தந் usag walunoutoa உறை உ இ af febe Go 30-29 b 3029 Vorwort. Das ,, Gesangbuch zum gottesdienstlichen Gebrauch für die Stadt und das Herzogthum Magdeburg," welches ſeit dem Jahre 1805 in den hiesigen Kirchen eingeführt ist und im Laufe der Zeit noch in einigen 60 auswärtigen Gemeinden Aufnahme gefunden hat, leidet nach dem Urtheil aller Sachverständigen, welcher religiösen Richtung sie auch angehören mögen, in poetischer und hymnologischer Beziehung an den erheblichsten Mängeln. Das Königliche Consistorium, schon lange bemüht, daffelbe durch ein besseres zu erseßen, veranlaßte im Jahre 1867 die hiesige Kreis- Synode, diese die heiligsten Interessen der Gemeinde berührende Angelegenheit in die Hand zu nehmen. Die Synode ernannte in der Sigung vom 2. October desselben Jahres eine Commission, bestehend aus den Herren Paftor Hildebrandt, Pastor Haupt, Pastor Meyer, Ober- und Geheimer Regierungsrath Olberg, Prediger Otto, Ober- Prediger Paäsche, Dausikdirector Ritter, Geheimer Regierungsrath Dr. Schulz und Prediger Walter, mit dem Auftrage, eine Sammlung von 600 Liedern herzustellen, welche geeignet fei, in den Gemeinden des Synodal- Kreises dem fühlbaren und anerkannten Mangel eines guten Gesang gb 3029 buches abzuhelfen. Die Commission hat unter dem Vorsitze des Pastor Hildebrandt diesen Auftrag in dreijähriger mühevoller Arbeit mit vieler Liebe, regem Eifer und großem Geschick erledigt und sich dadurch den gerechtesten Anspruch auf unsere Anerkennung und unsern Dank erworben. IV Sie hat zunächst den Schwerpunkt ihrer Thätigkeit in die Auswahl der Lieder gelegt und sich bemüht, den Gemeinden das Beste, Erbaulichste und Gediegenste aus dem seit den Tagen der Reformation angesammelten reichen Schaße der vaterländischen Hymnologie zu bieten. Sie ist aber dabei nicht stehen geblieben, sondern hat, von der Ansicht ausgehend, daß die Gemeinde der Gegenwart nicht anders als in der Sprache der Gegenwart singen kann, sich zugleich der schwierigeren Aufgabe unterzogen, viele alte Lieder theils an einzelnen Stellen zu verändern, theils gründlich umzuarbeiten, um Alles dasjenige aus ihnen zu entfernen, was der fingenden Gemeinde entweder unverständlich oder anstößig oder störend werden könnte, wobei es ihr indessen strengste Regel gewesen ist, den Inhalt der Lieder zu erhalten und keinen einzigen Gedanken des Dichters verloren gehen zu lassen. Ihr Streben ist auch darauf gerichtet gewesen, dem bisher so sehr vernachlässigten Melodienreichthum unseres Kirchengesanges so viel als möglich zu seinem Rechte zu verhelfen. Die Eintheilung und Gliederung des Inhaltes ist eine völlig neue, von der traditionellen Rubricirung abweichende. Der weiteste und allgemeinste und doch zugleich bestimmteſte und faßlichste Begriff innerhalb des christlichen Lebens, der Univ.- Bibl. Giessen V des Himmelreichs, ist an die Spitze gestellt und wird nach seinen verschiedenen wesentlichen Beziehungen und Momenten auseinandergelegt, wie dies in dem Eingangsliede, welches in seinen fünf Versen die fünf Hauptabschnitte des Buches begreift und unterscheidet, dem frommen Gefühle näher gebracht ist. Das also vollendete Werk ist im Jahre 1870 als Ent wurf gedruckt und dadurch zur Kenntniß der hiesigen Gemeinden gebracht. Sie sowohl als die sämmtlichen hiesigen Geistlichen und der Magistrat der Stadt Magdeburg haben es beifällig aufgenommen und die Kirchen- Collegien der sechs städtischen Pfarrkirchen, die Gemeindekirchenräthe der Sudenburg, der Friedrichsstadt und Neustadt, sowie die Presbyterien der drei reformirten Gemeinden haben sich für die Einführung ausgesprochen. Einzelne Winke von Seiten der durchaus wohlwollenden und anerkennenden Kritik, sowie mündliche Verhandlungen mit dem Königlichen Consistorium veranlaßten die Commission, die von ihr getroffenen Varianten einer nochmaligen Prüfung und Ueberarbeitung zu unterwerfen und einzelne Aenderungen in der Wahl der Lieder zu treffen. Unter dem 22. Januar 1873 erhielten wir vom Königlichen Consistorium die Nachricht, daß der Evangelische OberKirchenrath dem also festgestellten Gesangbuchsentwurf die kirchliche Genehmigung ertheilt habe und der Einführung desselben Nichts mehr im Wege stehe. VI So übergeben wir denn dieses Buch zunächst den evangelischen Gemeinden unserer Stadt in der Ueberzeugung, daß es von Anfang bis zu Ende nur gute und erbauliche Lieder enthält, in der Hoffnung, daß es der Andacht aller Stände und Bildungsstufen der Christengemeinde gleiche Befriedigung gewähren werde, und mit dem aufrichtigen Wunsche, daß es zur Förderung eines lebendigen evangelischen Sinnes und Geistes beitragen möge. Am Sonntage Judica des Jahres 1805 ist das alte Magdeburger Gesangbuch zuerst in Gebrauch genommen. Am Sonntage Judica dieses Jahres, am 22. März, dem Geburtstage unsers geliebten und verehrten Kaisers, wird in den Kirchen Magdeburgs zuerst aus diesem neuen Gesangbuche gesungen werden. Sein Erscheinen fällt zusammen mit der Einführung der durch den Allerhöchsten Erlaß vom 10. September v. J. verkündigten Kirchengemeinde und Synodal- Ordnung. Möge es reichen Segen bringen! Das walte Gott! Magdeburg, den 8. Februar 1874. Der Vorstand der Magdeburger Kreis- Synode. Lieſe, D. Erler, Superintendent. Pastor. Bötticher, Bürgermeister. Inhalts- Verzeichniß. Das Himmelreich. I. Des Himmelreichs ewiger Ursprung in Gott. Nummer. 1. Gott Vater, Sohn und Geist 1- 9. 2. Gottes Wesen, Walten und Wirken 10- 36. II. Des Himmelreichs zeitliche Gründung im Erlösungswerk. 1. Die Person des Erlösers.. 2. Die Thatsachen des Erlösungswerkes: A. Ankunft Christi B. Geburt Chriſti. C. Erscheinung Christi D. Leiden Chriſti E. Tod Christi. 37- 46. 47- 56. 57- 74. 75- 82. 83-100. 100 122. - F. Auferstehung Christi 123-142. G. Himmelfahrt Christi 143-152. H. Ausgießung des heiligen Geistes.. 153-166. VIII Nummer. III. Des Himmelreichs geordnete Pflege in der Kirche. 1. Das Wesen und der Zustand der Kirche 167-179. 2. Der Beruf der Kirche zur Ausbrei. 180-189. tung des Evangeliums 3. Die Gnadenmittel der Kirche: A. Feiertag. B. Kirchenjahr. C. Gotteshaus.. D. Gottesdienst E. Kirchliches Lehramt F. Wort Gottes. G. Sacrament; a. Taufe. b. Confirmation c. Abendmahl 1. Jm Allgemeinen. IV. Des Himmelreichs persönliche Aneignung im Christenleben. A. Die christliche Heilsordnung: a. Buße. b. Glaube . 190-196. 197-198. . 199-202. . 203-210. 211-212. . 213-222. c. Heiligung B. Das Leben der Wiedergeborenen: 223-228. 229-234. 235-252. : 253-278. . 279-294. . 295-334. a. Seelenfriede und Freudigkeit b. Gemeinschaft mit Gott und Christo in der Liebe. 335-339. 340-368. Nummer e. Ehrfurcht und Demuth vor Gott 369-373. d. Ergebung, Geduld, Vertrauen und Hoffnung zu Gott. e. Verkehr mit Gott im Gebet f. Lob und Dank zu Gott. g. Menschenliebe 2. Jm Besonderen. A. Besondere Stände: a. Jugend b. Alter c. Beruf. d. Hausstand e. Vaterland B. Besondere Zeiten: a. Morgen b. Abend.. e. Jahreszeiten f. Geburtstag C. Besondere Veranlassungen: a. Tisch. b. Ernte IX 460-475. 476-485. c. Anfang und Schluß der Woche 486-487. d. Jahreswechsel 488-499. 500-503. 504. c. Wetter d. Reise und Abschied e. Krankheit und Gesundheit f. Krieg und Friede. g. Sonderliche Anfechtungen, Trübsale und Nothstände ● 374-410. 411-420.. 421-434. 435 436.. 447. 448. 449 450.. 451-456. 457-459. . 505-508. . 509-514. 515-516. 517-528. 519-522. 523-526. 527-552. X V. Des Himmelreichs letzte Vollendung in der Zukunft. 1. Das Ende des Erdenlebens: A. Eitelkeit und Vergänglichkeit des Jrdischen B. Vorbereitung zum Sterben. C. Tod. D. Grab. E. Andenken an die Verstorbenen Nummer. 2. Die Zukunft nach dem Tode: A. Auferstehung B. Weltgericht. C. Ewigkeit. 533-535. 536-549. 550-565. 566-569. . 570-574. 575-579. 580-586. . 587-600. Die Bezeichnung der Melodien ist nach dem Göroldt- Ritter'schen Choralbuche, soweit es ausreichte, gewählt. Das Himmelreich. Nun kommt mit Freuden 2. Da stieg zum Trost der Alle, und bringt einmüthig Armen von seinem ew'gen Preis und Ruhm; ein Lobgesang erschalle dem Herrn in seinem Heiligthum. Erhebt, ihr Festgenossen, die Gnade allzugleich, die uns hat aufgeschlossen die Thür zum Himmelreich. In Gottes Rath und Willen bestand's von Ewigkeit, bis, Alles zu er füllen, erfüllet ward die Zeit. Himmelsthron voll Gnade und Erbarmen des Vaters eingeborner Sohn. Um unser Heil zu gründen, erlitt er unsre Noth; er starb für unsre Sünden und überwand den Tod. Zum Vater aufgehoben, bleibt er im Geist uns nah; drum singen wir und loben: das Himmelreich ist dal 1 2 3. Nun zieht die frohe Kunde durch alle Welt von Ort zu Ort; aus treuer Zeugen Munde erschallt des Heilands Lebenswort. Er selber pflegt die Seinen und giebt, sich wunder bar mit ihnen zu vereinen, im Sacrament sich dar. Er sammelt die Gemeinde und mehrt sein Reich und siegt, bis alle Macht der Feinde zu seinen Füßen liegt. 4. So eilt, ihm anzuhangen, und nehmt an seiner Gnade Theil; mit herzlichem Verlangen ergreift das euch verheißne Heil. Legt an des Lichtes Waffen, des Glaubens sichern Schild, daß Christus möge schaffen in euch sein eignes Bild. Denn ihrem Herrn ergeben, in Sinn und Wandel rein, so müssen hier im Leben des Reiches Kinder sein. 5. Und ob dies Leben schwindet, ob Erd' und Himmel untergehn, was Christus hat gegründet, das bleibet unvergänglich stehn. Nun kann uns nicht mehr schrecken des Todes finstre Nacht; der Herr wird uns erwecken durch seine Gottesmacht. Die treulich bis zum Sterben ihm bleiben unterthan, zu seines Reiches Erben nimmt er sie droben an. I. Des Himmelreichs ewiger Ursprung. in Gott. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. 1. Gott Vater, Sohn und Geist. Eigene Melodie. 1. Ach, Schöpfer, steh mir bei, sei meines Lebens Licht. Dein Auge leite mich, bis einst mein Auge bricht. Hier leg' ich Herz und Glieder vor dir zum Opfer nieder, und was ich bin und habe, das weih' ich dir zur Gabe. Du willst ja, Herr, daß dein ich sei; drum, Schöpfer, steh mir bei! Matth. 6, 13. 2. Ach, Heiland, reinige mich durch dein theures Blut, das alle Flecken tilgt und Gnadenwunder thut. Schließ mich verirrten Armen ganz ein in dein Erbarmen, daß ich, erlöst von Sünde, die wahre Freiheit finde. Ich bint voll Aussaß ohne dich; mein Heiland, rein'ge mich! 3. Ach, Tröster, gieb mir Kraft, wenn sich Versuchung zeigt; regiere meinen Geist, wenn er zur Welt sich neigt. Lehr Christum mich erkennen und meinen Herrn ihn nennen, sein Gnadenwort verstehen, auf seinen Wegen gehen. Du bist's, der alles Gute schafft; ach, Tröster, gieb mir Kraft! 3. J. Rambach, † 1735. Univ.- Bibl. Giessen 4 I. Gott. Eigene Melodie. 2. Allein Gott in der Höh' sei Ehr' und Dank für seine Gnade, darum, daß nun und nimmermehr uns rühren kann ein Schade. Ein Wohlgefall'n Gott an uns hat; nun ist groß' Fried' ohn' Unterlaß, all' Fehd' hat nun ein Ende. 2. Wir loben, preis'n, anbeten dich für deine Ehr', wir danken, daß du, Gott Vater, ewiglich regierst ohn' alles Wanken; ganz unermess'n ist deine Macht, fort g'schieht, was dein Will' hat bedacht, wohl uns des lieben Herren. 3. O Jesu Christ, Sohn eingebor'n deines himmlischen Vaters, Versöhner der'r, die war'n verlor'n, du Stiller unfres Haders; Lamm Gottes, heil'ger Herr und Gott, nimm an die Bitte unsrer Noth, erbarm dich unser Aller! 4. O heil'ger Geist, Du höchstes Gut du all'rheilsamster Tröster, vor Teufels G'walt fortan behüt, die Jesus Christ erlöset durch große Marter, bit tern Tod. Abwend all' unsern Jamm'r und Noth; darauf wir uns verlassen. n. Decius,+ 1529. Me Herr Gott, dich loben Alle wir. 3. Brunn alles Heils, dich ehren wir und öffnen unsern Mund vor dir; es komm' aus deinem Heiligthum auf uns dein Segen, dir zum Ruhm. 2. Der Herr, der Schöpfer, bei uns bleib', er segne uns an Seel' und Leib und schütze uns durch seine Macht vor allem Uebel Tag und Nacht. 3. Der Herr, der Heiland, unser Licht, lass' leuchten uns sein Angesicht, daß wir ihn schaun und glauben frei, daß er uns ewig gnädig ſei. 4. Der Herr, der Tröster, ob uns schweb', sein Antlig über uns erheb', daß er in uns sein Bild verklär' und wahren Frieden uns gewähr'. 5. D Herr, Gott Vater, Sohn und Geist, du Segensbrunn, der ewig fleußt, durchströme Herz und Wandel wohl und mach uns deines Lebens voll. G. Tersteegen,+ 1769. Mel. Nun danket Alle Gott. 4. Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Licht, mein Leben, mein Schöpfer, dessen Hand mir Seel' und Leib Gott Vater, Sohn und Geist. 5 gegeben, mein Vater, der mich verderben; mach uns von der schützt vom Mutterleibe an, der jeden Augenblick viel Gut's an mir gethan. Sünde frei und hilf uns selig sterben; vor dem Feinde uns bewahr, auf dich nur laß uns schauen, von Herzensgrunde bauen und dir allein vertrauen, fest im Glauben immerdar; laß uns als rechte Christen entfliehn des Fleisches Lüsten, mit deiner Wehr uns rüsten in Versuchung und Gefahr. Amen, o Herr, das werde wahr. 2. Jesu Christ, du treuer Hort, verleih uns deinen Segen; du, des Vaters ew'ges Wort, führ uns auf rechten Wegen; dir, o Herr, ist alle Macht im Himmelreich gegeben, zum Licht und wahren Leben in Gott uns zu erheben; auf unser ew'ges Heil bedacht kamst du, uns zu erwerben durch Leiden und durch Sterben, damit wir Himmelserben werden nach der Todesnacht. Amen, drum sei dir Preis gebracht. 3. Heil'ger Geist, der du im Thron der Herrlichkeit regierest und zum Vater durch den Sohn der Menschen Seelen führeft. 2. Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Heil, mein Leben, des Vaters liebster Sohn, der sich für mich gegeben, der mich erlöset hat mit seinem theuren Blut, der mir im Glauben schenkt das allerhöchste Gut. 3. Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Trost, mein Leben, des Vaters werther Geist, den mir der Sohn gegeben, der mir das Herz erquickt, der mir giebt neue Kraft, der mir in aller Noth Nath, Trost und Hülfe schafft. 4. Gelobet sei der Herr, mein Gott, der ewig lebet, den Alles rühmt und lobt, was durch ihn lebt und webet; gelobet sei der Herr, deß Name Heilig heißt, Gott Vater, Gott der Sohn, und Gott der heil'ge Geist. 3. Olearius, † 1684. Me L. Gott der Vater, wohn uns bei. 5. Gott und Bater, wohn uns bei und laß uns nicht 6 hilf doch, daß des Glaubens Trieb in uns sich stets vermehre; gieb Kraft dem Wort der Lehre, daß sich zu Gott bekehre das Volk, das noch in Sünden blieb. Lehr Christum uns erkennen und Herr ihn gläubig nennen; für ihn laß uns entbrennen je mehr und mehr in frommer Lieb'. Amen, du Tröster, solches gieb. Altkirchl., verb. d. M. Luther,+ 1546. I. Gott. Mel. Wie schön leuchtet der 2c. 6. Halleluja! Lob, Preis und Ehr' sei unserm Gott je mehr und mehr für alle seine Werke. Von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt er und herrschet weit und breit mit Weisheit, Güt' und Stärke. Singet, bringet frohe Lieder, fallet nieder, Preis und Ehre bringt dem Herrn der Himmelsheere. 2. Halleluja! Preis, Ehr' und macht sei auch dem Gottessohn gebracht, der ew'. ges Heil erfunden, der uns mit seinem Blut erkauft, in dessen Tod wir sind getauft und ewig ihm verbunden. Hei lig, selig ist die Freundschaft und Gemeinschaft, die wir haben und darin wir uns erlaben. 3. Halleluja! Gott heil'ger Geist, sei ewiglich von uns gepreist, durch den wir neu geboren, der uns mit Glauben hat geziert und uns dem Sohne zugeführt, zur Seligkeit erkoren. Schauet, schauet, da iſt Freude, da ist Weide, himmlisch Manna und ein ewig Hosianna. 4. Halleluja! Lob, Preis und Ehr' sei unserm Gott je mehr und mehr und seinem großen Namen. Stimmt an mit aller Engelschaar und finget. nun und immerdar mit Freu den Amen, Amen! Singet, bringet Jubellieder, fallet nieder, Preis und Ehre sei dem Herrn der Himmelsheere. B. Crasselius,+ 1724. Mel. Herr Gott, dich loben Alle toir. 7. Nimm an den schwachen Preis und Ruhm von deinem Volk und Eigenthum; hör unserm Lied in Gnaden zu, du treuer Gott und Vater du! 2. Als Schöpfer sollst du sein gepreist, so lang sich reget unser Geist; du giebst das Gott Vater, Sohn und Geist. 7 Leben, nährst uns treu, und dir ein Loblied sein. Doch deine Güt' ist täglich neu. 3. Herr Jesu, Heiland aller Welt, sei hochgelobt, du starker Held; was du am Kreuz für uns gethan, ist mehr, als man dir danken kann. 4. Dein Ruhm soll auch unendlich sein, o Geist, der bei uns kehret ein, wie deine Treu' und Gütigkeit, die jeden Morgen sich erneut. 5. Nimm an das Lob in dieser Zeit, o heiligste Drei faltigkeit, verschmähe nicht das arme Lied; in dir allein ist Heil und Fried'. 6. Einst kommt die Zeit, einst kommt der Tag, da man, befreit von aller Plag', dir tausend Halleluja bringt und Heilig, Heilig, Heilig fingt. V. E. Löscher, † 1749. Mel. Komm, Heiliger Geist 2c. 8. Preis, Ehr und Andacht opfern wir, Gott, unser Gott, Jehovah dir; laut soll durch uns dein Ruhm erschallen. D, laß dein Lob dir wohl gefallen! Dir soll die Seele Psalmen weihn, das Herz soll keines Engels Psalm beschriebe, was du uns bist, du Gott der Liebe. Halleluja! Halleluja! 2. Dich, Gott und Vater, preisen wir; du schufest, du erhältst uns dir, schirmst uns mit milden Vaterarmen, schonst uns voll Liebe und Erbarmen, labst uns in dieser Pilgerzeit, rufft uns empor zur Ewigkeit, geleitest uns auf allen Wegen in Fried' und Leid mit Vatersegen. Halleluja! Halleluja! 3. Preis, Chr' und Dank dir, Gottes Sohn! Du kamst aus deinem Himmelsthron, für uns ein ewig Heil zu gründen, uns zu befrein vom Fluch der Sürden. Dein Tod verschlang den ew'gen Tod, dein Sieg reißt uns aus aller Noth, dein Stab ist deines Volkes Freude, dein Wort ihm Kraft und Himmelsweide. Halleluja! Halleluja! 4. Preis, Ehr' und Dank dir, Heil'ger Geist! Du kamst; nun sind wir nie verwaist. Pfand Gottes, wahres Seelenleben, o, was ist uns in dir 8 I. Gott. gegeben! Sei, milder Tröster, nie uns fern; durchdring uns mit der Kraft des Herrn. Hilf uns in allen Erdenkreisen getreu bis in den Tod ihn preisen. Halleluja! Halleluja! 5. Gieb, Herr, den unser Loblied preist, Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist, daß jedes Volk und Land der Erde voll deines Ruhms und Friedens werde. O selig, drei mal selig ist das Volk, deß Hirt und Gott du bist. Jehovah, deinem großen Namen sei Preis und Dank auf ewig! Amen. Halleluja! Halleluja! C. B. Garve, † 1841. Eigene Melodie. 9. Wir glauben All' an einen Gott, Schöpfer Himmels und der Erden, der sich zum Vater g'geben hat, daß wir seine Kinder werden; er will uns allzeit ernähren, Leib und Seele wohl bewahren; allem Unfall will er wehren, kein Leid soll uns widerfahren; er sorgt für uns, hütet und wacht, es steht Alles in seiner Macht. 2. Wir glauben auch an Jesum Christ, seinen Sohn und unsern Herren, der ewig bei dem Vater ist, gleicher Gott von Macht und Ehren; von Maria, der Jungfrauen, ist ein wahrer Mensch geboren durch den heil'gen Geist im Glauben für uns, die wir war'n verloren, am Kreuz ge storben und vom Tod wieder auferstanden durch Gott. 3. Wir glauben an den heil'gen Geist, der mit Beiden gleich regieret, der aller Blöden Tröster heißt und uns schön mit Gaben zieret; die ganz' Christenheit auf Erden hält in einem Sinn gar eben; hier all' Sünd'n vergeben werden; das Fleisch soll auch wieder leben; nach diesem Elend ist bereit uns ein Leben in Ewigfeit. Amen. M. Luther,+ 1546. Gottes Wesen, Walten und Wirken. 2. Gottes Wesen, Walten und Wirken. Lichtes Höhen, von welchen du mit Huld auf deine Schöpfung blickft, und Alles, was da lebt, behütest und beglückst. Mel. O Gott, du frommer 2c.( B. C.) 10. Anbetungswürdiger, mit Andacht stets zu nennen, du bist unendlich mehr, als wir begreifen können. O flöße meinem Geist die tieffte De muth ein und laß mein Herz vor dir voll heil'ger Ehrfurcht sein. 2. Du riefst dem, das nicht war, um tausend Seligkeiten durch aller Wesen Reih'n rings um dich zu verbreiten; du bist die Liebe selbst, Verstand und Rath sind dein, und deiner Weisheit Ziel ist Segnen und Erfreun. 3. Du sprichst, und es geschieht; auf dein allmächtig: Werde! entstand dein großes Werk, der Himmel und die Erde. Mit deinem kräft'gen Wort trägst du die ganze Welt, und deine Macht vollführt, was uns unmöglich fällt. 4. Wer hat, Unendlicher, wer hat dich je gesehen? Kein endlich Auge reicht bis zu des 5. Du bist es, der allein Unsterblichkeit besißet, der Leben giebt und nimmt, der unsern Odem schüßet. Was ist, was lebt und webt, das lebt und webt in dir; willst du, so wird es Nichts, doch du bleibst für und für. 6. Hier kennen wir dich, Herr, nur schwach und unvollkommen; dort aber wird durch dich der Vorhang weggenommen, der deine Herrlichkeit jetzt unserm Aug' entzieht; hell sieht dann unser Blick, was er hier dunkel sieht. 7. Doch sei auch hier von uns dein hoher Ruhm gesungen. Verschmähe nicht das Lob von schwachen Menschenzungen. Dort soll, wenn wir verklärt in hellerm Licht dich sehn, ein Lied im höhern Chor dich, Ewiger, erhöhn. 3. 3. Nambach, † 1735. 10 I. Gott. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. 11. Der Herr ist Gott, und keiner mehr; frohlockt ihm, alle Frommen! Wer ist ihm gleich? wer ist wie er? so herrlich, so vollkommen? Der Herr ist groß, sein Nam' ist groß, er ist unendlich, grenzenlos in seinem ganzen Wesen. 2. Ihn trifft kein Wechsel flücht'ger Zeit; nie größer oder kleiner wird seines Wesens Herrlichkeit; ewig ist er, sonst Keiner. Wir Menschen sind von gestern her; eh' noch der Himmel war, war er, der Schöpfer aller Dinge. 3. Um seinen Thron her strömt ein Licht, das ihn vor uns verhüllet; ihn fassen alle Himmel nicht, wie weit er sie erfüllet. Er bleibet ewig, wie er war, verborgen und auch offenbar in seinen Wunderwerken. 4. Was wären wir, wenn seine Kraft uns nicht gebildet hätte? Er kennet uns und, was er schafft, der Wesen ganze Kette. Bei ihm ist Weisheit und Verstand, bei ihm ist Kraft, und seine Hand um spannet Erd' und Himmel. 5. Ist er auch jemals von uns fern? Weiß er nicht alle Wege? Wo ist die Nacht, da sich dem Herrn ein Mensch verbergen möge? Die Finsterniß ist vor ihm Licht; Gedanken selbst entfliehn ihm nicht, er kennt sie schon von ferne. 6. Wer schützt den Weltbau ohne dich, o Herr, vor seinent Falle? Allgegenwärtig breitet sich dein Fittig über Alle. Du bist voll Freundlichkeit und Huld, barmherzig, gnädig, voll Geduld, ein Vater, ein Verschoner. 7. Unsträflich bist du, heilig, gut und reiner als die Sonne; wohl dem, der deinen Willen thut, du lohneft ihm mit Wonne. Unsterblichkeit hast du allein, bist selig, wirst es ewig sein und haft der Freuden Fülle. 8. Dir nur gebühret Lob und Dank, dir Ruhm und Preis und Ehre. Kommt, werdet Gottes Lobgesang, ihr alle seine Heere! Der Herr ist Gott und keiner mehr, Gottes Wesen, Walten und Wirken. 11 wer ist ihm gleich? wer ist wie Werken kennst du mich. Ich er, so herrlich, so vollkommen? 3. A. Cramer, † 1788. Eigene Melodie. bin's und werde sein, der ich sein werde, dein Gott und Vater ewiglich. 12. Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre, ihr Schall pflanzt seinen Namen fort. Ihn rühmt der Erdkreis, ihn preisen die Meere; vernimm, o Mensch, ihr göttlich Wort. 2. Wer trägt der Himmel unzählbare Sterne? Wer führt die Sonn' aus ihrem Zelt? Sie kommt und leuchtet und lacht uns von ferne. und läuft den Weg, gleich als ein Held. 3. Vernimm's und siehe die Wunder der Werke, die die Natur dir aufgestellt. Verkündigt Weisheit und Ordnung und Stärke dir nicht den Herrn, den Herrn der Welt? 4. Kannst du der Wesen unzählbare Heere, den kleinsten Staub fühllos beschaun? Durch wen ist Alles? O gieb ihm die Ehre! Mir, ruft der Herr, sollst du vertraun. 5. Mein ist die Kraft, mein Himmel und Erde, an meinen 6. Ich bin dein Schöpfer, bin Wahrheit und Güte, ein Gott der Ordnung und dein Heil; ich bin's, mich liebe von ganzem Gemüthe und nimm an meiner Gnade Theil. C.F. Gellert,+ 1769. Mel. Ach, sagt mir Nichts von 2c. 13. Du, Vater deiner Men schenkinder, der du die Liebe selber bist; du, dessen Herz auch gegen Sünder voll Langmuth und Erbarmen ist, laß mich von ganzem Herzen dein, laß mich's von allen Kräften sein. 2. Gieb, daß ich als deine Kind dich liebe, da du mein Gott und Vater bist, und so gefinnt zu sein mich übe, wie's dir gefällt, mir heilsam ist. Was dir gefällt, gefall' auch mir, Nichts scheide mich, mein Gott, von dir. 3. Ertödte, Herr, durch deine Liebe in mir die Liebe dieser Welt und gieb, daß ich Verleugnung übe, wenn 12 I. Gott. eitles Wesen mir gefällt. Wie follt' ich je die Creatur dir vorziehn, Schöpfer der Natur? 4. Der liebt dich nicht, der noch mit Freuden das thut, was dir, o Gott, mißfällt; drum laß es mich mit Ernst vermeiden, gefiel' es auch der ganzen Welt. Die kleinste Sünde selbst zu scheun, laß, Vater, mich stets wachsam sein. 5. Gieb, daß ich Alles willig Teide, was mir dein weiser Rath beſtimmt; du führst durch Trübfal den zur Freude, der Christi Kreuz gern auf sich nimmt; wer's willig trägt und weißlich nüßt, wird mächtig von dir unterstützt. 6. In deiner Liebe laß mich sterben, dann ist selbst Sterben mein Gewinn, dann werd' ich deinen Himmel erben, wo ich dir, Vater, nahe bin; dann liebt dich meine Seele rein, und liebend wird sie selig sein. B. Schmold,+ 1737. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 14. Gerechter Gott, vor dein Gericht muß alle Welt sich stellen; du wirst in ihrem Angesicht auch mir mein Urtheil fällen. O laß mich dein Gericht stets scheun, und hier mit Ernst beflissen sein, vor dir einst zu bestehen. 2. Du siehst von deinem festen Thron auf alle Menschenfinder, bestimmest Jedem seinen Lohn, dem Frommen und dem Sünder. Du siehest die Person nicht an, allein auf das, was wir gethan, schaust du, als rechter Richter. 3. Du giebst hier aus Barmherzigkeit des Guten viel den Frommen; du schütest sie vor manchem Leid, darein die Sünder kommen. So zeigest du vor aller Welt, daß dir der Eifer wohlgefällt, der deine Wege wandelt. 4. Ja, Herr, du liebst, was recht und gut, und bist ein Freund der Frommen. Wer freudig deinen Willen thut, wird von dir angenommen; sein Werk und Dienst gefällt dir wohl, ist er auch gleich nicht, wie er soll, von Fehlern rein geblieben. 5. Dem aber, welcher dich nicht scheut, dem frevelnden Gottes Wesen, Walten und Wirken. 13 Verbrecher, der dein Gesetz Zebaoth, nur die allein beund Recht entweiht, bist du stehen, die gläubig auf des ein strenger Rächer; ihn Mittlers Tod bei ihrer Neue strafend zeigst du aller Welt, sehen, so laß mich die Gerechdaß nimmermehr dir wohl- tigkeit, die mich von Straf gefällt des Sünders gottlos und Schuld befreit, bei ihm Wesen. im Glauben suchen. I. I. Rambach, † 1735. 6. Der Untergang der ersten Welt, die aus der Art geschlagen, das Feuer, das auf Sodom fällt, Aegyptens lange Plagen und andre Wunder deiner Macht bezeugen: wenn dein Zorn erwacht, so kannst du schrecklich richten. 7. Bleibt hier viel Böses ungestraft, viel Gutes unbe lohnet, so kommt ein Tag der Rechenschaft, der keines Sünders schonet; da stellst du, Herr, in's helle Licht, wie recht und billig dein Gericht. Dann triumphirt der Fromme. 8. Gerechter Gott, laß mich wie du, das Gute eifrig lieben; gieb selber mir die Kraft dazu. Wirk' inniges Betrüben, wenn Arges noch in mir sich regt; dein Herz, das lauter Gutes hegt, sei meines Herzens Wonne. 9. Und weil vor dir, Herr Mel. An Wasserflüssen Babylon. 15. Getreuer Gott, wie viel Geduld beweisest du uns Armen! Wir häufen täglich unſre Schuld; du häufest dein Erbarmen. Was ist des Menschen Lebenslauf? Er ist verderbt von Jugend auf und deinen Wink entgegen; und gleichwohl, Vater, suchst du ihn langmüthig davon abzuziehn, zur Bess'rung zu bewegen. 2. Der Menschen Elend jammert dich; wenn sie sich selbst verstocken, so suchst du sie doch väterlich durch Huld zu dir zu locken. Wie lange sahst und riefest du vor Zeiten deinem Volke zu, das sich doch nicht bekehrte; wie trugest du mit Gütigkeit die erste Welt so lange Zeit, eh' sie die Fluth verheerte. 3. Noch immer giebst du 14 I. Gott. Sündern Raum, der Strafe zu entgehen. Du läßt den unfruchtbaren Baum nicht ohne Pflege stehen; du schoneft sein von Zeit zu Zeit, verziehest, voll Barmherzigkeit, ihn gänzlich abzuhauen; du wartest sein mit großer Treu', und hörst, damit er fruchtbar fei, nicht auf, an ihm zu bauen. 4. Langmüthigster, so große Huld bezeigest du den Sündern. Ach, Herr, nicht weniger Geduld haft dumit deinen Kindern. Sie werden ja, weil Fleisch und Welt hier ihnen häufig Neße stellt, oft sicher, matt und träge; sie straucheln, sie verirren sich, sie fallen oft, verlassen dich und deine heil'gen Wege. 5. Du warnst und rufest in Gefahr, so oft sie irre gehen, reichst ihnen deine Hände dar, von Sünden aufzustehen; du trägest sie mit Vaterhuld, bist willig, ihre Sündenschuld durch Christum zu vergeben; giebst ihnen neue Lebenskraft und nach voll brachter Pilgerschaft ein ewig Freudenleben. 6. Laß diese Langmuth und Geduld, Gott, unsre Herzen rühren. Nie müsse deine Vaterhuld zur Sicherheit uns führen. Trag uns erbarmend fernerhin, doch gieb uns auch dabei den Sinn, daß wir die Sünde hassen und uns noch in der Gnadenzeit durch deine große Gütigkeit zur Buße leiten lassen. 3. 6. Simmermann,+ 1783. Mel. Lasset uns den Herren preisen. 16. Gott, durch dessen Wort entsproffen Himmel, Erde sammt dem Meer, dessen Allmacht ausgeflossen in der Creaturen Heer; Engel machst du gleich den Winden und zu Flammen deine Knecht', daß dir diene ihr Geschlecht, überall dich zu verkünden. Gott, dich lob' ich in der Zeit und dort in der Ewigkeit. 2. Herrlich ist, o Herr, dein Wesen, Licht und Sonne ist dein Kleid, der du vor der Welt gewesen, unverändert, ohne Zeit; der den Himmel du gezieret mit den Sternen ohne Zahl, sie mit Schönheit allzumal majestätisch aufge Gottes Wesen, Wirken und Walten. 15 führet! Gott, dich lob' ich in die kein Aug' erblicket hat, der Zeit und dort in der Ewigkeit. da werd' ich mit Freud' und Lachen dich erhöhn nach dieser Zeit in der sel'gen Ewigkeit. 3. Job,+ 1736. 3. Wenn du sendest deinen Regen, der erquickt das dürre Land, schüttest du den reichen Segen aus der treuen Vaterhand, daß das Gras in Fülle stehe und das Thier sein Futter hab', daß der Wein den Menschen lab', und Brot aus der Erde gehe. Gott, dich lob' ich in der Zeit und dort in der Ewigkeit. 4. Alles wird durch dich erhalten, streckst du deine Hand uns her; läßt du deine Güte walten, wächst der Vorrath mehr und mehr; wenn du deine Hand abziehest, so er stirbt und wird zu Staub alle Welt wie Gras und Laub, weil du sie im Zorn ansiehest. Gott, dich lob' ich in der Zeit und dort in der Ewigkeit. 5. Ewig will ich dir lobfingen, Höchster, ewig preis' ich dich; von dir soll mein Mund erklingen, denn du führst mich gnädiglich. Wenn du mir wirst Wohnung machen in der schönen Himmelsstadt, Mel. Herr Gott, dich loben Alle wir. 17. Gott! Erd' und Himmel sammt dem Meer verkünden deine Macht und Ehr'; es zeugt der Berg, es zeugt das Thal, daß du ein Herr bist überall. 2. Die Sonne geht uns täglich auf, es hält der Mond auch seinen Lauf, und alle Sterne find bereit, zu preisen deine Herrlichkeit. 3. Die Thier' und Vögel in der Welt und, was das Meer im Schooße hält, zeigt uns in tausend Wundern an, was deine Kraft und Weisheit kann. 4. Du haft den Himmel weit gestreckt, mit Wolkenheeren überdeckt und seiner Wölbung Majestät mit goldnen Sternen übersä't. 5. Du bist's, der alle Ding' regiert, den Himmel und das Erdreich ziert, so herrlich, daß I. 16 es um und an kein Menschen kind ergründen kann. 6. Wie herrlich ist schon und wie schön, was du geschaffen, anzusehn! Doch wie viel lieblicher bist du, Herr, unser Gott, in deiner Nuh'! 7. Du schließest Erd' und Himmel ein, dein Herrschen muß voll Wunder sein; drum sei gelobt in dieser Zeit und droben in der Ewigkeit! Unbekannt. Gott. Eigene Melodie. 18. Gott ist mein Lied; er ist der Gott der Stärke; hehr ist sein Nam' und groß sind seine Werke, und alle Himmel sein Gebiet. 2. Er will und spricht's, so sind und leben Welten; und er gebeut, so fallen durch sein Schelten die Himmel wieder in ihr Nichts. 3. Licht ist sein Kleid und seine Wahl die beste. Er herrscht als Gott, und seines Thrones Feste ist Wahrheit und Gerechtigkeit. 4. Unendlich reich, ein Meer von Seligkeiten, ohn' Anfang Gott und Gott in ew'gen Zeiten; Herr aller Welt, wer ist dir gleich? 5. Was ist und war in Himmel, Erd' und Meere, das kennet Gott, und seiner Werke Heere sind ewig vor ihm offenbar. 6. Er ist um mich, schafft, daß ich sicher ruhe; er schafft, was ich zuvor und nachmals thue, und er erforschet mich und dich. 7. Er ist mir nah', wohin ich immer gehe; ob ich an's Meer, ob ich gen Himmel flöhe, so ist er allenthalben da. 8. Er kennt mein Flehn und allen Rath der Seele; er weiß, wie oft ich Gutes thu' und fehle, und eilt, mir gnädig beizuſtehn. 9. Er wog mir dar, was er mir geben wollte, schrieb in sein Buch, wie lang ich leben sollte, da ich noch unbereitet war. 1). Nichts, Nichts ist mein, das Gott nicht angehöre. Herr, immerdar soll deines Namens Ehre dein Lob in meinem Munde sein. 11. Wer kann die Pracht all' deiner Wunder fassen? Gottes Wesen, Walten und Wirken. Ein jeder Staub, den du hast sei, wie standhaft die Geduld; werden lassen, verkündigt seines Schöpfers Macht. 12. Der kleinste Halm ist deiner Weisheit Spiegel. Du, Luft und Meer, ihr, Auen, Thal und Hügel, ihr seid sein Loblied und sein Psalm. 13. Du tränkst das Land, führst uns auf grüne Weiden, und Nacht und Tag und Korn und Wein und Freuden empfangen wir aus deiner Hand. 14. Kein Sperling fällt, Herr, ohne deinen Willen; sollt' ich mein Herz nicht mit dem Troste stillen, daß deine Hand mein Leben hält? 17 15. Bist du mein Schuß, willst du mein Retter werden, so frag' ich nichts nach Himmel und nach Erden und biete selbst der Hölle Truß. C.F. Gellert,+ 1769. Mel. O Gott, du frommer Gott( B.) 19. Gott ist und bleibt getreu; sein Herz bricht ihm vom Lieben, ob er gleich manches Mal die Seinen muß betrü ben. Er prüfet durch das Kreuz, wie rein der Glaube Gott ist und bleibt getreu. 2. Gott ist und bleibt ge treu; er hilft ja selber tragen, was er uns aufgelegt, die Last der schweren Plagen.. Er züchtigt oft gar schwer und bleibet doch dabei ein Vater, der uns liebt; Gott ist und bleibt getreu. 3. Gott ist und bleibt ge treu; er weiß, was wir vermögen; er pfleget nie zu viel den Schwachen aufzulegen. Er macht sein Erb' und Volk von Last und Banden frei, wenn große Noth entsteht; Gott ist und bleibt getreu. 4. Gott ist und bleibt ge treu; er tröstet nach dem Weinen; er läßt nach trüber Nacht die Freudensonne schei nen. Der Sturm des Unglücks geht im Augenblick vorbei; sei, Seele, nur getrost! Gott ist und bleibt getreu. 5. Gott ist und bleibt ge treu; er stillet dein Begehren, er will dein Glaubensgold in Trübfalsgluth bewähren. Nimm nur den Leidenskelch und trink ihn ohne Scheu; 2 18 der Lebensbecher folgt. Gott ist und bleibt getreu. 6. Gott ist und bleibt ge treu. Laß alle Wetter krachen, Gott wird der Trübsal noch ein solches Ende machen, daß alles Kreuz und Leid dir ewig nüglich sei. So liebt der Höchste dich. Gott ist und bleibt getreu. Eisen. Gsgb.( J. C Wilhelmi, 1722.) Eigene Melodie. 20. Gott kann's nicht böse meinen. Sein Vaterwort betrüget nicht, darin er mir so fest verspricht, er wolle mich mit seinen Augen leiten. So folg' ich seinem Zug zu allen Zeiten. Ich habe Herz und guten Muth, Gott mcint's mit seiner Führung gut, er läßt mich nicht, wenn's gleich oft so will scheinen; Gott kann's nicht böse meinen. I. Gott. 2. Gott kann's nicht böse meinen. Er hat mich an das Licht gebracht und täglich für mein Heil gewacht; er wird mich ferner bis in's Alter tragen, und, was mir selig ist, mir nicht versagen. Ich steh' in meines Vaters Hut; Gott meint's mit seiner Führung gut, er sorgt für mich bereits von Kindesbeinen; Gott kann's nicht böse meinen. 3. Gott kann's nicht böse meinen. Der Sünden Menge schreckt mich sehr, doch ist die Güte Gottes mehr. Ich rief: Gott sei mir armen Sünder gnädig! Er sprach: Getrost, du bist von Sünden ledig! Mich reinigt Jesu theures Blut. Gott meint's mit seiner Füh rung gut. Er macht gerecht und zählt mich zu den Seinen; Gott kann's nicht böse meinen. 4. Gott kann's nicht böse meinen. Wenn ich mir selbst nicht rathen kann, nimmt Gott sich meiner Sachen an. Getrost befehl' ich ihm all' meine Thaten, er wird's wohl machen und mir treulich rathen. Es gilt mir gleich, wenn's Gott nur thut; Gott meint's mit seiner Führung gut, er lenkt das Herz der Großen und der Kleinen; Gott kann's nicht böse meinen. 5. Gott kann's nicht böse meinen. Was mir nicht gut ist, geht zurück; das größte Gottes Wesen, Walten und Wirken. 19 Unglück ist mein Glück; ich Er spricht mich los, mein weiß, daß denen, die Gott lies ben wollen, zum Besten alle Dinge dienen sollen. So geh' es denn durch Gluth und Jesus wird erscheinen. Gott kann's nicht böse meinen. I. Kleß. Fluth, Gott meint's mit seiner Führung gut. Den Abend lang nur währt das bittre Weinen. Gott kann's nicht böje meinen. 6. Gott kann's nicht böse meinen. Die Welt meint's falsch zur bösen Zeit; und wenn mir's wohl geht, find' ich Neid; doch mag die Welt gleich ganz im Argen liegen, so will ich ihre böse Lust befiegen. Troß bict' ich aller Feinde Wuth. Gott meint's mit seiner Führung gut; meint's Niemand gut; so hab' ich dennoch Einen, der kann's nicht böse meinen. 7. Gott fann's nicht böse meinen. Weil ich im Leben Christi bin, so ist der Tod auch mein Gewinn; ich bin gewiß, daß mein Erlöser lebet, der mich, sein Glied, zu sich, dem Haupt, erhebet; die Seele lebt, der Körper ruht; Gott meint es auch im Tode gut. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 21. Gott, vor dessen Angesichte nur ein reiner Wandel gilt, ew'ges Licht, aus dessen Lichte stets die reinste Klarheit quillt, deines Namens Heiligkeit werde stets von uns gescheut, laß sie uns doch kräftig dringen, nach der Heiligkeit zu ringen. 2. Heilig ist dein ganzes Wesen und kein Böses ist an dir; ewig bist du so gewesen, und so bleibst du für und für. Was dein Wille wählt und thut, ist untadelig und gut, und mit deines Armes Stärke wirkst du stets vollkommne Werke. 3. Heilig sollen deine Kinder, ähnlich deinem Bilde sein; nie besteht vor dir der Sünder, denn du bist vollkommen rein. Du bist nur der Frommen Freund, Uebelthätern biſt du Feind. Wer beharrt in seinen Sünden, kann vor dir nicht Gnade finden. 2* Univ.- Bibl. Giessen 20 I. Gott. 4. O so laß uns nicht verscherzen, was dein Rath uns zugedacht; schaffe in uns reine Herzen, tödt in uns der Sünde Macht. Unsre Schwachheit ist vor dir; wie so leicht doch fallen wir, und wer kann sie allezählen, die Gebrechen unsrer Seelen? 5. Uns von Sünden zu erlösen, gabst du deinen Sohn dahin; o, so reinige vom Bösen durch ihn unsern ganzen Sinn. Gieb uns, wie du selbst verheißt, gieb uns deinen guten Geist, daß er unsern Geist regiere und zu allem Guten führe. 6. Hilf, o Vater, unsern Seelen, glaubensvoll auf dich zu sehn, deinen ew'gen Weg zu wählen und ihn ohne Falsch zu gehn, bis wir mit der sel'gen Schaar der Erlöften immerdar: Heilig, hei lig, heilig singen und die reinsten Opfer bringen. 3. C. Zimmermann, † 1783. Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme. 22. Gott, wer ist dir zu vergleichen? Wer zählt in deinen weiten Reichen die Schaaren, die sich deiner freun? Sonnen über Sonnen geben zahllosen Welten Glanz und Leben; sie alle schufft du, du allein. Wer nennt ihr mächtig Heer? Sind nicht der Welten mehr, als des Sandes? Allgütiger Gott, unser Herr, wie würdig bist du unfers Ruhms! 2. Und in diesem Heiligthume darf, Herr, beſtimmt zu deinem Ruhme, auch ich mich deiner Größe freun; darf auch vor dein Antlig treten, dich, Weltenschöpfer, anzubeten, und deines Namens Herold sein. Wie vieler Himmel Pracht ver kündigt deine Macht! Doch, o Schöpfer, der du sie wölbst, dich fassen selbst die Himmel aller Himmel nicht. 3. Wer bin ich, ich Staub der Erde, daß ich von dir gewürdigt werde, dich anzuſchaun in deiner Pracht? Dieſen milden Glanz des Lichtes, den Schatten deines Angesichtes, für mich auch schuf ihn deine Macht. Auch mir verherrlicht er von tausend Sternen her deine Größe. D, wer bin ich, Gottes Wesen, Walten und Wirken. daß du auch mich mit deinem Lichte überströmst? 21 es frommet uns allein. Dir zum Preis sind wir geboren, von dir zu deinem Volk erforen, berufen, dir uns selbst zu weihn. Zu deinem Ruhme nur ist alle Creatur. Sel'ges Wesen, zu dir wir nahn und beten an; im Geist und Wahrheit sei's gethan. 4. Schwinge dich empor und finge; bis über alle Himmel dringe zu Gott, o Seele, dein Gesang! Seine Huld und Gnade gehen viel höher, als der Sterne Höhen; fleuch höher denn auch du, mein Dank! Barmherzig schauet er auf alle Seelen her, die ihn fürchten; er sorgt für fie, und läßt sie nie umsonst zu ihm nach Hülfe flehn. 5. Hab' ich's nicht von ihm vernommen? Jst nicht zu mir ein Wort gekommen, das ew'ge Gnade mir verspricht? Fallen können Berg und Hügel, doch feft steht seines Bundes Siegel, von uns weicht seine Gnade nicht. So treu von jeher schon liebt er uns in dem Sohn, liebt als Vater. D, betet an; ihr dürft euch nah'n, und danket ihm am Gnadenthron. 3. A. Cramer, † 1788. Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme. 23. Großer Gott, wir fallen nieder; zwar du bedarfst nicht unsrer Lieder, dein Lob, 2. Tag und Nacht mit Ehrfurcht dienen dir Seraphim und Cherubinen, die Engelschaaren ohne Zahl. Hohe Geister, die dich kennen, dich heilig, heilig, heilig nennen, fie fallen nieder allzumal. Ihr Freudenquell bist du; dir jauchzet Alles zu. Amen, Amen! Auch wir sind dein und stimmen ein: du, Gott, bist unser Gott allein! 3. Droben steht vor deinem Throne im Schmuck der Ueberwinderkrone der Erstgebornen sel'ge Schaar, sammt den unzählbaren Frommen, die durch den Sohn zu dir gekommen; sie bringen ihre Psalmen dar, zu Preis und Dank bereit in alle Ewigkeit. Amen, Amen! Auch wir sind dein und stimmen ein: du, Gott, bist unser Gott allein. 22 I. Gott. 4. Alle preisen deine Werke, die Weisheit, Liebe, Huld und Stärke, die über alles Denken geht. Treue, Langmuth, Licht und Segen ist, Herr, in allen deinen Wegen; kein Lob ist, das dich g'nug erhöht; doch ist es eingeprägt in Alles, was sich regt. Amen, Amen! Auch wir sind dein und stimmen ein: du, Gott, bist unser Gott allein. 5. Komm, in uns dich zu verklären, daß wir dich würdiglich verehren; nimm unser Herz zum Heiligthum, daß es ganz von dir erfüllet und durch dein Naheſein gestillet, zerfließ' in deiner Gottheit Ruhm. Dich, unser höchstes Gut, erhebe Geist und Muth. Amen, Amen! Jm Freuden schein, in Leid und Pein bleibst du, Gott, unser Gott allein. 3. Tersteegen,+ 1796. Eigene Melodie. 24. Herr, du erforschest mich; mein Ruhen und Bewegen ist besser dir, als mir bewußt; du siehst es, wenn in meiner Brust, den Meereswogen gleich, sich meine Lüste regen. Schon eh' die Zunge spricht, ist dir mein Wort be fannt, und was ich denk' und thu', das steht in deiner Hand. 2. O Allmacht, die kein Mensch auf Erden kann verstehen! Wo ist der Ort, der mich versteckt, den nicht als bald dein Aug' entdeckt? Führ* ich gen Himmel auf zu den gestirnten Höhen: mein Gott, so bist du da; läg' ich im tiefften Grund: auch dort thust du dich mir als Gott und Herrscher kund. 3. Und könnt' ich auf des Lichtes Flügeln weichen bis dahin, wo der Sonne Gluth erlischt in ferner Meeresfluth, so würde mich auch da dein starker Arm erreichen. Die Hülle finstrer Nacht deckt meine Sünden nicht; vor deiner Klarheit Glanz wird Finsterniß zum Licht. 4. Und, Herr, wie sollte dir verborgen sein mein Leben, der du, eh' ich das Licht geschaut, den Leib mir künstlich haft gebaut und den lebend'gen Geist, der in mir wirkt, Gottes Wesen, Walten und Wirken. 23 gegeben; der du zuvor be- leite du mich selbst die stimmt seit aller Ewigkeit, was mir begegnen soll im Laufe meiner Zeit? 5. So wunderbar bist du! Dies muß mich überzeugen, daß ich mit unverfälschtem Sinn dir Dank und Ehrfurcht schuldig bin, da Erd' und Him mel nicht von deinen Kräften schweigen, so daß man eh' den Sand der Wüsten zählen kann, als, was du, großer Gott, für Wunder haft gethan. 6. Mein Herz ist dessen voll, und das ist mein Vergnügen, daß ich mit Ernst den ganzen Tag dein göttlich Thun be trachten mag, und wie sich Alles muß nach deiner Gnade fügen. Ja, wenn die Sinne sich vom Schlafe Losgemacht, so merk' ich, daß ich auch im Traum an dich gedacht. schmale Himmelsbahn. 7. Erforsche mich, mein Gott, und prüfe, wie ich's meine; sich, ob ich noch in Heuchelei, ob ich auf bösem Wege sei, und hilf mir, daß ich rein vor dir dereinst erscheine. Weil aber hier mein Fuß gar leicht noch straucheln kann, so F. R. L. v. Cani,+ 1699. mel. Jesum lieb' ich ewiglich. 25. Herr, du hast in deinem Reich große Schaaren heil'ger Engel. Ihnen bin ich noch nicht gleich, denn mein Herz ist voller Mängel. Ach, wann werd' ich auch so rein, wie die guten Engel, sein? 2. Mich beschweret Fleisch und Blut; hilf du, daß ich geistlich werde; gieb mir einen Engelmuth, der mich hebe von der Erde, daß ich, als dein liebes Kind, allzeit himmlisch sei gesinnt. 3. Mache mir dein Wort bekannt durch des heil'gen Geistes Gabe, daß ich Weisheit und Verstand, wie ein Engel Gottes, habe; bis ich einst in jenem Licht völlig seh' dein Angesicht. 4. Auch dein Wille soll geschehn, wie im Himmel, so auf Erden; darum laß mich dahin sehn, stets gehorsam dir zu werden, und verleih, daß ich dabei aller Engel Mitknecht sei. 5. Diese Welt ist voll Ge I. Gott. 24 fahr, hat so viele böse Stät ten; sende deiner Engel Schaar, vom Verderben mich zu retten; schlaf' ich nach dem Tagwerk ein, laß sie meine Wächter sein. 6. Hilf, kommt dann die Nacht herbei, wo ich einmal werde sterben, daß, zu gehn, ich fertig sei und den Segen möge erben. Heiß' die Engel mich zur Ruh' tragen nach dem Himmel zu. 7. Laß am Tage des Gerichts mich bei den Erwählten stehen. Wenn die Feinde deines Lichts in's Verderben werden gehen, mache mich in jenem Reich deinen lieben Engeln gleich. C. Neumann, † 1715. Mel. Mein Herz und Seel' den Herren ze. 26. Herr Gott, du bist die Zuflucht aller Zeiten, denn du bist Gott in allen Ewigkeiten; du warst es schon, ch' Erd' und Himmel ward, eh' noch dein Arm sich uns geoffenbart. 2. Was bin ich, Herr, und alle Menschenkinder? Staub ist vor dir, dem Heiligen, der Sünder. Wie schnell entflieht das Leben doch von mir; du Höchster, du nur bleibest für und für. 3. Du haft vordem die Erde zubereitet, dein Arm hat alle Himmel ausgebreitet; doch sie vergehn, veralten wie ein Kleid, du aber bleibst in alle Ewigkeit. 4. Es werden einst die Himmel und die Erden, wie ein Gewand, von dir verwandelt werden; du bleibst, dein unverändert Licht erglänzt, von keiner Zeiten Wechsel je umgränzt. 5. Das ist der Trost, die Hoffnung deiner Knechte, sie schaun auf dich, es schüßt sie deine Rechte; du läßt ihr Herz sich ewig deiner freun, und bleibst ihr Gott, denn sie sind ewig dein. 6. Das sei mein Trost, mein Licht zu allen Stunden, so steh' ich in der Angst unüberwunden; nicht Tod und Grab trennt mich, o Gott, von dir, mein Fels, mein Heil; das bleibst du ewig mir. Unbekannt. Gottes Wesen, Walten und Wirken. Mel. Jesu, komm doch selbst zu mir. dich! Drücke stets in mei27. Himmel, Erde, Luft, nen Sinn, was du biſt und Meer zeugen von des und was ich bin. Schöpfers Ehr'; meine Seele, fing auch du, bringe jetzt dein Lob herzu. 3. Neander,+ 1380. 2. Seht das große Sonnenlicht, wie es durch die Wolken bricht; Mond und Stern' in ihrer Pracht jauch zen Gott bei stiller Nacht. 3. Seht, wie er der Erde Ball schön geziert hat über all; Wald und Feld im grünen Kleid rühmen seine Herr lichkeit. 4. Seht, ihn preist auf weiter Flur lebensfroh die Creatur; ihm lobsingt der Vögel Schaar in den Lüften, Paar bei Paar. 5. Seht, der Elemente Kraft zeugt von ihm, der mächtig schafft; Donner, Bliz, Dampf, Hagel, Wind seines Willens Boten sind. 6. Seht der Wasserwellen Lauf, wie sie wogen ab und auf; rauschend singen sie im Chor zu dem Herrn ihr Lob empor. 25 7. Herr, mein Gott, wie wunderlich spüret meine Seele mel. Lobet den Herren, Alle, die ihn ehren. 28. Jauchzt unserm Gott mit freudigem Gemüthe! Er ist barmherzig und vongroßerGüte, er sorgt, daß uns im Schuße seiner Gnade keinUnglück schade. 2. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden, läßt nicht die schweren Strafen uns empfinden, die wir durch Mißbrauch der empfangnen Gaben verdienet haben. 3. So hoch und weit, wie seine Himmel reichen, so groß sind seiner Macht und Gnade Zeichen bei denen, die in heil'ger Furcht ihn lieben und Gutes üben. 4. So ferne, wie der Abend steht vom Morgen, nimmt er hinweg der Seele Angst und Sorgen und schenket nach der Sünde bittern Schmerzen Trost unserm Herzen. 5. Wie sich erbarmt ein Vater seiner Kinder, so gern erbarmt der Herr sich aller Sünder, wenn sie auf seine 26 I. Gott. Gnadenstimme hören und sich bekehren. 6. Er schlägt und heilt, verwundet, läßt genesen; er weiß, der Mensch ist ein gebrechlich Wesen, und muß, wie Alles, was da lebt auf Erden, zu Erde werden. 7. Wie Gras verwelkt, so müssen wir vergehen, wie Blumen, wenn die Stürme drüber wehen; und unsre Stätte wird nach wenig Stunden nicht mehr gefunden. 8. Von Ewigkeit zu Ewigkeit bewähret sich Gottes Huld an Jedem, der ihn ehret. O, leite du auch mich auf ebnem Pfade, du, Gott der Gnade. 9. So werd'ich deinen Frieden hier genießen, mein Lebenwird in Hoffnung froh verfließen, und dort werd' ich mit deiner Engel Chören dich ewig ehren. J. A. Cramer, † 1788. Mel. Lobt Gott, ihr Christen, allzugleich. 29. Ich finge dir mit Herz und Mund, Herr, meines Her zens Luft; ich sing' und mach' auf Erden kund, was mir von dir bewußt. 2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad', die ew'ge Quelle bist, daraus uns Allen früh und spat viel Heil und Gutes fließt. 3. Was sind wir doch, was haben wir auf dieser ganzen Erd', das uns, o Vater, nicht von dir allein gegeben werd'? 4. Wer hat das schöne Himmelszelt hoch über uns gesetzt? Wer ist es, der uns unser Feld mit Thau und Regen nett? 5. Wer wärmet uns in Kält und Frost? Wer schüßt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Del und Most zu seinen Zeiten find'? 6. Wer giebt uns neue Lebenskraft? Wer ist es, dessen Hand den edlen, goldnen Frieden schafft in unserm Vaterland? 7. Ach, Herr, mein Gott, das kommt von dir, du, du mußt Alles thun; du hältst die Wacht an unsrer Thür und läßt uns sicher ruhn. 8. Du nähreft uns von Jahr zu Jahr, du bleibeft immer treu, und stehst uns, wenn wir in Gefahr gerathen, gnädig bei. 9. Du strafft uns Sünder mit Geduld und schlägst nicht Univ.- Bibl. Giessen Gottes Wesen, Walten und Wirken. allzusehr; ja endlich nimmst du unsre Schuld und wirfst sie in das Meer. 10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, wirst du gar bald erweicht, und giebst uns, was uns hoch erfreut und dir zur Ehr' gereicht. 11. Du füllst des Lebens Mangel aus mit dem, was ewig steht, und führst uns in des Himmels Haus, wenn uns die Welt vergeht. 12. Wohlauf, mein Herz, so sing und spring und habe guten Muth! Dein Gott, der Ursprung aller Ding', ist selbst und bleibt dein Gut. 13. Er ist dein Schat, dein Erb' und Theil, dein Glanz und Freudenlicht, ist Schirm und Schild, ist Hülf' und Heil, schafft Rath und läßt dich nicht. 14. Was kränkst du dich in deinem Sinn und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg' und wirf sie hin auf den, der dich gemacht. 15. Hat er dich nicht von Jugend auf versorget und ernährt? Wie manchen schweren 27 Unglückslauf hat er zurück gekehrt. 16. Er hat noch nie etwas versehn in seinem Regiment; nein, was er thut und läßt geschehn, das nimmt ein gutes End'. 17. Ei nun, so laß ihn ferner thun, und red ihm nicht darein, so wirst du hier in Frieden ruhn und ewig selig sein. P. Gerhard, † 1676. Mel. Nun lob, mein Seel', den Herren. 30. Mit fröhlichem Gemüthe dankt, die ihr Christo angehört, dankt Gott, daß seine Güte und Vaterliebe ewig währt. Nach so viel tausend Jahren, die durch sie alle reich an Heil und Segen waren, bleibt sie sich immer gleich. Nie hört sie auf zu sorgen, und sorget immer treu; sie wird mit jedem Morgen an seinen Werken neu. 2. Herr, deine Güte reichet so weit, als Erd' und Himmel geht, und ihre Dauer gleichet dem Fels, der unbeweglich steht. Vor ihren heitern Sirahlen, vor ihrem Antlig fliehn die 28 I. Gott. bangen, düstern Qualen, wie leichte Wolken, hin. Wer zählt die Millionen, die sie erwärmt und nährt? So weit nur Wesen wohnen, hat sie sich uns verklärt. 3. Wer wollte sie nicht loben, die Huld, die Allen Alles gab, vom höchsten Engel droben bis zu dem kleinsten Wurm hinab? fie, die der Creaturen zahllose Menge nährt, und sich durch Segensspuren uns täglich neu bewährt. Von ihr, aus der Entzücken stets für den Himmel quoll, ist auch, wohin wir blicken, der weite Erdkreis voll. 4. Zu ihrem Lob erwecke vor Allen du dein Herz, o Christ; komm her und sich und schmecke, wie freundlich Gott, dein Vater, ist. Auf! seinen Ruhm erzähle dein frommes Saitenspiel, und Deine ganze Seele sei voll von Dankgefühl. Von seiner Güte fage, wie treu fie für uns wacht, der Tag dem andern Tage, die Nacht der andern Nacht. 5. Gott, Schöpfer aller Dinge, nimm unser schwaches Danklied an! Wir sind viel zu geringe der Treu', die du an uns gethan. Du schenkst den Sohn uns Sündern, begnadigst uns durch ihn, erwählest uns zu Kindern, willst selbst uns zu dir ziehn. Auf! da in Jesu Namen ihm unser Lob gefällt, lobsingt ihm, Amen, Amen! Lobsingt ihm, alle Welt! 3. A. Schlegel,+ 1793. Mel. Mach's mit mir Gott, nach deiner 2c. 31. Nie bist du, Höchster, von uns fern, du wirkst an allen Enden. Wo ich nur bin, Herr aller Herrn, bin ich in deinen Händen. Durch dich nur leb' und athme ich, und deine Rechte schüßet mich. 2. Des Herzens Tiefen kenneft du, du prüfest meine Seele; du siehest, was ich Gutes thu', du siehst auch, wenn ich fehle. Nichts, nichts kann deinem Aug' entfliehn, und nichts mich deiner Hand entziehn. 3. Wenn ich in stiller Einsamkeit mein Herz zu dir erhebe, und, über deine Huld erfreut, mich gänzlich dir ergebe, so hörst du es und stehst mir bei, daß ich dir immer treuer sei. Gottes Wesen, Walten und Wirken. 29 4. Du merkst es, wenn des schenkinder liebeft und als ein Herzens Rath verkehrte Wege wählet; du kennest auch die böse That, die sich der Welt verhehlet. Mit Ernst und Liebe strafst du mich zu meiner Bess rung väterlich. Vater alle Stund' uns tausend Gutes giebest, wir danken dir, daß deine Treu bei uns ist alle Morgen neu in unserm ganzen Leben. 5. Du höreft meinen Seufzern zu, daß Hülfe mir erscheine; mit Vaterliebe zählest du die Thränen, die ich weine. Du siehst und wägest meinen Schmerz und stärkst mit deinem Trost mein Herz. 2. Wir preisen Dich mit die Freudigkeit, daß du Engelschaaren zu deinem Lobe hast bereit und daß sie uns bewahren, damit auf unserer Pilgerschaft der unsichtbaren Feinde Kraft uns nicht ver derben könne. 6. O drück, Allgegenwärtiger, dies tief in meine Seele, daß sie nur dich, mein Gott und Herr, zu ihrer Zuflucht wähle, daß sie dein heilig Auge scheu' und die zu dienen eifrig ſei. 7. Laß überall gewissenhaft nach deinem Wort mich handeln und stärke mich mit Muth und Kraft, getrost vor dir zu wandeln. Daß du, v Gott, stets um mich seist, das tröst' und beffre meinen Geist. C. C. Sturm, † 1786. Mel. Nun freut euch, lieben 2c. 32. Gott, der du von Herzensgrund die Men 3. Es steht der starken Helden Schaar uns unsichtbar zur Seiten, Versuchung, Jammer und Gefahr von uns hinweg zu leiten. Groß Unheil würde angericht't, wenn dieſe heil'gen Wächter nicht ob uns die Hände hielten. 4. Ach Herr, laß uns durch deine Gnad' in deiner Furcht verbleiben, daß wir nicht selbst durch Uebelthat die Engel von uns treiben; gieb, daß wir rein und heilig sein, demüthig ohne Heuchelschein, dem Nächsten gerne dienen. 5. Gieb auch, daß wir der Engel Amt verrichten, dir zu 30 I. Gott. Ehren, und deine Wunder allsammt ausbreiten und vermehren, wie du sie in der weiten Welt vor unsern Augen hingestellt voll Weisheit, Macht und Güte. 6. Und wie du durch die Engel haft aus Noth uns oft geführet, daß uns so manche schwere Last und Plage nicht berühret, so thue gnädig auch hinfort, befiehl, daß sie an jedem Ort sich lagern um die Deinen. 7. Laß deine Kirch' und unser Land der Engel Schuß empfinden, daß Fried' und Heil in jedem Stand und Haus fich möge finden. Laß sie des Bösen Macht und List und, was sein Reich und Anhang ist, in deiner Kraft zerstören. 8. Zulegt laß sie an unferm End' die finstre Nacht verjagen und unsre Seel' in deine Händ', in deinen Himmel, tragen, wo ewiglich dein Lob erklingt, wo Alles Heilig, heilig! singt und in der Klarheit schwebet. Unbekannt. Mel. Wunderbarer König. 33. Unumschränkte Liebe, gönne blöden Augen, die sonst kaum auf Erden taugen, daß sie in die Strahlen deiner Langmuth blicken, die das Erdenrund erquicken, gnadenreich, Sonnen gleich, täglich sich erneuen, Gut' und Bös' erfreuen. 2. Wasser, Luft und Erde, alle Weltgebiete, sind ein Schauplaß deiner Güte. Deiner Langmuth Proben sieht man dir zu Ehren ohne Unterlaß fich mehren. O, wie weit, o, wie breit, über Thal und Hügel streckt sie ihre Flügel. 3. Was wir davon denken, was wir sagen können, ist ein Schatten nur zu nennen. Tag für Tag zu sehen, Tag für Tag zu dulden, so unzählig viel Verschulden, ja sogar immerdar Lieben für das Hassen. Herr, wer kann das fassen! 4. Du vergiebst die Sünden, hörst der Sünder Flehen, wenn sie büßend vor dir stehen. Deine Rechte dräuet, doch gern legt sie wieder ihre Todespfeile nieder, wenn durch Huld und Geduld ohne Straf' und Gottes Wesen, Walten und Wirken. Schrecken du uns kannst erwecken. 5. Herr, es hat noch keiner, der zu dir gegangen, statt der Gnade Recht empfangen. Allen, die sich bittend dir zu Füßen senken, willst du Schuld und Strafe schenken. Denn ihr Schmerz rührt dein Herz, daß es sich der Armen gnädig muß erbarmen. 6. König, sei gepriesen, daß du uns verschonest, nicht nach unsern Werken lohnest. Deiner Hand sei Ehre, die so wohl regieret und mit Ruhm das Scepter führet. Fahre fort, Zions Hort, Langmuth auszuüben und die Welt zu lieben. J. J. Rambach, † 1735. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. 34. Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht, die Weisheit deiner Wege, die Liebe, die für Alle wacht, anbetend überlege, so weiß ich von Bewund'rung voll, nicht, wie ich dich erheben soll, mein Gott, mein Herr und Vater. 31 ausgeschmückt, preist dich, du Gott der Stärke. Wer hat die Sonn' an ihm erhöht? Wer kleidet sie mit Majeſtät? Wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schooß der Erde auf, mit Vorrath uns zu segnen? Du, Gott der Macht und Herrlichkeit! Gott, deine Güte reicht so weit, so weit die Wolken gehen. 4. Dich predigt Sonnenschein und Sturm, dich preift der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der geringste Wurm, bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht; bringt unserm Schöpfer Ehre! 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand so wunderbar bereitet; der Mensch, ein Geist, den sein Verstand, dich zu erkennen, leitet; der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, ist sich ein täglicher Beweis von deiner Güt' und Größe. 2. Mein Auge sieht, wohin es blickt, die Wunder deiner Werke. Der Himmel, prächtig 6. Erheb ihn ewig, o mein Geist, erhebe seinen Namen! 32 I. Sott. Gott, unser Vater, sei gepreist, und alle Welt fag' Amen! und alle Welt fürcht' ihren Herrn und hoff' auf ihn und dien' ihm gern. Wer wollte Gott nicht dienen? C.F. Gellert, † 1769. Mel. Die Tugend wird durch's Kreuz geübet. 35. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt, der mit verhärtetem Gemüthe den Dank erstickt, der ihm gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen, sei ewig meine größte Pflicht. Der Herr hat mein noch nie vergessen, vergiß mein Herz, auch seiner nicht. 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Langmuth mich ge leitet? Er, dessen Rath ich oft verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer giebt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Glück genießen? Ist's nicht der Herr, der Alles schafft? 3. Schau, o mein Geist, in jenes Leben, zu welchem du erschaffen bist, wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du haft ein Recht zu diesen Freuden, durch Gottes Güte sind fie dein. Sieh, darum mußte Christus leiden, damit du könntest selig sein. 4. Und diesen Gott sollt ich nicht ehren, und seine Güte nicht verstehn? Er sollte rufen, ich nicht hören, den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will' ist mir in's Herz geschrieben, sein Wort bestärkt ihn ewiglich: Gott soll ich über Alles lieben, und meinen Nächsten gleich als mich. 5. Dies ist mein Dank, dies ist sein Wille: ich soll vollkommen sein, wie er; je mehr ich dies Gebot erfülle, stellt sich sein Bildniß in mir her. Lebt seine Lieb' in meiner Seele, so treibt sie mich zu jeder Pflicht; und ob ich schon aus Schwachheit fehle, herrscht doch in mir die Sünde nicht. 6. Gott, laß deine Güt und Liebe mir immerdar vor Augen sein. Sie stärk' in mir Gottes Wesen, Walten und Wirken. 33 viel Gutes schenkst! die guten Triebe, mein gan- und ohne Unterlaß uns so zes Leben dir zu weihn. Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen, sie leite mich zur Zeit des Glücks, und sie besieg' in meinem Herzen die Furcht des legten Augenblicks. C.F. Gellert,+ 1769. Mel. Nun danket Alle Gott. 36. Wie herrlich ist, o Gott, dein Nam' in allen Landen! Die Himmel und ihr Heer sind durch dein Wort entstanden; du sprichst, und es geſchieht, gebeutst, so steht es da. Mit Allmacht bist du mir und auch mit Güte nah. 2. Du bist der Gott der Kraft, dich preisen Erd' und Meere; die Himmel ohne Zahl verkünden deine Ehre. Dich bet' ich dankbar an. Mein Heil kommt von dem Herrn. Du hörst der Menschen Flehn, und du errettest gern. 3. Ich schau' die Himmel an, die du, Herr, ausgebreitet, der Sonne Glanz und Pracht, den Mond, den du bereitet. Was ist der Mensch vor dir, daß du, Herr, sein gedenkst, 4. Bald theilst du Glück mir zu, bald Leiden, die mich üben, und meiner Tage Zahl ist in dein Buch geschrieben. Du dachtest gnädig mein, eh' ich in's Leben kam, sahst mich, eh' diese Welt noch ihren Ursprung nahm. 5. Was Leib und Seel' erquickt, das schenkst du gnädig Allen, und sättigst, was da lebt, mit Freud' und Wohlgefallen. Du giebst den Schwachen Kraft, und den Beladnen Ruh', und deckest unsre Schuld um Christi willen zu. 6. Herr, dein Gebot ist Heil, dein Weg ist Fried' und Leben; wie sollt' ich dir, dem Gott der Liebe, widerstreben? Umsonst lockt mich die Welt, die breite Straßen zieht; ich hasse ihren Weg, weil mich dein Auge sieht. 7. Auch wenn kein Mensch mich sieht, will ich die Sünde fliehen; denn du wirst alle Welt vor dein Gericht einst ziehen; ich will, wenn sich mein Fleisch hinsehnt, wo du nicht 3 34 II. Erlösungswerk. bist, bedenken, daß mein Leib, o Gott., dein Tempel ist. 8. Was frag' ich außer dir nach allem Glück der Erde, wenn ich nur deiner Huld, o II. Des Himmelreichs zeitliche Gründung Gott, versichert werde! Wie sanft ist dein Gebot: Gieb mir dein Herz, mein Sohn, und wandle meinen Weg; ich bin dein Schild und Lohn! 3. D. Herrnschmidt,+ 1723. im Erlösungswerk. Die Zeit ist erfüllet, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Marc. 1, 15. 1. Die Person des Erlösers. Mel. Valet will ich dir geben. 37. Aus irdischem Ge tümmel, wo Nichts das Herz erquickt, wer zeigt den Weg zum Himmel, wohin die Hoffnung blickt? Wer leitet unser Streben, wenn es das Ziel vergißt? Wer führt durch Tod zum Leben? Der Weg heißt Jesus Christ. 2. Hier irren wir und fehlen, gehüllt in tiefe Nacht. Durch wen wird unsern Ceelen ein wahres Licht gebracht? Von oben kommt die Klarheit, die Alles uns erhellt; denn Christus ist die Wahrheit, er ist das der Licht Welt. 3. Wer giebt uns hier schon Freuden, die Niemand rauben kann? Wer zeiget uns im Leiden den Himmel aufgethan? Wenn vor dem Tod wir beben, wer giebt dem Herzen Ruh'? Herr Christ, du bist das Leben, führst uns dem Vater zu! C. C. 3. Aschenfeldt, um 1800. Mel. Herr Gott, dich loben Alle wir. 38. Das Leben Christi, unsers Herrn, laßt preisen uns Person des Erlösers. mit allen Ehr'n, hoch rühmen seine Herrlichkeit, sein Amt zu unsrer Seligkeit. 2. Den Armen macht mit großem Ruhm er kund sein Evangelium, bringt Heilsbot schaft aus Gottes Schooß, spricht die Gefangnen frei und los. 3. Er heilt das Herz, das krank und wund, macht Beides, Seel' und Leib, gesund, und predigt Allen hell und klar des Herren angenehmes Jahr. 4. Und so beruft und sammelt er Gemeinden Gottes um sich her, erwirbt uns Allen ew'ges Heil, daß es schon hier sei unser Theil. 35 mich doch, mein Heiland, hier nach deinem Vorbild wandeln. Nie können deine Jünger sein, die sich nicht Andrer Wohlfahrt freun, nicht menschenfreundlich handeln. 2. Dein Leben in der Sterblichkeit war für die Menschen Segen; dir folgten Lieb' und Freundlichkeit auf allen deinen Wegen; wohin du gingst, ging Wohlthun mit; dein Wort, dein Werk und jeden Schritt be gleitete Erbarmen. Du übernahmst die schwerste Pein, uns vom Verderben zu befrein, und starbst zum Heil uns Armen. 5. O Christe, dir sei Dank gesagt, daß es dir hat also behagt, bei uns zu wohnen auf der Erd'; hilf nun, daß dein Volk selig werd'. Böhm. Brüder( M. Tamm, 1566). Mel. An Wasserflüssen Babylon. 39. Der du die Liebe selber bist, und gern die Menschen segnest, ja selbst dem, der dein Feind noch ist, mit Freundlichkeit begegneft; o bilde meinen Sinn nach dir, und laß 3. Auch jetzt noch auf der Himmel Thron bist du das Heil der Sünder; auch da bleibst du, o Gottes Sohn, ein Freund der Menschenkinder. Du schaffst den Deinen wahre Ruh', und die Verirrten fucheft du auf rechten Weg zu leiten. Du hörst der Seufzenden Gebet und brauchest deine Majestät, nur Segen auszubreiten. 4. O laß in meiner Bil grimschaft mich auf dein Vor3* 36 II. bild sehen. Erfülle mich mit Lust und Kraft, dem Nächsten beizustehen, betrübter Herzen Trost zu sein, mich mit den Fröhlichen zu freun, mit Weinenden zu klagen, und dem, der mir sein Herz vertraut, die Nedlichkeit, auf die er baut, nicht treulos zu versagen. Erlösungswerk. 5. Laß mich mit brüderlicher Huld des Nächsten Fehler decken, durch Sanftmuth, Mitleid und Geduld zur Bessrung ihn erwecken; und fündiget er gegen mich, so freue meine Seele sich, ihm willig zu vergeben. So werd' ich dich, Herr Jesu Christ, der du die Liebe selber bist, auf's Würdigste erheben. C. C. Sturm,+ 1786. Mel. Lobt Gott, ihr Christen, allzugleich. 40. Der Herr, der einst auf Erden war, uns herge sandt von Gott, der ward ein Retter in Gefahr, ein Helfer in der Noth. 2. Er zog umher von Haus zu Haus in niedriger Gestalt, und eine Kraft ging von ihm aus, die heilte Jung und Alt. 3. Wer elend war, blieb vor ihm stehn und klagte ihm sein Leid; ein Wort, ein Blick, dann war's geschehn, aus Leid ward Herzensfreud'. 4. O liebster Jesu, wärest du bei uns noch sichtbarlich, wir liefen allesammt dir zu, und hingen uns an dich. 5. Und rühreten in jeder Noth dein Kleid vertrauend an, und horchten still auf dein Gebot, und Alles wär' gethan. Berliner Liederschatz. Mel. Lobet den Herren, Alle, die ihn ehren. 41. Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben; darauf hast du uns, Herr, dein Wort gegeben; o leite uns, die wir in Schwachheit wallen, daß wir nicht fallen. 2. Du bist der Weg; wenn deine Hand uns leitet, ſo stehn wir fest, daß unser Fuß nicht gleitet. Erhalt uns stets, o Hirt voll Huld und Gnade, auf rechtem Pfade. 3. Du bist die Wahrheit; führst du gleich die Deinen durch Finsterniß, muß doch dein Licht uns scheinen. Du Person des Erlösers. 37 bleibst der Morgenstern in Kranke wird vom Aussaß rein; unsern Herzen in Nacht und Schmerzen. dem Todten selbst wird neues Leben, dem Armen reicher Trost gegeben. 4. Hast du vor Zeiten solche Thaten, o Herr, durch deine Hand vollbracht, so wollest du auch mich berathen mit deiner wunderbaren Macht, damit es meiner armen Seele an Trost und Hülfe nimmer fehle. 4. Du bist das Leben; ewig himmlisch Leben wirst du, o Lebensfürst, den Deinen geben. O laß dorthin, wo du bist eingegangen, auch uns gelangen. Unbekannt, Mel. Ach schönster Jeju, mein Verlangen. 42. Erquicke mich, du Heil der Sünder, durch deiner Gnade hellen Schein, und laß, o Freund der Menschenkinder, dein Aug' auf mich gerichtet sein. Komm und erweise dein Erbarmen an mir, dem hülfsbedürft'gen Armen. 2. Du bleibst ja unser Trost auf Erden, du bist der Hort für Jedermann, durch welchen wir gerettet werden, wenn Niemand sonst uns ret ten kann. Du kannst von jeglichem Gebrechen durch deine Macht uns ledig sprechen. 3. Der Blinde sieht; es lernet gehen des Lahmen wankendes Gebein; der Taube kann das Wort verstehen; der 5. Du weißt ja, meine blöden Augen erkennen Recht und Wahrheit nicht; laß denn, daß sie zum Sehen taugen, mir leuchten deiner Gnade Licht; zeigst du mir nicht den Weg des Lebens, so such' ich ewig ihn vergebens. 6. Herr, öffne mir die trägen Ohren, dein Hephata sprich hell und klar; dein Wort sei nie an mir verloren, es wecke mich, daß immerdar ich eilen möge, Gottes Willen mit Luft und Eifer zu erfüllen. 7. Ich wanke auf gelähmten Füßen, oft strauchelnd, fallend oft, einher; laß auf mich deine Heilkraft fließen, so wird der Gang mir nicht zu schwer; ich 38 werde rüstig fürder schreiten, nie werden meine Tritte gleiten. 8. Wer heilt den Aussaß meiner Seele, wer macht mich von der Sünde rein? Daß mich ihr Gift nicht länger quäle, mußt du mein Arzt und Helfer sein, bis ich in deinen Todeswunden für immer habe Heil gefunden. 9. Ich bin in Todes Macht gegeben mit Herz, Kraft, Willen und Verstand; o strecke, Herr, mich zu erheben, in Gnaden aus die Netterhand, daß neues Leben mich durchdringe, und ich des Glaubens Früchte bringe. II. Erlösungswerk. 10. Jch fühle mich als trostlos Armen, entblößt von allem eignen Ruhm; drum sende du mir aus Erbarmen dein theures Evangelium, das mir im Clend dieser Erde zur sel'gen Friedensbotschaft werde. 2. A Gotter,+ 1735. Mel. Wachet auf, ruft zc. 43. Heil'ger Jesu, Heil'gungsquelle, mehr, als Krystall, rein, flar und helle, du lautrer Strom der Heiligkeit! Aller Glanz der Cherubinen und Heiligkeit der Seraphinen iſt gegen dich nur Dunkelheit. Ein Vorbild bist du mir; ach, bilde mich nach dir, du mein Alles! Jesu, Jesu, hilf mir dazu, daß ich mag heilig sein, wie du. 2. Stiller Jesu, wie dein Wille dem Willen deines Vaters stille und bis zum Tod gehorsam war, also mach auch gleichermaßen, mein Herz, o Heiland, dir gelassen, ach, stille meinen Willen gar. Mach mich dir gleich gesinnt, wie ein gehorsam Kind, fromm und stille. Jesu, Jesu, hilf mir dazu, daß ich fein stille sei, wie du. 3. Wacher Jesu, ohne Schlummer, in großer Arbeit, Müh' und Kummer, bist du gewesen Tag und Nacht; mußteft täglich viel ausstehen, des Nachts lagst du vor Gott mit Flehen und haft gebetet und gewacht. Gieb mir auch Wachsamkeit, daß ich zu dir allzeit wach' und bete. Jesu, Jesu, hilf mir dazu, daß ich stets wachsam sei, wie du. Person des Erlösers. 39 je mehr und mehr stetig üben. Jesu, Jesu, hilf mir dazu, daß ich demüthig sei, wie du. 4. Güt'ger Jefu, ach, wie solche Demuth lehr mich auch gnädig, wie liebreich, freundlich und gutthätig bist du doch gegen Freund und Feind. Ach, wie haft du's mit uns Allen nach deines Vaters Wohlgefallen trop allem Undank treu gemeint! Mein Heiland, lehre mich, damit auch hierin ich dir nacharte. Jesu, Jesu, hilf mir dazu, daß ich auch gütig ſei, wie du. 7. Liebster Jesu, du mein Leben, du wollest ſelbst die Kraft mir geben, zu werden deinem Vorbild gleich. Gieb, daß mich dein Geist durchdringe, daß ich viel Glaubensfrüchte bringe und tüchtig werd' zu deinem Reich. Ach, zeuch mich ganz zu dir, behalt mich für und für, treuer Heiland. Jesu, Jeſu, laß mich, wie du, und wo du bist, einst finden Ruh'. v. Grasſelius, † 1724. 5. Sanfter Jesu, wie geduldig trugst du die Schmach und littst unschuldig und sprachst kein Wort der Drohung aus. Wer kann deine Sanftmuth messen, bei der du dennoch nie vergessen den Eifer für des Vaters Haus! Herr, mach vom Zorn mich frei, gieb Sanftmuth und verleih frommen Eifer. Jesu, Jesu, hilf mir dazu, daß ich sanft müthig sei, wie du. 6. Würd'ger Jesu, EhrenKönig, du suchtest deine Ehre wenig, und wurdest niedrig und gering; wandeltest auf dieser Erde in Demuth und in Knechtsgeberde, erhobst dich selbst in keinem Ding. Herr, Mel. Schmücfe dich, o liebe Seele. 44. König, dem kein König gleichet, dessen Ruhm kein Lob erreichet, deft als Gott das Reich gebühret, der als Mensch das Scepter führet, dem das Recht gebührt zum Throne, als des Vaters ein'gem Sohne, der an Fülle edler Gaben über Alles ist erhaben. 2. Himmel, Wasser, Luft und Erde, sammt der ungezählten Heerde der Geschöpfe in den Feldern, in den Seen, II. Erlösungswerk. 40 in den Wäldern, sind, Herr, über Tod und Leben, dir zum Eigenthum gegeben; Thiere, Menschen, Geister scheuen, Menschensohn, dein mächtig Dräuen. 3. In des Gnadenreiches Grenzen sieht man dich am Schönsten glänzen, wo so viele tausend Seelen dich zu ihrem Haupt erwählen, um das Machtwort deines Mundes nach dem Recht des Gnadenbundes, und regiert von deinem Willen, treu und eifrig zu erfüllen. 4. In dem Reiche deiner Ehren kann man stets dich Loben hören von dem himmlichen Geschlechte, von der Menge deiner Knechte, die dort ohne Furcht und Grauen dein verklärtes Antliß schauen, die dich unermüdet preisen, und dir Ehr' und Dienst erweisen. 5. O Monarch in dreien Reichen, dir ist Niemand zu vergleichen an dem Ueberfluß der Schäße, an der Ord nung der Geseße, die in deinen Gnadenwerken überall du lässest merken, zu beschüßen deine Freunde, zu bezwingen deine Feinde. 6. Herrsche auch in meinem Herzen über Zorn, Lust, Furcht und Schmerzen; laß mich deinen Schuß genießen, in mein Herz dich gläubig schließen, ehren, fürchten, loben, lieben und in deinem Dienst mich üben, bei dir stehen hier im Streite, dort mitherrschen dir zur Seite. 3.3. Rambach, † 1735. Mel. Vater unser im Himmelreich. 45. Lehrer, dem kein andrer gleich, an Eifer, Lieb' und Weisheit reich, Prophet, berühmt durch Wort und That, gefallner Sünder Licht und Rath, gesalbet durch des Vaters Hand und uns zum Heil von ihm geſandt. 2. Du kamst aus deines Vaters Schooß, und machtest alle Siegel los, damit sein Rath verschlossen war; durch dich wird Alles offenbar und an das helle Licht geſtellt, was Finsterniß gefangen hält. 3. Du wiesest uns die wahre Spur zu Gott, dem Schöpfer Person des Erlösers. 41 der Natur; du hast den Weg mein höchster Lehrer sein, führ mich in deine Schule ein. I. J. Nambach, † 1735. uns recht gezeigt, auf welchem man zum Himmel steigt; was du vom Vater selbst gehört, das hast du unverfälscht gelehrt. 4. Die Lehre, die du haft geführt, hast du mit Heiligkeit geziert und mit viel Wundern sie bestärkt, daraus man deine Allmacht merkt; ja endlich, als es Gott geschickt, ein blutig Siegel drauf gedrückt. 5. Nachdem du hingegangen bist, wo aller Weisheit Ursprung ist, so seßest du an jedem Ort dein Lehramt durch die Knechte fort, die dir dein Vater zugeführt, und die mit Gaben er geziert. 6. Du aber sendest deinen Geist, den du den Gläubigen verheißt, der allen Seelen, die er liebt, Erkenntniß, Licht und Weisheit giebt, dein Wort in Herz und Sinne schreibt und bei den Deinen ewig bleibt. 7. Ach, laß, du himmlischer Prophet, mich schauen deine Majestät; mach mich von Eigendünkel frei, damit ich dir gehorsam sei; du sollst Mel. Schmüde dich, o liebe Seele. 46. Vorbild wahrer Menschenliebe, Jesu, deines Mitleids Triebe zogen dich herab auf Erden, der Verlornen Heil zu werden, und für sie dein theures Leben in den Tod dahin zu geben. Wo ist Jemand, der die Größe deiner Lieb' und Huld ermesſe? 2. Ueber seine Feinde weinen, Jedermann mit Hülf' erscheinen, sich der Blinden, Lahmen, Armen, mehr als brüderlich erbarmen, der Betrübten Klagen hören, sich in Andrer Dienst verzehren, sterben voll der reinsten Triebe, das sind Proben wahrer Liebe. 3. D du Zuflucht der Elenden! Wer hat nicht von dei nen Händen Hülfe, Trost und Heil genommen, der gebeugt zu dir gekommen! D, wie iſt dein Herz gebrochen, wenn dich Kranke angesprochen! D, wie pflegtest du, zu eilen, das Erbetne mitzutheilen! 42 II. Erlösungswerk. 4. Die Betrübten zu erquicken, zu den Kleinen dich zu bücken, die Unwissenden zu lehren, die Verführten zu bekehren, Sünder, die sich selbst verstocken, liebreich zu dir hinzulocken; das, o Herr, voll Huld und Stärke, waren täglich deine Werke. 5. O, wie hoch stieg dein Erbarmen, da du für die ärmsten Armen dein unschäßbar theures Leben in den ärgsten Tod gegeben; da zur Marter du erlesen, aller Schmerzen Heil gewesen, und, den Segen zu erwerben, als ein Fluch hast wollen sterben! 6. Deine Lieb' hat dich ge trieben, Sanftmuth und Ge duld zu üben ohne Schelten, Drohen, Klagen, Andrer Schmach und Last zu tragen, Allen freundlich zu begegnen, die dich lästerten, zu segnen, für der Feinde Schaar zu beten und die Mörder zu vertreten. 7. Demuth war bei Spott und Hohne deiner Liebe Schmuck und Krone, ließ den Ehren dich entsagen, die du würdig warst, zu tragen; ließ zur Tilgung fremder Schulden dich des Kreuzes Schmach erdulden; machte dich, o Herr, zum Knechte einem sündigen Geschlechte. 8. Deines Vaters heil'gen Willen mit Gehorsam zu erfüllen, uns von aller Macht des Bösen und des Todes zu erlösen, und das Gnadenreich zu gründen, drin wir Heil und Frieden finden, uns zum Himmel zu erheben, dahin ging dein ganzes Leben. 9. Hirt und Bischof unsrer Seelen! Wer kann all' dein Wohlthun zählen, wer die Gnade würdig preisen, die du wolltest uns erweisen! Führe deine Huld und Güte mir auf's Tiefste zu Gemüthe, bis ich völlig dich erkenne und in Dank zu dir entbrenne. 10. Laß mich, Herr, zu reichem Segen deinen Wandel oft erwägen; laß mich in der Angst der Sünden Trost und Hoffnung bei dir finden; gieb zur wahren Menschenliebe Kraft und immer rege Triebe. Laß mich immer mehr auf Erden deinem Bilde ähnlich werden. I. I. Rambach, † 1735. Ankunft Chrifti. 43 2. Die Thatsachen des Erlösungswerkes. A. Ankunft Chrifti.( Advent.) me 1. Nus meines Herzens Grunde. 47. Auf, auf, ihr Reichsgenossen! Eu'r König kommt heran; empfangt ihn unverdrossen auf seiner Siegesbahn. Ihr Christen, geht herfür, laßt uns vor allen Dingen ihm Hosianna fingen mit heiliger Begier. 2. Auf, ihr betrübten Herzen! Der König ist gar nah; hinweg all' Angst und Schmerzen, der Helfer ist schon da; seht, wie so mancher Ort hochtröstlich ist zu nennen, da wir ihn finden können in Nachtmahl, Tauf' und Wort. 3. Auf, auf, ihr Vielgeplagten! Der König ist nicht fern; seid fröhlich, ihr Verzagten, dort kommt der Morgenstern. Der Herr will in der Noth mit reichem Trost euch ſpeisen, er will euch Hülf' erweisen, ja dämpfen gar den Tod. 4. Seid fromm, ihr Unterthanen, der König ist gerec, t; laßt uns den Weg ihm bahnen als sein erwählt Geschlecht. Der König merket drauf; kehrt um, verlorne Kinder; laßt ab, vermessne Sünder, von eurem Lasterlauf. 5. Frisch auf, ihr Hochbetrübten! Der König kommt mit Macht; an seine Herzgeliebten hat er schon längst gedacht. Nun wird nicht Angst und Pein, noch Zorn hinfort uns schaden, dieweil uns Gott aus Gnaden läßt seine Kinder sein. 6. Der König will bedenken die, so er herzlich liebt, mit köstlichen Geschenken, als der sich selbst uns giebt im gnadenreichen Wort. Ja, König, hoch erhoben, wir kommen, dich zu loben mit Freu den hier und dort. 7. Nun, Herr, du giebst uns reichlich, wirst selbst doch arm und schwach; du liebest unvergleichlich, du gehst den Sündern nach; drum woll'n 44 wir All' in Ein die Stimmen hoch erschwingen, dir Hosianna fingen und ewig dankbar sein. 3. Rist,+ 1667. II. Erlösungswerk. Mel. Die Tugend wird durchs Kreuz geübet. 48. Dein König kommt; auf, meine Seele, laß fahren deinen Gram und Schmerz; der Tilger deiner Schuld und Fehle, dein König kommt; auf, banges Herz! Längst war er nah; du mochtest weichen: er folgte überall dir nach, bis seine Liebe ohne Gleichen zuleßt das starre Herz dir brach. 2. Dein König kommt; es ist die Liebe, die durch die Nacht der Sünde bricht. Wohl an, mein Herz, folg seinem Triebe! Er kommt und bringt dir Heil und Licht. Kein donnernd Wehe! sollst du hören, kein Machtgebot, kein bittres Wort; nicht wahre Freude will er stören, nur deine Schmerzen scheucht er fort. 3. Dein König kommt voll Huld und Milde, wird dir in Schmerz und Thränen gleich, daß du, verklärt zu seinem Vilde, ihm folgest in sein Himmelreich. Wohl bist du schwach; er will dir Armen so gern verleihn, was dir gebricht; an seiner Bruft sollst du erwarmen; dein König kommt; o zögre nicht! 4. Dein König kommt; eil ihm entgegen! Sein Auge winkt dir Frieden zu; sein Mund verkündet lauter Segen, verheißt dir Gnade, Troft und Ruh'. Er will die Wunden dir verbinden, will heilen, was zerschlagen ist. So laß denn Sorg' und Kummer schwinden; es kommt dein König Jesus Christ! 5. Er kommt; mit innigem Verlangen, bereite dich, mein schwacher Geist, den Gnadenreichen zu empfangen, den jedes Seraphs Zunge preist, der aller Himmel Himmel füllet, von dem aus unerforschtem Licht der Strom des ew'gen Lebens quillet; dein König kommt; o säume nicht! 6. Ja, komm, mein König, komm und walte in meinem Herzen unumschränkt; daß mein Gehorsam nicht erkalte, nimm du hinweg, was dich noch Ankunft Christi. kränkt; was dich betrübt, das laß mich fliehen; ich folge dir durch Nacht und Tod, bis du mich wirst gen Himmel ziehen, und durch die Nacht zum Morgenroth. 3. 3. Rambach, † 1735. Mel. Wie lieblich ist, o Herr, die Stätte. 49. Er kommt, er kommt; geht ihm entgegen! Der Hei land aller Welt erscheint. Er bringt euch Leben, Heil und Segen; ehrt ihn, der Menschen treusten Freund, der das Geseß für uns erfüllt, und allen unsern Kummer stillt. 2. Er kommt, dem alle Engel dienen, in Knechtsgestalt und Niedrigkeit; in seinen sanftmuthsvollen Mienen liest man des Vaters Freundlichkeit. Er will gering und arm hier sein, um uns mit Reich thum zu erfreun. 45 4. Auf, Christen, öffnet eure Herzen dem hocherhabnen Gottessohn! Die hier die Gnaerzittern denzeit verscherzen, einst vor seinem Thron, wenn er an jenem Tage spricht: Weicht, weicht von mir! Euch kenn' ich nicht! 3. Er kommt, der Freund verlorner Sünder, als Friedefürst, Rath, Kraft und Held; er stirbt als Todesüberwinder, und Leben bringt sein Tod der Welt. Lobsinget ihm; er heißt und ist der treue Mittler, Jesus Christ. 5. Mein Heiland, komm; mein Herz ist offen; zeuch, sanftmuthsvoller König, ein. Was außer dir die Menschen hoffen, ist eitel Trug, und schafft nur Pein. In dir und deinem Reich allein kann ich gerecht und selig sein. 6. Laß mich die Liebe ganz empfinden, mit der du mich zuerst geliebt; komm, meinen Glauben fest zu gründen, der meiner Seele Frieden giebt. Mein größtes Glück, mein letztes Wort sei: Jesus ist mein Fels und Hort! 3. F. Mudre,+ 1810. Mel. Nun tomm, der Heiden Heiland. 50. Gott sei Dank durch alle Welt, der sein Wort beständig hält, und der Sünder Troft und Rath zu uns hergeſendet hat. 46 II. Erlösungswerk. 2. Was der alten Väter Schaar höchster Wunsch und Sehnen war, und, was sie uns prophezeit, ist erfüllt in Herrlichkeit. 3. Zions Hülf' und Abrams Sohn, Jakobs Heil, der Jungfrau Sohn, der wohl zweige stammte Held hat sich treulich cingestellt. 4. Sei willkommen, o mein Heil! Hosianna, du mein Theil, richte du dir eine Bahn auch in meinem Herzen an. 5. Zeuch, du Ehrenkönig, ein, es gehöret dir allein; mach es, wie du gerne thuft, rein von aller Sündenluft. 6. Und, wie du voll Sanft muth kamst, alle Lasten auf dich nahmst, also sei auch jederzeit deine Sanftmuth mir bereit. 7. Tröste, tröſte meinen Sinn, weil ich schwach und blöde bin, und des Bösen schlaue List sich zu hoch für mich vermißt. 8. Tritt der Schlange Kopf entzwei, daß ich, aller lengste frei, dir im Glauben um und an selig bleibe zugethan. 9. Daß, wenn du, o Lebensfürst, prächtig wieder kommen wirst, ich dir mög' entgegen gehn und vor dir gerecht be stehn. H. Held, um 1643. Mel. Meinen Jesum laß' ich nicht. Oder: Jesus, meine Zuversicht 51. Hosianna! Davids Sohn kommt in Zion eingezogen; ach, bereitet ihm den Thron, seßt ihm tausend Ehrenbogen; streuet Palmen, machet Bahn, daß er Einzug halten kann. 2. Hosianna! Sei gegrüßt, komm, wir gehen dir entgegen; unser Herz ist schon gerüst't, will sich dir zu Füßen legen. Zeuch zu deinen Thoren ein, du sollst uns willkommen sein. 3. Hosianna! Friedensfürst, Ehrenkönig, Held im Streite; Alles, was du schaffen wirst, das ist unsre Siegesbeute. Deine Rechte bleibt erhöht, und dein Reich allein besteht. 4. Hosianna! Lieber Gaft, wir sind deine Reichsgenossen, die du dir erwählet hast; ach, so laß uns unverdrossen deinem Scepter dienstbar sein; herrsche du in uns allein. Ankunft Christi. 5. Hosianna! Komme bald, laß uns deine Sanftmuth fühlen; wollte gleich die Knechtsgestalt deine Majestät verhüllen, ei, so kennet Zion schon Gottes und auch Davids Sohn. 6. Hosianna! Steh uns bei. - Hilf, o Herr, laß wohl gelin gen, daß wir ohne Heuchelei, dir das Herz zum Opfer brin gen. Du nimmst keinen Jünger an, der dir nicht gehorchen kann. 47 fer werth, Sanftmüthigkeit iſt sein Gefährt; sein' Königskron' ist Heiligkeit, sein Scepter ist Barmherzigkeit; all' unsre Noth zum End' er bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden fingt: Gelobet sei mein Gott, mein Heiland groß von That! 7. Hosianna, nah und fern! Eile bei uns einzugehen. Du Gesegneter des Herrn, warum willst du draußen stehen? Hofianna! Bist du da? Ja, du kommst, Halleluja. B. Schmold,+ 1737. Eigene Melodie. 52. Macht hoch die Thür, die Thore weit! Es kommit der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich', ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt; derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rath! 2. Er ist gerecht, ein Hel3. D wohl dem Lande, wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat! Wohl allen Herzen insgemein, da dieser König ziehet ein! Er ist die rechte Freudenſonn', bringt mit sich lauter Freud' und Wonn'. Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat! 4. Macht hoch die Thür, die Thore weit, das Herz zum Tempel macht bereit, die Palmen der Gottseligkeit streut hin mit Andacht, Lust und Freud'! So kommt der König auch zu euch, ja Heil und Leben mit zugleich. Gelobet sei mein Gott, voll Rath, voll That, voll Gnad'! 5. Komm, o mein Heiland Jesu Christ, des Herzens Thür dir offen ist; ach, zeuch mit II. Erlösungswerk. 48 deiner Gnade ein, in Freundlichkeit auch uns erschein; dein heil'ger Geist uns führ' und leit' den Weg zur ew'gen Seligkeit. Ja, deinem Namen, Herr, sei ewig Preis und Ehr'! G. Weiffel,+ 1635. Mel. Helft mir Gott's Güte preisen. ( Von Gott will ich nicht lassen) 53. Mit Ernst, ihr Menschenkinder, das Herz in euch bestellt! damit das Heil der Sünder, der große Wunderheld, den Gott aus Gnad' allein der Welt zum Licht und Leben versprochen hat, zu geben, bei Allen kehre ein. 2. Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast; macht seine Steige richtig, räumt fort, was ihm verhaßt; die Thäler füllet aus, erniedriget die Höhen, und laßt ihm offen stehen ein jedes Herz und Haus. 3. Ach, mache du mich Armen in dieser Gnadenzeit aus Liebe und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit; zeuch in mein Herz hinein, und wohn auch immer drinnen; ich will mit Herz und Sinnen dir ewig dankbar sein. V. Thilo,+ 1662. Mel.: Aus meines Herzens Grunde. 54. Nun jauchzet, all' ihr Frommen, in dieser Gnadenzeit, weil Christus ist gekommen, der Herr der Herrlichkeit; zwar ohne stolze Pracht, doch mächtig, zu verheeren und gänzlich zu zerstören des Bösen Reich und Macht. 2. Er kommt, und will uns Armen ein treuer Helfer sein, und stellt sich voll Erbarmen für uns zum Opfer ein. Er bringt kein zeitlich Gut; er will uns durch sein Sterben das ew'ge Heil erwerben; lobt ihn mit frohem Muth. 3. Kein Scepter, keine Krone sucht er auf dieser Welt; im hohen Himmelsthrone ist ihm sein Reich bestellt. Er will hier seine Macht und Majestät verhüllen, bis er des Vaters Willen im Leiden hat vollbracht. 4. Jhr mächtigen auf Erden, nehmt diesen König an. Soll euch gerathen werden, so geht die rechte Bahn, die zu dem Himmel führt; weil, wenn ihr ihn verachtet, und Ankunft nur nach Hoheit trachtet, des Höchsten Zorn euch rührt. 5. Ihr Armen und Elenden in dieser bösen Zeit, die ihr an allen Enden müßt haben Angst und Leid, seid dennoch wohlgemuth; laßt eure Lieder klingen, dem König Lob zu singen; er ist das höchste Gut. 6. Zulett wird er erscheinen in seiner Herrlichkeit, und alles Leid und Weinen verkehren dann in Freud'. Er ist's, der helfen kann; macht eure Herzen fertig, und seid stets sein gewärtig; er ist schon auf der Bahn. m. Schirmer, † 1673. Christi. 49 thum, was ist's mehr, als ein Stäublein armer Erd'? Hab' ich Lust, was ist, sie werth? Was ist's das mich heut erfreute, das mich morgen nicht gereute? Mel. Werde munter, mein Gemüthe. 55. Warum willst willst du draußen stehen, du Gesegneter des Herrn? Laß dir, bei mir einzugehen, wohlgefallen, du mein Stern; du, mein Jesu, meine Freud', Helfer in der rechten Zeit, hilf, o Heiland, meinem Herzen von den Bunden, die mich schmerzen. 2. In der Welt ist Alles nichtig, Nichts ist, das nicht kraftlos wär'; hab' ich Hoheit, die ist flüchtig, hab' ich Reich3. Aller Trost und alle Freude ruht in dir, Herr Jesu Christ; dein Erfreuen ist die Weide, da man satt und fröhlich ist. Leuchte mir, o Freudenlicht, ehe denn das Herz mir bricht. Jesu, komm, laß dich erblicken, komm, o komm, mich zu erquicken. 4. Freu dich, Herz, du bist erhöret; jego kommt und zeucht er ein, sein Gang ist zu dir gekehret, heiß ihn nur willkommen sein, und bereite dich ihm zu, gieb dich hin in seine Ruh', öffne ihm Gemüth und Seele, klag ihm, was dich drück' und quäle. 5. Seines Himmels goldne Decke spannt der Heiland um dich her, daß hinfort dich nicht erschrecke deiner Feinde großes Heer; seine Engel stellen fich dir zur Seite; willst du dich hierher oder dorthin wenden, tragen sie dich auf den Händen. 4 50 II. Erlösungswerk. 6. Was du Böses haft begangen, das ist Alles abgeschafft; Gottes Liebe nimmt gefangen deiner Sünde Macht und Kraft; Christi Sieg behält das Feld, und was Böses in der Welt sich will wieder dich erregen, wird zu lauter Glück und Segen. 7. Alles dient zu deinem Frommen, was dir bös' und schädlich scheint, weil dich Christus angenommen und es treulich mit dir meint. Bleibst du ihm nur wieder treu, ist's gewiß und bleibt dabei, daß du mit den Engeln droben ihn, den Herrn, wirst ewig Loben. P. Gerhard,+ 1676. mel. Balet will ich dir geben. 56. Wie soll ich dich empfangen, und wie begegn' ich dir, du, aller Welt Verlangen, du, meiner Seele Zier? D Jesu, Jesu, zünde mir selbst die Fackel an, damit ich immer finde, was dich ergößzen kann. 2. Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin, und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn. Mein Herz soll fröhlich grünen in stetem Lob und Preis, und deinem Namen dienen, so gut ich kann und weiß. 3. Was hast du unterlassen zum Trost mir und zur Freud'? Als Leib und Seele saßen in ihrem größten Leid, als mir das Reich genommen, da Fried' und Freude lacht, bist du, mein Heil, gekommen, und hast mich froh gemacht. 4. Jch lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los; ich stand in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß, und hebst mich hoch zu Ehren, und schenkst mir großes Gut, das sich nicht läßt verzehren, wie ird'scher Reichthum thut. 5. Nichts, Nichts hat dich getrieben zu mir vom Himmelszelt, als dein getreues Lieben, damit du alle Welt in ihren tausend Plagen, und großer Jammerlast, die kein Mund kann aussagen, so fest umfangen hast. 6. Das schreib in deine Herzen, du hochbetrübtes Heer, bei denen Gram und Schmer 51 wahren Heil, schafft, daß bei Gottes Kindern verbleib' ihr Erb' und Theil. Geburt Christi. zen sich häufen mehr und mehr. Seid unverzagt, ihr habet die Hülfe vor der Thür; der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier. 7. Jhr dürft euch nicht bemühen, noch sorgen Tag und Nacht, wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes Macht. Er kommt aus eignem Willen, ist voller Lieb' und Luft, all' Angst und Noth zu stillen, die ihm an euch bewußt. 8. Auch dürft ihr nicht erschrecken vor eurer Sünden schuld; nein, Jesus will sie decken mit seiner Lieb' und Huld. Er kommt, er kommt den Sündern zum Trost und 9. Was fragt ihr nach dem Schreien der Feind' und ihrer Tück'? Der Herr wird sie zerstreuen in einem Augenblick. Er kommt, er kommt, ein König, dem alle Macht und List der ganzen Welt zu wenig zum Widerstande ift. 10. Er kommt zum Weltgerichte, zum Fluch dem, der ihm flucht; mit Gnad' und süßem Lichte, dem, der ihn liebt und sucht. Komm, Jesu, unsre Sonne, und leit uns allzumal zu ew'ger Freud' und Wonne in deinen Himmelssaal. P. Gerhard, † 1676. B. Geburt Chrifti. ( Weihnacht.) Mel. Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn. Welt von Ewigkeit zum Heil 57. Brich an, du schönes bestellt, als zartes Kind geDas ganze menschMorgenlicht! Das ist der alte boren. Morgen nicht, der täglich sich liche Geschlecht gewinnt auf's Es ist ein Leuchten Neu' der Kindheit Recht, das aus der Fern', es ist ein nie früh ihm ward verloren. gesehner Stern, deß sich der Erdkreis freuet. erneuet. 2. Nun wird ein König, aller 3. Der Himmel ist jetzt nimmer weit; es naht die sel'ge Gotteszeit der Freiheit und der II. Erlösungswerk. 52 Liebe. Wohlauf, du frohe Christenheit, daß Jeder sich nach langem Streit in Friedenswerfen übe. 4. Wer ist noch, der da sorgt und sinnt? Hier in der Krippe liegt ein Kind, holdselig von Geberde. Wir grüßen dich, du Gottes Held! Will kommen, Heiland aller Welt, willkommen auf der Erde! M. v. Schenkendorf,+ 1817. Mel. Wie schön leucht't uns der Morgenstern. 58. Der Heiland kommt; lobfinget ihm, dem Herrn, dem alle Seraphim das Heilig, Heilig singen. Er kommt; der eingeborne Sohn, verläßt des Himmels hohen Thron, um Heil der Welt zu bringen. Preis dir, daß wir von den Sünden Rettung finden, Gnad' empfangen, und zum Himmel reich gelangen. 2. Willkommen, Friedefürst und Held, Erlöser, Mittler, Heil der Welt, willkommen hier auf Erden! Du kleidest dich in Fleisch und Blut, und willst der ganzen Welt zu gut selbst unser Bruder werden. Ja, du, Jesu, kommst uns Armen voll Erbarmen mild entgegen, wan delft unsern Fluch in Segen. 3. Du bringst uns Trost, Zufriedenheit, bringst Heil und ew'ge Seligkeit; sei hoch dafür gepriesen. O Herr, zu arm und schwach sind wir, die Treue zu vergelten dir, die du an uns erwiesen. Da wir allhier im Verderben müßten sterben, bringst du Leben; o was kannst du Größres geben! 4. Wir bringen dir ein dankbar Herz, bereit, in Freu den und in Schmerz, wie dir's gefällt, zu wandeln. Verleih du selber uns die Kraft, nach deinem Wort gewissenhaft zu denken und zu handeln. Zu dir flehn wir, hilf uns Schwachen, daß wir wachen, beten, ringen, und die böse Luft bezwingen. 5. O gieb, daß ich an diesem Heil nun auch von ganzem Herzen Theil in wahrem Glauben nehme; daß ich hinweg vom Eitlen seh', die Wege deiner Wahrheit geh', und deiner nie mich schäme; bis ich durch dich, wenn ich sterbe, Geburt Christi. zu dem Erbe deiner Frommen einst auch mich seh' aufgenommen. Unbekannt. Mel. Vom Himmel hoch, da komm' ich her. 59. Dies ist der Tag, den Gott gemacht; sein werd' in aller Welt gedacht; ihn preise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist. 2. Die Völker haben sein geharrt, bis daß die Zeit erfüllet ward; da sandte Gott von seinem Thron das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. 3. Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still; er betet an, und er ermißt, daß Gottes Lieb' unendlich ist. 4. Damit der Sünder Gnad' erhält, erniedrigst du dich, Herr der Welt, nimmst selbst an unsrer Menschheit Theil, erscheinst im Fleisch zu unserm Heil. 5. Dein König, Zion, kommt zu dir; er spricht: Im Buche steht von mir; Gott, deinen Willen thu' ich gern. Ge lobt sei, der da kommt im Herrn! 53 6. Herr, der du Mensch geboren wirst, Immanuel und Friedefürst, auf den die Väter hoffend sahn, dich, Gott, mein Heiland, bet' ich an. 7. Du, unser Heil und höchstes Gut, vereineft dich mit Fleisch und Blut, wirst unser Freund und Bruder hier, und Gottes Kinder werden wir. 8. Durch Eines Sünde fiel die Welt; Ein Mittler hat sie hergestellt. Was zagt der Mensch, wenn der ihn schüßt, der in des Vaters Schooße sitzt? 9. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, den Tag der heiligsten Geburt! Du Erde, die ihn heute sieht, sing deinem Herrn ein neues Lied! 10. Dies ist der Tag, den Gott gemacht; sein werd' in aller Welt gedacht; ihn preise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist. C.F. Gellert,+ 1769. Me L. Ach, sagt mir Nichts von Gold zc. 60. Dies ist die Nacht, da mir erschienen des großen GottesFreundlichkeit; das Kind, dem alle Engel dienen, bringt 54 II. Erlösungswerk. Licht in meine Dunkelheit; und wie ich, des Weihnachtsglanzes dieses Welt- und Himmelslicht weicht hunderttausend Sonnen nicht. voll, in deinem Lichte wan deln soll. E.F. Nachtenhöfer, † 1685. 2. Laß dich erleuchten, meine Seele, versäume nicht den Gnadenschein! Der Glanz in dieser kleinen Höhle streckt sich in alle Welt hinein; er treibt hinweg der Hölle Macht, der Sünde und des Todes Nacht. 3. In diesem Lichte kannst du sehen das Licht der klaren Seligkeit; wenn Sonne, Mond und Stern' vergehen dereinst am Ende dieser Zeit, wird dieses Licht mit seinem Schein dein Himmel und dein Alles sein. 4. Laß nur indessen helle scheinen, dein Glaubens- und dein Liebeslicht; mit Gott mußt du es treulich meinen, sonst hilft dir diese Sonne nicht; willst du genießen ihren Schein so darfst du nicht mehr dunkel ſein. 5. Drum, Jesu, schöne Weihnachtssonne, bestrahle mich mit deiner Gunst; dein Licht sei meines Herzens Wonne, und lehre mich die hohe Kunst, mer. Lobe den Herren, den mächtigen 2c. 61. Ehre sei Gott in der Höhe, der Herr ist geboren, uns zum Erlöser vom Vater der Gnade erkoren, daß er zurück führe zum ewigen Glück, was hier in Sünde verloren. 2. Dunkel bedeckte den Erdkreis, in Finsterniß irrten Völker umher, wie die Heerden, verlassen vom Hirten. Jesus erschien; Nächte verschwanden durch ihn, die auch den Weisen verwirrten. 3. Menschen, berufen, sich unter einander zu lieben, folgten der Zwietracht, des Haffes verderblichen Trieben. Jesus erschien; und es ward Friede durch ihn, Fried' ist in ihm uns geblieben. 4. Wohlthun und Segen entsproffen des Göttlichen Schrit ten; Trost und Erquickung trug er in der Weinenden Hütten, ward ihnen Freund, hatte gleich ihnen geweint, hatte gleich ihnen gelitten Geburt Christi. 5. Ehre sei Gott in der Höhe! Ein ewiges Leben hat er durch ihn, seinen Sohn, uns erbarmend gegeben. Bis in das Grab stieg er vom Himmel herab, einst uns zum Himmel zu heben. 6. Heil mir, wenn ich dann ihn, meinen Erretter, auch sehe, und mit den Schaaren Vollendeter ewig erhöhe! Ehre sei dir, Heiland der Menschen, schon hier! Ehre sei Gott in der Höhe! a. H. Niemeyer,+ 1827. 55 3. Er kam zu uns auf Erden zu der bestimmten Zeit, trug Mühe und Beschwerden in tiefer Niedrigkeit; der ihm gegebnen Macht enthielt er sich mit Freuden, bis er durch Todesleiden sein großes Werk vollbracht. Mel. Helft mir Gott's Güte preisen. ( Von Gott will ich nicht lassen.) 62. Erhebt den Herrn, ihr Frommen! Er hält, was er verspricht; der Heiland ist gekommen, der Völker Trost und Licht. Gott will nicht unsern Tod; er hat den Sohn gegeben, damit durch ihn wir leben erlöst von Sünd' und Noth. 2. O sehet, welche Liebe hat uns der Herr erzeigt; mit welchem Vatertriebe das Herz zu uns geneigt! Von seiner Himmel Thron kommt, Rettung vom Verderben uns Sündern zu erwerben, sein eingeborner Sohn. 4. Er hat's vollbracht; o bringet Gott euren Lobge sang. Erlöste Menschen, singet dem Mittler ewig Dank. Wo Niemand helfen kann, da hilft er gern aus Gnaden, heilt unsrer Seele Schaden. nehmt ihn gläubig an. 5. Du, Freund der Menschenkinder, verwirf uns, Jesu, nicht; dein Name, Heil der Sünder, ist unsre Zuversicht. Wir sind auf ewig dein; hilf du die Macht der Sünden uns kräftig überwinden, und dir gehorsam sein. 5. Herr Jesu, wir ergeben uns dir zum Eigenthum; schon hier soll unser Leben verkünden deinen Ruhm; und wenn wir dort dich sehn, soll in der Engel Chören dich unser 2oblied ehren, und ewig dich erhöhn. M. Schirmer,+ 1675. 56 II. Erlösungswerk. Eigene Melodie. 63. Ermuntre dich, mein schwacher Geist, und trage groß Verlangen, ein Kind, das Ewig- Vater heißt, mit Freuden zu empfangen. Dies ist die Nacht, darin es kam und menschlich Wesen an sich nahm, daß seiner Liebestreue die ganze Welt sich freue. 2. Willkommen, Held aus Davids Stamm, du König aller Ehren! Willkommen, Jesu, Gottes Lamm! Ich will dein Lob vermehren; ich will dir all' mein Leben lang von Herzen sagen Preis und Dank, daß du, da wir verloren, für uns bist Mensch geboren. 3. O Gottessohn, wie konnt' es sein, dein Himmelreich zu lassen, zu kommen in die Welt herein, wo Nichts, als Neid und Hassen! Wie konntest du die große Macht, dein Königreich, die Himmelspracht, ja selbst dein theures Leben für solche Feinde geben! 4. Oliebstes Kind, das Gott uns gab, holdselig von Geberden, mein Bruder, den ich lieber hab' als alle Schäß' auf Erden; komm eilend in mein Herz herein, und laß es deine Wohnung sein; komm, komm, ich will bei Zeiten die Stätte dir bereiten. 5. Lob, Preis und Dank, Herr Jesu Christ, sei dir von mir gesungen, daß du mein Bruder worden bist, und hast die Welt bezwungen. Hilf, daß ich deine Gütigkeit stets preif' in dieser Gnadenzeit, um dich hernach dort oben in Ewigkeit zu loben. 3. Rist,+1667. Eigene Melodie. 64. Es ist ein Reis entsprungen aus einer Wurzel zart, vor Alters schon besungen nach seiner edlen Art, und hat um Mitternacht zur Zeit des tiefen Winters ein Blümlein uns gebracht. 2. Das blühet uns zur Wonne und duftet hold und süß, durchleuchtet, gleich der Sonne, der Erde Finsterniß. Es lindert Noth und Schmerz, giebt stillen Seelenfrieden, giebt Trost in unser Herz. 3. Das Blümlein dem wir singen, von dem Jesajah sagt, Maria sollt' es bringen, die Geburt Chrifti. reine Gottes- Magd, die nach des Höchsten Rath in mitternächt'ger Stunde ein Kind geboren hat. 4. Das Kind in armer Hülle, das in der Krippe lag, mit seines Lichtes Fülle verwandelt's Nacht in Tag; als wahrer Mensch und Gott versöhnt es uns dem Vater, und rettet uns vom Tod. 5. Du, der den Menschenkindern erschien zum ew'gen Heil, gieb auch uns armen Sündern an deiner Gnade Theil. Verlaß uns, Jesu, nicht, bis wir von hinnen scheiden, und schaun dein Angesicht. Altkirchlich. 57 wie dein Heiland kommt zu dir, wie er in der Krippe hier, daß es dir an Trost nicht fehle, liegt als Kindlein dir zu gut, dich zu lösen durch scin Blut. Freude, Freude über Freude! Christus wehret allem Leide; Wonne, Wonne über Wonne! Christus ist die Gnadensonne. Eigene Melodie. 65. Freuet euch, ihr Christen alle, freue sich, wer immer kann; Gott hat viel an uns gethan. Freuet euch mit großem Schalle, daß er unser hat gedacht, uns zu seinem Volk gemacht. Freude, Freude über Freude! Christus wehret allem Leide; Wonne, Wonne über Wonne! Christus ist die Gnadenſonne. 2. Siehe, siehe, meine Seele, 3. Jesu, wie soll ich dir danken? Meinen Tod nimmst du von mir, giebst das Leben mir in dir. Ach, so laß mich nimmer wanken, nimm mich ganz zu eigen hin; so empfindet Herz und Sinn Freude, Freude über Freude! Christus wehret allem Leide; Wonne, Wonne über Wonne! Christus ist die Gnadensonne. 4. Jesu, nimm dich deiner Glieder fort und fort in Gnaden an; schenke, was man bitten kann, zu erquicken deine Brüder; gieb der ganzen Christenschaar Frieden und ein selig Jahr. Freude, Freude über Freude! Christus wehret allem Leide; Wonne, Wonne über Wonne! Christus ist die Gnadensonne. G. Reymann,+ 1662. 58 II. Erlösungswerke. Mel. Warum sollt' ich mich denn grämen.( B.) 66. Fröhlich soll mein Herz nun springen, dieser Zeit, da vor Freud' alle Engel sin gen. Hört, hört, wie mit vollen Chören alle Luft jauchzt und ruft: Christus ist geboren. 2. Heute geht aus seiner Kammer Gottes Held, der die Welt reißt aus allem Jammer. Gott wird Mensch, dir, Mensch, zu gute, Gottes Kind, es ver bind't sich mit unserm Blute. 3. Sollt' uns Gott nun können hassen, der uns giebt, was er liebt über alle Maßen? Gott giebt, unserm Leid zu wehren, seinen Sohn aus dem Thron seiner Macht und Ehren. 4. Der nimmt auf sich, was auf Erden wir gethan, giebt sich an, unser Lamm zu werden; unser Lamm, das für uns stirbet, und bei Gott für den Tod Heil und Fried' erwirbet. 5. Seht, er liegt in seiner Krippe, ruft zu sich mich und dich, spricht mit süßer Lippe: Lasset fahren, liebe Brüder, was euch quält; was euch fehlt, ich bring' Alles wieder. 6. Ei so kommet ohn' Verweilen, stellt euch ein, Groß und Klein, daß wir zu ihm eilen; liebt den, der vor Liebe brennet, schaut den Stern, der uns gern Licht und Labsal gönnct. 7. Die ihr schwebt in großem Leide, sehet, hier ist die Thür zu der wahren Freude. Faßt ihn wohl, er wird euch führen an den Ort, wo hinfort euch kein Kreuz wird rühren. 8. Wer sich fühlt beschwert im Herzen, wer empfind't seine Sünd' und Gewissensschmerzen sei getrost; hier wird gefunden, der in Eil machet heil auch die tiefsten Wunden. 9. Die ihr seufzet im Elende, kommt herbei, füllet frei eure Glaubenshände; hier sind alle guten Gaben und das Gold, dran ihr sollt eure Herzen laben. 10. Süßes Heil, laß dich umfangen, laß mich dir, meine Zier, unverrückt anhangen. Du bist meines Lebens Leben; nun kann ich mich durch dich wohl zufrieden geben. 59 aus dem Jammerthal, und macht uns Erb'n in seinem Saal. Kyrieleis. 6. Er ist auf Erden kommen arm, daß er unser sich erbarm', uns in dem Himmel mache reich und seinen lieben Engeln gleich. Kyrieleis. Geburt Christi. 11. Ich will dich mit Fleiß bewahren, ich will dir leben hier, und mit dir heimfahren. Mit dir will ich endlich schweben voller Freud' ohne Zeit dort im andern Leben. P. Gerhard,+ 1676. Eigene Melodie. 67. Gelobet feist du, Jeſu Christ, daß du Mensch geboren bist, von einer Jungfrau, das ist wahr; deß freuet sich der Engel Schaar. Kyrieleis. 2. Des ew'gen Vaters einig Kind jetzt man in der Krippe find't; in unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ew'ge Gut. Kyrieleis. 3. Den aller Weltkreis nie beschloß, der liegt in Mariens Schooß; er ist ein Kindlein worden klein, der alle Ding' erhält allein. Kyrieleis. 4. Das ew'ge Licht geht da hinein, giebt der Welt ein'n neuen Schein; es leucht't wohl mitten in der Nacht, uns zu des Lichtes Kindern macht. Kyrieleis. 5. Der Sohn des Vaters, Gott von Art, ein Gast in der Welt hier ward, und führt uns 7. Das Alles hat er uns gethan, sein' groß' Lieb' zu zeigen an; deß freut sich alle Christenheit und dankt ihne das in Ewigkeit. Kyrieleis. M. Luther, † 1546. Eigene Melodie. 68. Gottes Sohn ist kommen, und hat angenom men uns zum Heil auf Erden menschliche Geberden, daß er überwinde alle Macht der Sünde. Er kommt auch noch heute, und belehrt die Leute, wie sie aller Enden sich zur Buße wenden und der gnadenvollen Wahrheit folgen sollen. 3. Die sich sein nicht schämen, seinen Dienst annehmen, gläubig auf ihn bauen und ihm fest vertrauen, denen will er Leben, Heil und Frieden geben. 60 II. Erlösungswerk. 4. In dem Sacramente Mel. Lobe den Herren, den 2c. giebt als Liebesspende er sich 69. Jauchzet, ihr Himselbst zur Speise, ihnen zum Beweise, daß sie im Gewissen seiner froh genießen. mel, froblocket ihr Engel in Chören! Singet dem Herren, dem Heiland der Menschen, zu Ehren! Sehet doch da, Gott will so freundlich und nah zu den Verlornen sich kehren. 5. Die, also sein eigen, sich beständig zeigen, ihm mit Leib und Leben zu gefallen streben, werden auch mit Freuden einst von hinnen scheiden. 6. Denn bald und behende kommt heran ihr Ende; da wird er vom Bösen ihre Seel' erlösen, und sie mit sich führen zu des Himmels Thüren. 2. Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Völker der Erde! Gott will den Sünder versöhnen, daß Freund er ihm werde. Friede und Freud' wird uns verkündiget heut; freuet euch, Hirten und Heerde! 7. Doch von dort hernieder kommt er mächtig wieder, und die Todten werden auferstehn auf Erden, und zu seinen Füßen sich darstellen müssen. 3. Gott ist im Fleische; wer kann dies Geheimniß verstehen? Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen. Gehet hinein, Eins mit dem Sohne zu sein, die ihr zum Vater wollt gehen. 8. Dann wird er sie scheiden. Zu des Himmels Freuden gehen ein die Frommen; doch die Bösen kommen an den Ort der Qualen, ihre Schuld zu zahlen. 4. Hast du denn, Höchster, auch meiner noch wollen gedenken? Du willst dich selber, dein Herz voll Erbarmung mir schenken. Soll nicht mein Sinn innigst sich freuen darin, und sich in Demuth versenken? 5. König der Ehren, aus Liebe geworden zum Kinde, dem ich auch wieder mein Herz 9. Hilf, daß unsre Seelen dich, Herr Jesu, wählen; daß wir, alle Stunden glaubenstreu erfunden, einst von hinnen scheiden zu den ew'gen Freuden. Böhm. Brüd.( J. Horn.) Geburt Chrifti. in der Liebe verbinde, du sollst es sein, den ich erwähle allein. Ewig entsag' ich der Sünde. 6. Treuer Immanuel, werd auch in mir nun geboren. Komm, o mein Heiland, denn ohne dich bin ich verloren; wohne in mir, mache ganz Eins mich mit dir, der du mich liebend erkoren. 61 dein göttlich Bild liegt stets mir im Gemüthe. Wie könnte. es auch anders sein! Du biſt mein Alles, du allein; dich kann mein Herz nicht lassen. 3. Da ich noch nicht ge boren war, bist du mir schon geboren, und hast mich dir zu eigen gar, eh' ich dich Noch war kannt, erkoren. ich nicht an's Licht gebracht, da hat dein Herz es schon bedacht, wie mein du wolltest werden. 4. Jch lag in tiefer Todesnacht; du wurdest meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud' und Wonne. O Sonne, die des Glaubens Licht mir bringend durch die Wolken bricht, wie schön sind deine Strahlen! 