Gb 4549 Go 45.49 Univ.- Bibl. Giessen Inhalt. Erste Abtheilung. Lieder, die zur christlichen Glaubenslehre gehören. 1) Vom Worte Gottes, Num. 1-13. 2) Vom Wesen Gottes und seinen Vollkommenheiten, Num. 14-41. 3) Von der Schöpfung, Num. 42-48. 4) Von der Vorschung Gottes, Num. 49-69. 5) Von dem Menschen seiner Natur und Bestimmung, Num. 70-77. 6) Vom Fall und von der Verdorbenheit des Menschen, und der daher rührenden Flüchtigkeit des Lebens, Num. 78-88. 7) Von der Erlösung der Menschen und dem Erlöser überhaupt, Num. 89-98. 8) Von der Geburt Jesu Christi, Num. 99-119. 9) Vom Wandel Jesu auf Erden, Num. 120-123. 10) Von dem Leiden und Sterben Jesu, Num. 124-152. Von dem Begräbniß Jesu, Num. 153-155. 1* Inhalt. 36) Von der Selbstliebe, Num. 495. 37) Von der Selbsterkenntniß und Demuth, Num. 496 bis 498. VI 38) Von der Sorge für die Seele, Num. 499-507. Recen 39) Von der Sorge für den Leib, Num. 508-511. 40) Von dem rechtmäßigen Gebrauche der zeitlichen Güter, und wider den Geiz, Num. 512-514. 41) Von der Arbeitsamkeit und Treue im zeitlichen Beruf, Num. 515-517. 42) Von der Zufriedenheit und Geduld im Leiden, Num. 518-531. 43) Von dem rechten Gebrauch des Lebens und der Zubereitung zum Tobe, Num. 532-542. 44) Von der Liebe des Nächsten, Num. 543-547. 45) Von der Gerechtigkeit, Num. 548. 46) Von der Sanftmuth und Versöhnlichkeit, Num. 549-552. 47) Von der Dienstfertigkeit und Barmherzigkeit, Num. 553-555. 48) Vom rechten Gebrauch der Zunge, Num. 556-558. Erster Theil. Lieber, die zur christlichen Glaubenslehre gehören. 1) Vom Worte Gottes. Bitte um Segen zu Anhörung des göttlichen Wortes. F 1. Komm heil- ger Geist, erfüll die $ Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feur deiner göttlichen Liebe, der du durch Mannigfaltigkeit der Zungen die Völker der ganzen Welt versammelt hast, in Einigkeit des Glaubens. Al- lelu- ja, Al- lelu- ja, Al- lelu- ja. Anmerkung. Bei dem ersten und zweiten Alleluja singt nur das weibliche Geschlecht und die Jugend, bei dem britten die ganze Gemeinde. 8 Erster Theil. Vom Worte Gottes. Mel. O Gott, du unser Vater. 2. Gott, der du unser Vater bist, durch Jesum Christ, gib, daß dein Geist jetzt mit uns sei, und uns zur Wahrheit leite. Geheiligt sei dir diese Stund! Deffne den Mund des Lehrers, daß er T rein und frei bei uns dein Wort verbreite. Hilf du selbst unsrer Schwachheit fort, laß nichts die Andacht stören; Du lehrest uns in deinem Wort, wirk auch, daß wirs so hören, daß wir dich hier, und ewig dort, in Heiligkeit verehren! Erster Theil. Vom Worte Gottes. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu. 3. Herr Jesu! send uns deinen Geist, -- 9 den Geist, der wie dein Wort verheißt, mit seiner Gnade uns regiert, und auf # den Weg der Wahrheit führt. 2. Deffn uns zu deinem Lob den Mund, und mach uns deinen Willen kund; rühr unser Herz, stärk den Verstand, so wird dein Nam uns recht bekannt. 3. Bis wir einst, deinen Engeln gleich, dich preisen, Herr, in deinem Reich, und schauen dich von Angesicht in ewger Freud und selgem Licht. 4. Dir, Gott, den Erd und Himmel preist, dir Vater, Sohn und heilgem Geist, dir heilige Dreieinigkeit, sei Lob und Preiß in Ewigkeit. 4.Liebster Jesu! wir sind hier, dich $ $ und dein Wort anzuhören; lenke 10 E Erster Theil. Vom Worte Gottes. Sinnen und Begier zu des Himmels süßen Lehren, daß die Herzen von der E Erden ganz zu dir gezogen werden. 2. Dieses Lebens Wissenschaft bleibt mit Finsterniß umhüllet, wenn nicht deines Geistes Kraft uns mit Licht von Gott erfüllet. Glaubend lehr aufs Wort uns merken; laß es uns zum Leben stärken! 3. O du Glanz der Herrlichkeit, Licht von Licht aus Gott geboren! Heiligster! von Ewigkeit hast du dir uns auserforen; Lehre deines Himmels Erben, lehr uns leben, lehr uns sterben. Nach dem öffentlichen Gottesdienste. Mel. Liebster Jesu, wir sind.- 4. 5. Höchster Gott! wir danken dir, daß du uns dein Wort gegeben! Hilf uns ferner, daß auch wir nach demselben heilig leben. Gib dem Glauben, solche Stärke, daß er thätig sei im Werke. Erster Theil. Vom Worte Gottes. 11 2. Unser Gott und Vater! du, der du Lehrst uns, was wir sollen, schenk uns deine Kraft dazu; gib zum Wissen auch das Wollen, und zum Wollen das Vollbringen! so wird alles wohl gelingen. - Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. E 6. W ir Menschen sind von selbst, o Gott, zum Geistlichen untüch- tig! dein göttlich Wesen, dein Gebot, sind viel zu hoch und wich- tig. Wir wissens und verstehens nicht, wo uns, Herr, deines Wortes Licht den Weg zu dir E LE nicht zei- get. = 2. Drum sind vor Zeiten ausgesandt Propheten, deine Knechte; so wurden 12 Erster Theil. Vom Worte Gottes. damals schon bekannt den Menschen deine Rechte. Buletzt ist noch dein lieber Sohn, o Vater, von des Himmels Thron selbst kommen, uns zu lehren. 3. Mit Lob und Preiß, o höchster Hort, muß Herz und Mund dich ehren; da wir in deinem theuern Wort dich zu uns reden hören. Mach uns durch deinen Geist bereit zu dem, was uns dies Wort gebeut; hier redest du, nicht Menschen. - 4. Hilf, daß der frechen Spötter Schar uns nicht vom Wort abwende; ihr Spott bringt tödtende Gefahr, und nimmt ein schrecklich Ende. O laß dagegen immer mehr dein Wort zu deines Namens Ehr an uns sich kräftig zeigen. 5. Herr, öffne du uns selbst das Herz, daß wir dein Wort recht faſſen! gib, daß wir es bei Freud und Schmerz nie aus den Augen lassen. Laß uns nicht Hörer nur allein, nein, Vater, laß uns Thäter sein, und uns nicht selbst betrügen. 6. Der Same wird am Weg sofort vom Teufel weggenommen; in Fels und Steinen kann das Wort zu feiner Wurzel kommen. Der Same, der in Dornen Erster Theil. Vom Worte Gottes. 13 fällt, wird von der Sorg und Lust der Welt verderbet und ersticket. 7. Mach uns durch deine Gnade gleich, Herr, einem guten Lande. Mach uns an guten Werken reich in unserm Amt und Stande; daß mit beharrlicher Geduld, gerührt von deiner Lieb und Huld, wir reichlich Früchte bringen. 8. Laß uns auf unsrer Pilgrimschaft den Weg der Sünder meiden. Gib uns ein Herz, das an dir haft' auch in den schwersten Leiden. Herr! unser Herz ist vor dir bloß; mach uns von eitlen Sorgen los, und allen bösen Lüsten. 9. Laß uns dein Wort beständig sein ein Licht auf dunklen Wegen. Erhalt es bei uns hell und rein, und laß uns seinen Segen, Kraft, Rath und Trost in aller Noth, im Leben und noch mehr im Tod, mit frohem Herzen spüren. 10. Laß dieß dein Wort zu deiner Ehr, o Gott, sich weit verbreiten. O möchte deine Gnadenlehr, Herr Jesu, jeden leiten! Oheilger Geist, setz durch dein Wort. dein Werk bei uns beständig fort; stärk Hoffnung, Glaub und Liebe. 14 Erster Theil. Vom Worte Gottes. Mel. Wer nur den lieben Gott. 113 7. Dein Wort, o Höchster ist volltommen. Es lehrt uns unsre ganze Pflicht; es gibt dem Sünder und dem Frommen zum Leben sichern Unterricht. FOT H O selig! wer es achtsam hört, bewahrt #f *** und mit Gehorsam ehrt. 2. Es leuchtet uns auf unsern Wegen, vertreibt des Irrthums Finsterniß: es füllt mit Freuden, bringt uns Segen, und machet unser Herz gewiß. Es lehrt uns, Höchster, was du bist, was theur in deinen Augen iſt. 3. Dein Wort ermuntert, dich zu lieben; lehrt, wie viel Guts, du denen gibſt, die freudig dein Gebot ausüben, und wie du väterlich uns liebst. Und was, o Herr, dein Mund verspricht, bleibt ewig wahr, du lügest nicht. Erster Theil. Vom Worte Gottes. 15 4. Gott, deine Beugnisse sind besser, und mehr der Sehnsucht werth als Gold. Ihr Werth ist köstlicher und größer, als alles, was die Erde zollt. Wer das thut, was dein Wort gebeut, dem ist dein Segen stets bereit. 5. Drum laß auch mich mit Lust betrachten, was mich dein Wort, o Höchster, lehrt, und mit Gehorsam auf das achten, was es von mir zu thun begehrt; so fließen Trost und Seelenruh auch mir aus deinem Worte zu. Mel. O Gott, du frommer Gott. - 8. D u willst, Gott, daß mein Herz zur f Heiligkeit genese; drum gib, daß ich dein ** Wort, oft und mit Andacht lese: das Wort, das deinen Rath von unserm Heil enthält, Dank sei dir für dies Wort, den größten Schaß der Welt. 2. Erfülle mein Gemüth mit Ehrfurcht und Vertrauen, mit Lust und frommem 16 Erster Theil. Vom Worte Gottes. Ernst dadurch mich zu erbauen. Du bists, der in der Schrift zu meiner Seele spricht; osegne doch an mir, Herr, deinen Unterricht. 3. Mein Gott, vor welchem ich jetzt meine Hände falte, gib, daß ich allezeit dein Wort für Wahrheit halte; und laß mich deinen Rath empfindungsvoll verstehn, die Wunder am Gesetz, am Wort vom Kreuze sehn! 4. Du, aller Wahrheit Gott, kannst mich nicht irren lassen. Untrüglich ist dein Wort; o laß mich daraus fassen, so viel mein Heil verlangt. Du bists, der Weisheit gibt, wenn man sie redlich sucht, und aus Gewissen liebt. 5. Gib, daß dein kräftig Wort, o Gott, mein Herze rühre, und daß ich mirdenSpruch oft zu Gemüthe führe, der mich vor andern rührt. O stärke mich durch ihn mit Ernſt und Munterkeit, das Gute zu vollziehn. 6. Um tugendhaft zu sein, dazu sind wir auf Erden. Wer deinem Wort gehorcht, den läss'st du inne werden, die Lehre sei von dir, die uns die Bibel gibt! man lernt ihr Wort verstehn, wenn man es treulich übt. 7. Spricht sie geheimnißvoll, so laß mich dies nicht schrecken. Kein endlicher BVerstand kann dich, Gott, ganz entdecken. Du bleibst Erster Theil. Vom Worte Gottes. 17 unendlich hoch. Was mir dein Wort erklärt, nicht was mein Wiz verlangt, ist meines Glaubens werth. 8. Sich seines schwachen Lichts bei Gottes Licht nicht schämen, ist Ruhm, und die Vernunft alsdann gefangen nehmen, wenn Gott sich offenbart, ist der Geschöpfe Pflicht; und weise Demuth ists, zu glauben, was Gott spricht. 9. Erinnre mich hieran, wenn mich die 3weifel fränken, und lehre mich dabei zu meinem Heil bedenken, dort sei die Zeit des Schauns, und hier des Glaubens Zeit; dort wachse, wie mein Glück, mein Licht in Ewigkeit. 10. Find ich in deinem Wort noch manche Dunkelheiten, so laß mich einen Freund, der mehr als ich sieht, leiten. Ein forschender Verstand, der sich der Schrift geweiht, ein angefochtnes Herz hebt manche Dunkelheit. 11. Stets sei dein Wort mir werth! Es ist mein Glück auf Erden, und wird es einst noch mehr in jenem Leben werden. Nie irre mein Gemüth der Bibelfeinde Spott, die Lehre, die sie schmähn, bleibt doch dein Wort, o Gott. 2 18 Erster Theil. Vom Worte Gottes. Mel. Nun danfet alle Gott. 9. S elobt seist du, o Gott, für deines $ Wortes Lehre! Gib, Vater, daß ich sie mit Andacht fleißig höre. O, mache doch mein Herz von Vorurtheilen rein und laß dein * Wort mein Licht auf meinen Wegen sein. 2. Laß mich im Forschen doch die Wahrheit nie verfehlen, und nie, was schädlich ist, für wahres Heilerwählen. OHöchster, leite selbst den forschenden Verstand, so wird, was du mich lehrst, auch recht von mir erkannt. 3. Wie thöricht ist es doch, bloß andern Menschen glauben! Das heißt, sich selbst den Grund zur ewgen Ruhe rauben. Wer treulich hier dein Wort zu seiner Nichtschnur macht, dem gibt es Licht und Trost auch in der Todesnacht. 4. Mein Gott, bewahre mich vor aller falschen Lehre, und hilf, daß ich dein Wort mit festem Glauben ehre! Gib deinen Geist Erster Theil. Vom Worte Gottes. 19 ins Herz, der Luft und Kräfte gibt, daß man die Wahrheit lernt, prüft, glaubt, erfährt und übt. Mel. Ach Gott und Herr. BOE 10.6 ott ist mein Hort, und auf sein H Wort soll meine Seele trauen. Ich wandle hier, mein Gott, vor dir, im Glauben, nicht im Schauen. 2. Dein Wort ist wahr, laß immerdar mich seine Kräfte schmecken. Laß keinen Spott, o Herr, mein Gott! mich von dem Glauben schrecken. 3. Wo hätt ich Licht, wofern mich nicht dein Wort die Wahrheit lehrte? Gott, ohne sie verstünd ich nie, wie ich dich würdig ehrte. 4. Dein Wort erklärt der Seele Werth, Unsterblichkeit und Leben. Zur Ewigkeit ist diese Zeit von dir mir übergeben. 5. Dein ewger Rath, die Missethat der Sünder zu verfühnen, den kennt ich nicht, 2* 20 Erster Theil. Vom Worte Gottes. wär mir dies Licht nicht durch dein Wort erschienen. 6. Nun darf mein Herz in Reu und Schmerz der Sünden nicht verzagen; nein, du verzeihst, lehrst meinen Geist ein gläubig Abba! sagen. 7. Mich zu erneun, mich dir zu weihn, ist meines Heils Geschäfte. Durch meine Müh vermag ichs nie! dein Wort gibt neue Kräfte. 8. Herr, unser Hort, laß uns dies Wort! denn du hasts uns gegeben. Es sei mein Theil; es sei mir Heil und Kraft zum ewgen Leben. - Mel. Wer nur ben lieben Gott. 7. 11. Der du das Dasein mir gegeben, wie preis ich dich, o Gott, dafür! Nie kann mein Dank dich gnug erheben! durch Christum schenktest du es mir. Kein Licht, kein Trost erfreue mich, kennt ich nicht, Jesu Christe, dich. - 2. Auf ungewissen finstern Pfaden würd ich ein Raub des Frrthums sein! mit Sündenschuld und Fluch beladen, müßt ich des Richters Rache scheun; ich fände keinen Trost in Noth, mich schreckte stündlich Grab und Tod. Erster Theil. Vom Worte Gottes. 3. Wozu hat mich mein Gott erschaffen? was ist auf Erden meine Pflicht? wird auch mein Geist im Tod entschlafen? und, hält Gott künftig ein Gericht, wie werd ich im Gericht bestehn, wie der verdienten Straf entgehn? 4. Entscheidet die Vernunft die Fragen durch ihrer Einsicht schwaches Licht? Hebt fie die 3weifel, die mich plagen? und bleibt der Trost, den sie verspricht? Ach! ohne Christi Licht und Heil wär Finsterniß und Tod mein Theil. 5. Ja, du hast mich den Finsternissen des Frrthums, und der Sünde Macht durch deine Lehre, Herr, entrissen; ihr Licht zerstreut des Zweifels Nacht. Du zeigest mir des Höchsten Rath, und führst mich auf der Wahrheit Pfad. 6. Ich weiß, wozu mich Gott erschaffen; ich kenne meine ganze Pflicht. Mein Geist wird nicht im Tod entschlafen; wer an dich glaubt, wird im Gericht durch dich, o Heiland, wohl bestehn, und dann verklärt dich selber sehn. - 21 7. O Jesu, laß mich deiner Lehre gehorchen mit stets größrer Lust, und keines Erster Theil. Vom Worte Gottes. Spötters Wahn zerstöre dein Heiligthum in meiner Brust. Mein ganzes Leben preise dich! Dein Heil erfreu im Tode mich! 4. 22 Mel. Liebster Jesu wir sind. 12. Herr, mein Licht! erleuchte mich, daß ich mich und dich erkenne! daß ich voll Vertrauen dich meinen Gott und Vater nenne. Höchster, laß mich doch auf Erden weise zu dem Himmel werden. - 2. Lauter Wahrheit ist dein Wort. Lehre mich es recht verstehen! Hilf selbst meinem Forschen fort, richtig daraus einzusehen, was zu meinem Heil mich führet, und mir, deinem Knecht, gebühret. 3. Aber laß mich nicht allein richtig seinen Sinn verstehen, laß mein Herz auch folgsam sein, den erkannten Weg zu gehen. Denn sonst würd ich bei dem Wissen doppelt Streiche leiden müssen. 4. Gib, daß ich den Unterricht deines Wortes treu bewahre; daß ich, was es mir verspricht, reichlich an mir selbst erfahre. Ja, es sei in meinem Leiden mir ein Quell von Trost und Freuden. 5. Hilf, daß sich von Zeit zu Zeit meine Kenntnisse vermehren! Find ich manche Erster Theil. Vom Worte Gottes. Dunkelheit bei geheimnißvollen Lehren; laß mich 3weifelsucht entfernen, und in Demuth glauben lernen. 6. Laß mich, Herr, in deinem Licht immer rührender erkennen jener Herrlichfeit Gewicht, und wie glücklich der zu nennen, der darnach mit Eifer trachtet und die Lust der Welt verachtet. 7. O, verleihe mir die Kraft, deinem Wort gemäß zu handeln und vor dir gewissenhaft als dein treues Kind zu wandeln; so wird einst in jenem Leben mich ein hellres Licht umgeben. Mel. des 100. Pfalms. 23 13.Der Spötter Strom reißt viele € fort. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort! So fönnen wir uns, Vater, dein im Leben und im Tode freun. 2. Ein Haufe Lästrer wagts, o Gott, mit wildem ausgelaßnem Spott, den Hei 24 Erster Theil. Vom Wesen Gottes land, deinen Sohn, zu schmähn, durch den die Himmel einst vergehn. 3. Ach, ihrer Lehre Pest, o Herr, schleicht jeßo nicht im Finstern mehr; am Mittag, Herr, bricht sie hervor, und hebt ihr tödtend Haupt empor. 4. Sie herrscht durch Große dieser Welt. Herr, Herr, wenn uns dein Arm nicht hält, so reißt sie uns zum Tod auch fort. Gib Sieg und Leben durch dein Wort. 5. Beschüße uns, Herr Jesu Christ, der du zur Rechten Gottes bist. Sei unser Schild und starke Wehr! Staub ist vor dir der Spötter Heer. 6. Du hast von Ewigkeit gesehn, wie lange noch ihr Troß bestehn, und wider dich hier schnauben soll. Vielleicht ist nun ihr Maaß bald voll. 7. Ach, wären sie dir, Herr, versöhnt! fie, deren Spott dich so verhöhnt! Ach gib, daß vor der Todesnacht zur ernsten Reu ihr Geist erwacht. 2) Vom Wesen Gottes und seinen Vollkommenheiten. Mel. O Gott, du frommer Gott.- 8. 14. Anbetungswürdger Gott! mit Ehrfurcht stets zu nennen, du bist unendlich und seinen Vollkommenheiten. 25 mehr, als wir begreifen können. O flöße meinem Geist die tiefste Demuth ein, und laß mich stets vor dir voll Ehrerbietung ſein. 2. Du bist das höchste Gut; du weißt von keinem Leide; stets ruhig in dir selbst schmeckst du vollkommne Freude. Dein ist die Herrlichkeit. Auch ohne Kreatur biſt du dir selbst genug, du Schöpfer der Natur. 3. Du riefst dem, das nicht war, um Luſt und Seligkeiten aufs Mannigfaltigste um dich her auszubreiten. Die Liebe bist du selbst; Verstand und Rath ist dein; und du gebrauchst sie gern, zu segnen, zu erfreun. 4. Du sprichst, und es geschieht. Auf dein allmächtig: Werde! entstand dein großes Werk, der Himmel und die Erde. Mit deinem kräftgen Wort trägſt du die ganze Welt, und deine Macht vollführt, was uns unmöglich fällt. 5. Du bist der Herren Herr. Der Erde Majestäten sind, Höchster, vor dir Staub. Auch Geister kannst du tödten. Wen du erniedrigest, Gott, wer kann den erhöhn? Wen du erhöhen willst, des Hoheit muß bestehn. 26 Erster Theil. Vom Wesen Gottes 6. Du bist es, der allein Unsterblichkeit besißet, der Leben gibt und nimmt, der unsern Odem schüßet. Den Geist, der in uns lebt, den haben wir von dir. Willst du, so wird er Nichts. Du bleibest für und für. 7. Wer hat dich je gesehn? Wer kann im Fleisch dich sehen? Kein sterblich Auge reicht bis zu den Lichteshöhen, wo du voll Majeſtät auf deinem Stuhle thronst, und unterm frohen Lob der Himmelsheere wohnst. 8. Was wir, Unendlicher! von deinem Wesen wissen, das hast du selbst zuvor uns offenbaren müssen. DieSchöpfung zeugtvon dir, und deines Sohnes Mund macht uns noch deutlicher, Gott, deinen Namen fund. - 9. Doch hier erkennen wir dich noch gar unvollkommen. Wird aber dermaleinst der Vorhang weggenommen, der jetzt das Heiligste noch unserm Blick verschließt, dann sehen wir dich, Gott, so herrlich, wie du bist. 10. Indes sei auch schon jetzt dein Ruhm von uns besungen. Verschmähe nicht ein Lob von lallend schwachen Zungen! Dort soll, wenn wir dereinst vor dir verherrlicht stehn, ein Lied im höhern Chor dich, großer Gott, erhöhn. Univ.- Bibl. Giessen und seinen Vollkommenheiten. Mel. Allein Gott in der Höh sei Ehr. 15. D er Herr ist Gott und keiner mehr. Frohlockt ihm alle From- men! 1 Wer ist ihm gleich? wer ist wie Er, so 27 herrlich, so vollkom- men? Der Herr ist E groß! sein Nam ist groß! Er ist unendlich, grenzenlos in seinem ganzen We- sen. 2. Jhn trifft kein Wechsel flüchtger Zeit. Nie größer oder kleiner wird seines Wesens Herrlichkeit. Der Erst ist er, sonst keiner! Wir Menschen sind von gestern her; eh noch die Erde war, war er; noch eher, als die Himmel. 3. Um seinen Thron her strömt ein Licht, das ihn vor uns verhüllet. Ihn fassen alle Himmel nicht, wie weit er sie erfüllet! Er bleibet ewig wie er war, verborgen und nur offenbar in seiner Werke Wundern. 28 Erster Theil. Vom Wesen Gottes 4. Was wären wir, wenn seine Kraft uns nicht gebildet hätte? Er fennet uns, und was er schafft, der Wesen ganze Kette. Bei ihm ist Weisheit und Verstand, und Kraft und Stärke, seine Hand umspannet Erd und Himmel. -- 5. Ist er auch jemals von uns fern? Weiß er nicht Aller Wege? Wo ist die Nacht, da sich dem Herrn ein Mensch verbergen möge? Die Finsterniß ist vor ihm Licht! Gedanken selbst entfliehn ihm nicht in ihrer ersten Bildung. 6. Wer schützt den Weltbau ohne dich, o Herr, vor seinem Falle? Allgegenwärtig breitet sich dein Fittig über alle! Du bist voll Freundlichkeit und Huld, barmherzig, gnädig, voll Geduld, ein Vater, ein Verschoner. 7. Unsträflich bist du, heilig, gut und reiner als die Sonne! Wohl dem der deinen Willen thut; denn du vergiltst mit Wonne! du hast Unsterblichkeit allein, bist selig, wirst es ewig sein, hast Freuden, Gott, die Fülle. 8. Du nur bist würdig, Lob und Dank zu nehmen, Preis und Ehre. Kommt, werdet Gottes Lobgesang, ihr alle seine und seinen Vollkommenheiten. 29 Heere! Der Herr ist Gott und keiner mehr! Wer ist ihm gleich? Wer ist wie er, so herrlich, so vollkommen? Mel. des 8. Psalms. 16. rhabner Gott! was reicht an deine $ Größe? Denk ich an dich, so fühl ich meine Blöße, ich fühle, Herr, daß du unendlich bist, und daß umschränkt mein forschend Denken ist. 2. Du wohnst im Licht, dazu kein Mensch fann fommen. Was ists, das wir von deinem Ruhm vernommen? Ach! nur ein Theil von jener Majestät, die über alles dich, o Gott, erhöht. 3. Dein ewges Sein, dein ganz vollkommnes Wesen, das, was du wirkst, und was dein Nath erlesen, ist viel zu hoch für menschlichen Verstand; von Engeln selbst wirst du nie ganz erkannt. 30 Erster Theil. Vom Wesen Gottes 4. Wie sollt ich denn, ich Staub, mich unterwinden, Unendlicher, dich völlig zu ergründen? O, mache mich von solchem Dünkel frei, daß mir dein Wort des Glaubens Richtschnur sei. - 5. Mein eigner Geist kann sich leicht hintergehen. Dein Wort ist wahr, es bleibet ewig stehen. Erforsch ich gleich dein göttlich Wesen nicht, so gnüge mir davon dein Unterricht. 6. Von dir, durch dich, zu dir sind alle Dinge. Gib, daß ich dir mich selbst zum Opfer bringe. Begreif ichs nicht, wie du die Welt regierst; so sei mirs gnug, daß du mich selig führst. 7. Einst wirst du dich mir näher offenbaren. Einst werd ich mehr von deinem Rath erfahren; wenn ich nur dem, was mich dein Wort gelehrt, geglaubt, gefolgt und treu dich hier verehrt. 8. Drum hilf, daß ich mit Ehrfurcht vor dir wandle; in allem Thun nach deinem Willen handle; zufrieden sei, wie du mich hier regierst, bis du mich einst zu deinem Himmel führst. und seinen Vollkommenheiten. 9. Dann werd ich dich in hellerm Lichte sehen, und froh in dir, dein ewig Lob erhöhen. Herr, du bist groß und zeigst es mit der That, unendlich groß an Huld, an Macht und Nath. 17. S ott, mache du mich selbst bereit, vor deinen Thron zu treten, und deine große Herrlichkeit voll Ehrfurcht anzubeten. Laß, Herr, vor deinem Angesicht mein Herz sich deiner freuen, und einen Strahl von deinem Licht die Finsterniß zerstreuen, die mich hier noch umgibet. 2. Du bist der Herr, und keiner mehr, nichts sind der Heiden Götter, nur dir gebühret Preis und Ehr; kein Helfer, t noch Erretter ist außer dir: laß mich allein auf dich, o Herr, vertrauen, mein ganzes 31 32 Erster Theil. Vom Wesen Gottes Leben dir nur weihn, mein Glück bloß auf dich bauen, und dich niemals verläugnen. 3. Du bist der höchst vollkommne Geist, der Vater aller Geister, dich preiset, was vernünftig heißt, als seinen Herrn und Meister! Laß meiner Seele hohen Werth mich reine Tugend lehren, und so, wie es dein Wort begehrt, dich ungeheuchelt ehren, im Geist und in der Wahrheit. 4. Du bist, o Gott, von Ewigkeit, und wirst allzeit bestehen; es bleibet deine Herrlichkeit, wenn Himmel selbst vergehen. Laß von der Erde eitlem Tand mein Herz sich stets erheben zu meinem wahren Vaterland, und nur nach dem mich streben, was ewig mich erfreuet. 5.D Gott, was sein wird, ist und war, und was wir thun und dichten, das ist dir alles offenbar; du wirst einst alles richten. Laß mich dein helles Auge scheun, aufrichtig vor dir wandeln, und, deines Beifalls mich zu freun, auch dann rechtschaffen handeln, wenn Finsterniß mich decket. 6. Unendlich ist, Herr, deine Macht, zu retten, die dich lieben, und wenn der Frevler dich verlacht, auch Rach an ihm zu und seinen Vollkommenheiten. 33 üben. Gib, daß mich deiner Allmacht Schuß stets als ein Schild bedecke, mich auch nicht Menschen Grimm und Truß, nur deine Strafe schrecke; du tödtest Leib und Seele. 7. Voll höchster Weisheit bist du, Gott! kein Mensch kann sie ergründen. Umringt uns allenthalben Noth, du, Herr, weißt Rath zu finden. Gib, daß ich dir stets traue zu, du werdest für mich sorgen, auch Uebels weder denk noch thu, denn dir ist nichts verborgen; du prüfest Herz und Nieren. 8. Gott, du bist heilig und gerecht, kannst keine Sünden dulden, wer sagen will, er sei dein Knecht, der meide Sündenschulden. Gib, daß ich mich der Heiligkeit mit rechtem Ernst befleiße, nachjage der Gerechtigkeit, und deine Wege preise, so wunderbar sie scheinen. 9. Du bist sehr gnädig, fromm und gut, vergibst die Schuld dem Sünder; erbarmst dich, wie ein Vater thut, von Herzen deiner Kinder. Laß reichen Trost von deiner Gnad auf meine Seele kommen. Von mir sei meine Miſsethat so fern hinweggenommen, als Morgen ist vom Abend. 3 34 Erster Theil. Vom Wesen Gottes 10. Gott, dessen Wahrheit stets beſteht! wohl denen, die dir gläuben! Wenn Erd und Himmel einst vergeht, wird dein Wort ewig bleiben. Gib, daß ich fürchte dein Gericht, und alles, was du dräuest; auch hoffe, was dein Wort verspricht, daß du mirs gern verleihest; wer hofft, wird nicht zu Schanden. 11. Gott, wenn ich dich so kenn und ehr, dein Wort zum Grunde seße, erfreu ich mich darüber mehr, als über alle Schäße, bis ich dort, o mein Heil und Licht, dich ohne Lallen nenne, von Angesicht zu Angesicht dich schaue, dich erkenne und unaufhörlich lobe. Mel. des 27. Psalms. 18. Auf! auf! mein Geist, auf! auf! den Herrn zu loben, auf! auf! erwecke dich und säume nicht; was in dir ist, werd still und sanft erhoben zu € Gott Jehova unserm Schild und Licht: und seinen Vollkommenheiten. 35 nur er ist würdig, Chre, Preis und * Ruhm zu nehmen allezeit und überall. Erheb ihn dann mit frohem Jubelschall, und geh in sein erhabnes Heiligthum. 2. Er ist das große Wesen aller Wesen, Gott von unendlicher Vollkommenheit: von ihm, zu ihm, durch ihn ist, was gewesen, und ist, und sein wird bis in Ewigkeit. Ein Gott wie Er, hat seines Gleichen nicht: ein Gott, vor desfen höchster Majestät der Engel selbst gebückt und zitternd steht! Sein Thron ist Licht, ein unzugänglich Licht. 3. Man sieht ihn nicht, und ist doch wohl zu sehen, man gebe nur auf seine Werke Acht; da sehn wir ihn gleich als vor Augen stehen in seiner ewgen Kraft und Gottheit Pracht. Die Himmel rühmen ihres Schöpfers Ehr; Lust, Erde, Meer, was lebt und sich bewegt, ist das, was ihn zu zeigen stets sich regt, und spricht: Er ist der Herr und keiner mehr. 3* 36 Erster Theil. Vom Wesen Gottes 4. Was gut und fein nur kann genennet werden, was uns mit Lust und Lieblichkeit anlacht, was in sich faßt der Himmel sammt der Erden, der große Bau, voll Schönheit und voll Pracht, und was dies Rund nur Köstliches in sich schließt, das kommt aus diesem unerschöpften Meer und dessen unerforschten Fülle her; Er ist der Quell, der immer überfließt. - 5. Von Ewigkeit, ohn Anfang und ohn Ende ist er, und wird auch stets derselbe sein. Er ist zu spüren, wo man sich hinwende, das Heimlichste wird klar in seinem Schein. Sein Licht ist nicht vermischt mit Dunkelheit. Die Kraft, die in ihm wohnt, wird nimmer schwach. Höchst selig, fennet er kein Ungemach: Er ist und bleibt, wie er war vor der Zeit. 6. Was er verspricht, dem kann man freudig trauen, die That stimmt mit den Worten überein. Auf Menschen kann man niemals sicher bauen; doch Gottes Ja ist ja, sein Nein ist nein. Voll Billigkeit ist sein Gericht allzeit, groß von Geduld ist er und Mitleids voll, nur langsam, und seinen Vollkommenheiten. 37 wenn er Sünder strafen soll, und bleibt die Lieb in alle Ewigkeit. 7. Wie selig ist doch, der ihn also kennet, und zu ihm: lieber Vater! sagen kann. Er, er ist es, den Gott den Seinen nennet! Gott sieht ihn als sein Kind recht zärtlich an! Nichts ist so hoch, nichts kann so herrlich sein! der höchsten Fürsten hocherhabner Stand ist, gegen dies zu rechnen, lauter Tand; es ist zu schlecht, es bleibt ein leerer Schein. 8. D Herrscher, wie soll ich dich gnug erheben! Auch mich hast du den Deinen zugezählt, in Christo brachtest du mich schon zum Leben, in ihm hast du zur Kindschaft mich erwählt. 3war seh ich dich jetzt nur bei schwachem Licht; jedoch es fommt, es kommt der frohe Tag, da ich dich ohne Decke schauen mag, vertraut, von Angesicht zu Angesicht. 9. Indeß, mein Geist, auf! auf! ihn stets zu loben. Auf! auf! erwecke dich und säume nicht! Was in dir ist werd sanft und still erhoben zu Gott, Jehovah, unserm Schild und Licht! Herr! du bist würdig, Ehre, Preis und Ruhm zu nehmen alle 38 Erster Theil. Vom Wesen Gottes zeit und überall. Lob ihn im Vorhof schon mit frohem Schall, einst öffnet sich dir selbst das Heiligthum. 1 1 19.6 ott ist mein Lied! Er ist der Gott der Stärke; groß ist sein Nam F und groß sind seine Werte, und alle Himmel sein Gebiet. 2. Er will und sprichts: so sind und leben Welten. Und er gebeut; so fallen durch sein Schelten die Himmel wieder in ihr Nichts. 3. Licht ist sein Kleid und seine Wahl die beste. Er herrscht als Gott, um seines Thrones Veste ist Wahrheit und Gerechtigkeit. 4. Unendlich reich, ein Meer von Seligkeiten, ohn Anfang Gott, und Gott in ewgen Zeiten! Herr aller Welt, wer ist dir gleich? 5. Was ist und war im Himmel, Erd und Meere, das fennet Gott, und seiner Werke Heere sind ewig vor ihm offenbar. und seinen Vollkommenheiten. 39 6. Er ist um mich, schafft, daß ich sicher ruhe! er schafft, was ich vor oder nachmals thue, und er erforschet mich und dich. 7. Er ist dir nah, du sizzest oder gehest. Ob du an's Meer, ob du gen Himmel flöhest: so ist er allenthalben da. 8. Er kennt mein Flehn und allen Rath der Seele; er weiß, wie oft ich Gutes thu und fehle, und eilt, mir gnädig beizustehn. 9. Er wog mir dar, was er mir geben wollte, schrieb auf sein Buch, wie lang ich leben sollte, da ich noch unbereitet war. 10. Nichts, nichts ist mein, das Gott nicht angehöre. Herr! immerdar foll deines Namens Ehre, dein Lob in meinem Munde sein. dibld 11. Wer kann die Pracht von deinen Wundern fassen? Ein jeder Staub, den du hast werden lassen, verkündigt seines Schöpfers Macht. 12. Der kleinste Halm ist deiner Weisheit Spiegel. Du Luft und Meer, ihr Auen, Thal und Hügel, ihr seid sein Loblied und sein Psalm! 13. Du tränfst das Land, führst uns auf grüne Weiden; und Nacht und Tag 40 Erster Theil. Vom Wesen Gottes und Korn und Wein und Freuden empfangen wir aus deiner Hand. 14. Kein Sperling fällt, Herr, ohne deinen Willen; sollt ich mein Herz nicht mit dem Troste stillen, daß deine Hand, mein Leben hält? - 15. Ist Gott mein Schuß, will Gott mein Retter werden, so frag ich nichts nach Himmel und nach Erden, und biete selbst der Hölle Truß. Von der Ewigkeit und Unveränderlichkeit Gottes. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier. 20. Gott, du bist von Ewigkeit! und dein herrlich großes Wesen ändert sich zu feiner Zeit; du bleibst stets, was du gewesen. Laß dies meinen Geist beleben, ehrfurchtsvoll dich zu erheben. - - 4. 2. Ewig und unwandelbar ist, o Gott, dein hohes Wissen. Was dir einmal Wahrheit war, wird es ewig bleiben müssen. Niemals kann dein Ausspruch fehlen; laß mich ihn zum Leitstern wählen. 3. Herr, du bist kein Menschenkind, daß dich etwas reuen sollte. Jmmer bleibst du gleich gesinnt. Was dein Rathschluß vor und seinen Vollkommenheiten. 41 mals wollte, willst du noch. O hilf uns allen thun nach deinem Wohlgefallen. 4. Immer bleibst du, Gott! ein Feind derer, die das Unrecht üben. Immer bleibst du, Gott! ein Freund derer, die das Gute lieben. Laß uns darum schon auf Erden deinem Bilde ähnlich werden. 5. Deine Worte trügen nicht! Du bist ewig der Getreue, der das hält, was er verspricht. O, daß dies mich stets erfreue! Laß nur deinen Geist mich treiben, dir Herr, auch getreu zu bleiben. 6. Stets ist Wohlthun deine Lust; ewig währet deine Liebe. Wohl mir, wenn auch ich mit Lust mich in deinem Willen übe! Dann, o Herr, wirds meiner Seelen nie an wahrem Wohlsein fehlen. 7. Erd und Himmel wird vergehn; alle Welt wird mich verlassen. Nur du bleibst mir ewig stehn; deine Hand wird mich umfassen, wenn ich nun von hinnen scheide. Ewig bist du meine Freude. 8. Laß mir doch zu jeder Zeit, Herr des Himmels und der Erden, diese deineEwigkeit einen starken Antrieb werden, dich zu lieben, dir zu trauen, und auf deinen Trost zu bauen. 42 Erster Theil. P Vom Wesen Gottes Aus dem 102. Psalm. Mel. von Nr. 16. 21. Herr Gott, du biſt die Zuflucht aller Beiten, denn du bist Gott in alle Ewigkeiten. Du warst es schon, eh Erd und Himmel ward, eh noch dein Arm sich uns geoffenbart. 2. Was bin ich, Herr, und alle Menschenkinder? Staub sind vor dir der Heilige, der Sünder. Wie schnell enteilt das Leben doch von mir! Du Höchster, du nur bleibest für und für. bro 3. Du hast vorhin die Erde zubereitet; dein Arm hat, Gott, den Himmel ausgebreitet. Doch sie vergehn, veralten, wie ein Kleid; du aber bleibst in alle Ewigkeit. 4. Es werden noch die Himmel und die Erden wie ein Gewand von dir verwandelt werden. Du bleibest, wie du bist; denn keine Zeit umgrenzet doch je die Unendlichkeit. 5. Das ist der Trost, die Hoffnung deiner Knechte; du schüßzest sie mit deiner starken Rechte, du läss'st ihr Herz sich ewig deiner freun und bleibst ihr Gott; denn sie sind ewig dein. 6. Das sei mein Trost in allen trüben und seinen Vollkommenheiten. 43 Stunden. Vom Tode selbst bleibt er unüberwunden. Kein Tod, kein Grab trennt mich, o Gott, von dir. Mein Fels, mein Heil, das bleibst du ewig mir! Mel. Gott sei Dank in aller Welt. 22.11 nermeßlich, ewig ist Gott, der Höchste. Herr, du bist, wie du dich uns offenbarst, nun und ewig, der du warst. 2. Ewig bleibst du selbst dir gleich, weis' allein und gnadenreich, ewig mächtig und voll Kraft, heilig und untadelhaft. 3. Alle Werke deiner Hand waren dir, o Gott, bekannt, eh die Welt auf dein Geheiß da stand, deiner Weisheit Preis. 4. Wie gegoßne Spiegel stehn deine Himmel! doch vergehn deine Himmel, und die Welt sinkt, wenn sie dein Arm nicht hält. 5. Du nur bleibest, wie du bist, was dein weiser Rath beschließt, ist unwandelbar, wie du, gut und heilig stets, wie du. 6. Du bist nicht ein Menschenkind, daß 44 Erster Theil. Vom Wesen Gottes du lügest! nicht gesinnt, wie der Menſch, der, wandelbar, nimmer bleibet, was er war. - 7. Was du zusagst, ist gewiß. 3wischen Licht und Finsterniß tappt der Mensch hin, wählt, bereut plößlich wieder, was ihn freut. 8. Sollt ich denn auf Fleisch vertraun? nicht, mein Heil, auf dich nur baun? ohne Weisheit und Verstand Brunnen graben in den Sand? 9. Nein, Unwandelbarer, dein soll sich meine Seele freun. Sei mein Fels, Gott, sei mein Licht, ewig meine Zuversicht! 10. Und in allgemeine Nacht sinke dann mit seiner Pracht jeder Himmel, und die Welt stürze hin, wenn Gott mich hält! Von der Allwissenheit Gottes. Der 139. Pfalm. Mel. O Gott, du frommer Gott. 23. Herr, du erforschest mich; dir bin ich unverborgen. Du kennst mein ganzes Thun und alle meine Sorgen. Was meine Seele denkt, war dir bereits bekannt, eh der Gedanke noch in meiner Seel entstand. - 8. - 2. Nie spricht mein Mund ein Wort, das du, o Herr, nicht wissest. Du schaffeft, und seinen Vollkommenheiten. was ich thu, du ordnest, du beschließest, was mir begegnen soll. Erstaunt seh ich auf dich. Wie groß ist dein Verstand! Wie wunderbar für mich! 45 3. Wohin, wohin soll ich vor deinem Geiste fliehen? Wo könnt ich jemals wohl mich deinem Aug entziehen? Führ ich gen Himmel auf, so bist du, Höchster, da; führ ich zur Tief hinab, auch hier bist du mir nah. 4. Nähm ich auch, schnell zu fliehn, die Fittige vom Morgen; selbst an dem fernsten Meer blieb ich dir nicht verborgen. Auch da umschlösse mich doch deine Allmachtshand; denn du bist überall, und dein ist jedes Land. 5. Sprächich zur Finsterniß: sei um mich, mich zu decken! so sucht ich doch umsonst vor dir mich zu verstecken. Denn auch die Finsterniß ist vor dir helles Licht; die Nacht glänzt wie der Tag vor deinem Angesicht. 6. Du warst schon über mir in meiner Mutter Leibe; du bildetest mein Herz, Gott, des ich bin und bleibe. Ich danke dir, daß du mich wunderbar gemacht; und meiner, eh ich war, schon väterlich gedacht. 7. Du fanntest mein Gebein, eh ich ans Licht gekommen, da ich im Dunkeln erst Univ.- Bibl. Giessen 46 Erster Theil. Vom Wesen Gottes die Bildung angenommen. Dein Auge sah mich schon, eh ich bereitet war, und meiner Tage Lauf war dir schon offenbar. 8. Was für Erkenntnisse! für köstliche Gedanken! unzählbar sind sie mir, denn sie sind ohne Schranken. Mit Ehrfurcht will ich stets auf dich, mein Schöpfer, sehn, dir folgen, und dein Lob, so gut ich kann, erhöhn. 9. Erforsche mich, mein Gott, und prüfe, wie ichs meine; ob ich rechtschaffen bin, wie ichs von außen scheine. Sieh, ob mein Fuß vielleicht auf falschem Wege geht, und leite mich den Weg, der mich zu dir erhöht. Mel. von Nr. 17. 1 24. Allwissender, vollkommner Geist! des Auge alles siehet, was Nacht und Abgrund in sich schleußt und unserm Blick entfliehet. Es kann vor deinem hellen Licht sich kein Geschöpf verstecken. Auch Finsterniß ver birgt es nicht; du weißt sie aufzudecken und Tag daraus zu machen. 2. Selbst die Gedanken sind dir fund, die unsre Seele heget, eh sie noch der ver schloßne Mund durch Worte dargeleget. Dir sind die Herzen offenbar; du kannst ihr Dichten ſpüren. Den Rath der Seele und seinen Vollkommenheiten. 47 fiehst du klar, du prüfest Herz und Nieren, und nichts bleibt dir verborgen. 3. Was deiner Freunde Herz begehrt, das weißt du, eh sie beten. Ihr Seufzen wird von dir gehört, eh sie noch vor dich treten. Was deiner Feinde Herz beschließt, ist auch dir unverborgen; dir, der du ihren Anschlag siehst, so heiter als den Morgen, den Wolken nicht verdunkeln. 4. Was nach Verfließung vieler Zeit noch künftig wird geschehen, siehst du schon in Allwissenheit als gegenwärtig stehen. Du machst es deinen Knechten fund, es weiter auszubreiten, und läss'st durch ihren schwachen Mund die größten Heimlichkeiten der ganzen Welt entdecken. 5. Bleibt gleich vor Menschen manches noch in dieser Welt verschwiegen, so wird vor ihrem Auge doch einst alles offen liegen. Herr, dein Gericht, dem nichts entflieht, wird alles offenbaren. Was noch so heimlich jetzt geschieht, wird alle Welt erfahren, und laut alsdann erzählen. 6. Laß mich, o höchste Majestät, dein helles Auge scheuen. Wo ist der, der dich hintergeht mit seinen Heucheleien? Laß 48 Erster Theil. Vom Wesen Gottes mich auch in der Einsamkeit dich gegenwärtig denken! Laß Wahrheit und Rechtschaffenheit bei allem Thun mich lenken, und stets mein Herz behüten. 1 Von der Weisheit Gottes. Mel. Wer nur den lieben Gott. 7. 25. Du weiser Schöpfer aller Dinge, der alles ganz genau versteht! nichts ist so groß, nichts so geringe, das nicht nach deiner Ordnung geht; du schreibest der Geschöpfe Chor 3weck, Maaß, Gewicht und Regeln vor. 2. Die wundervollen prächtgen Werte, die unserm Auge fern und nah, die stehn sowohl durch deine Stärke, als auch durch deine Weisheit da. Unendlich, Herr, ist dein Verstand; der ganze Weltbau machts bekannt. - 3. Mit eben der allweisen Stärke, mit welcher du die Welt gemacht, regierst du alle deine Werke, die dein Verstand her vorgebracht. Du brauchst, o unerschaffnes Licht, der Menschen Rath und Beistand nicht. 4. Was du zu thun dir vorgenommen, das kommt unfehlbar auch zur That. Wenn tausend Hindernisse kommen, so triumphirt und seinen Vollkommenheiten. 49 dein hoher Rath. Du kennst und wählst zu deinem Zweck beständig, Gott, den besten Weg. 5. Die Menge so verschiedner Willen, wo dieser hier, der darauf fällt, muß immer doch den Schluß erfüllen, den sich dein Wille vorbehält, der aller Feinde stolzen Wahn als Unvernunft beschämen kann. 6. Weisheit! decke meiner Seele die angeborne Thorheit auf, damit sie dich zum Leitstern wähle in ihrem sonst verwirrten Lauf. Ich weiß den Weg des Friedens nicht; o gönne mir dein sichres Licht. 7. Du hast mich durch dein ganzes Leben nach deinem klugen Rath geführt. Mein Geist muß dir die Ehre geben, daß du aufs beste mich regiert. Leit ferner mich durch Welt und Zeit bis zu der frohen Ewigkeit. Von der Allmacht Gottes. Mel. Machs mit mir Gott. 26. err, deine Allmacht reicht so weit, als selbst dein Wesen reichet. Nichts iſt, 4 50 Erster Theil. - Vom Wesen Gottes das deiner Herrlichkeit und deinen Thaten gleichet. Es ist kein Ding so groß und schwer, das dir zu thun unmöglich wär. 2. Du sprichst, und auf dein mächtigs Wort fällt alles dir zu Füßen. Du führest deinen Anschlag fort bei allen Hindernissen. Du winkst, so stehet eilend da, was noch zuvor fein Auge sah. 3. Du hast dein großes Schöpfungswerl allmächtig ausgeführet. Es bleibet stets dein Augenmerk und wird durch dich regie ret. Noch immerhin besteht die Welt, weil dein allmächtig Wort sie hält. 4. Die Menge vieler Wunder zeigt, daß, Schöpfer, dein Vermögen weit über die Geseße steigt, die die Natur bewegen. Du bleibst ihr Herr, und ihren Lauf hebst du nach weiser Willkür auf. 5. Wer deiner Gnade folgsam wird, sein Herz zum Guten neiget, und wenn er sich von dir verirrt, vor dir sich innig beuget: o, dem vergibst du Sünd und Schuld mit allmachtsvoller Gnad und Huld! und seinen Vollkommenheiten. 51 6. Was für ein Wunder deiner Macht wird unser Aug einst sehen, wenn nach der langen Grabesnacht die Todten auferstehen, wenn du von unserm Staub den Rest zu neuen Körpern werden läss'st. 7. Allmächt'ger, mein erstaunter Geist wirft sich vor dir darnieder. Die Ohnmacht, wie du selber weißt, umgibet meine Glieder. Mach mich zum Zeugen deiner Kraft, die aus dem Tode Leben schafft. 8. O zünd in mir den Glauben an, der deine Macht ergreifet, der stark und mächtig werden kann, wenn er auf dich sich steifet. Gib, daß ich traue deiner Kraft, die alles tann und alles schafft. Von der Allgegenwart Gottes. Mel. von Nr. 16. 27. großer Gott! der alle Ding erfüllet, vor dessen Blick kein Dunkel uns umhüllet, wohin soll ich vor deiner Allmacht gehn? und wohin fliehn, vor dir, Herr, ungesehn? 2. Könnt ich auch schnell mich zu den Wolfen schwingen, und wieder schnell bis in die Tiefe dringen: so hielte mich doch deine Hand auch da; denn wo ich bin, da bist du, Herr, mir nah. Erster Theil. Vom Wesen Gottes 3. Dein Auge sieht, was Nacht und Abgrund decken, es kann sich nichts vor deinem Licht verstecken; du kennst genau das Innre der Natur, der ganzen Welt und jeder Kreatur. 52 4. Kein falscher Gott, aus falschem Wahn verehret, hat je sein Volk das Künftige gelehret; du aber weißt, was künftig wird geschehn, und läsf'st auch uns in deinem Wort es sehn. 5. Du weist und hörst, was deine Kinder beten, und siehst, wenn sie im Stillen vor dich treten; noch eh ihr Mund dir ihren Kummer sagt, vernimmst du schon, was dir ihr Seufzen klagt. 6. Vor Menschen bleibt hier manche That verborgen, dir aber ist die Nacht ein heller Morgen, und was hier noch in Finsterniß geschieht, entdeckt einst dein Gericht, dem nichts entflieht. 7. Wohl dem, der hier vor deinem Antliß wandelt, und der vor dir und Menschen redlich handelt; der steht als dann, als ein bewährter Freund, getrof vor dir, wenn nun dein Tag erscheint. und seinen Vollkommenheiten. 8.D prüfe selbst die innersten Gedanken, ob sie vielleicht von deiner Richtschnur wanken. Bin ich, o Gott, noch auf verfehrtem Steg, so führe du mich auf der Wahrheit Weg. Mel. Machs mit mir, Gott, nach.— 26. 53 28. Nie bist du, Höchster! von uns fern; du wirkst an allen Enden. Wo ich nur bin, Herr aller Herrn, bin ich in deinen Händen. Durch dich nur leb und athme ich; denn deine Rechte schüßzet mich. 2. Was ich gedenke, weißest du; du prüfest meine Seele. Du siehst es, wenn ich Gutes thu, du siehst es, wenn ich fehle. Nichts, nichts fann deinem Aug entfliehn, und nichts mich deiner Hand entziehn. 3. Wenn ich in stiller Einsamkeit mein Herz an dich ergebe, und über deine Huld erfreut, lobsingend dich erhebe: so hörst du es, und stehst mir bei, daß ich dir immer treuer sei. 4. Du merkst es, wenn des Herzens Rath verkehrte Wege wählet; und bleibt auch eine böse That vor aller Welt verhehlet: so weißt du sie, und strafest mich zu meiner Beßrung väterlich. 54 Erster Theil. Vom Wesen Gottes 5. Du hörest meinen Seufzern zu, daß Hülfe mir erscheine; voll Mitleid, Vater, zählest du die Thränen, die ich weine. Du siehst und wägest meinen Schmerz, und stärkst mit deinem Trost mein Herz. 6.O drück, Allgegenwärtiger, dies tief in meine Seele! daß, wo ich bin, nur dich, o Herr, mein Herz zur Zuflucht wähle; daß ich dein heilig Auge scheu, und dir zu dienen eifrig sei. 7. Laß überall gewissenhaft nach deinem Wort mich handeln, und stärke mich dann auch mit Kraft, vor dir getrost zu wandeln. Daß du, o Gott, stets um mich seist, das tröst und beßre meinen Geist. Von der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. P₁. 42. - 29. S ott, vor dessen Angesichte nur $ ein reiner Wandel gilt! Ewges Licht, $ aus dessen Lichte stets die reinste $ Klarheit quillt! Deines Namens Hei und seinen Vollkommenheiten. 55 ligkeit werde stets von uns gescheut! Laß sie uns doch kräftig dringen, nach der Heiligung zu ringen. 2. Heilig ist dein ganzes Wesen; denn kein Böses ist an dir. Ewig bist du so gewesen, und so bleibst du für und für. Was dein Wille wählt und thut, ist unsträflich, recht und gut, und mit deines Armes Stärke wirkst du stets vollkommne Werke. 3. Herr, du willst, daß deine Kinder deinem Bilde ähnlich sein. Nie besteht vor dir der Sünder, denn du bist vollkommen rein. Du bist nur der Frommen Freund. Uebelthätern bist du feind; wer beharrt in seinen Sünden, kann vor dir nicht Gnade finden. 4. O, so laß uns nicht verscherzen, was du uns noch zugedacht. Schaffe in uns reine Herzen, tödt in uns der Sünden Macht! Denn was sind wir, Gott, vor dir? Du bist heilig, aber wir sind verderbt, und wer kann zählen, großer Gott, wie oft wir fehlen? 56 Erster Theil. Vom Wesen Gottes 5. Uns von Sünden zu erlösen, gabſt du deinen Sohn dahin. O, so reinige vom Bösen durch ihn unsern ganzen Sinn. Gib uns, wie du selbst verheiff'st, gib uns deinen guten Geist, daß er unsern Geist regiere, und zu allem Guten führe. 6. Keiner sündlichen Begierde bleibe unser Herz geweiht! Unsres Wandels größte Zierde sei rechtschaffne Heiligkeit. Mach uns deinem Bilde gleich! Denn zu deinem Himmelreich wirst du, Herr, nur die erheben, die im Glauben heilig leben. - Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. # 30. Grerechter Gott, vor dein Gericht muß alle Welt sich stellen. Du wirst in ihrem Angesicht, auch mir mein Urtheil fällen. O, laß mich dein Gericht stets scheun, und hier mit Ernst beflissen sein, vor dir einst zu bestehen. X und seinen Vollkommenheiten. 57 2. Du siehst von deinem festen Thron auf alle Menschenkinder, bestimmteſt jedem seinen Lohn, dem Frommen und dem Sünder. Nie siehst du die Personen an; allein auf das, was wir gethan, siehst du als rechter Richter, old 3. Viel Gutes und Barmherzigkeit gibſt du schon hier den Frommen; du schützest sie vor manchem Leid, darin die Sünder kommen. So zeigest du vor aller Welt, daß dir der Eifer wohlgefällt, den man der Tugend widmet. 4. Ja, Herr, du liebst, was recht und gut, und bist ein Freund der Frommen. Wer deinen Willen gerne thut, wird von dir aufgenommen. Sein Werk und Dienst gefällt dir wohl, ist er gleich nicht so, wie er soll, ganz rein von allen Fehlern. 5. Doch dem, der dich, o Gott, nicht scheut, dem frevelnden Verbrecher, der dein Geseß und Recht entweiht, bist du ein strenger Rächer. Ihn strafend machst du offenbar, daß der dir nie gefällig war, der hier der Sünde dienet. 6. Der Untergang der ersten Welt, die aus der Art geschlagen, das Feuer, 58 Erster Theil. Vom Wesen Gottes das auf Sodom fällt, Aegyptens lange Plagen, und andre Wunder deiner Macht sind Zeugen, wenn dein Zorn erwacht, wie du den Sündern lohnest. 7. Bleibt hier viel Böses unbestraft, viel Gutes unbelohnet, so kommt ein Tag der Rechenschaft, der feines Sünders schonet; da stellst du, Herr, ins hellste Licht, wie recht und billig dein Gericht; dann triumphirt der Fromme. 8. Gerechter Gott, laß mich, wie du, das Gute eifrig lieben! Gib selber mir die Kraft dazu! Wirk inniges Betrüben, wenn sich die Sünd in mir noch regt! Dein Herz, das lauter Gutes hegt, sei meines Herzens Muster. 9. Und weil vor dir, Herr Zebaoth, nur die allein bestehen, die gläubig auf des Mittlers Tod bei ihrer Neue sehen: so laß mich die Gerechtigkeit, die mich von Straf und Schuld befreit, im Glauben eifrig suchen. - Von der Wahrhaftigkeit und Treue Gottes. Mel. Wer nur den lieben Gott.- 7. 31. Noch nie hast du dein Wort gebrochen, nie deinen Bund, o Gott, verletzt. Di und seinen Vollkommenheiten. 59 hältst getreu, was du versprochen, vollführst, was du dir vorgeseßt. Wenn Erd und Himmel auch vergehn, bleibt ewig doch dein Wort bestehn. 2. Du bist kein Mensch, daß dich gereue, was uns dein Mund verheißen hat. Nach deiner Macht, nach deiner Treue bringst du das alles stets zur That. Scheint die Erfüllung gleich noch weit, so kommt sie doch zur rechten Beit. 3. Und wie du das unfehlbar gibest, was deine Lieb uns zugedacht, so wird, wenn du Vergeltung übest, dein Drohwort auch gewiß vollbracht. Wer dich, o Gott, beharrlich haßt, fühlt deiner Strafe schwere Last. 4. O drücke dies tief in mein Herze, daß es vor deinem Wort sich scheut. Gib, daß ich nie leichtsinnig scherze mit deiner Strafgerechtigkeit. Nie werde das von mir gewagt, was dein Befehl mir untersagt. 5. Doch laß mich auch mit festem Glauben dem Worte deiner Gnade traun. Wer kann den Trost uns jemals rauben, den wir auf dein Versprechen baun? du bist ein Fels, dein Bund steht fest. Wohl dem, der sich auf dich verläßt! 60 Erster Theil. Vom Wesen Gottes 6. Wie stark sind unsers Glaubens Gründe! hier ist dein Wort, das niemals trügt. Und daß dies allen Beifall finde, hast du den Eid hinzugefügt. Wahrhaftger, was dein Mund beschwört, ist völlig unsers Glaubens werth. 20120 7. Laß, Seele, laß dich dies beschä men! O traue Gott, der treu es meint. Such ihn zum Muster anzunehmen, und sei auch aller Lügen Feind. Beweise dich als Gottes Kind, bei dem man Tren und Wahrheit findt. Mel. Gott des Himmels und der 2c. - 32. W eicht ihr Berge, fallt ihr Hügel, Berg und Felsen stürzet ein! Gottes Treu hat dieses Siegel: sie soll fest ++ und ewig sein. Laßt den Weltkreis f untergehn; Gottes Gnade muß bestehn. 2. Gott hat mir ein Wort versprochen, seinen Bund mit mir gemacht, der wird und seinen Vollkommenheiten. 61 nimmermehr gebrochen, bis er alles hat vollbracht. Er, die Wahrheit, trüget nicht, was er saget, das geschicht. 3. Seine Gnade soll nicht weichen, wenn gleich alles bricht und fällt. Sie soll ihren Zweck erreichen, den sie ewig sich gestellt. Ist die Welt voll Heuchelei: Gott ist fromm, gut und getreu. 4. Will die Welt den Frieden brechen, hat sie Krieg und Streit im Sinn: Gott hält immer sein Versprechen. Ihm vertraun, ist stets Gewinn; denn er bleibet immerdar, was er ist und was er war. 5. Laßt sein Antlitz sich verstellen; ist sein Herz doch treu gesinnt, und bezeugt in allen Fällen, ich sei sein geliebtes Kind, dem er beide Hände reicht, wenn auch alle Hoffnung weicht. 6. Er will Friede mit mir halten, wenn sich schon die Welt empört. Ihre Liebe mag erkalten; ich bin seinem Herzen werth. Und wenn Höll und Abgrund brüllt, bleibt doch er mir Sonn und Schild. 7. Er, der Herr, ist mein Erbarmer; so hat er sich selbst genennt; welch ein Trost! nun werd ich Ärmer nimmermehr 62 Erster Theil. Vom Wesen Gottes von ihm getrennt. Sein Erbarmen läßt nicht ihn sich mir jemals ganz entziehn. 8. Nun, so soll mein ganz Vertrauen unbeweglich auf ihm ruhn! Felsen will ich auf ihn bauen; was er sagt, das wird er thun. Erd und Himmel kann vergehn, doch sein Bund bleibt ewig stehn. - Von der Liebe und Güte Gottes. Mel. des 66. Psalms. 33. Wie groß ist des Allmächtgen Güte $ Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt? der mit verhärtetem Gemüthe den Dank B erstickt, der ihm gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen sei ewig meine größte Pflicht. $ Der Herr hat mein noch nie vergessen: vergiß, mein Herz, auch seiner nicht! 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer und seinen Vollkommenheiten. 63 hat mit Langmuth mich geleitet? Er, dessen Rath ich oft verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer gibt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Glück genießen? Ists nicht sein Arm, der alles schafft? 3. Schau, o mein Geist, in jenes Leben, zu welchem du erschaffen bist; wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gottewig sehen wirst, wie er ist. Du hast ein Recht zu diesen Freuden; durch Gottes Güte sind sie dein. Sieh, darum mußte Christus leiden, damit du könnteſt selig sein. 4. Und diesen Gott sollt ich nicht ehren? Und seine Güte nicht verstehn? Er sollte rufen, ich nicht hören? den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will ist mir ins Herz geschrieben; sein Wort bestärkt ihn ewiglich. Gott soll ich über alles lieben, und meinen Nächsten gleich als mich. 5. Dies ist mein Dank; dies ist sein Wille. Ich soll vollkommen sein, wie Er. So lang ich dies Gebot erfülle, stell ich sein Bildniß in mir her. Lebt seine Lieb in meiner Seele, so treibt sie mich zu jeder Pflicht; und ob ich schon aus 64 Erster Theil. Vom Wesen Gottes Schwachheit fehle, herrscht doch in mir die Sünde nicht. 50 jo - 6. Gott, laß deine Güt und Liebe mir immerdar vor Augen sein! sie stärk in mir die guten Triebe, mein ganzes Leben dir zu weihn. Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen; sie leite mich zur Zeit des Glücks; und sie besieg in meinem Herzen die Furcht des letzten Augenblicks. 34. Gott, du bist die Liebe! Allein zum Wohlthun hast du Lust. Der Quäl sucht harte Triebe sind deinem Herzen unbewußt. Ganz ohne alle Grenzen ist deine Gütigkeit. So weit die Himmel glänzen, übst du Barmherzigkeit. Du Herr, hast Wohlgefallen an dem, wai und seinen Vollkommenheiten. 65 $$ du gemacht, und hast uns Sündern allen noch Leben zugedacht. 2. Als du uns hießest werden, da schufft du uns zum ewgen Wohl. Nicht nur auf dieser Erden ist alles deiner Güte voll; auch in dem Himmel droben hat deine Vaterhand uns Güter aufgehoben, die noch kein Aug erkannt. Dorthin uns zu erheben, ist, Gott! mit uns dein Sinn. Drum gab für uns sein Leben dein ewger Sohn dahin. 3. Wie groß ist deine Gnade! Wer ist so reich an Huld, wie du? Auch auf dem Sündenpfade siehst du uns voller Langmuth zu. Du lockest uns zur Buße; und wenn, zur Reu bewegt, der Sünder sich zu Fuße vor dir in Demuth legt, so siehst du auf ihn Armen mit väterlicher Huld, und schenkst ihm aus Erbarmen die ganze Sündenschuld. 4. Mit jedem neuen Morgen wird über uns dein Wohlthun neu; du kommest unsern Sorgen zuvor mit deiner Vatertreu. Du, Ursprung aller Gaben! Du weißt, was uns gebricht, und was wir nöthig haben, 5 Erster Theil. Vom Wesen Gottes versagst du, Gott, uns nicht. Vom Wohlthun, das du übest, sind unsre Tage voll; auch wenn du uns betrübest, geschiehts zu unserm Wohl. 5. Wer sollte dich nicht lieben? Du hast uns ja zuerst geliebt, und bist stets treu verblieben, wie viel wir wider dich verübt. Mit Gnade uns zu segnen, ist ewig deine Lust. Mit Dank dir zu begegnen, sei, Herr, auch unsre Lust. Laß uns, treu zu erfüllen, was du befiehlst, nie ruhn. Wer sollte deinen Willen nicht gern, o Vater, thun? 6. Wer hier auf deinen Wegen sich willig deinem Dienste weiht, den setzest du zum Segen schon hier, noch mehr in Ewigkeit. Du frönest seine Leiden mit herrlichem Ge winn, und führest ihn zu Freuden, zu ewgen Freuden hin. Wie theur ist deine Güte! Gott, laß mich ihrer freun, und stets mein ganz Gemüthe voll ihres Ruhmes sein. Mel. Wie schön leuchtet 2c. 66 - 35. Gott, des starke Hand die Welt erschaffen hat, und noch erhält! und seinen Vollkommenheiten. 67 Ich spüre deine Güte hier auf der Welt an jedem Ort. Sie hilft mir Schwachen gnädig fort; und wenn ich mein Gemüthe von hier zu dir, o Gott, wende, streckst du Hände voll Erbarmen und voll Wohlthun nach mir Armen. 2. Seh ich den weiten Himmel an, so viel ich davon sehen kann, so seh ich deine Güte. Der Himmelskörper Lauf und Pracht, das Sternenheer, das du gemacht, erreget mein Gemüthe, mächtig, freudig dir zu singen, dir zu bringen Ehr und Stärke. Groß sind deiner Hände Werke! 3. So oft ich athme und den Hauch der Lüfte fühle, fühl ich auch, Gott, deine große Güte. Wind, Wasser, Feuer, Schnee und Eis find deines Wohlthuns lauter 5* 68 Erster Theil. Vom Wesen Gottes Preis, und rühren mein Gemüthe, täglich hier mich dein zu freuen, und von neuem, Herr, mein Leben dir zum Dienste zu ergeben. 4. Die Erd ist deiner Güte voll! In allem, was mich nähren soll, schmeck ich, Gott, deine Güte. Ich seh und hör und fühle sie in Feld und Wald, an Thier und Bieh. Dies dringet mein Gemütthe, Herr, dich innig ohn Aufhören zu verehren. Hoch zu loben sind ja deiner Güte Proben! ----5. Schau ich mich selber achtsam an, so viel ich mich beschauen kann, so seh ich deine Güte. Die zeiget mir ein jedes Glied, ein jeder Sinn, ein jeder Tritt, mein Geist und ganz Gemüthe. Billig muß ich dir hinwieder meine Glieder ganz ergeben, und nur dir zu Ehren leben. 6. Herr! dazu, bitt ich, hilf du mir! Beuch immer näher mich zu dir durch deine große Güte! O heilige zu deinem Preis mich ganz, daß ich mit allem Fleiß mich vor dem Undank hüte. Laß mich, was ich bitt, erlangen, dir anhangen hier auf Erden, bis mir wird der Himmel werden. 36. und seinen Vollkommenheiten. Der 36. Psalm. Mel. des Psalms. 69 ott, deine Huld und Gütigkeit erfüllet alles, reicht so weit, als deine Himmel reichen; Und alles sagt: daß deine Treu wie du unendlich, ewig sei! Ety' werden Berge weichen, eh' uns des Herren Huld verläßt! Nein, nein! sein * Wort steht ewig fest auf nie bewegten Gründen! Du, Gott, von dem nur Gutes fließt, du läsfest uns, so lang' du bist, Erbarmung vor dir finden. 2. Dein sind die Menschen, dein das Vich! du, Gott, erhältst, ernähreft sie, wer kann dich gnug erheben! Du Gott voll * 70 Erster Theil. Vom Wesen Gottes Gnaden, voll Geduld, stets fühlen deine Vaterhuld, die hier auf Erden leben. Wer gibt dem Menschen sichre Ruh? Wer, wer kann sie, Gott, so wie du, mit voller Freud erquicken? Wer kann der Deinen reine Brust mit Strömen nie gefühlter Lust, wer will sie so entzücken? - 3. Fließt, fließt nicht alle Seligkeit, o Gott, aus deiner Gütigkeit? quillt nicht von dir das Leben? Auch kennten wir dich, Höchster, nicht, hätt'st du uns des Verstandes Licht, dein Wort, Herr, nicht ge geben! Wer diesem Lichte folgt, der wird zum höhern Licht, zu dir, geführt! Den wirst du nicht verlassen! Geuß deinen Segen über die, die dich verehren! schüße sie, die alle Falschheit hassen! Von der Geduld und Langmuth Gottes. 37. Setreuer Gott! Wie viel Geduld # beweisest du uns Armen! Wir häufen täglich unsre Schuld, du häufest dein Erbar und seinen Vollkommenheiten. 71 men. Was ist des Menschen Lebenslauf? Er ist verderbt von Jugend auf, und dei$ nem Wink entgegen. Und gleichwohl, Vater, suchst du ihn Langmüthig davon abzuziehn, zur Beßrung zu bewegen. 2. Der Menschen Elend jammert dich. Wenn sie sich gleich verstocken, so suchst du sie doch väterlich durch Huld zu dir zu locken. Wie lange sahst und riefest du nicht ehmals deinem Volke zu, daß sich ihr Herz bekehrte! wie trugst du nicht mit Gütigkeit die erste Welt so lange Zeit, eh sie die Fluth verheerte! 3. Noch immer gibst du Sündern Raum, der Strafe zu entgehen. Du läff'st den unfruchtbaren Baum nicht ohne Pflege stehen. Du schonest sein von Zeit zu Zeit; verziehest, voll Barmherzigkeit, ihn gänzlich abzuhauen. Du wartest sein mit großer 72 Erster Theil. Vom Wesen Gottes Treu, und hörst, damit er fruchtbar ſei, nicht auf, an ihm zu bauen. 4. Langmüthigster! so große Huld be zeigst du frechen Sündern, und o, nicht weniger Geduld hast du mit deinen Kindern. Sie werden ja, weil Fleisch und Welt hier ihnen häufig Neße stellt, oft sicher, matt und träge. Sie straucheln, sie vergehen sich, und fehlen oftmals wider dich auf falsch gewähltem Wege. 5. Du rufest ihnen in Gefahr, so oft sie irre gehen; reichst ihnen Hand und Stärke dar, von Sünden aufzustehen. Du trägest sie mit Vaterhuld, bist willig, ihre Sündenschuld durch Christum zu vergeben; gibst ihnen neue Glaubenskraft und nach bollbrachter Pilgrimschaft ein ewig Freudenleben. 6. Laß diese Langmuth und Geduld, Gott, unsre Herzen rühren! Nie müsse deine Vaterhuld zur Sicherheit uns füh ren! Trag uns erbarmend fernerhin; doch gib uns auch dabei den Sinn, daß wir die Sünde hassen, und uns noch in der Gnadenzeit den Reichthum deiner Gütig keit zur Buße leiten lassen. und seinen Bollkommenheiten. Mel. Wunderbarer König. 73 38.1 numschränkte Liebe! Gönne blöden Augen, die zum Irdischen kaum taugen, + daß sie in die Strahlen deiner Langmuth blicken, die den Erdkreis huldreich schmükken, und zugleich freudenreich, Bösen und den Deinen, wie die Sonne scheinen. 2. Wasser, Luft und Erde, ja dein ganz Gebiete ist ein Schauplaß deiner Güte. Deiner Langmuth Ehre wird durch neue Proben immer herrlicher erhoben. O wie weit, o wie breit streckt sie ihre Flügel über Berg und Hügel! 3. Was wir davon denken, was wir sagen können, ist ein Schatten nur zu nennen. Tag vor Tag zu schonen, Tag vor Tag zu dulden, so viel Millionen Schulden, und dazu ohne Ruh lieben, die dich hassen: Herr, wer kann das fassen? Erster Theil. Vom Wesen Gottes 4. Du vergitest Sünde, hörst der Sünder Flehen, wenn sie weinend vor dir stehen. Deine Rechte dräuet, und erbarmt sich wieder, legt die Pfeile gerne nieder, da man doch, wenn du noch sie kaum weggeleget, dich zum Born erreget. 5. Herr, es hat noch keiner, der zu dir gegangen, statt der Gnade Recht empfangen; wer zu deinen Füßen sich mit Thränen senket, dem wird Straf und Schuld geschenket. Unser Schmerz rührt dein Herz, und du willst der Armen gnädig dich erbarmen. 74 way- m 6. Höchster, sei gepriesen, daß du so verschonest, und uns nicht nach Werken loh nest. Deiner Hand sei Ehre, die so wohl regieret, und mit Ruhm den Scepter füh ret. Fahre fort, Bions Hort, Langmuth auszuüben und die Welt zu lieben. Lob der heiligen Dreieinigkeit. Mel. Allein Gott in der Höh. 15. 39. Gott, unserm Gott allein sei Ehr! Ihm Dank für seine Gnade! Uns drücke nun sein Born nicht mehr! geheilt ist unser Schade. Er, der uns seinen Frieden gab, - und seinen Vollkommenheiten. 75 schaut auf die Erde nun herab mit Lieb und Wohlgefallen. 2. Gott Vater, wir verehren dich mit Loben und mit Danken; denn du regierest ewiglich, dein Thron kann niemals wanken. Herr, alles, was du sprichst, geschieht, so wie dein Aug auf alles sieht. Wohl uns, daß du regierest! 3. O Christe, Gottes einger Sohn! für uns ins Fleisch geboren! Kamst du nicht von des Himmels Thron, so waren wir verloren. Sei uns mit deinem Heile nah! Ach, für uns alle starbst du ja! Erbarm dich unser aller! 4. O heilger Geist! du theures Pfand, du Tröster der Erlösten! Erleucht mit Weisheit den Verstand, und komm, das Herz zu trösten. Sei, wo wir wandeln, unser Licht! Verlaß uns auch im Tode nicht! Wir traun auf deine Treue! Mel. von Nr. 17. 40. Herr, unser Gott, wer ist dir gleich? Du bist das höchste Wesen. Und doch hast du, an Gnade reich, uns dir zum Dienst erlesen. Gemeinschaft sollen wir 76 Erster Theil. Vom Wesen Gottes mit dir, du Allerhöchster, haben. Mit deinem Heil willst du uns hier und ewig einst begaben, du Quelle alles Segens. 2. Wir beten dich, o Vater, an. Sind wir gleich vor dir Sünder, so nimmst du dich doch unser an, wie Väter ihrer Kinder. Du hast für uns aus großer Huld selbst deinen Sohn gegeben. Dein Herz voll Güte und Geduld verleih uns Trost und Leben, daß wir dich findlich fürchten. 3. O Jesu, ewger Gottessohn! Du Heil, darauf wir hoffen! Durch dich steht zu des Vaters Thron der Weg uns wieder offen. Uns zu befrein von Sünd und Tod kamst du zu uns auf Erden. D laß uns, unser Herr und Gott, froh deines Segens werden, und dir im Glauben dienen. 4. O heilger Geist, du Geist von Gott! Wehr in uns dem Verderben! Im Glauber an des Mittlers Tod hilf uns der Sünde sterben! Du gibst zum Guten Lust und Kraft. Laß uns des auch genießen! damit wir unsre Pilgerschaft im Glauben selig schließen. Wir wollen dir gern folgen. 5. Laß, Gott, uns dein auf Erden schon als unsers Gottes freuen. Herr, segne und und seinen Vollkommenheiten. 77 von deinem Thron, daß wir vor dir gedeihen! Dein ist das Reich, die Herrlichfeit. Dir wollen wir hier leben; und du wirst nach vollbrachter Zeit uns einst dahin erheben, wo wir dich ewig schauen. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 30. 41. heiligste Dreieinigkeit! nach Würden dich zu ehren, bemüht sich deine Christenheit; dein Lob läßt sich stets hören. Wie hoch bist du, wie wundersam! Anbetungswürdig ist dein Nam, dein Wesen unerforschlich. - 2. Es zeigt die herrliche Natur, und zwar an jedem Orte, des Allerhöchsten Segensspur; doch Dank sei seinem Worte! es zeigt uns ihn erst recht, er heißt: Gott Vater, Sohn und heilger Geist, der Gott des armen Sünders. 3. Nun weicht die Nacht, nun wird es hell, laßt Lobgesänge fließen! Du Vater, aller Wesen Quell und Ursprung, sei gepriesen! Du Vater, hast von aller Zeit in grenzenloser Ewigkeit, den Sohn, dein Bild, gezenget. 4. Du schusst den weiten Erdenkreis mit gnädgem Wohlgefallen. Du schufft 78 Erster Theil. Vom Wesen Gottes den Menschen; Dank und Preis soll erst durch ihn erschallen. Du trägest durch dein mächtig Wort, was du erschaffen, immer fort, und herrschst mit weiser Güte. 5. O bester Vater, steh uns bei, uns, deinen armen Kindern! wir fehlen oft noch, ach verzeih, verzeih uns armen Sündern. O, unsre Noth ist mannig falt; errett uns, Herr, und hilf uns bald, zeig dich an uns als Vater! 6. Herr Jesu Christ, des Ewgen Sohn, von Ewigkeit geboren! Du herrschst auf deines Vaters Thron, zu unserm Heil erforen. Durch dich erschuf er diese Welt, du bists, durch den er sie erhält, o Gott, aus Gott geboren. 7. Du bist des Höchsten Ebenbild, wer dich sieht, sieht den Vater; ein Mensch nachdem die Zeit erfüllt, ein Helfer, ein Berather des Menschen. Du erwarbs ihm Huld, bezahltest seine schwere Schull durch dein unschuldig Leiden. 8. Kun sißest du zur rechten Hand des Vaters hoch erhoben, beherrschst allmächtig jedes Land, und dämpfst der Feinde To ben. Hilf, unser Bruder, unser Gott und seinen Vollkommenheiten. 79 du bists, auf den in Noth und Tod wir uns allein verlassen. 9. Von Ewigkeit warst du auch schon, o Geist, Quell aller Wahrheit, Gott mit dem Vater und dem Sohn, erfüllt mit höchster Klarheit. Vom Vater und vom Sohn gesandt, mach uns die Gottheit recht bekannt und ihr zu dienen willig. 10. O heilger Geist, du Geist des Herrn, durch den wir Abba schreien, nur du kannst uns, und thust es gern, zu seinem Bild erneuen. Durch dich wird unsre Hoffnung fest, und wenn uns alle Welt verläßt, so bleibt dein Trost noch kräftig. 11. Geist des Gebetes, steh uns bei, daß wir in allen Nöthen voll Dankbarkeit, mit wahrer Reu zu Gott im Glauben beten. Wenn unsre Stunde kommen ist, so hilf, daß wir auf Jesum Chrift getrost und selig sterben. 12. Gott Vater, Sohn und heilger Geist, wie groß ist deine Güre! sei ewiglich dafür gepreist mit freudigem Gemüthe! Wenn dich der Engel Chor besingt, wo heilig, heilig, heilig flingt, so hör hier unser Lallen! 80 3) Von der Schöpfung. Der 19. Pfalm. 42. Die Himmel rufen, jeder ehret die Größe Gottes, seine Pracht; die aus gespannte Veste lehret die Werke, die * sein Arm gemacht; und aller Welten + $# Harmonie verkündigt und besinget fie. 2. Es strömt von einem Tag zum andern, gleich Bächen, ihre Rede fort, und eine Nacht erzählt der andern laut ihr gedankenvolles Wort. Es sind nicht Sprachen, die sie spricht; doch wer hört ihre Stimme nicht? 3. Die Ordnung funsterfüllter Kreise verherrlicht Gott durch jedes Land und macht, damit der Mensch ihn preise, sein Lob der fernsten Welt bekannt; denn wer sieht ihre Wunderbahn, und betet nicht den Schöpfer an? 4. Wer schuf, daß uns der Tag erwache, der Sonne strahlend Belt, als Er? Sie Erster Theil. Von der Schöpfung. 81 kommt; so geht vom Brautgemache der heitre Bräutigam daher; sie eilet, wie ein Held zum Streit erwachet und des Kampfs sich freut. 5. Ihr hoher Aufgang ist im Morgen, bis in den fernsten West ihr Lauf. Nichts bleibt vor ihrer Gluth verborgen; sie gehet allen segnend auf. Ihr Glanz zerstreut das Graun der Nacht, beseelt die Welt und gibt ihr Pracht. 6. Das Recht, das uns der Herr gegeben, ist heilig und untadelhaft. Es stärkt die Seelen, das sie leben, und gibt dem kranken Herzen Kraft. Sein Wort ist ohne Falsch und Trug, erhellt und macht die Einfalt flug. 7. Aus seinen richtigen Geseßen quillt Freude für die Traurigkeit. Sie heiligen, wenn sie ergößen. Wie lauter ist, was Gott gebeut! Herr, deines Wortes reines Licht erleuchtet jedes Angesicht. 8. Die Furcht des Herrn erhebt und schmücket ein folgsam Herz, und macht es rein, und ewig bleiben die beglücket, die sich dem Dienste Gottes weihn. Denn 6 82 Erster Theil. Von der Schöpfung. alles, was der Herr gebeut, ist Wahrheit und Gerechtigkeit. 9. Die Zeugnisse des Herrn sind besser und mehr der Sehnsucht werth, als Gold Ihr Werth ist köstlicher und größer, als alles noch so seine Gold. Süß sind sie wie der Honig ist, und mehr, als der vom Stocke fließt. 10. Wie warnen sie nicht deine Knechte! Der hat viel Segen, der sie hält! Doch oft vergißt man deine Rechte. Wer merkt, o Gott, wie oft er fällt? Vergib, das bitt ich, Gott, von dir, auch die ver borgnen Sünden mir! 11. Enthalte mich von frechen Sün den, die ein vermeßner Stolz erzeugt und laß sie den nicht überwinden, de willig in dein Joch sich beugt! Daß id unschuldig, rein und frei von große Uebertretung sei! 12. Vernimm, voll Huld, aus meiner Munde die Neden, die sich deiner freu und laß, zur angenehmen Stunde, di mein Gebet geseufzet sein! Ich habe dein gnädig Wort, Herr, mein Erlöser Gott, mein Hort! Erster Theil. - Von der Schöpfung. 83 Mel. von Nr. 42. 43. Gott! den alle Himmel ehren, von dir kommt aller Himmel Pracht. Was wir nur Schönes sehn und hören, hat deine Hand allein gemacht. An deine Weisheit, an dein Licht reicht keines Menschen Denken nicht. 2. Du bists, der die Geschöpfe weidet, der ihnen ihre Bierde schenkt. Du bist es, der die Erde kleidet, und sie mit grünem Schmuck behängt. Du bist es, der durch seine Kraft dem Frühling neue Anmuth schafft. 3. Daß Kraut und Pflanzen sich verjüngen, und alles neues Leben fühlt, daß alle Bäume Blüthen bringen, das Feld mit tausend Farben spielt, das fließt allein aus deiner Gnad, die unsre Welt gezieret hat. 4. Wie viel vermag dein mächtig: Werde! erhabenster Herr Bebaoth! Dein Lob verfündigt zwar die Erde, doch herrlicher noch, reicher Gott, verkündiget der Himmel Pracht die Größe deiner Schöpfermacht. 5. Aus dir, du Quelle alles Lichtes, fließt auch der Sonne feurig Meer. Ja, großer Schöpfer des Gesichtes, von dir 6* 84 Erster Theil. Von der Schöpfung. kommt auch das Wunder her, daß mir die Schönheit dieser Welt so strahlend in die Augen fällt. 6. Was zeugt das Heer von tausend Sternen, das selbst die Nächte reizend macht? Von ihnen soll ich hier schon lernen, wie groß, o Schöpfer, deine Pracht! Gott, du bist nichts, als Heiterkeit; nur Licht und Strahlen sind dein Kleid. 7. Ach Schöpfer! heilge mein Gesichte, wenn ich so voll Verwundrung steh, daß ich in deines Geistes Lichte allein auf dich, den Ursprung, seh. Ach! reinige selbst meine Brust von jeder schnöden Erdenlust. Mel. Allein Gott in der Höh.- 15. 44. Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht, die Weisheit deiner Wege, die Liebe, die für alle wacht, anbetend überlege: so weiß ich von Bewundrung voll, nicht, wie ich dich erheben soll, mein Gott, mein Herr und Vater! 2. Mein Auge sieht, wohin es blickt die Wunder deiner Werke. Der Himmel, prächtig ausgeschmückt, preist dich, du Gott der Stärke! Wer hat die Sonn an ihm Erster Theil.. Von der Schöpfung. 85 erhöht? Wer kleidet sie mit Majeſtät? Wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schooß der Erde auf, mit Vorrath uns zu segnen? O Gott der Macht und Herrlichkeit, Gott, deine Güte reicht so weit, als nur die Wolfen gehen! 4. Dich predigt Sonnenschein und Sturm, dich preist der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der geringste Wurm, bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht; bringt meinem Schöpfer Ehre! 5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand so wundervoll bereitet; der Mensch, ein Geist, den sein Verstand dich zu erkennen leitet; der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, ist sich ein täglicher Beweis von deiner Güt und Größe. 6. Erheb ihn ewig, o mein Geist! erhebe seinen Namen! Gott, unser Vater, ſei gepreist, und alle Welt sag: Amen! und alle Welt fürcht ihren Herrn, und hoff 863 Erster Theil. Von der Schöpfung. auf ihn, und dien ihm gern! Wer wollte Gott nicht dienen? Mel. Wer nur den lieben Gott.- 7. 45. Gott des Himmels und der Erden, der du allgegenwärtig bist, und nimmer kannst begriffen werden, vor dem fein Ding verborgen ist: Ach ziehe mich, mein Gott, zu dir, und offenbare dich in mir! 1 2. Wohin ich Herz und Augen lente, da find ich deiner Gottheit Spur. Wenn ich voll Andacht überdenke die wundervolle Kreatur, so ruft mir gleichsam alles zu: Wie groß ist Gott, wie klein bist du. 3. Es zeigen alle Elemente, wie weis und gut der Schöpfer sei. O, wenn das Stumme reden könnte, so stimmt es der Ermuntrung bei: Ihr Menschen! ehrt des Schöpfers Pracht, auch euch zu gut sind wir gemacht. 4. Herr Gott! wie groß ist deine Liebe! die Erd ist deiner Güte voll. O, gib mir deines Geistes Triebe, daß ich dich preise, wie ich soll. Nimm, was ich kann, und hab, und bin, zu deinem Dienst auf ewig hin! Erster Theil. Von der Schöpfung. 87 5. Hilf, daß die Güter dieser Erden mich zu dir locken, höchstes Gut! daß sie mir nicht zum Fallstrick werden, der statt des Nußens Schaden thut. Laß allen Mißbrauch ferne sein! Mein Schaß und Biel sei du allein. 6. Hier ist mein Leben eine Reise; hier geht mein Weg zur andern Welt. O, mache du mich klug und weise, daß ich hier thu, was dir gefällt. Nimm endlich nach vollbrachtem Lauf mich, Gott, in deinen Himmel auf. Mel. des 140. Psalms. 46. Die Himmel rühmen Gottes Ehre, *: ihr Schall pflanzt seinen Namen fort. Ihn rühmt der Erdkreis, ihn die Meere vernimm, o Mensch, ihr göttlich Wort. 2. Wer trägt die unzählbaren Sterne? wer führt die Sonn aus ihrem Zelt? Sie kommt und leuchtet uns von ferne, und läuft den Weg, gleich als ein Held. 88 Erster Theil. Von der Schöpfung. 3. Vernimms und sich die Wunderwerfe, die die Natur dir aufgestellt. Verkündigt Weisheit, Ordnung, Stärke dir nicht den Herrn, den Herrn der Welt? 1140 4. Kannst du die unzählbaren Heere der Wesen fühllos wohl beschaun? Durch wen ist alles? gib ihm Ehre! Mir, ruft der Herr, sollst du vertraun! 5. Mein sind die Himmel, mein die Erde; an meinen Werken kennst du mich. Ich werde sein, der ich sein werde, dein Gott und Vater ewiglich. 6. Ich bin dein Schöpfer, Weisheit, Güte, ein Gott der Ordnung und dein Heil; ich bins, mich liebe dein Gemüthe und nehm an meiner Gnade Theil! Von den Engeln. Mel. Sesus meine Zuversicht. 15 47. Herr, du hast in deinem Reich große Schaaren heil'ger Engel. Ihnen bin ic H. $ noch nicht gleich; denn ich bin noch volle Erster Theil. Von der Schöpfung. 89 $ Mängel. Ach! wann werd ich auch so rein, als die guten Geister sein? 2. Mich beschwert noch Fleisch und Blut; stärke mich bei der Beschwerde! Stärke mich mit Kraft und Muth, daß ich hier schon auf der Erde als dein Erbe und dein Kind immer himmlisch sei gesinnt. 3. Gib mir Weisheit, gib mir Fleiß, dich, o Gott! recht zu erkennen. Laß mich deines Namens Preis gern auch vor der Welt bekennen; daß ich darin auf der Erd deinen Engeln ähnlich werd. 4. Herr, dein Wille soll geschehn, wie im Himmel, so auf Erden. Laß uns doch stets darauf sehn, daß wir dir gehorſam werden, so in deinem Willen ruhn, wie die reinen Geister thun. 5. Unsre Welt ist voll Gefahr; voll Gefahr ist unser Leben. Sende deiner Engel Schar, daß sie schüßend uns umgeben. Wo wir gehen aus und ein, laß sie unsre Wächter sein. Erster Theil. Von der Schöpfung. 6. Mach es, wie mit Lazaro, wenn ich fünftig werde sterben. Laß mich dann auch eben so deines Himmels Freuden erben. Bringe durch der Engel Hand mich hin in mein Vaterland. 90 - 7. Laß mich dann vor deinem Stuhl bei den Auserwählten stehen, wenn die Bösen in den Pfuhl der Verdammniß zitternd gehen. Mache mich in deinem Reich völlig deinen Engeln gleich. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 48. u Herr der Seraphinen, dem tau send Engel dienen und zu Gebote stehn: du herrlich großer Meister des ganzen Reichs der Geister! mein Mund soll dei nen Ruhm erhöhn. 2. Herr, deine Himmelsheere, die Ben gen deiner Ehre, gibst du zu meiner Wacht Sie sehn dein Angesichte im höchſtvoll Erster Theil. Von der Schöpfung. 91 kommnen Lichte, und haben dennoch auf mich Acht. 3. Ich preise deine Güte mit dankbarem Gemüthe für diese Wunderschar. Ich rühme deine Rechte für diese deine Knechte, durch deren Schußz ich sicher war. 4. Gib, Geber aller Güter, gib ferner diese Hüter zu meinem Schirm mir bei. Es sei mein ganzes Leben mit ihnen stets umgeben, so bleib ich manches Fehltritts frei. 5. Doch sollen sie nicht weichen, so laß mich ihnen gleichen an wahrer Heiligkeit. Wie sie die Kinder lieben, und wahre Demuth üben, so mach auch mich dazu bereit. 6. Sie thun ja deinen Willen; laß mich den auch erfüllen. Sie leben völlig rein; laß mich, nach deinen Worten, o Herr, an allen Orten auch so, wie sie, die Sünde scheun. 7. Wenn ich denn endlich scheide, so führe mich zur Freude, auf ihren Händen ein. Bei dir, o Höchster, droben will ich dich ewig loben, wenn ich den Engeln gleich werd sein. 92 4) Von der Vorschung Gottes. Der 33. Psalm. Mel. des Psalms. 型 49. hr Frommen, auf! die ihr die Ehren 3 des Gottes aller Ehren singt; dieweil sein Lob von Zions Chören noch eins so ange nehm erklingt! Spielt ihm streng und schöne! Mischt der Orgeln Töne in den Jubelsang! Lobet ihn auf Saiten, las ihm sich bereiten eurer Flöten Klang. 2. Verherrlicht ihn mit neuen Weisen Erhebt ihn durch ein ewig Lied! Und seid ihn würdiglich zu preisen, mit allgemeiner Fleiß bemüht! Was sein Wort uns lehret was sein Mund uns schwöret, ist vollkom men wahr. Jedes seiner Werke leget, da mans merke, seine Wahrheit dar. Erster Theil. Von der Vorschung Gottes. 93 3. Gerecht und heilig ist sein Wille und jeder Ausspruch, den er fällt. Der Ausfluß seiner Segensfülle ergeußt sich durch die ganze Welt. Die gewölbten Lüfte und der Himmel Klüfte hieß sein Machtwort sein. Aller Sterne Kreise, Wechsel, Licht und Weise schuf sein Hauch allein. 4. Er hält die Meer und Wasserschäße in ihrem sichern Abgrund auf. Er schreibt der Ebb und Fluth Geseße und ordnet aller Flüsse Lauf. Adams ganz Geschlechte fürchte Gottes Rechte, die dies wirken kann! Betet, freche Geister, Gott, des Donners Meister, mit Erstaunung an! 1 5. Er spricht, um etwas zu vollbringen: so ists im Augenblick geschehn. Er rufet unerschaffnen Dingen: so sind sie wirklich schon zu sehn. Allen Rath der Großen weiß er umzustoßen, wie es immer geh. Alle List der Erden muß zu Schanden werden, daß sein Rath besteh. 6. Er wechselt niemals in Gedanken. Kein Fall der Zeiten schwächt sein Reich. Er kann nicht, wie die Menschen, wanken, und ist sich selbsten ewig gleich. Wohl denn dem Geschlechte, welches sich mit Rechte 94 Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. zu den Seinen zählt! Wohl euch, Zions Kindern, die er aus den Sündern, als sein Erb, erwählt! 7. Er sieht von seiner Sterne Bühnen das Thun der Erdenkinder ein. Er unter scheidet, die ihm dienen und die vor ihm nicht lauter sein. Gott, der Weltberather, nimmt, als Herr und Vater, aller Men schen wahr; seiner Fürsicht Proben werden uns von oben stündlich offenbar. 8. Er hat das Herz in uns geleget; drum kennt er dessen Haß und Lust, und was sich da Geheimes reget, ist eher ihm als uns bewußt. Nicht die vielen Machten siegen in den Schlachten, sondern Gottes Arm Dieser ist bewährter, als der Helden Schwerter und der Riesen Schwarm. 9. Ein feurig Pferd, mit dem ein Sie ger oft glücklich durch die Feinde riß, if feinem Flüchtling, feinem Krieger mit alle seiner Kraft gewiß. Die sich Gott ergeben it deren Gut und Leben nimmt sein Aug Acht. Ihre Seele trauet, wenn dem Böse grauet, seiner Huld und Macht. 10. Der Flügel Gottes deckt die Seine vor allen Todsgefahren zu. Wenn and Erster Theil.. Von der Vorsehung Gottes. 95 lang nach Brode weinen, so speist er uns in milder Ruh. Darum, fromme Herzen, harrt in allen Schmerzen seiner Hülf und Kraft, die euch fest umringet, alle Noth verdringet, und euch Heil verschafft. - 11. In dir, o Herr, in dir alleine erfreuen wir uns jederzeit. Der Trost für Israels Gemeine ist deine Treu und Heiligkeit. Uebe dein Erbarmen ferner an uns Armen, du, o höchstes Gut! Gib uns einst zum Lohne unsers Glaubens Krone, der auf dich beruht. Der 65. Psalm. Mel. des Psalms. 50. M an betet, Herr, in Zions Stille zu deiner Macht und Huld. Da zahlt man A dir der Opfer Fülle und der Gelübde Schuld: Da merkest du auf unsre Lieder und L Bitten für und für, und sammelst deiner 96 Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. Kirche Glieder aus, aller Welt zu dir. 2. Daß uns der Sünden Last nicht schade, wie schwer sie immer sei, so spricht uns Arme deine Gnade von Fluch und Schulden frei. Wohl denen, die sie aus den Sündern zu deinem Dienste wählt, und hier und dort zu deinen Kindern und Hausgenossen zählt! 3. Du gießest nach den bangen Zeiten den Trost auf Jakobs Haus, vom Size deiner Seligkeiten, an allen Enden aus Wir können deiner Liebe Proben in tau send Wundern sehn, und dich als unser Heiland loben, sobald wir zu dir flehn. 4. Die Hoffnung aller Menschenscharen ist nur auf dich gestellt: denn du allein nu mußt bewahren, was See und Land ent hält. Du bist es, dessen sichre Stärke di Berge gründen kann, und warest zu der Schöpfungswerke mit Allmacht angethan 5. Dein Wink gebeut den wilden Meere und stillet Wind und Fluth. Wenn We und Hölle sich empören, so dämpfst du ih Wuth. So weit der Erde Theile reiche erschrickt die Heidenschaft vor deiner wahr Gottheit Zeichen und deiner höchsten Kra Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 97 6. Du machest fröhlich, was da webet, sobald der Tag erwacht; und Abends danfet, was da lebet, dem Schuße deiner Macht. Wenn du erquichst mit Thau und Regen der Erde heißen Schooß, so wird durch deinen milden Segen der Felder Reichthum groß. 7. Dein Brunn, der nimmermehr verseiget, erquickt sie früh und spät, bis Keim und Aehre treibt und steiget, und alle Frucht geräth. Wenn Furch und Fluren sich verneuen, o Herr, so tränkst du sie, und thauest Wachsthum und Gedeihen auf unsre Saat und Müh. 8. Du krönest alle Jahreszeiten mit segensvoller Hand, und träufelst eitel Fettigkeiten auf unser ganzes Land. Es triefen Wüsten, Haid und Weiden von ihrem fruchtbarn Guß. Die Hügel schmücken sich mit Freuden und holdem Ueberfluß. 9. Es wimmeln von dem Schaafgedränge die Anger rings umher. Es stehen von des Kornes Menge die Auen dick und schwer. Da schallt der Dank von tausend Chören: der frohe Landmann singt des Allerhalters 7 98 Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. Macht und Ehren, daß Berg und Thal erklingt. Der 104. Psalm. Mel. von Nr. 33. 51. Sei feurig, Seele, Gott zu loben, ihn, den Jehovah Bebaoth! Sehr herrlich bist du, sehr erhoben, geschmückt mit Maje stät, mein Gott! Licht, das auch Seraphinen schrecket, Licht ist dein strahlenvoll Gewand! den grenzenlosen Himmel strede zum Vorhang aus, Herr, deine Hand. 2. Du baust in unermeßne Höhen, Allge genwärtiger, dein Haus; und wölbst mit dichten Wasserseen die glanzesvolle Woh nung aus. Du fährst auf Wolken, deinem Wagen, nahst dich in Wettern fürchterlich; dein Wagen donnert; willig tragen di Fittige des Sturmes dich! 3. Die Engel fliegen, gleich den Win den, vor dir voran, Herr Zebaoth; wi Flammen, die sich schnell entzünden, sin deiner Allmacht Diener, Gott. Du ha der Erde Grund bereitet, sie steht un wanket nimmermehr. Einst war sie m der Tief umkleidet, und über Berge flo ein Meer. Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes 99 4. Du schaltst die Wasser, und sie flohen vor deinem Schelten schnell vorbei. Sie hörten deinen Donner drohen, enteilten, und das Land ward frei. Der Berge Gipfel, Herr, erschienen, erhoben durch dein mächtig Wort; die Thäler santen unter ihnen an den für sie bestimmten Ort. 5. Du hast dem Meer ein Biel gestecket, das es nicht überschreiten kann; die Erde wird nicht mehr bedecket, es findet nie der Rückkehr Bahn. Von dir wird aus der Berge Höhlen mit Quellen jedes Thal erfüllt; da trinkt, wenn Hiß und Durst sie quälen, der Felder Volk, des Waldes Wild. 6. Und an der Bäche Ufer steigen viel schattenvolle Bäum empor; zufrieden wohnt auf ihren Zweigen und singt voll Lust der Vögel Chor. Aus deinen Höhen wird mit Thaue und Regen jeder Berg erquickt. Dann grünen fröhlich Feld und Aue, mit deinen Früchten, Gott, geschmückt. 7. Du nährst mit Gras der Thiere Heerden, wie schön bekleidet es das Land! es wachsen Kräuter, und es werden die Saaten reif durch deine Hand. Brod gibst du für des Menschen Leben, und, unsre Herzen 7* amo- ne 100 Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. zu erfreun, schenkst du aus traubenvollen Reben, mit milder Hand uns, Herr, den Wein. 8. Wie heiter glänzt von deinem Dele des Menschen frohes Angesicht! Du machst, daß uns das Brod nie fehle: wen sättiget, wen stärkt es nicht? Von deinem Saft ernähret zeugen die Bäume und so manche Frucht; die Cedern Libanons, Herr, steigen empor, gepflanzt durch deine Zucht. 9. Die Vögel baun in ihre Wipfel, die Störch in Tannen sich ihr Nest. Die Gemse liebt der Berge Gipfel, die sich auf steile Höhn verläßt. In Klüften, in der Felsen Höhlen verbergen die Kaninchen sich. Die Zeit zu ordnen, sie zu zählen, theilt sie der Mond, o Gott, durch dich! 10. Die Sonn eilt, ohne zu ermatten, zum Abzug, ihn versäumt sie nie; dann herrscht die Nacht, und finstre Schatten umziehn die Erde, decken sie. Dann geht das Wild aus seinen Wäldern, was in der Wüsten wohnet, wacht, und suchet auf bethauten Feldern sich seine Nahrung i der Nacht. Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 101 11. Der jungen Löwen laut Gebrülle begehret seinen Raub von dir; du nährst sie, Gott, aus deiner Fülle, und sättigst jedes wilde Thier. Doch melden kaum die hellren Lüfte des neuen Tages Ankunft an, so fliehen sie in ihre Klüfte, die nie der Sonne Strahlen sahn. 12. Der Mensch erwacht; mit neuen Kräften geht er zur Arbeit, baut das Feld, wirkt bis zum Abend in Geschäften, zu denen ihn dein Ruf bestellt. Wie zahllos, Gott, find deine Werke! die Welt ist deiner Güte voll; du gibst sie, daß man deine Stärke und Huld und Weisheit preisen soll. 13. Wie wimmelts in den weiten Meeren von Thieren, die du, Herr, nur zählst, von größern und von kleinern Heeren, die du ernährest und beseelst. Die Schiffe finden sichre Bahnen, du führest sie bewahret hin, hin auf den wilden Oceanen, dein Leviathan spielt darin. 14. Herr, alles wartet auf der Erde, im Meer und in der Luft auf dich, daß es von dir gesättigt werde! Du segnest; sie erquiden sich. Du gibst; sie sammeln. Deine 102 Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. Hände eröffnest du; sie werden satt. Wie schrecket sie ihr nahes Ende, wenn sich dein Blick verborgen hat! 30 15. Du nimmst, Herr, deinen Odem wieder, so muß, was lebet, schnell vergehn; Staub werden der Geschöpfe Glieder; du sendest ihn, und sie entstehn. Wie oft erneut dein Hauch der Erde Gestalt, und was auf ihr sich regt; daß ewig Gott verherrlicht werde, der Lust zu seinen Werken trägt. 16. Er schaut die Erd an, sie erzittert. Er tastet an der Berge Höhn; und Berg und Fels, durch ihn zersplittert, find Flammen, dampfen und vergehn. Gott, meinem Gott, will ich lobsingen! ihm, weil ich lebe, Lieder weihn! ihm soll voll Ruhms die Harf erklingen, sein Lob mein lettes Stammeln sein! 17. Und süß ertönen meine Lieder dir, der du meine Freude bist! Bald reinigst du den Erdkreis wieder, der jetzt voll von Verbrechern ist. Sei feurig, Seele, Gott zu loben, ihn, den Jehovah Bebaoth! Er werd in aller Welt erhoben, und Hallelujah sing sie Gott! Erster Theil. G Von der Vorsehung Gottes. 103 Mel. Allein Gott in der Höh. 15. 52. Dir, unser Gott! ist niemand gleich im Himmel und auf Erden. Du bist der Höchste, und dein Reich kann nie begriffen werden. Unendlich ist die Majestät, die über alle dich erhöht, die Kron und Zepter tragen. 2. Wie weit erstreckt sich dein Gebiet! Wo ist der, der es messe? Wohin auch nur mein Auge sieht, da seh ich deine Größe. Weit über alle Himmel weit geht deines Reiches Herrlichkeit; du herrschest über alles. - 3. Du herrschest weislich, recht und gut nach heiligen Gesetzen. Du pflegst nach deiner treuen Hut das Kleine werth zu schäßen. Auf Alles geht dein Augenmert, und immer ists dein liebstes Werk, zu segnen, zu beglücken. 4. Wie recht ist, Höchster, dein Gericht, der du die Wahrheit liebest! Wie richtig ist nicht dein Gewicht, wenn du Vergeltung übest. Du handelst stets nach Billigkeit in dieser und der fünftgen Beit, beim Strafen und Belohnen. 5. Wohl uns, daß du das Regiment, Gott, über alles führest. Und wohl dem. 104 Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. der den Zweck erkennt, dazu du uns regierest! Ich, dein geringster Unterthan, Herr, bete dich in Demuth an; o sieh auf mich in Gnaden! mal ob - 6. Ich bin verderbt und schuldenvoll, und auf dem Tugendwege nicht stets so eifrig, als ich soll; bin oft zum Guten träge! doch du bist gnädig und voll Huld vergibst du Reuenden die Schuld; drum hoff ich auch Vergebung. 7. Ich hoff es, weil mich der vertritt, den du für mich gegeben. Mein Jesus, welcher für mich litt, erwarb mir Recht und Leben. Sein Tod macht mich vom 3weifel frei, ob ich der Gnade fähig sei; auch mich hat er versöhnet. 8. Herr, ewig will ich deinen Ruhm mit Lob und Dank erheben. Dir will ich, als dein Eigenthum, mich ganz zum Dienst ergeben. Mit Luft will ich bis in den Tod nach deinem heiligen Gebot durch deinen Beistand wandeln. da out Mel. Wer nur den lieben Gott.- 7. 7. mintal 53. Fürwahr, du bist, o Gott, verbor gen! Dein Rath bleibt für uns wunderbar. Umsonst sind alle unsre Sorgen; du sorg Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 105 test, eh die Welt noch war, für unser Wohl schon väterlich; dies sei genug zum Troft für mich. 2. Dein Weg ist zwar in Finsterniſsen für unsre Augen oft versteckt; doch wenn wir erst den Ausgang wissen, wird uns die Ursach auch entdeckt, warum dein Rath, der niemals fehlt, den uns so dunkeln Weg gewählt. 3. Nie sind die Tiefen zu ergründen von deiner Weisheit, Macht und Güt. Du kannst viel tausend Wege finden, wo die Bernunft nicht einen sieht. Aus Finsterniß bringst du das Licht. Du ſprichst, o Gott, und es geschicht. - 4. So weicht denn, ängstliche Gedanken! Gott kann weit mehr, als ihr versteht. Bleib, Seele, in der Demuth Schranken; die Demuth wird von Gott erhöht. Ja, Herr, du liebst den, der dich liebt, und deiner Führung sich ergibt. 5. Drum will ich mich dir überlassen mit allem, was ich hab und bin. Ich werfe, was ich nicht kann fassen, auf deine Macht und Weisheit hin. Der Ausgang zeigt doch immerdar, daß stets dein Rath voll Güte war. 106 Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 6. Gib, daß dies mein Vertrauen mehre in Glück und Unglück, Freud und Leid. Schick alles, Herr, zu deiner Ehre und meiner Seelen Seligkeit! So preis ich einst vollkommen dich, so freu ich dein auf ewig mich. Mel. bes 62. Psalms. c 54. Wunder- Gott! der alles schafft: Wie groß bist du von Rath und Kraft den hohen Himmel sammt der Erden, und was man überall erblickt, hat deine Hand dein Rath beschickt, desgleichen was noch erst soll werden. 2. Man spürt dich kräftig überall un groß ist deiner Werke Zahl; du ordnest Sonnenschein und Regen; du suchst uns heim durch dürre Zeit, und auch des Jah res Fruchtbarkeit beruht auf deinem Work und Segen. Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 107 3. Die Erde starrt auf dein Geheiß vor Frost, und Herr, zu deinem Preis belebt der Frühling unsre Fluren. Wenn uns ein Glücke wird gewährt, wenn uns ein Unglück widerfährt, so sehn wir deiner Allmacht Spuren. 4. Laß denn, o Schöpfer, der die Welt so fest in ihrer Ordnung hält, auch mich dein göttlich Auge leiten! Gib, daß mein Herz geduldig trägt, was du mir, Herr, haft auferlegt; hilf dankbar sein in Segenszeiten. 5. Auch stärke meine Zuversicht, so quälet mich die Sorge nicht, wie mir's noch fünftig möchte gehn. Du bist, du bleibst mein höchstes Gut. Was frag ich nach der Feinde Wuth! Nichts kann ja ohne dich geschehen. Der 145. Psalm. 55. ch will, mein Gott, du König, dir lobsingen, und ewig Ehre deinem Namen bringen, sei täglich, ewig ſei von mir erhoben! dich will ich loben! 108 Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 2. Der Herr ist groß! Wer kann ihn gnug erheben? wer kann mit seinem feurigsten Bestreben, wie groß er ist, begreifen und empfinden, wer Gott ergründen? 3. Von unsern Vätern wurdest du erhoben; dich werden unsrer Kinder Kinder loben und deine Macht besingen, deiner Stärke preisvolle Werke. 4. Wie herrlich bist du, Gott, wie schön und prächtig! wie groß in deinen Wundern, Herr, wie mächtig! das preis' ich, daß dein Nam erhoben werde, der ganzen Erde. 5. Daß deiner Wunder Ruhm umher erschalle, die Welt von deinen Thaten widerhalle, und deine Wahrheit, deine Huld besinge, und Preis dir bringe. 6. Der Herr ist mild, von duldendem Gemüthe, barmherzig, gnädig, und von großer Güte; erbarmt sich seiner Werte, hat an allen sein Wohlgefallen. 7. Jehovah, alle deine Werke sollen dir jauchzend danken. Deine Frommer wollen aus allen ihren Kräften sich be streben, dich zu erheben! 8. Sie breiten aus den Ruhm von deinem Reiche, daß keine Macht, Jehoval Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 109 deiner gleiche, das rühmen sie, damit sie auf der Erde bewundert werde. - 9. Dein Reich, o Gott, ist herrlich; ewig währen dein Reich und deine Macht, die wir verehren, und ewig wird von aller Völker Bungen dein Lob besungen. 10. Der Herr bewahret alle, welche fallen; Jehovah hilft den Unterdrückten allen, und eilt, mit Heil die, die um Heil ihn bitten, zu überschütten. 11. Nach dir, Gott, schauen aller Wesen Blicke, daß deine Hand sie väterlich erquicke; du gibst auch einem jeden seine Speise, daß er dich preise. 12. Herr, du erhältst mit deinem Wohlgefallen, was lebt, thust deine Hand auf und gibst allen, was sie bedürfen; feiner sucht vergebens dich, Quell des Lebens! 13. In allen Wegen Gottes strahlet Gnade; untadelhaft sind alle seine Pfade, und was er thut, gereicht zu seinem Preise, ist gut und weise. 14. Der Herr ist nahe denen, die ihn bitten, die ernstlich ihn um seine Hülfe bitten; er thut, was die Gerechten, die ihn ehren, von ihm begehren. 110 Erster Theil.- Von der Vorsehung Gottes. 15. Der Herr behütet alle, die ihn lieben; die aber, die Gewalt und Frevel üben, verfolgt er; daß er sie zum Fluche mache mit seiner Rache. 16. Ja, ewig will ich seinen Namen loben! von allen Menschen werde Gott erhoben! Was lebet, müsse, Herr, zu allen Zeiten dein Lob verbreiten. Mel. Von Gott will ich nicht lassen. 56. Gott, der an allen Enden viel F große Wunder thut, in dessen treuer Händen mein ganzes Leben ruht: D zählst die Zahl mir zu von meiner Lebenstagen mit ihrem Glück und Pla gen, mit Unruh und mit Ruh. 2. Da ich noch tief verborgen im Mutter leibe lag, da wachte schon dein Sorgen fi mich; und wie vermag mein endlicher Ver P t Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 111 stand die Wohlthat zu erheben, die du in meinem Leben mir huldreich zugewandt? 3. Du fängst an, uns zu lieben, noch eh wir sind, und haft nie Lust, uns zu betrüben; doch nützt uns eineLast, so bleibst du mitleids= voll, bist sorgsam, deinen Kindern die Bürde sanft zu lindern, die sie nun treffen soll. 4. Läsf'st du mich Noth empfinden; dein Wort, Herr, tröstet mich. Durch dich muß sie verschwinden! drum hoff ich stets auf dich mit findlich treuem Sinn. Drum werf ich, was zu tragen mir schwer deucht, ohne 3agen, noch täglich auf dich hin. 5. Noch immer ist mein Hoffen, das sich auf dich verließ, so sicher eingetroffen, wie mirs dein Wort verhieß. Du hast mir wohlgethan; denn deine Gnad ist größer, und machts mit mir viel besser, als ichs ersinnen kann. 6. Dein Name sei gepriesen, der sich so oft an mir so herrlich hat erwiesen! Mein Herz und Mund soll dir, du Retter aus Gefahr, mein schuldig Opfer bringen, und deiner Güte singen jeßt und auch immerdar. 7. Du hast mir wohlgerathen und lauter Guts gethan, daß deine Liebesthaten ich 112 Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. nicht gnug rühmen kann. Hilf, daß ich ewig dort verklärt und ganz vollkommen, mit allen deinen Frommen dich preise, Herr, mein Hort. in find dann di quis 10 ak finomtis Aus dem 9. Psalm. Mel. Valet will ich dir geben. H 57. S - IN STO ott! meine ganze Seele macht deinen Ruhm bekannt. Dir dank ich und erzähle die Wunder deiner Hand. Mein Geist ist froh. Ich singe: Herr meine Lust bist du. Dir, dem ich Lieder bringe, dir, Höchster, jauchz ich zu. 2. Du sißest auf dem Throne als Rich ter aller Welt, der jeglichem zum Lohne das rechte Urtheil fällt. Wenn dich die Menschen schmähen, dann rächst du ihrem Spott. Du schiltst: und sie vergehen vor deinem Born, o Gott. Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 113 3. Der Herr hat zum Gerichte sich seinen Thron erhöht. Vor seinem Angesichte bleibt nicht, der widersteht. Jhr fühnen Sünder zittert! bereut noch euren Spott! Sein Thron wird nie erschüttert; der Herr bleibt ewig Gott. 4. Der Herr regiert und liebet, was ungerecht ist, nicht. Er wägt die Welt und übet parteilos sein Gericht. Die Wage sinkt und steiget, wie sein Geseß gebeut, und jedes Land bezeuget des Richters Heiligkeit. - 5. Gott ist ein Fels der Armen, ein Fels in jeder Noth. Die traun auf sein Erbarmen, wenn ihnen Unfall droht. Die Thränen, die sie weinen, sind dir bekannt und werth; du, Gott, versäumest keinen, der deinen Schuß begehrt! 6. Ihr Bürger Bions! preiset, verfündet in der Welt, wie groß sich Gott beweiset, der, was er zusagt hält. Er denkt daran und fraget nach des Gerechten Blut. Er hört ihn, wenn er klaget, und stillt der Wetter Wuth. 7. Herr! sei mir gnädig! Schane voll Huld auf meine Noth! Du bists, dem ich 8 114 Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. vertraue, du hilfft auch selbst vom Tod. Nach überwundnen Leiden geh ich ins Heiligthum, und, über dich voll Freuden, erheb ich deinen Ruhm. - Der 121. Psalm. Mel. von Nr. 13. 58. Mein Auge sieht, o Gott, zu dir! Von deinem Throne hilf du mir! Mein Heil kommt nur von deiner Macht, die diese Welt hervorgebracht. 2. Getrost mein Herz! dein treuer Hirt schafft, daß dein Fuß nicht gleiten wird. Der dich behütet, schlummert nicht. In Finsterniß ist er dein Licht. 3. Kein Ulebel sei dir fürchterlich; denn Gottes Rechte schüßzet dich. Durch seine treue Vaterhand wird, was dir schadet, abgewandt. 4. Sein Schuß gewährt dir Sicherheit, sein Trost füllt dich mit Freudigkeit. Er leitet dich auf ebner Bahn, und nimmt dich einst mit Ehren an. 5. Herr, segne und behüte mich! Dr bist mein Heil, ich hoff auf dich. Dein Segen folg aus dieser Zeit mir bis in jene Ewigkeit. Erster Theil. Soh Mel. Mein Gott, das Herz ich bringe dir. - Von der Vorsehung Gottes. 115 59. Noch immer wechseln ordentlich € des Jahres Zeiten ab. Dein Regen, Gott, ergießet sich noch auf die Erd herab. 2. Du öffnest deine milde Hand, uns Menschen wohl zu thun, und läss'st noch immer jedes Land in deinem Segen ruhn. 3. Von deinem Himmel, Höchster, träuft Gedeihn und Fruchtbarkeit. Die Saat geht auf, und blüht und reift, und sättigt und erfreut. 4. Von dir gesegnet, gibt der Baum den Schatten, den man sucht, und unter seiner Zweige Raum Erfrischung und auch Frucht. 5. Du nähreft jede Kreatur. O Herr, wer ist dir gleich? Dein Vorrathshaus, Gott, die Natur, ist unerschöpflich reich. 6. Wem strömt sie nicht, von dir erfüllt, Luft und Vergnügen zu? Wer ist so gut, so treu, so mild, so väterlich, wie du? 7. Herr, ohne dich vergingen wir, und wir verdientens auch; und dennoch leben wir in dir, beseelt durch deinen Hauch. 8* 116 Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 8. Wer, Gott, erfährt nicht deine Huld? Wem strahlet nicht dein Licht? mit welcher Langmuth und Geduld verschonst du unser nicht? - 9. D, betet Gott, ihr Menschen, an! Erwägts und dankt ihm nun! Was hat Gott schon an uns gethan? Was will er nicht noch thun? od prije ne 10. Nicht blos für diese kurze Zeit, Herr, hießest du uns sein. Du schufft uns für die Ewigkeit, uns ewig dein zu freun. 11. Läss'st du uns deine Freundlichkeit schon hier so herrlich sehn: was wird in der Vollkommenheit der künftgen Welt geschehn? 12. Noch tiefer dringt alsdann mein Blid in deine Wunder ein. O Herr, laß dies erhabne Glück mir stets vor Augen sein! Mel. Wer nur den lieben Gott. 7. 60. Herr und Schöpfer unsers Le bens, du hegst ein wahres Vaterherz. Kein Mensch hofft je auf dich vergebens, du siehst und linderst gern den Schmerz, wenn wir als Kinder auf dich sehn und dich um deine Hülfe flehn. Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 117 2. Dem Fluche, der die Welt noch drücket, die ganz im Argen sicher liegt, hast du zwar schon dein Volk entrücket, das durch den Glauben an dich siegt. Es wird vom Heiligthum bedeckt, wenn dein Gericht die Sünder schreckt. 3. Allein des Lebens bange Sorgen beschweren hier noch oft ihr Herz. Oft hältst du, Retter, dich verborgen, als fenntest du nicht ihren Schmerz. Der Stolze wühlt im Ueberfluß oft, wenn der Fromme darben muß. --4. Doch, Herr, der du der Menschen Seelen nicht bloß für dieses Leben schufst, wo uns vollkommne Freuden fehlen, nein, sie zum bessern Erbtheil rufft: dein Sohn ging auf der Leidensbahn uns zum Exempel selbst voran. 5. Du zählst und segnest unsre Tage, und dieses Lebens Ungemach ist uns zum Heil gewählte Plage. Ein ewig Wohlsein folgt ihr nach. Du führst die Deinen in der Zeit durch Leiden zu der Herrlichkeit. 6. Wenn dein Geschöpf, liebreicher Bater, zu dir um Hülf und Nahrung schreit, so bist du immer der Berather, der es zu 118 Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. rechter Beit erfreut. Du, den der Engel froh erhebt, duſorgst für alles, was da lebt. 7. Drum laß mich einzig auf dich sehen, und fern von aller eignen Wahl nach deinem Rath die Welt durchgehen. Du bist bei mir im finstern Thal. Ja, Herr, mein Glaube traut auf dich. Du leitest mich recht väterlich. CFT 61. S - ei zufrieden mein Gemüthe, Gott ist gut! was er thut, ist voll Lieb und Güte. Schaue seine große Thaten! 3 was die Welt in sich hält, ist ihm wohl51 75 gerathen. 2. Beides, Erd und Himmel, preisen seine Macht, Tag und Nacht, müssen es beweisen. Sonn und Mond sind laute Beugen; was sich regt und bewegt, kann es nicht verschweigen. 3. Schau die Werke seiner Hände! Mensch und Thier melden dir seinen Ruhm Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 119 ohn Ende. Was wir noch so Kleines nennen, Gras und Laub, selbst der Staub gibt ihn zu erkennen. - 4. Was auf Bergen und in Gründen, in der Höh, in der See, oder sonst zu finden, rühmt die Weisheit seiner Werke; jeder Wurm, Wind und Sturm preisen seine Stärke. 5. Wie muß ich sein Lob erheben? Wie so gar wunderbar gab er mir mein Leben? Šeel und Leib ist sein Geschenke, bin ich nicht ihm verpflicht't, wenn ich dies bedenke? 6. Wie mich sein getreues Sorgen Tag und Nacht nimmt in Acht, das zeigt jeder Morgen. Ja, fein Augenblick verschwindet, der mich nicht, Gott, mein Licht, dir zum Dank verbindet. 7. Drückten mich des Kreuzes Plagen; wenn die Last kaum gefaßt, half Gott selber tragen. War nicht mehr Geduld vorhanden; seine Kraft hat geschafft, daß ichs überstanden. 8. Nun, mein Herz, das hat schon lange Gott gethan, denke dran, wird dir jemals bange, als wollt er dich ganz verlassen; es 120 Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. geschicht wahrlich nicht, er kann dich nicht haffen. 9. Drum ergib dich seinem Willen, heiße gut, was er thut, er wirds auch erfüllen; denn er ist in allen Sachen groß von Rath, stark von That; er, er wirds wohl machen! . 48. - Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 62. In allen meinen Thaten laß ich den Höchsten rathen, der alles kann und hat! Er muß in allen Dingen, solls anders wohl gelingen, der Helfer sein durch Rath und That. 2. Was nüßen uns vom Morgen bis Abend alle Sorgen, wenn sein Gedeihn uns fehlt? Er hat uns Glück und Plage, und bös' und gute Tage, eh wir noch wa ren, zugezählt. 3. Was Gott für mich ersehen, das foll und muß geschehen, ist mein beschieden Theil. Drum laß ich mir in allem, was er mir gibt, gefallen, und halt es für mein wahres Heil. 4. Ihm trau ich in Gefahren; Er wird mich wohl bewahren, er, der da will und kann. Such ich nur seinen Willen gehor Erfter Theil. Von der Vorsehung Gottes. 121 sam zu erfüllen, so nimmt er selbst sich meine ran. 5. Er Lasse meine Sünden vor ihm Vergebung finden, durchstreiche meine Schuld, und wenn ich zu ihm schreie, so schenk er mir aufs neue in Christo seine Vaterhuld. 12 6. Leg ich zum Schlaf mich nieder, weckt mich der Morgen wieder zu meines Lebens Pflicht, irr ich auf finstern Wegen, eil ich dem Kreuz entgegen, so sei sein Wort mein Trost und Licht. 7. Schein ich von ihm verlassen, so will ich mich doch fassen und seiner Hülfe traun! und wenn ich auf der Erde nicht groß und glücklich werde, voll Glauben in die Zukunft schaun. 8. Ihm hab ich mich ergeben, zu sterben und zu leben, wie und wann er gebeut; ich lebe oder sterbe, so bleibt mein Theil und Erbe des Himmels ganze Seligkeit. 9. So sei nun, Seele, stille, dein Ruhm sei dessen Wille, der dich erschaffen hat. Es gebe, wie es gehe! dein Vater in der Höhe, der weiß zu allen Sachen Rath. 122 Erster Theil. - Von der Vorsehung Gottes. Der 93. Psalm. Mel. von Nr. 18. 63. Sehovah herrscht mit Majestät befleidet, er gürtete sich selbst mit Allmacht an, und hat sich in der Welt ein Reich bereitet, so fest, daß nichts es je erschüttern kann. Von dem an steht dein Thron in Ewigkeit, denn ewig bist du, schaust von deinen Höhn, wie sich empörte Ströme schwellend blähn, siehst ihre Wuth, die weit Verderben dräut. 2. Das Weltmeer tobt; der starken Wogen Stimme braust donnernd aus den Tiefen fürchterlich; du Stärkerer siehst ruhig ihrem Grimme vom Himmel zu: du winkst: die Wuth legt sich. Wahrhaftig ist, was, Herr, dein Wort uns lehrt, gewiß, was du versprichst. 3u jeder Zeit ist deines Hauses Bierde Heiligkeit, sie nur, die dir gefällt und ewig währt. Der 96. Pfalm. Mel. von Nr. 33. 64. Erhebet Gott durch neue Lieder voll nie gehörter Harmonie! Stimmt ein, iht Welten, schallt sie wieder, bis an die Him mel schallet sie! Besingt den Herrn und seine Werke, lobt seinen Namen! Tag auf Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 123 Tag erzählet froh, was seine Stärke und Huld zu unserm Heil vermag! 2. Groß ist dies Heil! D, sagt mit Freuden sein Lob der Erde Völkern an! Verfündigt unter allen Heiden die Wunder, die sein Arm gethan! Der Herr ist groß und hoch zu loben; erbebt vor seinem Angesicht! bewährt ihm eurer Treue Proben! nur vor den Göttern zittert nicht! 3. Die Götter, die die Völker ehren, sind Gößen ohne Sein und Kraft. Gott aber, dem wir angehören, Gott ist es, der den Himmel schafft. Vor ihm ist Majestät und Ehre, voll Stärke glänzt sein Heiligthum. Bringt her, bringt, aller Völfer Chöre, dem Herrn und seinem Namen Ruhm! 4. Bringt Opfer, welche Gott gefallen, im Schmucke, der ihm wohlgefällt! fallt hin in seines Tempels Hallen! ihn fürchte heilig alle Welt! Der Herr ist König! sagt der Erde: sein Reich wird ewig fest bestehn! Sagt: über alle Völker werde sein billiges Gericht ergehn! 5. Es jauchze dir, Herr, Herr, dein Himmel! die Erde dank und freue sich! des großen Weltmeers froh Getümmel und sein Univ.- Bibl. Giessen 124 Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. Bewohner preise dich! Laßt alle Felder, laßt die Heerden aufhüpfen! lasset jeden Hain und jeden Baum voll Jauchzens werden, sein Lob ertönen, sein sich freun! 6. Vor unsers Gottes Angesichte geht Freude, Lob und Jubel her. Der Herr erscheinet, daß er richte, den ganzen Erdtreis richtet er. Er wägt dem menschlichen Geschlechte sein Urtheil, Fromme, freuet euch! nach seiner Wahrheit, seinem Rechte Verdienste und Vergeltung gleich! - Der 97. Psalm. Mel. des Psalms. 65.Der König aller Welt ist Gott, de sie erhält. Ihr Länder sammt den Meeren frohlockt zu dessen Ehren, der in den Hin meln thront, und in dem Dunkeln wohn allwo sein Stuhl besteht, und sein Geric ergeht, das keinen Sünder schont. Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 125 2. Um seinen Wolfensis erscheinet Bliß auf Blizz, die Bösen zu verzehren, wenn sie sich nicht bekehren. Es brüllet Berg und Kluft, es glühet Erd und Luft! und alles zagt und bebt, was immer lebt und webt, wenn er den Wettern ruft. dr ibnt - 3. Wie Wachs beim Feuer rinnt, so schmelzen auch geschwind vor seiner Allmacht Flammen die Berge selbst zusammen. Verschweigt, ihr Himmel, nicht sein heiligstes Gericht; und zeugt der Heidenschaft von seiner Gottheit Kraft, die aus den Wolken bricht! 4. O schämet euch forthin, und brauchet Aug und Sinn, die ihr mit Gößen prahlet, und ihnen Opfer zahlet! Berehrt den höchften Geist, der sich als Gott erweist, und welchen immerdar die demuthvolle Schar der Engel selber preist. 5. Bekehrt, bekehret euch, damit sich Bions Reich auch über eurer Reue und eurem Heil erfreue! Wenn Gott, der uns regiert, auch eure Herzen rührt, so stimmet mit uns ein, daß ihm doch ganz allein der Gottheit Ruhm gebührt. 126 Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 6. Jhr, die ihr ihn nur liebt, und ihn nicht gern betrübt, vermeidet alles Böse, damit er euch erlöse. Er nimmt der Seinen wahr und schüßt sie wunderbar. Verfolgt sie Satans Macht, so hält er treue Wacht und zeucht sie aus Gefahr. 7. Erscheint sein Freudenlicht dem Frommen heute nicht, so scheinet es doch morgen, und endigt ihre Sorgen. So stärke seinen Muth in Gott, dem höchsten Gut, so danke jederzeit dem Gott der Heiligkeit, wer seinen Willen thut. Aus dem 127. Psalm. di dan Mel. des 130. Psalms. CA 66. Nimmt Gott, dem wir vertrauen, nicht unsers Werks sich an, will er das Haus nicht bauen, vergebens baun wir dann! Will er die Stadt nicht schützen, er, groß, durch Rath und Macht, was Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 127 - wird der Wächter nüßen? Umsonst iſts, daß er wacht. 2. Ihr wachet spät und frühe, und eßt voll Traurigkeit das Brod der Sorg und Mühe, und häuft euch Leid auf Leid. Was nüßt der bange Kummer, da Gott dem, den er liebt, was er bedarf, im Schlummer, und unerwartet gibt? Mel. Ach Herr, mich armen Sünder. 67.B efiehl du deine Wege, und was dein Herze kränkt, der treuen Vaterpflege des, der den Weltkreis lenkt! er 20 zeichnet Stern und Winden die abgemeßne Bahn; sollt er nicht Wege finden, wo dein Fuß wandeln kann? 128 Erfter Theil. Von der Vorsehung Gottes. 2. Dem Herrn mußt du vertrauen, wenn dirs soll wohlergehn, und dein Wert auf ihn bauen, soll es vor ihm bestehn. Gott läßt durch Sorg und Grämen und durch selbsteigne Pein sich keine Wohlthat nehmen, sie muß erbeten sein. 3. Dein Aug, o Gott der Gnade, sieht immer ungeschwächt, was gut sei oder schade dem sterblichen Geschlecht. Und was du dann erlesen, dein Rath fürs beste hält, bringst du zum Stand und Wesen, wie es dir wohlgefällt. 4. An wunderbaren Wegen fehlt dirs, Allweiser! nicht. Dein Thun ist Gnad und Segen, dein Gang ist Recht und Licht; und wenn du deinen Kindern ein Glück hast zugedacht, so kann dein Werk nichts hindern: du willst, es ist vollbracht. - 5. Hoff, o bedrängte Seele! hoff und sei unverzagt! Gott weiß es, was dich quäle, den Kummer, der dich nagt, er wird dich ihm entrücken, erwarte nur die Beit, bis dich mit holden Blicken sein Angesicht erfreut. 6. Auf, wehre deinem Schmerze, der Sorgen bange Nacht verfinstre nicht dein Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 129 Herze! Auf! brich der Schwermuth Macht! Bist du doch nicht Regente, der alles führen foll! Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl. 7. Drum, Seele, laß ihn walten, er ist ein weiser Fürst, er wird dich aufrecht halten, daß du dich wundern wirst, wenn er, wie ihm gebühret, nach seiner Weisheit Rath das Werk hinausgeführet, daß dich geängstet hat. 8. Und blieb der Trost auch lange, den du von ihm begehrt, und würde dir oft bange, daß er dich nicht gehört: Er wird dir Hülfe senden, wenn du's am mindsten gläubst, und all dein Unglück wenden, so du ihm treu verbleibst. 9. Wohl endlich deiner Treue! du trägſt den Sieg davon! Auf! daß dein Herz sich freue, schau nur den reichen Lohn! Gott gibt dir selbst die Palmen in deine rechte Hand, und du singst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt. 10. D, ende, Herr, o ende, hier alle unsre Noth, und reich uns deine Hände im Leben und im Tod! Stets laß uns deiner 9 130 Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. Pflege und Treu empfohlen sein; so gehen unsre Wege gewiß zum Himmel ein. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 30. 68. Lobt Gott, der uns den Frühling schafft, Gott der den Erdkreis schmücket! der mit allmächtig reicher Kraft das, was er schafft, erquicket! Der Herr erschafft, der Herr erhält! er liebt und segnet seine Welt: Lobsinget ihm, Geschöpfe! 2. Das Land, das erst erstorben lag, erwacht, und lebt nun wieder. Es strö met jeden neuen Tag sein Segen neu her nieder. Der Wurm, der in dem Staube webt, der Vogel, der in Lüften schwebt, erfreut sich seines Lebens. 3. Der Erde Antlit ist verjüngt und heiter glänzt der Himmel. Gebirg und Thal und Wald erklingt von freudigen Getümmel, und gnädig schauet Gott herab der allen Sein und Leben gab, auf seiner Hände Werke. - 4. Doch fühllos nur und unbeseelt find Auen und Gefilde; auch hast du nicht di Thier erwählt zu deinem Ebenbilde. De Mensch nur freuet deiner sich, fennt, fühlet und empfindet dich, und hofft ein ewig Leben Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 131 5. Lobsinget ihm! er ist uns nah! Singt, alle seine Heere! Der Herr ist allenthalben da, im Himmel, Erd und Meere. Ich lob, o Gott, ich preise dich! Wo ich nur bin, bist du um mich, und bist mir Lieb und Gnade. 110 6. Du rufst die Wolken übers Land und tränkeft mild die Erde, daß mit den Gaben deiner Hand der Mensch gesättigt werde. Thau, Regen, Sonnenschein und Wind, die deiner Allmacht Diener sind, erzählen deine Güte. 7. Es strömen, wenn dein Donner dräut, wenn Berg und Thal erzittern, Gesundheit, Stärkung, Fruchtbarkeit selbst aus den Ungewittern! Dann bricht die Sonne neu hervor, und aller Kreaturen Chor jauchzt und erfreut sich wieder. 8. Von dir kommt, was uns hier erfreut, du Brunnquell aller Gaben! Dort wirst du uns mit Seligkeit in reichen Strömen laben. Dein freun des Himmels Heere sich; auch wir, o Gott, wir loben dich, und sind, wie sie, unsterblich. 9. Doch schwach ist, Vater, unser Dank, den wir dir findlich bringen. Wir wollen 9* 132 Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. unsern Lobgesang einst würdiger dir fingen. Dir weihn wir unsre Lebenszeit, und sehn das Heil der Ewigkeit im Geiste schon von ferne. Der 73. Pfalm. I 10 Mel. bes 89. Psalms. 69. D urch so viel Schein gestärkt, kämpft 3weifel, wie ihr wollt; Gott ist + doch Israel, doch reinen Herzen hold. Allein wie hatte nicht mein Herz mit sich zu streiten! Mein Gang war ungewiß, 1 mein Fuß fing an zu gleiten. Ich hörte eifersvoll das Jauchzen stolzer Thoren, sah Frevler mit Verdruß zum Glüd ** allein geboren. Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 133 2. Des Todes ernster Blick, sein Schmerz erschreckt sie nie; in immer frischer Kraft des Wohlseins blühen sie, von aller Mühe frei, worunter Menschen zagen, von Andrer Sorgen frei, und frei von ihren Plagen. Stolz ist des Halses Schmuck, den sie sich umgehangen, und Frevel ist das Kleid, darin sie festlich prangen. 3. Der Körper nimmt an Fett, der Geiſt an Kühnheit zu, schweift in Entwürfen aus, kennt weder Maaß noch Ruh; droht alles um sich her zu drücken, zu vernichten, und will auf Andrer Noth sich seine Höh errichten; und spricht von ihr herab, und will bewundert werden; dem Himmel troßt ihr Mund, die Zunge herrscht auf Erden. 4. Der Pöbel sieht ihr Glück; sucht Theil an ihrer Ruh; drängt ihnen, gleich dem Strom, der überläuft, sich zu. Sie sprechen: sollte Gott herab auf Erden sehen? in seiner Höhe wohl er wissen, was geschehen? Seht diese Frevler an! Ihr Spott sind die Geseße; doch blühn sie ruhig hier, und häufen Schäß auf Schäße. 1 5. So hab ich denn umsonst gesucht, im Herzen rein, im Wandel ohne Schuld der 134 Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. Tugend treu zu sein! So ist des Kampfes Lohn, daß ich hier meine Tage in Angst verseufzen muß, in mehr als einer Plage! Gezüchtigt werd ich stets, mir bringet jeder Morgen statt Lichtes Finsterniß, statt Trostes neue Sorgen! 6. Schweig, schweig, empörtes Herz! fall nicht den Frevlern zu! Denn schlöffest du, wie sie, wie treulos würdest du an aller Heilgen Schar, an Gottes Kindern werden? Und gleichwohl sann ich nach, den Weg des Herrn auf Erden und seiner Vorsicht Gang und ihren Grund zu wissen. Umsonst! Mein Aug sah nichts in ihren Finsternissen. 7. Bis ich ins Heiligthum des höchsten Lehrers ging, und da mein blödes Augein göttlich Licht empfing. Da ließest du mich, Gott, der Frevler Ende sehen! ich sah im Schlüpfrigen den Fuß am Abgrund stehen, sah schnell sie hingestürzt, sie schnell von dir gerichtet, und schreckenvoll ihr End, und all ihr Glück zernichtet. 8. Wie das Erwachen bald des Traums Betrug vertreibt, der Bettlern Schäße Erster Theil. Von der Vorsehung Gottes. 135 schenkt, so wird ihr Glück zerstäubt. Vom Pöbel kurz vorher verehrt, gleich einem Gotte, dient dann des Frevlers Bild, Herr, deiner Stadt zum Spotte. Den Abweg sah ich jetzt, worauf ich schier gerathen, als Schmerz und Eifersucht mein Herz bestürmet hatten. ONE 9. Doch hatte der Verdruß fast die Vernunft verdrängt; ich war ein Vieh vor dir, das nur am Anschein hängt! Nun bleib ich stets bei dir! du fassest meine Hände, führst mich nach deinem Rath zu der Verklärten Ende! Was würde ohne dich mir selbst der Himmel werden? Nichts, nichts gelüstet mich, Gott, außer dir, auf Erden! 10. Verschmachteten auch, Herr, mein Fleisch, mein Herz vor Leid; doch bleibst du hier mein Fels, mein Theil in Ewigfeit! Die treulos vor dir fliehn, nach andern Göttern sehen, den falschen Buhlern gleich, wie werden sie vergehen! 3u dir halt ich mich, Gott, das soll mein bestes heißen, nur dir will ich vertraun, und deinen Namen preisen! - 136 5) Von dem Menschen, seiner Natur und Bestimmung. Mel. Wer nur den lieben Gott. 70. Dein bin ich, Gott, dein ist mein Leben! Wie tröstlich ist mein Ursprung mir! Du hast den Odem mir gegeben, mein ganzes Wesen kommt von dir. Du, Vater, riefst mich aus dem Nichts zum frohen Anschaun deines Lichts. - 7. - 2. Wie viel hab ich dir zu verdanken, Herr, der du mich bereitet hast! Als mich die engen finstern Schranken des ersten Daseins noch umfaßt, da war dein Auge über mir, da lebt ich, Höchster, nur in dir. 3. Du gabst mir die vernünftge Seele, die nur so lang im Fleische lebt, bis sie, daß ihr kein Wohlsein fehle, dein Ruf zum höhern Geist erhebt. Du hast mir Sinnen und Verstand, Begierd und Wollen zugewandt. 4. Wenn ich auf meinen Körper sehe, den du so kunstvoll ausgebildt, so wird, o Vater in der Höhe! mein Herz mit Ehrfurcht ganz erfüllt. Ein jedes Glied, ein jeder Sinn reißt mich zu deinem Lobe hin. 5. Durch deiner Vorsicht gnädigs Walten, die mich von Kindheit an umfing, bin Erster Th. Von dem Menschen, seiner Natur zc. 137 ich bis hierher noch erhalten, so daß der Tod vorüber ging. Ich stehe noch und preise dich. Herr, deine Rechte schüßzet mich. 6. Ich bin nicht werth der großen Güte, die du, mein Gott, an mir gethan. Beschämt empfindet mein Gemüthe die Schuld, die ich nicht läugnen fann. Ich habe, was mich sehr erschreckt, vielfältig Leib und Seel befleckt. 7. Ja, Herr, ich habe meine Glieder zu Sündengliedern oft gemacht. Vor dir fall ich in Demuth nieder; vergieb, was ich nicht recht bedacht! Verwirf mich, Vater, nicht vor dir! Schaff selbst ein reines Herz in mir! 8. Hilf, daß ich dir zur Ehre lebe, und redlich thu, was dich erfreut, und Geist und Leib und Glieder gebe zu Waffen der Gerechtigkeit; daß ich bis in den Tod dir treu, und stets ein Freund der Tugend sei. 9. Fällt dieses Leibes Hütte nieder, vollend ich dieses Lebens Lauf: o Gott, ſo richte du mich wieder verherrlicht aus dem Staube auf. Dein ewges Leben sei mein Theil, so preif' ich ewig dich, mein Heil! Erster Theil. Von dem Menschen, Mel. Allein Gott in der Höh.- 15. sid mi 71. Dir, Gott, sei Preis und Dank gebracht! Dich rühme Harf und Psalter! Ich bin ein Wunder deiner Macht, mein Schöpfer, mein Erhalter! Mein ganzer Leib, erbaut von dir, sammt einem jeden Sinn an mir, beweiset deine Größe. 138 - 2. Haupt, Aug und Ohr, und Mund und Hand, die ich zu dir erhebe, die Haut, so künstlich ausgespannt, der Nerven fein Gewebe und alle Glieder sagen mir, ich sei, o Gott, ein Werk von dir, ein Werk von deiner Weisheit. 3. Wie biegsam, wie gelenkvoll schließt, den Thoren zu verdammen, ders läugnet, daß ein Schöpfer ist, sich Glied an Glied zusammen! Wie willig, Herr, gehorchen sie, wenn meine Seele spät und früh des Leibes Dienst verlanget! 4. Ach, hättest du mein Auge nicht so meisterlich bereitet: was nützte mir der Sonnen Licht, ihr Glanz, vor mir ver breitet? Dann säh ich nicht, mit welcher Pracht du, Herr, durch deine weise Macht, was du erschaffen, schmückest. seiner Natur und Bestimmung. 139 5. Ich jauchze, daß ich sehen kann und hören, und empfinden, und reden. Beten will ich an, Gott sehen und empfinden. Mein Mund sei voll von deinem Dank! Mein Herz vernimm den Lobgesang der ganzen weiten Schöpfung. 6. Wer leitet meines Blutes Lauf? Wer lenkt des Herzens Schläge? Wer regt die Lung und schwellt sie auf, damit ich leben möge? Gott ist es, der dies alles thut. Schlag, Herz! Entflamme mich, o Blut! daß ich den Höchsten preiſe. 7. O, pries ich, Höchster, immer dich, wenn ich die Sinne brauche, geh, lieg und ausruh, oder mich bewege, athme, hauche! Gieb, daß ich ewig dein mich freu! und daß mein Leib ein Tempel sei, worin dein Geist stets wohne. 72. Gott werde stets von dir erhoben, du, deines Schöpfers Bild, mein Geist! Sollt ich nicht meinen Vater loben, den 140 Erster Theil. www Von dem Menschen, jedes seiner Werke preist? Er schuf mich 1 ja, sein Bild zu sein, ihn einst zu schaun, mich sein zu freun. 2. Schön ist der sonnenreiche Himmel, den er zu seinem Stuhle wählt; doch ist der sonnenreiche Himmel gedankenlos und unbeseelt; und mir, dem Thone seiner Hand, gibt er Empfindung und Verstand. 3. Anmuthig, prächtig zum Entzücken, ist Gottes ganze Körperwelt. Wer zählt die Reize, die sie schmücken? Was ich nur sehen kann, gefällt; und dennoch kann sie nicht, wie schön, wie wundervoll sie sei, verstehn. 4. Für Geister nur und nur für Seelen, die zu den Geistern Gott erhob, sind sie so herrlich! Sie erzählen nur ihnen meines Schöpfers Lob. O Seele, jauchze, daß der Ruf der Allmacht dich zum Geiste schuf 5. Gott, ich kann denken! Ich gewinne weil ich zu einem Geiste ward, durch die Empfindung meiner Sinne, Gedanken tar seiner Natur und Bestimmung. 141 sendfacher Art; groß, mannigfaltig ist ihr Heer, und doch wird ihrer täglich mehr. 6. Ich kann sie sammeln und verbinden, und trennen, wie es mir gefällt; die Welt empfinden, mich empfinden, weit unterschieden von der Welt! Bu tausend Thaten hab ich Kraft; wer gibt sie? Gott, der alles schafft! 7. Wie feurig dürftet meine Seele nach Glück und Lust und Seligkeit! Nur, daß ich oft betrogen wähle, was mich nach dem Genusse reut. Doch, das ist, Vater, meine Schuld, vergib sie mir nach deiner Huld. 8. Wie wundervoll ist das Vermögen, Gott, das du meinem Willen gibst! O, möcht ich es doch stets erwägen, mit welcher Güte du mich liebst! Möcht ich mit allen Kräften dein, dein mit Verstand und Willen sein. 9. Gott, meine Luft sei, dich zu kennen, dich Urquell der Vollkommenheit! von deiner Liebe ganz zu brennen, das sei mir Ruhm und Seligkeit. Bin ich vereinigt, Herr, mit dir, was brauch ich noch? was fehlet mir? Mel. Wer nur den lieben Gott.- 7. 73. Was ist vor deinem Angesichte der Mensch, Gott, daß du sein gedenkst, und 142 Erster Theil. Von dem Menschen, einen Strahl von deinem Lichte auf ihn, den Staub, hernieder senkst! Was ist er, wär er noch so groß? Ein bald zerfallner Erdenkloß. 2. Du sahest an den Menschenkindern den schweren Fall schon vor der Zeit; und dennoch hast du diesen Sündern aus göttlicher Barmherzigkeit unzählig viel zu gut .gethan, ja mehr, als jemand fassen kann. 3. Du hast den Leib, obschon aus Erde, doch wunderbar und schön gebaut, daß er der Seele würdig werde, ihm Sprach und Sinnen anvertraut. Du hast ihn selbst zum Herrn der Welt, dem alles dienen soll, bestellt. 4. Du hast ihm noch viel mehr geschentet du gabest ihm zum bessern Theil die Seele, welche will und denket, und ihr haft d ein ewges Heil, noch ehe sie nach dir gefragt, in deinem Worte zugesagt. 5. Drum laß es mich stets wohl be denken, was du, o Gott, an mir gethan dir Leib und Seele wieder schenken, d ich dir sonst nichts schenken kann, dami fie beide nach der Zeit dich preisen i der Ewigkeit. seiner Natur und Bestimmung. 143 6. Und nimm indeß sie alle beide, Allmächtiger, in deinen Schuß, so bieten wir in allem Leide, mit dir auch Welt und Satan Truß. Wenn wir in deiner Gnade stehn, so muß es uns stets wohlergehn. 7. Doch wenn erhöhet von der Erden, im Himmel, deiner ewgen Stadt, dich Leib und Seele schauen werden, von deinem Licht stets froh und satt: so sollen sie auch beide dich vollkommner rühmen ewiglich. Der 8. Pia I m. Mel. von Nr. 16. 74. O unser Gott, wie voll ist deiner Ehren, was lebt und webt in allen Land und Meeren. Es reichen selbst die Himmel nicht so weit und nicht so hoch, als deine Herrlichkeit. 2. Der Säugling muß schon deine Fürsicht preisen. Ein schwaches Kind kann deine Kraft erweisen. Sein zarter Mund bezähmt den frechsten Feind, der deiner Macht noch troßer und verneint. 3. Ich seh erstaunt die Größe deiner Werke, die ich zur Nacht am Himmelsbau bemerke, wo du des Monds und aller 144 Erster Theil. Von dem Menschen, Sterne Licht sammt ihrem Lauf so weislich eingericht't. 4. Was ist der Mensch, daß du noch sein gedenkest; daß du ihn suchst und als dein Kind beschenkest; daß er so theur in deinen Augen ist, und daß du selbst sein wahrer Vater bist! 5. Wie heilig ist der Schmuck, der ihn bekrönet! Wie hoch die Macht, womit du ihn belehnet! vermißt er gleich für eine kurze Zeit auf dieser Welt der Engel Herrlichkeit. 6. Du schaffest nichts, das ihm nicht dienstbar werde. Er ist dein Bild und König auf der Erde. Und was ihr School nur immer zeugt und trägt, das hast du, Herr, ihm untern Fuß gelegt. 1995 d 7. Das zahme Vieh in Triften und in Feldern, das freie Wild, das in Ge sträuch und Wäldern durch Thäler irrt und auf Gebirgen klimmt, ist alles ihm zum Eigentbum bestimmt. 525112 8. Der Vögel Schar, der Sänger Chor in Lüften, der Fische Heer in Fluß im und Wasserklüften und was sich nur in Meere nähren kann, ist insgesammt den Menschen unterthan. seiner Natur und Bestimmung. 145 9. D unser Gott! Beherrscher aller Machten! wie herrlich ist dein Name doch zu achten! Wie heiliglich wird deine Majestät so weit verehrt, als Erd und Himmel geht. doid dradado Mel. Nun danket alle Gott.- 9. 75. Allmächtig großer Gott! Wer kann dich gnug erheben? Du gabst der ganzen Welt ihr Dasein, Kraft und Leben. Was Geist und Körper heißt, was Erd und Himmel hegt, hat deine Hand gebaut, die jetzt noch alles trägt. esbian? 2. Du schufst, ich dank es dir, auch mich zu deiner Ehre, und wolltest, Gütigster, daß ich dein Bildniß wäre; drum hast du auch den Geist, der in mir lebt und denkt, mir zur Unsterblichkeit aus deiner Huld geschenkt. 3. D welch ein großer 3weck, dazu du, Gott, mich schufest! wie herrlich ist das Theil, dazu du mich berufest! Dir, Höchster, ähnlich sein, ist unser größtes Glück. O, wohl mir, wenn ichs bin! Hilf mir zu diesem Glück. 4. Laß mir dies große Biel doch stets vor Augen schweben. Mein allerstärkster 10 146 Erster Theil. Von dem Menschen, Wunsch, mein eifrigftes Bestreben in allem meinem Thun, sei dies, o Gott, allein, daß ich auch so, wie du, gesinnet möge sein! 5. Du bist der Wahrheit Freund; laß mich auch Wahrheit lieben, und mit stets munterm Fleiß in alle dem mich üben, was mich zur Weisheit führt; zur Weisheit, die dich ehrt, und allem Beifall gibt, was du uns selbst gelehrt. - 6. Laß deine Heiligkeit mich stets zum Muster nehmen. Hilf mir die Sünde fliehn, des Fleisches Lüste zähmen, nur das, was recht ist, thun, des Guten mich erfreun, und dem, ders üben will, auch gern behülflich sein. 7. Gib, daß ich so, wie du, ein Freund der Menschen werde, dem Wohlthun Freude macht, der Kummer und Beschwerde dem Nächsten gern erspart, dem Nächsten gern versüßt, und wo er helfen kann, zum Helfen willig ist. 8. Wie weit bin ich noch fern, o Gott, von diesem Biele! Du weißt, was mir noch fehlt, und ich, ich selber fühle, wie wenig ich dir noch im Guten ähnlich bin. O bilde du mich ganz nach dir und deinem Sinn. seiner Natur und Bestimmung. 147 9. Beglückt ist nur alsdann mein Lebenslauf auf Erden, wenn ich dir immer mehr schon hier kann ähnlich werden. Dann werd ich ewig auch mit dir vereinigt sein, und mich ohn Unterlaß, Gott, deiner Güte freun! Mel. Mein Gott, das Herz ich bringe. 59. 76. Ich bin, o Gott, dein Eigenthum. Du schufst mich, dein zu sein! mein ganzes Leben dir zum Ruhm und deinem Dienst zu weihn. 2. Du gabst mir den vernünftgen Geist, bewundernd einzusehn, wie dich, Herr! deine Schöpfung preist, mit ihr dich zu. erhöhn. 3. Was um mich ist, verkündigt mir, Gott, deine Herrlichkeit. Zu ihrem Preise reizt mich hier selbst jede Jahreszeit. 4. Und ich, ich sollte fühllos sein? Ich rühmte dich, Herr, nicht? Ein Herold deines Ruhms zu sein, bleibt meine größte Pflicht. 5. O, mache dieser Pflicht mich treu, so treu, Herr, als ich soll. Mein Herz, mein Mund, mein Wandel sei stets deiner Ehre voll. 10* 148 Erster Theil. Von dem Menschen, 6. Wer dich verehrt, hält dein Gebot. Ihm ists nicht Last, nicht Pein. Drum gib auch mir die Kraft, o Gott, gehorsam tim un plais th dir zu sein.issod - 7. Was du gebeutst, ist für uns gut, Du willst nur unser Heil. Wohl dem, der deinen Willen thut! Du bist sein Trost und Theil. ed 8. Er wandelt hier auf ebner Bahn, und selbst in Traurigkeit schmeckt er, dir Höchster! zugethan, in dir Zufriedenheit. 9. Nach hier vollbrachter Prüfungszeit nimmt ihn der Himmel ein. Herr! laß nach dieser Seligkeit mein ganz Bestreben ſein. Mel. Es ist das Heil uns kommen.- 6. 77. Wie wichtig ist doch der Beruf, den uns der Herr gegeben; Gott, als uns deine Liebe schuf, da schuf sie uns zum Leben. Zum Leben, welches ewig währt, das weder Leid, noch Angst beschwert, willst du uns hier erziehen. 2. Nicht hier ist unser Vaterland; allein bei dir, Gott, droben, da ist der Ort, wo deine Hand das Glück uns aufgehoben, das nie ein traurig Ende nimmt. Hier seiner Natur und Bestimmung. 149 sind wir nur von dir bestimmt, uns dazu anzuschicken. nd10 mm 1100 3.O, laß mir doch dies große Biel durch nichts verrücket werden! was hilfts, wenn ich auch noch so viel von Gütern dieser Erden, von Ehre, Geld und Lust gewinn', wenn ich dabei nicht tüchtig bin, dein Himmelreich zu erben? 4. Dein Pilgrim bin ich ja nur hier. Laß mich dies nie vergessen! Wie viel an Beit, Herr, hast du mir zur Wallfahrt zugemessen? Nur wenig Zeit. Ist die vollbracht, so wird der Erde Gut und Pracht auf ewig mir vergehen.or 5. Drum laß des Himmels Herrlichkeit mich stets vor Augen haben. Laß mich in meiner Prüfungszeit um jene beßren Gaben, die mir im Tode nicht entfliehn, am ersten und mit Ernst bemühn, damit ich nicht einst darbe. 6. Ein Herz, daß dich, o Vater! liebt, und deines Sohns sich freuet; das in dem Glauben Tugend übt, und sich vor Sünden scheuet; ein solches Herz, das wird allein sich ewig deiner Güte freun, und einst dein Antlitz schauen. 150 Erster Theil. 7. Und solch ein Herz das wollst du mir, Gott, aus Erbarmen geben, damit ich könne auch schon hier nach den Gesetzen leben, die selbst im Himmel gültig sind; bis ich als dein bewährtes Kind zu deiner Freude gehe! 6) Bom Fall und von der Verdorbenheit des Menschen und der daher rührenden Flüchtigkeit des Lebens. Mel. Auf meinen lieben Gott. 78. Du, der kein Böses thut, du schufst den Menschen gut. Du, Höchster, #M gabst ihm Kräfte zum seligen Geschäfte, # in Heiligkeit zu wandeln, stets recht vor dir zu handeln. 2. Wo ist der Unschuld Ruhm? Ach, wir dein Eigenthum, wie tief sind wir gefallen! Wo ist jetzt unter allen ein Mensch ganz rein von Sünden, vor dir, o Gott, zu finden? 3. Hier ist kein Unterschied. Dein Auge, Höchster, sieht auf alle Menschenkinder, und Vom Fall und von der Verdorbenheit des Menschen 2c. 151 sie sind alle Sünder. Da ist vor dir, Herr, keiner unschuldig, auch nicht einer. 4. Verderbt ist aller Sinn. Die Weisheit ist dahin, die uns regieren sollte, nur was dein Wille wollte, mit freudenvollen Trieben zu wählen und zu üben. 5. Fleisch sind wir von Natur. Uns rühren, leider! nur die Güter dieser Erden, die nie vollkommen werden, mehr als die höhern Gaben, die uns auf ewig laben. 6. Dir folgen, dünkt uns Zwang. Des bösen Herzens Hang reißt uns mit starkem Triebe zuschnöder Sündenliebe. Und können wir auch zählen, wie oft wir vor dir fehlen? 7.0 Herr, was uns gebricht, laß in der Wahrheit Licht so heilsam uns erkennen, daß wir von Ernst entbrennen, der Sünde zu entsagen, der Beßrung nachzujagen. 8. Wohl dem, der sie gewinnt. Gott, fo verderbt wir sind, so willst du uns dochheilen, und Kräfte uns ertheilen, schon wiederum auf Erden dir gleichgesinnt zu werden. 9. Herr, diese deine Huld laß uns durch unsre Schuld nicht freventlich verscherzen. Erwecke unsre Herzen, dir nicht zu widerstreben, damit wir ewig leben. 152 30 79. Erster Theil. Mel. des 38. Psalms. esu, Arzt todtkranker Seelen! * Wills uns fehlen an Erkenntniß eigner Noth, so daß wir die Last der Sünden nicht empfinden, ruhig bei dem nahen Tod. 2. Ach, so gib Gefühl von innen, mach die Sinnen lebendig und aufgeweckt; bis die gräuelvolle Höhle unsrer Seele sich bei deinem Licht entdeckt. 1 3. Unsrer Sünden Meng und Größe, unsre Blöße, zeiget dein Geset uns an; so daß wir nach dir uns sehnen, und mit Thränen zu dir, Arzt der Seele, nahn. 4. Dein Geset spricht: heilge Triebe, eine Liebe, welcher nichts als Stärke gleich, widmet Gott, dem Allerhöchsten, euren Nächsten sollt ihr lieben, so wie euch. 5. Aber, ach! wer fanns verhehlen? Hier wills fehlen, ach, das Herz ist Hasſes Vom Fall und von der Verdorbenheit des Menschen 2c. 153 voll, und wie die Erfahrung zeiget, abgeneiget von dem, was es lieben soll. 6. Jesu, ach, ach trag Erbarmen mit uns Armen, Seelen- Arzt, der heilen kann. Zünde bei uns allzusammen reine Flammen deiner Lieb im Herzen an.radin Mel. von Nr. 79. 80. Ach! was bin ich, mein Erretter und Vertreter, bei dem unsichtbaren Licht! Sieh, ich lieg in meinem Blute, ja das Gute, so ich will, das thu ich nicht. 2. Ach! was bin ich, mein Erlöser! täglich böser find ich meiner Seelen Stand! Drum, mein Helfer, nicht verweile, Jesu eile, komm und reiche mir die Hand. 3. Von Geburt bin ich ein Sünder und nicht minder sträflich durch gehäufte Schuld. Doch ich kenne dein Erbarmen, hilf mir Armen, groß ist deine Gnad und Huld. 4. Ach! wann wirst du mich erheben zu dem Leben, das erst recht ein Leben ist! Demuth kann dich bald bewegen, daß dein Segen sich zu meinem Heil ergießt. 5. Zuflucht der betrübten Herzen! Angſt und Schmerzen setzen meiner Seele zu. 154 Erster Theil. Sieh, wie mich die Sünden quälen, Arzt der Seelen, schaffe meinem Herzen Ruh. 6. Herr, errette mich vom Fluche, sieh, ich suche dich von nun an demuthsvoll. Sprich zu mir, daß ich im Sterben nicht verderben, sondern ewig leben soll. Mel. Zeuch mich, zeuch mich. Xx 81. Herr! du kennest mein Verderben. Ach! es regt in meiner Brust, wie bei allen Adamserben, sich noch immer böse Lust, die mein Herz, Herr, von dir neiget, und viel böse Thaten zeuget. 2. Wie verderbt sind meine Wege! Wie verkehrt mein eigner Sinn! Jch empfind es, Gott, wie träge ich dir zu gehorchen bin. Ach! wer wird vom Hang zum Bösen mich doch wiederum erlösen? 3. Hilf mir durch den Geist der Gnaden von der angeerbten Noth! Heile meiner Seele Schaden durch des Mittlers Kreu Vom Fall und von der Verdorbenheit des Menschen zc 155 zestod! Tilge alle meine Sünden! Laß mich vor dir Gnade finden! 4. Deinen Willen hier auf Erden zu vollbringen, wird mir schwer. Soll ich dazu tüchtig werden, mußt du selbst von oben her mir dazu die Kraft verleihen, und mein sündhaft Herz erneuen. 5. Schaffe denn ein reines Herze, Herr, durch deinen Geist in mir, daß ich nicht mein Heil verscherze. Laß der sündlichen Begier mich mit Nachdruck widerstehen, und auf deine Hülfe sehen. 6. Unter Wachen, Beten, Ringen, hilf wir, selbst mein Fleisch und Blut unter deinen Willen zwingen; denn dein Wille, Gott, ist gut. Was nicht kann dein Reich ererben, laß schon hier an mir ersterben. 7. Reize mich durch jene Krone, die mir droben beigelegt, daß ich meiner niemals schone, wenn die Sünd in mir sich regt. Hilf mir selber muthig kämpfen, alle böſe Lüste dämpfen. 8. Sollt ich etwa unterliegen, o so hilf mir wieder auf! Laß in deiner Kraft mich siegen, daß ich meinen Lebenslauf 156 Erster Theil. unter deinen treuen Händen gut und selig möge enden. modni dan Tid tod think Mel. Alle Menschen müſsen ſterben. 82. Großer Gott! Erhabnes Wesen, F das, voll segnender Begier, Menschen H sich zum Dienst erlesen, ach! was ist der Mensch vor dir? Wenn ich deine Größ erwäge, und was ich bin, überlege: O wie dürftig und wie klein muß ich mir nicht selber sein? 2. Fluch und Elend, Tod und Sünde drücken, leider! mein Gemüth; machen mich zu einem Kinde, das vor seinem Vater flieht. Tausend Mängel, tausend Flecken schänden mich zu meinem Schrecken, und in der verderbten Brust regt sich täglich böse Lust. 3. Was ich Gutes an mir habe, ist von deiner Vaterhand. D, wie manche gute *=*: Vom Fall und von der Verdorbenheit des Menschen 2c. 157 Gabe hast du, Herr, mir zugewandt! Selber auf dem Sündenpfade trägt mich schonend deine Gnade. Nähmest du zurück, was dein, ach, was wird mir übrig sein? 4. Doch die Menge deiner Gaben flagt nur meinen Undank an; weil ich sie oft ganz vergraben, oft damit nur groß gethan; oft voll Leicht sinn sie verschwendet, und zu Šünden angewendet. D, wie häuft sich meine Schuld durch Verachtung deiner Huld! 5. Sieh, hier lieg ich in dem Staube tief vor dir, mein Gott, gebückt; doch mein demuthsvoller Glaube, der auf meinen Heiland blickt, hofft auf deine Vatergüte, und mein tief beschämt Gemüthe, das den Muth fast ganz verlor, hebt sich noch zu dir empor. 6. Ja, die Wunder deiner Liebe ziehen ganz mein Herz zu dir. Ach! erhalte selbst die Triebe treuer Dankbarkeit in mir. Vater! laß das schwache Lallen meines Lobes dir gefallen. Bilde mich, dein Eigenthum, ganz zu deines Namens Ruhm. 7. Meine Kräfte, meine Glieder sind zu deinem Dienst bereit! Herr! ich falle vor dir nieder voller Ehrerbietigkeit. Deinen 158 Erster Theil. Willen thun und leiden, sei der Gipfel meiner Freuden! Gott und Herr der ganzen Welt, thu mit mir, was dir gefällt. 78. Mel. Auf meinen lieben Gott. - 83. Mein Gott, dir ist bewußt die innre böse Lust, die Quelle meiner Sünden, die Menschen nicht ergründen. Dheile du aus Gnaden der Seele tiefen Schaden. 2. Des bösen Herzens Grund wird oft durch Thaten fund, die mich vor dir verklagen, und mein Gewissen nagen. Herr, willst du ſie bestrafen, wer wird mir Rettung schaffen? 3. Ich habe wider dich, den Nächsten, und auch mich vielfältig, Herr, gehandelt; ich bin den Weg gewandelt, der Menschen von dir wendet, und sich mit Schrecken endet. 4. Ein jegliches Gebot zeucht wider mich und droht, weil ich, dies schlägt mich nieder, nur gar zu oft dawider gedacht, gethan, gesprochen, und deinen Bund gebrochen. 5. Verwirf mich nicht von dir. Hilf, Herr, erbarmend mir! Erneure meine Seele, daß sie nur Gutes wähle. Wer kann mich sonst vom Bösen, als du, o Herr, erlösen? Vom Fall und von der Berdorbenheit des Menschen zc. 159 6. Drückt mich der Sünde Joch gleich mächtig, so bleibt doch weit mächtger deine Gnade. Wie groß auch nur mein Schade, so kannst du ihn doch heilen, und Leben mir ertheilen. 7. Hat sonst des Fleisches Macht in mir ihr Werk vollbracht; so gib mir Lust und Stärke, daß ich nur gute Werke beschließe und vollbringe, und ewig dir lobsinge. 10 sint odlum don Mel. bes 51. Psalms. 84.D 241 ie Quell, woraus der Mensch ursprünglich ist, der ewgen Gottheit Kraft und heilger Wille, die Allgenugsamkeit und Gottesfülle, die immerfort mit reinen Strömen fließt, die anders nichts! als was sehr gut, gemacht, hat auch den Menschen gar nicht bös erschaf 160 Erster Theil. of matt fen; nein, ihn zu Gottes Bild hervorgebracht. Wie könnte sonst der Herr das Böse strafen? Thordlled 1192 1dl 2. Gerechtigkeit und wahre Heiligkeit, das war die Bier von Gottes Ebenbilde, der schöne Glanz, womit er gut und milde die Seele schmückte, die er sich geweiht. Es sollt der Mensch im Lichte den Schöpfer sehn, das ganze Herz in Liebe zu ihm neigen, mit ihm vereint in ewger Wonne stehn, und so an sich den Ruhm der Gottheit zeigen. 3. Ach! aber ach! ein unglückselger Fall, durch Satans List und Bosheit angerichtet, hat gar zu bald dies große Gut zernichtet, und Sünd und Tod herrscht jezzund überall. Es ist das Gift der Wurzel zugeflößt: Drum kann der Stamm mit allen seinen 3weigen, nun ganz verderbt, von innrer Kraft entblößt, auch weiter nichts als bittre CACHE Früchte zeigen. 4. Wo find ich Heil? Hier ist kein Gutes mehr. Denn ich vermag mit allem meinem Vom Fall und von der Verdorbenheit des Menschen 2c. 161 Dichten jetzt von Natur nur Böses auszurichten, bin unbequem zu meines Schöpfers Ehr. Ach hilf, mein Gott, und mach mich wieder neu durch deinen Geist, durch Licht und Kraft von oben: daß ich mit deinem Bild gezieret sei, und dich, o Lebensquell, mög ewig loben. Aus dem 90. Psalm. Mel. von Nr. 13. 