20040 FELFEED FORCESTER FLECLERC Creacester TLCCCLLL Paul Sömmering TRACHTET am ersten nach dem Briche GOTTES. und nach seiner Gerechtigkeit. 29 FECCCOLL 96 2818 Gb 2818 Schwarzburg- Rudolstädtisches Gefang- Buch für die öffentliche und häusliche Andacht. Sechste Auflage der umgearbeiteten Ausgabe. Rudolstadt, 1876. Verlag der Buchhandlung der F. priv. Hofbuchdruckerei. Preis 80. Sibindethodus plante Gb 2818bi quape ES Ihnénk athiland fom spilinsfit DTB1 GAGN Radiolibres d Univ.- Bibl. Giessen Ge Vorwort. Wie in den meisten evangelischen Landeskirchen, so wurde auch in der unsrigen schon seit geraumer Zeit der lebhafte Wunsch empfunden, ein unsern kirchlich- religiösen Bedürfnissen mehr entsprechendes Gesangbuch zu besigen, und es wurde im Hinblick auf den herrlichen Liederschap, dessen unsere evangelische Kirche durch Gottes Gnade sich erfreut, von Vielen mit Recht beklagt, daß wir so manches schöne und herrliche Lied in unserer kirchlichen Liedersammlung entbehren, das der häuslichen und kirchlichen Andacht unserer Väter eine so kräftige und gesunde Nahrung bot. Als nun auf Veranlassung der evangelischen Kirchenconferenz zu Eisenach ein Gesangbuch für die evangelischen Kirchen Deutschlands entworfen worden war, legten wir uns die Frage vor, in wiefern und in wieweit wohl von diesem Entwurfe bei einer sich nöthig machenden neuen Ausgabe unseres Gesangbuchs oder der Veranstaltung eines neuen Gesangbuchs Gebrauch zu machen sei. ( 01 $ 10 Da unter den jeßigen drückenden Zeitverhältnissen die Einführung eines neuen Gesangbuchs nicht zu verkennenden Schwierigkeiten begegnet sein würde, ein großer Theil der in den Eisenacher Entwurf aufgenommenen Lieder auch schon in unserem alten Gesangbuche befindlich und legteres in mehreren Gemeinden unseres Landes noch in Gebrauch ist, so machte sich bald die Ansicht geltend, daß den kirchlichen Bedürfnissen unserer Gemeinden durch Veranstaltung einer neuen Ausgabe des Gesangbuches am leichtesten abgeholfen werden könne. IV Vorwort. Es sind daher nicht nur die meisten derjenigen Lieder, welche sowohl im Eisenacher Entwurfe, als auch in unferm alten Gesangbuche sich befinden, und noch einige andere treffliche Lieder unseres alten Gesangbuchs in den Anhang aufgenommen, sondern es sind auch an die Stelle mehrerer, für den kirchlichen und häuslichen Gebrauch sich weniger empfehlender Lieder unseres bisherigen Gesangbuchs einige andere mehr bewährte, neuere Kirchenlieder gesetzt und ist zugleich, um den ferneren Gebrauch der zeitherigen Ausgaben unseres Gesangbuchs nicht auszuschließen, von den neuaufgenommenen, in der neuen Ausgabe mit einem Stern(*) bezeichneten Liedern ein besonderer Abdruck veranstaltet worden, welcher als ein Supplementheftchen in jedes zeitherige Gesangbuch eingelegt werden kann. Wenn wir nun auch nicht verkennen, daß auf dem eingeschlagenen Wege selbst mäßigen Ansprüchen an ein gutes Gesangbuch noch nicht genügt sein wird, so glauben wir doch manche der bisher empfundenen Lücken ausgefüllt und manchem nicht unbilligen Wunsche Rechnung getragen zu haben und den christlichen Gemeinden unseres Landes zu ihrer öffentlichen und häuslichen Erbauung einen Liederschat darzubieten, welcher unter dem Segen des Höchsten, um den wir inständig bitten, christliche Gesinnung und christliches Leben mehr und mehr unter uns zu fördern geeignet sein dürfte. Rudolstadt, den 27. Februar 1856. Der Fürstl. Kirchenrath. Inhalt. A. Lieder an Sonn- und Festtagen und bei anderen feierlichen Veranlassungen. Seite. 1) An Sonn- u. Festtagen 1 2) Beim Anfange des Kirchenjahres. 3) Advents- Lieder 4) Weihnachts- Lieder 5) Neujahrs- Lieder 6) Am Feste der Erscheinung Christi 7) Am Feste der Darstellung Christi 8) Am Feste der Verkündigung Mariä 9) Passions- Lieder 10) Oster- Lieder 11) Himmelfahrts- Lieder ♦ 12) Pfingst- Lieder. 13) Am Feste der Dreieinigfeit 14) Am Johannistage 15) Am Feste Mariä Heimsuchung 16) Am Michaelis- Feste 17) An Aposteltagen ● 89 12 16 19 20 22 23 31 35 38 40 ④45 45 47 43 • 44 6) Vom christlichen Glauben und Wandel 101 2) Schöpfung, Erhaltung u. Regierung Gottes. 118 3) Mensch- dessen Natur, Würde u. Bestimmung 124 4) Sünde u. ihre Folgen 128 5) Christus als Erlöser u. Weltbeglücker. 131 137 21) Am Ernte- Feste 22) Am Berg- Feste 23) An Friedens- Festen Seite. ● 24) An Jubelfesten in Beziehung auf Religion. 25) In Wochenkirchen 26) In Betstunden 27) Bei einer feierlichen Taufhandlung 18) An Buß- und Bettagen 47 19) Am Einweihungsfeste 37) Von der Witterung 38) Vom gemeinen Wohlstand 51 einer neuen Kirche. 20) Am Kirchweih- Feste. 52 39) Von gemeiner Noth 58 60 63 66 Katechismus- Examen. 67 28) Bei Kinderlehren und B. Lieder über die Glaubens- und Sittenlehre. 1) Gott-dessen Dasein u. Vollkommenheiten f 29) Bei der Confirmationshandlung 30) Bei der Beichte 31) Bei dem heiligen Abendmahle. 32) Bei Trauungen 33) Bei Einweihung zum Predigt oder Lehramte 80 34) Bei Leichenbegängnissen 81 35) Von den Jahreszeiten 87 36) Von der Saatzeit und der Ernte Seite 53 55 56 7) Erkenntniß Gottes, Liebe und Ehrfurcht gegen Gott 69 70 74 79 92 94 97 98 Seite. 151 8) Pflichtmäßiges Verhalten gegen uns selbst. 165 9) Pflichtmäßiges Verhalten gegen unsere Nebenmenschen 10) Besserungs- u. Tugendmittel 184 214 VI Inhalt. Anhang einiger Lieder aus dem alten Gesangbuche. Seite. Beim Anfang des Kirchenjahres Sonntagslieder. Adventslieder Weihnachtslieder Neujahrslieder 250 250 252 255 258 Am Epiphanias- Feste 260 Am Feste Mariä Reinigung 261 Am Feste Mariä Verkün262 Vom digung Leiden und Sterben Jesu Christi 262 Von der Auferstehung Jesu 269 273 274 278 278 Christi Von der Himmelfahrt Jesu Christi Pfingstlieder. Am Trinitatis- Feste Am Johannis- Feste Am Feste Mariä Heimsuchung Von Gott. Von den Engeln Vom Menschen. Von der Fürsorge und Regierung Gottes. 286 293 295 296 300 302 Die Litaney 304 Von der christlichen Kirche 305 Vom Worte Gottes . 306 Von der heiligen Taufe . 310 Vom Sohne Gottes. Vom heiligen Geiste Von der Buße. Vom Glauben Vom Gebet. Mission . ♦ 279 280 283 285 ● Seite. Vom heiligen Abendmahl 312 Von der Rechtfertigung 315 Jesuslieder Berufslieder. 316 . 318 Ehestandslieder. Vom christlichen Wandel Von der Ergebung in Gottes Willen 325 Von der christlichen Geduld 328 Von der Verleugnung der Welt. 329 Vom Verlangen nach Gott 329 Von der Nachfolge Christi 330 Von der Treue und Be= ständigkeit 332 Sorge für die Seligkeit 333 Von der geistlichen Wachsamkeit 334 Von der wahren Freundschaft. • 335 Vom Vertrauen auf Gott. 336 Lob- und Danklieder 338 341 342 Tischlieder Morgenlieder Abendlieder Reiselied Von der Demuth Wohlthätigkeit. Vom Leiden der Christen. 351 Von allgemeinen Landplagen Vom Trost in Noth und Leiden Vom Tod und Sterben • . 318 319 • ♦ ♦ 345 349 349 351 352 352 357 Lieder des zweiten Anhangs. . 365 365 Gustav Adolf Verein.. 368 A. Lieder an Sonn- und Festtagen und bei anderen feierlichen Beranlassungen. I. Bum allgemeinen Gebrauche. An Sonntagen. Mel. Es ist das Heil uns kommen zc. 1. Dich ich beten, Gott, die Himmel an, du Schöpfer aller Dinge, und ich darf auch zu dir mich nah'n; du hörst's, wenn ich dir finge. Du hörst es, wohnst du gleich im Licht, in das mein blödes Auge nicht vermag hinein zu schauen. 2. Wie fürchterlich ist deine Macht, wenn sie die Welt erschüttert! Die Sonne hüllet sich in Nacht, der ganze Erdkreis zittert. Doch mir willst du nicht schrecklich sein. Du willst, ich soll mich deiner freu'n und dich als Vater lieben. 3. O Vater, du erkennest mich, mein Dichten und mein Trachten. Sieh, wie so schwach ich bin, auf dich und deine Huld zu achten. Wie oft, wie oft entfernt mein Sinn sich, Gott, von dir, und neigt sich hin zur Eitelkeit der Erde! 4. Wie oft zerstreuen mich zu sehr nichtswürdige Geschäfte! Wie schwächet eitler Sorgen Heer oft meines Geistes Kräfte! Jetzt will ich frei und ruhig sein, dir diesen Tag der Ruhe weih'n, um meiner Pflicht zu denken. 5. Wenn deines Wortes Lehrer mir den Weg zum Himmel zeigen, laß meinen Geist empor zu dir in stiller Andacht steigen, damit zu edler Thätigfeit, für meines Lebens künft'ge Zeit, ich neue Kräfte sammle! J. A. Cramer. Mel. Herzliebster Jesu, was zc. 2. Dieß ist der Tag, zum Segen eingeweihet; ihn feiert gern, wer deiner, Gott, sich freuet. D laß auch mich mit Freuden vor dich treten, dich anzubeten! 2. Dich rühmt der Lobgesang der Himmelsheere. Auch unser Tempel schallt von deiner Ehre, auch unser Dank und unsers Geistes Flehen soll dick erhöhen. 3. Wie freu' ich mich, da wo gerührt die Deinen anbe tend vor dir stehen, zu erscheinen, wo deine Menschen ihren Dank dir bringen, und dir lobsingen! 4. Mit Andacht will ich Höchster, zu dir treten; ich weiß, du liebst, die kindlich zu bir beten. Mit Freuden will ich, Vater, deine Lehren der Wahrheit hören. 1 2 An Sonntagen. 5. Auch folgen will ich diesen| Größe seiner Macht das Leben heil'gen Lehren, und von der an das Licht gebracht! Sünde mich zu dir bekehren. Regiere mich, daß meine ganze Seele zum Ziel dich wähle! 6. Dein Tag sei mir ein Denkmal deiner Güte, ein Tag des Danks; er lenke mein Gemüthe auf jenen Trost, den uns dein Sohn erworben, da er gestorben. 7. Dich bet' ich an, du Todesüberwinder, der du an diesem Tag zum Heil der Sünder, die Gott und ihre Seligfeit nicht kannten, vom Grab erstanden. Mel. Vom Himmel hoch, da 2c. 3. Dieß, Chriſten, ist der Tag des Herrn! Versammelt euch im Tempel gern! Ihn preisen ist des Christen Pflicht; drum, Christen, auf! versäumt sie nicht! 8. Es fei're dankbar diesen Tag die Erde, daß jedes Land voll deines Ruhmes werde! Lob sei, Erlöſer, beinem großen 4. ich deine Lehren, o Mel. Herzliebster Jesu, was 2c. En will Namen auf ewig! Amen. C. C. Sturm. Heiligster, mit frommer Andacht hören. Ich will mich da in dem Entschlusse stärken zu edeln Werken. 2. Wohl mir, wenn meine Andacht, meine Brüder zu gleicher Andacht reizt und sie mir wieder ein rührend Beispiel werden, dir mit ihnen getreu zu dienen! 2. Rühmt seine schöpferische Macht, die alles einst hervorgebracht, den Himmel und die ganze Welt, und alles, was fie in fich hält! 5. Du Sieger über Tod und Grab, der sich für uns zum Opfer gab, laß uns der Wohlthat würdig sein, mach' uns von unsern Sünden rein! 6. Laß deiner Auferstehung Kraft, die neues Leben in uns schafft, uns mit dem hohen Trost erfreu'n, einst ewig, Herr, bei dir zu sein! 3. Erkennt, um dankbar ihm zu sein, daß seine Vaterhuld allein auch euch erschuf, und was euch nützt, euch liebreich gibt, euch nährt und schützt! 4. Rühmt auch, daß heute Jesus Christ vom Tod einst auferstanden ist, der durch die 7. Dheil'ger Geist, dein Unterricht sei immer unsers Lebens Licht, und leit' uns auf der Tugend Bahn durch Glück und Unglück himmelan! R. Selneccer, veränd. durch Zollikofer. 3. Wenn wir dich da mit einem Munde loben, wie fühlen wir uns dann zu dir erhoben! Ein neuer Eifer, was du willst, zu wählen, belebt die Seelen. 4. Ich soll durch deinen Geist geheiligt werden, soll als Erlöfter deines Sohns auf Erden dir, Ewiger, mit Zuversicht vertrauen, und einst dich schauen. An Sonntagen. 5. D! wie viel Segen willst du, Gott, mir schenken, wie 6.& heb' 6. Schickhuldreich meines Lebens sal lenken, wenn ich mit Eifer hier nach Wahrheit ringe und fie vollbringe! 6. Laß mich auch heute dieses Glück erfahren, und jede gute Rührung treu bewahren, laß immer weiser mich schon hier auf Erden und besser werden! 3. A. Cramer, verändert. Mel. O daß ich tausend Zungen 2c. 5. D ein Lob, o Gott, ertönen Lieder nicht in geweihten Hallen nur. Dich preist als Vater und Gebieter an allen Orten die Natur; dein Tempel ist die ganze Welt, die dein allmächt'ger Arm erhält. 3 Mel. Komm' heiliger Geist, Herre zc. Erheb' uns zu dir, du, ist war sein wird, Ewiger! Du Unerforschter und Bekannter! Du aller Himmel Erstaunen! Vor dem sein Knie der Cherub beugt, und nieder seine Krone wirft! O du, vor dem bald Sünder weinen, bald Lobgefang zu stammeln wagen, Unendlicher! Unendlicher! 2. Doch reichlich fließet uns dein Segen, der jedem frommen Beter lohnt, von deinem Thron auch hier entgegen, wo deines Namens Ehre wohnt, wo Greis und Jüngling, Mann und Kind zu deinem Ruhm versammelt sind. 3. Wenn hier vereint in heil'gen Chören ein Lobgesang den andern hebt, und jedes Herz, dich zu verehren, erweckt zu gleicher Andacht strebt, wie stärket da, wie tröstet mich der heilige Gedank' an dich! 4. Enthülle dich aus deinem Worte, Gott, Allerheiligster, uns ganz! Nicht hier allein, an jedem Orte umstrahl' uns deines Lichtes Glanz, hier uns im Glauben dir zu weih'n, dein Tempel überall zu sein! 3. G. Pfranger. 2. Entreiß' uns der Welt, weck uns auf von unsrer Eitelfeiten Traum! Es ruh' auf uns des Sabbaths Stille, damit im Himmel wir wandeln; sei, wie du verheißen hast, O Versöhner, mitten unter uns; denn sieh', in deinem großen Namen sind wir versammelt, anzubeten, o du, der uns bei Gott vertritt! 3. Es fliehe von uns, was die Welt nur angeht, und nicht ewig ist! Zu klein sei hier im Heiligthume uns jeder Erdengedanke! Hier fühle unser Herz es ganz, daß es im Staub' ein Fremdling ist! Laß, Herr, zu unserm Vaterland hinauf die hohe Seele steigen, hinauf zu Gott, hinauf zu Gott! G. F. Kiopstock. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu zc. 7. ier sind wir, Gott, und Hier fleh'n um Licht, versage deinen Geist uns nicht, lehr' uns dein heilig Wort versteh'n und freudig deine Wege geh'n. 2. Daß wir im Glauben stark und frei von aller Sünd' und Heuchelei dir dienen unsre 4 An Sonntagen. Lebenszeit in Wahrheit und Gerechtigkeit! 3. Erhör' uns, unser Lobgefang gefalle dir und unser Dank, bis wir vor deinem Throne steh'n und dann vollkommen dich erhöh'n! S. A. Cramer. Mel. Wohl mir, Jesus, meine 2c. 8. Ehre, dir sei Lob und Dank gebracht, Dank für jede gute Lehre, die uns weiser, besser macht! Laß uns nun zu guten Werken die erkannte Wahrheit stärken! 2. Laß uns fromm auf deinen Wegen durch das Erdenleben geh'n, und dann deinen milden Segen, deine Vaterhuld uns seh'n! Gieb uns Mäßigung in Freuden und Geduld und Kraft in Leiden! 3. Laß uns, Vater, hier auf Erden, unsrer großen Pflicht getreu, immer weiser, besser werden! Stehe du im Kampf uns bei! Steh' uns bei, wenn wir einst sterben, und mach' uns zu Himmelserben! Glaube dir bis in den Tod getreu, und immer thätiger durch wahre Liebe sei. J. A. Cramer. An Festtagen. Mel. Wie groß ist des zc. 10. Geheilig eheiligt werde, Gott, dein Name! Herr, großer, wundervoller Name, den selbst kein Engel ganz ermißt. Fallt nieder! und geheiligt werde in tiefer Demuth, eifrig, gern, wie in der Höh', auch auf der Erde der Name Gottes, unsers Herrn! 2. Von Himmeln schallt's zu Himmeln wieder: Bringt dem Allvater Ehr' und Ruhm! im Staube stammeln's unsre Lieder: Rühmt ihn in seinem Heiligthum! Du Majeſtätischer, du Hoher! wer preiſet deinen Namen nicht? Was macht in jedem Kummer froher, was williger zu jeder Pflicht? 3. Sagt uns von unsers Gottes Ehre, ihr Himmel, die sein Glanz durchdringt, bis einst in seiner Engel Chöre auch unser Heilig! Heilig! klingt. Groß, herrlich ist der Name Gottes, ganz Größe, sei der Name Gottes von nun ganz Vollkommenheit. Gelobet an bis in Ewigkeit! C. C. Sturm. Mel. Nun danket alle Gott 2c. 9. Dir, ir, unserm Gott, sei Dank für deines Wortes Lehren! Den Sünder wecktest du, sich ernstlich zu bekehren; Betrübten gabst du Trost, den Schwachen Muth und Kraft, und Lust zur Heiligung in ihrer 3. So ſegne nun dein Wort 11.3 Undacht heil ge Flamdir erheben der Stärke, durch deines Geistes es bringe reiche Frucht, es wirke gute Werke, daß unser men, o Ewiger, vor dir tritt, unser Chor zusammen; wie Mel. Nun danket alle Gott 2c. An Festtagen 2c. 5 heilsam ist's, vor dir empfin-| den heil'gen Geist und Tröster dungsvoll zu steh'n, und dich werth mit rechtem Dienst sie mit Einem Mund lobsingend lobt und ehrt. zu erhöh'n! 3. Du König der Ehren, Jesu Christ, Gott Vaters ewiger Sohn du bist, der Jungfrau Leib nicht hast verschmäht, zu' rlösen das menschlich' Geschlecht; du hast dem Tod zerstört sein' Macht und all' Christen zum Himmel bracht; du sig'st zur Rechten Gottes gleich mit aller Ehr' in's Vaters Reich; ein Richter du zufünftig bist alles, das todt und lebend iſt. 2. Allmächtiger, es sei von aller Menschen Zungen vom Staub hinauf dir Preis und Dank und Lob gesungen! Wer ist, der deine Macht, Unendlicher, versteht? Wir steh'n mit tiefem Schau'r vor deiner Majeſtät. 3. Sei hochgelobt von uns, du Herr der Weltenheere! Von unserm Chor hinauf in deiner Engel Chöre schall' unser Lobgesang nie ohne Dankgefühl! Laut preist dich Herz und Mund und unser Saitenſpiel. Sturm's Samml. In eigener Melodie. * 12. H err Gott, dich loben wir, Herr Gott, wir danken dir, dich, Vater in Ewigkeit, ehrt die Welt weit und breit. All' Engel und Himmelsheer', und was dienet deiner Ehr, auch Cherubim und Seraphim fingen immer mit hoher Stimm': Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott! Heilig ist unser Gott! der Herre Zebaoth! 2. Dein' göttlich macht und Herrlichkeit geht über Himmel und Erden weit, der heiligen zwölf Boten Zahl und die lieben Propheten all', die theuern Märt'rer allzumal loben dich, Herr, mit großem Schall. Die 4. Nun hilf uns, Herr, den Dienern dein, die mit dein'm theuern Blut erlöset sein, laß uns im Himmel haben Theil mit den Heiligen im ewigen Heil! hilf deinem Volk, Herr Jesu Christ, und segne, das dein Erbtheil ist; wart' und pfleg' ihr zu aller Zeit, und heb' sie hoch in Ewigkeit! 5. Täglich, Herr Gott, wir loben dich und ehr'n dein' Namen stetiglich. Behüt uns heut', o treuer Gott, vor aller Sünd' und Missethat! Sei uns gnädig, o Herre Gott, sei uns gnädig in aller Noth! Zeig' uns deine Barmherzigkeit, wie unser Hoffnung zu dir steht; auf dich hoffen wir, lieber Herr, in Schanden laß uns nimmermehr! Amen. Dr. Martin Luther. In eigener Melodie. ganze werthe Chriſtenheit rühmt 13. Du bist's, dem Ruhm und Ehre dich auf allezeit, dich, Gott Vater im höchsten Thron, deinen rechten und einigen Sohn, gebühret, und Ruhm und Ehre bring' ich dir. Du, Herr, hast stets mein 6 An Festtagen 2c. Schicksal regieret, und deine Hand war über mir. Güter der Erden, für die Geschenke deiner Treu; dir dank' ich, denn du heißest sie werden, und deine Güt' ist täglich neu. 10. Dir dank' ich für das Wunder der Güte, selbst deinen Sohn gabst du für mich. Von ganzer Seel' und ganzem Gemüthe, von ganzen Kräften preis' ich dich. 2. Wenn Noth zu meiner Hütte sich nahte, so hörte Gott, der Herr, mein Flehn, und ließ nach seinem gnädigen Rathe mich nicht in meiner Noth vergeh'n. 3. Ich sank in Schmerz und Krankheit darnieder, und rief: o Herr! errette mich! Da half mir Gott, der Mächtige, wieder, und mein Gebein erfreute sich. 4. Wenn mich der Haß des Feindes betrübte, klagt' ich Gott findlich meinen Schmerz. Er half, daß ich nicht Rache verübte, und stärkte durch Geduld mein Herz. 5. Wenn ich verirrt vom richtigen Pfade, mit Sünde mich umfangen sah, rief ich zu ihm, dem Vater der Gnade, und seine Gnade war mir nah. 13. Vergiß nicht deines Gottes, o Seele, vergiß nicht, was er dir gethan! Verehr' und halte seine Befehle, und bet' ihn durch Gehorsam an! 6. Um Trost war meiner Seele so bange; denn Gott verbarg sein Angesicht. C. F. Gellert. Mel. Ich dank' dir schon durch zc. Ich rief zu ihm: Ach Herr! wie so 14. Anbetung ſei dir, HerrGott Schwachen nicht. lichster, aller Dinge! Wer ist dir gleich, wer würdiger, daß man ihm Ehre bringe? 7. Er half und wird mich ferner erlösen. Er hilft, der Herr ist fromm und gut. Er hilft aus der Versuchung zum Bösen, und gibt mir zu der Tugend Muth. 2. In dir vereinigt Alles sich, was wir vollkommen nennen. Preis dir, Heil uns, Herr! daß wir dich als unsern Vater kennen! 8. Dir dank' ich für die Prüfung der Leiden, die du mir liebreich zugeschickt. Dir dank' ich für die häufigern die häufigern Freuden, womit mich deine Hand beglückt. 3. Run dürfen wir, wir Schwache, nicht vor deiner Größe beben; zu dir kann sich mit Zuversicht froh unser Herz erheben. 9. Dir dank ich für die 4. Du, dessen Macht unend11. Erhebt ihn ewig, göttliche Werke, die Erd' ist voll der Huld des Herrn. Sein, sein ist Ruhm und Weisheit und Stärke, er hilft und er errettet gern. 12. Er hilft. Des Abends währet die Klage, des Morgens die Zufriedenheit. Nach einer Prüfung wen'ger Tage erhebt er uns zur Seligkeit. An Festtagen 2c. Ech ist, bist auch der Gott der Lebe; und ewig, wie du selber bit, find deines Wohlthuns Triebe. 5. Wer dir nur folgt, den führest du auf sichern, g'raden Wegen hier einer wahren Geistesruh', dort vollem Heil entgegen. 6. Ja, nicht blos zur Zufriedenheit auf kurzem Pilgerpfade, zu Freuden einer Ewig feit erschuf uns deine Gnade. 7. Wie sollten wir denn deinen Ruhm nicht wonnevoll er= heben, und als dein Volk und Eigenthum nicht dir zur Ehre leben! 8. Kein Tag von unsrer Lebenszeit soll, Höchster, uns vergehen, an dem wir deine Herrlichkeit nicht ehrfurchtsvoll erhöhen. 7 Die Noth, womit sein weiser Rath uns prüft, erleichtert er. 5. Er trägt nach güt'ger Väter Art, uns Schwache mit Geduld; er züchtigt wohl, doch nie zu hart, und schenkt uns gern die Schuld. 6. Er weckt uns das Gewissen auf, ruft uns zur Besserung, und stärkt uns, achten wir darauf, mit Kraft zur Heiligung. 7. Er bleibt uns treu. Sein Wort steht vest. Wer hier sich zu ihm hält, kommt, wenn er diese Welt verläßt, zum Glück der bessern Welt. 8. Weiht, Christen, weiht zum Preis und Dank ihm eure Lebenszeit! Einst wird er unser Lobgesang noch in der Ewigkeit. P. Gerhard, veränd. durch Diterich und Cramer. 9. Mit Unterwerfung, Lieb' Mel. Nun danket alle Gott 2c. und Dank soll unser Herz dich 16. on Freud' und Dank Lobgefang der ganze Himmel den Gott der Liebe! Weiht hören. ihm des Geistes Kraft, weiht ihm des Herzens Triebe! O J. S. Diterich. Mel. Vobt Gott, ihr Christen 2c. 15. Auf, Christen, bringet Menschen, Seligkeit schließt der Gedanke von dem und Herrscher aller Welt, dem Mächtigen, der Erd' und Meer und alle Himmel hält! gen, von Gott geliebt zu sein. 2. Frohlockt mit jubelreichem Schall Gott, unserm höchsten Gut, der große Wunder über all, auch an uns Menschen thut! 2. Der Schöpfer spricht ein Wort, und eine Welt entstehet. Er spricht, der Ewige, und eine Welt vergehet; Licht ist sein Kleid, sein Blick durchdringt der Tiefen Nacht; das grenzenlose All' umfasset seine Macht. 3. Von unsrer zarten Kindheit an hat er uns unterstüßt, er, der allein uns helfen kann, und gern uns hilft und schüßt. 4. Er streut auf diesen Lebens 3. Doch nur um wohlzuthun, zu segnen, zu beglücken, gebraucht er seine Macht. Mit pfad viel Freuden um uns her. I freudigem Entzücken fühlt seine 8 An Festtagen 2c. Vaterhuld, fühlt seine Gütig-| ist mehr als einer Welt Gewinn. keit! Auch uns hat unser Gott gesegnet und erfreut. Eh' Erd' und Himmel wac, warst du unwandelbar. Lobt den Höchsten; ihn, ihn erhöht! sein Wort besteht, wenn Erd' und Himmel schon vergeht. 4. Wir danken, Vater, dir; wir weihen, Gott der Liebe, dir unfres Geistes Kraft, dir unsres Herzens Triebe. O bilde unser Herz nach dir, Allgütiger, und mach' an Güte dir uns immer ähnlicher. H. G. Demme. Mel. Wachet auf! ruft uns die zc. 3. Einst erschuf er, sich zur Ehre, von Sonnen unzählbare Heere, auch die, die uns strahlt, uns erquickt. Um die Sonne hieß er Erden, auch die, die uns ernähret, werden, und herrlich hat er sie geschmückt. Er sprach, und es geschah; die Welt stand fertig da. Lobt den Höchsten! er will, er spricht's. Er schafft aus Nichts, der Herr, der Vater alles Lichts. 17. Unsern Gott, den Gott nsern Gott, den Gott der Ehre, besingen seiner Engel Chöre; der Herr ist groß! sein Nam' ist hoch! Werd' auch du voll seines Ruhmes, Volk Gottes, Volk des Eigenthumes; ob du schon Staub bist, preis' ihn doch! Süß ist dem Gnädigen auch Dank des Stammelnden. Lobt den Höchsten! Der reich an Güt' auf's Niedre sieht, verschmäht nicht schwacher Menschen Lied. 2. Höchster, deiner Allmacht gleichet auch deine Gnade, und fie reichet durch aller Himmel Himmel hin. Nie hast du dein Wort gebrochen, selbst Hoff- regierst mich väterlich. nung deß, das du versprochen, 4. Herr, von dem wir alle Gaben aus deines Reichthums Fülle haben, du Herr, vergisfest uns'rer nie. Du schufft alle Millionen, die auf dem weiten Erdkreis wohnen, du kennst und überschauest sie; und jedem theilest du sein Maaß mit Weisheit zu. Lobt den Höchsten! Mein Gott, durch dich entstand auch ich, und du 1) Beim Anfange des Kirchenjahres. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 18. Best steht dein Bund, wie Felsen stehen, du Gott der Gnade, Gott der Treu! Jahr' und Jahrhunderte vergehen; doch deine Güt' ist täglich neu. Für diese Güte 3. A. Schlegel. II. Lieder zu besonderem Gebrauche. bringen wir auch heute Dank, o Vater, dir. 2. Kein Feind zerstörte die Altäre, kein Feind zertrat dein Heiligthum. Noch singen wir von deiner Ehre, noch predigt man von deinem Ruhm. Durch Taufe, Abendmahl und Wort pflanzt sich auch hier die Kirche fort. Beim Anfange des Kirchenjahres. 3. Doch fragst du nach des Wortes Früchten und bringit, was wir gethan, ans Licht, nach unsern Werken uns zu richten, so, Heiligster, besteh'n wir nicht. Du trugest uns mit viel Geduld; wir aber häuften Schuld auf Schuld. 4. O laß es deinem Geist gelingen, bei uns in diesem neuen Jahr die Sünde mächtig zu bezwingen, wo sie bisher noch herrschend war! Wir schwören dir heut' ew'ge Treu, daß sie nicht weiter herrschend sei. 5. Laß hier, wo wir jetzt niederfallen, dein unverfälschtes Gnadenwort bei unsrer Nachwelt noch erschallen, und sie an diesem heil'gen Ort der Tauf und deines Mahls sich freu'n, und deine wahre Kirche sein! 6. Gib, daß wir dich stets kindlich ehren als dein geweihtes Eigenthum! Einst führst du uns zu jenen Chören, wo man, erfüllt von deinem Ruhm, das Leben, das uns dort beseelt, nicht mehr nach Tag und Jahren zählt. Mel. Nun laßt uns Gott 2c. 19. Hier find wir, dich zu dem wir angehören, dir, Vater, zu lob fingen, dir Preis und Dank zu bringen. 2. Noch leuchtet dir zur Ehre der Offenbarung Lehre, dieß Licht, von dir verbreitet, das uns zum Leben leitet. 9 4. Du duldest uns auf Erden; wir sollen frömmer werden, und, was wir seh'n und hören, soll uns zu dir bekehren. 3. Noch hast du uns verschonet, nach Sünden nicht gelohnet, mit Langmuth uns getragen, erhört Gebet und Klagen. 5. Herr Gott von großer Treue, wir preisen dich! Erfreue uns noch mit deinem Lichte, führ' uns nicht zum Gerichte! 6. Wir wollen voll Vertrauen auf deine Güte schauen, dein heilsam Wort recht lernen, vom Bösen uns entfernen. 7. Hilf uns zu allen Zeiten! laß uns dein Auge leiten! getreu sei jeder Lehrer, und folgsam jeder Hörer! 8. Dein Friede wohn' im Lande! gib Segen jedem Stande! nach überwundnen Leiden gib uns des Himmels Freuden! 9. Wenn, Vater, deine Frommen in deinen Tempel kommen, so wollest du gewähren, was sie von dir begehren! 3. A. Cramer. 2) Advents- Lieder. Mel. Straf mich nicht in deinem zc. 20. Was der Menschenvater thut, was sein Rath ersehen, muß, denn es ist immer gut, uns zum Heil geschehen. Ihm gebricht Weisheit nicht, ihm, der nie gefehlet, was sein Rathschluß wählet. 2. Jesus wird zum Heil der Welt einer unsrer Brüder, er, der Helden größter Held, kommt zu uns hernieder; brüderlich wollt' er sich und sein theures Leben hin für Sünder geben. 3. Lange noch, eh' er er 10 schien, sollte schon auf Erden Wohlfahrt, Ruh' und Glück durch ihn angekündigt werden; ward auch schon für den Sohn, der uns Heil gewähret, von Gott selbst erkläret. 4. Gott ließ seiner Ankunft Zeit vorher offenbaren, und der Ankunft Wichtigkeit früh die Welt erfahren. Alles war offenbar, alles ward erfüllet, und durch ihn enthüllet. 5. Wer schaut so, wie Gott, vorher in der Zukunft Zeiten? Wer enthüllt, so klar, wie er ihre Dunkelheiten? Wer erreicht je so leicht auf verborgnen Wegen seines Zweckes Segen? 6. Er, der seine Welt regiert, kann Begebenheiten, auf die ihn sein Rathschluß führt, lange vorbereiten. Nichts wird Licht, was er nicht weise überdenket, wählt, beschließet, lenket. 3. C. Grot. Advents- Lieder. 2. Wer ist der Lehrer und der Held voll göttlich hoher Macht? Sieh, Christus ist's, lobsinge, Welt! Dir wird dein Heil gebracht. 3. Dir, Menschgewordner, bringen wir Anbetung, Preis und Dank. Du kommst. EntGottes Sohn, Dich würdiger erhöh'n. D. Schiebeler. Die vorige Melodie. 22. D es Aberglaubens Finsterniß deckt Menschen, Welt und Land; der sie der Knechtschaft Joch entriß, Gott, wird als Gott verkannt. 5. Mit göttlich hoher Wunderkraft wirkt er, so oft er Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. 21. Er kommt, der Lehrer spricht, ist frei von aller Leidenschaft, und Beispiel jeder Pflicht. und der Held, voll göttlich hoher Macht. Sein Arm besiegt, sein Blick erhellt des Todes Mitternacht. 4. Einst, wenn wir auf des Himmels Thron in Herrlichkeit dich seh'n, soll unser Lob, o 2. Blos von des Gottesdienstes Glanz und seiner Bracht gerührt, verkennen sie die Absicht ganz, auf die Gott selbst sie führt. 3. Das Laster dringet weit umher mit frecher Stirn hervor, und hebet immer mächtiger sein stolzes Haupt empor. 4. Er kommt, der längst gewünschte Held, gibt seinem Volke Glück, bringt ihm zum Segen für die Welt der Wahrheit Licht zurück. 6. Er, aller Völker Heil, zerbricht das Joch, das schwer sie drückt, verbreitet seiner Lehre Licht und segnet und beglückt. 7. D preiset, Völker, preiſt den Sohn, der euch zum Heil erschien, fallt nieder vor des Vaters Thron, der euch dieß Heil verlieh'n! J. C. Grot. Mel. Kommt her zu mir 2c. gegen schalle dir der Erde Lob- 23. Erwache nun, o Christenheit, zu dieser segensvollen Zeit, um fromm und gut zu handeln! Vergangen ist die finstre Nacht; denn Advents- Lieder. 11 Jesus hat uns Licht gebracht.| mern; das heilige Reich, das Laßt uns im Lichte wandeln! Jesus gegründet, wird ewig bestehen. Ich auch, Jesu, freue mich; denn mein Herz verehret dich. 2. Ja, Gottes Sohn kam uns zu gut, nahm an sich unser Fleisch und Blut, um Bruder uns zu werden. Die Menschheit ist mit Gott vereint, vom Himmel kam der Menschenfreund und brachte Fried' auf Erden. 3. Er stärket die Seinen mit göttlicher Kraft, den schönsten, den edelsten Sieg zu erringen, den Sieg, der den seligsten Frieden uns schafft, um Segen noch jenseit des Grabes zu bringen. Stärk im Kampf, o Jesu, mich; denn mein Herz verehret dich! 3. Heil dir, erlöste Christenheit! Zwar kam der Herr in Niedrigkeit, am Kreuze wollt' er sterben; doch wer mit treu erfüllter Pflicht auf ihn ver= traut voll Zuversicht, wird Heil durch ihn ererben. 4. Noch kehret er in Herzen ein, durch Licht und Kraft sie zu erfreu'n, doch nur in fromme Herzen. Wer ihn nur mit dem Munde nennt, nicht herzlich, thätig ihn bekennt, der wird das Heil verscherzen. 4. Freut, Christen, Verehrer des Göttlichen, euch, und bleibt ihm mit ewiger Treue ergeben! Gelobet, als Bürger im sittlichen Reich, ihn würdig zu ehren mit heiligem Leben. Heilige, o Jesu, mich, denn mein Herz verehret dich! H. G. Demme, Mel. Jesu, meine Freude zc. 5. Erleucht uns durch der 25. antt ihm, feine Jeſus ist gekommen. Wahrheit Licht, daß wir dich durch erfüllte Pflicht und wahren Glauben ehren! Einst wenn dein großer Tag erscheint, laß uns, Erlöser, Menschenfreund, ein sanftes Urtheil hören! Frommen! dankt ihm, daß er kam, dankt, daß er auf Erden, unser Heil zu werden, seine Wohnung nahm! Mensch, wie wir, erschien er hier, der zur Erde sprach: Entstehe! der einst In eigener Melodie. 24. Erschienen ist Jesus, der spricht: Vergehe! Heiland der Welt, auf Erden zum Segen der Menschheit erschienen, ein Licht, das mit Wahrheit die Seelen erhellt, der ewigen Gottheit im Geiste zu dienen. Jesu, komm, erleucht' auch mich; denn mein Herz verehret dich! 2. Freut, Christen, Verehrer des Göttlichen, euch! Es mögen die Reiche der Erde vergehen und Welten zertrüm2. Laßt uns niederfallen, danken, daß Gott allen ihn zum Bruder gibt, daß er, ihr Verlornen, uns im Eingebornen wie ein Vater liebt! Welch ein Heil, am Sohne Theil, Theil durch seiner Zukunft Gaben selbst an Gott zu haben! 3. Keine Macht der Leiden soll von ihm uns scheiden! Er bleibt ewig treu. Dort wird er vom Bösen völlig uns erlösen; 12 Advents Lieder. hier steht er uns bei. Unser| so herrlich hoch in deinem Sohn Freund, mit Gott vereint, kann nicht seine Brüder hassen, nie sie hilflos lassen. 4. Wenn wir einst ermüden, führt er uns zum Frieden durch des Grabes Nacht. Unsre todten Glieder gibt die Erd' ihm wieder, ihm, der sie bewacht. Jesus ruft uns aus der Gruft, der, der selbst den Tod einst schmeckte, den auch Staub bedeckte. 5. Auf dem Richterthrone werden wir im Sohne unsern Bruder schau'n. Heil und ew'ges Leben wird er allen geben, die sich ihm vertrau'n. Er ward hier versucht, wie wir; unsrer Schwachheit wird er schonen, unsre Treue lohnen, 6. Gilet, eilt ihr Sünder, werdet Gottes Kinder, glaubet an den Herrn! Gilet, eilt, ihr Frommen, seid wie er vollkommen, und gehorcht ihm gern! Preiset ihn, daß er erschien! preist ihn, ewig ihm ergeben, durch ein göttlich Leben! B. Münter. 3) Weihnachts- Lieder. In eigener Melodie. 26. Auf, schicke dich, recht feierlich des Hei lands Fest mit Danken zu begehen! Lieb ist der Dank, der Lobgesang, durch den wir ihn, den Gott der Lieb' erhöhen. 2. Sprich dankbar froh: Also, also hat Gott die Welt in seinem Sohn geliebet! O, wer bin ich, Herr, daß du mich geliebet! 3. Er, unser Freund, mit uns vereint zur Zeit, da wir noch seine Feinde waren; er wird uns gleich, um Gottes Reich und seine Lieb' im Fleisch zu offenbaren. 4. An ihm nimm Theil, er ist das Heil! Thu täglich Buß' und glaub' an seinen Namen; der ehrt ihn nicht, wer Herr, Herr! spricht, und doch nicht sucht sein Beispiel nachzuahmen. 5. Aus Dank will ich in Brüdern dich, dich, Gottes Sohn, bekleiden, speisen, tränken, der Frommen Herz in ihrem Schmerz mit Trost erfreu'n und dein dabei gedenken. 6. Erhebt den Herrn! Er hilft uns gern, und wer ihn sucht, den wird sein Name trösten. Halleluja! Halleluja! Freut euch des Herrn, und jauchzt ihm, ihr Erlösten! C.F. Gellert. Mel. Vom Himmel hoch zc. * 27. Gott gemacht, sein ieß ist der den werd' in aller Welt gedacht, ihn preise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist! 2. Die Völker haben dein geharrt, bis daß die Zeit er= füllet ward; da sandte Gott von seinem Thron das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. 3. Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still; er betet an und er ermißt, daß Gottes Lieb' unendlich ist. Weihnachts- Lieder. 13 nicht uns auch geboren? 4. Damit der Sünder Gnad'| barmung zu freu'n? Ist er erhält, erniedrigst du dich, Herr der Welt, nimmst selbst an unsrer Menschheit Theil, erscheinst im Fleisch und wirst uns Heil. 2. Schatten und Dunkel bedeckte den Erdkreis. Es irrten Völker umher, wie die Herden, verlassen vom Hirten. Jesus erschien. Nächte verschwanden durch ihn, die auch den Weisen verwirrten. 5. Dein König, Zion, fommt zu dir; ,, ich komm', im Buche steht von mir: Gott, deinen Willen thu' ich gern." Gelobt sei, der da kommt im Herrn! 6. Herr, der du Mensch geboren wirst, Immanuel und Friedefürst, auf den die Väter hoffend sah'n, dich, Gott Mesfias, bet' ich an. 7. Du, unser Heil und höchstes Gut, vereinest dich mit Fleisch und Blut, wirst unser Freund und Bruder hier, und Gottes Kinder werden wir. 8. Durch Eines Sünde fiel die Welt, ein Mittler ist's, der sie erhält; was zagt der Mensch, wenn der ihn schützt, der in des Vaters Schooße figt! 9. Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, den Tag der hei ligsten Geburt, und Erde, die ihn heute sieht, sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied! 10. Dieß ist der Tag, den Gott gemacht, sein werd' in aller Welt gedacht; ihn preise, was durch Jesum Christ im Himmel und auf Erden ist! C. F. Gellert. Mel. Hast du denn, Jesu, dein 2c. 28. Chre hre sei Gott in der Höhe! Der Herr ist geboren. Lasset uns singen, o Brüder! sind wir nicht erforen, hier schon uns sein, seiner Er3. Menschen, berufen, sich unter einander zu lieben, folgten der Zwietracht und Bitterkeit schändlichen Trieben. Jesus erschien, lehrte den Menschenhaß fliehn, lehrte den Frieden uns lieben. 4. Wohlthun und Segen nur folgten des Göttlichen Schritten, Troft und Erquickung trug er in der Weinenden Hütten; selbst er, ihr Freund, hätte vielfältig geweint, selber geduldet, gelitten. 5. Ehre sei Gott in der Höhe! Ein ewiges Leben hat er durch ihn, seinen Sohn, uns erbarmend gegeben. Bis in das Grab stieg er vom Himmel herab, einst uns zum Himmel zu heben. 6. Selige Aussicht, wenn dann meinen Retter ich sehe, ihn mit den Schaaren Vollendeter ewig erhöhe! Danket schon hier, selige Brüder, mit mir! Ehre sei Gott in der Höhe! A. H. Niemeyer. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. 29. Preist, Menschen, preift im Jubelton, preist, Völker, euer Glück! Euch bringet Jesus, Gottes Sohn, verlornes Heil zurück. 2. Er kommt voll Huld und 14 Weihnachts- Lieder. schenket euch in sich den besten| Mensch geworden bist, in deiner Freund; er kommt zu euch, fommt in sein Reich, wird Kind wie ihr, und weint. Engel Chöre Anbetung, Preis und Ehre. 4. Hier soll, so lang noch Sterblichkeit und Sünden uns beschweren, durch unsre ganze Pilgrimszeit dich unser Dank verehren; doch mehr preis' unser Leben dich, und unser Geist bestrebe sich, stets durch ein göttlich Leben dich, Heiland, zu erheben! 5. Schon hier, erhabner Gottessohn! sind wir durch Hoffnung selig. Die Freuden, die uns dort am Thron erwarten, sind unzählig. Dir, der sie gnadenvoll erwarb, der für uns Mensch ward, für uns starb, sei ewig Dank und Ehre, Mel. Ermuntre dich, mein 2c. 30. Gelobet jeift du, Jesu, Anbetung, Preis und Ehre! C. von aller Menschen Zungen, von jedem, Mel. Wie schön leuchtet der zc. der noch ſterblich iſt, verherr. 31. Quf! stimme du mit und besungen! Gelobet feist du von der Schaar, die einst, wie wir, auch sterblich war, nun heilig, ganz erneuert, den Sabbath Gottes feiert! 3. Er weint, und ihr, ihr seht durch ihn die Menschheit hoch erhöht. Die Würde, die er ihr verlieh'n, war bei ihm Majestät. 4. Euch drückte Sündensclaverei, euch war der Fluch gedroht! Er tilgt den Fluch und macht euch frei, besieget Sünd' und Tod. 5. O werdet dieser Wohlthat werth, erfüllet eure Pflicht! der Sohn, der sich für euch erklärt, ist euer Heil und Licht. 3. C. Grot. 2. In dieser höhern Brüder Dank soll unser Loblied schallen; auch schwacher Menschen Lobgesang hofft, Herr! dir zu gefallen. Noch schauen wir, ach! nur von fern die hohe Seligkeit des Herrn, wozu nach diesem Leben du dort uns wirst erheben. 3. Doch bald, bald sind wir auch, wie sie, zum Leben durch gedrungen; bald ist nach kurzer Tage Müh' das Kleinod uns errungen. Dann singen wir dir, Jesu Christ, daß du ein Geist, in jenen Lobgesang, davon der Himmel tönte, als der zur Welt herniederkam und unsre Menschheit an sich nahm, der uns mit Gott versöhnte! Freu' dich innig! Er, dein Führer und Regierer, tam auf Erden, Licht und Heil auch dir zu werden. 2. Ja, Preis und Ehre, Gott, sei dir! Wie gnadenvoll bist du auch mir in deinem Sohn erschienen! Du sendest aus Erbarmen ihn, die demt Verderben zu entzieh'n, die schnöden Lüsten dienen. Preis dir, daß mir neue Pfade zu der Gnade offen stehen, mich durch dich beglückt zu sehen! Weihnachts- Lieder. 15 3. Und wie vergelt' ich, Hei-| fallen vor unserm Mittler Jeſu land, dir die große Treue, die du mir, schon eh' ich war, er= wiesen? Du bahntest unter bitterm Leid auch mir den Weg zur Seligkeit; sei hoch dafür gepriesen! Durch dich kann ich nun hienieden Gottes Frieden schon empfangen und einst volles Glück erlangen. Christ, und danken, daß er allen Erretter, Freund und Bruder ist! Er gleicht der Morgensonne mit ihrem ersten Strahl, verbreitet Licht und Wonne und Leben überall. Durch ihn kommt Heil und Gnade auf unsre Welt herab; er segnet unsre Pfade durch's Leben bis zum Grab. 4. O gib, daß ich an diesem Heil nun auch im wahren Glauben Theil durch deinen Beistand nehme; daß ich hinweg vom Eiteln seh', die Wege deiner Wahrheit geh' und dein mich nimmer schäme, bis ich durch dich, wenn ich sterbe, zu dem Erbe deiner Frommen auch dereinst werd' aufgenommen! 5. Ich bringe dir ein dankbar Herz, bereit, in Freuden und in Schmerz, wie dir's gefällt zu wandeln. Verleihe du mir selbst die Kraft, nach deinem Wort gewissenhaft zu denken und zu handeln! Fröhlich will ich hier im Leben dich erheben und einst droben wonnevoll dich ewig loben. Mel. Nun lob' mein Seel' den 2c. 32. om Grab, an dem wir wallen, soll Jesu Christ, dein Lobgesang empor zum Himmel schallen; dir opf're jede Seele Dank! und jeder der Gebornen erfreu' sich, Mensch zu sein! und jeder der Verlornen rühm' es, erlöst zu sein; zum Heiland uns gegeben, erschienst du, Gottes Sohn, mit dir erschien das Leben, mit dir des Himmels Lohn. 2. Kommt, laßt uns nieder3. Frohlockt, ihr Mitgenossen der Erde und der Sterblichkeit! Uns ist nun aufgeschlossen der Eingang zur Zufriedenheit. Zu unsrer Erde nieder kam Gottes ew'ger Sohn; nun hebt er seine Brüder empor zu Gottes Thron. Er ward das Heil der Sünder und der Verlornen Hort; nun sind sie Gottes Kinder und Gottes Erben dort. 4. O du, dem jetzt die Menge der Engel und Verklärten singt, vernimm die Lobgesänge, die dir dein Volk im Staube bringt! Auch du warst einst auf Erden, was deine Brüder sind, ein Dulder der Beschwerden, ein schwaches Menschenkind. O, laß auch uns auf Erden dir gleichgesinnet sein, bis wir einst himmlisch werden und dein uns ewig freu'n! 5. Sind wir dann zu demt Lohne der Himmelsbürger dort erhöht; dann sind wir nah' dem Throne und schauen deine Majestät. Nicht mehr aus dunkler Ferne dringt dann der Dank zu dir; weit über Sonn' und Sterne erhaben jauchzen wir; und mit der Himmel Heere 16 Neujahrs- Lieder. schallt unser Lobgesang: dem| verzagen! Laß mich in deiner Ewigen sei Chre! dem Welterlöser Dank! C. C. Sturm. Gnade ruhn, und lehre lebenslang mich thun nach deinem Wohlgefallen! 6. Gib neue Lust und neue Kraft, vor dir gerecht zu wandeln! Laß mich, Herr, stets gewissenhaft mit mir und Andern handeln! Dein Geist belebe Herz und Muth, dich, o du allerhöchstes Gut, und nicht die Welt zu lieben! 4) Neujahrs- Lieder. Mel. Es ist das Heil uns 2c. 33. D¹, u, Gott, du bist der Herr der Zeit und auch der Ewigkeiten; laß mich auch jetzt mit Freudigkeit dein hohes Lob verbreiten! Ein Jahr ist abermal dahin. Wem dank' ich's, Gott, daß ich noch bin? Nur deiner Gnad' und Treue. 2. Dich, Ewiger, dich bet' ich an, unwandelbares Wesen, dich, den kein Wechsel treffen kann! Wir werden, sind gewesen, wir blühen und vergeh'n durch dich; nur du bist unveränderlich; du warst und bist und bleibeſt. flossen wäre. 4. Du hast auch im verfloff'nen Jahr mich väterlich geleitet, und wenn mein Herz voll Sorgen war, mir Hilf und Trost bereitet. Von ganzer Seele preis' ich dich; auf's Neue übergeb' ich mich, Gott, deiner weisen Führung. 