördern. Deine gnädige Aufsicht walte über uns und alle Menschen an allen Orten der Welt, Amen! Anhang kurzer Gebete. Das Zweite. Zu eben dem Gebrauch, besonders beim Anfang des Jahrs, auf Michaelis u. s. w. Ewiger Gott und Vater, du hast uns in der vergangenen Zeit mit Vaterhänden geleitet. Von deiner Güte muß auch aller Segen fommen, der uns in der Zukunft beglücken kann. Schenke uns denselben in der Maße, als es deine Weisheit für uns gut findet. Verzeihe uns unsere begangenen Sünden. Wende die wohlverdienten Strafen von uns ab. Mache uns von deiner Begnadigung in Jesu Christo gewiß und hilf uns, deinen Kindern, daß wir stets in deinen Geboten wandeln. 96 Breite deine Verehrung durch den Glauben an Jesum Christum, durch wahre Frömmigkeit und Menschenliebe allenthalben aus. Laß weisen Erwerbungsfleiß, unschuldige Menschenfreuden und LänderWohlstand sich an allen Orten vermehren. Segne und schütze alle Könige und Fürsten und besonders unsern König und Herrn; erhalte seine Gesundheit, verlängere sein Leben, und schmückte ihn immer mehr mit den Eigenschaften und Tugenden eines Regenten aus, der seines Voltes Vater ist. Thue wohl an seinen Räthen und Dienern und fröne ihre Sorgen für das gemeine Wohl mit dem glücklichsten Erfolge. Deine Gnade und Hülfe sei mit allen Menschen, mit dem Land und dem Ort, dessen Glieder wir sind, damit wir ein stilles und geruhiges Leben führen, voll freudiger Hoffnung einst selig sterben und dich vor deinem Throne ewig verehren und preisen mögen, Amen! Das Dritte. Im Advent und auf Weihnachten. Du hast, o Allerhöchster, deinen eingebornen Sohn in die Welt gesandt, um uns von Ungewißheit, Irrthum, Aberglauben und Sün den zu befreien, und uns zu Mitgenossen der Freude und Seligkeit zu machen, wovon du selbst die unerschöpfliche Quelle bist. Preis und Dank sei dir, o Gott der Erbarmung, für dieses Wunder dei ner Biebe. Laß uns davon so gerührt werden, daß wir die uns erschienene heilsame Gnade gehörig annehmen, alles gottlose Wesen meis den, züchtig, gerecht und gottselig in dieser Welt leben und so dir wohlgefallen, ruhig und selig werden mögen.. Dir, o Gott, der du uns deinen Sohn geschenkt und mit ihm uns alles geben willst, was uns gut ist, empfehlen wir uns, unser Vaterland, unsre liebe Obrigkeit und alle unsre Nebenmenschen. Be schirme, segne und hilf uns um deines Sohnes Jesu Christi willen, der auch uns gute Mensch geworden ist, Amen! Anhang kurzer Gebete. Das Vierte. Zur Erinnerung an das Leiden und Sterben Christi in der Passionszeit und beim Genuß des heiligen Abendmahls. 97 Jesu, du Sohn Gottes, du hast unsere Sünden getragen und dich für uns in Angst, Marter, Schmach und Tod aufgeopfert. Geuß deine Liebe in unsere Herzen, und laß es uns nie vergessen, was du uns Gutes erwiesen. Lehre uns, unsere Sünden, die dir so viel gefoftet, bereuen und verabscheuen. Lehre uns glauben, daß du auch für uns gestorben bist und daß du dein Blut auch zur Vergebung unserer Sünden vergossen hast. Erhalte uns in dem beständigen Gefühl von dem Werth unsers unsterblichen Geistes, zu dessen Errettung und Seligmachung du so Vieles gethan und gelitten hast. Laß uns dein Leiden und Sterben antreiben, so zu denken und zu leben, wie es dem großen Zwecke deiner Erlösung gemäß ist, damit wir nicht selbst den ganzen Nutzen davon an uns vergeblich machen. Von dir laß uns lernen, Jedem, so viel wir können, zu dienen und uns gern für Das Woht unserer Nebenmenschen aufzuopfern. Von dir laß uns lernen, uns nie an unsern Feinden zu rächen, sondern Undant, Lästetungen und Beleidigungen mit Sanftmuth zu erdulden. Von dir laß uns lernen, auf den dornichten und dunkeln Pfaden dieses Lebens nie wider Gottes Schickung zu murren, sondern Schmerzen und Widerwärtigkeiten mit stiller Gelassenheit zu ertragen und uns in Allem dem Willen unsers Gottes und Vaters demüthig zu unterwerfen. Und endlich im Tode und bei den Schrecken des Grabes erinnere uns daran, daß du auch einst im Grabe geschlafen, und daß der Gott, der dir das Leben wieder gab, auch von unserm Grabe den Stein wieder wegwälzen und uns zum ewigen Leben erwecken werde. Dir sei Ehre und Anbetung von nun an bis in Ewigkeit, Amen! Das Fünfte. Auf Ostern und Himmelfahrt. Allmächtiger Gott, du haft deinen Sohn, Jesum, unsern Heiland, von den Todten auferwecket, ihn mit Preis und Ehre gekrönet, und ihn zu deiner Rechten im Himmel über alles erhöhet. Du haft mit dem, was er für uns gethan und gelitten hat, die völligste Zufriedenheit bezeuget. Du haft ihn zum Herrn und König seiner erlösten Menschen gemacht. Er hat die größte Macht und Gewalt, uns zu segnen, und sorgt mit mehr als brüderlicher Liebe für unsere Glückseligkeit. Gelobet sei dein Name, o gütiger Vater, von nun an bis in Ewigkeit. Denabr. Landgesangb. X. Aufl. Gebete. 98 Anhang kurzer Gebete. Erwecke uns nun durch die Kraft deines heiligen Geistes, daß wir aufstehen vom Schlafe der Sünden und ihm, unserm Erlöser, durch den willigsten und treuesten Gehorsam gegen die Vorschriften seiner Religion die Verehrung beweisen mögen, die wir ihm schuldig sind, dem wir Alles zu danken und von dem wir Alles zu erwarten haben. Einst tommt ein Tag, wo wir ihn sehen werden, wie er ist; wo er von einem Jeden Rechenschaft fordern wird. O wie unaussprechlich glücklich werden wir uns dann finden, wenn wir freudig vor ihm erscheinen und in die seligen Wohnungen eingeführt werden können, die er seinen Freunden und Nachfolgern bereitet hat. Amen, es ge schehe uns also, Amen! Das Sechste. Auf Pfingsten. Treuer und wahrhaftiger Gott, du hast deine Verheißungen an den Aposteln und ersten Nachfolgern unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi erfüllet; mache uns nun auch Alle des verheißenen Segens deines Geistes theilhaftig. Auch wir bedürfen seines Beistandes, wenn dein Wort, wenn die Lehre Jesu in uns zur Bekehrung, zum Glauben und zu einem tugendhaften Wandel fruchtbar werden soll. Auch uns will dein guter Geist belehren, führen und trösten. Ach laß uns denn jeden guten Gedanken, jede fromme Rührung als seine Gabe so annehmen, bewahren und befolgen, daß wir nach deinem Liebesrath hier gut und froh und dort ewig selig werden mögen, durch Jesum Christum, unsern Heiland, Amen! Das Siebente. Nach der Saatzeit. Wohlthätiger Gott, väterlicher Versorger aller Lebendigen, in deinem Namen haben wir unsere Saat ausgestreuet und unsere Felder bestellt. Segne nun unser Land, daß es sein Gewächse gebe. Erwärme, erquide und befruchte die Erde durch Sonnenschein, Thau und Regen. Halte Alles, was unsere Hoffnungen zu einer reichen Ernte plöglich vernichten und deinen Segen verwüsten kann, von unsern Grenzen zurück. Laß in unserm ganzen Lande die wahre Frömmig keit bei Obern und Unterthanen ausgebreitet werden, damit wir dei nes Wohlgefallens, deiner Vaterliebe und deines Segens fähig, und es nicht nöthig sein möge, uns durch scharfe Züchtigungen zu unsern Pflichten zu erwecken. Es segne uns Gott, unser Gott, und alle Welt fürchte ihn, Amen! Anhang kurzer Gebete. Das Achte. Nach der Ernte. Gnädiger Gott und Vater, unsere Ernte ist nun wieder vollendet, und abermals ist für einen wichtigen Theil unserer Bedürfnisse gesorgt. Wir freuen uns über deine Güte und bringen dir das Opfer unsers Dants. Laß es dir um Jesu Christi willen wohlgefallen. Breite ferner deinen Segen aus über unsern Ort und das ganze Land. Laß deine Sonne auch fünftig über die Undankbaren scheinen; aber laß auch Viele unter uns erweckt werden, deine Wohlthaten so anzuwenden, wie es uns, den Haushaltern deiner Gaben, geziemt. Regiere die Herzen derer, die du mit leiblichen Gütern gesegnet hast, daß sie gegen ihre dürftigen Nebenmenschen nicht verschlossen seien. Erfülle die Armen mit Gelassenheit, und erfreue sie mit deiner Hülfe. Mache uns Alle an christlichen Gesinnungen und guten Thaten recht fruchtbar, damit wir, wenn unser irdisches Leben ein Ende hat, zu der seligen Ernte im Himmel gelangen, die uns dein Sohn, Jesus Christus, zugesagt hat. Da wollen wir dich für deine Wohlthaten preisen, von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. 99 Das Neunte. Bei der Confirmation. Gott, unser Vater im Himmel, deiner Güte und Treue übergeben wir diese unsere jungen Brüder und Schwestern, die sich zu deiner Verehrung freiwillig verpflichten und dich inbrünstig bitten, daß du sie als deine Kinder lieben und aller Vortheile und Seligkeit des Christenthums theilhaftig machen wollest. Laß dir diese Wünsche ihres Herzens wohlgefallen, und schenke ihnen Muth und Kraft, ihre Entschließungen zu erfüllen. Heiliger Bater, heilige sie in deiner Wahrheit: dein Wort ist Wahrheit. Herr Jesu, sie haben dich als ihren Lehrer und Seligmacher kennen gelernt; laß sie nun die ganze Kraft deiner Lehre und deines Heils zu ihrer Besserung und Beruhigung erfahren. Schenke ihnen den Beistand des heiligen Geistes, und mache sie sorgfältig in dem Gebrauch der Mittel, die sie in der Erkenntniß, im Glauben und in der christlichen Rechtschaffenheit befestigen und weiter bringen können. Laß den Tag, an dem sie zum ersten Mal das Gedächtnißmahl deiner Liebe genießen, einen unvergeßlichen, segensvollen Tag für sie sein. Flöße ihnen immer mehr Haß gegen alle Sünden und Lafter ein, denen sie jest feierlich entsagen. Erfülle ibre Seelen mit findlichem Vertrauen auf Gott, ihrem himmlischen Vater, und mit stets wirksamer Neigung zu allem demjenigen, was recht und gut ist und ihm wohlgefällt. Schenke ihnen Bereitwilligkeit 100 Anhang kurzer Gebete. und Stärke, sich von deinem Geist regieren zu lassen und deinem Beispiel zu folgen. In ihrem ganzen Leben laß sie durch Gottesund Menschenliebe allenthalben das thätige Zeugniß ablegen, daß sie Christen sind. Und wenn sie zur Sünde, zum Leichtsinn und zur Versäumung ihrer Pflichten gereizet werden, so hilf ihnen zum Siege über alle Versuchungen durch das Andenken an diese Stunde, in welcher sie dem Allwissenden und allenthalben Gegenwärtigen und dir, ihrem Heiland und künftigen Richter, Treue bis in den Tod geschworen haben. Vereinige uns einst mit ihnen in der Gesellschaft deiner vollkommenen Verehrer, die sich im Himmel versammlet, und mache sie und uns zu Erben Gottes und zu miterben deiner Herrlichkeit und Seligkeit, Amen! Das Zehnte. Ein Beichtgebet ( darin man Gott seine Reue über seine Sünden und sein Verlangen nach Begnadigung, Vergebung und Besserung vorträgt). Gott, mein Herr und Vater, mit aufrichtiger Reue bekenne ich dir meine Sünden und meine Strafbarkeit. Manches Böse habe ich begangen, viel Gutes unterlassen und oft bin ich in der Erfüllung meiner Pflichten nicht eifrig genug gewesen. Vergieb es mir um Jesu Christi willen, der auch mich geliebet nnd sich selbst für mich aufgeopfert hat. Schenke mir auf's neue die unschätzbare Versicherung deiner Gnade und väterlichen Liebe. Ich will mich bestreben, fünftig nicht vorsäglich Unrecht zu thun, meinen Sinn und Wandel stets nach deinem Willen und nach dem Vorbilde meines Heilandes einzurichten und so immer besser zu werden. Hilf mir dazu durch den Beistand des heiligen Geistes, Amen! ( 3u Gebeten von der Art können auch aus dem Gesangbuche gebraucht werden: No. 260. 5-7. № 265 V. 7, 8. No. 267. 13-15. No. 281 B. 1, 5, 7 No. 299. 1- 7. №. 273 V. 1, 2, 5, 6, 9, 11. 10. №. 287. No. 406 V. 5-8.) Kirchen- Gebete. Unendlicher, ewiger Gott! In Ehrfurcht anbetend nahen wir uns mit kindlichem Vertrauen dem Throne deiner Allmacht und Liebe, um deinen Segen für uns und unser ganzes Land zu erflehen. Zahllos und unermeßlich sind die Wohlthaten, die du täglich und stündlich über uns verbreitest. Dir, Vater des Lichts, Urquell aller Glückseligkeit, empfehlen wir mit fester Zuversicht alle unsere Schicksale. Erhalte uns dein göttliches Geschenk, unsere heiheilige Religion, und regiere uns mit deinem heiligen Geiste, daß wir würdig unserm erhabenen Christenberuf leben. Breite deinen Segen aus über alle Schulen und Bildungs- Anstalten des Landes. Laß jede derselben die Pflanzschule heilsamer Kenntnisse und christlicher Tugenden sein. Segne jedes fromme Geschäft, das wir zu unserm eigenen Wohl und zum Wohl unserer Nebenmenschen unternehmen und laß jede Freude, die du uns schenkst, und jedes Leid, das du nach deiner unerforschlichen Weisheit über uns verhängst, zur Stärkung unsers Glaubens und unserer Tugend gereichen! Blicke mit väterlicher Güte herab auf unsern erhabenen Beherrscher und walte segnend über das ganze Königliche Haus. Lange laß ihn, Lange laß ihn, unsern geliebteſten König, den beglücktesten Regenten und die Wonne seiner Völker sein! Thue wohl allen denen, die unter seiner väterlichen Regierung in ihren weiteren oder engern Wirkungskreisen für die Sicherheit, Ruhe und Wohlfahrt des Vaterlandes sorgen und laß sie in dem glücklichsten Erfolge ihrer Arbeiten und Sorgen für das allgemeine Beste die schönste Belohnung ihrer Bemühungen finden! Segne und beglücke alle Stände. Stehe allen Leidenden mit Trost und Hülfe bei. Laß uns Alle, nach den Vorschriften der Religion Jesu Chrifti durch die heiligen Banden des Glaubens und der brüderlichen Liebe zu einer großen und glücklichen Familie in deinem Reiche vereint, ein ruhiges und stilles Leben führen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. So segne uns Gott, unser Gott! Ihm, dem Seligen und allein Gewaltigen, dem Könige aller Könige und Herrn aller Herrn, sei Ehre und Preis in Ewigkeit. Amen! 法 。 Sonntägliches Kirchengebet Dant, Lob und Preis sei dir gesagt, gütigster Gott und Vater, für die unschäßbare Wohlthat, daß wir dein göttliches Wort hören, und dadurch unsere ewige Glückseligkeit befördern können. Laß uns doch immer begieriger werden, deinen heiligen Willen recht zu erkennen, und nach demselben unser ganzes Leben einzurichten. Stärke unsern Glauben; vermehre die Liebe zu dir und allen Menschen und verleihe uns immer mehr Lust und Kraft, die guten Entschließungen und Vorsäge auszuführen, die wir durch deine Gnade gefaffet haben, damit wir ja nicht vergeßliche Hörer, sondern eifrige Thäter deines Worts sein mögen. Und nun, barmherziger, gütiger Gott, vernimm unser demüthiges und gläubiges Flehen, das wir für alle Menschen vor deinen Thron bringen. Du bist ja Aller Vater; du hast sie Alle geschaffen und durch Jesum erlöset; du willst auch nicht, daß Jemand verloren, sondern daß Jeder glücklich und selig werde. Ach, so nimm dich auch Aller gnädig und väterlich an! Regiere und leite mit deinem Geiste alle hohen Häupter und Regenten der Christenheit, daß sie, erfüllet mit Eifer für Wahrheit und Religion, Aufklärung und Besserung der Nationen befördern, damit der Glanz deines göttlichen Wortes endlich über alle Völker aufgehe, und dein großer Name von einem Ende der Welt bis zum andern durch reine Lehre und heiliges Leben verherrlichet werde. Walte insbesondere mit deiner Gnade über unsern geliebtesten König; erfreue ihn durch deine Güte, und schenke ihm bei einer glücklichen Regierung Gesundheit und langes Leben. Beschüße und segne alle Glieder seines Königlichen Hauses. Verleihe den zur Verwaltung des Landes von ihm Verordneten, wie auch den Vorgesetzten unseres Fürstenthums den Geist des Raths, der Weisheit und des Verstandes, damit unter uns überall deine Ehre und das gemeine Beste befördert werde. Gewähre unsern Mitbürgern einen erwünschten Fortgang ihrer Geschäfte und einen blühenden Wohlstand ihrer Familien. Bewahre uns vor Unglücksfällen, vor gefährlichen Versuchungen und schweren Leiden. Erbarme dich über Nothleidende und Bedrängte; tröste die Traurigen; richte auf die Niedergeschlagenen; versorge die Dürftigen; heile und stärke die Kranken. O du Vater der Witwen und Waisen, du Beschüßer der Verfolgten, hilf allen unglücklichen und elenden Menschen. Rette die Seelen, die durch Unglauben und Aberglauben, Irrthum und Zweifel verführet werden, und unterstüße die Lehrer des Evangeliums durch den Beistand deines heiligen Geistes, daß sie durch das Licht der Wahrheit den Verstand ihrer Zuhörer aufklären, ihr Herz bessern und sie zur ewigen Seligkeit vorbereiten. Erfülle die Herzen aller Menschen mit der allgemeinen Bruderliebe, daß sie, wie Kinder eines Vaters, einander zu helfen, und ihr gemeinschaftliches Beste zu fördern bereit und willig sein mögen, damit wahre christliche Duldung, Verträglichkeit und Glückseligkeit überall befördert, Wahrheit und Tugend immer weiter ausgebreitet, und dein heiliger Wille auf Erden, wie im Himmel, vollbracht werde. Erhöre, Gott, unsere Bitte; vernimm unser demüthiges Flehen, um Jesu Christi, unsers Heilandes willen. Amen! Die Episteln und Evangelia auf alle Sonn- und Festtage des Kirchenjahrs. Am ersten Advents- Sonntage. Epistel. Röm. 13, 11-14. Und weil wir solches wissen, nämlich die Zeit, daß die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, sintemal unser Heil jetzt näher ist, denn da wir es glaubten; die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbeigekommen: so laßt uns ablegen die Werke der Finsterniß und anlegen die Waffen des Lichts. Laßt uns ehrbarlich wandeln als am Tage; nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid sondern ziehet an den Herrn Jesum Christ, und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde. Evangelium. Matth. 21, 1-9. Da sie nun nahe bei Jerusalem kamen, gen Bethphage an den Delberg, sandte Jesus seiner Jünger zween, und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und bald werdet ihr eine Eselin finden, angebunden, und ein Füllen bei ihr, löset sie auf und führet sie zu mir. Und so euch Jemand etwas wird sagen, so sprecht: der Herr bedarf ihrer; so bald wird er fie euch lassen. Das geschah aber Alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Saget der Tochter Zion, siehe, dein König kommt zu dir, sanftmüthig, und reitet auf einem Esel, und auf einem Füllen der lastbaren Eselin. Die Jünger gingen hin, und thaten, wie ihnen Jesus befohlen hatte; brachten die Eselin und das Füllen, und legten ihre Kleider darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg, die andern hieben Zweige von den Bäumen, und streueten sie auf den Weg. Das Volk aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohne Davids, gelobet sei der da kommt in dem Namen des Herrn! Hofianna in der Höhe! und Am zweiten Advents- Sonntage. Epistel. Röm. 15,4-13. Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, daß ihr einerlei gesinnet seyd unter einander, nach Jesu Christo, auf daß ihr einmüthiglich mit Einem Munde lobet Gott und den Vater unsers Herrn Jesu Christi. Darum nehmet euch unter cinander auf, gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Robe. Ich sage aber, daß Jesus Christus sey ein Diener gewesener d Beschneidung, um der Wahrheit willen Gottes, 1 2 Die Episteln zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen. Daß die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben stehet: Darum will ich dich loben unter den Heiden, und deinem Namen singen. Und abermal spricht er: Freuet euch, ihr Heiden mit seinem Volk. Und abermal: Lobet den Herrn, alle Heiden, und preiset ihn, alle Völker. Und abermal spricht Esaias: Es wird sein die Wurzel Jesse, und der auferstehen wird, zu herrschen über die Heiden, auf den werden die Hei den hoffen. Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, daß ihr völlige Hoffnung habt, durch die Kraft des heiligen Geistes. Evangelium. Luc. 21, 25-36. Es werden Zeichen geschehen an der Sonne, und Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die da kommen sollen auf Erden, denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf, und hebet eure Häupter auf, darum, daß sich eure Erlösung nahet. Und er sagte ihnen ein Gleichniß: Sehet an den Feigenbaum und alle Bäume; wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihr an ihnen und merket, daß jetzt der Sommer nahe ist: Also auch ihr, wenn ihr dies Alles seht angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß es Alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, daß eure Herzen nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, nnd komme dieser Tag schnell über euch. Denn wie ein Fallstrick wird er kommen über Alle, die auf Erden wohnen. So send nun wacker allezeit, und betet, daß ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem Allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. Am dritten Advents- Sonntage. Epistel. 1. Cor. 4, 1-5. Dafür halte uns Jedermann, nämlich für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun suchet man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden. Mir aber ist es ein Geringes, daß ich von euch gerichtet werde, oder von einem menschlichen Tage; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir wohl nichts bewußt, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt. Der Herr ist es aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rath der Herzen offenbaren; alsdann wird einem Jeglichen von Gott Lob widerfahren. Evangelium. Matth. 11, 2-10. Da aber Johannes im Gefängniß die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zween, und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johanni wieder, was ihr sehet und höret; und Evangelia. 3 die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Todten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volke von Johanne: Was send ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet? Oder was sehd ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was send ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben stehet: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll. Am vierten Advents- Sonntage. Epistel. Philipp. 4, 4-7. Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermal sage ich: Freuet euch! Eure Lindigkeit lasset tund seyn allen Menschen. Der Herr ist nahe. Sorget nichts; sondern in allen Dingen lasset eure Bitte im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott fund werden, und der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Chrifto Jesu. Evangelium. Joh. 1, 19-28. Und dies ist das Zeugniß Johannis, da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten: Wer bist du? Und er bekannte und leugnete nicht, und er bekannte: Ich bin nicht Christus. Und sie fragten ihn: was denn? Bist du Elias? Er sprach: Ich bin es nicht. Bist du ein Prophet? Und er antwortete: Nein. Da sprachen fie zu ihm: Was bist du denn? daß wir Antwort geben denen, die uns gefandt haben. Was sagst du von dir selbst? Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: richtet den Weg des Herrn, wie der Prophet Esaias gesagt hat. Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern, und fragten ihn, und sprachen zu ihm: Warum taufest du denn, so du nicht Christus bist, noch Elias, noch ein Prophet? Jo= hannes antwortete ihnen, und sprach: ich taufe mit Wasſer; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet. Der ist's, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, deß ich nicht werth bin, daß ich seine Schuhriemen auflöse. Dies geschah zu Bethabara, jenseit des Jordans, da Johannes taufte. Am ersten Weihnachts- Tage. Epistel. Titus 2, 11-14. Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen; und züchtiget uns, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen, und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottjelig leben in dieser Welt und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes Jesu Christi; der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlösete von aller Ungerechtigkeit, und reinigte ihm selbst ein Volk zum Eigenthum, das fleißig wäre zu guten Werken. 1* Die Episteln Evangelium. Luc. 2, 1-14. Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiſer Augusto ausging, daß alle Welt geschätzet würde. Und diese Schatzung war die allererste; und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und Jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein Jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das Jüdische Land, zur Stadt Davids, die da heißet Bethlehem, darum, daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß fie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn, und wickelte ihn in Windeln, und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihrer Heerde. Und fiehe, des Herren Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um fie und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkünde euch große Freude, die allem Volke widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt, und in einer Krippe liegend. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerschaaren, die lobeten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. 4 Am zweiten Weihnachts- Tage. Epistel. Apostelgesch. 6, 8-15. 7, 54-59. Stephanus aber, voll Glaubens und Kräfte, that Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Da standen Etliche auf von der Schule, die da heißet der Libertiner und der Cyrener und der Alexanderer und derer, die aus Cilicia und Asia waren und befragten sich mit Stephano. Und fie vermochten nicht zu widerstehen der Weisheit und dem Geiste, aus welchem er redete. Da richteten sie zu etliche Männer, die sprachen: Wir haben ihn gehört Lästerworte reden wider Mosen und wider Gott. Und bewegten das Volk und die Neltesten, und die Schriftgelehrten; und traten herzu, und rissen ihn hin, und führten ihn vor den Rath, und stellten falsche Zeugen dar, die sprachen: dieser Mensch hört nicht auf, zu reden Läfterworte wider diese heilige Stätte und das Gesetz. Denn wir haben ihn hören sagen: Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören, und ändern die Sitten, die uns Moses gegeben hat. Und sie sahen auf ihn Alle, die im Rathe saßen, und sahen sein Angesicht, wie eines Engels Angesicht.( Stephanus hielt hierauf eine Rede, worin er auch jagte: 3hr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herzen und Ohren, ihr widerstrebet allezeit dem heiligen Geiste, wie eure Väter, also auch ihr zc.) Da sie solches höreten, gings ihnen durchs Herz, und bissen die Zähne zusammen über ihn. Als er aber voll heiligen Geistes war, sah er auf gen Himmel, und sahe die Herrlichkeit Gottes, und Jesum stehen zur Rechten Gottes, und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen, und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Sie schrieen aber laut, und hielten ihre Ohren zu, und stürmeten einmüthiglich zu ihm ein, stießen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Und die Zeugen legten und Evangelia. 5 ab ihre Kleider zu den Füßen eines Jünglings, der hieß Saulus. Und steinigten Stephanum, der anrief und sprach: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! Er kniete aber nieder und schrie laut: Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht! und als er das gesagt, entschlief er. 1 Evangelium. Matth. 23, 34-39. Darum siehe, ich sende zu euch Propheten, und Weise, und Schriftgelehrte, und derselbigen werdet ihr etliche tödten und freuzigen, und etliche werdet ihr geißeln in euren Schulen, und werdet sie verfolgen von einer Stadt zur andern; auf daß über euch komme alle das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut an des gerechten Abels bis aufs Blut Zacharias, Barachiä Sohn, welchen ihr getödtet habt zwischen dem Tempel und Altar. Wahrlich ich sage euch, daß solches Alles wird über dies Geschlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem, die du tödtest die Propheten und steinigest, die zu dir gefandt sind; wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt. Siehe, euer Haus soll euch wüste gelassen werden. Denn ich sage euch, ihr werdet mich von jetzt an nicht ehen, bis ihr sprecht: Gelobt sei, der da kommt im Namen es Herrn! Ein anderes Evangelium. Joh. 1, 1-14. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbige war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbige gemacht, und ohne dasselbige ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsterniß, und die Finsterniß haben es nicht begriffen. Es war ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes. Derselbige kam zum Zeugniß, daß er von dem Lichte zeugete, auf daß sie Alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern daß er zeugete von dem Licht. Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbige gemacht, und die Welt kannte es nicht. Er tam in sein Eigenthum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie Viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben. Welche nicht von dem Geblüt, noch von dem Willen des Fleisches, noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, als des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Am Sonntage nach Weihnachten. Epistel. Gal. 4, 1-7. Ich sage aber, so lange der Erbe ein Kind ist, so ist unter ihm und einem Knechte kein Unterschied, ob er wohl ein Herr ist aller Güter: son= dern er ist unter den Vormündern und Pflegern, bis auf die bestimmte Zeit vom Vater. Also auch wir, da wir Kinder waren, waren wir gefangen unter den äußerlichen Satzungen. Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Geſetz gethan, auf daß er die, so unter dem Gesetz waren, erlösete, und wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr denn Kinder seyd, hat Gott gesandt den 6 Die Episteln Geist seines Sohnes in eure Herzen, der schreiet: Abba, lieber Vater! Also ist hier nun kein Knecht mehr, sondern eitel Kinder. Sind es aber Kinder, so sind es auch Erben Gottes durch Christum. Evangelium. Luc. 2, 33-40. Und sein Vater und Mutter wunderten sich deß, das von ihm geredet ward. Und Simeon segnete sie, und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser wird gesetzet zu einem Fall und Auferstehen Vieler in Israel, und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird( und es wird ein Schwerdt durch deine Seele dringen), auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuels, vom Geschlecht Aser, die war wohl betaget, und hatte gelebet sieben Jahr mit ihrem Manne, nach ihrer Jungfrauschaft, und war eine Wittwe bei vierundachtzig Jahren, die kam nimmer vom Tempel, dienete Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Dieselbe trat auch hinzu zu derselbigen Stunde, und preisete den Herrn, und redete von ihm zu Allen, die auf die Erlösung zu Jerusalem warteten. Und da sie es Alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder in Galiläa, zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Kind wuchs, und ward stark im Geist, voller Weisheit; und Gottes Gnade war bei ihm. Am Neujahrstage. Epistel. Gal. 3, 23-29. Che denn aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Geſetze verwahret und verschlossen auf den Glauben, der da sollte geoffenbaret werden. Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christum, daß wir durch den Glauben gerecht würden. Nun aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. Denn ihr seyd alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christo Jesu. Denn wie viel euer getauft sind, die haben Chriftum angezogen. Hier ist kein Jude, noch Grieche, hier ist tein knecht, noch Freier, hier ist kein Mann, noch Weib; denn ihr seyd allzumal Einer in Christo Jesu. Seyd ihr aber Christi, so seyd ihr ja Abrahams Samen, und nach der Verheißung Erben. Evangelium. Luc. 2, 21. Und da acht Tage um waren, daß das Kind beschnitten würde, da ward sein Name genannt Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe denn er im Mutterleibe empfangen ward. Am Sonntage nach Neujahr. Epistel. Tit. 3, 4-8. Da aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, unsers Heilandes: nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir gethan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum, unſern Heiland; auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seyen des ewigen Lebens nach der Hoffnung; das ist je gewißlich wahr. und Evangelia. Evangelium. Matth. 2, 13-23. Da sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum, und sprach: Stehe auf, und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir, und fliehe in Egyptenland, und bleibe allda, bis ich dir sage; denn es ist vorhanden, daß Herodes das Kindlein suche, dasselbe umzubringen. Und er stand auf, und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich, bei der Nacht, und entwich in Egyptenland, und blieb allda bis nach dem Tode Herodis, auf daß erfüllet würde, das der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: Aus Egypten habe ich meinen Sohn gerufen. Da Herodes nun sahe, daß er von den Weisen betrogen war, ward er zornig, und schickte aus, und ließ alle Kinder zu Bethlehem tödten, und an ihren ganzen Grenzen, die da zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er mit Fleiß von den Weisen erlernet hatte. Da erfüllet, das gesagt ist von dem Propheten Jeremia, der da spricht: Auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehört, viel Klagens, Weinens und Heulens; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen. Da aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum in Egyptenland, und sprach: Stehe auf, und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir, und ziehe hin in das Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kinde nach dem Leben standen. Und er stand auf, und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich, und kam in das Land Israel. Da er aber hörete, daß Archelaus im Jüdischen Lande König war, anstatt seines Vaters Herodis, fürchtete er sich, dahin zu kommen. Und im Traum empfing er Befehl von Gott, und zog in die Derter des Galiläischen Landes; und kam und wohnte in der Stadt, die da heißt Nazareth; auf daß erfüllet würde, das da gesagt ist durch den Propheten: Er soll Nazarenus heißen. 7 Ein anderes Evangelium. Matth. 3, 13-17. Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johanne, daß er sich von ihm taufen ließe. Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf wohl, daß ich von dir getauft werde; und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß jetzt also seyn; also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er es ihm zu. Und da Jesus getauft war, stieg er bald darauf aus dem Wasser, und siehe, da that sich der Himmel auf über ihm. Und Johannes sah den Geist Gottes, gleich als eine Taube, herabfahren, und über ihn kommen. Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe. Am Feste der Erscheinung Christi.( Epiphanias.) Epistel. Jesaia 60, 1-6. Mache dich auf, werde Licht: denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn gehet auf über dir. Denn siehe, Finsterniß bedeckt das Erdreich, und Dunkel die Völker; aber über dir gehet auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheinet über dir. Und die Heiden werden in deinem Lichte wandeln, und die Könige im Glanz, der über dir aufgehet. Hebe deine Augen auf, und siehe umher; diese Alle versammelt kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen, und deine Töchter zur 8 Die Episteln Seite erzogen werden. Dann wirst du deine Lust sehen und ausbrechen, und dein Herz wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich die Menge am Meere zu dir bekehret, und die Macht der Heiden zu dir kommt. Denn die Menge der Kameele wird dich bedecken, die Läufer aus Midian und Epha, sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen, und des Herrn Lob verkündigen. Evangelium. Matth. 2, 1-12. Da Jesus geboren war, zu Bethlehem im jüdischen Lande, zu der Zeit des Königs Herodis, siehe, da kamen die Waisen vom Morgenlande gen Jerusalem, und sprachen: Wo ist der neugeborne König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande, und sind gekommen, ihn anzubeten. Da das der König Herodes hörte, erschrak er, und mit ihm das ganze Jerusalem; und ließ versammeln alle Hohepriester und Schriftgelehrten unter dem Volk; und erforschte von ihnen, wo Christus sollte geboren werden. Und sie sagten ihm: zu Bethlehem im jüdischen Lande. Denn also steht geschrieben durch den Propheten: Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist mit nichten die kleinste unter den Fürsten Juda; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sey. Da berief Herodes die Weisen heimlich, und erlernte mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen wäre und wies fie gen Bethlehem, und sprach: ziehet hin, und forschet fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr es findet, so sagt's mir wieder, daß ich auch komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis daß er kam und stand oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreuet; und gingen in das Haus, und fanden das Kindlein mit Maria, einer Mutter, und fielen nieder und beteten es an, und thaten ihre Schätze auf, und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Und Gott befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken. Und zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Land. Am ersten Sonntage nach Epiphanias. Epistel. Röm. 12, 1-6. Ich ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sey, welches sey euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Verneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sey der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gottes- Wille. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, Jedermann unter euch, daß Niemand weiter von ihm halte, denn sich es gebührt zu halten; sondern daß er von ihm mäßiglich halte, ein Zeglicher nach dem Gott ausgetheilt hat das Maaß des Glaubens. Denn gleicher Weise, als wir in einem Leibe viele Glieder haben, aber alle Glieder nicht einerlei Geschäfte haben; also sind wir viele ein Leib in Christo, aber unter einander ist einer des andern Glied und haben mancherlei Gaben, nach der Gnade, die uns gegeben ist. und Evangelia. Evangelium. Luc. 2, 41-52. Und seine Eltern gingen alle Jahre gen Jerusalem auf das Osterfest. Und da er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf gen Jerusalem, nach Gewohnheit des Festes. Und da die Tage vollendet waren, und sie wieder zu Hause gingen, blieb das Kind Jesus zu Jerusalem, und seine Eltern wußten es nicht. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten; und kamen eine Tagereise, und suchten ihn unter den Gefreundten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wiederum gen Jerusalem und suchten ihn. Und es begab sich nach dreien Tagen, fanden fie ihn im Tempel sitzen mitten unter den Lehrern, daß er ihnen zuhörte, und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antwort. Und da sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das gethan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Was ist's, daß ihr mich gesucht habt? Wisset ihr nicht, daß ich seyn muß in dem, das meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er mit ihnen redete. Und er ging mit ihnen hinab, und kam gen Nazareth, und war ihnen unterthan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. 9 Am zweiten Sonntage nach Epiphanias. Epistel. Röm. 12, 6-16. Wir haben mancherlei Gaben, nach der Gnade, die uns gegeben iſt. Hat Jemand Weissagung, so sey sie dem Glauben ähnlich. Hat Jemand ein Amt, so warte er des Amtes. Lehrt Jemand, so warte er der Lehre. Ermahnt Jemand, so warte er des Ermahnens. Giebt Jemand, so gebe er einfältiglich. Regiert Jemand, so sey er sorgfältig. Uebt Jemand Barmherzigkeit, so thue er es mit Luft. Die Liebe sei nicht falsch. Haffet das Arge, hanget dem Guten an. Die brüderliche Liebe unter einander sey herzlich. Einer komme dem Andern mit Ehrerbietung zuvor. Seyd nicht träge, was ihr thun sollt. Seyd brünstig im Geist. Schicket euch in die Zeit. Seyd fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet. Nehmet euch der Heiligen Nothdurft an. Herbergt gerne. Segnet, die euch verfolgen; segnet, und fluchet nicht. Freuet euch mit den Fröhlichen, und weinet mit den Weinenden. Habt einerlei Sinn unter einander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen. Evangelium. Joh. 2, 1-11. Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa; und die Mutter Jefu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht Wein. Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das thut. Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt, nach der Weise der jüdischen Reinigung; und gingen je in einen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie füllten sie Und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun, und bringt es bis oben an. 10 Die Episteln dem Speisemeister. Und sie brachten es. Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, von wannen er kam( die Diener aber wußten es, die das Wasser geschöpft hatten), ruft der Speisemeister den Bräutigam, und spricht zu ihm: Jedermann giebt zum ersten guten Wein, und wenn sie trunken geworden find, alsdann den geringern; du hast den guten Wein bisher behalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus that, geschehen zu Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. Am dritten Sonntage nach Epiphanias. Epistel. Röm. 12, 17-21. Haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet Niemand Böses mit Bösem. Fleißiget euch der Ehrbarkeit gegen Jedermann. Ist es möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächet Euch selbst nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn: denn es stehet geschrieben: die Rache ist mein. Ich will vergelten, spricht der Herr. So nun deinen Feind hungert, so speise ihn; dürftet ihn, so tränke ihn. Wenn du das thust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Laß dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Evangelium. Matth. 8, 1-13. Da er aber vom Berge herabging, folgte ihm viel Volks nach. Und fiehe ein Ausjäßiger kam, und betete ihn an, und sprach: Herr, so du willst, kannst du mich wohl reinigen. Und Jesus streckte seine Hand aus, rührte ihn an, und sprach: ich will es thun, sei gereiniget. Und alsobald ward er von seinem Aussayz rein. Und Jesus sprach zu ihm: Siehe zu, sage es Niemand; sondern gehe hin, und zeige dich dem Prieſter, und opfere die Gabe, die Moses befohlen hat, zu einem Zeugniß über fie. Da aber Jesus einging zu Kapernaum, trat ein Hauptmann zu ihm, der bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gichtbrüchig, und hat große Qual. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht werth, daß du unter mein Dach gehest; sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn ich bin ein Mensch, dazu der Obrigkeit unterthan, und habe unter mir Kriegsknechte; noch wenn ich sage zu einem: Gehe hin, so geht er; und zum andern: Komm her, so kommt er; und zu meinem Knechte: Thue das, so thut er's. Da das Jesus hörte, verwunderte er sich, und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch, solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden. Aber ich sage euch: viele werden kommen vom Morgen und vom Abend, und mit Abraham und Isaak und Jacob im Himmelreich fizzen. Aber die Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die äußerste Finsterniß hinaus, da wird seyn Heulen und Zähnklappen. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Gehe hin, dir geschehe, wie du geglaubet hast. Und sein Knecht ward gesund zu derselbigen Stunde. Am vierten Sonntage nach Epiphanias. Epistel. Röm. 13, 8-10. Seyd Niemand nichts schuldig, denn daß ihr euch unter einander liebet; denn wer den andern liebet, der hat das Gesetz erfüllet. Denn das da und Evangelia. 11 gesagt ist: du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht tödten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugniß geben; dich soll nichts geLüften; und so ein ander Gebot mehr ist, das wird in diesem Wort verfaffet: Du sollst deinen Nächsten lieben, als dich selbst. Die Liebe thut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. Evangelium. Matth. 8, 23-27. Und er trat in ein Schiff, und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da erhob sich ein groß Ungestüm im Meer, also, daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm, und weckten ihn auf, und sprachen: Herr, hilf uns, wir verderben. Da sagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seyd ihr so furchtsam? Und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer: da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist? Am fünften Sonntage nach Epiphanias. Epistel. Col. 3, 12-17. So ziehet nun an, als die Auserwählten Gottes, Heilige und Geliebte, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demuth, Sanftmuth, Geduld; und vertrage einer den andern, und vergebet euch unter einander, so Jemand Klage hat wider den andern; gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. Ueber alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Gottes regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen seyd in einem Leibe; und seyd dankbar. Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit; lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen, und geistlichen lieblichen Liedern, und singet dem Herrn in eurem Herzen. Und Alles, was ihr thut mit Worten oder mit Werken, das thut Alles in dem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Evangelium. Matth. 13, 24-30. Er legte ihnen ein ander Gleichniß vor, und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säete. Da aber die Leute schliefen, kam der Feind, und säete Unkraut zwischen den Weizen, und ging davon. Da nun das Kraut wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. Da traten die Knechte zu dem Hausvater, und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesäet? Woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: Das hat der Feind gethan. Da sprachen die Knechte: Willst du denn, daß wir hingehen und es ausgäten? Er sprach: Nein! auf daß ihr nicht zugleich den Weizen mit ausraufet, so ihr das Unkraut ausgätet. Laßt beides mit einander wachsen, bis zu der Ernte, und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuvor das Unkraut, und bindet es in Bündlein, daß man es verbrenne; aber den Weizen sammlet mir in meine Scheuren. Am sechsten Sonntage nach Epiphanias. Epistel. 2. Petri 1, 16-21. Denn wir haben nicht den klugen Fabeln gefolget, da wir euch kund gethan haben die Kraft und Zukunst unsers Herrn Jesu Christi; sondern 12 Die Episteln wir haben seine Herrlichkeit selbst gesehen. Da er empfing von Gott dem Vater Ehre und Preis, durch eine Stimme, die zu ihm geschahe von der großen Herrlichkeit dermaßen: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und die Stimme haben wir gehört vom Himmel gebracht, da wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. Wir haben ein festes prophetisches Wort, und ihr thut wohl, daß ihr darauf achtet, als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. Und das sollt ihr für das erste wissen, daß keine Weissagung in der Schrift geschieht aus eigener Auslegung. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht, sondern die heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem heiligen Geist. Evangelium. Matth. 17, 1-9. Und nach sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrum, und Jacobum, und Johannem, seinen Bruder; und führte sie beiseits auf einen hohen Berg. Und ward verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß, als ein Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Moses und Elias, die redeten mit ihm. Petrus aber antwortete, und sprach zu Jesu: Herr, hier ist gut seyn; willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen, dir eine, Mosi eine, und Elia eine. Da er noch also redete, siehe da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören. Da das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Stehet auf, und fürchtet euch nicht. Da sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie Niemand, denn Jesum allein. Und da sie vom Berge herabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt dies Gesicht Niemand sagen, bis des Menschen Sohn von den Todten auferstanden ist. Am Feste der Darstellung Jesu im Tempel oder der Reinigung Mariä. Epistel. Maleachi 3, 1-5. Siehe, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr suchet, und der Engel des Bundes, deß ihr begehret. Siehe, er kommt, spricht der Herr Zebaoth. Wer wird aber den Tag seiner Zukunft erleiden mögen? Und wer wird bestehen, wenn er wird erscheinen? Denn er ist wie das Feuer eines Goldschmidts, und wie die Seife der Wäscher. Er wird sitzen und schmelzen, und das Silber reinigen; er wird die Kinder Levi reinigen und läutern, wie Gold und Silber: dann werden sie dem Herrn Speisopfer bringen in Gerechtigkeit; und wird dem Herrn wohlgefallen das Speisopfer Juda und Jerusalem, wie vorhin und vor langen Jahren. Und ich will zu euch kommen, und euch strafen, und ich will ein schneller Zeuge seyn wider die Zauberer, Ehebrecher und Meineidigen, und wider die, so Gewalt und Unrecht thun den Tagelöhnern, Wittwen und Waisen, und den Fremdling drücken, und mich nicht fürchten, ſpricht der Herr Zebaoth. und Evangelia. Evangelium. Luc. 2, 22-32. Und da die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz Mofis tamen, brachten sie ihn gen Jerusalem, auf daß sie ihn darstellten dem Herrn( wie denn geschrieben steht in dem Gesetz des Herrn: Allerlei Männlein, das zum ersten die Mutter bricht, soll dem Herrn geheiligt heißen), und daß fie gäben das Opfer, nach dem gesagt ist im Gesetz des Herrn, ein Paar Turteltauben, oder zwo junge Tauben. Und siehe, ein Mensch war zu Jerusalem, mit Namen Simeon; und derselbige Mensch war fromm und gottesfürchtig, und wartete auf den Trost Israels, und der heilige Geist war in ihm; und ihm war eine Antwort geworden von dem heiligen Geist, er sollte den Tod nicht sehen, er hätte denn zuvor den Christ des Herrn gesehen. Und kam aus Anregen des Geistes in den Tempel. Und da die Eltern das Kind Jesum in den Tempel brachten, daß sie für ihn thäten, wie man pflegt nach dem Gesetz, da nahm er ihn auf seine Arme, und lobte Gott, und sprach: Herr, nun läsfest du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preise deines Volks Israel. 13 Am Sonntage Septuagesimä. Epistel. 1. Cor. 9, 24-27. 10, 1-5. Wisset ihr nicht, daß die, so in den Schranken laufen, die laufen Alle, aber Einer erlangt das Kleinod? Laufet nun also, daß ihr es ergreifet. Ein Jeglicher aber, der da kämpft, enthält sich alles Dinges; jene also, daß sie eine vergängliche Krone empfangen; wir aber eine unvergängliche. Ich laufe aber also, nicht als aufs ungewisse; ich fechte also, nicht als der in die Luft streicht. Sondern ich betäube meinen Leib und zähme ihn, daß ich nicht den andern predige, und selbst verwerflich werde. Ich will euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten, daß unsere Väter sind alle unter der Wolke gewesen, und sind alle durch das Meer gegangen; und sind alle unter Mose getauft, mit der Wolke und mit dem Meere; und haben alle einerlei geistliche Speise gegessen; und haben alle einerlei geistlichen Trank getrunken; sie tranken aber von dem geistlichen Fels, der mit folgte, welcher war Christus. Aber an ihrer Vielen hatte Gott kein Wohlgefallen; denn sie sind niedergeschlagen in der Wüste. Evangelium. Matth. 20, 1-16. Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu miethen in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Tagelohn, fandte er sie in seinen. Weinberg. Und ging aus um die dritte Stunde, und sah andere an dem Markt müßig stehen und sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermal ging er aus um die sechste und neunte Stunde, und that gleich also. Um die eilfte Stunde aber ging er aus, und fand andere müßig stehen, und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hier den ganzen Tag müßig? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns Niemand gedinget. Er sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg; und was recht seyn wird, soll euch werden. Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Schaffner: Rufe die Arbeiter, und gieb ihnen den Sohn; und 14 Die Episteln hebe an an den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die eilfte Stunde gedinget waren, und empfing ein Jeglicher seinen Groschen. Da aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein Jeglicher seinen Groschen. Und da sie den empfingen, murreten sie wider den Hausvater und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich thue dir nicht unrecht. Bist du nicht mit mir eins geworden um einen Groschen? Nimm, was dein ist, und gehe hin. Ich will aber diesen letzten geben, gleich wie dir. Oder habe ich nicht macht zu thun, was ich will, mit dem Meinen? Siehst du darum scheel, daß ich so gütig bin? Also werden die letzten die ersten, und die ersten die letzten seyn. Denn Viele sind berufen, aber Wenige sind auserwählt. Am Sonntage Sexagefimä. Epistel. 2. Cor. 11, 19-33. 12, 1-9. Ihr vertraget gerne die Narren, dieweil ihr tlug seyd. Ihr vertraget, so euch Jemand zu Knechten macht, so euch Jemand schindet, so euch Je mand nimmt, so euch Jemand trotzt, so euch Jemand in das Angesicht streicht. Das sage ich nach der Unehre, als wären wir schwach geworden. Worauf nun Jemand kühn ist( ich rede in Thorheit), darauf bin ich auch tühn. Sie sind Ebräer, ich auch. Sie sind Israeliten, ich auch. Sie find Abrahams Samen, ich auch. Sie sind Diener Christi( ich rede thörlich), ich bin wohl mehr. Ich habe mehr gearbeitet, ich habe mehr Schläge erlitten, ich bin öfters gefangen, oft in Todesnöthen gewesen. Von den Juden habe ich fünfmal empfangen vierzig Streiche weniger eins. Ich bin dreimal gestäupet, einmal gesteiniget, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, Tag und Nacht habe ich zugebracht in der Tiefe des Meeres. Ich bin oft gereiset; ich bin in Gefahr gewesen zu Wasser, in Gefahr unter den Mördern, in Gefahr unter den Juden, in Gefahr unter den Heiden, in Gefahr in den Städten, in Gefahr in der Wüste, in Gefahr auf dem Meere, in Gefahr unter den falschen Brüdern; in Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße, ohne was sich sonst zuträgt, nämlich, daß ich täglich werde angelaufen und trage Sorge für alle Gemeinen. Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? Wer wird geärgert und ich brenne nicht? So ich mich je rühmen soll, will ich mich meiner Schwachheit rühmen. Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, welcher sei gelobt in Ewigkeit, weiß, daß ich nicht lüge. Zu Damasco der Landpfleger des Königs Areta verwahrte die Stadt der Damasker, und wollte mich greifen, und ich ward in einem Korbe zum Fenster aus durch die Mauern niedergelassen, und entrann aus seinen Händen. Es ist mir ja das Rühmen nichts nüße, doch will ich kommen auf die Gesichte und Offenbarungen des Herrn. Ich tenne einen Menschen in Christo, vor vierzehn Jahren( ist er in dem Leibe gewesen, so weiß ich es nicht; oder ist er außer dem Leibe gewesen, so weiß ich es auch nicht; Gott weiß es); derselbe ward entzückt bis in den dritten Himmel. Und ich kenne denselben Menschen( ob er in dem Leibe, oder außer dem Leibe gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weiß es). Er ward entzückt in das Paradies, und hörte unaussprechliche Worte, welche tein Mensch sagen kann. Davon will ich mich rühmen; von mir und Evangelia. selbst aber will ich mich nichts rühmen, ohne meiner Schwachheit. Und so ich mich rühmen wollte, thäte ich darum nicht thörlich; denn ich wollte die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber deß, auf daß nicht Jemand mich höher achte, denn er an mir siehet, oder von mir höret. Und auf daß ich mich nicht der hohen Offenbarung überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlage, auf daß ich mich nicht überhebe. Dafür ich dreimal dem Herrn geflehet habe, daß er von mir wiche. Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Christi bei mir wohne. Evangelium. Luc, 8, 4-15. Da nun viel Volts bei einander war, und aus den Städten zu ihm eileten, sprach er durch ein Gleichniß: Es ging ein Säemann aus, zu säen jeinen Samen; und indem er jäete, fiel Etliches an den Weg, und ward vertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen es auf. Und Etliches fiel auf den Fels; und da es aufging, verdorrete es, darum, daß es nicht Saft hatte. Und Etliches fiel mitten unter die Dornen: und die Dornen gingen mit auf, und erstickten es. Und Etliches fiel auf ein gutes Land; und es ging auf, und trug hundertfältige Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Es fragten ihn aber seine Jünger, und sprachen, was dieses Gleichniß wäre? Er aber sprach: Euch ist gegeben, zu wissen das Geheimniß des Reichs Gottes; den Ändern aber in Gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören. Das ist aber das Gleichniß: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Wege sind, das sind, die es hören; darnach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, auf daß sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels, sind die, wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an; und die haben nicht Wurzel, eine Zeitlang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel, sind die, jo es hören, und gehen hin unter den Sorgen, Reichthum und Wollust dieses Lebens, und ersticken, und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Lande, sind, die das Wort hören und behalten in einem feinen guten Herzen, und bringen Frucht in Geduld. Am Sonntage Quinquagefimä oder Estomihi. Epistel. 1. Cor 13, 1-13. Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz, oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen könnte, und wüßte alle Geheimnisse, und alle Erkenntniß, und hätte allen Glauben, also, daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht: so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe, und ließe meinen Leib brennen, und hätte der Liebe nicht: so wäre es mir nichts nütze. Die Liebe ist langmüthig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Muthwillen, sie blähet sich nicht. Sie stellet sich nicht ungeberdig, sie sucht nicht das Ihre, fie läßt sich nicht erbittern, sie trachtet nicht nach Schaden, sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freuet sich aber der Wahrheit, sie verträgt Alles, fie glaubet Alles, sie hoffet Alles, sie duldet Alles. Die Liebe hört nim 16 Die Episteln mer auf, so doch die Weissagungen aufhören werden, und die Sprachen aufhören werden, und das Erkenntniß aufhören wird. Denn unser Wiſsen ist Stückwerk und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, und war klug wie ein Kind, und hatte kindische Anschläge, da ich aber ein Mann ward, that ich ab, was kindisch war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Wort, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich es stückweiſe; dann aber werde ich es erkennen, gleich wie ich erkannt bin. Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die gröBeste unter ihnen. Evangelium. Luc. 18, 31-43. Er nahm aber zu sich die Zwölfe und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird Alles vollendet werden, das geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden; und er wird verspottet, und geschmähet und verspeiet werden; und sie werden ihn geißeln und tödten; und am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen der keines, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was das gesagt war. Es geschah aber, da er nahe zu Jericho kam, saß ein Blinder am Wege und bettelte. Da er aber hörte das Volk, das durchhin ging, forschte er, was das wäre. Da verkündigten sie ihm, Jesus von. Nazareth ginge vorüber. Und er rief und sprach: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Die aber vorne an gingen, bedroheten ihn, er sollte schweigen. Er aber schrie vielmehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Jesus aber stand still, und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe bei ihn brachten, fragte er ihn, und sprach: Was willst du, Und Jesus daß ich dir thun soll? Er sprach: Herr, daß ich sehen möge. sprach zu ihm: Sey sehend; dein Glaube hat dir geholfen. Und alsobald ward er sehend: und er folgte ihm nach, und pries Gott. Und alles Volk, das solches sahe, Lobete Gott. Am Feste der Verkündigung Mariä. Epistel. Jesaia 7, 10-15. Und der Herr redete abermal zu Ahas, und sprach: Fordere dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott, es sei unten in der Hölle, oder droben in der Höhe. Aber Ahas sprach: Ich will es nicht fordern, daß ich den Herrn nicht versuche. Da sprach er: Wohlan, so höret ihr vom Hause Davids: Ist es euch zu wenig, daß ihr die Leute beleidiget, ihr müsset auch meinen Gott beleidigen? Darum so wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie heißen Immanuel. Butter und Honig wird er essen, daß er wisse Böses zu verwerfen, und Gutes zu erwählen. Evangelium. Luc. 1, 26-38. Und im sechsten Monat ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die ver traut war einem Manne, mit Namen Joseph, vom Hause Davids; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein, und sprach: Gegrüßet sehst du, Holdselige, der Herr ist mit dir, du Gebenedeite unter und Evangelia. 17 den Weibern. Da sie ihn aber sahe, erschrak sie über seine Rede, und gedachte: welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden im Leibe, und einen Sohn gebären, deß Namen sollst du Jesus heißen. Der wird groß und ein Sohn des Höchsten genannt werden, und Gott der Herr wird ihm den Stuhl seines Vaters Davids geben; und er wird ein König seyn über das Haus Jakob ewiglich, und seines Königreichs wird kein Ende seyn. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, sintemal ich von keinem Manne weiß? Der Engel antwortete, und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum auch das Heilige, das von dir geboren wird, wird Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Gefreundte, ist auch schwanger mit einem Sohne, in ihrem Alter; und geht jetzt im sechsten Monat, die im Geschrei ist, daß sie unfruchtbar sey. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe wie du gesagt haft. Und der Engel schied von ihr. Am ersten Sonntage in der Fasten oder Juvocavit. Epistel. 2. Cor. 6, 1-10. 201 Wir ermahnen aber euch, als Mithelfer, daß ihr nicht vergeblich Gnade Gottes empfanget. Denn er spricht: Ich habe dich in der angenehmen Zeit erhört, und habe dir am Tage des Heils geholfen. Seht, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils. Laßt uns aber Niemand irgend ein Nergerniß geben, auf daß unser Amt nicht verlästert werde. Sondern in allen Dingen laßt uns beweisen als die Diener Gottes, in großer Geduld, in Trübsalen, in Nöthen, in Nengsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Anfruhren, in Arbeit, in Wachen, in Faften, in Keuschheit, in Erkenntniß, in Langmuth, in Freundlichkeit, in dem heiligen Geist, in ungefärbter Liebe. In dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigteit, zur Rechten und zur Linken; durch Ehre und Schande, durch böse Gerüchte und gute Gerüchte; als die Verführer, und doch wahrhaftig; als die Unbekannten, und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten, und doch nicht ertödtet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch Viele reich machen; als die nichts inne haben, und doch Alles haben. Evangelium. Matth. 4, 1-11. Da ward Jesus vom Geiste in die Wüste geführet, auf daß er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß dieje Steine Brod werden. Und er antwortete und sprach: Es stehet geschrieben: der Mensch lebt nicht vom Brode allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht. Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt, und stellte ihn auf die Zinne des Tempels, und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab; denn es steht geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl thun, und sie werden dich auf den Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen. Wiederum führte ihn der Teufel mit sich 2 18 Die Episteln auf einen sehr hohen Berg, und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit; und sprach zu ihm: Dieses Alles will ich dir geben, so du niederfällst, und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir, Satan: denn es steht geschrieben: Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen. Da verließ ihn der Teufel; und siehe, da traten die Engel zu ihm und dieneten ihm. Am zweiten Sonntage in der Fasten oder Reminiscere. Epistel. 1. Theffal. 4, 1-8. Weiter, lieben Brüder, bitten wir euch, und ermahnen in dem Herrn Jesu, nachdem ihr von uns empfangen habt, wie ihr sollt wandeln und Gott gefallen, daß ihr immer völliger werdet. Denn ihr wißt, welche Gebote wir euch gegeben haben, durch den Herrn Jesum. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, daß ihr meidet die Hurerei; und ein Jeglicher unter euch wisse sein Faß zu behalten in Heiligung und Ehren, nicht in der Lustseuche, wie die Heiden, die von Gott nichts wissen; und daß Niemand zu weit greife, noch vervortheile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist der Rächer über das Alles, wie wir euch zuvor gesagt und bezeuget haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung. Wer nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen heiligen Geist gegeben hat in euch. Evangelium. Matth. 15, 21-28. Und Jesus ging aus von dannen, und entwich in die Gegend Tyrus und Sidon. Und siehe, ein Kananäisches Weib ging aus derselbigen Grenze, und schrie ihm nach, und sprach: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner; meine Tochter wird vom Teufel übel geplaget. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: Laß sie doch von dir, denn sie schreiet uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verIornen Schafen von dem Hause Israel. Sie tam aber, und viel vor ihm nieder, und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete, und sprach: Es ist nicht sein, daß man den Kindern ihr Brod nehme, und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr; aber doch essen die Hündlein von den Brosamen, die von ihrer Herren Tische fallen. Da antwortete Jesus, und sprach zu ihr: O Weib, dein Glaube ist groß! Dir geschehe, wie du willst. Und ihre Tochter ward gesund zu derselbigen Stunde. Am dritten Sonntage in der Faften oder Oculi. Epistel. Epheser 5, 1-9. So fend nun Gottes Nachfolger, als die lieben Kinder, und wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns hat geliebet, und sich selbst dargegeben für uns, zur Gabe und Opfer, Gott zu einem süßen Geruch. Hurerei aber und alle Unreinigkeit, oder Geiz laßt nicht von euch gesagt werden, wie den Heiligen zusteht; auch schandbare Worte und Narrentheidinge, oder Scherz, welche euch nicht ziemen, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer, oder Unreiner, oder Geiziger ( welcher ist ein Gözendiener) Erbe hat an dem Reiche Christi und Gottes. Laßt euch Niemand verführen mit vergeblichen Worten; denn um dieser willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Darum seyd nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr waret weiland Finsterniß, nun und Evangelia. 19 aber sehd ihr ein Licht in dem Herrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts. Die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit, und Gerechtigkeit, und Wahrheit. Evangelium. Luc. 11, 14-28. Und Jesus trieb einen Teufel aus, der war stumm. Und es geschahe, da der Teufel ausfuhr, da redete der Stumme. Und das Volk verwunderte sich. Etliche aber unter ihnen sprachen: Er treibt die Teufel aus . durch Beelzebub, den Obersten der Teufel. Die andern aber versuchten ihn, und begehrten ein Zeichen von ihm vom Himmel. Er aber vernahm ihre Gedanken, und sprach zu ihnen: Ein jegliches Reich, so es mit ihm selbst uneins wird, das wird wüste und ein Haus fällt über das andere. Ist denn der Satanas auch mit ihm selbst uneins, wie will sein Reich bestehen? Dieweil ihr saget, ich treibe die Teufel aus durch Beelzebub. So aber ich die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben fie eure Kinder aus? Darum werden sie eure Richter seyn. So ich aber durch Gottes Finger die Teufel austreibe, so kommt je das Reich Gottes zu euch. Wenn ein starker Gewappneter seinen Palast bewahrt, so bleibt das Seine mit Frieden. Wenn aber ein stärkerer über ihn kommt, und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen Harnisch, darauf er fich berließ, und theilt den Raub aus. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet. Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfährt, so durchwandelt er dürre Stätte, sucht Ruhe und findet ihrer nicht; so spricht er: Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er es mit Besemen gekehrt und geschmücket. Dann geht er hin, und nimmt sieben Geister zu sich, die ärger sind, denn er selbst, und wenn sie hineinkommen, wohnen sie da; und wird hernach mit demselbigen Menschen ärger, denn vorhin. Und es begab sich, da er solches redete, erhob ein Weib im Volk die Stimme, und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesagen haft. Er aber sprach: Ja selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Am vierten Sonntage in der Fasten oder Lätare. Epistel. Gal. 4, 21-31. Saget mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt, habt ihr das Gesez nicht gehöret? Denn es stehet geschrieben, daß Abraham zween Söhne hatte; einen von der Magd, den andern von der Freien. Aber der von der Magd war, ist nach dem Fleisch geboren; der aber von der Freien, ist durch die Verheißung geboren. Die Worte bedeuten etwas. Denn das sind zwei Testamente, eins von dem Berge Sinai, das zur Knechtschaft gebieret, welches ist die Agar. Denn Agar heißt in Arabia der Berg Sinai, und langet bis gen Jerusalem, das zu dieser Zeit ist, und ist dienstbar mit seinen Kindern. Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie; die ist unser aller Mutter. Denn es stehet geschrieben: Sei fröhlich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierest, und brich hervor, rufe, die du nicht schwanger bist; denn die Einfame hat viel mehr Kinder, denn die den Mann hat. Wir aber, lieben Brüder, find, Isaak nach, der Verheißung Kinder. Aber gleichwie zu der Zeit, der nach dem Fleisch geboren war, verfolgte den, der nach dem Geist geboren war; also geht es jetzt auch. Aber was spricht die Schrift? Stoßt die Magd hinaus mit ihrem Sohn; denn der Magd Sohn soll nicht erben mit 2* 20 Die Episteln dem Sohn der Freien. So sind wir nun, lieben Brüder, nicht der Magd Kinder, sondern der Freien. Eine andere Epistel. Röm. 8, 28-39. Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, die nach dem Vorsatz berufen sind. Denn welche er zuvor versehen hat, die hat er auch verordnet, daß sie gleich seyn sollten dem Ebenbilde seines Sohnes, auf daß derselbe der Erstgeborne sey unter vielen Brüdern. Welche er aber verordnet hat, die hat er auch berufen; welche er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; welche er aber hat gerecht gemacht, die hat er auch herrlich gemacht. Was wollen wir denn hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer mag wider uns seyn? Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschonet, sondern hat ihn für uns alle dahin gegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht Alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht, Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist; ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher ist zur Rechten Gottes, und vertritt uns. Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal oder Angst, oder Verfolgung, oder Hunger, oder Blöße, oder Fährlichkeit, oder Schwerdt? Wie geschrieben stehet: Um deinetwillen werden wir getödtet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe. Aber in dem Allen überwinden wir weit, um deßwillen, der uns geliebet hat. Denn ich bin gewiß, daß weder Tod, noch Leben, weder Engel, noch Fürstenthum, noch Gewalt, weder Gegenwärtiges, noch Zukünftiges, weder Hohes, noch Tiefes, noch keine andere Creatur mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn. Evangelium. Joh. 6, 1-15. denn 3weiDarnach fuhr Jefus weg über das Meer, an der Stadt Tiberias in Galiläa. Und es zog ihm viel Volks nach, darum, daß sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken that. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg, und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern. Es war aber nahe die Ostern, der Juden Fest. Da hob Jesus seine Augen auf, und siehet, daß viel Volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippo: Wo kaufen wir Brod, daß diese essen?( Das sagte er aber, ihn zu versuchen, er wußte wohl, was er thun wollte.) Philippus antwortete ihm: hundert Pfennige werth Brods ist nicht genug unter fie, daß ein Jeglicher unter ihnen ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder Simonis Petri: Es ist ein Knabe hier: der hat fünf Gerstenbrode und zween Fische; aber was ist das unter so Viele? Jesus aber sprach: Schaffet, daß sich das Volk lagere. Es war aber viel Gras an dem Orte. Da lagerten sie sich bei fünftausend Mann. Jesus aber nahm die Brode, dankte, und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen, die sich gelagert hatten; desselbigen gleichen auch von den Fischen, wie viel er wollte. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammlet die übrigen Brocken, daß nichts umkomme. Da sammelten sie, und füllten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroden, die überblieben denen, die gespeiset worden. Da nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus that, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, daß sie kommen würden und ihn haschen, daß sie ihn zum Könige machten, entwich er abermal auf den Berg, er selbst alleine. und Evangelia. Ein anderes Evangelium. Matth. 11, 25-40. Bu derselbigen Zeit antwortete Jesus, und sprach: Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du solches den Weisen und Klugen verborgen hast, und hast es den Unmündigen geoffenbaret. Ja, Vater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir. Alle Dinge find mir übergeben von meinem Vater. Und Niemand kennt den Sohn, denn nur der Vater, und Niemand kennt den Vater, denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. Kommt her zu mir Alle, die ihr mühselig und beladen seyd, ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch, und lernet von mir; denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig: so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. 21 Am fünften Sonntage in der Faften oder Judica. Epistel. Ebr. 9, 11-15. Christus aber ist kommen, daß er sey ein Hoherpriester der zukünftigen Güter, durch eine größere und vollkommnere Hütte, die nicht mit der Hand gemacht ist, das ist, die nicht also gebauet ist; auch nicht durch der Böcke oder Kälber Blut, sondern er ist durch sein eignes Blut einmal in das Heilige eingegangen, und hat eine ewige Erlösung erfunden. Denn so der Ochsen und der Böcke Blut, und die Asche, von der Kuh gesprenget, heiliget die Unreinen zu der leiblichen Reinigkeit; wie vielmehr wird das Blut Christi, der sich selbst ohne allen Wandel durch den heiligen Geist Gott geopfert hat, unser Gewissen reinigen von den todten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott. Und darum ist er auch ein Mittler des neuen Testaments, auf daß durch den Tod, so geschehen ist zur Erlösung von den Uebertretungen, die unter dem ersten Testament waren, die, so berufen sind, das verheißene ewige Erbe empfahen. Evangelium. Joh. 8, 46-59. Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? So ich euch aber die Wahrheit fage, warum glaubet ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der hört Gottes Wort; darum höret ihr nicht, denn ihr seyd nicht von Gott. Da antworteten die Juden, und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist, und haft den Teufel? Jesus antwortete: Ich habe keinen Teufel, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr unehret mich. Ich suche nicht meine Ehre; es ist aber einer, der sie sucht und richtet. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: so Jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Da sprachen die Juden zu ihm: Nun erkennen wir, daß du den Teufel haft. Abraham ist ge storben, und die Propheten, und du sprichst: So Jemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich. Bist du mehr, denn unser Vater Abraham, welcher gestorben ist? und die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst? Jesus antwortete: So ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehret, welchen ihr sprechet, er sey euer Gott und kennet ihn nicht. Ich aber kenne ihn, und so ich würde sagen, ich kenne ihn nicht, so würde ich ein Lügner, gleich wie ihr seyd. Aber ich kenne ihn und halte sein Wort. Abraham, euer Vater, ward froh, daß er meinen Tag sehen sollte; und er sahe ihn, und freuete sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht funfzig Jahr alt, und hast Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: ehe denn Abraham 22 Die Episteln ward, bin ich. Da hoben sie Steine auf, daß sie auf ihn würfen. Aber Jesus verbarg sich, und ging zum Tempel hinaus, mitten durch sie hinstreichend. Am sechsten Sonntage in der Fasten oder Palmarum. Epistel. Philipp. 2, 5-11. Ein Jeglicher sey gesinnet, wie Jesus Christus auch war. Welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, hielt er es nicht für einen Raub, Gott gleich seyn, sondern äußerte sich selbst, und nahm Knechts- Gestalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch, und an Geberden als ein Mensch erfunden. Er erniedrigte sich selbst, und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöhet, und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist: daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen alle derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind; und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sey, zur Ehre Gottes des Vaters. Evangelium. Siehe am ersten Advent- Sonntage. Am Gründonnerstage. 1. Cor. 11, 23-32. Ich habe es von dem Herrn empfangen, das ich euch gegeben habe. Denn der Herr Jesus Christus in der Nacht, da er verrathen ward, nahm er das Brod, dankete und brach es, und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Beib, der für euch gebrochen wird; solches thut zu meinem Gedächtniß. Desselbigen gleichen auch den Kelch, nach dem Abendmahl, und sprach: dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut; solches thut, so oft ihr es trinket, zu meinem Gedächtniß. Denn so oft ihr von diesem Brode esset, und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. Welcher nun unwürdig von diesem Brod ist, oder von dem Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig an dem Leib und Blut des Herrn. Der Mensch aber prüfe sich selbst, und also effe er von diesem Brod und trinke von diesem Kelch. Denn welcher unwürdig ist und trinkt, der ißt und trinkt ihm selber das Gericht, damit, daß er nicht unterscheidet den Leib des Herrn. Darum find auch so viele Schwache und Kranke unter euch, und ein gut Theil schlafen. Denn so wir uns selber richteten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem Herrn gezüchtiget, auf daß wir nicht sammt der Welt verdammet werden. Am ersten Ostertage. Epistel. 1. Cor. 5, 6-8. Euer Ruhm ist nicht sein: Wisset ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig versäuert? Darum feget den alten Sauerteig aus, auf daß ihr ein neuer Teig seyd, gleich wie ihr ungesäuert seyd. Denn wir haben auch ein Osterlamm, das ist Chriftus, für uns geopfert. Darum laßt uns Ostern halten, nicht im alten Sauerteige, auch nicht im Sauerteig der Bosheit und Schaltheit; sondern in dem Süßteig der Lauterkeit und der Wahrheit. 23 und Evangelia. Evangelium. Marc. 16, 1-8. Und da der Sabbath vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria Jacobi und Salome Specerei, auf daß sie kämen und salbten ihn. Und sie kamen zum Grabe an einem Sabbather sehr früh, da die Sonne aufging. Und sie sprachen unter einander: wer wälzt uns den Stein von des Grabes Thür? Und sie sahen dahin und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzet war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab, und sahen einen Jüngling zur rechten Hand figen, der hatte ein langes, weißes Kleid an; und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzet euch nicht. Ihr suchet Jesum von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist auferstanden, und ist nicht hier. Siehe da, die Stätte, da sie ihn hinlegten. Gehet aber hin, und sagt es seinen Jüngern, und Petro, daß er vor euch hingehen wird in Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen schnell hinaus, und flohen von dem Grabe; denn es war sie Zittern und Entsetzen angekommen, und sagten Niemand nichts, denn sie fürchteten sich. Am zweiten Ostertage. Epistel. Apoftelgesch. 10, 34-41. Petrus aber that seinen Mund auf, und sprach: Nun erfahre ich mit der Wahrheit, daß Gott die Person nicht ansiehet; sondern in allerlei Volk, wer ihn fürchtet und recht thut, der ist ihm angenehm. Ihr wißt wohl von der Predigt, die Gott zu den Kindern Israel gesandt hat, und vertündigen lassen den Frieden durch Jesum Christum( welcher ist ein Herr über Alles), die durch das ganze Jüdische Land geschehen ist, und angegangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes predigte: wie Gott denselbigen Jesus von Nazareth gesalbet hat mit dem heiligen Geist und Kraft; der umhergezogen ist, und hat wohl gethan und gesund gemacht Alle, die vom Teufel überwältiget waren; denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen alles deß, das er gethan hat im Jüdischen Lande, und zu Jerusalem. Den haben sie getödtet, und an ein Holz gehängt. Denselbigen hat Gott auferwecket am dritten Tage, und ihn lassen offenbar werden, nicht allem Volk, sondern uns, den vorerwählten Zeugen von Gott, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden ist von den Todten. Evangelium. Luc. 24, 13-35. Und siehe, zween aus ihnen gingen an demselbigen Tage in einen Flecken, der war von Jerusalem sechszig Feldwegs weit, deß Name heißt Emmaus. Und sie redeten mit einander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, da sie so redeten, und befragten sich mit einander, nahete Jesus zu ihnen, und wandelte mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht kannten. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr zwischen euch handelt unterwegs, und seyd traurig? Da antwortete einer mit Namen Kleophas, und sprach zu ihm: Bist du allein unter den Fremdlingen zu Jerusalem, der nicht wisse, was in diesen Tagen darinnen geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Welches? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jesu von Nazareth, welcher war ein Prophet, mächtig von Thaten und Worten, vor Gott und allem Volt; wie ihn unsere Hohenpriester und Obersten überantwortet haben zur Verdammniß des Todes, und gekreuziget. Wir aber hofften, er sollte 24 Die Episteln Israel erlösen. Und über das Alles ist heute der dritte Tag, daß solches geschehen ist. Auch haben uns erschreckt etliche Weiber der Unsern, die sind früh bei dem Grabe gewesen, haben seinen Beib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben ein Gesicht der Engel gesehen, welche sagen, er lebe. Und etliche unter uns gingen hin zum Grabe, und fanden es also, wie die Weiber sagten; aber ihn fanden sie nicht. Und er sprach zu ihnen: Oihr Thoren und träges Herzens, zu glauben alle dem, das die Propheten geredet haben; mußte nicht Christus solches leiden, und zu seiner Herrlichkeit eingehen? Und fing an von Mose und allen Propheten, und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren. Und sie kamen nahe zum Flecken, da sie hingingen; und er stellte sich, als wollte er weiter gehen. Und sie nöthigten ihn, und sprachen: Bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschahe, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brod, dankte, brach es, und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen unter einander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete? Und sie standen auf zu derselbigen Stunde, kehrten wieder gen Jerusalem, und fanden die Eilfe versammelt, und die bei ihnen waren, welche sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simoni erschienen. Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war, und wie er von ihnen erkannt wäre an dem, da er das Brod brach. Am ersten Sonntage nach Ostern.( Quasimodogeniti.) Epistel. 1. Joh. 5, 4-10. Denn Alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt, und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Wer ist aber, der die Welt überwindet, ohne der da glaubt, daß Jesus Gottes Sohn ist? Dieser ist es, der da kommt mit Wasser und Blut, Jesus Christus; nicht mit Wasser allein, sondern mit Wasser und Blut. Und der Geift ist es, der da zeugt, daß Geist Wahrheit ist. Denn Drei find, die da zeugen im Himmel: der Vater, das Wort und der heilige Geist, und diese Drei find Eins. Und Drei sind, die da zeugen auf Erden: der Geift und das Wasser und das Blut, und die Drei sind beisammen. So wir der Menschen Zeugniß annehmen, so ist Gottes Zeugniß größer; denn Gottes Zeugniß ist das, das er gezeuget hat von seinem Sohn. Wer da glaubet an den Sohn Gottes, der hat solches Zeugniß bei ihm. Evangelium. Joh. 20, 19-31. Am Abend aber desselbigen Sabbaths, da die Jünger versammelt und die Thüren verschlossen waren, aus Furcht vor den Juden, tam Jesus, und trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleich wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das sagte, blies er sie an, und spricht zu ihnen: Nehmet hin den heiligen Geist; welchen ihr die Sünden erlaffet, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Thomas aber, der 3wölfen Einer, der da heißt 3willing, war nicht bei ihnen, da Jefus kam. Da jagten die anderen Jünger zu ihm: Wir und Evangelia. 25 haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Es sey denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmale, und lege meine Finger in die Nägelmale, und lege meine Hand in seine Seite, will ich es nicht glauben. Und über acht Tage waren abermal seine Jünger darinnen, und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, da die Thüren verschlossen waren, und tritt mitten ein und spricht: Friede sei mit euch! Darnach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her, und siehe meine Hände; und reiche deine Hand her, und lege sie in meine Seite, und sey nicht ungläubig, sondern gläubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Dieweil Du mich gesehen haft, Thoma, so glaubest du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Auch viele andere Zeichen that Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, daß ihr glaubet, Jesus sey Christus, der Sohn Gottes, und daß ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen. Am zweiten Sonntage nach Ostern.( Misericordias Domini.) Epistel. 1. Petr. 2, 21-25. Denn dazu seyd ihr berufen. Sintemal auch Christus gelitten hat für uns, und uns ein Vorbild gelassen, daß ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden; welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht drohete, da er litte; er stellte es aber dem heim, der da recht richtet. Welcher unsere Sünden selbst geopfert hat an seinem Leibe auf dem Holz, auf daß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben; durch welches Wunden ihr seyd heil geworden. Denn ihr waret wie die irrenden Schafe; aber ihr sehd nun bekehret zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen. Evangelium. Joh. 10, 12-16. Ich bin ein guter Hirte. Ein guter Hirte läßt sein Leben für die Schafe. Ein Miethling aber, der nicht Hirt ist, deß die Schafe nicht eigen sind, sieht den Wolf kommen, und verläßt die Schafe, und fliehet; und der Wolf erhaschet und zerstreuet die Schafe. Der Miethling aber fliehet; denn er ist ein Miethling, und achtet der Schafe nicht. Ich bin ein guter Hirt, und erkenne die Meinen, und bin bekannt den Meinen; wie mich mein Vater kennet, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall. Und dieselbigen muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und wird eine Heerde und ein Hirte werden. Am dritten Sonntage nach Ostern.( Jubilate.) Epistel. 1. Petr. 2, 11-20. Liebe Brüder, ich ermahne euch, als die Fremdlinge und Pilgrime: Enthaltet euch von fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten; und führet einen guten Wandel unter den Heiden, auf daß die, so von euch afterreden, als von Uebelthätern, eure guten Werke sehen, und Gott preisen, wenn es nun an den Tag kommen wird. Seyd unterthan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sey dem Könige, als dem Obersten, oder den Hauptleuten, als den Gesandten von ihm zur Rache über die Ulebelthäter, und zu Lobe den Frommen. Denn das ift der Wille Gottes, daß ihr mit Wohlthun verstopfet die Unwissenbeit Die Episteln der thörichten Menschen, als die Freien, und nicht als hättet ihr die Freiheit zum Deckel der Bosheit; sondern als die Knechte Gottes. Thut Ehre Jedermann. Habt die Brüder lieb. Fürchtet Gott. Ehret den König. Ihr Knechte, seyd unterthan mit aller Furcht den Herren, nicht allein dem gütigen und gelinden, sondern auch dem wunderlichen. Denn das ist Gnade, so Jemand um des Gewissens willen zu Gott das Uebel verträgt und leidet das Unrecht. Denn was ist das für ein Ruhm, so ihr um Missethat willen Streiche leidet? Aber wenn ihr um Wohlthat willen leidet und erduldet, das ist Gnade bei Gott. 26 Evangelium. Joh. 16, 16-23. Über ein Kleines so werdet ihr mich nicht sehen; und aber über ein Kleines so werdet ihr mich sehen, denn ich gehe zum Vater. Da sprachen Etliche unter seinen Jüngern unter einander: Was ist das, das er sagt zu uns: über ein Kleines so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines so werdet ihr mich sehen, und daß ich zum Vater gehe? Da sprachen sie, was ist das, daß er sagt über ein Kleines? Wir wissen nicht, was er redet. Da merkte Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fragt ihr unter einander, daß ich gesagt habe: Heber ein Kleines so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines so werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Jhr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen; ihr aber werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehrt werden. Ein Weib, wenn sie gebieret, so hat fie Traurigkeit, denn ihre Stunde ist gekommen; wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist. Und ihr habt auch nun Traurigkeit; aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll Niemand von euch nehmen. Und an demselbigen Tage werdet ihr mich nichts fragen. Am vierten Sonntage nach Ostern.( Cantate.) Epistel. Jac. 1, 16-21. Irret nicht, lieben Brüder. Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung, noch Wechsel des Lichts und der Finsterniß. Er hat uns gezeuget nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, auf daß wir wären Erstlinge seiner Creaturen. Darum, lieben Brüder, ein jeglicher Mensch sey schnell zu hören, langsam aber zu reden, und langsam zum Zorn. Denn des Menschen Zorn thut nicht, was vor Gott recht ist. Darum so leget ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit; und nehmet das Wort an mit Sanftmuth, das in euch gepflanzet ist, welches kann eure Seelen selig machen. Evangelium. Joh. 16, 5-15. Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und Niemand unter euch fragt mich: Wo gehest du hin? Sondern, dieweil ich solches zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauerns geworden. Aber ich fage euch die Wahrheit: Es ist euch gut, daß ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch. So ich aber hingehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, der wird die Welt strafen, um die Sünde, und um die Gerechtigkeit, und um das Gericht. Um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich. Um die Gerech und Evangelia. 27 tigkeit aber, daß ich zum Vater gehe, und ihr mich hinfort nicht sehet. Um das Gericht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber Jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von ihm selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch vertündigen. Derselbige wird mich verklären; denn von dem Meinen wird er es nehmen, und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein; darum habe ich gesagt, er wird es von dem Meinen nehmen und euch verkündigen. Am fünften Sonntage nach Ostern.( Rogate.) Epistel. Jac. 1, 22-27. Send aber Thäter des Wortes, und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbst betrüget. Denn so Jemand ist ein Hörer des Wortes, und nicht ein Thäter, der ist gleich einem Manne, der sein leibliches Angesicht im Spiegel beschauet. Denn nachdem er sich beschauet hat, geht er von Stund an davon, und vergißt, wie er gestaltet war. Wer aber durchschauet in das vollkommne Gesetz der Freiheit, und darin beharret, und ist nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter, derselbige wird selig sein in seiner That. So aber sich Jemand unter euch läßt dünken, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Baum, sondern verführt sein Herz, deß Gottesdienst ist eitel. Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott dem Vater ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen, und sich von der Welt unbefleckt erhalten. Evangelium. Joh. 16, 23-30. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er es euch geben. Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sey. Solches habe ich zu euch durch Sprichwort geredet. Es kommt aber die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprichwort mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. An demselbigen Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will: denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum, daß ihr mich liebet, und glaubet, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen, und gekommen in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt, und gehe zum Vater. Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus, und sagst kein Sprichwort. Nun wissen wir, daß du alle Dinge weißt, und bedarfst nicht, daß dich Jemand frage. Darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen biſt. Am Tage der Himmelfahrt Chrifti. Epistel. Apostelgesch. 1, 1-11. Die erste Nede habe ich zwar gethan, lieber Theophile, von allem dem, das Jesus anfing, beides zu thun, und auch zu lehren bis an den Tag, da er aufgenommen ward, nachdem er den Aposteln( welche er hatte er wählet) durch den heiligen Geist Befehl gethan hatte, welchen er sich nach seinem Leiden lebendig erzeiget hatte, durch mancherlei Erweisungen, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang, und redete mit ihnen 28 Die Episteln vom Reiche Gottes. Und als er sie versammelt hatte, befahl er ihnen, daß sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die VerheiBung des Vaters, welche ihr habt gehöret( sprach er) von mir. Denn Johannes hat mit Wasser getauft; ihr aber sollt mit dem heiligen Geist getauft werden, nicht lange nach diesen Tagen. Die aber, so zusammen gekommen ware fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du auf diese Zeit wieder aufrichten das Reich Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebühret euch nicht zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat; sondern ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird; und werdet meine Zeu gen sehn zu Jerusalem, und in ganz Judäa und Samaria, und bis an das Ende der Erde. Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehens; und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen gen Himmel fahren, siehe, da standen bei ihnen zween Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten: Ihr Männer von Galiliäa, was stehet ihr, und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren. Evangelium. Marc. 16, 14-20. Bulegt, da die Eilfe bei Tische saßen, offenbarte er sich, und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härtigkeit, daß sie nicht geglaubet hatten denen, die ihn gesehen hatten auferstanden; und sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt, und prediget das Evangelium aller Creatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammet werden. Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: In meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Bungen reden, Schlangen vertreiben; und so fie etwas Tödtliches trinken, wird es ihnen nicht schaden. Auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wird es besser mit ihnen werden. Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel, und fizet zur rechten Hand Gottes. Sie aber gingen aus, und predigten an allen Orten; und der Herr wirkte mit ihnen, und bekräftigte das Wort durch mitfolgende Zeichen. Am sechsten Sonntage nach Ostern.( Eraudi.) Epistel. 1. Petri 4, 8-11. So sehd nun mäßig und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen aber habt unter einander eine brünstige Liebe; denn die Liebe deckt auch der Sünden Menge. Seyd gastfrei unter einander ohne Murmeln. Und dienet einander, ein Jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. So Jemand redet, daß er es rede als Gottes Wort. So Jemand ein Amt hat, daß er es thue, als aus dem Vermögen, das Gott darreichet, auf daß in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesum Christ, welchem sey Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Evangelium. Joh. 15, 26.- 16, 4. Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen; denn ihr fehd von Anfang bei mir gewesen. Solches habe ich zu euch geredet, daß ihr euch und Evangelia. 29 nicht ärgert. Sie werden euch in den Bann thun. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tödtet, wird meinen, er thue Gott einen Dienst daran. Und solches werden sie euch darum thun, daß sie weder meinen Vater, noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, auf daß, wenn die Zeit kommen wird, daß ihr daran gedenket, daß ich es euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt; denn ich war bei euch. Am ersten Pfingsttage. Epistel. Apostelgesch. 2, 1-13. Und als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmüthig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und man sahe an ihnen die Zungen zertheilet, als wären sie feurig. Und er setzte sich auf einen Jeglichen unter ihnen. Und wurden alle voll des heiligen Geistes, und fingen an zu predigen mit andern Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer aus allerlei Volt, das unter dem Himmel ist. Da nun die Stimme geschahe, kam die Menge zusammen, und wurden verstürzt; denn es hörte ein Jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten. Sie entsetzten sich aber Alle, verwunderten sich, und sprachen unter einander: Siehe, sind nicht diese Alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache, darinnen wir geboren find? Parther und Meder und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamia und in Judäa und Kappadocia, Ponto und Asia, Phrygia und Pamphilia, Egypten und an den Enden der Libyen bei Kyrenen, und Ausländer von Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber. Wir hören sie mit unsern Zungen die großen Thaten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden irre und sprachen Einer zu dem Andern: Was will das werden? Die Andern aber hatten es ihren Spott, und sprachen: Sie sind voll süßen Weins. Evangelium. Joh. 14, 23-31. Wer mich liebet, der wird mein Wort halten: und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen, und Wohnung bei ihm machen. Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr höret, ist nicht mein; sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Solches habe ich zu euch geredet, weil ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, derselbige wird euch alles lehren, und euch erinnern alles deß, das ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt giebt. Euer Herz erschrecke nicht, und fürchte sich nicht. Ihr habt gehöret, daß ich euch gesagt habe: Ich gehe hin, und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe, ich gehe zum Vater; denn der Vater ist größer denn ich. Und nun habe ich es euch gesagt, ehe denn es geschiehet, auf daß, wenn es nun geschehen wird, daß ihr glaubet. Ich werde hinfort nicht viel mehr mit euch reden; denn es kommt der Fürst dieser Welt, und hat nichts an mir. Aber, auf daß die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe, und ich also thue, wie mir der Vater geboten hat: Steht auf und laßt uns von hinnen gehen. Die Episteln Am zweiten Pfingsttage. Epistel. Apostelgesch. 10, 42-48. Und er hat uns geboten zu predigen dem Volk, und zu zeugen, daß er ist verordnet von Gott ein Richter der Lebendigen und der Todten. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen Alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen. Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der heilige Geist auf Alle, die dem Worte zuhörten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Petro gekommen waren, entsetzten sich, daß auch auf die Heiden die Gabe des heiligen Geistes ausgegossen ward. Denn sie hörten, daß sie mit 3ungen redeten, und Gott hoch preiseten. Da antwortete Petrus: Mag auch Jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getaufet werden, die den heiligen Geist empfangen haben, gleichwie auch wir? Und befahl, sie zu taufen in dem Namen des Herrn. 30 Evangelium. Joh. 3, 16-21. Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte; sondern daß die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubet, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubet, der ist schon gerichtet; denn er glaubet nicht an den Namen des eingebornen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsterniß mehr, denn das Licht; denn ihre Werke waren böse. Wer Arges thut, der haßt das Licht, und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht gestraft werden. Wer aber die Wahrheit thut, der kommt an das Licht, daß seine Werke offenbar werden; denn sie sind in Gott gethan. Am Sonntage Trinitatis. Epistel. Röm. 11, 33-36. welch eine Tiefe des Reichthums, beides der Weisheit und Erkennt niß Gottes. Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte, und unerforschlich seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt? Oder wer ist sein Rathgeber gewesen? Oder wer hat ihm Etwas zuvor gegeben, das ihm werde wieder vergolten? Denn von ihm, und durch ihn und in( zu) ihm find alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit. Amen! Evangelium. Joh. 3, 1-15. war aber ein Mensch unter den Pharisäern, mit Namen Nicodemus, ein Oberster unter den Juden, der kam zu Jesu bei der Nacht, und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du bist ein Lehrer von Gott gekommen; denn Niemand kann die Zeichen thun, die du thust, es ſei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete, und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sey denn, daß Jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nicodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er auch wiederum in seiner Mutter Beib gehen, und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß Jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch; und und Evangelia. 31 was vom Geist geboren wird, das ist Geist. Laß es dich nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müßt von neuem geboren werden. Der Wind bläset, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, von wannen er kommt, und wohin er fährt. Also ist ein Jeglicher, der aus dem Geist geboren ist. Nicodemus antwortete, und sprach zu ihm: Wie mag solches zugehen? Jesus antwortete, und sprach zu ihm: Bist du ein Meister in Israel, und weißt das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, das wir wissen, und zeugen, was wir gesehen haben und ihr nehmet unser Zeugniß nicht an. Glaubet ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage; wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde? Und Niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel hernieder gekommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist. Und wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhet hat, also muß des Menschen Sohn erhöhet werden, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Am ersten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Joh. 4, 16-21. Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. Daran ist die Liebe völlig bei uns, auf daß wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts; denn gleichwie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht hat Pein. Wer fich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe. Laßt uns ihn lieben; denn er hat uns erst geliebet. So Jemand spricht: Ich liebe Gott, und haffet seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dies Gebot haben wir von ihm, daß wer Gott liebet, daß der auch seinen Bruder liebe. Evangelium. Luc. 16, 19-31. ( ၆၉ war aber ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur und köstlicher Leinwand, und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer, mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Thür voller Schwären, und begehrte sich zu sättigen von den Brosamen, die von des Reichen Tische fielen; doch kamen die Hunde, und leckten ihm seine Schwären. Es begab sich aber, daß der Arme starb, und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schooß. Der Reiche aber starb auch, und ward begraben. Als er nun in der Hölle und in der Qual war, hob er seine Augen auf, und sahe Abraham von ferne, und Lazarum in seinem Schooß, rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich meiner, und sende Lazarum, daß er das Neußerste seines Fingers ins Wasser tauche, und tühle meine Zunge; denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, und Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeiniget. Und über das alles ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestiget, daß die da wollten von hinnen hinab fahren zu euch, können nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüber fahren. Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch fünf Brüder, daß er ihnen bezeuge, auf daß sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. 32 Die Episteln Abraham sprach zu ihm: Sie haben Mosen und die Propheten, laß fie dieselbigen hören. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham; sondern wenn einer von den Todten zu ihnen ginge, so würden sie Buße thun. Er aber sprach zu ihm: Hören sie Mosen und die Propheten nicht, so werden fie auch nicht glauben, ob Jemand von den Todten auferstände. Am zweiten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Joh. 3, 13-18. Verwundert euch nicht, meine Brüder, ob euch die Welt hasset. Wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben gekommen sind; denn wir lieben die Brüder. Wer den Bruder nicht liebet, der bleibt im Tode. Wer seinen Bruder hasset, der ist ein Todtschläger; und ihr wisset, daß ein Todtschläger nicht hat das ewige Leben bei ihm bleibend. Daran haben wir erkannt die Liebe, daß er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. Wenn aber Jemand dieser Welt Güter hat, und siehet seinen Bruder darben, und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt die Liebe Gottes bei ihm? Meine Kindlein, laßt uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge; sondern mit der That und mit der Wahrheit. Evangelium. Luc. 14, 16-24. Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl, und lud Viele dazu. Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, zu sagen den Geladenen: Kommt, denn es ist Alles bereit. Und sie fingen an alle nach einander sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft, und muß hinausgehen, und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der Andere sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der Dritte sprach: Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam, und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausvater zornig und sprach zu seinem Knecht: Gehe aus bald auf die Straßen und Gassen der Stadt, und führe die Armen, und Krüppel, und Lahmen, und Blinden herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Gehe auf die Landstraßen und an die Zäune, und nöthige sie herein zu kommen, auf daß mein Haus voll werde. Ich sage euch aber, daß der Männer Keiner die geladen sind, mein Abendmahl schmecken wird. Ein anderes Evangelium. Matth. 5, 3-12. Selig sind, die da geistlich arm sind: denn das Himmelreich ist ihre. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. Selig find die Sanftmüthigen, denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig sind, die da hungert und dürftet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigteit erlangen. Selig sind, die reines Herzens find; denn sie werden Gott schauen. Selig find die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen. Selig find, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn das Himmelreich ist ihr. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen, und reden allerlei Uebels wider euch, so sie daran lügen. Seyd fröhlich und getrost, es wird euch im Himmel wohl belohnt werden. Denn also haben sie verfolget die Propheten, die vor euch gewesen sind. und Evangelia. Am dritten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Petr. 5, 6-11. 33 So demüthiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorgen werfet auf ihn; denn er sorget für euch. Seyd nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umher wie ein brüllender Löwe, und sucht, welchen er verschlinge. Dem widersteht fest im Glauben; und wißt, daß eben dieselbigen Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aber aller Gnade, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, derselbige wird euch, die ihr eine fleine Zeit leidet, vollbereiten, stärken, träftigen, gründen. Demselbigen sey Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. Evangelium. Luc. 15, 1-10. Es naheten aber zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, daß sie ihn höreten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murreten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und ist mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichniß und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und so er eins verlieret, der nicht Lasse die neun und neunzig in der Wüste und hingehe nach dem verlornen, bis daß er es finde? Und wenn er es gefunden hat, so legt er es auf seine Achseln mit Freuden. Und wenn er heim kommt, ruft er seinen Freunden und Nachbarn, und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel seyn über einen Sünder, der Buße thut, vor neun und neunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen. Oder welches Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie deren einen verlieret, die nicht ein Licht anzünde, und kehre das Haus, und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihren Freundinnen und Nachbarinnen, und spricht: Freuet euch mit mir, denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte. Also auch, sage ich euch, wird Freude seyn vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße thut. Am vierten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Röm. 8, 18-23. Ich halte es dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht werth sey, die an uns soll geoffenbaret werden. Denn das ängstliche Harren der Creatur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Sintemal die Creatur unterworfen ist der Eitelkeit, ohne ihren Willen, sondern um deß willen, der sie unterworfen hat auf Hoffnung. Denn auch die Creatur frei werden wird von dem Dienst des vergänglichen Wesens, zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß alle Creatur sehnt sich mit uns, und ängstet sich noch immerdar. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft, und warten auf unsers Leibes Erlösung. Evangelium. Luc. 6, 36-42. Darum seyd barmherzig, wie auch euer Bater barmherzig ist. Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr auch nicht verdammet. Vergebet, so wird euch vergeben. Gebet, so wird 3 34 Die Episteln euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssig Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, da ihr mit messet, wird man euch wieder messen. Und er sagte ihnen ein Gleichniß: Mag auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger ist nicht über seinen Meister; wenn der Jünger ist wie sein Meister, so ist er vollkommen. Was siehst du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen; und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, ziehe zuvor den Balken aus deinem Auge; und besiehe dann, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest. Am fünften Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Petri 3, 8-15. Endlich aber seyd allesammt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich. Vergeltet nicht Böses mit Bösem, oder Scheltwort mit Scheltwort; sondern dagegen segnet, und wißt, daß ihr dazu berufen seyd, daß ihr den Segen beerbet. Denn wer leben will, und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, daß sie nichts Böses rede, und seine Lippen, daß sie nicht trügen. Er wende sich vom Bösen, und thue Gutes; er suche Frieden, und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Gebet; das Angesicht aber des Herrn siehet auf die, die da Böses thun. Und wer ist, der euch schaden könnte, so ihr dem Guten nachkommt? Und ob ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seyd ihr doch selig. Fürchtet euch aber vor ihrem Troßen nicht, und erschrecket nicht. Heiliget aber Gott den Herrn in euren Herzen. Evangelium. Luc. 5, 1-11. Es begab sich aber, da sich das Volk zu ihm drang, zu hören das Wort Gottes; und er stand am See Genezareth, und sahe zwei Schiffe am See stehen; die Fischer aber waren ausgetreten und wuschen ihre Netze; trat er in der Schiffe eines, welches Simonis war, und bat ihn, daß er es ein wenig vom Lande abführete. Und er setzte sich, und lehrte das Volk aus dem Schiffe. Und als er hatte aufgehört zu reden, sprach er zu Simon: Fahre auf die Höhe, und werft eure Netze aus, daß ihr einen Zug thut. Und Simeon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen. Und da sie das thaten, beschlossen sie eine große Menge Fische, und ihr Netz zerriß. Und sie winkten ihren Gesellen, die im andern Schiffe waren, daß sie kämen, und hülfen ihnen ziehen. Und sie tamen, und füllten beide Schiffe voll, also, daß sie sanken. Da das Simon Petrus sahe, fiel er Jesu zu den Knieen, und sprach: Herr, gehe von mir hinaus, ich bin ein sündiger Mensch. Denn es war ihm ein Schrecken angekommen, und alle, die mit ihm waren, über diesen Fischzug, den sie mit einander gethan hatten; desselbigen gleichen auch Jacobum und Johannem, die Söhne Zebedäi, Simonis Gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht; denn von nun an wirst du Menschen fahen. Und sie führten die Schiffe zu Lande, und verließen Alles, und folgten ihm nach. und Evangelia. Am Tage Johannis des Täufers. Epistel. Jesaia 40, 1-5. Tröstet, tröstet mein Volt, spricht euer Gott, redet mit Jerusalem freundlich, und predigt ihr, daß ihre Ritterschaft ein Ende hat, denn ihre Missethat ist vergeben. Denn sie hat 3wiefältiges empfangen vor der Hand des Herrn, um alle ihre Sünde. Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg, macht auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Gott. Alle Thäler sollen erhöhet werden, und alle Berge und Hügel sollen geniedriget werden, und was ungleich ist, soll eben, und was höckricht ist, soll schlecht werden; denn die Herrlichkeit des Herrn soll geoffenbaret werden; und alles Fleisch mit einander wird sehen, daß des Herrn Mund redet. 35 Evangelium. Luc. 1, 57-80. Und Elisabeth kam ihre Zeit, daß sie gebären sollte; und sie gebar einen Sohn. Und ihre Nachbarn und Gefreundten hörten, daß der Herr große Barmherzigkeit an ihr gethan hatte, und freueten sich mit ihr. Und es begab sich am achten Tage, kamen sie, zu beschneiden das Kindlein; und hießen ihn, nach seinem Vater, Zacharias. Aber seine Mutter antwortete, und sprach: Mit nichten, sondern er soll Johannes heißen. Und sie sprachen zu ihr: Ist doch Niemand in deiner Freundschaft, der also heiße. Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn wollte heißen lassen. Und er forderte ein Täflein, schrieb, und sprach: Er heißt Johannes. Und sie verwunderten sich Alle. Und alsobald ward sein Mund, und seine 3unge aufgethan, und redete, und lobte Gott. Und es kam eine Furcht über alle Nachbarn; und diese Geschichte ward allen ruchbar auf dem ganzen jüdischen Gebirge. Und alle, die es hörten, nahmen es zu Herzen und sprachen: Was meinst du, will aus dem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm. Und sein Vater Zacharias ward des heiligen Geistes voll, weissagete und sprach: Gelobet sey der Herr, der Gott Israels, denn er hat besucht und erlöset sein Volt. Und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils, in dem Hause seines Dieners David. Als er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten, daß er uns errettete von unsern Feinden, und von der Hand Aller, die uns haffen; und die Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern, und gedächte an seinen heiligen Bund, und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham uns zu geben; daß wir, erlöset aus der Hand unserer Feinde, ihm dieneten ohne Furcht unser Lebenlang, in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist. Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen; du wirst vor dem Herrn hergehen, daß du seinen Weg bereitest, und Erkenntniß des Heils gebeft seinem Volk, die da ist in Vergebung der Sünden, durch die herzliche Barmherzigkeit unsers Gottes, durch welche uns besucht hat der Aufgang aus der Höhe, auf daß er erscheine denen, die da sitzen in Finsterniß und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Und das Kindlein wuchs, und ward stark im Geist, und war in der Wüste, bis daß es sollte hervortreten vor das Volk Israel. Am Tage der Heimsuchung Mariä. Epistel. Jesaia 11, 1-5. Und es wird eine Ruthe aufgehen von dem Stamme sai, und ein 3weig aus seiner Wurzel Frucht bringen; auf welchem wird ruhen der 3* 36 Die Episteln Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Raths und der Stärke, der Geist der Erkenntniß und der Furcht des Herrn. Und sein Riechen wird sein in der Furcht des Herrn. Er wird nicht richten, nach dem seine Augen sehen, noch strafen, nach dem seine Ohren hören; sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen; und mit Gericht strafen die Elenden im Lande; und wird mit dem Stabe seines mundes die Erde schlagen, und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen tödten. Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden seyn, und der Glaube der Gurt seiner Nieren. Evangelium. Luc. 1, 39-56. Maria aber stand auf in den Tagen, und ging auf das Gebirge endelich zu der Stadt Juda. Und kam in das Haus Zacharias, und grüßte Elisabeth. Und es begab fich, als Elisabeth den Gruß Mariä hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leihe. Und Elisabeth ward des heiligen Geiftes voll, und rief laut, und sprach: Gebenedeiet bist du unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht deines Leibes. Und woher kommt mir das, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Siehe, da ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte mit Freuden das Kind in meinem Leibe. Und o selig bist du, die du geglaubet hast; denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn. Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir gethan, der da mächtig ist, und deß Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währet immer für und für, bei denen, die ihn fürchten. Er übet Gewalt mit seinem Arm, und zerstreuet, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Stuhl, und erhebet die Niedrigen. Die Hungrigen füllet er mit üttern, und lässet die Reichen leer. Er denket der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf; wie er geredet hat unsern Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich. Und Maria blieb bei ihr drei Monate; darnach kehrte sie wiederum heim. Am sechsten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Röm. 6, 3-11. Wisset ihr nicht, daß Alle, die wir in Jesum Chrift getaufet sind, die find in seinen Tod getauft? So sind wir je mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferwecket von den Todten, durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir aber sammt ihm gepflanzet werden zu gleichem Tode, so werden wir auch der Auferstehung gleich seyn, dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch sammt ihm gekreuzigt ist, auf daß der sündliche Beib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertigt von der Sünde. Sind wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden; und wissen, daß Christus, von den Todten auferweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod wird hinfort über ihn nicht herrschen. Denn daß er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben, zu einem Mal; daß er aber lebt, das lebt er Gott. Also auch ihr haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seyd, und lebet Gott in Christo Jesu, unserm Herrn. und Evangelia. Evangelium. Matth. 5, 20-26. Denn enn ich sage euch: Es sey denn eure Gerechtigkeit besser, denn der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht tödten; wer aber tödtet, der soll des Gerichts schuldig seyn. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Racha, der ist des Raths schuldig; wer aber sagt: Du Narr, der ist des höllischen Feuers schuldig. Darum wenn du deine Gabe auf dem Altare opferst, und wirst allda eindenken, daß dein Bruder etwas wider dich habe: so laß allda vor dem Altar deine Gabe, und gehe zuvor hin, und versöhne dich mit deinem Bruder, und alsdann komm und opfere deine Gabe. Sey willfertig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist, auf daß dich der Widersacher nicht dermaleinst überantworte dem Richter, und der Richter überantworte dich dem Diener, und werdest in den Kerker geworfen. Ich sage dir: Wahrlich, du wirst nicht von dannen herauskommen, bis du auch den letzten Heller bezahlest. 37 Am fiebenten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Röm. 6, 19-23. Ich muß menschlich davon reden, um der Schwachheit willen eures Fleisches. Gleichwie ihr eure Glieder begeben habt zum Dienste der Unreinigkeit, und von einer Ungerechtigkeit zu der andern: also begebet nun auch eure Glieder zum Dienste der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden. Denn da ihr der Sünde Knechte waret, da waret ihr frei von der Gerechtigkeit. Was hattet ihr nun zu der Zeit für Frucht? Welcher ihr euch jetzt schämet; denn das Ende derselbigen ist der Tod. Nun ihr aber seyd von der Sünde frei, und Gottes Knechte geworden, habt ihr eure Frucht, daß ihr heilig werdet, das Ende aber das ewige Leben. Denn der Tod ist der Sünde Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unserm Herrn. Evangelium. Marc. 8, 1-9. Zu der Zeit, da viel Volks da war, und hatten nichts zu essen, rief Jesus seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert des Volks, denn sie haben nun drei Tage bei mir verharret, und haben nichts zu essen; und wenn ich sie ungegessen von mir heim ließe gehen, würden sie auf dem Wege verschmachten. Denn Etliche waren von ferne gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brod hier in der Wüste, daß wir sie sättigen? Und er fragte sie: Wie viel habt ihr Brode? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volke, daß sie sich auf die Erde lagerten. Und er nahm die sieben Brode, und dankte, und brach sie, und gab sie seinen Jüngern, daß sie dieselben vorlegten; und sie legten dem Volke vor. Und sie hatten ein wenig Fischlein; und er dankte, und hieß dieselbigen auch vortragen. Sie aßen aber und wurden satt; und hoben die übrigen Brocken auf, sieben Körbe. Und ihrer waren bei viertausend, die da gegessen hatten, und er ließ sie von sich. Am achten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Röm. 8, 12-17. So sind wir nun, liebe Brüder, Schuldner, nicht dem Fleisch, daß wir nach dem Fleische leben. Denn wo ihr nach dem Fleische lebet, so werdet 38 Die Episteln ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tödtet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibet, die find Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, daß ihr euch abermal fürchten müßtet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater. Derselbige Geist giebt 3eugniß unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. Evangelium. Matth. 7, 15-23. Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen; inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten follt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen von den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringt gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht Alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen; sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. Es werden Viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweisfaget? Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Thaten gethan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt; weichet Alle von mir, ihr Üebelthäter. Am neunten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Cor. 10, 6-13. Das ist aber uns zum Vorbilde geschehen, daß wir uns nicht gelüften laffen des Bösen, gleichwie Jene gelüftet hat. Werdet auch nicht Abgöttische, gleichwie Jener Etliche wurden, als geschrieben steht: Das Volk setzte sich nieder zu essen und zu trinken, und stand auf zu spielen. Auch laßt uns nicht Hurerei treiben, wie Etliche unter Jenen Hurerei trieben und fielen auf einen Tag drei und zwanzig tausend. Laßt uns aber auch Christum nicht versuchen, wie Etliche von Jenen ihn versuchten, und wurden von den Schlangen umgebracht. Murret auch nicht, gleichwie Jener Etliche murreten, und wurden umgebracht durch den Verderber. Solches alles widerfuhr ihnen zum Vorbilde; es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf welche das Ende der Welt gekom men ist. Darum, wer sich läßt dünfen, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. Es hat euch noch keine, denn menschliche Versuchung betreten; aber Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen; sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr es könnet ertragen. Evangelium. Luc. 16, 1-9. Er sprach aber auch zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; der ward von ihm berüchtiget, als hätte er ihm seine Güter umgebracht. Und er forderte ihn, und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Thue Rechnung von deinem Haushalten; denn und Evangelia. 39 du kannst hinfort nicht mehr Haushalter seyn. Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich thun? Mein Herr nimmt das Amt von mir; graben mag ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich thun will, wenn ich nun von dem Amt gesetzt werde, daß fie mich in ihre Häuser nehmen. Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn, und sprach zu dem Ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert Tonnen Oels. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, setze dich, und schreibe flugs funfzig. Darnach sprach er zu dem Andern: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreibe achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, daß er flüglich gethan hätte. Denn die Kinder dieser Welt sind flüger, denn die Kinder des Lichts ihrem Geschlecht. Und ich sage euch auch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr nun darbet, fie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. Am zehnten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Cor. 12, 1-11. Von den geistlichen Gaben aber will ich euch, liebe Brüder, nicht verhalten. Ihr wißt, daß ihr Heiden seyd gewesen, und hingegangen zu den stummen Götzen, wie ihr geführet wurdet. Darum thue ich euch kund, daß Niemand Jesum verfluchet, der durch den Geist Gottes redet; und Niemand kann Jesum einen Herrn heißen, ohne durch den heiligen Geist. Es find mancherlei Gaben, aber es ist Ein Geist. Und es sind mancherlei Nemter, aber es ist Ein Herr. Und es find mancherlei Kräfte, aber es ist Ein Gott, der da wirket Alles in Allen. In einem Jeglichen erzeigen fich die Gaben des Geistes zum gemeinen Nutzen. Einem wird gegeben durch den Geist, zu reden von der Weisheit; dem Andern wird gegeben, zu reden von der Erkenntniß, nach demselbigen Geist; einem Andern der Glaube, in demselbigen Geist; einem Andern die Gabe, gesund zu machen, in demselbigen Geist; einem Andern, Wunder zu thun; einem Andern Weissagung; einem Andern, Geister zu unterscheiden; einem Andern mancherlei Sprachen; einem Andern, die Sprachen auszulegen. Dies aber Alles wirkt derselbige einige Geist, und theilt einem Jeglichen Seines zu, nach dem er will. Evangelium. Luc. 19, 41-48. Und als er nahe hinzu kam, sahe er die Stadt an, und weinte über fie, und sprach: Wenn du es wüßtest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet. Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, dich belagern, und an allen Orten ängsten; und werden dich schleifen, und keinen Stein auf dem andern lassen, darum, daß du nicht erkannt haft die Zeit, darinnen du heimgesucht bist. Und er ging in den Tempel, und fing an auszutreiben, die darinnen verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: Es stehet geschrieben: Mein Haus ist ein Bethaus; ihr aber habt es gemacht zur Mördergrube. Und er lehrte täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und die Vornehmsten im Volke trachteten ihm nach, daß fie ihn umbrächten, und fanden nicht, wie sie ihm thun sollten; denn alles Volk hing ihm an, und hörte ihn. Die Episteln Am elften Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Cor. 15, 1-10. Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, des Evangelii, das ich euch vertündiget habe, welches ihr auch angenommen habt, in welchem ihr auch stehet, durch welches ihr auch selig werdet, welcher Gestalt ich es euch verkündiget habe, so ihr es behalten habt; es wäre denn, daß ihr es umsonst geglaubet hättet. Denn ich habe euch zuvörderst gegeben, welches ich auch empfangen habe, daß Christus gestorben sey für unsere Sünden, nach der Schrift; und daß er begraben sey, und daß er auferstanden sey am dritten Tage, nach der Schrift; und daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den Zwölfen. Darnach ist er gesehen worden von mehr denn fünfhundert Brüdern auf einmal, derer noch Viele leben, Etliche aber sind entschlafen. Darnach ist er gesehen worden von Jacobo, darnach von allen Aposteln. Am letzten nach Allen ist er auch von mir, als einer unzeitigen Geburt, gesehen worden. Denn ich bin der Geringste unter den Aposteln, als der ich nicht werth bin, daß ich ein Apostel heiße, darum, daß ich die Gemeine Gottes verfolgt habe. Aber von Gottes Gnade bin ich, das ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet, denn fie Alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. 40 Evangelium. Luc. 18, 9-14. Er sagte aber zu Etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären, und verachteten die Andern, ein solches Gleichniß: Es gingen zween Menschen hinauf in den Tempel, zu beten, Einer ein Pharisäer, der Andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand, und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie andere Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner; ich faste zweimal in der Woche, und gebe den Zehnten von Allem, das ich habe. Und der Zöllner stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott sey mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertigt in sein Haus vor Jenem. Denn wer sich selbst erhöhet, der wird erniedriget werden, und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet werden. Am zwölften Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 2. Cor. 3, 4-11. Ein solch Vertrauen aber haben wir durch Christum zu Gott. Nicht, daß wir tüchtig sind von uns selber, etwas zu denken, als von uns selber; sondern daß wir tüchtig sind, ist von Gott, welcher auch uns tüchtig gemacht hat, das Amt zu führen des neuen Testaments, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tödtet, aber der Geist macht lebendig. So aber das Amt, das durch die Buchstaben tödtet, und in die Steine ist gebildet, Klarheit hatte, also, daß die Kinder Israel nicht konnten ansehen das Angesicht Mosis, um der Klarheit willen seines Angesichts, die doch aufhört: wie sollte nicht vielmehr das Amt, das den Geist giebt, Klarheit haben? Denn so das Amt, das die Verdammniß predigt, Klarheit hat, vielmehr hat das Amt, das die Ge rechtigkeit predigt, überschwängliche Klarheit. Denn auch jenes Theil, das verklärt war, ist nicht für Klarheit zu achten gegen diese überschwäng und Evangelia. liche Klarheit. Denn so das Klarheit hatte, das da aufhört; wird das Klarheit haben, das da bleibt. 41 vielmehr Eine andere Epistel. 1. Petri 1, 3-9. Gelobet sey Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung, durch die Auferstehung Jesu Christi von den Todten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahret werdet zur Seligkeit, welche zubereitet ist, daß sie offenbar werde zu der letzten Zeit, in welcher ihr euch freuen werdet, die ihr jetzt eine kleine Zeit( wo es seyn soll) traurig seyd in mancherlei Anfechtungen, auf daß euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde, denn das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewährt wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn nun geoffenbart wird Jesus Christus, welchen ihr nicht gesehen und doch lieb habt, und nun an ihn glaubet, wiewohl ihr ihn nicht sehet, so werdet ihr euch freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, und das Ende eures Glaubens davon bringen, nämlich der Seelen Seligkeit. Evangelium. Marc. 7, 31-37. Und da er wieder ausging von den Grenzen Tyri und Sidon, kam er an das Galiläische Meer, mitten unter die Grenze der zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem Volk besonders, und legte ihm die Finger in die Ohren, und spükete, und rührte seine Zunge, und sahe auf gen Himmel, seufzete, und sprach zu ihm: Hephata, das ist, thue dich auf. Und alsobald thaten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge ward los, und redete recht. Und er verbot ihnen, sie sollten es niemand sagen. Je mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten. Und verwunderten sich über die Maßen, und sprachen: Er hat Alles wohl gemacht, die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend. Am dreizehnten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Gal. 3, 15-22. Liebe Brüder, ich will nach menschlicher Weise reden: Berachtet man doch eines Menschen Testament nicht, wenn es bestätiget ist, und thut auch nichts dazu. Nun ist je die Verheißung Abraham und seinem Samen zugesagt. Er spricht nicht, durch die Samen, als durch viele, sondern als durch Einen, durch deinen Samen, welcher ist Christus. Ich ſage aber davon: das Testament, das von Gott zuvor bestätiget ist auf Chriftum, wird nicht aufgehoben, daß die Verheißung sollte durch das Gesetz aufhören, welches gegeben ist über vierhundert und dreißig Jahre hernach. Denn so das Erbe durch das Gesetz erworben würde, so würde es nicht durch Verheißung gegeben. Gott aber hat es Abraham durch Verheißung frei geschenkt. Was soll denn das Gesetz? Es ist dazu gekommen um der Sünde willen, bis der Same käme, dem die Verheißung geschehen ift; und ist gestellet von den Engeln durch die Hand des Mittlers. Ein Mittler aber ist nicht eines Einigen Mittler; Gott aber ist einig. Wie? Ist denn das Gesetz wider Gottes Verheißungen? Das sey ferne! Wenn aber ein Gesetz gegeben wäre, das da könnte lebendig 42 Die Episteln machen, so käme die Gerechtigkeit wahrhaftig aus dem Gesetz. Aber die Schrift hat es alles beschlossen unter die Sünde, auf daß die VerheiBung käme durch den Glauben an Jesum Christum, gegeben denen, die da glauben. Eine andere Epistel. Ephes. 1, 3-6. Gelobet fey Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern, durch Christum. Wie er uns denn erwählet hat durch denselbigen, ehe der Welt Grund geleget war, daß wir sollten seyn heilig und unsträflich vor ihm in der Liebe, und hat uns verordnet zur Kindschaft gegen ihn selbst, durch Jesum Christum, nach dem Wohlgefallen seines Willens, zu Lobe seiner herrlichen Gnade, durch welche er uns hat angenehm gemacht in dem Geliebten. Evangelium. Luc. 10, 23-37. Und er wandte sich zu seinen Jüngern, und sprach insonderheit: Selig sind die Augen, die da sehen, das ihr sehet. Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, das ihr sehet, und haben es nicht gesehen; und hören, das ihr höret, und haben es nicht gehöret. Und fiehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß ich thun, daß ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: wie stehet im Gesetz geschrieben? Wie lieseft du? Er antwor tete, und sprach: Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften, und von ganzem Gemüth, und deinen Nächsten als dich selbst. Er aber sprach zu ihm: Du haft recht geantwortet; thue das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen, und sprach zu Jesu: Wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus, und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Mörder; die zogen ihn aus, und schlugen ihn, und gingen davon, und ließen ihn halb todt liegen. Es begab sich aber ungefähr, daß ein Priester dieselbige Straße hinab zog; und da er ihn sahe, ging er vorüber. Desselbigen gleichen auch ein Levit, da er kam bei die Stätte, und sahe ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reisete, und kam dahin; und da er ihn sahe, jammerte ihn seiner, ging zu ihm, verband ihm seine Wunden, und goß darein Del und Wein; und hob ihn auf sein Thier, und führete ihn in die Herberge, und pflegete seiner. Des andern Tages reisete er, und zog heraus zween Groschen, und gab sie dem Wirth, und sprach zu ihm: Pflege seiner; und so du was mehr wirst darthun, will ich dir es bezahlen, venn ich wieder komme. Welcher dünkt dich, der unter diesen Dreien der Nächste sey gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm that. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin, und thue desgleichen. Am vierzehnten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Gal. 5, 16-24. Ich sage aber: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Züfte des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, und den Geist wider das Fleisch. Dieselbigen sind wider einander, daß ihr nicht thut, was ihr wollt. Regiert euch aber der Geist, so seyd ihr nicht unter dem Gesetz. Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: und Evangelia. 43 Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zant, 3wietracht, Rotten, Haß, Mord, Saufen, Fressen und dergleichen; von welchem ich euch habe zuvor gesagt, und sage noch zuvor, daß, die solches thun, werden das Reich Gottes nicht ererben. Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmuth, Keuschheit. Wider solche ist das Gesetz nicht. Welche aber Christo angehören, die kreuzigen ihr Fleisch sammt den Lüften und Begierden. Evangelium. Luc. 17, 11-19. Und es begab sich, da Jesus reisete gen Jerufalem, zog er mitten durch Samaria und Galiläa. Und als er in einen Markt kam, begegneten ihm zehn Aussäßige Männer, die standen von ferne, und erhoben ihre Stimme, und sprachen: Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser. Und da er sie sahe, sprach er zu ihnen: Gehet hin und zeiget euch den Priestern. Und es geschahe, da sie hingingen, wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, da er sahe, daß er gesund geworden war, kehrte er um, und pries Gott mit lauter Stimme. Und fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: Sind ihrer nicht zehn rein geworden? Wo find aber die Neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, und gäbe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling? Und er sprach zu ihm: Stehe auf, gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen! Am fünfzehnten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Gal. 5, 25-6, 10. So wir im Geist leben, so laßt uns auch im Geist wandeln. Laßt uns nicht eitler Ehre geizig sein, uns unter einander zu entrüsten und zu haffen. Liebe Brüder, so ein Mensch etwa von einem Fehler übereilet würde, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmüthigem Geist, die ihr geiſtlich seyd. Und siehe auf dich selbst, daß du nicht auch versuchet werdest. Einer trage des Andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. So aber sich Jemand läßt dünken, er sei etwas, so er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Ein Jeglicher aber prüfe sein selbst Werk, und alsdann wird er an ihm selber Ruhm haben, und nicht an einem Andern. Denn ein Jeglicher wird seine Bast tragen. Der aber unterrichtet wird mit dem Wort, der theile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet. Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch säet, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch säet, der wird von dem Fleische das Verderben ernten. Wer aber auf den Geist jäet, der wird von dem Geiste das ewige Leben ernten. Laßt uns aber Gutes thun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören. Als wir denn nun Zeit haben, so laßt uns Gutes thun an Jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen. Evangelium. Matth. 6, 24-34. Niemand kann zween Herren dienen. Entweder er wird Einen haffen, und den Andern lieben; oder er wird Einem anhangen, und den Andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn die Speise, und der Leib mehr, denn die Klei 44 Die Episteln dung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an; sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nähret sie doch. Send ihr denn nicht viel mehr denn sie? Wer ist unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen möge, ob er gleich darum forget? Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derselben eins. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute steht, und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht vielmehr euch thun? O ihr Kleingläubigen! Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir efsen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach solchem Allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr des Alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes, und nach seiner Gerechtigkeit: so wird euch solches Alles zufallen. Darum forget nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe. Am sechszehnten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Ephef. 3, 13-21. Darum bitte ich, daß ihr nicht müde werdet, um meiner Trübsal willen, die ich für euch leide, welche euch eine Ehre sind. Derhalben beuge ich meine Kniee gegen den Vater unsers Herrn Jesu Christi, der der rechte Vater ist über Alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, daß er euch Kraft gebe nach dem Reichthum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, und Christum zu wohnen durch den Glauben in euren Herzen, und durch die Liebe eingewurzelt und gegründet zu werden, auf daß ihr begreifen möget mit allen Heiligen, welches da sey die Breite, und die Länge, und die Tiefe, und die Höhe; auch erkennen, daß Christum lieb haben viel besser ist, denn alles Wissen, auf daß ihr erfüllet werdet mit allerlei Gottesfülle. Dem aber, der überschwänglich thun kann über Alles, das wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirkt, dem sey Ehre in der Gemeinde, die in Christo Jesu ist, zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Evangelium. Luc. 7, 11-17. Und es begab sich darnach, daß er in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seiner Jünger gingen Viele mit ihm, und viel Volks. Als er aber nahe an das Stadtthor kam, siehe, da trug man einen Todten heraus, der ein einiger Sohn war seiner Mutter; und sie war eine Wittwe. Und viel Volk aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sahe, jammerte ihn derselbigen, und sprach zu ihr: Weine nicht. und trat hinzu, und rührte den Sarg an; und die Träger standen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf. Und der Todte richtete sich auf, und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner Mutter. Und es kam sie Alle eine Furcht an, und preiseten Gott, und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk heimgesucht. Und diese Rede von ihm erschallte in das ganze Jüdische Land, und in alle umliegenden Länder. und Evangelia. Am siebenzehnten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Ephef. 4, 1-6. 45 So ermahne nun euch ich Gefangener in dem Herrn, daß ihr wandelt, wie sich's gebühret eurem Beruf, darinnen ihr berufen seyd, mit aller Demuth und Sanftmuth, mit Geduld, und vertraget Einer den Andern in der Liebe, und seyd fleißig zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens. Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen send auf einerlei Hoffnung eures Berufs. Ein Herr, Ein Glaube, Eine Taufe. Ein Gott und Vater unser Aller, der da ist über euch Alle, und durch euch Alle, und in euch Allen. Evangelium. Luc. 14, 1-11. Und es begab sich, daß er kam in das Haus eines Obersten der Pharisäer, auf einen Sabbath, das Brod zu essen; und sie hielten auf ihn. Und siehe, da war ein Mensch vor ihm, der war wassersüchtig. Und Jesus antwortete, und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharisäern, und sprach: Ist es auch recht, auf den Sabbath heilen? Sie aber schwiegen still. Und er griff ihn an, und heilte ihn, und ließ ihn gehen. Und antwortete und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem sein Ochs oder Esel in den Brunnen fällt, und er nicht alsobald ihn herausziehet am Sabbathtage? Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben. Er sagte aber ein Gleichniß zu den Gästen, da er merkte, wie sie erwählten oben an zu sizen, und sprach zu ihnen: Wenn du von Jemand geladen wirst zur Hochzeit, so setze dich nicht obenan, daß nicht etwa ein ehrlicherer, denn du, von ihm geladen sey; und so dann kommt, der dich und ihn geladen, spreche zu dir: Weiche diesem; und du müsseft dann mit Scham unten an sizzen. Sondern wenn du geladen wirst, so gehe hin, und setze dich unten an, auf daß, wenn da kommt, der dich geladen hat, spreche zu dir: Freund, rücke hinauf. Dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit dir zu Tische siten. Denn wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden; und wer sich selbst erniedriget, der soll erhöhet werden. Am achtzehnten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Cor. 1, 4-9. Ich danke meinem Gott allezeit eurethalben, für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christo Jesu, daß ihr sehd durch ihn an allen Stücken reich gemacht, an aller Lehre, und in aller Erkenntniß. Wie denn die Predigt von Christo in euch kräftig geworden ist, also, daß ihr keinen Mangel habt an irgend einer Gabe und wartet nur auf die Offenbarung unsers Herrn Jesu Christi, welcher auch wird euch festbehalten bis ans Ende, daß ihr unsträflich seyd auf den Tag unsers Herrn Jesu Christi. Denn Gott ist treu, durch welchen ihr berufen send zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn. Evangelium. Matth. 22, 34-46. Da aber die Pharisäer höreten, daß er den Sadducäern das Maul gestopfet hatte, versammelten sie sich. Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn, und sprach: Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Geset? Jesus aber sprach zu ihm: Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, und von ganzem 46 Die Episteln Gemüth. Dies ist das vornehmste und größeste Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben, als dich selbst. In diesen zweien Geboten hangt das ganze Gesetz und die Propheten. Da nun die Pharisäer bei einander waren, fragte sie Jesus, und sprach: Wie dünkt euch um Christo? Weß Sohn ist er? Sie sprachen: Davids. Er sprach zu ihnen: Wie nennt ihn denn David im Geist einen Herrn, da er sagt: Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Segze dich zu meiner Rechten, bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße. So nun David ihn einen Herrn nennt, wie ist er denn sein Sohn? Und Niemand konnte ihm ein Wort antworten, und durfte auch Niemand von dem Tage an hinfort ihn fragen. Am Michaelistage. Epistel. Offenb. Joh. 12, 7-12. Und es erhob sich ein Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen, und der Drache stritt und seine Engel; und fiegten nicht, auch ward ihre Stätte nicht mehr gefunden im Himmel. Und es ward ausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt der Teufel und Satanas, der die ganze Welt verführet; und ward geworfen auf die Erde, und seine Engel wurden auch dahin geworfen. Und ich hörte eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil, und die Kraft, und das Reich, und die Macht unsers Gottes seines Christus geworden, weil der Verkläger unserer Brüder verworfen ist, der sie verklagt Tag und Nacht vor Gott. Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut, und durch das Wort ihres Zeugnisses; und haben ihr Leben nicht geliebet bis an den Tod. Darum freuet euch, ihr Himmel, und die darinnen wohnen. Evangelium. Matth. 18, 1-11. Zu derselbigen Stunde traten die Jünger zu Jesu, und sprachen: Wer ist doch der Größeste im Himmelreich? Jesus rief ein Kind zu sich, und stellte es mitten unter sie, und sprach: Wahrlich, ich sage euch, es sey denn, daß ihr euch umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer sich nun selber erniedriget, wie dies Kind, der ist der Größeste im Himmelreich. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf: wer aber ärgert dieser Geringsten Einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget würde, und er ersäufet würde im Meer, da es am tiefften ist. Wehe der Welt der ergerniß halber; es muß ja Aergerniß kommen; doch wehe dem Menschen, durch welchen Nergerniß kommt! So aber deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, fo haue ihn ab, und wirf ihn von dir. Es ist dir besser, daß du zum Leben lahm, oder ein Krüppel eingehest, denn daß du zwei Hände oder zwei Füße habest, und werdest in das ewige Feuer geworfen. Und so dich dein Auge ärgert, reiße es aus, und wirf es von dir. Es ist besser, daß du einäugig zum Leben eingehest, denn daß du zwei Augen habest, und werdest in das höllische Feuer geworfen. Seht zu, daß ihr nicht Jemand von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. Denn des Menschen Sohn ist gekommen, selig zu machen, das verloren ist. und Evangelia. Am neunzehnten Sountage uach Trinitatis. Epistel. Ephef. 4, 22-28. So leget nun von euch ab, nach dem vorigen Wandel, den alten Menschen, der durch Lüste im Irrthum sich verderbet; erneuert euch aber im Geist eures Gemüths, und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum leget die Lügen ab, und redet die Wahrheit, ein Jeglicher mit seinem Nächsten, fintemal wir unter einander Glieder find. Zürnet und fündiget nicht; laßt die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Gebt auch nicht Raum dem Lästerer. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr; sondern arbeite und schaffe mit den Händen etwas Gutes, auf daß er habe zu geben dem Dürftigen. 47 Evangelium. Matth. 9, 1-8. Da trat er in das Schiff, und fuhr wieder herüber, und kam in seine Stadt. Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gichtbrüchigen, der lag auf einem Bette. Da nun Jesus ihren Glauben sahe, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sey getroft mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Und siehe, Etliche unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott. Da aber Jesus ihre Gedanken sahe, sprach er: Warum denket ihr so arges in euren Herzen? Welches ist leichter zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Stehe auf und wandle? Auf daß ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht habe auf Erden die Sünden zu vergeben, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Stehe auf, hebe dein Bett auf und gehe heim. Und er stand auf und ging heim. Da das Volk das sahe, verwunderte es sich, und preisete Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat. Am zwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Ephes. 5, 15-21. So sehet nun zu, wie ihr vorsichtiglich wandelt, nicht als die Unweisen, sondern als die Weisen. Und schicket euch in die Zeit, denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern verständig, was da sey des Herrn Wille. Und saufet euch nicht voll Weins, daraus ein unordentliches Wesen folget; sondern werdet voll Geistes, und redet unter einander von Pfalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern; finget und spielet dem Herrn in eurem Herzen; und saget Dank allezeit für Alles, Gott und dem Vater, im Namen unsers Herrn Jesu Christi; und seyd unter einander unterthan in der Furcht Gottes. Evangelium. Matth. 22, 1-14. Und Jesus antwortete, und redete abermal durch Gleichnisse zu ihnen, und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohn Hochzeit machte; und sandte seine Knechte aus, daß sie die Gäste zur Hochzeit riefen: und sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus, und sprach: Sagt den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet und Alles bereit; kommt zur Hochzeit. Aber sie verachteten das, und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andere zu seiner Handthierung. Etliche aber griffen seine Knechte, höhnten und tödteten sie. Da das der König 48 Die Episteln hörte, ward er zornig, und schickte seine Heere aus, und brachte diese Mörder um, und zündete ihre Stadt an. Da sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereitet, aber die Gäste waren es nicht werth. Darum gehet hin auf die Straßen, und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet. Und die Knechte gingen aus auf die Straßen, und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute. Und die Tische wurden alle voll. Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen, und sah allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an, und sprach zu ihm: Freund, wie bist du herein gekommen, und hast doch kein hochzeitliches Kleid an? Er aber verstummte. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werft ihn in die äußerste Finsterniß hinaus, da wird seyn Heulen und Zähnklappen; denn Viele sind berufen, aber Wenige sind auserwählet. Ám einundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Ephef. 6, 10-17. Zulett, meine Brüder, seyd stark in dem Herrn, und in der Macht seiner Stärke. Ziehet an den Harnisch Gottes, daß ihr bestehen könnet gegen die listigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsterniß dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Um deßwillen, so ergreifet den Harnisch Gottes, auf daß ihr an dem bösen Tage Widerstand thun, und Alles wohl ausrichten, und das Feld behalten möget. So steht nun, umgürtet eure Lenden mit Wahrheit, und angezogen mit dem Krebs der Gerechtigkeit, und an Beinen gestiefelt, als fertig zu treiben das Evangelium des Friedens, damit ihr bereitet seyd. Vor allen Dingen aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurige Pfeile des Bösewichts. Und nehmet den Helm des Heils, und das Schwerdt des Geistes, welches ist das Wort Gottes. Evangelium. Joh. 4, 47-54. Und es war ein Königischer, deß Sohn lag krank zu Capernaum. Dieſer hörete, daß Jesus kam aus Judäa in Galiläa, und ging hin zu ihm, und bat ihn, daß er hinabkäme, und hülfe seinem Sohn; denn er war todtkrank. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht. Der Königische sprach zu ihm: Herr, komm hinab, ehe denn mein Kind stirbt. Jesus spricht zu ihm: Gehe hin, dein Sohn lebet. Der Mensch glaubte, dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und indem er hinab ging, begegneten ihm seine Knechte, verkündigten ihm, und sprachen: Dein Kind lebt. Da forschte er von ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm geworden war. Und sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkte der Vater, daß es um die Stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte mit seinem ganzen Hause. Das ist nun das andere Zeichen, das Jesus that, da er aus Judäa in Galiläa kam. Am zweiundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Philipp. 1, 3-11. Ich danke meinem Gott, so oft ich euer gedenke,( welches ich allzeit thue in allem meinem Gebet für euch Álle, und thue das Gebet mit Freu und Evangelia. 49 den,) über euer Gemeinschaft am Evangelio, vom ersten Tage an bisher. Und bin desselbigen in guter Zuversicht, daß, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollführen, bis an den Tag Jesu Christi. Wie es denn mir billig ist, daß ich dermaßen von euch Allen halte, darum, daß ich euch in meinem Herzen habe, in diesem meinem Gefängniß, darinnen ich das Evangelium verantworte und bekräftige, als die ihr Alle mit mir der Gnade theilhaftig seyd. Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch Allen verlanget von Herzens Grund in Jesu Christo. Und daselbst um bete ich, daß eure Liebe je mehr und mehr reich werde in allerlei Erkenntniß und Erfahrung, daß ihr prüfen möget, was das Beste sey, auf daß ihr seyd lauter und unanstößig, bis auf den Tag Christi, erfüllet mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum geschehen( in euch) zur Ehre und Lobe Gottes. Evangelium. Matth. 18, 23-35. Darum ist das Himmelreich gleich einem Könige, der mit seinen Knechten rechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehntausend Pfund schuldig. Da er es nun nicht hatte zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn, und sein Weib, und seine Kinder, und Alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel der Knecht nieder, und betete ihn an, und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, ich will dir Alles bezahlen. Da jammerte den Herrn desselbigen Knechts, und ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbige Knecht hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen schuldig. Und er griff ihn an, und würgte ihn, und sprach: Bezahle mir, was du mir schuldig bist. Da fiel sein Mitknecht nieder, und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, ich will dir Alles bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin, und warf ihn ins Gefängniß, bis daß er bezahlte, was er schuldig war. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrübt, und kamen, und brachten vor ihren Herrn Alles, was sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich, und sprach zu ihm: Du Schalksknecht, alle diese Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich batest; solltest du dich denn nicht auch erbarmen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmet habe? Und sein Herr ward zornig, und überantwortete ihn den Peinigern, bis daß er bezahlete Alles, was er ihm schuldig war. Also wird euch mein himmlischer Vater auch thun, so ihr nicht vergebet von eurem Herzen, ein Jeglicher seinem Bruder seine Fehler. Am dreiundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Philipp. 3, 17-21. Folget mir, liebe Brüder, und sehet auf die, die also wandeln, wie ihr uns habt zum Vorbilde. Denn viele wandeln, von welchen ich euch oft gesagt habe, nun aber sage ich auch mit Weinen, die Feinde des Kreuzes Christi; welcher Ende ist die Verdammniß, welchen der Bauch ihr Gott ist, und ihre Ehre zu Schanden wird, derer, die irdisch gesinnet sind. Unser Wandel aber ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi, des Herrn, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe, nach der Wirkung, damit er kann auch alle Dinge ihm unterthänig machen. 4 Die Episteln Evangelium. Matth. 22, 15-22. Da gingen die Pharisäer hin, und hielten einen Rath, wie sie ihn fingen in seiner Rede, und sandten zu ihm ihre Jünger, sammt Herodis Dienern, und sprachen: Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist, und lehrest den Weg Gottes recht, und du fragest nach Niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen. Darum sage uns, was dünkt dich, ist es recht, daß man dem Kaiser zins gebe, oder nicht? Da nun Jesus merkte ihre Schaltheit, sprach er: Jhr Heuchler, warum versuchet ihr mich? Weiset mir die 3insmünze. Und sie reichten ihm einen Groschen dar. Und er sprach zu ihnen: Weß ist das Bild und die Ueberschrift? Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Da sie das hörten, verwunderten sie sich, und ließen ihn und gingen davon. 50 Am vierundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. Coloff. 1, 9-14. Derhalben auch wir, von dem Tage an, da wir es gehöret haben, hören wir nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, daß ihr erfüllet werdet mit Erfenntniß seines Willens, in allerlei geistlicher Weisheit und Verstand; daß ihr wandelt würdiglich dem Herrn zu allem Gefallen, und fruchtbar send in allen guten Werken, und wachset in der Erkenntniß Gottes, und gestärket werdet mit aller Kraft, nach seiner herrlichen Macht in aller Geduld und Langmüthigkeit mit Freuden; und danksaget dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erbtheil der Heiligen im Licht; welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsterniß, und hat uns verseket in das Reich seines lieben Sohnes; an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. Evangelium. Matth. 9, 18-26. Da er solches mit ihnen redete, siehe, da kam der Obersten Einer, und fiel vor ihm nieder, und sprach: Herr, meine Tochter ist jetzt gestorben; aber komm, und lege deine Hand auf sie, so wird sie lebendig. Und Jesus stand auf, und folgte ihm nach, und seine Jünger. Und siehe, ein Weib, das zwölf Jahr den Blutgang gehabt, trat von hinten zu ihm, und rührte seines Kleides Saum an. Denn sie sprach bei sich selbst: Möchte ich nur sein Kleid anrühren, so würde ich gesund. Da wandte sich Jesus um, und sahe sie, und sprach: Sey getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen! Und das Weib ward gesund zu derselbigen Stunde. Und als er in des Obersten Haus kam, und sahe die Pfeifer und das Getümmel des Volks, sprach er zu ihnen: Weichet, denn das Mägdlein ist nicht todt, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn. Als aber das Volk ausgetrieben war, ging er hinein, und ergriff fie bei der Hand; da stand das Mägdlein auf. Und dies Gerücht erschallte in dasselbige ganze Land. Am fünfundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Thessal. 4, 13-18. Wir wollen euch aber, liebe Brüder, nicht verhalten von denen, die da schlafen, auf daß ihr nicht traurig seyd, wie die Andern, die keine Hoffnung haben. Denn so wir glauben, daß Jesus gestorben und auf und Evangelia. 51 erstanden ist; also wird Gott auch, die da entschlafen sind durch Jesum, mit ihm führen. Denn das sagen wir euch, als ein Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und überbleiben in der Zukunft des Herrn, werden denen nicht vorkommen, die da schlafen. Denn er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und Stimme des Erzengels, und mit der Posaune Gottes hernieder kommen vom Himmel, und die Todten in Christo werden auferstehen zuerst. Darnach wir, die wir leben und überbleiben, werden zugleich mit denselben hingerückt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn seyn allezeit. So tröstet euch nun mit diesen Worten unter einander. Evangelium. Matth. 24, 15-28. Wenn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung, davon geſagt ist durch den Propheten Daniel, daß er stehe an der heiligen Stätte ( wer das liest, der merke darauf!); alsdann fliehe auf die Berge, wer im Jüdischen Lande ist. Und wer auf dem Dach ist, der steige nicht hernieder, Etwas aus seinem Hause zu holen. Und wer auf dem Felde ist, der kehre nicht um, seine Kleider zu holen. Wehe aber den Schwangern und Säugern zu der Zeit. Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter, oder am Sabbath. Denn es wird alsdann eine große Trübsal seyn, als nicht gewesen ist, vom Anfang der Welt bisher, und als auch nicht werden wird. Und wo diese Tage nicht würden verkürzet, so würde kein Mensch selig; aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzet. So alsdann Jemand zu euch wird sagen: Siehe, hier ist Christus, oder da; so sollt ihr es nicht glauben. Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder thun, daß verführet werden in den Irrthum( wo es möglich wäre) auch die Auserwählten. Siehe, ich habe es euch zuvor gesagt. Darum, wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste, so gehet nicht hinaus; siehe, er ist in der Kammer, so glaubet es nicht. Denn gleichwie der Blit ausgeht vom Aufgang, und scheinet bis zum Niedergang; also wird auch seyn die Zukunft des Menschen Sohnes. Wo aber ein Nas ist, da sammeln sich die Adler. Am sechsundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 2. Petri. 3, 3-14. Und wisset das aufs erste, daß in den letzten Tagen kommen werden Spötter, die nach ihren eignen Büsten wandeln, und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Zukunft? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es Alles, wie es von Anfang der Creatur gewesen ist. Aber muthwillens wollen sie nicht wissen, daß der Himmel vor Zeiten auch war, dazu die Erde aus Wasser, und im Wasser bestanden durch Gottes Wort. Dennoch ward zu der Zeit die Welt durch dieselbigen mit der Sündfluth verderbet. Wie auch der Himmel jetzt und die Erde werden gesparet, daß sie zum Feuer behalten werden am Tage des Gerichts und Verdammniß der gottlosen Menschen. Eins aber sei euch unverhalten, ihr Lieben, daß ein Tag vor dem Herrn ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verziehet nicht die Verheißung, wie es Etliche für einen Verzug achten; sondern er hat Geduld mit uns, und will nicht, daß Jemand verloren werde, sondern daß sich Jedermann zur Buße kehre. Es wird aber des Herrn Tag kommen als ein Dieb in der Nacht; in welchem die Himmel jergehen werden mit großem Krachen, die 4* WINE Die Episteln Elemente aber werden vor Hitze zerschmelzen; und die Erde und die Werke, die darinnen sind, werden verbrennen. So nun das Alles soll zergehen, wie sollt ihr denn geschickt seyn mit heiligem Wandel und gottjeligem Wesen, daß ihr wartet und eilet zu der Zukunft des Tages des Herrn, an welchem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden. Wir warten aber eines neuen Himmels, und einer neuen Erde, nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet. Darum, meine Lieben, dieweil ihr darauf warten follet: so thut Fleiß, daß ihr vor ihm unbefleckt und unsträflich im Frieden erfunden werdet. 52 Eine andere Epistel. 2. Thessal. 