85. Wie ein Geschwäß des Tags verfließt die Zeit, die mir geliehen ist. So rauscht vorbei ein schneller Bach, und dein Gericht, Gott, folgt ihr nach. 2. Die Ewigkeit, die Ewigkeit ergreift mich nach durchlebter Zeit: ich, wenn sie kömmt, sei was ich sei, ein Sünder, oder Gott getreu. 3. Da wall ich hin, da wartet mein das Anschaun Gottes, oder Pein. Ach Gott, mein Heil und mein Vertraun, laß mich dein selig Antlitz schaun. 4. Wir sind nur wie ein Schlaf vor dir, wie Gras, so blühn und welfen wir: das machet unsre Missethat, die deinen Born entzündet hat. 11 162 Erster Theil. 5. Ich zittre, Herr, und mein Gebein durchängstigt dein gewaltig Dräun! Denn denkst du ins Gericht zu gehn, wer kann, wer kann vor dir bestehn? 6. Ach zürne nicht auf deinen Knecht, und Gnade, Gnad ergeh für Recht! Versöhner, Gottes Sohn, mein Heil, sei meine Zuflucht, sei mein Theil. 7. Auf daß ich klug sei, lehre mich der Tod, daß ich nichts fürcht, als dich. Dann leb und sterb ich dir allein, im Leben, Gott, im Tode dein. 86. W ie fleucht dahin der Menschen Beit! Wie eilet man zur Ewigkeit: wer denkt doch wohl an jene Stund von Herzensgrund? Kaum spricht davon der träge Mund. 2. Das Leben ist ein eitler Traum; so nichtig, als ein Wasserschaum, der, wenn Vom Fall und von der Verdorbenheit des Menschen 2c. 163 er sich jetzt stolz erhöht, gar nicht besteht, und eh man es noch denkt, vergeht. 3. Nur du, mein Gott, du bleibest mir das, was du bist, ich traue dir; und fallen Berg und Hügel hin, so bleibt mein Sinn getrost, wenn ich bei Jesu bin. 4. Du kommst, Weltrichter, Gottes Sohn! Bald kommst du und mit dir dein Lohn. Ach! gib, daß ich mich jeden Tag bereiten mag auf jenen leßten Glockenschlag. 5. Was hilft die Welt in jener Noth, Lust, Ehre, Reichthum in dem Tod? O Mensch! das alles merkest du, sieh dann wohl zu, sonst kommst du nicht zur wahren Ruh. 6. Weg, Eitelkeit! der Thoren Spiel! Das höchste Gut sei stets mein Biel! Was ewig bleibet, finden wir gewiß nicht hier, wir findens, Jesu, nur bei dir. 7. Damit ich dich verklärt einst seh, und froh vor deinem Throne steh, so lehre du, mein Heiland, mich und gib, daß ich nichts so begierig such, als dich. Mel. von Nr. 86. 87. Gott hab ich alles heimgestellt. Er thue, was ihm wohlgefällt, zum Tod und 11* 164 Erster Theil. Leben gleich bereit, wie er gebeut, vertrau ich seiner Gütigkeit. 2. Auch meine Zeit kommt, wenn Gott will, ich warte drauf und bleibe still. Gut ist mir, was sein Rath erwählt, der nimmer fehlt. Er hat auch meine Haar gezählt. 3. Was ist die Welt? ein Jammerthal. Es wartet auf uns überall in unsrer kurzen Lebenszeit manch Herzeleid. Der Mensch lebt immerdar im Streit. 4. 3uleßt ruft dann doch Gott dem Tod. Er kommt und endigt unsre Noth. Sink du, o müder Leib, hinab ins stille Grab, dort wischt mir Gott die Thränen ab. 5. Wenn mich die Sünde schon ansicht, o so verzag ich dennoch nicht; es gab ja mein getreuer Gott bei meiner Noth den Sohn selbst für mich in den Tod. 6. Heil mir! daß mein Herr Jesus Christ für meine Schuld gestorben ist; nun lebt und herrscht er mir zu gut; der Höllen Glut löscht sein vergoßnes theures Blut. 7. Dem sterb und leb ich allezeit, von dem mich auch der Tod nicht scheid't. O, Vom Fall und von der Verdorbenheit des Menschen zc. 165 sein bin ich und er ist mein! das soll allein mein Trost im Tod und Leben sein. 8. Der schon in dieser Prüfungszeit so oft mein schmachtend Herz erfreut, gönnt meinem Leib auch einen Blick, und ruft zum Glück, zum Leben meinen Leib zurück. 9. Ich werde dann von Angesicht Gott schaun in jenem sel'gen Licht. Welch unaussprechlich große Freud ist mir bereit't! Gott sei gedankt in Ewigkeit! Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 48. 88. Die Herrlichkeit der Erden muß Staub und Asche werden und nichts bleibt ewig stehn! das, was uns hier ergößet, was man für ewig schäßet, wird als ein leichter Traum vergehn. 2. Was sind doch alle Sachen, die uns so trotig machen, als Tand und Eitelkeit? Was ist der Menschen Leben? Stets mit Gefahr umgeben, währt es nur eine furze Beit. 3. Was hilft uns unser Wissen? Wirds, wenn wir sterben müssen, ein großer Vorzug sein? Was hilft uns Macht und Ehre, so glänzend sie auch wäre? Kann sie uns wohl alsdann erfreun? - 166 Erster Theil. 4. Wie bald wird das zerrinnen, was wir mit Müh gewinnen, was unser Fleiß erwirbt? Kann wohl, was wir besigen, uns vor dem Tode schüßen, und stirbt nicht alles, wenn man stirbt? 5. Was sind die Lebensfreuden? Wie bald folgt Angst und Leiden und Reu auf den Genuß? Was ists, womit wir prangen? Wo wirst du Ehr erlangen, die nicht zuleßt verschwinden muß? 6. Was sind selbst alle Thronen? Gibt es wohl irdsche Kronen, die unverweltlich blühn? Kann vor des Grabes Schrecken der Purpur dich bedecken? die Krone dich dem Tod entziehn? 7. Wie, wenn die Sonn aufgehet, die Rose blühend stehet in ihrer schönsten Bier, und doch verwelft sich beuget, eh sich der Abend neiget; so blühen und verwelfen wir. 8. Froh wachsen wir auf Erden, und hoffen groß zu werden, von Schmerz und Sorgen frei; doch in den schönsten Tagen, noch eh wir Früchte tragen, bricht uns des Todes Sturm entzwei. Von der Erlösung der Menschen 2c. 167 9. Wir rechnen Jahr auf Jahre, inzwischen wird die Bahre vor unser Haus gebracht. Man scheidet von den Seinen, die hülflos uns beweinen, und uns bedeckt des Grabes Nacht. 10. Dies laßt uns wohl bedenken, und uns zum Himmel lenken, weil er uns offen steht. Wer dahin will gelangen, darf an der Welt nicht hangen, da sie mit ihrer Lust vergeht. 7) Von der Erlösung der Menschen und dem Erlöser überhaupt. Mel. Jesu meine Freude. 89. 2 ort aus Gottes Munde! Wort vom Friedens- Bunde! Evangelium! Bald, da wir gefallen, ließ LES dich Gott erschallen! du bist unser Ruhm! Gottes Kraft, die Glauben 168 75 Erster Theil. $ 59 schafft! gute Botschaft, uns zum Leben von Gott selbst gegeben! 2. Was dein Wohlgefallen vor der Zeit uns allen, Gott, bestimmet hat: was sonst dunkle Schatten vorgebildet hatten, das vollführt dein Rath. Daß dein Eid dich nicht gereut, zeigst du nun; in Jesu Namen wird er Ja und Amen. P 3. Alles ist vollendet, Gott hat den gesendet, der verheißen war. Jesus, der fein Leben wollte für uns geben, stellt sich wirklich dar, ja er hat des Höchsten Rath ganz vollbracht, und lebt in Ehre; ach erwünschte Lehre! 4. Da uns Strafen drohten; was für frohe Boten! trostreich ist ihr Mund, lieblich ihre Füße, ihre Lehren süße. Welch ein theurer Bund! Gottes Huld trägt unsre Schuld, und wer ihn mit Glauben ehret, wird von ihm erhöret. 5. Auf! und wehrt den Schmerzen! kommt, ihr, deren Herzen das Gesetz zerschlug; kommt zu dessen Gnaden, der für 169 Von der Erlösung der Menschen 2c. euch beladen alle Schmerzen trug. Jesu Tod versöhnt euch Gott! Gott, der euch als Vater liebet, und die Schuld vergiebet. 6. Hierauf will ich bauen, Christo mich vertrauen, und in ihm mich freun. Ihm nur will ich leben, ihm mich ganz ergeben, ewig treu zu sein. So werd ich auch einst durch dich, o mein Heiland, selig sterben und den Himmel erben. Mel. Durch Adams Fall ist ganz verderbt. 3 90. Durch Adams Fall ist erst verderbt der Menschen Thun und Wesen. Dies Gift ist auf uns fortgeerbt. Wir wären nie genesen; wär Jesu Heil nicht unſer Theil. Denn wie so tiefe Wunden! Ach, jeder hat in Adams That des Satans # Neid empfunden. 170 Erster Theil. 2. Seit Satan ihn dahin gebracht, daß er frech abgefallen: so herrschet mit tyrannscher Macht die Sünde in uns allen. Uns drückt der Tod. In solcher Noth beschloß Gott, uns zu geben den eignen Sohn zum Gnadenthron, damit wir möchten leben. 3. Warf uns denn eine fremde Schuld in Adam alle nieder: so bringt uns eine fremde Huld in Christo alle wieder. Und wie wir all in Adams Fall des ewgen Todes starben, so rettet Gott durch Christi Tod, die sonder ihn verdarben. 4. Gott hat uns seinen Sohn geschenkt, da wir noch Feinde waren, der ist für uns ans Kreuz gehenft, erstanden, aufgefahren. Tod und Gericht trifft uns nun nicht, so wir ihm nur vertrauen. Fest steht dies Wort! Wem mag hinfort noch vor dem Tode grauen? 5. Er ist das Licht, der Weg, die Pfort, die Wahrheit und das Leben, des Vaters Kraft, sein ewges Wort, zum Heiland uns gegeben. Dem Feind zum Truß umgibt sein Schuß uns alle, die wir glauben. Er ist der Hirt, die Seinen wird aus seiner Hand nichts rauben. Von der Erlösung der Menschen 2c. 171 6. Der Mensch ist gottlos und verflucht, und wird zuletzt zum Spotte, der solchen Trost bei Menschen sucht, und nicht bei seinem Gotte. Denn wer sich will ein andres Ziel ohn diesen Tröster stecken, den mag gar bald des Feinds Gewalt und arge List erschrecken. 7. Wer hofft in Gott, und dem vertraut, kann nie zu Schanden werden. Wohl, wer auf diesen Felsen baut, trifft ihn schon hier auf Erden viel Angst und Müh; hab ich doch nie den Menschen sehen fallen, der sich nur fest auf Gott verläßt. Gott hilft den Seinen allen. 8. Du wollest, Herr, von meinem Mund dein heilges Wort nicht nehmen; so weiß ich, läßt dein theurer Bund mich, Sünder, nicht beschämen. Der Sünden Schuld deckt deine Huld! nur ihr will ich vertrauen. Wer ihr vertraut, auf sie fest baut, der wird den Tod nicht schauen. 9. Mir zeigt schon jetzt dein heilges Wort den Himmel aus der Ferne, denn dies Licht führt zu Christo fort, dem hellen Morgensterne. Bricht der nun an, so fasset man alsbald die hohen Gaben, die Univ.- Bibl. Giessen 172 Erster Theil. Gottes Geist auch uns verheißt, so wir nur Glauben haben. 29. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele.- 91. Emge Liebe, mein Gemüthe waget einen fühnen Blick in den Abgrund deiner Güte; send ihm einen Blick zurück, einen Blick voll Heiterkeit, der die Finsterniß zerstreut, die mein blödes Auge drücket, wenn es nach dem Lichte blicket. 2. Ich verehre dich, o Liebe! daß du dich erbarmet hast, und aus freiem edlen Triebe den allweisen Rath gefaßt, der verdammnißwerthen Welt durch ein theures Lösegeld, durch des eignen Sohnes Sterben Gnad und Freiheit zu erwerben. 3. O, ein Rathschluß voll Erbarmen, voller Huld und Freundlichkeit! welcher uns hülflosen Armen Gnade, Trost und Hülfe beut. Liebe, die des Sohns nicht schont, der in ihrem Schooße wohnt, um die Sünder zu erretten aus den schweren Sündenketten. 4. Doch du hast, o weise Liebe, eine Ordnung auch bestimmt, daß sich jeder darin übe, der am Segen Antheil nimmt; Von der Erlösung der Menschen 2c. 173 wer nur an den Mittler gläubt, und ihm treu ergeben bleibt, der soll nicht verloren gehen, sondern Heil und Leben sehen. 5. Da du keinen zum Verderben ohne Grund verbannet hast, tragen Sünder, wenn sie sterben, ihrer eignen Bosheit Last. Wer nicht glaubt an deinen Sohn, der hat Fluch und Tod zum Lohn, sein muthwillig Widerstreben schließt ihn aus vom Heil und Leben. 6. Ewig sei mit Dank besungen, was dein Rath beschlossen hat. Mit uns preisen Engelzungen diesen weisen heilgen Rath, den der Glaub in Demuth ehrt, die Vernunft erstaunend hört; wo der Engel Tiefen findet, die er niemals ganz ergründet. 7. Liebe, laß mich dahin streben, meiner Wahl gewiß zu sein. Richte selbst mein ganzes Leben so nach deinem Willen ein, daß des Glaubens Frucht und Kraft, den dein Geist in mir geschafft, mir zum Beugniß dienen möge: ich sei auf dem rechten Wege. 8. Laß mich hier schon mit Vertrauen meinem Heil entgegen sehn; alsdann werd 174 Erster Theil. ich ohne Grauen selbst dem Tod entgegen gehn; keine Kreatur wird mich, den du liebest, ewiglich deiner Hand entreißen fönnen, noch von deiner Liebe trennen. Mel. Wer nur den lieben Gott. 7. 92. Ich habe nun den Grund gefunden, der meine Hoffnung ewig hält: Wo anders, als in Jesu Wunden? Da lag er vor der Zeit der Welt: Ein Grund, der unbeweglich steht, wenn Erd und Himmel untergeht. 2. Es ist das ewige Erbarmen, das alles Denken übersteigt: Es sind die offnen Liebesarmen, desf', der sich zu dem Sünder neigt; er geht nicht mit uns ins Gericht, und will den Tod des Sünders nicht. - 3. Wir sollen nicht verloren werden; Gott will, uns soll geholfen sein! deßwegen kam sein Sohn auf Erden, und nahm den Himmel siegreich ein. Nun ruft sein Wort und Geist uns zu: Kommt her zu mir, bei mir ist Ruh. 4. O Abgrund, welcher unsre Sünden durch Christi Tod verschlungen hat! Das heißt die Wunden recht verbinden, da findet kein Verdammen statt; weil Christi Von der Erlösung der Menschen 2c. 175 Blut beständig schreit: Barmherzigkeit! Barmherzigkeit! 5. Darein will ich mich gläubig senken, dem will ich mich getrost vertraun, und wenn mich meine Sünden fränfen, nur bald nach Gottes Herzen schaun; da findet sich zu aller Zeit unendliche Barmherzigfeit. 6. Wird alles andre mir entrissen, was Leib und Seel erquicken kann; muß ich des Lebens Freuden missen, und nimmt fein Freund sich meiner an; scheint die Errettung noch so weit, mir bleibet doch Barmherzigkeit. 7. Ich kann in meinen besten Werken, wenn ich noch so behutsam bin, gar manchen, manchen Fehler merken: o, wie fällt aller Ruhm dahin! doch bleibt mir noch der Trost bereit: ich hoffe auf Barmherzigkeit. 8. Es gehe nur nach dessen Willen, bei dem so viel Erbarmen ist; Er wird gewiß sein Wort erfüllen, er, der die Seinen nicht vergißt; sie währet ja in Ewigkeit, die göttliche Barmherzigkeit. 9. Auf diesen Grund will ich stets bauen, so lang ich hier auf Erden bin; 176 Erster Theil. der Gnade Gottes will ich trauen; fällt alles andre gleich dahin, so sing ich einst nach dieser Zeit: O Abgrund der Barmherzigkeit. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 30. 10 93. Nun, Christen, laßt uns fröhlich sein, Gott Dank und Ehre bringen, von Herzen seines Heils uns freun, mit Lieb und Lust ihm singen. Wer faßt die große Wunderthat, was Gott an uns gewendet hat, wie theur er uns erworben! - 2. Vom Teufel hart verstrickt war ich todt, elend und verloren. Stets quälte meine Sünde mich; verderbt war ich geboren. Ich sank auch immer tiefer drein, that niemals Gutes, war allein von Sünde ganz besessen. 3. Gott jammerte von Ewigkeit mein Elend ohne Maaßen. Er dachte der Barmherzigkeit, mir wollt er helfen lassen! zu mir wandt er sein Vaterherz, zu heilen meiner Wunden Schmerz, ließ ers sein Bestes kosten. 4. Er sprach zu seinem lieben Sohn: Die Zeit kommt zu erbarmen! Eil, meines Herzens werthe Kron! sei du das Heil Von der Erlösung der Menschen 2c. 177 i der Armen! Hilf ihnen aus der tiefen Noth! für sie entwaffne du den Tod, und laß sie mit dir leben. 5. Der Sohn, der ihm gehorsam war, erschien nunmehr auf Erden, als eine Jungfrau ihn gebar. Mein Bruder wollt er werden, hielt heimlich seines Arms Gewalt, und ging einher in Knechtsgestalt, des Satans Reich zu stürzen. 6. Er sprach zu mir: Halt dich an mich! Es soll dir jetzt gelingen. Mich selber geb ich ganz für dich, will mächtig für dich ringen. Denn ich bin dein und du bist mein. Auch du sollst, wo ich bleibe, sein. Uns soll der Tod nicht scheiden. 7. Vergießen wird man mir mein Blut, voll Grimms mein Leben rauben. Gern leid ich alles dir zu gut. Das halt mit festem Glauben. Dein Leben, Sterblicher, ist mein, und mein Verdienst ist, Sünder, dein. So bist du selig worden. 8. Den Himmel nehm ich wieder ein, und scheid aus diesem Leben. Da will ich stets dein Meister sein, und meinen Geist dir geben, der dir in Trübsal Troft 12 Erster Theil. gewährt, dich, wenn er mich in dir verflärt, in alle Wahrheit leitet. 178 9. Was ich gethan, was ich gelehrt, das sollst du thun und lehren; daß Gottes Reich sich stets vermehrt zu seines Namens Ehren. Nur hüte dich vor Menschenwahn, der dir den Schaß leicht rauben kann, dies sei mein Abschiedssegen. Mel. Herr Christ, der ein'ge Gottes. 94. D Christe, Eingeborner, von Ewigkeit gezeugt! Des Vaters Auserkorner, zu dem sein Herz sich neigt! Mit ihm von einem Wesen, bleibst du, der A du gewesen, der Glanz der Herrlichkeit. 2. Für uns ein Mensch geboren, der keuschen Jungfrau Sohn, wie Gottes Eid geschworen, erlittst du Qual und Hohn; ſtarbst, daß wir leben möchten, erhubſt uns zu Gerechten und Erben deines Reichs. Von der Erlösung der Menschen 2c. 179 3. Gib stets in reicherm Maaße Erkenntniß deines Heils, daß keiner je verlasse die Wahl des besten Theils. Laß uns im Glauben bleiben, durch ihn zur Lieb uns treiben, und zu der Luft an dir. 4. Der du trägst alle Dinge, des Vaters ewge Kraft! ohn den ich nichts vollbringe! der alles Gute schafft! Hilf, daß mich nichts verblendet, mein Herz nichts von dir wendet, nichts meine Liebe schwächt. 5. Laß uns, mit dir begraben, mit dir auch auferstehn; mit dir zur Höh erhaben, nicht auf das Eitle sehn; dich wissen und dich hören, nach dir allein begehren, dein todt und lebend sein. 6. Dank, Lob und Preis und Ehre sei Gott in Ewigkeit für solche süße Lehre, mit der er uns erfreut. Sie tröst uns, wenn wir leiden; sie stärk uns, wenn wir scheiden; sie schüß uns im Gericht. Mel. O Trostwort, das uns Leben gibt. 95. Gedanke, der uns Leben gibt, welch Herz vermag dich auszudenken! 12* 180 Erster Theil. Also hat Gott die Welt geliebt, uns seiH nen Sohn zu schenken. 2. Hoch über die Vernunft erhöht, umringt mit heilgen Finsternissen, fülft du mein Herz mit Majestät, und stillest mein Gewissen. 3. Ich kann der Sonne Wunder nicht, noch ihren Lauf und Bau ergründen; und doch kann ich der Sonne Licht und ihre Wärm empfinden. 4. So kann mein Geist den hohen Rath des Opfers Jesu nicht ergründen; allein das Göttliche der That, das kann mein Herz empfinden. 5. Nimm mir den Trost, daß Jesus Christ am Kreuz nicht meine Schuld getragen, nicht Gott und mein Erlöser ist: so werd ich angstvoll zagen. 6. Ist Christi Wort nicht Gottes Sinn: so werd ich ewig irren müssen, und wer Gott ist, und was ich bin, und werden soll, nicht wissen. Von der Erlösung der Menschen 2c. 181 7. Nein, diesen Trost der Christenheit soll mir kein frecher Spötter rauben; ich fühle seine Göttlichkeit und halte fest am Glauben. 8. Des Sohnes Gottes Eigenthum, durch ihn des ewgen Lebens Erbe, dies bin ich, und das ist mein Ruhm, auf den ich leb und sterbe. 9. Er gibt mir seinen Geist, das Pfand, daran wir seine Liebe merken, und bilden uns durch seine Hand zu allen guten Werken. 10. So lang ich seinen Willen gern mit einem reinen Herzen thue: so fühl ich eine Kraft des Herrn, und schmecke Fried und Ruhe. 11. Und wenn mich meine Sünde kränkt, und ich zu seinem Kreuze trete: so weiß ich, daß er mein gedenkt, und thut, warum ich bete. 12. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, daß ich erwecket aus der Erde, wenn er sich zum Gericht erhebt, im Fleisch ihn schauen werde. 13. Kann unsre Lieb im Glauben hier für den, der uns geliebt, erkalten? Dies 182 Erster Theil. ist die Lieb, o Gott, zu dir, dein Wort von Herzen halten. 14. Erfüll mein Herz mit Dankbarkeit, so oft ich deinen Namen nenne, und hilf, daß ich dich allezeit treu vor der Welt bekenne. 15. Sollt ich dereinst noch würdig sein, um deinetwillen Schmach zu leiden: so laß mich keine Schmach noch Pein von deiner Liebe scheiden. 16. Und soll ich, Gott, nicht für und für des Glaubens Freudigkeit empfinden: wirk er doch sein Werk in mir, und reinge mich von Sünden. 17. Hat Gott uns seinen Sohn geschenkt, so laß mich noch im Tode denken: Wie sollt uns der, der ihn geschenkt, mit ihm nicht alles schenken! Mel. Allein Gott in der Höh.- 15. 96. Heil uns! Aus unsrer Sündennoth ist Rettung uns erworben. Der Herr will nicht des Sünders Tod. Was Adams Fall verdorben, hat er aus Gnaden uns ersetzt. Wie werth sind wir vor ihm geschäßt! Wie groß ist sein Erbarmen! Von der Erlösung der Menschen zc. 183 2. Selbst seinen eingebornen Sohn sandt er zu uns auf Erden, von dem verdienten Sündenlohn ein Retter uns zu werden. Er kam und mit ihm unser Heil; er kam, am ewgen Leben Theil uns wieder zu erwerben. 3. Wo ist, o Tod, dein Stachel nun? Hier ist dein Ueberwinder. Für unsre Schuld genug zu thun, starb er, das Heil der Sünder. Wo ist nun, Sünde, deine Kraft? Hier ist der, der uns Kräfte schafft, dein Joch von uns zu werfen. 4. Gelobt sei Gott! Gelobt sein Sohn, der Retter unsrer Seelen! nun kann uns auch auf Erden schon das wahre Glück nicht fehlen, getrost und froh in Gott zu sein, wenn wir uns nur dem Heiland weihn, den Gott für uns verordnet. 5. Was er zum Leben uns verschafft, das ist in seinen Händen. Sein ist das Reich, sein ist die Kraft, das Heil uns zuzuwenden, das er so liebreich uns erwarb, als er für uns am Kreuze starb. Wohl allen, die ihm trauen! 6. O, laßt uns ihm uns anvertraun, und niemals sein uns schämen! Auf seine Erster Theil. Mittlershülfe baun, und sein Joch auf sich nehmen, das ist der Weg zum ewgen Wohl, der Weg, auf den man friedenvoll auch schon auf Erden wandelt. 184 7. Herr, laß uns diese Seligkeit doch über alles schäßen. Nie können Güter dieser Zeit den Mangel uns erseßen, wenn uns das größte Gut gebricht: ein reines Herz voll Zuversicht zu dir, Gott, unser Vater! 8. Olenk auf dies erhabne Glück der Seele stärkste Triebe! Beuch mächtig unſer Herz zurück von schnöder Sündenliebe! An dem uns theur erworbnen Heil laß uns, im wahren Glauben, Theil stets suchen und gewinnen. Mel. An Wasserflüssen Babylons. 97. Lob, Ehre, Preis und Dank sei dir, o Jesu, unser Leben! Preiswürdig bist du für und für. Wer kann dich gnug erheben? Noch war die Welt ein Nichts, Bon der Erlösung der Menschen zc. 185 EL und schon warst du groß, herrlich, Gottes Sohn! gekrönt mit Schmuck und Ehre. Dein ist das Reich, die HerrH lichkeit, und du beherrschest weit und breit der Kreaturen Heere. 2. Dein sind sie, denn durch wessen Kraft ward Himmel, Meer und Erde? Wer hat das Leben uns verschafft? Wer sprach zum Engel: Werde! Du bist es, dessen Allmachtsruf die ganze Welt aus nichts erschuf. Du bists, der alles träget, was sichtbar und unsichtbar iſt, was Erd und Himmel in sich schließt, und was im Meer sich reget. 3. Und dennoch bist du uns zu gut in diese Welt gekommen! hast willig unser Fleisch und Blut, o Herr, an dich genommen. Aus der erschrecklichsten Gefahr zu retten, was verloren war, warst du ein Fluch auf Erden. Huld, die sonst nichts 186 Erster Theil. gleiches hat! du starbst für unsre Miffethat, ein Heiland uns zu werden. 4. Du wardst es uns und bist es noch jetzt auf der Himmel Throne; suchst liebreich von der Sünde Joch und ihrem schnöden Lohne, die ihr noch dienen, zu befrein. Beschwerter Herzen Trost zu sein, ist deines Herzens Freude. Du gibst den müden Seelen Ruh; und wer dich liebt, den stärkest du, daß nichts ihn von dir scheide. 5. Du hörst der Deinigen Gebet und endest ihre Plage. Du bleibst, bis Zeit und Welt vergeht, bei uns noch alle Tage. Herr, dir sei ewig Dank und Ruhm für deinen Tod und Marterthum, für alle deine Liebe! Dir geb ich mich zu eigen hin, gib daß ich mich, so lang ich bin, in deinem Lobe übe. Mel. Allein Gott in der Höh.- 15. 98.Liebesglut, wie kann ich dich nach Würdigkeit besingen! Wie wagts ein schwacher Geist jetzt, sich so hoch hinauf zu schwingen. Es glänzet Gottes Herrlichkeit in lauter Lieb von Ewigkeit; bleibt noch mein Herz erkaltet? Von der Erlösung der Menschen 2c. 187 2. Gott, der in sich ganz selig war, das allerreinste Wesen, hat sich der schnödsten Sünder Schar zu lieben außerlesen. Du staunst, Vernunft? gib Gott die Ehr! Gott wollt unendlich lieben mehr, als du begreifen solltest. 3. O Liebe, die Gott seinen Sohn aus seinem Schooß genommen! Er ist von seines Vaters Thron zu uns herabgekommen. Sein Mangel, Knechtsstand, Kreuz und Grab malt uns mit starken Farben ab, wie sehr Gott lieben könne. 4. Was ist die Welt, die arge Welt? was sind doch Adams Kinder? daß sie dein Sohn so theuer hält? Er rettet diese Sünder; da du, im Borne, Belial mit seinen Engeln allzumal zum finstern Abgrund stießest. 5. O, welche Tiefen seh ich hier! nie werd ich sie ergründen: doch seh ich gnug, um, Gott, mich dir aufs stärkste zu verbinden. Herr, dir sei ganz mein Herz gewährt, ein Herz, das dir allein gehört, als Schöpfer und Erbarmer. 6. O liebster Vater, nimm es an, und reinge seine Triebe, daß ich, so gut ich 188 Erster Theil. immer kann, dich recht inbrünstig liebe. Die Welt nicht, Gott sei meine Lust; laß ewig nichts in meiner Brust, als deine Liebe bleiben. 8) Von der Geburt Jesu Christi. Mel. Nun danket alle Gott.- 9. 99. Es lag die ganze Welt mit Born und Fluch beladen; da öffnetest du, Gott! die Fülle deiner Gnaden. Dein Sohn erscheint; du schickst den, dessen Dienst die Bahn dem Herrn bereiten soll, als seinen Knecht voran. 2. Gott, wer kann thun wie du? Schon wohlbetagt an Jahren gebiert Elisabeth. Der Sohn der Unfruchtbaren, den jenes Engels Mund verheißen, sollt allein der keuschen Jungfrau Sohn ein würdger Herold sein. 3. Du willst durch ihn die Welt von deinem Heil belehren; und ihn auch ehrest du, um deinen Sohn zu ehren. Sein Vater wird erst stumm; der Stumme schnell beredt und weissagt, da auf ihn der Geist des Herrn geräth. Von der Geburt Jesu Christi. 189 4. Das Kind wird stark am Geift, der Gnade treuer Lehrer, ein brennend, scheinend Licht, ein mächtiger Bekehrer, ein heilger Eiferer, der ohne Schonen straft. Auf seiner Seele ruht Eliä Geist und Kraft. 5. O welch ein Gnadenwort! o welche süße Stimme, die in der Wüst erschallt! Gott straft nun nicht im Grimme die sündenvolle Welt. Sein Himmelreich iſt nah! denn der die Welt mit Gott verföhnen soll, ist da. 6. Euch ist solch Heil bereit! Jhr Sünder, nehmts zu Ohren! Freut mit Johannes euch! wie er, noch ungeboren, des Heilands sich erfreut, so freut er sich auch nun, durch Tauf und Predigten ihn allen fund zu thun. 7. Allein zu Jesu hin verweist er seine Jünger; allein auf Jesum zeigt sein ausgestreckter Finger. Seht, das ist Gottes Lamm, das mit dem Fluch belegt, für uns geschlachtet ward, und alle Sünden trägt. 8. Wohl dem, der dieses Lamm, auf das Johannes weiset, mit festem Glauben faßt, und auch im Leben preiset. Wer, seinem Taufbund treu, sich Jesu ganz 190 Erster Theil. ergibt, der ist in ihm von Gott begnadigt und geliebt. 9. Das werd auch unser Theil; Johannes Amt und Lehre verherrliche noch stets, Gott, deines Namens Ehre. Wer Buße thut und glaubt, hat Troft auf alle Zeit. Wer Buße thut und glaubt, der bleibt in Ewigkeit. Mel. Von Gott will ich nicht laſsen. 56. 100. Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt! damit das Heil der Sünder bei euch den Einzug hält. D, hemmt nicht seinen Lauf! Gott hat den Sohn gegeben, und mit ihm Heil und Leben, nehmt ihn mit Freuden auf. - 2. Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast; macht seine Steige richtig, laßt alles, was er haßt; ihr Berge senfet euch; senkt euch, und werdet eben, wenn Thale sich erheben; ihr Krümmen, werdet gleich. 3. Ein Herz, das Demuth übet, bei Gott am höchsten steht; ein Herz, das Hochmuth liebet, mit Angst zu Grunde geht. Ein Herz, das richtig ist, und fol Von der Geburt Jesu Christi. 191 get Gottes Leiten, das kann sich recht bereiten; zu dem kommt Jesus Christ. 4. Ach, mache du mich Armen zu dieser - heilgen Zeit, aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit! 3euch in mein Herz hinein; dies sei statt jener Krippen! so werden Herz und Lippen dir ewig dankbar sein. 49 101. rhebt den Herrn, ihr Frommen; er hält, was er verspricht. Der Heiland ist gekommen, der Völker Trost ... und Licht. Gott, der uns nicht verstößt, ✦ hat uns zu unserm Leben selbst seinen * Sohngegeben. Durch ihn sind wir erlöst. 2. Erlöst! O, welche Gnade hat uns der Herr erzeigt! der uns betroffne Schade, der uns so tief gebeugt, ist nun nicht unheilbar. Von Sünden und Verderben 192 Erster Theil. uns Rettung zu erwerben, gab Gottes Sohn sich dar. 3. Er kam zu uns auf Erden in armer Knechtsgestalt. Voll Mühe und Beschwer den war hier sein Aufenthalt. Der ihm gegebnen Macht enthielt er sich mit Freuden, bis er durch Tod und Leiden sein großes Werk volbracht. 4. Er hats vollbracht! O, bringet Gott euren Lobgefang! Erlöste Menschen! singet dem Mittler ewig Dank. Wo niemand helfen kann, da hilft er gern aus Gnaden, heilt unsrer Seelen Schaden. D, nehmt ihn gläubig an! 5. Du Freund der Menschenkinder! Verwirf uns, Jesu, nicht. Dein Name, Heil der Sünder, ist unsre Zuversicht. Drum kommen wir zu dir. Hilf uns die Macht der Sünden doch glücklich überwinden! Denn dein, o Herr, sind wir. 6. Bei dir steht unser Leben. Zu unserm ewgen Heil hast du dich hingegeben. Gib uns am Himmel Theil! Laß uns dir folg sam sein! Was wird uns, Herr, dann fehlen? Dann werden unsre Seelen sich Gottes ewig freun. Von der Geburt Jesu Christi. 193 102. A Iso hat Gott die Welt geliebt, $ daß er aus freiem Trieb uns seinen Sohn zum Heiland gibt. Wie hat uns Gott so lieb. 2. Was sein erbarmungsvoller Rath schon in der Ewigkeit zu unserm Heil beschlossen hat, vollführt er in der Zeit. 3. Er, aller Menschen höchstes Gut, der alle segnen kann, nimmt, wie die Kinder, Fleisch und Blut, doch ohne Sünde, an. 4. Ich freue mich, mein Gott, in dir. Du nimmst mein Fleisch an dich. Was fehlt mir nun? ist Gott mit mir, wer ist dann wider mich? 5. Du, Sohn des Allerhöchsten, wirst auch mir Rath, Kraft und Held, mein Bater und mein Friedefürst, so wie das Heil der Welt. 6. Was mir zum Seligsein gebricht, das, Herr, erwarbst du mir. Versöhnung, Leben, Trost und Licht, das hab ich nur an dir. 13 194 Erster Theil. 7. Dein Mangel ist mein reiches Theil; dein Leiden stillt mein Leid. Durch deine Knechtsgestalt, mein Heil, gewinn ich Herrlichkeit. 8. Gelobt sei Gott! Gelobt sein Sohn! durch den er Gnad erweist! Lobt, Engel, ihn vor seinem Thron! Erheb ihn auch, mein Geist. Mel. von Nr. 61. 103. Laßt uns unserm Gott lobsingen! Hoch erfreut laßt uns heut ihm Verehrung bringen! In des Himmels hohe Chöre stimmet ein! Gott allein, unserm Gott fei Ehre! 2. Jeder, der sich fühlt verloren, freue sich inniglich! Christus ist geboren! Er, der König aller Wesen, steigt herab, bis ins Grab, Sünder zu erlösen. 3. Wer kann Gottes Rathschluß fassen? Aber dies ist gewiß: Gott fann uns nicht hassen! Kommt der Sohn aus freien Trieben zu uns her: wie sollt er nicht die Menschen lieben? 4. Wenn er uns verworfen hätte, nähm er dann Menschheit an? Er spricht: Ich errette. Desf' soll sich der Erdkreis freuen! Von der Geburt Jesu Christi. 195 zum Gericht kommt er nicht, sondern zum Verzeihen. 5. Eilt im Geist nach Bethlems Hütten, seht, was dort euer Hort schon für euch erlitten. Er wird niedrig euretwegen. Welch ein Freund! Er erweint seinen Feinden Segen! Er, er will für eure Schulden Armuth, Noth, Schmach und Tod göttlich groß erdulden. Lernt den Menschenfreund erkennen, gnadenreich will er euch seine Brüder nennen. 7. Dankt ihm, der eu'r innres Sehnen jehen kann! betet an! opfert Freudenthränen! Liebt ihn, der von Liebe brennet, traut dem Herrn, der euch gern seine Brüder nennet. 8. Wenn euch eure Sünden fränken, eilt herzu, suchet Ruh! Er will sie euch schenken. Schaut auf ihn mit Glaubensblicken! zittert nicht! denn er spricht: ich will euch erquicken. 9. Jhr Erdulder schwerer Tage, euren Schmerz fühlt mein Herz! Kein Erlöster zage! Bringet ihm an seinem Feste 3u18* 196 Erster Theil. traun her, wisset, er wählt für euch das Beste. 10. Er verläßt euch nicht, ihr Schwachen! mehr, als ihr, litt er hier, euch beglückt zu machen. Eure kleine Zeit der Leiden und der Müh, was ist sie gegen ewge Freuden? 11. Gottmensch! du nahmst meine Bürde gern auf dich, daß auch ich frei und selig würde. Wer kann deine Lieb ergründen? Ewig soll freudenvoll sie mein Herz empfinden. 12. Dir, mein göttlicher Befreier, folg ich nach, obwohl schwach, doch um so viel treuer. Keine Kreatur, fein Leiden, keine Noth und kein Tod soll von dir mich scheiden. 13. Du kommst einst zum Weltgerichte! dann werd ich, Richter, dich schaun von Angesichte. Gott, wie wird dein Hasser beben! Dann werd ich deiner mich freun und ewig leben. 104. Gelobet seist du, Jesus Chriſt, daß du Mensch geworden bist! Da eine Von der Geburt Jesu Christi. 197 Jungfrau dich gebar, frohlockte selbst der Engel Schaar. Hallelujah! 2. Dich sahn die Väter schon von fern, Davids Sohn und Davids Herrn; ihr Heil und ihre Zuversicht, und aller Völker Trost und Licht. Hallelujah! 3. Die Nacht entflieht, der Tag bricht an über die, so nie ihn sahn; auf die, so Finsterniß umgab, glänzt Gottes Wahrheit nun herab. Hallelujah! 4. Durch den die Welt einst worden ist, dereinst richtet, Jesu Christ, der Schöpfung Herr kommt in sein Reich, erniedrigt sich und wird uns gleich. Hallelujah! 5. Jauchzt Himmel, Erde freue dich! Gott versöhnt die Welt mit sich! Uns, Adams fündiges Geschlecht entsündigt Er, macht uns gerecht. Hallelujah! 6. Gelobet seist du, Jesus Christ, daß du Mensch geboren bist. Dir ist der Erdfreis unterthan! dich beten alle Himmel an. Hallelujah! Erster Theil. Mel. Wie schön leuchtet der.- 35. 105. Friedensfürst aus Davids Stamm! O meiner Seelen Bräutigam! mein Trost, mein Heil, mein Leben! Dank fei dir, o Emmanuel! du kommst zu uns. Nach Leib und Seel will ich mich dir ergeben. Heil dir! Heil mir! Weicht ihr Leiden, singt mit Freuden, Hosianna! seht er kommt jeßt: Hosianna! 198 2. Ich selbst bin nun von Freuden voll, und weiß nicht, was ich schenken soll dem auserwählten König! Otheurer Jesu, nimm doch hin mich selbst und was ich hab und bin, ach freilich ist es wenig. Schließ mich in dich. Nichts auf Erden, nicht Beschwerden, keine Leiden sollen mich je von dir scheiden. 3. Bleib, höchstes Gut, du Himmels zier! mein Leitstern stets, o bleib bei mir! Du Hoffnung der Verzagten! Du Lebensquell, erquicke mich, du süßes Manna schenke dich zum Troste den Geplagten! Laß nicht dein Licht hier auf Erden dunkel werden! Laß den Deinen hier dein Wort noch ferner scheinen. Von der Geburt Jesu Christi. Mel. von Nr. 17. 106. Gottessohn und Menschenkind! Mein Bruder, Gott und König! Mein Stammeln, meine Lieder sind vor deinem Glanz zu wenig. Wo Menschenweisheit sich kehrt um, wo Engelzungen lallen, da bliebe man wohl ewig stumm, wenn dir es würd mißfallen, was Kinder stammelnd bringen. 2. Was alles Denken übertrifft, was Wiß unmöglich nennet, hat deine Wunderhand gestift't, die keine Schranken kennet; Gott wird ein Mensch, der Herr ein Knecht, und Menschenarme tragen den, der den ganzen Weltkreis trägt. Was fann ein Klügling sagen, dies Räthsel aufzulösen? 3. Du bautest aus Maria dir, o großer Erzgesandte, die Hütte, da dein Herz zu mir in Liebesflammen brannte. Du kamst ins Elend nackt und bloß, zu kleiden mich mit Segen; verließest deines Vaters Schooß, um mich darein zu legen, und ewig zu erquicken. 4. Was aller heilgen Väter Schar verlangte zu erblicken; was Adam schon ver199 200 Erster Theil. heißen war; was Lamech konnt erquicken; was Jacob sah; was er besang; was Hiobs Trost gewesen; und was durch Davids Harf erklang: das alles ist zu lesen in meines Heilands Krippe. 5. Mein Blutsfreund, mein Immanuel! was konnte dich bewegen, mein Goel, meine Lebensquell! den Zepter hinzulegen, zu kommen in dies Jammerthal, um dich mir selbst zu schenken? Ich wende mich hin überall, ob etwas auszudenken, die Gabe zu vergelten. 6. Wär nicht der ganze Himmel dein, und könnt ich ihn dir geben, so würd es doch zu wenig sein! Könnt ich mein Blut und Leben zu tausend mal hingeben dir, so blieb ich doch in Schulden; weil, was du hast gethan an mir, und für mich wollen dulden, unendlich mehr verdienet. 7. Doch sieh, mein Herz, o welche Lieb! der Herr will keine Gaben; komm nur, und dich ihm selbst ergib, das ists, was er will haben. Der sich dir schenket, will allein mit Glaub und Liebesarmen in Dankbarkeit umfasset sein. Aus ewigem Erbarmen bist du von ihm erkaufet. Von der Geburt Jesu Christi. Mel. Jesus, meine Zuversicht.— 47. 107. Gottes und Marien Sohn! Liebster Jesu! Sei willkommen! der da Armuth, Spott und Hohn mit der Menschheit angenommen. Rette mich aus aller Noth, welche meiner Seele droht! 2. Wir empfinden alle noch, was uns Adam einst verloren: und auch ich bin in dem Joch seiner Missethat geboren. Doch ich hoffe jetzt auf dich. Andrer Adam, ändre mich! 201 3. Du bist worden, was ich bin: Laß mich auch, was du bist, werden; nimm mein Sündenelend hin. Mache mich dir gleich auf Erden; und verleih von deinem Heil mir, o Jesu, auch mein Theil! 4. Aus dem Himmel kamst du her, hilf mir Armen aus der Hölle: Nur ein Stall war dir noch leer; aber gib mir eine Stelle unter denen, die bei dir wohnen werden für und für. 5. Steckt mein Herz in böser Lust, laffe du es nicht so bleiben! Wohne selbst in meiner Brust, alles Böse zu vertreiben, bis ich, ganz mit dir erfüllt, habe Gottes Ebenbild. 202 Erster Theil. 6. Wurdest du ein Menschensohn: mache mich zu Gottes Kinde, daß ich stets vor seinem Thron einen Vater an ihm finde! Er ist ja nicht mehr mein Feind, denn ich bin dein wahrer Freund. 7. Wenn der Teufel sich erbost auf uns schwache Menschenkinder, so hab ich den großen Trost: daß du da bist, Heil der Sünder! Dir ergeb ich Leib und Seel, hilf mir, mein Immanuel! 108. er du uns das Heil errungen, Mensch gewordner Gottes Sohn! ewig sei dir Lob gesungen, daß du von des Himmels Thron uns zu gut ins Fleisch gekommen. Der du voller Freundlichkeit, längstens schon vor meiner Zeit, dich auch meiner angenommen, und Von der Geburt Jesu Christi. 203 mein Bruder worden bist: sei gelobt, Herr Jesu Christ! 2. Sei gelobt, denn dir gehöret Preis und Dank und Ruhm mit Recht. D, wie hoch haft du geehret unser sterbliches Geschlecht! Herr, du hast es selbst vermählet mit der göttlichen Natur, und vor aller Kreatur es zur Lust dir auserwählet. Ja, in dir, du Gottes Sohn, sitzt der Mensch auf Gottes Thron. 3. Du, du bist der Völker Segen, kamst, vom Fluch uns zu befrein, und wir können deinetwegen nun auch Kinder Gottes sein. Hat die Sünd uns gleich verdorben: o so hast du neue Kraft uns zur Heiligung verschafft, und die Tüchtigkeit erworben, einst, von Sünden völlig rein, deinem Bilde gleich zu sein. 4. Du bist Mittler! Heil uns Sündern! huldreich gab der Vater ihn! Du haft armen Adamskindern nun sogar das Recht verliehn, in den Himmel einzugehen und des Herren Herrlichkeit, nach vollbrachter Erster Theil. Prüfungszeit, ewig einft verklärt zu sehen. Nun hat meine Zuversicht einen Anker, der nicht bricht. 204 5. Sollte Gott mich nun wohl hassen? Hier ist ja Jmmanuel. Sollt er mich wohl hülflos lassen? Hier ist ja der Hülfe Quell. Was vermag mich anzufechten? Er, der meinen Jammer kennt und mich seinen Bruder nennt, sitzt als Herr zu Gottes Rechten. Durch ihn bin ich Gott vereint. Gott ist mein versöhnter Freund. 6. Herr! wie groß ist deine Güte! Meine Seele freut sich dein. Laß doch stets mein ganz Gemüthe voll von deinem Ruhme sein. Nimmer will ich dein vergessen, dir will ich mich ganz vertraun, freudig folgen, auf dich baun. Deine Huld ist unermessen. Gib, daß ich für deine Treu dir auf ewig dankbar sei. Mel. Vom Himmel hoch da komm ich her. 741 109. Dies ist der Tag, den Gott gemacht. Sein werd in aller Welt gedacht. Von der Geburt Jesu Christi. 205 Ihn preise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist. 2. Die Völker haben dein geharrt. Doch), als die Zeit erfüllet ward, da sandte Gott von seinem Thron dich, Heil der Welt! dich, seinen Sohn! 3. Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist voll Ehrfurcht still; er betet an und er ermißt, daß Gottes Lieb unendlich ist. 4. Damit der Sünder Gnad erhält, erniedrigst du dich, Herr der Welt! nimmſt selbst an unsrer Menschheit Theil, erscheinst im Fleisch, wirst unser Heil. 5. Dein König, Zion! kommt zu dir! er kommt voll brünstiger Begier, dich zu erfreun; er hilft dir gern. Gelobt sei, der da kommt vom Herrn! 6. Herr, der du Mensch geboren wirst! Immanuel und Friedefürst! auf den die Båter hoffend sahn; dich, Gott, mein Heiland, bet ich an. 206 Erster Theil. 7. Du, unser Trost und höchstes Gut, vereinest dich mit Fleisch und Blut, wirst unser Freund und Bruder hier, und Gottes Kinder werden wir. 8. Gedanke voller Majestät! du bist es, der das Herz erhöht. Gedanke voller Seligkeit! du bist es, der das Herz erfreut. 9. Durch Eines Sünde fiel die Welt; Ein Mittler ists, der sie erhält. Was zag ich nun, wenn der mich schützt, der in des Baters Schooße sißt! 10. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, den Tag der heiligsten Geburt! und Erde, die ihn heute sieht, sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied! 11. Herr, der du uns den Tag gemacht, der uns solch großes Heil gebracht, dich preise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist. 110. Gott! deine Gnade sei gepreist! * Sie schuf uns Heil und Leben. Ermuntre dich, mein träger Geist, ihr Wohlthun Von der Geburt Jesu Christi. 207 zu erheben. Denk an die Nacht, da auf der Welt des Höchsten Sohn sich eingestellt, um sein so theures Leben für Sünder hinzugeben. 2. O große That! Erwünschte Nacht! von Engeln selbst besungen; Du haft den Mittler uns gebracht, der uns das Heil errungen. In dir erschien der starke Held, der alles schuf und alles hält, der Freund der Menschenkinder, des Todes Uleberwinder. 3. Der du zu uns, gesandt vom Herrn, aus deinem Himmel kamest, und unser Fleisch und Blut so gern in Demuth an dich nahmest! Sohn Gottes! o wie haft du dich so tief erniedrigt auch für mich! wie arm bist du erschienen, um meinem Heil zu dienen. 4. O, lehre mich den großen Werth von deiner Huld recht fassen! Was reizte dich auf dieser Erd, dich so herab zu laſſen? 208 Erster Theil. Hier warteten dein nichts als Noth, Verachtung, Kummer, Schmerz und Tod; und doch kamst du auf Erden, ein Menschensohn zu werden. 5. Noch stärker, Herr, als Schmerz und Tod, war deine Menschenliebe. Du sahest unsre Sündennoth mit mitleids: vollem Triebe. Du ftimmtest, unser Heil zu sein, in deines Vaters Rathschluß ein, wardst Mensch, und kamst mit Freuden, für uns den Tod zu leiden. 6. Immanuel! dein freu ich mich. Du bist auch mein Erretter. Auch mir zum Troste sandte dich der Herr, der Gott der Götter. Was mir ein wahres Wohl verschafft, Erleuchtung, Friede, Beff rungskraft und Freuden, die stets wäh ren, willst du auch mir gewähren. 7. Was soll ich dir, mein größter Freund, für deine Treue geben? Du bists, der mich mit Gott vereint, du bringst mir Heil und Leben. Herr! was ich hab und was ich bin, das geb ich dir zum Dienste hin. Ich will dich ohn Aufhören mit Leib und Seel verehren. Von der Geburt Jesu Christi. 209 8. 3war seh ich dich im Fleisch noch nicht; doch du wirst wiederkommen, und dann schaun dich von Angesicht, Herr, alle deine Frommen. Dann werd' ich auch, Herr Jesu Christ! dich schaun so herrlich, als du bist. Dann wirst du mich zum Leben, das bei dir ist, erheben. Mel. Balet will ich dir geben.- 57. 111. Shr, die ihr wart verloren, hört, was euch trösten kann! Der Heiland ist geboren und nimmt sich euer an. Deß freuet sich dort oben der Engel heilge Schar, und ihre Chöre loben Gott darum immerdar. 2. Sie wissen nichts vom Neide, freun sich mit uns zugleich und singen: große Freude verkündigen wir euch! Euch ist dies Kind gegeben! Euch solches Heil bereit't bei Gott dereinst zu leben in steter Seligkeit. 3. Daß sich kein Mensch betrübe! dies Kind zerbricht das Joch; bringt euch des Baters Liebe; was trauert ihr nun noch? Er schenkt ein himmlisch Erbe! Wohl dem, der an ihn gläubt! daß jeder fröhlich sterbe, da solch ein Schatz ihm bleibt! 14 210 Erster Theil. 4. Tod, Sünde, Teufel, Hölle, was wider euch gekämpft, hat er an eurer Stelle bestritten und gedämpft. Dies Kind tritt sie darnieder. Nun seid ihr wohl gerächt, und Gott erhöht nun wieder das sterbliche Geschlecht. 5. So rühmen sie; mit ihnen frohlocket jeder Christ, daß Gott im Fleisch erschienen, der Herr sein Bruder ist. Dein sind nun unsre Herzen. Herr, dir geloben wir: uns trennen weder Schmerzen, noch Freud und Glück von dir. 112. S err! laß mich doch recht feierlich des Heilands Fest mit Lob und Dank begehen! Lieb ist der Dank, der Lobgesang, durch den wir dich, du * S Gott der Lieb! erhöhen! 2. Wie bin ich froh, daß du also, o Gott, die Welt in deinem Sohn geliebet! D, wer Von der Geburt Jesu Christi. 211 bin ich, daß du auch mich so herrlich hoch, noch eh ich war, geliebet? 3. Er, unser Freund, mit uns vereint zur Zeit, da wir noch seine Feinde waren, er wird uns gleich, um, Gott, dein Reich und deine Lieb im Fleisch zu offenbaren. 4. An seinem Heil gib mir auch Theil! Hilf, daß ich redlich glaub an seinen Namen. Der ehrt ihn nicht, wer Herr! Herr! spricht, und doch nicht sucht sein Beispiel nachzuahmen. 5. Aus Dank will ich in Brüdern dich, dich Gottessohn, bekleiden, speisen, tränken; der frommen Herz in ihrem Schmerz mit Trost erfreun, und dein dabei gedenken. 6. Rath, Kraft und Held, durch den die Welt und alles ist im Himmel und auf Erden! die Christenheit preist dich erfreut, und aller Knie soll dir gebeuget werden. 7. Erhebt den Herrn! er hilft uns gern, und wer ihn sucht, den wird sein Name trösten. Hallelujah! Hallelujah! Freut euch des Herrn und jauchzt ihm, ihr Erlösten! Mel. von Nr. 112. 113. D Christenheit, sei hoch erfreut! das Heil der Welt, der mittler, ist geboren, 14* 212 Erster Theil. der uns erlöst und ewig tröst't. Wer an ihn glaubt, geht nimmermehr verloren. 2. O große That! nach Gottes Rath hat sich sein ewger Sohn für uns gegeben. Ein Menschenkind, doch ohne Sünd, ward er für uns, und bracht uns Heil und Leben. 3. D Seligkeit! er hebt das Leid, das durch den Sündenfall auf uns gekommen. Mit uns ist Gott nun in der Noth. O jauchzt dem Herrn, und hofft auf ihn, ihr Frommen! 4. Auch mein Gesang, Herr, bringt dir Dank. Du wurdest Mensch, damit wir selig würden. Du machst uns groß, und völlig los vom Fluch der Sünd und ihren schweren Bürden. 5. Gelobt sei Gott! Auf unsre Noth sah er als Vater mitleidsvoll hernieder. O Christenheit! preis ihn erfreut. Denn Gottes Sohn bringt das Verlorne wieder. Mel, von Nr. 112. 114. Wirf, blöder Sinn, den Kummer hin. Gott ist für dich, was will dich ferner tränken? Hallelujah! Sein Sohn ist da, wie sollt er uns mit ihm nichts alles schenken? Von der Geburt Jesu Christi. 213 2. Schlägt dir das Herz vor Angst und Schmerz, empfindest du, wie sehr die Sünden fränken? dein Heil ist hier; wie? sollte dir nicht Gott mit ihm auch Gnad und Friede schenken? 3. Ist deine Kraft zu mangelhaft, mußt du mit Schaam an deine Schwäche denken? er, der dir gibt, das, was er liebt, wird dir mit ihm zur Tugend Kräfte schenken. 4. Fehlt Weisheit dir, um glücklich hier noch zu entgehn der Bosheit schlauen Ränken? Erschrick nur nicht! Gott ist dein Licht. Er wird dir mit dem Sohn auch Weisheit schenken. 5 Gebricht es dir bald da, bald hier sorgst du, wer dich noch speisen wird und tränken? O, fasse Muth! das höchste Gut wird mit dem Sohn dir auch die Nothdurft schenken. 6. Wirf, blöder Sinn, die Sorgen hin, die dich ins Meer der Traurigkeit versenten. Dein Heil ist da. Hallelujah! Wie sollt uns Gott mit ihm nicht alles schenken. Mel. Ach Herr, mich armen.- 67. 115. Wie soll ich dich empfangen, o Jesu, meine Bier! o aller Welt verlangen, wie 214 Erster Theil. gerne will ich dir mein Herz zum Tempel weihen! Nur zeige du mir an, womit ich dich erfreuen, wie ich dir dienen kann. 2. Dort streut dir Bion Palmen; wird nicht mein Herz gerührt? Es zeigt durch frohe Psalmen, was er für Regung spürt. Dich, Herr, soll es erheben, denn dir gebühret Ruhm, dir soll es Ehre geben, dies Herz, dein Eigenthum. 3. Nichts hast du unterlassen zu unſrer Seligkeit, als wir im Staube saßen, gebeugt vom schwersten Leid. Da mir das Reich genommen, wo Fried und Freude lacht, bist du, mein Heil, gekommen, und haft mich froh gemacht. 4. Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los; ich stand in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß. Du hebst mich hoch zu Ehren, und schenkst mir großes Gut, das sich nicht läßt verzehren, wie irdscher Reichthum thut. 5. Was hat dich, Herr, getrieben, dich, den kein Himmel hält, als nur dein theures Lieben, womit du diese Welt bei ihren lauten Klagen, bei ihrer Jammerfaft, Von der Geburt Jesu Christi. 215 bei ihren tausend Plagen so fest umfangen haft. 6. So jauchze nun von Herzen, du hochbetrübtes Heer! Bei denen Gram und Schmerzen sich häufen immer mehr, seid unverzagt, erblicket die Hülfe vor der Thür; der euer Herz erquicket und tröstet, stehet hier. 7. Sollt euch nun noch erschrecken der Sünde schvere Schuld? Nein, Jesus will sie decken nit seiner Lieb und Huld. Er kommt, er kimmt den Sündern zu wahrem Trost und Heil, macht sie zu Gottes Kindern, und Gott zu ihrem Theil. 8. Laßt ure Feinde dräuen, weicht darum nicht zurück, der Herr wird sie zerstreuen in einem Augenblick. Er kommt, der große Knig! der Rächer eilt geschwind! stürt, Feinde! die zu wenig zum Widerstade sind. 9. Du komist zum Weltgerichte, verflärter Menschnsohn, in majestätschem Lichte! und mi dir kommt dein Lohn. Geh auf, o wake Sonne! und leucht in vollem Glanz, rfüll mit ewger Wonne das Herz der Tinen ganz. 216 Erster Theil. Mel. Werde munter, mein Gemüthe. 116. Wie lang soll ich traurig stehen, du Gesegneter des Herrn? Solltest du vorüber gehen? Tritt doch nicht von mir so fern! Helfer in der rechten Zeit, der $ mit ewgem Trost erfreut! Hilf, o Jesu, P meinem Herzen von den Bunden, die : mich schmerzen. 2. Schau auf meinen großen Jammer; stille des Gesetzes Dräun! Denn dies Wort ist als ein Hammer, und zermalmt mir mein Gebein. Es verkündigt Fluch und Tod. Ach, wie schrecklich wird mir Gott! Komm, von des Almächtgen Pfeilen mein verwundet Herz zu heilen. 3. Sieh, wie Satan seine Lügen noch in diese Schrecken mischt; als müßt ich, gleich ihm, nun liegen in der Gluth, die Von der Geburt Jesu Christi. nie verlischt. Weh mir, zu noch größerm Schmerz wird mein schon zerrißnes Herz durch das folternde Gewissen immer heftiger zerrissen. 217 4. Flieh ich dann, die Angst zu lindern, da ich so beängstigt bin, zu der Welt und ihren Kindern, fall ich vollends ganz dahin. Da ist Freude, die betrübt; Trost, der nicht Erquickung gibt; Helfer, die mir Unlust machen; Freunde, die wohl meiner lachen. 5. Wo ist etwas, das nicht nichtig, dürftig und voll Mühe wär? Hab ich Hoheit, die ist flüchtig. Hab ich Reichthum, was ists mehr, als ein wenig schnöder Erd? Hab ich Lust, was ist sie werth? Was ist, das mich heut erfreuet, und nicht morgen schon gereuet? 6. Aller wahre Trost im Leide ruht in dir, o Jesu Christ; und auch du allein gibst Freude, die ganz rein und lauter ist. Ach, wie sehn ich mich nach dir! Eile, Jesu! komm zu mir, daß ich deine Hülfe sehe, eh ich in der Angst vergehe. 7. Freu dich, Herz, du Jebo zeucht er bei dir ein. ist zu dir gekehret. Auf! heiß ihn willkombist erhöret. Sein Gang 218 Erster Theil. men sein! Er verspricht dir Heil und Ruh. Auf! bereite dich ihm zu, daß er dich zur Wohnung wählet, und da klag ihm, was dich quälet. 8. Wohl dir, daß dich Jesus liebet; Wo ist, was dir schaden kann? Was du Böses selbst verübet, das sieht Gott nun nicht mehr an. Auch wird, was sich in der Welt Böses dir entgegenstellt, ftatt dich in den Staub zu legen, dir nur lauter Glück und Segen. 9. Dir dient selber das zum Heile, was die Sünder schreckt und quält; denn du haft zum besten Theile deinen Jesum dir erwählt. Sei ihm, wie er dir ist, treu, und es bleibet fest dabei, daß du mit den Engeln droben ihn dort ewig werdest loben. Von der Erscheinung der Weisen. Mel. Gott des Himmels und der 2c.- 32. 117. Gott der Juden, Gott der Hei den! Aller Völker Heil und Licht! Saba sieht den Stern mit Freuden, der von dir am Himmel spricht. Sem und Ja phet kommt von fern, dich zu sehn, du Jacobsstern. Von der Geburt Jesu Christi. 219 2. Wir gesellen uns zu denen, die aus Morgenlande sind; unser Fragen, unser Sehnen ist nach dir, du großes Kind! Unsre Kniee beugen sich, unser Arm_umfaffet dich. 3. O, mit welchen irdschen Schätzen mag ein armer Sterblicher dich erquicken und ergößen? Du bist über alles Herr. Ein Geschenk, das dich erfreut, ist ein Herz voll Dankbarkeit. 4. Nimm für Gold und andre Gaben Glaube, Lieb und Hoffnung an. Was wir sind und was wir haben, sei dir gänzlich unterthan. Hier ist mehr, denn Salomon. Dein sind wir, o Gottes Sohn! 5. Nimm dies Opfer in Genaden von getreuen Herzen an. Sucht uns mancher Feind zu schaden, der dich nicht vertragen fann, so nimm uns bei seiner Wuth, starker Gott! in deine Hut. 6. Heilig führest du die Deinen; sicher machst du ihre Bahn. Laß uns gleichen Trost erscheinen, nimm dich unser mächtig an. Führe du uns bei der Hand in das wahre Vaterland. Erster Theil. Der 98. Psalm. Mel. von Nr. 33. 118. Ihr Völker, stimmet nun mit Freuden dem, der manch Wunderwerk gethan, dem Sieger über Feind und Leiden, dem Herrn, ein neues Loblied an! Denn euch, die ihr im Finstern waret, erscheinet Licht und Heil jekund! sein starker Arm ist offenbaret; sein Recht wird allen Völkern fund. 220 2. Er denkt daran, waß er vor Zeiten dem Hause Israel verhieß. Die Huld, das Heil, die Seligkeiten, die seine Wahrheit hoffen ließ, die fallen jedem ins Gesichte, die zeigen sich jett offenbar. Es wird sein Heil in vollem Lichte auch den entfernsten Ländern flar. 3. Drum jauchzet, singet, lobet alle! preist Gott mit Saiten und Gesang! der Harfen sanfter Ton erschalle, und der Posaunen heller Klang! Es lobe alles dessen Ehre, der als der größte König thront, die fisch- und inselreichen Meere, der Erdkreis und was drinnen wohnt. 4. Die an der Ströme Ufern pflügen, besingen ihn und freuen sich, und die, so auf den Bergen liegen, frohlocken vor ihm Von der Geburt Jesu Christi. 221 inniglich! Es kommt, es eilt mit hoher Stärke der Richter aller Welt herbei. Er stürzet Satans Reich und Werke, und schaffet alle Dinge neu. Von dem Namen Jesu. Mel. Aus tiefer Noth schrei. 119. M ein Jesu, du hast unsre Schuld mit ihrer Strafe Pla- gen, o unerhörte Lieb und Huld, freiwillig wollen tra- gen. Du, der Gerechte, ließest dich zur Sünde machen, daß ich mich in dir gerecht kann nen- nen. 2. So heißest du nicht Jesus nur, du bist auch, was du heißest; da du die menschliche Natur aus allem Jammer reißest. Die That stimmt mit dem Namen ein; du wollest, was du heißest, sein, mein Heil, mein Seligmacher. 222 Erster Theil. 3. In keinem andern ist ja Heil; kein Nam ist uns gegeben, darin wir könnten nehmen Theil an Seligkeit und Leben; du bists allein, der jedermann ein ewges Leben geben kann. Gelobet sei dein Name! 4. O Name! werde doch in mir durch Gottes Geist verkläret; da, was verborgen ist in dir, kein fleischlich Herz erfähret. Denn die Vernunft begreift es nicht, ohn deines Geistes Gnadenlicht blieb es unaufgeschlossen. 5. Laß mich empfinden deine Kraft, von heißer Liebe brennen, und deines Namens Eigenschaft stets aus Erfahrung kennen. So wird der Sündennoth gewehrt, in Hoffnung meine Furcht verkehrt, und Seligkeit mein Erbe. 9) Vom Wandel Jesu auf Erden. Mel. Vater unser im Himmelreich. 120. Kein Lehrer ist dir, Jesu, gleich. An Weisheit und an Liebe reich, bist du $ sowohl durch Wort als That der schwachen Vom Wandel Jesu auf Erden. 223 Menschen sichrer Rath. Es freut mein Geist im Glauben sich, Herr Jesu, dein # und lobet dich. 2. Du kamst zu uns, von Gott gesandt, und machtest uns den Weg bekannt, wie wir, befreit von Sündenschuld, theilhaftig werden deiner Huld. Auf ewig sei dir Dank und Ruhm, Herr, für dein Evangelium. 3. Du sahest in der Gottheit Licht, mit aufgeklärtem Angesicht, was nach des Höchsten weisem Rath, die Welt noch zu erwarten hat; du machtest selbst durch deinen Mund das Künstige den Menschen fund. 4. Dies und die Wunder deiner Hand sind uns ein göttlich Unterpfand, was man aus deinem Mund gehört, sei Wahrheit, die uns Gott gelehrt. Nie schwäche mir der Frevler Spott den Glauben an dies Wort von Gott. 5. Du lehretest durch Wort und That. Man trifft der reinsten Tugend Pfad in 224 Erster Theil. deinem heilgen Wandel an. Gib, Herr, daß ich auf dieser Bahn, gestärkt von dir, mit fester Treu dir nachzufolgen eifrig sei. 6. Du bist es, Herr, von dem das Amt, das die Versöhnung predigt, stammt. Du machst durch treuer Lehrer Mund noch jetzt dein Heil den Menschen kund. Begleite stets mit deiner Kraft ihr Amt, damit es Nußen schafft! 7. Noch immer hilfst du deinem Wort in seinen Siegen mächtig fort. Du sendest, wie dein Mund verheißt, noch immer deinen guten Geist, der dem, der Wahrheit sucht und liebt, zum Glauben Licht und Kräfte gibt. 8. Mein Heiland! send ihn auch zu mir, daß er mich zu der Wahrheit führ, vom Eigendünkel mich befrei, damit ich dir ge horsam sei; bis mich bei dir in Ewigkeit ein hellres Licht dereinst erfreut. Mel. Schmücke dich, o liebe Seele. 121. H # eiland! deine Menschenliebe war die Quelle jener Triebe, die dein Vom Wandel Jesu auf Erden. 225 treues Herz regieret und dich selbst dahin geführet, daß du, unserm Heil zu die$ nen, bist in Knechtsgestalt erschienen. O, wer faßt die starken Triebe deiner treuen Menschenliebe! 2.Ueber seine Feinde weinen, jedermann mit Hülf erscheinen, sich der Blinden, Lahmen, Armen mehr als väterlich erbarmen, der Betrübten Klage hören, sich in andrer Dienst verzehren, das sind Proben wahrer Güte: und so, Herr, war dein Gemüthe. 3. D du Zuflucht der Elenden! Wer hat nicht von deinen Händen Segen, Trost und Heil genommen, der gebeugt zu dir gefommen? Wie ist dir dein Herz gebrochen, wenn dich Kranke angesprochen! und wie pflegtest du zu eilen, das Gebetne mitzutheilen! 4. Die Betrübten zu erquicken, sie dem Rummer zu entrücken, die Unwissenden zu 15 226 Erster Theil. lehren, die Verkehrten zu bekehren; Sünder, die sich selbst verstocken, langmuthsvoll zu dir zu locken: das war täglich dein Geschäfte, selbst mit Aufwand deiner Kräfte. 5. O, wie hoch stieg dein Erbarmen, Heiland, da du für uns Armen Angst und unerhörte Schmerzen littest mit gelaßnem Herzen, dich von Sündern ließ'st verhöhnen und zum Schimpf mit Dornen krönen, ja, uns Leben zu erwerben, willig warst, am Kreuz zu sterben! 6. Deine Huld hat dich getrieben, Sanftmuth und Geduld zu üben; ohne Schelten, Drohen, Klagen, andrer Schmach und Last zu tragen; allen freundlich zu begegnen, für die Lästerung zu segnen, deine Feinde zu vertreten und für Mörder selbst zu beten. 7. Aller Welten Herr und König, Sohn des Höchsten! o wie wenig hast du je nach Ruhm getrachtet und auf Menschenlob geachtet. Willig littst du, um den Willen deines Vaters zu erfüllen, Armuth und Erniedrigungen. Lob sei dir dafür gesungen. 8. Laß mich, Herr, zu reichem Segen deinen Wandel oft erwägen! und bei des Gewissens Schmerze tröste mich dein huld Vom Wandel Jesu auf Erden. 227 reich Herze! Heilige auch meine Triebe zu rechtschaffner Menschenliebe! Laß mich immer mehr auf Erden deinem Bilde ähnlich werden! Mel. Machs mit mir, Gott, nach.- 26. 122. Du wesentliches Ebenbild der allerhöchsten Liebe! Du warst, o Jesu, ganz erfüllt mit Gott geweihtem Triebe. Gott war dein Zweck, dein höchstes Gut; ihm folgtest du mit Heldenmuth. 2. Du warst mit ihm ein Sinn, ein Herz. Sein Wille war dein Wille. Du ehrtest ihn auch unter Schmerz stets mit zufriedner Stille. Auch auf der allerrauhsten Bahn sahst du ihn noch als Vater an. 3. Du suchtest nichts, als sein Gebot vollkommen zu erfüllen, und unterwarfst dich bis zum Tod ganz deines Vaters Willen. Dein Hauptgeschäft war das allein, ein Herold seines Ruhms zu sein. 4. Du gingst verstummt zur Schlachtbank hin, Gehorsam zu bezeigen. Man sah dich mit gelaßnem Sinn zur Schädelstätte steigen. Du warst zur tiefsten Schmach gefaßt, und trugst die schwere Kreuzeslast. 15* 228 Erster Theil. 5. O Heiland, der du mich versöhnt, laß dein Verdienst mich decken, wenn mich, der ich Gott oft verhöhnt, verdiente Strafen schrecken! Hilf mir, daß ich so gern, wie du, den Willen deines Vaters thu! Mel. von Nr. 72. 123. Wie göttlich sind doch Jesu Lehren! Wie überzeuget seine Macht! Wenn wir nur von den Thaten hören, die er noch in dem Fleisch vollbracht: so stimmet ihm der Glaube bei, daß er der Welt Erlöser sei. 2. Die Herrlichkeit war voller Gnaden, die man aus seinen Zeichen sah. Er wirkte nie zu Jemands Schaden, wie von Propheten sonst geschah; und raffete die Sünder nicht durch Tod und Plagen vors Gericht. 3. Er schenkte das Gesicht den Blinden, den Tauben gab er das Gehör, der Aussab mußte vor ihm schwinden, der Stumme fang ihm Dank und Ehr. Sein Machtwort hieß die Lahmen gehn, und selbst die Todten auferstehn. 4. Er schalt des Satans Legionen, die Legionen scheuten ihn: so mußten sie die Menschen schonen, und plößlich in den Vom Wandel Jesu auf Erden. 229 Abgrund fliehn! Berief er seiner Engel Schar, so stellten sie sich dienstbar dar. 5. Sein Segen speiste ganze Heere, da, wo es doch an Brod gebrach: und kaum gebot er Wind und Meere, so ließ ihr Sturm gehorsam nach. So sahe man in allem Thun auf ihm der Gottheit Fülle ruhn! 6. Wir danken, Höchster, deiner Stärke, die Jesum vor der Welt verklärt, der durch so große Wunderwerke als dein Gesandter sich bewährt! Wir nehmen solchen gläubig an, und sind ihm willig unterthan. 7. Erfüll, o Herr, nur unsre Herzen mit seiner Lehr und Göttlichkeit! damit wir nicht das Heil verscherzen, das uns dein Sohn allein verleiht: und schaffe, daß ihm unsre Tren bis in den Tod beständig ſei! 10) Von dem Leiden und Sterben Jesu. Mel. Zeuch mich, zeuch mich. 81. 124. Gott! was muß dein Sohn ertragen! welche Marter! welchen Tod! Allem Trost muß er entsagen! Konnt ich denn in meiner Noth bei dem Schreien meiner Sünden sonst nicht Trost und Rettung finden? 230 Erster Theil. 2. Schöpfer! käme denn uns Armen ohne sein Versöhnungsblut nicht dein väterlich Erbarmen, deine Gnade nicht zu gut, wenn wir gleich die Schuld bereuen, und um Gnade zu dir schreien? 3. Und mußt du versöhnet werden? muß bei dir ein Mittler sein? war denn keiner hier auf Erden, war kein Engel selbst so rein, der uns, Gott, mit dir versöhnte, und mit Heil und Segen krönte? 4. Gnade willst du zwar erweisen, doch soll die Gerechtigkeit auch der Sünder zit ternd preisen, wenn ihn seine Schuld bedräut. Keiner kann bei seinen Sünden ohne Mittler Gnade finden. 5. Niemand aus der Engel Orden, niemand aus der Menschen Schar ist dazu ersehen worden, weil doch keiner tüchtig war; Gott nur konnte Gott versöhnen, mich mit Heil und Segen krönen. 6. Darum kam sein Sohn hernieder, nun zugleich ein Mensch, wie wir, und versöhnte seine Brüder, Herr, durch seinen Tod mit dir. Heilig bist du, und ein Rächer, und doch schonst du der Verbrecher. Von dem Leiden und Sterben Jesu. 231 7. O, Geheimniß weiser Güte, das kein Engel ganz durchschaut: rühre kräftig mein Gemüthe! wie mein Herz auf dich vertraut, Gottmensch! so laß auch mein Leben dir Lob, Preis und Ehre geben! Vom Seelenleiden. Mel. von Nr. 49. 125. O Jesu, Brunnquell aller Freuden! wirst du mit Traurigkeit erfüllt? Mußt du in deiner Unschuld leiden, daß Schrecken aus dem Herzen quillt? So viel theure Streiter sah man auf die Scheiter und zur Feuersglut steigen, ohn Entfärben in der Marter sterben, mit getrostem Muth. 2. Wie kommts, daß deine Glieder zittern? Unüberwindlich großer Held! daß Schmerzen deinen Leib erschüttern, daß dich ein Grauen überfällt? Kann der Tod ein Schrecken dir vielmehr erwecken, als er jenen thut, wenn sie ohn zu beugen von der Wahrheit zeugen, selbst mit ihrem Blut? 3. Ach ja, der Tod, der dich umgibet, ist gar von einer andern Art; der Grimm, den er an dir verübet, ist mit des Himmels Born gepaart: denn du fühlst die Pfeile, 232 Erster Theil. und des Fluches Keile; jene fühlens nicht; weil du dich mußt quälen, hatten ihre Seelen deiner Freuden Licht. 4. Du bist das Lamm, das Schuld und Strafe auf seinen Schultern willig trägt; der gute Hirt, der für die Schaafe sein theures Leben niederlegt. Du bezahltest Schulden, und willst das erdulden, was wir all verdient; auf dir liegts alleine, daß wir würden reine, und mit Gott verfühnt. 5. Dies ist die Ursach deiner Klagen; das Herz fließt über durch den Mund, und macht sein schreckenvolles Bagen durch schreckenvolle Worte kund: da du selbst bezeuget, daß dein Geist gebeuget sei bis in den Tod. Dieses ist die Quelle, da die müde Seele sich erfreut in Gott. 6. Ich will für solche Liebesproben, dergleichen man noch nie gesehn, dich, mein Erlöser, ewig loben, werd ich vor deinem Throne stehn. Laß dein traurig Ringen mir indessen bringen wahre Glaubensfrüchte; daß ich mich verschreibe, und dir tren verbleibe, o mein Lebenslicht! Von dem Leiden und Sterben Jesu. 233 Mel. An Wasserflüssen Babylons. 97. 126. So gehst du, Jesu, williglich, dein Leiden anzutreten, mit heißen Thränen auch für mich zu kämpfen und zu beten. Du, der du nichts verbrochen hast, gehst hin, um aller Sündenlast auf dich allein zu laden. Da schon das Schwert gezücket war, stellst du dich seinen Streichen dar, damit sie uns nicht schaden. - 2. Du Held, der andern Stärke gibt, was kann dich so erschüttern? Ach, seine Seele wird betrübt, des Helden Glieder zittern. Ach, hingesunken auf die Knie, arbeitet er in schwerer Müh, und kämpfet im Gebete. Er wünscht den bangen Kampf verkürzt. Wer sieht dies, und wird nicht bestürzt? O schaudervolle Stätte! 3. Gott, wie bist du so wunderbar in allen deinen Werken! Ein Knecht, ein Engel, muß sogar den Herrn vom Himmel stärken. Er ringt. Von seinem Angesicht träuft Schweiß, ach, wer entsetzt sich nicht? Für Schweiß träuft Blut zur Erden. Der du in reiner Unschuld prangst, wie konntest du von solcher Angst, o Herr, bestürmet werden? 234 Erster Theil. 4. Ach, Herr, der Sündenknecht war ich. Ich sollte Blutschweiß schwißen. Es sollten billig nur auf mich der Rache Wetter blißen. Ich Armer, wie entrinn ich da! vor Gottes Borne müßt ich ja ohn allen Trost versinken. Und da kömmst du, daß du ihn stillst. Sohn Gottes du, du selber willst den ganzen Bornfelch trinken. 5. Heil mir, der Sohn des Höchsten hat für mich sich richten lassen. Gott, welch ein wundervoller Rath! wer kann dein Thun noch fassen? Ach, da uns Fluch und Strafe drohn, so trägt er sie für uns, der Sohn, den Gott uns selbst gegeben. Nun jauchze, Seele! du kommst nicht in Gottes schreckliches Gericht; du dringst hindurch ins Leben. 6. Doch denk, um welchen theuren Preis dein Heiland dich erkaufet! für dich rang er in Todesschweiß, für dich mit Blut getaufet! ach Seele, sorge, daß dich nie die Sünd in ihre Netze zieh, nichts deine Treu erschüttre! Reizt dich das Fleisd ach höre nicht! schau hin ins furchtbare Gericht, das Jesum traf, und zittre! Von dem Leiden und Sterben Jesu. Von den Banden Jesu. Mel. Alle Menschen müssen sterben.- 82. 127. Gottes Lamm, durch dessen Wunder unser Heil wird festgesetzt! Ach, wie hart wirst du gebunden, und dein heilger Leib verletzt! Deiner Feinde strenge Hände wissen ihrer Wuth kein Ende! und du gibst mit stillem Sinn dich in ihre Fesseln hin. 2. Mehr, als zwölf der Legionen, welche dort um jenen Thron deines großen Vaters wohnen, stehn bereit, o Menschensohn! deine Ketten zu zerschlagen, deine Feinde zu verjagen: aber du verlangst es nicht, daß man deine Bande bricht. 235 3. Du bist selber reich an Stärke, die sich jetzt auch nicht verlor; aber hier in diesem Werke geht Geduld der Allmacht vor. Denn sonst müßten Band und Schlingen wie des Simsons Stricke springen; und der Feinde große Bahl stürzte deiner Gottheit Strahl. 4. Starker Held, um meinetwillen streckst du deine Hände dar, um die Schriften zu erfüllen, schonest du der frechen Schar, wehrst dem Schwerte deines Freundes, heilst die Wunden deines Feindes, und 236 Erster Theil. dein Arm nimmt Fesseln an, die er doch vermeiden kann. 5. Alles, was du ausgestanden, ist zu meinem Heil geschehn, und die Schmach von deinen Banden macht, daß ich kann ledig gehn. Weil man dich gefangen führet, bleib ich frei und unberühret; weil du deiner Ketten Laſt mir zu gut getragen hast. 6. Heiland, wie ist deine Güte für mich Sündenknecht so groß! mache denn auch mein Gemüthe immer mehr vom Eitlen los. Lasse mich mit ihren Stricken Welt und Lüste nicht berücken, daß ich von der Sünde frei, dir nun ganz ergeben sei! 7. Laß in diesen Prüfungstagen den durch dich erlösten Geist keine andre Bande tragen, als die du mich tragen heiß'st: Bande deiner Furcht und Liebe. Lege meines Fleisches Triebe solche Strick und Feſſeln an, die es nicht zerreißen kann. 8. Soll ich einst die Ehr erlangen, daß ich deines Geistes voll, auch in andern Fesseln prangen und für dich was leiden soll: ach, so laß mich in den Banden, in Gefängniß, Schmach und Schanden, ja in aller Todespeindir, mein Heiland! ähnlich sein. Von dem Leiden und Sterben Jeſu. Von der Geißelung Jesu. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele.- 29. 128. Unser Heiland steht gebunden, voller Striemen, voller Blut, und fühlt so viel neue Wunden, als der Kriegsknecht Streiche thut. Seht, was seine Liebe fann! und wir denken kaum daran, daß er wegen unsrer Schulden dieses alles muß erdulden. 2. Da die Welt in Seide pranget, ſteht ihr König nackt und bloß; da er anders nichts verlanget, als uns in des Vaters Schoos dermaleins zu führen ein, lassen wir von eitlem Schein lieber, als von seinen Schlägen unsern schnöden Sinn bewegen. 237 3. Lehre mich, o Heil der Armen! deiner Streiche hohen Werth, was dadurch für ein Erbarmen und für Trost mir widerfährt; da dein Blut, das von dir fließt, ein bewährter Balsam ist von dem Gift der Sündenbeulen mich zu reingen und zu heilen. 4. Willst du, daß ich mitempfinde, wie dich deine Geißel schmerzt, wenn mein Herz durch Schuld und Sünde, Jesu, deine Gunst berscherzt: ach, Herr, so verbirg nur nicht Dein genadig Angesicht, laß von deiner Strafe Ruthen nicht so sehr die Wunden bluten. 238 Erster Theil. 5. Herr, du littest nicht vergebens. Wenn ich dann nach Gottes Schluß, an dem Ende meines Lebens mit dem Tode ringen muß: ach, so zeige dich nur bald in der tröstlichen Gestalt, da vom Scheitel bis zu'n Füßen des Versöhnbluts Ströme fließen. 6. Was mußt du, mein Heiland, leiden, welche Schmach und welche Pein! doch du siehst auf jene Freuden und erduldest Schmach und Bein. Laß mich auch voll Zuversicht, wenn dereinst das Herz mir bricht, meiner Leiden Ausgang schauen; fest will ich auf dich vertrauen. Mel. Gott, du frommer Gott. - 129. Seht, welch ein Mensch! ach seht! mit Schand ist er bedecket, der Glanz der Herrlichkeit! Schaut, Menschen, und erschrecket! Des Höchsten Sohn habt ihr so tief herab gebracht! so schwere Müh hat ihm nur eure Schuld gemacht! 2. Seht, welch ein Mensch! Weh euch, wenn hier noch vor den Sünden nicht eure Seele graut! Sein Zorn wird sich entzünden! Dann fordert er die Schmach, die er für euch empfand, so ihr euch nicht bekehrt im Zorn von eurer Hand. Von dem Leiden und Sterben Jesu. 239 3. Seht, welch ein Mensch! die ihr in Heiligkeit ihm dienet, schaut, wie er Sünden büßt! schaut, wie er uns verfühnet! Wohl euch, daß seine Schmach euch schmerzet und betrübt. Erfreuet euch des Heils, das diese Schmach euch gibt. 4. Seht, welch ein Mensch! hier steht, Verbrechern gleich, gebunden, an dem sein Richter selbst gar keine Schuld gefunden! Dies Zeugniß ist mir werth! Denn wär er nicht ganz rein, wie könnt er dann für uns ein gültigs Opfer sein? 5. Seht, welch ein Mensch! ach seht! wie ist sein Leib zerrissen! Seht, was für Ströme Bluts aus seinen Wunden fließen. Heilsame theure Fluth! aus diesen Wunden quillt, was unsre Schaden heilt und das Gewissen stillt. 6. Seht, welch ein Mensch! ach seht! schmerzhafte Dornen frönen sein majestätisch Haupt! doch mag die Welt dich höhnen! Mein Jesu, mir bleibst du ein König auch noch hier! Boll Ehrerbietigkeit beug ich die Knie vor dir. 7. Seht, welch ein Mensch! Er muß, vom Rohrstab frech zerschlagen, noch in der 240 Erster Theil. eignen Hand des Frevels Werkzeug tragen! Ach wißt, daß diese Hand ein eisern Bepter trägt! Sorgt, Frevler, daß fie euch nicht einst im Born zerschlägt! 8. Seht, welch ein Mensch! schaut hin, o Sünder, und erschrecket! da so viel Speichel ihm sein Antlitz überdecket. Gott, wie viel schnöde Schmach trifft deinen Sohn um mich! Mein Dank ergießt vor dir in heißen Thränen sich. 9. Seht, welch ein Mensch! Mein Herz im Leibe will mir brechen! Ob diese Leiden schon mir ewgen Trost versprechen: Herr, ich kann ihrer nie mich ohne Wehmuth freun! Herr, laß mich ja für dich nie Spott und Schande scheun! Mel. von Nr. 84. 130. Mein Lebensfürst! nun kann ich dich mein Theil und meinen Trost, und meinen Netter nennen. Wie loderst du, nie werd ichs gnug erkennen, von Eifer ganz entzündet für mein Heil! Nichts scheuest du, nicht Marter, Schmach und Hohn, und aus der Noth mich ganz her auszuziehen, mich Sohn des Staubs, o Von dem Leiden und Sterben Jeſu. 241 du, des Höchsten Sohn! wie kann ich gnug von Dankbegierde glühen! 2. Am Delberg wartet auf dich Angst und Qual; die Stund ist da, nun willst du nicht verweilen; ich sehe dich aus Salems Pforten eilen. Du wallst dahin durch Kidrons schwarzes Thal, und Todesschrekken folgen dir dahin. Nichts kann indeß den großen Vorsatz hindern; des Menschen Rettung lag dir längst im Sinn. Ganz weihst du dich verlornen Adamskindern. 3. Nunmehr kommst du in jenem Garten an, wo dich, o du mein einziger Berather! so oft mit Ernst zu deinem großen Vater für unser Heil die Engel beten sahn. Jett wurdest du in Traurigkeit versenkt, mit Todesangst und Schrecken ganz befangen, daß ich von allem, was mich nagt und kränkt, bei deiner Angst Befreiung möcht erlangen. 4. Dein blutger Schweiß zeigt, wie dich Gott jetzt schreckt. Wie beben dir, o Held, vor Furcht die Glieder! Du sinkst vom Born des höchsten Richters nieder, wirst als ein Wurm mit Blut und Staub bedeckt. Hör seine Stimm, o Sünder, höre sie! Dir ruft er zu, in diese Noth gerathen: mit 16 242 Erster Theil. deiner Schuld machst du mir dieſe Müh und diese Qual mit deinen Missethaten. 5. Ganz sollst du nun ein Mann des Schmerzes sein. Dich, Heiliger! Verbre chern gleich zu fangen, dringt jeßt auf dich mit Fackeln, Schwert und Stangen, von Wuth beſeelt, die Schar der Sünder ein. Du ſtellſt dich dar; doch ihren harten Sinn kann weder deine Macht noch Unschuld rühren; gefeſselt führen dich die Frevler hin, die bei dir nichts als Willigkeit verſpüren. 6. Mit größter Wuth greift dich der Feind nun an, als wärest du der größte Missethäter. Was thut der Freund? Ach, er wird ein Verräther! Mit Abscheu seh ich seine Bosheit an. Doch Judas schmerzt dich jezo nicht allein; bei deiner Noth siehst du die Jünger fliehen; jezzt bleibeſt du ganz hülflos und allein, du ſiehſt ſie all und ſelbſt auch Petrum fliehen. 7. Der Richter seines Volfs steht vor Gericht, vor Caiphas läßt er sich laut ver klagen, und schweigt, was auch die falscher Beugen sagen; gescholten, schilt der heilg Gottmensch nicht. Er kommt noch ein und mit ihm kommt sein Lohn, und all 01 Von dem Leiden und Sterben Jesu. 243 Bosheit wird gewiß gerochen. Gleichwohl wird ihm, des Allerhöchsten Sohn, als einem Lästerer der Stab gebrochen. 8. Mein Jesu! bricht dir nicht die Schmach das Herz? Verspeit wirst du, geschlagen und verhöhnet. Wie ist dir, da der Läſtrung Stimm ertönet? Wie weit treibt man den pöbelhaften Scherz? Du, der Propheten Größter, wirft ein Spott. Wie darf dein eignes Volk dich so entehren! Ach, theuer sei du mir! Von dir spricht Gott: das ist mein lieber Sohn, den sollt ihr hören. 9. Hat Petrus dreimal dich aus Furchtſamkeit verläugnet, und damit dein Herz durchstochen, ach, wie viel öfters hab ich Treu gebrochen! Doch ist es mir, o Herr, wie Petro, leid. Und darum hast du den treulosen Knecht beständig noch zu lieben fortgefahren. Ach, bring mich auch, wenn ich verirrt, zurecht, laß deinen Geist dies schwache Rohr bewahren. 10. Folg ihm, mein Geist, bestürzt ins Richthaus nach: D, welch ein Schauplaß nie erhörter Leiden! wie duldet er von Juden und von Heiden, Er, beider Heil, 16* 244 Erster Theil. ganz unverdiente Schmach! Den Aufruhrstifter sieht Pilatus nicht; o, wie empöret sich jetzt mein Gewissen, da, Jesu, dir sein Mund das Urtheil spricht! bedroht, geschreckt, wird er dahin gerissen. 11. Dir durfte man den Mörder Barrabas, o Theuerster! gar an die Seite setzen, und, was entseßlich ist! dich schlimmer schäßen. D Raserei! O, mehr, als Cains Haß! Doch warum zürn ich mit der Juden Wuth? Ach, hier kann ich des Menschen Thorheit lesen; Tand wählet er, der Thor, fürs höchste Gut: wie oft bin ich ein solcher Thor gewesen. 12. Das Mordgeschrei, das an den Himmel stieß, schallt nicht so laut, als meine Sünden riefen. Die Ströme, die aus so viel Wunden liefen, als, Jesu, dich Pilatus geiffeln ließ, entdeckten mir gar merklich meine Schuld; verdient hat ich des Satans Wuth und Morden. O! Dank sei dir! mich rettet deine Huld, heil bin ich nun durch deine Wunden worden. 13. Welch Schauspiel stellt sich meinen Augen dar: mit Dornen frönet man dich, Von dem Leiden und Sterben Jesu. 245 o mein König! dem Frevler ist die Schmach noch allzuwenig, ein Rohr reicht man dir als ein Zepter dar! der Purpur höhnet dich, man beugt die Knie und spottet dich mit Worten und Geberden. Ach, meine Schuld, wie groß, wie groß ist sie! so tief mußt du für mich erniedrigt werden. 14. Ganz matt schleppst du dein Kreuz nach Golgatha, noch mehr vom Fluch, der auf dir lag, gedrücket. Was ists, das nun mein schüchtern Aug erblicket? Wie schauervoll wirst du mir, Golgatha! Da hänget er, ein Scheusal, nackt und bloß; sollt er denn nicht mein Mitleid ganz erwecken? Ach, ihn drückt unsre Schuld! ein Berg! wie groß! und er verlangt nicht Mitleid, sondern Schrecken. 15. Du bist, o schreckenvolles Golgatha, die Trauerbühne, da mein Heiland litte; der Kampsplaß, wo des Weibes Saame stritte, der Ort, wo man das höchste Wunder sah. Hier hänget Er, der Opfer Gegenbild, der Gottes Born in vollem Maaße fühlte! Hier trifft der Pfeil dich, meines Glaubens Schild, der längst auf mich, mich großen Sünder, zielte. 246 Erster Theil. 16. Mein Heiland hängt dort zwischen Mördern. Mich wollt er der Schar der Seelgen zugesellen; hier will ich dann zu seinem Kreuz mich stellen, der Deinen Treu und Wehmuth rühret dich. Der Kriegsknecht nimmt zwar deine Kleider hin, doch mir verläsfest du den besten Segen. Dein bin ich ganz, und was ich hab und bin, will ich auch gern zu deinen Füßen legen. 17. Das Bundesblut erwies die erste Kraft am Schächer, der noch in der letzten Stunde durch wahre Buß und Glauben Gnade funde. Für alle Sünden war nun Rath geschafft. Doch ist aus tausend einem dies geschehn: so ist dem sichern Fleisch nichts eingeräumet; der andre Schächer mußt zu Grunde gehn, weil er die rechte Gnadenzeit versäumet. 18. Der Mittag kommt. Der Sonne Schein hört auf; dir, ihrem Schöpfer, will kein Licht mehr scheinen. Du, Helfer, mußt als ein Verlaßner weinen. Dein Angstgeschrei stört jeßt der Schöpfung Lauf. Wer zittert nicht? der Löw aus Juda brüllt; den Sohn der Liebe trifft des Vaters Ruthe. Was Wunder, daß sich die Vernunft ver Von dem Leiden und Sterben Jesu. 247 hüllt! O, du mein Trost! Was schmeckst du mir zu gute. 19. Nun weiß ich, daß die Nacht der Finsterniß zerstöret ist. Sollt ich noch rathlos stehen, und schmachtend hin durch dunkle Thäler gehen, so bleibt mir, Jesu, doch dein Trost gewiß. O, sollt ich je von dir geschieden sein! O, solltest du je meiner nicht gedenken! Eh wird die Sonne sich, von Licht und Schein beraubet, in des Abgrunds Kluft versenken. 20. Von heißem Durst wirst du zuletzt gequält; und welch ein Labsal wird für dich gefunden! Ach, wie betrübt sind deine leßzten Stunden! damit ja nichts an deinem Leiden fehlt. Es ist vollbracht! rufft du dann aus und stirbst, und übergibst den Geist des Vaters Händen. Welch Heil! das du so sterbend mir erwirbst! getrost kann ich nun meinen Lauf vollenden. 21. Merk auf, o du in mir erschrockner Geist! Schau Jesu Seite noch zuletzt durchstochen, nachdem der Tod ihm schon das Herz gebrochen; schau, wie sein Blut vereint mit Wasser fleußt! Bergebung schafft mir sein vergoßnes Blut, sein Geist stärkt 248 Erster Theil. mich zu jedem guten Werke; ein offner Born, wie fließt er mir zu gut! Ich bin im Herrn Gerechtigkeit und Stärke. 22. Kommst du mit Blut und Wasser nun zu mir, so will ich, Herr! dir mich zum Opfer bringen! beim offnen Vorhang wird es mir gelingen; freimüthig nah ich mich nunmehr zu dir. Muth mache mir im letzten Kampf dein Blut; gestärkt durch deinen Geist laß mich dann scheiden. Dein Blut lösch aus für mich der Höllen Glut, dein Geist führ mich zu deines Himmels Freuden. 23. So lang ich aber noch ein Pilgrim bin, soll in mein Herz dein sterbend Bild sich schließen; mein Mund soll sich in Lob und Dank ergießen; ganz geb ich mich zu deinem Opfer hin. Die Sünde, die dich mit so schwerer Last für mich gedrückt, will ich mit Ernst verfluchen; ich will, was du für mich geleiſtet hast, mit Lieb und Treu dir zu vergelten suchen. Mel. Herzliebster Jesu, was hast. 131. Ul nschuldger Jesu, was haft Von dem Leiden und Sterben Jesu. 249 du verbro- chen? Dein Todesurtheil haben sie gesprochen. Ein Fluch gemacht, sollst du am Kreuze sterben, wie Sünder sterben. 2. Gegeisfelt wirst du und zur Schmach gekrönet, ins Angesicht geschlagen und verhöhnet! mit Finsterniß des Todes schon umschattet, gehst du ermattet. 3. Du trägst dein Kreuz, du eilst auf blutgen Wegen voll Zuversicht, voll Muth dem Tod entgegen! Ich sehe dich gefreuzigt, dich entfärbend, voll Wunden sterbend. 4. Was ist die Ursach dieser deiner Plagen? Ach, unsre Sünden haben dich geschlagen! Wir, großer Mittler, haben das verschuldet, was du erduldet! 5. Wie wunderbar ist, Richter, deine Strafe! der gute Hirte leidet für die Schaafe! die Schuld bezahlt der Mittler, der Gerechte, für seine Knechte! 250 Erster Theil. 6. Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt! der Böse lebt, der wider Gott mißhandelt! die Unschuld stirbt! der das Geset gebrochen, wird losgesprochen! 7. Ach, unsre Seele war entstellt von Sünden! an uns Verbrechern war nichts Guts zu finden! das hätten wir, von Gott verworfen, müssen auf ewig büßen! 8. Liebe! Liebe niemals auszusprechen! du willsts! an dir soll es der Rächer rächen! Wir lebten mit der Welt in ihren Freuden, und du willst leiden! 9. Wer kann, o Herr, die großen Seligkeiten, die du uns gabst, mit vollem Dank ausbreiten? Wer hat dich je für deiner Liebe Proben genug erhoben? 10. Doch du sagst selbst: Eins werde dir gefallen, wenn wir vor dir mit Buße niederfallen, und unser Herz von neuem nicht entzünden mit alten Sünden! 11. Es ist, Versöhner, nicht in unsern Kräften, dem Kreuze die Begierden anzuheften! O send uns deinen Geist, der uns regiere, zum Himmel führe! 12. Dann wollen wir mit vollem Dank betrachten, was du gethan haft, diese Welt Von dem Leiden und Sterben Jesu. 251. nicht achten. Wir wollen wachen, beten, deinen Willen mit Freud erfüllen. 13. Dann wollen wir für dich, Herr, alles wagen; kein Kreuz nicht fürchten, keine Schmach und Plagen: uns sollen Spott, Verfolgung, Tod und Leiden nie von dir scheiden. 14. Dies alles ist zwar nur für schlecht zu achten, weil wir noch sterblich sind, im Staube schmachten! doch nimmst du's an! du wirst uns dennoch geben ein ewig's Leben! 15. Dort werden wir, o Herr, vor deinem Throne, geschmücket mit der Ueberwinder Krone, dein großes Lob viel würdiger besingen, stets Dank dir bringen! Mel. Herzliebster Jesu, was.- 131. 132. Herr! stärke mich, dein Leiden zu bedenken, mich in das Meer der Liebe zu versenken, die dich bewog, von aller Schuld des Bösen uns zu erlösen. 2. Vereint mit Gott, ein Mensch, gleich uns, auf Erden, uns bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden; an unsrer Statt gemartert und zerschlagen, die Sünde tragen. 3. Welch wundervoll hochheiliges Geschäfte! Sinn ich ihm nach, so zagen meine 252 Erster Theil. Kräfte. Mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde den Fluch der Sünde. 4. Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen. Gott ist die Lieb und läßt die Welt erlösen. Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken am Kreuz erblicken. 5. Es schlägt den Stolz und mein Verdienst darnieder; es stürzt mich tief, und es erhebt mich wieder; lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde zu Gottes Freunde. 6. O Herr, mein Heil, an dessen Blut ich glaube, ich liege hier vor dir gebückt im Staube, verliere mich mit dankendem Gemüthe in deiner Güte! 7. Sie übersteigt die menschlichen Ge danken; allein sollt ich darum im Glauben wanken? Ich bin ein Mensch; darf der sich unterwinden, Gott zu ergründen? 8. Das Größt in Gott ist: Gnad und Lieb erweisen; uns kommt es zu, sie demuthsvoll zu preisen, zu sehn, wie hoch, wenn Gott uns Gnad erzeiget, die Gnade steiget. 9. So sei denn ewig auch von mir gepriesen für das Erbarmen, das du mir Von dem Leiden und Sterben Jesu. 253 erwiesen, da du, mein Heiland, auch für mich dein Leben dahingegeben. 10. Du liebtest mich, ich will dich wieder lieben, und stets mit Freuden deinen Willen üben; o gib zu diesem heiligen Geschäfte, Herr, selbst mir Kräfte. Mel. Ach Herr, mich armen. 67. 133. Der du voll Blut und Wunden für uns am Kreuze starbst, und unsern letzten Stunden den größten Trost erwarbst; der du dein theures Leben, noch eh ich war, auch mir zur Rettung hingegeben, mein Heil! wie dank ich dir? - 2. Wie viel hast du erlitten, erhabner Menschensohn! als du den Tod bestritten, den Tod, der Sünde Lohn! Da folgte Schmerz auf Schmerzen, da traf dich Schmach auf Schmach; da lag auf deinem Herzen Angst, die das Herze brach. 3. Entblößt von allem Reize, der Menschen wohlgefällt, hingst du an deinem Kreuze, ein Fluch vor aller Welt. Dich flohen deine Freunde; du warst der Leute Spott; dich höhnten deine Feinde: wo ift denn nun dein Gott? 254 Erster Theil. 4. O schreckliches Empfinden! du fühltest das Gewicht vom Fluche unsrer Sünden und Lindrung ward dir nicht. Stets wuchsen deine Plagen; kein Helfer kam für dich. Man hörte dich selbst klagen: Gott! wie verläss'st du mich! 5. Mein Heil! was du erduldet, das ist auch meine Last. Ich habe mit verschuldet, was du getragen hast. Sieh gnädig auf mich Armen, der Zorn verdienet hat, und hilf mir aus Erbarmen von meiner Missethat. 6. Ich will auf dich stets sehen mit aller Zuversicht. Wohin soll ich sonst gehen? verwirf du mich nur nicht! Wo soll ich Ruhe finden, wenn du mich, Herr! nicht liebst? wo Reinigung von Sünden, wenn du sie mir nicht gibſt? 7. Du hast mir durch dein Leiden Vergebung, Beßrungskraft, in Trübsal Troft und Freuden, die ewig sind, verschafft. O, gib an dieser Gnade auch mir im Glauben Theil; so wird mein Seelenschade durch dich, Erlöser, heil. 8. Ich danke dir von Herzen, o du, mein größter Freund, für deine Todesschmerzen. Wie gut hast du's gemeint! Von dem Leiden und Sterben Jefu. 257 8. Weg ihr Sünden, fern von mir! euch kann ich an mir nicht leiden! Welch ein schnöder Gräul seid ihr! Ach, von dem wollt ihr mich scheiden, ohne welchen ist kein Leben, feine Gnade, fein Vergeben. bon fulložk 9. Dir, mein Jesu, dir, mein Heil, will ich ganz mich übergeben; als dein Eigenthum und Theil, dir zu sterben, dir zu leben, dir zu reden, dir zu leiden, dir zu schweigen, dir zu meiden. 10. Du, mein Jesu, sollst es sein, auf den stets mein Auge blicket. Wie du mein bist, bleib ich dein, immer ganz und unverrücket; was du liebst, will ich auch lieben; was dich fränkt, soll mich betrüben. 11. Drohten mir fogar um dich Tod und Martern, Schmach und Bande, mich schreckt nichts; von dir hab ich deinen Geist zum theuren Pfande, daß ich soll den Himmel erben; darauf kann ich fröhlich sterben. 12. Nun dann, nimm mich ganz dahin! Jefu will ich sein und bleiben, dem ich lebe, des ich bin. Nichts soll mich von Jesu treiben. Du wirst, Jesu, mich nicht laſſen. Ewig will ich dich umfassen. 17 258 Erster Theil. 13. Ist schon jeto, ist schon hier solche Freud und Ruh zu finden, wenn im Glauben wir mit dir uns, mein Jesu, recht verbinden, schenkst du schon so viel auf Erden: ei, was will im Himmel werden! 14. Was für Wollust nach dem Leid! nach dem Elend was für Ehre! was für Ruhe nach dem Streit! was für frohe Jubelchöre! Ewig werd ich Gott dort Loben, wenn er mich zu sich erhoben. 15. Täglich, täglich freu ich mich auf dies freudenvolle Leben! Heiland, dir sei Dank! durch dich wird es mir dereinst gegeben! Laß, im Glauben mich zu halten, deine Kraft in mir stets walten. Mel. von Nr. 37. 135. Erfülle, Herr! doch selbst mein Herz mit reinem Andachtstriebe. Ich denk an deines Leidens Schmerz, die Wirkung deiner Liebe. Dein Kreuz sei mir gebenedeit; welch Wunder der Barmherzigkeit haft du der Welt erwiesen! Wann hab ich dies doch recht bedacht, und dich aus aller meiner Macht genug dafür gepriesen? 2. Rath, Kraft und Friedefürst, und Held, in Fleisch und Blut gekleidet, wirst Von dem Leiden und Sterben Jesu. 259 du das Opfer für die Welt, und deine Seele leidet? Du ringst mit Angst und Todesnoth und gehst doch willig in den Tod: O Liebe sonder Ende! du nimmst auf dich der Menschen Schuld und gibst mit göttlicher Geduld dich in der Sünder Hände. 3. Du trägst der Missethäter Lohn und hattest nie gesündigt; du, der Gerechte, Gottes Sohn! so wars vorher verkündigt. Der Frechen Schar begehrt dein Blut; du duldest göttlich groß die Wuth, um Seelen zu erretten. Dein Mörder, Jesu, war auch ich; denn Gott warf alle Sünd auf dich, damit wir Friede hätten. 4. Erniedrigt bis zur Knechtsgestalt, und doch der Größt im Herzen, erträgst du Spott, Schmach und Gewalt, voll Krankheit und voll Schmerzen. Man sah dich, der Verheißung Biel; doch an dir war nichts, das gefiel, und nicht Geſtalt und Schöne. Vor dir, Herr, unsre Zuversicht, verbarg man selbst das Angesicht, dich schmähten Bundessöhne. 5. Ein Opfer nach dem ewgen Rath, belegt mit unsern Plagen, um deines Volkes 17* Erster Theil. Missethat gemartert und zerschlagen, gehst du den Weg zum Kreuzesstamm, in Unschuld stumm, gleich als ein Lamm, das man zur Schlachtbank führet. Freiwillig, als der Helden Held, trägst du aus Liebe für die Welt den Tod, der uns gebühret. 6. Du neigst dein Haupt. Es ist vollbracht. Du stirbst, die Erd erschüttert. Die Arbeit hab ich dir gemacht; Herr, meine Seele zittert. Was ist der Mensch, den du befreit? O wär ich doch ganz Dankbarkeit! Herr, laß mich Gnade finden; und deine Liebe dringe mich, daß ich dich wieder lieb und dich nie kreuzige mit Sünden. 7. Welch Warten einer ewgen Pein, für die, die dich verachten, die, solcher Gnade werth zu sein, nicht nach dem Glauben trachten; für die, die dein Verdienst gestehn und dich durch ihre Laster schmähn, als wirkliche Verhöhner. Wer dich nicht liebt, kommt ins Gericht, wer nicht dein Wort hält, liebt dich nicht, ihm bist du kein Versöhner. 260 8. Du hasts gesagt; du wirst die Kraft zur Heiligung mirschenken. Dein Blut ists, das mir Trost verschafft, wenn mich die Von dem Leiden und Sterben Jesu. 261 Sünden fränken. Laß mich im Eifer des Gebets, laß mich in Lieb und Demuth stets vor dir erfunden werden! dein Heil sei mir der Schirm in Noth, mein Stab im Glück, mein Schild im Tod, mein legter Troft auf Erden. Mel. O Lamm Gottes, unschuldig. 136. D Gottes Lamm, unschuldig am Kreuz für uns geschlachtet, befunden stets geduldig, wiewohl du wurdst ver$ 4 achtet; die Sünd hast du getra- gen, sonst müßten wir verza- gen. Erbarm dich unser, o Jesu, Jesu. 2. O Gottes Lamm, unschuldig am Kreuz für uns geschlachtet, befunden stets geduldig, wiewohl du wurdst verachtet! Die Sünd hast du getragen; sonst müßt auch ich verzagen. Lob sei dir ewig, o Jesu, Jesu! Erster Theil. Mel. von Nr. 55. 137. Gott, der du für uns deinen Sohn gegeben, wer kann doch gnugsam deine Huld erheben? Wie herrlich zeigst du im Erlösungswerke der Gnaden Stärke. 262 6 2. Dein ewger Sohn selbst stirbt für Menschenkinder. Der Heiligste tritt an die Statt der Sünder! der Seligste begibt sich seiner Freuden, für uns zu leiden. 3. Er wird das Lamm, das aller Sünden träget, drauf du die Strafe weislich selbst geleget, daß du die Schuld an den verlornen Schafen nicht dürftest strafen. 4. Was ist der Mensch, daß du ſein so gedenkest, und deinen Sohn ihm zum Versöhner schenkest? Was findest du an mir und an uns allen für Wohlgefallen? 5. Verdient Verachtung göttlicher Ge seße, verdient Verschwendung unschätzba rer Schäße, verdient ein selbst gemachter böser Schade des Richters Gnade? 6.O welche Tiefe deiner Menschenliebe! wer faßt, o Gott, die Größe ihrer Triebe? Du thust noch mehr zu unserm Wohlergehen, als wir verstehen. Von dem Leiden und Sterben Jefu. 263 7. Ach, lehre mich recht deine Huld ertennen, voll Zuversicht dich meinen Vater nennen, und zum Gehorsam dir mein ganzes Leben willig ergeben. 8. Was mir dein Sohn, als er für mich gestorben, aus deiner Huld durch seinen Tod erworben, das werde mir zu meinem ewgen Heile nun auch zu Theile! 9. Dein Friede wohne stets in meinem Herzen, und tröste mich bei des Gewissens Schmerzen. Dein Geist sei mit mir, deinen guten Willen treu zu erfüllen. Mel. Christus, der uns selig macht. 138. M ein Erlöser, Gottes Sohn, * der du für mich) littest! und auch auf der Himmel Thron jetzt noch für mich bittest, welche Wohlthat ist für mich dein versöhnend Leiden; D, wie preis' ich würdig dich, Ursprung meiner Freuden. 264 Erster Theil. 2. Unermeßne Herrlichkeit war dir, Herr! gegeben; und du konntest jederzeit voller Freuden leben. Aber, o der großen Huld! daß ich selig würde, übernahmst du in Geduld schwerer Leiden Bürde. 3. Nun kann meine Missethat noch Vergebung finden; denn du starbst nach Gottes Rath auch für meine Sünden. Unsre Strafe trugest du, uns vom Fluch zu retten, daß wir im Gewissen Ruh, mit Gott Friede hätten. 4. Was uns Lust zur Beßrung schafft, was zur Tugend leitet, dazu hast du neue Kraft durch dein Kreuz bereitet. Nicht vergebens darf ich nun mich um Kraft bewerben, Gottes Willen noch zu thun, Sünden abzusterben. 5. Nun kann ich aufs Todesthal noch mit Freuden sehen, und zu jener Welt einmal ohne Schrecken gehen. Du, Herr, haft aus aller Noth Rettung mir errungen, und durch deinen Kreuzestod meinen Tod bezwungen. ind 6. Herr, was bin ich, daß du mein so dich angenommen? Laß die Frucht Von dem Leiden und Sterben Jesu. 265 von deiner Pein nun auch auf mich kommen! Gib mir Weisheit, gib mir Kraft, du hast sie in Händen, was du mir zum Heil verschafft, gläubig anzuwenden. 7. Laß das Wort von deinem Kreuz mich mit Muth beleben, siegreich jedem Sündenreiz hier zu widerstreben. Treib mich mächtig dadurch an, Gottes Born zu scheuen; was ich Unrecht je gethan, innig zu bereuen. 8. Drückt mich meine Sündennoth, straft mich mein Gewissen: o! dann laß aus deinem Tod mich den Trost genießen, daß du auch für meine Schuld büßend bist gestorben, und Vergebung, Gnad und Huld mir bei Gott erworben. 9. Stärke mich durch deinen Tod auf die letzten Stunden. Wie du deine Todesnoth siegreich überwunden: o! so hilf dazu auch mir; laß mich fröhlich scheiden! Herr, so dant ich ewig dir für dein bittres Leiden. Mel. O Welt, ich muß dich lassen.- 48. 139. O Welt! sich hier dein Leben am Stamm des Kreuzes schweben! dein Heil finkt in den Tod. Der große Fürst 266 Erster Theil. der Ehren läßt willig sich beschweren mit Banden, Schlägen, Hohn und Spott. 2. Tritt her und schau mit Fleiße! mit Blut und Todesschweiße ist ganz sein Leib bedeckt; und unnennbare Schmerzen fühlt er in seinem Herzen, da er den Kelch des Bornes schmeckt. 3. Wer hat dich so geschlagen, und dieses Heer von Plagen, Herr, wider dich erregt? du bist ja nicht ein Sünder, wie wir und unsre Kinder: wie sind dir Strafen auferlegt? 4. Ich, ich und meine Sünden, der sich so viele finden, als Sandes an dem Meer, die haben dich geschlagen, die brach ten diese Plagen auf dich, und dieses Marterheer. 5. Ich bins, ich sollte büßen in ewgen Finsternissen, was nun dein Tod verfühnt: die Geißel und die Banden, und was du ausgestanden, das alles, Herr, hab ich verdient. 6. Du nimmst auf deinen Rücken die Laster, die mich drücken, wie ein Gebirge schwer! du wirst ein Fluch; dagegen er 267 Von dem Leiden und Sterben Jesu. wirbst du mir den Segen und o wie gnadenreich ist er! 7. Du setzest dich zum Bürgen, ja läffeft dich selbst würgen für mich und meine Schuld; für mich läss'st du dich krönen mit Dornen, die dich höhnen, und leidest alles mit Geduld. 8. Für mich ihn zu erlegen, eilst du dem Tod entgegen mit großem Heldenmuth. Du stirbst, daß ich nicht sterbe, noch ewiglich verderbe; o unerhörte Liebesglut! 9. Wie bin ich dir verbunden, durch den ich Heil gefunden! ich bin dein Eigenthum! Mich dankbar zu erweisen, soll Seel und Leib dich preisen, und dir gehorchen sei mein Ruhm! 10. Es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seele scheiden, mich trösten und erfreun. Es soll von meinen Pflichten mich täglich unterrichten, und Kraft zur Tugend mir verleihn. 11. Wie strenge Gott Verbrechen an denen einst wird rächen, die seine Huld verschmähn; wie schwer sie ihrer Sünden Bergeltung werden finden, will ich aus deinem Leiden sehn. 268 Erster Theil. 12. Dein Beispiel soll mich lehren, den Rath des Höchsten ehren, und thun, was er gebeut. Nicht meinen eignen Willen, nur seinen zu erfüllen, ist meine Pflicht und Seligkeit. 13. Nach dir will ich mich üben, die Feinde selbst zu lieben, nach dir, der für sie bat. Ich will des Lebens Plagen getrost und willig tragen, und thun, wie mein Erlöser that. 14. Nie will ich wieder schelten; nie Spott mit Spott vergelten; nie, wenn ich leide, dräun; wie du gelassen dulden; dem Nächsten seine Schulden, wie du, von Herzensgrund verzeihn. 15. Ich will ans Kreuze schlagen mein Fleisch, und dem entsagen, was dir, Herr, nicht gefällt; was deine Augen hassen, das will ich fliehn und lassen, gefiel es auch der ganzen Welt. DINGD Mel. Meine Liebe hängt am Kreuz. 50 ein Erlöser hängt am Kreuz 140. M bb und ist hier ein Ziel des Spottes; ach Von dem Leiden und Sterben Jeſu. 269 476 $ Sohn Gottes! Wo ist deines Arms Gewalt? Wo die göttliche Gestalt? 2. Mein Erlöser hängt am Kreuz. Größ und Hoheit sind verschwunden. Nichts, als Wunden! Nichts, als Blut, und Qual auf Qual! Nichts, als Leiden ohne Zahl. 3. Mein Erlöser hängt am Kreuz, und hängt hier auch meinetwegen, mir zum Segen. In ihm wird statt Fluches, Heil, jedem, der da glaubt, zu Theil. 4. Mein Erlöser hängt am Kreuz. Hier will ich ihn fest umfassen, ihn nicht laffen, ihn, der mich am Kreuz vertrat, bis er mich gesegnet hat. 5. Mein Erlöser hängt am Kreuz. Auch für mich hat er sein Leben hingegeben. Brenne, Herz, in heißer Glut gegen ihn, dein höchstes Gut. 6. Mein Erlöser hängt am Kreuz; und ich sollte nun an Sünden Lust noch finden? Sie will ich voll Abscheus fliehn; meine Sünden kreuzgen ihn. 270 Erster Theil. 7. Mein Erlöser hängt am Kreuz; und ich wollt in rohen Freuden mich noch weiden? Das sei fern; die Welt sei mir nun gekreuzigt, und ich ihr. 8. Mein Erlöser hängt am Kreuz; und ich sollte seinen Willen nicht erfüllen? Theuer hat er mich erkauft, und auf ihn bin ich getauft. 9. Mein Erlöser hängt am Kreuz. Sollt ich nun im Hohn mich grämen? Sein mich schämen? Froh rühm ich mich seiner Schmach, trage gern sein Kreuz ihm nach. 10. Mein Erlöser hängt am Kreuz; und ich wollt in trüben Tagen trostlos zagen? Auch die schwerste Bürde deucht, gegen seine Last, mir leicht. 11. Mein Erlöser hängt am Kreuz. Herr, ich bleib im Tod und Leben dir ergeben. Als du starbest, starbst du mir; wenn ich sterbe, sterb ich dir. Mel. Herzlich lieb hab ich dich, o Herr! lieb hab ich dich, $ 141. U m Gnade für die Sünderwelt rufst du mein Heil, am Kreuz gequält Von dem Leiden und Sterben Jeſu. 271 von frecher Sünder Rotten. Dir blutet das bedrängte Herz, wenn dich bei deinem herben Schmerz die Bösewichter 12751 spotten. Du fiehst mit segensvollem Blick von ihnen weg auf den zurück, den diese Schar in dir entehrt; rufft, daß es Erd und Himmel hört: vergib, o 4 Gott, und führe nicht sie ins Gericht; das, was sie thun, verstehn sie nicht. 2. Erstaunend seh ich diese Huld. Wie mitleidsvoll ist die Geduld, die Mörder fo erträget! Shr, die ihr euren Heiland ehrt, fühlt seiner Großmuth hohen Werth, und danket ihm beweget. Er hat durch segnendes Gebet auch uns ein ewig Heil 272 Erster Theil. erfleht. Er sagt auch uns zu unsrer Ruh Erbarmen und Vergebung zu. Herr Jesu Christ, gelobt seist du für deinen Tod! Gott ist durch dich noch unser Gott. 3. Daß Gott mit Langmuth und Geduld, auch selbst bei sehr gehäufter Schuld, der Sünder dennoch schonet; daß er so liebreich ihrer denkt, und ihnen Frist zur Buße schenkt, eh nach Verdienst er lohnet; daß ich noch fröhlich sagen kann: auch mich, mich Sünder, nimmt Gott an! hast du durch deiner Fürsprach Kraft, mein treuer Hei land, mir verschafft. O Jesu Christ! mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! vertritt du mich bis in den Tod. 4. Wird wo mein Herz vom Troste leer, weil meiner Sünden furchtbar Heer aufs neue mich erschrecket: o, dann versichre mich aufs neu, du stehest mir als Mittler bei, der meine Schuld bedecket. Mein Geist blickt glaubensvoll auf dich. Sei du mir nur nicht fürchterlich! und schließt sich meine Pilgrimschaft, so stärte mich mit neuer Kraft. Herr Jesu Christ! der letzte Kampf wird mir versüßt, wenn du mein Trost im Tode bist. Von dem Leiden und Sterben Jesu. 273 5. Den sanften liebesvollen Sinn, daß ich ein Freund der Feinde bin, flöß, Herr, in meine Seele! Gib, daß bei der Verfolgung Schmerz ich dir des Feindes hartes Herz und meine Sach empfehle. Besänftige mein reges Blut; und flammt des 3Bornes wilde Glut mein Herz zur Nachbegierde an: o, so erinnre mich daran, Herr Jesu Christ! wie du am Kreuz durch dein Gebet selbst deinen Mördern Gnad erfleht. 6. Mich tröste dein Versöhnungstod! es bilde mich dein Geist, mein Gott, daß ich dir ähnlich werde! O, zeuch mich, du erhöhter Held, zu dir hinauf vom Dienst der Welt, zum Himmel von der Erde! Du bist der Deinen Schußpanier. Beuch dir uns nach, so laufen wir, so wollen wir uns deiner Pein und deiner Fürsprach ewig freun. Herr Jesu Christ! wie selig ist, wie selig ist der Mensch, dem du ein Heiland bist! Mel. Sesus, meine Zuversicht.- 47. - 142. Schwing dich auf gen Golgatha! schau den Heiland hier am Kreuze; nimm zu Herzen, daß dich ja seine Pein zur Buße reize. Härter bist du noch, als Stein, so du hier fannst fühllos sein. 18 274 Erster Theil. 2. Schaue doch das Jammerbild zwischen Erd und Himmel hangen! wie das Blut in Strömen quillt, daß ihm alle Kraft entgangen! schaue! ach, erschrickst du nicht, da sein sterbend Herze bricht? 3. O Lamm Gottes ohne Schuld! alles das hätt ich verschuldet, und du haft aus freier Huld Pein und Schmach für mich erduldet. Aus des ewgen Feuers Glut mich zu retten, fließt dein Blut. 4. Du für uns erwürgtes Lamm! groß, ja groß ist deine Liebe! schau von deines Kreuzes Stamm, wie ich mich um dich betrübe! Ich bin schuldig; aller Schmerz, der dich trifft, durchbohrt mein Herz! 5. Herr, was kann ich dir dafür, daß du mich so liebest, geben? Nimm, was ich ver mag, von mir! dir, nur dir gehört mein Leben! wie du mein so will ich dein lebend, leidend, sterbend sein. 6. Nur bei dir allein such ich Hülf in meinen bängsten Stunden! schmachtend, lechzend sehn ich mich nach dem Trost aus deinen Wunden, wie ein Hirsch nach Waffer schreit, bis er meine Seel erfreut. Von dem Leiden und Sterben Jeſu. 275 7. Kreuzige mein Fleisch und Blut! lehre mich die Welt verschmähen! laß auf dich, du höchstes Gut, immer unverwandt mich sehen, und im Kreuze führe mich selig, wenn schon wunderlich. bin d 8. Endlich laß mich alle Noth freudig sterbend überwinden. Nirgends müsſe mich der Tod, als bei dir, mein Heiland, finden. Wer nur dich zur Zuflucht macht, spricht getroft: Es ist vollbracht! Mel. von Nr. 55. 143. Laß deinen Geist mich stets, mein Heiland, lehren, dein göttlich Kreuz im Glauben zu verehren, daß ich getreu in dem Beruf der Liebe mich christlich übe. 2. Das Gute thun, das Böse fliehn und meiden, Herr, diese Pflicht lehrt mich dein heilig Leiden. Kann ich zugleich das Böſe mir erlauben und an dich glauben? 3. Da du dich selbst für uns dahingegeben, wie könnt ich noch nach meinem Willen leben? und nicht vielmehr, weil ich dir angehöre, zu deiner Ehre? 4. Ich sollte nicht, wenn Leiden dieser Erden, wenn Kreuz mich trifft, gelaßnen 18* Erster Theil. Herzens werden; da du so viel für uns, die wirs verschuldet, liebreich erduldet? 276 5. Für welche du dein Leben selbst gelassen, wie könnt ich sie, sie meine Brüder hassen; und nicht, wie du, wenn sie mich untertreten, für sie noch beten? 6. Ich will nicht Haß mit gleichem Haß vergelten; wenn man mich schilt nicht rächend wieder schelten. Du, Heiligster! du Herr und Haupt der Glieder, schaltst auch nicht wieder. 7. Ein reines Herz, gleich deinem edlen Herzen, dies ist der Dank für deines Kreuzes Schmerzen. Und Gott gibt uns die Kraft in deinem Namen, dich nachzuahmen. 8. Unendlich Glück! du littest uns zu gute. Ich bin versöhnt mit deinem theuren Blute. Du hast mir Heil, da du für mich gestorben, am Kreuz erworben. 9. So bin ich denn schon selig hier im Glauben? so wird mir nichts, nichts meine Krone rauben? so werd ich dort von Herrlichkeit umgeben, einst ewig leben? 10. Ja, wenn ich stets der Tugend Pfad betrete, im Glauben kämpf, im Glauben Von dem Leiden und Sterben Jesu. 277 wach und bete, so ist mein Heil schon so gewiß erstrebet, als Jesus lebet. 11. Lockt böse Lust mein Herz mit ihrem Reize, so schrecke mich dein Wort, das Wort vom Kreuze; und werd ich matt im Laufe guter Werke, so sei mirs Stärke! 12. Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden ein Aergerniß und eine Thorheit werden: so seis doch mir, trotz alles frechen Spottes, die Weisheit Gottes. 13. Gott! eile nicht, sie rächend zu zerschmettern! erbarme dich, wenn einer von den Spöttern sich spät bekehrt, und dich, den er geschmähet, um Gnade flehet. 14. Wenn endlich, Herr, mich meine Sünden kränken, so laß dein Kreuz mir wieder Ruhe schenken! dein Kreuz, dies sei, wenn ich den Tod einst leide, mir Fried und Freude. Mel. von Nr. 55. 144. Sei hochgepriesen, Herr, für deine Liebe! sie drang dich zu dem mitleidsvollen Triebe, für eine Welt voll Sünder selbst dein Leben dahin zu geben. 2. Fürwahr, du trugest unsrer Sünden Schmerzen. D, welch ein Herz gleicht dei 2 278 Erster Theil. nem edlen Herzen? du ließest unsre Schuld an dir bestrafen, uns Heil zu schaffen. 3. O laß dies Heil doch auch mein Erbe werden! was hab ich sonst für sichern Trost auf Erden? was gibt mir sonst wohl wahren Grund zur Freude, wenn ich einst scheide? 4. Für mich, o Herr, bist du ja auch gestorben. Was du der Welt durch deinen Tod erworben, das hast du ja, von großer Treu geleitet, auch mir bereitet. 5. O stärke selbst mein Herz in diesem Glauben. Kein banger 3weifel müſse ihn mir rauben! Er müsse mich zum Fleiß in guten Werken beständig stärken. 6. Soll ich mich nun noch frevelhaft erfühnen, der Sünde, die dich tödtete, zu dienen? so wär ich ja, o Herr, nicht dein Erlöster, du nicht mein Tröster. 7. Nein, dir allein, der du durch deine Wunden auf ewig mich zu deinem Dienst verbunden, nur dir, mein Heiland, sei mein ganzes Leben zum Dienst ergeben. 8. Nichts soll mich je von deiner Liebe scheiden. Ich bleibe dein, bis du mich dort wirst weiden, wo deine Liebe mit verklärten Bungen stets wird besungen. Von dem Leiden und Sterben Jesu. Sie Die letzten Worte Jesu. 279 145. B egleite mich, o Christ! wir * gehen zum schmerzenvollen Golgatha, auf dessen fürchterlichen Höhen, was nie ein Engel faßt, geschah! Erwäg an diesem heilgen Orte des sterbenden Erlösers Worte, und rufe Gott um Glauben an! Sie können dir den Trost im Leben, und einst den Trost im Tode geben, wenn hier dich nichts mehr trösten kann. 2. Schon zeigt der Blutberg sich von weiten; erschrick und zittre, frommes Herz! Sieh deinen Netter, sieh ihn streiten, und werde ganz Gefühl, ganz Schmerz. Hier 280 Erster Theil. hieng, den Mördern übergeben, am Holze, Gottes Sohn, dein Leben; hier trug er unsrer Sünden Schuld; empfand in jenen bangen Stunden, was nie ein Sterblicher empfunden, und bracht uns wieder Gottes Huld. 3. Geduldig bei den größten Schmerzen, nimmt er sich seiner Feinde an; Er ruft mit sanftmuthvollem Herzen: fie wissen nicht, was sie gethan. Der göttliche, der größte Beter, fleht liebreich noch für Miſsethäter, Werkzeuge seiner Pein und Schmach! O Mensch, den Rach und Zorn verführen, laß dich durch dieses Beispiel rühren, und bete dem Versöhner nach! 4. Welch Beispiel findlich frommer Triebe, als unter Leiden ohne Zahl der Herr dem Jünger seiner Liebe die Mutter sterbend anbefahl. Ach, wird mein Aug einst um die Meinen in seiner letzten Stunde weinen, so soll dies Wort mir Trost verleihn! der, als der Tod schon um ihn schwebte, die Seinen noch zu schüßen strebte, wird auch der Meinen Pfleger sein. 5. Froblockt, bußfertige Berbrecher! Wer glaubet, fommt nicht ins Gericht. Hört, Von dem Leiden und Sterben Jeſu. 281 was zu dem gebeugten Schächer der Mund der Liebe sterbend spricht: du wirst, so ruft er ihm entgegen, noch heute deines Glaubens wegen mit mir im Paradiese sein. O Herr! laß an des Todes Pforte einst diese trostesvollen Worte auch meiner Seele Trost verleihn! 6. Wer kann die hohen Leiden faſſen, als Christus an dem Kreuze rief: Mein Gott, wie hast du mich verlassen? wie beuget ihn die Last so tief, die unsre Sünden auf ihn brachten! vor Angst und Bein müßt er verschmachten, wär Gott nicht seine Zuversicht. Herr, der für mich zum Tod gegangen, für mich verlassen da gehangen, mein Herr und Gott, verlaß mich nicht! 7. Der Fürst des Himmels und der Erde, von Allem, was erquickt, entblößt, wünscht, daß sein Durst gestillet werde! O Mensch, der dich so theur erlöst, der Heiland rufet dir noch heute aus tauſend Armen, dir zur Seite, die Hunger, Durst und Mangel drückt: O selig, wer den Ruf erfüllet! denn wer den Durst des Armen ſtillet, der hat den Heiland selbst erquickt. 2 282 Erster Theil. 8. Nun enden sich die schweren Leiden; der Heiland spricht: es ist vollbracht! O Wort des Sieges! Wort der Freuden! du nimmst dem Tode seine Macht. Heil uns! Wer darf es nun wohl wagen, uns, die Erlösten, zu verklagen, da er für uns genug gethan? Gib, daß am Ende meiner Tage auch ich, o Herr, mit Freuden sage: vollbracht ist nun des Leidens Bahn. 9. Das letzte Wort aus deinem Munde, Versöhner Gottes, sei auch mein! Laß in meiner Todesstunde mir Muth und Zu-* versicht verleihn! du rufeft: Bater, ich befehle in deine Hände meine Seele, die allen Menschen Heil erwarb! Nun war das große Werk vollendet, wozu der Vater ihn gesendet; da neigt er sanft sein Haupt und starb. nom 10. Bewein ihn fromm mit stillen Zäh ren, o Christ, du hast ihn sterben sehn. Bald wirst du ihn durch Freuden ehren und jauchzend seinen Ruhm erhöhn! Den deine Seufzer jetzt beklagen, der wird als Held nach dreien Tagen vom Grabe siegreich auferstehn! den freche Rotten hier entehr Von dem Leiden und Sterben Jeſu. 283 ten, den wirst du dort bei den Verklärten zur Rechten seines Vaters sehn. tic@ Der Tod Jesu. S S eht den leidenden Gerechten, 146. कल so entehrt von Lasterknechten! Er, der 19 Herr, gekrönt zum Hohne, träget seine Dornenkrone, und büßet unsern Frevelmuth. 2. Unser göttlicher Vertreter wird geführt, wie Uebelthäter. Wer kann seine Leiden zählen? Eine Welt verlorner Seelen erkauft er sich um diesen Preis. 3. Seht den Schönsten unter Allen bleich, entstellet und verfallen! Seiner Hoheit Glanz vergangen! Schmach entweihte seine Wangen, und seine Richterstimme schwieg. 4. Ja, mit sanftem Edelmuthe litt er alles, uns zu Gute! daß der Sünder leben 2 284 Erster Theil. möge, wandelt auf dem Todeswege der Gottversöhner willig fort. 5. Keine Lindrung stärkt den Müden, auf ihm liegt zu unserm Frieden Fluch und Straf! er trägts gelassen! seine Kraft hat ihn verlassen; er sinket wieder in den Staub. 6. Seht ihn auf der Schädelstätte für uns ringen im Gebete. Schauet mit zerschlagnem Herzen hin auf ihn, den Mann der Schmerzen, am Kreuz! Er hats vollbracht und stirbt. 7. Herr, dein Leiden zu bedenken, wollest du mir Weisheit schenken. Mich vom Laster abzuschrecken, mich zur Tugend zu erwecken, laß mir es stets vor Augen sein. 8. Daß ich dir mich ganz ergebe, niemals deiner unwerth lebe, nicht vor dir zu Schanden werde, wenn du kommst, den Kreis der Erde zu richten mit Gerechtigkeit. Mel. Werde munter, mein. 116. 147. Heute, sprach mein Heiland, heute, an sein blutges Kreuz erhöht, als ein Sünder, ihm zur Seite, sterbend noch um Gnade fleht; heute, so betheu'r ich dir, - 285 Von dem Leiden und Sterben Jesu. heute noch sollst du mit mir in mein Paradies erhaben, Theil an meinem Reiche haben. 2. Theures Wort aus Jesu Munde! fest versiegelt durch sein Blut! In der finstern Todesstunde gibst du Freudigkeit und Muth. Wenn der Christ nun scheiden soll, bleibt er fester Hoffnung voll, sieht die Nacht in Licht verwandelt, weiß gewiß, wohin er wandelt. 3. Ohne Zagen kann er sterben. Seine Seel erstirbt ja nie. Ihr droht nicht nur kein Verderben, auch kein Schlaf betäubet sie, wo sie erst aus langer Nacht nach Jahrhunderten erwacht. Nein sie soll zu neuem Leben scheidend noch empor sich heben. 4. Theures Wort des ewgen Lebens! tröste du mein brechend Herz; und dann ängstet nur vergebens meinen Geist der Trennung Schmerz. Er sinkt nicht in Finsterniß! denn wahrhaftig und gewiß ist das Wort des treuen Beugen. Hier muß jeder 3weifel schweigen. 5. Herr! nun fühl ich abzuscheiden eine heilge Lust in mir. Dort sind unbefleckte Freuden, aber Müh und Sünden hier. 286 Erster Theil.. Kein auch noch so frühes Grab fürzet je mein Leben ab. Es soll nur, los von Beschwerden, zeitiger veredelt werden.d 6. Selig, furchtlos, rein von Mängeln, ja von nun an selig ist, brüderlich begrüßt von Engeln, der im Herrn entschlafne Christ. Was sein Glaube je gethan, jedes gute Werk folgt dann seiner Seele von der Erden hin vor Gott, sein Lohn zu werden. 7. Nun auch ich, o Herr, befehle, wenn ich kaum noch lallen kann, die durch dich erlöste Seele deinen treuen Händen an. Und du, Heiland, stärkest mich; rufest mir auch zu, daß ich noch am Tage, da ich sterbe, deine Herrlichkeit ererbe. 8. Ja, noch an demselben Tage geh ich in den Himmel ein, los von aller Furcht und Plage, Herr, bei dir daheim zu sein. Hier genieß ich deines Lichts, bis der Tag des Weltgerichts auch dem Grab die Macht entwendet, ganz die Seligkeit vollendet. $ 7008 7. Mel. Wer nur den lieben Gott. 148. Es ist vollbracht! so ruft am Kreuze des sterbenden Erlösers Mund. O, Wort voll Trost und Leben, reize zur Freude Von dem Leiden und Sterben Jesu. 287 meines Herzens Grund. Das große Opfer ist geschehn, das Gott auch mir zum Heil ersehn. on ante mon 2. Mein Jesus stirbt. Die Felsen beben; der Sonne Schein verlieret sich; in Todte dringt ein neues Leben, der Heilgen Gräber öffnen sich; der Vorhang reißt, die Erde tracht; und die Versöhnung ist vollbracht. 3. Wie viel, mein Heil, hast du vollendet, als dir das Herz im Tode brach! Du hast den Fluch hinweggewendet, der auf der Welt voll Sünder lag. Für uns hast du genug gethan; Gott nimmt uns nun genädig an. 4. Dankvolle Thränen! neßt die Wangen. Mein Glaube sieht nun offenbar die Handschrift an dem Kreuze hangen, die wider meine Seele war. Er, den mir Gott zum Heil gemacht, rief auch für mich: es ist vollbracht! 5.0 Herr! laß mich nun auch vollbringen, was wahre Dankbarkeit begehrt. Laß nach der Heiligung mich ringen, dazu dein Tod mir Kraft gewährt. D stärke mich dazu mit Macht, bis meine Beßrung ganz vollbracht. 288 Erster Theil. 6. Du littst so viel zu meinem Leben: drum laß mich stets voll Eifer sein, mich deinem Dienste zu ergeben, und keine Schmach dabei zu scheun. Dein Dienst, mein Heiland, sei mein Ruhm; denn ich bin ganz dein Eigenthum. 7. Soll ich bei dir ergebnem Herzen auch hier durch manche Trübsal gehn, und hat mein Gott gehäufte Schmerzen zu meiner Prüfung ausersehn; so laß auch mich den Trost erfreun: es kommt das Ende meiner Pein. 8. Ja, fühlt mein Herz des Todes Schrecken, so stärke mich in solcher Last. Laß mich den Trost auch sterbend schmecken, daß du ihn überwunden haft; so tret auch ich ins Todes Nacht mit dem Triumph: Es ist vollbracht! Mel. An Wasserflüssen Babylons. 97. 149. Erhebe vom Geräusch der Welt, o Seele, deine Flügel. Hin, wo die Wuth ihr Opfer hält, zu jenem Leidenshügel! ihr Himmel! welch ein Mensch ist das! wie drückt ihn seiner Feinde Haß mit höllisch wilden Freuden! Er, der die - Von dem Leiden und Sterben Jesu. 289 Todten auferweckt, er muß, mit Wunden überdeckt, den Tod der Mörder leiden. 2. Geduldig siehet er sein Blut in vollen Strömen fließen! fleht für die Haffer, die voll Wuth es im Triumph vergießen. Schau, jetzt umhüllt ihn finstre Nacht; er ruft, er ruft: es ist vollbracht! Nun senkt sein Haupt sich nieder. O, meine Seele, freue dich! dir gab, der hier am Kreuz verblich, das Recht zum Himmel wieder. 3. Er, er hat deine Missethat, den Fluch für dich getragen. O Seele, deine Sünde hat den Frommen so zerschlagen. Durch ihn nimmt dich der Vater an. Die Wunder seiner Güte kann kein sterblich Lied erheben. Doch hört er unsre Lieder gern. Drum bringet Preis und Ruhm dem Herrn, der uns sein Heil gegeben. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 48. 150. Frohloce, mein Gemüthe, und bete Gottes Güte in deinem Heiland an. Was selbst der Engel Scharen zu thun nicht fähig waren, das hat des Menschen Sohn gethan. - 19 290 Erster Theil. 2. Schau hin, wie der Gerechte für uns, der Sünden Knechte, den bittern Bornfelch trinkt; wie er für Frevler bittet! wie Wasser ausgeschüttet, hängt er, da er in Tod hinsinkt. 3. Wir Sünder sollten sterben; Fluch lag auf Adams Erben, Fluch auf der sündgen Welt; doch er kam uns zu gute, und gab mit seinem Blute für uns ein ewges Lösegeld. 4. Kein Freund meint es mit Freunden so treu, als es mit Feinden Er, unser Mittler, meint. Preis ihm, dem Ueberwinder! Nun sind wir Gottes Kinder, mit Gott versöhnt durch unsern Freund. Mel. von Nr. 86. 151. Nun ist es alles wohl gemacht! mein Jesus ruft: Es ist vollbracht! der neigt sein Haupt, o Mensch, und stirbt, der dir erwirbt das Erbe, welches nie verdirbt. 2. Der, dem an Hoheit keiner gleicht, der Herr der Herrlichkeit erbleicht. Was Wunder, daß die Erde kracht, die Welt deckt Nacht! denn Gottes Sohn wird umgebracht. Von dem Leiden und Sterben Jesu. 291 3. Das Heiligthum steht aufgedeckt, die Felsen bersten, Alles schreckt. Die freudenlose Kreatur klagt jezzo nur den Tod des Herrschers der Natur. 4. Weil denn die Kreatur sich regt: so werd auch du, o Mensch, bewegt! der Fels zerreißt, und du wirst nicht durch dies Gericht beweget, daß dein Herz dir bricht? 5. Du selbst, hast du es gnug bedacht? Du hast den Herrn ans Kreuz gebracht. Ihm, der für dich sein Leben gab, folg in sein Grab, und stirb dem Sündengräuel ab. 6. Ach, Vater! ach, in Bein und Hohn erbleicht am Kreuz dein eigner Sohn. Nun ist kein Zweifel; deine Huld tilgt meine Schuld, und trägt forthin mit mir Geduld. 7. Ich will mit ihm zum Grabe gehn, und, wo die Unschuld bleibet, sehn. Sein Tod soll meine Zuflucht sein; auf ihn allein schlaf ich einst sanft und selig ein. 8. Und nun dient ich der Sünde noch? Wie drücket mich ihr schweres Joch! auf, Seele, daß du dich erhebst, nur Jesu lebst, nur Jesu zu gefallen strebst! 9. Tödt, Jesu, selbst in meiner Brust, was sich noch find't von böser Lust! dein 19* 292 Erster Theil. Tod, der mir das Leben schafft, gibt mir auch Kraft und Muth auf meiner Pilgrimschaft. 10. Ja, Herr, mein Heiland, kräftiglich stärkst du in meinem Vorsaß mich! ich seße freudig auf dein Wort den Kampf stets fort. Der reiche Lohn erfolget dort. 11. Wie dank ich gnug dir, Jesu Christ, daß du für mich gestorben bist! dich preif ich auch in Angst und Leid; schon in der Zeit, noch würdger in der Ewigkeit. Kraft und Trost des Leidens Jesu. Mel. Freu dich sehr, o meine S.- 29. 152. Jesu, durch dein Blut und Wunden, deinen martervollen Tod, hab ich Heil bei Gott gefunden, Kraft zur Tugend, Trost in Noth. Mich sollt ich durch Sünd entweihn? Nein, ich denk an deine Pein. Ach, den ganzen Gräul der Sünden läßt mich die mit Graun empfinden. 2. Schmachtet nach der Wollust Freuden mein verderbtes Fleisch und Blut, o, so blick ich auf dein Leiden! schnell verlischt die wilde Glut. Tracht ich eitler Ehre nach, und ich blick auf deine Schmach; schnell Von dem Leiden und Sterben Jeſu. 293 schlägt die den Stolz darnieder, und gibt mich der Demuth wieder. 3. Scheint beim öden Weg zum Leben mir der Welt betretne Bahn lustig, breit, gemächlich, eben; Jesu, dich schau ich dann an. Da warnt mich des Bornes Last, welche du getragen haft, nicht mit dem verblend'ten Haufen ins Verderben hinzulaufen. 4. Hält mein schreckendes Gewissen mir der Sünden Menge vor: o, in meinen Kümmernissen schau ich nach dem Kreuz empor. Bald verschwindet alles Weh! In den Wunden, die ich seh, find ich Sicherheit und Leben, und den Trost: Sie sind vergeben. 5. Hier such ich in Unruh Friede; in der Angst Beruhigung; neue Kraft, wenn ich ermüde, und in Qualen Linderung. Schwer sei dieses Lebens Müh! durch dein Kreuz verschwindet sie, denn es führt durch kurze Leiden zum Genuß von ewgen Freuden. 6. Ueber alles, was zum Staube meine Seele niederdrückt, wird mit starker Kraft mein Glaube durch dein Leiden hingerückt. Deines Trostes Freudigkeit reißt mich fort 294 Erster Theil. zur Ewigkeit, die du, Herr, als du gestorben, mir, auch mir am Kreuz erworben. 7. Hab ich dich in meinem Herzen, Ursprung aller Seligkeit, so besieg ich alle Schmerzen, auch sogar im letzten Streit. Rufst du, und ich habe nun gnug gekämpft, um zu ruhn, Herr, so dank ichs deinen Wunden, daß ich sieghaft überwunden. 8. Ja, auf dich steht mein Vertrauen; du bist meine Zuversicht. Du besiegst des Todes Grauen, rettest mich aus dem Gericht. Durch dein mir erworbnes Heil hab ich an dem Himmel Theil. Wahrlich, Herr, ein ewigs Leben wird dereinst dein Tod mir geben. Von dem Begräbniß Jesu. Mel. Der Tag ist hin, mein Geist. # 153. S o schlummerst du in stiller Ruh, der du für uns gestorben, und am Kreuz in schwerer Müh, ewigs Heil erworben. Von dem Leiden und Sterben Jefu. 295 2. Du bist erblaßt, o Herr, und haft doch in dir selbst das Leben. Gleich als Sterbliche hat dich nun ein Grab umgeben. 3. Doch Heil sei mir! Herr, du willst hier nicht die Verwesung sehen, sondern bald aus eigner Kraft aus dem Grabe gehen. 4. Ich weiß, du wirst, mein Lebensfürst, wie dich auch mich erwecken. Sollte denn mein gläubigHerz vor der Gruft erschrecken? 5. Hier werd ich einst, bis du erscheinst, in sanftem Frieden liegen. Denn durch deinen Tod kann ich Tod und Grab besiegen. 6. Jhr, die die Welt gefesselt hält, zagt nur vor der Verwesung! ich, ich hoff in Christo einst meines Leibs Erlösung. 7. Nein, nichts verdirbt. Selbst das, was stirbt, der Leib, wird auferstehen, und zum Himmelsglanz verklärt aus dem Grabe gehen. 8. So sink ins Grab mein Leib hinab! ich will mich drum nicht fränken; theurer Heiland, mir zum Trost an dein Grab gedenken. Mel. von Nr. 16. 154. Freund, der meine Schuldenlast getragen, und als ein Fluch ist an das 296 Erster Theil. Kreuz geschlagen! nun nimmt man noch vor Abends dich herab, und trägt dich hin in Josephs neues Grab. 2. O tröstlich Bild, o gnadenvolles Beichen, das aber nur der Glaube kann erreichen! Nun ist vom Fluch die Erde frei und rein; zum Beugniß deß mußt du begraben sein. 3. Nun weiß und glaub ich, daß du bist gestorben, daß du den Tod geschmeckt und mir erworben Gerechtigkeit, daß ich bestehen kann vor Gott und daß die Schuld ist abgethan. 4. Des Höchsten Wort kann nicht gebrochen werden; drum muß dein Leib auch ruhen in der Erden. Was Jonas Beispiel lehrreich vorgebild't, seh ich hierin, mein Heil, an dir erfüllt. 5. Du bist das Waizenkorn, das man verscharret; doch wenn man nur des dritten Tages harret, wird man dich aus dem Grabe auferstehn, und tausendfache Früchte bringen sehn. 6. Indeß ist dein Begräbniß selbst ein Siegel der Unschuld, und der ganzen Welt Von dem Leiden und Sterben Jesu. 297 ein Spiegel, in welchem mit Verwundrung jedermann ein Vorspiel der Erhöhung sehen kann. 7. Ich darf nun nicht vor meiner Gruft erschrecken, da du, mein Heil, ein Grab dich läsfest decken. Dein Grab macht meins zum stillen Schlafgemach; da ruh ich einst bis an den letzten Tag. Mel. Der Tag ist hin.- 153. 155. Am Kreuz erblaßt, der Marterlast, der Todesqualen müde, findet mein Erlöser erst in dem Grabe Friede. 2. Ein heilger Schmerz durchdringt mein Herz, und, Herr, was kann ich sagen? Nur an meine Brust kann ich tiefgerühret schlagen. 3. Du schüßest mich, und über dich gehn aller Trübsal Wetter. Sterben wolltest du für mich, einziger Erretter! 4. Du hasts gethan. Dich bet ich an, du König der Erlösten! dein will ich im Tode mich glaubensvoll getrösten. 5. Es ist vollbracht! riefst du mit Macht. Du zeigst, daß du dein Leben, mein Versöhner, göttlich frei habest hingegeben. 298 Erster Theil. 6. Hochheilge That! des Höchsten Rath will ich in Demuth ehren. Der Erfinder meines Heils wird mirs einst erklären. 7. Allmächtig rief Er, der entschlief, den Todten; sie erstanden! Leicht entriß der Lebensfürst sich des Todes Banden. 8. Das finstre Thal will ich einmal durchwandeln ohne Grauen! denn durch dich, Erlöser, ists mir der Pfad zum Schauen. 9. Ich preise dich! Erforsche mich, und siehe, wie ichs meine: ja, du siehest, wenn ich still meinen Dank dir weine. 10. Vergeß ich dein, so werde mein in Ewigkeit vergessen. Herr, ich will, so lang ich bin, deine Lieb ermessen. 11) Von der Auferstehung Jesu. Mel. Dennoch bleib ich stets.- 156. 156. A uf, mein Herz! ein froher Tag hat die Nacht der Furcht vertrieben. Christus, der im Grabe lag, ist im Tode Von der Auferstehung Jesu. 299 ✰ $ nicht geblieben. O, wie hoch sind wir getröst't! Jesus hat die Welt erlöst. 2. Er ist Gottes ewger Sohn. Ewig sei er auch gepriesen! seiner Feinde Schar zum Hohn hat er sichtbar es bewiesen. Er erfüllet durch die That, was sein Mund geredet hat. 3. Unsre Schulden sind zwar groß, doch wir dürfen nicht verzagen; Gott läßt unsern Bürgen los, der sie büßend hat getragen. Jesus ist mit Preis gekrönt, und wir sind mit Gott versöhnt. 4. Sterben war der Sünden Sold; nun ist Christus unser Leben, der für unsre Schuld nicht Gold, nein, sich selber hingegeben. Er hat aus des Grabes Nacht neues Leben mitgebracht. 5. Tod, wo ist nun deine Kraft? Grab, wo sind nun deine Ketten? Hier ist Gott, der Hülfe schafft, hier ist Jesus, der kann retten, wenn gleich unser Fleisch und Bein wird in Staub verwandelt sein. 6. Herr, dies glaub ich dir zum Ruhm, und mein Trost ist nicht vergebens, denn 300 Erster Theil. ich bin dein Eigenthum, du die Quelle meines Lebens. Hoch erfreuet sing ich dir jett und ewig Dank dafür. Mel. Chrift lag in Todesbanden. HE 157. Der Herr lag in das Grab gestreckt, für uns dahin gegeben. Nun, da P ihn Gott hat auferweckt, bringt er uns Sieg und Leben. Lasset drum uns fröhlich * sein, vor Gott von Herzen uns erfreun, *: Halleluja ihm fin- gen. Halleluja! 2. Der Tod, da nichts ihm Einhalt that, würgt alle Menschenfinder. Hier wußte niemand Trost und Rath, denn alle waren Sünder. Drum fället uns der Tod so bald. Von seiner furchtbaren Gewalt sind wir doch nun gerettet. Halleluja! 3. Der einige Sohn Gottes ist zu uns ins Fleisch gekommen, hat unsre Sünden Von der Auferstehung Jesu. 301 schuld gebüßt, dem Tod die Macht genommen. Jesus macht uns frei und lös. Vom Tode blieb ein Schatten bloß, sein Stachel liegt zerbrochen. Halleluja! 4. Es war ein wunderbarer Krieg, als Tod und Leben rungen. Dem Leben blieb zuleßt der Sieg, es hat den Tod verschlungen. Längst verkündigt es die Schrift. Ein Tod war hier des andern Gift. Nun kann kein Tod uns schaden. Halleluja! 5. Hier ist das rechte Osterlamm, das unsre Schuld getragen. Am martervollen Kreuzesstamm ward es für uns zerschlagen. Nun bezeichnet uns sein Blut. Dies gibt dem Glauben Stärk und Muth. Der Würger geht vorüber. Halleluja! 6. So feiern wir das hohe Fest in großer Freud und Wonne, das uns der Herr erscheinen läßt. Er selber ist die Sonne! Mächtig strahlt sein Glanz daher! Das finstre Herz erleuchtet er! Es flieht die Nacht der Sünden. Halleluja! 7. Wir heiligen uns ganz dem Herrn, der uns zum Heil geladen. Der alte Sauerteig sei fern vom theuern Wort der Gnaden! Christus selber will allein der 302 Erster Theil. Seele Speis' und Nahrungsein! der Glaube lebt bloß seiner. Halleluja! Mel. Herr Christ, der einge Gottessohn. 94. 158. Der Held hat überwunden der Höllen ganzes Heer; der Drache liegt ge bunden; die Sünde kann nicht mehr mich durchs Gesetz verdammen, denn alle Zor nesflammen hat Jesus ausgelöscht. 2. Auf denn, mein Herz, und bringe dem Heiland Dank davor; vertreib die Furcht und schwinge im Glauben dich empor! wirf des Gewissens Nagen, dein Sorgen und dein Bagen in Christi leeres Grab. CANDY 3. Ist Christus auferstanden mit Herrlichkeit geschmückt, so bist du ja den Banden des Todes mit entrückt. Ist er dem Tod entrissen, so lässet Gott dich wissen, daß er versöhnet ist. 4. Gib meinem Glauben Klarheit, zu sehn, Herr Jesu Christ! daß du Weg, Leben, Wahrheit, daß du mir alles bist. Laß nicht mehr die Gedanken in bangen 3weifeln wanten, und mache mich gewiß. 5. Hast du den Tod bezwungen, bezwing ihn auch mit mir; du bist hindurchgedrun Von der Auferstehung Jesu. 303 gen! zeuch mich, ich folge dir; laß Teufel, Höll und Sünden mich auch nun überwinden, wie du für mich gethan. 6. Welch Aussicht gibt dein Leben, dein neues Leben mir! Ich sollt am Eiteln fleben? o, neige mich zu dir! daß ich die Welt verachte, und nach dem Himmel trachte, wo du, mein Heiland, bist. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit.- 30. 159. Tod, wo ist dein Stachel nun? dein Sieg, o Grab, verschwindet; was kann forthin uns Satan thun, da Jesus fiberwindet! Geendigt ist der schwere Krieg! Gott sei gedankt, daß er den Sieg durch Christum uns gegeben. 2. Wie sträubte sich die alte Schlang, als Christus mit ihr kämpste, und, wie ergrimmt sie auf ihn drang, doch ihren Grimm bald dämpfte? ob sie ihn in die Fersen sticht, so siegt sie darum dennoch nicht, der Kopf ist ihr zertreten. 3. Lebendig geht der Herr hervor, und nimmt den Feind gefangen; zerbricht der Hölle Schloß und Thor, trägt weg den Raub mit Prangen. Nichts hält in seinem Erster Theil. Siegeslauf den starken Held aus Juda auf. Er überwindet alles. On tho 4. Des Herrn streitbarer Arm behält den Sieg, und ist erhöhet. Des Herrn erhabne Rechte fällt, was stolz ihr widerstehet. Besiegt ist alles, was uns droht: besiegt ist Teufel, Höll und Tod, ihr Zorn ist kraftlos worden. 5. Es ward getödtet Jesus Christ, und sieh, er lebet wieder. Weil nun das Haupt erstanden ist, stehn wir auch auf, die Glieder. Wir wissen, daß, wer Christo gläubt, nicht in der Nacht des Todes bleibt: er lebt, ob er gleich stirbet. 6. Wer täglich hier durch wahre Reu mit Christo auferstehet, ist dort vom andern Tode frei, dem keiner sonst entgehet. Genommen ist dem Tod die Macht, Unschuld und Leben wiederbracht und unvergänglich Wesen. 7. Dies ist die große Seligkeit, der wir theilhaftig werden, Fried, Freude, Heil, Gerechtigkeit im Himmel und auf Erden. Hier sind wir still und hoffnungsvoll, daß unser Leib dort gleichen soll des Herrn verklärtem Leibe. 304 Von der Auferstehung Jesu. 305 8. Tod! wo ist dein Stachel nun; dein Sieg, o Grab, verschwindet; was kann forthin uns Schaden thun, da Jesus überwindet? Gott sei gedankt, der schwere Krieg ist nun geendigt, und der Sieg durch Christum uns gegeben. H 160. B ringt Preis und Ruhm dem $ Heiland dar; frohlockt ihm, alle Frommen! Er, der für uns getödtet war, ist dem Gericht entnommen. Sei gelobt, Herr Jesu Christ, daß du für uns ge1 storben bist und siegreich auferstanden! Halleluja! 2. Dein Leben in der Majestät befeſtigt unsern Glauben. Wer kann, da dich dein Gott erhöht, uns nun den Trostgrund rauben, daß du für uns genug gethan, uns 20 306 Erster Theil. Sündern eine neue Bahn zum ewgen Heil eröffnet? Halleluja! 3. Gott selbst, der dich dem Grab entrückt, hat dem, was du gelehret, der Wahrheit Siegel aufgedrückt, und dich als Sohn geehret. Deines Opfers hohen Werth hat er aufs Herrlichste bewährt, da er dich auferwecket. Halleluja! 4. Erstandner! ich frohlocke dir, daß du nun ewig lebest. Du lebst und siegst, daß du auch mir das ewge Leben gebest, daß du mein Erretter seist, und neue Kräfte mir verleihst, mit Freuden Gott zu dienen. Halleluja! 5. Mein Herr, mein Gott, hilf mir dazu! Befreie mich von Sünden. Laß mich für meine Seele Ruh im Frieden mit Gott finden! pflanze deinen Sinn in mir, damit ich, Gott ergeben, hier als dein Erlöser wandle. Halleluja! 6. Dein ist das Reich, dein ist die Macht, Verstorbne zu erwecken. Du rufft einst, und der Gräber Nacht wird Todte nicht mehr decken. Wie du auferstanden bist, werd auch ich, Herr Jesu Christ, durch dich einst auferstehen. Halleluja! Von der Auferstehung Jesu. 307 7. O, laß mich, weil ich hier noch bin, im Glauben an dich wandeln, und jederzeit nach deinem Sinn rechtschaffen sein und handeln! daß ich, wenn ich aufersteh, und dich, des Todes Sieger seh, vor dir dann nicht erschrecke. Halleluja! 8. Da, wo du bist, da soll auch einst dein Jünger mit dir leben. Du wirst ihn, wenn du nun erscheinst, zu deiner Freud erheben. Laß dies auch mein Erbtheil sein, so werd ich ewig des mich freun, daß du vom Tod erstanden. Halleluja! Mel. des 32. Psalms. 161. S ch weiß gewiß, daß mein Erlöser lebet, Sünd, Teufel, Tod und was ihm widerstrebet, hat er erlegt; er stehet auf dem Staub der allerletzte und vertheilt den Raub. Die Erde bebt, $ $ da er den Fuß aufseßet, troß, daß ihn 20* 308 Erster Theil. mehr ein Fersenstich verleßet, es blist um ihn, wenn er vom Grab auffährt: # er ist der Herr, dem alle Macht gehört. 2. Er hatte zwar vom Bach am Weg getrunken, doch ist sein Muth ihm feineswegs gesunken, er hebt das Haupt nun sieghaft in die Höh, kein Feind ist mehr, der gegen ihn besteh. Dein Ehr und Ruhm, da es dir so gelungen, sei ewiglich, o Siegesfürst, besungen: die Schlüssel sind bei dir zu Höll und Tod, es trifft dein Volk nun ewig keine Noth. 3. Herr, laß auch uns vom Tod Leben dringen; hilf, wenn es kommt zum Todeskampf, vollbringen, dem zweiten Tod laß an uns feinen Theil; erweck uns hier, reiß ab die starken Seil, die Leib und Seel an diese Erde heften. Erfüll uns jetzt mit neuen Lebenskräften, und ruf einmal die Leiber aus dem Grab, daß Leib und Seel in dir das Leben hab.! Von der Auferstehung Jesu. Mel. Vom Himmel hoch da komm. 109. 162. Dich bet ich an, erstandner Held! Erretter einer Sünderwelt, du, unsre Zuflucht für und für, froh huldigt meine Seele dir! F 309 2. Um deinen Thron, der ewig steht, glänzt Wahrheit, Heil und Majeſtät; ich nahe mich voll Zuversicht zu dir, denn du verwirfst mich nicht. 3. Herr, meine Seele preiset dich. Erlöst auf ewig haft du mich, so wahr du selbst vom Himmel kamst, dein Leben gabst und wieder nahmst. 4. Wer ists, der mich verdammen kann? ich glaub an dich, und sage dann: der Gott, durch den die Himmel sind, der ist mein Vater, ich sein Kind. 5. Nun ist dies erste Leben mir ein segenreicher Weg zu dir. So lang ich hier bin, Herr mein Heil, hab ich an deinem Frieden Theil. 6. Holdselig sprachst du: Erde, sei der Schauplaß meiner Huld und Treu! wir sehen deine Huld und Treu auf deiner Erde täglich neu. 310 Erster Theil. 7. 3war trifft noch mancher Schmerz uns hier, noch, o Erbarmer, sterben wir! doch du regierst! und wir sind dein! und ewig werden wir es sein! 8. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt! du Trost, der meinen Geist erhebt, ich seh, durch dich gestärft, aufs Grab mit unerschrocknem Aug hinab. 9. Welch neue Welt voll Seligkeit erwartet mich nach dieser Zeit! da findet der verklärte Christ das Heil, das unaussprechlich ist. 10. Der du für unsre Seele wachst, sie zu dir ziehst und selig machst, laß mich mit freudigem Vertraun im Tod auf dich, Vollender, schaun! 109. - Mel. Vom Himmel hoch da komm. 163. Kaum steigt zu ihrem frohsten Lauf die Sonn in voller Pracht herauf; seht! so verläßt der Herr sein Grab, der erst für uns sein Leben gab. 2. Vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wiederbracht. Er, der uns Ehr und Sieg erstritt, der bringt uns seinen Frieden mit. 3. 3war hier ist nicht ganz fund gemacht, Von der Auferstehung Jesu. 311 was er uns aus dem Grab gebracht; der edle Schatz, die reiche Beut, der sich sein Volk vor ihm erfreut. 4. Uns lehrt es einst sein großer Tag, wie viel sein starker Arm vermag, und was er da für Thaten that, als er der Schlange Kopf zertrat. 5. O edler Sieg, o starker Held! wo ist ein Feind, den er nicht fällt? wo eine Blage, so ergrimmt, der Christi Sieg die Macht nicht nimmt? 6. Und daß der Herr erstanden sei, das iſt von allem Zweifel frei. Ja, es ist je gewißlich wahr, das leere Grab machts offenbar. 7. Die Erd erbebt; es wälzt vom Grab den Stein ein Engel Gottes ab, und kündiget den Siegsheld an, den bald auch seine Jünger sahn. 8. Sie sehen, hören, fühlen ihn, und die Verzagten sind nun fühn. In vieler Schmach mit ihrem Blut versiegelt es ihr Heldenmuth. 9. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, wie herzlich er mich liebt! und stürb auch alle Welt mir ab, gnug, daß ich Christi Liebe hab. Erster Theil. 10. Er nährt, er schüßt, er tröstet mich. Sterb ich, so nimmt er mich zu sich. Wo er jetzt lebt, komm ich auch hin! weil ich sein Theil und Gliedmaß bin. 312 11. Durch ihn bin ich mit Gott versöhnt; durch ihn mit Gnad und Heil gefrönt. Mein banges Herz ermanne sich! Gott und die Engel lieben mich! 12. Durch seiner Auferstehung Kraft vollend ich meine Pilgerschaft, freu seiner mich in seinem Reich, und bin dort seinen Engeln gleich. 13. Für solchen Trost, du starker Held, mein Jesu, dankt dir alle Welt. Wenn wir dereinst dein Antlit sehn, soll dich ein würdges Lied erhöhn. + 164. esus Christus, unser Hei- land, £ der den Tod überwand, ist auferstanden, + die Sünd führt er gefangen. Erbarm dich un- ser. Von der Auferstehung Jesu. 313 2. Der ohne Sünde war geborn, trug für uns Gottes Zorn, hat uns versöhnet, daß uns Gott seine Huld gönnet. Erbarm dich unser! 3. Tod, Sünd, Teufel, Leben und Gnad, alles in Händen er hat: Er kann erretten alle, die zu ihm treten. Erbarm dich unser! Mel. Fren dich sehr, o meine Seele.- 29. 165. Preiset Gott in allen Landen, jauchze, du erlöste Schar! denn der Herr ist auferstanden, der für uns gestorben war. Seht, wie Gott sein Leiden krönt: nun sind wir mit ihm versöhnt; er heilt, aller Noth entrissen, unser schüchternes Gewissen. 2. Jesus ruht den Sabbath über, nach dem Sabbath steht er auf. Einst komm ich zu ihm hinüber, ruhe nach vollbrachtem Lauf. Tod, du bist mir keine Straf; einst erwach ich von dem Schlaf; dann werd ich mit seinen Theuern jenen ewgen Sabbath feiern. 3. Muß ich dann von hinnen fahren, so schreckt mich doch kaum der Tod. Mächtig wirst du mich bewahren, Heiland, in der leßten Noth. Meinen Geist, welch ein Gewinn! bringet er ja zu dir hin. Ruht 314 Erster Theil. indeß, entseelte Glieder! einst belebt euch Jesus wieder. 4. Laß schon jetzt an mir erscheinen, daß du auferstanden bist. Neige du mich zu dem Einen, das des Lebens Endzweck ist; daß zu jener felgen Ruh einzugehn, ich alles thu, daß ich diese Welt verachte und nach deinem Himmel trachte. 5. Jesus, mein Erlöser, lebet. Heil mir, daß ich dieses weiß! nun denn, ihr Erlösten, gebet seinem Namen Dank und Preis; kommt zu seiner leeren Gruft: hört die Stimme, welche ruft: Jesus, euer Haupt, lebt wieder, durch ihn leben seine Glieder. Mel. von Nr. 34. 166. Lobsinge, meine Seele, dem Welterlöser, bet ihn an! Lobsing ihm, und erzähle, was dir zum Heil der Herr gethan! Er hat für dich gerungen. Durch seine Macht hat er des Todes Macht bezwungen, gestürzt der Höllen Heer. Nun liegt ihr Troß darnieder, sein Sieg hat uns befreit. Uns frönet Gott nun wieder mit Huld und Seligkeit. 2. Froh führte seine Sonne den festlich Von der Auferstehung Jesu. 315 hohen Tag herauf. Da stand er, meine Wonne, mein Gott und mein Versöhner auf. Gedanke, der zu Freuden des Himmels mich erhebt! Gedanke, der im Leiden mit reichem Trost belebt! Des höhern Lebens Quelle! mein Schild in jeder Noth! Wo ist dein Sieg, o Hölle? Wo ist dein Stachel, Tod? 3. Des Felsen Grund erbebet, die Wächter fliehn, das Grab ist leer. Der todt war, sieh, er lebet! er lebt, und stirbt hinfort nicht mehr. Die schwachen Jünger wanken, er stärkt die Wankenden. Sie sehn ihn, freuen sich, danken dem Auferstandenen. Sie sehn empor ihn steigen, und gehn, wie er gebot, mit Freuden hin, und zeugen von ihm bis in den Tod. 4. Herr, deine Boten siegen, von dir und deinem Geist gelehrt. Die Gößentempel liegen, der Erdkreis wird zu Gott bekehrt. Ich weiß, an wen ich glaube, bin freudenvoll ein Christ. Ich bet ihn an im Staube, ihn, der mein Ketter ist. Ich werd ihn ewig schauen, wenn er auch mich erhebt. Der Herr ist mein Vertrauen; er starb für mich und lebt. 316 Erster Theil. Mel. Hosianna, Davids Sohn. 4 167. S esus, meine Liebe lebt, dem *-* es ist so wohl gelungen, daß der Feind nun vor ihm bebt, und der Tod im Sieg * verschlungen: Er, mein Heil, ist wieder Licht, der im Grabe lag erbleichet, aber jett der Sonnen gleichet, mit verflärtem Angesicht. 2. Einen hoffnungsvollen Blick und ein unvergänglich Wesen bringt mir diese Sonn zurück, und gibt mir im Wort zu leſen: daß die Glieder ihrem Haupt gleich im Leben, gleich im Sterben, gleiches Leben sollen erben, dessen sie zuvor beraubt. 3. Liebe, stärker als der Tod! Du gibst flare Siegeszeichen, machst den Feind zum Friedensbot, läss'st den Tod zum Heil ge reichen: denn wie sollt zur Sterbenszeit Von der Auferstehung Jesu. 317 mich die Botschaft können schrecken, die mir sagt von Auferwecken, nichts von Todes Bitterfeit? 4. Sehet nicht auf die Gestalt! dieser Tod ist nur ein Schlafen; Nunmehr hat kein Feind Gewalt an den wiederfundnen Schafen! denn der auferstandne Hirt, der sich selbst für sie gegeben, führt sie durch den Tod zum Leben, wo er ewig triumphirt. 5. Bringt man mich dem Grabe zu, das du, Lebenssonn! durchscheinest; so komm ich zur süßen Ruh, da du mich mit dir vereinest. Wenn du einst die Stimm erhebst, so wird dies mein Fleisch erwachen, denn du wirst es lebend machen, und mich bringen, wo du lebſt. 6. Komm, mein Hirte! führe mich! Liebe! gib, daß ich dich schmecke; Sonne! laß mich sehen dich, daß der Tod mich nicht erschrecke; führst du mich zum Leben hin: gib, daß ich dir folgen möge durch die dir beliebten Wege, bis ich ewig bei dir bin. Mel. Allein Gott in der Höh.- 15. 168.Wach auf, mein Herz, auf, träger Sinn! die Sonn ist aufgegangen; wirf 318 Erster Theil. dich zu Jesu Füßen hin, den Heiland zu umfangen. Stegreich hebt er sein Haupt empor; er geht aus seinem Grab hervor, der ganzen Welt zur Wonne. 2. Steh von dem Tod der Sünden auf, beginn ein neues Leben! Vollführe deines Glaubens Lauf, nun mußt du dich erheben gen Himmel, wo dein Jesus ist, such nun, was droben, als ein Christ, der geistlich auferstanden. 3. Vergiß nun, was dahinten ist! mit unverwandten Blicken schau, weil du noch auf Erden bist, auf Jesum, soll dirs glücken. Verlaß die Welt und ihren Schein! bei Jesu kannst du nur allein Ruh und Erquitkung finden. 