7. Menschenfreund, Jesu, dich lieb' ich, dich will ich erheben; laß mich doch einzig nach deinem Gefallen nun streben. Herr, nimm mich hin, hilf mir, in kindlichem Sinn ewiglich dir nur zu leben! G. Tersteegen, † 1769. Mel. Nun freut euch, liebe Christen g'mein. 70. Ich steh' an deiner Krippe hier, o Jesu, du, mein Leben; zu dir komm' ich und schenke dir, was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel' und Muth; nimm Alles hin, und laß dir's wohl gefallen. 2. Du hast mich ganz und gar erfüllt mit deiner Lieb' und Güte; dein schöner Glanz, 5. Ich sehe dich mit Freu den an und kann nicht satt mich sehen; und weil ich dich nicht lassen kann, bleib' ich D daß bewundernd stehen. mein Geist ein Abgrund wär', und meine Seel' ein weites Meer, daß ich dich möchte fassen! 6. Wenn oft mein Herz 62 II. Erlösungswerk. und Kraft uns beizustehn, und uns zum Himmel zu erhöhn. vor Kummer weint, und keinen Sünde zu befrein, mit Licht Troft kann finden, dann rufft du mir: Ich bin dein Freund, ich tilge deine Sünden! Was trauerst du in deinem Sinn, da ich dein Bruder worden bin? Ich fühne deine Schulden. 3. D große Gnad' und Gütigkeit! O tiefe Lieb' und Mildigkeit! Gott thut ein Werk, dem keines gleicht, das keines Menschen Lob erreicht. 7. Du fragst nicht nach der Lust der Welt, noch nach des Leibes Freuden; du hast dich bei uns eingestellt, an unsrer Statt zu leiden, suchst meiner Seele Trost und Freud' durch dein so bittres Herzeleid; das will ich dir nicht wehren. 8. Eins aber, hoff' ich, wirst du mir, mein Heiland, nicht versagen, daß ich dich möge für und für in meinem Herzen tragen. O laß mich deine Wohnung sein, komm, komm und ziehe bei mir ein mit allen deinen Freuden! P. Gerhard, † 1676. Mel. Lob sei dem allmächtigen Gott. 71. Lob sei dem allerhöchsten Gott! Erbarmend sah er unsre Noth, und sandte seinen lieben Sohn zu uns vom hohen Himmelsthron. 2. Ihn fandt' er, unser Heil zu sein, uns von der 4. Was sind wir, daß das höchste Gut so große Dinge an uns thut? Was sind wir, daß uns Gott so liebt, uns seinen Sohn zum Heiland giebt? 5. So nimm ihn denn mit Freuden an, mach ihm zu deinem Herzen Bahn; gieb dich ihm ganz zu eigen hin und lebe stets in seinem Sinn. 6. Bei dieser Treue hast du Theil an dem von ihm erworbnen Heil. Wo nicht, ach, so verschließ'st du dir muthwillig selbst des Himmels Thür. 7. Wie er voll Huld und Freundlichkeit erschien in dieser Gnadenzeit, so kommt er einst mit Majestät, zum Richter aller Welt erhöht. 8. Dann trifft die Sünder ew'ge Pein; die Frommen Geburt Christi. zehn zum Leben ein, und in des Vaters ew'gem Reich macht er sie seinen Engeln gleich. 9. Dem Vater in dem höchsten Thron, dem eingebornen Gottessohn, dem heil'gen Geiste bringen wir Preis und Anbetung für und für. Nach M. Weiße, um 1532. 63 werd' ein Herr und geh' zu Ehren ein; was könnte doch wohl seliger, als solch ein Wechsel, sein! 6. Heut schleußt er wieder auf das Thor zum ew'gen Paradeis; der Cherub steht nicht mehr davor, Gott sei Lob, Ehr' und Preis. N. Hermann,+ 1561. Eigene Melodie. 72. Lobt Gott, ihr Christen allzugleich, in seinem höchsten Thron, der heut aufschleußt sein Himmelreich und schenkt uns seinen Sohn. 2. Er kommt aus seines Vaters Schooß und wird ein Kindlein klein, er liegt dort elend, nackt und bloß, um unser Herr zu sein. 3. Er äußert sich all' seiner G'walt, wird niedrig und gering und nimmt an sich die Knechtsgestalt, der Schöpfer aller Ding'. 4. Er wechselt mit uns wunderbar, er wird uns Menschen gleich, und beut uns seine Gottheit dar, wird arm, und macht uns reich. 5. Er wird ein Knecht, ich Eigene Melodie. 73. Vom Himmel hoch, da komm' ich her, und bring' euch gute neue Mähr; der guten Mähr bring' ich so viel, davon ich sing'n und sagen will. 2. Euch ist ein Kindlein heut gebor'n, von einer Jungfrau auserkor'n; dies Kinde lein, so zart und fein, soll eure Freud' und Wonne sein. 3. Es ist der Herr Christ, unser Gott, der will euch führen aus der Noth, will selber euer Heiland sein, von aller Sünd' euch machen rein. 4. Er bringt euch alle Seligkeit, die Gott der Vater hält bereit, daß ihr mit uns im Himmelreich sollt leben, seinen Engeln gleich. 64 II. Erlösungswerk. 5. So merket nun das Zeichen recht; in Kripp' und Windeln, arm und schlecht, da findet ihr das Kind gelegt, das alle Welt erhält und trägt. 6. Deß laßt uns alle fröhlich sein, und mit den Hirten gehn hinein, zu sehn, was Gott uns hat bescheert, da er uns seinen Sohn verehrt. 7. Merk auf, mein Herz, und schaue hin zur Krippe dort; was liegt darin? Es ist dein Heiland Jesus Christ, der für dich Mensch geboren ist. 8. Willkommen hier, du edler Gast, den Sünder du verschmäht nicht hast! Du kommst in's Elend her zu mir; wie soll ich's immer danken dir? 9. Wie bist du, Herr von Ewigkeit, gering geworden in der Zeit, daß dir in dieser armen Welt das ärmste Lager ward bestellt! 10. Wär' auch die Welt vielmal so weit, von Edelstein und Gold bereit't, so wäre sie doch viel zu klein, um deine Wiege, Herr, zu sein. 11. Statt Sammt und Seide wählest du grob Heu und Windeln dir zur Ruh', worin du, König, groß und reich, herprangst, als wär's dein Himmelreich. 12. Das hat also gefallen dir, die Wahrheit anzuzeigen mir, wie aller Welt Macht, Ehr' und Gut vor dir Nichts gilt, Nichts hilft, noch thut. 13. Ach, mein herzliebster Jesu Christ, des Herzens Thür dir offen ist; zieh du mit deiner Gnade ein, auf daß ich nie vergesse dein. 14. Gieb, daß ich allzeit fröhlich sei, frohlock' und singe immer frei zu Ehren dir, o Gottessohn, mit Herzensluft im süßen Ton. 15. Lob, Ehr' sei Gott im höchsten Thron, der uns schenkt seinen ein'gen Sohn!- Deß freuet sich der Engel Schaar, und singet uns solch neues Jahr. M. Luther, † 1546. Mel. Erschienen ist der herrlich' Tag. 74. Wir singen dir, Imma nuel, du Lebensfürst und Gnadenquell, du wunderbarer Morgenstern, der Jungfrau Sohnt, Herr aller Herrn. Halleluja! Geburt Christi. 2. Wir singen dir mit deinem Heer aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr', daß du, so lang ersehnter Gast, dich nunmehr eingestellet haft. Halleluja! 3. Von Anfang, da die Welt gemacht, hat so manch Herz nach dir gewacht, auf dich gehofft so lange Jahr' der Väter und Propheten Schaar. Halleluja! 4. Ach, käme der Verheißne doch, und bräche unser hartes Joch, und macht' uns frei von Angst und Pein, wie fröhlich würden wir dann sein. Halleluja! 5. Nun bist du hier; da liegest du, hältst in der Krippe deine Ruh'; bist klein, und machst doch Alles groß; du schmückst die Welt, und kommst doch bloß. Halleluja! 6. Du kehrst in fremder Wohnung ein, und sind doch alle Himmel dein; du liegst an einer Mutterbrust, und bist doch aller Engel Lust. Halleluja! 65 viel Menschen Feind; Herodis Haß wird dir zu Theil, und bist doch nichts, als lauter Heil. Halleluja! 7. Du bist der größte Menschenfreund, doch sind dir so 8. Jch aber, dein geringster Knecht, ich sag' es frei und mein' es recht: ich liebe dich, doch nicht so viel, als ich gar gern dich lieben will. Halleluja! 9. Der Will' ist da, die Kraft ist klein, doch wird dir nicht zuwider sein mein armes Herz, und was es kann, wirst du in Gnaden nehmen an. Halleluja! 10. Darum hab' ich so guten Muth, du wirst auch halten mich für gut. O Jeſu Christ, dein frommer Sinn macht, daß ich so voll Trostes bin. Halleluja! 11. Bin ich gleich arger Sünden voll, hab' ich gelebt nicht, wie ich soll, so kommſt du ja deßwegen her, daß sich der Sünder zu dir kehr'. Halleluja! 12. So faß' ich dich nun ohne Scheu; du machst mich alles Jammers frei, du trägst die Schuld, besiegst 5 66 II. Erlösungswerk. den Tod, verkehrst in Freud' all' Angst und Noth. Halleluja! 13. Du bist mein Haupt, hinwiederum bin ich dein Glied und Eigenthum, und will, so viel dein Geist mir giebt, stets C. Erscheinung Christi.( Epiphania.) Mel. Lobt Gott, ihr Christen, allzugleich. 75. Auf, Seele, auf, und säume nicht! Es bricht das Licht herfür; der Wunderstern giebt d'r Bericht, der Held sei vor der Thür. dienen dir, wie dir's beliebt. Halleluja! 14. Ich will dein Halleluja hier mit Freuden fingen für und für, und dort in deinem Ehrensaal soll's schallen ohne Zeit und Zahl. Halleluja! P. Gerhard,+ 1676. 2. Geh aus von deinem Vaterland, zu suchen solchen Herrn; dein Auge blicke un verwandt auf diesen Morgenstern. 3. Gieb Acht auf diesen hellen Schein, der aufgegangen ist; er führet dich zum Kind hinein, das heißet Jesus Christ. 4. Das ist der Held aus Davids Stamm, der alle Feinde schlägt; das ist das theure Gotteslamm, das unsre Sünde trägt. 5. Drum mache dich behende auf, befreit von aller Last, und laß nicht ab in deinem Lauf, bis du gefunden haft. 6. Dann sint in tiefster Demuth hin vor diesem Kindelein, daß es erleuchte deinen Sinn mit seinem Gnadenschein. 7. Gieb willig ihm zum Opfer dar dich selbst mit Leib und Seel', und singe mit der Engel Schaar: Hier ist Im manuel! 8. Dann fallen alle Sorgen hin, zur Lust wird jede Bein, es wird erfreuet Herz und Sinn, denn Gott ist ja nun dein. 9. Der zeigt dir einen an dern Weg, als du vorher Erscheinung Christi. erkannt; den stillen Ruh'- flieht, mit Simeon zu singen und Friedenssteg zum ew'gen Baterland. M. Müller,+ 1704 das frohe Abschiedslied: Nun werde ich in Frieden aus diesem Leben gehn, da mir es war beschieden, den Heiland hier zu sehn. 5. Ja, ja, ich hab' im Glauben, mein Jesu, dich geschaut; kein Feind kann mir dich rauben, dem meine Seele traut. Ich wohn' in deinem Herzen, und in dem meinen du; uns scheiden keine Schmerzen, kein' Angst, kein Tod dazu. 6. Hier will es oft mir scheinen, du säh'st mich strafend an, daß ich vor Angst und Weinen dich kaum erkennen kann; dort aber wird's geschehen, daß ich von Angesicht zu Angesicht soll sehen dein immer klares Licht. J. Frand,+ 1677. Mel. Valet will ich dir geben. 76. Herr Jesu, Licht der Heiden, der Frommen Schatz und Lieb'! Wir kommen jetzt mit Freuden durch deines Geistes Trieb in diesen dei nen Tempel, und suchen mit Begier, nach Simeons Exempel, dich, Gottes Sohn, allhier. 2. Du wirst von uns gefunden noch heut an jedem Ort, wo gläubig wir verbun den auf dein Verheißungswort; vergönnst noch alle Tage, daß man dich, Gott zum Preis, auf Glaubensarmen trage, wie dort der fromme Greis. 3. Sei unser Glanz in Wonne, sei Troft uns in der Pein, in Trübsal unfre Sonne, im Kreuz ein Gnadenschein; ein Schild sei uns im Streite, in Noth ein Freudenstrahl, ein Arzt im bittern Leide, ein Stern in Todesqual. 67 4. Herr, laß auch uns gelingen, wenn unser Leben Mel Meinex Jesum laß' ich nicht. 77. Jesu, großer Wunderftern, der aus Jacob ist erschienen, meine Seele will so gern heut dir mit den Weisen dienen; nimm, o nimm doch gnädig an, was ich Armer schenken kann. 68 II. Erlösungswerk. 2. Nimm das Gold des Glaubens hin, wie ich's von dir selber habe, und damit beschenket bin; so ist dir's die liebste Gabe. Laß es auch bewährt und rein in der Kreuzesprobe sein. 3. Nimm den Weihrauch des Gebets, laß ihn gnädig dir genügen; Herz und Lippen sollen stets, ihn zu opfern, vor dir liegen. Wenn ich bete, nimm es auf, und sprich Ja umd Amen drauf. 4. Nimm die Myrrhen bitt rer Reu'; ach, mich schmerzet meine Sünde. Doch ich hoff' auf deine Treu', daß ich Trost und Gnade finde und nun fröhlich sprechen kann: Jesus nimmt mein Opfer an. E. Neumeister,+ 1756. Mel. Ach, was soll ich Sünder machen? 78. Kommst du, kommst du, Licht der Heiden? Ja, du kommst, und säumest nicht, weil du weißt, was uns gebricht. O, du starker Trost im Leiden, Jesu, meines Herzens Thür steht dir offen; komm zu mir. 2. Ja, du bist bereits zu gegen, du, Weltheiland, Gottes Sohn; meine Seele spüret schon deinen gnadenvollen Segen, deiner Nähe Wunderkraft, die uns Heil und Leben schafft. 3. Adle mich durch deine Liebe, Jesu, nimm mein Flehen hin; schaffe, daß mein Geift und Sinn sich in deinem Lieben übe; denn zu lieben dich, mein Licht, steht in meiner Kraft sonst nicht. 4. Jesu, rege mein Ge müthe, Jesu, öffne mir den Mund, daß ich dich von Herzensgrund innig preise für die Güte, die du mir, o Seelengast, lebenslang erwiesen hast. 5. Gieb mir deines Geistes Gaben, Liebe, Glauben und Geduld; laß mich einst durch deine Huld Theil an deinem Erbe haben. Dann, mein Heiland, sing' ich dir Hosianna für und für. C. E. Homburg, † 1681 mer. Herr Jesu Christ, mein's Lebens Licht. 79.0 Jesu Christe, wahres Licht, erleuchte, die dich kennen nicht, und bringe sie zu deiner Erscheinung Chriſti. Heerd', daß ihre Seel' auch selig werd'. 2. Füll mit dem Scheine deiner Gnad', die der Irrthum verführet hat, auch die, so heimlich noch ficht an in ihrem Sinn ein falscher Wahn. 3. Und was fich sonst verlaufen hat von dir, das suche du mit Gnad', und ihr verwund't Gewissen heil, laß sie am Himmel haben Theil. 4. Den Tauben öffne das Gehör, die Stummen richtig reden lehr, die nicht bekennen wollen frei, was ihres Herzens Glaube sei. 69 im Himmel ist dein Thron. Hilf, daß auch hier auf Erden den Menschen weit und breit dein Reich bekannt mag werden zu ihrer Seligkeit.is 2. Von deinem Reiche zeugen die Leut' aus Morgenland, die ihre Kniee beugen vor dir, den sie erkannt, vom Stern auf dich gewiesen, belehrt durch Gottes Wort; darum sei hoch gepriesen als unser Heil und Hort. 3. Mein Herrscher, aus Erbarmen nimm in dein Reich mich auf; schenk Gnade mir, dem Armen, und segne meinen Lauf. Den Feinden woll'st du wehren, der Sünde und dem Tod, daß sie mich nicht versehren; rett mich aus aller Noth. 5. Erleuchte, die da sind verblend't, bring her, die sich von uns getrennt; versammle, die zerstreuet gehn, fest mache, die im Zweifel stehn. 6. So werden sie mit uns zugleich auf Erden und im Himmelreich, hier zeitlich und dort ewiglich für solche Gnade preisen dich. J. Heermann,+ 1647. Mel. Valet will ich dir geben. 80., König aller Ehren, Herr Jesu, Davids Sohn, dein Reich soll ewig währen, 4. Du woll'st in mir entzünden, dein Wort, den schönsten Stern; halt falsche Lehr' und Sünden von meinem Herzen fern. Hilf, daß ich dich erkenne und mit der Christenheit dich meinen Kö in nig nenne jetzt und Ewigkeit. M. Böhm( Behemb),+ 1622. 70 II. Erlösungswerk. Eigene Melodie. 81. Werde Licht, du Stadt der Heiden, und du, Salem, werde Licht! Schaue, welch ein Glanz mit Freuden über deinem Haupt anbricht. Gott hat derer nicht vergessen, die im Finstern hier gesessen. Finstern gehen. 3. Ach, wie waren wir verblendet, ehe noch dies Licht brach an! Ja, vom Himmel abgewendet hatte sich schier Jedermann; Herz und Auge und Geberde wandten sich nur hin zur Erde. 2. Alles Dunkel mußte weichen, als das Licht kam in die Welt, dem kein andres zu vergleichen, und das alle Ding' erhält. Die nach diesem Lichte sehen, dürfen nicht im 82. Wo ist der neugeJ. Rift,+ 1667. Mel. Erschienen ist der herrlich' Tag. borne Held, der ist ein Hei land aller Welt? Wo treff ich meinen König an, daß ich ihn recht verehren kann? Halleluja! 2. Sei, Kind von Bethlehem, gegrüßt, der du mein Herr und Bruder bist, du Stern aus Jacob, deſsen Schein nun dringt in alle Welt herein. Halleluja! 3. Du, König über Israel, hoch ist erfreuet Leib und Seel', daß Gott nach langer, banger Nacht ein Licht auf Erden hat gebracht. Halleluja! 4. So lang ich lebe, leite mich, daß ich ja nicht verliere 4. Gottes Rath war uns verborgen, seine Gnade schien uns nicht; Klein' und Große mußten sorgen, Jedem fehlt' es an dem Licht, das zum rechten Himmelsleben seinen Glanz uns sollte geben. vom rechten Pfade sich verirrt der frommste Christ; laß uns dieses Licht erfreuen, wenn wir aus der Tiefe schreien. 5. Schenk uns, Herr, das Licht der Gnade, das des Lebens Leitstern ist, ohne das 6. Gieb, Herr Jesu, Trieb und Stärke, daß wir dir zu jeder Zeit durch des Glaubens Liebeswerke folgen in Gerechtigkeit und hernach im Freudenleben heller, als die Sterne, schweben. Leiden dich; du führst allein die rechte Bahn, daß Niemand uns verführen kann. Halleluja! 5. Wenn meine Wallfahrt auf der Welt mit meinem Christi. 71 Leben hier verfällt, so führe mich durch's finstre Thal, daß ich dich find' in Zions Saal. Halleluja! D. Leiden Christi.( Passion.) Eigene Melodie. 83. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarm dich unser. 2. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarm dich unser. 3. Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, gieb uns deinen Frieden. Amen. Altkirchlich. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 84. Du, dessen Augen flossen, sobald sie Zion sahn, zur Frevelthat entschlossen, sich seinem Falle nahn; wo ist das Thal, die Höhle, die, Jesu, dich verbirgt? Verfolger feiner Seele, habt ihr ihn schon erwürgt? Unbekannt. Wer ist der Mann der Vlagen, der langsam Sterbende? Es ist das Heil der Sünder, der Mittler für die Welt, der für die Menschenkinder hier in's Gericht sich stellt. 3. Seht, wie er tief im Staube, bedeckt mit Angstschweiß, liegt, und doch sein starker Glaube im heißen Kampfe fiegt! Schon naht der Feinde Notte, die kein Erbarmen rührt, die unter Hohn und Spotte ihn zu dem Nichtstuhl führt. 4. Sein Volk in wildent Grimme erweicht sein Anblick nicht, und nicht des Mitleids Stimme, die aus den Heiden spricht. Mit frechem Hohngelächter ruft ihre blinde Wuth: Auf unsre Söhn' und Töchter komm', wie auf uns, sein Blut! 2. Welch' ängstlich banges Klagen hörst du, Gethsemane? 72 II. Erlösungswerk. 5. Sie häufen seine Plagen noch auf der Todesbahn; er wird an's Kreuz geschlagen; o Seele, bet ihn an! Ihn höhnt in Wort und Mienen sein Volk bei seinem Schmerz; er ruft: Vergieb es ihnen! In Liebe bricht sein Herz. 6. Bald nahet sich sein Scheiden, des Todes stille Nacht; nun enden seine Leiden, er stirbt, es ist vollbracht. Es hat nun überwunden aus Judas Stamm der Held; Versöhnung ist gefunden für die gefallne Welt. 7. Der du zum Heil der Sünder dein Haupt am Kreuz geneigt, du Freund der Menschenkinder, hier liegen wir gebeugt. Dir danken wir im Staube, dir, der uns Heil gewann; dich preist der Deinen Glaube; nimm unser Opfer an. C. W. Ramler, † 1798. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 85. Du gehst zum Garten, um zu beten; o treuer Jesu, nimm mich mit. Laß mich an deine Seite treten; ich weiche von dir keinen Schritt. Ich will an dir, mein Heiland, sehn, wie mein Gebet soll recht geschehn. 2. Du gehst mit Zittern und mit Zagen, und bist bis in den Tod betrübt. Wie sollte mir das Herz nicht schlagen, der ich der Sünden viel verübt? Mir ziemt es, daß ein Herz voll Reu' stets meines Betens Anfang sei. 3. Du meidest selbst der Jünger Blicke, und suchest fern die Einsamkeit. So zieh' auch ich mich still zurücke, und fliehe, was mein Herz zerstreut. Zeuch mich von aller Welt allein, daß nur wir Zwei beisammen sein. 4. Du wirfst Dich knieend hin zur Erde, fällst nieder auf dein Angesicht. Der Demuth ziemet die Geberde, wenn sich das Herz mit Gott bespricht. Tief beug' ich vor ihm meinen Sinn, ich, der ich Staub und Asche bin. 5. Du wirfft voll zuversicht und Liebe dem treuen Vater dich an's Herz. Ich ruf aus stärkstem Herzenstriebe: mein Vater, Vater! Christi. 6. Geduld'ger Jesu, du bleibst stille; dreimal erneut die Bitte sich. Gewiß ist auch an mich dein Wille, ich soll anhalten kräftiglich. Find' ich nicht Ruh' bei'm ersten Mal, so ruf' und bet' ich ohne Zahl. 7. Dein Wille senkt sich in den Willen des ewig weisen Vaters ein. So soll auch mein Gemüth sich stillen, dann wird mein Flehn erhöret sein. Auch ich bet' in Gelassenheit: Dein Will', o Gott, gescheh' allzeit. 8. Du, Herr, erlangest auf dein Flehen Trost, Kraft, Sieg, Leben, Herrlichkeit. So wird es auch mit mir geschehen, daß ich zur angenehmen Zeit auf ernstlich Beten freudenvoll denselben Segen ernten soll. Leiden Mel. An Wasserflüssen Babylon. himmelwärts. Ach, Glaub' und Liebe sind mir Noth, sonst ist 86. Gin Lamm geht hin mein Beten kalt und todt. und trägt die Schuld der Welt und ihrer Kinder; es geht und träget in Geduld die Sünden aller Sünder. Es geht dahin, wird matt und krank, ergiebt sich auf die Würgebank, entzieht sich aller Freuden; es nimmt auf sich Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod, und spricht: ich will's gern leiden. 2. Das Lamm ist der verheißne Freund und Heiland unsrer Seelen; den, den hat Gott zum Sündenfeind und Sühner wollen wählen. Geh hin, mein Kind, und nimm dich an der Kinder, die ich ausgethan zur Straf' und Zornesruthen; die Schuld ist schwer, die Strafe groß; du kannst und sollst sie machen los durch Sterben und durch Bluten. 73 9. Mein Jesu, hilf mir stets so beten, wie mich dein Vorgang hat gelehrt; so kann ich frei zum Vater treten und werde stets von ihm erhört; so bet' ich mich zum Himmel ein, und will dir ewig dankbar sein. 3. Menzer,+ 1734 3. Ja, Bater, ja, von Herzensgrund, leg auf, ich will's gern tragen; mein Wollen hängt an deinem Mund, mein O Wirken ist dein Sagen. wundergroße Liebesmacht, du kannst, was nie ein Mensch ge 74 II. Erlösungswerk. dacht, Gott seinen Sohn abzwingen! D Liebe, Liebe, du bist stark, du streckest den in Grab und Sarg, vor dem die Felsen springen. 4. Mein Heiland, ich will ewiglich dich aus dem Sinn nicht lassen; dich will ich stets, gleich wie du mich, mit Liebesarmen fassen. Du sollst sein meines Herzens Licht, und wenn mein Herz in Stücke bricht, sollst du mein Herze bleiben. Ich will mich dir, mein höchster Ruhm, hiermit zu deinem Eigenthum beständiglich verschreiben. 5. Ich will von deiner Lieblichkeit bei Nacht und Tage singen, mich selbst auch dir zu aller Zeit zum Freudenopfer bringen. Mein Bach des Lebens soll sich dir und deinem Namen für und für in Dank barkeit ergießen und was du mir zu Gut getgan, das will ich stets, so tief ich kann, in mein Gedächtniß schließen. 6. Dein Blut, das will ich mir zu Nuß zu allen Zeiten machen; im Streite soll es sein mein Schuß, in Traurigkeit mein Lachen, in Fröhlichkeit mein Saitenspiel, und wenn mich nichts erquicken will, foll mich dies Manna speisen; im Durst soll's sein mein Wasserquell, quell, in Einſamkeit mein Sprachgesell, zu Hause, wie auf Reisen. 7. Wenn endlich ich soll treten ein in deines Reiches Freuden, so soll dies Blut mein Purpur sein, ich will darein mich kleiden. Es soll sein meines Hauptes Kron', in welcher ich will vor den Thron des höchsten Vaters gehen, und dir, dem ich mich anvertraut, gleich einer wohlgeschmückten Braut zur Seite fröhlich stehen. P. Gerhard, 1676. Mel. An Wasserflüssen Babylon. 87. Erforsche mich, erfahr mein Herz, und sich, Herr, wie ich's meine; ich denk' an deinen Todesschmerz, an deine Lieb', und weine. Dein Kreuz sei mir gebenedeit. Welch Wunder der Barmherzigkeit hast du der Welt erwiesen! Hab' ich dies Alles wohl bedacht, und dich aus aller meiner Macht genug dafür geprieſen? Leiden Christi. 2. Rath, Kraft und Friedefürst und Held, in Fleisch und Blut gekleidet, wirst du das Opfer für die Welt, und deine Seele leidet. Du zageft in Gethsemane, fühlst unsrer Sünden schrecklich Weh, die Strafen sonder Ende; auf dich nimmst du der Menschen Schuld, und giebst mit göttlicher Geduld dich in der Sünder Hände. 75 für mich, denn Gott warf Aller Sünd' auf dich, damit wir Frieden hätten. 5. Du neigst dein Haupt, es ist vollbracht; du stirbst, die Die Arbeit Erde schüttert. hab' ich dir gemacht; Herr, meine Seele zittert. Was ist der Mensch, den du befreit! laß in heißer Dankbarkeit mich deine Gnad' empfinden; und deine Liebe dringe mich zur Gegenliebe, daß ich dich nie kreuzige mit Sünden. 6. Du hast geſagt, du willſt die Kraft zur Heiligung mir schenken; dein Blut ist's, das mir Trost verschafft, wenn mich die Sünden kränken. Laß mich im Eifer des Gebets, laß mich in Lieb' und Demuth stets von dir erfunden werden. Dein Heil sei mir ein Schirm in Noth, mein Stab im Glück, mein Schild im Tod, mein letter Troft auf Erden. C. F. Gellert, † 1769. 3. Erniedrigt bis zur Knechtsgestalt, voll Krankheit und voll Schmerzen, ertrugst du Spott, Schmach und Ge walt mit gottergebnem Herzen. Wir sahn dich, der Verheißung Ziel, doch da war Nichts, was uns gefiel, und nicht Gestalt nnd Schöne. Vor dir Herr, unsre Zuversicht, verbirgt man selbst das Angesicht; dich schmähn des Bundes Söhne. 4. Ein Opfer nach dem ew'gen Rath, beschwert mit unfren Plagen, um deines Volkes Missethat gemartert und zerschlagen, still und geduldig, wie ein Lamm, gingst du den Weg zum Kreuzes stamm, die Seelen zu erretten. Dein Leben gabſst du auch Mel. Nun sich der Tag geendet hat. 88. 88. Herr, der du einst gekommen bist, in Knechtsge ftalt zu gehn, deß Weiſe nie gewesen ist, sich selber zu erhöhn: 76 II. Erlösungswerk. 2. Komm, führe unsre stolze Art in deine Demuth ein; nur wo sich Demuth offenbart, kann Gottes Gnade sein. 3. Der du noch in der leßten Nacht, eh' du für uns erblaßt, den Deinen von der Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden 2c. Liebe Macht in's Herz gere- 89. Herr Jeſu, deine Angst det haft: und Bein und dein betrübtes Leiden laß allzeit mir vor Augen sein; die Sünde stets zu meiden, laß mich an deine große Noth, an deinen schmerzesvollen Tod, so lang ich lebe, denken. 4. Erinnre deine kleine Schaar, die sich so leicht entzweit, daß deine letzte Sorge war der Glieder Einigkeit. 5. Du opfertest die Jünger noch dem Vater im Gebet; o würden unsre Herzen doch oft im Gebet erhöht! 6. Der du um unsre Seligkeit mit blut'gem Schweiße rangst, und thränenvoll im bangen Streit des Todes Macht bezwangst: 7. Bezwing doch unsern stolzen Sinn, der Nichts von Demuth weiß, und führ ihn in die Liebe hin, zu deiner Liebe Preis. 9. Drum leit auf deiner Leidensbahn uns selber an der Hand, weil dort nur mit regie ren kann, wer hier mit überwand. N.2.Graf v. Zinzendorf, † 1760. 8. Gekreuzigter, den seine Lieb' in Noth und Tod ge= führt: ach, würd' auch unsrer Liebe Trieb treu bis zum Tod verſpürt! 2. Laß deine bittre Seelenqual, dein schweres Herzensbangen, das ganze Elend allzumal, das über dich ergangen, mir unaufhörlich fallen ein, und eine ernste Warnung sein vor weitern Miſsethaten. 3. Die Wunden alle, die du hast, hab' ich dir helfen schlagen, und meine eigne Sündenlast dir aufgelegt, zu tragen. Ach, liebster Heiland, schone mein, laß diese Schuld vergessen sein, für Recht laß Gnad' ergehen. 4. Du bist, verlaffend deinen Thron, in's Elend hier ge Leiden Christi. gangen, haft blutend, unter Spott und Hohn, am Kreuze gar gehangen, auf daß nach deines Vaters Rath du unsre Schuld und Missethat im Tode fühnen möchtest. 5. Drum will ich heut und allezeit von Herzen dir lobsingen, dir, Gründer meiner Seligkeit, des Dankes Opfer bringen; bis einst ich mit dem Himmelsheer für deine Gnade noch viel mehr und würdiger dich preise. 77 gehorsam werden, an unsrer Statt gemartert und zerschlagen, die Sünde tragen. 6. Herr Jesu, deine Angst und Bein und dein betrübtes Leiden laß meine letzte Zuflucht sein, wenn ich von hier soll scheiden. Hilf, daß ich dann auf deinen Tod getroft beschließe meine Noth, und selig sterbe. Amen. T. Clausnizer, † 1684. Mel. Herzliebster Jesu, was hast du zc. 90. Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken, mich in das Meer der Liebe zu versenken, die dich bewog, von aller Schuld des Bösen uns zu erlösen. 3. Welch wundervoll hochheiliges Vollbringen! Mein Geist kann nicht in seine Tiefe dringen; mein Herz erbebt, ich sehe und empfinde den Fluch der Sünde. 4. Gott ist gerecht, ein Nächer alles Bösen; Gott ist die Lieb' und läßt die Welt erlösen. Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken am Kreuz erblicken. 5. Es schlägt den Stolz auf mein Verdienst darnieder; es beugt mich tief und es erhebt mich wieder; lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde zu Gottes Freunde. 6. O Herr, mein Heil, an dessen Blut ich glaube, ich liege hier vor dir gebeugt im Staube, verliere mich mit dankendem Gemüthe in deine Güte. 7. Sie übersteigt die menschlichen Gedanken; allein sollt' ich darum im Glauben wanken? Ich bin ein Mensch; darf der sich unterwinden, Gott zu ergründen? 2. Du, Gottes Sohn, wirst Mensch, gleich uns, auf Erden, willst bis zum Tod am Kreuz 78 II. Erlösungswerk. 8. Das Größt' in Gott ist, Liebe zu erweisen; uns kommt es zu, sie demuthsvoll zu preisen, zu sehn, wie hoch, wenn Gott uns Gnad' erzeiget, die Gnade steiget. 9. So sei denn ewig auch von mir gepriesen für das Erbarmen, das du mir erwiesen, da du, mein Heiland, auch für mich dein Leben dahin gegeben. 10. Du liebtest mich; ich will dich wieder lieben, und stets mit Freuden deinen Willen üben. Gieb selbst, o Herr, zu diesem heil'gen Werke mir neue Stärke. C.F. Gellert,+ 1769. solcher Plagen? Ach, meine Sünden haben dich geschlagen; ich, ich, Herr Jesu habe dies verschuldet, was du erduldet. 4. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! Der gute Hirte leidet für die Schafe; die Schuld bezahlt der Herr für seine Knechte, er, der Gerechte. 5. O große Lieb', o Lieb' ohn' alle Maße, die dich gebracht auf diese Marterstraße! Ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden, und du mußt leiden. 2. Du wirst verworfen und mit Dorn gekrönet, in's Angesicht geschlagen und verhöhnet, gegeißelt und, von Schmerzen schon entkräftet, an's Kreuz geheftet. 3. Was ist die Urfach aller 6. Ach großer König, groß zu allen Zeiten, wie kann ich g'nugsam folche Treu' ausbreiten? Kein Menschenherz vermag es auszudenken, was Eigene Melodie. 91. Herzliebster Jesu, was dir zu schenken. hast du verbrochen, daß man ein solch scharf Urtheil hat ge sprochen? Was ist die Schuld, in was für Missethaten bist du gerathen? 7. Doch Eins, o Herr, wirst du gewiß annehmen: des Fleisches Lüste will ich dämpfen, zähmen, daß sie auf's Neue nicht mein Herz entzünden mit alten Sünden. 8. Weil aber dies nicht steht in eignen Kräften, fest die Begierden an das Kreuz zu heften, so gieb mir deinen Geist, der mich regiere, zum Guten führe. Leiden Christi. 9. Dann werd' ich deine Huld mit Fleiß betrachten, aus Lieb' zu dir die Welt für Nichts mehr achten; bemühen werd' ich mich, Herr, deinen Willen stets zu erfüllen. 10. Ich werde dir zu Ehren Alles wagen, kein Kreuz mehr achten, keine Schmach, noch Plagen, nicht die Verfolgung, nicht die Todesschmerzen nehmen zu Herzen. 11. Dies Alles, ob es auch gering zu schäßen, wirst du gewißlich nicht bei Seite seßen; in Gnaden wirst du es von mir annehmen, mich nicht beschämen. 12. Wenn dort, Herr Jesu, wird vor deinem Throne auf meinem Haupte stehn die Ehrenkrone, da will ich dir, wenn Alles wird wohl klingen, Lob und Dank singen. 3. Heermann, † 1647. 79 ich schaue deine Schmerzen an, und weiß: du hast genug gethan. 2. Soll ich hier Haß und Unrecht leiden, so theil' ich deine bittre Noth; verzichten muß ich wohl auf Freuden, wo dir die Erde Dornen bot; ich spreche auf der Kreuzesbahn: das hat man Gottes Sohn gethan. 3. Giebt böse Luft dem schwachen Herzen unheilige Gedanken ein, so wehr' ich ihr und durch deine Schmerzen dämpfe sie durch deine Bein. Seh' ich dein Dürsten, deine Schmach, so scheu' ich, was das Herz dir brach. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 92. Ich flüchte, Herr, in deine Wunden, ich senke mich in deinen Tod, wenn in der Buße bangen Stunden die Sünde mir Verdammniß droht; 4. Will mich die Welt darum verachten, daß ich dein armer Knecht nur bin, in Knechtsgestalt dich zu betrachten, tret' ich zu deinem Kreuze hin; in meiner Armuth will ich gern verachtet sein mit meinem Herrn. 5. Will mir kein Hoffnungslicht mehr scheinen in trauri ger Verlassenheit, so denk' ich, wie du von den Deinen, von Gott verlassen warst im Streit. II. Erlösungswerk. 80 Auch Nacht mit dir ist Morgenschein; bei dir ist kein Verlassensein. 6. Und wenn des Todes Pfeil mich schrecket, wenn mich bedroht des Grabes Nacht, du, von den Todten aufer wecket, haft mir Unsterblichkeit gebracht; wer mit dir stirbt, der lebt zugleich, sein Sterben führt in's Himmelreich. 7. So will ich die Gemein schaft üben, die Freude mir aus Leiden bringt; mich kann die Marter nicht betrüben, die mir den Sieg, das Heil erringt. Ich senk in deinen Schmerz mich ein; mit dir vereint, heißt, selig sein. 3. F. v. Meyer, † 1849. Mel Jesu Leiden, Pein und Tod. 93. Jesu, deine Paſſion will ich jetzt bedenken; wolleft mir vom Himmelsthron Geist und Andacht schenken. Präge selbst dein Bild mir ein, führe mir zu Herzen, wie du, unser Heil zu sein, Littest Todesschmerzen. 2. Gieb, daß ich recht sehen mag deine Angst und Bande, deiner Dornenkrone Schmach, deines Kreuzes Schande, all' den bittern Schmerz und Hohn, den du unverschuldet mir zu Lieb', o Gottes Sohn, blutend haft erduldet. 3. Aber laß mich nicht allein deine Leiden sehen, laß mich auch die Ursach fein und die Frucht verstehen. Ach die Ursach bin auch ich; meine Schuld zu tragen, ließest an das Kreuz du dich, mein Er löser, schlagen. 4. Dies, o Herr, erwecke mich stets zur tiefsten Neue, daß ich ja mit Sünden dich martre nicht auf's Neue. Tödt in mir die böse Lust, hilf mir ernstlich meiden, was du felber büßen mußt mit so großen Leiden. 5. Wenn mir meine Misse that drohet mit der Hölle, hilf, daß deine Huld und Gnad' sich in's Mittel stelle. Dich und deine Passion laß mich gläubig fassen; liebst du mich, D Gottes Sohn, wie kann. Gott mich hassen? 6. Gieb auch, Jesu, daß ich gern dir das Kreuz nachtrage, daß ich Demuth von Leiden Christi. dir lern' und Geduld in Plage; daß für Liebe ich hinfort Liebe dir erweise, bis ich dich im Himmel dort dankbar ewig preise. S. v. Birken, † 1681. Eigene Melodie. 94. Jesu, deine tiefen Wunden, deine Qual, dein bittrer Tod, geben mir zu allen Stunden Trost in Leibs- und Seelen- Noth. Fällt mir etwas Arges ein, denk' ich bald an deine Pein; die verbietet mei nem Herzen, mit der Sünde je zu scherzen. 2. Will in Sinnenlust sich weiden mein verderbtes Fleisch und Blut, so gedenk' ich an dein Leiden; bald wird Alles wieder gut. Will sich der Versucher nahn, schau' ich deine Marter an, halt ihm vor die Gnadenzeichen; bald muß er von dannen weichen. 3. Wenn die Welt mich will verführen auf die breite Sündenbahn, wo so Viele sich verlieren, Herr, dann schau' ich innig an jener Marter Centnerlast, die du ausge standen hast; so kann ich in 81 Andacht bleiben, alle böse 21st vertreiben. 4. Auch für Alles, was mich kränket, geben deine Wunden Kraft; wenn mein Herz hinein sich senket, fühl' ich neuen Lebenssaft. Deines Trostes Sü ßigkeit wendet jedes bittre Leid. Alles hast du mir erworben, da du bist für mich gestorben. 5. Auf dich setz' ich mein Vertrauen, du bist meine Zuversicht, du besiegst des Todes Grauen und vertrittst mich im Gericht. Daß ich an dir habe Theil, bringt mir Trost und Schuß und Heil; deine Gnade wird mir geben Auferstehung, Licht und Leben. 6. Hab' ich dich in meinem Herzen, Brunnquell aller Gütigkeit, so besieg' ich alle Schmerzen auch im schweren legten Streit. Ich versenke mich in dich; welcher Feind verlegt dann mich? Wer sich birgt in deine Wunden, der hat selig über wunden. 3. Heermann.+ 1647, Eigene Melodie. 95. Jesu, meines Lebens Leben, Jesu, meines Todes 6 Univ.- Bibl. Giessen 82 II. Erlösungswerk. Tod, der du dich für mich gegeben in die tiefste Seelennoth, in das äußerste Verderben, nur daß ich nicht möchte sterben; tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 2. Du, ach, du haft ausgestanden Lästerreden, Spott und Hohn; mußtest stehn in Strick und Banden, du gerechter Gottessohn, nur mich Armen zu erretten von den schweren Sündenketten. Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 3. Wunden ließest du dir schlagen, große Schmerzen littest du, um zu heilen meine Plagen, mir zu schaffen Seelenruh'. Ach, du haft zu meinem Segen lassen dich mit Fluch belegen. Taufend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 4. Man hat dich sehr hart verhöhnet, dich mit großem Schimpf belegt, und mit Dornen gar gekrönet. Was hat dich dazu bewegt? Daß du möchtest mich ergößen, mir die Ehrenkron' aufseßen. Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 5. Willig ließest du dich schlagen, um zu tilgen meine Pein, ließest fälschlich dich verklagen, daß ich könnte sicher sein; daß ich möchte siegreich prangen, hast du sonder Trost gehangen. Tausend, tauſendmal sei dir, liebster Jeſu, Dank dafür! 6. Ach, mit Schweiß und Blut bedecket, hast du endlich in Geduld gar den herben Tod geschmecket, um zu büßen meine Schuld; daß ich würde losgezählet, hast du wollen sein gequälet. Tausend, tauſend mal sei dir, liebster Jesu Dank dafür! 7. Nun, ich danke dir von Herzen, Jesu, für gesammte Noth; für die Wunden, für die Schmerzen, für den herben, bittern Tod, für das Zittern, für das Zagen, für die tausendfachen Plagen; für all' deine tiefe Pein will ich ewig dankbar sein. E.C. Homburg, † 1681. Met. Die Tugend wird durch's Kreuz gelibet. 96. Laß mir die Feier deiner Leiden, erhabner Mitt Leiden Christi. ler, heilig sein; fie Lehre mich die Sünde meiden, und dir mein ganzes Leben weihn. Ich seh' auf dich, der so entschlossen für mich die Last des Kreuzes trug, der mir zum Heil sein Blut vergossen, deß Herz noch sterbend für mich schlug. 2. Mir sollen diese Feierzeiten nicht ohne reiche Frucht entfliehn; zum Kreuze will ich dich begleiten, und eiteln Freuden mich entziehn. Ich will die große Huld ermessen, mit der dein Herz die Welt um faßt, und nie, nie will ich das vergessen, was du für mich erduldet haſt. 3. So will ich in der Andacht Stunden dich, Herr, im Geiste leiden sehn, für dein Verdienst und deine Wunden mit regem Danke dich erhöhn. Dein Leiden sei mein höchster Segen, dein Tod mein selig. ster Gewinn; mein gläubig Herz schlägt dir entgegen, weil ich durch dich errettet bin. 83 die Welt die Feier der allertiefsten Liebe sah. Dorthin will ich voll Andacht schauen, wo mein Erlöser litt und starb, und noch im Tode dem vertrauen, der mir die Seligkeit erwarb. G. 2. Meister,+ 1811. 4. Ihr seid und bleibt mir immer theuer, Gethsemane und Golgatha, ihr Stätten, wo Mel. Jesu Leiden, Pein und Tod. 97. Mein Erlöser, Gottes Sohn, der du für mich litteft, und, erhöht auf Gottes Thron, jetzt noch für mich bittest; welche Wohlthat, Herr, ist mir dein versöhnend Leiden, und wie dank' ich würdig dir, Brunnquell meiner Freuden? 2. Dir, dem Herrn der Herrlichkeit, war es ja gegeben, ohne Schmerzen, ohne Leid, ewig froh zu leben. Aber, o der großen Huld! daß ich selig würde, übernahmst du in Geduld schwerer Leiden Bürde. 3. Nun kann meine Missethat noch Vergebung finden; denn du ftarbft nach Gottes Rath auch für meine Sünden. Unsre Strafe trugest du, uns vom Fluch zu retten, daß wir II. Erlösungswerk. 84 im Gewissen Ruh', mit Gott Frieden hätten. 4. Was ein neues Leben schafft, und zur Buße leitet, hat uns deincs Leidens Kraft und dein Kreuz bereitet. Stark im Glauben kann ich nun nach der Heil'gung ringen, Gottes Willen freudig thun, Sünd' und Welt bezwingen. 5. Froh kann ich dem Todesthal nun entgegenschen, und zu jener Welt einmal ohne Schrecken gehen; denn du haft aus aller Noth Rettung mir errungen, und durch deinen Kreuzestod meinen Tod bezwungen. 6. Herr, was bin ich, daß du mein so dich angenommen? Laß die Frucht von deiner Pein nun auch auf mich komt Gieb mir Weisheit, gieb mir Kraft, du hast es in Händen, was du mir zum Heil verschafft, gläubig anzuwenden. men. 7. Laß das Wort von dei nem Kreuz mich mit Muth beleben; laß mich jedem Sündenreiz fieqhaft widerstreben; treib mich mächtig dadurch an, Gottes Zorn zu scheuen, und, was Unrecht ich getan, innig zu bereuen. 8. Stärke mich durch deinen Tod in den legten Stunden. Du hast deines Todes Noth siegreich überwunden. O so hilf dazu auch mir; laß mich fröhlich scheiden; Herr, dann dank' ich ewig dir für dein bittres Leiden. 3. S. Diterich, t 1797. Mel. Jesu, der du meine Seele. Oder: Jesu, meines Lcbens Leben. 98. mein Jesu, deſsen Wunden Heil und Leben uns gebracht; ach, wie hart wirst du gebunden, und Verbrechern gleich gemacht! Deiner Mörder rohe Hände wissen in der Wuth kein Ende; doch du giebst mit stillem Sinn dich in ihre Fesseln hin. 2. Mehr als zwölf der Le gionen, die um deines Vaters Thron in dem Licht des Himmels wohnen, stehn bereit, o Menschensohn, wenn du winkst, dich zu befreien, und die Feinde zu zerstreuen; aber du verlangst es nicht, daß man deine Bande bricht. Leiden Christi. 3. Du bist selber reich an Stärke, Gottes Allmacht wohnt bei dir; aber im Erlösungswerke geht Geduld der Allmacht für. Niemand nimmt von dir dein Leben, du willst felbst für uns es geben, und, vom Fluch uns zu befrein, weder Schmach noch Bande scheun. 4. Treuer Heiland, unsertwillen streckst du deine Hände dar; Gottes Rathschluß zu erfüllen, läsfest du der Feinde Schaar allen Frevel an dir üben, und dein unvergleichlich Lieben nimmt die Fesseln willig an, die es doch vermeiden kann. 5. Habe Dank für deine Güte! Gieb nun deinen Banden Kraft, und befreie mein Gemüthe von der Sünden schnöder Haft. Laß auch ihre feinsten Schlingen gänzlich brechen und zerspringen, daß, von aller Schalkheit frei, dir zum Dienst ich willig sei. 6. Laß in meinen Lebenstagen den durch dich erlösten Geist keine andern Bande tragen, als die du mich tragen heißt, Bande deiner Furcht und 85 Liebe; lege meinem Sündentriebe solche starken Fesseln an, die er nicht zerreißen kann. 7. Soll ich einst den Ruhm erlangen, daß ich deines Geistes voll und, wie du, verfolgt, gefangen, deinetwegen leiden soll; dann stärk' auch in mei nen Leiden mich dein Geist, der Geist der Freuden, daß ich meinem Glauben treu, treu dir bis zum Tode sei. 3. 3. Rambach, † 1735. mel. O Mensch, bewein dein' Sünde groß 99. So laßt uns Jesu dankbar sein, ihm, der sich hat in solche Pein für uns dahingegeben; ja, laßt uns, aller Sünde Feind, nach seinem Wort, das hell uns scheint, nur ihm zu Willen leben; auch Lieb' erzeugen Jedermann, wie Christus hat an uns gethan durch Leiden und durch Sterben. So sind wir sein in dieser Zeit, und werden einst in Ewigkeit auch seines Reiches Erben. S. Heyden, t 1561. Mel. Wenn meine Sünd'n mich fränken. 100. Von Furcht dahingerissen, verleugnet Petrus dich; bald straft ihn sein Ge 86 wissen, da weint er bitterlich; dein Bild, o Jesu, rührt sein Herz; er fleht zu dir um Gnadc, und du stillst seinen Schmerz. 2. Betrübt ist meine Seele, erfüllt mit Reu' und Schmerz. Was hilft's, daß ich's verhehle? Du schauft mir doch in's Herz. Bekennen will es vor dir: auch ich hab' dich verleugnet; vergieb, vergieb es mir. 3. Oft hat mich Furcht gebeuget; ich ward der Menschen Knecht, wenn ich nicht laut gezeuget von dir und deinem Necht. So oft ich brach die Christenpflicht, so sprach ich auch mit Petrus: Ich kenne Jesum nicht. 4. Hilf, daß ich recht empfinde die Größe solcher Schuld; verII. Erlösungswerk. gieb auch diese Sünde nach deiner großen Huld. Erbarmend sahst du Petrum an; auch mich laß diese Gnade, o Herr, mein Heil, empfahn. 101. Ach, sieh ihn dulden, bluten, sterben, und sag ihm, Seele, frommen Dank; fieh Gottes Sohn und ein'gen Erben, wie mächtig ihn die Liebe drang! Wo ist ein Freund, der das gethan, der so für Sünder sterben kann? 5. Laß dieses Herz voll Neue von nun an stärker sein, und mit erneuter Treue sich deinem Dienste weihn; daß auch in Trübsal und in Noth ich, Herr, getreu dir bleibe, getreu bis in den Tod. 6. Nichts soll von dir mich trennen; ich will es gern und frei vor aller Welt bekennen, daß ich dein Jünger sei. Dann tret' ich freudig vor Gericht, und du, o Herr, verleugnest mich vor dem Vater nicht. B. Münter,+ 1793. E. Tod Chrifti.( Charfreitag.) Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 2. Wie dunkel waren jene Stunden; Herr, welche Laſten drückten dich; wie quoll das Blut aus deinen Wunden! Und ach, es floß zum Heil für mich; noch heute ruft's mir tröstend zu, daß du mich liebst, o Dulder du! Tod Christi. 3. So sollt' es sein; du mußtest leiden; dein Tod macht Gottes Liebe fund; er wird für mich ein Quell der Freuden, ein Siegel auf den Friedensbund. So wahr dich Gott zum Opfer giebt, so fest steht, daß er treu mich liebt. 4. Dein bin ich nun, und Gottes Erbe; in's Vaterherz seh' ich hinein; wenn ich nun leide, wenn ich sterbe, kann ich doch nicht verloren sein; wenn Erd' und Himmel unter gehn, bleibt mir doch Gottes Gnade stehn. 5. Ja, mir zum Trost und zur Erhebung gereicht dein Kampf und Kreuzestod. Erworben ist nun die Vergebung; ich baue drauf in jeder Noth. Dir bleibt zu ew'gem Eigenthum der Unschuld höchster Preis und Ruhm. 87 7. Nie will ich mich an Feinden rächen; auch dies, o Herr, lern' ich von dir; nie Gottes Schickung widersprechen, ist auch sein Pfad noch dunkel mir; auf Dornen geh' zum Ziel ich hin, wie du, weil ich dein Jünger bin. 8. Was fürcht' ich noch des Todes Schrecken? Auch du entschliefst, o Seelenfreund. Mag Erde meinen Leib bedecken, wenn mir des Todes Nacht erscheint; der dir das Leben wiedergab, wälzt auch den Stein von meinem Grab. 6. Herr Jesu, dich will ich verehren, dein' Unschuld sei mein Ehrenkleid. Gern will ich deine Stimme hören, gern thun, was mir dein Wort gebeut; die Dankbarkeit drängt mich dazu; wer hat es mehr verdient, als du? 9. Nimm, Herr, den Dank für deine Plagen, den dir die Noch treue Liebe bringt. heißern Dank will ich dir sagen dort, wo der Engel Chor dir singt. Dann ſtimmen alle Sel'gen ein; der Himmel selbst wird Zeuge sein. 3. A. Hermes,+ 1822. Mel. O Traurigkeit, Herzeleid. 102. Am Kreuz erblaßt, der Marterlast, der Todesqualen müde, neigst du, Herr, das Haupt; dir wird erst ini Grabe Friede. 88 II. Erlösungswerk. 2. Ein heil'ger Schmerz durchdringt mein Herz, und ach, was soll ich sagen? Nur an meine Brust kann ich, tief erschüttert, schlagen. 3. Du schirmest mich, und über dich gehn aller Trübsal Wetter. Sterben wolltest du für mich, einziger Erretter. 4. Du hast's gethan; dich bet' ich an, du König der Erlösten. Dein will ich im Tode mich glaubensvoll getrösten. 5. Es ist vollbracht! Des Todes Macht ist, Herr, durch dich gebrochen, als du sterbend göttlich frei dieses Wort ge sprochen. 6. Hochheil'ge That! Des Höchsten Nath will ich in Demuth ehren. Dort wird einst das Wort des Heils sich mir ganz erklären. 7. Allrächtig rief er, der entschlief, den Todten; sie erstanden; wie sich selbst der Lebensfürst hebt aus Todes banden. 8. Das finstre Thal will ich einmal durchwandeln ohne Grauen; denn es wird durch deinen Tod mir ein Weg zum Schauen. 9. Ich preise dich; erforsche mich, und siche, wie ich's meine; ja, du siehst es, wenn ich still meinen Dank dir weine. 10. Vergess' ich dein, so werde mein in Ewigkeit vergessen. Herr, ich will, so lang ich bin, deine Lieb' ermessen. E. F. Neander, † 1802. Mel. Wie wohl ist mir, o Freund der ze. 103. Bereite dich, o Christ, wir gehen zum schmerzensvollen Golgatha, auf dessen blutgetränkten Höhen, was unser Geist kaum faßt, geschah. Wir hören an des Todes Pforte des hohen Dulders letzte Worte, und nehmen glaubensvoll sie an. Sie können Tröstung uns im Leben, sie können Trost im Tod uns geben, wenn sonst nichts mehr uns trösten kann. 2. Schon zeigt der Blutberg sich von weiten; erschrick und zittre, frommes Herz; sieh deinen Retter, sieh ihn streiten, und fühle seinen Seelen, schmerz. Sieh ihn, den Mördern übergeben, dort unter Tod Christi. Todesqualen beben, und dennoch leiden mit Geduld. Was fühlt er nicht in diesen Stunden! Nie hat's ein Sterblicher empfunden; und Alles litt er ohne Schuld. 3. Gelassen bei den größten Schmerzen fleht er für seine Feinde nun, und ruft mit sanftmuthvollem Herzen: Sie wissen, Gott, nicht, was sie thun! Der göttliche, der größte Beter fleht liebreich noch für Missethäter, die auf ihn häufen Pein und Schmach. O Mensch, den Rach' und Zorn verführen, laß dich durch dieses Beispiel rühren, und bete dem Verföhner nach. 89 5. Verzagt nicht, reuige Verbrecher! Wer glaubet, kommt nicht in's Gericht. Hört, was zu dem gebeugten Schächer der Mund des Weltversöhners spricht. Er ruft ihm tröstend zu: Noch heute wirst wahrlich du an meiner Seite mit mir im Paradiese sein. D Herr, laß an der Todespforte einst diese troftesvollen Worte auch meiner Seele Trost verleihn. 6. Wer kann die hohen Leiden fassen, als Christus an dem Kreuze rief: Warum, Gott, hast du mich verlassen? Wie beugt ihn unsre Schuld so tief! Was hat der Sohn da nicht empfunden! Und doch blieb selbst in diesen Stunden der Vater seine Zuversicht. Muß ich den Kelch des Leidens trinken, will meine Seele ganz versinken, dann, Gott, mein Gott, verlaß mich nicht! 7. Mich dürftet! flagt, erschöpft von Schmerzen, entblößt von Allem, was erquickt, der Göttliche, der Aller Herzen mit Trost und Hülfe gern erquickt. Noch heute ruft er um 4. Welch Beispiel kindlich frommer Triebe, als unter Leiden ohne Zahl der Herr dem Jünger seiner Liebe die Mutter sterbend noch befahl! Ach, wird mein Aug' einst um die Meinen in meinen letzten Stunden weinen, so soll dies Wort mir Trost verleihn. Der, als der Tod schon um ihn schwebte, die Seinen noch zu schüßen strebte, wird auch der Meinen Pfleger sein. 90 II. Erlösungswerk. Erbarmen aus tausend hülfsbedürft'gen Armen, die Hunger, Durst und Mangel drückt. D felig, wer den Ruf erfüllet! Denn wer den Durst des Armen stillet, der hat den Heiland selbst erquickt. 8. Nun enden sich die schweren Leiden; der Heiland spricht: Es ist vollbracht! O Wort des Sieges, Wort der Freuden, du nimmst dem Tode seine Macht! Heil uns! Heil uns! Wer darf es wagen, uns, die Erlösten, zu verklagen? Er starb für uns, und wir sind sein. Gieb, daß am Ende meiner Tage auch ich, o Herr, mit Freuden sage: Es ist vollbracht, ich bin nun dein! 9. Das letzte Wort aus deinem Munde, Erlöser, soll das meine sein in meiner legten, bängsten Stunde; auch ich bin Gottes dann und dein. Du riefest: Vater, ich befehle in deine Hände meine Seele, die allen Menschen Heil er warb! Nun war das große Werk vollendet, zu dem der Vater ihn gesendet. Da neigt' er sanft sein Haupt, und starb. 10. Bewein ihn fromm mit stillen Zähren, o Christ; du haft ihn sterben sehn. Bald wirst du ihn mit Freuden ehren, und jauchzend seinen Ruhm erhöhn. Den deine Seufzer jetzt beklagen, der wird als Held nach dreien Tagen vom Grabe siegreich auferstehn. Den seine Feinde hier entehrten, den wirst du dort als den Verklärten zur Rechten seines Vaters sehn. L. H. Bachof v. Echt, † 1792. Eigene Melodie, 104. Brich entzwei, von Leid bezwungen, ja brich ent zwei, mein armes Herz; ach, wie fühl' ich mich durchdrungen, vom allertiefsten Seelenschmerz! Die Erde zittert, von Weh erschüttert. Ach Noth, ach Noth, ach Noth! Jesus, meine Lieb', ist todt. 2. Trauert mit, ihr Him melslichter; ihr Sterne droben allzugleich, berget eure Angesichter; der Herrscher ist so todesbleich. Die Sonne dun kelt, kein Mondlicht funkelt. Ach Noth, ach Noth, ach Noth! Jesus, meine Lieb', ist todt. Tod Christi. 3. Welt, entsag jetzt deinen Freuden; ja, die ihr lebt, ruft Weh und Ach! Des Er lösers bittre Leiden beschließt des Sündertodes Schmach. Als Trauerboten erstehn die Todten. Ach Noth, ach Noth, ach Noth! Jesus, meine Lieb', ist todt. Mel. Herr Jesu Christ, wahr'r Mensch 2c. 105. Die Seele Chrifti heil'ge mich; sein Geist verseze mich in sich; sein Leib, für mich zum Tode wund, mach' mich an Seel' und Leib gesund. 2. Sein schweißbedecktes Angesicht sei meine Zuflucht in Gericht, damit ich bleibe unverzagt, wenn schwer die Sünde mich verklagt. 91 Sinn und Muth; sein ganzes Leiden, Kreuz und Pein, das wolle meine Stärke sein. 4. Kalt und starr muß Jesus hangen am Kreuzesholz, so jämmerlich; und ihn liebend zu umfangen, so lang ich lebe, sehn' ich mich. Er ist geschieden; wo find' ich Frieden? 5. Ruf mich in meiner letzten Noth, und führe m.ch mit dir zu Gott, daß ich mit deinen Heil'gen dort dich dankbar preise immerfort. 3. Scheffler( Angelus),+ 1677. Mel. Chriftus der ist mein Leben. Ach Noth, ach Noth, ach Noth! 106. Die Sonne stand verJesus, meine Lieb', ist todt. M. D. Trommer. finstert, der Mittag ward zur Nacht; nun hat er überwunden, und spricht: Es ist vollbracht! 2. Des Tempels Gründe wanken, der Vorhang reißt ent zwei; so wird der Welt verkün det: Nun ist der Zugang frei. 3. Denn er ist durchgedrungen für uns zu Gottes Thron, der ew'ge Hohepriester, des Allerhöchsten Sohn. 3. All' sein für mich vergossnes Blut erquicke mir Herz, 4. O Jesu Christ, erhöre mich, zu mir erbarmend neige dich; schließ mich in deine Gnade ein, so wird kein Feind mir furchtbar sein. 4. Rein Opfer mehr darf bluten, der Fried' ist nun gemacht, und aller Welt Erlösung durch Jesu Tod vollbracht. 92 II. Erlösungswerk. 5. D du, der mich versöhnte dem Nichter aller Welt, du hast das Heil der Sünder auf ewig hergestellt. 6. Nun wohnt in sichrer Nuhe das menschliche Geschlecht; dein Volk regierst du herrlich nach deinem heil'gen Recht. 7. Einst führest du die Dei nen in deines Vaters Neich, und machst an Ehr' und Würde sie deinen Engeln gleich. 8. Den Tod darf ich nicht fürchten, der mich von hinnen rafft; er ist schon überwunden durch deines Todes Kraft. 9. Durch ihn komm' ich zum Ziele; vollbracht ist dann mein Lauf; dann nimmt in seine Hände auch mich der Vater auf. B. Münter,+ 1793. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 107. Es ist vollbracht! so ruft am Kreuze des sterbenden Erlösers Mund. Dies Wort voll Trost und Leben reize zur Freude mich aus Herzensgrund. Was Gott auch mir zum Heil bedacht, das große Opfer, ist vollbracht. 2. Wie viel, mein Heil, hast du vollendet, als dir das Herz im Tode brach! Du haft den Fluch hinweg gewendet, der auf der Welt voll Sünden lag; verschwunden ist des Todes Macht, seitdem du riefft: Es ist vollbracht! 3. Ich sehe den am Kreuze hangen, der mich vom ew'gen Tod befreit. Neßt, fromme Thränen, meine Wangen, seid Zeugen meiner Dankbarkeit! Er, den mir Gott zum Heil gemacht, rief auch für mich: Es ist vollbracht! 4. D hilf mir nun auch, Herr, vollbringen, was wahre Dankbarkeit begehrt; laß nach der Heiligung mich ringen, zu der dein Tod mir Kraft gewährt. Mich dir zu weihn, bin ich bedacht, bis einst mein Leben ist vollbracht. 5. Und hat mein Gott gehäufte Schmerzen zu meiner Prüfung außersehn, so will ich mit ergebnem Herzen durch alle Noth und Trübsal gehn. Dann ruf' ich in der Leidensnacht voll Hoffnung aus: Es ist vollbracht! 6. Fühlt einst mein Herz Tod Christi. des Todes Schrecken, dann, Herr, erleichtre mir die Laft; auch sterbend laß den Trost mich schmecken, daß du den Tod besieget haft. So tret' ich in des Todes Nacht mit dem Triumph: Es ist vollbracht! Uubekannt. 93 vollend' auch ich; bin ich mit dir, bist du mit mir vereint, so sieg' ich, Herr, durch dich. Ich werde meine Sünden, des bittren Todes Macht durch dich bald überwinden; dann ruf' auch ich: Vollbracht! Unbekannt. Mel. Jerusalem, du hochgebaute Stadt. 108. Es ist vollbracht; so ruft des Heilands Mund. O triumphirend Wort! Es macht auch mir der Schuld Vergebung kund, es gilt noch fort und fort. Vollbracht ist nun sein Leben, das er auch mir geweiht, für mich auch hingegeben, zu meiner Seligkeit. 2. Es ist vollbracht, das Leiden ist vollbracht; nun finkt er in den Tod; da hat er auch an meine Schuld gedacht, getilgt auch meine Noth. Wie hat der Held gerungen mit Schmerzen, Angst und Schmach! Ihm ist der Sieg gelungen, indem das Herz ihm brach. 3. Es ist vollbracht; nun ferner nicht geweint! In dir Mel. Wenn meine Sünd'n mich fränken. 109. Hin 109. Hin an dein Kreuz zu treten, Versöhner, stärke mich. Dich gläubig anzubeten, sehnt meine Seele sich. Laß mich mit Zittern und Vertraun, was du für uns erlitten, in heil'ger Andacht schaun. 2. Des großen Dulders Seele ist bis zum Tod betrübt; so innig, meine Seele, hat Jesus dich geliebt. In heißen Aengsten schwebt er da, mit unsrer Schuld beladen, dem Opfertode nah. 3. Fallt nieder, bebt, ihr Sünder, verhüllt das Ange sicht; jetzt ist für Adams Kin der der Mittler im Gericht. Wer nun der Sünden Gräul nicht haßt, häuft auf den Tag des Zornes sich selbst des Zornes Last. II. Erlösungswerk. 4. Es präge euren Herzen mels Angesicht. Nun sinkt er fich tief und kräftig ein: der Preis so vieler Schmerzen soll eure Rettung sein. O nehmt an seiner Gnade Theil, erkennet seine Liebe, verwerft nicht euer Heil. in des Todes Naht; erbarm, o Gott, dich unser! Er stirbt! Es ist vollbracht! G. B Funt,+ 1814. 5. Vernehmt es auch, ihr Spötter, die ihr den Mittler schmäht; er ist auch euer Retter; ach, höret sein Gebet: Sie swissen nicht, was sie begehn; vergieb, o Vater, ihnen! war auch für euch sein Flehn. 94 6. Jhr, eurer Brüder Feinde, o schlagt an eure Brust, und werdet Menschenfreunde, verdammt der Rache Lust; ver geltet euren Hassern nie; selbst denen, die euch fluchen, ver gebt, und segnet sie. 7, Noch währen seine Qualen, noch trägt er unsre Schuld; er trinkt die vollen Schalen des Leidens mit Geduld. So hoch hat Gott die Welt geliebt, daß in den Tod am Kreuze selbst seinen Sohn er giebt. 8. Vor seines Todes Schrecken erblaßt der Sonne Licht, und Finsternisse decken des HimMel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 110. Ich danke bir für deinen Tod, Herr Jesu, und die Schmerzen, die du in deincr legten Noth empfandft in deinem Herzen. Laß das Verdienst von solcher Pein ein Labsal meiner Seele sein, wenn meine Augen brechen. 2. Ich danke dir für deine Huld, die du mir haft erzeiget, da du zur Tilgung meiner Schuld dein Haupt am Kreuz geneiget. Ach, neige dich, mein Herr und Gott, zu mir auch in der Todesnoth, auf daß ich Gnade spüre. 3. Laß meine Seel' in deiner Treu' aus diesem Leibe scheiden, daß nicht an mir verloren sei dein theuer werthes Leiden. Nimm sie dahin zur selben Frist, wo du, mein treuer Heiland, bist; laß mich dort ewig leben. 3. Scheffler( Angelus),+ 1677. Tod Christi. 95 Mel. Jesu Leiden, Pein und Tod. 5. Eine noch gefellet sich 111. Laß mir alle Zeiten zu den andern Plagen, und: sein, Jesu, stille Wochen. Was in schwerer Todespein du am Kreuz gesprochen, das will ich in frommer Ruh' gern und oft erwägen; gieb auch heute mir dazu gnädig deinen Segen. Mich dürftet! hört man dich laut am Kreuze klagen. Schmachtend trugst du auch nach mir herzliches Verlangen; o laß mich, mein Heil, an Dir liebedürstend hangen. 2. Vater, so zum Ersten spricht da dein Mund mit Flehen, ach, vergieb, sie wissen nicht, was sie jetzt begehen! Bittest du zu deinem Gott für die ärgsten Feinde, was wirst du nicht in der Noth thun für deine Freunde. 6. Ach warum, mein Gott, mein Gott, hast du mich verlassen? riefest du, als stieg die Noth über alle Maßen. Daß in meinen Nöthen ich nie verlassen bliebe, gabst du so in's Elend dich, unermeſsne Liebe. 3. Wahrlich, heut in's Paradies wirst du mit mir gehen! hört der Schächer, der dich ließ seinen Glauben sehen. Wenn ich kaum noch seufzen kann in des Todes Schmerzen, laß dies Hoffnungswort alsdann dringen mir zu Herzen. 4. Weib, dein Sohn! so redest du tröstend zur Marie; weisest sie dem Jünger zu: Deine Mutter, fiehe! Wie so tröstlich will das Wort meinem Herzen scheinen; treulich wirst du einst, wie dort, sorgen für die Meinen. 7. Als nunmehr die Todesnacht dir herein will brechen, hör' ich dich: Es ist vollbracht! mir zum Heile sprechen. Gottes Zorn wird ganz und gar nun durch dich gestillet; denn, was zu vollbringen war, ist durch dich erfüllet. 8. Noch vernehm' ich, wie du schreist, als es geht zu Ende: Ich befehle meinen Geist, Gott, in deine Hände! Wenn mir einst der Tod zusegt, und mein Herz will brechen, lehre mich dies Wort zulegt glaubensfreudig sprechen. II. Erlösungswerk. 9. Jesu, Tilger aller Noth, ja wohl, was mir gebricht; bitt für mich, den Deinen; gieb des Schächers Trost im Tod; sorge für die Meinen; Liebesdurst, durch deine Macht rette meine Seele, bis ich, wenn mein Lauf vollbracht, Gott fie still befehle. G. W. Molanus,+ 1722. 96 Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 112. Mein Gott, du wirſt mich nicht verlassen, denn ich verlasse mich auf dich, und will den Trost im Glauben fassen: du siehst erbarmungsvoll auf mich, weil Jesus mir dies Heil erwarb, da er für mich am Kreuze starb. 2. Da unsre Sünden auf ihm lagen, und alle Hülfe von ihm wich, war dies die größte seiner Klagen: Mein Gott, warum verläßt du mich? Da kam auf diesen letzten Schmerz auch bald die Tröstung in sein Herz. 3. Nun, Vater, höre was ich bete; ich bitte durch das Angstgeschrei des Heilands an der Schädelftätte: steh mir in meinen Nöthen bei; du weißt mein Vater, ach, verlaß mich nicht. 4. Verlaß mich nicht, wenn im Gewissen der Sünden Menge mich verklagt; laß mich den großen Trost genießen: dein heil'ger Sohn hat selbst gezagt, da er für uns zum Tode ging, und troftlos an dem Holze hing. 5. Verlaß mich nicht, wenn meinen Glauben der Troß der Welt darnieder schlägt; laß mir die Zuversicht nicht rau ben, mein Sinn steh' fest und unbewegt, bis dort in jener Herrlichkeit des Glaubens Ende mich erfreut. 6. Verlaß mich nicht in meinem Leiden, laß mich kein Kreuz durch Ungeduld von deiner Vaterliebe scheiden, gieb Muth in deiner Kraft und Huld; die Hoffnung jener Seligkeit versüße hier mir jedes Leid. 7. Verlaß mich nicht in meinem Sterben; wenn einst mein Lebenslauf vollbracht, reiß meine Seel' aus dem Ver derben, und führe durch des Tod Christi. Todes Nacht mich, Herr, mein Gott, mein Trost und Licht, zur Ruh' vor deinem Ange sicht. 3. Olearius,+ 1684. Mel. Ich hab' mein' Sach' Gott 2c. 113. Nun ist es Alles wohl gemacht, weil Jesus ruft: Es ist vollbracht! Er neigt sein Haupt, o Mensch, und stirbt, der dir erwirbt das Leben, welches nie verdirbt. 2. Der Herr der Herrlich keit erbleicht, der Lebensfürst, dem Niemand gleicht; was Wunder, daß die Erde kracht, und es wird Nacht, weil Gottes Sohn wird umgebracht. 3. Die Sonn' erlischt in ihrem Lauf, die heil'gen Gräber thun sich auf, der Vorhang reißt von oben an, daß Jedermann in's Heiligthum nun schauen kann. 4. Weil denn die Creatur sich regt, o Mensch, wirst du nicht auch bewegt? Ein Fels zerreißt, und du wirst nicht durch dies Gericht erschüttert, daß das Herz dir bricht? 5. Dein ist die Schuld, nimm's wohl in Acht, daß 97 Jesus ist an's Kreuz gebracht. Jhm, der für dich sein Leben gab, folg bis an's Grab, und stirb dem Sündengräuel ab. 6. Ertödte selbst in meiner Brust, o Jesu, alle böse Lust, daß ich, vom Sündendienſte frei, dein eigen sei, im Leben und im Tode treu. 7. Ich will nun abgestorben sein der Sünd' und leben dir allein. Es hat dein Tod das Leben mir gebracht herfür und aufgethan des Himmels Thür. 8. D Jesu Christe, stärke mich in meinem Vorsatz kräftiglich; laß mich den Kampf so setzen fort nach deinem Wort, daß ich die Kron' erlange dort. 9. So dank' ich dir, Herr Jesu Christ, daß du für mich gestorben bist; ich preise dich hier in der Zeit und nach dem Streit mit Freud' und Wonn' in Ewigkeit. 2. Laurenti,+ 1722. Mel. Die Tugend wird durchs Kreuz gelibet. 114. O, drückten Jesu Todesmienen sich meiner Seel' auf ewig ein! O, möchte 7 98 II. Erlösungswerk. stündlich sein Verfühnen in meinem Herzen kräftig sein! Denn ach, was hab' ich ihm zu danken! Für meine Sünden floß sein Blut; das heilet mich, den armen Kranken, und kommt mir ewiglich zu gut. 2. Ein Blick im Geist auf Jesu Leiden giebt auch dem blödsten Herzen Muth; die Quelle wahrer Geistesfreuden ist sein vergofsnes theures Blut, wenn dessen Kraft das Herz durchfließet, sein Lieben unsre Seel' durchdringt, die Glaubenshand sein Kreuz umschließet und uns sein Anblick Frieden bringt. 3. Er starb für mich; durch meine Sünden ward Jesus in den Tod versenkt. Drum läßt er Gnade mir verkünden, die mich mit Lebenswasser tränkt. D, Strom der Liebe, klar und helle, mein Herz soll offen stehn für dich; o, unerschöpfte Friedensquelle, ergieß ohn' Ende dich in mich! 4. Herr, nimm für alle deine Schmerzen mich Armen an, so wie ich bin; ich seße dir in meinem Herzen ein Denkmal deiner Liebe hin, die in den Tod dich hat getrieben, die mich aus meinem Jammer riß; ich will dich herzlich wieder lieben; du nimmst es an, ich bin's gewiß. 5. Wenn einst mein Herz wird stille stehen, schließ mich in dein Erbarmen ein; dann werd' ich, wie du bist, dich sehen in deiner Klarheit ew'gem Schein; die Seele, die durch dich genesen, ruht dann in deinen Armen aus und läsfet gern den Leib verwesen; aus ihm ersteht ihr neues Haus. Graf R. v. Zinzendorf,+ 1752. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 115. Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn! O Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron'! D Haupt, sonst schön gekrönet mit höchster Ehr' und Zier, jetzt aber hoch verhöhnet, gegrüßet seist du mir. 2. Du edles Angesichte, vor dem die ganze Welt erbebet im Gerichte, wie bist du so entstellt, wie bist du so erbleichet, wer hat dein Augenlicht, dem sonst kein Licht Tod Christi. mehr gleichet, so schändlich zugericht't? 3. Die Farbe deiner Wangen, der rothen Lippen Pracht ist hin und ganz vergangen; des blaffen Todes Macht hat Alles hingenommen, hat Alles hin gerafft, und daher bist du kommen von deines Leibes Kraft. 4. Nun, was du, Herr, erduldet, ist Alles meine Last; ich, ich hab' es verschuldet, was du getragen hast. Schau her, hier steh' ich Armer, der Zorn verdienet hat; gieb mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad'! 5. Erkenne mich, mein Hüter, mein Hirte nimm mich an; von dir, Quell aller Güter, ist mir viel Gut's gethan. Dein Mund hat mich gelabet mit süßer Gnadenkost, dein Geist hat mich begabet mit manchem Himmelstrost. 99 alsdann will ich dich faffen in meinen Arm und Schooß. 7. Es dient zu meinen Freuden und kommt mir herzlich wohl, wenn ich in deinem Leiden, mein Heil, mich finden soll; ach, möcht' ich, o mein Leben, an deinem Kreuze hier mein Leben von mir geben, wie wohl geschähe mir! 8. Ich danke dir von Herzen, o Jesu, liebster Freund, für deine Todesschmerzen, da du's so gut gemeint. Ach gieb, daß ich mich halte zu dir und deiner Treu', und wenn ich einst erkalte, in dir mein Ende sei. 6. Ich will hier bei dir stehen, verachte mich doch nicht; von dir will ich nicht gehen, wenn dir dein Herze bricht; wenn dein Haupt wird er blassen im letzten Todesstoß, 9. Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir, wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür; und wenn am allerbängsten mir um das Herz wird sein, so reiß mich aus den Aengsten kraft deiner Angst und Bein. 10. Erscheine mir zum Schilde, zum Troft in meiner Noth; halt mir im Kreuzesbilde vor Augen deinen Tod; da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll feft 7* II. Erlösungswerk. 100 an mein Herz dich drücken; wer so stirbt, der stirbt wohl. P. Gerhard,+ 1676. Eigene Melodie. 116. Samm Gottes, un schuldig am Stamm des Kreuzes geschlachtet; allzeit er funden geduldig, wiewohl du warst verachtet, all' Sünd' haft du getragen, sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unser, o Jesu! 2. D Lamm Gottes, unschuldig am Stamm des Kreu zes geschlachtet; allzeit erfunden geduldig, wiewohl du warst verachtet; all' Sünd' hast du getragen, sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unser, o Jesu! Herzeleid, ohn' Maaßen zu beklagen! Gottes eingeborner Sohn wird in's Grab ge tragen. 2. O große Noth, nun liegt er todt! In schwerer Bein gestorben, hat der Herr das Himmelreich uns aus Lieb' erworben. 3. D Menschenkind, die Ursach sind nur deine Missethaten; in's Verderben warest du tief durch sie gerathen. 4. Am Kreuzesstamm hat Gottes Lamm sein unbeflecktes Leben nur für dich in bitterm Schmerz blutend hingegeben. 5. D Glaubensgrund, o holder Mund, dem so viel Trost entfloffen! Trauernd sieht dich jetzt die Welt todeskalt geschlossen. 3. D Lamm Gottes, un schuldig am Stamm des Kreuzes geschlachtet; allzeit erfunden geduldig, wiewohl du warst verachtet; all' Sünd' hast du getragen, sonst müßten wir verzagen. Gieb uns deinen Frieden, o Jesu! R. Decius,+ 1529. Eigene Melodie. 117. Traurigkeit, o müssen. 6. D liebes Bild, so zart und mild, nun blutig hinge strecket! Wenn ich's schaue, wird in mir bittre Reu' er wecket. 7. D felig ist, wer nie vergißt, daß, unsre Schuld zu büßen, so der Herr der Herrlichkeit hat verbleichen Tod Christi. 8. D Jesu, du, mein Trost und Ruh', ich bitte dich mit Thränen: hilf, daß ich mich bis in's Grab nach dir möge sehnen. 3. Rist,+ 1667. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. ( Nun ruhen alle Wälder.) 118. O welt, fieh hier dein Leben am Stamm des Kreuzes schweben, dein Heil finkt in Tod; der große Fürst der Ehren läßt willig sich beschweren mit Schlägen, Hohn und großem Spott. 2. Tritt her und schau mit Fleiße, sein Leib ist ganz mit Schweiße des Blutes überfüllt. Aus seinem edlen Herzen vor unerschöpften Schmerzen ein Seufzer nach dem andern quillt. 3. Wer hat dich so geschlagen, mein Heil, und dich mit Plagen so übel zugericht't? Du bist ja nicht ein Sünder, wie wir und unsre Kinder, von Missethaten weißt du nicht. 4. Jch, ich und meine Sünden, die sich wie Körnlein finden des Sandes an dem Meer, die haben dir erreget das Elend, das dich schläget, 101 und das betrübte MarterHeer. 5. Jch bin's, ich sollte büßen, an Händen und an Füßen gebunden in der Höll'! Was du hast unter Banden, und Geißeln ausgestanden, das hat verdienet meine Seel'. 6. Du sebest dich zum Bürgen, du läßt dich gar erwürgen für mich und meine Schuld. Wie läsfest du dich krönen mit Dornen, die dich höhnen, und leidest Alles mit Geduld! 7. Jch bin, mein Heil, verbunden all' Augenblick und Stunden dir überhoch und schr. Was Leib und Seel' vermögen, das soll ich billig Legen allzeit in deinen Dienst und Ehr'. 8. Nun, ich kann nicht viel geben in diesem armen Leben; eins aber will ich thun; es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seele scheiden, mir stets in meinem Herzen ruhn. 9. Ich will's vor Augen segen, mich stets daran ergößen, ich sei auch, wo ich II. Erlösungswerk. 102 fei. Es soll mir sein ein Spiegel der Unschuld und ein Siegel der Lieb' und unverfälschten Treu'. 10. Ich will darin erblicken, wie ich mein Herz soll schmücken mit stillem, sanftem Muth, und wie ich die soll lieben, die mich doch sehr betrüben mit Werken, so die Bosheit thut. 11. Ich will an's Kreuz mich schlagen mit dir, und dem absagen, was meinem Fleisch gefällt. Was deine Augen haffen, das will ich fliehn und lassen, gefiel' es auch der ganzen Welt. 12. Dein Seufzen und dein Stöhnen und die viel tausend Thränen, die dir geflossen zu, die sollen mich am Ende in deinen Schooß und Hände begleiten zu der ew'gen Ruh'. P. Gerhard,+ 1676. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 119. Sei mir tausendmal gegrüßet, der mich je und je geliebt, Jesu, der du selbst gebüßet das, womit ich dich betrübt. Ach, wie ist mir doch so wohl, wenn ich knien und liegen soll an dem Kreuze, wo du stirbest und um meine Seele wirbest. 2. Heile mich, o Heil der Seelen, wo ich krank und traurig bin; nimm die Schmerzen, die mich quälen, und den ganzen Schaden hin, den mir Adams Fall gebracht und ich selber mir gemacht. Wird, o Arzt, dein Blut mich nezen, wird sich all' mein Jammer sehen. 3. Schreibe deine blut'gen Wunden, Jesu, mir in's Herz hinein, daß sie mögen alle Stunden bei mir unvergessen sein; du bist doch mein schönstes Gut, drin mein ganzes Herze ruht. Laß mich stets zu deinen Füßen deiner Lieb' und Gunst genießen. 4. Diese Füße will ich halten, Herr, so gut ich immer kann; schaue du mein Händefalten und mich selber freundlich an von des hohen Kreuzes Baum und gieb meiner Bitte Raum, sprich: Laß all' dein Trauern schwinden, ich, ich tilge deine Sünden. P. Gerhard, † 1676. Tod Christi. Mel. O Traurigkeit, o Herzeleid. 120. So ruhest du, o bis zum Tode denken. meine Ruh', in deiner Grabeshöhle, und erweckst durch deinen Tod meine todte Seele. 2. Man senkt dich ein nach vieler Pein, du, meines Le bens Leben; dich hat jetzt ein Felsengrab, Fels des Heils, umgeben. 3. Ach, du bist kalt, mein Hort und Halt; das macht dein heißes Lieben, das dich in das kalte Grab mir zu gut getrieben. 4. Doch Preis sei dir! Du konntest hier nicht die Verwesung sehen; bald hieß dich des Vaters Macht aus dem Grab erstehen. 5. D Lebensfürst, ich weiß, du wirst auch mich einst auf erwecken; sollte denn mein gläubig Herz vor der Gruft erschrecken? 103 und an deinen bittern Tod 6. Sie wird mir sein ein Kämmerlein, da ich im Frieden liege, weil ich nun durch deinen Tod Tod und Grab besiege. 7. Indeß will ich, o Jesu, dich in meine Seele senten, S. Frand,+ 1725. Eigene Melodie. 121. Wenn mich die Sünden kränken, o, mein Herr Jesu Christ, so laß mich wohl bedenken, wie du gestorben bist und alle meine Schuldenlast am Stamm des heil'gen Kreuzes auf dich genommen haſt. 2. O Wunder ohne Maaßen, wenn man's betrachtet recht! Es hat sich martern lassen der Herr für seinen Knecht; es hat sich selbst mein Herr und Gott für mich verlornen Menschen gegeben in den Tod. 3. Was kann mir denn nun schaden der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden; die Schuld ist allzumal bezahlt durch Christi theures Blut, daß ich nicht mehr darf fürchten der Hölle Qual und Glut. 4. Drum sag' ich dir von Herzen jetzt und mein Leben lang für deine Bein und Schmerzen, o Jesu, Lob und Dank, für deine Noth, dein II. Erlösungswerk. Angstgeschrei, für dein un- auf dein Verdienst nur trau', schuldig Sterben, für deine du werdest mich annehmen, Lieb' und Treu'. daß ich dich ewig schau'. 3. Gesenius,+ 1671. 104 5. Herr, laß dein bittres Leiden mich reizen für und für, mit allem Ernst zu mei den die sündliche Begier; laß nie mir kommen aus dem Sinn, wie viel es dich gekostet, daß ich erlöset bin. 6. Mein Kreuz und meine Plagen, soll's sein, auch Schmach und Spott, hilf mir geduldig tragen; gieb, o mein Herr und Gott, daß ich verleugne diese Welt und treu dem Beispiel folge, das du mir vorgestellt. 7. Laß mich an Andern üben, was du an mir gethan, und meinen Nächsten lieben, gern dienen Jedermann ohn' Eigennuß und Heuchelschein, und, wie du mir's erwiesen, aus reiner Lieb' allein. 8. Laß endlich deine Wunden mich trösten kräftiglich in meinen letzten Stunden und deß versichern mich: weil ich Mel. Herr Jesu Christ, wahr'r Mensch zc. 122. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du für uns gestorben bist und hast uns durch dein theures Blut vor Gott gemacht gerecht und gut. 2. Und bitten dich, o Menschensohn auf deiner Gottheit Gnadenthron, erlös uns aus dem ew'gen Tod und tröst uns in der letzten Noth. 3. Behüt uns auch vor Sünd' und Schand', und reich uns deine Allmachtshand, daß wir im Kreuz geduldig sein, uns trösten deiner schweren Pein; 4. Und schöpfen draus die Zuversicht, verlassen werdest du uns nicht, vielmehr ge treulich bei uns stehn, bis wir durch's Kreuz in's Leben gehn. C. Bischer,+ 1600. Auferstehung Christi. F. Auferstehung Chrifti.( Ostern.) Eigene Melodie. 123. Auf, auf, mein Herz, mit Freuden nimm wahr das große Licht, das durch die Nacht der Leiden so herrlich heute bricht! Mein Heiland war gelegt dort, wo man uns hinträgt, wenn der befreite Geist der Erde sich entreißt. 2. Er war in's Grab gesenket, der Feind frohlockt dabei; doch ehe man es denket ist Christus wieder frei. Der auferstandne Held behält mit Macht das Feld. Zu seinen Füßen liegt das Höllenreich besiegt. 3. Das ist mir anzuschauen ein heller Freudenstrahl. Nun macht mir nicht mehr Grauen das Unheil allzumal. Ich halt' mit frohem Muth nun fest das edle Gut, das mir durch Jesum Christ aus Lieb' erworben ist. 4. Will Furcht die Höll erwecken, sie frümmt mir nun kein Haar; will mich die Sünde schrecken, sie bringt mir nicht Gefahr. Des Todes 105 finstrer Macht hab' ich nun nicht mehr Acht; er blicke noch so wild, er bleibt ein Schattenbild. 5. Nun mag die Welt mich hafsen, mit ihrem Zorn mir drohn, sie mag mich dulden lassen Verfolgung, Schmach und Hohn; die Trübſal trübet nicht mein Herz noch Angeficht; das Unglück ist mein Glück, die Nacht mein Sonnenblick. 6. Ich hang' nnd bleibe hangen an Christo, als ein Glied; wohin mein Haupt gegangen, da nimmt es mich auch mit. Er dringet durch den Tod, durch Welt, durch Sünd' und Noth, er dringt durch's Höllenthor, ich dringe mit empor. 7. Er dringt zum Saal der Ehren, ich folg' ihm immer nach, und darf mich nicht mehr kehren an all' mein Ungemach. Es tobe, was da kann, mein Haupt nimmt mein sich an, mein Heiland ist der Schild, der alles Toben stillt. 106 II. Erlösungswerk. 8. Er bringt mich an die Pforte, die in den Himmel führt, die mit dem goldnen Worte des Spruches ist geziert: Wer dort mit wird verhöhnt, wird hier auch mit gekrönt; wer dort mit sterben geht, wird hier auch mit erhöht. P. Gerhard, † 1676. Met. Sollt ich meinem Gott nicht singen. Oder: Lasset uns den Herren preisen. 124. Auferstanden, auf erstanden ist der Herr, der uns versöhnt. Seht, wie ihn nach Schmach und Banden Gott mit Ehren hat gekrönt, und ihn läßt zu seiner Rechten, über Schmerz und Tod erhöht, herrschen nun mit Majestät. Freut euch seiner, ihr Gerechten, und ihr, seine Feinde, bebt! Halleluja! Jesus lebt. 2. Singt dem Herrn; er ist erstanden, er, der starb auf Golgatha! Rühmt es, rühmt's in allen Landen, was er uns verhieß, geschah! Wer kann nun ihm widerstreben? Mächtig dringt der Held em por; im Triumph bricht er hervor, und des Abgrunds Pforten beben, da ihr Sieger fich erhebt. Halleluja! Jeſus lebt. 3. Uns vom Tode zu befreien, sank er in des Grabes Nacht; uns zum Leben zu erneuen, steht er auf durch Gottes Macht. Tod, du biſt in Sieg verschlungen, deine Schrecken sind gedämpft, deine Herrschaft ist bekämpft und das Leben ist errungen; ob man unsern Leib begräbt, Halleluja! Jesus lebt. 4. Aus dem Grab uns zu erheben, ging er zu dem Vater hin. Laßt in seinem Dienst uns leben, dann ist Sterben uns Gewinn. Haltet unter Luft und Leiden im Gedächtniß Jesum Christ, der vom Tod erstanden ist. Un vergänglich sind die Freuden deß, der nach dem Himmel strebt. Halleluja! Jesus lebt. 5. Freut euch seiner, Gottes Kinder, er sei euer Lobgesang! Bringt dem Todesüberwinder ewig Ehre, Preis und Dank! Rühmt es in Versöhnungsstunden, wenn euch Sünd' und Elend droht, rühmt es in der Auferstehung Chrifti. Todesnoth: unser Herr hat überwunden, der uns einft zu sich erhebt. Halleluja! Jesus lebt. JC. Lavater, † 1799. Eigene Melodie. 125. Chrift ist erstanden von der Marter alle; deß soll'n wir Alle froh sein; Christus will unser Trost sein. Halleluja! 2. Wär' er nicht erstanden, so wär' die Welt vergangen; feit er auferstanden ist, so loben wir den Herrn Christ. Halleluja! 3. Halleluja! Halleluja! des soll'n wir Alle froh sein. Christus will unser Trost sein. Halleluja! Altkirchlich. Eigene Melodie. 126. Christ lag in Todesbanden, für uns dahin gegeben; nun ist er auferstanden, hat uns gebracht das Leben; dessen laßt uns ins gemein fröhlich und Gott dankbar sein und singen Halleluja! Halleluja! 107 hindern, das konnte nie ge lingen den sünd'gen Menschenkindern. Mit Gewalt schritt er einher; in sein Reich je mehr und mehr nahm er die Welt gefangen. Halleluja! 3. Da, gnädig uns zu retten, ist Gottes Sohn gekommen, hat uns die Sündenketten, dem Tod sein Recht genommen; von der finstern Allgewalt bleibt Nichts, als die Todsgestalt, der Stachel ist verloren. Halleluja! 4. In wunderlichem Kriege, da Tod und Leben rungen, ist kräftiglich zum Siege das Leben durchgedrungen; wie die Schrift uns Kunde bringt, daß ein Tod den Tod verschlingt, zum Spotte ihn zu machen. Halleluja! 5. So wird aus freiem Triebe Christus am Kreuzesstamme als Opfer heißer Liebe zum wahren Osterlamme; deffen Blut an Thür und Thor hält dem Tod der Glaube vor, den Würger zu vertreiben. Halleluja! 6. So feiern wir vereinet in Herzensfreud' und Wonne 2. Des Todes Macht zu zwingen und seinen Sieg zu II. Erlösungswerk. 108 das Fest, zu dem uns scheinet der Heiland selbst als Sonne; durch die Nacht der Sünde bricht hell und klar sein Gnadenlicht, dringt tröstlich in die Herzen. Halleluja! 7. Absagen laßt uns Alle dem alten Sinn und Wesen; nicht taugt zum Ostermahle der Sauerteig des Bösen. Jesus Christus will allein allein unsre Seelenspeise sein; sonst keine will der Glaube. Halle luja! M. Luther,+ 1546. Eigene Melodie. 127. Erschienen ist der herrlich' Tag, deß Niemand g'nug fich freuen mag, da unser Heiland triumphirt und jeden Feind gefangen führt. Halleluja! 2. Der Hölle Macht, den finstern Tod, der Sünde Jammer, Angst und Noth hat überwunden Jesus Christ, der heute auferstanden ist. Halleluja! 3. An seinem Grab aus Engels Mund wird's in der Sabbathsfrühe kund: Er ist erstanden, sehet her, die Stätte, da er lag, ist leer. Halleluja! 4. Da wandelt sich in Freudigkeit der Jünger banges Herzeleid, und all' ihr Bagen muß vergehn, als sie den Heiland wiedersehn. Halleluja! 5. Mit 3ween geht er un erkannt, da fühlen sie ihr Herz entbrannt, bis ihnen bei dem Mahle dann die Augen werden aufgethan. Halleluja! 6. So gab der Tod zurück den Raub, und seine Beute ließ der Staub; aus dunkler, trauervoller Nacht ist Licht und Leben nun erwacht. Halleluja! 7. Drob regt sich freudig die Natur, es jauchzet alle Creatur und feiert mit den Siegestag, an dem der Fürst der Welt erlag. Halleluja! 8. Drum sollen wir auch fröhlich sein, und stimmen in das Danklied ein, daß du vom Tod, Herr Jesu Christ, zu unserm Trost erstanden bist. Halleluja! N. Hermann,+ 1561. Mel. Erschienen ist der herrlich' Tag. 128. Frith Morgens, da die Sonn' aufgeht, mein Hei Auferstehung Christi. land Christus aufersteht. Ver- heben deinen Ruhm und Preis. trieben ist der Sünden Nacht, Halleluja! 3. peermann,+ 1647. Licht, Heil und Leben wiederbracht. Halleluja! 2. D wundergroßer, starter Held, wo ist ein Feind, den er nicht fällt? Kein Angststein liegt so schwer auf mir, er wälzt ihn von des Herzens Thür. Halleluja! 3. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt. Wenn mir gleich alle Welt stürb' ab, g'nug, daß ich Christum bei mir hab'. Halleluja! 4. Er nährt, er schüßt, er tröstet mich; sterb' ich, so nimmt er mich zu sich. Wo er jetzt lebt, da muß ich hin, weil seines Leibes Glied ich bin. Halleluja! 5. Durch seiner Auferstehung Kraft komm' ich zur Engel Brüderschaft. Durch ihn bin ich mit Gott versöhnt, mit Gnad' und ew'gem Heil ge krönt. Halleluja! 109 6. Für diesen Trost, o großer Held, Herr Jesu, dankt dir alle Welt. Dort wollen wir mit größrem Fleiß erMel. Wachet auf! ruft uns die Stimme. 129. Halleluja! Jauchzt, ihr Chöre! Singt Jesu Christo Lob und Ehre! Wie groß, wie herrlich ist sein Tag! Siegreich ist er von den Banden des Todes, der ihn hielt, erstanden, er, der für uns im Grabe lag. Ihm Ehre, Ruhm und macht! Er hat sein Werk vollbracht; Halleluja! Er hat's vollbracht, er, der die Macht des Todes und des Grabes hat. 2. Glorreich hat der Held gerungen, hat seiner Feinde Macht bezwungen, von Todesfetten uns befreit. Wir von Gott gewichne Sünder find ihm versöhnt, sind Gottes Kinder und Erben seiner Se ligkeit. Bald, bald entschla fen wir, entschlafen, Vater, dir; ruhn im Frieden die kurze Nacht, bis deine Macht zum Tag der Ewigkeit uns ruft. 3. Ob uns Gräber gleich bedecken, wirst du vom Tod uns doch erwecken, der du des 110 II. Erlösungswerk. Lebens Urquell bist. Du wirst Also sterb' ich freudig hier, unvergänglich's Leben und Chrifti Tod ist nun mein Herrlichkeit dem Geiste geben, Leben. Nur getroft, ich glaube der hier des Staubs Be- ja: Jesus lebt. Halleluja! wohner ist. Wir werden ewig dein, gerecht und selig sein; Halleluja! Tod und Gericht erschreckt uns nicht; denn, Heil uns, Jesus Christus lebt! B. Schmold, † 1737. G. B. Funk,+ 1814. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 130. Halleluja! Jesus lebt, Tod und Hölle find bezwungen; Gruft und Kluft und Erde bebt, da der Held hindurchgedrungen. Geht nicht mehr nach Golgatha; Jesus lebt. Halleluja! 2. Halleluja! Seht das Grab, die ihr seinen Tod beweinet; trocknet eure Thränen ab, weil die helle Sonne scheinet. Eu'r Erlöser liegt nicht da; Jesus lebt. Halleluja! 3. Halleluja! Suchet nicht den Lebend'gen bei den Todten; glaubet aber dem Bericht der verklärten Osterboten; diese wissen, was geschah: Jesus lebt. Halleluja! 4. Halleluja! Er wird mir Leben in dem Tode geben. Mel. Erschienen ist der herrlich' Tag. 131.Heut triumphiret Got tes Sohn, der von dem Tod erstanden schon mit großer Macht und Herrlichkeit, drum sei ihm Dank in Ewigkeit. Halleluja! 2. Des Feindes Macht hat er besiegt, und seiner Herrschaft unterliegt, was wider ihn fich noch erhebt; der Kampf ist aus, denn Jesus lebt. Halleluja! 3. Du Siegesheld, Herr Jesus Christ, der du der Sünder Heiland bist, durch deine Gnad' und Freundlichkeit führ uns zu deiner Herrlichkeit. Halleluja! 4. Hier ist doch nichts, denn Angst und Noth; wer glaubet und hält dein Gebot, der erntet oft gar schnöden Lohn, der Welt ist er ein Spott und Hohn. Halleluja! 5. Nun kann kein Feind uns schaden mehr, ob er gleich wüthet noch so sehr; der arge Auferstehung Christi. 111 Feind im Staube liegt, das geftillt, und mir durch sein Heer der Gotteskinder siegt. Halleluja! neues Leben die Gerechtigkeit gegeben. 6. Wir danken dafür allzugleich und sehnen uns in's Himmelreich; Gott helf' uns dahin allzumal, dann fingen wir mit großem Schall: Halleluja! 3. Hölle, schweig von deinen Banden, deine Ketten sind entzwei; seit mein Jesus auf erstanden, bin von deiner Macht ich frei. Er geht ein zur Herrlichkeit, macht die Stätte uns bereit, und für seine Reichsgenossen ist der Himmel aufgeschlossen. 7. Dem Vater in dem höch sten Thron, sammt Christo, seinem lieben Sohn, dem heil'gen Geist zu gleicher Zeit sei Lob und Preis in Ewigkeit. Halleluja! B. Förtsch,+ 1619. Mel. Werde munter, mein Gemüthe. 132. Jauchzet Gott in allen Landen, jauchze du, erlöste Schaar! Denn der Herr ist, auferstanden, der für uns getödtet war. Jesus hat durch seine Macht das Erlösungswerk vollbracht, welches er auf sich genommen, da er in das Fleisch gekommen. 2. Sünde, was kannst du mir schaden? Nun erweckst du keine Noth; alle Schuld, die mich beladen, ist bezahlt durch Christi Tod. Das Gesetz hat er erfüllt, also Fluch und Zorn 4. Tod, du kannst an mir Nichts haben, muß ich gleich zu Grabe gehn. Die mit Jesu find begraben, werden mit ihm auferstehn. Sterben ist nun mein Gewinn; also fahr' ich freudig hin, da der Trost vor Augen schwebet: Jesus, dein Erlöser, lebet. 5. Jesus, mein Erlöser, lebet! welches ich gewißlich weiß. Auf denn, ihr Erlösten, gebet seinem Namen Dank und Preis. Singet froh Halleluja! Jesus lebt, der Sieg ist da! Singt und jauchzt in allen Landen: heut ist Christus auferstanden! E. Neumeister, † 1756. 112 II. Erlösungswerk. Me I. Valet will ich dir geben. 133. Ich geh' zu deinem Grabe, du Siegesfürst und Held! Die Hoffnung, die ich habe, ist nur auf dich gestellt; du lehrst mich fröhlich sterben und fröhlich auferstehn und mit den Himmelserben in's Land des Lebens gehn. 2. Du haft geweiht die Erde, in die man dich gelegt, daß mir nicht bange werde, wenn meine Stunde schlägt, auch in den Staub zu legen, was Staub und Asche ist, weil du ja allerwegen der Herr der Erde bist. 3. Du schlummerst in dem Grabe, daß ich auch meine Ruh' im Schooß der Erde habe, schließt sich mein Aug' einst zu. Nun soll mir gar nicht grauen, wenn mein Ge ficht vergeht; den Helfer werd' ich schauen, der mir zur Seite steht. 4. Dein Grab schließt Stein und Siegel, und dennoch bist du frei; auch meines Grabes Riegel bricht deine Hand entzwei; du wirst den Stein schon rücken, der mich im Tode deckt; dann werd' ich den erblicken, der mich vom Tode weckt. 5. Du fährst zu Himmels höhen und reichst mir deine Hand, daß ich dir nach kann gehen in's rechte Vaterland. Da ist es sicher wohnen im Glanz der Ewigkeit; da hält mir Ehrenkronen, Herr, deine Huld bereit. 6. O meines Lebens Leben, o meines Todes Tod! Dir will ich mich ergeben in mei ner lebten Noth; dann schlaf ich ohne Kummer in deinem Frieden ein, und wach' ich auf vom Schlummer, wirst du mein Loblied sein. B. Schmold,+ 1737. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 134. Jesus lebt! Mit ihm auch ich. Tod, wo sind nun deine Schrecken! Jesus lebt und wird auch mich von den Todten auferwecken; er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht. 2. Jesus lebt! Jhm ist das Reich über alle Welt gegeben; mit ihm werd' auch ich zu Auferstehung Christi. gleich ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht; dies ist meine Zuversicht. 3. Jesus lebt! Wer nun verzagt, läſstert seines Heilands Ehre; Gnade hat Gott zugesagt, daß der Sünder sich bekehre. Gott verstößt in Christo nicht; dies ist meine Zuversicht. 4. Jesus lebt! Sein Heil ist mein, sein sei auch mein ganzes Leben, Herz und Wandel werde rein; das wird er aus Gnaden geben. Er ver läßt den Schwachen nicht; dies ist meine Zuversicht. 5. Jesus lebt! Ich bin gewiß, Nichts soll mich von Jesu scheiden; keine Macht der Finsterniß, keine Herrlich keit, kein Leiden; und wenn Alles fällt und bricht, bleibt er meine Zuversicht. 113 Eigene Melodie. 135. Lasset uns den Herren preisen, o ihr Christen überall! Kommet, daß wir Dank erweisen unserm Gott mit Jubelschall! Frei von seinen Todesbanden ist der Held aus Judas Stamm; der zu uns vom Himmel kam, Jesus Christus ist erstanden; seines Sieges nach dem Streit freue dich, o Christenheit! 6. Jesus lebt! Nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben; welchen Trost in Todesnoth wird das meiner Seele geben, wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht! C.F. Gellert,+ 1769. 2. In das Leichentuch gebunden, in die Felsengruft gelegt, hat er herrlich überwunden; als die Erde ward bewegt, da ist er hervorgekommen aus der dunkeln Grabesnacht, hat dem Tode seine Macht, hat ihm seinen Raub genommen, uns von Todesfurcht befreit; freue dich, o Christenheit! 3. Aus der Angst ist er gerissen, aus Gericht und Todesbann; wer ist, der sein Leben wissen, seine Jahre zählen kann? Ewig muß der Tag ihm scheinen in unwandelbarem Licht; mit verklärtem Angesicht bietet er hinfort den Seinen Frieden, 8 II. Erlösungswerk. 114 Freude, Seligkeit. Freue dich, o Christenheit! 4. Mich verlangt nach solchen Gaben, Herr, mein Heiland, Tag und Nacht; ja mich dürftet, Theil zu haben an dem Heil, das du gebracht. Laß, o laß denn deine Gnade, deinen Sieg nach Todespein nicht an mir vergebens sein; führe mich des Lebens Pfade, daß ich spreche allezeit: Freue dich, o Christenheit! 5. Zeige, Herr, mir mein Verderben, laß mich büßend in mich gehn; lehre mich der Sünde sterben und mit dir dann auferstehn. Brich her vor in meinem Herzen, überwinde da den Tod, tilge alle Seelennoth, dämpfe Furcht und Sündenschmerzen, nimm hinweg die Traurigkeit. Freue dich, o Christenheit! 6. Meinen Leib wird man begraben, doch für alle Zeiten nicht; neues Leben wird er haben, wenn du kommst zum Weltgericht. Mag ihn doch das Grab bedecken! Daß verklärt, gebrechenfrei, er dem deinen ähnlich sei, wirst du aus dem Staub ihn wecken zu der ew'gen Herrlichkeit. Freue dich, o Christenheit! 3. Rift,+ 1667. Mel. Nun lob, mein' Seel', den Herren. 136. Lobsinge, meine Seele, dem Welterlöser, bet ihn an, lobsing ihm und erzähle, was dir zum Heil der Herr gethan. Er hat für dich ge rungen, durch seine Macht hat er des Todes Macht bezwungen, gestürzt der Hölle Heer. Nun liegt ihr Trop darnieder, sein Sieg hat uns befreit; uns krönet Gott nun wieder mit Huld und Seligkeit. 2. Froh führte seine Sonne den festlich hohen Tag herauf; da stand zu meiner Wonne mein Heiland und Versöhner auf. D Glaube, der zu Freu den des Himmels mich erhebt; o Glaube, der im Leiden mit reichem Trost belebt! All' meines Hoffens Quelle, mein Schild in jeder Noth! Wo ist dein Sieg, o Hölle? wo ist dein Stachel, Tod? 3. Der Felsen Grund er bebet; die Wächter fliehn, das Auferstehung Chrifti. Grab ist leer; der todt war, fieh, er lebet, er lebt und stirbt hinfort nicht mehr! Die schwachen Jünger wanken, er stärkt die Wankenden; fie sehn ihn, freun sich, danken dem Auferstandenen; sehn ihn gen Himmel steigen, und gehn, wie er gebot, in alle Welt und zeugen von ihm bis in den Tod. 4. Herr, deine Boten siegen, von dir und deinem Geist belehrt; die Gößentempel liegen, der Erdkreis wird zu Gott bekehrt. Ich weiß, an wen ich glaube, er heißet Jesus Christ; ihn bet' ich an im Staube, der mein Erlöser ist; ich werd' ihn ewig schauen, wenn er auch mich erhebt; der Herr ist mein Vertrauen, er starb für mich und lebt! C.F. Neander, † 1802. 115 2. Ueberwunden ist das Graun, das den Todeshügel decket; meinen Heiland werd' ich schaun, den der Vater hat erwecket, der aus seines Grabes Nacht Licht in meine Gruft gebracht. 3. Wohlthat wird das Sterben mir; Jesus kennt und liebt die Seinen; kurze Zeit nur läßt er hier sie in ihrer Trübsal weinen. Kommt der Abend nun herzu, dann gelangen sie zur Ruh'. 4. Schwing dich denn, mein Geist empor, lerne nach dem Himmel streben. Jesus ging als Führer vor, Jesus lebt, auch du wirst leben. Auferstandner, lebenslang preist dich nun mein Lobgesang! Unbekannt. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 137. Siegreich stand mein Heiland auf, Friede ruht auf meinem Grabe; hin zum Siege führt mein Lauf, wenn ich ausgeschlummert habe; mich erschreckt der Tod nicht mehr; Heil mir! Jesu Grab ist leer. Mel. Jesu, der bu meine Seele. 138. Trauernd und mit bangem Sehnen wandelt dort ein Jünger- Paar; Jeſu fließen ihre Thränen, der ihr Freund und Meister war. Doch, eh' sie's zu hoffen wagen, nahet er, um den sie klagen; liebend stillt er ihren Schmerz, und vor Wonne brennt ihr Herz. 8* 116 II. Erlösungswerk. auch mein Herz entzünden, bis es voller Liebe brennt, und dich immer besser kennt. 2. Ach, es gel noch manche mich fester gründen, laß es Herzen ihrem stillen Kummer nach; sie bejammern unter Schmerzen ihre Noth, ihr Ungemach; manches, einsam und verlassen, wandelt thränen reiche Straßen; doch mein Jesus ist dabei, fragt, was man so traurig ſei. 6. Hilf, wenn es will Abend werden, und der Lebenstag sich neigt, wenn dem dunkeln Aug' auf Erden nirgends sich ein Helfer zeigt; höre deiner Jünger Bitte, bleibe dann in unsrer Mitte, bis du uns getröftet hast; bleibe, bleibe, theurer Gast! 3. Neunherz, † 1737. 3. Oft schon hab' auch ich empfunden: Jesus läßt mich nie allein; in des Kummers trüben Stunden stellt er unverhofft sich ein. Wenn ich traurig mich beschwere, als ob er zu ferne wäre, o so ist er mir schon nah und mit seiner Hülfe da. 4. Treuster Freund von allen Freunden, bleibe ferner nah bei mir. Sucht die Welt mich anzufeinden, o so wend' ich mich zu dir. Wenn mich Trübsalswetter schrecken, wollest du mich mächtig decken; hab' ich zum Gefährten dich, ist kein Feind mir fürchterlich. 5. Bin ich traurig und be trübet, Herr, so ruf mir in den Sinn, daß mich deine Seele liebet, und daß ich der Deine bin. Laß dein Wort Mel. Lasset uns den Herren preisen. Ober: Sollt' ich meinem Gott nicht fingen? 139. Ueberwinder, nimm die Palmen, die dein Volk dir heute bringt, das mit frohen Osterpsalmen deinen großen Sieg besingt. Du haft dich emporgeschwungen aus der dunkeln Grabesnacht, haft dein hohes Werk vollbracht und der Feinde Wuth bezwungen. An dem Tag, da dies geſchah, singen wir Halleluja! 2. Pflanze deine Siegs paniere auf das Grab zu deinem Ruhm; großer König, komm, regiere nun die Welt, dein Eigenthum. Du, den alle Himmel Loben, unterwirf der Auferstehung Christi. Erde Kreis, und es diene dir zum Preis auch der Höllen mächte Toben. Uns sei stets als Helfer nah, dann ertönt Halleluja! 3. Theile, großer Fürst, die Beute deiner armen Heerde mit, die in froher Sehnsucht heute vor den Thron der Gnade tritt. Gieb uns Allen deinen Frieden, gieb uns Kraft und frohen Muth; dann ist uns ein herrlich Gut und ein lieblich Loos beschieden; Nichts erschreckt dann fern und nah, Alles singt Halleluja! 4. Laß, o Sonne der Gerechten, deinen Strahl in's Herz uns gehn; gieb Erleuchtung deinen Knechten, daß sie geistlich auferstehn; hält der Schlaf uns noch gefangen, o so fördre unsern Lauf; rufe mächtig: Wachet auf, denn die Schatten sind vergangen und der helle Tag ist da! Gott sei Dank, Halleluja! me 117 geist'gen Leibes Glieder bleiben nicht des Todes Raub; selbst des Erdenleibes Staub wird verklärt und grünet wieder, denn dein Aug' bewacht ihn ja; Gott sein Dank, Halleluja! 6. Tilge du das dunkle Grauen, wenn die letzte Stunde schlägt; laß den Geist die Krone schauen, die uns schon ist beigelegt; laß in unsern höchsten Nöthen, laß in unsrer Todespein felsenfest den Glauben sein, daß der Tod uns nicht kann tödten; denn du, Herr, bezwangst ihn ja; Gott sei Dank, Halleluja! 5. Zeige, wenn der blöde Kummer über Gruft und Bahre weint, wie die Schwachheit nach dem Schlummer dort in voller Kraft erscheint. Deines 7. Rufe die zerfallnen Glieder endlich aus der dunkeln Nacht, wenn der Deinen Asche wieder zu verklärtem Glanz erwacht. Dann wirst du die Krone geben, dann wird unsre volle Brust, Herr, mit engelsgleicher Lust ewig deinen Steg erheben, und wird singen auch allda: Gott sei Dank, Halleluja! C. L. Zaddel,+ 1775. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. 140. Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin, die II. Erlösungswerk. 118 Sonn' ist aufgegangen! Er muntre deinen Geist und Sinn, den Heiland zu empfangen, der heute durch des Lebens Thür gebrochen aus dem Grab herfür, der ganzen Welt zum Leben! 2. Steh aus dem Grab der Sünden auf und such ein neues Leben, vollführe deinen Glaubenslauf und laß dein Herz fich heben gen Himmel, da dein Jesus ist, und such, was droben, als ein Christ, der geistlich auferstanden. 3. Quält dich ein schwerer Sorgenstein, dein Jesus wird ihn heben; es kann ein Geist bei Kreuzespein in Freud' und Wonne leben. Wirf dein Anliegen auf den Herrn und forge nicht, er ist nicht fern, weil er ist auferstanden. 4. Es hat der Löw' aus Judas Stamm nun fiegreich überwunden, und das erwürgte Gotteslamm hat uns zum Heil gefunden das Leben und Gerechtigkeit, weil er nach überwundnem Streit die Feinde Schau getragen. 5. Drum auf, mein Herz, fang an den Streit, weil Jesus überwunden. Er wird auch überwinden weit in dir, weil er gebunden der Feinde Macht, daß du aufstehst und in ein neues Leben gehst und Gott im Glauben dienest. 6. Scheu weder Teufel, Welt noch Tod, noch gar der Hölle Rachen; dein Jefus lebt, es hat kein' Noth, er ist noch bei den Schwachen und den Geringen in der Welt als ein gekrönter Siegesheld; drum wirst du überwinden. 7. Ach, mein Herr Jesu, der du bist vom Tode auferstanden, rett uns aus Satans Macht und List und aus des Todes Banden, daß wir zu sammen insgemein zum neuen Leben gehen ein, das du uns haft erworben. 8. Sei hochgelobt in dieser Zeit von allen Gotteskindern, und ewig in der Herrlichkeit von allen Ueberwindern, die überwunden durch dein Blut. Herr Jesu, gieb uns Kraft und Muth, daß wir auch überwinden. 2. Laurenti,+ 1722. Auferstehung Christi. 119 Mel. Christus, der ist mein Leben. nur selig mit dir dort auf141. Willkommen, Held im Streite, aus deines Grabes Kluft! Wir triumphiren heute an deiner leeren Gruft. 2. Du hast nun überwunden der Feinde Macht und Spott; wir haben Trost gefunden; mit uns ist unser Gott. 3. Der Fried' ist uns erstritten und jeder Schrecken flieht; in der Gerechten Hütten erschallt das Siegeslied. 4. Ach, theil die Siegesbeute nun deinen Gliedern aus; wir Alle kommen heute voll Hoffnung in dein Haus. 5. In deines Grabes Staube liegt unfre Schuld bedeckt; dein tröstet sich der Glaube, den nun kein Tod mehr schreckt. 6. Du hast das Heil erworben, wir preisen dich dafür. Sind wir mit dir gestorben, so leben wir mit dir. 7. Wir wollen hier gar fröhlich mit dir zum Grabe gehn, wenn wir dereinst erstehn. 8. Schwing deine Siegesfahne auch über unser Herz, und zeige selbst und bahne den Weg uns himmelwärts. 9. Der Tod kann uns nicht schaden, sein Pfeil ist nun ja stumpf; wir sind bei Gott in Gnaden und rufen schon: Triumph! v. Schmold,+ 1737. Mel. Erschienen ist der herrlich' Tag. 142. Wir danken dir, Herr Jesu Christi, daß du vom Tod erstanden bist, und haft zerstört des Todes Macht, und neues Leben uns gebracht. Halleluja! 2. Wir bitten dich durch deine Gnad', nimm von uns unsre Missethat, und hilf uns folgen dir allein und deine treuen Diener sein. Halleluja! 3. Dem Vater in dem höchsten Thron, dem eingebornen Gottessohn, dem heil' gen Geist zu gleicher Zeit ſei Lob und Preis in Ewigkeit. Halleluja! C. Fuger,+ 1617. II. Erlösungswerk. G. Himmelfahrt Christi.( Himmelfahrtstag.) Mel. Wie schön leuchtet der Morgenstern. dich zu preisen, Lob und Dank 143. Ach, wundergroßer dir zu erweisen. Siegesheld, du Sündenträger aller Welt, heut bist du aufgefahren zur Rechten Gottes in der Kraft, hast deinem Reich den Sieg verschafft ob aller Feinde Schaaren. Mäch tig, prächtig triumphirest und regierest; Tod und Leben ist, Herr Christ, dir untergeben. 2. Dir dienen alle Cherubim, viel tausend hohe Seraphim dich, Siegesfürsten, loben; weil du den Segen wiederbracht, mit Majestät und großer Pracht zur Herrlichkeit erhoben. Singet, klinget, rühmt und ehret, den, der fähret auf zum Throne, zu empfahn die Himmelskrone. 3. Du bist das Haupt, hingegen wir find Glieder, ja, es kommt von dir auf uns Licht, Trost und Leben, Heil, Friede, Freude, Stärk' und Kraft, ja, was dem Herzen Labsal schafft, wird uns von dir gegeben. Dringe, zwinge, ew'ge Güte, mein Gemüthe, 120 4. Zeuch, Jesu, uns, zeuch uns nach dir, hilf, daß wir forthin für und für nach deinem Reiche trachten; laß unser Thun und Trachten sein, daß wir mit Demuth gehen ein, all' Ueppigkeit verachten. Unart, Hoffahrt hilf uns meiden, christlich leiden, wohl ergründen, wo die Gnade ist zu finden. 5. Sei, Jesu, unser Schuß und Schaß, sei unser Ruhm und fester Plak, darauf wir uns verlassen. Laß suchen uns, was droben ist; auf Erden wohnet Trug und List, es ist auf allen Straßen Lügen, Trügen, Angst und Plagen, die da nagen, die da quälen stündlich arme Christenſeelen. 6. Herr Jesu komm, du Gnadenthron, du Siegesfürst, Held, Davids Sohn, komm, stille das Verlangen! Du, du bist Allen uns zu gut, o Jesu, durch dein theures Blut in's Heiligthum gegangen. Himmelfahrt Chriſti. Dafür soll dir von uns Allen Dank erschallen. Nimm am Ende, Herr, uns auf in deine Hände. C. Homburg,+ 1681. Mel. Nun freut euch, liebe Christen g'mei.. 144. Auf Christi Himmel fahrt allein ich meine Nachfahrt gründe, und alle Zweifel, Angst und Bein hiermit stets überwinde; denn weil das Haupt im Himmel ist, wird seine Glieder Jesus Christ zur rechten Zeit nachholen. 2. Weil er gefahren himmel an und Gaben groß empfangen, mein Herz cuch nur im Himmel kann, sonst nirgends, Ruh' erlangen; denn wo mein Schaß, ist auch mein Herz, es sehnt nach ihm sich himmelwärts vom Staube dieser Erde. 3. Ach, Herr, laß diese Gnade mich von deiner Auffahrt spüren, daß mit dem wahren Glauben ich mag meine Nachfahrt zieren, und dann einmal, wenn dir's gefällt, mit Freuden scheide aus der Welt. Herr, höre doch mein Flehen! D. Denice,+ 1640. 121 Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 145. Auf diesen Tag gedenken wir, daß Christus aufgefahren, und flehn mit Herzlicher Begier, Gott wolle nun bewahren uns arme Sünder immerdar, die wir in mancherlei Gefahr noch auf der Erde leben.. 2. Gottlob, bereitet ist die Bahn, erfüllt der Frommen Hoffen; seit Jesus Christus ging voran, steht uns der Himmel offen. Wer glaubt, ist hoher Freude voll und weiß, daß er sich rüsten soll, dem Herrn dorthin zu folgen. 3. Doch, wer nicht willig also thut, der geht in sein Verderben; denn nimmermehr fann Fleisch und Blut das Himmelreich ererben. Ist echt der Glaube, dann muß rein zugleich auch Herz und Wille sein und nach dem Himmel trachten. 4. Und solche Himmelfahrt beginnt bei uns schon hier auf Erden, sobald wir, Christo gleichgesinnt, des Vaters Kinder werden. Wir sehn hinauf, II. Erlösungswerk. 122 Gott sieht herab, bis wir zu leßt durch Tod und Grab mit ihm zusammen kommen. 5. Wie wird erst sein so freudenreich der Tag, der dann uns scheinet, wenn Gott uns, feinem Sohne gleich, nun mit sich selbst vereinet. Erquicken wird das höchste Gut auf ewig unsern Sinn und Muth. Hilf, Gott, daß wir's erleben. 3. Zwick,+ 1542. Mel. Aus meines Herzens Grunde. 146. Der Herr fährt auf gen Himmel zu seines Vaters Thron; aus dieser Welt Getümmel erhebt sich Gottes Sohn. Lobsinget unserm Gott, lobsingt in hellen Chören dem Könige der Ehren, dem Herren Zebaoth. 2. Der Herr wird aufge nommen in königlicher Pracht; um ihn gehn alle Frommen, die er hat frei gemacht; es holen Jesum ein die hohen Cherubinen, den hellen Sera phinen muß er willkommen fein. 3. Lob sei dem Gott der Gnade, der unser Haupt erhöht; nun wissen wir die Pfade, wie man zum Himmel geht; der Heiland geht voran, will nicht zurück uns lassen, er zeiget uns die Straßen, er bricht uns sichre Bahn. 4. Laßt uns zum Himmel dringen mit herzlicher Begier; mit Inbrunst laßt uns fingen: Dich, Jesu, suchen wir! Dich, o du Gottessohn, dich, Weg, dich, wahres Leben, dem alle Macht gegeben, dich, unsres Hauptes Kron'! G. W. Sacer, † 1699. Mel. 3euch ein zu meinen Thoren. 147. Dich frönte Gott mit Freuden, o Jesu, nach dem Streit; du drangst durch Schmach und Leiden zu deiner Herrlichkeit. Triumph war dir dein Tod; dein Kampf war ausgekämpfet, der Feinde Wuth gedämpfet; nun gingst du hin zu Gott. 2. Jch, dein Erlöfter, walle dir, meinem Führer, nach. Zwar irr' ich oft und falle, bin mutlos oft und schwach; doch hilfst du mir im Streit, und führst auch mich durch Himmelfahrt Chriſti. 123 Leiden zum Heil, zu hohen beffres Leben mein ew'ges Freuden, zu deiner Herrlichkeit. Erbtheil sei.. Münter,+ 1793. 3. D, wenn ich bis zum Grabe vollendet meinen Streit, und gut gekämpfet habe um meine Seligkeit, wie werd' ich dann mich freun, wie werd' ich voll Entzücken auf meine Krone blicken, wie selig werd' ich sein! 4. Mit freudigem Vertrauen darf ich vom Kampfplaß schon nach deinem Himmel schauen auf meines Glaubens Lohn. Und mangeln Kräfte mir, sink ich im Kampfe nieder, dein Wort erhebt mich wieder: Sei treu, ich bin mit dir! 5. Dir geh' ich froh entgegen, du Retter aus der Noth. Durch dich wird lauter Segen mir selbst der härtste Tod. Denn schließt sich hier mein Lauf, so nimmst du meine Seele, die ich dir, Herr, befehle, in deinen Himmel auf. 6. Nah sei mir der Gedanke: groß ist der Frommen Lohn! damit ich nimmer wanke von dir, o Gottessohn. So bleib' ich dir getreu, bleib' immer dir ergeben, damit ein Mel. Jefu, der du meine Seele. 148.Großer Mittler, der zur Rechten des allmächt'gen Vaters sist und die Schaar von treuen Knechten in dem Reich der Gnade schüßt; dir auf dem erhabnen Throne, in der königlichen Krone, bringen mit der Engel Heer wir anbetend Preis und Ehr'. 2. Herr, dein Werk auf dieser Erde, wie es Gottes Rath bedacht, daß es hier er füllet werde, und dein Opfer ist vollbracht; da du bist für uns gestorben, hast du uns das Heil erworben, und dein siegreich Auferstehn läßt uns in die Freiheit gehn. 3. Nun willst du als Hort und Hüter in des Himmels Heiligthum die erworbnen Lebensgüter durch dein Evangelium reichlich schenken denen Allen, die zum Thron der Gnade wallen; nun wird uns durch deine Hand voller Segert zugewandt. 4. Deines Volkes theure 124 II. Erlösungswerk. Namen trägst du stets auf deiner Brust; die im Glauben zu dir kamen, sind und bleiben deine Lust; du vertrittst, die dir vertrauen und auf deine Hülfe bauen, wirkest in des Vaters Haus ihnen eine Wohnung aus. 5. Doch vergißt du auch der Armen, die der Welt noch dienen, nicht, weil das Herz dir aus Erbarmen über ihrem Elend bricht. Daß dein Vater ihrer schone, nicht nach Werken ihnen lohne, daß er wandle ihren Sinn, darauf geht dein Bitten hin. 6. Einst in deines Fleisches Tagen, da die Sünden aller Welt schwer auf deinen Schultern lagen, hast du dich vor Gott gestellt; unter Seufzen, unter Weinen für die Sünder zu erscheinen, war in tiefster Niedrigkeit deine Liebe stets bereit. 7. Jeßt ist mächtiger dein Flehen, seit du Sieger wardst im Streit und verklärt in Himmelshöhen thronst in voller Herrlichkeit; jest kannst du des Feindes Klagen majestätisch niederschlagen; denn jegt macht dein zeugend Blut unsre böse Sache gut. 8. Großer Mittler, sei ge priesen, daß du in dem Hei ligthum so viel Treu' an uns bewiesen; dir sei Ehre, Dank und Ruhm; dein Verdienst woll' uns vertreten, wenn wir zu dem Vater beten; wenn der Tod den Mund verschließt, sprich für uns, Herr Jesu Christ. 3. J. Rambach, † 1735. Mel. Jesu, meines Lebens Leben. 149. Siegesfürst und Ehrenkönig, dessen hoher Majestät aller Welten Glanz zu wenig, du, auf Gottes Thron erhöht; sieh mich dir zu Füßen fallen, sieh mein Herz vor Freude wallen, wenn ich gläubig himmelan schau' auf deine Siegesbahn. 2. Deinen Glanz, du Lebenssonne, strahlst du weit und breit dahin, daß die Ströme ew'ger Wonne durch verklärte Geister ziehn. Herrlich wirst du aufgenommen, Engel jauchzen dir Willkommen! Auch ich Armer stehe hier, rufe Hosianna dir. Himmelfahrt Christi. 125 Frieden, in den Himmel schon entrückt, wo dein Anblick mich entzückt. G. Tersteegen,+ 1769. 3. Sollt' ich deinen Kelch den, und, mit dir in sel'gem nicht trinken, da ich deine Klarheit seh'? Sollt' ich muthLos niedersinken, da ich deine Macht versteh'? Nein, ich will dir gläubig trauen, du, mein König; ohne Grauen beug' ich hier und ewiglich nur in deinem Namen mich. 4. Herr, auch über mich ergieße deine Kraft, die Alles trägt, bis zum Schemel deiner Füße deine Feinde sind gelegt. Ja, zu deinem Scepter wende Alles bis zum Wel tenende; mache dir auf deiner Bahn alle Herzen unterthan. 5. Herr, du kündigst jedem Orte deine heil'ge Nähe an; fieh, auch meines Geistes Pforte ist dir willig aufgethan. Komm, du König aller Ehren, mit mir gnädig zu verkehren; zieh zu meinem Herzen ein, laß es deine Wohnung sein. 6. Scheidend bringst du mir dein Leben, Gott und Himmel innig nah; ich darf mich zu dir erheben, gleich als stünd' ich vor dir da, von der Welt schon abgeschie Mel. Erschienen ist der herrlich' Tag. 150. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du nun aufgefahren bist, und uns gezeigt hast himmelar, dir nachzufolgen, Ziel und Bahn. Halleluja! 2. Nun singt die ganze Christenheit, vergißt all ihre Traurigkeit und danket dir, o Gottessohn, auf deinem hocherhabnen Thron. Halleluja! 3. Du herrscheft droben wunderbar und nimmst doch des Geringsten wahr; haſt unfres Kampfes gnädig Acht und giebst zum Siege uns die Macht. Halleluja! 4. Du hilfft uns, daß sich unser Geist der Todesfinsterniß entreißt und hier schon gläubig sich erhebt zu dir, der dort verklärt nun lebt. Halleluja! 