7. Die Welt vergeht; dieß reize mich, die Lust der Welt zu fliehen. Um beffre Freuden müsse sich mein Geist schon jezt bemühen! Den Engeln bin ich ja verwandt; im Himmel ist mein Vaterland; dahin, Herr, laß mich trachten! 3. Herr, ewig währet deine Treu' mit Huld uns zu begegnen; und jeden Morgen wird sie neu, mit Wohlthun uns zu segnen. Ich kenne keinen In eigener Melodie. Augenblick, da nicht von ihr 34. Das Jahr ist hinge 5. Vergib mir die gehäufte Schuld von den verfloss'nen Tagen, laß mich an deiner Vaterhuld nicht zweifeln, nicht 8. Herr, unterweise mich, die Zeit recht weislich auszukaufen! Laß mich die Bahn zur Ewigkeit mit heil'ger Vorficht laufen! Der Tage Last erleicht're mir bis meine Ruhe einst bei dir kein Wechsel weiter störet! J. S. Diterich. Schaum im wilden Bach. Denkt seinen heitern Stunden, denkt seinen trüben nach! Zu jenen grauen Jahren entfloh es, welche waren; es brachte Freud' und Kummer viel und führt' uns näher an das Ziel. 2. Sind wir noch alle lebend, wer heute vor dem Jahr, in Lebensfülle strebend, mit Freunden fröhlich war? Ach, mancher ist geschieden, und liegt und schläft in Frieden. Wir wün Neujahrs- Lieder. schen Gottes Ruh' hinab in unsrer Freunde stilles Grab. 3. Wer weiß, wie mancher modert ums Jahr, versenkt ins Grab! Unangemeldet fodert der Tod die Menschen ab. Bei lauem Frühlingswetter weh'n oft verwelkte Blätter. Wer von uns nachbleibt, wünscht dem Freund im stillen Grabe Ruh', und weint. 4. Der gute Mensch nur schließet die Augen ruhig zu; wie gnadenvoll versüßet ihm Gott des Grabes Ruh'! Er schlummert kurzen Schlummer nach dieses Lebens Kummer; dann weckt ihn Gott, vom Glanz erhellt, zur Wonne einer bessern Welt. 5. Wohl auf denn! Frohen Muthes, auch wenn uns Trennung droht! wer gut ist, findet Gutes im Leben und im Tod. Dort sammeln wir uns wieder und fingen Wonnelieder. Wohl auf und gut sein immerdar! sei unser Wunsch zum neuen Jahr. J. H. Vos. Mel. Aus meines Herzens 2c. 35. gen soll, Gott, dir heilig sein; ich will mich, frei von Sorgen, nun deiner Güte freu'n. Bis hierher halfft du, Herr, lobfing' ihm, meine Seele! lobsing' ihm, und erzähle: wie treu, wie gut ist er! 2. Ich überschau' die Pfade der kurzen Pilgerschaft. Nah', Gott, war deine Gnade, nah' war mir deine Kraft. Du leitetest zum Ziel mich auf so sanften Wegen, verliehst mir 17 deinen Segen und großer Freuden viel. 3. Und gegen diese Freuden ( o wer, wer zählet fie?), was sind die kurzen Leiden? was ist des Lebens Müh? Am Abend war mein Herz oft voll von Gram und Sorgen, und mit dem neuen Morgen verschwand mein Gram und Schmerz. 4. So stärke, Gott, dein Auf allen meinen Wegen warst Segen stets meine Zuversicht. du mein Heil und Licht. Wie thatst du mir so wohl! wohin ich geh' und trete, ist jede, jede Stätte von deiner Güte voll. 5. Gott! dir gebühret Stärke und Preis in Ewigkeit. Groß, groß sind deine Werke, groß deine Freundlichkeit. Ich will mein Leben lang dich preiſen, dich erhöhen, und einst mein letztes Flehen sei noch dein Lobgesang! C. C. Sturm, verändert durch Diterich. Mel. Es ist das Heil uns 2c. ott ruft der Sonn' und schafft den Jahr zu theilen. Er schafft es, daß man sicher wohnt, und heißt die Zeiten eilen. Er ordnet Jahre, Tag und Nacht; auf, laßt uns ihm, dem Gott der Macht, Ruhm, Preis und Dank ertheilen! 36. Gott 2. Herr, der da ist und der da war! von dankerfüllten Zungen sei dir für das verfloff'ne Jahr ein heilig Lied gesungen für Leben, Wohlfahrt, Trost und Rath, für 2 18 Fried' und Ruh, für jede That, die uns durch dich gelungen! 3. Laß auch dies Jahr gesegnet sein, das du uns neu gegeben! Verleih' uns Kraft, die Kraft ist dein, in deiner Furcht zu leben! Du schüßest uns, und du vermehrst der Menschen Glück, wenn sie zu erst nach deinem Reiche streben. Neujahrs- Lieder. 4. Gib mir, wofern es dir gefällt, des Lebens Ruh und Freuden! Doch schadet mir das Glück der Welt, so gib mir Kreuz und Leiden! Nur stärke iden! Nur stärke mit Geduld mein Herz, und laß mich nicht in Noth und Schmerz die Glücklichen beneiden. 5. Hilf deinem Volke väterlich in diesem Jahre wieder! Erbarme der Verlassnen dich und der bedrängten Glieder! Gib Glück zu jeder guten That, und laß dich, Gott, mit Heil und Rath auf unsern Fürsten nieder. 6. Daß Weisheit und Gerechtigkeit auf seinem Stuhle throne, daß Tugend und Zufriedenheit in unserm Lande wohne, daß Treu' und Liebe bei uns sei: dieß, lieber Vater, dieß verleih' in Christo, deinem Sohne! C. F. Gellert. über mich. Im Genuß der hohen Gabe der Gesundheit preis' ich dich, preise dich für alle Freuden, preise dich für alle Leiden. 3. Ja auch für die trüben Stunden meines Lebens dank ich dir; denn auch sie sind nun verschwunden, und sie wurden Wohlthat mir. Auch auf rauhen Dornenwegen führst du uns dem Ziel entgegen. 4. Uebung ist das Erdenleben, Bildung für die besfre Welt. Für mein eifriges Bestreben ist das Ziel mir aufgeſtellt. Ringen soll ich hier auf Erden, weiser, besser stets zu werden. 5. Laß die Zeit mich Weisheit lehren! Ach der Tropfen meiner Zeit, ohne je zurückzukehren, fließt in's Meer der Ewigkeit! Nichts kann Zeitmich weise schätzen!! verlust erseßen; laß die Zeit 6. Alles, Alles, was ich habe, Leben und des Lebens Glück, alles ist, Herr, deine Gabe. Dankend richt' ich meinen Blick auf zu dir, gelobe Treue, danke dir, o Gott, aut's neue. 7. Nun, in diesem neuen Jahre sei in Freude wie im Mel. Gott des Himmels und zc. 37. Gott, ott, mit allen seinen Schmerz, ja bis auf die Tod Freuden schwandtenbahre dankbar dir geweiht ein Jahr des Lebens hin, aber mein Herz! Und was ich be auch mit seinen Leiden schwand darf zum Leben, wirst du, dieß Jahr, und, Gott, ich bin Gott, mir ferner geben. bin noch Mensch, soll hier auf Erden noch geübt, gebildet werden. 2. Vor so manchem, manchem Grabe führtest du vor8. Gib uns allen deinen Segen, heilige der Liebe Band, laß uns geh'n auf deinen Wegen fest vereinigt Hand in Hand! Fried' und Heil dem Am Feste der Erscheinung Christi. 19 Ist Vaterlande! Fried' und Heil| meinen Vater nennen. in jedem Stande! H. G. Demme. Gott mein Vater, dann werd' Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns zc. ich nicht ängstlich scheu'n, nie werd' ich trostlos sein. 38. rschienen ist ein neues Jahr. Wir bringen unsern Dank dir dar, dir, der es uns erleben ließ, und so viel Gutes uns erwies. 4. Kommt selbst der Tod, er wird als Engel Gottes kommen. Das Schrecken, das ihn sonst umgab, ist ihm genommen. Wie sollt' ich, Jesu, dir nicht herzlich dankbar sein? Ich bleibe ewig dein. H. G. Demme. 2. Wie schnell verfließt die Lebenszeit, fließt hin ins Meer der Ewigkeit, verfließet wie ein Augenblick, und keine Reu' bringt sie zurück! 3. O lehre, Gott, uns weise sein! Gib, daß wir uns des Lebens freu'n, doch so, daß kein verfloffner Tag durch Reu' den andern trüben mag! 4. Ergeben sei dir unser Herz, daß wir, in Freude, wie in Schmerz, was recht ist, thun, und Unrecht scheu'n! Und du wirst ferner Vater sein. 5) Am Feste der Erscheinung Christi. In eigener Melodie. 39. W as kann ich, Jesu, dir für deine Liebe geben? Geweiht sei dir mein Herz, geweiht sei dir mein Leben! Dir folgen will ich stets und jedes Unrecht scheu'n, so bleib' ich ewig dein. 2. Was wär' ich ohne dich? Umringt von Finsternissen auf meines Lebens Bahn, würd' ich stets zagen müssen. Du haft den Geist erhellt durch deines Lichtes Schein. Dir will ich dankbar sein. 3. Durch dich nur lernte ich den Gott der Liebe tennen, und kann vertrauensvoll ihn Mel. Nun freut euch lieben 2c. 40. Goin in helles Licht ist auch für dich dem Erdkreis aufgegangen, Volk Gottes; sieh'! dein Heil hat sich zu nähern angefangen. Dieß sei dir stets ein Freudentag! Die Nacht, die auf den Völkern lag, durchbrach zuerst sein Schimmer. 2. Der vor'gen Zeit denkt, Christen, doch! Heil euch, sie ist verschwunden. Was war't ihr, eh' der Herr euch noch, eh' ihr noch ihn gefunden? Fragt euch nur selbst; was waret ihr? O werthes Volk, erwecket dir dein vor'ges Bild nicht Grauen? 3. Ein Volk, mit Gott ganz unbekannt, von seinem Bund entfernt, das, von dem Guten abgewandt, nur Bösesthun gelernt, das todten Stein, geschnißtes Holz, wohl gar auf seine Blindheit stolz, als seine Götter ehrte. 4. Du gingst in Schand' und Laster hin, wie jede Luft dich führte. Wenn ja noch den verkehrten Sinn einst das Gewissen rührte: so konnte da doch aus der Noth, die die 2* 20 Am Feste der Darstellung Christi. Natur schon Sündern droht,| gen! Du bist über alles Herr; dir nichts den Ausgang zeigen. ein Geschenk, das dich erfreut, ist ein Herz voll Dankbarkeit. 5. Beglückter Tag, der alle Macht der Finsterniß entwendet, an dem uns Gott nach langer Nacht sein Licht und Heil gesendet! da Gott in dir, Immanuel, mit deinem wahren Israel nun auch die Heiden dantten! 4. Nimm für Gold und andre Gaben Glaube, Lieb' und Hoffnung an. Was wir sind und was wir haben, sei dir gänzlich unterthan! Hier ist mehr als Salomon. Dein sind wir, o Gottessohn! 6. Nun, Volk des Herrn, nun prüfe dich vor seinem Angesichte! Beharrst du unveränderlich in seiner Wahrheit Lichte? Was helfen Opfer des Gebets zum wahren Gott, wenn du noch stets der Welt abgöttisch dieneſt? 7. Was hilft es, daß du Gott erkennst und seinen ganzen Willen, wenn du das Thun vom Wissen trennst, zu träg, ihn zu erfüllen? wenn du oft Treu' gelobst und brichst, zwar christlich glaubst und christlich sprichst, und doch wohl heidnisch wandelst? 3. A. Schlegel. Mel. Gott des Himmels und der zc. 41. Gott 6) Am Feste der Darstellung Christi. Mel. Christus der ist mein 2c. Bott der Juden, Gott 42. Kommt heut an eurem Stabe, ihr Heiden, aller Völker Heil und Licht; Saba sieht den Stern mit Freuden, der von dir am Himmel spricht; Sem und Japhet kommt von fern, dich zu seh'n, du Jacobsstern. 5. Nimm dieß Opfer, Herr, in Gnaden von getreuen Herzen an! Hilf, daß uns zu bösen Thaten keine List bereden kann! Nimm uns vor der Feinde Wuth, starker Gott, in deine Hut! 2. Wir gesellen uns zu denen, die vom Morgenlande sind; unser Fragen, unser Sehnen ist nach dir, erhab'nes Kind! unsre Kniee beugen sich, unser Arm umfasset dich. 3. D, mit welchen ird'schen Schäßzen mag ein armer Sterblicher dich erquicken und ergö6. Heilig führest du die Deinen; sicher machst du ihre Bahn. Laß uns gleichen Trost erscheinen; nimm dich unser mächtig an! Führe du uns an der Hand in das wahre Vaterland! B.Schmolke. storb'nen schon, und denkt am nahen Grabe an einen Simeon! 2. Er betet in dem Tempel hinauf zu seinem Gott, und wird uns ein Exempel von einem schönen Tod. 3. Still flossen seine Tage, still, wie ein Balsam fleußt, und hell, wie Sommertage, so helle war sein Geist. 4. Er soll den Tod nicht sehen, der Gott- erfüllte Mann, bis er von jenen Höhen den Mittler sehen kann. 5. Er sieht ihn, mit Ent Am Feste der Darstellung Christi. 21 zücken drückt er ihn an die| dein Verheißungswort; verBrust; es strahlt von Jesu Blicken ihm Seligkeit und Lust. gönnst noch heut zu Tage, daß man dich gleicherweis' auf Glaubensarmen trage, wie hier der fromme Greis. 6. Seht doch den frommen Alten mit flammendem Gesicht die welken Hände falten, und höret, was er spricht: 7. ,, Mit silbergrauen Haaren kann ich in Frieden nun zu meinen Vätern fahren, um fanft, wie sie, zu ruh'n." 8. Die Fülle meiner Freuden, die Hilfe aus den Höh'n, das Licht der blinden Heiden, den Trost hab' ich geſeh'n." 9. Nun wird sein Glaube größer, und sein Entzücken steigt; er drücket den Erlöser fest an sein Herz und schweigt. 10. Herr, soll ich alt an Jahren, gekrümmt von Harm und Noth zu meinen Vätern fahren: so sterb ich seinen Tod! 11. Zwar werd' ich Gott nicht sehen noch hier, wie Simeon; doch über jenen Höhen erwartet er mich schon. 5. Ja, ja, ich hab' im Glauben, mein Jesu, dich geschaut; kein Feind kann dich mir rauben, wie heftig er auch dräut. Ich wohn' in deinem Herzen, und in dem meinen du; uns scheiden keine Schmerzen, kein' Angst, kein Tod dazu. 12. Dann tönen meine Lieder: Heil mir, nun seh' ich ihn! Die Himmel hallen wieder: Heil dir, nun sieh'st du ihn. C. F. D. Schubart. Mel. Ach Herr, mich armen Sünder zc. 6. Hier blickst du zwar zuweilen auch hart und ernst mich an, daß oft vor Angst und Heulen ich dich nicht fennen * 43. err Jesu, Licht der kann; dort aber wird's gescheHeiden, der From- hen, daß ich von Angesicht zu men Schaß und Lieb! Wir Angesicht soll sehen dein immer kommen jetzt mit Freuden durch klares Licht. Joh. Frank. deines Geistes Trieb in diesen deinen Tempel und ſuchen mit Begier nach Simeons Exempel dich, großen Gott, allhier. 2. Du wirst von uns gefunden, o, Herr, an jedem Ort, dahin du dich verbunden durch 3. Sei unser Glanz in Wonne, ein helles Licht in Pein, in Schrecken unsre Sonne, im Kreuz ein Gnadenschein, in Zagheit Glut und Flamme, in Noth ein Freudenstrahl, in Krankheit Arzt und Amme, ein Stern in Todesqual. 4. Herr, laß auch uns gelingen, daß einst wie Simeon ein jeder Christ kann singen den schönen Schwanenton: mir werden nun mit Frieden mein' Augen zugedrückt, nachdem ich schon hienieden den Heiland hab' erblickt. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen 2c. 44 ir eilen mit dem Wi Strom der Zeit stets näher hin zur Ewigkeit! unwiederbringlich schnell entflieh'n die Tage, die uns Gott verlieh'n. 22 2. Wie bald ist unsers Lebens Lauf vollbracht! zum Greises Ziel hinauf gelangt nur eine kleine Zahl. Ach! Gräber winken überall. Am Feste der Verkündigung Mariä. 3. Doch fließe Leben immer hin! Erfüllen wir mit frommen Sinn im Erdenleben uns're Pflicht, dann schreckt ein frühes Grab uns nicht. 4. Dann wird auch uns am Grabe Lohn wie einem from men Simeon. Empor, zum Himmel steigt der Geist, der sich der Erde Staub entreißt. 5. Dort werden wir in lichten Höh'n den, den wir hier verehrten, seh'n, und alles Leiden dieser Zeit verwandelt sich in Seligkeit. 6. So fließe Erdenleben hin! Erfüllen wir mit frommen Sinn hier treu und redlich unsre Pflicht: so schrecken Tod und Grab uns nicht. H. G. Demme. 7) Am Feste der Verkündigung Mariä. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier zc. * 45. K Gottes- Sohn, von dem Himmel auf die Erden, und verläsfest deinen Thron, um für uns ein Mensch zu werden? D wie soll man dich g'nug preisen, dir gebührend Dank erweisen! 3. Eine Jungfrau, die da rein, kann dich unterm Herzen tragen. Soll ich deine Wohnung sein: so muß ich der Lust entsagen, die mit deiner Liebe streitet und zur Sünde mich verleitet. 2. Gabriel wird ausgesandt, eine reine Braut zu grüßen; Engel machen sich bekannt, wo fie keusche Seelen wissen. Laß mich reine Tugend üben, daß mich reine Geister lieben! 4. O ein angenehmer Gruß, der Mariam benedeite, und zum seligen Genuß Gottes, ihres Heils, sie weihte! Sollst du mich holdselig nennen, muß ich dich im Glauben kennen. Mel. Jesu, komm doch selbst zc. 46. Gott sei Dant in aller Welt, der sein Wort Dommst du, großer beständig hält, und der Sünder Trost und Rath her zu uns gesendet hat! 2. Was der alter Väter Schaar Wunsch und Trost und Hoffnung war, was sie fern im Dunkel sah, Heil uns! ist im Lichte da! 5. Jhrerschrocknes Herze muß lauter Gnade vor dir finden. Laß auf deinen Friedenkuß alle Furcht bei mir verschwinden! Bin ich nur bei dir in Gnaden, o was fann mir dann noch schaden? 6. Jesus soll dein Name sein; Jesus heißt ein Seligmacher, darum fürcht' ich keine Pein und auch keinen Widersacher. Lauter Heil liegt in dem Namen, lauter Wahrheit, Ja und Amen! Danniel. 3. Hier ist mehr als Davids Sohn, teines ird'schen Reiches Thron. Licht der Seelen, ew'ges Heil ward durch Jesum unser Theil. 4. Menschenfreund, wie dank Passions- Lieder. 23 ich's dir! schenke dieses Heil| uns freu'n, und deinen Namen auch mir, das du unter vieler Last für die Welt bereitet haft! preisen. 5. Deiner Hilfe mich zu freu'n, laß mein Herz dein eigen sein; mach' es von der Sclaverei jeder schnöden Sünde frei! 6. Deine Wahrheit leuchte mir, Herr, bei allem, was ich hier Mel. Herr Jesu Christ, wahr'r Mensch zc. zur Beförd'rung meiner Ruh' 48. An deine Leiden denken denke, wünsche, wähl' und thu'; wir, Erlöser, jetzt, und danken dir, daß du so willig ihre Last zu unserm Heil getragen hast. 7. Trifft mich Traurigkeit und Schmerz, tröste dann mein zagend Herz; wenn kein Mensch mehr helfen kann, so nimm du dich meiner an, 2. Im Geiste folgen wir dir nach von Schmerz zu Schmerz, von Schmach zu Schmach; wir schau'n zu deinem Kreuz hinan und beten dich, Erlöser, an. 8. Daß ich, wenn du, Lebensfürst! herrlich wiederkommen wirst, froh dir mög' entgegen sehn und gerecht vor Dir besteh'n. S. Seld, veränd. d. Diterich. Mel. Es ist das Heil uns 2c. u kömmst, o Jesu, in die Welt, die Menschen zu erretten, besiegst, was fie gefangen hält, zerbrichst der Sünde Ketten; du schenkest Freiheit, Seelenruh', und führest die dem Himmel zu, die dich getreu verehren. 47.9¹ 2. So heißest du nicht Jesus nur, du bist auch, was du heißest, weil du die menschliche Natur aus dem Verderben reißest. Die That stimmt mit dem Namen ein; du wolltest, was du heißest, sein: Erretter und Beglücker. 3. Durch dich nur haben wir nun Theil an Seligkeit und Leben. Zum Mittler ist zu unserm Heil kein andrer uns gegeben. Ja, deiner wollen wir allein im gläubigen Vertrau'n 8) Passions- Lieder. ( An den Gedächtnißtagen des Leidens und Todes Jesu.) 3. Auch uns zu gut, o Herr, betrat, dein Fuß den dornenvollen Pfad. Auch uns strömt Besf'rungskraft und Ruh' aus deinem bittern Leiden zu. 4. Daß Gott uns als ein Vater liebt, dem, der sich besfert, gern vergibt; daß ewig unsre Seele lebt, und sich zur bessern Welt erhebt; 5. Daß deine Lehre fest besteht und daß dein Reich nie untergeht: den großen Trost von unserm Gott, bringt, o Erlöser, uns dein Tod. 6. Und wir, wir glaubten an dich nicht? Herr, ohne sichern Trost und Licht, mit ungewiſsen Schritten geht durch's Leben hin, wer dich verschmäht. 7. Mit Dank und Freude folgen wir, o Edelster und Bester, dir; und dort wird dann uns ew'ges Heil in jener bessern Welt zu Theil. A. H. Niemeyer, veränd. durch Diterich. 24 Mel. Ach Herr, mich armen Sünder zc. 49.D ut, dessen Herz voll Liebe sich bis zum| Tod und Grab aus mitleidsvollem Triebe zu unserer Rettung gab! Ach, unter welchen Plagen schloß, Jesu, sich dein Lauf! Mit Zittern und mit Zagen stiegst du den Delberg auf. 2. Hier sahst du schon von weitem dein Kreuz auf Golfanfte Stille und gatha, sahst dich den Graufamteiten ergrimmter Feinde nah, sahst deine Grabeshöhle und fühltest Todesnoth. Betrübt war deine Seele, betrübt bis in den Tod. Passions- Lieder. 3. Auf dich, der Menschen Bester, drang Angst auf Angst herzu! und doch hing niemand fefter an seinem Gott, als du! Sollt' ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater reicht?" Dieß ließ dein Herz nicht sinken, war es gleich tiefgebeugt. 4. Mit was für Geistesstille trugst du das Ungemach, das aus der Bosheit Fülle gehäuft nun auf dich brach! Du scheutest keine Schmerzen, die dir ihr Grimm gedroht; zu schwer war deinem Herzen selbst nicht der Kreuzestod. 5. O Freund der Menschen kinder, den nun kein Leid mehr drückt! Wie hoch hast du uns Sünder durch deinen Tod beglückt! Durch ihn ist uns bewähret des Vaters Gnadenrath, den uns dein Mund erfläret und fest versichert hat. 6. Wie viel sind wir dir schuldig, daß du die schwere Last des Kreuzes so geduldig für uns getragen hast! Dich wollen wir erheben, soviel die Schwachheit kann, und dir zur Ehre leben. Nimm unser Opfer an! J. S. Diterich. Mel. Wenn meine Sünd'n mich zc. 50. Herr err, es gescheh' dein ich jeden Schmerz; nur gib mir Wille! gern duld' frommen Muth ins Herz! Laß mich, wie du, mein Heiland, leiden, wenn mir Versuchung droht, so treu sein bis zum Tod! 2. Der Martern jede schwebte vor deinem Angesicht; zwar deine Seele bebte, doch sie verzagte nicht. Gestärkt mit Muth, voll Geistesruh' erhobst du dich vom Staube und gingst den Feinden zu. 3. Dich schreckte das GetümIn deinem Geist war Himmel mel der Mörderwaffen nicht. stürzt auf dich der Feinde und Muth im Angesicht; schon Schaar; doch botst du deine Hände den Banden willig dar. wie du, so sanft und still! O 4. O wär' ich doch im Leiden litt ich so mit Freuden, was Gott, mein Vater, will! Ich trau'n, Geduld von dir zu lerwill mit Ehrfurcht und Vernen, auf dich, Erlöser, schau'n. 5. Gibst du mir deinen Frieden, so schreckt mich keine Noth, nicht Schmerz, nicht Tod hienieden, wär's auch der Martertod. Durch dich, Herr, übertröstet mit Ruh' und Seligkeit. wind' ich weit; denn deine Gnade C. C. Sturm. Passions- Lieder. 25 Mel. Herzliebster Jesu, was zc. laß uns wachen, helf uns 51. Bekenner Jesu, werdet Schwachen beten! So werden wir im Kampfe nicht erliegen; wir werden siegen. nie vermessen; der Fall ist nahe, wenn wir je vergessen, Beständigkeit und Sicherheit vor Sünden auf Gott zu gründen. 3. A. Cramer. Mel. Was mein Gott will 2c. u, Jesu, kennst die schwere Last der dir 2. Wie gleich sind dann die feurigsten Entschlüsse den Mor-| bestimmten Leiden; du, der du gennebeln, die durch Finster nichts verschuldet hast, willst sie nisse schnell in die Höhe schim- doch nicht vermeiden; du siehst mern und vergehen, wie sie auf ihre Folgen hin, die immer entstehen! sich verbreiten, bemerkst in ihnen den Gewinn des Segens ferner Zeiten. 2. Schon ist die drohendste Gefahr dir nah', dich zu umringen, schon siehest du der Krieger Schaar, die dir entgegen gingen. Und dennoch willst du nicht entflieh'n, nichts, dich zu retten, wagen, verbeutst, das Schwert für dich zu zieh'n, und willst auch Fesseln tragen. 3. Du leidest blos für fremde Schuld, für deiner Brüder Sünden, und willst, wer fühlt nicht deine Huld! fie tilgen und empfinden. Dir droht das schrecklichste Gericht, du sollst dein Blut vergießen, haft Engelschuß, verlangst ihn nicht, um unsre Schuld zu büßen. 4. Man hört bei deiner Feinde Wuth dich nicht aus Unmuth klagen; du weißt mit wahrem Heldenmuth dein Schicksal zu ertragen; mit ruhiger Gelassenheit gehst du dem Tod entgegen. Dein Herz, das keine Leiden scheut, fühlt dieser Leiden Segen. 5. Dein Judas wird dir ungetreu, trennt sich von deinen 3. Die Jünger stärken in der Trübsal Stunde mit Wachen und Gebet sich nicht im Bunde, sind sicher, und versinken selbst vor Kummer in tiefen Schlum mer. 4. Der ihn verräth, ist da! der Herr will sterben. Wie fürchten sie, mit Jesu zu verderben! Wo ist ihr Muth, bis in den Tod mit Freuden für ihn zu leiden? 5. Uneingedenk des Hirten, fliehn die Schafe. Er wird verlassen, er, der unsre Strafe so willig duldet, daß nur seine Herde gerettet werde. 6. Welch eine Liebe! Jesu, welche Treue! Du leidest, daß der Mensch sich deiner freue. Ach, laß uns nie mit zweifelnden Gedanken im Glauben wanken! 7. Wer dich bekennt, der fürchte, Jesu, alles von seiner Schwachheit; eingedenk des Falles der bessern Jünger, streb' er, sein Vertrauen auf dich zu bauen. 8. Laß deinen Geist uns, Herr, vor Gott vertreten! Er 52. D¹/ 26 Passions- Lieder. wenn er zu vermessen wird." Freunden, gesellt sich aus Ver-| auch selbst der Starke irrt, rätherei zu deinen größten Feinden; du siehst sein tückisch- falsches Herz in seinen schlauen Blicken, und hast bei diesem tiefen Schmerz Muth, ihn zu unterdrücken. 3. O was fühlt dein Freund für Leiden bei dem liebevollen Blick! Sonst erfüllt er ihn mit Freuden, doch nun läßt er Schmerz zurück; jammert, daß er ihn beleidigt, dessen Huld ihn selbst vertheidigt, dem er treu zu sein verhieß, wenn. ihn alle Welt verließ. 4. Thränen bitt'rer Reue fließen nun von seinem Ange= sicht, und gerührt sie zu vergießen, schämet sich der Jünger nicht; er enteilet dem Getümmel, flehet brünstig zu dem Himmel, daß Gott ihm die Schuld verzeih' und im Schwachen mächtig sei. 6. Zwar fühlst du Todesbangigkeit, als deine Kniee sin-| ken; dein Wunsch ist Schonung, doch bereit, den herben Kelch zu trinken, den Kelch, den dir dein Vater reicht, verehrst du seinen Willen, um ihn, so tief dein Schmerz dich beugt, auch jetzt noch zu erfüllen. 7. O laß uns, Gott, mit gleichem Muth gehäufter Leiden Plagen, des Feindes Haß und seine Wuth, so sehr sie droht, ertragen! Du bist, weil du uns immer liebst, nicht fähig, uns zu hassen, und weil du deinen Sohn uns gibst, kannst du uns nicht verlassen. J. C. Grot. Mel. Alle Menschen müssen 2c. 53. Mittechmerzen fieht allein! dein holder Blick herab auf den Freund, der deinem Herzen, gab. Da noch zeigt sich dein Gemüthe reich an göttlich großer Güte; es vergißt den eignen Schmerz. Für den Freund sorgt nur dein Herz. 2. Jhn vom Falle zu erheben, blickst du ihn voll Mitleid an; sprichst zu ihm: ,, Es ist vergeben; sei an Muth und Treu' ein Mann, und zu dei nes Meisters Ehre gib durch deinen Fall die Lehre, daß 5. Deinem Freunde bin ich ähnlich. Ach, erbarm' auch meiner dich! Sieh' ich fleh' zu dir so sehnlich: stärke, leite, beffre mich! Stets auf deinem. Pfad zu wandeln, liebevoll wie du zu handeln, bis in Tod dir treu zu sein, dieß sei meine Lust Fr. v. d. Necke. Mel. Ach Herr, mich armen Sünder zc. 54. Herr beffen ugen dessen flossen, sobald sie Zion sah'n, zur Frevelthat entschlossen, sich seinem Falle nah'n, wo ist das Thal, die Höhle, die, Jesu, dich verbirgt? Verfolger seiner Seele, habt ihr ihn schon erwürgt? 2. Welch jammervolles Klagen seufzt in Gethsemane? Wer ist der Mann der Plagen, der langsam Sterbende? Ist Jesus das, der Kinder von Adam bestes, er, und zittert gleich Univ.- Bibl. Giessen. Passions- Lieder. dem Sünder, und sinkt und trägt's nicht mehr? 3. Ach, wie er tief im Staube, bedeckt mit Angstschweiß, liegt, mit dem Gefühl sein Glaube im Kampfe dennoch siegt! Schon kömmt der Mörder Rotte, die kein Erbarmen rührt, die ihn zum Hohn und Spotte, ihn ach! zum Kreuze führt. 4. Sein Volk im heißen Grimme erweicht sein Anblick nicht, nicht fremden Mitleids Stimme, die von dem Nichtstuhl spricht. Er ist ihr Hohngelächter; sie droh'n mit wil dem Ton! ,, Auf uns, auf Söhn' und Töchter komm' seines Blutes Lohn!" 5. Zur hohen Schädelstätte trägt er sein Kreuz hinan; sie kreuz'gen ihn. O bete, mein Geist, mit Wehmuth an! Noch höhnt mit frechen Mienen sein Volk des Dulders Schmerz. Er ruft: ,, Vergib es ihnen!" und Mitleid bricht sein Herz. 6. Es bricht, und matt von Kummer sinkt auf die Brust zur Ruh' sein Haupt; nun schließt der Schlummer sein müdes Auge zu. Am Kreuze ruht die Hülle, der Geist schwebt sanft entrückt zu Gott, wo ihn die Fülle des hohen Lohns erquickt. 7. O Freund der Menschenfinder, hier liegen wir gebückt! Wie hoch hat nicht uns Sünder dein Kreuzestod beglückt! Dich ehre unser Glaube, Anbetung sei dein Dank! Hör' ihn, vernimm vom Staube den schwachen Lobgesang! K. W. Namler. 27 Mel. Wie wohl ist mir, o 20. 55. Bereite dich, o Chrift, wir gehen zum schmerzenvollen Golgatha, auf dessen fürchterlichen Höhen, was nie ein Engel faßt, geschah! Erwäg' an diesem heil'gen Orte des sterbenden Erlösers Worte und rufe Gott um Glauben an! Sie können dir schon Trost im Leben, sie sollen Trost im Tode geben, wenn hier dich nichts mehr trösten kann. 2. Schon zeigt der Blutberg sich von weitem, erschrick und zitt're, frommes Herz! sich deinen Retter, sieh ihn streiten, und werde ganz Gefühl, ganz Schmerz! Hier hing, den Mördern übergeben, am Holze Gottes Sohn, dein Leben, und litt mit göttlicher Geduld. Was fühlt er nicht in diesen Stunden!( nie hat's ein Sterblicher empfunden!) und, ach, allein für unsre Schuld! 3. Gelassen bei den größten Schmerzen, fleht er für seine Feinde nun, und ruft mit sanftmuthvollem Herzen: ,, sie wissen, Gott, nicht, was sie thun!- Der göttliche, der größte Beter fleht liebreich noch für Missethäter, Werkzeuge seiner Pein und Schmach. O Mensch, den Rach' und Zorn verführen, laß dich durch dieses Beispiel rühren, und bete dem Versöhner nach! 4. Frohlockt, bußfertige Verbrecher! wer glaubet, kommt nicht ins Gericht. Hört, was zu dem gebeugten Schächer die Liebe noch im Tode spricht! 28 Passions- Lieder. 11 Du wirst( so ruft sie ihm| Durst des Armen stillet, der entgegen) noch heute dei- hat den Heiland selbst erquickt. nes Glaubens wegen mit mir im Paradiese sein!" O Herr, laß an des Todes Pforte einst diese trostesvollen Worte auch meiner Seele Trost verleih'n! 11 8. Nun enden sich die schweren Leiden; der Heiland spricht: Es ist vollbracht!" O Wort des Sieges, Wort der Freuden, du nimmst dem Tode seine Macht! Heil uns! Heil uns! denn wer darf's wagen, uns, die Erlösten, zu verklagen? Er starb für uns; sind wir nicht sein? Gib, daß am Ende meiner Tage auch ich, o Herr, mit Freuden sage: Es ist vollbracht! ich bin nun dein! 5. Welch Beispiel findlichfrommer Triebe, als unter Leiden ohne Zahl der Herr dem Jünger seiner Liebe die Mutter, eh' er starb, befahl! Ach, wird mein Aug' einst um die Meinen in meiner letzten Stunde weinen, soll dieß Wort mir Trost verleih'n. Der, als der Tod schon um ihn schwebte, die Seinen noch zu schüßen strebte, wird auch der Meinen Pfleger ſein. 6. Wer kann die hohen Leiden fassen, als Christus an dem Kreuze rief: ,, Mein Gott, wie hast du mich verlas sen?" Wie beugt' ihn unsre| Last so tief! was hat der Sohn nicht da empfunden! und doch blieb selbst in diesen Stunden sein Vater seine Zuversicht. Verlassen, ach, von Gott im Sterben, laß mich im Tode nicht verderben! Mein Herr und Gott, verlaß mich nicht! 7. Der Herr des Himmels und der Erde, von allem, was erquickt, entblößt, wünscht, daß sein Durst gestillet werde. Wie theuer bin ich nicht erlöst! Er ruft noch immer um Erbarmen aus tausend hilfsbedürft'gen Armen, die Hunger, Durst und Mangel drückt. O selig, wer den Ruf erfüllet! denn wer den 9. Das letzte Wort von deinem Munde, Versöhner Gottes, sei auch mein; laß es in meiner Todesstunde mir Muth und Zuversicht verleih'n! Du rufest: ,, Vater, ich befehle in deine Hände meine Seele," die allen Menschen Heil erwarb! Nun war das große Werk vollendet, wozu der Vater ihn gesendet; da neigt' er sanft sein Haupt und starb. 10. Komm, deinen Mittler zu verehren, ihn, deinen Heiland, zu erhöh'n! wein' jetzt der wahren Buße Zähren, o Christ; du hast ihn sterben seh'n. Jeßt hat er deine Schuld getragen; allein der Held wird nach drei Tagen vom Grabe siegreich aufersteh'n. Den freche Rotten hier entehrten, den wirst du einst bei den Verklärten zur Rechten seines Vaters seh'n. L. H. Bachoff von Echt, veränd. durch 3ollikofer. In eigener Melodie. 56. Auf Golgatha will ich mich schwingen, Passions- Lieder. 29 Sünden rein! Gott, Gott, wie wird mir dann zu Muthe, wie werd' ich Dank und Wonne sein! wenn Nacht und Leiden mich| Blute mich ewig macht von umringen, will da im Geist vor Jesu steh'n; will da dich, Unschuld, stille schmachten, das Kreuz erdulden, Schmach verachten, da bluten dich und schweigen seh'n; will da mit allen Seelenkräften in deine Leidensnächte schau'n, mit dir mich an dein Kreuze heften und gleich dir lernen Gott vertrau'n. 2. Und wenn mich meine Sünden fränken, so will ich an dein Leiden denken, nur fließen seh'n dein göttlich Blut. Für mich auch ist dieß Blut geflossen; wer zu dir kommt, wird 5. O Freude jener Ewigkeiten, wo ich dich anschau'n, dich begleiten, dich hören, dich umfangen kann! Für deine Liebe sonder Schranken, mein Heiland, wie will ich dir danken! Wie bet' ich, Liebe, dort dich an! O Ewigkeit der Ewigkeiten, an deiner Seite, Jesus Christ, der, mich zum Himmel hinzuleiten, auf Golgatha gestorben ift! H. N. Lavater. Mel. O Lamm Gottes 2c. nicht verstoßen, du ſtarbſt auch 57. Erlöſer, der im Staube einst mir, zu gut. fann Gnad' und Leben finden, mein Gott bleibt seinem Worte treu, vergibt auch mir die größten Sünden, macht mich, auch mich vom Laster frei. 3. Und in den bangen Todesstunden blick' ich empor zu deinen Wunden, und fürchte nicht dein Strafgericht. Wenn ich wie du nun heilig lebe, nur dich zu lieben mich bestrebe, dann bleibst du meine Zuversicht. Dann darf ich freudig zu dir blicken, wenn alles dunkel um mich ist. Dann wirst du meinen Geist erquicken, wenn mir der Tod die Augen schließt. 4. Dann, dann wird alle Angst verschwinden; dann werd' ich muthig überwinden, und überfliegen Tod und Grab. O unaussprechliches Entzücken, von Angesicht den zu erblicken, der Tod den Sohn, ihn, der mit seinem bedecket, dein tröstet sich mein Glaube, Glaube, wenn Sünd' und Tod mich schrecket; dein tiefer Schmerz, dein Klagen, dein Todeskampf, dein Zagen sei meine Ruhe, o Jesu, o Jesu! 2. Du littest, Herr! unschuldig von Frevlern Schmach und Schmerzen und trugest sie geduldig mit sanftem, stillem Herzen. Dein Bild müss' uns beleben, zu dulden, zu vergeben, wie du zu lieben, o Jesu, o Jesu! 3. Der du an deinem Ende noch froh gen Himmel schautest, und in des Vaters Hände den Geist ihm anvertrautest, laß uns auch voll Vertrauen noch sterbend auf dich schauen, be glück uns ewig, o Jesu, o Jesu! 3. H. Tode. 1 Mel. Herzliebster Jesu, was zc. 58 Naß deinen Geiſt mich stets, lehren, dein Kreuz durch mei 30 Passions- Lieder. nen Glauben so zu ehren, daß| selig hier im Glauben; so wird er in Frömmigkeit und Näch stenliebe sich täglich übe! mir nichts, nichts meine Krone rauben; so werd' ich dort, von Herrlichkeit umgeben, einst ewig leben! 2. Das Gute thun, das Böse flieh'n und meiden, Herr, diese Pflicht lehrt mich dein heil'ges Leiden. Kann ich nur eine Sünde mir erlauben, und doch auch glauben? 10. Ja, wenn ich stets der Tugend Pfad betrete, im Glauben kämpf', im Glauben wach' und bete, so ist's gewiß, mein Gott hat mir vergeben; ich werde leben! 11. Lockt böse Lust mein Herz mit ihrem Reize, so schrecke, Jesu, mich das Wort vom Kreuze; und werd' ich matt int Laufe guter Werke, so sei mir's Stärke! 12. Seh' ich dein Kreuz den Klugen hier auf Erden ein Aergerniß und eine Thorheit werden; so sei's doch mir, trob allen frechen Spottes, die Weisheit Gottes! 3. Du hast dich selbst für mich dahin gegeben; wie dürft' ich denn nach meinem Willen leben? Nein, leben muß ich, dem ich angehöre, zu deiner Ehre. 4. Jch sollte, Herr, wenn Leiden dieser Erden mich treffen, nicht gelass'nenHerzens werden? Und du hast doch für uns, was wir verschuldet, so gern erduldet! 5. Dein Leben wolltest du für Menschen lassen; wie könnt' ich nun noch meine Brüder hassen? und nicht wie du, wenn sie mich untertreten, für sie noch beten? 13. Gib ihnen Zeit zur Buße, Welterretter; erbarme dich selbst über deinen Spötter, wenn er, auch spät noch dich, den er jetzt schmähet, um Gnade flehet! 14. Laß. Herr, so oft mich meine Sünden kränken, dein Kreuz mir wieder Ruh' und Freuden schenken; dein Kreuz, dieß sei, wenn ich den Tod einst leide, mir Fried' und Freude! C. F. Gellert. 6. Ich will nicht ihren Haß mit Haß vergelten, wenn man mich schilt, nicht rächend wieder schelten. Du Heiliger, du Herr und Haupt der Glieder, schaltst auch nicht wieder. 7. Ein reines Herz, gleich deinem edlen Herzen, dieß ist der Dank für deines Kreuzes und Gott uns die Kraft, in deinem Namen 59. Siehe Anhang M. 113. dir nachzuahmen. 8. Unendlich Glück! du littest Mel. Nun laßt uns den Leib zc. uns zu Gute; ich bin versöhnt 60. Ach endlich, Dulber, mit Blute; hast mir Heil( du bist für mich gestorben) am Kreuz erworben. du ein stilles Grab zu deiner Ruh', das nach der Noth, die dich gedrückt, mit süßem Schlummer dich erquickt. 9. So bin ich denn schon Ofter- Lieder. 9) Oster- Lieder. 2. Wohl dir, daß du gefunden hast, wo nach des heißen Mel. Zu dir mein Herz 2c. Tages Laſt dein Haupt du legit, 62. P reis dem Todesüberum nun langer Arbeit auszuru'hn. 3. Nicht modernder Verwe fung Raub wird, Heiliger des Herrn, dein Staub. Aus ihren dunkeln Nächten bricht bald deiner Auferstehung Licht. winder! Sieh', er starb auf Golgatha. Preis dem Heiliger der Sünder! Preis ihm und Halleluja! Was er uns verhieß, geschah. Singt, des neuen Bundes Kinder! Aus dem Grab eilt er hervor; singet ihm in höherm Chor! 4. O daß, wenn einst mein ew'ger Geist des Staubes Hülle sich entreißt, auch ich von edlen Thaten ruh', auch Ruh' ver= diene, Herr, wie du! 2. Gott der Liebe, wie erhebet, wie entzückt dein Lob den Geist! Der am Kreuze starb, A. H. Niemeyer. er lebet, ist belohnt von dir, entreißt sich dem Staube, rühmt und preist dich, durch den er ewig lebet. Jesus hat sein Werk vollbracht! Er war todt und ist erwacht. Mel. Wie wohl ist mir, o 2c. 61. Vollendeter, bei deinen Schmerzen schwör' ich, mich ewig dir zu weih'n, nur dir mit dankerfülltem Herzen bis an den Tod getreu zu sein, dir nachzudulden, ist's dein Wille, dir gleich in meines Lebens Stille, in Müh' und Arbeit ohne Ruh'! durch Wohlthun Menschen zu beglücken, den, der mich haßte, zu erquicken, und sanften Sinn's zu sein, wie du. 2. Laß, Herr, den hohen Christenglauben, daß du mir sterbend Heil erwarbst, mir nichts, nichts jenen Trost mir rauben, daß du auch mir zum Segen starbst! Lockt mich zu ihren falschen Freuden die Welt, so laß dein bittres Leiden mir Muth verleih'n zu widersteh'n! Und hat die Tugend auch Beschwerden, so laß mein Auge heller werden, und deiner Leiden Lohn mich seh'n! A. H. Niemeyer. 31 3. Da in Morgendämmerungen noch verhüllt die Erde schwieg, sangen hoher Geister Zungen schon des Mittlers nahen Sieg; die Natur umher sie schwieg. Du erstandst er war errungen, und du Sieger fühltest schon deines Kampfes ew'gen Lohn. 4. Bei den Todten ihn zu finden, ging sie hin, wo Jesus schlief. Ach, was mußte sie empfinden, als er sanft: Maria! rief, und als sie: mein Lehrer! rief? Herr, einst werd' auch ich dich finden, wo dein Gott ist und mein Gott, ruft mich nun zu dir der Tod. - - 5. Wenn ich aus dem Grabe gehe, wenn mein Staub verfläret ist; wenn ich, Herr, dein Antlig sehe, dich, mein Mittler, Jesu Christ; dich, Verklärter, wie du bist: o dann, wenn ich 32 Ofter- Lieder. auferstehe, hab' ich, du, der Sünder Heil, ganz an deinem Leben Theil! 6. Jeßt, da ich an dich nur glaube, seh' ich dunkel und von fern, ich, ein Wandrer noch im Staube, dich, die Herrlichkeit des Herrn! Dennoch, obwohl schwach und fern, dennoch, wenn ich innig glaube, wenn ich dürste, strömt mir Ruh' deines Tod's und Lebens zu. sein Grab ist leer; fest stehet, wie ein Fels im Meer, das Wort, das er gesprochen. O selig, wer sich ihm vertraut! Er hat den Tempel neu gebaut, des Feindes Wuth gebrochen. Seele, wähle ihn zum Führer und Regierer deines Lebens! Auf ihn hoffst du nicht vergebens. 7. Singt dem Herrn, singt ihm nun Psalmen! Jesus Christus hat gesiegt. Streut dem Ueberwinder Palmen, die ihr bang' und weinend schwiegt, als er starb! Er hat gesiegt. Zu der Himmel höhern Psalmen, zu der Ueberwinder Chor steig' auch unser Lied empor! 8. Uleberwunden, überwun3. Zum höhern Leben führt er dich, und nimmt gewiß dich einst zu sich, fällt deine Hütte nieder. Das Grab empfängt zwar dein Gebein, doch wird es unverloren sein; er gibt's verklärt dir wieder. Herrlich wird sich dann auf's neue seine Treue offenbaren. Volles Heil wirst du erfahren. D. Schiebeler, veränd. durch Diterich. Mel. Auf, auf, mein Herz, mit zc. den hat der Herr der Herrlich 64. Auf, fingt mit frohen Chören, ihr Völker feit. Sieh, er schlummerte nur Stunden, in des Grabes Dunkelheit, und da überwand er weit. Alle Leiden überwunden hat dereinst auch unser Geist, wenn des Staubes Fessel reißt. F. G. Klopstock, verändert durch Niemeyer. Mel. Wie schön leuchtet der 2c. 63. Fol Prohlockt dem Herrn, bringt Lob und Dank ihm, der des Todes Macht bezwang und uns, den Staub, erhöhte! Der hohe Sieger überwand, Nacht war um ihn, und sie verschwand in helle Morgenröthe. Bebet, gebet, stolze Spötter, unserm Retter Preis und Ehre, huldigt ihm und seiner Lehre! 2. Preis ihm, Heil uns! aller Welt! Frohlockt dem Herrn zu Ehren! Die Zukunft ist erhellt, erhellt des Grabes Nacht. Er ist vom Tod erwacht, der für die Menschheit starb, und Segen ihr erwarb. 2. Nun kann kein Tod uns schrecken, der Sterbliche sonst schreckt. Gott wird auch uns erwecken, der Jesum hat erweckt. Mag diese Welt vergeh'n, der Erde Staub verweh'n; nie, nie vergeht ein Geist, der Gott durch Tugend preiſt. 3. Tod ist Geburt zum Leben dem, der die Tugend liebt, der, Jesu tren ergeben, den Willen Gottes übt. Frohlockend danken wir, und weih'n uns, Jesu, dir, getreu der heil'gen Pflicht, bis einst das Auge bricht. P. Gerhard, veränd. Oster- Lieder. Mel. Meinen Jesum laß ich 2c. 65. Jes esus lebt! mit ihm auch ich. Tod, wo find nun deine Schrecken? Je sus lebt und wird auch mich dermaleinst vom Tod erwecken. Dann verkläret mich sein Licht. Dieß ist meine Zuversicht! 2. Jesus lebt! Jhm ist das Reich über alle Welt gegeben! mit ihm werd' auch ich zugleich, wo kein Tod ist, ewig Leben. Gott erfüllt, was er verspricht. Dieß ist meine Zuversicht! 3. Jesus lebt! Wer nun verzagt, lästert ihn und Gottes Ehre. Gnade hat er zugesagt, daß der Sünder sich bekehre. Wahre Reu' verwirft er nicht. Dieß ist meine Zuversicht! 4. Jesus lebt! Sein Heil ist mein; widmen will ich ihm mein Leben; reines Herzens will ich sein, und den Lüften widerstreben. Er verläßt den Schwachen nicht. Dieß ist meine Zuversicht! 5. Jesus lebt! Ich bin gewiß, nichts soll mich von Jesu scheiden, keine Macht der Finsterniß, feine Herrlichkeit, kein Leiden. Er gibt Kraft zu jeder Pflicht. Dieß ist meine Zuversicht! 6. Jesus lebt! nun istider Tod mir der Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnoth wird es meiner Seele geben, wenn sie gläubig zu ihm spricht: Du bist meine Zuversicht! G. F. Gellert. 66. G Seift, erfreut des Mel. Erschienen ist der herrl'che 2c. rinn're mein 33 hohen Tags der Herrlichkeit! Halt' im Gedächtniß Jesum Christ, der von dem Tod erstanden ist und ewig lebt! 2. Fühl' alle Dankbarkeit für ihn! Als ob er heute dir erschien', als spräch' er: ,, Friede sei mit dir!" so freue dich, mein Geist in mir, und sing' ihm Dank! 3. Schau' über dich, und bet' ihn an! Er mißt den Sternen ihre Bahn; er lebt und herrscht mit Gott vereint, und ist dein Bruder und dein Freund. Wohl dir! Preis ihm! 4. Macht, Ruhm und Hoheit immerdar dem, der da ist und der da war! Sein Name sei gebenedeit von nun an bis in Ewigkeit in aller Welt! 5. Glaube, der das Herz erhöht! Was ist der Erde Majestät, wenn sie mein Geist mit der vergleicht, die ich durch Gottes Sohn erreicht? Lob sei dem Herrn! 6. Vor seinem Thron, in seinem Reich, unsterblich, heilig, Engeln gleich, und ewig, ewig selig sein! Herr, welche Herrlichkeit ist mein! Gelobt seist du! 7. Mein Herz erliegt froh unter ihr; Lieb' und Verwund'rung kämpft in mir, und voll von Ehrfurcht, Dank und Pflicht, fall' ich, Gott, auf mein Angesicht, und preise dich. 8. Du, der du in dem Himmel throust, ich soll da wohnen, wo du wohnst, und du erfüllst einst mein Vertrau'n: dich in der Herrlichkeit zu schau'n. Gelobt seist du! 3 34 9. Ich soll, wenn du, des Lebens Fürst, in Wolken göttlich kommen wirst, erweckt aus meinem Grabe geh'n, und einst zu deiner Rechten steh'n. Gelobt ſeist du! Ofter- Lieder. gehen, vom Schlummer aufzustehen. 