4. Bald reizt dich freilich noch die Welt, bald sucht sie dich zu schrecken. Doch wer sich fest an Jesum hält, dem kann nichts Furcht erwecken. Wirf deine Sorgen auf den Herrn; er sorgt für dich und thut es gern, drum ist er auferstanden. 5. Der Löw aus Juda hat nunmehr vollkommen überwunden. Auch gegen aller Feinde Heer wird bei ihm Schuß gefunden. Durch ihn gestärkt, durch ihn belebt, wirft Von der Auferstehung Jesu. du, was dir noch widerstrebt, auch siegreich überwinden. 319 6. Du warest todt, Herr Jesu Chrift! nun bist du auferstanden. Du kennst des Satans Macht und List, o, mache sie zu Schanden! daß wir in dieser Prüfungszeit, mit ihm und mit der Welt im Streit, zuleßt das Feld behalten. 7. Kommt dann der Tod, der letzte Feind, so stärk uns, Herr! im Glauben. Erzeige dich als unsern Freund, und was wird er uns rauben? Dort wischst du uns die Thränen ab; auf Hoffnung ruht der Leib im Grab, einst wird er herrlich glänzen. Mel. Vom Himmel hoch da komm.- 109. 169. Erinnre dich, mein Geist, erfreut des hohen Tags der Herrlichkeit, halt im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist. 2. Fühl alle Dankbarkeit für ihn, als ob er heute dir erschien, als spräch er: Friede sei mit dir! so freue dich, mein Geist, in mir. 3. Schau über dich, und bet ihn an. Er mißt den Sternen ihre Bahn; er lebt 320 Erster Theil. und herrscht mit Gott vereint, und ist dein König und dein Freund. 4. Macht, Ruhm und Hoheit immerdar dem, der da ist und der da war! sein Name sei gebenedeit von nun an bis in Ewigkeit. 5. Glaube, der das Herz erhöht! was ist der Erde Majestät, wenn sie mein Geist mit dir vergleicht, die ich durch Gottes Sohn erreicht? 6. Vor seinem Thron, in seinem Reich, unsterblich, heilig, Engeln gleich, und ewig, ewig selig sein; Herr, welche Herr lichkeit ist mein! 7. Mein Herz erliegt froh unter ihr; Lieb und Verwundrung kämpft in mir, und voll von Ehrfurcht, Dank und Pflicht fall ich, Gott, auf mein Angesicht. 8. Du, der du in den Himmeln thronft, ich soll da wohnen, wo du wohnst; und du erfüllst einst mein Vertraun, in meinem Fleische dich zu schaun. 9. Ich soll, wenn du, des Lebens Fürst, in Wolken göttlich kommen wirft, erwedt aus meinem Grabe gehn, und rein zu deiner Rechten stehn. Von der Auferstehung Jesu. 321 10. Mit Engeln und mit Seraphim, mit Thronen und mit Cherubim, mit allen Frommen aller Zeit soll ich mich freun in Ewigkeit. TO 11. Zu welchem Glück, zu welchem Ruhm erhebt uns nicht das Christenthum! mit dir gefreuzigt, Gottes Sohn, sind wir auch auferstanden schon. 09 12. Nie komm es mir aus meinem Sinn, was ich, mein Heil, dir schuldig bin, damit ich mich, in Liebe tren, zu deinem Bilde stets erneu. 13. Er ists, der alles in uns schafft, sein. ist das Reich, sein ist die Kraft. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit.- 30. 170. Freiwillig hast du dargebracht für uns, o Herr, dein Leben. Du hattest, es zu lassen, Macht; Macht, wieder dirs zu geben. Und darum liebte dich dein Gott, weil du, gehorsam bis zum Tod, dich haft für uns erniedrigt. 2. Du warst nur eine kleine Zeit von deinem Gott verlassen. Er krönte dich mit 21 Erster Theil. Herrlichkeit, die Sterbliche nicht fassen. Dein Kreuz, daran man dich erhöht, verwandelt sich in Majestät, denn du giengst aus dem Grabe. 322 3. Gehaßt in deiner Niedrigkeit, warst du ein Ziel des Spottes, und zeigtest doch zu gleicher Zeit an dir die Hoheit Gottes. Dein Kreuz schien zwar der Welt ein Gräul; doch sterben für der Feinde Heil, dies ist die höchste Tugend. 4. Dein Reich war nicht von dieser Welt, dein Ruhm nicht Menschenehre. An Demuth groß, an Lieb ein Held, und göttlich in der Lehre, geduldig und von Sünden rein, gehorsam bis zum Kreuze sein: dies war, Herr, deine Größe. 5. Du starbst am Kreuz, doch war dir ja die Kraft des Herrn gegeben. Du ſchaffteſt, daß der Blinde sah; du gabſt den Todten Leben. Du sprachst: es schwiegen Wind und Meer! und selbst der bösen Geister Heer gehorchte deiner Stimme. 6. Nun irren mich nicht Schmach und Spott, noch deines Kreuzes Schanden. Du bist mein Herr, du bist mein Gott! denn du bist auferstanden. Du bist mein Bon der Auferstehung Jesu. 323 Heil, mein Fels, mein Hort, der Herr, durch dessen mächtig Wort auch ich einst ewig lebe. 7. Wir sind nun göttlichen Geschlechts, durch dich des Himmels Erben. Dies ist die Hoffnung deines Knechts, in dieser will ich sterben. Wie du vom Tod erstanden bist, so werd auch ich, Herr Jesu Christ! durch dich einst auferstehen. Mel. Wachet auf! ruft uns die Stimme. 171.Hallelujah! Jesus lebet. Erlöfte Menschen, o erhebet des Gottversöhners Majestät! Hörts, betrübte Sünder! gebet der Freude Raum! denn Jesus lebet; Gott hat ihn aus dem Staub erhöht. O Seele! dein Gesang erschalle ihm zum Dant! Hallelujah! dich, großer Held, 21* 324 Erster Theil. erheb die Welt, weil deine Hand den Sieg behält. 9 alotumia 830, hid 2. Jesu Jünger, wehrt dem Leide! lobsinget ihm, und nehmt voll Freude am Siege Theil, den er errung. Seht, der Tod ist überwunden! die ganze Hölle ist gebunden; für eure Schuld that er genung. Laßt eure Feinde dräun; ihr könnt getroft euch freun; Jesus lebet von Ewigkeit zu Ewigkeit, derselbe gestern und auch heut. 3. Nun verzagt auch nicht, Verbrecher! Gott ist euch nun fein strenger Nächer, wenn ihr die Schuld vor ihm bereut. Durch des Todes Ueberwinder ist er versöhnt, und gegen Sünder ein Vater der Barmherzigfeit. Er ruft sein Volk hinauf; schließt seinen Himmel auf, sie zu segnen. Der Himmel tönt: Gott ist versöhnt! weil Jesus lebt, ist Gott versöhnt! Ind CO 4. Tod, wo sind nun deine Schrecken? nicht ewig wird das Grab uns decken, verwest der Leib gleich in der Gruft. Einst wird er zum bessern Leben sich aus des Von der Auferstehung Jesu. 325 Todes Staub erheben, wenn Jesus den Entschlafnen ruft. Dann wird das todte Feld zu einer regen Welt. Alles lebet, sowie verneut zur Frühlingszeit das Pflanzenreich die Erde kleid't.u snism 5. O Erstandner! welch ein Segen erwartet uns, wenn wir auf Wegen einhergehn, die dein Fuß betrat. Ünnennbare Seligkeiten, die ewig währen, sind die Beuten, die uns dein Sieg erkämpfet hat. Bald sind sie unser Theil. Bald krönet uns das Heil deines Lebens. Halleluja! der Herr ist nah. Bald ist der Tag des Sieges da! 12 top 10 18 thitson smisn Mel. Mel. Dennoch bleib ich stets an dir. 156. 2 172. Jesus lebt, mit ihm auch ich. Tod! wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt und wird auch mich von den Todten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht: dies ist meine Zuversicht. 2. Jesus lebt; ihm ist das Reich über alle Welt gegeben; mit ihm werd auch ich zugleich ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht, dies ist meine Buversicht.or po mojsid n 19 811 326 pe Erster Theil. 3. Jesus lebt; wer nun verzagt, lästert ihn und Gottes Ehre. Gnade hat er zugesagt, daß der Sünder sich bekehre. Gott verstößt in Christo nicht; dies ist meine Zuversicht. 4. Jesus lebt; sein Heil ist mein; sein sei auch mein ganzes Leben. Reines Herzens will ich sein, und den Lüften widerstreben. Er verläßt den Schwachen nicht; dies ist meine Zuversicht. 5. Jesus lebt, ich bin gewiß, nichts foll mich von Jesu scheiden, keine Macht der Finsterniß, feine Herrlichkeit, fein Leiden. Er gibt Kraft zu dieser Pflicht; dies ist meine Zuversicht. 6. Jesus lebt; nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnoth wird es meiner Seele geben, wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zubersicht! 12) Von der Himmelfahrt Jesu und seinem Siten 750zur Rechten Gottes. Mel. Auf diesen Tag gedenken wir. S 173. An diesem Tag frohlocken wir! Von der Himmelfahrt Jesu zc. 3 327 Herr! du bist aufgefah- ren! Des Himmels Chöre jauchzen dir; o laß auch uns erfah- ren: daß wie voll Müh das Leben E ist, doch da du hingegangen bist, die Hoffnung es versü- Bet. Allelujah, AlleAllelujah! 2. Gottlob! der Weg ist nun bereit't: uns steht der Himmel offen. Der Christ kann seine Herrlichkeit aus starken Gründen hoffen, wenn er im Glauben freudenvoll sich emsig rüstet, wie er soll, dem Herren nachzufahren. Allelujah, Alle- Allelujah! 3. Wer nicht nach seinem Willen thut, verlangt nicht nach dem Herren. Er wird dem trägen Fleisch und Blut sein Himmelreich persperren. Ist unser Glaube rechter Art, so läßt uns Christi Himmelfahrt nicht an der Erde kleben. Allelujah, Alle- Allelujah! 328 Erster Theil. and m 4. 3euch uns dir nach, Herr Jeſu Chriſt, daß wir, so lang wir leben, zu dir, der du nun droben bist, uns immerdar erheben. Wir sehn hinauf, du siehst herab, an Tren und Lieb geht uns nichts ab, bis wir zusammen kommen. Allelujah, Alle- Allelujah! 5. O großer Tag! an Freuden reich, wenn wir mit allen Frommen nun unserm großen Heiland gleich zum selgen Schauen kommen. Wie wohl, wie wohl ist uns zu Muth in Ewigkeit beim höchsten Gut! mehr können wir nichts wünschen. Allelujah, Alle- Allelujah! Mel. von Nr. 101. 174. Der Herr fährt auf gen Himmel mit hellem Jubelschall, mit jauchzendem Getümmel und mit Posaunenhall. Lobfingt, lobsinget Gott! lobsingt, lobsingt mit Freuden dem Könige der Heiden, dem Herren Bebaoth.WHIS 1970nton 2. Der Herr wird aufgenommen in königlicher Pracht. Des freun sich alle Frommen, die er hat frei gemacht. Es holen Jesum ein des Himmels laute Heere, die seiner Bracht und Ehre sich, gleich als wir, erfreun.julse dell Von der Himmelfahrt Jesu. 329 3. Mit freudigem Gebete wird er von uns erhöht! wir wissen nun die Stätte, die uns bereitet steht. Der Heiland geht voran, läßt uns nicht von ihm trennen, macht, daß wir folgen können, uns freie sichre Bahn. 4. Wir Pilgrime der Erden, die hier das Elend baun; wir sollen himmliſch werden, und Jesum ewig schaun. Auf, Kinder Gottes, auf! wo Jesus hingegangen, dahin steh eur Verlangen! dahin kehrt euren Lauf. 5. Gen Himmel laßt uns dringen mit herzlicher Begier! mit Inbrunst laßt uns singen: dich, Jesu, suchen wir! zu dir, o Gottes Sohn, soll sich der Geist erheben. Du bist uns Licht und Leben, und unser großer Lohn. Mords ofun jaun 6. Hinweg mit deinen Schäßen, du gleisnerische Welt! sollt uns denn Nichts ergößen? dort ist, was uns gefällt! er, unser Fleisch und Blut, prangt auf der Gottheit Throne, gibt uns sich selbst zum Lohne, ist unser höchstes Gut. jundig 7. Wann wird es doch geschehen! wann kommt die frohe Zeit, daß wir ihn werden. 330 Erster Theil. sehen in seiner Herrlichkeit? du Tag, wann wirst du sein, da wir ihn mit Ent zücken zum erstenmal erblicken? O Tag, brich bald herein! Mel. Vom Himmel hoch da komm.- 109. 175. Schau, großer Herr der Herrlichfeit, herab vom Thron der Majeſtät, um den, auf deinen Wink bereit, die Schar der starken Helden steht. 2. Denn als du ganz dein Werk vollbracht, beschlossest du den edlen Lauf, und fuhrst in königlicher Pracht zu deinem Vater wieder auf. 3. Ein ewigs Heil hast du geschafft, Sohn Gottes und des Menschen Sohn! Nun sizest du in großer Kraft, als unser Haupt, auf Gottes Thron. 4. Dein Arm, du Gottmensch, herrscht und siegt, du bist uns allenthalben nah! und selber das Verborgne liegt vor deinen Augen offen da. 5. Schau, Herr, aus deiner heilgen Höh auf uns, die Deinen, die du kennst; daß alle Welt erkenn und seh, daß du uns deine Brüder nennst. or mig Von der Himmelfahrt Jesu zc. 331 6. Du bist in deine Herrlichkeit schon eingegangen; aber wir, wir sind noch immerdar im Streit, und seufzen noch im Elend hier. 7. Doch darum fürchten wir uns nicht, da deine Hand uns hält und schüßt. Du, unsre Kraft und unser Licht, bist mitten unter uns auch ißt. 8. Von deinen Brüdern sei gelobt, Held, der du uns den Sieg erstrittst! daß du den Satan, wenn er tobt, auch unter unsre Füße trittst. 9. So setzen wir denn unverzagt und freudig unsre Wallfahrt fort, den Lohn, den du uns zugesagt, erwartet unser Geist erst dort. 10. Ja, aufgefahrner Jesu Christ, auf dich nur schaun und hoffen wir. Wir suchen nur, was droben ist, und unser Herz ist schon bei dir. minde 11. Vollenden wir dann unsern Lauf; so eil, uns mächtig beizustehn! nimm unsre Seelen zu dir auf, laß deine Herrlichkeit uns sehn! 332 Erster Theil d no 109. Mel. Vom Himmel hoch da komm. yahi 176. Auf! Jesu Jünger, freuet euch, Fr der Herr fährt auf zu seinem Reich. Er triumphirt. Lobsinget ihm! lobsinget ihm mit hoher Stimm! 1910 1700 be 2. Sein Werk auf Erden ist vollbracht. Zerstört hat er des Todes Macht. Er hat die Welt mit Gott versöhnt, und Gott hat ihn mit Preis gekrönt. 3. Weit, über alle Himmel weit, geht ſeine Macht und Herrlichkeit. Ihm die nen selbst die Seraphim. Lobsinget ihm mit hoher Stimm! Jang 4. Sein sind die Völker aller Welt. Er herrscht als sieggewohnter Held! er herrscht, bis unter seinen Fuß der Feinde Heer sich beugen muß. 270 THO 5. Er schüßet seine Christenheit, erhält sie bis in Ewigkeit. Er ist ihr Haupt. Lobsinget ihm! lobsinget ihm mit hoher Stimm! 300 rad mab) ni ng 6. Ja, Heiland, wir erheben dich, und unsre Herzen freuen sich der Herrlichkeit und Majestät, dazu dich Gott, dein Gott erhöht. Indol emu sistchil Von der Himmelfahrt Jesu zc. 333 7. Wohl nun auch uns! denn, Herr, bei dir steht Kraft und Macht, und dein sind wir. Nimmst du dich unser hülfreich an: was ist, das uns gebrechen fann? sid folst( bun ad güch don 8. In deiner Hand ist unser Heil. Wer an dich glaubt, dem gibst du Theil am Segen, den du uns erwarbst, als du für uns am Kreuze starbst. 9. Du hast die Stätte uns bereit't, bei dir zu sein in Ewigkeit. Nach treu vollbrachtem Glaubenslauf nimmst du uns in den Himmel auf. 10. Ozeuch uns immer mehr zu dir. Hilf uns mit eifriger Begier nach dem nur trachten, was da ist, wo du, verklärter Heiland, biſt. 11. Dein Eingang in die Herrlichkeit stärk uns in unsrer Prüfungszeit, nur dir zu leben, dir zu traun, bis wir dereinst dein Antlig schaun. 12. Dann wird sich völlig unsre Seel in dir erfreun, Immanuel! dann singen wir von deinem Ruhm ein neues Lied im Heiligthum. Tentun omist tid Erster Theil. Mel. Alle Menschen müssen sterben.- 82. 177. Großer Mittler! der zur Rechten seines großen Vaters sitzt, und die Schar von seinen Knechten in dem Reich der Gnaden schüßt; dem auch selbst die Seraphinen mit verhülltem Antlig dienen; dessen Reich und Majestät über alle Dinge geht. 2. Dein Geschäft auf dieser Erden ist aufs Herrlichste vollbracht. Der Verlornen Heil zu werden, giengst du in die Todesnacht. Aus dem Tod tratst du ins Leben. Welch ein Trost ist uns gegeben! ewig unser Haupt zu sein, giengst du in den Himmel ein. 334 3. Nun, o Herr, ist dein Geschäfte in des Himmels Heiligthum, die erworbnen Lebenskräfte durch dein Evangelium den Erlösten mitzutheilen, und von Sünden sie zu heilen. O wohl allen, die dir traun und auf deine Hülfe baun. 4. Herr, du schauest voll Erbarmen stets auf diese Welt herab. Liebreich suchst du jeden Armen, der sein Herz der Welt ergab, von der Thorheit abzuschrecken und zur Buße zu erwecken. Šelig, wer, o guter Hirt! deiner Stimme folgsam wird. Von der Himmelfahrt Jesu zc. 335 5. Keiner, keiner wird zu Schanden, der, o Heiland! dein begehrt. Rettung aus der Sünde Banden wird dem stets von dir gewährt, der von dir die Rettung suchet und den Sündendienst verfluchet. Seiner Seele schenkest du Leben und Gewissensruh. 6. Du vertrittst, die an dich gläuben; du bewahrst und stärkest sie, daß sie dir vereinigt bleiben; daß sie dieses Lebens Müh standhaft durch dich überwinden, ihres Glaubens Ende finden, und einst ewig bei dir sein, ewig deiner sich zu freun. 7. O, was sind wir Menschenkinder, daß du unser so gedenkst, und so hülfreich auf uns Sünder immer noch dein Auge lenkst? Hilf, daß wir dich gläubig ehren und auf deine Stimme hören; nur bei dir steht unser Heil. Gieb uns ewig daran Theil. 8. Wenn wir zu dem Vater beten und uns unsre Sünde schreckt: laß uns dein Verdienst vertreten, welches unsre Schuld bedeckt. Laß zum Fleiß in guten Werken deines Geistes Kraft uns stärken. Hilf uns durch die Prüfungszeit, Herr, zu deiner Herrlichkeit. spidomt tid 89 336 oras Erfter Theil. dn Mel. I. von Nr. 101. His.. 178. Mein Jeſus triumphiret, und nimmt den Himmel ein. Er hat sein Werk vollführet, vom Fluch uns zu be frein. Die hohen Seraphim empfangen ihn mit Freuden nach überstandnen Leiden. Lobsingt, lobsinget ihm! Ca 2. Wohl uns! die wir noch hoffen. Nun Jesus triumphirt, steht uns der Weg auch offen, der zu dem Himmel führt. Er selbst, er macht uns Bahn. Wer hier nur an ihn gläubet, ihm folgt und treu verbleibet, der wandelt him melan. Onu inedsp of Tojn ⠀ ⠀ o 806 33. Nur dort, nicht auf der Erden, ist unser bestes Theil. Um himmlisch einst zu werden, erwarb der Herr uns Heil. Erlöste! macht euch auf! wo Jesus hin gegangen, dahin schickt das Verlangen! dahin geh euer Lauf! I sa 8 4. Herr! hilf uns darnach ringen mit eifrigster Begier. Laß unsern Fleiß ge lingen; den Himmel suchen wir. Laß uns in dieser Welt im Glauben an dich wandeln, so denken und so handeln, wie es dir wohlgefällt. tilbilm Von der Himmelfahrt Jesu 2c. 337 5. Was sind der Erde Freuden? wie bald sind sie dahin! o, hilf uns alles meiden, was hier noch unsern Sinn vereitelt und uns stört, das beste Theil zu achten, und nur nach dem zu trachten, was ewig Heil gewährt. 6. Sei du selbst unser Leiter in unsrer Prüfungszeit, und bring uns immer weiter zu deiner Herrlichkeit! bis diese Beit vorbei, bis wir dich, Heiland! sehen, und freudig vor dir stehen, bis Erd und Himmel neu. Mel. Vom Himmel hoch, da.- 109. 179. Wir freuen uns, Herr Jesu Christ, daß du zur Rechten Gottes bist. Du starker Herr, Immanuel, o ſtärk im Glauben unsre Seel'. 2. Du sigest auf des Himmels Thron als unser Freund, als Menschenſohn. Auch da schämst du dich unser nicht! drum bleibst du unsre Zuversicht. 3. Dein ist die Macht, dein ist das Reich. Wer ist an Majestät dir gleich? Mensch, Engel, jede Kreatur ist dein, du Herrscher der Natur! 22 338 Erster Theil. not? 4. Umsonst, umsonst empöret sich der Fürst der Hölle wider dich. Dein Thron steht fest, der seine liegt, durch deine Macht ist er besiegt. 5. Du, unser triumphirend Haupt! wie selig ist, wer an dich glaubt! du bist sein Licht, sein Trost, sein Theil, sein starker Schuß, sein ewges Heil. 6. Herr, unsre Herzen traun auf dich. Dein freuet unsre Seele sich. Du Held von unserm Fleisch und Blut, bist unser Trost und höchstes Gut. 7. Was uns gebricht, ist dir bekannt. Der Segen ist in deiner Hand. Von keiner Seele bist du sern; du siehst auf ſie und hilfst ihr gern. 8. Sieh auf uns gnädig allezeit vom Throne deiner Herrlichkeit! hilf unserm schwachen Glauben auf und segne unsern Lebenslauf. 19 00 9. Gen Himmel fuhrst du als ein Held. Als Herr und Richter aller Welt wird dich dereinst der Erdkreis sehn. Laß uns dann freudig vor dir stehn. 10. Dann triumphirt der Glaub an dich. Dann jauchzen wir dir ewiglich. Von der Himmelfahrt Jesu zc. 339 Hilf uns dazu, Herr Jesu Christ! der du zur Rechten Gottes bist.hr istist 13 Mel. Allein Gott in der Höh.- 15. 180. Mein Jesus sist zur rechten Hand des Vaters in der Höhe; er herrscht in meinem Vaterland, das ich von ferne sehe, und wo ich mit dem Herzen bin, wo alle Engel Gottes ihn als ihren König ehren. 2. Denn über jedes Fürstenthum hat er sich nun erhoben, und über aller Engel Ruhm ist er sehr hoch zu loben. Ihm jauchzt der Seraphinen Stimm, die Cherubinen singen ihm das: Heilig! ohne Ende. 3. Ihm dient in seiner Herrlichkeit der Himmel sammt der Erden, und was sowohl in dieser Zeit, als dort genannt mag werden; was Kraft und Macht nur heißen kann, das ist ihm alles unterthan! er Herrschet über alles. 4. Du mußtest Hoherpriester sein: dein Opferblut, dein Beten, dein Segen konnte ganz allein uns helfen und vertreten. Und dir gebührt auch nur der Ruhm, 22* 31 13 ABT 1 340 Erster Theil. 93 daß dies dein Hohespriesterthum in Ewigfeiten währet.dstto moto 5. Nun hörst du unser Flehen gern; wir find dir unterthänig; nun waltest du als Herr der Herrn und der Monarchen König. Herr über Ewigkeit und Zeit, du Herrscher in Gerechtigkeit, Herr über Tod und Leben! 6. Immanuel! du bist bei uns bis an der Zeiten Ende! und die Besorgung unsers Thuns gab Gott in deine Hände. Du stehst uns bei in aller Noth; du streitst, du siegst, und hilfft im Tod durch Glauben überwinden. 7. Du sprichst: dem, welcher über wind't, will ich zu sizzen geben, auf mei nem Stuhl, als Gottes Kind, und er soll ewig leben, wie ich gesiegt, als Gottes Sohn, und bin auf meines Vaters Thron voll Herrlichkeit geſessen! Tinira Mel. von Nr. 34. i 8nd 181. Mein Heiland, deine Größe geht über alle Himmel weit. Wer ist, der fie ermesse? Du warst bei Gott von Ewigkeit. Du bist der Erstgeborne vor aller Kreatur; kamst zwar für uns Verlorne in mensch Von der Himmelfahrt Jesu zc. 341 licher Natur; doch in der Menschheit Orden tratst du erst in der Zeit. Eh noch die Welt geworden, hattst du schon Herrlichkeit. 2. Der Himmel und die Erde sind durch dein kräftges Wort gemacht. Auf dein allmächtig: Werde! entstand die Welt mit ihrer Pracht. Du bist auch unser Meister; auch uns schuf deine Hand, so wie das Heer der Geister, das dich noch eh'r erkannt. Ein Erbe über Alles! das ist dein ewger Ruhm; drum jammert dich des Falles von deinem Eigenthum. 3. Du trägest alle Dinge durch deiner Allmacht starkes Wort; das Große und Geringe geht bloß durch deinen Willen fort. Sohn Gottes! du regierest den ganzen Kreis der Welt. Weil du das Ruder führest, geschieht, was dir gefällt. Bei dir steht Tod und Leben. Drum wird einst jede Gruft die Todten wiedergeben, wenn deine Stimme ruft. 4. Gott läßt dir Ehr erzeigen, die feinem andern widerfährt. Dir soll sich alles beugen! denn göttlich groß ist, Herr, dein Werth. Du bist das Heil der Erden. Wer auf dein Wort nicht hört, der kann nicht 342 Erster Theil. ad no selig werden. Wer aber dich verehrt, dem hilfst du vom Verderben; schaffst ihm zu friedenheit, und machst ihn einst zum Erben vollkommner Seligkeit. 5. Wie herrlich ist dein Name schon jetzt, o Herr, in aller Welt. Dich preist de Frommen Saame, der gläubig dir zu Füßen fällt. Dich preisen Seraphiner erhabner Menschensohn! mit Freuden dir zu dienen, stehn sie vor deinem Thron Wer sollte dein sich schämen? werth bist du Preis und Ruhm auch, Herr, von uns zu nehmen, uns, deinem Eigenthum. 6. Sohn Gottes! ich verehre und bete dich in Demuth an. Beschäme und bekehre die, die dir noch nicht zugethan; die deinem Wort nicht glauben, und dir, der für uns litt, die schuldge Ehre rauben. Theil ihnen Gnade mit, dich gläubig zu erkennen. La nichts, die dich erkannt, von deiner Liebe trennen. Dein Ruhm füll jedes Land! 491 510 Hod Colin Mel. Aus tiefer Noth schrei ich.- 119. 182. Herr Jesu, deiner Glieder Ruhm, du starkes Haupt der Schwachen! du haf ein ewigs Priesterthum, fannst allzeit felig Von der Himmelfahrt Jesu zc. 343 machen; du bist, der das Gebet erhört und der des Glaubens Wunsch gewährt, sobald wir zu dir kommen. 2. Uns muß durch deine Himmelfahrt der Himmel offen stehen. Du hast den Weg geoffenbart, wie wir zum Vater gehen. Der Glaube weiß und ist gewiß, du habest uns im Paradies die Stätte zubereitet. 3. Geht unser Haupt zum Himmel ein, so werden auch die Glieder gewiß nicht ausgeschlossen sein; du bringst sie alle wieder; sie werden da sein, wo du bist, und dich verklärt, Herr Jesu Christ, dir ähnlich, ewig schauen. 4. 3euch uns dir nach, so laufen wir; laß uns ein himmlisch Wesen in Worten, Werken und Begier von jetzund an erlesen; zeuch unser Herz dem Himmel zu, daß unser Wandel, Schatz und Ruh nur sei bei dir dort oben! 5. Was droben ist, laß fünftighin uns unablässig suchen; was eitel ist, das laß uns fliehn, was sündlich ist, verfluchen. Weg Welt! dein Lust- und Freudenschein ist viel zu elend, viel zu klein für himmlische Gemüther. 730 344 the Erster Theil. 16. O Kleinod, das im Himmel strahlt, ich will nach dir nur laufen! o Perle, die die Welt nicht zahlt, dich will ich an mich kaufen! o Erbtheil voll Zufriedenheit, o Himmel voller Seligkeit, sei mein, aus Jesu Gnaden! 7. Wann fahr ich auf aus dieser Noth? wann komm ich, Heilserstatter, zu deinem und zu meinem Gott, zu dein- und meinem Vater? wann fomm ich zu dir, höchstes Licht? wann seh ich einst dein Angesicht? komm bald, o Jesu! Amen! Mel. Hosianna, Davids Sohn. 167. 1 183. Hosianna, Davids Sohn, der in seines Vaters Namen sich erhebet auf den Thron über Jacobs Haus und Samen, welchem Gott ein Reich bestimmt, dem die Reiche dieser Erden endlich müssen dienstbar werden, und das selbst kein Ende nimmt! 2. Sei gesegnet, theures Reich, das ein solches Heer besißet, dem kein Heer auf Erden gleicht, der das Recht mit Nachdruck schüßzet! Schwinge dich in stetem Flor, groß durch Frieden, reich an Freu den, unter Juden, unter Heiden mit vermehrtem Glanz empor! Von der Himmelfahrt Jefu zc. 345 3. Deines Königs Majestät müsse jedes Volk verehren, und so weit die Sonne geht, müsse sich sein Ruhm vermehren! selbst der kleinen Kinder Mund mache, zum Verdruß der Feinde, und zur Freude deiner Freunde, deinen großen Namen kund! 4. Schreibe mich, Herr, auch mit an unter deine Unterthanen! ich will dir, so gut ich kann, in mein Herz die Wege bahnen. Ich geselle mich im Geist froh zu jenen großen Reihen, die dein Hosianna schreien, wo man dich willkommen heißt. 5. Jauchzt, ihr Kräfte! freuet euch; seid ermuntert, meine Sinnen! Jesus und sein Gnadenreich wird bei euch auch Raum gewinnen. Kommt und schwört den Huldgungseid! kommt und füßt den Sohn der Liebe! Ach, daß niemand außen bliebe! Hier, ach hier ist Seligkeit. Aus dem 47. Psalm. Mel. Allein Gott in der Höh.- 15. 184. Ihr Völker in der ganzen Welt frohlockt mit Herz und Händen! jauchzt unserm Gott! erhebt den Held, der sich an allen Enden stets als den größten König 346 Erster Theil. dock zeigt, an Hoheit alles übersteigt, und Feinden schrecklich bleibet! 2. Jhr, die ihr seinen Zepter ehrt, ihr werdet einst regieren; ihr werdet diese Welt zerstört zu euren Füßen spüren. Zu seinem Erbtheil wählt er euch: euch ist ein ewigs Heil beschieden. 3. Den Himmel nahm er jauchzend ein, ihm sangen Cherubinen. Wie? wollt ihr länger träge sein, lobsingend ihm zu die nen? Nein, auf! lobsingt, lobsingt dem Herrn; denn er ist Gott und Jacobs Stern, ein König aller Menschen. 4. Mit klugem Lob erhöhet ihn, den König aller Heiden! für ihn laßt euren Eifer glühn, und dienet ihm mit Freuden! der Abgrund bebt vor seinem Thron; der Höllen Heere sehn den Sohn, und fliehn vor seinem Schelten. 5. Es werden selbst die Herrn der Welt zu seiner Fahne schwören, und sich, besiegt durch diesen Held, zu ihm als Gott befeh ren. Es beugen sich mit Jacobs Stamm die dir, Herrscher, Gott von Abraham, Mächtigen der Erde. eto nson mille D Von der Himmelfahrt Jesu zc. Aus dem 72. Pfalm. Mel. O Gott, du frommer Gott. 8. 185. O Gott! gib dein Gericht dem Könige der Erden, laß die Gerechtigkeit durch ihn verschaffet werden! durch ihn, den Königssohn, sei, Herr, dein Volk befreit, und wer die Sünde fühlt, zu deinem Bild erneut. no dun inspis0 - 347 2. Von nun an müssen sich auf Zions Berg und Hügeln Fried und Gerechtigkeit in vollem Glanze spiegeln; der Held aus Juda nimmt des armen Volks sich an, er, dessen strengen Born kein Frevler tragen kann.o morsuih sal 3. Dir, Heil der ganzen Welt, wird man mit Ehrfurcht dienen, so lange Sonn und Mond an den gewölbten Bühnen im alten Prachte stehn. Von Kind und Kindeskind erschallt, wie groß und schön, Herr, deine Werke sind. chistt 4. So sehr ein sanfter Guß das dürre Land erquicket, so mild und stärkend wird auch zions Gott erblicket; er kommt, und seht, durch ihn wird der Gerechte blühn, mit ihm wird Fried und Ruh in alle Gränzen ziehn. inis nepse ved hun 348 os Erster Theil. nd mo 5. Als König herrschet er von einem Meer zum andern, ihm unterwerfen sich, die in der Wüste wandern; er wirft mit mächtger Hand die Feinde in den Staub, und macht, des Siegs gewohnt, aus ihnen einen Raub. 16. Bis an das fernste Meer wird sich sein Zepter schwingen, ihm werden Könige Geschenk und Gaben bringen, ihm dient, was in der Welt nur groß und mächtig heißt, von Heiden selbst wird auch sein hoher Ruhm gepreist. 7. Warum? sein starker Arm wird die Elenden retten, sein mild und hülfreich Herz bricht ihre schweren Ketten; von Trug und Frevel macht sie sein Erbarmen frei, und zeigt, wie werth von ihm sein Blut geachtet sei. 8. Er lebt; und seine Macht weiß nicht von Ziel und Grenzen. Sein unermeßnes Reich wird jetzt und ewig glänzen. Ihm bringt man alle Zeit Gebet und Opfer dar, und dränget sich mit Lust an seinem Lob altar. 9. Wie, wenn ein gutes Land die reich sten Saaten decken, so reichlich wird sich auch der Segen einst erstrecken, der auf die 349 Von der Himmelfahrt Jesu zc. Sterblichen aus seinerFülle fleußt; und ewig wird dafür sein Nam und Thron gepreist. 10. So lange Sonn und Mond im alten Glanze blizen, wird sich der Nachwelt Trost auf seinen Namen stüßen, durch ihn gesegnet, kniet der Heiden große Schar mit Ehrfurcht, Dank und Ruhm vor seinem Sühnaltar. pitit 19 11. Gelobet sei der Herr, den Israel verehret, der einzig Wunder thut und Feind und List zerstöret! gelobet sei sein Nam! bis in das fernste Land werd seine Herrlichkeit je mehr und mehr bekannt. Aus dem 24. Psalm. DRIVE Mel. Vom Himmel hoch, da.- 109. 186. Die Erd und was darinnen iſt, das Meer, so weit es schäumend fließt, die Welt mit Sonne, Mond und Stern, dies Alles, Alles ist des Herrn. 2. Des Herrn, der seine heilge Stadt so felsenfest gegründet hat, daß sie, wenn alles untergeht, gleichwohl wie Berge Gottes steht. 3. Wer darf sich dieser Stätte nahn? wen nimmt er zum Bewohner an? nur 350. Erster Theil. den, der durchs Versöhnungsblut die schwe ren Sünden von sich thut.is iljno dur 14. Nur dem, der reines Herzens bleibt und keine falsche Lehre treibt, des Meineids sich nicht schuldig macht, nur dem ist Segen zugedacht.didad teint compaion 5. Ja, Segen und Gerechtigkeit theilt Gott, die Quell der Seligkeit, dem, wel cher vor sein Antlig tritt, recht über schwenglich gnädig mit.is 6. Berlorne Sünder, machet doch die Thore weit, die Thüren hoch! und soll euch recht geholfen sein, so nehmt den Ehrenkönig ein. 7. 3hr fragt: wer dieser König sei? Nichts, nichts fommt seiner Größe bei. Er ist der Herr von ewger Kraft, der statt des Streits bald Frieden schafft. 8. Eröffnet fröhlich Thür und Thor! geht aus der Finsterniß hervor! er kommt, der Herrscher Zebaoth! vor ihm fleucht Sünde, Höll und Tod! ngs Nachahmung des 21. Psalm 8.0 Mel. Wie schön leuchtet der.- 35. 00 187. Herr, der du deinen theuren Sohn mit Hülf und Kraft von deinem Thron Von der Himmelfahrt Jesu zc. 351 zum Mittleramte schmücktest! Gott, der du auch, da Höll und Tod ihn schon mit Untergang bedroht, doch gnädig nach ihm blicktest! Siehe! Mühe, Schmerz und Wunden sind verschwunden. Nach dem Leiden lebt er mun in ewgen Freuden. 2. In jenen Wohnungen des Lichts, im Glanze deines Angesichts erhebt er deine Güte. Da rühmt die Wunder deiner Huld nach unsrer ausgeföhnten Schuld sein göttliches Gemüthe. un preist ſein Geist deiner Liebe starke Triebe, die ihn hielten, als die Wetter auf ihn zielten. 3. Ja, Herr, was nur sein Herz begehrt, wonach sich nur sein Wunsch gekehrt, das hast du ihm geschenket: Denn nur auf unsre Seligkeit, auf deinen Ruhm und Herrlichkeit war stets sein Sinn gelentet. Kronen, Thronen und ein Regen deiner Segen muß ihm werden. Selger Wechsel der Beschwerden. 4. Ums Leben bat er, Vater, dich, da Trost und Vater von ihm wich; du gabſt ihm langes Leben. Wer mißt jeßt seiner Tage Lauf? das Lob, den Schmuck, den du ihm drauf in deinen Schooß gegeben? Erster Theil. Freunde, Feinde, alle müssen zu den Füßen Jesu fallen, durch fie muß dein Ruhm erschallen. 5. Du, den mein Glaube zärtlich spürt, du hast es glücklich ausgeführt, was ich zum Leben brauchte. Des Vaters Rechte hielt dich fest, als von des ärgsten Grim mes Pest der Feinde Rachen rauchte Schnöde, spröde, und mit Spotte sucht die Rotte dich zu tödten: Gott sieht drein, und sie erröthen. 6. Sein Born, gleich einem Feuer, frißt das Volk, das seinen Bund vergißt, die mörderische Bande. Noch trägt ihr Same diesen Fluch, und ist( welch harter Richterspruch!) ein Scheusal aller Lande. Erde, werde, bei der Sache dieser Rache, die noch brüllet, werde doch mit Furcht erfüllet. 7. Man dachte Böses dir zu thun, Lamm Gottes! und dann erst zu ruhn, wenn du vertilget wärest. Weisheit! die du Macht und List, wie groß und fein fie immer ist, zu ihrem Schaden kehrest Freunde! Feinde! hört: es flogen bon dem Bogen seines Köchers Pfeile des erzürnten Rächers. 352 Von der Himmelfahrt Jesu zc. 353 8. Erhebe dich in deiner Kraft, und dämpfe, was uns Schaden schafft, und die dein Zion stören! so soll auch unser Herz und Mund dich, Herr, und deinen Gnadenbund in lauten Liedern ehren. Rühre, führe selbst die Heiden zu den Freuden, zu den Kränzen, die so schön in Bion glänzen. Mel. Freu dich sehr, o meine S.— 29. 188. Herr! du fährst mit Glanz und Freuden auf zu deiner Herrlichkeit! doch mich drücken noch die Leiden dieses Lebens, dieser Zeit! Gib mir, Jesu! Muth und Kraft, daß ich meine Pilgerschaft so in dir zurücke lege, daß ich stets dein bleiben möge. 2. Laß mir deinen Geist zurücke, aber zeuch mein Herz nach dir; wenn ich nach dem Himmel blicke, o, so öffn ihn gnädig mir! neige meinem Flehn dein Ohr, trag es deinem Vater vor, daß er mir die Schuld vergebe, daß ich mich bekehr und lebe. 3. Lehre mich, die Welt verachten, und was in ihr Eitles ist, und nach dem, was bort ist, trachten, wo du, mein Erlöser, bist. Wollust, Ehrfucht und Gewinn, soll 23 354 Erster Theil.nd Ho mich dies zur Erde ziehn, da ich jenseits überm Grabe eine größre Hoffnung habe? 4. Diese müsse mir nichts rauben! du erwarbst sie theuer mir; jebund seh ich sie im Glauben, dorten find ich sie bei dir. Dort belohnst du das Vertraun deiner Gläubigen durch Schaun, und verwandelst ihre Leiden in unendlich große Freuden. 5. Dort bereit auch mir die Stätte in des Vaters Hause zu. Rufst du frühe oder späte mich zu meines Grabes Ruh: leucht auch mir in dieser Nacht, durch die Stärke deiner Macht, die des Todes Macht bezwungen und für uns den Sieg errungen. 6. Kommst du endlich glorreich wieder an dem Ende dieser Zeit, o, so sammle meine Glieder, die Verwesung jetzt zerstreut! heilge und verklär sie ganz, daß der Leib im Himmelsglanz dann nicht mehr von Staub und Erde ähnlich deinem Leibe werde. And on 121. Mel. Schmücke dich, o liebe. Seele. 189. König, dem kein König gleichet, dessen Ruhm kein Lob erreichet; Ebenbild von Gottes Wesen, der zum Mittler uns erlesen, sich der Welt wollt offenbaren Von der Himmelfahrt Jesu. 355 als das Bild des Unsichtbaren, dir gehört das Recht zum Throne, als dem Mittler, als dem Sohne! n astmomnipo 2. Himmel, Erde, Luft und Meere müssen stets zu deiner Ehre dir, Herr, zu Gebote stehen, und dein Wille muß geschehen. Fluch und Segen, Tod und Leben, alles ist dir übergeben, und vor deinem mächtgen Schelten zittern Menschen, Engel, Welten. 1910 3. In des Gnadenreiches Grenzen sieht man deine Wunder glänzen, wo viel tausend treue Seelen dich zu ihrem Haupt erwählen: die nach deiner Vorschrift leben, dir nur zu gefallen streben, alles gern für dich verlassen, und, wie du, das Unrecht hassen.d 0.009 3r 4. In dem Reiche deiner Ehren hört man stets dein Lob vermehren von dem himmlischen Geschlechte, von der Menge deiner Knechte, die dort ohne Furcht und Grauen dein verklärtes Antlitz schauen, die dich unermüdet preisen, und dir Ehr und Dienst erweisen. 5. Herr, in allen diesen Reichen! dir ist niemand zu vergleichen an dem Ueber23* 356 Erster Theil. fluß der Schäße; an der Ordnung der Ge seze, an der Unterthanen Menge, an des Regimentes Länge, an Begnadigung der Freunde, und an Siegen über Feinde. 6. Nun herrsch auch in meinem Herzen über Zorn, Furcht, Lust und Schmerzen. Laß mich deinen Schuß genießen, auf mich deine Gnade fließen; dich stets fürchten, ehren, lieben, und mich im Gehorsam üben, hier mit leiden, kämpfen, streiten, dort mit herrschen, dir zur Seiten. GALE! S013 13) Von der Wiederkunft Jesu Christi zum Gericht. Mel. O Ewigkeit, tu Donnerwort. 190. E rhöhter Jesu, Gottes Sohn! der du schon längst der Himmel Thron als Herrscher eingenommen. Du wirst dereinst zu rechter Zeit, in großer Kraft und Herrlichkeit, vom Himmel wieder Von der Wiederkunft Jesu Christi zum Gericht 357 B kommen. Gib, daß dann froh und mit Vertraun dich, Herr, auch meine Augen schaun. 2. Wer faßt, o Heiland! jetzt die Pracht, die deinen Tag einst herrlich macht? wie groß wirst du dich zeigen, wenn du auf lichten Wolken einst mit deiner Engel Heer erscheinst, die jetzt schon dir sich beugen. Dann sieht die Welt die Majestät, dazu dich Gott, dein Gott, erhöht. 3. Dann tönt dein Ruf in jedes Grab mit allmachtsvoller Kraft hinab, und ſchafft ein neues Leben. Auf deinen Wink muß Erd und Meer das unzählbare große Heer der Todten wiedergeben. Sie stehn durch dich, Herr, neu beseelt, nun alle auf, und feiner fehlt. 4. Du sammelst sie vor deinem Thron, um jedem den verdienten Lohn nach seiner That zu geben. Dann trifft den Bösen Schmach und Bein, den Frommen aber führst du ein in das verheißne Leben. 358 Erster Theil. Wer läugnet dann noch, Jesu Christ! daß du der Erden Richter bist? 5. O gib, wenn nun dein Tag erscheint, daß ich in dir dann noch den Freund und Heiland wiederfinde: daß ich mit Freuden vor dir steh, und mit dir in den Himmel geh, ganz frei von Fluch und Sünde. Laß mich im Glauben wacker sein, und auch die kleinste Sünde scheun. 6. Dein Name sei mir ewig werth! und was dein Wort von mir begehrt, das laß mich treulich üben. Niemals ermüde hier mein Geist, dich, den schon jetzt der Himmel preist, aus aller Kraft zu lieben; so hab ich in der Ewigkeit auch Theil an deiner Seligkeit. 1011 THRECK POISO full SODHAD THE Mel. Aus tiefer Noth schrei ich).- 119. 191. Er kommt, er kommt zum Weltgericht, der Heiland, den wir ehren. O weigert euch, Erlöfte, nicht, jetzt auf sein Wort zu hören. Wer hier nicht seine Stimme hört, und sie nicht mit Gehor sam ehrt, wird nicht vor ihm bestehen. 2. Herr, laß mich deiner Majestät mit wahrer Freude dienen! Wie herrlich dich Von der Wiederkunst Jesu Christi zum Gericht. 359 dein Gott erhöht, ist zwar noch nicht erschienen; doch was uns hier verborgen war, das wird dereinst uns offenbar, wenn du wirst wiederfkommen, no imal GF 3. Wenn vor dir die Natur dann bebt und unter deinen Füßen sich alles, was dir widerstrebt, wird völlig beugen müsfen, wenn alle Engel vor dir stehn: dann werden aller Augen sehn, wie hoch dich Gott erhoben. 4. Wenn dann, o Herr! auf dein Geheiß die Todten wieder leben, dein Feind mit Furcht, dein Freund mit Preis sich aus dem Grab erheben, wer wird dann noch, Herr Jesu Christ! daß du die Auferstehung bist, mit Frechheit läugnen können? 5. Wer spottet dann noch deiner Kraft, wenn du, die dich hier fliehen, für ihre Schuld zur Rechenschaft mit Majestät wirst ziehen? wenn nun ihr Auge dich erblickt, und sie dein Strafgerichte drückt, dann werden sie verstummen. 16 6. Und wenn du dann die Deinen nun mit Preis und Ehre ziereft, und, ihnen ewig wohlzuthun, sie zu dem Himmel 360 Erster Theil. führest, dann, Herr, wird völlig offen bar, daß dein die Macht und Gnade war, die Deinen zu beglücken. 7. O laß mich dann, Herr Jeſu Chriſt, mit Freuden vor dir stehen, und dir, so Herrlich du auch bist, getrost entgegen sehen. Wenn deiner Feinde Rotte zagt, von Reu und Angst und Furcht geplagt, dann jauchze meine Seele. 8. Daß ich dies Glück erleben mag, so laß in diesem Leben, o Heiland, deinen großen Tag mir stets vor Augen schweben. Er reize mich, dir mich zu weihn, in dei nem Dienste treu zu sein, und nie dich zu verläugnen. e Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort. 190. 192. Der unsre Menschheit an sich nahm, als er, uns zu versöhnen, fam, kommt zum Gerichte wieder. Nicht fern ist seiner Zukunft Zeit! in aller seiner Herrlichkeit steigt Jesus dann hernieder. O sichrer Erdkreis beßre dich! der Tag des Schreckens nahet sich. 2. Warum verzeucht der Richter, Gott? wo bleibt der Rächer? fragt der Spott. -- Von der Wiederkunft Jesu Christi zum Gericht. 361 Hört, Sünder! hörts mit Beben! euch, die ihr frevelnd widerstrebt und in der Bosheit sicher lebt, zur Beßrung Frist zu geben. Doch bald ist euer Maaß erfüllt, bald kommt der Rächer und vergilt. 3. Dann öffnet um euch her sich weit der Abgrund jener Ewigkeit mit allen seinen Schrecken; dann wird, wenn Gottes Fluch euch droht, nicht Berg und Meer, nicht Grab und Tod vor seinem Zorn euch decken. Denn nun nicht mehr erbarmt er sich, und sein Gericht ist fürchterlich! 4. Wenn furchtbar seiner Donner Schall, und der Posaunen Widerhall der Erde Grund erschüttern; und plößlich nun der Bau der Welt mit Krachen stürzt, in Trümmer fällt; wenn alle Menschen zittern, und vor den Richter hingerückt, der Spötter glaubet und erschrickt: 5. Dann ist nicht mehr zur Buße Zeit! wo werdet ihr Barmherzigkeit und Gnad und Rettung finden? die ihr der Sünde Maaß noch häuft, fühlt, eh euch dieser Tag ergreift, die Lasten eurer Sünden! daß ihr euch einst nicht selbst verflucht und ohne Hoffnung Lindrung sucht. 362 Erster Theil. 6. Mein Herz erschrickt, es bebt in mir mein Innerstes, o Gott, vor dir! ich bin ein Missethäter. Begnadige, wann dein Gericht auch mir mein ewigs Urtheil spricht, Herr, mich, den Uebertreter! du, der die Sünder nicht verstößt, du hast auch, Jesu, mich erlöst. 3 7. Tag Gottes, Tag der Ewigkeit! du predigst uns den Werth der Zeit laut mit des Donners Stimme. Reizt, Christen, nicht durch eure Schuld den Gott der Langmuth und Geduld, daß er nicht bald er grimme. Denn ewig wird der Sünder Pein, sowie der Frommen Wonne fein. alladio dun; mislis dito STU Mel. Ach Herr, mich armen.- 67, 193. Bedente, Mensch, das Ende, be denke deinen Tod. Der Tod kommt oft behende; der heute frisch und roth, fann morgen, und geschwinder, hinweggestorben sein. Drum bilde dir, o Sünder, ein täg lich Sterben ein. Susoni puns CINE 2. Bedenke, Mensch, das Ende, bedente das Gericht. Es müssen alle Stände vor Jesu Angesicht. Kein Mensch ist ausge nommen; es wird dort jedermann den Von der Wiederkunst Jesu Christi zum Gericht. 363 Lohn von ihm bekommen, nach dem er hier gethan. mise im Inse 3. Bedenke, Mensch, das Ende, der Höllen Angst und Leid, daß dich nicht Satan blende mit seiner Eitelkeit. Hier ist ein kurzes Freuen, dort aber ewiglich ein kläglich Schmerzensschreien; ach, Sünder, hüte dich.ojot sid stöd 4. Bedenke, Mensch, das Ende, bedenke stets die Zeit, daß dich ja nichts abwende von jener Herrlichkeit, womit vor Gottes Throne ein müder Streiter prangt, der nach dem Kampf die Krone in Gottes Reich erlangt. 5. Herr, lehre mich bedenken der Zeiten lezte Zeit, daß, sich nach dir zu lenken, mein Herze sei bereit. Laß mich den Tod betrachten und deinen Richterstuhl; laß mich auch nicht verachten der Höllen Feuerpfuhl. bilitüg 6. Hilf, Gott, daß ich in Zeiten auf meinen letzten Tag mit Buße mich bereiten und täglich sterben mag. Im Tod und vor Gericht steh mir, o Jesu! bei, daß ich im Himmelslichte zu wohnen würdig sei. Indodzsd 110k misd Erster Theil. Mel. Ach Herr, mich armen. Acó 194. Ich 364 67. denk an dein Gerichte, du Richter aller Welt; der Thor nenn's ein Gedichte, das Schwachen nur gefällt! mich soll sein Wahn nicht stören, weil mich dein göttlich Licht, und mein Gewissen lehren: du haltest einst Gericht. miilpolimis 2. Jch höre die Posaunen, o Herr, im Geiste schon; ich sehe mit Erstaunen dich auf dem Richterthron, um den die heilge Menge erhabner Engel steht. Welch herrliches Gepränge, welch hohe Majeſtät! 3. Umsonst sucht nun der Sünder vor deiner Macht zu fliehn. Herr, alle Menschenkinder wirst du zur Rechnung ziehn. Du rufft, und sie erscheinen vor deinem Richterthron. Den Sündern und den Deinen giebst du gerechten Lohn. 4. Frohlockend sehn die Frommen bein göttlich Angesicht. Schon hier dem Fluch entnommen, zagt ihre Seele nicht. Nun triumphirt ihr Hoffen! erlöst von aller Müh, sehn sie den Himmel offen, du, Herr, segneſt fie. und 5. Wie angstvoll aber beben, die hier dein Wort verhöhnt, und durch ein fleisch Von der Wiederkunft Jesu Christi zum Gericht. 365 lich Leben das eitle Herz verwöhnt. Du giebst der Sünde Knechten ihr Theil in ewger Pein; und führest die Gerechten zu deiner Freude ein. 6. Laß, Jesu! dein Gerichte mir stets vor Augen sein, und drücke sein Gewichte in mein Gewissen ein! laß fromm vor dir mich wandeln und hier zu aller Zeit so wie ein Weiser handeln, der seinen Richter scheut. nist lip 7. Ist dann dein Tag vorhanden, wird diese Welt vergehn, so werd ich nicht mit Schanden vor deinem Thron bestehn. Du stellst mich dann zur Rechten, von aller Schuld befreit, führst mich mit deinen Knechten in deine Herrlichkeit. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 30. 195. Schon ist der Tag von Gott beſtimmt, da, wer auf Erden wandelt, sein Loos aus Gottes Händen nimmt, nachdem er hier gehandelt. Er kommt, er kommt, des Menschen Sohn, er kommt, und Wolken sind sein Thron, der Erden Kreis zu richten.ið mun 2. Hier an dem Rand der Ewigkeit, hier stehn die Millionen, die seit dem - 366 Erster Theil. ersten Tag der Zeit auf dieser Erde wohnen, nur dem Allwissenden bekannt, unzählbar, wie am Meer der Sand; hier stehn sie vor dem Richter. med 3. Hier muß der falsche Wahn der Welt der Wahrheit unterliegen. Hier, wo das Recht die Wage hält, wird keine Sünde siegen. Hier ist zur Buße nicht mehr Frist; hier gilt nicht mehr Betrug und List; hier gilt kein falscher Zeuge. 4. Der Richter spricht, der Himmel schweigt, und alle Völfer hören erwartungsvoll und tief gebeugt. Kommt, erbt das Reich der Ehren! so spricht er zu der Frommen Schar, doch die, die widerspenstig war, heißt er nun von sich weichen. 5.0 Herr! mit welcher Majestät wirst du dies Urtheil fällen! die Sünder, die dich hier verschmäht, gehn dann gewiß zur Höllen. Hier trifft sie unerforschte Pein. Wer wird dann noch ihr Retter ſein? ihr Warten ist verloren.mmola 6. Sie, die Gerechten, leuchten dann so wie der Glanz am Himmel. Du ſelbst nimmst sie zu Ehren au. O welch ein froh Getümmel! nun sehn sie mit erstauntem Von der Wiederkunft Jesu Christi zum Gericht. 367 Blick, daß Glaub und Lieb das höchste Glück, uns Gottes Gnad erworben. 7. Sie gehn nun in das selge Reich, das Gott für sie bereitet, und sehn auf ewig, Engeln gleich, ihr Wohlsein ausgebreitet. Das Stückwerk wird Vollkommenheit! kein Kummer, keine Traurigkeit stört ihre ewge Freude. d dis 8. Mein Heiland, laß mich dein Gericht. oft und mit Ernst bedenken! es stärke meine Zuversicht, wenn mich die Leiden tränken. Es reize mich gewissenhaft, und, eingedenk der Rechenschaft, nach deinem Wort zu wandeln. Mel. Wachet auf! ruft. 171. 196. Wachet auf vom Schlaf, ihr Sünder! erwacht! denn euch, o Menschenkinder, erwarten Tod und Ewigkeit. Lohn und Strafe, Tod und Leben hat Gott in eure Hand gegeben: erwacht! noch ist zur Buße Zeit! gerecht, gerecht ist Gott, er hört der Frevler Spott! Frevler, zittert, wißt, was er spricht, gereut ihn nicht, er kommt gewiß und hält Gericht. 2. Schrecklich wird sein 3orn entbrennen; dann wird der Spötter ihn erkennen, 368 Erster Theil. des Vaters eingebornen Sohn. Jauchzet! jauchzt, ihr seine Frommen! er wird zu eurem Heile kommen! bald kommt er und mit ihm sein Lohn! euch richtet Christus nicht! Er selbst gieng ins Gericht für die Sünder: Gott ist versöhnt! mit uns versöhnt, wer überwindet, wird gefrönt! 3. Seid bereit, ihn mit Verlangen, mit reinem Herzen zu empfangen: denn plözlich bricht sein Tag herein. Und der Richter wird vom Bösen sein Reich, die Erde, ganz erlösen, von Sünd und Tode sie befrein. Heil, Wonne, Seligkeit ist ewig uns bereit! Amen! Amen! die Zeit ist nah! bald ist fie da! gelobt sei Gott! Hallelujah. 14) Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben. HC $ 197. Komm, o Gott, Schöpfer, heil # ger Geist, kehr in das Herz der Menschen mit! ein, und bilde sie so wie du weißt, daß dein Geschöpf vor dir muß sein. Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben. 369 2. Mach du als Tröster dich bekannt. Gott ist für uns nun nichts zu theur; er hat uns seinen Sohn gesandt, und gönnt uns auch dein göttlich Feur. 11088 3. Verstand und Herz erfülle ganz mit deinem Licht, mit deiner Kraft. Es spiegle sich in uns der Glanz, o Geist, der alles Gute schafft. se misc 4. In Wundergaben zeigst du dort den Finger Gottes, und wie schnell verbreitet sich darauf das Wort; du sprachst: auch bei uns ward es hell. 5. O, mach es fräftig: treibe fern des Feindes List. Dein Friede sei mit uns, daß wir dir folgen gern, und steh uns in Versuchung bei. 6. Stärt uns im Glauben an den Sohn und Vater, bis das Schaun ihn krönt und dann durch uns vor jenem Thron dein und ihr hohes Lob ertönt. 01922 10** Mel. von Nr. 33. mist kun jo 198. Ihr Christen rühmt, erhebt und preiset, erhebet froh mit Herz und Mund die Gnade, die uns Gott erweiset; mit uns macht er den neuen Bund. Er fegnet 24 Erster Theil. reichlich und wir nehmen den Geist der Kraft und Kindschaft hin. Sein Segen fließt in vollen Strömen: er schreibt ſein Wort in unsern Sinn. 370 2. Gesalbet mit dem Oel der Freuden vollendet Jesus seinen Lauf. Nun herrschet er nach seinem Leiden, und thut uns seine Schäße auf. Sein Geist, in den Aposteln kräftig, schmückt ihm ein Volk zu seinem Ruhm, das nun, in seinem Dienst ge schäftig, ihm danket als sein Eigenthum. 3. Auf! auf ihr Herzen! auf ihr Zungen! verfündigt Gottes hohen Ruhm; ſein Name werde stets besungen von seinem heil'gen Eigenthum; o, daß ein Geiſt des Lebens wehe, und was nur Odem hat, erfüll'; daß alle Welt die Wunder sehe, die Gott in Christo schaffen will! 4. So laßt uns denn die Pfingsten halten im Geist und nicht im Fleischessinn. Verbleiben wir allzeit im Alten, so ist dies Fest uns kein Gewinn. Wir müſſen neu geboren werden, so daß sein Geist auch in uns lebt, und unser Geist schon hier auf Erden mit ihm vereint im Himmel schwebt. Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben. 371 5. Ach, Jesu! schenk uns armen Sündern durch deinen Geist Genad und Kraft. Mach uns zu Gottes ächten Kindern, theilhaftig deiner Eigenschaft! ach zünde deine reine Liebe in unsrer aller Seelen an; und schaffe, daß mit heilgem Triebe, was lebt, dich ewig loben kann. Mel. Vater aller Gnaden. # 199. Gott, groß von Erbarmen! weiſe nicht mich Armen, nicht mein Flehen ab. Schau von deinem Throne, schau in deinem Sohne auf mich Wurm herab. Ich : bin ein unwürdger Beter, doch dein Sohn 11 4 ist mein Vertreter. 2. Nicht die Lust zu Schäßen, Würden und Ergößen, treibt mich, Herr! zu dir; deines Geistes Gaben wünsch ich nur zu haben, so genüget mir; und die willst du 24* 372 0 Erster Theil.ist and not gern verleihen, wenn wir brünstig zu dir schreien. and med 3. Mußt' dein Sohn nicht sterben, um mir zu erwerben diesen guten Geist? Sollte meiner Seelen dieser Beistand fehlen, den dein Wort verheißt? Soll ich Lob und Preis dir geben, so muß mich dein Geist beleben. 4. Arge Väter haben Kindern gute Gaben immer noch gewährt; thätest du wohl minder? werden deine Kinder von dir nicht erhört, wenn um deinen Geist fie flehen? das wird ewig nicht geschehen. 5. 3war ich hab' in Sünden sicher, ohn' Empfinden, lange fortgelebt; deines Geistes Regung selbst mit Ueberlegung gar oft widerstrebt, ja, ich bin ein Kind der Höllen, doch verzeihest du Rebellen. 6. Komm denn, mein Berather! Komm, du Geist vom Vater! Komm, du Geist des Herrn! du kannst Herzen zwingen, du kannst Ruhe bringen, und du thu es gern. Förd're du durch mächt'ge Triebe in mir Glauben, Hoffnung, Liebe. 7. Deffne mein Verständniß! Weisheit und Erkenntniß stammt von dir allein, Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben. 373 Laß bei meiner Blöße mir der Gottheit Größe stets vor Augen sein, und dann zeige du mir Armen Jesu göttliches Erbarmen. 8. Quelle brünst'ger Triebe, Feuer teuscher Liebe! Lasse deine Glut auch mein Herz durchdringen, und in Flammen bringen, Gott, mein höchstes Gut! Lasſe mich gleich Seraphinen dir mit Lieb' und Eifer dienen. 9. Ist bei schweren Plagen ganz mein Geist zerschlagen, so hilf gnädiglich. Macht die Brüfungshiße, daß ich schmachtend size, so erquicke mich. Laß des Trostes Ströme fließen, und sich in mein Herz ergießen. 10. Ich kann alles tragen; ich darf alles wagen; du bist mir ein Pfand, das im tiefsten Leide mir des Himmels Freude und mein Vaterland auf das tröstlichste gewähret, und mich seufzend danken lehret. Think ouD Mel. Werde munter, mein. 116. 200. Der du uns als Vater liebeſt! treuer Gott! und deinen Geist denen, - 374 Erster Theil. die dich bitten, gibest, ja, um ihn uns bitten heiß'st: demuthsvoll fleh ich vor dir; Vater! send ihn auch zu mir, daß er meinen Geist erneue, und ihn dir zum Tempel weihe. 2. Ohne ihn fehlt meinem Wissen Leben, Kraft und Fruchtbarkeit; und mein Herz bleibt dir entrissen, und dem Dienst der Welt geweiht, wenn er nicht durch seine Kraft die Gefinnung in mir schafft, daß ich dir mich ganz ergebe, und zu deiner Chre lebe. 3. Auch dich fann ich nicht erkennen, Jesu! noch mit ächter Treu meinen Gott und Herrn dich nennen, stehet mir dein Geist nicht bei. Drum so laß ihn kräftiglich in mir wirken, daß ich dich glaubens voll als Mittler ehre, und auf deine Stimme höre. 4. Ewge Quelle heilger Güter, hochge lobter Gottes- Geist! der du menschliche Gemüther besserst, und mit Troft erfren'st! nach dir, Herr, verlangt auch mich! ich ergebe mich an dich. Mache mich, 34 Gottes Preise, heilig, und zum Himmel weiſe. Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben. 375 5. Fülle mich mit heil'gen Trieben, daß ich Gott, mein höchstes Gut, über alles möge lieben, daß ich mit getroftem Muth seiner Vaterhuld mich freu', und mit wahrer Kindestreu' stets vor seinen Augen wandle und rechtschaffen denk' und handle. 6. Geist des Friedens und der Liebe, bilde mich nach deinem Sinn, daß ich Lieb' und Sanftmuth übe, und mir's rechne zum Gewinn, wenn ich je ein Friedensband knüpfen kann, wenn meine Hand, zur Erleicht'rung der Beschwerden, kann dem Nächsten nüßlich werden. 7. Gieb mir wahre Selbsterkenntniß, daß ich meine Fehler seh', und durch demuthsvoll Bekenntniß Gott um die Vergebung fleh. Mache täglich Ernst und Treu', sie zu bessern in mir neu. Bu dem Heiligungsgeschäfte gieb mir immer neue Kräfte. 8. Wenn der Anblick meiner Sünden mein Gewissen niederschlägt; wenn sich in mir 3weifel finden, die mit Angst mein Herze hegt! wenn mein Aug' in Nöthen weint, und Gott nicht zu hören 376 als Erster Theil. pred scheint: o dann laß es meiner Seelen nicht an Troft und Stärkung fehlen. 9. Was sich Gutes in mir findet, ist dein Gnadenwerk in mir. Selbst den Trieb haſt du entzündet, daß mich, Herr, verlangt nach dir. O, so sebze durch dein Wort deine Gnadenwirkung fort, bis sie durch ein selig Ende herrlich sich an mir vollende. thi and Mel. des 77. Psalms. E 201. Heilger Geist, du HimmelsE ¥ lehrer! starker Tröster und Bekehrer! F kehre bei mir Sünder ein, laß mich deine Wohnung sein. Gib, daß stets durch heilges Denken sich mein Herz zu Gott mag lenken; klopf an meinem Herzen an, *** wenn ich geh auf falscher Bahn. am 2. Treibe, leite und regiere, mich zum Guten stetig führe, gib selbst Lust und HIL Von dem heiligen Geiste und deffen Gaben. 377 Kraft dazu, daß ich Gottes Willen thu. Gib mir stetiges Verlangen, Jesu feſter anzuhangen, immer mehr von Sünden rein, heilig, unbefleckt zu sein. 3. Hilf, daß ich mich bald betrübe, wenn was Böses ich verübe; gib, daß bei mir wahre Reu über mein Bergehen sei. Laß mich allezeit erwägen, daß Gott sei bei mir zugegen, der auf jedes Wort und That sehr genaue Achtung hat. 10 4. Laß mich, weil ich leb auf Erden, wachsam stets erfunden werden, und nach göttlichem Geheiß thun mein Amt mit allem Fleiß. So werd ich durch dieses Führen auch in meinem Herzen spüren, daß du, werther Gottesgeist, in mir wohnst und träftig ſeiſt.se nd men bad 5. Komm! erfülle, tomm! bewohne, mit dem Vater und dem Sohne, Geist der Liebe, lieber Gast, was du so geheiligt haft: so will ich von ganzer Seelen deinen Gottesruhm erwählen, preisen dich, Dreieinigkeit, hier und dort in Ewigkeit. Mel. Viebster Jesu wir sind.- 4. 202. Gott! du haft in deinem Sohn mich von Ewigkeit erwählet, sende nun von 378 Erster Theil. deinem Thron, was noch meinem Heile fehlet, und gib mir des Geistes Gaben, durch sie werd ich alles haben. 2. Bin ich noch in Sünden todt, und zum Guten ganz verloren: heilger Geist, mein Herr und Gott: mache du mich neu geboren; rette mich von dem Verderben; laß mich nicht in Sünden sterben! 3. Treibe weg die finstre Nacht falscher, zweifelnder Gedanken; wenn die Welt mich irre macht, halte die Vernunft in Schranken! wenn ich mich von dir entferne, wo ists, daß ich Weisheit lerne? 4. Schaffe mir ein reines Herz, daß ich stets an Gott gedenke, und mich oft mit Reu und Schmerz über meine Sünden kränke; doch nach den betrübten Stunden tröste mich durch Jesu Wunden. 5. Pflanze du mich selbst in ihn, als ein Glied an seinem Leibe, und wenn ich sein eigen bin, hilf mir, daß ich es auch bleibe, und als eine gute Rebe Früchte bring und in ihm lebe. 1706 6. Glaube, Lieb und Hoffnung sei stets die Bierde meiner Seele; in Versuchung steh mir bei, daß ich stets das Beste wähle. Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben. 379 Gib mir Demuth in den Freuden, und Geduld und Muth im Leiden. 7. Hilf mir reden recht und wohl, und des Gottesdienstes Pflichten, wie du forderst, wie ich soll, ohne Heuchelei verrichten, christlich leben, selig sterben, und dein himmlisch Reich einst erben. Mel. von Nr. 37. 203. Dir, Vater! dankt mein Herz und singt, daß du den Sohn gegeben, den Sohn, der Heil den Sündern bringt, und unvergänglichs Leben; ich danke dir, daß du den Geist, der deinen Sohn durch Wunder preist, zur Erde haft gesendet! der Geist der Wahrheit kam herab, der deinen Knechten Stärke gab, daß sie dein Werk vollendet. 2. Erfüllt von seiner Wunderkraft, gehn sie, die Welt zu lehren; der Geist, der neue Herzen schafft, hilft ihnen ſie bekehren; der ganze Erdkreis hört erfreut die Botschaft unsrer Seeligkeit, Vernunft und Wahrheit siegen; das Laster und die Blindheit flieht! wo man den Finger Gottes sieht, muß Satan unterliegen. 380 her Erster Theil.gd met n 3. Umsonst, daß er noch wilder tobt, Verfolgung zu erregen. Der Name Jesu wird gelobt, sein Wort ist Kraft und Segen. Die Jünger schreckt nicht Bein noch Müh; der Geist der Stärke stärkte sie in Martern und im Tode. Sie blieben ihrem König treu, bekannten seinen Namen frei, und lobten ihn im Tode. 4. Noch jetzt bist du der Geist der Kraft, noch jetzt der Menschen Lehrer, der Jesu neue Jünger schafft, des Höllenreichs Zerstörer. In Sündern wirkst du Buß und Leid, in frommen Seelen Trost und Freud, und Muth im Kampf der Sünden. In bangen Stunden schenfest du, so wie im Tode, Seelenruh, daß sie froh empfinden. 20 5. Des Vaters und des Sohnes Geist, du Quell des Lichts, der Liebe, den Gott den Betenden verheißt, ach, heilge meine Triebe! schaff du in mir ein neues Herz, gib wahre Buß und Sündenschmerz, hilf mir im Glauben beten. In bangen Stunden tröste mich, und zeige voll Er barmen dich mir einst in Todesnöthen! Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben. 381 Mel. Gott des Himmels und der 2c. 32. 204. Komm, o komm, du Geist des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit! Deine Kraft sei nicht vergebens; sie erfüll uns jederzeit! so wird Geist, und Licht, und. Schein in den dunkeln Herzen sein. - 2. Gib in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rath, Verstand und Zucht, daß wir anders nichts beginnen, denn was nur dein Wille sucht! dein Erkenntniß werde groß, und macht uns vom Jrrthum los. 3. Beige, Herr, die Wohlfahrtsstege! das, was dich betrüben kann, räume ferner aus dem Wege! führ uns zu dem Guten an; wirke Reu an Sünden statt, wenn der Fuß gestrauchelt hat! 4. Laß uns stets dein Zeugniß haben, daß wir Gottes Kinder sind; stärk uns dann mit deinen Gaben, wenn sich Noth und Drangsal findt; zeige, daß des Vaters Zucht einzig unser Bestes sucht! 5. Reiz uns, daß wir zu ihm treten gläubig und mit Freudigkeit; mach uns tüchtig, recht zu beten, und vertritt uns allezeit! so wird unsre Bitt erhört, und die Zuversicht vermehrt. 6 d iso 382 Erster Theil. 6. Wird uns auch um Hülfe bange, daß das Herz oft rufen muß: ach, mein Gott, mein Gott, wie lange! o, so mache den Beschluß; sprich der Seele tröstlich zu, und gib Muth, Geduld und Ruh. 7. O du Geist der Kraft und Stärke, du gewisser neuer Geist, fördre in uns deine Werke, wenn uns Satan wanten heißt! schenk uns Muth und Kraft im Krieg, und verleih uns dann den Sieg! 8. Herr, bewahr auch unsern Glauben, daß kein Teufel, Tod noch Spott, uns denselben möge rauben! du bist unser Schuß und Gott! sagt das Fleisch gleich immer: Nein! Laß dein Wort gewisser sein! 9. Wenn wir endlich sollen sterben, so versichre uns jemehr, als des Himmelreiches Erben, jener Herrlichkeit und Ehr, die uns unser Gott bestimmt, und die nie ein Ende nimmt. Mel. Nun bitten wir den heilgen Geist. 205.D es Vaters und des Sohnes Geist, du, der uns den Weg zum Heile Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben. 383 weist, gnadenvoller Tröster! Laß, wenn wir sterben, uns das ewige Leben ererben, gib uns Jesu Frieden. 2. Es leucht uns, Licht des Herrn, dein Schein, wenn schon Tod und Verwesung uns dräun; lehr uns Jesum Christum, den Sohn, erkennen, und in der Liebe des Sohnes brennen, lebend und im Tode. 3. O du, der Liebe Geist! erhöh unſre Seele, daß sie schmeck und seh, wie der Herr uns liebte, laß in den Brüdern, als in seinen geheiligten Gliedern, Jesum stets uns lieben. 4. Du höchster Trost in aller Noth! hilf getreu uns sein bis in den Tod. Heilig laß uns leben; und nicht verzagen, wenn uns unsre Sünden verklagen vor der Welten Richter! Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 29. 206. Edler Geist im Himmelsthrone, eines Wesens, einer Kraft mit dem Bater 384 Erster Theil. plissa oll und dem Sohne! Geist, der neues Leben schafft! Flöße du die wahre Reu in mein Herz und mach es neu, daß Gott ſelbst mit seiner Gabe Lust in mir zu wohnen habe. 2. Du, der Tugend Wiederbringer, machst es in dem Herzen licht; du giebſt, mächtiger Bezwinger, daß der Sünde Macht zerbricht. Kehrest du nur bei mir ein: so wird meine Seele rein, und auch schon auf dieser Erden eine Wohnung Gottes werden. Hist 3. Geist der Wahrheit! komm und führe mich zur wahren Weisheit an; daß des Höchsten Wort mich rühre, und ich willig folgen kann. Deffne du mir jene Schrift, die mein ewig Heil betrifft: Laß mich hier zum Theil verstehen, was ich dort soll völlig sehen. 4. Geist des Trostes! in dem Leiden steh mir allzeit kräftig bei! wenn die besten Freunde scheiden, bleib du mir beständig treu! gib mir ein gelaßnes Herz, daß ich in dem größten Schmerz Trost der Seele bei dir finde, und den Unmuth überwinde. 175 s90889119 Von dem heiligen Geiste und dessen Gaben. 385 5. Geist des Raths! wenn mir verschwindet aller Rath in Angst und Noth, wenn sich nirgends Hülfe findet, wenn ich leide, wenn der Tod mir fast unvermeidlich scheint, und mein trübes Auge weint: so gib, daß es meiner Seele nicht an Rath und Hülfe fehle. 6. Geist der Freuden, mein Gemüthe sucht an dir nur seine Lust. Schmeck ich deine große Güte, so verachtet meine Brust, was die Welt für Luft erdenkt, welche nur die Seele fränkt. Rechte Freude muß den Frommen einzig von Gott selber kommen. 7. Geist des Betens! lehr mich beten: Abba, Vater in der Höh! Treibe mich, vor Gott zu treten, und gib, wenn ich vor ihm steh, daß mein Bitten kräftig sei; stehe meinem Seufzen bei: sprich in mir, in Gottes Namen, nach dem Flehn ein kräftigs Amen! Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 29. 207. Geist vom Vater und vom Sohne! der du unser Tröster bist, und von unsers Gottes Throne hülfreich auf uns Schwache fiehst. Stehe du mir mächtig bei, daß ich Gott ergeben sei; o, so wird mein Herz auf Erden schon ein Tempel Gottes werden. 25 - 386 Erster Theil. 2. Laß auf jedem meiner Wege deine Weisheit mit mir sein; wenn ich bange 3weifel hege, deine Wahrheit mich erfreun. Lenke kräftig meinen Sinn auf mein wahres Wohlsein hin. Lehrst du mich, was recht ist, wählen, werd ich nie mein Heil verfehlen. 3. Heilige des Herzens Triebe, daß ich über alles treu meinen Gott und Vater liebe! daß mir nichts so wichtig sei, als in seiner Huld zu stehn. Seinen Namen zu erhöhn, seinen Willen zu vollbringen, müsse mir durch dich gelingen. 4. Stärke mich, wenn wo zur Sünde mein Gemüth versuchet wird, daß sie mich nicht überwinde. Hab ich irgend mich ver irri, o, so strafe selbst mein Herz, daß ich, unter Reu und Schmerz, mich vor Gott darnieder beuge und mein Herz zur Beßrung neige. 5. Reize mich mit Flehn und Beten, wenn mir Hülfe nöthig ist, zu dem Gnadenstuhl zu treten. Gib, daß ich auf Jesum Christ, als auf meinen Mittler, schau und auf ihn die Hoffnung bau, Gnad um Gnad auf mein Verlangen von dem Vater zu empfangen. Von der christlichen Kirche. 387 6. Stehe mir in allen Leiden stets mit deinem Troste bei, daß ich auch alsdann mit Freuden Gottes Führung folgsam sei. Gib mir ein gelassen Herz. Laß mich selbst im Todesschmerz bis zum frohen Ueberwinden deines Trostes Kraft empfinden. 15) Von der christlichen Kirche. Aus dem 46. Psalm. Mel. Ein feste Burg ist unser Gott. 85 208. Ein starker Schuß ist unser Gott! auf ihn steht unser Hof- fen. Er hilft uns 1 treu aus aller Roth, so viel uns der betroffen. Satan, unser Feind, der mit Ernst es meint, rüstet sich mit List, troßt, daß er mächtig ist. Ihm gleicht kein Feind auf Er- den. 25* 388 Erster Theil. 2. Nicht unsre Macht ists, die ihn fällt. Wir wären bald verloren. Es kämpft für uns der rechte Held, den uns Gott selbst erforen. Fragst du, wer er ist? er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth. Er, unser Herr und Gott, er muß den Sieg behalten. 3. Die ganze Hölle schäume Wuth und droh uns zu verschlingen. Troß ihr! uns rüstet Gott mit Muth. Es soll uns doch gelingen. Wenn der Fürst der Welt sich schon grimmig stellt, schreckt er uns doch nicht. Er ist ja längst gericht't. Ein Wort fann ihn schon fällen. 4. Das Wort steht fest! die stolze Welt mag noch so heftig toben! der Herr mit uns! der starke Held! der gibt uns Sieg von oben. Tödten sie den Leib, nehmen Kind und Weib, rauben Gut und Ehr; sie nehmens! was ists mehr? Uns muß der Himmel bleiben. Mel. von Nr. 55. 209. Laß doch, o Jesu, laß dein Reich auf Erden unter den Sündern ausgebreitet werden! Schenke doch ihnen, deiner Leiden wegen, Leben und Segen. Von der christlichen Kirche. 389 2. Gib ihnen Gnade, dich recht zu erkennen, daß sie dich gläubig ihren Herren nennen; gib ihnen Eifer, deinen guten Willen treu zu erfüllen. 3. Mit heilger Achtung laß die Schrift sie ehren, denn sie verkündigt deines Mundes Lehren. Außer ihr suchen Sterbliche vergebens Worte des Lebens. 4. Steure, Erbarmer! deiner Feinde Grimme. Warne die Deinen vor des Irrthums Stimme. Lehre sie prüfen, daß sie falsche Freuden flüglich vermeiden. 5. Sei du ihr Licht in ihren Finsternisfen, heile selbst ihr verwundetes Gewissen. Schlägt oft ein Kummer ihre Herzen nieder: stärke sie wieder. 6. Schüße uns mächtig mitten unter Bösen, bis du von ihnen ganz uns wirst erlösen, bis wir zum Umgang der verklärten Frommen frohlockend fommen. Der 67. Pfalm. Mel. Vom Himmel hoch da komm. 109. 210. Gott, der uns immer Gutes gab, schau gnädig stets auf uns herab, entzieh dein freundlich Angesicht, Herr, deinen 390 Erster Theil. 2. O Gott, Jehovah, zeige dich der Welt! der Weltkreis freue sich, wird dein Erkenntniß ihm zu Theil, in dir, o Gott, und deinem Heil. 3. Es mache aller Völker Mund, Gott, deine Macht und Weisheit fund! fein Volk sei auf der weiten Welt, das deine Güte nicht erzählt! 4. Ja, jedes Volk, das dich erkennt, das wird von deinem Lob entbrennt, wer dich anbetet, Gott, der freut sich deiner großen Gütigkeit. 5. Lob, Erdenkönig, dir! du bist ein Führer, der allmächtig ist! wer nimmt sich unsrer treuer an, wer ist, der so beschüßen kann? 6. Es mache aller Völker Mund, Gott, deine Macht und Weisheit fund! fein Volk sei auf der weiten Welt, das deine Güte nicht erzählt. 7. Die Erde ist nicht mehr verflucht, ſie bringt uns segensvolle Frucht, wir wissen nichts von Hungersnoth; stets segne uns Gott, unser Gott! 8. Ja, mach Jehovah, deine Treu an uns mit jedem Morgen neu; dir diene Von der christlichen Kirche. 391: deine ganze Welt mit einem Dienst, der dir gefällt. 211. Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort, und steure deiner Feinde Mord, die Jesum Christum, deinen Sohn, vom Throne frech zu stürzen drohn. 2. Zeig deine Macht, Herr Jesu Christ! der du Herr aller Herren bist; beschirme deine Christenheit, daß sie dich lob in Ewigkeit. 3. Gib, heilger Geist, uns einen Sinn, nimm alle Zwietracht von uns hin. Vor deines Wortes Licht und Macht entflieh des Wahns und Irrthums Nacht. 4. Herr! laß uns dir befohlen sein. Schau unsre Noth; wir sind ja dein. Erhalt im Glauben uns getreu, und mach uns von den Feinden frei. 5. Sie dichten, Herr! ein Frevelstück! es fall auf ihren Kopf zurück! sie graben 392 Erster Theil. Gruben mit viel Müh; in ihre Gruben stürze sie! 6. So werden sie erkennen doch, du unser Herr, Gott, lebest noch, du stehst bei deiner Kirche fest, die sich allein auf dich verläßt. Mel. von Nr. 55. 212. Schüße die Deinen, die nach dir sich nennen, und dich, o Jesu, vor der Welt bekennen. Laß deinen Händen, wie du selbst verheißen, nichts sie entreißen. 2. Laß deine Wahrheit rein verkündigt werden. Mach ihre Siege herrlicher auf Erden. Gieb Muth und Weisheit denen, die sie lehren, dein Reich zu mehren. 3. Du hast noch niemals, Herr, dein Wort gebrochen. Führe die Deinen, wie du selbst versprochen, führe sie endlich aus dem Kampf hienieden zum ewgen Frieden. 4. Ewig, o Heiland, sei dein Nam erhoben. Ewig frohlockend müsse dich einst loben, o du Beherrscher deiner schwachen Heerde! Himmel und Erde. Von der christlichen Kirche. Der 46. Pfalm. Mel. von Nr. 50. 213. Gott ist uns Stärk und Schuß in Nöthen, und unsre Zuversicht. Er weigert, wenn wir zu ihm beten, uns seine Hülfe nicht. Und sollte gleich der Erdkreis zittern, und stürzt er auf uns her, uns würde keine Furcht erschüttern, und sänken Berg ins Meer. 2. Sollt auch das Meer so heftig toben, und stürzten vor der Wuth Gebirge, ihrem Grund enthoben, hinab in seine Fluth; sie bleibet doch mit ihren Bächen die Stadt des Herrn, in ihr wohnt Gott, der wird die Wogen brechen, sie jauchzet: Gott ist hier! 393 3. Gott wohnet selbst in ihren Mauern, der Herr beschüßzet sie, sie wankt nicht, ewig wird sie dauern, der Höchste hilft ihr früh. Die Völker tobten, und im Grimme empörten Reiche sich! er sprach, vor seines Donners Stimme zertheilten Welten sich. 4. Wer ist der Feind, der uns zerstöre? er, der uns hilft, ist Gott! Gott ist mit uns, der Herr der Heere, uns schützet 394 Erster Theil. Jacobs Gott! kommt her, und merkt auf Gottes Werke und lernet seine Kraft. Er ist es, es ist seine Stärke, die solch 3erstören schafft. 5. Er macht sich auf, dem Krieg zu steuern, der so viel Blut vergoß. Und er zerbricht, daß Länder feiern, Schwert, Bogen und Geschoß. Den Spieß hat seine Hand zerschlagen, daß er nicht tödten kann. Er zündet des Verheerers Wagen mit seinem Feuer an. 6. Laßt ab, und wißt, und lernt mit Freuden, ich sei Gott, Herr der Welt! groß will ich werden vor den Heiden, und herrlich vor der Welt! Gebt alle unserm Gott die Ehre! er, der uns hilft, ist Gott! Gott ist mit uns, der Herr der Heere; uns schüßet Jacobs Gott! 214. Wenn Christus seine Kirche schüßt: so mag die Hölle wüthen. Er, der zur Rechten Gottes sißt, hat Macht, ihr Von der christlichen Kirche. 395 zu gebieten. Er ist mit Hülfe nah; wenn er gebeut, stehts da. Er schüßt zu seinem Ruhm mit Macht das Christenthum. Mag doch die Hölle wüthen. 2. Gott sieht die Fürsten auf dem. Thron fich wider ihn empören; denn den Gesalbten, seinen Sohn, den wollen sie nicht ehren. Sie schämen sich des Worts des Heilands, unsers Horts; sein Kreuz ist selbst ihr Spott, doch ihrer lachet Gott. Sie mögen sich empören. 3. Der Frevler mag die Wahrheit schmähn; uns kann er sie nicht rauben. Der Unchrist mag ihr widerstehn; wir halten fest am Glauben. Gelobt sei Jesus Christ; wer hier sein Jünger ist, sein Wort von Herzen hält, dem kann die ganze Welt die Seligkeit nicht rauben. 4. Auf, Christen! die ihr ihm vertraut, laßt euch kein Drohn erschrecken. Der Gott, der von dem Himmel schaut, wird 396 Erster Theil. uns gewiß bedecken. Der Herr, Herr Bebaoth hält über sein Gebot, gibt uns Geduld in Noth, und Kraft und Muth im Tod; was will uns dann erschrecken? 215. A chGott vom Himmel sieh darશ Î ein, und laß es dich erbar- men! wie wenig Herzen sind noch dein; entzieh dich nicht uns Ar- men! dein theures Wort F hält man für Spott: empört sich wider dich, o Gott! will deinen Sohn nicht ☆ ten- nen. 2. Sie lehren eitel Träumerei, was Eigenwiß erfindet. In feiner Wahrheit ist dabei ihr unstät Herz gegründet. Der wählet dies, der andre das, es trennen sich ohn Unterlaß, die mit Vernunft sich brüsten. Von der christlichen Kirche. 397 3. Ach Herr, mein Gott, vertilge doch des Frrthums freche Lehren. Wie lange sprechen Frevler noch die Menschheit zu entehren: tief schaun wir in die Wahrheit ein; uns täuscht kein gleisnerischer Schein. Nur blinde Herzen glauben! 4. Gott siehts und spricht: bald kommt die Zeit, daß ich dem Frevel steure, damit sich in der Christenheit kein Heidenthum erneure. Indessen greif den schnöden Wahn mein Wort mit starken Waffen an, und bleib unüberwindlich. 5. Im Feuer siebenmal bewährt, glänzt edles Silber heller; und durch Verspottungen bewährt, strahlt Gottes Wort auch heller. Der Strahlen siegende Gewalt durchbricht der Zweifel Nebel bald und blendet selbst die Feinde. 6. Sein Licht beschüß uns, daß uns nie das frevelnde Geschlechte in seine schlauen Neßze zieh, nie unter uns sich flechte; denn alle Bosheit wächst geschwind, wo frecher Spott erst Kraft gewinnt, sein Gift ertödtet Seelen. 7. O dämpfe selbst, du starker Gott, die dir die Ehre rauben. Jesus Christ, 398 Erster Theil. bei ihrem Spott stärk kräftig unsern Glauben. Oheilger Geist, verleih uns Gnad, daß wir vor Abfall und Verrath mit ganzem Ernst uns hüten. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich. 119. 216. O Vater der Barmherzigkeit, bei allen Zeitverwandten doch nun seit der Apostelzeit recht groß in allen Landen; du haft durch deines Geistes Kraft die große Schar der Heidenschaft zu deinem Reich berufen. 2. Getrennt durch Mannigfaltigkeit des Glaubens und der Zungen, auf dieser ganzen Welt zerstreut, hat sie dein Wort durchdrungen! hat sie dein starker Geist gerührt und nun zu einem Zweck geführt in Einigkeit des Glaubens. 3. Ach, sei doch auch in dieser Zeit uns, Vater, wieder gnädig! und mach uns von Uneinigkeit des Glaubens los und ledig! gib, daß vereint auf einen Grund wir dir zugleich mit Herz und Mund im Geist der Liebe dienen. - 4. Ach, schaue, wie des Satans List vereinte Brüder trennet, wie man der Liebe ganz vergißt, von blindem Eifer brennet, und dann, von Wissen aufgebläht, um Von der christlichen Kirche. 399 Dinge, die man nicht versteht, sich ohne Grund entzweiet. 5. D Herr! hilf diesem Uebel ab und gib, daß deine Heerde bald unter ihres Hirten Stab genan verbunden werde: im Wesentlichen einerlei; in Nebendingen aber frei, in allem liebreich dente. 6. Wenn Brüder, Herr, auf dein Geheiß vertraut beisammen wohnen, und ihrer Schwachheit wechselweis mit Zärtlichkeit verschonen: 0, was kann angenehmer sein! du selbst, Herr! wirst dich ihrer freun, und sie mit Segen krönen. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele.- 29. 217. Treuer Hirte deiner Heerde, du, der Deinen starter Schuß! siehe doch, wie Staub und Erde wider dich mit frechem Truß tobt, und in den Waffen ist, und sich freventlich vermißt, deine Kirche zu zerstören und dein Erbe zu verheeren. 2. Du, Herr! bist ja unser König; dein sind wir nach Leib und Seel. Menschenhülfe ist zu wenig, wo du nicht, Immanuel, zu der Deinen Rettung wachst, und den Feind zu Schanden machst, wo du 400 Erster Theil. nicht sein Wüthen dämpfeft, und für deine Wahrheit kämpfeft. 3. Es betrifft ja deine Ehre, es betrifft dein Heiligthum; deine theure Gnadenlehre, deines Todes Kraft und Ruhm, und den Dienst, der dir allein von uns muß geheiligt sein; o, wie solltest du denn schweigen und dich nicht als Retter zeigen! 4. Du bedroheft Wind und Wetter, und es schweigt ihr Ungestüm. Steure denn, Herr, unser Retter, auch der Feinde Wuth und Grimm. Saul bekehrst du, wenn er schnaubt, und dir Ruhm und Ehre raubt, ach! bekehre die durch Lügen sich selbst um ihr Glück betrügen. 5. Doch nicht nur der Feinde Dräuen, die Verführung müssen wir auch bei unsrer Schwachheit scheuen, unsre Hülfe steht bei dir. Käm es auf uns selbst nur an, ach, wie leicht wär es gethan. Satan würde bald den Glauben uns aus unserm Herzen rauben. 6. Laß uns denn vorsichtig wandeln, und mit Taubeneinfalt zwar, doch auch flug, wie Schlangen, handeln. Zeig uns selbst bald die Gefahr. Schickt euch, es Von der christlichen Kirche. 401 ist böse Zeit, sprichst du; mach uns selbst bereit, daß wir machen, beten, kämpfen, und so die Versuchung dämpfen. 16) Von der heiligen Taufe. Einsetzung der Taufe. Mel. Christ, unser Herr, zum Jordan. 218. Wie Christus selbst zum Jordan kam, und nach des Vaters Wil- len die Taufe von Johannes nahm, um alles zu erfül- len, was Gott heischt: so muß auch das Bad, das er, um uns von Sünden zu waschen, angeordnet hat, vielmehr uns willig finden. Es bringt uns Heil und f Le- ben. * 26 Erster Theil. 2. Hört, wie es zu den Jüngern heißt: geht, spricht er, lehrt die Völker, und auf den Vater, Sohn und Geist tauft nunmehr alle Völker. Wer glaubet und die Tauf empfängt, wird selig, wer hingegen un gläubig fest am Frrthum hängt, der fliehet vor dem Segen, und muß verloren gehen. 402 Mel. von Nr. 72. 219. Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und heilger Geist! ich bin gezählt zu deinem Samen, zum Volt, das dir geheiligt heißt. O, welch ein Glüc wird dadurch mein! Laß, Herr, mich des auf ewig freun. 2. Du hast mich für dein Kind erkläret, mein Vater! und ein selig Theil hast du, Sohn Gottes, mir gewähret an dem von dir erworbnen Heil. Du willst, mein Leben Gott zu weihn, Geist Gottes, selbst mein Beistand sein. 3. Die Liebe ist nicht zu ermessen, die du, mein Gott, mir zugewandt., laß mich nie die Pflicht vergessen, dazu ich selbst mich dirverband, als du in deinen Bund mich nahmst, und mir mit Heil entgegen famst. Von der heiligen Taufe. 403 4. Du bist getreu. Auf deiner Seite bleibt dieser Bund stets feste stehn. Ja selbst, wenn ich ihn überschreite, läßt du dein Vaterherz, mich sehn! du klopfst an mein Gewissen an, und lockst mich auf die rechte Bahn. 5. Ich gebe, o mein Gott, aufs neue mich ganz zu deinem Opfer hin. Erwecke mich zu neuer Treue, und bilde mich nach veinem Sinn. Weich, eitle Welt! o Sünde weich! Gott hört es! jeßt entsag ich euch. 6. Befestige dies mein Versprechen, mein Vater! und bewahre mich, daß ich es niemals möge brechen. Mein ganzes Lebenpreise dich! Gott meines Heils! sei ewig mein, und laß mich stets den Deinen sein! Mel. Liebster Jesu, wir sind.- 4. 220. Mein Erlöser! der du mich dir zum Eigenthum erkaufet, als dein Jünger bin auch ich vormals auf dein Wort getaufet. Derwecke mich zum Fleiße, recht zu sein das, was ich heiße. 2. Laß mich oft mit Achtsamkeit meiner Taufe Bund betrachten, und nur das zu jeder Zeit für mein größtes Wohlsein achten, daß ich, Jesu! deinen Willen treulich suche zu erfüllen. 26* 404 Erster Theil. 3. Dieser Erde Gut und Ruhm bleibt im Tode doch zurücke. Nur ein wahres Christenthum folgt uns nach zum ewgen Glücke. Davon ist auch nach dem Sterben ewig Segen zu ererben. 4. Laß mich drum, wie dirs gefällt, deinem Dienst, Herr, ganz ergeben, und, entfernt vom Sinn der Welt, als dein treuer Jünger leben; daß ich einst auch, wenn ich sterbe, das verheißne Leben erbe. Mel. Liebster Jesu wir sind.- 4. 221. Herr! wir stehen hier vor dir; laß dies Kind auf unsern Armen dir gefallen, bitten wir, und erzeige dein Erbarmen, daß es dein Kind hier auf Erden, und im Himmel möge werden. 2. Wasch es, o Herr Jesu! rein durch dein Blut von seinen Sünden; laß es deinen Geist erneun und mit dir genau verbinden! da wir ihm den Namen geben, schreib es in dein Buch zum Leben! 3. Hirte! nimm dies Schäflein an! Haupt! mach es zu deinem Gliede! Lehrer! zeig ihm deine Bahn! Friedefürst! sei du sein Friede! König! laß es deinen Willen fünftig immer treu erfüllen! Von der heiligen Taufe. 405 4. Laß uns alle in der Welt als rechtschaffne Christen leben! endlich auch, wenn dirs gefällt, chriftlich unsern Geist aufgeben, und im Himmel zu den Frommen, zu den wahren Christen kommen. 17) Von dem heiligen Abendmahle. Einsetzung des heiligen Abendmahls. Mel. des 91. Psalms. 222. A B für unsre Missetha- ten, in jener Nacht um schnöden Sold aufs schändlichste veris Jesus jepund sterben wollt $ ra- then: hielt er in dem bestimmten Saal, von Gottes Hand geleitet, mit seinen Jüngern noch das Mahl, das längst auf ihn gedeutet. 406 Erster Theil. 2. Hier sprach er: mich verlanget sehr, dies Paschah zu begehen; nun seir ich keinen Festtag mehr, bis Gott mich wird erhöhen auf meinem Stuhl in meinem Reich, das mir der Vater gibet, und dem, der hier mit mir zugleich in seiner Lieb sich übet. 3. Drauf nahm er Brod, und brachs, und dankt, und sprach: nehmt hin und effet, damit ihr nicht im Glauben wanft, und meiner nicht vergesset; das ist mein Leib, der durch viel Qual jetzt wird für euch gebrochen, daß eure Schuld und Adams Fall nicht werd an euch gerochen. 4. Den Dankkelch nahm er auch hierauf; er that mit Wohlgefallen den Mund zum Lobe Gottes auf, und sprach zu ihnen allen: nehmt hin und trinkt, das ist mein Blut, das ich für euch vergieße, euch droht umſonst der Höllen Glut, indem ich für euch büße. 5. Das Blut, das an dem Altar dort in Opfern ward vergoßen, tilgt nicht die Schuld, schafft sie nicht fort, drum sollt, wie Gott beschlossen, jetzt zur Vertilgung dieser Schuld mein Blut, mein Söhnblut fließen; nun denkt an Gottes Gnad und Huld mit freudigem Gewissen. Von dem heiligen Abendmahle. 407 6. Halt't oft den Brauch mit Brot und Wein, auf daß ihr mein gedenket; laßt euch mein Leiden theuer sein; gespeiſet und getränket, sagt laut: o! wenn dein Tod nicht wär, wir müßten ewig sterben. Und lebt hinfort, zu meiner Ehr, als würdge Himmelserben! 7. Kein Tropfen labt den reichen Mann in seinen schweren Leiden, schaut mich dagegen gläubig an, sein Schicksal zu vermeiden. Wer mir vertraut, und Buße thut, der ist durch mich versöhnet, doch weh dem Falschen, der mein Blut mit frechen Lastern höhnet. 8. Die Welt, die nicht ihr Heil versteht, bleibt an dem Neußern hangen, und meint damit, wenns übel geht, Genade zu erlangen! doch dich entzeucht nicht Brot und Wein dem ernstlichen Gerichte; soll dies dein Trost, o Sünder sein, so wird dein Trost zu nichte. 9. Der rechte Labtrank ist mein Blut, mein Fleisch die rechte Speise; o, iß und trinke dir zu gut, und auf die rechte Weiſe. Erkenn, daß ich mich in den Tod für dich dahin gegeben: so weichet Durst und Hungersnoth, so hast du Heil und Leben. Erster Theil. 10. Ich bleib in dir und du in mir, damit von meinem Geiste dein Geist getrieben für und für Gott Dank und Ehr erweise. Du bist nun ganz mein Eigenthum, ich kann dich nicht verlassen. Ich will dich einst zu meinem Ruhm mit ewger Treu umfaſſen. 408 11. Dein Wort, o Jesu! fehlet nicht, das glauben wir von Herzen; nur gib, daß wir nach unsrer Pflicht an deine Todesschmerzen stets denken, und auf ebner Bahn nach deinem Willen wandeln, und also, wie du uns gethan, mit unsern Brüdern handeln. Mel. Allein Gott in der Höh. 15. 223. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, o Seele! der auf Erden vom Himmelsthron gekommen ist, ein Heiland dir zu werden. Vergiß sein nicht, denn dir zu gut verband er sich mit Fleisch und Blut. Dank ihm für diese Liebe! 2. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der für dich hat gelitten. Da er am Kreuz gestorben ist, hat er dir Heil erstritten. Errettung von der Sündennoth erwarb er dir durch seinen Tod. Dank ihm für diese Liebe! Von dem heiligen Abendmahle. 409 3. Halt im Gedächtniß Jesum Chrift, der von dem Tod erstanden, und jetzt zur Rechten Gottes ist. Er hat von Todesbanden auch dir Befreiung ausgemacht, und ewges Leben wiederbracht. Dank ihm für diese Liebe! 4. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, er wird einst wiederkommen, zu richten, was auf Erden ist, die Sünder und die Frommen. Drum sorge, daß du dann bestehst, und mit ihm in den Himmel gehst, ihm ewiglich zu danken. 5. Mein Heiland, den der Himmel preist, dich will ich ewig loben. O, stärke dazu meinen Geist mit neuer Kraft von oben. Dein Abendmahl vermehrt in mir des Glaubens Kraft, auf daß ich dir mit neuer Treue diene. Mel. Herzlich lieb hab ich.- 141. 224. Gelobt seift du, Herr Bebaoth! gelobt für unsers Mittlers Tod, der uns das Heil erworben! wie hast du, Gott, auch mich geliebt! er, der uns ewig Leben gibt, ist auch für mich gestorben. Mein ganzes Herz frohlockt in mir. O Vater, ich lobsinge dir. Gib, daß ich jeden Tag 410 Erster Theil. aufs neu mich deiner Vaterhuld erfreu. Gott meines Heils! sei ewig mein, sei ewig mein, und laß mich dir recht dankbar sein. 2. Voll hoher Ehrfurcht beug ich mich vor dir, Sohn Gottes, der du dich für mich dahin gegeben. Es komme mir nie aus dem Sinn, wie viel ich dir, Herr, schuldig bin. Dein Tod bringt mir das Leben. Durch deines Opfers ewge Kraft hast du, o Herr, auch mir verschafft, was mich vor dem Verderben schüßt, was meinem Geiste ewig nüßt. Herr Jesu Christ! wie liebst du mich! wie liebst du mich! gib, daß ich ewig liebe dich! 3. Mit Inbrunst fleh ich, Herr, zu dir! befördre du doch selbst in mir ein gläubiges Gemüthe! mich dürstet, gleich dem dürren Land, bei deiner Liebe Unterpfand, nach deiner großen Güte. Ich fühle, Herr, was mir gebricht. O stärke meine Zuversicht, daß du auch mein Versöhner seist, und mich vom ewgen Tod befreist. Herr, dieser Troft sei fest in mir, sei fest in mir, so dien ich voller Freuden dir. 4. 3ur Weisheit und Gerechtigkeit, zur Heiligung und Seligkeit bist du mir aus Von dem heiligen Abendmahle. 411 ersehen. Auch mir zum herrlichsten Gewinn gabst du dein Leben willig hin, drum hör auch jetzt mein Flehen. Mein Heiland, zeuch mich ganz zu dir, ja, durch den Glauben wohn in mir; so nimmt in mir die Seelenruh, und meines Herzens Beßrung zu. Mein Herr und Gott! verlaß mich nicht, verlaß mich nicht, so komm ich einst nicht ins Gericht. 5. 3u deinem Himmel hilf du mir. Der Freuden Fülle ist bei dir; laß sie mich einst genießen. Belebe mich mit Muth und Kraft, so meine ganze Pilgerschaft zu führen und zuschließen, daß mir dein Wort stets heilig sei, daß ich, bis in den Tod dir treu, mit Freuden thu, was dir gefällt, und dich auch ehre vor der Welt. Herr, mein Heil, sei stets mit mir, sei stets mit mir, so komm ich einst gewiß zu dir. Mel. An Wasserflüssen Babylons. 97. 225. Ich komme Herr, und suche dich, mühselig und beladen. D Herr! mein Heiland, segne mich mit den erworbnen Gnaden! ich liege hier vor deinem Thron, Sohn Gottes und des Menschen Sohn, mich deiner zu getrösten. Ich fühle meiner Sün- 412 Erster Theil. den Müh! ich suche Ruh und finde sie im Glauben der Erlösten. 2. Dich bet ich zuversichtlich an, du bist das Heil der Sünder. Du hast die Handschrift abgethan, und wir sind Gottes Kinder. Ich denk an deines Leidens Macht, und an dein Wort: es ist vollbracht! du haft mir Heil erworben. Für mich hast du dich dargestellt. Mit sich versöhnte Gott die Welt, da du für sie gestorben. 3. O freue dich, mein Herz in mir! er tilgte deine Sünden, er nahet sich mit Trost zu dir, und läßt dich Gnade finden. Du rufst und er erhört dich schon, spricht liebreich: sei getrost, mein Sohn die Schuld ist dir vergeben. Du bist in meinen Tod getauft. Vergiß nicht, dem, der dich erkauft, zur Ehre stets zu leben. 4. Dein, spricht er, ist die Seligkeit, bewahre sie im Glauben; und laß durch keine Sicherheit dir deine Krone rauben. Sieh, ich vereine mich mit dir; ich bin der Weinstock; bleib an mir, so wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich, und durch die Liebe gegen mich wird dir der Sieg gelingen. Von dem heiligen Abendmahle. 413 5. Ja, Herr, mein Glück ist dein Gebot; ich will es treu erfüllen. D, gib mir selbst durch deinen Tod die Kraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an tüchtig sein, mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn, und deinen Tod zu preisen! Laß mich den Ernst der Heiligung durch eine wahre Besserung mir und der Welt beweisen. Mel. von Nr. 84. 226. Menschenfreund, o Jesu! Lebensquell, der schwachen Kraft und mächtiger Vertreter! erbarme dich, du Hörer der Gebeter! gedenk an mich, o mein Immanuel! ich stehe hier mit Furcht und Angst belegt; ich tlag es dir, du Prüfer meiner Nieren; du bist ein Arzt, der tranfer Seelen pflegt, du bist der Hirt, der selbst sein Schaf will führen. 2. Ich bin betrübt, ich fühle was mich plagt; mein Auge darf ich kaum zu dir erheben, von ferne steh und seh ich nach dem Leben, wohin mein Geist nur seinen Wunsch noch wagt. Aus Demuth schlag ich an die bange Brust, der Sünden Siß, die mich von dir geschieden. Ich schäme mich auch 414 Erster Theil. der verborgnen Lust, in welcher oft die Herzen heimlich sieden. 3. Wo soll ich hin? Ich will zum LebensGott. Es soll mich nichts von meinem Felsen treiben; dir, Jesu, will ich mich allein verschreiben. Tod! Höll; dein Sieg und Stachel ist ein Spott. Der Ueberwinder, Jesus, ist mein Haupt, der Hölle, Tod und Teufel hat bezwungen; ich bin durch ihn der Sündenmacht entraubt, es ist dem Held aus Davids Stamm gelungen. 4. So tret ich denn, mein Jesu, jest vor dich, ich komm zu deinem Mahl nach deinem Willen. Ach laß mich da den Durst und Hunger stillen, mein Heiland, dein Verdienst erquicke mich! wird nun mir so des Glaubens Kraft vermehrt, dann soll er sich in Werken thätig weisen, dann werd ich dich, der du mein Flehn erhört, mit Herz und Mund hier und dort ewig preisen. 227. Wie groß ist deine Menschenliebe, mein theurer Heiland, Jesu Chrift, Von dem heiligen Abendmahle. 415 der du für mich gestorben bisi! o, daß ich nur mit reinem Triebe dir treu verbliebe. 2. Dein Mahl, bei welchem du mich speisest mit deinem heilgen Brot und Wein muß mir ein göttlich Denkmal sein, daß du mich auf dein Opfer weisest, mich glauben heißest. 3. Auch ist mir das ein Pfand und Zeichen, wenn ich zu deiner Tafel geh, und Brot und Wein mir geben seh, du werdest meiner Seel imgleichen dich selber reichen. 4. Ach laß mich nur recht gläubig effen, und schenke mir in voller Kraft, was uns dein Opfertod verschafft! all meiner Sünden werd indessen vor Gott vergesſen. 5. Aus Jesu! laß mich doch erscheinen voll Sehnsucht nach Gerechtigkeit! ach, mach uns allesamt bereit, und laß in einem Geist die Deinen sich fest vereinen! 6. Du bist das Haupt, wir sind die Glieder, die eines Brots theilhaftig sind. Ach, daß uns deine Lieb entzünd't! so finden wir uns einst als Brüder im Himmel wieder. Erster Theil. Mel. Jesus, meine Zuversicht.- 47. 228. Tag, den mir der Herr gemacht! Sei gesegnet, Tag der Freude! du erhellst des Kummers Nacht, und erquickest mich im Leide. Heil und Leben schenkst du mir. Gott, wie dank ich dir dafür! 416 2. Widerspenstig seinem Ruf, hab ich meinen Gott betrübet, ihn, der mich zum Glück erschuf, und mich stets so treu geliebet; bin gewichen von dem Pfad, den sein Wort gezeichnet hat. 3. Der ich fühn sein Recht entehrt, der ich seine Macht verkennet, ach ich bin es nicht mehr werth, daß er noch sein Kind mich nennet. Ich verdiene Fluch und Tod, die sein Wort den Sündern droht. 4. Dennoch nimmt der Güt'ge mich wieder auf zu seinem Kinde. Heut ver gißt er väterlich seines Zorns und meiner Sünde; gibt durch seiner Boten Hand mir der Gnade süßes Pfand. 5. Tag der Wonne, heilges Mahl, ewig will ich dein gedenken. Meines Jesu Todesqual soll mir Trost im Leiden schenken, und mein Leben soll allein seinem Ruhm gewidmet sein. Von dem heiligen Abendmahle. 200 Mel. An Wasserflüssen Babylone. 97. E 229. Du, Herr! haft aus Barmherzigfeit zum Denkmal deiner Gnaden das ganze Volk der Christenheit wohlthätig eingeladen. Du rufft: Mühselge, kommt zu mir. Du Weltversöhner! ja zu dir komm ich auch heut, ein Sünder. Verstoß von deinem Angesicht, verstoß mich, o mein Heiland! nicht vom Erbtheil deiner Kinder. 2. 3war meine Missethat ist mehr, mehr als ich könnte zählen. Sie drückt mich, Herr, ich zittre sehr, vor Unruh meiner Seelen. Weltrichter, ach! im Borne nicht, im Borne geh nicht ins Gericht mit mir, Gott, reich an Güte! du kennst, was ich nicht recht gethan. Erbarmer! sich mein Herz auch an, mein reuiges Gemüthe. 3. Es seufzt um Trost und ängstigt sich, gebückt vor dir im Staube. Auf mein Verdienst nicht, nur auf dich, Erlöser, hofft mein Glaube. Gebeugte willst du nicht verschmähn, versprichst den Schwachen beizustehn, die nach Errettung schmachten. Stets bleibst du deinen Worten treu, und wirft ein gläubig Herz voll Reu, auch meines nicht verachten. 27 417 418 Erster Theil. 4. Mein Gott! regiere fünftig mich, daß ich vorsichtig handle, und heilig, voll Vertraun auf dich, nach deinem Rathe wandle. Gib, daß aus Dank für deine Huld, in Lieb, im Glauben, in Geduld ich dir auf Erden lebe, bis ich dereinst in deinem Reich, verklärt, unsterblich, Engeln gleich dich ewig rein erhebe. - Mel. Dennoch bleib ich stets. 156. 230. Dich, mein Jesu, laß ich nicht: du kannst Seelen recht erquicken! du bist meine Zuversicht, du allein kannst mich beglücken! du, mein Jesus, sollst allein meines Herzens Freude sein. 2. Nun mag das Geseze noch mich ver klagen und verfluchen! weiß es mein Ge wissen doch, wo ich soll den Segen suchen! Jesus macht durch seine Huld mich gerecht von aller Schuld. 3. Ach, was hab ich für ein Gut! was für Schäße kann ich zeigen! meines Jesu Fleisch und Blut ist und bleibet nun mein eigen; Heil und Leben und was sein, ift mit ihm auch alles mein. 4. Kann die Liebe höher gehn? Läßt ſie sich wohl tiefer finden? Mag die Treue Von dem heiligen Abendmahle. 419 fester stehn, oder näher sich verbinden, als da dieser, der uns liebt, uns sich selbst zum Pfande gibt? 5. Brenne, Seel und Geist, in mir! lodre, Herz, in vollen Flammen; halt mit feuriger Begier mich und Jesum stets zusammen, daß ich ewig gegen ihn mög in heißer Liebe glühn. 6. Erd und Himmel fahre hin; Leib und Seele mag verschmachten! kein Verlust und kein Gewinn ich doch gegen das zu achten, daß mein Jesus in mir bleibt, und mich seine Liebe treibt. 7. Jesus ist des Herzens Theil; Jesus ist mir Trost und Leben! Jesus ist der Seele Heil; Jesus kann mir alles geben. Drum, was in mir lebt, das spricht: Dich, mein Jesu! laß ich nicht. Mel. Schmücke dich, o liebe.- 121. 231. Seele, willst du Ruhe finden, drücket dich die Last der Sünden, komm Vergebung zu empfangen, denn dein Licht ist aufgegangen, und der Herr voll Heil und Gnaden hat zu sich dich eingeladen. Deinen Bund sollst du erneuen, und dich seines Todes freuen. 27* 420 dann Erster Theil. $ 12. Eil, wie wahre Christen pflegen, glaubensvoll dem Herrn entgegen, komm, den gnadenvollen Willen deines Heilands zu erfüllen! komm mit brünstigem Verlangen, seine Güter zu empfangen. Daß er dich der Sünd entlade, gibt er heute Gnad um Gnade, ndi 3. Herr! ich freue mich mit Beben. Laß mich Gnad empfahn und Leben. Du willst dich hier mit den Deinen durch des Glaubens Band vereinen; du willst sie mit Segen tränken, und dich ihnen selber schenken. O, wer darf sich unterwinden, deine Liebe zu ergründen! 4. Herr, ach laß mich würdig nahen, Heil und Leben zu empfahen. Ach! ich suche dich mit Thränen; sollt ich mich vergeblich sehnen, meiner groß und schweren Sünden Tilgung, Herr, bei dir zu finden? laß, Erlöser! laß mich nahen, Heil und Leben zu empfahen. 5. Du, dem unsrer Väter Scharen, die, wie wir, auch Sünder waren, Dank und Preis und Jubel singen, daß sie hier dein Mahl empfingen! Sohn des Vaters! Licht vom Lichte! laß von deinem Angesichte uns, Von dem heiligen Abendmahle. 421 die deinem Ruhm sich weihen, Licht und Leben jetzt erfreuen. Snadnat 6. König! Hoherpriester! Lehrer! du mein göttlicher Befehrer! du, der selbst dein eignes Leben für mich in den Tod gegeben, hier fall ich zu deinen Füßen; ach, laß würdig mich genießen dieser deiner Himmelsspeise, mir zum Heil und dir zum Preise. 107. Zum Gedächtniß deiner Leiden, und zum Vorschmack jener Freuden, die du, Heiland mir erstrittest, als du unaussprechlich littest; als dich Todesschweiße deckten, und die Schrecken Gottes schreckten, als du selbst für mich gestorben, mir des Vaters Huld erworben. bi gunl 8. Deines Heils will ich mich freuen, dir will ich mich ewig weihen. Hier will ich mich fleißig üben, dich zu kennen, dich zu lieben! einst werd ich dich ganz erkennen, ganz in deiner Liebe brennen. Laß sie mich auch hier empfinden; hilf mir, hilf mir überwinden. 90300 100 003 1190 m ud for? ne d Mel. Allein Gott in der Höh. 15. ffjodi 232. Ich preis- dich, o Herr, mein Heil, für deine T en. Hab ich an ihren Erster Theil. Früchten Theil, was fehlt dann meinen Freuden? Du warst ein Opfer auch für mich. O gib, daß meine Seele sich des ewig freuen möge! 2. Was kann mein Geist durch deinen Tod nicht noch für Segen finden! Erlösung aus der Todesnoth, Bergebung aller Sünden, Gewissensruh, zur Beßrung Kraft, das hast du, Herr, auch mir verschafft, da du am Kreuze starbest. 3. Dein Mahl ist mir ein Unterpfand von dieser großen Güte. Wie viel hast du an mich gewandt! o stärke mein Gemithe zum gläubigen Vertraun auf dich, daß ich, so lang ich lebe, mich an deine Gnade halte. 422 4.Ich fühle, Herr, vog Reu und Schmerz, die Last von meinen Sünden. Laß mein vor dir gebeugtes Herz den großen Trost empfinden, daß du, aus Gottes Vaterhuld, auch mir Vergebung meiner Schuld auf Buße haft erworben. 5. Der Trost, den mir dein Tod verschafft, werd ewig mir zum Segen. Es stärke mich mit neuer Kraft, auf allen meinen Wegen nur das zu thun, was dir Von dem heiligen Abendmahle. 423 gefällt, und alle Furcht und Lust der Welt standhaft zu überwinden. 6. Die Liebe, die du mir erzeigt, ist gar nicht zu ermessen. O, mache selbst mein Herz geneigt, sie nimmer zu vergessen! daß ich aus ächter Gegentren dir bis zum Tod ergeben sei, und dir zur Ehre lebe. 7. Laß deines Leidens großen Zweck mir stets vor Augen stehen. Räum alle Hindernisse weg, die ebne Bahn zu gehen, die mir dein heilig Vorbild weist, und die einst den erlöften Geist zu deiner Freude führet. 8. 3um ewgen Leben hast du dich für mich dahin gegeben. Dein Abendmahl erwede mich, mit Ernst darnach zu streben. Herr, mache mich dazu geschickt, und werd ich einst der Welt entrückt, so sei dein Tod mein Leben. Mel. von Nr. 72. 233. Hier bin ich, Jesu! zu erfüllen, was du in deiner Leidensnacht, nach deinem gnedenvollen Willen, zur Pflicht und Wohthat mir gemacht. Verleih zur Uebung dieser Pflicht mir deines Geistes Kraft und Licht. 424 Erster Theil. 2. Es werde, Herr! für mein Gewissen dein Abendmahl ein Unterpfand, mir sei an dein versöhnend Büßen ein selig Antheil zuerkannt! so freuet meine Seele sich in deinem Heil und lobet dich. 3. Bewundernd denk ich an die Liebe, damit du unser Heil bedacht. Wie start sind deine Mitleidstriebe, die dich bis an das Kreuz gebracht! o gib von deinem Todesschmerz heut neuen Eindruck in mein Herz! liser di01022 ad misd ng 916 4. Laß mich mit Ernst die Sünde scheuen, für welche du, dich opfernd, starbst! durch schnöden Mißbrauch nie entweihen, was du so theuer mir erwarbst. Nie führe mich zur Sicherheit der Trost, den mir dein Tod verleiht. imm schon 5. Ich übergebe mich aufs neue, o du, mein Herr und Gott! an dich. Ich sowöre dir beständge Treue vor deinem Tische feierlich. Dein eigen will ich emg sein. Du starbst für mich, drum bin ich dein. 6. Nie will ich mich vor Spökern schämen des Dienstes, den man dit erweist; mich nie zu einem Schritt bequemen, den mein Gewissen sündlich heißt. flöße mir Von dem heiligen Abendmahle. 425 den Eifer ein, wie du, o Herr, geſinnt zu sein.ds, your thin t 7. Laß mich mit Ernst den Nächsten lieben, und wenn er strauchelnd was versieht, Versöhnlichkeit und Sanftmuth üben. Nie komm es mir aus dem Gemüth, welch eine schwere Sündenlast du mir aus Huld erlassen haſt. 8. Es stärke sich in mir der Glaube, daß meine Seele ewig lebt, und daß einst aus des Grabes Staube mich dein allmächtger Ruf erhebt, wenn du dich, großer Lebensfürst! den Völkern sichtbar zeigen wirst. udo apt Quint hid Nach der Communion. hi enz 9. Hier liege ich zu deinen Füßen mit Dank und Lob, Gebet und Flehn. Laß neue Gnade auf mich fließen! mein Heiland, laß es doch geschehn, daß mir zur Stärkung meiner Treu dein Abendmahl gesegnet sei. im sonnsuid su G 234. N un, habe Dank für deine Liebe, du großer Mittler Jesu Christ, gib, daß 426 Erster Theil. ich dich nicht mehr betrübe, der du für mich gestorben bist. Laß deines Leidens Angst und Bein mir immerdar por Augen sein. 2. Wie kann ich dich genug erheben? ich, der ich Fluch und Tod verdient, ich soll nicht sterben, sondern leben, weil du mich selbst mit Gott verfühnt. Ach! du, sein Sohn, du starbst für mich! Wie preis ich, Herr, wie preis ich dich? 3. Heil mir! mir ward das Brot ge brochen, ich trank, Herr, deines Bundes Wein! voll Freude hab ich dir verspro chen, dir, treuster Jesu, treu zu sein. Ich schwör es nun noch einmal dir; schenkt du nur deine Gnade mir! 4. Laß stets mich dankbar, Herr, er messen, was du für mich gelitten haft, und deine Liebe nie vergessen, die so viel Segen in sich faßt. Laß meinen Glauben thätig sein, und mir zum Guten Kraft verleihn. Bon dem heiligen Abendmahle. 427 5. Im Streite hilf mir überwinden und stärke mich zu meiner Pflicht; bewahre mich vor neuen Sünden; verlaß mich in Versuchung nicht, und dein für mich vergoßnes Blut schent mir im Todeskampfe Muth. 6. Und euch, ihr seines Leibes Glieder, die Jesu Heil wie mich erfreut, euch lieb ich stets als seine Brüder, als Erben seiner Herrlichkeit. Wir haben einen Herrn und Gott; uns speist und tränkt ein Wein, ein Brot. 7. Wie jetzt in unsres Heilands Namen sein Volk vor ihm versammelt war, so kommen wir noch einst zusammen vor ihm mit feiner Engel Schar, und preisen, als sein Eigenthum, dann ewig seines Namens Ruhm. 8. Hier will ich mich mit euch vereinen, die ihr ihn ewiglich erhöht, und, wenn er einst uns wird erscheinen im Glanze seiner Majestät, dann geh ich im Triumph mit euch, ihr Auserwählten in sein Reich. 9. So soll denn weder Spott noch Leiden, noch Ehre, Freud und Lust der Welt mich, Herr, von deiner Liebe scheiden, die selbst im Tode mich erhält. Du bist und bleibest ewig mein, o laß mich deiner würdig sein. 428 nel! 18) Von der Vergebung der Sünden. ud Mel. von Nr. 72. 235. Gott, deine Gnad ist unser Leben! sie schafft uns Heil und Seelenruh. Dein ists, die Sünden zu vergeben, und willig ist dein Herz dazu. Dem dir verschuldeten Geschlecht schenkst du zum Leben neues Recht. 2. Uns, uns Verlorne zu erretten, gabst du für uns selbst deinen Sohn. Er litt, damit wir Friede hätten, für uns den Tod, der Sünde Lohn. O Gott, wie hast du uns geliebt! welch ein Erbarmen ausgeübt! 3. Dank! ewig Dank sei deiner Treue, die niemand gnug erheben kann! nun nimmſt du jede wahre Reue mit Vaterhuld noch gnädig an. Wohl dem, der sich zu dir bekehrt, und gläubig seinen Mittler ehrt! 4. Den, Herr, befreist du von den Pla gen, die dem Gewissen furchtbar sind; der kann getroft und freudig sagen: Gott ift für mich, ich bin sein Kind; hier ist der, welcher für mich litt, und mich noch jett bei Gott vertritt. 5.0 Herr! wie selig ist die Seele, die sich in deiner Gnade freut! Sie flagt nicht, daß ein Glück ihr fehle, ihr Loos ist die Von der Vergebung der Sünden. 429 Zufriedenheit. Und, Gott, dein Fried ist weit mehr werth, als alles, was die Welt gewährt.mo 6. Dein Friede stärkt zum frohen Muthe das Herz auch in der größten Noth; gibt Hoffnung zu dem ewgen Gute, und macht getrost selbst auf den Tod. Wer diesen Frieden hat, genießt Lust, die des Himmels Anfang iſt. 7. Laß, Vater, denn in diesem Frieden auch meine Seele freudig ruhn. Auch mir hast du dies Glück beschieden; denn auch für mich genug zu thun, ward sterbend der am Kreuz ein Fluch, der aller Menschen Sünden trug. 8. D laß mich dies im Glauben faffen, und mich mit starker Zuversicht auf deine Bundestreu verlassen. Wenn alles wanft, so wankt sie nicht. Mit Reu und Demuth such ich dich; gib mir den Trost: Gott ist für mich. 9. Lobsingend will ich dich erheben, mich ewig deiner Gnade freun, und deinem Dienst mein ganzes Leben in kindlichem Gehorsam weihn. Daß, Herr, bei dir Vergebung sei, das mach in deiner Furcht mich treu. Erster Theil. Der 25. Psalm. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 82. 236. Sch erhebe mein Gemüthe sehnsuchtsvoll, mein Gott, zu dir, denn ich kenne deine Güte. O wie theuer ist sie mir! Gott der Liebe und des Lebens! feiner harrt auf dich vergebens. Nur Verächter deiner Huld stürzet ihre eigne Schuld. 2. Lehre mich, Herr, deine Wege, zeige deinen Willen mir! daß ich nicht verirren möge, führe du mich selbst zu dir! Gott, du siehest mein Vertrauen. Sicher kann ich auf dich bauen. Deine Vatertreue ist ewig, wie du selber bist. 430 13 3. Ach! gedenke an die Sünden meiner Jugendjahre nicht! laß mich Armen Gnade finden, Gott, vor deinem Angesicht. Alle Sünden, die uns reuen, willst du, Vater! ja verzeihen. O so höre denn auch mich. Meine Seele hofft auf dich. 4. Gott, du willst des Sünders Leben; seine Seele ist dir werth. Gnädig willst du ihm vergeben, wenn er sich zu dir bekehrt. Mitten auf dem Sündenwege machst du sein Gewissen rege. Wohl dem, der zu seiner Pflicht umfehrt, den verwirfst du nicht. Von der Bergebung der Sünden. 431 5. Du erquickest die Elenden, deren Herz sich dir ergibt, die sich flehend zu dir wenden, über ihre Schuld betrübt. Freude schenket deine Güte dem geängsteten Gemüthe, welchem du die Sündenlaft liebreich abgenommen hast. 6. Herr! zu was für Seligkeiten du in jener bessern Welt jeden Frommen noch willst leiten, der dir treu und Glauben hält, offenbarst du allen Seelen, die zu ihrem Theil dich wählen; deinen ganzen Gnadenbund machst du deinen Kindern fund. 7. Dir will ich mich denn ergeben; Gott, mein Gott! verlaß mich nicht. Laß mich immer heilig leben, Herr, vor deinem Angesicht. Keine schnöde Lust der Sünden müsse mich mehr überwinden! Ach! bewahr, ich bitte dich, meinen Geist, und stärke mich! Der 130 Psalm. Mel. Ach Herr, mich armen S.- 67. 237. Ich fleh in tiefster Reue zu deiner Gnad und Huld, Du, milder Gott, verzeihe mir Armen meine Schuld! eröffne meinem Sehnen, o Vater! Herz und Ohr, und laſſe meine Thränen und meine Seufzer vor. 432. Erster Theil. 2. Ach! sollte, wenn wir fallen, für Gnade Recht ergehn, so würde von uns allen der Frömmste nicht bestehn. Du aber heilest gerne zerknirschter Seelen Pein, daß man in Ehrfurcht lerne, dir treu und dankbar sein. and 100000 3. Ich trau von ganzer Seelen auf dich, du höchster Hort! wenn mich die Sünden quälen, so tröstet mich dein Wort. Nach dir nur schau ich immer, wenn mich ein Schmerze drückt, wie nach des Morgens Schimmer der müde Wächter blickt. 4. Der Same Jacobs gründe sein Heil allein auf dich! denn, Herr, du bist gelinde, und schonst uns väterlich. Du trägst die schwachen Sünder in deiner Liebe Schooß, und machest Zions Kinder von allem Bösen los. Der 32. Psalm. Mel. Kommt Her zu mir, spricht. 238. W ie selig, Gott! wie selig ist * der Sünder, dem du gnädig bist, den Todesfurcht nicht schrecket! dem, weil Von der Vergebung der Sünden. 433 ihn seine Schuld betrübt, dein Herz die Missethat vergibt, den dein Erbarmen decket. 2. Wer seine Sünden dir verhehlt, des Seele wird mit Angst gequält vom strafenden Gewissen. Die Angst verzehret seine Kraft. Der Trost, den deine Gnade schafft, wird ihm dadurch entrissen. 3. Darum, mein Gott, bekenn ich dir, was deine Huld entfernt von mir, die mir bewußten Sünden. Dann, dann mein Gott, verzeihest du, und läß'st die müde Seele Ruh in deinem Frieden finden. 4. Die Frommen werden deine Huld und deine schonende Geduld, o Vater! ewig loben. Du bleibest ihre Zuversicht; die Fluth, die aus den Ufern bricht, mag noch so mächtig toben. 5. Mein Schirm bist du; zu dir flieh ich, wenn drohende Gefahren mich mit Schreden überfallen. Du machst dich mir 28 434 Erster Theil. in der Gefahr als meinen Retter offenbar, und läß'st mich sicher wallen. 6. Ich zeige, sprichst du selbst zu mir, den rechten Weg zum Heile dir; dich soll mein Auge leiten. Darum, mein Herz, verachte nicht des ewgen Vaters Unterricht. Er führt zu Seligkeiten. 7. Wer nicht von Gott die Weisheit lernt, der ist verblendet und entfernt sich von den wahren Freuden. Wer aber sich auf Gott verläßt, hält seine Gnade ewig fest auch in den schwersten Leiden. 8. Stimmt Gottes Lob, ihr Frommen, an! euch wird des Höchsten Güt umfahn. Von allen seinen Knechten bleibt Gott der Trost, die Zuversicht. Er rächet ihre Sünden nicht. Frohlockt ihm, ihr Ge rechten! Mel. von Nr. 16. 239. Ach schone doch, o großer Menschenhüter! ach strafe nicht, barmherziger Gebieter! ach rechne nicht! wer kann vor dir bestehn? Mich schreckt dein Zorn! doch will ich zu dir gehn. isst. 2. Ach zürne nicht! in Jesu will ich kommen. Hat er nicht, Herr, die Strafe 88 Von der Vergebung der Sünden. 435 weggenommen? Er ist am Kreuz ein Fluch für mich gemacht; zu meinem Heil rief er: Es ist vollbracht! Hod 3. Ach rechne nicht! auf tausend muß ich schweigen. Ich will mich vor dem Gnadenzepter beugen, laß Gnad, o Herr, anstatt des Rechts ergehn, sonst kann ich nicht vor deinem Thron bestehn! 4. Ach strafe nicht, du aller Bosheit Rächer! wo blieb ich sonst, ich schuldiger Verbrecher! sich an den Sohn, der unsre Schulden trug, und den dein Born, als unsern Bürgen, schlug. INTI 5. Ach schone doch! ich bin zwar Aſch und Erden, ein leichtes Blatt, das bald zu Staub wird werden: doch will ich sein, o Herr, dein Eigenthum; ach nimm mich auf! gedent an deinen Ruhm! 6. Nun, Herr! ich weiß, du wirst mich nicht verlassen; du wirst mich doch mit Lieb und Huld umfassen. Drum tröst ich mich und fasse guten Muth: es ist bezahlt, die Schuld macht Jesus gut. da Mel. Alle Menschen müssen sterben. 240. Schöpfer aller Menschenkinder, großer Richter aller Welt! sieh, hier wird 28* - 82. 436 Erster Theil. ein armer Sünder, Herr, vor dein Gericht gestellt, der in Sünden ist geboren, der dein Ebenbild verloren, der mit Lastern sich befleckt, der in tiefen Schulden steckt. 2. Mein erwachendes Gewissen, deine Strafgerechtigkeit, dein Geseß, das ich zerrissen, nebst dem Satan, stehn bereit, meine Seele zu verklagen. Ich weiß nichts darauf zu sagen; denn der Zeuge gibt sich an, der gesehn, was ich gethan. 3. Wehe mir, ich muß verderben! ich seh nichts, als Höllenpein. Frecher Sünder, du mußt sterben! wird mein strenges Urtheil sein. Es erzittert meine Seele vor des offnen Abgrunds Höhle; es erstarret Geist und Blut vor der ewgen Flam men Glut. 4. Doch, Gottlob! die Furcht verschwindet, weil ein Bürg ins Mittel tritt, weil sich ein Vertreter findet, der für den Verklagten bitt't. O, beglückte theure Stunden! Gottes Sohn hat seine Wunden und sein blutges Lösegeld meinem Richter dargestellt. 5. Richter, siehe meinen Bürgen, siehe die Bezahlung an! diefer ließ für mich sich Von der Vergebung der Sünden. 437 würgen, dieser hat genug gethan! der hat dein Gefeß erfüllet, der hat deinen Zorn gestillet. Herr! ich glaube! steh mir bei; sprich von Straf und Schuld mich frei! 6. Siehe mich im Staube liegen. D wie drückt mich meine Schuld! doch dein Wort kann ja nicht trügen, Sündern gönnst du deine Huld. Du sprichst zu mir: du sollst leben! deine Schuld ist dir vergeben; sei getrost, mein lieber Sohn! komm zu meinem Gnadenthron. 7. Seht, wie sich der Abgrund schließet! seht, wie sich der Himmel freut! da das Blut des Lammes fließet, da mich die Gerechtigkeit des vollkommnen Mittlers decket. Ber ist, der mich ferner schrecket? Wer ist, der sich an mich wagt, und ein Himmelstind verklagt? 8. Richter, der mich losgesprochen; Bater, der mich zärtlich liebt! Mittler, der, was ich verbrochen und geraubt, Gott wieder gibt! Geist, der mir den Glauben schentet, der mich in den Mittler senket! Gott der Gnaden! dir sei Ruhm, und mein Herz dein Eigenthum. 438 Erster Theil.es nock 9. Laß mich nun die Sünde hassen, die das Herz mit Angst beschwert! laß mich alles unterlassen, was den neuen Frieden stört! reinge täglich mein Gewissen, laß mich eifrig sein beflissen, mit Verläugnung dieser Welt das zu thun, was dir gefällt! that Mel. Wer nur den lieben Gott.- 7.70 241. Wie theuer, Gott! ist deine Güte, die alle Missethat vergibt, sobald ein reuendes Gemüthe die Sünden, die es sonst geliebt, erkennt, verdammt, und ernstlich haßt, und Zuversicht zum Mittler faßt! 2. O! laß mich ja nicht sicher werden, weil du so reich an Gnade bist. Wie kurz ist meine Zeit auf Erden, die mir zum Heil gegebne Frist! gib, daß sie mir recht wichtig sei, daß ich sie meiner Beßrung weih! 3. 3war deine Gnade zu verdienen, sind Reu und Beßrung viel zu klein. Doch darf sich auch ein Mensch erkühnen, zu glauben, dir versöhnt zu sein, wenn er noch liebt, was dir mißfällt, und nicht dein Wort von Herzen hält? 0 130ip dato: 11QU 4. Nie kannst du dem die Schuld erlaf sen, der frevelnd Schuld auf Schulden häuft. Der kann kein Herz zu Jesu faffen, Von der Glückseligkeit wahrer Christen 2c. 439 der zwar auf sein Verdienst sich steift, doch in der Sünde noch beharrt, dafür er selbst ein Opfer ward. 5. Drum fall ich dir, mein Gott, zu Füßen: vergib mir gnädig meine Schuld, und heile mein verwund't Gewissen mit Trost an deine Vaterhuld. Ich will mit Ernst die Sünden scheun und willig dir gehorsam sein. 6. Daß mit Gerechtigkeit auch Stärke durch Christum mir geschenket sei, will ich durch Uebung guter Werke beweisen. Mache selbst mich treu, Herr, in der Liebe gegen dich! sie dränge stets und leite mich! 7. Laß mich zu deiner Ehre leben, der du die Missethat vergibst! das hassen, was du mir vergeben, das lieben, was du selber liebst. Laß, Vater, mein Gewissen rein, und heilig meinen Wandel sein! 19) Von der Glückseligkeit wahrer Christen und ihrem Trost bei der unvollkommenheit dieses Lebens. Jn sidil Der 1. Psalm. Mel. Mein Gott, das Herz ich bringe.- 59. 242. O wohl dem Menschen, der dem Rath der Frevler sich entzieht; dem Men 440 Erster Theil. schen, der den krummen Pfad der Uebertreter flieht. 2. Der, wo der Gottheit Spötter lacht, die fromme Seel entfernt; sich Gottes Recht zur Freude macht, und Tag und Nacht es lernt. 3. Er grünet, wie am Bach ein Baum von seinem Segen schwillt, sich hebt, und einen weiten Raum mit seinem Gipfel füllt. 4. Er trägt, wenn seine Zeit kommt, Frucht, stets unentlaubt und grün; er tröstet den, der Schatten sucht, der Wandrer ſegnet ihn. 5. Das ist der Fromme! was er macht, geräth ihm und gedeiht; Staub ist der Sünder, der sein lacht, Spreu, die der Wind zerstreut. 6. Der, der sich gegen Gott empört, besteht nicht im Gericht, in der Ge meinde, die Gott ehrt, bleibt der Verbrecher nicht. 7. Dir, Höchster, dir gefällt die Bahn, die der Gerechte geht; du schaust im Zorn den Sünder an, des Sünders Weg vergeht. Von der Glückseligkeit wahrer Christen 2c. 441 Mel. des 1. Pfalms. B 243. Der Herr ist gut, in dessen Dienst wir stehn; wenn wir nur treu auf seinen Wegen gehn, so dürfen wir ihn unſern Vater nennen, und er will uns für Kinder auch erkennen. Bedürfen wir im Kampfe Trost und Muth, so gibt ihn uns dies Wort: der Herr $ iſt gut. 2. Der Herr ist gut und hat mit uns Geduld; ist reich an Gnad und will der Sünder Schuld nicht, wie er könnt, nach höchster Strenge rächen; er übersieht der Frrenden Verbrechen; er ist versöhnt durch feines Sohnes Blut. Was will ich mehr zum Troft? der Herr ist gut! 442 sig Erster Theil. 3. Der Herr ist gut und theilt sich willig mit. Er geht uns nach und merkt auf jeden Schritt, und gibt uns gern, was wir vonnöthen haben; er schenket uns den Reichthum seiner Gaben. Wo ist ein Herr, der dies an Knechten thut? Ja wohl ist dies gewiß: der Herr ist gut! 4. Der Herr ist gut! in seiner Liebe Schooß trägt er uns stets, und ist das Elend groß, so hat er Kraft und Nei gung, uns zu schüßen; es kann der Geist in stillem Frieden sizen, weil unter seinem Schuß man sicher ruht, und sich an ihm ergößt. Der Herr ist gut! 5. Der Herr ist gut! wer dies im Glauben schmeckt, dem wird erst recht, was Freiheit sei, entdeckt; er wird aus seinem Dienste nimmer gehen, vielmehr darin mit Lust und Freude stehen; nichts ist umsonst, was hier der Glaube thut, der immer besser sieht: der Herr ist gut! 6. Der Herr ist gut! er siehet huldreich an den schwachen Dienst, den man ihm leisten kann, gibt Gnadenlohn den Knech ten, die ihn lieben; kein Wassertrunk is unvergolten blieben! er gibt dafür die Von der Glückseligkeit wahrer Christen 2c. 443 ganze Segensfluth; und so bleibt ewig wahr: der Herr ist gut! 99 19 sic Insported 100m spönt 1910st ann chil 190 bid Jhon 座 244. Vernimm, o Gott, vernimm Der 5. Psalm.dj joljed nd mein Flehen, verachte meine Bitte nicht! laß, laß mich, Herr, dein Angesicht, mein König, deine Hülfe sehen! Ich flehe! *** Tag und Nacht zu dir, mein Gott, hilf # und sei gnädig mir! 2. Ich will auf dein Gebot aufmerken; ganz heilig will ich vor dir sein! ach mach, mein Gott, mich selber rein! du hast an allen guten Werken ein innig Wohlgefal len, Herr, drum heilge mich, Heiligster! 3. Gott, dirmißfällt der Gräul der Sünden! wer böse ist, bleibt nicht vor dir! wer dich beleidigt für und für, der kann vor dir nicht Gnade finden; wer sich zu dir, 444 Erster Theil. Herr, nicht bekehrt, der wird nicht, wenn er fleht, erhört. 4. Die Frevler mögen nicht bestehen! du hafsest jeden falschen Geist, der sich aus deinem Joche reißt, und sich erfrecht, dich, Gott zu schmähen; dein strenges heiliges Gericht verschont der frechen Lügner nicht. 5. Ich aber, Gott, durch deine Güte erquickt, ich aber lobe dich! in deinen Tempel eile ich, o Gott, mit dankendem Gemüthe! anbetend fall ich vor dir hin, ich, der ich durch dich selig bin. 6. Du kannst, du wirst mich ferner leiten nach deiner großen Gütigkeit, die gern erlöst, und gern erfreut. Du wirst mir meinen Weg bereiten; und wer, wenn du, Herr, bei mir bist, wer ist, der meiner mächtig ist? 7. Wenn meine Feinde vor mir heucheln, wenn sie nach meinem Unfall sehn, und immer meine Tugend schmähn, und mir mit Schlangenzungen schmeicheln: so bin ich doch nicht ganz verzagt; noch hörft dus, wenn mein Herz dirs klagt. 8. Erfreue, Gott! die dir vertrauen, und eile, wenn sie zu dir schrein, mit dei ner Hülfe zu erfreun die, die auf deinen Von der Glückseligkeit wahrer Christen 2c. 445 Namen bauen; sei ihren Feinden, Herr, zum Truß, stets der verlaßnen Frommen Schuß. Mel. des 90. Psalms. 245. Mein Salomo! dein freundliches Regieren stillt alles Weh, das meinen Geist beschweret; wenn sich zu dir mein blödes Herze kehret, so kann ich bald von dir Erquickung spüren. Dein Gnadenblick 44 ermuntert meinen Sinn, und nimmt die Furcht und Unruh von mir hin. 2. Gewiß, mein Freund gibt solche eble Gaben, die alle Welt mir nicht verschaffen konnte! was ists, womit sie ihre Diener Iohnte? Es kann ja nicht die müden Seelen laben; mein Jesus kanns, er thuts im Ueberfluß, wenn alle Welt zurückestehen muß. 446 Erster Theil. 3. D bester Freund, du tröstest ein Ge müthe, das Gutes will, und Böses in sich findet, und betend deine Kraft gar bald empfindet! es schmecket deine wunderbare Güte, die alle Angst, die alle Noth verschlingt und unsern Geist zur sanften Ruhe bringt. 4. Es müsse dann mein Herz nur Christum schauen; schein unverhüllt, o Sonn, aus jener Höhe! daß ich das Licht in deinem Lichte sehe, und könne schlechterdings der Gnade trauen. Kein Fehler sei so groß, so schwer in mir, der mich von solchem Blick der Liebe führ. 5. Wenn meine Schwachheit mich darnieder schläget, und fast den Geist der Kindschaft in mir dämpfet, so daß mit 3weifel noch mein Glaube kämpfet, und dieser Streit mir neue Angst erreget, so laß mich bald dein huldreich Antlig sehen, und neue Kraft und Zuversicht entstehen. Ima 6. So ruh ich nun, mein Freund, in deinen Armen; du läsfest deine Huld mich tröstlich schmecken. Von dir gestüßt, kann mich nichts mehr erschrecken, mein Von der Glückseligkeit wahrer Christen zc. 447 Zoar ist dein ewiges Erbarmen. Mein Geist ist still, da du ihm alles bist, und deine Gunst mein frohes Herz genießt. 01 dabund 238. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 246. Ich hoff, o Gott! mit festem Muth auf deine Gnad und Christi Blut; ich hoff ein ewig Leben. Du bist ein Vater, der verzeiht, haft mir das Recht zur Seligkeit durch deinen Sohn gegeben. - 2. Herr! welch ein unaussprechlich Heil, an dir, an deiner Gnade Theil, Theil an dem Himmel haben! im Herzen durch den Glauben rein, dich lieben und versichert sein von deines Geistes Gaben. 3. Dein Wort, das Wort der Seligkeit, wirkt göttliche Zufriedenheit, wenn wir es treu bewahren. Es spricht uns Trost im Elend zu, versüßet uns des Lebens Ruh, und stärkt uns in Gefahren. 4. Erhalte mir, o Herr, mein Hort, den Glauben an dein göttlich Wort, um deines Namens willen! laß ihn mein Licht auf Erden sein, ihn täglich mehr mein Herz erneun, und mich mit Trost erfüllen! trendur- oid( 900 Erster Theil. Mel. Wie schön leuchtet der. 35. i 1000 247. Wie groß ist unsre Seligkeit, o Gott! schon in der Prüfungszeit, selbst unter viel Beschwerden, wenn unser Herz sich dir ergibt, und treu in Jesu Dienst sich übt! wie groß wird sie einst werden, wenn sich herrlich jenes Leben wird anheben, wo man Freuden erndtet von der Saat der Leiden! 448 -- 2. O, wie erhaben ist das Recht, das du uns giebest, dein Geschlecht und Bundesvolk zu heißen! bei dir ist unser Vaterland, und wer will deiner starken Hand, Allmächtger uns entreißen? Wenn wir gleich hier müssen streiten, und zu Zeiten schwach uns finden, hilfst du uns doch überwinden. 3. Du deckest unsre Schulden zu, schentft unsern Seelen wahre Ruh und stärkest uns mit Freude. Dein Sohn ist unser Haupt und Ruhm, wir sein erkauftes Eigenthum, und Schafe seiner Weide. Gutes Muths sind auf Erden in Beschwerden unsre Seelen. Herr, was kann bei dir uns fehlen? 4. Es bleibet zwar der hohe Werth der Gnade, die uns wiederfährt, verborgen Von der Glückseligkeit wahrer Christen 2c. 449 hier auf Erden. Doch, wenn dereinst vor aller Welt, Er, unser Haupt, Gerichtstag hält, dann wird er sichtbar werden. Alsdann sieht man ihn mit Kronen uns belohnen, und mit Ehren für sein treues Volk erklären. 5. Wie glücklich, Gott, sind Chriſten dann! wie viel hast du an uns gethan! o laß uns unsre Würde vor Augen haben jederzeit! so tragen wir mit Willigkeit der furzen Leiden Bürde. Herr, gieb den Trieb in die Seelen, dich zu wählen und das Leben ganz zu Jesu Dienst zu geben. 119. Mel. Aus tiefer Noth schrei. 248. Ich weiß, an wen mein Glaub sich hält. Kein Feind soll ihn mir rauben! Als Bürger einer bessern Welt, leb ich hier nur im Glauben. Dort schau ich, was ich hier geglaubt. Wer ist, der mir mein Erbtheil raubt? Es ruht in Jesu Händen. 2. Mein Leben ist ein kurzer Streit. Lang ist der Tag des Sieges. Ich kämpfe für die Ewigkeit. Erwünschter Lohn des Krieges! Der du für mich den Tod geschmeckt; durch deinen Schild werd ich bedeckt: was kann mir denn nun schaden? 29 - 450 Erster Theil. 3. D Herr! du bist mein ganzer Ruhm, mein Trost in diesem Leben, in jener Welt mein Eigenthum; du hast dich mir gegeben. Von fern lacht mir mein Kleinod zu; drum eile ich ihm freudig zu. Du reichst mir meine Krone. 4. Herr! lente meines Geistes Blick von dieser Welt Getümmel auf dich, auf meiner Seele Glück, auf Ewigkeit und Himmel. Die Welt mit ihrer Herrlichkeit vergeht, und währt nur furze Zeit. Im Himmel sei mein Wandel! 5. Jeßt, da mich dieser Leib beschwert, ist mir noch nicht erschienen, was jene beßre Welt gewährt, wo wir Gott heilig dienen. Dann, wenn mein Auge nicht mehr weint, und mein Erlösungstag erscheint, dann werd ichs froh empfinden. 6. Jm Dunkeln seh ich hier mein Heil; dort ist mein Antlig heiter. Hier ist die Schwachheit noch mein Theil; dort ist sie es nicht weiter. Hier ist mein Werth mir noch verhüllt; dort wird er sichtbar, wenn dein Bild mich, Gott, vollkommen schmücket. 7. 3u diesem Glück bin ich erkauft, Herr, durch deine Leiden. Auf deinen Tod Von der Glückseligkeit wahrer Christen 2c. 451 bin ich getauft, wer will mich von dir scheiden? Du zeichnest mich in deine Hand; Herr, du bist mir, ich dir bekannt. Mein sind des Himmels Freuden. 8. Wie groß ist meine Herrlichkeit! empfinde sie, o Seele! vom Tand der Erde unentweiht, erhebe Gott, o Seele! der Erde glänzend Nichts vergeht; nur des Gerechten Ruhm besteht durch alle Ewigkeiten. Der 112. Psalm. Mel. von Nr. 55. 249. Preis, Preis sei Gott! und Glück und Heil und Segen sei dem, der Gott ehrt und auf seinen Wegen einhergeht und sich freuet, seinen Willen stets zu erfüllen! 2. Er ist beglückt, und mächtig wird auf Erden der Same derer, die Gott fürchten, werden. Der Herr läßt ihr Geschlecht, sie zu belohnen, im Guten wohnen. 3. Mit Reichthum wird der Herr sie überschütten; sein Ueberfluß erfüllet ihre Hütten; die fernste Nachwelt wird ihr frommes Leben mit Luft erheben. 4. In grauenvollen lichtberaubten Nächten umstrahlet Gottes Schimmer den 29* Erster Theil. Gerechten, den Milden! den, deß fich die Armen freuen, und den Getreuen! 5. Beglückt ist, wer Bedrängte gern erfreuet; wer seinem Nächsten willig hilft und leihet; gerecht und eifrig, der verfolgten Armen sich zu erbarmen. 6. Heil ihm, daß er sie zu vertreten eilet, und seinen Ueberfluß mit ihnen theilet! sein Heil ist ewig; sein wird nie auf Erden vergessen werden. 7. Es mögen Boten des Verderbens kommen, und doch verzaget nicht das Herz des Frommen. Er hofft und traut mit freudigem Gemüthe auf Gottes Güte. 8. Er ist getrost und seine Seele zittert vor keinen Plagen, ruhig, unerschüttert; mit Lust wird er an denen, die ihn schmähen, gerecht sich sehen. 452 9. Er streuet aus, erquicket voll Erbarmen die Hungrigen, und tröstet gern die Armen! die fernste Nachwelt wird sein edles Leben mit Lust erheben. 10. Der Frevler wird sein Horn erhöhet sehen, unmuthig zürnen, fnirschen und ver gehen, denn was der Frevler Wünsche sich erforen, das ist verloren. Von der Glückseligkeit wahrer Christen 2c. Mel. Jesu, meine Freude.- 89. 250. Wie getroft und heiter, du Gebenedeiter, machst du meinen Geist! der du, die dir trauen, führst zu grünen Auen, und so gern erfreust! niemals wird bei dir, o Hirt und Beruhiger der Seelen, mir Erquickung fehlen. 2. Deinem Rath ergeben, freu ich mich, zu leben; was du willst, ist gut. Nichts vermag ich Schwacher, du mein Seligmacher, rüstest mich mit Muth. Wenn die Welt erbebt und fällt, wenn Gericht und Hölle schrecken, willst du mich bedecken. 453 3. Ich kann ohne Grauen Gräber vor mir schauen: mein Erlöser lebt! ich weiß, wem ich glaube, weiß, daß aus dem Staube mich sein Arm erhebt. Todestag, dein Schrecken mag eines Frevlers Herz erschüttern: was brauch ich zu zittern? 4. Auch in mir ist Sünde; doch ich überwinde sie, mein Hort, durch dich. Sink ich oft noch nieder: du erhebst mich wieder, du begnadigst mich. Deine Huld tilgt meine Schuld, nie entziehst du deis nem Knechte der Erlösten Rechte. 454 Erster Theil. 5. Daß ich Gott erkenne, und ihn Vater nenne, und mich ewig sein, daß ich hier am Grabe Trost und Hoffnung habe, dank ich dir allein. Daß dein Geist mich unterweist und mich führt auf deinem Pfade, das ist deine Gnade. 6. Der du Blut und Leben hin für mich gegeben, daß in meiner Noth ich nicht hülflos bliebe: groß ist deine Liebe, stärker als der Tod! Herr! und ich, ich sollte mich deiner Huld nicht dankbar freuen? dir mein Herz nicht weihen? 7. Würdig dir zu leben, dies sei mein Bestreben, meine Lust und Pflicht! was die Welt vergnüget, o mein Heil, das gnüget meiner Seele nicht. Hab ich dich: wie gern will ich das, wonach die Heiden trachten, reich in dir, verachten! 8. Macht ein Gut der Erde, daß ich glücklich werde durch Zufriedenheit? Sind nicht auch die Ehren, die die Welt bethö ren, Traum und Eitelkeit? Du erfreust des Menschen Geist; Herr, du willst, die dich verehren, ewig wieder ehren. 9. Deinen hohen Frieden schmeck ich schon hienieden. Und was hoff ich dort? Unbe Von der Glückseligkeit wahrer Christen zc. 455 gränzte Beiten voller Seligkeiten hoff ich auf dein Wort. Sie sind mein durch dich allein. Bleib ich dir getreu im Glauben, wer kann sie mir rauben? 10. Voll von deiner Güte frohlockt mein Gemüthe, Gott, mein Heiland, dir. Dieser Geist der Freuden stärke mich im Leiden, weiche nie von mir! laß mich so beherzt und froh einst durchs Thal des Todes dringen, dort dein Lob zu singen. Mel. von Nr. 42. 251. Wenn ich ein gut Gewissen habe, so hab ich große Seligkeit; es ist des Himmels beste Gabe, das höchste Glück in dieser Zeit. In Freud und Leiden gibt es hier die wahre Ruh der Seele mir. 2. Sch bebte nicht, wenn Sünder beben, das Gott gerecht und heilig ist. Mein Herz gibt Baugniß meinem Leben, daß ich gewandelt als ein Christ, des göttlichen Berufes werth, der mich im Himmel wandeln lehrt. 3. Gtrost wag ichs, vor Gott zu treten, und ihnvoll Glaubensfreudigkeit als meinen Vaer anzubeten, der, was ich habe, mir verläht, und jedem Heil und Segen gibt, der hn von Grund des Herzens liebt. 456 Erster Theil. 4. Mit Muth trag ich des Lebens Leiden, Verfolgung, Lästrung, Schmach und Hohn: denn des Gewissens innre Freuden sind süßer, als der Welt ihr Lohn; und was kann höhern Trost verleihn, als ohne Schuld im Leiden sein? 5. Die Fröhlichkeit in meinem Herzen verbreitet sich auf mein Gesicht; sie ist mein Labsal in den Schmerzen, und in der Finsterniß mein Licht. Sie macht getrost, wenn eine Welt erzittert und in Trümmern fällt. 6. Ich eile mit gesetztem Schritte des Lebens letter Stunde zu; denn der verfallnen Leibeshütte zeigt sich im Grabe sanfte Ruh, indem mein Geist, der Gott gelebt, zu seinem Ursprung sich erhebt. 7. Und droht mir ja noch einge Sünde: mein Heiland gibt mir Trost und Muth; ich weiß, daß ich stets Ruhe finde in der Versöhnung durch sein Blut! er, der für mich gebüßet hat, tilgt alle meine Missethat. 8. Seele! darum sei beslissen, daß Frömmigkeit und Heiligkeit dir immerdar ein gut Gewissen und Glaubenszuversicht verleiht. Und du, mein Gott, regiere mich! denn o! was könnt ich ohne dich? Von der Glückseligkeit wahrer Christen zc. 457 Mel. Es ist das Heil uns kommen.- 6. 252. Ein Pilger bin ich in der Welt, und kurz sind meine Tage: so manche Noth, die mich befällt, reizt mich hier noch zur Klage. Doch, Vater, deine Ewigkeit versüßt mir meine Pilgrimszeit, und stärkt mich selbst im Leiden. 2. Jeßt, da die Sünde mich noch drückt, seufzt meine bange Seele. Wie bald ist nicht mein Herz berückt! wer merkt, wie oft er fehle? Doch einst werd ich vollkommen rein, ganz heilig und ganz selig sein. Dies tröstet meine Seele. 3. Vor meinen Augen wandeln die, die dich, o Jesu, schmähen: ihr freches Herz bethöret sie, daß sie dein Heil nicht sehen. Einft bebt der Spötter, Herr, vor dir; wenn du als Richter kommst, und wir frohlockend dich erheben. 4. In stiller Nacht wein ich oft, Herr, hinauf zu deiner Höhe. Mein schwaches Herz seufzt freudenleer, wenn ich den Morgen sehe. Ein Blick gen Himmel tröstet mich, und meine Thränen stillen sich einst ganz in jenem Leben. 458 Erster Theil. 5. Wenn mich der Zukunft Schicksal schreckt, die Noth der fernen Tage; wenn sie in mir die Sorg erweckt, ob ich sie auch ertrage: so mildert mir die Ewigfeit das furze Elend dieser Zeit, daß nicht mein Herz verzage. 6. Wenn einst, der jetzt von ferne dräut, der Tod mir näher winket; wenn, nach der Arbeit dieser Zeit, mein Haupt zum Schlummer sinket: so sterb ich froh; die Ewigkeit zeigt mir des Himmels Herrlichkeit, die alles übersteiget. 7. Herr! diesen Trost, der mich erfreut, vermehr in meinem Herzen. Mich stärke deine Ewigkeit bei meiner Wallfahrt Schmerzen. Sie sei in meinem Tod mein Heil, und einst mein längst gewünschtes Theil, wenn ich vom Tod erwache! Mel. des 4. Psalms. +41 ie wohl ist, Jesu, meiner Seelen! In deiner Liebe find ich Ruh. Nichts läß'st du deinem Freunde fehlen. 253. W Von der Glückseligkeit wahrer Christen 2c. 459 Will irgend eine Noth mich quälen, so eil ich deinen Armen zu. Mein Herz muß mir bald leichter werden, erquickt an deiner treuen Brust. Es weichen Sorgen und Beschwerden, den Himmel # $ hab ich schon auf Erden; hier such und find ich Ruh und Luft. 2. Die Welt mag ihre Freundschaft preisen, und mir mit lächelndem Gesicht, so wie sie kann, viel Gut's erweisen, sie mag selbst meine Feindin heißen: o Theuerster! das irrt mich nicht. Ich will mich ganz zu dir gesellen; du bleibst mein Freund, wenn Freundschaft weicht, und Feinde mich zu Boden fällen. Truß sei den stärkſten Unglückswellen, wenn Jesus mir die Hände reicht! 3. Droht Moses mit erzürnten Blicken 460 Erster Theil. mir großem Sünder Angst und Weh; muß ich bei meines Herzens Tücken mich selbst anklagen, schüchtern blicken, so faß ich, wenn ich dich nur seh, doch Muth, du löschst des Bornes Flammen, du hast für mich genug gethan. Tritt alles wider mich zusammen; du bist mein Heil: wer will verdammen? du nimmst dich meiner kräftig an! 4. Führst du mich selbst auf rauhen Wegen, ich folg und lehne mich auf dich: sie enden sich in lauter Segen, du kommst mit Troste mir entgegen, mit deiner Liebe labst du mich. Ja, sollt ich dich nicht gleich verspüren, so wart ich deine Stunde ab: wen du, mit dir zu triumphiren, willst über Sonn und Sterne führen, den führst du erst recht tief hinab. 5. Der Tod mag andern schrecklich scheinen, er schwächet doch nicht meinen Muth. Am Abend bleibst du bei den Deinen; in jener Nacht verlässt du keinen, des Zuversicht auf dir beruht. Mich bringt der Tod nach allen Leiden an jenen Ort der Sicherheit. Du rufst, wie sollt ich nicht mit Freuden aus einer Welt voll Jammer scheiden! du rufft zur frohen Ewigkeit! Von der Glückseligkeit wahrer Christen 2c. 461 6. Wie wohl ist, Jesu! meiner Seelen, weil du mich liebst; ich trau auf dich! mich kann Welt, Noth und Tod nicht quälen, du heißest mich dich selbst erwählen, du selbst, mein Gott, vergnügest mich! zu deinem Wort gieb dein Gedeihen, laß mir des Himmels Vorschmack sein: weg, Welt, mit allen Schmeicheleien! nichts fann, als Jesus, mich erfreuen. O reicher Trost! mein Freund ist mein! Mel. des 46. Psalms. 254. B eglückter Stand getreuer Seelen, die Gott, den Höchsten, sich erwählen zu ihrem Zweck, zu ihrem Theil, und suchen nur in Jesu Heil! glückselig, wer # * aus reiner Liebe und ungefälschtem Glaubenstriebe nach seines treuen Heilands Rath die Welt und sich verläugnet hat. athtl 462 Erster Theil. 2. Wer Gott hat, was wird der verlieren? Nichts, Seele, nichts! du wirst verspüren, daß er den Seinen alles ist. Wenn du nur deiner erst vergissst, dich ihm mit Leib und Seel ergiebest, in seiner Liebe dich nur übest, so ist und wird dir Gott allein Gut, Ehre, Lust und Leben sein. 3. Betrogne Welt! bethörte Sünder, die ihr euch selbst, nach Art der Kinder, betrügt und eilt dem Schatten nach! wie stürzt ihr euch in Weh und Ach! Was hat die Welt, das recht vergnüget, das nicht durch leeren Schein betrüget? Ihr tappt im Finstern ohne Licht, ihr sorgt, ihr sucht, und findet nicht. 4. O süße Lust, die der empfindet, der sich im Glauben dem verbindet, und nur zu dem das Herze lenkt, der sich uns selbst zu eigen schenkt! Wie leicht wird ihm ſein kurzes Leiden! er hat den Vorschmack jener Freuden; er schaut darauf, er denkt dahin, vergisset allen Weltgewinn. 5. Laß, Jesu, mich den Vorsatz fassen, die Welt und alles das zu hassen, was mich von dir nur trennen kann! Zeuch mich dir nach auf deiner Bahn! laß deinen Geiſt Von der Glückseligkeit wahrer Christen 2c. 463 mich stets regieren, und hier durch Welt und Prüfung führen zum Himmel, wo man dein genießt, und du in allem alles bist. Mel Ich weiß, mein Gott, daß all. 255. S ch freue mich, mein Gott, in dir. Du bist mein Trost, und was fann mir in deiner Liebe fehlen? du, Herr, bist mein, und ich bin dein: was mangelt meiner Seelen? 2. Du hast mich von der Welt erwählt, und deinen Kindern zugezählt. Mag mich die Weltdochhassen. Du liebst mein Wohl; wirst gnadenvoll mich nimmermehr verlassen. 3. Du trägst mich liebreich mit Geduld, vergiebst in Christo mir die Schuld, wenn ich aus Schwachheit fehle. Du giebst mir Theil an seinem Heil. Dies tröstet meine Seele. 4. Du bist mir der bewährte Freund, der es aufs Beste mit mir meint. Wo find ich Deinesgleichen? Du stehst mir 464 Erster Theil. bei und bleibst mir treu, wenn Berg und Hügel weichen. 5. Du bist mein Leben, Trost und Licht, mein Fels und Heil; drum frag ich nicht nach Himmel und nach Erde. Herr, ohne dich ist nichts für mich, das mir erfreulich werde. 6. Du bist mein allerhöchstes Gut, darauf mein wahres Wohl beruht, in dir leb ich zufrieden. So dort, als hier, Herr, bleiben wir in Liebe ungeschieden. 7. Du segnest mich, wenn man mir flucht, und wer hier mein Verderben sucht, dem wirds doch nicht gelingen. Mit deiner Treu stehst du mir bei, daß ich kann fröhlich singen. 8. Du lässt mirs ewig wohl ergebn Einst werd ich dich noch näher sehn, du Ursprung wahrer Freuden! an dir wird sich dann ewiglich mein ganzes Herz, Herr! weiden. 9. Noch hats kein menschlich Ohr gehört, was uns dein Himmel einst gewährt; doch seh ichs schon im Glauben. Vollkommnes Heil ist da mein Theil. Das wird mir niemand rauben! Von der Glückseligkeit wahrer Christen 2c. 465 Mel. Ich ruf zu dir, Herr Jesu. 256. M ein treuer Gott! dein gutes $ Werk, das in mir angefangen, muß ganz allein durch deine Stärk zu seinem Biel gelangen. Soll ich, bis in den Tod getreu, in deinem Dienste bleiben, und fest bleiben: so stehe du mir bei, im Glauben Frucht zu trei- ben. 2. Herr! wie genau ist dein Gebot, wie groß ist meine Schwäche! der ich, verführt von Lust und Noth, manch guten Vorsatz breche. Ich bin nicht gnug auf meiner Hut, wenn mit geheimen Tücken mich berücken die Welt und Fleisch und Blut; wer hilft aus so viel Stricken? 3. Doch, Vater! deine Treu und Macht, doch, Mittler! dein Vertreten, doch, Geift der Gnaden, deine Wacht, dein Trieb 30 466 Erster Theil. zum Kampf und Beten, wird alles, was mir Schaden bringt, ja selbst den weiten Rachen jenes Drachen, der sonst so viel verschlingt, bei mir zu Schanden machen. 4. Die in der Liebe redlich sind, läßt sich der Herr nicht nehmen. Mein Vater wird sein armes Kind im Hoffen nicht beschämen. Das allerkleinste Lamm läßt nicht mein treuer Hirt verschmachten; er wird achten, was mir annoch gebricht, und mir zu helfen trachten. 5. Den Glauben, den er mir geschenkt, den wird er mächtig stärken. Die Kraft, die er in mich gesenkt, wird keinen Abgang merken. Er wird durch seines Gei stes Trieb mich Schwachen vollbereiten, gründen, leiten. Er hat mich zärtlich lieb, drum wird mein Fuß nicht gleiten. 6. Führt er mich selbst in Kampf und Streit, so wird er mich auch schüßen, und durch Gebet und Wachsamkeit mich mächtig unterstüßen. Fall ich, so wird er mich, sein Kind, nicht hülflos liegen lassen, noch mich hassen. Ach nein, er kommt geschwind, mich bei der Hand zu fassen. Von der Glückseligkeit wahrer Christen 2c. 467 7. Er bleibet mir, ich ihm getreu! kein Tod, kein Schmerz, kein Leiden, nicht Furcht, nicht Lust, nicht Schmeichelei soll uns Verbundne scheiden! Was er zusammen hat gefügt, wird kein Geschöpfe können jemals trennen. Wohl mir, ich bin vergnügt! ich darf mich selig nennen. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 30. 257. Getrost, mein Herz, und zage nicht! laß allen Kummer fahren! weil mir mein Bundesgott verspricht, daß er mich will bewahren in aller Trübsal, Angst und Noth, ja selbst auch endlich in dem Tod. Er kann und will mich schüßen. 2. Er hat mich schon von Ewigkeit zum Eigenthum erforen; er hat mich in der Gnadenzeit durch Wort und Geist geboren. Der Gnadenrath, der starke Grund, der ewig feste Friedensbund wird nimmermehr gebrochen. 3. Der Gott ist unveränderlich, der mich zum Heil ersehen. Er kennet mich, er liebet mich, wer will sich unterstehen, mich zu verderben? seine Hand wird mich und meinen Gnadenstand beständiglich bewahren. - 30* 468 Erster Theil. 4. An meiner Statt hat Jesus sich zum Bürgen hingegeben; und nicht umsonst; er hat für mich erworben Heil und Leben. Die Sündenschuld ist abgethan, wer flaget mich nun weiter an? wer kann mich nun verdammen? 5. Mit dem mein Glaube sich verband, mein treuer Seelenretter, mein Jesus ist zur rechten Hand des Vaters mein Vertreter. Ihn aber hört Gott allezeit; wie könnt er nach Gerechtigkeit mich denn verderben lassen? 6. Ich bins, auf den sein Auge sieht: sollt er mich nicht regieren? Er ist mein Haupt, ich bin sein Glied: sollt er mich denn verlieren? ich bin das Schaf, er ist der Hirt, der mich allmächtig schützen wird: wer will mich ihm denn rauben? 7. Mein Erbtheil ist die Seligkeit, die Jesus mir verheißen, die er verdient, die er bereitt: wer will sie mir entreißen? Dazu hat er mir seinen Geist, der Lehrer und auch Beistand heißt, zum Unterpfand gegeben. 8. Und dieser Geift soll ewiglich, sagt Christus, bei mir bleiben. Er stärket und Von der Glückseligkeit wahrer Christen 2c. 469 versiegelt mich, nichts kann ihn von mir treiben. Durch ihn genieß ich allbereit den Vorschmack jener Seligkeit, die ich ererben werde. 9. Laß mich doch diesen Geist nur nicht durch Sünd, o Herr, betrüben! gib, daß ich mög bei seinem Licht mich stets im Glauben üben! ach, mache mich je mehr und mehr bequem zu deines Namens Ehr, bis ich dich dorten lobe! Mel. Es ist gewißlich an der Zeit.- 30. 258. Ich bin ein Christ! Gott ist mein Freund! in dieser hohen Würde steh ich und fürchte keinen Feind, und lache jeder Bürde. Der Rang erfüllt mit Muth und Kraft mein Herz in dieser Bilgrimschaft des Lebens und der Leiden. 2. Mein Glaube steht und wanket nicht; er ist zu fest gegründet. Er stüßet sich voll Zuversicht auf Jesum Christ, und findet bei ihm allzeit Trost, Heil und Ruh; er eignet sein Verdienst sich zu und trohet Welt und Hölle. 3. Sollt ich um Hoffart, Eitelkeit und Güter dieser Erden, aus Wollust oder Erster Theil. Sicherheit der Tugend untreu werden? Nein, auf die Sünde folgt der Tod; allein die Tugend segnet Gott mit Leben und mit Friede. 4. Was sind die Leiden dieser Zeit mir gegen jene Kronen, womit Gott in der Herrlichkeit die Frommen will belohnen? was dieses Lebens kurze Frist, Gott, gegen das, was ewig, ist? soll ich nicht muthig kämpfen? 470 5. Ich fürchte nicht des Todes Macht mit allen seinen Schrecken. Gott will mich aus des Grabes Nacht zum großen Tag erwecken; ich fürchte nicht der Höllen Glut, erkauft durch des Erlösers Blut zum Eigenthum und Erbe. Der 23. Psalm. 