1, 3-10. Wir sollen Gott danken allezeit um euch, liebe Brüder, wie es billig ist. Denn euer Glaube wächset sehr, und die Liebe eines Jeglichen unter euch Allen nimmt zu gegen einander, also, daß wir uns euer rühmen unter den Gemeinen Gottes, von eurer Geduld und Glauben in allen euren Verfolgungen und Trübfalen, die ihr duldet; welches anzeiget, daß Gott recht richten wird, und ihr würdig werdet zum Reich Gottes, über welchem ihr auch leidet; nachdem es recht ist bei Gott, zu vergelten Trübsal denen, die euch Trübsal anlegen; euch aber, die ihr Trübfal leidet, Ruhe mit uns, wenn nun der Herr Jesus wird geoffenbaret werden, vom Himmel, sammt den Engeln seiner Kraft, und mit Feuerflammen, Rache zu geben über die, so Gott nicht erkennen, und über die, so nicht gehorsam sind dem Evangelio unsers Herrn Jesu Christi; welche werden Pein leiden, das ewige Verderben von dem Angesicht des Herrn, und von seiner herrlichen Macht; wenn er kommen wird, daß er herrlich erscheine mit seinen Heiligen, und wunderbar mit allen Gläubigen. Denn unser Zeugniß an euch von demselbigen Tage habt ihr geglaubet. Evangelium. Matth. 25, 31-46. Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle heilige Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit; und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet; und wird die Schafe, zu seiner Rechten stellen, und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu feiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist vom Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeiset; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränket; ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherberget; ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet; ich bin frank gewesen, und ihr habt mich besuchet; ich bin gefangen gewesen, und ihr seyd zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten, und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen, und haben dich gespeiset? oder durstig, und haben dich getränket? Wann haben wir dich einen Gast gesehen, und beherberget? oder nackend, und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich krant oder gefangen gesehen, und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten und fagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr gethan habt Einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeiset; und Evangelia. 53 ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränket; ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget; ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet; ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig, oder durftig, oder einen Gast, oder nackend, oder krank, oder gefangen, und haben dir nicht gedienet? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht gethan habt Einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht gethan. Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben. Am fiebenundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis. Epistel. 1. Teffal. 5, 1-11. Von den Zeiten aber und Stunden, liebe Brüder, ist nicht Noth euch zu schreiben. Denn ihr selbst wißt gewiß, daß der Tag des Herrn wird kommen, wie ein Dieb in der Nacht. Denn, wenn sie werden sagen: Es ist Friede, es hat keine Gefahr: so wird sie das Verderben schnell überfallen, gleichwie der Schmerz ein schwangeres Weib, und werden nicht entfliehen. Ihr aber, liebe Brüder, seyd nicht in der Finsterniß, daß euch der Tag wie ein Dieb ergreife. Ihr seyd allzumal Kinder des Bichts, und Kinder des Tages; wir sind nicht von der Nacht, noch von der Finsterniß. So laßt uns nun nicht schlafen, wie die Andern; sondern laßt uns wachen und nüchtern seyn. Denn die da schlafen, die schlafen des Nachts, und die da trunken sind, die sind des Nachts trunken. Wir aber, die wir des Tages sind, sollen nüchtern seyn, angethan mit dem Krebs des Glaubens und der Liebe, und mit dem Helm der Hoffnung zur Seligkeit. Denn Gott hat uns nicht gesetzt zum Zorn, sondern die Seligkeit zu besitzen, durch unsern Herrn Jesum Christum, der für uns gestorben ist, auf daß, wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben sollen. Darum ermahnet euch unter einander, und bauet Einer den Andern, wie ihr denn thut. Evangelium. Matth. 25, 1-13. Dann wird das Himmelreich gleich seyn zehen Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen, und gingen aus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren thöricht, und fünf waren klug. Die Thörichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen nicht Del mit sich. Die Klugen aber nahmen Del in ihren Gefäßen, sammt ihren Lampen. Da nun der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig, und entschliefen. Zur Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siche, der Bräutigam kömmt; gehet aus, ihm entgegen! Da standen die Jungfrauen alle auf, und schmückten ihre Lampen. Die Thörichten aber sprachen zu den Klugen: Gebet uns von eurem Del, denn unsre Lampen verlöschen. Da antworteten die Klugen und sprachen: Nicht also, auf daß nicht uns und euch gebreche. Gehet aber hin zu den Krämern, und kauft für euch selbst. Und da ste hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit; und die Thür ward verschlossen. Zuletzt kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, thue uns auf! Er antwortete aber, und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht. Darum wachet, denn ihr wist weder Tag, noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird. Die Geschichte des Leidens, des Todes und der Begräbniß Jesu Christi, aus den vier Evangelisten zusammengezogen. Erste Abtheilung. 1. Hingang Jesu zum Delberg. Da Jesus und seine Jünger( nach dem Genuß des Osterlammes und der Einsetzung des heiligen Abendmahls) den Lobgesang gesprochen hatten, ging er hinaus, nach seiner Gewohnheit, über den Bach Kidron, an den Delberg. Es folgten ihm aber seine Jünger nach. Da sprach Jesus zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr euch Alle ärgern an mir, denn es stehet geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Heerde werden sich zerstreuen. Wenn ich aber auferstehe, will ich vor euch hingehen in Galiläa. Petrus aber antwortete, und sprach zu ihm: Wenn sie auch alle sich an dir ärgerten, so will ich mich doch nimmermehr ärgern. Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute in dieser Nacht, ehe denn der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen. Er aber redete noch weiter: Ja, wenn ich auch mit dir sterben müßte, so will ich dich nicht verleugnen; desselbigen gleichen sagten auch alle Jünger. 2. Jesu Seelenleiden. Da kam Jesus mit ihnen zu einem Hofe, der hieß Gethsemane; da war ein Garten, darein ging Jesus und seine Jünger. Judas aber, der ihn verrieth, wußte den Ort auch; denn Jesus versammelte sich oft daselbst mit seinen Jüngern. Da sprach Jesus zu ihnen: Sezet euch hie, bis ich dort hingehe und bete. Und er nahm zu sich Petrum und Jacobum und Johannem, die zween Söhne Zebedäi, und fing an zu trauren, zu zittern und zu zagen, und sprach zu ihnen: Meine Seele ist be trübt bis in den Tod, bleibet hie, wachet mit mir, und betet, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Und er riß sich von ihnen bei einem Steinwurf, und kniete nieder, fiel auf sein Angesicht auf die Erde, und betete, daß, so es möglich wäre, die Stunde vorüber ginge, und sprach: Abba, mein Vater, es ist dir Álles möglich, überhebe mich dieses Kelchs; doch nicht was ich will, sondern was du willst. Und er kam zu seinen Jüngern, und fand sie schlafend, und sprach zu Petro: Simon! schläfest du? Vermöchtest du nicht eine Stunde mit mir zu wachen? Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Zum andernmal ging er hin, betete und sprach: Mein Vater! ist es nicht möglich, daß dieser Kelch von mir gehe, ich trinke ihn denn: so geschehe dein Wille. Und er kam und fand sie abermal schlafend; denn ihre Augen waren voll Schlafs, und wußten nicht, Die Geschichte des Leidens Jesu Christi. 55 was sie ihm antworteten. Und er ließ sie, und ging abermal hin, und betete zum drittenmal und redete dieselbigen Worte. Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel, und stärkete ihn. Und es kam, daß er mit dem Tode rang, und betete heftiger. Es war aber sein Schweiß, wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde. Und er stand auf vom Gebet, und kam zu seinen Jüngern, und fand sie schlafend vor Traurigkeit, und sprach zu ihnen: Ach! wollet ihr nun schlafen und ruhen! Es ist genug: Šehet, die Stunde ist kommen, und des Menschen Sohn wird überantwortet in der Sünder Hände! Stehet auf, und lasset uns gehen! Siehe, der mich verräth, ist nahe; betet aber, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet. 3. Gefangennehmung Jesu. Und alsbald, da er noch redete, kam Judas, der Zwölfen Einer, da er hatte zu sich genommen die Schaar, und Diener der Hohenpriester und Pharisäer, der Aeltesten und Schriftgelehrten, ging er vor ihnen her, und kam dahin mit Fackeln, Lampen, mit Schwerdtern und mit Stangen. Der Verräther aber hatte ihnen ein Zeichen gegeben, und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist es, den greifet und führet ihn gewiß. Als nun Jesus wußte Alles, was ihm begegnen sollte, ging er hinaus und sprach zu ihnen: Wen suchet ihr? Sie antworteten ihm: Jesum von Nazareth. Jesus sprach zu ihnen: Ich bin's. Judas aber, der ihn verrieth, stand auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bin's, wichen sie zurücke und fielen zu Boden. Da fragte er sie abermal: Wen suchet ihr? Sie aber sprachen: Jesum von Nazareth. Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, daß ich's sey, suchet ihr denn mich, so lasset diese gehen; auf daß das Wort erfüllet würde, welches er sagte: Ich habe der Keinen verloren, die du mir gegeben haft. Und Judas nahete sich zu Jesu, ihn zu küssen, und sprach: Gegrüßet seyst du, Rabbi! und küssete ihn. Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du kommen? Juda! verräthest du des Menschen Sohn mit einem Kuß? Da traten sie hinzu, und legten die Hände an Jeſum, und griffen ihn. Da aber sahen, die um ihn waren, was da werden wollte, sprachen sie zu ihm: Herr, sollen wir mit dem Schwerdte drein schlagen? Da hatte Simon Petrus ein Schwerdt, und zog es aus, und schlug nach des Hohenpriesters Knecht, und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus. Jesus aber antwortete, und sprach: Lasset sie doch so ferne machen. Und zu Petro: Stecke dein Schwerdt in die Scheide; denn wer das Schwerdt nimmt, der soll durch das Schwerdt umkommen. Oder meinest du, daß ich nicht könnte meinen Vater bitten, daß er mir zuschickte mehr denn zwölf Legionen Engel? Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Wie würde aber die Schrift erfüllet? Es muß also gehen. Und er rührte sein Ohr an, und heilete ihn. Zu der Stunde sprach Jesus zu den Hohenpriestern und Haupt= leuten des Tempels, und den Neltesten, die über ihn kommen waren: Ihr seyd als zu einem Mörder mit Schwerdtern und mit Stangen ausgegangen, mich zu fahen; bin ich doch täglich gesessen bei euch, und habe gelehret im Tempel, und ihr habet keine Hand an mich geleget. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsterniß, auf daß die Schrift erfüllet werde. Da verließen ihn alle Jünger und flohen. Und es war 56 Die Geschichte des Leidens ein Jüngling, der folgte ihm nach, der war mit Leinwand bekleidet auf der bloßen Haut; und die Jünglinge griffen ihn; er aber ließ die Leinwand fahren, und floh bloß von ihnen. Zweite Abtheilung. 4. Verhör und Verurtheilung Jesu vom jüdischen hohen Rath. Die Schaar aber und der Oberhauptmann und die Diener der Juden nahmen Jesum und banden ihn, führten ihn aufs Erste zu Hannas, der war Caiphas Schwäher, welcher des Jahrs Hoherprieſter war. Es war aber Caiphas, der den Juden rieth, es wäre gut, daß ein Mensch würde umgebracht für das Volk. Und sie führeten ihn zu dem Hohenpriester Caiphas, dahin alle Hohenpriester und Schriftgelehrten und Aeltesten sich versammelt hatten. Simon Petrus aber folgete Jesu von ferne, und ein anderer Jünger, bis an den Palast des Hohenpriesters. Derselbige Jünger war dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesu hinein in den Palast. Petrus aber stand draußen vor der Thür. Da ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus, und redete mit der Thürhüterin, und führete Petrum hinein. Es standen aber die Knechte und Diener, und hatten ein Kohlfeuer gemacht, danieden mitten im Palast, denn es war kalt, und wärmeten sich. Petrus aber stand bei ihnen, und wärmete sich, auf daß er sähe, wo es hinaus wollte. Aber der Hohepriester fragte Jesum um seine Jünger und um seine Lehre. Jesus antwortete: Ich habe frei öffentlich geredet vor der Welt; ich habe allezeit gelehret in der Schule und in dem Tempel, da alle Juden zusammen kommen, und habe nichts im Verborgenen geredet. Was fragest du mich darum? Frage die darum, die gehöret haben, was ich zu ihnen geredet habe; siehe, dieselbigen wissen, was ich gesagt habe. Als er aber solches redete, gab der Diener Einer, die dabei standen, Jesu einen Backenstreich, und sprach: Solltest du dem Hohenpriester also ant worten? Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise es, daß es unrecht sey; habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich? Und Hannas hatte ihn gebunden gesandt zu dem Hohenpriester Caiphas. Die Hohenpriester aber und die Aeltesten, und der ganze Rath suchten falsch Zeugniß wider Jesum, auf daß sie ihn zum Tode brächten, und fanden keines, wiewohl viele falsche Zeugen herzutraten; denn ihre Zeugnisse stimmten nicht überein. Zuletzt traten hierzu zween falsche Zeugen, und sprachen: Wir haben gehöret, daß er sagte: Ich kann und will den Tempel Gottes, der mit Händen gemacht ist, abbrechen, und in dreien Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht ist. Ihr Zeugniß aber stimmte noch nicht überein. Und der Hohepriester stand auf unter sie, und fragte Jesum und sprach: Antwortest du nichts zu dem, das diese wider dich zeugen? Jesus aber schwieg stille, und antwortete nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermal, und sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du seyst Christus, der Sohn des hochgelobten Gottes? Jesus sprach: Du sagest es, ich bin es; doch sage ich euch: Von nun an werdet ihr sehen des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft, und kommen in den Wolken des Himmels. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat Gott gelästert! Was dürfen wir weiter Zeugniß? Jesu Christi. 57 Siehe, jetzt habet ihr seine Gotteslästerung gehöret. Was dünket euch? Sie aber verdammten ihn alle, und sprachen: Er ist des Todes schuldig. 5. Mißhandlung Jesu von der Wache. Die Männer aber, die Jesum hielten, verspotteten ihn, und speieten aus in sein Angesicht, und schlugen ihn mit Fäusten. Etliche aber verdeckten ihn, und schlugen ihn ins Angesicht( besonders die Knechte), und sprachen: Weissage uns, Christe, wer ist's, der dich schlug? Und viele andere Lästerung sagten sie wider ihn. 6. Verleugnung Petri. Simon Petrus aber war( wie oben erwähnet worden) draußen im Palast; da kam des Hohenpriesters Mägde Eine, die Thürhüterin; und und da sie Petrum unter den Knechten bei dem Feuer sahe, schauete fie ihn an, und sprach zu ihm: Und du warest auch mit dem Jesu aus Galiläa. Er aber verleugnete vor ihnen Allen und sprach: Weib! ich bin's nicht, ich kenne ihn nicht, ich weiß auch nicht, was du sagest. Und er ging hinaus in den Vorhof, und der Hahn krähete. Und als er zur Thür hinaus ging, jahe ihn nebst der vorigen eine andere Magd, die sprachen zu denen, die dabei standen: Dieser war auch mit dem Jesu von Nazareth. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht seiner Jünger Einer? Und ein Anderer sprach: Du bist auch der Einer. Und er leugnete abermal, und sprach: Mensch, ich bin's nicht, und schwur dazu: Ich kenne den Menschen nicht. Und über eine kleine Weile, bei einer Stunde, bekräftigte es ein Anderer, mit denen, die dabei standen, und sprachen: Wahrlich, du bist auch der Einer; denn du bist ein Galiläer, und deine Sprache verräth dich. Spricht des Hohenpriesters Knechte Einer, ein Gefreundter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sahe ich dich nicht im Garten bei ihm? Da fing er an sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht, von dem ihr faget. Und alsbald, da er noch redete, krähete der Hahn zum andern Mal. Und der Herr wandte sich um und sahe Petrum an. Da gedachte Petrus an das Wort Jesu, das er zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus, und weinte bitterlich. 7. Bestätigung des Todesurtheils über Jesum. Des Morgens aber versammelten sich alle Hohenpriester, Schriftgelehrten und die Weltesten des Volks, darzu der ganze Rath, und hielten einen Rath über Jesum, daß sie ihn tödteten. Und führeten ihn hinauf vor ihren Rath, und sprachen: Bist du Christus? Sage es uns! Er aber sprach zu ihnen: Sage ich es euch, so glaubet ihr es nicht; frage ich aber, so antwortet ihr nicht, und lasset mich dennoch nicht los. Darum von nun an wird des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft Gottes. Da sprachen sie alle: Bist du denn Gottes Sohn? Er aber sprach zu ihnen: Ihr sagt's; denn ich bin's. Sie aber sprachen: Was bedürfen wir weiter Zeugniß? Wir haben's selber gehöret aus seinem Munde. Die Geschichte des Leidens Dritte Abtheilung. 8. Auslieferung Jesu an das römische Gericht. Und der ganze Haufen stand auf, und banden Jesum, führeten ihn von Caiphas vor das Richthaus, und überantworteten ihn dem Landpfleger Pontio Pilato. Und es war noch frühe. 58 9. Judä Verzweiflung und Zeugniß von der Unschuld Jesu. Da das sahe Judas, der ihn verrathen hatte, daß er verdammet ward zum Tode, gereuete es ihn, und brachte herwieder die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und den Aeltesten, und sprach: Ich habe übel gethan, daß ich unschuldig Blut verrathen habe. Sie sprachen: Was gehet uns das an! Da siehe du zu. Und er warf die Silberlinge in den Tempel, hob sich davon, und ging hin, und erhängte sich selbst, und ist mitten entzwei geborsten, und sein Eingeweide ausgeschüttet. Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge, und sprachen: Es taugt nicht, daß wir sie in den Gotteskasten legen, denn es ist Blutgeld. Sie hielten aber einen Rath, und kauften eines Töpfers Acker darum, zum Begräbniß der Pilger. Und es ist kund worden Allen, die zu Jerusalem wohnen, also, daß derselbige Acker genennet wird auf ihre Sprache: Akeldama, das ist ein Blutacker, bis auf den heutigen Tag. Da ist erfüllet, das gesagt ist durch den Propheten Jeremias, da er spricht: Sie haben genommen dreißig Silberlinge, damit bezahlet ward der Verkaufte, welchen sie kauften von den Kindern Israel, und haben sie gegeben um einen Töpfersacker, als mir der Herr befohlen hat. 10. Anklage und Verhör Jesu vor Pilato. Die Juden aber gingen nicht in das Richthaus, auf daß sie nicht unrein würden, sondern die Ostern essen möchten. Da ging Pilatus zu ihnen heraus, und sprach: Was bringet ihr für eine Klage wider diesen Menschen? Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Uebelthäter, wir hätten dir ihn nicht überantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmet ihr ihn hin, und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen Niemand tödten. Auf daß erfüllet würde das Wort Jesu, welches er jagte, da er deutete, welches Todes er sterben würde. Da fingen an die Hohenpriester und die Neltesten ihn hart zu verklagen, und sprachen: Diesen finden wir, daß er das Volk abwendet, und verbeut den Schoß dem Kaiser zu geben, und spricht: Er sey Christus, ein König. Da ging Pilatus wieder hinein in das Richthaus, rief Je= sum, fragte ihn und sprach: Bist du der Juden König? Jesus stand vor ihm und antwortete: Redest du das von dir selbst, oder haben es dir Andere von mir gesagt? Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet; was hast du gethan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darob kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde. Aber nun ist mein Reich nicht von dannen. Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagest es, ich bin ein König; ich bin dazu geboren und in die Welt kommen, daß ich die Wahrheit zeugen soll; wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? Und da er das gesaget, ging er wieder Jesu Chrifti. 59 hinaus zu den Juden, und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm. Und da er verklaget ward von den Hohenpriestern und Aeltesten, antwortete er nichts. Pilatus aber fragete ihn abermal und sprach: antwortest du nicht, hörest du nicht wie hart sie dich verklagen? Und er antwortetete ihm nicht auf ein Wort mehr, also daß sich auch der Landpfleger sehr verwunderte. Sie aber hielten an, und sprachen: Er hat das Volk erreget, damit, daß er gelehret hat hin und her im ganzen jüdischen Lande, und hat in Galiläa angefangen bis hieher. 11. Pilati Versuche zur Befreiung Jesu. Da aber Pilatus Galiläa hörete, fragte er: ob er aus Galiläa wäre, und da er vernahm, daß er unter Herodis Obrigkeit war, übersandte er ihn zu Herodes, welcher in denselbigen Tagen auch zu Jerusalem war. Da aber Herodes Jesum sahe, ward er sehr froh, denn er hätte ihn längst gerne gesehen; denn er hatte viel von ihm gehöret, und hoffte, er würde ein Zeichen von ihm sehen. Und er fragte ihn Mancherlei; er antwortete ihm aber nichts. Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten standen, und verklagten ihn hart. Aber Herodes mit seinem Hofgesinde verachtete und verspottete ihn, und legte ihm ein weißes Kleid an und sandte ihn wieder zu Pilato. Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde mit einander; denn zuvor waren sie einander feind. Pilatus aber rief die Hohenpriester, die Obersten und das Volk zusammen, und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht, als der das Volk abwendet, und sehet, ich habe ihn vor euch verhöret, und finde an dem Menschen der Sache keine, der ihr ihn beschuldiget. Herodes auch nicht; denn ich habe euch zu ihm gesandt, und sehet, man hat nichts auf ihn gebracht, das des Todes werth sey; darum will ich ihn züchtigen und losgeben. Auf das Fest aber mußte der Landpfleger nach Gewohnheit dem Volke einen Gefangenen losgeben, welchen sie begehrten, Er hatte aber zu der Zeit einen Gefangenen, einen sonderlichen vor andern, der hieß Barrabas, welcher war um eines Aufruhrs, der in der Stadt geschahe, und um eines Mords willen in das Gefängniß geworfen. Und das Volk ging hinauf, und bat, daß er thäte, wie er pflegte. Und da fie versammelt waren, antwortete ihnen Pilatus: Ihr habt eine Gewohnheit, daß ich euch einen losgebe auf Ostern; welchen wollet ihr, daß ich euch losgebe, Barrabam oder Jesum, den König der Juden, von dem gesagt wird, er sey Christus; denn er wußte wohl, daß ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet hatten. Und da er auf dem Richterstuhl saß, schickte sein Weib zu ihm, und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; denn ich habe heute viel erlitten im Traume von seinetwegen. Aber die Hohenpriester und Weltesten überredeten und reizten das Volk, daß sie um Barrabas bitten sollten, und Jesum umbrächten. Da antwortete nun der Landpfleger, und sprach zu ihnen: Welchen wollet ihr unter diesen zween, den ich euch soll losgeben? Da schrie der ganze Haufen und sprach: Hinweg mit diesem, und gieb uns Barrabas los. Da rief Pilatus abermal zu ihnen, und wollte Jesum loslassen, und sprach: Was soll ich denn machen mit Jesu, den man Christus nennt? Sie schrieen abermal: Kreuzige, kreuzige ihn! Er aber sprach zum drittenmal zu ihnen: Was hat er denn Uebels gethan? Ich finde keine Ursache des Todes an ihm: darum will ich ihn züchtigen und loslaſſen. Die Geschichte des Leidens Aber sie lagen ihm an mit großem Geschrei, und forderten, daß er gekreuziget würde; und ihr und der Hohenpriester Geschrei nahm überhand. 60 12. Geißelung und Verspottung Jesu. Da aber Pilatus sahe, daß er nichts schaffte, sondern daß viel ein größer Getümmel ward, gedachte er dem Volke genug zu thun, und urtheilte, daß ihre Bitte geschehe; nahm Wasser, und wusch die Hände vor dem Volke, und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten; sehet ihr zu. Da antwortete das Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder. Da gab er ihnen Barrabam los, der um Aufruhrs und Mords willen war ins Gefängniß geworfen, um welchen sie baten; aber Jesum ließ er geißeln, und überantwortete ihn, daß er gekreuziget würde. Da nahmen die Kriegsknechte des Landpflegers Jesum zu sich in das Richthaus, riefen zusammen die ganze Schaar, zogen ihn aus, legten ihm einen Purpurmantel an flochten eine Krone von Dornen, setzten sie auf sein Haupt, gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand, beugten die Kniee vor ihm, verspotteten ihn und sprachen: Gegrüßet seyst du, der Juden König! Und gaben ihm Backenstreiche, speieten ihn an, nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt. 13. Letztes Verhör und Verurtheilung Jesu. Da ging Pilatus wieder heraus und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich keine Schuld an ihm finde. Also ging Jesus heraus und trug eine Dornenkrone und Purpurkleid. Und er spricht zu ihnen: Sehet, welch ein Mensch! Da ihn die Hohenpriester und Diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige, kreuzige ihn! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmet ihr ihn hin und kreuziget ihn; denn ich finde keine Schuld an ihm. Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz soll er sterben, denn er hat sich selbst zu Gottes Sohne gemacht. Da Pilatus das Wort hörte, fürchtete er sich noch mehr, und ging wieder hinein in das Richthaus, und spricht zu Jesu: Von wannen bist du? Aber Jesus gab ihm keine Antwort. Da sprach Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, daß ich macht habe, dich zu kreuzigen, und macht habe, dich los zu geben? Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben; darum, der mich dir überantwortet hat, der hat es größere Sünde. Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn los ließe. Die Juden aber schrieen, und sprachen: Läsfest du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht: denn wer sich selbst zum Könige macht, der ist wider den Kaiser. Da Pilatus das Wort hörete, führte er Jesum heraus, und setzte sich auf den Richtstuhl, an der Stätte, die da heißt Hochpflaster, auf Hebräisch aber Gabbatha. Es war aber der Rüsttag in Ostern, um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden: Sehet, das ist euer König! Sie schrieen aber: Weg, weg mit dem, kreuzige ihn! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren König kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König, denn den Kaiser. Da überantwortete er ihn, daß er gekreuziget würde. 61 Jesu Christi. Vierte Abtheilung. 14. Ausführung Jesu nach Golgatha. Da nahmen die Kriegsknechte Jesum( den sie verspottet hatten), zogen ihm den Mantel aus, und zogen ihm seine Kleider an, und führeten ihn hin, daß sie ihn kreuzigten; und er trug sein Kreuz. Und indem sie hinaus gingen, fanden sie einen Menschen, der vorüberging, von Cyrene, mit Namen Simon, der vom Felde kam, der ein Vater Alexandri und Ruffi war, den zwangen sie, und legten das Kreuz auf ihn, daß er es Jesu nachtrüge. Es folgte ihm aber nach ein großer Haufen Volkes und Weiber, die klagten und beweinten ihn. Jesus aber wandte sich um zu ihnen, und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern über euch selbst und über eure Kinder; denn siehe, es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäuget haben! Dann werden sie anfangen zu sagen zu den Bergen: Fallet über uns, und zu den Hügeln: Decket uns; denn so man das thut am grünen Holze, was will am dürren werden! 