10. Nie komm' es mir aus meinem Sinn, was ich, mein Heil! dir schuldig bin, damit ich mich, in Liebe treu, zu deinem Bilde stets erneu'. Hilf mir dazu! 4. Erstanden bist du, lehr' auch mich im neuen Leben wandeln, durch dich gestärkt, belohnt durch dich, nach deinem Vorbild handeln! Bin ich entschlafen, wecke du auch meinen Staub nach furzer Ruh, lös' ihm des Todes Banden, der du vom Tod erstanden! S. F. v. Cronegk. Mel. Erschienen ist der herrl'che zc. 11. Du bist's, der alles in uns schafft! Dein iſt das Reich, 68. Auf, Shriften, auf dein die und fühlt erfreut die Hoffnung der Unsterblichkeit! Freu't euch; die dunkle Grabesnacht hat Jesus Christus hell gemacht. Lobsinget ihm! 2. ,, Ich lebe," sprach er einst, ,, und ihr sollt ewig leben auch mit mir." Ich komme, meine Stimme ruft: Verlaßt, ihr Todten, eure Gruft, und lebet fromm! 3. Von dieser Welt ist nicht sein Reich. Ins Reich der Tugend führt er euch. Erhaben über Grab und Zeit ist das Gesetz der Heiligkeit, das er uns gab. auf dich, Herr Jesu Christ, der du vom Tod erstanden bist und ewig lebst. C. F. Gellert. Mel. Ermuntre dich, mein Geist zc. 67. veras Grab ist leer, des läßt die Gruft. Nun lieget zu seinem Fuß der Tod. Entfloh'n ist Schmerz und Leid. Er sieget. Du, den der Engel Loblied preist, entreiß', Erstandner, meinen Geist den Lüsten dieser Erde, daß er dir heilig werde! 2. Du lebst, und leben soll auch ich, o Wonne, mit dir leben. Ich kenne dich, es hat auch mich dein Vater dir gegeben. Doch in dein hohes Reich zu geh'n, einst deine Herrlichkeit zu seh'n, mit dir, mit dir zu erben, muß erst der Sünd' ich sterben. 4. Gelobt sei Gott! ich werde nun nur kurze Zeit im Grabe ruh'n. Am Abend schließt mein Auge sich, an jenem Morgen werd' auch ich froh aufersteh'n. 3. O mein Erretter, wirke du in mir die frommen Triebe; 69. Wrabe des Todes K. G. Plato. Mel. Valet will ich dir geben zc. enn einst in meinem und gib, daß ich ohne Rast Ruh' mich in der Tugend übe! Vom Schlummer meiner Sicherheit erwecke mich! Nein, keine Zeit soll ungenußt verftille Nacht ich durchgeschlummert habe, so ruft mich Gottes Macht. Der Leib ruht zwar im Staube, der Geist fühlt Selig Himmelfahrts- Lieder. keit; o Trost, den mir derGlaube des Christenthums ver= leiht! 2. Aus Samen, den wir säen, läßt Gott in jedem Jahr die neue Frucht entstehen, die in dem Keime war. Es wächset jede Blume aus ihrer Saat hervor; zu seiner Allmacht Ruhme steht sie in neuem Flor. 3. Auch ich soll ewig leben. Der Tod ist Schlummer nur. Gott wird mich neu beleben, als Schöpfer der Natur. Er rief einst Jesum wieder aus feiner Gruft empor. Ihm tönen frohe Lieder, ihn preist der Sel'gen Chor. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen 2c. enn 70.2 meine Seele zweifelnd bebt, ob fie dereinst auch ewig lebt, dann reich dem Zweifelnden die Hand, du, der vom Tode auferstand! 2. Wenn bänger meinem Herzen ist, ob du von Gott gesendet bist, dann bürge mir dein leeres Grab, daß Gott es war, der dich uns gab. 3. Wenn Zweifel meinen Glauben trübt, ob Gott als Vater mich auch liebt, dann, Auferstandner! bring' ein Blick auf deinen Sieg mir Ruh' zurück! 4. Und naht die Stunde, wo der Freund der letzten Trennung Thränen weint; dann stärke meinen Freund und mich der Glaube, Ewiger, an dich! H. E. Heeren. 35 10) Himmelfahrts- Lieder. Mel. Wie wohl ist mir, o 2C. 71. Vollendet ist dein Werk, o Welterlöser, unser Heil! Uns liebet Gott, der dich gesendet, und seine Gnad' ist unser Theil. Erheb', erhebe dich vom Staube! Zum vollen Schau'n wird nun dein Glaube. D Sieger, himmlisch wird dein Licht. Dich will nach Erdenleid und Thränen dein Gott mit Herrlichkeiten krönen vor aller Himmel Angesicht. 2. Heil dir! des Himmels Pforten schließen vor dir sich auf, des Vaters Sohn. Der Erde Niedrigkeit entrissen, frönt Ehre dich; es kommt dein Lohn. Noch segnest du die Treugeliebten, noch senkst du Troft auf die Betrübten, strömst süße Hoffnung in ihr Herz. Sie sehn's, du bist von Gott ge= kommen, wirst mit Triumph dort aufgenommen; zur hohen Wonne wird ihr Schmerz. 3. Ich seh' empor zu dir, Vertreter! Dich bet' ich still mit Thränen an. Ich weiß, daß auch ein schwacher Beter im Staube dir gefallen kann. Zwar fallen vor dir Engel nieder; doch auch der Engel höh're Lieder verdrängen nicht mein schwaches Lied. Von meinen aufgehobnen Händen wirst du nicht weg dein Antlitz wenden; du siehst den Dank, der in mir glüht. 4. Gib meinem Glauben, Muth und Leben, sich über Erde, Welt und Zeit mit starken 3* 36 Himmelfahrts- Lieder. hinan die steile Bahn zum Ziel! Nach kurzem Erdenleide lohnt euch am Ziele Himmelsfreude. Flügeln zu erheben zu dir in| gesegnet werden. Mit Muth deine Herrlichkeit! O du, der mich vom Tod errettet, von Erd' und Himmel angebetet, durch den sich Gott mit uns vereint, du, aller Welten Herr und Führer, der Geister ewiger Regierer, du bist mein Bruder, bist mein Freund! 4. Gedanke, der das Herz erfreut, Gedanke voller Segen! die Blume der Unsterblichkeit blüht uns am Grab entgegen. Die bess're Welt ist nun erhellt. Der Weg durch Gräber führt zu Freuden, und sanfter werden wir einst scheiden. 5. Einst wirst du herrlich wiederkommen zum Weltgericht, dein Lohn mit dir. Frohlockend heben dann die Frommen die Häupter zu dir auf mit mir. Dann werden auf dem Wolkenwagen dich Millionen Engel tragen. Du wirst in deiner Herrlichkeit, Herr, Allen, die jetzt zu dir weinen, vom Himmel als ihr Freund erscheinen, und Jubel wird der Erde Leid. 3. K. Lavater. 5. So wahr, als Jesus Christus lebt, wir werden mit ihm leben. Zum Urquell alles Lichtes strebt der Geist, von Gott gegeben. Sinkt nun ins Grab der Leib hinab, so ruht er aus von Erdenleiden; den Geist erwarten ew'ge Freuden. 6. Doch nur der Tugend Sonnenbahn führt zu den sel'gen Höhen. Auf ihr geht Jesus uns voran. Laßt uns auch muthvoll gehen die Sonnenbahn zum Ziel hinan! Und kostet es auch Kampf und Leiden: dem Sieger lohnen ew'ge Freuden. 7. Triumph! ihr Christen, freuet euch! Nun ist der Tod bezwungen. Wir haben Theil an Jesu Reich. Der Sieg ist uns errungen. Dem Sieger Dank und Lobgesang! Mit Jesu gehen wir durch Leiden, durch Müh' und Kampf zu Himmelsfreuden.$. G. Demme. In eigener Melodie. 72. riumph, ihr Himmel, freuet euch, jauchzt ihm, dem Gottessohne! Er ziehet fiegend in sein Reich, empfängt des Siegers Krone. Umstrahlet ganz mit Himmelsglanz, genießt er nun der Tugend Freuden. Triumph! befiegt sind alle Leiden. 2. Auf Erden ist vollbracht sein Lauf, das große Werk gelungen; nun schwingt er sich zum Himmel auf, das Ziel ist nun errungen. Mit Majestät wird er erhöht zur Rechten Gottes Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. nach dem Leiden. Triumph! 73. Deich mit Glanz und er Da herrschet er in Freuden. Pracht zu fernen Welten hin. Zum größern Schauplatz seiner Macht begleiten Engel ihn. 2. Er, den man hier ver3. Doch schließet ihn kein Himmel ein, er lebt noch fort auf Erden. Noch sollen, die ihr Herz ihm weih'n, durch ihn Himmelfahrts- Lieder. 37 kannt, geschmäht, herrscht,| und zaget nicht vor seinem Anweil ihn Gott erhob, mit göttlich großer Majestät. Ihm jauchzt des Himmels Lob. gesichte. Der Fromme harret wonnevoll des Nichters; denn wer glaubt, der soll ins Strafgericht nicht kommen. 3. Er hat die Welt mit Gott versöhnt, uns ew'ges Heil gebracht. Mit Preis hat ihn nun Gott gekrönt, und sein ist alle Macht. 3. Der Fromme dringet durch das Grab, um ewig Gott zu leben. Was Gott auf Erden ihm vergab, bleibt ewig ihm vergeben. Ihn macht der Glaube, den die Welt verachtet und für Thorheit hält, gerecht und ewig selig. 4. Die stillste That, dem Herrn geweiht, will Jesus of fenbaren. Zob wird der wahren Frömmigkeit vor allen widers fahren. O welch ein Ruhm, den sie gewinnt!- Selbst heilige Gedanken sind bestimmt, belohnt zu werden. 5. Wer Leidenschaften überwand, um seines Gottes Willen, wie sehr die Welt ihm widerstand, doch standhaft zn erfüllen; wer heilig blieb, obgleich der Spott der Welt ihn traf, den wird sein Gott als seinen Streiter krönen. 6. Wen keine Wollust, wen kein Geiz, kein eitles Lob bethörte, wer wider aller Lüfte Reiz auf seinen Gott nur hörte; wer und B 74. Voda, bleibt, Chri- rein, demüthig, fanft und mil ollendet freudig euern zu sein, der wird dann Gottes Erbe. Lauf, sten, Gott ergeben! Einst weckt der Sohn die Todten auf, und rufet sie zum Leben. Geht muthig euern Pfad einher; er fuhr zum Himmel, aber er, er wird einst wiederkommen. 7. Wer eines der Geringsten sich erbarmte; was ihn drückte, ihm tragen half, und brüder= lich die Leidenden erquickte: den sieht der Völkerrichter an, als hätt' er solches ihm gethan, vergilt's ihm überschwenglich. 4. Verehr' ihn ewig, o mein Geist, und bet' ihn dankbar an! Er, der den Weg zu Gott dir weist, ging diesen Weg voran. 5. Auch dich will er zu sich erhöh'n, bleibt ihm dein Herz geweiht; zur Wonne dir sollst du ihn seh'n in seiner Herrlichkeit. 6. Welch hohes Glück, wie viel mehr werth, als alles Erdenglück! Nun zag' ich, was mich auch beschwert, nicht einen Augenblick. 7. Einst öffnet mir sein Himmel sich: dann ist mein Leid entfloh'n, und ew'ge Wonne strömt auf mich von meines Jesu Thron. 8. Erlöser, dir sei Preis und Dank für dieser Hoffnung Werth! Dir weih' ich höhern Lobgesang, wenn mich dein wenn mich dein Arm verklärt. J. G. Grot. Mel. Nun freut euch, lieben 2c. 2. Er kömmt, und führet euch ans Licht; doch nicht, daß er euch richte. Getrost seid ihr, 38 8. So glaubet denn und übet nur, was Gott gefällt, ihr Brüder; denn der für uns zum Himmel fuhr, kommt zum Gerichte wieder. Wohl euch alsdann! Dann führt er euch, euch zu belohnen, in sein Reich, zu seines Himmels Wonne. Pfingst- Lieder. 11) Pfingst- Lieder. Mel. Lobt Gott, ihr Christen zc. 75. ( reist, Völker, die ihr Christen seid, der hohen Wohlthat Werth! ihr seht ihn, dem ihr euch geweiht, und seinen Ruhm verklärt. 2. Er kömmt mit seiner Wunderkraft, mit seinem Trost, der Geist, der Jesu Lehre Sieg verschafft, des Sieges Kraft beweiſt. 3. Sie, die Verzagten, werden kühn, ihr sprachenreicher Mund macht den, der uns zum Heil erschien, auch fernen Völfern fund. 4. Der Tempel der Abgötterei wird Gottes Heiligthum, die Welt vom Aberglauben frei, der Gößen Ausspruch stumm. 5. Sein Licht zerstreut des Irrthums Nacht, die ganze Völker deckt, bestegt des Überglaubens Macht, mit der er droht und schreckt. 6. Sein Trost wird Wonne für das Herz, das Jesu Dienst sich weiht. Auch bei der Reue tiefstem Schmerz wird es durch ihn erfreut. 7. Sein Beistand treibt mit Gotteskraft zu großen Thaten an, bezwingt die Macht der Leidenschaft, daß sie nicht siegen kann. 8. D sei auch uns Licht, Trost und Kraft, die wir uns deiner freu'n, du Geist, der alles Gute schafft, laß uns dein Tempel sein! 3. C. Grot. Mel. Vater unser im Himmelreich 2c. Hauch vom 76. D tomm herab von dem, der dich der Erde gab! Du Flamme Gottes, ruh' auf mir! Jm tiefsten Staube wart' ich hier, bis auch in mir dein Feuer glimmt, und mich zu deinem Lobe stimmt. 2. Entzieh' mir, mich zu trösten, nicht dein gnadenstrahlendes Gesicht! Noch tobt in mir der Sünden Schmerz: drum schaff' in mir ein reines Herz, und sei mir ein gewisser Geist, der mir die Bahn der Tugend weist! 3. Du Licht aus Gott, erleuchte mich, und mein Verstand erkenne dich; und wenn ich sinke, reiche du die Wahrheit mir als Stüße zu! Dann sei die Welt von Zweifeln voll, ich weiß, an wen ich glauben soll. 4. Wenn mein Gewissen mich verklagt, mein Herz belastet in mir zagt: so flöße mir die Engellust des Seelenfriedens in die Brust, und wehe wieder nach dem Schmerz mir Ruh' und Freude in mein Herz! 5. Und wenn ich endlich sterben soll, so mach' mich deiner Gnade voll! Deckt Nacht und Dunkel mein Gesicht, so sei du mir ein Sonnenlicht, ein heller Stern, ein Gnadenstrahl durch's grauenvolle Todesthal. C. F. D. Schubert. Pfingst- Lieder. Mel. Warum sollt' ich mich zc. 77. Hereder! Geift des hernieder! Geist des Herrn, sei nicht fern, stärke Jesu Glieder! Der, der nie sein Wort gebrochen, Jesus hat deinen Rath segnend uns versprochen. 2. Geist der Wahrheit, gib uns allen durch dein Licht Unterricht, wie wir Gott gefallen! Lehr' uns freudig vor Gott treten, steh uns bei, und verleih', daß wir gläubig beten! 3. Laß uns wachsam sein und kämpfen, stets bereit, Sinnlich keit durch Vernunft zu dämpfen! Laß uns niemals harte Leiden, Angst und Noth, Schmerz und Tod von der Tugend scheiden! 4. Laß uns nach Erkenntniß streben; schenk' uns Kraft, tugendhaft und gerecht zu leben! Gib, daß wir nie stille stehen, treib uns an, froh die Bahn, die du zeigst, zu gehen! 5. Reißt uns Schwachheit hin zu Sünden: so verleih', daß durch Reu' wir Vergebung finden! Und bei dieses Lebens Leiden schenke du Seelenruh' und der Hoffnung Freuden! E. Liebich. 39 Wege deine Weisheit mit mir irren möge, deine Wahrheit mich erfreu'n! Suchen laß mich in der Welt nichts, als das, was Gott gefällt! Lehrst du mich, was gut ist, wählen, kann ich nie mein Heil verfehlen. Mel. Werde munter, mein 2c. 78. Geift Reist vom Vater und vom Sohne, der du unser Tröster bist, schau auf uns von deinem Throne, gib uns, was uns selig ist! Steh' mit deiner Kraft mir bei, daß ich Gott ergeben sei; denn so werd' ich schon auf Erden seines Ruhmes Tempel werden! 2. Laß auf jedem meiner 3. Hilf, daß ich, von dir getrieben, über alles möge Gott, meinen Herrn und Vater, lieben, treu ihm sein bis in den Tod! Jmmer laß auf ihn mich sehn; seinen Namen zu erhöhn, seinen Willen zu vollbringen, müsse mir durch dich gelingen. 4. Hilf mir, wenn mein Herz zur Sünde allzusehr gereizet wird, daß es schnell und start empfinde, wo es sich von dir verirrt! Warn' und strafe dann mein Herz, daß es gleich voll Reu' und Schmerz wieder sich zum Vater wende, und die Sünde nicht vollende! 5. Mangelt mir zu guten Werken Licht und Kraft, ſo treibe mich zum Gebete! Mich zu stärken suche meine Seele dich! Laß mich aber mein Vertrau'n nur auf meinen Heiland bau'n, Gnad' um Gnad' auf mein Verlangen von dem Vater zu empfangen! 6. Steh' in allen meinen Leiden mir mit deinem Troste bei, daß ich auch in Noth mit Freuden meinem Gott gehorsam sei! Schenke mir Gelassenheit, wenn ich sterbe, Freudigkeit, daß ich deinen Trost empfinde, standhaft bleib' und überwinde! Gottfried Hoffmann, verändert durch Diterich. 40 Pfingst- Liede r. Mel. Nun sich der Tag geendet 2c. 79. Nicht um ein flüchtig test du dich kund, dein Zeugniß heiligte den Bund der Schaar, fleh' um deinen Geist, Gott, den zu meiner Seligkeit dein theures Wort verheißt. 2. Die Weisheit, die vom Himmel stammt, o Vater, lehr' er mich, die Weisheit, die das Herz entflammt zur Liebe gegegen dich! 3. Dich lieben, Gott, ist Seligkeit. Gern thun, was dir gefällt, wirkt evlere Zufriedenheit, als alles Glück der Welt. 4. Dann, dann hab' ich Vertrau'n zu dir; dann schenket selbst dein Geist das freudigste Bewußtsein mir, daß du mir gnädig seist. 5. Er leite mich zur Wahrheit hin, zur Tugend stärk' er mich, beweise, wenn ich traurig bin, auch mir als Tröster sich! 6. Er schaff' in mir ein reines Herz, versiegle deine Huld, und er bewaffne mich im Schmerz mit Muth und mit Geduld! L. F. Neander. Mel. Wie schön leuchtet der 2c. * 80. ir jauchzet froh die Christenheit, du Geist der Kraft und Herrlichkeit, bu, aller Geister Leben. Als unsers Erbes Unterpfand bist du vom Vater ausgesandt, zum Tröster uns gegeben. Jesu Glieder wirst du führen und regieren; deine Gnade leit auch uns auf unserm Pfade. 13) Am Festé der Dreieinigkeit. Vergl. noch 6. 205. Mel. Allein Gott in der Höh' 2c. 2. O welch ein großer Tag erschien, als man die Flammen sah erglüh'n hell über jedem Ewigkeit, der GottHaupte! im Sturmwind tha- heit wahre Quelle! Dich ehrt * 81.D Bater, Gott von kamst du, um die Schwachen stark zu machen, und erklungen ist das Heil in allen Zungen. 3. O Dank für so viel göttlich Licht, das jede Finsterniß durchbricht, für himmlische Belebung! Dem Menschenherzen alt und jung schaffst Kräfte du zur Heiligung, zu stiller Gottergebung. Preis dir, Dank dir, daß du kräftig und geschäftig uns belehrest, Jesum Christum uns verfläreft! 4. Auch wir, die Christus sich erkauft, wir sind mit deiner Kraft getauft, die Welt zu überwinden. Wirk' in uns Allen Lieb und Zucht, und laß in uns des Glaubens Frucht sich hundertfältig finden. Gnädig hilf du Gottes Erben einst im Sterben, daß sie droben ewig deine Wunder loben! 5. Wir beugen unsern Geist vor dir, Geist Gottes! Alle flehen wir, du wollest bei uns bleiben! Geh' ferner aus in alle Welt, damit, von deinem Licht erhellt, die Völker alle gläuben! Führe gnädig sie zur Wahrheit und zur Klarheit, daß die Erde, Geist des Herrn, dein Tempel werde! Am Feste der die ganze Christenheit; denn deines Thrones Stelle ist herrlich, voller Majestät, daß billig dir zu Diensten steht der Himmel sammt der Erde. 2. Als Vater hast du deinen Sohn von Ewigkeit gezeuget, daß sich vor seiner Gottheit Thron der Chor der Engel neiget; als Vater hast du diese Welt und alles an das Licht gestellt, auch väterlich erhalten. 3. Drum bleib noch ferner zugethan, als Vater, deinen Kindern, und nimm dich unsrer Wohlfahrt an, hilf allen armen Sündern, daß wir von deiner Mildigkeit zur guten und zur bösen Zeit Trost, Schutz und Nahrung haben! 4. Gott Sohn, des Vaters Ebenbild, von Ewigkeit geboren, und endlich, da die Zeit erfüllt, als Mittler auserforen, Dreieinigkeit. 41 7. Komm', wahrer Gott, mit deiner Kraft zu deinen Auser= wählten! Gib uns den rechten Lebenssaft, und stärke die Gequälten, bleib unser Schuß und Zuversicht, der Seelen Kraft und Freudenlicht und unfres Geistes Leben! 8. O heilige Dreieinigkeit, Jehova der Heerschaaren, der du dich deiner Christenheit hast wollen offenbaren, daß du mit deinem Namen heiß'st: Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist, wir danken dir mit Freuden! 5. Als Gott besitzest du den Thron zu deines Vaters Rechten, uns wider allen Neid und Hohn des Teufels zu verfechten. Ach! hilf uns durch dein theures Blut, daß uns dein Vater bleibe gut und ewiglich gewogen! 6. O heil'ger Geist, du werther Gast, der Frommen Schatz und Krone, der du den Ausgang ewig haft vom Vater und vom Sohne, du süßer Tröster, treuster Freund, der du die Deinen wohlgemeint in alle Wahrheit leiteſt! 9. Denn wer dich, Gott, recht weiß und kennt, der hat das rechte Leben, und wer von deiner Liebe brennt, den fannst du bald erheben, daß er nach dieser trüben Zeit im Licht der frohen Ewigkeit dich wesentlich kann schauen. wahrer Gott und Mensch zugleich, der du der Welt dein 82. Gund Geist, du biſt Salomo Liscov. Mel. Allein Gott in der Höh' ic. ott, Vater, Sohn Himmelreich durch deinen Tod erworben! der Gott, den wir verehren, durch den die Welt erschaffen ist, mit allen ihren Heeren. Dich, Unbegreiflicher, erhebt, wer, Herr, in deinen Reichen lebt und deine Größ' empfindet. 2. Dich, Gott, durchforschet kein Verstand im Himmel und auf Erden; doch willst du recht von uns erkannt und angebetet werden. Du, Vater, du, o Sohn, bist Gott. Du, Geist der Heiligung, bist Gott, und nur ein Gott, ein Schöpfer. 3. Das bist du, nein, wir leugnen nicht, was du uns offenbarest, der du uns ein 42 Am Feste der Dreieinigkeit. noch hell'res Licht im Himmel| wir gefallen find, den Lauf aufbewahrest. Was wir hier zum Ziele zu erneuern. nur im Spiegel seh'n, das, Vater, Sohn und Geist, versteh'n die Seligen am Throne. 4. Steh' uns, o Herr und Vater, bei vergib uns, hilf uns Sündern! mach' uns von allem Bösen frei! mach' uns zu deinen Kindern! Verlaß uns nie in Schmerz und Noth! Beglück' uns selbst durch unsern Tod! Du, Vater, hast's verheißen. 9. Durch dich ist unsre Hoffnung fest, du linderst alle Schmerzen; und wenn uns alle Welt verläßt, bleibst du in unsern Herzen. Hilf stets! und naht der Tod heran, so laß auf Jesum Christum dann uns froh und selig sterben! 5. Auch preisen wir, o Jefu Christ, dich Gottes Eingebornen, dich, der du unser Schöpfer bist, dich, Retter der Verlornen! Gott warst du, wie's dein Vater ist, warst auch so selig, dennoch bist du Mensch für uns geworden. 6. Das warst du, uns von unsrer Schuld, vom Tode zu erretten, daß wir zu deines Vaters Huld Vertrau'n und zu gang hätten. Du, der du uns zum Heile starbst, standst auf, und gibst, was du erwarbst, uns nun von deinem Throne. 7. Du bist, o Geist! der Gnade Pfand vom Vater und vom Sohne, auch Gott, vom Vater uns gesandt und von des Sohnes Throne, uns zu erleuchten, unser Herz zu heiligen, und jeden Schmerz zu lindern und zu heilen. 8. Uns heiligt deiner Taufe Bad; du gibst des Glaubens Gabe, daß, wer nur festhält, was er hat, durch ihn das Leben habe. Du warnst vorm Fall und hilfst uns auf, wenn 10. Sei Gott, du Vater, Sohn und Geist, für deine Huld erhoben! Wer dein Bekenner ist und heißt, muß immerdar dich loben. Herr, heilig, heilig, heilig ist dein Name! so lobsingt der Christ auf Erden, so im Himmel. I. Gesenius, verändert durch S. A. Cramer. Mel. Komm' heiliger Geist, Herre 2c. 83. bringen wir, Herr, Ehre unser Gott und Vater, dir. Dein Ruhm soll unter uns erschallen! Laß unser Lob dir wohlgefallen! Laßt, Menschen, seiner Lieb' uns freu'n und ewig, ewig dankbar ſein! Lobsingt ihm, Christen, unsre Brüder, fallt vor dem Gott der Liebe nieder, und betet an, und betet an! 2. Er hieß uns leben, wir sind sein. Du bist die Lieb', und wir sind dein. Wie groß und viel sind deine Werke, du Gott der Macht und Gott der Stärke! Dein ist der Erdkreis, und in dir, o Höchster, sind und leben wir. Du Herr, erschufst der Engel Heere; uns auch erschufst du, dir zur Ehre, uns Sterbliche, uns Sterbliche. Am Johannisfeſte. 43 3. Lob, Preis und Ehre,| starb in der Zeit. Erlöst, erlöst Christus, dir! Verlorne Sün- hast du uns dir. Dir leben der waren wir; du bist am und dir sterben wir. Gelobt Kreuz für uns gestorben, haft sei Gott. ew'ges Heil auch uns erworben. Wer zu dir flieht, an dich nur gläubt, und in Versuchung treu dir bleibt, der soll, befreit vom Fluch der Sünden, Erbarmung, Ruh' und Seben finden, in Ewigkeit, in Ewigkeit. 4. Gelobet seist du, Geist des Herrn! Wir waren einst von Christo fern, entfernt von dir und von dem Leben, mit Finsternissen ganz umgeben. Du hast durch deines Wortes Macht auch uns zum wahren Licht gebracht; du lehrst uns 13) Am Johannisfeste. Mel. Gott, du frommer Gott zc. leben, hilfft uns sterben, und# 85. Gelobet fei der Herr, laßt uns ihn fröhuns zu durch Christi Tod, durch Christi Tod. lich preisen! er denkt an seinen Bund, erfüllt, was er verheißen. Der Heiland Israels, der Heiden Heil und Licht, auf den Johannes weist, ist unsre Zuversicht. 3. Preist Gottes Geist! Auf rechter Bahn führt er uns zur Tugend an. Geweiht sind wir, Geist Gottes, dir! Dir leben und dir sterben wir. Gelobt fei Gott! 2. Preist Jesum auch in Ewigkeit! Er ward Mensch, 4. Sing', Seele! Freudenthränen, fließt! Heilig, heilig, heilig ist Gott, unser Gott, Du Höchster, dir, dir leben und dir sterben wir. sei Gott! Gelobt F. G. Klopstock. 5. Lob, Preis und Ehre bringen wir, Gott, Vater, Sohn und Geist, nun dir! Es müsse jedes Land auf Erden mit deinem Ruhm erfüllet werden! Wie selig, wie begnadigt ist ein Volk, deß Zuversicht du bist! Allmächt'ger, deinem großen Namen sei ewig Ruhm und Ehre! Amen! Sei, Gott, geLobt! sei, Gott, gelobt! B. G. Funk, veränd. durch Cramer. Mel. Gelobet feist du, Jesu zc. 3. Gelobet sei der Herr! 84. Preist Gott! Er schuf mit kindlichem Vertrauen kann und er erhält seine wundervolle Welt. Du sprachst, da wurden, Herr! auch wir. Dir leben und dir sterben wir. Gelobt sei Gott! hinauf zum Himmel schauen. Wenn auch erkannte Schuld ihn reuvoll niederschlägt; hier ist das Gotteslamm, das unsre Sünden trägt. 2. Gelobet fei der Herr! voll Wahrheit und voll Gnade erschien der Christ des Herrn! Erleuchtung auf dem Pfade des Lebens gab er uns, nun wandeln wir im Licht den Weg zum ew'gen Heil, und Frrthum täuscht uns nicht. 4. Gelobet sei der Herr! Kein Trübsal, keine Leiden, Am Feste Mariä Heimsuchung. 44 nichts kann uns nun von ihm und seiner Liebe scheiden. In allem siegen wir durch den, der uns geliebt, der uns im Leben Trost, im Tode Ruhe gibt. 5. Gelobet sei der Herr! von banger Furcht befreiet, frei von der Sünden Macht, zum Tugenddienst geweihet geh'n wir des Lebens Pfad, bis unfer Lauf sich schließt, in der Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist. 6. Gelobet fei der Herr! auch auf dem Todespfade erleuchtet uns sein Licht, erfreut uns seine Gnade. Uns schreckt nicht Grab und Tod; voll froher Zuversicht vollenden wir den Lauf, doch unser Leben nicht. 3. Ein Zacharias preiset dich, ich folge ihm mit Freuden. Laß deinen guten Geist auch mich zum Himmel vorbereiten! So stimm' ich an, so gut ich kann, dein Zob; von ihm besungen, ertönen alle Zungen. 4. Gelobt sei der Allgütige! Er hat sein Volk erhöret. Es werde Gott, der Segnende, von aller Welt verehret! Erlöst sind wir, getröstet hier. Was er schon längst versprochen, das hat er nicht gebrochen. Dasein und mein Leben. Du hast mich, eh' ich war, gekannt, viel Gutes mir gegeben. Herr, meine Brust füllt Dank! Mit Lust will ich daran gedenken, auf ewig mich dir schenken. 5. Der Feinde Macht ist nun gebeugt, weil Rettung uns erscheinet. Er hat Barmherzigkeit erzeigt, in Christo uns vereinet; sein Bund und Eid ist nun erneut für alle Nationen, die auf dem Erdkreis wohnen. 7. Gelobet sei der Herr! der uns das Heil gegeben! Gelobt sei Jesus Christ, durch den wir sind und leben! Gelobt der heil'ge Geist, der uns mit Trost erfreut! Gelobt sei unser Gott jetzt und in Ewigkeit! C. F. Lossius. Mel. Was Gott thut, das ist zc. 86. Gott, mir gab deine dich loben. mein 6. Die Finsterniß, die uns umgab, entflieht vor ihm auf immer. Sein Licht erhellet Tod und Grab mit hoffnungsvollem Schimmer. Ein ew'ges Heil wird uns zu Theil. Ich will, zu dir erhoben, einst würdiger 7. Johannes machte Jesu Bahn, wir wandeln Jesu Pfade; wir folgen ihm, er ging voran, daß uns kein Frrweg schade. Wir bleiben treu, von Lastern frei, bis wir in sel'gen Auen dich, Welterlöser, schauen. 2. Der Name, welchen man mir gab, ist in dein Buch geschrieben; o laß auch mich bis an mein Grab die Christenpflichten üben! Wer nicht als Mel. Lobt Gott, ihr Christen zc. Christ auch eifrig ist, ſtets 87. Mei ein ganzes Herz erhebt den Herrn, Jesu nachzuahmen, entehrt des Christen Namen. und freut sich seiner Macht. Am Feste Mariä Heimsuchung. So auch №. 359. Am Michaelisfeste; Sing ihm mein Geist! er hat an dich von Ewigkeit gedacht. 2. Sein Vaterauge sah herab auf meine Niedrigkeit. Erzähle, werdendes Geschlecht, sein Lob zu aller Zeit! 3. Denn groß ist Gott, und stets geschieht, was er, der Höchste, spricht. O preiset dankbar unsern Gott! Ihn preisen ist uns Pflicht. 4. Und von Geschlechte zu Geschlecht thut er den Frommen wohl, erbarmt sich unser, feines Ruhms find Erd' und Himmel voll. 5. Auf ihn verläßt der Fromme sich. Wer sollt ihm nicht vertrau'n? Erbarmend wird er auf sein Volk, das ihn verehret, schau'n. 6. Und er erfüllt den großen Eid, den er den Vätern schwur. Der Väter Asche sing' ihm Lob! Lob sing' ihm die Natur! 7. Mein ganzes Herz erhebt den Herrn und freut sich seiner Macht! Sing' ihm, mein Geist! Er hat an dich von Ewigkeit gedacht. S. 8. Löwe. an Aposteltagen. 45 auch seiner Krone, wie ihrer eignen Seligkeit. 3. Bekehren, Gott, fich Sünder und werden deine Kinder, die dir dein Sohn gewinnt; dann jauchzen ihre Lieder, daß ihre neuen Brüder dem Fluch entrissen worden sind. 4. In solcher Geister Chören dich ewig zu verehren, welch' eine Seligkeit! Wer wird sie einst empfinden? Der hier, ent wöhnt von Sünden, sich ihnen gleich zu werden freut. 5. Drum laß mich schon auf Erden den Engeln ähnlich werden, so weit ich, Schwacher, kann; so bet' ich mit den Engeln, ganz heilig, rein von Mängeln, dich würdiger im Himmel an. 2. Sie eilen, vor Gefahren den Frommen zu bewahren in seiner Pilgerzeit. Sie freu'n an deinem Throne sich einst 6. Wenn du zu ihren Liedern, zu meinen höhern Brüdern, vor deinen Thron mich rufft: will ich empor mich schwingen und Dank und Preis dir fingen, daß du für mich auch Engel schufft. 7. Dann lehren sie mich droben, dich würdiger zu loben, des Himmels höhern Dank; ich stimm' in ihre Chöre, dann wird zu deiner Ehre der ganze 15) Am Michaelisfeste. Mel. In allen meinen Thaten 2c. * 88. er zählt der En- Himmel ein Gesang. 23 gel Heere, die du zu deiner Ehre, o Herr der Welten, schufft? Sie freu'n sich, deinen Willen gehorsam zu er16) An Aposteltagen. Mel. Komm', heil'ger Geist zc. füllen, wie Flammen schnell, 89. Du hast Erleuchtung wenn J. A. Cramer. uns von Irrthum frei gemacht; drum werde dir von allen Zungen, o Jesu! Preis und Ruhm gesungen! Die 46 An Aposteltagen. Erde lag in Nacht verhüllt,| uns des hohen Glücks zu freu'n, mit Wahn und Gößendienst erfüllt; du hast allein den Finsternissen nach langer Nacht die Welt entrissen. Gelobt sei Gott! Gelobt sei Gott! des Segens, Vater, würdig sein! Erhebe, die wir dir vertrauen, einst unsern Glauben bis zum Schauen! Preis sei dem Herrn! Preis sei dem Herrn! J. A. Schlegel. Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. Feinde deines 90. Die Kreuzes broh'n, dein Reich, Herr, zu verwüsten; du aber, Mittler, Gottes Sohn, beschüßest deine Christen; dein Thron bestehet ewiglich, vergeblich wird sich wider dich die ganze Hölle waffnen. 2. Dein Reich ist nicht von 2. Singt Jesu Dank! Er ward erhöht zur Herrlichkeit und Majestät. Nun schenkt er seinen Schülern Kräfte, gibt ihnen Segen zum Geschäfte. Er sendet den verheißnen Geist der Schaar der Zeugen, die ihn preist. Sie sterben froh für seine Lehre, daß sich der Erdkreis zu ihm kehre. Gelobt fei Gott! Gelobt sei Gott! 3. Gesandt von Jesu geh'n| dieser Welt, kein Werk von sie gern und sammeln überall dem Herrn aus Feinden selbst, die sich empören, Bekenner, die die Wahrheit lehren. Umsonst bestürmt fie Grimm und Spott; fie siegen dennoch, stark durch Gott, troß alles Drohens, alles Spottes, und wirken große Thaten Gottes. Gelobt sei Gott! Gelobt sei Gott! 4. Der Herr mit euch! Der Herr mit euch! Jhr bauet ihm ein neues Reich! nun herrscht der Herr auch unter Heiden, und Völker ehren ihn mit Freuden. Nun lernt die Welt, erhellt und frei vom Joche der Abgötterei, den lang' verkannten Schöpfer kennen und ihn durch Jesum Vater nennen. GeLobt sei Gott! Gelobt sei Gott! 5. Auch uns hat dieses Segens Kraft zu der beglückten Bürgerschaft in Jesu großes Reich geführet. Wir preisen laut, von Dank gerühret. Laß' Menschenkindern; drum konnte keine Macht der Welt, Herr, seinen Fortgang hindern. Dir können deine Hasser nie dein Erbe rauben; selbst durch sie wird es vergrößert werden. 3. Weit woll'st du deine Herrschaft noch in dieser Welt verbreiten, und unter dein so sanftes Joch die Völker alle leiten! Vom Aufgang bis zum Niedergang bring' alle Welt dir Preis und Dank, und glaub' an deinen Namen! 4. Auch deine Feinde, die dich schmäh'n, die frevelnd sich empören, laß deiner Gnade Wunder seh'n, daß sie sich noch bekehren! Lehr sie mit uns gen Himmel schau'n, und unerschüttert im Vertrau'n auf deine Zukunft warten! 5. Uns, deine Christen, wol| left du fest in der Wahrheit gründen, daß wir durch sie Heil, Trost und Ruh' für uns're An Aposteltagen; an Buß- und Bettagen. 47 Seelen finden! Mach' uns'res| du Beschirmer deiner schwachen Glaubens uns gewiß! vor Irrthum und vor Finsterniß bewahr' uns, weil wir leben! Herde, Himmel und Erde! 6. Ein reines Herz schaff' in uns, Herr, ein Herz nach deinem Willen, und lehre täglich williger uns dein Gesetz erfüllen! Gehorsam deiner Vorschrift sein, und dann uns deiner Gnade freu'n, sei unser Heil auf Erden! 7. So wird dein Volk dir unterthan und lernt die Sünde meiden, und du führst es auf ebner Bahn zu deines Reiches Freuden: und herrlich wird in dieser Zeit, noch herrlicher in Ewigkeit dein großer Name werden. 8. Ja komm, o Jesu, komm| nur bald zu deinem Volke wieder! Befrei' durch deines Arms Gewalt uns, deines Reiches Glieder! Dein Himmelreich ist uns bereit; von Ewigkeit zu Ewigkeit wird's unser Erbtheil bleiben. B. Münter. Mel. Herzliebster Jesu, was zc. chüße die Deinen, die nach dir sich nennen, und dich, o Jesu, vor der Welt bekennen! Laß deinen Händen, wie du selbst verheißen, nichts sie entreißen. 91. S Schüße 2. Laß deine Wahrheit rein verkündigt werden! Mach' ihre Siege herrlicher auf Erden! Gib Muth und Weisheit denen, die sie lehren, dein Reich zu mehren! 3. Ewig, o Heiland, sei dein Nam' erhoben! Ewig frohlokkend müsse dich einst loben, o M. A. v. Löwenstern, veränd. durch Diterich. 7) Am Buß- und Bettage. Die vorige Melodie. 92. Got ott! wo ist Noth, wo Elend auf der Erde, das von der Sünde nicht geboren werde? Wie enden sich nicht jeder Thorheit Freuden in bitt're Leiden! 2. O wären wir, vom Jüngling bis zum Greiſe, gehorsam deinem Willen, gut und weise; was würden wir mit freudigem Gewissen für Glück genießen! 3. Denn schön und heilsam, Vater, sind die Gaben, die wir von dir zu wahren Freuden haben. Wo strömt uns nicht der Tugend Heil und Segen von dir entgegen? 4. Wie würde jede wahre Lust auf Erden erhöht, und jede Last erleichtert werden, wenn unser Herz den Täuschungen der Sünde stets widerstünde! 5. Doch ach! sie herrscht, um alles zu zerrütten, erschüttert Throne und verwüstet Hütten, trübt jeden Segensquell, droht allen Tagen mit neuen Blagen. 6. Wie können Sünder froh zum Himmel schauen, an dich, Gott! denken ohne Furcht und Grauen? an Tod und Grab, und an ein ew'ges Leben, und nicht erbeben? 7. Die Lust zum Bösen fesselt sie und wüthet, sie leiden 48 An Buß- und Bettagen. selbst durch das, was sie ge-| uns, Gott, ist rein, nicht einer bietet, und bahnen sich den Weg durch ihre Freuden zu Gram und Leiden. werth, dein Kind zu sein. Doch schontest du noch, Vater. 4. Wie unaussprechlich, unausdenklich war dein ewiges Erbarmen! Du machtest dich uns offenbar, trugst uns auf Vaterarmen. Du zogst und locktest uns zu dir, doch widerspenstig waren wir, verstockten unsre Herzen. 5. Wer hat von uns dich, Höchster, ganz geliebt? nur dir geweiht sein Leben? nur einen Tag dich nicht betrübt? Wem darfst du nichts vergeben? Wer diente dir an jedem Ort? Wer glaubte fest stets an dein Wort? Ach keiner von uns allen! 8. Wie können wir genug, Gott, dich erheben, daß du uns führen willst den Weg zum Leben, uns heiligen und stärken, alle Sünden zu überwinden! 9. Heil uns, daß uns dein Sohn mit dir versöhnte, uns Licht gab, uns vom Sündenjoch entwöhnte, und Lust und Trieb, auf deiner Bahn zu wandeln und recht zu handeln! 10. Laß uns denn immer mehr geheiligt werden, und dir stets folgsam, dir getreu auf Erden thun, was du willst, bis wir zu dir erhoben dich ewig loben! 3. A. Cramer. In eigener Melodie. 93. Allerheiligster, wir tommen hier gebeugt zu deinem Throne, und fleh'n und seufzen auf zu dir um Gnad', um Gnad'. Ach schone, 7. Die Lieb' ist oft von unGott, Gott, der du die Liebesern Seelen fern; falt, matt, iſt bist, weil Jesus unser Mittler das Erbarmen. Wer, wer hilft ist, ach schone deine Kinder! den Bedrängten gern? Wer drängte keinen Armen? Wir können unempfindlich sein, uns über fremden Schaden freu'n, wenn Elend um uns seufzet. 2. Wir haben alle dein ge recht Gebot muthwillig oft ge schändet, und uns von dir, du bester Gott, der Sünde zugewendet. Wer wird, wer kann vor dir besteh'n, willst du, Gott, zu Gerichte geh'n, ach, zum Gericht mit Sündern! 6. Wie matt ist unser tägliches Gebet! wie geistlos unser Singen! Wir wagen's, deiner Majestät nur Wort und Ton zu bringen. Wir eilen mit verstocktem Sinn vom Beten zu den Sünden hin, die wir nur erst beweinten. 3. Wer, wer kann deine Langmuth und Geduld, wer deine Lieb' ergründen? Unendlich ist ja unsre Schuld, unzählbar unsre Sünden. Ach, keiner von 8. Ach, wer muß nicht durch Mangel wahrer Treu' jetzt Noth und Mangel leiden! So unumschränkt herrscht Schwelgerei und List zu unsern Zeiten. Es rauben Pracht und eitler Ruhm dir, Jesus Christ, dein Eigenthum, und wir sind Lastersclaven. An Buß- und Bettagen. 49 9. Verachtung, Spottsucht, Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele zc. Stolz und Eitelkeit wohnt faſt 94. Höchster, benk ich an in allen wir wagen's, die die du mit der Heiligkeit des Frömmern nur zu scherzen. Der Tugendhafte wird verlacht, der wider Sünd' und Lüste wacht und dem Gewissen folget. 10. Ach, Gott, mit welchem schweren Sündenjoch sind alle wir beladen! Ach, schenktest du uns, Vater, doch nur die verschmähten Gnaden! Ach! Gott, was haben wir gethan, wie dürfen wir, ach! dir uns nah'n, dir, allgerechter Richter! 11. Wie könnten, dürften ohne Jesus Christ wir deine Gnade hoffen? Durch den, der unser Mittler ist, steht uns der Himmel offen. Wir glauben's zitternd, Vater, ach wir glauben's; unser Glaub' ist schwach. Erbarm', erbarm' dich unser! 12. Wir freu'n uns bebend. Denn wie haben wir die Beßrung oft versprochen, uns kaum, kaum ausgeweint vor dir, und schon den Bund gebrochen! Uns ängstigte der Sünden Schmerz, doch bös blieb unser falsches Herz. Erbarm', erbarm' dich unser! 13. Ach schenk' uns den so oft verschmähten Geist! Laß den uns zieh'n und lehren! wenn er uns dir gehorchen heißt, laß uns ihn willig hören! Ach schenk' uns Muth und Redlichkeit, zu thun, was dein Geseß gebeut! Erbarm', erbarm' dich unser! 3. K. Lavater. mir bisher erzeigt: o so wird mein ganz Gemüthe zu der tiefsten Reu' gebeugt, daß ich dich gering geschäßt, häufig dein Gebot verletzt, und dich, der du mich geliebet, doch so oft und schwer betrübet. 2. Alle meine Seelenkräfte, meine Glieder sind ja dein, und sie sollen zum Geschäfte deines Dienstes fertig sein. O wie hab' ich sie entweiht! Ach, zur Ungerechtigkeit und zum schnöden Dienst der Sünden ließ ich mich oft willig finden. 3. Deine Huld war jeden Morgen über mir, o Vater neu. Von wie manchen schweren frei! Was mir nüßte, gabſt du Sorgen machtest du mein Herze mir. Aber ach! wie dankt' ich dir! O wie hab' ich so vermessen deines Wohlthuns Zweck vergessen! 4. Bei dem hellen Licht der Gnaden sollt' ich ja die Sünde flieh'n, und um Rettung von dem Schaden meiner Seele mich bemühn. Deine Güte lockte mich oft zur Buße; aber ich floh vor ihrem sanften Locken, suchte selbst mich zu verstocken. 5. Ach! an dir hab' ich gefündigt, Gott, mein Vater, zürne nicht! Dir hab' ich oft aufgekündigt meine schuld'ge Kindespflicht. Ach vergib, was ich gethan! Nimm mich noch erbarmend an! Führe mich vom Sündenpfade schnell zurück durch deine Gnade. 50 An Buß- und Bettagen. 6. Dir ergeb' ich mich auf's| Pfad des Lasters zieh'! Herr, neue; gib, daß mein beschwer- unser Gott, vor aller Schuld, ter Geist deiner Vaterhuld sich vor aller Schuld bewahr' uns freue, die dein tröstend Wort deine Vaterhuld! verheißt! Was dein Sohn auch mir erwarb, da er für die Sünder starb, Fried' und Freude im Gewissen, ach! das laß auch mich genießen! 7. Stärke selbst in meiner Seele den Entschluß, mich dir zu weih'n! Gib, daß keine Kraft mir fehle, folgsam deinem Wort zu sein! Stehe mir stets mächtig bei! Mache du mich selbst recht treu, dich zu lieben, dir zu leben! Ewig will ich dich erheben. 3. 3. Nambach. Mel. Herzlich lieb hab' ich dich zc. 95. Gott, ott, der du unser Vater bist, Gott, unser Heil in Jesu Christ, Gott 3. Sieh gnädig, Herr! auf unser Land; ringsum beschützt von deiner Hand, laß es der Ruh' genießen! Wend' ab von uns durch deine Hut Verheerungen durch Feu'r und Fluth, des Krieges Blutvergießen! Sei unser Vater, wenn die Noth des Mangels und der Seuchen droht, und laß uns ihren Raub nicht sein! Laß Sicherheit das Land erfreu'n! Herr, unser Gott, das Land ist dein; o laß Gedeih'n und Sicherheit das Land erfreu'n! 4. Die uns regieren, lenke du, daß sie durch Weisheit, Fried' und Ruh' des Landes heil'ger Geist der Gnaden! All- Wohlstand heben! Gib unserm gütiger, verwirf uns nicht, wir kommen vor dein Angesicht, mit Missethat beladen. Nimm von uns unsrer Sünden Schuld, du, Gott der Langmuth und Geduld, und hör' auf unser heißes Fleh'n, daß wir dein Heil, Erbarmer, seh'n! Herr unser Gott, verbirg uns nicht dein Angesicht, und geh nicht mit uns in's Gericht! 2. Wir haben unsern Bund entweiht, gebrochen unsern gebrochen unsern theuren Eid, und deinen Weg verlassen; doch sieh, wir kehren voller Reu' zurück zu dir, laß uns auf's neu nun deine Rechte fassen! Laß sie uns leiten auf den Pfad, den dein Befehl geheiligt hat, daß Irrthum und Versuchung nie uns auf den Fürsten Glück und Heil, dein bester Segen sei sein Theil in seinem ganzen Leben! Es ruhe, Gott, dein Vaterblick auf seinem Hause! Wahres Glück gib unsrer guten Obrigkeit und segne sie zu aller Zeit! Herr, unser Gott! In deiner Hand ist unser Land. Beglück' es, segne jeden Stand! 5. Vernimm der Leidenden Gebet; wer in Gefahr und Noth dir fleht, dem hilf aus seinen Nöthen! Gib Kranken Linderung und Ruh'! die Sterbenden erlöse du, erhör ihr leßztes Beten! Sei aller Unterdrückten Heil, der Wittwen und der. Waisen Theil! Vereitle der Verfolger Rath, und Lehre sie den rechten Pfad! Am Einweihungsfeste einer neuen Kirche. Herr, unser Gott, durch alles Leid der Pilgerzeit führ' uns zu deiner Herrlichkeit! 6. Du thust weit mehr, als wir versteh'n, kannst mehr gewähren, als wir fleh'n; laß uns Erhörung finden! O neig' auf unser Fleh'n dein Ohr, heb' unser Herz zu dir empor, und mach' uns rein von Sün= den! uns nur dein eigen ſein, im Leben und in Tode dein! wir sind durch dei nen Sohn erlöst. O du, der Sünder nicht verstößt, Herr, unser Gott! erbarme dich! er= barme dich! vergib uns, leit' uns väterlich! 3. 3. Eschenburg. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen 2c. 96. Seh'n wir nur Leiden Ehrfurcht Pfand! um uns her, wissen keinen Ausgang mehr, so ist es unser Trost allein, daß wir uns unsers Gottes freu'n. 2. Zu dir erhebt sich unser Herz, o Gott, und fleht in unserm Schmerz demüthigst um Begnadigung und aller Leiden Linderung. 3. Nach deiner Gnade sagest du dieß allen, die dir trauen, zu durch den, der unser Mitt ler ist, durch unsern Heiland Jesum Christ. 51 6. O Vater! Läsfest du gescheh'n, warum wir findlich zu dir fleh'n, dann danken und lobsingen wir mit frohem Herzen ewig dir. P. Eberus, verändert durch Neander. 4. Drum kommen wir, Herr, unser Gott! und klagen dir all' unsre Noth. Ach, deine Vateraugen seh'n, wie wir hier so verlassen steh'n. 97. A im 25. Nur du bist unsre Zuversicht. Vergilt nach unsrer Schuld uns nicht; steh uns in allen Nöthen bei, mach' uns von allem Kummer frei! 18) Am Einweihungsfeste einer neuen Kirche. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. Umächt'ger Gott und Herr der Welt, der allenthalben ist, der nirgends sich verschlossen hält, vor dem uns nichts verschließt! 2. Wir weih'n, Allgegenwärt'ger, dir dieß Haus von Menschenhand: verschmäh'nicht heiße Dankbegier und frommer 3. Hier sollen unsre Herzen, fern vom Eiteln, dich erhöh'n, vereint dich loben, unsern Herrn, zu dir als Vater fleh'n. 4. Voll Kraft erschalle hier dein Wort in Frömmigkeit und Zucht; sein Same pflanz' in uns sich fort und bringe reichlich Frucht! 5. Es stärk' uns oft zu unsrer Pflicht, leit' uns nach deinem Rath, sei unser Trost, sei unser Licht auf unsers Lebens Pfad! 6. Hier weihen wir den Täufling dir; und wenn er dich erkannt, erneu' er sein Gelübde hier, das ihn mit dir verband. 