5. Zur Nechten Gottes thronst du ja in wundergroßer 126 II. Erlösungswerk. leluja! Kraft allda. Bald bricht auch deinem Gnadenthron. Hal hier dein Reich sich Bahn, und Alles wird dir unterthan. Halleluja! 11. Amen, Amen! so rufen wir von ferne jegzt hinauf zu dir, bis unser Mund ein Lied dir singt, das hell durch alle Himmel dringt. Halleluja! 6. So bleibst du unser Trost und Schuß, daß uns nicht schreckt des Feindes Truß; du rettest uns aus aller Noth, die hier auf Erden uns be droht. Halleluja! n. Selneder,+ 1592. 7. Deß freun wir uns von Herzens Grund, und zeugen laut mit frohem Mund: der annahm unser Fleisch und Blut, bleibt ewig uns das Höchste Gut. Halleluja! 8. Er hilft uns aus zum ew'gen Heil, giebt uns an seinem Himmel Theil; wohl dem, der ihm von Herzen traut und fest auf seine Liebe baut. Halleluja! 9. Herr, unser Loblied hörest du; sprich selbst dein Amen nun dazu. Zu unsern Herzen ziehe ein und laß fie stets dein eigen sein. Halleluja! 10. Komm, König, komm zu deiner Zeit, zu zeigen deine Herrlichkeit, und laß die Treue ihren Lohn empfahn vor Mel. Ach Gott und Herr. 151. 3euch uns nach dir, so kommen wir mit herzlichem Verlangen hin, da du bist, o Jesu Christ, aus dieser Welt gegangen. 2. Zeuch uns nach dir in Liebsbegier aus diesem Erdenleben, so dürfen wir nicht länger hier in Noth und Sorgen schweben. 3. Zeuch uns nach dir, Herr Christ, und führ uns deine Himmelsstege; wir irren leicht, sind abgeneigt dem rechten Lebenswege. 4. Zeuch uns nach dir, so folgen wir dir nach in deinen Himmel, daß uns nicht mehr allhier beschwer' das arge Weltgetümmel. 5. Zeuch uns nach dir nun für und für, und gieb, daß wir nachfahren dir in dein Ausgießung des heiligen Geistes. Reich, und mach uns gleich den auserwählten Schaaren. ä. J: Gräfin v. Schwarzb. Rudolst.,+ 1672. Mel. Wie lieblich ist, o Herr, die Stätte. 152. 3um Himmel bist du eingegangen, mit Preis gekrönt, Herr Jesu Christ! Wie sollte mich nun nicht verlangen, auch dort zu sein, wo du nun bist? Ich bin ja nur ein Pilgrim hier; nimm in die Heimath mich zu dir. 2. Vom Tode standst du auf zum Leben und gingst verklärt zum Himmel ein; so muß sich auch mein Geist erheben, soll ich nicht todt in Sünden sein. Ein neues Leben wirk in mir, so komm' ich einst ge wiß zu dir. 127 auf Leiden Herrlichkeit; zu beiden mache mich bereit. 3. Am Delberg fingen deine Leiden mit bittern Todesängsten an; am Delberg gingst in hohen Freuden du siegreich deine Himmelsbahn. So folgt 4. Du hobest segnend deine Hände beim Scheiden von den Deinen auf; o hilf, daß einst auch ich vollende, von dir gesegnet, meinen Lauf. Wenn ich von dir gesegnet bin, dann fahr' in Frieden ich dahin. 5. Ich sehe, Herr, mit Glaubensblicken in deine Herrlichkeit dir nach; mein Herz soll sich an dir erquicken, der mir die Bahn zum Himmel brach. Sieht dich auch hier mein Auge nicht, bleibst du doch meine Zuversicht. 6. Einst wirst du herrlich wiederkommen, gleich wie du aufgefahren bist; dann werd' ich völlig aufgenommen, wo mir bereit mein Erbtheil iſt. So leb' ich nun im Glauben hier, im Schauen ewig dort mit dir. Berliner Gesangbuch 1829. H. Ausgießung des heiligen Geistes.( Pfingsten.) Mel. Werde munter, mein Gemüthe. 153. Ew'ge Quelle wahrer Güter, hochgelobter Gottesgeist, der du menschliche Gemüther besserst und mit Trost erfreust, demuthsvoll fleh' ich zu dir: komm, o komm doch auch zu mir, mache mich zu Gottes II. Erlösungswerk. 128 Preise heilig und zum Himmel weise. 2. Fülle mich mit heil'gen Trieben, daß ich Gott, mein höchstes Gut, über Alles möge lieben, daß ich mit getrostem Muth seiner Vaterhuld mich freu' und mit wahrer Kindestreu' stets vor seinen Augen wandle, und rechtschaffen denk' und handle. 3. Lehre mich mich selber kennen, die verborgnen Fehler sehn, sie voll Reue Gott be kennen, und ihn um Verzeihung flehn. Mache täglich Ernst und Treu', sie zu bessern, in mir neu, und gieb immer neue Kräfte mir zum Heiligungsgeschäfte. 4. Wenn der Anblick meiner Sünden mein Gewissen nieder schlägt, wenn sich in mir Zwei fel finden, die mein Herz mit Zittern hegt; wenn mein Aug' in Nöthen weint, und Gott nicht zu hören scheint, dann gieb, daß es meiner Seele nicht a. Troft und Stärkung fehle. 5. Was sich Gutes in mir findet, ist dein Gnadenwerk in mir; selbst den Trieb hast du entzündet, daß mein Herz verlangt nach dir. O, so sege durch dein Wort deine Gnadenwirkung fort, bis sie durch ein sel'ges Ende herrlich sich an mir vollende. D. Bruhn, † 1782. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 154. Geist der Wahrheit, lehre mich aller Weisheit Quelle kennen; Jesum kann ich nur durch dich meinen Herrn und Heiland nennen. Du nur kannst ihn mir ver klären und mein Herz zu Gott bekehren. 2. Du nur machst mein Herz gewiß, und erleuchtest meine Seele, daß ich in der Finsterniß nicht den Weg des Heils verfehle. Du führst mich auf Gottes Pfade, zeugst von Wahrheit und von Gnade. 3. Unser Tröster heißest du, überschwänglich kannst du trösten; du erfüllst mit Himmels ruh' die Gemüther der Erlösten, daß sie in der Angst der Sünden Gottes Vaterhuld empfinden. 4. Du vertrittst uns im Ge bet; jenes inbrunstvolle Seh Ausgießung des heiligen Geistes. nen, das mit stillem Seufzen fleht und uns Wonne giebt durch Thränen, Hoffnung und Geduld im Leiden, ist dein Werk, du Geist der Freuden. 5. Heiligung und Reinigkeit, ein in Gott verborgnes Leben, selige Bufriedenheit, wahre Weisheit kannst du geben. Selig, die an deinen Gaben Theil durch Lieb' und Glauben haben. 6. Was mir fehlt, find' ich bei dir, nur durch dich kann ich genesen. Komm, und wohne selbst in mir, schaffe neu mein ganzes Wesen; dann wird meine Schwachheit Stärke, und ich wirke Gottes Werke. 7. Nimm mein Herz und mach es rein; auch die Läuterung durch Leiden soll mir theurer Segen sein, sie wird Gold von Schlacken scheiden. Hilf mir wachen, beten, ringen und hindurch zum Ziele dringen. G. S. Bürde,+ 1831. 129 dich mir immerdar, so, wie einst der Jünger Schaar. 2. Geist der Wahrheit, leite mich, eigne Leitung täuſchet sich, da sie leicht des Wegs verfehlt und den Schein für Wahrheit wählt. 3. Geist des Lichtes, mehr in mir meinen Glauben für und für, der mich Christo einverleibt und durch Liebe Früchte treibt. 4. Geist der Andacht, schenke mir Salbung, Inbrunst, Gluth von dir; laß mein Bitten innig, rein und Gott wohl gefällig sein. 5. Geist der Liebe, Krafund Zucht, wenn mich Weltt und Fleisch versucht, o, dann unterstüße mich, daß ich ringe; rette mich. 6. Geist der Heiligung, verklär Jesum in mir mehr und mehr, und erquicke innerlich durch den Frieden Gottes mich. Mel. Nun komm' der Heiden Heiland. Oder: Jesu, komm doch selbst zu mir. 155. Geist vom Vater und vom Sohn, weihe dir mein Herz zum Thron, schenke 7. Geist der Hoffnung, führe du mich dem Himmelserbe zu; laß mein Herz sich deiner freun, und in Hoffnung selig sein. I. H. v. Wessenberg,* 1774. 9 130 II. Erlösungswerk. Mel. Werde munter, mein Gemüthe. 156. Gott, gieb einen milden Regen auf des Her zens dürres Land. Laß vom Himmel strömen Segen, schenk mir deiner Gnade Pfand, gieb mir deinen heil'gen Geist, den dein theures Wort verheißt, daß an seinen Himmels gaben auch mein Herz sich möge laben. 2. Jesu, der du hingegan gen zu dem Vater, sende mir deinen Geist, den mit Verlangen ich erwarte, Herr, von dir. Laß den Tröster ewiglich bei mir sein und lehren mich fest in deiner Wahrheit stehen und auf dich im Glauben sehen. 3. Heil'ger Geift, du Kraft der Frommen, kehre bei mir Armen ein; sei mir tausendmal willkommen, laß mich deinen Tempel sein; reinige du selbst das Haus, aus dem Herzen schaff hinaus Alles, was mich hier kann scheiden von den süßen Himmelsfreuden. 4. Schmücke mich mit deinen Gaben, und erneure meinen Sinn; laß mich wahre Liebe haben, weil ich Jesu Jünger bin. Gieb mir einen starken Muth, zu besiegen Fleisch und Blut; lehre mich vor Gott hintreten, und im Geist und Wahrheit beten. 5. So will ich mich dir ergeben, dir zu Ehren soll mein Sinn dem, was himmlisch ist, nachstreben; dann gelang' ich auch dahin, wo vor deinem Himmelsthron ich den Vater und den Sohn und dich kann erhöhn und preisen mit der Engel süßen Weiſen. M. Kramer, † 1702. Mel. Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn. 157. Gott Vater, sende deinen Geist, den Christus uns erbitten heißt, aus deines Himmels Höhen. Wir bitten, wie dein Sohn uns lehrt; ſo laß uns dann nicht unerhört von deinem Throne gehen. 2. Der Geist, o Gott gesandt von dir, führt deine Kinder sicher hier auf rechten Lebenswegen, und wo auch irgend unser Fuß nach deinem Rathe wandeln muß, das Ziel ist Nichts, als Segen. Ausgießung des heiligen Geistes. 3. Er öffnet unfres Herzens Thor; wenn, hell verkündet, zu dem Ohr der Wahrheit Lehren dringen, dann giebt er Kraft dem Gotteswort, läßt es gedeihen fort und fort und reiche Früchte bringen. 4. Er lehrt Verstand und Furcht des Herrn, und wohnt mit seiner Gnade gern in reinen, keuschen Seelen. Wer Gott in tiefer Demuth ehrt, wer Buße thut und sich befehrt, den pflegt er zu erwählen. 5. Er macht im Glauben uns gewiß, ist uns ein Licht in Finsterniß, ein Schild in Unglückstagen. An Trost läßt er uns nimmer leer, und jedes Kreuz, ob noch so schwer, hilft er uns fröhlich tragen. 6. Er ist und bleibt uns immer treu, steht mächtig uns auch dann noch bei, wenn alle Dinge fallen. Er lindert unsre lehte Qual, und läßt uns durch des Todes Thal getrost zum Himmel wallen. 131 aufgeschlagen! Wer wohl ihn aufnimmt in der Zeit, den wird er einst zur Seligkeit in Gottes Hütte tragen. 8. Nun, Herr und Vater aller Güt', erhöre uns, geuß in's Gemüth uns Allen diese Gabe. Gieb deinen Geist, der uns allhier regiere und dort für und für im ew'gen Leben labe. P. Gerhard, † 1676. 7. D Heil uns, wenn in dieser Welt der edle Gaft sein Haus und Zelt bei uns hat Mel. Warum sollt' ich mich denn grämen. 158.Höchster Tröster, komm hernieder! Geist des Herrn, sei nicht fern, stärke Jesu Glieder. Er, der nie sein Wort gebrochen, Jesus hat deinen Rath ſeinem Volk versprochen. 2. Schöpfer unfres neuen Lebens, jeder Schritt, jeder Tritt ist ohn' dich vergebens. Ach, der Menschen Thun ist nichtig; deine Kraft wirkt und schafft, was zum Himmel tüchtig. 3. Weck uns auf vom Sündenschlafe; rette doch heute noch die verlornen Schafe. Reiß die Welt aus dem Verderben, laß sie nicht im Gericht der Verstockung sterben. 9* 132 II. Erlösungswerk. 4. Geist der Weisheit, gieb uns Allen durch dein Licht Unterricht, wie wir Gott ge fallen. Lehr uns freudig vor ihn treten, sei uns nah, sprich dein Ja, wenn wir gläubig beten. 5. Hilf den Kampf des Glaubens kämpfen, gieb uns Muth, Fleisch und Blut, Sünd' und Welt zu dämpfen. Laß nicht Trübsal, Kreuz und Leiden, Angst und Noth, Schmach und Tod uns von Jesu scheiden. 6. Hilf nach Gottes Reich uns streben, und verleih, daß wir treu unserm Heiland leben. Gieb, daß wir nie stille stehen; treib uns an, froh die Bahn deines Worts zu gehen. 7. Sei in Schwachheit unfre Stüße, gieb im Streit Freudigkeit, Trost in Trübfalshige. Führ, wenn Gott uns nach dem Leide sterben heißt, unsern Geist in des Himmels Freude! G. Liebich,+1780. Gläubigen Herz, Muth und Sinn, dein' brünstig' Lieb' entzünd in ihn'n. D Herr, durch deines Lichtes Glanz zu dem Glauben versammelt haft das Volk du aus aller Welt Zungen; das sei dir, Herr, zu Lob gesungen. Halleluja! Halleluja! D 2. Du heiliges Licht, edler Hort, laß uns leuchten des Lebens Wort, und lehr uns Gott recht erkennen, von Herzen Vater ihn nennen. Herr, behüt vor fremder Lehr', daß wir nicht Meister suchen mehr, denn Jesum Christ mit rechtem Glauben, und ihm aus ganzer Macht vertrauen. Halleluja! Halleluja! 3. Du heilige Brunst, süßer Trost, nun hilf uns fröhlich und getrost in deinem Dienst beständig bleib'n; laß Trüb, sal uns von dir nicht treib'n. D Herr, durch dein' Kraft uns bercit, und stärk des Fleisches Blödigkeit, damit wir ritterlich hier ringen, durch Tod und Leben zu dir dringen. Halleluja! Halleluja! M. Luther,+ 1546. Eigene Melodie, 159. Komm, heiliger Geist, Herr und Gott! Erfüll mit deiner Gnaden Gut dein'r Ausgießung des heiligen Geistes. Eigene Melodie. 160. Komm, o komm, du Geift des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit; deine Kraft sei nicht vergebens, sie erfüll' uns jederzeit; so wird Geist und Licht und Schein in dem dunkeln Herzen sein. 2. Gieb in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rath, Verstand und Zucht, daß wir Andres nicht beginnen, als nur, was dein Wille sucht; dein' Erkenntniß werde groß, und mach' uns vom Irrthum los. 3. Zeige, Herr, die Wohl fahrtsstege, führ uns auf des Heiles Bahn; räume Alles aus dem Wege, was im Lauf uns hindern kann; wirke Reue nach der That, wenn der Fuß geStrauchelt hat. 4. Laß uns stets dein Zeugniß haben, daß wir Gottes Kinder sind. Stärke uns mit deinen Gaben, wenn sich Noth und Drangsal find't; lehr uns, daß des Vaters Zucht einzig unser Bestes sucht. 5. Treib uns, daß wir zu ihm treten, frei, mit aller Freudigkeit; seufze in uns, wenn wir 133 beten, und vertritt uns allezeit; so wird unsre Bitt' erhört, und die Zuversicht vermehrt. 6. Wird uns oft um Trost sehr bange, ruft das Herz voll Traurigkeit: Ach, mein Gott, mein Gott, wie langel o so wende du das Leid; sprich der Seele tröftlich zu, gieb ihr Muth, Geduld und Ruh'. 7. O du Geist der Kraft und Stärke, du gewisser, neuer Geist, wirke in uns Gottes Werke, gieb uns, wie der Herr verheißt, deine Waffent zu dem Krieg, und verleihe uns den Sieg. 8. Herr, bewahr auch unsern Glauben, daß kein Teufel, Tod und Spott uns denselben möge rauben; du bist unser Schuß und Gott. Laß, wo unser Herz spricht Nein, dein Wort Ja und Amen sein. 9. Wenn wir endlich sollen sterben, so versichre uns je mehr als des Himmelreiches Erben jener Herrlichkeit und Ehr', die Gott giebt durch Jesum Christ und die unaussprechlich ist. 6. Held, um 1643. 134 II. Erlösungswerk. Mel. Zeuch ein zu meinen Thoren. 161. Komm, Tröster, komm hernieder vom hohen Himmel thron auf Christi Freund' und Brüder; du, den des Höchsten Sohn zu senden uns verheißt, o komm, mit deinen Gaben uns Herz und Sinn zu laben, komm, werther heil ger Geift. 2. Du bist ein Trost der Frommen, und sprichst uns freundlich zu, schaffst, wenn wir trauernd kommen, der Seele Fried' und Ruh'. Komm, Tröster, zu erfreun, die sich in Demuth beugen, die wahre Buße zeigen und dir die Her zen weihn. 3. Laß allen Trost verschwinden, den mir die Welt verspricht bei ihrem Dienst der Sünden; er tröstet mich doch nicht. Was mir mein Jesus preist, kann Furcht und Bein vertreiben. Du sollst mein Tröster bleiben, du, heil'ger Gottesgeist. 4. Du kannst mein Herz erfreuen und rüsten kräftiglich, ja, ganz und gar erneuen, daß es Nichts liebt, als dich. Drum komm, du theurer Gast, und bleib durch's ganze Leben als Tröster mir ergeben, bis ich im Tod erblaßt. 5. Der du als Gott aus gehest vom Vater und dem Sohn, und mich im Geist er höheft zu Gottes Himmels thron, kehr gnädig bei mir ein, und lehr mich Jesum kennen, ihn meinen Herren nennen in Wahrheit, nicht zum Schein. 6. Du kommst ja von dem Vater, der meine Seele liebt, drum sei auch mein Berather; wenn mich die Welt betrübt, so komm und tröste mich, und stärk im Kreuz und Leiden mein Herz mit deinen Frenden, daß es erquicke sich. 7. Leit mich mit deinem Finger, o Geist von Gottes Thron, und sei mein HerzBezwinger, daß mich nicht Schmach noch Hohn, nicht Trübsal oder Noth von meinem Jesu scheide; im Kreuz sei meine Freude, mein Trost bis in den Tod. 2. Laurenti,+ 1722. Ausgießung des heiligen Geistes. Eigene Melodie. 162. Nun bitten wir den heiligen Geist um den rechten Glauben allermeist, daß er uns behüte an unserm Ende, wenn wir heimfahr'n aus diesem Elende. Kyrieleis! 2. Du werthes Licht, gieb uns deinen Schein, lehr uns Jesum Christ kennen allein, daß wir an ihm bleiben, dem treuen Heiland, der uns g'bracht hat zum rechten Vaterland. Kyrieleis! 3. Du süße Lieb', schenk uns deine Gunst, laß uns empfinden der Liebe Brunst, daß wir uns von Herzen einander lieben, und im Frieden auf Einem Sinn bleiben. Ky rieleis! 135 Licht, der du uns in Lieb' und Leide unbeſuchet läsfest nicht; Geist des Höchsten, höchster Fürst, der du hältst und halten wirst ohn' Aufhören alle Dinge, höre, höre, was ich singe. 4. Du höchster Tröster in aller Noth, hilf daß wir nicht fürchten Schand' noch Tod, daß in uns die Sinne nicht verzagen, wenn der Feind wird das Leben verklagen. Kyrieleis! M. Luther,+ 1546. 2. Du bist ja die beſte Gabe, die ein Mensch nur nennen kann. Wenn ich dich erwünsch' und habe, geb' ich alles Wünschen dran. Ach, ergieb dich, komm zu mir, nimm mein Herz hin, das du dir, da ich in die Welt geboren, schon zum Tempel haft erkoren. 3. Ausgegossen, wie ein Regen, wirst du von des Himmcls Thron, bringst uns nichts als lauter Segen von dem Vater und dem Sohn. Laß doch, o du werther Gast, Gottes Segen, den du haſt und vertheilst nach deinem Willen, meine ganze Seele füllen. 4. In dir ist der Weisheit Fülle, das Verborgne ist dir kund, Gott erschaust 163. du allersüßte du ohne Hülle, kennst des O Freude, o du allerschönstes Herzens tiefsten Grund. Nun, Mel. Wie nach einer Wasserquelle. II. Erlösungswerk. 136 so kennst du auch gewiß meiner Seele Finsterniß; drum gieb Weisheit; zeig uns Allen, wie wir mögen Gott gefallen. 5. Du bist heilig, läss'st dich finden, wo man rein und lauter ist, fleuchst dagegen Schand' und Sünden und der Welt Betrug und Lift. Mache mich, o Gnadenquell, keusch und züchtig, rein und hell; laß mich fliehen, was du fliehest, gieb mir, was du gerne siehest. 6. Treuer Hort, ich bin zufrieden, hältst du mich nur fest bei dir; sind wir Beide ungeschieden, hab' ich reichen Trost in mir. Laß mich sein dein Eigenthum; ich will leben dir zum Ruhm, will in dei nem Dienst auf Erden dir ein treues Werkzeug werden. 7. Weiß ich doch, daß du mich stärkest und mir treulich stehest bei. Hilf mein Helfer, wo du merkest, daß mir Hülfe nöthig sei; brich des bösen Fleisches Sinn, nimm den alten Willen hin; hilf, daß er sich ganz erneue, daß mein Gott sich meiner freue. 8. Halt mich, wenn die Kräfte beben; wenn ich sinke, sei mein Stab; wenn ich sterbe, sei mein Leben; wenn ich liege, Wenn ich hüt mein Grab. wieder aufersteh', hilf mir, daß ich dahin geh', wo du wirst in ew'gen Freuden deine Aus erwählten weiden. P. Gerhard,+ 1676. Mel. Wie schön leuchtet der Morgenstern. 164. O heil'ger Geist, kehr bei uns ein und laß uns deine Wohnung sein; o komm, du Herzenssonne! Du Himmelslicht, laß deinen Schein bei uns und in uns kräftig sein zu steter Freud' und Wonne. Sonne, Wonne, himmlisch Leben willst du ge ben, wenn wir beten; sieh uns gläubig vor dich treten. 2. Du Quell, draus alle Weisheit fließt, die sich in fromme Seelen gießt, laß dei nen Trost uns hören, daß wir in Glaubenseinigkeit auch Andre in der Christenheit dein wahres Zeugniß lehren. Höre, lehre und gewinne Herz und Sinne, dich zu preisen, Gut's dem Nächsten zu erweisen. 3. Steh uns stets bei mit Ausgießung des heiligen Geistes. deinem Rath, und führ uns selbst den rechten Pfad, die wir den Weg nicht wissen; gieb uns Beständigkeit, daß wir getreu dir bleiben für und für, auch wenn wir leiden müssen. Schaue, baue, was zerrissen und beflissen, dich zu schauen und auf deinen Trost zu bauen. 4. O laß uns deine Gotteskraft empfinden, und zur Nitterschaft dadurch gestärket werden; auf daß wir unter deinem Schuß begegnen aller Feinde Truß mit freudigen Geberden; laß dich reichlich auf uns nieder, daß wir wieder Trost empfinden, alle Trübsal überwinden. 5. O starker Fels und Lebenshort, laß stets dein süBes Himmelswort in unsern Herzen brennen, daß wir uns mögen nimmermehr von dei ner weisheitsreichen Lehr' und treuen Liebe trennen. Fließe, gieße deine Güte in's Gemüthe, daß wir können Christum unsern Heiland nennen. 137 kräftiglich, und schenk uns deine Liebe, daß unser Sinn verbunden sei dem Nächsten stets mit Lieb' und Treu', und sich darinnen übe. Kein Neid, kein Streit dich betrübe, Fried' und Liebe woll'st du geben, daß wir dir zu Ehren leben. 7. Hilf, daß in wahrec Heiligkeit wir führen unsre Lebenszeit, sei unsres Geistes Stärke, daß uns hinfort set unbewußt die Eitelkeit, des Fleisches Lust und seine todten Werke. Rühre, führe unser Sinnen und Beginnen hier auf Erden, daß wir Himmelserben werden. m. Schirmer, † 1673. 6. Du süßer Himmelsthau, senk dich in unsre Herzen Mel. Jesu, meine Freude. 165. Schmückt das Fest mit Maien, lasset Blumen streuen, zündet Opfer an; denn der Geist der Gnaden hat sich eingeladen; macht ihm ebne Bahn! Nehmt ihn ein, so wird sein Schein euch mit Licht und Heil erfüllen und den Kummer stillen. 2. Tröster der Betrübten, Pfand der Gottgeliebten, Geist voll Rath und That; Frie II. Erlösungswerk. denswiederbringer, Licht für Wollen und Vollbringen, führ Christi Jünger auf dem dunkeln Pfad, gieb uns Kraft und Lebenssaft, laß uns deine theuern Gaben zur Genüge laben. 138 3. Laß die Herzen brennen, wenn wir Jesum nennen, führ den Geist empor. Gieb uns Kraft, zu beten und vor Gott zu treten, sprich du selbst uns vor. Gieb uns Muth, du höchstes Gut, tröst uns kräftiglich von oben bei der Feinde Toben. 4. Milder Himmelsregen, schütte deinen Segen auf der Kirche Feld; laß die Ströme fließen, die das Land begießen, wo dein Wort hinfällt. Ach, verleih, daß es gedeih'; hundertfältig Frucht zu bringen, laß ihm stets gelingen. 5. Schlage deine Flammen über uns zusammen, wahre Liebesgluth! Laß dein sanftes Wehen auch bei uns geschehen, dämpfe Fleisch und Blut. Laß uns doch am Sündenjoch nicht mehr unbußfertig ziehen, alles Böſe fliehen. 6. Gieb zu allen Dingen uns ein und aus. Wohn in unsrer Seele, unser Herz erwähle als dein eigen Haus. Werthes Pfand, mach uns bekannt, wie wir Jesum recht erkennen, und Gott Vater nennen. 7. Unser Kreuz versüße, und durch Finsternisse sei du unser Licht; trag nach Zionshügeln uns mit Glaubensflügeln, und verlaß uns nicht, wenn der Tod, die letzte Noth, mit uns will zu Felte liegen, daß wir fröhlich siegen. 8. Laß uns hier indessen nimmermehr vergeffen, daß wir Gott verwandt; dem laß uns stets dienen und im Guten grünen als ein fruchtbar Land; bis wir dort, du werther Hort, bei den grünen Himmelsmaien, ewig uns erfreuen. B. Schmold,+ 1737. Eigene Melodie. 166. 3euch ein zu meinen Thoren, sei meines Herzens Gast, der du, da ich geboren, mich neu geboren hast, o hoch. geliebter Geist des Vaters und des Sohnes, mit Beiden Ausgießung des gleiches Thrones, mit Beiden gleich gepreift. 2. Zeuch ein, laß mich empfinden und schmecken deine Kraft, die Kraft, die uns von Sünden Hülf' und Errettung schafft. Entsünd'ge meinen Sinn, daß ich mit reinem Geiste dir Ehr' und Dienste leiste, die ich dir schuldig bin. 3. Ich glich dem wilden Reben, du hast mich gut gemacht; der Tod durchdrang mein Leben, du hast ihn umgebracht, mit Segen mich geschmückt, mir schon im Wasserbade versiegelt Gottes Gnade, die mich im Tod erquickt. 4. Du bist ein Geist, der lehret, wie man recht beten soll; dein Beten wird erhöret, dein Singen klinget wohl; es steiget himmelan, es läßt nicht ab und steiget bis der uns Hülf' erzeiget, der Allen helfen kann. 5. Du bist ein Geist der Freuden, willst unser Trauern nicht, erleuchtest uns im Leiden mit deines Trostes Licht. Ach ja, wie manchesmal hast du mit süßen Worten mir aufge. heiligen Geistes. 139 than die Pforten zum güldnen Freudensaal. 6. Du bist ein Geist der Liebe, ein Freund der Freundlichkeit, willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zank, Haß, Neid und Streit; der Feindschaft bist du Feind, willst, daß durch Liebesflammen sich wieder thu' zusammen, was unversöhnlich scheint. 7. Du, Herr, haft selbst in Händen die ganze weite Welt, kannst Menschenherzen wenden, wie dir es wohlgefällt; so gieb doch deine Gnad' zu Fried und Liebesbanden, verknüpf in allen Landen, was sich getrennet hat. 8. Erhebe dich und steure dem Herzleid auf der Erd', bring wieder und erneure die Wohlfahrt deiner Heerd'; laß blühen, wie zuvor, die Länder, so verheeret; die Kirchen, so zerstöret, richt aus der Asch' empor. 9. Regier in allen Reichen, bau unsres Königs Thron, laß nimmer von ihm weichen der Weisheit Ruhm und Lohn. Dem Alter gieb Verstand, gieb II. Erlösungswerk. Frömmigkeit der Jugend, durch gieb Kraft und Freudigkeit. Gottesfurcht und Tugend beglücke jeden Stand. Hilf kämpfen ritterlich; hilf fröhlich überwinden, und aus dem Dienst der Sünden ent winde Jeder sich. 12. Richt unser ganzes Le ben all'zeit nach deinem Sinn; und wenn wir's sollen geben in Todeshand dahin, wenn's mit uns hier wird aus, so hilf uns fröhlich sterben und nach dem Tod ererben des ew'gen Lebens Haus. 140 10. Erfülle die Gemüther mit reiner Glaubenszier, die Häuser und die Güter mit Segen für und für; vertreib den bösen Geist, der dir sich widerseget, der, was dein Herz ergößet, aus unserm Herzen reißt. 11. Den Feind wohl abzuwehren, der täglich ist bereit, dein Gnadenwerk zu stören, 3. Gerhard,+1676, Das Wesen und der Zustand der Kirche. 141 III. Des Himmelreichs geordnete Pflege in der Kirche. Abermal ist gleich das Himmelreich einem Neke, das in's Meer geworfen wird, damit man allerlei Gattung fäng 1. Das Wesen und der Zustand der Kirche. Mel. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort. 167. Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ, weil's Abend nun geworden ist; dein gött lich Wort, das helle Licht, laß ja bet uns auslöschen nicht. 2. In dieser leßten trüben Zeit verleihe uns Beständigkeit, daß wir dein Wort und Sacrament behalten rein bis an das End'. 3. Gieb deiner Kirche Gnad' und Huld, rüst ihre Glieder mit Geduld, erwecke, die da träg und kalt, des Glaubens Einigkeit erhalt. Matth. 13, 47. 4. Ach Gott, es geht gar übel zu, auf dieser Erd' ist keine Ruh'; denn Irrthum, Trug und falsche Lehr' verbreiten sich je mehr und mehr. 5. So wehre denn mit starker Hand dem Abfall und dem Unverstand, und dämpfe die Vermessenheit der stolzen Geister dieser Zeit. 6. Die Sach' und Ehr Herr Jesu Christ, nicht unser, sondern dein ja ist; darum steh deinem Volke bei, das dir vertrauet glaubenstreu. 7. Dein Wort ist unsres Herzens Truß, und deiner Kirche Hort und Schuß; dabei erhalt uns, lieber Herr, daß wir nichts Andres suchen mehr. 8. Hilf fest in deinem Wort 142 III. Kirche. uns stehn, bis endlich wir von hinnen gehn aus dieser Welt voll Müh' und Streit zum Leben in der Herrlichkeit. N. Selnecker,+ 1592. Mel. Christus, der ist mein Leben. 168. Ach, bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, daß uns hinfort nicht schade des Bösen Macht und Liſt. 2. Ach, bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser werth, daß uns in diesem Horte sei Trost und Heil bescheert. 3. Ach, bleib mit deinem Glanze bei uns, du werthes Licht, dein' Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht. 4. Ach, bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr, dein' Gnad' und all' Vermögen in uns reichlich vermehr. 5. Ach, bleib mit deinem Schuße bei uns, du starker Held, daß uns der Feind nicht truhe, noch fäll' die böse Welt. 6. Ach, bleib mit deiner Treue bei uns, Herr, unser Gott; Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Noth. 3. Stegmann,+ 1632. Eigene Melodie. 169. Ein' feste Burg ist unser Gott, ein' gute Wehr und Waffen; er hilft uns frei aus aller Noth die uns jetzt hat betroffen; der alt böse Feind, mit Ernst er's jetzt meint; groß' Macht und viel Lift sein' grausam' Rüstung ist; auf Erd'n ist nicht sein's Gleichen. 2. Mit unsrer Macht ist Nichts gethan, wir sind gar bald verloren. Es streit't für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott; das Feld muß er behalten. 3. Und wenn die Welt voll Teufel wär', und wollt'n uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, wie sau'r er sich stellt, thut er's uns doch nicht; das macht, er ist gericht't. Ein Wörtlein kann ihn fällen. 4. Das Wort sie sollen lassen stahn, und kein'n Dank Das Wesen und der Zustand der Kirche. 143 hellem Schein erleucht' zum ew'gen Leben, daß wir erkennen seine Werk', und was ihm lieb auf Erden, und Jesu Christi Heil und Stärk' bekannt den Heiden werden, und sie zu Gott bekehren. 2. So danken dir und loben dich, o Herr, die Heiden alle, und alle Welt, die freue fich und fing' mit großem Schalle, daß du auf Erden Richter bist, nicht läss'st die Sünde walten; dein Wort die Hut und Weide ist, die alles Volk erhalten, in rechter Bahn zu wallen. 3. Es danke, Gott, und lobe dich das Volk in guten Thaten. Das Land bringt Frucht, und bessert sich; dein Wort ist wohl gerathen. Uns fegne Vater und der Sohn, uns segne Gott, der heil'ge Geist, dem alle Welt die Ehre thu', vor ihm sich fürchte allermeist. Nun sprecht von Herzen: Amen! M. Luther,+ 1546. Eigene Melodie. 172. Fahre fort, fahre fort, Zion, fahre fort im Licht, dazu haben; er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben. Nehm'n sie uns den Leib, Gut, Ehr', Kind und Weib, laß fahren dahin, sie haben's kein'n Gewinn; das Reich muß uns doch bleiben. m. Luther, † 1546. Eigene Melodie. 170. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort und wehr der Feinde List und Mord, die Jesum Christum, deinen Sohn, gar stürzen woll'n von seinem Thron. 2. Zeig deine Macht, Herr Jesu Christ, der du Herr aller Herren bist, beschirm dein' arme Christenheit, daß sie dich lob' in Ewigkeit. 3. Gieb, heil'ger Geist, du Tröster werth, den Deinen gleichen Sinn auf Erd', steh bei uns in der letzten Noth, leit uns in's Leben aus dem Tod. M. Luther, t 1546. Eigene Melodie. 171. Es wolle Gott uns gnädig sein und seinen Segen geben. Sein Antlig uns mit III. Kirche. 144 mache deinen Leuchter helle, laß die erste Liebe nicht, suche stets die Lebensquelle. Zion, dringe durch di: enge Pfort', fahre fort, fahre fort. 2. Leide gern, leide gern, Zion, leide ohne Scheu Trübsal, Angst mit Spott und Hohne, sei bis in den Tod getreu, fiehe auf die Lebenskrone. Zion, scheint der Trost dir noch so fern, leide gern, leide gern. 3. Folge nicht, folge nicht, Zion, folge nicht der Welt, die dich suchet groß zu machen, achte nicht ihr Gut und Geld, laß fie deines Glaubens lachen. Zion, wenn sie dir viel Lust verspricht, folge nicht, folge nicht. 4. Prüfe recht, prüfe recht, Zion, prüfe recht den Geist, der dir ruft zu beiden Seiten; thue nicht, was er dich heißt, laß nur deinen Stern dich leiten. Zion, das, was gut scheint oder schlecht, prüfe recht, prüfe recht. 5. Dringe ein, dringe ein, Zion, dringe ein in Gott, stärke dich mit Geist und Leben; fei nicht, wie die Andern, todt, sei du gleich den grünen Reben. Zion, in die Kraft, nicht in den Schein, dringe ein, dringe ein. 6. Brich hervor, brich hervor, Zion, brich hervor in Kraft, weil die Bruderliebe brennet; zeige, was der in dir schafft, der als seine Braut dich kennet. Zion, durch das aufgethane Thor brich hervor, brich hervor. 7. Halte aus, halte aus, Zion, halte deine Treu', laß doch nimmer lau dich finden; sieh, das Kleinod rückt herbei, auf! verlasse, was dahinten. Zion, in dem letzten Kampf und Strauß halte aus, halte aus. 3. E. Schmidt, † 1745. Mel. Nun lob' mein' Seel' 2c. 173. Gott ist ein Schuß in Nöthen und seiner Kirche Zuversicht; und wenn wir für fie beten, versagt er seine Hülfe nicht. Wenn gleich an allen Orten Gefahren sie be dräun, wenn gleich der Hölle Pforten stets ihren Kampf er neun; wenn Macht und List verbündet sich rüsten gegen Das Wesen und der Zustand der Kirche. Mel. Ein' feste Burg ist unser Gott. sie, der Herr, der sie gegründet, der Herr verläßt 174. Herr, deine Kirche sie nie. danket dir, noch wohnt dein Wort im Lande; für deine Gnade haben wir noch deinen Geist zum Pfande. Bedroht uns Gefahr, so nimm unser wahr; schüß uns, Jesu Christ, vor Feindes Macht und List, wend ab der Knechtschaft Bande. 2. Vom Himmelsthron schau gnädiglich auf deine Kirche nieder, in deiner Macht erweise dich als Heiland ihrer Glieder. Wie, durch dich erbaut, sie fest dir vertraut, so halt dir sie rein, und die den Bund entweihn, die heilige dir wieder. 2. Sie ist ein Fels im Meere; es stürmen wilder Wogen Fluth, doch bricht sich, Gott zur Ehre, an diesem Felsen ihre Wuth. Sie ist Sie ist das Licht auf Erden, vom Himmel uns gebracht, das nicht gelöscht kann werden in finstrer Mitternacht. Sie ist auf Bergeshöhen die fest gebaute Stadt; Gott läßt sie nicht vergehen, der sie gegründet hat. 3. Der Stadt geweihte Mauern sind auf des Glaubens Grund erhöht, und darum wird sie dauern, ob Erd' und Himmel untergeht. Ihr, die ihr sie bekrieget, schafft nur euch selber Pein; zu ihr, die doch einst sieget, geht bald im Glauben ein! Dann könnt ihr noch ent rinnen dem Abgrund, der euch dräut; könnt Kronen noch gewinnen in einem bes sern Streit. 3. U. Cramer,+ 1788. 145 3. Halt Wahn und Zwietracht von uns fern, daß wir in Frieden leben. Nach deinem Reich, Herr aller Herrn, lehr uns einmüthig streben. Stärk uns für und für, zu wandeln mit dir, bis du nach) der Zeit die ew'ge Seligkeit des Himmels uns wirst geben. 4. Herr, deine Kirche streitet noch, laß sie nicht unterliegen; wie schwer der Kampf, du 10 146 III. Kirche. kannst ja doch zumt Besten Alles fügen. Was wir gläubig flehn, o, laß es geschehn. Steh uns gnädig bei, du Helfer, stark und treu; hilf deiner Kirche siegen. E. S. J. Borchward,+ 1776. Mel. Die Tugend wird durch's Kreuz geübet. 175. Ich lobe dich, mein Auge schauet, wie du auf die sem Erdenkreis dir eine Kirche haft erbauet, o Gott, zu deines Namens Preis; daß Alle sich zusammen finden, in dir, als heiliger Verein, und sich, erlöst von ihren Sünden, o Jesu, deines Reiches freun. 2. Du rufest auch noch heut zu Tage, daß Jedermann er scheinen soll; doch hört man stets auch deine Klage: Noch immer ist mein Haus nicht voll. Deßwegen schickst du auf die Straßen, zu laden Alle, die man find', und willst auch die berufen lassen, die blind und todt in Sünden sind. 3. Du hast dir, Gott, aus vielen Zungen der Völker eine Kirch' erbaut, darin dein Name wird gesungen und deiner Gnade Kraft geschaut, da Alle unter Christo stehen, als ihrem königlichen Haupt, auf ihn vertrauend Alle sehen, an ihn von Herzen Jeder glaubt. 4. Nicht eignem Werk gilt ihr Vertrauen, es ruht auf dir und deinem Sohn; er ist Der Fels, auf den sie bauen, er ist der Weg zu Sieg und Lohn. Er ist der Weinstock, sie die Reben, in ihm nur reifet ihre Frucht; er ist ihr Licht, ihr Heil und Leben durch Wahrheit, Lieb' und fromme Zucht. 5. Ein Herr, Ein Glaub' und Eine Taufe vereinigt sie zum heil'gen Bund, Ein Ziel erglänzt dem Pilgerlaufe, Ein Fels ist ihres Friedens Grund. Ein Vater waltet über Allen, und dieser Vater, Gott, bist du; du schenkst nach deinem Wohlgefallen den Gotteskindern Heil und Ruh'. 6. So heil'ge uns zum neuen Leben, daß wir nur deine Wege gehn, zuerst nach deinem Reiche streben und bösen Lüsten widerstehn. Gieb, daß wir als getreue Glieder festhalten an dem Haupt und Das Wesen und der Zustand der Kirche. Herrn, und dann auch alle sammt als Brüder in Lieb' ihm folgen treu und gern. 7. Erhalt uns, Herr, im rechten Glauben noch fernerhin bis an das End'. Laß Nichts uns deine Schätze rau ben, dein heilig Wort und Sacrament. Erfülle deiner Christen Herzen, o Gott, mit deinem Gnadenheil, und gieb nach überwundnen Schmerzen uns droben einst das besfre Theil. P. F. Hiller,+ 1769. Mel. Mein Herzens- Jesu, meine Lust. 176. Jesu, Licht und Heil der Welt, der du in diesem Leben dein Wort, das Gottes Rath enthält, zur Leucht' uns haft gegeben, du bist der Herr der Christen heit, die du in dieser Pilgerzeit dir aus den Menschen sammelst. 2. Du willst sie als dein Eigenthum zur wahren Weisheit leiten und durch dein Evangelium zur Seligkeit bereiten. Du, Herr, bist groß von Rath und That, und was dein Mund versprochen hat, wirst du gewiß erfüllen. 3. Du bist der Deinen Trost 147 und Heil; so viel nur an dich glauben, die haben an dir Alle Theil, die wird kein Feind dir rauben. Von dir fließt Weisheit, Trost und Ruh' dem, der dir folgt, unfehlbar zu, dein ist des Guten Fülle. 4. Mag auch die Menge immerhin auf deinen Ruf nicht hören, und mancher in verkehrtem Sinn sich wider dich empören, so fällt doch deine Kirche nie, du hältst sie aufrecht, schüßest sie durch deines Geistes Weisheit. 5. Dein ist das Reich und dein die Kraft; wer sollte dir nicht trauen, nicht auf dein Wort gewissenhaft fest ſeine Hoffnung bauen? Dein Heil ist unser höchstes Gut; laß uns nur stets mit frohem Muth dich vor der Welt bekennen. 6. Zwar kämpfen wir noch manchen Streit hier mit uns selbst auf Erden; doch werden zur Vollkommenheit auch wir erhoben werden. Dann endet sich der Deinen Müh', dann krönest und belohnst du sie mit Preis und Ehr' ohn' Ende. 7. Wir sehn dich dann in 10* 148 III. Kirche. Majestät, und uns, gleich deinen Engeln, zu nie empfundnem Glück erhöht, befreit von allen Mängeln, frohlocken dir und preisen dich, daß deine Macht und Gnade sich so hoch an uns verherrlicht. 3. S. Diterich, † 1797. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 177. Treuer Hirte deiner Heerde, bleibe deiner Kirche Schuß daß sie nicht erschüttert werde durch der Feinde Macht und Truß; wenn sie uns vermessen drohn, dann hilf du uns, Gottes Sohn, daß sie nicht dein Reich zerstören und dein Erbe frech verheeren. 2. Es gilt deines Namens Ehre, deiner Wahrheit Heilig thum, es gilt, Jesu, deine Lehre, deines Leidens Kraft und Ruhm; deiner Auserwählten Schaar sieht ihr Kleinod in Gefahr; dazu kannst du, Herr, nicht schweigen, deine Macht wirst du bezeigen. 3. Wo die Kirche ward be stürmet, warst du allezeit ihr Hort; du bist's auch, der sie beschirmet heute noch und immerfort. Sei auch der Verfolgung viel, du bestimmest ihr das Ziel, du zerstreust der Frevler Rotten, die es wagen, dein zu spotten. 4. Herr, bekehre deine Feinde, daß sie folgen deinem Licht; stärk im Glauben die Gemeinde, mehre ihre Zuversicht; nimm dich der Verirrten an, führ sie auf die rechte Bahn; die sich um ihr Heil betrügen, führ zur Wahrheit von den Lügen. 5. Laß uns recht und redlich handeln, fliehen auch den bösen Schein, fromm in Tau beneinfalt wandeln und doch flug wie Schlangen sein; mache du uns selbst bereit, uns zu schicken in die Zeit, gieb uns Weisheit, daß wir meiden, je durch eigne Schuld zu leiden. 6. Lehr uns beten, laß uns wachen, immer stehn auf unsrer Hut. Sei du mächtig in uns Schwachen; hilf du, so wird Alles gut. Kämpfe du für uns im Streit und verleih uns Tüchtigkeit, daß wir deine Waffen führen und einst herrlich triumphiren. Henr. Cath. v. Gerstorf,+ 1726. Das Wesen und der Zustand der Kirche. Mel. Rommt her zu mir, spricht Gottes zc. 178. Verzage nicht, du Häuflein klein, mag's auch der Feinde Wille sein, dich gänzlich zu zerstören; sie suchen deinen Untergang, daß dir darob wird angst und bang, doch wird's nicht lange währen. 2. Denk nur getroft zu jeder Frist, daß deine Sache Gottes ist, laß seine Macht nur walten; er wird durch seinen Gideon, den er sich hat erfehen schon, dich und sein Wort erhalten. 3. So wahr Gott Gott ist, wird sein Wort das Feld behalten fort und fort, ob Viele widerstreben; der Feinde Dräuen wird zum Spott, Gott ist mit uns und wir mit Gott, er wird den Sieg uns geben! M. Altenburg, † 1640. Mel. Ein' feste Burg ist unser Cott. 179. Wenn Christus seine Kirche schüßt, so mag die Hölle wüthen! Er, der zur Rech ten Gottes sitzt, hat Macht, ihr zu gebieten. Er ist mit Hülf' nah, wenn er spricht, steht's da, er schützt sich zum 149 Ruhm sein Volk und Eigenthum; mag doch die Hölle wüthen. 2. Gott sieht's, wenn Fürsten auf dem Thron sich wider ihn empören und den Gesalbten, seinen Sohn, nicht wollen gläubig ehren. Herr, dein Gotteswort, dein Kreuz, unser Hort, ist dem Wahn ein Spott, doch richtet sie einst Gott; fie mögen sich empören. 3. Der Spötter mag die Wahrheit schmähn, uns fann er sie nicht rauben. Der Frev ler mag ihr widerstehn, wir halten fest am Glauben. Gelobt sei, Herr Chrift! Wer dein Jünger ist, dein Wort treulich hält, dem kann die ganze Welt die Seligkeit nicht rauben. 4. Auf, Christen, die ihr ihm vertraut, laßt euch kein Drohn erschrecken! Der Gott, der Hoch vom Himmel schaut, wird uns gewiß bedecken. Er, der starke Held, der auf sein Wort hält, giebt Geduld in Noth und Kraft und Muth im Tod; was will uns denn erschrecken? C.F. Gellert,+ 1769. III. Kirche. 2. Der Beruf der Kirche zur Ausbreitung des Evangeliums. 150 Mel. Valet will ich dir geben. 180. Der du in Todesnächten erkämpft das Heil der Welt, und dich als den Gerechten zum Bürgen dargestellt; der du den Feind bezwungen, den Himmel aufgethan, dir stimmen unsre Zungen ein Halleluja an. 2 Jm Himmel und auf Erden ist alle Macht nun dein, bis alle Völker werden zu deinen Füßen sein, bis die von Süd und Norden, bis die von Oft und West sind deine Gäste worden bei deinem Hochzeitfest. 3. Noch werden sie geladen, noch gehn die Boten aus, um mit dem Ruf der Gnaden zu füllen dir dein Haus. Es ist fein Preis zu theuer, es ist kein Weg zu schwer, zu tragen, Herr, dein Feuer in's große Völkerheer. 4. Dann geht in frischen Lüften ein Frühlingshauch durch's Land; es regt sich in den Grüften, es rauscht im Wüstensand. Die Todten, sie erstehen, belebt wird das Gebein durch deines Geistes Wehen, durch deines Lichtes Schein. 5. Da, wo im Todesschatten ein Göße König ist, durch se gensvolle Matten das Menschenblut ihm fließt, hält dieſe heil'ge Flamme dem Opfernden die Hand; der Mörder wird zum Lamme, das Opfer ihm verwandt. 6. Fern in der Knechtschaft Landen erwacht ein Durst nach Licht, und aus den schweren Banden manch' tiefer Seufzer bricht. Da fahren tauſend Funken dem Sclaven in das Herz. Wer von dem Licht getrunken, ist frei von Pein und Schmerz. 7. Und hoch am starren Norden, wo ew'ger Schnee noch ruht, da ist es warm geworden durch dieses Feuers Gluth; die Herzen sind zer flossen, das Eis ist aufgethaut; in knospenreiche Sprossen sich mild ein Sommer baut. Der Beruf der Kirche zur Ausbreitung des Evangeliums. 151 Gäste nun beschieden zu deinem Abendmahl. 8. So ziehen deine Flammen wie Sonnen um die Welt. Getrenntes fließt zuſammen, das Dunkle wird erhellt; und wo dein Name schallet, du König Jesu Christ, ein selig Häuflein wallet dahin, wo Frieden ist. 9. D, sammle deine Heerden dir aus der Völker Zahl, daß Alle selig werden und ziehn zum Abendmahl. Schließ auf die hohen Pforten, es strömt dein Volk heran; wo's noch nicht Tag geworden, da zünd dein Feuer an. C. G. v. Barth,* 1799. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 181. Der du zum Heil erschienen der allerärmsten Welt, und von den Cherubinen zu Sündern dich gesellt; den sie mit frechem Stolze ver höhnt für seine Huld, als du am Kreuzesholze versöhntest ihre Schuld; 2. Damit wir Kinder würden, gingst du vom Vater aus, nahmst auf dich unsre Bürden, und bautest uns ein Haus. Von Westen und von Süden, von Morgen, ohne Zahl sind 3. In schönem Hochzeitskleide, von allen Flecken rein, führst du zu deiner Freude die Völkerschaaren ein; und welchen Nichts verkündigt, kein Heil verheißen war, die bringen nun entsündigt dir Preis und Ehre dar. 4. Nun kann nicht Ruhe werden, bis deine Liebe siegt, bis Alles rings auf Erden zu deinen Füßen liegt; bis du im neuen Leben die ausgeföhnte Welt dem, der sie dir gegeben, vor Augen hast geſtellt. 5. Ach siehe, tausend Fürsten mit Völkern ohne Licht stehn in der Nacht und dürsten nach deinem Angesicht; auch sie hast du gegraben in dei nen Priesterschild, am Brunnquell sie zu laben, der dir vom Herzen quillt. 6. So sprich dein göttlich Werde! laß deinen Odem wehn, daß auf der finstern Erde die Todten auferstehn; bis, wo man Gößen fröhnet und vor den Teufeln kniet, ein willig III. Volk versöhnet zu deinem Tem pel zieht. 152 Kirche. Heerde, zage nicht; Jeſus hält, was er verspricht. 7. Wir rufen, du willst hören, wir hoffen, was du sprichst; dein Wort muß sich bewähren, mit dem du Fesseln brichst. Wie viele sind zerbrochen, wie viele sind's noch nicht! D du, der's uns versprochen, werd aller Heiden Licht. A. Knapp,+ 1864. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 182. Cine Heerde und ein Hirt! Wie wird dann dir sein, o Erde, wenn sein Tag er scheinen wird! Freue dich, du kleine Heerde; mach dich auf und werde Licht; Jesus hält, was er verspricht. 2. Hüter, ist der Tag noch fern? Schon ergrünt es auf den Weiden, und die Herrlichkeit des Herrn nahet dämmernd sich den Heiden; blinde Völker flehn um Licht; Jesus hält, was er verspricht. 3. Komm, o komm getreuer Hirt, daß die Nacht zum Tage werde. Ach, wie manches Schäflein irrt fern von dir und deiner Heerde! Kleine 4. Sieh, das Heer der Nebel flieht vor des Morgenrothes Helle, und der Sohn der Wüste kniet dürstend an der Lebensquelle; ihn umleuchtet Morgenlicht. Jeſus hält, was er verspricht. 5. Gräber werden aufgethan. Rauscht, verdorrete Gebeine, macht dem Bundesengel Bahn, großer Tag des Herrn, erscheine! Jesus ruft: Es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 6. O des Tags der Herrlichkeit! Jesus Christus, du die Sonne, und auf Erden weit und breit Licht und Wahrheit, Fried' und Wonne! Mach dich auf! Es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. F. A. Krummacher,+ 1845. Mel. Sobt Gott, ihr Christen. allzugleich. 183. Ihr Völker, höret Chrifti Wort, das laut zu euch erschallt; es geht durch alle Zeiten fort, und wirkt mit Allgewalt. 2. Die Stimme Jesu rufet Der Beruf der Kirche zur Ausbreitung des Evangeliums. 153 Mel. Wachet auf! ruft uns die Stimme. euch, die ihr mühselig seid; fie ladet ein zu seinem Reich, sie tröstet und erfreut. 184. König Jesu, streite, fiege, daß Alles bald dir unterliege, was lebt und webt in dieser Welt. Wo die Friedensboten gehen, laß deinen Lebensodem wehen durch's ganze, weite Todtenfeld. Erhöre unser Flehn, und laß es bald geschehn. Amen! Amen! So rühmen wir, und jauchzen dir ein Halleluja für und für. Unbekannt. 3. Die Stimme ruft: Es ist vollbracht; Gott spricht sein Amen drauf. Nun ist besiegt der Hölle Macht, der Himmel thut sich auf. 4. Die Stimme ruft; schon wird die Welt von ihrem Schall erfüllt; und jeder Heidentempel fällt und jedes Gözenbild. 5. Die Stimme des Erlösers tönt, der Sünder horcht und bebt; er hört, er sei mit Gott versöhnt, er staunt und glaubt und lebt. 6. Dereinst, wenn diese Stimme ruft, gehorchen Erd' und Meer, und es erhebt sich aus der Gruft der Todten großes Heer. 7. Die Stimme Christi rich tet dann: Ihr Frevler weicht von mir! Ihr Frommen, euch ist aufgethan des Paradieses Thür. 8. Die Stimme Jesu Christi schallt durch Erd' und Himmel fort; sie wirkt mit Gottes Allgewalt; o, merket auf sein Wort! Danziger Gesangbuch. Mel. Wachet auf! ruft uns die Stimme. 185. Nacht umhüllte rings die Erde, da sprach noch einmal Gott: Es werde! und Licht entströmte seinem Thron. Christus kam, das Licht der Heiden; der Hirt will selbst die Heerde weiden; als Mensch erscheinet Gottes Sohn. Er hat in unsre Nacht der Wahrheit Licht gebracht. Jauchzt ihm Alle! In seinem Schein sollt ihr Euch freun und schon auf Erden selig sein. 2. Dieses Licht erlischt nie wieder, sein Glanz strahlt herrlich zu uns nieder, und Gottes Heil ist uns bekannt. III. Kirche. 154 Tragt es nun von Volk zu Volke, zerstreut des Irrthums düstre Wolke, erleuchtet werde jedes Land. Ihr Völker nehmt ihn auf, den Herrn, der euren Lauf lenkt gen Himmel. Er geht voran und macht euch Bahn, daß ihr die Krone sollt empfahn. 3. Hört im Geist der Engel Chöre: Gott in der Höh' sei Lob und Ehre! Stimmt ein in ihren Lobgesang. Kommet zu dem Mahl der Gnaden, zu dem auch ihr seid eingeladen, und bringt dem Heiland Preis und Dank. Entbrennt in Sinn und Muth von heil'ger Liebe Glut. Glaub' und Hoffnung trägt euch em por zum Himmelsthor, hinauf zu dem, der euch erfor. C. A. Döring,+ † 1844. Mel. O du Liebe meiner Liebe. 186. Vater, deines Geistes Wehen durch die ganze Christenheit läßt uns schon von ferne sehen deines Reiches Herrlichkeit; denn dein Wort wird ausgeſendet durch die ganze weite Welt; ganz unzählig wird's versendet auf das große Ackerfeld. 2. Bald wird dieser Same blühen und erwachsen hoch und hehr; denn Evangelisten ziehen über Inseln, Land und Meer, um die Staaten zu begießen. Geist der Pfingsten, komm herab, laß uns Lebensströme fließen, daß die Erde Segen hab'. 3. Sei gegrüßt, du ew'ger Morgen, Gottes Sonne, steig empor; laßt, ihr Frommen, euer Sorgen, denn der Tag bricht schon hervor. Hohe Bergesgipfel, sehet! glühen schon in seinem Licht, und des Frühlings Odem wehet; Christi Jünger, sorget nicht! 3. H. Jung- Stilling,+ 1817. Mel. Dir, dir. Jehova, will ich singer. 187. Wach auf, du Geist der ersten Zeugen, der Wächter, die auf Zions Mauer stehn, die nimmer, Tag und Nacht nicht, schweigen, stets unverzagt dem Feind entgegen gehn; ja deren Ruf die ganze Welt durchdringt, und aller Völker Schaaren zu dir bringt! Der Beruf der Kirche zur Ausbreitung des Evangeliums. 155 2. Daß bald dein Feuer ling frei, daß Kirch' und möcht' entbrennen und sicht Schul' ein Garten Gottes sei. barlich durch alle Lande gehn; daß alle Welt bald möcht' erkennen, was zur Erlösung ihr von dir geschehn! O Herr der Erndte, siehe du darein; die Erndt' ist groß, der Schnitter Zahl ist klein. 6. Du wirst dein herrlich Werk vollenden, der du der Welten Heil und Richter biſt; du wirst der Menschheit Jammer wenden, so dunkel jetzt dein Weg, o Heil'ger, ift. Drum hört dein Volk nie auf, zu dir zu flehn; du thust doch über Bitten und Verstehn. C. H. v. Bozakky, † 1774. 3. Dein Sohn hat ja mit flaren Worten uns diese Bitte in den Mund gelegt. Dir ist bewußt, wie aller Orten sich deiner Kinder Herz so tief bewegt zu dir erhebt, dich darum anzuflehn; drum hör, o Herr, und sprich: Es soll geschehn! 4. Laß denn dein Wort recht rüftig laufen; es sei kein Ort ohn' seinen Glanz und Schein; und führe bald dadurch in Haufen der Heiden Fülle zu den Thoren ein. Ja, wecke doch auch Israel bald auf, und also segne deines Wortes Lauf. 5. Herr, besfre Zions wüste Stege, und was dein Wort im Laufe hindern kann, das räume bald aus jedem Wege, vertilge ganz den falschen Glaubenswahn, und mach uns bald von jedem MiethMel. Nun komm' der Heiden Heiland. 188. Walte, walte nah und fern, allgewaltig Wort des Herrn, wo nur seiner Allmacht Ruf Menschen für den Himmel schuf. 2. Wort vom Vater, der die Welt schuf und in den Armen hält, und aus seinem Schooß herab seinen Sohn zum Heil uns gab; 3. Wort von des Erlösers Huld, der der Erde schwere Schuld nach des Vaters Gnadenrath durch den Tod gefühnet hat; 4. Wort vom heil'gen Gottesgeist, der den Weg zum Himmel weist und in uns 156 III Kirche. durch seine Kraft Wollen und Vollbringen schafft; 5. Wort des Lebens, stark und rein, alle Völker harren dein; walte fort, bis aus der Nacht alle Welt zum Tag erwacht. 6. Auf, zur Erndt' in alle Welt! Weithin wogt das reife Feld; klein ist noch der Schnit, ter Zahl, viel der Arbeit überall. 7. Herr der Erndte, groß und gut, gieb zum Werke Lust und Muth; laß die Völfer allzumal schauen deines Lichtes Strahl! 3. F. Bahnmeier, † 1841. Mel. Komm, o komm, du Geift des Lebens. 189. Wasserströme will ich gießen, spricht der Herr, auf's dürre Land; kühlend sollen Quellen fließen in der Wüste heißem Sand; wo jetzt Wandrer schmachtend ziehn, foll ein Gottesgarten blühn. 2. Ach, noch ist die Zeit der Dürre, schwerer Fluch bedeckt das Land; Israel geht in der Irre, seine Kraft ist ausgebrannt; wo der Blick auch sehnend schweift, spärlich kaum ein Früchtlein reift. 3. Dennoch wird das Wort des Treuen herrlich in Erfüllung gehn; jauchzend werden dann sich freuen, die jetzt ſtill mit Thränen sa'n, wenn der Segensstrom des Herrn Alles füllet nah und fern. 4. Darum unverzagt, ihr Brüder, eilet dem Verlornen nach; sucht des Gottes- Volkes Glieder liebend auf in ihrer Schmach; ladet sie von Berg und Thal zu des Königs Hochzeitsmahl. 5. Scheint es oft vergeb lich Mühen, hoffnungsloses Kämpfen euch; denkt, auf rauhem Pfade ziehen Alle in dem Kreuzesreich; doch wer seinem König dient, dem hat stets ein Kranz gegrünt. 6. Herr, erhöre uns und sende deinen heil'gen Geist uns zu, der uns Muth im Kampfe spende und in Trübsal stille Ruh'. Ja, wir wollen dir vertraun; Du wirst Zion wieder baun! Mar. Soph. Herwig, † 1836. Feiertag. 3. Die Gnadenmittel der Kirche. A. Feiertag. Eigene Melodie. 190. Auf, auf, mein Herz, und du mein ganzer Sinn, wirf alles Eitle heute von dir hin! Heut hat das Werk der Schöpfung angefangen, da dieser Welt das Licht ist aufgegangen. 2. Auf, auf, mein Herz, wirf alles Ird'sche ab! Heut ist der Herr erstanden aus dem Grab; heut hat er sein Erlösungswerk vollendet, heut hat er auch den Geist herabgeſendet. 3. Dies heil'ge Heut heißt dich auch heilig sein; Gott die sen Tag bei dir will ziehen ein. So ruhe du von Arbeit und von Sünde, daß er in dir auch seine Ruhe finde. 4. Gott wöchentlich giebt sieben Tage dir, gieb Einen du, den ersten, ihm dafür! Es wird der erste die sechs andern zieren, wirst du heut Gott im Mund und Herzen führen. 5. An diesem Tag hab deine Lust am Herrn; was du be gehrst, er giebt es dir so gern; 157 befiehl dem Höchsten deine Weg' und Sachen, und hoff auf ihn getrost, er wird's wohl machen. 6. Wirst du ihm aber nehmen diesen Tag, so machst du dir die Woche voller Plag'. Wer ehret Gott, den ehret er auf Erden, wer ihn verachtet, soll verachtet werden. S. v. Birken,+ 1681. Mel. Die Tugend wird durchs Kreuz geübet 191. Beschwertes Herz, leg ab die Sorgen, erhebe dich, gebeugtes Haupt! Es kommt, der angenehme Morgen, da Gott zu ruhen hat erlaubt, da Gott zu ruhen hat geboten und neu den Ruhetag geweiht, als Jesus Christus von den Todten erstanden war zur Seligkeit. 2. Auf, laß die Welt aus deinem Sinne, dein irdisch Werk muß ferne stehn; du ſollst zu höherem Gewinne zu deines Gottes Tempel gehn, ihm zu bezahlen deine Pflichten, froh zu vermehren seinen Ruhm, in tiefster Andacht zu verrichten III. 158 dein geistlich Werk und Priester thum. 3. Mein Gott, ich bin vor dir erschienen, und gebe auf dein Winken Acht; wie kann ich dir wohl würdig dienen, wenn mich dein Geist nicht tüchtig macht? wie soll ich freudig vor dich treten, wenn er nicht stillt der Sünde Schmerz? wie soll getroft ich vor dir beten, wenn du nicht labst das blöde Herz? Kirche. den, ein Lob dir singt, das nie vergeht.«. Wegleiter,+ 1706. 4. Erkauft hat Jesus mich so theuer, zu seinem Tempel mich geweiht; hier sei dein Heerd, hier sei dein Feuer, die Fülle deiner Herrlichkeit. Laß mich dein reines Opfer werden, gieb, daß dein Feuer auf mich fällt, in mir verzehrt die Luft der Erden und mich belebt für jene Welt. 5. Wenn sich des Lebens Werktag' enden, so ruh', von allem Froyndienst los, mein Geist in deinen Vaterhänden, mein Leib hier in der Erde Schooß, bis zu dem vollen Himmelsfrieden dein Kind durch Christum aufersteht und in dem Reich, das du beschieMel. Es ist das Heil uns kommen her. 192. Gepreiſet ſeist du, Jesu Christ, daß nun der Tag erschienen, der uns zur Ruh' gegeben ist, dem großen Gott zu dienen. Hinweg mit aller Eitelkeit und aller Ungerechtigkeit; laßt alle Arbeit liegen! 2. Laßt heute Herz, Gemüth und Sinn uns ganz dem Herrn ergeben; was fleischlich ist, legt von euch hin, dient Gott mit eurem Leben; so wird durch seines Geistes Kraft sein Gnadenwerk in uns geschafft und herrlich einst vollendet. 3. Hört heute fleißig Gottes Wort; mit Beten und mit Singen laßt uns dem Herren fort und fort der Lippen Opfer bringen. Kommt, tretet hin zu dem Altar und laſſet mit der Frommen Schaar ein Sabbath- Lied erschallen! G. P. Harsdörffer,+ 1658. Mel. Erschienen ist der herrlich' Tag. 193. Gottlob, der Sonntag kommt herbei, die Woche wird nun wieder neu. Heut Feiertag. hat mein Gott das Licht gemacht, mein Heiland Leben mir gebracht. Halleluja! 2. Dies ist der Tag, da Jesus Christ vom Tod für mich erstanden ist, und schenkt mir die Gerechtigkeit, Trost, Leben, Heil und Seligkeit. Halleluja! 3. Dies ist der rechte Son nentag, deß alle Welt sich freuen mag, da wir mit Gott versöhnet sind, daß nun ein Christ heißt Gottes Kind. Halleluja! 159 fangen hält; brich die Macht der eitlen Sorgen, daß ich heut, von Allem frei, dir allein ergeben sei. 4. Mein Gott, laß mir dein Lebenswort, daß es mich führ' zur Himmelspfort; dein heil'ger Geist regiere mich, daß ich dich preise ewiglich. Halleluja! 3. Olearius,+ 1684. Mel. Ach, was soll ich Sünder machen? 194. Herr, es ist der Tag erschienen, der mich in den Himmel weist und an dich gedenken heißt; darum komm ich, dir zu dienen. Richte du mich selber zu, daß ich deinen Willen thu'. 2. Stille selbst an diesem Morgen das Geräusch der argen Welt, die uns hier ge 3. Schmücke mich mit dei nen Gaben, stärke mich mit dei ner Kraft, die den neuen Menschen schafft. Welche Freude werd' ich haben, wenn das Herz in meiner Brust sucht am Herren seine Luft! 4. Laß die Predigt wohl gelingen, steh auch deinem Worte bei, daß es in mir kräftig sei. Werd' ich beten, werd' ich singen, siehe du mich gnädig an, und laß mich dein Heil empfahn. 5. Laß mich nicht in Sünden fallen, laß mich heute Nichts versehn, laß kein UnLieber glück wo geschehn. Vater, hilf uns Allen; dann wird freudig mein Gesang dir am Abend sagen Dank. C. Neumann, † 1715. mel. Jesum lieb ich ewiglich. 195. Licht vom Licht, erleuchte mich bei dem neuen Tageslichte; Gnadensonne, zeige dich meinem muntern Angesichte; komm mit deinem Glanz 160 III. Kirche. herbei, daß mein Sabbath fröhlich sei. 2. Brunnquell aller Seligkeit, laß mir deine Ströme fließen; mache Herz und Mund bereit, dich in Andacht zu begrüßen; streu das Wort mit Segen ein, laß es reich an Früchten sein. 3. Zünde selbst das Opfer an, das auf meinen Lippen lieget, dann verschwindet jeder Wahn, der das Herz so leicht betrüget, und kein fremdes Feuer brennt, welches dein Altar nicht kennt. 4. Ruh' in mir und ich in dir, lindre meiner Seele Schmerzen, offenbare dich doch mir, und dem Durst nach dir im Herzen führe neue Nahrung zu, heil'ge tebesquelle du. 5. Dieler Tag sei dir geweiht; weg mit allen Eitel feiten! Ich will deiner Herrlichreit mich zum Tempel zu bereiten Nichts begehren und Nichis thun als in deiner Liebe ruhn. 6. Saß mich heut und alle zeit Heilig Heilig, Heilig! fingen und mich in die Ewigkeit mit des Geistes Flügel schwingen. Gieb mir einen Vorschmack ein, wie es mag im Himmel sein. B. Schmold,+ 1737. Mel. Herr Jesu Christ, mein's Lebens Licht. 196. Mein Gott, die Sonne geht herfür; sei du die Sonne selbst in mir, die Sonne der Gerechtigkeit; vertreib der Sünde Dunkelheit. 2. Mein erstes Opfer set dein Ruhm, mein ganzes Herz dein Eigenthum. Ach, kehre gnädig bei mir ein, und laß mich deine Wohnung sein. 3. Gteb, daß ich meinen Gang bewahr', wenn ich mit deiner Christen haar hinauf zu deinem Hause geh', daß ich da heilig vor dir steh'. 4. Bereite mir Herz, Mund und Hand, und Hand, und gieb mir Weisheit und Verstand, daß ich dein Wort mit Andacht hör' zu deines großen Namens Ehr'. 5. Schreib Alles fest in meinen Sinn, wenn ich des Wortes Hörer bin verleih mir deine Kraft dabei, daß ich zugleich ein Thäter sei. Kirchenjahr. 161 6. Hilf, daß ich diesen 7. So geh' ich denn mit ganzen Tag mit Leib und Seele feiern mag; bewahr mich vor der argen Welt, die deinen Sabbath sündlich hält. Freuden hin, wo ich bei dir zu Hause bin; dein will ich sein hier in der Zeit, dein, Herr, in alle Ewigkeit. B. Schmold,+ 1737. B. Kirchenjahr. Mel. Mein Herzens- Jesu, meine Lust. 197. Gottlob, ein neues Kirchenjahr macht uns die große Treue des ew'gen Got tes offenbar; der will uns nun auf's Neue den hochbeschwornen Gnadenbund, den einzig festen Glaubensgrund, durch seinen Geist bezeugen. 2. Auf, Zion, Ehre, Preis und Ruhm dem höchsten Gott zu fingen! Auf, königliches Priesterthum, Dankopfer ihm zu bringen! Gelobt sei Gott, der durch sein Wort die Christenheit und diesen Ort zu seinem Tempel weihet. 3. Wir sind nicht werth der neuen Huld des Gottes aller Gnaden; des alten Menschen alte Schuld, die wir auf uns geladen, nimmt allen eignen Ruhm dahin, denn sie bewies den alten Sinn noch stets mit neuen Sünden. 4. Ach Herr, gieb uns den neuen Geist, daß wir, durch deine Güte, die jetzt sich wiederum erweist, erneuert im Gemüthe, den neuen Menschen ziehen an, der dir allein gefallen kann in seinem ganzen Wandel. 5. Dazu erhalt uns, Herr, dein Wort; dein Sacrament daneben laß unsern Seelen fort und fort den Trost der Gnade geben. Nimm deiner Kirche segnend wahr; hilf, daß die Schule immerdar gedeihe dir zur Ehre. 6. Gieb deinen Hirten Geist und Kraft, die Heerde wohl zu hüten, als Weide ihr gewissenhaft dein lautres Wort zu bieten. Laß alle Hörer Thäter sein, und, frei von heuchlerischem Schein, des Glaubens Macht erweisen. 7. So, Herr, vor dir be11 III Kirche. 162 ginnen wir das Kirchenjahr auf Erden; getroft befohlen bleibe dir, wie wir es enden werden. Hier liegt die Kirche noch im Streit; einst aber in der Ewigkeit, da wird sie trium phiren. H. C. Hecker, † 1743. Mel. Herr Gott, dich loben Alle wir. 198. Nun fommt das neue Kirchenjahr, deß freuet sich die Christenschaar. Dein C. Gotteshaus. Mel. Wie lieblich ist, o Herr, die Stätte. 199. Mein Gott, du hast mich eingeladen; ich komme vor dein Angesicht. O, neige dich zu mir in Gnaden und gieb mir deines Geistes Licht; zieh Herz und Sinn empor zu dir und sei der Lehrer selbst in mir. König kommt; ja, freue dich, du, Zions Volk, herzinniglich. 2. Wir hören je noch immerfort von Anbeginn das Gnadenwort, das uns den Weg des Lebens weist, dafür, Herr, unser Dank dich preist. 3. Gott, was uns deine Wahrheit lehrt, die unsern Glauben stärkt und mehrt, das bringe Frucht, damit wir dir lobsingen dankbar für und für. 3. Olearius, † 1684. 2. Hier ist der Ort, den du erwählet, hier treff' ich deine Ehre an; die Wunder werden hier erzählet, die uns dein Rathschluß aufgethan; hier ist dein Feuer und dein Herd, wo himmelwärts das Opfer fährt. 3. Ach, gieb mir himmlische Gedanken, weil ich schon hier im Vorhof bin; laß mich nicht in der Andacht wanken und sammle den zerstreuten Sinn; der Zweifel sei von mir ver bannt, mein Geist der Welt ganz abgewandt. 4. Mein Heiland, laß es wohlgelingen und segne selbst dein theures Wort, daß dir es möge Früchte bringen zu jeder Zeit, an jedem Ort; mein Herz sei dir ein gutes Feld, in das der gute Same fällt. 5. O, segne Pflanzen und Begießen und gieb den Lehrern Gotteshaus. deine Kraft, daß sie das Wort zu theilen wissen, wie es am Besten Nußen schafft. Gieb uns das rechte Himmelsbrot, so hat die Seele keine Noth. 6. Wohlan, so rede, Herr, wir hören. Laß keinen Feind, kein Nergerniß uns in der stillen Andacht stören; mach es von Neuem uns gewiß: wer dein Wort hält und glaubt an dich, der schmeckt den Tod nicht ewiglich. B. Schnold,+ 1737. Mel. Komm, o komm, du Geist des Lebens. 200. Thut mir auf die schöne Pforte, führet mich in Zion ein! Ach, wie wird an diesem Orte meine Seele fröhlich sein! Hier ist Gottes Angeſicht, hier ist lauter Trost und Licht. 2. Herr, ich bin zu dir gekommen, komme du nun auch zu mir. Wo du Wohnung haft genommen, kehrt der Himmel ein mit dir. Zeuch zu meinem Herzen ein, laß es deinen Tempel sein. 3. Laß in Furcht mich vor dich treten, steh zur Heiligung mir bei, daß mein Singen 163 und mein Beten dir ein lieblich Opfer sei. Deffne du mir Mund und Ohr, zeuch mein Herz zu dir empor. 4. Stärk in mir den schwachen Glauben; laß dies theure Kleinod mir nimmer aus dem Herzen rauben. Dein Wort bleibe für und für mir der lichte Morgenstern, der mich führt zu meinem Herrn. 5. Rede, Herr, so will ich hören, und dein Wille werd' erfüllt; Nichts laß meine Andacht stören, wenn der Born des Lebens quillt. Speise mich mit Himmelsbrot, tröste mich in aller Noth. B. Schmold,+ 1737. Mel. Jesum lieb' ich ewiglich. 201. Wie hochheilig ist der Ort, wie so selig ist die Stätte! Ja, hier ist des Himmels Pfort', hier erhört Gott, was ich bete; hier hör' ich sein theures Wort. O, wie heilig ist der Ort! 2. Heil erfuhr des Zöllners Haus, welcher Christum aufgenommen; und hier ruft der Heiland aus: Selig sind, die zu mir kommen! Unsre Herzen 11* III. Kirche. 164 nimmt er ein, daß sie seine Tempel sein. 3. Großer Gott, wir wollen dir Preis und Dank von Herzen sagen, daß du unter uns auch hier deine Wohnung aufgeschlagen und dein Wort und Sacrament uns hast gnädig zugewend't. 4. D, welch' Heil ist doch bis heut diesem Hause widerfahren von dem Herrn der Herrlich keit, der sich hier will offenbaren und durch seinen heil' gen Geist uns den Weg zum Himmel weist! 5. Mich verlangt zu schauen hier seine schönen Gottesdienste, denn ich weiß, sie bringen mir, meiner Seele zum Gewinnste, einen Schaß, der ewig währt, den nicht Raub noch Rost verzehrt. 6. Bleibe bei uns, lieber Gast; laß uns nehmen Gnad' um Gnade von der Fülle, die du haft; leite uns auf rechtem Pfade. Feft laß deine Kirche stehn, bis die Welt wird un tergehn. 7. Steigen hier zu dir empor unsre gläubigen Gebete, o, dann neige du dein Ohr. Herr, bewahre diese Stätte, daß ihr weder Raub, noch Gluth, noch Verfolgung Schaden thut. 8. Laß, o Höchster, uns schon hier deines Himmels Vorschmack haben, bis wir Alle dort bei dir uns im Friedenstempel laben; da erschallt es immerfort: O, wie heilig ist der Ort! B. Schmold,+ 1737. Eigene Melodie. 202. Wie lieblich ist doch, Herr, die Stätte, da deines Namens Ehre wohnt! D gieb, daß ich sie gern betrete, weil reicher Segen die belohnt, die in des Glaubens Zuversicht hier suchen, Herr, dein Ange ficht. 2. Wohl dem, der dich in deiner Hütte, Gott, anzubeten, Ernst beweist: du hörst sein Lob und seine Bitte, und giebst ihm deinen heil'gen Geist, daß er hinsort auf ebner Bahn unsträflich vor dir wandeln fann. 3. Dein Wort bleibt nie mals ohne Segen, wenn man Gottesdienst. es recht zu Herzen faßt; es ist ein Licht auf unsern Wegen, ein Trost für alle Trübfalslast; es giebt im Kampf uns Muth und Kraft, und ist ein Schwert, das Sieg verschafft. 4. Gott, laß auch mir dein Antlig scheinen, dein Sabbath bring' auch mir Gewinn; wenn andachtsvoll ich mit den Dei nen vor dir an heil'ger Stätte D. Gottesdienst. Mel. Gott des Himmels und der Erden. 203. Alle Welt, was lebt und webet, und in Feld und Häusern ist, was nur Zung' und Stimm' erhebet, jauchze Gott zu jeder Frist; kommt frohlockend All' heran, dienet ihm, wer dienen kann. 2. Kommt, den starken Gott zu ehren, der uns hat an's Licht gebracht; laffet euch den Herren lehren, der zu seinem Volk uns macht, daß wir, als sein Eigenthum, mehren seiner Allmacht Ruhm. 3. Tretet ein zu seinen Pforten, geht zu seinem Vorhof ein, unter frohen Dankes165 bin, laß uns, bin, laß uns, o Vater, wie wir flehn, das Licht in deinem Lichte sehn. 5. Ja, du bist Sonn' und Schild der Frommen, du biſt ihr Segen und ihr Heil; wenn sie im Glauben vor dich kommen, wird Gnad' um Gnad' ihr selig Theil. Was du verheißest, stehet feft; wohl dem, der sich auf dich verläßt! 3. A. Cramer,+ 1788. worten eure Herzen ihm zu weihn; denn der Herr ist jederzeit voller Huld und Freundlichkeit. 4. Gott des Himmels und der Erde, Vater, Sohn und heil'ger Geist, dein erhabner Name werde für und für von uns gepreist. Herr, dich anzubeten, gieb deinem Volke Kraft und Trieb. 3. Frand,+ 1677. Mel. Herr Scju Christ, dich zu uns wend. 204. Der du stets unfre Zuflucht bist, sei mit den Deinen, Jesu Christ; send uns den Geist, der uns regiert und uns den Weg zur Wahrheit führt. III Kirche. 166 2. Er stärk' den wankenden Verstand, mach' uns dein heilig Wort bekannt; zur Heiligkeit flamm' er uns an und leite uns auf rechter Bahn. 3. Halleluja! Einst fingen wir, Gott: Heilig, Heilig, Hei lig! dir, und schauen dich in deinem Licht von Angesicht zu Angesicht. F. G. Klopstod,+ 1803. Eigene Melodie. 205. Dir, dir, Jehovah, will ich singen; denn wo ist doch ein solcher Gott, wie du? Dir will ich meine Lieder bringen, ach, gieb mir deines Geistes Kraft dazu, daß ich es thu' im Namen Jesu Christ, wie es durch ihn dir wohlgefällig ist. 2. Zeuch, Vater, mich zu deinem Sohne, damit dein Sohn mich wieder zieh' zu dir; dein Geist in meinem Herzen wohne, und gnädiglich Sinn und Verstand regier', daß ich den Frieden Gottes schmeck' und fühl' und dir darob im Herzen sing' und spiel'. 3. Verleih mir, Höchster, folche Güte, so wird gewiß mein Singen recht gethan; so klingt es schön in meinem Liede; ich bete dich in Geist und Wahrheit an; so hebt dein Geist mein Herz zu dir empor, daß ich dir Pfalmen fing' im höhern Chor. 4. Dein Geist kann mich bei dir vertreten mit Seufzern, die ganz unaussprechlich sind; er lehrt mich gläubig zu dir beten, giebt Zeugniß meinem Geist, daß ich dein Kind und ein Miterbe Jesu Chriſti ſei, daher ich Abba, lieber Vater, schrei'. 5. Was mich dein Geist selbst beten lehret, wenn er zu dir empor die Seele zieht, das wird gewiß von dir erhöret, weil es im Namen deines Sohns geschieht, durch welchen ich dein Kind und Erbe bin und nehme von dir Gnad' um Gnade hin. 6. Wohl mir, daß ich dies Zeugniß habe! Nun bin ich voller Trost und Freudigkeit; ich weiß ja, alle gute Gade, die ich von dir verlange jederzeit, die giebst du, ja du thust unsäglich Gottesdienst. mehr, als ich verstehe, bitte und begehr'. 7. Wohl mir, ich bitt' in Jesu Namen, der mich zu deiner Rechten selbst vertritt; in ihm ist Alles Ja und Amen, was ich von dir im Geist und Glauben bitt'. Wohl mir und Preis dir jetzt und allezeit, daß du mir schenkest solche Seligkeit. B. Craffelius,+ 1724. Mel. Mein Herzens- Jesu, meine Lust. 206. Gott, deine Güte reicht so weit, so weit die Wolken gehen; du frönst uns mit Barmherzigkeit und eilst uns beizuſtehen. Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort, vernimm mein Flehn, merk auf mein Wort, denn ich will vor dir beten. 167 schen rühren. Des guten Namens Eigenthum laß mich nur nicht verlieren. Such' ich den Ruhm in meiner Pflicht, den Ruhm vor deinem Angesicht, so gieb ihn mir in Gnaden. 2. Jch bitte nicht um nicht um Ueberfluß und Schäße dieser Erde; nur daß mir, was ich haben muß, nach deiner Gnade werde. Gieb mir nur Weisheit und Verstand, dich, Gott, und den, den du gesandt, und mich selbst zu erkennen. 3. Ich bitte nicht um Ehr' und Ruhm, so sehr sie Men4. So bitt' ich dich, mein Herr und Gott, auch nicht um langes Leben; im Glücke Demuth, Muth in Noth, das wollest du mir geben. In deiner Hand steht meine Zeit; laß du mich nur Barmherzigkeit vor deinem Throne finden. C.F. Gellert,+ 1769. Mel. Wunderbarer König 207. Gott ist gegenwärtig! Lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten. Gott ist in der Mitte; Alles in uns schweige, andachtsvoll vor ihm sich neige. Wer ihn kennt, wer ihn nennt, fallt in Demuth nieder, gebt das Herz ihm wieder! 2. Gott ist gegenwärtig, dem die Cherubinen Tag und Nacht gebeuget dienen. Heilig, Heilig, Heilig! fingen ihm zur Ehre aller Engel hohe Chöre. Herr, vernimm unsre Stimm', III. Kirche. 168 wenn auch wir Geringen unser Opfer bringen. 3. Wir entſagen willig allen Eitelkeiten, aller Erdenluft mit Freuden. Da liegt unser Wille, Seele, Leib und Leben, dir zum Eigenthum ergeben; du allein sollst es sein, den wir Alle ehren als den rechten Herren. 4. Majestätisch Wesen, möcht' ich recht dich preisen und im Geist dir Dienst erweisen! Möcht' ich, wie die Engel, im mer vor dir stehen und dich gegenwärtig sehen! Laß mich dir für und für trachten, zu gefallen, liebster Gott, in Allem. 5. Geist, der Alles füllet, drin wir sind und weben, aller Dinge Grund und Leben, Meer ohn' Grund und Ende, Wunder aller Wunder, ich sent mich in dich hinunter; ich in dir, du in mir, laß mich ganz verschwinden, dich nur sehn und finden. 6. Du durchdringest Alles, Herr, mit deinem Lichte; leucht auch meinem Angesichte. Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, möcht' ich so still und froh deine Strahlen fassen und dich wirken lassen! 7. Mache mich voll Einfalt, innig abgeschieden, sanft und still in deinem Frieden; mach mich reines Herzens, daß ich deine Klarheit schauen mög' in Geist und Wahrheit; laß mein Herz himmelwärts, wie die Adler, schweben und in dir nur leben. 8. Komm, in mir zu wohnen, laß mein Herz auf Erden dir ein Heiligthum noch werden; komm, du nahes Wesen, dich in mir verkläre, daß ich dich stets lieb' und ehre; wo ich geh, sig' und steh, laß mich dich erblicken, ganz zu dir mich schicken. G. Tersteegen,+ 1769. Eigene Melodie. H Herr Jesu Christ, dich zu uns wend, dein'n heil'gen Geist du zu uns send; mit Hülf' und Gnad' er uns regier' und uns den Weg zur Wahrheit führ'. 2. Thu auf den Mund zum Lobe dein, bereit das Herz zur Andacht fein; den Glauben mehr, stärk den Bestand, 208. 208. Kirchliches Lehramt. daß uns dein Nam' werd' wohl bekannt. 3. Bis wir singen mit Gottes Heer: Heilig, Heilig ist Gott der Herr! und schauen dich von Angesicht in ew'ger Freud' und sel'gem Licht. 4. Ehr' sei dem Vater und dem Sohn, dem heil'gen Geist in Einem Thron; der heiligen Dreieinigkeit sei Lob und Preis in Ewigkeit! Wilhelm II., Herzog zu Sachsen- Weimar. Eigene Melodie. 209. Liebster Jesu, wir sind hier, dich und dein Wort anzuhören; lenke Sinnen und Begier auf die süßen Himmelslehren, daß das Herz von dieser Erde ganz zu dir gezogen werde. 2. Unser Wissen und Ver169 stand ist mit Finsterniß umhüllet, wo nicht deines Geistes Hand uns mit hellem Licht erfüllet; Gutes denken, thun und dichten mußt du selbst in uns verrichten. 3. D, du Glanz der Herrlichkeit, Licht vom Licht, aus Gott geboren, mach uns allesammt bereit, öffne Herzen, Mund und Ohren. Unser Bitten, Flehn und Singen Laß, Herr Jesu, wohlgelingen. T. Clausniker, † 1684. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 210. Unsern Ausgang segne Gott, unsern Eingang gleichermaßen, segne unser täglich Brod, segne unser Thun und Lassen, segne uns mit sel'gem Sterben und mach uns zu Himmelserben. H. Schenck,+ 1681. Lehramt. Mel. Dir, dir Jehova, will ich singen. so treu die Deinen liebst, und fromme Hirten deiner Heerde giebſt. 211. Dich, Jesu, preisen unsre Lieder, dich, Herr, der seine Kirche stets regiert; du 2. Sei auch mit dieſem gabst uns einen Hirten wieder, deinem Knechte, mach offendu haft ihn dieser Heerde zu- bar durch ihn dein theures geführt. Heil uns, daß du Wort, dein Licht und deine E. Kirchliches III. Kirche. 170 heil'gen Rechte, und wie du Lohnst den Deinen hier und dort; so wird die Heerde, die er weiden soll, durch seinen Dienst des wahren Glaubens voll. 3. Verleih ihm Muth und Geistesstärke, erhalt in ihm den frommen Hirtensinn, daß er in seinem Amt und Werke seh' unverwandt, Herr, auf dein Vorbild hin. Ihn rühre weder Menschen- Gunst noch Dräun; sein Hoffen gehe stets auf dich allein. 4. Verleih, daß tief in's Herz uns dringen des Lebens Worte, die sein Mund uns lehrt; so werden wir viel Früchte bringen, so wird durch ihn dein göttlich Reich gemehrt. Sei hier, o Herr, sein Schild und großer Lohn, dort preis' er dich sammt uns vor deinem Thron. S.E.G. Küster,+ 1838. Höhen und rüst ihn aus zu seinem Amt und Stand. Nur wenn dein Geist in seinem Herzen lehrt, wird auch durch ihn bei uns dein Reich gemehrt. und 2. Zu seinem Säen, Pflanzen, Bauen gieb dein Gedeihn, o Gott, von oben her, laß ihn reine Früchte schauen zu unserm Heil und deines Namens Ehr'. Was er ver kündiget aus deinem Wort, das bleib' und wirke bei uns fort und fort. Mel. Dir, dir, Jehova, will ich singen. 212. Erhöre gnädig unser Flehen für deinen Knecht, den du uns, Herr, gesandt; stärk ihn mit Kraft aus deinen 3. Bewahre ihm die ganze Heerde, die seiner Hirtentren' du willst vertraun, daß keiner je verloren werde, daß Alle dort dein Antlig mögen schaun. Laß deine Weisheit reichlich auf ihm ruhn, so wird ein leuchtend Vorbild uns sein Thun. 4. Dein Wort in seinem Munde gleiche dem Strom, der jeden Widerstand zerstört; vor sei: ter ernsten Rede weiche, was gegen Gottes Wahrheit sich empört; sie ſei ein Schwert, das in die Herzen dringt und die Verstockten auch zur Buße zwingt. Wort Gottes. 5. Verleih ihm deines Geiftes Waffen, dem Spott und Drohn der Welt zu widerstehn, und wenn er unser Heil soll schaffen, laß ihn auf Lohn und Menschengunst nicht sehn. Gieb, wenn er lehrt und warnt, ihm Kraft und Licht, und wenn er tröstet, feste Zuversicht. F. Wort Gottes. Eigene Melodie. 213. Ach Gott, vom Himmel sieh darein, laß unser dich erbarmen; denn deiner Heil' gen Zahl ist klein und groß die Noth der Armen. Dein Wort erkennt man nicht für wahr, der Glaube ist erloschen gar bei vielen Menschenkindern. 171 6. Wohlan, wir baun auf deine Gnade. Laß seinen Eingang hier gesegnet sein. Führ seinen Fuß auf ebnem Pfade und laß sein Werk zu deinem Ruhm gedeihn. Sei mit uns, Herr, wir sind auf dich getauft, mit deinem Blut hast du uns All' erkauft. S. C. G. Küster, † 1838. 2. Sie lehren voller Trug und List, was Menschenwahn erfindet; ihr Herz nicht Eines Sinnes ist in deinem Wort gegründet; der wählet dies, der Andre das, fie trennen uns ohn' Ünterlaß mit gleißnerischen Reden. 3. Gott müsse Allen widerstehn, die uns mit falschen Lehren bethören wollen, irr zu gehn, und ihrem Troße wehren, als läge Recht und Macht allein in ihrer Hand, als müßt' es sein, wie sie es gut befinden. 4. Er spricht: Zu helfen giebt es hier, die Armen find verstöret; ihr Klagen dringt empor zu mir, ihr Seufzen ist erhöret. Mein heilsam Wort sei auf dem Plan, es greife frisch die Feinde an und sei die Kraft der Armen. 5. Im Feuer siebenmal bewährt wird Silber echt befunden; das Gleiche Gottes Wort erfährt in heißen Trübsalsstunden; da wird sein wahrer Werth erkannt; es leuchtet weit hinaus in's III. Kirche. 172 Land und spendet Kraft und Segen. 6. Drum schüße selbst dein reines Wort, Herr, wider seine Feinde; vor falscher Lehre fort und fort bewahre die Gemeinde; denn überall, wo Trug regiert, da wird das arme Volk verführt; das wende ab in Gnaden. M. Luther,+ 1546. Mel. Was Gott thut, das ist wohlgethan. 214. Dein Wort, o Herr, ist milder Thau für trostbedürft'ge Seelen. Laß keiner Pflanze deiner Au' die Himmelsnahrung fehlen. Erquickt durch ihn laß jede blühn und in der Zukunft Tagen dir Frucht und Samen tragen. 2. Ein Hammer ist dein göttlich Wort, vor dem der Fels zerspringet; ein Schwert, das durch die Seele bohrt und Mark und Bein durch dringet. D, laß dein, Wort noch fort und fort der Sünde Macht zerscheitern und alle Herzen läutern. 3. Dein Wort ist uns der Wunderstern für unsre Pilgerreise; es führt auch Thoren hin zum Herrn und macht die Einfalt weise. Dein Himmels licht erlösch' uns nicht, es leucht' in jede Seele, daß keine dich verfehle. 4. Ich suchte Trost und fand ihn nicht; da ward das Wort der Gnade mein Lab sal, meine Zuversicht, mein Licht auf meinem Pfade. Es zeigte mir den Weg zu dir und leuchtet meinen Schritten bis zu den ew'gen Hütten. 5. Nie wankt und weicht der Segensbund, den du, o Herr, gegründet; nie weiche uns aus Herz und Mund das Wort, das ihn ver kündet. Es soll fortan auf unsrer Bahn in allen Lebenszeiten uns trösten, warnen, leiten. 6. O, sende bald von Ort zu Ort den Durst nach deinen Lehren, den Hunger, der dein Lebenswort, o Herr, begehrt zu hören; und send ein Heer von Meer zu Meer, der Herzen Durst zu stillen und dir dein Reich zu füllen. C. B. Garve,+ 1841. Wort Gottes. Mel. Ach Gott und Herr. 215. Gott ist mein Hort, und auf sein Wort foll meine Seele trauen; ich wandle hier, mein Gott, vor dir im Glauben, nicht im Schauen. 2. Dein Wort ist wahr; laß immerdar mich seine Kräfte schmecken; laß keinen Spott, o Herr, mein Gott, mich von dem Glauben schrecken. 3. Wo fänd' ich Licht, vernähm' ich nicht, Herr, deines Wortes Lehren? Ach, ohne sie vermöcht ich nie, dich würdig zu verehren. 4. Dein Wort erklärt der Seele Werth, zeigt mir, daß du das Leben in dieser Zeit, zur Ewigkeit zu reifen, ihr gegeben. 5. Dein Gnadenrath, die Missethat und Schuld der Welt zu sühnen, er ist auch mir, Herr, Dank sei dir, in deinem Wort erschienen. 6. Nun darf mein Herz in Reu' und Schmerz der Sünde nicht verzagen; denn du verzeihst, Lehrst mich im Geist Abba, mein Vater, sagen. 7. Mich zu erneun, mich 173 dir zu weihn, zu diesem Heilsgeschäfte, das eigne Macht niemals vollbracht, giebt nur dein Wort mir Kräfte. 8. D Herr, mein Hort, so soll dein Wort Licht, Trost und Kraft mir geben; zu meinem Heil hab' ich dann Theil dereinst am ew'gen Leben. C. F. Gellert,+ 1769 Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. 216. Herr, auf dein Wort will ich schauen und darauf beständig trauen; sonst ist doch kein Licht vorhanden, fremde Lehre macht zu Schanden. Dein Geseß und deine Gnade leiten mich auf rechtem Pfade. Herr, mein Glauben und mein Lieben hat den Grund: Es steht geschrieben. 2. Lehre mich dein Wort betrachten, mit Begierde darauf achten; lehre mich's im Geist verstehen, laß es mir zu Herzen gehen, hilf, daß ich es fröhlich glaube, daß kein Zweifel mir es raube, daß ich's mit Gehorsam ehre und sonst keine Stimme höre. 3. Laß dein Wort mich kräftig laben, laß mich's feft III. Kirche. 174 im Herzen haben, deine Wahrheit wohl bewahren, täglich ihre Kraft erfahren, fest an der Verheißung bleiben, die Gebote willig treiben, keinen Schritt vom Worte weichen, deines Weges Ziel erreichen. 4. Was die Welt bekennt und lehret, was mein Herz erdenkt, begehret, was der böse Geist erdichtet, wird von Gottes Wort gerichtet. Weg mit euch, ihr falschen Geister! Mir genügt der Eine Meister. Wißt, daß euch der Fluch verzehret, wenn ihr selbst auch Engel wäret. 5. Selig, selig sind die Seelen, dich sich sonst kein Licht erwählen, als allein das Wort des Lebens; denn sie glauben nicht vergebens, weil sie Gottes Rath ergründen und sein Herz im Worte finden. O, ein unschätzbares Wissen! Andre Weisheit kann ich miſsen. 6. Licht und Kraft, und Muth und Freude, wahrer Trost im tiefften Leide, Schuß vor allerlei Gefahren und ein ewiges Bewahren; das sind dieses Wortes Früchte. Alles Andre wird zunichte, alles Andre muß vergehen; Gottes Wort bleibt ewig stehen! Unbekannt. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend'. 217. Herr, öffne mir die Herzensthür, zeuch durch dein Wort mein Herz zu dir, laß mich dein Wort bewahren rein, laß mich dein Kind und Erbe sein. 2. Dein Wort bewegt des Herzens Grund, dein Wort macht Seel' und Leib gesund, dein Wort ist's, was mein Herz erfreut, dein Wort giebt Trost und Seligkeit. 3. Ehr' sei dem Vater und dem Sohn, dem heil'gen Geist auf gleichem Thron; der heiligen Dreinigkeit sei Lob und Preis in Ewigkeit. 3. Olearius, † 1684. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir. 218. O Mensch, wie ist dein Herz bestellt? Hab Ach, tung auf dein Leben; was trägt für Frucht dein Herzens feld? Sind's Dornen oder Reben? Denn aus der Frucht Wort Gottes. kennt man die Saat, auch, wer das Land besäet hat, Gott, oder der Verderber. 2. Ist nun dein Herz den Wegen gleich, den hart ge tretnen Straßen, da auf dem breiten Lastersteig die Vögel Alles fraßen; ach, prüfe dich, es ist kein Scherz; steht's also um dein armes Herz, so bist du zu beklagen. 3. Ist nun dein Herz von Felfenart, verhärtet durch die Sünden, so ist der Same schlecht verwahrt auf solchen Felsengründen. Ein Fels und Stein hat keinen Saft, drum hat der Same keine Kraft, zu sprossen und zu wachsen. 175 den Gott eingelegt, wohl hundertfältig Früchte trägt; das sind die rechten Herzen. 4. Oft ist das Herz auch dornenvoll, mit Sorgen angefüllet; oft lebet es in Reichthum wohl; da wird die Saat verhüllet; ja, sie ersticket ganz und gar und wird nicht einmal offenbar; das ist wohl zu beklagen. 5. Doch ist, gottlob, noch gutes Land auf dieser Welt zu finden, das Gott dem Herrn allein bekannt, da in des Herzens Gründen der Same, 6. Wer Ohren hat, der höre doch, und prüfe sich ohn' Heucheln, dieweil es heute heißet noch; hier muß sich Keiner schmeicheln. Die Zeit vergeht, das Ende naht; fällt auf kein gutes Land die Saat, so mußt du ewig sterben. 7. Herr Jesu, laß mein Herz doch sein zerknirschet und zerschlagen, damit der Same dring' hinein, und Früchte möge tragen, die mir zum Himmel folgen nach, da ich fie finde tausendfach. Dahin steht mein Verlangen. 2. Laurenti,+ 1722. Mel. O Gott, du frommer Gott. B. 219. Soll dein verderbtes Herz zur Heiligung genesen, Christ, so versäume nicht, das Wort des Herrn zu lesen; bedenke, daß dies Wort das Heil der ganzen Welt, den Rath der Seligkeit, den Geist aus Gott enthält. 2. Merk auf, als ob dir Gott, dein Gott gerufen hätte; III. Kirche. 176 merk auf, als ob er selbst zu dir vom Himmel red'te. So lies; mit Ehrfurcht lies, mit Luft und mit Vertraun und mit dem frommen Ernst, in Gott dich zu erbaun. 3. Sprich fromm: O Gott, vor dem ich meine Hände falte, gieb, daß ich stets dein Wort für ew'ge Wahrheit halte, und laß mich deinen Rath wohl fassen und verstehn, die Wunder am Geseß, am Wort vom Kreuze sehn. 4. Er, aller Wahrheit Gott, kann dich nicht irren lassen. Lies, Christ, sein heil'ges Buch, lies oft, du wirst es fassen, so viel dein Heil verlangt; Gott ist's, der Weisheit giebt, wenn man sie redlich sucht und sie von Herzen liebt. 5. Für Christi Reich und Dienst bestimmt sind wir auf Erden. Thu, was die Schrift gebeut, dann wirst du inne werden, die Lehre sei von Gott, die dir verkündigt ist, und dann das Wort verstehn, dem du gehorsam bist. 6. Drum laß dich, frommer Christ, durch keine Zweifel kränken. Hier bist du Kind; doch dort wird Gott mehr Licht dir schenken. Dort wächst mit deinem Glück dein Licht in Ewigkeit; dort ist die Zeit des Schauns, und hier des Glaubens Zeit. 7. Salt fest an Gottes Wort, es ist dein Glück auf Erden, und wird, so wahr Gott ist, dein Glück im Himmel werden. Verachte nur getrost des Bibelfeindes Spott; die Lehre, die er schmäht, bleibt doch das Wort aus Gott. C.F. Gellert,+ 1769. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 220. Unser Gott, wir danken dir, daß du uns dein Wort gegeben. Gieb auch Gnade nun, daß wir nach dem Worte heilig leben. Unsern Glauben all'zeit stärke, daß er thätig sei durch Werke. 2. In dem Worte lebrest du, wie wir vor dir wandeln sollen. Schenk uns deine Kraft dazu, gieb zum Wissen auch das Wollen, und zum Wollen das Vollbringen, so wird Alles wohl gelingen. Wort Gottes. 3. Breite deine Hände aus, gieb uns deinen Vatersegen, schüße gnädig unser Haus, leite uns auf allen Wegen. Laß uns hier in Segen gehen, dort gesegnet auferstehen. I. A. Hasslocher, † 1726. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. 221. Wir Menschen find zu dem, o Gott, was geistlich ist, untüchtig; dein Wesen, Wille und Gebot ist viel zu hoch und wichtig; wir wissen's und verstehen's nicht, wo nicht dein göttlich Wort und Licht den Weg zu dir uns weiset. 2. Drum hast du vormals ausgesandt Propheten, deine Knechte, daß durch sie würden wohlbekannt dein Will' und deine Rechte; zuletzt ist selbst dein lieber Sohn, o Vater, von des Himmels Thron gekommen, uns zu lehren. 3. Für solches Heil, Herr, fei gepreist. Daß wir dabei verbleiben, verleih uns deinen guten Geist, daß er uns möge treiben, mun anzunehmen jederzeit das Wort mit Sanft muth, Lieb' und Freud', als Gottes, nicht der Menschen. 177 4. Hilf, daß der losen Frevler Spott von ihm uns nicht abwende; denn wer dich lästert, heil'ger Gott, der nimmt ein schrecklich Ende. Gieb selber deinem Worte Kraft, daß deine Lehre in uns haft', auch reichlich bei uns wohne. 5. Deffn' uns die Ohren und das Herz, daß wir das Wort recht fassen, in Lieb' und Leid, in Freud' und Schmerz es aus der Acht nicht lassen; daß wir nicht Hörer nur allein des Wortes, sondern Thäter sein, und treu darin beharren. 6. Der Sam' am Wege wird sofort vom Teufel weggenommen; in Fels und Steinen kann das Wort die Wurzel nicht bekommen; der Same, der in Dornen fällt, in Sorg' und Wollust dieser Welt, ersticket und verdirbet. 7. Ach hilf, Herr, daß wir werden gleich allhier dem guten Lande, daß wir, an guten Werken reich in unserm Amt und Stande, bewahren deine Lehr' und Huld in feinem Herzen mit Geduld, Frucht hundertfältig bringen. 12 178 III. Kirche. 8. Laß uns, dieweil wir leben hier, den Weg der Sünde meiden; gieb, daß wir halten fest an dir in allem Kreuz und Leiden; rott aus die Dornen allzumal, hilf uns die Weltsorg' überall und böse Lüste dämpfen. 9. Dein Wort, o Herr, laß immer sein die Leuchte unsern Füßen; erhalt es bei uns klar und rein, hilf, daß wir draus genießen Kraft, Rath und Trost in aller Noth, daß wir im Leben und im Tod beständig darauf trauen. 10. Gott Vater, laß zu deiner Ehr' dein Wort sich weit verbreiten. Hilf, Jesu, daß uns deine Lehr' erleuchten mög' und leiten. O heil'ger Geist, dein göttlich Wort laß in uns wirken fort und fort Geduld, Lieb', Hoffnung, Glauben. D. Denice,+ 1680. Mel. Werde munter mein Gemüthe. 222. Wohl dem Menschen, der nicht wandelt in gottloser Leute Rath; wohl dem, der nicht unrecht handelt, noch tritt auf der Sünder Pfad; der der Spötter Freundschaft fleucht und von ihren Sißen weicht, der hingegen liebt und ehret, was uns Gott vom Himmel lehret. 2. Wohl dem, der mit Luſt und Freude das Gesetz des Höchsten treibt, und hier, als auf füßer Weide, Tag und Nacht verharrend bleibt; dessen Segen wächst und blüht, wie ein Palmbaum, den man sieht an der Wasserbäche Seiten seine frischen Zweig' ausbreiten. 3. Also wird gedeihn und grünen, wer in Gottes Wort sich übt; Luft und Sonne wird ihm dienen, bis er reiche Früchte giebt. Seine Blätter werden alt und doch niemals ungestalt; Gott giebt Glück zu seinen Thaten; was er macht, muß wohl gerathen. 4. Aber wen die Sünd' er freuet, dessen Glück wird bald vergehn; wie der Wind die Spreu zerstreuet, so wird man's zerstieben sehn. Hält der Herr einst sein Gericht, da bestehn Gottlose nicht, Sünder stürzen in's Verderben, Fromme sind des Himmels Erben. P. Gerhard, † 1676. Taufe. G. Sacrament. a. Taufe. Mel. Vater unser im Himmelreich. 223. Dies Kindlein, Jesu, ist nun dein; laß dir es wohl empfohlen sein; mit Wasser taufen wir es heut, mit Geist tauf du's in Ewigkeit. Wir wollen's pflegen fort und fort; mach, Herr, es ewig selig dort! R. Steiger. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 224. Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist; ich bin getrost, denn Ja und Amen ist, was dein theures Wort verheißt. Ich bin in Christum eingesenkt, ich bin mit seinem Heil beschenkt. 2. Du hast zu deinem Kind und Erben, mein lieber Vater, mich erklärt. Du hast die Frucht von deinem Sterben, mein treuer Heiland, mir gewährt. Du willst in aller Noth und Pein, o guter Geist, mein Tröster sein. 3. Ich habe Ehrfurcht dir und Liebe, Treu' und Gehor179 sam zugesagt; ich hab', o Herr, aus reinem Triebe dein Eigenthum zu sein, gewagt; dagegen sagt' ich bis in's Grab des Satans schnöden Werken ab. 4. Mein treuer Gott, auf deiner Seite bleibt dieser Bund wohl fest bestehn. Wenn aber ich ihn überschreite, so laß mich nicht verloren gehn. Nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, wenn ich hab' einen Fall gethan. 5. Ich gebe dir, mein Gott, auf's Neue Leib, Seel' und Herz zum Opfer hin. Erwecke mich zu neuer Treue, und nimm Besitz von meinem Sinn. Es sei in mir kein Tropfen Blut, der nicht, Herr, deinen Willen thut. 6. Weich, weich, du Fürst der Finsternisse, ein andrer Herr hat mich erkauft; ich bin ein Sündenkind, doch wisse, ich bin auf Christi Tod getauft. Weich, eitle Welt, du Sünde, weich! Gott hört es, ich entsage euch. 12* 180 III. Kirche. 7. Laß diesen Vorsatz nimmer wanken, Gott Vater, Sohn und heil'ger Geift. Halt mich in deines Bundes Schranken, bis mich dein Wille sterben heißt. So leb' ich dir, so sterb' ich dir, so lob' ich dich dort für und für. I. I. Rambach, † 1735. Mel. Schwing dich auf zu deinem Gott. 225. Jesu, du hast uns erkauft und für uns gelitten. Wir, auf deinen Tod getauft, nahn zu dir und bitten: Nimm auch dieses Menschenkind auf in deine Gnade, mach es frei von aller Sünd' in dem Wasserbade. 2. Für sein Heil zu beten, stehn wir vor deinem Throne; höre gnädig unser Flehn, Vater, in dem Sohne. Laß uns bei der Taufe hier dankbar daran denken: Allen willst du einst bei dir Himmelsfreude schenken. 3. G. Schöner,+ 1818. Kind Goites ist. Was sind alle Schäße nüße, da ich einen Schatz besize, der mir alles Hcil gebracht, und mich ewig selig macht? mel. Jefu, ber du meine Seele. 226. Laffet mich voll Freuden sprechen: Ich bin ein getaufter Chrift, der bei menschlichen Gebrechen dennoch ein 2. Keine Sünde macht mir bange; ich bin ein getaufter Christ, und ich weiß gewiß, so lange dieser Trost im Herzen ist, kann ich vor der Angst der Sünden Schutz in Jeſu Blute finden, weil das theure Wasserbad mich damit besprenget hat. 3. Wer will zu verdamment wagen? Ich bin ein getaufter Christ. Wer will mich bei Gott verklagen, der in Christo gnädig ist? Da zur Taufe ich gekommen, ist dem Feind die Macht genommen, und von seiner Tyrannei macht der Bund mit Gott mich frei. 4. Freudig sag' ich, wenn ich sterbe: Ich bin ein getaufter Christ; denn das bringet mich zum Erbe, das im Himmel droben ist. Lieg' ich gleich im Todesstaube, so versichert mich der Glaube, daß mir auch der Taufe Kraft neues Leben wieder schafft. Taufe. 5. Nun, so soll denn dieser Segen mir ein Trost des Lebens sein; muß ich mich zu Grabe legen, schlaf' ich freudig auf ihn ein. Ob mir Herz und Augen brechen, dennoch soll die Seele sprechen: Ich bin ein getaufter Christ, der nun ewig selig iſt. E. Neumeister,+ 1756. Mel. Liebster Jesu, wird sind hier. 227. Liebster Jesu, hier sind wir, deinem Worte nach zuleben, bringen dieses Kindlein dir, wie du haft Befehl gegeben; woll'st nun deine Hand auflegen und ertheilen deinen Segen! 2. Es erschallt jett allermeist, Herr, dein Wort in unsern Ohren: Wer durch Wasser und durch Geist nicht zuvor ist neu geboren, wird von dir nicht aufgenommen, kann in Gottes Reich nicht kommen. 3. Darum eilen wir zu dir. Nimm dies Kind von unsern Armen, tritt mit deinem Glanz herfür, und erzeige dein Er barmen, daß es dein, wie 181 hier auf Erden, so im Himmel möge werden. 4. Hirte, nimm dein Schäflein an; Haupt, mach es zu deinem Gliede; Himmelsweg, zeig ihm die Bahn; Friedefürst, sei du sein Friede; Weinstock hilf, daß dieser Rebe an dir bleibe, in dir lebe. 5. Nun, wir legen dir an's Herz, was vom Herzen ist gegangen; führ die Seufzer himmelwärts, und erfülle das Verlangen. Ja, den Namen, den wir geben, schreib in's Lebensbuch zum Leben! B. Schmold,+ 1737. De 1. Jesum lieb' ich ewiglich. 228. Zu dir, Vater, beten wir für dies Kind auf unsern Armen; flehen voll Vertraun zu dir, du woll'st seiner dich erbarmen. Es ist dein und lebt durch dich, schüß und segn' es väterlich. 2. Schwach und hülflos liegt es da; sei du seine Kraft und Stärke. Bleib ihm huldreich immer nah, daß es deine Hülfe merke, wenn es auf 182 III. Kirche. der Lebensbahn selber sich nicht leiten kann. 3. Gott, es ward zu seinem Heil in der Christenheit geboren; zu der Christen Erb' und Theil hast du selbst es auserkoren; zu der Christen Seligkeit weihet es die Taufe heut. 4. Segne, Vater, dieses Kind, daß es dich von Herzen ehre, daß es, Jesu gleich Mel. Chriftus, der ist mein Leben. 229. Gott Vater, laß die Stunde an uns gesegnet sein, in der zum Gnadenbunde wir unser Herz dir weihn. b. Confirmation. 2. Der Sünde Trug zu fliehen und lebenslang mit dir, Herr Jesu Christ, zu ziehen, geloben freudig wir. 3. Im Glauben das zu halten bis an den Tod getreu steh uns mit deinem Walten, Geift Gottes, mächtig bei. C. G. Ribbed. gesinnt, nur auf deine Stimme höre, und, der Taufe Bund getreu, folgsam deinem Geiste sei. Mel. Christus, der ist mein Leben. 230. Herr Gott, vom Himmel droben nimm deiner 5. Stärt es unter Luft und Schmerz, unter Arbeit und Beschwerde; gieb, daß rein und fromm sein Herz und sein Leben fruchtbar werde; führ es einft zum Himmel ein, laß es ewig selig sein. 3. I. Spreng, † 1768. Kinder wahr, die, Treue zu geloben, jetzt nahen zum Altar. 2. Laß deinen Vatersegen auf ihrem Vorsatz ruhn, zu gehn auf Jesu Wegen, nach seinem Wort zu thun. 3. Mit deinem Geiste wohne den Schwachen mächtig bei; hilf, daß die Lebenskrone dereinst ihr Erbe sei. C. G. Ribbed. Mel. O du Liebe meiner Liebe. 231. Mittler, schau auf fie hernieder, die sich deiner Gnade freun, und als deiner Kirche Glieder dir geloben, dein zu sein, dein, der mit der Confirmation. größten Treue auch für sie sein Leben gab; sie sind dein, Erbarmer, weihe sie dir ganz bis in das Grab. 2. Halte sie mit starken Armen, wenn sie straucheln sollten, fest; laß sie fühlen dein Erbarmen, das sie nimmermehr verläßt; und wenn Eines sich verirrte und verließe deine Bahn, ach, dann nimm dich, guter Hirte, des verirrten Schäfleins an. 3. Keines, Keines, ach, von Allen, die mit dir den Bund erneun, laß aus deiner Gnade fallen und von dir geschieden sein. Herr, versiegle ihren Glauben, der sie ewig selig macht; Keinem laß die Krone rauben, die du Allen zugedacht. 4. Sammle sie einst Alle wieder in des Vaters ew'183 mel. Warum sollt' ich mich denn grämen, A. 232. Selig, wer dich ewig liebet, Gottes Sohn, und zum Lohn dir sein Herz ergiebet. Selig, wer in jeder Stunde mit Gebet dir nachgeht, treu dem Gnadenbunde. Reich, deines Haupts geweihte Glieder, den Verflärten Gottes gleich, daß dann in die höhern Chöre, wie der Engel Loblied rein, Heiland, dir zu Preis und Ehre stimm' ihr Halleluja ein. Unbekannt. 2. Dazu bist du ja gekommen, Herr, und hast unsre Last auf dein Haupt genommen; dazu weiht' uns deine Taufe segnend ein, stark zu sein in dem Siegeslaufe. 3. Lebensfürst und Ueberwinder, führ uns an, brich uns Bahn, stärke deine Kinder. Nähr uns mit dem Himmels brote gieb uns Muth, Liebesgluth, Treue bis zum Tode. 4. Besser nie, ach, nie geboren, als dem Herrn fremd und fern und zulett verloren! Liebe, hilf uns liebend leben; halt an dir für und für, Weinstock, deine Reben. 5. Ewig währet deine Treue; inniglich fasset dich unser Herz auf's Neue. Sprich dazu in deinem Namen von dem Thron, Vater, Sohn, Geist, auf ewig: Amen. A. Knapp,+ 1864. 184 III. Kirche. Mel. Nun lob, mein Seel', den Herren. 233. So schreib in's Buch des Lebens, o Herr, auch ihre Namen ein, und laß sie nicht vergebens dir, Jesu, zugezählet sein. Bewahr sie vor der Sünde und vor der ew'gen Pein; ach, präg es jedem Kinde heut tief in's Herz hinein, daß es zum ew'gen Leben durch dich er kaufet ist; denn du willst Allen geben dein Heil, Herr Jesu Christ. Unbekannt. Mel. Seelenbräutigam. 234. Von des Himmels Thron sende, Gottes Sohn, deinen Geist, den Geist der Stärke; gieb uns Kraft zum heil'gen Werke, dir uns ganz zu weihn, ewig dein zu sein. 2. Mach uns selbst bereit, gieb uns Freudigkeit, unsern Glauben zu bekennen, und dich unsern Herrn zu nennen, deſſen theures Blut floß auch uns zu gut. 3. Richte Herz und Sinn zu dem Himmel hin, daß wir unsern Bund erneuern und in Wahrheit dir betheuern, deine Bahn zu gehn, Weltluft zn verschmähn. Mel. Gott sei gelobet und gebenedeiet. 235. Christ sei gelobet und gebenedeiet, der uns selber hat geſpeiſet mit seinem Leibe und mit seinem Blute, das 4. Wenn wir betend nahn, Segen zu empfahn, wollest du auf unser Bitten uns mit Gnade überschütten; Licht und Kraft und Ruh' ströme dann uns zu. 5. Gieb auch, daß dein Geist, wie dein Wort verheißt, unauflöslich uns vereine mit der gläubigen Gemeine, bis wir dort dich sehn in des Himmels Höh'n. S. Marot, t 1865. c. Abendmahl. gieb uns, Herr Gott, zu gute. Kyrie eleison! 2. Gott geb' uns Allen seinen Gnadensegen, daß wir gehn auf seinen Wegen in Abendmahl. rechter Lieb' und brüderlicher Treue, daß die Speis' uns nicht gereue, Kyrie eleison! 3. Herr, deinen heil'gen Geist uns immer lasse, daß wir halten rechte Maaße. Woll'st deiner armen Christenheit auch geben, daß sie mög' in Frieden leben. Kyrie eleison! M. Luther,+ 1546. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden 2c. 236. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, den Heiland, der auf Erden vom Himmelsthron gekommen ist, dein Bruder hier zu werden. Vergiß nicht, daß er dir zu gut hat angenommen Fleisch und Blut; dank ihm für seine Liebe. 2. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der für dich hat gelitten, und dir, da er gestorben ist, am Kreuz das Heil erstritten. Erlösung von der Sünden Noth erwarb er dir durch seinen Tod; dank ihm für seine Liebe. 3. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der aus des Todes Banden als Held hervorgegangen ist; mit ihm bist 185 du erstanden. Er hat das Leben dir gebracht und dich gerecht vor Gott gemacht; dank ihm für seine Liebe. 4. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der nach den Leidenzeiten gen Himmel aufgefahren ist, die Stätte zu bereiten, da du sollst bleiben allezeit, und schauen seine Herrlichkeit; dank ihm für seine Liebe. 5. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der einst wird wieder kommen, zu richten, was auf Erden ist, die Sünder und die Frommen. O sorge, daß du dann besteh'ft und mit ihm in sein Reich eingeh'ft, ihm ewiglich zu danken. 6. Hilf selbst, Herr Jesu, daß ich dich mit wahrem Glauben fasse, und, was du haft gethan für mich, nie aus dem Herzen lasse; daß dessen ich in aller Noth mich trösten mög', und durch den Tod zu dir in's Leben dringe. C. Günther,+ 1704. Mel. Herr Jesu Christ, wahr'r Mensch zc. 237. Herr, der du als ein stilles Lamm am marter III. Kirche. 186 vollen Kreuzes stamm, zu tilgen meine Sündenlast, dich auch für mich geopfert haft; 2. Hier schau' ich deinen Mittlertod, hier nährst du mich mit Himmelsbrot, hier ist das unschäßbare Gut, das du mir giebst, dein Fleisch und Blut. 3. D Liebe, welcher keine gleicht, o Wunder, das kein Sinn erreicht, ob tief verhüllt, doch sonnenklar; da steht dein Wort, dein Wort ist wahr. 4. Herr Jesu, hilf mir, daß ich ja mit tiefster Ehrfurcht zu dir nah', damit des Lebens Speise nicht mein Mund empfange zum Gericht. 5. Gieb mit ein Herz, das büßend sich, du treuer Heiland, hält an dich, und deine Wohlthat tief ermißt, und deine Liebe nie vergißt. 6. Du gabst den Deinen das Gebot, hier zu verkünden deinen Tod; hilf, daß ich ihn vor Augen seh', auch sein Geheimniß wohl versteh'. 7. Mein Herr und Gott, ich glaub' an dich und weiß gewiß, du segnest mich; denn die im Glauben zu dir nahn, die willst du gnadenvoll empfahn. 8. Ich bin's ja freilich nimmer werth, daß so viel Heil mir widerfährt, daß du, o Herr, D Herr, nicht willst verschmähn, zu meinem Herzen einzugehn. 9. Mein Herz steht offen; richte du es selber dir zur Wohnung zu; treib alle Sündenlust hinaus, und schmück's dafür mit Tugend aus. 10. Du kommst; so sei ge fegnet mir; du bleibft in mir und ich in dir, daß keine Macht der Welt fortan von dir mich wieder scheiden kann. 11. Drückt bange Sorge mir das Herz, erduld' ich Trübsal, Noth und Schmerz, verschmachtet Leib und Seele gar, bleibst du mein Theil doch immerdar. 12. An deinem Tisch ergießet sich der ew'gen Liebe Trost in mich; ich schmecke selbst in Kreuz und Leid hier meines Gottes Freundlichkeit. 13. So rüstet mich dein Mahl mit Kraft zum Kampfe mit der Leidenschaft und mit Abendmahl. des Bösen Macht und List, die wider meine Seele ift. 14. Es bricht den Stolz, verscheucht den Neid, erweckt zu Lieb' und Einigkeit, giebt Trost, der nie das Herz verläßt, und macht im Guten treu und feft. 15. O Jesu, führe stets zur That, was ich beschloß nach deinem Rath; so wandre ich in Herzensruh' dem Ziele meiner Wallfahrt zu. 16. Und wenn du einst, o Lebensfürst, vom Tode mich erwecken wirst, dann labt mit Freuden ohne Zahl mich dort dein ew'ges Abendmahl. 3. A. Schlegel, † 1793. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 238. Herr, du haft für alle Sünder einen reichen Tisch gedeckt, wo ein jedes deiner Kinder deine volle Liebe schmeckt. Hier erschein' ich als dein Gast, welchen du geladen hast. Laß nicht mit unlauterm Herzen deine Gnade mich verscherzen. 187 vom Eitlen frei, daß voll Andacht mein Gemüthe und mein Herz dir heilig sei. Nur zu dir steht mein Vertraun; lehr mich gläubig auf dich schaun, und laß deinen Tisch auf Erden mir des Himmels Vorschmack werden. 3. Gnadenvoll willst du mir schenken deinen Leib, dein theures Blut. Drum so laß mich wohl bedenken, was hier deine Liebe thut, und verleihe, daß ich nicht eff' und trink mir zum Gericht, was du doch zum Heil und Leben mir int Abendmahl willst geben. 4. Denke doch, du Fürst des Lebens, denke, daß die Jesus heißt; hilf doch, daß du nicht vergebens für die Welt gestorben sei'st. Drum erhöre, was ich bitt', theile mir dich selber mit, und laß heut in mein Gewissen Trost aus deinen Wunden fließen. 5. Durch dich bin ich neut geboren, nähr' mich auch durch deine Kraft; ohne dich wär ich verloren, du bist's, der 2. Hör mich, Herr voll mir Hülfe schafft. Nun, so Huld und Güte, mache mich laß dein Brot und Wein III. Kirche. 188 meines Herzens Manna sein, daß die Wirkung dieser Speise sich auch in der That erweise. 6. Laß mich deine Liebe schmecken und die Güter jener Welt; wenn Verzagtheit, Furcht und Schrecken mich zuweilen überfällt, so verleihe mir dein Blut einen rechten Freudenmuth, daß ich meinen Trost im Glauben mir durch Nie mans Iaffe raubent. 7. Hilf mir, recht in's Herz zu fassen deinen herben, bittern Tod; laß mich keinen Bruder hassen, der mit mir genießt dein Brot. Nimm mich, Herr, vollkommen ein, bis ich werde bei dir sein und die Fülle deiner Gaben, meinen Gott und Alles haben. C. Neumann,+ 1715. Tod. Wir sind, o Jesu, dein; dein laß uns ewig sein. Amen, Amen! Anbetung dir! Einst feiern wir das große Abendmahl bei dir. F. G. Klopstod,+ 1803. Mel. Herr Jesu Christ, wahr'r Menſch ic. 240. Herr Jesu Christ, dein theures Blut ist meiner Seele höchstes Gut; das stärkt, das labt, das macht allein mein Herz von allen Sünden rein. 2. Dein Blut, mein Schmuck, mein Ehrenkleid, dein' Unschuld und Gerechtigkeit macht, daß ich kann vor Gott bestehn, und zu der Himmelsfreud' eingehn. 3. O Jesu Christe, Gottes Sohn, mein Trost, mein Heil, mein Gnadenthron, dein thenres Blut, dein Lebenssaft, giebt mir stets neue LebensMel. Wachet auf! ruft uns die Stimme. 239. Herr, du woll'st kraft. uns vollbereiten zu deines Mahles Seligkeiten; sei mitten unter uns, o Gott. Laß uns, Leben zu empfahen, mit glaubensvollem Herzen nahen, und sprich uns los von Sünd' und 4. Herr Jesu, in der letzten Noth, wenn mich will schrecken Höll' und Tod, so laß ja dies mein Labsal sein: Dein Blut macht mich von Sünden rein! 3. Olearius,+1684. Abendmahl. Mel. Aus tiefer Noth schrei' ich zu dir. Oder Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 241. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, du Brunnquell aller Gnaden, wir kommen, deinen Leib und Blut, wie du uns haft geladen, zu deiner Liebe Herrlichkeit und unsrer Seelen Seligkeit zu essen und zu trinken. 2. D Jesu, mach uns selbst bereit zu diesem hohen Werke; schenk uns dein schönes Ehrenkleid; durch deines Geistes Stärke hilf, daß wir würd'ge Gäste sein, und pflanze selber dir uns ein zum ew'gen Himmelswesen. 3. Bleib du in uns, daß wir in dir auch bis an's Ende bleiben; laß Sünd' und Noth uns für und für von dir nicht wieder treiben, bis wir, durch deines Nachtmahls Kraft gestärkt, nach dieser Pilgerschaft dort ewig selig werden. Unbekannt. 1730. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 242. Ich komme als ein armer Gast, o Herr, zu deinem Tische, den du für mich 189 bereitet hast, daß er mein Herz erfrische; und wenn mein Sehnen ist gestillt, daß auch der Dank, der mich erfüllt, in Aller Dank sich mische. 2. Du selber sprichst in deinem Wort: Ich bin das Brot zum Leben; dies Brot treibt auch den Hunger fort, den sonst Nichts mochte heben; ich bin der Trank, wer glaubt an mich, dem will ich jetzt und ewiglich der Labung Fülle geben. 3. Drum führe mich, o treuer Hirt, auf deine Himmelsauen, wo meine Seel erquicket wird, wenn du sie läsfest schauen die Ströme deiner Gütigkeit, die du für Alle hast bereit't, so deiner Hut vertrauen. 4. Jch armes Schäflein suche dich auf deiner grünen Weide; dein Lebensmanna. speise mich zum Trost in allent. Leide. Es tränke mich dein theures Blut, daß mich kein falsches Erdengut von deiner Liebe scheide. 5. Wie sich des matten Wandrers Herz der frischen Quelle freuet, so werd' ich III. Kirche. 190 von der Seele Schmerz in deinem Mahl befreiet. Du linderst meiner Sünde Pein, Du flößeft deinen Trost mir ein, so bin ich ganz erneuet. 6. Vor Allem aber wirk in mir den Ernst wahrhafter Reue, auf daß mein Herz sich für und für vor aller Sünde scheue. Fach in mir, Herr, den Glauben an, der dein Verdienst ergreifen kann, damit mein Geist sich freue. 7. Entzünd in Andacht mein Gemüth, daß von der Welt ich lasse und deine Bruderlieb' und Güt' in dieser Speise fasse, daß durch dein Lieben Lieb' in mir zu meinem Nächsten wachs herfür, ich auch den Feind nicht hasse. 8. So komm mun, treuer Seelenfreund, laß in mein Herz dich schließen! Mit dir bin ich nun ganz vereint; ich will von Reinem wissen, als nur von dir, o Gotteslamm, der du auch mich am Kreuzes. stamm aus Noth und Tod gerissen. 9. D liebster Heiland, habe Dank für deine Gnadengaben, für deine Speise, deinen Trant, die mich erquicket haben; mit Himmelsgütern wirst du mich, o Lebensfürst, einst ewiglich in deinem Reiche laben. 3. Sieber,+ 1695. Mel. An Wasserflüssen Babylon. 243. Ich komme, Herr und suche dich mühselig und beladen. Gott, mein Erbar mer, würd'ge mich des Wunders deiner Gnaden. Ich liege hier vor deinem Thron, Sohn Gottes und des Menschen Sohn, mich deiner zu getrösten. Jch fühle meiner Sünden Müh', ich suche Ruh', und finde sie im Glauben der Erlösten. 2. Dich bet' ich zuversichtlich an, du bist das Heil der Sünder; du hast die Handschrift abgethan, und wir sind Gottes Kinder. Ich denk' an deines deines Leidens Macht und an dein Wort: Es ist vollbracht! Du hast mein Heil verdienet; du haft für mich dich dargestellt; Gott war in dir und hat die Welt in dir mit sich verfühnet. 3. So freue dich, mein Abendmahl. Herz, in mir! Er tilget deine Sünden, und läßt in seinem Mahle hier dich Gnad' um Gnade finden. Du rufft, und er erhört dich schon, spricht liebreich: Sei getrost, mein Sohn, die Schuld ist dir vergeben! Du bist in meinen Tod getauft, und du wirst dem, der dich erkauft, von ganzem Herzen leben. 