259. D er Herr, mein Hirt, behütet mich in Gnaden! mir mangelt nichts, und niemand darf mir schaden. Er weidet mich, wo sanfte Wasser fließen, und Von der Glückseligkeit wahrer Christen 2c. 471 lässet mich der stillen Ruh genießen. Wie ** wohl ist mir bei seiner treuen Pflege! er führet mich stets auf die besten Wege. 2. Drum, sollt ich gleich in finstern Tiefen wallen, so würde mich kein Grauen doch befallen; du, Höchster, bist mit deinem Stab und Stecken mein sichrer Trost vor allen Todesschrecken. Noch mehr, du willst, daß ich an deinem Tische im Angesicht der Feinde mich erfrische. 3. Du salbst mein Haupt mit deinem Freudenöle; dein voller Kelch erquicket meine Seele. Mir folgt dein Heil auf meinem Lebenspfade zu jeder Zeit, mir folget deine Gnade. Ich werde stets, Gott wird es mir vergönnen! in seinem Heiligthume bleiben können. 20) Vom Tode der Glaubigen und der Auferstehung der Todten. Mel. Ach Herr, mich armen S.- 67. 260. Gern will ich mich ergeben, dich zu verlassen, Welt. Ich geh zum bessern 472 Erster Theil. Leben, sobald es Gott gefällt. Was wärs, das mich betrübte? dort schau ich ewig den, den meine Seele liebte, noch eh ich ihn gesehn. 2. Er ruft zur Beit der Schmerzen uns voll Erbarmen zu: kommt her, beladne Herzen, zu mir, und findet Ruh. Dies Wort aus deinem Munde laß, Herr, mich zu erfreun, in meinen letzten Stunden mir Geist und Leben sein. 3. Mit dir muß es mir glücken, den Kampf zu überstehn. Im gläubigen Ent zücken laß meine Seele sehn, wie im Ge richt für Sünder du mit dem Tode rangst, und wie du, Ueberwinder, allmächtig ihn bezwangst. 4. Der frohe Siegsgedanke: wo ist dein Stachel, Tod? stärk mich, daß ich nicht wanke in meiner Todesnoth; so ist, obgleich ich sterbe, doch Sterben mein Gewinn. Jch bin des Himmels Erbe: dein Wort sagt, daß ichs bin. 5. Du schriebst ins Buch des Lebens auch meinen Namen ein. Dein Blut kann nicht vergebens für mich vergossen sein Dir trauet meine Seele, dich lobt, was Vom Tode der Glaubigen 2c. 473 in mir ist, Erlöser meiner Seele! der du die Liebe bist. Mel. von Nr. 86. 261. Dein sind wir, Gott, in Ewigkeit. In deiner Hand steht unsre Zeit. Du haft der ganzen Menschenschar ihr Todesjahr bestimmt, als feine Zeit noch war. 2. Wenn nun auch unser Ende kömmt, und deine Hand das Leben hemmt, dann hilf uns in der Todesnoth, Herr, unſer Gott, ein sanfter Schlaf werd uns der Tod. 3. Nimm nach vollbrachtem Lebenslauf in deine ewge Ruh uns auf. Verwirf, wenn unser Herz uns bricht, verwirf uns nicht, Herr, Herr, von deinem Angesicht! 4. Drückt uns dann noch der Krankheit Schmerz, so stärke das beklemmte Herz, daß es, auch in der Schmerzenswuth, mit starkem Muth in deiner weisen Fügung ruht. 5. Gib Hoffnung zu der ewgen Ruh! In unsern Herzen wirke du, Geist Gottes, daß wir glaubend traun und ohne Graun hin in die Nacht des Todes schaun. 474 Erster Theil. 6. Hilf unsrer Schwachheit, Geist des Herrn! Beig uns den Himmel dann von fern; laß uns, wenn wir zum Vater flehn, getröstet sehn, wie der uns liebt, zu dem wir gehn. 7. Ach, Gnad ergehe dann für Recht, denn von dem menschlichen Geschlecht ist auch der Heiligste nicht rein. Wer kann je dein, Gott, ohne deine Gnade sein? 8. O sei uns dann nicht fürchterlich), erbarme, Vater, unser dich! Wenn unser Auge sterbend bricht, leit uns dein Licht! so fehlt uns Trost im Tode nicht. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 82. 262. Noch bin ich dein Gast, o Erde! Gott mehrt meiner Tage Zahl! daß ich reif zum Himmel werde, prüft er mich, läßt mir die Wahl, Böses oder Guts zu wählen. Doch werd ich viel Jahre zäh len? oder ruft ein naher Tod mich zu banger Sterbensnoth? - 2. Herr, du weißts! Du hast die Tage meines Lebenslaufs gezählt. Ihre Freu den, ihre Plage sah dein Auge, das nie fehlt, früher noch als du auf Erden mich Vom Tode der Glaubigen 2c. 475 ließst einen Pilgrim werden. Da schon schriebst du meinen Tod auf dein Buch, o weiser Gott. 3. Einst, wenn es dein Wille fodert, wird mein reger Leib zu Staub, und das Feur, das in mir lodert, wird des falten Todes Raub. So, wie Frühlingsblumen welfen, wird mein Leben auch verwelken; Kraft und Odem nehmen ab, und den Leichnam nimmt das Grab. 4. Nimm ihn hin zu deinem Staube, Grab; verwandle ihn in Erd. Dennoch triumphirt mein Glaube; denn mein Leib wird einst verklärt. Des verwesten Körpers Trümmer bleiben wahrlich nicht auf immer der Vermodrung schnöder Raub. Neu beseelt wird einst mein Staub. 5. Durch dein schöpfrisch Wort: Es werde! rufst du, Herr, in mein Gebein neues Leben; nicht mehr Erde wird alsdann mein Körper sein. Bu den himmlischen Geschäften schmückst du ihn mit neuen Kräften; und von Schwäch und Sterblichkeit wird er ewig dann befreit. 6. Hör, o Seele, einst mit Freuden jenen Ruf: das Grab ist da! denn das 476 Erster Theil. Ende deiner Leiden ist mit ihm zugleich dir nah. Der, der deinen Tod bezwungen, hat das Leben dir errungen. Durch den Weg der Sterblichkeit führt er dich zur Ewigkeit. 7. Stärke mich auf diese Stunde, Jesu, der du für mich starbst, und an Gottes Gnadenbunde ewig Antheil mir erwarbst. Laß mich Tod und Grab nicht scheuen; laß vielmehr mich darauf freuen. Denn nach treu vollbrachtem Lauf nimmst du mich zum Himmel auf. Mel. Jesus, meine Zuversicht.- 47. 263. Selig, Gott, sind die, die nun schon im friedenvollen Grabe von des Lebens Arbeit ruhn, und sich deiner größ ten Gabe, eines ewgen Lebens, freun. Möchten wir es auch schon sein! 2. Doch du willsts, wir leben noch mühsam hier in Pilgerhütten. Alle tru gen einst dies Joch, die des Lebens Kron erstritten. Endlich aber führt der Tod uns auch hin zu dir, o Gott! 3. Jesus selber lebte hier vormals auch in Bilgerhütten. Noch unendlich mehr Vom Tode der Glaubigen 2c. 477 als wir, hat er auf der Erd erlitten. Laßt uns gläubig auf ihn sehn, und durch ihn im Kampf bestehn. 4. Was ist diese Lebenszeit? Ach, nur eine kurze Stunde, gegen jene Ewigkeit. Gleichwohl kommt auf diese Stunde, die Gott noch verkürzen kann, unser ewges Schicksal an. 5. Gib uns Weisheit, Herr, und Kraft, diese Stunde wohl zu nüßen, und beim Schluß der Pilgrimschaft wollest du uns unterstüßen, daß wir freudig auf dich sehn, und getrost zum Tode gehn. 6. Daß wir dein sind nicht der Welt, daß du uns wirst auferwecken, diese Kraft der bessern Welt laß uns, wenn wir sterben, schmecken! flöß uns Muth und Ruhe ein, selbst im Tode froh zu sein. 7. Wenn wir, um einst auch zu ruhn, zu den Todten Gottes gehen, wollst du mehr noch an uns thun, als wir bitten und verstehen. Auch für unsre Todesnacht riefft du einst: es ist vollbracht! Mel. Wie schön leuchtet der.- 35. 264. Wie wird mir dann, mein Heiland, sein, wenn ich, mich deiner ganz zu freun, 478 Erster Theil. in dir entschlafen werde? Dann, Seele, wirst du, ganz befreit von Sünde und von Sterblichkeit, entfliehen dieser Erde. Freu dich innig! stärke, tröste dich, Erlöste, mit dem Leben, das dir dann dein Gott wird geben. 2. Ich freue mich und bebe doch; so drückt mich meines Elends Joch, der Fluch der Sünde nieder. Doch du, o Herr, erleich terst mir dies Joch; mein Herz stärkt ſich in dir, glaubt und erhebt sich wieder. Jesus Christus, laß mich streben, dir zu leben, dir zu sterben, und dein Himmelreich zu erben. 3. Verachte denn des Todes Graun, mein Geist, er ist ein Weg zum Schaun in jenem bessern Leben. Er sei dir nicht mehr fürchterlich; zum Allerheiligsten wird did der Herr dadurch erheben. Hier wird dein Hirt nach den Thränen, nach dem Sehnen, dich Erlöften völlig und auf immer trösten. 4. Herr, Herr! ich weiß die Stunde nicht, die mich, wenn nun mein Auge bricht zu deinen Todten sammelt. Vielleicht um gibt mich ihre Nacht, eh ich dies Flehen noch vollbracht, mein Lob dir ausgestam melt. Mach mich fertig! ich befehle meine Vom Tode der Glaubigen 2c. 479 Seele deinen Händen. Laß mich meinen Lauf gut enden! 5. Vielleicht sind meiner Tage viel; ich bin vielleicht noch fern vom Ziel, an dem die Krone schimmert. Bin ich von meinem Biel noch weit, so sei mein Leben dir geweiht, bis einst mein Leib zertrümmert. Hilf mir, Herr, dir ganz mein Leben zu ergeben, daß ich droben dich unendlich könne loben. 6. Wie wird mir dann, mein Heiland, sein, wenn ich mich deiner ganz erfreun, dich dort anbeten werde? Dann bin ich frei von Sünd und Leid, ein Mitgenoß der Herrlichkeit, nicht mehr ein Mensch von Erde. Preis dir! daß mir durch dein Leiden jene Freuden offen stehen. Ewig will ich dich erhöhen! Mel. des 103. Psalms. 265. W ie komm ich doch, mein Heil zu dir hinüber? Du bist mir ja, mein höchstes Gut! viel lieber, als diese Welt, 480 Erster Theil. woher kommt denn die Qual, daß mich # des Tods Erinnerung erschrecket? Wie # kommts, daß dem, den deine Huld bedecket, doch grauet vor dem finstern Todesthal? 2. Mit Dank muß ich von deiner Güte sagen, wie du mich durch die Wüste durch getragen, und meine Seel mit vielem Troft erquickt; ich weiß, wie manche Noth mir kam zu Handen, doch weiß ich auch, wie du mir beigestanden, daß mich die Laft der Trübsal nicht erdrückt. 3. Nun aber will die Furcht den Glauben schwächen in mir, da ich durch diesen Jordan brechen, und durch den Tod in Canan gehen soll. Ach, führe mich hin durch, o mein Erretter! mit starker Hand reiß mich aus Sturm und Wetter, das auf mich fällt, und weckt mich schreckenvoll. Bom Tode der Glaubigen 2c. 481 4. Dein Licht und Wahrheit, so mich durchgeführet durch diese Wüst, und nie den Glanz verlieret, das bleibe mir in Todesfinsterniß! geh auf, o Sonn, mit deiner Kraft zu heilen, laß deinen Trost die finstre Wolk vertheilen, und mache mich doch deiner Huld gewiß. 5. Du bist mein Fels; die Wunden sind die Höhlen, dahin ich flieh, was kann ich sonst erwählen, wenn mir der Tod das matte Herz zerbricht? Muß ich allhier im finstern Thale wandern, treibt Todesnoth von einem Ort zum andern, so komm ich doch aus deinen Wunden nicht. 6. Gott! du bists, der aus dem Tod erhebet, du hilfest dem, der nur an dir fest klebet; ich bins, ich hoff, du wirst es ferner thun. Bum Leben wirst du mich hiernach erwecken, o gib mir hier die Lebensfrucht zu schmecken, damit ich kann in deiner Liebe ruhn. Mel. Nun laß uns den Leib begraben. 266. Begrabt den Leib in seine Gruft, $$ bis ihm des Richters Stimme ruft! wir 31 482 Erster Theil. säen ihn; einst blüht er auf, und steigt verklärt zu Gott hinauf. 2. Aus Staube schuf ihn einst der Herr; er war schon Staub, und wirds nur mehr; er liegt, er schläft, verwest, erwacht der einst aus dieser Todesnacht. 3. Des Frommen Seele lebt bei Gott, der sie aus aller ihrer Noth, aus aller ihrer Missethat durch seinen Sohn erlöset hat. 4. Hier hat ihn Trübsal oft gedrüdt: nun wird er, Gott, von dir erquickt; hier wandelt er im finstern Thal: nun ist er frei von Schmerz und Qual. 5. Gott blieb er treu bis an sein Grab; nun wischt Gott seine Thränen ab; was sind die Leiden dieser Zeit, Gott, gegen deine Herrlichkeit! 6. Nun, du Erlöster, schlaf in Ruh! wir gehn nach unsern Hütten zu, und machen zu der Ewigkeit mit Frend und Zittern uns bereit. 7. Ach, Jeſu Christ, dein bittrer Tod stärk uns in unsrer letzten Noth! laß unsre ganze Seele dein, und freudig unser Ende sein. Vom Tode der Glaubigen 2c. Mel. Was Gott thut, das ist wohlgethan. 483 267. 3 ch freue mich der frohen Zeit, da ich werd auferstehen. Dann werd ich in der Herrlichkeit dich, Gott, mein Hei$ land, sehen. Dann werd auch ich, o Herr, 1 durch dich ins Reich verklärter Frommen als Mitglied aufgenommen. 2. Ja, Herr, du führst sie einst heran, die Stunde der Erlösung; die Stunde, da ich hoffen kann, Trost, Freiheit und Genesung; da, Engeln gleich, im Himmelreich mich Ruhe, Lust und Leben in Ewigkeit umgeben. 3. Der du die Auferstehung bist, du bists, an den ich gläube! Ich weiß, daß ich durch dich, Herr Christ, im Tode nicht verbleibe. Und dein Gericht wird mich dann nicht mit Trübsal, Angst und Schrecken, so, wie die Heuchler, decken. 31* 484 Erster Theil. 4. Ich hoffe dann mit Freudigkeit vor dir, mein Haupt, zu stehen, und mit dir in die Herrlichkeit frohlockend einzugehen. O, hilf mir doch aus Gnaden noch, zum Glück der Ewigkeiten mich würdig zu bereiten. Mel. Allein Gott in der Höh.- 15. 268. Mein Heiland lebt! Er hat die Macht des Todes ganz bezwungen, und siegreich aus des Grabes Nacht zu Gott sich aufgeschwungen. Er ist mein Haupt; sein Sieg ist mein. Sein soll mein ganzes Leben sein, und ihm will ich auch sterben. 2. Nicht ewig wird, wer dein Wort hält, den Tod, o Jesu, schauen. Das ists, was mich zufrieden stellt, selbst bei der Gräber Grauen. Ich bin getrost und unverzagt, weil du den Deinen zugesagt: ich leb, und ihr ſollt leben. 3. Wird gleich mein Leib des Todes Raub, er wird doch wieder leben, und einst aus der Verwesung Staub sich neu gebild't erheben, wenn du, o großer Le bensfürst, nun deinen Todten rufen wirst, zum Leben aufzuwachen. Vom Tode der Glaubigen 2c. 485 4. Wie froh und herrlich werd ich dann vor dir, mein Heiland, stehen! dann nimmſt du mich mit Ehren an; läff'st in dein Reich mich gehen. Forthin vor keiner Last beschwert, an Leib und Seele ganz verklärt, leb ich bei dir dann ewig. 5. O, welch ein selges Theil ist mir auf jene Welt bereitet! der Freuden Fülle ist bei dir. Von dir, o Herr, geleitet, werd ich in deinem Himmelreich unsterblich, deinen Engeln gleich, vollkommne Luft genießen. 6. Denn, wo du bist, da sollen die, die dir hier folgen, leben, und ewig frei von Schmerz und Müh, von Seligkeit umgeben, genießen deiner Herrlichkeit. D, was sind Leiden dieser Zeit, Herr, gegen jene Freuden? 7. Laß die zukünftge Herrlichkeit mir stets vor Augen schweben, und mich in dieser Prüfungszeit mein Herz dahin erheben, wo feine Schwachheit uns mehr drückt, wo wir, der Sterblichkeit entrückt, frohlockend vor dir wandeln. 8. Erwecke mich dadurch zum Fleiß, der Tugend nachzustreben, und als dein Erster Theil. Jünger, dir zum Preis, nach deinem Wort zu leben. Und fühl ich hier noch Noth und Schmerz, so tröste selbst damit mein Herz: es kommt ein beßres Leben. 486 Mel. Herzlich lieb hab ich. 141. 269. Mein Heiland! wenn mein Geist erfreut, im Glauben auf die Herrlichkeit des ewgen Erbtheils blicket, das du für mich bereitet hast: wie leicht dünft mir dann alle Laft, die mich hienieden drücket! Dann wird der Eitelkeiten Tand in meinen Augen schlecht, als Sand. Der Erde Pracht ist mir wie nichts, beim Anblick jenes ewgen Lichts. Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, mein Herr und Gott! dies Heil verdank ich deinem Tod. 1 2. Wenn einst auf deinen Wink mein Geist des Körpers Banden sich entreißt, dann stärk ihn aus der Höhe; daß ich, durch deinen mächtgen Stab beschüßt, ins Todesthal hinab getrost und freudig gehe. Die Klarheit jener bessern Welt schaff, wenn mich Dunkelheit befällt, in meinem finstern Herzen Licht, und Hei terkeit im Angesicht. Herr Jesu Chrift, mein Herr und Gott, mein Herr und Vom Tode der Glaubigen 2c. 487 Gott! dann wird zum Schlummer mir der Tod. 3. Und wenn mein Geist aus Schüchternheit sich dennoch vor dem Tode scheut, weil ihn die Sünden kränken; dann laß mich, Herr, auf deinen Tod die Hoffnung baun, es werde Gott der Sünden nicht gedenken. Der Trost, den du auch mir erwarbst, als du zum Heil der Sünder starbst, und fühltest, wie dich Gott verließ, der mache mir das Sterben süß. O Jesu Christ, mein Herr und Gott, mein Herr und Gott! verlaß mich nicht in meinem Tod. 4. Auf kurze Zeit schließt sich zur Ruh mein thränenvolles Auge zu, und schlummert in dem Staube. Doch der, der mich zum Grabe ruft, der ruft mich einst auch aus der Gruft. Ich weiß, an wen ich glaube. Er lebet, und ich werd durch ihn der Grabesnacht gewiß entfliehn. Mein Geist und mein verklärt Gebein wird sich des Herrn, des Mittlers, freun. Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, mein Herr und Gott! zum Leben schaffst du nun den Tod. 5. Du bleibest meine Zuversicht, mein Trost, wenn einst das Weltgericht die 488 Erster Theil. Engel ausposaunen. Vor deinem Thron werd ich dann stehn, dich, Richter aller Völker, sehn, dich sehn und froh erstaunen. Auch mir schenkst du dann jenes Heil der Auserwählten selges Theil. Ich soll, dein Mund schwur es mir zu, ich soll lebendig sein, wie du. Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott, mein Herr und Gott! stärk diesen Glauben einst im Tod. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 47. 270. Jesus, meine Zuversicht und mein Heiland, ist im Leben! dieses weiß ich, sollt ich nicht auch zu sterben, mich ergeben? was die lange Todesnacht mir auch für Gedanken macht! 19 2. Jesus, mein Erlöser, lebt! ich werd auch das Leben schauen, wenn er mich zu sich erhebt; warum sollte mir denn grauen? Er ist der Gemeinde Haupt, und sein Glied, wer an ihn glaubt. 3. Ich bin durch der Hoffnung Band zu genau mit ihm verbunden; er hält mich bei meiner Hand in den dunklen Todesstunden, er führt mich auf rechter Bahn und nimmt mich zu Ehren an. Vom Tode der Glaubigen 2c. 489 4. Fleisch bin ich, und muß daher auch einmal zu Staube werden. Dieses weiß ich; doch wird er mich erwecken aus der Erden, daß ich in der Herrlichkeit bei ihm sei in Ewigkeit. 5. Dann umgibt mich diese Haut, dieser Leib, wie ich fest glaube; Gott wird dann von mir geschaut, wenn ich aufsteh aus dem Staube. Ja, in diesem Fleisch werd ich sehen, mein Erlöser, dich. 6. Ob dies Aug im Tode bricht, wirds doch meinen Refter kennen. Ich, ich selbst, fein Fremder nicht, werd in seiner Liebe brennen. Dank ihm! Dank ihm! Preis und Ruhm! wunderbar schafft er mich um! 7. Was hier leidet, seufzt und fleht, wird nicht ewig untergehen: irdisch werd ich ausgesät, himmlisch werd ich auferstehen. Zu verwesen, sink ich ein; dann werd ich unsterblich sein. 8. Freudig bin ich und getrost! dann steigt mein Versöhner nieder. Wenn ich sterb, ist er mein Trost, und den Todten ruft er wieder, wenn einst die Posaune klingt, die durch alle Gräber dringt. 490 Erster Theil. 9. Und mich schreckte noch der Tod? mich die Gräber und ihr Grauen? meinen Mittler, meinen Gott, Jesum Christum, werd ich schanen! dann wird Leben, Sieg und Heil ewig, ewig sein mein Theil. 10. Nur daß du dich, Seel, erhebst von den Lüsten dieser Erden, und schon hier dem Gotte lebst, mit dem du vereint sollst werden! Willst du seines Heils dich freun; mußt du, Seele, heilig sein! - 26. - Mel. Machs mit mir, Gott, nach. 271. Herr! du bist meine Zuversicht. Du lebst, ich werd auch leben. Du wirst mir, was dein Wort verspricht, Unſterblichkeit einst geben. Dein Jünger kommt nicht ins Gericht: dies stärket meine 3uversicht. 2. Hier geh ich oftmals weinend hin, den Samen auszustreuen; dort wird der herrlichste Gewinn der Ernte mich erfreuen. Ich leide, und verzage nicht, denn du bist meine Zuversicht. 3. Hier trag ich deine sanfte Last. Wie groß ist meine Würde! jedoch die Welt, die sie nicht fast, nennts fälschlich schwere Bürde. Einst trifft den Spötter Vom Tode der Glaubigen 2c. 491 dein Gericht, und dann siegt meine 3uversicht. 4. Sint immerhin, mein Leib, in Staub! Gott wird dich neu beleben. Hier werd ich nur des Todes Raub, dort werd ich ewig leben. Wie stark ist dieses Trosts Gewicht; wie sicher meine Zuversicht. 5. Herr, diesen Segen dank ich dir; Mich aus der Gruft zu heben, giengst du aus deinem Grab herfür. Du lebst, und ich soll leben. Ich glaub es dir und zweifle nicht: dein Wort ist meine Zuversicht. 6. In diesem Glauben stärke mich. Laß mich den Trost empfinden, den großen Trost, daß ich durch dich den Tod kann überwinden. Grab und Verwesung schreckt mich nicht; denn du bleibst meine Buversicht. Mel. Wachet auf! ruft uns die.- 171. 272. Wachet auf! so rust die Stimme einst nach der Zeit, der Engel Stimme, verlaßt das Grab, verlaßt die Gruft! wachet auf, erlöste Sünder! versammelt euch, ihr Gotteskinder! der Welten Herr ists, der euch ruft. Des Todes stille Nacht ist nun vorbei! erwacht! Halleluja! macht 492 Erster Theil. euch bereit zur Ewigkeit! sein Tag, sein großer Tag ist da! 2. Erd und Meer und Hölle beben, die Frommen stehen auf zum Leben, zum neuen Leben stehn sie auf; ihr Versöhner kommt voll Klarheit, vor ihm ist Gnade, Treu und Wahrheit; der Tugend Lohn frönt ihren Lauf. Licht ist um deinen Thron und Leben, Gottes Sohn! Hosianna! Erlöser, dir, dir folgen wir zu deines Baters Herrlichkeit. sind zum Leben durchgedrungen, am Biel sind wir, beim großen Lohn. Christus strömt der Freuden Fülle auf uns; wir schaun ihn ohne Hülle, ihn, unsern Freund und Gottes Sohn. Kein Auge sabe sie, dem Ohr erscholl sie nie, diese Wonne; in Ewigkeit sei dir geweiht, Herr, unser Danf und Ehr und Preis. 21) Vom ewigen Leben. Mel. des 84. Psalms. E 273. M ein Leben ist ein Pilgrimstand; der Himmel ist mein Vaterland! Vom ewigen Leben. 493 ich finde keine Ruh auf Erden; ich suche die zukünftge Stadt, die Gott selbst fest begründet hat, da werd ich erst recht glücklich werden! mein Leben ist ein Pilgrimstand; der Himmel ist mein Vaterland. 2. Wie Schatten vor der Sonne fliehn, so flieht mein Leben schnell dahin. Dies ist der Ort nicht, den ich wähle, ich eile nach der Ewigkeit! Herr, mache mich dazu bereit! erleuchte du selbst meine Seele, daß ich, was zeitlich, irdisch ist, verachte als ein wahrer Christ. 3. Man trifft auch auf der Lebensbahn sehr viele Hindernisse an; es ist nicht leicht, sie zu bestreiten. Der Weg ist schmal, der Feinde viel, und weit entfernt ist noch das Biel, stets sucht die Welt mich zu verleiten; 494 Erster Theil. ich muß durch dürre Wüsten gehn, und fann oft keinen Ausweg sehn. 4. Oft seh ich zwar die Sonne nicht, die Sonne, die mit Heil und Licht und Trost des Frommen Herz erfüllet; der Trübsal Sturm dringt auf mich zu, mein müder Geist find't nirgends Ruh; doch weicht die Nacht, die mich umhüllet, betracht ich nur der Treue Lohn und jener Ueberwinder Kron. 5. Hilf du mir selbst, Herr Jesu Christ, der du ein Pilgrim worden bist, da du mein Fleisch haft angenommen, laß mich auf der Verläugnung Pfad, den mir dein Fuß gezeichnet hat, dem Biele täglich näher kommen. Gib, daß ich standhaft streite hier und ewig herrsche dann mit dir. 6. Verleihe mir Beständigkeit, und laß mich stets mit Freudigkeit und Muth auf deinen Wegen gehen. Fall ich noch oft, so hilf mir auf, daß ich vollende meinen Lauf. Laß in der Noth mich feste stehen, getrost auf deine Hülfe traun: so werd ich einst das Leben schaun! Vom ewigen Leben. Mel. Wer nur den lieben Gott. 7. 276. Es ist noch eine Ruh vorhanden für jeden Gott ergebnen Geist, wenn er sich dieses Körpers Banden nach Gottes Willen einst entreißt und nun nicht mehr so eingeschränkt, als hier auf Erden, lebt und denkt. 499 2. Die, Herr, zu dieser Ruhe kommen, wie selig sind doch alle die! in deinen Himmel aufgenommen, ruhn sie von dieses Lebens Müh. Nach aller Last, die sie gedrückt, wird ewig nun ihr Herz erquickt. 3. Wie Mütter ihre Kinder trösten, so segnet mit Zufriedenheit auch deine Gnade die Erlösten, nach überstandner Prüfungszeit. Du selbst machst ihnen offenbar, wie gut stets deine Führung war. 4. Da schweigen alle ihre Klagen; da bringt, mit frohem Lobgesang, selbst für die ausgestandnen Plagen dir ihre Seele Preis und Dank; nun jauchzen sie: es ist vollbracht! der Herr hat alles wohl gemacht! 5. Wie Gott von seinen Werken ruhte, als er die Welt hervorgebracht, so sehn auch mit zufriednem Muthe, vom Herren selbst gerecht, gemacht, die Frommen, bei 32* 500 Erster Theil. dem ewgen Glück, auf ihr vollendtes Werk zurück. 6. Forthin erwartet sie kein Leiden, kein Schmerz und keine Schwachheit mehr. Gott führt sie zu vollkommnen Freuden und frönet sie mit Preis und Ehr. O unaussprechlich süße Ruh, wie herrlich, Höchster, jegnest du! 7. Wer kann hier deine Gnade faffen Du willst den, der dich redlich liebt, nicht ewig in der Unruh laffen, die dieses Leben noch umgibt. O mache mich doch in der Beit geschickt zu dieser Seligkeit. 8. Mein Heiland, der du selbst auf Er den der Leiden Joch getragen hast, will ich des Lebens müde werden, und fühl ich dieser Tage Last, so stärke mächtig meinen Geist, daß er dem Unmuth sich entreißt. 9. Gib, daß in Hoffnung jener Ruhe, die Gottes Volk verheißen ist, ich gern des Vaters Willen thue, wie du darin mein Vorbild bist! so ernt ich von der Last der Zeit einst völlige Zufriedenheit. Mel. Wie schön leuchtet der. 35. 277. Mein ganzer Geist, Gott, wird entzückt, wenn er nach jenem Himmel blickt, Vom ewigen Leben. 501 den du für uns bereitet; wo deine milde Vaterhand aus neuen Wundern wird erkannt, die du daselbst verbreitet. Mächtig fühl ich mich erhoben, dich zu loben, der zum Leben, das dort ist, mich will erheben. 2. Was sind die Freuden dieser Beit, Herr, gegen jene Herrlichkeit, die dort bei dir zu finden? du stellst uns hier auf Erden zwar viel Wunder deiner Güte dar, zum fröhlichen Empfinden: doch hier sind wir bei den Freuden noch mit Leiden stets umgeben, dort nur ist vollkommnes Leben. 3. Kein Tod ist da mehr und kein Grab. Dort wischest du die Thränen ab von deiner Kinder Wangen. Da ist kein Leid mehr, kein Geschrei, denn, du, o Herr, machst alles neu, das alte ist vergangen. Hinfort sind dort von gerechten Gottesknechten keine Plagen mehr zur Prüfung zu ertragen. 4. In unsers Gottes Heiligthum schallt seines Namens hoher Ruhm vor lauter frohen 3ungen. Hier strahlt die Herrlichfeit des Herrn; hier schaut man sie nicht mehr von fern; hier wird sie ganz besungen. 502 Erster Theil. Völlig gibt sich den Erlösten, sie zu trösten, der zu kennen, den sie hier schon Vater nennen. 5. Vor seinem Antlitz wandeln sie auf ewig frei von aller Müh, und schmecken seine Güte. Hier stört den Frieden ihrer Brust, und ihre tausendfache Lust kein feind liches Gemüthe. Kein Neid, kein Streit hemmt die Triebe reiner Liebe unter Seelen, die hinführo nicht mehr fehlen. 6. Gott, welche Schar ist dort vereint! die Frommen, die ich hier beweint, die find ich droben wieder. Dort sammelt deine Vaterhand die deine Liebe hier verband, Herr, alle deine Glieder. Ewig werd ich frei von Mängeln, selbst mit Engeln, Freundschaft pflegen: O, ein Umgang voller Segen! 7. Wo ist mein Freund, des Höchsten Sohn, der mich geliebt? wo glänzt sein Thron? In jenen Himmelshöhen. Da werd ich dich, Herr Jesu Christ, so menschenfreundlich, als du bist, auch mit Entzücken sehen. Da wird, mein Hirt, von den Freuden nichts mich scheiden, die du droben deinen Freunden aufgehoben. Vom ewigen Leben. 503 8. Wie herrlich ist die neue Welt, die Gott den Frommen vorbehält! kein Mensch kann sie erwerben. Jesu, Herr der Herrlichkeit, du hast die Stätt auch mir bereit't, hilf sie mir auch ererben. Laß mich eifrig darnach streben, und so leben auf der Erde, daß ich dort dein Erbe werde. Mel. von Nr. 234. 278. Nach einer Prüfung furzer Tage führst du uns, Gott zur Ewigkeit. Dort endet sich der Deinen Klage in himmlische Zufriedenheit. Hier übt die Tugend ihren Fleiß, und dort reichst du ihr selbst den Preis. 2. Du schenkst dem Frommen zwar auf Erden schon manchen selgen Augenblick; doch alle Freuden, die ihm werden, sind ihm noch ein vollkommnes Glück. Er bleibt ein Mensch, und seine Ruh nimmt in der Seele ab und zu. 3. Bald stören ihn des Körpers Schmerzen, bald das Geräusche dieser Welt! bald kämpft in seinem eignen Herzen ein Feind, der öfter siegt, als fällt. Bald sinkt er durch des nächsten Schuld in Kummer und in Ungeduld. 504 Erster Theil. 4. Hier, wo die Tugend öfters leidet, das Laster öfters glücklich ist; wo man den Glücklichen beneidet, und den Bekümmerten vergißt; hier kann der Mensch nie frei von Pein, nie frei von eigner Schwachheit sein. 5. Hier such ichs nur, dort werd ichs finden; dort werd ich, heilig, und verklärt, der Tugend ganzen Werth empfinden, den unaussprechlich großen Werth. Dich, Gott der Liebe, werd ich sehn, dich lieben, ewig dich erhöhn. 6. Da wird, o Herr, dein heilger Wille mein Will und meine Wohlfahrt sein, und lieblich Wesen, Heil die Fülle an deinem Throne mich erfreun. Dann läßt Gewinn stets auf Gewinn mich fühlen, daß ich ewig bin. 7. Da werd ich das im Licht erkennen, was ich auf Erden dunkel sah; das wunderbar und heilig nennen, was unerforschlich hier geschah; da denkt mein Geist mit Preis und Dant die Schickung im Zusammenhang. 8. Da werd ich zu dem Throne dringen, wo Gott, mein Heil, sich offenbart; ein Vom ewigen Leben. 505 Heilig, Heilig, Heilig singen dem Lamme, das erwürget ward; und Cherubim und Seraphim und alle Himmel jauchzen ihm. 9. Da werd ich in der Engel Scharen mit ihnen gleich und heilig sehn; das nie gestörte Glück erfahren, mit Frommen stets fromm umzugehn; da wird durch jeden Augenblick ihr Heil mein Heil, mein Glück ihr Glück. 10. Da werd ich dem den Dank bezahlen, der Gottes Weg mich gehen hieß und ihn zu Millionen Malen noch segnen, daß er mir ihn wies. Da find ich, Herr, in deiner Hand den Freund, den ich auf Erden fand. 11. Da ruft, o möchtest du es geben, vielleicht auch mir ein Selger zu: Heil sei dir, denn du hast mein Leben, die Seele mir gerettet du! o Gott, wie muß dies Glück erfreun, der Retter einer Seele ſein! 12. Was seid ihr, Leiden dieser Erden, doch gegen jene Herrlichkeit, die an uns offenbart soll werden von Ewigkeit zu Ewigfeit? Wie nichts, wie gar nichts gegen sie ist doch ein Augenblick voll Müh! Erster Theil. Mel. Wer nur den lieben Gott.- 7. 279. Du gabst mir, Ewger! dieses Leben nicht für den Augenblick der Zeit; nein, was du mir davon gegeben, gabst du mir fürdie Ewigkeit. Hier ist allein der Prüfungsort, Bestrafung und Belohnung dort. 2. Du schenktest mir Verstand und Willen, die Wahrheit zu erkennen, Licht; Kraft, deine Vorschrift zu erfüllen, und eine Richtschnur meiner Pflicht; der Tugend inneres Gefühl, und Freiheit, wie ich wählen will. 3. Du schmücktest durch dein mächtig: Werde! mit Reiz und Pracht mein irdisch Haus, und gossest über diese Erde die Wunder aller Schönheit aus, und schufft mir feine Sinnen an, daß ich sie auch empfinden kann. 4. Und dennoch lässest du mich wissen, daß dies mein irdisch Haus zerbricht. Ich soll zwar dieser Welt genießen, doch als genöß ich ihrer nicht; ich soll der Sinne Lüste fliehn, wenn sie mich zu der Erde ziehn. 506 5. Der Freude soll ich oft nicht achten, die mein Herz für so schmeichelnd hält; nach Vom ewigen Leben 507 Wollust, Ehr und Gold nicht trachten, das meinem Wahn so wohl gefällt; was Fleisch und Blut oft wehe thut, das soll ich wählen als ein Gut. 6. Die Prüfung, Gott, war nicht vergebens, du wolltest sehn, ob ich dir treu, in der Gemeinschaft jenes Lebens mit dir zu wohnen würdig sei? Ob ich vom Tand des Eiteln leer, einst höhrer Freuden fähig wär? 7. Denn du willst eine neue Erde und einen neuen Himmel baun, und daß ich hier geheiligt werde, soll ich aufs Unsichtbare schaun, dem Reiz der Lüste widerstehn, und stets auf deinen Wegen gehn. 8. Wohl mir, wenn ich es muthig wage, der großen Hoffnung werth zu sein, und diese kurzen Prüfungstage Gott und der Tugend blos zu weihn, wenn nie mein Fuß den Pfad verliert, der mich zum bessern Leben führt. 9. Wohl mir, wenn ich den Hang zur Sünde, die Lust des Fleisches und der Welt, und jede Lockung überwinde, die noch mein Herz gefesselt hält, und, o welch glänzender Gewinn, hier Sieger, dort gekrönet bin! 508 Erster Theil. 10. Gott, gib deines Geistes Stärke, der du in Schwachen mächtig bist, dem, der zu diesem großen Werke zu klein, zu schwach, zu sinnlich ist; lehr mich das Irdische verschmähn, und stets nach meinem Ziele sehn. 11. Laß mich oft in gesunden Tagen mein Grab mir in Gedanken baun, und bei des Lebens Freud und Plagen auf dich und auf das Künftge schaun; damit ich, meiner Pflicht getreu, des höhern Lebens fähig sei. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 82. 280. Dwie unaussprechlich selig werden wir im Himmel sein: da, da ernten wir unzählich unsers Glaubens Früchte ein. Da wird, ohne Leid und Zähren, unser Leben ewig währen. Gott! zu welcher Seligkeit führst du uns durch diese Zeit. - 2. Hier ist zwar, was du den Frommen dort für Glück bereitet hast, noch in keines Herz gekommen. Welcher Mensch auf Erden faßt deines Himmels Herrlichkeiten? Doch beim Anbruch jener Zeiten werden alle, die dir traun, noch mehr, als sie hofften, schaun. Vom ewigen Leben. 509 3. Neue Wunder deiner Güte werden da ihr Glück erhöhn. Mit erstaunendem Gemüthe wird dann unser Auge sehn, deine Huld sei überschwenglich, und die Wohlfahrt unvergänglich, die dem, der dich redlich liebt, deine Vaterhand dort gibt. 4. Dann wirst du dich unsern Seelen offenbaren, wie du bist. Keine Lust wird da uns fehlen, wo das Land der Wonne ist. Zu vollkommnen Seligkeiten wird uns dort der Mittler leiten, der uns dieses Glück erwarb, als am Kreuz er für uns starb. 5. Da wird deiner Frommen Menge ein Herz, eine Seele sein, Dienst und Dank und Lobgesänge dir, erhabner Gott! zu weihn, dir und dem, der selbst sein Leben willig für uns hingegeben. Mit ihm, unserm größten Freund, sind wir ewig dann vereint. 6. O, wer sollte sich nicht sehnen, aufgelöst und da zu sein, wo nach viel vergoßnen Thränen ewge Güter uns erfreun, wo sich unser Kampf in Palmen, unser Klage= lied in Psalmen, unsre Angst in Lust verfehrt, die forthin kein Kummer stört. 510 Erster Theil. 7. Was ist unser Loos auf Erden? Obs auch noch so köstlich sei, ists doch nie ganz von Beschwerden, Sorgen, Furcht und Kummer frei. Schnell folgt hier auf Lust oft Weinen. Dort nur wird die Zeit erscheinen, wo kein Wechsel mehr uns beugt, wo das Glück beständig steigt. 8. Sei, o Seele hocherfreuet über das erhabne Glück, das dir einst dein Gott verleihet; richte deines Glaubens Blick oft nach jener Stadt der Frommen mit dem Ernst, dahin zu kommen. Trachte, weil du hier noch bist, nur nach dem, was droben ist. 9. Ohne Heiligung wird keiner, Herr, in deinen Himmel gehn. O, so mache immer reiner hier mein Herz, dich einst zu sehn! hilf du selber meiner Seele, daß sie nicht den Weg verfehle, der mich sicher dahin bringt, wo man ewig dir lobsingt. 511 3weiter Theil. Lieder, welche zur christlichen Sittenlehre gehören. 22) Von der Buße und Bekehrung. Der 51. Psalm. Mel. von Nr. 84. 281. Sei gnädig, Herr, nach deiner großen Huld, und tilge durch dein göttliches Erbarmen die Sünden eines tiefgebeugten Armen; wie schwer sind sie! ach tilge meine Schuld! Gott, wasche mich von meiner Missethat, und reinge mich vom Unflath meiner Sünden, du siehst, wie sehr er mich beflecket hat, ach, laß mich Reinigung und Gnade finden. 2. Ich fühle, Herr, mit Scham, mit Reu und Weh die Missethat und ihre ganze Größe; denn, ach, dein Geist hält meine Schand und Blöße mir immer vor, wo ich nur geh und steh; an dir allein, o Gott, vergriff ich mich, du sahest es, und solltest du es rächen, so müßte man, so müßt ich selber dich ganz frei und los von allem Unrecht sprechen. 512 Zweiter Theil. 3. Von Jugend auf bin ich durchaus verderbt! mir war bereits, da ich unwissend lebte und annoch kaum im Mutterleibe webte, der Sünden Gift und Krankheit angeerbt. Du aber liebst des Herzens Reinigkeit; ach, gib sie, laß in meinen Finsternissen das Licht mich sehn, das sie allein zerstreut: laß mich die Weisheit im Verborgnen wissen! 4 Ich bin Aussäßgen gleich, ein Gräul, unrein! Laß des Versöhnbluts Kraft mich, Herr, empfinden! verzeih und wasche mich von meinen Sünden, so werd ich weiß wie Schnee und Wolle sein. Laß aber auch des Glaubens Freudigkeit mich, wie zuvor, im innern Grunde hören; es müsse nun kein Schrecken, Furcht und Leid der Seelen Ruh und Wonne nicht mehr stören. 5. Sieh meine Sünd, o Herr, nicht weiter an! Ach, streiche sie ganz aus in deinem Buche, und züchtige mich, der ich Gnade suche, nicht mehr, als es dein Knecht ertragen kann. Schaff aber auch ein reines Herz in mir! gib mir den neuen Geist, der dich erwählet, und mach ihn fest, da 513 Von der Buße und Bekehrung. mit dein Knecht vor dir nie wiederum der rechten Bahn verfehlet. 6. Verwirf mich doch von deinem Antlitz nicht! entreiß mir nicht das Siegel deiner Gnade, den heilgen Geist! laß ihn auf deinem Pfade mich leiten, nie verlösche mir sein Licht! erweck in meinem Herzen Fröhlichkeit durch deine Hülfe, gib den Geist der Freuden, der unterstüß und mache mich bereit, was dir mißfällt, mit allem Ernst zu meiden. 7. Alsdann wird sich noch mancher Sündenknecht, wenn er mich sieht, zu dir, o Gott, bekehren; mein Beispiel wird ihn deine Wege lehren, nur mache du mich Sünder erst gerecht. Ach siehe, wie mich meine Sünde drückt! doch wirst du sie, mein Heiland, mir vergeben, so werd ich ganz durch deine Huld beglückt, dein Recht und Heil vor aller Welt erheben. 8. Eröffne meine Lippen, daß ich kann, Herr, deiner Gnade Ruhm mit Dank erheben! dir wollt ich Opfer und Brandopfer geben, jedoch dein Auge hat nicht Luft daran. Ein Herz, zermalmt durch Reue, und ein Geist, zerknirscht durch Kummer 33 514 Zweiter Theil. über seine Sünden, und der mit Macht sich eitler Lust entreißt, sind Opfer, die dein gnädig Auge finden. 9. Nach deiner Huld befördre Zions Wohl! sei ihm geneigt, und baue Salems Mauern! den Frieden deiner Stadt laß ewig dauern, und mache sie stets deines Segens voll. Erhalte deine Kirche selber rein; laß deinen Geist sie immerhin beleben. Laß, Heiligster, uns vor dir heilig sein, und alles dich mit frohem Muth erheben! Aus dem 143. Psalm. Mel. O Gott, du frommer Gott.- 8. 282. Herr! höre mein Gebet um deiner Wahrheit willen; du bist an Gnade reich und wirst mein Seufzen stillen. Ach, gehe ins Gericht doch nicht mit deinem Knecht! vor dir, o Herr, ist ja tein Sterblicher gerecht. 2. Die Größe meiner Schuld schlägt meine Seele nieder. Beschämt empfind ich sie; o tröste du mich wieder, daß mir der Seele Schmerz nicht alle Kraft verzehrt. Wer ist, der außer dir mir wahren Trost gewährt? Von der Buße und Bekehrung. 515 3. Bu dir, o treuer Gott, erheb ich Herz und Hände. Mein Heil steht nur bei dir! o, daß ich Hülfe fände! für Recht laß Gnad ergehn! ich hoffe, Herr, auf dich. Beig mir den rechten Weg; denn nach dir sehn ich mich. 4. Ich will, o stärke mich! ich will die Sünde hassen. Auf deine Hülfe nur will ich mich, Gott, verlassen. Nur das, was dir gefällt, werd auch von mir gethan. Führ mich durch deinen Geist auf dieser ebnen Bahn. 5. Beruhige mein Herz um meines Mittlers Willen. Laß seines Opfers Trost auch mein Gewissen stillen. Du bist die Liebe selbst, ganz unveränderlich. Dein will ich ewig sein. O Gott, erhöre mich. Der 95. Psalm. 283. Erhebt, erhebet Gottes Ruhm! frohlockt in seinem Heiligthum mit allgemeinem Jubeltone! besinge du, erwählte 33* 516 Zweiter Theil. Schar, wie herrlich und wie offenbar ſein Schuß und Segen bei uns wohne. 2. Nur unser Gott ist groß von Kraft, der alle Majestäten schafft, und über alle Götter fizet. Er ist, der alles sieht und trägt, was je der Erden Abgrund hegt, und der den Bau der Berge stüßet. 3. Das weite Meer und trockne Land find Werke seiner Allmachtshand, die uns auch, was wir sind verliehen. So heiligt ihm denn, was ihr seid, und danket voller Brünftigkeit dem großen Schöpfer auf den Knieen! 4. Denn er ist unser Gott und Heil, wir sein erkauftes Volk und Theil, und Schafe seiner Weid und Pflege. Drum, wenn ihr seine Stimme hört, wenn sie euch heute lockt und lehrt: so seid doch nicht verstockt und träge! 5. O merkt, was sein Erbarmen spricht: verhärtet eure Herzen nicht, wie eure Bäter in der Wüsten. Sie schauten, was mein Arm vollbracht, versuchten dennoch meine Macht und reizten mich mit ihren Lüsten. Von der Buße und Bekehrung. 6. Ihr rohes Herz blieb doch verrucht, und war mit ihnen meine Zucht wohl vierzig Jahr umsonst bemühet. So fahrt denn, sprach ich, nur dahin in enerm blind und tollen Sinn, weil ihr doch meine Wege fliehet! 7. War sonsten meine Langmuth groß, so brach mein Zorn doch endlich los, weil sie sich nicht bekehren wollten. Da schwur ich einen theuern Eid: daß sie zu meiner Herrlichkeit und Ruhe nicht gelangen sollten. Mel. Liebster Jesu, Trost der Herzen. 284. Auf, d Sünder! laß dich lehren, komm, den großen Gott zu hören, säume keinen Augenblick! komm bald, an dem frühen Morgen, komm nur ohne Furcht und Sorgen, halte dich nicht selbst zurück! Gott hat lauter Heil und Segen dir, dem Sünder, vorzulegen. 517 518 Zweiter Theil. 2. O, das wäre großer Schade, so du wartest, bis die Gnade, als die Sonne untergeht! komm am Tage dieses Lebens, hör die Warnung nicht vergebens, da dir noch zu rathen steht! komm, weil du sie heut noch hörest, daß du die Gefahr nicht mehrest. 3. Scheu dich nicht, wenns andre merken; Gott ists, der nach deinen Werken, nicht nach andrer Urtheil fragt. Lerne, will man dich verleiten, alle Menschenfurcht bestreiten; sei getrost und unverzagt! sich der bösen Welt entfernen, heißt, die wahre Weisheit lernen. 4. Schrecket dich die Macht der Sünden? Ei, du kannst noch Gnade finden; er, dein Gott, verstößt dich nicht. Doch je länger du verziehest, und vor deinem Heiland fliehest, desto mehr wächst dein Gericht. O, wie wohl ist dem gerathen, der selbst richtet seine Thaten! 5. Drum ergib dich seiner Güte mit de müthigstem Gemüthe. Christus nimmt die Sünder an; ehre ihn als deinen Meister, fliehe alle blinden Geister und erwähl die rechte Bahn; so wirst du den Heiland finden, der dich frei macht von den Sünden. Von der Buße und Bekehrung. 6. Komm, bei ihm hinfort zu bleiben, laß dich nichts zurücke treiben, wenn dich lockt die arge Welt! bleibe, wenn du bist gekommen, danke, wenn du aufgenommen, thue, was ihm wohlgefällt. Der hat seiner Gnaden Pfände, wer beharret bis ans Ende. 519 7. Willst du nur am Hören hangen? Nein, du mußt weit mehr erlangen durch den Geist, der alles schafft. Ruf zu dem, der ihn will geben, daß du könnest christlich leben, angethan mit Glaubenskraft; noch scheint dir die Gnadensonne und verspricht dir Heil und Wonne. 8. Ach! so öffne mir das Herze, daß ich nicht mein Heil verscherze! Jesu! gib mir deinen Sinn; pflanz in meinen Geist dein Leben; mache mich zur wahren Reben, Frucht zu bringen immerhin; daß ich dieser Frucht genieße, wenn ich meinen Lauf beschließe. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 29. 285. Schaffet, schaffet, Menschenkinder, schaffet eure Seligkeit! bauet nicht wie sichre Sünder auf die ungewisse Zeit; unverweilt befehret euch! ringet nach dem Himmel 520 Zweiter Theil. reich, und bemüht euch, hier auf Erden heilig, selig dort zu werden. 2. Doch sollt dieses recht geschehen, o, so müßt ihr Fleisch und Blut, Welt und Satan widerstehen. Nur was Gott, das höchste Gut, von euch fordert, muß allein eures Lebens Richtschnur sein, es mag eurem schwachen Herzen Freude bringen oder Schmerzen. 3. Selig, wer im Glauben kämpfet, selig, wer im Kampf besteht, wer des Fleisches Lüste dämpfet und den Reiz der Welt verschmäht! unter Christi Kreuzesschmach jaget man dem Frieden nach; wer den Himmel will ererben, muß erst seinen Sünden sterben. 4. Werdet ihr nicht standhaft ringen, sondern träg und lässig sein, eure Neigung zu bezwingen: wie kann euch der Sieg erfreun? ohne tapfern Streit und Krieg folget nie Triumph und Sieg! nur den Sieger schmückt zum Lohne unverwelft des Himmels Krone. 5. Sich voll Leichtsinn stets zerstreuen, thun, was Fleisch und Welt uns heißt, und den Kampf des Glaubens scheuen, ist Von der Buße und Bekehrung. 521 der Welt, nicht Christi Geist. Wer ihn wünscht zu haben, kann auf der Tugend rauher Bahn nicht in sicherm Stolze leben und den Lüften sich ergeben. 6. Brünstig beten, allzeit wachen, die Versuchung weislich fliehn, sich die Pflicht zur Freude machen, und mit Sorgfalt sich bemühn, selbst beim Spott und Hohn der Welt das zu thun, was Gott gefällt: dieses wollen und vollbringen, heißet nach dem Himmel ringen. 7. Drum entreißet euch den Lüsten, die ihr noch gefesselt seid, und beweiſet euch als Christen, muthig, standhaft in dem Streit. Schont der liebsten Neigung nicht, wär es auch die schwerste Pflicht; und denkt oft an Christi Worte: dringet durch die enge Pforte. 8. Zittern will ich vor der Sünde, und dabei auf Jesum sehn, daß ich seinen Beistand finde, in der Gnade zu bestehn. Ja, mein Heiland, ach! geh nicht mit mir Armen ins Gericht! gib mir deines Geistes Waffen, meine Šeligkeit zu schaffen. 9. Gib mir Wollen und Vollbringen, Muth und Kräfte zu dem Streit, lehre 522 Zweiter Theil. mich, mich selbst bezwingen, und verleih Beständigkeit. Zeige mir von deinem Thron den verheißnen Gnadenlohn, daß ich wache, bete, ringe, und also zum Himmel dringe. Mel. Wer nur den lieben Gott. 7. 286. Gott! hilf mir, daß ich Buße thue, weil mich noch deine Stimme lockt. Bewahre mich vor falscher Ruhe, dabei das Herz sich leicht verstockt, wenn du selbst das Gewissen rührst, und zum Gefühl der Sünden führst. 2. Du willst nach deiner großen Güte nicht eines einzgen Sünders Tod; drum weckst du oftmals sein Gemüthe, zu fühlen seine Sündennoth. Wohl dem, der deine Stimme hört, und redlich sich zu dir bekehrt. - 3. Den rettest du von dem Verderben; nimmst seine Buße gnädig an; machst ihn zu deinem Kind und Erben, daß er froh lockend rühmen kann: wie groß ist Gottes Vaterhuld, er tilget meine Sündenschuld. 4. Sollt ich die Güte denn verachten, die mir noch Kraft zur Beßrung reicht? Bom Troste leer, muß der verschmachten, von dem, Gott, deine Gnade weicht. Sie aber weicht von dem zuletzt, der frevelhaft gering sie schäßt. Von der Buße und Bekehrung. 5. So gib, daß deiner Gnadenlockung, o Gott, mein Herz stets offen sei! damit mich ja nicht die Verstockung, wenn ich mein Leben ohne Reu im Sündendienste zugebracht, zu deinem Zorngefäße macht. 6. Sich bessern, ist der Weg zum Leben, drum laß mich in der kurzen Frist, die du zum Heile mir gegeben, und die für mich so wichtig ist, nur dafür sorgen, daß mein Geist dem Sünderelend sich entreißt. 523 7. Verleihe mir dazu die Gnade, die uns vom Sündendienst befreit, und leite mich selbst auf dem Pfade der christlichen Rechtschaffenheit! wie selig bin ich dann schon hier! wie glücklich einst, mein Gott, bei dir! 81. Mel. Zeuch mich, zeuch mich. 287. Dir allein hab ich gesündigt, Herr, bei dem ich Gnade such! ein gerecht Geseb verkündigt jedem Uebertreter Fluch. Und was kann vor seinem Schrecken, Richter aller Welt, mich decken? 2. Kann ich deinem Arm entfliehen? Du bist allenthalben nah. Flöh ich, dir mich zu entziehen, himmelan: so bist du da. Stürzt ich in die Tiefe nieder, deine Rechte hält mich wieder. 524 Zweiter Theil. 3. Herr, ich flich in deine Hände! außer dir ist keine Ruh. Dein Erbarmen hat kein Ende; wer ist gnädiger, als du? Du bist Gott und kannst vergeben; ach, vergib und laß mich leben! 4. Groß sind meiner Sünde Schulden, ihre Last ist mir zu schwer. Ja, wenn länger mich zu dulden, deine Langmuth müde wär; müßt ich, würdest du nur winken, in des Todes Nacht versinken. 5. Mich für straflos zu erklären, reichet nicht Bedaurung zu. Und zerflöß mein Herz in Zähren, fänd ich darum doch nicht Ruh. Können eines Sünders Thränen dich, o Heiliger, versöhnen? 6. Gottversöhner, dein Erbarmen, dein für mich vergoßnes Blut und dein Tod erlöst mich Armen, heilet mich und gibt mir Muth. Dein Verdienst ists, was mich decket, wenn mich dein Gerichtstag schrecket. 7. Rette mich von meinen Sünden; schaff ein reines Herz in mir! laß bei dir mich Ruhe finden; zieh mich immerdar zu dir. Dankbar will ich mich bestreben, mein Erlöser, dir zu leben! Von der Buße und Bekehrung. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele. 29. 288. Höchster! denk ich an die Güte, die du mir bisher erzeigt: o, so wird mein ganz Gemüthe zu der tiefsten Scham gebeugt, daß ich dich gering geschäßt, dein Gebot hintangesetzt, und dich, der du mich geliebet, mit Vergehungen betrübet. 2. Alle meine Seelenkräfte, meine Glieder sind ja dein, und sie sollten zum Geschäfte deines Dienstes fertig sein. O, wie hab ich sie entweiht! ach! zur Ungerechtigkeit und zum schnöden Dienst der Sünden ließ ich mich oft willig finden. 3. Deine Huld war jeden Morgen über mir, o Vater, neu. Von wie manchen schweren Sorgen machtest du mein Herze frei! was mir nützte, gabst du mir. Aber ach, wie dankt ich dir? O, wie hab ich so vermessen deines Wohlthuns Zweck vergeffen. - 525 4. Bei dem hellen Licht der Gnaden sollt ich ja die Sünde fliehn, und um Ret= tung von dem Schaden meiner Seele mich bemühn. Deine Güte lockte mich oft zur Buße, aber ich floh vor ihrem sanften Locken, suchte mich selbst zu verstocken. 526 Zweiter Theil. 5. Ach! an dir hab ich gesündigt, Gott, mein Vater! zürne nicht! dir hab ich oft aufgefündigt meine schuldge Kindespflicht. Ach vergib, was ich gethan! nimm mich noch erbarmend an! Führe mich vom Sündenpfade schnell zurück durch deine Gnade! 6. Dir ergeb ich mich aufs neue! gib, daß mein beschwerter Geist deiner Vaterhuld sich freue, die dein tröstend Wort verheißt. Was dein Sohn auch mir erwarb, da er für die Sünde starb, Fried und Freude im Gewissen, ach, das laß auch mich genießen. 7. Stärke selbst in meiner Seele den Entschluß, mich dir zu weihn. Gib, daß keine Kraft mir fehle, folgsam deinem Wort zu sein. Stehe mir stets mächtig bei! mache du mich selbst recht treu, dich zu lieben, dir zu leben. Ewig will ich dich erheben. 113 Mel. Liebster Jesu, Trost der. 284. 289. Liebster Jesu, Trost der Herzen! Stiller banger Sündenschmerzen! einzig wahres Heil der Welt! wenn ich bei mir überschlage, was für Sündenschuld ich trage, die des Höchsten Buch enthält: ach! so kann ich nicht ersehen, wie ich künftig soll bestehen. Von der Buße und Bekehrung. 527 2. Von Geburt bin ich ein Sünder, und nach meinem Thun nicht minder; meiner Seele wahre Zier, Gottes Bild, hab ich verloren, ich bin Fleisch von Fleisch geboren, und nichts Gutes wohnt in mir; was ich in dem Herzen finde, was ich thu, ist lauter Sünde. 3. Herr, wohin soll ich mich wenden? Was kann meinen Jammer enden? In mir find ich nichts, als Noth; keinen Trost im Weltgetümmel; oben schrecket mich der Himmel; Satan spricht von Fluch und Tod; und mich dünkt, daß selbst die Erde über mir zum Kläger werde. 4. Ach! dein ängstlich Sündenbüßen, und dein theures Blutvergießen, Jesu, komme mir zu statt! sei mein Helfer und Berather; sprich für mich vor deinem Vater! tilge meine Missethat! wolltest du für Menschen dulden, ach, so tilg auch meine Schulden! 5. 3war ich muß vor Gott gestehen, daß ich gröblich mich versehen, und verdient der Sünder Lohn. Aber, Herr, ich komme wieder, fall in tiefster Demuth nieder, so wie der verlorne Sohn; bitte, seufze, fleh 528 Zweiter Theil. mit Thränen: Vater, ach, laß dich verföhnen! 6. Ist im Himmel größre Freude, wenn ein Sünder kehrt mit Leide wieder zu der rechten Bahn, als um neun und neunzig Fromme: ach, so werde, wenn ich komme, mir auch gnädig aufgethan! ich will mich forthin bestreben, besser, als bisher, zu leben. 7. Weg, ihr vorgen Sündentriebe! weg, o Welt, mit deiner Liebe! Jesus ist nun alles mir. Ohn ihn war ich ganz verloren, durch ihn bin ich neu geboren, in ihm leb ich für und für, in ihm will ich selig sterben, durch ihn auch den Himmel erben. Mel. Ach Gott und Herr. 10. 290. Ach Gott und Herr, wie groß und schwer sind meine vielen Sünden! wie drückt mich doch des Elends Joch! wo kann ich Hülfe finden? 2. Flöh ich gleich weit vor Bangigkeit hin an des Erdreichs Enden, der Angst und Pein befreit zu sein: würd ich sie doch nicht wenden. 3. 3u dir fleh ich, verstoß nicht mich, der ichs so sehr verdienet. Ach geh doch Von der Buße und Bekehrung. 529 nicht, Gott, ins Gericht! dein Sohn hat mich verfühnet. 4. Solls ja so sein, daß Straf und Pein auf Sünde folgen müssen: so fahr hier fort, nur schone dort, muß ich auch hier viel büßen. 5. Bergiß die Schuld! Gib mir Geduld, und ein gehorsam Herze, daß ich mein Heil, mein bestes Theil, durch Murren nicht verscherze. 6. Verfahr mit mir, wies dünket dir: du stärkst mich, es zu leiden! nur wollst du mich nicht ewiglich von deiner Gnade scheiden. 7. Das thust du nicht, mit Zuversicht kann es mein Glaube hoffen! durch Christi Tod, steht ja, mein Gott, auch mir der Himmel offen. 8. Herr Jesu Christ, mein Zuflucht ist das Kreuz, an dem du starbest, und mir zu gut mit deinem Blut die Seligkeit erwarbest. 9. Dies tröstet mich, und ob auch sich mein Leib und Seele scheiden, so werd ich dort, bei dir, mein Hort, ererben ewge Freuden. 34 530 Zweiter Theil. 10. Gott Ehr und Ruhm! sein Eigenthum bleib ich in Jesu Namen. Ich zweifle nicht, mein Heiland spricht: wer glaubt, wird selig. Amen. Mel. Es ist das Heil uns.- 6. 291. Herr Jesu Christ, du höchstes Gut, du Brunnquell aller Gnaden! ich komme mit gebeugtem Muth, mühselig und beladen; da das Geseß, das mich verklagt, und das Gewissen, das mich nagt, mich armen Sünder schrecken. 2. Mich drücket eine schwere Last; nimm sie von meinem Herzen, du, der du mich versöhnet hast am Kreuz mit Angst und Schmerzen, damit ich nicht mit Leid und Weh in meinem Elend untergeh und ewiglich verzage. 3. Ja, Herr, wenn mein erweckter Sinn an mein Betragen denket, so sink ich fast vor Angst dahin; die Sünde drückt und kränket und schrecket mich. In dieser Pein würd ich gewiß verloren sein, wenn ich dein Wort nicht hätte. 4. Weil aber dies dein Wort mir sagt: auch, Sünder, du sollst leben, wer weinend seine Schuld beklagt, dem will ich sie ver. Von der Buße und Bekehrung. 531 geben; ja, weil du alle Huld verheißst dem, der sich mit zerknirschtem Geist im Glauben zu dir nahet: 5. So fomm ich, Herr, denn auch zu dir in meiner Noth mit Thränen, du kennst mein Leid, ach hilf du mir, verschmähe nicht mein Sehnen! vergib mir, Herr, genädiglich, was ich, ich Frevler, wider dich von Jugend auf begangen. 6. Ach Herr! erbarm dich meiner doch um deines Namens willen. Mich ängstigt mein Gewissen noch, du kannst sein Bagen stillen. Laß mich, von allen Sünden rein, nun gänzlich dir ergeben sein, infindlichem Gehorsam. 7. Dein freudger Geist stärk mich im Fleiß! heil mich durch deine Wunden! mich tröste noch dein Todesschweiß in meinen leßten Stunden, und führe mich, wenn dirs gefällt, mein Heiland, selig aus der Welt, zu jenen Auserwählten. Mel. Allein zu dir, Herr Jesu. 292. F - 308. ch schäme mich vor deinem Thron, o Prüfer aller Her- zen! ver34* 532 Zweiter Theil. schone doch, o Gottessohn! ich bin voll Sündenschmer- zen. Erbarme dich und nimm mich an; du bists allein, der helfen kann. Geh ja nicht mit mir ins Gericht, verstoß mich nicht, indem mein # Herz vor Angst zerbricht. 2. Ach, wenn mein Herz zurückgedenkt, mit wie viel Missethaten ich dich von Jugend auf gefränkt: so kann es sich nicht rathen. Ich fündige voll Unverstand; dein Wille war mir unbekannt; das Böse wußt ich allzuwohl; wie blind und toll macht ich das Maaß der Sünden voll! 3. Trieb mich die Zucht zum Guten an, hab ichs doch wider Willen aus Furcht der Strafe nur gethan, zum Schein es zu er: füllen. So gieng ich hin, so wuchs ich auf; so nahm ich in dem Lebenslauf an Alter, Von der Buße und Bekehrung. 533 nicht an Gnade zu; die Seelenruh verschwand; dies alles sahest du. 4. Mit Trug und Lügen deckte ich des Herzens böse Tücke. Kein ernstlich Dräuen schreckte mich; es zog mich nichts zurücke. Mein Tichten, Herr, verführte mich; in deinem Worte hört ich dich, und achtete jedoch nicht drauf; mein Lebenslauf war ganz verderbt von Jugend auf. 5. Die Schuld war mit den Jahren groß, brach aus zu wildem Wesen; gleichwie ein Roß, das zügellos, lief ich zu allem Bösen. Ich wuchs an Hoffart, Ueppigkeit, an Frechheit, Wollust, Troß und Neid, und meine schändliche Begier zog mich von dir. Ach Jesu! ach vergib es mir. 6. Gedenke nicht der Jugend Schuld; vergib mein Uebertreten! trag ferner noch mit mir Geduld! erhör mein ängstlich Beten! lösch aus, Herr Jesu, durch dein Blut, und mach mein Schuldregister gut! viel mächtiger ist deine Gnad, als meine That, die dich so oft beleidigt hat. 7. Hilf mir, von Sünden abzustehn, und durch ein heilig Leben den wahren Tugendweg zu gehn; dir will ich mich ergeben. 534 Zweiter Theil. Ich will durch deines Geistes Kraft, die Wollen und Vollbringen schafft, voll Reu und Leid mich dir allein zum Dienste weihn. Ach, laß es Ja und Amen sein! Mel. An Wasserflüssen Babylons. - 97. - 293. König, dessen Majestät sich über alles hebet, dem Erd und Meer zu Dienste steht, vor dem der Erdkreis bebet. Der Himmel ist dein helles Kleid, du bist voll Macht und Herrlichkeit, sehr groß und wunderthätig. Ich armer Mensch vermag nichts mehr, als daß ich ruf zu deiner Ehr: Gott sei mir Sünder gnädig! 2. Hier steh ich, wie der Zöllner that, beschämet und von ferne; ich suche deinen Trost und Rath, mein Gott! du hilfft ja gerne. Doch meiner Fehler große Bahl schreckt und verfolgt mich überall, mein Glaube ist nicht thätig; drum schlag ich nieder mein Gesicht vor dir, du allerreinstes Licht! Gott sei mir Sünder gnädig! 3. Die Schulden, der ich mir bewußt, beschweren mein Gewissen; drum schlag ich reuend an die Brust, die Schmerz und Leid zerrissen. Ich, der ich mich von dir gekehrt, ich bin des Lebens gar nicht werth; doch Von der Buße und Bekehrung. 535 weil du winkst, so bet ich mit ganz zerknirschtem bangen Geist, der gleichwohl dich noch Vater heißt: Gott sei mir Sünder gnädig! 4. Mein Vater! schaue Jesum an, den Gnadenthron der Sünder, der für die Welt genug gethan, durch den wir Gottes Kinder und Erben der Verheißung sind; der ists, bei dem ich Ruhe find, er ist ja stets gutthätig. Drum faß ich ihn und laß ihn nicht, bis Gottes Herz mitleidig bricht: Gott sei mir Sünder gnädig. 5. Regiere doch mein Herz und Sinn in diesem ganzen Leben; du bist mein Gott, und was ich bin, bleibt ewig dir ergeben. Ach heilige mich ganz und gar, mach meinen Glauben immerdar durch wahre Liebe thätig. Läßt sich dann noch viel Schwachheit sehn, so soll mein Herz mit Wehmuth flehn: Gott sei mir Sünder gnädig! 6. Mein Leben und mein Sterben ruht allein auf deiner Gnade. Mir geh es übel oder gut, gib, daß es mir nicht schade. Und kommt mein Ende nun heran, so stärk mich auf der Todesbahn, mach mich von Sünden ledig; und wenn ich nicht mehr 536 Zweiter Theil. sprechen kann, so nimm den letzten Seufzer an: Gott sei mir Sünder gnädig. Mel. von Nr. 201. 294. Wenn der Sünder hat mißhandelt und den breiten Weg gewandelt, welcher zum Verderben führt: so er sich bekehren wird, steht der Himmel wieder offen; Friede wird mit Gott getroffen, Buß und Glaub an Christi Blut machet alles neu und gut. 2. Bei stets fortgesetzten Sünden magst du keine Gnade finden, und kannst nicht vor Gott bestehn; tief muß dir zu Herzen gehn, was du Böses je begangen; um dem Guten anzuhangen, mußt du dich der Sünd entziehn, sie wie Gift und Schlangen fliehn. 3. Seine Sünden stets bereuen, sich in Gott durch Christum freuen, ohne Zwang und Heuchelei, was der Wille Gottes sei, täglich prüfen, fröhlich üben, Gott und sei nen Nächsten lieben, und im Guten niemals ruhn, ist des neuen Menschen Thun. 4. Dich zu diesem Stand der Gnaden sehr nachdrücklich einzuladen, brauchet Gott der Stimmen viel, hast du davon kein Ge fühl? Siehst du nicht, o Mensch, die Werke Von der Buße und Bekehrung. 537 ſeiner Langmuth, Güt und Stärke? Beigt nicht jede Kreatur ihres gütgen Schöpfers Spur? 5. Doch viel heller ist die Klarheit, die sich zeigt im Wort der Wahrheit; komm, o Sünder, und vernimm Jesu, des Versöhners, Stimm; komm zu dieser Quell der Gnaden, komm mühselig und beladen; er sagt deiner Seele Ruh, er sagt dir Erquickung zu. 6. Jesu, Trost der müden Seelen! du kannst uns nicht nur befehlen, du schaffst ſelbst durch deinen Geist in uns, was dein Wort uns heißt. Sei zu meinem Heil geschäftig; mache selbst dein Wort so kräftig, daß mein Herz, dadurch gerührt, endlich wahre Buße spürt. 1 295. An dir allein hab ich gesündigt, und übel oft vor dir gethan. Du siehst, was mir der Fluch verkündigt; sieh, Gott, auch meinen Jammer an. 1551HSA 538 Zweiter Theil. 2. Dir ist mein Seufzen nicht verborgen, und meine Thränen sind vor dir. Ach Gott! wie lange soll ich sorgen? wie lang entfernst du dich von mir? 3. Herr, handle nicht nach meinen Sunden, vergilt mir nicht nach meiner Schuld. Ich suche dich; laß mich dich finden, du Gott der Langmuth und Geduld. 4. Früh wollst du mich mit Gnade füllen, Gott, Vater der Barmherzigkeit. Tröst mich um deines Namens willen; du bist ein Gott, der gern erfreut. 5. Laß deinen Weg mich freudig wallen, und lehre mich dein heilig Recht, mich thun nach deinem Wohlgefallen; du bist mein Gott, ich bin dein Knecht. 6. Herr, eile du mir beizustehn, und leite mich auf ebner Bahn. Gott hört mein Schrein, er hört mein Flehen und nimmt sich meiner Seele an. Mel. Meine Seele, willst du ruhn. 296. ünder, willst du sicher sein, $ und befreit von Furcht und Bein: schaffe, Von der Buße und Bekehrung. 539 daß du dich bekehrest, da du Gottes 111 Stimme hörest! Auf! Gott rufet dich zu sich; eile, und errette dich. 2. Eile! Sodom lehret dich, wie der Herr so fürchterlich auf verstockte Sünder blizet; such ein Zoar, das dich schüßzet! Auf! Gott rufet dich zu sich: eile, und errette dich! 3. Denke, daß es Schaden bringt, wenn dein schnödes Fleisch dich zwingt, nur nach seiner Lust zu leben, weil ihm stets wird Frist gegeben. Auf! Gott rufet dich zu sich; eile, und errette dich! 4. Die Verstörer deiner Ruh, deine Sünden nehmen zu. Dein Gewissen wird beschweret, und der Strafe Maaß vermehret. Auf! Gott ruft dich noch zu sich: eile, und errette dich! 5. Deines Herzens Härtigkeit steigt und wächst von Zeit zu Zeit. Sünden, die dich jetzt noch schrecken, wirst du bald mit Lust vollstrecken. Auf! Gott rufet dich zu sich: eile, und errette dich! 4551SD 540 Zweiter Theil. 6. Was du Böses an dir hast, wird sonst wie ein alter Aft; dessen Krümmen gleich zu ziehen, wird man sich umsonst bemühen. Auf! Gott ruft dich noch zu sich: eile, und errette dich! 7. Eile, denn es kommt der Tod, und wie groß wird dann die Noth, wenn man aus der Welt soll gehen, und vor Gott nicht kann bestehen! Auf! Gott ruft dich noch zu sich; eile, und errette dich! 8. Brauch, ach brauch die Gnadenzeit! denn es kommt die Ewigkeit wie ein starker Strom geflossen, der durch Damm und Deich geschossen. Auf! Gott ruft dich noch zu sich, eile, und errette dich! 9. Suche, wo du weise bist, was von dir versäumet ist, schleunig wieder einzu bringen, und mit Eifer durchzudringen! Auf! Gott ruft dich noch zu sich! eile, und errette dich! 10. Vater der Barmherzigkeit! Gib doch, daß die Gnadenzeit nicht von mir versäumet werde: führ mich selbst zu deiner Heerde! Vater! ach ich bitte dich: eile, und errette mich! Von der Buße und Bekehrung. Mel. von Nr. 79. 297. Hüter! wird die Nacht der Sünden, bald verschwinden? Hüter! ist die Nacht bald hin? wird die Finsterniß der Sinnen bald zerrinnen, womit ich umgeben bin? 2. Seh ich nicht das Rund der Erden helle werden, bei der Sonne neuem Lauf? so geh doch zu meiner Wonne, wahre Sonne! auch in meinem Herzen auf. 3. Sind wir nicht im neuen Bunde, da die Stunde der Erscheinung kommen ist? Und ich soll noch länger harren und erstarren, weil du mir so ferne biſt? 541 4. Du hast ja, da du bist kommen wegge nommen alle Finsterniß und Nacht; willst du denn nicht mir, dem Deinen, auch erscheinen der nach deinem Lichte tracht't. 5. Beige mir in reiner Klarheit deine Wahrheit; laß die Wolken sich verziehen; so werd ich das Gute lieben, Demuth üben, und der Nacht Geschäfte fliehen. 6. Herr! du winkst, und auf der Stelle wird es helle, sprich auch zu mir: werde Licht! und mein Licht soll vor den Leuten sich verbreiten. Dir ists Ruhm, versag mirs nicht! 4950S 542 Zweiter Theil. 7. Des Vernunftlichts schwacher Schimmer zeigt zwar immer unsers großen Schöpfers Spur; aber es kann Trost und Leben mir nicht geben, dein Licht, Jesu, thut es nur. 8. Nur die Decke vor den Augen kann nicht taugen, seine Klarheit kann nicht ein; wo sein helles Licht den Seinen soll er scheinen, muß ein freies Auge sein. 9. Jesu! sollen meine Augen etwas taugen, o so rühre du sie an. Denn das ist die größte Plage, wenn am Tage man das Licht nicht sehen kann. Mel. O Gott, du frommer Gott.- 8. 298. Willst du die Buße noch, die Gott gebeut, verschieben: so schändest du sein Wort, und mußt dich selbst nicht lieben. It deine Besserung nicht deiner Seele Glüd? Und wer verschiebt sein Heil gern einen Augenblick? 2. Allein, wie schwer ists nicht, sein eigen Herz bekämpfen, Begierden widerstehn, un ſeine Lüste dämpfen? Ja, Sünder, es ist schwer; allein zu deiner Ruh ist dies der einzge Weg. Und dem entsagest du? Von der Buße und Bekehrung. 543 3. Ist deine Pflicht von Gott, wie kannſt du sie vergessen? Nach deinen Kräften ſelbst hat er sie abgemessen. Was weigerst du dich noch? Jst Gott denn ein Tyrann, der mehr von mir verlangt, als ich ihm leisten kann? 4. Sprich selbst, gewinnet Gott, wenn ich ihm findlich diene, und, seiner werth zu sein, im Glauben mich erfühne? Wenn du die Tugend übst, die Gott, dein Herr, gebeut, wem dienst du? Ringst du nicht nach deiner Seligkeit? 5. Was weigerst du dich noch, das Laster zu verlassen? Weil es dein Unglück ist, befiehlt es Gott zu hassen. Was weigerst du dich noch, der Tugend Freund zu ſein? Weil sie dich glücklich macht, befiehlt ſie Gott allein. 6. Gott beut die Kraft dir an, das Gute zu vollbringen; sollt er durch Allmacht dich, ihm zu gehörchen, zwingen? Er gab dir die Vernunft, und du verläugnest sie? Er sendet dir sein Wort, und du gehorchst ihm nie? 7. Sprich nicht: Gott fennt mein Herz; ich hab es ihm verheißen, mich noch dereinst, mich bald vom Laster loszureißen; jest ist das Werk zu schwer. Doch diese Schwie 1951SS 544 Zweiter Theil. rigkeit, die heute dich erschreckt, wächst sie nicht durch die Zeit? 8. Je öfter du vollbringst, was Fleisch und Blut befohlen, je stärker wird der Hang, die That zu wiederholen. Scheust du dich heute nicht, des Höchsten Feind zu sein, um wie viel weniger wirst du dich morgen scheun! 9. Ist denn die Buß ein Werk von wenig Augenblicken? Kann dich kein schneller Tod der Welt noch heut entrücken? Ifst ein Geschrei zu Gott, ein Wunsch nach Besserung, und Angst der Missethat, die wahre Heiligung? 10. Ists gnug zur Seligkeit, des Glückes der Erlösten, wenn uns der Tod ergreift, sich sicher zu getrösten; ist das Bekenntniß gnug, daß uns die Sünde reut: so ist kein leichter Werk, als deine Seligkeit. 11. Doch fordert Gott von uns die Rei nigkeit der Seelen, ist keine Seele rein, der Glaub und Liebe fehlen; ist dieses dein Beruf, Gott dienen, den du liebst; fo zittre vor dir selbst, wenn du dies Werk verschiebst. 12. Der Glaube heiligt dich. Ist dieser dein Geschäfte? Nein, Mensch! und du Von der Buße und Bekehrung. verschmähst des Geistes Gottes Kräfte? Erschreckt dich nicht sein Wort? Gib im verkehrten Sinn den Sünder, der beharrt, nicht Gott zuletzt dahin? 545 13. Hat Christus uns erlöst, damit wir Sünder bleiben, und sicher durch sein Blut, das Laster höher treiben? Gebeut uns Christi Wort nicht Tugend, Recht und Pflicht: so ist es nicht von Gott; Gott widerspricht sich nicht. 14. Noch heute, weil du lebst, und seine Stimme hörest, noch heute schicke dich, daß du vom Bösen kehrest. Begegne deinem Gott, willst du, zu deiner Pein, dein hier versäumtes Glück nicht ewig noch bereun. 15. Entschließe dich beherzt, dich selber zu besiegen; der Sieg, so schwer er ist, bringt göttliches Vergnügen. Was zagt du? Geht er gleich im Anfang langsam fort: sei wacker, Gott ist nah, und stärkt dich durch sein Wort. 16. Ruf ihn in Demuth an, er tilget deine Sünden; und läßt dich sein Gefeß erst ihren Fluch empfinden, so widerstreb ihm nicht; denn Gottes Traurigkeit wirft eine Neu in dir, die niemals dich gereut. 35 ISSO 546 Zweiter Theil. 17. So süß ein Laster ist, so giebts doch keinen Frieden; der Tugend nur allein hat Gott dies Glück beschieden. Ein Mensch, der Gott gehorcht, erwählt das beste Theil; ein Mensch, den Gott verläßt, verläßt sein eignes Heil. 18. Die Buße führt dich nicht in eine Welt voll Leiden; Gott fennt und liebt dein Glück, sie führt zu deinen Freuden, macht deine Seele rein, füllt dich mit Zuversicht, gibt Weisheit und Verstand und Muth zu deiner Pflicht. 19. Sprich selbst, ist dies kein Glück, mit ruhigem Gewissen die Güter dieser Welt des Lebens Glück genießen, und mäßig und gerecht in dem Genusse sein, und sich der Seligkeit schon hier im Glauben freun? Mel. O Gott, du frommer Gott. 8. 299. Laß mich doch, o mein Gott, die Buße nicht verschieben, die mir dein Wort gebeut! wie könnt ich sonst mich lieben? Ist wahre Besserung nicht meiner Seele Glück? wer verschiebt sein Heil gern einen Augenblick? Von der Buße und Bekehrung. 547 2. Du, Gott, gewinnest nichts, wenn ich dir findlich diene und, deiner werth zu sein im Glauben mich erfühne. Wenn ich das Gute thu, das mir dein Wort gebeut, wem dien ich? nur mir selbst und meiner Seligkeit. 3. So süß ein Laster ist, so gibts doch feinen Frieden. Der Tugend nur allein hast du dies Glück beschieden. Wer dir, o Gott, gehorcht, erwählt das beste Theil; wer dich, o Gott, verläßt, verläßt ſein eigen Heil. 4. Was weigre ich mich denn, das Laster zu verlassen? Weil es mein Unglück ist, befiehlst du es zu hassen. Was weigre ich mich denn, der Tugend Freund zu sein? Weil sie mich glücklich macht, befiehlst du sie allein. 5. Die Buße führt mich nicht in eine Welt voll Leiden, sie führet mich vielmehr, o Gott, zu deinen Freuden, macht meine Seele rein, füllt mich mit Zuversicht, gibt Weisheit und Verstand, und Muth zu meiner Pflicht. 6. Wahr ist es, es ist schwer, sein eigen Herz bekämpfen, Begierden widerstehn, und 35* 44SA 548 Zweiter Theil. seine Lüste dämpfen. Doch bleibts ja meine Pflicht, und diese Schwierigkeit, die heute mich erschreckt, wird schwerer durch die Zeit. 7. Je öfter ich vollbring, was Fleisch und Blut befohlen, je stärker wird der Hang, die That zu wiederholen. Scheu ich mich heute nicht, o Herr, dein Feind zu sein, um wie viel weniger werd ich mich morgen scheun. 8. Du reichst ja Kräfte dar, uns selber zu besiegen. Der Sieg, so schwer er ist, bringt göttliches Vergnügen; geht er im Anfang gleich nur noch sehr langsam fort, so bist du, Gott, mir nah, und stärkst mich durch dein Wort. 9. Wie schnell kann nicht der Tod mich dieser Welt entrücken! und Buß ist ja kein Werk von wenig Augenblicken. Ein Seufzer zu dir, Gott, ein Wunsch nach Besserung und Angst auf Missethat, ist noch nicht Heiligung. 10. So gib denn, weil ich noch, Herr, deine Stimme höre, daß ich mich ungesäumt von allem Bösen kehre; so darf ich nicht der einst zu meiner größten Bein mein hier ver säumtes Glück, wiewohl zu spät, bereun. Von der Buße und Bekehrung. Mel. Vater unser im Himmelreich.- 120. 300. So wahr ich lebe, spricht dein Gott, mir ist nicht lieb des Sünders Tod! mein Wunsch und Wille ist vielmehr, daß er rechtschaffen sich befehr, sich beßre in der Gnadenzeit, und mit mir leb in Ewigkeit. 2. Dies Wort bedenk, o Sünder, wohl! verzage nicht verzweiflungsvoll! du nimmst an der Erlösung Theil; hier findest du Trost, Gnad und Heil, und Gott besiegelts mit dem Eid; o selig, wem die Sünd ist leid! 3. Doch hüte dich vor Sicherheit; denk nicht, zur Buß ists immer Zeit, ich will mich meines Lebens freun, und werd ich dessen müde sein, alsdann will ich bekehren mich, Gott wird wohl mein erbarmen sich. 549 4. Wahr ist es: Gott ist stets bereit zum Wohlthun, zur Barmherzigkeit; doch, wer auf Gnade Böses thut, und der Versöhnung theures Blut verachtet, seiner selbst nicht schont, dem wird, wie er verdient, gelohnt. 5. In seinem Sohne will dir Gott das Leben schenken für den Tod; allein, entdeckt sein Wort dir wohl, wer von uns morgen leben soll? Daß du mußt sterben, ist dir fund; verborgen ist die Todesstund. AUFISK 550 Zweiter Theil. 6. Heut lebst du, heut bekehre dich; eh morgen fommt, fanns ändern sich. Wer heut ist stark, gesund und schön, kann morgen an dem Grabe stehn. Stirbst du nun ohne Beßrung hin, wie willst du dem Gericht entfliehn? 7. Hilf, o Herr Jesu! hilf du mir, daß ich mich gläubig nahe dir, und mich bekehre unverweilt, eh mich mein Ende übereilt, damit ich heut und jederzeit zum letzten Abschied sei bereit. Mel. Zeuch ein zu deinen Thoren. 301. Wie treu, mein guter Hirte, gehst du dem Sünder nach, der sich von dir verirrte, der elend, krank und schwach, in sein Verderben läuft, wo deine Hand den Armen, nicht selber aus Erbarmen, eh er versinkt, ergreift. Von der Buße und Bekehrung. 551 2. Wie tröstlich ist die Stimme, die alle Sünder lockt! Ach, sprächest du im Grimme: weicht, die ihr euch verstockt! weicht, Sünder, weicht von mir, ich will euch nicht erkennen! wer wollt es unrecht nennen? Wer bist du? Wer sind wir? 3. Doch heißt dein Ruf uns kommen; und merken wir nicht drauf, ob wir ihn schon vernommen, so suchst du selbst uns auf. Dein Herz, o Heiland, brennt, daß doch das Schaf zur Heerde zurückgeführet werde, davon es sich getrennt. 4. Nimmt nun der freche Sünder den Gnadenruf nicht an, so bist du viel gelinder, als man es denken kann. Sein Ziel verlängerst du, er kann noch Gnade hoffen, der Zugang steht ihm offen, er eile nur herzu. 5. Liebhaber unsrer Seelen! mein Hirt! mein treuster Freund! was sollt ich es verhehlen, wie wohl du es gemeint? Ich war auf meiner Flucht ein Raub der schnödsten Lüste; doch du hast in der Wüste mich huldreichst aufgesucht. 6. Dein Wort schallt noch im Herzen, das mich zur Buße rief, als ich zu deinen Schmerzen den Weg zur Hölle lief. Du SA15SA 552 Zweiter Theil. aber brachteſt mich von dieſem breiten Wege durch Kreuz zum wahren Stege. Mein Hirt! ich preise dich. 7. Ach! daß ich deiner Liebe nur immer folgsam wär, nicht oft zurücke bliebe, an Lieb und Eifer leer; nicht, wie viel du gethan, mir oft entfallen ließe, da ich ja mehr genieße, als ich verdanken kann. 8. Nun, Jesu! ich beklage den blöden Unverstand, und daß ich meine Tage so übel angewandt. Verstoß den Sünder nicht; mich reut und schmerzt mein Schade, verwandle deine Gnade nicht in ein Borngericht. 9. Für uns gemacht zum Fluche, gabft du dein Leben dar, daß so dein Eifer fuche, was ganz verloren war. Ja, Nam und That erweist, daß du, Herr, nicht vergebens das rechte Brod des Lebens, der Sünder Heiland seist. 10. Das laß mich herzlich gläuben, doch gib mir selber Kraft, dem Heile treu zu bleiben, das mir dein Tod geschafft; und wie ich glaubensvoll aus deinem Ueberflusse, zum wirklichen Genusse, stets Gnade schöpfen soll. Von der Buße und Bekehrung. 553 11. Doch sollt ich mich aufs neue, ich schwach Geschöpf, vergehn, so laß mir deine Treue, mein Hirte! nie entstehn; erweck und führe mich, daß nichts von dir mich wende; so preis ich sonder Ende, als meinen Hirten, dich. Bußlied eines schwermüthigen Christen. Aus dem 6. Psalm. Straf mich nicht in deinem Zorn. Mel. 302. S trafe nicht, o Heiligster, mich in deinem Grimme. Höre, Herzensfündiger, meines Flehens Stimme! sende du Trost mir zu! reiß mich aus den Nöthen, ehe sie mich tödten. 2. Wird dies Herz im Grabe sich deiner Güte freun? Gott des Lebens! todt kann ich dir kein Danklied weihen. Rette mich, daß ich dich, weil ich hier noch lebe, dankbar froh erhebe. 3. Nichts, als deine Vaterhuld kann mich glücklich machen. Ach, gedenk nicht 1134 554 Zweiter Theil. meiner Schuld! stärke du mich Schwachen. Heile mich, zeige dich mir in deiner Gnade, Gott, du Gott der Gnade! 4. Wann wirst du mich doch erfreun? wann mir Trost gewähren? Täglich, Helfer, harr ich dein, und ich hab in Zähren meine Nacht oft durchwacht. Eil, Erbarmer, eile deinem Knecht zum Heile! 5. Elend, tiefgebeugt bin ich und von Seufzen müde. Meine Seele sehnet sich nur umsonst nach Friede. Ach! wie lang soll ich bang, Heiland müder Seelen, trübe Stunden zählen? 6. Doch, o Seele, zage nicht! Gott verstößet feinen, der ihn fleht mit Zuversicht, er vernimmt mein Weinen. Nie vergißt Jesus Christ seine theur Erlösten, des will ich mich trösten! 23) Vom Glauben. Das Apostolische Glaubensbekenntniß. Mel. von Nr. 46. 303. Ich glaub an Gott! hoch sei verehret, er, der der rechte Vater heißt; des Dasein die Natur mich lehret, und den die weite Schöpfung preist. Vom Glauben. 555 2. Der in sich Sel'ge sprach: es werde: und seiner Weisheit, Güt und macht frohlockt der Himmel und die Erde, von ihm aus nichts hervorgebracht. 3. An Jesum Christ, den Eingebornen des ewgen Vaters, unsern Herrn, glaub ich. Gott sprach: hilf den Verlornen, er kam, und half, und hat es gern. 4. Er kam, und durch die Kraft des Höchsten gebar ihn einer Jungfrau Schooß. Er kam zu uns, als seinen Nächsten, und stellt sich unserm Elend bloß. 5. O, was läßt ihn Pilatus leiden! wo ist ein Schmerz wohl, wie sein Schmerz! am Kreuze selbst mußt er verscheiden, wie bricht ihm Pein und Schmach das Herz! 6. So stirbt der Gottmensch und bekämpfet im Tod das Reich der Finsterniß. Des Teufels Macht ist nun gedämpfet; dein Heil ist nun, o Mensch, gewiß. 7. Sein Leib wird zwar des Grabes Höhle, als ein erhaschter Raub, zu Theil; doch Jesu abgeschiedne Seele bedenkt noch stets der Menschen Heil. 8. Bald steht er auf! sein Haupt erhebet er siegreich über Tod und Grab. Nun weiß 4951S 556 Zweiter Theil. ich, daß mein Heiland lebet, und troße siegreich Tod und Grab. 9. Er fährt gen Himmel, um zur Rechten des Vaters aller Herr zu sein. Hier wacht er über seinen Knechten, daß hier sie einst mit ihm sich freun. 10. Als Richter fommt er endlich wieder. Erschreckt, ihr Sünder! freuet euch, ihr Frommen! er führt euch als Brüder nun mit sich in sein ewig Reich. 11. Auch an dem Geist, der ehmals mächtig in Christi ersten Beugen war, glaub ich; noch stets ist er geschäftig, und mehrt der Frommen Christen Schar. 12. Die Kirche glänzt durch ihn auf Erden, in Glaub und Liebe fest vereint, wie glänzend wird sie einst noch werden, wenn jene Klarheit ihr erscheint! 13. Glückselig, wer im Tod und Leben bußfertig Jesu sich ergibt! ihm sind die Sünden all vergeben, wie viel er ihrer auch verübt. 14. Laßt seinen Leib in Staub verwesen, er wird doch wieder auferstehn, vom Sündenschaden nun genesen, wie glänzend, wie unsterblich schön! Vom Glauben. 557 15. Den Herrn erblickt er mit Vertrauen, und geht zu seinen Freuden ein, sein Antlig wird er ewig schauen, und ewig voll des Lobes sein. 16. O heilger Gott, dein Wort ist Wahrheit, es ist allein die rechte Lehr. Erleuchte mich durch deine Klarheit, und heilge mich je mehr und mehr! Mel. Es ist das Heil uns.- 6. 304. Es ist das Heil uns kommen her aus Gottes freien Gnaden. Die Werke helfen nimmermehr, der Bürd uns zu entladen. Der Glaube sieht auf Jesum Christ, der unser Mittler worden ist; der hat uns Heil erworben. 2. Da man, was das Gesetz gebot, nicht völlig konnt erfüllen, erschreckt uns Born und große Noth, die Niemand mochte stillen. Der Sünde Macht nahm immer zu, nichts gab uns Sündern Trost und Ruh beim Fluche des Gesetzes. 3. Und doch mußt es erfüllet sein, sonſt mußten wir verderben. Drum stellt vor Gott sein Sohn sich ein, als Mensch für uns zu sterben. Der hat es ganz für uns 4485 558 Zweiter Theil. erfüllt, damit den schweren Born geſtillt, des Last uns alle drückte. 4. Da es durch den erfüllet ist, durch welchen wir genesen, so lern und fasse wohl, o Chrift, des Glaubens rechtes Wesen. Der Glaube spricht: du, Herr, bist mein, dein Tod muß mir das Leben sein, du haft für mich gebüßet. 5. So glaub ich fest und zweifle nicht; dein Wort wirst du nicht brechen. Wenn alle Welt die Treue bricht, hältst du doch dein Versprechen. Wer glaubt an dich und wird getauft, dem ist die Seligkeit erkauft, der gehet nicht verloren. 6. Vor Gott gerecht sind die allein, die dies von Herzen gläuben. Die Werke find des Glaubens Schein! ohn den wird er nie bleiben. Er lehrt, in Gottes Willen ruhn, er lehrt, dem Nächsten Gutes thun, Geduld und Sanftmuth üben. 7. Wer bei Gott Gnad erlanget hat, muß ihn vor Augen haben, daß er bei ihm sucht Hülf und Rath, ihm dankt für alle Gaben, in seiner Furcht freiwillig lebt, des Fleisches Lüsten widerstrebt. Dies ist der Weg zum Leben. Vom Glauben. 559 8. Wer aber sicher gehet hin, thut, was ihm nur beliebet, lebt fort nach seines Herzens Sinn, den Lüsten sich ergiebet, ruft Gott nicht an, daß er ihn führ, mit seinem Geist ihn stets regier, der läuft den Weg zur Hölle. 9. Den meidet jeder, der recht gläubt, bewahrt, was ihm gegeben; sieht zu, daß er das Fleisch betäubt; sehnt sich nach jenem Leben; dient seinem Nächsten, ehrt und preist in Christo Gott mit stillem Geist, es geh ihm, wie es wolle. 10. Die Hoffnung wartet still der Zeit nach göttlicher Bufage, bestimmt zur Hülf in unserm Leid dem Höchsten nicht die Tage. Er weiß wohl, wenns am besten ist, er, der der Seinen nie vergißt, und will, daß wir ihm trauen. 11. Verbirgt er je sein Angesicht, das laß dich nicht erschrecken. Selbst wenn er schon dein Joch zerbricht, will ers oft nicht entdecken. Sein Wort laß dir gewisser sein, und ängstigt dich des Zweifels Pein, so laß dir noch nicht grauen. 12. Von allen Zungen sei gepreist, um dieser Gutthat willen, Gott Bater, Sohn 560 Zweiter Theil. und heilger Geist! du selber wollst erfüllen dein in uns angefangnes Werk zu Ehren deiner Größ und Stärk! dein Name werde heilig! 13. Dein Reich komm, daß dein Wille mag, wie droben, hier geschehen! Gieb unser Brod uns jeden Tag! Verzeih, was wir versehen, als wir den Schuldigern verzeihn! Bersuchung laß fern von uns sein! Hilf uns vom Bösen! Amen. Mel. O Gott, du frommer Gott.- 8. 305. Herr, ohne Glauben kann kein Mensch vor dir bestehen. Drum wend ich mich zu dir mit demuthsvollem Flehen. O zünde selbst in mir den wahren Glauben an, weil ich durch meine Kraft ihn mir nicht geben kann. 2. Dein Dasein laß mich, Gott, mit Ueberzeugung glauben. Nichts müsse mir das Wort aus meinem Herzen rauben, daß du dem, der dich sucht, stets ein Vergelter seist, und hier und ewig ihn mit deinem Heil erfreust. 3. Wahrhaftig ist dein Wort; laß mich ihm völlig trauen. Nie wanket deine Treu; Vom Glauben. 561 laß mich darauf stets bauen. Gib, daß ich dir in Glück und Unglück stets getreu, und dem, was du gebeutst, von Herzen folgsam sei. 4. Laß mich, mein Jesu, dich im Glauben recht erkennen, dich, meinen Herrn und Gott, in Geist und Wahrheit nennen. Laß mich im Glauben thun, was mich dein Wort gelehrt, daß dich Herz, Mund und That, als meinen Heiland ehrt. 5. Dein göttliches Verdienst sei mir, o Herr, stets theuer. Es fülle mich mit Trost; es mache mich stets freier vom schnöden Lasterdienst. Es stärke mich mit Kraft, zu deines Namens Ruhm, in meiner Pilgerschaft. 6. Wie selig leb ich dann im Glauben schon auf Erden! wie herrlich wird mein Theil dereinst im Himmel werden! dann schau ich, was ich hier geglaubt, in ewger Ruh. O stärk im Glauben mich, Gott meines Heils, dazu! Mel. Aus tiefer Noth schrei ich. 119. 306. Gottes Sohn, Herr Jesu Chrift, an wen soll ich mich wenden? daß man recht 36 - 1954S 562 Zweiter Theil. glaubt und standhaft iſt, ſteht nicht in unſern Händen. O hilf du mir von oben her, daß ich gestärkt je mehr und mehr, recht und beharrlich glaube. 2. Komm dann und unterweise mich, daß ich den Vater fenne, daß ich mit freudger Ehrfurcht dich den Sohn des Höchſten nenne; daß ich zugleich den heilgen Geist, den mir dein theures Wort verheißt, von ganzem Herzen ehre. 3. Laß mich dein großes Gnadenheil im rechten Licht erblicken, und mich dazu an meinem Theil mit allem Eifer ſchicken. Nur in dir find ich Trost und Ruh und ewges Heil, der Weg bist du, die Wahrheit und das Leben. 4. O gib, daß ich dein theures Wort recht tief zu Herzen fasse; daß ich mich nun und immerfort auf dein Verdienst verlasſe; und wenn mich gleich mein Herz verklagt, ich dennoch auf dich unverzagt, als meinen Mittler, hoffe. 5. Doch laß auch meinen Glauben sich des Bluts, das du vergossen, nicht anders trösten, als daß ich, zu deinem Dienst ent Vom Glauben. 563 schlossen, durch seine Kraft die arge Welt, und was sich dir entgegen stellt, für Koth und Schaden achte. OP 6. Noch ist mein Glaube schwach und klein, oft kann ich ihn kaum merken. Wer hilfet mir? nur du allein! du fannst mich mächtig stärken; der nicht ein schwaches Rohr zerbricht, der nicht ein nur noch glimmend Licht auslöscht, wird sich erbarmen. 7. Gib, daß ich Schwacher lediglich auf deinen Beistand sehe, und dann, mit Macht geſtärkt durch dich, fest in dem Glauben stehe. Mit Früchten der Gerechtigkeit erfüllet, laß mich allezeit des Glaubens Kraft beweisen. 8. Wohn in mir durch den Glauben ſo, o du, der Deinen Stärke, daß ich, als dein Erlöster, froh auch auf dein Beispiel merke, und eifrig, gleich wie du gethan, auf der mir abgemeßnen Bahn, Gott und dem Nächsten diene. 9. Insonderheit gib mir die Kraft, daß ich an meinem Ende des Glaubens voll die Pilgrimschaft mit Freudigkeit vollende. Steh dann zu meinem Trost bereit, daß ich 36* 564 Zweiter Theil. der Seelen Seligkeit, des Glaubens End erlange. alon 10. Dein ists, was Guts sich in mir findt; mit dir wirds mir gelingen; du wollst, was du hast angezündt, zu vollen Flammen bringen. Dies fordert deines Namens Ehr, stärk meinen Glauben immer mehr, und frön ihn durch das Schauen! Su Mel. Herzlich lieb hab ich dich.- 141. 307. Sch tomme, Friedensfürst! zu dir Erbarmend rufst du ja auch mir, den Frieden zu empfangen. Der Sünden Laft ist mir zu schwer. Olaß mein Herz von Trost nicht leer! laß es die Ruh erlangen, die du dem tiefgebeugten Geist, der zu dir fliehet selbst verheißst. Wer tröstet mich, als du allein? Wer macht mein Herz von Sünden rein? Herr Jesu Christ, mein Trost und Licht! mein Trost und Licht! verwirf, verwirf du mich doch nicht. 2. Anbetend steh ich, Herr, vor dir. Dein Antlig neige du zu mir, und sei mir Sünder gnädig. Wenn mein Vergehn um Rache schreit, so mache aus Barmherzigkeit mich aller Strafe ledig. Der du am Kreuz Vom Glauben. 565 gelitten hast, du trugest ja auch meine Last, als du zum Heil der Sünder starbst, und ihnen Gottes Huld erwarbst. Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! erlöse mich durch deinen Tod. 3. Du, du bist meine Zuversicht; durch dich entflieh ich dem Gericht, dem schweren Lohn der Sünden. Durch dich kann ich dem Fluch entgehn, und mich mit Gott vereinigt sehn, und ewges Leben finden. Dein Tod ist der Verlornen Heil. Gib mir an seinem Segen Theil. Er sei auch mir Beruhigung und meines Lebens Heiligung. Herr Jesu Christ! ich hoff auf dich, ich hoff auf dich! in dieser Hoffnung stärke mich. 4. Mein ganzes Leben preise dich. Erlöst, mein Mittler, hast du mich, dein Eigenthum zu werden. Wenn ich dein bin, so fehlt mir nichts; nichts einst am Tage des Gerichts, nichts hier auf dieser Erden. Auf dieser Bahn zum Vaterland entzeuch mir niemals deine Hand. Zu deinem Dienste stärke mich, und laß mich siegen einst durch dich. Herr Jesu Christ, mein Herr und Gott! mein Herr und Gott! ein Leben sei mir einst der Tod. Zweiter Theil. Mel. Allein zu dir, Herr Jesu. 292. 308. Auf dich allein, Herr Jesu Chrift, soll mein Vertraun sich gründen, auf dich, der du mein Heiland bist, sonst ist kein Heil zu finden. Es ist kein Retter außer dir, kein Mensch, kein Engel, welcher mir aus meinen Nöthen helfen kann; dich ruf ich an, du bists, der helfen will und kann. 566 - 2. Erlöser! meine Schuld ist groß, sie reuet mich von Herzen. Erbarme dich und sprich mich los! durch deines Todes Schmerzen, weil du für mich genug gethan, nimmt Gott auch mich zu Gnaden an. So bin ich los der Sündenlast! mein Glaub umfaßt dich, der du sie getragen hast. 3. Hilf, daß ich meines Glaubens Kraft durch wahre Lieb erweise. Ja, mache du mich tugendhaft zu deines Namens Preise. Sei mir in meiner Prüfungszeit ein Helfer voll Barmherzigkeit, und naht die letzte Stunde sich, dann zeige dich in deiner Gnad und rette mich. 47. Mel. Jesus, meine Zuversicht. 309. Jesus nimmt die Sünder an! fagt doch dieses Trostwort allen, welche von der Vom Glauben. 567 rechten Bahn aufverkehrten Wegen wallen! hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an. 2. Keiner Gnade sind wir werth. Dennoch hat in seinem Worte er sich gnadenreich erklärt, und des ewgen Lebens Pforte durch sein Blut selbst aufgethan. Jesus nimmt die Sünder an. 3. Wenn ein Schaf verloren ist, ſuchet es ein treuer Hirte. Jesu, der uns nie vergißt, suchet treulich das verirrte, zeiget ihm die rechte Bahn. Jesus nimmt die Sünder an. 4. Kommet alle, kommet her, kommet, ihr betrübten Sünder! Jesus rufet euch, und er macht aus Sündern Gottes Kinder. Auf! und laßt uns zu ihm nahn! Jesus nimmt die Sünder an. 5. Ich Betrübter komme hier, und bekenne meine Sünden. Laß, mein Heiland, mich bei dir Gnade und Vergebung finden, daß dies Wort mich trösten kann: Jesus nimmt die Sünder an. 6. Nun, so hab ich guten Muth. Sind schon meiner Sünden viele, macht doch dein Versöhnungsblut, daß ich ihre Last nicht 1 YSH 568 Zweiter Theil. fühle, und versichert sprechen kann: Jesus nimmt die Sünder an! 7. Nun verdammt mein Herz mich nicht. Will mich das Gesetz verklagen? Der mir einst das Urtheil spricht, hat die Schulden abgetragen, daß mich nichts verdammen kann. Jesus nimmt die Sünder an. 8. Jesus nimmt die Sünder an. Mich hat er auch angenommen, und den Himmel aufgethan, daß ich selig zu ihm fommen, und auch sterbend rühmen kann: Jesus nimmt die Sünder an! Mel. Alle Menschen müssen sterben. 82. 310. Jesu, daß du meiner Seele selbst durch deinen bittern Tod aus des Abgrunds tiefster Höhle, aus der allergrößten Noth, siegreich haft herausgerissen, lässt du mich Verzagten wissen; dieses prediget dein Wort, uns zum Trost noch immerfort. - 2. Blindlings, als verirrte Schafe, eilten wir der Hölle zu; aber unsre Schuld und Strafe, treuer Hirte, trugest du; und nun rufst du allen Sündern: fommt! laßt euch die Welt nicht hindern! Euch heilt niemand, als nur ich. Herr, hier bin ich, heile mich. Vom Glauben. 569 3. Ich bekenne meine Sünden. Ach! ich irre weit und breit. Es ist nichts bei mir zu finden, als nur Ungerechtigfeit. Beßrung hab ich oft versprochen, und wie bald mein Wort gebrochen. Kaum erschreckt mich die Gefahr, die mir oft so nahe war. 4. Ach! ich müßte ganz verzagen, da die Sünden, welch ein Heer! mich vor Gott so laut verklagen, wenn dein theures Blut nicht wär! doch im Bund, den du beschworen, heißts: wer glaubt, geht nicht verloren. Ewig lebt er; ins Gericht kommt nun der Versöhnte nicht. 5. Herr, ich glaube. Rette, rette! denn mich schrecket dein Gericht. Du starbſt, daß ich Friede hätte. Hör mein Schrein! verlaß mich nicht; ach, gib Trost, die Angst zu lindern. Furchtbar donnert zu den Sündern dort dein Fluch vom Richterstuhl, bis hinab zum Feuerpfuhl. 6. Herr, durch deine Todesschmerzen heile meiner Seele Schmerz. Du, du Kündiger der Herzen, kennst ja mein zerbrochnes Herz. Dies mein Herz, von Angst bedränget, doch auch durch dein Blut be 1156 570 Zweiter Theil. sprenget, übergeb ich, Jesu dir. Nimm es gnädig an von mir. 7. Mach es selber rein. Ich fühle, daß nichts Gutes in mir wohnt. Gutes seß ich mir zum Ziele, Böses bin ich stets gewohnt. Nun kann ich mein Fleisch nicht zwingen, und das Gute zu vollbringen, hindert mich der Sünde Joch. Was ich nicht will, thu ich doch. 8. Brich des Fleisches starren Willen, wenn es fühn den Aufruhr wagt. Auch an mir wirst du erfüllen, was du allen zugesagt. Du willst selber in uns leben, Kraft zu jeder Tugend geben, daß nun, von der Sünde frei, ganz das Herz dir eigen sei. 9. Oft wird auch der Hölle Schrecken neue Furcht und Bangigkeit in der Drangsal mir erwecken. Welch ein hart und banger Streit! Herr! laß da mich nicht erliegen. Hilf mir siegen! hilf mir siegen! wenn mein Fleisch mich selbst verklagt, hilf mir, daß es nicht verzagt. 10. Hilf durch deine blutgen Wunden, denn durch diese werd ich heil. Durch die Qual, die du empfunden, ist nun Seligkeit mein Theil. Deine Schmach und Dornen Vom Glauben. 571 frone stärke mich in Schmach und Hohne, und dein Blutschweiß, Schmerz und Tod tröste mich in jeder Noth. 11. Wie du mit dem Tod gerungen, steh im letzten Kampf mir bei. Du hast ja den Tod bezwungen, daß auch ich sein Sieger sei. Dir, Herr! will ich fest vertrauen. Ich soll dort dein Antlitz schauen. Muthig kämpf ich. Auf den Streit folgt, das weiß ich, Seligkeit. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 82. * 311. Jesu! sich mich an in Gnaden! sieh mein Elend, meine Noth; laß dichs jammern, hilf dem Schaden! ach! er bringt mir sonst den Tod. Solltest du Erlöser heißen, und mich nicht dem Tod entreißen? Wie dein Nam, ist auch dein Ruhm! das erfährt dein Eigenthum. 11 2. Gottes ewiges Erbarmen, das in dir sich zu uns lenkt, hat dich eingen Sohn den Armen und auch mir zum Trost geschenkt. Ach, wie hoch bedarf ich deiner! Jesu! so gedenk auch meiner: denk an mich, sprich nur ein Wort, o so weicht mein Jammer fort. NET 572 Zweiter Theil. 3. Alle Worte deiner Lippen, alle Thaten deiner Hand, ja dein Leben von der Krippen, bis man dich am Delberg band; dein für uns geschmecktes Leiden, dein am Kreuz so schmerzlichs Scheiden ist, so hat es Gott versehn, zu der Sünder Heil geschehn. 4. Wenn die Hände sich nur regten, war die Hülfe schon bereit, wenn die Lippen sich bewegten schallte lauter Seligkeit; ach, sie hießen zu dir kommen nicht die Heilgen, Starken, Frommen; nur den Sündern riefen sie, die voll Arbeit, Angst und Müh. 5. Jesus, sollt ichs denn nicht wagen? sollt ich denn zu dir nicht fliehn? Sollt ich darum ganz verzagen, weil ich so verdorben bin? Nie verstießest du den Armen; meiner wirst du dich erbarmen, weil doch deine Gnad und Huld größer ist als meine Schuld. 6. Wo die Sünde mit Beschwerden also mächtig worden ist, da laß mir auch fundbar werden, wozu du geschenket bist! Reiß mich los aus Satans Stricken, brich der Hölle Band in Stücken! nimm mein ganzes Herz und Sinn, Leib und Seel und alles hin! Vom Glauben. 573 7. Mach mich dir auf ewig eigen, führ mich, wie es dir beliebt! lehr mich meiden, leiden, schweigen, folgen, wie dein Rath mich übt! Ach! so still mein ängstlich Quälen, daß ich mit erfreuter Seelen dich hier preise in der Zeit, und dort in der Ewigkeit. Mel. O Gott, du frommer Gott.- 8. 312. Mag doch der Spötter Heer des Namens Jesu spotten. Dich, Heiland, bet ich an; du kommst, sie auszurotten. Dein Kreuz ist Thorheit nur dem, der verloren geht; uns, die der Glaube stärkt, ists Heil und Majestät. 2. Nur du, des Höchsten Sohn, konntſt uns mit Gott versöhnen, und uns mit neuem Recht zum ewgen Glück belehnen. O! beides ist gleich groß, der Welt ein Schöpfer sein, und eine Welt, die fiel, von ihrem Fall befrein! 3. Wer kann die Majestät der Lieb und Großmuth fassen? als Sohn des Ewigen der Himmel Thron verlassen, sich selbſt erniedrigen, einher in Demuth gehn, der Wahrheit Herold sein, und sich verspottet sehn. 574 Zweiter Theil. 4. Die Wunder Gottes thun, und, an das Kreuz geschlagen, mit himmlischer Geduld der Menschen Schulden tragen, um der zu sein, der uns ein ewges Heil erwirbt; deß Herz ist göttlich groß, der selbst für Feinde stirbt. 5. Dies müsse mein Vertraun zu dir, o Herr, erwecken. Zu schwach, der Gottheit Rath vom Menschen zu entdecken, bet ich der Liebe Macht, die ich nicht fassen kann, mit froher Zuversicht, doch auch in Demuth an. 6. Herr, deine Ewigkeit wird mir mehr Licht gewähren, und deine große Lieb im Schauen mir erklären. Unendlich ist mein Heil, o Glaube, der erfreut! gelobet ſei der Herr, gelobt in Ewigkeit. Mel. O Gott, du frommer Gott.- 8. 313. Herr, allerhöchster Gott, bei dem wir alle Gaben, und was uns nüßlich ist, allein zu suchen haben; o, sich erbarmend mich in meiner Schwachheit an, weich ich, so wie ich will, dir nicht vertrauen kann. 2. Ich glaube zwar an dich, doch nur mit schwachem Glauben. Oft will die Zweifelsucht mir alle Hoffnung rauben. Wer Vom Glauben. 577 5. Der bleibt in dir, und du in ihm, der in der Liebe bleibet. Die Lieb ists, die die Seraphim, dir, Herr, zu folgen treibet. Du bist die Lieb! an deinem Heil hat ohne Liebe niemand Theil. Mel. Dennoch bleib ich stets.- 156. 315. Meinen Jesum laß ich nicht. Da er sich für mich gegeben, sollt ich nicht aus Dank und Pflicht an ihm hangen, in ihm leben? Er ist meines Lebens Licht. Meinen Jesum laß ich nicht. 2. Jesus bleibt mein Theil und Ruhm bis an meines Lebens Ende. Ihm geb ich zum Eigenthum ganz mich hin in seine Hände. Er ist meine Zuversicht. Meinen Jesum laß ich nicht. 3. Wenn mein Auge schon verlischt, Wang und Lippen sich entfärben, mich kein Labsal mehr erfrischt, alle Sinnen mir ersterben, und das matte Herz nun bricht, laß ich meinen Jesum nicht. 4. Dort auch laß ich Jesum nie, hange stets an seinen Blicken; denn nach dieses Lebens Müh leuchtet dort, mich zu erquicken, ewig mir sein Angesicht. Meinen Jesum laß ich nicht. 37 578 Zweiter Theil.. 5. Weder Welt noch Himmel ists, was mein sehnlich Herz begehret. Du allein, mein Jesu, bists! denn für mich mit Fluch beschweret, wandtest du Zorn und Gericht. Dich, mein Jesu, laß ich nicht. 6. Dich, mein Jesu, halt ich fest, laſſe nichts von dir mich scheiden. Weh euch, die ihr sein vergeßt! ihr beraubt euch ewger Freuden! selig aber, der da spricht: meinen Jesum laß ich nicht. Mel. Herr höre, ach höre mein. E ¹1 CIT ucht man die Freundschaft 14 in der Welt nur unter solchen, die sich 316.. S gleichen: weiß ich doch, daß sich Gott ✰ 수 gesellt zu denen, die ihn nicht erreichen. Ist Gott schon alles, und ich nichts; ich Schatten, er die Quell des Lichts; Vom Glauben. 579 er noch so stark, ich noch so blöde; er b noch so rein, ich noch so schnöde; er noch 一个 so groß, ich noch so klein: ist er doch E mein, und ich bin sein. 2. Mein gütiger Immanuel, mein Mittler wußte Rath zu finden, mit meiner ihm entrißnen Seel sich dennoch wieder zu verbinden. Mein treuster Freund, mein Jonathan, sieht meinen großen Jammer an. Er kommt, daß er mein Bruder werde, herab vom Himmel auf die Erde, mit mir ein Leib, ein Fleisch, ein Bein. Mein Freund ist mein und ich bin sein. 3. Gott, welcher seinen Sohn mir gab, gewährt mir alles mit dem Sohne, nicht nur sein Kreuz, nicht nur sein Grab, auch eine Herrlichkeit und Krone. Was er geredet und gedacht, was er gebetet und gewacht, was er gehorchet und gelitten, pas er empfangen und erstritten, auch 37* 580 Zweiter Theil. selbst sein Fleisch und Blut ist mein. Mein Freund ist mein und ich bin sein. 4. Wie sich sein Aug an mir vergnügt, so bin auch ich in ihm zufrieden. Welch Band, das uns zusammenfügt! von ihm auf ewig ungeschieden, hat nun die Seele, wo sie ruht. Auch darf sie um dies höchste Gut nicht eisern, hadern, hassen, neiden, er nährt uns allesammt mit Freuden. Die Welt nur kann der Neid entzwein. Mein Freund ist mein und ich bin sein. 5. Er, er ists, den ich mir erwählt! nur er ist meiner Seele Leben. Da er mich zu den Seinen zählt, so soll auch ich nach ihm nur streben. Ist ers nicht, der mich herzlich liebt? Ist ers nicht, der sich ganz mir gibt? Was kann ich mehr von ihm be gehren? Was kann er Bessers mir gewäh ren? Nun blendet ferner mich kein Schein Mein Freund ist mein und ich bin sein. 6. Ohn ihn ist mir das Leben Last, ohn ihn der Himmel selbst kein Himmel. Durch ihn sind ich in Arbeit Rast, und Ruhe mit ten im Getümmel. So viel Geräusch aud um mich sei, ohn ihn ists öde Wüstenei Doch bin ich, wenn mich alle fliehen, wen Vom Glauben. 581 sich auch Brüder mir entziehen, zwar einsam, aber nicht allein. Mein Freund ist mein und ich bin sein. 7. Auch wenn man, was ich habe nimmt, was ich bedarf, mir nicht gewähret; wenn alles, wider mich ergrimmt, mich drückt, verfolgt, beraubt, entehret, gleich jenen Märtyrern mich quält, zerfleischt, zerstümmelt und entseelt. Die Welt raubt alles! meinen Glauben kann ihre Wuth mir doch nicht rauben. So bleibet ja das Beste mein. Mein Freund ist mein und ich bin sein. 8. Sein ist mein Leib, sein ist mein Geist, die er erschuf und auch erlöste, hier beide schüßzet, pfleget, speist, bis er dort beide ewig tröste. Gesundheit, Stärke, Munterkeit, Witz, Scharfsinn, Muth, Entschlossenheit, selbst daß ich, was ich von ihm habe, erkenn und weiß, ist seine Gabe. Vom Undank hält er selbst mich rein. Mein Freund ist mein und ich bin sein. 9. Sein ist mein Bürgerrecht und Ruhm. Er kam, von Sünden mich zu retten. Ich hatte für mein Eigenthum sonst, leider! nichts, als Schand und Ketten. Doch er hat alle meine Last in seinem Kreuz auf ſich 582 Zweiter Theil. gefaßt. Er gab mir Freiheit für die Bande; er selbst trug meines Frevels Schande, und seiner Unschuld Ruhm ward mein. Mein Freund ist mein und ich bin sein. 10. Nun zürn und stürme jeder Feind! er soll mir doch nicht Angst erwecken. Und ist der Richter selbst mein Freund, wie kann das Weltgericht mich schrecken? Ob Erd und Himmel bricht und fracht; ob Leib und Seele gleich verschmacht't! ob meine Glieder gleich verwesen; durch ihn bin ich vom Tod genesen. Was sollt ich Tod und Grab noch scheun? Mein Freund ist mein und ich bin sein. - Mel. Alle Menschen müssen sterben. 82. 317. Eins ist Noth! ach Herr, dies Eine lehre meine Seele doch! Auch beim schimmerreichsten Scheine ist sonst alles nur ein Joch, unter dem das Herz sich plaget und doch keine Ruh erjaget. Alles aber wird erseßt, wenn dies Eine mich ergeßt. 2. Seele, willst du dieses finden: suchs bei keiner Kreatur; laß, was irdisch ist, dahinten; schwing dich über die Natur, wo der Gottheit Füll erscheinet, mit der 583 Menschheit fest vereinet. Da, da ist das beste Theil, da dein Alles, da dein Heil. 3. So wollt einst Maria wissen, was dies Einzige verhieß, als sie sich zu Jesu Füßen lehrbegierig niederließ. Ach, wie brennt ihr Herz, die Lehren aus der Weisheit Mund zu hören! sie vergißt die Welt und sich, sieht und hört nur, Jesu, dich. 4. So steht, Jesu, mein Verlangen ganz und einzig nur nach dir. Ach, ich dürst an dir zu hangen! neige du dein Herz zu mir! Wenn auch viele träg verweilen, brenn ich doch, dir nachzueilen. Jesu, Geist und Leben ist, was von deinen Lippen fließt. Vom Glauben. 5. Ja, mich reizt der Weisheit Fülle, die in dir verborgen liegt. Hilf mir nur, daß sich mein Wille ganz in deinen Willen fügt, daß die Demuth mich regieret, und zur rechten Weisheit führet. Mir entdeckt sich ihre Spur, kenn ich dich, mein Jesu, nur. 6. Nichts fann ich vor Gott ja bringen, als nur dich, mein höchstes Gut. Jesu, es muß mir gelingen durch dein heilig föstlich Blut. Mir auch hast du, Herr, erworben, als duan dem Kreuz gestorben, meinen Schmuck, das reine Kleid gültiger Gerechtigkeit. 584 Zweiter Theil. 7. Nun so gib, daß'meine Seele, Herr, zu deinem Bild erwacht. Mir bist du, den ich erwähle, auch zur Heiligung gemacht. Was nur dient zum wahren Leben, das ist mir in dir gegeben. Ach! entreiß mich ganz der Welt, daß ich thu, was dir gefällt. 8. Herr, was soll ich mehr verlangen, da in dir mein Herz nur ruht? Du bist einmal eingegangen in das Heilge durch dein Blut; hast mich meiner Band' entbunden, ewige Erlösung funden, daß ich mich Gott freudig nahn, kindlich Abba rufen kann. 9. Volle Gnüge, Fried und Freude ists, was meine Seel ergeßt. Hirt, auf wie so gute Weide hast du mich, dein Schaf, versetzt. Jesu! soll ich dich nur haben, was kann mich wohl Süßers laben? Wo ist, was mich mehr erquickt, als wenn dich mein Glaub erblickt? 10. Drum sollst du mir nur das Eine, du nur sollst mein Alles sein. Prüf und forsche, wie ichs meine, und tilg allen Heuchelschein. Wenn die Welt bald lockt, bald höhnet, sich das Fleisch nach Eitlem sehnet, auch die Hölle stürmt und droht, wähl ich dich! denn Eins ist Noth. Vom Glauben. Mel. Wie schön leuchtet der. 35. 318. Wie herrlich strahlt der Morgenstern! o welch ein Glanz geht auf im Herrn! wer sollte sein nicht achten? Glanz Gottes, der die Nacht durchbricht? Stern Jacobs! sich nach deinem Licht mein Auge sehnlich schmachten. Jesu! Jesu! schön und prächtig, groß und mächtig, reich an Gaben, über alles hoch erhaben! 2. Du, hier mein Leben, dort mein Lohn! Sohn Gottes und des Menschen Sohn! des Himmels großer König! aus vollem Herzen preis ich dich! hab ich nur dich, so rühret mich, was alle Welt reizt, wenig. Komm doch! komm doch! wahrlich feiner tröstet deiner, Brot des Lebens! wenn ihn hungert, sich vergebens. 3. Jn dir nur kann ich selig sein. Geuß tief, tief in mein Herz hinein, die Flamme deiner Liebe! daß in mir nichts als Inbrunft sei, kein Weltfinn deine Leiden scheu, kein Undank dich betrübe. Nach dir, nach dir, den ich fasse, und nicht lasſe, ewig wähle, dürstet meine ganze Seele. 4. Von Gott strahlt mir ein Freudenlicht, so oft dein lieblich Angesicht sich - 585 586 Zweiter Theil. neigt, mich anzublicken. Mein Jesu, du, mein höchstes Gut! dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut, kann Seelen recht erquicken. Speif mich, tränt mich, Seligmacher! daß ich Schwacher, daß ich Erde Himmelsfreuden inne werde. 5. Und wie, Gott Vater, preis ich dich? Gott, ewig, ewig hast du mich in deinem Sohn geliebet. Dein Sohn hat mich ihm fest vereint. Er selbst, mein König, ist mein Freund. Troß dem nun, was betrübet! Seele! Seele! ihn, den Sieger stolzer Krieger, wähl zum Freunde! und dann fürchte keine Feinde. 6. Ihm, welcher Höll und Tod bezwang, ihm, ihm müſs' unser Lobgesang mit jedem Tag erschallen; dem Lamme, das erwürget ist, dem Freunde, der uns nie vergißt, zum Ruhm und Wohlgefallen. Tönet! tönet! Jubellieder, schallet wieder, daß die Erde ganz voll seines Lobes werde. 7. Wie freu ich mich, o Jesu Christ, daß du der Erst' und Letzte bist, der Anfang und das Ende. Du schließest selig meinen Lauf, du weckst mich auch von Todten auf; des flopf ich in die Hände. Vom Glauben. 587 Amen! Amen! ja wir müssen, denn wir wissen, wem wir trauen, noch dereinst dein Antliß schauen. Mel. Jesu, meine Freude.- 89. 319. Jesu, meine Freude, bester Trost im Leide! bestes Gut im Glück! du hast meine Liebe, du füllst meine Triebe, an dir hängt mein Blick. Hab ich dich, wie reich bin ich! doch beglückt kann ich auf Erden ohne dich nicht werden. 2. Unter deinem Schirme können keine Stürme mir erschrecklich sein. Laßt auch Felsen splittern! Laßt den Erdkreis zittern, und den Einsturz dräun! was ists mehr? Rings um mich her mag es donnern, frachen, blißen! Jesus will mich schüßen. 3. Donnert auch im Grimme des Geseßes Stimme, Jesus stillet sie. Mag der Tod sich nahen, mich das Grab umfahen, Jesus läßt mich nie. Mich schreckt nicht das Weltgericht. Freudig, daß ich Jesum sehe, blick ich auf zur Höhe. 4. Wer ists, der den Glauben meinem Herzen rauben, ihn erschüttern kann? Bei der Hölle Toben stimm ich, Gott zu loben, Freudenlieder an. Jesu Macht hält mich 588 Zweiter Theil. in Acht, die kann selbst der Hölle Wüthen Ruh in Eil gebieten. 5. Lockt nur Gold und Schäßze! Ehre, sei der Göße der betrognen Welt! Mich sollt ihr nicht blenden, nicht von dem mich wenden, der mich treu erhält. Elend, Noth, Kreuz, Schmach und Tod soll mich, ob ich viel muß leiden, nicht von Jesu scheiden. 6. Weich, des Eiteln Liebe! weicht, des Fleisches Triebe! Thoren täuschet ihr. Micht sollt ihr, ihr Sünden, nie mehr willig finden. Fliehet weit von mir! leppigkeit, Stolz, Schmähsucht, Neid! ihr beschweret das Gewissen. Euch will ich nicht wissen. 7. Weichet, Sorg und Bagen! schweiget, bange Klagen! Jesus ist ja mein! jeden, der ihn liebet, muß, was erst betrübet, noch zuletzt erfreun. Hab ich hie viel Angst und Müh, Jesu, auch im bängsten Leide bleibst du meine Freude. Mel. des 25. Psalms. 320. Höchst erwünschtes Seelenleben, ach wie unbekannt bist du, wo man sich Vom Glauben. 589 nicht will bestreben, nach der ewgen Himmelsruh. Ach, wie eitel ist der Wahn, E der des Fleisches Sinn verblendet, wenn er flebt der Erden an, sich zum Rauch A und Schatten wendet. 2. Ach, wie oft bin ich gerathen in dieselbe Blindheitsnacht, wenn ich über Herz und Thaten nicht sorgfältig hab gewacht. Wie hat die Erfahrung mich meine Thorheit oft gelehret, wenn mit eiteln Sorgen sich mein betrognes Herz verzehret. 3. 3war der Schluß ward oft genommen, ich riß mich im Geiste los; doch wenn es zur That sollt kommen, fand ich mich von Kräften bloß; ich Gefangner, Armer, ich! wer zerschlägt mir diese Ketten! Jesu, Held, erbarme dich! Mächtiger, du kannſt mich retten. 4. Jesu, Stärke der Verzagten, der du gibst den Matten Ruh! wahre Zuflucht der Zweiter Theil. Geplagten, rühr mein Herz und brings dazu, daß die ganze Kreatur nichts in meinen Augen scheine, und ich darauf denke nur, wie ich ewig sei der Deine. 5. Ach, vertilge das Verlangen, das noch etwas Irdsches will. Nimm den bösen Sinn gefangen, der nicht hält in allem still. Gib, daß ich in dieser Welt nichts der Sorge werth mag achten, weil du mich darein gestellt, um nach besserm Gut zu trachten. 590 6. Gib mir Augen, um zu sehen deines Reiches Gnadenschein. Gib mir Kräfte, um zu gehen bis ins Heiligthum hinein. Mache mich mit dir bekannt, laß in deinen Liebesflammen Herz und Seele sein entbrannt, halte dich und mich zusammen. 7. Weicht, ihr eitelen Gedanken, stört nicht ferner meine Ruh. Ich will in den Lebensschranken eilen meinem Jesu zu. Jesu will ich geben Ehr, in ihn will ich mich versenken, und forthin mich um nichts mehr, als um seine Liebe kränken. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich. 119. 321. Wo soll ich hin? wer hilfet mir? Wer führet mich zum Leben? Zu niemand, - Vom Glauben. 591 Herr, als nur zu dir, will ich mich frei begeben. Du bist, der das Verlorne sucht; du segneft das, so war verflucht. Hilf, Jesu, dem Elenden! 2. Herr, meine Sünden ängsten mich, der Todesleib mich plaget. Lebens- Gott erbarme dich! vergib mir, was mich naget! du weißt es wohl, was mir gebricht! ich weiß es auch, doch völlig nicht. Hilf, Jesu, dem Betrübten! 3. Du sprichst zu mir: verzage nicht! du rufst: ich bin das Leben! drum ist mein Herz auf dich gericht't. Du kannſt mir alles geben. Im Tode kannst du bei mir stehn; in Noth als Herzog vor mir gehn. Hilf, Jesu, dem Zerknirschten! 4. Bist du der Hirt, der Schwache trägt: auf dich will ich mich legen. Bist du der Arzt, der Kranke pflegt: erquicke mich mit Segen! ich bin gefährlich frank und schwach, heil und verbind, hör an die Klag. Hilf, Jesu, dem Zerschlagnen! 5. Ich thue nicht, Herr, was ich soll; wie kann ich doch bestehen? Dies ängstigt mich, das weißt du wohl. Ach, wann wirds doch geschehen, daß ich Elender end I 592 Zweiter Theil. lich, frei vom Leib des Todes, bei dir sei! ich danke Gott durch Christum. - 78. - Mel. Auf meinen lieben Gott. 322. Wo flieh ich Sünder hin, der ich so strafbar bin? Wo kann ich Rettung finden? Mich schrecken schwere Sünden; mit Angst bin ich umfangen, wo soll ich Trost erlangen? 2.0 Jesu voller Gnad! auf dein Gebot und Rath kommt mein betrübt Gemüthe zu deiner großen Güte; laß du auf mein Gewissen ein Gnadentröpflein fließen. 3. Jch, dein betrübtes Kind, werf alle meine Sünd, so viel ihr in mir stecken, und mich so heftig schrecken, in deine tiefe Wunden, da ich stets Heil gefunden. 4. Durch dein unschuldig Blut mach meine Schulden gut; wasch mich damit von Sünden, und laß mich Rettung fin den; ins Meer sie tief versenke, und ihrer nicht gedenke. 5. Du bist es, der mich tröst't, denn du hast mich erlöst; was ich gesündigt habe, verscharrtest du im Grabe, da wird es blei ben müssen! du heilest mein Gewissen. Vom Glauben. 593 6. 3war meine Schuld ist groß, doch werd ich ihrer los, wenn ich dein Blut auffasse, und nun die Sünde hasse. Wer so sich zu dir wendet, sieht bald sein Leid geendet. 7. Sehr vieles fehlet mir, doch find ich es bei dir. Dein Blut versöhnt mich Sünder; es stärket mich nicht minder, daß ich Tod, Teufel, Sünde, und alles überwinde. 8. Und wenn des Satans Heer mir ganz entgegen wär, darf ich doch nicht verzagen, mit dir kann ich es schlagen; dein Blut darf ich nur zeigen, so muß ihr Troß bald schweigen. 9. Darum allein auf dich, Herr, Christ, verlaß ich mich. Jetzt kann ich nicht verder= ben; dein Reich muß ich ererben; denn du haft mirs erworben, da du für mich gestorben. 10. Ach, bringe meinen Sinn durch deinen Geist dahin, daß ich mag alles meiden, was dich und mich kann scheiden; daß ich an deinem Leibe ein Gliedmaß ewig bleibe. 38 594 24) Bon der Heiligung, oder dem christlichen Wandel überhaupt. Die heiligen zehn Gebote. ind Mel. von Nr. 46. 323. Erheb.dein Herz, thu auf die Ohren, du Volk, das du verstocket bist, und Gott sich doch zum Volf erforen! vernimm, was Gottes Wille iſt: 2. Ich bin der Herr, dein Gott und Retter; aus jenem Diensthaus führt ich dich. Verehre feine fremden Götter; du haft ja teinen Gott als mich. 3. Du sollst den Dienst der Bilder fliehen; mach keins, es sei, wovon es woll, fußfällig vor ihm hinzuknien: denn ich, dein Gott, bin Eifers voll. 4. Den Namen Gottes zu entehren, scheu, liebst du deine Seligkeit; wagst du es, falsch und leicht zu schwören, so ist die Strafe schon bereit. 5. Sechs Tage widme den Geschäften, der siebente gehört dem Herrn; dien ihm I daran aus allen Kräften, dem großen Gott, und dien ihm gern. 6. Erweis den Eltern bis zur Bahre Gehorsam, Ehre, Lieb und Treu, daß Von der Heiligung 2c. 595 Gott dir lange Lebensjahre, und hier und dorten Heil verleih. 7. Enthalte dich von eigner Rache, und schone deines Nächsten Blut. Befiehl dem Höchsten deine Sache, wenn dir schon jemand Unrecht thut. 8 Entweih die Eh nicht und verbleibe von Ueppigkeit und Unzucht frei, daß deine Seele sammt dem Leibe ein reiner Tempel Gottes sei. 9. Bergreif dich nicht an Jemands Gute; erwuchre nicht der Armen Schweiß, und lebe mit vergnügtem Muthe von deiner eignen Hände Fleiß. 10. Ertheile nach Gewissenstriebe dein Zeugniß, wo es nöthig ist. Beschäm und fleuch die Ehrendiebe, und rede nicht mit arger List. 11. Verdamm, als Sünden, die Begiers den nach jemands Weibe, Hab und Haus, und wenn sie in dir rege würden, so tilge fie bei Zeiten aus. 12. Zehn Worte sind dir vorgeschrieben, doch eins faßt alles unter sich: Gott sollst du über alles lieben, und deinen Nächsten, so wie dich. 38* 596 Zweiter Theil. 13. Mein Mittler! ich erschrecke heftig, da Gott mit mir im Donner spricht. Durch deinen Geist wirk auf mich kräftig; vertritt du selbst mich im Gericht. Gebet über die zehn Gebote. Mel. des 116. Psalms. $ 324. M ein Bundes- Gott! ach, unterF ## weiſe mich, daß ich in Furcht, Bertrauen, $ Demuth, Liebe, dich ehr, und stets Ge # $ duld und Hoffnung übe, und lieber alles fahren laß, als dich. 2. Gib, daß ich, o du höchstvollkommner Geist, auch dir im Geist und in der Wahr heit diene, und keinen Dienst zu leisten mich erfühne, worauf mich nicht dein heilges Wort verweist. 3. Es nenne deinen Namen nie mein Mund vergeblich; falsches und unnüßes Schwören sei von mir fern; voll Demuth Von der Heiligung 2c. dich zu ehren, so gut ich kann, erheischt von mir dein Bund. 597 4. Die ganze Zeit ist dein, voraus der Tag von dir bestimmt, in Ruhe dich zu loben. Laß mich so leben hier, daß ich dort oben in süßer Ruh dich ewig loben mag. 5. Der Unterschied des Standes ist von dir, die Menschen soll er manche Tugend lehren! laß mich in meinem Stand die Obern ehren, und segne mich, o Höchster, dort und hier. 6. Liebreicher Gott, laß mich recht liebreich sein, ein Menschenfreund, ein Helfer und Erbarmer, des Feindes Freund; wie könnte sonst ich Armer, der dich erzürnt, mich deiner Huld erfreun? 7. Laß mich, mein Gott! der Zucht ergeben sein; treu deinem Ruf, der Wollust falsche Freuden sammt ihrem Reiz mit aller Sorgfalt meiden, und meinen Leib zu deinem Tempel weihn. 8. Vor ungerechtem Gut behüte mich, daß ohne Geiz ich meinen Wandel führe; auch jedem geb und lass, was ihm gebühre, mein Werk verricht vergnügt und emſiglich. 598 Zweiter Theil. 9. O treuer Gott! regiere Herz und Mund, daß ich, wie du, Betrug und Lügen hasse, und jedermann in seinen Würden lasse, der Wahrheit stets getreu von Herzensgrund. 10. Verleih, daß ich auch die geringste Lust, die dir entgegen ist, von Herzen meide; was dir gefällt, das sei auch meine Freude, mit Lust zu dir erfülle meine Brust. Von der Beschaffenheit der wahren Heiligung. Mel. von Nr. 79. 325. Gott! wie rein istdeineLehre. Wenn ich höre, wie wir vor dir sollen sein: 0! so dringen die Befehle in die Seele, wie ein scharfes Schwert hinein. 2. Was ist an den äußern Werken mehr zu merken, als der wahren Tugend Schein? Doch, o Höchster! deinen Willen zu erfüllen, muß das Herz geschäftig sein. 3. Ich soll selbst sein innres Dichten also richten, wie es dein Gesetz befiehlt. Deine hellen Augen finden da schon Sünden, wo das Herz in Lüften spielt. 4. Böses soll ich nicht nur lassen, sondern hassen, ich soll, Herr, auf dein Geheiß, Von der Heiligung 2c. allem Guten nachzuleben mich bestreben, unverrückt, mit Lust und Fleiß. 5. können wir denn deinen Willen ganz erfüllen? Sünde schleicht sich doch mit ein, wenn wir noch so eifrig wollen, wie wir sollen, dir, o Gott gehorsam sein. 6. Dein Gesetz ist, unsre Flecken zu entdecken, uns zum Spiegel vorgestellt. Ach, ich sehe sie und eile, ohne Weile, zu dir, Jesu, Heil der Welt! 599 7. Doch soll der versöhnte Sünder nun nicht minder auch den Weg der Sünde fliehn, und im Wege des Gebotes seines Gottes sich mit allem Ernst bemühn. 8. Dazu wollest du mich Schwachentüchtig machen; gib mir deinen guten Geist; alsdann will ich klüglich handeln, und so wandeln, wie dein Wort mich wandeln heißt. $ 326. Wenn zur Vollführung deiner Pflicht dich Gottes Liebe nicht beseelet: so rühme dich der Tugend nicht, und wisse, 600 Zweiter Theil. daß dir alles fehlet. Wenn Vortheil, Wollust, Eigensinn und Stolz dir nur # ***** das Gute rathen: so thu- e noch so gute Thaten, du hast vor Gott den Lohn dahin. 2. Sei durch die Gaben der Natur das Wunder und das Glück der Erden! Beglückest du die Menschen nur, um vor der Welt geehrt zu werden, erfüllt die Liebe nicht dein Herz: so bist du bei den größten Gaben, bei dem Verstand, den Engel haben, vor Gott doch nur ein tönend Erz. 3. Bau Häuser auf und brich dein Brot, das Volk der Armen zu verpflegen; entreiß die Witwen ihrer Noth, und sei der Waisen Schutz und Segen; gib alle deine Habe hin! noch hast du nichts für Gott gegeben. Wenn Lieb und Pflicht dich nicht beleben: so ist dir alles kein Gewinn. 4. Thu Thaten, die der Heldenmuth noch niemals hat verrichten können; vergieß fürs Vaterland dein Blut, laß deinen Von der Heiligung 2c. 601 Leib für andre brennen! beseelet dich nicht Lieb und Pflicht, bist du die Absicht deiner Thaten: so schüß und rette ganze Staaten; Gott achtet deiner Werke nicht. 5. Läg ihm an unsern Werken nur: so könnt er uns sie zu vollbringen, sehr leicht durch Fesseln der Natur, durch Kräfte ſeiner Allmacht zwingen. Vor ihm, der alles schafft und gibt, gilt Weisheit nichts, nicht Macht und Stärke. Er will die Absicht deiner Werke, ein Herz, das ihn verehrt und liebt. 6. Ein Herz, von Eigenliebe fern, fern von des Stolzes eitlem Triebe, geheiligt durch die Furcht des Herrn, erneut durch Glauben zu der Liebe: das ists, was Gott von uns verlangt. Und wenn wir nicht dies Herz besitzen, so wird ein Leben uns nichts nüßen, das mit den größten Thaten prangt. 7. Drum täusche dich nicht durch den Schein, nicht durch der Tugend bloßen Namen. Sieh nicht auf dein Werk allein; sich auf die Quell, aus der sie kamen. Prüf dich vor Gottes Angesicht, ob seine Liebe dich beseelet. Ein Herz, dem nicht der Glaube fehlet, dem fehlet auch die Liebe nicht. 602 Zweiter Theil. 8. Wohnt Liebe gegen Gott in dir: so wird sie dich zum Guten stärken. Du wirst die Gegenwart von ihr an Liebe zu dem Nächsten merken. Die Liebe, die dich schmükken soll, ist gütig, ohne List und Tücke; beneidet nicht des Nächsten Glücke; sie bläht sich nicht; ist langmuthsvoll. 9. Sie deckt des Nächsten Fehler zu, und freut sich niemals seines Falles. Sie suchet nicht blos ihre Ruh; sie hofft, und glaubt und duldet alles. Sie ists, die dir den Muth verleiht, des Höchsten Wort gern zu erfüllen; macht seinen Sinn zu deinem Willen, und folgt dir in die Ewigkeit. Mel. Freu dich sehr, o meine S.- 29. 327. Kommt, laßt euch den Herren lehren! kommt und lernet allzumal, welche die sind, die gehören zu der rechten Christenzahl: die im Glauben fest bestehn, freu dig Gottes Wege gehn, und den Heiland frei bekennen, dürfen sich die Seinen nennen. 2. Selig, wer in Demuth lebet, seine Schwachheit nie vergißt, Gott allein, sich nie erhebet, wenn er groß und glücklich ist; Gottes Huld wird ihn erfreun, und das Von der Heiligung 2c. 603 Himmelreich ist sein; Gott wird dort zu Ehren setzen, die sich hier geringe schätzen. 3. Selig ist, wer seine Sünde wehmuthsvoll vor Gott bereut, und, damit er Gnade finde, sich vor neuen Sünden scheut. Gott will ihm die Schuld verzeihn, Kraft zum Guten ihm verleihn, und er soll schon hier auf Erden, und auch dort getröstet werden. 4. Selig ist, wer Sanftmuth übet, seinem Feinde niemals flucht, seine Fehler ihm vergibet; nie sich selbst zu rächen sucht; ruhig seine Pflicht vollbringt, und sein eigen Herz bezwingt. Gott wird selber ihn beschüßen, und er wird das Land besigen. 5. Selig, die nichts mehr verlangen, als gerecht, wie Gott, zu sein; die fest an dem Guten hangen, und sich ganz der Tugend weihn; deren Herz nichts mehr begehrt, als was Gottes Ruhm vermehrt. Gott wird ihr Verlangen stillen, und den frommen Wunsch erfüllen. 6. Selig, wer der Noth des Armen niemals fühllos sich entzieht, ihm aus zärtlichem Erbarmen wohlzuthun sich froh bemüht, und wenn er um Hülfe weint, ihm mit Trost und Hülf erscheint; dieser wird 604 Zweiter Theil. auch Hülf empfangen und Barmherzigkeit erlangen. 7. Selig sind, die sich bemühen, züchtig, keusch und rein zu sein; die der Wollust Stricke fliehen und der Heiligkeit sich weihn. Die der Lockung dieser Welt, und was Fleisch und Blut gefällt, allzeit standhaft widerstehn, werden Gottes Äntlig sehen. 8. Selig, wer im Frieden lebet; wer die Ruh und Einigkeit zu erhalten sich bestrebet, und wenn Feindschaft, Haß und Streit seiner Brüder Glück zerstört, sie die Pflicht der Eintracht lehrt. Die des Friedens sich befleißen, werden Gottes Kinder heißen. 9. Selig, die um Christi willen leiden und sich dessen freun, standhaft ihre Pflicht erfüllen und den Martertod nicht scheun. Gott steht ihnen mächtig bei, und will fie für ihre Treueinst mit unverwelkten Kronen auf das herrlichste belohnen. 10. Herr! du wollst mich selber leiten auf der wahren Tugend Bahn, daß ich dieser Seligkeiten hier und dort mich freuen kann. Gib, daß ich demüthig sei, meine Schuld vor dir bereu, die Gerechtigkeit stets liebe, auch an Feinden Sanftmuth übe. Von der Heiligung 2c. 605 11. Daß ich Armen helf und diene; immer hab ein reines Herz; die in Feindschaft stehn, verfühne; dir anhang in Freud und Schmerz. Vater! hilf von deinem Thron, daß ich glaub an deinen Sohn, und durch deines Geistes Stärke mich befleiße guter Werke! Mel. Nun danfet alle Gott. 9. 328. Ich danke meinem Gott, der mir den Sinn gegeben, so gut ich immer kann, zu seinem Preis zu leben. Du weißt, Gott, wie viel Kraft dein Knecht noch nöthig hat! verleihe du sie mir, bei dir ist Rath und That. 2. In allem meinem Thun laß mich auf dich nur sehen, und, untreu meiner Pflicht, nie eigne Wege gehen. Laß diese Wahrheit mir allzeit vor Augen stehn: Gott siehts, Gott hörts, Gott straft, du kannst ihm nicht entgehn. 3. Gedanke, leite du mich stets in allen Sachen: ists denn auch recht, wenn ichs der Welt gleich wollte machen? und siehet jebund mich des Menschen Auge nicht; ists recht vor Gott? ists recht vor seinem Angeficht? 606 Zweiter Theil. 4. Ach führe mich, mein Gott! wie kann ich sonst bestehen! und laß mich ohne dich nie einen Schritt nur gehen. Mir überlassen, stürz ich mich nur in den Tod; wenn du mich aber führst, so hat es keine Noth. 5. Die Gnade winket mir! nie sei es, Herr, vergebens; dein Wort sei jederzeit die Richtschnur meines Lebens; daß ich, wie dirs gefällt, geh, sige, liege, steh, und nur in meinem Thun auf deine Ehre seh. Von der Nothwendigkeit eines heiligen Lebens. Der 15. Pfalm. Mel. von Nr. 46. 329. Wer darf in deine Hütte gehen? Wer nimmt hier seinen Wohnplaß ein? Wer wird auf jenen heilgen Höhen, o Herr, beständig vor dir sein? 2. Der, der vor dir unsträflich wandelt, nie ungehorsam seiner Pflicht, der heilig denkt und heilig handelt, und gern die Wahrheit sucht und spricht. 3. Der nie mit seiner Zunge schmähet, und groß durch seine Redlichkeit, nie seinen Nächsten hintergehet, und Arges ihm zu thun sich scheut: 4. Der, der die Ehre seiner Freunde nie Von der Heiligung 2c. 607 mit Verläumdungen verletzt; der Gottes frevelvolle Feinde nie seiner Achtung würdig schätzt: 5. Der die Verehrer Gottes ehret; dem nur der Redliche gefällt; der, was er seinem Nächsten schwöret, und schwür er sich zum Schaden, hält: 6. Der nie zum Troße der Geseße, auf ungerechten Wucher leiht; und durch gerecht erworbne Schäße die, die Gott darben läßt, erfreut: 7. Der nie, Unschuldigen entgegen, Geschenke von Verbrechern nimmt; dem, dem ist seiner Tugend wegen ein unvergänglich Heil bestimmt! Mel. von Nr. 324. 330. Ich weiß es wohl, ich selbst verdient es nicht, daß du, o Herr, mich vom Verderben rissest, ja, wenn du mir nach meinen Werken missest, so ist der Tod mein Urtheil im Gericht. 2. Die Gnade nur in Christo macht mich frei; doch soll ich dich in guten Werten preisen, und durch den Fleiß der Heiligung beweisen, wie sehr ich dir, mein Gott, verbunden sei. 608 Zweiter Theil. 3. Dein Sohn hat mich mit seinem Blut erkauft, nicht, daß ich nur der Hölle möcht entgehen, dein Ebenbild sollt nun in mir entstehen; drum bin ich auch mit deinem Geist getauft. 4. Mein Leib und Seel soll, als dein Eigenthum, von dir, o Gott! und deiner Gnade zeugen; nicht nur der Mund soll niemals hiervon schweigen, der Thaten Stimm erhöhe deinen Ruhm. 5. Des Glaubens Kraft kann ich ja anders nicht zu meinem Trost, als aus den Früchten merken! den Nächsten reiz ich auch zu guten Werken nicht anders, als durch meiner Werke Licht! 6. Ach, nimm mich auf in deines Sohnes Reich, o Gott, laß mich nicht nur Herr! Herr! ihm sagen; sein sanftes Joch und seine Last zu tragen, mach mich bereit und seinem Vorbild gleich. 7. Nimm weg von mir, was dir, mein Gott! mißfällt, und was mich kann aus deinem Himmel schließen, um auch durch dich der Güter zu genießen, die der ge nießt, der an dein Wort sich hält. Von der Heiligung 2c. Mel. von Nr. 17. 331. Bewahre mich, Herr, daß der Wahn nie mein Gemüth bethöre, als wär es schon genug gethan, wenn dir nur äußre Ehre der Mensch, dein Unterthan, erweist. Erinnre mein Gewissen, wie in der Wahrheit und im Geist die dich verehren müssen, die dir gefallen wollen. 2. Die kommen nicht ins Himmelreich, die Herr! zu Jesu sagen, und nicht dabei mit Ernst zugleich der Heiligung nachjagen. Nur die, die deinen Willen thun, läßt du, als deine Kinder, o Gott, in ewgem Frieden ruhn, wenn heuchlerische Sünder von dir verstoßen werden. 3. Drum laß mich doch vom Glauben nie ein heilig Leben trennen; mich nicht für Jesu Jünger hie bloß äußerlich bekennen. Gib, daß mein Glaube thätig ſei, und Tugendfrüchte bringe; daß ich, vom Sündendienste frei, mit Eifer darnach ringe, im Guten zuzunehmen. 4. Du kennst, o Gott, der Menschen Herz, und liebst, die redlich handeln. O laß in Freude und in Schmerz mich richtig vor dir wandeln. Dein Wille sei mein 39 609 610 Zweiter Theil. Augenmerk. Hilf mir selbst ihn vollbringen; durch dich muß jedes gute Werk dem glücklich noch gelingen, der deine Hülfe suchet. 5. Doch wenn ich aus Unwissenheit und Uebereilung fehle: so thu an mir Barmherzigkeit, und richte meine Seele durch deine Gnade auf vom Fall. Erhalt mich bei dem Einen, daß ich dich fürchte überall, bis ich einst mit den Deinen dir ohne Fehltritt diene! Mel. Allein Gott in der Höh.- - 15. 332. Dein bin ich, Herr, dir will ich mich zum Opfer ganz ergeben; rechtschaffen, fromm und rein will ich vor deinen Augen leben. Wie könnt ich eines andern sein? Ich bin ja durch die Schöpfung dein, und dein durch die Erlösung. 2. Ich fiel und wandte mich von dir, zur Finsterniß vom Lichte; doch wandteft du dich, Gott, zu mir mit deinem Ange sichte. Erbarmen war dein Angesicht mich von der Finsterniß zum Licht zu dir zurück zu rufen. 3. Dein, Herr, dein ist Barmherzigfeit; du liebest selbst die Sünder. Seid, Von der Heiligung 2c. 611 rufst du, geistlich mir geweiht, und meiner Gnade Kinder! ihr irrt und sündigt; faffet Muth; dort fließet der Versöhnung Blut, von Sünden euch zu waschen. 4. Dein Sohn erniedrigt sich, und stirbt zur Tilgung unsrer Strafen, büßt für die Laster und erwirbt Befreiung ihren Sclaven. Wie vielfach, Höchster, bin ich dein! olaß mich keines andern sein. Dein Sohn ist auch mein Heiland. 5. Durch ihn versöhnt und dir zum Ruhm erkauft mit seinem Leiden, will ich mich, Gott, dein Eigenthum, von dir nie wieder scheiden. Gefreuzigt werde mir die Welt! getödtet, was dir nicht gefällt, damit ich dir nur lebe! 6. Dies wirke, Gott, dein Geist in mir! ich habe kein Vermögen, die Sünd und alles, Gott, was dir verhaßt ist, abzulegen. Hier ist mein Herz, nimm ganz mich hin, und gib mir einen neuen Sinn, damit ich dir gefalle. 7. So werd ich, der ich finster war, ein Licht in deinem Lichte! besteh einst mit der kleinen Schar der Frommen im Gerichte; frohlocke dann, und lobe dich, 39* 612 Zweiter Theil. daß deine Gnad und Treue mich gerecht und selig machte. Mel. Komm, o Gott, Schöpfer 2c.- 197. 333. Dein, Gott, ist Majestät und Macht, und alles ist dir unterthan. Dir werde Dank und Ruhm gebracht! fallt nieder, Menschen, betet an! 2. Dich preiset jede Kreatur, der höchste Engel und der Wurm. Dich ehrt gehorsam die Natur; dein Wink erregt und stillt den Sturm. 3. Wohin mein Auge, Gott, nur blickt, ist Ordnung, Eintracht, Harmonie; und ich, mit deinem Bild geschmückt, empöre mich und störe fie. 4. Du schusst das menschliche Geschlecht; durch dich, Gott, sind wir, was wir sind; du bist mein Herr, ich bin dein Knecht; du bist mein Vater, ich dein Kind. 5. Wie darf, wer, Vater, dich nicht ehrt, des Glücks, dein Kind zu sein, sich freun? Nur die sind dieser Ehre werth, die ganz sich deinem Dienste weihn. 6. Wie billig, wie gerecht und gut ist alles, was uns Gott gebeut! wohl dem, Von der Heiligung ze. 613 der seinen Willen thut! ihn thun, ist Freud und Seligkeit. 7. Nur das, was bös und schädlich ist und uns entehrt, verbeut uns Gott. Weh dem, der seine Pflicht vergißt! er stürzet sich in Schand und Noth. 8. Gott ist, wenn er Gesetze gibt, fein menschenfeindlicher Tyrann; bloß weil er unsre Wohlfahrt liebt, treibt er uns zum Gehorsam an. 9. Leicht ist die Last und sanft sein Joch. Wers willig trägt, sest seinen Lauf stets freudig fort, und fällt er noch, so hilft ihm Gott selbst wieder auf. 10. Bald heißt uns seine Lieb und Huld gehorsam sein aus Dankbarkeit; bald warnt er uns vor neuer Schuld, und übet uns durch Kreuz und Leid. 11. Sein Wort ermahnt, droht und verheißt, und hält uns Tod und Leben vor; uns rühret und erweckt sein Geist: und ich verschlösse Herz und Ohr? 12. Nein! Gott, dir sei mein Herz ge= weiht, Gehorsam sei mein größter Ruhm. Verleihe mir Beständigkeit, und heilge mich), dein Eigenthum. 614 Zweiter Theil. Bitten um Heiligung. Mel. Durch Adams Fall ist ganz.- 90. 334. Hilf mir, mein Gott! verleihe mir, daß ich nur dich begehre; mein ganzes Glück nur such in dir, und dich allein verehre; daß ich in Noth dich meinen Gott und Vater gläubig nenne; daß weder Leid, noch Glück und Freud mich jemals von dir trenne. 2. Erfülle mich mit wahrer Reu, wenn ich dich, Gott, betrübe, gib, daß ich alles Böse scheu, und stets das Gute liebe. Laß mich doch nicht, Herr, meine Pflicht mit Vorsaz je verleben. Der Seele Heil, mein ewges Theil, laß mich recht theuer schätzen. 3. Mein Gott! ich bitte dich, verleih mir einen festen Glauben, der standhaft, treu und thätig sei, und laß mirden nichts rauben. Gib, daß ich mich allzeit auf dich und auf dein Wort verlasse, und in der Noth, ja selbst im Tod dein Heil getrost umfaſſe. 4. Hilf mir, der ich erlöset bin, daß ich den Heiland liebe, und bilde mich nach sei nem Sinn; gib, daß ich mich stets übe, auf ihn zu sehn, ihm nachzugehn, mich seiner nicht zu schämen, und stets bereit mit Freu digkeit sein Kreuz auf mich zu nehmen. Von der Heiligung 2c. 615 5. Nie müsse Stolz und Eitelkeit mein schwaches Herz regieren; nie Haß und Zorn und Bitterfeit zur Rache mich verführen. Dein Wort gebeut Versöhnlichfeit, verdammt der Rachsucht Triebe; gib, daß den Feind so wie den Freund, mein Herz aufrichtig liebe. 6. Nach vielem Reichthum, Gut und Geld, Herr, laß mich ja nicht trachten. Laß mich die Ehren dieser Welt für eitle Schatten achten, und nie nach Pracht, nach Hoheit, Macht und großem Namen streben; laß mich vielmehr nach deiner Lehr in wahrer Demuth leben. 7. Die Falschheit, List und Heuchelei hilf mir sorgfältig fliehen; nie müß ich mich durch Gleisnerei um Menschengunst bemühen. Laß Ja und Nein mir heilig sein; laß mich nicht lieblos richten, und Bank und Streit mit Freundlichkeit, mit Lieb und Sanftmuth schlichten. 8. Herr! lehre mich Enthaltsamkeit, gib mir ein rein Gemüthe, daß ich in dieser Prüfungszeit vor böser Lust mich hüte. Der Lügen Feind, der Wahrheit Freund, laß mich aufrichtig wandeln, und 616 Zweiter Theil. jederzeit nach Billigkeit mit meinem Nächsten handeln. 9. Gib, daß ich stets den Müßiggang sammt aller Trägheit fliehe! daß ich der Welt mein lebelang zu dienen mich bemühe. Laß meinen Fleiß zu deinem Preis, o Gott! mir wohlgelingen, und segnest du das, was ich thu, dir dafür Ehre bringen. 10. Ach, gib mir deinen guten Geist, der selbst mein Herz regiere, und mich, wie es dein Wort verheißt, auf deinen Wegen führe. So wird mein Herz in Freud und Schmerz dir zu gefallen streben, und du wirst mir, Gott, einst bei dir, den Lohn der Treue geben. Mel. von Nr. 55. 335. Ich habe, Gott! mir ernstlich vorgenommen, nie auf der Uebertreter Pfad zu kommen, vor dir zu wandeln, dir mich und mein Leben zu übergeben. 2. Erforsche mich, sieh, ob ichs redlich meine! gib, daß ich nicht bloß, was ich sein soll, scheine, mit allen Kräften strebe, deinen Willen ganz zu erfüllen! 3. Wenn deine Furcht mich überall begleitet, und meinen Gang, wenn mich kein Von der Heiligung 2c. 617 Mensch sieht, leitet, wie sicher werd ich deine Wege wandeln! wie richtig handeln! 4. Laß auch im Dunkeln mich dein Auge scheuen! verschleuß mein Ohr der Sünde Schmeicheleien! stets werde mir das Gleisende der Laster nur mehr verhaßter. 5. Gib Eifer, Kraft und Muth zu meinen Pflichten, so mag die Welt, wie ihr's gefällt, mich richten; ich, hab ich deinen Beifall, kann mit Freuden Verachtung leiden. 6. Du achtest nicht das Ansehn der Personen, wirst billig alles richten und belohnen mit Herrlichkeit und Ehre deine Kinder, mit Schmach die Sünder. 7. Bald, bald vollend ich meiner Prüfung Stunden. Werd ich im Tode nur bewährt erfunden: wie schön verwandeln sich dann meine Leiden, und werden Freuden! 94. Mel. Herr Christ, der einge Gottessohn. 336. Herr Jesu, Gnadensonne! wenn dein erquickend Licht bei uns mit Kraft und Wonne durch Frost und Schatten bricht; so wird das Herz erfreuet, so wird der Geist erneuet; versag dies Glück mir nicht! 618 Zweiter Theil. 2. Mit vielen großen Sünden reiz ich dich wider mich; doch laß den Zorn verschwinden, vergib genädiglich. Du pflegst dich ja der Armen mitleidigst zu erbarmen; ach, Herr, erhöre mich! 3. Vertreib aus meiner Seele des alten Menschen Sinn. Weg Sünden, die mich quälen! Herr! lasse mich fort hin mit einem heilgen Leben mir ſelbst das Zeugniß geben, daß ich erlöset bin. 4. Befördre dein Erkenntniß in mir, Herr! durch dein Wort. Wie blöd ist mein Verständniß, und welch ein finstrer Ort! doch sprich: und es wird helle, es weichen auf der Stelle die düstren Schatten fort. 5. Ach, Herr, wie gar geschäftig ist Fleisch und Blut in mir! erzeig dich in mir kräftig, auf daß ich für und für der Sün denwelt absterbe, und nach dem Fleisch verderbe, hingegen leb in dir. 6. Ach! zünde deine Liebe in meiner Seele an, daß ich aus innerm Triebe dich ewig lieben kann, und dir zum Wohl gefallen beständig möge wallen auf rechter Lebensbahn. Von der Heiligung 2c. 619 7. Schwach bin ich, gib mir Stärke; der Feind schreckt, gib mir Muth. Weg, Ruhm der eignen Werke! Herr! was dein Geist nicht thut, was ich aus eignem Triebe bald laffe, bald verübe, ist böse und nicht gut. 8. Ich lebe deiner Gnaden, mich stüzet deine Treu; dir zeig ich meinen Schaden, die Gnade macht mich frei. Damit ich deinen Willen beständig mög erfüllen, so steh mir fräftig bei! Mel. von Nr. 17. 337. Der du Verstand und Tugend schenkst, Gott, Vater meines Lebens! wo du nicht Thun und Lassen lenkst, so leb ich hier vergebens. Denn, wen dein Geist nicht neu gebiert, der bleibt der Sünd ergeben; und, wen die Sünde noch regiert, der ist zum rechten Leben noch nicht hindurchgedrungen. 2. Drum, Vater, neig dich väterlich zu deinem schwachen Kinde. Gib mir ein frommes Herz, daß ich mich scheu vor jeder Sünde. Bewahre meinen Mund, daß mir kein schlüpfrig Wort entfalle, vielmehr von meinen Lippen dir manch freudig Lob erschalle, den Nächsten zu erbauen. 620 Zweiter Theil. 3. Bewahre, Gott, mein Ohr, daß ich nicht gern auf Spötter höre, damit in meinem Glauben mich kein frecherThor bethöre. Hilf, daß kein Wiß der Lästersucht mir Ohr und Herz vergifte, noch jemals, wie er tückisch sucht, durch mich dann Zwietracht stifte, nie mich zur Schmähsucht reize. 4. Die Augen, Gott, bewahre mir vor unverschämten Blicken, und vor unzüchtiger Begier, die Unschuld zu verstricken. Laß sie den Schmuck der Sittsamkeit weit über alles schäßen; was reiner Engel Aug erfreut, das sei auch mein Ergeßen; was du liebst, ihr Bestreben. 5. Behüte mich vor Schwelgerei, die leicht das Herz beschweret; vor Trunkenheit, die ohne Schen Schandthaten üben lehret. Die Lust, die bloß den Leib ergeßt, verderbt auch fromme Herzen; und was die Welt für Freude schätzt, bringt Nachreu, Elend, Schmerzen, und stürzt zuleßt zur Hölle. 6. Hilf, daß mein Geist nichts lieber hört, nichts lieber spricht und denket, als was den Glauben stärkt und nährt, und Lust zum Guten schenfet; was mich zu jenem Leben bringt, wo man bei dir stets lebet, Von der Heiligung 2c. 621 dein Lob mit allen Engeln singt, den Heiland sieht, erhebet, und ihm sich ähnlich schauet. Mel. Wer nur den lieben Gott.- 7. 338. Gott! dir gefällt kein gottlos Wesen. Wer böse ist, bleibt nicht vor dir. Drum laß von Sünden mich genesen, und schaff ein reines Herz in mir; ein Herz, das sich vom Sinn der Welt entfernt und unbefleckt erhält. 2. Laß mich auf die begangnen Sünden mit inniger Beschämung sehn; durch Christum vor dir Gnade finden, und auf den Weg der Wahrheit gehn. Ich will forthin das Unrecht scheun und deinem Dienst mein Leben weihn. 3. O stärke mich in dem Gedanken! gib meinem Vorsatz Festigkeit, und will mein schwaches Herz je wanken, so hilf der Unent= schlossenheit. Wie viel vermag ich, Gott, mit dir! nimm deinen Geist nur nicht von mir! 4. Gib, daß er mir stets Hülfe leiste, und Muth und Kräfte mir verleih, daß ich mit findlich treuem Geiste dir bis zum Tod ergeben sei! so sieg ich über Fleisch und Welt, und thue, was dir wohlgefällt. 622 Zweiter Theil. 5. Wenn ich indeß aus Schwachheit fehle, mein Vater, so verwirf mich nicht. Verbirg nicht der betrübten Seele, wenn sie dich sucht, dein Angesicht, und mache in Bekümmerniß mein Herz von deiner Huld gewiß. 6. Erquicke mich mit deinen Freuden, schaff ein getrostes Herz in mir, und stärke mich in allen Leiden. So halt ich mich, mein Gott, zu dir, bis nach vollbrachter Prüfungszeit der Deinen Erbtheil mich erfreut. - Mel. An Wasserflüssen Babylons. 97. 339. Erbarm dich, Herr, du kennst mein Herz. Geneigt zu Eitelfeiten, läßt sichs durch Freude und durch Schmerz oft auf den Frrweg leiten. So wankt ein Rohr, vom Wind regiert, so irrt, von Leidenschaft verführt, auch oftmals meine Seele. Herr, hilf mir, daß ich als ein Christ das flieh, was vor dir strafbar ist, und nur das Gute wähle. 2. Laß doch mein Herz nicht fernerhin in seiner Neigung wanken. Erhebe den verirrten Sinn zu himmlischen Gedanken! wenn von dem Dienst der Eitelkeit mich deines Geistes Kraft befreit, so wird es Von der Heiligung 2c. 623 mir gelingen. Ich halte deinem Willen still. Ich will mich ändern, Herr, ich will. Gib selber das Vollbringen. 3. Umsonst such ich der Tugend Bahn, wenn du mich nicht begleitest, und nicht befreit von Menschenwahn, zu deiner Wahrheit leitest. Du hassest jeden falschen Schein. Mit Ernst willst du verehret sein. Herr, hilf um Jesu willen! Erhebe den gebeugten Muth! Hilf mir der Leidenschaften Wuth durch deine Gnade stillen! 4. Mein Gott! mein Gott! gedenke nicht der Sünden meiner Jugend. Wie hart schien mir oft meine Pflicht! wie rauh die Bahn der Tugend! Jedoch du trugst mit mir Geduld. Laß, Vater! laß mich dieſe Huld nicht undankbar verachten. Dir folgen, ist mein wahres Heil. O laß nichts als mein bestes Theil auch immerfort betrachten. 5. Ich bin ein Mensch. Tu kennest mich. Wie schwach sind meine Kräfte! doch meine Seele hofft auf dich. Du wirst zu dem Geschäfte der Heiligung mir Kraft verleihn, und mich mit deiner Hülf erfreun, vor dir gerecht zu leben. Ich, dein Zweiter Theil. erkauftes Eigenthum, will dafür deines Namens Ruhm in Ewigkeit erheben. Mel. O Gott, du frommer Gott.- 8. 624 340. Mein Vater und mein Gott, der du in diesem Leben, zur Leuchte meinem Fuß, dein heilges Wort gegeben: regiere doch mein Herz durch deinen guten Geist, daß ich dem folgsam sei, was, Gott, dein Wort mich heißt. 2. Verleih, daß ich zuerst nach deinem Reiche trachte, und kein vergänglich Gut zu übermäßig achte. Wer nach dem Ewigen mit rechtem Eifer ringt, empfängt schon hier zum Lohn, was wahre Ruhe bringt. 3. Gib, daß ich von der Welt mich unbefleckt erhalte, und daß in mir der Trieb zum Guten nie erfalte. Hilf, daß ich immer wach, im Kampf des Glau bens treu, und in der Hoffnung stark und fest gegründet sei. 4. Gib, daß ich als ein Christ mich Christo ähnlich zeige, und achtsam mein Gemüth zu seiner Lehre neige. Sein Geist regiere mich, und nicht der Geist der Welt, so geh ich, Herr, vor dir den Weg, der dir gefällt. Von der Heiligung 2c. 625 5. Hilf, daß ich dich, mein Gott, von ganzer Seele liebe, und Lieb und Gütigkeit auch an dem Nächsten übe. Laß ohne Uebermuth mich bei des Glückes Schein, und ohne Ungeduld in trüben Tagen sein. 6. Nie müsse sich mein Herz der Fleischesluft ergeben, und nie dem schnöden Geiz! mein dir geweihtes Leben sei von Betrug und Neid, von Unbarmherzigkeit, von ungerechtem Gut und stolzem Šinn befreit. 7. Will deine Hand mich hier auf rauhe Wege leiten: so unterstüße mich, wenn meine Tritte gleiten. Laß mich in aller Noth auf deine Hülfe baun, und auch, wenn sie verzeucht, dir noch getrost vertraun. 8. Erlöse endlich mich von allen meinen Leiden; und ist die Stunde da, aus dieser Welt zu scheiden: o Vater! so verlaß, wenn meine Hütte bricht, mich Sterbenden mit Trost und froher Hoffnung nicht. Mel. Wer nur den lieben Gott. 7. 341. Mein Gott! ach, lehre mich erkennen den Selbstbetrug und Heuchelschein, daß tansend, die sich Christen nennen, mit 40 - 626 Zweiter Theil. nichten Christi Glieder sein. Ach, wirk in mir zu deinem Ruhm, mein Gott! das wahre Christenthum! 2. Hilf, daß ich dir allein ergeben, der Sünde abgestorben sei! laß mich mir sterben, dir zu leben, und mach in mir, Herr, alles neu. Ach, wirk in mir zu deinem Ruhm, mein Gott! das wahre Christenthum! 