15. Kreuzigung Jesu. Es wurden aber hingeführt zween andere Uebelthäter, daß sie mit ihm abgethan würden. Und sie brachten ihn an die Stätte, die da heißet auf Hebräisch Golgatha, das ist verdeutschet Schädelstätte; und fie gaben ihm Myrrhen in Wein zu trinken, und da er es schmeckte, wollte er es nicht trinken. Und sie kreuzigten ihn daselbst, und die zween Uebelthäter mit ihm, einen zur Rechten, und einen zur Linken, Jesum aber mitten inne. Da ward die Schrift erfüllet, die da saget: Er ist unter die Ulebelthäter gerechnet. Jesus aber sprach: Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Pilatus aber schrieb eine Ueberschrift, und setzte sie auf das Kreuz, oben zu seinem Haupte, als die Ursache seines Todes. Es war aber geschrieben: Jesus von Nazareth der Juden König. Diese Ueberschrift lasen viele Juden; denn die Stätte war nahe bei der Stadt, da Jesus gefreuziget ist. Und es war geschrieben auf hebräische, griechische und Lateinische Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilato: Schreib nicht: der Juden König, sondern daß er gesagt habe: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. Und die Kriegsknechte, da sie Jesum gekreuziget hatten, nahmen seine Kleider, und machten vier Theile, einem Jeglichen Kriegsknecht ein Theil, darzu auch den Rock. Der Rock aber war ungenähet, von oben an gewürket, durch und durch. Da sprachen sie unter einander: Laßt uns den nicht zertheilen, sondern darum losen, weß er seyn soll. daß erfüllet würde die Schrift, die da saget: Sie haben meine Kleider unter sich getheilet, und haben über meinen Rock das Loos geworfen. Solches thaten die Kriegsknechte. Und sie saßen allda, und hüteten seiner. Es war aber um die dritte Stunde, da sie ihn kreuzigten. Und das Volk stand und sahe zu. Auf Die Geschichte des Leidens 16. Verspottung Jesu am Kreuze. Die aber vorüber gingen, lästerten ihn, und schüttelten ihre Köpfe, und sprachen: Pfui dich, wie sein zerbrichst du den Tempel, und bauest ihn in dreien Tagen; hilf dir selber! Bist du Gottes Sohn, so steige herab vom Kreuz. Desgleichen auch die Hohenpriester verspotteten ihn unter einander, mit den Schriftgelehrten und Aeltesten, sammt dem Volke, und sprachen: Er hat Andern geholfen, und kann ihm selber nicht helfen. Ist er Chriftus, der König von Israel, der Auserwählte Gottes, so helfe er ihm selber, und steige nun vom Kreuze, auf daß wir es sehen, und glauben ihm. Er hat Gott vertrauet; der erlöse ihn nun, lüstet es ihn. Denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn. Es verspotteten ihn auch die Kriegsknechte, traten zu ihm, und brachten ihm Essig, und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber. 62 17. Begnadigung des bekehrten Schächers. Aber der Uebelthäter Einer, die da gehängt waren, lästerte ihn, und sprach: Bist du Christus, so hilf dir und uns. Da antwortete der andere, strafte ihn und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammniß bist? Und zwar wir sind billig drinnen; denn wir empfahen, was unsere Thaten werth sind. Dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt; und sprach zu Jesu: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese seyn. 18. Jesu Fürsorge für seine Mutter. Es stand aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter, und seiner Mutter Schwester, Maria, Cleophas Weib, und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter sahe, und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib! Siehe, das ist dein Sohn. Darnach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter. Und von Stund an nahm sie der Jünger zu sich. 19. Der Tod Jesu. Und von der sechsten Stunde an war eine Finsterniß über das ganze Land, bis an die neunte Stunde; und die Sonne verlor ihren Schein. Und um die neunte Stunde rief Jesus laut und sprach: Eli, Eli, Lama Asabthani! das ist: Mein Gott, mein Gott, warum haft du mich verlassen? Etliche aber, die da standen, da sie das höreten, sprachen sie: Siehe, er rufet den Elias. Darnach, als Jesus wußte, daß schon Alles vollbracht war, daß die Schrift erfüllet würde, spricht er: Mich dürftet. Da stand ein Gefäß voll Essig, und bald lief einer unter ihnen hin, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig, und steckte ihn auf ein Rohr von Ysop, und hielts ihm dar zum Munde, und tränkte ihn, und sprach mit den Andern: Halt, laßt sehen, ob Elias komme, und ihn herab nehme. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und abermal rief er laut und sprach: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. Und als er das gesagt, neigete er das Haupt, und gab seinen Geist auf. 20. Die Begebenheiten bei und nach dem Tode Jeſu. Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke, von oben an bis unten aus, und die Erde erbebete, und die Felsen zerrissen, Jesu Christi. 63 und die Gräber thaten sich auf, und standen auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen, und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung, und kamen in die heilige Stadt und erschienen Vielen. Aber der Hauptmann, der dabei stand, ihm gegenüber, und die bei ihm waren, und bewahrten Jesum, da sie sahen, daß er mit solchem Geschrei verschied, und sahen das Erdbeben, und was da geschah, erschraken sie sehr, und preiseten Gott, und sprachen: Wahrlich, dieser ist ein frommer Mensch und Gottes Sohn gewesen. Und alles Volk, das dabei war und zusahe, da sie sahen, was da geschah, schlugen sie an ihre Brust, und wandten wieder um. Es standen aber alle seine Verwandten von ferne, und viele Weiber, die ihm aus Galiläa waren nachgefolget, unter welchen war Maria Magdalena, und Maria, des kleinen Jacobs und Joses Mutter, und Salome, die Mutter der Kinder Zebedäi, und viele Andere, die mit hinauf gen Jerusalem gegangen waren, und hatten ihm gedienet, und sahen das Alles. Die Juden aber, dieweil es der Rüsttag war, daß nicht die Leichname am Kreuze blieben den Sabbath über( denn desselbigen Sabbaths Tag war groß), baten fie Pilatum, daß ihre Beine gebrochen, und sie abgenommen würden. Da kamen die Kriegsknechte, und brachen dem Ersten die Beine, und dem Andern, der mit ihm gekreuziget war. Als sie aber zu Jesu kamen, da sie sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; sondern der Kriegsknechte Einer öffnete seine Seite mit einem Speer, und alsbald ging Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugniß ist wahr, und derselbe weiß, daß er die Wahrheit saget, auf daß auch ihr glaubet; denn Solches ist geschehen, daß die Schrift erfüllet würde: Ihr sollt ihm kein Bein zerbrechen. Und abermal spricht eine andere Schrift: Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben. Fünfte Abtheilung. 21. Das Begräbniß Jeſu. Darnach, am Abend, weil es der Rüsttag war, welcher ist der Vorsabbath, kam ein reicher Mann von Arimathia, der Stadt der Juden, mit Namen Joseph, der war ein Rathsherr, ein guter, frommer Mann, welcher auch auf das Reich Gottes wartete; der hatte nicht gewilliget in ihren Rath und Handel; denn er war ein Jünger Jesu, doch heimlich, aus Furcht vor den Juden. Der wagte es und ging zu Pilato, und bat, daß er möchte abnehmen den Leichnam Jeju. Pilatus aber verwunderte sich, daß er schon todt war, und rief den Hauptmann, und fragte ihn: ob er längst gestorben wäre? Und als er es erkundet von dem Hauptmann, befahl er, man sollte Joseph den Leichnam Jesu geben. Und Joseph kaufte eine Leinwand. Es kam aber Nicodemus, der vormals bei der Nacht zu Jeju gekommen war, und brachte Myrrhen und Alden unter einander bei hundert Pfunden. Da nahmen sie den Leichnam Jesu, und wickelten ihn in eine reine Leinwand, und banden ihn in leinene Tücher mit Specereien, wie die Juden pflegen zu begraben. Es war aber an der Stätte, da er gekreuziget ward, ein Garten, und in dem Garten ein neues Grab. Das war Josephs, welches er hatte lassen in einen Felsen hauen, in welches Niemand je gelegt war. Daselbst hin legten sie Jesum um des Rüsttages willen der Juden, dieweil der 1 Die Geschichte des Leidens Jesu Christi. Sabbath anbrach, und das Grab nahe war, und wälzten einen großen Stein vor die Thür des Grabes, und gingen davon. Es waren aber allda Maria Magdalena, und Maria Joses, und die Weiber, die mit Jesu gekommen waren aus Galiläa, die folgeten nach, setzten sich gegen das Grab, und beschaueten, wohin und wie sein Leib geleget ward. Sie kehrten aber um, und bereiteten Specerei und Salben, und den Sabbath über waren sie stille nach dem Gesez. Des andern Tages, der da folgete nach dem Rüsttage, kamen die Hohenpriester und Pharisäer sämmtlich zu Pilato, und sprachen: Herr, wir haben gedacht, daß dieser Berführer sprach, da er noch lebte: Ich will nach dreien Tagen wieder auferstehen. Darum befiehl, daß man das Grab verwahre bis an den dritten Tag, auf daß nicht seine Jünger kommen und stehlen ihn, und sagen zu dem Volke: Er ist auferstanden von den Todten, und werde der letzte Betrug ärger, denn der erste. Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Hüter, gehet hin und verwahret es, wie ihr wisset. Sie gingen hin, und verwahrten das Grab mit Hütern, und versiegelten den Stein. 64 Osnabrück. 3. 6. kisling's Verlag. Zuverlässige Nachricht von der Zerstörung der Stadt Jerusalem. Als das vormals von GOtt so außerordentlich begnadigte Volk der Juden das Maß seiner gehäuften Sünden durch die Verwerfung und Kreuzigung des unter ihnen erschienenen Heilandes der Welt erfüllet hatte: so näherte sich dasselbe demjenigen erschrecklichen Strafgerichte immer merklicher, welches durch die Propheten und den mitleidigen Erlöser selbst mit Thränen zuvor verkündiget war und in der gänzlichen Zerstörung Jerusalems und des ganzen jüdischen Reichs der Welt ein belehrendes Denkmal vor Augen legte, wie schwer der 3orn GOttes gegen beharrliche Verächter seiner Gnade, und wie groß insonderheit die Verschuldung sei, die dieses unglückliche Volk durch die Vergießung des unschuldigen und heiligen Blutes Jesu Christi auf sich geladen. Josephus erzählet verschiedene beim Ausbruche dieser Gerichte GOttes vorhergegangene Zeichen; allein die sicherste und nächste Anzeige davon war wohl das sich in dem jüdischen Reiche immer weiter ausbreitende gänzliche Verderben. Man verließ nun völlig die heiligen Geseke GOttes, setzte die ganze Religion nur in eine abergläubische Beobachtung äußerlicher Gebräuche, und überließ sich mit einem frechen Leichtsinn allen Lastern. Daher nahmen Unordnungen und Spaltungen in allen Ständen immer mehr überhand; Jerusalem und das ganze Land war mit Räubern und Mördern angefüllet, und die ganze Nation beförderte ihren Untergang durch ihre eigene Zerrüttung mehr, als die Gewalt der Römer. Diese beherrschten seit den Zeiten Jesu Chrifti das jüdische Land durch Landpfleger, welche durch Geiz und Härte das römische Joch den Juden noch unerträglicher machten. Gessius Florus, der zulegt diese Stelle verwaltete, übertraf hierin alle seine Vorgänger. Er beförderte alle Unordnungen, auch selbst die öffentlichen Räubereien, 5 66 Nachricht von der Zerstörung wenn er nur seine unersättliche Gewinnsucht dabei befriedigen konnte, vergriff sich sogar an dem Schatz des Tempels und war recht ge= fliffen, das Volk zur Empörung gegen die Römer zu reizen. Daher entstand in mehren Gegenden des Landes ein häufiges Blutvergießen, und Florus ließ selbst bei einem solchen Aufstande in Jerusalem über 3000 Juden erschlagen, und viele der angesehensten geißeln und kreuzigen. Die Juden suchten zwar in diesen Bedrängnissen bei dem syrischen Statthalter Cestius Gallus Hülfe; allein Florus wußte nicht nur solches zu vereiteln, sondern auch die Unruhen also zu vermehren, daß endlich Cestius genöthigt war, mit einem Heere anzurücken, mit welchem er nach Verwüstung vieler Städte in Jerusalem drang, die Juden in den Tempel einschloß und dem Kriege würde ein Ende gemacht haben, wenn nicht die Juden schwereren Gerichten wären aufbehalten gewesen. So aber verleitete Florus den Cestius durch List und Verrätherei zur Verzögerung; die Juden gewannen Zeit zur Gegenwehr und nöthigten sogar den syrischen Statthalter mit einem sehr beträchtlichen Verluste zum Abzuge. Dieser anscheinende Vortheil vermehrte ihnen zu ihrem Unglück den Muth. Die damals fast allgemeine Erwartung eines irdischen Erretters und mächtigen Beherrschers stärkte ihre eitle Hoffnung, und der Krieg wider die Römer ward mit großer Heftigkeit beschlossen. Man machte dazu überall die stärksten Zurüstungen, wählte in Jerusalem den Joseph, einen Sohn Gorions, nebst dem Hohenpriester Unanus, in Idumäa den Eleazar und in Galiläa Josephus, einen sehr verständigen und tapfern Mann, der diese Geschichte hinterlassen hat, zu Anführern und fing die Feindseligkeiten in verschiedenen Gegenden, doch mehrentheils mit sehr großem Verlust an, wie denn allein vor der Stadt Ascalon über 18000 Juden ihr Leben einbüßten. Die Christen hingegen waren der Warnung ihres Heilandes eingedenk und setzten sich durch ihre Flucht in die benachbarte Stadt Pella in Sicherheit. Als der römische Kaiser Nero den allgemeinen Aufstand der jüdischen Nation erfuhr, trug er dem Vespasianus, einem sehr erfahrnen Feldherrn, den Krieg wider die Juden auf, der nebst seinem Sohn, dem Titus, mit einem zahlreichen Heere den Anfang desselben in Galiläa machte. Josephus hatte daselbst zwar 100,000 Mann versammelt; allein der Schrecken zerstreute solche sogleich bei der Ankunft der Römer, und Josephus ward genöthigt, mit dem Reste seiner Truppen sich in die Festung Jotapata zu werfen, welche nach einer tapfern Vertheidigung erobert und 40,000 Juden dabei erschlagen wurden. Josephus gerieth selbst in die Gefangenschaft der Römer, der Stadt Jerusalem. 67 erhielt aber durch die Fürsprache des Titus, und weil er dem Vespasian die künftige Gelangung zur kaiserlichen Würde vorhersagte, sein Leben und nach der Erfüllung dieser seiner Vermuthung auch die Freiheit. Vespasian bemächtigte sich darauf des ganzen Galiläa, wobei viele Tausende erschlagen, oder als Leibeigene verkauft, oder sonst in eine elende Sclaverei geführt wurden. In Jerusalem und den übrigen Gegenden des jüdischen Landes häufte sich inzwischen das größte Elend. Die Partei derer, die auf den Krieg drangen, verübte gegen diejenigen, die zum Frieden riethen, die äußersten Gewaltthätigkeiten. Mit ihnen verband sich unter der Anführung des Eleazar eine andere Art von Räubern, die Zeloten oder Eiferer benannt wurden, weil sie unter dem Vorgeben eines befondern Eifers für Religion und Freiheit die größten Grausamkeiten begingen; und Plünderung und Mord breiteten sich allenthalben aus. Der Hohepriester Ananus suchte zwar in Jerusalem dieser bösen Rotte Einhalt zu thun; als aber Johannes von Giscala, ein sehr berüchtigter Bösewicht, nach Jerusalem kam, und die Zeloten daselbst auf seine Seite brachte, auch 20,000 Jdumäer in die Stadt zog, so ward die Partei des Ananus überwältigt und dieser Hohepriester, den Josephus als einen der besten Männer der damaligen Zeit beschreibet, nebst 11,000 der vornehmsten Einwohner getödtet. Vespafianus eroberte in dem folgenden Jahre unter vielem Blutvergießen die um Jerusalem liegenden festen Derter und näherte sich darauf dieser Hauptstadt des jüdischen Landes. Sein Heer verlangte zwar, daß er solche, bei der darin herrschenden Uneinigkeit, unverzüglich angreifen möchte; allein der römische Feldherr hielt rathsamer, einem Volte, das sich selbst aufrieb und welches GOtt, wie er sagte, in die Hände der Römer geben würde, zur eigenen Beförderung seines Unterganges noch ferner Raum zu lassen. Der Tod des Nero und die darauf erfolgten öfteren Veränderungen mit dem römischen Kaiserthum verzögerten die Belagerung noch weiter; und als Veſpasian selbst zum Kaiser erwählt ward, begab er sich nach Rom und überließ die Fortsetzung des Krieges dem Titus. Die durch die unerhörten Grausamkeiten des Johannes und der Zeloten äußerst beängstigten Einwohner in Jerusalem hatten inzwischen ein neues Heer von Räubern unter einem Anführer, Namens Simon, in die Stadt gelassen, um durch sie von jenen Ungeheuern befreit zu werden; allein diese abermalige Verblendung vergrößerte nur ihr Elend. Denn dieser Simon, der bereits in Joumäa die fürchterlichsten Verwüstungen angerichtet, übertraf annoch den 3ohannes an Grausamkeit und Blutbegierde; zwang denselben, sich in den Tempel zurückzuziehen, und da auch dessen Partei fich trennte 5* 68 Nachricht von der Zerstörung und ein Theil derselben unter dem Eleazar den innern Tempel behauptete, so bekriegten diese drei räuberischen Haufen sich unter einander auf das heftigste, opferten eine große Menge der Einwohner ihrer Muth auf, verdarben durch Raub und Brand den in der Stadt befindlichen Vorrath der Lebensmittel, und legten dadurch den Grund zu der bald darauf erfolgenden schrecklichen Hungersnoth. Titus näherte sich darauf im siebenzigsten Jahre nach Christi Geburt im Anfange des April mit seinem wohlgerüsteten Heere und in Begleitung des Josephus der Stadt Jerusalem. Selbige war mit einer dreifachen, sehr starken Mauer und vielen Thürmen umgeben und faßte, außer dem sehr befestigten Tempel, die Burg Antonia und andere feste Schlösser in sich. Die Feier des Osterfestes hatte auch damals eine ungewöhnliche Menge Juden in derselben versammelt, wodurch sowohl die Hungersnoth desto geschwinder vermehret, als auch der auf der ganzen Nation ruhende Fluch um so deutlicher offenbar wurde. Bei dem Anfange der Belagerung vereinigten sich zwar die drei aufrührerischen Rotten zum tapfern Widerstande gegen die Römer, fügten ihnen durch heftige Ausfälle vielen Schaden zu und jegten bei einem derselben selbst den Titus in die äußerste Gefahr. Allein jene Vereinigung dauerte nicht lange. Johannes überwältigte durch List und Gewalt die Partei des Eleazar und bemächtigte sich unter vielem Blutvergießen des ganzen Tempels. Die Vertheidigung der Stadt war also zwischen ihm und dem Simon getheilt, die indeß nicht aufhörten, sich unter einander zu bekriegen, sobald nur die Römer ihnen einige Ruhe ließen. Nachdem Titus den Juden vergeblich den Frieden anbieten lassen, ward die Belagerung mit großem Eifer fortgesetzt und gegen das Ende des April die erste Mauer, und fünf Tage nachher die andere eingenommen, und obwohl die Juden sich der letztern wieder bemächtigten, folche doch nach einer dreitägigen Bestürmung mit einer großen Niederlage der Juden völlig behauptet. Wenige Tage nachher ward der Angriff auf die Burg Antonia gerichtet. Titus ließ zwar nach seiner gütigen und mitleidigen Gesinnung die Belagerten abermals durch den Josephus zur Uebergabe ermahnen; allein ob dieser gleich durch eine sehr nachdrückliche Rede und mit Thränen sie zu bewegen suchte, so wurden doch alle Vorstellungen nur mit Schimpfworten und sogar mit Pfeilen erwidert. Viele Einwohner suchten indeß durch die Flucht ihre Errettung und erhielten auch solche, wenn sie anders der Wachsamkeit und den Schwerdtern der Besagung zu entgehen vermochten, durch die Gelindigkeit des Titus. Die aber als Gefangene in die Hände der Römer fielen, wurden in so großer Menge in dem Angesicht der Stadt getreuziget, daß der Stadt Jeruſalem. 69 nach Josephus Ausdruck es zuletzt an Raum und Holz zu Kreuzen mangelte. Ein gewiß sehr merkwürdiger Anblick vor einer Stadt, deren Einwohner die Kreuzigung Chrifti dem Pilatus mit der größten Wuth abgedrungen hatten! Titus ließ inzwischen diese Grausamkeit zu, um zu versuchen, ob vielleicht die Furcht vor einer gleichen Bestrafung die Hartnäctigkeit der Belagerten überwinden möchte. Aber so wenig dieses, als die bereits sehr zunehmende Hungersnoth, noch auch die wiederholten Warnungen des römischen Feldherrn, die Stadt, den Tempel und ihr eigenes Leben zu retten, vermochten etwas bei diesen gänzlich Verstockten auszurichten; sie sagten vielmehr dem Titus selbst mit untermengter Verschmähung, daß sie lieber sterben, als sich, ergeben wollten, und beriefen sich dabei auf den Schutz GOttes, dessen Verächter sie doch waren. Die Fortsetzung ihrer verzweiflungsvollen Gegenwehr nöthigte endlich den Titus, die Stadt mit einer Mauer völlig einzuschließen. Hierdurch war dasjenige auf's genaueste erfüllt, was Christus vorher geweisfaget hatte, und die erschrecklichste Hungersnoth nebst allem damit verbundenen Elend nahm nun völlig überhand. Ausgezehrte Menschen suchten bei Tausenden in den letzten Zügen vergeblich ihre Erhaltung. Die bewaffneten Räuber fielen in die Häuser, bemächtigten sich aller Nahrungsmittel und quälten mit den entseglichsten Martern alle und jede, auf welche nur der Verdacht einiger Verbergung fiel. Die Eltern rifsen ihren Kindern und diese ihren Eltern und Geschwistern den letzten Bissen aus dem Munde. Viele, die diesem Jammer durch die Flucht zu den Römern zu entrinnen suchten, wurden von den Soldaten in der Vermuthung, daß sie Gold verschlungen, lebendig aufgeschnitten.. Man suchte durch die unnatürlichsten Mittel die Stillung des Hungers, und eine bemittelte Mutter, die durch diese Plage zur äußersten Berzweiflung gebracht war, schlachtete und fochte ihr eigenes Kind, und bot, da sie einen Theil desselben verzehret, den grausamen Kriegsknechten die andere Hälfte dar. Alle Straßen waren mit Leichen bedeckt und das Sterben war so häufig, daß vom 14. April bis zum 1. Juli 115,880 Leichen zu einem Thore hinaus gebracht und 600,000 über die Mauer geworfen wurden. Titus ward durch diese erschrecklichen Umstände äußerst gerührt und bezeugte mit gen Himmel gehobenen Händen, daß er an diesen unnatürlichen Grausamteiten unschuldig sei und solche unerhörte Gräuel unter den Trümmern der Stadt begraben werden müßten. Nachdem endlich die Burg Antonia unter vielem Blutvergießen erobert und völlig niedergeriffen war, mußte nun auch der sowohl durch seine Lage als die stärksten Mauern ausnehmend feste Tempel Nachricht von der Zerstörung angegriffen werden, zu welcher Zeit denn auch das tägliche Opfer in demselben aufhörte. Titus, der für dieses herrliche Gebäude und für den Gottesdienst der Juden eine bewundernswürdige Ehrerbietung äußerte, ließ sich zwar dessen Erhaltung mit der äußersten Sorgfalt angelegen sein, und ermüdete nicht, sowohl in eigener Person, als durch den Josephus, den Johannes mit seinem gottlosen Haufen durch wiederholte rührende Vorstellungen zu bewegen, daß sie durch ihren fortgesetzten Frevel das Heiligthum GOttes nicht entweihen, und durch eine endliche Uebergabe es dem nahen Untergange entreißen möchten, wobei er ihnen die ungestörte Fortsetzung ihres Gottesdienstes versprach. Allein diese Bösewichte verschmäheten dieses Alles, besetzten die Thore des Tempels mit Kriegsmaschinen und machten denselben durch Raub und Blutvergießen, nach Christi Worten, nun völlig zur Mördergrube. Daher sahe sich Titus endlich genöthigt, die äußerste Gewalt zu gebrauchen und nach verschiedenen abgeschlagenen Stürmen an die Thore desselben Feuer legen zu lassen, welches denn alle bes deckten Gänge um den Tempel ergriff. Er gab zwar sogleich den Befehl, das Feuer zu löschen, um das noch unversehrte Hauptgebäude des Tempels zu erhalten, aber keine menschliche Vorsicht vermochte den Rathschiuß GOttes zu verhindern. Ein heftiger Ausfall der Juden zog das Gefecht in die Nähe des Tempels und ein römischer Soldat warf aus eigenem Antriebe, oder vielmehr von einer höhern Hand geleitet, einen feurigen Brand in ein Fenster der an den Tempel gebaueten 3immer. Sogleich breitete sich das Feuer in diesen Nebengebäuden aus. Titus eilte zwar alsobald den Brand zu löschen; aber seine Befehle wurden nicht vernommen. Die römischen Legionen drangen wüthend auf den Tempel zu, unterhielten die immer weiter um sich greifenden Flammen und füllten alles mit Blut und Leichen. Titus begab sich mit einigen seiner Heerführer selbst in den Tempel, besah dessen Heiligthum und die darin befindlichen Geräthe und fand, daß die Pracht alle Nachricht davon weit überträfe. Er erneuerte die eifrigsten Bemühungen, dieses Innere des Tempels zu retten; aber vergeb lich. Der ganze Tempel ward, wie Josephus bemerkt, an eben dem Tage, da der erste von den Babyloniern verbrannt worden, durch die Flammen völlig verzehret. Ein allgemeiner Raub und die blutigste Niederlage verbreitete sich ohne einiges Verschonen in dem ganzen Raum des Tempels. Die römischen Soldaten pflanzten an das östliche Thor desselben ihre Kriegszeichen, brachten daselbst ihre heidnischen Opfer und riefen den Titus als Sieger aus. Eine Anzahl Priester, welche auf einer Mauer des Tempels ihre Sicherheit gesucht, flehete vergeblich um ihr Leben. Titus antwortete, daß die Zeit der Begnadigung geendet, und sie mit ihrem Tempel umkommen müßten. 70 der Stadt Jeruſalem. 71 Die Aufrührer hatten sich inzwischen mit gewaffneter Hand den Weg aus dem Tempel geöffnet und verlangten eine Unterredung mit dem Titus. Dieser erbot sich zwar, ihnen das Leben zu schenken, wenn sie sogleich die Waffen niederlegen und sich ergeben würden; als sie sich aber dessen, unter der Vorschütung eines Eides, weigerten und einen freien Abzug verlangten, versagte er ihnen alle Gnade: übergab die untere Stadt der Plünderung und dem Feuer und griff den noch übrigen obern Theil derselben an, in welchen sich nun die sämmtlichen Aufrührer unter dem Simon und Johannes gezogen hatten. Sobald die römischen Maschinen auch hier die Mauer durchbrachen, überfiel diese Hartnäckigen die muthloseste Verwirrung. Voll Furcht und Schrecken verließen sie die von ihnen besetzten sehr festen Thürme, versuchten vergeblich durch die römischen Verschanzungen zu entkommen und verbargen sich endlich in unterirdischen Höhlen. Die Römer bemächtigten sich also auch der ganzen obern Stadt, plünderten selbige und zündeten sie nach der entsetzlichsten Niederlage unter den Einwohnern mit Feuer an. Dieses geschah am 8. September des Jahres siebenzig nach Christi Geburt. Als Titus in die nun völlig eroberte Stadt ging und die ungemeine Festigkeit ihrer Mauern und Thürme bewunderte, brach er in dieses ihm rühmliche Geständniß aus: Wir haben mit GOttes Beistand Krieg geführet; es ist GOtt, der die Juden aus diesen Festungen herausgetrieben hat; denn was würden menschliche Hände und Maschinen gegen solche Thürme vermögen! Gleich nach der Eroberung wurden die noch übrigen Aufrührer sämmtlich getödtet. Die ansehnlichsten Jünglinge wurden zum Triumph des Titus, die übrigen Gefangenen aber zu den römischen Schauspielen, oder zu schweren Arbeiten bestimmt. Die, welche unter siebzehn Jahren, wurden verkauft. Die Zahl aller in dem ganzen Kriege Gefangenen rechnet Josephus auf 97,000 und der in der Belagerung Umgekommenen auf 1,100,000, außer der großen Menge, die sonst in diesem Kriege ihr Leben verloren, und macht jene große Anzahl aus der unter dem Cestius berechneten Zahl der Osterlämmer begreiflich. Simon und Johannes geriethen aus ihren Höhlen endlich auch in die Hände der Römer. Sie wurden gleichfalls zum Triumph des Titus aufbehalten und nach selbigem der erste zum Tode, der andere aber zeitlebens zum Gefängniß verurtheilt. Die sämmtlichen Ueberbleibsel der Stadt, außer dreien Thürmen und einem Theil der Mauer, wurden auf Titus Befehl dem Erdboden gleich gemacht, und Jerusalem ward also nach Christi Weissagung völlig geschleifet. Wie nun diese merkwürdige Geschichte nebst der ganzen sonder 72 Nachricht von der Zerstörung der Stadt Jerusalem. baren Erhaltung der jüdischen Nation bei ihrer großen Zerstreuung die Göttlichkeit der Lehre Jesu ausnehmend bestätiget, so muß einem jeden, der solches erkennet, bei einer mitleidigen Erwägung dieser Gerichte GOttes jene Warnung des Apostels stets wichtig bleiben: Sei nicht stolz, sondern fürchte dich. Hat GOtt der natürlichen 3weige nicht verschonet, daß er vielleicht auch dein nicht verschone. Darum schaue dir die Güte und den Ernst GOttes; den Ernst an denen, die gefallen sind, die Güte aber an dir, sofern du an der Güte bleibest, sonst wirst du auch abgehauen werden. 282 ARSAGSAG Bin In brs thamanals Caber Inches 1 Centimetres Blue 2 3 2 Cyan 5 6 Farbkarte# 13 Green 17 CASAGASAGA 3 8 Yellow 19 4 10 Red 11 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8