4. Dein ist das Glück der Seligkeit; bewahr es hier im Glauben, laß nicht durch falsche Sicherheit dir deine Krone rauben. Sieh, ich vereine mich mit dir; ich bin der Weinstock, bleib an mir, so wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich, und durch die Liebe gegen mich wird dir der Sieg gelingen. 5. Ja Herr, mein Glück ist. dein Gebot; ich will es treu erfüllen, und bitte dich durch deinen Tod um Kraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an würdig sein, mein ganzes Herz, Herr, dir zu weihn und deinen Tod zu preisen; laß mich den Ernst 191 der Heiligung durch eine wahre Besserung dir und der Welt beweisen. C.F. Gellert, † 1769. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 244. Ich preise dich, o Herr, mein Heil, für deine Todesleiden. Hab' ich an ihren Früchten Theil, was fehlt dann meinen Freuden? Du warst ein Opfer auch für mich; v gieb, daß meine Seele sich deß ewig freuen möge. o 2. Du läsfest mich durch deinen Tod das wahre Leben finden. Erlösung Erlösung aus der Todesnoth, Vergebung aller Sünden, Gewissensruh', zur Bessrung Kraft, die haft du, Herr, auch mir verschafft, da du am Kreuze starbest. 3. Dein Mahl ist mir das Unterpfand für deine große Liebe. Was hast du nicht an mich gewandt, daß ich nicht elend bliebe! Gieb, daß ich voll Vertraun auf dich in meinem ganzen Leben mich an deine Gnade halte. 4. Ich fühle, Herr, voll Reu' und Schmerz die Bürde meiner Sünden. Laß mein vor dir 192 III. Kirche. gebeugtes Herz jetzt deinen Trost empfinden, den Trost, daß du aus freier Huld von aller meiner Sündenschuld durch dein Verdienst mich rettest. 5. Die Stärkung, die dein Mahl mir schafft, werd' ewig mir zum Segen, erfülle mich mit neuer Kraft, zu gehn auf deinen Wegen, zu thun nur, was dir wohlgefällt, und alle Furcht und Lust der Welt standhaft zu überwinden. 6. Wie soll ich die Barmherzigkeit, die du mir thust, ermessen? Gieb, daß ich sie zu keiner Zeit undankbar mög' vergessen; daß ich in wahrer Lieb' und Treu' ganz deinem Dienst ergeben sei und sterbend noch dich preiſe. 3. S. Diterich, † 1797. Mel. Aus tiefer Noth schrei' ich zu dir. 245. Ich will den Bund mit meinem Herrn bei seinem Mahl erneuern, von eitlen Weltgedanken fern, sein Todesleiden feiern. Wie heilig ist die Stunde mir! Froh soll mein dankbar Herz zu dir Erlöser, sich erheben. 2. Dir, mein Erlöser, will ich mich zum Eigenthum er geben; bekennen will ich öffentlich, dein Sterben sei mein Leben. So lang ich lebe, will ich dein und deiner Liebe mich erfreun, will sterbend noch fie preisen. 3. Bußfertig will ich meine Schuld vor meinem Gott ge stehen; durch dich versichert seiner Huld, zu ihm um Gnade flehen; ich will mit gläubigem Vertraun auf dich, mein treuer Mittler, schaun und deiner mich ge trösten. 4. Dein Leib und Blut versichert mich, ich steh' bei Gott in Gnaden, und halt' ich gläubig mich an dich, so kann kein Feind mir schaden. Du hast durch deinen Kreuzestod entsündigt mich, versöhnt mit Gott, den Himmel mir er worben. 5. Hilf, daß ich, jeder Sünde Feind, dich über Alles liebe, und ernstlich mich, mit dir vereint, in guten Werken übe. So bring' ich dir mein Leben lang, o mein Abendmahl. Erlöser, Preis und Dank für wird mir's gelingen, Frucht deine treue Liebe. der Heiligung zu bringen. V. Münter,+ 1793. 4. Nun, so sei der Bund erneuet, ganz sei dir mein Herz geweihet. Täglich will ich mich bestreben, nur nach deinem Wort zu leben; was du liebst, will ich auch lieben, ernstlich mich im Guten üben; was du hasseft, will ich haffen, stets von dir mich dir mich leiten laffen. Mel. Schmücke dich, o liebe Ecele. 246. Jesu, Freund der Menschenkinder, Heiland der verlornen Sünder, der zur Sühnung unsrer Schulden Kreuzesschmach hat müssen dulden; wer kann fassen dein Erbarmen, das du trägest mit uns Armen? In der Schaar erlöster Brüder fall' ich dankend vor dir nieder. 2. Ja, auch mir strömt Heil und Segen, Herr, aus deiner Füll' entgegen; in dem Elend meiner Sünden soll ich Hülfe bei dir finden; meine Schuld willst du bedecken, mich befrein von Furcht und Schrecken, willst ein ewig sel'ges Leben als des Glaubens Frucht mir geben. 193 3. Herr, du kommst, dich mit den Deinen in dem Nacht mahl zu vereinen. Du, der Weinstock, giebst den Reben Saft und Kraft zum neuen Leben; machst, daß ich die Lust der Sünde in mir kräftig überwinde; ja, durch dich 5. Herr, ich kenne meine Schwäche; schwer ist, was ich dir verspreche. Werd' ich dir auch Glauben halten und im Guten nie erkalten? Eile du, mir beizustehen, lehr mich deine Wege gehen, und zu jedem guten Werke gieb mir deines Geistes Stärke. 6. Gieb, daß ich und alle Christen sich auf deine Zukunft rüsten, daß sich keiner vor dir schäme, wenn dein Tag schon heute käme. Großes Abendmahl der Frommen, Tag des Heils, wann wirst du kommen, da wir mit der Engel Chören, Herr, dich schaun und ewig ehren! 3. C. Lavater,+ 1801. 13 III. Kirche. 194 Mel. Ach schönster Jesu, mein Verlangen. 247. Mein Jesu, der du vor dem Scheiden uns haft in deiner legten Nacht die Früchte deiner bittern Leiden in deinem Bundesmahl vermacht; dich preisen gläubige Gemüther als Stifter solcher hohen Güter. 2. So oft wir dieses Mahl genießen, wird dein Gedächtniß bei uns neu, und neue Segensströme fließen uns zu von deiner Güt' und Treu'. Dein Kreuzestod und deine Schmerzen erneuern sich in unsern Herzen. 3. Hier wird dem zagenden Gewissen versiegelt deiner Gnade Bund; daß unser Schuldbrief sei zerrissen, thust du im heil'gen Mahle kund, machst uns gewiß, daß unsre Sünden durch deinen Tod Vergebung finden. 4. Das Band wird fester hier geschlungen, das uns mit dir zusammenhält; die Liebe, die uns schon durchdrungen, wird völlig, wie sie dir gefällt. Wir werden neu in solchen Stunden zu Einem Geist mit dir verbunden. 5. Dies Brot kann wahre Nahrung geben, und dieser Kelch erquickt den Geist; es mehret sich das innre Leben, wenn unser Glaube dich ge neußt. Wir fühlen neue Kraft und Stärke in unserm Kampf und Glaubenswerke. 6. Wir treten in die engsten Bande mit deines Leibes Gliedern ein und werden in dem Gnadenstande Ein Herz und Eine Seele sein; so fest muß sich das Bündniß schließen, weil wir von Einem Brot ge nießen. 7. Dein Leib soll uns zum Pfande dienen, daß unser Leib, von Schwachheit voll, einft herrlich aus dem Staube grünen und unverweslich wer den soll, ja, daß du uns ein ewig Leben nach kurzer Pilgerschaft wirst gelen. 8. Lamm Gottes, welche edlen Gaben hast du in dieses Mahl gelegt! Nun wir dich selbst zur Speise haben, wie wohl ist unser Geist gepflegt! Dein Mahl ist unter allen Leiden ein wahrer Vorschmack jener Freuden. Abendmahl. 9. Lob Ehr' und Preis sei dir gesungen für deine Liebe, Gottessohn! Einst werden wir mit Engelzungen, vereint vor deinem Himmelsthron, sammt allen sel'gen Christen droben vollkommner dich, als heute, loben. 3. J. Rambach, † 1735. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 248. Jesu, dir sei Preis und Dank für deiner Liebe Gaben, für diese Speise, diesen Trank, die mich erquicket haben. Herr, daß du mich, den armen Gast, zu laben, nicht verschmähet hast, wie soll ich's dir vergelten? 2. Du, treuer Heiland, du allein kannst mein Verlangen stillen, mich aus der Seelen noth befrein, mein Herz mit Troft erfüllen. Durch deine Huld und Gütigkeit muß mir die ganze Lebenszeit zum Heil und Frieden dienen. 195 brot, besieg' ich dann des Todes Noth und fahr' zu dir mit Freuden. 3. Olearius,+ 1684. 3. Mein Herr und Gott, ich habe dir von Herzen mich ergeben; verleihe deine Gnade mir, beständig dir zu leben. Gestärkt durch dieses LebensMel. Nun laßt uns Gott, dem Herren. 249. Jesu, meine Wonne, du meiner Seele Sonne, mein Licht und Trost auf Erden, laß mich dir dankbar werden. 2. Wie kann ich würdig schäßen das heilige Ergößen, das deine theuren Gaben mir jetzt bereitet haben! 3. Wie dir genugsam dan ken, daß du so mild mich Kranken gespeist hast und getränket, ja, mir dich selbst geschenket! 4. Dir dank' ich für dein Sehnen, für deines Mitleids Thränen, für dein so großes Lieben, das standhaft ist geblieben. 5. Dir dank' ich für dein Leiden, den Ursprung meiner Freuden; dir dank' ich für dein Sterben, das mich dein Reich läßt erben. 6. Mit gläubigem Gemüthe empfind' ich deine Güte, die 13* III. Kirche. 196 mir zum neuen Leben der Gnade Pfand gegeben. 7. Du wolleft, was von Sünden in mir noch ist zu finden, aus meinem Herzen treiben und kräftig in mir bleiben. 8. Laß mich das Unrecht meiden, hilf mir geduldig leiden; in Freuden wie in Nöthen lehr mich in Andacht beten. 9. So kann ich nicht verderben; ich werde selig sterben und freudig auferstehen, mein Heiland, dich zu sehen. 3. Rist, † 1667. Eigene Melodie. 250. Schmücke dich, o chmücke dich, o liebe Seele, laß die dunkle Sündenhöhle, komm an's helle Licht gegangen, fange herrlich an zu prangen! Denn der Herr voll Heil und Gnaden will dich jetzt zu Gaste laden; der den Himmel kann verwalten, will jeßt Herberg' in dir halten. 2. Froh, wie treue Freunde pflegen, eile deinem Freund entgegen, der mit seinen Gnadengaben jett dein armes Herz will laben. Öffn' ihm schnell des Geistes Pforten, red ihn an mit süßen Worten: Komm, ich will dich mit Verlangen als den liebsten Gaft em pfangen. 3. Ach, wie hungert mein Ge müthe, Menschenfreund, nach deiner Güte; ach, wie pfleg' ich unter Thränen mich nach dieser Koft zu sehnen; nach dem Trank des Lebensfürsten hör' ich nimmer auf zu dürften, bis, durch Gott mit Gott ver bunden, ich Genüge hab' gefunden. 4. Beides, Wonne und auch Bangen, fühl' ich jezt mein Herz umfangen. Das Geheimniß dieser Speise und die unerforschte Weise macht, daß ich voll Staunen merke, Herr, die Größe deiner Werke. Ist auch wohl ein Mensch zu finden, der dein' Allmacht kann ergründen? 5. Jesu, meines Lebens Sonne, Jesu, meine Freud' und Wonne, Jesu, du mein ganz Beginnen, Lebensquell und Licht den Sinnen! Hier fall' ich zu deinen Füßen, laß mich würdiglich genießen Abendmahl. dieser deiner Himmelsspeise mir zum Heil und dir zum Preise. 6. Herr, es hat dein treues Lieben dich vom Himmel hergetrieben, daß du willig haft dein Leben in den Tod für mich gegeben und dazu ganz unverdrossen, Herr, dein Blut für uns vergossen, das uns jetzt kann kräftig tränken, deiner Liebe zu gedenken. 7. Jcsu, wahres Brot des Lebens, hilf doch, daß ich nicht vergebens oder mir vielleicht zum Schaden sei zu deinem Tisch geladen. Laß mich durch dies Seelenessen deine Liebe recht ermessen, daß ich auch, wie jetzt auf Erden, mög' dein Gast im Himmel werden. 3. Frand,+ 1677 Mel. Valet will ich dir geben. 251. Voll Andacht, Dank und Freude inbrünstig beten wir, gedenken deines Todes und fingen, Jesu, dir. Erweckt bei deinem Mahle zu neuer, fester Treu', empfinden wir, wie selig, wer dir sich opfert, sei. 197 2. Wie heilig war die Stunde, wie feierlich der Tag, da deine Hand den Jüngern das Brot des Segens brach! Wie heilig ist die Stunde, da wir auch zu dir nahn, dies Siegel deiner Liebe anbetend zu empfahn! 3. Da brennet unsre Seele voll froher Dankbegier; da wallen unsre Herzen in Liebe auf zu dir. Dir, unserm Herrn, geloben wir, ewig treu zu sein und uns mit Leib und Leben nur deinem Dienst zu weihn. 4. Wie viel du haft erduldet um uns, Herr Jesu Christ, wie reich für uns an Segen dein bittres Leiden ist, wie groß die Gnadenfülle, die uns dein Sterben beut, das tritt vor unsre Seele an deinem Tische heut. 5. Ja, Mittler, wir empfin den, wie göttlich du uns liebſt, wenn du in deinem Mahle der Gnade Pfand uns giebst. Wir sehn den Himmel offen, vernehmen schon im Geist, wie der Verklärten Menge dich, ihren Retter, preist. III. Kirche. 198 6. Dort, wo des Kampfes Mühen die Lebenskrone lohnt, wo weder Tod noch Leiden, nur ew'ger Friede wohnt, dort werden wir, vereinet in Eine Brüderschaar, dir danken, Herr, dich preisen, der uns auch Retter war. 7. Laß diesen Tag der Wonne uns, Herr, gesegnet sein, daß noch dereinst im Himmel wir seines Heils uns freun; und was wir dir geloben, dazu verleih uns Kraft; dann enden wir mit Freuden des Lebens Pilgerscheft. A. H. Niemeyer, † 1827 Mel. Herzlich thut mich verlangen. 252. Wen hast du dir ge, laden, mein Heiland, mild und gut, zu deinem Tisch der Gnaden? Nicht, die voll Kraft und Muth, die Reichen nicht und Satten sind dir willkommen dran; die Kranken und die Matten rufft du voll Huld heran. 2. Da dürfen wir es wa gen und treten mit herzu; wir müßten wohl verzagen, rief'st nur die Starken du. Ja dir, dem guten Hirten, stell'n wir voll Muth uns ein; du willst ja den Verwirrten von Herzen gnädig sein. 3. Es sei dir, unserm Fürsten, fortan das Herz geweiht mit Hungern und mit Dürften nach der Gerechtigkeit. Ach, laß uns doch genießen das wahre Himmelsbrot und Le bensbäche fließen auf uns bis in den Tod. 4. Laß uns danieder sinken an deinem Sühnaltar, und reiche uns zu trinken den Kelch des Lebens dar. Wenn auf der Pilgerreise das Herz so matt und krank, ist das die rechte Speise, ist das der rechte Trank. 5. Wer glaubensvoll genossen den Leib, dazu das Blut, für unsre Schuld vergossen, der hat es ewig gut; der ist vom Fluch entbunden, der jedem Sünder droht, hat Trost in schweren Stunden und in der letzten Noth. F. A. G. Tholuck,* 1799. Buße. IV. Des Himmelreichs persönliche Aneignung im Christenleben. Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes. und nach seiner Gerechtigkeit. Matth 6, 33. 1. Im Allgemeinen. A. Die christliche Heilsordnung. a. Buße. Eigene Melodie. 253. Ach, Gott und Herr, wie groß und schwer sind mein' begangne Sünden! Wo ist der Mann, der helfen kann, in dieser Welt zu finden? 2. Lief' ich gleich weit voll Bangigkeit, bis an der Erde Enden, um los zu sein der Angst und Bein, würd' ich sie doch nicht wenden. 199 3. Bu dir flieh' ich; erbarme dich, ob ich's gleich nicht verdienet. Geh mit mir nicht, Gott, in's Gericht; dein Sohn hat mich verfühnet. 4. Soll's ja so sein, daß Straf' und Bein auf Sünden folgen müssen; so fahre fort, nur schone dort, muß ich gleich hier viel büßen. 5. Gieb, Herr, Geduld, vergiß die Schuld, Gehorsam gieb dem Herzen. Laß mich mein Heil, mein bestes Theil, durch Murren nicht verscherzen. 6. Herr, thu mit mir, wie's dünket dir, du stärkst mich ja im Leiden; nur woll'st du mich nicht ewiglich von deiner Gnade scheiden. M Rutilius,+ 1618. 200 IV. Chriftenleben. Eigene Melodie 254. Ach, was soll ich Sünder machen? Mein Gewissen klagt mich an, daß ich übel hab' gethan, und beginnt nun aufzuwachen. Dies ist meine Zuversicht: Meinen Jesum lass' ich nicht. 2. Oftmals haben meine Sünden ihn, den Heiland, tief betrübt; doch ich weiß, daß er mich liebt und sich gnädig Läfset finden. Wie die Sünde mich anficht: Meinen Jefum laff' ich nicht. 3. Ob das schwerste Kreuz und Leiden, wie ja oft der Christ es trägt, mir auch werde aufgelegt, mich soll's nie von Jesu scheiden, bis mein Herz im Tode bricht. Meinen Jesum laff' ich nicht. 4. Weiß ich doch, daß unser Leben nur ein leichter Nebel ist, daß wir hier zu jeder Frist mit dem Tode sind umgeben, der uns fordert in's Gericht. Meinen Jesum laff' ich nicht. 5. Sterb' ich bald nach Gottes Willen, soll's vielleicht noch heute sein, gern ergeb' ich mich darein; Furcht und Bein kann Jesus stillen; auch im Grab ist er mein Licht. Meinen Jefum laff' ich nicht. 6. Aus dem Tod zu neuem Leben weckt er mich zu seiner Zeit, führt mich zu der Herrlichkeit, die aus Gnad' er mir will geben, wie sein theures Wort verspricht. Meinen Je sum lass' ich nicht. 7. Nun, dir geb' ich mich zu eigen, bis ich, Herr, zu dir empor komme durch des Himmels Thor, um dann selig zu bezeugen dort vor deinem Angesicht: Meinen Jeſum laſſ' ich nicht! 3. Flittner,+ 1678. Eigene Melodie. 255. Allein zu dir, Herr Jesu Christ, mein Hoffen steht auf Erden; ich weiß, daß du mein Tröster bist, kein Trost mag sonst mir werden. Von Anbeginn ist nichts erkor'n, auf Erden war kein Mensch gebor'n, der mir aus Nöthen helfen kann; dich ruf' ich an, auf den ich fest vertrauen kann. 2. Herr, meine Schuld ist übergroß, und reuet mich von Herzen. O mache du von ihr mich los durch deines Todes Buße. Schmerzen. Nimm meiner dich bei'm Vater an; da du für mich genug gethan, so werd' ich los der Sündenlast, mein Glaube faßt, was du mir zu gefaget hast. 3. Verleih mir aus Barmherzigkeit des Glaubens Kraft und Stärke, auf daß ich deine Freundlichkeit in tiefster Seele merke, daß ich vor Allem liebe dich und meinen Nächsten gleich als mich. Hilf mir in meiner legten Noth, mein Herr und Gott, der du für mich besiegt den Tod. 4. Ehr' sei Gott in dem höchsten Thron, dem Vater aller Güte, und Christo, seinem lieben Sohn, der uns all'zeit behüte, und seinem werthen heil'gen Geist, der hilft und tröstet allermeiſt, daß wir zum Dienst ihm sein bereit hier in der Zeit und droben in der Ewigkeit. 3. Schnesing, † 1567. Eigene Melodie. 256. An dir allein, an dir hab' ich gesündigt und übel oft vor dir gethan. Du siehst die Schuld, die mir den 201 Fluch verkündigt; sieh, Gott, auch meinen Jammer an. 2. Dir ist mein Flehn, mein Seufzen nicht verborgen, und meine Thränen sind vor dir. Ach Gott, mein Gott, wie lange soll ich sorgen? Wie lang verbirgst du dich vor mir? 3. Herr, handle nicht mit mir nach meinen Sünden, vergilt mir nicht nach meiner Schuld. Ich suche dich; laß mich dein Antlig finden, du Gott der Langmuth und Geduld. 4. Früh woll'st du mich mit deiner Gnade füllen, Gott, Vater der Barmherzigkeit. Er freue mich um deines Namens willen; du bist ein Gott, der gern erfreut. 5. Laß deinen Weg mich wieder freudig wallen, und lehre mich dein heilig Recht alltäglich thun nach deinem Wohlgefallen; du bist mein Gott, ich bin dein Knecht. 6. Herr, eile du, mein Schuß, mir beizustehen, und leite mich auf ebner Bahn. Er hört mein Schrein, der Herr erhört mein Flehen und nimmt sich meiner Seele an. 6. F. Gellert,+ 1769. 202 IV. Christenleben. Eigene Melodie. Art, der aus dem Geist er257. Aus tiefer Noth zeuget ward und seines Gottes harret. schrei' ich zu dir; Herr Gott, erhör mein Flehen; dein gnädig Ohr neig her zu mir, für Recht laß Gnad' ergehen; denn so du willst das sehen an, was Sünd', und Unrecht ist gethan, wer kann, Herr, vor dir bleiben? 5. Ob bei uns ist der Sünden viel, bei Gott ist viel mehr Gnade; sein' Hand zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch sei der Schade. Er ist allein der gute Hirt, der uns, sein Volk, erlösen wird von allen unsern Sünden. M. Luther,+ 1546. 2. Bei dir gilt Nichts, denn Gnad' und Gunst, die Sünden zu vergeben. Es ist doch unser Thun umsonst auch in dem besten Leben. Vor dir sich Niemand rühmen kann; es muß dich fürchten Jedermann und deiner Gnade leben. 3. Darum auf Gott will hoffen ich, auf mein Verdienst nicht bauen, auf ihn allein verlassen mich und seiner Güte trauen, die mir zusagt sein werthes Wort; das ist mein Trost, mein treuer Hort, deß will ich all'zeit harren. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 258. Besser ist kein Tag zur Buße, Mensch, für dich, als eben heut! Kehre wieder auf dem Fuße; nüße wohl die Gnadenzeit. Morgen kommt vielleicht der Tod; heut ist dir die Buße Noth; heute laß dich noch erretten; wirf von dir die Sündenketten. 2. Heute bietet Gottes Güte dir und mir und Jedermann ein erneuertes Gemüthe, einen neuen Geist uns an. Mache denn, daß dieser Tag dein Geburtsfest werden mag. Um dein Werk recht anzufaffen, darfst du Gott nur walten C. C. 2. v. Pfeil,+ 1784. 4. Und ob es währt bis in die Nacht und wieder bis zum Morgen, soll doch mein Herz an Gottes Macht verzweifeln nicht, noch sorgen. So ist des rechten Christen laſſen. Buße. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt 2c. 259. Dein Jesus rufet dich zur Buße; komm, bringe ihm dein armes Herz; komm, falle eiligst ihm zu Fuße und zeige ihm der Neue Schmerz, den das Gesez in uns erweckt, wenn's unsre Sünde uns entdeckt. 2. Dein Jesus ruft dich auch zum Glauben in seinem Evangelium und will aus Gnaden dir erlauben, dich ihm zu weihn zum Eigenthum, daß durch sein theuer werthes Wort du selig werdest hier und dort. 3. So reinige denn meine Seele und gieb, daß ich zu jeder Frist gewissenhaft nur das erwähle, was dir, o Herr, gefällig ist; hilf, daß ich dir beständig treu, bußfertig, gläubig, heilig sei. Unbekannt. Mel. Herzlich lieb hab' ich dich, o Herr. 260. Gott, der du unsre Zuflucht bist, Herr, unser Mitt ler, Jesu Christ, und du, o Geist der Gnaden! Unendlicher, verwirf uns nicht; wir kommen vor dein Angesicht mit Missethat beladen. Nimm von 203 uns unsre Sündenschuld, du Gott der Langmuth und Geduld; erhöre gnädig unser Flehn, laß uns dein Heil, Er barmer, sehn. Herr, unser Gott, verbirg uns nicht dein Angesicht und geh mit uns nicht in's Gericht. 2. Wir haben unsern Bund entweiht durch Sünd' und Ungerechtigkeit und deinen Weg verlassen. Doch sieh, wir kehren voller Reu' zurück zu dir; o, laß auf's Neu' uns deine Rechte fassen; laß sie uns leiten auf den Pfad, den uns dein Wort geboten hat, daß Irrthum und Versuchung nie uns auf die Bahn des Lasters zieh. Herr, unser Gott, reich an Geduld, vor aller Schuld behüt uns deine Vaterhuld. 3. Dein Antlig leuchte un ferm Land; laß uns, beschirmt von deiner Hand, des Friedens Glück genießen. Wend ab von uns durch deine Hut der Flammen Grimm, den Zorn der Fluth, des Krieges Blutvergießen. Sei unser Retter aus der Noth, wenn Mangel oder Seuche droht. IV. Christenleben. 204 In jeder Trübsal und Gefahr nimm, Vater, unser gnädig wahr. Herr, unser Gott, das Land ist dein; gieb ihm Gedeihn und laß es deiner Huld fich freun. 4. Sohn Gottes, der zur Erde kam und unsre Schwachheit auf sich nahm, mit Gott uns zu versöhnen; der durch den Tod in's Leben drang, sich auf zum Himmelsthrone schwang, der Gnade Werk zu frönen; vertritt, o Mittler, uns bei Gott durch deine Leiden, deinen Tod; nach deiner Macht stärk uns im Lauf, und wenn wir fallen, hilf uns auf. Herr, unser Gott, dein Trost und Licht verlass' uns nicht im Tode und im Weltgericht. 5. Du unser Tröster, Got tes Geist, erhalt den Deinen allermeist der Glaubenseintracht Segen. Dein Wort der Wahrheit, hell und klar, sei bis an's Ende immerdar ein Licht auf unsern Wegen. Laß, Herr, in Lehr' und Wandel rein auch dieses Wortes Die ner sein. Erleuchte, die im Frrthum gehn, und stärk die Schwachen, fest zu stehn. Herr, unser Gott, an jedem Ort breit aus dein Wort, der Wahrheit ewig sichern Hort. 6. Den Sinn der Herrscher lenke du, daß sie mit weiser Hand in Nuh' der Völker Wohlstand heben. Dem Könige, der uns regiert, zu unserm Heil das Scepter führt, verleih ein langes Leben. Den reichsten Segen schütte aus auf ihn und auf sein ganzes Haus; auch treue Räthe laß bereit zum Dienst ihm stehen jederzeit. Herr, unser Gott, in deiner Hand ist Volk und Land; beglück und segne jeden Stand. 7. Vernimm der Leidenden Gebet; wer in Gefahr um Rettung fleht, dem hilf aus feinen Nöthen. Den Kranken gieb Geduld und Ruh', die Sterbenden erlöse du, erhör ihr lettes Beten. Sei aller Unterdrückten Heil, der Witt wen und der Waisen Theil; vereitle der Verfolger Rath und lehre sie den rechten Pfad. Herr, Buße. unser Gott, durch alles Leid der Pilgerzeit führ uns zu deiner Herrlichkeit. 8. Du thust wohl mehr, als wir verstehn, gewährst viel Größres, als wir flehn; o laß uns Gnade finden. Zu unsern Bitten neig dein Ohr, zieh unser Herz zu dir empor und mach uns rein von Sünden. Laß uns hinfort dein eigen sein, im Leben und im Tode dein. Wir sind durch Christi Tod erlöst; o du, der Sünder nicht verstößt, Herr, unser Gott, erbarme dich, erbarme dich, vergieb uns, leit uns väterlich. I. I. Eschenburg,+ 1820. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 261. Gott, ich will mich ernstlich prüfen, ob ich lauter bin vor dir. Du kennst mei nes Herzens Tiefen, ach, entdecke sie auch mir. Laß durch deinen Geist mich sehn, ob ich kann vor dir bestehn, ob ich auch aus reiner Liebe deinen Willen treulich übe. 205dir geboren sein. Nicht nur das, was wir gethan, auch die Absicht siehst du an. Deine Liebe muß uns dringen, gute Werke zu vollbringen. 3. Ach, dem Nebel gleich verschwinden meine guten Thaten mir; forsche ich nach ihren Gründen, so steh' ich beschämt vor dir. Deine Liebe trieb mich nicht zur Erfüllung meiner Pflicht; nichtig ist, was ich vollbrachte, wenn ich deiner nicht gedachte. 4. Oft nahm schnöde Eigenliebe meine ganze Seele ein; folgend meiner Ehrsucht Triebe strebt' ich nur nach eitlem Schein. Und was ist nun mein Gewinn? Meinen Lohn hab' ich dahin; auf die Krone jenes Lebens harren Miethlinge vergebens. 5. Herr, vor deinem heil' gen Throne gilt nur lautre Frömmigkeit. Ach, vergieb in deinem Sohne, was mein Herz so tief bereut. Ich bekenne meine Schuld; decke fie mit deiner Huld; alles Eigne, Herr, zerstöre, daß ich ganz dir angehöre. 2. Vor der schwachen Men schen Augen gilt schon äußrer Werke Schein. Was vor dir, o Herr, soll taugen, muß aus 206 IV. Christenleben. 6. Ja, laß alle meine Werke Früchte deiner Liebe sein; sie verleih' mir Kraft und Stärke, Seel' und Leben dir zu weihn; daß ich, als dein Eigenthum, treulich fördre deinen Ruhm, und, von deiner Huld getrieben, dich auf ewig möge lieben. B. Münter,+ 1793. Eigene Melodie. 262. Herr, ich habe mißgehandelt, ja mich drückt der Sünden Last; ich bin nicht den Weg gewandelt, den du mir gezeiget hast, und jetzt möchte ich voll Schrecken mich vor deinem Zorn verstecken. 2. Doch wie könnt' ich dir entfliehen? Du wirst allent halben sein; wollt' ich über's Meer gleich ziehen, stieg' ich in die Gruft hinein, hätt' ich Flügel gleich den Winden, dennoch würdest du mich finden. 3. Drum ich muß es nur bekennen: Uebel, Herr, hab' ich gethan, darf mich nicht dein Kind mehr nennen; ach, nimm mich zu Gnaden an. Laß die Menge meiner Sünden deinen Born nicht ganz entzünden. 4. O, daß meine Augen wären Thränenquellen Tag für Tag! D, daß ich mit heißen Zähren möcht' betrauern meine Schmach! Laß mein Weinen, laß mein Flehen steigen, Herr, zu deinen Höhen. 5. Doch, mein Heiland, deine Schmerzen, dein für mich vergossnes Blut tilgen aus die Qual im Herzen, löschen meiner Sünden Gluth; drum will ich, die Angst zu ftillen, mich in dein Erbarmen hüllen. 6. Dir will ich die Last aufbinden; wirf sie in die tiefe See; wasche mich von meinen Sünden, mach mich weißer, als der Schnee, und laß deinen Geist mich treiben, ewig, Herr, bei dir zu bleiben. 3. Frand,+ 1677. Mel. Aus tiefer Noth schrei' ich zu dir. 263. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, du Brunnquell aller Gnaden, ich komme mit gebeugtem Muth, mühselig und beladen; denn meiner Sünden großes Heer belastet mein Gewissen schwer, und beugt mich tief darnieder. Buße. 2. Erbarm' dich mein in solcher Last, nimm sie von meinem Herzen, dieweil du sie gebüßet haft am Kreuz mit Todesschmerzen; auf daß ich nicht mit großem Weh in meiner Sündenangst vergeh', noch ewiglich verzage. 3. Denk' ich der Sünden groß und klein, die ich bisher begangen, so fällt mir auf das Herz ein Stein, von Furcht bin ich umfangen; ich weiß dann weder aus noch ein, verloren müßt' ich ewig sein, wenn ich dein Wort nicht hätte. 4. Doch was dein heilsam Wort mir sagt, will ich zu Herzen nehmen; dann weicht die Angst, die mich geplagt, zur Freude wird das Grämen; denn Gnad' und Seligkeit verheißt dein Wort, wenn mit zerknirschtem Geist wir, Jesu, zu dir kommen. 207 heute, Herr, an dir auf Erden hab' gesündigt. 5. So komm' ich denn auf dein Gebot, Herr Jesu Chrift, geschritten, um dich in meiner Sündennoth herzinniglich zu bitten: Vergieb, vergieb in Gnaden mir, was ich bis 6. Ach Herr, mein Gott, vergieb mir doch um deines Namens willen; befrei mich von dem schweren Joch, der Seele Angst zu stillen, daß sich mein Herz zufrieden geb', und dir hinfort zu Ehren leb' in kindlichem Gehorsam. 7. Herr, der du mir dies Heil verleihst, durch den ich Trost gefunden, stärk mich mit deinem Freudengeist auch in den letzten Stunden und nimm mich dann, wenn dir's gefällt, im Glauben selig, von der Welt zu deinen Auserwählten. B. Ringwaldt, † 1598. mel. Wer nur den lieben Gott läßt walt en. 264. Ich armer Mensch, ich armer Sünder, steh' hier vor Gottes Angesicht. Ach Herr, mein Gott, verfahr gelinder und geh mit mir nicht in's Gericht. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 2. Wie ist mir doch so herzlich bange ob meiner großen Sündenschuld! Hilf, daß ich 208 IV. Christenlebent. wieder Gnad' erlange, und hin, die Sünd' ist dir verhabe noch mit mir Geduld. Erbarme dich, erbarme dich, Gott mein Erbarmer, über mich! geben, nur fündige hinfort nicht mehr. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Er barmer, über mich! 7. Jch zweifle nicht, ich bin erhöret, mein Geist wird von der Unruh' frei; weil sich der Trost im Herzen mchret, drum endet sich mein Angstgeschrei. Ja, du erbarmst, erbarmest dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! C. Tieße( Titius),+ 1703. 3. Ach, höre doch mein brünstig Schreien; du, ewig treues Baterherz, woll'st alle Sünde mir verzeihen und lindern meiner Seele Schmerz. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 4. Ach, groß ist meiner Seele Schade und Niemand heilet ihn, als du; drum decke du mit deiner Gnade, o Vater, meine Sünde zu. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 5. Nicht, wie ich hab' verschuldet, lohne, und handle nicht nach meiner Sünd'; o treuer Vater, schone, schone, erkenn mich wieder für dein Kind. Erbarme dich, erbarme dich, Gott, mein Erbarmer, über mich! 6. Sprich nur ein Wort, so werd' ich leben; sprich, daß ich armer Sünder hör': Geh Mel. Aus tiefer Noth schrei' ich zu dir. 265. 265. Ich will von meiner Missethat mich, Herr, zu dir bekehren. Du wolleft selber dazu Rath und Hülfe mir bescheeren und deines guten Geistes Kraft, die neue Herzen in uns schafft, aus Gnaden mir gewähren. 2. Der Mensch kann von Natur ja nicht sein Elend recht empfinden, bleibt ohne deines Geistes Licht blind, kraftlos, todt in Sünden; verkehrt ist Wille, Sinn und Thun; des großen Jammers woll'st du mun, o Vater, mich entbinden. Buße. 3. Dein Wort, Herr, klopfe bei mir an, und führe mir zu Sinnen, was Böses ich vor dir gethan; so wirst du mich gewinnen, daß sich mein Herz zur Buße kehr', und über meine Wangen her viel heiße Thränen rinnen. 4. Wie hast du doch auf mich gewandt den Reichthum deiner Gnaden; wie hat mich deine Vaterhand mit Wohlthun überladen! Du gabst Gesundheit, täglich Brot, und schirmtest mich in aller Noth, daß Nichts mir konnte schaden. 5. Du hast in Christo mich erwählt vom ewigen Verder ben, mich aus Erbarmen zu gezählt des Himmelreiches Erben; durch Leid und Freude zogst du mich; dem Rufe folgend sollte ich das Heil in dir erwerben. 6. Jch aber hab' in Sicherheit nur allzulang geschlafen; ich dachte oft: Es hat noch Zeit, Gott eilt ja nicht, zu strafen; er nimmt es wohl mit unsrer Schuld nicht gar so streng; es hat Geduld der Hirt mit seinen Schafen! 209 7. Nun bin ich aus dem Schlaf erwacht und muß mich selbst verklagen; ich fühle des Gesetzes Macht, soll seinen Bann ertragen; es regt sich wider mich zugleich des Todes und der Hölle Reich; da will das Herz verzagen. 8. Wer hielte nun die Seelennoth, die mich bedrängt, im Zügel? Und liehe mir das Morgenroth zur Flucht die schnellen Flügel, und zög' ich an das fernste Meer, spräch': Fallt, ihr Berge, auf mich her, bedecket mich, ihr Hügel! 9. Und ob zum Himmel gar empor ich fliehend wollte steigen, und ob ich durch der Hölle Thor versuchte zu entweichen; umsonst, dein Auge fände mich, den Sünder würde sicherlich dort deine Hand erreichen. 10. Nimm mich, Herr Jesu, zu dir ein, so hab' ich Heil gefunden; laß mich in dir geborgen sein bis zu den legten Stunden; du tilgtest ja, o Gottes Lamm, der Sünde Fluch am Kreuzesstamm mit deinen Todeswunden. 14 IV. Christenleben. 11. Ich will von nun an zu den Fahnen Jesu Chriſti Sünd' und Schuld mit gan- heilig schwörst. zem Ernste meiden; das sei der Dank für deine Huld, dein Lieben und dein Leiden. Steh du mit deinem Geist mir bei, erhalt in deinem Dienst mich treu, bis einst ich werde scheiden. 3. Kehre wieder, irre Seele! Deines Gottes treues Herz beut Vergebung deinem Fehle, Balsam für den Sündenschmerz. Sieh auf ihn, der voll Erbarmen dir mit aus gestreckten Armen winket von dem Kreuzesstamme; kehre wieder, fürchte nicht, daß der Gnäd'ge dich verdamme, dem das Herz vor Liebe bricht. L. Henr. Kurfürstin v. Brandenburg, † 1667. 4. Kehre wieder! Neues Leben trink in seiner Liebeshuld. Bei dem Herrn ist viel Vergeben, große Langmuth und Geduld. Faß ein Herz zu seinem Herzen; er hat Trost für alle Schmerzen, er kann alle Wunden heilen, macht von allen Flecken rein; darum kehre ohne Weilen zu ihm um und bei ihm ein. 210 Eigene Melodie. 266. Kehre wieder, kehre wieder, der du dich verloren haft; sinke reuig bittend nieder vor dem Herrn mit deiner Laft! Wie du bist, so darfst du kommen und wirst gnädig angenommen. Sieh, der Herr kommt dir entgegen, und sein heilig Wort verspricht dir Vergebung, Heil und Segen; kehre wieder, zaudre nicht. 2. Kehre aus der Welt Zerstreuung in die Einsamkeit zurück, wo in deines Sinns Er neuung deiner harrt ein neues Glück, wo sich bald die Stürme legen, die das Herz so wild bewegen, wo des heil'gen Geistes Mahnen du mit stillem Beben hörst, und von Neuem 5. Kehre wieder! Endlich kehre in der Liebe Heimath ein, in die Fülle aus der Leere, in das Wesen aus dem Schein; aus der Lüge in die Wahrheit, aus dem Dunkel in die Klarheit, aus dem Tode in das Leben, aus der Welt in's Himmel Buße. reich! Doch, was Gott dir heut will geben, nimm auch heute; tehre gleich! 6.3. Ph. Spitta,+ 1859. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen sein. 267. Kehr um, fehr um, verlorner Sohn, der du, dem Vaterhaus entflohn, der wahren Heimath abgewandt, gekommen bist in fremdes Land. 2. Der du dein Erbgut haft verzehrt, in Schmach und Schanden dich genährt, der Träber nicht kannst werden satt, und bist so hungrig und so matt! 3. Des Vaters Knechte leben wohl; sein Haus ist aller Güter voll; das Volk, das seinen Willen thut, hat's bei ihm über Maaßen gut. 4. Geh wieder heim in Reu' und Leid, vertrau auf Gottes Gütigkeit; ihm öffne wieder Herz und Mund und suche seinen Gnadenbund. 5. Sprich: Vater, sei barmherzig mir, gesündigt habe ich vor dir so viel und schwer, daß ich forthin nicht werth, dein Kind zu heißen, bin. 211 6. Doch habe nun mit mir Geduld, gedenk nicht meiner schweren Schuld; o nimm mich an für einen Knecht, zu deinem Gut hab' ich kein Recht. 7. Dein Vater hat ein neues Kleid und einen Ring für dich bereit; ein frohes Festmahl richtet er dir an bei deiner Wiederkehr. 8. Er macht dich los von aller Laft, ersetzt, was du verloren haft; dir wird dafür zu deinem Heil Chrifti Gerechtigkeit zu Theil. 9. Erkenne nur, was dir gebricht; geh heim, thu Buße, säume nicht; denn willst du warten bis zum Tod, so kommst du schwerlich aus der Noth. 10. Nimm, Vater auf dem höchsten Thron, zu Haus an den verlornen Sohn; behüte auch in Gnaden dort den Heimgekehrten fort und fort. Böhm. Brüder( M. Weiße) um 1532. Mel. Einen guten Kampf hab' ich. 268. Liebster Vater, ich, dein Kind, falle vor dir nieder. Du weißt, was wir Menschen 14* 212 IV. Christenleben. find, und erbarmst dich wieder. wenn ich, dein strauchelnd Groß ist meine Sündenschuld, Kind, noch aus Schwachheit die mich innigft reuet, größer deine Vaterhuld, die mich noch erfreuet. fehle, so gedenkst du, der du weißt, daß mein Herz dich ehret, meiner Schwachheit, und verzeihst dem, der wiederkehret. C. Tietze( Titius),+ 1703. 2. Zwar, ich bin nicht werth, zu dir kindlich aufzusehen, doch du bleibst ein Vater mir, du vernimmst mein Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen sein. Flehen, kennst mein Innres, 269. O frommer und gesiehest mich, wenn ich vor dir weine, und vergiebst mir väterlich, wenn ich's redlich meine. 3. Dies, dies soll in jedem Schmerz mein Vertraun er wecken; vor der Sünde soll mein Herz, nicht vor dir, er schrecken. Ganz vertrauen will ich dir, stets die Sünde haffen, nie vergessen, daß du mir so viel Schuld erlassen. 4. Preis sei dem Allgütigen, der mein Innres kennet, und dem Gnadesuchenden freien Zutritt gönnet! Sing es, Seele, vor dem Herrn, fleuß von Freuden über: Gott, dein Gott, verstößt nicht gern, er begnadigt lieber. 5. Ewig bist du so gefinnt, Retter meiner Seele. Auch treuer Gott, ich hab' gebrochen dein Gebot und sehr gefündigt wider dich; das ist mir leid und reuet mich. 2. Du aber haft, o gnäd' ger Gott, nicht Luft an eines Sünders Tod; dein heil'ger Wille ist vielmehr, daß Buß ich thu' und mich bekehr'. 3. Auf dies Wort, Herr, komm' ich zu dir; verbirg dein Antlig nicht vor mir, ich blick' in meiner tiefen Noth auf deines Sohnes bittern Tod. 4. Weil er, mein Heiland Jesus Christ, auch mir zu gut Mensch worden ist, so laß doch Gnad' und Gütigkeit mehr gelten als Gerechtigkeit. 5. Verschone, Herr, laß deine Huld zudecken alle meine Schuld; so werd' ich, das ver Buße. lorne Kind, befreit von aller meiner Sünd'. 6. Ich will, o Herr, nach deinem Wort mich bessern, leben fromm hinfort, damit ich einst nach dieser Zeit gelange zu der Seligkeit. Unbekannt, 1636. 213 3. Die Sünden, die mir find bewußt, durchängsten mein Gewissen, drum schlag' ich reuig an die Brust, bereit, die Schuld zu büßen. Ich bin, o Vater, nimmer werth, daß sich dein Antlig zu mir kehrt; doch weil du rufft, so bet' ich mit tiefzerknirschtem, bangem Geift, der gleichwohl dich noch Vater heißt: Gott sei mir Sünder gnädig! 4. Mein Vater, schaue Jesum an, den Heiland aller Sünder; er hat ja sterbend abgethan die Schuld der Menschenkinder. Ihm wend' ich mich im Glauben zu, bei ihm nur sind' ich Trost und Ruh; er ist ja stets gutthätig; drum fass' ich ihn und lass' ihn nicht, bis dir das Herz mitleidig bricht: Gott, sei mir Sünder gnädig! 5. Regiere du, o Herr, hinfort durch deinen Geist mein Leben; du bist mein Helfer und mein Hort, ich bleibe dir ergeben. Ach heilige mich ganz und gar, es sei mein Glaube immerdar durch wahre Liebe thätig. Mel. An Wasserflüssen Babylon. 270. OKönig, dessen Majestät weit über Alles steiget, dem Erd' und Meer zu Diensten steht, dem sich der Himmel neiget, von Anbeginn und allezeit thronst du in Macht und Herrlichkeit, erhaben, wunderthätig; ich armer Mensch vermag Nichts mehr, als daß ich rufe dir zur Ehr': Gott, sei mir Sünder gnädig! 2. Hier stehe ich, dem Zöllner gleich, von fern, mit bangen Schmerzen; o Herr, nach deinem Gnadenreich verlangt mich ja von Herzen. Doch weil ich voller Fehler bin, verkehrt im Thun, verderbt am Sinn und alles Ruhmes ledig, so schlag' ich nieder mein Gesicht vor dir, du reines Himmelslicht: Gott, sei mir Sünder gnädig! IV. Christenleben. 214 Und will's nicht fort so, wie es soll, so ruf' ich, wie mein Herz ist voll: Gott, sei mir Sünder gnädig! 6. Mein Leben und mein Sterben ruht allein auf dei ner Gnade; mir geh' es übel oder gut, hilf nur, daß mir's nicht schade. Und nahet end lich mir der Tod, so sei noch in der letzten Noth, mein Jesu, mir beiräthig, und wenn ich nicht mehr sprechen kann, so nimm den letzten Seufzer an: Gott, sei mir Sünder gnädig! v. e. Löscher, † 1749. Mel. Es ift gewißlich an der Zeit. Oder: Aus tiefer Noth schrei' ich zu dir. 271. O Mensch, ermun tre deinen Sinn! Wie lange willst du schlafen? Auf, auf, die Stunden gehn dahin, schon nahen Gottes Strafen. Vor ihm besteht der Sünder nicht, und geht er mit dir in's Gericht, wo willst du Rettung finden? nung wecket. Du freuest dich der trägen Ruh', und drückest gern die Augen zu, dem Lichte zu entweichen. 3. Gott rufet laut, du schlummerst fort; er droht dir, doch vergebens; er zeiget dir in seinem Wort die Strafe jenes Lebens, du aber merfest wenig drauf, fährst fort in deinem Sündenlauf, willst keinen Führer leiden. 4. Dein Heiland weinet über dich, du lachst in deinen Sün den; er sucht und locket dich zu sich, du läßt dich nimmer finden; er fleht, du nimmst kein Bitten an; er thut mehr, als ein Bruder kann, du spottest seiner Liebe. 5. Du siehst, wie mancher Sünder fällt, wenn Gott die Strafe sendet; doch bleibest du ein Kind der Welt, von ihrem Tand verblendet. Des Nächsten Sturz erschreckt dich nicht; du glaubst, daß Gottes Zorngericht dich niemals treffen werde. 2. Das eitle Wesen dieser Zeit hat dich mit Nacht be- 6. Gott, laß in mir nach decket, daß aus dem Schlaf deiner Huld der Gnade Licht der Sicherheit dich keine War- entbrennen, damit ich meiner Buße. Sünden Schuld recht gründlich mög' erkennen. O Jesu, Glanz der Herrlichkeit, durchleuchte meine Sicherheit, daß ich mein Elend schaue. 7. O heil'ger Geist, laß deinen Strahl durch meine Seele dringen; hilf, daß ich endlich mög' einmal den Sündenschlaf bezwingen. Gott, thu mir Herz und Augen auf, daß mich der sichre Sündenlauf nicht zur Verdammniß führe. 3. C. Wenkel, † 1723. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir. 272. O Vater der Barmherzigkeit, ich falle dir zu Fuße. Verstoß den nicht, der zu dir schreit und thut noch endlich Buße. Was ich begangen wider dich, verzeih mir Alles gnädiglich durch deine große Güte. 2. Durch deiner Allmacht Wunderthat nimm von mir, was mich quälet; durch deine Weisheit schaffe Rath, an dem es sonst mir fehlet. Gieb Willen, Mittel, Kraft und Stärk, daß ich mit dir stets all' mein Werk anfange und vollende. 215 3. D Jesu Christe, der du haft am Kreuze für mich Armen getragen aller Sünden Last, du woll'st dich mein erbarmen. Du wahrer Gott und Menschensohn erbarm dich meiner und verschon, hör an mein kläglich Rufen. 4. Laß deiner Wunden theures Blut, dein Leiden und dein Sterben mir kommen kräftiglich zu gut, daß ich Den nicht muß verderben. Vater bitte, daß er mir nicht zürnend lohne nach Gebühr, wie ich es hab' verschuldet. 5. O heil'ger Geist, du wahres Licht, Regierer der Gedanken, wenn mich die Sündenlust ansicht, laß mich von dir nicht wanken. Verleih, daß nun und nimmermehr Begier nach Wollust, Geld und Ehr' in meinem Herzen herrsche. 6. Und wenn mein Stündlein nahe ist, so hilf mir treulich kämpfen, des bösen Feindes Macht und List mit Christi Waffen dämpfen, auf daß mir Krankheit, Angst und Noth, und dann der letzte IV. Christenleben. Feind, der Tod, nur sei die in seinem bösen Sinn, und Thür zum Leben. seiner Seele selbst nicht schont, dem wird einst nach Verdienst gelohnt. D. Denice,+ 1680. 5. Gnad' hat dir zugesaget Gott durch Jesu Christi Blut und Tod; doch sagen hat er nicht gewollt, ob du bis morgen leben soll't. Daß du mußt sterben, ist dir kund, verborgen aber Zeit und Stund'. 6. Heut lebst du, heut bekehre dich; eh' morgen kommt, kann's ändern sich. Wer heut ist frisch, gesund und roth, ist morgen krank, ja wohl gar todt. So du nun ohne Buße stirbst, mit Leib und Seel' du dort verdirbſt. 7. Hilf, o Herr Jesu, hilf du mir, daß ich noch heute komm' zu dir und Buße thue unverweilt, eh' mich ein schneller Tod ereilt; auf daß ich heut und jederzeit zu meiner Heimfahrt sei bereit. 3. Heermann, † 1647. 216 Mel. Vater unser im Himmelreich. 273. So wahr ich lebe, spricht dein Gott, mir ist nicht lich des Sünders Tod; mein Wunsch und Wille ist vielmehr, daß er von Sünden sich bekehr', daß er rechtschaffen beffre sich, und lebe mit mir ewiglich. 2. Dies Wort bedenk, o Menschenkind, verzweifle nicht in deiner Sünd'; hier find'st du Trost und Heil und Gnad', die Gott dir zugesaget hat. Oselig, dem die Sünd' ist leid, und der zu ihm im Glauben schreit. 3. Doch hüte dich vor Sicherheit; denk nicht: Zur Buß' ist wohl noch Zeit, ich will mich erst des Lebens freun, und werd' ich defsen müde sein, alsdann bekehren will ich mich, und Gott erbarmt wohl meiner sich. 4. Wahr ist es, Gott ist stets bereit dem Sünder mit Barmherzigkeit; doch wer auf Gnade sündigt hin, fortfährt Eigene Melodie. 274. Straf mich nicht in deinem Zorn, großer Gott, Buße. verschone! Thu mir auf der Gnade Born, Vater, in dem Sohne, der für mich liebend sich in den Tod gegeben, daß ich möchte leben. 2. Zeig mir deine Vater huld, stärke mich, den Schwachen, den die Schrecken seiner Schuld tief erbeben machen. Gieb mir du Trost und Ruh', heile bald in Gnaden meiner Seele Schaden. 217. 6. Weicht von mir, ihr Feinde, weit! Gott erhört mein Beten. Ja, ich darf mit Freudigkeit vor sein Antlig treten; denn er hat voller Gnad' Alles, was mich schrecket, nunmehr zugedecket. 7. Vater, dir im Himmels thron will ich dankbar singen; dir auch, Jesu, Gottes Sohn, soll mein Lob erklingen. Heilger Geist, sei gepreist! Nun in Gottes Namen sprech' ich fröhlich Amen. 3. G. Albinus,+ 1679. 3. Herr, wer denkt im Tode dein, wer mag dich erheben, wenn er in der Hölle Pein ist dahin gegeben? Führ mich so, daß ich froh einst an jenem Tage Lob und Dank dir sage. 4. Siehe, mein Gebein er starrt vor verdienten Schmerzen. Lange hab ich dein geharrt mit verzagtem Herzen, Tag und Nacht hingebracht unter bangem Sehnen, unter bittern Thränen. 5. Ach, ich wandle lebensmatt; müde und zerschlagen, bin ich schier des Seufzens satt, wenn ich dir will klaren, wie so lang, wie so bang meine kranke Seele sich in Schwermuth quäle. Mel. Jesu, der du meine Seele. 2 275. Vater, heilig möcht ich leben, Rechtthun wäre meine Lust; aber Lüfte widerstreben dem Geseß in meiner Brust. Ach, mein Herz ist mir verdächtig, selten bin ich meiner mächtig; hart drückt mich der Sünde Joch; was ich nicht will, thu' ich doch. 2. Ach, ich kann's nicht weiter bringen, meinem Vorsaß trau' ich nicht; lockende Begierden dringen zwischen mich und meine Pflicht. Selbst den heil'gen Andachtsstunden, IV. Christenleben. 218 wo ich, Vater, dich empfunden, und von Treu' und Liebe sprach, folgten Sündenstunden nach. 3. Tausendmal hab' ich mit Schmerzen meinen Fall vor dir beklagt, weinend dir von ganzem Herzen meine Bessrung zugesagt; tief schlug meine Schuld mich nieder; aber dann vergaß ich wieder meine Reue, Herr, und dich; ach, mein Fleisch besiegte mich. 4. Nichts mehr darf ich dir versprechen. Meint' ich's auch so redlich noch, mein Gelübde nie zu brechen, ich vergäß' und bräch' es doch. Nein, zu oft hab' ich's erfahren, was Gelübd' und Thränen waren; plößlich, eh' ich mich's versah, war die Sünde wie der da. 5. Nun, ich weiß nichts anzufangen, als in tiefer Demuth dir brünstig flehend anzuhangen: Tödte du die Sünd' in mir; reiß die Wurzel meiner Schmerzen, reiß die Sünd' aus meinem Herzen. Tief im Staube bitt ich dich: Reinige du selber mich. 6. Vater, du, du kannst mich retten, wenn mich Niemand retten kann. Beten will ich, brünstig beten; schau mich mit Erbarmen an! Laß mir nichts die Hoffnung rau ben, unterstüße meinen Glauben, meinen Eifer im Gebet, das um Nichts, als Gnade, fleht. 7. Jesu Christ, o schaut mein Schmachten, höre mich), o Seelenfreund; solltest du ein Herz verachten, das nach deinem Geiste weint? Dich will ich im Glauben fassen. Willst du mich verderben lassen? Treuer Heiland, nein, mein Flehn kannst du länger nicht verschmähn. 8. Opfertest dein reiches Leben, Heiland, du für Alle nicht? Wolltest du nicht Allen geben deines Geistes Trost und Licht? Ja, ich glaub' an dein Versprechen, und kein Zweifel soll mich schwächen. Gieb mir, was dein Wort verheißt, gieb mir, Jeſu, deinen Geist. 9. Komm herab, du Geist des Lebens, heil'ger Gottes Buße. geist, zu mir. Oder ist mein Flehn vergebens? Dringt mein Schreien nicht zu dir? Soll ich denn nicht neugebo, ren, soll ich ewig denn verloren, ewig Sclav der Sünde sein, soll verschmachten mein Gebein? 10. Nein, du kannst mich nicht verstoßen; Wahrheit ist es, was du lehrst. Fest ist nun mein Herz entschlossen, fortzuflehen, bis du hörst. Nein, ich will von dir nicht wanken; wer dir glaubt, der wird dir danken. Herr, ich ruh' und schweige nicht, bis dein Geist mir Muth einspricht. 3. C. Lavater,+ 1801. 219 um mich; wie strebt mein Herz mit Beben nach Licht und Trost, und ängstet sich; doch fruchtlos ist sein Streben. Der Sünden täglich neuer Streit, die Bürde meiner Sterblichkeit beugt in den Staub mich nieder. Mel. Aus tiefer Noth schrei' ich zu dir. 276. Wie ist mein Herz so fern von dir, du Urquell alles Lebens! Mein Geist bekümmert sich in mir, sucht Ruh', und sucht vergebens. Verlaß mich, Gott, mein Vater, nicht, verbirg mir nicht dein Angesicht, du, aller Geister Wonne. 2. Ringsum ist Finsterniß 3. Ich bin zu schwach, aus eigner Macht zu dir mich aufzuschwingen; zu schwach, durch diese dunkle Nacht der Anfechtung zu dringen. Wirst du nicht meine Stärke sein, wo find' ich Trost? Zu dir allein, o Gott, steht meint Vertrauen. 4. Mit starkem Glauben an dein Wort will ich dich mächtig fassen; ich will von dir, mein Fels, mein Hort, nicht wanken, dich nicht lassen. Wie viel auch meiner Fehler sind, bin ich durch Jesumt doch dein Kind, du mein versöhnter Vater. 5. Wohl mir! So fürcht' ich keinen Streit; du kannst mich siegħhaft machen; du giebst dem Bangen Freudigkeit und Muth und Kraft dem Schwachen. Du Gott, bist meiner Seele Licht; 220 IV. Christenleben. hab' ich nur dich, so frag' ich nicht nach Himmel und nach Erde. G. B. Funk, t 1814. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 277. Wir liegen hier zu deinen Füßen, du Herr und Richter aller Welt, um unsre Missethat zu büßen, die uns dein Wort vor Augen stellt; ach, unsrer Sünden Maaß ist voll; weh uns, wenn Recht ergehen soll. 2. Du bist gerecht, und wir find Sünder; wie wollen wir vor dir bestehn, wir undankbare, arge Kinder, die nicht auf deinen Wegen gehn? Verbirgst du deinen Gnadenschein, so müssen wir verloren sein. 3. Doch, Vater, denk an Deinen Namen, gedenk an deinen lieben Sohn. Dein Wort ist ewig Ja und Amen, du läsfest nimmermehr davon; du willst den Tod des Sünders nicht, drum geh nicht mit uns in's Gericht. 4. Wir liegen hier vor dir im Staube, gebeugt und mit zerknirschtem Geist; uns hält und stärkt allein der Glaube, daß du noch der Erbarmer seist. Ach, hast du noch ein Vaterherz, so siehe doch auf unsern Schmerz. 5. Das theure Blut von deinem Sohne schreit für uns um Barmherzigkeit; schau doch von deinem Gnadenthrone, und denke noch der alten Zeit, da du auch Gnade haft gezeigt, dein Herz den Sündern zugeneigt. 6. Ach, laß die wohlverdiente Strafe nicht über unsre Häupter gehn, daß wir nicht als verlorne Schafe von deiner Hut verlassen stehn. Ach, sammle uns in deinen Schooß und mach uns aller Plagen los. 7. In Sünden, Herr, laß uns nicht sterben, vorübergehn laß das Gericht und thue Einhalt dem Verderben, auch sende schwere Zeiten nicht, da man dein Wort uns theuer macht, und unser Herz dabei verschmacht't. 8. Gieb Frieden, Herr, durch alle Lande, gesunde Luft und gute Zeit; gieb Heil und Segen jedem Stande und fördre die Gerechtigkeit; krön unser Feld mit deinem Gut, nimm Kirch' und Haus in deine Hut. Glaube. 9. So wollen wir dir Opfer bringen, mit Seel' und Leib dein eigen sein; so soll dein Lob gen Himmel dringen, und alle Herzen stimmen ein: Der Herr hat sich zu uns gekehrt und gnädiglich sein Volk erhört. B. Schmold, † 1737. Mel. Auf meinen lieben Gott. 278. Wo soll ich fliehen hin, weil ich beschweret bin mit viel und großen Sünden? Wo kann ich Rettung finden? Wenn alle Welt herkäme, die Angst sie mir nicht nähme. 2. D Jesu voller Gnad', nach deinem Wort und Rath komm' ich zu deiner Güte mit trauerndem Gemüthe. Laß du auf mein Gewissen ein Tröpflein Gnade fließen. 3. Du bist's, der nicht verstößt, weil du mich haft erlöst. Was ich gefündigt habe, verschließt dein Tod im Grabe; Me 1. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 279. Aus Gnaden soll ich selig werden; Herz, glaubst 221 du willst zum neuen Leben Gerechtigkeit mir geben. 4. Ist meine Schuld auch groß, du machst von ihr mich los, wenn ich dein Kreuz umfasse und mich auf dich verlasse; denn alle Angst entschwindet dem, der zu dir sich findet. b. Glaube. 5. Zwar steh' ich arm vor dir, doch was ich wünsche mir. ist Alles mir zu gute erkauft mit deinem Blute, damit ich überwinde Tod, Teufel, Höll und Sünde. 6. Darum allein auf dich.. Herr Christ, verlass' ich mich. Nun kann ich nicht verderben; dein Reich muß ich ererben, denn du hast mir's erworben. da du für mich gestorben. 7. O, führe Herz und Sinn durch deinen Geist dahin, daß ich mög' Alles meiden, was mich und dich kann scheiden, und ich an deinem Leibe ein. Glied auf ewig bleibe. 3. Heermann,+ 1647. du's, oder glaubst du's nicht? Was willst du dich so blöd geberden? Ist's Wahrheit, 222 IV. Christenleben. was die Schrift verspricht, so alle Knechte Jesu schreiben, muß auch dieses Wahrheit sein: Aus Gnaden ist der Himmel dein. was Gott in seinem Wort anpreist, worauf all' unser Glaube ruht, ist Gnade durch des Lammes Blut. 2. Aus Gnaden! Hier gilt kein Verdienen, die eignen Werke fallen hin. Gott, der aus Lieb' im Fleisch erschienen, hat diese Ehre zum Gewinn, daß uns sein Tod das Heil gebracht und uns aus Gnaden selig macht. 6. Aus Gnaden! Doch, du fichrer Sünder, denk nicht: wohlan, ich greife zu. Wahr ist's, Gott ruft verlorne Kinder aus Gnaden zur verheißnen Ruh'; doch, wer auf Gnade sünd'gen kann, den nimmt er nicht zu Gnaden an. 3. Aus Gnaden! Merk dies Wort: aus Gnaden, so hart dich deine Sünde plagt, so schwer du immer bist beladen, so oft dich dein Gewissen nagt; was die Vernunft nicht fassen kann, das beut dir Gott aus Gnaden an. 4. Aus Gnaden kam sein Sohn auf Erden und übernahm die Sündenlast. Was nöthigt ihn, dein Freund zu werden? Sprich, weß du dich zu rühmen haft? Gab er sich nicht zum Opfer dar und nahm dein Heil in Gnaden wahr? 5. Aus Gnaden! Dieser Grund wird bleiben, so lange Gott wahrhaftig heißt. Was 7. Aus Gnaden! Wer dies Wort gehöret, tret' ab von aller Heuchelei; denn wenn der Sünder sich bekehret, so lernt er erst, was Gnade sei. Beim Sünd'gen scheint die Gnad' gering, dem Glauben ist's ein Wunderding. 8. Aus Gnaden bleibt dem blöden Herzen das Herz des Vaters aufgethan, wenn's un ter den Verzweiflungsschmerzen Nichts sieht und Nichts mehr hoffen kann. Wo nähm' ich oftmals Stärkung her, wenn Gnade nicht mein Anker wär'? 9. Aus Gnaden! Hierauf will ich sterben. Ich glaube, darum ist mir wohl. Ich Glaube. kenn' mein sündliches Ver derben, doch auch den, der mich heilen soll. Mein Geist ist froh, mein Herze lacht, weil mich die Gnade selig macht. Chr. L. Scheidt,+ 1761. Mel. Mach's mit mir, Gott, nach deiner zc. 280. Das ist ein theuer werthes Wort, ein Wort, sehr lieb zu hören, daß Jesus ist der Sünder Hort, und will die Armen lehren. Das ist ein theuerwerthes Wort, daß Jesus ist der Sünder Hort. 2. Mein Jesus nimmt die Kranken an und heilet allen Schaden; er kommt als Gast zu Jedermann, der ihn zu fich geladen. Das ist ein theuerwerthes Wort, daß Je fus ist der Sünder Hort. 3. Mein Jesus ist ein treuer Hirt, zu unserm Heil erkoren; er holt zurück, was sich verirrt, und suchet, was verloren. Das ist ein theuer werthes Wort, daß Jesus ist der Sünder Hort. 4. Lob sei dir, Jesu, Gottes Sohn, du Tilger unsrer Sünden, du Lamm, vor dessen 223 Gnadenthron Vergebung ist zu finden. Das ist ein theuerwerthes Wort, daß Jesus ist der Sünder Hort. 5. Ach, gieb mir, daß ich diese Gnad' und meine Sünd' erkenne; daß ich, mein Hirte, früh und spat nach dir voll Liebe brenne. Erfüll an mir das werthe Wort, daß Jeſus ist der Sünder Hort. H. G. Neuß,+ 1716. Mel. Mein Herzens- Jesu, meine Lust. 281. Der Glaub' ist eine Zuversicht zu Gottes Gnad' und Güte; der bloße Beifall thut es nicht, es muß Herz und Gemüthe durchaus zu Gott gerichtet sein und gründen sich auf ihn allein ohn' Wankelmuth und Zweifel. 2. Wer sein Herz also stärkt, wer fest auf Jesum Christum trauet, sich auf des Herrn Verdienst verläßt, auf eigne Kraft nicht bauet, der hat des Glaubens rechte Art, und kann zu seiner Todesfahrt sich schicken ohne Grauen. 3. Dies aber ist kein Menschenwerk, Gott muß es uns 224 IV. Christenleben. gewähren; drum bitte, daß des Glaubens Stärk' in dir er wolle mehren. Laß aber auch des Glaubens Schein, die guten Werke, an dir sein, sonst ist dein Glaube eitel. 4. Es ist ein trüglich böser Wahn, des Glaubens sich zu rühmen und doch zu gehn der Sünder Bahn, die Christen nie kann ziemen. Wer das thut, der soll wissen frei: sein Glaube ist nur Heuchelei und wird zur Höll' ihn führen. 5. Drum laß dir's sein, du frommer Christ, aufrichtig angelegen, daß du dich hältst zu jeder Frist mit Ernst in Gottes Wegen; daß sich dein Glaube recht und wahr vor Gott, dem Herren, stelle dar, und vor dem Nächsten leuchte. 3. H. Schrader, † 1737. Mel. Jesu, der du meine Seele. 282. Du sollst glauben, und du, Armer, giebst dich bangen Zweifeln hin? Du sollft beten zum Erbarmer, und dir fehlt der Kindessinn? Kindlich mußt du hier vertrauen, dort wirst du den Ausgang schauen. Jesu Ausgang ward erst klar, als er auferstanden war. 2. Glaube giebt der Andacht Flügel, Glaube hebt zu Gott empor, Glaube bricht des Grabes Riegel, selbst der Ewigkeiten Thor; Glaube geht durch Flamm' und Fluthen, ließ die Zeugen Jesu bluten, und sie überwanden weit, sicher ihrer Seligkeit. 3. Glaube hilft die Welt besiegen, macht die schwerste Prüfung leicht; Alles muß ihm unterliegen, selbst die Macht der Sünde weicht. Ob du schon im Kampf erlagest und nun an dir selbst verzagest, kämpfe stärker, kämpfe fort, denn der Herr ist Schuß und Hort. 4. Willst du im Vertraun ermüden, wenn die Hülfe noch verzieht? Stehe fest in Got tes Frieden, der die rechte Zeit ersieht. Den hat Täuschung nie betroffen, der gehorsam blieb im Hoffen. Glaube fest; der Alles schafft, giebt dir auch, zu glauben, Kraft. Glaube. 5. Hast du nicht schon oft erfahren, wie er dir zur Seite stand? Hast du nicht des Wunderbaren Wunderausgang oft erkannt? Mußt du denn ihn immer sehen, ganz des Ew'gen Rath verstehen? Selig, selig, die nicht sehn, und doch fest im Glauben stehn! R. G. Reiber, † 1790. Eigene Melodie. 283. Es ist das Heil uns war angeboren. kommen her von Gnad' und lauter Güte; die Werke helfen nimmermehr, sie mögen nicht behüten. Der Glaub' sieht Jesum Christum an, der hat g'nug für uns All' gethan, er ist der Mittler worden. 2. Was Gott im G'fez geboten hat, da man es nicht konnt' halten, erhob sich Zorn und große Noth vor Gott so mannigfalten; vom Fleisch wollt' nicht heraus der Geist, vom G'setz erfordert allermeist; es war mit uns verloren. 225 seinem Willen leben; so ist es nur ein Spiegel zart, der uns zeigt an die sünd'ge Art, in unserm Fleisch verborgen. 4. Nicht möglich war's, dieselb'ge Art aus eignen Kräften lassen; wiewohl es oft versuchet ward, doch mehrt sich Sünd' ohn' Maaßen. Denn Gleißners Werk Gott hoch verdammt, und jedem Fleisch der Sünden Schand' allzeit 3. Es war ein falscher Wahn dabei, Gott hätt' sein G'seg drum geben, als ob wir möchten selber frei nach 5. Noch mußt' das G'seßz erfüllet sein, sonst wär'n wir All' verdorben; drum schickt Gott seinen Sohn herein, der selber Mensch ist worden; das ganze G'seß hat er erfüllt, damit sein's Vaters Zorn gestillt, der über uns ging Alle. 6. Und wenn es nun erfüllet ist durch den, der es konnt' halten, so lerne jetzt ein frommer Christ des Glaubens recht' Gestalten. Nicht mehr denn: Lieber Herre mein, dein Tod wird mir das Leben sein, du hast für mich bezahlet. 7. Daran ich keinen Zweifel 15 IV. Christenleben. 226 trag', dein Wort kann nicht betrügen. Nun sagst du, daß kein Mensch verzag', das wirst du nimmer lügen: Wer glaubt an mich und wird getauft, demselben ist der Himm'l er kauft, daß er nicht werd' verloren. 8. Er ist gerecht vor Gott allein, der diesen Glauben fesselt; der Glaub' giebt von ihm aus den Schein, so er die Werk nicht läffet. Mit Gott der Glaub' ist wohl daran, dem Nächsten wird die Lieb' Gut's thun, bist du aus Gott geboren. 9. Es wird die Sünd' durch's G'seß erkannt und schlägt das G'wissen nieder; das Evangelium kommt zu Hand und stärkt den Sünder wieder; es spricht: Nur kreuch zum Kreuz herzu, im G'seß ist weder Raft noch Ruh' mit allen seinen Werken. 10. Die Werk die kommen g'wißlich her aus einem rechten Glauben; wenn das nicht rechter Glaube wär', wollt'st ihn der Werk' berauben. Doch macht allein der Glaub' ge recht, die Werke sind des Nächsten Knecht', dabei wir'n Glauben merken. 11. Die Hoffnung wart't der rechten Zeit, was Gottes Wort zusage; wann das geschehen soll zur Freud', seht Gott kein' g'wisse Tage. Er weiß wohl, wann's am Besten ist, und braucht an uns kein' arge List; deß soll'n wir ihm vertrauen. 12. Ob sich's anliefs', als wollt' er nicht, laß dich es nicht erschrecken; denn wo er ist am Besten mit, da will er's nicht entdecken. Sein Wort laß dir gewisser sein, und ob dein Fleisch spräch' lauter Nein, so laß doch dir nicht grauen. 13. Sei Lob und Ehr' mit hohem Preis um dieser Gut that willen Gott Vater, Sohn und heil'gem Geist; der woll' mit Gnad' erfüllen, was er in uns begonnen hat zu Ehren seiner Majestät, daß heilig werd' sein Narie! 14. Sein Reich zukomm', sein Will' auf Erd' g'scheh, wie im Himmelsthrone; das Glaube. täglich Brod noch heut uns werd'; wohl unsrer Schuld verschone, als wir auch unsern Schuldnern thun; laß uns nicht in Versuchung stehn; lös uns vom Uebel. Amen! P. Speratus,+ 1554, Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 284. Ich bin ein Mensch von Gottes Gnaden; o theures Wort, das mich ergößt! Ein Mensch, mit Sünden zwar beladen, und doch vor Gott so hoch geschäßt, daß er in seiner Gnade steht, die über alle Würden geht. 2. Ich bin ein Christ von Gottes Gnaden; in Christo hab' ich diesen Ruhm. Was will mir Welt und Teufel schaden? Ich bleibe Gottes Eigenthum. Durch diese Gnade nur allein kann ich gerecht und selig sein. 3. Ich bin ein Kind von Gottes Gnaden, drum schweigt, ihr Kinder dieser Welt! Bin ich gleich hier mit Kreuz beladen, so wißt, daß Gott es also hält: Die Kinder, die in Gnaden stehn, die müssen hier in Thränen gehn. 227 4. So bin und bleib' ich hier auf Erden von Gottes Gnaden, was ich bin; aus Gnaden wird Gnaden wird mir droben werden ein unaussprechlicher Gewinn. Drum soll mir Nichts erfreulich sein, als Gnade, Gnade nur allein. B. Schmold,+ 1737. Mel. Ach sagt mir Nichts von Gold ze. 285. Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält. Wo anders, als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt, der Grund, der unbeweglich steht, wenn Erd' und Himmel untergeht. 2. Es ist das ewige Erbarmen, das alles Denken übersteigt, daß der mit offnen Liebesarmen sich gnädig zu dem Sünder neigt, dem stets das Herz mitleidig bricht, wir kommen oder kommen nicht. 3. Wir sollen nicht verloren werden; Gott will, uns soll geholfen sein. Deßwegen kam sein Sohn auf Erden und nahm hernach den Himmel ein; deßwegen klopft er 15* IV. Christenleben. 228 für und für so stark an unsers Herzens Thür. 4. O Abgrund, welcher alle Sünden durch Christi Tod verschlungen hat! Das heißt die Wunden recht verbinden; nun findet kein Verdammen statt, weil Christi Blut beständig schreit: Barmherzigkeit! Barmherzigkeit! 5. Darein will ich mich gläubig senken, dem will ich mich getroft vertraun, und wenn mich meine Sünden kränken, nach Gottes VaterHerzen schaun; da findet sich zu aller Zeit unendliche Barmherzigkeit. 6. Wird alles Andre weg gerissen, was Leib und Seel' erquicken kann, darf ich von keinem Troste wissen, erschein' ich völlig ausgethan, ist die Errettung noch so weit, mir bleibet doch Barmherzigkeit. 7. Es gehe mir nach dessen Willen, bei dem so viel Erbarmen ist. Er wolle selbst das Herz mir stillen, damit es dies nur nicht vergißt. So steh' ich fest in Bieb' und Leid; mich hält des Herrn Barmherzigkeit. 8. Bei diesem Grunde will ich bleiben, so lange mich die Erde trägt; das will ich denken, thun und treiben, ſo lange sich mein Herze regt. So sing' ich einst in Ewigkeit: O Abgrund der Barmherzigkeit! 3. A. Rothe, † 1758. Mel. Jejum lieb' ich ewiglich. 286. Jesus nimmt die Sünder an; saget doch dies Troftwort Allen, welche von der rechten Bahn auf verkehrten Weg verfallen. Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an. 2. Keiner Gnade sind wir werth, dennoch hat in seinem Worte er sie reichlich uns gewährt; sehet nur, die Gnadenpforte ist hier Allen aufgethan: Jesus nimmt die Sünder an. 3. Wenn ein Schaf verloren ist, suchet es ein treuer Hirte. Jesus, der uns nie vergißt, suchet treulich das Verirrte, daß es nicht verderben kann. Jesus nimmt die Sünder an. Glaube. 4. Kommet Alle, kommet her, kommet, ihr betrübten Sünder; Jesus rufet euch, ja er macht aus Sündern Gottes Kinder. Glaubt es doch und denkt daran: Jesus nimmt die Sünder an. 5. Jch Betrübter komme hier und bekenne meine Sünden; laß, mein Heiland, mich bei dir Gnade und Vergebung finden, daß dies Wort mich trösten kann: Jesus nimmt die Sünder an. 6. Nun hab' ich getrosten Muth, will mein Herz mich gleich verdammen; dein für mich vergoßnes Blut löscht in mir der Hölle Flammen, daß ich gläubig sprechen kann: Jefus nimmt die Sünder an. 7. Jesus nimmt die Sünder an; mich auch hat er angenommen, mir den Himmel aufgethan, daß ich selig zu ihm kommen und auf den Troft sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an. E. Neumeister,+ 1756, 229 so trete gleich Alles wider mich; so oft ich ruf und bete, weicht Alles hinter sich. Hab' ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir thun der Feinde und Widersacher Rott'? 2. Nun weiß und glaub' ich's feste, ich rühm's auch ohne Scheu, daß Gott, der Höchst' und Beste, mein Freund und Vater sei, und daß in allen Fällen er mir zur Rechten steh' und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh. 3. Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und sein Blnt; das machet, daß ich finde das ew'ge wahre Gut. An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd'; was Christus mir gegeben, das ist der Liebe werth. 4. Er, er ist meine Ehre, mein Ruhm und helles Licht; wenn er in mir nicht wäre, hätt' ich den Frieden nicht. In ihm kann ich mich freuen und habe guten Muth, darf das Gericht nicht scheuen, wie Mel. Balet will ich dir geben. 287. Jst Gott für mich, sonst ein Sünder thut. 230 IV 5. Nichts, Nichts kann mich verdammen, Nichts nimmt mir meinen Muth; der Hölle Feuerflammen löscht des Erlösers Blut, daß mich kein Urtheil schrecket, kein Unheil mich betrübt, weil mich mit Flügeln decket mein Jesus, der mich liebt. Christenleben. . 6. Sein Geist wohnt mir im Herzen, regieret meinen Sinn, vertreibt mir Sorg' und Schmerzen, nimmt allen Kummer hin, giebt Segen und Gedeihen dem, was er in mir schafft, hilft mir das Abba schreien aus aller meiner Kraft. 7. Sein Geist spricht meinem Geiste manch' süßes Trostwort zu, wie Gott dem Hülfe leiste, der bei ihm suchet Ruh', und wie er hab'erbauet, ein' edle, neue Stadt, wo Herz und Auge schauet, was es geglaubet hat. 8. Da ist mein Theil und Erbe mir prächtig zugericht't; wenn ich gleich fall' und sterbe, fällt doch mein Himmel nicht. Verseufz' ich auch hienieden mit Thränen meine Zeit, mein Jesus und sein Frieden durchfüßet alles Leid. 9. Kein Engel, keine Freuden, kein Thron, kein' Herrlichkeit, kein Lieben und kein Leiden, kein' Angst, kein Herzeleid, was man nur kann erdenken, es sei klein oder groß, der Keines soll mich lenken aus deinem Arm und Schooß. 10. Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein, ist voller Freud' und Singen, sieht lauter Sonnenschein. Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesu Christ; das, was mich fröhlich machet, ist, was im Himmel ist. p. Gerhard, † 1676. Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort. 288. Mein Glaub' ist meines Lebens Ruh' und führt mich deinem Himmel zu, o du, an den ich glaube. Verleih mir, Herr, Bestän digkeit, daß diesem Troft in allem Leid Nichts meiner Seele raube. Tief präg es meinem Herzen ein, welch' Heil es ist, ein Christ zu sein. 2. Du haft dem sterblichen Geschlecht zur sel'gen Ewigkeit Glaube. 231 ein Recht durch deinen Tod dir verdank' ich meine Ruh', erworben. Zum Staube kehrt du heilest meine Wunden zu, zurück der Staub; mein Geist du stillest mein Gewissen; wird nicht des Todes Raub; und fall' ich noch in meinem du bist für mich gestorben. Lauf, so richtest du mich Mir, der ich dein Erlöster wieder auf. bin, ist dieses Leibes Tod Gewinn. 6. Gelobt sei Gott! Ich bin ein Chrift, und seine Gnad' und Wahrheit iſt an mir auch nicht vergebens. Sein Wort hilft mir zur Heiligung, die Gnade wirkt Erneuerung des Herzens und des Lebens. Gott ist's, der durch des Geistes Kraft den neuen Menschen in mir schafft. 7. Dank sei dir, Vater, Dank und Ruhm, daß mich dein Evangelium lehrt glauben, hoffen, lieben! Es macht mich ruhig, es erfreut, und führt mich einst zur Seligkeit; drum will ich's treulich üben. Hier rühm' ich meines Glaubens mich, für ihn preis' ich dort ewiglich! B. Münter,+ 1793 3. Ich bin erlöst und bin ein Chrift; mein Herz ist ruhig und vergißt die Schmerzen dieses Lebens. Ich dulde, was ich dulden soll, und bin des hohen Trostes voll: ich leide nicht vergebens. Gott selber mißt mein Theil mir zu, hier kurzen Schmerz, dort ew'ge Ruh'. 4. Was seid ihr Leiden dieser Zeit, wenn ich auf jene Herrlichkeit mit froher Hoffnung schaue! Bald ruft mein Herr und Heiland mich, und er belohnt mich ewiglich, weil ich ihm hier vertraue; bald, bald verschwindet aller Schmerz, und Himmelsfreuden schmeckt mein Herz. 5. Der du den Tod für mich bezwangst, du haft mich, Mittler, aus der Angst, in der ich lag, geriffen. Dir, Eigene Melodie. 289. Mein Heiland nimmt die Sünder an, die unter ihrer Last der Sünden kein 232 IV. Christenlebent. Mensch, kein Engel trösten kann, die nirgends Ruh' und Rettung finden. Wenn das Gesetz in ihrer Noth Tod und Verdammniß ihnen droht, wenn über sie der Stab gebrochen, wenn sie der Hölle zugesprochen, wird diese Freistatt aufgethan: Mein Heiland nimmt die Sünder an. 2. Sein überschwänglich liebend Herz trieb ihn von seinem Thron auf Erden; ihn drang der Sünder Weh und Schmerz, an ihrer Statt ein Fluch zu werden; er senkte sich in ihre Noth und litt für sie den bittern Tod. Nun, da er hat sein eignes Leben, sie zu versöhnen, hingegeben, und für die Welt genug gethan, so heißt's: Er nimmt die Sünder an. 3. Nun nimmt er auf in seinen Schooß die bangen und verzagten Seelen; er spricht sie von dem Uebel los und endigt bald ihr ängstlich Quälen. Es wird ihr ganzes Sündenheer in's unergründlich tiefe Meer der ew'gen Gnade eingesenket; der Geist, der ihnen wird geschenket, schwingt über sie die Gnadenfahn'. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 4. So bringt er sie dem Vater hin, trägt sie in seinen treuen Armen; das neiget dann den Vatersinn zu ewigwährendem Erbarmen. Er nimmt sie an an Kindesstatt, und Alles, was er ist und hat, wird ihnen eigen übergeben; die Pforte zu dem ew'gen Leben wird ihnen fröhlich aufgethan. Mein Hei land nimmt die Sünder an. 5. O, solltest du in's Herz ihm sehn, wie sich's nach allen Sündern sehnet, ob sie noch in der Frre gehn, ob reuvoll schon ihr Auge thränet! Er streckt die Hand nach Zöllnern aus und eilt in des 3Zachäus Haus; den reuevollen Magdalenen stillt er so mild die bittern Thräner gedenkt nicht, was sie sonst gethan. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 6. Wie freundlich blickt er Petrum an, ob dessen Fall ihn tief betrübet; seht, wie er Glaube. Feinde lieben kann, da seinen Mördern er vergiebet; wie huldvoll macht am Kreuz sein Mund dem Schächer Gnad' und Leben kund; obgleich die Jünger ihn verlassen, eilt er, sie liebend zu umfassen; sie dürfen dem Erstandnen nahn. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 7. Und dies hat er nicht nur gethan, da man ihn sah auf Erden wallen; noch jetzt nimmt er die Sünder an und läßt sein Gnadenwort er schallen; denn ewig bleibet er sich gleich, an Liebe, Treu' und Gnade reich; wie vormals unter Schmach und Leiden, so ist er auf dem Thron der Freuden den Sündern liebreich zugethan. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 8. So komme mit gebeugtem Geist, wen seine Sünde tief betrübet, zu ihm, der Keinen von sich weist, und der zerschlagne Herzen liebet! Wie? willst du nicht dein Heil verstehn, muthwillig doch verloren gehn? Willst du der Sünde doch noch dienen, nach233 dem der Retter dir erschienen? D nein, verlaß die Sündenbahn! Mein Heiland nimmt die Sünder an. 9. Komm nur mühselig und gebückt, komm nur, so gut du weißt, zu kommen; wenn auch die Last dich niederdrückt, du wirst doch gnädig angenommen. Sieh, wie sein Herz dir offen steht, und wie er dir entgegengeht. Wie hat er dich gelockt mit Flehen, wie lang sich nach dir umgeſehen! So komm denn, Sünder, komm heran! Mein Heiland nimmt die Sünder an. 10. Sprich nicht: Ich fündigte zu schwer, ich bin zu sehr mit Schuld beladen; für mich ist keine Rettung mehr, mich nimmt der Herr nicht an zu Gnaden. Wenn du es jetzt nur redlich meinſt, nur deinen Fall mit Ernst beweinst, so laß die bangen Zweifel schwinden; du wirst vor ihm noch Gnade finden; er hilft, wenn Niemand helfen kann. Mein Heiland nimmt die Sünder an. 11. Doch sprich auch nicht: 234 IV. Christenleben. Es ist noch Zeit; ich muß die Weltluft erst genießen; Gott wird ja doch nicht eben heut die offne Gnadenpforte schlie Ben. Nein, weil er ruft, so höre du, und tritt zum Gnadenstuhl hinzu. Wer auch das Heute nur verträumet, hat leicht die Gnadenzeit versäumet; ihm wird hernach nicht aufgethan. Heut komm, heut nimmt dich Jesus an! 12. D, zeuch uns Alle recht zu dir, du treuer Heiland aller Sünder. Erfüll mit himmlischer Begier uns, die von Gott gewichnen Kinder. Zeig uns bei unserm Seelenschmerz dein aufgeschlofsnes Liebesherz; und wenn wir unser Elend sehen, so laß uns ja nicht stille stehen, bis daß ein Jeder sagen kann: Gottlob, auch mich nimmt Jesus an! 2. F. F. Lehr, † 1744. Mel. Mein Jesu, dem die Seraphinen. 290. Mein Jesus sieht mich an in Gnaden, ob ich's gleich nicht bei ihm verdient. Die Sünden sollen mir Nichts schaden, weil er den Schaden Ob sie mich hat gesühnt. noch so sehr betrüben, ob sie gleich Schmerz und Traurigfeit und Thränen wirken noch zur Zeit, so hält mich doch sein treues Lieben. 2. Er hält sein Antlig nicht verborgen, es bricht ihm bald sein liebend Herz, sieht er der Brüder Noth und Sorgen und ihren tiefen Seelenschmerz. Wenn sie zum Gnadenthron nur kommen, als Zöllner noch von ferne stehn und tief ge beugt im Staube gehn, so ist ihm schon sein Herz genommen. 3. Er wirket selber meine Reue und weckt in mir ein tiefes Leid, damit er mich hernach erfreue mit ewiger Gerechtigkeit. Je schmerzlicher ich erst geweinet, je mehr mein Herz aus tiefer Kluft: Gott, sei mir Sünder gnädig! ruft, je mehr mir seine Sonne scheinet. 4. O, welch' ein wunderbares Lieben! Die Finsterniß führt mich zum Licht; die Sünden, wenn sie mich be trüben, entdecken Gottes Angesicht; der Tod, den ich vor Glaube. Augen sehe, macht mich zum Leben recht geschickt; die Noth, die erst mich niederdrückt, macht, daß ich einst zum Him mel gehe. 5. Wo findet man wohl solche Gnaden, wo solche Ret. tung aus der Noth? Wer heilt, o Seele, deinen Schaden, versöhnet dich mit deinem Gott? Nur Jesus ist's, nur er kann geben den Sündern Heil und Seelenruh'; er nimmt sie an, ruft ihnen zu: Kommt her, ich bin das wahre Leben! 235 Gnadenthür verschleußt; auf, eilt, eh' er zurück euch weist! Noch könnt ihr werden Gottes Kinder. Berliner Liederschap. 6. Ergreife nun, o Mensch, bies Leben, eh' dich der ew'ge Tod ergreift; gieb auf dein arges Widerstreben, das Sünde nur auf Sünde häuft. Komm büßend mit des Zöllners Worte, bewein wie Petrus deine Schuld, such deines Gottes Gnad' und Huld, und scheue nicht die enge Pforte. 7. Nur so will dich der Herr annehmen, so schenkt er dir Gerechtigkeit. Willst du dich solches Weges schämen, auf welchem Jesus Gnade beut? Onein! In Schaaren eilt, ihr Sünder, eh' er die Eigene Melodie. 291. Nun freut euch, liebe Christen g'mein, und laßt uns fröhlich springen, daß wir getroft und All' in Ein mit Luft und Liebe singen; was Gott an uns gewendet hat, und seine süße Wunderthat; gar theu'r hat er's erworben. 2. Dem Teufel ich gefangen lag, im Tod war ich verloren; mein' Sünd' mich quälte Nacht und Tag, darin ich war geboren; ich fiel auch immer tiefer drein, es war kein Gut's am Leben mein, die Sünd' hat mich besessen. 3. Mein' guten Werke gal ten nicht, es war mit ihn'n verdorben; der frei' Will' haßte Gott's Gericht, er war zum Gut'n erstorben; die Angst mich zu verzweifeln trieb, daß Nichts denn Sterben bei mir blieb; zur Hölle mußt' ich sinken. 236 IV. Christenleben. 4. Da jammert Gott von Ewigkeit mein Elend üb'r die Maaßen; er dacht' an sein' Barmherzigkeit und wollt' mir helfen lassen; er wandt' zu mir sein Vaterherz, es war bei ihm fürwahr kein Scherz; er ließ's sein Bestes kosten. 5. Er sprach zu seinem lieben Sohn: Zeit ist es, zu erbarmen; fahr hin mein's Herzens werthe Kron', und sei das Heil der Armen! Hilf ihnen aus der Sündennoth, erwürg für fie den bittern Tod und laß sie mit dir leben! 6. Der Sohn dem Vater g'horsam ward, er kam zu mir auf Erden von einer Jungfrau rein und zart, er wollt' mein Bruder werden; gar heimlich führt er sein' Gewalt, er ging in einer arm'n Gestalt, den Teufel wollt' er fangen. 7. Er sprach zu mir: Halt dich an mich, es soll dir jetzt gelingen; ich geb' mich selber ganz für dich, da will ich für dich ringen; denn ich bin dein und du bist mein, und wo ich bleib', da sollst du sein, uns soll der Feind nicht scheiden. 8. Vergießen wird man mir mein Blut, dazu mein Leben rauben; das leid' ich Alles dir zu gut, das halt mit festem Glauben! Den Tod verschlingt das Leben mein, mein' Unschuld trägt die Sünde dein da bist du selig worden. 9. Gen Himmel zu dem Vater mein fahr' ich aus die sem Leben; da will ich sein der Meister dein, den Geist will ich dir geben, der dich in Trübsal trösten soll, und lehren mich erkennen wohl, und in die Wahrheit leiten. 10. Was ich gethan hab' und gelehrt, das sollst du thun und lehren, daß Gottes Reich hie werd' gemehrt zu seinem Lob und Ehren, und hüt dich vor der Menschen Saß, davon verdirbt der edle Schatz, das laß ich dir zur Lette. M. Luther,+ 1546. mel. Nun freut euch, liebe Christen g'mein. 292. Nur Gnade macht die Herzen hell; im Herrn ist Glaube. Gnad' und Wahrheit. Nur Christus ist der Weisheit Quell, ist reinste Sonnenklarheit. O Herr, dein göttlich Wort besteht, wenn Erd' und Himmel untergeht; gieb Licht, dein Licht zu sehen. 2. Nur Gnade macht die Herzen froh. Wenn oft wir einsam weinen, wenn noch so fern der Fried' entfloh, wird Christus doch erscheinen. Im Glauben kehre dich zum Herrn, dem Friedefürsten; o, wie gern wird er dir Ruhe schenken! 3. Nur Gnade macht die Herzen rein; wer hat sich selbst gereinigt? Willst du erneut, geheiligt sein, mit Christo sei vereinigt. Sein Geist zerstreuet Sünd' und Wahn, führt dich auf ebner, schmaler Bahn, läßt deinen Fuß nicht straucheln. 4. Nur Gnade macht die Herzen fest, daß sie im Kampf nicht zagen. Wer auf den Stärkern stch verläßt, darf's mit dem Starken wagen; wer dem Versucher widersteht, im Glauben fest, stark durch Gebet, scheucht diesen Feind von hinnen. 237 5. Nur Gnade macht die Herzen still, fie giebt in Angst uns Frieden. Da will man, was der Vater will, und was er uns beschieden. Die Sünde tobt, es drängt die Welt; wenn Gnade nicht das Ruder hält, wird uns das Meer verschlingen. 6. Nur Gnade macht die Herzen treu bis hin zu Christi Throne; ob viel hier auch zu kämpfen sei, winkt doch am Ziel die Krone. O, nur ein Wenig noch gekämpft, nur ernsftlicher die Luft gedämpft! Bald triumphirt der Glaube. Bolkening's Auswahl, Mel. Mein Herzens- Jesu, meine Lust. 293. Gottes Sohn, Herr Jesu Christ, du meiner Seele Leben, was mir zum Glauben nöthig ist, kann ich mir selbst nicht geben; drum hilf du mir von oben her, den wahren Glauben mir gewähr und laß mich drin beharren. 2. Lehr du und unterrichte mich, daß ich den Vater kenne, daß ich, o Jesu Christe, dich IV. Christenleben. 238 den Sohn des Höchsten nenne, und den, der uns zum Himmel weist, des Vaters und des Sohnes Geist, mit gleicher Ehrfurcht preise. 3. Laß mich vom großen Gnadenheil die wahr' Erkenntniß finden, wie der nur habe an ihm Theil, dem du vergiebst die Sünden; hilf, daß ich's such', wie mir ge bührt; du bist der Weg, der recht mich führt, die Wahrheit und das Leben. 4. Gieb, daß ich traue deinem Wort, es wohl zu Herzen fasse, daß sich mein Glaube immerfort auf dein Verdienst verlasse, daß zur Gerechtigkeit auch werd', weil ich von Sünden bin beschwert, dein Tod mir zugerechnet. 5. Ist auch mein Glaube noch so klein, ein Senfkorn, kaum zu merken, woll'st du doch in mir mächtig sein, sein Wachsthum gnädig stårken. Das schwache Rohr zerbrichst du nicht, verlöschest nicht ein glimmend Licht, bist mächtig in dem Schwachen. 6. Herr, durch den Glauben wohn in mir, laß ihn sich immer stärken, daß er ſei fruchtbar für und für und reich an guten Werken, daß er durch Liebe thätig sei, mit Freuden in Geduld dabei dem Nächsten treulich diene. 7. O, rüste mich mit deiner Kraft; hilf, daß ich bis an's Ende zu üben gute Ritterschaft, zu dir allein mich wende, daß ich zuletzt nach dieser Zeit des Glaubens Ziel, die Seligkeit, durch deinen Tod erlange. 8. Herr Jesu, der du angezünd't das Fünklein in mir Schwachen, was sich von Glauben in mir find't, das woll'st du stärker machen; was du begonnen hast, vollführ bis an das Ende, da bei dir auf Glauben folgt das Schauen. D. Denice,+ 1680. Mel. O Gott, du frammer Gott, B. 294. Versuchet euch doch selbst, ob ihr im Glauben stehet, ob Christus in euch ist, ob ihr ihm auch nachgehet in Demuth und Geduld, in Sanftmuth, Freundlichkeit, in Glaube. Lieb' dem Nächsten stets zu dienen, seid bereit? 2. Der Glaube ist ein Licht, im Herzen tief verborgen, bricht als ein Glanz hervor, scheint als der helle Morgen, erweiset seine Kraft, macht Christo gleichgesinnt, erneuert Herz und Muth, macht dich zu Gottes Kind. 3. Er schöpft aus Christo Heil, Gerechtigkeit und Leben und will's in Einfalt auch dem Nächsten wiedergeben; und weil er überreich also gewor den ist, preist er die Gnade hoch, bekennet Jesum Christ. 239 6. Wie uns nun Gott ge than, thun wir dem Nächsten eben; droht er uns mit dem Tod, wir zeigen ihm das Leben; flucht er, so segnen wir; in Schande, Spott und Hohn ist unser bester Trost des Himmels Ehrenkron'. 7. Schickt Gott zur Prüfung uns ein schweres Kreuz zu tragen, der Glaube bringt Geduld, erleichtert alle Plagen; statt banger Ungeduld wird das Gebet erweckt, weil aller Angst und Noth ein Ziel Gott hat gesteckt. 4. Er hofft mit Zuversicht, was Gott im Wort zusaget; drum muß der Zweifel fort, die Schwermuth wird verjaget. Sieh, wie der Glaube bringt die Hoffnung an den Tag, hält Sturm und Wetter aus, besteht in Ungemach! 5. Wir waren Gottes Feind'; er giebt vom Himmelsthrone sein eingebornes Kind, er liebt uns in dem Sohne, sezt Liebe gegen Haß. Wer gläubig dies erkannt, entbrennt in Liebe bald, die allen Haß verbannt. 8. So prüfe dich denn wohl, ob Christus in dir lebet; denn Christi Leben ist's, nach dem der Glaube strebet; zuerst macht er gerecht, dann heilig, wirket Lust zu allem guten Werk. Sieh, ob du auch so thuſt. 9. D Herr, so mehre doch in mir den wahren Glauben, so kann mir keine Macht die guten Werke rauben. Wo Licht ist, geht davon freiwillig aus der Schein. Du bist mein Gott und Herr; hilf mir dein Tempel sein. 3. 3. Breithaupt,+ 1732. 240 IV. Christenleben. c. Heiligung. Mel. O Gott, du frommer Gott. A. 295. Ach Gott, verlaß mich nicht; reich mir die Gnadenhände. Ach, führe mich, dein Kind, daß ich den Lauf vollende zu meiner Seligkeit. Sei du mein Lebenslicht, mein Stab, mein Hort, mein Schuß. Ach Gott, verlaß mich nicht. 2. Ach Gott, verlaß mich nicht; regiere du mein Wallen. Ach, laß mich nimmermehr in Sünd' und Schande fallen. Gieb mir den guten Geist, gieb Glaubenszuversicht, sei du selbst meine Kraft. Ach Gott, verlaß mich nicht. 3. Ach Gott, verlaß mich nicht; ich ruf' aus Herzensgrunde. Ach Höchster, stärke mich in jeder bösen Stunde; wenn sich Versuchung naht und meine Seel' anficht, so weiche nicht von mir. Ach Gott, verlaß mich nicht. 4. Ach Gott, verlaß mich nicht. Laß doch dein Herz bewegen, zu krönen meinen Lauf mit reichem Himmels segen; die Werke meines Amts, die Werke meiner Pflicht laß, Herr, vor dir gedeihn. Ach Gott, verlaß mich nicht. 5. Ach Gott, verlaß mich nicht; ich bleibe dir ergeben. Hilf mir, o großer Gott, recht glauben, christlich leben und selig scheiden ab, zu sehn dein Angesicht. Hilf mir in Noth und Tod. Ach Gott, verlaß mich nicht! s. Frand, † 1225. Mel. Was mein Gott will, gescheh' ze. 296. Ach höchster Gott, verleihe mir, daß ich nur dich begehre, daß deine Gnad' mich für und für in Chrifto neu gebäre, daß ich, dein Kind, dich such' und find' in allem Kreuz und Leiden, damit nicht Tod noch Höllennoth mich je mals von dir scheiden. 2. Gieb meinem Herzen wahre Reu' und Thränen meinen Augen, daß ich forthin das Böse scheu' und meine Werke taugen. Hilf, daß ich sei ohn' Heuchelei, ein Schuß und Trost der Heiligung. Armen, auch jederzeit voll Freudigkeit mich ihrer mög' erbarmen. 3. Tilg aus die Sünd' in meiner Brust, daß ich an dei ner Liebe, nicht an der Welt, empfinde Lust, und stets mich also übe nach deinem Wort an allem Ort in frommen, heil'gen Dingen; so wird mein Geist sich allermeist, zu dir, Herr Jesu, schwingen. 4. Treib aus von mir den stolzen Sinn, laß mich in Demuth leben. Neid, Rach' und Zorn nimm von mir hin, daß ich kann bald vergeben. Hat auch durch List mein Nebenchrist in's Elend mich getrieben, weiß ich doch wohl, daß man auch soll die ärgsten Feinde lieben. 241 Gut und Geld, Herr, laß mich ja nicht trachten. Gieb, daß ich alle Pracht der Welt mög' inniglich verachten, auch nimmermehr nach hoher Ehr' und großem Namen strebe; besonders nur nach rechter Spur der wahren Christen lebe. 7. Bor Schmeicheln, List und Heuchelei bewahre meine Sinne; gieb, daß ich nie durch Gleißnerei den Nächsten nur gewinne. Laß Ja und Nein mein' Antwort sein; laß mich nicht lieblos richten, viel mehr den Streit mit Freundlichkeit und aller Sanftmuth schlichten. 5. Gieb mir, o Herr, nur dreierlei; zuerst den rechten Glauben, der sich erweiset fest und treu, den Niemand mir kann rauben; daß ich mich üb' in wahrer Lieb' und hoff' auf deine Güte, die mich, o Gott, vor Schand' und Spott auch bis in's Grab behüte. 6. Nach vielem Reichthum, 8. Gieb, daß ich ja den Müssiggang und alle Trägheit hasse, dagegen, Herr, mein Lebenlang mein' Arbeit so verfasse, daß ich zur Noth mein täglich Brod mit Ehren mag erwerben und, wenn ich soll, fein sanft und wohl in dir, Herr Jesu, sterben. 9. Ach, gieb mir deinen guten Geist, daß ich die Laſter fliehe, und nur um das, was christlich heißt, von Herzen mich bemühe; so kann kein 16 IV. Christenleben. 242 Leid in dieser Zeit aus deiner Hand mich treiben, und so werd' ich dann ewiglich bei dir, Herr Jesu, bleiben. I. Rist,+ 1667. Eigene Melodie, 297. Auf, hinauf, zu deiner Freude, meine Seele, Herz und Sinn! Weg, hinweg mit allem Leide und zu deinem Jesu hin! Er ist dein Schatz; er verheißt dir Heil und Leben; will die Welt nicht Raum dir geben, bei ihm ist Plaz. 2. Fort, nur fort und immer weiter! Halte rüstig aus im Lauf; steig empor die Glaubensleiter, die zu Jesu führt hinauf. Er ist dein Schuß; er wird treulich dich beschirmen unter allen Seelenstürmen; er bietet Truß. 3. Feft, nur feft dich an gehalten an die Hand, so stark und treu! Laß getroft den Herrn nur walten, seine Er Güt' ist täglich neu. meint es gut; du darfst nicht der Feinde achten, die dich zu verderben trachten; hab guten Muth. 4. Ein, hinein in Gottes Kammer, die dir Jesus aufgethan! Klag und sag ihm deinen Jammer, rufe ihn um Hülfe an. Er steht dir bei; ob dich alle Menschen hassen, kann und will er dich nicht lassen; das glaube frei. 5. Hoch, so hoch du dich vom Staube kannst erheben himmelwärts, schwing' zu Jesu sich dein Glaube; gieb ihm hin dein ganzes Herz! Er ist's allein, der um dich so treulich wirbet, der für dich aus Liebe stirbet; drum bist du sein. 6. Auf, hinauf! Was droben, suche, trachte nach der Herrlichkeit deines Heilands, der vom Fluche deiner Sünde dich befreit. Dem Himmel zu! Laß die Lust der Welt verschwinden; nur bei Jesu ist zu finden die wahre Ruh'. 3. C. Schade.+ 1698. Mel. O du Liebe meiner Liebe. 298. Bei dir, Jesu, will ich bleiben, stets in deinem Dienste stehn; Nichts soll mich von dir vertreiben, deine Heiligung. Wege will ich gehn. Du bist meines Lebens Leben, meiner Seele Trieb und Kraft, giebst als Weinstock mir, dem Reben, täglich neuen Lebenssaft. 2. Könnt' ich's irgend besser haben, als bei dir, der allezeit so viel tausend Gnadengaben für mich Armen hat bereit? Könnt' ich je getroster werden, als bei dir, Herr Jesu Christ, dem im Himmel und auf Erden alle Macht gegeben ist? 3. Wo ist noch ein Herr zu finden, der, was du gethan, mir thut, mich erkauft von Tod und Sünden mit dem eignen theuern Blut? Sollt' ich dir nicht angehören, der sein Leben für mich gab, sollt' ich dir nicht Treue schwören, Treue bis in Tod und Grab? 4. Ja, Herr Jesu, bei dir bleib' ich, wie in Freude, so im Leid; bei dir bleib' ich, dir verschreib' ich mich für Zeit und Ewigkeit. Deines Winks bin ich gewärtig, auch des Rufs aus dieser Welt; der ist stets zum Sterben fertig, der sich lebend zu dir hält. 5. Bleib mir nahe hier auf 243 Erden, bleib auch, wenn mein Tag fich neigt, wenn es nun will Abend werden und die Nacht herniedersteigt; lege ſegnend dann die Hände mir auf's schwache, müde Haupt, sprich zu mir: Hier geht's zu Ende, aber dort lebt, wer hier glaubt. 6. Bleib mir dann zur Seite stehen, graut mir vor dem kalten Tod, als dem kühlen, scharfen Wehen vor dem Himmelsmorgenroth. Wird mein Auge dunkler, trüber, dann erleuchte meinen Geist, daß ich fröhlich zieh' hinüber, wie man nach der Heimath reist. C. J. Ph. Spitta,+ 1859. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen sein. 299. Ein reines Herz, Herr, schaff in mir, schließ zu der Sünde Thor und Thür, vertreibe sie und laß nicht zu, daß sie in meinem Herzen ruh'. 2. Dir öffn' ich, Jesu, meine Thür, ach, komm und wohne du bei mir; was unrein ist, das treib hinaus aus deinem Tempel, deinem Haus. 3. Laß deines guten Geistes 16* IV. Christenleben. 244 Licht und dein hellglänzend Angesicht erleuchten mir Geist und Gemüth, o Brunnquell unerschöpfter Gült'! 4. Und mache dann mein Herz zugleich an Himmelsgut und Segen reich; gieb Weisheit, Stärke, Rath, Verstand aus deiner milden Gnadenhand. 5. So will ich als dein Eigenthum ausbreiten deines Namens Ruhm; es sei mein seligster Gewinn, wenn ich dir stets ergeben bin. 5. G. Neuß,+ 1716. Eigene Melodie. 300. Eins ist Noth, ach Herr, dies Eine lehre mich erkennen doch; alles Andre, wie's auch scheine, ist ja nur ein schweres Joch, darunter das Herze sich naget und plaget, und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget. Erlang' ich dies Eine, das Alles erfeßt, so werd' ich mit Einem in Allem ergößt. 2. Seele, willst du dieses finden, such's bei keiner Creatur, laß, was irdisch ist, dahinten, schwing dich über die Natur; wo Gott und die Menschheit in Einem vereinet, und alle vollkommene Fülle erscheinet, da, da ist das beste, nothwendige Theil, mein Ein und mein Alles, mein seliges Heil. 3. Wie Maria war beflissen und das Eine sich erlas, da sie einst zu Jeſu Füßen voller Andacht niedersaß; ihr Herze entbrannte, das Eine zu hören, darüber ihr Heiland sie wollte belehren, ihr Alles war gänz lich in Jesum versenkt, so wurde ihr Alles in Einem geschenkt; 4. Also ist auch mein Ver langen, liebster Jesu, nur nach dir, laß mich treulich an dir hangen, schenke dich zu eigen mir. Ob Viele zum größesten Haufen umkehren, will ich doch in Andacht und Liebe dich hören, denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geift. Was ist wohl, das man nicht in Jesu geneußt? 5. Aller Weisheit höchste Fülle in dir ja verborgen Heiligung. liegt; gieb nur, daß sich auch mein Wille fein in solche Schranken fügt, darinnen die Demuth und Einfalt regieret und mich zu der Weisheit, die himmlisch ist, führet. Ach, wenn ich nur Jesum recht kenne und weiß, so hab ich der Weisheit vollkommenen Preis. 6. Nichts kann ich vor Gott ja bringen, als nur dich, mein höchstes Gut; Jesu, es muß mir gelingen durch dein heil'ges, theures Blut. Die höchste Gerechtigkeit ist mir erworben, da du bist am Stamme des Kreuzes gestorben, die Kleider des Heils ich da habe erlangt, worinnen mein Glaube in Ewigkeit prangt. 7. Nun, so gieb, daß meine Seele auch nach deinem Bild erwacht; du bist ja, den ich erwähle, mir zur Heiligung gemacht. Was dienet zum göttlichen Wandel und Leben, ist in dir, mein Heiland, mir Alles gegeben; entreiße mich aller vergänglichen Lust, dein Leben sei, Jesu, mir einzig bewußt. 245 8. Ja, was soll ich mehr verlangen? Mich bedeckt die Gnadenfluth; du bist einmal eingegangen in das Heil'ge durch dein Blut. Da haft du die ew'ge Erlösung erfunden, daß ich nun der Herrschaft der Hölle entbunden; dein Eingang die völlige Freiheit mir bringt, im kindlichen Geiste das Abba nun klingt. 9. Drum auch, Jesu, du alleine sollst mein Ein und Alles sein; prüf, erfahre, wie ich's meine, tilge allen Heuchelschein. Sieh, ob ich auf bösem, betrüglichen Stege, und leite mich, Höchster, auf ewigem Wege; gieb, daß ich Nichts achte, nicht Leben, nicht Tod, und Jesum gewinne, dies Eine ist Noth. 3. H. Schröder, † 1699. Mel. Jesu, der du meine Seele. 301. Eins ist Noth! Ach Herr, dies Eine Lehre meine Seele doch! Alles Andre, wie's auch scheine, ist nur nur ein ein beschwerlich Joch, unter dem das Herz sich quälet und der Ruhe doch verfehlet. IV. Christenleben. 246 Alles aber wird erseßt, wenn dies Eine mich ergößt. 2. Seele, willst du dieses finden, such's bei keiner Creatur, laß nichts Irdisches dich binden, schwing dich über die Natur; wo der Gottheit Füll' erscheinet mit der Menschheit fest vereinet, da, da ist das beste Theil, da dein Alles, da dein Heil. 3. Seele, dir ist auch beschieden, was Maria sich erlas, als sie, ohne zu ermüden, fromm zu Jesu Füßen saß. Ach, wie brannt' ihr Herz, die Lehren aus der Weisheit Mund zu hören! Sie vergaß die Welt und sich, hört' und sah nur, Jesu, dich. 4. So steht, Jesu, mein Verlangen ganz und einzig nur nach dir. Laß mich treu lich an dir hangen, schenke dich zu eigen mir. Wenn auch Viele träg verweilen, brenn' ich doch, dir nachzueilen. Jesu, Geist und Leben ist, was von deinen Lippen fließt. 5. Aller Weisheit höchste Fülle in dir ja verborgen liegt; gieb nur, daß sich auch mein Wille stets in deinen Willen fügt. Was kein Auge sah, zu sehen, was kein Mensch faßt, zu verstehen, und zu finden wahre Ruh', solche Weis heit schenkst nur du. 6. Herr, ich find' in meinen Sünden nur Gerechtigkeit bei dir. Wohl mir! Zorn und Fluch verschwinden, durch dein Du Blut gelingt es mir. erwarbst am Kreuzesstamme, daß mein Gott mich nicht verdamme, meinen Schmuck, das reine kleid gültiger Ge rechtigkeit. 7. Mir bist du, den ich erwähle, auch zur Heiligung gemacht. Hilf mir denn, daß meine Seele ganz zu deinem Bild erwacht. Was mir dient zum wahren Leben, das ist mir in dir gegeben. Ach, ent reiß mich ganz der Welt, daß ich thu', was dir gefällt. 8. In dir, den Gott auf erwecket, ist Erlösung mir ge schenkt. Nun wird Hoffnung, was sonst schrecket, nun wird Freude, was sonst kränkt. Ja Erlösung, wenn ich leide, noch Heiligung. Erlösung, wenn ich scheide, einst Erlösung aus dem Grab' ist's, was Gott in dir mir gab. 9. Volle G'nüge, Fried' und Freude meine Seele nun ergößt, weil auf eine frische Weide mein Hirt Jesus mich geseßt, um mit seinen Himmelsgaben meine Seele stets zu laben. Nichts ist, das mich mehr erquickt, als wenn ihn mein Glaub' erblickt. 10. Du nur, Herr, sollst mir das Eine, du nur sollst mein Alles sein. Prüf und forsche, wie ich's meine, tilge allen Heuchelschein. Wenn die Welt bald lockt, bald höhnet, fich das Fleisch nach Eitlem sehnet, wenn die Hölle stürmt und droht, halt mich fest, denn Eins ist Noth. Altmärker- Priegnißer Gesangbuch. Mel. Herr Jesu Christ. mein's Lebens Licht. 302. Erneure mich, o ew'ges Licht, und laß von deinem Angesicht mir Herz und Sinn mit deinem Schein durchleuchtet und erfüllet sein. 2. Ertödt in mir die schnöde Lust, feg aus den alten Sün247 denwust und rüste mich mit Kraft und Muth, zu streiten wider Fleisch und Blut. 3. Schaff in mir, Herr, den neuen Geist, der dir mit Luft Gehorsam leist't und Nichts sonst, als was du willst, will. Ach, Herr, mit ihm mein Herz erfüll! 4. Auf dich laß meine Sinne gehn, laß sie nach dem, was droben, sehn, bis ich dich schau', o ew'ges Licht, von Angesicht zu Angesicht. I. F. Ruopp,+ 1708. Eigene Melodie. 303. Es toftet viel, ein Christ zu sein, und nach dem Sinn des Geistes ganz zu leben; denn der Natur geht es gar sauer ein, sich immerdar in Christi Tod zu geben; und ist hier gleich ein Kampf wohl ausgericht't, das macht's noch nicht. 2. Man muß hier stets auf Schlangen gehn, die ihren Stachel in die Fersen bringen; da ist's nicht leicht, auf seiner Hut zu stehn, daß nicht das Gift kann in die Seele drin 248 IV. Christenlebent. gen. Wenn man's versucht, seiner Gnade fülle; der treue so spürt man jederzeit, wie schwer der Streit. Gott macht dir gar keinen Schmerz, die Unlust schafft in dir dein eigner Wille; drum übergieb ihn willig in den Tod, so hat's nicht Noth. 3. Doch ist es wohl des Kampfes werth, wenn man mit Ernst die Seligkeit erwäget, die hier und dort ein wahrer Christ erfährt, der Jesu Joch und Last mit Freuden träget. Es kostet Müh', die Gnade aber schafft uns Muth und Kraft. 7. Laß nur dein Herz im Glauben ruhn, wenn dich will Nacht und Finsterniß bedecken; dein Vater wird nichts Schlimmes an dir thun, vor keinent Sturm und Wind darfst du erschrecken; ja, siehst du endlich ferner keine Spur, so glaube nur. 8. So wird dein Licht auf's Neu' entstehn, du wirst dein Heil in großer Klarheit schauen; was du geglaubt, wirst du dann vor dir sehn; drum darfst du nur dem lieben Vater trauen. D Seele, fieh doch, wie ein wahrer Christ so selig ist! 9. Auf, auf, mein Geist, was säumest du, dich deinem Gott ganz kindlich zu ergeben? Geh ein, mein Herz, genieß die süße Rub'; in Frieden sollst du vor dem Vater leben. Der Sorge Last wirf nur getrost und kühn allein auf ihn. Nach C. F. Richter,+ 1711. 4. Dann ist's nicht schwer, ein Christ zu sein und nach dem Sinn des Geistes ganz zu leben; dann wird's uns leicht, uns Christo ganz zu weihn und völlig unser Herz ihm hinzugeben; dann führt die Gnade selbst zu aller Zeit den schweren Streit. 5. Du darfst ja nur ein Kindlein sein, du darfst ja nur die Liebe kindlich üben; o blöder Geist, schau doch, wie gut er's meint, das kleinste Kind kann ja die Mutter lieben; drum fürchte dich nur ferner nicht so sehr; es ist nicht schwer. 6. Dein Vater fordert nur das Herz, daß er es selbst mit Heiligung. Mel. Herr, nicht schicke deine Rache. 304. Folget mir! ruft uns das Leben; was ihr bittet, will ich geben, gehet nur den rechten Steg. Folget, ich bin felbst der Weg. Folget mir von ganzem Herzen, ich benehm' euch alle Schmerzen; lernet von mir insgemein sanft und reich an Demuth sein. 2. Ja, Herr Jesu, dein Begehren sollt' ich billig dir gewähren, weil ich weiß, daß der kein Christ unter uns zu nennen ist, der sich vor der Welt will schämen, deine Last auf sich zu nehmen. Ach, ich weiß es gar zu wohl, daß man dir nachwandeln soll. 3. Aber, Herr, wo find' ich Stärke, zu vollbringen gute Werke, dir mit Lust zu folgen nach? Ach, mein Gott, ich bin zu schwach. Geh' ich schon auf guten Wegen, wird mein Eifer bald sich legen. Dich zu lieben, o mein Licht, steht in meinen Kräften nicht. 249 zu halten dich. Mit den 2üsten will ich kämpfen, ihre Lockung in mir dämpfen; was sie bieten, ist nur Trug; hab' ich dich, hab' ich genug. 5. Laß mich deine Gnade spüren, meine Schritte so zu führen, daß ich in der Unschuld geh' und nicht bei den Spöttern steh'. Hilf, daß ich nicht nur in Freuden, sondern auch in Kreuz und Leiden durch so manchen Kampf und Streit dir zu folgen, sei bereit. 4. Nun, o Herr, ich will nicht lassen, dich mit Freuden zu umfassen. Hilf mir gnä dig, stärke mich, treu und fest 6. Laß mein Ende mir auf Erden nicht zu schnell beschieden werden, daß ich ja das Gnadenlicht in der Zeit verliere nicht. Gieb, daß ich von meiner Jugend bis in's Alter jede Tugend recht von Herzen, nicht zum Schein, lasse meine Freude sein. 7. Hilf mir, Herr, vor allen Dingen, meinen Lauf so zu vollbringen, daß ich mich in deiner Lieb' und in wahrer Demuth üb'. Hilf, daß ich dir hier vertraue, und dich dort mit Freuden schaue. Jenes gieb mir in der Zeit, dieses in der Ewigkeit. 3. Rist,+ 1667. 250 IV. Christenleben. Mel. Ringe recht, wenn Gottes Gnade. 305. Herr, bei jedem Wort und Werke mahne mich dein Geist daran: Hat auch Jesus so geredet? Hat auch Jesus so gethan? 2. Bin ich auch bei meinem Wallen meines Meisters treuer Knecht? Kann mein Wandel ihm gefallen? Dien' ich meinem Herrn auch recht? 3. Folg' ich ihm, wohin er gehet, oder stehet nur mein Sinn, wo der Wind der Welt hinwehet? Zeig mir, Jesu, wo ich bin. 4. Dir zu folgen, laß dies Eine meine Ehr' uno Richtung sein. Prüf, erfahre, wie ich's meine, tilge allen Heuchelschein. 5. Deinem Beispiel nachzu Leben dir zum Ruhme, das allein laß mein eifriges Bestreben, Jesu, bis an's Ende sein. C. C. L. v. Pfeil,+ 1784 Mel. Herr Christ, der ein'ge Gott's- Sohn. 306. Herr Jesu, Gnadensonne, wahrhaftes Lebenslicht, laß Leben, Licht und Wonne mein blödes Angesicht nach deiner Gnad' erfreuen und meinen Geist erneuen; mein Gott, versag mir's nicht. 2. Vergieb mir meine Sün den und wirf sie hinter dich; laß allen Zorn verschwinden und hilf mir gnädiglich. Laß deine Friedensgaben mein armes Herz erlaben; ach Herr, erhöre mich. 3. Ertödt in meiner Seele den alten Adams- Sinn, daß ich nur dich erwähle, nur deinem Dienst forthin von Herzen mich ergebe, nur dir zu Ehren lebe, durch den erlöst ich bin. 4. Befördre dein' Erkenntniß in mir, mein Seelenhort, und bring mir zum Verständniß dein heil'ges Lebenswort, damit ich's gläubig treibe, in deiner Wahrheit bleibe und wachse fort und fort. 5. Auch zünde deine Liebe in meinem Herzen an, das ja aus eignem Triebe dich nimmer lieben kann, daß dir zum Wohlgefallen ich freudig möge wallen auf rechter Le bensbahn. 6. Nun, Herr, mich Schwa Heiligung. chen stärke, verleih mir Kraft und Muth; das sind die Gnadenwerke, die dein Geist in mir thut; denn ach, mein eignes Sinnen, mein Lassen und Beginnen ist nimmer recht und gut. 7. Darum, du Gott der Gnaden, du Vater aller Treu', wend allen Seelenschaden und mach mich täglich neu; nur deinen heil'gen Willen be harrlich zu erfüllen, steh du mir kräftig bei. L. v. Schnüffis, um 1700. Mel. So ist denn nun die Hütte 2c. 307. Herr, lehr mich thun nach deinem Wohlgefallen, dein guter Geist führ' mich auf ebner Bahn, daß ich dich mehr und mehr erkennen kann und mit dem Sinn schon hier im Himmel wallen. Hilf, daß ich fort nnd fort im Glauben stark und treu und rein von Eigennuß und Wolhuſt sei. 2. Kein Heuchelschein, kein faltes, laues Wesen beflecke mich; dir sei mein Herz geweiht, und rechter Ernst sei 251 meine Frömmigkeit; zu deinem Dienste hast du mich erlesen, drum leuchte mir, o Herr, dein Licht auf meinem Gang, daß Sinn und That dich preise lebenslang. 3. Gieb, daß ich stets mein Sorgen darauf lenke, ob deine Ehr' allein mein Endzweck sei, ob, was ich thu', auch niemals mich gereu', und ob ich stets an meinen Taufbund denke, ob ich auch heil'ger werd' und reich an frommer That, und sei bereit, wenn sich mein Ende naht. 4. Du bist, mein Gott, nicht ferne von uns Allen, erfüllst mit deiner Gegenwart die Welt; dies reize mich, zu thun, was dir gefällt, dies warne mich, in Sünden nicht zu fallen; dein heil'ges Recht sei stets vor meinem Angesicht, und deine Gnade mir Trost, Heil und Licht. 5. Die Seligkeit laß mich mit Zittern schaffen, was eitel ist, mit allem Ernste fliehn, und kann ich mich dem Kampfe nicht entziehn, so reiche du mir deines Geistes Waffen, 252 IV. Christenlebent. und in Versuchung steh mit deiner Kraft mir bei, daß ich stets unverzagt im Streite sei. 6. Was du verhängst, davor soll mir nicht grauen, ich scheue Nichts, kein Leiden, keine Noth, ich will getreu dir sein bis in den Tod; ich darf ja dir und deiner Kraft vertrauen. Die Sorge, die uns drückt, den Kummer, der uns plagt, kennst du, und hilfst, wie du uns zugesagt. 7. Laß mich schon hier mit Freuden Zeugniß geben von deinen Gütern, deiner Hülf und Macht, bis du hindurch zum Himmel mich gebracht; dann wird ein Lob zum andern sich erheben, und selig schauet dann in deines Himmels Licht auch mein verklärtes Aug' dein Angesicht. Porst'sches Gesangbuch, 1713. D el. Zeuch meinen Geist, triff meine Sinnen. 308. Hier legt mein Sinn fich vor dir nieder, mein Geist sucht seinen Ursprung wieder; Herr, dein erfreuend Angesicht verbirg vor meiner Armuth nicht. 2. Schau her, ich fühle mein Verderben, laß mich in deinem Tode sterben; o möchte doch in deiner Pein mein alter Mensch ertödtet sein! 3. Du wollest, Herr, mir Herz und Willen mit deinem heil'gen Sinn erfüllen; brich der Natur Gewalt entzwei und mach mich von der Sünde frei. 4. Ich fühle wohl, daß ich dich liebe und mich in deinen Wegen übe; jedoch ist von Unlauterkeit die Liebe noch nicht ganz befreit. 5. Ich muß, o Herr, noch mehr auf Erden durch deinen Geist geheiligt werden; der Sinn muß tiefer in dich gehn, der Fuß muß unbeweglich stehn. 6. Ich weiß mir zwar nicht selbst zu rathen, hier gelten Nichts der Menschen Thaten; wer macht sein Herz wohl selber rein? Es muß durch dich gewirket ſein. 7. Doch kenn' ich wohl dein treues Lieben, du bist noch immer treu geblieben; ich weiß gewiß, du stehst mir bei, und machst mich von mir selber frei Heiligung. 8. Indessen will ich treulich kämpfen und stets die falsche Regung dämpfen, bis du dir deine Zeit ersiehst und mich aus solchen Neßen ziehst. 9. In Hoffnung kann ich fröhlich sagen: Gott hat der Hölle Macht geschlagen; Gott führt mich aus dem Kampf und Streit in seine Ruh' und Sicherheit. 10. Darum die Sorge mei ner Seele ich dir, mein Vater, ganz befehle; ach, drück es tief in meinen Sinn, daß ich in dir schon selig bin. 11. Wenn ich hieran mit Ernst gedenke und mich in dein Erbarmen senke, so werd' ich von dir angeblickt und tief im Herzensgrund erquickt. 12. So wächst der Eifer mir im Streite, so schmeck' ich schon die süße Beute und fühle, daß es Wahrheit ist, daß du, mein Gott, die Liebe biſt. E. F. Nichter, † 1711, 253 suche mit Begier, wenn mir wird angst und bange; verleih, daß ich mit Freuden dich in meiner Noth bald finde; gieb mir den Sinn, daß ich forthin meid' alle Schuld und Sünde. 2. Hilf, daß ich stets mit Reu' und Schmerz mich deiner Gnad' ergebe, stets habe ein zerknirschtes Herz, in wahrer Buße lebe, vor dir erschein', herzlich bewein' all' meine Missethaten; mein Trost und Licht, ach, laß mich nicht in ew'gen Tod gerathen! 3. Die Lust des Fleisches dämpf in mir, daß sie nicht überwinde; rechtschaffne Lieb' und Lust zu dir durch deinen Geist entzünde, daß ich in Noth bis in den Tod dich und dein Wort bekenne, mich auch kein Truß noch Eigennuß von deiner Wahrheit trenne. Mel. Was mein Gott will, das g'icheh zc. 309. Hilf mir, mein Gott, hilf, daß nach dir von Herzen mich verlange, daß ich dich 4. Behüte mich vor Grimm und Zorn, mein Herz mit Sanftmuth ziere; reiß aus den schnöden Hoffahrtsdorn, und mich zur Demuth führe; was noch von Sünd' sich in 254 IV. Christenleben. mir find't, das wollest du ersticken; laß alle Zeit Trost, Fried' und Freud' mein armes Herz erquicken. 5. Den Glauben stärk, die Liebe mehr, die Hoffnung kräftig hebe, daß ich nicht wanke hin und her, vor dir beständig lebe; den Mund bewahr, daß nicht Gefahr durch ihn mir werd' erwecket; ernähr den Leib, doch, daß er bleib' von Wollust unbeflecket. 6. Gieb, daß ich treu und fleißig sei in dem, was mir gebühret, zu Ehrgeiz, Stolz und Heuchelei nicht werd' auf's Neu' verführet; Leichtfertig keit, Haß, Zank und Neid woll'st du aus mir vertreiben, verstockten Sinn und Diebsgewinn laß immer fern mir bleiben. 7. Hilf, daß ich folge treuem Rath und ab von Irrthum trete, den Armen helfe mit der That, für Freund und Feind stets bete; dien' Jedermann, so viel ich kann, das Böse haff' und meide nach deinem Wort, o höchster Hort, bis ich von hinnen scheide. 3. Heermann, † 1647. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 310. Himmelan geht unfre Bahn. Wir sind Gäste nur auf Erden, bis wir dort nach Kanaan durch die Wüste kommen werden. Hier ist unser Pilgrimstand, droben unser Vaterland. 2. Himmelan schwing dich, mein Geist, denn du bist ein himmlisch Wesen und darfst das, was irdisch heißt, nicht zu deinem Ziel erlesen. Ein von Gott erleucht'ter Sinn kehrt zu seinem Ursprung hin. 3. Himmelan! Die Welt kann dir nur geborgte Güter geben; deine himmlische Begier muß nach solchen Schäßen streben, die uns bleiben, wenn die Welt in ihr erstes Nichts zerfällt. 4. Himmelan! ruft Gott mir zu, wenn ich ihn im Worte höre; das weist mir den Ort der Ruh', wo ich einmal hingehöre. Wenn mich dieses Wort bewahrt, halt' ich eine Himmelfahrt. 5. Himmelan! Mein Glaube zeigt mir das schöne Loos von ferne, daß mein Herz schon Heiligung. aufwärts steigt über Sonne, Mond und Sterne; denn ihr Licht ist viel zu klein gegen jenen Glanz und Schein. 6. Himmelan wird mich der Tod in die rechte Heimath führen, wo ich über alle Noth ewig werde triumphiren. Je sus geht mir selbst voran, daß ich freudig folgen kann. 7. Himmelan, ja himmelan! Das soll meine Losung bleiben. Ich will allen eitlen Wahn durch die Himmelsluft vertreiben. Himmelan nur steht mein Sinn, bis ich in dem Himmel bin. B. Schmold,+ 1737. Mel. Valet will ich dir geben. 311. Ich soll zum Leben dringen, das ist hier mein Beruf, soll nach dem Himmel ringen, für welchen Gott mich schuf. In dieser Welt voll Sünden soll ich dem Herrn mich weihn, im Glauben über winden, um selig dann zu sein. 2. Das hat in frühen Jahren mich Gottes Wort gelehrt; und was ich so erfahren, das sah ich stets be255 währt. Wer nach der LebensKrone hier trachtet allezeit, dem wird zum sichern Lohne ein Herz voll Freudigkeit. 