3. Reiß los mein Herze von der Erden; laß mich, der ich unsterblich bin, nach deinem Bild erneuert werden, und gib mir meines Heilands Sinn. Ach, wirk in mir zu deinem Ruhm, mein Gott! das wahre Christenthum! 4. Regiere du selbst meine Seele, damit ich Christo folge nach, und stets den schmalen Weg erwähle, ja Ehre such in Christo Schmach. Ach, wirk in mir zu deinem Ruhm, mein Gott! das wahre Christenthum! 5. Gib mir zum Streite Muth und Kräfte! hilf, daß ich dir verbleibe treu! daß ich an Christi Kreuz mich hefte, und mir die Welt gekreuzigt sei. Ach, wirk in mir zu deinem Ruhm, mein Gott! das wahre Christenthum! Von der Heiligung 2c. 627 6. Laß in mir Glauben, Hoffnung, Liebe lebendig, fest und thätig sein, daß ich bis an mein Ende übe das Christenthum ohn Heuchelschein. Ach, wirk in mir zu deinem Ruhm, mein Gott! das wahre Christenthum! 7. So hab ich schon auf dieser Erden, was mich beruhigt und erfreut; wenn ich mit Gott vereinigt werde, schmeck ich des Himmels Seligkeit. Ach, wirk in mir zu deinem Ruhm, mein Gott! das wahre Christenthum! Mel. Nun danket alle Gott.- 9. 342. Du sagst: ich bin ein Christ. Wohl dir, wenn Werk und Leben dir dessen, was du sagst, Beweis und Zeugniß geben, und wenn dein ganzes Thun, durch Gottes Kraft und Geist, von deinem Christenthum die ächten Proben weist. 2. Du sagst: ich bin ein Christ. Der ists, der Jesum kennet, der seinen Gott und Herrn ihn vor den Menschen nennt, und thut dann auch dabei, was Christus ihm gebeut. Thust du das nicht, so ist dein Ruhm nur Eitelkeit. 3. Du sagst: ich bin ein Christ. Wer 40* 628 Zweiter Theil. sichs will nennen lassen, muß leben, wie er glaubt, und alles Böse hassen. Der liebet Christum nicht, der nur die Sünde liebt, ist auch kein Christ, ob er sich gleich den Namen gibt. 4. Du sagst: ich bin ein Christ, denn ich bin ja getaufet auf Christi Tod, der mich mit seinem Blut erkaufet. Ja wohl! doch prüfe dich, wie stets um deinen Bund, den du mit Gott gemacht in jener Gnadenstund? 5. Hast du ihn nicht vorlängst gar oft und viel gebrochen? Hast du als Gottes Kind dich, wie du ihm versprochen, in allem Thun erzeigt? dem Guten nachgestrebt? Hat nicht der alte Mensch bisher in dir gelebt? 6. Du sagst: ich bin ein Christ, weil ich die Gnadenlehre zu Haus und öffentlich beständig les und höre. Ja, Lieber, thust du auch, was Gottes Wort dich lehrt? Nur wer es hört und thut, der ist dem Höchsten werth. 7. Du sagst: ich bin ein Christ; ich laß mich öfters finden bei Jesu Bundesmahl, mit Gott mich zu verbinden. Doch zeiget Von der Heiligung 2c. 629 sich bei dir in deinen Werken auch rechtschaffne Besserung nach solchem heilgen Brauch? 8. Du sagst: ich bin ein Christ! ich bete les und singe; ich geh ins Gotteshaus. O lauter gute Dinge, wenn du von Heuchelei dabei entfernet bist, und deiner Andacht 3weck die Ehre Gottes ist. 9. Du sagst: ich bin ein Christ! Wer kann es dir gestehen, er könne solches denn aus deinem Wandel sehen? Rührt nicht dein ganzer Ruhm aus falschem Grunde her? Wer Christi Jünger ist, der wandelt so, wie er. 10. Bist du ein wahrer Christ, so müſſen Sinn und Triebe nach Christi Vorbild sein. Wenn unverfälschte Liebe dein ganzes Herz erfüllt; wenn du voll Sanftmuth bist, voll Demuth, wie der Herr; so sag: ich bin ein Christ. 11. Doch, wenn man noch an dir das Gegentheil verspüret; wenn Stolz und Uebermnth dein eitles Herz regieret, wenn statt der Sanftmuth sich zeigt Born und Haß und Neid, so bist du ja gewiß vom Christenthum noch weit. 630 Zweiter Theil. 12. Du sagst: ich bin ein Christ, und rühmst dich des mit Freuden. Doch thust du auch wohl mehr, als manche kluge Heiden? Ach, ich befürchte sehr, sie klagen einst dich an, weil du vielleicht noch nicht so viel, als sie, gethan. 13. Sag nicht: ich bin ein Christ, bis daß dir Werk und Leben auch dessen, was du sagst, Beweis und Zeugniß geben. Der Name machts nicht aus; ein Christ muß, ohne Schein, das, was er heißen will, im Wesen selber sein. 14. Gott, schenke mir doch Kraft, mich ernstlich zu befleißen, ein wahrer Chriſt zu sein, und nicht nur so zu heißen! denn wer den Namen hat und nicht die That zugleich, gelanget nimmermehr zu dir ins Himmelreich. Kampf der Heiligung. Mel. Durch Adams Fall ist ganz. 90. 343. Oft denkt mein Herz, wie schwer es sei, Herr, deinen Weg zu wandeln, und täglich deinem Worte treu zu denken und zu handeln. Wahr ists, die Tugend foftet Müh, sie ist der Sieg der Lüfte, jedoch, - Von der Heiligung 2c. 631 mein Gott, was wäre sie, wenn sie nicht tämpfen müßte? 2. Die, die sich ihrer Laster freun, trifft ja auch Schmerz hienieden. Sie sind die Eclaven eigner Pein, und haben keinen Frieden. Der Fromme, der die Lüſte dämpft, hat auch oft seine Leiden; allein der Schmerz, mit dem er kämpft, verwandelt sich in Freuden. 3. Des Lasters Bahn ist Anfangs zwar ein breiter Weg durch Auen; allein sein Fortgang wird Gefahr, sein Ende Nacht und Grauen. Der Tugend Pfad ist Anfangs steil, läßt nichts als Mühe blicken, doch weiter fort führt er zum Heil, und endlich zum Entzücken. 4. Gott, hätteſt du es uns vergönnt nach unsers Fleisches Willen, wenn Wollust, Reid und Zorn entbrennt, die Lüste frei zu stillen; erlaubtest du dem Frevler hier, aus Bosheit uns zu fränken: was müßten wir doch dann von dir, du weiser Vater, denken? 5. Du willst, wir sollen glücklich sein, drum gabst du uns Geseße. Sie sind es, die das Herz erfreun, sie sind des Lebens Schätze. Du sprichst in uns durch den Ver 632 Zweiter Theil. stand, du sprichst durch das Gewissen, was wir, Geschöpfe deiner Hand, fliehn oder wählen müssen. 6. Dich fürchten, das ist Weisheit nur, und Freiheit ists, sie wählen; ein Thier folgt Trieben der Natur, ein Mensch dem Licht der Seelen. Was ist des Geistes Eigenthum? Was sein Beruf auf Erden? Die Tugend. Was ihr Lohn, ihr Ruhm? Dir, Höchster, ähnlich werden. 7. O stärke mich dazu mit Kraft, so wird es mir gelingen. Du bist es, Gott, der beides schafft, das Wollen und Vollbringen. Wer Kräfte hat, wird durch Gebrauch von dir noch mehr bekommen; wer aber nicht hat, dem wird auch das, was er hat, genommen. 8. Mich stärke auf der Tugend Pfad das Beispiel selger Geister. Ihn zeigte mir, und ihn betrat ja selbst mein Herr und Meister O laß mich nie des Frechen Spott auf diesem Pfade hindern. Mein wahrer Ruhm ist bei dir, Gott, und nicht bei Menschenkindern. 9. Gib, daß ich mit der Ewigkeit den Kampf so furzer Jahre vergleich, und ernst lich allezeit gedenk an meine Bahre. Das Von der Heiligung 2c. 633 Kleinod, das der Glaube hält, laß neuen Muth mir geben, und zu den Freuden jener Welt mich oft im Geist erheben. 10. Erhalte mich stets unverzagt, wenn mirs nicht immer glücket; wenn mich, so viel mein Herz auch wagt, stets neue Schwachheit drücket. Du siehst nicht auf die That allein, du siehst auf meinen Willen; ein göttliches Verdienst ist mein! dies laß mein Herze stillen. Bitten um Beständigkeit und Wachsthum in der Heiligung. Mel. von Nr. 72. 344. Schön ist die Tugend, mein Verlangen, und meiner ganzen Liebe werth. Mit aller Kraft ihr anzuhangen, hat meine Seel auch oft begehrt. Ach könnt ichs, wie würd ich mich freun! wer heilig ist, muß ſelig sein. 2. Gott ist der Seligkeiten Fülle von Ewigkeit zu Ewigkeit; denn sein Verstand ist Licht, sein Wille ist Ordnung und Volltommenheit! Von Ewigkeit her war er gut; er bleibts, und recht ist, was er thut. 3. Wie schnell umhüllen Finsternisse mich, wenn ich auch erleuchtet bin; dann fliehn 634 Zweiter Theil. die heiligsten Entschlüsse, den Morgennebeln gleich, dahin. Bald wähl ich, was dem Herrn gefällt, bald wieder deinen Dienst, o Welt! 4. Jch Armer! darum kommt kein Friede in mein verschmachtetes Gebein! wie bin ich dieses Wechsels müde! wann werd ich fest im Guten sein? Wann nicht mehr straucheln, allezeit nur deinem Dienste, Gott, geweiht? 5. Unwandelbar ist deine Wahrheit, Herr, aller guten Gaben Quell. Sie leuchte mir in voller Klarheit beständig unbefleckt und hell, daß nie der Sünde Täuscherei gefährlich deinem Kinde sei. 6. bilde, Vater, meine Seele! in deiner Liebe mache mich, weil ich zu meinem Trost dich wähle, getrost und unveränderlich. Denn bin ich erst dein Eigen thum, so bin ich ewig auch dein Ruhm. Mel. von Nr. 234. 345. Wie selig, Herr! ist der Gerechte du bist sein Schild und großer Lohn. O daß ich ganz gerecht sein möchte! doch ach wie wenig bin ichs schon. Du weißt es, Von der Heiligung 2c. 635 Gott, ich bin noch weit entfernt von der Vollkommenheit. 2. Wie viel ist noch an mir zu finden, das nicht mit deiner Vorschrift stimmt! oft übereilen mich noch Sünden, wenns Herz gleich bessern Vorsatz nimmt. Ja, oft verleß ich meine Pflicht, mein Gott, und weiß es selber nicht. 3. Wer kann, wie oft er fehlet, merken? Nur du, du siehst mich, wie ich bin. Nur du kannst mich im Guten stärken; drum fall ich, Vater, vor dir hin. O mach, um heilig ganz zu sein, mich von verborgnen Fehlern rein. 4. Von aller eitlen Eigenliebe befreie mich durch deine Kraft. Erweck und mehr in mir die Triebe zu dem, was wahre Beßrung schafft. Laß meinen Fleiß gesegnet sein, und meine Heiligkeit gedeihn. 5. Du wirst das demuthsvolle Flehen des Sünders, der dich scheut und ehrt, o Gott der Gnade, nicht verschmähen. Du bist es, der Gebet erhört. Mein Fels, mein Heil, ich traue dir. Das, was ich bitte, gibst du mir. 636 Zweiter Theil. Mel. Ich ruf zu dir, Herr Jesu. 256. 346. Herr, mein Erlöser! nur von dir kann ich mir Hilf erflehn; vernimm mein Seufzen, eile mir, mein Helfer, beizustehn. Des wahren Glaubens Kraft und Licht, das selige Bestreben, dir zu leben, und Muth zu dieser Pflicht, das wollest du mir geben. 2. Du hast dein königlich Gebot mir tief ins Herz geschrieben: von ganzer Seele soll ich Gott, wie mich den Nächsten lieben! wenn ich nach deinem Worte thu: so hab ich schon hienieden großen Frieden, und welches Heil hast du den Frommen dort beschieden. 3. Laß mich kein Leiden dieser Zeit, fein Weltglück dir entreißen. Denn du hast deine Seligkeit den Treuen nur verheißen. Wie könnten wohl durch ihre Müh sie, solche zu verdienen, sich erkühnen? Aus Gnaden schenkst du sie, und du erwarbst sie ihnen. 4. Gib, daß mit brünstiger Begier ich fest stets an dir flebe, zeuch mich dir nach, daß ich zu dir mich vor der Welt erhebe! ja laß mich, wenn ich sterben soll, auf deine Gnade bauen, dir vertrauen, und dann dort wonnevoll dein Antlitz ewig schauen! 11 Von der Heiligung 2c. 637 5. Ich kämpf, ermatt und strauchle oft. Hilf, Herr, mein Hort, dem Schwachen, der nur auf dich in Demuth hofft. Du fannst mich mächtig machen. In jeder Seelennoth laß mich bei dir Erbarmung finden, Trost empfinden, und endlich, Herr, durch dich in allem überwinden. Mel. Alle Menschen müssen sterben.- 82. 347. Du, der Herz und Nieren kennet, Ewiger, erforsche mich! ach, ich war von dir getrennet, aber du erbarmtest dich, hörtest mein Gebet, mein Sehnen, sahst die Inbrunst meiner Thränen, schenktest mir selbst deine Huld, und vergabst mir alle Schuld. 2. Ach! erforsche selbst mein Herze! sich, es irrt und fehlet noch, und mit unruhvollem Schmerze fühlt es oft der Sünde Joch: wankend, ungewiß und träge geht mein Fuß der Tugend Wege, und zu oft noch sieht mein Blick auf der Laster Bahn zurück. 3. Als zuerst vor meinen Blicken der Verblendung Nacht verschwand, und mein Auge voll Entzücken, Gott, dein Antlik wieder fand: wie war da der Reiz der Zweiter Theil. Sünden mir so leicht zu überwinden! ihre Schrecken sah ich nur, aber feiner Anmuth Spur. 4. Wenn, von Andacht hingerissen, ich den Himmel offen sah, lag die Welt zu meinen Füßen und, Gott, deinem Throne nah, mischt ich in der Engel Chöre den Gesang von deiner Ehre, von der Huld, die ewig liebt, Sünden decket und vergibt. 638 5. Welche Ruhe, welcher Friede wohnte da in meiner Brust! Eitelkeit, dein war ich müde! Welt, ich fluchte deiner Luft! ich verschmähte deine Gaben, mir war, Gottes Huld zu haben, und ein Herz, das ihn verehrt, mehr als Erd und Himmel werth. 6. Ihr dem Beten heilge Stunden, voller Ruhe, voll Gewinn, ach wohin seid ihr verschwunden, Gluth der Andacht, ach wohin? Oft noch such ich Gott durch Zäh ren, durch Gebet und Flehn zu ehren; doch der Welt Geräusch zerstreut des Gebetes Brünstigkeit. 7. Wenn die Menge der Verächter mei nes frommen Wandels lacht, aus der Von der Heiligung 2c. 639 Andacht ein Gelächter, aus dem Beten Thorheit macht; wenn sie spöttisch auf mich sehen, mich und meinen Glauben schmähen: dann vergeß ich meine Pflicht, ich betenne Jesum nicht. 8. Unter der Verfolger Steinen bebten Gottes Märt'rer nie, seine Wahrheit zu verneinen, zwang nicht Drohn, nicht Folter sie. Auf des härtsten Todes Wegen gingen sie dem Lohn entgegen, sahn den Himmel offen stehn, konnten so den Tod verschmähn. 9. Der du sie mit Kraft von oben zu dem Kampfe stark gemacht, und zu deinem Lohn erhoben, wo kein Feind mehr ihrer lacht: hilf auch mir den Spott bezwingen, hilf auch mir den Lauf vollbringen. Vater, bis ans Ende sei dir mein ganzes Herz getreu. 10. Wer getreu bleibt bis ans Ende und nicht achtet Spott und Hohn, dem bereiten Gottes Hände eine ewge Siegesfron. Kampf und Muth war nicht vergebens, Gott gibt ihm vom Baum des Lebens, und er kommt nicht ins Gericht, stirbt des Tods der Seele nicht. Zweiter Theil. Mel. Es wolle Gott uns gnädig sein. ( Im Choral- und im Melodienbuche für Kurheffen ist zu diesem Liede die achte Zeile wegzulassen, die vorletzte Note e in der sechsten Zeile aber zweimal zu singen.) 348. charmer Sünder, wer bin ich, S daß du, o Gott, stets meiner dich erbarmst daß du noch meiner schonst, und mir nicht nach Verdiensten lohnst. Zum Glauben und zum Thun zu schwach, gibt oft mein Herz der Sünde nach. Jch kämpf, o Vater, nicht $ E genung den Kampf der ernsten Heiligung. 2. Wie schnell ist von der rechten Bahn zum Jerweg oft der Schritt gethan! wie schnell! mein ganzes Herz erschrickt, wenn es in diesen Abgrund blickt! wie nahe gränzt die Missethat an unsers Herzens bösen Rath! wie bald wird Frevel felbft verübt, wenn man erst Schwachheitsfehler liebt! 640 Von der Heiligung 2c. 3. Vertreib, o Gott, des Irrthums Nacht! entreiße mich der Sünde Macht! wie glänzet deiner Streiter Schar, die einst, wie ich, auf Erden war, und die nun, weil sie überwand, den Lohn empfängt aus deiner Hand! sie sind gekrönt! ich noch im Streit: o gib auch mir Beständigkeit! 4. Schmal ist der Weg zu Gottes Höhn, und wenige sind, die ihn gehn! die Pfort ist eng und der nur dringt durch sie zu Gott empor, der ringt. Ich lieg auf meinem Angesicht, und fleh und weine, laß dein Licht mir leuchten, Vater, laß mich dein im Leben und im Tode sein. 641 5. Der mir in Christo alles gab, Gott! schaue doch auf mich herab! auf mich, der Sünde schnellen Raub, den Himmelserben und den Staub! erbarm dich mein, und steh mir bei, daß ich des Kleinods würdig sei, das Christus mir so theur erwarb, als er für mich am Kreuze starb. 6. Ja, du erbarmtest über mich, verföhnter Gott und Vater, dich. Vom Leibe dieses Tods befreit, führst du mich einst zur Herrlichkeit, wo meine Tugend nicht mehr wankt, und dir, Gott, ewig dafür 41 642 Zweiter Theil. dankt, daß sie dein Gnadenlohn beglückt, und deiner Sieger Krone schmückt. 113 Buisd Mel. Machs mit mir, Gott, nach. 26. 349. Bald oder spät des Todes Raub, wall ich noch hier auf Erden, ich Sterblicher, doch dieser Staub soll einst unsterblich werden. Und dann, dann ist mein ewges Theil, o Gott, Verwerfung oder Heil. 2. Mit Furcht und Bittern soll der Christ nach seinem Heile ringen; verachten, was auf Erden ist, hinauf zu Gott sich schwingen; getrost den Pfad der Trübsal gehn, und standhaft in Versuchung stehn. 3. Noch weiß ich, daß ich laufen muß, noch bin ich in den Schranken; noch nicht am Ziele, doch mein Fuß beginnet oft zu wanken. Herr, stärke mich durch deine Kraft auf dieser furzen Pilgerschaft. 4. So lang ich noch ein Fremdling hier in diesem Leibe walle: so schaff ein reines Herz in mir, ein Herz, das dir gefalle und leite mich auf ebner Bahn durch deinen Geist zu dir hinan. 5. Es sei mein Ruhm, dir werth zu sein, was du gebeutst, zu üben; mein - Von der Heiligung zc. 643 höchstes Gut, mich dein zu freun, von Herzen dich zu lieben; mein Trost, auf deinen Schuß zu traun, und meine Hoffnung, dich zu schaun. 6. Die freche Thorheit dieser Zeit soll nie mir meinen Glauben, den süßen Trost der Ewigkeit, des Himmels Hoffnung rauben. Was lindert sonst des Lebens Noth? Und was versüßt mir einst den Tod? 7. Verzagt und schwach sind Fleisch und Blut, und eitel unsre Werke. Der Glaub allein gibt Kraft und Muth, und nur durch Christi Stärke sind wir, in Angst und Traurigkeit, getrost, und überwinden weit. 8. Was ist die Trübsal dieser Zeit und alles Leid der Erden, Gott, gegen deine Herrlichkeit, die fund an uns ſoll werden? Wie schnell flieht dies mein Leben hin! hin, wo ich ewig selig bin! 9. Heil mir! ich bin sein Eigenthum! nichts soll mich von ihm scheiden! nicht Wollust, Güter oder Ruhm; nicht Schmach, nicht Tod noch Leiden. Ich bin durch Jesu Blut erkauft; ich bin auf seinen Tod getauft. 41* 644 Zweiter Theil. 10. Der uns in Christo alles gibt, Gott, wird mich nicht vernichten! der uns bis in den Tod geliebt, der wird mich einst nicht richten! wenn Erd und Himmel untergehn, werd ich zum Leben auferstehn. 11. Nicht Trübsal mehr, nicht Leid noch Schmerz betrübet dort die Seinen, nicht klagen mehr wird unser Herz, nur Freudenthränen weinen; er, der für uns sein Leben gab, er trocknet unsre Thränen ab. 12. Dort schauen wir und beten an vor ſeinem Angesichte, und die wir hier im Dunkeln sahn, wir werden dort im Lichte die Wunder seiner Liebe sehn, des Weisen Wege ganz verstehn. 13. Jhr, die ihr ihn erhabner preist, ihr Engel, meine Brüder, dann singet mein verklärter Geist in eure Jubellieder; und eurer hohen Harfen Klang ertönt in meinen Lobgesang. 14. Tu, der uns dieses Heil erwarb, laß, Jesu, mich's ererben! du, der für seine Menschen starb, laß, Jesu, dir mich sterben! gib, daß ich dir im Leben treu, getreu bis in den Tod dir sei. Von der Heiligung 2c. Von der Nachahmung des Erlösers. Mel. Machs mit mir, Gott, nach. 26. 350. Welch hohes Beispiel gabst du mir, mein Heiland, durch dein Leben! sollt ich nicht gern und mit Begier dir nachzuahmen streben? und nicht den Weg, den du betratst, auch gehn, und das thun, was du thatst? 1 645 2. Dein Herz war voller Heiligkeit, ſo rein, wie deine Lehre; dein Thun Lieb und Rechtschaffenheit, dein Endzweck Gottes Ehre; hier schaffst du mir Bufriedenheit, und dort einst ewge Seligkeit. 3. Darum entäußertest du dich, und stiegst vom Himmel nieder, wardst Mensch), ein armer Mensch, wie ich; uns Schwache Rennst du Brüder, der Bosheit Raub, der Leute Spott, in deinem Wandel gleich wie Gott. 4. In Knechtsgestalt erschienest du, um uns zu Herrn zu machen; den Krankengabst du Trost und Ruh, und warst stark in den Schwachen; du trugst die Leiden mit Geduld, und trugst sie sonder eigne Schuld. 5. Du starbst für unsre Missethat! Wer liebt so seine Freunde! erfüllst für uns des 646 Zweiter Theil. Vaters Rath, und bittest selbst für Feinde. Du starbst, gehorsam bis zum Tod, und ehrtest auch im Tode Gott. 6. Dies große Beispiel hast du mir zur Richtschnur hinterlassen, daß ich gesinnet fei gleich dir in meinem Thun und Lassen. Komm, sprichst du, nimm dein Kreuz auf dich, komm, folge mir, und thu, wie ich. 7. Ich komme, Herr, gib Kraft und Licht, daß ich mein Heil erkenne, dein wahrer Jünger sei, und nicht mich fälschlich nur so nenne: damit ich deinem Beispiel treu, auch andern selbst ein Beispiel sei. 6. Mel. Es ist das Heil uns.- 351. O Seele, schaue Jesum an! hier kannst du recht erkennen, was wahre Demuth heißen kann, und was wir Sanft muth nennen. Er stellt sich dir zum Muster dar; wie Jesu Christ gesinnet war. So sei auch du gesinnet. 2. Er war der große Gottessohn, ihn ehrten Cherubinen; doch ließ er seinen Himmelsthron, und kam, um uns zu dienen. Er selbst, der Herr der Herrlichkeit, war Menschen wohlzuthun bereit. So sei auch du gesinnet. 01 10% Von der Heiligung 2c. 647 3. Er sah die ganze Lebenszeit auf seines Vaters Willen, durch Thun und Leiden stets bereit, ihn treulich zu erfüllen. In allem, was er dacht und that, verehrt er seines Vaters Rath. So sei auch du gesinnet. 4. Das Böse sucht eri lsobald mit Gutem zu vergelten; man hörte, wenn die Welt ihn schalt, ihn niemals wieder schelten; man hört ihn nicht um Rache schrein; er übergab es Gott allein. So sei auch du gesinnet. 5. Wenn Stolz und Eigenliebe sich, o Seele, bei dir reget: so stärke Jesu Beispiel dich, dann wirst du nicht beweget. Ach, nimm doch dessen Wort in Acht, und denke, wie ers hat gemacht. So sei auch du gesinnet. Mel. Kommt her zu mir, spricht.- 238. 352. Kommt her, Mühselge, kommt zu mir, spricht Gottes Sohn, o kommt, ſeid ihr mit Sünden gleich beladen. Wo sucht ihr Trost? Nur Trost und Heil, wird dem, der zu mir kommt, zu Theil, ich heile euren Schaden. 648 Zweiter Theil. 2. Wie lange säumet ihr euch noch? Kommt her und übernehmt mein Joch, und folget meinen Lehren. Seht, wie ich, ganz nach Gottes Sinn, so sanft und so demüthig bin; mich müßt ihr billig hören! 3. Sanft ist mein Joch, leicht meine Last. O! wer sein wahres Glück nicht haßt, wird sich darunter beugen. Ruh und Er quickung findet sich bei mir, und trostreich werd ich mich gewiß an ihm bezeigen. 4. Nun, Jesu, mich verlangt nach dir, zeuch mich dir nach, so laufen wir, dir will ich mich ergeben. Ich weiß es, Herr Jesu Christ, daß außer dir kein Retter ist, bei dir ist Heil und Leben. 5. Laß mich nun, so wie du gethan, aus wahrer Demuth jedermann zu die nen fertig stehen. Laß mich, wie du, sanftmüthig sein, Beleidigungen gern verzeihn, und Fehler übersehen. 6. Ach, bilde mich nach deinem Sinn, mich, der ich ohne dich nichts bin, daß ich dein Joch recht trage. Sprich mei ner Seele tröstlich zu, und bringe mich zur wahren Ruh am Ende meiner Tage. 649 25) Von der Erkenntniß Gottes. Mel. von Nr. 55. 353. Soll sich mein Geist, o Gott, zu dir erheben, und dich zu kennen glücklich sich bestreben, so mußt du selbst, um groß von dir zu denken, die Kraft mir schenken. 2. Laß doch, o Herr, dein Licht mich stets erfreuen, und meiner Seele Finsterniß zerstreuen; erleuchte mich, daß mich zu deiner Ehre, dein Glanz verkläre. 3. Was ist im Himmel, Gott, was ist auf Erden, das so, wie du, verdien erkannt zu werden? Was ist, das meinen Durst nach Glück so stille, als deine Fülle? 4. Dich suchen, ist die edelfte der Sorgen. 3war bist du unerforschlich und verborgen; doch willst du, wenn wir nur dein Licht nicht hassen, dich finden lassen. 5. Mit lauter Stimme lehren deine Werke uns deine Weisheit, deine Güt und Stärke; auch hast du selbst, sei hoch dafür gepriesen! uns unterwiesen. 6. Und immer mehr willst du dich offenbaren, wenn wir getreu, was du uns lehrst, bewahren, wenn wir, was deine Lehren wirken sollen, uns bessern wollen. 650 Zweiter Theil. 7. Ach, möcht ich, Gott, aus allen meinen Kräften dich suchen, ruhn von Sorgen und Geschäften, und mein Ge müth, um mich zu dir zu schwingen, zur Stille bringen! 8. Doch mein Verstand ist unstät, träg, er scheuet der Ueberlegung Müh, und, schnell zerstreuet, sinkt er, wenn ich zu dir gezogen werde, zurück zur Erde. 9. Auch täuscht mein Herz ihn, machet ihn vermessen, verführt ihn, seine Grenzen zu vergessen, will mehr, als seine Kräfte mir vergönnen, von dir erkennen! 10. Ergreife mich und leite meine Seele, daß sie den Weg zum Lichte nicht verfehle, gewähre mir, damit sie nicht ermüde, Ernst, Lust und Friede! 11. Dann werd ich immer heller dich erkennen, und täglich mehr von deiner Lieb entbrennen, dir gern gehorchen, fröhlich dich erheben, dir, Gott, nur leben! Mel. von Nr. 72. 354. Wo find ich Gott, den meine Seele vor allem ewig lieben will? Du, den ich mir zum Trost erwähle, schweig, Herr, 3 meinem Wunsch nicht still! wann werd ich Von der Erkenntniß Gottes. 651 mit dir, größter Freund, noch völliger, als hier vereint? 2. Wie wollt ich dich, mein Gott, nicht preisen, wenn ich dich sehe, wie du bist! zwar deine Wunder, Herr, beweisen, wie unaussprechlich gut du bist. Wie schimmern sie, doch zeigt ihr Glanz mir deine Herrlichkeit nicht ganz. 3. Ich sehe dich hier nur im Spiegel, und bete dich in Schwachheit an. Ach, hätte meine Seele Flügel, sich dir, mein Schöpfer, mehr zu nahn! wie würde sie sich deiner freun! wie selig, wie verherrlicht sein! 4. Dürft ich, am Fuße deines Thrones, mit deinen Engeln dich erhöhn; könnt ich im Antlig deines Sohnes, wie deine Seligen dich sehn: ich, der ich hier kaum stammeln kann, lobsänge dir dann, wie ein Mann. 5. Mir macht zwar jedes deiner Werke mehr, als ich rühmen kann, bekannt. Es zeigt mir deiner Allmacht Stärke und deinen weisesten Verstand, und deine Huld, die selbst das Lob des Davids noch zu schwach erhob. 6. Du sprichst auch, wie mit einem Kinde, in deinem Wort, o Gott, mit mir. 652 Zweiter Theil. Wie gut, wie zärtlich! doch die Sünde verdunkelt mir dies Licht von dir. Was kann ich wissen, wenn dein Geist nicht selbst von dir mich unterweist? 7. Doch, wenn in meinen Finsternissen er auch mein blödes Aug erhellt: was lern ich, Gott, von dir? Mein Wissen bleibt immer Stückwerk in der Welt. Ich suche dich und forsche nach, und bleibe, dich zu sehn, zu schwach. 8. Und hört ich nur auf deine Stimme in deinem Worte, hört ich nur, wie du verdieneſt, auf die Stimme der dir lobsin genden Natur: so lernt ich hier schon, mich allein, Gott, deiner Herrlichkeit zu freun. 9. Wie brünstig würd ich dann dich lieben! mit welchem Eifer würd ich mich dir, Vater, zu gefallen, üben, wie selig wär ich blos durch dich! nun aber täuschet meinen Geist, gleich Kindern, Tand, wenn er nur gleißt 10. Welch Elend! Vater, ich empfinde mein Glend! Beuch mich selbst zu dir! Entkräfte selbst die Macht der Sünde! Dein Geist der Weisheit wohnt in mir! damit ich vor der Täuscherei der Sinn lichkeit gesichert ſei. Von der Erkenntniß Gottes. 653 11. Gib, daß der Strahl von deiner Wahrheit mein Leben leite, bis ich dort dich näher seh, und mit mehr Klarheit, als hier, an diesem Prüfungsort. Ich, der ich hier kaum stammeln kann, lobfinge dir dann, wie ein Mann. Mel. Wer nur den lieben Gott.- 7. 355. Mein Gott, du wohnest zwar im Lichte, dahin kein sterblich Auge dringt! doch gibst du uns zum Unterrichte dein Wort, das uns Erkenntniß bringt! was du, o Allerhöchster, bist, und was mit uns dein Endzweck ist. 2. So gib denn, daß ich darauf achte, als auf ein Licht im dunkeln Ort; und wenn ich ernstlich es betrachte, so hilf selbst meinem Forschen fort; laß für der Wahrheit hellen Schein mein Aug und Herz stets offen sein. 3. Dein Wort sei mir ein Licht im Glauben, das mich zur wahren Weisheit führt. Laß mir doch keinen Frrthum rauben, was mir ein ewig Heil gebiert. Rein Spöttergeist verführe mich; kein 3weifel sei mir hinderlich. 654 Zweiter Theil. 4. Dich kennen ist das ewge Leben. Drum hilf mir, Vater, daß ich dich und den, den du für uns gegeben, hier so erkenne, wie du mich in deinem Wort es selbst gelehrt, bis einst sich meine Einsicht mehrt. 5. Vor allem laß bei mir lebendig, o Höchster, dein Erkenntniß sein; laß mich darnach dir auch beständig die größte Lieb und Ehrfurcht weihn. Gib, daß ich thu mit allem Fleiß, was ich von deinem Willen weiß. 6. Was hilft das richtigste Erkenntniß, wenns nicht zu deiner Liebe treibt? Was müßt ein aufgeklärt Verständniß, wenn doch das Herz noch böse bleibt? Drum lenke, Herr, auch meinen Sinn durch Wahrheit dir zum Dienste hin. 7. Laß dein Erkenntniß mir im Leiden ein Brunnquell wahres Trostes sein. Laß mich, wenn Leib und Seele scheiden, dann noch im Glauben deiner freun. Dort seh ich dich im hellern Licht von Angesicht zu Angesicht. - Mel, Mein Gott, das Herz. 59. 356. Wie selig bin ich, wenn mein Geist hinauf zu Gott sich schwingt, und, wenn Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. 655 er seinen Schöpfer preist, der Engel Werk vollbringt? 2. Wer gleicht Gott? Wer ist so geschmückt mit Herrlichkeit und Licht? Ihr Seraphim! ihr seht entzückt sein göttlich Angesicht. 3. Ein voller Strom von Wollust quillt aus seiner Wissenschaft. Denn er ist selig und erfüllt mit Freuden, was er schafft. 4. Er spricht ein Wort, und schnell umringt den Seligen ein Heer, das selig ist, und ihm lobsingt, das niemand zählt, als er. 5. Auch ich entstand, weil er mich schuf, um ewig froh zu sein. Heil, Seele, dir! denn dein Beruf ist, Gottes dich zu freun. 6. Schon siehst du durch ein dämmernd Licht den Unaussprechlichen! dort wirst du ihn von Angesicht in größrer Klarheit sehn. 26) Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. Mel. von Nr. 234. 357. Wie sollt ich dich, mein Gott, nicht lieben? Du hast mich ja zuerst geliebt, und, von Erbarmen angetrieben, den Sohn Zweiter Theil. geschenkt, der Leben gibt. Herr, dies Geschenk zeigt rührend an, wie huldreich du mir zugethan. 2. Von Ewigkeit hast du beschlossen, ich soll dein Kind und Erbe sein. Und wann ist eine Zeit verflossen, da du, mein Gott, mich zu erfreun, mir nicht noch weit mehr Guts gethan, als ich jemals aussprechen kann? 656 3. Wie sehr, Herr, bist du mir gewogen! du liebtest mich von Anbeginn, und hast mein Herz zu dir gezogen. Bewahre selbst in mir den Sinn, daß dir, voll brünst ger Dankbarkeit, mein ganzes Leben sei geweiht. 4.O welch ein seliges Geschäfte, Herr, deinem Dienst sein Leben weihn! gib du mir selber dazu Kräfte, so wird mein Fleiß gesegnet sein. Ist deine Gnade nur mit mir, so bleib ich stets, mein Gott, an dir. 5. Führst du mich gleich auf rauhen Wegen, so thust du es zu meinem Heil. Auch unter harten Kreuzesschlägen hab ich an deiner Huld doch Theil, und nach vollend'ter Leidensbahn nimmst du mich einst mit Ehren an. Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. 657 6. O reiche mir, auch wenn ich sterbe, Herr, deine Vaterhände zu. Dann tröste mich mein künftges Erbe! dann führe mich in deine Ruh. Mit völliger Zufriedenheit lieb ich dich dann in Ewigkeit. Mel. Zeuch ein zu deinen.- 301. 358. An dich, mein Gott, gedenken, ist Pflicht und Trost für mich. Wenn Sorg und Gram mich fränken, so sieht mein Aug aufdich. Dann mindert sich mein Schmerz; dann fliehn die bangen Sorgen, wie Nebel vor dem Morgen, und Ruh erfüllt mein Herz. 2. Denk ich an deine Liebe, wie werd ich dann erfreut! wenn alles um mich trübe, und mir ein Wetter dräut, ist sie mein Sonnenschein. Mich können keine Leiden von deiner Liebe scheiden, so groß sie immer sein. 3. Mit fröhlichem Gemüthe denk ich an deine Treu, denn, Vater, deine Güte ist alle Morgen neu. Seh ich nur stets auf dich, wird mir die Arbeit süße, in der ich Schweiß vergieße; du unterstüßest mich. 4. Du gabst mir aus Erbarmen den Sohn, der für mich starb, und großmuths42 658 Zweiter Theil. voll mir Armen dein Kindschaftsrecht er warb. In ihm, Gott, bist du mein. Drum kann ich Hoffnung fassen, du wirst mich nie verlassen, nein, stets mein Helfer ſein. 5. Wiegut ists, dein gedenken! die Welt mag immerhin ihr Herz aufs Eitle lenken. Wie schlecht ist ihr Gewinn! zu dir halt ich mich, Gott! dies bringt, auch wenn ich leide, dem Herzen Trost und Freude; dies stärkt mich einst im Tod. 6. Drum will ich an dich denken, so lang ich denken kann. Wird man ins Grab mich senken, so geh ich zwar die Bahn, da mein die Welt vergißt; doch du, Herr, denkst noch meiner, wenn auch auf Erden feiner mein eingedenk mehr ist. - Mel. Herzlich lieb hab ich. 141. 359. Der du mich als ein Vater liebst und mich mit Wohlthun ganz umgibst Gott, meiner Seelen Freude! ich bleibe dennoch stets an dir. Was ist, mein Gott das je mich hier von deiner Liebe scheide? Du machst mir deinen Weg bekannt, hältst mich bei meiner rechten Hand, regiereft Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. 659 meinen Lebenslauf, und hilfest meiner Schwachheit auf. O Herr, mein Gott! du bist mein Licht, du bist mein Licht! ich folge dir, so irr ich nicht. 2. Du leitest mich nach deinem Rath, der anders nichts beschlossen hat, als was mir Segen bringet. Gehts gleich zu Zeiten wunderlich, so weiß ich dennoch, daß durch dich der Ausgang wohl gelinget. Nach hartem Tritt auf rauher Bahn nimmſt du mich dort mit Ehren an, wo mich vor deinem Thron erfreut die Krone der Gerechtigkeit. Mein Herr! mein Gott! ach voll Begier, ach voll Begier wünsch ich zu ſein, mein Heil, bei dir. 3. Mein Sinn ist ganz auf dich gericht't. Hab ich nur dich, so frag ich nicht nach Himmel und nach Erden. Denn wär' der Himmel ohne dich, so könnte keine Luft für mich auch selbst im Himmel werden. Wärst du nicht schon auf Erden mein, so möcht ich nicht auf Erden sein. Denn nichts ist in der ganzen Welt, das mir so sehr wie du, gefällt. Mein Herr und Gott! wo du nicht bist, wo du nicht bist, ist nichts, das mir erfreulich ist. 42* ( 660 Zweiter Theil. 4. Und sollte mir durch Kreuz und Noth, durch Marter, durch Gewalt und Tod auch Seel und Leib verschmachten: dies alles wird, wenns auch noch mehr, ja gar wie eine Hölle wär, mein Glaube doch nicht achten. Du bist und bleibest doch mein Heil, und meines Herzens Trost und Theil. Denn wahrlich nur durch dich allein kann Leib und Seele selig sein. Herr, meine Burg! ich hoffe fest, ich hoffe fest, daß deine Kraft mich nicht verläßt. 1100 5. Wer von dir weicht, und auf der Welt dir nicht beharrlich Glauben hält, muß freilich wohl verderben. Er kann, weil er die Lust und Pracht der Erden sich zum Himmel macht, nicht deinen Himmel erben. Denn wer dich hier nicht lieben lernt, und nicht sein Herz von dem entfernt, was dir, du Heiligster, mißfällt, kommt nicht zu jener bessern Welt. Nur den, der hier sein Herz dir weiht, sein Herz dir weiht, nut den führst du zur Herrlichkeit. 6. Drum halt ich mich getroft zu dir, du aber hältst dich auch zu mir, und das ist meine Freude. Ich sehe meine Zuversicht auf dich, mein Fels, und zage nicht, Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. 661 auch selbst im tiefsten Leide. Dein Wort, o Höchster, soll allein mein Trost und meine Richtschnur sein, bis sich einst in der Ewigkeit mein Herz vollkommen deiner freut. Gott meines Heils! ich warte drauf, ich warte drauf: nimm mich in deinen Himmel auf! Mel. O Gott, Bater, ich glaub an dich. 360. W ohlan, mein Herz, sei stets bereit, und zeige deine Dankbarkeit dem Gott, dem du ganz eigen bist; des liebf stes Werk das Wohlthun ist; des Heil $ 5 by uns überall begegnet; der den verfluch$ ten Sünder segnet. 2. Er denkt bei jedem Augenblick, bei jedem Pulsschlag an mein Glück. Er ists, in dem ich leb und bin; durch den ich der Gefahr entrinn. Ach, dankend muß ich, 662 Zweiter Theil. Herr, verstummen; wie viel sind deiner Gnaden Summen! 3. Dort zeigt sich mir erst eine See, vor der ich ganz erstaunend steh! ich Erdenklos, ich schnöder Staub! ich Sünder! ich, der Höllen Raub, erfahr in seinen Liebesarmen sein groß, sein göttliches Erbarmen. 4. DSünden, die ich je verübt, und er mir väterlich vergibt: wer zählt euch? seines Geistes Macht hat mich so oft zurecht gebracht, so oft mit mildem Trost erfreuet; sein Wohlthun wird noch stets erneuet. 5. Auch seine Züchtigungen sind für mich oft pflichtvergeßnes Kind Wohlthaten, alles Dankens werth. So wird des Fleisches Kraft verzehrt, der Schlaf verjagt, der Geist entzündet, und Glaub und Hoffnung fest gegründet. 6. Jch zähle leichter Stern und Sand, als alle Güter deiner Hand. Der selgen Engel hohe Sprach ist selbst für deinen Ruhm zu schwach. Wie kann es dann mir Wurm gelingen, dein Hallelujah recht zu fingen? M 7. Doch will ich bringen, was ich kann. Nimm mich dir ganz zum Opfer an. Herz, Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. 663 Muth, Mund, Leib sei dir geweiht zu deiner Ehr in Ewigkeit. Ich will mich ewig dir verschreiben; du sollst mein, ich will dein verbleiben. Der 116. Psalm. Mel. von Nr. 324. 361.Wie lieb ist mirs, daß Gott zu meinem Schrein sein Ohr herab neigt, daß er meine Klagen im Himmel hört; in allen meinen Tagen soll mein Gebet nur ihm geweihet sein! 2. Schon überall um mich war nichts als Tod, schon hatte mich des Grabes Angst umgeben, kaum schien ein Hoffnungsstrahl noch meinem Leben, tief sank ich hin in Traurigkeit und Noth. 3. Da rief ich Gottes heilgen Namen an: ach, Herr, mein Gott, errette und behüte mich doch! gerecht ist Gott, er ist voll Güte, barmherzig, und ein Gott, der helfen fann. 4. Er schüßt die Frommen, und er hilft auch mir, wenn ich voll Angst und fast verzehrt, mich quäle; zu deiner Ruhe fehre wieder, Seele, denn wie viel Gutes thut der Herr an dir! 664 Zweiter Theil. 5. Du machtest mich vom nahen Tode frei, mein Aug von Thränen, meinen Fuß vom Fallen! ich will vor dir im Land des Lebens wallen, ein Herold deiner Huld und deiner Treu! 6. Mein Mund bekennet, weil mein Glaube siegt! zwar litt ich sehr, viel waren meiner Plagen; doch sprach ich auch in meinem größten 3agen: Gott ist wahrhaftig, jeder Mensch betrügt. 7. Wie kann ich Gott vergelten, was er that? Unzählig ist die Wohlthat seiner Güte! was bringt ihm nun mein dankerfüllt Gemüthe, ihm, der so gnädig mich errettet hat? 8. Ich will den Heilskelch nehmen, ihn erhöhn, die Wunder rühmen, die an mir geschehen, bezahlen will ich ihm, sein Voll solls sehen, was ihm mein Herz gelobte bei dem Flehn! 9. Wie köstlich ist vor Gott der Frommen Tod! o Herr, ich bin dein Knecht, von dir erkoren, von deiner Magd zum Knechte dir geboren! aus Banden risfest du mich, Herr, mein Gott! Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. 665 10. Dir opfr ich Dank, dich will ich stets erhöhn, und preisen, was für Gutes mir geschehen, bezahlen will ich dir, dein Volk solls sehen, was dir mein Herz gelobte bei dem Flehn. 11. In Salem, Herr, in deinem Heiligthum, will ich dich loben! durch des Tempels Hallen soll mein Gesang, soll, Gott, mein Dank erschallen, da sing ich: Hallelujah! dir sei Ruhm! Mel. von Nr. 42. 362. Du Vater deiner Menschenkinder, der du die Liebe selber bist, und dessen Herz auch gegen Sünder noch gütig und voll Mitleid ist! laß mich von ganzem Herzen dein, laß michs mit allen Kräften sein. 2. Gib, daß ich als dein Kind dich liebe, da du mich als ein Vater liebst, und so gesinnt zu sein mich übe, wie du mir dazu Vorschrift gibst. Was dir gefällt, gefall auch mir. Nichts scheide mich, mein Gott, von dir. 3. Vertilg in mir durch deine Liebe den Hang zur Liebe dieser Welt, und gib, daß ich Verläugnung übe, wenn mir was Éitles 666 Zweiter Theil. noch gefällt. Wie sollte ich die Kreatur dir vorziehn, Schöpfer der Natur? 4. Laß mich um deines Namens willen, gern thun, was mir dein Wort gebeut. Kann ichs nicht, wie ich soll, erfüllen, so sich auf meine Willigkeit, und rechne mir, nach deiner Huld, die Schwachheit, Vater! nicht zur Schuld. 5. Der liebt dich nicht, der noch mit Freuden das thut, was dir, o Gott, mißfällt. Drum laß es mich mit Ernst vermeiden, gefiel es auch der ganzen Welt. Die kleinste Sünde selbst zu scheun, laß, Vater, mich behutsam sein. 6. Aus Liebe laß mich alles leiden, was mir dein weiser Rath bestimmt. Auch Trübsal führt zu ewgen Freuden. Wer ihre Last gern übernimmt, geduldig trägt, und weislich nützt, wird mächtig von dir unterstüßt. 7. In deiner Liebe laß mich sterben. Dann wird der Tod selbst mein Gewinn, dann werd ich deinen Himmel erben, wo ich dir ewig nahe bin. Da lieb ich in Vollkommenheit dich, Vater der Barmherzigkeit. Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. 667 Mel. Werde munter, mein. 116. 363. Gott, mein Vater, deine Liebe, reicht, so weit der Himmel ist. Deines Wohlthuns starke Triebe sind so ewig, als du bist. Deiner Huld Unendlichkeit, Gott, erschöpfet keine Beit; und wer kann die vielen Proben deiner Güte würdig loben? 2. Als ich noch der Welt verborgen, in dem Schooß der Mutter lag, wachtest du, für mich zu sorgen, über mich schon jeden Tag. Durch den Beistand deiner Macht bin ich an das Licht gebracht, und was hat mein ganzes Leben Gutes, das du nicht gegeben? 1 3. Nie gedentet mein Gemüthe, ohne brünftge Dankbegier, jener unverdienten Güte, da du durch die Taufe mir das erhabne Recht gewährt, daß ich für dein Kind erklärt, mich des Segens der Erlöften voller Zuversicht darf trösten. 4. In den zarten Jugendjahren warst Du meines Lebens Stab, mein Beschirmer in Gefahren. An dir hab ich bis ins Grab einen Vater, der mich liebt, einen Vater, der mir giebt, was zum wahren Wohl mir nüget, einen Vater, der mich schüßet. 668 Zweiter Theil. 5. Gott, du machsts mit uns stets beffer, als wir wünschen und verstehn. Deine Güte ist viel größer, als die Kraft, dich zu erhöhn. Schallte gleich so hoch mein Dank, wie der Seraphim Gesang: dennoch würde durch mein Loben deine Huld nicht gnug erhoben. 6. O, so zeuch durch deine Liebe, Herr, mein ganzes Herz zu dir. Stärk und mehre selbst die Triebe wahrer Dankbarkeit in mir Laß mich ganz dein eigen sein, so mich deines Wohlthuns freun, daß auch mir auf dieser Erde Wohlthun wahre Freude werde. 7. Ja, laß jede deiner Gaben recht zu brauchen mich bemühn; stets den Zweck vor Augen haben, dazu du sie mir verliehn. Deine Güte reize mich, daß ich immer brünstiger dich lieb, und deinen heilgen Willen freudig suche zu erfüllen. Mel. von. Nr. 42. 364. Mein Herz, ermuntre dich zum Preise des Gottes, der dein Vater ist! bedenke, auf wie viele Weise du ihm zum Dank verpflichtet bist. Bring ihm, der stets dein Helfer war, mit Freuden Ruhm und Ehre dar. $ 100 Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. 669 2. Herr, deine Hand ist immer offen! zu geben, was mir nüßlich ist. Und doch bin ich oft schwach im Hoffen auf dich, der du die Liebe bist. Mein Gott wie wenig bin ichs werth, daß mir noch Hülfe wiederfährt! 3. Unendlich groß ist dein Erbarmen. Nur wohlzuthun bist du gewohnt. Drum wird auch mir, mein Gott, mir Armen, von dir nicht nach Verdienst gelohnt. Noch immer steht mir deine Treu mit Segen, Trost und Hülfe bei. 4. Du bist es, der in meinen Sorgen mit Rettung mir entgegen eilt; und wenn fie, noch für mich verborgen, nach meinem Wahn zu lang verweilt, so kommst du, eh ichs mich versehn, mich aus dem Kummer zu erhöhn. 5. Du wählst und wirkest stets das Beste, und wenn auch meine Noth sich häuft, so ſteht durch dich mein Wohl doch feste. Wenn Fluth von Elend auf mich träuft, so siehst du mit Erbarmen drauf, und hemmst allmächtig ihren Lauf. 6. Du bist mein Heil. Mein ganz Gemüthe ist deines Ruhms, mein Retter, 670 Zweiter Theil. voll. O, könnt ich deine große Güte doch so erheben, wie ich soll! doch meine Kraft reicht nicht dahin. Du weißt es, Gott, wie schwach ich bin. 7. Und hätt ich auch viel tausend Zungen, so würde deines Wohlthums Preis nie würdig gnug von mir besungen, auch bei dem allergrößten Fleiß. Denn mehr, Herr, als ich rühmen kann, hat deine Huld an mir gethan. 8. Jedoch du siehst mit Wohlgefallen auch auf des Herzens Redlichkeit, und hörest selbst das schwache Lallen der Deinen mit Zufriedenheit; du hörst es, wie ein Vater pflegt, der seiner Kinder Schwachheit trägt. 9. Drum soll mir deine Huld und Güte beständig, Gott, vor Augen sein. Ich will mit redlichem Gemüthe mein Leben deinem Lobe weihn, bis ich vollkommner deinen Ruhm erheb im höhern Heiligthum. - Mel. Dennoch bleib ich stets. 156. 365. Habe deine Lust am Herrn, bei dem Herrn ist Freud und Leben; und er wird, denn er gibt gern, dir auch, was dir dienet, Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. 671 geben. Seine Liebe beut dir an, was dein Herz nur wünschen kann. 2. Laß der Welt die eitle Lust, die in Weinen sich verkehret! Glaube, wer in seiner Brust Gottes Liebe fühlt und nähret, findet stets auf seiner Bahn, was das Herz nur wünschen kann. 3. Lust an Gott erfüllt mit Licht, wenn man Gott im Worte tennet. Lust an Gott stärkt uns zur Pflicht, wenn man in der Liebe brennet. Solche Lust beut alles an, was das Herz nur wünschen kann. 4. Wer die Lust am Herren hat, hat auch Lust an seinem Willen, suchet ihn durch Wort und That unverdrossen zu erfüllen; und so trifft er alles an, was das Herz nur wünschen kann. 5. Bleibst du auch nicht ohne Last, trag geduldig die Beschwerden; wenn du wohl gelitten hast, wird dir ewge Freude werden, und du triffft im Himmel an, was dein Herz nur wünschen kann. Mel. Mein Gott, das Herz ich bringe. 366. Mein Geist erstaunt, Allmächtiger, wenn er die Gnaden denkt, womit dn - 59. 672 Zweiter Theil. mich, mein Gott und Herr, so unverdient beschenkt. 2 Dann ist mein Herz so hoch erfreut, ganz deiner Güte voll, und weiß vor heißer Dankbarkeit nicht, wie es danken ſoll. 3. Als ich noch in der Mutter Schoß, in Racht verborgen, schlief, bestimmtest dufür mich das Loos, das mich zum Leben rief. 4. Du wählst des Sterblichen Geschic, eh er geboren ist. Und so ward ich, o welch ein Glück! schon als ein Kind ein Christ. 5. Schwach an der Brust, vernahmst du schon, was noch kein Flehen war, und neigtest zu des Weinens Ton dein Ohr erbarmend dar. 6. Wenn ich als Jüngling von dem Pfad der Tugend mich verirrt, hat mich höchſt liebreich, Herr, dein Rath darauf zurückgeführt. 7. Du warst mein Schuß und meine Wehr vor Unglück und Gefahr, und vor dem Lafter, das noch mehr, als ſie zu fürchten war. 8. Ich sah, von Krankheit bleich, durch dich mein Leben mir geschenkt; und deine Gnad erquickte mich, wenn Sünden mich gefränkt. Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. 673 9. Von Freudenstrahlen glänzt mein Blick, da du so hoch mich liebst, und in der wahren Freundschaft Glück des Lebens Trost mir gibst. 10. Und welche Wohlthat, Herr, ist nicht dies Herz, das fühlen kann; dies Herz, ganz dein, das dankbar spricht, was du an mir gethan. 11. Kein Tag soll froher mir vergehn, als, Höchster, dir zum Preis. Ich will dein hohes Lob erhöhn, so gut ich kann und weiß. Tom Hom 12. In Schrecken, Angst, Gefahr und Noth trau ich allein auf dich. Durch dich gestärkt, ist selbst der Tod mir nicht mehr fürchterlich. 13. Wenn krachend einst der Bau der Welt sich aus den Angeln reißt, will ich den preisen, der mich hält, dich, der mich leben heißt. 14. Dich der mich bei der Welten Sturz mit starkem Arm erhob! selbst Ewigkeiten find zu kurz, o Höchster, für dein Lob! Mel. Welt, ich muß dich lassen. 48. 367. Dir dank ich für mein Leben, Gott, der du mirs gegeben, ich danke dir - 43 674 Zweiter Theil. dafür! Du hast, von Huld bewogen, mich aus dem Nichts gezogen; durch deine Güte bin ich hier! 2. Du, Herr, hast mich bereitet, mich väterlich geleitet bis diesen Augenblick. Du gabst mir frohe Tage, und selbst der Leiden Plage verwandeltest du in mein Glück. 3. Ich bin, Herr aller Dinge, der Treu viel zu geringe, mit der du mich bewacht. Damit ich Staub und Erde auf ewig glücklich werde, hast du schon ewig mein gedacht. 4. Du hörtest schon mein Sehnen und zähltest meine Thränen, eh ich bereitet war; eh ich zu sein begonnte, und zu dir rufen konnte, da wogst du schon mein Theil mir dar. 5. Du ließ'st mich Gnade finden, und sahst doch meine Sünden vorher von Ewigfeit. Höchster! welch Erbarmen! du sorgtest für mich Armen, und biſt ein Vater, der verzeiht. 6. Für alle deine Treue, für das, desf ich mich freue, lobsinget dir mein Geist. Er ist dein größt Geschenke; daß ich durch ihn dich denke, ist dein; dein ists, daß er dich preist. Von der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott. 675 7. Daß du mein Leben fristest und mich mit Kraft ausrüstest, dies, Vater, dank ich dir; daß du mich liebreich führest, mit deinem Geift regierest, dies alles, Vater, dank ich dir. 8. Was mir in diesem Leben noch nüßt, wirst du mir geben; du giebst's, ich hoff auf dich. Dir, Vater, dir befehle ich meinen Leib und Seele. Herr, segne und behüte mich! 368. 27) Von der Furcht Gottes. Mel. O großer Gott von Macht. du erhabner Gott, an Macht # unendlich reich! wer ist dir auf der Erd und wer im Himmel gleich? Vor dir erbebt die Geisterwelt; und was der Himmel in sich hält, muß sich mit tiefemt Schweigen vor deinem Throne beugen. 43* 676 Zweiter Theil. 2. Du hast durch deine Kraft den Himmel ausgestreckt; die Erde fest gegründ't, dem Meer sein Ziel gesteckt. Dein Wort bewegt der Berge Grund, und stürzt ſie in des Meeres Schlund. Du sprichst: ſo fliehn selbst Welten, o Herr, vor deinem Schelten. 3. In deiner Hand sind wir wie Thon in Töpfers Hand. Was an uns Gutes ist, hast du uns zugewandt. Du lehrst das menschliche Geschlecht durch die Vers nunft und Schrift dein Recht, willst, daß wir Thun und Denken nach deiner Vorschrift lenken. 4. Erleuchte meinen Geist, o Gott, mit deinem Licht. Dich fürchten, sei mir stets so Seligkeit, als Pflicht. Hilf, daß ich, als dein Unterthan, der niemals dein entbehren kann, bemüht sei, deinen Willen gehorsam zu erfüllen. 5. Laß deine Gegenwart mir stets vor Augen sein, und auch im Dunkeln mich dein helles Antliß scheun. Erinnre mich an dein Gericht, wenn zur Verlegung meiner Pflicht die Lust der Welt zu Beiten mich Schwachen will verleiten. Von der Furcht Gottes. 677 6. Doch zünde auch in mir das Licht des Glaubens an, daß ich in Christo dich als Vater lieben kann. Gib, daß ich, frei vom knechtschen Geist, mit Freuden dir Gehorsam leist, und mich aus reiner Liebe in deinen Wegen übe. 7. Laß, Vater, deine Furcht des Lebens Leitstern sein, so nimmt kein Irrthum mich zu meinem Schaden ein. Sie mache mich von Heuchelei, von Menschenfurcht und Trägheit frei; so werd ich im Gewissen die süße Ruh genießen. Mel. des 26. Psalms. 369. Gott, wer ist dir gleich, wie mächtig ist dein Reich! dein Dräun bewegt der Erde Grund. Willst du zur Strafe ziehen, wer kann vor dir entfliehen? Dein Arm wird allenthalben fund. 2. Wo ist der Ort der Welt, der mich verborgen hält? Vor dir liegt alles auf 678 Zweiter Theil. gedeckt. Wie sollt ich dann noch wagen, Gehorsam zu versagen, da deine Gegenwart mich schreckt? 3. Dem, was ich lass' und thu, siehst du aufmerksam zu, und bringst es einst vor dein Gericht. Wie sollt ich dann nicht beben? auch bei dem besten Leben bestehen Adams Kinder nicht. 4. Doch mach von Heuchelei und Knechtesfurcht mich frei, daß ich dich fürchte als dein Kind, und in der reinen Liebe mich durch den Glauben übe, wozu mich deine Huld verbind't. 5. Ach lenkte bloßer 3wang den ungewissen Gang, wie könnt ich mich in dir erfreun? Nein, laß mich dir, o Vater, mein Helfer und Berather, mit Willigfeit ergeben sein. 6. Wer als ein Knecht ihn scheut, und thut, was er gebeut, jedoch von seiner Liebe bloß, der kann ihm nicht gefallen! die Liebe macht bei allen, und auch bei Gott, den Menschen groß. 7. Was noch so schwer uns deucht, macht uns die Liebe leicht; sie machet uns dir, Höchster, gleich; sie stillet unsre 679 Von der Furcht Gottes. Herzen, versüßet unsre Schmerzen, und bringt uns in dein ewig Reich. 8. Entzünd den Trieb in mir, mit Luft zu thun, was dir gefällt, o Gott, mein ewig Heil! dir will ich mich ergeben, dir sterben und dir leben; dir, meines Herzens Trost und Theil. Mel. Wer nur den lieben Gott. 7. 370. Vor dir, o Gott, sich findlich scheuen, ist unsre allergrößte Pflicht. Kein Mensch kann deiner Huld sich freuen, scheut er dein heilig Auge nicht. Drum wirk in mir durch deinen Geist die Furcht vor dir, die findlich heißt. - 2. In allem, was ich thu und denke, laß, Herr, das meine Weisheit sein, daß ich mein Herz zur Sorgfalt lenke, vor jeder Sünde mich zu scheun. Denn wer noch Lust zur Sünde hat, der fürchtet dich nicht in der That. 3. Gib, daß ich stets zu Herzen nehme, daß du allgegenwärtig bist, und das zu thun mich ernstlich schäme, was dir, mein Gott, zuwider ist; der Beifall einer ganzen Welt hilft dem ja nichts, der dir mißfällt. 680 Zweiter Theil. 4. Laß immer dein Gericht mich scheuen, und wirke steten Ernst in mir, mein Leben deinem Dienst zu weihen; daß ich die Gnade nicht verlier, die mich von dem verdienten Fluch befreit, und stets noch liebreich trug. 5. Ja, Vater, laß mit Furcht und Bittern mich schaffen meine Seligkeit. Soll nichts mein ewig Glück erschüttern, so laß mich in der Gnadenzeit mit Vorsicht alles Unrecht fliehn, und nur um deine Gunst bemühn.is 6. Gib, daß ich stets ein gut Gewissen vor dir zu haben sorgsam sei; und mache von den Hindernissen der wahren Tugend selbst mich frei. Nie störe Furcht und Lust der Welt mich, das zu thun, was dir gefällt. 7. In deiner Furcht laß mich stets wandeln, und überall, auch wo ich bin, nach deiner Vorschrift redlich handeln. Du hasfest heuchlerischen Sinn. Wer dich von Herzen scheut und ehrt, nur der ist dir, o Vater, werth. 8. In deiner Furcht laß mich einst sterben, so schreckt mich weder Tod noch Grab; so werd ich jenes Leben erben, Von der Furcht Gottes. 681 Gott dazu dein Sohn sich für mich gab. deine Furcht bringt Segen ein. Ihr Lohn wird groß im Himmel sein. Mel. von Nr. 72. th 371. Willst du der Weisheit Quelle kennen? Es ist die Furcht vor Gott dem Herrn. Nur der ist weis' und klug zu nennen, der alle seine Pflichten gern, weil Gott sie ihm gebeut, vollbringt, wenn gleich dazu kein Mensch ihn zwingt. 2. Lern Gottes Größe recht empfinden, und fühle deine Nichtigkeit! so wirst du nie dich unterwinden mit thörichter Verwegenheit zu tadeln, was sein Rath beschließt, der wunderbar, doch heilig iſt. 3. Wirst du den Höchsten findlich scheuen, so wird dir keine Pflicht zur Last; nur das wirst du vor ihm bereuen, daß du sie oft versäumet hast. Wer Gott als Zeugen vor sich hat, der freut sich jeder guten That. 4. Wenn Nacht und Dunkelheit dich decken, die dem Verbrecher Muth verleihn, wird dich die Furcht des Herrn erwecken, auch dann, was unrecht ist, zu scheun. Denk nur: vor seinem Angesicht ist Finsterniß wie Mittagslicht. 682 Zweiter Theil. 5. Den Herren öffentlich verehren ſowohl, als in der Einsamkeit; auf des Gewissens Stimme hören, und willig thun, was er gebeut: auch das lehrt dich die Furcht des Herrn, auch das thut, wer ihn fürchtet, gern. 6. Läßt dich die Welt Verachtung merken, wenn du dich fromm von ihr entfernst: die Furcht des Herren wird dich stärken, daß du die Welt verachten lernst. Wer Gott, dem Höchsten, wohlgefällt, ist glücklich selbst beim Spott der Welt. 7. Sich stets vor dem Allmächtgen scheuen, gibt Heldenmuth und Tapferkeit, wenn uns der Menschen stolzes Dräuen, was Gott mißfällt, zu thun gebeut. Ift Gott mein Schuß, mein Heil und Licht, so beb ich vor den Menschen nicht. 8. Laß deine Furcht, Gott, mich regieren, mich stets auf dich, den Höchsten, sehn! laß sie mich zu der Weisheit führen, so werd ich niemals irre gehn. Wohl dem, der sich stets findlich scheut; dich fürchten, Gott, ist Seligkeit. 683 28) Von dem Vertrauen auf Gott, und der Ergebung in seinen Willen. Der 11. Psalm. Mel. von Nr. 46. 372. Voll Glauben will ich zu dir beten, o Gott, vor deinem Angesicht! dann kann kein Feind mich untertreten, dann beb ich, Gott, vor Menschen nicht! 2. Und wenn sie mir, um mich zu fällen, und meines Falles sich zu freun, noch so verborgne Neße stellen, so will ich doch nicht zaghaft sein. 3. Wenn meiner Wohlfahrt Feinde sagen: nun, nun ist er zu Fall gebracht! so werd ich dennoch nicht verzagen, denn Gott lebt noch mit seiner Macht! 4. Gott ist im Himmel, doch auf Erde schaust du herab vom Himmel, Gott! und siehst, wenn ich gedränget werde, siehst meinen Jammer, meine Noth. 5. Du kennst und liebest den Gerechten, befreist ihn gern von jeder Last; hilfft, wenn sie flehen, deinen Knechten, und haffest jeden, der sie haßt. 6. Weh dem, der den Gerechten spottet! Gott schaut im Zorn den Frevler an! er 684 Zweiter Theil. wird mit Wettern ausgerottet von dem, der ewig tödten kann! 7. Denn der gerechte Richter liebet der Heiligen Gerechtigkeit, und hilft dem, der, was recht ist, übet, wenn auch die ganze Welt ihm dräut! - Mel. Was Gott thut, das ist wohlgethan. 267. 373. Auf dich, Herr, nicht auf meinen Rath will ich mein Glücke bauen, und dir, der mich erschaffen hat, mit ganzer Seele trauen. Du, der die Welt allmächtig hält, wirst mich in meinen Tagen als Gott und Vater tragen. 2. Du sahest schon von Ewigkeit, wie viel mir nützen würde, bestimmtest meine Lebenszeit, mein Glück und meine Bürde. Was zagt mein Herz? ist auch ein Schmerz, der zu des Glaubens Ehre nicht zu besiegen wäre?, noust 3. Du, Herr, weißt, was mein Herz begehrt, und hättest, was ich bitte, mir gnädig, eh ich bat, gewährt, wenns deine Weisheit litte. Du sorgst für mich stets väterlich. Nicht, was ich mir ersehe, dein Wille, Herr, geschehe. Von dem Vertrauen auf Gott 2c. 685 4. Ist nicht ein ungestörtes Glück weit schwerer oft zu tragen, als selbſt das widrige Geschick, bei dessen Last wir flagen? Die größte Noth hebt doch der Tod, und Ehre, Glück und Habe verläßt mich doch im Grabe. 5. An dem, was wahrhaft glücklich macht, läßt du es feinem fehlen. Gesundheit, Ehre, Glück und Pracht sind nicht das Glück der Seelen. Wer deinen Rath vor Augen hat, dem wird ein gut Gewissen die Trübsal auch versüßen. 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? Wie bald ist sie verschwunden! Was ist das Leiden dieser Zeit? Wie bald ists überwunden! Hoff auf den Herrn, er hilft uns gern. Seid fröhlich, ihr Ge= rechten; der Herr hilft seinen Knechten. Mel. von Nr. 72. 374. Mein Hort ist Gott, ihn laß ich walten. Ich hoff auf ihn! er kennet mich). Ihm fehlts, die Seinen zu erhalten, an Mitteln nie, und sein bin ich! ich gründe meine Zuversicht auf diesen Fels und wanke nicht. 686 Zweiter Theil. 2. Was quäl ich mich? Bin ich ein Heide, der ohne Gott und Hoffnung ist? Herr, das ist meines Herzens Freude, daß du mein Gott und Helfer bist. Hilf, mein Erbarmer, stärke mich, denn nichts vermag ich ohne dich. 3. Der Herr erzieht hier seine Kinder zur Ewigkeit mit weiser Huld. Er schont, er züchtigt viel gelinder, als wir verdient, und hat Geduld. Er hat nicht Lust an unserm Schmerz; wir flehn, ihm bricht sein Vaterherz. 4. Die Lieb ist Gott! wie kann ich zagen? Gab er für mich nicht Jesum Christ? Was könnte mir ein Gott versagen, der so unendlich gütig ist? Erhabner Trost, der nimmer trügt, und jeden 3weifel überwiegt! 5. Ich harre seiner und bin stille. Wie bald verstreicht die Prüfungszeit! dann nehm ich dort aus seiner Fülle unendliche Zufriedenheit. Er leite mich nach seinem Rath, wie er mir zugesaget hat! Mel. Was Gott thut, das. 267. 1 375. Der Herr ist meine Zuversicht, mein einzger Trost im Leben. Dem fehlt Von dem Vertrauen auf Gott zc. 687 es nie an Trost und Licht, der sich dem Herrn ergeben. Gott ist sein Gott. Auf sein Gebot wird seine Seele stille. Ihm gnügt des Vaters Wille. 2. Wer wollte dir, Herr, nicht vertraun? du bist des Schwachen Stärke. Die Augen, welche auf dich schaun, sehn deine Wunderwerke. Herr, groß von Rath und stark von That! mit gnadenvollen Händen wirst du dein Werk vollenden. 3. Noch nie hat sich, wer dich geliebt, verlassen sehen müssen; du läß'st ihn, wenn ihn Noth umgibt, doch deinen Trost genieBen. Des Frommen Herz wird frei von Schmerz. Der Sünder eitles Dichten, pflegst du, Herr, zu zernichten. 4. Drum hoff, o Seele, hoff auf Gott Der Thoren Trost verschwindet, wenn der Gerechte in der Noth das Herz des Schöpfers findet. Wenn jener fällt, iſt er ein Held, er steht, wenn jene zittern, als Fels in Ungewittern. 5. Wirf nicht die große Hoffnung hin, die dir dein Glaube reichet. Verflucht sind, die zu Menschen fliehn, verflucht, wer von Gott weichet! dein Heiland starb; er, er Zweiter Theil. erwarb, auf seinem Todeshügel, dir deines Glaubens Siegel. 6. Sei unbewegt, wenn um dich her sich Ungewitter sammeln! Gott hilft, wenn Christen freudenleer zu ihm um Gnade stammeln. Die Zeit der Qual, der Thränen Zahl zählt er, er wiegt die Schmerzen, und wälzt sie von dem Herzen. 7. Herr, du bist meine Zuversicht. Auf dich hofft meine Seele. Du weißt, was meinem Glück gebricht, wenn ich mich sorgend quäle. Wer wollte sich nicht ganz auf dich, Allmächtiger, verlassen, und sich im Kummer fassen? 688 8. In deine Hand befehle ich mein Wohlsein und mein Leben. Mein hoffend Auge blickt auf dich; dir will ich mich ergeben. Sei du mein Gott, und einst im Tod mein Fels, auf den ich traue, bis ich dein Antlit schaue. 119. 1 Mel. Aus tiefer Noth schrei. 376. Du hast, mein Vater und mein Gott, mich durch dein Wort belehret, daß deine Hand der Frommen Noth in Frende einst verkehret, und daß ich alles, was mich kränkt, auf dich, der unser Schicksal lenft, mit Zuversicht soll werfen. Von dem Vertrauen auf Gott 2c. 689 2. So will ich denn auch auf dein Wort der Sorgen mich entschütten. Erhöre du, mein Fels, mein Hort, mein kindlich Flehn und Bitten. Gib meiner Seele wahre Ruh. Was mich bekümmert, lenke du zu meinem ewgen Besten. 3. Der Sorgen Macht hat freilich oft mich übermeistern wollen. So hab ich nicht auf dich gehofft, als ich wohl hoffen sollen. Mein Gott, wie groß ist meine Schuld! an dir hab ich durch Ungeduld vielfältig mich verfündigt. 4. Erbarmender! vergib es mir, nach deiner großen Güte! und stärke zum Vertraun zu dir mein schüchternes Gemüthe. Gib, daß ich freudig hoff auch dich, du werdest nie, als Vater, mich verlassen, noch versäumen. 5. Seh ich auch gleich nicht immerfort zur Hülfe Wege offen; so laß mich dennoch, Herr, mein Hort, auf deine Rettung hoffen. Du bleibst doch immer groß an Rath, und immer mächtig auch an That, mein Bestes zu besorgen. 6. Dies sei mein Trost, dies sei mein Licht, wenn mich die Sorgen tränken. 44 690 Zweiter Theil. Erfüllst du meine Wünsche nicht, so laß mich gläubig denken, daß mirs nicht gut gewesen ist. Weil du die höchste Weisheit bist, so fügst du stets das Beste. 7. Was hier mir fehlt, das wirst du mir aufs Reichlichste erseßen, wenn ewge Freuden mich bei dir in deinem Reich ergößen. Da ist mein Erb und höchstes Gut. O stärke mir dadurch den Muth bis an mein selig Ende. Der 62. Psalm. Mel. von Nr. 54. 377. Mein Geist soll nun in Gott allein, als seinem Schuße, ruhig ſein. Ich stehe ja bei ihm in Gnaden. Genug: ist dieser Gott mein Held, so tob und stürme nur die Welt; ihr Anfall soll mir doch nichts schaden. 2. Wie lange beutst du, roher Hauf, Verläumdung, List und Bosheit auf, um einen Mann zu übermögen? ihr Frevler eilt mit aller Macht, wie eine Wand, die hängt und fracht, nur eurem Fall und Tod entgegen. 3. Umsonst sucht dem, den Gottes Hand zu einem hohen Ehrenstand bestimmt, der 691 Von dem Bertrauen auf Gott 2c. Neider nachzustellen. Da spart ihr feine Tücke nicht. Ihrsegnet mich ins Angesicht, und flucht mir gleichwohl in der Seelen. 4. Da ruht mein Herz in Gott allein; der wird schon mein Erlöser sein, und meine Sehnsucht bald vergnügen. Er ist der eine, der mich stützt, und wider alle Feinde schüßt. Wie sollt ich stets darnieder liegen? 5. Mein Schutz und Sieg in aller Noth, mein Truk und Ruhm bis in den Tod, der Herr erquicket mein Gemüthe. Drum schütte vor ihm Jacobs Haus das Herz nur immer gläubig aus, und gründe sich auf seine Güte. 6. Wer auf der Menschen Hülfe baut, und auf der Großen Schuß vertraut, der wird in seinem Wahn betrogen. Ihr ganzes Wesen weit und breit ist eitler noch, als Eitelkeit, und wird von nichts auch überwogen. 7. Verlasset euch auf Frevel nicht, und seid auf keinen Raub erpicht! vergeht euch nicht nach Eitelkeiten! und kommet ihr zu Geld und Gut, so laßt euch nicht zu Uebermuth, noch schnödem Geize je verleiten. 44* 692 Zweiter Theil. 8. Mich lehrte Gott einmal ein Wort, das hör ich, deucht mich immerfort: er sei der Herr im höchsten Throne, der Richter, dessen Macht und Treu der Unschuld Hülf und Rath verleih, und jedem nach Verdienste lohne. Mel. Alle Menschen müssen sterben.- 82. 378. Gott der Wahrheit! dessen Treue unsre Hoffnung stüßt und hält, ich erfenn es voller Reue, daß mich Kleinmuth oft befällt. Ach, mein Herz hängt noch an Dingen, die doch keinen Trost mir bringen. O wie oft vergeh ich mich, ängstlich zweifelnd, wider dich. 2. Gott, vergib mir diese Sünde! nimm die Strafe von mir hin. Schenke, Vater, deinem Kinde einen dir ergebnen Sinn, der von dir nur Hülfe heischet, den nicht falsche Hoffnung täuschet, die das Herz aufs Eitle zieht, und wie leichter Rauch entflieht. 3. Laß mich Gram und Sorgen meiden, weil du für mich sorgst und wachst, und bei allem Druck der Leiden dich um mich zur Mauer machst. Laß mich auf dein Wort stets hoffen, das noch immer eingetroffen. 693 Von dem Vertrauen auf Gott 2c. Gott, wer deinem Wort nicht traut, hat auf leichten Sand gebaut. 4. Laß mich fest im Glauben werden, daß dein Wort wahrhaftig sei: o, so werd ich hier auf Erden von so mancher Unruh frei. Dann werd ich, mein Gott, mit Flehen, stets auf deine Hülfe sehen; dann wächst meine Zuversicht, und die Hoffnung trügt mich nicht. 5. Bater, meine Hoffnung gründet sich auf deines Sohnes Tod. Meine Seele sucht und findet darin großen Trost in Noth. Ja, sein siegreich Auferstehen läßt mich zu dem Leben gehen, das kein traurig Ende nimmt, wo mir ewges Heil bestimmt. 6. Muß ich gleich noch hier auf Erden, Gott, vor dir ein Pilgrim sein: wirst du doch von den Beschwerden dieser Beit mich einst befrein. O, erwünschte selge Stunden! ewig aller Noth entbunden, werd ich dich, mein Heiland, sehn, und zu deiner Freude gehn. 7. Laß mich fröhlich darauf hoffen, Herr, Herr, meine Zuversicht! bis das alles eingetroffen, was auch mir dein Wort verspricht. Auf dich, Quelle alles Lebens, 694 Zweiter Theil. harrt der Glaube nie vergebens. Was wir glauben, schauen wir einst gewiß, o Herr, bei dir. Mel. von Nr. 33. 379. Der ewge Gott und höchste Vater von allem, was da Kinder heißt, die Lebensquell, der Weltberather, den unser Glaub als Schöpfer preist, der diese Welt aus seinen Schäßen blos durch sein Wort hat aufgestellt, und der nach seinen weisen Säßen Zeit, Maas, Gewicht und Ordnung hält: 2. Der hat sein Herz zu mir geneiget in seinem vielgeliebten Sohn, den er von Ewigfeit gezeuget, und der nun herrscht auf Gottes Thron, um dessen Willen will er heißen mein Vater und mein Bundesgott, auch väterlich sich mir erweisen in aller Leibs- und Seelennoth. 3. Sollt ich nun nicht dem Vater trauen? sollt ich nicht wann mich Unglück trifft, voll Zuversicht aufs Ende schauen, da seine Zucht viel Gutes stift't? ich will es thun von ganzer Seelen, mein Herz sei ganz auf ihn gericht't, so kann mein Hoffen mir nicht fehlen, denn ihm fehlt Macht und Wille nicht. Von dem Vertrauen auf Gott 2c. 695 4. O wie so wohl geschieht der Seelen in dieses ewgen Vaters Schooß! ach laß mich dich allein erwählen, reiß mich von allen andern los; laß mich mit starken Liebesseilen zu dir stets angezogen sein: so stellt dein Kind sich ohn Verweilen bei dir, mein Gott und Vater, ein. Mel. Wer nur den lieben G.- 7. 380. Wer nur den lieben Gott läßt walten, und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Noth und Traurigkeit; wer Gott dem Allerhöchſten traut, der hat auf keinen Sand gebaut. 2. Was helfen uns die schweren Sorgen? was hilft uns unser Weh und Ach? was hilft es, daß wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach? wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit. 3. Man halt in frommer Ehrfurcht stille, und warte, bei sich selbst vergnügt, wie Gottes Gnad und heilger Wille und sein Allwissenheit es fügt. Gott, der uns ihn hat auserwählt, der weiß am besten, was uns fehlt. 4. Er kennt die wahren Freudenstunden, weiß, wenn ein Glück uns nüßlich sei; und B 696 Zweiter Theil. und wenn er uns bewährt erfunden, aufrichtig, ohne Heuchelei: so kommt Gott, eh wirs uns versehn, und lässet uns viel Guts geschehn. 5. Denk nicht in deiner Drangsalshige, daß dich dein treuer Gott vergißt, und daß der ihm im Schooße sizze, der reich und groß und mächtig ist; die Zukunft ändert oft sehr viel, und setzet jeglichem sein Ziel. 6. Was sind vor Gott der Menschen Sachen? sein starker Arm vermag sogleich den Reichen klein und arm zu machen, den Armen aber groß und reich; wie leicht ist es bei dem gethan, der bald erhöhn, bald stürzen fann. 7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verrichte deine Pflicht getreu, trau ihm und seinem reichen Segen, so wird er bei dir werden neu; denn wer nur seine Zuversicht auf Gott setzt, den verläßt er nicht. U 381. Wohl dem Menschen, der von Herzen, alles, was ihn überfällt, in des Von dem Vertrauen auf Gott 2c. 697 Höchsten Hände stellt, der nicht mit vergebnen Schmerzen seines Unglücks trübe Nacht trüber macht. 2. Denn es ist doch nur vergebens, daß ein Mensch, der sterblich ist, immer sich mit Sorgen frißt; weil der Stifter unsers Lebens, alles, wie es muß geschehn, vorgesehn. 3. Wenn der Himmel dich will segnen, so empört die Erde sich nur vergeblich wider dich; soll was Widrigs dir begegnen, wirst du ihm durch Widerstehn nicht entgehn. 4. Geht dein zeitlich Heil zurücke, werde nicht so sehr bewegt; der für alles Sorge trägt, dieser sorgt auch für dein Glücke; deine Stunde kommt ja wohl, wenn sie soll. 5. Ist dir mancher überlegen, der es nicht verdienet hat: glaube, Gottes dunkler Pfad ist gar weit von unsern Wegen, und es ist doch alles gut, was er thut. 6. Hast du Angst vor bösen Leuten: ihre Bosheit, die dich fränkt, ist mit Gottes Macht umschränft; will dich Noth und 698 Zweiter Theil. Tod bestreiten; waffnet Erd und Hölle sich wider dich: 7. Wisse, wen die Allmacht schüßet, den erschlägt kein Donnerknall, ob der dicken Wolken Fall gleich mit Flamm und Keilen blißet; ja ob gleich die ganze Welt bricht und fällt. 8. Führ dein Leben nur mit Freuden, warte von des Höchsten Hand, was er dir hat zuerkannt, schicke dich, auch das zu leiden! schweige gern zu allem still, was Gott will. 9. Gott weiß alles wohl zu machen! darum wer sich steif und fest auf des Höchsten Huld verläßt, und sich gern in allen Sachen unter seinen Willen biegt, lebt vergnügt. Der 138. Pfalm. Mel von Nr. 42. 382. Ich danke dir von ganzem Herzen; dir sing ich, Herr, vor aller Welt. Dein Name lindert meine Schmerzen; wenn mich dein Tempel in sich hält, so preis ich deine Güt und Treu, und wie dein Name herrlich sei. 2. Ruf ich dich an, so wollst du hören, und neue Kräfte wir verleihn! dich müſſen Von dem Vertrauen auf Gott 2c. 699 alle Fürsten ehren, und deinem Wort gehorsam sein! und allenthalben mach ihr Mund die Größe deiner Ehre fund. 3. Der Herr ist hoch; allein er siehet aufs Niedrige, und hälts in Hut. Nichts ist, das seinem Blick entfliehet; auch nicht des Stolzen Uebermuth. Wenn mich die Angst mit Haufen drückt, so werd ich doch durch ihn erquickt. 4. Es mag der 3orn der Feinde wüthen; doch reicht der Herr mir seine Hand; sein rechter Arm wird mich behüten, und enden meinen Jammerstand. Herr, deine Huld bleibt für und für! vollende nur dein Werk in mir! Mel. Ach Herr, mich armen S.— 67. 383. Christ, alles was dich kränket, befiehl getroft dem Herrn. Er, der die Himmel lenfet, ist auch von dir nicht fern. Erwach aus deinem Schlummer, zu Gott erhebe dich! er siehet deinen Kummer, und liebt noch väterlich. 2. Sinds Sünden, die dich schmerzen? ja, fühle deine Schuld, doch trau mit ganzem Herzen auf deines Mittlers Huld. Zu wahrer Ruhe führet die Reu, 700 Zweiter Theil. die Gott gefällt. Allein den Tod gebieret die Traurigkeit der Welt. 3. Trau Gott, nicht deinen Schlüssen, die Wahl des Besten zu. Sprich, wer wirds besser wissen, dein Schöpfer, oder du? Er weiß ja, was dir fehlet, in jedem Augenblick. Was er, dein Vater, wählet, das dient zu deinem Glück. 4. Der Gott, auf dessen Segen, dein ganzes Wohl beruht, ist stets in seinen Wegen hochheilig, weisund gut. Und was er seinen Kindern zu ihrem Heil erfah, kann kein Erschaffner hindern. Wenn er gebeut, stehts da. edur 5. Es mag die Hölle wüthen! umsonst empört sie sich, wenn er dich will behüten; und er behütet dich! wer gleicht ihm? seinen Winken gehorchen Erd und Meer. Laß deinen Muth nicht sinken, dein Schirm und Schild ist er. 6. Gott zählet deine Zähren, und wird, was gut ist, gern auch deinem Wunsch gewähren. Sei stille vor dem Herrn! er ist ein Hort der Frommen, hoff unverzagt auf ihn, denn seine Zeit wird kommen, und deine Wohlfahrt blühn. Von dem Vertrauen auf Gott 2c. 701 7. Ergib dich ihm mit Freuden, ſei stark in seiner Kraft. Sei auch zur Zeit der Leiden ein Chrift und tugendhaft. Und dann ergreif im Glauben den Trost der Ewigkeit! wer kann dir diesen rauben, der allen Gram zerstreut? 8. Sei froh; dein Gott regieret! sein Rath ist wunderbar. Einst wirst du überführet, daß er der beste war. Dn denkst wohl unterdessen: der Herr erbarmt sich nicht; der Herr hat mein vergessen! doch höre, was er spricht: 9. Ist auch der Mütter eine, die ihres Sohns vergißt? denk an dies Wort und weine die Freudenthrän, o Christ! und könnt sie ihn vergessen, will ich doch deiner nicht, ich deiner nie vergessen; der Herr ists, der es spricht. 10. Mit ruhigem Gemüthe verlaß auf ihn dich fest, und wiß, daß seine Güte dich ewig nicht verläßt. Er will nach einer Weile dich destomehr erfreun. Bu deinem größern Heile verzieht er; harre sein. 11. Wohl dir alsdann, du Treuer! wie groß ist einst dein Lohn! dein Richter, dein Befreier reicht dir die Siegeskron; 702 Zweiter Theil. auf kurze Prüfungstage folgt ewger Preis und Dank. Dann schweiget jede Klage und wird ein Lobgesang. Mel. von Nr. 72. 384. Herr, mache meine Seele stille; bei allem was mich fränkt und drückt, geschieht doch einzig nur dein Wille, der nichts zu meinem Schaden schickt. Du bists, der alles ändern kann! und was du thust, ist wohlgethan. 2. Auch auf den allerrauhsten Wegen führst du uns zur Glückseligkeit. Selbst Trübsal bringt dem ewgen Segen, der dir sein ganzes Herze weiht. Ihr Ausgang wird doch herrlich sein, siehts gleich der blöde Geist nicht ein. 3. Drum laß mich stille sein und hoffen, wenn du mir Prüfungen bestimmt. Dein Vaterherz steht dem doch offen, der zu dir seine Zuflucht nimmt. Wer still in deiner Fügung ruht, mit dem machst du es immer gut. 4. Uns bleibt oft, was uns nüßt, verborgen. Wer hats je ganz genau erkannt? Wie oft sind unsre Wünsch und Sorgen voll Thorheit und voll Unver Von dem Vertrauen auf Gott 2c. stand! wer kann, was seinem Wohlergehn zum Schaden dient, ganz übersehn? 5. Nur du, du kennst und wählst das Beste. O Bater, mache selbst mein Herz in dieser Ueberzeugung feste, so ehr ich auch im größten Schmerz dich noch mit der Gelassenheit. Was mein Gott will, gescheh allzeit. 6. Die Stunde wird doch endlich kommen, da mich vollkommnes Glück erfreut, denn einmal führst du doch die Frommen zur völligen Zufriedenheit. Und dann wird jedem offenbar, daß, Gott, dein Rath der beste war. 703 7. Dann wird von allen meinen Plagen der ewge Nußen mich erfreun; dann wird mein Herz statt aller Klagen, voll von dem Dank und Lobe sein: der Herr, der für mein Heil gewacht, hat alles wohl mit mir gemacht! Mel. Jeju, meine Freude.- 89. 385. Seele, sei zufrieden! was dir Gott beschieden, das ist alles gut; treib aus deinem Herzen Ungeduld und Schmerzen, fasse frischen Muth. Ist die Noth dein täglich Brot, mußt du weinen mehr als lachen: Gott wirds doch wohl machen. 704 Zweiter Theil. 2. Bringt der Feinde Menge alles ins Gedränge, was die Wahrheit liebt; will man deinen Glauben von dem Herzen rauben, sei drum unbetrübt! stellt man dir viel Elend für, drohen der Verfolger Rachen: Gott wirds doch wohl machen. 3. Scheint der Himmel trübe, fällt der Menschen Liebe immer mehr dahin; droht ein hart Geschicke alle Augenblicke dem erschrocknen Sinn; nur Geduld! des Himmels Huld sieht auf alle deine Sachen: Gott wirds doch wohl machen. 4. Ungeduld und Grämen kann von uns nichts nehmen, macht nur größern Schmerz; wer sich widerseßet wird nur mehr verlezet; drum Geduld, mein Herz! aus dem Sinn mit Sorgen hin! drücket gleich die Last dich Schwachen: Gott wirds doch wohl machen. 5. Wer ein Christ will heißen, muß sich auch befleißen, alles auszustehn. Mag bei Ungewittern Erd und Himmel zittern, ja zu Grunde gehn: der steht feft, den Gott nicht läßt. Drum laß alle Wetter krachen: Gott wirds doch wohl machen. Von dem Vertrauen auf Gott zc. 705 6. Kronen soll der tragen, der des Kreuzes Plagen in Geduld besiegt. Fröhlich ausgehalten, und Gott lassen walten, das macht recht vergnügt. Drum nimm dir, o Seele! für, alles Unglück zu verlachen: Gott wirds doch wohl machen. Der 31. Psalm. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 82. 386. Herr! dir trau ich; auf der Erde weiß ich keinen Freund, als dich. Damit ich nie schamroth werde, rette, du Gerechter, mich! neige mir dein Ohr und eile schnell daher zu meinem Heile, sei mir, wenn das Unglück dräut, Fels und Burg und Sicherheit. 2. Ja, du bist mein Fels, Erretter! meine feste fichre Stadt, welche mich in jedem Wetter liebreich aufgenommen hat. Eile, deines Namens wegen, mich zu führen, mir entgegen; reiß der Feinde Netz entzwei! steh mir, meine Stärke, bei! 3. Meine Stärke, dir befehle, dir in deine Vaterhand übergeb ich meine Seele, zu bewahren, wie ein Pfand. Du beschirmst mich, Gott der Treue, und ich 45 706 Zweiter Theil. hasse, Herr, und scheue jeden, der die Lügen liebt, Eitelkeit und Frevel übt. 4. Dir vertrauet mein Gemüthe, fröh lich sing ich und entzückt jauchz ich über deine Güte, daß auf mich dein Auge blickt; daß, wenn alle mich verlassen, wenn mich tausend Feinde hassen, du auf meine Schmerzen siehst, du mich nicht verkennst, noch fliehst; 5. Daß du, standhaft deinem Freunde, wenn du, Prüfer, mich betrübst, nicht gefesselt in der Feinde bosheitsvolle Hand mich gibst; daß für meine müden Füße, damit ich nicht straucheln müsse, deine wundervolle Kraft einen weiten Raum € verschafft. 11 11 a 70 & m ro di R DIREK 6. Preis sei deiner Huld und Liebe, die in einer festen Stadt, damit ich beschirmet bliebe, treu sich mir erwiesen hat! angstvoll nannt ich mich verstoßen, und dein Auge mir verschlossen; doch, als meine Stimme schrie, und dir rief, vernahmst du sie. 7. Liebt den Herrn, ihr seine Kinder! die ihm traun, bewahret Gott, schrecklich rächt er stolzer Sünder frechen Uebermuth und Spott. Keinem, der ihn liebt, wirds Von dem Vertrauen auf Gott zc. 707 fehlen, darum stärket eure Seelen, und die ihr zur Zuverſicht ihn erwählt habt, zittert nicht! Aus dem 27. Psalm. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich.- 119. 387. Der Herr ist meines Lebens Kraft. Soll mir vor Unglück grauen? Er ists, der Rath und Hülfe schafft, ihm soll mein Herz vertrauen. Er schüßt mich! meiner Feinde Heer, ihr stolzer Troßz, nichts schreckt mich mehr, hab ich ihn nur zum Freunde. 2. Empöre dich, ohnmächtge Welt, mein Geist wird nicht erschrecken. Gott wird in seinem heilgen Zelt zur bösen Zeit mich decken. Sein Rath für mich ist Wohlergehn. Er wird mit Segen mich erhöhn zum Heile der Erlösten. 3. Ja, Vater! neige mir dein Ohr, wenn Höll und Welt mir fluchen. Mein Herz hält dein Gebot mir vor: ihr sollt mein Antlik suchen. Ich eile, Herr, getrost zu dir. Verbirg dein Antliß nicht vor mir, und laß dich gnädig finden. 4. Verlaß mich nicht, o Gott, mein Heil, wenn Menschen mich verlassen. Nimm du mich auf und sei mein Theil, und beßre, 45* 704 ra di M ein O 111 m ರ ED A 708 Zweiter Theil. die mich hassen. Herr, nimm du mich zu Gnaden an, und lehre mich, auf richtger Bahn in deiner Furcht zu wandeln. 5. Den Feinden übergib mich nicht, die mich voll Frevel schmähen; so werd ich einst dein Angesicht im Land des Lebens sehen. Sei froh! harr unverzagt des Herrn, mein Herz! denn er, der Herr, hilft gern. Er ist der Arm des Schwachen. Mel. O Gott, du fremmer Gott.= 8. 388. Es hilft uns unser Gott, er höret unser Flehen: wir dürfen stets getrost zu seinem Throne gehen. Wenn wir in Demuth ihm nur klagen unsre Noth; so werden wir erhört, so hilft uns unser Gott. 2. Es hilft uns unser Gott, der alles weiß und siehet; dem auch das Innerste des Herzens nicht entfliehet. Ja, alles, was uns fehlt, und unser sehnlichs Flehn, das hat der Höchste schon von Ewigkeit gesehn. 3. Es hilft uns unser Gott, der alles wohl vollführet, und auf das Weiseste zu aller Zeit regieret; sein herrlicher Verstand sieht es am beſten ein, was uns wahrhaftig kann gut oder schädlich sein. Von dem Vertrauen auf Gott 2c. 709 4. Es hilft uns unser Gott, der alle Macht besizet, dem nichts unmöglich ist. Wohl uns, daß er uns schüßet! ist unser Leiden gleich sehr groß und mancherlei: getrost und unverzagt! die Allmacht steht uns bei. 5. Es hilft uns unser Gott, den unser Jammer kränket! der sein erbarmend Herz auf unsre Bitte lenfet; der aller Güte voll, die Liebe selber ist, und von dem alles Heil auf uns durch Christum fließt. Mel. Zeuch ein zu deinen. 301. 389. Was hilfts, daß ich mich quäle? Was fränket mich ein Leid? Entreiß dich, meine Seele, doch aller Traurigkeit! Gott machet alles wohl; er wirds auch ferner fügen, wie dir es zum Vergnügen und Besten dienen soll. -- 2. Du wirst doch nichts gewinnen, wirst du gleich Nacht und Tag mit Furcht und Sorgen sinnen, wie dirs noch gehen mag. Bei Gott bestehts allein; laß seine Hand dich führen; die wird dich so regieren, wie dirs wird nüßlich sein. 3. Was dich will niederschlagen, was dich zur Erde biegt, was dir mit Angst und 710 Zweiter Theil. Klagen in den Gedanken liegt, das wirf in seinen Schooß; vertrau auf seine Güte, und mach dich, mein Gemüthe, von allem Kummer los. 4. Er wird mich wohl versorgen, und besser, als man denkt. Wer weiß, wie nah der Morgen, der mir den Segen schenkt, auf den die Hoffnung blickt? ein Herz, das ihm vertrauet, und gläubig auf ihn bauet, wird doch zuletzt erquickt. 5. Ach, wenn wir nur bedächten, wie treulich er es meint! er sorgt für die Gerechten, und bleibet stets ihr Freund. Siehts gleich gefährlich aus, kann er fie doch nicht hassen, noch in der Unruh laſſen; er reißt sie endlich d'raus. 6. So fall ich denn mit Freuden in Gottes Arme hin. Nichts kann mich von ihm scheiden, weil ich sein eigen bin. Er bleibt auf ewig mein, und wird mir alles geben, was meinem Stand und Leben wird gut und selig sein. Mel. von Nr. 16. 390. Herr, mein Gott, durch den ich bin und lebe, gib, daß ich mich in deinen Rath ergebe; laß ewig deinen heilgen Von dem Vertranen auf Gott 2c. 711 Willen mein, und was du thust, mir eine Freude sein! 2. Du, du regierst, bis Weisheit, Lieb und Stärke! Du, Herr, erbarmst dich aller deiner Werke! was zag ich denn noch einen Augenblick? Du bist mein Gott! dein Wille ist mein Glück. 3. Von Ewigkeit hast du mein Loos entschieden. Was du bestimmst, das dient zu meinem Frieden. Du wogst mein Wohl, du wogst mir auch mein Leid, und was du schickst, ist meine Seligkeit. 4. Gefällt es dir, so müsse keine Plage sich zu mir nahn; gib mir zufriedne Tage. Allein verwehret es mein ewig Heil: so bleibe du nur selbst mein Trost, mein Theil. 5. Du gibst aus Huld uns dieser Erde Freuden; aus gleicher Huld verhängst du unsre Leiden. Ist nur mein Weh nicht meine eigne Schuld, so zag ich nicht. Du gibst dabei Geduld. 6. Soll ich ein Glück, das du mir gabst, verlieren, und willst du, Gott, mich rauhe Wege führen: so wirst du, denn du hörst mein findlich Flehn, mir dennoch bald und mächtig Hülf ersehn. 712 Zweiter Theil. 7. Vielleicht muß ich nach wenig Tagen sterben. Herr, wie du willst! soll ich den Himmel erben, und dieser ist im wahren Glauben mein, wie kann der Tod mir alsdann schrecklich sein? Mel. von Nr. 54. 391. Was grämst du dich, mein blödes Herz? Verbanne Sorgen, Furcht und Schmerz! befiehl dich Gott! der wirds wohl fügen. Er wird dir zeigen in der That, wie er dich führt nach seinem Rath, durch dunkle Wege zum Vergnügen. 2. Gedenke, daß er alles weiß! was nur geschieht, ist sein Geheiß; wer kann doch seinen Willen hindern? Kein Engel, Fürstenthum noch Tod, kein Hohes, Tiefes, feine Noth kann in dem Rath nur etwas mindern. 3. Die Gnade Gottes wird bestehn! sein Bund wird nimmermehr vergehn; auf Jesu Tod ist er errichtet. Wenn schon ein Menschenfind betrügt; so denke doch, daß Gott nicht lügt, der sich durch einen Eid verpflichtet. 4. Wohl dem, der in den Gnadenbund, als Bundsgenoß, mit Herz und Mund den Von dem Vertrauen auf Gott zc. 713 großen Herrn aufrichtig ehret; und wohlthut nur aus Dankbarkeit, als Glied an Jesu sich erfreut, wenn auch der Nächste sich befehret! 5. Wohl dir, o Christ, du hast es gut! wer, Gott ergeben, willig thut, was Glaub und Liebesregel wollen, dem schadet weder Feind noch Leid; weil ihn zum Heil der Ewigkeit auch Leid und Feinde dienen sollen. 6. Nun denn! ist dir der Weg bewußt, so hab am Herren deine Lust; du magſt dich ihm wohl frei ergeben. Sei gutes Muths! er lebt in dir. Ein solch Gewissen ist schon hier, im Vorschmack, jenes Freudenleben. Der 91. Psalm. Mel. von Nr. 222. 392. Wer unter Gottes Schatten ruht, den mag kein Feind bezwingen. Er kann, bei seiner Allmacht Hut, mit frohem Muthe singen: o Herr, durch den ich immerfort vollkommen überwinde, du bist mein Heiland und mein Hort, auf welchen ich mich gründe. 2. Du machest meinen Gang gewiß vor des Verfolgers Stricke, und treibst die Macht der Finsterniß beschämt von mir 714 Zweiter Theil. zurücke. Ich biete Trotz mit deinem Wort den stärksten Feindesscharen; denn mich bedeckt an jedem Ort dein Flügel vor Gefahren. 3. Durch dich kann ich mit Zuversicht das Graun der Nacht besiegen. Mir drohn die Pfeil und schaden nicht, die an dem Tage fliegen. Die Seuche, die am Mittag würgt, kann ich unschädlich nennen: die sich zur Mitternacht verbirgt, wird mich nicht tödten können. 4. Wenn mir zur Linken tausend, auch noch mehr zur Rechten sterben, so wird ihr gifterfüllter Hauch mich dennoch nicht verderben. Ich seh nur, wie die Sünder mir zur Lehre dienen müssen, wenn sie für ihre Bosheit hier scchon so erschrecklich büßen. 5. Ich fliehe dir alleine zu; wenn alle Teufel toben, so bin ich in getroster Ruh, o Höchster, aufgehoben. So darf fein Uebel und kein Neid mich jemals überziehen, und alle Plagen müssen weit vont meiner Hütte fliehen. 6. Du ordnest deiner Engel Wacht zu meinen beiden Seiten, daß sie mich sorgsam Tag und Nacht behüten und begleiten. Von dem Vertrauen auf Gott 2c. 715 Sie tragen mich, sie stehn mir bei, und bieten mir die Hände, daß ja mir nichts im Wege sei, wohin ich mich nur wende. 7. Auch Löwen tret ich unter mich auf meinen sichern Pfaden; zertretne Nattern krümmen sich und können mir nicht schaden. Der junge Löwe brüllt nach Raub; sollt er mich furchtsam machen? O nein, ich tret ihn in den Staub, tret auf den Kopf des Drachen. 8. Du läsfest mich, sobald ich fleh, dein kräftges Ja verspüren. Du bist mit mir in Noth und Weh und hilfst mir triumphiren, und wirst mir, bin ich einstens satt des Lebens und der Ehren, wie mir dein Wort verheißen hat, die Seligkeit bescheeren. Aus dem 146. Psalm. Mel. Gott des Himmels und der 2c. 32. 393. Auf, mein Geist, dem Herrn zu singen, der uns alles Gutes gibt! ihm will ich ein Danklied bringen; er hilft jedem, der ihn liebt, und wer sich auf ihn verläßt, dessen Hoffnung stehet fest. 2. Menschen! ruft die Menschenkinder nicht um Hülf und Beistand an! troßzt nicht - 1 716 Zweiter Theil. auf die Macht der Sünder, die sich selbst nicht helfen kann. Fürsten sind nur Asch und Staub, und, wie wir, des Todes Raub. 3. O so lehnt euch nicht auf Stüßen, die der Tod so bald zerbricht. Gott allein kann euch beschützen, er hält stets, was er verspricht. Wohl dem, der auf ihn nur schaut, und sich ihm ganz anvertraut. 4. Unsers Gottes Macht und Güte währet bis in Ewigkeit, und sein väterlich Gemüthe ist zur Hülfe stets bereit. Suchet nur sein Angesicht; es verläßt die Seinen nicht. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 48. 394. Was soll ich ängstlich klagen und in der Noth verzagen? der Höchste sorgt für mich. Er sorgt, daß meiner Seele tein wahres Wohlsein fehle. Genug zum Trost, mein Herz, für dich! 2. Was nüßt es, heidnisch sorgen, und jeden neuen Morgen mit neuem Kummer sehn? du, Vater meiner Tage, weißt, eh ich dirs noch sage, mein Leid und auch mein Wohlergehn. 3. Auf deine Hand zu schauen, dir kindlich zu vertrauen, das, Herr, ist meine -- Von dem Vertrauen auf Gott 2c. 717 Pflicht. Ich will sie treulich üben, und dich, mein Vater, lieben; denn du verläßt die Deinen nicht. 4. Der du die Blumen kleidest und alle Thiere weidest, du Schöpfer der Natur! weißt alles, was mir fehlet. Drum Seele, was dich quälet, befiehl dem Herrn und glaube nur! 5. Herr, alle meine Sorgen, die Noth, die mich verborgen in meinem Geiste nagt, werf ich auf dich, den Treuen, du weißt den zu erfreuen, der fromm nach deiner Hülfe fragt. 6. Wenn meine Augen thränen und sich nach Hülfe sehnen, so klag ich dirs, dem Herrn. Dir, Vater, dir befehle ich jeden Wunsch der Seele. Du hörst, du hilfst, du segnest gern. 7. Der du mir hier im Leben schon größres Heil gegeben, und deinen Sohn geschenkt: du wirst mir alles schenken and mir zum Besten lenken, was mich zu Sorgen reizt und fränkt. 8. Du führest, Herr, die deinen nie so, wie sie es meinen, nein, nur nach deinem Rath. Ob ich mich auch betrübe, bleibt 718 Zweiter Theil. doch dein Rath voll Liebe. Das zeigt de Ausgang mit der That. 9. Wenn ich hier Tiefen sehe, und es nicht ganz verstehe, was du mit mir ge than: kann ich doch dess' mich trösten, du nimmst mich, mich Erlösten, gewiß dereinst zu Ehren an. 10. Dort, bei der Frommen Scharen, dort werd ich es erfahren, wie gut du mich geführt. Da sing ich dir mit Freuden, nach überstandnen Leiden, den Dank, der deiner Huld gebührt. Mel. Von Gott will ich nicht laſſen. 56. 395. Von Gott will ich nicht lassen, mein Gott kam mir zuvor, da auf unsichern Straßen ich irrend mich verlor. Wie hülfreich fand ich ihn! am Abend wie am Morgen mich huldreich zu versorgen, ist nun sein ganz Bemühn. 2. Der Menschen Gunst verkehret sich wohl in Haß und Neid; des Höchsten Freundschaft währet in alle Ewigkeit. Gr hilft aus aller Noth; in Ketten und in Banden wird nicht sein Freund zu Schanden; er hilft selbst aus dem Tod. - Von dem Vertrauen auf Gott 2c. 719 3. Auf ihn will ich vertrauen auch in dem schwersten Leid! stets will ich auf 3 ihn schauen; er hilft zur rechten Zeit. Dem Herrscher aller Welt will ich in meinem Leben mich ganz zum Schuß ergeben; er thu, was ihm gefällt. 4. Und ihm kann nichts gefallen, als was mir nüßlich ist. Gut meint ers mit uns allen. Und du, Herr Jesu Christ! wie laut spricht nicht dein Blut, daß er mein Heil bedenket! der uns den Sohn geschenket, versaget uns kein Gut. I 5. Lobt den mit Herz und Munde, der alles mit ihm schenkt. O selig ist die Stunde, darin man sein gedenkt! ihr habt, dazu gewöhnt, den Himmel schon auf Erden! wie froh müßt ihr einft werden, wenn dort sein Lob ertönt. 6. Die Welt wird zwar vergehen mit ihrer Herrlichkeit; doch uns wird Gott erhöhen, uns, die sein Lob erfreut. Wird gleich den Leib der Tod im Grabe tief verscharren: er steht nach kurzem Harren bald auf, und jauchzet Gott. 7. So schweig ich denn und dulde das mir bestimmte Leid, das ich so oft ver= I Î 720 Zweiter Theil. schulde. O jene Seligkeit macht mich schon freudenvoll! o Heil, das sonder Ende, weil ich zu Gott mich wende, mir wiederfahren soll! Mel. Wer nur den lieben Gott. 7. 396. Gott sorgt für mich, was will ich sorgen? Er ist mein Vater, ich sein Kind. Er sorgt für heut, er sorgt für morgen, so, daß ich täglich Spuren find, wie Gott die Seinen väterlich versorgt und schüßt. Gott sorgt für mich. 2. Gott sorgt für mich, ihm will ich trauen. Ich weiß gewiß, was mir gebricht, werd ich in meinen Händen schauen, sobald er nur sein Machtwort spricht. Drum bin ich jetzt und ewiglich gar wohl versorgt. Gott sorgt für mich. 3. Gott sorgt für mich, nach Seel und Leibe. Sein Wort ists, das die Seele nährt, und wenn ich mein Berufswerk treibe, wird für den Leib mir Brot gewährt. Wohl dem, der ihm nur festiglich vertraut, und glaubt: Gott sorgt für mich. 4. Gott forgt für mich bei theuern Zeiten; auch in der größten Hungersnoth kann er mir einen Tisch bereiten, nie fehlet mir - Von dem Vertrauen auf Gott 2c. 721 mein täglich Brot. Ifts gleich nicht viel, doch danke ich: er segnet es, und sorgt für mich. 5. Gott sorgt für mich und für die Meinen, wie sehr wir auch verlassen sind. Er läßt uns seinen Trost erscheinen, wenn mancher Anschlag uns zerrinnt. Geht es den Meinen kümmerlich und mir auch selbst: Gott sorgt für mich. 6. Gott forgt für mich in meinem Leiden, das Kreuz, das er mir auferlegt, verwechselt sich gar bald in Freuden. Und wenn Gott gleich die Seinen schlägt, so schlägt er doch nur väterlich, zu unserm Wohl, und sorgt für mich. 7. Gott sorgt für mich in meinem Alter; da hebt und trägt mich, der mich liebt. Denn immer bleibt er mein Erhalter, der mir in Schwachheit Stärke gibt. Wie er noch niemals von mir wich, weiß ich auch dann; Gott sorgt für mich. 8. Gott sorgt für mich auch in dem Sterben; der Tod ist mir ein süßer Schlaf. In Christo setzt er mich zum Erben, da mich sonst Fluch und Rache traf. Drum nimmt er meinen Geist zu sich in seine Ruh: Gott sorgt für mich. 46 I 1 722 Zweiter Theil. 9. Gott forget für mich selbst im Grabe, dem Leibe gönnt er da die Ruh, und wenn ich ausgeschlafen habe, so führt er mich dem Himmel zu, und Leib und Seel vereingen sich, und singen froh: Gott sorgt für mich. Aus dem 77. Psalm. Mel. von Nr. 201. 397. Meine Stimme ruft zur Höhe, wo mein Retter wohnt; ich flehe in der Angstzeit, Gott, zu dir! und du neigst dein Ohr zu mir. Sehnlich streckt sich meine Rechte unermüdet durch die Nächte, Herr, zu dir im Flehn empor, hält mein Leid dir ringend vor! 2. Mein Geist, fühllos Trost zu fassen, wollte sich nicht trösten lassen. Ein Ge danke, Gott, an dich, sonst mein Leben, schreckte mich! meiner Seele Selbstgespräche stürzen sie in größre Schwäche. Und die Augen hieltest du, daß sie wachten ohne Ruh! 3. Ich war ohne Maaß zerschlagen! mir gebrach auch Kraft, zu klagen. Endlich lenkt ich meinen Sinn auf entflohne Zeiten hin; mein Geist senkte seine Blicke in Von dem Vertrauen auf Gott 2c. 723 Jahrhunderte zurücke. Meinen Liedern sann ich nach nächtlich, forschte, dacht und sprach: 4. Kann Gott ewig mich verstoßen? bleibt mir seine Gunst verschlossen? hört denn der wohlthätge Lauf seiner Güte gänzlich auf? ist, was er versprach, vollendet? hat sein Herz sich so gewendet, daß sein Mitleid Gott vergißt, daß sein Born es ganz verschließt? 5. Doch ich sprach: ich muß das leiden, Gottes Rechte wirds entscheiden! schau, mein Herz, die Wunder an, die vor Alters Gott gethan! ja, ich denk an deine Werke, die Beweise deiner Stärke, ich betrachte deine Macht, alles, was sie schon vollbracht. 6. Heilig sind, Gott, deine Wege; wer ist, der sie tadeln möge? wer ist groß, wie unser Gott, wie Jehovah Zebaoth? Er nur zeigt durch Wunderwerke allen Völfern seine Stärke. Mächtig machte seine Treu Jacobs, Josephs Kinder frei. 7. Als du wider ihre Hasser anzogst, jahn dich, Gott, die Wasser; ängstlich sahn die Wasser dich, und die Tief entsetzte sich. 46* 7 C 11 9 SOFTC 9 f 724 Zweiter Theil. Dicke, volle Wolken gossen Fluthen, und die Donner schossen deine Flammenpfeil umher, und dein Himmel zürnte sehr! 8. Um und um aus deinem Siße brüllten Donner, strahlten Blitze furchtbar und verschlangen ganz die bestürzte Welt im Glanz. In der Wetter Ungestüme wurde deiner Donner Stimme tief der Erde Innerm fund, und es bebte selbst ihr Grund. 9. Dein Weg war in Oceanen, in den Meeren schufst du Bahnen; doch dein Tritt ward nicht erkannt, und du führtest durch die Hand Mosis, Arons, deiner Knechte, dein Volk, Israels Geschlechte, einer Heerde Schafe gleich, hin in dein verheißnes Reich. 29) Vom Gebet. Mel. von Nr. 72. 398. Dein Heil, mein Geist, nicht zu verscherzen, sei wach und nüchtern zum Gebet. Ein findlich Flehn aus reinem Herzen hat Gott, dein Vater, nie verschmäht. Erschein in Demuth, oft und gern, mit Dank und Flehen vor dem Herrn. Vom Gebet. 725 2. Welch Glück, so hoch geehrt zu werden, und im Gebet vor Gott zu stehn! du Herr des Himmels und der Erden, brauchst freilich keines Menschen Flehn. Du weißt die Sorge, die uns plagt, auch eh noch unser Herz dirs flagt. 3. Doch sprichst du: bittet, daß ihr nehmet! der Bitten Frucht ist einzig mein. Wer sich der Pflicht zu beten schämet, der schämt sich, Gott, dein Freund zu sein, und stößt das angebotne Glück muthwillig selbst von sich zurück. 4. Sein Heil von dir, o Gott, begehren, ist wahrlich keine schwere Pflicht. Des Herzens Wünsche dir erklären, wie stärkt das unsre Seele nicht zu dem Vertraun, daß du uns liebst und uns gern, was uns nüßet, gibst! 5. Was kann zum Fleiß in guten Werten uns fräftiger den Muth erhöhn, was mehr in Leidensstunden stärken, als wenn wir flehend auf dich sehn? o Vater, unsre Seelenruh nimmt durch Gebet beständig zu. 6. Sein Wort ist immer Ja und Amen. Wer gläubig bittet, der empfäht. Drum laß auch mich in Jesu Namen oft vor dich 7( CHAUS 9 ១ 11 1 726 Zweiter Theil. fommen mit Gebet. Nie sei mir diese Pflicht zur Last, die du zum Heil geboten hast. Mel. Wer nur den lieben G.- 7. 399. Komm betend oft und mit Vergnü gen, mein Geist, vor Gottes Angesicht! nie müsse Trägheit dich besiegen im Abtrag dieser selgen Pflicht. O übe sie zu Gottes Preis, und deinem Heil mit treuem Fleiß. 2. Bet oft, doch mit aufrichtger Seelen. Gott sieht aufs Herz; Gott ist ein Geist. Wie können dir die Worte fehlen, wofern das Herz dich beten heißt? Der Glaub an Gott und seinen Sohn rührt ihn, nicht leerer Worte Ton. 3. Wer das, was uns zum Frieden dienet, von Herzen sucht, der ehret Gott. Wer das zu bitten sich erkühnet, was er nicht wünscht, entehret Gott. Wer schnell die Treu, die er Gott schwur, vergißt, der spottet seiner nur. 4. Bet oft zu Gott und schmeckt in Freu den, wie freundlich er, dein Vater, ift. Bet oft zu Gott, und, fühl im Leiden, wie göttlich er, dein Leid versüßt. Gott hörts, Gott ists, der Hülfe schafft. Er gibt den Müden Trost und Kraft. Vom Gebet. 5. Bet oft und heiter im Gemüthe, schau dich an seinen Wundern satt. Schau auf den Ernst, schau auf die Güte, womit er dich geleitet hat. Er trägt dich liebreich mit Geduld; erkenn und preise seine Huld. 6. Bet oft, durchschau mit frohem Muthe die herzliche Barmherzigkeit des, der mit seinem theuern Blute die Sünderwelt vom Fluch befreit; und eigne dir zu deiner Ruh und Heiligung sein Opfer zu. 7. Bet oft, Gott wohnt an jeder Stätte, in feiner minder oder mehr. Denk nicht, wenn ich mit Vielen bete, so find ich ehr bei Gott Gehör. Ist nur dein Wunsch gerecht und gut, so sei gewiß, daß Gott ihn thut. 8. Doch säume nicht, in den Gemeinen auch öffentlich Gott anzuflehn, und ſeinen Namen mit den Seinen, mit deinen Brüdern, zu erhöhn. Wie eifrig war mein Heiland nicht in Uebung dieser selgen Pflicht. 9. Bet oft zu Gott für deine Brüder, für alle Menschen, als ihr Freund; denn wir sind eines Leibes Glieder; ein Glied davon ist auch dein Feind. Solch Bitten, das aus Liebe fließt, ehrt Gott, der selbſt die Liebe ist. 727 7 I BS 1 728 Zweiter Theil. 10. Bet oft, so wirst du Glauben halten, dich prüfen und das Böse scheun, an Lieb und Eifer nicht erkalten, und reich an guten Werken sein. Denn Muth und Kraft und Seelenruh sagst du, Gott, dem, der bittet, zu. 11. Dies reize mich, vor dich zu treten mit Lob und Dank, mit Wunsch und Flehn. Doch meine Fehler bei dem Beten wollst du, mein Vater, übersehn; weil mich, der dir zur Rechten sitzt, durch seine Fürſprach unterſtützt. Mel. von Nr. 234. 400. Von dir kommt jede gute Gabe! nur du, mein Gott, fannst mich allein mit allem, was ich nöthig habe, zu meinem wahren Wohl, erfreun. Mein Leben und mein Glück beruht allein auf dich, du höchstes Gut. 2. Umsonst ist alle meine Mühe, wenn sie dein Segen, Herr, nicht krönt. Was ich auch noch so ängstlich fliehe, wird doch von mir nicht abgelehnt, wenn vor dem Uebel, das mich schreckt, dein mächtger Schuß mich nicht bedeckt. 3. Wie sollt ich denn nicht von dir bitten, was meiner Seele Wunsch begehrt? Vom Gebet. vor dir, o Gott, sein Herz ausschütten, wenn Noth und Kummer uns beschwert, besänftigt unsrer Seele Schmerz, und öffnet deinem Trost mein Herz. 4. Sollt ich nicht Dank und Ruhm dir bringen, wenn mich ein wahres Glück erfreut? dir, Allerhöchster, dir lobsingen, ist gut, ist für uns Seligkeit, und flößt uns neuen Eifer ein, in deinem Dienſte treu zu sein. 729 5. Du hörst es, Gott, mit Wohlgefallen wenn deine Kinder zu dir flehn, verschmähest nicht ihr schwaches Lallen, wenn sie lobsingend dich erhöhn. Du ehrst den wieder, der dich ehrt, und hörest den, der dich, Gott, hört. 6. Mit Segen uns zu überschütten, biſt du, o Bater, stets bereit. Was wir nach deinem Willen bitten, gibst du uns aus Barmherzigkeit. Und wer dir dankt, dem strömest du beständig neuen Segen zu. 7. So will ich denn zu deinem Throne oft im Gebet mich findlich nahn. Nimm, Bater, nimm in deinem Sohne der Andacht Opfer gnädig an. Dein Geist regiere meinen Geist, daß er dich, betend, würdig preist. Zweiter Theil. Mel. von Nr. 320. 401. Jesu, meiner Seelen Retter! je bei dein und meinem Gott mein versöhner der Vertreter! wie kann ich sonst mein Roth vor sein heilig Angesicht mit Gebet und Flehen bringen? wenn mich nicht dein Blut beschüßt, wird mir kein Gebet gelingen. 2. Gottes Gnade, Gottes Gaben sind wohl unsers Dankes werth. Was wir schon empfangen haben, was noch unser Herz be gehrt, alles heißet uns zu Gott mit gebeug tem Herzen treten; beider, Seel und Leibes noth, lehrt uns seufzen, flehn und beten. 3. Doch nicht gnug ists, daß wir beten Gott schenkt denen seine Gunst, die na rechter Weise beten. Jesu! lehr uns dieje Kunst, daß wir vor dem Gnadenthron dem wahren Gott nur flehen, und auf dich, oGottessohn, wenn wir beten, gläubigsehen. 4. Herr, wenn wir jetzt beten wollen wissen wir gar oftmals nicht, was und wi wir beten sollen. Doch, du weißt, was uns gebricht! wenn der Mund nicht sprecher tann, wenn wir nicht mehr können beten, so laß deinen Geist alsdann uns mit Seuf zern noch vertreten. 730 Vom Gebet. 5. Wirk selbst in uns das Vertrauen, daß des Vaters Ohr uns hört, und, ohn auf Verdienst zu schauen, unser Bitten uns gewährt. Du hast unsre Schuld verfühnt, und Gott will, um deinetwillen, so, wie du es uns verdient, frommer Beter Wunsch erfüllen. 731 6. Herr, wenn mich nach Leib und Seele mancherlei Bedürfniß drückt, und ichs betend dir befehle, so laß mich, der Noth entrückt, Hülfe, Rettung, Trost und Rath bald erfahren und nie wanken, und wenn Gott erhöret hat, ihm mit frohem Herzen danken. Mel. Nun danfet alle Gott.- 9. 402. Wohl auf, mein Herz! wohl auf, ein Opfer Gott zu bringen! Laß Seufzer und Gebet zu ihm gen Himmel dringen, weil Gott dich beten heißt, und du durch seinen Sohn ganz freudig treten kannst vor seinen Gnadenthron. 2. Dein Vater ists, der dir befohlen hat, zu beten; dein Heiland ists, der dir versprach, dich zu vertreten; der werthe Tröster flößt den Trieb zum Beten ein! drum muß dein Seufzen auch gewiß erhöret sein. 732 Zweiter Theil. 3. Da siehst du Gottes Herz; das kann dir nichts versagen. Sein Wort, sein treues Wort vertreibt ja alles Zagen. Was dir unmöglich dünft, kann seine Vaterhand noch geben, die von dir schon so viel Noth gewandt. 4. Komm nur, komm freudig her in Jesu Christi Namen! sprich: lieber Vater, hilf! ich bin dein Kind; sprich Amen! ich weiß, es wird geschehn; dein Herz verläßt mich nicht, du weißt, du willst, du kannſt! thu, was dein Wort verspricht. Mel. von Nr. 17. 403. Vater, allerhöchster Gott! daß mir, wie einem Kinde, verstattet wird, in aller Noth, wie groß auch meine Sünde, mein Herz vor deinem Gnadenthron in Einfalt auszuschütten, das machet dein geliebter Sohn, der heißt mich freudig bitten, und findlich zu dir nahen. 2. O Liebe, weil an meiner Statt dein Sohn für meine Sünden gebüßet und be zahlet hat, so kann ich Gnade finden. Dein Sohn bezeugt, es stehe mir dein Herz und Himmel offen; ich könne rufend, Herr, zu Vom Gebet. 733 dir getrost Erhörung hoffen, du seist mein treuer Vater! 3. O angenehmer Vaternam! jetzt komm ich armer Sünder, der sonst voll Zweifel zu dir kam, getrost, wie liebe Kinder. Ich weiß, mein Flehen rühret dich, weil du mich zärtlich liebest. Du wirst, weil du den Sohn für mich, und mir zum Heiland gibest, mit ihm mir alles schenken. 4. O fester Grund der Freudigkeit! in meinen Missethaten kommt mir der Unschuld reines Kleid, das Jesus schenkt, zu statten. Er spricht: ich bete selbst mit dir; mein Geist soll dich vertreten; mein redend Blut soll für und für dem Klopfen, Suchen, Beten, Gewicht und Nachdruck geben. 5. So fasse dich, mein blöder Geist! ich hab in Jesu Wunden zu Gott, der nun mein Vater heißt, den offnen Weg gefunden. Es dringet, durch den Geist, mein Ach! hin durch des Himmels Pforte; ihm lall ich: Abba, Vater! nach, er lehret mich die Worte, er heiligt die Gedanken. 6. O reicher Trost! Gott kann und will mein Antlitz nicht beschämen. Ich darf aus Jesu Gnadenfüll im Glauben alles 734 Zweiter Theil. nehmen. Mein frohes Beten stüßzet dich auf drei sehr feste Gründe: der Vater droben liebet mich; sein Sohn tilgt meine Sünde; sein Geist wohnt mir im Herzen. Mel. Aus tiefer Noth schrei.- 119. 404. Gott, es fehlt uns Kraft und Licht, dich würdig zu verehren. Wir wissen so zu beten nicht, daß du uns kannst erhören. Drum geuß, wie uns dein Wort verheißt, selbst über uns aus deinen Geist der Gnad und des Gebetes. 2. Der nehm sich unsrer Schwachheit an, uns kräftig zu vertreten, so oft wir deinem Thron uns nahn, zu danken und zu beten; und unser Flehn zu dir, o Herr, sei nie ein frostiges Geplärr; es sei ein Flehn des Herzens. 3. Beuch unser Herz zu dir hinauf im Beten und im Singen; und thu uns auch die Lippen auf, ein Opfer dir zu bringen, daran dein Herz Gefallen hat, weil sich auch unser Herz dir naht, und nicht blos unsre Lippen. 4. Im Geist und Wahrheit laß zu dir das Herz uns gläubig richten, mit Andacht beten für und für, ohn fremdes Thun und Vom Gebet. 735 Dichten. Gib uns des Glaubens Zuversicht, so zweifeln wir in Christo nicht, die Bitte zu erhalten. 5. Hilf, daß wir keine Zeit und Maaß im Beten dir vorschreiben, anhalten ohne Unterlaß, bei dem allein auch bleiben, was uns dein Wille bitten lehrt, was deinen großen Namen ehrt, und unser Wohl befördert. 6. Laß uns im Herzen und Gemüth auf unser Werk nicht bauen; auf deine nie erschöpfte Güt laß einzig uns vertrauen. Und sind wir auch nicht dessen werth, so sei doch unser Flehn erhört von dir, aus lauter Gnade. 7. Du, Vater! weißt, was uns gebricht, so lange wir hier leben. Verborgen ist die gleichfalls nicht, wenn wir in Nöthen schweben. Wir, deine Kinder, flehn dich an; wir sind gewiß, daß uns nicht kann dein Vaterherz verlassen. 8. Wir haben ja die Freudigkeit in Jesu Christ empfangen: der Gnadenstuhl ist da bereit, die Hülfe zu erlangen. Laß heilge Händ uns immer hier aufheben, Vater, und zu dir in wahrer Inbrunst schreien. 736 Zweiter Theil. 9. Dein Nam, o Gott, geheiligt werd; dein Reich laß uns erfreuen; dein Will gescheh auch hier auf Erd; gib Frieden, Brot, Gedeihen; all unsre Sünden uns verzeih; steh uns in der Versuchung bei; erlös uns von dem Bösen. 10. Dies alles, Vater, werde wahr, du wollest es erfüllen, erhör und hilf uns immerdar um Jesu Christi willen: denn dein, o Herr, ist allezeit von Ewigkeit zu Ewigfeit das Reich, die Macht und Ehre. Mel. Ach Gott, vom Himmel. 214. 405. Mit Seufzen flag ich dir, mein Gott! gern wollt ich eifrig beten, und, drückt mich meiner Sünden Noth, voll Glauben zu dir treten; gern brächt ich, lieber Vater! dir im Geist und Wahrheit mit Begier die Opfer meiner Lippen. 2. Allein mein Herz, ach Gott und Herr! kann sich nicht recht erheben. Zum Guten oft zu kalt und schwer, bleibt es am Eiteln fleben. Träg ist oft, leider, Sinn und Muth, und oft muß ich mein Fleisch und Blut zur Andacht mühsam zwingen. 3. Umsonst faß ich oft den Entschluß. Die Welt sammt ihren Kindern sucht, -- Vom Gebet. 737 meinem Herzen zum Verdruß, am Beten mich zu hindern. Und fleht mein seufzend Herz zu dir, bringt sie, zu meiner Kränfung, mir viel Eitles ins Gemüthe. 4. Dies, Herr mein Gott, dies fränkt mich sehr, und ich denk oft mit Schmerzen, als wär dein guter Geist nicht mehr in meinem trägen Herzen, das dich so oft beleidigt hat; weil Lust und Andacht keine Statt in meiner Seele findet. 5. Ach, leider! Vater, hab ich dich nicht allezeit gehöret, wenn du in deinem Worte mich erweckt, gerührt, gelehret. Doch schone, handle nicht mit mir, wehmüthig fleh ich, Gott, zu dir, wie ich verdienet habe. 6. Ich will hinfort Nachlässigkeit und alle Trägheit meiden. Omache du mein Herz bereit, vom Eiteln mich zu scheiden. Laß es dich hören und allein aufs Himmlische gerichtet sein. Gib du mir Kraft und Stärke. 7. Gott, laß den Eifer des Gebets ja nie in mir erfalten! der Andacht Feuer wollst du stets durch deine Kraft erhalten. Den Hindernissen wehre du, und sebe meine Seel in Ruh, sich frei empor zu schwingen. 47 738 30) Gebetlieder. a. Allgemeine Gebetlieder. Das Gebet des Herrn. Mel. - Vater unser im Himmelreich. 120. 406. Vater! groß im Himmelreich; wir stehen jetzt vor dir zugleich, vereint durch deinen lieben Sohn, auf sein Geheis vor deinem Thron; laut singet vor dir unser Mund, hilf, daß es geh von Herzensgrund. 2. Dein Name müß uns heilig sein; erhalte dein Wort bei uns rein, damit, wie du selbst heilig bist, auch unser Wandel heilig ist. Bewahr, was deinen Namen nennt; bekehre, was ihn noch nicht fennt. 3. Dein Reich erscheint in dieser Zeit, und vollends in der Ewigkeit. Steh uns mit deinem Geiste bei, mach uns von fremder Knechtschaft frei; zerbrich des Satans Macht und Wuth; nimm deine Kirch in deine Hut. 4. Dein Will gescheh auf Erden schon, wie er geschieht vor deinem Thron. Mach uns, o Gott, in Freud und Leid, zu dent, was dir gefällt, bereit, und wehre allem Fleisch und Blut, das wider deinen Willen thut. Allgemeine Gebetlieder. 739 5. Gib uns heut unser täglich Brot; du kennst am beſten unsre Noth. Hilf uns! entferne Krieg und Streit, Pest, Seuchen, Dürr und theure Zeit. Laß bei uns Heil und Frieden blühn und laß uns Geiz und Sorgen fliehn. 6. Vergib uns gnädig unsre Schuld, und trage, Herr, mit uns Geduld; durch dich erweckt, verzeihn wir gern auch allen unsern Schuldigern, und sollten wir nicht gern verzeihn, um deiner Huld uns zu erfreun? 7. Führ uns nicht in Versuchung. Sei, Herr, unser Schild, und steh uns bei, und hilf mit deiner starken Hand; durch dich nur thun wir Widerstand; laß uns zuletzt als Sieger stehn, und deiner Gnade Ruhm erhöhn. 8. Mach uns von allem Uebel los. Ach, unsre Schwachheit ist sehr groß! o tröste du uns in der Noth; verleih uns einen selgen Tod. Herr, ende glücklich unsern Lauf; nimm uns in deinen Himmel auf. 9. Das Reich, die Kraft, die Herrlichfeit ist dein, o Bater, allezeit, bleibt ewiglich dein Eigenthum; erhör uns, Herr, es ist dein Ruhm; im Namen Jesu flehn 47* 740 Zweiter Theil. wir nun; du kannst, du willst, du wirst es thun! 10. So sei es: Amen! Herr, erhör! Stärk unsern Glauben immer mehr; und unser Flehn ist Zuversicht! wir bitten dich und zweifeln nicht. So sing das Amen unser Mund, und es erschall aus Herzensgrund. Der 86. Pfalm. Mel. von Nr. 201. 407. Herr, erhöre meine Klagen! schaue her auf meine Plagen, elend bin ich, arm bin ich, und vertraue nur auf dich. Rette deines Knechtes Leben, der sich heilig dir ergeben; ach! mir leucht't ein Strahl des Lichts deines Vaterangesichts. 2. 3u dir ruf ich alle Tage: Herr, sei gnädig meiner Klage! schenke neue Freude mir, denn mein Herz verlangt nach dir! du bist gütig, zeigst an allen, die dir flehn, dein Wohlgefallen; ach vernimm auch mein Gebet, höre, wie mein Herz dir fleht. 3. In des Leidens bangen Tagen, wenn mich Feind und Elend plagen, ruf ich nur zu dir, mein Gott! fleuch, sprichst du, zu meiner Noth! eitel ist die Macht der Götter, Allgemeine Gebetlieder. 741 du allein bist mein Erretter; Herr, wie wirkst du wunderreich! wo sind Werke, deinen gleich? 4. Herr, es werden alle Heiden, die du schufest, einst mit Freuden zu dir nahn, und sich allein deinem Dienst und Ruhme weihn. Dir ist Niemand zu vergleichen; du bist groß und du thust Zeichen; du bist Gott und keiner mehr; dir gebühret Preis und Ehr. 5. Lehre, Herr, mich deine Wege, daß ich richtig wandeln möge, laß zu deiner Furcht allein alles in mir einig sein! ewig dankt dir mein Gemüthe! herzlich rühm ich deine Güte, die mich hold aus Finsterniß, aus dem tiefsten Grabe riß. 6. Stolze haben mich umgeben und Tyrannen meinem Leben drohen sie, und scheuen nicht dein allsehend Angesicht; aber du bist ganz Erbarmen, ein Verschoner, mild den Armen, treu den Frommen, voll Geduld, groß durch Wahrheit und durch Huld. 7. Wende dich zu deinem Knechte, deiner Magd Sohn; deine Rechte stärk ihn, ſei ihm gnädig, Gott, hilf ihm mächtig 742 Zweiter Theil. aus der Noth! wirke, mir zum Heil, ein Beichen, daß die Feinde schamroth weichen, wenn sie sehn, daß du mich liebst, und mit deinem Schuß umgibst! Mel. Aus tiefer Noth schrei ich.- 119. 408. Gott, deine Güte reicht so weit, so weit die Wolfen gehen. Du krönst uns mit Barmherzigkeit, und eilst, uns beizustehen. Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort, vernimm mein Flehn, merk auf mein Wort, denn ich will vor dir beten. 2. Ich bitte nicht um Ueberfluß und Schäße dieser Erden. Laß mir, so viel ich haben muß, nach deiner Gnade werden. Gib mir nur Weisheit und Verstand, dich, Gott, und den, den du gesandt, und mich selbst zu erkennen. 3. Ich bitte nicht um Ehr und Ruhm, so sehr sie Menschen rühren. Des guten Namens Eigenthum laß mich nur nicht verlieren. Mein wahrer Ruhm sei meine Pflicht, der Ruhm vor deinem Angesicht, und frommer Freunde Liebe. 4. So bitt ich dich, Herr Zebaoth, auch nicht um langes Leben. Im Glücke De Allgemeine Gebetlieder. 743 muth, Muth in Noth, das wollest du mir geben. In deiner Hand steht meine Zeit. Laß du mich nur Barmherzigkeit vor dir im Tode finden. Mel. von Nr. 13. 409. Ich komme vor dein Angesicht; verwirf, o Gott, mein Flehen nicht; vergib mir alle meine Schuld, du Gott der Gnade und Geduld! 2. Schaff du in mir ein reines Herz, ein Herz, das dir in Freud und Schmerz voll Dank und Demuth sich ergibt, dich fürchtet und inbrünstig liebt. 3. Sei mein Beschüßer in Gefahr. Ich harre deiner immerdar. Ist wohl ein Uebel, das mich schreckt, wenn deine Rechte mich bedeckt? 4. Ich bin ja, Herr, in deiner Hand. Von dir empfing ich den Verstand. Erhalt ihn mir, o Herr, mein Hort, und stärk ihn durch dein göttlich Wort. 5. Laß, deines Namens mich zu freun, ihn stets vor meinen Augen sein. Laß, meines Glaubens mich zu freun, ihn stets durch Liebe thätig sein. 744 Zweiter Theil. 6. Das ist mein Glück, was du mich lehrst. Das sei mein Glück, daß ich zuerst nach deinem Reiche tracht, und treu in allen meinen Pflichten sei. 7. Bekämpf ich gleich, aus eigner Kraft zu schwach, Herr, meine Leidenschaft, so ziehest du mit Kraft mich an, daß ich den Sieg erlangen kann. 8. Gib von den Gütern dieser Welt mir, Herr, so viel, als dir gefällt; gib deinem Knecht ein mäßig Theil, zu seinem Fleiße Glück und Heil. 9. Schenkt deine Hand mir Ueberfluß, ſo laß mich mäßig im Genuß, und, dürftge Brüder zu erfreun, mich einen frohen Geber sein. 10. Gib mir Gesundheit und verleih, daß ich sie nüß und dankbar sei, und nie aus Liebe gegen sie mich zaghaft einer Pflicht entzieh. 11. Erwecke mir stets einen Freund, ders treu mit meiner Wohlfahrt meint, mit mir in deiner Furcht sich übt, mir Rath und Trost und Beispiel gibt. 12. Beſtimmst du mir ein längres Ziel und werden meiner Tage viel: so bleib, Allgemeine Gebetlieder. 745 Gott, meine Zuversicht, verlaß mich auch im Alter nicht. 13. Und wird sich einst mein Ende nahn, so nimm dich meiner herzlich an, und sei durch Christum deinen Sohn, mein Schirm, mein Schild und großer Lohn. Mel. von Nr. 234. on 410. Wer kann, Gott, je was Gutes haben, das nicht von dir den Ursprung hat; du bist der Geber aller Gaben, und immer groß an Rath und That. Du willst, daß mit Gebet und Flehn wir stets auf deine Hülfe sehn. 2. Drum komm ich auch mit meinem Beten, o Gott, vor deinen heilgen Thron. Wie freudig kann ich vor dich treten! denn mich vertritt bei dir dein Sohn. In ihm hab ich die Zuversicht, mein schwaches Flehn verwirfst du nicht. 3. So gib mir denn nach deinem Willen, was deinem Kinde heilsam ist. Du nur fannst meinen Mangel stillen, weil du des Segens Quelle bist. Vor allen Dingen jorge du für meines Geistes wahre Ruh. 4. Gib mir Beständigkeit im Glauben; laß meine Liebe brünstig sein. Will etwas 746 Zweiter Theil. mir dies Kleinod rauben, so schränke die Versuchung ein, und stärke mich mit heilgem Muth, so sieg ich über Fleisch und Blut. 5. Bewahr in mir ein gut Gewissen, ein Herz zu dir voll Freudigkeit; ein Herz, aufs Gute stets beflissen, das sich vor deinem Auge scheut. Und fehl ich, Gott, so strafe mich zu meiner Beßrung väterlich. 6. Ein Herz, das in beglückten Tagen, o Vater, deiner nie vergißt; ein Herz, das unter Noth und Plagen vor dir still und demüthig ist; ein Herz voll Zuversicht zu dir und voll Geduld, verleihe mir. 7. Das andre wird sich alle fügen. Du weißt am besten, was mir nüßt. An deiner Huld laß ich mir gnügen, die Schwache mächtig unterstützt. Zufrieden, Vater, folg ich dir, befestge diesen Sinn in mir. 8. Soll ich auf Erden länger leben, so gib, daß ich dir leben mag. Laß mir den Tod vor Augen schweben; und kommt dereinst mein Sterbetag, so sei mein Hingang aus der Zeit ein Eingang in die Herrlichkeit. Mel. O Gott, du frommer Gott.- 8. 411. Gott, du frommer Gott, du Brunnquell aller Gaben, ohn den nichts Allgemeine Gebetlieder. 747 ist, was ist, von dem wir alles haben! gesunden Leib gib mir, und daß in solchem Leib ein unverleßzte Seel und rein Gewissen bleib. 2. Gib, daß ich thu mit Fleiß, was mir zu thun gebühret, wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet; gib, daß ichs thue bald, zu der Zeit, da ich soll, und wenn ichs thu, so gib, daß es gerathe wohl. 3. Hilf, daß ich rede stets, womit ich kann bestehen; laß kein unnüßes Wort aus meinem Munde gehen, und wenn nach meiner Pflicht ich reden soll und muß, so gib den Worten Kraft und Nachdruck ohn Verdruß. 4. Find't sich Gefährlichkeit, so laß mich nicht verzagen. Gib einen Heldenmuth, das Kreuz hilf selber tragen; gib, daß ich meinen Feind mit Sanftmuth überwind, und zur Verföhnlichkeit bereit sei, als dein Kind. 5. Laß mich mit Jedermann in Fried und Freundschaft leben, so weit es christlich ist. Willst du mir etwas geben an Reichthum, Ehr und Glück, so gib auch dies dabei, daß ich nicht ungerecht, nicht stolz, noch sicher sei. 748 Zweiter Theil. 6. Soll ich in dieser Welt mein Leben höher bringen, und unter mancher Last hindurch ins Alter dringen: so gib Geduld; laß mich auf deinen Wegen gehn, und auch im Alter noch, Herr, deinen Ruhm erhöhn. 7. Laß mich an meinem End auf Christi Tod abscheiden; die Seele nimm zu dir hinauf zu deinen Freuden; der Leib, Herr, ruhe sanft in seiner stillen Gruft, bis ihn dein Allmachtswort verklärt ins Leben ruft. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele.-- 29. 412. Liebster Jesu! Gnadensonne, meines Herzens Zuversicht, meine Freude, meine Wonne! ich komm vor dein Angesicht. Ob ich schon ein Sünder bin, werf ich doch den Muth nicht hin, weil ich, auch als Asch und Erde, nicht von dir verstoßen werde. 2. Herr! ich muß vor allen Dingen, ob ich schon nicht völlig kann, dir ein schwaches Danklied bringen, daß du mir viel Guts gethan. Wollte ich von Jugend auf, durch den ganzen Lebenslauf, alle deine Wohlthat zählen, würden Zeit und Worte fehlen. Allgemeine Gebetlieder. 749 3. Alles, was ich bin und habe, Leib und Seele, Gut und Stand, kommt, als dein Geschenk und Gabe, blos von deiner Vaterhand. Habe Dank für deine Treu! sie ist alle Morgen neu. Habe Dank für deinen Segen! alles ist daran gelegen. 4. Stärke mich mit deiner Güte, Heiland, ferner Tag und Nacht. Führ mich selber, und behüte mich durch deiner Engel Wacht; laß dieselben bei mir stehn, wenn ich ein und aus muß gehn, wenn ich reise, schlafe, wache und in jeder guten Sache. 5. Segne alle meine Thaten durch den werthen Šegensgeist! laß sie täglich so gerathen, daß mein Herz dich täglich preist; es ist dein, und nicht mein Werk, drum verleih mir Muth und Stärk, stets gerade durchzugehen, nicht auf Menschengünst zu sehen. 6. Treuer Gott! du wirst mich lehren; wie ich flüglich handeln soll, daß mein Thun zu deinen Ehren und des Vaterlandes Wohl immer eingerichtet sei; höre mich und steh mir bei, daß der Feind durch List und Tücke mir nicht dieses Ziel verrücke. 7. Hilf mir meine Noth und Plagen, meines Amtes Bürd und Last und sonst 750 Zweiter Theil. alles freudig tragen, was du auferleget hast. Findet sich Gefährlichkeit, Hinderniß, Verdruß und Neid: laß mein Herz sich ja nicht quälen, sondern alles dir befehlen. 8. Dir befehl ich meine Sachen! dir sei alles heimgestellt. Herr! du wirst es also machen, wie es deinem Rath gefällt. Bricht auch Kreuz und Noth herein, scheinet es gar aus zu sein: laß mich ruhn in deinem Willen, und damit den Kummer stillen. 9. Muß ich auch Verspottung hören, werd ich hier und da verlacht: laß dies meine Ruh nicht stören. Bin ich, Welt! von dir veracht't! wohl! mach immer was du willt, Gott ist mir doch Sonn und Schild, wider den will ich nicht sprechen, noch mich an den Feinden rächen. 10. Soll ich hier noch länger leben, nehm ichs gern und willig an. Ich will Gott nicht widerstreben, wenn ich ihm nur dienen kann. Drum, Herr, mach mich dir getreu, gib gesunden Leib dabei, und laß mich an deinem Fügen und an deiner Huld begnügen. 11. Soll ich bald von hinnen scheiden, bin ich auch dazu bereit. Bringe mich nach kurzem Leiden an den Ort der Seligkeit. Allgemeine Gebetlieder. 751 Nimm, nach hier vollbrachtem Lauf, meinen Geist zu dir hinauf. Ruht im Grabe, müden Glieder, Jesus kommt und weckt euch wieder. Mel. In dich hab ich gehoffet, Herr 2c. 413. h weiß es, Gott! mein ganzes Thun, mein Glück mag nicht auf mir € beruhn, von dir kommt Heil und Se- gen; ich kann mich, Höchster, ohne dich, nicht regen noch bewegen. 2. Es steht in feines Menschen Macht, daß er thut, was er ausgedacht, und seines Gangs sich freuet. Der Allmacht Rath wirkt es allein, wenn unser Rath gedeihet. 3. Oft denkt der Mensch mit stolzem Muth: dies macht mein Glück, dies ist mir gut! und ist doch weit gefehlet; oft ſieht er auch für schädlich an, was Gott zu gut ihm wählet. 752 Zweiter Theil. 4. So fängt auch oft ein weiser Mann sein Werk mit vieler Klugheit an, und bringts doch nicht zu Stande. Er meint, er bau ein festes Haus, und bauet auf dem Sande. 5. Wie mancher ist in seinem Sinn schon über alle Berge hin, und wenn er um sich siehet, so hält ihn noch das niedre Thal; umsonst war er bemühet. 6. Drum, lieber Vater! der du dich so hoch geseßt, und fürchterlich aus schwarzen Wolken blißest; schrei ich im Staub, hör von dem Thron, wo du, Weltherrscher, sigest. 7. Verleihe mir, o Gott, das Licht, das sich von deinem Angesicht in fromme Seelen senket. Wo kommt mir wahre Weisheit her, wenn sie mir Gott nicht schenket? 8. Erleuchte mich von deiner Höh; gib Weisheit, daß ich nie besteh auf meinem eignen Willen. Hilf mir, mein Gott, mit Rath und That, das, was du willst, erfüllen. 9. Laß mich stets prüfen, und was gut, behalten; laß durch Fleisch und Blut mich nie verleitet werden. Dein Zweck, mein Gott, das beste Theil, sei auch mein Theil auf Erden. Allgemeine Gebetlieder. 753 10. Was, weises, bestes Wesen! dir gefället, das gefall auch mir; ist etwas dir entgegen, so laß davor auch deinem Knecht den größten Abscheu hegen. 11. Ein Werk von dir begleite Glück; ists nicht von dir, so treibs zurück, und ändre Herz und Sinnen. Was deinem Rathschluß widerspricht, das muß von selbst zerrinnen. 12. Umsonst bemühet sich die Welt, ein Werk, das, Höchster, dir gefällt, mit Stolz zu hintertreiben; was Gott thut und beschlossen hat, das muß wohl stehen bleiben. 13. Beut mir die Hand, und es wird leicht, was mir sogar unmöglich deucht. Die Werke deiner Hände gelangen allzeit, weiser Gott! zu einem guten Ende. 14. 3war wird mir oft der Anfang schwer; hier braust die Luft, dort tobt das Meer; zurücke möcht ich treten; doch alle Schwierigkeit und Noth heißt mich nur brünstger beten. 15. Wer betet, wirkt, und Gott vertraut, wird, wenn ihm schon zuweilen graut, zu seinem 3wecke kommen. Er 48 754 Zweiter Theil. spricht: wer wälzt den Stein uns weg? und er ist weggenommen. 16. Der Tugend Pfad scheint rauh und wild, er hat, mit Dornen angefüllt, nichts, was die Sinnen rühret. Er ist indeß der sichre Pfad, der dich zur Freude führet. 17. Du weißt, mein Gott, was mir gebricht; an Macht zu helfen fehlt dirs nicht, du stärkst die müde Seele. Gib, daß ich, deinem Wink getreu, des Weges nicht verfehle. 18. Dir, Herr, gebühret Ruhm und Ehr; ich will dein Thun je mehr und mehr von Grunde meiner Seelen, vor deinem Volk, vor aller Welt mein Lebelang erzählen. Mel. Ich weiß, mein Gott, daß.- 255. 414. Von ganzer Seele preis ich dich, Herr, der du mich so väterlich bis diesen Tag erhalten. Laß für und für noch über mir dein göttlich Auge walten. 2. Wer schenkt uns Leben, Glück und Ruh? Wer gibt uns Kraft zur Pflicht? nur du schaffst Wollen und Vollbringen. Allgemeine Gebetlieder. 755 Wird dein Gedeihn nicht uns erfreun, so fann uns nichts gelingen. 3. Du schufft und du regierst die Welt nach deinem Rath, wie dirs gefällt. Du lenkst der Menschen Herzen. Sei auch mein Licht und laß mich nicht, Gott, deine Huld verscherzen. 4. Dein Wort lehrt mich des Lebens Pflicht; doch fühl ich auch, was mir gebricht, die Blindheit meiner Seele. Ach, Gott der Huld, vergib die Schuld, wenn ich aus Schwachheit fehle. 5. Verstand und Herz ist fehlerhaft; bald fehlt mir Licht, bald fehlt mir Kraft, mich weislich zu regieren. Drum bitt ich dich, laß, Höchster, mich selbst deine Weisheit führen. 6. Herr, dessen Huld uns ewig liebt, laß mich beim Segen, den sie gibt, auf dich, den Geber schauen. Selbst wenn du schlägst, und Kreuz auflegst, so laß mich dir vertrauen. 7. Gib, daß ich meine Lebenszeit, nur dir mit ganzem Ernst geweiht, in deiner Furcht vollbringe, bis ich einst dir dort für und für Lob, Preis und Ehre singe. 48* 756 415. V Zweiter Theil. erleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten; es F ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du unser Gott b- Y²x alleine. 2. Gib Gnade unsrer Obrigkeit, Licht, Heil und vielen Segen, daß wir gottselig allezeit, gerecht und züchtig mögen ein ruhigs Leben führn. Amen. b. Besondere Gebetlieder. In geistlichen Anfechtungen. Mel. von Nr. 33. 416. Du bist ja, Jesu! meine Freude! warum ist denn mein Geist betrübt? kann denn die Freud auch bei dem Leide sein in dem Herzen, das dich liebt? ach ja, mein Jesu! deine Liebe füllt meinen Geist mit Freuden an, daß, wenn ich mich darinnen übe, sie keine Zung aussprechen kann. Besondere Gebetlieder. 2. Weil aber noch nicht ganz gedämpfet in mir mein böses Fleisch und Blut, und noch der Geist darwider kämpfet, wird oft dadurch gekränkt der Muth: drum leg ich mich vor dir mit Flehen, ach stärke mich in diesem Streit! laß Hülfe mir, mein Heil, geschehen, daß ich mög überwinden weit. 3. Du hast, o Held! ja überwunden, gib mir auch Ueberwindungskraft, und laß mich in den Kampfesstunden erfahren, was dein Leiden schafft, dadurch ich kann den Feind besiegen, da Sünde, Teufel, Höll und Tod nun unter deinen Füßen liegen, so mach sie auch an mir zu Spott. 757 4. Ich trau allein auf deine Gnade, die mir dein theures Wort verspricht. Es sagt, daß nichts den Deinen schade, weils nie an deiner Kraft gebricht. Nun hast du mich ja angenommen, wie es mein Herze wohl verspürt; da ich bin flehend zu dir kommen, hat mich dein Gnadenblick gerührt. 5. Weil ich denn nun an deinem Leibe ein Glied, wiewohl unwürdig, bin, so gib, daß ich stets an dir bleibe, und in mir habe deinen Sinn. Laß mich nicht andre Helfer suchen. Besitze du mein Herz 758 Zweiter Theil. allein. Laß falsche Lüste mich verfluchen; dein Leben laß mein Leben sein. 6. Gib, daß ich mich in dir erfreue, weil mich dein Herz beständig liebt, doch auch dabei kein Leiden scheue, weil solches meinen Glauben übt. Gib, daß ich immer stärker ringe, und in Besiegung aller Pein ich immer näher zu dir dringe; da wird die Freude ewig sein. Mel. Ach, mein Jesu, sieh, ich trete. 417. ual und Angst muß ich empfinden, ob ich Gottes Kind auch sei; denn der Kindschaft Pflicht und Treu brach ich oft durch schwere Sünden, die ¥ ich wider Gott verübt, und wodurch ich X ihn betrübt. 2. Ach! der Bund ist übertreten, welchen Gott mit mir gemacht. Ach! ich hab ihn Besondere Gebetlieder. nicht bedacht. Will ich nun zum Höchsten beten, fällt mir oft der Zweifel bei: ob ich Gottes Kind auch sei? 3. Gott erhört nur seine Kinder, welche seinen Willen thun. Kann mein Herz nun also ruhn? bin ich nicht ein schnöder Sünder? ach, die Sorge nimmt mich ein: wie kann Gott dein Vater sein! 4. Stürmen auf mich Trübsalswinde, wird mein Glaube vollends klein; und ich schließe mir zur Pein: Gott verfährt mit seinem Kinde nicht so scharf; wärst du sein Kind, wär er nicht so hart gesinnt. 5. Darum fleh ich; hilf mir Armen, Vater der Barmherzigkeit! tilge dieſes herbe Leid durch dein väterlich Erbarmen; und verwirf mich Armen nicht ganz von deinem Angesicht. 6. Bater! laß mich Gnade finden; sprich mich, den verlornen Sohn, wieder frei vor deinem Thron. Ich will mich auf Christum gründen. Darum schenke mir die Schuld, und ertrag mich mit Geduld. 7. Dein Kind fernerhin zu heißen, bin ich freilich nicht mehr werth. Doch, da mich dein Geist bekehrt, kann dein Bund auch 759 760 Zweiter Theil. nicht zerreißen. Schau, ich kehr zu meiner Pflicht; Herr, darum verstoß mich nicht! 8. Herr! ich sage dir aufs neue wieder Pflicht und Liebe zu, die du forderst; blicke du nun, nach deiner Vatertreue, den mit Gnadenaugen an, für den Jesus gnug gethan. 9. Du sollst doch mein Vater bleiben, wenn gleich deine Zucht mich schreckt, und mir Schmerz und Angst erweckt. Dir will ich mich ganz verschreiben. Herr, dir leist ich Treu und Pflicht, bis mein Herz im Sterben bricht! Mel. Entbinde mich, mein Gott 2c. 418. Befreie meinen Geist, o Gott, # von schnöden Banden. Du siehst, wie willig er, wie schwach mein Fleisch noch ist. Mach des Versuchers List durch deine Kraft zu Schanden, der du der Sünder Besondere Gebetlieder. 761 Trost, der Schwachen Beistand bist. Noch streit ich, schau herab von deinem Gnadenthron! gib mir zum Kampfe Kraft, und hilf durch deinen Sohn. 2. Ein Sclav, den jeder Reiz der Sünde leicht entzündet, war ich; Dank sei dir, Gott! du hast mich frei gemacht. Doch laß mich, da sich noch so mancher Fallstrick findet, der meiner Freiheit droht, mein Gott, nie aus der Acht! mir überlassen, bin ich ohne Hülf und Rath! doch durch dich bin ich stark; bei dir ist Rath und That. 3. Ach! ich sollt himmelwärts, gleich fühnen Adlern, fliegen; der Hang zum Irdischen läßt mich noch nicht hinauf! du läss'st, die auf dich sehn, stets neue Stärke kriegen; du gibst den Müden Kraft und förderst ihren Lauf! laß mich, der Welt entwöhnt, starr nach dem Himmel sehn, und zu dir immer mehr mich aus dem Staub erhöhn. 762 Zweiter Theil. 4. O, dieser Leib des Tods beschwert die arme Seele; der Sinnen 3auberkraft entrückt dem Geist sein Ziel, daß ich, vom Sinnlichen gelenkt, des Wegs verfehle, der Vorurtheile Raub, der Leidenschaften Spiel, oft thu, was ich nicht will, und was ich will, nicht thu. Ach, siehe meinem Kampf nicht ohne Mitleid zu. 5. Ich weiß, ich liebe dich, doch, es sei dir geflaget! noch lange nicht so sehr, als selbst mein Herz begehrt, das oft noch in die Welt verstohlne Blicke waget, und da mit seine Ruh und deine Liebe stört. Doch alles, außer dir, ist Eitelkeit und Pein. O, möcht ich ungestört mit dir vereinigt sein. 6. Der Umgang mit der Welt raubt meinem Blick den Himmel. Des Beispiels Reiz ist stark, mein Widerstand oft schwach. Ich meide dann die Welt und ihr verwirrt Getümmel, doch in der Wüste eilt mir meine Schwäche nach! hier, wie in dem Gedräng, merk ich, was Fleisch und Blut, wenn du nicht bei mir bist, beim besten Vorsatz thut. 7. Ich trau auf Gott: was kann dann meine Ruhe stören? doch bringt die Phantaſie mir manchen Schrecken bei. Der Sor Besondere Gebetlieder. gen kann ich mich nicht immerhin erwehren; die Schwermuth, die mich drückt, läßt meinen Geist nicht frei. Ich seh den stärksten Trost, und merke seine Kraft, und seufze, daß kein Trost in meinem Herzen haft't. 763 8. Oft schleicht das Ich, der Feind der hohen Menschenliebe, ins unbewachte Herz von neuem wieder ein, und störet meine Ruh durch seine niedern Triebe; mich dringet Jesu Lieb, und ich bin noch so klein! so wechselt stets bei mir das Licht mit Finsterniß. Wann kömmst du, starker Gott, und machst mein Herz gewiß? 9. Befreie mich, mein Gott, von allen diesen Banden! du siehst, was meinen Geist im Fleisch gefangen hält. Ich hoff auf dich, mein Heil! wie würd ich denn zu Schanden im Streit mit Fleisch und Blut, mit Satan und der Welt? die Fessel, die mein Herz mit Freuden trägt und füßt, reicht deine Liebe mir, die unaussprechlich ist. 10. Wen diese Liebe bind't, ist nicht ein Knecht der Sünden; in diesen Banden bleibt er ein recht freier Mann. Wie willig laß ich mich mit Liebesseilen binden! ich folge dir mit Lust auf der bestimmten Bahn. 764 Zweiter Theil. Befreie du mich nur von mir und von der Welt, damit mein edler Geist sein Freiheitsrecht behält! In allgemeinen Nöthen und Landplagen. Der 85. Pfalm. Mel. O Gott, du frommer Gott.- 8. 419. Wie gnädig warst du, Gott, vor Alters deinem Lande! wie halfst du ihm! wie oft zerbrachst du Jakobs Bande! und schontest deines Volks mit väterlicher Huld, vergabst die Missethat, bedecktest seine Schuld. 2. Dein strenger Zorn erlosch mit allen seinen Flammen, sobald es sich entschloß, die Sünde zu verdammen. Die Menschen fündigen; du bleibst dir immer gleich, gerecht und heilig stets, und stets ån Gnade reich. 3. Hilf, hilf uns, unser Gott! laß wegen unsrer Sünden uns deine Rache nicht, Herr, unser Heil, empfinden! wie schrecklich ist dein Grimm! ach, soll er ewig glühn? und willst du deine Huld auf ewig uns entziehn? 4. Wann kehrt zu uns zurück dein Trost, o Gott, dein Segen, daß wir, dein Erb Besondere Gebetlieder. 765 theil, uns in dir erfreuen mögen? o laß uns leben, Gott! laß uns dein Antliß sehn: sei gnädig, hilf uns aus! hilf, ehe wir vergehn! 5. Jedoch, ich hör uns schon den Gott des Trostes trösten! Heil gibt er seinem Volk und Ruhe den Erlösten, die er erwählet hat, wenn wir nur heilig sind, und unsre Seele nicht die Thorheit lieb gewinnt! 6. Geflügelt naht sein Heil sich seinen frommen Knechten; und Gottes Ehre wohnt im Lande der Gerechten. Barmherzigkeit und Treue umfahn sich schwesterlich, Gerechtigkeit und Fried umfahn und küssen sich! 7. Der Glaube fommt zurück und blüht auf Erden wieder; die Gnade sieht mit Lust von ihrem Himmel nieder, und segnet Gottes Volk, das seinem Dienst geweiht, thut, was ihm wohlgefällt, und seines Heils sich freut! 8. Der Herr begnadigt uns; das Land bringt seine Früchte, und seine Huld geht her vor seinem Angesichte, verbreitet Glück und Heil auf Gottes Eigenthum, und Israel frohlockt, und bringt ihm Preis und Ruhm. Zweiter Theil. Im Kriege. Mel. Wer nur den lieben Gott.- 7. 420. Es zieht, o Gott! ein Kriegeswetter jezt über unser Haupt einher. Bist du, Herr, hier nicht unser Retter, ſo ists für unser Land zu schwer. Sieh! wie die Fürsten sich entzwein und sich zu unterdrücken dräun. 766 2. O, laß mich hier allein, o Vater, auf dich und deine Vorsicht schaun; auf dich, den mächtigsten Berather, und nicht auf Menschenhülfe baun, die ohne dich uns gar nichts nützt, die nur durch dich uns kräftig schüßt. 3. Kein blinder Zufall herrscht auf Erden; du bist es, der die Welt regiert. Laß uns der Feinde Spott nicht werden, die Stolz und Neid zu uns geführt. Seid böſe, Völker, rüstet euch! sei du für uns, so fehlt der Streich. 4. Die allerfeinsten Kriegeslisten vereitelt leicht dein weiser Rath. Nie wird der Feind das Land verwüsten, das dich, Gott, zum Beschüßer hat. Durch dich hat oft die kleinste Macht ein großes Heer zur Flucht gebracht. Besondere Gebetlieder. 767 5. Je weniger sich öfters zeiget, woher die Hülfe kommen soll, je mehr Gefahr und Plage steiget, und alles an Verwirrung voll: je größer mache mein Vertraun, o Gott, auf dich allein zu schaun. 6. Was hilft der Feinde große Menge? Was hilft dem Riesen große Kraft? Der Ross' und Wagen starf Gedränge ist nicht, was Feinden Sieg verschafft. Der Mensch vertraut darauf zwar gern; jedoch der Sieg kommt nur vom Herrn. 7. Drum werf ich mich in deine Arme, du Vater der Barmherzigkeit! und flehe voll Vertraun: erbarme dich über uns zur schweren Zeit. Laß Gnade nur für Necht ergehn: so bleiben wir doch aufrecht stehn. 8. Doch findet, Herr, dein weiser Wille noch ferner Züchtigungen gut: wohlan, so schweig ich und bin stille bei dem, was deine Vorsicht thut. Ich, dein Geschöpf und auch dein Kind, weiß, daß es Vaterschläge sind. 9. Die kleine Einsicht meiner Seelen, Herr, schreibe niemals dir was vor. So grob laß du mich niemals fehlen; so hart und grob fehlt nur ein Thor. Ist gleich, 768 Zweiter Theil. was deine Weisheit thut, mir oft ein Räthsel, ists doch gut. 10. Nie grimmig, sondern nur mit Maaßen sind deine Strafen eingericht't. Du wirst uns nicht zerstören lassen. Nein, Vater, nein, das thust du nicht. Wir sollen nur durch Angst und Bein geläutert und gereinigt sein. 11. Zuletzt wird jeder sagen müssen, das hat Gott, unser Gott, gethan! so brach er, nach verborgnen Schlüssen, zum bes sern Endzweck leicht die Bahn! zuletzt errettet deine Hand, barmherzger Gott! das Vaterland. - Mel. Ach Gott, vom Himmel. 215. 421. Ach Gott! wir treten hier vor dich mit traurigem Gemüthe: wir bitten dich demüthiglich, rett uns durch deine Güte. Schau, wie die große Kriegsgefahr sich zu uns naht, und wie sie gar uns zu verderben dräuet. 2. Gedenke, Vater, jetzt nicht mehr, daß wirs verdienet haben. Gedente nicht, daß wir so sehr die uns verliehnen Gaben geschändet, und so lange Zeit zur Wollust, Pracht und Ueppigkeit undankbarlich mißbrauchen. Besondere Gebetlieder. 769 3. Wie öfters ist der Nebenchrist gedrücket und betrogen, durch Schein des Rechts, Gewalt und List das Seine ihm entzogen! darum ist nun dein Zorn entbrannt, die Sünde, die wir nicht erkannt, wird öffentlich vergolten. 4. Verzeih uns solche Missethat um Jesu Christi Willen! o, der für uns gelitten hat, kann deinen Zorn nur stillen. Das Lamm, das unsre Sünde trägt, die du ihm selbst haft auferlegt, hat sie ja, Gott, versöhnet. 5. Um seinetwillen schone du; erhöre unsre Klagen. Verleih uns wieder Fried und Ruh, und wehre allen Plagen. Erbarm, o Herr, erbarme dich, und rett uns alle gnädiglich von Krieg und Kriegsbeschwerden! 6. Gott! du kannst der Fürsten Herz wie Wasserbäche lenken. Ach! laß sie einst der Völker Schmerz recht väterlich bedenten! sprich du selbst ihnen mächtig zu, daß sie auf ihrer Länder Ruh und Wohlfahrt ernstlich denken. 7. O Herr! wir fallen dir zu Fuß, du wolleft uns erhören! gib, das wir uns mit wahrer Buß in Ernst zu dir bekehren, 49 770 Zweiter Theil. damit wir nicht an unserm Theil selbst unser eignes Glück und Heil, den theuren Frieden, stören. 8. Breit wieder aus um unser Land die Flügel deiner Gnaden. Beschüß und segne jeden Stand. Laß nichts uns weiter schaden. Wir wollen solche Gütigkeit und Vatertreu zu jeder Zeit mit Dankbarkeit erheben. 9. Dies alles, Vater, werde wahr; du wollest es erfüllen. Erhör und hilf uns immerdar um Jesu Christi willen! denn dein, o Herr, ist allezeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit, das Reich, die Macht und Ehre! In Theuerung. Mel. Von Gott will ich nicht lassen.- 56. 422. Du reicher Gott der Armen, du Schöpfer aller Welt, du Vater voll Erbarmen, der ewig Glauben hält! weil du Gebet erhörst, so kommt in seinen Nöthent auch alles Fleisch mit Beten zu dir, der du uns nährst. 2. Herr, unsre großen Sünden verdie nen diese Noth; daß wir mit Recht empfin den, was uns dein Wort gedroht: Ein Besondere Gebetlieder. 771 fruchtbar Erdreich soll um seiner Bürger willen nichts tragen, sie nicht fällen. Ach, unser Maaß ist voll. 3. Ach, unser boshaft Leben drückt uns mit Recht zwar hart; doch wollst du uns vergeben nach treuer Vaterart. Die Sünde trägt zwar Frucht; doch diese Frucht bringt Schaden. Ach, Herr, vergib aus Gnaden dem, der dein Antlig sucht. 4. Ertrag uns mit Erbarmen; wir tragen herzlich neu. Erhöre doch uns Armen, nach deiner Wundertreu. Du bist die Zuversicht, zu der wir alle flehen, nach der wir alle sehen, darum verlaß uns nicht. 5. Gott, unser Heil, ach wende der Zeiten schweren Lauf! thu deine milden Hände, den Schatz der Allmacht auf. Was nur ein Leben hat, nährst du mit Wohlgefallen; drum auf! und schaff uns allen bei unserm Mangel Rath. 6. Du rufft dem Nichts, o Vater, damit es etwas sei. Sei jetzt auch, Gott, Berather, und hör das Angstgeschrei, da uns der Mangel quält. Ja, hilf uns und erhöre auch nun zu deiner Ehre; ersetze, was uns fehlt. 49* 772 Zweiter Theil. 7. Laß alle Frucht gerathen, bereichre du das Land; erquicke seine Saaten mit deiner Gnadenhand; ja segne, was man pflügt, und tränks mit Thau und Regen daß sein Gewächs und Segen uns wiederum vergnügt. 8. Dein Gutes überschütte und fröne Jahr und Zeit; es triefen deine Tritte von lauter Fettigkeit; laß alles, was nur webt, am Morgen wohl gedeihen, am Abend sich erfreuen, mach fröhlich, was da lebt! In Seuchen. Mel. In dich hab ich geheffet.- 413. 423. Ach Gott, du unser Lebenslicht, Herr, unsre Burg und Zuversicht, du Trost und Heil der Armen! wir bitten dich demüthiglich, erzeig uns doch Erbarmen. 2. Wir spüren, daß der Seuche Gift schon hin und wieder Manchen trifft; es fänget an zu wüthen; drum flehen wir und schrein zu dir, du wollest uns behüten. 3. Wir beben, Herr, bei deiner Stimm. Ach, straf uns nicht in deinem Grimm mit dieser bösen Seuche. Hilf uns, o Gott, wend ab die Noth, daß sie uns nicht erreiche. Besondere Gebetlieder. 773 4. 3war könntest du, o treuer Hort, auch unser Land und diesen Ort durch Seuch und Pest verheeren, und ganz und gar uns sündge Schaar in deinem Zorn verzehren. 5. Wir haben dir oft widerstrebt, nach deiner Vorschrift nicht gelebt, was dir mißfällt, verübet; wir haben dich oft freventlich mit Uebelthun betrübet. 6. Doch handle nicht, liebreicher Gott, ach handle nicht, Herr Zebaoth! mit uns nach unsern Sünden! nein, Vater, nein laß uns allein für Recht jetzt Gnade finden. 7. Ach, schenk uns doch aus Gütigkeit die Schuld, die uns von Herzen reut, und laß uns nicht verderben. Ach, laß uns nicht durch dein Gericht in Sünden plößlich sterben. 8. Beschüß uns, Herr, mit deiner Hand; schüß unsre Stadt und unser Land, sammt allem, was wir haben. Verlaß uns nie; erfüll uns früh mit deinen Gnadengaben. 9. So wollen wir voll Dankbarkeit dich, höchster Vater, jeder Zeit von Herzen ehren, preisen; und dann auch dort, o werther Hort, dir ewig Lob erweisen. 774 Zweiter Theil. In besonders schmerzhaften langwierigen Krankheiten und Verfolgungen. Der 38. Pfalm. Mel. von Nr. 79. 424. Straf, o Herr! mich nicht im Grimme, und bestimme über mich fein Rachgericht! rüge meiner Sünden Menge nicht mit Strenge, und verstoß mich Armen nicht! 