7. So oft wir mit gebeugtem Knie hier unsre Schuld bereu'n und dir vertrauen, willst du sie erbarmend uns verzeih'n! 8. Hier feiern wir des Heilands Mahl, der für die Sünder starb, und uns durch seine 4* 52 Am Kirchweihfeste. Todesqual die Seligkeit erwarb. 9. Wenn, Ghestifter! hier der Eh' sich edle Herzen weih'n, so laß mit Segen aus der Höh' ihr Band gesegnet sein! 10. Erhör' auch unser brünstig Fleh'n für unsern Ort und Stand, für allgemeines Wohlergeh'n, für Kirch' und Vaterland! 11. So wollen, Herr, wir deinen Ruhm, dein heil'ges Licht und Recht verkünden hier im Heiligthum dem blühenden Geschlecht! 12. Und Wachsthum in Vollkommenheit zu unserm Seelenheil, und inn're Ruh' und Freudigkeit wird unser aller Theil, 13. Bis wir in Wohnungen des Lichts dir bessre Lieder weih'n, uns ewig deines Angesichts in deinem Himmel freu'n. 19) Am Kirchweihfeste. Mel. Allein Gott in der Höh' 2c. 98. Fr rohlockend sing' ich, Vater, dir, um dankbar dich zu ehren. Denn deinen Geist gibst du auch mir, um Weisheit mich zu lehren, damit auch ich erleuchtet dich und Jesum deinen Sohn und mich zu meinem Heil erkenne. 2. Wir sind von dir, o Gott, belehrt in unsern Finsternissen, sind nicht mehr Heiden, sind befehrt, dem Gößendienst entrissen. Dies Haus ist, Gott, dein Heiligthum. Hier wird dein Evangelium, hier dein Geset verkündigt. 3. Ach, wie so elend waren wir, als wir, wie ohne Hirten, verloren und entfernt von dir, von Wahn zu Wahn noch irrten, als feiner, der Vernunft zur Schmach, wie laut auch deine Schöpfung sprach, dich seh'n und finden konnte! 4. Gewiß war keiner, daß durch dich die Welt erschaffen wäre. Das Laster herrscht' und baute sich selbst Tempel und Altäre; und sah, wer weiser war, auch Licht, so gönnt er's doch den Armen nicht, die immer tiefer sanken. 5. Nun ist die Welt dein Heiligthum, durch deinen Sohn. entsündigt; nun entsündigt; nun wird den Armen auch dein Ruhm, dein heil'ges Wort verkündigt; wo Christentempel sind, da schallt mit seligmachender Gewalt die Stimme deines Sohnes. 6. Wem Weisheit fehlt, wem. Licht gebricht, der komme her und höre, und seine Seele werde licht durch seines Gottes Lehre! Wer in der Sünde Sclaverei sich elend fühlt, der werde frei durch Jesu Christi Gnade! 7. O heilig sei die Stätte mir, wohin, o Gott, die Frommen mit Dank und Lust und Lernbegier dich anzubeten kommen. Ich liebe sie und walle gern zum Hause Gottes, meines Herrn, mit ihnen anzubeten. 8. Da fühl' ich durch den frommen Dank, womit dich Christen Loben, durch ihren heil'gen Gesang zum Himmel mich erhoben. Da hör' ich, Gott, die Engel schon und alle Am Kirchweihfeste; am Erntefeste. Seligen am Thron ihr Heilig,| die Gefahren, die es bedrohten, Heilig! rufen. 9. Da seh' ich meines Glaubens Preis an deinem Throne prangen, und ringe nun mit Ernst und Fleiß, das Kleinod zu erlangen; da gibt mir deine Lehre Kraft zur Tugend, um gewissenhaft zu denken und zu handeln. sind entflohn; willst du es fernerhin bewahren, so wird ihm nie ein Unglück droh'n, so bleibt's beschützt von deiner Hand, gesichert stets vor Raub und Brand. 10. Da fühl' ich immer mehr mein Herz von deiner Lieb' entbrennen, und seufze: laß nicht Glück, noch Schmerz von dir, mein Gott, mich trennen! Wie schwer die Last ist, fühl' ich doch, sie werde leicht und sanft dein Joch, weil mich dein Trost erquicket. J. A. Cramer. Mel. O daß ich tausend Zungen 2c. 99. Fr roh eilen wir mit unsern Brüdern zu deines Tempels Heiligthum. Es tön' in andachtsvollen Liedern, o Gott, dir froher Dank und 53 5. Beglückt sind wir vor den Gemeinen, wo Krieg dein Heiligthum zerstört, wo, vor dir freudig zu erscheinen, des Wahnes blinder Eifer wehrt, wo Tyrannei ihr Haupt erhebt und die Vernunft zu fesseln strebt. 6. Hier, wo einst die versammelt waren, die nun vor deinem Throne steh'n, laß ferner in vereinten Schaaren uns Weißheit, Gott, von dir erfleh'n! Die späte Nachwelt lerne hier der Tugend Werth und jauchze dir! I. E. Heeren, veränd. durch L. F. Hesſe. 20) Am Erntefeſte. Mel. Laßt uns den Herren loben 2c. Ruhm! welch Gefühl der 100. Laßt uns den Schöpfer reinsten uns're Brust! in loben nach 2. Die Kraft von deinen Himmelslehren erhebet zu dir unsern Geist, hier, wo vereint in heil'gen Chören man deinen großen Namen preist, Anbetung dir und Ehre bringt, bewundernd deine Gnade singt. 3. Wie flossen hier so viele Stunden in heil'ger Stille schon dahin! Wir weihten, von der Erd' entbunden, nur dir, o Vater, unsern Sinn. Auch heute sammeln wir uns hier und bringen Dank und Jubel dir. 4. Noch steht dein Haus, und keit und Pflicht, der alles hier und oben so herrlich eingericht't, daß täglich auf der Erden die Menschen inne werden, wie du, Gott, gnädig bist! 2. Die Sonne, Mond und Sterne haft du hervorgebracht, daß man dich kennen lerne, dich, Gott, in deiner Macht. Du schenkst durch ihre Strahlen zu Millionen Malen uns Licht und Fruchtbarkeit. 3. Wind, Wärme, Thau und Regen, fruchtbare, gute Zeit, ist, Herr, dein Vatersegen. Durch deine Gütigkeit gedeih'n 54 Am Erntefeste. in deinem Lichte Gras, Bäume,| erfreut! Dein Segen mehr' in Laub und Früchte, und was uns Nußen bringt. uns die Triebe zur Demuth und zur Dankbarkeit! Das Gute, das du uns gethan, reiz' uns zu guten Thaten an! 4. Wir seh'n auf unsern Auen die Fülle deiner Güt'; hilf, daß wir dir vertrauen mit dankendem Gemüth! So bleiben deine Gaben, und was wir von dir haben, uns seliger Genuß. 4. Gib denen herzliches Erbarmen, die deine Hand mit Gütern füllt, damit ihr Ueberfluß der Armen Bekümmerniß und Hunger stillt! Gott, der du aller Vater bist, gib jedem, was ihm nüßlich ist! E. Liebich. Mel. O daß ich tausend Zungen 2c. 5. Gott, daß wir deinen Willen mit aller Willigkeit gewissenhaft erfüllen, dazu mach' uns bereit! Laß uns dem Nächſten rathen mit Worten und mit" 102. Qir kommen, deine du es feiern, vor deinem Antliß uns zu freu'n, bei reichlich angefüllten Scheuern dir, Herr der Ernte, Dank zu weih'n, der du mit milder Vaterhand auf's Neu' gesegnet unser Land. 2. Dein Lob, das wir gerührt verkünden, nimm es, o Vater, gnädig an, und tiefer stets laß uns empfinden, wie viel du Gutes uns gethan, auf daß der Dank für deine Treu' ein dir geweihtes Leben sei! 3. Und wie du selber nur aus Liebe uns schenkest unser täglich Brod, so weck' in uns des Mitleids Triebe, laß fühlen uns der Brüder Noth! Und weil du Reich' und Arme liebſt, so dien' auch beiden, was du gibst. 6. Weich', Geiz und banges Grämen, weich', Untreu, Falschheit, List! Lehr' uns, o Herr! uns schämen und flieh'n, was sündlich ist! Gib, daß wir dir vertrauen und einst dein Antlig schauen durch Christum deinen Sohn! Nicol Heyder, veränd. d. Friedrich Karl, F. z. S.-R. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 101. D wenn doch bei der reichen Ernte, mit der du unser Herz erfreust, die ganze Welt erkennen lernte, daß du reich an Erbarmen seist! Erleucht' uns, Vater, durch dein Licht, sonst seh'n wir deine Wunder nicht! 2. Kommt, laßt uns bei den vollen Scheuern dem Herrn der Ernte dankbar sein! Laßt uns den Bund mit ihm erneuern; was er uns gab, laßt uns ihm weih'n! Kommt, laßt uns seinen Ruhm erhöh'n! Der Herr ist gut, sein Lob ist schön. 3. Allvater, gib, daß deine Liebe nach deinem Willen uns 4. Durch dich ist alles wohlgerathen auf dem Gefild, das wir bestellt; doch reifen auch des Glaubens Saaten auf deines Sohnes Erntefeld? Sind wir auch, wenn er auf uns sieht, ein Acker, der ihm grünt und blüht? Am Ernte und Bergfeste. 5. Der List des Feindes wollst du wehren, wenn er ge= schäftig Unkraut streut, die Frucht des Wortes laß sich mehren zu deinem Ruhme weit und breit, damit am großen Erntetag ein jeder Garben brin gen mag! E. Liebich. Mel. Was Gott thut, das ist 2c. 103. reist, Christen, mit Zufriedenheit, preist Gott, den Herrn der Ernte, daß sich nicht ganz die Fruchtbarkeit von Au' und Feld entfernte! Noch stets erhält er seine Welt; was nöthig ist zum Leben, will er uns alles geben. 2. Es ist Geschenk aus seiner Hand, was uns die Erde träget; so sehr auch Menschenfleiß das Land bereitet, baut und pfleget, kommt doch allein von ihm Gedeih'n. Nur er, er läßt die Saaten blüh'n, reifen und gerathen. 3. Oft seh'n wir froh in Hoffnung schon der reichsten Ernt' entgegen; und plößlich ist er uns entflohn, der uns gezeigte Segen. Gott nimmt und gibt, was ihm beliebt, daß er als Herr der Erde von uns verehret werde. 4. Zeigt auch gleich nicht so sichtbar sich der Reichthum seiner Gaben, so gibt er uns doch sicherlich, so viel wir nöthig haben, ist stets bedacht, voll Gnad' und macht die Seinen zu erhalten; drum lassen wir ihn walten! 5. Und, o was ist's für ein Gewinn, an dem sich g'nügen lassen, was da ist, und mit 55 heiterm Sinn das feste Zutraun fassen, der, der die Welt regiert und hält, werd' auch, so lang wir leben, was nöthig ist, uns geben! 6. Ja, Höchster, wir verehren dich in allen deinen Wegen, und trauen unveränderlich auf deinen milden Segen. Auch unser Brod wirst du uns, Gott, von Zeit zu Zeit gewähren, wenn wir dich findlich ehren. | 7. Wir beten demuthsvoll dich an, der alles weislich füget, der niemals selbst sich irren kann, und dessen Wort nie trüget. Froh danken wir, Erhalter, dir, und preisen deine Güte mit g'nügsamen Gemüthe. I. S. Diterich. 21) Am Bergfeſte. Mel. Allein Gott in der Höh' zc.. 104. Glück auf! der Schöpfer der Natur, der Geber edler Gaben, dem Berge, Klüfte, Thal und Flur ihr Sein zu danken haben, der gute Vater ist es werth, daß alle Welt ihn jauchzend ehrt; laßt uns ihn dankend preisen! 2. Auf hohen Himmeln thronet er, sein Schemel ist die Erde; ohn' ihn wär' alles wüst und leer; er aber sprach: es werde! Und Welten, zum Erstaunen groß, enthüllten sich aus seinem Schooß, und huldigtem ihm Ehre. 3. Der Sterne ungezähltes Heer verkündet seine Werke, und Feuer, Erde, Luft und Meer sind Zeugen seiner Stärke. Wo Am Bergfeste und 56 hin sich nur das Auge dreht, da glänzet seine Majestät in strahlend hellem Lichte. 4. Selbst in der Tiefe finsterm Schooß ist seine Spur zu finden, und Sterblichen wirft er das Loos, sie forschend auszugründen. In Klüften macht sich seine Hand durch Erz von aller Art bekannt dem, der ihn eifrig suchet. 5. Dem Bergmann lenkt er seinen Sinn, zu schürfen und zu prüfen. Er leitet ihn auf Gänge hin in nie erforschten Tiefen, wo er den Reichthum seiner Macht, den er den Menschen zugedacht, wohlthätig hingeleget. 6. O, dieser treue Gott ist werth, daß wir ihn fröhlich preisen. 22) An Friedensfesten. tets will er bem, 106.3 bir, Allgütiger! Mel. Herr Gott, dich loben 2c. NB. Wenn zwischen dem 3. u. 4. Vers in der Melodie 6 Strophen weggelassen werden. Unendlicher! zu der Völkern still zu sein gebot und Frieden sandte, zu dir, Gott! steigt unser Jubelton empor, zu unsrer höhern Brüder Chor singt unser Herz, entflammt von Dank, den lauten, hohen Lobgefang: Gelobt, gelobt sei Gott; der Weltbeherrscher, Gott; der Weltbeglücker, Gott; der Friedensgeber, Gott! 2. Wer ist an Majestät dir gleich! an Güte und an Macht alle so reich! Du sprichst ein Wort, Du der ihn verehrt, wohlthätig fich erweisen. Kommt, tretet vor sein Angesicht, und zahlt ihm die gerechte Pflicht! Ihn Loben, das ist Freude. 7. Preist ihn in seinem Hei ligthum, preist ihn auf Fahrt und Halde! Erhebt im Schachte seinen Ruhm! Ertönet, Jung' und Alte! Glück auf! Gott, unser Gott ist da, er ist dem, der ihn fürchtet, nah; sein Dasein ist uns Segen. an Friedensfesten. 2. Er will auch fernerhin mit jedem neuen Morgen für uns mit neuer Huld als Gott und Vater sorgen, wenn wir nach Christenpflicht getroft auf Hoffnung bau'n, nur thun, was ihm gefällt, und kindlich ihm vertrau'n. 3. Lob, Ehr' und Preis sei Gott in Herzen und Gesängen! Jm dunkeln Schachte strahlt aus Klüften und aus Gängen, wie Sonnenlicht des Tags, wie Sternenlicht der Nacht, die Größe seiner Huld, die Größe seiner Macht. I. L. Hesse. sein treues Walten uns alle väterlich versorget und erhalten, der unsern Bergbau schüßt, und ihn mit Segen krönt, daß fröhliches Glück auf! um unsre Halden tönt. Mel. Nun danket alle Gott zc. un 105. Nh Gott, der durch der Himmel schweigt. sprichst ein Wort, der Erdkreis neigt sich tief anbetend vor dir, Gott, und ehret schweigend dein Gebot. Du siehst, wenn Völker sich entzwei'n, mit Schwert und Waffen sich An Friedensfesten. bedräu'n; die Waffen sinken, und der Streit wird still, wird Ruh' und Einigkeit, sobald nur deine Rechte dräut und Völkern still zu sein gebeut. 3. Wie schreckend, wie verheerend war empörter Völker Zwist! Gefahr und Angst und Noth und Tod umgab uns drohend; offen stand das Grab, und unsre Brüder sanken hin, bei Schaaren in das Grab dahin; und Schmerz, der Mutterherzen brach, und Thränen floffen ihnen nach. 4. Gott, furchtbar war der Völker Zwist. Dank dir, Allgütiger! er ist durch dich, der Erd' und Himmel trägt, geschlichtet und nun beigelegt. Nun ruht das tödtliche Geschoß, das Schwert, das Brüderblut vergoß. Uns strömt der Friede sanfte Ruh' und Ueberfluß und Segen zu. 5. Hier liegen wir und beten an dich, Gott, der dieß an uns gethan. Laß ihn, laß ihn beständig sein, den Frieden, deß wir uns erfreu'n; in seinem Schoo Be laß uns nun, und einst noch unsre Nachwelt ruh'n! Amen. J. G. Füller. 57 sich kein Zerstörer nah'n; wenn du, Allmächtiger, gebietest, iſt alle Zwietracht abgethan. Auch über uns hast du gemacht, auch uns die Ruh' zurückgebracht. 3. O Christen, fühlt das ganz, und preiset frohlockend ihn, der uns erfreut, der seines Armes Macht beweiset, und in der Macht Barmherzigkeit, der huldreich sah auf uns herab, und uns des Friedens Segen gab! 4. Preist ihn durch freudiges Vertrauen! Jhr seh't, was seine Hilfe fann. Er läßt sie uns auch ferner schauen, und nimmt sich unser mächtig an. Wo wir nichts können, nichts versteh'n, wird, was uns nüßt, durch ihn gescheh'n. 5. Preist ihn durch Wohlthun und Erbarmen, wo ihr der Brüder Noth erblickt, daß ihr die Leidenden und Armen speist, tränket, kleidet und erquickt, damit sich alles, alles freu' und durch den Frieden glücklich sei! 6. Preist, preist ihn durch ein frommes Leben! dieß ist der beste Lobgesang. So viel ist uns von ihm gegeben! So sehr verdient er unsern Dank! Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 107. Gelobt, gelobt seist laffet Herz und Wandel rein und ihm ein würd'ges Opfer sein! du mit Freuden, Gott, der du liebreich an uns denkst, der du nun nach des Krieges Leiden des Friedens Wonne wieder schenkst! Du heiBest die Verwüstung fliehn und Sicherheit und Segen blüh'n. 2. Das thust du, Herr! Was du behütest, dem darf 7. Nimm, Vater, unsers Dankes Lieder auch jetzt mit Wohlgefallen an! Froh schallen unsre Tempel wieder von dir, der uns so wohl gethan. Herr, unser Gott, dich loben wir. Herr Gott, wir danken, danken dir. W. A. Teller. 58 An Friedensfesten. An Jubelfesten in Beziehung auf Religion. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. und freu'n uns auf das Vater108. Bringt Gott, ihr land, wo ew'ger Frieden blüht. Teller. und Dank, ihm, der den Frieden schafft! erhebt mit frohem Lob- 23) An Jubelfesten in Beziehung gesang die Wunder seiner Kraft! auf Religion. 2. Er sieht der Völker Angst Mel. Wie schön leuchtet uns der 2c. und Müth' und hilft ſie über 109. Auf, ſammelt euch und Er läffet sie Hilf' und Errettung seh'n. bringt Lob und Dank, bringt Preis und Ruhm dem gnädigen Erhalter! Vernimm es, kommendes Geschlecht, groß ist der Herr, gut und gerecht, durch alle Menschenalter. Freudig, 4. Uns ist der Feinde Krie- Vater, freudig danken unsre gesmuth nun nicht mehr fürch-| Seelen. Jubellieder, hallt in terlich. Durch Felder, sonst| Gottes Tempeln wieder! voll Menschenblut, ergießt sein Segen sich. 5. Allgütiger, allein von dir fließt dieses Heil uns zu; dein waren, sind und bleiben wir, und unser Gott bist du. 2. Es strömt von deinem ew'gen Thron seit tausend, tausend Jahren schon des Se gens ganze Fülle. Auch was uns ward, das kommt von dir, deß Zeugen, Herr! sind alle wir; nur Wohlthun ist dein Wille. Alle Wesen, nah' und ferne, fühlen Freude, Kraft und Leben. Wer kann würdig dich erheben? 3. Auch wir empfangen sie von ihm, der allen Jammer heilt, wie schwerer Wetter Ungestüm sein Sonnenstrahl zertheilt. 6. Erweck' uns selbst durch deinen Geist zur wahren Dankbarkeit, die dich durch frommes Leben preist, und stets sich deiner freut! 7. Lehr' uns des Friedens großen Werth mit weisem Ernst versteh'n und allem, was das Herz beschwert, in deiner Furcht entgeh'n, 8. Daß Güte und Gerechtigkeit und aller Laster Scheu, vereinigt mit Zufriedenheit, im Lande herrschend sei! 9. Durch unsre ganze Lebenszeit leit' uns nach deinem Rath, und froh sei dir von uns geweiht Gedanke, Wort und That! 10. Wir seh'n auf deine Gnadenhand mit ruhigem Gemüth, 3. Die Wunder deiner schö nen Welt, wer ist's, der sie erneut, erhält in wechselnden Gestalten? Hoch über allem Wechsel schwebt dein Geist un wandelbar und lebt, ob Wel ten auch veralten, lebet, schaf fet. In der Stille lenkt dein Wille die Naturen, wirkt in allen Creaturen. 4. Doch wer im unermessnen Reich der Schöpfung ist uns Menschen gleich von dir so hoch erhoben? Das hohe Wunder deiner Macht, der Sonne An Jubelfesten in Beziehung auf Religion. dem Herrn! Licht, der Stern der Nacht ver= thums Finsterniß. Lobsingt mag nicht, dich zu loben. Unsre Seele kennt dich, Vater! darf auf heil'ger Andacht Schwingen zu dir, ihrem Schöpfer, dringen. 5. Wir dringen freudiger hinan; denn heller ward durch ihn die Bahn, den du zum Heil erforen. Der Abglanz deiner Majestät, Heil uns! dein göttlicher Prophet, Er ward auch uns geboren! Wahrheit, Friede, Ruh' und Unschuld, Trost des Himmels, ew'ges Leben hast du uns durch ihn gegeben. 6. Jahrhunderte sind hingefloh'n, sein Reich besteht, Gewalt und Hohn kämpft gegen ihn vergebens. Auf Felsen ist der Grund gebaut, verkündet's, Jubellieder, laut! sie kämpfen doch vergebens. Immer siegend, immer heller strahlt voll reiner Himmelsklarheit uns das Licht der ew'gen Wahrheit. 7. Erhalt', o Herr, uns die ses Licht, so irren deine Kinder nicht auf ihrem Pilgerpfade. So eilen wir, das Herz voll Ruh', getrost der neuen Zufunft zu, trau'n fest auf deine Gnade. Unsre Freuden, unsre Leiden, alles ruht in deinen Händen. Hilf du uns den Lauf vollenden! 59 A. H. Niemeyer. Mel. Erschienen ist der herrl'che 2c. 110. obfingt! denn Got tes Huld und macht vertrieb des Aberglaubens Nacht; lobsingt! sein heil'ges Wort entriß uns manches Jrr2. Verdunkelt war der Wahrheit Licht, viel Christenlehrer sah'n es nicht. Aus Unterricht ward Glaubenszwang; in harte Sclaverei versank der Christen Volk. 3. Doch Gott stand seiner Kirche bei; da wurden die Gewissen frei: da schwand des Aberglaubens Wahn. Das hat, das hat der Herr gethan. Lobsingt dem Herrn! 4. Jahrhunderte verflossen schon, seitdem sich die Religion der Freiheit hohes Recht erkämpft und jene Tyrannei gedämpft. Lobsinget Gott! 5. Noch sieget sie zu unsrer Zeit durch Liebe und durch Duldsamkeit, hält Wahn und Laster noch zurück, und gründet ganzer Völker Glück. Heil uns! Heil uns! 6. Zagt nicht, weil jeder Wahrheit Licht nicht gleich durch alle Nebel bricht, daß Spötter seine Wahrheit schmäh'n! Die Lehre Jesu wird besteh'n; sie ist von Gott! 7. Seht Gottes Sonne! fie erhellt nicht gleich auf einmal alle Welt. Laßt, Christen, unsers Lichts uns freu'n, und Gott durch Thaten dankbar sein! So dankt der Christ. 8. Lobsingt, lobsingt dem Herrn und freut, ihr Christen, euch der Ewigkeit, der Ewigkeit, da wird allein Ein Hirt und Eine Heerde sein. Lobfingt dem Herrn! 3. A. Cramer. 60 In Wochenkirchen. 24) In Wochenkirchen. Mel. Ach Gott und Herr 2c. 111. Gott ott ist mein Hort, und auf sein Wort soll meine Seele trauen. Ich wandle hier, mein Gott, vor dir im Glauben, nicht im Schauen. 2. Dein Wort ist wahr. Laß immerdar mich seine Kräfte schmecken! Laß feinen Spott, o Herr, mein Gott, mich weg von Jesu schrecken! 3. Wo hätt' ich Licht, wofern mich nicht dein Wort die Wahrheit lehrte? Gott, ohne sie verständ' ich nie, wie ich dich würdig ehrte. 4. Dein Wort erklärt der Seele Werth, Unsterblichkeit und Leben; zur Ewigkeit ist diese Zeit von dir mir übergeben. 5. Dein ew'ger Rath, die Missethat der Sünder zu verfühnen, den kennt' ich nicht, wär' mir dies Licht nicht durch dein Wort erschienen. den nicht verzagen; nein, du verzeihst, lehrst meinen Geist ein gläubig Abba sagen. In eigener Melodie. 6. Nun darf mein Herz in* 113. Gins ist noch, in ach und Herr, dieß Eine lehre mich erkennen doch! Alles and're, wie's auch scheine, ist ja nur ein schweres Joch, darunter das Herze sich naget und plaget, und dennoch kein wahres Vergnügen erjaget. lang' ich das Eine, das alles ersetzt, so werd' ich mit Einem in allem ergößt. Er7. Mich zu erneu'n, mich dir zu weih'n, ist meines Heils Geschäfte. Durch meine Müh' vermag ich's nie; dein Wort gibt mir die Kräfte. Mel. In allen meinen Thaten 2c. 112. Ginst felig dort zu werden, das ist und bleibt auf Erden mein heiliger Beruf. Gott, den ich freudig glaube, weckt wieder aus dem Staube mich, den er einst aus Staub erschuf. 8. Herr, unser Hort, laß uns dieß Wort; denn du hast's uns gegeben! Es sei mein Theil, es sei mein Heil und Kraft zum ew'gen Leben! 2. Die Erde, da wir wallen, oft straucheln, steh'n und fallen, ist nur ein Pilgerland, das uns zum Himmel leitet, zur Ewigkeit bereitet, der Frommen kurzer Prüfungsstand. 3. Es soll nicht Lust noch Leiden von meinem Gott mich scheiden, mich, der ich ewig bin. Kurz ist mein irdisch Leben; wozu ist mir's gegeben? Wie lange währt's, so ist's dahin! 4. Zum Himmel reif zu werden, das ist und bleibt auf Erden mein heiliger Beruf. So sei all mein Bestreben, ganz heilig ihm zu leben, ihm, der zur Ewigkeit mich schuf! S. S. Diterich. 2. Seele, willst du dieses finden, such's bei keiner Creatur, laß, was irdisch ist, da hinten, schwing' dich über die Natur! Wo Gott und die In Wochenkirchen. Menschheit in Einem vereinet, wo alle vollkommene Fülle erscheinet, da, da ist das beste, nothwendigste Theil, mein Ein und mein Alles, mein seligftes Heil. 3. Wie Maria war beflissen auf des Einigen Genieß, da sie sich zu Jesu Füßen voller Andacht niederließ; ihr Herze entbrannte, dieß einzig zu hören, was Jesus, ihr Heiland, sie wollte belehren, ihr Alles war gänzlich in Jesum versenkt und wurde ihr Alles in Einem geschenkt; 4. Also ist auch mein Verlangen, liebster Jesu, nur nach dir; laß mich treulich an dir hangen, schenke dich zu eigen mir! Ob viel' auch umkehrten zum größesten Haufen, so will ich dir dennoch in Liebe nachlaufen; denn dein Wort, o Jesu, ist Leben und Geist; was ist wohl, was man nicht in Jesu geneußt! 5. Aller Weisheit höchste Fülle in dir ja verborgen liegt. Gib nur, daß sich auch mein Wille fein in solche Schranken fügt, worinnen die Demuth und Einfalt regieret und mich zu der Weisheit, die himmlisch ist, führet! Ach, wenn ich nur Jesum recht kenne und weiß, so hab' ich der Weisheit vollkommenen Preis. 6. Nichts kann ich vor Gott ja bringen, als nur dich, mein höchstes Gut; Jesu, es muß mir gelingen durch dein reichvergoss'nes Blut. Die höchste Gerechtigkeit ist mir erworben, 61 da du bist am Stamme des Kreuzes gestorben, die Kleider des Heils ich da habe erlangt, worinnen mein Glaube in Ewigkeit prangt. 7. Nun, so gib, daß meine Seele auch nach deinem Bild erwacht! du bist ja, den ich erwähle, mir zur Heiligung gemacht. Was dienet zum göttlichen Wandel und Leben, ist in dir, mein Heiland, mir alles gegeben; entreiße mich aller vergänglichen Zust, dein Leben sei, Jesu, mir einzig bewußt! 8. Ja, was soll ich mehr verlangen? Mich beschwemmt die Gnadenfluth. Du bist einmal eingegangen in das Heil'ge durch dein Blut, da hast du die ew'ge Erlösung erfunden, daß ich nun der höllischen Herrschaft entbunden; dein Eingang die völlige Freiheit mir bringt, im kindlichen Geiste das Abba nun klingt. 9. Volles G'nügen, Fried' und Freude jego meine Seel' ergößzt, weil auf eine frische Weide mein Hirt Jesus mich gesetzt. Nichts Süßes kann. also mein Herze erlaben, als wenn ich nur, Jesu, dich immer soll haben; nichts, nichts ist das also mich innig erquickt, als wenn ich dich, Jesu, im Glauben erblickt. 10. Drum auch, Jesu, du alleine follst mein Ein und Alles sein, prüf', erfahre, wie ich's meine, tilge allen Heuchelschein! Sieh, ob ich auf bösem, betrüglichem Stege, und In Wochenkirchen. 62 leite mich, Höchster, auf ewigem Wege, gib, daß ich hier alles nur achte für Koth und Jesum gewinne; dies Eine ist Noth. 3. H. Schröder. Mel. Allein Gott in der Höh' 2c. * 114. Halt alt im Gedächtniß Jesum Christ, o Mensch, der auf die Erden vom Thron des Himmels kommen ist, dein Bruder da zu werden! Vergiß nicht, daß er dir zu gut hat angenommen Fleisch und Blut; dank ihm für 2. Halt im Gedächtniß Je sum Christ, der für dich hat gelitten, ja gar am Kreuz gestorben ist, und dadurch hat bestritten Welt, Sünde, Teufel, Höll' und Tod und dich erlös't aus aller Noth; dank ihm für diese Liebe! 3. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der auch am dritten Tage siegreich vom Tod erstanden ist, befreit von Noth und Plage! Bedenke, daß er Fried' gemacht, sein UnschuldLeben wiederbracht; dank' ihm für diese Liebe! 4. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, der nach den Leidenszeiten gen Himmel aufgefahren ist, die Stätt' dir zu bereiten, da du sollst bleiben allezeit und sehen seine Herrlichkeit; dank' ihm für diese Liebe! 5. Halt im Gedächtniß Je sum Christ, der einst wird wiederkommen, und sich, was todt und lebend ist, zu richten vorgenommen! D denke, daß du da bestehst und mit ihm in sein Reich eingehst, ihm ewiglich zu danken! 6. Gib, Jesu, gib, daß ich dich kann mit wahrem Glauben fassen, und nie, was du, an mir gethan, mög' aus dem Herzen lassen, daß dessen ich in aller Noth mich trösten mög' und durch den Tod zu dir in's Leben dringen! Chr. Günther. Mel. Gott des Himmels und 2c. 115. Veicht, ihr Berge, fallt, Hügel, brechet alle Felsen ein! Gottes Gnade hat dies Siegel: sie will unverändert sein. Laßt die Welt zu Trümmern geh'n, Gottes Gnade wird besteh'n! 2. Gott hat mir ein Wort versprochen, Gott hat einen Bund gemacht, der wird nimmermehr gebrochen, bis er alles hat vollbracht! er, die Wahrheit, trüget nicht; was er saget, das geschicht. 3. Seine Gnade soll nicht weichen, wenn gleich alles bricht und fällt, sondern ihren Zweck erreichen, bis sie mich zufrieden stellt. Jft die Welt voll Heuchelei, Gott ist fromm und gut und treu. 4. Will die Welt den Frieden brechen, hat sie lauter Krieg im Sinn, Gott hält immer sein Versprechen, so fällt aller Zweifel hin, als wär' er nicht immerdar, was er ist und was er war. 5. Laß sein Antlitz sich verstellen, ist sein Herz doch treu gefinnt, und bezeigt in allen In Betstunden. 63 Fällen, daß ich sein geliebtes| Pflicht, sich sicher zu bedecken? Kind, dem er beide Hände Wer ruft den Tag und seinem reicht, wenn auch Grund und Licht, uns wieder zu erwecken? Boden weicht. 5. Du bist es, Herr und Gott der Welt, und dein ist unser Leben. Du bist es, der es mir erhält, und mir's jetzt neu gegeben. 6. Gelobet feist du, Gott der Macht; gelobt sei deine Treue, daß ich nach einer sanften Nacht mich dieses Tag's erfreue! 7. Laß deinen Segen auf mir ruh'n, mich deine Wege wallen, und lehre du mich selber thun nach deinem Wohlgefallen! 8. Nimm meines Lebens gnädig wahr! auf dich hofft meine Seele. Sei mir ein Retter in Gefahr, ein Vater, wenn ich fehle! 9. Gib mir ein Herz voll Zuversicht, erfüllt mit Lieb' und Ruhe, ein weises Herz, das seine Pflicht erkenn' und willig thue, 10. Daß ich als ein getreuer Knechtnach deinem Reiche strebe, gottselig, züchtig und gerecht 6. Er will Friede mit mir halten, wenn die Welt sich auch empört; ihre Liebe mag er= falten, achtet doch mein Gott mich werth; und wenn Höll' und Abgrund brüllt, bleibt er mir doch Sonn' und Schild. 7. Er, der Herr, ist mein Erbarmer, so hat er sich selbst genennt; das ist Trost, so werd' ich Armer nimmermehr von ihm getrennt; sein Erbarmen läßt nicht zu, daß er mir was Leides thu'. 8. Nun, so soll mein ganz Vertrauen ankerfest auf ihm beruh'n; Felsen will ich auf ihn bauen, was er sagt, das wird er thun. Erd' und Himmel fann vergeh'n, sein Bund bleibet feste steh'n. Schmolte. 25) In Betstunden. Mel. Ich dank' dir schon durch zc. 116. ein erst Gefühl sei| erheb' ihn, meine Seele! der Herr hört deinen Lobgesang; lobsing' ihm, meine Seele! 2. Mich selbst zu schützen ohne Macht, lag ich und schlief in Frieden. Wer schafft die Sicherheit der Nacht und Ruhe für die Müden? 11. Daß ich dem Nächsten beizusteh'n, nie Fleiß und Arbeit scheue, mich gern an Andrer Wohlergeh'n und ihrer Tugend freue, 12. Daß ich das Glück der Lebenszeit in deiner Furcht genieße und meinen Lauf mit Freudigkeit, wenn du gebeutst, beschließe! G. F. Gellert. 3. Wer wacht, wenn ich von mir nichts weiß, mein Leben zu bewahren? Wer stärkt mein Blut in seinem Fleiß, und 117. Die vorige Melodie. rmuntre dich, mein schüßt mich vor Gefahren? Geist, du mußt zu 4. Wer lehrt das Auge seine Gottes Throne treten! Ge In Betstunden. 64 nieße früh die hohe Luft, den Vater anzubeten! 2. Er, er hat mich zu rechter Zeit aus Nichts ans Licht gezogen, und hat mein Glück von Ewigkeit allgütig abgewogen. 3. Gelobt, mein Gott, sei deine Treu', gelobt sei deine Güte! Auch heut' wird sie mir wieder neu. Froh dankt dir mein Gemüthe. 4. Vom füßen Schlaf, o Herr, erquickt, fühl' ich die Kraft der Sonne; und aber mals seh' ich entzückt der Schöpfung Pracht und Wonne. 5. O Vater, nimm dich meiner an auf allen meinen Wegen, erhalte mich auf ebner Bahn, und gib mir deinen Segen! 6. Erinn're mich an meine Pflicht, an mein Berufsgeschäfte; gib mir dazu der Weisheit Licht und neue Geisteskräfte! 7. Herr, laß mein Herz zu aller Zeit auf deine Vorsicht bauen, in aller Noth mit Freudigkeit und kindlich dir vertrauen! 8. Dir ist bekannt, Herr, was mich kränkt, du kennest meine Sorgen, und was mein Herz nur wünscht und denkt, ist dir, Gott, unverborgen. Mel. Es ist das Heil uns 2c. 118. Got ott, deine Güte reicht so weit, so weit die Wolken gehen; du krönst uns mit Barmherzigkeit, und eilft uns beizustehen. Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort, vernimm mein Fleh'n, merk' auf mein Wort, denn ich will vor dir beten. 2. Jch bitte nicht um Ueberfluß und Schäße dieser Erde; gib nur, daß, was ich haben muß, durch deine Huld mir werde! Verleih' mir Weisheit und Verstand, dich, Gott, und den, den du gesandt, und mich selbst zu erkennen! 3. ch bitte nicht um Ehr' und Ruhm, so sehr sie Menschen lieben; des guten Namens Eigenthum laß mich nur nicht verlieren! Mein wahrer Ruhm sei meine Pflicht, der Ruhm vor deinem Angesicht, und frommer Freunde Liebe! 4. So bitt' ich dich, allgüt'ger Gott, auch nicht um langes Leben. Im Glücke Demuth, Muth in Noth, das wollest du mir geben! In deiner Hand steht meine Zeit; laß du mich nur Barmherzigkeit vor dir im Tode finden! C. F. Gellert. 9. Prüfungszeit zu meinem Heil 119. s. Anhang M. 536. S. verwenden! Du forderst in der Ewigkeit sie einst von meinen Händen. 10. Behüte, Herr, und segne mich, und was du mir beschieden, erhalte mir auch väterlich, und gib mir deinen Frieden! C.F. Geller t. Mel. Vom Himmel hoch 2c. 120. Du, beß fich alle Himmel freu'n, auch meine Seele freut sich dein, daß du, du selbst, der ewig ist, mein Vater, mein Erhalter bist. 2. Weit, über unser Stam In Betstunden. Mel. Allein Gott in der Höh' 2c. meln weit geht deines Namens Herrlichkeit. Ihn heilige, wer dich bekennt, wer sich nach 121. Erhalt uns, Herr! deinem Namen nennt! die Obrigkeit, die du uns gabst auf Erden, mit Wohlstand und mit Sicherheit durch sie beglückt zu werden! Verleih' ihr Weisheit, Trieb und Kraft, was wahres Wohl dem Lande schafft, mit Sorgfalt wahrzunehmen! 4. Der du dich uns durch 2. Gib, daß, fie deinem Vorihn enthüllst, das nur ist selig, bild gleich, uns väterlich rewas du willst. Dein Will', ogiere, und uns, durch Ordnung Liebender, gescheh' bei uns, wie in der Himmelshöh'! 3. Du herrschest, Gott! wer herrscht dir gleich? Die Welten alle sind dein Reich. Am väterlichsten herrschest du durch Christum, gibst uns Fried' und Ruh'. 5. Schüß' uns vor Krankheit und vor Noth, und gib uns unser täglich Brod! Doch schickst du Krankheit uns und Schmerz, vertraue dir das bange Herz! 6. Vergib uns unsre Missethat, die, Vater, dich erzürnet hat, wie wir, vom Haß des Bruders rein, Beleidigungen ihm verzeih'n. 7. Zu heiß sei die Versuchung nicht! Uns leucht', Erbarmender, dein Licht, wenn uns der Fluch der Sünde schreckt, und Nacht vor uns dein Antlit deckt! 8. Erlös', erlöf uns, unser Gott, aus dieser und aus aller Noth! Nimm nach vollbrachtem Prüfungslauf uns in das beffre Leben auf! 65 9. In deines Himmels Heiligthum, auf deiner Erd' erschall' dein Ruhm! Du bist der Herr der Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. G. F. Klopstock. segensreich, zu allem Guten re, der Unschuld Schirm und Wächter sei, den Redlichen im Land erfreu', dem Unrecht kräftig steure! 3. Laß uns, von ihrem Schuß bewacht, ein sich' res Glück genießen, und ruhig unter ihrer fließen! Gieb deine Weisheit Macht das Leben uns verihrem Rath, laß jeden ed'len Gedeihen werden! Zweck zur That durch dein 4. Gib denen Eifer, Fleiß und Treu, die du ihr untergeben, daß jedermann befliſſen Erleicht're ihr des Lebens Müh, sei, nach seiner Pflicht zu leben! mit deinem Segen kröne fie, und sei ihr Lohn auf ewig! 5. Laß sie mit uns beflissen sein, in deiner Furcht zu leben; uns deiner Oberherrschaft freun, mit ihr dein Lob erheben, daß so vor deiner Majestät, die über alle Hoheit geht, Regent und Volk sich beugen. 3. S. Diterich. Bei einer feierlichen Taushandlung. 66 26) Bei einer feierlichen Taufhandlung. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 122. Di, Herr, sei dieses ir, Herr, sei dieses ten Heil! Kind empfohlen, dir, dessen Treu' unwandelbar; wir bringen's, wie du selbst befohlen, dir in der heil'gen Taufe dar. O segne es, Herr Jesu Christ, der du der Taufe Stifter bist! Mel. Jesus meine Zuversicht 2c. 123. Betend nahen wir uns dir, bringen dir auf unsern Armen dieses Kind; nun flehen wir, Gott und Vater, um Erbarmen. Es ist dein, es lebt durch dich; segne, schüß' es väterlich! 2. Sieh', wir weihen dir dieß Pfand deiner väterlichen Güte; bitten, deine Gotteshand leit' und führ' es, und behüte, wenn es sich nicht leiten fann, es auf seiner Lebensbahn! Geschick, in der Christenheit geboren; durch die Taufe nehm' es Theil an dem ihm bestimm2. Laß durch dieß Siegel Mel. Nun lob' mein Seel' den 2c. deiner Gnade ſein Chriſtenrecht 124. Geweiht zum Chriften und es diesem Bade zum Erben deines Himmels ein! Heil ihm, erfennt es einft den Werth des Glücks, daß es dir angehört! 3. Was ist der Mensch, deß du gedenkest? Des Menschen Kind, daß du es ehrst? Daß du so großes Heil ihm schenkest, ihm deine Güter all' gewährst? Was ist's? ein Staub, ein Nichts vor dir. Doch deine Huld währt für und für. dieses Kind nun Gott geweiht. Erzieh' es dir zum Ruhme, o Vater der Barmherzigkeit! Verlängert deine Liebe sein Leben, so verleih' ihm deines Geistes Triebe! Es bleibe, Gott, dir treu! Den hohen Werth der Tugend empfinde es schon früh, und weich' in seiner Jugend von ihrem Pfade nie!" Ch. F. Neander. 3. Zu der Christen hohem Glück ward es hier von dir erkoren; ward, du lenktest sein 4. Liebend, wie ein gutes Kind, müss' es dich als Vater ehren, und wie Jesus einst gefinnt, stets auf deine Stimme hören! So gebildet führest du, Gott, es deinem Himmel zu. A. H. Niemeyer. 2. Auch wir sind Gottge weihte, durch unsre Taufe Gott geweiht. Dieß Glück entflamm' uns heute zu Lob' und Breis und Dankbarkeit; erweck' uns zum Vertrauen, mit kindlich frohem Sinn zum Himmel auf zuschauen, zu unserm Vater hin; erweck' uns, zu ermessen, was uns sein Wort verspricht, und nimmer zu vergessen die ihm gelobte Pflicht! 3. Du Vater von uns allen, o lehre du uns immer thun nach deinem Wohlgefallen; laß deinen Segen auf uns ruhn! Du wirst zu diesem Leben, wie du bisher gethan, was wir be dürfen, geben. Verleih uns nur alsdann die beste deiner Bei Kinderlehren u. Katechismus- Eramen, ingleichen Schullieder. 67 Gaben, daß wir durch Jesum| gehrt! Dann fließen Troft und Christ Theil an dem Segen Seelenruh' auch mir aus deihaben, der unvergänglich ist! nem Worte zu. C. F. Neander. J. A. Cramer, veränd. durch Diterich. Mel. O Gott, du frommer Gott zc. 126. Von Herzen preis ich dich, Gott, für der Bibel Lehre, die ich als dein Geschenk mit Dankbarkeit verehre; hier findet jeder Stand für jede Lebenspflicht in jedem Falle Rath und hellen Unterricht. 2. Wie kräftig ist dein Wort! Gott, Millionen Christen gab deine Bibel Sieg im Kampf mit bösen Lüsten. Sie bessert sanft das Herz, stärkt mich zu meiner Pflicht, ist in Gefahr mein Schuß, in Finsterniß mein Licht. Bei und Katechismus- Examen, ingleichen 126. Schullieder. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 125. Wort, o ster! ist vollkommen, es lehrt uns unsre ganze Pflicht; es gibt dem Sünder und dem Frommen zum Leben fich'ren Unterricht. Ofelig, wer es achtsam hört, bewahrt und mit Gehorsam ehrt! 2. Es leuchtet uns auf unsern Wegen, zerstreut des Jrrthums Finsterniß; verkündigt Gnade, Heil und Segen und machet unser Herz gewiß. Es lehrt uns, Höchster, was du bist, und was dir wohlgefällig ist. 3. So kann kein andres Buch die Größe Gottes preisen, so faßlich rührend nicht den Weg zur Tugend weisen. Durch teine Rednerkunst wird so daß Herz erquickt, zu jeder guten That so willig und geschickt. 3. Dein Wort ermuntert, dich zu lieben, lehrt, wie viel Glück du denen gibst, die dein Gebot mit Freuden üben, und wie du väterlich uns liebst. Und was, o Herr, dein Mund verspricht, bleibt ewig wahr und trüget nicht. 4. Bei diesem Unterricht laß deinen Geist mich rühren, und seine Gotteskraft an meinem Herzen spüren! Wer deinen Lehren folgt, fühlt ihre Göttlichkeit. Sie geben Licht und Trost, im Tode Freudigkeit. 4. Herr, deine Tröstungen sind besser, als alles Silber, Gold und Geld; ein Schaß, weit köstlicher und größer, als alle Schäße dieser Welt. B. Schmolke, verändert durch Loder. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier zc. Wer das thut, was dein Wort gebeut," 127. d öchster Gott, dir dem ist dein Segen ſtets bereit. danken wir, daß 5. Drum laß auch mich mit Lust betrachten, was mich dein Wort, o Höchster, lehrt! Laß mich darauf gehorsam achten, was dein Befehl von mir be du uns dein Wort gegeben, innig bitten wir vor dir: hilf uns heilig darnach leben; gib dem Glauben solche Stärke, daß er thätig sei durch Werke! 5* 68 Bei Kinderlehren u. Katechismus- Eramen, ingleichen Schullieder. so manche schöne Lehren, vereint mit frohem Geist, bei dieser Prüfung hören; doch bloßes Wissen kann den Geist noch nicht erfreu'n; wer das Ge lernte übt, nur der kann fröhlich sein. K. G. Plato. 2. Uns, o Vater, lehrest du, was wir thun und glauben sollen; schent' uns deine Kraft dazu, gib zum Wissen uns das Wollen, und zum Wollen das Vollbringen, so wird Alles wohl gelingen. 3. Gib uns, eh' wir geh'n Mel. Gott des Himmels und 2c. nach Haus, deinen väterlichen" 130. Theures Wort. aus Gottes Munde, breite deine leite uns auf deinen Wegen; laß uns hier im Frieden säen, dort in Klarheit auferstehen! Mel. In allen meinen Thaten 2c. 128. Vuns beten, laßt oll Andacht uns zum Vater beten, der unsre Thaten weiß! Er hat uns unser Leben und manches Glück gegeben, durch ihn gelang uns unser Fleiß. 2. Gott, präge alle Lehren, die wir hier täglich hören, tief unsern Herzen ein! Laß sie uns oft erwägen; so werden sie uns Segen und Trost in unserm Leben sein. 3. Vermehr' in uns die Liebe zur Tugend, schent' uns Triebe zu Fleiß und Folgsamkeit; so werden diese Stunden, die uns hier treu gefunden, einst Segen für die Ewigkeit. E. Liebich, veränd. durch Plato. Mel. Nun danket alle Gott 2c. 129, 9¹ Fimm an den Dank, o Gott, für alle deine Gaben, die wir so unverdient auch jegt empfangen haben! Wie groß ist deine Huld, die alles Gute gibt! Von Kindheit an hast du uns väterlich geliebt. 2. Auch heute konnten wir das mein ganzes Herz bewegt, dich allein hab' ich zum Grunde meiner Seligkeit gelegt. In dir treff' ich Alles an, was zu Gott mich führen kann. 2. Will ich einen Vorschmad haben von des Himmels Se ligkeit; du kannst mich mit manna laben, der des Geistes Kraft erneut; du bist mir zum Quell geschenkt, der die durst'ge Seele tränkt. 3. Geist des Herrn, der ohne Wanken durch das Wort mich heil'gen will, lenke gnädig die Gedanken, mache ruhig mich und still, daß die Glut mich niemals stört, wenn mein Herz dich reden hört! 4. Gib dem Samen einen Acker, der die Frucht nicht schuldig bleibt; mache mir die Augen wacker, wo dein Licht die Nacht vertreibt! Glauben präg' dem Herzen ein, fern laß jeden Zweifel sein! 5. Was ich höre, laß mich merken; was du sagest, laß mich thun! Wird sich die Ertenntniß stärken, laß die Liebe auch nicht ruh'n, daß ich fest im Glauben steh', bis ich einst zum Schauen geh'! B. Schmolke. Bei der Confirmations- Handlung. Die Kinder. 28) Bei der ConfirmationsHandlung. Vergl. noch Na 397. Mel. Chriftus der ist mein 2c. Die Versammlung. 2. Ja, Gott Vater, wir geloben, zum Himmel Herz und Blick erhoben, dir unaufhörlich Dank und Treu. Heiligkeit 131. Sie nah'n fich, beine ſei unser Streben, daß Jeſu dir ihr Herz zu weih'n, es heilig zu geloben, dir ewig treu zu sein, 2. Um schuldios fromm zu wandeln, auf Jesum hinzuseh'n, den Weg, den Jesus lehrte und selbst betrat, zu geh'n. Wandel unser Leben in wahrer Tugend ähnlich sei. Gott, leite unsern Lauf den steilen Pfad hinauf zu dem Ziele, wo Seligkeit einst den erfreut, der tren sich seinen Pflichten weiht! Mel. Meinen Jesum laß ich zc. 3. D blicke du mit Segen, o Gott, auf sie herab, und la 133. Gwig, ewig bin ich sie dem Versprechen getreu sein bis ins Grab! mein Gott, erkaufet, bin auf dein, theuer dir, dich, um dein zu sein, Vater, Dessen soll mein Herz fich Sohn und Geist, getaufet. freu'n; ewig, ewig bin ich dein. 2. Welch ein göttlicher Ge winn, daß ich durch der Taufe bin, daß ich dich zum Vater Gabe nun dein Kind und Erbe habe! Deine Gnade macht ewig sein. mich rein; droben soll ich's Natur, ich Gefallner soll auf 3. Jch, ein Sünder von Erden eine neue Creatur, soll, o Gott, dir ähnlich werden. Heilig, heilig soll ich sein; Mel. Wachet auf! ruft uns die zc. Die Versammlung. 132. Gott, fie wollen dir ge- Jesus und ſein Geiſt ist mein. zum Himmel Herz und Blick erhoben, dein ew'ges Eigenthum zu sein. Ewig wollen sie dich lieben, in jeder Tugend früh sich üben, und dann sich deiner Güte freu'n. Gott, feite ihren Lauf den steilen Pfad hinauf zu dem Ziele, wo Seligkeit einst den erfreut, der treu sich seinen Pflichten weiht! 4. Treue hab' ich oft gelobt, doch verletzt den Bund der Taufe. Wenn die Luft in mir getobt, ließ ich ab vom Glaubenslaufe. Aber nimm mich wieder ein; dein, Herr, will ich ewig sein. Die Kinder. 