3. Und ob auf rauhen Pfaden der Jünger Christi geht, er weiß, daß er in Gnaden bei seinem Heiland steht; nicht Ungemach und Leiden, nicht Menschenhaß und Spott vermag ihn je zu scheivon seinem treuen Gott. 4. Auch mich verlangt von Herzen, o Gott, dein Kind zu sein; und doch, zu eignen Schmerzen such' ich nicht dich allein; den Himmel möcht' ich erben, und diene noch der Welt; o Herr, welch' ein Verderben, das mich gefangen hält! 5. Ich wandle deine Wege, doch unstät ist mein Sinn; bald werd' ich matt und träge und finke muthlos hin; ich lasse nach, zu ringen, wo du zum Kampfe rufft, und will an's Ziel doch dringen, für welches du mich schufft. 6. Dir seufz' ich anzuhangen, mein Herr und Gott, nur dir! Du hast ja ange IV. Christenleben. 256 fangen das gute Werk in mir; drum bitt' ich: Bater, sende mir gnädig deinen Geist, daß er es auch vollende, wie mir dein Wort verheißt. J. A. Eramer, † 1788. Mel. Seelenbräutigam. 312. Jesu, geh voran auf der Lebensbahn, und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen. Führ uns an der Hand bis in's Vaterland. 2. Soll's uns hart ergehn, so laß fest uns stehn, und auch in den schwersten Tagen niemals über Lasten klagen; denn durch Trübsal hier geht der Weg zu dir. 3. Rühret eigner Schmerz irgend unser Herz, kümmert uns ein fremdes Leiden, o, so gieb Geduld zu Beiden; richte unsern Sinn auf das Ende hin. 4. Ordne unsern Gang, Liebster, lebenslang; führst du uns durch rauhe Wege, gieb uns auch die nöth'ge Pflege. Nach vollbrachtem Lauf thu die Thür uns auf. N. L. Graf v. Zinzendori,+ 1760. Eigene Melodie. 313. Jesu, hilf fiegen, du Fürst meines Lebens; sieh, wie ich schweb' in Gefahr und in Noth; schwach ist mein Wollen, mein Ringen vergebens, furchtbar die Macht, die mich täglich bedroht. Stehst du mir, Jesu, nicht schüßend zur Seite, so kann ich nimmermehr siegen im Streite. 2. Jesu, hilf fiegen; ein sündlich Verlangen kämpft noch in mir mit des Höchsten Gebot. Nimm du den Willen des Fleisches gefangen, bring durch dein Sterben der Sünde den Tod. Und daß mir möge, was gut ist, gelingen, gieb du das Wollen und gieb das Vollbringen. 3. Jesu, hilf fiegen; sonst muß ich verzagen, wenn mein Gewissen das Urtheil mir spricht, wenn mich die Sünden der Jugend verklagen, und ich erbebe vor Gottes Gericht. Wenn solche Schre cken die Seele bestürmen, wollest du mich, o Versöhner, schirmen. be4. Jesu, hilf siegen; wer Heiligung. mag sonst bestehen wider den trüglich verschlagenen Feind? Wer mag dem Vater der Lügen entgehen, wenn er als Engel des Lichtes erscheint? Du bist die Wahrheit; mein göttlicher Meister, lehr mich sie finden und prüfen die Geister. 5. Jesu, hilf fiegen, hilf wachen und beten. Herr, durch dein Flehen, das Alles ver mag, wollest du mich bei dem Vater vertreten. Hüter, dein Auge bleibt immerdar wach; hat mich der Schlummer der Trägheit befallen, laß, mich zu wecken, dein Rufen erschallen. 6. Jesu, hilf siegen. Wenn Alles verschwunden, was ich auf Erden mein eigen genannt, wenn auch die Freunde, sonst treu mir verbunden, kalt und entfremdet sich von mir ge wandt, dennoch soll nimmer mein Herz sich betrüben, bist du, o Jesu, mein Theil nur geblieben. 7. Jesu, hilf fiegen. Wenn einst ich soll sterben, mache von Furcht vor dem Tode mich frei; zeige das Reich 257 mir, das der soll ererben, der bis an's Ende geblieben ist treu. Laß auch zuletzt mich im Kampf nicht erliegen; reiche die Hand mir, o Jesu, hilf siegen! 3. H. Schröder, † 1728. Mel. Helft mir Gott's Güte preifen. 314. Kommt, Kinder, laßt uns gehen, der Abend kommt herbei; es ist gefährlich Stehen in dieser Wüstenei; kommt, stärket euern Muth, zur Ewigkeit zu wandern, von einer Kraft zur andern; es ist das Ende gut. 2. Es soll uns nicht gereuen der schmale Pilgerpfad; wir kennen ja den Treuen, der uns gerufen hat. Getrost sei Herz und Sinn, und jeder Bilger richte mit heiterm Angesichte den Lauf zur Heimath hin. 3. Daß wir der Welt nicht dienen, deß wollen wir uns freun; hier ist noch nicht erschienen, was wir einst werden sein. Ihr Lieben, seid nicht bang; verachtet tausend Welten, ihr Locken und ihr Schelten, und geht nur euern Gang. 17 258 IV. Christenleben. 4. Schmückt euer Herz auf's Beste und mehr, als Leib und Haus; wir sind hier fremde Gäste und ziehen bald hinaus. Wir gehn in's Ew'ge ein; mit Gott muß unser Handel, im Himmel unser Wandel und Herz und Alles sein. 5. Der Weg ist oftmals enge, ist einsam, rauh und steil, ihn deckt der Dornen Menge, doch führet er zum Heil. Er bringt uns ja an's Ziel; so wandeln wir denn weiter und folgen unserm Leiter; mit ihm gelingt uns viel. 6. Kommt, Brüder, laßt uns gehen, der Vater gehet mit. Er selbst will bei uns stehen bei jedem sauern Tritt. Er macht uns neuen Muth; mit süßen Sonnenblicken weiß er uns zu erquicken; ach ja, wir haben's gut. 7. Und sollt' ein Schwacher fallen, so greif' der Stärkre zu; man helfe freundlich Allen, man pflanze Fried' und Ruh'. Kommt, schließt euch fester an; ein Jeder sei der Kleinste, doch gern zugleich der Reinste auf unsrer Lebensbahn. 8. Kommt, laßt uns munter wandern, der Weg nimmt immer ab; es folgt ein Tag dem andern; bald fällt das Fleisch in's Grab. Nur noch ein wenig Muth, nur noch ein wenig treuer, vor allen Dingen freier gewandt zum höchsten Gut! 9. Es wird nicht lang mehr währen; harrt noch ein Wenig Es wird nicht lang aus! mehr währen, so kommen wir nach Haus; da wird man ewig ruhn; wenn wir mit allen Frommen heim zu dem Vater kommen, wie wohl, wie wohl wird's thun! G. Tersteegen,+ 1769. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. Kommt 315. Kom Commt und laßt euch Jesum lehren, kommt und lernet allzumal, welche die sind, die gehören in der rechten Christen Zahl: die bekennen mit dem Mund, glauben auch von Herzensgrund, und mit Lust und Eifer streben, Gut's zu thun, so lang fie leben. 2. Selig find, die Demuth Heiligung. haben, und sind allzeit arm im Geist, sich nicht rühmen ihrer Gaben, daß Gott werd' allein gepreist, danken ihm auch für und für; denn das Himmelreich ist ihr'r; Gott wird dort zu Ehren sehen, die sich selbst gering hier schäßen. 3. Selig sind, die Leid stets tragen über ihre große Schuld, die bußfertig sie beklagen und ersehnen Gottes Huld; denn die deshalb traurig gehn, oft vor Gott mit Thränen stehn, diese sollen noch auf Erden und einst dort getröstet werden. 4. Selig sind die frommen Herzen, welchen aller Zorn ist fern, welche Hohn und Troß verschmerzen, Sanftmuth lernen von dem Herrn, auch dem Feinde gern verzeihn, keine Hand zur Rache leihn; diese will der Herr beschüßen, daß das Erdreich sie besigen. 5. Selig find, die sehnlich streben nach Gerechtigkeit und Treu', daß in ihrem Thun und Leben nicht Gewalt noch Unrecht sei; die aufrichtig, fromm und schlicht immer sind 259 auf Gott gericht't; die wird Gott mit Gnaden füllen, ihres Herzens Hunger stillen. 6. Selig find, die aus Erbarmen sich annehmen fremder Noth, die, mitleidig mit den Armen, beten treu für sie zu Gott; die behülflich find mit Rath, auch, wo möglich, mit der That, werden wieder Hülf' empfangen und Barmherzigkeit erlangen. 7. Selig, die gefunden werden reines Herzens jederzeit, die in Werk, Wort und Ge berden lieben Zucht und Heiligkeit; diese, denen nicht gefällt die unreine Lust der Welt, die mit Ernst dieselbe meiden, werden schauen Gott mit Freuden. 8. Selig sind, die Frieden halten in der Welt ohn' Unterlaß; selig, die versöhnlich schalten, fliehen Hader, Zwist und Haß; die, wo anhebt Neid und Streit, Frieden stiften allezeit und kein Liebesband zerreißen, werden Gottes Kinder heißen. 9. Selig, die hier müssen dulden die Verfolgung dieser 17* IV. Christenleben. Welt, da fie es doch nicht leiden, seinem Vorbild werden verschulden und ihr Sinn gerecht sich hält; ob des Kreuzes gleich ist viel, seßt ihm Gott doch Maaß und Ziel, und im Himmel wird er's lohnen ewig mit den Ehrenkronen. gleich; nach den Leiden folgen Freuden, Armuth hier macht droben reich. Thränenſaat, sie erntet Wonne, Hoffnung stärkt uns zur Geduld, scheinet doch durch Gottes Huld nach dem Regen bald die Sonne. Jeſu, hier leid' ich mit dir, dort gieb deine Freude mir. 42 10. Herr, regier zu allen Zeiten meinen Wandel auf der Erd', daß ich solcher Seligkeiten doch aus Gnaden fähig werd'. Vater, hilf von deinem Thron, daß ich glaub' an deinen Sohn, und durch deines Geistes Stärke übe rechte Liebeswerke. D. Denice,+ 1680. 260 Mel. Laffet uns den Herren preifen. 316. Lasset uns mit Jeju ziehen, seinem Vorbild folgen nach, in der Welt der Welt entfliehen auf der Bahn, die er uns brach; immerfort zum Himmel reisen, irdisch noch, schon himmlisch sein, glauben recht und leben rein, Glauben in der Lieb' erweisen. Treuer Jesu, bleib bei mir; geh voran, ich folge dir! 2. Lasset uns mit Jesu 3. Laffet uns mit Jesu sterben; sein Tod rettet uns vom Tod, schüßt die Seele vor Verderben, wendet ab die ew'ge Noth. Laßt uns tödten, weil wir leben, unser Fleisch, ihm sterben ab; so wird Jesus aus dem Grab unsrer Sünde uns erheben. Jesu, sterb' ich, sterb' ich dir, daß ich lebe für und für. 4. Raffet uns mit Jesu leben; weil er auferstanden ist, muß das Grab uns wie dergeben. Auferstandener, du bist unser Haupt, wir sind als Glieder deines Leibs ver eint mit dir. Ach, erkenn uns für und für, trauter Freund, für deine Brüder. Dir, o Jesu, leb' ich hier, lebe ewig dort bei dir! s. v. Birten, † 1681. Heiligung. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 317. Laß mich dein sein und bleiben, du treuer Gott und Herr. Von dir laß mich Nichts treiben, halt mich bei reiner Lehr'. Herr, laß mich nur nicht wanken, gieb mir Beständigkeit; dafür will ich dir danken in alle Ewigkeit. n. Selnecker,+ 1592. Mel. Straf mich nicht in deinem Zorn. 318. Mache dich, mein Geist, bereit, wache, fleh und bete, daß dich nicht die böse Zeit unverhofft betrete. Ach, schon ist mancher Christ in Versuchungsstunden plößlich überwunden. Nog nist 2. Säume nicht und wache auf von dem Sündenschlafe, denn es folget sonst darauf eine lange Strafe; und die Noth sammt dem Tod möchte dich in Sünden unbereitet finden. 3. Wache auf, sonst kann dich nicht unser Herr erleuch ten; wache auf, sonst wird das Licht dir noch ferne deuchten. Denn Gott will für die 261 Füll' seiner Gnadengaben offne Augen haben. 4. Wache, daß dich nicht die Welt durch Gewalt bezwinge, oder, wenn sie fich verstellt, liftig an sich bringe; wach und sieh, daß du nie falsche Brüder hörest, und dich selbst bethörest. 5. Wache, hab auf dich wohl Acht, trau nicht deinem Herzen; leicht kann, wer es nicht bewacht, Gottes Huld verscherzen; denn es ist voller List, kann sich selber heucheln und in Hoffahrt schmeicheln. 6. Aber bet auch stets dabei, bete bei dem Wachen, denn der Herr nur kann dich frei von der Trägheit machen; seine Kraft wirkt und schafft, daß du wacker bleibest und sein Werk recht treibest. 7. Ja, er will gebeten sein um das wahre Leben, er verlanget unser Schrein, soll er Kraft uns geben, daß zum Streit wir bereit, Welt und Fleisch und Sünden durch ihn überwinden. 8. Drum so laßt uns immerdar wachen, flehn und IV. Chriftenlebent. Lust ihm bot. beten, weil uns Angst, Noth ernste Scheu, das vormals und Gefahr immer näher treten. Denn die Zeit ist nicht weit, da die Welt uns schwindet, das Gericht uns findet. 3. B. Freystein,+ 1720. 262 Mel. Nun dantet All' und bringet Ehr'. 319. Mein Herz, o Vater, bring' ich dir zur Gabe, zum Geschenk; du forderst solches ja von mir, deß bin ich eingedenk. 2. Gieb mir, mein Sohn, dein Herz, sprichst du, das ist mir lieb und werth; du findst im Himmel sonst nicht Ruh', nicht Frieden auf der Erd'! 3. So nimm es denn, mein Vater, an, mein Herz, ver acht es nicht. Ich bring' es, wie ich's bringen kann, Herr, vor dein Angesicht. 4. Zwar ist's noch voll von Sündenlust, noch voll von Eitelkeit, dem Guten abhold, unbewußt der wahren Frömmigkeit. 5. Doch ist es nun auch voll von Reu', erkennet seine Noth, und trägt vor dem jeßt 6. Hier fall' ich dir zu Füßen hin; Herr, hilf du mir dazu, daß ich nun mit zerknirschtem Sinn rechtschaffne Buße thu'. 7. Dann neße mich, Herr Jesu Christ, mit deinem heil'. gen Blut, das auch für mich vergossen ist, wie aller Welt zu gut. 8. D, schenke mir nach deiner Huld Gerechtigkeit und Heil. Du trugst ja meine Sündenschuld und meiner Strafe Theil. 9. In deine Unschuld kleide mich, leg dein Verdienst mir an, daß, rein von aller Sünde, ich vor Gott bestehen kann. 10. Gott, heil'ger Geist, laß du auch mich theilhaftig deiner sein; ergieß um Jesu willen dich tief in mein Herz hinein. 11. Hilf, daß ich unverzagt und treu zu Gott im Glauben steh', von seiner Lieb' erfüllet sei und hoffend auf ihn seh'. 12. Ja, nimm mein Herz zum Tempel ein, o Herr, Heiligung. schon in der Zeit, und laß es deine Wohnung sein in alle Ewigkeit. 3. C. Schade,+ 1698. Mel. Nun danket All' und bringet Ehr'. 320. Mert, Seele, dir dies große Wort: Wenn Jesus winkt, so geh, wenn er dich zieht, so eile fort, wenn er dich hält, so steh. 2. Wenn er dich lobt, so beuge dich, wenn er dich liebt, so ruh, wenn er dich aber schilt, so sprich: Mein Richter, Herr, bist du! 3. Wenn deinen Dienst er haben will, so steig in Kraft empor; wird Jesus in der Seele still, so nimm auch du Nichts vor. 4. So sei und bleibe denn dein Herz von dieser Stunde an in Füll' und Mangel, Freud' und Schmerz dem Hei, land unterthan. N. 2. Graf v. 3inzendorf,+ 1760. Mel. Mach's mit mir, Gott, nach deiner zc. 321. Mir nach, ſpricht Christus, unser Held, mir nach, ihr Christen alle; verleugnet euch, verlaßt die Welt, folgt 263 meinem Ruf und Schalle; nehmt euer Kreuz und Ungemach auf euch, folgt meinem Wandel nach! 2. Ich bin das Licht, ich leucht' euch für mit heil'gem Tugendleben. Wer zu mir kommt und folget mir, wird nicht im Finstern schweben. Ich bin der Weg, ich weise wohl, wie man wahrhaftig wandeln soll. 3. Mein Herz ist voll Demüthigkeit, voll Liebe mein Gemüthe. Mein Mund der fleußt zu jeder Zeit von Sanftmuth und von Güte. Mein Geist und Wille, Kraft und Sinn ist Gott ergeben, schaut auf ihn. 4. Ich zeig' euch, das, was schädlich ist, zu fliehen und zu meiden, und euer Herz von arger List zu rein'gen und zu scheiden. Ich bin der Seelen Fels und Hort und führ' euch zu der Himmelspfort'. 5. Fällt's euch zu schwer, ich geh' voran, ich steh' euch an der Seite, ich kämpfe selbst und breche Bahn, bin Alles 264 IV. Christenleben. in dem Streite. Ein Kriegsmann darf nicht stille stehn, sieht er voran den Feldherrn gehn. 6. Wer seine Seel' zu finden meint, wird sie ohn' mich verlieren; wer sie hier zu verlieren scheint, wird sie in Gott einführen. Wer nicht sein Kreuz nimmt und folgt mir, ist mein nicht werth und meiner Zier. 7. So laßt uns denn dem lieben Herrn mit Leib und Seel' nachgehen und wohlgemuth, getroft und gern bei ihm in Leiden stehen; denn wer nicht kämpft, trägt auch die Kron' des ew'gen Lebens nicht davon. 3. Scheffler( Angelus),+ 1677. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 322. Nicht der Anfang, nur das Ende krönt des Christen Glaubensstreit. Ach, getreuer Gott, vollende meinen Lauf in dieser Zeit! Hab' ich dich einmal erkannt, so verleih mir auch Bestand, daß ich, bis ich einst erkalte, Glauben, Lieb' und Hoffnung halte. 2. Laß mich einem Felsen gleichen, der in Sturm und Wellen steht; laß zurück mich nimmer weichen, wenn mich Noth und Tod umfäht. Sei mein Anker, der nicht bricht, sei mein Stern und helles Licht, daß ich nie von dir mich scheide und am Glauben Schiffbruch leide. 3. Es ist gut, ein Christ zu werden, besser noch, ein Christ zu sein; doch den besten Ruhm auf Erden giebt der Heiland dem allein, der ein Christ beständig bleibt und den Kampf zum Siege treibt; solchen wird mit ew'gen Kronen Christus droben einst belohnen. 4. Laß mich halten, was ich habe, daß mir nichts die Krone nimmt. Es ist deines Geistes Gabe, daß mein Glaubensdocht noch glimmt. Lösche nicht dies Fünklein aus; mach ein helles Feuer draus; laß es ungestöret brennen, dich vor aller Welt bekennen. 5. Du hast meinen Grund geleget; Jesus, der mein Grundstein ist, wird durch keine Macht beweget, ihn ver Heiligung. rücket keine List. Laß mich fest auf ihm bestehn, nimmermchr zu Grunde gehn, wenn sich Macht und List bemühen, mich von Jesu abzuziehen. 6. Hilf mir, Herr, dir anzuhangen, wie das Schaf am Hirten hängt, dich im Glauben zu umfangen, wie mich deine Gnad' umfängt. Kommt es dann zur leßten Noth, so verfiegle mir im Tod, was ich hier geglaubt auf Erden; laß es dort zum Schauen werden. B. Schmold,+ 1737. Mel. O du Liebe meiner Liebe. 323. D Durchbrecher aller Bande der du immer bei uns bist, und bei welchem Spott und Schande lauter Lust und Himmel ist; treibe von uns stets auf's Neue unsern alten Adam aus, bis uns deine Gnad' und Treue aus dem Kerker führt heraus. 265 geschenket hat, und uns aus dem Kampfe führeft zu der süßen Ruhestatt. 2. Ist's doch deines Vaters Wille, daß du endest dieses Werk; darum wohnt in die die Fülle aller Weisheit, Lieb' und Stärk, daß du Nichts von dem verlierest, was er dir 3. Ach, so mußt du uns vollenden, willst und kannst ja anders nicht; denn wir sind in deinen Händen, dein Herz ist auf uns gericht't, ob die Welt uns auch verachte hier in dieser Pilgerzeit, und mit Hochmuth uns betrachte ob des Kreuzes Niedrigkeit. 4. Aber schau doch unsre Ketten, da wir mit der Kreatur seufzend um Erlösung beten von der Schwachheit der Natur und dem Dienst der Eitelkeiten, der uns noch so hart bedrückt, wenn auch unser Geist zu Zeiten sich auf etwas Beffres schickt. 5. Laß erstarken unsre Kräfte, reiße selbst das Band entzwei, daß wir, durch die Weltgeschäfte ungefesselt, rütftig, frei, ohne Menschenfurcht und Zagen, wie es, Herr, dir wohlgefällt, ohne Scheu vor Schmach und Plagen überwinden Fleisch und Welt. 6. Herr, erlöse deine Kinder und zerbrich der Sünde 266 IV. Christenleben. Bann; dente, daß ein armer Sünder dir im Tod nicht die nen kann. Heb uns aus dem Staub der Sünden, wirf die Lust der Welt hinaus; laß uns wahre Freiheit finden, Freiheit in des Vaters Haus. 7. Wir verlangen keine Ruhe für den Leib in dieser Zeit; wie du's nöthig findst, so thue hier zu unsrer Seligkeit. Aber unser Geist, Herr, bindet dich im Glauben, läßt dich nicht, bis er die Erlösung findet, die dein treuer Mund verspricht. 8. Herrscher, herrsche! Sieger, fiege! König, brauch dein Regiment! Führe deines Reiches Kriege, mach der Sclaverei ein End'! Aus dem Kerker laß die Seelen durch des neuen Bundes Blut; laß nicht länger uns so quälen, mach es immer mit uns gut! 9. Theuer sind wir ja erworben, Menschenknechte nicht zu sein. Drum, so wahr du bist gestorben, mußt du uns auch machen rein, rein und frei und ganz vollkommen, in dein heilig Bild verklärt; Gnad' um Gnade hat genommen, wer aus deiner Füll' sich nährt. 10. Liebe, zeuch uns in dein Sterben; laß mit dir gekreuzigt sein, was dein Reich nicht kann ererben; führ in's Doch Paradies uns ein. wohlan, du wirst nicht säumen, laß uns nur nicht lässig sein; uns wird sein, als ob wir träumen, wenn die Freiheit bricht herein. G. Arnold, † 1714. Eigene Melodie. 324. Gott, du frommer Gott, du Brunnquell aller Gaben, ohn' den Nichts ist, was ist, von dem wir Alles haben; gesunden Leib gieb mir, und daß in solchem Leib die Seele unverlegt, rein das Gewissen bleib'. 2. Gieb, daß ich thu' mit Fleiß, was mir zu thun ge bühret, wozu mich dein Ge bot in meinem Stande führet; gieb, daß ich's thue bald, zu der Zeit, da ich soll, und Heiligung. wenn ich's thu', so gieb, daß es gerathe wohl. 3. Hilf, daß ich rede stets, womit ich kann bestehen, laß fein unnüßes Wort aus meinem Munde gehen; und wenn in meinem Amt ich reden soll und muß, so gieb den Worten Kraft und Nachdruck ohn' Verdruß. 4. Find't sich Gefährlichkeit, so laß mich nicht verzagen, verleih mir festen Muth, das Kreuz hilf selber tragen. Gieb, daß ich meinen Feind mit Sanftmuth überwind', und, wenn ich Raths bedarf, auch guten Rath erfind'. 5. Laß mich mit Jedermann in Fried' und Freundschaft leben, soweit es christlich ist. Willst du mir etwas geben an Reichthum, Gut und Geld, so gieb auch dies dabei, daß von unrechtem Gut nichts unter menget fei. 6. Soll ich auf dieser Welt mein Leben höher bringen, durch manchen sauern Tritt hindurch in's Alter dringen, so gieb mir, Herr, Geduld, vor Sünde mich bewahr, auf 267 daß ich tragen mag mit Ehren graues Haar. 7. Laß mich an meinem End' auf Chrifti Tod abscheiden; die Seele nimm zu dir hinauf zu deinen Freuden, dem Leib ein Räumlein gönn bei frommer Christen Grab, auf daß er seine Ruh' an ihrer Seite hab'. 8. Wenn du die Todten wirst an jenem Tag erwecken, woll'st deine Hand du auch zu meinem Grab ausstrecken. Laß, Herr, durch deinen Ruf dann meinen Leib erstehn und schön verklärt zur Schaar der Auserwählten gehn. I. Heermann,+ 1647. Mel. Wie wohl ist mir, o Freund tc. 325. O Baterherz, o Licht, o Leben, o treuer Hirt, Jinmanuel! Dir bin ich einmal übergeben, dir, dir gehöret Leib und Seel'; ich will mich nicht mehr selber führen, der Vater soll sein Kind regieren; so geh nun mit mir aus und ein! Ach Herr, erhöre meine Bitten und geh mit mir auf 268. IV. Christenleben. allen Tritten; ich gehe keinen Schritt allein. 2. Wenn du mich führst, kann ich nicht gleiten; dein Wort muß ewig feste stehn; du sprichst: Mein Auge soll dich leiten, mein Angesicht soll vor dir gehn! Ja, deine Güt' und dein Erbarmen soll mich beschüßen und umarmen; o, daß ich nur recht kindlich sei, bei Allem gläubig zu dir stehe und stets auf deinen Wink nur sehe, so stehest du mir täglich bei. 3. D, daß ich auch im Kleinsten merke auf deine Weisheit, Güt' und Treu', damit ich mich im Glauben stärke, dich lieb' und lob' und ruhig sei, und deine Weisheit lasse walten, stets Ordnung, Maaß und Ziel zu halten; denn lauf' ich vor, so lauf' ich an. Drum mach beim Besten mich gelassen, Nichts ohne dich mir anzumaßen; was du mir thust, ist wohlgethan. 4. Du weißt allein die Friedenswege, auch das, was mir den Frieden stört; drum laß mich meiden alle Stege, wo Welt und Sünde mich versehrt. Ach, daß ich nimmer von dir irre, noch durch Zerstreuung mich verwirre, auch nicht durch einen guten Schein. Ach, halte meine Seele feste, hab Acht auf mich auf's Allerbeste, lehr beten mich und wachsam sein. 5. D, daß ich mich in Nichts verweilte, was mir die Zeit und Kraft verzehrt! D, daß ich stets zum Himmel eilte! Mein Held, umgürte du dein Schwert und brich durch alle Hindernisse; so laß nach deinem Wort die Füße hinfort gewisse Tritte thun; laß mich in allen Worten, Werken auf deines Geistes Trieb nur merken, und nie in eignem Willen ruhn. Nur 6. Ach, mach mich kindlich, treu und stille, daß ich dir immer folgen kann. dein, nur dein vollkommner Wille sei für mich Schranke, Ziel und Bahn. Nichts soll mich ohne dich vergnügen; laß mir Nichts mehr am Herzen liegen, als deines Heiligung. großen Namens Ruhm; der fei allein mein Ziel auf Erden; ach, laß mir's nie ver rücket werden, denn ich bin ja dein Eigenthum. 7. Laß deinen Geist mich täglich treiben, Gebet und Flehen dir zu weihn. Dein Wort laß mir im Herzen bleiben und in mir Geist und Le ben sein; daß ich nach deinem Wohlgefallen in Ehrfurcht möge vor dir wallen, zeuch ganz die Seele zu dir hin. Vermehr in mir dein innres Leben, dir unaufhörlich Frucht zu geben, und bilde mich nach deinem Sinn. 8. So lob' und lieb' ich in der Stille, und lieg' als Kind in deinem Schooß; ich schöpfe Heil aus deiner Fülle, das Herz ist aller Sorgen los. Ich sorge nur vor allen Dingen, wie ich zum Himmel möge dringen; zu deinem Dienst bin ich bereit. Ach, zeuch mich, zeuch mich weit von hinnen; was du nicht bist, laß ganz zerinnen, du reiner Glanz der Ewigkeit. C. M. v. Bogatky, † 1774 269 Eigene Melodie. 326. Ringe recht, wenn Gottes Gnade dich nun ziehet und bekehrt, daß dein Geist sich ganz entlade von der Last, die ihn beschwert. 2. Ringe, denn die Pfort ist enge und der Lebensweg ist schmal. Eile durch der Welt Gedränge zu der Auserwählten Zahl. 3. Kämpfe bis auf Blut und Leben, dring hinein in Gottes Reich. Will der Feinddir widerstreben, werde weder matt noch weich. 4. Ringe, daß dein Eifer glühe und die erste Liebe dich von der ganzen Welt abziehe; halbe Liebe hält nicht Stich. 5. Ringe mit Gebet und Flehen, halte rüstig damit an, laß den Eifer nicht vergehen, wär's auch Tag und Nacht gethan. 6. Haft du so die Perl' errungen, denke nicht, du habeſt dann alles Böse schon bezwungen, was uns Schaden bringen kann. 7. Deines Heiles, deiner Seele nimm mit Furcht und 270 IV. Christenlebent. Zittern wahr; hier in dieser Welt voll Fehle schwebst du täglich in Gefahr. 8. Halt ja deine Krone feste, halte männlich, was du haft. Recht beharren ist das Beste, Rückfall ist ein böser Gast. 9. Laß das Auge ja nicht -gaffen nach der schnöden Eitelkeit; bleibe Tag und Nacht in Waffen, flieh den Stolz der Sicherheit. 10. Laß dem Fleisch nicht seinen Willen, gieb der Lust den Zügel nicht. Willst du die Begierden stillen, so ver lischt das Gnadenlicht. 11. Wahre Treu' führt mit der Sünde bis in's Grab beständig Krieg, gleichet nicht dem Rohr im Winde, sucht in jedem Kampf den Sieg. 12. Wahre Treu' liebt Chrifti Wege, steht beherzt auf ihrer Hut, weiß von keiner Fleischespflege, hält sich selber Nichts zu gut. 13. Wahre Treu' hält dem Getümmel dieser Welt sich niemals nah, denn ihr Schaß ist nur im Himmel, drum ist auch ihr Herz nur da. 14. Dies bedenket wohl, ihr Streiter, rüstet recht zum Kampfe euch, dringet alle Tage weiter, bis ihr kommt in's Himmelreich. 15. Eilet, zählet Tag und Stunden, bis der Heiland näher dringt, der, wenn Alles überwunden, euch zum Schauen Gottes bringt. 3. J. Winckler,+ 1722. Mel. Wachet auf! ruft uns die Stimme. 327. Rüstet euch, ihr Die Feinde Christenleute! suchen euch zur Beute; ja Satan selbst hat eu'r begehrt. Wappnet euch mit Gottes Worte und kämpfet frisch an jedem Orte, damit ihr bleibet unversehrt. Ift euch der Feind zu schnell; hier ist Immanuel. Hosianna! Der Starke fällt durch diesen Held, und wir behalten mit das Feld. 2. Reinigt euch von euren Lüsten, besieget fie und steht als Christen fest in dem Herrn und seiner Kraft. euch in Jesu Namen, daß ihr nicht strauchelt, wie die Lahmen Stärket Heiligung. übt stets des Glaubens Nitterschaft. Wer hier ermüden will, der schaue nach dem Ziel; da ist Freude. Wohlan, so seid zum Kampf bereit, dann krönet euch die Ewigkeit. 3. Streitet recht die wen'gen Jahre, eh' ihr kommt auf die Todtenbahre; kurz, kurz ist unser Lebenslauf. Wenn Gott wird die Todten wecken, und Christus wird die Welt erschrecken, so stehen wir mit Freuden auf. Gottlob, wir sind versöhnt. Daß uns die Welt noch höhnt, währt nicht lange, und Gottes Sohn hat längstens schon uns bei gelegt die Ehrenkron'. 4. Jesu, stärke deine Kinder und mach aus denen Ueberwinder, die du erkauft mit deinem Blut. Schaffe in uns neues Leben, daß wir uns stets zu dir erheben, wenn uns entfallen will der Muth. Geuß aus auf uns den Geist, dadurch die Liebe fleußt in die Herzen; so halten wir getreu an dir im Tod und Leben für und für. W. E. Arenda,+ 1721. 271 Mel. Werde munter, mein Gemüthe. 328. Schaffet, schaffet, Menschenkinder, schaffet eure Seligkeit! Bauet nicht, wie sichre Sünder, auf die ungewisse Zeit! Unverweilt bekehret euch! Ringet nach dem Himmelreich! Trachtet, heilig hier auf Erden, trachtet, selig dort zu werden! 2. Selig, wer im Glauben kämpfet, selig, wer im Kampf besteht, wer in sich die Lüfte dämpfet und den Reiz der Welt verschmäht! Unter Christi Kreuzesschmach jaget man dem Frieden nach. Wer den Himmel will ererben, muß zuvor mit Christo sterben. 3. Brünstig beten, all'zeit ringen, niemals träg und lässig sein, das läßt uns den Kampf gelingen, wird uns mit dem Sieg erfreun. Ohne tapfern Streit und Krieg folget nimmer Ruhm und Sieg, und nur Siegern reicht zum Lohne dort der Herr die Ehrenkrone. 4. Aufl entreißet euch den Lüsten, die ihr noch gefesselt seid, und beweiset euch als IV. Christenleben. dringe. L. A. Gotter,+ 1735. Christen muthig und getrost ringe und empor zum Himmel im Streit! Was euch ärgert, senkt in's Grab, was euch hindert, werfet ab; denket stets an Chrifti Worte: Dringet durch die enge Pforte! 5. Zittern will ich vor der Sünde, und dabei auf Jesum sehn, bis ich seinen Beistand finde, in der Gnade fest zu stehn. Ach, mein Heiland, steh mir bei, daß ich wohl gerüstet sei; gieb mir deines Geistes Waffen, meine Seligkeit zu schaffen. 272 6. Gieb zum Wollen das Vollbringen, gieb mir Muth und Kraft zum Streit. Lehre mich, mich selbst bezwingen, und verleih Beständigkeit. Irr' ich, o dann gehe nicht mit mir Armen in's Gericht; führe du durch deine Gnade mich zurück zum rechten rechten Pfade. 7. Amen, es geschehe, Amen! Gott versiegle dies in mir, auf daß ich in Jesu Namen so den Kampf des Glaubens führ'. Er verleihe Kraft und Stärk' und regiere selbst das Werk, daß ich wache, bete, Mel. Jesus, meine Zuversicht. 329. Seele, was ermüd'st du dich in den Dingen dieser Erden, die doch bald verzehren sich, die doch all' zu nichte werden? Suche Jesum und sein Licht; alles Andre hilft dir nicht. 2. Sammle den zerstreuten Sinn, laß ihn sich zu Gott aufschwingen, richt ihn stets zum Himmel hin, laß ihn in die Gnad' eindringen. Suche Jesum und sein Licht; alles Andre hilft dir nicht. 3. Du verlangst oft süße Ruh', dein betrübtes Herz zu laben; eil zum Lebensquell hinzu, da kannst du sie reichlich haben. Suche Jesum und sein Licht; alles Andre hilft dir nicht. 4. Fliehe die unsel'ge Pein, die das finstre Reich gebieret; laß nur den dein Labsal sein, der zur Glaubensfreiheit führet. Suche Jesum und sein Licht; alles Andre hilft dir nicht. 5. Weißt du nicht, daß Heiligung. diese Welt ein ganz andres Wesen heget, als dem Höchsten wohlgefällt und dein Ursprung in sich träget? Suche Jesum und sein Licht; alles Andre hilft dir nicht. 6. Du bist ja ein Hauch aus Gott und aus seinem Geist geboren, bist erlöst durch Christi Tod und zu seinem Reich erforen. Suche Jesum und sein Licht; alles Andre hilft dir nicht. 7. Laß dir seine Majestät immerdar vor Augen schweben, laß mit brünstigem Gebet sich dein Herz zu ihm erheben. Suche Jesum und sein Licht; alles Andre hilft dir nicht. 8. Sei im Uebrigen ganz still, du wirst schon zum Ziel gelangen; glaube, daß sein Liebeswill' fiillen werde dein Verlangen. Drum such Jesum und sein Licht; alles Andre hilft dir nicht. se wolf.+ 1754. ml. Wie nach ei cr Wafferquelle. 330. Sei getreu bis an das Ende, halte muthig aus im Streit; leidest du gleich harte Stände, endlich ist der 273 Sieg bereit. Ach, das Leiden dieser Zeit ist nicht werth der Herrlichkeit, die dein Jeſus dir will geben dort in jenem Freudenleben. 2. Sei getreu in deinem Glauben; laß dir seinen festen Grund niemals aus dem Herzen rauben; halte treulich deinen Bund, den dein Gott durch's Wasserbad fest mit dir geschlossen hat. Der geht sicherlich verloren, der nicht hält, was er geschworen. 3. Sei getreu in deiner Liebe gegen Gott, der dich geliebt. Auch die Lieb' am Nächsten übe, wenn er dich gleich oft betrübt. Denke, wie dein Heiland that, als er für die Feinde bat. So mußt du versöhnlich leben, soll dir anders Gott vergeben. 4. Sei getreu in deinem Leiden und laß dich kein Ungemach, keine Noth von Jesu scheiden, murre nicht in Weh und Ach! Denn du machest deine Schuld größer nur durch Ungeduld. Leichter trägt, wer willig träget, was sein Gott ihm auferleget. 18 274 IV. Christenlebent. 5. Sei getreu in deinem Hoffen, traue fest auf Gottes Wort. Hat dich Kreuz und Noth betroffen, und Gott hilft dir nicht sofort, hoffe fest: Gott ist schon hier nahe stets in Liebe dir, seine Hülf' ist schon vorhanden; hoffend wirst du nie zu Schanden. 6. Nun, wohlan, ich bleib' im Leiden, Glauben, Lieben, Hoffen fest, will getreu sein bis zum Scheiden, weil mein Gott mich nicht verläßt. Herr, den meine Seele liebt, dem sie sich im Kreuz ergiebt, sieh, ich fasse deine Hände: Hilf mir treu sein bis zum Ende! B. Prätorius, um 1659. Me 1. Was mein Gott will, gescheh' 2c. 331. Sei Gott getreu, halt seinen Bund, o Mensch, in deinem Leben; leg diesen Stein zum ersten Grund: bleib ihm allein ergeben. Denk an den Kauf in deiner Tauf, wo er sich dir verschrieben bei seinem Eid in Ewigkeit, als Vater dich zu lieben. 2. Sei Gott getreu; ob Kreuz fich find't, laß Nichts von ihm dich kehren; ist er dein Vater, du sein Kind, was willst du mehr begehren? Dies höchste Gut macht rechten Muth; kann seine Huld dir werden, o lieber Christ, nichts Beffres ist im Himmel und auf Erden. 3. Sei Gott getreu von Jugend auf; laß dich nicht Lust noch Leiden in deinem ganzen Lebenslauf von seiner Liebe scheiden. Denn seine Treu' wird täglich neu, auf sein Wort kannst du bauen; was er verspricht, das bricht er nicht, drauf sollst du kühnlich trauen. 4. Sei Gott getreu in deinem Stand, in den er dich geſetzet; wenn er dich hält mit seiner Hand, wer ist, der Wer seine dich verleget? Gnad' zum Schilde hat, dem fann kein Teufel schaden; ist diese Wehr hier um dich her, so bleibst du wohl berathen. 5. Sei Gott getreu, sein liebes Wort standhaftig zu bekennen; steh fest darauf Heiligung. an allem Ort, laß dich davon nicht trennen. Was diese Welt in Armen hält, muß Alles ja vergehen; doch Gottes Wort bleibt immerfort ohn' alles Wanken stehen. 6. Sei Gott getreu, denn er läßt sich getreu und gnädig finden; streit unter ihm nur ritterlich, laß über dich den Sünden ja wider Pflicht den Zügel nicht; und wär' ein Fall geschehen, so sei bereit, durch Buß' bei Zeit nur wieder aufzuſtehen. 7. Sei Gott getreu bis in den Tod und laß dich Nichts abwenden; er wird und kann in aller Noth dir treuen Beistand senden. Und wäre gleich der Hölle Reich zu dir herangedrungen, o, bleib in Ruh' und glaube du, du bleibeft unbe zwungen. 8. Wirst du Gott also bleiben treu, so wird er dir erweisen, daß er dein lieber Vater sei, wie er dir hat verheißen, und eine Kron' zum Gnadenlohn im Himmel dir aufseßen, da wirst du 275 dich dann ewiglich in seiner Treu' ergößen. M. Frand, t 1667 Eigene Melodie. 332. Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig, lege mich vor deinen Thron; schwache Thränen, kindlich Sehnen bring' ich dir, o Menschenſohn. Laß dich finden, laß dich finden! Meine Armuth kennst du schon. 2. Sieh doch auf mich, Herr, so fleh' ich; lenke dahin meinen Sinn, dir vor Allen zu gefallen, deß erkaufter Erb' ich bin. Laß dich finden, laß dich finden! Gieb dich mir und nimm mich hin! 3. Herr, erhöre, ich begehre einzig deine freie Gnad', die du giebest, wo du liebest und geliebt wirst mit der That. Laß dich finden, laß dich finden! Der hat Alles, der dich hat. 4. Himmelssonne, Seelenwonne, unbeflecktes Gotteslamm, all' mein Sinnen und Beginnen sucht nur dich, o Bräutigam. Laß dich finden, 18* IV. Christenleben. 276 Laß dich finden, starker Held aus Davids Stamm! 5. Wenn ich klage, wenn ich zage, wenn mein Seufzen zu dir dringt, höre gütig, was wehmüthig dir die treue Seele singt. Laß dich finden, laß dich finden, daß dein Geist mir Tröstung bringt! 6. Dieser Zeiten Eitelkeiten, Reichthum, Ehre, Lust und Freud', sind nur Schmerzen meinem Herzen, welches sucht die Ewigkeit. Laß dich finden, laß dich finden! Großer Gott, ich bin bereit. s. Neander, † 1680. Mel. Jejus meine Zuversicht. 333. Steil und dornig ist der Pfad, der uns zur Vollendung leitet. Selig ist, wer ihn betrat und als Streiter Jesu streitet; selig, wer den Lauf vollbringt, Jesu nach zum Ziele dringt. 2. Ueberschwänglich ist der Lohn der bis in den Tod Getreuen, die, der Luft der Welt entflohn, ihrem Heiland ganz sich weihen, deren Hoffnung unverrückt nach der Siegeskrone blickt. 3. Den am Kreuz wir bluten sehn, der hat uns den Lohn errungen und zu seines Himmels Höh'n sich vom Staub emporgeschwungen. Siegend in des Todes Nacht sprach er selbst: Es ist vollbracht! 4. Zeuch, o Herr, uns hin zu dir, zeuch dir nach die Schaar der Streiter! Sturm und Nacht umfängt uns hier, droben ist es still und heiter. Jenseits hinter Grab und Tod strahlt des Lebens Morgenroth. 5. Auf denn, Mitgenossen, geht muthig durch die kurze Wüste! Seht auf Jesum, wacht und fleht, daß Gott selbst zum Kampf euch rüste! Der in Schwachen mächtig ist, giebt uns Sieg durch Jesum Christ. s. G. Bürde, † 1831. Mel. Jesu, der du meine Seele. 334. Wer das Kleinod will erringen, wer besiegend Sünd' und Welt will empor zum Himmel dringen, zeige fich im Kampf als Held. Hier in seinen Uebungstagen muß er Alles thun und tragen, um Seelenfriede und Freudigkeit. der Hoffnung werth zu sein: einst ist jene Krone mein. 2. Mein Herr Jesu, deine Güte hält mir jenes Kleinod vor, das entzücket mein Gemüthe, zieht mein Herz zu dir empor. O, wie glänzt die schöne Krone von dem hohen Ehrenthrone, die du in der Herrlichkeit deinen Streitern hältst bereit! 3. Mich verlangt von ganzem Herzen, auch ein Sieger einst zu sein, und ich sehne mich mit Schmerzen, nach der Krone hellem Schein. Doch das Laufen macht mir bange, und der Kampf währt fast zu lange, weil bei'm Reiz der argen Welt mir oft alle Luft entfällt. 4. Mein verderbter Eigen wille hat bald dies bald das zu thun, hält im Laufen oft mals stille und will in dem 277 Streite ruhn. Auch die Welt kann mich verleiten, daß ich lässig werd' im Streiten, wenn mir deine treue Kraft nicht gewünschte Hülfe schafft. Mel. Valet will ich dir geben. 335. Ein Ein Wohlstand ohne Gleichen ist eines Christen 5. Drum, mein Jesu, steh mir Armen in so großer Schwachheit bei; laß dich meiner Noth erbarmen; mache mich von Allem frei, was mir will mein Ziel verrücken; komm, mich selbst recht zuzuschicken, gieb mir Kraft und Freudigkeit, fördre meinen Lauf und Streit. 6. Es verlohnt sich wohl der Mühe, ob es mir auch sauer wird, wenn ich mich der Welt entziehe, die doch stets zurück mich führt. Deine theure Gnadenkrone ist mir überg'nug zum Lohne; wirst du nur mein Beistand sein, so ist sie in Kurzem mein. 3. Mentzer,+ 1734, B. Das Leben der Wiedergeborenen. a. Seelenfriede und Freudigkeit. Stand, wie nie er bei den Reichen von dieser Welt sich fand. Ihn kann auch Nie 278 IV. Christenleben. mand rauben, wie feindlich sten inwendiges Leben, auch er gefinnt. Ein Christ ist wenn sie die Trübsal von durch den Glauben des reich außen her drückt; was ihnen sten Vaters Kind. der König des Himmels gegeben, das haben nur fie, und sonst keiner, erblickt. Weltsinn verleugnet, als Thor heit bezeichnet, hat ihre er leuchteten Sinne gezieret und sie zu der göttlichen Würde geführet. Was 2. Sie scheinen im Neußern von niederem Stande, ein Schauspiel den Engeln, ein Anstoß der Welt; doch innerlich gehn sie in reichem Gewande, sie tragen die Krone, die Jesu gefällt; ein Wunder der Zeiten, weil sie sich bereiten, dem König der Ehren, der himmelwärts führet, zu dienen, mit heiligem Schmucke gezieret. 3. Sie wandeln auf Erden und leben und leben im Himmel; fie bleiben ohnmächtig und schützen die Welt; sie schmecken den Frieden bei allem Getümmel, find arm, doch sie haben, was ihnen gefällt. Sie stehen in Leiden und bleiben in Freu Eigene Melodie. 336. Es glänzet der Chri- den; sie scheinen ertödtet den 2. Er darf getroft stets kommen vor Gottes Angesicht; da wird er aufgenommen, und Niemand widerspricht; was ihn auch hat betroffen, ob Freude oder Leid, ihm steht der Zugang offen zum Vater jederzeit. 3. Durch Schrecken und Gefahren darf unverzagt er gehn; es werden Engelschaaren zu seiner Seite stehn; er wird geschüßt von ihnen vor Unheil Nacht und Tag; zum Segen muß ihm dienen, was ihm begegnen mag. You 4. Und geht ihm hier auf Erden die Kindeszeit zu End'; er weiß, was ihm muß werden nach Christi Testament: ein Erbtheil in dem reichen, geliebten Vaterland. Solch' Wohlstand ohne Gleichen ist cines Christen Stand. C. 3. Ph. Spitta,+ 1859. Seelenfriede und Freudigkeit. äußeren Sinnen und führen die Hülle des Kreuzes entdas Leben des Glaubens von innen. stellt. Hier wenig geschäßet und oftmals verleget, hier heimlich mit Christo im Vater verkehren, dort öffentlich tragen die Krone der Ehren! C. F. Richter, † 1711. 4. Wenn Christus, ihr Se ben, sich wird offenbaren, wenn er nun der Welt sich in Herrlichkeit zeigt, dann wird auch den frommen und gläubigen Schaaren die Krone des ewigen Lebens gereicht. Sie werden regieren, mit ihm triumphiren, und die sie verachtet, die werden sie sehen im strahlenden Glanze der Ewigkeit stehen. 5. Frohlocke, du Erde, und jauchzet, ihr Hügel, daß ihr die Erwählten des Herren noch tragt; denn das ist vom Höchsten das göttliche Siegel, daß euch auch ein herrlicher Morgen noch tagt; da sollt ihr mit ihnen auf's Prächtigste grünen. Wann erst ist den Kindern die Freiheit gekommen, dann wird euch die drückende Knechtschaft genommen. 6. D Jesu, verborgenes Leben der Seelen, du himmlische Zierde der inneren Welt, laß deinen verborgenen Weg uns erwählen, wenngleich uns 279 Mel. Warum sollt' ich mich denn grämen, 337. O, was für ein herrlich Wesen hat ein Christ, der da ist recht in Gott genesen, der aus ihm ist neu geboren, und hier schon in dem Sohn ist zum Kind erkoren! 2. Wenn die Seele von der Erde los sich reißt, daß im Geist sie hier selig werde, so ist das ihr hoher Adel, welcher sie spät und früh zieret ohne Tadel. 3. Königsscepter, Königskronen stehn auf Sand, sind nur Tand nebst der Erde Thronen; eine Seel', die Gott regieret, hat hier schon eine Kron', die sie ewig zieret. 4. Köstlich hat sie Gott geschmücket, reine Seid' ist ihr Kleid, hoch ist sie beglücket; innerlich erglänzt ihr Leben, IV. Christenleben. 280 hoch und hehr ist die Ehr', die ihr Gott gegeben. 5. Doch ihr Glanz bleibt hier verdecket, weil die Welt dafür hält, daß sie sei beflecket; still lebt sie in Gott verborgen, hat oft Hohn hier zum Lohn, doch sie läßt Gott sorgen. 6. Christus, der sie sich erwählet, dem als Braut sie vertraut, siehet, was ihr fehlet, tröstet sie im bittern Leiden, führt sie dann auf die Bahn reiner Himmelsfreuden. 7. Ihre Hoheit wird vermehret bei dem Schmerz, der das Herz hier im Kreuz bewähret; dieses schmücket ihre Krone, die einmal nach der Qual fie empfängt zum Lohne. 8. Ewig wird sie triumphiren, wenn ihr Hirt, Christus, wird in sein Haus sie führen und ihr öffnen alle Schäße, daß sie sich ewiglich dort daran ergöße. 9. Dann wird sie kein Leid mehr beugen, und ihr Glanz wird sich ganz offenbarlich zeigen; leuchten wird sie, wie die Sonne; Gott allein wird dann sein ihre Freud' und Wonne. 10. Dann wird Christus sie erheben auf den Thron, ihr die Kron' der Gerechten geben; dann wird Jedermann sie kennen und sie frei, ohne Scheu, hoch von Adel nennen. 3. G. Wolf,+ 1754. Eigene Melodie. 338. Ruhe ist das beste Gut, das man haben kann; stiller Sinn und guter Muth steigen himmelan. Die suche du. Hier und dort ist keine Ruh', als bei Gott; ihm eile zu! Gott ist die Ruh'. 2. Ruhe sucht ja Jeder hier, allermeist ein Christ; ring auch du, mein Herz nach ihr, wo du immer bist; such Ruh', such Ruh'! Hier und dort ist keine Ruh', als bei Gott; ihm eile zu! Gott ist die Ruh'. 3. Ruhe giebt dir nicht die Welt, ihre Luft und Pracht; Ruhe giebt nicht Gut und Geld, Ehre, Gunst und Macht; reicht Reines zu. Hier und dort ist keine Ruh', als bei Seelenfriede und Freudigkeit. Gott; ihm eile zu! Gott ist die Ruh'. 4. Ruhe geben kann allein Gott durch seinen Sohn, der der dich freundlich ladet ein vor des Himmels Thron zur wahren Ruh'. Hier und dort ist keine Ruh', als bei Gott; ihm eile zu! Gott ist die Ruh'. 5. Ruhe kommt vom Glauben her, der an Jesu hält; Jesus macht ja leicht, was schwer, richtet auf, was fällt; sein Geist giebt Ruh'. Hier und dort ist keine Ruh', als bei Gott; ihm eile zu! Gott ist die Ruh'. 6. Ruhe kehret allermeist gern bei Demuth ein; fühlst du dich vor Gott im Geist arm, gering und klein, dann find'st du Ruh'. Hier und dort ist keine Ruh', als bei Gott; ihm eile zu! Gott ist die Ruh'. 7. Ruhe kommt aus gleichem Quell, dem die Lieb' entspringt; wo die Liebe warm und hell durch die Seele dringt, da strömt auch Ruh'. Hier und dort ist keine Ruh', als bei Gott; ihm eile zu! Gott ist die Ruh'. 281 8. Ruhe, noch mit einem Wort, soll sie ewig sein, willst du Ruhe hier und dort, geh zu Jesu ein; er ist die Ruh'. Hier und dort ist keine Ruh', als bei Gott; ihm eile zu! Gott ist die Ruh'. 3. C. Schade, † 1698. Mel. Wie wohl ist mir zc. 339. Umschließ mich ganz mit deinem Frieden, mein treu erkannter Seelenfreund; halt mich von Allem abgeschieden, was dein nicht ist, was dich nicht meint. Jch wünsche mir kein andres Leben, als das dein Sterben mir gegeben, und du am Kreuz erworben hast. Drum Drum beuge meinen Eigenwillen, daß er sich göttlich möge stillen bei deines Joches leichter Laſt. 2. Mein König, laß mich Nichts vertreiben aus dieser Burg, die Friede heißt; laß immerdar gewiß mir bleiben, daß du stets bei den Deinen seist. Rein Gut ist dieſem zu vergleichen, kein Denken kann das Ziel erreichen, das mir durch dich bereitet ist. Nur IV. Chriftenleben. 282 durch des Geistes fanftes Wehen kann ich etwas davon verstehn, daß du mein ew'ger Friede bist. 3. Dabei, mein Heiland, laß mich bleiben, so lange mir mein Herz noch schlägt; dies laß mich denken, lieben, treiben, so lang mich deine Gnade trägt. Bewahre selber all' mein Sinnen, laß all' mein Denken und Beginnen ein Zeugniß deines Friedens sein. Komm, all' dein Wesen in mich lege, komm, für die scheint. G. Clemens, † 1776. und Christo in der Liebe. Herz mir stillt. Ein Jeder liebe, was er will; ich liebe Jesum, der mein Ziel. 3. Die Welt vergeht mit ihren Lüsten, des Fleisches Schönheit dauert nicht; die Zeit kann Alles das verwüsten, was Menschenhände zugericht't. Ein Jeder liebe, was er will; ich liebe Jesum, der mein Ziel. 4. Er ist allein mein Licht und Leben, die Wahrheit selbst, das ew'ge Wort; er ist der b. Gemeinschaft mit Gott Eigene Melodie. 340. Ach, sagt mir nichts von Gold und Schäßen, von Pracht und Schönheit dieser Welt; es kann mich ja kein Ding ergößen, was mir die Welt vor Augen stellt. Ein Jeder liebe, was er will; ich liebe Jesum, der mein Ziel. 2. Ja, er allein ist meine Freude, mein Gold, mein Schak, mein schönstes Bild, an dem ich meine Augen weide, und finde, was das Ewigkeiten präge mir deines Lebens Bildniß ein. 4. Halleluja! ich will es wagen durch Noth und Tod dir nachzugehn. Ich folge, Herr, dir ohne Zagen mit unablässig heißem Flehn. Ich nehme deine Kreuzesbürde und die damit verbundne Würde und stüße mich auf dich, mein Freund. Ich weiß, du trägst mich durch's Gedränge mit aller meiner Lasten Menge, bis mir dein Antlig ewig Gemeinschaft mit Gott und Christo in der Liebe. 283 Drum lieb' ich billig in der Still' nur Jesum, meines Herzens Ziel. d 3. Scheffler( Angelus), † 1677. Weinstock, ich sein Reben, er ist der Seelen Fels und Hort. Ein Jeder liebe, was er will; ich liebe Jesum, der mein Ziel. 5. Er ist der König aller Ehren, er ist der Herr der Herrlichkeit; er kann mir ew'ges Heil gewähren, mir Sieg verleihn in allem Streit. Ein Jeder liebe, was er will; ich liebe Jesum, der mein Ziel. 6. Sein Schloß kann keine Macht zerstören, sein Reich vergeht nicht mit der Zeit, sein Thron bleibt ftets in gleichen Ehren von nun an bis in Ewigkeit. Ein Jeder liebe, was er will; ich liebe Jesum, der mein Ziel. 7. Er will mich hoch zu sich erheben und seiner Klarheit machen gleich; er will mir so viel Schätze geben, daß ich werd' unerschöpflich reich. Ein Jeder liebe, was er will; ich liebe Jesum, der mein Ziel. 8. Muß ich gleich hier noch viel entbehren, so lang ich wandre in der Zeit, wird er es mir doch einft gewähren im Reiche seiner Herrlichkeit. Mel. Echwing dich auf zu deinem Gott. 341. Deines Gottes freue dich, dank ihm, meine Seele. Sorget er nicht väterlich, daß kein Gut dir fehle? Schüßt er dich nicht allezeit, wenn Gefahren dräuen? Schafft er dir nicht Seligkeitsiner dich zu freuen? 2. Ja, mein Gott, ich hab' an dir, was mein Herz begehret, einen Vater, welcher mir, was mir nüßt, gewähret, welcher mich mit seinem Wort hier zum Guten lenket und mit Himmelswonne dort meine Seele tränket. 3. Wenn ich dich, mein Herr und Gott, treu und kindlich liebe, wenn ich redlich dein Gebot und mit Freuden übe, o, wie ist mir dann so wohl, wie ist mein Gemüthe seliger Empfindung voll, voll von deiner Güte! 4. Jesus ist nach deinem Rath in die Welt gekommen, 284 IV. Christenlebent. alle meine Missethat hat er weggenommen. Ihn bet' ich in Demuth an, glaub' an seine Leiden, folg' ihm treulich, und so kann nichts von dir mich scheiden. 5. Du bist mein! so jauchz' ich dann, wer ist, der mir schade? Heil mir, daß ich's rühmen kann: mein ist deine Gnade; dir ist meine Wohl fahrt werth; der du gabst das enen, wirst auch, was das ken nährt und erfreut, mir geben. 6. Nun darf ich mit Zuverficht nach dem Himmel blicken; meine Leiden fühl' ich nicht, wie sie auch mich drücken. Wenn mein Lauf vollendet ist und vollbracht mein Lei den, ruft mein Mittler, Jesus Christ, mich zu seinen Freuden. 7. Laß die Lust zur Sünde nie dieses Heil mir rauben; rüste selbst mich wider sie mit dem rechten Glauben. Deinen Geist verleihe mir, der mein Thun regiere, daß ich mein Vertraun zu dir ewig nicht verliere. B. Münter, † 1793. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 342. Der beste Freund ist in dem Himmel, auf Erden sind die Freunde rar, und bei dem falschen Weltgetümmel ist Redlichkeit oft in Ge fahr. Drum hab' ich's immer so gemeint: mein Jesus ist der beste Freund. 2. Die Menschen sind wie eine Wiege; mein Jesus stehet felsenfest, daß, wenn ich gleich darnieder liege, mich seine Freundschaft doch nicht läßt. Er ist's, der mit mir lacht und weint; mein Jesus ist der beste Freund. 3. Die Welt verkaufet ihre Liebe dem, der am Meistent nüßen kann; ist dann einmal das Wetter trübe, so steht die Freundschaft hinten an. Doch sei's, daß keine Sonne scheint; mein Jesus ist der beste Freund. 4. Er läßt sich selber für mich tödten, vergießt für mich sein eigen Blut; er steht mir bei in allen Nöthen, und spricht für meine Schulden gut. Er hat mir niemals was verneint; mein Jesus ist der beste Freund. Gemeinschaft mit Gott und Christo in der Liebe. 285 arge Fleisch und Blut, und, ob der Geist dawider kämpfet, doch oft gebeuget wird mein Muth, so leg' ich mich vor dich mit Flehen: Mein Heil, laß Hülfe mir geschehen, und stärke mich in diesem Streit! Durch dich, Herr, überwind ich weit. 5. Mein Freund, der mir sein Herze giebet; mein Freund, der mein, gleich wie ich sein; mein Freund, der mich beständig liebet; mein Freund bis in das Grab hinein. Von Grund des Herzens ist's gemeint: mein Jesus ist der beste Freund. 6. Behalte, Welt, dir deine Freunde, sie sind mir viel zu wandelbar. Und hätt' ich hunderttausend Feinde, so nimmt mein Heiland meiner wahr. Hier immer Freund und nimmer Feind; mein Jesus ist der beste Freund. B. Schmold,+ 1737. Eigene Melodie. 343. Du bist ja, Jeſus, meine Freude; warum ist denn mein Herz betrübt? Kann Freude sein auch bei dem Leide in einem Herzen, das dich liebt? Ach ja, wenn ich in deiner Liebe, mein Jesu, mich getreulich übe, dann hebt bald eine Freude an, die keine Zung' aussprechen kann. 2. Weil aber noch nicht ganz gedämpfet in mir das 3. Du haft, o Held, ja überwunden; gieb mir auch Ueberwindungskraft, laß mich in meinen Kampfesstundent erfahren, was dein Leiden schafft. Mit ihm hast Alles du besieget, daß unter deinen Füßen lieget Welt, Sünde, Teufel, Höll' und Tod; mach sie nun auch an mir zum Spott. 4. Jch trau' allein auf deine Gnade, die mir dein theures Wort verspricht. Es sagt, daß Nichts den Deinen schade, weil's nie an deiner Kraft gebricht. Nun hast du mich ja angenommen, als ich mit Flehn zu dir gekommen; mein Herz hat inniglich verspürt, wie mich dein Gnadenblick berührt. 5. Weil ich denn nun an IV. Christenleben. 286 deinem Leibe ein Glied, wie wohl unwürdig, bin, so gieb, daß ich stets in dir bleibe, und in mir trage deinen Sinn. Laß mich nicht andre Helfer suchen, laß falsche Lüste mich verfluchen. Besige du mein Herz allein; dein Leben laß mein Leben sein. 6. Gieb, daß ich stets in dir mich freue, weil dein Herz mich beständig liebt, daß ich dabei kein Leiden scheue, weil's mich, in meinem Glauben übt; ja hilf, daß ich noch stärker ringe und immer weiter in dich dringe, bis endlich nach besiegter Pein in mir wird lauter Freude sein. C. J. Koitsch, † 1735. Eigene Melodie. 344. Du unvergleichlich's Gut, wer wollte dich nicht lieben? Wer wollte nicht sein Herz um dich, o Gott, betrüben? Wer wollte nicht mit Geist und Sinn sich sehnlich wenden zu dir hin? 2. Du bist der reinste Glanz, den auch nur anzuschauen, kein Engel würdig ist; wie darf's ein Mensch sich trauen? Und doch bist du so allgemein, wie nimmermehr der Sonnenschein. 3. Du bist die Majestät, der Alles Ehr' erzeiget; der Herr, vor dessen Thron sich Erd' und Himmel neiget; und dennoch neigst du dich so weit zu mir in meiner Niedrigkeit. 4. Du bist die Weisheit selbst, die wunderbar regieret, der ewige Verstand, der Alles herrlich führet; und giebſt doch solche Würde mir, daß ich regieren soll mit dir. 5. Du bist das höchste Gut, darfst keines Guts begehren, haft volle Seligkeit, und kennest kein Entbehren; und doch verlangst du meine Brust zur Wohnung deiner Himmelslust. 6. Du bist die Schönheit selbst, nichts Schönres kannst du finden; nur dein selbsteignes Bild vermag dein Herz zu binden; und doch macht deiner Liebe Band dich mir, dem Schatten, anverwandt. 7. Du sigest auf dem Thron, vor dem die Teufel zittern; dein Reich steht ewig fest Gemeinschaft mit Gott und Christo in der Liebe. 287 erfüllen, und dann wird ihm auch gethan, was das Herz nur wünschen kann. troß allen Ungewitt ern; und doch steigst du zu mir herab durch Kreuz und Tod bis in das Grab. 8. Du unvergleichlich's Gut, wie sollt' ich dich nicht lieben? Wie sollte nicht mein Herz sich stets nach dir betrüben? Ach, wäre doch mein Geist und Sinn schon ganz in dich, mein Jesu, hin! 3. Scheffler( Angelus), † 1677. Mel. Jesum lieb' ich ewiglich. 345. Habe deine Lust am Herrn, der dir schenket Lust und Leben, so wird dir dein Gnadenstern tausend holde Strahlen geben; denn er beut dir treulich an, was dein Herz nur wünschen kann. 2. Laß der Welt die eitle Luft, die in Weinen sich verkehret; wer das Herz in seiner Brust Gott allein zur Lust gewähret, der trifft auch in Allem an, was das Herz nur wünschen kann. 818 3. Wer die Lust am Herren hat, hat auch Lust an seinem Willen, und bemüht sich früh und spat, diesen redlich zu 4. Ist die Lust nicht ohne Last, trage willig die Be schwerden; wenn du wohl geLitten hast, wirst du erst recht fröhlich werden, und triffst dort im Himmel an, was dein Herz nur wünschen kann. B. Schmold,+ 1737. Eigene Melodie. 346. Herzlich lieb hab' ich dich, o Herr! Sei mir nicht fern, Allgütiger, mit deiner Gnade Gaben. Die ganze Welt erfreut mich nicht, nach Erd' und Himmel frag' ich nicht, wenn ich nur dich kann haben. Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, bist du doch meine Zuversicht, mein bestes Theil, mein höchstes Gut, hast mich erlöset durch dein Blut. Herr Jesu Christ, mein Gott und Herr, mein Gott und Herr, in Schanden laß mich nimmermehr. 2. Es ist ja dein Geschenk und Gab' mein Leib und Seel' und was ich hab' in diesem IV. Christenleben. 288 armen Leben. Damit ich's brauch' zum Lobe dein, zu Nuß und Dienst des Nächsten mein, woll'st mir dein' Gnade geben. Behüt mich, Herr, vor falscher Lehr', dem Seelen mord, der Lüge wehr; in allem Kreuz erhalte mich, auf daß ich's trag' geduldiglich. Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, mein Herr und Gott, tröst mir mein' Seel' in Todesnoth. 3. Ach, Herr, laß einst die Engel dein am letzten End' die Seele mein in Abrahams Schooß tragen, den Leib in seinem Kämmerlein gar sanft ruhn ohne Qual und Bein bis zu dem jüngsten Tage. Alsdann vom Tod erwecke mich, daß meine Augen sehen dich in aller Freud', o Got tessohn, mein Heiland und mein Gnadenthron. Herr Jesu Christ, erhöre mich, erhöre mich, ich will dich preisen ewiglich. M. Schalling, † 1608. Eigene Melodie. 347. Höchfter Priester, der du dich selbst geopfert haft für mich, laß doch, bitt' ich, noch auf Erden auch mein Herz dein Opfer werden. 2. Denn die Liebe nimmt Nichts an, was die Liebe nicht gethan; was durch deine Hand nicht gehet, wird zu Gott auch nicht erhöhet. 3. Drum, Herr, tödte meinen Sinn, meinen Willen, nimm ihn hin; reiß ihn selbst aus meinem Herzen, sollt's auch sein mit tausend Schmerzen. 4. Zünd, o Herr, das Feuer an, das mich ganz verzehren kann; o, du allertreu'ste Liebe, wenn doch nichts mehr von mir bliebe! 5. Also wird es wohl geschehn, daß ich kann vor dir bestehn; also werd' ich noch auf Erden Gott ein liebes Opfer werden. Joh. Scheffler( Angelus), † 1677. Eigene Melodie. 348. Ich lass dich nicht, du mußt mein Jesus bleiben. Will Angst und Noth und selbst der Tod das matte Herz aus aller Ruh' vertreiben, Gemeinschaft mit Gott und Christo in der Liebe. 289 so halt' ich dennoch mich, du willst, mit mir, ich weiche mein starker Held, an dich; hör, was mein Herze spricht: Du mußt mein Jesus bleiben, ich lass' dich nicht, ich lass' dich nicht. nicht von dir, es bleibt mir süße Pflicht. Du Hülf' in allen Nöthen, ich laff' dich nicht, ich lass' dich nicht. 5. Von dir kommt Heil. Sollt' ich den Segen laffen? Nein, Jesu, nein, du bleibest mein. Tich halt' ich noch, wenn ich nichts mehr kann fassen. Nach kurzer Nächte Lauf geht mir der Segen auf von dir, dem Segenslicht. Sollt' ich den Segen lassen? Ich lass' dich nicht, ich laff' dich nicht. 2. Mein bester Freund, wie treu ist deine Liebe! Ich flebh' zu dir, stärk auch in mir des Glaubens und der Liebe sanfte Triebe. Im liebevollsten Sinn gingst du zum Tode hin, gingst für mich in's Gericht. Du Heiland voller Liebe, ich lass' dich nicht, ich laff' dich nicht. 3. Herr, ich bin schwach; du bist's, der neue Stärke, der Trost und Kraft dem Herzen schafft, wenn ich in mir des Glaubens Schwach heit merke. Drückt Schmerz und Krankheit mich, so faßt mein Glaube dich mit fester Zuversicht. Du meiner See len Stärke, ich lass' dich nicht, ich lass' dich nicht. 4. Jch traue dir, du Hülf' in allen Nöthen. Leg Joch auf Joch, ich hoffe doch, auch wenn es scheint, als wolltest du mich tödten. Mach's, wie 6. Dir bleib' ich treu. Führ mich nach deinem Willen. Folg' ich nur dir, wie wohl ist mir! Dein weiser Schluß kann allen Kummer stillen. Dir, Jesu, hang' ich an, wenn gleich auf meiner Bahn so mancher Dorn mich sticht. Führ mich nach deinem Willen; ich lass' dich nicht, ich laff' dich nicht. 7. Ich lass' dich nicht, auch mitten in den Freuden; denn ohne dich verwandeln sich die Freuden dieser Welt in lauter Leiden. Der Sünde 19 290 IV. Christenlebent. sich erfreun, bringt doch nur Schmerz und Pein; im Tod und im Gericht und mitten in der Freude lass' ich dich nicht, laff' ich dich nicht. 8. So bleibst du denn mein Gott, mein Herr, mein Leben. Mich reißt das Grab von dir nicht ab, der du dich haft für mich dahin gegeben. Du starbst aus Liebe mir, ich sag' aus Liebe dir: Auch wenn das Herz mir bricht, mein Gott, mein Herr, mein Leben, ich laff' dich nicht, ich laff' dich nicht. W. C. Dessler, † 1722. Eigene Melodie. 349. Ich will dich lieben, meine Stärke, dich, meiner Seele Ruhm und Zier, ich will dich lieben durch die Werke und mit der heiligsten Begier; ich will dich lieben, schönstes Licht, bis einst das Herz mir bricht. 2. Ich will dich lieben, o mein Leben, dich, meiner Seele bester Freund; ich will dich lieben und erheben, so lang dein Gnadenglanz mir scheint; ich will dich lieben, Gotteslamm, das litt am Kreuzesstamm. 3. Ach, daß ich dich so spät erkannte, du hochgelobter Heiland du; daß ich nicht früher mein dich nannte, du höchstes Gut und wahre Ruh'! Es ist mir leid, ich bin betrübt, daß ich so spät geliebt. 4. Jch ging verirrt und war verblendet; ich suchte dich, und fand dich nicht; ich hatte mich von dir gewendet und liebte das geschaffne Licht; nun aber ist's durch dich geschehn, daß ich dich hab' ersehn. 5. Ich danke dir, du wahre Sonne, daß mir dein Glanz hat Licht gebracht; ich danke dir, du Himmelswonne, daß du mich froh und frei gemacht; ich danke dir, du Gotteskraft, die neues Leben schafft. 6. Erhalte mich auf deinen Stegen, und laß mich nicht mehr irre gehn; laß meinen Fuß in deinen Wegen nicht straucheln oder stille stehn; erleuchte meine Seele ganz, du reiner Himmelsglanz. 7. Ich will dich lieben, meine Krone, ich will dich Gemeinschaft mit Gott und Christo in der Liebe. 291 lieben, du mein Gott, dich Elend, Noth, Kreuz, Schmach lieben auch bei Schmach und und Tod, soll mich, ob ich Hohne, selbst in der aller- viel muß leiden, nicht von größten Noth; ich will dich Jesu scheiden. lieben, schönstes Licht, bis einst das Herz mir bricht. 3. Scheffler( Angelus).+ 1677. Eigene Melodie. 350. Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier! Ach, wie lang, wie lange ist dem Herzen bange, das sich sehnt nach dir. Gottes Sohn im Himmelsthron, außer dir soll mir auf Erden nichts sonst Liebres werden. 2. Unter deinem Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei. Mag von Ungewittern rings die Erde zittern, mir steht Jesus bei. Ob die Welt mir Neze stellt, ob mich Sünd' und Hölle schrecken, Jesus will mich decken. 3. Weg mit allen Schäßen! Du bist mein Ergößen, du bist meine Luft. Weg, ihr eitlen Ehren, ich mag Euch nicht hören, bleibt mir unbewußt! 4. Gute Nacht, o Wesen, das die Welt erlesen, mir gefällst du nicht! Weicht von mir, ihr Sünden, bleibet weit dahinten, kommt nicht mehr an's Licht! Fahre hin, du stolzer Sinn! Abschied sei von mir gegeben allem Lasterleben. 5. Weicht, ihr Trauergeister, denn mein Herr und Meister tritt mit Troft herein! Denen, die Gott lieben, muß auch ihr Betrüben eitel Freude sein. Duld' ich schon hier Spott und Hohn, du bleibst auch in allem Leide, Jesu, meine Freude! 3. Frand,+ 1677. Mel. Jesu, der du meine Seele. 351. Jeju, meiner Seele Leben, meines Herzens Seligkeit, dir will ich mich ganz ergeben, dein zu bleiben alle zeit; meinen Herrn will ich dich nennen und vor aller Welt bekennen, daß ich dein 19* IV. Christenleben. 292 bin, wie du mein; keines Andern will ich sein. 2. Deine Huld hat mich umfangen, als mich kaum die Welt empfing; du bist mir schon nachgegangen, als an Mutterbrust ich hing; du hast schon mich aufgenommen, eh' ich konnte zu dir kommen. Jch bin dein und du bist mein; keines Andern will ich sein. 3. Auf der Kindheit wilden Wegen nahmst du treulich meiner wahr, boteft mir zu meinem Segen deines Geistes Hülfe dar, der mich, wo ich fehlgetreten, wieder trieb, zu dir zu beten. Ich bin dein und du bist mein; keines Andern will ich sein. 4. Fassen durft' ich in der Jugend oftmals deine Gnadenhand, wenn ich von der Bahn der Tugend weit mich hatte abgewandt; ohne dich wär' ich verdorben und in Sünden längst erstorben. Ich bin dein und du bist mein; keines Andern will ich sein. 5. Ja, mich hat durch's ganze Leben deiner Gnade Licht geführt; mich zu dir emporzuheben, hast du meinen Lauf regiert, haft mit dem, das ewig währet, meine Seele stets genähret. Jch bin dein und du bist mein; keines Andern will ich sein. 6. Jrr' ich, sucht mich deine Liebe; fall' ich, hilft fie bald mir auf; wird mein Leben bang und trübe, stärkt sie tröstend mich im Lauf; bin ich arm, giebt sie mir Güter, in Gefahr ist sie mein Hüter. Ich bin dein und du bist mein; keines Andern will ich sein. 7. Das mir beigelegte Erbe hält dein Geist vor Augen mir, daß ich weiß: wenn heut ich sterbe, meine Seele kommt zu dir, zu des Himmels ew' gen Freuden. Drum soll Nichts von dir mich scheiden. Ich bin dein und du bist mein; keines Andern will ich sein. 8. Nicht um meiner Werke willen wurde solches mir zu Theil; Herr, du mußteft selbſt erfüllen, was mir dient zum ew'gen Heil; du hast Leben mir erworben, als du bist für mich gestorben. Ich bin Gemeinschaft mit Gott und Chrifto in der Liebe. 293 Glück und Leiden. Halleluja. Sieh, wir verlangen, an dir zu hangen, für Tod und Leben dir hingegeben; Nichts soll uns scheiden. Halleluja. dein und du bist mein; keines Andern will ich sein. 9. Drum, im Tode wie im Leben bleibe ich als Eigenthum dir, mein Heiland, treu ergeben, suche keinen andern Ruhm, als nur den, dir anzuhangen, dich im Glauben zu umfangen. Ich bin dein und du bist mein; keincs Andern will ich sein. 10. Herr, noch Eines laß mich flehen, nimm die Bitte gnädig an; wenn mein Auge nicht mehr sehen, wenn mein Mund nicht sprechen kann, wenn das Herz mir nun will brechen, laß mich doch zulegt noch sprechen: Ich bin dein und du bist mein; keines Andern will ich sein.. C. Ecriver,+ 1693. Eigene Melodie.. 352. In dir ist Freude in allem Leide, Herr und Heiland Jesu Christ, tenn voll Erbarmen giebst du uns Armen, was zum Heil uns nöthig ist; hilfft uns aus Schanden, retteft aus Banden; wer dir vertrauet, hat wohl gebauet im 2. D Herr, gieb Gnade, daß uns nicht schade Welt und Sünde, Noth und Tod. Du haft's in Händen, kannst Alles wenden, was uns zu verderben droht. Drum, dich zu ehren, dein Lob zu mehren und dir zu dienen, sind wir erschienen zu dieser Stunde. Halleluja. In Jubelsängen und Dankesklängen sei, Helfer droben, von uns erhoben mit Herz und Munde. Halleluja. 3. Liedemann,+ 1630. Mel. Wie wohl ist mir, o Freund der zc. 353. Lebst du in mir, o wahres Leben, so sterbe nur, was du nicht bist. Ein Blick von dir kann mehr mir geben, als was der Welt vergnüg lich ist. O Jesu, du sollst mein verbleiben; Nichts wird mich von der Liebe treiben, die du mir zugesaget haft. O Strom der Freude, der mich tränket, wenn sich mein 294 IV. Christenlebent. Herz in dich versenket, und bleibt. Du bist der Fels, auf dich o Seelenfreund, umfaßt! den ich baue, du bist mein Heiland, dem ich traue, du bist des Glaubens fester Grund. Wenn sich nun Zweifelsstun den finden, so laß dein Licht mir nicht verschwinden und mach den kranken Geist gesund. 5. Hilf, daß die Hoffnung nicht erliege und daß dein Kreuz ihr Anker sei; gieb, daß ich Furcht und Angst befiege, und mach von aller Bein mich frei. Die Welt mag auf das Eitle bauen, ich aber will auf dich nur schauen, o Jesu, meiner Hoff nung Licht; ich will dich stets in Lieb' umfassen, so wirst auch du mich nicht verlassen; denn deine Liebe wanket nicht. 6. Soll ich in Noth und Kummer stehen, so laß mich doch verzagt nicht sein; die Liebe muß mit Thränen säen, eh' goldne Garben sie erfreun. Du gehst voran mit treuem Winken; wenn meine müden Kniee sinken, so richte du sie wieder auf. Laß mich im Kampf nicht muthloß werden; der kurze Leidensgang auf 2. Herz, das in Liebesgluth gestorben, ach, laß mein Herz in Flammen stehn; entzünd es dir, du haft's erworben; laß alles Andre untergehn. An dir soll ewig mir genügen; laß mich in deiner Liebe fiegen, ja, siege du nur selbst in mir. So werd' ich fröhlich triumphiren, so wird dein Todessieg mich zieren, so leb' und leid' und sterb' ich dir. 3. Zünd auch in mir der Liebe Flammen zum Dienste deiner Glieder an; halt uns als Einen Leib zusammen, daß keine Macht uns trennen kann. Wenn ich nur bin wie du gefinnet, dein Bild in mir Gestalt gewinnet und dein Gebot mir heilig ist, so werd' ich Freund' und Feinde lieben, so wird ihr Kummer mich betrüben, wie du mir vorge gangen bist. 4. Gieb mir des wahren Glaubens Kräfte, der stets die rechten Früchte treibt; mach mich zum Reben voller Säfte, der fest an seinem Weinstock Gemeinschaft mit Gott und Christo in der Liebe. 295 Eigene Melodie. 354. Liebe, die du mich zum Bilde deiner Gottheit hast gemacht, nach dem Falle mir so milde wiederum das Heil gebracht; Liebe, dir ergeb' ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 2. Liebe, die mich hat erforen, eh' ich noch geschaffen war, mir zu gut als Mensch geboren, und mir gleich ward ganz und gar; Liebe, dir ergeb' ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 3. Liebe, die für mich gelitten und gestorben in der Zeit, die mir blutend hat erstritten ew'ge Luft und Seligkeit; Liebe, dir ergeb' ich mich, dein zu bleiben ewiglich. Erden führt mich zur ew'gen Freud' hinauf. 7. Zur Demuth führe mich dein Leiden, die Niedrigkeit fei meine Zier; wer dich sucht, muß das Hohe meiden, der Stolz hat keinen Theil an dir. Weh dem, der nur nach Ehren rennet! Dagegen, wer sein Nichts erkennet, den hebst du aus dem Staub empor. O, drück dein Bild mir in die Seele, daß ich das Kleinod Demuth wähle, so dring' ich durch das enge Thor. 8. Willst du mich länger leben lassen, so leb' ich, weil es dir gefällt; soll ich im frühern Tod erblassen, so scheid' ich fröhlich aus der Welt. Laß nur dein Leben in mir leben, dein Sterben laß mir Stärke geben, wenn nun die legte Noth erscheint. Ich will mich dir auf ewig schenken, ich will im Tod und Leben denken: Du bist und bleibst mit mir vereint. P. B. Sinold, † 1742. 4. Liebe, die mich hat gebunden an ihr Joch mit Leib und Sinn, die mich mächtig überwunden und mein Herz hat ganz dahin; Liebe, dir ergeb' ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 5. Liebe, die aus Todesschrecken meine Seele hat befreit, die mich einst wird auferwecken aus dem Grab zur Herrlichkeit; Liebe, dir ergeb' IV. Christenleben. 296 ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 3. Scheffler( Angelus), † 1677. Eigene Melodie. 355. Meinen Jesum lass' ich nicht; weil er sich für mich gegeben, so ist's meine höchste Pflicht, seinem Dienste ganz zu leben. Er ist meines Lebens Licht; meinen Jesum laff' ich nicht. 2. Jefum laff' ich ewig nicht, ihm nur leb' ich bis zum Grabe, gebe ihm voll Zuversicht, was ich bin und was ich habe; Alles ist auf ihn gericht't; meinen Jesum laff' ich nicht. 3. Laß vergehen mein Gesicht, alle Sinne mir entweichen; laß das lette Tageslicht mir auf dieser Welt er bleichen; wenn des Leibes Hütte bricht, meinen Jesum laff' ich nicht. 4. Ich lass' ihn auch droben nicht, wo der Glaube wird zum Schauen; da erquickt sein Angesicht Alle, die ihm hier vertrauen. Da glänzt ewig mir sein Licht; meinen Jefum lass' ich nicht. 5. Nicht die Welt, der Himmel nicht ist es, was mein Herz ersehnet; Jesum sucht es und sein Licht; er hat mich mit Gott versöhnet. Selig, wer mit mir so spricht: Meinen Jesum laff' ich nicht. C. Keymann,+ 1662. Mel. Warum sollt' ich mich denn grämen? A. 356. Meines Herzens reinste Freude ist nur die, daß ich nie mich von Jesu scheide, daß ich ihn durch Glauben ehre, jederzeit hocherfreut seine Stimme höre. 2. Freundlich ruft er alle Müden und erfüllt sanft und mild ihren Geist mit Frieden. Seine Last ist leicht zu tragen; er macht Bahn, geht voran, tröstet, wenn wir zagen. 3. Ja, er kennt die Leidensstunden; größern Schmerz hat kein Herz, als sein Herz, empfunden. Darum blickt, wenn seiner Brüder Einer weint, unser Freund mitleidsvoll hernieder. 4. Will das Herz der Noth Gemeinschaft mit Gott und Christo in der Liebe. 297 fluß, daß gegen ihn die Welt zurückstehn muß. erliegen, dann hilft er, unser Herr, kämpfen uns und siegen. Selig, wer in bösen Zeiten, in Gefahr immerdar sich von ihm läßt leiten. 5. Jesu, treuster Freund von allen, mit dir will froh und still ich durch's Leben wallen. Auch der Tod kann mich nicht schrecken, denn du wirst, Lebensfürst, einst mich auferwecken.. G. Bürde,+ 1831. Mel. So ist denn nun die Hütie aufgebauet. 357. Mein Friedefürst, dein freundliches Regieren stillt alles Weh, das meinen Geist beschwert. Wenn hier zu dir mein blödes Herz sich kehrt, so läßt sich bald dein Friedensgeist verspüren. Dein Gnadenblick zerschmelzet meinen Sinn und nimmt die Furcht und Unruh' von mir hin. 2. Gewiß, mein Freund giebt solche edle Gaben, die alle Welt mir nicht verschaffen kann. Schau an die Welt, schau ihren Reichthum an; er kann ja nicht die müden Seelen laben. Mein Jesus kann's, er thut's im Ueber 3. D Seelenfreund, wie wohl ist dem Gemüthe, das im Geseß sich so ermüdet hat, und nun zu dir, dem Seelenleben, naht, und schmeckt in dir die wundersüße Güte, die alle Angst, die alle Noth verschlingt und unsern Geist zur sanften Ruhe bringt! 4. Gewiß, mein Freund, wenn deine Liebeszeichen so sänftiglich durch's arme Herz mir gehn, so muß in mir ein reines Licht entstehn, durch das ich kann das Vaterherz erreichen, in dem man nichts, als nur Vergebung, spürt, da eine Gnadenfluth zur andern führt. 5. Je mehr das Herz sich zu dem Vater kehret, je mehr es Kraft und Seligkeit genießt, daß es dabei der Eitelkeit vergißt, die sonst den Geist gedämpfet und beschweret, je mehr das Herz des Vaters Liebe schmeckt, je mehr wird es zur Heiligkeit erweckt. 6. Der Gnadenquell, der in der Seele fließet, der wird in IV. Christenleben. 298 ihr ein Brunn des Lebens sein, der in das Meer des Lebens steigt hinein, und Lebensströme wieder von sich gießet. Behält in dir dies Wasser seinen Lauf, so geht in dir die Frucht des Geistes auf. 7. Was dem Gesetz unmöglich war, zu geben, das wirkt alsdann die Gnade selbst in dir; sie lockt zum heil'gen Wandel dich allhier und ändert nach und nach dein ganzes Leben, indem sie dich aus Kraft in Kräfte führt und mit Geduld und Langmuth dich regiert. 8. O, möchte doch mein Herz nur Christum schauen! Besuche mich, mein Aufgang aus der Höh', daß ich das Licht in deinem Lichte seh' und ganz auf deine Gnade möge trauen! Kein Fehler sei so groß und schwer in mir, der mich von solchem Blick der Liebe führ'. 9. Wenn meine Schuld vor dir mich niederschläget und deinen Geist der Kindschaft in mir dämpft; wenn das Geseß mit meinem Glauben kämpft und lauter Angst und Furcht in mir erreget, ſo laß doch stets dein Vaterherz mich sehn, und neue Kraft und Zuversicht entstehn. 10. So ruh' ich nun, mein Heil, in deinen Armen. Du selbst sollst mir mein ew'ger Friede sein; ich hülle mich in deine Gnade ein, mein Ele ment ist einzig dein Erbar men; und weil du mir mein Eins und Alles bist, so ist's genug, wenn dich mein Geist genießt. C.&. Richter, † 1711. Eigene Melodie. 358. Mein Jeſu, dem die Seraphinen im Glanz der höchsten Majestät nur mit bedecktem Antlitz dienen, wenn der Befehl an sie ergeht; wie sollen meine schwachen Augen, die der verhaßten Sünde Nacht noch so viel trüber hat gemacht, dein helles Licht zu schauen, taugen? 2. Doch gönne meines Glaubens Blicke den Eingang in dein Heiligthum, daß deine Gnade mich erquicke zu mei Gemeinschaft mit Gott und Christo in der Liebe. 299 So wird dein Gnadenreich auf Erden, in dem dein heil'ges Recht regiert und uns zu Fried' und Freude führt, auch in mir ausgerichtet werden. 6. Ja, liebend will ich dich umfassen, o du mein Heiland, Gottes Sohn! Hast du aus Liebe einst verlassen des Himmels Pracht und und deinen Thron, so nimm mein Herz, du wahres Leben, weih dir's zum heil'gen Tempel ein, bis du es lauter, sanft und rein in deinen Himmel wirst erheben. nem Heil und deinem Ruhm. Geblendet steht von fern die Seele; doch wenn sie sich in Demuth beugt, hast du zu ihr dich schon geneigt und sprichst: Du bist's, die ich erwähle. 3. Ja, zeige, Jesu, deine Güte auch mir bei meiner Sündenschuld; gieb dem befümmerten Gemüthe ein sichres Pfand von deiner Huld. Dein Blut ist auch für mich geflossen, um wegzunehmen Schuld und Bein; wie solltest du nicht gnädig sein? Nein, Herr, du kannst mich nicht verstoßen. 4. Ach, laß mich deine Weisheit leiten, schüß mich durch sie vor falschem Wahn; stell deine Gnade mir zu Seiten, daß ich auf dir beliebter Bahn beständig bis an's Ende wandle und wäh rend meiner Lebenszeit in Lieb' und Herzensfreudigkeit nach deinem Wort und Willen handle. 5. Reich mir die Waffen aus der Höhe und stärke mich durch deine Macht, daß ich im Kampfe fiegreich stehe, wenn Feindes- Lift und Zorn erwacht. 7. Ich steig' hinauf zu dir im Glauben, steig du in Lieb' herab zu mir. Laß Nichts mir diese Freude rauben, erfülle mich nur ganz mit dir. Ich will dich lieben, dich verehren, so lang in mir das Herz fich regt, und wenn es einst auch nicht mehr schlägt, so soll doch noch die Liebe währen. W. C. Dessler, † 1722. Mel. Wie schön leuchtet der Morgenstern.. 359. O Jesu, Jesu, Gottes Sohn, der du, noch eh ich war, mich schon geliebt TV. Chriftenlebent. 300 aus reinem Triebe; vor dir ist Alles sonnenklar, mein Herz ist auch dir offenbar, du weißt, daß ich dich liebe. Herzlich such' ich, dir vor Allen zu gefallen; Nichts auf Erden kann und soll mir lieber werden. olla 2. Dies Eine nur bekümmert mich, daß nicht mit solcher Inbrunst ich dich liebe, wie ich wollte. Ich selbst empfind' es nur zu sehr, daß ich dich mit der That noch mehr, mein Heiland, lieben sollte. Laß mich gläubig deine Güte zu Gemüthe stärker fassen und mich ganz dir überlassen. 3. Stehst du mit deiner Kraft mir bei, so werd' ich stets mit fester Treu' und cinzig dir anhangen. Nichts, was sonst Menschen wohl gefällt, nicht Lust der Sinne, Ehr' und Geld befriedigt mein Verlangen. Ohn' dich kann mich nichts von Schäßen recht ergößen und beglücken; du nur kannst mein Herz erquicken. 4. Wer dich, Herr, liebt, den liebst auch du, dem schaffst du wahre Seelenruh' und Trost für sein Gewissen. Ob ihn auch manche Noth hier drückt, so wird er doch durch dich erquickt in seinen Kümmernissen. Endlich wird sich nach dem Leide volle Freude für ihn finden; da wird all' sein Trauern schwinden. 5. Noch hat kein Aug' cs je gesehn, es kann auch hier kein Mensch verstehn und würdig g'nug beschreiben, was denen dort für Herrlichkeit bei dir und von dir ist bereit, Die dir ergeben bleiben. Was hier von dir wird gegeben, unser Leben zu ergößen, ist dagegen Nichts zu schätzen. 6. Drum laß ich billig dies allein, o Jesu, meine Freude sein, daß ich dich herzlich liebe und mich in dem, was dir gefällt, je mehr und mehr in dieser Welt nach deinem Worte übe, bis sich für mich jenes Leben wird anheben, wo die Frommen aller Trübsal sind entnommen. 7. Da werd' ich deine Gü tigkeit, die mich schon hier so hoch erfreut, im vollen Maaße schmecken. Da seh' ich in dem Gemeinschaft mit Gott und Christo in der Liebe. 301 hellsten Licht dein gnadenvolles kann geben die wahre SeligAngesicht auf immer frei von keit. Schrecken. Wohl mir! Preis dir, der mir droben aufgehoben ew'ge Freuden! Nichts, Herr, soll von dir mich scheiden. 3. Heermann, † 1647. Mel. Valet will ich dir geben. 360. Schatz über alle Schäße, o Jesu, liebster Schatz! Daß mich dein Bild ergöße, hab' ich den ersten Plaß in meinem treuen Herzen dir, Schönster, zugetheilt; denn du mit deinen Schmerzen hast meinen Schmerz geheilt. 2. Du Freude meiner Freuden, du wahres Himmelsbrot, an dem ich mich darf weiden in meiner Seelennoth; nur du vermagst zu stillen mein Herz in Leidenszeit, mit Trost es zu erfüllen nach deiner Gütigkeit. 3. Laß, Liebster, mich erblicken dein freundlich Angesicht; mich kräftig zu erquicken, komm, komm, mein Freudenlicht! Denn ohne dich zu leben, ist lauter Herzeleid; dein Anblick nur 4. O reiche Lebensquelle, o Jesu, süße Ruh', trifft mich die Trübfalswelle, mein Trost, o Herr, bleibst du; ich will geduldig leiden, mich soll nicht Angst und Bein von deiner Liebe scheiden, noch mir beschwerlich sein. 5. Dir bleibt mein Herz ergeben in Treue für und für, im Sterben wie im Leben; ja, lieber will's mit dir Spott und Verfolgung leiden, als sich, Herr, ohne dich in höchster Wonne weiden; ach, dazu stärke mich. 6. O Herrlichkeit der Erden, dich mag und will ich nicht; mein Geist will himmlisch werden und ist dahin gericht't, wo Jesus wird geschauet; da sehn' ich mich hinein, wo Jesus Hütten bauet; denn dort ist gut zu sein. 7. Nun, Jesu, mein Vergnügen, komm, hole mich zu dir, in deinem Schooß zu liegen; komm, meiner Seele Zier, und setze mich aus Gnaden in deine Freuden IV. Christenleben. 302 stadt, so kann mir Niemand schaden, so bin ich reich und fatt. S. Liscov,+ 1689. Eigene Melodie. 361. Seelenbräutigam, Jesu, Gottes Lamm! Dank sei dir, der, mich zu retten aus der Schmach der Sünden fetten, voller Liebe kam, Seelenbräutigam. 2. Deiner Liebe Gluth stärkt mir Sinn und Blut; wenn du freundlich mich anblickest und an deine Brust mich drückest, macht mich wohlgemuth deiner Liebe Glut. 3. Wahrer Mensch und Gott, Trost in aller Noth; zu erseßen, was verloren, wurdest du als Mensch geboren, littest du den Tod, wahrer Mensch und Gott. 4. Meines Glaubens Licht laß erlöschen nicht. Nähr es mit dem Wort der Wahrheit, so giebt Freude mir und Klarheit, Trost und Zuversicht meines Glaubens Licht. 5. Wunderbarer Held, Sie ger aller Welt, sei mein starker Schuß und wehre, daß kein Feind mich je versehre, wenn er mir nachstellt, wunderbarer Held. 6. Großer Friedefürst, als du riefft: Mich dürst't! hast du Zeugniß mir gegeben, daß nach meinem Heil und Leben du auch haft gedürst't, großer Friedefürst. 7. Deinen Frieden gieb Allen, die dir lieb, dich als ihren Herrn bekennen, sich nach deinem Namen nennen aus des Glaubens Trieb; deinen Frieden gieb. 8. Ich ergreife dich, du mein ganzes Ich. Dankbar will ich dich umfassen, lebenslang dich nimmer lassen, bis dort ewiglich ich ergreife dich. 9. Hier durch Spott und Hohn, dort zur Ehrenkron'; hier im Glauben und Vertrauen, dort im Haben und im Schauen; hin vor deinen Thron hier durch Spott und Hohn! 10. Jesu, steh mir bei, daß ich standhaft sei. Treu haft du für mich gerungen, mir zum Heil den Tod bezwungen. Ach, zu gleicher Treu', Jesu steh mir bei. Gemeinschaft mit Gott und Christo in der Liebe. 303 Heil gewähret. Sucht ihn all' Stund von Herzensgrund, sucht ihn allein, denn wohl wird sein dem, der ihn herzlich ehret. 11. Du, mein Preis und Ruhm, ich will um und um mich in deinen Dienst be geben, dir allein zu Ehren leben als dein Eigenthum, du, mein Breis und Ruhm. A Drefe, t 1718. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. 362. Such', wer da will ein andres Ziel, die Seligkeit zu finden; mein Herz allein bedacht soll sein, auf Christum sich zu gründen. Sein Wort ist wahr, sein Werk ist klar, sein heil'ger Mund hat Kraft und Grund, all' Feind' zu überwinden. 4. Mein Herzenskern, mein Freudenstern sollst du, Herr Jesu, bleiben; laß mich doch nicht von deinem Licht durch Eitelkeit vertreiben; bleib du mein Preis, dein Wort mich speis', bleib du mein' Ehr', dein Wort mich lehr', an dich stets fest zu glauben. 3. Ach, sucht euch den, laßt Alles stehn, die ihr das Heil begehret; er ist der Herr und Keiner mehr, der euch das 5. Wend von mir nicht dein Angesicht, laß mich im Kreuz nicht zagen, weich nicht von mir, mein' höchste Zier, hilf mir mein Leiden tragen. Hilf mir zur Freud' nach diesem Leid, hilf, daß ich mag nach dieser Klag' dir ewig dort Lob singen. G. Weissel,+ 1635. 2. Such', wer da will, Nothhelfer viel, die uns doch Nichts erworben; hier ist der Mann, der helfen kann, bei dem nie was verdorben. Uns wird das Heil durch ihn zu Theil, uns macht gerecht der treue Knecht, der für uns ist 363. Was frag' ich nach gestorben. Mel. O Gott, du frommer Gott. C. der Welt und allen ihren Schäßzen, wenn ich mich nur an dir, Herr Jesu, kann ergözen! Dich hab' ich einzig mir zur Freude vorgestellt; IV. Christenleben. 304 in dir nur find' ich Ruh'; was frag' ich nach der Welt! 2. Die Welt ist wie ein Rauch, der in der Luft vergehet, und einem Schatten gleich, der kurze Zeit bestehet. Mein Jesus aber bleibt, wenn Alles bricht und fällt; er ist mein Fels und Hort; was frag' ich nach der Welt! 3. Die Welt sucht Ehr' und Ruhm bei hocherhabnen Leuten, und denket nicht daran, wie leicht auch diese gleiten; das aber, was mein Herz vor Allem rühmlich hält, mein Jesus ist's allein; was frag' ich nach der Welt! 4. Die Welt sucht Geld und Gut und findet keine Ruhe, sie habe denn zuvor den Mammon in der Truhe. Auf ein viel edl'res Gut hab' ich mein Herz gestellt; ist Je sus mein Gewinn, was frag' ich nach der Welt! 5. Die Welt bekümmert sich, wo sie sich sieht verachtet, wo Mißgunst, Neid und List ihr nach der Ehre trachtet. Ich trage Christi Schmach, so lang es ihm gefällt. Wenn mich mein Heiland ehrt, was frag' ich nach der Welt! 6. Die Welt fann ihre Lust nicht hoch genug erheben, sie möchte noch dafür wohl gar den Himmel geben. Ein Andrer halt's mit ihr, der von sich selbst Nichts hält; ich liebe meinen Herrn; was frag' ich nach der Welt! 7. Die Welt hat ihre Zeit, im Nu muß sie vergehen; ihr Leben kann ja nicht dem Tode widerstehen; ihr Ansehn schwindet hin und ihre Lust zerfällt. Bleibt Jesus nur bei mir, was frag' ich nach der Welt! 8. Was frag' ich nach der Welt! Du bist und bleibst mein Leben, Herr Jesu; dir allein hab' ich mich ganz er geben; du bist's, der all' mein Heil in seinen Händen hält; drum sag' ich noch einmal: Was frag' ich nach der Welt! G. M. Pfefferkorn, † 1732. Mel. Die Tugend wird durchs Kreuz geübet 364. Was wär' ich ohne dich gewesen? Herr, ohne dich, was würd' ich sein? Gemeinschaft mit Gott und Christo in der Liebe. 305 Zu Furcht und Aengsten aus- und frei und froh klopft jede erlesen, ständ' ich in weiter Welt allein. Nichts wüßt' ich, was ich sicher liebte, die Zukunft wär' ein dunkles Grab; und wenn mein Herz sich tief betrübte, wer nähm' des Kummers Laft mir ab? Brust. Wir preisen deiner Gnade Gaben, mit welcher unser Heil beginnt, gewiß, dich unter uns zu haben, wo Zwei auch nur beisammen find. 2. Haft aber du dich kund gegeben, ist ein Gemüth erst dein gewiß, wie schnell verzehrt dein Licht und Leben die bodenlose Finsterniß! Mit dir bin ich auf's Neu' geboren, die Welt wird mir verklärt durch dich; das Paradies, das wir verloren, blüht herrlich wieder auf für mich. 3. Ja, du mein Heiland, mein Befreier, du Menschen sohn voll Lieb' und Macht, du haft ein allbelebend Feuer in meinem Innern angefacht. Durch dich seh' ich den Himmel offen als meiner Seele Vaterland; ich kann nun glauben, freudig hoffen, und fühle mich mit Gott verwandt. 4. Das Leben wird zur Wonnestunde; die neue Welt spricht Lieb' und Luft; und Balsam träuft in jede Wunde, 5. O, gehet aus auf allen Wegen und ruft die Frrenden herein; streckt Allen eure Hand entgegen und laßt sie unsre Brüder sein. Der Himmel ist bei uns auf Erden; das kündigt ihnen freudig an; und wenn sie unsers Glaubens werden, ist er auch ihnen aufgethan. F. v. Hardenberg( Novalis),+ 1801. Eigene Melodie. 365. Wenn ich ihn nur habe, wenn er mein nur ist, und mein Herz bis hin zum Grabe seine Treue nie vergißt, weiß ich Nichts von Leide, fühle Nichts, als Andacht, Lieb' und Freude. 2. Wenn ich ihn nur habe, lafs' ich Alles gern, folg' an meinem Wanderstabe treu gesinnt nur meinem Herrn, laſſe still die Andern breite, lichte, volle Straßen wandern. 20 IV. Christenleben. 306 3. Wo ich ihn nur habe, ist mein Vaterland, und es fällt mir jede Gabe, wie ein Erbtheil, in die Hand. Längst vermißte Brüder find' ich nun in seinen Jüngern wieder. F. v. Hardenberg( Novalis),+ 1801. Mel. Seelenbräutigam. 366. Wer ist wohl, wie du, Jesu, süße Ruh'? Unter Vielen auserforen, Leben derer, die verloren, und ihr Licht dazu; Jesu, süße Ruh'! 2. Leben, das den Tod, mich aus aller Noth zu erLösen, hat geschmecket, meine Schulden zugedecket und mich aus der Noth hat geführt zu Gott! 3. Glanz der Herrlichkeit! Du bist vor der Zeit zum Erlöser uns geschenket und in unser Fleisch versenket in der Füll' der Zeit, Glanz der Herrlichkeit! 4. Großer Siegesheld! Tod, Sünd', Höll' und Welt hast du mächtig überwunden und ein ew'ges Heil erfunden durch das Lösegeld deines Bluts, D Held! 5. Höchste Majeſtät, König und Prophet! Deinen Scepter will ich küssen, wie Maria dir zu Füßen sißen früh und spät, höchste Majeſtät! 6. Laß mich deinen Ruhm, als dein Eigenthum, durch des Geistes Licht erkennen, stets in deiner Liebe brennen als dein Eigenthum, allerhöchster Ruhm! 7. Deiner Sanftmuth Schild, deiner Demuth Bild mir an lege, in mich präge, daß kein Zorn noch Stolz sich rege; vor dir sonst Nichts gilt, als dein eigen Bild. 8. Steure meinem Sinn, der zur Welt will hin, daß ich nicht mög' von dir wanken, sondern bleibe in den Schranfen; sei du mein Gewinn, gieb mir deinen Sinn. 9. Wecke mich recht auf, daß ich meinen Lauf unverrückt zu dir fortseße, und der Feind mit seinem Neße mich nicht halte auf; fördre meinen Lauf. 10. Deines Geiftes Trieb in die Seele gieb, daß ich wachen mög' und beten, freu Gemeinschaft mit Gott und Christo in der Liebe. 307 schön und prächtig, groß und mächtig, reich an Gaben, über Alles hoch erhaben. dig vor dein Antlig treten; urgefärbte Lieb' in die Seele gieb. 11. Wenn der Wellen Macht in der trüben Nacht will des Herzens Schifflein decken, woll'st du deine Hand ausstrecken; habe auf mich Acht, Hüter in der Nacht! 12. Einen Heldenmuth, der da Gut und Blut gern um deinetwillen lasse und des Fleisches Lüste hasse, gieb mir, höchstes Gut, durch dein theures Blut. 13. Soll's zum Sterben gehn, woll'st du bei mir stehn, mich durch's Todesthal begleiten und zur Herrlichkeit bereiten, daß ich einst mag sehn mich zur Rechten stehn. 3. A. Freylinghausen,+ 1739. Eigene Melodie. 367. Wie schön leuchtet der Morgenstern voll Gnad' und Wahrheit von dem Herrn, aus Davids Haus entstammet! Mein Heiland, mich verlangt nach dir; du hast zu heißer Liebe mir das ganze Herz ent flammet; lieblich, freundlich, 2. Du Herrscher auf dem Himmelsthron, der mir zum Heil als Menschensohn erschien in niedrer Hülle; du giebſt dich mir zum Eigenthum, int deinem Evangelium find' ich der Gnade Fülle. Ja, dich will ich gläubig faffen, nimmer lassen. Brot des Lebens bietest du mir nicht vergebens. 3. Geuß tief mir in das Herz hinein, du wunderbarer Edelstein, den Lichtglanz deiner Liebe; sie stärke mich, daß ich verbleib', o Herr, ein Glied an deinem Leib mit frischem Lebenstriebe. Hilf mir nach dir, makellose Himmelsrose, sehnlich trachten, für mein höchstes Gut dich achten. 4. Von Gott kommt mir ein Freudenlicht, wenn mich dein heilig Angesicht mit Freundlichkeit anblicket; ich werde froh und wohlgemuth, wenn mich dein Wort, dein Leib und Blut an Seel' nnd Leib erquicket. Thu dich 20* IV. Christenleben. freundlich voll Erbarmen zu zur Wonne aufgegangen; deimir Armen; hilf in Gnaden! ner wart' ich mit Verlangen. Auf dein Wort komm' ich geladen. P. Nicolai,+ 1608. 5. Herr Gott, mein Vater, starker Held, du hast mich ewig vor der Welt geliebt in deinem Sohne; durch ihn bin theuer ich erkauft, daß ich, in seinen Tod getauft, bei ihm einst selig wohne. Sterb' ich, erb' ich jenes Leben, das er geben wird dort oben; ewig werd' ich ihn dann loben. 308 6. Auf, preiset Gott mit Saitenklang, den hohen Dankund Lobgesang laßt freuden reich erschallen. Mit Jesu will ich allezeit, mit Jesu bis in Ewigkeit in fteter Liebe wallen. Singet, bringet eure Lieder, fallet nieder vor dem Herren, vor dem König aller Ehren. 7. Wie freu' ich mich, Herr Jesu Christ, daß du der Erst' und Letzte bist, der Anfang und das Ende; du, der sein Leben für mich ließ, du nimmst mich auf im Paradies in deine Gnadenhände. Amen, Amen, komm, o Sonne, mir Eigene Melodie. 368. Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen, wenn ich in deiner Liebe ruh'! Ich traure nicht; was kann mir fehlen? Ich eile deinen Armen zu. Da muß die Nacht des Kummers scheiden, wenn mit der Fülle sel'ger Freuden die Liebe strahlt aus deiner Brust. Hier ist mein Himmel schon auf Erden; dem muß ja volle G'nüge werden, der in dir suchet Ruh' und Luft. 2. Die Welt mag sich mir feindlich zeigen; es sei also, ich acht' es nicht. Will sie sich freundlich zu mir neigen, ich flieh' ihr trügend Angesicht. In dir vergnügt sich meine Seele, du bist mein Freund, den ich erwähle, du bleibst mein Freund, wenn Freundschaft weicht. Der Haß der Welt kann mich nicht fällen, weil in den stärksten Ehrfurcht und Demuth vor Gott. Trübfalswellen mir deine Treu' den Anker reicht. 3. Will mich die Laft der Sünden drücken, droht das Geset mir Fluch und Weh, so kannst du mich dem Fluch entrücken; ich schaue gläubig in die Höh', ich flieh' in deine heil'gen Wunden, da hab' ich schon den Ort gefunden, wo mich kein Fluch mehr treffen kann. Tritt Alles wider mich zusammen, du bist mein Heil; wer will verdammen? Die Liebe nimmt sich meiner an. 4. Lenkst du durch Wüsten meine Reise, ich folg' und lehne mich auf dich; du giebst mir aus den Wolken Speise und tränkest aus dem Felsen mich. Ich traue deinen Wunc. Ehrfurcht und Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort. 369. Gott, der du Herzenskenner bist, dem Falsch heit stets ein Gräuel ist und Lügen ein Verbrechen; kein Wort spricht je ein falscher Mund, Allwissender, dir ist es kund, und du wirst einst 309 derwegen, sie enden sich in Lieb' und Segen; genug, wenn ich dich bei mir hab'. Ich weiß, wen du willst herrlich zieren und über Sonn' und Sterne führen, den führest du zuvor hinab. 5. Der Tod mag Andern düster scheinen, ich warte sein mit gutem Muth, denn du, o Herr, verlässest Keinen, deß Herz in deiner Liebe ruht. Des Weges Ziel kann mich nicht schrecken, denn deine Hand will stets mich decken und führen mich zur Sicherheit. Mein Licht, so will ich auch mit Freuden aus dieser finstern Wildniß scheiden zu deiner Ruh' der Ewigkeit. W. C. Dessler, † 1722. Demuth vor Gott. es rächen. Laß jederzeit mein Ja und Nein, wie's Christen ziemt, aufrichtig sein. 2. Herr, wenn ich schwörend vor dir steh', dir in dein heilig Antlitz seh', die Hand zum Himmel hebe, wenn ich zum Zeugen feierlich anrufe, 310 IV. Christenleben. Hocherhabner, dich, durch den ich bin und lebe; dann sei von Trug und Heuchelei mein Herz und meine Zunge frei. 3. Wenn Frevler dich auch da noch schmähn, mit Trug und Lügen vor dir stehn, dann laß mein Herz erschrecken. Weh dem, der Gott und Got tes Macht zum Siegel seiner Bosheit macht, sie vor der Welt zu decken! Schau deinen Gott mit Zittern an, der Leib und Seel' verderben kann. 4. O Seele, wenn du dich noch liebst, bedenk, was du zum Pfande giebst: dein Glück, dein ew'ges Leben! Verwirf nicht mit Verwegenheit dein Theil an Gott und Seligkeit; wer kann dir's wiedergeben? Was hilft dir dann die ganze Welt? Nichts hat sie, das dich schadlos hält. 5. Herr, wenn du nicht mein Gott mehr bist, dein Sohn nicht mehr mein Hei land ist, dein Himmel nicht mein Erbe; wenn bei den Leiden dieser Zeit dein Trost nicht mehr mein Herz erfreut, dein Troft nicht, wenn ich sterbe; wer wird mich dann von Qual befrein? Dann besser, nie geboren sein! 6. Frech ist die Zunge, die noch spricht: Gott sieht es nicht, Gott achtet's nicht! So lästern Spötterrotten. Ja, Gottes Langmuth ist bekannt, er lähmt nicht jede falsche Hand, doch läßt er sich nicht spotten; zum Strafen hat er lang noch Zeit, zum Strafen noch die Ewigkeit. 7. Drum soll nicht Ehre, Gut und Geld und nicht die Macht der ganzen Welt mich blenden und verführen. Um alle Leiden dieser Zeit will ich doch Gott und Seligkeit muthwillig nicht verlieren. Wie klein mein Glück auch immer sei, nur reines Herz und Gott dabei! 8. Gott lehre mich bei jedem Eid aus Furcht vor deiner Heiligkeit die Wahrheit pünktlich sprechen. Be schwör' ich heilig Amt und Pflicht, so laß mich auch im Kleinsten nicht beschworne Pflichten brechen. Auch dir, Gott, schwör' ich treu zu Ehrfurcht und Demuth vor Gott. sein; erhalt mich ewig, ewig deir.. J. C. D. Bickel,+ 1809. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt wclten. 370. Herr, der sein wahres Wort gegeben, der ewig Treu' und Glauben hält, Herr Jesu, du bist Licht und Leben und Weg und Wahrheit in der Welt! Du bist's, der uns auf ebner Bahn in alle Wahrheit leiten kann. 2. Nimm weg den Geist, der Lügen redet, vor ihm behüte Mund und Herz, weil er mein Innres sonst verödet und schnell mich zieht in Noth und Schmerz; gieb, Herr, dafür mir deinen Geist, der Wahrheit denken, reden heißt. 3. Er schärfe in mir das Verständniß und schenke zum Begreifen Licht und wache, daß in mein' Erkenntniß sich Lift und Irrthum mische nicht, damit ich das, was ich versteh', stets mit der Einfalt Augen seh'. 4. Erlöse mich von einem Herzen, das Ja spricht und ein Nein doch denkt, das heimlich mag mit Wahrheit 311 scherzen und nach dem Eigennug fich lenkt. Ach, mach mich falscher Klugheit Feind, die Gutes spricht und Böses meint. 5. Laß mich die Wahrheit frei bekennen, denn du hast an der Einfalt Luft, dein Wort will ich mein Kleinod nennen, den Perlenschap in meiner Brust; dann geb' ich gern, auch bei Gefahr, um Wahrheit Leib und Leben dar. 6. Wenn für dein ewig' Recht ich streite, laß mich nicht die Person ansehn, und bleibst du, Herr, mir nur zur Seite, werd' ich im Kampfe wohl bestehn. Und wer hier ohne Furcht bestand, wird droben auch von dir bekannt. 7. Laß mich ein Kind der Wahrheit bleiben, und dir, o Jesu, als ein Christ, mich ganz zum Eigenthum verschreiben, weil du der Wahrheit König bist! Dann schließt mich Nichts von deinem Haus und deinem Reich der Wahrheit aus. P. F. Hiller, † 1769. 312 IV. Christenleben. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 371. Was ich nur Gutes habe, ist deine milde Gabe, du Vater alles Lichts. Mein Dasein und mein Leben ward mir von dir gegeben, und ohne dich vermag ich Nichts. 2. Sowohl Verstand als Kräfte zum nüßlichen Geschäfte hab' ich aus deiner Huld. Dein ist's, wenn gute Thaten dem Vorsag wohl gerathen; 372. Wie ist es möglich, Mel. Kommt her zu mir, spricht Gottes ze. an Fehlern bin allein ich Schuld. 3. Das Glück, deß ich mich freue, wer schafft mir's? Deine Treue, du Herr der ganzen Welt. Du ordnest unsre Tage, ihr Glück und ihre Plage nur so, wie dir es wohlgefällt. höchstes Licht, vor dessen heil'gem Angesicht doch Alles muß erblassen, daß dir ich armes Fleisch und Blut, zu widerstreben, sollte Muth in meinem Herzen fassen? 4. Sollt' ich mich denn erheben, wenn mir in diesem Leben viel Gutes wiederfährt? Was hat dich, Herr, bewogen, daß du mich vorgezogen? Bin ich auch jemals dessen werth? 5. Ich bin viel zu geringe, der Huld, die ich befinge, und werd' es ewig sein. O, laß mich's nie vergessen, damit ich nicht vermessen mir hohe Dinge bilde ein. 6. Das nüßlich anzuwenden, was du mit Vaterhänden mir gütig zugewandt, dein treuer Knecht zu werden, das ſei mein Fleiß auf Erden; dazu gieb Demuth und Verstand. 3. S. Diterich, † 1797. 2. Was bin ich mehr, als Erd' und Staub? Was ist mein Leib, als Gras und Laub? Was taugt mein ganzes Leben? Was kann ich, wenn ich Alles kann? Was hab' und trag' ich um und an, als was du mir gegeben? 3. Was bin ich armes Menschenkind? Ein Stroh, halm, den ein Hauch und Wind gar leicht hinweg kann treiben. Wenn deine Hand, Ehrfurcht und Demuth vor Gott. 313 die Alles trägt, mich nur ein Leben lang, dir Lob und Wenig trifft und schlägt, so weiß ich nicht zu bleiben. Preis gesungen. 4. Herr, ich bin Nichts, du aber bist mein Hort, der Alles hat und ist, in dir steht all' mein Wesen; wenn du mit deiner Hand mich schreckst und nicht mit Huld und Gnade deckst, so kann ich nicht geneſen. 5. Du bist getreu, ich ungerecht, du fromm, ich bin ein böser Knecht und muß mich wahrlich schämen, daß ich bei solchem schnöden Stand aus deiner milden Vaterhand das kleinste Gut soll nehmen. 6. Drum sei das Rühmen fern von mir! Was dir gebührt, das geb' ich dir; du bist allein zu ehren. Ach, laß, Herr Jesu, meinen Geist und was aus meinem Geiste fleußt, zu dir sich allzeit fehren. 7. Auch wenn ich etwas wohlgemacht, so hab' ich's doch nicht selbst vollbracht, aus dir ist es entsprungen. Dir sei auch dafür Ehr' und Dank, mein Heiland, all mein P. Gerhard,+ 1676. Mel Valet will ich dir geben. 373. Wohl dem, der richtig wandelt, der als ein Wahrheitsfreund in Wort und Werk stets handelt und das ist, was er scheint; der Recht und Treue liebet, und von dem Sinn der Welt, die Trug und Falschheit übet, sich unbefleckt erhält! 2. Wohl dem, der Lügen haffet, und der, so oft er spricht, so seine Reden faffet, daß er die Wahrheit nicht mit Vorbedacht verleßet, vielmehr an jedem Ort sich dies vor Augen seget: Gott merkt auf jedes Wort! 3. Wohl ihm, wenn sein Gemüthe, Herr, so die Wahrheit übt! Jhn leitet deine Güte, er wird von dir geliebt. Du wirst ihn einst er höhen, wenn bei der Wahrheit Licht beschämt die Falschen stehen, geschreckt durch durch dein Gericht. 4. Herr, laß mich deine 314 IV. Christenleben. Rache mit ganzem Ernste auch deiner Weisheit Licht, scheun, daß ich's zur Pflicht mir mache, der Lügen Feind zu sein. Erinnre meine Seele, du haffest Heuchelei, damit fie stets nur wähle die Wahrheit und die Treu'. Herr, meine Seele leiten zur Uebung meiner Pflicht. Gieb Klugheit, daß ich wisse, wann ich für Andrer Wohl und für mich reden müsse, und wann ich schweigen soll. 7. Ein Herz voll Treu' und Glauben, das, Gott, zu dir sich hält, das soll mir Nie mand rauben! So kann ich aus der Welt einst mit der Hoffnung gehen, ich werde als dein Kind dich mit den From men sehen, die reines Herzens sind. D. Bruhn,+ 1782. 5. Laß mich auch Nichts versprechen, was ich nicht halten kann, auch nie Zusagen brechen, die ich einmal gethan. Nie soll mich Stolz verleiten und nie des Beispiels Macht, als Wahrheit auszubreiten, was ich doch selbst erdacht. 6. Doch laß zu allen Zeiten d. Ergebung, Geduld, Vertrauen und Hoffnung zu Gott. Eigene Melodie. 374. Alles ist an Gottes Segen und an seiner Huld gelegen; er ist mehr als Geld und Gut. Wer von Herzen Gott vertrauet, auf ihn seine Hoffnung bauet, der behält getroften Muth. 2. Der mich hat bisher er nähret, mir so manches Glück gewähret, er gedenkt auch ferner mein. Der bis heut mich hat geführet, und zu meinem Heil regieret, wird hinfort mein Helfer sein. 3. Viele mühen sich um Sachen, die nur Noth und Sorge machen, und doch gar vergänglich sind. Ich will ftets vor allen Dingen eifrig nach dem Einen ringen, drin ich wahre Ruhe find'. 4. Hoffnung kann das Herz erquicken; was ich wünsche, Ergebung, Geduld, Vertrauen und Hoffnung zu Gott. 315 wird Gott schicken, je nachdem von ganzer Seele trauen. es ihm gefällt. Seiner Gnade Er, der die Welt allmächtig still ergeben hab' ich mich mit hält, wird mich in meinen Leib und Leben, Alles ihm Tagen als Gott und Vater anheim gestellt. tragen. 5. Er weiß schon nach feinem Willen mein Verlangen zu erfüllen; es hat Alles seine Zeit. Ihm hab' ich Nichts vorzuschreiben; wie Gott will, so muß es bleiben, wenn Gott will, bin ich bereit. 2. Er sah von aller Ewigkeit, wie viel mir nüßen würde, bestimmte meine Lebenszeit, mein Glück und meine Bürde. Was zagt mein Herz? Ift auch ein Schmerz, der zu des Glaubens Ehre nicht zu besiegen wäre? 3. Gott fennet, was mein Herz begehrt, und hätte, was ich bitte, mir gnädig, eh' ich's bat, gewährt, wenn's seine Weisheit litte. Er forgt für mich stets väterlich. Nicht, was ich mir ersehe, sein Wille nur geschehe. 6. Soll ich hier noch länger leben, will ich ihm nicht widerstreben, ich verlasse mich auf ihn. Er wird in der Zukunft Tagen mich auf Vaterhänden tragen, bis ich einst am Ziele bin. 7. Will er, daß noch heut zum Ende meines Lebens Lauf sich wende, es gescheh' wie er beschließt. Ist doch Nichts, das lang bestehet, alles Frdische vergehet, wie ein Strom vor überfließt. Vor 1673. Mel. Was Gott thut, bas ist wohlgethan. 375. Auf Gott und nicht auf meinen Rath will stets mein Glück ich bauen, und dem, der mich erschaffen hat, 4. Ist nicht ein ungestörtes Glück weit schwerer oft u tragen, als selbst das widrige Geschick, bei dessen Laft wir klagen? Die größte Noth hebt doch der Tod, und Ehre, Glück und Habe verläßt mich doch im Grabe. 5. An dem, was wahrhaft glücklich macht, läßt Gott es Keinem fehlen; Gesundheit, 316 IV. Christenleben. Ehre, Gut und Pracht sind dem hab' ich mich ergeben; nicht das Heil der Seelen. Wer Gottes Rath vor Augen hat, dem wird ein gut Gewissen die Trübsal auch versüßen. ob heute oder morgen, ich bleib' in Gott geborgen. 4. O mein Herr Jesu Christ, der du geduldig bist für mich am Kreuz gestorben, das Heil mir hast erworben, laß mich sammt allen Frommen zum Himmelreiche kommen. 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden! Was ist das Leiden dieser Zeit? Wie bald ist's überwunden! Hofft auf den Herrn, er hilft uns gern; seid fröhlich, ihr Gerechten, der Herr hilft seinen Knechten. C.F. Gellert,+ 1769. 5. Amen aus Herzensgrund sprech' ich zu jeder Stund'. Du wollest uns auch leiten, Herr Christ, zu allen Zeiten, daß ewig deinen Namen wir dankbar preisen. Amen. S. Weingärtner, im 17. Jahr). Eigene Melodie. 376. Auf meinen lieben Gott trau' ich in Angst und Noth. Er kann mich allzeit retten aus Trübsal, Angst und Nöthen; mein Unglück kann er wenden; es steht in seinen Händen. 2. Ob mich die Sünd' an ficht, verzagen will ich nicht; auf Chriftum will ich bauen und ihm allein vertrauen; er hat ja selbst erduldet die Noth, die ich verschuldet. 3. Ob mich der Tod nimmt hin, ist Sterben mein Gewinn, und Christus ist mein Leben; Mel. Herzlich thut mich verlangen. 377. Befiehl du deine Wege, und was dein Herze kränkt, der allertreusten Pflege deß, der den Himmel lenkt; der Wolken, Luft und Winden giebt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. 2. Dem Herrn mußt du vertrauen, wenn dir's soll wohlergehn; auf sein Wert mußt du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und Ergebung, Geduld, Vertrauen und Hoffnung zu Gott. 317 mit selbsteigner Bein läßt großen Gnaden rücken; erGott sich gar nichts nehmen, warte nur die Zeit, so wirst es muß erbeten sein. du schon erblicken die Sonn' der schönsten Freud'. 3. Dein' ew'ge Treu' und Gnade, o Vater, weiß und sieht, was gut sei oder schade dem sterblichen Geblüt; und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held, und bringst zum Stand und Wesen, was deinem Rath gefällt. 4. Weg' hast du aller Wegen, an Mitteln fehlt dir's nicht, dein Thun ist lauter Segen, dein Gang ist lauter Licht, dein Werk kann Niemand hindern, dein' Arbeit darf nicht ruhn, wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst thun. 5. Und ob gleich alle Teufel hier wollten widerstehn, so wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn. Was er sich vorgenommen und was er haben will, das muß doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel. 6. Hoff', o du arme Seele, hoff' und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit 7. Auf, auf, gieb deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht, laß fahren, was das Herze betrübt und traurig macht; bist du doch nicht Negente, der Alles führen soll, Gott sitzt im Regimente und führet Alles wohl. 8. Jhn, ihn laß thun und walten, er ist ein weiser Fürst und wird sich so verhalten, daß du dich wundern wirst; wenn er, wie ihm gebühret, mit wunderbarem Rath die Sach' hinausgeführet, die dich bekümmert hat. 9. Er wird zwar eine Weile mit seinem Troft verziehn und thun an seinem Theile, als hätt' in seinem Sinn er deiner sich begeben, und sollt'st du für und für in Angst und Nöthen schweben, frag' er doch nichts nach dir. 10. Wird's aber sich befinden, daß du ihm treu verbleibst, läßt er dein Leid verschwinden, da du's am Mind' IV. Christenleben. 318 sten gläubst; er wird dein Herze lösen von der so schwe ren Laft, die du zu keinem Bösen bisher getragen hast. 11. Wohl dir, du Kind der Treue, du haft und trägst oavon mit Ruhm und Dankgeschreie den Sieg, die Ehren kron'. Gott giebt dir selbst die Palmen in deine rechte Hand, und du fingst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt. 12. Mach End', o Herr, mach Ende mit aller unsrer Noth; stärk unsre Füß' und Hände und laß bis in den Tod uns all'zeit deiner Pflege und Treu' empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiß zum Himmel ein. P. Gerhard, † 1676. Mel. Nun laßt uns Gott, dem Herren. 378. Der Herr, der aller Enden regiert mit seinen Händen, der Brunn der ew'gen Güter, der ist mein Hirt und Hüter. 2. So lang ich diesen habe, fehlt mir's an keiner Gabe; der Reichthum seiner Fülle macht mich vergnügt und stille. 3. Er lässet mich mit Freuden auf grüner Que weiden, führt mich zu frischen Quellen, schafft Rath in schweren Fällen. 4. Wenn meine Seele zaget und sich mit Sorgen plaget, weiß er sie zu erquicken, aus aller Noth zu rücken. 5. Er lehrt mich thun und lassen, führt mich die rechten Straßen, läßt Furcht und Angst sich stillen um seines Namens willen. 6. Und muß ich gleich vor Andern im finstern Thale wandern, geht's auch durch Dorn und Hecken, dein Arm wird mich bedecken. 7. Denn du stehst mir zur Seite, machst, daß mein Fuß nicht gleite; dein Stab, Herr und dein Stecken, sind Trost in Furcht und Schrecken. 8. Du deckest, mich zu laben, den Tisch mit deinen Gaben; du weißt den Kelch zu füllen und mir den Durst zu stillen. 9. Du salbft mit Freudenöle mein Haupt, stärkst meine Seele; vor meiner Feinde Ergebung, Geduld, Vertrauen und Hoffnung zu Gott. 319 Blicken weißt du mich zu er- deine Wunderwerke. Herr, quicken. 10. Barmherzigkeit und Gutes wird mein Herz gutes Muthes, voll Lust, voll Freud' und Lachen, so lang ich lebe, machen. groß von Rath und stark von That, mit gnadenvollen Händen wirst du dein Werk vollenden. 11. Ich will dein Diener bleiben und dein Lob herrlich treiben im Hause, da du wohnest und Frommsein wohl belohnest. 12. Ich will dich hier auf Erden, und dort, wo wir dich werden selbst schaun, im Himmel droben, hoch rühmen, preisen, loben. P. Gerhard, † 1676. Mel. Was Gott thut, das ist wohlgethan. 379. Der Herr ist meine Zuversicht, mein einz'ger Trost im Leben. Dem fehlt es nie an Troft und Licht, der sich dem Herrn ergeben. Gott ist mein Gott; auf sein Gebot wird meine Seele stille; mir g'nügt des Vaters Wille. 2. Wer wollte, Herr, dir nicht vertraun? Du bist des Schwachen Stärke; die Augen, welche auf dich schaun, sehn 3. Noch nie hat sich, wer dich geliebt, verlassen sehen müssen; du läßt ihn, wenn ihn Noth umgiebt, doch deinen Trost genießen; des Frommen Herz wird frei von Schmerz; der Sünder eitles Dichten wirst du, o Herr, vernichten. 4. Drum hoff, o Seele, hoff auf Gott. Des Thoren Trost verschwindet, wenn der Gerechte in der Noth Ruh' und Erquickung findet. Wenn jener fällt, ist er ein Held; er steht, wenn Sünder zittern, ein Fels in Ungewittern. 5. Wirf nicht den Trost der Hoffnung hin, den dir der Glaub' will reichen. Weh denen, die zu Menschen fliehn, und von dem Höchsten weichen! Dein Heiland starb, und er erwarb auf seinem Todeshügel dir deines Glaubens Siegel. 6. Sei unbewegt, wenn um dich her auch Trübfalswetter 320 IV. Christenleben. stürmen. Flieh nur zu Gott, gewiß wird er mit starkem Arm dich schirmen. Die Zeit der Qual, der Thränen Zahl zählt er, er wägt die Schmerzen, und nimmt sie von dem Herzen. 7. Herr, du bist meine Zu versicht, auf dich hofft meine Seele; du weißt es ja, was mir gebricht, wenn ich mich forgend quäle. Wer wollte sich nicht ganz auf dich, Allmächtiger, verlassen, sich nicht im Kummer fassen? 