2. Alles Fleisch ist mir verschwunden von den Wunden, die dein Born geschlagen hat. Mein Gebein erquickt kein Friede, siech und müde macht es meine Miſsethat. 3. Meine Schuld, wie hoch sie steiget, drückt und beuget mich bis in den Abgrund fast. Stinkend eitern mir die Wunden. Bange Stunden machen mich mir selbst zur Laſt. 4. O, wie trübet meine Tage manche Plage! frumm gebückt geh ich einher; schon verdorrt mein Eingeweide; Trost und Freude kennt mein banges Herz nicht mehr. 5. Mir vertrocknen alle Säfte. Meine Kräfte sind dahin! ich seh kein Licht. Es umziehen schon mich Matten schwarze Schatten; mein umwölket Auge bricht. ^ Besondere Gebetlieder. 775 6.( Meine sonst geliebten Freunde fliehn als Feinde meine Qual und scheuen mich. Alle meine Anverwandten und Bekannten fliehen und entfernen sich. 7. Die mein Tod ergebet! stellen, mich zu fällen, Neße; falsch ist Wort und That. Die mir Uebels wollen, denken, mich zu kränken, auf Betrug und auf Verrath. 8. Ich soll taub sein und nicht hören, noch ste stören, wenn die Schmach das Herz mir bricht. Taub soll ich ihr Lästern tragen, und nichts sagen, wenn die giftge Zunge sticht. 9. Doch ich harre dein, du hörest und gewährest meine Bitte, Herr, mein Gott! übergib mich ihrer Rotte nicht zum Spotte; rette mich aus meiner Noth!) 10. 3war verdien ich, daß die Freude von mir scheide; ich verscherzte deine Huld. Ach, ich möchte wohl verzagen! meine Plagen sind ja meiner Sünden Schuld. 11. Doch schau, groß von Gnad und Trene, meine Neue! ich verdamme mich vor dir. Ach, wie martert das Empfinden meiner Sünden! und wie schäm ich mich vor mir! 776 Zweiter Theil. 12.( Aber sollen die sich blähen, die mich schmähen, und mir täglich Unrecht thun? weil das Glück sie hat erhoben, will ihr Toben wider deinen Knecht nicht ruhn. 13. Wie lang sollen sie mich schelten? sie vergelten meine Redlichkeit mit Hohn. Weil ich mich für dich bemühe, Böses fliehe, trag ich Haß und Schmach davon. 14. Doch will alle Welt zusammen mich verdammen, so verwirf nur du mich nicht. Blicke, Herr, von deiner Höhe auf das Wehe, wovon fast mein Herz zerbricht.) 15. Komme denn, erzeig mir Armen dein Erbarmen! eile, mir in meiner Noth bald mit Beistand zu erscheinen, mir, dem Deinen, eile, hilf mir, Herr, mein Gott! Auf der Reise. Mel. Ach Gott, vom Himmel. 215. 425. In deinem Namen, o Herr Christ! will ich nun weiter( zur Reise) gehen; du, der du mein Begleiter bist, wirst mir zur Seite stehen. Herr, Leib und Seel befehl ich dir, nebst Ehr und Gut, und was du mir auf dieser Welt bescheeret. - Besondere Gebetlieder. 777 2. Ich weiß, ich bin in dieser Zeit stets mit Gefahr umfangen; auch werd ich in der Sterblichkeit nie völlig Ruh erlangen. Ich bin ein Pilger, der den Fuß und Stab stets weiter setzen muß, und hier kein Bleiben findet. 3. Doch hilf du, daß ich auch wie du, in allem überwinde, bis daß ich dort die wahre Ruh, die rechte Heimath finde. Da sind dann Müh und Sorgen aus, da bin ich eigentlich zu Haus, die Unruh hat ein Ende. 4. An diese Ruhstatt denk ich nun anjeßt bei meinem Wallen. Herr! hilf und lehre mich hier thun nach deinem Wohlgefallen. Leit mich allzeit auf rechter Bahn; und fang ich etwas Gutes an, so führ es wohl zum Ende. 5. Dir, Herr, ist mein Beruf bekannt, er fordert diese Reise. O führe du mich bei der Hand, damit, zu deinem Preise, ich redlich thue, was ich soll. Mein Herz soll dich, des Dankes voll für deine Führung loben. 6. Nur bitt ich, o mein Gott, verleih, daß ich behutſam wandle; und immerdar vorsichtig sei, nie frech und strafbar handle. 778 Zweiter Theil. Durch deines Geistes Gütigkeit gib Rath, Verstand und rechte Zeit zu meinem Thun und Lassen. 7. Nimm dich, o Herr, der Meinen an, die ich zurück gelassen. Du wollest sie, mehr als ich kann, mit treuer Huld umfassen. O, laß sie dir empfohlen sein, und uns bald mit einander freun, wenn wir uns wieder sehen. 8. Auf seinem Weg sieht Jacob dort von Engeln ganze Schaaren. Nun reist er froh und muthig fort. Auch mich wird Gott bewahren. O nimm mich, Herr, in deinen Schuß; und wessen List, Gewalt und Truß kann mir alsdann wohl schaden? 9. Nun, Vater! dir ergeb ich mich. Ich bin in deinen Händen. Du wirst, ich hoff es, gnädiglich hier meine Wallfahrt enden. Dann laß mich, wenn es dir gefällt, nach aller Unruh dieser Welt dort ewig bei dir wohnen. Bei Gewittern. Der 29. Psalm. Mel. von Nr. 46. 426. Bringt her, ihr mächtigen der Erde, bringt her dem Herrscher Lob und Besondere Gebetlieder. 779 Macht! der Ehre seines Namens werde von euch der Dank und Ruhm gebracht! 2. Im heilgen Schmuck fallt vor ihm nieder, mit reiner Unschuld angethan, mit hingeworfnen Leibern nieder, und betet den Weltherrscher an! 3. Die Stimme Gottes wälzt im Meere gethürmte Wogen vor sich her. Er donnert laut, der Gott der Ehre, auf großen Wassern donnert er. 4. Gott spricht. Voll Kraft ist seine Stimme; er spricht: so steht da, was er schafft. Gott spricht, und herrlich iſt die Stimme, in ihr ist Majestät und Kraft. 5. Die Stimme Gottes schilt die Cedern; schnell, wie der Strahl zersplittern sie. Die Stimme Gottes ruft den Cedern, dem Libanon entstürzen sie. 6. Sie macht sie hüpfend, wie die Kälber, sie stürmet, daß der Libanus, daß der erhabne Hermon selber wie ein jung Einhorn hüpfen muß. 7. Gebirge stürzet sie zusammen, der Erdkreis bebt, da er sie hört. Des Höchsten Stimme haut wie Flammen, sie hauet um sich und zerstört. 780 Zweiter Theil. 8. Die Stimme spricht: die Wüste zittert, welch Schrecken brauset durch sie hin! durch Gottes Stimme wird erschüttert die wundervolle Wüste Sin. 9. Erschreckt von dieser mächtgenStimme, gebären Hindinnen zu früh. Und schnell entblößet sie im Grimme die Wälder und entwurzelt sie. 10. Gott spricht, daß er verherrlicht werde! sagt ihm im Tempel Lob und Dank; er sprach und richtete der Erde die Sündfluth zu zum Untergang. 11. Und sie vertilgte die Verbrecher, die seines Namens Ehr entweiht. Da war er König, Richter, Rächer, und das ist Gott von Ewigkeit. 12. Gott wird in aller Feinde Stürmen den Kindern Jacobs Kraft verleihu. Er wird sie segnen, sie beschirmen, um sie wird großer Friede sein. Mel. Nun danket alle Gott.- 9. 427. Höchster, dessen Kraft Lust, Meer und Erde träget, der Erde, Luft und Meer durch einen Wink beweget: ich lobe deine Güt, ich preise deine Macht, auch da bei deinem Blizz der Donner schreckend kracht. Besondere Gebetlieder. 781 2. Dräut gleich der Grund der Welt zu wanken, zu vergehen; läßt die geborstne Luft gleich nichts als Flammen sehen; heult gleich mit Ungestüm empörter Winde Wuth; droht dem erschrocknen Land gleich eine Wasserfluth. 3. So zittert, blizt und rauscht doch alles Gott zu Ehren. Er lässet seine Stimm im Donner prächtig hören; er zeiget ſeine Kraft und seine Lieb, es bricht selbst durch der Wolken Nacht des Schöpfers Weisheitslicht. 4. Gott führet väterlich, zum Nußen und zum Segen, der Wolken feuchte Frucht, den oft erbetnen Regen, durch Wind und Wetter her; macht durch der Blize Brand nicht nur die Lüfte rein, tränkt auch das dürre Land. 5.0 Weisheit sonder Ziel! o Allmacht sonder gleichen! o wahrer Vaterlieb untrüglich helles Zeichen! ach möchten wir es doch in froher Ehrfurcht sehn, und auch im Wetter selbst der Gottheit Huld verstehn! 6. Denn ob darüber gleich Luft, Meer und Erd erschüttern, so darf ein frommes Herz doch darum nicht erzittern! schreckt 782 Zweiter Theil. dich des Schöpfers Macht, so denke doch dabei, daß er zu deinem Schutz nicht minder mächtig ſei. 7. Gewiß, du ehrst ihn nicht, wenn du zu knechtisch bebest, und unter Blizz und Knall in lauter Aengsten schwebest. Sieh deinen starken Gott doch nicht so machtlos an, daß er im Wetter dich nicht auch beschirmen kann. 8. Es wirket seine Macht ein ehrfurchtvolles Grauen, doch auch nicht weniger ein kindliches Vertrauen. An uns liebt unser Gott zwar Ehrerbietigkeit, doch mehr noch Zuversicht, noch mehr Gelassenheit. 9. Und sollte, was er thut, dir etwa Schaden bringen, so suche christlich stark den Unmuth zu bezwingen. Ohn ihn kann nichts geschehn, und was durch ihn geschicht, ist alles nüß und gut, begreift man es gleich nicht. 10. Weil aber dieses nicht in unsern Händen stehet, und man sich blos, o Herr, durch dich zu dir erhöhet, so fleh ich inniglich: gib mir die Eigenschaft, die dir ge fällig ist, und des Vertrauens Kraft. 11. So oft wir blitzen sehen, so oft wir donnern hören, laß uns Herr Zebaoth, Besondere Gebetlieder. 783 dich lieben, fürchten, ehren! hat deine Güte schon den Blizz hervorgebracht, so ist sein Strahl doch auch ein Zeichen deiner Macht. 12. Von unserm Nichts kann nichts so klar uns überführen, als wenn wir die Gewalt der Elemente spüren. Die ungeheure Macht erweiset, wie so klein, so elend so gering und schwach wir Menschen sein. 13. Drum, Herr, erbarme dich! erbarme dich aus Gnaden! laß dies Gewitter doch den Unsrigen nicht schaden. Gib, daß der grause Sturm, gib, daß der Schlossen Heer uns weder Leib noch Gut entreiße, noch versehr. 14. Ach, laß in der Gefahr, bei Donner, Blizz und Stürmen, uns deine Lieb und Macht, o Vater, doch beschirmen! vor allem aber gib, wenn die Gefahr vorbei, daß ſo für Schuß als Nuß, dir jeder dankbar ſei! Mel. von Nr. 42. 428. Des Donners schreckendes Gebrülle wird schwächer, und die Bliße fliehn; bald schmückt, bei angenehmer Stille, der Sonne Glanz das feuchte Grün. Herz! heischet dies nicht deinen Dank? heischt dies nicht einen Lobgesang? 784 Zweiter Theil. 2. Die frohe Heerde blöckt schon wieder: ein Chor der Vögel schwirrt und singt nur von dem Herrn verstandne Lieder. Ihr munterer Gesang durchdringt der ungemeßnen Lüfte Kreis, dem Segensgott zum Ruhm und Preis. 3.0 Seele, preise den Erretter, der seine große Kraft bewies; den starken Gott, der sich im Wetter so majestätisch hören ließ, der selbst des Blizes Strahlen lenkt, und auch im Zorn der Gnade denkt. 4. Nimm auch des Höchsten theure Güte in Bliß und Ungewitter wahr. Dem frohen forschenden Gemüthe stellt sich ein großer Schauplaß dar von ungezählter Segensspur, zum Labsal aller Kreatur. 5. Wenn bei erhitzter Dünste Glühen ſowohl die Menschen als das Vieh den Odem matt und keuchend ziehen: wie froh, wie munter werden sie, wenn in die ängstlich schwüle Luft der Donner fühle Winde ruft. 6. Wie lieblich hebt sich das Getreide, getränket durch den Regenguß, und wie vergnügt betritt die Weide der neubelebten Thiere Fuß! der muntern Vögel frohes Heer verkündigt des Erhalters Ehr. Besondere Gebetlieder. 7. O Gott! wie viele Segensproben verbreitest du auch durch den Blizz; dich muß man auch im Wetter loben. Du meinst es gut und wie's uns nüß. Dir sei mein Herz ein Dankaltar; dir bring ich Lob zum Opfer dar. 785 8. Verfleucht der Knall von Donnerwettern: des Wortes sanfter Donner währt. Droht nun kein Blitz uns zu zerschmettern: des Wortes Leuchten bleibt und nährt. Sei treu, o Herz! bei diesem Licht; Gott rührte dich; vergiß es nicht! Fürbitten. Für die Obrigkeit. Mel. Aus meines Herzens Grunde. F 429. I ehovah, Herr und Kö- nig der Könige und Herrn, dir ist man unterthä- nig: du herrschest nah und fern, du Gott, Herr Zebaoth! an Ehren groß 50 786 Zweiter Theil. und prächtig, im Schüßen stark und mäch- tig, ein Helfer in der Noth. 2. Nach deines Knechtes Lehre ist keine Obrigkeit, die, Herr, von dir nicht wäre; ihr Schwert, das Frevlern dräut, das hat fie ja von dir! wer ihr zuwider lebet, der wagts und widerstrebet dir selbst noch mehr als ihr. 3. Ach, lieber Vater, lehre mich doch durch deinen Geist, daß ich die Obern ehre, wie uns dein Wort es heißt! fie tragen ja dein Bild; laß mich Gehorsam üben, und sie mit Ehrfurcht lieben, wie du es haben willt. 4. Die wirzuHerrschern haben, laßdeinen Willen thun. Laß deines Geistes Gaben auf ihnen reichlich ruhn. Du herrschest selbst im Land. Das Herz der Obrigkeiten kannst du wie Bäche leiten, es steht in deiner Hand. 5. O Gott von großer Güte, gib ihrem Geiste Licht. Gib Treue dem Gemüthe zum Urtheil im Gericht. Laß stets durch ihr Bemühn den Frommen sicher stehen, der Bösen Rath vergehen, und alle Stände blühn. Besondere Gebetlieder. 787 6. Gib, daß durch ihr Regieren wir mit Zufriedenheit ein ehrbar Leben führen in wahrer Frömmigkeit. Herr Gott, du segnest gern; wir bitten ohn Ermüden: gib Segen, Heil und Frieden durch Jesum, unsern Herrn. Bei der Einführung eines Predigers. 430. Erlöser! sich auf uns hernieder, auf Hirten und der Heerde Glieder, die wir vereinigt zu dir schrein, und unsre Bitten, unsre Lieder, laß, Herr, dir wohlgefällig sein. 2. O selig, welchen du erwählet, und deinen Boten zugezählet, wenn er dein Wort aufrichtig lehrt, und wo er fehlt, aus Schwachheit fehlet, und selbst thut, was man von ihm hört! 3. Soselig sei auch der zu halten, für den wir jetzt die Hände falten, da er sich deinem 50* 788 Zweiter Theil. Dienst geweiht, und solchen würdig zu verwalten sich binden will mit Wort und Eid. 4. Du selbst mußt ihm Vermögen geben, mit Licht und Kraft den Geist beleben, und leiten ihn als bei der Hand; dann macht sein wichtiges Bestreben erst dich und deinen Ruhm bekannt. 5. O laß ihn, Herr! durch dich belehret, durch keines Irrthums Wahn bethöret, die Wahrheit selbst gerühret sehn, und wie sich auch das Fleisch empöret, doch ihre Stege richtig gehn. 6. Gib Gnade, daß zu rechter Stunde dein streng Gesetz aus seinem Munde den Sünder wecke, doch dabei des Lebens Wort vom Gnadenbunde für schüchterne Gewissen sei! 7. Ach! laß ihn seiner Arbeit Früchte mit unbeschämtemAngesichte nachweisemFleiße reifen sehn, und bei dem drückenden Gewichte des Amts, die Kraft von dir erflehn. 8. Erhalt ihn in den rechten Schranken, in Wort, in Wandel und Gedanken! gib ihm, nur deinen Geist zu scheun, von seinem Vorsatz nicht zu wanken, und bis ans Ende treu zu sein. Besondere Gebetlieder. Bei der Einsegnung der Eheleute. Mel. Vom Himmel hoch- 107. 431. Gott! dess' gnadenvoller Rath den Ehstand eingeseßet hat, der du ihn segnest, schüßest, liebst, und ihm Glück, Heil und Gnade gibst. 789 2. Gib diesen, daß sie stets mit Flehn in Lieb und Eintracht zu dir gehn; und wenn ihr Herz voll Andacht schreit, gib, daß ihr Werk auch wohl gedeiht. 3. Auch wenn sie Kreuz und Kummer drückt, so zeige, daß du es geschickt. Hilf bald, und gib, daß sie zuletzt dein gnadenreicher Trost ergeßt. 4. Laß Eltern Schand und Sünde fliehn und fromme Kinder auferziehn, daß Einigkeit, Zucht, Scham und Treu zu aller Zeit im Wachsthum sei. 5. Laß, die im Ehestande stehn, sich, Herr, durch dich gesegnet sehn. Gib, daß sie deinen Willen thun, und unter deinem Schuße ruhn. 6. O treuer Gott! wir bitten dich, regiere sie stets gnädiglich, erhalte sie die Lebenszeit in deiner Furcht und Heiligkeit. 790 Zweiter Theil. 7. So bringen sie dir lebenslang für solche Gnade herzlich Dank, bis dich, Gott Vater, Sohn und Geist! ihr froher Mund dort ewig preist. Mel. Wie schön leuchtet der. - 35. 432. Gott ist es, dessen weiser Rath den Ehestand gestiftet hat; er ists, der Eva machte, und diese tugendvolle Braut, die er aus Adams Ripp erbaut, zum ersten Menschen brachte. Ehen sehen derowegen Gottes Segen; Gott beglücket was er stiftet, fügt und schicket. 2. So lebt ein frommer Mann beglückt, wenn Gott ihm eine Gattin schickt, durch die er wird gesegnet; wenn eins das andere zärtlich liebt, und ihnen Gott den Frieden gibt. O! wie viel Wohlsein regnet täglich reichlich auf die Seelen, die Gott wählen, die sich lieben und zugleich die Tugend üben. 3. Gott schmücket ihr geliebtes Haus mit wohlgerathnen 3weigen aus, woran sie Freude sehen; und bricht gleich oft ein Kreuz herein, will er selbst Trost und Helfer ſein, und stets zur Seite stehen. Endlich soll sich nach dem Leide ewge Freude für sie finden; Gott will ihnen Kränze winden. Besondere Gebetlieder. Nach der Trauung. 4. Nun, Gott! du hast es wohl bedacht, die heilge Ordnung selbst gemacht, und willst sie noch bedecken. Dein Geist regiere Mann und Weib, daß sie, ein Herz, ein Fleisch und Leib, dein Bündniß nie beflecken. Rühre, führe ihre Seelen, dich zu wählen, dich zu ehren; laß sie keine Noth beschweren. 5. Führ ihre ganze Lebenszeit zur Gottesfurcht und Heiligkeit durch deines Geistes Stärke. Regier und lenke doch ihr Herz von Fleischeslust, vom eitlen Scherz, allein auf gute Werke. Laß die, so die Ehen schließen, Heil genießen, Segen sehen, und zur Lammeshochzeit gehen. 791 Der Eltern für ihre Kinder. Mel. Werde munter, mein.- 116. 433. Sorge doch für meine Kinder, Gott, der du ihr Vater bist. Sie sind freilich vor dir Sünder, doch versöhnt durch Jesum Christ, und in ihrer Kindheit schon dir und Jesu, deinem Sohn, bei der Taufe übergeben, dein zu sein und dir zu leben. 2. Du hast sie bisher genähret; du haſt manchem Unglücksfall mehr als väterlich gewehret. Da dein Engel überall, ob er 792 Zweiter Theil. gleich dein Antlitz sieht, sich doch für sie froh bemüht: o so muß mich ihr Gedeihen, Herr, mit jedem Tag erfreuen. 3. Sollt ich denn für solche Güte dir nicht herzlich dankbar sein, und mit dankendem Gemüthe mich bei solchem Glücke freun? Beigt ich nicht voll Rühmens an, was du, Herr, an mir gethan, ach, so würde dies mein Schweigen von dem schnödsten Kaltsinn zeugen. 4. Herr! du bists, was mich ergebet, meiner Seele Trost und Heil, das mein Herz am höchsten schäßet; Herr, du bist mein Gut und Theil. Bleib auch meiner Kinder Gott; laß sie doch in keiner Noth, auch im Glücke nicht verderben, rühmlich leben, selig sterben. 5. Laß sie nicht ihr Herz verstocken, heb es stets zu dir empor. Wenn sie böse Buben locken, o dann höre nicht ihr Ohr. Laß der Thoren Wahn und Scherz nicht ihr jugendliches Herz, das nur dir gehört, entweihen; deiner müss es sich erfreuen. 6. Laß du sie schon hier auf Erden dir zum Ruhm geschäftig sein, und den Menschen nützlich werden. Deine Furcht pflanz Besondere Gebetlieder. 793 ihnen ein, daß in einer argen Welt sie stets thun, was dir gefällt, und nach deinem heilgen Willen treulich ihre Pflicht erfüllen. 7. Gib, Herr, daß sie stets mit Ehren, nicht den Feind zum bittern Spott, nicht dem Freund zur Last, sich nähren. Segne du ihr täglich Brot, daß sie nie ein Unfall schreckt, der zu herbes Leid erweckt. Schlägst du sie, so laß es ihnen stets zum wahren Besten dienen. 8. Still laß ihre Tage fließen. Laß ſie ihre Prüfungszeit tugendsam und fromm genießen. Wenn sie dann zur Ewigkeit endlich einmal übergehen, so laß sie vor dir bestehen. Laß sie sanft und ruhig sterben und dort deinen Himmel erben. 9. Gönne mir die große Freude, daß ich an dem jüngsten Tag, nach hier überstandnem Leide, einst mit Jauchzen sagen mag: liebster Vater, ich bin hier, nebst den Kindern, die du mir einst in deiner Gunst gegeben; ewig will ich dich erheben. Der Kinder für ihre Eltern. Mel: Jesus, meine Zuversicht.- 47. 434. Gott, mein Vater! Dank sei dir! du hast Gutes, Leib und Leben, durch die 794 Zweiter Theil. Hand der Eltern mir ohne mein Verdienst gegeben; für mich krönst du ihre Müh, mir zu gut erhältst du sie. 2. Oft hab ich sie schon betrübt. Ach, vergib mir diese Sünde! nie hab ich sie so geliebt, wie es einem jeden Kinde Wort und selbst Natur gebeut. Gott! es ist mir herzlich leid. 3. Was ich ihnen schuldig bin, nehm ich willig wohl zu Herzen. Laß mich nicht durch Eigensinn ihre Huld und Gunst verscherzen. Gib, daß meine Dankbarkeit, mein Gehorsam sie erfreut. 4. Wie viel Sorgen, Angst und Müh haben oft ihr Herz gebeuget? Wie viel Liebe haben sie täglich, stündlich mir erzeiget? Haben sie nicht manche Nacht, wenn ich schlief, für mich gewacht? 5. Laß denn, ohne Heuchelei, mich vor ihnen dankvoll beugen, und Gehorſam, Lieb und Treu stets in Wort und Werfen zeigen; so fehlt mir der Segen nicht, den mir dein Gesetz verspricht. 6. Stelle mir zum Beispiel für jenes Muster aller Kinder, Jesum, der zwar Besondere Gebetlieder. 795 Eins mit dir, und die Eltern doch nicht minder mit Gehorsam selbst verehrt; dies sei mir nachahmungswerth. 7.Lege viele Jahre zu meiner Eltern Zeit auf Erden; Laß sie, Herr! in Fried und Ruh mir zum Besten älter werden. Beten sie für sich und mich, so erhör es gnädiglich. 8. Alles Kreuz mach ihnen leicht; hilf es, Vater! selber tragen, und wenn sie ihr Ziel erreicht, nach den sauern Lebenstagen: so gib du vor deinem Thron ihnen frommer Eltern Lohn. Eines Waisen. Mel. Warum betrübst du dich, mein Herz. 435. D welch ein Leiden, das mich +4 drückt! das du mir, Vater! zugeschickt! $ weil leider! mir der Tod die Eltern früh entrissen hat; demüthig ehr ich deinen Rath. 796 Zweiter Theil. 2. Drum flieht mein fummervoller Sinn zu dir, dem höchsten Helfer, hin. Herr! stehe du mir bei! zu dir steht meine Zuversicht; verlaß mich, bester Vater! nicht. 3. Ach! flöß mir wahre Tugend ein, so werd ich immer glücklich sein. Herr! feit und führe mich. Laß mich bei dir in Gnaden stehn, so wird mir's immer wohl ergehn. 4. Von dir kommt alles wahre Gut: drum gib mir Weisheit, Kraft und Muth durch deinen guten Geist; damit mein schwaches Herz nicht fehl, und stets das beste Theil erwähl. 5. Beschütz mich auch, o treuer Gott! in Kreuz, Verfolgung, Angst und Noth, in Seel- und Leibsgefahr. Bedeck mich durch der Engel Wacht als Gott und Helfer Tag und Nacht. 6. O Brunnquell aller Gütigkeit! bescheere mir von Zeit zu Zeit die Mittel meines Glücks; du weißt ja leicht für jeden Rath, den deine Hand erschaffen hat. 7. Du hörest, wenn die Raben schrein: laß auch dein Kind erhöret sein, und nimm Besondere Gebetlieder. mein Seufzen auf; gib Kleider anzuziehn, und Brod zu essen, o du reicher Gott! 797 8. Ich werfe meine Sorg auf dich, mein Gott und Herr! versorge mich, und mach es immer wohl; so lob ich dich, so dank ich dir für solche Gnade für und für. 9. Bricht dann mein Lebensziel herein: laß mich des Himmels Erbe sein. Erlang ich dieses nur, so acht ich weder Noth noch Qual in diesem jammervollen Thal. 31) Loblieder. a. Vom Lobe Gottes. Mel. des 134. Psalms. 436. A uf, Christen! preist mit mir den Herrn! wer preist, was herrlich iſt, nicht gern? Und welch ein Glanz, der Gott verklärt! wer ist wie er, des # Lobes werth? 2. Lobt ihn! sein ganzer Nam ist Ruhm; Unendlichkeit sein Eigenthum. Dies grän 798 Zweiter Theil. zenlose Meer von Licht durchschauet selbst der Engel nicht. 3. Ja, eure Lust sei, ihn erhöhn! solch Lob ist heilsam, lieblich, schön, schärft den Verstand, erhebt das Herz, und stillt im Leiden allen Schmerz. 4. Wie wird der Geist dadurch entzückt, hinauf gen Himmel hingerückt, mit ſeinem hocherhabnen Freund, mit Gott, stets inniger vereint! 5. Welch ein so herrlicher Beruf, zu dem Gott selbst die Engel schuf! welch eine theure süße Pflicht, die uns so reichen Lohn verspricht. 6. Ja, Pflicht ists, daß ihr sein gedenkt, ihr, denen er Verstand geschenkt; die Ehre des Verstandes ist, daß ihr den Ewgen kennt und wißt. 7. Pflicht ist es, daß ihr ihn befingt, die ihr von ihm ein Herz empfingt, das sich zu Gott mit Inbrunst nahn, und seine Größe fühlen kann. 8. Auch euer Mund, so oft er spricht, erinnert euch an diese Pflicht. Die Sprache dankt ihr ihm allein, und wolltet nicht voll Rühmens sein? Vom Lobe Gottes. 799 9. Wer ist gutthätiger, als Er? denn welche Gabe sollt uns der nicht schenken, der so sehr uns liebt, daß er auch seinen Sohn uns gibt? 10. Was gebet ihr nun ihm dafür? ist nicht ein Herz voll Dankbegier, das ganz in seiner Liebe brennt, das Einzge, was ihr geben könnt? 11. Auf, Christen, preist mit mir den Herrn; wer preist nicht milde Geber gern? gedenkt, wie viel er uns gewährt! wer ist, wie er, des Dankes werth? Der 134. Psalm. Mel. von Nr. 436. 437. Erhebet Gottes Heiligkeit ihr, die er sich vor andern weiht, und die ihr vor ihm Tag und Nacht zu seinem Lob und Dienste wacht! 2. Erhebet zu ihm Herz und Hand, und bittet ihn für jeden Stand; und lehrt und singt im Heiligthum, als wie die Engel seinen Ruhm! 3. Euch segne Gott von seinem Thron, und sei dort ewig euer Lohn; euch segne Gott, der alle Welt erschaffen hat und noch erhält. Zweiter Theil. b. Allgemeine Loblieder. Der 34. Pfalm. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 82. 438. Dir, mein Gott, will ich lobsingen, und von meinem Munde soll stets dein Lob zum Himmel dringen; denn mein Herz ist Dankes voll. Deiner freut sich mein Gemüthe, rühmt sich, mein Gott, deiner Güte; alle Frommen freuen sich deiner, Herr, und loben dich! 800 2. Ja, preist ihn ihr frommen Seelen, stimmt Danklieder mit mir an! laffet fröhlich uns erzählen, was der Herr uns Guts gethan! lasset, laſset uns zuſammen Lieder fingen seinem Namen! ein vereintes Lob gefällt unserm Gott, der uns erhält. 3. Herr, du haft mein Leid vernommen, du sahst meine ganze Noth! mein Geschrei ist vor dich kommen: da halfst du mir, o mein Gott! und du eiltest auf mein Beten, mich aus meiner Noth zu retten; strecktest, ach, wie dank ich dir, deine Baterhand zu mir! 4. 3ittert nicht in den Gefahren! unsers Gottes Angesicht schaut auf uns, uns zu bewahren; Fromme! Gott verläßt euch nicht. Wer will uns unglücklich machen? Allgemeine Loblieder. 801 Gottes starke Engel wachen immer um uns! Gottes Treu steht beim nahen Tod uns bei. 5. Schmecket, Freunde Gottes, schmecket, fühlet seine Freundlichkeit! seine Gnad und Huld bedecket jeden, der sich seiner freut. Gott kann uns in allen Stürmen, wenn wir ihm vertraun, beschirmen; ja, der Herr ist unser Gott, unser Fels in jeder Noth! 6. O wer wollte dich nicht ehren? wer verdient Vertraun, als du? wer kann in der Noth erhören? wer kann helfen, Gott, wie du? du willst die, die deinen Willen freudig thun, mit Freud erfüllen, ihnen fehlts an Segen nie; du ernährst und fegnest fie. 7. Was die Frommen sich erwerben, das verdirbt nicht dein Gericht, Sünder läßt du oft verderben, aber deine Kinder nicht. Wer den Herren sucht und liebet, wird mit Mangel nie betrübet, er verheißt es, daß für den seine Schäße offen stehn. 8. Kommt dann, fromme Seelen, höret, wie der Herr euch segnen kann! nehmet, Kinder, was er lehret, mit bereitem Herzen an! ihr müßt, wollt ihr selig leben, eure 51 802 Zweiter Theil. Herzen Gott ergeben; euer Herz und Mund muß rein, ganz das Leben heilig sein! 9. Fliehet eurer Bunge Sünden; laßt zu keiner Heuchelei, keine Sünd euch überwinden, bleibt Gott und der Tugend treu, sucht und jaget nach dem Frieden, laßt den Feind euch nicht ermüden, thut ihm Gutes, thut es gern, Neid und Zorn sei von euch fern! 10. Gott schaut alle seine Knechte stets mit Wohlgefallen an! er ists, der, wenn der Gerechte zu ihm schreit, ihm helfen kann; in sein Buch sind alle Klagen seiner Frommen eingetragen; ihre Thränen und ihr Schmerz rühren sein erbarmend Herz. 11. Aber Gottes Born verzehret weg von seinem Angesicht jeden, der ihn frech entehret! spottet, Sünder, Gottes nicht! fleht ihn an, daß seine Rache nicht schnell wider euch erwache; Gott ist gut, doch immer schont der nicht, der im Himmel wohnt. 12. Weh dem, der den Frommen drücket, Gott siehts! und der Fromme schreit, und Gott hörts, und Gott erquicket ihn, zur Hülfe stets bereit. Er ist nahe allen denen, die sich nach der Hülfe sehnen; so gewiß sie zu ihm flehn, werden sie die Rettung sehn. Allgemeine Loblieder. 803 13. Züchtigt Gott gleich unsre Seelen: er meints immer mit uns gut, läßt, wenn uns die Leiden quälen, doch nicht sinken unsern Muth. Gott beschüßt, erhält die Seinen, die es redlich mit ihm meinen; er bleibt in der größten Noth, wie im Glück, ein treuer Gott! 14. Ohne seinen Rath und Willen wird uns nie ein Haar gebeugt; er kann jedes Wetter stillen, das schnell auf uns niedersteigt! er, er wird mit seinen Wettern seiner Feinde Schwarm zerschmettern! dient denn, Fromme, Gott! ihr seid sein in alle Ewigkeit. Der 100. Pfalm. Mel. Vom Himmel hoch, da. 109. 439. Ihr Völker, jauchzt mit frohem Schall dem Gott der Götter überall! erscheint in seinem Heiligthum mit eifersvollem Dank und Ruhm! - 2. Der Herr ist Gott. Nur er allein, nicht wir, verlich uns unser Sein. Wir sind sein Werk und eigen Gut, und Schafe seiner Weid und Hut. 3. Erhebt, empfangt ihn allzugleich, und eilet in sein Gnadenreich! er öffnet 51* 804 Zweiter Theil. seine Thore weit. Da dringt hindurch mit Freudigkeit. 4. Unendlich groß ist seine Treu. Sie scheint uns alle Morgen neu; und seine Huld und Gütigkeit besteht durch aller Zeiten Zeit. Der 103. Psalm. Mel. von Nr. 265. 440. Lobsinge Gott mit wahrem Andachtstriebe, o meine Seel, und preise seine Liebe! was in mir ist, erhebe seine Treu! ich soll, ich will mit dankerfüllter Seelen, so lang ich kann, erwägen und erzählen, wie groß an mir sein Gnadenreichthum sei! 2. Bewein ich nur mit Schmerzen meine Sünden, so läßt er mich bald seinen Trost empfinden. Er heilt mein Weh und tilget meine Schuld. Der Herr, mein Gott, erlöst mich vom Verderben, und frönet mich, als einen Himmelserben, mit heilgem Schmuck und ewig reicher Huld. 3. Er sättigt mich mit aller Güter Fülle, gewähret mir des innern Friedens Stille, und schaffet mich, wie Adler, jung und neu. Er gibt nicht zu, daß jemals COF Allgemeine Loblieder. 805 Welt und Hölle mit Macht und List des Armen Unschuld fälle, und im Gericht steht er ihr siegreich bei. 4. Wie herrlich zeigten sich dort seine Wege, wie wundervoll sein Schutz und seine Pflege durch Mose Dienst an Jacobs großem Heer! der Herr ist sanft und milde von Gemüthe; er übt an uns nur Treu, Geduld und Güte, langsam zum Zorn und voll Mitleid ist er. 5. Verdienen wir, daß er uns gar verlasse, und droht er uns mit seinem schweren Hasse: so währet doch sein Zorn nicht lange Zeit. Er lohnt uns nicht nach unsern Missethaten; und wenn wir auch in seine Bucht gerathen, so dient sie nur zu unsrer Seligkeit. 6. Er läßt an uns, wenn wir ihm findlich trauen, viel höher noch der Gnade Wunder schauen, als über uns der Himmel Kreise gehn. Die Sünde muß viel weiter von uns schwinden, als Ost und West sich von einander finden, wenn wir zu ihm mit Neu und Thränen flehn. 7. So zärtlich schont kein Vater seine Kinder, als unser Gott der tiefgebeugten Zweiter Theil. Sünder; er schlägt und heilt und lindert ihre Pein, als welcher stets auf unsre Schwachheit schauet. Er denkt daran, daß wir aus Staub gebauet, und wieder Staub in kurzem werden sein. 8. Wie eitel sind doch unsre kurzen Tage! wir leben kaum, so find't sich Müh und Plage; wir blühn, doch wie eine Blume blüht, die jeder Wind, der kaum darüber fähret, versengt und dörrt, und wie in nichts verkehret, daß niemand mehr auf ihre Spur nur sieht. 9. Nur Gottes Treu kann nimmermehr vergehen; wenn wir nur fest in seiner Furcht bestehen, will sie auf uns und unsern Enkeln ruhn. Sein ewig Heil wird über denen walten, die seinen Bund und sein Gesezze halten, und was er will, von ganzem Herzen thun. 10. Des Herren Thron ist himmelhoch erbauet, von welchem er auf alle Menschen schauet. Sein Wink regiert die Völker aller Welt. Lobsingt dem Herrn, ihr Engel und ihr Helden, die sein Gebot vollstrecken und uns melden, und die sein Wort in ewger Uebung hält. 806 Cha Allgemeine Loblieder. 807 11. Lobsingt dem Herrn, ihr seine lichten Heere, die ihr um ihn, uns Sterblichen zur Lehre, mit Freuden dient, und seinen Willen thut! Lobsingt dem Herrn, ihr alle seine Werke; so weit er herrscht, verehret seine Stärke; lobsing auch du, mein Geist, dem höchsten Gut. Coins Der 111. Pfalm. Mel. von Nr. 55. 441. Gelobt sei Gott! ihm will ich fröhlich singen, ihm Dank und Ruhm mit den Gerechten bringen, und der Versammlung aller frommen Seelen sein Lob erzählen. 2. Groß, majestätisch sind des Höchsten Werke, und würdig, daß man sie erforsch und merke! aus ihnen strömen heilige Vergnügen, die nie versiegen. 3. Was er nur ordnet, ist voll Schmuck und Ehre, daß er, wie groß er sei, die Welten lehre. Der Höchste bleibt gerecht von Ewigkeiten auf alle Zeiten! 4. Er baut den Wundern, die sein Arm verrichtet, ein Denkmal, welches keine Zeit zernichtet! der Herr von frommem, duldendem Gemüthe; der Herr voll Güte. 808 Zweiter Theil. 5. Der Herr gibt Speise denen, die ihm dienen; was er verheißet, das erfüllt er ihnen; er denkt des Bundes, ewig soll er währen, weil sie ihn ehren. 6. Die Thaten seiner Hand sind Recht und Trene. Gottspricht kein gnädig Wort, das ihn gereue. Der Fromme weiß, daß er aus Lieb und Güte sein Recht gebiete. 7. Es dauert fest und ewig unbeweget! er hats auf Stein und uns ins Herz gepräget, daß wir getreu und willig seinen Rechten gehorchen möchten. 8. Er sendet Heil und Rettung seinem Erbe, damit es nicht der Feinde Grimm verderbe. Sein Bund, die Frommen herrlich zu erhöhen, bleibt ewig stehen. 9. Die Furcht vor Gott, die Luft, ihn zu erheben, führt uns zur Weisheit, führet uns zum Leben! sie gibt Verstand und Licht, damit die Seele, was gut ist, wähle. 10. Von ihr geleitet, lernt man Wege wallen, die nie verführen, welche Gott gefallen. Der Ruhm, womit sie sich geschmückt wird sehen, wird nie vergehen. Allgemeine Loblieder. Der 311. Psalm. Mel. Allein Gott in der Höh.- 15. 442. Ihr Knechte Gottes, lobt den Herrn, lobt seinen heilgen Namen! geLobet sei er nah und fern, und jetzt und ewig! Amen! Vom Aufgang bis zum Niedergang sei er der Heiligen Gesang, ihr Ruhm und ihre Freude! 2. Unendlich ist der Herr erhöht, hoch über alle Heiden. So weit der große Himmel geht, muß Ehr und Schmuck ihn kleiden. Ja, ja, wer ist, wie unser Gott, der hohe Herrscher Zebaoth, der auf das Niedre siehet? 3. Er richtet die Geringen auf, die nach Errettung dürsten, und fördert des Verlaßnen Lauf, und setzt ihn zu den Fürsten. Der Unfruchtbaren ödes Haus schmückt er mit holden Kindern aus. Laßt: Hallelujah! schallen! Der 117. Psalm. Mel. von Nr. 46. 443. Lobt, lobt den Herrn, ihr Nationen! frohlockt ihm, bringt ihm Ruhm und Macht! von allen, die auf Erden wohnen, werd Ehr und Lob dem Herrn gebracht! 809 810 Zweiter Theil. 2. Denn seine Gnade, seine Treue ist groß und unveränderlich; sie herrschet ewig. Erdkreis freue der Gnad und Treue Gottes dich! 3. Lobt, lobt den Herrn, ihr Nationen! frohlockt ihm; bringt ihm Preis und Macht! von allen die auf Erden wohnen, werd Ehr und Lob dem Herrn gebracht! 444.& obet den Herren, alle Hei- den, preiset ihn alle Völ- ker, denn seine Gnade 目 $ und Wahrheit waltet über uns in Ewigfeit. Al- lelu- ja! Alleluja! 2. Ehr sei dem Vater und dem Sohne, und auch dem heilgen Geiste, als es im Anfang war und nun bleibet bis in Ewigkeit! Amen! Alleluja! Alleluja! Mel. von Nr. 108. 445. Sollt ich meinem Gott nicht fingen? sollt ich ihm nicht dankbar sein? Allgemeine Loblieder. 811 Sollte nicht in allen Dingen seine Liebe mich erfreun? Lieben ist es, nichts als Lieben, herzliche Barmherzigkeit, die so oft und viel verzeiht! Herr! ich will dich ewig lieben, ich will, als dein Eigenthum, stets erheben deinen Ruhm! 2. Wie ein Adler sein Gefieder über seine Jungen streckt, so hat( dankts ihm, meine Lieder) mich auch Gottes Arm bedeckt! Gott! der über mir schon wachte, als ich kaum zu sein begann, sah mit Vaterhuld mich an, eh ich lebte, eh ich dachte! Leib und Seele gabst du mir; Gott, o wie verdank ichs dir! 3. Für mich Armen, mich Verlornen, mich, der ich gefallen bin, gab er seinen Eingebornen, Jesum Christum, selber hin. Wer kann, was er that, ergründen? auf der ganzen Erde, wer? wer aus seiner Engel Heer kann es, wie er liebt, ergründen? seine Lieb ist immer neu, ewig seine Gnad und Treu! 4. Seinen wunderbaren Führer, seinen Tröster, seinen Geist, gibt der Herr mir zum Regierer, wenn die Welt mich an sich reißt, daß er meine Seele fülle mit des Zweiter Theil. Glaubens hellem Licht; dann, dann fürcht ich kein Gericht, und mein bebend Herz wird stille; deines Heils darf ich mich freun! Herr! dein bin ich! du bist mein! 5. Meinem bessern Theil, der Seele, gibt er Trost und Kraft und Ruh; wenn ich, was er wählte, wähle, strömet mir sein Frieden zu. Was, so lange wir hier wallen, wir bedürfen in der Welt, was die Hütten stüßt und hält, die dereinst in Staub zerfallen, auch dies gibt uns, dessen Ruf uns für diese Welt erschuf. 6. Himmel, Erd und ihre Heere sind zu meinem Dienste da! wohin ich mein Auge kehre, ist mir Gottes Segen nah! Thier und Kräuter und Getreide in den Gründen, auf der Höh, in den Büschen, in der See, sind mir Nahrung, sind mir Freude; vom Gedeihn und Ueberfluß trieft des Allerhöchsten Fuß! 812 7. Wenn Betrübniß meine Seele, Elend meinen Leib umgibt; dann, dann bet ich und verhehle nichts dem Gott, der doch mich liebt! wär er nicht mein Gott gewesen, hätte mich sein Angesicht nicht erquickt, so wär ich nicht von so vieler Qual genesen! Allgemeine Loblieder 813 vom Allsehenden bewacht, gieng ich durch die dunkle Nacht! 8. Wie ein Vater seinem Kinde niemals ganz sein Herz entzeucht, ob es gleich, verführt zur Sünde, von der rechten Bahne weicht! also sieht auch mein Verbrechen mein versöhnter Vater an, züchtigt mich, daß ichs gethan, wills nicht mit dem Schwerte rächen, weil, als ichs verirrt begieng, doch mein Herz noch an ihm hieng. 9. Wohlthat ist das Kreuz der Christen, ists gleich, wenn es da ist, Pein, führt er uns in dürre Wüsten, scheints gleich oft Gericht zu sein! und, was haben wir gelitten? duldeten die Märtyrer nicht viel mehr, als wir, viel mehr, eh sie ihre Kron erstritten? rühmt im Leiden, rühmt und preist Gott, der euch der Welt entreißt! 10. Ist, so lang ich leb am Grabe, Kreuz und Trübsal oft mein Theil: Gott, dem ich geglaubet habe, Gott gibt einst mir ewigs Heil! die, so hier mit Thränen säen, erndten dort mit Freuden ein; nach des kurzen Lebens Pein werd ich mein Geschick verstehen, jauchzen, daß mich Gottes Rath diesen Weg geleitet hat! 814 Zweiter Theil. 11. Weil denn ohne Ziel, ohn Ende deine Gnaden, Vater, sind, o so heb ich meine Hände zu dir auf, erhör dein Kind: Vater! du wollst Gnade geben, dir mich ganz und gar zu weihn, dein Verehrer stets zu sein, hier und in dem höhern Leben! Heilig, heilig, heilig ist er, der sein wird, war und ist! - Mel. Alle Menschen müssen sterben. 82. 446. Womit soll ich dich wohl loben, mächtiger Herr Zebaoth? sende mir dazu von oben deines Geistes Kraft, mein Gott! denn ich kann mit nichts erreichen deine Huld und Liebeszeichen. Tausend, tausendmal sei dir großer König, Dank dafür. 2. Herr! entzünde mein Gemüthe, daß ich deine Wundermacht, deine Gnade, Treu und Güte froh erhebe Tag und Nacht; denn was ich nur bin und habe, kommt von dir, ist deine Gabe. Tausend, tausendmal sei dir, großer König! Dank dafür. 3. Herr! ich muß mit Scham gestehen, daß ich häufe Schuld auf Schuld; und mein sündliches Bergehen raubt mir billig deine Huld! gleichwohl trägst du, Gott, Allgemeine Loblieder. 815 mich Armen noch beständig aus Erbarmen. Tausend, tausendmal sei dir, groBer König! Dank dafür. 4. Ja, Herr! wenn ich überlege, mit wie großer Gütigkeit du durch so viel Wunderwege mich geführt die Lebenszeit, so weiß ich kein Ziel zu finden, noch die Tiefen zu ergründen. Tausend, tauſendmal sei dir, großer König! Dank dafür. 5. Du, Herr, bist mir nachgelaufen, mich zu reißen aus der Glut; denn da mit der Sünder Haufen ich nur suchte irdisch Gut, hießest du mich dies verachten, und nur nach dem Himmel trachten. Tausend, tausendmal sei dir, großer König! Dank dafür. 6. O wie hast du meine Seele stets gesucht zu dir zu ziehn; daß ich nur das Gute wähle und das Böse möge fliehn, hast du mir durch Christum Leben, Licht und Kraft und Geist gegeben. Tausend, tausendmal sei dir, großer König! Dank dafür. 7. Ja, Herr, Majestät und Klarheit strahlt von Deinem Angesicht; all dein Thun ist Gnad und Wahrheit, recht und heilig dein Gericht; wer muß nicht aus 816 Zweiter Theil. deinen Werken deine Macht und Weisheit merken? Tausend, tausendmal sei dir, großer König! Dank dafür. 8. Bald kamst du mit Vaterschlägen, bald mit Wohlthun, Gott, zu mir, um mein Herz nur zu bewegen, sich ganz zu ergeben dir, und stets deinen guten Willen ohne Murren zu erfüllen. Tausend, tausendmal sei dir, großer König! Dank dafür. 9. Wie ein Vater nimmt und gibet nachdem's Kindern nüßlich ist: so hast du mich auch geliebet, Gott, der du barmherzig bist, und dich meiner angenommen, wenns aufs Höchste gleich gekommen. Tausend, tausendmal sei dir, großer König! Dank dafür. 10. Trägst du nicht in deinen Armen mich oft treu und väterlich? riß mich nicht oft dein Erbarmen aus Gefahr und schüßte mich? mußt ich einsam, hülflos weinen, so ließ'st du mir Trost erscheinen. Tausend, tausendmal sei dir, großer König! Dank dafür. 11. Bater! du hast mir erzeiget lauter Gnad und Gütigkeit; und du hast zu mir geneiget, Jesu! deine Freundlichkeit; und dein Wort, o Geist der Gnaden, heilet Allgemeine Loblieder. meinen Seelenschaden. Tausend, tauſendmal sei dir, großer König! Dank dafür. 12. Tausendmal sei dir gesungen Preis und Lob und Dank, mein Gott! daß es mir bisher gelungen. Ach! laß mich bis in den Tod fest in deiner Gnade stehen, und dereinst dein Antlig sehen, so werd ich, dein Eigenthum, ewig preisen deinen Ruhm. tro 817 Mel. von Nr. 46. 447. Du bists, dem Ruhm und Dank gebühret, und Ruhm und Dank, Herr! bring ich dir. Du hast mein Schicksal stets regieret, und deine Hand war über mir. 2. Wenn Noth zu meiner Hütte nahte, so hörte Gott, der Herr, mein Flehn, und ließ nach seinem gnädgen Rathe mich nicht in meiner Noth vergehn. 3. Ich sant in Schmerz und Krankheit nieder, und rief: o Herr, errette mich! da half mir Gott, der Starke, wieder, und mein Gebein erfreute sich. 4. Wenn mich des Feindes Haß betrübte, klagt ich Gott findlich meinen Schmerz. Er half, daß ich nicht Rache übte, und stärkte durch Geduld mein Herz. 52 818 Zweiter Theil. 5. Wenn ich verirrt vom rechten Pfade, mit Sünde mich umfangen sah; rief ich zu ihm, dem Gott der Gnade, und seine Gnade war mir nah. 6. Um Trost war meiner Seele bange, denn Gott verbarg sein Angesicht. Ich rief zu ihm: ach Herr, wie lange? und Gott verließ den Schwachen nicht. 7. Er half und wird mich fort erlösen. Er hilft, der Herr ist fromm und gut. Er hilft aus Reizungen zum Bösen, und gibt mir zu der Tugend Muth. 8. Dir dank ich, Herr, auch für die Leiden, die du zur Prüfung mir geschickt. Dir dank ich für die mehrern Freuden, womit mich deine Hand beglückt. 9. Dir dank ich für das Gut der Erden, für die Geschenke deiner Treu. Dir dank ich, denn du hieß'st sie werden, und deine Güt ist täglich neu. 10. Dir dank ich für die höchste Güte; selbst deinen Sohn gabst du für mich. Von ganzem Herzen und Gemüthe, von allen Kräften preis ich dich. 11. Erhebt ihn ewig, Gottes Werke! die Erd ist voll der Huld des Herrn. Sein, Allgemeine Loblieder. 819 sein ist Weisheit, Ruhm und Stärfe, er hilft und er errettet gern. 12. Er hilft, des Abends währt die Klage, des Morgens die Zufriedenheit. Nach einer Prüfung kurzer Tage erhebt er uns zur Seligkeit. 13. Vergiß nicht deines Gottes, Seele! vergiß nicht, was er dir gethan. Ehr seiner Heiligkeit Befehle, und bet ihn durch Gehorsam an. Mel. von Nr. 34. 448. uf! meine Seele, singe! an dir, so unwerth du es bist, thut Gott so große Dinge. Weh dir, wenn ihn dein Herz vergißt! Gott rettet dich ins Leben, will alle Missethat in Christo dir vergeben. O gnadenvoller Rath! schon hier wirst du mit Heile getröstet und erfreut, und dort wird dir zu Theile die Ruh der Ewigkeit. 2. Er hat uns wissen lassen, der Herr, sein Recht und sein Gericht; Erbarmung ohne Maaßen dem Frommen, der den Bund nicht bricht! schnell eilt sein Zorn vorüber, straft nicht nach unsrer Schuld, der Herr, begnadigt lieber, nimmt lieber auf zur Huld! wohl dem, der Christo lebet! Gott 52* 820 Zweiter Theil. ist er angenehm. Mit Adlersflügeln schwebet Erbarmung über dem. 3. Wie Väter mit Erbarmen auf ihre schwachen Kinder schaun: so thut Gott an uns Armen, wenn wir in Einfalt ihm vertraun. Gott weiß es, wir sind Sünder; Gott weiß es, wir sind Staub und der Verwesung Kinder, ein niederfallend Laub! kaum daß die Winde wehen, so ist es nicht mehr da! wir Sterbliche vergehen, stets ist der Tod uns nah. 4. Des Ewgen Gnad alleine bleibt, gleich als er, in Ewigkeit bei dir, des Herrn Gemeine, die ganz sich seinem Dienſte weiht, und daß sie selig werde, mit Furcht und Zittern ringt. Auf! daß ihr von der Erde schon jetzt euch dorthin schwingt. Dort nimmt mit seinen Engeln auch unsrer Brüder Schar, nun rein von allen Mängeln, stets seines Lobes wahr. 5. Anbetung, Preis und Ehre sei dir, Gott Vater, Sohn und Geist! wir singens in die Chöre der Schar, dich dich vollkommner preist. Anbetung, Preis und Ehre dir, der du warst und bist! wir stammelns nur; doch höre, hör uns, der ewig ist! Einst Allgemeine Loblieder. 821 tragen wir auch Palmen, du Gott, auf den wir traun; einst singen wir dir Psalmen, wenn wir verklärt dich schaun! Mel. Allein Gott in der Höh.- 15. 449. Lob, Ehr und Preis dem höchsten Gut, dem Vater aller Güte! dem Gott, der alle Wunder thut, dem Gott, der mein Gemüthe mit seinem reichen Trost, erfüllt! dem Gott, der allen Jammer stillt! Gebt unserm Gott die Ehre! 2. Es danken dir die Himmelsheer, Beherrscher aller Thronen, und die auf Erden, Luft und Meer in deinem Schatten wohnen, die preisen deine Schöpfersmacht, die uns und sie hervorgebracht! Gebt unserm Gott die Ehre! 3. Was unser Gott geschaffen hat, das will er auch erhalten! darüber wird des Weisen Rath, des Vaters Gnade walten! in seinem ganzen Königreich ist alles recht, ist alles gleich! Gebt unserm Gott die Ehre! 4. Jch rief zum Herrn in meiner Noth: ach Gott, vernimm mein Weinen! da half mein Helfer mir vom Tod, und ließ mir Trost erscheinen. Ich danke, Gott, ich 822 Zweiter Theil. danke dir, ach danket, danket Gott mit mir! Gebt unserm Gott die Ehre! 5. Gott ist uns nah und niemals nicht von seinem Volk geschieden; er, er ist ihre Zuversicht, ihr Segen, Heil und Frieden. Mit seiner Allmacht leitet er sein Volk durchs Feuer und durchs Meer. Gebt unserm Gott die Ehre! 6. Wenn Hülfe nicht mehr helfen kann, die nur die Welt erzeiget, so hilft, der ewig helfen kann, der Schöpfer selbst, und neiget sein huldreich Angesicht uns zu; denn außer ihm ist keine Ruh. Gebt unserm Gott die Ehre! 7. Ich will mein ganzes Leben lang, o Gott, dich freudig ehren! man soll, Herr, meinen Lobgesang an allen Orten hören! mein Geist, o Gott, erhebe dich! mein ganzes Herz erfreue sich! Gebt unserm Gott die Ehre! 8. Jhr, die ihr Christi Namen nennt, gebt unserm Gott die Ehre! ihr, die ihr Gottes Macht erkennt, gebt unserm Gott die Ehre! die falschen Gößen macht zu Spott; der Herr ist Gott! der Herr ist Gott! gebt unserm Gott die Ehre! Allgemeine Zoblieder. 9. Kommt, laßt uns vor sein Angesicht mit Freud und Zittern dringen; bezahlet die gelobte Pflicht, und laßt uns fröhlich singen: der Herr hat alles wohl bedacht, und alles recht und gut gemacht! Gebt unserm Gott die Ehre! Mel. Nun danfet alle Gott.- 9. 823 450. Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge thut hier und an allen Enden; der mächtig uns erhält, und von der Kindheit an uns so viel Gutes thut, mehr als man zählen kann. 2. Er, unser Vater, woll ein fröhlich Herz uns geben; der Herr laß uns, sein Volk, in stetem Frieden leben, und unsre Nachwelt auch, daß seine Gnad und Tren das ganze Land umfah, sein Segen mit uns sei. 3. Der große starke Gott woll uns von allem Bösen, und was uns schaden kann, gewaltiglich erlösen; er schüß uns in Gefahr, er helf uns allezeit, so lang er uns dahier das Leben noch verleiht. 4. Dir, Gott, dir, und nicht uns sei Ehr und Preis gegeben, was in uns ist soll stets, Herr, deine Huld erheben. Und 824 Zweiter Theil. stehn wir einst verklärt in deinem Heiligthum, so sei dein Name, Gott, auf ewig unser Ruhm. Mel. Nun danket alle Gott. 9. 451. Durch dich, o großer Gott, durch dich bin ich vorhanden. Die Himmel und ihr Heer sind durch dein Wort entstanden; denn wenn du sprichst, geschiehts; wenn du gebeutst, stehts da. Mit Allmacht bist du mir, und auch mit Güte nah. - 2. Du bist der Gott der Kraft; dich preisen Erd und Meere, und Himmel predigen die Wunder deiner Ehre. Dich bet ich dankend an. Mein Heil kommt von dem Herrn. Du hörst der Menschen Flehn, und du errettest gern. 3. Und wenn ich deiner Huld, o Gott! gewürdigt werde, was frag ich außer dir, nach Himmel und nach Erde? Im Himmel donnerst du, und Schrecken füllt das Land; noch fürcht ich nichts, denn mich beschützt der Allmacht Hand. 4. Wenn ich die Himmel seh, die du, Herr, ausgebreitet, der Sonne Majestät, den Mond, den du bereitet, so sprech ich: was ist doch der Mensch, daß du sein Allgemeine Loblieder. denkst? und daß du täglich uns unzählig Gutes schenkst? 825 5. Als Schafe läßt du uns auf grünen Auen weiden, nährst uns mit Speis und Trank, und füllst das Herz mit Freuden; du sahst mich, eh der Grund der Welt geleget war, zogst mich aus Mutterleib, als mich ihr Schooß gebar. 6. Du wogst mein Glück mir ab, und Leiden, die mich üben, und meiner Tage Zahl war auf dein Buch geschrieben. Du bist der Frommen Schuß, du bist der Müden Ruh; ein Gott, der gern verzeiht. Wie gnädig, Gott, bist du. 7. Wem soll ich sonst vertraun, als dir, dem Gott der Götter? wen ehren, als nur dich mein Schuß und mein Erretter? wie sanft ist dein Befehl: gib mir dein Herz, mein Sohn, und wandle meinen Weg! ich bin dein Schild und Lohn! 8. Herr, dein Gebot ist Heil, dein Weg ist Fried und Leben. Wie könnt ich einem Gott der Liebe widerstreben? umsonst lockt mich das Glück, in dem das Laster blüht. Ich hasse seinen Weg, weil mich dein Auge sieht. 826 Zweiter Theil. 9. Auch wenn kein Mensch mich sieht, will ich die Sünde fliehen; denn du wirst Aller Werk vor dein Gericht einst ziehen. Ich will, wenn meinem Fleisch was Böses noch gelüst't, bedenken, daß mein Leib, o Gott, dein Tempel ist. 10. Sollt ich der Menschen Ruhm stolz zu erringen trachten? nein, Herr, wenn du mich ehrst, mag mich die Welt verachten. Du bist es, dem zum Dienst ich Leib und Seele weih. Gib, daß mein Wandel stets voll deines Ruhmes sei! Mel. Wachet auf! ruft uns die.- 171. 452. Jauchze, auserwählt Geschlechte! freut euch des Herrn Herrn, ihr Gerechte, ihr Frommen preist den Höchsten hoch! lasset eure Harfen klingen; ihr müßt ein neues Lied ihm singen; so kommt und rühmt, und danket doch! macht es mit frohem Muth auf Saitenspielen gut! Halleluja! sein Wort ist süß; was er verhieß, ist Wahrheit, und er hälts gewiß. 2. Er wohnt in dem reinsten Lichte, Gerechtigkeit ist sein Gerichte; die Welt ist seiner Güte voll. Droben schuf er, ihm zur Ehre, der Licht erfüllten Sterne Heere, Allgemeine Loblieder. 827 die Sonne, die uns leuchten soll. Es fürchte alle Welt den Herrn, der sie erhält! Halleluja! er will, er sprichts, sogleich geschichts; gebeut er, wird etwas aus nichts. 3. Unser Gott herrscht ohne Schranken! er wendet Völkern die Gedanken; er macht zunicht der Heiden Rath. Ewig kann sein Rath nicht wanken, er ändert sich nicht in Gedanken, er ist gleich groß an Rath und That. Wohl dem Volk, dessen Gott heißt: Herr Herr, Zebaoth! Halleluja! ja selig ist, wen Gott erkiest, und sich zum Erbtheil auserliest. 4. Herr, deine Güte gleichet dem Himmel, deine Wahrheit reichet so weit, als aller Wolken Heer! ja, als wie der Berge Höhen bleibt die Gerechtigkeit ſtets stehen, dein Recht wie Tiefen in dem Meer. Eh Meer und Berge sein, bist du, o Gott! allein. Halleluja! des Himmels Rund, der Erden Grund ward durch den Geist aus deinem Mund. 5. Sende zu mir voller Klarheit, mein Gott, dein Licht und deine Wahrheit, daß sie mich leiten, wo ich bin! und mich bringen zu den Hügeln, zu deiner Cherubinen Zweiter Theil. Flügeln, und zu dem Stuhl der Gnaden hin! so geh ich da hinein, um Gottes mich zu freun. Halleluja! da, wo Gott wohnt, da, wo er thront, der unser wie der Kinder schont. 828 6. Ach! da will ich dann mit Beten vor den Altar des Höchsten treten, zu dem Gott, der die Schuld vergißt! zu dem Gott, der Schild und Sonne, der meine Freud und meine Wonne durch Christi großes Opfer ist. Ich spiel ein Danflied dir da auf der Harfe für. Halleluja! dir, Gott, mein Gott, Herr Zebaoth, du bist mein Helfer in der Noth! Mel. von Nr. 108. 453. Gott, durch welchen alle Dinge sind, und wirken und vergehn, stärk mich, daß ich dich befinge, lehre mich dein Lob erhöhn! laß mich dich im Stillen loben, mich, den du voll Lieb und Huld aus den Tiefen seiner Schuld zu des Christen Höh erhoben; dich erheb ich immerdar, der mich schuf und neu gebar. 2. Könnt ihr die Gestirne zählen: Gottes Gnaden zählt ihr nicht. Er errettet unsre Allgemeine Loblieder. 829 Seelen, ist ihr Lohn, ihr Schild und Licht. Wenn wir mit den Eitelkeiten, mit Versuchungen der Lust, mit dem Feind in unsrer Brust, wenn wir mit dem Tode streiten: stärkt er uns zum Kampf und Lauf, und hilft unsrer Schwachheit auf. 3. Wenn uns Welt und Freunde meiden, weil wir ihre Wollust fliehn, dann gibt er uns seine Freuden, unser Herz empfindet ihn! kann ich größres Glück begehren? Ewiger, hat dich mein Herz, o so wird es ohne Schmerz den Besitz der Welt entbehren, Erd und Himmel wird mir klein, gegen dich verächtlich sein. 4. Wenn mich Leiden niederdrücken, nehm ich sie als Wohlthat an von der Hand, die nur beglücken, aber niemals schaden kann. Du belohnst mir meine Schmerzen mit der Seelen Heiterkeit, und versüßest alles Leid, Gott, durch deine Ruh im Herzen, die mich ganz mit Muth belebt, über allen Schmerz erhebt. 5. Von Gefahr und Noth umgeben, über diesen rauhen Pfad geh ich, Vater, in dein Leben, das nicht Leid, Gefahr nicht hat. Sollten mich der Erde Freuden, 830 Zweiter Theil. sollte mich der Sünder Spott und das Elend und der Tod, Herr, von deiner Liebe scheiden? raubt ich meine Krone mir? nein! ich leb und sterbe dir! 15. - Mel. Allein Gott in der Höh. 454. Stimmt unserm Gott ein Loblied an mit freudigem Gemüthe; es rühm und preise wer da kann, den Geber aller Güte. Er macht uns frei von aller Noth, drum lobet ihn, drum lobet Gott, und danket seinem Namen. 2. Lobt Gott und rühmet alle Zeit die großen Wunderwerke, die Majeſtät und Herrlichkeit, die Weisheit, Kraft und Stärke, die er beweist in aller Welt, indem er alle Ding erhält. Drum danket seinem Namen. 3. Lobt Gott, der uns erschaffen hat, der Seele, Leib und Leben aus väterlicher Huld und Gnad uns allen hat gegeben; der uns durch seinen Engel schüßt, der täglich schenket, was uns nüßt. Drum danket seinem Namen. 4. Lobt Gott! er gibt uns seinen Sohn, der selbst für uns gestorben, der uns die ewge Lebenskron durch seinen Tod erwor Allgemeine Loblieder. ben, der Frieden hat mit Gott gemacht, und seinen ganzen Rath vollbracht. Drum danket seinem Namen. 831 5. Lobt Gott, der in uns durch den Geist den Glauben angezündet, und seinen Beistand uns verheißt, wenn er uns treu erfindet; der uns stets durch sein Wort regiert, und auf den Weg des Lebens führt. Drum danket seinem Namen. 6. Lobt Gott! er hat dies gute Werk selbst in uns angefangen, vollbringt es auch, gibt Kraft und Stärk, das Kleinod zu erlangen, das er am 3iel uns vorgestellt, und das den Himmel in sich hält. Drum danket seinem Namen. 7. Lobt Gott! ihr starken Seraphim, ihr Engel und ihr Thronen! es loben Gott mit heller Stimm die hier auf Erden wohnen! lobt Gott, und preist ihn früh und spat, ja alles, was nur Odem hat, das danke seinem Namen. Mel. von Nr. 101. 455. Lobt Gott, den Gott der Stärke, der, was er will, erschafft, ihr alle seine Werke, aus aller eurer Kraft. Ihr seid 832 Zweiter Theil. sein Eigenthum, so weit der Himmel reichet, was Luft und Meer durchstreichet, verbreite seinen Ruhm. 2. Erhabne Himmelsgeister, erwecket euren Fleiß; gebt euerm Herrn und Meister Dank, Ehre, Lob und Preis! stimmt dreimal Heilig! an. Lobt ihn, ihr Seraphinen, lobt ihn, ihr Cherubinen! lobt ihn, was loben kann. 3. Was Odem hat und lebet, was sich bewegt und regt, was in den Lüften schwebet, und was der Himmel trägt, sei überall bemüht, den höchsten Gott zu loben, der aus den Wolken oben auf sein Geschöpfe sieht. 4. Der Herr ist groß und mächtig, voll Heiligkeit und Ruhm. Es stehet alles prächtig in seinem Heiligthum. Er ist gerecht und gut; von seinen Vatersorgen zeugt jeder neue Morgen, und alles, was er thut. 5. Drum lobt, erlöste Seelen! lobt stets den Herrn der Welt, helft dessen Ruhm erzählen, der euch schuf und erhält; der euch in Christo liebt, euch durch sein Blut erkaufte, auf seinen Tod euch taufte, euch einst den Himmel gibt. Allgemeine Loblieder. 833 6. Lobt Gott, der euch regieret, der, als der treuste Freund, selbst dann euch weislich führet, wenn ihr das Kreuz beweint, das er euch auferlegt; laßt uns in solchen Proben ihn dennoch findlich loben, weil er aus Liebe schlägt. 7. Er ist getreu den Seinen, entreißt sie aller Noth. Wenn seine Kinder weinen, so bleibt er doch ihr Gott. Wenn der Verfolger Macht, wenn ihre Wuth sie schrecken, so wird sie Gott bedecken, er, der stets für sie wacht. 8. Lob, Ehre, Preis und Stärke ſei dir, o Gott, bereit't, denn deine Weg und Werke sind voll von Herrlichkeit. Dein Zion lobet dich, merk auf sein schwaches Lallen, und laß dir's wohlgefallen; erhör uns gnädiglich! 9. Möcht es uns bald gelingen, von aller Schwachheit frei, ein Opfer dir zu bringen, das deiner würdig sei! ach, laß vor deinem Thron uns ewig mit dir leben, und ewig dich erheben, dich Vater und den Sohn! 53 834 Zweiter Theil. Der Ambrosische Lobgesang oder das Te Deum. DI DE 456. Herr unser Gott! dich loben wir, Herr, unser Gott! wir danken dir. Jehovah ist von Ewigkeit, er schuf die Welt, das Werk der Zeit. Die ganze weite Schöpfung preist Gott Vater dich, dich Sohn, dich Geift.( fond do? 2. Die Cherubim, die Seraphim, die Himmel alle singen ihm: höchstheilig ist er, unser Gott, groß ist dein Ruhm, Herr Zebaoth! weit über alle Himmel weit geht deine Macht und Herrlichkeit. 3. Sie, die den Erdkreis wunderbar bekehrten, deiner Boten Schar, des Mittlertodes Märtyrer, sie preisen ewig dich, o Herr! am Grabe noch, noch in der Beit, preist dich auch deine Christenheit. 4. Dich, Vater, auf der Himmel Thron, Allgemeine Loblieder. 835 dich, Jesu Christ, des Vaters Sohn! und dich, o Geist, des Wunderkraft in Sündern neues Leben schafft, dich preiset alles weit und breit, dich preiset deine Christenheit. 35. Du Hoherpriester, du Prophet, du König, desf Reich nie vergeht, du haſt dich, Gott! uns Gott zu weihn, erniedriget, ein Mensch zu sein. Dem Tode nahmst du seine Macht, zum Himmel hast du uns gebracht. vsmind med fun 110m 6. 3ur Rechten Gottes sißest du, mit deinem Vater herrschest du, du, der für uns gelitten hat, erwürgt für unsre Missethat. Im Grabe läsfest du uns nicht, du kömmst, du kömmst und hältst Gericht. 7. Hilf deinem Volke, Jesu Christ, und segne, was dein Erbtheil ist. Leit es durch diese Prüfungszeit den Weg zur frohen Ewigkeit. Die Erd ist auch dein Heiligthum, auch sie erfülle stets dein Ruhm. 8. In dieser unsrer Pilgerschaft sei, Herr, dein Wort uns Licht und Kraft. Sei gnädig uns, o treuer Gott! ſei gnädig uns in aller Noth. Wenn wir zu dir um Hülfe schrein, laß dein Erbarmen uns erfreun. 53* 836 Zweiter Theil. 9. Sei hier schon unser Trost und Licht, verlaß uns auch im Tode nicht, vollende dadurch unser Heil, Herr, Herr Gott, unser Trost und Theil! so preisen wir dich in der Zeit, noch besser in der Ewigkeit. 59. Mel. Mein Gott, das Herz. 457. Sch singe meiner Seele Lust vor dir, Herr Zebaoth! ich sing aus dankerfüllter Brust von deiner Güte, Gott! 2. Was ist der Mensch, der Staub, vor dir, daß seiner du gedenkst? Herr aller Welt, was haben wir, wenn du es uns nicht schenkst? 3. Wer hat den Himmel ausgespannt, der unser Aug entzückt? Wer hat mit göttlich milder Hand den Erdkreis ausgeschmückt? - 4. Wer kleidet Hügel, Thal und Au mit Schönheit, pflanzt den Hain? tränft sie mit Regen und mit Thau, und gibt der Saat Gedeihn? 5. Wer führt die Sonn in ihrer Pracht mit jedem Tag uns zu? wer spricht zum Mond in dunkler Nacht: den Menschen leuchte du. Allgemeine Loblieder. 837 6. Wer frönt mit Segen jedes Jahr, daß unser Herz sich freut? wer liebet uns unwandelbar, auch wenn dein Donner dräut? 7. Durchdenke deinen Lebenslauf, o Mensch, wer half bisher? wer war, von deiner Jugend auf, dein Helfer? Sage: Wer? 8. Herr, unser Herrscher, nur von dir fließt alles Heil uns zu. Dein Volk, dein Eigenthnm sind wir, und unser Gott bist du! 9. Wie groß ist deine Huld und Treu! du zähltest unser Haar, stehst uns allgegenwärtig bei in jeglicher Gefahr. 10. Uns Sünder trägst du mit Geduld, lehrst uns durch deinen Geist, und reut uns unsre Sündenschuld, du siehst es und verzeihst. 11. Ja, deine Güte reicht so weit, so weit die Wolken ziehn. Der junge Rab, Erbarmer! schreit zu dir, du nähreft ihn. 12. Und rührte dich, o Menschenfreund, nicht eines Christen Schmerz? die stillste 3ähre, die er weint, bemerkt dein Vaterherz. 838 Zweiter Theil. 13. Weh dem, der an dem Herrn verzagt! und seine Zuversicht auf Menschen setzt, und heidnisch sagt: Gottachtet unsrer nicht! 14. Gr liebt dich mehr, als du yerstehst, ist, Seele, dir nicht fern, und eilt zu helfen, eh du flehst. Vertraue du dem Herrn. 15. Er schaut herab von seiner Höh auf den, der niedrig ist. Erhebe dich, Unsterbliche, zu ihm, von dem du biſt. 16. Lobsing ihm, bet ihn ewig an mit frommer Zuversicht. Wie viel hat er an dir gethan! vergiß es, Seele, nicht. d lais Mel von Nr. 201. izd pituusn 458. Großer Gott, Herr aller Götter! Schöpfer, Vater und Erretter! alles rufet weit und breit, rühmt den Herrn der Herrlichkeit! Engel preisen deine Werke. Wenn ich sie erstaunend merke, so schwingt sich mein Herz empor, und singt in der Engel Chor. 2. Hier im niedern Weltgebäude blickt mein Geist mit großer Freude deiner Allmacht Proben an; wo ich hin gedenken kann, siehet mein erstaunt Gemüthe deine Allgemeine Loblieder. Weisheit, Macht und Güte, Wahrheit und Barmherzigkeit zu des Sünders Heil bereit. pilipil lnb/ 39 do? His 839 3. Von Begierde, dich zu kennen, kann mein Herz nicht gnugsam brennen. Doch gib mir des Glaubens Kraft, den dein Geist im Herzen schafft, so kann ich gelehrtes Wissen ohne großen Schaden missen, so bin ich gelehrt genug, und zum Reich der Himmel flug. 4. Gib, daß ich dich so erkenne, daß ich auch vor Eifer brenne, dich von meines Herzens Grund, und nicht blos mit meinem Mund, auf das Innigste zu preisen; du selbst mußt mich unterweisen, dann dringt erst mein Lob empor, dann hört mich dein Vaterohr. 5. Ganz entzückt von deinem Namen, wünsch ich dir, Herr, nachzuahmen, daß, wie du, so heilig bist, auch mein Wandel heilig ist. Andre möcht ich gern erwecken, deine Freundlichkeit zu schmecken, deiner sich mit mir zu freun. Gott, dein Ruhm sei allgemein. Ini so ng 8on non 6. Wie die heilgen Seraphinen dir mit allem Eifer dienen, so sei, Herr auch jeder 840 Zweiter Theil. zeit dir durch mich ein Lob bereit't, bis von mir und ihnen allen droben wird ein Lob erschallen: Heilig, heilig ist der Herr, herrlich seines Namens Ehr! c. Besondere Loblieder. Mel. Alles ist an Gottes Segen. 459. Herr! mein Licht, mein Heil und Leben, wie kann ich dich gnug erhe# ben; was für Lieder stimm ich an? was mt ſoll ich zum Dank dir bringen? und wie ¥ soll ich würdig singen, was du, Herr an mir gethan? 2. Du hast meine Seel gebeuget, aber auch mir bald gezeiget, daß du stets den Deinen nah. In der Nacht warst du verborgen, doch bald kam der frohe Morgen, ia ich, Herr! dein Antlik sah. Besondere Loblieder. 841 3. Heilig, Herr! sind deine Wege, wunderbar sind alle Stege, wo du deine Kinder führst; wer muß nicht aus deinen Werken, dir zum Preise, es bemerken, wie gerecht du, Herr, regierst? 4. Nun will ich dir fest vertrauen und auf deine Gnade schauen, wenn des Kreuzes Last mich drückt; ich will still sein, hoffen, schweigen, stets vor dir, o Herr, mich beugen, bis dein Antlitz mich erquickt. 5. Willst du deine Hülf aufschieben? willst du meine Demuth üben? Herr, ich bin ein sündger Knecht. Willst du strafen, willst du schlagen, schickst du Trübsal, Noth und Plagen? Herr! du bleibest ſtets gerecht. 6. Doch weiß ich, daß deine Treue ewig ist und täglich neue selbst zur schwersten Prüfungszeit; deine Strafen, deine Schläge sind ja, wenn ichs recht erwäge, Mittel meiner Seligkeit. 7. Ach! so stärke mir den Glauben, laß mir nichts denselben rauben, feine Wollust, keine Pein; laß mich deine Liebe schmecken, laß in Noth und Angst und Schrecken deine Gnade mich erfreun. Zweiter Theil. Mel. Wer nur den lieben Gott.- 7. 460. Mein Herz, ermuntre dich nun wieder, und singe mit erquicktem Muth jetzt neue Dank- und Freudenlieder dem Herrn, der große Dinge thut; denn er beschämt zur rechten Zeit nun wieder deine Furchtsamkeit. mbi sdom 2. Herr! deine Hand ist immer offen, zu geben, was mein Herz begehrt; hingegen ist mein zaghaft Hoffen oft, leider! feiner Hülfe werth; und doch erträgst du mit Geduld des wankenden Vertrauens Schuld. 842 3. Wenn oft in Kümmerniß und Sor= gen der Trost, wonach mein Auge weint, vor meinem Denken tief verborgen und noch sehr weit entfernet scheint: hast du schon meine Noth bedacht, und dich zu helfen aufgemacht.com bilpl din fi 4. Dein unermeßliches Erbarmen ist immer wohlzuthun gewohnt; drum wird mir sündlich schwachem Armen nicht, wie ichs würdig bin, gelohnt. Dich jammert der Gebrechlichkeit; du hilfft zur recht erwünschten Zeit. bollow& 5. Herr! deine Zeit ist stets die beste; auch dann selbst, wenn die Noth sich häuft, Besondere Loblieder 843 bist du schon meine Stärk und Veste. Wenn Fluth und Jammer auf mich läuft, so siehst du mit Erbarmen drauf und Hemmest schleunig ihren Lauf. 6. Mein Mund, mein Geist und mein Gemüthe sind deines Ruhms, mein Helfer, voll. Die Wunder aber deiner Güte mit Dank zu preisen, wie ich soll, reicht mein Vermögen nimmer zu, es ist voll Schwachheit, was ich thu. andot asid dust one 7. Doch läß'st du auch mein schwaches Lallen, der du des Herzens Redlichkeit zu prüfen weißt, dir wohlgefallen; siehst auf die Unvollkommenheit, als wie ein holder Vater pflegt, der seiner Kinder Schwachheit trägt. tvrdourd Idour din 8. Nichts hat mein armes Unvermögen, wie dir, mein Gott, schon offenbar, dir zur Vergeltung darzulegen; böt ich mich ſelbst zum Opfer dar, so ist ja alles schon vorhin dein eigen, was ich hab und bin. 9. Doch will ich dir mein Opfer bringen, das Opfer meiner Dankbarkeit, und dir zum Lobe Lieder singen, so viel dein Geist mir Kraft verleiht. Im Namen Jesu sing ich dir, in diesem nimm es an von mir! Zweiter Theil. Danflieder bei der Grndte. Mel. Nun danfet alle Gott. - 9. 461. Frohlocket, Jung und Alt, ihr Reichen mit den Armen! da Gott den Unterhalt von neuem aus Erbarmen für euch nun auf ein Jahr so mildiglich bescheert. Was euer Wünschen war, ist väterlich erhört. 2. Auf! danfet unserm Gott, daß Fried und Ruh hier wohnet. Mit Krieg und Hungersnoth hat uns der Herr verschonet. Kein Feuer, feine Fluth, kein schwerer Hagelschlag, noch böser Seuchen Wuth trifft uns bis diesen Tag. 3. Die Erndte hat der Herr uns treu und wohl bewahret. Wer hätt, wenn Gott nicht wär, uns sonst die Frucht gesparet? Wer gab uns Sonnenschein? Wer Regen oder Thau? was würd's ohn ihn wohl sein mit unserm Ackerbau? 844 4. Umsonst wär unsre Müh, umsonst wär Säen, Pflügen. Wir würden sonsten nie ein Körnlein wieder kriegen. Wir möchten früh aufstehn und bis zur Mitternacht nicht wieder schlafen gehn: es wär umsonst gewacht. Besondere Loblieder. 5. So aber sorgt und wacht der Herrscher in der Höhe; sein Vatersegen macht, daß unser Werk bestehe. Der hat auch diesesmal des Sämanns Wunsch gestillt, und reichlich überall der Schnitter Hand gefüllt. 6. Gott ists, der euch ergeßt, da ihr nun jauchzt und singet, und jenen Segen jeßt in eure Scheuern bringet; dem stellt euch dankend dar, des Lob so weit ertönt, der wiederum das Jahr mit seinem Gute frönt. 7. O schmecket doch und seht des Schöpfers milde Güte. Lobt seine Majeſtät mit freudigem Gemüthe. Dem gebet Preis und Ehr, der uns viel Guts verleiht, doch selbst uns noch weit mehr, als Korn und Oel erfreut. 845 8. Gut ist, o Herr, das Land, darin du uns geseßet, groß deine starke Hand, die uns so oft ergezet; unendlich deine Macht, und ohne Ziel dein Ruhm, drum lobt dich Tag und Nacht dein Volk und Eigenthum. 9. Verleih, o frommer Gott, uns ferner deine Gnade, daß ja die Feuersnoth nicht unsern Hütten schade; bewahr vor Angst und Leid, vor Seuchen, Wasser 846 Zweiter Theil. fluth, vor Krieg und theurer Zeit; halt uns in deiner Hut. 10. Gesegne, treuer Gott, das, was wir täglich essen! Gib auch, daß wir der Noth der Armen nicht vergessen. Herr! deine milde Hand erfreue jedermann, daß bei uns Stadt und Land den Segen spüren kann.mind the stus mi 1991 11. Laß unser Korn zur Saat uns bis zur Erndte reichen. Gib selber Rath und That, und thu an uns ein Zeichen; laß sehen jedermann, du seist, Herr Zebaoth! der Wunder wirken kann, der rechte treue Gott. 10 dnts 219729 12. Lob, Ehre, Preis und Ruhm bringt dir zu allen Zeiten dein wahres Eigenthum, o Gott der Ewigkeiten! dir Vater, dir Gott Sohn, und dir Gott heilger Geist! den man vor seinem Thron und hier auf Erden preist. autheile Homel. Zeuch mich, zeuch mich.- 81.bid too! 462. Gott im Himmel und auf Erden! Herrscher in der ganzen Welt! laß den Mund voll Lobes werden, da man dir zu Fuße fällt, für den nahen Erndteſegen Dank und Opfer darzulegen. mulignle Besondere Loblieder. 847 2. Herr, dir jauchzen Feld und Auen, überall wirst du verspürt, überall läß'st du dich schauen: und wir bleiben ungerührt? gleich als ob zu deiner Ehre Feld und Au so schön nicht wäre! 3. Vater! du hast aus Erbarmen uns Unwürdige genährt. Du hast Reichen, du hast Ärmen manches, manches Glück gewährt. Gott, der uns viel Guts bewiesen, sei gelobet und gepriesen! 4. Du hast Sonnenschein und Regen uns zu rechter Zeit geschickt, daß man nunmehr allerwegen Auen voller Korn erblickt; Berg und Thäler, Tief und Höhen sehen wir im Segen stehen. 5. Ach! wer ist, der solche Güte dir genug verdanken kann? nimm ein dankbares Gemüthe für die große Wohlthat an, und mein Mund soll stets erschallen: Gott macht satt mit Wohlgefallen. 6. Gib nun Kraft, den milden Segen, den uns deine Hand bescheert, auch so löblich anzulegen, daß der Fluch ihn nicht verzehrt. Bleiben wir in alten Sünden, kann das Gute leicht verschwinden. eid 37. Schent uns auch vergnügte Herzen; 848 Zweiter Theil. Stolz und Geiz laß ferne sein; laß den Undank nichts verscherzen. Schenke ferner dein Gedein, und laß uns mit deinen Gaben willig auch den Dürstgen laben. 8. Laß es deinem Wort gelingen, daß auch wir zu deiner Ehr hier schon reichlich Früchte bringen, stärke du uns immer mehr, schenk uns auch nach allem Leide droben mehr als Erndtefreude. Danklied aufden Frieden. # 463.B esingt Gott Zebaoth; besinget unsern Gott! dem müsse von uns $ allen ein feurig Lied erschallen, der unser Wohl bedenket, und uns den Frieden schenket. 2. Wie schreckte Gottes Hand das werthe Vaterland! der Krieg hat es verheeret und bis aufs Mark verzehret, doch Gott hat es gewendet, Gott, der den Frieden sendet. Besondere Loblieder. 849 3. Dankt jetzt und immerdar, ihr, welche die Gefahr des Krieges hart geplaget, zerstreuet und verjaget; um Frieden euch zu schaffen, zerbrach Gott selbst die Waffen. de 4. Besingt Gott Zebaoth, besinget unsern Gott! das Rachschwert legt er nieder, führt uns den Frieden wieder, und nebst ihm Heil und Segen mit neuer Huld entgegen. 5. Nun, Gott! wir loben dich, und danken ewiglich, daß du auf unser Flehen uns huldreich angesehen, und uns den edlen Frieden zu unserm Theil beschieden. 16. O mache du ihn fest, Gott, der uns nicht verläßt, und trag uns mit Verschonen, daß wir hier sicher wohnen, und, als des Himmels Erben, auch einst im Frieden sterben. 7. Dein Geist mach uns bereit, daß wir zu feiner Zeit in deinem Dienst erkalten, dein Wort beständig halten, und nicht mit neuen Sünden des Krieges With entzünden. 8. O Herr Gott Zebaoth! o Herr, du unser Gott! laß deines Friedens Gaben uns überflüssig haben, bis daß wir dich dort oben in vollem Frieden loben. 54 850 32) Gebet- und Loblieder beim Anfang des Jahres. Mel. Es ist das Heil uns.- 6. 464. Du, Gott, du bist der Herr der Zeit, und auch der Ewigkeiten! laß mich auch jeßt mit Freudigkeit dein hohes Lob ausbreiten. Ein Jahr ist abermal dahin. Wem dank ich, Gott, daß ich noch bin? nur deiner Gnad und Güte. 2. Dich, Ewiger, dich bet ich an, unwandelbares Wesen; dich, den fein Wechsel treffen kann. Wir werden, sind gewesen, wir blühen und vergehn durch dich! nur du bist unveränderlich; du warst, und bist, und bleibest. 3. Herr! ewig währet deine Treu, mit Huld uns zu begegnen; und jeden Morgen wird sie neu, mit Wohlthun uns zu segnen. Ich kenne keinen Augenblick, da nicht von ihr stets neues Glück mir zugeflossen wäre. 4. Du hast auch im verfloßnen Jahr mich väterlich geleitet, und wenn mein Herz voll Sorgen war, mir Hülf und Trost bereitet. Von ganzer Seele preis ich dich. Aufs Neue übergeb ich mich, Gott, deiner weisen Führung. Gebet- und Loblieder zc. 851 5. Vergib mir die gehäufte Schuld von den verfloßnen Tagen, und laß mich deine Vaterhuld in Christo ferner tragen. Laß mich in deiner Gnade ruhn und lehre lebenslang mich thun nach deinem Wohlgefallen. 6. Gib neue Lust und neue Kraft, vor dir gerecht zu wandeln. Laß mich, Herr, stets gewissenhaft mit mir und andern handeln. Dein Geist belebe Herz und Muth, dich, o du allerhöchstes Gut, und nicht die Welt zu lieben. 7. Die Welt vergeht. Dies reize mich, die Lust der Welt zu fliehen. Viel beßre Freuden rufen mich zum wichtigern Bemühen! der Ewigkeit bin ich verwandt; im Himmel ist mein Vaterland; dahin, Herr, laß mich trachten. 8. O lehre selbst mich meine Zeit recht weislich auszukaufen. Laß mich die Bahn der Ewigkeit mit heilger Vorsicht laufen. Der Tage Last erleichtre mir, bis meine Ruhe einst bei dir kein Wechsel weiter störet. Mel. von Nr. 324. 465. So ist von meiner kurzen Pilgrimschaft ein ganzes Jahr( ganzer Tag) 54% 852 Zweiter Theil. schon wieder hingeflossen! Herr, wie viel Guts hab ich darin genossen! ich bin für mehr als tausend Pfund verhaft't. 2. Bundesgott! wie hat nicht deine Treu mir unverdienten Segen aufgetragen! zwar keinen Tag fehlt es an eignen Plagen, doch Trübsal ist der Seelen Arzenei. 3. So hast du nie den theuren Bundeseid gefränkt, nur ich hab ihn so oft gebrochen; fast nichts gethan, und doch so viel versprochen; vergib es mir, es ist mir herzlich leid. 4. Ach! wie viel näher müßt ich schon zu dir in so viel Tag und Jahren sein gekommen! des Fleisches Trieb hat wenig abgenommen, noch glänzt nicht, wie es soll, dein Bild in mir. lominic 5. Wie eilt die Zeit! fie fliegt! oft fällt mir ein: könnt ich so viele Stunden, die verlaufen und schnell verflogen sind, doch wieder faufen! ich wollte sie zu deiner Ehre weihn. 6. Nur wenn ich mein betrüglich Herz i betracht, so wär es doch ohn deine Gnad vergebens; ach! würde nur das Restchen meines Lebens zu deinem Preise besser zugebracht! Gebet- und Loblieder 2c. 853 7. Die Rebe mag am Weinstock nur bestehn; die Säfte, die in Jesu reichlich fließen, laß auch in mich sich mildiglich ergießen, und du sollst Frucht an dürren Reben sehn.wia 2in him f02.8 8. Hab ich in Trägheit so viel Zeit verspielt, laß mich, was übrig ist, wie Gold abwägen! o möcht kein Odem mehr in mir sich regen, der nicht, o Gott, auf deine Ehre zielt! TOPHO 9. Dein Glück, o Welt, macht nicht die Seele satt. Was kann doch wohl auf dieser ganzen Erden beim längsten Leben angetroffen werden, das nicht vom Fluch betrübte Spuren hat? 10. Ihr eiteln Tage flieht denn immerfort; ich halt euch nicht, verdoppelt euer Eilen; mich lüstet nicht, in Mesech zu verweilen; nur bald von hier, und dann geschwinde dort; 11. Dort, wo der Hafen der Glückseligfeit; dort, wo das Kleinod meiner Laufbahn glänzet; dort, wo ein müder Streiter wird bekränzet, und seines Siegs sich ewiglich erfreut. 12. Wenn ich indeß hier länger dienen 854 Zweiter Theil. soll, so gib, mein Gott, daß ich stets wachend bleibe. Gib du mir Muth und Kraft zum Kampf; vertreibe die Sicherheit und mach mich Eifers voll. 13. Laß mich, als dein erkauftes Eigenthum, Geist, Seel und Leib von Flecken rein bewahren; und, wirst du neue Schuld von mir erfahren, laß mich nicht sinken, stärk mich wiederum. 14. Je länger ich auf deinen Wegen geh, je klarer gib dein Licht mir zu erkennen, je heller laß mein Licht im Wandel brennen, bis ich verklärt vor deinem Throne steh. 15. Es ist doch um ein Kleines nur zu thun, so heiß ich dich, mein Bräutigam, willkommen; dann werd ich, aller Müh und Qual entnommen, vergnügt und froh in deinem Schooße ruhn. Mel. Allein Gott in der Höh. 15. 466. Gott ruft der Sonn und schafft den Mond, das Jahr darnach zu theilen. Er schafft es, daß man sicher wohnt, und heißt die Zeiten eilen. Er ordnet Jahre, Tag und Nacht. Auf! laß uns ihm, dem Gott der Macht, Ruhm, Preis und Dank ertheilen. - Gebet- und Loblieber 2c. 855 2. Herr, der da ist und der da war! von Dank erfüllten Zungen sei dir für das verfloßne Jahr ein heilig Lied gesungen; für Leben, Wohlfahrt, Trost und Rath, für Fried und Ruh, für jede That, die uns durch dich gelungen. 3. Laß auch dies Fahr gesegnet sein, das du uns neu gegeben. Verleih uns Kraft, denn sie ist dein, in deiner Furcht zu leben. Du schüßest uns, und du vermehrst der Menschen Glück, wenn sie zuerst nach deinem Reiche streben. 4. Gib mir, wofern es dir gefällt, des Lebens Ruh und Freuden. Doch schadet mir das Glück der Welt, so gib mir Kreuz und Leiden. Nur stärke mit Geduld mein Herz, und laß mich nicht in Noth und Schmerz die Glücklichern beneiden. 5. Hilf deinem Volke väterlich in diesem Jahre wieder. Erbarme der Verlaßnen dich, und der bedrängten Glieder. Gib Glück zu jeder guten That, und laß dich, Gott, mit Heil und Rath auf unsern Fürsten nieder. 6. Laß Weisheit und Gerechtigkeit auf seinem Stuhle thronen! laß Tugend und i i Zweiter Theil. Bufriedenheit in unserm Lande wohnen! laß Treu und Liebe bei uns sein! dies, Vater! wollst du uns verleihn in Christo, deinem Sohne. 2 tidotidonado rit aid Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 48.10 Till 467. Herr! der du mir das Leben bis diesen Tag gegeben, dich bet ich kindlich an; ich bin viel zu geringe der Treu, die ich befinge, die du bisher an mir gethan. 2. Mit dankendem Gemüthe freu ich mich deiner Güte! ich freue mich in dir. O gib mir Kraft und Stärke, Gedeihn zu meinem Werke, und schaff ein reines Herz in mir. 3. Gott, welche Ruh der Seelen, nach deines Worts Befehlen einher im Leben gehn, auf deine Güte hoffen, im Geist den Himmel offen, und dort den Preis des Glaubens sehn! hind sig som 856 - 4. Ich weiß, an wen ich glaube, und nahe mich im Staube zu dir, o Gott, mein Heil! bin ich der Schuld entladen, und nur bei dir in Gnaden, so ist imHimmel auch meinTheil. 5. O leite mich im Segen dem großen Biel entgegen, dahin dein Wort mich weist. Mein Leben und mein Ende ist dein; in deine Hände befehl ich, Vater, meinen Geist! Gebet- und Loblieder 2c. 2101 TH Mel. Freu dich sehr, o meine Seele.- 24 29. 468. Abermal ein Jahr( ein Tag) ver= flossen! näher zu der Ewigkeit! wie ein Pfeil, der abgeschossen, so verflieget meine Beit. Treuester Herr Zebaoth! unveränderlicher Gott! ach was soll, was soll ich bringen, deiner Langmuth Dank zu singen? 2. Ich erschrecke, mächtigs Wesen, Angst und Furcht bedecket mich; denn mein Beten, Singen, Lesen, ach! das ist so schläferig. Heilig, heilig, Heiliger, großer Seraphinen Herr! wehe mir, ich muß vergehen, denn wer kann vor dir bestehen? 857 3. Schrecklich ist es ja, zu fallen in die Hand des Höchsten. Gott rufet warnend zu uns allen: niemand treibe mit mir Spott! irret nicht, wo das geschicht, so leid ichs, Jehovah, nicht; ich bin ein verzehrend Feuer, und mein Zorn brennt ungeheuer. 4. Aber du bist auch sanftmüthig, treu ist, Herr, dein Vaterherz! in dem Bürgen bist du gütig, dich versöhnt sein Todesschmerz. Bin ich nicht in deiner Hand, Gott, ein dir sehr theures Pfand, das du vor der Feinde Wüthen ewig, ewig willst behüten? omso di 90 858 Zweiter Theil. 5. Auf, mein Herz! stell dich nur wieder dem versöhnten Vater dar. Opfre dem Gebet und Lieder, welcher frönet Tag und Jahr. Fang ein neues Leben an, das dich endlich führen kann mit Verlangen nach dem Scheiden zu des Himmels ewgen Freuden. 6. Soll ich denn allhier auf Erden länger noch ein Pilger sein, so wirst du bei den Beschwerden, Herr, mir die Geduld verleihn. Deine Treue bleibe mir, liebster Heiland, ich will dir mich hinwiederum verschreiben, dir auch ewig treu zu bleiben. 8. Mel. O Gott, du frommer Gott. 469. Ein Jahr der Sterblichkeit, der kurzen Lebenstage, ist abermal dahin mit seiner Lust und Plage, und wiederum ein Theil von unsrer Pilgerschaft nunmehr zurückgelegt durch Gottes Schuß und Kraft. 2. Herr! deine Güte machts, die niemals uns zu lieben ermüdet, noch vergißt, daß wir noch übrig blieben. Nimm unsers Herzens Dank denn jezo gnädig an für das, was du an uns in diesem Jahr gethan. 3. Wir schließen uns aufs neu in dein so treues Sorgen, in deine Obhut ein; da - Gebet- und Loblieder zc. 859 sind wir wohl geborgen. Da ist das feste Schloß vor aller Feinde Truß, da läuft dein Häuflein hin, und findet sichern Schuß. 4. Gib mit dem neuen Jahr uns neue Stärk im Glauben; laß uns den alten Grund der Wahrheit niemand rauben; erneure Herz und Sinn, und das gegönnte Licht des ewig wahren Worts erlösche bei uns nicht! 5. Entzünde neue Lieb und Sanftmuth in uns allen. Und soll uns dieses Jahr auch neue Noth befallen: so stärke die Geduld und mache deine Treu, o Vater, über uns mit jedem Tage neu. 6. Gib, daß wir mehr und mehr den. alten Menschen tödten. Verleih an Seel und Leib, was jedem ist vonnöthen; und laß uns, Herr, mit dem, was deine Weisheit thut, stets wohl zufrieden sein; du machst doch alles gut. 7. Wenn du auf dieses Jahr, von dieser Welt zu scheiden, sein Ziel haft festgeſetzt, den laß auf dich, mit Freuden, im Glauben selig hier beschließen seinen Lauf, und nimm in deine Hand die Seele gnädig auf. € 860 Zweiter Theil. silal and fli 33) Morgenlieder. iur dail 470. Mein erst Gefühl sei Preis und Dank; erhebe Gott, o Seele! der Herr hört deinen Lobgefang: lobsing ihm, meine Seele! 2. Mich selbst zu schüßzen, ohne Macht lag ich, und schlief in Frieden. Wer schafft die Sicherheit der Nacht, und Ruhe für die Müden? 3. Wer wacht, wenn ich von mir nichts weiß, mein Leben zu bewahren? Wer führt mein Blut in stetem Kreis, und schüßt mich vor Gefahren? 4. Wer lehrt das Auge seine Pflicht, sich sicher zu bedecken? Wer ruft dem Tag und seinem Licht, die Seele zu erwecken? 5. Du bist es, Gott und Herr der Welt, und dein ist unser Leben! du bist es, der es uns erhält, und mir's jetzt neu gegeben. Morgenlieder. 861 36. Gelobet jeist du, Gott der Macht! gelobt sei deine Treue, daß ich nach überstandner Nacht mich dieses Tags erfreue. 17. Laß deinen Segen auf mir ruhn, mich deine Wege wallen, und lehre du mich selber thun nach deinem Wohlgefallen. 8. Nimm meines Lebens gnädig wahr; auf dich hofft meine Seele; sei mir ein Retter in Gefahr, ein Vater, wenn ich fehle. 9. Gib mir ein Herz voll Zuversicht, erfüllt mit Lieb und Ruhe! ein weises Herz, das seine Pflicht erkenn und willig thue; 10. Daß ich als ein getreuer Knecht nach deinem Reiche strebe, gottselig, züchtig und gerecht durch deine Gnade lebe; 11. Daß ich dem Nächsten beizustehn, nie Fleiß und Arbeit scheue, mich gern an andrer Wohlergehn und ihrer Tugend freue. 12. Daß ich das Glück der Lebenszeit in deiner Furcht genieße, und meinen Lauf mit Freudigkeit, wenn du gebeutst, beschließe! Mel. Ach Herr, mich armen S.- 67. 471. Noch läßt der Herr mich leben! mit fröhlichem Gemüth eil ich, ihn zu erheben; er hört mein frühes Lied. Zu 862 Zweiter Theil. ihm entzückt mich wieder der Morgensonne Pracht, ich falle vor ihm nieder, der sie und mich gemacht. 2. Du Herrscher aller Welten nimmſt dich auch meiner an. Wie soll ich dir vergelten, was du an mir gethan? Willst du nach Opfern schauen? sie gelten nichts vor dir, du forderst nur Vertrauen, nur Liebe, Gott! von mir. 3. So will ich dir lobsingen, mich deines Namens freun, nach deiner Gnade ringen, mein ganzes Herz dir weihn. O Tilger meiner Sünden, mein Mittler, Jesu Christ, laß mich den Trost empfinden, daß du mir gnädig bist. 4. Dir hab ich mich ergeben; ich freue mich in dir, erfreuender als Leben ist deine Güte mir. Sie führe mich auch heute auf deinen Tugendpfad. Du Ewigweiser, leite mich selbst nach deinem Rath. 5. Nur eins laß mich erflehen, das christlich weise Herz, auf dich stets aufzusehen in Freuden, wie in Schmerz; daß ich am ersten trachte nach dem, was dir gefällt; mehr deinen Beifall achte, als allen Ruhm der Welt. Morgenlieder. 863 6. Daß ich, dir innig trauend, das Gute standhaft thu, und froh gen Himmel schauend, denk: Herr, mich siehest du! Bereit, den Lauf zu schließen auf deinen Wink o Gott, und lauter im Gewissen: so finde mich der Tod. Mel. von Nr. 79. 472. Seele! du mußt munter werden, denn der Erden blickt hervor ein neuer Tag. Komm, dem Schöpfer dieser Strahlen zu bezahlen, was dein schwacher Trieb vermag. 2. Doch, daß man auf würdge Weise Gott recht preise, wollen nicht nur Lippen sein; er hat als das reinste Wesen, auserlesen Herzen ohne falschen Schein. 3. Deine Pflicht kannst du erlernen von den Sternen, deren Glanz der Sonne weicht; so muß sich vor Gott mit Schweigen alles beugen, was uns groß und herrlich deucht. 4. Ihn mußt du am höchsten achten, und nur trachten, das zu thun, was ihm gefällt. Wer ihm irdisches Ergeßen gleich will schäßen, ehret nicht den Herrn der Welt. 864 Zweiter Theil 65. Schau, wie das, was Athem ziehet, sich bemühet um der Sonnen holdes Licht; wie sich, was der Erdkreis träget, freudig reget, wenn ihr Glanz die Schatten bricht. 30 6. So laß dich auch fertig finden, anzuzünden deinen Weyrauch. Gottes Macht hat, um dich vor Unglücksstürmen zu beschirmen, selber mächtig dich bewacht. A 7. Bitte, daß er dir Gedeihen mag verleihen, wenn du auf was Gutes zielst; aber daß er dich mag stören und bekehren, wenn du böse Regung fühlst. Dyd 18. Dent, daß er auf deinen Wegen stets zugegen, daß ihm alles ist bewußt; daß er selbst verborgne Sünden fann ergründen, und genau weiß, was du thust. mojal 9. Wir sind an den Lauf der Stunden fest gebunden, der entführt, was eitel heißt und der deinen Leib, o Seele, nach der Höhle eines finstern Grabes reißt. 10. Drum so seufze, daß mein Scheiden nicht ein Leiden, sondern sanftes Schlafen sei, und daß ich mit Lust und Wonne seh die Sonne, wenn des Todes Nacht vorbei. 11. Trau auf allen deinen Wegen Gottes Segen! wen des Höchsten Huld erquickt, Morgenlieder. 865 der genießet wahre Freuden selbst im Leiden, und ist hier und dort beglückt. 12. Kränkt dich etwas diesen Morgen, laß ihn sorgen, ihn, der gnädig auf dich schaut; er weiß besser, was dir nüßet, und beschütet den, der sich ihm anvertraut. Mel. von Nr. 16. 473. Mein erster Wunsch, mein innigstes Bestreben ist, Herr, mein Gott! dich würdig zu erheben. Unendlich groß ist deine Vatertreu, mit jedem Tag ist deine Güte neu. 2. Die Sonn enthüllt den Schauplaß deiner Werke, und alles zeugt von deiner Huld und Stärke; sie, die das Ziel von ihrer Laufbahn weiß, eilt rastlos hin, und strahlt zu deinem Preis. 3. Die Erd ist dein, und du regierst dies Ganze! von Menschen an bis auf die kleinste Pflanze seh ich, wie groß sich deine Vorsicht zeigt, sie reicht so weit, so weit der Himmel reicht. 4. Und sie umfaßt auch mich! du Höchster, denkest an mich, den Staub, der du die Himmel lenkest, du sorgst für mich! Gott, wie vergelt ich dir? ein dankvoll Herz, das bring ich dir dafür. 55 866 Zweiter Theil. 5. Nimms gnädig an! gedenk nicht meiner Sünden, durch deinen Sohn laß mich Vergebung finden. Er, welcher nie ein gläubig Flehn verwarf, verleiht, daß ich dich Vater nennen darf. 6. So will ich denn mit kindlichem Vertrauen auf dich allein, so lang ich lebe, trauen, du bist mein Gott, mein Retter in Gefahr, mein starker Fels, mein Helfer immerdar. 7. Du weißt, wie lang ich hier noch wallen werde. Fällt ohne dich kein Sperling auf die Erde: so nimmst du, Herr, auch meines Lebens wahr. Mit Namen kennst du mich und zählst mein Haar. 8. Mein Heiland, gib mir Kraft zum neuen Leben, gib mir den Muth, dem Beispiel nachzustreben, das du, o Herr, uns hinterlassen hast; dein Joch ist ſanft und leicht ist deine Last. 9. Dein Auge sieht die Schwäche meiner Seele; verwirf mich nicht, vertritt mich, wenn ich fehle! zu dir empor fleht meine Seele stets, und du vernimmsts, Erhörer des Gebets! Morgenlieder. Mel. Warum betrübst du dich. 435. 474. Shm, der das Licht entstehen hieß, und mich gesund erwachen ließ, sei Preis und froher Dank! des neuen Morgens Heiterkeit sei meinem Gott zuerst geweiht. 867 2. Sieh, Herr, ich unterwinde mich, mit dir zu reden! Staub bin ich, von deinem Hauch beseelt. Gleich als ein Todter lag ich hier! daß ich noch lebe, dank ich dir. 3. Und jedes Gut, dess ich mich freu, empfang ich jetzo wieder neu aus deiner milden Hand. Mein Auge wird, wohin es blickt, von Wundern deiner Huld entzückt. 4. Dich, dem ich nicht vergelten kann, dich, Vater, bet ich findlich an! ich opfre dir mein Herz! Ein Herz voll Dank und Zuversicht verwirfst du, Hocherhabner, nicht. 5. O du, den meine Seele preist, erwecke mich durch deinen Geist zu meiner Christenpflicht. Er helfe meiner Schwachheit auf, bis ich vollende meinen Lauf. 6. Ein gut Gewissen sei mein Theil! das wirk in mir, o Herr, mein Heil, und segne meinen Fleiß. Dir ist, was ich bedarf, bekannt, und alles steht in deiner Hand. 55* 868 Zweiter Theil. 7. Die Blume fleidest du mit Pracht, nährst jeden Vogel, Gott der Macht! bin ich nicht mehr, denn sie? ich werfe meine Sorg auf dich, du mein Erbarmer, sorgst für mich. Mel. Wie schön leuchtet der.- 35. 475. Dich seh ich wieder, Morgenlicht, und freue mich der edlen Pflicht, dem Höchsten lobzusingen. Ich will, entbrannt von Dankbegier, o mildester Erbarmer! dir mit heilgem Muth lobsingen! Schöpfer! Vater! deine Treue rührt aufs Neue mein Gemüthe. Froh empfind ich deine Güte. 2. Du warst auch diese Nacht um mich. Was wäre ich, hättst du nicht dich so hülfreich mir erwiesen? zu meinem Leben sebest du jetzt einen neuen Tag hinzu; sei hoch dafür gepriesen! durch dich bin ich! und ich merke neue Stärke. Dich erhebe meine Zunge, weil ich lebe. 3. Verleih, o Gott der Lieb und Macht, daß Sünd und Gram, wie diese Nacht, auf ewig von mir fliehe, daß ich die kurze Lebenszeit in christlicher Zufriedenheit zu nüßen mich bemühe. Prüfe, siehe, wie Morgenlieder. 869 ichs meine. Dir ist keine meiner Sorgen, auch die kleinste nicht verborgen. 4. Ich bin ein Christ, o Gott, verleih, daß ich des Namens würdig sei! Mein Ruhm ist deine Gnade. Denn ach, was bin ich ohne dich? ein irrend Schaf. Erhalte mich, mein Hirt, auf deinem Pfade. Stärk mich, daß ich stets mich übe, deine Liebe zu betrachten, über alles dich zu achten. 5. Auch im Geräusch der Welt soll mich der heilige Gedank an dich oft ſtill zu dir erheben. Im dunkeln Thale wall ich hier, einst nimmst du mich hinauf zu dir, zum Licht und höhern Leben. Auf dich hoff ich, Herr! ich werde mich der Erde gern entschwingen, dir dort ewig Lob zu singen. Mel. Werde munter, mein. 116. 476. Herr! es ist von meinem Leben wieder eine Nacht vorbei. Laß mich deine Treu erheben, die auch diesen Morgen neu. Deine Wacht hat diese Nacht mir zur sansten Ruh gemacht, und nun kommt mir schon dein Segen mit der Morgenröth entgegen. 2. O wie theur ist deine Güte, die mich überschattet hat, daß zu meinem Bett und - 870 Zweiter Theil. Hütte keine Plage sich genaht. Nunmehr steh ich fröhlich auf, und mein Herze denkt darauf, dir für dieses neue Leben den verbundnen Dank zu geben. 3. Wenn ich dir mich selber schenke, wird es doch so wenig sein, und so ich es recht bedenke, bin ich ja vorhin schon dein. Seel und Leib gehöret dir. Doch nimm gnädig an von mir, was ich selbst, als eine Gabe, von dir, Herr, empfangen habe. 4. Ist mein Auge nunmehr lichte, so erleuchte meinen Sinn, daß vor deinem Angesichte ich ein Kind des Lichtes bin, und den angebrochnen Tag also hinterlegen mag, daß ich in dem Lichte wandle und in allem weislich handle. 5. Segne mich in allen Werken, die mir mein Beruf gebeut; laß nur deinen Geist mich stärken, mindre die Beschwerlichkeit. Was ich denke, red und thu, alles, Herr, regiere du, gib, daß Wollen und Vollbringen dir zu Ehren wohlgelingen. 6. Sollt ich heut in Sünde fallen, richte mich bald wieder auf. Laß in deiner Furcht mich wallen, bei der Welt verkehrtem Lauf. Halte Fleisch und Blut im Zaum, gib dem Morgenlieder. 871 Satan keinen Raum, wenn er mir seine Neße stellet, daß er meinen Fuß nicht fället. 7. Werd ich auch an diesem Tage nicht ohn alle Plage sein; mache nur, daß ichs ertrage, so find ich mich willig drein. Wenn du nur aus Liebe schlägst und mein Kreuz zur Hälfte trägst, darf ich keine Trübsal scheuen; du wirst auch Geduld verleihen. 8. Nun ich leb an diesem Morgen, da ich Abends sterben kann! laß mich für mein Ende sorgen, nimm dich meiner Seele an. Reiß mich nicht in Sünden hin, wenn ich reif zum Tode bin. Laß auf Jesu Blutvergießen mich die Wallfahrt selig schließen. Mel. von Nr. 463. 477. Shr trüben Sorgen weicht! den Tag hab ich erreicht, die Sonne schau ich wieder! erwachet, frohe Lieder! ein Opfer Gott zu bringen, müss' euch anjeßt gelingen. 2. Was nur mein Auge sieht, ist um die Wett' bemüht, dich, Höchster! laut zu preisen; dir Ehre zu erweisen, sei dann auch mein Bestreben in meinem ganzen Leben. 3. Du, Herr, hast mich bewacht und an dies Licht gebracht. Zum Preise deiner Gnaden bin ich so manchem Schaden, 872 Zweiter Theil. so mancher Noth entkommen, von dir in Schuß genommen. 4. Du lenkst von Jugend auf so gütig meinen Lauf; läßt mich so manche Gaben aus deiner Fülle haben; gönnst mir so manchen Segen und wachst auf meinen Wegen. 5. Ich selbst bin gänzlich dein und werd es ewig sein. Was mich erquickt und nähret, das hast du mir gewähret; du hast mir Leib und Leben und diese Seel gegeben. 6. So nimm denn wieder hin, Herr, was ich hab und bin. Zu deinem Wohlgefallen laß mich stets vor dir wallen, bemühet, deinen Willen aufrichtig zu erfüllen. 7. Dies ist mein Wunsch. Jedoch wenn ich zuweilen noch nicht thue, was ich sollte, nicht lebe, wie ich wollte: so trage mit mir Armen ein gnädiges Erbarmen. 8. Laß deines Geistes Licht, was mir annoch gebricht, durch seine Kraft vollführen und meinen Gang regieren. Was du haſt angefangen, das laß zum Ziel gelangen. 9. Da ich selbst nichts vermag, so wollst du diesen Tag nach deinem Rath mich leiten; ich schau zu allen Zeiten, vom Anfang bis zum Ende, auf deine Baterhände. Morgenlieder. 873 10. Wie schnell verfliegt die Zeit! Herr, mache mich bereit, zu deines Himmels Freuden aus dieser Welt zu scheiden; verklärt werd ich dort oben dich erst recht würdig loben. Mel. Nun laßt uns Gott dem Herrn. € 478. Wach auf, mein Herz, und finge dem Schöpfer aller Dinge, dem Geber + aller Güter, des Menschen trenem Hüter. 2. Mit göttlichem Erbarmen bedeckteſt du mich Armen! schlaf, sprachst du, ohne Grauen, die Sonne sollst du schauen. 3. Dein Wort, Herr, ist geschehen; ich kann das Licht noch sehen. Du machst, daß ich aufs neue, mich meines Lebens freue. 4. Steig auf, mein Dank, zum Throne! dem Vater und dem Sohne, dem Geist des Herrn sei Ehre! Dreieinigs Wesen, höre! 5. Hör meinen Dank, mein Flehen! du kannst ins Herze sehen! ach möchte dir gefallen, Herr, meines Herzens Lallen. 874 Zweiter Theil. 6. Dein Wert wollst du vollenden, dich nimmer von mir wenden, und mich in meinen Tagen stets mit Verschonen tragen. 7. Du selber wollst mir rathen in allen meinen Thaten, mich stets zum Besten leiten, zum Himmel mich bereiten. 8. Begleite mich mit Segen auf allen meinen Wegen. Dein Wort sei meine Speise auf meiner Pilgerreise. Mel. Gott des Himmels und der.- 32. 479. Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und heilger Geist! der es Tag und Nacht läßt werden, Mond und Sonne scheinen heißt, dessen starke Hand die Welt, und was drinnen ist, erhält! 2. Gott! ich danke dir von Herzen, daß du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Angst, Noth und Schmerzen treu behütet und bewacht, und bei aller meiner Schuld mich noch trägst mit Vaterhuld. 3. Laß die Nacht auch meiner Sünden jetzt mit dieser Nacht vergehn; laß mich Gnade vor dir finden, glaubensvoll auf Jesum sehn, der für meine Missethat sich am Kreuz geopfert hat. Morgenlieder. 875 4. Hilf, daß ich auch diesen Morgen geistlich auferstehen mag, und für meine Seele sorgen; daß, wenn nun dein großer Tag uns erscheint, und dein Gericht, ich davor erschrecke nicht. 5. Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sei und bleibe du auch heute mein Beschüßer und mein Hort; unter deinem Schuß allein kann ich froh und sicher sein. 6. Dir, o großer Gott, befehle ich, was ich nur hab und bin, meinen Leib und meine Seele, werf auf dich die Sorgen hin. Herr, mein Heil, mein Schild und Ruhm! segne mich, dein Eigenthum. 7. Du wollst deinen Engel senden, wenn Gewalt und List mir droht; alles mir zum Besten wenden, und mich stärken in den Tod. Sterb ich, o so bringe du mich zu deines Himmels Ruh. 8. Höre, Gott, was ich begehre, und was mir dein Wort verheißt. Dir sei Lob und Preis und Ehre, Vater, Sohn und heilger Geist! ich, der hier nur stammeln kann, bete dich einst würdger an. 876 34) Abendlieder. Mel. Nun sich der Tag geendet hat. 480. o fliehen unsre Tage hin! auch dieser ist nicht mehr. Die Nacht, der Müden Trösterin, eilt wieder zu uns her. 2. Herr! du nur bleibest, wie du bist, du schläfft und schlummerst nicht; die Finsterniß, die uns umschließt, ist deinem Auge Licht. 3. Dir übergeb ich voll Vertraun mich auch in dieser Nacht. Und wovor sollte mir denn graun? mich schüßet deine Macht. 4. Hab ich an deiner Gnade nur noch Theil, Herr Zebaoth: so fürcht ich keine Kreatur, und scheue nicht den Tod. 5. 3war ich erkenne meine Schuld, mit Reue fühl ich sie. Doch mein Versöhner, deine Huld, wie trostvoll ist mir die. 6. Ich eil im Glauben zu dir hin, und weiß, wie sicher ich im Schatten deiner Flügel bin. Du wachest über mich. 7. Flieht, finstre Sorgen, weit von mir! Abendlieder. 877 Herr Jesu, du allein sei mein Gedank! o weihe dir mein Herz zum Tempel ein! 8. Vielleicht ist dies die letzte Nacht in meiner Prüfungszeit, dann führe mich durch deine Macht zum Licht der Ewigkeit. 9. Ich lebe dir, ich sterbe dir, ja dein bin ich auch todt! du, mein Erretter, bist bei mir, und hilfft aus aller Noth. Mel. Ich weiß, mein Gott.- 255. 481. Für alle Güte sei gepreist, Gott Vater, Sohn und heilger Geist! ihr bin ich zu geringe. Vernimm den Dank, den Lobgesang, den ich dir kindlich singe. 2. Du nahmst dich meiner herzlich an, hast Großes heut an mir gethan, mir mein Gebet gewähret; hast väterlich mein Haus und mich beschützet und genähret. 3. Herr, was ich bin, ist dein Geschenk; der Geist, mit dem ich dein gedenk, ein ruhiges Gemüthe, was ich vermag, bis diesen Tag, ist alles deine Güte. 4. Sei auch, nach deiner Lieb und Macht, mein Schutz und Schirm in dieſer Nacht; vergib mir meine Sünden. Und kommt mein Tod, Herr Zebaoth, so laß mich Gnade finden! 878 Zweiter Theil. Mel. von Nr. 49. 482. Gepriesen, Gott! sei dein Erbarmen, du Gott der Langmuth und Geduld! du trägst uns stets auf Vaterarmen, mit unaussprechlich großer Huld. Kraft, Gedeihn und Leben hast du uns gegeben. Herr, wir sinds nicht werth! aber dein Gemüthe ist so reich an Güte, die ohn Ende währt. 2. Verzeih uns, Richter unsrer Seelen, die heut verletzte Christenpflicht; wir merken nicht, wie oft wir fehlen, verzeih und geh nicht ins Gericht. Heil der Menschenfinder! wir sind Staub und Sünder, ach, gedenke dran! wer würd uns erretten, wenn wir dich nicht hätten? nimm dich unsrer an. 3. Du sendest mit der Nacht uns Müden den stärkend süßen Schlummer zu. Wir liegen dann und ruhn im Frieden, denn unser Schuß, o Herr, bist du. Hilf, Erbarmer! denen, die nach Ruh sich sehnen, die mit Angst und Müh ihre Nacht verbringen, und mit Schmerzen ringen. Stärke, tröste sie! 4. Wer kann uns deiner Hand entreißen? wir sind, auch wenn wir sterben, Abendlieder dein. Du selber hast es uns verheißen, du wollest allzeit bei uns sein. Hilf uns hier auf Erden, daß wir würdig werden, einst vor dir zu stehn; daß wir als die Deinen, wenn du wirst erscheinen, dir entgegen gehn. 879 Mel. von Nr. 16. 483. Der Tag ist hin, du aber, Jesu, bleibe, daß mir dein Licht der Sünden Nacht vertreibe! erleuchte mich, Glanz der Gerechtigkeit; so ist mir wohl auch in der Dunkelheit. 2. Lob, Preis und Dank sei dir, mein Gott, gesungen; dir sei die Ehr, daß alles gut gelungen! du machst es wohl, ob ichs gleich nicht versteh; du bist gerecht, es geh auch, wie es geh! 3. Nur eines ist, das mich empfindlich quälet, Beständigkeit im Guten mir noch fehlet; das weißt du wohl, o Herzensfündiger! ich strauchle noch, wie ein Unmündiger. 4. Vergib mirs, Herr! sagt mir gleich mein Gewissen, daß Teufel, Sünd und Welt mich hingerissen: so ist mirs leid, ich 880 Zweiter Theil. stell mich wieder ein. Verwirf mich nicht; sei mein, so bin ich dein! 5. Du schlummerst nicht, wenn matte Glieder schlafen. Ach laß die Seel im Schlaf auch Gutes schaffen! O Lebensfonn, erquicke meinen Sinn! ich laß dich nicht, mein Fels! der Tag ist hin. Mel. von Nr. 55. 484. Entflohen sind auch dieses Tages Stunden, an dem wir noch des Lebens Glück empfunden; mit frohem Dank laßt uns den Herrn erheben, durch den wir leben. 2. Des Lebens Müh und Elend zu versüßen, gibt uns der Herr viel Freuden zu genießen; und welche Güter schenkt er unsern Seelen! wer kann sie zählen? 3. Noch immer läßt er uns Erbarmung finden; er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden. Wir häufen Schuld auf Schuld, er läßt uns leben, und will vergeben. 4. Wie unwerth sind wir, Vater, deiner Treue! prüf unser Herz! es flehet dir voll Reue. Ach, laß es uns von dir im Glauben stillen, um Christi willen. Abendlieder. 5. Uns wohlthun ist dein göttliches Vergnügen! Dein Aufsehn schüßt uns, wenn wir hülflos liegen, und wir entſeelt, umhüllt von Finsterniſſen, von uns nichts wissen. 6. War dies für uns der letzte Tag auf Erden, soll unser Schlaf ein Todesschlummer werden: dann weckst du uns, die wir uns dir ergeben, zum ewgen Leben. 7. So legen wir getrost zur Ruh uns nieder. Sehn wir erfreut die Morgensonne wieder, dann preisen wir mit heiterem Gemüthe des Höchsten Güte. 881 Mel. Werde munter, mein. 116. 485. Werde munter, mein Gemüthe, fühle fromme Dankbegier, und erhebe Gottes Güte, die er heut gethan an mir, da er mich den ganzen Tag vor so mancher Noth und Plag treu behütet, und in Gnaden abgewendet allen Schaden. 2. Lob und Dank sei dir gesungen, Vater der Barmherzigkeit! daß mein Werk durch dich gelungen, daß du mich vor allem Leid und vor Sünden gröbrer Art so gar väterlich bewahrt, die Versuchung abgetrieben, daß ich unbeschädigt blieben. - 56 882 Zweiter Theil. 3. Wer vermag es aufzuzählen, was du, Herr, an mir gethan? Rechnung, Wort, und Kräfte fehlen, fang ich nur zu zählen an; deiner Wohlthat ist zu viel, ihr ist weder Maaß noch Ziel. Wär ich nur bei deinem Lieben dir in allem treu geblieben! 4. Ach! verzeihe mir aus Gnaden meine Sünd und Missethat, die ich heut auf mich geladen! nimm mir, Herr, nicht deine Gnad, treibe ferner Satans Tück, Gott, durch deine Kraft zurück; laß es ihm ja nicht gelingen, mich in Sünd und Leid zu bringen. 5. Sieh, ich fall in Demuth nieder; schau, o Gott, von deinem Thron! schau, voll Rene komm ich wieder, ich vorhin verlorner Sohn! ich verläugne nicht die Schuld, aber deine Gnad und Huld ist viel größer als die Sünden, welche sich an mir noch finden. 6. O du Licht der frommen Seelen! o du Glanz der Ewigkeit! dir will ich mich ganz befehlen diese Nacht und allezeit. Bleib bei mir, Herr Jesu Christ, da es Abend worden ist! tröste mich mit deiner Liebe, daß kein Unfall mich betrübe. Abendlieder. 883 7. Laß mich diese Nacht empfinden eine sanft und süße Ruh; alles Uebel laß verschwinden; sende mir nur Gutes zu. Leib und Seele, Sinn und Muth, meine Wohnung, Hab und Gut, meine Freund und Hausgenossen sein in deinen Schuß geschloſsen. 8. Ach! bewahr uns doch vor Schrecken! schüß uns doch vor Ueberfall; laß uns teine Krankheit wecken! treibe weg des Krieges Schall! wend ab Feur'- und Wassersnoth, Pest und bösen schnellen Tod! keinen laß in Sünden sterben, noch an Leib und Seel verderben. 9. D du großer Gott erhöre, was dein Kind gebeten hat! Jesu, den ich stets verehre, bleibe du mein Schuß und Rath. O du werther heilger Geist, stärk mich, der du Beistand heissst. Herr! erhöre dies mein Flehen. Amen! Ja! es soll geschehen. Mel. Werde munter, mein. 116. 486. Auf, o Seele, werde munter! Lob ist immer deine Pflicht; denn die Sonne geht zwar unter, aber Gottes Güte nicht. Heut auch hat sie mich genähret, heut 56* - 884 Zweiter Theil. auch Freud und Trost gewähret, vor Gefahren mich geschüßet, meine Schwachheit unterstüzet. 2. Stets gefürchtet, hochgepriesen sei, mein treuer Gott, von mir. Was du Gutes mir erwiesen, dankt mein ganzes Leben dir. Du hast, war ichs schon nicht werth, dennoch mein Gebet erhört, das ich heut, als ich erwachte, dir in Jesu gläubig brachte. 3. Gib nun bis zum frohen Morgen meinem Leibe sanfte Ruh. Durch dich schlaf ich ohne Sorgen; wenn ich schlafe, wachest du. Seel und Leib befehl ich dir. Walt allmächtig über mir. Sei auch du der Gott der Meinen, zähl sie alle zu den Deinen. 4. Ach, laß uns kein banges Schrecken, Räuber nicht, nicht Feuersgluth plößzlich aus dem Schlafe wecken. Halt uns fest in deiner Hut. Hilf, wenn Krankheit oder Tod uns im sichern Schlafe droht! oder willst du, daß wir sterben, Gott, so seis nicht zum Verderben. 5. Höre, Vater, ach erhöre, was jetzt mein Gebet begehrt. D, Sohn Gottes, dir zur Ehre werd es mir in dir gewährt, Heil Abendlieder. 885 ger Geist, laß mit Vertraun auf des Mittlers Blut mich baun. Hör, Dreieiniger! mein Flehn. Amen! Ja! es wird geschehen. Mel. Welt, ich muß dich lassen. 48. 487. Schon ruhet auf den Feldern, in Städten und in Wäldern ein Theil der müden Welt. Ihr aber, meine Sinnen, auf, ihr sollt noch beginnen, was eurem Schöpfer wohlgefällt. 2. Der Sonne Licht und Glänzen vermissen unsre Gränzen, uns deckt die dunkle Nacht. Fahr hin, du irdsche Sonne, wenn Jesus, meine Wonne, mein Herz nur hell und heiter macht. - 3. Was jetzt der Leib noch träget, das Kleid, wird abgeleget. Auch meine Sterblichkeit zieh ich einst aus; dagegen wird Christus um mich legen den Rock der Ehr und Herrlichkeit. 4. Das Haupt, die Füß und Hände sind froh, daß nun zum Ende die Arbeit kommen sei. Herz, freu dich! du sollst werden vom Elend dieser Erden und von der Sünden Arbeit frei. 5. Nun geht, ihr matten Glieder, geht hin und legt euch nieder, da ihr die Ruh 886 Zweiter Theil. begehrt. Einst wird nach allen Sorgen euch, bis auf jenen Morgen, im Grab die stille Ruh gewährt. 6. Die Augen stehn verdrossen! wer wacht, wenn sie geschlossen? wer sorgt für Leib und Seel? nimm sie zu deinen Gnaden; sei gut für allen Schaden, du Aug und Wächter Israel. 7. Dein Flügel mich bedecke, daß keine Noth mich wecke, tein Unfall, feine Pein. Mein Jesu, meine Freude! laß du vor allem Leide mein stilles Lager sicher sein. 8. Auch euch, ihr meine Lieben, erschüttre kein Betrüben, kein Unfall, noch Gefahr. Schlaf ruhig bis zum Morgen. Gott wolle für euch sorgen! euch schüßze seiner Engel Schaar! Mel. Ach Herr, mich armen.- 67. 488. Wie lang darf ich noch säumen! Gott, stärke meinen Geist, daß er sich auch im Träumen aus Satans Neße reißt; hilf für mein Bestes sorgen, verändre meinen Sinn, daß ich mit jedem Morgen im Guten fester bin. 2. Das Licht seh ich verschwinden, die trübe Nacht bricht ein. Ach, Herr, laß Abendgebete. 887 meine Sünden auch mit verschwunden sein; streich sie aus deinem Buche! hilf mir aus aller Noth! errette mich vom Fluche, den dein Gesetz mir droht. 3. Wenn heut, Herr meiner Jahre, mein letzter Abend ist: gib, daß ich dahin fahre, wo du, mein Vater, bist. Doch soll ich länger leben, so laß den festen Schluß mir stets vor Augen schweben, daß ich einst sterben muß. Prüfung am Abend. Mel. O Gott, du frommer Gott.- 8. 489. Der Tag ist wieder hin, und diesen Theil des Lebens, wie hab ich ihn vollbracht? Verstrich er mir vergebens? Hab ich mit allem Ernst dem Guten nachgestrebt? Hab ich vielleicht nur mir, nicht meiner Pflicht gelebt? 2. Wars in der Furcht des Herrn, daß ich ihn angefangen? Mit Dank und mit Gebet, mit eifrigem Verlangen, als ein Geschöpf von Gott, der Tugend mich zu weihn, und züchtig und gerecht, und Gottes Freund zu sein? 3. Hab ich in dem Beruf, den Gott mir angewiesen, durch Eifer und durch Fleiß 888 Zweiter Theil. ihn, diesen Gott, gepriesen? mir und der Welt genüßt, und jeden Dienst gethan, weil ihn der Herr gebot, nicht weil mich Menschen sahn? 4. Wie hab ich diesen Tag mein eigen Herz regieret? Hat mich im Stillen oft ein Blick auf Gott gerühret? erfreut ich mich des Herrn, der unser Flehn bemerkt? und hab ich im Vertraun auf ihn mein Herz gestärkt? 5. Dacht ich bei dem Genuß der Güter dieser Erden an den Allmächtigen, durch den sie sind und werden? verehrt ich ihn im Staub? empfand ich seine Huld? trug ich das Glück mit Dank, den Unfall mit Geduld? 6. Und wie genoß mein Herz des Umgangs süße Stunden? fühlt ich der Freundschaft Glück? sprach ich, was ich empfunden? war auch mein Ernst noch sanft, mein Scherz noch unschuldsvoll? und hab ich nichts geredt, das ich bereuen soll? 7. Hab ich die Meinigen durch Sorgfalt mir verpflichtet, sie durch mein Beiſpiel still zum Guten unterrichtet? War zu des Mitleids Pflicht mein Herz nicht zu Abendlieder. 889 bequem? ein Glück, das Andre traf, war dies mir angenehm? 8. War mir der Fehltritt leid, sobald ich ihn begangen? bestritt ich auch in mir ein unerlaubt Verlangen? und, wenn in dieser Nacht Gott über mich gebeut, bin ich, vor ihm zu stehn, auch willig und bereit? 9. Gott! der du alles weißt, was könnt ich dir verhehlen? Jch fühle täglich noch die Schwachheit meiner Seelen. Vergib durch Christi Blut mir die verletzte Pflicht; vergib und gehe du nicht mit mir ins * Gericht. 10. Ja, du verzeihest dem, den seine Sünden fränken! du liebst Barmherzigfeit, und wirst auch mir sie schenken. Auch diese Nacht bist du der Wächter über mir! leb ich, so leb ich dir, sterb ich, so sterb ich dir! 35) Von dem öffentlichen Gottesdienste. Nach dem 84. Psalm. Mel. von Nr. 42. 490. Wie lieblich ist doch, Herr, die Stätte, da deines Namens Ehre wohnt! v gib, daß ich sie gern betrete, weil da dein 890 Zweiter Theil. Segen die belohnt, die deines Wortes sich erfreun, und dir des Herzens Andachtweihn. 2. Wohl dem, der dich in deiner Hütte, Gott, zu verehren, Ernst beweist! du hörſt sein Lob und seine Bitte, und stärkst mit neuer Kraft den Geist, daß er auf deiner Wahrheit Bahn rechtschaffen vor dir wandeln kann. 3. Dein Wort bleibt niemals ohne Segen, wenn mans nur recht zu Herzen nimmt; es gibt uns Troft auf Trübsalswegen, die du zu unserm Heil beſtimmt; es gibt im Kampf uns Muth und Kraft, und ist ein Schwert, das Sieg verschafft. 4. Gott, laß auch mir dein Antlit scheinen! dein Sabbath bring auch mir Gewinn, wenn andachtsvoll ich mit den Deinen vor dir an heiliger Stätte bin. Laß dir das Lob, das wir dir weihn, ein angenehmes Opfer sein. 5. Ja, du bist Sonn und Schild den Frommen; du, Herr, gibst ihnen Gnad und Ehr; und wer nur erst zu dir gekommen, dem fehlt das wahre Glück nicht mehr. Was du verheißest, hältſt du feſt. Wohl dem, der sich auf dich verläßt. Von dem öffentlichen Gottesdienste. Mel. von Nr. 55. 491. Dies ist der Tag, zum Segen eingeweihet. Ihn feiert gern, wer deiner, Gott, sich freuet. O, laß auch mich mit Freuden vor dich treten, dich anzubeten! 2. Dich rühmt der Lobgesang der Himmelsheere! auch unser Tempel schall von deiner Ehre! auch unser Dank und unsers Geistes Flehen soll dich erhöhen. 891 3. Wie freu ich mich, die Stätte zu begrüßen, wo Durstenden des Lebens Bäche fließen, und wo dein Heil von der Erlösten Bungen froh wird besungen! 4. Vergebens lockt die Welt zu ihren Freuden; mein Geist soll sich auf Gottes Auen weiden. Sein heilges Wort, das seine Boten lehren, das will ich hören. 5. Mit Andacht will ich, Höchster, vor dich treten. Ich weiß, du liebst, die kindlich zu dir beten. Der Thoren Glück, die sich der Sünde freuen, wirst du zerstreuen. 6. O, laß auch heute deinen Geist mich lehren, vom Weg, der dir mißfällt, mich abzukehren. Regiere mich, daß meine ganze Seele zum Trost dich wähle. 892 Zweiter Theil. 7. Dein Tag sei mir ein Denkmal deiner Güte; er bring mir Heil und lenke mein Gemüthe auf jenen Trost, den uns dein Sohn erworben, da er gestorben. 8. Dich bet ich an, du Todesüberwinder! der du an diesem Tag, zum Heil der Sünder, die, fern von Gott, in Todesschatten saßen, dein Grab verlaßen. 9. Dein Siegstag ist ein Tag des Heils der Erden. Als Sabbath müss er mir stets heilig werden! Lob sei, Erlöser, deinem großen Namen auf ewig. Amen! Mel. von Nr. 436. 492. Gott! du bist mein Preis und Ruhm. Mein Herz sei ganz dein Eigenthum! laß mir den Sabbath heilig sein, und gern ihn deinem Dienste weihn. 2. Gib, daß ich mein Gemüth bewahr, wenn ich mit deiner Christen- Schaar zu deines Hauses Stätte geh, daß ich mit Ehrfurcht vor dir steh. 3. Erinnre selber meinen Geist, daß du mir gegenwärtig seist, damit ich deines Wortes Lehr mit Andacht und mit Nußen hör. Von dem öffentlichen Gottesdienste. 893 4. Drück alles tief ins Herz hinein, und laß mich nicht blos Hörer sein. Steh mir mit deiner Gnade bei, daß ich des Wortes Thäter sei. 5. Hilf, daß ich deinen Ruhetag zu meinem Segen feiern mag. Bewahr mich vor dem Geist der Welt, die deinen Tag verächtlich hält. 6. Doch laß mich nicht dabei bestehn, dich nur am Sabbath zu erhöhn. Herr, meine ganze Lebenszeit sei deinem Dienst und Ruhm geweiht! Mel. Vom Himmel hoch, da.- 109. 493. Dies, Christen, ist der Tag des Herrn, Geschäft und Müh sei von uns fern! kommt vor des Höchsten Angesicht, und freuet euch in seinem Licht. 2. Kommt, betet euren Schöpfer an, und rühmt, was er an euch gethan! ihn preisen ist der Christen Amt, drum preist und lobt ihn alleſammt. 3. Rühmt seine Weisheit, Kraft und Rath, da er aus nichts erschaffen hat den Himmel und die ganze Welt, und alles, was sie in sich hält. 894 Zweiter Theil. 4. Und als er ihren Bau vollbracht, hat er den Menschen auch gemacht, den er nach seinem Ebenbild mit Weisheit und Verstand erfüllt. 5. Erkennt, um euch voll Dank zu freun, wie er durch seine Güt allein uns täglich schüßet und ernährt, und manches Unglück von uns fehrt. 6. Dankt auch, daß heute Jesus Christ von Todten auferstanden ist, und durch die Größe seiner Macht das Leben an das Licht gebracht. 7. O Gott, der du den Erdenkreis erschaffen hast zu deinem Preis, und auch in Trübsal und Gefahr uns treu bewahrt, so manches Jahr: 8. Hilf, daß wir voller Dankbegier erkennen, was du für und für durch deine Weisheit, Güt und Macht, gethan, geordnet und vollbracht. 9. Du Sieger über Tod und Grab, der sich für uns zum Opfer gab, laß uns der Wohlthat würdig sein, und mach uns von den Sünden rein. 10. Laß deiner Auferstehung Kraft, die neues Leben in uns schafft, uns mit dem Von dem öffentlichen Gottesdienſte. 895 hohen Trost erfreun, einst ewig, Herr, bei dir zu sein. 11. O heilger Geist! laß uns dein Wort so hören heut und immerfort, daß sich in uns durch deine Lehr Glaub, Lieb und Hoffnung reichlich mehr. 12. Erleuchte uns, du wahres Licht! entzeuch uns deine Gnade nicht; sei unser Trost in aller Noth; stärk uns im Leben und im Tod. Der 50. Pfalm. Mel. von Nr. 234. 494. Der Herr des Himmels und der Erde will, daß die Welt gerichtet werde; mit strahlenvollem Angesicht kommt unſer Gott und schweiget nicht. Er ruft, daß Erd und Himmel hören: mich soll der Mensch nicht stets entehren; er ruft, daß alles tief erbebt, wenn seine Rache sich erhebt. 2. Gott wird nach diesen Prüfungstagen, wie wir gehandelt, ernstlich fragen. Erzittre, sündliches Geschlecht, denn Gott, dein Richter, ist gerecht. Die Allmacht kann das Recht nicht beugen, des sind alle Himmel Zeugen; ihr Zorn ist recht, gerecht ihr Lohn. Gott ist gerecht auf seinem Thron. 896 Zweiter Theil. 3. Ich bin dein Gott, so wird er sprechen, und meinen Bund laß ich nicht brechen, und mein Gesetz nicht frech entweihn! ich, ich will selber Richter sein; ich fordre, Mensch, nicht nur Besuche geweihter Tempel; ich verfluche des Frevlers Opfer und Gebet. Ein Herz will ich, das mich erhöht. 4. Ich, ohne den kein Himmel wäre, ich, ich bedarf nicht Menschenehre zum Pfeiler meiner Herrlichkeit. Doch will ich, was mein Mund gebeut, weil Heil und Segen davon fließen, von meiner Welt gehalten wissen; ich bin der Vater meiner Welt. O thut, was eurem Gott gefällt! 5. Bringt, eures Heils nicht zu verfehlen, bringt mir zum Opfer eure Seelen und reine Herzen, voll von Dank, vor mich in euerm Lobgesang. 3u mir nur fleht in euern Nöthen, und nicht vergeblich ſollt ihr beten; vergeßt nur euern Retter nicht; mich preisen, das ist eure Pflicht. 6. Vernehmt mit Ehrfurcht, Menschenfinder, was Gott Jehova zu dem Sünder, der fühn den Bund der Gnade bricht, mit Majestät und Eifer spricht: wie wagst du's, andern einzuschärfen, was deine Lüste doch Von dem öffentlichen Gottesdienste. 897 verwerfen? was rühmst du mich und meinen Bund? was predigt ihn dein falscher Mund? 7. Du spielest nur mit Treu und Glauben, und schämest dich nicht, das zu rauben, was ich, Gott, deinem Bruder gab. Von meinem Thron schau ich herab auf dich, den Schänder keuscher Ehen; du meinst, ich werde dich nicht sehen; doch mein nicht müdes Auge wacht: Licht ist vor mir die Mitternacht. 8. Du magst es, die zu untertreten, die einen Gott mit dir anbeten; von deinen falschen Lippen fließt, was deinem Nächsten bitter ist. Verläumdung, Spott und freche Lügen gießt deine Zunge mit Vergnügen auf deinen frömmern Bruder aus, den Sohn in deines Vaters Haus. 9. Das thust du, Sünder, und ich schweige; und weil ich Langmuth dir erzeige, so meinst du, ich sei gleich wie du, und sähe dir mit Beifall zu. Allein, ich will mich an dir rächen, im Wetter will ich mit dir sprechen. Ich donnre dir ins Angesicht, und fürchterlich ist mein Gericht. 57 898 Zweiter Theil. 10. Hört, immer freche Sünder, höret, was euch der Mund der Wahrheit lehret: denkt, Sünder, denkt an mein Gericht, und spottet meiner Warnung nicht. Sonst fomm ich, euch hinwegzureißen, euch, Borngefäße, zu zerschmeißen, so daß euch niemand retten fann. O nehmet meine Warnung an! inst 11. So sinkt denn hin zu meinen Füßen, in frohem Danke zu zerfließen; süß, tiefgebeugter Sünder, ist der Dant mir, der vom Herzen fließt. Komm, komm zu meinen offnen Armen, und dann ermüde mein Erbarmen mit neuen Missethaten nicht: dann schau mein freundlich Angesicht. mg/ 2.od LED SOUTHE mun 4595 36) Von der Selbstliebe. Mel. O Gott, du frommer Gott. 495. Dein Will ists, großer Gott, ich soll mich selber lieben. Olaß mich diese Pflicht nach deiner Vorschrift üben, und schränke selbst den Trieb, froh und beglückt zu sein, den du mir eingepflanzt, in heilge Grenzen ein. - 8. - Von der Selbstliebe. 899 2. Gib, daß mein ganzes Herz sich deiner Liebe weiße, und daß in allem ich dein Auge findlich scheue. Wer als ein Christ sich liebt, der flieht auch als ein Christ, was wider deine Furcht und Menschenliebe ist. Ony tinnit 3. Kein schnöder Eigennuß beherrsche meine Seele! und wenn zu meinem Glück ich Weg und Mittel wähle: so laß mich stets dabei auf Recht und Wahrheit schaun, auch nie mein Wohlergehn auf andrer Elend baun. 4. Dein Fluch trifft jedes Glück, dabei die Tugend leidet, dabei der, der es sucht, Gott, deine Wege meidet. Wer Unrecht liebt und thut, erbt deinen Himmel nicht. Nie treffe mich, o Gott, dies schreckliche Gericht. 5. Nie blende mein Gemüth der Eitelkeiten Schimmer. Die Welt mit ihrer Lust vergeht doch einst auf immer. Was hilft uns kurze Lust? Was hilft uns eitle Pracht? Nicht ein vergänglich Gut ists, was uns glücklich macht. 6. Ein Gott ergebnes Herz, ein unverletzt Gewissen, nur das kann uns allein 57* 900 Zweiter Theil. des Lebens Last versüßen; das bleibt uns auch im Tod, und folgt uns aus der Beit zum großen Segen nach bis in die Ewigkeit. 7. O selig! wer danach mit heilgem Eifer trachtet, und für sein größtes Glück, Gott, deine Gnade achtet. Der liebt allein sich recht, der find't schon in der Zeit die wahre Ruh und einst vollkommne Seligkeit. 8. Das sei mein Zweck, mein Fleiß. O segne mein Bemühen! so wird das wahre Wohl nicht meinem Wunsch entfliehen Bewahre mich dabei, Herr, vor dem Lauf der Welt. Gib, daß ich mich so lieb, als dir es wohlgefällt. 37) Von der Selbsterkenntniß und Demuth. Mel. Wer mur den lieben Gott.- 7. 496. Wer bin ich? welche wichtge Frage! Gott, lehre sie mich recht verstehn. Gib, daß ich mir die Wahrheit sage, und laß mich achtsam auf mich sehn. Wer sich nicht selbst recht kennen lernt, bleibt von der Weisheit weit entfernt. Von der Selbsterkenntniß und Demuth. 901 2. Ich bin ein Werk von deinen Händen, du schufst mich, Gott, zu deinem Preis. Dazu mein Leben anzuwenden, das ist dein väterlich Geheiß. Doch leb ich, als dein Eigenthum, auch, wie ich soll, zn deinem Ruhm? 3. Ich bin ein Christ nach dem Bekenntniß. Doch bin ich's, Herr, auch in der That? o öffne du mir mein Verständniß, recht einzusehn, ob ich den Pfad, den Jesus mir gewiesen, geh, und ob ich auch im Glauben steh. 4. Du kennest unsers Herzens Tiefen, die uns selbst unergründlich sind. Drum laß mich oft und ernstlich prüfen, wie ich, mein Gott, vor dir gesinnt. Befreie mich vom falschen Wahn, der auch den Klügsten täuschen kann. 5. Wer alles weiß, und doch verborgen und unbekannt sich selbst noch bleibt: wie will der für sein Bestes sorgen? was ist, das den zur Beßrung treibt? sich selbst recht kennen, ist Verstand; drum mache mich mit mir bekannt. 6. Was mir zu meinem Heil noch fehlet, mein Vater, das entdecke mir. Hab ich Sachgebiet: 89 11 11 i 946 ១ i 9 SG GY 11 I i 902 Zweiter Theil. der Wahrheit Weg erwählet, so gib, daß ich ihn nicht verlier. Ach leite mich mit deinem Licht, so täuschen mich Verführer nicht. 7. Bin ich noch fern vom rechten Wege, der mich zum ewgen Leben führt, so bringe mich zurück vom Stege, der in's Verderben sich verliert. Gib mir zur Beßrung Lust und Kraft. Du bists, der beides in uns schafft. 8. Ich muß es einmal doch erfahren, was ich hier war, und hier gethan. O laß mich nicht bis dahin sparen, wo Reue nichts mehr helfen kann. Herr! mache mich schon hier recht flug und frei vom schnöden Selbstbetrug. will not bun Mel. von Nr. 265. 497. Herr! lehre mich, wenn ich der Tugend diene, daß nicht mein Herz des Stolzes sich erfühne, nicht auf sie sicher und vermessen sei. Herr, lehre mich, wie oft ich fehle, merken. Was ist der Mensch bei seinen besten Werken? Wann sind sie gänzlich von Gebrechen frei? 2. Wie oft fehlt mir zum Guten selbſt der Wille! wie selten, wenn ich dein Gebot Von der Selbsterkenntniß und Demuth. 903 erfülle, erfüll ichs ganz und treulich, wie ich soll. Sind Lieb und Furcht stets die Bewegungsgründe der guten That, der unterlaßnen Sünde? und ist mein Herz des Danks und Eifers voll? um Gursp 3. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend; gedenke nicht der unvollkommnen Tugend der reifern Jahre meiner Lebenszeit. Wenn ich noch oft aus Stolz nach Tugend ftrebe, aus Menschenfurcht mich Lastern nicht ergebe: was ist vor dir, Herr, meine Frömmigkeit? gidsus 4. Wenn ich den Geiz, aus Furcht der Schande, fliehe; aus Weichlichkeit mich wohlzuthun bemühe, und mäßig bin, nur um gesund zu sein; wenn ich die Rach' aus Eigennuße hasse; der Ehrsucht Pfad aus Trägheit nur verlasse; was ist an aller dieser Tugend mein? 5. Und, Gott, wie oft sind unsre besten Triebe nicht Frömmigkeit, nicht Früchte deiner Liebe, nur Früchte meistens der Natur und Zeit! wann fühlen wir der Tugend ganze Würde? Wann ist dein Joch uns eine leichte Bürde, und dein Gebot Wunsch und Bufriedenheit? 8 1 904 Zweiter Theil. 6. Doch, Herr, mein Gott, wenn auch zu deiner Ehre mein Herze rein, rein meine Tugend wäre: wer hätte Recht zu diesem Eigenthum? wer ließ mich früh zur Tugend unterrichten? mein Glück mich sehn in meines Lebens Pflichten! wer lehrte mich: Gehorsam sei mein Ruhm? 7. Wer gab mir Muth, Herr, dein Gebot zu lieben? wer gab mir Kraft, es freudig auszuüben? wer gab mir in Versuchung Schild und Sieg? Wess' ist die Quell, die mich mit Weisheit tränfte? und wess der Freund, der mich zum Guten lentte, und mir die Fehler liebreich nicht verschwieg? 8. Du triebst mich an, daß ich das Gute wählte, und riefst mich oft, wenn ich des Wegs verfehlte, durch deines Geistes träftgen Ruf zurück; zogst mich durch Kreuz, durch Wohlthat auch von Sünden; ließ'st, wenn ich rief, mich wieder Gnade finden; gabst mir zur Beßrung deinen Segensblick. 9. Was ist der Mensch, daß du, Gott, sein gedenkest, Gerechtigkeit in deinem Sohn ihm schenkest, und so zum ewgen Leben selbst ein Recht? Und wenn ich nun Von der Selbsterkenntniß und Demuth. 905 durch deines Geistes Gabe des Glaubens Kraft und alle Werke habe; Wer bin ich vor dir? ein unnüßer Knecht. Mel. O Welt, ich muß dich.- 48. Ottoon 2 498. Was ich nur Gutes habe, ist deine milde Gabe, du Vater alles Lichts. Mein Dasein und mein Leben ward mir von dir gegeben, und ohne dich vermag ich nichts. 2. Sowohl Verstand, als Kräfte zum nüßlichen Geschäfte, hab ich aus deiner Huld. Dein ist, wenn gute Thaten dem Vorsaß wohlgerathen; ich bin allein an Fehlern schuld. 3. Das Glück, deff' ich mich freue, wer schafft mirs? deine Treue, du Herr der ganzen Welt. Du ordnest unsre Tage, ihr Glück und ihre Plage nur so, wie dir es wohlgefällt. 4. Sollt ich mich denn erheben, wenn mir in diesem Leben viel Gutes wiederfährt? Was hat dich, Herr, bewogen, daß du mich vorgezogen? bin ich auch jemals dessen werth? 5. Ich bin viel zu geringe der Huld, die ich besinge, und werd es ewig sein. D, laß 8 1 906 Zweiter Theil. michs nie vergessen; so werd ich nicht vermessen der Eigenliebe Weihrauch streun. 6. Das nüßlich anzuwenden, was du mit Vaterhänden mir gütig zugewandt, dein treuer Knecht zu werden: das sei mein Fleiß auf Erden; dazu gib Demuth und Verstand. BRITSG bid snde dar 38) Von der Sorge für die Seele. Mel. Kommt her zu mir, spricht. 238. 499. Herr! meiner Seele großen Werth, den mir dein theures Wort erklärt, laß mich mit Ernst bedenken, und auf die Sorge für ihr Wohl so unermüdet als ich soll, den größten Eifer lenken. ht - 2. Wie hoch ist sie vor dir geacht't! welch Glück hast du ihr zugedacht! wie viel an sie gewendet! du schufft sie, Gott, dein Bild zu sein, und hast, vom Fluch sie zu befrein, selbst deinen Sohn gesendet. 3. 3u groß für diese furze Zeit, bestimmt zum Glück der Ewigkeit, lebt ſie im Fleisch auf Erden, durch Glauben und Gottseligkeit, zu größerer Vollkommenheit im Himmel reif zu werden. Von der Sorge für die Seele. 907 4. Mit großer Treue willst du sie selbst durch des Lebens kurze Müh zu diesem Biele führen. O laß mich nicht durch eigne Schuld das Heil, das deine Vaterhuld ihr zugedacht, verlieren. 5. Mit dir, o Gott, vereint zu sein, mich ewig deiner Huld zu freun, und dich zum Trost zu wählen, das sei mein Fleiß und höchster 3weck! laß mich dazu den rechten Weg aus Leichtsinn nie verfehlen. Ibinio DAG 6. Wer böse ist, bleibt nicht vor dir. Drum schaffe selbst, o Gott, in mir ein Herz, das Sünden hasset; das seine Schuld vor dir bereut, und das zu deiner Gütigkeit durch Christum Hoffnung faffet. and 7. Gib, daß ich dir mich ganz ergeb; und was ich hier im Fleisch noch leb, laß mich im Glauben leben an dich, Sohn Gottes, der du mich so hoch geliebet haſt, und dich für mich dahin gegeben. 8. 3u meiner ganzen Pilgrimschaft laß mich, gestärkt durch deine Kraft, nach jenem Kleinod trachten, das mir dein Ruf vor Augen stellt, und alle Leiden dieser Welt wie nichts dagegen achten. 908 Zweiter Theil. 9. Wie selig werd ich dann nicht sein! schon hier wird dann mein Herz sich freun, in dir, Gott, ruhig leben; und du wirst nach vollbrachter Zeit auch mich gewiß zur Herrlichkeit in deinem Reich erheben. Mel. Aus tiefer Noth schrei ich.- 119. 500. Nach meiner Seelen Seligkeit laß, Herr, mich eifrig ringen. Sollt ich die kurze Gnadenzeit in Sicherheit verbringen? wie würd ich einst vor dir bestehn! wer in dein Reich wünscht einzugehn, muß reines Herzens werden. 2. Erst an dem Schluß der Lebensbahn auf seine Sünden sehen, und wenn man nicht mehr fündgen kann, Gott um Erbarmung flehen: das ist der Weg zum Leben nicht, den uns, o Gott, dein Unterricht in deinem Wort bezeichnet. 3. Du rufft uns hier zur Heiligung; drum laß auch hier auf Erden des Geistes wahre Besserung mein Hauptgeschäfte werden. Herr, stärke mir dazu den Trieb; nichts sei so groß, nichts mir so lieb, das ich ihm nicht aufopfre. 4. Gewönn ich auch die ganze Welt mit allen ihren Freuden, und sollte das, Von der Sorge für die Seele. was dir gefällt, o Gott, darüber meiden: was hülfe mirs? fann auch die Welt mit allem, was sie in sich hält, mir deine Gnad erseten? 909 5. Was führt mich zur Zufriedenheit schon hier in diesem Leben? was kann mir Trost und Freudigkeit in Noth und Tode geben? nicht Menschengunst, nicht irdisch Glück; nur Gottes Gnade und der Blick auf jenes Lebens Freuden! 6. Nach diesem Kleinod, Herr, laß mich vor allen Dingen trachten, und was mir daran hinderlich, mit edlem Muth verachten. Daß ich auf deinen Wegen geh und im Gericht dereinst besteh, sei meine größte Sorge! 7. Doch, was vermag ich, wenn du nicht vor Trägheit mich beschüßest, und mich zur Treu in dieser Pflicht, mit Kräften unterstüßest? D stärke mich, mein Gott, dazu, so find ich hier schon wahre Rub, und dort das ewge Leben. Mel. Fren dich sehr, o meine Seele.- 29. 501. Lehre mich, Herr! recht bedenken, was wahrhafte Weisheit sei. Meinen Fleiß darauf zu lenken, stehe mir aus 910 Zweiter Theil. Gnaden bei. Denn die Klugheit, so die Welt ohne Grund für Weisheit hält, fördert nicht mein Wohlergehen und wird nie vor dir bestehen. 2. Weisheit ists, wenn unsre Seelen sich, Herr, deines Wortes Licht nur allein zum Leitstern wählen, und mit fester Zuversicht diesem Licht sich anvertraun; denn, die folgsam darauf schaun, ihre Hoffnung darauf gründen, werden Heil und Leben finden. 3. Weisheit ist es, darnach trachten, recht mit sich bekannt zu sein; sich nicht schon vollkommen achten, und den Eigendünkel scheun; gern auf seine Fehler sehn, reuig sie vor Gott gestehn; eifrig stets nach Beßrung streben, und sich dess doch nie erheben. 4. Weisheit ist es, Christum ehren, seiner Mittlerhuld vertraun; so auf seine Stimme hören, und auf seinen Wandel schaun, daß man falsche Wege flieht, und mit Eifer sich bemüht, seinem Bilde hier auf Erden immer ähnlicher zu werden. 5. Weisheit ist es, alles meiden, was mit Reu das Herz beschwert, und sich Von der Sorge für die Seele. hüten vor den Freuden, die der Sündendienst gewährt; nicht die Ehre dieser Welt, nicht Gemächlichkeit und Geld für das wahre Wohlsein achten, nein, nach bessern Gütern trachten. 6. Weisheit ist es, Gottes Gnade sich zu seinem 3weck ersehn, und auf seiner Wahrheit Pfade diesem Glück entgegen gehn; gerne Gottes Willen thun; froh in seiner Fügung ruhn, und wenn Leiden uns beschweren, hoffend mit Geduld sie ehren. 911 17. Weisheit ist es, stets bedenken, daß wir hier nur Pilgrimm' sind; Wunsch und Hoffnung dahin lenken, wo die Seele Ruhe find't; seine Augen unverwandt nach dem ewgen Vaterland richten, und sich hier bestreben, wie man droben lebt, zu leben. 8. Diese Weisheit ist auf Erden, Höchster, unser bestes Theil! Die von ihr geleitet werden, deren Weg ist Licht und Heil. Solche Weisheit kommt von dir, Gott, verleihe sie auch mir! laß sie mich zu allen Zeiten auf den Weg des Friedens leiten. Zweiter Theil. Vom Gewissen. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 48. 502. Ein ruhiges Gewissen laß, Herr, mich stets genießen. Denn hab ich dieses nur, so ist für mich in Tagen, wenn andre ängstlich zagen, nichts Schreckliches in der Natur. 912 15 2. Wenn meine Sünde schweiget, und mir dein Geist bezeuget, daß ich begnadigt bin; wenn mich dein Trost erquicket, so oft mich Trübsal drücket: wie unschäßbar ist mein Gewinn! 3. Sollt ich solch ruhig Leben für Luft der Sinne geben, und dann die innre Pein, mich selber zu verklagen, in meinem Busen tragen: wie groß würd meine Thorheit sein! 4. Sein eigen Herz bekämpfen, und seine Neigung dämpfen, ist freilich schwere Pflicht; doch, wenn wir uns besiegen, welch seliges Vergnügen gewährt uns die Vollbringung nicht! 5. Nichts fann im Wohlergehen so unser Glück erhöhen, als ein geruhigs Herz. Das schaffet innre Freuden selbst in den größten Leiden, und stillt in Schmerzen selbst den Schmerz. Von der Sorge für die Seele. 913 6. Die Güter zu verachten, wonach die Thoren schmachten, was gibt uns dazu Muth? was tröstet Gottes Kinder beim Spotte frecher Sünder? ein ruhig Herz, dies größte Gut.& onio 7. Zu dir gen Himmel schauen, o Gott, und mit Vertrauen sich rühmen: ich bin dein; gezählt zu den Erlösten, sich deiner Huld zu trösten: welch Glück, mein Gott, fann größer sein? spune asjed logist) sid 8. Einst läßt du im Gewissen mir diesen Trost genießen, wenn alles von mir weicht; wenn ich den Lauf vollendet und sich mein Leben endet: so wird mir selbst das Sterben leicht. 9. O, laß zu allen Zeiten mich deine Weisheit leiten, und mache selbst mich treu! zum Fleiß in guten Werken, laß mich die Hoffnung stärken, daß nichts Verdammlichs an mir sei. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit.- 30. 503. welch ein unschäßbares Gut ist, Herr, ein rein Gewissen: wer dieses hat, der hat auch Muth, wenn andre zagen müssen. Sein ruhig Herz erzittert nicht, 58 914 Zweiter Theil. ihn schreckt kein Tod und kein Gericht; denn mit dir hat er Friede. 2. Sich deines Beifalls, Gott, bewußt, im Blick auf deine Gnade, dann wohnet Fried in seiner Brust, und wer ist, der ihm schade? auf dich sieht er bei aller Noth, womit die Zukunft ihn bedroht. Ihn tröstet deine Vorsicht. 3. Trifft ihn auch hier zuweilen noch die Geißel böser Bungen, wird seines Herzens Ruhe doch dadurch nicht ganz bezwungen. Er hütet sich vor Ulebelthat, und denkt: der Lügen wird wohl Rath; Gott wird die Unschuld retten. 4. Sein Geist sieht mit Bufriedenheit der fünftgen Welt entgegen. Die gibt ihm Muth und Freudigkeit auf allen seinen Wegen. Denn dort macht selbst, o Herr, dein Mund den wahren Werth der Menschen fund; da wird der Fromme siegen. 5. So hilf denn, daß ich, mir zum Heil, ein unverletzt Gewissen, des Lebens allerbesten Theil, zu haben sei beflissen. Mit dir, Gott, ausgesöhnt zu sein, dein heilig Recht nicht zu entweihn, das sei mein größter Eifer. Von der Sorge für die Seele. 915 6. Gib, daß ich des Gewissens Spruch als deine Stimme ehre, und immer aufmerksam genug auf seine Warnung höre. Erinnerts mich an meine Schuld, so laß mich, Vater, deine Huld voll Reu und Glauben suchen. 7. Mit deiner Gnade tröste mich und stärke meine Seele, daß sie vor Sünden hüte sich und nie aus Borsaß fehle. Denn, wer nur reines Herzens ist, hat immer auch durch Jesum Christ, zum Trost dich, Allerhöchster! Von der Wachsamkeit. Mel. von Nr. 72. 503. Nicht, daß ichs schon ergriffen hätte; die beste Tugend bleibt noch schwach; doch, daß ich meine Seele rette, jag ich dem Kleinod eifrig nach; denn Tugend ohne Wachsamkeit verliert sich bald in Sicherheit. 2. So lang ich hier im Leibe walle, bin ich ein Kind, das strauchelnd geht. Der sehe zu, daß er nicht falle, der, wenn sein Nächster fällt, noch steht. Auch die bekämpfte böse Lust stirbt niemals ganz in unsrer Brust. 58* 916 Zweiter Theil. 3. Nicht jede Besserung ist Tugend; oft ist sie nur das Werk der Zeit. Die wilde Hike roher Jugend wird mit den Jahren Sittsamkeit, und was Natur und Zeit gethan, sieht unser Stolz für Tugend an. 4. Oft ist die Aendrung deiner Seelen ein Tausch der Triebe der Natur. Du fühlst, wie Stolz und Ruhmsucht quälen, und dämpfst sie; doch du wechselst nur! dein Herz fühlt einen andern Reiz, dein Stolz wird Wollust oder Geiz. 5. Oft ist es Kunst und Eigenliebe, was andern strenge Tugend scheint. Der Trieb des Neids, der Schmähsucht Triebe, erwecken dir so manchen Feind. Du wirst behutsam, schränfst dich ein, fliehſt nicht die Schmähsucht, nur den Schein. 6. Du denkst, weil Dinge dich nicht rühren, durch die der andern Tugend fällt, so werde nichts dein Herz verführen; doch jedes Herz hat seine Welt. Den, welchen Stand und Gold nicht rührt, hat oft ein Blick, ein Wort verführt. 7. Oft schläft der Trieb in deinem Herzen. Du scheinst von Rachsucht dir befreit; jeßt sollst du eine Schmach verschmerzen, Von der. Sorge für die Seele. 917 und sieh, dein Herz wallt auf und dräut, und schilt so lieblos und so hart, als es zuerst gescholten ward. nis@ 8. Oft denkt, wenn wir der Stille pflegen, das Herz im Stillen tugendhaft. Kaum lachet uns die Welt entgegen, so reget sich die Leidenschaft. Wir werden im Geräusche schwach, und geben endlich strafbar nach. mine 119 06 9. Du opferst Gott die leichtern Triebe durch einen strengen Lebenslauf; doch opferst du, wills seine Liebe, ihm auch die liebſte Neigung auf? Dies ist das Auge, dies der Fuß, die sich der Christ entreißen muß. 10. Du fliehst, geneigt zu Ruh und Stille, die Welt, und liebst die Einsamfeit. Doch bist du, forderts Gottes Wille, auch dieser zu entfliehn bereit? Dein Herz haßt Habsucht, Neid und Zank; fliehts Unmuth auch und Müssiggang? 11. Du bist gerecht: denn auch bescheiden? liebst Mäßigkeit: denn auch Geduld? Du dienest gern, wenn andre leiden: vergiebst du Feinden auch die Schuld? von allen Lastern sollst du rein, zu aller Tugend willig sein.j 918 Zweiter Theil. 12. Sei nicht vermessen! wach und streite: denk nicht, daß du schon gnug gethan. Dein Herz hat seine schwache Seite, die greift der Feind der Wohlfahrt an. Die Sicherheit droht dir den Fall; drum wache stets, wach überall. Mel. Wer nur den lieben Gott.- 7. 505. Damit ich meine Seele rette, ſo gib, Herr, daß ich bet und wach! wenn ich dich nicht zum Beistand hätte, wär ich zum Guten viel zu schwach. Und Tugend ohne Wachsamkeit verliert sich bald in Sicherheit. 2. So lang ich hier im Leibe walle, bin ich ein Kind, das strauchelnd geht. Der sehe zu, daß er nicht falle, der, wenn sein Nächster fällt, noch steht. Auch die bekämpfte böse Lust stirbt niemals ganz in unsrer Brust. 3. Wenn mich gleich nicht die Dinge rühren, durch die der andern Tugend fällt: wird darum nichts mein Herz verführen? Ach, jedes Herz hat seine Welt. Den, welchen Stand und Gold nicht rührt, hat oft ein Blick, ein Wort verführt. Von der Sorge für die Seele. 919 4. Oft schläft der Trieb in meinem Herzen. Von Rachsucht schein ich mir befreit; jetzt soll ich eine Schmach verschmerzen; und ach! mein Herz wallt auf und dräut, und schilt so lieblos und so hart, als es zuerst gescholten ward. 5. Oft denkt, wenn wir der Stille pflegen, das Herz im Stillen tugendhaft. Kaum lachet uns die Welt entgegen: so regt sich unsre Leidenschaft. Wir werden im Geräusche schwach, und geben endlich strafbar nach. 6. Drum gib, Herr, daß ich wach und streite; nie denke, daß ich gnug gethan. Mein Herz hat seine schwache Seite; die greift der Feind der Wohlfahrt an. Die Sicherheit droht mir den Fall. Hilf, daß ich wache überall! Mel. Straf mich nicht in.- 302. 506. Mache dich, mein Geist, bereit; Wachen, Flehn und Beten stärket uns zu jeder Zeit, hilft in allen Nöthen. Satans List kann der Christ durch Gebet und Wachen leicht zu Schanden machen. 2. Auf denn! und beharre nicht in dem Sündenschlafe. Christus ist nun selbst 920 Zweiter Theil. dein Licht. Eile! schwere Strafe, große Noth, selbst der Tod möchten dich in Sünden unbereitet finden. Ha tosi 3. Wache, sonst bringt Satans List dich zu schweren Sünden. Er kann, wenn du schläfrig bist, dich leicht überwinden. Die Gott liebt, übergiebt er ihm, wenn sie schlafen, zu gerechten Strafen.nopolig 4. Wache, daß dich nicht die Welt durch Gewalt bezwinge; oder, wenn sie sich verstellt, listig an sich bringe. Wach und sich, daß dich nie falsche Brüder fällen, die dir Nege stellen.dip mum@ 3 5. Wach und gib auf dich selbst acht; trau nicht deinem Herzen. Leicht kann, wer es nicht bewacht, Gottes Huld verscherzen. O, es ist voller List, kann sich selber heucheln, und voll Hochmuth schmeicheln. 6. Du mußt mit der Wachsamkeit das Gebet verbinden. Was uns Stärk und Kraft verleiht, ist bei Gott zu finden. Geist und Wort hilft dir fort, daß du wacker bleibest, und sein Werk recht treibest. 7. Du wirst nie vergeblich schrein: Gott wird Heil und Leben, Gott wird Segen und Von der Sorge für die Seele. 921 Gedeihn, wenn du bittest, geben; wenn du schreist, wird sein Geist auf dein Flehn bald merken, und in Noth dich stärken. 8. Auf denn! du mußt immerdar wachen, flehn und beten, und, vermehrt sich die Gefahr, immer brünstger beten. In der Noth, in dem Tod wirst du kräftig flehen, und vor ihm bestehen.me smis 20 Mel. Bater unser im Himmelreich. 120. 507. Hier ist noch unsre Prüfungszeit. Hier sind wir immerdar im Streit; hier, wo uns Satan leicht berückt, das schwache Fleisch sich selbst verstrickt, die Sinne jedes Blendwerk rührt, auch böses Beispiel oft verführt. hiisl misd 310 2. Oft nehmen Laster überhand und strömen übers ganze Land. Drum hüte dich! das Weltgericht bringt alle Sünden an das Licht. Christ sei im Glauben stets bereit und flich den Schlaf der Sicherheit. 3. Mein Vorsatz ist: ich will ihn fliehn. Doch wie gelingt mir mein Bemühn? Gefahr nehm ich hier bei Gefahr und ein Netz bei dem andern wahr. Wie so viel Feinde drohen mir! ach, wie entrinn ich Schwacher hier. - 922 Zweiter Theil. 4. Die Welt hüllt in der Tugend Schein oft ihre Laster künstlich ein, preist den Genuß des Lebens an, schilt Frömmigkeit für finstern Wahn. Ihr Weg ist lustig, breit und voll. Sie winkt mir, daß ich folgen soll. 5. Auch Satan reizt das Herz und sagt: o, eine Sünd ist leicht gewagt! die Ewigkeit ist ja noch fern! Und ach, mein Fleisch gehorchet gern. Denn wie so leicht ist es bethört, da es verführt zu sein begehrt. 6. Du, Jesu! mußt das Beste thun. Mein Hoffen soll auf dir beruhn. Ach, durch dein Blut bin ich ja dein, dein Bruder, Herr, dein Fleisch und Bein! Mein Gott, mein Gott, laß nicht von mir, damit auch ich nicht laß von dir. 7. Der Sündendienst nimmt anfangs ein und endet sich in Höllenpein. Drum steh dein guter Geist mir bei, daß ich kein Knecht der Sünde sei. Gestatte dem Versucher nie, daß er mich deiner Hand entzieh. 8. 3war ist mein Glaube klein; doch du, du starker Held, sagst Hülfe zu. Mein ganzes Herz ergibt sich dir. Jch weiß, durch dich gelingt es mir. Auf dich ver Von der Sorge für die Seele. 923 läßt in aller Noth mein Herz sich fest bis in den Tod. 9. Wenn schon die Trübsal auf mich dringt und überall mich Angst umringt, bleib ich doch stets in deiner Hand. Ich halt in jeder Prüfung Stand. Du, du bist durch den Glauben mein. Nun muß mir alles heilsam sein. 10. Mit dir, o Herr, kann ich bestehn, sollt auch der Weltkreis untergehn. Es fürchte sich der Heuchelchrist und wer ein Sclav der Laster ist. Ich will nicht zagen. Ins Gericht kommt ja, wer an dich glaubet, nicht. 