1. Ja, laß die heil'ge Stunde, o Gott, gesegnet sein! Dir, Heiligster, dir wollen wir Herz und Leben weih'n. 2. Wir wollen jede Sünde und jedes Unrecht flieh'n, und christlich gut zu wandeln mit Eifer uns bemüh'n. 69 3. Ja, blicke du mit Segen, o Gott, auf uns herab, und laß uns dem Versprechen getreu sein bis ins Grab! 5. Ich entsag', o Satan, dir, dir, o Welt, und dir, o Sünde. Euch entsag' ich, weicht von mir, dem erlös'ten Gottes= Bei der Beichte 2c. 70 Kinde! Eure Lust ist Tod und Bein; ich will meines Gottes sein. 6. Wachen will ich, fleh'n um Kraft, daß ich auf dem schmalen Wege übe gute Ritterschaft und nur Jesu leben möge. Er wird Gnade mir verleih'n, treu bis in den Tod zu sein. 7. Höre mich, denn ich bin dein, theuer dir, mein Gott, erkaufet, bin auf dich, um dein zu sein, Vater, Sohn und 3. F. v. Cronegk. 134. spricht der Herr, kommet alle zu mir her, die ihr seid beladen mit viel schwerem Kreuz und Sünden, ich will euch davon entbinden, heilen euren Schaden. 2. Kommt, ich will erquicken euch, denn ich bin von Gnaden reich, reich von Heil und Güte; ich erleichtre, was euch drücket, daß ihr nicht vor Angst ersticket, und stärk' eu'r Gemüthe. Vorbereitung zum heil. Abendmahle. Vergl. noch No. 256 u. folg. Mel. Jesus, meines Lebens zc. Geift, getaufet. Laß mich hier 135. Ach, wenn werd' ich dort im Schauen selig sein! von der Gott, mein Vater, völlig frei, daß ich ganz sie überwinde, ganz dir wohlgefällig sei? Noch In eigener Melodie. ommet, tommet nicht, ich gesteh's mit Thränen, mich von entwöh nen, ach, zu oft noch regt sie sich, und versucht zum Bösen mich. 2. In der Andacht sel'gen Stunden, wo mein Geist die Wahrheit hört, hab' ich ganz das Glück empfunden, das die Frömmigkeit gewährt, habe nichts so sehr hienieden mir ge wünscht, als innern Frieden, als ein Herz, dir ganz geweiht, als der Tugend Seligkeit. 3. Nehmt geduldig auf mein Joch, wär' die Last gleich noch so hoch, denn ich bin sanftmüthig, ich abwische eure Thränen; denen, die sich nach mir sehnen, bin ich hold und gütig. das sind schöne Christengaben denen, die sie üben. 4. Lernet von mir insgemein, was da heißt demüthig sein, lernet Demuth lieben; lernet Gott im Herzen haben; 5. Darauf folget Fried' und Ruh', selbst der Himmel kommt dazu, dann wird eure Seele Gnade finden in dem Himmel, daß das höllisch Weltgetümmel ferner sie nicht quäle. 29) Bei der Beichte oder 3. Voll von heiligen Ent schlüssen, schwur ich oft, dir treu zu sein, und mit wachendem Gewissen meiner Unschuld mich zu freu'n; willig wollt' ich dann mein Leben dir, mein Gott, zum Dienst ergeben, aller Sünde widersteh'n, standhaft deine Wege geh'n. 4. Aber ach, zu schnell empöret sich der Leidenschaften Macht; sie verdunkelt, schwächt Bei der Beichte 2c. 71 und störet, was ich sonst so| fühlte dieß mein Elend kaum! gut bedacht. Plötzliche Ver- Betäubung fesselte mein Herz, suchungszeiten, Beispiel, Neiz erstickte meiner Reue Schmerz.. der Eitelkeiten, deren Schwarm mich stets umringt, das ist's, was zum Fall mich bringt. 4. Vom Leichtsinn mächtig hingerissen, nur stolz auf meine schwache Kraft, ward ich vom warnenden Gewissen umsonst erinnert und bestraft, und oft entriß ein Augenblick der Tugend und der Unschuld Glück. 5. Du verzeihst, Gott, die Gebrechen meiner fündigen Natur. Nicht die Schwachheit willst du rächen, bösen Vorsatz strafft du nur. Hätt' ich nicht den Trost, ich würde unter meiner Fehler Bürde ganz erliegen, und mich dein, höchstes Gut, nie können freu'n. 5. Vergiß nicht wieder, meine Seele, wie oft du schon gefallen bist! vergiß nicht mehr des Herrn Befehle, nicht mehr, daß er dein Retter ist! Ruf' ihn im Glauben täglich an: Erhalt' mich, Herr, auf ebner Bahn! 6. Wenn ich falle, laß mich's merken, laß mich streben auf zusteh'n; eile, mich, dein Kind, zu stärken; lehre selbst mich sicher geh'n; warne mich, sei mein Begleiter, täglich führe, Gott, mich weiter, bis ich in der Ewigkeit dringe zur Vollkommenheit! B. Münter. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 136. De er du so oft mir schon vergeben, 6. Ich bin so schwach, wer kann mich stärken, mein Helfer in Versuchung sein? zum Glauben und zu guten Werken mir Kraft und Freudigkeit verleih'n? Du kannst es, meine Zuversicht! Wenn du mich stärkst, so want' ich nicht. Niemeyer's Sammlung. wenn ich zu dir um Gnade bat,* 137. Vo foll to hi Mel. Aus tiefer Noth schrei' ich zc. ich hin, wer hilfet mir? wie ich leben, zu meiden jede Missethat! Wie feierlich war dann mein Eid des Glaubens und der Frömmigkeit! 2. Ach, aber bald ergriff mich wieder die Sünd' und ihre Luft mit ihr, riß meinen ganzen Vorsag nieder und herrschte, wie vorher in mir. Zum Widerstande viel zu schwach, entfloh ich nicht, und gab ihr nach. 3. Wie viele sündenvolle Tage durchlebt' ich, Vater, wie im Traum, und häufte selbst mir Plag' auf Plage, und Wer führet mich zum Leben? Zu Niemand, Herr! als nur zu dir will ich mich hinbegeben; du bist's, der das Verlorne sucht, du segneft das, so war verflucht. verflucht. Hilf, Jesu, mir Elenden! 2. Herr! meine Sünden ängst'gen mich, des Todes Leib mich plaget: o Lebens- Gott, erbarme dich, vergib mir, was mich naget; du weißt es wohl, was mir gebricht; ich bin entfernt von deinem Licht! hilf, Jesu, dem Betrübten! 72 Bei der Beichte 2c. 3. Du sprichst, ich soll mich| Rath, laß mich deinen Willen fürchten nicht; du rufft: Ich so, wie's unser Heiland that, bin das Leben! Drum ist mein treu und froh erfüllen! Regt Trost auf dich gericht't; du sich Schwachheit noch in mir, kannst mir Gnade geben. Im stärke meine Seele! Alsdann Tode kannst du bei mir steh'n, leb' ich ewig dir, Schöpfer in Noth als Herzog vor mir meiner Seele! geh'n, hilf, Jesu, dem Zerknirschten! 4. Doch was kann ich ohne dich auch beim besten Willen? Ach, wie schwach, wie schwach bin ich, ganz ihn zu erfüllen! Drum laß deines Geistes Kraft stets mein Herz regieren, und er, der den Willen schafft, helf' ihn auch vollführen! Fr. v. d. Necke. Mel. Wie groß ist des 2c. 139. Die fürcht' ich mich, mein Herz zu prüfen, mich zu erforschen, wer ich bin! Wie blick' ich über seine Tiefen nachlässig und mit Vorsaß hin! Mich warnt im Stillen mein Gewissen: Betrüg', o Mensch, dich selber nicht! Geneigt, mein Unrecht nicht zu wissen, vergess' ich 4. Bist du der Arzt, der Kranke trägt? auf dich will ich mich legen; bist du der Hirt, der Schwache pflegt? erquicke mich mit Segen! Jch bin gefährlich krank und schwach, heil' und verbind', hör' an die Klag': Hilf, Jesu, dem Zerschlagnen! 5. Ich thue nicht, Herr, was ich soll, wie kann ich doch bestehen? Es drücket mich, das weißt du wohl; wie wird es endlich gehen? Elender ich! wer wird mich doch erlösen von des Todes Joch? Ich danke Gott durch Christum. I. Neander. Mel. Liebster Vater, ich dein 2c. 138. Du, den meine Seele Alles, was es spricht. liebt, Gnaden! Sieh, zu dir, der gern vergibt, komm' ich schuldbeladen. Ja, du nimmst die Sünder an, wenn sie sich mit 3ähren wahrer Reu' dir kindlich nah'n, sich zu dir bekehren. 2. Herr, den Weg hab' ich verfehlt, den dein Sohn ge= wandelt, oft und viel hab' ich gefehlt, nicht, wie er, gehandelt. Ich erkenne meine Schuld, voll der tiefsten Reue fleh' ich auf zu deiner Huld: Vater, ach verzeihe! 3. Leite mich nach deinem 2. Jch wandle ruhig auf dem Pfade des Leichtsinns und der Eitelkeit, ein träges Hoffen deiner Gnade stärkt mich in meiner Sicherheit. Der schnöden Lust- wie viele Stunden hab' ich im Zeichtsinn ihr geweiht! Kaum war ein Augenblick verschwunden, so that ich, was ich kaum bereut. 3. Ausschweifend bleiben meine Triebe, und unerleuchtet mein Verstand; mein Herz ist leer von deiner Liebe, mit meinen Pflichten unbekannt; mein Glaub' ist todt und ohne Bei der Beichte 2c. 73 Früchte; mein Wandel ohne| Lust, der Hang, den ich zu ihr Besserung; und dennoch hoff' ich im Gerichte von dir, o Gott, Begnadigung. empfinde, wie wüthen sie in meiner Brust! Wie unumschränkt, wie fürchterlich ist ihre Herrschaft über mich! 4. Jch Unbesonnener, wie lange werd' ich mich selber hintergehn? Ich nahe mich dem Untergange, und will doch die Gefahr nicht sehn. Erwecke, Erwecke, Gott, mich aus dem Schlafe! Ach, groß ist freilich meine Schuld! Doch eile nicht mit mir zur Strafe, und hab', o Vater, noch Geduld! 5. Ob ich mich gleich vor mir verhehle, verhehl' ich mich vor dir doch nicht; denn in der Tiefe meiner Seele ist alles deinen Augen Licht. Reiß mich aus meinen Finsternissen; entfalte du mein Herz vor mir; dann treibe mächtig mein Gewissen zur Reue mich und, Gott, zu dir! 6. Der du die Herzen prüfst, befehre, erleuchte, beff're, leite mich auf deiner ebnen Bahn, und lehre mich dann stets vest vertrau'n auf dich! Dir laß mich ganz mein Leben weihen, vor dir sei Herz und Wandel rein, so werd' ich die Gefahr stets scheuen, betrogen von mir selbst zu sein. B. Münter. 3. Längst warnte schon mich mein Gewissen: Mensch, du empörst dich wider Gott! Von böser Lust dahin gerissen, Betrogner, eilst du in den Tod! Die kurze Freude dieser Zeit raubt Friede dir und Seligkeit. 4. Wie oft hab' ich mir vorgenommen: nun will ich jede Sünde flieh'n; rein und unsträflich und vollkommen zu wandeln will ich mich bemüh'n! Wie oft, o Gott, hat mein Gebet um Kraft dazu dich angefleht! 5. Bald reizt' auf's neue mich die Sünde; wie schwach war gleich mein Widerstand! Ach, sie gefiel mir, und geschwinde ergriff sie mich und überwand. Die Lust verschwand mir im Genuß; es folgten Ekel und Verdruß. 6. Auch diesmal bin ich überwunden, auch dießmal, und ich fiel so tief! Mein Vorsatz war noch nicht verschwunden; mein Herz schlug, mein Gewissen rief; Gott, Richter, ich gedacht' an dich, und dennoch, dennoch fündigt' ich! Me 1. Wer nur den lieben Gott 2c. 140. Ach [ ch abermals bin ich gefallen mit leber= legung und mit Wahl! Tief, o wie tief bin ich gefallen, vielleicht noch nicht zum lezztenmal! Elender Sünder, der ich bin! In welchen Abgrund eil ich hin! 7. O unbegrenzte Sündenliebe! wie werd' ich endlich frei von dir! wie überwind' ich deine Triebe und dämpfe dich und sie in mir? Gott, mein Erbarmer, hör' mein Fleh'n, und lehre mich ihr widersteh'n! 2. O die verhafte Lieblings- 8. Liebt' ich dich nur so, wie lünde! O die Gewohnheit ihrer| ich sollte, so flöh' die Lust der, 74 Beim heiligen Abendmahle. Sünde mich. Wenn sie mich| flehen! Laß mich mit freudigem auch versuchen wollte, geläng' Vertrau'n nach deinem Kreuz, es ihr nicht wider dich. Wo o Jesu, schau'n, Vergebung du das Herz erfüllt, da weicht fröhlich hoffen! die Sünd', und ihre Lockung schweigt. 9. O pflanze du in meine Seele rechtschaffne Lieb' und Lust zu dir! Gott, was ich denke, was ich wähle, das zeuge durch die That von ihr! Dich lieben als dein Eigen thum, das sei mir Pflicht und Heil und Ruhm! 5. Ich müsse, jeder Sünde feind, dich über alles lieben, und ernstlich mich mit dir vereint in guten Werken üben. Ich müsse dir mein Lebenlang, o mein Versöhner, Preis und Dank durch Wort und Werke bringen. B. Münter. B. Münter. Mel. Allein Gott in der Höh' zc. 30) Bei dem heil. Abendmahle. Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c. 141. Ich will ben Bund mit 142. Die ihr eju Jünger meinem Herrn bei seinem Mal erneuen; ich will, von Weltgeschäften fern, mich seines Todes freuen. Tag, wie heilig bist du mir! Es soll sich meine Seel' an dir zu meinem Gott erheben. seid, theu're, miterlöste Brüder, alle seinem Dienst geweiht, alle seines Leibes Glieder, kommt, Erlöfte, kommt, erneut eu'ren Bund der Seligkeit! 2. Gewohnheit führe mich nicht hin, noch frecher Wahn der Sünde, daß auch ein lasterhafter Sinn schon dadurch Gnade finde. Nein! mache mich, mein Heiland, frei vom Laster und von Heuchelei, selbst von der Lust zur Sünde! 3. Bekennen will ich's öffentlich, dein Sterben sei mein Leben; dir, mein Erlöser, hab' ich mich zum Eigenthum ergeben! So lang' ich lebe, will ich dein und deiner Liebe mich erfreu'n, mich sterbend ihrer tröſten. 4. Demüthig laß mich meine Schuld vor meinem Gott gestehen, durch dich gewiß von seiner Huld zu ihm um Gnade 2. Nehmet hin und eßt sein Brot! Jesus Christus ward gegeben für die Sünder in den Tod. Nehmt und trinkt und trinkt das Leben! Hingegeben in den Tod ward er, in der Sünder Tod. 3. Die mit voller Zuversicht deines Heils, o Sohn, fich freuen, laß sie stets in diesem Licht wandeln, ewig dir sich weihen! Laß das Herz vom Stolze rein, voll von deiner Demuth sein! 4. Bis zum Tode liebtest du, bis zum Tode all' die Deinen. Süßes Wort voll Himmelsruh', voll von Trost für die, die weinen, wenn sie Schuld und Vorwurf schreckt, wenn ihr Auge Nacht bedeckt! Beim heiligen Abendmahle. 5. Gab, der schuf und der erhält und einst richtet, der Gerechte, dich nicht einer ganzen Welt, einem sündigen Geschlechte? Deffnet ihrer Reue Schmerz sich nicht auch ein Vaterherz? 6. Ja, in deinem Angesicht, spiegelt sich des Vaters Liebe, und du gehst nicht ins Gericht, bleibst, ob wir auch fehlen, Liebe; in des Ewigen Gericht kommt der Reuende nun nicht. 7. Gott ist gnädig, und wir trau'n seiner Gnade nicht vergebens. Theures Pfand vom künft'gen Schau'n! Ueberzeu gung jenes Lebens! inniger fühlt heut der Geist, daß Gott hält, was er verheißt. 8. Jesu Christi Schmerz und Tod werd' in aller Welt verkündigt! Freudiger naht nun zu Gott, wer geheiligt, wer entsündigt, dem, der liebend und verzeiht, sich zum Opfer dankbar weiht. 9. In das Chor des Him mels schwingt, Herr, sich unser stammelnd Lallen. Wenn, von Celigen umringt, wir vor dir einst niederfallen, singt ein beff'rer Lobgesang deiner hohen Liebe Dank. G. F. Klopstock, verändert durch Zollikofer. 75 2. Du hast zu deinem Kind und Erben, mein lieber Vater, mich erklärt. Du hast die Frucht von deinem Sterben, mein treuer Heiland, mir gewährt. Du willst in aller Noth und Pein, o guter Geist, mein Tröster sein. 3. Doch hab' ich dir auch Furcht und Liebe, Treu' und Gehorsam zugesagt. Jch habe mich aus reinem Triebe dein Eigenthum zu sein gewagt; hingegen sagt' ich bis in's Grab des Satans schnöden Werken ab. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. * 143.J ch bin getauft auf deinen Namen, Gott, Vater, Sohn und heil'ger Geist. Ich bin gezählt zu deinem Samen, zum Volk, das dir geheiligt heißt. Ich bin in Christum eingesenft, ich bin mit seinem Geist beschenkt. 4. Mein treuer Gott, auf deiner Seite bleibt dieser Bund wohl feste steh'n; wenn aber ich ihn überschreite, so laß mich nicht verloren geh'n! Nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, wenn ich hab' einen Fall gethan! 5. Ich gebe dir, mein Gott, auf's neue Leib', Seel' und Herz zum Opfer hin. Erwecke mich zu neuer Treue, und nimm Besiß von meinem Sinn! Es sei in mir kein Tropfen Blut, der nicht, Herr, deinen Willen thut! 6. Weich', weich', du Fürst der Finsternisse, ich bleibe mit dir unvermengt. Hier ist zwar ein befleckt Gewissen, jedoch mit Jesu Blut besprengt. Weich', eitle Welt, du Sünde, weich'! Gott hört es, ich entsage euch. 7. Laß diesen Vorsat nimmer wanken, Gott, Vater, Sohn und heil'ger Geist! Halt' mich in deines Sohnes Schranken, bis mich dein Wille sterben heißt! So leb' ich dir, so sterb' 76 Beim heiligen Abendmahle. ich dir, so lob' ich dich dort| mahls trinkt, wer vom Brote für und für. 3. I. Nambach. jeßt genießet, wer in Andacht fromm versinkt, wem der Reue Thräne fließet, ist mein Bruder, ist mein Freund, und ich habe keinen Feind. Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c. 144. Naht mit Andacht im Gemüth, Brüder, christlich dem Altare, wer von Jugendfeuer glüht, und der Greis im Silberhaare, hoch und niedrig, arm und reich, naht, hier seid ihr alle gleich! 2. Stärkt euch für die höh're Welt! Fließt, der Liebe Thränen, fließet! Wer vom Brote jetzt erhält, wer vom Weine jetzt genießet, fühl' Entzücken inniglich, stärke für den Himmel sich! 3. Stärkt euch, bleibet rein und gut! denket alle: wir sind Brüder, denket: Jesu Christi Blut floß für uns am Kreuze nieder; Menschenwürde, MenMel. Was Gott thut, das ist zc. ſchenfinn uns zu lehren, floß 145. Mit frohem Dant 4. Der uns lehrte, Kraft und Gut für der Brüder Wohl zu geben, gab für Wahrheit hin sein Blut, gab für Tugend hin sein Leben, hat, was er empfahl, geübt; o wie hat er uns geliebt! 5. Denket seiner! Thränen fließt! Freudenthränen weinet, Brüder! Wer vom Brote jeßt genießt, wer vom Weine trin-| ket, Brüder, denket an den Menschenfreund, denkt an Jesum, dankt und weint. 6. Alle geh'n wir eine Bahn, alle geh'n wir zu dem Ziele edler Menschlichkeit hinan. hinan. Voll der seligsten Gefühle bete jeder inniglich, stärke für den Himmel sich! 7. Wer den Kelch des Nacht8. Fließt, der Liebe Thränen, fließt! Vorgefühl der Himmelsfreuden fühle, wer das Mahl genießt, Kraft zum Guten, Trost im Leiden; fühlt euch all' als Menschen gleich, fühlt als Himmesbürger euch! 9. Jesus Christus hat sein Blut für der Menschen Wohl gegeben; laßt uns Kräfte, Geist und Gut Menschen widmen, für sie leben! Laßt uns zu des Himmels Höh'n auf der Bahn der Liebe geh'n! C.B.C. Starde. dein Leiden zu besingen, von deinem Mahle bis zu dir mich, Jesu, aufzuschwingen. Mein Glaube ist da, wo du bist, anbetend bei dem Throne, vor dir, des Höchsten Sohne! 2. Zwar immer groß ist mein Gewinn an jedem stillen Orte, wo ich im Geiste bei dir bin; es fließt aus deinem Worte mir Trost und Ruh' in Strömen zu, dein Leben und dein Leiden sind stets ein Quell der Freuden. 3. Auch weißt du, Herr, wie herzlich dich die ganze Seele liebet, und wie dein Knecht so willig sich in guten Werken übet. Längst ist der Bund mit Herz und Mund geknüpft, ich bin der Deine, und du, o Freund, der Meine. Beim heiligen Abendmahle. 4. Doch feierlich sei heut mein Dank, und festlich diese Stunden! Und lauter töne mein Gesang vom Tod, den Du liebtest du empfunden! Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. mich und starbſt für mich, für 146. Hier bin ich, Jeju, starbst und lebst nun wieder. 5. Und dich, o Freund, dich sollt' ich nicht vor aller Welt bekennen? Für dich und für des Dankes Pflicht nicht ganz von Liebe brennen; nicht Hand in Hand in vestem Band mit allen deinen Gliedern die Liebe dir erwiedern? 77 wie wächst der Muth zum Hoffen und Vertrauen!- Auf Glauben folgt das Schauen. I. A. Hermes. 6. Nein, Jesu Tod vergess' ich nicht, nicht seine Huld und Treue, nicht meine Schuldigkeit und Pflicht, das schwör' ich jetzt auf's neue. Du hörst den Schwur. Gott! hör' ihn nur! die Liebe soll mich dringen, ihn redlich zu vollbringen. 7. Bei deinem Mahl stärk' mich, o Herr! Du bist der Gott der Stärke, daß ich von nun an williger auf Jesu Stimme merke und von ihm gern die Weisheit lern', auf deiner Bahn zu wandeln, nach deinem Wort zu handeln, 8. Daß ich die Luft bei jedem Streit noch glücklicher bezwinge, die Früchte der Gerechtigkeit in größ'rer Schönheit bringe. O bilde mich, ich bitte dich, noch mehr nach Jesu Bilde demüthig, sanft und milde! 9. Einst kommt die Zeit, so wahr ich hier vor deinem Tische stehe, daß ich in Wonne, Herr, bei dir ihn selbst, den Heiland, sehe. Wie wallt mein Blut, da in deiner Leidensnacht nach deinem gnadenvollen Willen zur Pflicht und Wohlthat mir gemacht. Verleih' zur Uebung dieser Pflicht mir deines Geistes Kraft und Licht! 2. Es werde mir für mein Gewissen dein Mahl ein tröstlich Unterpfand, daß ich, der Sündenschuld entrissen, durch dich bei Gott Vergebung fand. So freuet meine Seele sich in deinem Heil und lobet dich. 3. Bewundernd dent' ich an die Liebe, womit du unser Heil bedacht. Wie stark sind deines Mitleids Triebe, die dich bis an das Kreuz gebracht! D gib von deinem Todesschmerz jetzt neuen Eindruck in mein Herz. 4. Laß mich mit Ernst die Sünde scheuen, für welche du, dich opfernd, starbst; mit schnödem Mißbrauch nie entweihen, was du so theuer mir erwarbst! Nie führe mich zur Sicherheit der Trost, den mir dein Tod verleiht! 5. Jch übergebe mich auf's neue, o du, mein Herr und Gott, an dich! ich schwöre dir beständ'ge Treue vor deinem Tische feierlich: dein eigen will ich immer sein. Du starbst für mich, drum bin ich dein. 6. Nie will ich mich vor Spöttern schämen der EhrUniv.- Bibl. Giessen Beim heiligen Abendmahle. 78 furcht, die man dir erweist; mich nie zu einem Schritt be quemen, den mein Gewissen sündlich heißt. O flöße mir den Eifer ein, wie du, o Herr, gefinnt zu sein! 7. Laß mich mit Ernst den Nächsten lieben, und wenn er strauchelnd es versieht, Versöhnlichkeit und Sanftmuth üben! Nie komm' es mir aus dem Gemüth, welch' eine schwere Sündenlast du mir aus Huld erlassen hast! 8. Es stärke sich in mir der Glaube, daß meine Seele ewig lebt, und daß mich aus des Grabes Staube dann deiner Allmacht Ruf erhebt, wenn du, o Weltenrichter, einst an jenem großen Tag erscheinſt! 9. Gebeugt lieg' ich zu deinen Füßen mit Dank und Lob, Gebet und Fleh'n. Laß auf mich neue Gnade fließen; mein Heiland, laß es doch gescheh'n, daß mir zur Stärkung meiner Treu' dein Abendmahl gesegnet sei! D. Bruhn. Mel. Schmücke dich, o liebe 2c. 147. Heiland, groß an Huld Treue, sieh, eiland, groß an Huld fsie nicht dies Ziel verfehle! 6. Bringe mich durch deine Gnade auf des wahren Lebens Pfade immer näher zu dem Ziele, wo ich ganz mich selig fühle! Laß indessen mich hienieden deinen mir erworb'nen Frieden immer reichlicher genießen, bis sich meine Augen schließen! 3. S. Diterich. ich widme dir auf's neue, bei dem Denkmal deiner Liebe, dieß mein Herz voll heißer Triebe, dir in meinem Lauf auf Erden immer ähnlicher zu werden, und an deines Segens Gaben auch auf immer Theil zu haben. Huld empfangen, und, wenn sie das Gute wollen, Kraft dazu gewinnen sollen. O wie könntest du das Flehen meines Herzens denn verschmähen! 3. Nein, ich trau' auf dein Versprechen. Herr, du kannſt es mir nicht brechen! denn du siehest mein Bestreben, nur nach deinem Wort zu leben. Stärke mich dann zum Genusse deines Heils in dem Entschlusse, dich und deine heil'gen Lehren mit Gehorsam zu verehren! 4. Diesen Dank für deine Liebe, wenn ich dir den schuldig bliebe, wie verwerflich würd' ich handeln, wie der Huld zuwider handeln, die dich trieb, auch mir zum Leben in den Tod dich hinzugeben! Welche Qualen im Gewissen würd' ich dann einst fühlen müssen! 5. Nein, so strafbar, so vermessen will ich nie die Pflicht vergessen, die dir, Herr, von mir gebühret, die zum wahren Heil mich führet. Ewig dir nur anzuhangen, ist mein sehnlichstes Verlangen. Hilf du selbst nur meiner Seele, daß 2. Laß dieß Opfer dir gefallen! Du versprichst ja selbst Mel. Es ist das Heil uns zc. es allen, die nach deinem Heil 148. Durch dich, o höchſtes und Bei Trauung oder Einsegnung neuer Eheleute. 79 Christen üben! hebet mein Gemüthe die Größe| lieben, treu die Pflicht der dieser Seligkeit, die Größe dei ner Güte. Gestärket durch dein Liebesmahl geh' ich getrost durchs dunkle Thal des kurzen Erdenlebens. 2. Du, Gott, du knüpftest selbst das Band; laß sie durch Eintracht Hand in Hand ihr Erdenglück vermehren! Laß ihre Liebe lauter sein, Untreue nie den Bund entweih'n, den sie dir heute schwören! Immer | laß sie, dir ergeben, einig leben, einig handeln, fromm und heilig vor dir wandeln! 2. Der Bahn, die du gewan delt hast, folg' ich mit froher Seele, auch unter vieler Leiden Last, und wenn ich Schwacher fehle, so blickt mein Geist auf dich zurück, und dann verleihst du mir das Glück, daß ich dir würdig lebe. 3. Mein Leben, Jesu, dir zu weih'n, dem Sanften und dem Milden, dieß, dieß soll mein Bestreben sein, um mich nach dir zu bilden! Ach stärke mich zu dieser Pflicht, du meiner Seele Zuversicht, laß mich dir ähnlich werden! 4. Laß, die du jetzt mit mir erfreut, auch nie ihr Heil verscherzen! Zur Treue und Beständigkeit ermuntre ihre Herzen! Erbarm' dich unser aller, Herr, damit wir dich, Allliebender, vereinigt einst erheben! Fr. v. d. Recke. 31) Bei Trauung oder Einsegnung neuer Cheleute. Mel. Wie schön leuchtet der 2c. 149. on dir, du Gott der Einigkeit, ward einst der Ehebund geweiht; o weih' auch sie zum Segen, die hier vor deinem Angesicht bereit steh'n, dir den Schwur der Pflicht und Eintracht abzu legen! Laß sie, Vater, dir ergeben, einig leben, treu sich 3. O segne sie, der gern beglückt, und Segen uns vom Himmel schickt, auf allen ihren Wegen! Laß ihr Geschlecht sich dein erfreu'n, gib selbst zu ihrem Fleiß Gedeih'n, und ihr Beruf sei Segen! Laß sie, Bater, dir ergeben, glücklich leben, dich verehren und das Glück der Nachwelt mehren! 3. 3. Eschenburg. Mel. Laßt uns den Herren loben zc. u Stifter heil'ger 150. D Che, verbinde dieses Paar! In dir, o Gott, bestehe sein Bund auf immerdar; der Geist der keuschen Liebe beherrsche beider Triebe, und mach' ihr Hoffen wahr! 2. Begleite nun die Lehren von ihrer neuen Pflicht, zu deines Namens Ehren, mit Gnade, Kraft und Licht; auf allen ihren Wegen bekräftige den Segen, den heut' dein Diener spricht! 3. Wenn sie in Leid und Schmerzen nach deinem Rathe sein, so sprich in ihre Herzen den Trost von oben ein; verleih' Geduld und Stärke zu ihrem Stand und Werke, jo wird's gesegnet sein! 4. Ach, neig' auf unser Fle Bei Einweihung zum Predigtamte. 80 hen dein gnädig Ohr jezund; laß dein Augen sehen auf sie und ihren Bund; und thu', wie die Gemeine mit Jesu sich vereine, an ihrem Beispiel fund! o Jesu, und ihm Lehrer gibst, die es zum Himmel führen, und die voll Eifer, Geist und Kraft, voll göttlich tiefer Wissenschaft das Herz der Sünder rühren! Treue Lehrer laß den Mel. Ach Herr, mich armen Sünder zc. 151. wesentliche Liebe, Seelen niemals fehlen, und die Herden mit den Hirten selig werden! Quell der ligkeit! Du hast durch reine Triebe den Eh'stand eingeweiht; beim ersten Hochzeitseste hast du die Braut geführt, und auf das allerbeste mit deinem Bild geziert. 2. Laß deinen Geist auf ihnen ruh'n, daß sie ihr Werk mit Freuden thun, nicht Bosheit sie betrübe, daß jedes Herz sie folgsam ehrt, durch sie ermuntert und belehrt von Gottes Vaterliebe! Laß die Lehrer und Gemeinen nur auf deinen Willen sehen und den Weg zum Himmel gehen! 2. Du woll'st auch diesen Zweien, die deine Hand vereint, den Ch'stand benedeien, holdsel'ger Menschenfreund! Herr, wohn' auch ihrem Feste, wie dort in Rana, bei, daß sie und Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. ihre Gäfte dein Segenswort 153. Glad und kräfte, ib ihm, Glück zu seinem segensreichen Stand, ihm, den zum heiligen Geschäfte du uns voll Gnade zugesandt! Hilf du ihm selbst, so wird allein sein Amt an uns gesegnet sein! 2. Laß durch sein Pflanzen und Begießen, o Gott, von deinem Himmel Kraft in heil'gen Lehren auf uns fließen, daß es Gedeih'n und Segen schafft, daß es für jenen Erntetag Frucht hundertfältig bringen mag! erfreu'! 3. Leg' deinen Gottessamen in ihre Seel' hinein, daß sie in deinem Namen fruchtbare Pflanzen sein; und was du, Herr, willst geben durch deines Geistes Spruch, darinnen sei dein Leben, ohn' allen Sündenfluch! 4. Daß nicht die Liebe weiche, gib deiner Liebe Schein, und fehr' mit deinem Reiche in ihrem Hause ein! Die schönste Hochzeitgabe sei du, dein Fried' und Geist, bis daß der Leib zum Grabe, der Geist zum Himmel reist! 32) Bei Einweihung zum Predigtamte und Einführung eines Lehrers. Mel. Wie schön leuchtet uns der zc. 152. S ohl deinem Volk, daß du es liebst, 3. Laß ihn mit deines Geistes Waffen der Wahrheit Feinden widersteh'n, und, muß er Laster hart bestrafen, laß ihn auf Menschengunst nicht seh'n! Gib, wenn er tröstet, Kraft und Licht und felsenfeste Zuversicht! 4. Knüpf' zwischen ihm und uns der Liebe und des Vertrauens festes Band! Ihm reiche Bei Leichenbegängniſſen. mit aufricht'gem Triebe ein jeder seine Bruderhand! Wer Gott und sein Wort liebt und ehrt, der hält auch seine Lehrer werth D.S. Georgii, verändert durch Heeren. 33) Bei Leichenbegängnissen. Mel. Christus der ist mein zc. 154. Am Ziel ist er! Es wehen um ihn die Valmen schon, und unsre Pfade gehen am Staub, noch fern vom Thron. 2. Wie könnten wir beklagen, daß wir ihn nicht mehr seh'n? Er wird nach kurzen Tagen uns dort entgegengeh'n. 3. Sein Wink wird uns erfreuen, uns leiten seine Hand zu unsrer Brüder Reihen, die uns Gott hier verband. 4. Dort auf den dunkeln Wegen des Todes wird er dann mit unsers Gottes Segen sich brüderlich uns nah'n. 5. Dann preisen wir den Geber der Seligkeit. Er ließ voran ihn geh'n durch Gräber, daß er die Bahn uns wies. Knorre. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 155. Nac furzer Lage erwartet uns die Ewigkeit; dort, dort verwandelt sich die Klage in göttliche Zufriedenheit; hier übt die Tugend ihren Fleiß, und jene Welt reicht ihr den Preis. 81 Glück. Er bleibt ein Mensch, und seine Ruh' nimmt in der Seele ab und zu. 2. Wahr ist's, der Fromme schmeckt auf Erden schon manchen sel'gen Augenblick; doch alle Freuden, die ihm werden, find ihm ein unvollkommnes 3. Bald stören ihn des Körpers Schmerzen, bald das Geräusche dieser Welt, bald kämpft in seinem eignen Herzen ein Feind, der öfter siegt als fällt; bald sinkt er durch des Nächsten Schuld in Kummer und in Ungeduld. 4. Hier, wo die Tugend öfters leidet, das Laster öfters glücklich ist; wo man den Glücklichen beneidet, und des Bekümmerten vergißt, hier kann der Mensch nie frei von Bein, nie frei von eigner Schwachheit sein. 5. Hier such' ichs nur, dort werd' ich's finden; dort werd' ich, heilig und verklärt, der Tugend ganzen Werth empfinden, den unsaussprechlich großen Werth. Den Gott der Liebe werd' ich seh'n, ihn lieben, ewig ihn erhöh'n. 6. Da wird der Vorsicht heil'ger Wille mein Will' und meine Wohlfahrt sein; und lieblich Wesen, Heil die Fülle am Throne Gottes mich erfreu'n. Dann läßt Gewinn stets auf Gewinn mich fühlen, daß ich ewig bin. 7. Da werd' ich das im Licht erkennen, was ich auf Erden dunkel sah, das wunderbar und heilig nennen, was unerforschlich hier geschah; da denkt mein Geist mit Preis und Dank die Schickung im Zusammenhang. Fach einer Prüfung freu'n. 8. Da werd' ich zu dem Throne dringen, wo Gott sich 6 82 Bei Leichenbegängnissen. lieren, als verlörst du's nicht. ganz mir offenbart, ein Heilig!| bar als ein Glück besitzen, verHeilig! Heilig! singen dem Lamme, das geopfert ward. Und Cherubim und Seraphim und alle Himmel jauchzen ihm. 2. Der Tod soll nicht dein Herz erschrecken; doch, dich zur Weisheit zu erwecken, soll er dir stets vor Augen sein. Er soll den Wunsch zu leben mindern, doch dich in deiner Pflicht nicht hindern, vielmehr dir Kraft dazu verleih'n. 3. Ermattest du in deinen Pflichten, so laß den Tod dich unterrichten, wie wenig deiner Tage sind. Sprich: sollt' ich meine Zeit, es auszuüben, ist Gutes wol verschieben? Nein, kurz, und sie verfliegt geschwind! 4. Denk' an den Tod, wenn Welt und ihre Liebe dich reizen, böse Triebe, wenn Lust der und ersticke sie! Sprich: fann ich nicht noch heute sterben? Und könnt' ich auch die Welt erwerben, beging' ich doch solch' 9. Da werd' ich in der Engel Schaaren mich ihnen gleich und heilig seh'n, das nie gestörte Glück erfahren, mit Frommen stets fromm umzugeh'n. Da wird durch jeden Augenblick ihr Heil mein Heil, mein Glück ihr Glück. 10. Da werd' ich dankvoll dem begegnen, der Gottes Weg Gottes Weg mich gehen hieß, und ihn entzückt am Ziele segnen, das er mir hier so treulich wies; da find' ich in des Höchsten Hand den Freund, den ich auf Erden fand. 11. Da ruft( o möchte Gott es geben!) vielleicht auch mir ein Sel'ger zu: Heil sei dir! denn du hast mein Leben, die Seele mir gerettet, du! Gott, wie muß dieß Glück erfreu'n, der Retter einer Seele sein! 12. Was seid ihr, Leiden dieser Erden, doch gegen jene Herrlichkeit, die offenbart an uns soll werden von Ewigkeit zu Ewigkeit? Wie nichts, wie gar nichts gegen sie ist doch ein Augenblick voll Müh! C. F. Gellert. In eigener Melodie. 156. as sorgst du ängstlich für dein Leben? Es Gott gelassen übergeben ist wahre Ruh' und deine Pflicht. Du sollst es lieben, weislich nügen, es dankUebel nie! 5. Denk' an den Tod, wenn Ruhm und Ehren, wenn deine Schäße sich vermehren, daß du sie nicht zu heftig liebst! Dent an die Eitelkeit der Erden, daß, wenn sie dir entrissen werden, du dann dich nicht zu sehr betrübst! 6. Dent' an den Tod bei frohen Tagen! Kann deine Lust sein Bild vertragen, so ist sie gut und unschuldvoll. Sprich, dein Vergnügen zu versüßen: welch' Glück werd' ich erst dort genießen, wo ich unendlich leben soll! 7. Dent' an den Tod, wenn deinem Leben das fehlt, wonach die Reichen streben; sprich: Bei Leichenbegängnissen. bin ich hier, um reich zu sein?| Heil mir, wenn ich in Christo sterbe, dann ist ein unbeflecktes Erbe, dann ist des Himmels Reichthum mein! 8. Denk' an den Tod, wenn Leiden kommen; sprich: alle Trübsal eines Frommen ist zeitlich und dem Glauben leicht! Ich leide; doch von allem Bösen wird mich der Tod bald, bald erlösen; er ist's, der mir die Krone reicht. 83 bebt nicht vor Finsternissen der Bahn, die er nicht kennt; die schreckensvollen Pfade erleuchtet ihm die Gnade des Gottes, den er Vater nennt. 4. Er segnet froh die Seinen, die um sein Lager weinen, ermahnt und tröstet sie; und seiner Treue wegen erfüllt Gott seinen Segen, und weichet auch von diesen nie. 5. Laß, Höchster, mich bestreben, so in der Welt zu leben, wie man dieß Glück erwirbt, damit ich als ein Erbe der Seligkeit auch sterbe, so freudig als ein Frommer stirbt! Chr. F. Weisſe. 9. Denk an den Tod, wenn freche Rotten des Glaubens und der Tugend spotten, und Laster stolz ihr Haupt erhöh'n! Sprich bei dir selbst: Gott trägt die Frechen; doch endlich Me I. Alle Menschen müssen 2c. kommt er, fich zu rächen, und 158. Mer mit Luft und Mel. In allen meinen Thaten 2c. 157. 2 ie ie sanft seh'n wir den Frommen, der Erde bald entnommen, sich seinem Ziele nah'n! Wo sich des Lebens Freuden vom frechen Sünder scheiden, da geh'n des Christen Freuden an. 2. Er freut sich auf sein Ende und hebt voll Dank die Hände zu seinem Vater auf; gesichert vor Verderben, kann er nun fröhlich sterben nach einem wohl vollbrachten Lauf. 3. Sein ruhiges Gewissen 10. So suche dir in allen nützlich in der Welt zu sein, Fällen den Tod oft lebhaft vor- wer nicht blos für sich nur zustellen! dann wirst du ihn lebte, Menschen suchte zu ernicht zitternd scheu'n; dann freu'n: deß Gedächtniß bleib' wird er dir ein Trost in Klagen, und daure; seine Nachwelt klag' ein weiser Freund in guten und trau're; wo sein Grab ist, Tagen, ein Schild in der Ver- weine dann, wer, was gut ist, suchung sein. C. F. Gellert. schäßen kann! 2. Unvergeßlich sei sein Name! ihm glänztjetzt ein schön'rer Tag! Jeder folg' ihm, jeder ahme seine edlen Thaten nach! Sanft und heiter strahl' er immer, wie der Abendröthe Schimmer sanft und lieblich Gottes Welt, eh' es Nacht wird, noch erhellt! 3. Denn so kehren seine Thaten segnend in die Welt zurück, bleiben immer reiche Saaten für der Nachwelt Heil und Glück. Gott, der Richter aller Welten, wird sie öffentlich vergelten, 6* Bei Leichenbegängniſsen. 84 jede bringt er einst ans Licht; unbelohnt bleibt keine Pflicht. 4. Preist den Herrn und seine Liebe, daß sein Tod, der euch betrübt, Reiz zum Guten, Lust und Triebe, ähnlich ihm zu werden, gibt! Preist den Herrn, daß seine Gnade ihn der Tugend sichre Pfade wandeln ließ, und bis ans Grab dazu Licht und Kraft ihm gab! 5. Also ehret edle Brüder, wenn sie nun in Frieden ruh'n! denn so wird man einst euch wieder, wenn ihr ihnen folget, thun; fortzupflanzen eure Namen, eure Tugend nachzuahmen, euer Beispiel zu erneu'n, wird sich eure Nachwelt freu'n. 6. Wenn ihr sterbet, wird fie klagen: Wieder starb ein edler Mann! Gott belohn' ihn! wird sie sagen; nimm auch ihn zu Ehren an! Laß ihn deinen Himmel erben! laß uns seines Todes sterben! Preis und Unvergänglichkeit dem, der gut zu sein sich freut! 3. A. Cramer. droht! Ein verzweiflungsvolles Sterben, ein Versinken ins Verderben, in den Pfuhl der Noth ist des Sünders Tod. 2. Doch des Christen Tod weiß von feiner Noth. Lieblich Lächeln seine Mienen; Engelwonne strahlt aus ihnen. Schön wie Abendroth ist des Christen Tod. denn er trocknet von den Wangen Zähren, stumm geweint, ihm als Menschenfreund. 8. Stürme der Natur, brauſet durch die Flur! Bebt vor euch der Lastersclave, o so weht ihr meinem Schlafe sanfte Ruhe Mel. Seelenbräutigam 2c. 159. Schrecklich ist der Tod, nur, Stürme der Natur. Sünder 9. Mütterliches Land, decke mich mit Sand! Freundschaft, spare deine Zähre, gönne mir die letzte Ehre, fülle deine Hand, decke mich mit Sand! - 4. Freudig stirbt der Christ, der versöhnet ist, der im eifri gen Bestreben, Jesu ewig treu zu leben, gern die Welt vergißt. Freudig stirbt der Christ. 5. Christen zittern nicht, wenn ihr Auge bricht. Denn sie schauen, und Entzücken strahlt aus ihren heitern Blicken, auf zu jenem Licht, bis ihr Auge bricht. 6. Freude nach der Noth ist des Christen Tod. Hohe, himmelshohe Freude, ew'ger Friede nach dem Streite, und ein Weg zu Gott ist des Christen Tod. 7. Sanfter Schlummer, du, eines Müden Ruh', komm' von jenem Todeshügel, trage mich auf deinem Flügel ew'ger Frei heit zu, sanfter Schlummer du! 10. Freunde, weinet nicht! Seht, mein Angesicht heftet sich an jene Höhen, wo sich Freunde wiedersehen, dort an jenes Licht; Freunde, weinet nicht! C. F. D. Schubart. 3. nennt er seinen Freund, ſeinen* 160. ich glaube, und ch weiß, an wen Wunsch und sein Verlangen; Mel. Christus, der ist mein 2c. Bei Leichenbegängniſsen. daß mein Heiland lebt, der aus| Jm Grab ist sanfterSchlummer, dem Todesstaube den Geist zu sich erhebt. ihn stört kein Erdenkummer; Gott ist es, der ihn einst erweckt. 5. Zum Leben ohne Sorgen weckt ihn der frohe Morgen, wo eine Welt erwacht. Heil diesem todten Staube! so singt der Christen Glaube: auch er erwacht, auch er erwacht. 6. Nun schauet auf, Betrübte! dort wandelt der Geliebte nach Finsterniß im Licht. Vergönnet ihm die Freude, o wehret eurem Leide, und wischt die Zähren vom Gesicht! C. F. D. Schubart. 2. Ich weiß, an wem ich hange, wenn Alles wankt und weicht, der, wenn dem Herzen bange, die Retterhand mir reicht. 3. Ich weiß, wem ich vertraue, und wenn mein Auge bricht, daß ich ihn ewig schaue, ihn selbst von Angesicht. 4. Er trocknet alle Thränen so tröstend und so mild, und mein unendlich Sehnen wird nur durch ihn gestillt. 5. Ich weiß beim Auferstehen, wenn ich verkläret bin, werd' ich mit Jesu gehen durch Ewigkeiten hin. A. H. Niemeyer und Albert Knapp. Mel. In allen meinen Thaten 2c. 161. Da Deinen, Unend stehen wir, die licher, und weinen ein Grablied an der Gruft. Wir singen auf vom Staube, uns stärkt der Christenglaube, daß Gott uns einft zum Leben ruft. 2. Fließt nur, ihr Thränen, fließet; ein Sterblicher beschlieBet des Lebens kurzen Lauf. Nimm, mütterliche Erde, dein Kind, frei von Beschwerde, in deine milden Arme auf! 85 3. Sei ihm ein Ruhebette, nachtvolle Grabesstätte, und deck' ihn kühlend zu! Er schlafe hier in Frieden den stillen Schlaf der Müden, des Kranken lang' erseufzte Ruh'! 4. Senkt nun den Leichnam nieder zum Staube seiner Brüder, die längst die Erde deckt! Mel. Mach's mit mir, Gott 2c. 162. So wirst du, liebes, holdes Kind, zu unserm Schmerz begraben, da es nur kurze Zeiten sind, daß wir begrüßt dich haben. theu're, süße Gnadenfrist, die du bei uns gewesen bist! O 2. Du warest unsers Herzens Lust und unsrer Augen Weide! Nun, da du von uns scheiden mußt, wird unsre Luft zum Leide. Wir senken dich mit Thränen ein. Thränen ein. Ach! mußt du schon erblasset sein? 3. Doch Heil! dein Jesus rufet dich, ihm müssen wir dich lassen. Er wird dich mehr als väterlich in seine Arme fassen. Er hat das erste Recht zu dir; uns warst du nur geliehen hier. 4. Von uns hast du den Tod geerbt, von ihm erbst du das Leben! den Sünden, die dich hier verderbt, darfst du nun Abschied geben. Nun wirst du, Lämmchen, völlig rein, bei Gottes Lamm im Himmel sein. Bei Leichenbegängniſſen. 86 5. Zieh', zarter Liebling, ziehe hin, wo Engel dich umschweben! Dein Heiland will dir zum Gewinn nun eine Krone geben. Es führet dich dein kurzer Lauf zur langen Herrlichkeit hinauf. 6. Ach, unsre Schäßze sind fürwahr bei Gott wohl aufgehoben. Hier steh'n sie täglich in Gefahr, hier treibt die Welt ihr Toben; im Himmel nur, da bleiben sie, drum sterben| fie uns nicht zu früh. 7. In Gottes Händen wollen wir dich herrlich wiederfinden; wer gläubig Thränen säet hier, wird froh dort Garben binden. O das versüßt den Abschiedskuß, daß er nicht bitter schmecken muß. Mel. Jejus meine Zuversicht 2c. 163. Staub bei Staube wirst du nun schlummern in dem stillen Grabe. Bald, dann werden wir auch ruh'n in dem friedenvollen Grabe. Dieser Welt entflohſt du ſchon, kamst zu deiner Werke 2. Jesu, unsre Zuversicht! unser Theil ist einst das Leben. Wenn auch unser Auge bricht, wirst du, Mittler, uns es geben. Denn nicht Trübsal und nicht Tod trennt von deiner Lieb', o Gott! 3. Einst, wenn wir, wie er zu ruh'n, zu den Todten Gottes gehen, wollst du überschwenglich thun über alles, was wir flehen! Wenn uns Menschentrost verläßt, bleib' uns deine Gnade fest! F. G. Klopstock, veränd. durch Niemeyer. Mel. Liebster Vater, ich dein 2c. 164. Gebt dem Tode feinen Raub, Würmern ihre Gabe! Seelen werden nicht zu Staub, schlummern nicht im Grabe. Hier ist gut sein! Senft sie ein, laßt die Erde rollen, uns sie segnen und uns freu'n, daß wir sterben sollen! 2. Erntefeld! Hier ruhen fie, Christen, unsre Brüder, kämpften, aber kämpfen nie nun auf Erden wieder. Heil dem Guten, der hier fand sanfte Ruh' der Müden! Unter Gottes Vaterhand schlummert er in Frieden. 3. Saaten der Unsterblichfeit, heilige Gebeine! bald verfließt auch unsre Zeit, ruft der Tod: erscheine! Ruf' er dann, wir sind bereit!- Wer des Lebens Gabe nüßet für die Ewigkeit, zittert nicht am Grabe. J. G. Pfranger. In eigener Melodie. 165. Auferſteh'n, ja auferwirst du, mein Staub, nach kurzer Ruh'; unsterblich Leben wird, der dich schuf, dir geben. Halleluja! 2. Wieder aufzublüh'n, werd' ich gesät; der Herr der Ernte geht und sammelt Garben uns ein, uns, die hier starben. Halleluja! 3. Tag des Danks, der Du, Freudenthränen Tag! meines Gottes Tag! Wenn ich im Grabe genug geschlummert habe, erweckst du mich. 4. Wie den Träumenden wird's dann uns sein. Mit Von den Jahreszeiten. 87 Jesu geh'n wir ein zu seinen| hervor, und alle Vögel schwinFreuden. Der müden Pilger Leiden sind dann nicht mehr. 5. Ach, ins Allerheiligste führt mich mein Mittler dann, lebt' ich im Heiligthume zu seines Namens Ruhme. Halleluja! In eigener Melodie. 166. iederseh'n! Sei Lerche dir. 2 uns geſegnet, entzückungsvolles Wiederseh'n, wenn uns unser Freund begegnet, wo Engel liebend um ihn steh'n! Dieser Tag der Wonne trocknet unsre Thränen ab.- Hoch schwebt unsre Seele über unser Grab. A. H. Niemeyer. 34) Von den Jahreszeiten. Frühling. Mel. Valet will ich dir geben ze. 167. Grwacht zum neuen Leben steht vor mir die Natur, und sanfte Lüfte schweben durch die beblümte gen sich aus dem Schlaf empor. 4. Die Flur im Blumenkleide ist, Schöpfer, dein Altar; und Opfer reiner Freude weiht dir das junge Jahr. Es bringt die ersten Düfte der Frühlingsblumen dir, und schwebend durch die Lüfte lobfingt die 3. Glänzt von der blauen Feste die Sonn' auf unsre Flur, so weiht zum Schöpfungsfeste sich jede Creatur, und alle Blüthen dringen aus ihrem Keim 5. Ich schau ihr nach und schwinge mich auch voll Dank zu dir, o Schöpfer aller Dinge, verehrt seist du von mir! Weit über sie erhoben, kann ich der Fluren Pracht empfinden und dich loben, dich, der den Frühling schafft. 