8. In deine Hand befehle ich mein Wohlsein und mein Leben; mein hoffend Auge blickt auf dich, dir will ich mich ergeben. Sei du mein Gott und einst im Tod mein Fels, auf den ich traue, bis ich dein Antlig schaue. C. C. Sturm, † 1786. Mel. Uus tiefer Noth schrei' ich zu dir. 380. Der Herr ist mein getreuer Hirt, der mich auf grüne Weide, an frische Wasserbäche führt, daß ich nicht Mangel leide. Er nimmt sich meiner Seele an, und leitet mich auf rechter Bahn um seines Namens willen. 2. Und wandr' ich auch im finstern Thal, ich lasse mir nicht grauen; der Herr ist mit mir überall, und ich darf fest vertrauen, daß mich in allem Kreuz und Leid, in jeder bangen Unglückszeit sein Stab und Stecken tröstet. 3. Du deckest mir den Tisch gar wohl trop Feindes Haß und Neiden; du schenkest mir den Becher voll und falbst mein Haupt mit Freuden. Stets folgt dein treues Wohlthun mir, und bleiben werd' ich für und für, o Herr, in deinem Hause. S. Becker, † 1604. Mel. Was Gott thut, das ist wohlgethan. 381. Cin Lin Christ kann oh: ne Kreuz nicht sein; drum laß dich's nicht betrüben, wenn Gott versucht mit Kreuz und Bein die Kinder, die ihn lieben. Je lieber Kind, je ernster sind des treuen Vaters Schläge. Schau, das sind Gottes Wege! 2. Ein Christ kann ohne Ergebung, Geduld, Vertrauen und Hoffnung zu Gott. 321 dich üben, das ew'ge Gut zu lieben. Kreuz nicht sein; Gott will's nicht anders haben; auch die fes Lebens Noth und Bein sind deines Vaters Gaben. Soll's denn so sein, so gieb dich drein; es kommt von Liebeshänden; Gott wird nichts Böses senden. 3. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein; das Kreuz lehrt fleißig beten, zieht ab von eitlem Trug und Schein und heißt zu Jesu treten. Drum wirf's nicht hin mit sprödem Sinn, wenn es zu dir gekommen; es soll der Seele frommen. 6. Auch ich will ohne Kreuz nicht sein; was Gott schickt, will ich tragen; schickt's doch der liebste Vater mein, sind's doch nur kurze Plagen und wohlgemeint. Wer gläubig weint, lebt dort in steten Freuden. Ich will mit Christo leiden. D. Nerreter,+ 1726. Mel. Helft mir Gott's Güte preisen. 382. Geduld ist euch vonnöthen, wenn Sorge, Gram und Schmerz und was euch sonst will tödten, euch schneidet in das Herz. In diesem Erdenthal, in dieses Lebens Nöthen müßt um Geduld ihr beten, ihr Christen allzumal. 4. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein; das soll dich immer wecken; du schliefest sonst in Sünden ein. Wie müßtest du erschrecken, wenn unbereit die Ewigkeit dich würde überfallen, wenn die Posaunen schallen! 2. Geduld geht Fleisch und Blute gar schwer und sauer ein; droht uns die Leidensruthe nur mit geringer Pein, erschrickt der schwache Sinn; im Glück ist er verwegen, kommt aber Sturm und Regen, fällt Herz und Muth dahin. 5. Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein; es lehrt die Sünde hassen und dei nen lieben Gott allein mit rechter Lieb' umfassen. Die Welt vergeht, doch Gott 3. Geduld ist Gottes Gabe und seines Geistes Gut; der besteht. Bedenk's und laß schenkt sie uns zur Labe, so21 IV. Christenleben. bald er in uns ruht; der edle Willen, erfüllet sein Gebot Himmelsgast erlöst uns von dem Zagen und hilft uns freudig tragen der Erde Bürd' und Last. und weiß sich wohl zu stillen bei aller Feinde Spott. Es lache, wem's beliebt, sie wird doch nicht zu Schanden, es ist bei ihr vorhanden ein Herz, das nichts drauf giebt. 322 4. Geduld kommt aus dem Glauben und hängt an Gottes Wort; das läßt sie sich nicht rauben, das ist ihr Heil und Hort, das ist ihr hoher Wall, und hinter ihm geborgen, läßt fie den Vater sorgen, und fürchtet keinen Fall. 5. Geduld setzt ihr Vertrauen auf Christi Tod und Schmerz, macht auch der Feind ihr Grauen, so faßt sie sich ein Herz, und spricht: Zürn immerhin! Du wirst mir doch nicht schaden, ich bin bei Gott in Gnaden, weil ich in Christo bin. 6. Geduld ist wohl zufrieden mit Gottes weisem Rath, läßt sich nicht leicht ermüden durch Aufschub seiner Gnad', hält frisch und fröhlich aus, läßt sich getroft beschweren und denkt: Wer will's ihm wehren? Ist er doch Herr im Haus. 7. Geduld thut Gottes 8. Geduld dient Gott zu Ehren und läßt sich nimmermehr von seiner Liebe kehren; und schlägt er noch so sehr, so ist sie doch bedacht, die heil'ge Hand zu loben, spricht Der im Himmel droben hat Alles wohl gemacht. 9. Geduld ist mein Verlangen und meines Herzens Lust, nach der ich oft gegangen; das ist dir wohl bewußt, Herr voller Gnad' und Huld. Ach, gieb mir und gewähre mein Bitten; ich begehre nichts Andres, als Geduld. 10. Geduld ist meine Bitte, die ich sehr oft und viel aus dieser Leibeshütte zu dir, Herr, schicken will. Kommt dann der letzte Zug, so gieb durch deine Hände auch ein geduld'ges Ende; so hab' ich Alles g'nug. P. Gerhard,+ 1676. Ergebung, Geduld, Vertrauen und Hoffnung zu Gott. 323 Eigene Melodie. und zu deinem Besten schauen. Er weiß dein Leid und heimlich's Grämen, weiß auch die Zeit, dir's abzunehmen. Gieb dich zufrieden. 383. Gieb dich zufrieden und sei stille in dem Gotte deines Lebens. In ihm ruht aller Freuden Fülle; ohn' ihn mühst du dich vergebens. Er ist dein Quell und deine Sonne, scheint täglich hell zu deiner Wonne. Gieb dich zufrieden. 2. Er ist voll Lichtes, Trost und Gnaden, liebt mit reinem, treuem Herzen. Wo er steht, mag kein Kreuz dir schaden, nicht die Pein der größten Schmerzen. Sorg', Angst und Noth kann er bald wenden, ja, auch den Tod hat er in Händen. Gieb dich zufrieden. 3. Wie dir's und Andern oft ergehe, ist ihm wahrlich nicht verborgen; er sieht und kennet aus der Höhe der betrübten Herzen Sorgen; er weiß den Lauf der heißen Thränen und faßt zu Hauf all' unser Sehnen. Gieb dich zufrieden. 5. Er hört die Seufzer aller Seelen, höret auch dein stilles Klagen, und was du Keinem darfst erzählen, magst du Gott gar kühnlich sagen. Er ist nicht fern, steht in der Mitte, hört bald und gern der Armen Bitte. Gieb dich zufrieden. 6. Laß dich dein Elend nicht bezwingen; halt an Gott, so wirst du siegen. Ob alle Fluthen auf dich dringen, wirst du doch nicht unterliegen; denn wenn du wirst zu hoch beschweret, hat Gott, dein Fürst, dich schon erhöret. Gieb dich zufrieden. 7. Was sorgst du für dein armes Leben, wie du's halten willst und nähren? Der dir das Leben hat gegeben, wird auch Unterhalt bescheeren. Er hat die Hand voll aller Ga ben, genug, um Land und Meer zu laben. Gieb dich 4. Ist gar kein Einz'ger mehr auf Erden, dessen Treue du darfst trauen, alsdann will er dein Tröster werden zufrieden. 21* IV. Christenleben. 324 8. Sprich nicht: Ich sehe keine Mittel, was ich such', dient nicht zum Besten; das ist ja Gottes Ehrentitel: Helfer, wenn die Noth am Größten. Wenn ich und du ihn nicht mehr spüren, tritt er herzu, uns wohl zu führen. Gieb dich zufrieden. 9. Bleibt gleich die Hülfe dir zu lange, wird sie endlich dennoch kommen. Macht dir das Harren angst und bange, glaube nur, es muß dir frommen. Was langsam schleicht, faßt man gewisser, und was verzeucht, ist desto süßer. Gieb dich zufrieden. 10. Es kann und mag nicht anders werden, alle Menschen müssen leiden; was lebt und webet hier auf Erden, kann die Trübsal nicht vermeiden. Wo ist ein Haus, das könnte sagen: Ich weiß durchaus von keinen Plagen? Gieb dich zufrieden. 11. Es ist ein Ruhetag vorhanden, da wird unser Gott uns lösen, uns reißen aus des Leibes Banden und befrein von allem Bösen. Es kommt einmal der Tod behende, und alle Qual hat da ein Ende. Gieb dich zufrieden. 12. Er wird uns bringen zu den Schaaren der Erwählten und Getreuen, die einst mit Frieden heimgefahren, sich auch nun in Frieden freuen, wo sie den Grund, der nicht kann brechen, den ew'gen Mund selbst hören sprechen: Gieb dich zufrieden. P. Gerhard,+ 1676, Eigene Melodie. 384. Gott lebt ja noch; Seele, was verzagst du doch? Gott ist gut, der aus Erbarmen alle Hülf' auf Erden thut, der mit Macht und starken Armen Alles füget wohl und gut. Gott kann besser, als wir denken, alle Noth zum Besten lenken. Seele, so be denke doch: lebt doch unser Herr Gott noch! 2. Gott lebt ja noch; Seele, was verzagst du doch? Sollte den ein Schlaf beschweren, der das Auge hat gemacht? Sollte der das Flehn nicht hören, der das Ohr hervorgebracht? Ergebung, Geduld, Vertrauen und Hoffnung zu Gott. 325 Gott ist Gott; er hört und versenken deine Sünden in das fiehet, wo den Frommen Weh geschiehet. Seele, so bedenke doch: lebt doch unser Herr Gott noch! Meer. Mitten in der Hölle Dräuen wird dein Gott dir Trost verleihen. Seele, so bedenke doch: lebt doch unser Herr Gott noch! 6. Gott lebt ja noch; Seele, was verzagst du doch? Will dich alle Welt verlassen, weißt du weder aus noch ein, Gott wird dennoch dich umfassen und im Leiden bei dir sein. Gott ist's, der es redlich meinet, wo die Noth am größten scheinet. Seele, so bedenke doch: lebt doch unser Herr Gott noch! 7. Gott lebt ja noch; Seele, was verzagst du doch? Mußt du schon geängstet wallen auf der harten Dornenbahn, es ist Gottes Wohlgefallen, dich zu führen himmelan. Er giebt Fried' und ew'ge Freuden dir nach allem Rampf und Leiden. Seele, so bedenke doch: lebt doch unser Herr Gott noch! 3. F. Zihn,+ 1719. 3. Gott lebt ja noch; Seele, was verzagst du doch? Der den Erdenkreis verhüllet mit den Wolken weit und breit, der die ganze Welt erfüllet, ist von uns nicht fern und weit. Wer Gott liebt, dem will er senden Hülf und Troft an allen Enden. Seele, so bedenke doch: lebt doch unser Herr Gott noch! 4. Gott lebt ja noch; Seele, was verzagst du doch? Bist du schwer mit Kreuz beladen, nimm zu Gott nur deinen Lauf; Gott ist groß und reich an Gnaden, hilft den Schwachen gnädig auf; Gottes Gnade währet immer, seine Treu' vergehet nimmer. Seele, so bedenke doch: lebt doch unser Herr Gott noch! 5. Gott lebt ja noch; Seele, was verzagst du doch? Wenn dich deine Sünden kränken, dein Vergehn dich ängstigt sehr, komm zu Gott, er wird Mel. Was Gott thut, das ist wohlgethan 385. Gott lebt. Wie kann ich traurig sein, als wär' IV. Christenleben. 326 kein Gott zu finden? Er weiß gar wohl von meiner Pein, die ich hier muß em pfinden. Er kennt mein Herz und meinen Schmerz; drum darf ich nicht verzagen, darf ihm nur Alles klagen. 2. Gott hört, wenn Niemand hören will. Wie sollt' ich bange sorgen, mein Seufzen dringe nicht zum Ziel und sei vor Gott verborgen? Ruf' ich empor, so hört sein Dhr, es schallt sein Amen wieder, und Hülfe steigt hernieder. 3. Gott sieht. Wie klaget denn mein Herz, als säh' er nicht mein Weinen? Vor ihm muß auch der tiefste Schmerz ganz offenbar erscheinen. Kein Thränlein fällt, das er nicht zählt und sich vor Augen seßet, bis er uns hat ergößet. 4. Gott führt. Drum geh' ich ruhig fort auf allen meinen Wegen; und will die Welt bald hier, bald dort mir ihre Schlingen legen, so wird er mich, zwar wunderlich, doch immer selig leiten, daß nicht mein Fuß kann gleiten. 5. Gott giebt. Und wär ich noch so arm, doch soll ich nicht verderben. Was hilft mir denn mein fteter Harm, als müßt' ich Hungers sterben? Gott hat ja Brot; und wenn in Noth ich muß durch Wüsten reisen, er wird auch da mich speisen. 6. Gott lebt, ihn find' ich überall; Gott hört, ihm darf ich klagen; Gott sieht, er kennt der Thränen Zahl; Gott führt, ich darf nicht zagen. Gott giebt und liebt; drum nicht betrübt! Er wird mir endlich geben, auch dort mit ihm zu leben. B. Schmold,+ 1737. Mel. Ringe recht, wenn Gottes Gnade. 386. Gott will's machen, daß die Sachen gehen, wie es heilsam ist. Laß die Wellen immer schwellen, wenn du nur bei Jesu bist. 2. Wer sich kränket, weil er denket, Jesus liege in dem Schlaf, wird mit Klagen sich nur plagen; wer nicht glaubt, der leidet Straf'. 3. Du Verächter, Gott, dein Ergebung, Geduld, Vertrauen und Hoffnung zu Gott. 327 was wir sollen, fällt auch das Vollbringen zu. Wächter, schläft fürwahr und schlummert nicht; zu den Höhen aufzusehen, wäre deine Glaubenspflicht. 10. Nun so trage deine Plage nur getrost und mit Geduld. Wer das Leiden will vermeiden, häuft nur seine Sündenschuld. 4. Jm Verweilen und im Eilen bleibt er stets ein Vaterherz. Laß dein Weinen bitter scheinen, dein Schmerz ist ihm auch ein Schmerz. 5. Glaub nur feste, daß das Beste über dich beschlossen sei. Wenn dein Wille nur ist stille, wirst du von dem Kummer frei. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 6. Willst du wanken in 387. Halt an, mein Herz, Gedanken, faß dich in Gelassenheit. Laß den sorgen, der auch morgen Herr ist über Freud' und Leid. in deinem Glauben; in ihm beharre lebenslang. Wer diesen Anker sich läßt rauben, dem droht im Schiffbruch Untergang; wer aber fest an Jesu hält, der steht, ob Erd' und Himmel fällt. 7. Gottes Hände sind ohn' Ende, sein Vermögen hat kein Ziel. Ist's beschwerlich, scheint's gefährlich, deinem Gott ist Nichts zu viel. 2. Halt ein, mein Herz, mit deinen Klagen; Gott will dich üben in Geduld. Lernst du dein Kreuz gelassen tragen, so tröstet dich des Schöpfers Huld; dagegen nur sich selbst verlegt, wer murrend Gott sich widerseßt. 8. Wenn die Stunden sich gefunden, bricht die Hülf' mit Macht herein, und dein Grämen zu beschämen, wird es unversehens sein. 9. Drum wohl denen, die sich sehnen nach der stillen Willensruh'. Wenn wir wollen, 11. Amen, Amen! In dem Namen meines Jesu halt' ich still. Es geschehe und ergehe, was und wie und wann er will. J. D. Herrnschmidt, † 1723. 3. halt aus, mein Herz; nicht immer währet dein Leid; IV. Christenleben. 328 die Hoffnung siegt gewiß. Der helle Sonnenschein verkläret die Welt nach Sturm und Finsterniß. Des Kreuzes Weg führt himmelwärts; halt an, halt ein, halt aus, mein Herz! B. Schmold,+ 1737. 2. Zucht, Ehr' und Treu' verleih mir, Herr, und Lieb' zu deinem Worte. Behüte mich vor falscher Lehr' und gieb mir hier und dorte, was dient zu meiner Seligkeit. Wend ab all' Ungerechtigkeit in meinem ganzen Leben. o Herr, ein selig End' gieb mir durch Jesum Christum! Amen. C. Melissander,+ 1591. Herz und Sinn mein Herz und Sinn ergeben; was böse scheint, ist mir Gewinn, der Mel. Aus tiefer Noth schrei' ich zu dir. 388. Herr, wie du willst, Tod selbst ist mein Leben. so schick's mit mir im Leben und im Sterben. Allein zu dir steht mein Begier; laß mich, Herr, nicht verderben. Erhalt mich nur in deiner Huld; sonst, wie du willst. Gieb mir Geduld; dein Wille ist der beste. Deß Kind bin ich, der prächtig sich des Himmels Thron erbauet; der, ob er schlägt und Kreuz auflegt, doch liebend auf mich schauet. 3. Soll ich einmal nach deinem Rath von dieser Welt abscheiden, verleih mir, Herr, nur deine Gnad', daß es gescheh' mit Freuden. Mein'n Leib und Seel' befehl' ich dir; Mel. Was mein Gott will, gescheh' zc. 389. Ich hab' in Gottes 2. Das kann mir fehlen nimmermehr, mein Vater muß mich lieben; schickt er auch Trübsal groß und schwer, ſo will er mich nur üben und mein Gemüth in seiner Güt' gewöhnen, fest zu stehen; halt' ich dann Stand, weiß seine Hand mich wieder zu erhöhen. 3. Ich kam ja von mir selber nicht in dieses Erdenleben; mein Gott ist's, der es zugericht't und mir zum Heil gegeben. Ich gab mir nicht des Geistes Licht; er ließ es in mir scheinen. Wer so viel thut, deß Herz Ergebung, Geduld, Vertrauen und Hoffnung zu Gott. 329 und Muth kann's nimmer schaffen hat und sich zur Ehr' böse meinen. 4. Wie wollt' ich sichern Aufenthalt auf dieser Erd' erlangen? Ich wäre längst schon todt und kalt, wo mich nicht Gott umfangen mit seinem Arm, der Alles warm, gesund und fröhlich machet. Was er nicht hält, das bricht und fällt; was er erfreut, das lachet. erbauet, der hat schon längst in seinem Rath dein wahres Glück geschauet. Er sieht voll Treu', was dienlich sei dir und den Deinen allen; laß ihm doch zu, daß er nur thu' nach seinem Wohlgefallen. 8. Wenn Gott nicht will, so kann's nicht sein; er wird dich doch erfreuen. Was du jetzt fühlst als Kreuz und Pein, wird dir zum Heil gedeihen. Wart in Geduld; die Gnad' und Huld wird sich doch endlich finden; all' Angst und Qual wird auf einmal gleichwie ein Dampf verschwinden. 5. Bei ihm ist Weisheit und Verstand und Liebe ohne Maaßen; die rechte Zeit ist ihm bekannt, zu thun und auch zu lassen. Er weiß, wann Freud', er weiß, wann Leid uns, seinen Kindern, diene; und was er thut, ist Alles gut, ob's noch so traurig schiene. 6. Du denkst zwar, wenn du das nicht hast, was Fleisch und Blut begehren, es wolle dir mit großer Last dein Gott das Heil erschweren; haft spät und früh viel Sorg' und Müh', zu deinem Wunsch zu kommen; doch was dich drückt, denk, weil's Gott schickt, es sei zu deinem Frommen. 7. Fürwahr, der dich er9. Ohn' Sturm und Wetter kann das Feld nicht reiche Früchte tragen; so auch des Wenschen Wohlfahrt fällt bei lauter guten Tagen. D6 bitter sei die Arzenei, schafft sie doch frische Wangen; so muß ein Herz durch Angst und Schmerz zu seinem Heil gelangen. 10. Ei nun, mein Gott, so fall' ich dir getroft in deine Hände. Nimm mich und mach IV. Christenlebent. 330 es so mit mir bis an mein lettes Ende, wie du nur weißt, daß meinem Geist da durch sein Heil entstehe, und deine Ehr' je mehr und mehr sich so an mir erhöhe. 11. Willst du mir geben Sonnenschein, so nehm' ich's an mit Freuden; soll's aber Kreuz und Trübsal sein, will Soll ich's geduldig leiden. mir allhier des Lebens Thür noch ferner offen stehen, wie du mich führst und führen wirst, so will ich gern mitgehen. 12. Doch wenn ich soll des Todes Weg, die finstre Straße reisen, wohlan, so geh' ich Bahn und Steg, den deine Augen weisen. Du bist mein Hirt, der Alles wird zu solchem Ende kehren, daß ich einmal im Himmelssaal dich ewig werde ehren. P. Gerhard,+ 1676. Mel. O Welt, ich muß dich laffen. ( Nun ruhen alle Wälder.) 390. Ich hab' in guten Stunden des Lebens Glück empfunden und Freuden ohne Zahl; so will ich denn gelassen mich auch in Leiden fassen. Welch' Leben hat nicht seine Qual? 2. Ja, Herr, ich bin ein Sünder, und stets strafft du gelinder, als es der Mensch verdient. Sollt' ich, beschwert mit Schulden, kein zeitlich Weh erdulden, das doch zu meinem Besten dient? 3. Dir will ich mich er geben, nicht meine Ruh', mein Leben mehr lieben, als den Herrn. Dir, Gott, will ich vertrauen und nicht auf Menschen bauen; du hilfft und du errettest gern. 4. Laß du mich Gnade finden, mich alle meine Sün den erkennen und bereun; jetzt hat mein Geist noch Kräfte zum Heiligungsgeschäfte, und du, Gott, willst mein Bei stand sein. 5. Wenn ich in Chrifto sterbe, bin ich des Himmels Erbe; was schreckt mich Grab und Tod? Auch auf des Todes Pfade vertrau' ich deiner Gnade; du, Herr, bist bei mir in der Noth. 6. Ich will dem Kummer Ergebung, Geduld, Vertrauen und Hoffnung zu Gott. 331 wehren, dich durch Geduld doch nicht zu Stande; er verehren, im Glauben auf meint, ein festes Haus zu dich sehn. Ich will den Tod baun, doch steht's auf losem bedenken; du, Herr, wirst Sande. Alles lenken, und was mir gut ist, wird geschehn. C. F. Gellert,+ 1769. 5. Wohl Mancher ist in seinem Sinn schon über alle Berge hin, und eh' er sich's versiehet, so liegt er da und hat doch nur vergebens sich bemühet. 6. Drum, lieber Vater in der Höh, gieb, daß ich nimmer ruh' und steh' auf meinem eignen Willen; erleuchte mich durch deinen Rath, was du willst, zu erfüllen. Mel. In dich hab' ich gehoffet, Herr. 391. Ich weiß, mein Gott, daß all' mein Thun und Werk auf deinem Willen ruhn; von dir kommt Glück und Segen; was du regierst, das steht und geht allein auf rechten Wegen. 2. Es steht in keines Menschen Macht, daß sein Beschluß, in's Werk gebracht, sich seines Fortgangs freue; dein Rath, du Höchster, macht allein, daß Menschenrath gedeihe. 3. Oft denkt der Mensch in seinem muth, dies oder jenes sei ihm gut, und doch ift's weit gefehlet; oft sieht er auch für Unheil an, was du, Herr, haft erwählet. 4. Es fängt auch wohl ein weiser Mann ein gutes Werk gar fröhlich an, und bringt's 7. Was dir gefällt, laß wohl gedeihn, doch was mir Fleisch und Blut giebt ein, das hindre und verwehre; der höchste Zweck all' meines Thuns sei deines Namens Ehre. 8. Steh du mir bei und mache leicht, was sonst mir fast unmöglich däucht; nimm's selbst in deine Hände. Denn was du angefangen hast, gelangt zum guten Ende. 9. Du bist mein Vater, ich dein Kind; was ich bei mir nicht hab' und find', das hast IV. Christenleben. 332 du zur Genüge. So hilf nun, daß ich meinen Stand wohl halt', und herrlich siege. 10. Dir, Herr, sei aller Ruhm gebracht; ich will von deiner Huld und Macht mit Freuden Zeugniß geben, vor deinem Volk und aller Welt dich lebenslang erheben. P. Gerhard, † 1676. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 392. In allen meinen Thaten laff' ich den Höchsten rathen, der Alles kann und hat; er muß zu allen Dingen, soll's anders wohl gelingen, uns selber geben Rath und That. 2. Nichts ist es spät und frühe um alle meine Mühe, mein Sorgen ist umsonst; er mag's mit meinen Sachen nach seinem Willen machen, ich stell' es ganz in seine Gunst. 3. Es kann mir nichts geschehen, als was er hat er sehen und was mir selig ist; ich nehm' es, wie er's giebet, was ihm von mir beliebet, das hab' ich willig auch erkiest. 4. Ich traue seiner Gnade, die mich, daß Nichts mir schade, vor allem Uebel schüßt; folg' ich des Herrn Geseßen, so kann mich nichts verlegen, Nichts fehlen, was mir ewig nüßt. 5. Er wolle meiner Sünden in Gnaden mich entbinden, durchstreichen meine Schuld; er wird auf mein Verbrechen nicht stracks das Urtheil sprechen, und haben noch mit mir Geduld. 6. Leg' ich mich späte nieder, erwach' ich frühe wieder, bleib' oder zieh' ich fort; daheim, in fremden Landen, in Schwachheit, Noth und Banden stets tröstet mich sein süßes Wort. 7. Hat er es denn beschlossen, so will ich unverdrossen an mein Verhängniß gehn; kein Unfall unter allen, soll je zu hart mir fallen, ich will ihn freudig überstehn. 8. Ihm hab' ich mich ergeben, zu sterben und zu leben, sobald er mir gebeut; es sei heut oder morgen, dafür laß ich ihn sorgen, er weiß ja wohl die rechte Zeit. Ergebung, Geduld, Vertrauen und Hoffnung zu Gott. 333 9. So sei nun, Seele, seine und traue dem alleine, der dich geschaffen hat. Es gehe, wie es gehe, der Vater in der Höhe, der weiß zu allen Sachen Rath. stehet feste auf dem Herrn, dem starken Gott, der mit seiner Macht auf's Beste mich beschüßt in aller Noth. Er allein soll es sein, der mein ganzes Herz nimmt ein. P. Flemming, t 1640. 2. Sagt mir, wer mag doch vertrauen auf ein schwaches Menschenkind? Wer kann feste Schlösser bauen auf den Sand und in den Wind? Nichts besteht, bald vergeht, was ihr auf der Erde seht. Mel. Christus, der ist mein Leben. 393. Laß fahren deine Sorgen, du änderst nicht dein Loos; das Heut ist dein, das Morgen trägt Gott in seinem Schooß. 2. Und wie er's wird gestalten, ergründen kannst du's nicht; doch glaubst du an sein Walten, so gehst du auch im Licht. 3. Und was er dir mag senden du trägst es still und gern; es kommt ja aus den Händen des gnadenreichsten Herrn. 4. Nie kann dein Morgen trübe, dein Abend dunkel sein; denn deines Gottes Liebe giebt ihnen hellen Schein. C. C. Sturm, † 1786. 3. Aber Gottes Güte währet, wie bisher, so immerdar; alle Creatur ernähret und erhält er Jahr um Jahr; treu bewacht seine Macht unser Leben Tag und Nacht. 4. Giebt er uns nicht alles reichlich, was uns frommt in dieser Zeit? dieser Zeit? Seine Lieb' ist unvergleichlich, endlos seine Freundlichkeit. Was er thut, ist uns gut und erquicket Herz und Muth. 5. Darum, Dank und Ehre werde ihm, dem Höchsten, dargebracht, dessen Schöpferhand aus Erde ihm zum Bild uns Eigene Melodie 394. Meine Hoffnung hat gemacht. Groß von Rath, IV. Christenleben. 334 stark von That ist, der uns erschaffen hat. 3. Neander,+ 1680. liegt, bleibt in aller Noth vergnügt. 5. Meine Seele klaget nicht, denn sie weiß von keinen Nöthen, hängt an Gottes Angesicht auch noch dann, wenn er will tödten. Wo sich Fleisch und Blut beklagt, wird der Freudengeist verjagt. 6. Meine Seel' ist still zu Gott, und die Zunge bleibt gebunden; also hab' ich allen Spott, alle Schmerzen überwunden; bin gleichwie ein stilles Meer, voll von Gottes Preis und Ehr'. I. 3. Windler,+ 1722. Mel. Meinen Jesum lass' ich nicht. 395. Meine Seele senket fich hin in Gottes Herz und Hände, und erwartet ruhiglich seiner Wege Ziel und Ende, lieget still und sorgenlos in des liebsten Vaters Schooß. 2. Meine Seele murret nicht, ist mit Allem wohl zu frieden; was der eigne Wille spricht, ist zum Tode schon beschieden; was mir Ungeduld erregt, ist in Chrifti Grab gelegt. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 3. Meine Seele sorget nicht, will und mag an Nichts gedenken, was gleich spigen Dornen sticht und den Frieden nur kann kränken. Sorgen kommt dem Schöpfer zu, meine Seele sucht nur Ruh'. 396. Mein Gott, wie bist du so verborgen, wie ist dein Rath so wunderbar? Was helfen alle meine Sorgen? Du hast gesorgt schon, eh' ich war. ich war. Mein Gott und Vater, führe mich nur selig, wenn auch wunderlich. 4. Meine Seele grämt sich nicht, liebt hingegen Gott im Leiden; Kummer, der das Herz zerbricht, zerbricht, trifft und trifft und ängstigt nur nur die Heiden; 2. Herr, wer kann deinen Sinn verstehen? Wir schaun nur deinen Wegen nach; was du bestimmt, das muß ge wer Gott in dem Schooße schehen bei unserm Glück und Ergebung, Geduld, Vertrauen und Hoffnung zu Gott. 335 Ungemach. Mein Gott und keit. Mein Gott und Vater, Vater, führe mich nur selig, führe mich nur selig, wenn wenn auch wunderlich. auch wunderlich! 3. Herr, wer kann deinen Rath ergründen? Dir bleibt allein der Weisheit Preis. Du kannst viel tausend Wege finden, wo die Vernunft nicht Einen weiß. Mein Gott und Vater, führe mich nur selig, wenn auch wunderlich. 4. Gott, deine heiligen Gedanken sind himmelweit von Menschenwahn; drum leite mich in deinen Schranken und führe mich auf rechter Bahn. Mein Gott und Vater, führe mich nur selig, wenn auch wunderlich. 5. Dir will ich ganz mich überlassen mit Allem, was ich hab' und bin; ich werfe, was ich nicht kann fassen, auf deine Macht und Weisheit hin. Mein Gott und Vater, führe mich nur selig, wenn auch wunderlich. 6. Hilf, daß ich nie von dir mich kehre in Glück und Unglück, Freud' und Leid. Schick Alles, Herr, zu deiner Ehre und meiner Seele SeligS. Frand,+ 1725. Eigene Melodie. 397. Nicht so traurig, nicht so sehr, meine Seele, sei betrübt, daß dir Gott Glück, Gut und Ehr' nicht so viel, wie Andern, giebt; hab genug an deinem Gott; hast du ihn, so hat's nicht Noth. 2. Nicht ein einzig Menschenkind hat ein Recht in dieser Welt; die Erschaffnen alle sind Gäste nur in fremdem Zelt. Gott ist Herr in seinem Haus; wie er will, so theilt er aus. 3. Bist du doch nicht darum hier, daß die Erde dir sei hold. Schau den Himmel über dir, da, da ist dein edles Gold, da ist Ehre, da ist Freud', Freud' ohn' Ende, Ehr' ohn' Neid. 4. Der ist thöricht, der sich kränkt um das Eitle dieser Zeit, wenn ihm Gott dagegen schenkt Schäße für die Ewigkeit. Bleibt der Centner dein IV. Christenleben. Gewinn, fahr' der Heller im- deines Glaubens Freudenmer hin! licht. Das behalt, wenn dich die Nacht deines Kummers traurig macht. 5. Schaue alle Dinge an, die dein Herz für Güter hält; keines, wenn du gehest, kann mit dir gehen aus der Welt; trittst du in des Grabes Thür, so bleibt Alles hinter dir. 10. Seße als ein Himmels sohn deinem Willen Maaß und Ziel; rühre stets vor Gottes Thron deines Dankes Saitenspiel, weil dir schon gegeben ist mehr, als du nur würdig biſt. 11. Führe deinen Lebenslauf all'zeit Gottes eingedenk. Wie es kommt, nimm Alles auf als ein wohlbedacht Geschenk; geht dir's widrig, laß es gehn; Gott und Himmel bleibt dir stehn. P. Gerhard, t 1676. 336 6. Aber, was die Seele nährt, Gottes Huld und Christi Blut, wird von keiner Zeit verzehrt, ist und bleibet all' zeit gut; Erdengut zerfällt und bricht, Seelengut verschwindet nicht. 7. Gott ist deiner Liebe voll und von ganzem Herzen treu; wenn du wünscheft, prüft er wohl, wie dein Wunsch beschaffen sei; ist dir's gut, so geht er's ein, ist's dein Schade, spricht er Nein. 8. Unterdessen trägt sein Geist dir in deines Herzens Haus Manna, das die Engel ſpeist, ziert und schmückt es herrlich aus; ja, er wählet, dir zum Heil, dich zu seinem Gut und Theil. 9. Ei, so richte dich empor, du betrübtes Angesicht! Laß das Seufzen, nimm hervor Cigene Melodie. 398. Sollt es gleich bisweilen scheinen, als verließe Gott die Seinen, o so glaub' und weiß ich dies: Gott hilft endlich doch gewiß. 2. Hülfe, die er aufge schoben, hat er drum nicht aufgehoben; hilft er nicht zu jeder Frist, hilft er doch, wenn's nöthig ist. 3. Wie nicht gleich die Ergebung, Geduld, Vertrauen und Hoffnung zu Gott. 337 Väter geben, wonach ihre Mel. Helft mir Gott's Güte preisen. Kinder streben, so giebt Gott 399. Von Gott will ich auch, wenn er will. Harre nicht lassen, denn er läßt seiner und sei still. nicht von mir, führt mich die rechten Straßen, und wenn ich mich verirr', reicht er mir seine Hand. Am Abend wie am Morgen weiß er mich zu versorgen, wo ich auch sei im Land. 4. Seiner kann ich mich getrösten, wenn die Noth am Allergrößten; er ist gegen mich, sein Kind, stets nur väterlich gesinnt. 5. Trop der Welt und ihren Rotten, ich kann ihre Macht verspotten; drückt auch schwer des Kreuzes Joch, Gott, mein Vater, lebt ja noch. 6. Will die Welt mich auch beneiden, will sie mich nicht länger leiden, o, so frag' ich Nichts darnach, Gott ist Rich ter meiner Sach'. 7. Was die Welt liebt, will ich hassen, gern ihr ihre Güter lassen; ist der Himmel mein Gewinn, geb' ich alles Andre hin. 8. Wenn ich bis zu meinem Grabe dich, mein Herr und Gott, nur habe, dann hab' ich das beste Theil und bei dir einst ew'ges Heil. C. Tiege( Titius),+ 1703. 2. Wenn Menschen- Gunst und Lieben in Feindschaft fich verkehrt, ist er doch treu geblieben, hat seine Huld bewährt. Er hilft aus aller Noth, macht frei von Sünd' und Schanden, von Ketten und von Banden, und rettet selbst vom Tod. 3. Auf ihn will ich ver trauen in meiner schweren Zeit; er läßt sein Heil mich schauen, und wendet alles Leid. Ihm hab' ich's heimgestellt; Leib, Seele, Gut und Leben sei Gott, dem Herrn, ergeben; er mach's, wie's ihm gefällt. 4. Es fann ihm Nichts gefallen, als was mir nüßlich ist; er meint es gut mit Allen und schenkt uns Jesum Christ. 22 IV. Christenleben. 338 Von seinem Himmelsthron hat reichlich er bescheeret, was Seib und Seel' ernähret, in seinem lieben Sohn. 5. Lobt ihn mit Herz und Munde, lobt ihn, der Alles schenkt! Wenn man zu jeder Stunde so seiner Huld gedenkt, verdirbt man nicht die Zeit, die er uns giebt auf Erden, damit wir sfelig werden hier und in Ewigkeit. dich, mein Herz, und kümmerst dich in Sorg' und Schmerz um Erden Glück und Gut? Vertraue nur auf dessen Rath, der alle Ding' erschaffen hat. 2. Er ist dein Hort, er läßt dich nicht, er weiß gar wohl, was dir gebricht, er ist der Herr der Welt, dein Vater und dein treuer Gott, der dich beschirmt in aller Noth. 3. Und weil du denn mein Vater bist, so trau' ich dir zu jeder Frist, du väterliches Herz, wenn ich, das arme Menschenkind, auf Erden keinen Troft mehr find'. 4. Der Reiche bauet auf sein Gut; ich bau' auf dich, Herr, wohlgemuth, ob's auch Nichts die Welt verlacht. mangelt dem, so glaub' ich fest, der sich auf seinen Gott verläßt. 5. Ach Gott, du bist so reich noch heut, wie du es warst von Ewigkeit; deß tröst' ich freudig mich. Mach meine Seele reich in dir, so wird vollauf Genüge mir. Eigene Melodie. 6. Der eiteln Ehren dieser 400. Warum betrübst du Zeit entbehr' ich gern, hältst 6. Drum, ob ich schon muß dulden viel Widerwärtigkeit nicht ohne mein Verschulden, kommt doch die Ewigkeit, die, aller Freuden voll, weil ich den Heiland kenne und mich von ihm nicht trenne, mein Erbtheil werden soll. 7. Das ist des Vaters Wille, der uns erschaffen hat. Aus seines Sohnes Fülle empfahn wir Gnad' um Gnad'. Er giebt uns seinen Geist, damit er uns regiere und uns zum Himmel führe. Hoch sei der Herr gepreist. 2. Helmbold,+ 1598. Ergebung, Geduld, Vertrauen und Hoffnung zu Gott. 339 du bereit die Ehrenkrone mir, die mir dein herber, bittrer Tod erworben hat, mein Herr und Gott. 2. Gut und Blut, Leib, Seel' und Leben ist nicht mein; Gott allein ist es, der's gegeben. Will er's wieder zu sich kehren, nehm' er's hin; ich will ihn dennoch fröhlich ehren. 3. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, dringt herein Angst und Pein, sollt' ich drum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden; er weiß wohl, wie er soll all' mein Unglück enden. 4. Gott hat mich bei guten Tagen oft ergößt, sollt' ich jetzt auch nicht etwas tragen? Fromm ist Gott und übt mit Maaßen sein Gericht, kann mich nicht ganz und gar verlasſen. 5. Unverzagt und ohne Grauen soll ein Christ, wo er ist, stets fich lassen schauen. Wollt' ihn auch der Tod aufreiben, soll der Muth dennoch gut und fein stille bleiben. 6. Kann uns doch der Tod nicht tödten, sondern reißt unsern Geist aus viel tausend Nöthen, schleußt das Thor der bittern Leiden und macht 22* 7. Was irgend bietet diese Welt an Gold und Silber, Gut und Geld und Schäßen solcher Art, das währt ja doch nur kurze Zeit, hilft nimmermehr zur Seligkeit. 8. Herr Jesu Christ, ich danke dir, daß du dies hast verkündigt mir in deinem Gotteswort. Zu meinem Heile nun verleih, daß ich darin beständig ſei. 9. Lob, Ehr' und Preis sei dir gebracht für alles Wohlthun deiner Macht; in Demuth bitt' ich nur: Verwirf in Ewigkeit mich nicht, o Herr, vor deinem Angesicht. H. Sachs,+ 1576. Eigene Melodie. B. 401. Warum sollt ich mich denn grämen? Hab' ich doch Jesum noch; wer will den mir nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, den mir schon Gottes Sohn bei gelegt im Glauben? 340 IV. Christenleben. Bahn, da man kann gehn zu Himmelsfreuden. 7. Da wird an vollkommnen Schäßen sich mein Herz nach dem Schmerz ewiglich ergößen. Hier ist kein recht Gut zu finden; was die Welt in sich hält, muß im Nu verschwinden. 8. Was sind dieses Lebens Gülter? Eine Hand voller Sand, Kummer der Gemüther. Droben sind die edlen Gaben, da mein Hirt, Chriftus, wird mich ohn' Ende laben. 9. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, du bist mein, ich bin dein, Niemand soll uns scheiden! Ich bin dein, weil du dein Leben und dein Blut mir zu gut in den Tod gegeben. 10. Du bist mein, weil ich dich fasse und dich nicht, o mein Licht, aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, da ich dich, wie du mich, ewig werd' umfangen. P. Gerhard,+ 1676. gerecht sein Wille. Wie er fängt meine Sachen an, will ich ihm halten stille. Er ist mein Gott, der in der Noth mich wohl weiß zu erhalten; drum laß ich ihn nur walten. 2. Was Gott thut, das iſt wohlgethan; sein Wort kann niemals trügen. Er führet mich auf rechter Bahn; so laff' ich mir genügen. Trost und Geduld giebt seine Huld; er wird mein Unglück wenden; es steht in seinen Händen. Eigene Melodie. 402. Was Gott thut, das ist wohlgethan; es bleibt 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan; er wird mich Der Arzt, wohl bedenken. der Alles heilen kann, wird mich mit Gift nicht tränken. Gott ist getreu und steht mir bei, drum will ich auf ihn bauen und seiner Güte trauen. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan; er ist mein Licht und Leben, der mir nichts Böses gönnen kann; ihm hab' ich mich ergeben. Nach Gram und Leid kommt noch die Zeit, da öffentlich erscheinet, wie treulich er es meinet. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan; muß ich den Ergebung, Geduld, Vertrauen und Hoffnung zu Gott. 341 Kelch auch schmecken, der bitter ist nach meinem Wahn, laff' ich mich doch nicht schrecken, weil doch zulegt ich werd' ergößt mit süßem Trost im Herzen; da weichen alle Schmerzen. gen ist niemals ihm verborgen, der Alles sieht und hält; und was er mir beschieden, das dient zu meinem Frieden, wär's auch die größte Laſt der Welt. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan; dabei will ich verbleiben. Es mag mich auf die rauhe Bahn Noth, Tod und Elend treiben, so wird Gott mich doch väterlich in seinen Armen halten; drum laff' ich ihn nur walten. S. Rodigast,+ 1708. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 403. Was ist's, daß ich mich quäle? Harr nur auf Gott, o Seele, harr und sei unverzagt; du weißt nicht, was dir nüßet; Gott weiß es und Gott schüßet allmächtig den, der nach ihm fragt. 2. Er zählte meine Tage, mein Glück und meine Plage, eh' ich die Welt noch sah; eh' ich mich selbst noch kannte, eh' ich ihn Vater nannte, war er mir schon mit Hülfe nah. 3. Die kleinste meiner Sor4. Jch lebe nicht auf Erden, um glücklich hier zu werden; die Lust der Welt vergeht; ich lebe hier, in Segen den Grund des Glücks zu legen, der ewig, wie mein Geist, be steht. 5. Was dieses Glück vermehret, sei mir von dir gewähret; Gott, du gewährst es gern. Was dieses Glück verletzet, wenn's alle Welt auch schäßet, sei, Herr, mein Gott, mir ewig fern. 6. Sind auch der Krankheit Plagen und Mangel schwer zu tragen, noch schwerer Haß und Spott; so harr' ich und bin stille zu dir, und nicht mein Wille, dein Wille nur gescheh', o Gott! 7. Du bist der Müden Stärke, und aller deiner Werke erbarmst du ewig dich. Was kann mir widerfahren, wenn du wenn du mich willst be 342 IV. Christenleben. wahren? Und du, mein Gott, bewahrest mich. C.F. Gellert,+ 1769. Eigene Melodie. 404. Was mein Gott will, das g'scheh' all'zeit; sein Wille ist der beste. Zu helfen ist er stets bereit, daß sein die Welt sich tröste. Schickt er uns Noth, der treue Gott, so ist's mit Ziel und Maaßen. Wer ihm vertraut, feft auf ihn baut, den will er nicht verlassen. 2. Gott ist mein Hort, mein Troft und Heil, er ist mein Licht und Leben; dem Uebel, das mir fällt zu Theil, will ich nicht widerstreben. Er, der fürwahr ein jeglich Haar auf meinem Haupt gezählet, er hütet, wacht und hat wohl Acht, daß Nichts zum Heil mir fehlet. 3. Und soll ich Sünder aus der Welt nach Gottes Willen geben, es mag mir, wie es ihm gefällt, und wie er's fügt, geschehen. Die arme Seel' ich ihm befehl' in meinen letzten Stunden, der Sünd' und Noth, der Höll' und Tod für mich hat überwunden. 4. Noch Eines, Herr, du wirft es nicht dem Bittenden versagen: wenn mich der böse Geist anficht, so laß mich nicht verzagen. Sei selbst, o Herr, mir Schuß und Wehr, zur Ehre deinem Namen. Wer das begehrt, dem wird's gewährt; drauf sprech' ich fröhlich Amen. Martgraf Ulbrecht v. Brandenburg, † 1557. Mel. Komm, o komm, du Geist des Lebens. 405. Weicht, ihr Berge, fallt, ihr Hügel; brecht, ihr Felsen, stürzet ein! Gottes Gnade hat dies Siegel, fie will unverändert sein. Laß die Welt in Trümmern gehn, Gottes Gnade wird bestehn. 2. Gott hat mir ein Wort gesprochen, einen Bund mit mir gemacht, der wird nimmermehr gebrochen, bis er Alles hat vollbracht. Er, die Wahrheit, trüget nicht; ftets ge schieht, was er verspricht. 3. Seine Gnade soll nicht weichen, wenn gleich Alles Ergebung, Geduld, Vertrauen und Hoffnung zu Gott. 343 bricht und fällt; was sie will, zu, daß er je mir Leides wird sie erreichen, sie, die thu'. Alles wohl bestellt. Ist die Welt voll Heuchelei, Gott ist wahrhaft und getreu. 4. Will die Welt den Frieden brechen, hat sie lauter Krieg im Sinn, Gott hält immer sein Versprechen, aller Zweifel ist dahin, als blieb' er nicht immerdar, was er ist und was er war. 8. Nun, so soll denn mein Vertrauen ankerfest auf ihm beruhn; freudig will ich auf ihn bauen, was er sagt, das will er thun. Erd' und Himmel mag vergehn, Gottes Bund bleibt ewig stehn! B. Schmolck,+ 1737. 5. Laß sein Antlig sich verstellen, ist sein Herz doch treu gesinnt und bezeugt, in allen Fällen bleib' ich sein geliebtes Kind, dem er beide Hände reicht, wenn auch Grund und Boden weicht. 6. Er will Frieden mit mir halten, wenn die Welt sich auch empört; ihre Liebe mag erkalten, achtet doch mein Gott mich werth, und wenn Höll' und Abgrund droht, bleibt er Schild in meiner Noth. 7. Er, der Herr, ist mein Erbarmer, er hat selbst sich so genannt mir zum Trost; so werd' ich Armer gnädiglich von ihm erkannt. Sein Erbarmen läßt nicht Mel. Was mein Gott will, das g'scheh' zc406. Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut im Himmel und auf Erden. Wer sich verläßt auf Jesum Christ, dem muß der Himmel werden. Darum auf dich allein hoff' ich mit ganz getrostem Herzen; Herr Jesu Christ, mein Trost du bist in Todesnoth und Schmerzen. 2. Und wär' es gleich den Höllenreich und aller Welt zuwider, dennoch so bist du, Jesu Christ, der fie All' schlägt darnieder. Und wenn ich dich nur hab' um mich mit deinem Geist und Gaben, so kann fürwahr mir ganz und gar kein Tod, noch Teufel schaden. 3. Dein tröst' ich mich ganz 344 IV. Christenleben. sicherlich, denn du kannst mir wohl geben, was mir ist Noth, du treuer Gott, für dies und Gieb wahre jenes Leben. Reu', mein Herz erneu, errette Leib und Seele. Ach, höre, Herr, dies mein Begehr, daß mein Gebet nicht fehle! 3. Magdeburg, um 1580. Gott, der selbst uns hat er wählt, der weiß auch Alles, was uns fehlt. 4. Er kennt die rechten Freudenstunden, er weiß wohl, was uns nüßlich sei; wenn er uns nur hat treu befunden und merket keine Heuchelei, so kommt er, eh' wir's uns versehn, und läßt viel Gutes uns geschehn. 5. Denk nicht in deiner Drangsalshiße, daß du von Gott verlassen sei'st, und der nur Gott im Schooße size, den diese Welt als glücklich preist. Die Folgezeit verändert viel und setzet Jeglichem sein Ziel. 6. Es find ja Gott geringe Sachen, es ist dem Höchsten Alles gleich, den Reichen klein und arm zu machen, den Armen aber groß und reich. Sein ist die Macht, die Jedermann erheben oder stürzen kann. Eigene Melodie. 407. Wer nur den lieben Gott läßt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in allem Kreuz und Herzeleid. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut. 2. Was helfen uns die schweren Sorgen? Was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, daß wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit. 3. Man halte nur ein Wenig stille und sei in sich damit begnügt, wie unsres Gottes Gnadenwille, wie sein allweiser Rath es fügt. Der neu. 7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu, und trau des Himmels reichem Segen, so wird er dir auch wieder Der neu. Denn wer nur seine Ergebung, Geduld, Vertrauen und Hoffnung zu Gott. 345 Zuversicht auf Gott segt, den gebrochnen Augen, weil sie verläßt er nicht. allzu blöde sind. G. Neumark,+ 1681. 5. Gott muß man in allen Sachen, weil er Alles wohl kann machen, End' und Anfang geben frei. Er läßt, was er angefangen, so zum Ende stets gelangen, daß es wunderherrlich sei. Mel. Alles ist an Gottes Segen. 408. Wunderanfang, herrlich's Ende, wo die wunderweisen Hände Gottes führen ein und aus! Wunderweislich ist sein Rathen, wunderreich sind seine Thaten, und du sprichst: Wo will's hinaus? 2. Denke doch: es muß so gehen, was Gott weislich heißt geschehen, ihm und dir zur Herrlichkeit; ob der Anfang seltsam scheinet, ist das Ende gut gemeinet; Friede folget nach dem Streit. 3. Gottes Weg ist wie in Flüssen und in großen Wassergüffen, und du spürst nicht seinen Fuß; so auch in dem Meer der Sorgen hält Gott seinen Pfad verborgen, daß man nach ihm suchen muß. 4. Kein Besinnen mag er finnen, wo man Hülse mag gewinnen, die Vernunft ist hier zu blind; nicht für das Verborgne taugen ihre halb 6. Drum laß dir doch nimmer grauen, lerne deinem Gott vertrauen, sei getrost und gutes Muths. Er, fürwahr, er wird es führen, daß du's wirst am Ende spüren, wie er dir thut lauter Gut's. 7. Ja, du wirst es nie verhehlen, sondern aller Welt erzählen, was die blinde Welt nicht kennt. Er wird dir dein Kreuz versüßen, daß du wirst bekennen müssen: Wunderanfang, herrlich's End'! H. A. Stockfleth, † 1708, Mel. Werde munter, mein Gemüthe. 409. Wunderbar iſt Gottes Schicken, wunderbarlich ist sein Rath; doch ist herrlich sein Erquicken, das erweist zulegt die That. Die er liebt, betrübt er auch, die IV. Christenleben. 346 ses ist sein alter Brauch. Laß dein Herz nur nimmer wanken, du wirst ihm dereinst noch danken. 2. Sieh auf deine vor'gen Tage, fieh, was dich dein Leben lehrt; wie so manche Noth und Plage hat dein Gott in Heil verkehrt! In der dunkeln Kreuzesnacht haſt du oft voll Angst gedacht: Ich muß hülflos untergehen; doch ließ Gott die Rettung sehen. 3. Höre, was dir Gott versprochen, was dir zugesagt sein Mund; nie hat er sein Wort gebrochen, fest bleibt seiner Gnade Bund. Erd' und Himmel wird vergehn, Gottes Wort bleibt ewig stehn; darauf fannst du voll Vertrauen, als auf einen Felsen, bauen. 4. Hält es Gott dir gleich verborgen, wann und wie er helfen will, mach dir darum keine Sorgen, sei in deinem Gott nur still. Er will prüfen, ob auch fest sich dein Herz auf ihn verläßt, ob du seinen Sinn wohl kennest und ihn kindlich Vater nenneſt. 5. Ja, mein Gott, dich laff' ich walten, dich, der du mein Vater bist; deine Huld wird mich erhalten, mir verleihn, was heilsam ist. Stärke meine Zuversicht, daß ich hoff' und zweifle nicht: wunderbar wirst du's noch schicken, um mich herrlich zu erquicken. 3. Weißenborn,+ 1700. Mel. Mein Herzens- Jesu, meine Lust. 410. 3u Gott ist meine Seele still und stellet ein ihr Klagen; er mach' es mit mir, wie er will, in allen meinen Tagen. Er ist der Herr, ich bin der Knecht, und was er thut, das ist mir recht, sein Weg ist Güt' und Wahrheit. 2. Wie schwer ist's doch, ganz still zu sein, wenn Gott wir nicht verstehen, wie redet man so bald ihm drein, als ob er was versehen; wie stellt man ihn zur Rede gar, wenn seine Wege wunderbar und unbegreiflich werden! 3. Man fragt: warum nun dies und das? Man seufzt: ach, wie will's werden! Man klagt: wie geht's ohn' Verkehr mit Gott im Gebet. Unterlaß so widrig mir auf Erden! Man murrt: mein Unglück ist zu groß, ich hätte wohl ein besfres Loos ver dient, als mir gefallen. 4. Das thun wir, und der Güt'ge schweigt, bis er durch seiner Thaten glorreichen Ausgang uns gezeigt, daß ihm doch nichts mißrathen. Dann kommt auch endlich unsre Stund', wo voll Beschämung wir den Mund vor ihm nicht aufthun mögen. 5. Drum, meine Seele, sei du still zu Gott, wie sich's e. Verkehr mit Gott im Gebet. Mel. Meinen Jesum laff' ich nicht. 411. Bete nur, betrübtes Herz, wenn dich Noth und Kummer kränken; flag und sag Gott deinen Schmerz, er wird gnädig dein gedenken; er wird dein Gebet und Flehn, ist es ernstlich, nicht verschmähn. 347 gebühret, wenn er dich so, wie er es will, und nicht, wie du willst, führet. Kommt dann zum Ziel der dunkle Lauf, thust du den Mund mit Freuden auf, zu loben und zu danken. 6. Dann wird dich's nach der kurzen Frist recht inniglich erfreuen, daß du fein still gewesen bist und Nichts haft zu bereuen; und endlich nach der Schweigenszeit kannſt du in sel'ger Ewigkeit laut jubeln, Gott zur Ehre. C. 3. Ph. Spitta,+ 1859. 2. Gott wird dein Gebet und Flehn dir zur rechten Zeit gewähren; glaube fest, es wird geschehn, was die Frommen hier begehren; ja, Gott kennt auch deinen Schmerz; bete nur, betrübtes Herz. 3. Bete nur, betrübtes Herz, bete stets in Jesu Namen; wirf die Sorgen hinterwärts, Gott spricht schon sein tröstlich Amen; deines Jesu Tov und Blut macht dein Beten recht und gut. 4. Deines Jesu Tod und Blut löscht des Richters Zornesflammen; bete mit getrostem 348 IV. Christenlebent. Muth, Gott kann dich nun nicht verdammen; er will nicht der Sünder Tod; Beten hilft aus aller Noth. 5. Beten hilft aus aller Noth; ei, so bete ohne Zagen; bist du arm, Gott schenkt dir Brot, bist du schwach, er wird dich tragen, magst du nirgends Rettung sehn, Gott wird dir zur Seite stehn. 6. Gott wird dir zur Seite stehn, vor wem sollte dir nun grauen? Mußt du hier im Dunkeln gehn, einst wirst du das Licht doch schauen, frei von Sorge, Noth und Schmerz. Bete nur, betrübtes Herz. 3. G. Krause,+ 1746. Mel. Mein Herzens- Jesu, meine Lust. 412. Gott, der du unser Vater bist, im Himmel hoch erhoben, und schauest, was auf Erden ist, von deinem Throne droben; zu dir steht unsre Zuversicht; verwirf, Herr, unser Flehen nicht, erhöre deine Kinder. 2. Laß deinen Namen je derzeit uns hoch und heilig halten; laß preisen uns in Freudigkeit dein wunderbares Walten; erkennen lehr uns deine Treu', dir dienen ohne Heuchelei im Geist und in der Wahrheit. 3. Herr, mehre selbst dein Gnadenreich, in ihm laß an den Gaben des heil'gen Geistes allzugleich uns Theil und Anfall haben; zerstöre selbst des Bösen Macht, nimm deiner Kirche Heil in Acht, laß sie gedeihn in Frieden. 4. Wie in dem Himmel, so gescheh' auf Erden, Herr, dein Wille; verleih uns nur in Noth und Weh die rechte Herzensstille, die deinem Rathe gern sich fügt, und der zum Troste das genügt: Du hast es so beschlossen. 5. Gieb unser täglich Brot uns heut; zur Arbeit unsrer Hände, wie solche uns dein Wort gebeut, Herr, deinen Segen spende. Gieb fromme Obre, Fried' und Heil, laß Jeden sein bescheiden Theil aus deiner Hand empfangen. 6. Vergieb uns alle Sünd' und Schuld, mit der wir sind beladen; trag unsre Schwach Verkehr mit Gott im Gebet. heit mit Geduld und nimm Mel. Wie nach einer Wasserquelle. uns an in Gnaden. Silf, daß wir, ähnlich deinem Bild, dem Nächsten liebevoll und mild verzeihen seine Fehler. 7. Herr, in Versuchung führ uns nicht, laß uns nicht unterliegen; verleih die Kraft, die uns gebricht, das Böse zu besiegen; doch ist die Prüfung für uns gut, so gieb durch deinen Geist uns Muth und Freudigkeit zum Kampfe. 8. Von allem Uebel, aller Noth woll'st du uns, Herr, erlösen; hilf uns im Leben und im Tod, befrei uns von dem Bösen; und wenn uns Kreuz und Trübfal plagt, hilf, daß wir froh und unverzagt des Glaubens Ziel erreichen. 9. Dies Alles, Vater, werde wahr, du wollest es erfüllen. Erhör uns heut und immer dar um Jesu Chrifti willen. Denn dein ist ja für ew'ge Zeit das Reich, die Macht und Herrlichkeit. Dazu wir sprechen: Amen. Unbekannt. 349 413. Ich will beten, Gott wird hören, denn er hat es zugesagt; mich soll Zweifel nicht bethören, und ich bleibe unverzagt, wenn er nicht zu hören scheint, denn ich weiß wohl, wie er's meint; es soll die Geduld sich mehren. Ich will beten, Gott wird hören. 2. Ich will beten, Gott wird geben, denn von ihm kommt Alles her; aus der Fülle kann man heben als aus einem reichen Meer, was für Leib und Seel' ist Noth. Droben lebt der reiche Gott, der hat Segen, Brot und Leben. Ich will beten, Gott wird geben. 3. Jch will beten, Gott wird schonen, wenn mich mein Gewissen quält, Sünden, die im Herzen wohnen, Sünden, die ich that, aufzählt. Gott, der keinem Sünder flucht, wenn er herzlich Gnade sucht, wird mir nach Verdienst nicht lohnen. Ich will beten, Gott wird schonen. 4. Ich will beten, Gott wird stärken, wenn der Glaube IV. Christenleben. 350 wanken will. Werd' ich Unglückswetter merken, so macht das Gebet mich still. Beten in des Glaubens Kraft ist des Christen Ritterschaft. Mir hilft Gott bei meinen Werken. Ich will beten, Gott wird stärken. 5. Ich will beten, Gott wird heilen; wenn der Leib in Schmerzen liegt, will ich zu dem Helfer eilen, dessen Wort den Tod befiegt. Hülf' und süßen Trost empfäht, wer im Glauben findlich fleht, follt' auch Gottes Hand verweilen. Ich will beten, Gott wird heilen. 6. Ich will beten, Gott wird retten; ich will, sinkt mein Lebenslicht, in des Vaters Schooß mich retten mit Gebet und Zuversicht. Wer im Sterben beten kann, der ist wahrlich wohl daran, und zerreißt des Todes Ketten. Ich will beten, Gott wird retten. G. Gottschling, † 1723. Mel. Jesu, meine Freude. 414. Kommt und laßt uns beten! Oft vor Gott zu treten, ist der Christen Pflicht. Ruft! Der Gott der Ehren wird als Vater hören; ruft mit Zuversicht! Naht zum Herrn, er sieht es gern, wenn die Kinder vor ihn treten. Kommt und laßt uns beten! 2. Geh in deine Kammer, flag ihm deinen Jammer, der dich zaghaft macht; Gott hat auf die Seinen all'zeit, wenn sie weinen, als ihr Hüter Acht. Gottes Herz fühlt unsern Schmerz; er kann es nicht lang ertragen, daß wir jammernd klagen. 3. Scheint er auf dein Be ten fern von dir zu treten, hört er dich nicht bald, will er auf dein Schreien dich nicht bald befreien, so thu ihm Gewalt. Sprich: Mein Hort, hier ist dein Wort: Ruf, ich will dir Hülf' erweisen, und du sollst mich preisen. 4. Wenn ich zu ihm fliehe, wenn ich vor ihm kniee, naht er sich zu mir; wenn die Thränentropfen an sein Herz anklopfen, spricht er: Ich bin hier! Was dir fehlt und was dich quält, deine Leiden, deine Verkehr mit Gott im Gebet. Sorgen, sind mir nicht verborgen. 5. Dank sei deiner Güte, du hast meine Bitte, Herr, noch nie verschmäht. Dies giebt mir im Leide Hoffnung, Trost und Freude. Gott erhört Gebet! Glaubt' ich nicht mit Zuversicht, Gott erfülle mein Verlangen, längst wär' ich vergangen. 6. Jesu, heil'ger Beter, der für Missethäter noch am Kreuze bat, bitt auch auf dem Throne, daß Gott meiner schone, der gesündigt hat. Du allein kannst Mittler sein, du nur fannst mir Gnad' erbitten, denn du hast gelitten. m €. Liebich, † 1780. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt 2c. 415. Mein Gott, ich klopf' an deine Pforte mit Seufzen, Flehn und Bitten an; ich halte mich an deine Worte: Klopft an, so wird euch auf gethan. Ach, öffne mir die Gnadenthür! In Jesu Namen steh' ich hier. 351 dir den Ursprung hat? Du bist der Geber aller Gaben, bei dir ist immer Rath und That. Du bist der Born, der ewig quillt, das Gut, das alle Sehnsucht stillt. 2. Wer kann doch etwas Gutes haben, das nicht von 3. Drum nah' ich dir mit meinem Beten, das kindlich und voll Glauben ist. Der mich heißt freudig vor dich treten, ist mein Erlöser, Jesus Christ, und der in mir das Abba schreit, ist, Herr, dein Geist der Freudigkeit. 4. Gieb, Vater, gieb nach deinem Willen, was deinem Kinde nöthig ist. Nur du kannst mein Verlangen stillen, weil du die Segensquelle bist. Doch Eins ist Noth zur Seligkeit, das gieb mir jeßt und allezeit. 5. Verleih Beständigkeit im Glauben, laß meine Liebe brünstig sein. Will mir der Feind das Kleinod rauben, so halte der Versuchung ein, damit mein schwaches Fleisch und Blut dem Feinde nicht den Willen thut. 6. Verleihe mir ein gut Gewissen, das weder Welt IV. Christenleben. 352 noch Teufel scheut, und laß mich meine Sünden büßen noch hier in dieser Gnadenzeit. Vergieb die Schuld durch Christi Blut und mach mein Böses wieder gut. 7. Ich darf ja nicht, o Vater, bitten, daß mich das Kreuz verschonen soll; hat doch mein Heiland selbst gelitten, mit ihm leid' ich auch billig wohl. Doch wird Geduld mir nöthig sein; die woll'st du mir, o Herr, verleihn. 8. Das Andre alles wirst du fügen; ich möge arm sein oder reich, an deiner Huld laff' ich mir g'nügen, die macht mir Glück und Unglück gleich. Trifft auch das Glück nicht häufig ein, so laß mich doch zufrieden sein. 9. Jch bitte nicht um langes Leben, nur daß ich christlich leben mag. Laß mir den Tod vor Augen schweben und des Gerichtes großen Tag, damit mein Ausgang aus der Welt den Seligen mich zugesellt. B. Schmold,+ 1737. Mel. Herr Chrift, der einig' Gott'ssohn. 416.vater aller Frommen, dein Nam' geheiligt werd', dein Reich laß zu uns kommen, dein Will' gescheh' auf Erd'. Gieb Brot, vergieb die Sünde, kein Arg das Herz entzünde, erlös aus aller Noth. 3. Agricola,+ 1566. Eigene Melodie. 417. Vater unser int Himmelreich, der du uns Alle heißest gleich Brüder sein und dich rufen an und im Gebete zu dir nahn, gieb, daß nicht bet' allein der Mund, hilf, daß es geh' aus Herzensgrund. 2. Geheiligt werd' der Name dein; dein Wort bei uns hilf halten rein, daß wir auch leben heiliglich nach deinem Namen würdiglich; behüt uns, Herr, vor falscher Lehr'; das arm' verführte Volk bekehr. 3. Es komm' dein Reich zu dieser Zeit und dort hernach in Ewigkeit. Der heil'ge Geist uns wohne bei mit seinen Gaben mancherlei; zerbrich des Satans groß' Ge Verkehr mit Gott im Gebet. walt, und vor ihm deine Kirch erhalt. 4. Dein Wille, Herr, gescheh' zugleich auf Erden wie im Himmelreich; gieb uns Geduld in Leidenszeit, Gehorsam gieb in Lieb' und Leid, und steure allem Fleisch und Blut, das wider deinen Willen thut. 5. Gieb heut uns unser täglich Brot und was man braucht zur Leibesnoth; behüt uns vor Zwietracht und Streit, vor Seuchen und vor theurer Zeit, daß wir in gutem Frieden stehn, und nicht in Geiz und Sorgen gehn. 6. All' unsre Schuld vergieb uns, Herr, daß sie uns nicht betrübe mehr, wie wir auch unsern Schuldigern ihr' Schuld und Fehl vergeben gern; zu dienen mach uns Al' bereit in rechter Lieb' und Einigkeit. 7. Führ uns, Herr, in Bersuchung nicht, wenn uns der böse Feind ansicht. Zur linken und zur rechten Hand hilf uns thun starken Widerstand, mit Waffen unsrer 353 Ritterschaft gerüstet durch des Geistes Kraft. 8. Von allem Uebel uns erlös, es sind die Tag' und Zeiten bös; errett uns von dem ew'gen Tod und tröst uns in der leßten Noth; bescheer uns auch ein sel'ges End', nimm unsre Seel' in deine Händ'. 9. Amen, das ist: es werde wahr! Stärk unsern Glauben immerdar, auf daß wir gar nicht zweifeln dran, daß unser Beten wohlgethan. Auf dein Wort, in dem Namen dein, so sprechen wir das Amen fein. M. Luther,+ 1546. Mel. Werde munter, mein Gemüthe. 418. Wenn dich Unglück hat betreten, wenn du liegst in Angst und Noth, mußt zu Gott du fleißig beten; Beten hilft in Noth und Tod, daß du Gottes Angesicht, auch im Kreuz auf dich gericht't, kannſt aus seinem Wort erblicken, und dein Herz mit Trost er quicken. 2. Reiner wird jemals zu Schanden, der sich seinem Gott 23 354 IV. Christenleben. vertraut; ist auch große Noth vorhanden, haft auf Gott du wohi gebaut. Scheint es gleich, als hört er nicht, weiß er doch, was dir gebricht. Deine Noth mußt du ihm klagen und in keiner Angst verzagen. 3. Rufen, Flehen, Ringen, Beten ist der Christen beste Kunst; freudig all'zeit vor Gott treten findet Hülfe, Gnad' und Gunst. Selig, selig ist der Mann, der Gott fest vertrauen kann; er wird all'zeit Rettung finden, kein Feind wird ihn überwinden. 4. Lerne Gottes Weise merken, die er bei den Seinen hält; er will ihren Glauben stärken, wenn sie Unglück überfällt. Unser Gott, er lebt ja noch; schweigt er gleich, so hört er doch. Ruf getrost; du mußt nicht zagen; dein Gott kann dir nichts versagen. 5. Laß dich Gottes Wort regieren, merke, was die Wahrheit lehrt; laß dich nicht vom Feind verführen, der die ganze Welt bethört. Gottes Wahrheit ist dein Licht, Schuß und Trost und Zuversicht. Trau nur Gott, er kann nicht lügen; bet, du wirst gewiß obsiegen. 6. Lob fei Gott für seine Gnade! Seine große Güt' und Treu' macht, daß mir der Feind nicht schade; sie ist alle Morgen neu. Drum will ich mein Leben lang immer sagen Lob und Dank, meinem Gott in allen Dingen fröhlich Halleluja singen. 3. Olearius,+ 1684. Mel. O Gott, du frommer Gott. B. C. 419. Wohlauf, mein Herz, vor Gott der Andacht Opfer bringe, daß dein Gebet und Flehn durch alle Wolken dringe. Gott selber will es so; du darfst durch seinen Sohn im Glauben freudig nahn zu seinem Gnadenthron. 2. Der Vater ist's, der dir geboten hat, zu beten. Es ist der Sohn, der dich getrost vor Gott lehrt treten. Der höchste Tröster giebt die Worte selbst dir ein; drum wird auch dein Gebet gewiß erhöret sein. Verkehr mit Gott im Gebet. 3. Da siehst du Gottes Herz, das dir Nichts kann versagen. Sein eignes theures Wort vertreibt ja alles Zagen. Was dir unmöglich scheint, leicht wird's der Vaterhand, die schon so manche Noth von dir hat abgewandt. 4. Komm nur, komm freudig her in Jesu Christi Namen. Sprich: Lieber Vater, hilf; ich bin dein Kind, sprich Amen! Ich weiß ja, du versagst mir deine Hülfe nicht; du willst und kannst es thun, was mir dein Wort ver spricht. 3. Olearius, † 1584. Mel. Wo Gott zum Haus nicht giebt zc. 420. Wohl dem, der fest im Glauben steht, zu Gott im Namen Jesu fleht, denn wahr lich, wahrlich, niemals bricht der Herr, was uns sein Mund verspricht. 2. Doch müssen's Gottes Kinder sein, die ohne Trug und Heuchelschein dem Vater 355 gläubig zugewandt, zu ihm erheben Herz und Hand. 3. Wenn zu dem Vater schreit ein Kind, so hört darauf sein Ohr geschwind, und ruft's ihn an in Hungersnoth, versagt er nimmer ihm das Brot. 4. Also, wer Gott zum Vater hat, der wird erhöret in der That. Dem Sünder frommt die Bitte nicht, Gott kehrt von ihm sein Angesicht. 5. Nur wer bereuet seine Schuld und sucht des Heilands Gnad' und Huld, der findet, was er büßend sucht, und erntet seiner Bitte Frucht. 6. Drum bet und fleh zu jeder Zeit aus Herzensgrund, in Lauterkeit, voll Glaubenskraft und Zuversicht um Alles, was dir noch gebricht. 7. Du aber, Jesu, lehre mich zum Vater beten würdiglich, damit ich Gnad' um Gnad' in dir bei ihm erlange dort und hier. 2. Laurenti, † 1722. 23* 356 IV. Christenleben. Dank zu Gott. schön dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd', ich will ihn herzlia, loben, so lang ich leben werd'. 2. Wohl dem, der einzig schauet nach Gott und seinem Heil; wer ihm sich anvertrauet, der hat das beste Theil, das höchste Gut erlesen, den treusten Freund geliebt; sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig unbetrübt. 3. Bei ihm ist alle Stärke, ist unerschöpfte Macht; das predigen die Werke, die seine Hand vollbracht, der Himmel und die Erde mit ihrem ganzen Heer, die ungezählte Heerde im großen, weiten Meer. 4. Gott hält sein Wort mit Freuden, nie trügt, was er verspricht, und wer Gewalt muß leiden, den schüßt er im Gericht. Er weiß viel tauſend Weisen, zu retten aus dem Tod, die Darbenden zu speisen zur Zeit der Hungersnoth. 5. Er ist das Licht der f. Lob und Mel. Es ist das Heil uns kommen her. 421. Bis hierher hat mich Gott gebracht; das dank' ich seiner Güte und seiner wundervollen Macht mit freudigem Gemüthe. Bis hierher hat er mich erfreut mit Proben der Barmherzigkeit und gnädig mir geholfen. 2. Dir sei Lob, Ehre, Preis und Dank für alle deine Treue, der ich, o Gott, mein Leben lang bis hierher mich erfreue. O, mehr, als ich, Herr, rühmen kann, weit mehr hast du an mir gethan, hast gnädig mir geholfen. 3. Hilf fernerhin, mein treuer Hort, laß deine Hand mich leiten; hilf, Vater, mir an jedem Ort, hilf mir zu allen Zeiten, ich traue feſt auf dich, mein Gott; drum hilf du mir aus aller Noth, wie du bisher geholfen. Nem. Jul. Gräfin v. Schwarzburg- Rudol. 1706. Mel. Valet will ich dir geben. 422. Du meine Seele, singe, wohlauf, und finge Lob und Dank zu Gott. 357 Blinden, thut auf der Tauben 2. Lobe den Herren, der Ohr, und die sich schwach befinden, die richtet er empor. Er liebet alle Frommen, und wenn ihr Auge weint, sehn sie, sobald sie kommen, an ihm den besten Freund. Alles so herrlich regieret, der wie auf Flügeln des Adlers dich sicher geführet; der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du's nicht immer verspüret? 6. Er ist der Fremden Hütte, sorgt für die Waisen mild, erfüllt der Wittwe Bitte, wird selbst ihr Trost und Schild. Die aber, so ihn hassen, die trifft sein Strafgericht; die Stätte, da sie saßen, bestehet vor ihm nicht. 7. Ach, ich bin viel zu wenig, zu preisen seinen Nuhm. Der Herr ist ew'ger König, ich eine welke Blum'; doch weil auch ich gehöre gen Zion in sein Zelt, ist's billig, daß ich mehre sein Lob vor aller Welt. P. Gerhard,+ 1676. Eigene Melodie. 423. Lobe den Herren, den mächtigen König der Eh ren; lob ihn, o Seele, vereint mit den himmlischen Chören. Kommet zu Hauf', Pſalter und Harfe, wacht auf; laßt euren Lobgesang hören. 3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wie viel Noth hat nicht der gnädige Gott über dich Flügel gebreitet! 4. Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar geſegnet, der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet. Denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet. 5. Lobe den Herren, was in mir ist, lob seinen Namen; lob ihn mit Allen, die von ihm den Odem bekamen. Er ist dein Licht; Seele, vergiß seiner nicht; lob ihn in Ewigfeit. Amen. 3. Neander,+ 1680. Eigene Melodie. 424. Lobe den Herren, o meine Seele! Ich will ihn IV. Christenleben. 358 loben bis zum Tod. Weil ich noch Stunden auf Erden zähle, will ich lobfingen meinem Gott. Der Leib und Seel' gegeben hat, werde gepriesen früh und spat. Halleluja! Halleluja! 2. Fürsten sind Menschen, vom Weib geboren, und sin ken wieder in den Staub; ihre Anschläge sind auch verloren, wenn nun das Grab nimmt seinen Raub. Weil denn kein Mensch uns helfen kann, rufen wir Gott um Hülfe an. Halleluja! Halleluja! 3. Selig, ja selig ist der zu nennen, deß Hülfe der Allmächt'ge ist; der sich vom Glauben niemals läßt trennen, und hofft getroft auf Jesum Christ. Wer diesen Herrn zum Beistand hat, findet am Besten Rath und That. Halleluja! Halleluja! 4. Er hat ja Himmel und Meer und Erde, und was darinnen ist, gemacht; sorgt auch, daß Alles erfüllet werde, was er uns einmal zugedacht. Er ist der Herrscher aller Welt, welcher uns ewig Glauben hält. Halleluja! Halleluja! 5. Müssen auch Viele hier Unrecht leiden, er ist's, der ihnen Recht verschafft. Hungrigen will er das Brot bescheiden, das ihnen dient zur Lebenskraft. Die hart Gebundnen macht er frei; ja, seine Gnad' ist mancherlei. Halleluja! Halleluja! 6. Sehende Augen giebt er den Blinden, hebt, die gebeugt und traurig gehn. Wo er kann gläubige Seelen finden, da läßt er seine Liebe sehn. Fremdlingen ist er Hort und Truß, Wittwen und Waisen beut er Schuß. Halleluja! Halleluja! 7. Aber der Gottesvergess nen Tritte kehrt er mit starker Hand zurück, daß sie nur machen verkehrte Schritte, und fallen selbst in ihren Strick. Der Herr ist König ewiglich; dein Gott, o Zion, sorgt für dich. Halleluja! Halleluja! 8. Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen deß, der so große Wunder thut. Alles, was Odem hat, rufe Amen! Lob und Dank zu Gott. 359 und bringe Lob mit frohem thal jene irren allzumal, ist Muth. Ihr Kinder Gottes, lobt und preist Vater und Sohn und heil'gen Geist. Halleluja! Halleluja! zum Leben uns die Bahn durch den Heiland aufgethan. Aller Heil'gen froher Mund mache durch das Erdenrund unfres Gottes Güte fund. 3. D. Herrnschmidt, † 1723. Mel. Singen wir aus Herzensgrund. 425. Lobt, ihr Christen nah und fern, lobet unsern Gott und Herrn, der uns gnädig hat bedacht und zu seinem Volk gemacht. Aller Heil'gen froher Mund mache durch das Erdenrund unsres Gottes Güte kund. 2. Opfert Ehre ihm und Ruhm, singet ihm im Heiligthum, bringet Dank dem treuen Hort für sein uns geschenktes Wort. Aller Heil'gen froher Mund mache durch das Erdenrund unsres Gottes Güte fund. 3. Während noch die Heidenwelt Finsterniß umfangen hält, hat sein Gnadenlicht der Nacht um uns her ein End' gemacht. Aller Heil'gen froher Mund mache durch das Erdenrund unsres Gottes Güte fund. 4. Während noch im Todes5. Es ist Gott, der uns regiert, wie ein Hirt die Heerde führt, die er treulich Tag und Nacht wohl behütet und bewacht. Aller Heil'gen froher Mund mache durch das Erdenrund unsres Gottes Güte kund. 6. Seiner Hütte reiches Gut labt und stärket Herz und Muth; Leib und Seele wird erquickt, wenn uns seine Lieb' anblickt. Aller Heil'gen froher Mund mache durch das Erdenrund unsres Gottes Güte kund. 7. Gieb, o Zion, Preis dem Herrn, deinem Heils- und Friedensstern, der als König wohnt in dir, dich zu schüßen für und für. Aller Heil'gen froher Mund mache durch das Erdenrund unsres Gottes Güte kund. 8. Lobe, Zion, deinen Gott, der dich reißt aus aller Noth, 360 IV. Christenleben. hier. der sammt deinen Kindern mich scheide, so lang ich walle dich hegt und segnet ewiglich. Aller Heil'gen froher Mund mache durch das Erdenrund unfres Gottes Güte kund. Eislebener Gesangbuch. 3. Herr, du hast deinen Namen sehr herrlich in der Welt gemacht; wenn Schwache zu dir kamen, hast du gar bald an sie gedacht. Du hast mir Gnad' erzeiyet; nun, wie vergelt' ich's dir? Ach, bleibe mir geneiget, so will ich für und für den Kelch des Heils erheben und preisen allezeit dich, Herr Gott, hier im Leben und dort in Ewigkeit. 3. Rist,+ 1667. Mel. Nun lob, mein Seel', den Herren. 426. Man lobt dich in der Stille, du großer, hocherhabner Gott; des Rühmens ist die Fülle vor deinem Thron, Herr Zebaoth. Du bist ja Herr auf Erden, der Frommen Zuversicht; in Trübsal und Beschwerden läßt du die Deinen nicht. Drum soll dich stündlich ehren mein Mund vor Jedermann und deinen Ruhm vermehren, so viel er immer kann. 2. Es müsse dein sich freuen, wer deine Macht und Gnade kennt, und deinem Dienst sich weihen, wer dich in Chrifto Vater nennt. Hoch sei'st du stets gepriesen; du bist's, der Wunder thut, und hast auch mir erwiesen, was mir ist müß und gut. Nun, das ist meine Freude, zu halten fest an dir, daß Nichts von dir Eigene Melodie. 427. Nun danket Alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge thut an uns und allen Enden; der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zu gut und noch jetzund gethan. 2. Der ewig reiche Gott woll' uns bei unserm Leben ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben, und uns in seiner Gnad' erhalten fort und fort, und uns aus aller Noth erlösen hier und dort. Lob und Dank zu Gott. 3. Lob, Ehr' und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne und dem, der Beiden gleich im höchsten Himmelsthrone; dem dreieinigen Gott, als der ursprünglich war und ist und bleiben wird jetund und immerdar. M. Rindhart, † 1649. Eigene Melodie. Oder: Lobt Gott, ihr Christen, allzugleich. 428. Nun danket All' und bringet Ehr', ihr Menschen in der Welt, ihm, den da preist der Engel Heer in hohen Himmelszelt. 2. Ermuntert euch mit hel lem Schall, singt Gott, dem höchsten Gut, der Wunderwerke überall und große Dinge thut. 3. Der uns von Mutterleibe an frisch und gesund crhält, und, wo ein Mensch nicht helfen kann, sich selbst zum Helfer stellt. 4. Der, ob wir ihn gleich schwer betrübt, doch gnädig bleibt und gut, die Straf' erläßt, die Schuld vergiebt und uns viel Gutes thut. 5. Er gebe uns ein fröhlich Herz, erfrische Geist und Sinn 361 und werfe Sorge, Angst und Schmerz in Meeres- Tiefen hin. 6. Er lasse seinen Frieden ruhn auf unserm Vaterland; er gebe Glück zu unserm Thun und Heil in allem Stand. 7. Er Lasse seine Lieb' und Güt' ftets bei und mit uns gehn, was aber ängstet und bemüht, gar ferne von uns stehn. 8. So lange dieses Leben währt, sei er stets unser Heil, und scheiden wir dann von der Erd', so bleib' er unser Theil. 9. Er drücke, wenn das Herz uns bricht, die müden Augen zu, und zeige uns sein Angesicht dort in der ew'gen Ruh'. P. Gerhard, t 1676. Eigene Melodie. 429. Nun lob, mein Seel', den Herren, was in mir ist, den Namen sein. Sein' Wohlthat will er mehren, vergiß es nicht, o Seele mein; hat dir dein' Schuld vergeben, heilt deine Schwachheit groß, errett't dein armes Leben, nimmt dich in seinen 362 IV. Christenleben. Schooß, mit reichem Trost beschüttet, verjüngt, dem Adler gleich; der Herr schafft Recht, behütet, die leid'n in seinem Reich. 2. Er hat uns wissen lassen sein heilig Recht und sein Gericht, auch seine Güt' ohn' Maaßen; es mangelt an Er barmung nicht. Den Zorn läßt er bald fahren, straft nicht nach unsrer Schuld, will Gnade nimmer sparen, den Blöden ist er hold. Sein' Güt' ist hoch erhaben ob dem, der fürchtet ihn; so fern der Oft vom Abend, ist unsre Sünd' dahin. 3. Wie Väter fich erbarmen ob ihrer jungen Kindelein, so thut der Herr uns Armen, so wir ihn fürchten kindlich rein. Er kennt das arm' Gemächte, er weiß, wir sind nur Staub, ein bald verwelkt Geschlechte, ein' Blum' und fallend Laub. Wenn Wind darüber wehet, so ist es nimmer da; also der Mensch vergehet, sein Ende ist ihm nah. 4. Die Gottesgnad' alleine steht fest und bleibt in Ewigkeit bei seiner Heils- Gemeine, die stets in seiner Furcht bereit, treu seinen Bund zu halten. Er herrscht im Himmelreich. Ihr starken Engel, waltet sein's Lob's und dient zugleich dem großen Herrn zu Ehren und treibt sein hei lig Wort. Mein' Seel' soll auch vermehren sein Lob an allem Ort. 3. Gramann, † 1541. Eigene Melodie. 430. Nun preiset Alle Gottes Barmherzigkeit; mit Jubelschalle sing ihm, D Christenheit! Er läßt dich freundlich zu sich laden; freu dich, du stehest bei ihm in Gnaden. 2. Der Herr regieret alle Welt wunderbar; was nur sich rühret, bringt ihm Anbetung dar. Jhm fingen Hell der Engel Chöre vor seinem Throne Lob, Preis und Ehre. 3. Wohlauf, mit Freuden stellet euch Alle ein; auf grüne Weiden sollt ihr geführet sein; da läßt uns Gott sein Wort verkünden und macht uns ledig von allen Sünden. Lob und Dank zu Gott. 363 4. Er giebt uns Speise 3. Was schweigt ihr denn, reichlich und überall; nach Vaterweise sättigt er allzumal. Er sendet Sonnenschein und Regen, füllet uns Alle mit seinem Segen. ihr, meine Kräfte? Auf, auf, braucht allen euren Fleiß und stehet munter im Geschäfte zu Gottes, meines Herren, Preis. Mein Leib und Seele, schicke dich, und lobe Gott Herzinniglich! 5. Drum Preis und Ehre seiner Barmherzigkeit; sein Lob vermehre dein Dank, o Christenheit. Er wendet von uns Noth und Schaden. Freu dich, du bleibest bei ihm in Gnaden. 4. Jhr grünen Blätter in den Wäldern, bewegt und regt euch doch mit mir! Ihr schwanken Gräschen in den Feldern, ihr Blumen, laßt doch eure Zier zu Gottes Ruhm belebet sein, und stimmet lieblich mit mir ein! M. A. v. Löwenstern, † 1648. Mel. Wie lieblich ist, o Herr, die Stätte. Oder: Ach, sagt mir Nichts von Gold 2c. 431. O, daß ich tauſend Zungen hätte und einen tausendfachen Mund, so stimmt' ich damit um die Wette aus meines Herzens tiefstem Grund ein Loblied nach dem andern an von dem, was Gott an mir gethan. 2. D, daß doch meine Stimme schallte bis dahin, wo die Sonne steht! O, daß mein Blut mit Jauchzen wallte, so lang es noch im Laufe geht! Ach, wäre jeder Puls ein Dank, und jeder Odem ein Gefang! 5. Ach, Alles, Alles, was ein Leben und einen Odem in sich hat, soll sich mir zum Gehülfen geben, allein bin ich zu schwach und matt, die großen Wunder zu erhöhn, die allenthalben um mich stehn. 6. Lob sei dir, liebster Gott und Vater, für Leib und Seel', für jede Gab'; Lob sei dir, mildester Berather, für Alles, was ich bin und hab', für alles Gute in der Welt, das du zu meinem Heil bestellt. 7. Mein treuer Heiland, sei gepriesen, daß dein er 364 IV. Chriftenlebent. barmungsvolles Herz sich mir so hülfreich hat erwiesen und mich durch Blut und Todesschmerz von dem Verderben hat befreit, erlöst für alle Ewigkeit. 8. Auch dir sei ewig Ruhm und Ehre, o heilig werther Gottesgeist, für deines Trostes süße Lehre, die mich ein Kind des Lebens heißt; was Gutes wird durch mich geschafft, das wirkt in mir nur deine Kraft. 9. Wer überströmet mich mit Segen? Bist du es nicht, o reicher Gott? Wer schüßzet mich auf meinen Wegen? Du, du allein, Herr Zebaoth. Du übst bei meiner Sündenschuld in Gnaden mit mir noch Ge duld. 10. Wie sollt' ich nun nicht voller Freuden in deinem steten Lobe stehn? Wie sollt' ich auch im tiefsten Leiden nicht triumphirend mit dir gehn? Und fiele auch der Himmel ein, so will ich doch nicht traurig sein. 11. Ich will von deiner Güte singen, so lange sich die Zunge regt; ich will dir Freudenopfer bringen, so lange sich mein Herz bewegt; ja, wenn der Mund wird kraftlos sein, so stimm' ich noch mit Seufzen ein. 12. Ach, nimm das arme Lob auf Erden, mein Gott, in allen Gnaden hin. Int Himmel soll es besser werden, wenn ich bei deinen Engeln bin; da sing' ich dir im höhern Chor viel tausend Halleluja vor. 3. Menter, † 1734. Mel. Es ist das Heil uns kommen her. 432. Sei Lob und Ehr' dem höchsten Gut, dem Vater aller Güte, dem Gott, der alle Wunder thut, dem Gott, der mein Gemüthe mit seinem reichen Trost erfüllt, dem Gott, der allen Jammer stillt. Gebt unserm Gott die Ehre! 2. Es danken dir die Himmelsheer', du Herr von allen Thronen; die auf der Erd', in Luft und Meer in deinem Schatten wohnen, die preisen deine Schöpfermacht, die Alles, Alles wohl bedacht. Gebt unserm Gott die Ehre 1 Lob und Dank zu Gott. 365 Ehre! 3. Was unser Gott er Ruh'. Gebt unserm Gott die schaffen hat, das will er auch erhalten, darüber will er früh und spat mit seiner Gnade walten. In seinem ganzen Königreich ist Alles recht und Alles gleich. Gebt unserm Gott die Ehre! 4. Jch rief zum Herrn in meiner Noth: Ach Gott, vernimm mein Schreien! Da half mein Helfer mir vom Tod, ließ Trost mir angedeihen. Drum dank', o Gott, drum dank ich dir. O danket, danket Gott mit mir! Gebt unserm Gott die Ehre! 5. Der Herr ist nun und nimmermehr von seinem Volk geschieden; der Frommen Zuversicht ist er, giebt ihnen Heil und Frieden. Mit Vaterhänden leitet er fie alle wege hin und her. Gebt unserm Gott die Ehre! 6. Wenn Menschenhülfe Nichts mehr kann, wenn Rath und Trost verschwinden, nimmt Gott sich unser gnädig an, läßt seine Hülf' uns finden; er neigt sich väterlich dem zu, der nirgends anders findet 7. Ich will dich all' mein Leben lang, o Gott, von nun an ehren; man soll, Herr, deinen Lobgefang an allen Orten hören. Mein ganzes Herz ermuntre sich, mein Geist und Sinn erhebe dich. Gebt unserm Gott die Ehre! 8. Jhr, die ihr Chrifti Namen nennt, gebt unserm Gott die Ehre! Jhr, die ihr Gottes Macht bekennt, gebt unserm Gott die Ehre! Die falschen Gözen macht zu Spott; der Herr ist Gott, der Herr ist Gott. Gebt unserm Gott die Ehre! 9. So kommet vor sein Angesicht, mit Jauchzen Dank zu bringen; bezahlet die gelobte Pflicht und laßt uns fröhlich singen: Gott hat es Alles wohl bedacht und Alles, Alles recht gemacht! Gebt unserm Gott die Ehre! J. I. Echüß, † 1690. Eigene Melodie. Oder: Lasset uns den Herren preifen. 433. Sollt' ich meinem Gott nicht singen, sollt' ich IV. Christenleben. 366 ihm nicht dankbar sein? Seh' ich doch in allen Dingen, wie so gut er's mit mir mein'. Ist's doch nichts, als lauter Lieben, das sein treues Herz bewegt, das ohn' Ende hebt und trägt, die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 2. Wie ein Adler sein Gefieder über seine Jungen ftreckt, also hat auch immer wieder mich des Höchsten Arm gedeckt. Eh' ich an das Licht gekommen, eh' er mir mein Wesen gab und das Leben, das ich hab', hat er meiner wahrgenommen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 3. Ihm ist nicht sein Sohn zu theuer, nein, er giebt ihn für mich hin, daß er mich vom ew'gen Feuer durch sein theures Blut gewinn'. O du Liebe sonder Schranken, unerschöpflich tiefes Meer, dich ergründen nimmermehr unsre Sinne und Gedanken! Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 4. Seinen Geist, den edlen Führer, giebt er mir in seinem Wort, daß er werde mein Regierer durch die Welt zur Himmelspfort'; daß er mir das Herz erfülle mit dem hellen Glaubenslicht, das des Todes Macht durchbricht und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 5. Meiner Seele Wohlergehen hat er väterlich bedacht; will dem Leibe Noth entstehen, nimmt er seiner wohl in Acht; wenn mein Können, mein Vermögen Nichts vermag, Nichts helfen kann, kommt mein Gott und hebet an, seine Alles Kraft mir beizulegen. Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 6. Himmel, Erd' und ihre Heere hat er mir zum Dienst bestellt; wohin ich mein Auge kehre, find' ich, was mich nährt und hält, Thier' und Kräuter und Getreide; in den Tiefen, auf der Höh', in den Wäldern, in der See, überall ist meine Weide. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. Lob und Dank zu Gott. 367 7. Wenn ich schlafe, wacht 10. Seine Strafen, seine sein Sorgen und ermuntert mein Gemüth, daß ich alle liebe Morgen schaue neue Lieb' und Güt'. Wäre nicht mein Gott gewesen, hätte nicht sein Angesicht mein gewahrt, so wär' ich nicht aus so mancher Angst genesen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. Schläge, ob es mir auch hart erscheint, sind doch, wenn ich's recht erwäge, Zeichen, daß er's treulich meint, daß er liebreich mein gedenket und mich von der schnöden Welt, die uns hart gefangen hält, durch das Kreuz zu sich hin lenket. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 11. Das weiß ich fürwahr und lasse mir's nicht aus dem Sinne gehn: Christenkreuz hat seine Maaße und muß endlich stille stehn. Wenn der Winter ausgeschneiet, tritt der schöne Sommer ein; also wird auch nach der Pein, wer's erwarten kann, erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 8. Mit gar mancher schwe ren Plage dringet an der Hölle Macht, die mir doch mein' Lebetage nie Verderben hat gebracht; durch den Engel, den er sendet, hat Gott immer, was der Feind anzurichten war gemeint, gnädig von mir abgewendet. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 9. Wie ein Vater seinem Kinde niemals ganz sein Herz entzeucht, ob es gleich mit mancher Sünde von dem rechten Wege weicht, also hält auch mein Gebrechen mir mein treuer Gott zu gut, will mein Fehlen nicht mit Blut, nur mit milder Strafe rächen. Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit. 12. Weil denn weder Ziel noch Ende sich in Gottes Liebe find't, so erheb' ich meine Hände zu dir, Vater, als dein Kind, bittend, woll'st mir Gnade geben, dich aus aller meiner Macht zu umfangen Tag und Nacht hier in meinem ganzen Leben, bis ich dich IV. Christenleben. 368 nach dieser Zeit lob' und lieb' in Ewigkeit. P. Gerhard, † 1676. Eigene Melodie. 434. Wunderbarer König, Herrscher von uns Allen, laß dir unser Lob gefallen. Deine Vatergüte hast du lassen fließen, ob wir schon dich oft verließen. Hilf uns noch, stärk uns doch, daß wir fröhlich fingen, Lob und Preis dir bringen. 2. Jauchzet laut, ihr Himmel, unserm Gott zu Ehren, laffet euer Loblied hören. Preise deinen Schöpfer, Sonne, deren Strahlen dieses große Rund bemalen; Mond und Stern, lobt den Herrn. Ihr, der Allmacht Werke, rühmet seine Stärke. Mel. Nun sich der Tag gewendet hat. 435. Christ, wenn die Armen manches Mal vor deiner Thüre stehn, merk auf, ob nicht in ihrer Zahl der Herr sei ungesehn. 2. Und wenn ihr matter Ruf so bang zu dir erschallt herein, horch auf, ob seiner 3. D du, meine Seele, finge, fröhlich singe ihm, dem Schöpfer aller Dinge! Was da Odem holet, falle vor ihm nieder, singe Dank- und Freudenlieder. Er ist Gott Ze baoth; er nur ist zu loben hier und ewig droben. 4. Halleluja singe, wer den Herrn erkennet, und in Christo Vater nennet; Halleluja finge, wer den Heiland liebet, ihm von Herzen sich ergiebet. Welch' ein Heil ist dein Theil! Einst wirst du dort oben ohne Sünd' ihn loben. 3. Neander, † 1680. g. Menschenliebe. Stimme klang nicht möchte drunter sein. 3. D, nicht so fest und eng verschließ die Thüren und das Herz! Ach, wer den Heiland von sich stiefs', was träfe den für Schmerz! 4. Drum öffne gern und mitleidvoll dem Flehenden dein Haus und reiche mild Menschenliebe. der Liebe Zoll dem Dürftigen hinaus. 5. Denn ehe du dich's wirst versehn, ist's dein Herr Jesus Christ; der wird durch deine Thüre gehn, weil sie so gaſtlich iſt. 6. Und ehe du ihn noch erkannt, der arm erscheint vor dir, erhebt er seine heil'ge Hand zum Segen für und für; 7. Zum Segen über deinen Tisch und über all' dein Gut, und über deine Kinder frisch und deinen frohen Muth; 8. Zum Segen über deine Zeit, die du hienieden gehst, und über deine Ewigkeit, die du dort oben stehst; 9. Dort oben, wo er dann die Thür dir auf mit Freuden thut, wie ihm und seinen Brüdern hier du thatst mit from mem Muth. W. Hey, t 1854. Mel. Welt, ich muß dich lassen. 436. Du, aller Menschen Vater, du gütigſter Berather in Allem, was uns drückt; die Freuden, die wir haben, sind einzig deine Gaben; du bist's, der unser Herz erquickt. 369 2. Du läßt dich von uns Sündern durch Undank nicht verhindern, uns segnend zu erfreun; zu ew'gen Seligkeiten uns Sterbliche zu leiten, wird ewiglich dein Wille sein. 3. Wie groß ist deine Milde! Barmherz'ger Vater, Bilde mein Herz nach deinem Sinn; daß ich der Noth der Armen mich willig mög' erbarmen, nimm alle Härte von mir hin. 4. Hilf, daß ich willig gebe, mich wohlzuthun bestrebe, ſo, wie mein Heiland that, der göttliche Erbarmer, den kein bedrängter Armer vergebens je um Hülfe bat. 5. Erhalt in mir die Triebe der mitleidsvollen Liebe. Wie du mir Gut's gethan, so laß um deinetwillen mich Andrer Seufzer stillen, so oft ich sie nur stillen kann. 6. Zum Fleiß in guten Werken soll mich der Glaube stärken: vor dir, dem Herrn der Welt, der frohe Geber liebet, ist, was man willig giebet, ein Opfer, das dir wohlgefällt. 7. O wohl mir! ich gewinne 24 370 IV. Christenleben. schon hier bei diesem Sinne Trost und Zufriedenheit, und einst vor Gottes Throne zum unschäßbaren Lohne die Freuden einer Ewigkeit. Ph. F. Hiller, † 1769. Mel. O Gott, du frommer Gott. B. C. 437. Gieb mir, o Gott, ein Herz, das alle Menschen liebet, bei ihrem Wohl sich freut, bei ihrer Noth betrübet; ein Herz, das Eigennuß und Neid und Härte flicht, und sich um Andrer Glück, wie um sein eignes, müht. 2. Seh' ich den Dürftigen, so laß mich freudig eilen, von dem, was du mir gabst, ihm hülfreich mitzutheilen, nicht aus dem eitlen Trieb, groß vor der Welt zu sein und mich geehrt zu sehn, nein, Menschen zu erfreun. 3. Das sei mein Gottesdienst, mit Hülf' und Rath zu dienen, den Brüdern beizustehn, auch unbemerkt von ihnen. Mich treibe nicht erst Dank zu meiner Wohlthat an; nein, was ich Brüdern thu', das sei dir, Gott, gethan. 4. Ein Trunk, mit dem mein Dienst dem Durstigen begegnet, ein Blick voll Troft, mit dem mein Herz Bedrängte ſegnet, ein Rath, mit dem mein Mund im Kummer Andre stärkt, Nichts bleibt, so klein es ist, von dir, Herr, unbemerkt. 5. Sucht wo ein boshaft Herz Unfrieden anzurichten, so laß mich sorgsam sein, der Brüder Zwist zu schlichten. Aus Schmähsucht störe nie mein Mund des Nächsten Nuh'; er rühme sein Verdienst, deck' seine Fehler zu. 6. Die Rach' ist dein, o Gott, du sprichst: Ich will vergelten! Darum laß still mich sein, wenn Menschen auf mich schelten. Gieb, daß ich dem verzcih', der mir zu schaden sucht, den liebe, der mich haßt, den segne, der mir flucht. 7. Den, der im Glauben wankt, zu leiten und zu stärfen, den, der noch sicher ist bei seinen bösen Werken, von der verkehrten Bahn des Lasters abzuziehn, dazu verleih mir Kraft und segne mein Bemühn. 8. D, heilige du selbst, Herr, Menschenliebe. meines Herzens Triebe durch deine Licb' und Furcht zu wahrer Menschenliebe. Wer nicht den nächsten liebt, geht in dein Reich nicht ein. Laß diese Wahrheit, Gott, mir stets vor Augen sein. C.F. Gellert.+ 1769. Mel. Lobet den Herren Ale. die ihn chren. 438. Herr, deine Sanft muth ist nicht zu ermessen. Wie viel hast du vergeben und vergessen! Ach, führe mir doch deine große Güte recht zu Gemüthe! 2. Du segnetest voll Mitleid, die dich schmähten; du konntest selbst für deine Mörder beten. Wie herrlich waren deiner Sanftmuth Proben bei ihrem Toben! 3. Ach, gleich' ich dir, o Heiland? Ich bekenne, daß ich noch oft von schnellem 3orn entbrenne und mich vor dir durch Trieb zur eignen Rache verwerflich mache. 4. Dir, Herzenskündiger, dir muß ich's flagen, wie wenig noch mein stolzes Herz kann tragen, wie schwer ich oftmals, 371 wenn mich Andre hassen, mich weiß zu fassen. 5. Vergieb mir, Herr, und wende mein Verderben. Bei Zorn und Haß läßt sich dein Reich nicht erben, und jener Tag vergilt nach strengem Rechte dem harten Knechte. 6. So hilf mir denn die Rachbegier ersticken; laß sich dein Bild in meine Seele drücken; so werd' ich mich versöhnlich finden lassen, nicht wieder hassen. 7. Flucht mir mein Feind, so gicb, daß ich ihn segne, und seinem Haß mit Freundlichkeit begegne, daß mich das Böse, das ich dann empfinde, nicht überwinde. 8. Verleih mir das um deiner Sanftmuth willen, so erb' ich auch im Sande deiner Stillen die Seligkeit, zu der fie jenes Leben einft wird erheben. C. S. Ulber, † 1776. Mel. O du Liebe meiner Liebe. 439. Herz und Herz vereint zusammen sucht in Gottes Herzen Ruh'. Laffet eure Liebesflammen Lodern eurem 24* IV. Christenlebent. 372 Heiland zu! Er das Haupt, wir seine Glieder, er das Licht, und wir der Schein, er der Meister, wir die Brüder, er ist unser, wir sind sein. 2. Kommt, ach, kommt, ihr Gnadenkinder, und erneuert euern Bund; schwöret unserm Ueberwinder Lieb' und Treu' aus Herzensgrund; und wenn eurer Liebeskette Festigkeit und Stärke fehlt, o, so flehet um die Wette, bis sie Jesus wie der stählt! 3. Legt es unter euch, ihr Glieder, auf so treues Lieben an, daß ein Jeder für die Brüder auch das Leben lassen kann. So hat uns der Freund geliebet und vergossen auch sein Blut; denkt doch, wie es ihn betrübet, wenn ihr nicht desgleichen thut. 4. Ach, du holder Freund, vereine deine dir geweihte Schaar, daß sie sich so herzlich eine, wie's dein letter Wille war, und daß, wie du Eins mit ihnen, also sie auch Eines sein, sich in wahrer Liebe dienen und einander gern erfreun. 5. Liebe, hast du es geboten, daß man Liebe üben soll, o, so mache doch die todten, trägen Herzen lebensvoll; zünde an die Liebesflamme, daß ein Jeder sehen kann, wir find All' von Einem Stamme, stehen All' für Einen Mann. 6. Laß uns so vereinigt werden, wie du mit dem Va ter bist, bis dann überall auf Erden kein getrenntes Glied mehr ist, und allein von deinem Brennen nehme unser Licht den Schein; also wird die Welt erkennen, daß wir deine Jünger sein. N. L. Graf v. Zinzendorf,+ 1760. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu 2c. 440. In Chrifto nur der Glaube gilt, daraus ein schönes Brünnlein quillt, die brüderliche Lieb' genannt, daran ein Christ wird recht erkannt. 2. Ja bei der Lieb' man spüret frei, wer Christi wahrer Jünger sei; der Glaub' von Herzen traut auf Gott, die Liebe übet sein Gebot. 3. Die Lieb' nimmt sich des Nächsten an, sie hilft und Menschenliebe. dienet Jedermann; gutwillig ist sie allezeit, fie lehrt, sie straft, sie giebt und leiht. 4. Sie überhebt sich keiner That, wenn sie gedient, geholfen hat; denn was sie thut, thut sie aus Pflicht, und Lohn und Dank begehrt sie nicht. 5. Wer dient dem Nächsten um Gewinn, der hat schon seinen Lohn dahin; die Heiden thaten Solches schon, und wußten Nichts von Gottes Sohn. 6. Die Lieb' erweist sich mildiglich, sie eifert nicht, noch bläht sie sich; sie glaubt und hofft, trägt mit Geduld, verzeiht gutwillig alle Schuld. 7. Und wie sie Liebes thut dem Freund, so segnet sie auch ihren Feind; und wenn man sie durch Unrecht kränkt, fie Alles doch zum Besten lenkt. 8. Darum die Lieb' das Schönste ist, damit sich schmücken soll ein Christ; die Lieb' in Gottes Willen ruht und alles Gute schafft und thut. 9. Herr Chrift, bedeck all' unfre Sünd' und solche Lieb' 373 in uns entzünd, die bleibet, wenn auf deinem Thron wir dich einst schaun, o Gottes Sohn. N. Hermann, † 1561. Mel. Dank sei Gott in der Höhe. 441. Nicht Opfer und nicht Gaben, auch Ruhm und Ehre nicht, noch was sonst Sünder haben, befreit uns vom Gericht; nur Jesu Liebe bleibet, sie ist von Ewigkeit; was außer ihr uns treibet, verschwindet mit der Zeit. 2. Sie giebt uns Kraft und Leben, bricht jeden Bann entzwei, lehrt helfen, trösten, geben, macht von der Lüge frei; sie muß gerecht uns machen und los von Sündenluft, zum Beten und zum Wachen bewegen unsre Brust. 3. Sie ist die höchste Zierde, des Christenthumes Kern, sie gilt als schönste Würde und Krone vor dem Herrn. Was hilft's, mit Engelzungen hoch reden ohne Herz? Wen Liebe nicht durchdrungen, der ist ein todtes Erz. 4. Geheimnißvolle Lehren und starker Glaubenssinn stehn IV. Christenleben. 374 nicht bei Gott in Ehren, ist Liebe nicht darin. Der treibet nur Geschwäße, wer kalt und liebeleer der größten Weisheit Schäße darleget um sich her. 5. Der Vater ist die Liebe, der Sohn ist Lieb' allein, des heil'gen Geistes Triebe sind Liebe, heiß und rein. Das ist die Lebensquelle vom Vater und vom Sohn. Mach unsre Seele helle, du Strom von Gottes Thron! I. Nothen, 1805. Mel. Wo Gott zum Haus nicht giebt sein' zc. 442. O Christenmenſch, erbarme dich, denn auch dein Gott erbarmet sich! Wie es bei dir dein Bruder find't, so ist Gott gegen dich gesinnt. 2. Freund, richte deinen Nächsten nicht, so kommst du auch nicht ins Gericht! Wer leicht verdammet und verstößt, der wird nicht leicht vom Fluch erlöst. 3. Vergieb, daß dir dein Gott vergiebt, und liebe, wie dein Gott dich liebt! Wer gern die Hand der Armen füllt, der wisse, daß es Gott vergilt. 4. Der Himmel hat ein Maaß, wie wir, und misset Jedem nach Gebühr, ganz gleich und recht, verkehrt und gut, wie man zuerst dem Nächsten thut. 5. Wer liebevoll sein Maaß beschickt und mit Erbarmung voll es drückt, dem fällt ein gleiches Gnadenloos der Liebe Gottes in den Schooß. 6. Wenn du um Andre dich bemühst und ihrer Schwachheit Splitter siehst, was heuchelst du denn dir allein und willst der Fremden Richter sein? 7. Nimm deiner eigenen Gefahr und Sündenbalken ernstlich wahr; entlade dich von deiner Last, wenn du Luft zum Bekehren haſt. 8. Wer seine Schuld sich nicht verhehlt, mag zusehn, wo's dem Nächsten fehlt; und wer sein eigen Herz macht rein, kann schwacher Brüder Führer sein. 9. O Herr und Vater, lege du uns deinen Geist der Weisheit zu, der uns regiere Herz und Mund, zu halten treulich deinen Bund. Unbekannt. Menschenliebe. Mel. Mach's mit mir, Gott, nach deiner zc. 443. So Jemand spricht: Ich liebe Gott und haßt doch seine Brüder, der treibt mit Gottes Worte Spott, und reißt es ganz darnieder. Gott ist die Lieb', und will, daß ich den Nächsten liebe, gleich als mich. 2. Wer dieser Erde Güter hat und sieht die Brüder leiden, und nicht die Hungernden macht satt, nicht Nackte eilt zu kleiden, der ist ein Feind der ersten Pflicht und hat die Liebe Gottes nicht. 3. Wir haben Einen Gott und Herrn, find Eines Leibes Glieder; drum diene deinem Nächsten gern, denn wir sind Alle Brüder. Gott schuf die Welt nicht blos für mich; mein Nächster ist sein Kind, wie ich. 4. Ein Heil ist unser Aller Gut; ich sollte Brüder hassen, die Gott durch seines Sohnes Blut auch hat erkaufen lassen? Daß Gott mich schuf und mich verfühnt, hab' ich dies mehr, als sie, verdient? 5. Du schenkst mir täglich so viel Schuld, du Herr von 375 meinen Tagen; ich aber sollte nicht Geduld mit meinen Brüdern tragen? dem nicht verzeihn, dem du vergiebst, und den nicht lieben, den du liebſt? 6. Was ich den Frommen hier gethan, dem Kleinsten auch von diesen, das siehet mein Erlöser an, als hätt' ich's ihn erwiesen; und ich, ich sollt' ein Mensch noch sein, und Gott in Brüdern nicht erfreun? 7. Ein unbarmherziges Gericht wird über den ergehen, der nicht barmherzig ist, der nicht die rettet, die ihn flehen. Drum gieb mir, Gott, durch deinen Geist ein Herz, das dich durch Liebe preist. C.F. Gellert,+ 1769. Mel. Sollt' ich meinem Gott nicht singen. Oder: Lasset uns den Herren preisen. 444. Unter allen großen Gütern, die uns Christus zugetheilt, ist die Lieb' in den Gemüthern wie ein Balsam, der sie heilt; ist ein Stern, der herrlich strahlet, und ein Kleinod, dessen Preis Niemand auszusprechen weiß, weil kein Geld es je bezahlet; ist die 376 IV. Christenleben. Macht, die Jedermann zwin gen und erfreuen kann. 2. Liebe kann uns Alles geben, was auf ewig nüßt und ziert; sie kann unsre Seel' erheben, sie ist's, die uns aufwärts führt. Menschen oder Engelzungen, welche Kraft sie auch beseelt, wenn dabei die Liebe fehlt, sind noch nie in's Herz gedrungen; nur ein Erz und Schellenklang ist ihr flüchtiger Gesang. 3. Was ich von der Weisheit höre, die in alle Tiefen dringt, von geheimnißvoller Lehre, die sich auf zum Höchsten schwingt; selbst die Berge zu verseßen durch des Glaubens starke Kraft, die so große Wunder schafft; Alles ist für Nichts zu schäßen, wenn nicht auch der Liebe Geist kräftig sich darin beweist. 4. Gäb' ich alle meine Habe an die Armen milde hin, opfert' ich mich selbst dem Grabe, meinem Nächsten zum Gewinn; liess' ich meinen Leib gleich brennen und ertrüge jeden Schmerz, ist von Liebe leer mein Herz, würd' es mir nichts nüßen können. Gottes Wohlgefallen hat nur der Liebe reine That. 5. Glaube, Hoffnung, Liebe leiten uns allhier im Pilgerstand; Liebe wird uns auch begleiten in das wahre Vaterland. Ja, es strecken ihre Grenzen sich bis in die Ewigkeit, und so wird die Liebe weit über Glaub' und Hoffnung glänzen. Sie schafft Heil und Segen hier, sie beseligt für und für. 6. D du Geist der reinen Liebe, der von Gott du gehest aus, laß mich spüren deine Triebe, und nimm ein mein Herz und Haus. Laß mich kräftig widerstreben Allem, was nicht gut es meint mit dem Freunde, mit dem Feind, und mich reizt, nur mir zu leben. Geist der Liebe, lenke hin zu der Liebe meinen Sinn. E. Lange, † 1727. Eigene Melodie. 445. Wie ist es so lieblich, wenn Christen zusammen in brüderlicher Eintracht stehn, wenn göttliche Liebe mit heili Menschenliebe. gen Flammen in ihrem Wandel ist zu sehn! Da grünet und blühet zu ewiger Wonne der göttliche Segen, da scheinet die Sonne. 2. Kommt, Christen, und lernet, die Brüder zu lieben, denn wer da liebt, der ist von Gott; zu folgen des Haffes unheiligen Trieben, ist Gott verhaßt und wirkt den Tod. Ach, wollt ihr dem Vater der Liebe gefallen, so fleißigt euch, Liebe zu üben an Allen. 3. Bedenket, wie herrlich der ewige Vater euch hat in sei nem Sohn geliebt; wie Jesus, der Heiland, der Seelenbe rather, aus Liebe in den Tod fich giebt; da du und ich hatten die Hölle verdienet, hat er uns aus Liebe dem Vater verfühnet. 4. So sind wir, die Feinde zu lieben, verbunden; zumal auch sollen wir den Freund, der mit uns hat Christum im Glauben gefunden, und der mit Gott es treulich meint, aus brünstigem Herzen mit Worten und Werken die Wahrheit der Liebe stets laffen vermerken. 377 5. Wir sind ja auf einerlei Hoffnung berufen zu Einem großen Abendmahl, wir wandeln mitsammen auf schwierigen Ettufen den schmalen Weg zum Himmelssaal; drum will uns einträchtige Liebe geziemen; ohn' diese mag Niemand des Glaubens sich rühmen. 6. Wir wohnen zuſammen als geistliche Brüder in eines ein'gen Vaters Haus; es machen auch alle verbundenen Glieder nur Einen Leib in Christo aus; wie sollten nun Brüder und Glieder sich haffen? Eins soll für das Andre das Leben selbst lassen. 7. Wir kommen auch Alle aus einerlei Staube und haben vor Gott keinen Ruhm; in Chrifto, dem Heiland, gilt einzig der Glaube; wer glaubt, der ist sein Eigenthum. Doch wollen wir Christen von Christo uns heißen, so muß sich der Glaube durch Liebe beweisen. 8. Ach, zünde, Herr Jesu, die Herzen und Seelen mit deinen Liebesflammen an; hilf, daß wir, o Liebe, zu lieben erwählen dich, der so viel ant IV. Christenleben. 378 uns gethan, und dann auch mit treuem und thätigem Willen die Liebe an Freunden und Feinden erfüllen. 2. A. Gotter,+ 1736. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt. 446. Wohlzuthun und mitzutheilen, Christen, das vergesset nicht; mitleidsvoll zu Hülfe eilen, wo es Noth thut und gebricht, das ist Pflicht, die Jesus lehret, und die Gott, den Höchften, ehret. 2. Speiset die, so Hunger leiden, und wer durstig ist, den tränkt; eilt, die Nackten zu bekleiden; tröstet, die der Kummer kränkt; Schwache sucht zu unterstüßen, Unterdrückte zu beschützen. 3. Nicht nur denen, die euch lieben oder erst um Hülfe flehn, nein, von Liebesdrang getrieben, eilet Allen beizu stehn; schafft auch unverhoffte Freuden denen, die im Stillen leiden. 4. Und das sei dir keine Bürde, keine saure Pflicht, o Christ; Lust ist's, hohe Ehr' und Würde, wenn du mild und hülfreich biſt; es iſt Ruhm dir, dem Erlösten, arme Brüder Jesu trösten. 5. Ach, wie lohnt's mit stillen Freuden, der Verlassnen Helfer sein, Brüder, die in Trübfal leiden, mit des Vaters Trost erfreun; ein geängstet Herz erquicken, welch' ein hei liges Entzücken! 6. Heil und Glück auf unsern Wegen, innige Zufriedenheit, Menschendank und Gottes Segen folgen auf Barmherzigkeit, und dereinst zum Gnadenlohne schenkt ihr Gott des Himmels Krone. 7. Laßt uns schnell sein, unsre Gaben, weil es Zeit ist, auszustreun; was wir hier gejäet haben, ernten wir einst reichlich ein. Seid barmherzig, helft den Armen; Gott wird euer sich erbarmen. I. 2. Paulmann, † 1807. Jugend. 2. Im Besonderen. A. Besondere Stände. a. Jugend. Mel. Jesu, meine Freude. 447. Schöpfer meines Le bens, laß mich nicht vergebens auf der Erde sein. Gieße deine Liebe, deines Geistes Triebe in mein Herz hinein, daß dein Bild, so rein und mild, klarer stets bei deiner Pflege an mir leuchten möge. 2. Ach, nur einmal blühet, und gar bald entfliehet meine Frühlingszeit! Sorglos sie verträumen und dein Heil versäumen, bringt viel bittres Leid; wirst du nicht mein Lebenslicht, werd' ich dir nicht neu geboren, ist sie mir verloren. 3. Dir allein zu leben und mit dir zu streben nach der Heiligung, Thorheit zu verlassen, Sündenluft zu hassen, 379 bin ich nie zu jung. Mache dies mir recht gewiß, eh' ich um verlorne Tage einst vergeblich klage. 4. Jesu, Freund der Sün der, der auch für die Kinder einst zur Erde kamı, o, wie sanft und stille war dein Herz und Wille, allem Bösen gram! Herr, auch wir, wir sollen dir nach Gedanken und Geberden gleich gestaltet werden. 5. Selig, wer dich liebet! Selig, wer sich übet, Gottes Kind zu sein! Diese heil'gen Triebe gieß durch deine Liebe unserm Herzen ein, daß dein Bild, so rein und mild, dort im schönen Himmelsfaale ewig an uns strahle. 2. Knapp,+ 1864. 380 IV. Christenlebent. b. Alter. Mel. O Gott, du frommer Gott. A. 448. Bleib, Jesu, bleib bei mir, so lang ich leb' auf Erden; der Tag hat sich geneigt und Abend will es werden; mein Abschied ist nicht fern, die Stunde naht herbei; hilf, daß ich wohlbereit zur letzten Reise set. 2. Die Erden- Pilgerschaft, seit ich sie angefangen, ist über Berg und Thal, durch Kreuz und Noth gegangen; du aber warst bei mir, auch wo ich's nicht gemerkt, und hast das matte Herz durch deinen Trost geſtärkt. 3. So wirst du auch zuletzt, o Herr, mich nicht verlassen; mit beiden Armen will ich gläubig dich umfassen; ich höre schon, was mir dein treuer Mund verspricht: Ich weiche nicht von dir; so fürchte dich nur nicht! 4. Drum fürcht' ich mich auch nicht; wird meine Seele scheiden, dann führest du fie ein in deines Himmels Freuden. Der schlimmste Le bensweg wird segensreich und gut, wenn man den legten Schritt mit dir, Herr Jesu, thut. 5. Der Leib sinkt zwar hinab zum Staube dieser Erde, doch glaub' ich, daß er nicht im Staube bleiben werde; ich nehm' die Hoffnung mit in Sarg und Grab hinein: der Tod wird Eingang mir zum wahren Leben sein. 6. Weil du, Herr Jesu, bist vom Tode auferstanden, so iſt nunmehr für mich der feſte Trost vorhanden, daß diesen schwachen Leib du, starker Lebensfürst, zur ew'gen Herrlichkeit einst auferwecken wirst. 7. So laß mich freudig gehn nach meinem nahen Grabe, das mich umschließt, bis ich genug geschlafen habe. 63 sage Niemand dann, daß ich gestorben sei, denn Schlaf und Sterben ist in Christo Einerlei. E. Neumeister, † 1756. Beruf. c. Beruf. Mel. Werde munter, mein Gemüthe. 449. Hilf uns, Herr, in allen Dingen, daß wir unser Amt und Werk wohl beginnen und vollbringen; gieb uns Weisheit, Kraft und Stärk'; ohne deine Hülf' und Gunst ist gar nichtig unsre kunst. Hilf uns, Herr, in allen Dingen und laß Alles wohlgelingen. 2. Hilf uns, Herr, an allen Orten und sei mit uns immerdar; brich der Hölle Macht und Pforten, und gieb deiner kleinen Schaar, deiner armen Christenheit, Liebe, Frieden, Einigkeit. Hilf uns, Herr, in allen Dingen und laß Alles wohl gelingen. 3. Hilf uns, Herr, in allen Nöthen, aller Trübsal und Gefahr, laß uns keine Drangsal tödten, nimm doch unser also wahr, daß Kreuz, Elend und Verdruß uns zum Besten dienen muß. Hilf uns, Herr, in allen Dingen und laß Alles wohl gelingen. 4. Hilf uns, Herr, in allen 381 Leiden, hilf auch in der letzten Noth; laß uns fahren hin mit Freuden, führ durch deinen bittern Tod in dein Paradies uns ein, wo wir dein uns ewig freun. Hilf uns, Herr, in allen Dingen und laß Alles wohl gelingen. 5. Hilf uns in den letzten Zügen; Herr, nach unsrer Zuversicht laß uns ritterlich obsiegen, wenn das Herz im Tode bricht. O Herr Jesu, hilf, und leih deine Hand, so stark und treu, daß wir nach vollbrachtem Ringen Lob und Dank dir ewig bringen. M. Rinckhardt,+ 1649. Mel. Meines Herzens- Jesu, meine Lust. 450. In Gottes Namen fang' ich an, was mir zu thun gebühret; mit Gott wird Alles wohlgethan und glücklich ausgeführet. Was man in Gottes Namen thut, ist allenthalben recht und gut, und muß uns auch gedeihen. 2. Gott ist's, der das Vermögen schafft, das Gute zu 382 IV. Christenlebent. vollbringen; er giebt uns Se gen, Muth und Kraft und läßt das Werk gelingen; er schenkt uns reichlichen Gewinn, wir nehmen Gab' um Gabe hin, daß wir Genüge haben. 3. Wer erst nach Gottes Reiche tracht't und bleibt auf seinen Wegen, der wird gar leichtlich reich gemacht durch Gottes milden Segen; da wird der Fromme froh und fatt, daß er von seiner Arbeit hat, auch Armen Brot zu geben. 4. Gott ist der Frommen Schild und Lohn, er krönet sie mit Gnade und macht, daß ihnen Haß und Hohn und Neid der Welt nicht schade. Er decket sie mit seiner Hand, er segnet ihren Weg und Stand und füllet sie mit Freuden. 5. Drum komm, Herr Jeſu, stärke mich, hilf mir in meinen Werken; laß du mit deiner Gnade dich bei meiner Arbeit merken. Gieb dein Gedeihen selbst dazu, daß ich in Allem, was ich thu', erfahre deinen Segen. 6. Regiere mich durch deinen Geist, den Müßiggang zu meiden; was du mich thun und schaffen heißt, geschehe stets mit Freuden, so daß ich dir mit aller Treu' auf dein Gebot gehorsam sei und meinem Nächsten diene. 7. Nun, Jesu, komm und bleib bei mir; die Werke meiner Hände befehl' ich, liebster Heiland, dir; hilf, daß ich sie vollende zu deines Namens Herrlichkeit, und gieb, daß ich zur Abendzeit erwünschten Lohn empfange. S. Liscov, † 1689. d. Hausstand. Mel. Schmück dich, mein Herz, bereite dich, 2c. Gästen, die da kommen, du 451. O selig Saus, wo selig Haus, wo der gefeiertste und liebste bist; man dich aufgenommen, du wahrer Seelenfreund, Herr Jesu Christ, wo unter allen wo Aller Herzen dir entgegenschlagen und Aller Augen freudig auf dich sehn, wo Hausstand. Aller Lippen dein Gebot erfragen und Alle deines Winks gewärtig stehn! 2. O selig Haus, wo Mann und Weib in Einer, in deiner Liebe Eines Geistes sind, gewürdigt beide Eines Heils, und keiner im Glaubensgrunde anders ist gesinnt; wo Beide unzertrennbar an dir hangen in Lieb' und Leid, in Glück und Ungemach, und nur bei dir zu bleiben, stets verlangen zur Zeit des Glückes, wie am bösen Tag. 3. O selig Haus, wo man die lieben Kleinen mit Händen des Gebets an's Herz dir legt, du Freund der Kinder, der fie als die Seinen mit mehr als Mutterliebe hegt und pflegt; wo sie zu deinen Füßen gern sich sammeln und hören deiner süßen Rede zu, und lernen früh dein Lob mit Freuden stammeln, sich deiner freun, du lieber Heiland du. 383 deinem Willen mag geschehn; als deine Diener, deine Hausgenossen, in Demuth willig und in Liebe frei, das Ihre schaffen froh und unverdrossen, in kleinen Dingen zeigen große Treu'! 5. O selig Haus, wo du die Freude theilest, wo man bei keinem Feste dein vergißt! O selig Haus, wo du die Wunden heilest und Aller Arzt und Aller Tröster bist; bis Jeder einst sein Tagewerk vollendet, und bis sie endlich dahin ziehen aus, von dannen dich der Vater hat gesendet, in's große, freie, schöne Vaterhaus! 4. O selig Haus, wo Knecht und Magd dich kennen und, wissend, wessen Augen auf sie sehn, bei allem Werk in reinem Eifer brennen, daß es nach C. I. Ph. Spitta,+ 1859. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 452. Sorge, Herr, für unsre Kinder, sorge für ihr wahres Heil. Sind sie gleich vor dir nur Sünder, haben sie an dir doch Theil. Sie sind in der Taufe schon dir geweiht und deinem Sohn; darum leite deine Gnade fie auf ihrem Lebenspfade. 2. Der du sie bisher er IV. Christenleben. 384 halten bei so manchem Unglücksfall, wollest über ihnen walten immerdar und überall. Bricht Gefahr für sie herein, woll'st du ihr Beschüßer sein; wenn in Noth sie zu dir flehen, laß sie deine Hülfe sehen. 3. Sammeln Andre große Schäße, suchend in der Welt ihr Heil, daß sie Geld und Gut ergöße, so bist du mein einzig Theil. Bleib auch meiner Kinder Gott; laß sie, Herr, in keiner Noth und in keinem Kreuz verderben, bis sie endlich felig sterben. 4. Schüße sie vor bösen Leuten und vor der Verführer Schaar, daß ihr Fuß nicht möge gleiten; laß sie jedes Lebensjahr in der Gnade bringen zu, bis du sie, wie mich, zur Ruh' wirst in's kühle Grab versenken und die Seligfeit uns schenken. 5. Ja, erhalt sie deinem Reiche, lieber Vater, stets getreu, auf daß keines von dir weiche, Reines dir verloren sei. Stets laß ihnen, wo sie gehn, deine Furcht vor Augen stehn, daß sie dich im Thun und Lassen stets in ihre Herzen faſsen. 6. Schenke mir die große Freude, daß ich an dem jüngsten Tag nach so manchem Kampf und Leide mit FrohLocken sagen mag: Lieber Vater, ich bin hier und die Kinder, die du mir haft in jener Welt bescheeret; ewig sei dein Nam' geehret! H. L. Schlosser,+ 1723. Mel. Wie schön leuchtet der Morgenstern. 453. Von dir, du Gott der Einigkeit, ward einst der Ehebund geweiht, von dir kommt auch der Segen. D segn' auch jetzt von deinen Höh'n, die hier vor deinem Antlitz stehn, um Hand in Hand zu legen. Laß ſie, Vater, dir ergeben, einig leben, treu sich lieben und in deinem Wort sich üben. 2. Gott, der du selbst geknüpft ihr Band, laß sie durch Eintracht Hand in Hand ihr Eh'glück stets vermehren. Laß ihre Liebe lauter sein, laß Untreu' nie den Bund ent weihn, den sie dir heut be Hausstand. schwören. Immer laß sie dir ergeben, friedlich leben, einig handeln, fromm und heilig vor dir wandeln. 3. Nimm sie in deine Vaterhut, halt ihren Sinn bei frohem Muth, ihr Herz dem Himmel offen, und lehre sie sich deiner freun, Ein Herz und Eine Seele sein im Glauben, Lieben, Hoffen. Laß fie, Vater, dir ergeben, glücklich leben, freudig sterben und vereint den Himmel erben! 3. J. Eschenburg,+ 1820. Mel. O Gott, du frommer Gott. C. 454. Was Gott zusammenfügt, das soll der Mensch nicht scheiden; drum gehen wir dahin in Gottes Fried' und Freuden. Der unsre Namen schreibt in's Buch des Lebens ein, er selbst wird Schuß und Hort, wird Schild und Lohn uns sein. B. Schmold,+ 1737. Mel. Wie schön leuchtet der Morgenstern. 455. Wie schön ist's doch, Herr Jesu Christ, im Stande, da dein Segen ist, im Stande 385 heil'ger Che! Wie steigt und neigt sich deine Gab' und alles Gut so mild herab aus deiner heil'gen Höhe, wenn sich an dich Junge halten, gleich den Alten, die, verbunden in dem Herren, sich gefunden. Wo Mann und Weib sich wohl verstehn und unverrückt zusammen gehn im Bunde reiner Treue, da blüht das Glück von Jahr zu Jahr, da siehet man der Engel Schaar im Himmel selbst sich freuen. Kein Sturm, fein Wurm kann zerschlagen, kann zernagen, was Gott giebet dem Paar, das in ihm sich liebet. 