11. Du bist es auch, dem ich vertrau, so lang ich noch das Elend bau; bis dort, wohin mein Herz sich sehnt, die Sieger Preis und Ehre krönt. Herr! steh in jedem Streit mir bei, daß ich durch dich ein Sieger sei. 39) Von der Sorge für den Leib. Mel. von Nr. 72. 508. Wie mannigfaltig sind die Gaben, wodurch uns, Herr, dein Wohlthun nährt, und die, so Geist als Leib zu laben, uns 924 Zweiter Theil. täglich deine Hand gewährt! auch das, was unser Mund genießt, zeigt uns, wie freundlich, Gott, du bist! 2. Du gibst uns Brod für unser Leben, und unsre Herzen zu erfreun, gibst du den traubenvollen Reben mit segensreicher Hand den Wein. Wie angenehm ist der Genuß von dem, was uns ernähren muß. 3. Doch laß die Kraft, uns zu vergnügen, die du in Speis und Trank gelegt, mich nie, o Höchster, so besiegen, daß sie zum Schwelgen mich bewegt. Laß, deiner Gaben mich zu freun, mich mäßig im Genusse sein. ihin isdupin dhid 4. Mit Speis und Trank sein Herz beschweren, steht niemals wahren Christen an. Dadurch wird das, was uns ernähren und unsern Geist erquicken kann, ein Gift, das in die Adern schleicht, und Krankheit, Schmerz und Tod erzeugt. 5. Die Schwelgerei raubt uns die Kräfte zu dem, was uns die Pflicht gebeut; macht träge zum Berufsgeschäfte, untüchtig zur Gottseligkeit; erweckt Unordnung, Streit und Bank, und hindert den Gott schuldgen Dank. Von der Sorge für den Leib. 925 6. Wer sich den Bauch zum Gott erforen, unmäßig deine Gaben braucht, der geht des Himmelreichs verloren, zu dem kein Knecht der Lüste taugt. Gott! laß mich ja dies Laster scheun, und mäßig stets und nüchtern sein. ndopoprad 7. So oft ich Speis und Trank genieße, so laß es mit Vernunft geschehn, und daß ich beides mir versüße, mit Dank auf dich, den Geber, sehn; auf dich, der du uns zärtlich liebst, uns Nahrung und Erquikfung gibst. hele 150 dni Mel. von Nr. 234. 509. Der Wollust Reiz zu widerstreben, laß, Höchster, meine Weisheit sein! Sie ist ein Gift für unser Leben, und ihre Freuden werden Pein. Drum fleh ich demuthsvoll zu dir: o schaff ein reines Herz in mir. 2. Die Wollust kürzet unsre Tage; fie raubt dem Körper seine Kraft; und Armuth, Seuchen, Schmerz und Plage sind Früchte ihrer Leidenschaft. Der haßt sich selber der sie übt, und sich in ihre Fesſeln gibt. 926 Zweiter Theil. 3. Sie raubt dem Herzen Muth und Stärke, schwächt den Verstand, der Seele Licht; sie raubt den Eifer edler Werke, und Ernst und Lust zu jeder Pflicht; sie führt Reu und Gewissensschmerz in das ihr hingegebne Herz. 4. Der Mensch sinkt unter ihrer Bürde zur Niedrigkeit des Thiers herab; er schändet und entehrt die Würde, die ihm sein weiser Schöpfer gab; vergißt den Zweck, dazu er lebt, weil er nach niedern Lüsten strebt. 6. So schimpflich sind der Wollust Bande! schon vor der Welt sind sie ein Spott. Sind sie vor dem Gewissen Schande, so noch weit mehr vor dir, o Gott! wer sich in ihre Knechtschaft gibt, wird nie von dir, o Gott, geliebt. 6. Du wirst den wiederum verderben, der deinen Tempel hier verdirbt. Dein Himmelreich wird niemand erben, in dem die böse Lust nicht stirbt. Drum laß mich ihre Reizung fliehn, und keusch zu sein mich stets bemühn. 7. Gib, daß ich allen bösen Lüsten mit Muth und Nachdruck widersteh, und stets Von der Sorge für den Leib. darwider mich zu rüsten, auf dich, Allgegenwärtger, seh. Wer dich, o Gott, vor Augen hat, flieht auch verborgne Missethat. Mel. von Nr. 234. 510. Des Leibes warten und ihn nähren, das ist, o Schöpfer, meine Pflicht, muthwillig seinen Bau versehren, verbietet mir dein Unterricht. O stehe mir mit Weisheit bei, daß diese Pflicht mir heilig ſei. 2. Sollt ich mit Vorsaß das verlegen, was zur Erhaltung mir vertraut? sollt ich gering ein Kunststück schäßen, was du, o Schöpfer, selbst erbaut? Weff ist mein Leib? er ist ja dein. Sollt ich denn sein Berstörer sein? 927 3. Ihn zu erhalten, zu beschüßen, gibſt du mit milder Vaterhand die Mittel, die dazu uns nüßen, und zum Gebrauch gibst du Verstand. Dir ist die Sorge nicht zu klein. Wie? sollte sie denn mir es sein? 4. Gesunde Glieder, muntre Kräfte, o Gott, wie viel sind die nicht werth! wer taugt zu des Berufs Geschäfte, wenn Krankheit seinen Leib beschwert? Ist nicht der Erde größtes Gut Gesundheit und ein heitrer Muth? 928 Zweiter Theil. 5. So laß mich denn mit Sorgfalt meiden, was meines Körpers Wohlsein stört, daß nicht, wenn meine Kräfte leiden, mein Geist den innern Vorwurf hört: du selbst bist Störer deiner Ruh, du zogst dir selbst dein Uebel zu. 200 6. Laß jeden Sinn und alle Glieder mich zu bewahren, achtsam sein! drückt mich die Last der Krankheit nieder, so flöße selbst Geduld mir ein. Gewähr auch dann mir guten Muth, und segne, Hi Q750 was der Arzt dann thut. 7. Doch gib, daß ich nicht übertreibe, was auf des Leibes Pflege zielt, nein, stets in jenen Schranken bleibe, die dein Geset mir anbefiehlt. Des Körpers laß nie allein den Endzweck meiner Sorge sein. Chundin een wand 8. Mein größter Fleiß auf dieser Erde sei stets auf meinen Geist gericht't, daß er zum Himmel tüchtig werde, eh dieses Leibes Hülle bricht; dazu, Herr, segne meinen Fleiß, so leb ich hier zu deinem Preis. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 48. 511. Was ist mein zeitlich Leben, das du mir, Gott, gegeben? Ein unschäßbares - Von der Sorge für den Leib. 929 Gut. Du gabst mirs, hier auf Erden zum Himmel reif zu werden, worauf mein wahres Glück beruht. 2. Hier wird die Saat gestreuet, dort erntet man erfreuet der Tugend Früchte ein. Je länger ich hier wandle, vor dir rechtschaffen handle, je größer wird mein Glück dort sein. 3. Sollt ich dies Glück mir rauben? O Herr! laß mir, im Glauben der fünftgen Erntezeit, mein Leben auf der Erden so werth und wichtig werden, als es mir selbst dein Wort gebeut! 4. Mir selbst es zu verkürzen, mich in den Tod zu stürzen, ist wider meine Pflicht; ist Undank deiner Güte. Ein redliches Gemüthe verläßt ja seinen Posten nicht. 5. Gib, daß ich klüglich fliehe, was oft mit leichter Mühe mir gar mein Leben nimmt. Doch laß mich auch nicht zagen, es muthig dran zu wagen, wenn mich die Pflicht dazu bestimmt. 6. In deine Vaterhände befehl ich, Herr, mein Ende, und meiner Tage Lauf. Es sei mein ganzes Leben dir hier zum Dienst ergeben. Hilf nur dem guten Willen auf. 59 930 Zweiter Theil. 7. Was nüßt ein langes Leben dem, der nicht, Gott ergeben, nach wahrer Tugend strebt? wer Gott und Menschen liebet, und sich im Glauben übet, nur der hat lang und wohl gelebt. 40) Von dem rechtmäßigen Gebrauch der zeitlichen Güter, und wider den Geiz. Mel. O Gott, du frommer Gott.- 8. 512. Laß mich doch nicht, o Gott, den Schäßen dieser Erden so meine Neigung weihn, daß sie mein Abgott werden! Oft fehlt beim Ueberfluß doch die Zufriedenheit, und was ist ohne sie des Lebens Herrlichkeit? 2. Kann ein vergänglich Gut auch unsre Wünsche stillen? Es steht ja sein Besitz nicht stets in unserm Willen. Nicht stets wirds dem zu Theil, der ängstlich darnach ringt, und schnell verlierts oft der, dem der Besiß gelingt. i 3. Ein Gut, das unsern Geist wahrhaftig soll beglücken, muß nicht vergänglich sein, und für den Geist sich schicken. Der Thor hat Geld und Gut; er hats, und wünscht noch mehr; noch immer bleibt ſein Herz von wahrer Ruhe leer. Von dem rechtmäßigen Gebrauch der zeitlichen Güter zc. 931 4. O Gott, so wehre doch den ungerechten Trieben, und heilige mein Herz, die Güter nicht zu lieben, die man mit Müh gewinnt, bald prassend sie verzehrt, bald geizig sie bewacht, und bald mit Fluch vermehrt. 5. Ein weises frommes Herz, das sei mein Schatz auf Erden. Sonst alles, nur nicht dies kann mir entrissen werden. Dies bleibt im Tod auch mein, dies folgt mir aus der Zeit zum seligsten Gewinn bis in die Ewigkeit. 6. Was sind, wenn dieses fehlt, die herrlichsten Bergnügen? Nur süße Träume sinds, die unsern Geist betrügen. Drum lenke, Gott, den Wunsch vom irdischen Gewinn durch deines Geistes Kraft zu ewgen Gütern hin. Mel. Machs mit mir Gott.- 26. 513. Wohl dem, der beßre Schätze liebt, als Schätze dieser Erden! wohl dem, der sich mit Eifer übt, an Tugend reich zu werden, und in dem Glauben, deß er lebt, sich über diese Welt erhebt. 2. Wahr ist es, Gott verwehrt uns nicht, hier Güter zu besigen. Er gab sie 59* Sachgebiet: 932 Zweiter Theil. uns, und auch die Pflicht, mit Weisheit sie zu nüßen. Sie dürfen unser Herz erfreun, und unsers Fleißes Antrieb ſein. 3. Doch nach den Gütern dieser Zeit mit ganzer Seele schmachten, nicht erst nach der Gerechtigkeit und Gottes Reiche trachten: ist dieses eines Menschen Ruf, den Gott zur Ewigkeit erschuf? 4. Der Geiz erniedrigt unser Herz, erstickt die edlern Triebe. Die Liebe für ein schimmernd Erz verdrängt der Tugend Liebe, und machet, der Vernunft zum Spott, ein elend Gold zu deinem Gott. 5. Der Geiz, so viel er an sich reißt, läßt dich kein Gut genießen; er quält durch Habsucht deinen Geist, und tödtet dein Gewissen, und reißt durch schmeichelnden Gewinn dich blind zu jedem Frevel hin. 6. Um wenig Vortheil wird er schon aus dir mit meineid sprechen; dich zwingen, der Arbeiter Lohn unmenschlich abzubrechen; er wird in dir der Witwen Flehn, der Waisen Thränen widerstehn. 7. Wie könnt ein Herz, vom Geize hart, der Wohlthat Freuden schmecken, und in des Unglücks Gegenwart den Ruf zur Hülfent Von dem rechtmäßigen Gebrauch der zeitlichen Güter zc. 933 decken? Und wo ist eines Standes Pflicht, die nicht der Geiz entehrt und bricht! 8. Du bist ein Vater und aus Geiz entziehst du dich den Kindern, und läsfest dich des Goldes Reiz, ihr Herz zu bilden, hindern, und glaubst, du habst sie wohl bedacht, wenn du sie reich, wie dich, gemacht. 9. Du hast ein richterliches Amt; und du wirst dich erfrechen, die Sache, die das Recht verdammt, aus Habsucht recht zu sprechen, und selbst der Tugend größter Feind erkauft an dir sich einen Freund. 10. Gewinnsucht raubt dir Muth und Geist, die Wahrheit frei zu lehren; du schweigst, wenn sie dich reden heißt, ehrst, wo du nicht sollst ehren, und wirst um ein verächtlich Geld ein Schmeichler und die Pest der Welt. 11. Erhalte mich, o Gott, dabei, daß ich mir gnügen lasse; Geiz ewig, als Abgötterei, von mir entfern und hasse. Ein weises Herz und guter Muth sei meines Lebens größtes Gut. Mel. Es ist das Heil uns. 6. 514. Herr! laß mich doch gewissenhaft mein zeitlich Gut verwalten. Gib selbst Sachgebiet: 934 Zweiter Theil. mir Weisheit, gib mir Kraft, damit so hauszuhalten, wie es mir nützt und dir gefällt, damit ich nicht in jener Welt an ewgen Gütern darbe. ind 2. Mein Hab und Gut kommt ja von dir und deinem milden Segen. Nicht nur zum Fallstrick gabst du mir mein zeitliches Vermögen. Du gabst es mir zum wahren Wohl. Drum gib, Herr, daß ichs, wie ich soll, nach deiner Vorschrift brauche. 3. Was ist das mir geschenkte Gut? vergänglich, und von Erde. Hilf, daß ich nie aus Uebermuth, dadurch vereitelt werde! Nie reiße irdischer Gewinn mein Herz soweit zum Eiteln hin, daß ich mein Heil vergesse.dun usts filo nbin no 4. Was hülfe mir die ganze Welt mit allen ihren Schäßen? verführt mich zeitlich Gut und Geld, sorglos hintan zu setzen, was meiner Seelen Heil begehrt, und mir ein ewig Glück gewährt, wie strafbar würd ich handeln! 5. Mein größtes Trachten sei allhier nach deines Geistes Gaben. Wie reich bin ich, o Gott, in dir, wenn ich nur die kann haben! Hab ich nur, Höchster! deine Von dem rechtmäßigen Gebrauch der zeitlichen Güter zc. 935 Huld, bin ich voll Glauben und Geduld: was fehlt dann meiner Seele? om 6. Den Geiz laß ferne von mir sein, die Wurzel alles Bösen. Von Unruh und Gewissenspein kann Reichthum nicht erlösen. Er hilft in Todesstunden nichts, und nichts am Tage des Gerichts. Da schüßt er keinen Sünder.) nabidi niog# 15012) 7. Laß mich in weiser Sparsamkeit die Güter nie verschwenden, die du mir gabst, in dieser Zeit sie nüßlich anzuwenden. Gib mir die Klugheit, daß ich hier dadurch dem Nächsten so, wie mir, des Lebens Müh erleichtre. he 8. Es kommt ein Tag der Rechenschaft; das laß mich stets bedenken, und mein Gemüth gewissenhaft zur heilgen Sorgfalt lenken, also die Güter dieser Zeit zu nüßen, daß ich einst erfreut noch Segen davon ernte. 41) Von der Arbeitsamkeit und Treue im zeitlichen Beruf. Mel. Es ist gewißlich an der Zeit. 515. Gottists, der das Vermögen schafft, das Gute zu vollbringen. Er gibt zur Arbeit 30. Sachgebiet: 936 Zweiter Theil. Muth und Kraft, und läßt sie uns gelingen. Was man mit ihm nur unternimmt, wird, wenns mit seinem Willen stimmt, nicht ohne Fortgang bleiben. 2. Wer das zu seinem Hauptzweck macht, vor ihm gerecht zu werden, und erst nach seinem Reiche trach't, dem gibt er auch auf Erden vom irdschen Gut mit milder Hand so viel beim Fleiß in seinem Stand, als ihm wahrhaftig nüßet. 3. Gott ist der Frommen Schild und Lohn, und, frönt er sie mit Gnaden, was sollte ihrer Feinde Hohn und Mißgunſt ihnen schaden? Mit seinem Schutz bedeckt er sie, und segnet bei des Lebens Müh ihr Herz mit Trost und Hoffnung. 4. Drum gib, o Gott, daß ich auf dich bei meiner Arbeit sehe. Mit Licht und Weisheit segne mich, daß ich nie Wege gehe, die mir dein heilig Wort verbeut. Nach deines Reichs Gerechtigkeit laß mich vor allem trachten. 5. Laß Müssiggang und Trägheit mich, als dir mißfällig, meiden, und hilf, daß ich gestärkt durch dich, voll Muth mit Luſt und Freuden in meinem Stand geschäftig Von der Arbeitsamkeit und Treue im zeitlichen Beruf. 937 sei; dein Segen fröne meine Treu, daß sie auch andern nüße. 6. Sei überall, mein Gott, mit mir! die Werke meiner Hände befehl ich, Allerhöchster, dir; hilf, daß ich sie vollende zu deines großen Namens Preis, daß mir die Frucht von meinem Fleiß in jenes Leben folge. Mel. O Gott, du frommer Gott. 516. Du hast uns Herr, die Pflicht zur Arbeit auferleget, und Fleiß in dem Beruf uns ernstlich eingepräget. Der träge Müssiggang ist dir, o Gott, verhaßt, für uns der Laster Netz, und unserm Nächsten Laſt. 2. In deine Ordnung, Herr, laß willig mich bequemen, die Bürden des Berufs getrost auf mich zu nehmen. Wird gleich mein Angesicht mit saurem Schweiß beneßt: genug, daß du mich selbst in den Beruf gesetzt. 3. Bewahre nur mein Herz vor eitlen Nahrungsforgen. Gib mir mein täglich Brod und sorge selbst für morgen. Laß mich an meinem Theil das Meine fleißig 938 Zweiter Theil. thun, und dann mit Zuversicht in deiner Fügung ruhn. 4. Ach! fördre, großer Gott, die Werke meiner Hände. Hilf mir, bei meinem Thun, am Anfang und am Ende. Laß mich, bei meiner Last, auf jenen Sabbath sehn, da wir, nach treuem Fleiß, in deine Ruhe gehn. Aus tiefer Noth schrei ich.- 119. 517. Zur Arbeit, nicht zum Müssiggang, sind wir, o Herr, auf Erden. Drum laß mich doch mein Lebenlang kein Knecht der Trägheit werden: Gib mir Verstand und Lust und Kraft, geschickt, treu und gewissenhaft mein Amt hier zu verwalten. 2. Hast du ein Amt, so warte sein; das ist, o Gott, dein Wille. O flöße ſelbst den Trieb mir ein, daß ich ihn treu erfülle. Hilf mir, daß ich von Zeit zu Zeit an Einsicht und an Tüchtigkeit zu meinem Amte wachse. 3. D Herr! vor träger Weichlichkeit wollst du mein Herz bewahren, so werd ich aus Gemächlichkeit nie meine Kräfte sparen. Erholen werd ich mich nur dann, 5 Von der Arbeitsamkeit und Treue im zeitlichen Beruf. 939 wenn ich, von Kraft erschöpft, mich kann zu neuer Arbeit stärken. 4. Mit wahrer Vorsicht laß mich nicht die Zeit mit Nebendingen, die weit entfernt von meiner Pflicht, verschwenderisch verbringen. Das müsse mein Vergnügen sein, mich den Geschäften ganz zu weihn, die du mir auferleget. 5. Ein heilger Trieb belebe mich, o Höchster! meine Pflichten in deiner Furcht, gestärkt durch dich, mit Freuden zu verrichten. Ein Herz, das sich des Guten freut, gibt zu der Arbeit Munterkeit, versüßt uns ihre Lasten. 6. Laß mich vor dir, Herr, unverrückt mit meinem Herzen wandeln, das Geiz und Ehrsucht nie bestrickt. Gewissenhaft zu handeln, mein Leben deinem Dienst zu weihn, so nüßlich, als ich kann, zu sein, das sei mir Ehr und Reichthum. 7. Dir zu gefallen, sei mein 3weck bei allem, was ich thue; so wandle ich den rechten Weg zu der Gewissensruhe. Denn, wer dir, Heiligster, mißfällt, was nüßet dem die ganze Welt mit allen ihren Schätzen? 940 Zweiter Theil. 8. Laß mir den zeitlichen Beruf, dazu mich, Herr, auf Erden dein weises Allmachtswort erschuf, doch eine Leiter werden, worauf ich einst in jener Welt, die höheren Beruf enthält, zu höhern Würden steige. 42) Von der Zufriedenheit und Geduld im Leiden. Mel. von Nr. 55. 518. Gott! du bleibst ewig unsrer Wohlfahrt Meister. Wie thöricht handeln unzufriedne Geister! sie quälen sich und machen ihrem Herzen vergeblich Schmerzen. 2. Was helfen uns die ängstlich bangen Sorgen für den noch ungewissen andern Morgen? Und müssen wir uns über unser Grämen nicht nachmals schämen? 3. Es ist umsonst: wir werden nichts erzwingen, wenn wir auch Nächte durch mit Kummer ringen, und noch so früh mit ängstlichen Geschäften den Leib entkräften. 4. Mein Glück beruht, o Gott, auf deinem Segen. Vertrau ich dir, und geh auf deinen Wegen: so wirst du mir, auch ohne Sorg und Kränken, was nüßlich, schenken. Von der Zufriedenheit und Geduld im Leiden. 941 5. Bin ich getreu mit dem verlichnen Pfunde, und harr ich nur der rechten Segensstunde: so kommt sie, und dann werden meine Thaten zum Glück gerathen. 6. Drum fördre selbst die Werke meiner Hände. Gesegnet sei der Anfang und das Ende! gib guten Rath, damit, was ich vollbringe, mir wohl gelinge. 7. Hilf mir mit Treue meine Pflicht erfüllen, und dann mein Herz mit froher Hoffnung stillen. Erlang ich nur, was du, Herr, mir beschieden, bin ich zufrieden. 8. Kann ich den Leib auch nicht, wie Reiche, laben: versorge nur den Geist mit jenen Gaben, die mehr, als alles Irdische erquicken, und stets beglücken. 9. Hier hab ich gnug. Laß mich nur mit den Frommen zu dem Genuß der Himmelsgüter kommen; so wird mein Wunsch, den irdisch Gut nie stillet, völlig erfüllet. Mel. von Nr. 46. 519. Entehre nicht, mein Herz! mit Klagen, den Gott, der dich zum Glück erschuf. Die Müh des Lebens zu ertragen, und froh zu sein, ist dein Beruf. Sachaebiet: Zweiter Theil. 2. Der Christ murrt nicht bei den Beschwerden von dieser kurzen Lebensbahn; er sucht, daß sie ihm nüßlich werden, und betet Gottes Willen an. 3. Gott selbst hat dir dein Loos beschieden. Nimms dankbar aus der Vorsicht Hand. Erfülle jede Pflicht zufrieden, die sie mit diesem Loos verband. 942 4. Sie giebt dir Munterfeit und Kräfte, und nährt und stärkt sie väterlich; sie brauchen, dies ist dein Geschäfte, und ihr Gebrauch ist Ruhm für dich. 5. Zwar jenen hat des Himmels Segen mehr Güter anvertraut, als dir; doch soll dies deinen Neid erregen? dent: wer ist Gott und wer sind wir? 6. Weiß er nicht besser, was dir nüßet, und was dem Nächsten nüßzt, als du? wenn er dich führt, regiert und schüßzet, was fehlet wohl zu deiner Ruh? 7. Du prangest nicht mit hohen Würden? beneide nicht der Großen Glück, sie seufzen unter schweren Bürden, und oft stürzt sie ein Augenblick. 8. Dir ward kein Ueberfluß gewähret? ihn wünschen, das ist Selbstbetrug. Wer Von der Zufriedenheit und Geduld im Leiden. 843 gern, was er nicht braucht, entbehret, der ist beglückt, und reich genug. 9. Herr, der du mir zum frohen Leben so viel ich brauch und mehr verliehn, laß täglich sich mein Herz bestreben, den sorgenvollen Gram zu fliehn. 10. In Demuth laß mein Herz sich üben, Gott, deiner Güte sich zu freun; dich fürchten, dir vertraun, dich lieben, müß ewig meine Wollust sein! Mel. O Welt, ich muß dich.- 48. 520. Will mich, o Gott, hinieden des Lebens Last ermüden, so stärke meinen Geist! wenn mich die Leiden kränken, ſo laß mich wohl bedenken: auch das sei gut, was Trübsal heißt. 2. Nicht ewig soll sie währen. Oft werden unsre Zähren schnell von dir abgewischt, und seufzen wir: wie lange ist unsrer Seelen bange? so wird mit Trost das Herz erfrischt. 3. Die Lasten, die uns pressen, hast du Herr, abgemessen, so groß sie immer ſein. Du hilfft sie selbst uns tragen, und richtest unsre Plagen nach unsern Kräften weislich ein. Sachgebiet. 944 Zweiter Theil. 4. Ja, wenn ichs recht erwäge, so sinds nur Liebesschläge, womit du uns belegst; nicht Schwerter sinds, nur Ruthen, womit du blos zum Guten, als Vater deine Kinder schlägst. 5. Dein väterlich Bemühen will uns hier auferziehen, zu thun, was dir gefällt; du willst die Lüste schwächen, den eignen Willen brechen, vergällen uns die Lust der Welt. 6. Du willst den Eifer mehren, gehorsam dich zu ehren, mit Glauben und Geduld, daß wir in unsern Nöthen, auch wenn du uns wolltst tödten, doch traun auf deine Vaterhuld. 7. Was will uns, Herr, auch scheiden von dir und jenen Freuden, die du für uns ersehn? man lebe oder sterbe, so wird des Himmels Erbe doch deinen Kindern nicht entgehn. 8.3u jenem bessern Leben willst du auch mich erheben. Der Tod ist mein Gewinn. Muß gleich mein Leib verwesen, wird doch mein Geist genesen; er eilt zu Seligfeiten hin. Von der Zufriedenheit und Geduld im Leiden. 945 9. O! drücke meinem Herzen, auch unter Sorg und Schmerzen, dies doch auf's Tiefste ein: der, den du, Vater, liebest, fann, wenn du ihn betrübest, doch niemals unglückſelig ſein. Mel. Ich weiß, mein Gott. – 255. 521. Sei, Seele, stark und unverzagt, wenn irgend dich ein Kummer plagt. Befiehl Gott deine Sachen. In aller Pein vertrau allein auf ihn! er wirds wohl machen. OR 2. Kein Leiden kommt von ohngefähr, die Hand des Höchsten schickt es her, sein Rath hats so ersehen! drum sei nur still! was dein Gott will, laß immer gern geschehen. 3. Erweckt dir gleich das Leiden Pein, so solls dir doch nicht schädlich sein. Gott kann sein Kind nicht hassen. Wer ihn nur liebt, sich ihm ergiebt, den wird er nicht verlassen. 4. Wie lange währt der Frommen Leid? Nicht ewig, Herr, nur kurze Zeit. Nach überstandnem Leide erquickest du ihr Herz mit Ruh, und einst mit ewiger Freude. 60 Sachgebiet: 946 Zweiter Theil. 5. Drum hab, o Seele, guten Muth! vertraue Gott! es wird noch gut nach aller Trübsal werden. Durchs Kreuz zieht er dich immer mehr zum Himmel von der Erden. 6. Gott ist dein Gott. Er ist getreu und stehet dir als Vater bei in allem Kreuz auf Erden. Der Leiden Heer wird nie zu schwer durch ihn dem Christen werden. 7. Es haben ja zu aller Zeit die Heiligen in Traurigkeit hier oftmals wandeln müssen. Warum willst du hier nur von Ruh, und nichts von Trübsal wissen? 8. bet, und sich auf deinen Gott in aller deiner Angst und Noth! laß, wie er will, es gehen. Sein Will ist gut; behalte Muth! Gott wird dich einst erhöhen. 9. Der du ein Gott des Trostes bist, laß jeden, der hier traurig ist, doch deinen Trost empfinden! Hilf, den du liebst und prüfend übst, den Unmuth überwinden! Mel. von Nr. 55. 522. Ein Herz, o Gott! in Leid und Kreuz geduldig, das bin ich dir und meinem Heile schuldig. Laß mich die Pflicht, die wir so oft vergessen, täglich ermeſsen. Von der Zufriedenheit und Geduld im Leiden. 947 2. Bin ich nicht Staub, wie alle meine Väter? Bin ich vor dir, Herr, nicht ein Uebertreter? Thu ich zu viel, wenn ich die schweren Tage standhaft ertrage? 3. Wie oft, o Gott, wenn wir das Böse dulden, erdülden wir nur unsrer Thorheit Schulden, und nennen Lohn, den wir verdient bekommen, ein Kreuz der Frommen. 4. Doch selbst, o Herr, in Strafen unsrer Sünden läßt du den Weg zu unserm Heil uns finden, wenn wir sie uns, die Missethat zu hassen, züchtigen lasſen. 5. Jag ich nur nach dem Frieden im Gewissen, wird alles mir zum Besten dienen müssen. Du, Herr, regierst, und ewig wirkt dein Wille Gutes die Fülle. 6. Ich bin ein Gast und Pilger auf der Erden; nicht hier, erst dort, dort soll ich glücklich werden; und was sind gegen euch, ihr ewgen Freuden, dieser Zeit Leiden? 7. Wenn ich nur nicht mein Elend selbst verschulde! wenn ich als Mensch, als Christ hier leid und dulde, so kann ich mich der Hülfe der Erlösten sicher getrösten. 8. Ich bin ein Mensch! und Leiden müssen kränken; doch in der Noth an seinen 60* Sachgebiet: Zweiter Theil. sije Schöpfer denken und ihm vertraun, das stärket unsre Herzen mitten in Schmerzen. 9. Schau über dich! Wer trägt der Himmel Heere? Merk auf! wer spricht: bis hierher! zu dem Meere? ist er nicht auch dein Helfer und Berather, ewig dein Vater? HOMMON C1190) 948 10. Willst du so viel, als der Allweise wissen? jetzt weißt du nicht, warum du leiden müssen! allein du wirst, was seine Wege waren, nachmals erfahren. Ind 11. Er züchtigt uns, damit wir zu ihm nahen, die Heiligung des Geistes zu empfahen, und mit dem Trost der Hülfe, die wir merken, andre zu stärken. 12. Das Kreuz des Herrn wirkt Weisheit und Erfahrung; Erfahrung gibt dem Glauben Muth und Nahrung. Ein starkes Herz steht in der Noth noch feste. Hoffe das Beste! # 0513 48. Mel. O Welt, ich muß dich lassen. 523. Ich hab in guten Stunden des Lebens Glück empfunden und Freuden ohne Bahl. So will ich denn gelassen mich auch im Leiden fassen: welch Leben hat nicht seine Qual? Von der Zufriedenheit und Geduld im Leiden. 949 2. Ja, Herr, ich bin ein Sünder, und stets strafft du gelinder, als es der Mensch verdient. Will ich, beschwert mit Schulden, kein zeitlich Weh erdulden, das doch zu meinem Besten dient? and HOTE 3. Dir will ich mich ergeben, nicht meine Ruh, mein Leben mehr lieben, als den Herrn. Dir, Gott, will ich vertrauen und nicht auf Menschen bauen; du hilfst, und du errettest gern. 4. Laß du mich Gnade finden, mich alle meine Sünden erkennen und bereun. Jetzt hat mein Geist noch Kräfte; sein Heil laß mein Geschäfte, dein Wort mir Trost und Leben sein. 5. Wenn ich in Christo sterbe, bin ich des Himmels Erbe. Was schreckt mich Grab und Tod? auch auf des Todes Pfade vertrau ich deiner Gnade. Du, Herr, bist bei mir in der Noth. 6. Ich will dem Kummer wehren, Gott durch Geduld verehren, im Glauben zu ihm flehn. Ich will den Tod bedenken. Du, Herr, wirst alles lenken; und was mir gut ist, wird geschehn. Sachgebiet: 950 Zweiter Theil. Neue Mel. oder Sei zufrieden. 524. Warum sollt ich mich denn grämen? hab ich doch Christum noch, wer # will mir den nehmen? wer will mir den * Himmel rauben, den wir schon, Gottes Sohn, beigelegt im Glauben? 2. Ich kam unter Angst und Nöthen hülfelos, arm und blos, einst ans Licht getreten: nichts nehm ich auch von der Erde dann mit mir, wenn ich hier einst verscheiden werde. 3. Gut und Blut, Leib, Seel und Leben ist nicht mein; Gott allein ist es, der's gegeben. Fordert er es einstens wieder, nehm ers hin, ich preis'. ihn doch durch meine Lieder. 4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, dringt herein Angst und Pein, sollt ich drum verzagen? der es schickt, der hats Von der Zufriedenheit und Geduld im Leiden. 951 in Händen: er weiß wohl, wie er soll all mein Unglück wenden. 5. Gott hat mich bei guten Tagen oft ergeßt; sollt ich jetzt nicht auch etwas tragen? fromm ist Gott und schärft mit Maaßen sein Gericht, kann mich nicht ganz und gar verlassen. 6. Satan, Welt und ihre Rotten können mir nichts mehr hier thun, als meiner spotten. Laß sie spotten, laß sie lachen; Gott, mein Heil, wird in Eil sie zu Schanden machen. 7. Unverzagt und ohne Grauen soll ein Christ, wo er ist, stets sich lassen schauen; wollt ihn auch der Tod bekriegen, Christi Blut und sein Muth hilft auch den besiegen. 8. Denn kein Tod kann mich ertödten, nein, er reißt meinen Geist aus viel tausend Nöthen; endigt dieses Lebens Leiden, und gibt mir einst dafür alle Himmelsfreuden. 9. Dann werd ich mit bessern Schäßen Geist und Herz auf den Schmerz ewig dort ergeßen. Hier ist kein recht Gut zu finden; was die Welt in sich hält, muß wie Rauch verschwinden. Sachgebiet: 952 Zweiter Theil. 10. Was sind dieses Lebens Güter? Unbestand, eitler Tand, Kummer der Gemüther. Dort, dort sind die edlen Gaben, da mein Hirt, Christus, wird mich ohn Ende laben. 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden! du bist mein, ich bin dein; niemand kann uns scheiden: ich bin dein, weil du dein Leben und dein Blut, mir zu gut, für mich hingegeben. sit ant 12. Du bist mein, weil ich dich faſſe, und dich nicht, o mein Licht! aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, wo du mich und ich dich ewig werd umfangen. Viel. Was Gott thut, das ist wohlgethan.- 267. 525. Was Gott thut, das ist wohlgethan, es bleibt gerecht sein Wille. Wie er fängt meine Sachen an, will ich ihm halten stille; er ist mein Gott, der in der Noth mich wohl weiß zu erhalten, drum laß ich ihn nur walten. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan; er lässet mich nicht fallen, er führet die auf rechter Bahn, die seine Wege wallen. Von der Zufriedenheit und Geduld im Leiden. 953 Trost und Geduld gibt seine Huld; er wird mein Unglück wenden, es steht in seinen Händen. enot, noprat 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan; er weiß nur, was uns nüßet; wie ungwiß irrt jedermann, der sich auf ihn nicht stüßzet! ja seine Treu ist immer neu; drum will ich auf ihn bauen und seiner Güte trauen. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan; er ist mein Licht und Leben, der mir nichts Böses gönnen kann; ihm will ich mich ergeben in Freud und Leid; es kommt die Zeit, da öffentlich erscheinet, wie treulich er es meinet. 18100 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan; muß ich den Kelch gleich schmecken, der bitter ist nach meinem Wahn, laß ich mich doch nicht schrecken, weil er zuletzt mich doch ergeßt mit süßem Trost im Herzen; da weichen alle Schmerzen. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan, dabei will ich verbleiben! Es mag mich auf die rauhe Bahn Noth, Tod und Elend treiben, so wird Gott mich doch väterlich in seinen Armen halten; drum laß ich ihn nur walten. Sachgebiet: Zweiter Theil. Mel. von Nr. 72. 526. Verborgner Gott, dem nichts ver= borgen, was auf der ganzen Welt geschicht, was sollt ich wie ein Heide sorgen, als wüßtest du mein Elend nicht? verstellet gleich dein Antlig sich, dein Herz meint es doch väterlich. 954 2. Mich und mein Loos hast du gesehen, als ich noch nicht geboren war, und was mir fünftig soll geschehen, stellt sich dir gegenwärtig dar. Dein Auge siehet aus der Höh und kennt mich, wo ich geh und steh. 3. Du weißt auch, was ich nöthig habe, und gibst mir mein bescheiden Theil; ja, alles, Herr, ist deine Gabe, du sorgest täglich für mein Heil. Wo ich noch gar nicht hingedacht, hast du schon alles gut gemacht. TER 4. Ach! solltest du denn nicht erkennen, wenn Kummer, Angst und Noth mich quält? Wer muß dich nicht barmherzig nennen? Du bist es, der die Thränen zählt. Du hasts gesagt, dein Herze bricht, wenn deinen Kindern was geschicht. 5. So laß mich doch recht feste glauben, Von der Zufriedenheit und Geduld im Leiden. 955 daß deine Augen auf mich sehn; laß mir den süßen Trost nichts rauben, du werdest mir zur Seite stehn, und bald zerstreun durch deine Macht der Sorgen und des Leidens Nacht. 6. Du wirst dein Wort gewiß erfüllen, du hast mir Hülfe zugesagt. Ja, du wirst meinen Kummer stillen; ich bin getrost und unverzagt; es wird geschehn, ich zweifle nicht; du bist mein Gott, mein Heil und Licht! Mel. von Nr. 234. 527. Was ist mein Leben auf der Erde? ein Wechsel ists von Lust und Leid. Hier stört oft Unruh und Beschwerde die sanfteste Zufriedenheit. Hier wohn ich noch in einer Welt, die kein vollkommnes Glück enthält. 2. Wes soll ich mich, o Herr, denn trösten? Nur deiner Huld. Du bist mein Heil, und bleibst, wenn auch die Noth am größten, doch meines Herzens Trost und Theil, und stehst nach deiner Vatertreu mir stets mit Rath und Hülfe bei. 3. Du stärfst mir unter aller Plage, o Gott, auf mein Gebet den Muth, daß ich gelassen sie ertrage, und machst zuletzt doch Sachgebiet: 956 Zweiter Theil. alles gut. Auf Kummer folgt zufriedner Dank, auf Klagen froher Lobgesang. 4. Zu ungestörten Sicherheiten schickt ſich gewiß fein Brüfungsstand. Wie würde, drückt' uns nicht zu Zeiten ein Leiden, unsre Treu erkannt? Vollkommne Ruh und Sicherheit ist nur ein Glück der Ewigkeit. 5. Was bist du denn, o meine Seele, in deiner Noth so fummervoll? Vertraue Gott; nur ihn erwähle zu deinem Trost. Er schüßt dein Wohl. Einst dankst du ihm nach der Gefahr, daß er dein Gott und Retter war. 6. Er wird es sein. Ruf in Gefahren ihn als den einzgen Helfer an. Er weiß dich mächtig zu bewahren, und da, wo niemand helfen kann, fehlt ihm die Kraft zu helfen nicht. Dies stärke meine Zuversicht. 7. Befiehlihm alle deine Wege, und hoffe auf ihn allezeit. Auch auf dem allerranhsten Stege sich fröhlich hin zur Ewigkeit. Da sammelst du von aller Pein den Segen mit Vergnügen ein. 8. O sieh dahin zu allen Zeiten, in eigner und gemeiner Noth, im Glücke und wenn Von der Zufriedenheit und Geduld im Leiden. 957 dich von weitem ein Unglückswetter hart bedroht. Nichts gibt uns Trost zu solcher Beit, als Gott und jene Herrlichkeit. 9. So laß mich, Gott, stets dahin schauen, und dann mit starkem Muth auf dich auch in der größten Noth vertrauen. Du bist bei mir. Das stärke mich! wer dessen stets versichert ist, der lebt und stirbt getroft als Christ. a)( b) tisak slin Mel. O Welt, ich muß dich lassen.- 48. 528. Was ists, daß ich mich quäle? harr nur auf Gott, o Seele, harr und sei unverzagt! du weißt nicht was dir nüßet; Gott weiß es, und Gott schüßet allmächtig den, der nach ihm fragt. 2. Er zählte meine Tage, mein Glück und meine Plage, eh ich die Welt noch sah. Eh ich mich selbst noch kannte, eh ich ihn Vater nannte, war er mir schon mit Hülfe nah. 3. Die kleinste meiner Sorgen ist dir, Gott, nicht verborgen, der alles sieht und hält; und was du mir beschieden, das dient zu meinem Frieden, wärs auch die größte Last der Welt. Sachgebiet: 958 Zweiter Theil. 4. Ich lebe nicht auf Erden, um glücklich hier zu werden; die Lust der Welt vergeht. Ich lebe hier, im Segen den Grund zum Glück zu legen, das ewig, wie mein Geist, besteht. 5. Was dieses Glück vermehret, sei mir von dir gewähret! Gott, du gewährst es gern. Was dieses Glück verleßet, wenns alle Welt auch schäßet, sei, Herr, mein Gott, mir ewig fern! 6. Sind auch der Krankheit Plagen und Mangel schwer zu tragen, noch schwerer Haß und Spott: so harr ich, und bin stille zu Gott, denn nicht mein Wille, dein Wille nur gescheh, o Gott! 7. Du bist der Müden Stärke, und aller deiner Werke erbarmst du ewig dich. Was kann mir wiederfahren, wenn du mich willst bewahren? und du, mein Gott, bewahrest mich. Mel. Wer nur den lieben Gott. 7. 529. Was ist das Leben hier auf Erden? Wo ist hier wohl Vollkommenheit? Wer lebt hier frei von den Beschwerden der Trübsal und Mühseligkeit? Du legſt - Von der Zufriedenheit und Geduld im Leiden. 959 in unserm Lebenslauf, o Gott! uns manches Leiden auf. 2. Doch das sind treu gemeinte Schläge der Vaterhuld, die für uns wacht. Wie hast du doch durch Leidenswege so Manchen schon zu dir gebracht! denn ungestörtes irdisch Glück hält uns von dir, o Gott, zurück. 3. Wenn uns die Welt nicht Noth erweckte, vergnügte uns dein Himmel nicht. Wer suchte, wenn ihn nichts erschreckte, die Hülfe, die dein Wort verspricht? wer fühlt, wenn keine Last ihn drückt, wie sanft, o Gott, dein Trost erquickt? 4. 3um Dulden führt dein Ruf der Gnaden, der uns zu Christi Gliedern macht. Wie schwer war der nicht hier beladen! wie hart verfolgt! wie sehr veracht't! und doch trug er dies alles gern. Gib, daß ich folge meinem Herrn. 5. Er ward beleidigt ohn Vergelten, gegeißelt ohne Widerstand! gescholten ohne Wiederschelten; ohn Widerspruch zum Kreuz verbannt. Wie? sollt ich denn nicht mit Geduld das tragen, was ich selbst verschuld't? Sachgebiet: 960 Zweiter Theil. 6. Laß, Gott, nur dieses Lebens Leiden zu meiner Beßrung fruchtbar sein, so geh ich zu des Himmels Freuden durch dieser Erde Trübsal ein. Dort wird mein Leben ohne Pein, und ohne Leid und Thränen sein. hordog 7. Drum laß mich mit dem Troste fiegen: Gott gibt nach furzer Prüfungszeit das allerseligste Vergnügen in jenem Reich der Herrlichkeit. Verschmachte, Leib! stirb und vergeh! ich weiß, daß ich einst aufersteh. Trost in geistlicher Schwermuth. + ¢ 530. D $ ren Leiden, und seufzest, daß der Geist der Freuden von dir gewichen ist. Du klagst und rufft: Herr, wie so lange? und Gott, verzeucht, und dir wird bange, daß du von Gott verlassen bist. u klagst, o Christ! in schwe# Von der Zufriedenheit und Geduld im Leiden. 961 2. Sind meine Sünden mir vergeben? hat Gott mir Sünder Heil und Leben in seinem Sohn verliehn? wo sind denn seines Geistes Triebe? warum empfind ich nicht die Liebe, und hoffe nicht getrost auf ihn? 3. Mühselig, sprichst du, und beladen, hör ich den Trost vom Wort der Gnaden, und ich empfind ihn nicht; bin abgeneigt, vor Gott zu treten; ich bet, und kann nicht gläubig beten; ich denke, Gott, doch ohne Licht. 4. Sonst war mirs Freude, seinen Willen von ganzem Herzen zu erfüllen; ſein Wort war mir gewiß. Jetzt kann ichs nicht zu Herzen fassen und meine Kraft hat mich verlassen, und meinen Geist deckt Finsterniß. 5. Oft fühl ich Zweifel die mich quälen, heul oft vor Unruh meiner Seelen, und meine Hülf ist fern. Ich suche Ruh, die ich nicht finde; in meinem Herzen wohnt nur Sünde, nur Unruh, keine Furcht des Herrn. 6. Zag nicht, o Christ, denn deine Schmerzen sind sichere Zeugen beßrer 61 Sachgebiet: 962 Zweiter Theil. Herzen, als dir das deine scheint. Wie könntest du dich so betrüben, daß dir die Kraft fehlt, Gott zu lieben, wär nicht dein Herz mit ihm vereint. 7. Kein Mensch vermag Gott zu erkennen, noch Jesum einen Herrn zu nennen, als durch den heilgen Geist. Hast du nicht diesen Geist empfangen? er ists, der dich nach Gott verlangen, und sein Erbarmen suchen heist. 8. Vertrau auf Gott; er wohnt bei denen, die sich nach seiner Hülfe sehnen; er kennt und will dein Glück. Er höret deines Weinens Stimme, verbirgt er gleich in seinem Grimme sich einen kleinen Augenblick. 9. Gott ließ so manchen seiner Frommen in dies Gefühl des Elends kommen, und stand ihm mächtig bei. Du sollst dein Nichts erkennen lernen, sollst das Vertraun auf dich entfernen, und sehn, was Gottes Gnade sei. 10. Vor Sicherheit dich zu bewahren, läßt er dich seine Streng erfahren, und schickt dir diese Last. Er reinigt dich wie Gold im Feuer, macht dir das Heil der Von der Zufriedenheit und Geduld im Leiden. 963 Seele theuer, damit du haltest, was du hast. 11. So wie ein Vater über Kinder, erbarmet Gott sich über Sünder, die seinen Namen scheun. Dein Seufzen ist ihm nicht verborgen; so fern der Abend ist vom Morgen, läßt er von dir die Sünde sein. 12. Zwar ist um Trost dir jetzo bange, denn alle Züchtigung, so lange sie da ist, scheint uns hart. Doch nachmals wird sie friedsam geben Frucht der Gerechtigkeit und Leben dem, der durch sie geübet ward. 13. Fahr fort zu beten und zu wachen, Gott ist noch mächtig in den Schwachen, ist Güte für und für. Laß dir an seiner Gnade gnügen, sein Wort ist wahr und kann nicht trügen: ich stärke dich, ich helfe dir! 14. Auf, fasse dich in deinen Nöthen! sprich: wollte mich der Herr auch tödten, so harr ich dennoch sein. Mir bleibt das Erbtheil der Erlösten; und will mich Gott nicht eher trösten, so wird er mich im Tod erfreun. 61* Sachgebiet: 964 E u klagst, und fühlest die Beschwerden des Stands, in dem du dürftig lebst; du strebest glücklicher zu b b bev werden, und siehst, daß du vergebens 531. D Zweiter Theil. Trost in Dürftigkeit. b b strebst. 2. Ja, klage! Gott erlaubt die Zähren; doch denk in Klagen auch zurück. Ist denn das Glück, das wir begehren, für uns auch stets ein wahres Glück? 3. Nie schenkt der Stand, nie schenken Güter dem Menschen die Zufriedenheit. Die wahre Ruhe der Gemüther ist Tugend und Genügsamkeit. 4. Genieße, was dir Gott beschieden, entbehre gern, was du nicht hast. Ein jeder Stand hat seinen Frieden, ein jeder Stand auch seine Last. 5. Gott ist der Herr, und seinen Segen vertheilt er stets mit weiser Hand; nicht Von der Zufriedenheit und Geduld im Leiden. 965 so wie wirs zu wünschen pflegen, doch so, wie ers uns heilsam fand. 6. Willst du zu denken dich erfühnen, daß seine Liebe dich vergißt? er gibt uns mehr, als wir verdienen, und niemals, was uns schädlich iſt. 7. Verzehre nicht des Lebens Kräfte in träger Unzufriedenheit; besorge deines Stands Geschäfte, und nüße deine Lebenszeit. 8. Bei Pflicht und Fleiß sich Gott ergeben, ein ewig Glück in Hoffnung sehn, • dies ist der Weg zu Ruh und Leben. Herr, lehre diesen Weg mich gehn! 43) Von dem rechten Gebrauch des Lebens und der Zubereitung zum Tode. Mel. Wer nur den lieben Gott.- 7. 532. Es eilt der letzte von den Tagen, die du hier lebest, Mensch, herbei. Erkauf die Zeit! und statt zu klagen, sie sei zu kurz, gebrauch sie treu! nimm mit erkenntlichem Gemüth der nahen Stunde wahr; sie flieht! 2. Getäuscht von eiteln Kleinigkeiten verlierst du deines Lebens Zweck, verschiebst Sachgebiet: 966 Zweiter Theil. dein Heil auf ferne Zeiten, und wirfst so sicher Jahre weg! bist du, zu kühner Sterblicher, des nächsten Augenblickes Herr? 3. Einst Ewigkeiten zu besißen, sollst du die kurze Lebenszeit als deine Saatzeit weislich nüßen, und thun, was dir der Herr gebeut. Er ruft dir menschenfreundlich zu: sieh, Eins ist Noth! was säumest du? 4. Drum eil, errette deine Seele, und denke nicht ein andermal! sei wacker, bet und überzähle der Menschentage fleine 3ahl. Gesetzt, dein Ende wär auch fern: sei fromm und wandle vor dem Herrn! 5. Mit jedem neu geschenkten Morgen erwecke dich zu dieser Pflicht. Sprich: dir, o Gott, ist nichts verborgen; ich bin vor deinem Angesicht, und will, mich deiner Huld zu freun, mein Leben gern der Tugend weihn! 6. Erleucht und stärke meine Seele, weil ohne dich sie nichts vermag. Du gönnst, daß ich mein Heil erwähle, aus Gnade mir noch diesen Tag. Was ist nicht eine Stunde werth, die deine Langmuth mir gewährt. Von dem rechten Gebrauch des Lebens zc. 967 7. Wohl mir! wenn ich aus allen Kräften nach Gottes Reiche hier gestrebt, in Gott gefälligen Geschäften die Pilgertage durchgelebt, und einst im Glauben sagen kann: du nimmst mich, Herr, zu Ehren an! 8. Mein sprachlos Flehn bei meinem Ende vernimmst du, Herzenskündiger. In deine treuen Vaterhände befehl ich meinen Geist, o Herr! er schwingt sich über Grab und Welt zu dir, wenn seine Hütte fällt. 533. W as sorgst du ängstlich für dein B Leben? Es Gott gelassen übergeben, ist wahre Ruh und deine Pflicht. Du sollst es lieben, weislich nüßen, es dankFB 4 bar, als ein Glück besigen, verlieren, als verlörst du's nicht. 2. Der Tod soll dich nicht traurig schrecken, doch, dich zur Weisheit zu Sachgebiet: Zweiter Theil. erwecken, soll er dir stets vor Augen sein. Er soll den Wunsch zu leben mindern, doch dich in deiner Pflicht nicht hindern, vielmehr dir Kraft dazu verleihn. 3. Ermattest du in deinen Pflichten, so laß den Tod dich unterrichten, wie wenig deiner Tage sind. Sprich: sollt ich Gutes wohl verschieben? Nein, meine Zeit, es auszuüben, ist kurz und sie verfliegt geschwind. 4. Denk an den Tod, wenn böse Triebe, wenn Lust der Welt, wenn ihre Liebe dich reizen, und ersticke sie. Sprich: kann ich nicht noch heute sterben? Und könnt ich auch die Welt ererben, begieng ich doch solch Uebel nie. 5. Denk an den Tod, wenn Ruhm und Ehren, wenn deine Schäße sich vermehren, daß du sie nicht zu heftig liebst. Denk an die Eitelkeit der Erden, daß wenn sie dir entrissen werden, du dann dich nicht zu sehr betrübst. 6. Denk an den Tod bei frohen Tagen. Kann deine Lust sein Bild vertragen, so ist sie gut und unschuldsvoll. Sprich, dein Vergnügen zu vermehren: welch Glück 968 Von dem rechten Gebrauch des Lebens 2c. 969 wird Gott mir dort bescheeren, wo ich unendlich leben soll. 7. Denk an den Tod; wenn deinem Leben das fehlt, wornach die Reichen streben; sprich: bin ich hier, um reich zu sein? wohl mir, wenn ich in Christo sterbe, dann ist ein unbeflecktes Erbe, dann ist der Himmel Reichthum mein. 8. Denk an den Tod, wenn Leiden kommen; sprich: alle Trübsal eines Frommen ist zeitlich, und im Glauben leicht. Ich leide; doch von allem Bösen wird mich der Tod bald, bald erlösen; er ists, der mir die Krone reicht. 9. Denk an den Tod zur Zeit der Schrecken, wenn Pfeile Gottes in dir stecken; du rufst, und er antwortet nicht. Sprich: sollte Gott mich ewig hassen? ich seh ihn doch nach dem Erblassen; dann zeigt er mir sein Angesicht. 10. So suche dir in allen Fällen den Tod oft lebhaft vorzustellen; so wirst du ihn nicht zitternd scheun; so wird er dir ein Trost im Klagen, ein weiser Freund in guten Tagen, ein Schild in der Verſuchung sein. Sachgebiet: 970 Zweiter Theil. Mel. Wer nur den lieben Gott.- 7. 534. Du Herr und Meister meiner Tage, du weißt, daß ich, dein schwaches Kind, des Todes Keim in Gliedern trage, die irdisch und zerbrechlich sind. Drum gib, daß ich zu jeder Zeit zu meinem Tode sei bereit. 2. Daß du, o Höchster, meinem Leben ein mir verborgnes Ziel bestimmt, und daß die Zeit, die mir gegeben, vielleicht gar bald ein Ende nimmt: das flöße mir die Weisheit ein, stets auf mein Heil bedacht zu sein. 3. Hier hab ich lebenslang zu lernen, mein Herz von Sünden abzuziehn, mich von der Weltlust zu entfernen, und um den Himmel zu bemühn. O mache mich dazu geschickt, eh mich der Tod der Welt entrückt. 4. Nicht auf der Erde, nein nur droben bei dir, Gott meiner Seelen Theil! ist mir das Beſte aufgehoben. Dort ist für mich vollkommnes Heil. Da, wo mein Schatz ist, sei mein Herz; Herr, lenke selbst es himmelwärts. 5. Herr, allen Sünden abzusterben, zu leben der Gerechtigkeit, um einſt dein himm Von dem rechten Gebrauch des Lebens zc. 971 lisch Reich zu erben, dazu laß meine Sterblichkeit mir stets, mein Gott vor Augen sein, und deine Hülfe mich erfreun. 6. Willst du mich länger leben lassen, so laß es mir zum Heil geschehn. Doch soll ich heute noch erblassen, so höre, Vater, auf mein Flehn: sei, wenn mein Herz im Tode bricht, mein Trost und meine Zuversicht. 7. Dir will ich gänzlich mich ergeben, dir, dessen Eigenthum ich bin. Bist du, mein Heiland, nur mein Leben, so bleibt felbst Sterben mein Gewinn. Ich lebe dir, ich sterbe dir. Sei nur mein Trost, ſo gnüget mir. Mel. Jesus, meine Zuversicht.- 47. 535. Herr! ich hab aus deiner Treu, mir zum Heil, noch Zeit in Händen. Gib doch, daß ich sorgsam sei, sie auch weislich anzuwenden; denn wer weiß, wie bald zur Gruft deiner Vorsicht Wink mich ruft. 2. Unaussprechlich schnell entfliehn die uns zugezählten Stunden. Ehmans denkt, sind sie dahin, und auf ewig uns verschwunden. Niemals fehrt ein Augenblick, uns zum Heil, davon zurück. Sachgebiet: 972 Zweiter Theil. 3. Laß bei ihrer Flüchtigkeit mich, mein Gott, doch nie vergessen, wie unschäßbar sei die Zeit, die du uns hier zugemeſſen; wie, was hier von uns geschieht, ewge Folgen nach sich zieht. 4. Reize mich dadurch zum Fleiß, eh die Zeit des Heils verlaufen, mir zur Wohlfahrt, dir zum Preis, noch die Stunden auszukaufen, die, zu meiner Seligfeit, deine Gnade mir verleiht. 5. Deine schonende Geduld trage mich, Gott! nicht vergebens. Ach! vergib mir meine Schuld, daß so manchen Theil des Lebens ich zu meiner Seelen Wohl, nicht gebraucht so, wie ich soll. 6. Laß mich meine Besserung für mein Hauptgeschäft erachten, und nach meiner Heiligung mit so treuem Eifer trachten, als erwartete noch heut mich Gericht und Ewigkeit. 7. Deine Gnade steh mir bei, daß mein Leben auf der Erde reich an guten Früchten sei, und dem Nächsten nüßlich werde. Und ist einst mein Ende da, o so sei mit Trost mir nah! 973 Von dem rechten Gebrauch des Lebens zc. Mel. Jesus, meine Zuversicht.- 47. - 536. Meine Lebenszeit verstreicht, stündlich eil ich zu dem Grabe. Und was ists das ich vielleicht hier annoch zu leben habe? denk, o Seele an den Tod! säume nicht, denn Eins ist noth. 2. Lebe wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben. Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir Menschen gaben, nichts wird dich im Tod erfreun; diese Güter sind nicht dein. 3. Nur ein Herz, das Jesum liebt, nur ein ruhiges Gewissen, das vor Gott dir Beugniß gibt, wird dir deinen Tod versüßen; dieses Herz, von Gott erneut, gibt zum Tode Freudigkeit. 4. Wenn in deiner letzten Noth Freunde hülflos um dich stehen, dann wird über Welt und Tod dich dies reine Herz erhöhen: dann erschreckt dich kein Gericht: Gott ist deine Zuversicht. 5. Daß du dieses Herz erwirbst, fürchte Gott, und bet, und wache. Sorge nicht, wie früh du ſtirbſt; deine Zeit ist Gottes Sache. Lern nicht nur den Tod nicht scheun, lern auch seiner dich erfreun. Sachgebiet: 974 Zweiter Theil. 6. Ueberwind ihn durch Vertraun. Sprich: ich weiß, an wen ich gläube, und ich weiß, ich werd ihn schaun einst in diesem meinem Leibe. Er, der rief: es ist vollbracht! nahm dem Tode seine Macht. 7. Tritt im Geist zum Grab oft hin, siehe dein Gebein versenken. Sprich: Herr! daß ich Erde bin, lehre du mich selbst bedenken! lehre du michs jeden Tag, daß ich weiser werden mag. Mel. von Nr. 13. 537. Wie sicher lebt der Mensch, der Staub! sein Leben ist ein fallend Laub, und dennoch schmeichelt er sich gern, der Tag des Todes sei noch fern. 2. Der Jüngling hofft des Greises Biel, der Mann noch seiner Jahre viel, der Greis zu vielen noch ein Jahr, und keiner nimmt den Irrthum wahr. 3. Sprich nicht: ich denk in Glück und Noth, im Herzen oft an meinen Tod. Der, den der Tod nicht weiser macht, hat nie mit Ernst an ihn gedacht. 4. Wir leben hier zur Ewigkeit, zu thun, was uns der Herr gebeut, und Von dem rechten Gebrauch des Lebens zc. 975 unsers Lebens kleinster Theil ist eine Frist zu unserm Heil. 5. Der Tod rückt Seelen vors Gericht; da bringt Gott alles an das Licht, und macht, was hier verborgen war, den Rath der Herzen offenbar. 6. Drum, da dein Tod dir täglich dräut, so sei doch wacker und bereit; prüf deinen Glauben als ein Christ, ob er durch Liebe thätig iſt. 7. Ein Seufzer in der letzten Noth, ein Wunsch durch des Erlösers Tod, vor Gottes Thron gerecht zu sein, dies macht dich nicht von Sünden rein. 8. Ein Herz, das Gottes Stimme hört, ihm folgt und sich vom Kösen kehrt; ein gläubig Herz, von Lieb erfüllt, dies ist es, was in Christo gilt. 9. Die Heiligung erfordert Müh; du wirkst sie nicht, Gott wirket sie. Du aber ringe stets nach ihr, als wäre sie ein Wert von dir. 10. Der Ruf des Lebens, das du lebſt, dein höchstes Ziel, nach dem du strebst, und was dir ewig Glück verschafft, iſt Tugend in des Glaubens Kraft. Sachgebiet: 976 Zweiter Theil. 11. Ihr alle seine Tage weihn, heißt eingedenk des Todes sein; und wachsen in der Heiligung ist wahre Todserinnerung. 12. Wie leicht vergeß ich diese Pflicht! Herr, geh mit mir nicht ins Gericht! an meinen Tod erinnre mich, daß ich dir wandle würdiglich. 13. Daß ich mein Herz mit jedem Tag vor dir, o Gott, erforschen mag, ob Glaube, Demuth, Lieb und Treu die Frucht des Geistes in mir sei. 14. Daß ich zu dir um Gnade fleh, stets meinen Lüsten widersteh, und einstens in des Glaubens Macht mit Freuden ruf: es ist vollbracht! Mel. Entbinde mich, mein Gott zc.- 418. 538. Mein Lebensfürst, zeig mir, in deines Geistes Lichte, wie alles irdische so gar vergänglich ist. Ja alles, alles macht zuleßt die Zeit zu nichte; und du, o Mensch, der du doch so gebrechlich bist, lebst sicher! lehre mich, unwandelbarer Gott! und so gedenk ich erst mit Klugheit meinen Tod. 2. Weg, citle Hoffnung, weg! als würd ich lange leben, du Mutter sträflicher, ver Vom rechten Gebrauch des Lebens 2c. 977 wegner Sicherheit! o meine Sorge sei, dir, Gott! mich zu ergeben: dein Wille sei mein Will in dieser Prüfungszeit. Gib, daß im Glauben stark, und in der Liebe treu, ich deiner Zukunft stets wachsam gewärtig sei. 3. Laß mich, o Herr! mir selbst und allen eitlen Dingen, noch eh ich sterben muß recht abgestorben sein. Die Selbstverläugnung laß mir immer mehr gelingen, daß ich was bessers wähl, als Welt und falschen Schein, und so von ihr entwöhnt ich meinen leßten Tag, in Hoffnung selig schon, getrost erwarten mag. 4. Gott, dessen Flügel mich in aller Noth bedecken, je mehr der Tod sich naht, je stärker steh mir bei! auf daß, getreuer Gott, bei allen seinen Schrecken, mir meine letzte Zeit die allerbeste sei. Die Zeichen deiner Huld vermehre mir alsdann, damit ich meinen Lauf mit Muth vollenden kann. 5. Gewähr, eh noch der Tod des Leibes Bau zerstöret, mir einen hellen Strahl der frohen Ewigkeit, der allen Rest der Luft zum Irdischen verzehret, und zu dem letzten Kampf mir Muth und Stärke beut. Wohl 62 Sachgebiet: 978 Zweiter Theil. mir, wenn schon mein Herz davon den Vorschmack hat! froh schau ich dich dann einst, von deinem Bilde satt. 6. Verschwinde denn o Welt! bleibt mir nur Gottes Gnade, sie wird mir mehr als Welt, und mehr als Leben sein. O führe du mich selbst auf jenem dunkeln Pfade, Herr, der du mich erlöst, in deinen Himmel ein. Dir übergeb ich mich im Leben und im Tod; im Tod und Leben dein, und du auch stets mein Gott. Mel. von Nr. 110. 539. Wie ungewiß ist, Herr, das Biel der Wallfahrt auf der Erde? ob ich noch wenig oder viel an Tagen zählen werde, das weiß ich nicht; du weißts allein. Ich kann vielleicht der Nächste sein, vom abgekürzten Leben ein Beispiel abzugeben. 2. Bin ich erbaut aus besserm Zeug als andre, die an Jahren und Munterfeit mir völlig gleich, des Todes Beute waren? wie manchem starrte schnell das Herz, eh weder Krankheit oder Schmerz ihm, als des Todes Boten, sein nahes Ende drohten. 3. Wenn ich die Gottesäcker seh und alles könnte lesen, was der, auf dessen Grab Von dem rechten Gebrauch des Lebens zc. 979 ich geh, in seinem Sinn gewesen, und was bei ihm die Todesnacht für Hoffnungen zu nichts gemacht: so würd ich oft mit Schrecken mein eigen Herz entdecken. 4. Mein Gott, befreie mich vom Dunst der irdischen Beschwerden, und lehre mich die große Kunst, bei Gräbern klug zu werden. Nur der ist weise, der bedenkt, wie viel von seinem Tod abhängt, und der dazu in Zeiten sein Herz sucht zu bereiten. 5. Erinnre mich ans große Ziel, dazu du mich geschaffen, damit ich mich nie in das Spiel der Weltlust mag vergaffen. Und sieht dein Auge, daß mein Schritt noch nicht den rechten Weg betritt, ſo wollst du, Herr, in Beiten, auf solchen Weg mich leiten. 6. Daß ich mich vor der kalten Hand des Todes nicht entfärbe, so mache mich mit ihm bekannt vorher noch, eh ich sterbe. Laß mir sein Bild vor Augen sein, damit ich lerne Sünden scheun, die das Gewissen schrecken und Todesfurcht erwecken. 7. Gib, daß ich dich mit frohem Muth als meinen Gott betrachte, hingegen Freunde, Glück und Gut nicht als mein 62* Sachgebiet: 980 Zweiter Theil. eigen achte: so wird, wenn mich die Zeit wegnimmt, die du zum Abschied mir bestimmt, nichts, was mir hier verliehen, mein Herz zurücke ziehen. 8. Dir sei es gänzlich heimgestellt, wie, wo und wann ich scheide. Wer unter deinen Flügeln fällt, wird frei von allem Leide. Doch wünsch ich, daß ich wohl geschickt von hinnen werde weggerückt, und allzuschweres Kämpfen nicht die Vernunft mag dämpfen. 9. Laß mich auf Jesu Herrlichkeit mit froher Hoffnung blicken, und mitten in der Dunkelheit mich sein Verdienſt erblicken. Dann nimm, Herr, nach vollbrachtem Lauf den Geist aus dieser Hütte auf, die einst im Reich der Deinen wird neugebaut erscheinen. Mel. Fren dich sehr, o meine Seele. 29. 540. Ach, Herr! lehre mich bedenken daß ich einmal sterben muß. Den wird einst der Tod nicht fränken, der schon vor des Lebens Schluß dieses Lebens Werth erkennt, und von regem Eifer brennt, sich in diesen Augenblicken zu der Ewigkeit zu schicken. - I t Von dem rechten Gebrauch des Lebens zc. 981 2. Endlich muß ein Licht verbrennen, dessen Schein mich noch erfreut. Will ich mich denn nicht erkennen? was ist meine Lebenszeit? kommt mir denn nicht in den Sinn, da ich so vergänglich bin, wie geschwind mein Docht verlodert, und mich Gott zur Rechnung fodert? 3. Kaum, daß ich das Leben habe, so theilt sich der Tod mir mit. Von der Wiege bis zum Grabe ist ein kurz gemeßner Schrift. Meine Kraft entwickelt sich, und zugleich verzehrt sie sich. O ich merk, indem ich steige, wie ich mich zum Sinken neige. 4. Menschen! was ist euer Leben, wenn ihr gleich so sicher seid! Stunden hat euch Gott gegeben, und ihr schäßt den Tod so weit! nur wer bald sein Haus bestellt, geht mit Freuden aus der Welt; auf des sichern Sünders Wegen eilet man der Höll entgegen. 5. Predigen doch meine Glieder mir genug von Sterblichkeit. Kraftlos legen sie sich nieder, wenn es jetzt der Schlaf gebeut, der durch seine Stärkungskraft ihnen neues Leben schafft; doch bei aller seiner Milde zeigt er uns den Tod im Bilde. Sachgebiet: 982 Zweiter Theil. 6. Laß mich, Gott, mein Heil bedenken und mich niemals sicher sein. Will die Welt mich anders lenken, präge deine Furcht mir ein; rufe du mir mächtig zu: Mensch! die Welt verläsfest du, willst du dich mit eitlen Dingen um dein Glück im Himmel bringen. 7. Laß mich nicht die Buße sparen, bis die Krankheit mich ergreift, sondern schon bei muntern Jahren, ehe sich die Sünde häuft, täglich, täglich Buße thun. Tod, mein Freund, o komme nun, du kannſt mir, im Stand der Gnaden, mir Versöhnten, nicht mehr schaden. Mel. von Nr. 42. 541. Ich will dich noch im Tod erheben, selbst nah am Grabe preis ich dich; zum Segen gabst du mir mein Leben, nimmſt du es mir, du segnest mich. Mein Leben sucht ich dir zu weihn, mein Tod soll auch dir heilig sein. 2. Gott! welche feierliche Stunden, wenn du mich nun der Erd entziehst, auf mich den du getreu befunden, voll schonender Erbarmung siehst! Allmächtiger! in dein Gericht gehst du mit mir Erlösten nicht. Vom rechten Gebrauch des Lebens zc. 983 3. Der Leib wird schwach; die irdsche Hütte, in der mein Geist hier wohnt, zerfällt; schon gehen meine müden Schritte den Weg zu Gott aus dieser Welt. Ich bin getroft und zage nicht, denn Gott ist selbst mein Heil und Licht. 4. Wie sollt ich vor dem Tode beben, da du für mich, Erlöster, starbst? er ist durch dich der Weg zum Leben, das du am Kreuze mir erwarbst. Wie du ihn sahst, will ich ihn sehn, wie du, so werd ich auferstehn. 5. Laß Qual und Leid mein Grab umringen und mir den letzten Schrecken dräun: du halfft mir, Herr, die Welt bezwingen, den Tod darf ich mit dir nicht scheun. So nah dem Lohn, den Gott verspricht, so nah am Ziele sink ich nicht. 6. Du wachest über meine Seele, wenn ihre Stärke sich verliert, gibst deinem Engel schon Befehle, der sie zu deinen Freuden führt, des Todes Nacht um mich verscheucht, und mir des Lebens Krone reicht. 7. Ich will dich noch im Tod erheben, selbst nah am Grabe preis ich dich; denn ewig werd ich vor dir leben. Wie segnet Sachgebiet: 984 Zweiter Theil. dann dein Antlitz mich! o Tod, o Sterben, mein Gewinn! wohl mir, daß ich erlöſet bin! Mel. Christus der ist mein Leben. 1 # 542. M ein Jesus ist mein Leben, f reißt schon der Tod mich hin. Was sollt ich ängstlich beben? der Tod ist mein Gewinn. 2. Wer an ihn glaubt, wird selig, dies Wort steht ewig fest. Die Freuden sind unzählig, die es mich hoffen läßt. 3. Drum fahr ich hin in Frieden zu dir, o Jesu Christ, von dir stets ungeschieden, der du mein Bruder bist. 4. Du kennest meinen Glauben, und keine Furcht noch Pein wird mir auch nun ihn rauben. Ich bin und bleibe dein. 5. Bald hab ich überwunden! schon weicht die Finsterniß; denn, Herr, durch deine Wunden ist mir der Sieg gewiß. Von dem rechten Gebrauch des Lebens zc. 985 6. Durch sie bin ich gereinigt, durch sie mit Gott versöhnt; durch sie mit dir vereinigt und bald mit Preis gekrönt. 7. Wer kann dich gnug erheben? Du hast, Sohn Gottes, dich für uns dahin gegeben. Heil mir! du auch für mich. 8. Du wolltest Strafe dulden, die ich doch auf mich lud. Du tilgtest meine Schulden ganz durch dein göttlich Blut. 9. Geheilt ist nun mein Schade. Im Himmel ist mein Theil. O theure, hohe Gnade! o unaussprechlichs Heil! 10. Erlöser! sieh, ich sammle noch meine letzte Kraft, und preise dich, und stammle, welch Heil du mir geschafft. 11. 3u dir, Herr, will ich flehen, so lang ich lallen kann. Du kannst mein Innres sehen und nimmst auch Seufzer an. 12. Du selber hilfst mir ringen; allmächtig hilfst du mir, ins Leben durchzudringen. Bald, bald bin ich bei dir. 13. D wohl mir! ich vollende nun bald den schweren Lauf. Du nimmst in deine Hände den Geist, mein Heiland! auf. Sachgebiet: 986 44) Von der Liebe des Nächsten. Mel. von Nr. 37. 543. Der du die Liebe selber bist, und gern uns Menschen segnest; ja selbst dem, der dein Feind noch ist, mit Wohlthun doch begegnest: o bilde meinen Sinn nach dir, und laß mich doch, mein Heiland, hier, wie du gewandelt, wandeln. Die können feine Christen sein, die sich nicht andrer Wohlfahrt freun, und menschenfeindlich handeln. 2. Dein Leben in der Sterblichkeit war für die Menschen Segen. Dir folgten Lieb und Freundlichkeit auf allen deinen Wegen. Wohin du giengst, gieng Wohlthun mit, dein Wort, dein Werk und jeden Schritt begleitete Erbarmen. Du übernahmst die schwerste Pein, uns vom Verderben zu befrein, und starbst zum Heil uns Armen. 3. Auch jetzt noch auf der Himmel Thron bist du das Heil der Sünder. Auch da bleibst du, o Gottessohn, ein Freund der Menschenkinder. Du schaffst den Deinen wahre Ruh, und die Verirrten suchest du auf rechten Weg zu leiten. Du hörst der Seufzenden Gebet und brauchest deine Majestät, nur Segen auszubreiten. Von der Liebe des Nächsten. 987 4. O laß in meiner Pilgrimschaft mich auf dein Vorbild sehen. Erfülle mich mit Lust und Kraft, dem Nächsten beizustehen, betrübter Herzen Trost zu sein, mich mit den Fröhlichen zu freun, mit Weinenden zu klagen. Laß mich dem, der sein Herz mir weiht, ein Herz voll frommer Redlichfeit und Treue nicht versagen. 5. Laß mich mit brüderlicher Huld den Strauchelnden erwecken; durch Sanftmuth, Mitleid und Geduld des Nächsten Fehler decken. Mein Antlitz sei nie fürchterlich, und meine Seele neige sich zu des Bedrängten Flehen; so wird mich in der bessern Welt, die nur Beglückte in sich hält, der Liebe Lohn erhöhen. Mel. Machs mit mir, Gott.- 26. 544. Co jemand spricht, ich liebe Gott, und haßt doch seine Brüder, der treibt mit Gottes Wahrheit Spott und handelt ganz dawider. Gott ist die Lieb, und will, daß ich den Nächsten liebe, gleich als mich. 2. Wir haben einen Gott und Herrn, sind eines Leibes Glieder; drum diene deinem Nächsten gern, denn wir sind alle Sachgebiet: 988 Zweiter Theil.. Brüder. Gott schuf die Welt nicht blos für mich; mein Nächster ist sein Kind, wie ich. 3. Sein Heil ist unser aller Gut. Ich sollte Brüder hassen, die Gott durch seines Sohnes Blut so hoch erkaufen lassen? daß Gott mich schuf, und mich versühnt, hab ich dies mehr als sie verdient? 4. Du schenkst mir täglich so viel Schuld, du, Herr, von meinen Tagen! ich aber sollte nicht Geduld mit meinen Brüdern tragen? dem nicht verzeihn, dem du vergibst? und den nicht lieben, den du liebst? 5. Was ich den Frommen hier gethan, den Kleinsten auch von diesen, das siehst du, mein Erlöser, an, als hätt ichs dir erwiesen. Und ich, ich sollt ein Mensch noch sein, und dich in Brüdern nicht erfreun? 6. Ein unbarmherziges Gericht wird über den ergehen, der nicht barmherzig ist, und nicht die rettet, die ihn flehen. Drum gib mir, Gott, durch deinen Geist, ein Herz, das dich durch Liebe preist. Mel. O Gott, du fremmer Gott.- 8. 545. Gib mir, o Gott! ein Herz, das jeden Menschen liebet: bei seinem Wohl Von der Liebe des Nächsten. 989 sich freut, bei seiner Noth betrübet; ein Herz, das Eigennuß und Neid und Härte flieht, und sich um andrer Glück, als um sein Glück bemüht. 2. Seh ich den Dürftigen, ſo laß mich gütig eilen, von dem, was du mir gibst, ihm hülfreich mitzutheilen. Laß mich gern dienen, nicht groß vor der Welt zu ſein, und mich verehrt zu sehn, nein, Menschen zu erfreun. 3. Dies sei mein Gottesdienst. Auch unbemerft von ihnen, müß andern stets mein Herz mit Rath und Hülfe dienen. Mich treibe nicht erst Dank zu milder Wohlthat an; nein, was ich Brüdern thu, das sei dir, Gott, gethan. 4. Ein Trunt, mit dem mein Dienst dem Durstigen begegnet, ein Blick voll Trost, mit dem mein Herz Bedrängte segnet; ein Rath, mit dem mein Mund im Kummer andre stärkt, nichts bleibt, so klein es ist, von dir, Herr, unbemerkt. 5. Eilt wo ein boshaft Herz Unfrieden anzurichten, so laß mich sorgsam sein, der Brüder Zwist zu schlichten. Aus Schmähsucht fränke nie mein Mund des Nächsten Sachgebiet: 990 Zweiter Theil. Ruhm, er rühme sein Verdienst, deck seine Fehler zu. 6. Die Rach ist dein, o Gott! du sprichſt: ich will vergelten! drum laß mich stille sein, wenn Menschen auf mich schelten. Gib, daß ich dem verzeih, der mir zu schaden sucht, den liebe, der mich haßt, den segne, der mir flucht. 7. Doch laß mich nicht allein auf zeitlich Wohlergehen mit eingeschränktem Blick bei meinem Nächsten sehen. Noch stärker müſſe mich sein ewig Glück erfreun, und ihm zum Seelenheil mein Herz behülflich sein. 8. Den, der im Glauben wankt, im Glauben zu bestärken; den, der noch sicher ist bei seinen Fleischeswerken, von der verkehrten Bahn auf rechten Weg zu ziehn: dazu verleih mir Kraft und ſegne mein Bemühn. 9. O heilige du selbst, Herr, meiner Seelen Triebe, durch deine Lieb und Furcht, zu wahrer Menschenliebe. Wer nicht den Nächsten liebt, geht nicht zum Himmel ein. Laß diese Wahrheit, Gott, mir stets vor Augen sein. Von der Liebe des Nächsten. Mel. von Nr. 55. 546. Hilf, Jesu! daß ich meinen Nächsten liebe, durch lieblos Richten ihn ja nicht betrübe, ihn nicht verläumde, noch durch falsche Ränke sein Herze kränke. 2. Gib, daß ich nachsichtsvoll des Nächsten Fehle, so viel ich immer kann, der Welt verhehle, und, wenn er fällt, auf mich, der ich noch stehe, mit Vorsicht sehe. 3. Hilf, daß ich klüglich ihn zu bessern trachte, und seiner Seelen Wohl recht theuer achte. Denn du hast selbst für sie in Todesbanden viel ausgestanden. 991 4. Laß mich aufrichtig schäßen deine Gaben, die andre, Herr, von deiner Güte haben. Es müsse nie mein Herz des Nächsten Freuden boshaft beneiden. 5. Laß mich, mein Heiland, immer mehr auf Erden an Lieb und Gütigkeit dir ähnlich werden. Gib dazu Kräfte, Herr, so will ich droben dich ewig loben. Mel. von Nr. 13. 547. Nur Liebe ohne Heuchelei zeigt, ob man neu geboren sei; sie zeigt vom wahren Christenthum; sie ist des Menschen höchster Ruhm. Sachgebiet: 992 Zweiter Theil. 2. Gott ist die Liebe; du sein Kind, wenn dich der Nächste liebreich findt. Wer ohne Lieb ist, kennt nicht Gott, ist noch in seinen Sünden todt. 3. Kannst du des Nächsten Elend sehn, und ungerührt vorüber gehn: so stehts um deinen Glauben schlecht, so ist dein Christenthum nicht ächt. 4. O sprich nur nicht: er ist mein Feind, wie kann man sein des Feindes Freund; der Feind bleibt ja dein Fleisch und Blut; thu, was der ECamariter thut. 5. Hat dich denn Gott nicht stets geliebt? Gott, welchen du so oft betrübt? Gleichwohl vergißt er 3orn und Rach; o folge diesem Beispiel nach. 6. Den liebt ein Heide, der ihn liebt; dem giebt er wieder, der ihm giebt. So schränket sich der Christ nicht ein; auch Feinden wird er gütig sein. 7. Dein Herz sei voll von Lieb und Huld, von Demuth, Sanftmuth und Geduld, so wirst du vieler Feinde los, und dein zukünftger Lohn ist groß. 8. Nun, Gott, der du die Liebe bist, gib, daß ich als ein wahrer Christ nach Von der Liebe des Nächsten. deinem Beispiel liebreich sei, aufrichtig, ohne Heuchelei. 9. Dann nimm mich nach vollbrachtem Lauf an jenen Ort des Friedens auf, wo dich und jeden Menschenfreund die Lieb aufs innigste vereint. 993 45) Von der Gerechtigkeit. Mel. Kommt her zu mir.- 238. 548. Du liebst, o Gott! Gerechtigkeit, und hasfest den, der sie entweiht, am Nächsten Unrecht übet. Du bists, der jedem seinen Lohn, ohn alles Ansehn der Person, nach seinen Werken gibet. 2. Gerechter Gott! laß deinen Geist zu dem, was recht und billig heißt, stets meine Seele lenken. Nie komm es mir doch in den Sinn, aus schnöder Habsucht und Gewinn des Nächsten Recht zu kränken. 3. Pflanz Redlichkeit in meine Brust und laß mich stets mit wahrer Lust der Liebe Pflichten üben. Ein Herz, das nur auf Unrecht denkt, nur Schaden sucht und andre fränkt, wie kann das Brüder lieben? 4. Nie seufze jemand über mich! mein ganzes Herz bestrebe sich, dem Nächsten 63 Sachgebiet: 994 Zweiter Theil. gern zu geben, was er mit Recht verlangen kann, und immerfort mit jedermann in Einigkeit zu leben. 5. Laß mich beständig dahin sehn, mit jeglichem so umzugehn, wie ichs von ihm begehre; damit ich keines Menschen Herz durch meine Härte je mit Schmerz und Kümmerniß beschwere. 6. Herr! mit dem Maaß, damit ich hier dem Nächsten messe, wirst du mir dereinst auch wieder messen. Dies reize mich zur Billigkeit, so werd ich auch zu feiner Zeit der Liebe Pflicht vergessen. 46) Von der Sanftmuth und Versöhnlichkeit. Mel. von Nr. 108. 549. Gott, der du Menschen liebest, der du nicht ein strenges Recht, sondern lauter Gnade übest an dem sündlichen Geschlecht: laß mich deinen Geist beleben, daß ich, Vater, als dein Kind, liebreich sei, wie du gesinnt. Herr, du wollst den Sinn mir geben, der bei Fehlern Nachsicht zeigt, und mit Sanftmuth spricht und schweigt. 2. Laß mich meines Nächsten schonen, willig tragen seine Last! und so lang ich Von der Sanftmuth und Versöhnlichkeit. 995 hier soll wohnen, bleibe Zanfsucht mir verhaßt, denn das ist, o Gott, dein Wille, und die Eintracht liebest du; o, so hilf auch mir dazu! gib ein Herz mir, das die Stille und den Frieden sucht und liebt, das statt Rache, Sanftmuth übt. 3. O, wie wird das Herz beschweret durch des Zornes Leidenschaft! Zanfsucht und der Haß verzehret nach und nach des Körpers Kraft, hemmt den Lauf von unsern Jahren, macht zum Himmel ungeschickt. Herr, der auf mich Schwachen blickt, ach, du wollest mich bewahren, daß des Jähzorns Raserei nie des Herzens Meister sei. 4. Wer mir flucht, den will ich segnen, so wie mein Erlöser that, und dem nachsichtsvoll begegnen, der zum Zanken Neigung hat. Für die Feinde will ich beten, und vor dich, du Friedensfürst, wenn du Menschen richten wirst, ausgesöhnt mit ihnen, treten. Gott des Friedens! segne du mich in deiner Kraft dazu. 5. Ewig Heil ist dem beschieden, der nach frommer Eintracht strebt. Höchster! gib mir deinen Frieden, der zur Sanft63* Sachgebiet: 996 Zweiter Theil. muth uns erhebt. Er regiere Herz und Sinnen; denn wenn er das Herz regiert, wird, was zu der 3wietracht führt, niemals Uebermacht gewinnen, bis einst in der Herrlichkeit ewger Friede uns erfreut. Mel. Herzliebster Jesu, was.- 131. 550. Herr, mein Versöhner! der du für mich littest, und noch zur Rechten Gottes für mich bitteſt: erweck in mir, du Muster wahrer Liebe, der Sanftmuth Triebe. 2. Wann hast du jemals Haß mit Haß vergolten? du schaltst nicht wieder, als man dich gescholten. Du segnetest mit Wohlthun nicht blos Freunde; nein, selbst auch Feinde. 3. Und ich, Herr, sollte mich den Deinen nennen, und doch von Rachgier gegen andre brennen? ich sollte jemals Haß mit Haß vergelten, und wieder schelten? P 4. Wie kann ich: Vater! zu dem Höchsten sagen, und Groll im Herzen gegen Brüder tragen? Wie kann ich zu ihm flehn, mir zu verzeihen, und Rache schreien? 5. Wer nicht vergibt, der wird für seine Sünden auch nicht bei dir, o Herr, Ver Von der Sanftmuth und Versöhnlichkeit. 997 gebung finden. Dein Jünger ist nur, der wie du, vergibet, und Feinde liebet. 6. So heilige denn meiner Seelen Triebe, mein Heiland, durch den Geist der wahren Liebe; vertilge durch die Lust zu deinem Namen der Nachgier Samen. 7. Wenn meine Brüder sich an mir vergehen, so lehre mich, ihr Unrecht übersehen. Laß mich, wenn sie mich auch empfindlich fränken, an dich gedenken. 8. Erwecke denn, o Herr, in meinem Herzen aufs neue das Gedächtniß jener Schmerzen, die du in deinen schweren Leidensstunden für mich empfunden. 9. Laß mich mit Sanftmuth meinem Feind begegnen, den, der mir flucht, voll Großmuth, wie du, segnen. Herr, mache gegen alle, die mich hassen, mein Herz gelassen. 10. Will zu der Rachsucht mich die Furcht verführen, als würd ich sonst mein ganzes Glück verlieren: o Herr, o laß mich, ihr zu widerstehen, auf dich dann sehen. 11. Du schüßest den, der redlich vor dir wandelt, und überall nach deinem Vorbild handelt. Drum laß in allem mich schon hier auf Erden dir ähnlich werden. Sachgebiet: Zweiter Theil. Mel. Herzliebster Jesu, was. 551. Herr, deine Sanftmuth ist nicht zu ermessen! wie viel hast du vergeben und vergessen! ach! führe mir doch deine große Güte recht zu Gemüthe. 2. Du segnetest, die deinem Namen fluchten; und heiltest die, die dich zu fangen suchten, und zeigtest unter deiner Feinde Toben der Langmuth Proben. 3. Ach, glich ich dir, o Heiland! ich bekenne, daß ich noch oft von schnellem Zorn entbrenne, und mich vor dir gar leicht durch eigne Rache verwerflich mache! 4. Ich muß es wehmuthsvoll vor dir, Herr, klagen, mein stolzes Herz kann, leider! wenig tragen, und schwerlich weiß ich, wenn mich andre haffen, mein Herz zu fasſen. 998 15 131. 5. Vergib mir, Herr, und wende mein Verderben; bei Zorn und Haß läßt sich dein Reich nicht erben, und jener Tag vergilt nach strengem Rechte dem harten Knechte. 6. So hilf mir denn die wilde Glut ersticken; laß sich dein Bild in meine Seele drücken, so werd ich mich versöhnlich finden lassen, den Feind nicht hassen. Von der Sanftmuth und Versöhnlichkeit. 999 7. Flucht mir die Welt, so laß mich, Herr, sie segnen, und ihrem Grimm mit Freundlichkeit begegnen, daß mich das Böse, das ich dann empsinde, nicht überwinde. 8. Verleih mir das um deiner Sanftmuth willen, so erb ich auch im Lande deiner Stillen die Seligkeit, wozu sie jenes Leben einst wird erheben. Mel. von Nr. 50. 552. Nie will ich dem zu schaden suchen, der mir zu schaden sucht. Nie will ich meinem Feinde fluchen, wenn er aus Haß mir flucht. Mit Güte will ich ihm begegnen, nicht drohen, wenn er droht. Wenn er mich schilt, will ich ihn segnen; dies ist des Herrn Gebot. 2. Er, der von keiner Sünde wußte, vergalt die Schmach mit Huld, und litt, so viel er leiden mußte, mit Sanftmuth und Geduld. Will ich, sein Jünger, wieder schelten, da er nicht wieder schalt? mit Liebe nicht den Haß vergelten, wie er den Haß vergalt? 3. Wahr ists, Verläumdung dulden müssen, ist eine schwere Pflicht. Doch selig, wenn ein gut Gewissen zu unsrer Ehre Cacheobint. 1000 Zweiter Theil. spricht. Dies will ich desto mehr bewahren, so bessert mich mein Feind, und lehrt mich weiser nur verfahren, indem ers böse meint. 4. Ich will mich vor den Fehlern hüten, die er von mir ersann, und auch die Fehler mir verbieten, die er nicht wissen kann. So will ich mich durch Sanftmuth rächen, an ihm das Gute sehn, und dieses Gute von ihm sprechen; wie könnt er länger schmähn? 5. In seinem Haß ihn zu ermüden, will ich ihm gern verzeihn, und als ein Christ bereit zum Frieden, bereit zu Diensten sein. Und wird er, mich zu untertreten, durch Güte mehr erhißt, will ich im Stillen für ihn beten und Gott vertraun: Gott schützt! 47) Von der Dienstfertigkeit und Barmherzigkeit. Mel. O Gott, du frommer Gott. 8. 553. Wie selig lebt ein Mensch, der Dienstbegierde kennet, und ihre Pflicht zu thun aus Menschenliebe brennet! der, wenn ihn auch kein Eid zum Dienst der Welt verbind't, Beruf und Eid und Amt schon in sich selber find't. 2. Dir, Höchster, ahmt er nach, dir, als dein Bild, zu gleichen; durch Dienst- Von der Dienstfertigkeit und Barmherzigkeit. 1001 beflissenheit sucht er dies zu erreichen; er hält für eignes Wohl sich nicht allein gemacht; er hält sich für die Welt von dir hervorgebracht. 3. Die Welt, denkt er, hat Recht auf meinen Dienst und Kräfte, ihr nüßen, ist für mich ein seliges Geschäfte. Als Glieder schuf uns Gott, als Bürger einer Welt, in der des einen Hand die Hand des andern hält. 4. So denkt der Menschenfreund, und das ist sein Bestreben, so treu, als er sich lebt, zum Wohl der Welt zu leben. Ihm wird des Nächsten Heil sein eignes Himmelreich, er fühlet fremde Noth, als träf ihn selbst der Streich. 5. Er eilt dem, ders bedarf mit Hülfe beizustehen; sein Ansehn und sein Freund, sein Stand, sein Wohlergehen sind Mittel, die er braucht, behülflich gern zu sein, und einen Leidenden mit Troste zu erfreun. 6. Was andrer Nothdurft heischt, das reizet seine Triebe, auch ohne Ruhm und Lohn zu wahrer Menschenliebe. Kein Stolz noch Eigennuß wirkt seine Gütigkeit. Er sieht auf seinen Gott, der Liebe ihm gebeut. 1002 Zweiter Theil. 7. So laß mich auch gesinnt, mein Gott! durch Christum werden! voll regen Eifers sei mein Leben hier auf Erden, so nüßlich, als ich kann, dem Nächsten stets zu sein; dann geh ich einst, o Gott, ins Reich der Liebe ein. - Mel. Welt, ich muß dich lassen. 48. 554. Du, aller Menschen Vater! du gütigster Berather in allem, was uns drückt! was wir hier Guts genießen, das läßt du uns zufließen; du bists, der unser Herz erquickt. 2. Du läßt dich bei uns Sündern durch Undank nicht verhindern, uns segnend zu erfreun. 3u ewgen Seligkeiten uns Sterbliche zu leiten, wird ewig deinVergnügenſein. 3. Wie groß ist deine Milde! Varmherzger Bater! bilde mein Herz nach deinem Sinn, daß ich der Noth der Armen mich willig mög erbarmen! nimm alle Härte von mir hin. 4. Gib, daß ich willig gebe, mich wohlzuthun bestrebe, so wie mein Heiland that, der göttliche Erbarmer, den kein bedrängter Ärmer vergebens je um Hülfe bat. 5. Erhalt in mir die Triebe der mitleidsvollen Liebe. Wie du mir Guts gethan, Von der Dienstfertigkeit und Barmherzigkeit. 1003 so laß, um deinetwillen, mich andrer Nothdurft stillen, so oft ich sie nur stillen kann. 6. 3um Fleiß in guten Werken laß mich die Hoffnung stärken, vor dir, dem Herrn der Welt, der frohe Geber liebet, sei, was man willig gibet, ein Opfer, das dir wohlgefällt. 7. Laß mich hier reichlich säen, denn, Herr, was hier geschehen, folgt uns in jene Zeit. Wer hier gern hilft und gibet und sich im Wohlthun übet, der erndtet dort die Herrlichkeit. Mel. Machs mit mir, Gott.- 26. 555. Wer dieser Erden Güter hat und sieht den Nächsten leiden, und macht den Hungrigen nicht satt, läßt Nackende nicht fleiden: der ist ein Feind der ersten Pflicht, und liebt dich, Gott der Liebe, nicht. 2. Wer seines Nächsten Ehre schmäht, und gern sie schmähen höret, sich freut, wenn sich sein Feind vergeht, und nichts zum Besten kehret, nicht dem Verläumder widerspricht, der liebet seinen Nächsten nicht. 3. Wer zwar mit Rath, mit Trost und Schuß den Nächsten unterstüßet, doch nur aus Stolz, aus Eigennuß, aus Weich 1004 Zweiter Theil. lichkeit ihm nüßzet, nicht aus Gehorsam, nicht aus Pflicht: auch der liebt seinen Nächsten nicht. 4. Wer harret, bis ihn anzuflehn, ein Dürstger erst erscheinet, nicht eilt, dem Frommen beizustehn, der im Verborgnen weinet, nicht gütig forscht, obs ihm gebricht: der liebt auch seinen Nächsten nicht. 5. Wer andre, wenn er sie beschirmt, mit Härt und Vorwurf quälet, und ohne Nachsicht straft und stürmt, sobald sein Nächster fehlet: wie beibt bei seinem Ungestüm, Gott, deine Liebe wohl bei ihm? 6. Wer für der Armen Heil und Zucht mit Rath und That nicht wachet, dem Uebel nicht zu wehren sucht, das oft sie dürftig machet, nur sorglos ihnen Gaben gibt, der hat sie wenig noch geliebt. 7. 3war du, mein Geist, vermagst es nicht, stets durch die That zu lieben; doch bist du nur geneigt, die Pflicht getreulich auszuüben, und wünschest dir die Kraft dazu, und sorgft dafür: so liebest du. 8. Ermattet dieser Trieb in dir, so such ihn zu beleben. Denk oft: Gott ist die Lieb, und mir hat er sein Bild gegeben. Ja, Von der Dienstfertigkeit und Barmherzigkeit. 1005 Höchster! was ich hab, ist dein; sollt ich, wie du, nicht gütig sein? 48) Vom rechten Gebrauch der Zunge. Mel. Ach Gott, vom Himmel.- 215. 556. Die 3unge, die vernehmlich spricht, hat dir dein Gott gegeben. Welch ein Geschenk! mißbrauch es nicht, sie bringet Tod und Leben, sie stürzt in Unglück, hilft in Noth, sie fluchet und sie segnet Gott, so gut ist sie, so böse! 2. Gott! laß in meines Herzens Grund stets Recht und Wahrheit siegen. Dann mag das Herz in meinem Mund der Welt vor Augen liegen; dann werd ich von Verstellung frei, der Wahrheit und dem Recht getreu, nicht mit den Lippen sündgen. 3. 3u deiner Ehr, zu andrer Wohl soll ich mein Thun stets lenken; laß dann auch, wenn ich reden soll, mich diesen Zweck bedenken. Dein Lob, des Nächsten Glimpf und Nuß, der Unschuld und der Schwachen Schutz beschäftge meine Zunge. 4. Schandbare Worte, frecher Scherz, unheilge Spöttereien, verrathen ein verderbtes Herz; davon mich zu befreien, so 1006 Zweiter Theil. wirk auf mich durch deinen Geiſt, daß Herz und Mund dich, Höchster, preist, wie Christen es geziemet. 5. Was züchtig, keusch und ehrbar iſt, was wohl und lieblich klinget, das redet billig nur der Christ. Er spricht, wenns Nußen bringet; er schweigt, wenn Schweigen besser ist; er bildet sich stets, als ein Christ, nach seines Heilands Muſter. 6. O wehe dem verwegnen Mund, der einen Fluch nicht scheuet! wie wird des Herzens Leichtsinn fund und oft zu ſpät bereuet! ach! fluchen bringet Fluch und Noth, und, wenn nicht Buße folgt, den Tod; Gott wolle mich bewahren! 7. Gib, Gott! daß ich, der Lügen Feind, des Teufels Arglist hasse, und mich stets als ein Menschenfreund aufrichtig finden lasse. Der Lügner Theil ist jener Pfuhl! die jauchzen einst vor Gottes Stuhl, die Treu und Wahrheit lieben. - 82. Mel. Alle Menschen müssen sterben. 557. Laß mich, Höchster! darnach streben, stets der Wahrheit Freund zu sein; jenes freudenvolle Leben nimmt nicht freche Lüg Vom rechten Gebrauch der Zunge 1007 ner ein: denn vor deinem Angesichte werden sie beschämt zunichte, so wie Satans Trug und List, der der Lügner Vater ist. 2. Andern zu gefallen lügen, leeren Schwäßern gleich zu sein, heuchelnd Brüder zu betrügen, Herr! das falle mir nie ein! Wahrheit leit an allen Orten mich in Werken und in Worten. Redlich sei des Herzens Grund, redlich spreche auch mein Wund. 3. Die der Falschheit sich ergeben, sind vor dir, o Gott! ein Gräul, und ein unglückseligs Leben bleibt gewiß ihr fünftigs Theil. Hier schon trifft verdiente Schande sie bei Redlichen im Lande; denn ein jeder Menschenfreund ist der Falschheit Ränken Feind. 4. Schmäht mich, ohne mein Verschulden, der Verläumder Lästermund; Herr, so laß mich still erdulden. Einst wird doch die Wahrheit kund. Darf ich ja nicht länger schweigen, meine Unschuld zu bezeugen, o so gib, daß stets dabei Herz und Mund voll Sanftmuth ſei. 5. Daß du, Herr, an jedem Orte Zeuge meines Wandels bist; daß kein einzges 1008 Zweiter Theil. meiner Worte deinem Ohr verborgen ist; das sei stets mir im Gemüthe, daß ich mich vor Lügen hüte, denn du liebst den Wahrheitsfreund, und bist falschen Herzen feind. Mel. Ach Herr, mich armen S.- 67. 558. Wohl dem, der richtig wandelt, der, als ein Wahrheitsfreund, in Wort und Werken handelt, und das ist, was er scheint, der Recht und Treue liebet, und von dem Sinn der Welt, die Trug und Falschheit übet, sich unbefleckt erhält. 2. Wohl dem, der Lügen hasset, und der, so oft er spricht, so seine Reden faſſet, daß er die Wahrheit nicht mit Vorbedacht verlezzet, und der an allem Ort sich dies vor Augen sezet: Gott merkt auf jedes Wort. 3. Wohl ihm, daß sein Gemüthe, Herr, deine Rechte übt! Ihn leitet deine Güte, er wird von dir geliebt. Du wirst ihn einst erhöhen, wenn in der Wahrheit Licht beschämt die Falschen stehen, geschreckt durch dein Gericht. 4. Herr! drücke diese Sache mir tief ins Herze ein, daß ichs zur Pflicht mir mache, der Lügen Feind zu sein. Erinnre mein Vom rechten Gebrauch der Zunge. 1009 Gewissen, du hasfest Heuchelei, damit ich stets beslissen der Treu und Wahrheit sei. 5. Nie laß mich was versprechen, das ich nicht halten kann, und nie Zusagen brechen, die ich einmal gethan; nie mich den Stolz verleiten, und nie des Beispiels Macht, als Wahrheit auszubreiten, was ich doch selbst erdacht. 6. Doch laß zu allen Zeiten auch deiner Weisheit Licht, Herr, meine Seele leiten, damit ich meine Pflicht mit Klugheit üb' und wisse, wann ich für andrer Wohl und für mich reden müsse, und wann ich schweigen soll. 7. Wenn je, um mich zu drücken, des Feindes Anschlag gilt, der sich bei bösen Tücken in guten Schein verhüllt: so stärke meine Seele, daß sie nicht unterliegt, und alles dir befehle, durch den die Unschuld siegt. 8. Ein Herz voll Treu und Glauben, das, Gott, zu dir sich hält, das soll mir niemand rauben; so kann ich aus der Welt einst mit der Hoffnung gehen: ich werde, als dein Kind, dich mit den Frommen sehen, die reines Herzens sind. eou 64 1010 Register über sämmtliche Lieder nach ihrer Nummer. Abermal ein Jahr verflossen Ach Gott, du unser Lebenslicht Ach Gott und Herr! . Ach Gott! vom Himmel sieh' darein Ach Gott, wir treten hier vor dich. Ach, Herr! lehre mich bedenken. Ach schone doch, o großer Menschenhüter Ach! was bin ich, mein Erretter Allmächtig großer Gott Allwissender, vollkomm'ner Geist Als Jesus jetzund sterben wollt'. Also hat Gott die Welt geliebt. Am Kreuz erblaßt, der Marterlast Anbetungswürd'ger Gott An dich, mein Gott, gedenken An diesem Tag frohlocken wir An dir allein hab' ich gesündigt. Auf! auf! mein Geist, auf! auf! Auf, Christen! preis't mit mir den Herrn Auf dich allein, Herr Jesu Christ Auf dich, Herr! nicht auf meinen Rath Auf! Jesu Jünger! freuet euch. Auf, meine Seele, finge Auf, mein Geist, dem Herrn zu singen Auf, mein Herz, ein froher Tag Auf, o Seele, werde munter. Auf, o Sünder, laß dich lehren. Auf, träger Geist, laß das, was ♦ ● Nummer. 468 423 290 215 421 540 239 80 75 24 222 102 155 14 358 173 295 18 436 308 373 176 448 393 156 486 284 274 Register. Bald oder spät des Todes Raub Bedenke, Mensch, das Ende ● ♦ Befiehl du deine Wege. Befreie meinen Geist, o Gott Begleite mich, o Christ! Beglückter Stand getrener Seelen Begrab den Leib in seine Gruft. Befingt Gott Zebaoth Bewahre mich, Herr, daß der Wahn Bringt her, ihr Mächtigen der Erde Bringt Preis und Ruhm dem Heiland dar Christ, alles, was dich kränket ♦ Damit ich meine Seele rette. Dein bin ich, Gott, dein ist mein Leben. Dein bin ich, Herr, dir will ich mich. Dein, Gott, ist Majestät und Macht Dein Heil, mein Geist, nicht zu verscherzen Dein sind wir, Gott, in Ewigkeit. Dein Will' ist's, großer Gott Dein Wort, o Höchster, ist vollkommen Der du das Dasein mir gegeben Der du die Liebe selber bist Der du mich als ein Vater liebst Der du uns als Vater liebest Der du uns das Heil errungen Der du Verstand und Tugend schenkst. Der du voll Blut und Wunden ♦ + ● Der ew'ge Gott und höchste Vater. Der Held hat überwunden ♦ Der Herr des Himmels und der Erde. Der Herr fährt auf gen Himmel Der Herr ist Gott und keiner mehr Der Herr ist gut, in dessen Dienst wir stehn Der Herr ist meines Lebens Kraft. 64* ● 1011 349 193 67 418 145 254 266 463 331 426 160 383 505 70 332 333 398 261 495 7 11 543 359 200 108 337 133 379 158 494 174 15 243 387 1012 Register. Der Herr ist meine Zuversicht 375 157 Der Herr lag in das Grab gestreckt Der Herr, mein Hirt, behütet mich in Gnaden. 259 65 13 483 489 192 509 428 510 205 162 230 475 186 88 46 42 84 493 109 491 556 ● Der König aller Welt ist Gott. Der Spötter Strom reißt viele fort Der Tag ist hin; du aber, Jesu! bleibe Der Tag ist wieder hin Der unsre Menschheit an sich nahm Der Wollust Reiz zu widerstreben. Des Donners schreckendes Gebrülle Des Leibes warten und ihn nähren Des Vaters und des Sohnes Geist Dich bet' ich an, erstandner Held Dich, mein Jesu laß ich nicht Dich seh' ich wieder, Morgenlicht Die Erd' und was darinnen ist. ♦ ♦ ● ♦ Die Zunge, die vernehmlich spricht. Dir allein hab' ich gesündigt. ♦ Die Herrlichkeit der Erden Die Himmel rühmen Gottes Ehre Die Himmel rufen, jeder ehret Die Quell', woraus der Mensch ursprünglich ist Dies, Christen, ist der Tag des Herrn Dies ist der Tag, den Gott gemacht Dies ist der Tag zum Segen eingeweihet ● Dir dank' ich für mein Leben Dir, Gott! sei Preis und Dank gebracht. ● Dir, mein Gott, will ich lobsingen Dir, unser Gott, ist niemand gleich Dir, Vater, dankt mein Herz Du aller Menschen Vater Du bist ja, Jesu, meine Freude Du bist's, dem Ruhm und Dank gebühret Du, der Herz und Nieren kennet Du, der kein Böses thut ♦ 287 367 71 438 52 203 554 416 447 347 78 Register. Du gabst mir, Ew'ger dieses Leben Du, Gott, du bist der Herr der Zeit. Du hast, mein Vater und mein Gott. Du hast uns, Herr, die Pflicht. Du Herr der Seraphinen Du, Herr, haft aus Barmherzigkeit Du, Herr und Meister meiner Tage Du klagst, o Christ, in schweren Leiden Du klagst und fühlest die Beschwerden Du liebst, o Gott, Gerechtigkeit. Durch Adams Fall ist erst verderbt Durch dich, o großer Gott Durch so viel Schein gestärkt Du reicher Gott der Armen ♦ Du sagst: ich bin ein Christ Du Vater deiner Menschenkinder Du weiser Schöpfer aller Dinge Du wesentliches Ebenbild Du willst, Gott, daß mein Herz Edler Geist im Himmelsthrone. Ein Herz, o Gott, in Leid und Kreuz geduldig Ein Jahr der Sterblichkeit Ein Pilgrimm bin ich in der Welt. Ein ruhiges Gewissen Eins ist noth, ach Herr! dies eine. Ein starker Schutz ist unser Gott Entehre nicht, mein Herz, mit Klagen. Entflohen sind auch dieses Tages Stunden Erbarm' dich, Herr, du kennst mein Herz Erfülle, Herr, doch selbst mein Herz Erbab'ner Gott, was reicht an deine Größe Erhalt' uns, Herr, bei deinem Wort Erheb' dein Herz, thu' auf die Ohren Erhebe vom Geräusch der Welt. ♦ 1013 279 464 376 516 48 229 534 530 531 548 90 451 69 422 342 362 25 122 8 206 522 469 252 502 317 208 519 484 339 135 16 211 323 149 1014 Register. Erhebet Gott durch neue Lieder. Erhebet Gottes Heiligkeit Erhebt den Herrn, ihr Frommen Erhebt, erhebet Gottes Ruhm Erhöh'ter Jesu Gottes Sohn Erinn're dich, mein Geist, erfreut Er kommt, er kommt zum Weltgericht. Erlöser, fich' auf uns hernieder. Es eilt der letzte von den Tagen Es hilft uns unser Gott. ♦ Freiwillig hast du dargebracht Frohlocke, mein Gemüthe Frohlocket, Jung und Ált. Es ist das Heil uns kommen her Es ist noch eine Ruh vorhanden Es ist vollbracht! so ruft am Kreuze ● ● Es lag die ganze Welt mit Zorn und Fluch Es zieht, o Gott, ein Kriegeswetter Ew'ge Liebe, mein Gemüthe. ● ● . • ● Für alle Güte sei gepreis't Führwahr, du bist, o Gott, verborgen Gieb mir, o Gott, ein Herz. Gott, deine Gnade sei gepriesen. Gedanke, der uns Leben giebt Geist vom Vater und vom Sohne. Gelobet seist du, Jesus Christ Gelobt sei Gott, ihm will ich fröhlich fingen Gelobt seist du, Herr Zebaoth : Gelobt seist du, o Gott Gepriesen, Gott, sei dein Erbarmen Gerechter Gott, vor dein Gericht ● Gern will ich mich ergeben Getreuer Gott, wie viel Geduld Getrost, mein Herz, und zage nicht ♦ ♦ ♦ ● 64 437 101 283 190 169 191 430 532 388 304 276 148 99 420 91 170 150 461 481 53 95 207 104 441 224 9 482 30 260 37 257 545 110 Register. Gott deine Gnad' ist unser Leben Gott, deine Güte reicht so weit. Gott, deine Huld und Gütigkeit Gott, der an allen Enden. Gott, der du die Menschen liebest Gott, der du für uns deinen Sohn gegeben. Gott, der du unser Vater bist Gott der Juden, Gott der Heiden. Gott, der uns immer Gutes gab Gott der Wahrheit, dessen Treue ♦ ♦ Gott des Himmels und der Erden Gott, dir gefällt kein gottlos Wesen Gott, du bist von Ewigkeit Gott, groß von Erbarmen Gott hab' ich alles heimgestellt . Gott, durch welchen alle Dinge. Gottes Lamm, durch dessen Wunden. Gottes und Marien Sohn ♦ Gott, hilf mir, daß ich Buße thue. Gott im Himmel und auf Erden Gott ist es, dessen weiser Rath. Gott ist mein Hort. Gott ist mein Lied Gott ist's, der das Vermögen schafft Gott ist uns Stärk' und Schutz ● • ● 20 Gott, du bleibst ewig uns'rer Wohlfahrt Meister 518 Gott, du hast in deinem Sohn. 202 Gott, mache du mich selbst bereit Gott, meine ganze Seele Gott, mein Vater, Dank sei dir Gott, mein Vater, deine Liebe. Gott ruft der Sonn' und schafft den Mond. Gott forgt für mich, was will ich sorgen Gott, unserm Gott, allein sei Ehr' Gott, vor dessen Angesichte ● ● 1015 235 408 36 56 ● 549 137 2 117 210 378 479 338 453 127 107 199 87 286 462 432 10 19 515 213 17 57 434 363 466 396 39 29 1016 Register. Gott, was muß dein Sohn ertragen Gott werde stets von dir erhoben Gott, wie rein ist deine Lehre Großer Gott, erhab'nes Wesen Großer Gott, Herr aller Götter Großer Mittler, der zur Rechten Habe deine Lust am Herrn Hallelujah, Jesus lebet Halt im Gedächtniß Jesum Christ. Heiland, deine Menschenliebe Heil'ger Geist, du Himmelslehrer Heil uns! aus uns'rer Sündennoth ● Herr, allerhöchster Gott Herr, deine Allmacht reicht so weit. Herr, deine Sanftmuth ist nicht zu ermessen Herr, der du deinen theuren Sohn Herr, der du mir das Leben Herr, dir trau ich; auf der Erde Herr, du bist meine Zuversicht Herr, du erforschest mich Herr, du fährst mit Glanz und Freuden. Herr, du hast in deinem Reich Herr, du kennest mein Verderben Herr, erhöre meine Klagen ♦ Herr, es ist von meinem Leben. ♦ ♦ Herr Gott, du bist die Zuflucht aller Zeiten Herr, höre mein Gebet Herr, ich hab aus deiner Treu Herr Jesu Christ, du höchstes Gut Herr Jesu, deiner Glieder Ruhm Herr Jesu! Gnadensonne! wenn Herr Jesu, send uns deinen Geist Herr, laß doch mich recht feierlich Herr, laß mich doch gewissenhaft . . 124 72 325 82 458 177 ● ● 365 171 223 121 201 96 313 26 551 187 467 386 271 23 188 47 81 407 476 21 282 535 291 182 336 3 112 514 Register. Herr, lehre mich, wenn ich der Tugend diene Herr, mache meine Seele stille Herr, mein Erlöser, nur von dir Herr, meiner Seele großen Werth Herr, mein Licht! erleuchte mich ♦ Herr, mein Licht, mein Heil. Herr, mein Versöhner, der du für mich littest Herr, ohne Glauben kann kein Mensch Herr, stärke mich, dein Leiden ♦ Herr, unser Gott, dich loben wir Herr, unser Gott, wer ist dir gleich Herr, wir stehen hier vor dir Heute, sprach mein Heiland, heute Hier bin ich, Jesu, zu erfüllen Hier ist noch unsre Prüfungszeit Hier liege ich zu deinen Füßen, V. 9. Hilf Jesu, daß ich meinen Nächsten liebe. Hilf mir, mein Gott! verleihe mir Höchster! denk ich an die Güte Höchster Gott! wir danken dir Höchst erwünschtes Seelenleben Hosianna, Davids Sohn. Hüter! wird die Nacht der Sünden ● Jauchze, auserwählt Geschlechte Ich armer Sünder, wer bin ich Ich bin ein Christ: Gott ist mein Freund Ich bin getauft auf deinen Namen Ich bin, o Gott, dein Eigenthum Ich danke dir von ganzem Herzen Ich danke meinem Gott Ich denk an dein Gerichte Ich erhebe mein Gemüthe Ich fleh in tiefster Neue Ich freue mich der frohen Zeit ♦ ● 1017 497 384 346 499 12 459 550 305 132 456 40 221 147 233 507 233 546 334 288 5 320 183 297 452 348 258 219 76 382 328 194 236 237 267 Register. 1018 Ich freue mich, mein Gott Ich glaub an Gott, hoch sei verehrt Ich habe, Gott, mir ernstlich vorgenommen Ich habe nun den Grund gefunden Ich hab in guten Stunden Ich hoff, o Gott, mit festem Muth Ich komme, Friedensfürst, zu dir Ich komme, Herr, und suche dich Ich komme vor dein Angesicht Ich preise dich, o Herr Ich schäme mich vor deinem Thron Ich finge meiner Seelen Luft Ich weiß, an wen mein Glaub sich hält. Ich weiß es, Gott, mein ganzes Thun Ich weiß es wohl, ich selbst verdient es nicht Ich weiß gewiß, daß mein Erlöser lebet Ich will dich noch im Tod erheben Ich will, mein Gott, du König Jehova herrscht mit Majestät Jehova, Herr und König. Jesu, Arzt todtkranker Seelen Jesu, daß du meine Seele Jesu, durch dein Blut und Wunden Jesu, meine Freude. Jesu, meiner Seelen Retter ♦ ● Jesu, sich mich an in Gnaden. Jesu lebt, mit ihm auch ich Jesus Christus, unser Heiland ♦ ♦ • Jesus, meine Liebe, lebt Jesus, meine Zuversicht Jesus nimmt die Sünder an Ihm, der das Licht entstehen hief Jhr Christen rühmt, erhebt und preiset Ihr, die ihr wart verloren Ihr Frommen, auf! die ihr die Ehren . ● ♦ 255 303 335 92 523 246 307 225 409 232 292 457 248 413 330 161 541 55 63 429 79 310 152 319 401 311 172 164 167 270 309 474 198 111 49 Register. Ihr Knechte Gottes, lobt den Herrn Ihr trüben Sorgen weicht. Ihr Völker jauchzt mit frohem Schall. Ihr Völker in der ganzen Welt. Ihr Völker stimmet nun mit Freuden. In allen meinen Thaten In deinem Namen, o Herr Christ ● Kaum steigt zu ihrem frohsten Lauf Kein Lehrer ist dir, Jesu, gleich König, dem kein König gleichet Komm betend oft und mit Vergnügen Komm heilger Geist Komm, o Gott Schöpfer, heilger Geist Komm, o komm, du Geist des Lebens Kommt her, Mühselge, kommt zu mir Kommt, laßt euch den Herren lehren Laß deinen Geist mich stets Laß doch, o Jesu, laß dein Reich Laß mich doch nicht, o Gott. Laß mich doch, o mein Gott Laß mich, Höchster, darnach streben Laßt uns unserm Gott lobsingen Lehre mich, Herr, recht bedenken Liebster Jesu, Gnadensonne. Liebster Jesu, Trost der Herzen Liebster Jesu, wir sind hier. Lob, Ehre, Preis und Dank Lob, Ehr und Preis dem Höchsten Lobet den Herrn, alle Heiden. Lobsinge, meine Seele ♦ Lobsinge Gott mit wahrem Andachtstriebe Lobt Gott, den Gott der Stärke ● . Lobt Gott, der uns den Frühling Lobt, lobt den Herrn, ihr Nationen ● ♦ . 1019 442 477 439 184 118 62 425 163 120 189 399 1 197 204 352 327 143 209 512 299 557 103 501 412 289 4 97 449 444 166 440 455 68 443 1020 Register. Mache dich, mein Geist, bereit Mag doch der Spötter Heer Man betet, Herr, in Zions Stille Mein Auge sieht, o Gott, zu dir Mein Bundesgott, ach, unterweise Meine Lebenszeit verstreicht Meinen Jesum laß ich nicht Mein Erlöser, der du mich Mein Erlöser, Gottes Sohn ● . Mein Erlöser hängt am Kreuze Mein erster Wunsch, mein innigstes Bestreben Mein erst Gefühl sei Preis und Dank Meine Seel, ermuntre dich Meine Stimme ruft zur Höhe Mein ganzer Geist, Gott, wird entzückt Mein Geist erstaunt, Allmächtiger Mein Geist soll nun in Gott allein Mein Gott, ach, lehre mich erkennen Mein Gott, dir ist bewußt Mein Gott, du wohnest zwar Mein Heiland, deine Größe. Mein Heiland lebt, er hat die Macht Mein Heiland, wenn mein Geist erfreut Mein Herz, ermuntre dich Mein Herz, ermuntre dich zum Preise Mein Hort ist Gott, ihn laß ich walten Mein Jesu, du hast unsre Schuld Mein Jesus ist mein Leben Mein Jesus sigt zur rechten Hand Mein Jesus triumphiret Mein Leben ist ein Pilgrimstand Mein Lebensfürst, nun kann ich dich Mein Lebensfürst, zeig mir Mein Salomo, dein freundliches Regieren Mein treuer Gott, dein gutes Werk ♦ . ♦ 506 312 50 58 324 536 315 220 138 140 473 470 134 397 277 366 377 341 83 355 181 268 269 460 364 374 119 542 180 178 273 130 538 245 256 Register. Mein Vater und mein Gott Menschen ists gesetzt, zu sterben Mit Ernst, o Menschenkinder Mit Seufzen flag ich dir. Nach einer Prüfung kurzer Tage Nach meiner Seelen Seligkeit Nicht, daß ichs schon ergriffen Nie bist du, Höchster, von uns fern Nie will ich dem zu schaden suchen Nimmt Gott, dem wir vertrauen Noch bin ich dein Gast, o Erde Noch immer wechseln ordentlich Noch läßt der Herr mich leben Noch nie hast du dein Wort gebrochen Nun, Christen, laßt uns fröhlich sein Nun danket alle Gott Nun habe Dank für deine Liebe Nun ist es alles wohl gemacht Nur Liebe ohne Heuchelei O Christe, Eingeborner O Christenheit, sei hocherfreut Derhabner Gott O Freund, der meine Schuldenlast Friedensfürst aus Davids Stamm Oft denkt mein Herz, wie schwer es ſei O Gott, den alle Himmel ehren O Gott des Himmels und der Erden O Gott, deß gnadenvoller Rath Gott, deß starke Hand die Welt O Gott, du bist die Liebe Gott, du bist mein Preis und Ruhm D Gott, du frommer Gott O Gott, es fehlt uns Kraft und Licht ◆ ♦ 1021 340 275 100 405 278 500 504 28 552 66 262 59 471 31 93 450 234 151 547 94 113 368 154 105 343 43 45 431 35 34 492 411 404 1022 Register. D Gottes Lamm, unschuldig O Gottes Sohn, Herr Jesu Christ Gottes Sohn und Menschenkind O Gott, gieb dein Gericht 185 O Gott, wer ist dir gleich 369 O großer Gott, der alle Ding erfüllet 27 Oheiligste Dreieinigkeit 41 Herr, mein Gott, durch den ich bin und lebe 390 Herr und Schöpfer unsers Lebens. 60 Höchster, dessen Kraft Jesu, Brunnquell aller Freuden OKönig, dessen Majestät O Liebesgluth, wie kann ich dich O Menschenfreund, o Jesu O Seele, schaue Jesum an O Tod, wo ist dein Stachel 2000 O unser Gott, wie voll ist deiner Ehren Vater, allerhöchster Gott Vater der Barmherzigkeit. ♦ Vater, groß im Himmelreich welch ein Leiden, das mich drückt welch ein unschätzbares Gut Welt, sich hier dein Leben wie unaussprechlich selig wohl dem Menschen, der dem Rath Wundergott, der alles schafft ◆ ♦ Preiset Gott in allen Landen Preis, Preis sei Gott, und Glück und Heil Qual und Angst muß ich empfinden Schaffet, schaffet Menschenkinder Schau, großer Herr der Herrlichkeit Schön ist die Tugend, mein Verlangen 136 306 106 ♦ 427 125 293 98 226 351 159 74 403 216 406 435 503 139 280 242 54 165 249 417 285 175 344 Register. Schöpfer aller Menschenkinder Schon ist der Tag von Gott bestimmt Schon ruhet auf den Feldern Schütze die Deinen, die nach dir sich nennen Schwing dich auf gen Golgatha Seele, du mußt munter werden Seele, sei zufrieden Seele, willst du Ruhe finden Selig, Gott, sind die Seht den leidenden Gerechten Seht, welch ein Mensch! ach seht Sei feurig, Seele, Gott zu loben Sei gnädig, Herr, nach deiner großen Huld Sei hochgepriesen, Herr! für deine Liebe. Sei, Seele, stark und unverzagt Sei zufrieden, mein Gemüthe So fliehen unsre Tage hin So gehst du, Jesu, williglich So jemand spricht: ich liebe Gott So ist von meiner kurzen Pilgrimschaft Soll sich mein Geist, o Gott Sollt ich meinem Gott nicht singen Sorge doch für meine Kinder So schlummerst du in stiller Ruh So wahr ich lebe! spricht dein Gott Stimmt unserm Gott ein Loblied an Strafe nicht, o Heiligster. Straf, o Herr, mich nicht im Grimme Sucht man die Freundschaft in der Welt Sünder, willst du sicher sein. Tag, den mir der Herr gemacht Treuer Hirte deiner Heerde Um Gnade für die Sünderwelt Unermeßlich ewig ist Gott der Höchste : 1023 240 195 487 212 142 472 385 231 263 146 129 51 281 144 521 61 480 126 544 465 353 445 433 153 300 454 302 424 316 296 228 217 141 22 Register. Unschuldger Jesu! was hast du verbrochen Unser Heiland steht gebunden Unumschränkte Liebe 1024 Berborgner Gott, dem nichts verborgen Verleih uns Frieden gnädiglich Vernimm, o Gott, vernimm mein Flehen Voll Glauben will ich zu dir beten Von dir kommt jede gute Gabe. Von ganzer Seele preis ich dich Von Gott will ich nicht lassen Vor dir, o Gott, sich findlich scheuen Wach auf, mein Herz! auf träger Sinn Wach auf, mein Herz, und singe Wachet auf! so ruft die Stimme Wachet auf vom Schlaf, ihr Sünder Warum sollt ich mich denn grämen Was Gott thut, das ist wohlgethan Was grämst du dich, mein blödes Herz Was hilfts, daß ich mich quäle. Was ich nur Gutes habe. Was ist das Leben hier auf Erden Was ist mein Leben auf der Erde Was ist mein zeitlich Leben Was ists, daß ich mich quäle Was ist vor deinem Angesichte • ♦ ● Was soll ich ängstlich klagen. Was sorgst du ängstlich für dein Leben Weicht, ihr Berge! fallt, ihr Hügel Welch hohes Beispiel gabst du mir. Wenn Christus seine Kirche schützt Wenn der Sünder hat mißhandelt Wenn ich ein gut Gewissen habe Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht 131 128 38 526 415 244 372 400 414 395 370 168 478 272 196 524 525 391 389 498 529 527 511 528 73 394 533 32 350 214 294 251 44 Register. Wenn zur Vollführung deiner Pflicht. Wer bin ich? Welche wichtge Frage Werde munter, mein Gemüthe Wer darf in deine Hütte gehen. Wer dieser Erden Güter hat. Wer, Gott, dein Wort nicht hält. Wer kann, Gott, je was Gutes haben Wer nur den lieben Gott läßt walten Wer unter Gottes Schatten ruht Wie Christus selbst zum Jordan kam. Wie ein Geschwätz des Tags Wie fleucht dahin der Menschen Zeit. Wie getrost und heiter Wie gnädig warst du, Gott. Wie göttlich sind doch Jesu Lehren Wie groß ist deine Menschenliebe Wie groß ist des Allmächtgen Gütte Wie groß ist unsre Seligkeit Wie herrlich strahlt der Morgenstern Wie komm ich doch, mein Heil. Wie lang darf ich noch säumen. Wie lang soll ich traurig stehen Wie lieb ist mirs, daß Gott ♦ ● ♦ Wie lieblich ist doch, Herr, die Stätte Wie mannigfaltig sind die Gaben. Wie selig bin ich, wenn mein Geist ♦ Wie selig, Gott, wie selig ist der Sünder Wie selig, Herr, ist der Gerechte Wie selig lebt ein Mensch, der Wie sicher lebt der Mensch Wie soll ich dich empfangen ♦ Wie sollt ich dich, mein Gott, nicht lieben Wie theuer, Gott, ist deine Güte Wie treu, mein guter Hirte. ● . 65 ◆ ● ● . • ● 1025 326 496 485 329 555 314 410 380 392 218 85 86. 250 419 123 227 33 247 318 265 488 116 361 490 508 356 238 345 553 537 115 357 241 301 1026 Register. Wie ungewiß ist, Herr, das Ziel. Wie wichtig ist doch der Beruf Wie wird mir dann, mein Heiland Wie wohl ist, Jesu, meiner Seelen Will mich, o Gott, hienieden Willst du der Weisheit Quelle kennen Willst du die Buße noch. Wirf, blöder Sinn, den Kummer hin. Wir freuen uns, Herr Jesu Christ Wir Menschen sind von selbst, o Gott. Wo find ich Gott, den meine Seele Wo flieh ich Sünder hin. Wohlan, mein Herz, sei stets bereit Wohl auf, mein Herz! wohl auf Wohl dem, der beßre Schätze liebt Wohl dem, der richtig wandelt Wohl dem Menschen, der von Herzen + Womit soll ich dich wohl loben. Wort aus Gottes Munde Wo soll ich hin, wer hilfet mir 3ur Arbeit, nicht zum Müßiggang ♦ ♦ ● 539 77 264 253 520 371 298 114 279 6 354 322 360 402 513 558 381 446 89 321 517 1027 Gebete. Morgengebete. Gott, Schöpfer und Herr Himmels und der Erden, barmherziger Wohlthåter und Vater der Menschen, dich bete ich als den Urheber und Erhalter meines Lebens, als den Gott meines Heils, als die einige und unerschöpfliche Quelle meiner Glückseligkeit demüthigst an. Dir danke ich mit Freuden für mein Leben, für meine Gesundheit, für meine Kräfte, für alle geistige und leibliche Vortheile, die ich besitze. Dir danke ich insbesondere dafür, daß du mich diese Nacht mit deinem mächtigen Schuße bedeckt, daß du alle Gefahren, die mir droheten, von mir abgewandt, daß du meinen Leib durch einen sanften Schlaf erquicket, und mir neue Kraft und neues Leben eingeflößet hast. Gott, deine Güte ist alle Morgen neu, und deine Treue ist sehr groß. Sie übertrifft alle unsere Verdienste unendlich: sie ist weit größer, als daß wir dir jemals würdig genug dafür danken könnten. Wer bin ich, o Gott, wer bin ich, daß du auch mein gedenkest und dich meiner so annimmst? ich bin ein Sünder, der deine heiligen Gesetze übertreten, der 65* 1028 Morgengebete. deine Wohlthaten öfter gemißbraucht, der sich des schåndlichsten Undanks gegen dich schuldig gemacht, und als ein solcher nichts als Ungnade und Strafe verdienet hat. Ja, Herr, wie könnte ich vor dir bestehen, wenn du mit mir in's Gericht gehen wolltest? aber du handelst nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilst uns nicht nach unsern Missethaten. Noch schonest du meiner, wie ein Vater seines Kindes schonet. Noch fåhrest du fort, mich zu segnen und mir Gutes zu thun. Noch willst du mich durch Güte zur Buße leiten. Noch schenkest du mir Zeit und Kräfte, an meiner Besserung zu arbeiten, und meine Heiligung in deiner Furcht zu vollenden. Wie beschàmet mich deine Huld und Güte, o Gott, wie reuet es mich, daß ich dich, meinen Vater und Wohlthåter, so oft beleidiget, und dir den schuldigen Gehorsam verweigert habe! Ach, strafe mich nicht, wie ich es verdienet habe. Sei mir gnådig in Christo, deinem Sohne, und verzeihe mir um seinetwillen alle meine Sünden. Siehe, ich heilige mich dir ganz und gar. Ich verabscheue das Böse, das ich bisher gethan habe, und wünsche nichts mehr, als immer besser, immer tugendhafter und heiliger zu werden. Ich erneuere hiermit in deiner Gegenwart, o Gott, den aufrichtigen Morgengebete. 1029 Vorsatz, alle unordentlichen Begierden, die in mir aufsteigen, zu unterdrücken, alle bösen Gewohnheiten, die ich noch an mir habe, zu bestreiten, und mich in meinem ganzen Verhalten nicht nach dem Willen meines Fleisches, noch nach dem Beispiel der Lasterhaften, sondern allein nach deinen guten und heiligen Geboten zu richten. Dir meinem Schöpfer und Herrn, zu gehorchen, deiner Gnade und deines Beifalls mich zu versichern, nach deinem Bilde erneuert, und dadurch deiner seligsten Gemeinschaft fähig zu werden: dies soll meine Ehre, mein Ruhm, meine ernstliche Bemühung und meine Seligkeit sein. Ja, ich schwöre es und will es halten, daß ich die Rechte deiner Gerechtigkeit halten will. D Gott, stehe mir selbst mit deiner Gnade bei, diesen guten Vorsaß mit Treue zu erfüllen, denn ohne dich vermag ich nichts. Schenke mir deinen Geist, der mich erleuchte, reinige, und auf den Weg der Wahrheit und der Tugend führe. Bewahre mich auch heute vor allen Versuchungen zur Sünde, und wenn ich versucht werde, so laß mich nicht fallen. Bewahre mich insonderheit vor den Sünden, zu denen ich am meisten geneigt bin, und die noch die größte Gewalt über mich haben. Gieb, daß ich sorgfältig über mich selbst wache, daß ich allen Anlaß 1030 Morgengebete. und alle Gelegenheiten zum Bösen fliehe, und jeden sündlichen Gedanken, jede unerlaubte Neigung, die in mir entstehen, unverzüglich unterdrücke. Laß die Vorstellung von deiner Allwissenheit und Allgegenwart mich überall begleiten, und mein Herz mit der tiefsten Ehrfurcht gegen dich und deine Gesetze erfüllen. Laß mich oft an den Tod, an das Gericht und die Ewigkeit gedenken, und dadurch weise werden zur ewigen Seligkeit. Erfülle mich mit einer aufrichtigen Liebe gegen alle Menschen, und laß mich meinen Brüdern so nüßlich werden, als es die Fähigkeiten, die du mir verliehen, und die Umstände, in welche du mich gesehet haſt, erlauben. Verleihe mir Gesundheit und Kräfte zu meinen Berufsgeschäften, und begleite sie mit deinem Segen. Gieb, daß ich bei meiner Arbeit mein Herz oftmals zu dir erhebe, deine Vorsehung in allem, was mir begegnet, demüthig verehre und weder dem Geize noch der Ungerechtigkeit, noch irgend einem andern Lafter den Zugang zu meiner Seele verstatte. Dir und deiner Gnade, o Gott, empfeble ich alle Menschen. Laß das Licht deiner Offenbarung sich über alle Völker ausbreiten. Wehre dem Unglauben und dem Aberglauben, und erweitere die Grenzen des Reichs der Wahrheit und der Tugend. 1031 Morgengebete. Segne unsern Landesherrn und die Obrigkeiten, die du über uns gesehet baft. Segne die Lehrer, und laß sie reizende Muster der wahren Weisheit, der Liebe und aller christlichen Zugenden sein. Segne diesen Ort, dieses Land und alle Einwohner desselben. Segne insbesondere diejenigen, die du durch die Bande des Bluts und der Freundschaft mit mir verbunden hast. Gieb, daß wir alle die Pflichten unsers Berufs treulich erfüllen, daß wir das allgemeine Beste unserm besondern Nußen vorziehen, und deine Ehre und das Heil unserer unsterblichen Seele zum legten Endzweck aller unserer Bemühungen machen. Erhöre mich, Vater der Barmherzigkeit, und ſei mir gnådig um Jesu Christi willen, Umen. Unser Vater 2c. Almächtiger und unendlich gütiger Gott! deiner gnädigen Vorsehung habe ich es zu danken, daß ich diesen Morgen wiederum erwacht, und gesund aufgestanden bin. Du hast nåchtliche Schrecken und Gefahren in Gnaden von mir abgewandt, und mich vor vielem Unglück behütet, das mir ohne deinen Schuh håtte begegnen können. Ich erkenne deine Gute, die diesen Morgen an mir neu ist, und bete zu dir, dem Allgenugsamen: bereite mich selbst zu einem 1032 Morgengebete. dir wohlgefälligen Lobe, daß ich dich nicht nur mit dem Munde, sondern auch mit einer gerührten Dankbarkeit des Herzens preise, und mein Leben zu deiner Ehre und nach deinem Wohlgefallen führen möge. Deinem mächtigen Schuhe befehle ich mich darum an diesem Tage und fernerhin. Erhalte mir die Gesundheit und die Kräfte des Leibes und der Seele, und bewahre mich vor solchen Vorfällen, die mir schädlich sein können. Regiere alle meine Entschließungen, und leite alles mein Thun und Vornehmen, daß es deinem heiligen Willen gemäß sein möge. Gieb mir ein zufriedenes und freudiges Gemüth, daß ich willig und mit Munterkeit die Geschäfte verrichte, die mein Stand, in welchen du mich gesehet haft, mir aufleget. Gieb, daß ich treu und fleißig mich in meinem Berufe beweise, und in allem, was ich thue, rechtschaffen und gewissenhaft handle. Sei auch nach deiner großen Barmherzigkeit mir armen Sünder um Jesu Christi willen gnädig, und verleihe mir den Beistand deines heiligen Geistes zu einer beständigen Besserung meines Lebens. Verhüte in Gnaden, daß ich an diesem Tage mein Gewissen nicht mit vorsätzlichen Sünden beschwere, sondern laß deine Furcht und die Betrachtung deiner Gegenwart mich von allem Bösen zurückhalten, und Morgengebete. 1033 gegen alle Versuchungen stärken. Wenn ich aus Uebereilung fehle, so wirke durch deine Gnade, daß ich meine Fehler aufrichtig bereue, bei dir Vergebung suche, und ins Künftige mit mehr Sorgfalt mich vor Sünden hüte. O du weiser und gütiger Gott, regiere alle Umstände meines Lebens zu meiner wahren und ewigen Wohlfahrt. Dir befehle ich meine Wege, und ich hoffe auf dich, du wirsts wohl machen. Amen. Abendgebete. Ich freue mich deiner Güte, o Gott, und komme mit Danken vor dein Angesicht. Jeder Tag, jede Stunde, jeder Augenblick meines Lebens giebt mir neue Beweise von deiner våterlichen Huld und Gnade, und legt mir neue Verpflichtungen zur Dankbarkeit und zum Gehorſam gegen dich meinen Vater und Wohlthäter, auf. Auch heute hast du dich an mir Unwürdigen nicht unbezeugt gelassen. Auch heute hast du mir in allen Absichten viel Gutes gethan. Wie viele bekannte und unbekannte Gefahren und Uebel hast du durch deine gnådige Vorsehung von mir abgewandt! Vor wie vielen Sünden die unter allen Uebeln die größesten sind, hast du mich Schwachen bewahret! wie viele geistliche und leibliche Wohlthaten habe ich aus deiner frei 1034 Abendgebete. gebigen Hand empfangen! Bomit soll ich dir, dem Herrn alles das Gute vergelten, das du an mir gethan hast? Nimm meinen Leib und meine Seele zum Opfer hin. Sie sind dein und deinem Dienste, deiner Verherrlichung sollen sie auf ewig geheiligt sein. Möchte nur mein Eifer, dir zu gefallen, beständiger, möchte der Gehorsam, den ich dir leiste, reiner und vollkommener sein! Aber, o mein Gott, wie weit bin ich noch von dem Ziele der christlichen Vollkommenheit entfernt! Wie vieler Nachlässigkeit und Trågheit im Guten, wie vieler Vergehungen und Fehler muß ich mich tåglich vor deinem Ungesichte beschuldigen! Habe ich wohl den vergangenen Tag in aller Absicht so zugebracht, wie es einem vernünftigen Geschöpfe, einem Christen, einem Erben der zukünftigen Herrlichkeit anständig ist? Habe ich in deiner Furcht gewandelt, und die Empfindung deiner Gegenwart sorgfältig in meiner Seele unterhalten? Habe ich mir das Beispiel meines Herrn und Heilandes zum Muster der Nachahmung vorgesetzt, und durch mein Verhalten bewiesen, daß ich ein Jünger und Nachfolger des demüthigen, des sanftmüthigen, des wohlthätigen und himmlisch gesinnten Jeſu sei? Habe ich jeden Anlaß mich selbst zu bessern und andern núglich zu werden, Abendgebete. 1035 begierig ergriffen, allen Reizungen zum Stolze, zur Eitelkeit, zum Zorn, zur Unzufriedenheit, zur Wollust widerstanden, und mich recht sorgfältig gehütet, weder mit Gedanken und Begierden, noch mit Worten und Werken zu sündigen? Habe ich meine Zeit, meine Kráfte, meine Güter so wohl angewandt, als ich es hatte thun sollen und thun können? Habe ich meine Pflichten gegen dich, gegen meinen Nächsten und gegen mich selbst mit der Willigkeit, mit dem Eifer, mit der Treue erfüllt, wie es deine Wohlthaten und meine Schuldigkeit von mir fordern? Bin ich in einer solchen Verfassung, daß ich freudig sterben und mich einer seligen Ewigkeit getrösten könnte, wenn es dir gefallen sollte, meinem irdischen Leben in dieſer Nacht ein Ende zu machen? o Gott, wie beschämet, wie erniedrigt mich diese Prüfung! Herr, wer kann merken, wie oft er fehle! Verzeihe mir auch die verborgenen Fehler. Gehe nicht ins Gericht mit mir, denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht! Ich bekenne dir meine Sünden und Uebertretungen. Ich bereue sie von ganzem Herzen; ich entschließe mich, in deiner Furcht mich immer mehr von allen Befleckungen des Fleisches und des Geistes zu reinigen, und meine Heiligung zu vollenden. Stärke mich selbst, o Gott, in diesem guten Vorsate. Stehe mir in der Ausführung desselben mächtig bei. Gieb, daß ich alles, was dir zuwider ist, hasse, und als das größte Uebel meide und fliehe. Gieb, daß ich alles, was dein heiliger Wille von mir fordert, aufrichtig und mit Freuden thue. Laß mir den morgenden Tag heiliger sein, als den heutigen. Laß mich täglich an Weisheit und 1036 Abendgebete. Tugend wachsen, und immer mehr nach deinem Ebenbilde erneuert werden. Hege ich Haß und Neid gegen irgend einen Menschen in meinem Herzen, so laß den Schlaf ferne von mir sein, bis ich ihm verzeihe, bis ich ihm mit Aufrichtigkeit Gutes wünsche, und ihm solches wirklich zu erzeigen geneigt bin. Laß mich so einschlafen, wie ich zu sterben und dereinst vor deinem Richterstuhle zu erscheinen wünsche. Dein mächtiger Schuß bedecke mich und auch die Meinigen in dieser Nacht, damit uns kein Unglück begegne und keine Plage sich zu unserer Wohnung nahe. Schenke mir einen sanften und erquickenden Schlaf. Laß mich morgen, wenn es dir gefällt, mit neuen Leibes- und Seelenkráften wieder aufwachen, und gieb, daß ich sie nach deinem Willen und zu deiner Ehre anwende. Tröste barmherziger Gott, troste meine elenden Mitbrüder, die in dieser Nacht durch Schmerzen und Krankheit, oder andere Arten des Elends der süßen Ruhe beraubt sind, und mit Verlangen auf den Anbruch des Tages warten. Stárke die Sterbenden und laß sie Gnade vor dir finden. Hindere die Werke der Finsterniß; erbarme dich der Sünder und bekehre sie. Dir, Herr, mein Gott, übergebe ich meinen Leib und meine Seele, mein Leben und alle meine Schicksale. Führe mich selbst an deiner Hand, leite mich nach deinem weisen Rath, und nimm mich dereinst in deine Herrlichkeit auf. Ich bitte dich um dieses alles in dem Namen und als ein Junger Jesu Christi, unseres Mittlers und Seligmachers. Amen. Abendgebete. 1037 Barmherziger, gnädiger Gott, unter deinem gnádigen Schuße habe ich abermals einen Tag zurückgelegt. Ich danke dir dafür, und preise deinen heiligen Namen für alle anderen unzähligen Wohlthaten, die mir deine große Güte und Barmherzigkeit von meiner Jugend an bis auf diese Stunde bei aller meiner Undankbarkeit so mildiglich hat zufließen lassen. Stelle o Gott, meine heutigen mir bewußten Uebertretungen nicht im Zorn vor dich, noch meine unerkannten Súnden ins Licht vor deinem Angesichte, sondern wirf sie hinter dich zurück, und sei mir um Christi willen gnådig. Laß deine Güte auch in dieser Nacht über mir walten; und wenn meine Augen geschlossen sind, so wache du über mir, du Wächter Israels. Nimm mich, die Meinigen und alles, was wir haben, in deinen allmáchtigen Schuß. Wende alles Unglück von uns ab, und schenke uns eine süße, erquickende Ruhe, die uns auf den morgenden Tag zu deinem Dienste und zu unseren Berufsgeschäften wiederum geschickt mache, bis wir dereinst würdig erfunden werden, an dem Ende unserer Prüfungstage in die selige Ruhe einzugehen, die du deinen Kindern bereitet hast. Erhöre mich um Jesu Christi, deines geliebten Sohnes willen. Amen. Das Gebet des Herrn umschrieben. Unser Bater, der du bist im Himmel, Herr der ganzen Welt, dessen Thron der Himmel ist, welche Ehre und Gnade ist es für uns, daß wir, die 1038 Das Gebet des Herrn, umschrieben. wir von Natur Kinder des Zornes sind, dich mit Zuversicht und Vertrauen unsern Vater nennen, und insgesammt unsere Herzen und Hände zu dir aufheben dürfen! Großer Gott und versöhnter Vater in Christo, was können deine so hoch begnadigten Kinder mehr wünschen und bitten, als daß dein Name geheiliget werde? Nur du bist allein groß, herrlich, heilig und würdig, von allen erkannt, geehrt und gepriesen zu werden. O laß deinen Namen, deine Tugenden und Vollkommenheiten immer bekannter und herrlicher auf dem ganzen Erdboden werden, so daß vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang Jedermann dich recht erkenne, über alles ehre, fürchte, liebe, und mit Gedanken, Worten und Werken preiſe. Und damit dein Name je långer, je herrlicher werde, so komme dein Reich, so laß dein Reich, das du durch deinen Sohn auf Erden aufgerichtet hast, sich immer mehr ausbreiten, daß alle Welt sich dir unterwerfe und dir diene! Regiere und herrsche du in uns durch dein Wort und durch deinen Geist. Zerstöre das Reich des Satans, und erweitere die Grenzen deines Reiches durch Erleuchtung derjenigen, die noch in Finsterniß leben, und durch Bekehrung so vieler, die noch auf den Irrwegen des Lasters und des Unglaubens wandeln. Nur dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel, nicht unser verkehrter Wille, sondern dein guter und vollkommener Wille geschehe, so daß wir sowohl in guten als in bösen Tagen deine Befehle ohne Ausnahme, beständig willig und freudig ausüben, gleich wie sie von den Engeln und vollendeten Gerechten im Himmel vollzogen werden. Das Gebet des Herrn, umschrieben. 1039 Gieb uns auch heute unser täglich Brot, so viel wir zu unserer Nahrung und Kleidung bedürfen. Wir verlangen nicht Ueberfluß, sondern was wir zu unserer Erhaltung nöthig haben. Wir bitten dich nur um ein gottseliges, demüthiges, dankbares und vergnügtes Herz, daß wir täglich unsere Abhängigkeit von dir erkennen, táglich unser Vertrauen auf dich sehen, und uns arbeitsam und treu in unserm Berufe beweisen. Vor allen Dingen aber bitten wir dich, ach Gott! vergieb uns unsre Schuld, als auch wir vergeben unsern Schuldigern. Erlaß uns alle unsere Schulden, die wir so sehr gehäuft haben, und versichere uns der Vergebung unserer Sünden in dem Blute Christi. Wirke du selbst in uns eine göttliche Traurigkeit, Reue und Leid über unsere Sünden, daß wir sie hassen und verabscheuen. Gieb uns auch ein versöhnliches Herz gegen die, so uns beleidiget haben, damit wir ihnen so gerne, willig und herzlich vergeben, als du uns vergiebst. Denn wenn wir nicht vergeben, so wirst du uns auch nicht vergeben. Und da wir wohl wissen, wie leicht wir in Sünde fallen, und wie stark. und listig unsere Feinde, der Satan, die Welt und unser Fleisch sind, um uns zu stürzen, so führe uns nicht in Versuchung, so laß uns nicht in gefährliche Versuchung zur Sünde gerathen oder wenn es dir gefallen sollte, uns auf die Probe zu stellen, daß wir von unsern Feinden versucht werden, so stehe uns bei, so stärke und erlöse uns von allem Bösen, damit wir nicht zu Schanden werden. 1040 Das Gebet des Herrn, umschrieben. Denn dein ist das Reich, du bist König und Herr über die ganze Welt; alles steht unter deiner Regierung und muß dir unterthan sein. Dein ist die Kraft, du bist allein mächtig, und kannst unendlich mehr thun, als wir bitten und verstehen. Dein ist die Herrlichkeit in Ewigkeit. Ewig gebühret dir Ehre, Ruhm und Preis, und wir wollen dich ewig preisen und verherrlichen. Amen. Ja, das ist unser sehnlicher Wunsch und Begierde. Erhöre unser Gebet, das uns dein lieber Sohn selbst gelehret hat. Wir bitten dich in seinem Namen, und haben das Vertrauen, daß du unser Gebet gewiß erhören werdest. Amen. Vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. Herr, Herr, Gott, barmherzig, gnädig, geduldig, von großer Güte und Treue, der du Gnade beweisest, und vergiebst Missethat, Uebertretung und Sünde, dich bete ich als den einigen wahren und lebendigen Gott, als den Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi, und in ihm als den Vater der Barmherzigkeit und den Gott alles Trostes, demüthigst an. Dir danke ich mit gerührtem Herzen für die außerordentlichen Beweise, die du uns durch Christum von deiner mehr als váterlichen Liebe gegeben hast. Du hast ihn deinen Sohn, für uns in die Welt gesandt, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Du hast ihn für uns in den Tod dahin gegeben, und willst uns mit ihm und um seinetwillen alles schenken, was wir zu an. Vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. 1041 unserer wahren und ewigen Glückseligkeit nöthig haben. Auch mich, barmherziger Gott, auch mich Unwürdigen hast du zur Erkenntniß dieses großen Heils gebracht. Auch mir bietest du auf die billigsten Bedingungen Vergebung der Sünde, Gnade, Leben und Seligkeit Auch mir willst du von diesem allen in dem heiligen Abendmahle die feierlichsten Zeichen und Versicherungen mittheilen, wenn ich, mit wahrer Bußfertigkeit, mit lebendigem Glauben, und mit dem aufrichtigen Vorsake, ein heiliges Leben zu führen, zu dir nahe. O Gott, wie wollte ich entfliehen, und dem Verderben entrinnen, wenn ich eine solche Seligkeit nicht achtete, und durch diese Beweise deiner Güte mich nicht zur Buße und Dankbarkeit leiten ließe? Nein, ferne sei es von mir, mich eines solchen Verbrechens schuldig zu machen! Ich empfinde den Werth deiner Gnade. Ich bewundere die Größe deiner Barmherzigkeit und Menschenliebe. Ich wünsche sehnlich, an den Früchten der Erlösung, die durch Christum geschehen ist, Theil zu haben, und durch ihn gerecht und selig zu werden. Ich bin willig und bereit, alle Bedingungen, auf welche du mir diese unschäßbaren Bortheile anbietest, zu erfüllen. O Gott, verzeihe mir, daß ich bisher meinen Verpflichtungen so oft zuwider gehandelt, daß ich mich nicht dankbarer und gehorsamer gegen dich, meinen unendlichen Wohlthäter, bewiesen habe. Meine Sünden haben mich von dir entfernt. Aber siehe, ich komme wieder zu dir, Herr, mein Gott. Mein Herz sagt mir von deinetwegen: ihr sollt mein Untlik suchen. Ich suche es, o Herr, verbirg dasselbe nicht vor mir. Deinem Dienste, o 66 Sachaabiet: 1042 Vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. Gott, und dem Gehorsam deiner Gebote sei mein ganzes übriges Leben gewidmet. Ich entsage in deiner Gegenwart allen Sünden, und dein heiliger Wille soll von nun an die einzige Richtschnur meines Verhaltens sein. Ach, schenke mir selber Kraft und Stärke, mein Gelübde zu erfüllen. Laß die Betrachtung deiner unendlichen Liebe, laß den Genuß der Zeichen und Pfánder derselben, die ich an dem Tische meines Herrn empfangen werde, laß die Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die du mir vorhältst, so gesegnete Eindrücke auf mich machen, daß ich alle Versuchungen zum Bösen mit neuem Muthe bestreite, alle Pflichten meines himmlischen Berufs mit neuer Sorgfalt erfülle, und dir bis in den Tod getreu verbleibe. Amen. Heiland der Welt, Herr Jesu Christ, du hast ein Gedächtniß der Wunder deiner Liebe gestiftet. Nur wenige Stunden vor deinem Leiden settest du das heilige Abendmahl zum Troste deiner Verehrer und zur Stárkung ihres Glaubens ein, und du lásfeſt mich auch noch jett einladen, diesen feierlichen Gebrauch gemeinschaftlich mit deinen Nachfolgern zu begehen. Wie glücklich bin ich, o Herr, daß ich dich, den einigen und vollkommenen Mittler zwischen Gott und den Menschen, daß ich deine Lehre und dein Heil kenne, daß ich dich meinen Herrn und Gott nennen, mich deiner seligen Gemeinschaft rühmen, und mich zu deinen Erlöseten und Freunden zählen darf! D wie viel habe ich dir, meinem Heilande, zu danken! Wie unwissend, wie verderbt, wie trostlos, wie elend würde Vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. 1043 ich ohne dich und deine Gnade sein? Wie unertráglich würde mir die Last meiner Sünden, wie fürchterlich die Erwartung der damit verdienten Strafen, wie erschrecklich der Anblick des Todes und des Grabes sein, wenn du uns nicht selbst den gnädigen Willen Gottes bekannt gemacht, wenn du dich nicht zum Opfer für unsere Sünden dahin gegeben, und uns durch deinen Tod Gnade, Leben und ewige Seligkeit erworben háttest. Ja, alles Licht, das mich erleuchtet, aller Trost, der mich erquicket, alle Hoffnung, die mich belebet, sind Geschenke deiner unverdienten Liebe. Wie theuer soll mir denn nicht dein Gedächtniß sein! Würde ich nicht der undankbarste und niederträchtigste unter allen Sterblichen sein, wenn ich dein vergåße, wenn ich mit Kaltsinnigkeit und Gleichgültigkeit an dich gedächte, wenn ich mich weigerte, dir die Ehre und den Dank zu geben, die dir gebühren? Nein, göttlicher Erlöser, ich folge deiner liebreichen Einladung mit Begierde und Freude. Ich komme, mich öffentlich für deinen Jünger und Verehrer zu bekennen, und es Jedermann zu sagen, daß ich es für mein Glück und für meinen Ruhm halte, der Deinige zu. sein. Ich komme als ein mühseliger und beladener Sünder, Ruhe für meine Seele zu suchen, und ergreife mit Bußfertigkeit und Glauben die Gnade, die du mir anbietest, und das große Heil, das du geſtiftet hast. Ich komme, dir für dein Leiden und Sterben feierlich zu danken, mich dir zum Eigenthum aufzuopfern, und den heiligen Vorsak zu erneuern, nicht mehr mir selber, sondern nur dir zu leben, der du für mich gestorben und auferstanden bist. Ich komme, 66* CL 1044 Vor dem Genusse des heiligen Abendmahls. meine Gemeinschaft mit allen Gläubigen zu unter= halten, und mich aufs neue zu einer aufrichtigen und brüderlichen Liebe gegen sie zu verpflichten. O Herr, laß mein Vorhaben gesegnet sein. Erlaube nicht, daß ich mich blos mit den Lippen dir nahe, aber mit dem Herzen ferne von dir sei. Sende mir dein Licht und deinen Geist, und laß den Gedanken, daß du Herzen und Nieren prüfest, alle Falschheit und Verstellung aus meiner Seele vertreiben. Laß mich die Wunder deiner Barmherzigkeit so bedenken, daß Glaube, Liebe und Hoffnung dadurch in mir gestárket und ich auf das Kraftigste bewogen werde, die Versprechungen, die ich dir thun werde, mit unverbrüchlicher Treue zu halten. Amen. Nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. Lobe den Herrn, meine Seele und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat, der dir alle deine Sünden vergiebt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöset, und dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Er handelt nicht mit uns nach unseren Sünden, und vergilt uns nicht nach unseren Missethaten. Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten. Wohl dem, dem die Uebertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedecket ist. Wohl dem Menschen, dem der Herr die Missetbat nicht zu Nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. 1045 rechnet, in dessen Geist kein Falsch ist! Ich sprach: ich will dem Herrn meine Uebertretungen bekennen; da vergabst du mir die Missethat meiner Seele. Wo ist ein solcher Gott, wie du bist? Du hast deines Sohnes nicht verschonet um unsertwillen, du hast ihn für uns in den Tod dahin gegeben: wie? solltest du uns mit ihm nicht alles schenken? Ja, gelobet sei Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns gesegnet hat mit den kostbarsten geistlichen und himmlischen Gütern durch Christum! In ihm, dem Geliebten, sind wir dem Höchsten angenehm geworden. In ihm dürfen wir Gott unsern Vater, und uns seine Kinder nennen. An ihm haben wir einen vollkommenen Seligmacher, der immerdar lebet und für uns bittet. Durch seine Auferstehung von den Todten haben wir die gewisse Hoffnung eines unverwelklichen Erbes, das behalten wird im Himmel. S Gott, womit soll ich dir alle das Gute vergelten, das du an mir gethan hast? Ich will dich erhöhen, mein Gott, du König, und deinen Namen loben immer und ewiglich. Ich will dich täglich loben, und deine Gnade rühmen immer und ewiglich. Dir will ich Dank opfern, und meine Gelübde bezahlen vor allem Volke. Umen. Großer Erlöser, meine Seele erhebet dich, den Herrn, und mein Geist freuet sich in dir, meinem Heilande, du bist würdig, zu nehmen Kraft und Reichthum, Weisheit und Stárke, und Ehre, und Preis und Lob. Denn du bist auch für mich erwürget worden, du hast mich mit deinem Blut erkauft. Durch Sachgebiet. 1046 Nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. dich hab ich Frieden mit Gott, und einen freien Zugang zu seiner Gnade. Durch dich bin ich von der Gewalt der Sünde und des Todes erlöset und darf mich der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit rühmen. Wie kann ich dir deine Liebe jemals vergelten! Ich will dich ewig lieben, denn du hast mich bis in den Tod geliebet: Du hast deinen Leib für mich gegeben. Du hast dein Blut für mich vergossen zur Vergebung der Sünden. Du bist für mich gestorben. Du hast dich selbst für mich geopfert. Ich will ganz der Deinige sein. Dir will ich leben. Dir will ich sterben. Dir sei mein Leib und meine Seele, dir sei mein ganzes Leben heilig: Dich zu kennen, dich zu lieben, dir zu gehorchen, deinem Beispiele zu folgen, deinen Namen unter den Menschen zu verkündigen, dein Reich hier auf Erden zu erweitern, und mich zu deiner näheren Gemeinschaft im Himmel geschickt zu machen, dies soll meine Ehre, mein Ruhm, mein vornehmstes und bestándiges Geschäfte, meine ganze Seligkeit sein! Amen! So habe ich mich denn feierlich dem Dienste Gottes, meines gnädigen Vaters und unendlichen Wohltháters, gewidmet. So habe ich mich verpflichtet, als ein Junger und Nachfolger meines hochgelobten Erlósers zu leben, und ihn mit meinem Geiste und mit meinem Leibe zu preisen, die beide sein Eigenthum sind. Wie heilig sind diese Verpflichtungen! Wie undankbar, wie unglücklich würde ich nicht sein, wenn ich diese Zusagen vergaße, und diese Versprechungen nicht hielte! Welch eine Verantwortung, welch ein Gericht, wenn ich nun noch der Sünde diente, wenn ich nicht alle Fehler, alle Nach dem Genusse des heiligen Abendmahls. 1047 bise Gewohnheiten, die ich an mir habe, ernstlich bestritte, wenn ich eben so tráge und nachlässig im Guten wáre, als ich es ehemals gewesen bin! So würde ich mich ja aller Vorrechte und Seligkeiten, die ich als ein Christ besige, verlustig, und meine Verdammniß um so viel schwerer machen. Ach Gott! erlaube nicht, daß ich so undankbar gegen dich, und so feindselig gegen mich selbst handele. Sei du in meiner Schwachheit machtig. Befestige meine guten Entschließungen, und verleihe mir Gnade, an der Ausführung derselben unverzüglich und unverrückt zu arbeiten. Erhalte du selbst mein Herz bei dem Einigen, daß ich deinen Namen fürchte. Schenke mir ein neues Maas deines Geistes und führe mich durch denselben auf ebene Bahn. Gib, daß ich mich von allen Befleckungen des Fleisches und des Geistes reinige, und meine Heiligung in deiner Furcht vollende. Bewahre mich vor Versuchungen, stárke mich, wenn ich darein gerathe, und laß mich das Kleinod, zu welchem du mich durch Christum berufen hast, niemals aus den Augen verlieren. So werde ich den guten Kampf kámpfen, den Glauben behalten, und meinen Lauf glücklich vollenden. So werde ich dereinst die Krone der Gerechtigkeit aus deiner Hand empfangen, und dir Lob und Ehre bringen in Ewigkeit. Amen. Gebet eines Kranken. mein Gott, du Quelle des Trostes und der Gnade, ich demüthige mich vor dir, um deinen Beistand in meinen großen und heftigen Schmerzen sehnlich Sachgebiet: 1048 Gebet eines Kranken. zu suchen. Höchster Richter, deine Pfeile stecken in mir, und deine Hand drücket mich. Mein Leib ist schwach, meine Seele voll Leiden. Schon haben mich des Todes und Grabes Bande umfangen. Zu wem kann ich mich wenden, der ich so elend und voll Jammer auf diesem Krankenbette barnieder liege? Es ist nichts mit allen Geschöpfen. Diese können nicht rathen und nicht helfen. Nur du allein, mein Gott, kannſt die Krankheit heilen, welche mir Seufzer auspresset. Zu dir allein wende ich mich. Erhöre mich, mein Gott, und schweige nicht zu meinen Chránen. Herr, ich bekenne es, daß ich nichts anders leide, als was ich verdiene. Wolltest du mich so strafen, als ich wegen meiner Sünden es werth bin, so würden alle Wellen deines Zornes über mir zusammenschlagen, und ich müßte gleich jenen abtrünnigen Geistern zur Verdammniß verstoßen werden, weil ich ihnen auf dem Wege des Verderbens so unglücklicher Weise nachgefolget bin. Herr, ich empfinde es, daß ich strafbar bin, du aber unendlich gerecht bist. Ich habe gesündigt wider dich und vor dir. Meiner Sünden sind mehr, denn Haare auf meinem Haupte. Ach, ich Unglückseliger! Uch, daß ich dich zum Zorn wider mich gereizet habe! Du bist die Liebe selbst. Du hast mit so vieler Gnade mich überhäuft, und nicht aufgehöret mir Gutes zu thun. Wie konnte ich doch so undankbar sein, daß ich mich wider dich, meinen großmüthigsten Wohlthäter, erhob! Wie konnte ich so frech, so treulos sein, daß ich mich gegen meinen Vater und König emporte! Gott, ich erschrecke, wenn ich bedenke, daß es meine Sünden sind, die dich gegen mich reizen, daß ich mein Leben Gebet eines Kranken. 1049 damit beflecket habe, und durch sie mich nun an den Rand des Abgrunds geführet sehe, wenn anders deine Barmherzigkeit noch nicht ins Mittel tritt, und den Arm deiner Gerechtigkeit aufhált. O erbarmungsvoller Gott, höre die Stimme des Blutes, welches mein theuerster Erlöser für bußfertige Sünder vergossen hat. Laß es mich lebhaft bereuen, daß ich dich beleidiget habe. Gib mir Kraft, daß ich allen dir mißfälligen Neigungen widerstehe, und mich gänzlich deinem heiligen Willen unterwerfe. Ja, mein Gott, ich küsse die Ruthe, welche mich schlägt. Ich lege meine Hand auf den Mund, und will gar nicht murren. Ich preise deine Barmherzigkeit mitten in deinen Züchtigungen. Gib mir Geduld in meiner schweren Krankheit. Laß mich einen sanften Sinn und Freundlichkeit gegen alle die, so um mich herum sind, beweisen, und alle Sorgfalt, so man an mir beweiset, mit Dank erkennen. Laß die Mittel der Genesung, so ich anwende, gesegnet sein, denn ohne deinen Segen arbeitet doch der Arzt vergeblich, und alle Mittel sind umsonst. Von dir, o Gott, erwarte ich alles. Mache es mit mir, wie es deinem heiligen Willen gemäß ist. Nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Verlaß mich nur nicht. Unterstüße mich durch deine Gnade, an der ich genug habe. Deine Kraft sei mächtig in mir Schwachen! Gefällt es dir, mein Gebet zu erhören, und meine Gesundheit wieder herzustellen; willst du, daß ich noch im Lande der Lebendigen bleiben soll; so gib mir, Herr, daß ich ein neues Leben führen und zeigen möge, daß ich in der Schule deiner Züchtigungen gelernt habe, wachsamer über alles mein Thun und Lassen zu sein, Sachgebiet: 1050 Gebet eines Kranken. und mich von aller Unreinigkeit der Welt zu entfernen. Hast du aber beschlossen, den Lauf meines Lebens durch diese Krankheit zu endigen, und mich vor deinen Richterstuhl zu fordern: so sehe mein Herz in eine solche Verfassung, darinnen wir, wie allezeit, also vornehmlich zu der Zeit, uns billig befinden müssen, wenn du uns von hier abrufest. Reiße mein Herz ganz los von der Erde, und laß meine Sehnsucht nur nach den Gütern der Ewigkeit gerichtet sein. Denn was hat die Welt, das mich an sie fesseln sollte? Es ist wahr, die, an welche mich so starke Bande knüpfen, gehen mir nahe. Doch auch deinem Sohne lagen die Seinigen bei seinem herannahenden Abschiede am Herzen. Er liebte sie allezeit, er liebte sie bis ans Ende. Da er jetzt seinen Geist in deine Hände befehlen wollte, so sorgte er noch liebreich für seine Mutter. Soll ich die Meinigen verlassen, so verlasse du sie nicht. Ich werde mich dann nicht, wie bisher, ihrer ferner annehmen. Aber du lebest immer und ewiglich. Sei du ferner ihr Bater, ihr Berather, ihr Beschüßer und Helfer. Laß sie bei meinem Hingange nicht weinen als solche, die keine Hoffnung haben, sondern dadurch besonders erweckt werden, so lange sie hier noch streiten müssen, sich täglich zu ihrer Veránderung zu bereiten. Bringe du mich indessen selbst immer mehr in die heilige Fassung, daß du mir ungleich lieber bist, als alles, was ich auf Erden lieb habe. Versiegele mich auf den Tag der Erlösung. Gieb neue Stärke meinem Glauben, meiner Liebe und Hoffnung, daß ich diese Welt ohne Kummer verlassen, und mit Freuden aus derselben gehen möge. Danksagnng und Bitte nach der Genesung 2c. 1051 Nun, mein Gott, ich erwarte in tiefster Demuth deine Befehle. Rede, Herr, denn dein Knecht höret, und ist bereit, deiner Stimme zu folgen. Erhöre mich, ich rufe zu dir aus der Tiefe, und um Christi Jesu, meines Heilandes willen. Amen. Tanksagung und Bitte nach der Genesung von einer Krankheit. Großer Gott, höchster Gebieter und Herr über unser Leben, der du allein in das Grab und auch wieder heraus führest, ich werfe mich in tiefster Demuth vor dir nieder und danke dir von Herzen, daß du mich von den Pforten des Grabes zurückrufest. Ach ja, Herr! schon schien es, daß ich ein Opfer des Todes sein sollte. Ich rief zu dir: ewiger Gott, erlöse mich um deiner großen Barmherzigkeit willen, denn im Tode gedenket man dein nicht, und wer will dir im Grabe danken? Du hast meine Klagen erhöret, und meine Thránen angesehen. Du bist von Mitleiden gegen mich gerühret worden, und hast mir die Gesundheit und das Leben wiedergegeben. O, daß ich deine Liebe und deinen Beistand nach Würde genug erheben könnte! Ich erkenne es vor Jedermann, daß ich dir allein meine Genesung zu danken habe. Auch die größte Klugheit, beste Sorgfalt und Bemühung der Menschen ist ohne dich vergeblich. Was habe ich dir nicht, o mein Gott, mitten in meiner Krankheit und in meinen Wengsten versprochen! Und was mußte ich dir nicht versprechen? Ich hatte mich dir ganz zu deinem Dienste gewidmet. Ich sagte Sachgebiet: 1052 Danksagung und Bitte nach der Genesung 2c. allem dem ab, was dir mißfallen kann; ich that das Gelübde, daß ich die bösen Begierden meines Herzens ausrotten wollte, welche dich gegen mich erzürnten; ich versprach dir, bis in den Tod treu zu bleiben. Gieb dann doch nicht zu, daß ich so heiliger und billiger Zusagen jemals vergesse, sondern sie vielmehr tief in mein Herz grabe, alle Tage meines Lebens daran gedenke, und alle meine Kräfte anwende, um sie nach aller ihrer Größe zu erfüllen. Ja, mein Gott, laß meine Seele leben, daß sie dich lobe. Ziehe du nur deine Hand nicht von mir ab, indem du mich wieder in die Welt treten låssest, denn diese ist ein ungestümes Meer und voll Klippen, daß viele darauf Schiffbruch leiden. Du allein kannst mich erretten. Gieb mir das nöthige Licht, gieb mir Standhaftigkeit und Muth, damit ich allen Versuchungen widerstehen, und alle Lockungen und Drohungen einer verführerischen Welt großmüthig verachten möge. Sei du mir zur Rechten, damit ich niemals wanke. Deine Hand erhalte mich! Dein Rath führe mich! Dein Geist reinige mich! Der Glaube fei mir anstatt des Schildes, und dein Wort anstatt eines zweischneidigen Schwertes, um allen Anläufen der Feinde zu widerstehen, wider die ich werde zu streiten haben. S Gott, so Mancher ist nach erlangter Gesundheit in das Verderben der Welt zurückgefallen, und hat seine vorige Lebensart wieder angefangen; und ich habe dir auch bei anderen Gelegenheiten so große Verheißungen gethan, aber sie nicht erfüllet. Es überfällt mich deswegen ein Zittern. Ich bin ganz beschämt. Ich bitte dich, laß mich nicht von neuem untreu Danksagung und Bitte nach der Genesung 2c. 1053 werden. Es erschalle doch ohne Aufhören die Ermahnung in meine Ohren: Siehe zu, du bist gesund geworden, sündige hinfort nicht mehr, auf daß dir nicht etwas Nergeres widerfahre! Ich weiß es, daß, obgleich du mir jetzt mein Leben und die Gesundheit wieder schenkest, ich doch einstens aus dieser Welt weggehen muß; ich weiß es, daß diese Lebensfrist mir nur zur Vorbereitung auf meinen Ausgang dienet; ich weiß es, daß diese neuen Tage mich recht lehren sollen, wie bald diese Welt, die ein Schauplaß ist, ihre Gestalt verandere; ich weiß es, daß der Himmel nur unser wahres Vaterland ist, und unsere Herzen und Begierden dahin gerichtet sein müssen, weil da unser Erbtheil aufbewahret lieget. Ach! so laß mich dann dergestalt völlig genesen, daß meine Seele auch von den Wunden heil werde, welche die Sünde ihr geschlagen hat, und daß, so angenehm und vortheilhaft auch die Gesundheit meines Leibes mir immer ist, doch die Gesundheit der Seele mir noch weit wichtiger und angelegentlicher sei. Erbarme dich auch, o mein Gott, aller armen Kranken. Hóre ihre Bitten, stehe ihnen bei und gewähre ihnen alles dasjenige, was deine anbetungswürdige Weisheit für sie am ersprieslichsten findet. Unterstüße und stärke alle, die du mit mir von ihren Krankenlagern aufstehen läsfest, daß sie die Sonne mit Freuden erblicken. Gieb einem jeden unter uns, daß wir weder deine Wohlthaten, noch auch unsere Versprechungen jemals vergessen. Erhöre mich, Vater im Himmel, ich rufe dich mit innigster Inbrunst um Jesu Christi, meines liebsten Heilands Willen an. Amen. Sachgebiet: 1054 Gebet der Umstehenden für einen Sterbenden. Aumächtiger, gnädiger und barmherziger Gott und. Vater, du willst, daß wir dich in der Noth anrufen, und verheißest uns Erhörung, daß wir dich preisen; darum erscheinen wir auch jetzt vor deinem heiligen Angesichte, und bitten dich für diese kranke Person, die nicht mehr mit uns, wohl aber mit dir, dem einigen Herzenskündiger, durch das Seufzen und Flehen deines und ihres Geistes reden kann. Ach, gib ihr Gnade, daß sie in dieser Schwachheit ihr Herz zu dir erhebe und seufze: Ach, Herr Jesu, erbarme dich mein, komm doch bald und hilf mir; und erhöre alsdann das Flehen ihres Herzens und errette sie. Dir, o allerliebster Vater, wollen auch wir ihre Noth vortragen, und bitten dich herzlich und kindlich, siehe sie doch in Gnaden an, stárke sie im Kampf und Streit wider den Tod, ihren letzten Feind; sei nicht ferne von ihr, denn die Angst ist groß. Es ist hier kein Helfer, denn du allein. Reinige sie, o Gott, durch das Blut deines Sohnes von allen ihren Súnden, versiegele durch deinen heiligen Geist in ihrem Herzen die Gewißheit der Seligkeit. Sprich zu ihrer Seele: mein Sohn( meine Tochter) sei getrost, dir sind deine Sünden vergeben. Stárke und erhalte fie in heiliger Vollbringung deines Willens, damit sie dir getreu bleibe bis in den Tod. Tröste sie in der großen Ungst mit der Angst, ETraurigkeit und den Schmerzen, die dein liebster Sohn in seinem schwersten Streite empfunden und ausgestanden hat. Lindere, verkürze und vermindere die Furcht und die Schmerzen Gebet der Umstehenden 2c. 1055 des Todes, und gib ihr alles, was sie zu ihrer Glückseligkeit vonnöthen hat, und wir für sie bitten und begehren können. Heilige ihren kalten Todesschweiß durch den blutigen Schweiß, welcher von dem Leibe Jesu, deines Sohnes, in seiner großen Anfechtung und Angst, in seinem Zittern und Zagen auf die Erde geflossen ist, und erquicke sie mit der Hoffnung der ewigen Seligkeit, und der fröhlichen Auferstehung ihres Leibes. O Herr, es ist nunmehr Abend bei ihr worden, und der Tag ihres Lebens hat sich geneiget, bleibe bei ihr, und streite gegen alle ihre Feinde. Ihr Fleisch ist schwach. Uch, stärke in Gnaden ihren Geist. Mache sie willig und freudig zu streiten, und laß deine Kraft in ihrer Schwachheit mächtig sein. O liebster Heiland Jesu! du hast verheißen, wenn du werdest erhöhet sein, so wollest du uns alle zu dir ziehen; nun bist du nicht nur am Kreuz erhöhet worden, und hast daselbst alle unsere Missethat versöhnet, sondern du bist auch nach deiner Auferstehung über alle Himmel erhaben worden, damit du vor dem Angesichte deines himmlischen Vaters für uns erscheinest. So ziehe denn diese Schwache durch die kraftige Wirkung deines Geistes zu dir, daß sie dir nachlaufe; ziehe ihre Seele aus dem bald einfallenden Kerker ihres Leibes, darinnen sie gefangen ist, daß sie bald mit Freuden von der Erde in den Himmel, von der Sünde zur Gerechtigkeit, aus der Unruhe zu der Ruhe, aus der Finsterniß in das Licht, aus allem Jammer in die Herrlichkeit, ja aus dem Tode in das Leben fahre. Wenn ihre Augen finster worden sind, so erhalte in ihrem Herzen das Licht des seligmachenden Glaubens, Sachgebiet: 1056 Gebet der Umstehenden 2c. damit ihre Seele dich anschauen und in dir sich erfreuen möge. Wenn ihre Ohren verschlossen sind, daß fie nichts mehr hören, so erquicke und tröste sie durch das innerliche Zusprechen des heiligen Geistes. Wenn ihr die Rede entfällt, so sei, Herr Jesu, ihre Fürsprache bei deinem und ihrem Vater, und laß auch deinen Geist für sie mit unaussprechlichen Seufzen bitten. O heiligster Seligmacher, wirke in ihr bei ihrem Abschiede gute und heilige Gedanken, und laß deine heiligen Engel fich um sie her lagern, und ihre Seele in das himmlische Paradies, und in den Schooß ihres Erlösers führen. Uns aber, o Herr, gib die Gnade, daß wir uns oft unserer Sterblichkeit erinnern, aller Sünden bei Zeiten absterben, und durch rechtschaffene Bekehrung und wahren lebendigen Glauben uns zu einem seligen Abschied vorbereiten. Nimm dich unserer in Gnaden an, wenn die Stunde unseres Todes vorhanden ist, und nimm uns zu dir in die ewige Freude und Herrlichkeit. Erhöre uns, o lieber Vater, um Jesu Christi willen, in dessen Namen wir dich also anrufen: Unser Vater c. Evangelien und Episteln. Evangelium am 1. Sonntage des Advents, Matth. 