6. Lobsing ihm, meine Seele, dem Gott, der Freuden schafft! Lobsing ihm, und erzähle die Werke seiner Kraft! Hier von dem Blüthenhügel bis zu der Sternenbahn steig' auf der Andacht Flügel dein Roblied himmelan! C. C. Sturm. Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. Flur. Empor aus ſeiner Hülle 168. Gelobt fet, der den junge der Wälder öde Stille belebt der Vögel Psalm. 2. O Vater, deine Milde füllt Berg und Thal und Au; es grünen die Gefilde, beperlt vom Morgenthau. Der Blumenweid' entgegen eilt schon die Herd' im Thal, und in dem Staube regen sich Würmer ohne Zahl. Frühling schafft, Gott, der den Erdkreis schmükfet! Preist, Menschen, seine Lieb' und Kraft, die, was er schuf, beglücket! Der Herr erschafft, der Herr erhält; er liebt und segnet seine Welt; lobsinget ihm, Geschöpfe! 2. Das Land, das schon erstorben lag, erwacht und lebt nun wieder. Es strömet jeden neuen Tag sein Segen neu hernieder. Der Wurm, der in dem Staube lebt, der Vogel, der in Lüften schwebt, erfreut sich seines Lebens. Von den Jahreszeiten. 88 3. Der Erde Antlig ist verjüngt, erheitert glänzt der Himmel; Gebirg' und Thal und Wald erklingt von freudigem Getümmel. Und voll Erbarmen schaut herab, der Allem Sein und Leben gab, auf sei= ner Schöpfung Werke. 4. Doch fühllos nur und unbeseelt sind Auen und Gefilde; auch hast du nicht das Thier erwählt zu deinem Ebenbilde. Der Mensch nur freuet deiner sich, kennt, Schöpfer, und empfindet dich, und hofft ein ew'ges Leben. 5. Zobsinget ihm; er ist uns nah! Singt, alle seine Heere! Der Herr ist allenthalben da, im Himmel, Erd' und Meere. Ich preise dich, ich finge dir; wo ich nur bin, bist du bei mir mit Allmacht, Lieb' und Gnade. 6. Du rufft die Wolken in das Land, du stillst den Durst der Erde, daß mit den Gaben deiner Hand der Mensch gesegnet werde. Du machest Hagel, Thau und Wind, die deiner Allmacht Diener sind, zu unsrer Freude Quellen. 7. Selbst dann auch, wenn dein Donner dräut, wenn Berg und Thal erzittern, strömt Stärkung, Segen, Fruchtbarkeit aus Nacht und Ungewit tern. Dann bricht die Sonne neu hervor, und alles jauchzt zu dir empor, vor dem die Wetter schweigen. 8. Von dir kommt alles, was erfreut, du Geber aller Gaben! Dort wirst du uns mit Seligkeit in reichen Strömen laben. Wohl, wohl den Men schen, die schon hier sich dir ergeben und einst dir in Christo freudig sterben! G. B. Fink. Mel. Allein Gott in der Höh' 2c. " 169. Du schöne Welt, D¹ wie herrlich schmückt dich Gott im Frühlingskleide! Wer ist's, den nicht dein Reiz entzückt? Weß Herz schlägt nicht vor Freude beim Wiederleben der Natur, die ringsher uns des Schöpfers Spur so süß vor Augen stellet? 2. Er schafft's, daß Segen weit und breit im Thaue fich ergieße; der Herr gebeut, daß Fruchtbarkeit im sanften Regen fließe. O Gott, wer mißt der Gaben Zahl, die hier und dort und überall von dir ergossen werden? 3. Das Feld in seiner bunten Pracht zeigt uns die schönſten Farben; es predigt, daß ein Vater wacht, der uns nie läffet darben. Es reift die Saat zur goldnen Frucht; wer mit Ge bet und Fleiß sie sucht, wird sie bereitet finden. 4. 3m kleinsten Gräslein bist du groß, es grünt zu deinem Ruhme; mehr als das Prachtkleid Salomo's steht herrlich jede Blume; sie duftet mild, und ihre Pracht verkündigt deine Schöpfermacht, die sie so herrlich zieret. 5. Was ist der Mensch, o Herr, daß du so gnädig sein gedenkest, und ihm zu seiner Lebensruh' so viele Gaben schenkest, daß er in jeder Jah Von den Jahreszeiten. reszeit sich deiner treuen Güte freut, die immer uns versorget? 6. Herr, deines Namens Ehr' und Ruhm soll mein Gemüth erheben! laß dir mich, als dein Eigenthum, in Jesu kindlich leben! Und wie mein Sinn, so sei die That, daß ich, als hoffnungsvolle Saat, dir reichlich Früchte bringe! 7. Einst kommt ein Tag, dem Frühling gleich, da wir auf's Neue leben; o selig, wer in jenes Reich empor darf herrlich schweben, wo er nur Wonn' und Klarheit erbt, wenn seine Werke ungefärbt, sein Glaube rein gewesen! 89 3. Sei mir gegrüßt! Nach tausend Lenzen bist du noch heute schön und jung. Wer gibt dir Stoff, dich zu ergänzen? wer diesen regen Cirkelschwung, die unerschöpfte Bildungskraft, die, stets geſpannt, doch nie erschlafft? 8. Ich will in deinem Vorhof hier, Herr, deine Gnade schauen! und sterb' ich nun in Jesu dir, schreckt mich kein Todesgrauen. Du weckst die schlafende Natur; auch deine Todten schlummern nur, du wirst auch mich erwecken. K. Chr. Förster. ommer. 171. Mel. Wie wohl ist mir, o 20. eit um mich her ist alles Freude! wie schön ist, Schöpfer, deine Welt! wie prangt in seinem Feierkleide Gebirg und Thal und Wald und Feld! wie heilig wird mir jede Stätte! wohin ich geh', wohin ich trete, bist du so nahe, Gott, und ich erblicke dich auf allen Fluren; in deinen Creaturen erMel. Wer nur den lieben Gott 2c. 170. Blickt auf! In men blick ich, Aller Vater, dich. Mil2. Das Lispeln in beredten Bäumen ruft: fröhlich müßt ihr Gott erhöh'n. Die Zeit gefühllos zu verträumen, ist, Menschen, seine Welt zu schön! Mir sagt, beglänzt vom Morgenthaue, die Flur, der Garten und die Aue: Wie segnet unser Gott so gern! Mir sagt das Rauschen seiner Fluthen: Gott ist der Urquell alles Guten! Der Bach sagt rieselnd: Lobt den Herrn! 3. Wie beugen sich der Saatritt eine neue Welt hervor, die Knospen bersten an den Bäumen, frohlockend steigt die Lerch' empor; die schlummernde Natur erwacht, sie schlägt die Augen auf und lacht. 2. Zersprengt ist die kry stallne Kette, womit der Frost die Ströme band; die Flur vertauscht ihr Flockenbette mit einem grünen Lenzgewand. Natur, aus deiner Mutterbrust saugt jedes Wesen Kraft und Sust. 4. Anbeten will ich, statt zu fragen. Preis ihm! Erschuf und Er erhält. Ihn will ich aufzusuchen wagen in seiner wundervollen Welt; aus jedem seiner Werke fleußt ein Licht= strahl in des Forschers Geist. S. G. Bürde. Von den Jahreszeiten. 90 ten Spißen! wie schwellen sie von Segen an, daß kaum der Halm die Aehre stüßen, die reiche Last kaum tragen kann! Hier sammeln emsig schon die Bienen viel Ernten, um auch uns zu dienen, von Gottes schönen Blumen ab; dort ab; dort spinnt der Seidenwurm und webet, eh' er verwandelt wieder lebet, sich seine Hüll' und auch sein Grab. 4. Wie hast du, Gott der Güt' und Stärke, so väterlich an uns gedacht! wie viel und groß sind deine Werke, wie schön, wie wunderbar gemacht! Zum vollen, fröhlichen Genusse empfängt von deinem Ueberflusſe, was lebet, seine Speis', o Gott; Gebirge geben, Thäler geben, was Allen nöthig ist zum Leben: den Thieren Gras, uns Wein und Brot. 5. Weit um mich her ist alles Freude. O freu' auch, meine Seele, dich in Gottes schönem Weltgeväude! wie reichlich segnet er auch mich! Laß dessen Lob umher erschallen, der dir so wohlthut, Allen, Allen so wohlthut, der so freundlich ist! Stimm' ein in der Geschöpfe Chöre; dir, Gott, sei Preis, dir Dank und Ehre, der du so mild und gnädig biſt! 3. F. Fedderssen. Güte Spur; aus deinen Vaterhänden strömt Segen auf die Flur. 2. Wie prangt das Gold der Früchte, des Sommers Feierkleid! Wir seh'n im schönsten Lichte, Herr, deine Herr-> lichkeit. Wir flehten nicht vergebens um Segen für das Land; du, Vater unsers Lebens, du gabst mit weiser Hand. das unser Aug' entzückt, iſt 3. Das glänzende Gefilde, zeichen deiner Milde, die Alles gern erquickt. In reichen Wogen wallet der segensvolle Halm, von Jung und Alt erschallet bir, Herr, ein Freudenpsalm." 4. Die Pracht der reichen Auen strömt Wonn' in unsre Brust, doch mischt auch Furcht und Grauen sich oft in diese Zust. Du rufft vom Wolkensiße den Boten deiner Macht, dem Wettersturm, dem Blize; der Mittag wird zur Nacht. 5. Der Donner rollt, es bebet die schwache Creatur; doch neu, o Herr, belebet dein Regen die Natur. Du schufft zum Paradiese verwelkte Fluren um, und Hügel, Thal und Wiese verkünden deinen Ruhm. 6. Der du die Erde schmückest mit wunderbarer Pracht, und Mel. Ach Herr, mich armen Sünder zc. * 172. Dir, Gott der Huld was da lebt, beglückest durch und erschalle Preis und Dank! dich loben deine Werke, dich rühmt auch mein Gesang. Es zeigt an allen Enden sich deiner deine Lieb' und Macht, dich müsse Jeder loben, dir schalle froher Dank, dich preist der Engel droben, dich preist auch unser Dank. 3. C. Schmidt. Von den Jahreszeiten. Herbst. Mel. Vom Himmel hoch, da zc. 173. Geerntet ist der Felder Saat. Vom Herrn der Zeit gerufen, naht der Herbst mit seiner Fülle sich und segnet und erfreut auch mich. 2. Der segensreiche Garten prangt mit vollen Zweigen und verlangt, von seiner Frucht befreit zu sein, um Gottes Menschen zu erfreu'n. 3. Wie liebevoll, wie mild und gut ist Gott, der so viel Wunder thut! Der Jüngling wie der Mann und Greis sei fröhlich, bring' ihm Ruhm und Preis! 4. Auch wenn du alterst, forgt für dich dein Herr und Gott. Wie väterlich! Er, der, wenn sich dein Abend naht, auch dann für dich viel Freuden hat. 5. Froh kannst du sterben, wenn du nur wie seine segnende Natur gesegnet hast, wenn er die Frucht, die er verlangt, umsonst nicht sucht. 6. Auch die Natur verblüht und stirbt, nur daß ihr Same nicht verdirbt, und schöner auflebt, wenn ihr Freund, der Frühling, wiederum erscheint. 7. So blühst und reifst du in der Zeit zu größerer Vollkommenheit. Nur sei ein guter Same; sei Gott auch bis in den Tod getreu! 3. A. Cramer. Mel. Wie schön leuchtet der 2c. 174. Mein Sers, hab Acht auf diese Zeit, da fich der Erde schönes 91 Kleid in kalter Luft verlieret! Beib' aber unveränderlich, wenn dieser Erde Wechsel dich in schwere Proben führet! Diene, grüne immer weiter! Es sei heiter oder trübe: bleib' beständig in der Liebe! 2. Wenn Garten, Weinstock, Feld und Wald in ihrer lieblichen Gestalt die Früchte dargeleget, daß des erfreuten Schnitters Hand sich jauchzend über Berg und Land mit Garb' und Traube träget: Siehe frühe und in Zeiten sich bereiten, was jest träget, wie es neue Knospen heget! 3. Es pfleget Alles seinen Saft, die Lebens- und Erzeugungskraft von außen einzuziehen. Es zeiget sich ein frischer Keim, und die Natur wirkt insgeheim, um wiederum zu blühen. Sage, frage, was du nennest, und erkennest, ob es müßig, und zu tragen überdrüssig? 4. So sei denn auch mein Herz bestellt, daß es des Weinstocks Weise hält und guter Bäume Weise! daß es in steter Wirkung bleibt, und eine Frucht die and're treibt, dem großen Gott zum Preise. Neue Treue, junger Liebe frische Triebe aus den Zweigen sollen in die Augen steigen. 5. Jhm soll kein Frost, kein Eis und Schnee und keiner Dürre heißes Weih' ein Knösp= lein je verrücken. Gott will es selbst zu seiner Zeit zu aller wahren Fruchtbarkeit von oben her erquicken. Er will ganz Von den Jahreszeiten. 92 still Chr' einlegen, wenn dagegen Feinde wüthen. Herz, o trag' ihm ew'ge Blüthen! Winter. er, auch er ist deines Segens Diener, Gott. Du thust uns wohl, auch selbst durch Noth. 9. Und wie viel Freuden haben wir, Mildthätiger, auch Mel. Vom Himmel hoch zc. 175. Nicht für der Felder jetzt von dir, der du so vaäterlich uns trägst, uns sättigest, erwärmst und pflegst! Segen nur, auch für den Schlummer der Natur, für Frost und Winter danken wir, Herr, unser Gott und Vater, dir. 10. Herr, jeder Wechsel deiner Zeit entflamm' uns zu der Dankbarkeit, die deinen Willen gern erfüllt; denn du bist immer gut und mild. 2. Ein filberfarbenes Gewand schmückt Berge, Hügel, Thal und Land. Wie schön sind sie! Wen freuet nicht der J. A. Cramer. tiefern Sonne mild'res Licht? 35) Von der Saatzeit und Ernte. 3. Die Erde pflegt nun mütterlich die ihr vertraute Saat, Saatzeit. Mel. Allein Gott in der Höh' zc. die ſich im nahen Frühling* 176. C autn Gebet und dein Geheiß der Menschen Hand die Erde, voll Hoffnung, daß nun auch ihr Fleiß von dir gesegnet werde. Auf dein Versprechen trauen fie: du sollst dein Brot bei Fleiß und Müh', so lang' du hier lebst, effen. nähren soll; 4. Doch nicht geräuschvoll, nur geheim. So nährt der Tugend ersten Keim ein Vater mit verborgner Lust in seiner schwachen Kinder Brust. 5. So thut, was and're segnen kann, ein guter und bescheidner Mann; fucht, wenn sein Thun nur Gott gefällt, nicht das Geräusch des Ruhms der Welt. 6. Doch wachsen soll der Tugend Saat, und blüh'n, was er im Stillen that, zu reichen Ernten in der Zeit, zu reichern in der Ewigkeit, 7. So, wie der Felder Saat durch dich im Stillen feimet, väterlich, obgleich von Menschen nicht bemerkt, durch deine Kraft, o Gott, gestärkt. 8. Es brause fürchterlich umher des Winters Sturm! Auch 2. Noch immer traf dieß Wort uns ein. Gib ferner deinen Segen! Daß Saat und Pflanzen wohl gedeih'n, gib Sonnenschein und Regen; denn ohne deine Segenshand bringt selbst ein wohlgebautes Land nicht, was es bringen könnte. 3. Umsonst ist aller Menschen Müh' im Pflanzen und Begießen, läss'st du vom Himmel nicht auf sie des Segens Ströme fließen. Nur du regierst den Witt'rungslauf; durch dich wächst jede Pflanze auf, durch dich nur bringt sie Früchte. 93 Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. Erde mütter4. So kröne mit Fruchtbarkeit das Land nach deiner 178. De licher Schooß iſt Güte, und wenn die Aussaat nun gedeiht, o Vater, so verhüte, daß Frost und Sturm und Hagelschlag sie nicht zerstörend treffen mag, nicht fruchtbar. Saget Dank dem Herrn; denn seine Huld ist groß. Erheb' ihn, mein Gesang! Fluth sie überschwemme! 2. Seht sie in ihrer vollen Pracht, vom Frühling erst verjüngt! Wie reich ist sie durch Gottes Macht! Lobsingt dem Herrn, lobsingt! 5. Wir trau'n auf dich, wohlthät'ger Gott, dich lassen wir nur walten. Du kennst am besten uns're Noth, hast lange Haus gehalten. So wirst du denn, zu deinem zu deinem Ruhm, mit Nothdurft uns, dein Eigenthum, noch fernerhin versorgen. B. Ningwald. 3. Wie schön der Sommer ist, wie er auf allen Fluren prangt! wie reich wird Flur und Au' um= her! Lobsinget Gott und dankt! Von der Saatzeit und Ernte. Ernte. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. 177. hen Blick, o Volk, zu Gott empor! Die Ernt' ist da, und Heil und Glück bricht uns in ihr hervor. 2. Sieh', welch ein unermeßlich Meer durch ein gesegnet Feld von goldnen Aehren körnerschwer vor unsern Sicheln fällt! 3. Noch leben wir und haben Brot, und ein gesundes Blut macht uns auf's neu die Wange roth, und füllt das Herz mit Muth. 4. O ihm sei Ehre, Breis und Dank, der dieß an uns gethan! Frohlockt in heiligem Gesang dem Herrn, und betet an! 5. So lang' uns unser Busen schlägt, die Augen offen steh'n, soll unser Herz, von Dant bewegt, auf Gottes Güte feh'n. C. C. Sturm. 4. Die Herden hüpfen, freudenvoll mäht schon der Mäher ab den Segen, der sie nähren soll, den Gottes Mild' ihm gab. 5. Wie hold und gütig ist doch Gott! Zobsingt, lobsingt dem Herrn! er gibt uns unser täglich Brot, und mehr noch und so gern. 6. Des regen Fleißes Lust und Lohn, die Ernten, voll und schwer, erwarten ihren Sammler schon. Wie fröhlich sammelt er! 7. O danket, danket Gott, und liebt den Herrn, er ist so gut, den Herrn, der uns so reichlich gibt, und so viel Gutes thut! 8. Macht eure Tenn' und Scheuer voll! Der Herr, an Huld so reich, der Herr that euren Vätern wohl, und segnet nun auch euch. 9. Der Güte Quell versieget nie und fließt von Jahr zu Jahr; fie bleibt so groß und 94 Von der Witterung. reich, als sie seit ihrer Schö-| gewandt; in dieser treuen pfung war. Hand allein laß uns vor Unglück sicher sein! 10. Genießt mit froher Dank barkeit den Segen eures Herrn, und wenn ihr seiner Huld euch freut, so gebt, wie er, auch gern! 5. Wirf, Herr, von deinem Wolkensitz auf unsre Häupter nicht den Bliz! Bewahr' uns auch, o höchstes Gut, vor Hagel, Brand und Wasserfluth! 6. So wollen als Erlöste wir des Dankes Opfer bringen dir, und sagen: wer sich fürcht't in Noth, der hoff' und trau' allein auf Gott! 11. Kein Armer darb'; er seufze nie: ach, mir nur mangelt Brot! Speist, Reiche, gern die Armen, sie sind auch, wie ihr, von Gott! 12. Ein solcher Dank gefällt ihm wohl, und er verheißt, daß euch stets Saat 180. De Gott und Retter, Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen 2c. er Mächtige, der und Ernte segnen soll; denn er ist ewig reich. 13. Er sammelt einst uns väterlich, uns ewig zu erfreu'n, wenn wir ihm folgen, auch zu sich in seine Scheuren ein. S. A. Cramer. 36) Von der Witterung. Gewitter. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen 2c. 179, Cam Himmel her, es donnert stark und blißet sehr; ach, Gott, mein Vater, wo bist du? Deck' uns mit deinen Flügeln zu! 2. Wir sind vor dir in gro ßer Schuld; doch trau'n wir ganz auf deine Huld, die größer denn die große Welt, und sich zur Buß' und Demuth hält. 2. Laß dich auch seine Stimme in Wetter zieht rühren, sei ganz Empfindung, o mein Herz! Den Dank, das Lob, die ihm gebühren, ent weihe kei'n unheil'ger Scherz! Es rufen Gottes wahren Kindern selbst Donner Gnad' und Segen zu. Sie rufen schonend sichern Sündern, und ihren Ruf verstehst auch du. 5. Verstumme, freches Heer der Spötter! Furcht und Verzweiflung warten dein. Der Herr ist Gott, dieß sagt das Wetter; die Welt, die ganze Welt ist sein! Jhr bebt, Elende, wollt ihr fliehen? Kein Ort schüßt euch und euren Spott, nichts kann dem Mächt'3. Es spricht das Wort vor deinem Thron für uns bereit dein liebster Sohn. Durch ihn, der für uns litt den Tod, hilf uns aus dieser Wettersnoth! vor dem der Engel niederfällt, Gott redet donnernd aus dem Wetter, und rust voll Majestät der Welt; anbetend sinkt der Erdkreis nieder, der Wald ertönt, es bebt die Flur, und Blige sagen's Blißen wieder: Gott ist der Herrscher der Natur! 4. Wir legen uns in deine Hand, die schon so viele Noth Von der Witterung. gen euch entziehen. Er kennt, er straft euch,- er ist Gott. B. F. Köhler. 181. Der bunkelt fich, ein Mel. Ich finge dir mit Herz und zc. er hohe Himmel Wetter Gottes dräut. Ich bebe nicht, ich freue mich, ich freue mich, Gott, deiner Herrlichkeit! 2. Du zürnest, wenn du donnerst, nicht, du bist der Menschen Freund. Froh sei auch dann mein Angesicht, wenn uns dein Blizz erscheint! 3. Dem Sünder nur, der dich nicht kennt, dem bist du fürchterlich; dem aber, der dich Vater nennt, zeigst du als Vater dich. - 4. Gut ist für uns der Sonne Licht, gut für uns Tag und Nacht; auch lächelt uns dein Angesicht in deiner Blige Pracht. 5. Du reinigst durch den Blig die Luft, dein Regen fühlt die Saat, und deines Donners Stimme ruft: Seid rein von Missethat! 6. Doch wir sind Menschen, und du weißt, wie schwach wir, Vater, sind. Hilf, daß zur Tugend unser Geist stets neue Kraft gewinnt! 7. Laß frei das Herz von Aengsten sein, wenn uns dein 95 und Heil erwiesen in der Gefährlichkeit des Donners, der uns schreckte, des Blizzes, der sich streckte auf unser Haus und Hof. 2. Wir haben klar gesehen, Herr, deine große Macht, vor der nichts kann bestehen; denn wenn dein Donner kracht und sich dein Blizz entzündet, ach Gott! ach, so befindet sich Alles in Gefahr. 3. Das Wetter ist vergangen, vorbei ist die Gefahr; wir haben Schuß empfangen durch Gott, der bei uns war. Haus, Hof, Gut, Leib und Leben und was er sonst gegeben, blieb uns ganz unversehrt. 4. So voller Güt' und Gnaden ist der getreue Gott, der uns bewahrt vor Schaden in so sehr großer Noth. Drum wir ihn herrlich loben, sein Ruhm sei hoch erhoben, soweit der Erdkreis geht! 5. Laßt uns auch fertig machen, daß, wenn der jüngste Tag mit Donnern und mit Krachen vielleicht bald kommen mag, wir alle so bestehen, daß wir mit Gott eingehen zur ew'gen Seligkeit. M. Erdmann Neumeister. Sehr trockene Witterung. Mel. O Gott, du frommer Gott zc. Donner droht. Weg, bange 183. Qaß Suft und Wolken, Wir lieben dich, o Gott! J. K. Lavater. Mel. Baßt uns den Herren loben 2c. Gott, neuem uns auf Erden zu Zeugen deiner Huld und Vaterliebe werden! Was du befiehlst, ge= schieht. Ach, laß auch das gescheh'n, warum, Allmächtiger, wir heute zu dir fleh'n! 182. err Gott, nun sei gepriesen, daß du in dieser Zeit uns Schuß 96 2. Wir bitten findlich dich um deinen Vatersegen. Gib uns, o Vater, gib uns einen milden Regen! Staub ist jetzt unser Land, erstorben jede Flur; es schmachtet Feld und Thier, es trauert die Natur. 3. Wir sind zwar deiner Huld nicht werth; denn uns're Sünden entfernten uns von dir; doch laß uns Gnade finden! Vergib' uns uns're Schuld! thu' auf die milde Hand; wirf einen Vaterblick auf uns und unser Land! 4. Befeuchte Berg und Thal, erfrische uns're Felder! Dein Regen träufle sanft auf Wiesen, Gärten, Wälder! Das, was bisher gelechzt, erquicke, Herr, auf's neu', daß jede Creatur dir freudig dankbar sei! 5. Grgieß zugleich dein Wort, gleich einem milden Regen, auf unser träges Herz mit tausendfachem Segen! Der Fromme nur kann sich, Gott, deines Von der Witterung. - Sehr feuchte Witterung. Mel. Wo Gott der Herr nicht 2c. Segens freu'n; o laß uns alle 185. Gott, du kannſt an wahrer Tugend den Himmel ganz mit Wolken überziehen; doch müssen vor der Sonne Glanz Mel. Nun lob' mein Seel' den 2c. 184. Cin milder Regen fie, wenn du willst, entfliehen. Ach blieb' dein Regen jetzt zurück! Ach ließest du der Sonne Blick nun wieder uns erfreuen! 3. G. Schubert. 2. Mit Muth im Angesichte beschaut des Ackers Herr sein Feld. Erquickt hat Gott die Früchte, er, der Versorger seiner Welt. Dicht steht die Saat, die Nehren vom Mark der Erde voll, das seine Menschen nähren und sie erfreuen soll. Auf, preiset Gottes Milde! er ist's, der Regen schickt, und lechzendes Gefilde voll Vaterhuld erquickt. 3. Erhalter unsers Lebens, Gott, dem wir uns jetzt dankbar nah'n, dich flehten nicht vergebens wir in der Noth um Rettung an. Du sendest Thau und Regen, gibst milden Sonnenschein, du eilst, mit deinem Segen uns alle zu erfreu'n. Laß uns auch nicht vergebens in Zukunft zu dir nah'n, und nimm, o Quell des Lebens, dich unser ferner an! B. Münter. auf die dürre Flur. Wie labt fie sich, wie trinket ihn die verschmachtende Natur! Die sanf= ten Ströme fühlen der Lüfte weites Meer, und die Geschöpfe fühlen sich nicht mehr träg' und schwer. Gott spricht; das Seufzen schweiget, und Hiß' und Dürre flieh'n! Der Frommen Danklied steiget hinauf und preiset ihn. 2. Die Felder trauern überall, die Saat und Früchte leiden; des Regens überhäufter Fall erstickt der Fluren Freuden. Der Segen, den du uns gezeigt, der sich betrübt zur Erde neigt, ist nahe dem Verderben. 3. Gib uns, gib uns! liebreicher Gott, den heitern Schein Vom gemeinen Wohlstande. 97 der Sonne! Erfülle wieder| Macht und Pforten, und gib nach der Noth das bange Herz mit Wonne! So zeigst du uns nach deiner Treu', daß außer dir kein Segen sei im Himmel und auf Erden. N. Hermann. Mel. Nun laßt uns Gott 2c. 3. Hilf uns, Herr, auf allen * 186. Ertönt, ihr Freu- Seiten, wie im Unglück, ſo im denlieder, sie scheint, fie strahlt hernieder! Wir seh'n fie- welche Wonne, die lang verhüllte Sonne. Glück kämpfen, streiten und arbeiten wider Satans Lift und Tück', wider Fleisches Lust und Pracht, wider weltlich' Ehr' und Macht! Hilf uns, Herr, in allen Dingen, und laß alles wohl gelingen! 2. Gott! welche Sorgen lagen auf uns in jenen Tagen! Die Fluthen niedersanken, die Felder fast ertranten. 3. Dank dir, der unser Flehen, das hin zu deinen Höhen so sehnend drang, erhöret und Sonnenschein gewähret! 4. Erhalt' den Himmel heiter, und segne uns noch weiter! Laß uns mit frohen Händen die Ernte gut vollenden! 5. Wir wollen deine Güte mit fröhlichem Gemüthe, mit unserm ganzen Leben hoch preisen und erheben. genshand ist verloren Stadt und Land. Hilf uns, Herr, in allen Dingen, und laß alles wohl gelingen! deinem Häufelein und der ganzen Christenheit Liebe, Fried' und Einigkeit! Hilf uns, Herr, in allen Dingen, und laß alles wohl gelingen! 2. Hilf uns, Herr, an allen Orten, wo wir dein bedürftig sein; brich der Höllen 4. Hilf uns, Herr, aus allen Leiden in der letten Todesnoth, laß uns fahren hin mit Freuden, und durch deinen bittern Tod kommen in das Paradeis, uns zur Freude, dir zum Preis! Hilf uns, Herr, in allen Dingen, und laß alles wohl gelingen! 37) Bom gemeinen Wohlstande.. Mel. Werde munter, mein 2c. 187. ilf uns, Herr, in allen Dingen, daß wir unser Amt und Werk wohl anfangen und vollbrinMel. Nun freut euch, lieben 2c. gen! Gib uns Weisheit, Kraft 188. Aus deiner milden 5. Hilf uns, Herr, in legten Zügen, hilf; nach uns'rer Zuversicht laß uns ritterlich obsiegen und zu Schanden werden nicht! O Herr Jesu, deine Hand leist' uns Hülfe und Beistand, daß wir nach vollbrachtem Ringen Lob und Dank dir ewig bringen! Mart. Rinckart. Geber aller Gaben, muß jedes Volk und jedes Land des Segens Zufluß haben. Mit groBer Weisheit hältst du Haus, und breitest deine Wohlthat aus zum Flor und Glück der Völker. 7 Von gemeiner Noth. 98 38) Von gemeiner Noth. 2. Von dir stammt Kunst und Wissenschaft, wodurch die Länder blühen. Du schenkest Seuchen. Mel. In dich hab' ich gehoffet 2c. jeglichem die Kraft, ſich nütz- 189. fallen wir voll n unsern J lich zu bemühen; gibst jedem Amt, Beruf und Stand, dazu dein Rath ihn tüchtig fand, zum Besten mitzuwirken. Reu' und demuthvoll vor dir in unserm Jammer nieder; denn Seuch' und Tod umgibt uns, Gott, und würget unsre Brüder. 3. Du zeigst als milder Geber dich dem Volk' in jedem Lande, verknüpfst die Völker unter sich durch deines Segens Bande. Vom fernen Ost, vom fernen Nord strömt dei nes Segens Quelle fort zum Westen und zum Süden. 4. Du segnest auch des Künstlers Fleiß zum Nußen seiner Brüder. Was er nur Gutes kann und weiß, das kommt von dir hernieder. Was deine Huld uns zugewandt, das fließet stets aus Hand in Hand durch nützliche Gewerbe. 5. Herr, unser Gott, wir preisen dich mit dankbarem Gemüthe. Du herrschest unveränderlich mit Weisheit und mit Güte. Gieß deinen Segen ferner aus auf unsern Ort, auf jedes Haus zu deines Namens Ehre! 6. Hilf auch, daß jeder redlich sei in seinem Thun und Handel, rechtschaffen, brüderlich, getreu in seinem ganzen Wandel! Mit Lust, o Vater, wendest du dem Lande deinen Segen zu, das solch' ein Volk bewohnet. H. E. Heeren. 2. So viele sanken schon ins Grab, wie unerwartet schnell hinab. Wie ist um Hilf' uns bange! D schone noch, befrei uns doch von unserm Untergange! 3. Ach, Menschenhilfe rettet nicht. Wir haben keine Zuver sicht, als nur zu deiner Güte. Dem Tod, o Herr, gebeut, daß er nicht weiter schrecklich wüthe! 4. Wir glauben an den Sohn und dich; und darum schaue väterlich auf tiefge Denn du beugte Sünder! allein kannst uns befrei'n; errett' uns, deine Kinder! 5. Wir übergeben Volk und Land in deine treue Vaterhand, entferne jede Plage! Erquid' uns, Herr, Allmächtiger, gib wieder heit're Tage! 6. Doch willst du uns noch nicht befrei'n, so laß uns, Gott, geduldig sein, und dir uns ganz ergeben! Laß, sterben wir, uns dort vor dir in deiner Wonne leben! 7. Gib allen Sterbenden dein Heil, und laß sie, Gott, ihr beff'res Theil im Himmel nicht verlieren! Laß sie den Tod aus jeder Noth zu deinem Throne führen! Von gemeiner Noth. Theuerung. 8. Laß unser gläubiges Gebet, zu dir um Gnade fleht, bir, Bater, wohl 191. Drmen, Beherrscher Mel. Von Gott will ich nicht lassen 2c. u bester der gefallen, daß unser Dank und Lobgesang frohlockt: Gott hilft uns allen! aller Welt, du Vater voll Erbarmen, der alles trägt und hält, schau' her auf unsre Noth; erbarme dich der Deinen! Die Armen geh'n und weinen, und Mel. Ein Lämmlein geht zc. 190. Wir kommen, Helfer, schmachten, Herr, nach Brot. wende Gesang und Ruhm und Preis zu bringen; des ganzen Volkes lauter Dank soll, Retter, dir lobsingen. Du warst mit uns. In welcher Noth! Wir sahen überall den Tod, den Untergang uns drohen. Nun wüthet seiner Seuchen Heer durch unser Vaterland nicht mehr; sie sind vor dir entflohen. C. F. Unger, verändert d. J. A. Cramer. 2. Zu dir, du Menschenretter! schrien der Deinen bange Herzen. Du hörtest uns. Die Seuchen flieh'n, du heilest unsre Schmerzen. O du Erbarmer voll Geduld, nach unsrer Uebertretung Schuld hast du uns nicht gelohnet. Gezüchtigt, o wir preisen dich! gezüchtigt hast du väterlich, und väterlich geschonet. 99 3. Wir wollen, der du uns befreist, o Gott, dich ewig loben. Sei ewig, Vater, Sohn und Geist, von deinem Volk erhoben! Es bete dich, Erretter, an, und jauchze, wer nur danken kann, und diene deinem Namen, und rühme: Gott ist unser Gott! Frohlockt! Er hilft uns in der Noth! lockt ihm! Amen, Amen! FrohC. G. von Breitenau. der Zeiten schweren Lauf; thu' deine milden Hände, uns zu versorgen auf! Was irgend Leben hat, nährst du mit Wohlgefallen; nähr' uns auch, schaff uns allen bei unserm Mangel Rath! 3. Herr, der du uns erschufest, steh' uns mit Hilfe bei! Allmächtiger, du rufest dem Nichts, damit es sei. Zu helfen ist dir leicht. Du kannst dem Mangel wehren, in Ueberfluß ihn kehren, wenn's uns unmöglich deucht. 4. Die Früchte laß gerathen und deine Hilf uns seh'n, erquicke du die Saaten, so oft sie traurig steh'n! Herr, baue selbst das Land, tränk' es mit Thau und Regen, und füll' es an mit Segen aus deiner milden Hand! 5. Erhör' uns, Vater, kröne das Jahr mit deinem Gut, daß sich das Herz gewöhne zu wohlgefaßtem Muth! Lehr' es sich deiner freu'n, stets zutrau'n zu dir haben, und brauch nie entweih'n! deine Segensgaben durch Miß6. Allgütiger, wir hoffen auf dich und deine Treu'. Oft 7* 100 Von gemeiner Noth. hat uns Noth betroffen, und| verschwinden! Ach, Herr, da stand'st du uns bei. Sprich nur dein mächtig Wort! das wird den Mangel heben; wir werden froher leben, dich preisen hier und dort. dämpf' uns'rer Feinde Wuth, lösch' aus des Krieges wilde Glut, eh' fie uns ganz verzehret! P. F. Hiller, veränd. durch Schlegel. In Kriegszeiten. Mel. Wenn mein Stündlein 2c. 6. Errette das bedrängte Land, fieh' hilfreich anf uns nieder; gib deiner Gnade theures Pfand, gib uns den Frieden wieder, damit wir dir, von Angst befreit, die Opfer unsrer Dankbarkeit in sichern Tempeln bringen! 192. Der Gewand verheert er Krieg im blutigen die fruchtbar'n Auen, und Noth und Armuth drückt das Land, das wir vergebens bauen. Ach, aller Herz ist freudenleer, und keine Ruh' erquickt uns mehr; fie ist von uns gewichen. 2. Gefahr umgibt uns in der Nacht, und wächst mit je dem Tage; sind wir vom furzen Schlaf erwacht, so wacht auch unsre Plage. Der harten Krieger wilde Wuth droht uns mit Feuer und mit Blut, und niemand kann uns schützen. 3. Du kannst es, o Herr Zebaoth! es steht in deinen Händen, uns zu erretten, uns're Noth zu unserm Glück zu wenden. Du kannst dem Elend, das uns drückt, das dein Gericht uns zugeschickt, allein allmächtig steuern. 4. Es haben Lanzen, Spieß und Schwert, womit die Feinde drohten, schon oft in Sicheln sich verkehrt, sobald dein Wink geboten. Allmächtig bist du immer noch, ach, so gebeut, so hilf uns doch! Was du sprichst, muß geschehen. 5. Erlaß uns gnädig uns're Schuld, vergib uns uns're Sünden; trag' uns mit Langmuth und Geduld, laß allen 30rn 7. Regiere selber unsern Sinn, daß wir uns dir ergeben, der Lajter Bahn bedachtsam flieh'n, und stets nach Tugend streben! Wir lassen dich, Erbarmer, nicht, bis uns dein huldreich Angesicht zum Segen wieder strahlet. C.. Bimmermann. Nach einer Feuersbrunst. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen 2c. 193. Gott, deffen Wiacht des Feuers Kraft zum Segen und Verderben schafft, mit welcher schrecklichen Gewalt verwüstet es, wie leicht, wie bald! 2. Ach, manche Häuser hat's verzehrt, und mancher Armen Glück zerstört; auch dieß hat deine Hand gethan. Wir weinen, Herr, und beten an. 3. Wir weinen, doch verehren wir auch deine Huld; sie half auch hier und hielt der Flammen schnellen Lauf, der Uebrigen zu schonen, auf. 4. Mit unsern Brüdern seufzen wir in ihrem Jammer, Gott, zu dir! Laß sie nicht hilflos! tröste die, die du gebeugt hast, segne fie! 5. Wen du verschonst, ver Von gemeiner Noth. 101 gesse nicht der angenehmsten| dessen Allmacht uns erhält, Menschenpflicht, der Pflicht, Betrübte zu erfreu'n, barmherzig durch die That zu sein! auch dann uns schützt, wenn Angst und Noth in aufgethürmten Fluthen droht! Erhebet Gott! 6. Du kannst uns wieder segnen, Gott, in Heil verwandeln jede Noth. Untadelhaft, ja weis' und gut ist alles, was dein Wille thut. 7. Gib Unterwerfung und Geduld, und laß uns deiner Vaterhuld mit frommer Zuversicht vertrau'n, und stets auf deine Hilfe bau'n! 8. Schüß' unser ganzes Vaterland vor Mangel, Seuchen, Krieg und Brand! Gieb, weil du unser Vater bist, uns allen, was uns selig iſt! J. A. Cramer. Nach einer Ueberschwemmung. Mel. Gelobt seist du, Jesu 2c. 194. erhebt den Herrn der Welt, Gott B. Lieder in besonderer Beziehung auf den Inhalt der Predigten und anderer Religionsvorträge. - daher, 2. Wild brausend, immer wüthender wälzten Ströme fich daher, da stillte Gott des Sturmes Wuth, auf seinen Wink brach sich die Fluth. Erhebet Gott! Dasein, Vollkommenheit und Unendlichkeit Gottes überhaupt. Mel. Ich dank' dir schon durch zc. s lebt ein Gott, der 195. Gs Menschen liebt; ich seh's, wohin ich blicke, am Nebel, der den Himmel trübt, sowie am Sonnenblicke; 3. Bei uns'rer Furcht, bei unserm Schmerz sah sein väterliches Herz in der Gefahr, die auf uns herab. Erhebet Gott! uns umgab, erbarmungsvoll 4. O laßt uns seiner Huld uns freu'n, unser ganzes Herz ihm weih'n! Auch in dem schrecklichsten Gericht verläßt er uns als Vater nicht. Erhebet Gott! 3. C. Grot. - dessen Dasein und Vollkommenheit. 2. An jeder dunkeln Regennacht, wenn auch kein Stern mir leuchtet; am Monde, wenn er freundlich lacht und meinen Pfad erleuchtet. 3. Ich seh's, wenn Donnerwolken glüh'n und Berg und Wald bewegen; ich seh's, wenn fie vorüberzieh'n, am sanften, lieben Regen. 4. Nicht nur, wenn Frühlingslüfte weh'n durch Laub und junge Blüte, nicht nur, 102 Dasein, Vollkommenheit wenn reife Saaten steh'n, seh' ich des Schöpfers Güte. 5. Ich seh' sie auch, wenn tiefer Schnee die starre Flur bedecket, und brausend von des Himmels Höh' der Nord den Wandrer schrecket. 6. Ich sah sie heiter oft im Glück, in tausend, tausend Freuden; auch sieht sie mein bethränter Blick in kleinen, kurzen Leiden. 7. Es lebt ein Gott, der Menschen liebt; ich seh's, wohin ich blicke. Sei's, daß sich auch der Himmel trübt; es dient zu meinem Glücke. E. v. d. Eck. Mel. Allein Gott in der Höh' 2c. * 196. err Gott, du bist von Ewigkeit und bleibest sonder Ende; die Welt so groß, das Meer so breit sind Werke deiner Hände; des Himmels Bau, der Erde Last, und was du, Herr, geschaffen hast, zeugt uns von deinem Wesen. und Unendlichkeit Gottes. 4. Ach, aber wie entseglich blind sind Menschen, die doch sehen! Ja Menschen, die ver nünftig sind, verleugnen dich und schmähen: Wo ist der Herr? es ist kein Gott! Vermess'nes Wort, verruchter Spott, der aus der Hölle stammet! 2. Du bist voll Glanz und Majestät, voll Herrlichkeit und Stärke, und wer dein Wesen nicht versteht, dem zeigen deine Werke, daß du ein Herr der Herren bist und deine Macht unendlich ist im Himmel und auf Erden. 5. Zeigt euch denn nicht der Sonnen Licht, was euer Wahn bestreitet? Wer hat das Erdreich zugericht', den Himmel ausgebreitet? Wer hat der Sterne großes Heer, das tief und reich belebte Meer so wunderbar geschaffen? 6. Es muß ein großer Meister sein, ein Wesen, dem nichts gleichet, das diesem allen Glanz und Schein, Kraft und Be wegung reichet. Gewiß, wer dieses überlegt, dem wird sein steinern Herz bewegt, den wahren Gott zu glauben. 7. Ach, Gott, erwecke doch die Welt, die ganz im Argen lieget, dich und dein Wort verächtlich hält und Sünd' zur Sünde füget; du schlägest sie, sie fühlen's nicht; ach wenn sie doch dein Strafgericht noch zur Erkenntniß brächte! 3. Jch ehre dich in solcher Pracht im Herzen und mit Worten; mein Geist erwäget Tag und Nacht dein Heil an allen Orten; mein Mund bekennet Jedem frei, daß sonst 8. Ich glaube, Herr, du bist mein Gott, und will es Alle lehren, sollt' auch der fremden Kinder Spott sich noch darüber mehren; ich weiß gewiß, ich traue dir, du wirst noch ihnen und auch mir, daß du regierest, zeigen. Martin Günther. Mel. Nun danket alle Gott zc. ist, kein Gott und Herrscher set,* 197. ie herrlich 2 als du, den Gott, dein Dasein, Vollkommenheit und Unendlichkeit Gottes. 103 wandle meinen Weg, ich bin dein Schild und Lohn!" Nam' in allen Landen! Die| dein Herz, mein Sohn, und Himmel und ihr Heer sind durch dein Wort entstanden. Du sprichst, und es geschieht; gebeutst du, so steht's da. Auch mich riefst du ans Licht, und bist mit Huld mir nah. 2. Du bist der Gott der Kraft, dich preisen Erd' und Meere. Die Himmel ohne Zahl verkünden deine Ehre. Auch ich erhebe dich; mein Heil kommt nur von dir; du hörest auf mein Fleh'n, und sendest Hülfe mir. Mel. Komm', heil'ger Geist 2c. * 198. eliger Gott, vor 20 der Zeit war deine Macht und Herrlichkeit, und wird in Ewigkeit bestehen, wenn Welten untergehen. Be= seligt fühlet sich mein Geist, so oft er deinen Namen preist. | Wie töstlich ist mir's, dir lobsingen, dir danken, Herr, dir Ehre bringen! Halleluja! 2. Groß ist dein Name, wunderbar, du, der da ist und der da war! Wer kann sich bis zu dir erheben, dein Antlig schau'n und leben? Kein Bild ist, das dir, Höchster, gleicht, soweit auch deine Schöpfung reicht. Du bist ein Geist; nur Geister können dich fühlen und dich Vater nennen. Halleluja! 3. Du bist's allein, Herr, dem kein Tod durch alle Ewigkeiten droht. Kein And'rer konnte ja dir Leben, du Lebensurquell, geben. Du bist durch dich; dein Dasein ist ein Strom, der unversieglich fließt, die Fülle aller Seligkeiten in deinen Welten zu verbreiten. Halleluja! 4. Allwissender Gott, helles Licht umstrahlt dein göttlich Angesicht! Du bist's, der Alles kennt und siehet; nichts ist, was dir entfliehet. In die Vergangenheit zurück schaust du mit sonnenhellem Blick; und was die Zukunft einst erfüllet, das liegt schon deinem Aug' enthüllet. Halleluja! 3. Schau' ich die Himmel an, die du, Herr, ausgebreitet, der Sonne Glanz und Pracht, den Mond, den du bereitet: Was ist der Mensch vor dir, daß du, Herr, sein gedenkst, und ohne Unterlaß uns Heil und Segen schenkst! du 4. Bald theilst du Glück mir| zu, bald Leiden, die mich üben, und meiner Tage Zahl ist in dein Buch geschrieben; dachtest gnädig mein, eh' ich in's Leben kam; sahst mich, eh' diese Welt noch ihren Ursprung nahm. 5. Was Leib und Seel' erquickt, das schenkst du gnädig allen, und sättigst, was da lebt, mit Freud' und Wohlgefallen. Du gibst den Schwachen Kraft und den Beladnen Ruh', und deckest un'fre Schuld um Christi Willen zu. 6. Was frag' ich außer dir nach allem Glück der Erde, wenn ich nur deiner Huld, o Gott, versichert werde! Wie sanft ist dein Gebot: ,, Gib mir 104 Dasein, Vollkommenheit und Unendlichkeit Gottes. 5. Herr, was dein Wille uns gebeut, ist Wahrheit und Gerechtigkeit. Nie kann dein weiser Rathschluß fehlen, das Beste stets zu wählen. So oft ich dir auf deiner Bahn von ferne nachseh', bet' ich an; und fromme Zuversicht im Leiden erfüllt mein Herz mit sanften Freuden. Halleluja! 6. O seliger Geist, führe du uns deinem Lichte wieder zu, die du nach deinem Bilde schufeft, in Christo uns berufest! welche Seligkeit, welch' Heil wird unser aller Erb' und Theil, wenn wir im Sohn dich recht erkennen, und gläubig unsern Vater nennen! Halleluja! 6. Du wunderbarer Gott, so weit die Himmel gehen, kann ohne deinen Wink nichts da sein, nichts bestehen! Wo ist ein Gott, wie du, Herr, dessen Arm die Welt, die er allmächMeL nun danket alle Gott 2c. 199, Wo ist ein Gott, wie tig schuf, mit gleicher Macht du? erhält? wir fallen anbetend nieder. C. C Sturm. Mel. Es wolle Gott uns gnädig sein 2c. Gott, von den Geschöpfen allen,* 200. meine Seel, vereinten Chor der jubelvolle Dank zu deinem Thron empor. 2. Dein Scepter lenkt die Welt; du bist ihr Herr und König. Nichts ist in ihr so groß, es ist dir unterthänig. Dein Auge übersieht der Zukunft dunkle Nacht. Nichts ist, und nichts geschieht, du hast's zuvor bedacht. 4. Betrachte, Mensch, die Flur, die Aue, wie sie blühet! Sprich, ob dein Blick nicht Gott in jeder Blume siehet? Er schmückt das Aehrenfeld, das dich zur Ernte winkt. Er zeugt den Thau, den es, sich zu erquicken, trinkt. 5. Durch Gott fließt jeder Bach, der dich erquickt, so helle; er zeigt ihm seinen Weg, er unterhält die Quelle. Und seine Vorsicht spricht aus jeder Creatur, aus jedem stummen Bild der lächelnden Natur. 3. Durch dich bleibt jeder Theil, durch dich besteht das Ganze; du bist im Engel groß, und groß in jeder Pflanze. Nichts ist, nichts lebt, nichts denkt, es denkt und lebt und ist durch dich, der du sein Gott und sein Erhalter bist. mit Andacht zu betrachten, wie Gott hat offenbaret sich, und wie man ihn soll achten, daß er der Allerhöchste ist im Himmel und auf Erden, und soll, gerühmt zu jeder Frist, auch angerufen werden als Ursprung aller Dinge. 2. Gott, du bist einig und für, nichts sind der Heiden Götter; fein Heil und Trost ist außer dir, kein Helfer noch Er retter. Laß mich, o Herr, auf dich allein von ganzem Herzen trauen, dir inniglich ergeben sein, auf niemand anders bauen, dir, Gott, allein anhangen! 3. D Herr, mein Gott, du bist Dasein, Vollkommenheit und Unendlichkeit Gottes. ein Geist, und theileft bei uns allen an Gaben aus, was geistlich heißt, nach deinem Wohlgefallen. Laß mich stets geistlich sein gesinnt, daß wenn ich vor dich trete, ich deine Kraft in mir empfind', und dadurch dich anbete im Geist und in der Wahrheit! 4. Du bist, o Gott, von Ewigkeit, ohn' Anfang und ohn' Ende; gib, daß mein Herz von aller Freud' des Zeitlichen sich wende, auf daß ich möge immerdar d'rum bitten und d'rauf denken, weil alles hier ist wandelbar, das du mir dort wollst schenken ein unvergänglich Erbe! 5. O Gott, du bist an jedem Ort, weit über alle Sinnen; ob einer ist hier oder dort, wird er dir nicht entrinnen. Laß mich nicht zweifeln, wo ich sei, du könn'st dich mein annehmen; auch was ich thu', laß mich dabei der Sünd' mich vor dir schämen, und überall dich fürchten! 6. Unendlich ist, Herr, deine Macht, zu retten, die dich lieben, und, wenn der Frevler dich verlacht, die Rache auch zu üben. Gib, daß sich deiner Allmacht Schutz stets über mich erstrecke, mich auch nicht Men= schen Grimm und Truß, nur deine Straf' erschrecke! Leib, Seele fannst du tödten. 105 werf' meine Sorgen, auch Uebels weder denk' noch thu', denn dir ist nichts verborgen; du prüfest Herz und Nieren. 7. Voll höchster Weisheit bist du, Gott, niemand fann fie ergründen; wie groß und schwer auch sei die Noth, weißt du doch Rath zu finden. Gib, daß ich dir stets traue zu, auf dich 8. Gott, du bist heilig und gerecht, du kannst die Sünd' nicht leiden; wer sagen will, er sei dein Knecht, der muß das Böse meiden. Gib, daß ich mich zu jeder Zeit der Heiligkeit befleiße, nachjage der Gerechtigkeit, auch dein Gericht gutheiße, ob ich's schon nicht begreife! 9. Du bist sehr gnädig, fromm und gut, willst nicht den Tod der Sünder, erbarmst dich, wie ein Vater thut, von Herzen deiner Kinder. Herr, laß von deiner Lieb' und Gnad' mich allweg Trost bekommen, von mir auch meine Missethat so fern sei hingenommen, als Morgen ist vom Abend! 