3. Sei gutes Muths! Nicht Menschenhand hat aufgerichtet solchen Stand, es ist Gott, unser Vater; der hat uns je und je geliebt, und bleibt, wenn Sorge uns betrübt, der gütigste Berather; Anfang, Ausgang aller Sachen, die zu machen wir gedenken, wird er wohl und weislich lenker 4. Zwar bleibt's nicht aus, es kommt ja wehl ein Stünd25 IV. Christenlebent. 386 lein, da man leidensvoll die Thränen lässet fließen; je dennoch, wer sich in Geduld ergiebt, deß Leid wird Gottes Huld in großen Freuden schließen. Wage, trage nur ein Wenig! Unser König wird behende machen, daß die Angst sich wende. 5. Wohl denn, mein König, nah herzu! Gieb Rath im Kreuz, in Nöthen Ruh', in Aengsten Trost und Freude; deß sollst du haben Ruhm und Preis, wir wollen fingen bester Weis und danken alle Beide, bis wir bei dir, deinen Willen zu erfüllen, deinen Namen ewig loben werden. Amen. p. Gerhard, t 1676. Mel. Wo Gott zum Haus nicht giebt zc. 456. Wohl einem Haus, wo Jesus Christ allein das All in Allem ist! Ja, wenn er nicht darinnen wär', wie elend wär's, wie arm und leer! 2. Wohl ihm, wenn Mann und Weib und Kind im rechten Glauben einig sind, zu dienen ihrem Herrn und Gott nach seinem Willen und Gebot. 3. Wohl, wenn ein solches Haus der Welt ein Vorbild vor die Augen stellt, daß ohne Gottesdienst im Geist das Außenwerk Nichts ist, noch heißt. 4. Wohl, wenn das Rauchwerk im Gebet beständig in die Höhe geht, und man nichts treibet fort und fort, als Gottes Werk und Gottes Wort. 5. Wohl, wenn im äußerlichen Stand mit fleißiger, getreuer Hand ein Jegliches nach seiner Art den Geist der Eintracht offenbart. 6. Wohl, wenn die Eltern gläubig sind und führen Kind und Kindeskind durch Beispiel und durch fromme Zucht zu dem, der unsre Seelen sucht. 7. Wohl solchem Haus, denn es gedeiht; die Eltern werden hocherfreut, und ihren Kindern sieht man's an, wie Gott die Seinen segnen kann. 8. So mach' ich denn zu dieser Stund' sammt meinem Hause diesen Bund: Wich' alles Volk auch von ihm fern, ich und mein Haus stehn bei dem Herrn. C. C. L. v. Pfeil,+ 1783. Vaterland. e. Vaterland. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 457. Herr, höre, Herr, erhöre! Breit deines Namens Ehre an allen Orten aus. Behüte alle Stände, durch deiner Allmacht Hände beschüße Kirche, Thron und Haus. 2. Ach, laß dein Wort uns Allen noch ferner rein er schallen zu unsrer Seelen Nuß. Bewahr uns vor den Rotten, die deiner Wahrheit spotten; beut allen Wider sachern Truß. 3. Gieb, Herr, getreue Lehrer und unverdroffne Hörer, und laß sie Thäter sein. Auf Pflanzen und Begießen laß dein Gedeihen fließen, und ernten reichlich Segen ein. 4. Zu unsers Volkes Glücke laß deine Gnadenblicke auf unsern König sehn. Schüß ihn auf seinem Throne, laß seine Herrscherkrone in segens vollem Glanze stehn. 5. Laß Alle, die regieren, thr Amt getreulich führen, und schaffe Jedem Recht; daß Fried' und Treu' sich müssen in 387 unserm Lande küssen, in Eintracht leben Herr und Knecht. 6. Wend ab, o Herr, in Gnaden Krieg, Feuer, Wasserschaden, wend Sturm und Hagel ab; bewahr des Landes Früchte, es werde nicht zunichte, was deine milde Hand uns gab. 7. Gieb uns den lieben Frieden, laß jeden Feind ermüden, halt uns in deiner Kraft. Laß Noth und theure Zeiten sich nie so weit verbreiten, daß keine Hülfe wird geschafft. 8. Die Hungrigen erquicke, und bringe die zurücke, die sonst verirret gehn. Die Wittwen und die Waisen woll'st du mit Troste speisen, wenn sie zu dir um Hülfe flehn. 9. Den Müttern und den Kindern woll'st du die Schmerzen lindern, wenn sie, Herr, zu dir schrein. Zieh unfre zarte Jugend zur Frömmigkeit und Tugend, daß sich die Eltern ihrer freun. 10. Hilf als ein Arzt den 25* 388 IV. Christenlebent. Kranken, und die im Glauben schwanken, laß nicht zu Grunde gehn. Die Greise heb und trage, daß sie des Alters Plage geduldig mögen überstehn. 11. Sei der Verfolgten Stüße, die Reisenden beschüße, die Sterbenden begleit mit deinen Engelschaaren, daß sie in Frieden fahren zu zions Freud' und Herrlichkeit. 12. Nun, Herr, du wirst erfüllen, was wir nach deinem Willen in Demuth jetzt begehrt. Wir sprechen nun das Amen in unsers Jesu Namen; so ist Erhörung uns gewährt. B. Schmold, † 1737. Mel. Zeuch ein zu meinen Thoren. 458. Jehovah, Herr und König der Könige und Herrn, dem Alles unterthänig auf Erden nah und fern; du, hocherhabner Fürst, bestellst zu allen Zeiten den Völkern Obrigkeiten, die du erhalten wirst. 2. Es zeugen deine Knechte, daß keine Obrigkeit, Herr, ohne deine Rechte und deine Macht gebeut; daß, wer gering sie schäßt und ihr zuwider lebet, dir selber widerstrebet, der du sie haft geseßt. 3. In der Regenten Seelen ergieß dein Gnadenlicht; laß nie es ihnen fehlen an Weisheit zum Gericht, damit ihr Herrscherthum das gute Recht beschüße und allem Volke nütze zu deinem Preis und Ruhm. 4. Der gläubigen Gemeinde laß wohlgesinnt sie sein; lehr sie, als Christi Freunde, ihr treue Sorgfalt weihn, damit wir allezeit, von Herzen dir ergeben, gerecht und ruhig leben in aller Ehrbarkeit. 5. Du kannst die Herzen lenken den Wasserbächen gleich; der Fürsten Thun und Denken mach dienstbar deinem Reich. Zu deinem Gnadenthron laß, Vater, unser Singen, laß unser Beten dringen durch Christum, deinen Sohn. Ph. F. Hiller,+ 1769. Mel. Lobt Gott, ihr Christen, allzugleich. 459. In deiner Huld, Herr, freue sich der König Morgen. allezeit; sein ganzes Leben preise dich und deine Herrlichkeit. 2. In seiner Krone Glanz und Kraft bleib' er doch demuthsvoll sich stets bewußt der Rechenschaft, die er dir geben soll. 3. Er suche nichts, als dei nen Ruhm, und denke gern daran, sein Reich sei, Herr, dein Eigenthum, er selbst dein Unterthan. 4. Von dir her leuchte ihm das Licht, von dir komm' ihm der Rath, und bei Erfüllung schwerer Pflicht die Rüstigkeit zur That. 5. Er biete, in der Hand das Schwert, dem Bösen kräf389 tig Truß; er sei, mit deiner Macht bewehrt, der Tugend sichrer Schuß. 6. Nicht Schlachtenehre reize ihn; doch muß er in den Krieg für Landeswohl und Krone ziehn, so folge ihm der Sieg. 7. Des Volkes treue Liebe sei sein wohlverdienter Lohn; nie finde Trug und Heuchelei den Weg zu seinem Thron. 8. Fern sei zu unserm Wohl das Ziel, da du ihn rufft zur Ruh'; Herr, mache seiner Tage viel und jeden segne du! 9. Es werde überall vor dir mit Fürbitt' sein gedacht. Erhör uns, Herr, dann preisen wir frohlockend deine Macht! W. A. Teller,+ 1804. B. Besondere Beiten. Mel. Aus meines Herzens Grunde. 460. Almächtiger, ich hebe mein Aug' empor zu dir. Preis dir, durch den ich lebe, und neuer Dank dafür! Dir darf ich betend nahn; das a. Morgen. Loblied, das ich finge und dir als Opfer bringe, du nimmst es gnädig an. 2. Daß nicht im tiefen Schlummer des Lebens Docht erlischt, und daß mich, frei IV. Christenleben. 390 von Kummer, ein sanfterSchlaf erfrischt, dies dank' ich deiner Macht und deiner Vatertreue; durch sie bin ich aufs Neue mit heiterm Muth erwacht. 3. Beschüßer unsrer Seelen, ich traue stets auf dich. Was soll ich für mich wählen? D, wähle du für mich. Gieb, was mir nüßlich ist. Gott, dem ich Alles danke, mich stärke der Gedanke, daß du stets um mich bist. 4. Er stärke mich, mit Freu den zu thun, was dir gefällt; er tröste mich im Leiden; und will die Lust der Welt mich jemals nach sich ziehn, helf' er mein Herz bewahren, helf er mir die Gefahren der Sünde sehn und fliehn. 5. Beglücke du die Meinen nach deiner Gütigkeit. Verlaß der Armen Keinen; wend alles Herzeleid. Du bist zwar nimmer fern, eilst, Allen beizustehen, doch hörst du auch daß Flehen der treuen Liebe gern. 6. Gott, dem ich angehöre, dein Friede ruh' auf mir. Mein Seufzer, meine Zähre, Erbarmer, ist vor dir. Deß soll mein Herz sich freun, bis ich den Himmel erbe. Ich lebe oder sterbe, auf ewig bin ich dein. C. F. Neander,+ 1802. Mel. Valet will ich dir geben. 461. Auf, auf, den Herrn zu loben, erwache mein Ge müth; bring deinem Vater droben ein dankerfülltes Lied! Denn wer erhielt mein Leben in dieser dunkeln Nacht? Der Herr, der mir's gegeben, der hat es auch bewacht. 2. Beschüßer aller Welten, wie dank' ich würdig dir? Wie soll ich dir vergelten, was du gethan an mir? Mein Opfer ist geringe; ein dir ergebner Sinn ist Alles, was ich bringe; nimm es in Gnaden hin. 3. O Vater, oft mit Sütnde vergalt ich deine Huld. Mit tiefer Reu' empfinde ich meine schwere Schuld. Verzeihe mir, und dämpfe die fündliche Be gier, mit der ich täglich kämpfe; Herr, hilf zum Siege mir. 4. Send auch auf meinen Wegen mir deinen Engel zu, und sprich du selbst den Se Morgen. gen zu Allem, was ich thu'. Laß strömen Lebenskräfte aus deinen Himmelshöh'n, daß des Berufs Geschäfte erwünscht von Statten gehn. 5. Gieb mir vor allen Din gen getrosten Muth und Geist, das freudig zu vollbringen, was meine Pflicht mich heißt. Laß mich in guten Tagen nicht übermüthig sein, und auch nicht ängstlich klagen, wenn Trübsal bricht herein. 2. Du hast, o Gott, aus Gnaden in der vergangnen Nacht mich vor Gefahr und Schaden behütet und bewacht. Demüthig bitt' ich dich, woll'st mir die Schuld vergeben, mit der in meinem Leben ich je erzürnte dich. 3. Du wolleft auch behüten mich gnädig diesen Tag vor Teufels List und Wüthen, vor Sünden und vor Schmach, vor Feu'r und Wassersnoth, vor Armuth und vor Schanden, vor Ketten und vor Banden, vor bösem, schnellem Tod. 4. In deine Hand gegeben sei all' mein Hab und Gut; auch Seele, Leib und Leben nimm unter deine Hut; dazu befehl' ich dir die lieben Anverwandten, die Freunde und Bekannten; erhalte du sie mir. 5. Dich will ich laffen 462. Aus meines Herzens rathen, der alle Ding' vermag. Eigene Melodie. 6. Hilf, daß in meinem Stande ich thu', was dir gefällt; auch laß mich nicht in Schande gerathen vor der Welt. 391 Grunde sag' ich dir Lob und Dank in dieser Morgenstunde und all' mein Leben lang. Ich steh' vor deinem Thron, o Vater, dich zu ehren durch Christum, unsern Herren, den eingebornen Sohn. Flöß allen meinen Trieben nur deinen Willen ein, und laß auch meine Lie ben von dir gesegnet sein. 7. Gieb, daß in Kreuz und Glücke ich stets so leben mag, daß ich all' Augenblicke denk' an den letzten Tag. Und wird er einst anbrechen, so hilf, daß ich erfreut von Herzen könne sprechen: Komm, Herr, ich bin bereit! 3. Frand, † 1677. IV. Christenleben. 392 So segne meine Thaten und führe meine Sach'. Dir hab' ich's heimgestellt und Seele, Leib und Leben in deine Hand gegeben; Herr, mach's, wie dir's gefällt. 6. Drauf sprech' ich freudig Amen und zweifle nicht daran, mein Flehn in Jesu Namen nimmst du in Gnaden an. Streck' ich nun aus die Hand und geh' an's Werk mit Freuden, dann wirst du mir bescheiden, was frommt in meinem Stand. 3. Mathesius, † 1565. Mel. Wie schön leuchtet der Morgenstern. 463. Brich an, du schönes Morgenlicht! Bestrahle du mein Angesicht mit deinem hellen Scheine. Brich an, der Andacht heil'ge Flamm', daß Dank, der aus dem Herzen stamm', mit Lobgesang sich eine! Weiset, preiset den mit Loben, der von oben mich behütet und mit Segen überschüttet. 2. Ach Gott, mein Gott, ich danke dir von ganzem Herzen, daß du mir verliehen deine Güte, und mich auch in der finstern Nacht durch deine Engel hast bewacht an Leib, Seel' und Gemüthe; daß sich fröhlich meine Glieder heute wieder deiner freuen und sich deinem Dienste weihen. 3. Ach, gieb, du treues Vaterherz, daß alle Sünden, Angst und Schmerz mit dieser Nacht vergehen, daß ich in deiner Gnad' und Huld heut möge ohne alle Schuld recht geiſtlich auferstehen. Laß mich christlich meine Sorgen diesen Morgen so erwägen, daß ich spüre deinen Segen. 4. Herr Jesu, leite meinen Gang, daß ich forthin mein Leben lang nach deinem Willen walle. Behüte du mir Seel' und Leib, mich selbst in deine Hände schreib, damit ich ja nicht falle. Ach, gieb mir Trieb, deine Wunden alle Stunden zu betrachten und die Welt für Nichts zu achten. 5. Regiere mich mit deinem Geist, der mir den Weg zum Himmel weist, auf daß ich überwinde und deine reiche Segenshand in meiner Arbeit, Morgen. meinem Stand zu jeder Zeit empfinde; bis ich endlich dann mit Freuden werde scheiden und mit Singen dir ein neues Danklied bringen. 3. Arnd,+ 1621. Eigene Melodie. 464. Brich an, du schönes Tageslicht, brich an in deinem Purpurkleide. Erheb auch dich, mein Geist, und richt den Blick zum Urquell aller Freude. Mein Jesu, ziehe meinen Sinn zu deinem hellern Lichte hin. 2. Du hast mit deiner Liebeshand schon so viel Angst, Gefahr und Plage in Gnaden von mir abgewandt, dafür ich täglich Dank dir sage. Auch für die überlebte Nacht sei dir mein frühes Lob gebracht. 3. Laß sich an diesem neuen Tag nun auch dein göttlich, geistlich Leben in mir erneuen, daß ich mag in Wahrheit dieses Zeugniß geben: Ich lebe, doch nun nicht mehr ich; in mir lebt Christus kräftiglich. 4. Erwecke mich, mein Herr und Gott, daß ich in Werken 393 wahrer Liebe nach deinem hei ligen Gebot die Kräfte meines. Glaubens übe und so zu deines Namens Ehr' in dir erstarke mehr und mehr. 5. Mein Vater, ich ergebe dir auf's Neue mich mit Leib und Seele. D, schaff ein reines Herz in mir, das nur, was dir gefällt, erwähle, und gieb mir, wie dein Wort verheißt, den neuen und gewissen Geiſt. 6. Mit Leibes-Nothdurft wirst du mich nach deiner Vaterhuld versehen; ich weiß, in Liebe neigst du dich zu mir herab, mir beizustehen. So treib' auch mich die Liebe an, zu helfen, wo ich helfen kann. 7. Herr, deiner Gnadensonne Strahl laß alle Menschen reichlich spüren; laß deine Freundlichkeit zumal die Deinen näher zu dir führen, die in des Geistes Einigkeit verbunden stehn in Kampf und Streit. 8. Laß unser Bitten, unser Flehn einmüthig sein vor deinem Throne; die Zuversicht, zu dir zu gehn, empfingen wir 394 IV. Christenleben. von deinem Sohne; in seinem Namen bringen wir des Herzens Opfer freudig dir. 9. Sieh Freund und Feind erbarmend an, und führe sie auf Glaubenswegen. Dem König, dem wir unterthan, verleihe deinen Schuß und Segen. Auch Kirche, Schule, Stadt und Land beschirme, Herr, mit starker Hand. 10. Gelobt sei Gott in seinem Thron von Ewigkeit zu Ewigkeiten; dem eingebornen Gottessohn sei Ehr' und Ruhm zu allen Zeiten; dem heil'gen Geiste gleicherweis' geb' alle Welt Lob, Ehr' und Preis! Alt, bearb. v. C. F. Lossius. Eigene Melodie. 465. Dank sei Gott in der Höhe zu dieser Morgenstund', daß heute ich erstehe vom Schlaf frisch und gesund. Es hatte mich gebunden mit Finsterniß die Nacht; ich hab' fie überwunden durch Gott, der mich bewacht. 2. Nun höre meine Bitte, mein Schußherr und mein Gott; an Leib und Seel' behüte mich heut vor aller Noth. Gemeind' und Obrigkeiten laß dir befohlen sein; laß auch zu allen Zeiten die Schule wohl gedeihn. 3. Erhalt durch deine Güte uns bei gesunder Lehr'; vor Abfall uns behüte zu deines Namens Ehr'. Laß uns zu Herzen dringen dein Wort und deinen Geist, daß wir einmüthig singen: Dein Name sei gepreist! 4. Dem Leibe gieb daneben stets Nahrung, Fried' und Ruh', gesundes, mäß'ges Leben und frohen Sinn dazu; und laß in allen Ständen, Herr, deine Christenheit gern allen Fleiß verwenden auf strenge Ehrbarkeit. 5. Gieb deinen milden Se gen, daß wir auf dein Geheiß stets gehn auf guten Wegen, thun unser Amt mit Fleiß; daß Jeder, seine Neße auswerfend, auf dein Wort den Trost mit Petro seze; so geht die Arbeit fort. 6. Was dir gereicht zu Ehren und deinem Volk zu Nuh, das sucht der Feind zu wehren Morgen. 395 mit List und großem Truk; einen neuen Tag hinzu; sei doch kann er Nichts vollbringen, weil du, Herr Jesu Chrift, regierst in allen Dingen und unser Beistand bist. hoch dafür gepriesen. Durch dich bin ich, und ich merke neue Stärke; dich erhebe, Gott, mein Mund, so lang ich lebe. 3. Verleih, o Gott der Lieb' und Macht, daß Sünd' und Gram, gleich dieser Nacht, auf ewig von mir fliehe; daß ich die kurze Lebenszeit in christlicher Zufriedenheit zu nußen mich bemühe. Prüfe, siehe, wie ich's meine; dir ist keine meiner Sorgen, auch die kleinste nicht, verborgen. 4. Ich bin ein Chrift; o Herr, verleih, daß ich des Namens würdig sei, mein Ruhm sei deine Gnade. Denn ach, was bin ich ohne dich? Ein Frrender. Erhalte mich, mein Gott, auf deinem Pfade. Stärk mich, daß ich stets mich übe, deine Liebe zu betrachten, über Alles dich zu achten. 7. Wir sind die zarten Reben, der Weinstock selbst bist du, aus dessen Kraft wir leben und bringen Frucht dazu. Hilf, daß wir an dir bleiben und wachsen immer mehr; laß deinen Geist uns treiben zu Werken deiner Ehr'. 3. Mühlmann,+ 1613. Mel: Wie schön leuchtet der 2c. 466. Dich seh' ich wieder, Morgenlicht, und freue mich der heil'gen Pflicht, dem Höchsten Lob zu singen. Ja, Vater und Erbarmer, dir will ich voll frommer Dankbegier Preis und Anbetung bringen. Schöpfer, Vater, deine Treue rührt aufs Neue mein Gemüthe. Froh empfind' ich deine Güte. 2. Du warst auch diese Nacht um mich. Was wär' ich, hättest du nicht dich so hülfreich mir bewiesen? Zu meinem Leben setest du jegt 5. Auch im Geräusch der Welt soll mich der heilige Gedank an dich oft still zu dir erheben. Im dunkeln Thale wall' ich hier; einst nimmſt du mich hinauf zu dir zum Licht und höhern Leben. Auf IV. Christenleben. 396 dich hoff' ich. Herr, ich werde mich der Erde gern entschwingen, dir dort ewig Lob zu fingen. C. F. Neander,+ 1802. 467. Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und heil'ger Geist, der es Tag und Nacht läßt werden, Sonn' und Mond uns scheinen heißt, dessen starke Hand die Welt und, was drinnen ist, erhält. 2. Gott, ich danke dir von Herzen, daß du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Angst, Noth und Schmerzen hast behütet und bewacht, daß des bösen Feindes List mein nicht mächtig worden ist. 3. Laß die Nacht auch meiner Sünden jegt mit dieser Nacht vergehn. O Herr Jesu, laß mich finden deine Wunden offen stehn, wo alleine Hülf' und Rath ist für meine Missethat. 4. Hilf, daß ich mit diesem Morgen geistlich auferstehen mag und für meine Seele sorgen, daß, wenn nun dein großer Tag uns erscheint und dein Gericht, ich davor erschrecke nicht. 5. Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sei und bleibe du auch heute mein Beschüßer und mein Hort. Nirgends, als bei dir allein, kann ich recht be. wahret sein. 6. Meinen Leib und meine Seele, sammt den Sinnen und Verstand, großer Gott, ich dir befehle unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein' Ehr und Ruhm, nimm mich auf, dein Eigenthum! 7. Deinen Engel zu mir sende, der des bösen Feindes Macht, List und Anschläg' von mir wende und mich halt' in guter Acht, der auch endlich mich zur Ruh' trage nach dem Himmel zu. 8. Höre, Gott, was ich begehre, Vater, Sohn und heil'ger Geist; meine Bitte mir gewähre, der du selbst mich bitten heißt, so will ich dich hier und dort herzlich preisen fort und fort. H. Albert,+ 1668. Morgen. Diel. Auf, auf mein Geist, erhebe. 468. In Often flammt empor der goldne Morgen, und Alles, was die finstre Nacht verborgen, wird offen bar, erhellt vom Sonnenlicht; und all' die Wälder, all' die Höh'n und Tiefen, die eingehüllt im Nebelbette schliefen, stehn glänzend vor der Sonne Angesicht. 2. Leucht in mein Herz und gieb mir Licht und Wonne, mein Jesu, meines dunkeln Herzens Sonne, erwecke drin den hellen Tagesschein; o, offenbare mir die vielen Falten des Herzens, das nach dir sich muß gestalten und in dein heilig Bild verkläret sein. 397 um die Liebe bitt' ich, sie zu tragen, und um den Glauben, daß mir Alles frommt, daß Alles sich zu meinem Heil muß wenden, weil Alles mir* aus deinen lieben Händen und deinem segensreichen Herzen kommt. 5. Jch bitte nicht: gieb mir viel äußre Stille! Nein, Herr, auch hier geschehe ganz dein Wille; doch bitt' ich: gieb ein kindlich stilles Herz! Zieht mich die Erde in ihr ird'sches Treiben, so laß mein Herz doch stets dein eigen bleiben, zieh's von der Erde zu dir himmelwärts. 3. In deinem Lichte laß mich heute wandeln, in deiner Liebeswärme laß mich handeln, wie eine neubelebte Kreatur, die auch durch eine neue Lebensweise den Schöpfer ihres neuen Lebens preise und leb' zu seinem Lob' und Ruhme nur. 4. Jch bitte nicht: nimm weg des Tages Plagen! Nein, 6. Jch bitte nicht: o ende du recht frithe des Erdenlebens Angst und Noth und Mühe! Nein, sei mein Frieden in der Erdennoth. Ich bitte nicht: laß bald dein Reich mich erben! Nein, eh' ich sterb', laß mich der Sünde sterben, und werde du recht meiner Sünde Tod. 7. Du rechte Morgenſonne meines Lebens, o, leuchte mir denn heute nicht vergebens, sei du mein Licht, wenn ich IV. Christenleben. 398 im Dunkeln steh'; umleuchte mich mit Glanz und Heil und Wonne, daß ich mit Freuden in die Abendsonne am Ende meiner Erdenwallfahrt seh'. E. 3. P. Spitta,+ 1859. Mel. Werde munter, mein Gemüthe. 469. Lieblich ist die Morgenstunde, wenn man sie mit Gott beginnt! Freud' im Her zen, Dank im Munde ziemet einem Christenkind, das nach einer sanften Nacht in des Schöpfers treuer Wacht ohne Gram und ohne Sorgen ist erwacht zum hellen Morgen. 2. Lasset uns gen Himmel schauen, wo die Sonne glänzend steht und auf Berge, Thal und Auen Licht und Leben niedersä't. Aber mehr, denn Sonnenlicht, strahlet Christi Angesicht, Kinder aller Orten zu sich ruft mit Liebesworten. Sünde fällen mag, daß wir unter seinem Segen Abends uns zur Ruhe legen. 4. D, wie wird durch seine Gnade alles Lernen süß und leicht, wenn er auf dem Jugendpfade freundlich uns die Hände reicht! D, wie selig ist ein Kind, das mit ihm den Tag beginnt, das Verstand, Gemüth und Triebe heiligt durch des Mittlers Liebe! 3. Heut auch will er uns begleiten, will mit uns zur Schule gehn, und das Herz zur Weisheit leiten, und uns treu zur Seite stehn, daß uns diesen ganzen Tag keine 5. Komm denn, Herr des ew'gen Lebens, tritt in unsern Kreis herein; hilf und laß uns nicht vergebens deines Wortes Schüler sein. Nimm des des treuen treuen Lehrers wahr, segne deiner Kinder Schaar; so wird Alles wohl gedeihen, und dein Herz sich unser freuen. 2. Knapp,+ 1828. der die mel Ich dank' dir schon durch deinen Sohn. 470. Mein erst Gefühl sei Preis und Dank; erhebe Gott, o Seele! Der Herr hört deinen Lobgesang; lobsing ihm, meine Seele! 2. Mich selbst zu schüßen, ohne Macht, lag ich und schlief in Frieden. Wer schafft die Morgen. Sicherheit der Nacht, und Ruhe für die Müden? 3. Du bist es, Gott und Herr der Welt, und dein ist unser Leben; du bist es, der es uns erhält und mir's jeht neu gegeben. 4. Gelobet fei'st du, Gott der Macht, gelobt sei deine Treue, daß ich nach einer fanften Nacht mich dieses Ta ges freue. 5. Laß deinen Segen auf mir ruhn, mich deine Wege wallen, und lehre du mich selber thun nach deinem Wohlgefallen. 6. Nimm meines Lebens gnädig wahr; auf dich hofft meine Seele; sei mir ein Retter in Gefahr, ein Vater, wenn ich fehle. 7. Gieb mir ein Herz voll Zuversicht, erfüllt mit Lieb' und Ruhe; ein weises Herz, das seine Pflicht erkenn' und willig thue. 8. Laß mich, als dein ge horsam Kind, dir zu gefallen streben, dir treu ergeben, fromm gesinnt in deinem Reiche leben. 399 9. Laß mich, dem Nächsten beizustehn, nie Fleiß und Arbeit scheuen, mich gern an Andrer Wohlergehn, und ihrer Tugend freuen. 10. Laß mich das Glück der Lebenszeit in deiner Furcht genießen, und meinen Lauf mit Freudigkeit, wenn du gebeutſt, beschließen. C.F. Gellert,+ 1769. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 471. Mein Gott, nun iſt es wieder Morgen, vollendet hat die Nacht den Lauf; nun wachen alle meine Sorgen, all' meine Plagen wieder auf. Die Ruh' ist aus, der Schlaf dahin, ich sehe wieder, wo ich bin. 2. Ich bin noch immer auf der Erde, wo jeder Tag sein Elend hat, wo ich nur immer älter werde, und häufe Sünd' und Missethat. O du, von dessen Brot ich zehr, wenn ich doch auch dir nüße wär'! 3. Du siehest mich vom Schlaf erstehen; Herr, führe mich, wie dir's gefällt. Wie mir es heute soll ergehen, dir 400 IV. Christenleben. sei und bleib' es heimgestellt. Schließ mich in deine Gnade ein, dein will ich todt und lebend sein. 4. Vergieb mir, Vater, alle Sünden, die ich bisher vor dir beging, und laß bei dir Erhörung finden, was ich im Glauben bet' und sing'; denn wenn ich wohl bei dir nur steh', so frag' ich nicht, wie mir's ergeh'. 5. Hilf du in allen Sachen rathen, ich bin mir selbst nicht flug genug. Behüte mich vor Missethaten, vor böser Menschen List und Trug; regiere mich, daß ich den Tag zum Guten weislich nüßen mag. 6. Behüte, Herr, mir Leib und Leben, Verwandte, Freunde, Hab' und Gut. Du wirst mir deinen Segen geben, wenn meine Hand das Ihre thut nach deinem Wort und meiner Pflicht. Du wirst es thun, ich zweifle nicht. C. Neumann, † 1715. Eigene Melodie. 472. Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschaffnen Lichte, gieb in dieser Morgenzeit, daß dein Strahl sich auf uns richte, und vertreib durch deine Macht unsre Nacht. 2. Deiner Güte Morgenthau fall auf unser matt Gewissen; laß der dürren Lebensau' lauter Trost vom Himmel fließen, und erquick uns, deine Schaar, immerdar. 3. Gieb, daß deiner Liebe Gluth unsre kalten Werke tödte, und erweck uns Herz und Muth bei der neuen Morgenröthe, daß wir, ehe wir vergehn, recht aufstehn. 4. Ach, du Aufgang aus der Höh', gieb, daß auch am jüngsten Tage unser Leib dir aufersteh', und, befreit von aller Plage, jene ew'ge Freudenbahn trete an. 5. Leucht uns selbst in jene Welt, du verklärte Gnadensonne, führ uns durch dies Thränenfeld in das Land der süßen Wonne, wo die Luft, die uns erhöht, nie vergeht. G. Knorr v. Rosenroth,+ 1689. Morgen. Eigene Melodie. 473. Morgenstern der finstern Nacht, der die Welt voll Freude macht, ich bin dein, komm herein, füll mein Herz mit deinem Schein. 2. Ist dein Himmel doch in mir und begehrt dich, seine Zier. Säume nicht, o mein Licht, komm, bevor der Tag anbricht. 3. Deines Glanzes Herrlichkeit übertrifft die Sonne weit; du allein, holder Schein, mußt vor tausend Sonnen ſein. 4. Du erleuchtest Alles klar, was da sein wird, ist und war; voller Pracht wird die Nacht, wenn dein Glanz fie angelacht. 5. Deinem freudenreichen Strahl folgt der Glaube über all; schönster Stern, nah und fern ehrt man dich als Gott und Herrn. 6. Nun, du goldnes Seelenlicht, komm herein und säume nicht. Jesu mein, komm herein, füll mein Herz mit deinem Schein! 3. Scheffler( Angelus),+ 1677. 401 Mel. Christus, der ist mein Leben. 474. Noch läßt der Herr mich leben; erschall ihm, o mein Lied! Ich will ihn froh erheben, der gnädig auf mich sieht. 2. Ich schaue freudig wieder der Morgensonne Pracht, und falle betend nieder vor ihm, der sie gemacht. 3. Du, Herrscher aller Welten, nimmst dich auch meiner an; wie soll ich dir vergelten, was du an mir gethan? 4. Dir will ich freudig fingen, mich deines Namens freun, nach deiner Gnade ringen, mein ganzes Herz dir weihn. 5. Dir hab' ich mich ergeben, ich freue mich in dir; erfreuender, als Leben, ist deine Gnade mir. 6. Sie führe mich auch heute auf meines Heilands Pfad; du ewig Weiser, leite mich selbst nach deinem Rath. 7. O, höre, was ich flehe: Gieb mir ein weises Herz, daß ich auf dich stets sehe, in Freude, wie in Schmerz. 8. Lehr mich am Ersten 26 IV. Christenleben. trachten nach dem, was dir noch sehen; von Noth blieb gefällt, mehr deinen Beifall ich befreiet, dein Schuß hat achten, als allen Ruhm der mich erneuet. Welt. 402 9. Bereit, den Lauf zu schließen, bewährt durch Glück und Noth, und ruhig im Gewissen, so finde mich der Tod. C.F. Neander,+ 1802. Mel. Nun laßt uns Gott, dem Herren. 475. Wach auf, mein Herz, und singe dem Schöpfer aller Dinge, dem Geber aller Güter, dem treuen Menschen hüter. 2. Als mich die dunkeln Schatten der Nacht umfangen hatten, lag ich bis an den Morgen in deinem Schooß geborgen. 3. Du sprachst: Mein Kind, nun ruhe, kein Feind dir übel thue; schlaf wohl, laß dir nicht grauen, du sollst die Sonne schauen. 4. Dein Wort, Herr, ist geschehen, ich kann das Licht 5. Du willst ein Opfer haben; so nimm denn meine Gaben. Statt Weihrauch, Farr' und Widder, bring' ich Gebet und Lieder. 6. Die wirst du nicht verschmähen; du kannst in's Herz mir sehen und weißt, daß ich zur Gabe für dich nichts Beffres habe. 7. Dein Werk an mir vollende und deinen Engel sende, der mich an diesem Tage auf seinen Händen trage. 8. Sprich Ja zu meinen Thaten, hilf selbst das Beſte rathen, und Anfang, Mitt' und Ende, ach Herr, zum Besten wende. 9. Mit Segen mich beschütte, mein Herz sei deine Hütte, dein Wort sei meine Speise, bis ich gen Himmel reife. P. Gerhard, † 1676 Abend. b. Abend. Mel. O du Liebe meiner Liebe. 476. Bleibe, es will Abend werden, Jesu, bleibe du bei mir! Also rufe hier auf Erden ich, dein Pilger, auch zu dir. Bleibe mir statt tausend Sonnen, denn dein Geist und Lebenswort haben ganz mein Herz gewonnen; darum läßt es dich nicht fort. 2. Bleibe; du bist mein Er löser; ach, was hab' ich ohne dich? Da wird nur mein Elend größer und der Tod mir fürchterlich. Ohne dich bin ich verloren; aber, Herr, dein Geist und Blut, die mich haben neu geboren, machen allen Schaden gut. 3. Bleibe; denn du bist mein Leben; ohne dich ist Alles todt, und wir sind nur dürre Reben, denen Gott mit Feuer droht. Meines Herzens schwache Triebe gehen, Herr, auf dich allein; bliebe mir nicht deine Liebe, möcht' ich nicht geboren sein. 4. Bleibe, mußt du gleich mir sagen, daß ich unverstän403 dig sei; denn du kannst die Schwachen tragen, und bleibſt ohne Wandel treu. Ich will schuldig mich bekennen, denn ich bin's; doch bleib mir nah; laß mir nur das Herz entbrennen, daß ich fühle: Du bist da! 5. Bleibe, wenn ich gleich im Herzen träge noch zum Glauben bin; denn ich lege dir mit Schmerzen meine Zweifel redlich hin. Hast du doch auch mit den Trägen noch erbarmende Geduld, und auf dunkeln Lebenswegen nahst du ihnen voller Huld. 6. Bleibe, wenn vor meinen Augen jeßt auch noch der Vorhang ist, daß sie nicht zu sehen taugen deine Klarheit, Jesu Christ. Lege mir nur aus die Schriften, daß ich an dich glauben kann; denn auf jenen Himmelstriften gehet erst das Schauen an. 7. Bleibe stets mir im Gedanken, daß mein Herz dich nicht verläßt, und wenn's hin und her will wanken, mach 26* 404 IV. Christenlebent. es durch die Gnade feft; bleibe bei mir, was ich schaffe; bleibe bei mir, wo ich ruh'; bleibe bei mir, wenn ich schlafe; weicht mir Alles, bleibe du! 8. Ja, du bleibst, du hast versprochen: Ich bin bei euch allezeit! Du hast nie dein Wort gebrochen, brichst es nicht in Ewigkeit. Schlaft, ihr Glieder, wach, o Seele, Jesus bleibt und hält die Wacht; er, dem ich euch froh befehle, giebt euch eine gute Nacht! Ph. F. Hiller,+ 1769. fehle einher im Leben gehn, auf deine Güte hoffen, im Geist den Himmel offen und dort den Preis des Glaubens sehn! 3. Gott, welche Ruh' der Seele, nach deines Worts Be4. Ich weiß, an wen ich glaube, und hebe mich vom Staube zu dir, o Gott, mein Heil. Bin ich der Schuld entladen und nur bei dir in Gnaden, so ist dein Himmel auch mein Theil. 5. Bedeckt mit deinem Segen, eil' ich der Ruh' entgegen; dein Name sei gepreist! Mein Leben und mein Ende ist dein; in deine Hände befehl' ich, Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 477. Herr, der du mir Vater, meinen Geift. das Leben bis diesen Tag gegeben, dich bet' ich kindlich an. Ich bin viel zu geringe, der Huld, die ich besinge, die du auch heut an mir gethan. 2. Mit dankendem Gemüthe freu' ich mich deiner Güte; ich freue mich in dir. Du giebst mir Kraft und Stärke, Gedeihn zu meinem Werke, und schaffft ein reines Herz in mir. C.&. Gellert,+ 1769. Mel. Werde munter, mein Gemüthe. 478. Herr, es ist von meinem Leben wiederum ein Tag dahin. Lehre mich nun Achtung geben, ob ich fromm gewesen bin; zeige du mir selber an, was ich übel hab' gethan, und hilf jetzt in allen Sachen guten Feierabend machen. 2. Ach, wie Vieles wirst du finden, das dir nicht gefallen Abend. hat; bin ich doch noch voller Sünden in Gedanken, Wort und That; und zu jeder Tageszeit ist Herz, Mund und Hand bereit, so geschwind und oft zu fehlen, daß ich's selber nicht kann zählen. 3. Doch, o Vater, hab in Gnaden noch einmal mit mir Geduld und vergieb, wie schwer beladen ich auch bin, mir alle Schuld. Deine große Vatertreu' werd' auch diesen Abend neu; künftig will ich deinen Willen eifriger, als heut, erfüllen. 4. Heilige mich im Gemüthe, daß mein Schlaf nicht sündhaft sei; decke mich mit deiner Güte, und dein Engel steh' mir bei. Lösche Licht und Feuer aus und bewahre selbst das Haus, daß ich morgen mit den Meinen nicht im Unglück müsse weinen. 5. Wehre gottvergessnen Leuten, die im Finstern Böses thun; wo sie etwa sich bereiten, uns zu schaden, wenn wir ruhn, da zerstöre ihren Rath, und verhindre ihre That; wende von uns jeden Schrecken, den die Bosheit will erwecken. 405 6. Herr, dein Auge dunkelt nimmer, wenn bei uns es Abend wird; ja, du bist und bleibest immer der getreue, gute Hirt, der auch in der finstern Nacht für uns Menschenkinder wacht. Schüße du denn deine Heerde, daß sie nicht zerstöret werde. 7. Laß auch mich gesund erwachen, wenn der Morgen kommt herbei, daß ich dann in allen Sachen dir zum Dienste rüstig sei. Oder haſt du, lieber Gott, heute mir beſtimmt den Tod, so geb' ich zum sel'gen Ende Leib und Seel' in deine Hände. C. Neumann,+ 1715. Mel. Herr Jesu Christ, mein's Lebens Licht. 479. Hinunter ist der Sonne Schein, die finstre Nacht bricht stark herein; leucht uns, Herr Christ, du wahres Licht, daß wir int Finstern wandeln nicht. 2. Dank sei dir, du getreuer Gott, daß du uns vor Gefahr und Noth an diesem Tage haft behüt't aus Gnad' und väterlicher Güt'. 406 IV. Christenleben. 3. Womit wir heut er zürnten dich, verzeihe du es gnädiglich, und rechn' es unsrer Seel' nicht zu, so schlafen wir in Fried' und Ruh'. 4. Bestell um uns der Engel Wacht, o Vater, auch in dieser Nacht, daß sie vor Schrecken und Gefahr und Feindes List uns wohl bewahr'. N. Hermann,+ 1561. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 480. Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt' und Felder, es schläft die ganze Welt; ihr aber, meine Sinnen, auf, auf, ihr sollt beginnen, was eurem Schöpfer wohlgefällt. 2. Wo bist du, Sonne, blieben? Die Nacht hat dich vertrieben, die Nacht, des Tages Feind. Fahr hin; ein' andre Sonne, mein Jesus, meine Wonne,' gar hell in meinem Herzen scheint. 3. Der Tag ist nun vergangen, die güldnen Stern lein prangen am blauen Him melssaal; also werd' ich auch stehen, menn mich wird heißen gehen mein Gott aus diesem Jammerthal. 4. Der Leib eilt hin zur Ruhe, legt von sich Kleid und Schuhe, das Bild der Sterblichkeit; die zieh' ich aus, dagegen wird Christus mir anlegen das Kleid der Ehr' und Herrlichkeit. 5. Das Haupt, die Füß' und Hände sind froh, daß nun zu Ende die Arbeit kom men sei; Herz, freu dich, du sollst werden vom Elend dieser Erden und von der SündenArbeit frei. 6. Nun streckt, ihr mattent Glieder, euch auf das Lager nieder, das euch die Ruh' gewährt. Es fommen Stund' und Zeiten, da man euch wird bereiten zur Ruh' ein Lager in der Erd'. 7. Mein' Augen stehn verdrossen, im Nu sind sie ge schlossen; wo bleibt dann Leib und Seel'? Nimm sie zu deinen Gnaden, sei gut für allen Schaden, du Aug' und Wächter Israel. 8. Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude, Abend. und nimm dein Küchlein ein! Will mich der Feind verschlingen, so laß die Englein singen: Dies Kind soll unverleget ſein. 9. Auch euch daheim, ihr Lieben, befalle kein Betrüben, kein Unfall, noch Gefahr. Gott laff' euch ruhig schlafen, stell' euch die gülenen Waffen um's Bett und seiner Engel Schaar. P. Gerhard, † 1676. Eigene Melodie. 481. Nun sich der Tag geendet hat, die Sonne nicht mehr scheint, schläft Alles, was da müd und matt, und was zuvor geweint. 2. Nur du, mein Gott, hast keine Rast, du schläfft und schlummerst nicht; die Finsterniß ist dir verhaßt, denn du bist selbst das Licht. 3. Gedenke, Herr, doch auch an mich in dieser dunkeln Nacht; verleihe Schuß mir gnädiglich nach deiner Vatermacht. 4. Wend ab des Feindes Macht und List durch deiner Engel Schaar, dann bin ich 407 frei zu jeder Frist, und Nichts bringt mir Gefahr. 5. Zwar fühl' ich wohl der Sünden Schuld, die mich verflagen kann; doch hat auch deines Sohnes Huld für mich genug gethan. 6. Den setz' ich dir zum Bürgen ein, wenn ich muß in's Gericht; ich kann ja nicht verloren sein in solcher Zuversicht. 7. Drauf thu' ich meine Augen zu und schlafe fröhlich ein. Mein Gott wacht über meine Ruh'; wie sollt' ich traurig sein? 8. Weicht, nichtige Gedanken, hin, hemmt nicht der Andacht Lauf; ich baue jetzt in meinem Sinn Gott einen Tempel auf. 9. Soll diese Nacht die letzte sein in diesem Jammerthal, so führ mich, Herr, zum Himmel ein in der Erwählten Zahl. 10. Und also leb' und sterb' ich dir, o Herr, Gott Zebaoth. Im Tod und Leben hilffst du mir aus aller Angst und Noth. 3. F. Herzog,+ 1699. 408 IV. Christenleben. Mel. Werde munter, mein Gemüthe. 482. Unsre müden Augenlider schließen sich jetzt schläfrig zu, und des Leibes matte Glieder grüßen schon die Abendruh'; denn es hat die dunkle Nacht nun verhüllt des Tages Pracht, und am weiten Him melsbogen sind die Sterne aufgezogen. 2. Frage dich, o meine Seele, eh' der Leib sich schickt zur Rast, ob du heute die Befehle Gottes nicht vergessen haft? D, bereue deine Schuld; bitte ihn, daß seine Huld, seine treue Vatergnade deiner Sünde dich entlade. ihn als Bürgen an, der für mich genug gethan, mir zum Heile hat erduldet, was ich Sünder hab' verschuldet. 5. Sende deinen Schutz und Segen gnädig jetzt auf mich herab, daß nicht Graus und Angst erregen in der Nacht mir Tod und Grab, und was, wenn uns Schlaf um fängt, unsre Seele sonst be drängt; scheuche auch nach deiner Milde alle alle bösen Traumgebilde. 6. Laß mich, Herr, von dir nicht wanken bis ich geh' zur letzten Ruh'; gieb mir heilige Gedanken; schließt sich jetzt mein Auge zu, bleibe doch der Geist in mir ohn' Aufhören wach zu dir, bis ich kann zu neuem Leben von dem Lager mich erheben. 3. Sprich: Herr, dir ist un verhohlen, daß ich diesen Tag verbracht anders, als du mir befohlen; denn ich ließ das außer Acht, was dein heilig Wort mich lehrt, dein Gebot 7. Vater droben in der Höhe, von mir begehrt; ich hab' deinen Weg verlassen, bin ge folgt der Sünde Straßen. 4. Ach, verschone, Herr, mich Armen, gieb mir nicht verdienten Lohn, der du fandtest aus Erbarmen deinen eingebornen Sohn. Nimm denn heilig soll dein Name sein; dein Reich komme; es geschehe überall dein Will' allein; gieb uns unser täglich Brot; unsre Schuld vergieb; und droht uns Versuchung, Herr, vom Bösen wollest du uns All' erlöjen. 3. Frand,+ 1677. Abend. Mel. Welt, ich muß dich lassen. 483. Wenn sich die Sonn' erhebet, die dieses Rund belebet, so grüß' ich dich, mein Licht; wenn sie sich wieder neiget, mein Herz und Geist sich beuget vor deinem heil'gen Angesicht. 2. Ja, Sonne, Mond und Sterne und was in Näh' und Ferne nur Schönes wird gesehn, was sich auf Erden reget, was Luft und Wasser heget, soll mit mir deine Macht erhöhn. 3. Mit den viel tausend Chören der Sel'gen, die dich ehren, stets deinem Throne nah, mit aller Engel Schaaren will ich mein Loblied paaren und singen froh Halleluja! 4. Die Zeit ist nur verschwendet, wo man, zur Welt gewendet, in dir nicht lebt und ruht. Du hast uns Geist und Leben zu deinem Dienst gegeben, bei dir nur hat's die Seele gut. 5. Nun sich der Tag geendet, mein Herz zu dir sich wendet und danket inniglich. Woll'st, Herr, mit Gnaden 409 händen mir Schuß und Segen spenden; erleuchte und behüte mich. 6. Ich schließe mich auf's Neue in deine Vatertreue und in dein Herz mit ein. Die fleischlichen Geschäfte und alle finstern Kräfte vertreibe durch dein Nahesein. 7. Daß du mich herzlich liebest, daß du mich stets umgiebest und rufft zu dir empor, daß du nur Heil und Leben und Frieden mir kannst geben, das stelle früh und spät mir vor. 8. Ein Tag sagt es dem andern, mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit. Ewigkeit, du schöne, mein Herz an dich gewöhne! Mein Heim ist nicht in dieser Zeit. G. Tersteegen,+ 1769. Eigene Melodie. 484. Werde munter, mein Gemüthe, meine Sinne, hebet an, hoch zu preisen Gottes Güte, die er hat an mir gethan, da er mich den ganzen Tag vor so mancher schweren Plag' durch sein gnadenreiches IV. Christenleben. 410 Walten hat beschirmet und erhalten. 2. Lob und Dank sei dir gesungen, Vater der Barmherzigkeit, daß mir ist mein Werk gelungen, daß du mich vor allem Leid und vor Sünden mancher Art so getreulich haft bewahrt, alle Feinde haft vertrieben, daß ich unversehrt geblieben. 3. Dieser Tag ist hingegangen, und das Dunkel bricht herein; hin ist nun der Sonne Prangen und ihr freudenreicher Schein. Stehe mir, o Vater, bei, daß dein Glanz stets bei mir sei; herrschet tiefe Nacht auf Erden, laß es hell im Herzen werden. 4. Herr, verzeihe mir in Gnaden alle Sünd' und Missethat, die mein armes Herz beladen und sogar vergiftet hat. Des Versuchers List und Tück' treib durch deine Kraft zurück. Du allein, Herr, kannst mich retten; ftrafe nicht mein Uebertreten. 5. Bin ich gleich von dir gewichen, stell' ich mich doch wieder ein. Hat dein Sohn doch ausgeglichen meine Sünd' in seiner Bein. Ich verleugne nicht die Schuld; aber deine Gnad' und Huld ist viel größer, als die Sünde, die ich stets noch in mir finde. 6. D du Licht der frommen Seelen, o du Glanz der Ewigkeit, dir will ich mich ganz befehlen diese Nacht und alle zeit. Bleibe doch, mein Gott, bei mir, weil es nunmehr dunkelt schier. Da ich mich so sehr betrübe, tröste mich mit deiner Liebe. 7. Wenn die Augen nun sich schließen und ermüdet schlafen ein, soll mein Herz für dich beflissen und auf dich gerichtet sein. Meine Seele mit Begier träume ftets, mein Gott, von dir, daß ich, rein an Leib und Seele, mich im Schlafe dir befehle. 8. Laß mich diese Nacht empfinden eine sanfte, füße Ruh'; alles Ulebel laß verschwinden, decke mich mit Segen zu. Leib und Seele, Fleisch und Blut, Weib und Kinder, Hab' und Gut, Freunde, Feinde, Anfang und Schluß der Woche. 411 Hausgenossen sei'n in deinen laß mich so glückselig sein, Schuß geschlossen. und kehr in meinem Herzen ein. 9. Ach, bewahre mich vor Schrecken, schüße mich vor Ueberfall; laß mich Krankheit nicht aufwecken, halte fern des Krieges Schall. Wend ab Feu'r und Wassersnoth, Pesti lenz und schnellen Tod; laß mich nicht in Sünden sterben, noch an Leib und Seel' verderben. 10. O du großer Gott, er höre, was dein Kind gebeten hat; Jesu, den ich stets verehre, bleibe du mein Schuß und Rath; und mein Hort, du werther Geist, der du Freund und Tröster heißt, höre doch mein sehnlich Flehen! Amen, ja, es soll geschehen. 3. Rist,+1667. Met. Herr Jesu Christ, mein's Lebens Licht. 485. Wo willst du hin, weil's Abend ist, o liebster Pilgrim, Jesus Christ? Komm, 2. Laß dich erbitten, Seelenfreund, aufrichtig ist es ja gemeint; du weißt, daß du zu jeder Frist der herzensliebste Gaft mir bist. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 486. Mein treuer Gott, ein neues Leben fängt mit 3. Der Tag hat sich so tief geneigt, daß schon die Nacht von fern sich zeigt; drum bitt' ich dich, du wahres Licht, verlaß mich Armen heute nicht. 4. Erleuchte mich, daß ich die Bahn zum Himmel ficher finden kann, und daß die dunkle Sündennacht, mich nicht verführt, noch irre macht. 5. Vornehmlich aus der legten Noth hilf mir durch einen sanften Tod. Herr Jesu, bleib, ich halt' dich fest, ich weiß, daß du mich nicht verläßt. 3. Scheffler( Angelus),+ 1677. c. Anfang und Schluß der Woche. der neuen Woche an; du willst mir heute wieder geben, was Niemand sonst mir geben 412 IV. Christenleben. kann. Dhätt' ich deine Gnade nicht, wo fänd' ich Frie den, Trost und Licht? 2. Jch grüße freudig diesen Morgen und preise deine Vaterhand, die bis zur Stunde so viel Sorgen von mir hat gnädig abgewandt. Ach Herr, wer bin ich Armer doch? Du sorgst für mich, ich lebe noch. 3. Was soll ich dir zum Danke geben? Nimm, Gott, mein Herz zum Opfer hin! Doch weil ich noch in diesem Leben von Noth und Tod bedrohet bin, so weich auch heute nicht von mir, denn meine Hülfe steht bei dir. 4. Mein Glück in dieser neuen Woche soll nur in deinem Namen blühn; ach, laß mich nicht am Sündenjoche mit meinem Fleisch und Blute ziehn. In Jesu Namen bitt' ich dich, durch deinen Geist regiere mich. 5. Soll ich mein Brot mit Kummer essen, so laß es doch gesegnet sein; was du mir auch haft zugemessen, das richte mir zum Besten ein. Ich bitte nicht um Ueberfluß; gieb nur, so viel ich haben muß. 6. So thue nun, mein Gott, das Deine, und lehr mich treu das Meine thun. In deiner Huld laß Groß' und Kleine zu ihrem Heil beständig ruhn. Hilf Jedem, daß er diesen Tag in dir getrost beginnen mag. B. Schmolc,+ 1737. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 487. So ist die Woche nun geschlossen, doch nicht dein Herz, du treuer Gott. Wie mir bisher ist zugefloſsen dein Schutz im Glück, dein Trost in Noth, so bin ich voll der zuversicht: Du läsfest mich auch ferner nicht. 2. Ich preise dich mit frohem Munde, ich lobe dich, so hoch ich kann, ich rühme dich von Herzensgrunde für Alles, was du mir gethan; ich weiß, daß dir durch Jesum Christ mein Dank ein liebes Opfer ist. 3. Ward mir in den ver gangnen Tagen beschieden auch amt Kreuz mein Theil, du gabst mir Kraft, es so zu Jahreswechsel. tragen, daß mir es dienen muß zum Heil; des Friedens Früchte bringt es mir und darum dank' ich dir dafür. 4. Um Eines bitt' ich über Alles, versage mir's, mein Vater, nicht; gedenke keines Sündenfalles und geh mit mir nicht in's Gericht, weil alle meine Missethat mein Je sus ja gefühnet hat. 5. Du haft dem Sünder ja versprochen, und hältst dein Wort in Ewigkeit, daß er, der deinen Bund gebrochen, wenn er darob in Reu' und Leid zu dir sich kehret glaubensvoll, nicht sterben, son dern leben soll. 6. So giebt dem zagenden Gewissen dein Wort, o Vater, Trost und Ruh'; drum will d. Jahreswechsel. Mel. Vom Himmel hoch, da zc. 488. Das alte Jahr ist nun dahin; erneure, Jesu, Herz und Sinn, hilf fliehn die Sünde immerdar in diesem lieben neuen Jahr. 2. Gieb neuen Segen, Glück 413 ich froh die Woche schließen; verleihe Segen mir dazu. In Christo Jefu bin ich dein und darf in Hoffnung selig sein. 7. Und wenn ich morgen nun auf's Neue den Sonntag wiedersehen kann, so blickt die Sonne deiner Treue mich auch mit neuen Gnaden an. Ja, freundlich theilt dein Wort und Haus den allerbesten Segen aus. 8. So will ich denn im Voraus preisen, was fünftig deine Huld mir giebt; dein Wohlthun wird mir ja beweisen, daß du mich je und je geliebt. Du leitest mich nach deinem Rath, bis Leid und Zeit ein Ende hat. E. Neumeister, t.1756 und Heil; hilf, daß wir Alle haben Theil an dem, was uns, du höchstes Gut, erwor ben hat dein theures Blut. 3. Gedenke nicht der Missethat, damit wir, Jesu, früh und spat so oft gehandelt IV. Christenleben. 414 wider dich; vergieb und gieb uns gnädiglich. 4. Vergieb uns alle Sünd' und Schuld; in Kreuz und Leiden gieb Geduld; dein guter Geist uns wohne bei, daß Hülf' und Trost stets mit uns sei. 5. Gleich wie das goldne Sonnenlicht die Strahlen wie der zu uns richt't, so laß auch deiner Gnade Schein sich deiner Christenheit erneun. 6. Gieb, Vater, denn zu jeder Frist, was uns zum Heil ersprießlich ist, bis wir einmal nach dieser Zeit eingehen in die Ewigkeit. Unbekannt. Mel. Vom Himmel hoch, da zc. 489. Das alte Jahr vergangen ist; wir danken dir, Herr Jesu Christ, daß du uns in so viel Gefahr behütet hast in diesem Jahr. 2. Wir bitten dich, du ew'ger Sohn des Vaters in dem höchsten Thron, bewahr dein' arme Christenheit in Gnaden ferner allezeit. 3. En zeuch uns nicht dein heilsam Wort, der Seelen höchsten Trost und Hort; vor falscher Lehr', Abgötterei behüt uns, Herr, und steh uns bei. 4. Hilf, daß wir fliehn der Sünde Bahn und fromm zu werden fangen an; der alten Sünden nicht gedenk, ein gnadenreich Neujahr uns schenk. 5. Laß All' uns christlich leben hier, laß selig sterben uns in dir, laß fröhlich einst uns auferstehn und mit dir in den Himmel gehn. 6. Dort loben wir und preisen dich mit allen Engeln ewiglich. O Jeſu, unsern Glauben mehr zu deines Namens Lob und Ehr'. J. Steuerlein,+ 1613 u. 3. Tapp, um 1620. Mel. Nun freut euch, liebe Christen g'mein. 490. Das 490. Das liebe neue Jahr geht an, das alte hat ein Ende; drum freut sich heute Jedermann, erhebet Herz und Hände zu unserm Gott im Himmelsthron, dankt ihm und seinem lieben Sohn und auch dem heilgen Geiste. Jahreswechsel. 2. Der Vater hat den Sohn gesandt, der Sohn ist Mensch geboren, der heil'ge Geist macht das bekannt uns, die wir sonst verloren, im theuern, lieben Gotteswort; geschrieben ist's an manchem Ort und wird uns flar verkündet. 3. Wir haben Wort und Sacrament zu unserm Heil im Lande; wir haben christlich Regiment zum Segen jedem Stande; Gott krönt das Jahr mit seinem Gut, hält Kirch' und Schul' in treuer Hut und aller Christen Häuser. 4. Das danken wir dem lieben Herrn; wir freun uns seiner Güte, und bitten, daß er nah und fern vor Feinden uns behüte. Er geb' ein sel'ges neues Jahr, und helf' uns einst zur Engel- Schaar, daß wir ihn ewig preisen. C. Schneezaß, † 1597. Del. So ift denn nun die Hütte aufgebauet. 491. Der du bist A und D, Anfang und Ende, der Herr der Zeit und auch der 415 Ewigkeit, dem Alles steht zu Ehr' und Dienst bereit, zu deinem Thron, Jehovah, ich mich wende, da dieser Tag ein neues Jahr uns bringt, und dir dein Volk ein HalleLuja singt. 2. Gepriesen sei, o Herrscher, deine Liebe, die sonderlich auch im verflossnen Jahr mich, der ich unwerth solcher Gnade war, so merklich ließ verspüren ihre Triebe. Ich geb' dafür Leib, Seele, Herz und Sinn dir, großer Gott, zum DankesOpfer hin. 3. Gedenke nicht an die in frühern Zeiten von mir begangne schwere Sündenschuld; laß deine Gnad' und milde Vaterhuld in Christo über mich zum Trost sich breiten; was ich gelebet habe, decke zu, was ich noch leben soll, regiere du. 4. Der du machst Alles neu, auch mich erneue; das Alte laß von nun an untergehn, laß Heiligkeit an deſsen Stelle stehn, die neue Kreatur dich stets erfreue; der Geist aus dir erw cke Sinn und Muth, IV. Christenleben. 416 nur dich zu lieben als das höchste Gut. 5. Die Zeit entflieht; laß mich auch von ihr fliehen. Die Ewigkeit rückt näher stets herbei; gieb, daß ich ihr im Geist recht nahe sei; laß mich. eilfertig stets von hinnen ziehen. Es müsse nie mir kommen aus dem Sinn, daß ich hier Pilgrim nur und Fremdling bin. 6. Ach, lehre mich recht meine Tage zählen, daß ich sie alle wohl anwenden mag; hilf mir auch tragen ihre Last und Plag'. So werd' ich nicht das rechte Ziel verfehlen; ich werde einst mit der erkauften Schaar bei dir begehn das große neue Jahr. 3. A. Freylinghausen, † 1739. Mel. Valet will ich dir geben. 492. Durch Trauern und durch Klagen, durch Noth, durch Angst und Pein, durch Hoffnung und durch Zagen, durch Sorgen groß und klein bin ich hindurch gedrungen; das Jahr ist nun dahin. Dir, Gott, sei Lob gesungen mit dankerfülltem Sinn. 2. Der du mich haft er bauet, in dir besteht mein Heil; dir ist mein Glück vertrauet, du bist und bleibſt mein Theil; du hast mich wohl erhalten, du bist mein Trost und Licht; dich laff' ich ferner walten, wenn mich der Tod ansicht. 3. Mein Gott, o meine Liebe, was du willst, will auch ich; gieb, daß ich nichts verübe, was irgend wider dich. Dir ist mein Will ergeben, ja, er ist nicht mehr mein, dieweil mein dein eigen ganzes Leben wünscht zu sein. 4. Nach dir soll ich mich schicken, und, Herr, ich will's auch thun. Soll mich die Armuth drücken, ich will dabei beruhn; soll mich Verfolgung plagen, nun Herr, gebiete mir; soll ich Verachtung tragen, wohl, ich gehorche dir. 5. Soll ich verlassen leben, Herr Gott, wie dir's gefällt; soll ich in Aengsten schweben, dir sei es heimgestellt; foll ich in Krankheit leiden, ich will gehorsam sein; soll ich Jahreswechsel. von hinnen scheiden, Herr, dein Will' ist auch mein. 6. Heut ist das Jahr beschlossen; Herr, deine Gnade sei heut auf mich ausgegossen, mein Herz auch werde neu. Laff' ich die alten Sünden, so werd' ich, Gott, bei dir auch neuen Segen finden; dein Wort verspricht es mir. G. W. Sacer,+ 1699. Mel. Meinen Jesum laff' ich nicht. 493. Gott mit uns, Immanuel! Deffne bei dem neuen Jahre deinen reichen Gnadenquell, daß man überall erfahre, wie du sei'st das höchste Gut, welches Allen Gutes thut. 2. Segne uns an Seel' und Leib, o du Segen aller Segen! Was betrübet, das vertreib; führ uns stets auf solchen Wegen, da dein Fuß von Segen träuft, und dein Brunnen überläuft. 417 uns denn in Gnaden an, so ist Alles wohlgethan. 3. Aus- und Eingang sei beglückt, Thun und Meiden laß gelingen. Wenn uns nur dein Aug' anblickt, muß uns lauter Heil umringen; schau 4. Schließe deinen Himmel auf, laß auf Erden Frieden grünen und bei schlimmer Zeiten Lauf Alles uns zum Besten dienen; halte über Stadt und Land deine segensreiche Hand. 5. Zeichne mit des Bundes Blut dieses Jahr in deine Hände; halt uns fest in deiner Hut, segne Anfang, Mitt' und Ende in dem neu erlebten Jahr. Sprich das Amen, so wird's wahr! B. Echmold,+ 1737. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. Oder: Es ist das Heil uns kommen her. 494. Gott ruft der Sonne und dem Mond, das Jahr darnach zu theilen. Er schafft es, daß man sicher wohnt, er heißt die Zeiten eilen; er ordnet Jahre, Tag und Nacht. Auf, laßt uns ihm, dem Gott der Macht, Ruhm, Preis und Dank ertheilen! 2. Herr, der da ist und der da war, von dankerfüllten Zungen sei dir für das verfloffne Jahr ein heilig Lied 27 418 IV. Christenleben. gesungen; für Leben, Wohlfahrt, Trost und Rath, für Frieden, Ruh' und jede That, die uns durch dich gelungen. 3. Laß auch dies Jahr gesegnet sein, das du uns neu gegeben; verleih uns Kraft, die Kraft iſt dein, in deiner Furcht zu leben; du Mel. Nun freut euch, liebe Christen g'mein schüßest uns, du hegst und 495. Herr, unſer Gott, wir mehrst der Menschen Glück, wenn sie zuerst nach deinem Neiche streben. preisen dich im lieben neuen Jahre; du hast geſorgt gar väterlich, daß uns nichts widerfahre, was Leib und Seele bringt in Noth, haft immer unser täglich Brot und Frieden uns gegeben. 2. Herr Jesu Christ, wir preisen dich im lieben neuen Jahre; du herrschest, daß dein Leben sich in Allen offenbare, die du erlöst mit deinem Blut; du bist ihr Trost und einig Gut im Leben und im Sterben. 3. Herr, heil'ger Geist, wir preisen dich im lieben neuen Jahre; du gabst uns unveränderlich das Wort, das ewig wahre, das uns beruft zum Glaubensbund, die Liebe pflanzt im Herzensgrund und ihre Früchte reifet. 4. Gieb mir, wofern es dir gefällt, des Lebens Ruh' und Freuden; doch schadet mir das Glück der Welt, so gieb mir Kreuz und Leiden; nur stärke mit Geduld mein Herz, und laß mich nicht in Noth und Schmerz die Glücklichen beneiden. throne, daß Tugend und Zufriedenheit in unserm Lande wohne, daß Treu' und Liebe bei uns sei, dies, liebster Vater, dies verleih in Christo, deinem Sohne. C.F. Gellert, † 1769. 5. Hilf deinem Volke väter lich in diesem Jahre wieder; erbarme der Verlassnen dich und der bedrängten Glieder; gieb Glück zu jeder guten That, und laß dich, Gott, mit Heil und Rath auf unsern König nieder. 6. Daß Weisheit und Gerechtigkeit auf seinem Stuhle Jahreswechsel. 4. Du treuer Gott, wir bitten dich, erhalt uns deine Gnade; vergieb, daß unsre Seele sich der alten Schuld entlade; schenk uns ein frohes neues Jahr, und bringt's die Todesstunde dar, so gieb ein sel'ges Ende. C. Schneejaß, † 1597. mel. Ach sagt mir Nichts von Gold ze. 496. Heut fang' ich wie der an zu zählen die Tage meiner kurzen Zeit. Heut will ich Jesum neu erwählen in seiner Gnad' und Herrlichkeit. Ja, ewiglich will ich allein in Jesu Namen selig sein. 2. Mit ihm will ich mein Neujahr feiern, den Bund, den er in Todesnoth mit mir geschlossen hat, erneuern, will treu ihm sein bis in den Tod. Ja, ewiglich will ich allein in Jesu Namen selig sein. 3. In Jesu Namen, Hülf' und Stärke fang' ich dies Jahr im Glauben an. Herr Jesu, segne meine Werke, so sind sie recht in Gott gethan. Im Glauben werde ich allein durch Jesu Namen selig sein. 419 4. Gewähr uns, Herr, noch eine Bitte; laß unsern Fürsten dieses Jahr in seines treuen Volkes Mitte gesegnet werden immerdar; laß Volk und Fürsten insgemein in deinem Namen selig sein. 5. So fang' ich denn in Jesu Namen den Lauf heut wieder fröhlich an; in ihm sei Alles Ja und Amen, durch ihn, mit ihn in Gott gethan. Er woll' uns führen aus und ein, uns überall zur Seite ſein. 6. Du bist der Welt zum Heil erschienen, du bist's, der Sünder selig macht; du heißest Jesus, du haft ihnen das Himmelreich herabgebracht; so bring es denn zum Seligſein in unser Aller Herz herein. Ch. K. L. v. Pfeil,+ 1784. Mel. Werde Licht, du Stadt der zc.( 6.jeilig.) 497. Hilf, Herr Jeſu, laß gelingen, hilf, das neue Jahr geht an; laß es neue Kräfte bringen, daß auf's Neu' ich wandeln kann; neues Glück und neues Leben woll'st du mir aus Gnaden geben. 2. Was ich dichte, was ich 27* 420 IV. Christenlebent. mache, das gescheh' in dir allein; wenn ich schlafe, wenn ich wache, wollest du, Herr, bei mir sein; geh' ich aus, gieb dein Geleite, kehr' ich heim, steh mir zur Seite. 3. Laß mich beugen meine Kniee nur zu deines Namens Ehr'; hilf, daß ich mich stets bemühe, dich zu preisen mehr und mehr; laß mein Bitten und mein Flehen, Gott, zu dir, gen Himmel gehen. 4. Laß dies sein ein Jahr der Gnade; laß mich büßen meine Schuld; ihrer Straf und Pein entlade mich nach deiner Vaterhuld; Herr, nur du, nur du, mein Leben, kannst die Missethat vergeben. 5. Tröste mich mit deiner Liebe; nimm, o Gott, mein Flehen hin, weil ich mich so sehr betrübe und voll Angst und Zagen bin; stärke mich in meinen Nöthen, daß mich Sünd' und Tod nicht tödten. 6. Herr, du wolleft Gnade geben, daß dies Jahr mir heilig sei, und ich christlich möge leben sonder Trug und Heuchelei; daß ich noch allhier auf Erden fromm und selig möge werden. 7. Jesu, laß mich fröhlich enden dieses angefangne Jahr; trage stets mich auf den Händen, halte bei mir in Gefahr; freudig will ich dich umfaſsen, wenn ich soll die Welt verlaffen. 3. Rift,+ 1667. Mel. Jesum lieb' ich ewiglich. 498. Jesus soll die Losung sein, da ein neues Jahr erschienen; Jesu Name soll allein denen zum Paniere die nen, die in seinem Bunde steht und auf seinen Wegen gehn. 2. Jesu Name, Jesu Wort soll in den Gemeinden schallen; und so oft wir nach dem Ort, der nach ihm genannt ist, wallen, mache seines Namens Ruhm unser Herz zum Heiligthum. 3. Ja, wir wollen unsre Bahn nur in Jesu Namen gehen; geht uns dieser Stern voran, so wird Alles wohl bestehen und durch seinen Gnadenschein Alles voller Segen sein. 4. Alle Sorgen, alles Leid soll sein Name uns versüßen; Jahreswechsel. so wird jede Bitterkeit uns zum Segen werden müssen. Er, der unsern Kummer stillt, Jesu Nam' sei Sonn' und Schild! B. Schmold,+ 1737. Mel. Nun laßt uns Gott, dem Herren. 499. Nun laßt uns gehn und treten mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben bis hieher Kraft gegeben. 2. Wir gehn dahin und wandern von einem Jahr zum andern, wir leben und gedeihen vom alten bis zum neuen; 3. Durch so viel Angst und Plagen, durch Zittern und durch Zagen, durch Krieg und große Schrecken, die alle Welt bedecken. 4. Denn wie von treuen Müttern in schweren Ungewittern die Kindlein hier auf Erden mit Fleiß bewahret werden; 5. Also und auch nicht minder, läßt Gott uns, seine Kinder, wenn Noth und Trübsal bligen, in seinem Schooße sigen. 421 6. Ach, Hüter unfres Lebens, fürwahr, es ist vergebens mit unserm Thun und Machen, wo nicht dein' Augen wachen. 7. Gelobt sei deine Treue, die alle Morgen neue; Lob sei den starken Händen, die alles Herzleid wenden. 8. Laß ferner dich erbitten, o Vater, und bleib mitten in unserm Kreuz und Leiden ein Brunnen unsrer Freuden. 9. Gieb mir und allen denen, die sich von Herzen sehnen nach dir und deiner Hulde, ein Herz, das sich gedulde. 10. Schleuß zu die Jammerpforten und laß an allen Orten, wo Krieg und Blutvergießen, die Friedensströme fließen. 11. Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, laß Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen. 12. Sei der Verlaffnen Vater, der Irrenden Berather, der Unversorgten Gabe, der Armen Gut und Habe. 13. Hilf gnädig allen Kran 422 IV. Christenleben. ken, gieb fröhliche Gedanken den tiefbetrübten Seelen, die sich mit Schwermuth quälen. 14. Und endlich, was das Meiste, füll uns mit deinem Geiste, der uns hier herrlich Mel. Nun lob, mein' Seel', den Herren. 500. Der Winter ist vergangen, sein Schnee zerschmolz, sein Eis verschwand; die grünen Fluren prangen, der Frühling ziehet durch das Land; er waltet auf den Feldern mit seinem linden Hauch; in Gärten und in Wäldern belaubt sich Baum und Strauch. Viel tausend Leben dringen aus ihrer dunkeln Gruft, dem Herrn ihr Lob zu bringen, der an das Licht fie ruft. ziere und dort zum Himmel führe. e. Jahreszeiten. 2. Gott will dir Freude geben; wach auf, wach auf, o Christenschaar! Gedenk, wie auch dein Leben im Todes schlaf gebunden war, bis Gottes Frühlingswehen durch alle Herzen fuhr und rief zum Auferstehen die neue Kreatur; da schien die Gnadensonne, 15. Das Alles woll'st du geben, o meines Lebens Leben, mir und der Christenschaare zum sel'gen neuen Jahre. P. Gerhard,+ 1676. und was erstorben lag, dent leuchtete zur Wonne der Hoffnung heller Tag. 3. Der Heiland ist erstanden in seiner Herrlichkeit und Macht; aus dunkeln Todesbanden hat er das Leben uns gebracht. Nun fährt auf Sturmesschwingen weit über Land und Meer, die Menschheit zu verjüngen, sein Gottesgeist einher. Ein Seelenfrühling sprießet aus seines Wortes Saat; wohl dem, der ihn genießet, der ihn im Herzen hat. 4. Der Herr ist reich an Güte, sein Walten lauter Freundlichkeit; wie auch der Winter wüthe, sein Frühling kommt zu rechter Zeit. Haſt du sein Wort empfangen, und, was es offenbart, mit gläubigem Verlangen im Herzen Jahreszeiten. treu bewahrt, so wird auch Blüthen treiben, was dort im Stillen grünt, und ohne Frucht nicht bleiben, die dir zum Frieden dient. 5. Drum Alles, was da lebet im Land und auf des Meeres Grund, was in den Lüften schwebet, das mache Gottes Ehre kund. Preist Gott, ihr grünen Bäume, ihr Berge, rühmt den Herrn; tragt durch die Himmelsräume sein Lob hin, Mond und Stern'! Lobt ihn, ihr Engel heere, die sein Gebot voll ziehn; ihr Zeugen seiner Ehre, ihr Christen, lobet ihn! V. v. Strauß. Eigene Melodie. 501. Geh aus, mein Herz, und suche Freud' in dieser schönen Sommerzeit an deines Gottes Gaben. Schau an der schönen Gärten Zier, und siehe, wie sie lieblich dir sich ausgeschmücket haben. 2. Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket feinen Staub mit einem grünen Kleide; den Blumen gab des Schöpfers Hand ein herr423 licheres Prachtgewand, als Salomo's Geschmeide. 3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, die Taube fleucht aus ihrer Kluft und macht sich in die Felder, die sangesreiche Nachtigall erfüllt mit ihrem süßen Schall die Fluren und die Wälder. 4. Die Henne führt ihr Völklein aus, der Storch erbaut sein luft'ges Haus, die Schwalbe speist die Jungen; der schnelle Hirsch, das leichte Neh kommt lebensfroh aus seiner Höh' in's Thal herab geſprungen. 5. Die Bächlein rauschen durch den Sand und schmücken sich am Uferrand mit Weiden, reich an Schatten; der Heerden Lustgeschrei erklingt, daß weithin durch die Luft es dringt, auf frischen Wiesenmatten. 6. Der unverdrossnen Bienen Schaar fleucht hin und wieder immerdar und sucht des Honigs Speise; des Weinstocks edler Lebenssaft gewinnt alltäglich neue Kraft in seinem schwachen Reiſe. 424 IV. Christenleben. 7. Des Feldes Frucht wächst mit Gewalt; darüber jauchzet Jung und Alt und rühmt des Schöpfers Güte, der so viel milde Gaben reicht und sich so väterlich erzeigt dem menschlichen Gemüthe. 8. Ich selber kann und mag nicht ruhn; des großen Gottes großes Thun erweckt mich, ihn zu loben; ich singe mit, wenn Alles singt; aus tiefstem Herzensgrunde dringt mein Lied zum Vater droben. 9. Ach, denk' ich, bist du hier so schön und läsfest solche Pracht uns sehn auf dieser armen Erde, wer fasset, was in jener Welt dort unter deinem Himmelszelt hernachmals kommen werde? 10. Welch' hohe Lust, welch' heller Schein wird dort in Christi Garten sein, welch' Lied wird da erklingen; wie wird da aus der Engel Chor so voll und rein zu dir empor das Halleluja dringen! 11.D, wär' ich dort, o, stünd' ich schon, du Herr der Welt, vor deinem Thron und trüge meine Palmen; wie wollt' ich dort im Heiligthum ſo froh bewegt zu deinem Ruhm anstimmen meine Psalmen! 12. Nun, trag' ich auch zur Stunde noch des schwachen Erdenleibes Joch, so will ich doch nicht schweigen; mein Herz soll heut und immerfort, ſoll hier sich und an jedem Ort vor dir anbetend neigen. 13. Schenk mir, o Herr, durch deinen Geist den Segen, der vom Himmel fleußt, daß er mir Kraft verleihe, und ich nach deiner Gütigkeit in mei ner Gnaden- Sommerzeit an Seel' und Leib gedeihe. 14. Zulegt, als einem gu ten Baum, gieb mir im Paradiese Raum, ohn' Unterlaß zu grünen und reich an rechter Glaubensfrucht, wie sie dein heil'ges Auge sucht, auf ewig dir zu dienen. P. Gerhard,+ 1676. Mel. Geh aus, mein Herz, und suche Freud'. 502. Nun zieht mit Macht der Herbst daher, die Felder stehen öd und leer, des Waldes Sänger schweigen. Ihr Jahreszeiten. Gotteskinder, schweiget nicht, laßt aufwärts zu dem ew'gen Licht des Herzens Opfer steigen. 2. Gott ließ der Erde Frucht gedeihn; da mochten wir nicht träge sein, zu sammeln seinen Segen. Herr Jesu Christ, laß dir zum Preis an dein Werk uns mit gleichem Fleiß all'zeit die Hände legen. 3. Was Gott uns hatte zugedacht, das hat, in Frieden eingebracht, nun Dach und Raum gefunden. So birg in deiner Gnadenzeit, o Seele, was der Herr dir beut, für künft'ge Kreuzesstunden. 4. Denn wie der Erde Schmuck entweicht, wenn drüber hin der Nebel streicht und deckt die weiten Matten, so endet alle Luft der Welt, des Lebens Glanz und Kraft zerfällt, schnell wachsen seine Schatten. 425 6. Doch streut der Landmann seine Saat, bevor der kalte Winter naht, um künftig Frucht zu sehen. So, treuer Vater, deckest du auch unsern Leib mit Erde zu, daß er soll auferstehen. 5. Es fällt der Bäume welkes Laub und mischt sich wieder mit dem Staub, von dem es war gekommen. Ach Mensch, troß Ehre, Gut und Hab', zur Erde mußt auch du hinab, von der du bist genommen. 7. Indeß, wie über Land und Meer der Störche Zug, der Schwalben Heer der Sonn' entgegenstreben, so laß zu dir die Seelen fliehn, zu deinem Paradiese ziehn, an deiner Sonne leben. V. v. Strauß. mel. Jesu, komm doch selbst zu mir. 503. Sieh in stiller Winterzeit mich zu deinem Lob bereit; großer Gott, erhöre mich, meine Seele suchet dich. 2. Der du alle Sterne führst und der Jahre Lauf regierst, ewig rastlos waltest du, und beharrest doch in Ruh'. 3. Deine Nähe spür' ich auch in der Lüfte strengem Hauch, wenn der kalte Winterfrost wehet her von Nord und Ost. 4. Ihres Feierabends Stund' thust du dann der IV. Christenlebent. 426 Erde kund, hüllst in weißes Grabgewand rings umher das stille Land. 5. Wie mit Asche weit und breit ist mit Reif das Feld bestreut, gleich der Wolle fällt der Schnee, Fesseln binden Strom und See. 6. Bis du haft die Zeit erfehn, daß die Welt soll auferstehn, und des Frühlings Sonnenlicht wiederum den Bann zerbricht. 7. Großer Herrscher der Natur, Allem zeigst du Zeit und Spur; Sommergluth und Wintereis kommt und flieht auf dein Geheiß. Mel. Nun lob', mein' Seel', den Herren. 504. Lobsinge, meine Seele, dem Herrn, der dich an's Licht gebracht; sei fröhlich und erzähle, wie er so gnädig dich bewacht. Es ward in so viel Jahren nicht müde seine Treu'; sein Wohlthun und Bewahren war alle Morgen neu. Er will auch ferner walten nach ſeinem Liebesrath, bis er dich wohlbehalten an's Ziel geführet hat. 2. Mein Loben und mein Danken laß, Herr, dir wohl gefällig sein. Ich will von 8. Fände doch, o Herr, dein Wort mich auch willig immerfort; lenkte deine Furcht und Lieb' auch in mir jedweden Trieb! 9. Nun, es bleibe um mich her kalt und trübe noch so sehr, leucht in's Herz, o Jesu, mir, dann entbrennt es fröh lich dir! J. Neander,+ 1670. f. Geburtstag. dir nicht wanken, bis du mich führst zum Himmel ein; bis ich, befreit von Sünde und rein von Fleischessinn, zu deinem wahren Kinde, mein Gott, Mit Beten geworden bin. und mit Flehen will ich zu jeder Zeit vor deinem Antlik stehen, zu deinem Dienst bereit. 3. Wenn Trübfal, Noth und Schmerzen mich ängstigen in meinem Lauf, zu deinem Vaterherzen steigt dann mein banges Seufzen auf; und reichst du mir von oben die treuen Hände dar, dann Tisch. mag das Wetter toben, mir bringt es nicht Gefahr. Jch trau' auf dein Erbarmen und Christi Kreuzestod; der rettet ja mich Armen aus aller Seelennoth. 4. Von meines Herzens Grunde bitt' ich: O Herr, ge denke nicht, was bis zu dieser Stunde mir noch zur Heili, gung gebricht; was mich noch will verklagen, das sei in Jesu Blut versöhnet und vertragen; so schöpf' ich neuen Muth, und geh' mit muntern Schritten in's neue Jahr, das C. Besondere Veranlassungen. a. Tisch. Mel. Wo Gott zum Haus nicht giebt zc. 505. Bescheer uns unser täglich Brot; vor Theurung und vor Hungersnoth be hüte uns durch deinen Sohn, Gott Vater in dem höchsten Thron. 2. Was uns gebricht, ist dir bekannt; so thu denn auf die milde Hand, die, was sie schuf, erhält und nährt, und Jeglichem sein Theil gewährt. 3. Tu speisest ja der Vög427 mir als Vorhof ew'ger Hütten geöffnet ist von dir. 5. Wohl mir, ich hab' gefunden, was ewig nun mein Herz erfreut; in meines Heilands Wunden erblick ich meine Seligkeit; ich laufe nicht vergebens, darf schon im Glauben sehn im Buch des ew'gen Lebens auch meinen Namen stehn. Darum will ich nicht sorgen, wie es noch werden wird; ich folge heut und morgen und ewig dir, mein Hirt! Unbekannt lein Schaar, so reich auch uns die Nahrung dar; du hörst der jungen Raben Stimm', drum unsre Bitte auch vernimm. 4. Gedenk nicht unsrer Missethat, die dich so oft erzürnet hat; vergieb erbarmend alle Schuld nach deiner Langmuth und Geduld. 5. Laß unser Feld gesegnet sein, des Jahres Frucht laß wohl gedeihn; Unfrieden aber, IV. Christenlebent. 428 Zorn und Streit wend ab von uns zu jeder Zeit. 6. Dir, der du unser Vater bist, weil Christus unser Bruder ist, vertrauen wir von Herzensgrund und preisen dich mit Hand und Mund. n. Hermann,+ 1561. Eigene Melodie. 506. Nun laßt uns Gott, dem Herren, Dank sagen und ihn ehren für alle seine Gaben, die wir empfangen haben. 2. Den Leib, die Seel', das Leben hat er allein gegeben; er wird sie uns bewahren, nie seine Hülfe sparen. 3. Nahrung giebt er dem Leibe, sorgt, daß die Seele bleibe, wenn auch durch unsre Sünden sich Todeswunden finden. 4. Ein Arzt ist uns gegeben, der selber ist das Leben; der Sohn, für uns gestorben, hat uns das Heil erworben. 5. Sein Wort und seine Gnade im heil'gen Wasserbade sammt seines Nachtmahls Segen schüßt uns auf allen Wegen. 6. Die Schuld hat er vergeben und uns geschenkt das Leben, und noch viel größre Gaben soll'n wir im Himmel haben. 7. Wir bitten deine Güte, daß sie hinfort behüte die Großen und die Kleinen; du kannst's nicht böse meinen. 8. Erhalt uns in der Wahrheit, führ uns zur ew'gen Klarheit, auf daß wir deinen Namen durch Christum preisen. Amen. 2. helmbold, 1598. Eigene Melodie. 507. Singen wir aus Herzensgrund, loben Gott mit frohem Mund, der uns seine Huld erweist und uns gnädig hat gespeist. Der des Himmels Vögel nährt, hat uns Allen auch bescheert, was mit Beten wir begehrt. 2. Danken wir und bitten ihn, daß er lenke unsern Sinn, seine Güte zu verstehn, seinem Willen nachzugehn, daß zu seines Namens Preis und nach seines Sohns Geheiß unser Leben Dank erweis. nbekannt. Ernte. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. 508. Speise, Bater, deine Kinder, tröste die betrübten Sünder, sprich den Segen zu den Gaben, welche wir hier vor uns haben, daß b. Ernte. Mel. Zeuch ein zu meinen Thoren. 509. Die Ernte ist zu Ende, der Segen eingebracht, aus dem Gott alle Stände fatt, reich und fröhlich macht. Der alte Gott lebt noch; wir können's deutlich merken an so viel Liebeswerken; drum preisen wir ihn hoch. 2. Wir rühmen seine Güte, die unser Feld bestellt und oft ohn' unsre Bitte gethan, was uns gefällt, die immer noch geschont, ob wir gleich gottlos leben, die Fried' und Ruh' gegeben, daß Jeder sicher wohnt. 3. Um manchen schönen Segen, der uns war zugedacht, sind wir auf Sündenwegen durch eigne Schuld gebracht. Doch hat Gott mehr gethan aus unverdien ter Güte, als Mund, Herz 429 sie uns in diesem Leben Nahrung, Kraft und Stärke geben, bis wir endlich zu den Frommen an die Himmelstafel kommen. 3. Heermann, 1647. und Gemüthe nach Würden rühmen kann. 4. Er hat sein Herz geneiget, uns Sünder zu erfreun, durch Regen sich bezeuget, durch Chau und Sonnenschein. Und wurd' es nicht verspürt, so hat er sich verborgen und hat durch Noth und Sorgen zum Beten uns geführt. 5. Du hast, o liebster Va ter, viel tausend Dank verdient; du mildester Berather, machst, daß uns Segen grünt. Wohlan, dich loben wir für abgewandten Schaden, für alle großen Gnaden; Herr Gott, wir danken dir. 6. Zum Danke kommt die Bitte; bleib bei uns, treuer Gott; schüß uns nach deiner Güte fortan ver aller Noth. Gieb Frieden unsrer Zeit, er halte deine Gaben, daß wir IV. Christenleben. 430 daran uns laben in Ruh' und Einigkeit. 7. Besonders laß gedeihen dein reines Gotteswort, deß Saat du läsfest streuen in Segen immerfort, damit sie reiche Frucht zu deiner Ehre trage, wie sie an jedem Tage bei uns dein Auge sucht. 8. Was du uns hast verliehen zum Leibesunterhalt, das helfe zu dir ziehen im Geiste Jung und Alt. Ja, gieb, daß Alle dich in deinen Gaben sehen und deine Huld verstehen und preisen dank barlich. 9. Kommt unser Lebensende, so nimm du unsern Geist in deine Vaterhände, da er der Nuh' geneußt, da ihm kein Leid bewußt; so ernten wir mit Freuden nach überstandnen Leiden die Garben voller Lust. 3. Tollmann, um 1723. Mel. Wie lieblich ist, o Herr, die Stätte. 510. Dir, milder Geber aller Gaben, Herr, dir gebühret Dank und Ruhm; denn Alles, was wir sind und haben, ist ja dein Werk und Eigenthum. Mein Lobgesang steigt auf zu dir; o neige, Herr, dein Ohr zu mir. 2. Die kleinste deiner Creaturen macht deine Weisheit offenbar; du zeigest deiner Güte Spuren und deine Macht von Jahr zu Jahr; der kleinste Halm ruft laut uns zu, daß Niemand mächtig sei, als du. 3. Du sorgft für uns nach Väter- Weise, erhältst die Werke deiner Hand, giebst Allem, was da lebt, die Speise, beschirmſt und segnest jedes Land; du liebest unveränderlich, der Bösen selbst erbarmst du dich. 4. Voll ist der Erdkreis deiner Güte und deiner Weisheit ist er voll. Herr, unterweise mein Gemüthe, wie ich dich würdig loben soll. Dir dankt nur wahrhaft, wer dich liebt, dich, der uns so viel Gutes giebt. 5. Das Saatkorn wird in deinem Namen auf Hoffnung in das Land gestreut; du schirmst, Allmächtiger, den Samen, dein ist der Erde Fruchtbarkeit; du giebſt allein Ernte. zur Arbeit Kraft, du bist's, der das Gedeihen schafft. 6. Mild öffnest du den Schooß der Erde, du tränkst die Flur von oben her, giebst, daß die Saat erquicket werde, und machst die Aehren segenschwer; du träufelst mit dem kühlen Thau die Fruchtbarkeit auf Feld und Au'. 7. Kommt, preist des Schöpfers Huld und Stärke, bringt seinem Namen Ehre dar. Groß ist der Herr, und seine Werke find herrlich, groß und wunderbar. Wie köstlich ist sein Lob, wie schön! Kommt, laßt uns seinen Ruhm erhöhn! E. Liebic),+ 1780. Mel. Nun lob', mein' Seel', den Herren. 511. Nun laßt den Herrn uns preisen für seine Güt' und Wunderthat; laßt uns ihm Dank erweisen, daß er uns so gesegnet hat. Er hat uns Frucht gegeben gar reich lich auf dem Land, hat unser armes Leben versorgt mit milder Hand. Mit Freuden ist gediehen, was wir gesäet aus und nach viel Fleiß und 431 Mühen auch wohl gebracht nach Haus. 2. Wer sollte nicht erkennen, was Gott an seinen Kindern thut? Wer sollte ihn nicht nennen das einzig allerhöchste Gut? Es ist Nichts, der da säet, Nichts, der da sammelt ein; der Wind des Herren wehet, es glänzt sein Sonnenschein; er sendet seinen Regen und macht uns freudenvoll; an ihm nur ist's gelegen, wenn Gutes kommen soll. 3. Wenn er denn nun gespendet den Segen über Land und Stadt, wenn Frieden er gesendet, daß friedlich man geerntet hat; dann sollen wir ihn preisen, der in dem Himmel fiszt und auf viel tausend Weisen uns Sünder nährt und schüßt; dann sollen wir ihm danken mit Herz, mit Hand und Mund und sollen niemals wanken von seinem Gnadenbund. 4. Daß Solches nun geschehe, dazu hilf mir, du treuer Gott, und laß von deiner Höhe gesegnet sein mein täg IV. Christenleben. 432 lich Brot. Laß christlich es genießen mich und mein ganzes Haus, daß milde Gaben fließen zu Armen auch hinaus; daß wir nicht bloß auf Erden an guten Früchten reich, nein, dort auch Bürger werden in deinem Himmelreich. 3. Weber, um 1800. Mel. Wie lieblich ist, o Herr, die Stätte. 512. Gott, von dem wir Alles haben, die Welt ist ein sehr großes Haus; du aber theilest deine Gaben recht wie ein Vater darin aus. Dein Segen macht uns Alle reich; ach, lieber Gott, wer ist dir gleich? 2. Wer kann die Menschen alle zählen, die stets bei dir zu Tische gehn? Doch läßt du Keinem Speise fehlen, denn du weißt Allem vorzustehn, und schaffeft, daß ein jeglich Land sein Brot bekommt aus deiner Hand. 3. Du machst, daß man auf Hoffnung säet und endlich auch die Frucht genießt; der Wind, der durch die Felder wehet, die Wolke, die das Land begießt, des Himmels Thau, der Sonne Strahl sind deine Diener allzumal. 4. Und also wächst des Menschen Speise, der Acker selbst wird ihm zu Brot; es mehret sich vielfält'ger Weiſe was anfangs schien, als wär' es todt, bis in der Ernte Jung und Alt dahin nimmt seinen Unterhalt. 5. Nun, Herr, wer kann's genug bedenken? Sind deiner Wunder doch zu viel! Soviel, wie du, kann Niemand schenken, und dein Erbarmen hat kein Ziel; denn immer wird uns mehr bescheert, als wir zusammen Alle werth. 6. Nie, Vater, wollen wir's vergessen, was uns dein Segen bringet ein; ein jeder Bissen, den wir essen, soll deiner Güte Denkmal sein, und Herz und Mund soll lebenslang für unsre Nahrung sagen. Dank. C. Neumann,+ 1715. met. Was Gott thut, das ist wohlgethan, cs.. 513. Was Gott thut, das ist wohlgethan; so denken Ernte. Gottes Kinder. Wer auch nicht reichlich ernten kann, den liebt Gott doch nicht minder. Er zieht das Herz nur himmelwärts, wenn er es läßt auf Erden bei Mangel traurig werden. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan im Nehmen und im Geben; was wir aus seiner Hand empfahn, genügt uns ja zum Leben. Er nimmt und giebt, weil er uns liebt; laßt uns in Demuth schweigen und vor dem Herrn uns beugen. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan; wer darf sein Walten richten, wenn er, noch eh' man ernten kann, den Segen will vernichten? Weil er allein der Schatz will sein, nimmt er uns andre Güter zum Heile der Gemüther. 433 5. Was Gott thut, das iſt wohlgethan; das Feld mag traurig stehen, wir gehn getroft auf seiner Bahn; was gut ist, wird geschehen. Sein Wort verschafft uns Lebenskraft; es nennt uns Gottes Erben. Wie können wir verderben? 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan; es geh' nach seinem Willen! Läßt es sich auch zum Mangel an, er weiß das Herz zu stillen. Wer, wie ein Christ, genügsam ist, kann auch bei wenig Gaben fatt werden und sich laben. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan; laßt uns Vertrauen fassen. Er nimmt sich unser gnädig an und wird uns nicht verlassen. Er, unser Gott, weiß, was uns Noth, und wird es gern uns geben. Kommt, laßt uns ihn erheben. B. Schmold,+ 1737. Mel. Wie lieblich ist, o Herr, die Stätte. 514. Wir fingen, Herr, von deinem Segen, deß Spuren nicht zu zählen sind. Du giebst uns Sonnenschein und Regen, du sendest Donner, Thau und Wind. So blüht und reifet unsre Saat nach deinem wundervollen Rath. 2. Der Himmel träufelt lauter Güte, die Erd' ist deiner Schäße voll, daß mit empfänglichem Gemüthe das Menschen28 IV. Christenleben. 434 kind dich finden soll; dich, der durch seine weise Macht das Alles hat hervorgebracht. 3. So sei die Liebe denn gepriesen, gepriesen sei die Wunderkraft, die auf den Feldern, auf den Wiesen, den Erdbewohnern Nahrungschafft. Du nähreft uns, wir werden satt; du giebst, daß man noch übrig hat. 4. Du schütteft deines Segens Fülle herab, ist sie auch unverdient. Es ist allein dein Gnadenwille, daß Feld und Au' und Garten grünt. D, sei uns gnädig fernerhin und wirk auch Dank in unserm Sinn. Mel. O Gott, du frommer Gott. B. 515. Herr, allerhöchster Gott im Himmel und auf Erden, dem Wolken, Luft und Wind all'zeit gehorsam werden; was du befiehlst, geschieht. D, laß auch unser Flehn durch deine Allmachtshand jetzt in Erfüllung gehn. 2. Wir bitten kindlich dich um deinen Vatersegen; gieb uns, o Vater, gieb uns einen milden Regen. Staub ist jetzt 5. Bewahre ferner unfre Saaten, bewahre Häuser, Hab und Gut, bewahre uns vor Missethaten, vor Wollust, Geiz und Uebermuth, weil sonst im reichsten Ueberfluß die Seele doch verderben muß. 6. So wollen wir denn hier auf Erden, des Guten Saamen auszustreun, nie müde noch verdrossen werden, bis wir uns jener Ernte freun, die einst nach dieser Zeit der Saat dein Rath für uns ersehen hat. Unbekannt. c. Wetter. unser Land, erstorben jede Flur, es schmachtet Feld und Thier, es trauert die Natur. 3. Wir haben's wohl verdient, denn groß sind unfre Sünden; doch deine Langmuth läßt uns wieder Gnade finden. Vergieb uns unsre Schuld. Thu auf die milde Hand, wirf einen Vaterblick auf uns und unser Land. 4. Befeuchte Berg und Thal, erfrische unsre Felder, dein Wetter. Regen träufe sanft auf Fluren, Gärten, Wälder, und was bisher gelechzt, erquicke, Herr, aufs Neu', daß jede Creatur dir freudig dankbar sei. 5. Ergieß zugleich dein Wort, gleich einem milden Regen, auf unser träges Herz mit tausendfachem Segen. Der Fromme nur kann sich, Gott, deines Regens freun. D, laß uns alle reich an Glaubensfrüchten sein. P. Busch,+1744. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich zu dir. 516. Gott, du kannst den Himmel ganz mit Wolken überziehen, doch müssen vor der Sonne Glanz sie, wenn du willst, entfliehen. Laß doch, bei dir ist Rath und Macht, laß doch der Sonne Glanz und Pracht uns wiederum crfreuen. 2. Als ob der Himmel in ein Meer des Zorns verwandelt wäre, so strömt es aus den Wolken her; drum trauert Feld und Aehre. Ja, jeder 435. Halm steht tief gebeugt, zur Erde hin das Haupt geneigt, als ahn' er sein Verderben. 3. Wer hilft uns hier? D Gott, wir sehn auf dich bei unsern Klagen. Du thust weit mehr, als wir verstehn, und dich zu bitten wagen. Du, der's mit uns auf's Beste meint, kannst leicht, was uns Verderben scheint, in Wohlthat uns verkehren. 4. Herr, thue, was dir wohlgefällt; erquicke, uns zur Wonne, das schon so lang durchnäßte Feld durch heitern Schein der Sonne. Doch findest du es uns nicht gut, so stärk, Allweiser, uns den Muth, auch diese Noth zu tragen. 5. Durch Hoffen und durch Stillesein soll unser Herz dich ehren. Was du schickst, muß uns doch erfreun, im Glauben uns bewähren. Denn nach dem Wechsel dieser Zeit wird dir das Herz in Ewigkeit auch für die Leiden danken. M. Schirmer,+ 1673. 28* 436 IV. Christenlebent. d. Reise und Abschied. Mel. Mein Herzens- Jesu, meine Lust. 517. Gott, im Namen Jesu Christ reis' ich nun meine Straßen. Du, der mein Hirt und Hüter ist, du wirst mich nicht verlassen. Herr, Leib und Seel' befehl' ich dir, mein' Chr' und Gut, und was du mir in dieser Welt bescheeret. 2. Ich weiß, daß ich auf Erden bin mit viel Gefahr umfangen, auch nimmer kommen kann dahin, die Ruhe zu erlangen. Ich bin ein Pilgrim und ich muß stets weiter tragen Stab und Fuß, hab' nirgend hier mein Bleiben. 3. Doch hilfst du, daß ich immerzu die Noth noch über winde, bis daß ich dort die wahre Nuh' und rechte Hei math finde. Da ist dann Noth und Sorge aus, da bin ich wahrhaft dann zu Haus, die Unruh' hat ein Ende. 4. Dir ist am Besten, Herr, bekannt, wozu mein Amt mich führet, und was, wo ich auch sei im Land, mir da zu thun gebühret. Bring mich geſund, dahin ich soll; mein Werk laß mich erreichen wohl und glücklich wiederkommen. 5. Wend unterdeß all' Unheil ab von meinen Anverwandten, die ich zu Haus gelassen hab', von Freunden und Bekannten; laß sie dir, Gott, befohlen sein, hilf daß ich sie und was ist mein, in Frieden wieder finde. 6. Daneben mir auch dies verleih, daß ich behutsam wandle und immerdar vorsichtig sei in Allem, was ich handle. Durch deines heil'gen Geistes Gnad' gieb rechte Zeit, Verstand und Rath zu meinem Thun und Lassen. 7. Schick deine Engel vor mir her, den Weg mir zu bereiten; doch dem Versucher mächtig wehr und allen bösen Leuten. Nimm mich, o Herr, in deinen Schuß, daß ihre List, Gewalt und Truß mir nimmer könne schaden. 8. Nun, Vater, dir ergeb' Krankheit und Gesundheit. ich mich, du kannst stets Hülfe senden; bewahr und führ mich gnädiglich hier und an allen Enden, und laß mich, wenn es dir gefällt, nach aller Unruh' dieser Welt bei dir die Ruh' erlangen. Unbekannt. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 518. Was macht ihr, daß ihr weinet und brechet mir das Herz? Im Herrn sind wir vereinet und bleiben's allerwärts; das Band, das uns verbindet, löst weder Zeit noch Ort; was in dem Herrn sich findet, das währt in ihm auch fort. 437 3. Man steht an Scheidewegen und grüßt sich einmal noch, und geht dem Ziel entgegen in gleicher Richtung doch; den Einen will's betrüben, wenn fern der Andre zieht, doch bleibt man hier und drüben desselben Leibes Glied. 4. Was sollen wir nun weinen und gar so traurig sehn? Wir kennen ja den Einen, mit dem wir Alle gehn in Einer Hut und Pflege, geführt von Einer Hand, auf Einem sichern Wege in's Eine Vaterland. 5. So sei denn diese Stunde mit ihrem Trennungsleid zum neuen Lebensbunde dem treuen Herrn geweiht. Wenn wir uns ihn erkoren zu unserm höchsten Gut, find wir uns nicht verloren, wie 2. Man reicht sich wohl die Hände, als sollt's geschieden sein, und bleibt doch ohne Ende im innigsten Verein; man sieht sich an, als sähe man sich zum letzten Mal, und bleibt in gleicher Nähe weh auch Scheiden thut. dem Herrn doch überall. C. 3. Ph. Spitta,+ 1859. e. Krankheit und Gesundheit. Mel. Wenn mein Stündlein vorhanden ist. 519. Die Krankheit, deren Weh und Noth ich jetzt in mir verspüre, belehrt mich, daß ich meinen Tod stets in und bei mir führe. Ja, Herr, mich mahnt die Leidenszeit allstündlich an die Sterblich IV. Christenleben. 438 keit und spricht: Gedenk an's Ende! 2. Du hast den Schmerz mir aufgelegt, den meine Glieder tragen; du bist es, dessen Hand mich schlägt, und willst mir damit sagen, des Todes Ursach lieg' in mir, mein Leben aber komm' von dir, und hang' an deinem Willen. 3. Ja, Höchster, deine Vater hand führt mich des Leidens Straße, damit ich nicht vom eitlen Tand der Welt mich blenden lasse. Wenn ich im Geist geläutert bin, so wird darnach dein treuer Sinn des Leibes Krankheit heilen. 4. Du schenkest Blinden das Gesicht und heißest Lahme gehen; ein Wort, das deine Allmacht spricht, läßt Todte auferstehen; so kannst du auch, und du allein, o Herr, mein Arzt und Helfer sein, wenn du ein Wort willst sprechen. 5. Die Menschen bieten Mittel mir, um meinen Schmerz zu stillen; doch alle Hülfe steht bei dir und dei nem Gnadenwillen; nicht Kraut noch Salbe macht mich frei, wenn du die rechte Arzenei nicht reichst in deinem Worte. 6. Ist's also nun dein weiser Rath, daß ich soll länger leben, mein Herr und Gott, so wirst du Gnad' auch zur Genesung geben. Doch ist und bleibt es dein Be schluß, daß ich die Welt verlassen muß, so bin ich's auch zufrieden. 7. Doch Eines bitt' ich: Heile nur die Wunden meiner Seele, ob jedes Mittel der Natur, mich zu erhalten, fehle; denn lebt mein Geist in dir, o Gott, so werd' ich dich auch noch im Tod für deine Güte preisen. S. Urlsperger,+ 1772. Mel. Aus meines Herzensgrunde. 520. Ich preise dich und singe, o Herr, von deiner Gnad', die große WunDerdinge derdinge an mir erwiesen hat; denn das ist meine Pflicht, daß ich, so lang ich lebe, dir Dank und Ehre gebe; mehr hab' und kann ich nicht. Krankheit und Gesundheit. 2. Ich wollte schier verzagen, ich seufzte todesbang und unter schweren Klagen: Mein Gott, wie lang, wie lang! Ach, wende dich zu mir in Eile und verleihe Genesung bald; ich weihe mein ganzes Leben dir. 3. So rief ich hülflos Kranker. Du hörtest mein Geschrei; da ward dein Trost mein Anker, du standst mir gnädig bei und thatst an mir auch kund die Allgewalt, das Leben zu nehmen und zu geben, und und machtest mich geſund. 4. Preis dir, ich bin erhöret, du hast mein Leid gestillt, mein Kreuz von mir gekehret und mein Gebet erfüllt. Zu End' ist meine Noth, verscheucht aus meinem Herzen sind Sorgen, Gram und Schmerzen durch dich, mein treuer Gott. 5. Ihr Heiligen, lobsinget und danket Eurem Herrn; denn wo die Noth eindringet, da hilft er herzlich gern; und drücken noch so schwer die Lasten und die Plagen, die 439 er uns giebt zu tragen, er schlägt nicht allzusehr. 6. Er hat ja Vaterhände und strafet mit Geduld, setzt jedem Leid ein Ende nach seiner Lieb' und Huld. Er meint es immer gut; am Abend währt das Weinen, am Morgen giebt das Scheinen der Sonn' uns neuen Muth. 7. O, daß zu deiner Ehre mein Mund vor Jedermann voll lauten Rühmens wäre, so lang er reden kann, bis ich nach dieser Zeit dein Liebeswalten droben im Himmel werde loben durch alle Ewigkeit! P. Gerhard, † 1676. Mel. Christus, der uns selig macht. 521. Wer wohlauf ist und gesund, preise im Gemüthe und erheb' mit frohem Mund Gottes Vatergüte. Ihm, deß Huld uns hat bedacht mit gefunden Gliedern, laßt uns danken Tag und Nacht mit gesunden Liedern. 2. Ein gesundes, frisches Blut voller Kraft zum Leben ist das höchste Erdengut, das IV. Christenleben. uns Gott kann geben, dran an, mit erfrischten Sinnen in dieser armen Welt wir Genüge haben, bis das goldne Himmelszelt bietet schönre Gaben. darf ich meine Arbeit dann wohlgemuth beginnen. Ist mit Gott das Werk vollbracht und der Tag geschwunden, wieder bringt mir dann die Nacht sanfte Ruhestunden. 7. Habe Dank, du milde Hand, für die schöne Krone, die du so mir hast gesandt von dem Himmelsthrone, die durch deine Huld mir grünt bis zu diesem Tage, ob ich gleich sie unverdient, Vater, vor dir trage. 440 3. Hätt' ich Ehre, Ruhm und Macht, wär' vom höchsten Stande, lebt' in Reichthum, Gold und Pracht als ein Herr im Lande; ach, wie wenig könnte doch Alles mich beglücken, sollte meinen Leib das Joch schwerer Krankheit drücken. 4. Wohl mir, daß mir Nichts gebricht, daß die offnen Augen an dem lieben Sonnenlicht sich zu freuen, taugen; daß mit aufgeschlossnem Ohr ich vermag zu hören, wie die Vöglein hell im Chor ihren Schöpfer ehren. 5. Hand und Fuß, wie Geist und Herz, sind bei muntern Kräften, können ohne Bein und Schmerz bei Berufsgeschäften, wie sie mir mein Herrscher giebt, mir zu Diensten stehen, bis ich, wenn es ihm beliebt, muß von hinnen gehen. 6. Bricht ein neuer Morgen 8. Hilf, daß ich zu deiner Ehr' bis zum letzten Hauche dein Geschenk, mein Gott und Herr, weislich stets gebrauche; daß ich nur, was dir gefällt, gern und fröhlich treibe, unbefleckt auch von der Welt und von Sünden bleibe. 9. Halt mich bei gesunder Kraft, wenn ich älter werde, bis mich meine Stunde rafft in den Schooß der Erde; halt mein Leben in der Zeit frei von schweren Leiden; gieb mir in der Ewigkeit deines Himmels Freuden. P. Gerhard, † 1676. Krieg und Friede. Mel. Vater unser im Himmelreich. 522.3u deinen Füßen Liege ich, mein Jesu, blicke doch auf mich. Du höchster Arzt für Jedermann, du bist es, der mir helfen kann. Von aller Hülfe bin ich bloß, doch ist mein Glaube stark und groß. 2. Die Seele mach am Ersten heil, gieb ihr an deiner Gnade Theil: durch dein für sie vergossnes Blut mach, Heiland, ihr Gebrechen gut; doch dann gieb nach vergebner Schuld dem armen Leibe auch Geduld. 441 3. Berühre mich mit deiner Hand, die schon so viel hat abgewandt; mein Leib, so kraftlos und so krank, begehrt nach deinem Lebenstrank. Ich will auch unter Schmerz und Pein, wie Lazarus, der Deine sein. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt 2c. 523. Es zieht, o Gott, ein Kriegeswetter jeßt über unser Haupt daher. Doch bist du unser Schuß und Retter, so fürchten wir uns nimmermehr, wie heftig auch Gefahr und Noth den Völkern und den Ländern droht. f. Krieg und Friede. 2. Gieb, Bater, in den trüben Tagen uns nur den Sinn, auf dich zu sehn und da, wo Andre trostlos zagen, 4. Wenn's meiner Seele selig ist, so heile mich, Herr Jesu Christ; soll aber Sterben besser sein, wohlan, auf dich, Herr, schlaf' ich ein. Mach's nur, o Jesu, durch dein Blut mit mir an Leib und Seele gut. C. H. Zeibich, um 1720. mit Zuversicht zu dir zu flehn, weil niemals Menschenhülfe nüßt, wenn deine Rechte uns nicht schützt. 3. Du bist es, Herr, der herrscht auf Erden, du bist es, der die Welt regiert. Laß auch jetzt Alle inne werden, daß dir allein die Macht gebührt. Tobt nur, ihr Völker, rüſtet euch! Jft Gott für uns, so fehlt der Streich! 4. Je weniger sich oft auch 442 IV. Christenleben. zeiget, woher uns Hülfe noch entspringt, je mehr Gefahr und Drangsal steiget, und Alles in Zerrüttung bringt, um so viel mehr laß voll Vertraun uns, Gott, auf deine Hülfe baun. 5. Was hilft der Streiter große Menge? Was hilft Gewalt'gen ihre Macht? Der Ross' und Wagen dicht Gedränge hat doch nicht immer Sieg gebracht; der wird allein von deiner Hand, wem du ihn gönneft, zugewandt. 6. Drum fallen wir in deine Arme, o Vater der Barmherzigkeit, und flehen demuthsvoll: Erbarme dich über uns zur bösen Zeit! Laß Gnade nur für Recht ergehn, so bleiben wir auch aufrecht stehn. 7. Und hält, o Herr, dein weiser Wille noch ferner Züchtigungen gut, bleibt dennoch unsre Seele stille und hofft zu dir mit frohem Muth, daß du gewiß zur rechten Zeit uns zu erretten sei'st bereit. 8. Du züchtigst stets ja nur mit Maaßen, und meinst es immer väterlich; auch uns wirst du nicht ganz verlassen, auch unsrer Noth erbarmst du dich. Wir sollen nur durch Angst und Pein geläutert und gereinigt sein. 9. Froh werden wir noch rühmen müssen, wenn du uns wieder wohlgethan: Gott brach nach uns verborgnen Schlüssen zum Heil uns auch durch Noth die Bahn. Du bleibest unsre Zuversicht; Barmherziger, verlaß uns nicht! E. S. J. Borchward. Mel. Aus tiefer Noth schrei' ich zu dir. 524. Herr, der du vormals hast dein Land mit Gnaden angeblicket, und, wenn du Strafen ihm gesandt, es wiederum erquicket, der du die Sünd' und Missethat, die alles Volk begangen hat, uns väterlich verziehen; 2. Willst du, o Vater, uns denn nicht nun wieder einmal laben, und sollen wir an deinem Licht nicht wieder Freude haben? Ach, geuß aus deines Himmels Haus, Herr, deinen milden Krieg und Friede. Segen aus auf uns und unsre Häuser. 3. Ach, daß ich hörte laut das Wort erschallen bald auf Erden, daß Friede sollt' an allem Ort, wo Christen wohnen, werden! Ach, daß doch Gott uns sagte zu des Krieges Schluß, der Waffen Ruh' und alles Unglücks Ende! 4. Ach, wandelte die böse Zeit sich um zu guten Tagen, damit wir in dem großen Leid nicht möchten ganz verzagen! Doch ist ja Gottes Hülfe nah, und seine Gnade stehet da all' denen, die ihn fürchten. 5. Wenn wir nur treu sind, wird sich Gott schon wieder zu uns wenden, den Krieg und alle andre Noth nach Wunsch und also enden, daß seine Ehr' in unserm Land und überall recht werd' erkannt, ja stetig bei uns wohne. 6. Die Güt' und Treue werden schön alsdann einander grüßen, das Recht wird durch die Lande gehn, der Friede wird es küssen, die Treue wird mit Lust und Freud' auf 443 Erden blühn, Gerechtigkeit wird von dem Himmel schauen. 7. Der Herr wird uns viel Gutes thun, das Land wird Früchte geben, und die in Gottes Schooße ruhn, die werden davon leben; Gerechtigkeit wird wohl bestehn und stets in vollem Schwange gehn zur Ehre seines Namens. P. Gerhard, † 1676. Mel. Nun danket Alle Gott. 525. Herr Gott, dich loben wir für deine großen Gnaden. Du hast das Vaterland der Kriegeslast entladen, haft gnädig uns verliehn des güldnen Friedens Zier; drum jauchzet alles Volk: Herr Gott, dich loben wir! 2. Herr Gott, wir danken dir; du haft uns zwar zur Strafe nach deinem Ernst geweckt aus unserm Sündenschlafe; doch deine Vaterhand hat uns die Gnadenthür jetzt wieder aufgethan. Herr Gott, wir danken dir! 3. Herr Gott, dich loben wir. Könnt' unser Mund wohl schweigen? Du hast den Kö 444 IV. Christenleben. nigsstamm bewahrt mit seinen Zweigen, haft Kirch' und Land geschützt. Gieb Gnade für und für, daß auch die Nachwelt sing': Herr Gott, dich loben wir! 4. Herr Gott, wir danken dir und preisen deinen Namen. Herr Gott, dich loben wir, und alle Welt sag' Amen! Was lebt und Odem hat, preist dich voll Dankbegier. Herr Gott, wir loben dich! Herr Gott, wir danken dir! 3. Frand,+ 1677. Eigene Melodie. 527 Ach Gott, erhör mein Seufzen und Wehklagen, laß mich in meiner Noth nicht gar verzagen! Du kennst mein Herz, weißt meinen Schmerz; hast du mir's auferlegt, so hilf's auch tragen. 2. Kein Unglück tritt mir ohne dich entgegen; du sendest Trübsal und bist reich an Segen. Bin ich dein Kind, und hab's verdient, gieb wie der Sonnenschein nach trübem Regen. 3. Gieb nur Geduld durch Eigene Melodie. 526. Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu allen Zeiten; es findet doch kein Andrer sich, der für uns könnte streiten, denn du allein, o Vater. Altkirchlich( M. Luther,+ 1546). g. Sonderliche Anfechtungen, Trübsale und Nothstände. deinen Geist dem Herzen, und laß mich ja mein Heil nicht selbst verscherzen. Zu deiner Zeit wend ab mein Leid, wenn ich dir auch gemacht viel Müh' und Schmerzen. 4. Ich weiß, du hast in Liebe mich getragen; laß mich nur nicht in Leiden, Herr, verzagen. Bin ich in Noth, denk' ich dein, Gott; willst du auch schon, daß Kreuz und Angst mich plagen. 5. Es hat kein Unglück je zu lang gewähret, zum guten Ende hast du's stets gekehret. Sonderliche Anfechtungen, Trübsale und Nothstände. 445 Schau auf mein Leid und kehr in Freud' die harte Trübsal, die mein Herz beschweret. 2. Ich trau' auf dich, mein Gott und Herr; bist du mit mir, was will ich mehr? Ich habe dich, Herr Jesu Christ, und weiß, daß du mein Heiland biſt. 6. Soll ich noch mehr nach deinem Willen leiden, dann wollest du von deinem Kind nicht scheiden. Steh du mir bei, daß stark ich sei, und führe endlich mich zu deinen Freuden. N. Selnecker, † 1592. 7. Gieb deinen Geist, daß ich mög' überwinden, und nach dem Leid mich eifrig lasse finden mit Preis und Dank und Lobgesang in deinem Haus dein Wohlthun zu ver künden. 8. Bin ich im Himmel erst mit dir zusammen, dann preis' ich deinen auserwählten Namen dort ewiglich; das bitt' ich dich durch Jesum Christum, unsern Heiland. Amen. I. P. Schechs,+ 1659. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen sein. 528. Hilf, Helfer, hilf mir aus der Noth, erbarme dich, du treuer Gott; ich bin und bleib' ja doch dein Kind, wie viel auch meiner Sünden sind. Eigene Melodie. 529. In dich hab' ich gehofft, o Herr! Laß mich verderben nimmermehr, noch werden je zum Spotte; ich bitte dich, erhalte mich getreu dir, meinem Gotte. 2. Erbarmend neige mir dein Ohr, erhöre mich, thu dich hervor und eile, mich zu retten. Ich steh' und geh' in Angst und Weh; hilf du mir aus den Nöthen. 3. Steh mir mit deiner Gnade bei, sei meine Burg, darin ich frei und sieghaft kann bestreiten der Feinde Heer, das hart und schwer mich drängt drängt von beiden Seiten. 4. Verheißt mir doch dein theures Wort, du willst mein Fels sein und mein Hort, IV. Christenleben. 446 mein Schild, mein Heil und Leben, mein starker Gott in aller Noth; wer mag dir widerstreben? 5. Mir hat die arge falsche Welt der Lügenneße viel gestellt, mich heimlich zu berücken. Mein Gott, bewahr mich immerdar vor ihren bösen Tücken. 6. Herr, meinen Geist befehl' ich dir, versag nicht dei nen Beistand mir, nimm mich in deine Hände. Du wahrer Gott, aus Noth und Tod hilf mir am leßten Ende. 7. Lob Ehre, Preis und Herrlichkeit sei, Vater, Sohn und Geist, all'zeit gesungen deinem Namen, weil deine Kraft den Sieg uns schafft durch Jesum Christum. Amen. A. Reusner,+ 1563. Mel. Wer uur den lieben Gott läßt walten. 530. Mein Mein Gott, ich wart' auf deine Stunde, die mir noch nicht geschlagen hat; mir lebt der Trost im Herzensgrunde, daß du bist stark an Rath und That und endlich doch dein Wort erfüllst, die Stunde komme, wann du willst. 2. Jch bin, mein Gott, in deinen Händen; so mach's mit mir, wie dir's gefällt. Ich will zu dir mich hoffend wenden, es sei dir Alles heimgeſtellt. Die Hülfe kommt allein von dir; mein treuer Helfer, hilf du mir. 3. Wenn Furcht und Hoffnung in mir streiten, stärkt mich der Glaube, still zu sein; ich sehe deine Hand von Weiten, die wird mir Trost und Kraft verleihn; ich werde, wenn es wird geschehn, noch Luft an deiner Gnade sehn. 4. Wie Jacob geh' ich dir entgegen nnd ringe im Ge bet mit dir; ich lass' dich nicht, bis deinen Segen, mein Vater, du ertheilest mir; er ist es, der mir selbst die Nacht zur lichten Morgenröthe macht. 5. Ich will stets deiner Allmacht trauen, die allen Kummer wenden kann; auf dein Wort will ich freudig bauen; du hast gesprochen: Ruf mich an! Ich rufe nun, Sonderliche Anfechtungen, Trübsale und Nothstände. 447 ich hoffe nun; du wirst nach deinem Worte thun. an uns deine Gnad', und straf uns nicht auf frischer That; wohn uns mit deiner Güte bei, daß deine Strafe fern uns sei. 6. Erduld' ich Leiden, trag' ich Schmerzen, so schau' ich meinen Heiland an; mir ist in seinem treuen Herzen die beste Zuflucht aufgethan; ich höre, was sein Mund verspricht: Sei nur getrost, ich laff' dich nicht! 4. Du hast, o Vater, nicht gewollt, daß uns ereil' der Sünden Sold; du weißt ja wohl, du großer Gott, daß wir nichts sind in unsrer Noth, und unsre Schwachheit birgt sich nicht, o Herr, vor deinem Angesicht. B. Schmold, t 1737. 5. Die Sünd' hat uns verderbt gar sehr und bringt uns Pein je mehr und mehr, weil nimmer der Versucher ruht, zu reizen unser Fleisch und Blut. Solch' Elend kennst du, Herr, allein; ach, laß es dir befohlen sein. Mel. Vater unser im Himmelreich. 531. Nimm von uns, Herr, du treuer Gott, die schwere Straf' und große Noth, die wir mit Sünden ohne Zahl verdienet haben allzumal. Hüt uns vor Krieg und theurer Zeit, vor Seuchen und vor allem Leid. 2. Erbarm dich deiner armen Knecht'; wir flehn um Gnade, nicht um Recht. Wir bitten dich, o Herr, verschon, und gieb uns nicht verdienten Lohn; es würde sonst die Welt vergehn und Keiner im Gericht bestehn. 3. Ach Herr Gott, durch die Treue dein mit Troft und Rettung uns erschein; beweise 6. Gedenk an deines Sohnes Tod, sieh an die heil'gen Wunden roth; die find ja für die ganze Welt die Zahlung und das Lösegeld. Deß trösten wir uns allezeit und hoffen auf Barmherzigkeit. 7. Leit uns an deiner rechten Hand, dein Segen ruh' auf Stadt und Land; erhalt uns durch dein heilig Wort, 448 IV. Christenleben. bewache uns, du treuer Hort. Ein selig Stündlein woll'st verleihn, auf daß wir ewig bei dir sei'n. M. Moller,+ 1606. Eigene Melodie. 532. Wenn wir in höchsten Nöthen sind, und alle Hülfe uns zerrinnt und alle Hoffnung uns vergeht, obgleich wir sorgen früh und ſpät; 2. Wenn wir nicht wissen aus noch ein, so ist das unser Trost allein, daß wir zu dir, du treuer Gott, um Rettung rufen aus der Noth; 3. Und heben unser Aug' und Herz zu dir empor in Reu' und Schmerz und bitten um Begnadigung und um der Strafen Linderung; 4. Die du verheißen gnädiglich, wenn wir darum anrufen dich durch Jesum Christum, deinen Sohn, der für uns spricht vor deinem Thron. 5. So kommen wir, Herr, unser Gott, und klagen dir all' unsre Noth, weil wir durch viele Trübsal gehn und in Gefahr verlassen stehn. 6. Sieh, Herr, nicht unſre Sünden an; sprich selbst uns los von ihrem Bann; steh uns in unserm Elend bei, von allen Plagen mach uns frei. 7. So werden wir von Herzensgrund dann unsern Dank dir geben kund, und dich, gehorsam deinem Wort, mit Freuden preisen hier und dort. P. Eber,+ 1569. Eitelkeit und Vergänglichkeit des Irdischen. 449 V. Des Himmelreichs letzte Vollendung in der Zukunft. Der Herr wird mich erlösen von allem Uebel, und aushelfen zu seinem himmlichen Reich. 2. Tim. 4, 18. 1. Das Ende des Erdenlebens. A. Eitelkeit und Vergänglichkeit des Irdischen. Eigene Melodie. 533. Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig ist der Menschen Leben! Wie ein Nebel bald entstehet und bald wiederum vergehet, so ist unser Leben, sehet! 2. Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig sind der Menschen Tage! Wie ein Strom beginnt zu rinnen und im Laufen nicht hält innen, so eilt unsre Zeit von hinnen. 3. Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig ist der Menschen Freude! Wie da wechseln Stund' und Zeiten, Licht und Dunkel, Fried' und Streiten, so sind unsre Fröhlichkeiten. 4. Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig ist der Menschen Schöne! Wie die Blume bald vergehet, wenn ein rauhes Lüftchen wehet, so auch Schönheit nicht bestehet. 5. Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig ist der Menschen Stärke! Der als Löwe sich erwiesen, gestern noch gekämpft mit Riesen, muß schon heut den Lauf beschließen. 6. Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig ist der Menschen Schaffen! Der die Kunst hat 29 V. Zukunft. 450 lieb gewonnen und manch' schönes Werk erfonnen, ist doch nicht dem Tod entronnen. 7. Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig sind der Menschen Schäße! Es kann Gluth und Fluth entstehen, dadurch, eh' wir's uns versehen, Alles muß in Trümmer gehen. 8. Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig ist der Menschen Herrschen! Der durch Macht ist hoch gestiegen, muß doch bald darniederliegen, in den engen Sarg sich fügen. 9. Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig ist der Menschen Prangen! Der in Purpur hoch vermessen auf dem Throne hat gesessen, wird im Tode bald vergessen. 10. Ach, wie nichtig, ach, wie flüchtig sind der Menschen Sachen! Alles, Alles, was wir sehen, es muß fallen und vergehen; wer Gott liebt, bleibt ewig stehen. M. Franf,+ 1667. Me I. Valet will ich dir geben. 534. Ich bin ein Gast auf Erden und hab' hier keinen Stand; der Himmel soll mir werden, da ist mein Vaterland. Hier muß ich Arbeit haben, hier reis' ich ab und zu, dort wird mein Gott mich laben mit seiner ew'gen Ruh'. 2. Was ist mein ganzes Wesen von meiner Jugend an, als Müh' und Noth gewesen? So lang ich denken kann, hab' ich so manchen Morgen, so manche liebe Nacht mit Kummer und mit Sorgen des Herzens zuge bracht. 3. Ich habe mich ergeben in alles Glück und Leid; was will ich besser leben in dieser Sterblichkeit? Es muß ja durchgedrungen, es muß geLitten sein! Wer nicht hat wohl gerungen, geht nicht zur Freud' hinein. 4. So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt, doch denk' ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt. Ich wandre meine Straße, die zu der Heimath führt, da mich in vollem Maaße mein Vater trösten wird. Eitelkeit und Vergänglichkeit des Irdischen. 451 hauchet, so gräbt man mir ein Grab. 9. Du aber, meine Freude, du, meines Lebens Licht, du ziehst mich, wenn ich scheide, hin vor dein Angesicht, in's Haus der ew'gen Wonne, da ich stets freudenvoll, gleich als die helle Sonne, nächst Andern leuchten soll. 10. Da will ich immer wohnen, und nicht nur als ein Gast, bei denen, die mit Kronen du ausgeschmücket haft; da will ich herrlich fingen von deinem großen Thun, und frei von schnöden Dingen in meinem Erbtheil ruhn. P. Gerhard,+ 1676. 5. Mein' Heimath ist dort oben, da aller Engel Schaar den großen Herrscher loben, der Alles ganz und gar in seinen Händen träget und für und für erhält, auch Alles hebt und leget, nachdem's ihm wohlgefällt. 6. Zu ihm steht mein Verlangen, da wollt' ich gerne bin! Die Welt bin ich durchgangen, daß ich fast müde bin. Je länger ich hier walle, je wen'ger find' ich Freud', die meinem Geist gefalle; das Meist' ist Herzeleid. 7. Die Herberg' ist zu böse, der Trübsal ist zu viel. Ach, komm, mein Gott, und löse mein Herz, wenn dein Herz will! Komm, mach ein selig Ende mit meiner Wanderschaft, und was mich kränkt, das wende durch deines Armes Kraft! 8. Wo ich bisher gesessen, ist nicht mein rechtes Haus; wenn mein Ziel ausgemessen, so tret' ich dann hinaus; und was ich hier ge brauchet, das leg' ich Alles ab, und wenn ich ausgeMel. Ich hab' mein' Sach' Gott heimgestellt. 535. Wie fleucht dahin der Menschen Zeit, wie eilet man zur Ewigkeit! Doch denken Wenige der Stund' von Herzensgrund; es schweigt davon der träge Mund. 2. Das Leben ist ja wie ein Traum, vergehet, wie des Wassers Schaum; ein Augenblick, da es besteht und bald 29* 452 V. Zukunft. vergeht, wie täglich ihr vor Augen seht. 3. Nur du, Jehovah, bleibest mir das, was du bist; ich traue dir. Laß Berg' und Hügel fallen hin, mir ist Gewinn, wenn ich nur Jesu eigen bin. 4. So lang in dieser Hütt' ich wohn', belehre mich, o Gottes Sohn. Gieb, daß ich zähle meine Tag', und immer wach', daß, eh' ich sterb', ich fterben mag. 5. Was hilft die Welt in legter Noth, was hilft dir Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 536. Ach Herr, lehre mich bedenken, daß ich einmal sterben muß; wecke mich, den Sinn zu lenken auf den ernsten Lebensschluß; mahne du mich für und für und gieb Trieb und Weisheit mir, mir zum Heil zu allen Zeiten auf das Grab mich zu bereiten. Gut und Ehr' im Tod? O Mensch, du läufst dem Schatten zu; bedenke du, da kommist du nicht zu wahrer Ruh'. 2. Endlich muß ein Licht verbrennen, endlich läuft der Seiger aus, endlich muß auch ich mich trennen von dem hier 6. Weg, Eitelkeit, der Thoren Luft, mir ist das höchste Gut bewußt; das such' ich nur, das bleibet mir. O mein' Begier, Herr Jesu, zeuch mein Herz zu dir. B. Vorbereitung zum Sterben. 7. Wie wird es sein, wenn ich dich seh' und dort vor deinem Throne steh'? O du, mein Heiland, lehre mich, daß stetig ich mit ganzem Herzen suche dich. 3. Neander, † 1680. bewohnten Haus. Ja, es ist von ersten Tritt bis zum legten nur ein Schritt; denn in jedem Lebensjahre sind wir reif zur Todtenbahre. 