21, V. 1-19. Da sie nun nahe bei Jerusalem kamen, gen Bethphage an den Delberg, sandte Jesus seiner Jünger zween, und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch lieget, und bald werdet ihr eine Eselin finden, angebunden, und ein Füllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir. Und so euch jemand etwas wird sagen, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer, so bald wird er sie euch lassen. Das geschah aber alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Saget der Tochter Zion: siehe, dein König kommt zu dir sanftmüthig und reitet auf einem Esel, und auf einem Füllen der lastbaren Eselin. Die Jünger gingen hin und thaten, wie ihnen Jesus befohlen hatte: und brachten die Eselin und das Füllen, und legten ihre Kleider darauf, und setzten ihn drauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; die anderen hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Das Volk aber, das vorging und nachfolgete, schrie und sprach: Hosianna, dem Sohne David! gelobet sey, der da kömmt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! Epistel, Römer 13, V. 11-14. Lieben Brüder: weil wir solches wissen, námlich die Zeit, daß die Stunde da ist, aufzustehen vom 1 Sachgebiet: Am 2. Sonntage des Advents. Schlafe, sintemal unser Heil jegt nåher ist, denn da wirs glaubten; die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbei kommen: so lasset uns ablegen die Werke der Finsterniß, und anlegen die Waffen des Lichts. Lasset uns ehrbarlich wandeln, als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kam= mern und Unzucht, nicht in Hader und Neid: sondern ziehet an den Herrn Jesum Christ, und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde. 2 Evangel. am 2. Sonnt. des Advents, Luc. 21, V. 25-33. Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne und dem Mond und den Sternen, und auf Erden wird den Leuten bange seyn, und werden zagen, und das Meer und die Wasserwogen werden brausen, und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die da kommen follen auf Erden, dann auch der Himmel Kráfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in den Wolken mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfáhet zu geschehen, so sehet auf und hebet eure Häupter auf, darum daß sich eure Erlösung nahet. Und er sagte ihnen ein Gleichniß: Sehet an den Feigenbaum und alle Báume; wenn sie jest ausschlagen, so sehet ihrs an ihnen und merket, daß jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles fehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch, dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß es alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. Am 3. Sonntage des Advents. Epistel, Römer 15, 3. 4-13. Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, daß ihr einerlei gesinnet seyd untereinander nach Jesu Christo, auf daß ihr einmüthiglich mit einem Munde lobet Gott und den Vater unsers Herrn Jesu Christi. Darum nehmet euch untereinander auf, gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe. Ich sage aber, daß Jesus Christus sei ein Diener gewesen der Beschneidung um der Wahrheit Willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung den Vätern geschehen, daß die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben stehet: Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen. Und abermal spricht er: Freuet euch, ihr Heiden, mit seinem Volk. Und abermal: Lobet den Herrn, alle Heiden, und preiset ihn, alle Volker. Und abermal spricht Esaias: Es wird seyn die Wurzel Jesse, und der auferstehen wird, zu herrschen über die Heiden, auf den werden die Heiden hoffen. Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Friede im Glauben, daß ihr völlige Hoffnung habt durch die Kraft des heiligen Geistes. 3 Evangelium am 3. Sonntage des Advents, Matth. 11, V. 2-10. Da aber Johannes im Gefängniß die Werke Christi hörete, sandte er seiner Jünger zween und ließ ihm sagen: Bist du, der da komen soll, Sachgebiet: Am 3. Sonntage des Advents. oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johanni wieder, was ihr sehet und höret: Die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussäßigen werden rein, und die Zauben hören, die Todten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium geprediget, und selig ist, der sich nicht an mir árgert. Da sie hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volke von Johanne: Was seyd ihr hinausgegangen in die Wüsten zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet? Oder was seyd ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was send ihr hinausgegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ist, von dem geschrieben stehet: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll. 4 Epistel, 1. Cor. 4, B. 1-5. Dafür halte uns jedermann, námlich für Christi Diener und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun suchet man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden. Mir aber ists ein Geringes, daß ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Tage, auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir wohl nichts bewußt, aber darinnen bin ich nicht gerechtfertiget; der Herr ists aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, welcher auch Am 4. Sonntage des Advents. wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rath der Herzen offenbaren; alsdann wird einem jeglichen von Gott Lob widerfahren. 5 Evangel. am 4. Sonnt. des Advents, Joh. 1, B. 19-28. Und dies ist das Zeugniß Johannis, da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten, wer bist du? Und er bekannte und leugnete nicht. Und er bekannte: Ich bin nicht Christus. Und sie fragten ihn: was denn? Bist du Elias? Er sprach: Jch bins nicht. Bist du ein Prophet? Und er antwortete: Nein. Da sprachen sie zu ihm: Was bist du denn, daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben? Was sagst du von dir selbst? Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüsten; richtet den Weg des Herrn, wie der Prophet Jesaias gesagt hat. Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern, und fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufest du denn, so du nicht Christus bist, noch Elias, noch ein Prophet? Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser, aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet. Der ists, der nach mir kom= men wird, welcher vor mir gewesen ist, deß ich nicht werth bin, daß ich seine Schuhriemen auflöſe. Dies geschah zu Bethabara jenseits des Jordans, da Johannes taufete. Epistel, Phil. 4, V. 4-7. Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermal fage ich: freuet euch! Eure Lindigkeit lasset kund Sachgebiet: 6 Am heiligen Christtage. seyn allen Menschen. Der Herr ist nahe! Sorget nicht: sondern in allen Dingen lasset eure Bitte in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott tund werden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu. Evangelium am heiligen Christtage, Lucas 2, V. 1:14. Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot vom Kaiser Augusto ausging, daß alle Welt ge= schäbet würde. Und diese Schahung war die allererste, und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Land= pfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schäßen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiláa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land, zur Stadt David, die da heißet Bethlehem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte David war, auf daß er sich schäßen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebáren sollte, und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Heerde. Und siehe, des Herrn Engel traten zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um fie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland Am 2. heiligen Chrifttage. 7 geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt David. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerschaaren, die lobeten Gott und sprachen: Ehre sey Gott in der Höhe und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen. Epistel, Tit. 2, V. 11:14. Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen, und züchtiget uns, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüfte, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, und warten auf die selige Hoff= nung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes Jesu Christi. Der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlösete von aller Ungerechtigkeit, und reinigte ihm selbst ein Volk zum Eigenthum, das fleißig wäre zu guten Werken. Evangelium am 2. heil. Christtag, Lucas 2, B. 15:20. Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasset uns nun gehen gen Bethlehem, und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kund gethan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegend. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten Sachgebiet: 8 Am 2. heiligen Christtage. sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegete sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehreten wieder um, preiseten und lobeten Gott um alles was sie gehöret und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Epistel, Tit. 3, V. 3-8. Denn wir waren auch weiland unweise, ungehorsam, irrige, dienend den Lusten und mancherlei Wollüsten, und wandelten in Bosheit und Neid, und hasseten uns unter einander. Da aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes unsers Heilandes, nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir gethan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum unsern Heiland, auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seyen des ewigen Lebens nach der Hoffnung; das ist je gewißlich wahr. Evangel. am Sonntage nach Christtag, Luc. 2, B. 33-40. Und sein Vater und Mutter wunderten sich deß, daß von ihm geredet ward, und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Israel, und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird. Und es wird ein Schwerdt durch deine Seele dringen, auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Und es war eine Pro Am Sonntage nach Christtag. phetin, Hanna, eine Tochter Phanuel, vom Geschlechte User, die war wohl betaget und hatte gelebet sieben Jahre mit ihrem Manne nach ihrer Jungfrauschaft, und war nun eine Witwe bei vier und achtzig Jahren, die kam nimmer vom Tempel, diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Dieselbige trat auch hinzu zu derselbigen Stunde, und preisete den Herrn, und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung zu Jerusalem warteten. Und da sie es alles vollendet hatten, nach dem Gefeße des Herrn, kehrten sie wieder in Galildam, zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Kind wuchs und ward stark im Geist, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm. 9 Epistel, Gal. 4, S. 1-7. Ich sage aber: So lange der Erbe ein Kind ist, so ist unter ihm und einem Knechte kein Unterschied, ob er wohl ein Herr ist aller Güter; sondern er ist unter den Vormündern und Pflegern bis auf die bestimmte Zeit vom Vater. Also auch wir, da wir Kinder waren, waren wir gefangen unter den äußerlichen Sabungen. Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe und unter das Geset gethan, auf daß er die, so unter dem Geset waren, erlösete, daß wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr denn Kinder seyd, hat Gott gesandt den Geist seines Sohnes in euere Herzen, der schreiet: Abba, lieber Bater! Also ist nun hier kein Knecht mehr, sondern eitel Kinder. Sind es aber Kinder, so sind es auch Erben Gottes durch Christum. Sachgebiet: Am Neuen Jahrestage. Evangelium am Nenen Jahrestage, Luc. 2, B. 21. Und da acht Tage um waren, da das Kind beschnitten wurde, da ward sein Name genennet Jesus, welcher genennet war von dem Engel, ehe denn er im Mutterleibe empfangen war. 10 Epistel, Gal. 3, V. 23-29. Ehe denn aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Geset verwahret und verschlossen auf den Glauben, der da sollte offenbaret werden. Also ist das Geset unser Zuchtmeister gewesen auf Christum, daß wir durch den Glauben gerecht würden. Nun aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. Denn ihr seyd alle Gottes Kinder, durch den Glauben an Christum Jeſum. Denn wie viel euer auf Christum getauft sind, die haben Christum angezogen. Hie ist kein Jude noch Grieche, hie ist kein Knecht noch Freier, hie ist kein Mann noch Weib, denn ihr feyd allzumal einer in Christo Jesu. Seyd ihr aber Christi, so send ihr ja Abrahams Saamen, und nach der Verheißung Erben. Evangelium am Sonntage nach dem Neuen Jahre, Matth. 2, V. 13:23. Da sie aber hinweg gezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum, und sprach: Stehe auf, und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir, und fleuch in Egyptenland, und bleib allda, bis ich dir sage. Denn es ist vorhanden, daß Herodes das Kindlein suche, dasselbe umzubringen. Und er stand auf, und Am Sonntage nach dem Neuen Jahre. 11 nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich bei der Nacht, und entwich in Egyptenland. Und blieb allda bis nach dem Tode Herodis. Auf daß erfüllet würde, das der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: Aus Egypten habe ich meinen Sohn gerufen. Da Herodes nun sahe, daß er von den Weisen betrogen war, ward er sehr zornig, und schickte aus, und ließ alle Kinder zu Bethlehem tödten, und an ihren ganzen Grenzen, die da zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er mit Fleiß von den Weisen erlernet hatte. Da ist erfüllet, das gesagt ist von dem Propheten Jeremia, der da spricht: Auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehöret, viel Klagens, Weinens und Heulens! Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, den es war aus mit ihnen. Da aber Herodes gestorben war, siehe da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum, in Egyptenland. Und sprach: Stehe auf und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir, und zeuch hin in das Land Israels; sie sind gestorben, die dem Kinde nach dem Leben standen.- Und er stand auf, und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich, und kam in das Land Israel. Da er aber hörete, daß Archelaus im jüdischen Lande König war anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dahin zu kommen. Und im Traum empfing er Befehl von Gott, und zog in die Derter des Galiläischen Landes, und kam und wohnete in der Stadt, die da heißet Nazareth. Auf daß erfüllet würde, das da gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazarenus heißen. Sachgebiet. Am Sonntage nach dem Neuen Jahre. Epistel, 1. Betri 4, S. 12-19. Ihr Lieben, lasset euch die Hibe, so euch begegnet, nicht befremden( die euch widerfähret, daß ihr versuchet werdet), als widerführe euch etwas Seltsames: Sondern freuet euch, daß ihr mit Christo leidet, auf daß ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben möget. Selig seyd ihr, wenn ihr geschmähet werdet über den Namen Christi, denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruhet auf euch. Bei ihnen ist er verlästert, bei euch ist er gepreiset. Niemand aber unter euch leide als ein Mörder, oder Dieb, oder Ucbeltháter, oder der in ein fremdes Amt greifet. Leidet er aber als ein Christ, ſo scháme er sich nicht, er ehre aber Gott in solchem Fall. Denn es ist Zeit, daß anfahe das Gericht an dem Hause Gottes. So aber zuerst an uns; was wills für ein Ende werden mit denen, die dem Evangelio Gottes nicht glauben? Und so der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottloſe und Sünder erscheinen? Darum, welche da leiden nach Gottes Willen, die sollen ihm ihre Seelen befehlen, als dem treuen Schöpfer, in guten Werken. 12 Evangel. am Sonnt. der Erscheinung Christi( Epiphaniä), Matth. 2, V. 1-12. Da Jesus geboren war zu Bethlehem, im judischen Lande, zur Zeit des Königs Herodis, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenlande gen Jerusalem und sprachen: wo ist der neugeborne König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande, und sind kommen, ihn anzubeten. Am Sonntage der Erscheinung Christi. 13 Da das der König Herodes hörte, erschrack er, und mit ihm das ganze Jerusalem. Und ließ versammeln alle Hohepriester und Schriftgelehrten unter dem Volk, und erforschte von ihnen, wo Christus sollte geboren werden. Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem im júdischen Lande; denn also stehet geschrieben durch den Propheten: Und du Bethlehem im judischen Lande bist mit nichten die kleinste unter den Fürsten Juda; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sey. Da berief Herodes die Weisen heimlich und erlernte mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen máre. Und weisete sie gen Bethlehem, und sprach: ziehet hin, und forschet fleißig nach dem Kindlein, und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, daß ich auch komme, und es anbåte. Als sie nun den König gehöret hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis daß er kam, und stand oben über, da das Kindlein war. Da fie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreuet, und gingen in das Haus, und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder, und beteten es an. Und thaten ihre Schäße auf, und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Und Gott befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken, und zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Land. Epistel, Jes. 60, V. 1-6. Mache dich auf, werde Licht, denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn gehet au Sachaebiet: 14 Am Sonntage der Erscheinung Christi. über dir. Denn siehe, Finsterniß bedecket das Erdreich, und Dunkel die Völker; aber über dir gehet auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheinet über dir. Und die Heiden werden in deinem Lichte wandeln, und die Könige im Glanze, der über dir aufgehet. Hebe deine Augen auf und siehe umher, diese alle versammelt kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen, und deine Tochter zur Seiten erzogen werden. Dann wirst du deine Lust sehen und ausbrechen, und dein Herz wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich die Menge am Meer zu dir bekehret, und die Macht der Heiden zu dir kommt. Denn die Menge der Kameele wird dich bedecken, die Läufer aus Midian und Epha. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen, und des Herrn Lob verkündigen. Evangelium am 1. Sonntage nach Epiphaniä, Lucas 2, V. 42-52. Da Jesus zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf gen Jerusalem, nach Gewohnheit des Festes. Und da die Tage vollendet waren, und sie wieder zu Hause gingen, blieb das Kind Jesus zu Jerusalem, und seine Eltern wußtens nicht. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise und suchten ihn unter den Gefreundten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder gen Jerusalem und suchten ihn. Und es begab sich nach dreien Tagen, fanden sie ihn im Tempel sigen, mitten unter den Lehrern, daß er ihnen zuhörete, und sie fragte, und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich seines Verstan 15 Am 1. Sonntage nach Epiphania. des und seiner Antwort. Und da sie ihn sahen, entsetten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das gethan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Was ists, daß ihr mich gesucht habt? Wisset ihr nicht, daß ich seyn muß in dem, das meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er mit ihnen redete. Und er ging mit ihnen hinab, und kam gen Nazareth, und war ihnen unterthan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. Epistel, Römer 12, S. 1-6. Ich ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sey, welches sey euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf daß ihr prúfen möget, welches da sey der gute, der wohlgefällige, und der vollkommene Gotteswille. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedermann unter euch, daß niemand weiter von sich halte, denn sichs gebühret zu halten: sondern daß er von sich måßig= lich halte, ein jeglicher, nachdem Gott, ausgetheilet hat das Maas des Glaubens. Denn gleicherweise, als wir in einem Leibe viele Glieder haben, aber alle Glieder nicht einerlei Geschäfte haben, also sind wir viele ein Leib in Christo, aber unter einander Sachgebiet. 16 Am 2. Sonntage nach Epiphaniä. ist einer des andern Glied. Und haben mancherlei Gaben, nach der Gnade, die uns gegeben ist. Evangelium am 2. Sonntage nach Epiphaniä, Joh. 2, V. 1:11. Und am dritten Tage ward eine Hochzeit zu Cana in Galilda, und die Mutter Jesu war da; Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht Wein. Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht kommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch saget, das thut. Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt, nach der Weise der jüdischen Reinigung, und gingen je in einen zwei oder drei Maas. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie fülleten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun und bringets dem Speisemeister. Und sie brachtens. Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht von wannen er kam( die Diener aber wußtens, die das Wasser geschöpft hatten), rufet der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann giebt zum ersten guten Wein, und wenn sie trunken worden sind, alsdann den geringeren: du hast den guten Wein bisher behalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus that, geschehen zu Cana in Galiláa, und offenbarete seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. Am 3. Sonntage nach Epiphaniä. Epistel, Römer 12, 3. 7-16. Hat jemand Weissagung, so sey sie dem Glauben áhnlich. Hat jemand ein Amt, so warte er des Amts. Lehret jemand, so warte er der Lehre. Ermahnet jemand, so warte er des Ermahnens. Giebt jemand, so gebe er einfältiglich. Regieret jemand, so sey er sorgfältig. Uebt jemand Barmherzigkeit, so thue ers mit Lust. Die Liebe sey nicht falsch. Hasset das Arge, hanget dem Guten an. Die brúderliche Liebe untereinander sey herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. Seyd nicht tráge, was ihr thun sollt. Seyd brünstig im Geist. Schicket euch in die Zeit. Seyd fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trúbsal, haltet an am Gebet. Nehmet euch der heiligen Nothdurft an. Herberget gerne. Segnet, die euch verfolgen; segnet, und fluchet nicht. Freuct euch mit den Fröhlichen und weinet mit den Weinenden. Habt einerlei Sinn untereinander: Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen. 17 Evangel. am 3. Sonnt. nach Epiphaniä, Matth. 8, V. 1-13. Da Jesus aber vom Berge herab ging, folgete ihm viel Volks nach. Und siehe, ein Aussáßiger kam und betete ihn an, und sprach: Herr, so du willst, kannst du mich wohl reinigen. Und Jesus streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich wills thun; sey gereiniget. Und alsbald ward er von seinem Aussage rein. Und Jesus sprach zu ihm: Siehe zu, sag es niemand, sondern gehe hin und zeige dich dem Priester, und opfere die Gabe, 2 Sachgebiet: 18 Am 3. Sonntage nach Epiphaniä. die Moses befohlen hat zu einem Zeugniß über sie. Da aber Jesus einging zu Capernaum, trat ein Hauptmann zu ihm, der bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gichtbrüchig, und hat große Qual. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht werth, daß du unter mein Dach gehest, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund; denn ich bin ein Mensch, dazu der Obrigkeit unter= than, und habe unter mir Kriegsknechte, und wenn ich sage zu einem: Gehe hin, so gehet er, und und zu zum andern: komme her, so kommt er. meinem Knechte: Thue das, so thut ers. Da das Jesus hörete, verwunderte er sich, und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch, solchen Glauben habe ich in Israel nicht funden. Aber ich sage euch: Biel werden kommen vom Morgen und vom Abend, und mit Abraham, Isaac und Jacob im Himmelreich sitzen. Aber die Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die Finsterniß hinaus, da wird seyn Heulen und Zähnklappen. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Gehe hin, dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht ward gesund zu derselbigen Stunde. Epistel, Römer 12, B. 17-21. Haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Befleißiget euch der Ehrbarkeit gegen jedermann. Sts möglich, so viel an euch ist, so habet mit allen Menschen Friede. Ráchet euch selber nicht, meine Liebsten, sondern Am 4. Sonntage nach Spiphaniä. gebet Raum dem Zorn, denn es stehet geschrieben: Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr. So nun deinen Feind hungert, so speise ihn, dürstet ihn, so tránke ihn. Wenn du das thust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Laß dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. 19 Evangel. am 4. Sonnt. nach Epiphaniä, Matth. 8, V. 23-27. Und Jefus trat in das Schiff und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da erhub sich ein groß Ungestům im Meer, also daß auch das Schifflein mit Wellen bedecket ward, und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm, und weckten ihn auf, und sprachen: Herr, hilf uns, wir verderben. Da sagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seyd ihr so furchtsam? Und stand auf und bedráuete den Wind und das Meer, da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen: Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist? Epistel, Römer 13, 3. 8-10. Seyd niemand nichts schuldig, denn daß ihr euch untereinander liebet; denn wer den andern liebet, der hat das Geset erfüllet. Denn daß da gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht tödten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugniß geben; dich soll nichts gelüsten, und so ein ander Gebot mehr ist, das wird in diesem Wort verfasset: Du sollst deinen Nächsten lieben, als dich selbst. Die Liebe thut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. 2* Sachgebiet. 20 Am 5. Sonntage nach Epiphania. Evangelium am 5. Sonntage nach Epiphaniä, Matth. 13, V. 24-30. Er legte ihnen ein ander Gleichniß vor, und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Saamen auf seinen Acker sácte. Da aber die Leute schliefen, kam sein Feind und fåete Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. Da nun das Kraut wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, hast du nicht guten Saamen auf deinen Acker gesdet? Woher hat er denn das Unkraut? er sprach zu ihnen: Das hat der Feind gethan. Da sprachen die Knechte: Willst du denn, daß wir hingehen und es ausgáten? Er sprach: Nein, auf daß ihr nicht zugleich den Weizen mit ausraufet, so ihr das Unkraut ausgåtet. Lasset beides mit einander wachsen, bis zu der Erndte, und um die Erndtezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuvor das Unkraut und bindet es in Búndlein, daß man es verbrenne, aber den Weizen sammelt mir in meine Scheuern. Epistel, Col. 3, S. 12-17. So ziehet nun an als die Auserwählten Gottes Heilige und Geliebte, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demuth, Sanftmuth, Geduld, und vertraget einer den andern, und vergebet euch untereinander, so jemand Klage hat wider den andern, gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr; über alles aber ziehet an die Liebe, die da das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Gottes regiere in euren Herzen, zu welchem ihr 21 Am Sonntage Septuagesimä. auch berufen seyd in einem Leibe, und seyd dankbar. Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit, lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen, und geistlichen lieblichen Liedern, und singet dem Herrn in euren Herzen. Und alles, was ihr thut, mit Worten oder mit Werken, das thut alles in dem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Evangel. am Sonnt. Septuagesimä, Matth. 20, V. 1-16. Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu miethen in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Tagelohn, fandte er sie in seinen Weinberg. Und ging aus um die dritte Stunde, und sahe andere an dem Markte müssig stehen und sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg, ich will euch geben, was recht ist; und sie gingen bin. Abermal ging er aus um die sechste und neunte Stunde, und that gleich also. Um die eilfte Stunde aber ging er aus und fand andere müssig stehen, und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hier den ganzen Tag müssig? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand gedinget. Er sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg, und was recht seyn wird, das soll euch werden. Da es mun Abend ward, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Schaffner: Rufe den Arbeitern und gieb ihnen den Lohn, und hebe an, an den Leßten bis zu den Ersten. Da kamen die um die eilfte Stunde gedinget waren, und empfing ein jeglicher seinen Sachgebiet. Am Sonntage Septuagesimä. Groschen. Da aber die ersten kamen, meineten sie, sie würden mehr empfangen, und sie empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da sie den empfingen, murrten sie wieder den Hausvater, und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hiße getragen haben. Er antwortete aber, und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich thue dir nicht unrecht; bist du nicht mit mir eins worden um einen Groschen? Nimm, was dein ist, und gehe hin. Ich will aber diesen letzten geben, gleich wie dir; oder habe ich nicht macht zu thun, was ich will, mit dem Meinen? siehest du darum scheel, daß ich so gutig bin? Also werden die Letzten die Ersten, und die Ersten die Letzten seyn. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet. 22 Epistel, 1. Cor. 9, V. 24 bis Cap. 10, V. 5. Wisset ihr nicht, daß die, so in den Schranken laufen, die laufen alle, aber einer erlanget das Kleinod? Laufet nun also, daß ihr es ergreifet. Ein jeglicher aber, der da kämpfet, enthält sich alles Dinges: jene also, daß sie eine vergängliche Krone empfangen, wir aber eine unvergängliche. Ich laufe aber also, nicht als aufs Ungewisse: Ich fechte also, nicht als der in die Luft streichet; sondern ich betäube meinen Leib und zähme ihn, daß ich nicht den andern predige, und selbst verwerflich werde. Ich will euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten, daß unsere Váter sind alle unter der Wolke gewesen, und sind alle durchs Meer Am Sonntage Seragesimä. 23 gegangen, und sind alle unter Mosen getauft mit der Wolke und mit dem Meer, und haben alle einerlei geistige Speise gegessen, und haben alle einerlei geistlichen Trank getrunken. Sie tranken aber von dem geistlichen Fels, der mit folgete, welcher Fels war Christus. Aber an ihrer vielen hatte Gott keinen Wohlgefallen, denn sie sind niedergeschlagen in der Wüsten. Evangelium am Sonntage Seragesimä, Luc. S, V. 4:15. Da nun viel Volks bei einander war, und aus den Städten zu ihm eileten, sprach er durch ein Gleichniß: Es ging ein Sáemann aus zu såen seinen Saamen, und indem er såete, fiel etliches an den Weg und ward vertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßens auf. Und etliches fiel auf den Fels, und da es aufging, verdorrete es, darum, daß es nicht Saft hatte. Und etliches fiel mitten unter die Dornen, und die Dornen gingen mit auf und ersticktens. Und etliches fiel auf ein gut Land und es ging auf und trug hundertfältige Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre. Es fragten ihn aber seine Jünger und sprachen: Was dieses Gleichniß wäre? Er aber sprach: Euch ists gegeben zu wissen das Geheimniß des Reiches Gottes, den andern aber in Gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören. Das ist aber das Gleichniß: Der Saamen ist das Wort Gottes. Die aber an dem Wege sind, das sind, die es hören; darnach kommt der Teufel, und nimmt das Wort von ihrem Am Sonntage Seragesimä. Herzen, auf daß sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels sind die, wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an, und die haben nicht Wurzel, eine zeitlang glauben sie, und zu der Zeit der Unfechtung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel, sind die, so es hören, und gehen hin unter den Sorgen, Reichthum und Wollust dieses Lebens, und ersticken, und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Lande, sind, die das Wort hören und behalten in einem feinen guten Herzen, und bringen Frucht in Geduld. 24 Epistel, 2. Cor. 11, V. 19 bis Sap. 12, S. 9. Denn ihr vertraget gerne die Narren, dieweil ihr flug seyd. Ihr vertraget, so euch jemand zu Knechten machet, so euch jemand schindet, so euch jemand nimmt, so euch jemand trotet, so euch jemand in das Angesicht streichet. Das sage ich nach der Unehre, als wáren wir schwach worden. Worauf nun jemand kühn ist( ich rede in Thorheit), darauf bin ich auch kühn. Sie sind Ebráer, ich auch. Sie sind Israeliten, ich auch. Sie sind Abrahams Saamen, ich auch. Sie sind Diener Christi( ich rede thörlich), ich bin wohl mehr. Ich habe mehr gearbeitet, ich habe mehr Schläge er= litten, ich bin öfter gefangen, oft in Todesnóthen gewesen. Von den Juden habe ich fünfmal empfangen vierzig Streiche weniger eins. Ich bin dreimal gestáupet, einmal gesteiniget, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, Tag und Nacht habe ich zugebracht in der Tiefe( des Meers). Ich habe oft gereiset, ich bin in Fährlichkeit gewesen zu Wasser, 25 Am Sonntage Seragefimä. in Fährlichkeit unter den Mördern, in Fáhrlichkeit unter den Juden, in Fährlichkeit unter den Heiden, in Fährlichkeit in den Städten, in Fährlichkeit in der Wüsten, in Fáhrlichkeit auf dem Meer, in Fährlichkeit unter den falschen Brüdern, in Müh und Arbeit, in vielen Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße. Ohne was sich sonst zuträget, nåmlich daß ich táglich werde angelaufen, und trage Sorge für alle Gemeinen. Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? Wer wird geärgert, und ich brenne nicht? So ich mich je rühmen soll, so will ich mich meiner Schwachheit rühmen. Gott und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, welcher sey gelobet in Ewigkeit, weiß, daß ich nicht luge. Zu Damasco der Landpfleger des Königs Ureta verwahrete die Stadt der Damascer, und wollte mich greifen; und ich ward in einem Korbe zum Fenster aus durch die Mauer niedergelassen, und entrann aus seinen Handen. Es ist mir ja das Rühmen nichts nüße, doch will ich kommen auf die Gesichte und Offenbarungen des Herrn. Ich kenne einen Menschen in Christo vor vierzehn Jahren:( ist er in dem Leibe gewesen, so weiß ichs nicht, oder ist er außer dem Leibe gewesen, so weiß ich es auch nicht, Gott weiß es), derselbe ward entzückt bis in den dritten Himmel. Und ich kenne denselbigen Men= schen( ob er in dem Leibe oder außer dem Leibe gewesen ist, weiß ich nicht, Gott weiß es). Er ward entzücket in das Paradies, und hörete unaussprechliche Worte, welche kein Mensch sagen kann. Davon will ich mich rühmen, von mir selbst aber Sachankint 26 Am Sonntage Quinquagesima. will ich mich nichts rühmen, ohne meiner Schwachheiten. Und so ich mich rühmen wollte, tháte ich darum nicht thörlich, denn ich wollte die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber deß, auf daß nicht jemand mich höher achte, denn er an mir siehet, oder von mir hóret. Und auf daß ich mich nicht der hohen Offenbarung überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlage, auf daß ich mich nicht überhebe, dafür ich dreimal dem Herrn geflehet habe, daß er von mir wiche. Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, aufdaß die Kraft Christi bei mir wohne. Evangelium am Sonntage Quinquagefimä, Luc. 18. V. 31-43. Jesus nahm zu sich die Zwölfe, und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, das geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und geschmáhet und verspeiet werden. Und sie werden ihn geisseln und tödten, und am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen der keines, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was das gesagt war. Es geschah aber, da er nahe zu Jericho kam, saß ein Blinder am Wege und bettelte. Da er aber hórete das Volk, das durchhin ging, forschete er, was das ware? Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber. Und er Am Sonntage Quinquagefimä. rief und sprach: Jesu, du Sohn David, erbarme dich mein: Die aber vorne an gingen, bedráueten ihn, er sollte schweigen. Er aber schrie vielmehr: Du Sohn David, erbarme dich mein. Jesus aber stand stille und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe bei ihn brachten, fragte er ihn, und sprach: Was willst du, das ich dir thun soll? Er sprach: Herr, daß ich sehen möge. Und Jesus sprach zu ihm: Sey sehend, dein Glaube hat dir geholfen. Und alsbald ward er sehend, folgete ihm nach und preisete Gott, und alles Volk, das solches sahe, lobete Gott. 27 Epistel, 1. Cor. 13, V. 1-13. Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tonend Erz, oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen könnte, und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnisse, und hätte allen Glauben, also, daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gåbe, und ließe meinen Leib brennen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mirs nichts nüße. Die Liebe ist langmüthig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Muthwillen, sie blåhet sich nicht, sie stellet sich nicht ungeberdig, sie suchet nicht das ihre, sie lässet sich nicht erbittern, sie trachtet nicht nach Schaden, sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freuet sich aber der Wahrheit. Sie vertråget alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles. Die Liebe hört nimmer auf, so doch die Weissagungen Am ersten Sonntage in der Fasten. aufhören werden, und die Sprachen aufhören werden, und das Erkenntniß aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, und war klug wie ein Kind, und hatte kindische Unschláge; da ich aber ein Mann ward, that ich ab, was kindisch war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jeht erkenne ich's stuckweise, dann aber werde ich es erkennen, gleich wie ich erkennet bin. Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Aber die Liebe ist die größeste unter ihnen. 28 Evangelium am 1. Sonntage in der Fasten( Juvocavit), Matth. 4, V. 1:11. in chi rasat Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführet, auf daß er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, Und er antwortete daß diese Steine Brod werden. und sprach: Es stehet geschrieben: Der Mensch lebet nicht von Brod allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes gehet. Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab; denn es stehet geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl thun, und sie werden Am 1. Sonntage in der Fasten. dich auf den Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stóßest. Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum stehet auch geschrieben: Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen. Wiederum führete ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit. Und sprach zu ihm: Dies alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbátest. Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir, Satan, denn es stehet geschrieben: Du sollst anbåten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen. Da verließ ihn der Teufel, und siehe, da traten die Engel zu ihm und dieneten ihm. 29 Epistel, 2. Cor. 6, V. 1-10. Wir ermahmen aber euch, als mithelfer, daß ihr nicht vergeblich die Gnade Gottes empfahet, denn er spricht: Ich habe dich in der angenehmen Zeit erhöret, und habe dir am Tage des Heils geholfen. Sehet, jeßt ist die angenehme Zeit, jest ist der Tag des Heils. Lasset uns aber niemand irgend ein Nergerniß geben, auf daß unser Umt nicht verlästert werde, sondern in allen Dingen lasset uns beweisen, als die Diener Gottes, in großer Geduld in Trúbsalen, in Nöthen, in Alengsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhren, in Arbeit, in Wachen, in Fasten; in Keuschheit, in Erkenntniß, in Langmuth, in Freundlichkeit, in dem heiligen Geiste, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit, zur Rechten und zur Linken; durch Ehre und Schande, durch böse Gerüchte und gute Gerüchte, 30 Am 2. Sonntage in der Fasten. als die Verführer, und doch wahrhaftig, als die Unbekannten und doch bekannt, als die Sterbenden, und siehe, wir leben, als die Gezüchtigten, und doch nicht ertödtet. Als die Traurigen, aber allezeit fröhlich, als die Armen, aber die doch viel reich machen, als die nichts inne haben, und doch alles haben. Evangelium am 2. Sonntage in der Fasten( Reminiscere), Matth. 15, V. 21-28. Und Jesus ging aus von dannen, und entwich in die Gegend Tyrus und Sidon. Und siehe, ein Cananáisch Weib ging aus derselbigen Grenze und schrie ihm nach, und sprach: Ach Herr, du Sohn David, erbarme dich mein; meine Tochter wird vom Teufel übel geplaget. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: Laß sie doch von dir, denn sie schreiet uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlornen Schafen von dem Hause Israel. Sie kam aber, und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr hilf mir. Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brod nehme und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja Herr, aber doch essen die Hündlein von den Brosamen, die von ihrer Herren Tische fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O Weib, dein Glaube ist groß, dir geschehe, wie du willst. Und ihre Tochter ward gesund zu derselbigen Stunde. Epistel, 1. Thessal. 4, V. 1-7. Weiter, lieben Brüder, bitten wir euch, und ermahnen in dem Herrn Jesu, nachdem ihr von uns Am 3. Sonntage in der Fasten. 31 empfangen habt, wie ihr sollet wandeln, und Gott gefallen, daß ihr immer völliger werdet. Denn ihr wisset, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesum. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, daß ihr meidet die Hurerei, und ein jeglicher unter euch wisse sein Faß zu behalten in Heiligung und Ehren, nicht in der Lustseuche, wie die Heiden, die von Gott nichts wissen. Und daß niemand zu weit greife, noch vervortheile seinen Bruder im Handel, denn der Herr ist Racher über das alles, wie wir euch zuvor gesagt und bezeuget haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung. Evangelium am 3. Sonntage in der Fasten( Oculi), Lucas 11, V. 14-28. Und er trieb einen Teufel aus, der war stumm. Und es geschahe, da der Teufel ausfuhr, da redete der Stumme, und das Volk verwunderte sich. Etliche aber unter ihnen sprachen: Er treibet die Teufel aus durch Beelzebub, den Obersten der Teufel. Die andern aber versuchten ihn und begehrten ein Zeichen von ihm vom Himmel. Er aber vernahm ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Ein jegliches Reich, so es mit ihm selbst uneins wird, das wird wüste, und ein Haus fället über das andere. Ist denn der Satanas auch mit ihm selbst uneins, wie will sein Reich bestehen? dieweil ihr saget, ich treibe die Teufel aus durch Beelzebub. So ich aber die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben sie eure Kinder aus? Darum werden sie eure Richter seyn. So ich aber durch Am 3. Sonntage in der Fasten. Gottes Finger die Teufel austreibe, so kommt je das Reich Gottes zu euch. Wenn ein starker Gewappneter seinen Pallast bewahret, so bleibet das Seine mit Frieden; wenn aber ein stárkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen Harnisch, worauf er sich verließ, und theilet den Raub aus. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet. Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfähret, so durchwandert er dürre Státte, suchet Ruhe, und findet ihrer nicht; so spricht er: ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin. Und wann er kommt, so findet ers mit Besemen gekehret und geschmucket. Dann gehet er hin und nimmt sieben Geister zu sich, die árger sind, denn er selbst; und wenn sie hinein kommen, wohnen sie da, und wird hernach mit demselbigen Menschen árger, denn vorhin. Und es begab sich, da er solches redete, erhub ein Weib im Volke die Stimme, und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast. Er aber sprach: Ja selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. 32 Epistel, Ephejer 5, V, 1-9. So send nun Gottes Nachfolger, als die lieben Kinder, und wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns geliebet hat und sich selbst dargegeben für uns zur Gabe und Opfer, Gott zu einem süßen Geruch. Hurerei aber und alle unreinigkeit, oder Geiz, lasset nicht von euch gesaget werden, wie den Heiligen zustehet: auch schandbare Worte und Am 4. Sonntage in der Fasten. 33 Narrentheidinge, oder Scherz, welche euch nicht ziemen, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer noch Unreiner, oder Geiziger( welcher ist ein Göbendiener), Erbe hat an dem Reiche Christi und Gottes. Lasset euch niemand verführen mit vergeblichen Worten, denn um dieser willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Darum seyd nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr waret weiland Finsterniß, nun aber seyd ihr ein Licht in dem Herrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts. Die Frucht des Geistes ist allerlei Gútigkeit und Wahrheit. Evangelium am 4. Sonntage in der Fasten( Lätare), Joh. 6, V. 1:15. Darnach fuhr Jesus weg über das Meer an der Stadt Ziberias in Galiláa, und es zog ihm viel Volks nach, darum, daß sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken that. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich daselbst mit seinen Jungern. Es war aber nahe die Ostern, der Juden Fest. Da hub Jesus seine Augen auf und siehet, daß viel Volks zu ihm kömmt, und spricht zu Philippo: Wo kaufen wir Brod, daß diese essen? ( Das sagte er aber, ihn zu versuchen, denn er wußte wohl, was er thun wollte). Philippus antwortete ihm: Zweihundert Pfennige werth Brodes ist nicht genug unter sie, daß ein jeglicher ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder Simonis Petri: es ist ein Knabe hie, der hat fünf Gerstenbrode und zween Fische, aber was ist das unter so viele? Jesus 3 34 Am 4. Sonntage in der Fasten. aber sprach: Schaffet, daß sich das Volk lagere. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich bei fünftausend Mann. Jesus aber nahm die Brode, dankte und gab sie den Jüngern, die Júnger aber denen, die sich gelagert hatten. Desselbigen gleichen auch von den Fischen, wie viel er wollte. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen Süngern: Sammlet die übrigen Brocken, daß nichts umkomme. Da sammelten sie und fülleten zwölf Körbe mit Brocken, von den fünf Gerstenbroden, die überblieben denen, die gespeiset wurden. Da nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus that, sprachen sie: das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, daß sie kommen würden und ihn haschen, daß sie ihn zum Könige machten, entwich er abermal auf den Berg, er selbst alleine. Spook Epistel, Gal. 4, 3. 22-31. Denn es stehet geschrieben, daß Abraham zween Söhne hatte, einen von der Magd, den andern von der Freien. Aber der von der Magd war, ist nach dem Fleisch geboren, der aber von der Freien ist durch die Verheißung geboren. Die Worte bedeuten etwas, denn das sind die zwei Testamente, eins von dem Berge Sinai, das zur Knechtschaft gebieret, welches ist die Agar. Denn Agar heißt in Arabia der Berg Sinai, und langet bis gen Jerusalem, das zu dieser Zeit ist, und ist dienstbar mit seinen Kindern. Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie, die ist unser aller Mutter. Denn es stehet geschrieben: sey fröhlich Am 5. Sonntage in der Fasten. 35 du Unfruchtbare, die du nicht gebierest, und brich hervor und rufe, die du nicht schwanger bist. Denn die Einsame hat viel mehr Kinder, denn die den Mann hat. Wir aber, lieben Brüder, sind Isaaks, nach der Verheißung Kinder. Aber gleich wie zu der Zeit, der nach dem Fleisch geboren war, verfolgete den, der nach dem Geist geboren war, also gehet es jetzt auch. Aber was sagt die Schrift? Stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohn, denn der Magd Sohn soll nicht erben mit dem Sohn der Freien. So sind wir nun, lieben Brüder, nicht der Magd Kinder, sondern der Freien. Evangelium am 5. Sonntage in der Fasten( Jndica), Joh. 8, B. 46:59. Jesus sprach zu den Juden: Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? So ich euch aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der höret Gottes Wort; darum höret ihr nicht, denn ihr seyd nicht von Gott. Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist, und hast den Teufel? Jesus antwortete: Ich hebe keinen Teufel, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr unehret mich. Ich suche nicht meine Ehre; es ist aber einer, der sie suchet und richtet. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: so Jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Da sprachen die Juden zu ihm: Nun erkennen wir, daß du den Teufel hast. Abraham ist gestorben, und die Propheten, und du sprichst: So Jemand mein Wort hålt, der wird den Tod 3* 36 Am 5. Sonntage in der Fasten. nicht schmecken ewiglich. Bist du mehr, denn unser Vater Abraham, welcher gestorben ist, und die Propheten sind gestorben? Was machst du aus dir selbst? Jesus antwortete: So ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehret, welchen ihr sprecht, er sey euer Gott, und kennet ihn nicht; ich aber kenne ihn. Und wo ich würde sagen, ich kenne sein nicht, so würde ich ein Lügner, gleichwie ihr seyd. Aber ich kenne ihn, und halte sein Wort. Abraham, euer Vater, ward froh, daß er meinen Tag sehen sollte, und er sahe ihn, und freuete sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht funfzig Jahre alt, und hast Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: ehe denn Abraham ward bin ich. Da hoben sie Steine auf, daß sie auf ihn würfen. Über Jesus verbarg sich und ging zum Tempel hinaus. Epistel, Hebr. 9, V. 11-15. Christus aber ist kommen, daß er sey ein Hoherpriester der zukünftigen Güter, durch eine größere und vollkommenere Hütte, die nicht mit der Hand gemacht ist, das ist, die nicht also gebauet ist; auch nicht durch der Böcke oder Kälber Blut, sondern er ist durch sein eigenes Blut einmal in das Heilige eingegangen, und hat eine ewige Erlösung erfunden. Denn so der Ochsen und der Bocke Blut, und die Asche von der Kuh gesprenget, heiliget die Unreinen zu der leiblichen Reinigkeit, wie viel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst ohne allen Wandel, durch den heiligen Am Palmsonntage. 37 Geist Gott geopfert hat, unser Gewissen reinigen von den todten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott? Und darum ist er auch ein Mittler des neuen Testaments, auf daß durch den Cod, so geschehen ist zur Erlösung von den Uebertretungen, die unter dem ersten Testament waren, die, so berufen sind, das verheißene ewige Erbe empfangen. Evangelium am Balmsonntage, Matth. 21, V. 1-9. Da sie nun nahe bei Jerusalem kamen, gen Bethphage an den Delberg, sandte Jesus seiner Jünger zween, und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und bald werdet ihr eine Eselin finden angebunden, und ein Füllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir. Und so euch jemand etwas wird sagen, so sprechet: Der Herr bedarf ihrer, sobald wird er sie euch lassen. Das geschah aber alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Saget der Tochter Zion, siehe dein König kommt zu dir sanftmüthig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin. Die Jünger gingen hin und thaten, wie ihnen Jesus befohlen hatte. Und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und setzten ihn drauf. Uber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg. Die anderen hieben Zweige von den Bäumen und streueten sie auf den Weg. Das Volk aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohn David! gelobet sey, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! Am grünen Donnerstage. Epistel, Phil. 2, V. 5:11. Ein jeglicher sey gesinnet, wie Jesus Christus auch war. Welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, hielt er's nicht für einen Raub, Gott gleich seyn, sondern außerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch, und an Geberden als ein Mensch erfunden. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöhet, und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist: daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen alle Kniee derer, die im Himmel und auf Erden und unter der Erden sind; und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sey, zur Ehre Gottes des Vaters. 38 Evangelium am grünen Donnerstage, Joh. 13, V. 1-15. Vor dem Fest aber der Ostern, da Jesus erkannte, daß seine Zeit gekommen war, daß er aus dieser Welt ginge zum Vater, wie er hatte geliebet die Seinen, die in der Welt waren, so liebete er sie bis an's Ende. Und nach dem Abendessen, da schon der Teufel hatte dem Juda Simonis Ischarioth in das Herz gegeben, daß er ihn verriethe, wußte Jesus, daß ihm der Vater hatte alles in seine Hände gegeben, und daß er von Gott gekommen war und zu Gott ging; stand er vom Abendmahl auf, legte seine Kleider ab, nahm einen Schurz und umgürtete sich. Darnach goß er Wasser in ein Becken, hub an den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, damit er umgürtet war. Da kam er zu Simon Petro, und Am grünen Donnerstage. 39 derselbige sprach zu ihm: Herr, solltest du mir meine Füße waschen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich thue, das weißt du jest nicht, du wirst es aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen. Jesus antwortete ihm: Werde ich dich nicht waschen, so hast du kein Theil an mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt. Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, der darf nicht, denn die Füße waschen, sondern er ist ganz rein: und ihr seyd rein, aber nicht alle. Denn er wußte seinen Verräther wohl; darum sprach er: Ihr seyd nicht alle rein. Da er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und sette sich wieder nieder, und sprach abermal zu ihnen: Wisset ihr, was ich euch gethan habe? Ihr heißt mich Meister und Herr? und saget recht daran: denn ich bin es auch. So nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollet ihr auch euch unter einander die Füße waschen. Ein Beiſpiel habe ich euch gegeben, daß ihr thut, wie ich euch gethan habe. Epistel, 1. Cor. 11, S. 23-32. Ich habe es von dem Herrn empfangen, das ich euch gegeben habe. Denn der Herr Jesus in der Nacht, da er verrathen ward, nahm er das Brod, dankete und brach es, und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird, solches thut zu meinem Gedächtniß. Desselbigen= gleichen auch den Kelch, nach dem Abendmahl, und sprach: Dieser Kelch ist das neue Testament 40 Am heiligen Ostertage. in meinem Blute; solches thut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtniß. Denn so oft ihr von diesem Brod esset und von diesem Kelch trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. Welcher nun unwürdig von diesem Brod isset, oder von dem Kelch des Herrn trinket, der ist schuldig an dem Leib und Blut des Herrn. Der Mensch prüfe aber sich selbst, und also esse er von diesem Brod und trinke von diesem Kelch. Denn welcher unwürdig isset und trinket, der isset und trinket ihm selber das Gericht, damit, daß er nicht unterscheidet den Leib des Herrn. Darum sind auch so viel Schwache und Kranke unter euch, und ein gut Theil schlafen. Denn so wir uns selber richten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem Herrn gezüchtiget, auf daß wir nicht sammt der Welt verdammet werden. Evangelium am heiligen Ostertage, Marc. 16, V. 1-8. Da der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena, und Maria Jacobi, und Salome Specereien, auf daß sie kámen und salbeten ihn. Und sie kamen zum Grabe an einem Sabbater sehr frühe, da die Sonne aufging. Und sie sprachen unter einander: Wer wälzet uns den Stein von des Grabes Thúr? Und sie sahen dahin und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzet war, denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sißen, der hatte ein lang weiß Kleid an, und sie entsetten sich. Er aber sprach zu ihnen: entsetzet Am heiligen Oster- Montage. 41 euch nicht. Ihr suchet Jesum von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, und ist nicht hie; siehe da die Státte, da sie ihn hinlegten. Gehet aber hin, und saget es seinen Jüngern und Petro, daß er vor euch hingehen wird in Galilda: da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesaget hat. Und sie gingen schnell heraus und flohen von dem Grabe, denn es war sie Zittern und Entſetzen ankommen, und sagten niemand nichts, denn sie fürchteten sich. Epistel, 1. Cor. 5, V. 7-8. Feget den alten Sauerteig aus, auf daß ihr ein neuer Teig seyd, gleichwie ihr ungesäuert seyd. Denn wir haben auch ein Osterlamm, das ist Christus, für uns geopfert. Darum lasset uns Ostern halten, nicht im alten Sauerteige, auch nicht im Sauerteige der Bosheit und Schalkheit, sondern in dem Süßteige der Lauterkeit und der Wahrheit. Evangel. am heiligen Oster- Montage, Luc. 24, 3. 13:35. Und siehe, zween aus ihnen gingen an demselbigen Tage in einen Flecken, der war von Jerusalem sechszig Feldwegs weit, deß Name heißet Emmaus, und sie redeten mit einander von allen diesen Geschichten. Und es geschahe, da sie so redeten, und befragten sich mit einander, nahete Jesus zu ihnen, und wandelte mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht kannten. Er aber sprach zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr zwischen euch handelt unterwegs, und seyd so traurig? Da antwortete einer, mit Namen Cleophas, und Am heiligen Oster- Montage. sprach zu ihm: Bist du allein unter den Fremdlingen zu Jerusalem, der nicht wisse, was in diesen Tagen drinnen geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Welches? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jesu von Nazareth, welcher war ein Prophet, mächtig von Thaten und Worten vor Gott und allem Volk. Wie ihn unsere Hohenpriester und Obersten überantwortet haben zur Verdammniß des Todes, und gekreuziget. Wir aber hoffeten, er sollte Israel erlösen. Und über das alles ist heute der dritte Tag, da solches geschehen ist. Auch haben uns erschreckt etliche Weiber der unsern, die sind frühe bei dem Grabe gewesen, haben seinen Leib nicht funden, kommen und sagen, sie haben ein Gesicht der Engel gesehen, welche sagen, er lebe. Und etliche unter uns gingen hin zum Grabe und fanden es also, wie die Weiber sagten, aber ihn fanden sie nicht. Und er sprach zu ihnen: O ihr Thoren und träges Herzens, zu glauben alle dem, das die Propheten geredet haben. Mußte nicht Christus solches leiden, und zu seiner Herrlichkeit eingehen? und fing an von Mose und allen Propheten, und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren. Und sie kamen nahe zum Flecken, da sie hingingen, und er stellete sich, als wollte er fürder gehen. Und sie nöthigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brod, dankete, brachs, und gabs ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und erkennete ihn. Und er 42 Am heiligen Oster- Montage. 43 verschwand vor ihnen. Und sie sprachen unter einander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete? Und sie standen auf zu derselbigen Stunde, kehreten wieder gen Jerusalem und fanden die Eilfe versammelt, und die bei ihnen waren, welche sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simoni erschienen. Und sie erzähleten ihnen, was auf dem Wege geschehen war, und wie er von ihnen erkannt wäre, an dem, da er das Brod brach. Epistel, Apost.- Gesch. 10, B. 34-41. Petrus aber that seinen Mund auf und sprach: Nun erfahre ich mit der Wahrheit, daß Gott die Person nicht ansiehet; sondern in allerlei Volk, wer ihm fürchtet und recht thut, der ist ihm ange= nehm. Thr wisset wohl von der Predigt, die Gott zu den Kindern Israel gesandt hat, und verkündigen lassen den Frieden durch Jesum Christum, welcher ist ein Herr über alles. Die durch das ganze jüdische Land geschehen ist, und angegangen in Galiláa, nach der Taufe, die Johannes predigte. Wie Gott denselbigen Jefum von Nazareth gesalbet hat mit dem heiligen Geiste und Kraft, der umher gezogen ist, und hat wohl gethan und gesund gemacht alle, die vom Teufel überwältigt waren, denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen alles deß, daß er gethan hat im jüdischen Lande, und zu Jerusalem. Den haben sie getödtet und an ein Holz gehangen. Denselbigen hat Gott auferwecket am dritten Tage, und ihn lassen offenbar werden, nicht 44 Am 1. Sonntage nach Ostern. allem Volk, sondern uns, den vorerwählten Zeugen von Gott, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden ist von den Todten. Evangel. am 1. Sonntage nach Ostern( Quasimodogeniti), Joh. 20, V. 19-23. Am Abend aber desselbigen Sabbats, da die Júnger versammelt und die Thüren verschlossen waren, aus Furcht vor den Juden, kam Jesus, und trat mitten ein, und spricht zu ihnen: Friede sey mit euch! Und als er das sagete, zeigte er seine Hände und seine Seiten. Da wurden die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermal zu ihnen: Friede sey mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das sagte, blies er sie an, und spricht zu ihnen: Nehmet Hin den heiligen Geist; welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Epistel, 1. Joh. 5, V. 4:10. Denn alles was von Gott geboren ist, überwindet die Welt, und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Wer ist aber, der die Welt überwindet, ohne der da glaubet, daß Jesus Gottes Sohn ist? Dieser ists, der da kommt mit Wasser und Blut, Jesus Christus, nicht mit Wasser allein, sondern mit Wasser und Blut. Und der Geist ists, der da zeuget, daß Geist Wahrheit ist. Denn drei sind, die da zeugen im Himmel: der Vater, das Wort und der heilige Geist, und diese drei sind eins. Und drei sind, die da zeugen auf Erden: Am 2. Sonntage nach Ostern. 45 Der Geist und das Wasser und das Blut, und die drei sind beisammen. So wir der Menschen Zeugniß annehmen, so ist Gottes Zeugniß größer, denn Gottes Zeugniß ist das, daß er gezeuget hat von seinem Sohne. Wer da glaubet an den Sohn Gottes, der hat solches Zeugniß bei ihm. Evangelium am 2. Sonntage nach Ostern( Misericordias Domini), Joh. 10, B. 12-16. Ich bin ein guter Hirte: Ein guter Hirte låsset sein Leben für die Schafe. Ein Miethling aber, der nicht Hirte ist, deß die Schafe nicht eigen sind, siehet den Wolf kommen, und verlässet die Schafe und fleucht, und der Wolf erhaschet und zerstreuet die Schafe. Der Miethling aber fleucht, denn er ist ein Miethling und achtet der Schafe nicht. Ich bin ein guter Hirte und erkenne die Meinen, und bin bekannt den Meinen, wie mich mein Vater kennet, und ich kenne den Vater, und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus dieſem Stalle, und dieselben muß ich herführen, und sie werden meine Stimme hören. Und wird eine Heerde und ein Hirte werden. Epistel, 1. Betri 2, V. 21-25. Denn dazu seyd ihr berufen, sintemal auch Christus gelitten hat für uns und uns ein Vorbild gelassen, daß ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden. Welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht dráuete, 46 Am 3. Sonntage nach Ostern. da er litte; er stellete es aber dem heim, der da recht richtet; welcher unsere Sünde selbst geopfert hat an seinem Leibe auf dem Holz, auf daß wir der Sunde abgestorben, der Gerechtigkeit leben; durch welches Wunder ihr seyd heil geworden. Denn ihr waret wie die irrenden Schafe; aber ihr seyd nun bekehret zu dem Hirten und Bischofe eurer Seelen. Evangelium am 3. Sonntage nach Ostern( Jubilate), Joh. 16, V. 16-23. Ueber ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen, denn ich gehe zum Vater. Da sprachen Etliche unter seinen Jüngern unter einander: Was ist das, daß er saget zu uns: Ueber ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen, und daß ich zum Vater gehe? Da sprachen sie: Was ist das, daß er saget, über ein Kleines? Wir wissen nicht, was er redet. Da merkte Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fraget ihr untereinander, daß ich gesagt habe: Ueber ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen; ihr aber werdet traurig seyn, doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehret werden. Ein Weib, wenn sie gebieret, so hat sie Traurigkeit, denn ihre Stunde ist kommen; wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist. Und Am 4. Sonntage nach Ostern. 47 ihr habt auch nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll Niemand von euch nehmen, und an demselbigen Tage werdet ihr mich nicht fragen. Epistel, 1. Petr. 2, 3. 11-17. Lieben Brüder, ich ermahne euch, als die Fremd= linge und Pilgrimme: Enthaltet euch von fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten, und führet einen guten Wandel unter den Heiden, auf daß die, so von euch afterreden, als von Uebelthátern, eure guten Werke sehen und Gott preiſen, wenn es nun an den Tag kommen wird. Seyd unterthan aller menschlichen Ordnung, um des Herrn willen, es sey dem Könige als dem Obersten, oder den Hauptleuten, als den Gesandten von ihm, zur Rache über die Uebelthäter, und zu Lobe den Frommen. Denn das ist der Wille Gottes, daß ihr mit Wohlthun verstopfet die Unwissenheit der thörichten Menschen, als die Freien, und nicht als hättet ihr die Freiheit zum Deckel der Bosheit, sondern als die Knechte Gottes. Thut Ehre Jedermann. Habt die Brüder lieb. Fürchtet Gott. Ehre den König. Evangelium am 4. Sonntage nach Ostern( Cantate), Joh. 16, V. 5:15. Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und Niemand unter euch fraget mich: Wo gehest du hin? Sondern dieweil ich solches zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Traurens worden. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch gut, 48 Am 4. Sonntage nach Ostern. daß ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, fo kommt der Tröster nicht zu euch. So ich aber hingehe, will ich ihn zu euch senden. Und wann derselbige kommt, der wird die Welt strafen um die Sünde, und um die Gerechtigkeit und um das Gerichte. Um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich. Um die Gerechtigkeit aber, daß ich zum Vater gehe, und ihr mich fort nicht sehet. Um das Gerichte, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnets jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht von ihm selber reden, sondern, was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Derselbige wird mich verklären, denn von dem Meinen wird ers nehmen, und euch. verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein; darum habe ich gesagt: Er wirds von dem Meinen nehmen und euch verkündigen. Epistel, Jac. 1, v. 17:21. Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und Finsterniß. Er hat uns gezeuget nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, auf daß wir waren Erstlinge seiner Kreaturen. Darum, lieben Brüder, ein jeglicher Mensch sey schnell zu hören, langsamsaber zu reden, und langsam zum Zorn. Denn des Menschen Zorn thut nicht, was vor Gott recht ist. Darum so leget ab alle Am 5. Sonntage nach Ostern. 49 Unsauberkeit und alle Bosheit, und nehmet das Wort an mit Sanftmuth, das in euch gepflanzet ist, welches kann eure Seelen felig machen. Evangelium am 5. Sonntage nach Ostern( Rogate), Joh. 16, V. 23= 30. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, fo wird ers euch geben. Bisher habt ihr nichts ge= beten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß meine Freude vollkommen sei. Solches habe ich zu euch durch Sprichwort geredet, es kommt aber die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprichwort mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. An demselbigen Tage werdet ihr bitten in meinem Namen: und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum, daß ihr mich liebet und glaubet, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und kommen in die Welt: wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater. Sprechen zu ihm seine Júnger: Siehe, nun redest du frei heraus, und sagest kein Sprichwort. Nun wissen wir, daß du alle Dinge weißest, und be= darfest nicht, daß dich jemand frage, darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist. Epistel, Jac. 1, S. 21= 27. Send aber Tháter des Worts, und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbst betrüget. Denn so jemand ist ein Hörer des Worts, und nicht ein 4 Am Tage der Himmelfahrt Christi. Thater, der ist gleich einem Mann, der sein leiblich Angesicht im Spiegel beschauet. Denn nachdem er sich beschauet hat, gehet er davon, und vergiffet von Stund an, wie er gestaltet war. Wer aber durchschauet in das vollkommene Gesetz der Freiheit, und darin beharret, und ist nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thåter, derselbige wird selig sein in seiner That. So aber sich jemand unter euch lässet dúnken, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern verführet sein Herz, deß Gottesdienst ist eitel. Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott dem Vater ist der, die Waisen und Witwen in ihrem Trubsal besuchen und sich von der Welt unbefleckt behalten. 50 Evangelium am Tage der Himmelfahrt Christi, Marci 16, V. 14-20. Buleßt, da die Eilfe zu Tische saßen, offenbarete er sich, und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härtigkeit, daß sie nicht geglaubet hatten denen, die ihn gesehen hatten auferstanden. Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden. Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: In meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Zungen reden, Schlangen vertreiben, und so sie etwas Códtliches trinken, wirds ihnen nicht schaden. Auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wirds besser mit ihnen werden. Und der Herr, nachdem er mit ihnen Am Tage der Himmelfahrt Christi. geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel, und sitet zur rechten Hand Gottes. Sie aber gingen aus und predigten an allen Orten, und der Herr wirkete mit ihnen, und bekräftigte das Wort durch mitfolgende Zeichen. 51 Epistel, Apost.- Gesch. 1, B. 1-11. Die erste Rede habe ich zwar gethan, lieber Theophile, von alle dem, das Jesus anfing, beides zu thun und zu lehren, bis an den Tag, da er aufgenommen ward, nachdem er den Aposteln( welche er hatte erwählet), durch den heiligen Geist Befehl gethan hatte. Welchen er sich auch nach seinem Leiden lebendig erzeiget hatte, durch mancherlei Erweisung, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang, und redete mit ihnen vom Reiche Gottes. Und als er sie versammelt hatte, befahl er ihnen, daß sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die Verheißung des Baters, welche ihr habt gehöret( sprach er) von mir. Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem heiligen Geist getauft werden, nicht lange nach diesen Tagen. Die aber, so zusammen kommen waren, fragten ihn, und sprachen: Herr, wirst du auf diese Zeit wieder aufrichten das Reich Israel? Er aber sprach zu ihnen: Es gebühret euch nicht zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat, sondern ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfahen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen seyn zu Jerusalem, und in ganz Judáa und Samaria, und bis an das Ende der Erde. Und da er 4* Am 1. Sonntage nach Ostern. solches gesagt, ward er aufgehoben zusehens, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen gen Himmel fahren, siehe, da standen bei ihnen zween Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten: Ihr Männer von Galilda, was stehet ihr und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren. 52 Evangelium am 6. Sonntage nach Ostern( Erandi), Joh. 15, V. 26, bis Kap. 16, V. 4. Wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgehet, der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen, denn ihr seyd von Anfang bei mir gewesen. Solches habe ich zu euch geredet, daß ihr euch nicht árgert. Sie werden euch in den Bann thun. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tódtet, wird meinen, Und solches er thue Gott einen Dienst daran. werden sie euch darum thun, daß sie weder meinen Vater noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, auf daß, wenn die Zeit kommen wird, daß ihr daran gedenket, daß ichs euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt, denn ich war bei euch. Epistel, 1. Petri 4, S. 8:11. So send nun máßig und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen aber habt untereinander eine brünstige Liebe; denn die Liebe decket auch der Am heiligen Pfingsttage. 53 Sünden Menge. Seyd gastfrei untereinander, ohne Murmeln, und dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gaben Gottes. So jemand redet, daß ers rede, als Gottes Wort. So jemand ein Amt hat, daß ers thue, als aus dem Vermögen, das Gott darreichet, auf daß in allen Dingen Gott gepreiset werde, durch Jesum Christ, welchem sey Ehre und Gewalt, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Evangel. am heiligen Pfingsttage, Joh. 14, V. 23:31. Wer mich liebet, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Wer aber mich nicht liebet, der hält mein Wort nicht. Und das Wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Solches habe ich zu euch geredet, weil ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, derselbige wirds euch alles lehren, und euch errinnern alles deß, das ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt giebt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Ihr habt gehöret, daß ich euch gesagt habe: Ich gehe hin, und komme wieder zu euch. Háttet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe: Ich gehe zum Vater; denn der Vater ist größer, denn ich. Und nun habe ichs euch gesaget, ehe denn es geschieht, auf daß, wenn es nun geschehen 54 Am heiligen Pfingsttage. wird, daß ihr glaubet. Ich werde hinfort nicht viel mehr mit euch reden, denn es kommt der Fürst dieser Welt, und hat nichts an mir. Aber, daß die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe, und ich also thue, wie mir der Vater geboten hat. Stehet auf und lasset uns von hinnen gehen. Epistel, Apost.- Gesch. 2, v. 1-13. Und als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmüthig bei einander. Und es geschahe schnell ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllete das ganze Haus, da sie saßen. Und man sahe an ihnen die Zungen zertheilet, als wären sie feurig; und er sette sich auf einen jeglichen unter ihnen; und wurden alle voll des heiligen Geistes, und fingen an zu predigen mit anderen Zungen, nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es waren aber Juden, zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer, aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschahe, kam die Menge zusammen, und wurden verstürzt: denn es hörte ein jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten. Sie entsetten sich aber alle, verwunderten sich, und sprachen untereinander: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiláa? Wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache, darinnen wir geboren sind? Parther und Meder, und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamia, und in Judáa, und Cappadocia, Ponto und Asia, Phrygia und Pamphylia, Egyp= ten und an den Enden der Lybien bei Cyrenen, 55 Am Pfingst Montage. und Ausländer von Rom, Juden und Judengenossen, Creter und Araber, wir hören sie mit unsern Zungen die großen Thaten Gottes reden. Sie entsetten sich alle, und wurden irre, und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Die andern aber hatten es ihren Spott. und sprachen: Sie sind voll süßen Weins. Evangelium am Pfingst- Montage, Joh. 4, V. 16-21. Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubet, der wird nicht gerichtet, wer aber nicht glaubet, der ist schon gerichtet, denn er glaubet nicht an den Namen des eingebornen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gerichte, daß das Licht in die Welt kommen ist, und die Menschen liebeten die Finsterniß mehr, denn das Licht, denn ihre Werke waren böse. Denn wer Arges thut, der hasset das Licht und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht gestraft werden. Wer aber die Wahrheit thut, der kommt an das Licht, daß seine Werke offenbar werden, denn sie sind in Gott gethan. Epistel, Apost.- Gesch. 10, V. 42-48. Und der Herr hat uns geboten zu predigen dem Volk, und zu zeugen, daß er ist verordnet von Gott, ein Richter der Lebendigen und der Todten. 56 Am Sonntage Trinitatis. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfahen sollen. Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der heilige Geist auf alle, die dem Worte zuhöreten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung die mit Petro kommen waren, entseşten sich, daß auch auf die Heiden die Gabe des heiligen Geistes ausgegossen ward, denn sie höreten, daß sie mit Zungen redeten, und Gott hoch preiseten. Da antwortete Petrus: Mag auch Jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getauft werden, die den heiligen Geist empfangen haben, gleichwie auch wir? Und befahl sie zu taufen im Namen des Herrn. Evangelium am Sonntage Trinitatis, Johs. 3, V. 1:15. Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern, mit Namen Nicodemus, ein Oberster unter den Juden, der kam zu Jesu bei der Nacht, und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du bist ein Lehrer von Gott gekommen, denn niemand kann die Zeichen thun, die du thust, es sey denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sey denn, daß Jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nicodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen, und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, Wahrlich, ich sage dir: Es sey denn, daß Jemand geboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Am Sonntage Trinitatis. Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch, und was vom Geist geboren wird, das ist Geist. Laß dich es nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsset von neuem geboren werden. Der Wind bláset, wo er will, und du hörest sein Sausen wohl, aber du weißt nicht, von wannen er kommt, und wohin er fährt. Also ist ein Jeglicher, der aus dem Geist geboren ist. Nicodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag solches zugehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du ein Meister in Israel, und weißt das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden: das wir wissen, und zeugen, das wir gesehen haben, und ihr nehmet unser Zeugniß nicht an. Glaubet ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde? Und niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel hernieder gekommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist. Und wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhet hat, also muß des Menschen Sohn erhöhet werden, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. 57 Epistel, Röm. 11, 3. 33-36. O welch eine Tiefe des Reichthums, beides der Weisheit und Erkenntniß Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte, und unerforschlich seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt? Oder wer ist sein Rathgeber gewesen? Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, das ihm werde wieder vergolten? Denn von ihm und durch ihn, 58 Am 1. Sonntage nach Trinitatis. und in ihm sind alle Dinge. Ihm sey Ehre in Ewigkeit. Amen. Evangelium am 1. Sonntage nach Trinitatis, Luc. 16, B. 19= 31. Es war ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur und köstlicher Leinwand, und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Thür voller Schwären, und begehrte sich zu sáttigen von den Brosamen, die von des Reichen Tische fielen; doch kamen die Hunde und leckten ihm seine Schwären. Es begab sich aber, daß der Arme starb, und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schoos. Der Reiche aber starb auch, und ward begraben. Als er nun in der Hölle und in der Qual war, hob er seine Augen auf, und sahe Abraham von ferne, und Lazarum in seinem Schoos, rief und sprach: Bater Abraham, erbarme dich mein, und sende Lazarum, daß er das äußerste seines Fingers ins Wasser tauche, und kühle meine Zunge; denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Gedenke Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, und Laza= rus dagegen hat Böses empfangen; nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeiniget. Und über das alles ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestiget, daß die da wollten von hinnen hinab fahren zu euch, können nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüber fahren. Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus. Denn ich habe noch fünf Am 2. Sonntage nach Trinitatis. 59 Brüder, daß er ihnen bezeuge, auf daß sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. Abraham sprach zu ihm: Sie haben Mosen und die Propheten; laß sie dieselben hóren. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham; sondern wenn einer von den Todten zu ihnen ginge, so würden sie Buße thun. Er aber sprach zu ihm: Hören sie Mosen und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, ob Jemand von den Todten auferstünde. Epistel, 1. Joh. 4, S. 16-21. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. Daran ist die Liebe völlig bei uns, auf daß wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts, denn gleichwie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibet die Furcht aus, denn die Furcht hat Pein; wer sich aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe. Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebet. So jemand spricht: ich liebe Gott, und hasset seinen Bruder, der ist ein Lügner, denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dies Gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebet, daß er auch seinen Bruder liebe. Evangelium am 2. Sonntage nach Trinitatis, Luc. 14, 3. 16-24. Es war ein Mensch, der machte ein groß Abendmahl, und lud viel dazu. Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls zu sagen den Am 2. Sonntage nach Trinitatis. Geladenen: Kommet denn es ist alles bereit. Und fie fiengen an alle nach einander sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft, und muß hinausgehen, und ihn besehen: ich bitte dich, entschuldige mich. Und der andere sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und ich gehe jezt hin, sie zu besehen, ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus bald auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Krüppel, und Lahmen und Blinden herein. Und der Knecht sprach: Herr es ist geschehen, was du befohlen hast, es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe aus auf die Landstraßen und an die Záune, und nöthige fie, herein zu kommen, auf daß mein Haus voll werde. Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken wird. 60 Epistel, 1. Joh. 3, V. 13-18. Verwundert euch nicht, meine Brüder, ob euch die Welt hafset. Wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben kommen sind, denn wir lieben die Brüder. Wer den Bruder nicht liebet, der bleibet im Tode. Wer seinen Bruder hasset, der ist ein Todtschláger, und ihr wisset, daß ein Todtschläger nicht hat das ewige Leben bei ihm bleibend. Daran haben wir erkannt die Liebe, daß er sein Leben für uns gelassen hat, und wir sollen auch Am 3. Sonntage nach Trinitatis. 61 das Leben für die Brüder lassen. Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat, und siehet seinen Bruder darben, und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibet die Liebe Gottes bei ihm? Meine Kindlein, lasset uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge, sondern mit der That, und mit der Wahrheit. Evangelinm am 3. Sonntage nach Trinitatis, Luc. 15, B. 1-10. Es naheten aber zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, daß sie ihn höreten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murreten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an, und isset mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichniß, und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und so er der eines verliert, der nicht lasſe die neun und neunzig in der Wüsten, und hingehe nach dem verlornen, bis daß ers finde? Und wenn ers funden hat, so leget ers auf seine Achseln mit Freuden. Und wenn er heim kommt, rufet er seinen Freunden und Nachbarn, und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir, denn ich habe mein Schaf funden, das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel seyn über einen Sünder, der Buße thut, vor neun und neunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen. Oder welch Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie der einen verlieret, die nicht ein Licht anzünde, und kehre das Haus und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde. Und wenn sie ihn funden hat, rufet sie ihren Freundinnen und Nachbarinnen, und spricht: Am 4. Sonntage nach Trinitatis. Freuet euch mit mir, denn ich habe meinen Groschen funden, den ich verloren hatte. Also auch sage ich euch, wird Freude seyn vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße thut. 62 Epistel, 1. Petri 5, V. 6-11. So demüthiget euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorgen werfet auf ihn, denn er forget für euch. Seyd nüchtern und wachet! denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umher wie ein brüllender Löwe, und suchet, welchen er verschlinge; dem widerstehet fest im Glauben, und wisset, daß eben dieselbigen Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aber aller Gnade der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit, in Christo Jesu, derselbige wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, vollbereiten, stårken, kráftigen, gründen. Demselbigen sey Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Evangelium am 4. Sonntage nach Trinitatis, Luc. 6, V. 36-42. Darum feyd barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr auch nicht verdammet. Vergebet, so wird euch vergeben. Gebet, so wird euch gegeben. Ein voll gedrückt, gerüttelt und überflüssig Maaß wird man in euren Schoos geben; denn eben mit dem Maaß, da ihr mit messet, wird man euch wieder messen. Am 4. Sonntage nach Trinitatis. 63 Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Mag auch ein Blinder einem Blinden den Weg weißen? Werden sie nicht alle Beide in die Grube fallen? Der Junger ist nicht über seinen Meister; wenn der Jünger ist wie sein Meister, so ist er vollkommen. Was siehest du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder, wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehest selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, ziehe zuvor den Balken aus deinem Auge, und besiehe dann, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest. Epistel, Römer 8, V. 18-23. Denn ich halte es dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht werth sey, die an uns soll offenbaret werden. Denn das ångstliche Harren der Kreatur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Sintemal die kreatur unterworfen ist der Eitelkeit ohne ihren Willen, sondern um deßwillen, der sie unterworfen hat auf Hoffnung. Denn auch die Kreatur frei werden wird von dem Dienst des vergånglichen Wesens, zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß alle Kreatur sehnet sich mit uns, und angstet sich noch immerdar. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft, und warten auf unsers Leibes Erlösung. 64 Am 5. Sonntage nach Trinitatis. Evangelium am 5. Sonntage nach Trinitatis. Lucas 5, B. 1-11. Es begab sich aber, da sich das Volk zu ihm drang, zu hören das Wort Gottes, und er stand am See Genezareth, und sahe zwei Schiffe am See stehen; die Fischer aber waren ausgetreten und wuschen ihre Nebe; trat er in der Schiffe eins, welches Simonis war, und bat ihn, daß ers ein wenig vom Lande führete. Und er sette sich und lehrete das Volk aus dem Schiffe. Und als er hatte aufgehöret zu reden, sprach er zu Simon: Fahre auf die Höhe und werfet eure Nete aus, auf daß ihr einen Zug thut. Und Simon antwortete und sprach zu ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen, aber auf dein Wort will ich das Net auswerfen. Und da sie das thaten, beschlossen sie eine große Menge Fische, und ihr Net zerriß. Und sie winkten ihren Gesellen, die im anderen Schiffe waren, daß sie kámen und hülfen ihnen ziehen. Und sie kamen und fülleten beide Schiffe voll, also daß sie sanken. Da das Simon Petrus sahe, fiel er Jesu zu den Knieen und sprach: Herr, gehe von mir hinaus, ich bin ein fündiger Mensch. Denn es war ihm ein Schrecken ankommen, und alle, die mit ihm waren, über diesen Fischzug, den sie miteinander gethan hatten, desselbigen gleichen auch Jakobum und Johannem, die Söhne Zebedái, Simonis Gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht, denn von nun an wirst du Menschen fahen. Und sie führten die Schiffe zu Lande und verließen alles, und folgeten ihm nach. Am 6. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 1. Betri 3, B. 8-15. Endlich aber seyd allesammt gleich gesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich. Vergeltet nicht Böses mit Bösem, oder Scheltwort mit Schelt= wort; sondern dagegen segnet, und wisset, daß ihr dazu berufen seyd, daß ihr den Segen ererbet. Denn wer leben will und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, daß sie nichts Böses rede, und seine Lippen, daß sie nicht trügen. Er wende sich vom Bösen und thue Gutes! Er suche Frieden, und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Gebet; das Angesicht aber des Herrn siehet auf die, so Böses thun. Und wer ist, der euch schaden könnte, so ihr dem Guten nachkommet? Und ob ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so send ihr doch selig. Fürchtet euch aber vor ihrem Troßen nicht und erschrecket nicht. Heiliget aber Gott den Herrn in eurem Herzen. 65 Evangelium am 6. Sonntage nach Trinitatis, Matth. 5, V. 20-26. 31 Es sey denn eure Gerechtigkeit besser, denn der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht tödten; wer aber todtet, der soll des Gerichts schuldig seyn. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zúrnet, der ist des Gerichts schuldig. Wer aber zu seinem Bruder sagt: Racha, der ist des Raths schuldig. Wer aber sagt: Du Narr! der ist des höllischen Feuers schuldig. Darum, wenn du deine Gabe 5 66 Am 6. Sonntage nach Trinitatis. auf dem Altar opferst, und wirst allda eindenken, daß dein Bruder etwas wieder dich habe, so laß allda vor dem Altar deine Gabe und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und alsdann komm und opfere deine Gabe. Sey willfährig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist, auf daß dich der Widersacher nicht dermaleinst überantworte dem Richter, und der Richter überantworte dich dem Diener, und werdest in den Kerker geworfen. Ich fage dir, wahrlich du wirst nicht von dannen heraus kommen, bis du auch den letzten Heller bezahleft. Epistel, Röm. 6, V. 3-11. Wisset ihr nicht, daß alle, die wir in Jesum Christum getauft sind, die sind in seinen Tod ge= tauft? So sind wir nun mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferweckt von den Todten, durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir aber sammt ihm gepflanzt werden zu gleichem Tode, so werden wir auch der Auferstehung gleich seyn. Dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch sammt ihm gekreuziget ist, auf daß der sündliche Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertigt von der Sünde. Sind wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden, und wissen, daß Christus, von den Todten erwecket, hinfort nicht stirbet, der Tod wird hinfort über ihn nicht herrschen. Denn, daß er gestorben ist, Am 7. Sonntage nach Trinitatis. 67 das ist er der Sünde gestorben, zu einem mal, daß er aber lebet, das lebet er Gott. Also auch ihr, haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seyd, und lebet Gott in Christo Jesu, unserm Herrn. Evangelium am 7. Sonntage nach Trinitatis, Marcus 8, V. 1-9. Zu der Zeit, da viel Volks da war, und hatten nichts zu essen, rief Jesus seine Junger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert des Volks, denn sie haben nun drei Tage bei mir verharret und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie ungessen von mir heim ließe gehen, würden sie auf dem Wege verschmachten, denn Etliche waren von ferne gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brod hier in der Wüste, daß wir sie sättigen? Und er fragte sie, wie viel habt ihr Brode? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, daß sie sich auf die Erde lagerten. Und er nahm die sieben Brode und dankete und brach sie, und gab sie seinen Jüngern, daß sie dieselbigen vorlegten; und sie legten dem Volke vor. Und hatten ein wenig Fischlein; und er dankete und hieß dieselben auch vortragen. Sie aßen aber und wurden satt, und huben die übrigen Brocken auf, sieben Körbe. Und ihrer waren bei viertausend, die da gegessen hatten; und er ließ sie von sich. mm Epistel, Nöm. 6, V. 19-23.n ubin ma Ich muß menschlich davon reden, um der Schwachheit willen eures Fleisches. Gleichwie ihr eure Glieder begeben habt zum Dienste der Unreinigkeit, und von einer Ungerechtigkeit zu der anderen: also 5* 68 Am 8. Sonntage nach Trinitatis. begebet auch nun eure Glieder zum Dienst der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden. Dann da ihr der Sünde Knechte waret, da waret ihr frei von der Gerechtigkeit. Was hattet ihr nun zu der Zeit für Frucht? Welcher ihr euch jetzt schämet; denn das Ende derselben ist der Tod. Nun ihr aber seyd von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden, habt ihr eure Frucht, daß ihr heilig werdet; das Ende aber das ewige Leben. Denn der Tod ist der Sünden Sold, aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben, in Christo Jesu, unserm Herrn. Evangelium am 8. Sonntage nach Trinitatis, Matth. 7, V. 15:23. Sehet euch vor, vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen; inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen von den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringet gute Früchte, aber ein fauler Baum bringet arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. Es werden viel zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweisfaget? Haben wir Am 9. Sonntage nach Trinitatis. 69 nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben, haben wir nicht in deinem Namen viel Thaten gethan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr Uebelthäter. Epistel, Röm. 8, V. 12-17. So sind wir nun, lieben Brüder, Schuldner, nicht dem Fleisch, daß wir nach dem Fleisch leben. Denn wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen. Wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tödtet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibet, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, daß ihr euch abermal fürchten müßtet, sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Derselbige Geist giebt Zeugniß unserm Geiste, daß wir Gottes Kinder sind. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, námlich Gottes Erben, und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. Evangelium am 9. Sonntage nach Trinitatis, in Lucas 16, V. 1-9. Er sprach aber auch zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter, der ward vor ihm berüchtiget, als hátte er ihm seine Güter umbracht, und er forderte ihn und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Thue Rechnung von deinem Haushalten; denn du kannst hinfort nicht mehr Haushalter seyn. Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich thun? Mein 70 Am 9. Sonntage nach Trinitatis. Herr nimmt das Amt von mir, graben mag ich nicht, so scháme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich thun will, wenn ich nun von dem Umt gesetzt werde, daß sie mich in ihre Häuser nehmen. Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn und sprach zu dem Ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert Tonnen Sels. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, sebe dich und schreib flugs fünfzig. Darnach sprach er zu dem Undern: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Weißen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreib achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, daß er kluglich gethan hatte, denn die Kinder dieser Welt sind klúger, denn die Kinder des Lichts in ihrem Geschlechte. Und ich sage euch auch: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. CASTINC ON IMO CATOG Epistel, 1. Cor. 10,%. 6-13. im d Das ist aber uns zum Vorbild geschehen, daß wir uns nicht gelüsten lassen des Bösen, gleichwie jene gelüstet hat. Werdet auch nicht Abgóttische, gleichwie jener Etliche wurden, als geschrieben stehet: Das Volk setzte sich nieder zu essen und zu trinken, und stand auf zu spielen. Auch laßt uns nicht Hurerei treiben, wie Etliche unter jenen Hurerei trieben, und fielen auf einen Tag drei und zwanzig taufend. Laßt uns auch Christum nicht versuchen, wie etliche von jenen ihn versuchten, und wurden von den Schlangen umgebracht. Murret auch nicht, 71 Am 10. Sonntage nach Trinitatis. gleichwie jener Etliche murreten, und wurden umge= bracht durch den Verderber. Solches alles widerfuhr ihnen zum Vorbilde; es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf welche das Ende der Welt gekommen ist. Darum, wer sich läßt dunken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. Es hat euch noch keine, denn menschliche Versuchung betreten; aber Gott ist getreu, der euch nicht láßt versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr es könnet ertragen. se samis t aspilisd Evangelinm am 10. Sonntage nach Trinitatis, 89 Lucas 19, V. 41-48. Und als er nahe hinzu kam, sahe er die Stadt an und weinete über sie, und sprach: Wenn du es wußtest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet. Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit über dich kommen, daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, dich belagern und an allen Orten angsten, und werden dich schleifen und kein Stein auf dem andern lassen, darum, daß du nicht erkennet hast die Zeit, darinnen du heimgesucht bist. Und er ging in den Tempel und fing an auszutreiben, die darinnen verkauften und kauften; und sprach zu ihnen: Es stehet geschrieben: Mein Haus ist ein Bethaus, ihr aber habt es gemacht zur Mördergrube. Und er lehrete täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und die Vornehmsten im Volk trachteten ihm nach, daß sie ihn Am 11. Sonntage nach Trinitatis. umbrachten; und fanden nicht, wie sie ihm thun sollten; denn alles Volk hing ihm an, und hörete ihn. Epistel, 1. Cor. 12, 3. 1-11. 72 Von den geistlichen Gaben aber will ich euch, lieben Brüder, nicht verhalten. Ihr wisset, daß ihr Heiden seyd gewesen, und hingegangen zu den stummen Götzen, wie ihr geführet wurdet. Darum thue ich euch kund, daß Niemand Jesum verfluchet, der durch den Geist Gottes redet; und Niemand kann Jesum einen Herrn heißen, ohne durch den heiligen Geist. Es sind mancherlei Gaben, aber es ist ein Geist. Und es sind mancherlei Aemter, aber es ist ein Herr. Und es sind mancherlei Kräfte, aber es ist ein Gott, der da wirket Alles in Allem. In einem Seglichen erzeigen sich die Gaben des Geistes zum gemeinen Nußen. Einem wird gegeben durch den Geist zu reden von der Weisheit; dem Andern wird gegeben zu reden von der Erkenntniß, nach demselbigen Geist; einem Andern der Glaube, in demselbigen Geist; einem Andern die Gabe gesund zu machen, in demselbigen Geist; einem Undern Wunder zu thun; einem Andern Weissagung; einem Andern Geister zu unterscheiden; einem Andern mancherlei Sprachen; einem Andern, die Sprachen auszulegen. Dies aber Alles wirkt derselbige einige Geist, und theilet einem Jeglichen seines zu, nachdem er will. Evangelium am 11. Sonntage nach Trinitatis, Lucas 18, V. 9:14. Er sagte aber zu Etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm waren und verachteten die Andern, Am 11. Sonntage nach Trinitatis. ein solches Gleichniß: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, zu beten, einer ein Pharisáer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin, wie andere Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von Allem, das ich habe. Und der Zöllner stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sey mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertigt in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöhet, der wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet werden. red onir Epistel, 1. Cor. 15, V. 1-10. 73 Ich erinnere euch aber, lieben Brüder, des Evangelii, das ich euch verkündiget habe, welches ihr auch angenommen habt, in welchem ihr auch stehet; durch welches ihr auch selig werdet, welcher Gestalt ich es euch verkündiget habe, so ihr es behalten habt; es wäre denn, daß ihr es umsonst geglaubt háttet. Denn ich habe euch zuvörderst gegeben, welches ich auch empfangen habe, daß Christus gestorben sey für unsere Sünden, nach der Schrift; und daß er begraben sey, und daß er auferstanden sey am dritten Eage nach der Schrift; und daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den Zwölfen. Darnach ist er gesehen worden von mehr denn fünfhundert Brüdern auf einmal, derer noch viele leben, etliche aber sind entschlafen. Dar 74 Am 12. Sonntage nach Trinitatis. nach ist er gesehen worden von Jacobo, darnach von allen Aposteln. Am letten nach Allen ist er auch von mir, als einer unzeitigen Geburt, gesehen worden. Denn ich bin der Geringste unter den Aposteln, als der ich nicht werth bin, daß ich ein Apostel heiße, darum, daß ich die Gemeinde Gottes verfolget habe. Aber von Gottes Gnade bin ich, das ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet, denn sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. ne domid onip pic tom n Evangelium am 12. Sonntage nach Trinitatis, Marcus 7, V. 31-37, 017 350 drigs and Und da er wieder ausging von den Grenzen Tyri und Sidon, kam er an das Galiláische Meer, mitten unter die Grenze der zehen Städte. Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem Volke besonders und legte ihm die Finger in die Ohren und spüßete, und rührete seine Zunge und sahe auf gen Himmel, seufzete und sprach zu ihm: Hephata! das ist, thue dich auf. Und alsbald thaten sich seine Ohren auf und das Band seiner Zunge ward los und redete recht. Und er verbot ihnen, sie sollten es Niemand sagen. Je mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten, und verwunderten sich über die Maaße und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend. Cins Am 13. Sonntage nach Trinitatis. Epistel, 2. Cor. 3, B. 4-9. Ein solch Vertrauen aber haben wir durch Christum zu Gott. Nicht, daß wir tüchtig sind von uns selber, etwas zu denken, als von uns selber, sondern daß wir tuchtig sind, ist von Gott, welcher uns auch tüchtig gemacht hat, das Amt zu führen des neuen Testaments, nicht des Buchstabens, ſondern des Geistes. Denn der Buchstabe tódtet, aber der Geist macht lebendig. So aber das Amt, das durch die Buchstaben tödtet und in die Steine ist gebildet, Klarheit hatte, also daß die Kinder Israel nicht konnten ansehen das Ungesicht Mose, um der Klarheit willen seines Angesichts, die doch aufhöret: wie sollte nicht vielmehr das Amt, das den Geist giebt, Klarheit haben? Denn so das Umt, das die Verdammniß predigt, Klarheit hat, vielmehr hat das Amt, das die Gerechtigkeit predigt, überschwengliche Klarheit. dmu mis di C om Gmu spedist gid ni ad Evangelium am 13. Sonntage nach Trinitatis, Lucas 10, V. 23-37. 75 dift Und er wandte sich zu seinen Jüngern und sprach insonderheit: Selig sind die Augen, die da sehen, das ihr sehet. Denn ich sage euch: Viel Propheten und Könige wollten sehen, das ihr sehet, und habens nicht gesehen, und hören, was ihr höret, und habens nicht gehöret. Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß ich thun, daß ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Wie stehet im Geset geschrieben? Wie liesest du? Er antwortete und sprach: Du sollst Gott deinen Herrn lieben von ganzem Am 13. Sonntage nach Trinitatis. Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüthe, und deinen Nächsten als dich selbst. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet. Thue das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen, und sprach zu Jesu: Wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho, und fiel unter die Mörder, die zogen ihn aus und schlugen ihn und gingen davon, und ließen ihn halb todt liegen. Es begab sich aber ohngefähr, daß ein Priester dieselbige Straße hinabzog, und da er ihn sahe, ging er vorüber. Desselbigen gleichen auch ein Levit, da er kam bei die Stätte und sahe ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reisete und kam dahin, und da er ihn sahe, jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihm seine Wunden und goß darein Del und Wein und hob ihn auf sein Thier und führete ihn in die Herberge und pflegete sein. Des anderen Tages reisete er und zog heraus zween Groschen und gab sie dem Wirthe und sprach zu ihm: Pflege sein, und so du was mehr wirst darthun, will ich dirs bezahlen, wenn ich wiederkomme. Welcher dúnkt dich, der unter diesen dreien der Nächste sey gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm that. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin und thue desgleichen.d 76 medi Epistel, Gal. 3, B. 15-22. Lieben Brüder, ich will nach menschlicher Weise reden: verachtet man doch eines Menschen Testa Am 14. Sonntage nach Trinitatis. 77 ment nicht, wenn es bestätiget ist, und thut auch nichts dazu. Nun ist ja die Verheißung Abrahá und seinem Saamen zugesagt. Er spricht nicht, durch die Saamen, als durch viele, sondern als durch einen, durch deinen Saamen, welcher ist Christus. Ich sage aber davon: das Testament, das von Gott zuvor bestätiget ist auf Christum, wird nicht aufgehoben, daß die Verheißung sollte durch das Geset aufhören, welches gegeben ist über vierhundert und dreißig Jahre hernach. Denn so das Erbe durch das Geset erworben würde, so würde es nicht durch Verheißung gegeben; Gott aber hat es Abraham durch Berheißung frei geschenket. Was soll denn das Geses? Es ist dazu kommen um der Sünde willen, bis der Saame káme, dem die Verheißung geschehen ist, und ist gestellet von den Engeln durch die Hand des Mittlers. Ein Mittler aber ist nicht eines einigen Mittler, Gott aber ist einig. Wie? Ist denn das Geset wider Gottes Verheißung? Das sey ferne. Wenn aber ein Geset gegeben wäre, das da könnte lebendig machen, so káme die Gerechtigkeit wahrhaftig aus dem Gesebe. Aber die Schrift hat es alles beschlossen unter die Sünde, auf daß die Verheißung káme durch den Glauben an Jesum Christum, gegeben denen, die da glauben. Evangelium am 14. Sonntage nach Trinitatis, Lucas 17, V. 11:19. Und es begab sich, da er reisete gen Jerusalem, zog er mitten durch Samariam und Galiláam. 78 Am 14. Sonntage nach Trinitatis. Und als er in einen Markt ging, begegneten ihm zehn aussäßige Männer, die standen von ferne und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser. Und da er sie sahe, sprach er zu ihnen: Gehet hin und zeiget euch den Priestern. Und es geschahe, da sie hingingen, wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, da er sahe, daß er gesund worden war, kehrete er um und preisete Gott mit lauter Stimme. Und fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und dankete ihm, und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: Sind ihrer nicht zehn rein worden? Wo sind aber die neune? Hat sich sonst keiner funden, der wieder umkehrete und gäbe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling? Und er sprach zu ihm: Stehe auf, gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen. aspiro mnd nod 3villo snis 3bin Epistel, Gal. 5. V. 16-24. Ich sage aber, wandelt im Geiste, so werdet ihr die Lüste des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, und den Geift wider das Fleisch. Dieselbige sind wider einander, daß ihr nicht thut, was ihr wollet. Regieret euch aber der Geist, so seyd ihr nicht unter dem Gesebe. Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, ale da sind: Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, 3orn, 3ank, 3wietracht, Rotten, Haß, Mord, Saufen, Fressen und dergleichen, von welchen ich euch habe zuvor gesagt und sage noch zuvor, daß, die solches thun, werden das Reich Gottes nicht ererben. Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Am 15. Sonntage nach Trinitatis. Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gútigkeit, Glaube, Sanftmuth, Keuschheit. Wider solche ist das Geseß nicht. Welche aber Christum ange= hören, die kreuzigen ihr Fleisch, sammt den Lüsten und Begierden. 79 39030) Muse nothnjung Billn Bach Evangelium am 15. Sonntage nach Trinitatis, com Matth. 6, V. 24= 34. Niemand kann zween Herren dienen; entweder er wird einen hassen und den andern lieben, oder er wird einem anhangen und den andern verachten. Ihr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr, denn die Speise? Und der Leib mehr, denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an, sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen und euer himmlischer Vater nåhret sie doch. Seyd ihr denn nicht viel mehr, denn sie? Wer ist unter euch, der seiner Långe eine Elle zusetzen möge, ob er gleich darum forget? Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen; ( e arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage ich, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derselbigen Eins. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute stehet und morgen in den Ofen geworfen wird; sollte er das nicht vielmehr euch thun? D ihr Kleingläubigen! Darum sollt ihr nicht forgen und sagen: Was werden wir essen? Was 80 Am 15. Sonntage nach Trinitatis. werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allen trachten die Heiden; denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr deß alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Darum sorget nicht für den andern Morgen, denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe. Epistel, Gal. 5, B. 25 bis Kap. 6, V. 10. So wir im Geiste leben, so laßt uns auch im Geiste wandeln. Laßt uns nicht eitler Ehre geizig seyn, untereinander uns zu entrüsten und zu hassen. Lieben Brüder, so ein Mensch etwa von einem. Fehler übereilt würde, so helfet ihm wieder zurecht mit sanftmuthigem Geiste, die ihr geistlich seyd. Und siehe auf dich selbst, daß du nicht auch ver= suchet werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Geset Christi erfüllen. So aber ich Femand läßt dúnken, er sey etwas, so er doch nichts ist, der betrüget sich selbst. Ein Jeglicher aber prüfe sein selbst Werk und alsdann wird er an ihm selber Ruhm haben und nicht an einem andern. Denn ein Jeglicher wird seine eigene Last tragen. Der aber unterrichtet wird mit dem Wort, der theile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet. Jrret euch nicht, Gott láßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sået, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch sået, der wird. von dem Fleisch das Verderben ernten. Wer aber auf den Geist sået, der wird von dem Geist das 81 Am 16. Sonntage nach Trinitatis. ewige Leben ernten. Laßt uns aber Gutes thun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören. Als wir denn nun Zeit haben, so lasset uns Gutes thun an Jedermann, allermeist aber an den Glaubensgenossen. Evangelium am 16. Sonntage nach Trinitatis, Lucas 7, V. 11-17. Und es begab sich darnach, daß er in eine Stadt mit Namen Nain ging, und seiner Jünger gingen viel mit ihm und vieles Volk. Als er aber nahe an das Stadtthor kam, siehe, da trug man einen Todten heraus, der ein einziger Sohn war seiner Mutter, und sie war eine Witwe, und vieles Volk aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sahe, jammerte ihn derselbigen und sprach zu ihr: Weine nicht! Und trat hinzu und rührte den Sarg an, und die Träger standen. Und er sprach: Jungling, ich sage dir, stehe auf! Und der Todte richtete sich auf und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner Mutter. Und es kam sie alle eine Furcht an und priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden und Gott hat sein Volk heimgesucht. Und diese Rede von ihm erscholl in das ganze jüdische Land und in alle umliegende Lånder. Epistel, Epheser 3, V. 13-21. Darum bitte ich, daß ihr nicht müde werdet um meiner Trúbfalen willen, die ich für euch leide, welche euch eine Ehre sind. Derhalben beuge ich meine Kniee gegen den Vater unseres Herrn Jesu Christi, der der rechte Vater ist über Alles, was da Kinder 6 3 82 Am 17. Sonntage nach Trinitatis. heißt im Himmel und auf Erden, daß er euch Kraft gebe nach dem Reichthum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, und Christum, zu wohnen durch den Glauben in euren Herzen, und durch die Liebe eingewurzelt und gegründet zu werden; auf daß ihr begreifen möget mit allen Heiligen, welches da sey die Breite und die Länge und die Tiefe und die Höhe; auch erkennen, daß Christum lieb haben viel besser ist, denn alles Wissen; auf daß ihr erfüllen werdet mit allerlei Gottesfülle. Dem aber, der überschwenglich thun kann über alles, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirket: Dem sey Ehre in der Gemeinde, die in Christo Jesu ist, zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Evangel. am 17. Sonnt. nach Trinit., Luc. 14, V. 1-11. Und es begab sich, daß er kam in ein Haus eines Obersten der Pharisäer, auf einen Sabbath, das Brod zu essen; und sie hielten auf ihn. Und siche, da war ein Mensch vor ihm, der war wassersüchtig. Und Jesus antwortete und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharisdern und sprach: Ist es auch recht, auf den Sabbath heilen? Sie aber schwiegen stille. Und er griff ihn an und heilete ihn, und ließ ihn gehen. Und antwortete und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem sein Schse oder Efel in den Brunnen fällt, und er nicht alsbald ihn herauszieht am Sabbathtage? Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben. Er sagte aber ein Gleichniß zu den Gästen, da er merkte, Am 18. Sonntage nach Trinitatis. 83 wie sie erwählten, oben an zu siten, und sprach zu ihnen: Wenn du von Jemand geladen wirst zur Hochzeit, so sebe dich nicht oben an, daß nicht etwa ein Ehrlicherer, denn du, von ihm geladen sey; und so dann kommt, der dich und ihn geladen hat, spreche zu dir: Weiche diesem! und du müssest dann mit Scham unten an sitzen. Sondern, wenn du geladen wirst, so gehe hin und sehe dich unten an, auf daß, wenn da kommt, der dich geladen. hat, spreche zu dir: Freund, rücke hinauf; dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit dir zu Tische sitzen. Denn wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden: und wer sich selbst erniedriget, der soll erhöhet werden. ST Epistel, Epheser 4, V. 1-6. So ermahne nun euch ich Gefangener in dem Herrn, daß ihr wandelt, wie sichs gebühret eurem Beruf, darin ihr berufen seyd, mit aller Demuth und Sanftmuth, mit Geduld, und vertraget Einer den Undern in der Liebe, und seyd fleißig zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens. Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen send auf einerlei Hoffnung eures Berufs. Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Bater( unser) Aller, der da ist über euch Alle und durch euch Alle und in euch Allen. Evangelium am 18. Sonntage nach Trinitatis, Matth. 22, V. 34-46.d Da aber die Pharisáer hörten, daß er den Sadducáern das Maul gestopft hatte, versammelten sie sich. Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte 6* 3 1 d 11 9 r si li il it it al 84 Am 18. Sonntage nach Trinitatis. ihn, und sprach: Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Geset? Jesus aber sprach zu ihm: Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüth. Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben, als dich selbst. In diesen zwei Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten. Da nun die Pharisäer bei einander waren, fragte sie Jesus, und sprach: Wie dúnkt euch um Christo? Weß Sohn ist er? Sie sprachen: Davids. Er sprach zu ihnen: Wie nennet ihn denn David im Geist einen Herrn? da er saget: Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Sebe dich zu meiner Rechten, bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße. So nun David ihn einen Herrn nennet, wie ist er denn sein Sohn? Und Niemand konnte ihm ein Wort antworten, und durfte auch Niemand von dem Tage an hinfort ihn fragen. Epistel, 1. Cor. 1, 3. 4-9. Ich danke meinem Gott allezeit eurenthalben für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christo Jeſu, daß ihr send durch ihn in allen Stücken reich gemacht, an aller Lehre, und in aller Erkenntniß, wie denn die Predigt von Christo in euch kráftig worden ist, also, daß ihr keinen Mangel habt an irgend einer Gabe, und wartet nur auf die Offenbarung unsers Herrn Jesu Christi. Welcher auch euch wird feft behalten bis ans Ende, daß ihr unstråslich seyd auf den Tag unsers Herrn Jesu Christi. Denn Gott ist treu, durch welchen ihr berufen seyd zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesu Christi, unfers Herrn. 85 Am 19. Sonntage nach Trinitatis. Evaugel. am 19. Sonut. nach Trinit., Matth. 9, V.1-8. Da trat er in das Schiff, und fuhr wieder herüber, und kam in seine Stadt. Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gichtbrüchigen, der lag auf einem Bette. Da nun Jesus ihren Glauben sahe, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sey getrost, mein Sohn, deine Sunden sind dir vergeben. Und siehe, etliche unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser låstert Gott. Da aber Jesus ihre Gedanken sahe, sprach er: Warum denket ihr so arges in euren Herzen? Welches ist leichter zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Stehe auf, und wandele? Auf daß ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht habe auf dem Erden die Sünden zu vergeben, sprach er zu Gichtbrüchigen: Stehe auf, hebe dein Bett auf, und gehe heim. Und er stand auf und ging heim. Da das Volk das sahe, verwunderte es sich, und preisete Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat. Epistel, Ephes. 4, V. 22-28. So leget nun von euch ab, nach dem vorigen Wandel, den alten Menschen, der durch Lüste in Irrthum sich verderbet. Erneuert euch aber im Geiste eures Gemüths, und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum leget die Lügen ab, und redet die Wahrheit, ein Jeglicher mit seinem Náchsten, sintemal wir untereinander Glieder sind. Zurnet und sündiget nicht, lasset die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Gebet auch nicht Raum dem Lásterer. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite, und schaffe mit den Händen etwas Gutes, auf daß er habe zu geben dem Durftigen. 8 DIBACA DURA fe et d u LUKKIG IS ir z¹ 1 11 r ft li il C il il a Am 20. Sonntage nach Trinitatis. Evangel. am 20. Sonnt. nach Trinit., Matth. 22, S. 1-14. Und Jesus antwortete, und redete abermal durch Gleichnisse zu ihnen, und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohne Hochzeit machte. Und sandte seine Knechte aus, daß sie den Gästen zur Hochzeit ruften, und sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus, und sprach: Saget den Gästen, siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet, und alles bereit, kommt zur Hochzeit. Aber sie verachteten das und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andere zu seiner Handthierung. Etliche aber griffen seine Knechte, höhneten und tödteten fie. Da das der König hörete, ward er zornig, und schickte seine Heere aus, und brachte diese Mörder um, und zündete ihre Stadt an. Da sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereitet, aber die Gäste waren es nicht werth. Darum gehet hin auf die Straßen, und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet. Und die Knechte gingen aus auf die Straßen, und brachten zusammen, wen fie fanden, böse und gute, und die Tische wurden alle voll. Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen, und sahe allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an, und er sprach zu ihm: Freund, wie bist du herein gekommen und hast doch kein hochzeitlich Kleid an? Er aber verstummte. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn in die äußerste Finsterniß hinaus, da wird seyn Heulen und Zähneklappen. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet. Epistel, Ephes. 5., V. 15-21. 86 So sehet nun zu, wie ihr vorsichtig wandelt, nicht als die Unweisen, sondern als die Weisen. Und schicket euch in die Zeit, denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern verständig, was da sey 87 Am 21. Sonntage nach Trinitatis. des Herrn Wille. Und saufet euch nicht voll Weins, daraus ein unordentlich Wesen folget, sondern werdet voll Geistes. Und redet untereinander von Psalmen und Lobgesängen, und geistlichen Liedern, singet und spielet dem Herrn in eurem Herzen. Und saget Dank allezeit für alles, Gott und dem Vater in dem Namen unsers Herrn Jesu Christi. Und seyd untereinander unterthan in der Furcht Gottes. Evangelium am 21. Sonntage nach Trinitatis, Joh. 4, V. 47-54. Und es war ein Königischer, deß Sohn lag krank zu Capernaum. Dieser hörete, daß Jesus kam aus Judäa in Galiläam, und gieng hin zu ihm, und bat ihn, daß er hinab käme, und hülfe seinem Sohne; denn er war todt krank. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht. Der Königische sprach zu ihm: Herr, komme hinab, ehe denn mein Kind stirbt. Jesus spricht zu ihm: Gehe hin, dein Sohn lebet. Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und gieng hin. Und indem er hinab gieng, begegneten ihm seine Knechte, verkündigten ihm und sprachen: Dein Kind lebet. Da forschte er von ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm geworden war. Und sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkte der Vater, daß es um die Stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebet. Und er glaubte mit seinem ganzen Hause. Das ist nun das andere Zeichen, das Jesus that, da er aus Judäa in Galiläam fam. Epistel, Ephej. 6, V. 10-17. Zuletzt, meine Brüder, seyd stark in dem Herrn, und in der Macht seiner Stärke. Ziehet an den Harnisch Gottes, daß ihr bestehen könnet gegen die liftigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch ៦ ៖ ឌ ឌ គ ២ វី គ គ គឺ ៩ ៖ គឺ ≡ ≡ E ទ និ be di bit un in zu ge re sti lie ih at 88 Am 22. Sonntage nach Trinitatis. und Blut zu kämpsen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsterniß dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Um deßwillen, so ergreifet den Harnisch Gottes, auf daß ihr, wann das böse Stündlein kommt, Widerstand thun, und alles wohl ausrichten, und das Feld behalten möget. So ſtehet mun, umgürtet eure Lenden mit Wahrheit, und angezogen mit dem Krebs der Gerechtigkeit; und an Beinen gestiefelt, als fertig, zu treiben das Evangelium des Friedens, damit ihr bereitet seyd. Vor allen Dingen aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnet alle feuerige Pfeile des Bösewichts und nehmet den Helm des Heils und das Schwerdt des Geistes, welches ist das Wort Gottes. Evangelium am 22. Sonntage nach Trinitatis, Matth. 18, V. 23-35. Darum ist das Himmelreich gleich einem Könige, der mit seinen Knechten rechnen wollte. Und als er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehn tausend Pfund schuldig. Da er es nun nicht hatte zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn und sein Weib und seine Kinder, und alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel der Knecht nieder, und betete ihn an, und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Da jammerte den Herrn desselbigen Knechts, und ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbige Knecht hinaus, und fand einen seiner Mittnechte, der war ihm hundert Groschen schuldig, und er griff ihn an, und würgete ihn, und sprach: Bezahle mir, was du mir schuldig bist. Da fiel sein Mitknecht nieder, und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Er wollte aber nicht, sondern ging hin, und warf ihn ins Gefängniß, bis daß er bezahlte, was er 7 Am 22. Sonntage nach Trinitatis. 89 schuldig war. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrübt, und kamen, und brachten vor ihren Herrn alles, was sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du Schalksknecht, alle diese Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich batest, solltest du denn dich nicht auch erbarmen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmet habe? Und sein Herr ward zornig, und überantwortete ihn den Peinigern, bis daß er bezahlte alles, was er ihm schuldig war. Also wird euch mein himmlischer Vater auch thun, so ihr nicht vergebet von eurem Herzen, ein jeglicher seinem Bruder seine Fehler. Epistel, Phil. 1, V. 3-11. Ich danke meinem Gott, so oft ich eurer gedenke ( welches ich allezeit thue in allem meinem Gebet für euch Alle, und thue das Gebet mit Freuden), über eurer Gemeinschaft am Evangelio, vom ersten Tage an bisher. Und bin desselbigen in guter Zuversicht, daß, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollführen, bis an den Tag Jesu Christi. Wie es denn mir billig ist, daß ich dermaßen von euch allen halte; darum, daß ich euch in meinem Herzen habe, in diesem meinem Gefängniß, darinnen ich das Evangelium verantworte und bekräftige, als die ihr Alle mit mir der Gnade theilhaftig seyd. Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch Allen verlanget von Herzensgrund in Jesu Christo. Und daselbst um bete ich, daß eure Liebe je mehr und mehr reich werde in allerlei Erkenntniß und Erfahrung; daß ihr prüfen möget, was das Beste sey, auf daß ihr seyd lauter und unanstößig, bis auf den Tag Christi, erfüllet mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum geschehen( in euch), zur Ehre und Lobe Gottes. Am 23. und 24. Sonntage nach Trinitatis. Evangel. am 23. Sonnt. nach Trinit., Matth. 22, VB.15-22. Da gingen die Pharifäer hin, und hielten einen Rath, wie sie ihn fiengen in seiner Rede. Und sandten zu ihm ihre Jünger, sammt Herodis Dienern, und sprachen: Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist, und lehrest den Weg Gottes recht, und du frageſt nach Niemanden, denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen. Darum sage uns, was dünket dich? Ist es recht, daß man dem Kaiser Zins gebe oder nicht? Da nun Jesus merkte ihre Schaltheit, sprach er: Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich? Weiset mir die Zinsmünze. Und sie reichten ihm einen Groschen dar. Und er sprach zu ihnen: Weß ist das Bild und die Ueberschrift? Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Da sie das höreten, verwunderten sie sich und ließen ihn, und gingen davon. 90 Epistel, Phil. 3, V. 17-21. Folget mir, lieben Brüder, und sehet auf die, die also wandeln, wie ihr uns habt zum Vorbilde. Denn viele wandeln, von welchen ich euch oft gesagt habe, nun aber sage ich auch mit Weinen, die Feinde des Kreuzes Christi, welcher Ende ist die Verdammniß, welchen der Bauch ihr Gott ist, und ihre Ehre zu Schanden wird, derer, die irdisch gesinnt sind. Unser Wandel aber ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi des Herrn, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe, nach der Wirkung, damit er kann auch alle Dinge ihm unterthänig machen. Evangel. am 24. Sonnt. nach Trinit., Matth. 9, V.18-26. Da er solches mit ihnen redete, siehe, da kam der Obersten einer, und fiel vor ihm nieder, und sprach: Am 24. Sonntage nach Trinitatis. 91 Herr, meine Tochter ist jetzt gestorben, aber komm, und lege deine Hand auf sie, so wird sie lebendig. Und Jesus stand auf, und folgte ihm nach, und seine Jünger. Und siehe, ein Weib, das zwölf Jahre den Blutgang gehabt, trat von hinten zu ihm, und rührte seines Kleides Saum an. Denn sie sprach bei ihr selbst: Möchte ich nur sein Kleid anrühren, so würde ich gesund. Da wandte sich Jesus um und sahe fie, und sprach: Sey getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und das Weib ward gesund zu derselbigen Stunde. Und als er in des Obersten Haus kam, und sahe die Pfeiffer und das Getümmel des Volks, sprach er zu ihnen: Weichet, denn das Mägdlein ist nicht todt, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn. Als aber das Volk ausgetrieben war, ging er hinein, und ergriff sie bei der Hand; da stand das Mägdlein auf. Und dies Gerücht erſcholl in dasselbige ganze Land. Epistel, Col. 1, V. 9-14. Derhalben auch wir von dem Tage an, da wirs gehört haben, hören wir nicht auf für euch zu beten, und zu bitten, daß ihr erfüllet werdet mit Erkenntniß seines Willens, in allerlei geistlicher Weisheit und Verstand. Daß ihr wandelt würdiglich dem Herrn zu allem Gefallen, und fruchtbar seyd in allen guten Werken, und wachset in der Erkenntniß Gottes, und gestärket werdet mit aller Kraft, nach seiner herrlichen Macht in aller Geduld und Langmüthigkeit mit Freuden. Und danksaget dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erbtheil der Heiligen im Licht. Welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsterniß, und hat uns versetzet in das Reich seines lieben Sohnes, an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. 92 Am 25. Sonntage nach Trinitatis. Evangelium am 25. Sonntage nach Trinitatis, Matth. 24, V. 15:28. Wenn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung, davon gesagt ist durch den Propheten Daniel, daß er stehet an der heiligen Stätte( wer das lieset, der merke darauf). Alsdann fliehe auf die Berge, wer im Jüdischen Lande ist. Und wer auf dem Dache ist, der steige nicht hernieder, etwas aus seinem Hause zu holen. Und wer auf dem Felde ist, der kehre nicht um, seine Kleider zu holen. Wehe aber den Schwangern und Säugern zu der Zeit. Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter, oder am Sabbat. Denn es wird alsdann eine große Trübsal seyn, als nie gewesen ist, von Anfang der Welt bis her, und als auch nicht werden wird. Und wo diese Tage nicht würden verkürzet, so würde kein Mensch selig: Aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzet. So alsdann jemand zu euch wird sagen: Siehe, hier ist Christus, oder da, so sollt ihrs nicht glauben. Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen, und große Zeichen und Wunder thun, daß verführet werden in den Irrthum( wo es möglich wäre) auch die Auserwählten. Siehe, ich habe es euch zuvorgesagt. Darum, wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüsten, so gehet nicht hinaus; siehe, er ist in der Kammer, so glaubets nicht. Denn gleichwie der Blitz ausgehet vom Aufgang, und scheinet bis zum Niedergang, also wird auch seyn die Zukunft des Menschen Sohns. Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die Adler. Epistel, 1. Thess. 4, V. 13-18. Wir wollen euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten von denen, die da schlafen, auf daß ihr nicht traurig seyd, wie die andern, die keine Hoffnung haben. Am 26. Sonntage nach Trinitatis. 93 Denn so wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die, so entschlafen sind durch Jesum, mit ihm führen. Denn das sagen wir euch, als ein Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und überbleiben in der Zukunft des Herrn, werden denen nicht vorkommen, die da schlafen. Denn er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und Stimme des Erzengels, und mit der Posaunen Gottes hernieder kommen vom Himmel, und die Todten in Christo werden auferstehen zuerst. Darnach wir, die wir leben und überbleiben, werden zugleich mit denfelbigen hingerücket werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn seyn allezeit. So tröstet euch nun mit diesen Worten untereinander. Evangelium am 26. Sonntage nach Trinitatis, Matth. 25, V. 31:46. Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heilige Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit. Und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet. Und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommet her ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeiset. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränket. Ich bin ein Gast ge= wesen, und ihr habt mich beherberget. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besuchet. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seyd zu mir kommen. Dann 94 Am 26. Sonntage nach Trinitatis. werden ihm die Gerechten antworten, und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen, und haben dich gespeiset? Oder durstig, und haben dich getränket? Wann haben wir dich einen Gast gesehen und beherberget? Oder nackt und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich frank oder gefangen gesehen, und find zit dir kommen? Und der König wird antworten, und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr gethan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeiset. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränket. Ich bin ein Gast gewesen und ihr habt mich nicht beherberget. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besuchet. Da werden sie ihm auch antworten, und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig, oder durstig, oder einen Gast, oder nackt, oder krank, oder gefangen, und haben dir nicht gedienet? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: was ihr nicht gethan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht gethan. Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben. Epistel, 2. Thess. 1, 3. 3:10. Wir sollen Gott danken allezeit um euch, lieben Brüder, wie es billig ist, denn euer Glaube wächset sehr, und die Liebe eines Jeglichen unter euch allen nimmt zu gegen einander; also, daß wir uns eurer rühmen unter den Gemeinden Gottes, von eurer Geduld und Glauben, in allen euren Verfolgungen und 7. Sonntage nach Trinitatis. 95 Trübsalen, die ihr duldet; welches anzeigt, daß Gott recht richten wird, und ihr würdig werdet zum Reiche Gottes, über welchem ihr auch leidet. Nachdem es recht ist bei Gott, zu vergelten Trübsal denen, die euch Trübsal anlegen, euch aber, die ihr Trübsal leidet, Ruhe mit uns, wenn nun der Herr Jeſus wird offenbaret werden vom Himmel, sammt den Engeln seiner Kraft, mit Feuerflammen, Rache zu geben über die, so Gott nicht erkennen, und über die, so nicht gehorsam sind dem Evangelio unsers Herrn Jesu Christi. Welche werden Pein leiden, das ewige Verderben von dem Angesicht des Herrn, und von seiner herrlichen Macht, wenn er kommen wird, daß er herrlich erscheine mit seinen Heiligen, und wunderbar mit allen Gläubigen. Denn unser Zeugniß an euch von demselbigen Tage habt ihr geglaubt. Evangelium am 27. Sonntage nach Trinitatis, Matth. 25, V. 1:13. Dann wird das Himmelreich gleich seyn zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen, und gingen aus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren klug, und fünf waren thöricht. Die Thörichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen nicht Del mit sich. Die Klugen aber nahmen Del in ihren Gefäßzen, sammt ihren Lampen. Da nun der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig, und entschliefen. Zur Mitternacht aber ward ein Geschrei: siehe der Bräutigam kommt, gehet aus, ihm entgegen. Da standen diese Jungfrauen alle auf, und schmückten ihre Lampen. Die thörichten aber sprachen zu den klugen: Gebet uns von eurem Dele, denn unsere Lampen verlöschen. Da antworteten die klugen, und sprachen: Nicht also, auf daß nicht uns und euch gebreche; gehet aber hin zu den Krämern und kaufet für euch selbst. Und da sie hin 96 Am 27. Sonntage nach Trinftatis. gingen zu kaufen, kam der Bräutigam, und welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Thüre ward verschlossen. Zuletzt kamen auch die anderen Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, thue uns auf. Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich fage euch, ich kenne euer nicht. Darum wachet, denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird. Epistel, 1. Theff. 5, V. 1-11. Von den Zeiten aber und Stunden, lieben Brüder, ist nicht noth euch zu schreiben, denn ihr selbst wiffet gewiß, daß der Tag des Herrn wird kommen, wie ein Dieb in der Nacht. Denn wann sie werden sagen: es ist Friede, es hat keine Gefahr, so wird sie das Verderben schnell überfallen, gleichwie der Schmerz ein schwanger Weib, und werden nicht entfliehen. Ihr aber, lieben Brüder, seyd nicht in der Finsterniß, daß euch der Tag wie ein Dieb ergreife. Ihr seyd allzumal Kinder des Lichts, und Kinder des Tages; wir sind nicht von der Nacht, noch von der Finsterniß. So laßt uns mum nicht schlafen, wie die andern, sondern lasset uns wachen und nüchtern seyn. Denn die da schlafen, die schlafen des Nachts, und die da trunten sind, die sind des Nachts trunken. Wir aber, die wir des Tages sind, sollen nüchtern seyn, ange than mit dem Krebs des Glaubens und der Liebe, und mit dem Helm der Hoffnung zur Seligkeit. Denn Gott hat uns nicht gesetzt zum Zorn, sondern die Seligkeit zu besitzen, durch unsern Herr Jesum Christum, der für uns gestorben ist, auf daß wir wachen oder schlafen, zugleich mit ihm leben sollen. Darum ermahnet euch untereinander, und bauet einer den andern; wie ihr denn thut. 000 Sachgebiet: ORIGINALE FOR BROSCHORE por Saatliches 2.5.84 Inches 1 Centimetres Blue 2 3 4 Cyan , 2 5 6 17 Farbkarte# 13 Green 3 8 Yellow 9 4 10 Red 11 12 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8