10. Gott, deine Wahrheit stets besteht; o wohl dem, der dir gläubet! Der Himmel und die Erd' vergeht, dein Wort, Herr, ewig bleibet. Gib, daß ich fürchte dein Gericht, und alles, was du drauest, auch hoffe, was dein Wort verspricht, und du mir gern verleiheſt! Hoffnung wird nicht zu Schanden. 11. Allselig bist du, Gott, ind frei, du thust, was dir beliebet. Du bist ein milder Herr dabei, der reichlich Gutes giebet. Laß mich mit dem zufrieden sein, was ist dein heil'ger Wille, gib auch, daß ich von dir allein und deiner Gnadenfülle erwarte All's in Allem! 12. Gott! wenn ich dich so kenn' und ehr', dein Wort zum 106 Dasein, Vollkommenheit und Unendlichkeit Gottes. Grunde sebze, kann ich mich| gibt und nimmt, der unsern d'rob erfreuen mehr, als über alle Schäße, bis ich dich dort, o wahres Licht, ohn' Lallen werde nennen, von Angesicht zu Angesicht anschauen und erkennen, und ohn' Aufhören loben. 13. Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist, der du auch willst auf Erden von mir und allen sein gepreist, laß deinen Ruhm groß werden! Verleih' mir Gnade, Kraft und Stärk', daß ich zu allen Zeiten, Herr, deinen Namen und dein Werk könn' mehr und mehr ausbreiten, so lang' ich leb' auf Erden! Dr. Justus Gesenius. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 201. Anbetungswürdiger, dem schüßzet. Den Geist, der in uns lebt, den haben wir von dir; willst du, so wird er nichts. Doch du bleibst für und für. 5. Was wir, Unendlicher, von deinem Wesen wissen, das hast du selbst zuvor uns offenbaren müssen. Die Schöpfung zeugt von dir, und deines Sohnes Mund macht uns im hellern Licht, Gott, deine Hoheit kund. 3. Du sprichst, und es geschieht. Auf dein allmächtig Werde! entstand dein großes Werk, der Himmel und die Erde. Dein kräft'ger Will', o Herr, erhält die ganze Welt, und deine Macht vollführt, was deinem Rath gefällt. 4. Du bist es, der allein Voll kommenheit besißet, der Leben 6. Doch hier erkennen wir dich nur sehr unvollkommen; wird aber dermaleinst der Vorhang weggenommen, der dich Unendlicher, noch unserm Blick verschließt, dann sehen wir dich, Gott, so herrlich, wie du bist. zu nennen! du bist unendlich mehr, als wir begreifen können. O flöße meinem Geist die tiefste Demuth ein, und laß mich stets vor dir voll Ehrerbietung sein! 7. Doch sei auch hier von uns dein hoher Ruhm besun gen! Verschmäh' ein Loblied nicht von schwacher Kinder Zungen! Dort soll, wenn wir dereinst vor dir verherrlicht steh'n, ein beff'rer Preisgesang dich, Ewiger, erhöhn! 2. Du schufft, was noch nicht war, um tausend Seligkeiten auf's mannigfaltigste rings um dich zu verbreiten. Nambach, veränd. durch Diterich. In eigener Melodie. Die Liebe biſt du ſelbſt; Ver 202. Gott ist mein Lied; stand und Rath ist dein, und du gebrauchst sie gern, zu segnen, zu erfreu'n. er ist der Gott der Stärke; Herr ist sein Nam', und groß sind seine Werke, und alle Himmel sein Gebiet. 2. Er will und spricht's, so sind und leben Welten, und er gebeut, so fallen durch sein Schelten die Himmel wieder in ihr Nichts. 3. Licht ist sein Kleid, und feine Wahl das Beste. Er herrscht als Gott, und seines Thrones Feste ist Wahrheit und Gerechtigkeit. Vollkommenheit, Unendlichkeit und Einheit Gottes. 107 4. Unendlich reich, ein Meer| führst uns auf grüne Weiden, voll Seligkeiten, ohn' Anfang und Nacht und Tag und Korn Gott, und Gott von ew'gen und Wein und Freuden emZeiten, Herr aller Welt! wer pfangen wir aus deiner Hand. ist dir gleich? 5. Was ist und war, im Himmel, Erd' und Meere, das fennet Gott, und seiner Werke Heere sind ewig vor ihm offenbar. 14. Kein Sperling fällt, Herr, ohne deinen Willen. Sollt' ich mein Herz nicht mit dem Troste stillen, das deine Hand mein Leben hält? 15. ft Gott mein Schuß, will Gott mein Retter werden, so frag' ich nichts nach Himmel und nach Erden, und biete selbst der Hölle Truß. C. 8. Gellert. Hiervon handelt auch No. 14 und 17. 6. Er ist um mich, schafft, daß ich sicher ruhe; er schafft, was ich vor oder nachmals thue, und er erforschet mich und dich. 7. Er ist dir nah', du sißest oder gehest, ob du an's Meer, ob du gen Himmel flöhest, so ist er allenthalben da. 8. Er kennt mein Fleh'n und allen Rath der Seele; er weiß, wie oft ich Gutes thu' und fehle, und eilt, mir gnädig beizusteh'n. 9. Er wog mir dar, was er mir geben wollte, schrieb auf sein Buch, wie lang ich leben follte, da ich noch unbereitet war. 10. Nichts, nichts ist mein, das Gott nicht angehöre. Herr, immerdar soll deines Namens Ehre, dein Lob in meinem Munde sein! 11. Wer kann die Pracht von deinen Wundern fassen? Ein jeder Staub, den du hast werden lassen, verkündigt seines Schöpfers Macht. 12. Der kleinste Halm ist deiner Weisheit Spiegel. Du Luft und Meer, ihr Auen, Thal und Hügel, ihr seid sein Loblied und sein Psalm. 13. Du tränfst das Land, Einheit Gottes. Mel. Allein Gott in der Höh' 2c. 203. Der Herr ist Gott, und keiner mehr. Frohlockt ihm, alle Frommen! Wer ist ihm gleich? wer ist, wie er, so herrlich und vollkommen? Der Herr ist groß. Sein Nam' ist groß. Er ist unendlich, grenzenlos in seinem ganzen Wesen. 2. Er ist und bleibet, wie er ist. Wer strebet nicht vergebens, ihn auszusprechen? Wer ermißt die Dauer seines Lebens? Wir Menschen sind von gestern her; eh' noch die Erde war, war er, noch eher, als der Himmel. 3. Des Ew'gen Thron umgibt ein Licht, das ihn vor uns verhüllet. Ihn fassen alle Himmel nicht, die seine Kraft erfüllet. Er bleibet ewig, wie er war, verborgen, und nur offenbar in seiner Werke Wundern. 4. Wo wären wir, wenn seine Kraft uns nicht gebildet 108 Einheit Gottes; Dreieinigkeit. hätte? Er kennt uns, fennet,| mel Heer, und nennt ihn Gott was er schafft, der Wesen ganze Kette. Bei ihm ist Weisheit und Verstand und Kraft und Stärke; seine Hand lenkt alle Sonnenheere. der Stärke? Du warst, und deiner Allmacht Ruf hieß Erd' und Himmel werden. Bekennt es, Völker! die er schuf: im Himmel und auf Erden ist feiner seines Gleichen! 5. Ist er nicht nah'? Ist er nicht fern? Weiß er nicht alle Wege? Wo ist die Nacht, da sich dem Herrn ein Mensch verbergen möge? Die Finsterniß ist vor ihm Licht; Gedanken selbst entfliehn ihm nicht in ihrer ersten Bildung. 6. Wer schüßt den Weltbau ohne dich, o Herr! vor seinem Falle? Allgegenwärtig breitet sich dein Segen über alle; du bist voll Freundlichkeit und Huld, barmherzig, gnädig, voll Geduld, ein Vater, ein Verschoner. 7. Unsträflich bist du, rein und gut, ja reiner als die Sonne. Wohl dem, der dei nen Willen thut! Denn du vergiltst mit Wonne. Du hast Unsterblichkeit allein, bist selig und wirst ewig sein der Seligfeiten Quelle. 8. Du nur bist würdig, Lob und Dank zu nehmen, Preis und Ehre. Kommt, werdet Gottes Lobgesang, ihr alle seine Heere! Der Herr ist Gott, und keiner mehr. Wer ist ihm gleich? wer ist wie er, so herrlich, so vollkommen? I. A. Cramer. Mel. Es wolle Gott uns gnädig sein 2c. * 204. 2 er ist dir gleich, 2. Der Sterne unzählbares Heer, die hoch am Himmel schweben, der Erde Grund, die Luft, das Meer, und die in ihnen Leben; wie preiset ihre Harmonie dich, o du Geist der Geister! Mit welcher Eintracht rufen sie: der Schöpfung Herr und Meister ist Einer! ist Je hova! 3. Sinkt in den Staub hin, betet an! Jehova ist der Höchste. Er ist's allein, und keiner kann ihm gleich sein noch der nächste. Gott spricht: ich bin allein der Herr! ich bin, ich war, ich werde sein, der ich bin; kein anderer im Himmel, auf der Erde hat meinen Ruhm und Namen. Wer thut, Gott, deine Werke? 4. Und ewig bleibst du mir allein der Gott, an dem ich hange, und ewig soll's kein andrer sein, von dem ich Heil verlange! Mein ganzes Leben weih' ich dir, mein Gott! auf den ich traue; und weiß gewiß: einft zeigst du mir, wenn ich dein Antlitz schaue, dich mehr in deiner Größe. B. Münter. Dreieinigkeit. Vgl. M. 81 und 84. Die vorige Melodie. bu Ginziger? 205. ist bir gleich? Du He du err, wer Wem jauchzet sonst der Him- bist das höchste Wesen; und Dreieinigkeit; Ewigkeit Gottes. 109 uns einst dahin erheben, wo wir dich ewig schauen. doch haft du, an Gnade reich, wirst nach vollbrachter Zeit uns dir zum Dienst erlesen. Vereinigt sollen wir mit dir, durch deiner Güter Gaben der Menschheit hohes Glück schon hier und einst im Himmel haben, du Quelle alles Segens! L. A. Gotter, veränd. durch Diterich. 2. Wir beten dich, o Bater, 206. Ch 206. an. Sind wir gleich vor dir Sünder, so nimmst du dich doch unser an, wie Väter ihrer Kinder. Du hast für uns aus großer Huld selbst deinen Sohn gegeben. Dein Herz, voll Güte und Geduld, verleih' uns Trost und Leben, daß wir dich kindlich fürchten! 3. Jesu, ew'ger Gottessohn! Du Heil, darauf wir hoffen! Durch dich steht zu des Vaters Thron der Weg uns wieder offen. Uns zu befrei'n von Sünd' und Tod, kamst du zu uns auf Erden. O laß uns, unser Herr und Gott! froh deines Segens werden, und dir im Glauben dienen! 4. O heil'ger Geist, du Geist von Gott, wehr' in uns dem Verderben! Im Glauben an des Mittlers Tod hilf uns der Sünde sterben! Du gibst zum Guten Luft und Kraft, laß es uns stets erfahren; stärk' uns in uns'rer Pilgrimschaft, bewahr' uns vor Gefahren, hilf uns dir willig folgen! 5. Laß, Gott, uns dein auf Erden schon, als unsers Gottes, freuen! Herr, segne uns von deinem Thron, daß wir vor dir gedeihen! Dein ist das Reich, die Herrlichkeit. wollen wir hier leben; und du Dir Ewigkeit Gottes. Mel. Allein Gott in der Höh' zc. Grhaben über Welt und Zeit, lebst du, Gott, ohne Schranken, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Wie staunt bei dem Gedanken mein ganzer Geist bewundrungsvoll! Ich weiß nicht, wie ich's fassen soll: du bist und bleibest ewig. 2. Noch ward von keiner Sonne Licht durch deine Welt verbreitet; die Himmel jauchzten dir noch nicht, durch dich noch nicht bereitet; noch war das Trockne nicht; kein Meer strömt' an der Berge Gründen her; du aber warst schon ewig. 3. Ja, du bist ewig, stirbest nie, bleibst immer meiner Seele der starke Fels, den ich für sie zur sichern Zuflucht wähle. Denn deine Gnad' und Wahrheit ist so ewig, als du selber bist. Heil mir, daß ich dir traue! 4. Mein Leib ist sterblich, nicht mein Geist; den will ich dir vertrauen; dein Wort, das Wahrheit ist, verheißt: er soll dein Antlig schauen. Auch ruht mein Leib nur kurze Zeit; am Erntetag der Ewigkeit wirst du ihn auferwecken. 5. O wohl mir, wenn ich nun schon hier nach ew'gen Gütern strebe, und dir, o Ewiger, nur dir zum Wohlgefallen lebe! Dann hab' ich auch an deinem Heil mit allen From 110 Ewigkeit Gottes. men ewig Theil, und jauchze| mit Lust mich in guten Werdir auf immer. ken übe; dann, o Herr! wird's meiner Seelen nie an wahren Freuden fehlen. 6. Deine Worte trügen nicht; du bist ewig der Getreue, der das hält, was er verspricht; gib, daß ich mich dessen freue! Laß mich deinen Geist stets treiben, dir, Herr! auch ge treu zu bleiben! 6. Olehre mich hier in der Zeit, die du mir noch wirst schenken, der seligen Unsterblichkeit mit allem Ernst gedenten! Sie sei mein Trost, mein höchstes Gut, sie stärke mich mit Kraft und Muth, gerecht vor dir zu leben! B. Münter, veränd. durch Diterich. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier zc. * 207. Gott, ott, du bist von Ewigkeit, und dein herrlich großes Wesen ändert sich zu keiner Zeit; du bleibst stets, was du gewesen. Laß dieß meinen Geist be leben, ehrfurchtsvoll dich zu erheben! 2. Ewig und unwandelbar ist, o Gott! dein hohes Wissen; was dir einmal Wahrheit war, wird es ewig bleiben müssen. Niemals kann dein Ausspruch fehlen; laß mich ihn zur Richtschnur wählen! 3. Herr! du bist kein Menschenkind, daß dich etwas reuen sollte; immer bleibst du gleich gesinnt, und was je dein Rathschluß wollte, weiß dein mächtiges Regieren herrlich auch hinauszuführen. 4. Sünden bist du ewig feind; wehe denen, die sie lieben! Ewig bleibst du derer Freund, die, was recht und gut ist, üben. Lehre mich in allen Dingen treulich meine Pflicht vollbringen! 5. Stets ist Wohlthun deine Lust, ewig währet deine Liebe. Wohl mir, wenn ich auch 7. Mag die Welt dann einst vergeh'n; mag mich alles ganz verlassen; du, mein Fels, bleibst ewig steh'n. Deine Huld wird mich umfassen, wenn ich einst von hinnen scheide. Ewig bist du meine Freude. 3. A. Cramer. Mel. Mach's mit mir, Gott zc. * 208. He err, deine Allmacht reicht so weit, als selbst dein Wesen reichet. Nichts ist, was deiner Herrlichkeit und deinen Thaten gleichet. Es ist tein Ding so groß und schwer, das dir zu thun unmöglich wär'. 2. Du hast dieß große Weltgebäu allmächtig aufgeführet; es zeugen Erd' und Himmel frei, daß sie dein Arm regie ret. Dein Wort, das sie geschaffen hat, ist ihnen an der Pfeiler Statt. 3. Die Menge deiner Wunder zeigt, daß, Schöpfer, dein Vermögen weit über die Gesetze steigt, so die Natur bewegen. Du haft gemacht der Ordnung Band und hebst es auf durch deine Hand. 4. Die Größe deiner Wundermacht, die Christum auferwecket, der todt ward in das Allgegenwart und Allwissenheit Gottes. 111 3. Wenn ich in stiller Einsamkeit, mein Herz an dich ergebe, und über deine Huld erfreut, lobsingend dich erhebe, 5. O welche Wunder deiner so hörst du es und stehst mir bei, Macht wird unser Aug' einst daß ich dir immer treuer sei. sehen, wenn nach der langen 4. Du merkst es, wenn des Todesnacht die Leiber aufer- Herzens Rath verkehrte Wege stehen, wenn du des Leibes armen Rest mit Herrlichkeit umkleiden läßt! wählet; und bleibt auch eine böse That vor aller Welt verhehlet, so weißt du sie und strafest mich zu meiner Beff'rung väterlich. Grab gebracht, wird kund und aufgedecket, wenn unsers blöden Glaubens Licht durch alle Nacht der Zweifel bricht. 6. O Allmacht, mein erstaunter Geist wirft sich vor dir zu Boden; Herr, der mit Recht ein König heißt von ebenden und Todten, mach' mich zum Zeugen deiner Kraft, die aus dem Tode Leben schafft! 7. Ach zünd' in mir den Glauben an, der einzig an dir hange, daß mein Herz muthig werden kann, indem ich dich umfange, und traue deiner Gotteskraft, die alles kann, die alles schafft! Nach Joh. Jac. Nambach. 5. Auch meine Bitten hörest du, daß Hilfe mir erscheine; voll Mitleid, Vater, zähleft du die Thränen, die ich weine; | du siehst und wägest meinen Schmerz, und stärkst mit deinem Trost mein Herz. 6. O drück' Allgegenwärtiger, dieß tief in meine Seele, daß, wo ich bin, nur dich, o Herr, mein Herz zur Zuflucht wähle, daß ich dein heilig Auge scheu', und dir zu dienen eifrig sei! 7. Laß überall gewissenhaft nach deinem Wort mich hanie bist du, Höch- deln, und stärke mich mit deiner Kraft, vor dir getrost zu wandeln! Herr, du bist um mich; o verleih, daß mir dieß Trost und Warnung sei! C. C. Sturm, veränd. d. Bruhn. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 210. Herr, du erforscheft mich, dir bin unverborgen; du kennst mein ganzes Thun und alle meine Sorgen. Was meine Seele denkt, war dir bereits bekannt, eh' der Gedanke noch in meiner Seel' entstand. Allgegenwart und Allwissenheit Gottes. Mel. Mach's mit mir, Gott 2c. 209. Niefter, von uns fern; du wirkst an allen Enden. Wo ich nur bin, Herr aller Herr'n, bin ich in deinen Händen. Ich leb' und athme nur durch dich; denn deine Rechte schüßzet mich. 2. Auch was ich denke, kenneft du, du prüfest meine Seele; du siehst es, wenn ich Gutes thu', du siehst es, wenn ich fehle. Nichts, nichts kann deinem Aug' entflieh'n, und nichts mich deiner Hand entzieh'n. 112 Allgegenwart und Allwissenheit Gottes. 2. Nie spricht mein Mund| folgen und dein Lob, so gut ein Wort, das du, o Herr, ich kann, erhöh'n. nicht wüßtest. Du schaffest, was ich thu'; du ordnest, du beschließest, was mir begegnen soll. Erstaunt seh' ich auf dich: wie groß ist dein Verstand! wie wunderbar für mich! 3. Wohin, wohin soll ich vor deinem Geiste fliehen? wo ich wol mich beinem Aug' entziehen? Führ' 211.11bünst du dich, mein Mel. Aus tiefer Noth schrei' ich zc. msonst, verhüllst ich gen Himmel auf, so bist du, Höchster, da; führ' ich zur Tief' hinab, auch hier bist du mir nah. Herz, in Finsternisse. Was kann ich Gott verbergen? ich? das er nicht alles wüßte. Sei dunkler, als das dunkle Grab, das Auge Gottes schaut hinab, und kennet deine Tiefen. 4. Nähm' ich auch, schnell zu fliehn, die Fittige vom Morgen, selbst an dem fernsten Meer blieb' ich dir nicht verborgen. Auch da umschlösse mich doch deine Allmachtshand; denn du bist überall, und dein iſt jedes Land. 5. Wollt' ich in Finsterniß mich deinem Aug' entziehen, so sucht' ich doch umsonst, auch da dir zu entfliehen; die dickste Finsterniß ist vor dir helles Licht; die Nacht glänzt wie der Tag vor deinem Angesicht. 6. Du wähltest schon mein Loos, eh' ich mich selber kannte; du bildetest mein Herz, eh' es dich, Schöpfer, nannte; ich danke dir, daß du mich wunderbar gemacht, und meiner, eh' ich war, schon väterlich gedacht. 7. Wie herrlich sind vor mir des Ewigen Gedanken! Unzählbar sind sie mir; denn sie sind ohne Schranken. Mit Ehrfurcht will ich stets auf dich, mein Schöpfer, seh'n, dir 8. Erforschen lehr' mich, Gott, und prüfen, wie ich's meine, ob ich der wirklich bin, der ich zu sein mir scheine! Und wenn mein Fuß vielleicht sich einem Frrweg naht, so leite mich zurück auf eb'nen bessern Pfad! 2. Wo ist die Nacht der Einsamkeit, de mich vor ihm verhehle? Er sieht euch schon, eh' ihr noch seid, Gedanken meiner Seele, eh' ich euch selbst empfinden kann, von eurer ersten Bildung an, bis ihr euch ganz entfaltet. 3. Er fennet und erforschet euch, wenn ihr schon euch entziehet; bemerkt euch, wenn ihr Strahlen gleichschnell aufsteigt, schnell entfliehet. Vergebens wünsch' ich: weicht! vergeht! ich haff' euch! Aufgezeichnet steht ihr all' in seinem Buche. 4. Der Herr gedenket ihrer noch, wenn sie auch mir verschwinden. Sie bleiben, und ich träume doch, als wären's keine Sünden. Sie alle müssen an das Licht, wenn Gott kommt, daß er im Gericht der Herzen Rath enthülle. 5. Dann wird das Siegel Weisheit Gottes. seines Buchs vor aller Welt gebrochen, das Urtheil des verdienten Fluchs Gedanken selbst gesprochen. Wo ist die Nacht, die sie verhehlt? Der Richter hatte sie gezählt, nicht einer ist vergessen. J. A. Cramer. Weisheit Gottes. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. * 212. Du u weiser Schöpfer aller Dinge, der alles kennet und versteht! nichts ist so groß, nichts so geringe, das nicht nach deiner Weisheit geht. Sie ist's, die deine große Welt, in ihrer Ordnung noch erhält. 2. Die vielen wundervollen Werke, was unsern Augen fern und nah, steht alles, wie durch deine Stärke, so auch durch deine Weisheit da. Unendlich, Herr, ist dein Verstand; der ganze Weltbau macht's bekannt. 3. Mit eben diesen Meisterhänden, mit welchen du die Welt gemacht, regierst du auch an allen Enden, was deine Huld hervorgebracht; du brauchst, o unerschaffnes Licht, des Men schen Rath und Beistand nicht. 4. Was du zu thun dir vorgenommen, krönt auch, so bald du willst, die That; wenn tausend Hindernisse kommen, so triumphirt dein hoher Rath. Den besten Zweck wählt dein Verstand; die Mittel steh'n in deiner Hand. 113 nie verfehlt, und aller Feinde stolzen Wahn als Unvernunft beschämen kann. 6. Weisheit, decke meiner Seele des Eigendünkels Thorheit auf, daß sie zur Führerin dich wähle in dieses Lebens ganzem Lauf! Ich weiß den Weg zur Wohlfahrt nicht; drum leite mich dein sich'res Licht! 7. Du hast mich durch mein ganzes Leben bisher auf's Weisefte geführt. Ja, dir muß ich die Ehre geben, daß du auf's Beste mich regiert. O leite mich durch Welt und Zeit hinüber in die Ewigkeit! 3. I. Rambach. 5. Die Menge so verschiedner Willen, wo jeder seinen Zweck sich wählt, muß deinen Willen doch erfüllen, der seines Zieles mel. Viebster Vater, ich dein 2c. * 213. Laſſet nur ben weisen Gott nach Belieben machen, überlaßt ihm eure Noth und verworr'ne Sachen; seine Weisheit weiß ja wohl, wenn sie Hülfe geben, wo und wie sie rathen soll in dem ganzen Leben. 2. Schreibt dem weisen Gott nicht für Stunden, Zeit und Maße; fraget nicht mit Ungebühr, was er thu' und lasse! Er fängt ja nicht heute an, erst für euch zu sorgen; alles, was euch nüßen kann, ist ihm unverborgen. 3. Was der weise Gott nur thut, was er schafft auf Erden, das muß uns gewißlich gut und ersprießlich werden; gingen gleich die Sachen nicht, wie ſie gerne wollten, und wie sie nach unserm Licht etwa gehen sollten. 4. D'rum, allweiser Gott, 8 114 Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes. dir sei Alles heimgestellet; leite| versicht, wirst ihre Treu' vermich nach deiner Treu', wie es dir gefället! Geht es mir gleich wunderlich hier auf dieser Erden, laß mich nur, ich bitte dich, endlich selig werden! gelten. Ihr Lohn verwelket ihnen nicht, erblüht in bessern Welten. In deinem Lichte, wo du wohnst, entdeckst du künftig und belohnst, verherrlichst, was fie thaten. Alb. Knapp. 6. Oft scheint, so lang' er Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes. athmet, Glück vom Sünder nicht zu weichen; doch noch im Mel. Allein Gott in der Höh' 2c. 214. Du bist, o Gott, ge- letzten Augenblick kann ihn dein recht, du uns heilige Geseße, und willst, weil du, was gut ist, liebst, daß keiner sie verlege. Dein Wort und unser Wohl erklärt uns deiner Rechte hohen Werth. Sei, Herr, dafür gelobet! Arm erreichen. Dein heiliges Gericht erfüllt, was du gedroht hast, und vergilt ihm nun nach seinen Sünden. 2. Was du befiehlst, machst du auch leicht durch Antrieb, durch Vermögen. Wer nicht von deinem Rechte weicht, den krönt auch Glück und Segen. Wir preisen dich, daß du verdammst, was bös ist, daß du uns entflammst, was unrecht ist, zu haffen. 7. Wie sollt' ich darum Unrecht thun, weil der Verbrecher Strafen hier oft wie ferne Stürme ruh'n, hier nicht ihr Haupt schon trafen? Ach immer bleibest du gerecht; daran erinn're deinen Knecht, daß er dich immer fürchte! 3. Was lobenswürdig ist und nüßt, gebeutst du deinen Knechten, und deine Huld belohnt und schüßzt die Thaten der Ein Segen, den 8. Herr, diese Furcht ergreife mich, wenn mich die Sünde locket, eh' meine Seele sorglos sich verschlimmert und verstocket! Der Tugend Lohn und Ruhm von dir erhalte Trieb und Kraft in mir, dir fröhlich zu gehorchen! 3. A. Cramer. kein Sünder hat, erwächſt durch* 215. Gongestichte nur Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele zc. vor dich aus ihrer Saat, die Ruhe des Gewissens. 4. Die Frommen werden immerdar in deinem Schatten grünen; und kommen sie auch in Gefahr, so bleibest du bei ihnen. Du hilfft, und ernten sie nicht gleich, wie fruchtbar werden einst, wie reich die spätern Ernten werden! 5. Denn du bist ihre Zuein reiner Wandel gilt, ew'ges Licht, aus dessen Lichte stets die reinste Wahrheit quillt, deines Namens Heiligkeit ſei ſtets unser Herz geweiht! Laß uns muthig, fräftig dringen, nach der Heiligung zu ringen. 2. Heilig ist dein ganzes Wesen, und kein Böses ist an dir; ewig bist du so gewesen, und Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes. so bleibst du für und für. Was dein Wille wählt und thut, ist unsträflich, recht und gut, und mit deines Armes Stärke wirkst du stets vollkomm'ne Werke. 3. Herr, du willst, daß deine Kinder deinem Bilde ähnlich sein. Nie besteht vor dir der Sünder, denn du bist vollkommen rein. Du bist nur der Frommen Freund, Uebelthätern bist du feind; wer beharrt in seinen Sünden, kann vor dir nicht Gnade finden. 4. O so laß uns nicht verscherzen, was dein Rath uns zugedacht!- Schaff' in uns, Gott, reine Herzen! tödt' in uns der Sünde Macht! Unsre Schwachheit ist vor dir; wie so leichte fallen wir! und wer kann sie alle zählen, die Gebrechen unsrer Seelen? 5. Uns von Sünden zu erlösen, gabst du deinen Sohn dahin. Oso reinige vom Bösen durch ihn unsern ganzen Sinn! Gib uns, wie du selbst verheißt, gib uns deinen guten Geist, daß er unsern Geist regiere, und zu allem Guten führe! 6. Keiner fündlichen Begierde bleibe unser Herz geweiht! unsers Wandels größte Zierde sei rechtschaffne Heiligkeit!- Mach' uns deinem Bilde gleich! Denn zu deinem Himmelreich wirst du, Herr, nur die erheben, die im Glauben heilig leben. Mel. Wie schön leuchtet der zc. ich, Gott, täuſcht 216. thum nicht, dir glänzt der Wahrheit helles Licht, frei von 115 den kleinsten Flecken. Du, sicher vor des Blendwerks Schein, wirst, was du sonst warst, immer sein, stets, daß du's bist, entdekfen, ewig heilig, ganz der Vater und Berather deiner Kinder und der Richter aller Sünder. 2. Du strafft den, der das Laster liebt, der seinen Lüften sich ergibt, nicht deine Warnung höret, als seiner Leidenschaften Knecht sich wider Wahrheit, Tugend, Recht, sich wider dich empöret, der hier sich dir nie ganz weihet, nie sich scheuet, fern vom Glauben deiner Huld sich zu berauben. 3. Die Quelle wahrer Seelenruh', die Tugend, heil'ger Gott, liebst du, und willst sie einst belohnen. Der Fromme, der dich treu verehrt, dich liebt und deine Stimme hört, soll ewig bei dir wohnen. Er ist als Christ dir ergeben, neues Leben, Heil und Freuden hofft er sicher nach den Leiden. 4. Laß mich, wie du, das Böse scheu'n, wie du ein Freund des Guten sein, gern fromm und heilig leben, ganz mit Ge danken, Trieb und That, wie es dein Wort befohlen hat, nach wahrer Tugend streben! Laß mich eifrig und mit Freuden stets vermeiden jedes Laster! immer werd' es mir verhaßter! Güte Gottes. Vergl. M 118. In eigener Melodie. 217. Wie ie groß ist des Allmächt'gen Güte! ist der ein Mensch, den sie nicht 8* 116 Güte Gottes. rührt? der mit verhärtetem| treibt sie mich zu jeder Pflicht; Gemüthe den Dank erstickt, der und ob ich schon aus Schwachihm gebührt?- Nein! seine heit fehle, herrscht in mir doch Liebe zu ermessen, sei ewig die Sünde nicht. meine größte Pflicht! der Herr hat mein noch nie vergessen; vergiß, mein Herz, auch seiner nicht! 2. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Langmuth mich geleitet? Er, dessen Rath ich oft verwarf. stärkt den Frieden im Gewissen, wer gibt dem Geiste neue Kraft? wer läßt mich so viel Wer C. F. Gellert. Mel. Nun lob' mein Seel' den 2c. Glück genießen? ist's nicht ſein 218. Mit fröhlichem Ge Arm, der alles dankt, die 3. Schau', o mein Geist, in jenes Leben, zu welchem du erschaffen bist, wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig seh'n wirst, wie er ist! Du haft ein Recht zu diesen Freuden; durch Gottes Güte sind fie dein. Sieh', darum mußte Christus leiden, damit du könntest selig sein. 6. Gott, laß deine Güt' und Liebe mir immerdar vor Augen sein! fie stärk' in mir die guten Triebe, mein ganzes Leben dir zu weih'n; sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen, fie leite mich zur Zeit des Glücks, und sie besieg' in meinem Herzen die Furcht des lezten Augenblicks! 4. Und diesen Gott sollt' ich nicht ehren und seine Güte nicht verstehn? er sollte rufen, ich nicht hören? den Weg, den er mir zeigt, nicht geh'n? Sein Will' ist mir in's Herz ge= schrieben, sein Wort bestärkt ihn ewiglich: Gott soll ich über alles lieben, und meinen Nächsten so wie mich. 5. Dieß ist mein Dank; dieß ift sein Wille: ich soll ganz Liebe sein, wie er. So lang' ich dieß Gebot erfülle, stell' ich sein Bildniß in mir her. Sebt feine Lieb' in meiner Seele, so ihrs Christo angehört, dankt Gott, daß seine Güte so wie sein Leben ewig währt! Nach so viel tausend Jahren, die durch sie alle reich an frohem Segen waren, bleibt sie sich immer gleich. Nie hört sie auf zu sorgen, und sorget immer treu; sie wird mit jedem Morgen an den Geschöpfen neu. 2. Sie reicht durch Erd' und Himmel, um, was da lebet, zu erfreu'n. Welch fröhliches Gewimmel in ihrem milden Sonnenschein! Vor ihren hei tern Strahlen, wo sie hervorbricht, fliehn auch bange, finstre Qualen wie leichte Wolken hin. Wer zählt die Millionen, die fie erwärmt und nährt? So weit nur Wesen wohnen, hat sie sich auch verklärt. 3. Süß ist das Licht der Sonne, das täglich jedes Aug' entzückt, weit süßer ist die Wonne, womit uns Gottes Güte Güt' erquickt. Erfreulich ist das Leben, und schaudervoll der Tod; doch besser noch als Leben ist deine Güte, Gott. Wie ist sie uns so theuer; fie, sie verläßt uns nie! Was ist wol milder, treuer und tröstender, als sie? 4. Zu ihrem Lob erwecke vor allem du dein Herz, o Chrift! Komm' her, und sieh, und schmecke, wie freundlich Gott, dein Vater, ist! Auf, seinen Ruhm erzähle dein frommes Saitenspiel, und deine ganze Seele sei Inbrunst und Gefühl! Von seiner Güte sage, wie treu sie für uns wacht, ein Tag dem andern Tage, die Nacht der nächsten Nacht! 5. Wer sollte sie nicht loben, fie, die doch allen alles gab, vom hohen Seraph droben bis zu des Staubs Gewürm herab! Von so viel Creaturen läßt umher. Und wie sie voll Ent= zücken stets für den Himmel quoll, ist auch, wohin wir blikken, von ihr der Erdkreis voll. 3. A. Schlegel. Wahrhaftigkeit Gottes. Me 1. Wer nur den lieben Gott zc. ſie nicht eine leer, und ihres 220. Noch nie haft du bein Wort gebrochen, Mel. Aus meines Herzens zc. 219. Groß ist des Höchsten Güte! O Menschen, preiset sie mit dankendem Gemüthe, vergeßt den Geber nie, der so viel Gutes gibt, so viele Lebensfreuden, und selbst bei euren Leiden euch noch als Vater liebt! Gottes. 117 Herz. Ja, einst, o Vater, preist, befreit von jeder Klage, für trüb' und heitre Tage dich der verklärte Geist. 2. Gott segnet auch durch Leiden, Gott segnet auch durch Schmerz, führt uns zu höhern Freuden, veredelt Geist und 3. Nichts soll uns unsern Glauben an deine Gütigkeit, nichts soll den Trost uns rauben auch in der schwersten Zeit: daß du die Welt regierst, und auch auf rauhen Wegen uns doch zum ew'gen Segen, zum Heil der Tugend führst. 4. Der Tugend hoher Segen ist wohl des Kampfes werth. Geht fromm auf Gottes Wegen, wenn ihr dieß Heil begehrt! Bei treu erfüllter Pflicht laßt uns auf Gott vertrauen und froh zum Himmel schauen! Gott, Gott, verläßt uns nicht. Ch. F. Neander. nie deinen Bund, o Gott, verlett; du hältst getreu, was du versprochen, vollführst, was du dir vorgesetzt; wenn Erd' und Himmel auch vergeh'n, wird ewig doch dein Wort besteh'n. 2. Du bist kein Mensch, daß dich gereue, was uns dein Wort verheißen hat. Nach deiner Macht, nach deiner Treue bringst du, was du versprichst, zur That. Scheint die Erfüllung gleich noch weit, so kommt sie doch zur rechten Zeit. 3. Gewiß ist's, daß du alles schenkest, was deine Huld uns zugedacht; und wenn du auf Bergeltung denkest, so wird 118 Wahrhaftigkeit Gottes.- Schöpfung. dein Drohwort auch vollbracht.| den Trost uns jemals rauben, Wer Wahrheit, Recht und Tugend haßt, fühlt deiner Strafe schwere Laft. den wir auf dein Versprechen baun? Du bist ein Fels; dein Bund steht fest. Wohl dem, der sich auf dich verläßt! 4. O drücke dieß tief in mein Herze, damit es jede Sünde scheut! Gib, daß ich nie leichtsinnig scherze mit deiner Strafgerechtigkeit! Nie werde das von mir gewagt, was dein Befehl mir untersagt! 5. Laß mich mit immer festem Glauben den Worten deiner Gnade trau'n! Wer kann II. Schöpfung, Erhaltung und Regierung Gottes. Mel. O daß ich tausend Zungen 2c. * 222. Derzählt und ehret des Höchsten Weisheit, Lieb' und Kraft, die ausgespannte Feste lehret: groß ist der Herr, der Alles schafft, und alle Welten weit und breit verkünden seine Herrlichkeit. 2. Von einem Tag zum andern klinget laut ihr gedankenvolles Wort, von einer Nacht zur andern dringet ihr Zeugniß unaufhaltsam fort; das Ohr hört nicht der Stimme Schall, das Herz versteht fie überall. Schöpfung. Mel. Jesu, komm doch selbst zc. 221. Himmel, Erde, Luft und Meer, aller Welten zahllos Heer jauchzen Gott, dem Schöpfer, zu; meine Seele, sing' auch du! 2. Jhn erhebt das Sonnenlicht, wenn es durch die Wolken bricht, ihn erhebt bei stiller Nacht auch der Sterne Lauf und Pracht. 3. Seht, wie er das Land beglückt, und mit reichem Segen schmückt! Jede Pflanze, jedes Thier zeuget, großer Gott, von dir. 4. Deine starke Schöpferhand füllt das Meer und tränkt das Land. Vor dir schweigt, gebeutst du ihm, jedes Sturmes Ungestüm. 6. Erwäg's mit Ernst, o meine Seele! und sieh, wie treulich Gott es meint. Sei gern, nach seines Worts BeFehle, der Wahrheit Freund, der Lügen Feind! Beweise dich als Gottes Kind, dem Treu' und Wahrheit heilig sind! I. 3. Rambach. 5. Meine Seele freue fich! Gott, wie offenbarst du dich! Drück' es tief in meinen Sinn, was du bist, und was ich bin! S. Reander, veränd. durch Diterich. 3. Das Loblied aller Weltenkreise geht mächtig aus in jedes Land, und macht, zu seines Namens Preise, ihn auch der fernsten Welt bekannt, und der Gestirne hehrer Lauf hebt unser Herz zu Gott hinauf. 4. Sein Arm bereitete der Sonne hoch an dem Himmel ihr Gezelt; sie geht heraus Schöpfung, Erhaltung und Regierung Gottes. 119 mit Freud' und Wonne, läuft| seiner Stärke, seiner Güte, und ihren Weg gleichwie ein Held; ihr Glanz zerstreut die finstre Nacht, und strömt hernieder Licht und Pracht. 5. Wie deiner Sterne Heer dort oben verkündigt deines Namens Ruhm, fo soll auch so unser Herz dich loben, voll Ehrfurcht in dem Heiligthum. Mehr noch, als dich der Himmel preist, preist dich durch Christum unser Geiſt. Mel. Wie schön leuchtet der 2c. 223. ie groß ist Gottes Herrlichkeit! Er sprach zu seinen Himmeln: seid! und zu dem Erdkreis: werde! Gleich standen da voll Reiz und Pracht vor ihm, zum Preise seiner Macht, die Himmel und die Erde. Als er's ausrief, da begonnen tausend Sonnen, und erhellten ein unzählbar Heer von Welten. 2. Wie sie so herrlich sind, so schön! wie sie einmüthig Gott erhöh'n und seine Größe preisen! Wie jede Jubel ist und Dank, ein hoher lauter Lobgesang des Gütigen und Weisen! O wie könnt' ich fühllos schweigen, solcher Zeugen Lob vernehmen und doch seines Ruhms mich schämen? 3. Noch strahlt mir ungeschwächt sein Licht, noch weigert die Natur sich nicht, die Welt für mich zu schmücken; noch hat sie Freuden g'nug für mich, noch immer schön und jugendlich, mein Auge zu entzücken. Immer dauern fort die Werke erfreuen mein Gemüthe. 4. So hat der Herr an mich gedacht, so hat er mich durch seine Macht zum Herrn der Erd' erhoben. Er gab mir meinen Leib, und auch die Seele, seines Odems Hauch, gleich Engeln, ihn zu loben. Rühm' ihn, Seele! Jauchzend halle von dem Schalle deiner Lieder Gottes Erd' und Himmel wieder! 5. Das Kind, der Jüngling und der Mann, die ganze Schöpfung bet' ihn an und seiner Wunder Menge! Strömt hin aus meiner vollen Brust, strömt hin, Empfindungen voll Luft, in hohe Dankgesänge! Schöpfer, Vater, dich erhebe, weil ich lebe, meine Seele, meine hochbeglückte Seele! J. A. Cramer. Erhaltung und Regierung Gottes. Me L. Was Gott thut, das ist 2c. * 224. W as zagst du? Gott regiert die Welt, und Gott ist ja allmächtig; der Gott, der, was er schuf, erhält, was macht dir den verdächtig? Wenn Meeresflut, Schwert, Feuersglut uns schon ereilet hätten, da kann doch Gott noch retten. 2. Was zagst du? Gott regiert die Welt, und Gott weiß alle Dinge. Das, was der Mensch für klein oft hält, iſt ihm nicht zu geringe. Sollt er dein Fleh'n nicht stets versteh'n?- Die Bitte, die du thatest, wußt' er, noch eh' du bateſt. 3. Was zagst du? Gott re 120 giert die Welt, und Gott ist auch allweise. Stets dient der Weg, der ihm gefällt, zum Heil dir, ihm zum Preise. Durch Finsterniß führt Gott gewiß dich aus der Nacht der Leiden in's hellste Licht der Freuden. Erhaltung und Regierung Gottes. 4. Was zagst du? Gott regiert die Welt, ist stets allgegenwärtig, wenn sich dein Herz für hilflos hält, dir nah', zu helfen fertig. Der alles sieht, dem nichts entflieht, der ist auf allen Wegen auch dir mit Huld zugegen. 5. Was zagst du? Gott regiert die Welt, und Gott ist auch geduldig. 3war, wenn er ins Gericht uns stellt, sind auch die Frommen schuldig. Doch sein Gericht trifft Fromme nicht; drum sei gewiß, er schone auch dein in seinem Sohne! 6. Nun, Gott, da du die Welt regierst, wie dürft' ich ängstlich zagen? Ein Leid, in welches du mich führst, soll nie mich niederschlagen. Ich hoff' auf dich, du läsfest mich bald deine Hülfe schauen. Dir, dir will ich vertrauen. 3. Es läuft ein zahllos Weltenheer in Kreisen um einander her, und rückt aus seiner Ordnung nicht, denn er hält es im Gleichgewicht. 4. Und diese Erd', im Schöpfungsreich ein Punkt, an wie viel Schönheit reich! und die Bewohner ohne Zahl, wie voll von Wundern überall! 2. Er, der den Himmel ausgespannt, umfasset ihn mit starker Hand, und seines Reichs Unendlichkeit ist ohne Grenzen, Maß und Zeit. 5. Doch für das Ganze sorgt nicht nur der gute Vater der Natur; den Wurm, der sich im Staube nährt, hält er auch seines Segens werth. 6. Und so sorgt auch sein Vatersinn noch mehr für Menschen; was ich bin, und was ich habe, Glück und Stand verdank' ich seiner milden Hand. 7. Er mog nach meiner Fähigkeit mir meine Wohlfahrt und mein Leid, mein ganzes Schicksal bis zum Grab und meine Lebensdauer ab. 8. Erhalte den Gedanken mir: o Gott, was kommt, das kommt von dir! Was deine Vorsicht an mir thut, ist herrlich, weise, immer gut. Fr. v. d. Necke. Mel. Nun lob' mein Seel' den 2c. Mel. Vom Himmel da 225. Frblicke ich der Welt- 226. Kommt, kommt, ben ten Pracht, und denke Gottes Güt' und Macht, der sie erschuf, so steigt mein Geist empor und betet an und preist. Herrn zu preisen, der groß von Rath ist, groß von That, den Gütigen, den Weisen, der keinen seines Glei chen hat! Der Herr thut große Werke. Wer hindert seine Kraft, wer seines Armes Stärke, die alles Gute schafft? Er dehnet, gleich Gezelten, die weiten Himmel aus. Er spricht, so gehen Welten aus ihrem Nichts heraus. Erhaltung und Regierung Gottes. 2. Er will, und Sonnen flammen; auch drängt das Wasser, wenn er spricht, in Wolken sich zusammen, und ihre Schläuche reißen nicht. Er ruft den Ungewittern; das Meer wird ungestüm; des Himmels Säulen zittern, die Erde bebt vor ihm. Er will, und Blize zünden Gebirg' an, sie vergeh'n. Er spricht und ruft den Winden; schnell wird sein Himmel schön. 3. Er spricht zu Meereswellen: bis hierher! schnell entfliehen fie. Er legt in Felsen Quellen; sie rieseln und verfiegen nie. Er füllt auch Wüsteneien mit seinen Wundern an, heißt Thiere da sich freuen, wo niemand wohnen kann. Wer kann die Sterne führen? Wer kann, als er allein, der Dinge Lauf regieren, vernichten und 121 alles schafft, erhält, belebt, regieret, steht alles da durch seine Kraft, wird alles aufgeführet. 3. Nichts läßt er durch ein Ungefähr, nichts ohne Zweck geschehen; sein Wink ruft die Geschöpfe her; sein Wink läßt sie vergehen. 4. Und nichts von allem, was er thut, kann seinen Zweck verfehlen; sein Rath ist weise, heilig, gut, das Beste zu erwählen. 5. Er, er vertheilt der Kräfte Gang. In Menschen, Thieren, Pflanzen herrscht Ordnung und Zusammenhang zum sichern Wohl des Ganzen. 6. Der Schöpfer, unser Gott, erhält den Himmel und die Erde; und alles zeuget, daß die Welt nie leer an Segen werde. 7. Uns bringt zum fröhlichen Genuß das Aehrenfeld Getreide; dem Vieh gibt Gott im Ueberfluß der Kräuter fette Weide. erneu'n? 4. Herr, dein ist alle Stärke, und alle Hülfe, Gott, ist dein! dich preisen deine Werke, die deiner Kraft allein sich freu'n. Wir auch erfreu'n uns ihrer; ihr Lob sei unsre Pflicht! O Vater, o Regierer, wen hält, wen schüßt sie nicht? Du lebst, du wirkst in allen; dir, dir vertrauen wir! Der Schwächste kann nicht fallen, geleitet, Herr, von dir. 3. A. Cramer. 8. Er machet, daß die Saat gedeiht, ihr Same sich vermehret, und daß uns die Natur erfreut, die alle Wesen nähret. 9. Die dürren Felder tränket er mit Thau und mildem Regen; der Donner fracht und rollt daher, und bringt dem Menschen Segen. 10. Auch uns führt er mit Vaterhand, und lenkt, was uns begegnet; gibt, was er für uns nüßlich fand; er ist es, 227. Ppreist den Herrn Mel. Ich dank' dir schon durch zc. ( reist, Menschen, preist den Herrn der uns segnet. der Welt! Seht seiner Vorsicht Spuren auf Berg, im Thal, im Wald und Feld, auf Wiesen und auf Fluren! 2. Durch seine Macht, die 11. Drum, Menschen, auf und lobt den Herrn, den Gott der größten Güte! Erhebt ihn, dankt ihm, singt ihm gern mit fröhlichem Gemüthe! 3. C. Grot. 122 Erhaltung und Regierung Gottes. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. Wege, die Liebe, die für alle 228. Schöpfer, jedes wacht, anbetend überlege: fo D so deiner Werke macht deiner Größe Ruhm bekannt, verkündigt deine Macht und Stärke, verkündigt Weisheit und Verstand. Wie herrlich ordnet deine Wahl der Wesen unermess'ne Zahl! weiß ich, von Bewund'rung voll, nicht, wie ich dich erheben soll, mein Gott, mein Herr und Vater! 2. Dein kleinstes Werk ist, wie das größte, voll Ordnung, Herrlichkeit und Pracht, ist, denn du wähleſt stets das Beste, ein Spiegel deiner weisen Macht. Wie mannigfaltig und wie gut ist das, was deine Weisheit thut! 3. Mit eben der allweisen Stärke, mit welcher du die Welt gemacht, regierst du alle deine Werke, die dein Verstand hervorgebracht. Du brauchst, o unerschaffnes Licht, der Menschen Rath und Beistand nicht. 4. Der Mensch hat seinen freien Willen, und dennoch muß, wie frei er wählt, er immer deinen Rath erfüllen, der seines Zieles nie verfehlt. Was du beschließest, das besteht; was dir entgegenstrebt, vergeht. 5. Noch immer, Vater meines Lebens, hat deine Hand mich gut geführt. Wohl mir, ich lebe nicht vergebens, wenn deine Weisheit mich regiert! führt gewiß durch Welt und Zeit mich hin zu jener Seligkeit. Sie J. J. Rambach, veränd. durch Diterich. Mel. Es ist das Heil uns 2c. 229. 2 enn ich, o Schöpfer! deine Macht, die Weisheit deiner 2. Mein Auge sieht, wohin es blickt, die Wunder deiner Werke! Der Himmel, prächtig ausgeschmückt, preist dich, du Gott der Stärke! Wer hat die Sonn' an ihn erhöht? Wer kleidet sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne? 3. Wer mißt dem Winde seinen Lauf? wer heißt die Himmel regnen? wer schließt den Schooß der Erden auf, mit Vorrath uns zu segnen? O Gott der Macht und Herrlichkeit, Gott, deine Güte reicht so weit, so weit die Wolken gehen! 4. Dich predigt Sonnenschein und Sturm, dich preist der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der geringste Wurm, bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht, bringt unserm Schöpfer Ehre! 5. Des Menschen Leib, den deine Hand so wunderbar be reitet; den Menschen Geist, den sein Verstand, dich zu erkennen, leitet, der Mensch, der Erdbe wohner Preis, ist sich ein täglicher Beweis von deiner Güt' und Größe. 6. Dich rühm', Allmächtiger! mein Geist, und lobe deinen Namen! Heil dem, der unsern Schöpfer preist, und alle Welt jag' Amen! und alle Welt Erhaltung und Regierung Gottes. 123 Mel. Aus meines Herzens 2c. 231. Erfreuender Gedanke: Gott schuf, o Seele, dich! Gott, dem ich alles danke, rief auch ins Leben mich! Mel. In allen meinen Thaten 2c. 230. Gefund, mit fro- Er, der mit Licht und Pracht den ganzen Erdkreis schmücket und jeden Wurm beglücket, er hat auch mich gemacht. hem Muthe empfangen wir das Gute, das unser Gott uns schenkt. Preist ihn, o Brüder, preiset, den Vater, der uns speiset und uns mit Freud' und Labsal tränkt! 