3. Predigen doch meine Glieder täglich von der Sterblichkeit; leg' ich mich zur Ruhe nieder, mahnt es mich an's Leichenkleid; denn der Schlaf zeigt ja allhier nur des Todes Bildniß mir, und mein Bette will mir sagen: So wird man in's Grab dich tragen. Vorbereitung zum Sterben. 4. Darum, Herr, laß mich bedenken, daß ich niemals sicher bin; will die Welt mich anders lenken, rufe du mir in den Sinn: Du mußt sterben, men schenkind! daß mir alle Luft zerrinnt, die mich über eitle Sachen will den Tod vergessen machen. 5. Laß mich nicht die Buße sparen, bis die Krankheit mich ergreift, sondern bei gesunden Jahren, eh' die Schuld sich maaßlos häuft, lehr mich büßen inniglich, daß die letzte Stunde mich frei von unbereuter Sünde und mit dir versöhnet finde. 6. Nun, mein Gott, du wirst es geben, daß ich fröhlich sterben kann; dir befehl' ich Leib und Leben, nimm dich meiner Seele an; deines Sohnes theures Blut komine mir im Tod zu gut, daß mein letztes Wort auf Erden: Hilf, Herr Jesu! möge werden. B. Schmold,+ 1737. Mel. Valet will ich dir geben. 537. Bedenke, Mensch, das Ende, bedenke deinen Tod! 453 Der Tod kommt oft behende; wer heute frisch und roth, kann morgen und geschwinder hinweggestorben sein; drum richte dich, o Sünder, auf täglich Sterben ein. 2. Bedenke, Mensch, das Ende, bedenke das Gericht! Es müssen alle Stände vor Jesu Angesicht. Kein Mensch ist ausgenommen; hier muß ein Jeder dran und wird den Lohn bekommen, nachdem er hat gethan. 3. Bedenke, Mensch, das Ende, der Hölle Angst und Schmerz, daß nicht die Welt verblende dein ihr geneigtes Herz! Hier ist ein kurzes Freuen, dort aber ewiglich ein klägliches Bereuen; ach Sünder, hüte dich! 4. Bedenke, Mensch, das Ende; nimm wohl die Zeit in Acht, daß nicht dein Blick sich wende in eitlem Unbedacht von jener Lebenskrone, die einst dein Erbe ist, wenn du vor Gottes Throne bewährt erfunden bist. 5. Herr, lehre mich bedenken der Zeiten lette Zeit; nach 454 V. Zukunft. dir das Herz zu lenken, mach selber mich bereit. Laß mich mit Ernst erwägen den letzten Richterspruch mit seinem Himmels segen, mit seinem Höllenfluch. 6. Hilf, Gott, daß ich in Zeiten auf meinen lezten Tag mit Buße mich bereiten und täglich sterben mag. Im Tod und vor Gerichte steh mir, o Jesu, bei, daß ich, im Himmelslichte zu wohnen, würdig sei. S. Liscov,+ 1689. Mel. Valet will ich dir geben. 538. Die auf der Erde wallen, die Sterblichen sind Staub; sie blühen auf und fallen, des Todes fichrer Raub. Sie wandeln ohne Kunde des Tags, da Gott fie ruft; doch jede, jede Stunde bringt näher fie der Gruft. 2. Getrost gehn Gottes Kinder die öde, dunkle Bahn, zu der verstockte Sünder verzweiflungsvoll sich nahn, auf der der frechste Spötter nicht mehr zu spotten wagt und vor dem einz'gen Retter erzittert und verzagt. 3. Wenn diese Bahn zu gehen, dein Wille mir gebeut, wenn mir vor Augen stehen Gericht und Ewigkeit, wenn meine Kräfte beben und schon das Herz mir bricht, Herr über Tod und Leben, o, dann verlaß mich nicht. 4. Hilf, Todesüberwinder, hilf mir in solcher Angst, der du zum Heil der Sünder selbst mit dem Tode rangst; und wenn des Kampfes Ende gewaltiger mich faßt, nimm mich in deine Hände, den du erlöset hast. 5. Des Himmels Wonn' und Freuden faßt nie ein sterblich Herz. O Troft für kurze Leiden, für kürzern Todesschmerz! Dem großen Ueberwinder sei ewig Preis und Dank, ihm, der für alle Sünder den Kelch des Todes tranf. 6. Heil denen, die auf Erden sich schon dem Himmel weihn, die, bald erlöst zu werden, mit heil'ger Furcht sich freun; sie gehn getrost durch's Leben, zum Tode stets bereit, bis ihnen Gott wird geben das Heil der Ewigkeit. B. G. Funt, † 1814. Vorbereitung zum Sterben. 455 Mel. Ich hab' mein' Sach' Gott tellt. 6. D Mensch, das ist der 539. Ich hab' es Gott Sünde Macht, die solchen Fluch anheimgestellt; er rufe mich, wann's ihm gefällt. Ich will, soll hier ich fürder gehn, nicht widerstehn; des Vaters Wille mag geschehn. uns hat gebracht, daß, was da lebt, so Groß als Klein, voll Furcht und Pein des Todes muß gewärtig sein. 2. Er weiß das rechte Maaß und Ziel; ob wenig Jahre, oder viel, es bleibt ja doch nur kurze Zeit voll Müh' und Leid mir übrig unter Kampf und Streit. 7. Nach vieler Müh' und Kümmerniß ist mir das Sterben auch gewiß; doch, ob die Sünde mich anficht, verzag' ich nicht; Gott geht mit mir nicht in's Gericht. 3. Da hilft nicht Reichthum, Geld und Gunst, nicht stolzer Muth, noch hohe Kunst; gedenke dran, o lieber Christ, zu jeder Frist: für'n Tod kein Kraut gewachsen ist. 8. Weil mein Erlöser Jesus Christ für meine Schuld gestorben ist und hat vergoffen mir zu gut sein theures Blut, so hab' ich nun getrosten Muth. 4. Wer heut einhergeht frisch und roth, wird morgen krank, liegt morgen todt. Zu Grabe müssen ohne Wahl nach ihrer Zahl die Menschen kinder allzumal. 5. Eins nach dem Andern trägt man hin; nun aus den Augen, aus dem Sinn! So Reich und Arm, so Jung und Alt; und was man galt, die Welt vergißt es dann gar bald. 9. Ich hange durch ein Band ihm an, das keine Macht zerreißen kann. Der Heiland war im Leben mein, und er allein wird auch im Tode mit mir sein. 10. Das ist mein Trost für immerdar in aller Trübsal und Gefahr; ich weiß, ich werde auferstehn, zum Leben gehn und meines Gottes Antlig sehn. 11. Amen, du lieber treuer Gott, bescheer uns einen sanften V. Zukunft. 456 Tod, und hilf der ganzen Christenheit nach dieser Zeit in deinem Reich zur Seligkeit. 3. Leon( Pappus), † 1610. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 540.Jch sterbe täglich, und mein Leben eilt immerfort zum Grabe hin. Wer kann mir sichre Bürgschaft geben, daß morgen ich noch lebend bin? Die Zeit geht hin, der Tod kommt her; ach, daß ich immer fertig wär'! 2. Ein Mensch, durch Sicherheit verführet, ist immer reif zu Sarg und Grab; die Frucht, die jetzt den Baum noch zieret, fällt oftmals unversehens ab; ich weiß, es ist der alte Schluß, daß ich zu Erde werden muß. 3. Es schickt der Tod nicht immer Boten, auch ungemeldet mmt er oft und fordert den in's Reich der Todten, der noch auf langes Leben hofft. O Mensch, bestelle bald dein Haus; eh' du es denkst, mußt du hinaus. 4. Es kann vor Abend anders werden, als es am Morgen mit mir war; den einen Fuß hab' ich auf Erden, den andern auf der Todtenbahr'; ein einz'ger Schritt ist's nur dahin, daß ich der Würmer Speise bin. 5. Herr aller Herren, Tod und Leben hast du allein in deiner Hand. Wie lange du mir Frist gegeben, das ist und bleibt mir unbekannt. Hilf, daß bei jedem Glockenschlag ich an den Abschied denken mag. 6. Vielleicht kann ich kein Wort mehr sagen, wenn mich der Tod von hinnen reißt; drum bet' ich bei gefunden Tagen: Dir, Herr, befehl' ich meinen Geist! Verschließen meine Lippen sich, so rede Christi Blut für mich. 7. Seh' ich dann sterbend auf die Meinen, so segne du sie mehr, als ich, und wenn sie um mich stehn und weinen, o Tröster, so erbarme dich und laß doch der Verlaffnen Schrein von dir, o Gott, erhöret sein. 8. Dringt mir der letzte Stoß zum Herzen, so schließe Vorbereitung zum Sterben. 457 mir den Himmel auf; verkürze 4. Nicht Reichthum, Geld mir die Todesschmerzen, und hole mich zu dir hinauf; so wird mein Abschied keine Bein, nur eine Thür zum Himmel ſein. und Gut, nicht kühner Heldenmuth errettet von des Würgers Wuth; nicht Ehr' und Gunst, nicht große Macht noch hohe Kunst. Ach Gott, verläßt mich Alles hier, dann thu das Beste du bei mir. B. Schmold, † 1737. Eigene Melodie. 541. Kein Stündlein geht dahin, es liegt mir stets im Sinn und überall, wo ich auch bin, daß mich der Tod wird segen in die lette Noth. Ach Gott, verläßt mich Alles hier, dann thu das Beste du bei mir. 2. Hier ist kein Aufenthalt; der Tod hat die Gewalt, zu würgen Beides, Jung und Alt; er reißt uns fort aus jedem Stand, von Haus und Ort. Ach Gott, verläßt mich Alles hier, dann thu das Beste du bei mir. 3. Nicht Rath und nicht Arznei, nicht Weinen, noch Geschrei, kein Bruder macht von ihm mich frei; auf weiter Erd' ist nichts, das Hülfe mir gewährt. Ach Gott, verläßt mich Alles hier, dann thu das Beste du bei mir. 5. Ach, welche Angst und Pein wird plößlich um mich sein, wenn zu mir bricht der Tod herein! Wen find' ich dann, der sich mit Trost nimmt meiner an? Ach Gott, verläßt mich Alles hier, dann thu das Beste du bei mir. 6. Wenn im Gewissensbuch umsonst nach Trost ich such' und hör' nur des Gesetzes Fluch; wer ist, der sich dann wird erbarmen über mich? Ach Gott, verläßt mich Alles hier, dann thu das Beste du bei mir. 7. Wenn mir Verstand und Sinn im Kampfe fällt dahin, und ich nicht mehr ich selber bin; wer ruft mir zu das Abschiedswort zur letzten Ruh'? Ach Gott, verläßt mich Alles hier, dann thu das Beste du bei mir. V. Zukunft. 458 8. Wenn endlich länger nicht mein Auge sieht das Licht, und nun mein Herz im Tode bricht voll Angst und Qual; wer führt mich durch das dunkle Thal? Ach Gott, verläßt mich Alles hier, dann thu das Beste du bei mir. 9. Herr Jesu, du allein wirst in der Todespein mein Helfer und Erlöser sein, der mich erhält, wenn ich gesegne diese Welt. Ach Gott, verläßt mich Alles hier, dann thu das Beste du bei mir. 10. Hab' ich vollbracht den Lauf, so nimm zu dir mich auf; dich ruf' ich an und baue drauf, Herr Jesu Christ, so lang ein Odem in mir ift. Ach Gott, verläßt mich Alles hier, dann thu das Beste du bei mir. M. Franf,+ 1667. Mel. Jesus meine Zuversicht. 542. Meine Lebenszeit verstreicht, stündlich eil' ich zu dem Grabe; und wie wenig ist's vielleicht, das ich noch zu leben habe! Denk, o Mensch, an deinen Tod; säume nicht, denn Eins ist Noth. 2. Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben. Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir Menschen gaben, Nichts wird dich im Tod erfreun; diese Güter sind nicht dein. 3. Nur ein Herz, das Jesum liebt, nur ein ruhiges Gewissen, das vor Gott dir Zeugniß giebt, wird dir deinen Tod versüßen. Solch' ein Herz, von Gott erneut, ist im Tod voll Freudigkeit. 4. Daß du dieses Herz erwirbst, fürchte Gott, und bet und wache; sorge nicht, wie früh du stirbst, deine Zeit ist Gottes Sache; lern, o Christ, den Tod nicht scheun, lerne seiner dich erfreun. 5. Ueberwind ihn durch Vertraun, sprich: Ich weiß, an wen ich glaube, und ihn selber werd' ich schaun, denn er weckt mich aus dem Staube; er, der rief: Es ist vollbracht! nahm dem Tode seine Macht. 6. Tritt im Geist zum Grab oft hin, siehe dein Gebein versenken; sprich: Herr, daß ich Erde bin, lehre du mich Vorbereitung zum Sterben. selbst bedenken; lehre du mich's jeden Tag, daß ich weiser werden mag. C.F. Gellert,+ 1769. Mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 543. Mein Gott, ich weiß wohl, daß ich sterbe; ich bin ein Mensch, der bald vergeht, und finde hier kein sichres Erbe, kein Gut, das ewiglich besteht; drum zeige mir in Gnaden an, wie ich recht selig sterben kann. 2. Mein Gott, ich weiß nicht, wann ich sterbe, ob es nicht heute noch geschieht; zerbrechlich bin ich gleich der Scherbe, der Blume gleich, die schnell verblüht; drum mache täglich mich bereit hier in der Zeit zur Ewigkeit. 3. Mein Gott, ich weiß nicht, wie ich sterbe, wie mich des Todes Hand berührt; dem Einen wird das Scheiden herbe, sanft wird der Andre heimgeführt. Doch, wie du willst; nur dies verleih, daß einst mein Ende selig sei. 4. Mein Gott, ich weiß nicht, wo ich sterbe, und welche 459 Erde mich bedeckt; doch wenn ich nur dies Heil erwerbe, daß mich dein Ruf zum Leben weckt, mag hier, mag dort die Stätte sein; die Erd' ist allenthalben dein. 5. Nun, liebster Gott, wenn ich einst sterbe, so nimm du meinen Geist zu dir, auf daß ich dort mit Christo erbe. Wenn nur mein Heiland lebt in mir, so gilt mir's gleich und geht mir's wohl, wann, wie und wo ich sterben soll. B. Schmold, † 1737. Eigene Melodie. 544. Mitten wir int Leben sind von dem Tod umfangen. Wen such'n wir, der Hülfe thu', daß wir Gnad' erlangen? Das bist du, Herr, alleine. Uns reuet unsre Missethat, die dich, Herr, erzürnet hat. Heiliger Herre Gott, heiliger, starker Gott, heiliger, barmherziger Heiland, du ewiger Gott, laß uns nicht versinken in des bittern Todes Noth! Kyrieeleiſon. 2. Mitten in dem Tod ansicht uns der Hölle Nachen. 460 V. Zukunft. Wer will uns aus solcher Noth frei und ledig machen? Das thust du, Herr, alleine. Es jammert dein' Barmherzigkeit unsre Sünd' und großes Leid. Heiliger Herre Gott, heiliger, starker Gott, heiliger, barmherziger Heiland, du ewiger Gott, laß uns nicht verzagen vor der tiefen Hölle Gluth. Kyrieeleison. 3. Mitten in der Hölle Angst unsre Sünd'nuns treiben. Wo soll'n wir denn fliehen hin, da wir mögen bleiben? Zu dir, Herr Christ, alleine. Vergossen ist dein theures Blut, das g'nug für die Sünde thut. Heiliger Herre Gott, heiliger, starker Gott, heiliger, barmherziger Heiland, du ewiger Gott, laß uns nicht entfallen von des rechten Glaubens Trost. Kyrieeleison. M. Luther, † 1546. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 545. Mensch, gedenk an's Ende, willst du nichts Uebles thun; der Tod bringt oft behende das allerleßte Nun. An einem Augenblicke hängt ewig Wohl und Weh; drum denk im Weh, im Glücke, wohin dein Leben geh'. 2. O Mensch, gedenk an's Ende; wer weiß, ob nicht noch heut der Tod sich zu dir wende. Drum mache dich bereit, wenn du sollst Rechnung geben von dem, was du gethan, damit dein eignes Leben dich nicht verklagen kann. 3. D Mensch, gedenk an's Ende, stirb stets den Sünden ab, gieb dich in Gottes Hände, und fürchte nicht das Grab. Sei fertig alle Stunden, halt dich an Christi Blut; stirbst du in seinen Wunden, so ist dein Ende gut. B. Schmold, † 1737. Eigene Melodie. 546. Valet will ich dir geben, du arge, falsche Welt! Dein sündlich böses Leben durchaus mir nicht gefällt. Im Himmel ist gut wohnen; hinauf steht mein Begier, da wird Gott ewig lohnen dem, der ihm dient allhier. 2. Rath mir nach deinem Herzen, o Jesu, Gottes Sohn. Vorbereitung zum Sterben. Soll ich ja dulden Schmerzen, hilf mir, Herr Christ, davon; verkürz mir alles Leiden, stärk meinen blöden Muth; laß selig mich abscheiden, seß mich in dein Erbgut. 3. In meines Herzens Grunde dein Nam' und Kreuz allein funkelt all' Zeit und Stunde; drauf kann ich fröhlich sein. Erschein mir in dem Bilde, zum Trost in meiner Noth, wie du, Herr Christ, so milde dich haft geblut't zu Tod. 4. Nimm meine Seel' aus Gnaden empor an deine Seit', rück sie aus allem Schaden in deine Herrlichkeit. Der ist wohl hier gewesen, wer kommt in's Himmelsschloß; ewig ist der genesen, wer bleibt in deinem Schooß. 5. Herr, meinen Namen schreibe in's Buch des Lebens ein; laß mich an deinem Leibe ein Glied mit jenen sein, die hoch im Himmel grünen und vor dir leben frei; so will ich ewig rühmen, wie treu dein Herze sei. V. Herberger, † 1627. 461 Eigene Melodie. 547. Welt, ade! ich bin dein müde, ich will nach dem Himmel zu; da nur ist der rechte Friede und die wahre Seelenruh'. Welt, bei dir ist Müh' und Pein, Hader, Streit und eitler Schein; dort im Himmel allezeit Friede, Ruh' und Seligkeit. 2. Wenn ich dorthin werde kommen, bin ich aller Krankheit los und der Traurigkeit entnommen, ruhe sanft in Gottes Schooß. Welt, in dir ist Angst und Noth und zu legzt der bittre Tod; in dem Himmel allezeit Friede, Ruh' und Seligkeit. 3. Unaussprechlich herrlich singet Gottes auserwählte Schaar; Heilig, Heilig, Heilig klinget in dem Himmel immerdar. Welt, in dir ist Spott und Hohn und des Jammers Klageton; in dem Himmel allezeit Friede, Ruh' und Seligkeit. 4. Nichts ist hier, als stetes Weinen, Erdenfreude bleibet nicht; will uns auch die Sonne scheinen, decken Wolken doch 462 V. Zukunft. ihr Licht. Welt, in dir ist Leid und Schmerz, viel der Sorgen allerwärts; in dem Himmel allezeit Friede, Ruh' und Seligkeit. 5. Nun, es wird ja bald geschehen, daß ich nach des Lebens Streit meinen Heiland werde sehen in dem Reich der Herrlichkeit. Welt, in dir besteht kein Glück, ist kein sel'ger Augenblick; in dem Himmel allezeit Friede, Ruh' und Seligkeit. 3. G. Albinus, † 1679. Eigene Melodie. 548. Wenn mein Stündlein vorhanden ist, den letzten Weg zu schreiten, so wollest du, Herr Jesu Christ, in Gnaden mich geleiten. Dir, der allein mir helfen kann, befehl' ich meine Seele dann; du wirst sie wohl bewahren. 2. Zwar werden meine Sünden schwer und drohend mich verklagen; denn ihrer ist, wie Sand am Meer; doch will ich nicht verzagen, will denken, Herr, an deinen Tod, an deine bittre Kreuzesnoth; das wird mich aufrecht halten. 3. Ich bin ein Glied an deinem Leib, drum tröst' ich mich von Herzen, daß ungetrennt von dir ich bleib' in Todesnoth und Schmerzen. Wenn ich nun sterbe, sterb' ich dir; ein ew'ges Leben hast du mir durch deinen Tod erworben. 4. Weil du vom Tod erstanden bist, werd' ich im Grab nicht bleiben; der Trost soll mir zu jeder Frist die Todesfurcht vertreiben. Wo du jetzt bist, da werd' auch ich dereinst dich schauen ewiglich; drum fahr' ich hin mit Freuden. 5. So will ich denn zu dir allein empor die Arme strecken. Geh' ich zum Todesschlafe ein, kein Mensch wird mich erwecken; nur du, Herr Jesu, Gottes Sohn, wirst mich vor deinen Gnadenthron in's ew'ge Leben rufen. N. Hermann,+ 1561. Eigene Melodie. Oder: Wer nur den lieben Gott zc. bittre Kreuzes 549. Wer weiß, wie Vorbereitung zum Sterben. Christi Blut: mach's nur mit meinem Ende gut. nahe mir mein Ende? Hin- Mein Gott, ich bitt' durch geht die Zeit, herkommt der Tod. Ach, wie geschwinde und behende kann kommen meine Todesnoth! Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: mach's nur mit meinem Ende gut. 5. Er gab mir seinen Leib zu essen, ich hab' sein Blut getrunken hier; nun kann er meiner nicht vergessen, ich bleib' in ihm, und er in mir. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: mach's nur mit meinem Ende gut. 6. So komm' mein End' heut oder morgen, ich weiß, daß mir's mit Jesu glückt; ich bin und bleibe ohne Sorgen, wie auch die Todesnoth mich drückt. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: mach's nur mit meinem Ende gut. 463 2. Es kann vor Abend anders werden, als es am frühen Morgen war; denn weil ich lebe hier auf Erden, leb' ich in steter Todsgefahr. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: mech's nur mit meinem Ende gut. 3. Laß mich bei Zeit mein Haus bestellen, daß ich bereit sei für und für und sage stets in allen Fällen: Herr, wie du willst, so schick's mit mir. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: mach's nur mit meinem Ende gut. 4. Ich habe Jesum angezogen schon längst in meiner heil'gen Tauf', du bist mir auch daher gewogen, hast mich zum Kind genommen auf. 7. Ich leb' indeß in ihm vergnüget, und sterbe ohne Kümmerniß; es gehe, wie mein Gott es füget, ich glaub' und bin deß ganz gewiß: durch deine Gnad' und Christi Blut machst du's mit meinem Ende gut. Aem. Jul. Gräfin v. SchwarzburgRudolstadt, † 1706. 464 V. Zukunft. C. Tod. Eigene Melodie. 550. Alle Menschen müssen sterben, alles Fleisch vergeht, wie heu; was da lebet, muß verderben, soll es anders werden neu. Dieser Leib muß hier verwesen, wenn er anders soll genesen der so großen Herrlichkeit, die den Frommen ist bereit. 2. Darum will ich dieses Leben, wenn es meinem Gott beliebt, auch ganz willig von mir geben; bin darüber nicht betrübt. Denn in meines Jesu Wunden hab' ich schon Erlösung funden, und mein Trost in Todesnoth ist des Herren Jesu Tod. 3. Jesus ist für mich ge storben, und sein Tod ist mein Gewinn. Er hat mir das Heil erworben; drum fahr' ich mit Freuden hin, hin aus diesem Weltgetümmel in den schönen Gotteshimmel, da ich werde allezeit schauen Gottes Herrlichkeit. 4. Da wird sein das Freudenleben, da viel tausend Seelen schon sind mit Himmels glanz umgeben, dienen Gott vor seinem Thron, da die Seraphinen prangen und das hohe Lied anfangen: Heilig, Heilig, Heilig heißt Gott, der Vater, Sohn und Geist! 5. Da die Patriarchen wohnen, die Propheten allzumal; wo auf ihren Ehrenthronen sißet der zwölf Boten Zahl; wo in so viel tausend Jahren alle Frommen hingefahren, da wir unserm Gott zu Ehr'n ewig Halleluja hör'n. 6. D Jerusalem, du schöne, ach, wie hell erglänzest du! Ach, wie lieblich Lobgetöne hört man da in fanfter Ruh'! der großen Freud' und Wonne! Jezund gehet auf die Sonne, jezund gehet an der Tag, der kein Ende nehmen mag. 7. Ach, ich habe schon er blicket alle diese Herrlichke it. Jego werd' ich schön geschmücket mit dem weißen Himmelskleid, mit der güldnen Ehrenkrone steh' ich da Tod. vor Gottes Throne, schaue solche Freude an, die kein Ende nehmen kann. I. G Albinus, † 1679. Eigene Melodie. 551. Christus, der ist mein Leben, und Sterben mein Gewinn; dem hab' ich mich ergeben, in Frieden fahr' ich hin. 2. Mit Freuden will ich gehen von hier zum Himmel ein, und meinen Heiland sehen und ewig bei ihm sein. 3. Nun hab' ich überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Noth; durch Jesu Todeswunden bin ich versöhnt mit Gott. 4. Wenn meine Kräfte brechen, mein Athem geht so schwer, daß ich kein Wort kann sprechen, mein Seufzen, Herr, erhör. 5. Wenn Sinne und Gedanken mir schwinden wie ein Licht, daß hin und her muß wanken, wenn Nahrung ihm gebricht; 6. Soll's dann dein Nath und Wille, Herr meines Lebens, sein, so laß mich 465 sanft und stille im Glauben schlafen ein. 7. Laß fest an dir mich hangen, bis ich aus dieser Zeit hinüber bin gegangen zur frohen Ewigkeit; 8. Bis in dem Himmel droben mein Lobgesang dich preist, wo dich die Engel loben, Gott Vater, Sohn und Geist. Unbekannt. mel. Wer nur den lieben Gott läßt walten. 552. Das Grab ist da; hier steht mein Bette, wo in den Tod ich sinken soll. Ach, wer sich gut gebettet hätte, der schliefe sanft und ruhte wohl. Man denkt nur gar zu wenig dran, daß man so plößlich sterben kann. 2. Das Grab ist da; so heißt es immer, wir gehen ein, wir gehen aus; die Welt bei allem ihrem Schimmer bleibt für uns nur ein fremdes Haus; behagt es uns am Besten hier, so weiset uns der Tod die Thür. 3. Das Grab ist da, schon bei den Wiegen; wie manches Kind grüßt kaum die Welt, 30 V. Zukunft. 466 so muß es schon im Sarge liegen, dieweil der Tod nicht Ordnung hält, und Alles ohn' Erbarmen bricht, ob reif die Frucht sei, oder nicht. 4. Das Grab ist da. Die besten Jahre sind auch des blassen Todes Raub; der wirft den Stärksten auf die Bahre und legt den Schönsten in den Staub. Mit jedem Schritt, den man vollbracht, naht man sich auch des Grabes Nacht. 5. Das Grab ist da. Sobald wir älter, so gehn wir auf den Kirchhof zu; die GlieEigene Melodie. der werden immer kälter und 553. Einen guten Kampf sehnen selbst sich nach der Ruh'; denn Sterben ist der feste Schluß; der Junge kann, der Alte muß. hab' ich auf der Welt gefämpfet; denn mein Gott hat gnädiglich all' mein Leid gedämpfet, daß ich meinen Lebenslauf selig nun vollende und die Seele himmelauf hin zu Christo sende. 6. Das Grab ist da. Ich will mit Buße dahin stets meine Wallfahrt thun. Ich falle dir, mein Gott, zu Fuße; ach, laß mich nicht in Sünden ruhn. Wer Sünde mit sich nirumt in's Grab, stirbt dir und auch dem Himmel ab. meines Jesu Gnade decken. Mein Heiland, ich umfasse dich, denn du bist meines Todes Tod, stehst bei mir in der letzten Noth. 8. Das Grab ist da. Weg, Eitelkeiten, bei euch vergißt man nur das Grab! Ich will mich täglich so bereiten, daß ich den Tod vor Augen hab'. Ich bin ein Mensch; so heißt es ja: Das Grab ist da! Das Grab iſt da! B. Schmold,+ 1737. 7. Das Grab ist da; soll's mich nicht schrecken, so muß ich auch im Glauben mich mit 2. Forthin ist mir beigelegt der Gerechten Krone, die mir wahre Freud' erregt vor des Himmels Throne, wo ja mei nes Lebens Licht, dem ich hier vertrauet, wo ja Gottes Angesicht meine Seele schauet. 3. Da der argen, bösen Tod. 467 Herr, wie lange soll es währen? Es ist genug. 3. Es ist genug, wenn nur mein Jesus will; er kennet ja mein Herz. Ich harre sein und halt' indessen still, bis er mir allen Schmerz, der meine sieche Bruft zernaget, abnimmt, und endlich zu mir saget: Es ist genug. Welt jämmerliches Leben mir nun länger nicht gefällt, hab' ich mich ergeben meinem Jeſu; durch ihn bin ich in lauter Freuden; denn sein Tod ist mein Gewinn und mein Trost sein Leiden. 4. Gute Nacht, ihr meine Freund', alle meine Lieben! Alle, die ihr um mich weint, laßt euch nicht betrüben durch den Schritt, den ich nun thu' in die Erde nieder! Seht, die Sonne geht zur Ruh', und kommt morgen wieder. H. Albert,+ 1668. 4. Es ist genug. Spann doch, wenn dir's gefällt, Herr, aus dem Joch mich aus! Mein Jesus kommt; nun gute Nacht, o Welt! Ich geh' in's Vaterhaus; ich fahre sicher hin in Frieden, mein großer Jammer bleibt darnieden. Es Eigene Melodie. 554. Es ist genug; fo ist genug! nimm, Herr, meinen Geist zu Zions Geistern hin; lös auf das Band, das allgemach schon reißt, befreie diesen Sinn, der sich nach seinem Gotte sehnet ,, der täglich klagt und nächtlich thränet: Es ist genug. 2. Es ist genug des Kreuzes, das mir fast den Rücken wund gemacht. Wie schwer, o Gott, wie hart ist diese Last! Jch nege manche Nacht die harte Lagerstatt mit Zähren; ach F. Burmeister, † 1688. Mel. Wie nach einer Wasserquelle. 555. Freu dich sehr, o meine Seele, und vergiß all' deine Pein; wie die Erdennoth dich quäle, Christus will dein Helfer sein. Aus der Trübsal dieser Zeit ruft er dich zur Herrlichkeit, die kein Auge je gesehen, und die nimmer wird vergehen. 2. Früh und spät hab' ich gerungen, unablässig Tag und 30* V. Zukunft. 468 Nacht unter vielen Anfechtungen mein Gebet vor Gott gebracht; wie sich sehnt ein Wandersmann nach dem Ziele seiner Bahn, so begehrt' ich, daß ein Ende meine Lebens straße fände. 3. Denn mühselig und be laden geht allhier ein Christ einher, und auf dornenvollen Pfaden drückt sein Kreuz ihn oft gar schwer. Wie in Sturm und Wogendrang, also muß er lebenslang rastlos mit Gefahren ringen, die ihm Angst und Schrecken bringen. 4. In ein Leben voller Plage sind wir ja hineingestellt seit dem ersten unsrer Tage, da wir kamen in die Welt. Unser eignes Fleisch und Blut nimmt uns allen guten Muth, und die Unruh' unsrer Sünden läßt uns nimmer Frieden finden. 5. Wenn mit seinem Strahl der Morgen aus dem Schlafe uns erweckt, bringt er Mühen nur und Sorgen; wenn die Nacht die Erde deckt, giebt uns Kummer das Geleit, daß wir in der ganzen Zeit, die uns hier ist zugemessen, unser Brot mit Thränen effen. 6. Komm, zu helfen, kommt, zu trösten, ewig klarer Morgenstern! Dem mit deinem Blut Erlösten sei, Herr Jesu, heut nicht fern! Gönne mir dein mildes Licht, daß, wenn nun das Herz mir bricht, ich in Frieden und in Freude glaubensvoll von hinnen scheide. 7. Ob das Augenlicht mir schwindet, ob das Ohr selbſt nicht mehr hört, ob der Tod die Zunge bindet, die Besinnung mir verstört, bist und bleibst du doch mein Theil, Hort und Leben, Licht und Heil, rettest mich, daß auch im Sterben ich doch nimmer kann verderben. 8. Laß Elias Feuerwagen dann von dieser Erd' empor meine Seele dorthin tragen, wo dir dient der Engel Chor. Lazarus ersehntes Loos fall' ihr zu in deinem Schooß, bis, erstanden von der Erde, der verklärte Leib ihr werde. 9. Freu dich sehr, o meine Secle, und vergiß all' deine Pein; ob dir jede Hülfe fehle, Tod. Christus will dein Retter sein. Aus der Trübsal dieser Zeit führt er dich zur Herrlichkeit, daß du mit den Engeln droben ewiglich ihn mögest loben. C. v. Warenberg, um 1620. mel. Jesus, meine Zuversicht. 556. Geht Geht nun hin und grabt mein Grab, denn ich bin des Wanderns müde; von der Erde scheid' ich ab, denn mich ruft des Himmels Friede, denn mir winket süße Ruh' von den Engeln droben zu. 2. Geht nun hin und grabt mein Grab; meinen Lauf hab' ich vollendet, lege hin den Wanderstab, wo mein Weg sich aufwärts wendet, lege mich nun selbst hinein in das Bette sonder Pein. 3. Was soll ich doch länger noch hier im dunkeln Thale machen? Wie gewaltig, stolz und hoch wir auch stellen unsre Sachen, Alles muß wie Sand zergehn, wenn die Winde drüber wehn. 469 hohl, dein Freuden selbst sind Leiden, deine Reize Unbestand, deine Schäße Trug und Tand. 5. Darum letzte gute Nacht, Sonne, Mond und liebe Sterne! Fahret wohl mit eurer Pracht, denn ich reif' in weite Ferne, geh' zu jenem Glanze ein, der verdunkelt euren Schein. 6. Die ihr nun in Trauer geht, fahret wohl, ihr lieben Freunde! Was von oben niedergeht, tröstet ja des Herrn Gemeinde. Eitles bietet diese Zeit, wahres Gut die Ewigkeit. 7. Weinet nicht, daß ich nunmehr von der Welt will Abschied nehmen, daß zu kommen ich begehr' aus dem Irrthum, aus dem Schemen, aus dem Eitlen, aus dem Nichts in das Land des ew'gen Lichts. 4. Darum, Erde, fahre wohl, laß mich nun in Frieden scheiden; deine Hoffnungen sind 8. Weint nicht, denn ich habe Heil in dem Heiland selbst gefunden, habe mein ersehntes Theil in den tiefen Todeswunden, daraus einst sein heil'ges Blut floß der ganzen Welt zu gut. 9. Weint nicht; mein Er V. Zukunft. 470 löser lebt, er giebt Leben auch dem Staube; auf zu seinem Throne schwebt hell die Hoffnung und der Glaube; und die ew'ge Liebe spricht: Kind des Vaters, zittre nicht! E. M. Arndt,+ 1860. Eigene Melodie. 557. Herr Gott, nun schleuß den Himmel auf, mein Erbe mir zu geben; vollendet hab' ich meinen Lauf, hab' hier im Erdenleben genug gelitten, mich müd gestritten; nun schenk mir du die ew'ge Ruh'! Ich lasse, was auf Erden, will lieber selig werden. 2. Weil ich, wie du geboten hast, mit herzlichem Verlangen den Heiland in den Arm gefaßt und gläubig hab' umfangen, werd' ich bestehen, will frisch eingehen vom Thränenthal zum Freudenmahl, will lassen, was auf Erden, und lieber selig werden. 3. So laß mich denn, wie Simeon, zu dir in Frieden fahren; ich trau' auf deinen lieben Sohn, der wird mich wohl bewahren, wird recht mich führen und herrlich zieren. Drauf zieh' ich hin mit frohem Sinn und lasse, was auf Erden; ich soll ja selig werden! Z. Riel,+ 1627. Eigene Melodie. 558. Herr Jesu Chrift, wahr'r Mensch und Gott, der du litt'st Marter, Angst und Spott, für mich zuletzt am Kreuze starbst und mir des Vaters Huld erwarbst; 2. Jch bitt' durch's bittre Leiden dein, du woll'st mir Sünder gnädig sein, wenn ich nun komm' in Sterbensnoth und ringen werde mit dem Tod. 3. Wenn mir vergeht all' mein Gesicht und meine Ohren hören nicht, wenn meine Zunge Nichts mehr spricht, und wenn vor Angst das Herz mir bricht; 4. Wenn mein Verstand sich nicht befinnt, all' Menschenhülfe mir zerrinnt, so komm, Herr Christe, mir behend zu Hülf' an meinem letten End', 5. Und führ mich aus dem Jammerthal, verkürze mir Tod. des Todes Qual; die bösen Geister von mir treib, mit deinem Geiste bei mir bleib. 471 warten mit Geduld, bis unser Stündlein kommt herbei; gieb, daß der Glaube wacker sei. 9. Der wird nicht kommen in's Gericht, den Tod auch ewig schmecken nicht; und ob er gleich hier zeitlich stirbt, mit Nichten er drum gar verdirbt. 6. Wenn sich vom Leib die Seele trennt, dann nimm sie, Herr, in deine Händ'; der Leib hab' in der Erde Ruh', bis naht der jüngste Tag herzu. 7. Ein fröhlich Auferstehn verleih, am jüngsten Tag mein Fürsprach sei, und meiner Eigene Melodie. Sünde nicht gedenk, aus 559. Herr Jeſu, meines Gnaden mir das Leben schenk. 8. Das trau' ich dir, wie du, mein Hort, mir zugesagt in deinem Wort: Fürwahr, fürwahr, euch sage ich, wer mein Wort hält und glaubt an mich, 10. Vielmehr will ich mit starker Hand ihn reißen aus des Todes Band und zu mir nehmen in mein Reich, daß er da leb' mit mir zugleich. 11. Ach Herr, vergieb' all' unsre Schuld; hilf, daß wir 12. Laß stets uns trauen deinem Wort und eingehn einst zur Himmelspfort', daß wir allda nach dieser Zeit mit dir uns freun in Ewigkeit. P.Eber,+ 1569. Lebens Licht, mein Trost und meine Zuversicht; auf Erden bin ich nur ein Gast, gedrückt von großer Sündenlaſt. 2. Die schwere Reise soll ich nun hinauf zum Paradieſe thun, das du als Heimath mir erwarbst, da du für mich am Kreuze starbst. 3. Zur Reise ist mein Herz sehr matt, der Leib gar wenig Kräfte hat; allein die Seele schreit in mir: Herr, komm und hole mich zu dir! 4. So laß denn in der letzten Bein dein Leiden meine Stärkung sein. Durch deine Bande löse mich aus Todesbanden gnädiglich. 5. Mir werde deine Dor 472 V. Zukunft. nenkron' zum Ehrenschmuck vor Gottes Thron; dein Durst erquicke Herz und Sinn, wenn sonst ich ohne Labung bin. 6. Dein Angstschrei komme mir zu gut, wenn mich erschreckt der Hölle Gluth; in deinen Wunden laß mich sehn der Gnade Pforten offen stehn. 7. Wenn nicht mehr reden kann der Mund, so thu' dein Geist mein Seufzen kund; und wird das Auge trüb und blind, hilf, daß mein Geist den Himmel find'. 8. Dein letztes Wort, Herr, sei das Licht des Herzens, das im Tode bricht, damit ich mich geberde wohl, wenn ich mein Haupt nun neigen soll. 9. Dann sei dein Kreuz mein Wanderstab, mein Ruheplay dein heil'ges Grab, dein Grabtuch, rein und unentweiht, umhülle mich als Sterbekleid. 10. Herr, deinem Abschied will ich traun, auf ihn der Heimkehr Hoffnung baun; hab' ich beschlossen meinen Lauf, so schließe mir den Himmel auf. 11. Sei gnädig mir am jüngsten Tag; gieb, daß bei dir ich bleiben mag und nicht verfalle dem Gericht, das der Verdammten Urtheil spricht. 12. Erwecke auch durch deine Macht den Leib aus seiner Grabesnacht, daß er, von Noth und Schwachheit frei, verklärt, dem deinen ähnlich sei. 13. Wie werd' ich dann so fröhlich sein, dich preisen in der Engel Reih'n und selig in der Sel'gen Schaar dein Antlig schauen immerdar! M. Behemb( Böhm),+ 1622. Eigene Melodie. 560. Herzlich thut mich verlangen nach einem fel'gen Tod, weil ich hier bin umfangen mit Trübsal, Angst und Noth. Ich habe Lust, zu scheiden und bei dem Herrn zu sein. Ja, nimm zu deinen Freuden, o Jesu, bald mich ein. 2. Erlöst vom Fluch der Sünden durch dein vergossnes Blut, will ich auf dich mich gründen mit festem Glaubensmuth. Nun macht mir nimmer Grauen des Todes Finster niß; Tod. denn wer auf dich darf bauen, ist seines Heils gewiß. 3. Wie lieblich auch das Leben, wie herb der Tod mir ist, ich sterbe, Gott ergeben, in dir, Herr Jesu Christ. Weil ich zur Heimath droben mich schon mit Herz und Sinn im Glauben hab' erhoben, ist Sterben mein Gewinn. 4. Der Leib mag hier vergehen, wenn ihn die Erde deckt; doch wird er auferstehen, von dir, o Herr, erweckt, und leuchten gleich der Sonne, be freit von aller Noth, verklärt zu ew'ger Wonne; was schadet mir der Tod? 5. Ob länger hier zu leben, mich reizen will die Welt mit dem, was sie kann geben, Glück, Ehre, Gut und Geld; es währen solche Dinge nur eine kurze Zeit; ich achte sie geringe im Licht der Ewigkeit. 6. Mit euch sei Gottes Segen, ihr Vielgeliebten mein; ihr sollet meinetwegen nicht allzu traurig ſein. Bleibt fest im Glauben stehen und baut auf Gottes Wort; es giebt 473 ein Wiedersehen im Himmelreiche dort! 7. Nun will ich ganz mich wenden, Herr Jesu Christ, zu dir; du wollest bald vollenden dein Gnadenwert an mir. Hilf, daß ich selig sterbe und nach der Pilgerschaft des Lebens Krone erbe durch deines Todes Kraft. 8. Gieb, daß ich nimmer wanke, von dir, o Gottes Sohn, bis ich den Sieg dir danke vor deinem Himmelsthron. Hilf mir beharrlich ringen, halt mich in deiner Macht; so werd' ich fröhlich fingen: Gottlob, es ist vollbracht! C. Knoll,+ 1621. Mel. Herzlich thut mich verlangen. 561. Ich hab' mich Gott ergeben, dem liebsten Vater mein; hier ist kein ew'ges Leben, es muß geschieden sein. Der Tod kann mir nicht schaden, er ist nur mein Gewinn; in Gottes Fried' und Gnaden fahr' ich mit Freud dahin. 2. Mein Weg geht jeßt vorüber; o Welt, was acht' ich V. Zukunft. 474 dein? Der Himmel ist mir lieber, da trachte ich hinein; darf mich nicht schwer beladen, weil ich wegfertig bin; in Gottes Fried' und Gnaden fahr' ich mit Freud' dahin. 3. Ach, sel'ge Freud' und Wonne hält mir der Herr bereit; wo Christus ist die Sonne, da ist auch Seligkeit. Was kann mir denn nun schaden, da ich bei Christo bin? In Gottes Fried' und Gnaden fahr' ich mit Freud' dahin. 4. Gesegn' euch Gott, ihr Meinen, ihr Liebsten allzu mal! Um mich sollt ihr nicht weinen, ich weiß von keiner Qual. Des rechten Wegs auch heute wohl achtet; bleibt stets wach! In Gottes Fried' und Freude fahrt mir bald Alle nach! 3. Siegfried, † 1637. Mel. Herr Jesu Christ, mahr'r Mensch zc. 562. In Chrifti Wunden schlaf' ich ein, die machen mich von Sünden rein; Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid. 2. Damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd' eingehn. Mit Fried' und Freud' fahr' ich dahin, ein Gotteskind ich all' zeit bin. 3. Hab' Dank, o Tod! Du führest mich; in's ew'ge Leben wandre ich, durch Christi Blut versöhnt und rein. Herr Jesu, stärk den Glauben mein! P. Eber,+ 1569. Eigene Melodie. 563. Mach's mit mir, Gott, nach deiner Güt', hilf mir in meinem Leiden, versag mir nicht, was ich dich bitt'; will meine Seele schei den, so nimm sie, Herr, in deine Händ';' s ist Alles gut, wenn gut das End'. 2. Gern folg' ich dir, dent lieben Herrn, du wirst mich nicht verderben; denn du bist ja von mir nicht fern, obgleich ich hier muß sterben und lassen meine besten Freund', die's herzlich gut mit mir ge meint. 3. Ruht doch der Leib sanft in der Erd', die Seel' zu dir sich schwinget, in deiner Hand Tod. sie unversehrt durch Tod in's Leben dringet. Hier ist doch nur ein Thränenthal, Angst, Noth, Müh', Arbeit überall. 4. Tod, Teufel, Hölle, Welt und Sünd' mir können Nichts mehr schaden; an dir, o Herr, ich Rettung find', ich tröst' mich deiner Gnaden. Dein ein'ger Sohn hat alle Schuld für mich bezahlt aus Lieb' und Huld. 5. Was sollt' ich lange traurig sein, da ich so wohl bestehe, durch ihn gerecht gemacht und rein in's ew'ge Leben gehe? Gehab dich wohl, du schnöde Welt; bei Gott zu leben, mir gefällt. 3. H. Schein, † 1631. 475 ließest schauen als der Menschen Trost und Hort im Sterben wie im Leben. 2. Das thut der treue Heiland mir; ihm will ich trauen, den du, o Vater, mich allhier 3. Ihn hast du Allen vorgestellt mit großen Gnaden, zu seinem Reich die ganze Welt heißen laden durch das theuer werthe Wort, das überall erschollen. 4. Er ist das Heil und sel'ge Licht für alle Heiden; er bringt, was deinem Volk gebricht, will uns weiden und erhöhen ewiglich. Ihm sei Lob, Preis und Ehre! M. Luther,+ 1546. Eigene Melodie. 565. Welt, ich muß dich lassen und ziehen meine Straßen in's ew'ge Vaterland. Den Geist will ich hingeben und legen Leib und Leben in meines Gottes Gnadenhand. Eigene Melodie. 564. Mit Fried' und Freud' fahr' ich dahin, ist's Gottes Wille; getrost ist mir mein Herz und Sinn, sanft 2. Mein Lauf ist nun vollendet, der Geist sich aufwärts und stille; wie Gott mir verwendet, der Tod ist mein Geheißen hat, der Tod wird mir zum Schlafe. winn. Kein Bleiben ist auf Erden, das Ew'ge muß mir werden; mit Fried' und Freud' fahr' ich dahin. 3. Ob mich die Welt be V. Zukunft. 476 trogen, von Gott mich abzogen durch Sünden mancherlei, will ich doch nicht verzagen, ich will im Glauben sagen, daß meine Schuld vergeben sei. 4. Auf Gott steht mein Vertrauen, sein Antlig will ich schauen getroft durch Jesum Christ, der, auch für mich gestorben, mir Gnade hat erworben und Mittler mir geworden ist. 5. Mag mir die Sünde schaden? Ich bin erlöst aus Gnaden, umsonst, durch Christi Blut. Was können Werke frommen, wenn ich zu ihm soll kommen? Der Glaub' allein kommt mir zu gut. 6. Drauf will ich fröhlich sterben, das Himmelreich er erben, das Gott mir hält bereit. Hier mag ich nicht mehr bleiben, der Tod mag mich hintreiben, wo mir der Herr die Ruh' verleiht. Mel. Gottes Sohn ist kommen. 566. Heil'ge Ruhestätte, wenn ich dich betrete sprech' ich: Herr, mach Ende; treuer Vater, sende deinen Friedensboten. Selig sind die Todten! 7. Damit fahr' ich von hinnen. O Welt, du mußt zerrinnen, darum besinne dich. Auf, dich zu Gott bekehre und Gnad' von ihm begehre, daß er auch dein erbarme sich. 8. Die Zeit ist schon vorhanden, laß ab von Sünd und Schanden, betritt die rechte Bahn. Um dich bereit zu machen mit Beten und mit Wachen, gieb alles Irdische daran. 9. Das schenk' ich dir am Ende. Zu Gott ich mich nun wende, zu ihm steht mein Begehr. Hüt dich vor Pein und Schmerzen, nimm meinen Tod zu Herzen; mein Bleiben ist jeßt hier nicht mehr. 3. Heffe,+ 1547. D. Grab. 2. Hier ruht der Verjagte, hier hat der Geplagte nach den Trübsalsstunden Frieden nun gefunden; auf den Thränenregen ward das Grab sein S.gen. Grab. 3. Hier den Tod zu schauen, macht mir nimmer Grauen. Wenn die Kräfte schwinden, sterben Sorg' und Sünden; meines Leibs Verwesung bringt dem Geist Genesung. 4. Wenn ich in der Erde, Vater, schlafen werde, dann sprich zu den Schaaren, die dein Volk bewahren: Hütet der Gebeine, denn hier schläft der Meire. 5. Hoffnungsreicher Glaube! Mit des Leibes Staube thut der Gott der Stärke neue Wunderwerke; er giebt meine Glieder dort verklärt mir wieder. 6. Mache, Gottesacker, meine Seele wacker, daß mein End' im Grabe ich vor Augen habe und, so lang ich lebe, nach dem Himmel strebe! E. Liebich, † 1780. Mel Nun laßt uns den Leib begraben. 567. Nun lasset uns den Leib in's Grab versenken, da er Ruhe hab'. Wir zweifeln nicht, er wird erstehn und in ein neues Leben gehn. 477 2. Von Erde ward er ja gemacht, zur Erde wird er heimgebracht, bis Gott, der Herr, ihn aus der Gruft durch der Posaune Stimme ruft. 3. Die Seele wurde durch den Tod zum Leben eingeführt in Gott, der sie von Schuld und Missethat durch seinen Bund gereinigt hat. 4. Da wird sie, frei von aller Bein, von nun an wohl geborgen sein, bis Gott einſt ihren Leib verklärt und ew'ge Freuden ihr gewährt. 5. So bist du durch der Trübsal viel gelangt zu einem guten Ziel; du trugst auf Erden Christi Joch, du starbest hier und lebeft noch. 6. Du gingst allhier in Angſt einher, nun drückt dich keine Sorge mehr; einst strahlt von deinem Angesicht, der Sonne gleich, des Himmels Licht. 7. So schlafe denn in Frieden hier; des Lebens Straße ziehen wir und machen uns zum Tod bereit, der uns auch kommt zu seiner Zeit. M. Weiße, um 1532. 478 V. Zukunft. Mel. Jesu, der du meine Seele. 568. Troft im Leben, Ruh' im Grabe danken wir, Herr Jesu Christ, deinem Heile, das die Gabe unerhörter Liebe ist. Von dem Himmel stiegst du nieder, sahst das Elend deiner Brüder, ihre Knechtschaft, ihren Schmerz; dir, Erbarmer, brach das Herz. 2. Rath für sie haft du erfunden, Licht in ihrer Dunkelheit, siegreich für sie überwunden Sündennoth und Sterblichkeit; hafst voran den Kampf durchstritten, Alles bis zum Tod gelitten und dich auf den Thron geseßt, lebst, regierst und segnest jest. 3. Treulich nimmst du dich auf Erden der erlösten Menschheit an, hilfft ihr, daß sie selig werden, Heil und Frieden finden kann. Nur auf wohl gewählten Wegen führst du fie dem Ziel entgegen, bis der Geist, durch Kampf bewährt, froh im Tod gen Himmel fährt. 4. Wie viel Zeugen dieser Treue schlafen friedlich hier in Ruh', wie viel bringest du auf's Neue täglich diesen Todten zu! Jeder Grabstein dient zum Siegel deiner Liebe, jeder Hügel, ewig nun dein Eigenthum, birgt ein Denkmal dir zum Ruhm. 5. Jedes Christen Grabesstätte rufet sein Gedächtniß auf, deiner weisen Führung Kette, seinen frommen Lebenslauf, seine Lieb' im treuen Herzen und Geduld in Noth und Schmerzen, seinen stillen Glaubensgang, bis er hin zum Schauen drang. 6. Wir versenken seine Hülle weinend in der Erde Schooß; dort in deiner Freuden Fülle, fiel ihm lieblich zu sein Loos; in den Händen Siegespalmen, singt er dir nun Freudenpsalmen; wir, voll Mängel, arm und schwach, schauen ihm vom Staube nach. 7. Führ uns auch zu jenem Ziele, hilf uns durch die Todesnacht. Deiner Martern waren viele, bis du riefft: Es ist vollbracht! Dieses Siegs, o Fürst des Lebens, tröſten wir uns nicht vergebens; hier Grab. auf Erden sind wir dein, werden dein im Himmel sein. 3. G. Schöner, † 1818. Mel. Ich hab' mein' Sach' Gott heimgestellt. 569. Wohlauf mit Gott zum letten Gang! Kurz ist der Weg, die Ruh' ist lang. Gott führet ein, Gott führet aus; wir ziehn hinaus, kein Bleiben ist im Erdenhaus. 2. Du Herberg' in der Wanderzeit, gehab dich wohl und laß dein Leid. Schleuß nur getroft die Pforte zu; was trauerst du? Dein Gast geht ein zur ew'gen Ruh'. 3. Tragt ihn fein sanft in's Schlafgemach; ihr Lieben, folgt ihm segnend nach. Habt gute Nacht! Der Tag war schwül im Erdgewühl; die Nacht, die nun ihm folgt, ist kühl. 4. Ein Festschmuck ist der Bahre Tuch, ein Siegeszug der Leichenzug. Der Herr macht selber gute Bahn; sein Kreuz voran, das winkt und deutet himmelan. 5. Ihr Glocken, tönt hochfestlich drein und läutet hell 479 den Sabbath ein, der nach des Werktags kurzer Frist durch Jesum Chrift für Gottes Volk vorhanden ist. 6. D felig, wer das Heil erwirbt, in Jesu Christo gläubig stirbt. O selig, wer, vom Laufe matt, die Gottesstadt, die droben ist, gefunden hat. 7. Was suchst du, Mensch, bis in den Tod? Du ſuchst so viel, und Eins ist Noth! Die Welt beut ihre Güter feil; denk an dein Heil und wähl in Gott das beste Theil. 8. Was sorgst du bis zum legten Tritt? Nichts brachteſt du, Nichts nimmst du mit. Die Welt vergeht mit Luſt und Schmerz; schau himmelwärts! Da, wo dein Schatz ist, sei dein Herz. 9. Bestell dein Haus zu rechter Zeit, eh' Gott dich ruft zur Ewigkeit. Die Todten mahnen: Heute mir und morgen dir; wir haben keine Heimath hier. 10. Vom Freudenmahl zum Reisestab, aus Wieg' und Bett in Sarg und Grab; wann, wie und wo? ist Gott bewußt; V. Zukunft. 480 schlag an die Brust, bedenk, daß du von dannen mußt. 11. Da ist kein Sig zu reich, zu arm, kein Haupt zu hoch, kein Herz zu warm, da blüht zu frisch kein Wangenroth; im Finstern droht allüberall der bleiche Tod. 12. Ach, banges Herz im Leichenthal, wo ist dein Licht, dein Lebensstrahl? Du bist's, Herr, der mit Gottesmacht aus Grabesnacht das Leben hat an's Licht gebracht. 13. Dein Trostwort klingt so hoch und hehr: Wer an mich glaubt, stirbt nimmermehr! Dein Kreuz, dein Grab, dein Auferstehn, dein Heimwärtsgehn läßt uns den Himmel offen sehn. 14. Wohl dem, der, Herr, mit dir vertraut, schon hier E. Andenken an Eigene Melodie. 570. Der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand; Nichts mehr kann sie quälen, selig ist ihr Stand. 2. Ohne Klage stehen sie am Himmelsthron, wo im sich ew'ge Hütten baut! Er sieht das Kleinod schon von fern und kämpfet gern und harrt der Zukunft seines Herrn. 15. Nun, Thor des Friedens, öffne dich, hier schließt die Erdenwallfahrt sich; ihr Schlafenden im Friedensreich, gönnt allzugleich dem Staub ein Räumlein neben euch. 16. Viel Gräber hier am stillen Ort, Wohnungen viel im Himmel dort; bereitet iſt die Stätte schon am Gnadenthron durch Jesum Christum, Gottes Sohn. 17. Sein ist das Reich und die Gewalt. Er zeugt und spricht: Ich komme bald! Ja, komm, Herr Jesu, führ uns ein, wir harren dein. Amen! Dein laß uns ewig sein. C.F. H. Sachfe,* 1785. die Verstorbenen. Licht sie sehen Christum, Gottes Sohn. 3. Auf den Kelch der Leiden: schenkt er selbst den Wein ungetrübter Freuden liebreich ihnen ein. 4. Unter Kreuzesbürden in Andenken an die Verstorbenen. 481 der Welt bewährt, sind zu wird gesungen, was allhier ew'gen Würden droben sie verzu keinem Ohr gedrungen. klärt. 5. Ach, wer wollte doch nicht freudig sterben, statt der Welt das Himmelreich zu erben; wer möchte bleiben, wo ihn hin und her die Sorgen treiben? 6. Komm, Erlöser, komm, uns heimzuführen, öffne uns des Vaterhauses Thüren. Du Gnadensonne, nur in deinem Licht ist Freud' und Wonne. S. Dach,+ 1659. 5. Wo sie Palmen schwingen und zu Gottes Ehr' Halleluja fingen mit dem Engelheer. 6. Amen! Heil den Seelen dort in Gottes Hand! Nichts kann ihnen fehlen, selig ist ihr Stand. C. C. L. v. Pfeil,+ 1784. Eigene Melodie. 571. D, wie selig ſeid ihr doch, ihr Frommen, die ihr durch den Tod zu Gott gekommen! Ihr seid entgangen aller Noth, die uns noch hält gefangen. 2. Wie in Kerker müssen wir ja leben, sind von bangen Schrecken rings umgeben; was hier wir kennen, ist nur Müh' und Herzeleid zu nennen. 3. Ihr hingegen ruht in curer Kammer sicher nun und frei von allem Jammer; vor Kreuz und Sorgen bleibt ihr wohl behütet und geborgen. 4. Christus trocknet alle eure Thränen; ihr besitzt schon, was wir erst ersehnen; euch Mel. Christus, der ist mein Leben. 572. Ruht nun in Gott, ihr Frommen, ruht unter seinem Dach; ist euer Licht verglommen, bleibt doch der Hüter wach. 2. Der alles Leid geendet, das müde Wandrer traf, hat euch die Ruh' gesendet und hütet euren Schlaf. 3. Da rührt das Herz kein Jammer und keine Qual mehr an, kein Weh tönt durch die Kammer, die Gott euch aufgethan. 4. Kein Auge sah die Palmen, die dort den Sel'gen wehn; kein Ohr vernahm die 31 482 V. Zukunft. Psalmen, die dort den Herrn erhöhn. 5. Hoch über unsern Wegen, da wohnt der Frommen Glück; ihr Grab, ihr Bild, ihr Segen bleibt tröstend uns zurück. 6. Ruht denn in Gott, ihr Frommen, ruht unter seinem Dach; ein Morgen wird euch kommen, da seid ihr ewig wach. 7. Und uns sammt euch, ihr Lieben, weckt Gottes Stimme auf, wenn wir ihm treu geblieben, in ihm vollbracht den Lauf. 8. Sein ist des Lebens Gabe, sein ist auch unsre Gruft; Preis ihm, der uns zum Grabe, der uns zum Leben ruft. C. F. H. Sachse,* 1785. Lob dem Höchsten! Vor seinen Thron, zu seinem Sohn begleiten ihre Werke fie. 2. Deine Weisheit, Macht und Ehre verkünden dort die Engelheere, Versöhner, Heiland, Jesu Christ. Ihr, erlöste Menschenkinder, bringt Preis und Dank dem Ueberwinder, ihm, der für uns ge opfert ist. Er sank, wie wir, in's Grab; er trocknet liebreich ab alle Thränen. Er hat's vollbracht. Nicht Tag, nicht Nacht wird an des Lammes Throne sein. Mel. Wachet auf! ruft uns die Stimme. 3. Nicht der Mond, nicht mehr die Sonne scheint droben uns; zu ew'ger Wonne umleuchtet uns das Licht des Herrn. Heil, nach dem wir seufzend rangen, nun bist du hell uns aufgegangen, und winkst nicht mehr aus dunkler Fern'. Das Alte ist nicht mehr; wir gehn verklärt einher. Halleluja! Er sank hinab, wie wir, ins Grab. Er ging zu Gott; wir folgen ihm! 573. Selig find des Him mels Erben, die Todten, die in Christo sterben, sie gehen ein zur Herrlichkeit. Aus dem kurzen Todesschlummer erstehn sie frei von allem Kummer, von allen Leiden dieser Zeit. In Frieden ruhen F. G. Klopstod,+ 1803. Mel. Welt, ich muß dich lassen. sie von aller Sorg' und Müh. 574. Wenn kleine Him Andenken an die Verstorbenen. melserben in ihrer Unschuld sterben, so büßt man sie nicht ein; sie werden nur dort oben vom Vater aufgehoben, damit sie unverloren sein. 2. Sie sind ja in der Taufe zu ihrem Chriftenlaufe für Jesum eingeweiht; sie sind bei Gott in Gnaden; was sollt' es ihnen schaden, wenn er nun über sie gebeut? 3. Der Unschuld Glück verscherzen, im Kampf mit Seelenschmerzen und mit Gewissensnoth, im Angstgefühl der Sünden das Sterben schwer empfinden, davor bewahrt ein früher Tod. 4. Ist Einer alt an Jahren, fo hat er viel erfahren, das ihn noch immer kränkt; hat untér vielen Stunden je eine kaum gefunden, an die er mit Vergnügen denkt. 5. 3war, wer in seiner Jugend den Weg zur wahren 483 Tugend durch Jesum Christum find't und sich den wahren Glauben durch keinen Feind läßt rauben, der lebt und stirbt auch, wie ein Kind. 6. Doch, ach, wo sind die Reinen, die so vor Gott erscheinen wie einst im Wasserbad? Wo sind die Auserwählten, die lebenslang nie fehlten? Wer ist, der keine Sünde that? 7. Wie leicht geht nicht bei Kindern von uns erwachsnen Sündern das fremde Feuer an. Sind sie der Erd' entrissen, dann können wir erst wissen, daß sie die Welt nicht fällen kann. 8. D, wohl auch diesem Kleinen, das heute wir beweinen! Zeuch hin, du liebes Kind! Du gehst zu früh nicht schlafen; bleibst du doch bei den Schafen, die ewig unsres Jesu sind. 3. A. Rothe,+ 1758. 31* 484 V. Zukunft. 2. Die Zukunft nach dem Tode. A. Auferstehung. Eigene Melodie. 755. Auferstehn, ja auferstehn wirst du, mein Staub, nach kurzer Ruh'; unsterblich Leben wird, der dich schuf, dir geben. Halleluja! 2. Wieder aufzublühn, werd' ich gesä't; der Herr der Ernte geht und sammelt Garben; er sammelt uns, die starben. Halleluja! 3. Tag des Danks, der Freudenthränen Tag, du meines Gottes Tag, weckst mich im Grabe, wenn ich geschlummert habe. Halleluja! 4. Wie den Träumenden wird uns dann sein; mit Jesu gehn wir ein zu seinen Freuden nach allen unsern Leiden. Halleluja! 5. Ach, in's Allerheiligste führt mich mein Mittler dann, lebt' ich im Heiligthume zu seines Namens Ruhme. Halleluja! F. G. Klopstod, † 1803. Mel. Christus, der ist mein Leben. 576. Einst geh' ich ohne Beben zu meinem Tode hin; denn Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn. 2. Ich scheue nicht die Schrecken der freudenleeren Gruft; Gott wird mich auferwecken, der mich zum Grabe ruft. 3. Und rief' mich, abzuscheiden, auch heute noch mein Gott, so folg' ich ihm mit Freuden und sterb' auf sein Gebot. 4. Ich hoff' ein beffres Leben nach dieser Uebungszeit; mein Gott wird mich erheben zum Glück der Ewigkeit. 5. Dann eil' ich dir ent gegen, mein triumphirend Haupt, und seh' entzückt den Segen des Heils, das ich geglaubt. C. G. Sturm,+ 1786. Mel. Christus, der ist mein Leben. 577. Ich weiß, an wem Auferstehung. ich glaube, und mein Erlöser lebt, der, wird der Leib zu Staube, den Geist zu sich erhebt. 2. Ich weiß, an wem ich hange, wenn Alles wankt und weicht, der, wird dem Herzen bange, die Rettungshand mir reicht. 3. Ich weiß, wem ich vertraue, und wenn dies Auge bricht, daß ich ihn ewig schaue, ihn selbst, von Angesicht. 4. Er trocknet alle Thränen so tröstend und so mild, und mein unendlich Sehnen wird nur durch ihn gestillt. A. H. Niemeyer,+ 1827. Eigene Melodie. 578. Jesus, meine Zuversicht und mein Heiland, ist im Leben! Dieses weiß ich, sollt' ich nicht darum mich zufrieden geben, was die lange Todesnacht mir auch für Gedanken macht? 2. Jesus, er, mein Heiland, lebt; ich werd' auch das Leben schauen, sein, wo mein Erlöser schwebt; warum sollte mir denn grauen? Läffet 485 auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht? 3. Jch bin durch der Hoffnung Band zu genau mit ihm verbunden, meine starke Glaubenshand wird in ihn gelegt befunden, daß mich auch kein Todesbann ewig von ihm trennen kann. 4. Ich bin Fleisch und muß daher auch einmal zu Asche werden; dieses weiß ich, doch wird er mich erwecken aus der Erden, daß ich in der Herrlichkeit um ihn sein mög' allezeit. 5. Einen Leib wird Gott mir baun dann aus diesem meinem Leibe, und darin werd' ich ihn schaun, wie ich auf sein Wort ihm gläube, und in diesem Leib werd' ich Jesum sehen ewiglich. 6. Dieser meiner Augen Licht wird ihn, meinen Heiland, kennen; ich, vor seinem Angesicht, werd' in seiner Liebe brennen; nur die Schwachheit um und an wird von mir sein abgethan. 7. Was hier kranket, ſeufzt V. Zukunft. 486 und fleht, wird dort frisch und herrlich gehen; irdisch werd' ich ausgesä't, himmlisch werd' ich auferstehen; hier geh' ich natürlich ein, nachmals werd' ich geistlich sein. 8. Seid getroft und hoch erfreut, Jesus trägt euch, meine Glieder; gebt nicht Statt der Traurigkeit! Sterbt ihr, Christus ruft euch wieder, einst die Posaune klingt, die durch alle Gräber dringt. wenn 9. Lacht der finstern Erden kluft, lacht des Todes und der Höllen; denn ihr sollt euch aus der Gruft eurem Heiland zugesellen; dann wird Schwachheit und Verdruß liegen unter eurem Fuß. 10. Nur daß ihr den Geist erhebt von den Lüsten dieser Erden und euch dem schon jeßt ergebt, dem ihr beigefügt follt werden. Schickt das Herz nur da hinein, wo ihr ewig wünscht zu sein. Louise Henriette, Churf. v. Brandenb., + 1667. Mel. Werde munter, mein Gemüthe. 579. Wenn ich einst von jenem Schlummer, welcher Tod heißt, aufersteh', und, befreit von allem Kummer, jenen schönen Morgen seh', o dann. wach' ich anders auf, schon am Ziel ist dann mein Lauf; Träumen gleich entfliehn die Sorgen, großer Tag, an deinem Morgen. 2. Hilf, daß keiner meiner Tage, Vater meiner Lebenszeit, einst mich im Gericht ver klage, daß ich sträflich ihn entweiht. Auch noch heut bin ich erwacht; Dank sei deiner Huld und Macht! Laß, Herr, heilig und in Segen diesen Tag zurück mich legen. 3. Laß mich nicht untröstlich zittern, wenn mein letter Tag erscheint, nicht Verzweiflung mich erschüttern, wenn mein Freund nun um mich weint. Lindre dann des Todes Pein; laß mein End' ihm lehrreich sein, daß ich ihn zum Himmel weise, und dich, Herr des Todes, preiſe. F. G. Klopstod,+ 1803. Weltgericht. B. Weltgericht. Mel. Valet will ich dir geben. 580. Du Richter aller Wel- Segen oder Fluch. ten, ich denk' an dein Gericht, mag's auch den Thoren gelten für eitles Wahngedicht. Dein Wort und mein Gewissen verkündet's deutlich mir: ich werde stehen müssen zur Rechenschaft vor dir. 2. Ich seh' die Erde beben; geöffnet muß die Gruft die Todten wiedergeben, wenn deine Stimme ruft. Jch höre die Posaunen in meinen Ohren schon und sehe mit Erstaunen dich nahn, o Menschensohn. 3. Ich sehe schon dich sitzen in deiner Herrlichkeit, seh', wie in tausend Blißen der Welt ihr Ende dräut; ich sehe schon die Schaaren, die rings sich eingestellt, so viel, als Menschen waren von Anbeginn der Welt. 487 deinem Mund empfahen zum 5. Nun werden sie geschieden; du stellst zur rechten Hand und führst zum sel'gen Frieden, die du als treu erkannt. Die Bösen gehn zur Linken aus deinem Angesicht und müssen dort versinken, wo weder Trost noch Licht. 6. Das lehre mich erwägen, Herr, bis zum Tode hin; es komme, mir zum Segen, mir nimmer aus dem Sinn. Hilf, daß ich auch in Zeiten auf des Gerichtes Tag mit Ernst mein Herz bereiten, mein Leben schicken mag. 7. Und ist der Tag vorhanden, dann, Herr, erhör mein Flehn, und laß mich nicht mit Schanden vor deinem Throne stehn. Stell mich zu deiner Rechten, von aller Schuld befreit; führ mich mit deinen Knechten in deine Herrlichkeit. B. Schmold,+ 1737. 4. Du rufft, und Alle kom men vor deinen Richterthron; den Sündern, wie den Frommen giebst du gerechten Lohn. Hier muß ein Jeder nahen Eigene Melodie. und seinen Urtheilsspruch aus 581. Es ist gewißlich an V. Zukunft. 488 der Zeit, da Gottes Sohn wird kommen in seiner Macht und Herrlichkeit, wie wir von ihm vernommen, daß zum Gerichte diese Welt vor ihm soll werden dargestellt und dann ihr Ende nehmen. 2. Wie wird auf Erden überall sein Tag die Herzen schrecken! Hell tönet der Pofaune Schall, die Todten zu erwecken, indeß der Herr, was hier ihm lebt, durch seine Macht zu sich erhebt, daß er es herrlich wandle. 3. Ein Buch alsbald wird aufgethan, darinnen steht geschrieben, was hier auf Erden Jedermann hat lebenslang getrieben; daraus ein Jeglicher erfährt, was seine Thaten waren werth vor Gottes Angesichte. 4. Dann wehe dem, der Gottes Wort im Leben hat verachtet, auf Sündenwegen fort und fort nach Eitlem nur getrachtet; gar übel wird er dort bestehn, wird fern von Christo müssen gehn die Straße der Verdammten. 5. Was werd' ich armer Sünder dann dann vor Gottes Throne sagen? Wer ist, der dort mir helfen kann, daß ich nicht muß verzagen? Du wirst es thun, Herr Jesu Christ, da du zuvor gekommen bist, die Sünder zu erlösen. 6. O Jesu, hilf zu solcher Zeit, hilf mir durch deine Wunden, daß in dem Buch der Seligkeit mein Name werd' gefunden. Ich will getroft im Glauben sein; du hast mit deiner Todespein auch meine Schuld bezahlet. 7. Ja, Herr, sprich aus dem Buch mich frei, darin verzeichnet stehen, die dir und deinem Worte treu den Weg des Lebens gehen; daß ſammt den Brüdern ich mit dir einziehezu des Himmels Thür, den du uns hast erworben. 8. O Jesu Christ, wir warten dein mit herzlichem Verlangen; denn bis dein jüngſter Tag tritt ein, will uns auf Erden bangen. Komm, Richter, komm, der du bist groß an Macht und Gnade, mach uns los von allem Uebel. Amen. B. Ringwaldt, 1598. Weltgericht. Mel. Straf mich nicht in deinem Zorn. 582. Herr, ich bin dein Eigenthum, dein ist auch mein Leben; mir zum Heil und dir zum Ruhm haft du mir's gegeben. Väterlich führst du mich auf des Lebens Wegen meinem Ziel entgegen. 2. Einst kommst du mit großer Kraft zum Gericht auf Erden; dann soll ich zur Rechenschaft dargestellet werden. Dein Gericht schonet nicht, Richter aller Welten; denn du willst vergelten. 3. Weh dann mir in Ewigkeit, wenn ich bis zum Grabe nur dem Eiteln dieser Zeit nachgetrachtet habe! Wehe nir, hab' ich hier nicht in Prüfungsstunden, Herr, dein Heil gefunden! 4. Möchte täglich dein Gericht mir vor Augen schweben; möcht' ich allezeit im Licht, Höchster, vor dir leben, fort und fort durch dein Wort mich erwecken lassen, alle Sünde haffen! 489 Beste wählen. Gieb, daß ich ernstlich mich jeden Tag, auch heute, christlich vorbereite. 6. Zeigt sich erst die Ewigkeit furchtbar in der Nähe, ach, wer giebt mir dann noch Zeit, daß ich in mich gehe? Wenn der Tod schon mir droht, wo find' ich noch Gnade auf dem dunkeln Pfade? 7. Mein Gewissen strafe mich schnell für jede Sünde, daß ich, Mittler, bald durch dich Gnade such' und finde. Dann rufst du einst mir zu: Dir auch ist vergeben, Sünder, du sollst leben! 5. Lehre mich gewissenhaft meine Tage zählen, eingedenk 8. Ja, dann werd' ich im Gericht, Herr, vor dir bestehen und vor deinem Angesicht Freud' und Wonne sehen. Ewig dein werd' ich sein und im höhern Leben dankbar dich erheben. B. Münter,+ 1793. Eigene Melodie. 583. Ich bin ja Herr in deiner Macht; du hast mich an das Licht gebracht, und du allein erhältst mein Leben. der Rechenschaft, stets das Du kennest meiner Monde 490 V. Zukunft. Zahl, du kennst die Stunde auch zumal, da hier ich gute Nacht muß geben. Wie, wo und wann ich sterben soll, das Alles, Vater, weißt du wohl. 2. Wen hab' ich nun, als dich allein, der mir in meiner letzten Bein vermöchte Rath und Trost zu bringen? Wer nimmt sich meiner Seele an, wenn Niemand mehr mir helfen kann, und mit dem Tode ich muß ringen? Wenn alle Sinne mir vergehn, dann wirst du mir zur Seite stehn. 3. Mich dünkt, schon lieg' ich kraftlos da, des Jammers Bild, dem Tode nah, von seinem kalten Arm umfangen; das Aug' ist dunkel, wie das Grab, Gehör und Sprache nehmen ab, das Herz erfüllet Angst und Bangen; die Sünde läßt mir keine Ruh', die Anfechtung sett hart mir zu. 4. Ich höre der Posaune Ton, ich sehe den Gerichtstag schon, der mir mein Urtheil will verkünden. Hier zeigt mir des Gewissens Buch, dort droht mir des Geseßes Fluch die reife Ernte meiner Sün den. Verfehlt hab' ich das ew'ge Heil; der Hölle Pein wird mir zu Theil. 5. Kein Geld und Gut errettet mich; umsonst erbeut ein Bruder sich, den andern aus dem Bann zu lösen. Wer hier verlor die Gnadenzeit, der bleibt für alle Ewigteit versunken in das Reich des Bösen. Wer hilft mir nun in solcher Noth? Du, Gott, allein, des Todes Tod. 6. Kein Andrer hat Ge walt an mir; gesündigt hab' ich nur an dir, der du so väterlich mich liebest, und, ob auch meine Missethat nur deinen Zorn verdienet hat, mir gnädig doch die Schuld vergiebest. Es nehm' ihr Theil die Hölle hin; ich weiß, daß ich der Deine bin. 7. Herr Jesu, durch dein theures Blut, das du vergosseſst mir zu gut, bezeug ich, daß ich dir gehöre. Bedrohet mich das Zorngericht, so zeige mir dein Angesicht und rette deines Leidens Ehre. Du hast so viel an mich gewandt; Weltgericht. gieb mich doch nicht in Feindes Hand. 8. Mein Heiland, dir vertraue ich, du wirst am lezzten Ende mich mit deiner Gnadenhand bedecken; so kann mich keine Sterbensnoth, kein Fluch, den das Gesetz mir droht, so kann die Hölle mich nicht schrecken. Dieweil ich lebte, war ich dein; nie werd' ich eines Andern sein. S. Dach,+ 1659. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 584. Schon ist der große Tag bestimmt, da, wer auf Erden wandelt, sein Loos aus Gottes Händen nimmt, nach dem er hier gehandelt. Er kommt, er kommt, des Men schen Sohn, er kommt auf hohem Wolken- Thron, der Erde Kreis zu richten. 491 3. Hier muß der falsche Wahn der Welt der Wahrheit unterliegen; hier, wo das Recht die Waage hält, wird keine Bosheit siegen; hier ist zur Buße nicht mehr Frist; hier gilt nicht mehr Betrug und List, hier gilt kein falscher Zeuge. 4. O Herr, mit welcher Majestät wirst du das Urtheil fällen, die Sünder, die dich hier verschmäht, zu deiner Linken stellen, da ihrer wartet Höllenpein! Wer wird dann noch ihr Netter sein? Ihr Hoffen ist verloren. 2. Hier, an dem Rand der Ewigkeit, hier stehn die Millionen, die seit dem ersten Tag der Zeit auf dieser Erde woh nen, nur dem Alwissenden bekannt, unzählbar, wie am Meer der Sand, hier stehn sie vor dem Richter. 5. Wie herrlich aber wird alsdann der Frommen Lohn erscheinen! Du, Herr, nimmst sie zu Ehren an, erklärst sie für die Deinen. Sie sehn mit froh erstauntem Blick, daß Glaub' und Lieb' das höchste Glück durch Gottes Huld ererben. 6. Sie gehn nun in das sel'ge Reich, das Gott für fie bereitet, und sehn, auf ewig Engeln gleich, ihr Heil dort ausgebreitet. Das Stückwerk wird Vollkommenheit, kein -492 V. Zukunft. Kummer, keine Traurigkeit stört forthin ihre Freude. 7. Mein Heiland, laß mich dein Gericht oft und mit Ernst bedenken. Es stärke meine Zuversicht, wenn hier mich Leiden kränken; es reize mich, gewissenhaft und eingedenk der Rechenschaft nach deinem Wort zu wandeln. G. 3. Zollikofer, † 1788. stark, von Wahrheit mächtig, ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werthe Kron', Herr Jeſu, Gottes Sohn! Hosianna! Wir folgen All' zum Freudensaal und halten mit das Abendmahl. entgegen gehn. 2. Zion hört die Wächter fingen; das Herz will ihr vor Freude springen, sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, von Gnaden 3. Ruhm und Preis sei dir gesungen mit Menschenund mit Engelzungen, mit Cymbelschall und Harfenton. Von zwölf Perlen sind die Thore zu deiner Stadt; wir stehn im Chore der Engel hoch um deinen Thron. Was nie ein Ohr vernahm, was in kein Herz je kam, dort erfüllt sich's; drum jauchzen wir und singen dir das Halleluja für und für! Ph. Nicolai,+ 1608. Eigene Melodie. 585. Wachet auf, ruft uns die Stimme der Wächter sehr hoch auf der Zinne, wach auf, du Stadt Jerusalem! Mitternacht heißt die Stunde. Sie rufen uns mit hellem Munde: Wo seid ihr klugen Jungfrauen? Wohlauf, der Bräut'gam kömmt; steht auf, die Lampen nehmt. Halleluja! Macht euch bereit zu der Mel. Wachet auf! ruft uns die Stimme. Hochzeit. Ihr müsset ihm 586. Wachet auf vom Schlaf, ihr Sünder! Erwacht, denn euch, o Menschenkinder, erwarten Tod und Ewigkeit. Lohn und Strafe, Tod und Leben hat Gott in eure Hand gegeben; erwacht! noch ist zur Bessrung Zeit! Gerecht, Ewigkeit. gerecht ist Gott; er hört der Frevler Spott. Frevler zittert! Wißt, was er spricht, gereut ihn nicht; er kommt gewiß und hält Gericht. 2. Sünder werden angstvoll zagen, sich vor dem Richter selbst verklagen und bebend stehn vor seinem Thron. Jauch zet, jauchzt, ihr, seine Frommen! Er wird zu eurem Heile kommen; bald kommt er und mit ihm sein Lohn. Euch schrecket kein Gericht; der Herr verwirft euch nicht. Euer Mittler hat euch verC. Ewigkeit. Mel. Valet will ich dir geben. 587. Bald ruft zum Hochzeitsfeste in seiner Herrlichkeit der Bräutigam die Gäste: Kommt Alle, es ist Zeit! Daß nicht im Schlaf der Sünden, daß nicht in träger Ruh' der Ruf uns möge finden, hilf uns, o Herr, dazu. 493 föhnt, mit Gott versöhnt; wer überwindet, wird gekrönt. 3. Seid bereit, ihn mit Verlangen, mit reinem Herzen zu empfangen; denn plößlich bricht sein Tag herein, und der Richter wird vom Bösen sein Volk, die Frommen, ganz erlösen und sie von Sünd' und Tod befrein. Dann ist. vollkommnes Heil in Ewigkeit thr Theil. Jauchzt, ihr Frommen, seid stets bereit! Vald kommt die Zeit, und mit ihr kommt die Ewigkeit. G. B. Funt,+ 1814. 2. Hilf, daß der Zeit ge wärtig, die Gott sich hat er fehn, wir stets uns halten fertig, entgegen dir zu gehn, mit Del versehn zum Lichte, die Lampen bei der Hand, zu deinem Angesichte auf schauend unverwandt. 3. Stehn wir dann vordem Throne nach wohl vollbrachtem Lauf, so sezt die Ehrenkrone Gott selber dort uns auf, nimmt uns zur Feierstunde an's Vaterherz so mild zum sel'gen Gnadenbunde, der alle Sehnſucht stillt.. 4. Es bringen uns Will 494 V. Zukunft. kommen die Patriarchen dar, wir sehn uns aufgenommen von der Propheten Schaar, wir treten im Geleite der hohen Märtyrer an der Apostel Seite in's heil'ge Himmelsheer. 5. Wir werden ewig sehen sammt ihnen Jesum Christ und ihm zur Rechten stehen, der unser Bruder ist; da beten wir mit Freuden den treuen Heiland an, der uns hat durch sein Leiden den Himmel aufgethan. 6. Da hören wir erklingen das ew'ge Saitenspiel, und Engelstimmen singen der süßen Lieder viel; verklärter Geifter Chöre verkünden allzugleich des Vaters Preis und Ehre in seinem Himmelreich. 7. Er wird uns dann geleiten in's schöne Paradies, die Hochzeit uns bereiten, zu der er rufen ließ. Im Licht der Gnadensonne herrscht dort nur Lieb' und Treu'; mit ihr wird Freud' und Wonne an jedem Tage neu. 8. So wird uns Gott er lösen aus aller Erdennoth, von aller Macht des Bösen, von Trübsal, Angst und Spott, von Trauern, Weh und Klagen, von Krankheit, Schmerz und Leid, von Schwermuth, Sorg' und Zagen, vom Elend dieser Zeit. 3. Walther, t nach 1564. Mel. Aus meines Herzens Grunde. 588. Der lette meiner Tage ist mir vielleicht nicht fern, dann bring' ich statt der Klage mein Loblied vor den Herrn; denn nach vollbrachtem Lauf seßt mir am Himmelsthrone der Ueberwinder Krone mein Gott und Vater auf. 2. Für seines Reiches Erben hat Christus mich erklärt; was fürcht' ich mich, zu sterben, wenn er mich sterben lehrt? Getrost zieh' ich dahin auf meinem lezten Pfade; durch meines Heilands Gnade ist Sterben mein Gewinn. 3. Die dunkle Erde decket nicht mich, nur mein Gebein; ich gehe, auferwecket, zum höhern Leben ein. Der letzte Feind, der Tod, reißt nur Ewigkeit. des Leibes Glieder als morsche Hütte nieder; den Geist führt er zu Gott. 4. Zu jenes Lichtes Wonnen, das, ewig ungetrübt, hoch über allen Sonnen den Gnadenthron umgiebt, in der Verklärten Schaar, die mit der Engel Heeren dort ihren Herrscher ehren, ihn schauen im merdar. 5. Die Leiber seiner From men sind Saat, von Gott gefä't. Die Freudenzeit wird kommen, da reif die Ernte steht. Dann wird der Erntetag ein neues, ew'ges Leben auch meinem Staube geben, der tief im Tode lag. 6. Dir bleib' ich, Herr, er geben, dir, meines Lebens Fürst, der du mich einst zum Leben, zum Himmel führen wirst. Ich harre deiner Zeit, getreu in deinem Bunde, und freue mich der Stunde, die ewig mich befreit. 7. Dann geh' ich ohne Kummer des Todes dunkle Bahn; mir bricht nach kurzem Schlummer ein ew'ger Morgen an. Heil mir! er ist 495 nicht fern, der letzte meiner Tage, er wandelt meine Klage in Lobgesang zum Herrn. B. Münter,+ 1793. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 589. Einst selig dort zu werden, das ist und bleibt auf Erden mein heiliger Beruf. Unsterblichkeit und Leben wird mir im Himmel geben Gott, der zum Leben mich erschuf. 2. Die Erde, da wir wallen, oft straucheln, oft auch fallen, ist nur ein Pilgerland; hinauf zum Himmel leitet, zur Ewigkeit bereitet der Frommen kurzer Uebungsstand. 3. So soll nicht Lust noch Leiden von meinem Gott mich scheiden, mich, der ich ewig bin. Was ist dies Erdenleben? Wozu ist mir's gegeben? Wie lange währt's, so ist's dahin! 4. Einst selig dort zu werden, das ist und bleibt auf Erden mein heiliger Beruf. So sei es all' mein Streben, V. Zukunft. 496 in dir allein zu leben, Gott, der zur Ewigkeit mich schuf. G. V. Funt, † 1814. Mel. Valet will ich dir geben. 590. Ein Tröpflein von den Reben der süßen Ewigkeit kann mehr Erquicung geben, als dieser eitlen Zeit gesammte Wohlgenüsse. Wer nach dem Himmel strebt, tritt unter seine Füße, was hoch die Welt erhebt. 2. Wer einen Blick nur sähe von dir, o Herr und Gott, in deiner heil'gen Nähe würd' ihm die Welt zum Spott mit allem ihren Wesen; so herrlich und so rein, so lieblich und erlesen ist deiner Augen Schein. 3. D Licht, das ewig brennet, das jede Nacht durchdringt, das keinen Wechsel kennet, wie ihn dies Leben bringt! O selige Gemeinde, drin Gottes Engel stehn und Hand in Hand als Freunde mit frommen Men schen gehn! 4. Da lebt vollkommne Liebe, erfüllend jede Brust; da fließt aus ihrem Triebe die reinste Himmelsluft. Gott selbst ist diese Wonne, der Liebe Preis und Quell; als Paradiesessonne erglänzt er gnadenhell. 5. Sein Licht wird in uns leuchten; des ew'gen Weinstocks Saft wird unsre Lippen feuchten mit frischer Lebenskraft. Erfüllt von seiner Klarheit gehn wir zum Leben ein und schaun die ew'ge Wahrheit in seiner Gottheit Schein. 6. Was wünschest du für Gaben? Du wirst sie finden dort, wirst in dir selber haben die Fülle fort und fort; denn der, vor welchem Kronen Nichts sind, als Staub und Spott, wird selber in dir wohnen, und du in deinem Gott. 7. Wann werd' ich einmal kommen zu jener Seligkeit? O, würd' ich aufgenommen bei meinem Gott schon heut! Nimm unterdeß mein Flehen, Herr Jesu, gnädig an, bis ich in jenen Höhen dein Antliß schauen kann. E. Finx( Francisci),+ 1694. Ewigkeit. Mel. Wie wohl ist mir, o Freund der zc. 591. Es ist noch eine Ruh' vorhanden; auf, müdes Herz, verzage nicht! Du seufzest hier in deinen Banden, und sehnest dich nach Trost und Licht. Sich auf das Lamm, das dort mit Freuden dich will vor seinem Stuhle weiden; wirf hin die Laft, ihm eile zu. Bald ist der schwere Lauf vollendet, zum Sieg hat sich der Kampf gewendet, und du gehst ein zu deiner Ruh'. 2. Die Ruhe hat uns Gott erkoren, die nimmermehr ein Ende nimmt; sie war, eh' noch ein Mensch geboren, von seiner Liebe uns beſtimmt. Der Heiland wollt' am Kreuze sterben, uns diese Ruhe zu erwerben; einladend ruft er weit und breit: Ihr müden und beladnen Seelen, es soll euch nicht an Ruhe fehlen; kommt, gehet ein zur Seligkeit! 3. Was mag doch einen Kranken laben und einen müden Wandersmann? Wird jener nur ein Lager haben, auf dem er sänftlich ruhen kann, darf dieser nur sich 497 niederseßen, an einem frischen Trunk sich leßen, wie thut es ihnen herzlich wohl! Doch, das sind kurze Ruhestunden; einst kommt, wenn sie dahin geschwunden, die Ruh', die ewig währen soll. 4. Da werden Freudengarben bringen, die Thränensaat hier ausgestreut; da werden Jubellieder singen, die hier geseufzt in Traurigkeit; da werden Leid und Schmerzen weichen, es wird kein Tod uns mehr erreichen, wenn uns das Vaterhaus umschließt; wir werden unsern König sehen; ja, was mag Großes dort geschehen, das hier uns noch verborgen ist! 5. Da ruhen wir im tiefsten Frieden und leben ewig sorgenlos. Ach, faffet doch das Wort, ihr Müden, legt euch dem Heiland in den Schooß. Ach, daß uns Flügel möchten tragen dorthin, wo nach der Wallfahrt Tagen schon unser harrt der Sel'gen Schaar! Hinauf, mein Geist, an ihren Freuden, an ihren Schäßen dich zu weiden! 32 498 V. Zukunft. Hinauf, es kommt das Ruhe jahr! 3. S. Kunth, 1779. Mel. Nun preiset Alle 2c. 592. Jch hab von serne, Herr, deinen Thron erblickt, und hätte gerne mein Herz vorausgeschickt, und hätte gern mein müdes Leben, Schöpfer 593. Jerusalem, du hochEigene Melodie. der Geister, dir hingegeben. gebaute Stadt, wollt' Gott, ich wär' in dir! Mein sehnlich Herz so groß Verlangen hat und ist nicht mehr bei mir. Weit über Thal und Hügel, weit über flaches Feld regt's schon des Glaubens Flügel und eilt aus dieser Welt. 2. O schöner Tag, o Stunde reich an Glück, wann brichst du mir doch an, da ich getrost in Gottes Hand zurück die Seele geben kann mit frohem Lobgefange als auserwähltes Pfand, daß ich nunmehr gelange in jenes Vaterland! 3. Jm Augenblick hinauf dann schwingt sie sich bis an das Himmelszelt, wenn sie verläßt so sanft, so wunderlich die Räume dieser Welt. 2. Das war so prächtig, was ich im Geist gesehn; du bist allmächtig, drum ist dein Licht so schön. Könnt' ich an deinen hellen Thronen doch schon von heute an ewig wohnen. ich die Stadt gesehn, und ohn' Ermüden will ich ihr näher gehn und ihre hellen goldnen Gassen lebenslang nicht aus den Augen lassen. J. T. Hermes,+ 1822. 3. Ach, ich bin sündig, noch dieser Welt geneigt; das hat mir bündig dein heil'ger Geist gezeigt; ich bin noch nicht genug gereinigt und noch zu wenig mit dir vereinigt. 4. Doch ich bin fröhlich, daß mich kein Bann erschreckt, fühle mich selig, weil deine Huld mich deckt. Ich will mich noch im Leiden üben und dich zeitlebens inbrünstig lieben. 5. Ich bin zufrieden, daß Ewigkeit. Elias Feuerwagen wird sie von hier empor zur wahren Heimath tragen, umringt vom Engelchor. 4. O Ehrenburg, mit Freuden grüß' ich dich; thu auf die Gnadenthür! Wie lange zog nach dir die Sehnsucht mich, eh' ich gelangt zu dir, eh' Gott mir hat gegeben nach jener bösen Zeit, nach jenem eitlen Leben, das Erb' der Ewigkeit! 5. Was für ein Volk, welch' eine edle Schaar, die dort schon zieht heran? Was in der Welt von Auserwählten war, mit Ehren angethan, hat Jesus zum Empfange entgegen mir gesandt, da ich noch seelenbange verweilt' im Thränenland. 6. Propheten groß und Patriarchen hoch und Christen ohne Zahl, die einst bewährt unter des Kreuzes Joch und der Verfolgung Qual, die seh' ich droben schweben verklärten Angesichts, in Herrlichkeit um geben vom Glanz des ew'gen Lichts. 7. Wenn endlich nun im Paradies ich bin, im schönen 499 Heiligthum, von höchster Freud' ist dann erfüllt mein Sinn, mein Mund voll Preis und Ruhm; dort, wo aus Engelchören das Halleluja dringt, wo, wundersam zu hören, das Hosianna klingt. 8. Wie wonnevoll, mit hellem Jubelklang bei SeraphsHarfenton, erhebt sich da mein Dank und Lobgesang am hohen Gnadenthron, wo ewig wird gesungen des großen Gottes Ehr' mit hunderttausend Zungen vom ganzen Himmelsheer! 3. M. Meyfart,+ 1642. mel. Wie schön leuchtet der Morgenstern. 594. Mein Geist, o Gott, wird ganz entzückt, wenn er nach jenem Himmel blickt, den du für uns bereitet. Dort wird erst deiner Allmacht Hand aus neuen Wundern recht erkannt, die du daselbst verbreitet. Mächtig fühl' ich mich getrieben, dich zu lieben, der zum Leben jener Welt mich will erheben. 2. Was sind die Freuden dieser Zeit, Herr, gegen jene 32* 500 V. Zukunft. Herrlichkeit, die wir im Himmel finden! Du stellst uns hier auf Erden zwar viel Wunder deiner Güte dar, daß wir sie froh empfinden; doch hier sind wir bei den Freuden. noch mit Leiden stets umge ben; dort nur ist vollkommnes Leben. 3. Dort ist kein Tod mehr und kein Grab, du trockneft alle Thränen ab von deiner Kinder Wangen; dort ist kein Leid mehr, kein Geschrei, denn du, o Herr, machst Alles neu, das Alte ist vergangen. Freund lich giebt sich den Erlösten, fie zu trösten, der zu kennen, den sie hier schon Vater nennen. 4. Gott, welche Schaar ist dort vereint! Die Frommen, die ich hier beweint, die find' ich droben wieder; dort sammelt deine Baterhand fie, die Ein Sinn schon hier verband, Herr, alle deine Glieder. Fröhlich werd' ich, frei von Män geln, mit den Engeln dir lobfingen, Preis und Dank dir ewig bringen. 5. Dort ist mein Freund, des Höchsten Sohn, der mich geliebt; wie glänzt sein Thron in jenen Himmelshöhen! Da werd' ich dich, Herr Jesu Christ, der du der Engel Wonne bist, mir zum Entzücken sehen. Nichts kann mich dann jemals scheiden von den Freuden, die du droben deinen Freunden aufgehoben. 6. Wie herrlich ist die neue Welt, die Gott den Frommen vorbehält, wenn sie voll Glaubens sterben! Der du vorangegangen bist, zieh dir mich nach, Herr Jesu Christ, hilf mir dein Reich ererben! Laß mich treulich darnach streben, dir zu leben auf der Erde, daß ich dort dein Erbe werde! A. Fritsch,+ 1701.. Mel.. Ach sagt mir nichts von Gold zc. 595. Nach einer Prüfung kurzer Tage erwartet uns die Ewigkeit; dort, dort verwandelt sich die Klage in selige Zufriedenheit. Hier kämpft der Christ mit Ernst und Fleiß, und jene Welt reicht ihm den Preis. Ewigkeit. 2. Wahr ist's, der Fromme schmeckt auf Erden schon man chen sel'gen Augenblick, doch alle Freuden, die ihn werden, sind ihm ein unvelkommnes Glück. Er bleibt ein Mensch, und seine Ruh' nimmt in der Seele ab und zu. 3. Bald stören ihn des Körpers Schmerzen, bald das Geräusch der eitlen Welt; bald tobt in seinem eignen Herzen ein Feind, der öfter fiegt, als fällt; bald finkt er durch des Nächsten Schuld in Kummer und in Ungeduld. 4. Hier such' ich nur, dort werd' ich finden, dort schau' ich, heilig und verklärt, erlöst von allen meinen Sünden, der wahren Tugend hohen Werth. Den Gott der Liebe werd' ich sehn, ihn lieben, ewig ihn erhöhn. 5. Da wird des Vaters heil'ger Wille mein Wille, meine Wohlfahrt sein, und lieblich Wesen, Heil die Fülle vor seinem Throne mich erfreun; da läßt ein ewiger Gewinn mich fühlen, daß ich felig bin. 501 6. Da werd' ich das int Licht erkennen, was ich auf Erden dunkel sah, das wunderbar und heilig nennen, was unerforschlich hier geschah; da schaut mein Geist mit Preis und Dank der Gottesschicklung wahren Gang. 7. Da werd' ich zu dem Throne dringen, wo Gott, mein Heil, sich offenbart; ein Heilig, Heilig, Heilig singen dem Lamme, das erwürget ward; und Cherubim und Seraphim und alle Himmel jauchzen ihm. 8. Da werd' ich in der Engel Schaaren mich ihnen gleich und heilig sehn, das nie gestörte Glück erfahren, fromm mit den Frommen um zugehn; da wird durch jeden Augenblick ihr Heil mein Heil, mein Glück ihr Glück. 9. Da werd' ich dem den Dank bezahlen, der Gottes Weg mich gehen hieß, und ihn zu Millionenmalen noch segnen, daß er ihn mir wies; da find' ich in des Höchsten Hand den Freund, den ich auf Erden fand. 502 V. Zukunft. 10. Da ruft, o möchte Gott es geben! vielleicht auch mir ein Sel'ger zu: Heil dir, denn in dem Erdenleben hast meine Seel errettet du! O Gott, wie muß das Glück erfreun, der Retter einer Seele sein! 11. Was seid ihr Leiden hier auf Erden doch gegen jene Herrlichkeit, die offenbart an uns soll werden von Ewigkeit zu Ewigkeit? Wie Nichts, wie gar nichts gegen sie ist doch ein Augenblick voll Müh'! C.. Gellert,+ 1769. Eigene Melodie. 596. Ewigkeit, du Don nerwort, o Schwert, das durch die Seele bohrt, o Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit, ich weiß vor Angst und Traurigkeit nicht, wo ich mich hinwende. Mein ganz erschrocknes Herz erbebt, wenn mir dies Wort im Sinne schwebt. 2. Kein Unglück ist in aller Welt, das endlich mit der Zeit nicht fällt und ganz wird aufgehoben; der Hölle Dauer hat kein Ziel, sie ist ein Meer, deß Wellenspiel niemals abläßt, zu toben; ja, wie mein Heiland selber spricht: ihr Wurm und Feuer stirbet nicht. 3. D Ewigkeit, du machst mir bang! D ewig, ewig ist zu lang! Hier gilt fürwahr kein Scherzen. Denn denk' ich an die lange Nacht, wo nicht mehr glänzt der Sonne Pracht, und an die tausend Schmerzen, dann fühl' ich: Nichts ist weit und breit so schrecklich, wie die Ewigkeit. 4. Ach Gott, wie bist du doch gerecht, wenn du so strafft den bösen Knecht mit ew'ger Qual und Schmerzen! Auf kurze Sündenlust der Welt hast du so lange Pein gestellt. Drum nimm es doch zu Herzen, vergiß es nicht, o Menschenkind: Kurz ist die Zeit, der Tod geschwind. 5. Wach auf von deinem Schlaf, wach auf, halt ein in deiner Sünden Lauf, und beffre bald dein Leben. Wach auf, denn es ist hohe Zeit, es kommt heran die Ewigkeit, dir deinen Lohn zu geben. Vielleicht ist heut der letzte Tag; wer Ewigkeit. weiß doch, wann er sterben mag? 6. Laß von der Wollust dieser Welt, von Pracht und Reichthum, Ehr' und Geld doch nicht dein Herz betrügen. Ob auch die Welt sich sicher meint, dich täusche nicht der alte Feind, der Vater aller Lügen. Vor allen Dingen hab in Acht des ew'gen Todes lange Nacht. 7. O Eivigkeit, du Donnerwort, o Schwert, das durch die Seele bohrt, o Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit, ich weiß vor Angst und Traurigkeit nicht, wo ich mich hinwende! Nimm du mich, wann es dir gefällt, Herr Jeſu, in dein Freudenzelt. 3. Rift,+ 1667. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen sein. 597. Sündenmensch, bedenk den Tod, der letzten Stunde Angst und Noth und halt in Buße dich bereit, zu leben in der Ewigkeit. 3. Erschallt in deinen Ohren nicht: Ihr Todten, kommet vor Gericht!? Ist doch der 503 jüngste Tag nicht weit, dem folgen wird die Ewigkeit. 4. Wenn du begehrest Got tes Huld, so meide alle Sündenschuld; wer sündigt, liegt mit Gott im Streit und büßt dafür in Ewigkeit. 5. Unzählig ist der Sterne Heer, die Tropfen und der Sand am Meer; doch haben sie Maaß, Ziel und Zeit, und gleichen nicht der Ewigkeit. 6. Befinne dich, denk fort und fort, was Ewig für ein Donnerwort. Ach, keiner Zeiten Zeit befreit dich von der ew'gen Ewigkeit! G. Ph. Harsdörffer,+ 1658. Me I. Alle Menschen müssen sterben. 598.0, wie werden wir so selig droben in dem Himmel sein! D, wie ernten wir so fröhlich dort die vollen Garben ein! Hier gehn wir einher und weinen; dort wird uns die Sonne scheinen, die, von keiner Nacht verhüllt, unser Herz mit Wonne füllt. 2. Ist es doch um's Erdenleben trüb und jämmerlich 504 bestellt. Ruhelos, von Müh' umgeben, gehen wir durch diese Welt; gehn dahin vom frühen Morgen bis zum Abend unter Sorgen; Kreuz und Trübsal, Angst und Noth ist hier unser täglich Brot. V. Zukunft. 3. Ach, wer sollte sich nicht sehnen, solchem Elend zu entfliehn, aus dem finstern Thal der Thränen in das Freudenland zu ziehn, wo sich unser Kreuz in Palmen, unser Klagelied in Psalmen, unsre Last in Zust verkehrt und der Friede ewig währt? 4. Da wird unser Aug' er blicken, was zu schauen selig ist; da wird unsern Mund erquicken, was aus Gottes Herzen fließt; da wird in das Ohr uns dringen, was nur Seelenlust kann bringen; und, befreit von jedem Schmerz, fühlt nur Labfal unser Herz. 5. Ach, wann werd' ich da hin kommen, daß ich Gottes Antlig schau'? Würd' ich bald doch aufgenommen in den schönen Himmelsbau, der von edlen Perlen funkelt, der das Sonnenlicht verdunkelt, und mit seiner Wunderpracht Goldes Glanz zu Schanden macht! 6. Nun, so stille mein Verlangen, du, mein Herr und Lebensfürst; laß mich bald dahin gelangen, wo du mich erquicken wirst. Unterdeß laß hier auf Erden meine Seele himmlisch werden, bis mein Loos in jener Welt auf das Lieblichste mir fällt! B. Schmold,+ 1737. Eigene Melodie. 599. Unter Lilien jener Freuden sollst du weiden; Seele, schwinge dich empor! Als ein Adler fleug behende; Jesu Hände öffnen schon das Perlenthor. 2. Laßt mich gehen, laßt mich laufen zu dem Haufen derer, die des Lammes Thron nebst dem Chor der Seraphinen schon bedienen mit dem rein sten Jubelton. 3. Löse, erstgeborner Bruder, doch die Ruder meines Schiffleins; laß mich ein in den Hafen deiner Heerde, wo ich werde aller Furcht ent rücket sein. Ewigkeit. 4. Nichts soll mir am Herzen kleben, süßes Leben, was die Erde in sich hält. Sollt' ich in der Wüste weilen und nicht eilen? Nein, ich eil' in's Himmelszelt. 5. Herzensheiland, laß den Glauben mir Nichts rauben, Glauben, der durch Alles dringt. Nach dir sehnt sich meine Seele in der Höhle, bis sie sich von hinnen schwingt. 6. D, wie bald kannst du es machen, daß mit Lachen unser Mund erfüllet sei. Du kannst durch die Todesthüren träumend führen und machst uns auf einmal frei. 7. Du hast unsre Schuld getragen; Furcht und zagen muß nun ferner von mir ferner von mir gehn. Tod, dein Stachel liegt danieder; meine Glieder wer den fröhlich auferstehn. 8. Gottes Lamm, dich will ich loben hier und droben mit der herzlichsten Begier. Du hast dich zum ew'gen Leben mir gegeben; hole mich, mein Gott, zu dir. I. L. C. Ullendorf,+ 1773. 505 Mel. Wie schön leuchtet der Morgenstern. 600. Wie wird mir dann, o dann mir sein, wenn ich, mich ganz des Herrn zu freun, in ihm entschlafen werde, vont feiner Sünde mehr entweiht, enthoben dieser Sterblichkeit, nicht mehr der Mensch der Erde! Herzlich freu dich, Seele, tröste dich, Erlöste, mit dem Leben, welches dir dein Gott wird geben. 2. Jch freue mich, und bebe doch, so drückt mich meines Elends Joch, der Sünde Fluch darnieder. Doch Jesus stärkt mich kräftiglich; an ihn, den Mittler, halt' ich mich, und er erhebt mich wieder. Jesus Christus, laß mich streben, dir zu leben, dir zu sterben, deines Vaters Reich zu erben. 3. Verachte denn des Todes Graun, mein Geist, er führet dich zum Schaun; zum großen Abendmahle im Heiligthume führt er dich, drum sei dir nicht mehr fürchterlich der Weg im dunkeln Thale. Zur Ruh' kommst du; überschwänglich, unvergänglich wird sie trösten dich im Bunde der Erlösten. 506 V. Zukunft. 4. Herr, Herr, ich weiß die Stunde nicht, die mich, wenn hier mein Auge bricht, abruft aus diesem Leben; vielleicht, mein Gott, wird ihre Nacht, noch eh' ich dies Gebet vollbracht, mein Angesicht umgeben. Treuer Vater, ich befehle meine Seele deinen Händen. Laß mich nur in Frieden enden. 5. Vielleicht find meiner Tage viel, noch fern bin ich vielleicht dem Ziel, an dem die Krone schimmert. Wird erst nach langer Gnadenzeit die Hütte meiner Sterblichkeit nach deinem Rath zertrümmert, hilf mir dann hier reiche Saaten solcher Thaten auszustreuen, deren ich mich dort darf freuen. 6. Wie wird mir dann, o dann mir sein, wenn ich, mich ganz des Herrn zu freun, ihn dort anbeten werde, von keiner Sünde mehr entweiht, ein Mitgenoff' der Herrlichkeit, nicht mehr der Mensch von Erde! Ewig Heilig werd' ich singen, werde bringen deinem Namen ewig Preis und Ehre! Amen. F. G. Klopstod,+ 1803. Register. A. Nr. . 10 1 Ach Gott, verlaß mich nicht.. 295 Ach Gott, vom Himmel sieh.. 213 Ach Herr, lehre mich bedenken 536 Ach höchster Gott, verleihe mir 296 Ach, sagt mir nichts von Gold 340 Ach, Schöpfer, steh mir bei.. Ach, sieh ihn dulden, bluten, 101 Ach, was soll ich Sünder machen 254 Ach wie nichtig, ach wie flüchtig 533 Ach, wundergroßer Siegesheld 143 Allein Gott in der Höh' sei Ehr' 2 Allein zu dir, Herr Jesu Christ 255 Alle Menschen müssen sterben. 550 Alles ist an Gottes Segen... 374 Alle Welt, was lebt und webet 203 Allmächtiger, ich hebe mein Aug' 460 Ach, bleib bei uns, Herr Jesu 167 Am Kreuz erblaßt.. Ach, bleib mit deiner Gnade. 168 Anbetungswürdiger Ach Gott, erhör' mein Seufzen 527 An dir allein, an dir hab' ich 256 Ach Gott und Herr.. 253 Auf, auf, den Herrn zu loben 461 Auf, auf, ihr Reichsgenossen.. 47 Auf, auf, mein Herz mit Freuden 123 Auf, auf, mein Herz, und du 190 Auf, Christi Himmelfahrt.... 144 Auf diesen Tag gedenken wir. 145 Auferstanden, auferstanden... 124 Auferstehn, ja auferstehn..... 575 Auf Gott und nicht auf meinen 375 Auf, hinauf zu deiner Freude. 297 Auf meinen lieben Gott..... 376 Auf, Seele, auf und säume nicht 75 Aus Gnaden soll ich selig werden 279 Aus irdischem Getümmel.... 37 Aus meines Herzens Grunde. 462 Aus tiefer Noth schrei' ich zu dir... 257 B. Nr. Bald ruft zum Hochzeitsfeste.. 587 Vedenke, Mensch, das Ende.. 537 Befiehl du deine Wege...... 377 Bei dir, Jesu, will ich bleiben 298 Bereite dich, o Christ, wir... 103 Bescheer' uns unser täglich Brot 505 Nr. 102 Nr. Beschwertes Herz, leg ab die.. 191 Besser ist kein Tag zur Buße. 258 Bete nur, betrübtes Herz.... 411 Bis hierher hat mich Gott... 421 Bleibe, es will Abend werden 476 Bleib, Jesu, bleib bei mir.... 448 508 Register. Nr. Brich an, du schönes Morgenlicht( Weihnacht)..... 57 Brich an, du schönes( Morgen) 463 C. Nr. Christe, du Lamm Gottes.... 83 Christ ist erstanden... 125 Christ lag in Todesbanden... 126 Nr. Brich an, du schönes Tageslicht 464 Brich entzwei, von Leid bezw. 104 Brunn alles Heils, dich ehren 3 Nr Dank sei Gott in der Höhe.. 465 Das alte Jahr ist nun dahin 488 Das alte Jahr vergangen ist. 489 Das Grab ist da; hier steht.. 552 Das ist ein theuer- werthes... 280 Das Leben Christi, unsers... 38 Das liebe neue Jahr geht an. 490 Deines Gottes freue dich.... 341 Dein Jesus rufet dich zur Buße 259 Dein König kommt, auf, meine 48 Dein Wort, o Herr, ist milder 214 Der beste Freund ist in dem.. 342 Der du bist A und O .... 491 Der du die Liebe selber bist.. 39 Der du in Todesnächten..... 180 Der du stets unsre Zuflucht bist 204 Der du zum Heil erschienen.. 181 Der Gerechten Seelen sind... 570 Der Glaub' ist eine Zuversicht 281 Der Heiland kommt; lobsinget 58 Der Herr, der aller Enden... 378 Der Herr, der einst auf Erden 40 Der Herr fährt auf gen Himmel 146 Der Herr ist Gott und keiner. 11 Nr. Christ sei gelobet und gebenedeiet 235 Chriftus, der ist mein Leben.. 551 Christ, wenn die Armen..... 435 Nr. Der Herr ist meine Zuversicht 379 Der Herr ist mein getreuer... 380 Der letzte meiner Tage...... 588 Der Winter ist vergangen... 500 Dich, Jesu, preisen unsre Lieder 211 Dich frönte Gott mit Freuden 147 Dich seh' ich wieder, Morgenlicht 466 Die auf der Erde wallen.... 538 Die Ernte ist zu Ende...... 509 Die Himmel rühmen des.... 12 Die Krankheit, deren Weh... 519 Die Seele Christi heil'ge mich 105 Dies ist der Tag, den Gott.. 59 Dies ist die Nacht, da mir... 60 Dies Kindlein, Jesu, ist nun. 223 Die Sonne stand verfinstert.. 106 Dir, bir, Jehovah, will ich... 205 Dir, milder Geber aller Gaben 510 Du, aller Menschen Vater... 436 Du bist der Weg, die Wahrheit 41 Du bist ja, Jesu, meine Freude 343 Du, dessen Augen flossen.... 84 Du gehst zum Garten... Du, meine Seele, singe..... 422 85 Register. Nr. Durch Trauern und durch... 492 Du Richter aller Welten.... 580 Du sollst glauben, und du, Armer 282 Nr. Ehre sei Gott in der Höhe, der 61 Ein Christ kann ohne Kreuz.. 381 Eine Heerde und Ein Hirt... 182 Einen guten Kampf hab' ich.. 553 Ein' feste Burg ist unser Gott 169 Ein Lamm geht hin und trägt 86 Ein reines Herz, Herr, schaff' 299 Eins ist Noth, ach Herr, dies 300 Eins ist Noth II..... G. 301 Einst geh' ich ohne Beben... 576 Einst selig dort zu werden... 589 Ein Tröpflein von den Reben 590 Ein Wohlstand ohne Gleichen 335 Erforsche mich, erfahr' mein.. 87 Erhalt uns, Herr, bei deinem 170 Erhebt den Herrn, ihr Frommen 62 Erhöre gnädig unser Flehen.. 212 Nr. Fahre fort, fahre fort....... 172 Folget mir, ruft uns das Leben 304 Freu dich sehr, o meine Seele 555 6. Nr. Geduld ist euch vonnöthen... 382 Geh aus, mein Herz, und suche 501 Geht nun hin und grabt mein 556 Geist der Wahrheit, lehre mich 154 Geist vom Vater und vom Sohn 155 Gelobet sei der Herr, mein Gott, 4 Gelobet jei'st du, Jesu Christ 67 509 Nr. Du unvergleichlich's Gut.... 344 Du, Vater deiner Menschentinder.. ... 13 Nr. 49 Er kommt, er kommt, geht ihm Ermuntre dich, mein schwacher 63 Erneure mich, o ew'ges Licht. 302 Erquicke mich, du Heil der Sünder 42 Erschienen ist der herrlich' Tag 127 Es glänzet der Christen..... 336 Es ist das Heil uns kommen. 283 Es ist ein Reis entsprungen.. 64 Es ist genug; so nimm, Herr, 554 Es ist gewißlich an der Zeit. 581 Es ist noch eine Ruh' vorhanden 591 Es ist vollbracht, so ruft am. 107 Es ist vollbracht, so ruft des. 108 Es fostet viel, ein Christ zu.. 303 Es wolle Gott uns gnädig sein 171 Es zieht, o Gott, ein Kriegesw. 523 Ew'ge Quelle wahrer Güter.. 153 Nr. Freuet euch, ihr Christen alle 65 Fröhlich soll mein Herz nun. 66 Früh Morgens, da die Sonn' 128 Nr. Gepreiset sei'st du, Jesu Christ 192 Gerechter Gott, vor dein Gericht 14 Getreuer Gott, wie viel Geduld 15 Gieb dich zufrieden und sei stille 383 Gieb mir, o Gott, ein Herz.. 437 Gott, deine Güte reicht so weit 206 Gott, der du Herzenskenner bist 369 510 Register. Nr. Gott, der du unser Vater bist 412 Gott, der du unsre Zuflucht bist 260 Gott des Himmels und der.. 467 Gott, durch dessen Wort entspr. 16 Gott! Erd' und Himmel sammt 17 Gottes Sohn ist kommen.... 68 Gott, gieb einen milden Regen 156 Gott, ich will mich ernstlich prüfen.... 261 Gott ist ein Schuß in Nöthen 173 Gott ist gegenwärtig.. Gott ist mein Hort.. Gott ist mein Lied.. Gott ist und bleibt getreu... Gott kann's nicht böse meinen 207 215 18 19 20 Nr. Habe deine Lust am Herrn.. 345 Halleluja! jauchzt, ihr Chöre. 129 Halleluja! Jesus lebt...... 130 Halleluja! Lob, Preis und Ehr' 6 Halt an, mein Herz, in deinem 387 Halt im Gedächtniß Jesum.. 236 Heil'ger Jesu, Heil'gungsquelle 43 Heil'ge Ruhestätte.. 566 Herr, allerhöchster Gott im... 515 Herr, auf dein Wort will ich. 216 Herr, bei jedem Wort und Werke 305 Herr, deine Kirche danket dir. 174 Herr, deine Sanftmuth ist nicht 438 Herr, der du als ein stilles Lamm 237 Herr, der du einst gekommen bist 88 Herr, der du mir das Leben. 477 Herr, der du vormals hast dein 524 Herr, der sein wahres Wort.. 370 Herr, du erforschest mich 24 Herr, du hast für alle Sünder 238 Nr. 384 Gott lebt ja noch Gott lebt. Wie kann ich traurig 385 Gottlob, der Sonntag kommt. 193 Gottlob, ein neues Kirchenjahr 197 Gott mit uns, Immanuel... 493 Gott ruft der Sonne und dem 2c. 494 Gott sei Dank durch alle Welt 50 Gott und Vater, wohn uns bei 5 Gott Vater, laß die Stunde.. 229 Gott Vater, sende deinen Geist 157 Gott, vor dessen Angesichte.. 21 Gott, wer ist dir zu vergleichen 22 Gott will's machen......... 386 Großer Gott, wir fallen nieder 23 Großer Mittler, der zur Rechten 148 ...... Nr. Herr, du hast in deinem Reich 25 Herr, du woll'st uns vollbereiten 239 Herr, es ist der Tag erschienen 194 Herr, es ist von meinem Leben 478 Herr Gott, dich loben wir für 525 Herr Gott, du bist die Zuflucht 26 Herr Gott, nun schleuß den.. 557 Herr Gott, vom Himmel droben 230 Herr, höre, Herr, erhöre.... 457 Herr, ich bin dein Eigenthum 582 Herr, ich habe mißgehandelt.. 262 Herr Jesu Christ, dein theures 240 Herr Jesu Christ, dich zu uns 208 Herr Jesu Christ, du höchſtes Gut( Abendmahl)...... 241 Herr Jesu Christ, du höchstes Gut( Buße) 263 Herr Jesu Christ, wahr'r.... 558 Herr Jesu, deine Angst und Pein 89 Herr Jesu, Gnadensonne.... 306 Register. Nr. Herr Jesu, Licht der Heiden.. 76 Herr Jesu, meines Lebens Licht 559 Herr, lehr mich thun nach... 307 Herr, öffne mir die Herzensthür 217 Herr, stärke mich, dein Leiden. 90 Herr, unser Gott, wir preisen. 495 Herr, wie du willst, so schick's 388 Herzlich lieb hab' ich dich.... 346 Herzlich thut mich verlangen.. 560 Herzliebster Jesu, was hast du 91 Herz und Herz vereint zusammen 439 Heut fang' ich wieder an zu zählen.... 496 Nr. Jauchzet Gott in allen Landen 132 Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket 69 Jauchzt unserm Gott mit.... 28 Ich armer Mensch, ich armer. 264 Ich bin ein Gast auf Erden. 534 Ich bin ein Mensch von Gottes 284 Ich bin getauft auf deinen... 224 Ich bin ja, Herr, in deiner.. 583 Ich danke dir für deinen Tod 110 Ich flüchte, Herr, in deine... 92 Ich geh' zu deinem Grabe... 133 Ich habe nun den Grund.... 285 Ich hab' es Gott anheimgestellt 539 Ich hab' in Gottes Herz und 389 Ich hab' in guten Stunden.. 390 Ich hab' mich Gott ergeben.. 561 Ich hab' von ferne,......... 592 Ich komme als ein armer Gast 242 Ich komme, Herr und suche dich 243 Ich lass' dich nicht, du mußt. 348 Ich lobe dich, mein Auge schauet 175 Ich preise dich, o Herr, mein. 244 511 Nr. Heut triumphiret Gottes Sohn 131 Hier legt mein Sinn sich vor. 308 Hilf, Helfer, hilf mir aus der 528 Hilf, Herr Jesu, laß gelingen 497 Hilf mir, mein Gott, hilf,... 309 Hilf uns, Herr, in allen Dingen 449 Himmelan geht unsre Bahn.. 310 Himmel, Erde, Luft und Meer 27 Hin an dein Kreuz zu treten. 109 Hinunter ist der Sonne Schein 479 Höchster Priester, der du dich. 347 Höchster Tröster, komm hernieder 158 Hosianna! David's Sohn... 51 Nr. Jch preise dich und singe, o Herr 520 Jch singe dir mit Herz und.. 29 Ich soll zum Leben dringen.. 311 Ich steh' an deiner Krippe hier 70 Jch sterbe täglich, und mein.. 540 Ich weiß, an wen ich glaube. 577 Jch weiß, mein Gott, daß all' 391 Ich will beten, Gott wird hören 413 Ich will den Bund mit meinem 245 Ich will dich lieben, meine... 349 Jch will von meiner Missethat 265 Jehova, Herr und König.... 458 Jerusalem, du hochgebaute... 593 Jesu, deine Passion.... 93 Jesu, deine tiefen Wunden... 94 Jesu, du hast uns erkauft.. Jesu, Freund der Menschen225 246 312 kinder.... Jesu, geh voran Jesu, großer Wunderjiern.... 77 Jesu, hilf siegen 313 Jesu, meine Freude....... 350 512 Register. Nr. Nr. ..... Jesu, meiner Seele Leben.... 351 In allen meinen Thaten..... 392 Jesu, meines Lebens Leben... 95 Jesus lebt, mit ihm auch ich. 134 Jesus, meine Zuversicht... 578 Jesus nimmt die Sünder an. 286 Jesus soll die Losung sein... 498 Ihr Völker, höret Christi Wort 183 Im Often flammt empor der. 468 In Christi Wunden schlaf' ich 562 In Christo nur der Glaube.. 440 In deiner Huld, Herr, freue.. 459 In dich hab' ich gehofft, o Herr 529 Jn dir ist Freude in allem Leide 352 In Gottes Namen fang' ich an 450 Jst Gott für mich, so trete.. 287 K. Nr. Kehre wieder, kehre wieder... 266 Kehr um, kehr um, verlorner. 267 Kein Stündlein geht dahin.. 541 König, dem kein König gleichet 44 König Jesu, streite, fiege.... 184 Komm, heiliger Geist, Herr.. 159 Nr.| Lasset mich voll Freuden sprechen 226 Lasset uns den Herren preisen 135 Lasset uns mit Jesu ziehen... 316 Laß fahren deine Sorgen.... 393 Laß mich dein sein und bleiben 317 Laß mir alle Zeiten sein..... 111 Laß mir die Feier deiner Leiden 96 Lebst du in mir, o wahres... 353 Licht vom Licht, erleuchte mich 195 Liebe, die du mich zum Bilde. 354 Lieblich ist die Morgenstunde. 469 Nr. komm, o fomm, du Geist des 160 Kommst du, kommst du, Licht 78 Kommt, Kinder, laßt uns gehen 314 Komm, Tröster, komm hernieder 161 Kommt und laßt euch Jesum 315 Kommt und laßt uns beten.. 414 Nr. Liebster Jesu, hier sind wir.. 227 Liebster Jesu, wir sind hier.. 209 Liebster Vater, ich, dein Kind. 268 Lobe den Herren, den mächtigen 423 Lobe den Herren, o meine Seele 424 Lob sei dem allerhöchsten Gott 71 Lobsinge, meine Seele, dem Herrn 504 Lobsinge, meine Seele, dem Welterlöser .... 136 Lobt Gott, ihr Christen allzugleich 72 Lobt, ihr Christen nah und fern 425M. C.... Nr. Nr. Mache dich, mein Geist, bereit 318 Meinen Jesum lass' ich nicht. 355 Mach's mit mir, Gott, nach.. 563 Mein Erlöser, Gottes Sohn.. 97 Macht hoch die Thür.. 52 Mein erst Gefühl sei Preis.. 470 Man lobt dich in der Stille. 426| Meine Seele senket sich...... 395 Meine Hoffnung stehet feste.. 394 Meines Herzens reinste Freude 356 Meine Lebenszeit verstreicht... 542| Mein Friedefürst, dein freundlich 357 Register. Nr. Mein Geist, o Gott, wird ganz 594 Mein Glaub' ist meines Lebens 288 Mein Gott, die Sonne geht.. 196 Mein Gott, du hast mich... 199 Mein Gott, du wirst mich nicht 112 Mein Gott, ich klopf' an deine 415 Mein Gott, ich wart' auf deine 530 Mein Gott, ich weiß wohl, daß 543 Mein Gott, nun ist es wieder ..... Morgen ... 471 Mein Gott, wie bist du so... 396 Mein Heiland nimmt die.... 289 Mein Herz, o Bater bring' ich 319 N. Nr. Nach einer Prüfung furzer Tage 595 Nacht umhüllte rings die Erde 185 Nicht der Anfang, nur das Ende 322 Nicht Opfer und nicht Gaben. 441 Nicht so traurig, nicht so sehr. 397 Nie bist du, Höchster, von uns fern 31 Nimm an den schwachen Preis Nimm von uns, Herr, du... 531 Noch läßt der Herr mich leben 474 Nun bitten wir den heiligen Geist 162 Nun danket Alle Gott...... 427 Nun danket All' und bringet. 428 Nun freut euch, liebe Christen 291 7 Nr. Christenmensch, erbarme dich 442 O, daß ich tausend Zungen.. 431 O, drückten Jesu Todesmienen 114 O du allersüß'te Freude..... 163 O Durchbrecher aller Bande.. 323 OEwigkeit, du Donnerwort. 596 O frommer und getreuer Gott 269 513 Nr. Mein Jesu, dem die Seraphinen 358 Mein Jesu, der du vor dem.. 247 Mein Jesus sieht mich an in. 290 Mein treuer Gott, ein neues. 486 Mert, Seele, dir dies große.. 320 Mir nach, spricht Christus,... 321 Mit Ernst, ihr Menschenkinder 53 Mit Fried' und Freud' fahr' ich 564 Mit fröhlichem Gemüthe..... 30 Mitten wir im Leben sind... 544 Mittler, schau auf sie hernieder 231 Morgenglanz der Ewigkeit... 472 Morgenstern der finstern Nacht 473 Nr. Nun jauchzet all', ihr Frommen 54 Nun ist es Alles wohl gemacht 113 Nun kommt das neue Kirchenjahr 198 Nun lasset uns den Leib in's 567 Nun laßt den Herrn uns preisen 511 Nun laßt uns gehn und treten 499 Nun laßt uns Gott, dem Herren 506 Nun lob', mein Seel', den... 429 Nun preiset Alle Gottes..... 430 Nun ruhen alle Wälder..... 480 Nun sich der Tag geendet hat 481 Nun zieht mit Macht der.... 502 Nur Gnade macht die Herzen Hell 292 Nr. O Gott, der du von Herzensgrund 32 O Gott, du frommer Gott... 324 O Gott, du fannst den Himmel 516 O Gottes Sohn, Herr Jesu.. 293 O Gott, im Namen Jesu Christ 517 Gott, von dem wir Alles.. 512 O Haupt voll Blut und Wunden 115 33 514 Negister 164 Oheil'ger Geist, kehr' bei uns ein... .... O Jesu Christe, wahres Licht. 79 Jesu, dir sei Preis und Dank 248 Jesu, Jesu, Gottes Sohu. 359 O Jesu, Licht und Heil der Welt 176 Jesu, meine Wonne...... 249 OKönig aller Ehren OKönig, deffen Majestät.... 270 O Lamm Gottes, unschuldig. 116 O Lehrer, dem kein andrer gleich 45 O mein Jesu, dessen Wunden 98 O Mensch, ermuntre deinen Sinn 271 80 Nr. Preis, Ehr' und Andacht opfern wir N. Nr. Ringe recht, wenn Gottes Gnade 326 Rüstet euch, ihr Christenleute. 327 ...... Rr. Schaffet, schaffet, Menschenkinder 328 Schatz über alle Schätze..... 360 Schmücke dich, o liebe Seele. 250 Schmückt das Fest mit Maien 165 Schöpfer meines Lebens..... 447 Schon ist der große Tag. 584 Seelenbräutigam.. 361 Seele, was ermüd'st dn dich. 329 Sei getreu bis an das Ende. 330 Sei Gott getreu, halt seinen. 331 Sei Lob und Ehr' dem..... 432 Sei mir tausendmal gegrüßet. 119 Selig find des Himmels..... 573 Selig, wer dich ewig liebet... 232 .... Nr. O Mensch, gedent an's Ende. 545 O Mensch, wie ist dein Herz. 218 O selig Haus, wo man dich. 451 O Sündenmensch, bedenk' den 597 O Traurigkeit, o Herzeleid... 117 O Vater aller Frommen..... 416 O Vater der Barmherzigkeit.. 272 Vaterherz, o Licht und Leben 325 D, was für ein herrlich Wesen 337 O Welt, ich muß dich lassen. 565 O Welt, sieh hier dein Leben. 118 O, wie selig seid ihr doch, ihr 571 O, wie werden wir so selig... 598 Nr. 8 Nr. Ruhe ist das beste Gut..... 338 Ruht nun in Gott, ihr Frommen 572 Nr. Siegeßfürst und Ehrenkönig.. 149 Siegreich stand mein Heiland. 137 Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig 332 Sieh in stiller Winterzeit.... 503 Singen wir aus Herzensgrund 507 So Jemand spricht: ich liebe. 443 So ist die Woche nun geschlossen 487 So laßt uns Jesu dankbar sein 99 Soll dein verderbtes Herz.... 219 Sollt' es gleich bisweilen.... 398 Sollt' ich meinem Gott nicht. 433 Sorge, Herr, für unsre Kinder 452 So ruhest du, o meine Ruh. 120 So schreib' ins Buch des Lebens 233 Negister. Nr. So mahr ich lebe, spricht dein Gott..... 273 Speise, Vater, deine Kinder.. 508 T. Nr. Thut mir auf die schöne Pforte 200 Trauernd und mit bangem... 138 11. Nr. Ueberwinder, nimm die Palmen 139 Umschließ mich ganz mit deinem 339 Unser Gott, wir danken dir.. 220 Unsern Ausgang segne Gott.. 210 Nr. Valet will ich dir geben..... 546 Vater, deines Geistes Wehen. 186 Vater, heilig möcht' ich leben. 275 Vater unser im Himmelreich. 417 Verleih' uns Frieden gnädiglich 526 Versuchet euch doch selbst.... 294 Verzage nicht, du Häuflein klein, 178 Nr. Steil und dornig ist der Pfad 333 Straf' mich nicht in deinem.. 274 Such', wer da will........ 362 Nr. Wach' auf, du Geist der ersten 187 Wach' auf, mein Herz, die Nacht 140 Wach' auf, mein Herz, und singe 475 Wachet auf! ruft uns die Stimme 585 Wachet auf vom Schlaf, ihr. 586 Walte, walte nah' und fern.. 188 Warum betrübst du dich,.... 400 Warum sollt' ich mich denn.. 401 Warum willst du draußen... 55 Was frag' ich nach der Welt. 363 Was Gott thut, das ist wohlgethan, es.. 402 515 Nr. Treuer Hirte deiner Heerde... 177 Troft im Leben, Ruh' im Grabe 568 Nr. Unsre müden Augenlider..... 482 Unter allen großen Gütern... 444 Unter Lilien jener Freuden... 599 Unumschränkte Liebe........ 33. Nr.. Voll Andacht, Dank und Freude 251. Vom Himmel hoch, da komm' 73 Von des Himmels Thron... 234 Von dir, du Gott der Einigkeit 453 Von Furcht dahin gerissen... 100 Von Gott will ich nicht lassen 399 Vorbild wahrer Menschenliebe 46 Nr.. Was Gott thut, das ist wohlgethan, so........... 513 Was Gott zusammenfügt.... 454 Was ich uur Gutes habe.... 371 Was ist's, daß ich mich quäle 403 Was macht ihr, daß ihr weinet 518 Was mein Gott will, das g'scheh' 404 Wasserströme will ich gießen.. 189 Was wär' ich ohne dich gewesen 36 i Weicht, ihr Berge, fallt ihr Hügel 405Welt, ade! ich bin dein müde 547 Wen hast du dir geladen.... 252 33* 516 Register. Nr. Wenn Christus seine Kirche schützt 179 Wenn dich Unglück hat betreten 418 Wenn ich einst von jenem... 579 Wenn ich ihn nur habe..... 365 Wenn ich, o Schöpfer, deine.. 34 Wenn kleine Himmelserben... 574 Wenn mein Stündlein...... 548 Wenn mich die Sünden fränken 121 Wenn sich die Sonn' erhebet. 483 Wenn wir in höchsten Nöthen 582( Himmelfahrt)......... 150 Wer das Kleinod will erringen 334 Wir glauben All' an einen Gott 9 Werde Licht, du Stadt der Heiden 81 Wir liegen hier zu deinen Füßen 277 Werde munter, mein Gemüthe 484 Wir Menschen sind zu dem, o Gott 221 Wer Gott vertraut, hat wohl. 406 Wir singen dir, Immanuel.. 74 Wer ist wohl wie du, Jesu,.. 366 Wir singen, Herr, von deinem 514 Wer nur den lieben Gott läßt 407 Wohlauf, mein Herz, vor Gott 419 Wer weiß, wie nahe mir mein 549 Wohlauf mit Gott zum letzten 569 Wer wohlauf ist und gesund. 521 Wohl dem, der fest im Glauben 420 Wie fleucht dahin der Menschen 535 Wohl dem, der richtig wandelt 373 Wie groß ist des Allmächt'gen 35 Rohl dem Menschen, der nicht 222 Wie herrlich ist, o Gott, dein 36 Wohl einem Haus, wo Jeſus 456 Wie hochheilig ist der Art... 201 Wohlzuthun und mitzutheilen. 446 Wie ist es möglich, höchstes.. 372 Wo ist der neugeborne Held.. 82 Wie ist es so lieblich, wenn.. 445 Wo soll ich fliehen hin...... 278 Wie ist mein Herz so fern von dir 276| Wo willst du hin, weil's Abend ist 485 Wie lieblich ist doch, Herr,... 202 Wie schön ist's doch, Herr... 455 Wie schön leuchtet der Morgenst. 367 Wunderanfang, herrlich's Ende 408 Wunderbarer König.. 434 Wunderbar ist Gottes Schicken 409 Nr. Zeuch ein zu meinen Thoren. 166 Zeuch uns nach dir......... 151 Zu deinen Füßen liege ich... 522 Wie soll ich dich empfangen... Wie wird mir dann, o dann. 600 Wie wohl ist mir, o Freund. 368 Willkommen, Held im Streite 141 Wir danken dir, Herr Jesu Christ 3. Nr. ( Tod)... Wir danken dir, Herr Jesu Christ ( Auferstehung)...... 142 Wir danken dir, Herr Jesu Christ ...... 122 Nr. Zu dir, Vater, beten wir.... 228 Zu Gott ist meine Seele still. 410 3um Himmel bist du eingeg.. 152 T Inches 1 Centimetres Blue 2 1 3 4 Cyan po 2 akiche 14 ¹6 7 5 Farbkarte# 13 3 Green 8 Yellow 9 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 CO 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8