2. O dieß ist ein Gedanke, der mächtig mich erhebt, der, wenn ich irr' und wanke, wohlthätig mich belebt. Ich weiß, ein guter Gott gab mir das erste Leben, wird mir ein besff'res geben, und ist und bleibt mein Gott. fürcht' ihren Herrn, und hoff' auf ihn und dien ihm gern, 231. dem Gott der Macht und Liebe! C. F. Gellert. 2. Er ruft herab: Es werde! und Segen schwellt die Erde, und Feld und Wiese sprießt. Es lebt und webt in Triften, in Wassern und in Lüften, und Milch und Wein und Honig fließt. 3. Dann sammeln von dem Segen, so viel fich Leben regen, und freu'n sich allzumal. Vom Menschen bis zum Wurme, im Sonnenschein und Sturme ist Freud' und Wohlthun überall. 4. Gott aber schaut vom Himmel das freudige Gewimmel, hört gern den Lobgesang. Denn seine Kinder sammeln, fie freuen sich und stammeln in tausend Sprachen ihren Dank. 5. Zobsinget seinem Namen, und strebt ihm nachzuahmen, deß Gnad' ihr nie ermeßt, der alle Welten segnet, auf Gut' und Böse regnet und seine 232. Dir bant ich für Mel. In allen meinen Thaten 2c. dank' mein Leben; Sonne Gott, der du mirs gegeben, ich danke dir dafür! Du hast, von Huld bewogen, mich aus dem Nichts gezogen; durch deine Güte bin ich hier. 6. Mit herzlichem Erbarmen reicht eure Hand den Armen, weß Volkes sie auch sei'n! Wir sind nicht mehr, nicht minder, sind alle Gottes Kinder, und sollen uns wie Brüder freu'n. I. H. Vos. 3. Ich sollte thöricht klagen, wenn mich mein Vater schlägt? nicht gern ein Leiden tragen, das er mir auferlegt? Es dient zu meinem Heil; er kann und wird es enden, er hat in seinen Händen des Glücks ein größer Theil. 4. Erfreuender Gedanke: Gott schuf, o Seele, dich! Gott, dem ich alles dante, rief auch ins Leben mich! Er wägt mein Glück mir zu und machet meine Leiden zu Quellen größrer Freuden; Gedanke voller Ruh'! Fr. v. d. Necke. 2. Du, Herr, hast mich bereitet, mich väterlich geleitet 124 Der Mensch, seine Natur, Würde und Bestimmung. bis diesen Augenblick. Du| vergabst so viel mir Armen, bist gabst mir frohe Tage, und stets ein Vater, der verzeiht. stets der Leiden Plage verwandeltest du in mein Glück. 3. Jch bin, Herr, aller Dinge, der Treu' viel zu geringe, mit der du mich bewacht. Damit ich, Staub und Erde, auf ewig glücklich werde, hast du schon ewig mein gedacht. 6. Für alle deine Treue, für das, deß ich mich freue, lob finget dir mein Geist. Welch' herrliches Geschenke, daß ich durch ihn dich denke! Dein ist's, daß er dich Vater heißt. 4. Du hörtest schon mein Sehnen, und zähltest meine Thränen, eh' ich bereitet war; eh' ich zu sein begonnte und zu dir rufen konnte, da wogst du schon mein Theil mir dar. 7. Daß du mein Leben fri stest und mich mit Kraft aus rüstest, dieß, Vater, dank' ich dir; daß du mich liebreich füh rest, mit deinem Geist regierest, dieß alles, Vater, dank' ich dir. 8. Was mir in diesem Leben noch nüßt, wirst du mir geben; du gibst's, ich hoff' auf dich. Dir, Vater, dir befehle ich meinen Leib und Seele. Herr, segne und behüte mich! C.F. Gellert. 5. Du ließ'st mich Gnade finden und warst, mir meine Sünden zu schenken, Herr, bereit. Gott, du bist ganz Erbarmen, III. Der Mensch, seine Natur, Würde und Bestimmung. Bergl. №. 112 und 114. Mel. O Gott, du frommer Gott zc. dazu du, Gott, mich schufest! 233. Allmächtig großer Wie herrlich ist das Theil, dazu du mich berufest! Dir, Höchster, ähnlich sein, vollkommen sein, wie du! Owohl mir, wenn ich's bin! Hilf du mir selbst dazu! Gott, wer kann dich g'nug erheben? Du gabst der ganzen Welt Bewegung, Kraft und Leben. Was Geist und Körper heißt, was Erd' und Himmel hegt, hat deine Huld gebaut, die jetzt noch alles trägt. 2. Du schufft, ich dank' es dir, auch mich zu deiner Ehre, und wolltest, Gütigster! daß ich dein Bildniß wäre. Darum hast du den Geist, der in mir lebt und denkt, mir zur Unsterblichkeit aus deiner Huld geschenkt. 4. Laß mir dieß große Ziel doch stets vor Augen schweben! Mein allerstärkster Wunsch, mein eifrigstes Bestreben in allem meinem Thun sei dieß, o Gott, allein, daß ich auch so, wie du, gesinnet möge sein! 5. Du bist der Wahrheit Freund; laß mich auch Wahrheit lieben, und mit stets munterm Fleiß in allem dem mich üben, was mich zur Weisheit 3. O welch ein großer Zweck, Der Mensch, seine Natur, Würde und Bestimmung. 125 führt, zur Weisheit, die dich| gib auf deine Würde acht, und ehrt, und allem Beifall gibt, was du uns selbst gelehrt! schätz' sie, mein Gemüthe! 6. Laß deine Heiligkeit mich stets zum Muster nehmen; hilf mir die Sünde flieh'n, des Fleisches Lüfte zähmen, nur das, was recht ist, thun, des Guten mich erfreu'n, und dem, der's üben will, auch gern behülflich sein! 2. Du bildetest mir mein Gebein, du hauchtest mir die Seele allmächtig, o mein Schö: pfer! ein, durch die ich denk' und wähle. Vor Tausenden, durch dich ernährt, vor tausend deiner Werke gabst du mir einen höhern Werth, gabst du mir Geistesstärke. 3. Vernunft und Freiheit dank' ich dir; welch Glück, sie zu besitzen! Ach, dir zum Ruhm, zum Heile mir laß mich, o Gott, fie nüßen! Der Mensch ist's nur, der reden kann, sonst kein Geschöpf auf Erden; der Mensch nur ruft dich, Schöpfer, an, kann Andrer Lehrer werden. 4. Du schufft mich zur Seselligkeit, gabst mir ein Herz voll Triebe zum Mitgefühl, zur Menschlichkeit, zur Freundschaft und zur Liebe, und diese Menschlichkeit verschafft mir unzählbare Freuden, gibt mir zu edlen Thaten Kraft, und lindert meine Leiden. 7. Gib, daß ich, so wie du, ein Freund der Menschen werde, dem Wohlthun Freude macht, der Kummer und Beschwerde dem Nächsten gern erspart, sein Leiden ihm versüßt, und, wo er helfen kann, zum Helfen willig ist! 8. Noch bin ich weit entfernt, o Gott, von diesem Ziele. Du weißt, was mir noch fehlt, und ich, ich selber fühle, wie wenig ich dir noch im Guten ähnlich bin. O bilde du mich ganz nach dir und deinem Sinn! 9. Beglückt ist nur alsdann mein Lebenslauf auf Erden, wenn ich dir immer mehr schon hier kann ähnlich werden; dann werd' ich ewig auch mit dir vereinigt sein, und mich ohn' Unterlaß, Gott, dei ner Güte freu'n. 3. F. Hiller, veränd. durch Diterich. Mel. Durch Adams Fall 2c. 234. welch ein Glück gend ist dein Wille. ein Mensch zu sein! wie kann ich Gott g'nug preisen? wie des Berufs, ein Mensch zu sein, mich würdig g'nug beweisen? Ich bin ein Wunder seiner Macht und Weisheit, Lieb' und Güte. O 5. Dich, meinen Schöpfer, meinen Gott, erkenn' ich, deine Werke, dein göttlich Wort und dein Gebot, und Weisheit, Güt' und Stärke. Und ich vernehme deinen Ruf; die TuGott, dessen Güte mich erschuf, gib, daß ich ihn erfülle! 6. Ich bin ein Mensch, und darf vor dich mit Freudigkeit stets treten, zu dir, du hörest, Vater, mich, getrost und täglich beten! Heil mir, Heil bei der Der Mensch, seine Natur, Zuversicht, die ich als Mensch hier habe: ich bin unsterblich! Gott, dein Licht erhellt die Nacht am Grabe. B., Münter, veränd. durch Diterich. Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. 6. Ein Herz, das dich, o Vater, liebt und deines Sohn's sich freuet, das durch den * 235. Wie wichtig ist Glauben Tugend übt und sich mein Beruf, den du mir, Herr, gegeben! Gott, als mich deine Liebe schuf, da schuf sie mich zum Leben. Zum Leben, welches ewig währt, das weder Leid noch Angst beschwert, willst du mich hier erziehen. vor Sünden scheuet, ein sol ches Herz, das wird allein sich ewig deiner Güte freu'n, und wird dein Antlitz schauen. 7. Und solch' ein Herz, das woll'st du mir, Gott, aus Erbarmen geben, damit ich möge auch schon hier nach den Gesezen leben, die selbst im Himmel giltig sind, bis ich als dein bewährtes Kind zu deiner Freud' eingehe. 126 Würde und Bestimmung. Tode nicht entflieh'n, am ersten und mit Ernst bemüh'n, damit ich nicht einst darbe. 2. Nicht hier ist unser Vaterland, allein bei dir, Gott, droben. Da ist der Ort, wo deine Hand das Glück uns aufgehoben, das nie ein traurig Mel. Wer nur den lieben Gott zc. Ende nimmt. Hier sind wir* 236. D Gott, ich prefe beſtimmt, nur von dazu anzuschicken. deine Güte, die mich so wunderbar erschuf, und mit frohlockendem Gemüthe verehr' ich deinen Schöpfersruf, ein Herold deines Ruhms zu sein, und deiner Wunder mich zu freu'n. 3. O laß mir doch dies große Ziel durch nichts ver= rücket werden! Was hilft's, wenn ich auch noch so viel von Gütern dieser Erden, von Ehre, Geld und Lust gewinn', wenn ich dabei nicht tüchtig bin, dein Himmelreich zu erben? 4. Dein Pilgrim bin ich ja nur hier; laß mich dieß nie vergessen! Nur wenig Tage haft du mir zur Wallfahrt zugemessen. Schnell, wie ein Traum, sind sie vollbracht, und dann wird dieser Erde Pracht auf ewig mir vergehen. 5. Drum laß des Himmels Herrlichkeit mich stets vor Augen haben; laß mich in meiner Prüfungszeit mich um die bessern Gaben, die mir im 2. Du gabst zum Denken und Empfinden, ich sei dein Werk, mir diesen Geist, der zwar zu schwach ist, zu ergründen, wie herrlich du, mein Schöpfer, seist, jedoch, was du an mir gethan, erkennen und bewundern kann. 3. Und diesen Geist, der in mir denket, schufst du nicht blos für diese Zeit. Du hast ihn mir, mein Gott, geschenket zum Leben in der Ewigkeit, um da vollkommner zu versteh'n, was Sterbliche nur dunkel seh'n. 4. 3u eng sind dieses Le Der Mensch, seine Natur, bens Schranken für seinen for= schenden Verstand. Der Keim zu höheren Gedanken, als je ein Sterblicher erfand, entwickelt sich erst nach der Zeit im hellern Licht der Ewigkeit. 5. Jhn sättiget kein Gut der Erde, kein zeitlich Glück, so groß es sei. Daß er im Innern ruhig werde, bedarf er mehr, das ihn erfreu'. Er fühlt's, daß diese ganze Welt sein Wünschen nicht zufrieden stellt. 6. Zwar ist er tief herabgesunken von seines Ursprungs Herrlichkeit, sucht oft, von Lust der Erde trunken, sein Glück in Dingen dieser Zeit; jedoch, er sucht und findet nicht, was ihm der äuß're Schein verspricht. 7. Du prägest ihm durch sein Gewissen Gefühl von Recht und Unrecht ein. Daß Böse Bö-= ses leiden müssen, und Tugendhafte glücklich sein, erkennt er, doch sieht er noch nicht den Richter hier schon im Gericht. 8. Dem Tugendhaften ist hienieden oft ein sehr widriges Geschick zum Loos für diese Zeit beschieden, dem Lasterhaften oft viel Glück. Gewiß! erst eine and're Welt ist zum Vergeltungsort beſtellt. 9. Gott, wenn mein Geist dieß überleget, so hofft er schon Unsterblichkeit. Doch, wenn Doch, wenn er aufmerksam erwäget, was ihm dein Wort für Licht verleiht; so wird er sel'ger Freuden voll, daß er auf ewig leben soll. 10. Herr, laß zu jenem bessern Leben mich täglich hier Würde und Bestimmung. 127 die Aussaat streu'n! Laß deinen Geist das Wollen geben, und das Vollbringen auch verleih'n. D Wonne der Unsterblichkeit, wie wird durch dich mein Geist erfreut! 237. I dein Eigentum; J Mel. Lobt Gott, ihr Chriften 2c. Ich bin, o Gott, auf ewig bin ich dein. Mein größtes Glück, mein wahrer Ruhm ist, ewig dein zu sein. 2. Du gabst mir den vernünft'gen Geist, bewundernd einzuseh'n, wie dich, Herr, deine Schöpfung preist, mit ihr dich zu erhöh'n. 3. Was um mich ist, verfündigt mir, Gott, deine Herrlichkeit; zu ihrem Preise reizt mich hier schon jede Jahreszeit. 4. Und ich, ich sollte fühllos sein? ich rühmte dich, Herr, nicht? Ein Zeuge deines Ruhms zu sein, bleibt ewig meine Pflicht. 5. O mache dieser Pflicht mich treu, so treu, als ich es soll; mein Herz, mein Mund, mein Wandel sei stets deiner Ehre voll! 6. Wer dich verehrt, hält dein Gebot; ihm ist es keine Last. Gib, daß ich willig thu', o Gott, was du befohlen haft! 7. Was du, o Vater, willst, ist gut, du willst nur unser Heil. Wohl dem, der seinen Willen thut! Sein ist das beste Theil. 8. Rein Unfall raubt ihm seine Ruh, und selbst in Trau 128 Die Sünde und ihre Folgen. rigkeit, wer gibt ihm Trost| Uebungszeit geht er zum Himund Schuß, als du, wer ihm mel ein. Herr, laß mich dieser Zufriedenheit? Seligkeit mein ganz Bestreben weih'n! 9. Nach hier vollbrachter C. F. Gellert. IV. Die Sünde und ihre Folgen. Vgl. auch №. 92. Mel. Wohl mir, Jefus, meine 2c. 238. Gott, nur eines Menschen Sünden, was für Uebel zeugen sie! Und dann aller Menschen Sünden, wie viel Glück zerstören die! Alle, seit dem ersten Falle, jedes Menschen Sünden alle! 2. Nur ein Fehltritt auf den Wegen, die wir wandeln sollen, Gott! was vernichtet der für Segen, wie versenkt oft der in Noth! Ach, was müssen wir oft leiden bloß für Einer Thorheit Freuden! Verbrecher gelt' ihm gleich? es sei kein Rächer? 3. Starke, Gott! verfolgen Schwache; Schwache Schwächre! Geiz und Neid, Menschenhaß und Durst nach Rache, Wollust, Stolz und Ueppigkeit, wie erfüllen die mit Plagen deine Welt, mit welchen Klagen! 4. Seht, wie Arglift Frevel brütet! Wie Gewalt und Tyrannei gleich der Best im Mittag wüthet, wie verworfne Heuche lei suchet über alle Zeiten Fluch und Jammer zu verbreiten! 6. Ja, sehr schrecklich sind Verbrechen, weil sie, kaum vollendet, sich selbst verfolgen, furchtbar rächen, Richter, dein Geseß und dich! Ach dem Laster folgt Verderben, Armuth, Schmach und frühes Sterben! 7. Und wie quält den sein Gewissen, der verworf'ne Thaten übt? Kann er jenes Trosts genießen, den nur reine Tugend gibt? Kann er, ohne zu erbeben denken an ein künftig Leben? 8. Jch erschrecke, Herr, ich bebe, daß mein Herz so oft vergißt, daß, wenn ich nicht heilig lebe, eitel meine Hoffnung ist, selig dort, und schon auf Erden ruhig und getroft zu werden. de meiden, laß mich jede Sünde 9. Laß mich, Gott, die Sünscheu'n; schuldlos sollen meine Freuden, reines Herzens will ich sein! Gib mir Kraft, um deinen Willen immer treuer zu erfüllen! 3. A. Cramer. Mel. Mach's mit mir, Gott 2c. 5. Und wir Sünder könn 239. Wer Sünde thut, liebt nicht das ten wähnen, Gottes heiliges Gericht räche keines Elends Thränen, acht' auf unser Laster nicht? Der Gerechte, der Licht, das Gott uns angezündet, erlangt die wahre Weisheit nicht, die uns mit Die Sünde und ihre Folgen. 129 ihm verbindet. Herr, laß doch| Adams Erben bin ich voller nicht durch mein Vergeh'n der Sünde Nacht in mir entsteh'n! 2. Wer Sünde thut, tritt, was ihn ehrt, der Menschheit Werth mit Füßen; er will, was die Vernunft ihn lehrt, nicht hören und nicht wissen. Bewahre mich durch deine Hand, o Gott, vor folchem Unverstand! 3. Wer Sünde thut, nährt falschen Wahn, liebt Träume, welche trügen, und wandelt auf der finstern Bahn des Jrrthums und der Lügen. Herr, hilf, daß ich der Wahrheit treu und fern von aller Täu schung sei! 4. Wer Sünde thut, der unterdrückt und schwächt die Seelenkräfte, wird stolz und frech und ungeschickt zum Heiligungsgeschäfte. Weh mir, wenn sich mein Herz verstockt, da Gottes Stimme ruft und lockt! 5. Wer Sünde thut, erzeugt und mehrt auf Erden Noth und Leiden, vergiftet Seelen, und entbehrt die wahren Lebensfreuden. Gott, mache mich durch deine Kraft behutsam und gewissenhaft! Sündenlust. Ja, ich muß es wohl bekennen, ich bin Fleisch von Fleisch zu nennen. 2. Wie verkehrt sind meine Wege, wie verderbt mein alter Sinn, der ich zu dem Guten träge, aber schnell zum Bösen bin! Du nur kannst mich von den Ketten dieses Sündentodes retten. 3. Hilf mir durch den Geist der Gnaden aus der angestammten Noth; heile meinen Seelenschaden, Herr, durch deinen Kreuzestod! Was dein Reich nicht kann ererben, laß in deinem Tod ersterben! 4. Ich bin schwach und von der Erden, weiß in mir nicht Hülfe mehr; soll ich frei und lebend werden, Herr, so kommt's von oben her. Dein Geist muß mir Kraft gewähren, mich von Grund aus neu gebären. 5. Schaffe, Herr, ein reines Herze, einen neuen Geist in mir, daß ich ja nicht länger scherze mit der Sünde Luftbegier! Laß mich merken ihre Tücke, und zerreißen ihre Stricke! 6. Wer Sünde thut, sieht schreckenvoll die Todesstunde kommen. Die Hoffnung, die ihn trösten soll, ist seinem Geist benommen. Laß, Herr, vor Sünden mich zu scheu'n, mir dein Gericht vor Augen sein! 6. Laß durch Wachen, Beten, Ringen start mich werden, Fleisch und Blut in des Geistes Joch zu zwingen, bis erloschen seine Glut; reize mich durch jene Krone, daß ich meiner niemals schone! I. F. Mudre. Mel. Herr ich habe mißgehandelt 2c. 7. Sollt' ich aber unterliegen, o so hilf mir wieder auf, laß 240. Ah, mein Jesu, in deiner Kraft mich fiegen, welch' Verder ben wohnet nicht in meiner Brust! Denn mit andern fortzuführen meinen Lauf, bis durch deine Siegeshände ich ihn ritterlich vollende! 2. A. Gotter. 9 Die Sünde und ihre Folgen. 130 Me I. Straf mich nicht in deinem 2c. 241. Higenthum, dein ist auch mein Leben. Mir zum Heil und dir zum Ruhm haft du mir's gegeben. Väterlich führst du mich auf des Lebens Wegen meinem Ziel entgegen. 2. Einst kommst du mit großer Kraft zum Gericht auf Erden. Dann ſoll ich zur Rechenschaft 242. Mensch, D Dein B. Münter. Mel. Aus tiefer Noth schrei' ich zc. er: munt're deinen Sinn, wie lange willst du schlafen? Auf, auf, die Stunden geh'n dahin, schon nahen Gottes Strafen! Vor ihm besteht der Sünder nicht, und geht er mit dir ins Gericht, wo willst du Rettung finden? 2. Das eitle Wesen dieser Zeit hat dich mit Nacht be decket, daß aus dem Schlaf der Sicherheit dich keine Warnung wecket. Du freuest dich der trägen Ruh' und drückest gern die Augen zu, dem Lichte zu entweichen. 3. Gott rufet laut, du schlummerst fort; er droht dir, doch vergebens. Er zei get dir in seinem Wort die Strafe jenes Lebens. Du aber merfest wenig drauf, fährst fort in deinem Sündenlauf, willst keinen Führer leiden. weinet 4. Dein Heiland über dich, du lachst in deinen Sünden; er sucht und locket dich zu sich, du läßt dich nimmer finden. Er fleht, du nimmst kein Bitten an; er thut mehr, als ein Bruder kann, du spottest seiner Liebe. 5. Du siehst, wie mancher err, ich bin dein schon hienieden. richt schonet nicht, Richter aller Welten; denn du willst vergelten. 3. Weh' dann mir in Ewigkeit, wenn ich deine Gabe, meineKräfte, meine Zeit nicht gebrauchet habe! Weh' dann mir, hab' ich hier dein Geschenk verschwendet und nicht angewendet! 4. Möchte täglich dein Gericht mir vor Augen schweben! Möcht' ich mich, stets meiner Pflicht treu zu sein, bestreben, daß ich nie thöricht sie außer Augen setze, nie mit Fleiß verleße! 5. Lehre mich gewissenhaft meine Zeit anwenden, eingedenk der Rechenschaft jeden Tag vollenden! Gib, daß ich ernstlich mich jeden Tag, auch heute, darauf vorbereite! 6. Zeigt sich erst die Ewigfeit furchtbar in der Nähe, o dann ist es nicht mehr Zeit, daß ich Gnad' erflehe. Wenn der Tod mir schon droht, kann ich deinen Willen, Herr, nicht mehr erfüllen. hen Seelenfrieden dann mir 7. Mein Gewissen strafe mich gleich, so oft ich fehle, und dann wirke, Gott, daß ich bald das Bess're wähle! Wahre Ruh' schaffest du, ho-= 8. Dann werd' ich auch im Gericht, Herr, vor dir bestehen, und vor deinem Angesicht Freud' und Wonne sehen. Ewig dein werd' ich sein, und in jenem Leben ewig dich erheben. Christus als Erlöser und Weltbeglücker. 131 Jesu, Sünder fällt, wenn Gott die| lich mög' erkennen! Strafe sendet; doch bleibest Glanz der Herrlichkeit, durchdu ein Kind der Welt, von leuchte meine Sicherheit, daß ihrem Tand verblendet. Des ich mein Elend schaue! Nächsten Sturz erschreckt dich nicht; du glaubst, daß Gottes Zorngericht dich niemals tref fen werde. 7. O heil'ger Geist, laß deinen Strahl durch meine Seele dringen; hilf, daß ich endlich mög' einmal den Sündenschlaf bezwingen; Gott, thu' mir Herz und Augen auf, daß mich der sichre Sündenlauf nicht zur Verdammniß führe! 6. Gott, laß in mir nach deiner Huld der Gnade Licht entbrennen, damit ich meiner Sünden Schuld recht gründV. Christus als Erlöser und Weltbeglücker. Dankt, Christen, ihm erfreut! In eigener Melodie. 243. Mit frommen Her- Jeſu, dir sei Dant! und freudigem Gesang stimmt ein, ihr Menschenbrüder! Zu hellem Sternenklang ertönen Engellieder; dem höchsten Lob und Dank! Ehre sei dir Gott! 2. Gott will uns Vater sein, mit uns er5. Einst tönt dir unser Dank in würd'germ Lobgefang; der Himmel hallt ihn wieder. Zu hellem Sternenklang erschallen Engellieder; dem Höchsten Lob und Dank! Hochgelobt sei Gott! freu'n mit ew'gem Segen; Gott 244. Ghriftus mit H. G. Demme. Mel. Christus der ist mein 2c. elobt will uns Vater sein, uns von des Irrthums Wegen, vom Laster uns befrei'n. Ehre sei dir, Gott! frommen Lobgefang! Gelobt sei Jesus Christus mit tief gefühltem Dank! 3. Von seines Vaters Thron kam er, des Höchsten Sohn. Mit ihm kam Licht und Wahr-| heit, und Finsternisse floh'n. Umstrahlt mit Gottes Klarheit, fam er, des Höchsten Sohn. Jesus, sei gelobt! 4. Dankt, Christen, ihm erfreut! das Reich der Sittlichkeit begann mit ihm auf Erden. Wir sind nun eingeweiht, einst Selige zu werden. 2. Obetet an den Vater, der uns den Edlen gab! mit ihm kam Fried' und Segen auf unsre Welt herab. 3. Er kam, um uns Erlöser, um Retter uns zu sein, uns von den Sclavenbanden des Irrthums zu befrei'n, 4. Durch Wahrheit uns zur Tugend, und auf der Tugend Bahn zur wahren Geisteswürde zu leiten himmelan. 9* 132 Christus als Erlöser und Weltbeglücker. 5. Für uns hat er gelebet,| Herrn, wer sollte sein nicht hat er in dieser Welt das Muster reiner Güte vollendet dargeſtellt. 6. Dem göttlichen Geseze hat er genug gethan, zur steilsten Tugendhöhe stieg er mit Muth hinan. achten; Glanz Gottes, der die Nacht durchbricht, du bringst in finstre Seelen Licht, die nach der Wahrheit schmachten. Dein Wort, Jesu, ist voll Klarheit, führt zur Wahrheit und zum Leben. Wer kann dich genug erheben? 2. Du, hier mein Trost und dort mein Lohn! Sohn Got tes und des Menschen Sohn! des Himmels großer König! Von ganzem Herzen preif' ich dich! Hab' ich dein Heil, so rühret mich das Glück der Erde wenig. Zu dir komm' ich; wahrlich, keiner tröstet deiner sich vergebens, wenn er dich sucht, Herr des Lebens! 3. Durch dich nur kann ich selig sein. O drücke tief ins Herz mir ein Empfindung deiner Liebe! Wer wär' ich, wenn durch Heiligkeit ich nicht der Prüfung kurze Zeit dir treu, Erlöser, bliebe! Dich, dich lieben, hilf mir Schwachen, hilf mir wachen, kämpfen, ringen, start in dir zu Gott mich schwingen! 7. Mit Gott ergeb'nem Herzen ertrug er Schmach und Noth, ertrug er alle Leiden und selbst den Kreuzestod. 8. Die Gottheit hat auf Erden sich offenbart; uns ist das Muster reiner Güte er schienen Jesus Christ. - 9. Blickt nun mit wahrem Glauben im Geist auf Jesum hin, und stärket euch zum Guten, veredelt Herz und Sinn! 10. Dank dir, der Menschen Vater! du gabst uns Zuversicht zu deinem Vaterherzen und unserm Geiste Licht. 11. Wir seh'n das Ziel im Glauben und kämpfen für das Gut, das Jesus hat errungen, gestärkt mit neuem Muth, 12. Und müßten wir auch dulden. Für Leiden dieser Zeit wird uns der reichste Segen in jener Ewigkeit. 13. Heil uns! wir sind unsterblich; durch Jesum hoffen wir ein höh'res, beff'res Leben. Dank, Dank, o Vater dir! 14. Gelobt sei Jesus Chriftus mit frommen Lobgesang! Gelobt sei Jesus Christus mit tiefgefühltem Dank! Mel. Wie schön leuchtet der 2c. 245. Singt Jefu Chrifto nah und fern! Ein heller Glanz geht auf vom 4. Von Gott strahlt mir ein Freudenlicht, die Hoffnung, daß dein Angesicht ich einstens soll erblicken. O süßer Blid in jene Ruh! Voll wunderbaren Heils bist du, voll Wonne, voll Entzücken. Tröste du mich, Seligmacher, daß ich Schwacher auf der Erde Himmelsfreuden inne werde! 5. O du, der schuf und der erhält! du hast mich ewig vor der Welt in deinem Sohn ge Christus als Erlöser und Weltbeglücker. 133 ihn sein Heiland lehrt und sein Gebot als Gottes Stimme ehrt. liebet. Dein Sohn hat mich| Christ, der treulich übt, was mit dir vereint, er ist mein Bruder und mein Freund, hat bis zum Tod geliebet. Preis dir, Vater! Ach ich falle nieder, lalle Dank im Staube, weiß und fühl', an wen ich glaube. 3. Unzählbar sind die Se ligkeiten, die mir mein hoher Glaube täglich gibt. Zu freudenvollen Ewigkeiten werd' 6. Jhm, welcher Tod und Grab bezwang, ihm müsse froher Lobgesang mit jedem Tag erschallen, dem, der für uns geopfert ist, dem Freunde, der uns nie vergißt, zum Ruhm und Wohlgefallen. Tönet, tönet, Jubellieder, schallet wieder, daß die Erde voll von seinem Lobe werde! 7. Wie freu' ich dein mich, Jesu Christ, daß du auch mein Erlöser bist, und daß ich dich erkenne! Stets heilig sei dein Name mir, es glüh' mein Herz voll Dankbegier, so oft ich ihn nur nenne! Laß stets fester mein Verlangen an dir hangen, dir vertrauen und dereinst dein Antlig schauen! Klopstock, veränd. durch Niemeyer. Mel. Eh' noch die strahlenreiche 2c. 246. D er du zu den beglückten Schaaren, die Jesum kennen, mich, auch mich gefellt, durch ihn schon in der Kindheit Jahren mich treu gelehrt, was ihm und dir gefällt, dir bringt, gerührt von seiner Seligkeit, mein Herz ein Lied voll heißer Dankbarkeit. 2. Ich darf ja dich nun Vater nennen. Von dir, der du die Liebe selber bist, kann Tod und Leben mich nicht trennen. Dein Kind bin ich, bin ich ein echter ich auf dieser Erde vorgeübt. Wer Jesu glaubt, den schrecken Gräber nicht; ein ewig Leben bracht' er an das Licht. 4. Er ist mein Trost in Kümmernissen, mein Vorbild auf des Erdenlebens Bahn, und fühl' ich Kummer im Gewissen, so schau' ich glaubensvoll zu ihm hinan, der von der Furcht mein banges Herz erlöst, und mir's verbürgt, daß Gott mich nicht verstößt. 5. Gelitten hat er selbst, geduldet, kennt Noth und Elend, weiß von Gram und Schmerz. und ach! er hatte nichts verschuldet, und rein von Sünden blieb im Kampf sein Herz. Nun kann er helfen, weiß, wie dem, der weint, zu Muthe sei, der treue Menschenfreund. 6. Wer zählt, wer zählt die Segen alle, die durch ihn wurden unser Loos und Theil? Preist ihn mit lautem Jubelschalle, und fühlt, erlöste Brüder, euer Heil! Ihm danke, wer ihn fennt, und wer ihn ehrt! O selig, wer auf seine Stimme hört! A. H. Niemeyer. Mel. Herzliebster Jesu, was zc. 247. Herr! err! stärke mich, dein Leiden zu bedenken, mich in das Meer der Liebe zu versenken, die 134 dich bewog, von aller Schuld des Bösen uns zu erlösen! Christus als Erlöser und Weltbeglücker. 2. Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden, und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden; an unsrer Statt gemartert und geschlagen, die Sünde tragen:- 3. Welch wundervoll hochheiliges Geschäfte! Sinn' ich ihm nach, so zagen meine Kräfte, mein Herz erbebt; ich seh' und ich empfinde den Fluch der Sünde. Mel. Das Jesulein soll doch zc. 248. Vom om Sündendienst 7. Sie übersteigt die menschlichen Gedanken; allein sollt' ich darum im Glauben wan ken? Jch bin ein Mensch; darf der sich unterwinden, Gott zu ergründen? 8. Das Größt' in Gott ist: Gnad' und Lieb' erweisen; uns kommt es zu, fie demuthsvoll zu preisen, zu seh'n, wie hoch, wenn Gott uns Gnad' erzeiget, dieselbe steiget. C.F. Gellert. uns zu befrei'n, und uns mit Himmelsfreuden durch wahre Tugend zu erfreu'n, ertrugst du Kampf und Leiden. Du gingst voran die steile Bahn und starbst für deine Brüder; drum, Jesu, weiht die Christenheit dir ihres Dankes Lieder. 2. Du rufest liebevoll uns zu, des Lasters Pfad zu meiden, den Weg zum Leben zeigest du, und stärkst im Kampf und Leiden. Drum wollen wir, o Jesu, dir, dir nach im Guten ringen; dieß sei der Dank, der Lobge sang, den wir dir, Jesu, bringen! 4. Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen. Gott ist die Lieb', und läßt die Welt erlösen. Dieß kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken am Kreuz erblicken. Mel. Ich dank' dir schon durch zc. 5. Es schlägt den Stolz und 249. Gedanke, der uns mein Verdienst danieder. Es stürzt mich tief, und es erhebt mich wieder; lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde zu Gottes Freunde. 6. Leben gibt! Wer kann dich ganz durchdenken! Also hat Gott die Welt geliebt, uns seinen Sohn zu schenken! Herr! mein Heil! an dessen Blut ich glaube, ich liege hier vor dir gebückt im Staube, verliere mich mit dankendem Gemüthe in deiner Güte. 2. Gedanke voller Majestät! Umringt von Finsternissen, hoch über die Vernunft erhöht, stillst du doch mein Gewissen. 3. Ich kann der Sonne Wunder nicht, noch ihren Bau ergründen; und doch kann ich der Sonne Licht und ihre Wärm' empfinden. 4. So kann ich auch nicht Gottes Rath von Jesu Tod ergründen; allein das Göttliche der That, das kann mein Herz empfinden. 5. Nimm mir den Trost, daß Jesus Christ all' meine Schuld getragen, daß er mein Gott und Heiland ist, so werd' ich angstvoll zagen. Christus als Erlöser und Weltbeglücker. 135 deiner Liebe scheiden! 6. Jst Christi Wort nicht| keine Schmach und Bein von Gottes Sinn, so werd' ich irren müssen, und wer Gott ist, und was ich bin und werden soll, nicht wissen. 15. Und soll ich auch nicht für und für des Glaubens Freud' empfinden, so wirke doch dein Wort in mir, und rein'ge mich von Sünden! 16. Hat Gott uns seinen Sohn geschenkt( laß mich noch sterbend denken): wie sollt' uns der, der ihn geschenkt, mit ihm nicht alles schenken?" C. F. Gellert. 7. Nein, diesen Trost der Christenheit soll mir fein Spötter rauben; ich fühle seine Göttlichkeit und halte fest am Glauben. 8. Des Sohnes Gottes Eigenthum, durch ihn des Himmels Erbe, dieß bin ich, und das ist mein Ruhm, auf Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. den ich leb' und sterbe. 9. Er gibt mir feinen Geiſt,* 250. Jut gefunhabe Grund das Pfand, im Glauben uns zu stärken, und bildet mich durch seine Hand zu allen guten Werken. 10. So lang' ich seinen Willen gern mit reinem Herzen thue, so fühl' ich eine Kraft des Herrn und schmecke Fried' und Ruhe. 11. Und wenn mich meine Seele fränkt, und ich zum Kreuze trete, so weiß ich, daß er mein gedenkt und thut, warum ich bete. 12. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und ich ihn schauen werde, daß er mich einst zu sich erhebt vom Staube dieser Erde. 13. Erfüll' mein Herz mit Dankbarkeit, so oft ich dich nur nenne, und hilf, daß ich dich allezeit treu vor der Welt bekenne! 14. Soll ich dereinst noch würdig sein, Herr! für dich Schmach zu leiden, so laß mich den, der meinen Anker ewig hält. Wo anders, als in Jesu Wunden? da lag er vor der Zeit der Welt, der Grund, der unbeweglich steht, wann Erd' und Himmel untergeht. 2. Es ist das ewige Erbar| men, das alles Denken übersteigt; es sind die off'nen Liebesarmen deß, der sich zu den Sündern neigt, dem stets das Herz vor Mitleid bricht, wir kommen, oder kommen nicht. 3. Wir sollen nicht verloren werden; Gott will, uns soll geholfen sein. Deswegen kam sein Sohn zur Erden, und nahm für uns den Himmel ein; deswegen klopft er für und für so stark an unsre Herzensthür. 4. O Abgrund, welcher alle Sünden durch Christi Tod verschlungen hat! Das heißt die Wunden recht verbinden, hier findet kein Verdammen statt, weil Christi Blut beständig 136 Christus als Erlöser und Weltbeglücker. schreit: Barmherzigkeit! Barm-| ewig hoch erfreut: O Abgrund herzigkeit! der Barmherzigkeit! Andreas Nothe. 5. An diesen Ruf will ich gedenken, will ihm getrost und gläubig trau'n, und, wenn mich Mel. Nun freut euch, lieben 2c. meine Sünden kränken, nach 251. Sei ewig, o mein Gottes erfreut! dein Wunsch ist nicht verloren; zum Leben froher Ewigkeit hat dich dein Gott erforen. Durch den, den er zum Heil dir gab, hat seine Huld auf Tod und Grab ein neues Licht verbreitet. finde ich zu aller Zeit unendliche Barmherzigkeit. 6. Wird alles Andre weg-| gerissen, was Leib und Seel' erquicken kann, muß ich der Erde Freuden missen, nimmt auch kein Freund sich meiner an: ich habe, was mich mehr erfreut, Vergebung und Barmherzigkeit! - 7. Beginnt der Erde Last zu drücken, und häuft sich Kum-| mer und Verdruß, daß ich mich in so vielen Stücken um Eitles stets bemühen muß, werd' ich beängstigt und zerstreut: so hoff' ich auf Barmherzigkeit. 8. Muß ich in meinen besten Werken, womit ich hier beschäftigt bin, viel Schwachheit und Befleckung merken, so fällt zwar alles Rühmen hin, doch ist mir noch ein Trost bereit: 2. Er, dein Erlöser, starb für dich, den Trost dir zu gewähren: mit diesem Leben ende sich zwar wohl die Zeit der Zähren; doch nicht Genuß der Gütigkeit des Vaters, dessen Herz sich freut, uns ewig zu beglücken. 3. Er ging aus seiner Gruft hervor verherrlicht, um zu leben und seine Frommen einst empor zur bessern Welt zu heben. Frohlock' ihm dankvoll, o mein Geist, ihm, der auch dich der Furcht entreißt, auf immer einst zu sterben! 4. Des Todes Macht ist längst dahin, dir ew'ges Heil Ich hoffe auf Barmherzigkeit.zu rauben. Selbst Sterben ist 9. Es gehe mir nach dessen Willen, bei dem so viel Erbarmen ist! Er wolle selbst mein Herz mir stillen, damit es das nur nicht vergißt; dann hoffe ich in Freud' und Leid auf Gnade und Barmherzigkeit. 10. Bei diesem Grunde will ich bleiben, so lange mich die Erde trägt; das will ich denken, thun und treiben, so lange sich ein Glied bewegt; so sing' ich für die Gewinn, die an den Heiland glauben. Sein Wort steht fest: Ich leb' und ihr sollt leben, Gläubige, mit mir, und meinen Himmel erben!" 5. O frohes Wort! Wie sollt' ich, Herr, denn vor dem Tode beben? Durch dich, Erstandner, ist doch er nur Weg zum höhern Leben, zum Leben, wo kein Tod mehr ist, wo du der Deinen Wonne bist, und ganz mit Heil sie sättigst. Christliche Kirche; vom christlichen Glauben. 137 6. Dir, der du für mich| Durch aller Zukunft Zeiten starbst und nun zur Rechten Gottes lebest, daß du, die deinen Willen thun, zum ew'gen Heil erhebest; dir soll mein Herz geheiligt sein, so ist gewiß dein Sieg auch mein, du Todesüberwinder! wird sie zum Heil der Welt fich immer mehr verbreiten. Du gründetest sie selbst, sie iſt dein Eigenthum, sieht sich durch dich beglückt, wird deiner Größe Ruhm. 3. Wer, wer darf ihr dieß Glück bei deinem Schuß entreißen! die Hölle selber nicht, dieß hast du ihr verheißen. Vor deiner Allmacht Strahl, vor deinem Blick erbebt, wer sich dir widersetzt, sich dir zum Troß erhebt. 4. Einst pranget sie vor dir in ganzen Völkerschaaren, die alle dir geweiht und ihre Glieder waren. Du führst sie im Triumph in deinen Himmel ein, dort wird sie herrlicher Christliche Kirche. Mel. Nun danket alle Gott zc. 252. Du, deiner Kirche und weit beglückter sein. du weißt sie zu beschüßen, wenn ihrer Feinde Heer mit der Verfolgung Blizen, mit Tyrannei und Wuth, mit Martern und mit Tod sie zu erschüttern sucht und zu verfolgen droht. 2. Sie steht Jahrtausende. 5. Mit jubelvollem Dank eilt jeder dir entgegen, sehnt sich nach deinem Blick und deines Lohnes Segen; erfährt das große Glück, nun ganz auf ewig dein, und noch um deinen Thron sich deiner Huld zu freu'n. 3. C. Grot. 7. Gelobt seist du! Nun liegt vor mir die beff're 3ukunft offen; nun kann auch ich, vereint mit dir, auf ihre Freuden hoffen. Die Schrecken dunkler Grabesnacht besieg' ich nun durch deine Macht, und preise dich ohn' Ende. Paul Gerhard, verändert durch Cramer und Diterich. VI. Vom christlichen Glauben und Wandel überhaupt. Mel. O Gott, du frommer Gott zc. 253. Herr err, ohne Glauben kann kein Mensch vor dir bestehen, drum wend' ich mich zu dir mit demuthsvollem Flehen: o zünde selbst in mir den wahren Glauben an, und leite du mich selbst, mein Gott, auf rechter Bahn! 2. Dein Dasein laß, mich Gott, mit leberzeugung glauben; nichts müsse mir das Wort aus meinem Herzen rauben: daß du dem, der dich sucht, stets ein Vergelter seist, und hier und ewig ihn mit deinem Heil erfreust. 3. Wahrhaftig ist dein Wort; 138 laß mich ihm völlig trauen. Nie wanke deine Treu', laß mich darauf stets bauen! Gib, daß ich dir im Glück und Unglück stets getreu, und dem, was du gebeutst, von Herzen folgsam sei! Vom christlichen Glauben und Wandel. 4. Laß mich, mein Jesu, dich im Glauben recht erkennen; dich meinen Herrn und Gott im Geist und Wahrheit nennen! Laß mich im Glauben thun, was mich dein Wort gelehrt, daß dich Herz, Mund und That als meinen Heiland ehrt! 5. Dein göttliches Verdienst fei mir, o Herr, stets theuer! Es fülle mich mit Trost, es mache mich stets freier vom schnöden Lasterdienst; es stärke mich mit Kraft zu deines Namens Ruhm in meiner Pilgrimschaft! 6. Wie selig leb' ich dann im Glauben schon auf Erden! Wie herrlich wird mein Theil dereinst im Himmel werden! Dann schau' ich, was ich hier geglaubt, in ew'ger Ruh'. O stärk' im Glauben mich, Gott meines Heils, dazu! P. Busch, veränd. durch Zollikofer. preise deinen Gott, der dir felbst seinen Sohn zum Helfer sich're Bahn zur Seligkeit dir fund gethan; durch ihn hat er dir Muth und Kraft, auf dieser Bahn zu geh'n, verschafft. 4. Und o! durch welche lange Reih'n von Niedrigkeit, von Schmach und Pein ließ er den Göttlichen nicht geh'n, zum ew'gen Heil dich zu erhöh'n! 5. Vergiß, vergiß zu keiner Zeit die Größe seiner Gütigkeit; denk' oft und stets mit Freuden dran, und bete Gott in Demuth an! 7. Dem, den er dir zum Helfer gab, dem folge redlich bis ins Grab; folg' ihm, und wende dankbar an, was er zu deinem Heil gethan! 8. Erwecke dich dadurch zum Fleiß der Heiligung! Das ist der Preis, den echte Dankbarfeit ihm gibt, ihm, der uns so beglückt und liebt. 9. In diesem Preise übe dich, mein Geist; so hilft er sicherlich dir zu dem Heil, das Gottes Mel. Vom Himmel hoch zc. 254. Auf, freue dich, mein Rath durch ihn' der Welt be mir, und reitet hat. J. S. Diterich. 6. Aus Gegenlieb' und Dankbarkeit sei ihm dein ganzes Herz geweiht, dein Herz, das ihm ganz zugehört, und selig ist, wenn es ihn ehrt! 2. Er, den dir Gott zum Heil gesandt, ist dir ein göttlich Unterpfand, wie innig feine Vatertreu, wie werth ihm deine Wohlfahrt sei. 3. Durch ihn hat er die Mel. Alle Menschen müssen 2c. gibt, preif ihn, daß er so sehr 255. Stärke( denn oft dich liebt! will er wanken) meinen Glauben, Gott! an dich! O wie wird mein Herz dir danken, wie frohlocken! höre mich! Laß mich fest an dir nur halten, und mein Zutrau'n nie erkalten! Sinkt Vom christlichen Glauben und Wandel. 139 mein Glaube; gieße du Del| Stärk' ihn, mehr' ihn, allerdem schwachen Lichte zu! 2. Wollen Zweifel sich erheben, blendet mich des Jrro so mein bester Jesus! Eile, stärk' ihn du! Nur von dir kommt Heil und Ruh'. J. K. Lavater. Mel. O Gott, du frommer Gott zc. err, du her nicht beben, den Verstand 256. Hemich, dir kann ich nicht dunkel sein! Zeige du dein Licht mir wieder, ströme Glauben auf mich nieder! Deiner Wahrheit reiner Glanz, der entwölte sich mir ganz! nichts verhehlen; du sieheſt jede That, du kennst den Rath der Seelen. Ich nahe mich zu dir und fleh' in Demuth dich; entdecke mir mein Herz! denn ach! leicht täuscht es mich. 3. Nur auf dein Wort, nicht auf Lehren schwacher Menschen laß mich seh'n! Deine Stimme laß mich hören, deine Stimme recht versteh'n! Mehr als Zeugniß aller Welten laß mir, Gott, dein Zeugniß gelten! Richte meinen ganzen Sinn nur auf deine Wahrheit hin! 4. Echten Glauben schenk' vor allen andern Gnaden, Vater, mir! Wem er fehlt, muß dir mißfallen; wer ihn hat, ist eins mit dir. Er belebe meine Triebe, sei der Stab, die Hand der Liebe! Er be siege, wie ein Held, durch mich Sündenlust und Welt! 5. Glauben, wie wenn ich dich fähe, flöße mir mein Heiland ein; im Gefühl von deiner Nähe laß mein Herz sich täglich freu'n! Will ich von der Tugend weichen, eile du, dich mir zu zeigen! Gib mir Glauben, nahe dich meinem Geist, und stärke mich! 6. Unaussprechlich schwach und flüchtig ist mein tiefver dorbnes Herz. Heut ist mir die Tugend wichtig, morgen mir die Sünd' ein Scherz. Ach! wär' nur mein Glaube fester! 2. Ich bin ein Christ, getauft, mein Gott, auf deinen Namen. Erfüllt' ich jede Pflicht des Christenthums? und kamen die Werke, die ich that, aus Liebe und aus Pflicht? Bin ich ein Heuchler nur, so kennt mich Christus nicht. 3. Hab' ich dich, Gott, geliebt und durch ein frommes Leben mich immer dir geweiht, mein Herz dir ganz ergeben? hat mich dein heil'ges Wort gebessert und erfreut, war ich, was es befiehlt, auch stets zu thun bereit? 4. Vertraut' ich standhaft dir in Kummer, Noth und Leiden? verdankt ich dir mein Glück? blieb ich bei meinen Freuden der Tugend treu? war ich auf's Ewige bedacht? und hab' ich jeden Tag zu meinem Heil vollbracht? 5. Gebraucht' ich meinen Geist mit allen seinen Kräften, den Willen und Verstand zu nützlichen Geschäften? Hab' ich für meinen Leib mit Weisheit stets gewacht? und keine böse Lust genährt und angefacht? Vom christlichen Glauben und Wandel. 140 6. Hab' ich die, die du mir zur Aufsicht anvertrauet, durch eignes Beispiel gern gebessert und erbauet? Sorgt' ich stets für ihr Wohl, für ihre Seligfeit? und straf' ich ihr Vergeh'n mit Lieb' und Freundlichkeit? 7. Blieb ich der Wahrheit treu? war ich voll Menschen liebe? und regten sich in mir des Mitleids edle Triebe bei meiner Brüder Noth? Floh ich des Stolzes Reiz? verschloß ich Aug' und Herz der Habsucht und dem Geiz? 8. Hab' ich, wie Jesus that, gesegnet, die mir fluchten? hab' ich auch die geliebt, die mir zu schaden suchten? bezwang ich meinen Zorn? zeigt ich Verföhnlichkeit? erregte And'rer Glück nicht oft in mir den Neid? 9. War ich der Unschuld Trost, und hab' ich sie vertheidigt? hab' ich durch Härte nie den Dürftigen beleidigt? Brach ich den Hungrigen mein Brot? und that' ich's gern? War Uebermuth und Troß und Herrschsucht von mir fern? nicht, laß mich Erhörung sehen! Vergib nach deiner Vaterhuld mir alle meine Sündenschuld, auch die verborgnen Fehler! 2. Verstand und Weisheit gib mir, Gott, dich würdig zu verehren! Laß keinen Leichtsinn, keinen Spott in meiner Pflicht mich stören! Durch mein Gewissen weck' mich auf zu einem treuen Tugendlauf, daß ich ihn selig ende! 3. Ein Herz, das dir allein vertraut in fummervollen Leiden, und das auf deine Güte schaut bei dem Genuß der Freuden, ein Herz, das deine Ehre liebt und sich im Guten standhaft übt, verleihe mir, mein Vater! 4. Gib, daß ich, wie dein Wort gebeut, den Nächsten als mich liebe, und nie durch Rachgier oder Neid und Härte ihn betrübe; daß ich den Kummer, den er klagt, den Hunger, der den Armen nagt, gern nach Vermögen stille! 10. Allwissender, wer fann, wie oft er fehlet, merken? Sei gnädig, handle nicht mit mir nach meinen Werfen! Vergebung ist bei dir! Laß ihren Trost auch mein, und mich dadurch gestärkt zum Fleiß der Beff'rung sein! 5. Gib, daß ich in der Frömmigkeit, in der Geduld und Liebe, in Sanftmuth und Gerechtigkeit mich unermüdet übe; daß ich um mich Glückseligkeit und Tugend und Zufriedenheit stets zu verbreiten suche! 6. Will mich, Gott, deine Gütigkeit mit Ehr' und Reichthum segnen, so laß mich mit Bescheidenheit den Niedern stets begegnen! Wenn kummervoll mein Auge weint, so gib mir 3. A. V. Weigel. Mel. Aus tiefer Noth schrei' ich zc. 257. Erfüllt, mein Gott, einen treuen Freund, der mitmit Zuversicht, komm' ich zu dir mit Flehen. Leidsvoll mich tröste! 7. Verleih, daß ich den Sei gnädig mir, verwirf mich| Müßiggang, der Laster Quelle, Vom christlichen Glauben und Wandel. 141 hasse und mir an dem mein| gebeut, verschieben, so schändest Lebenlang, was du gibst, du sein Wort und mußt dich g'nügen lasse, daß ich getreu selbst nicht lieben. Ist deine in dem Beruf, zu welchem Besserung nicht deiner Seele mich dein Wille schuf, mir und Glück? Und wer verschiebt sein dem Nächsten nüße! Heil gern einen Augenblick? 2. Allein wie schwer ist's nicht, sein eignes Herz bekämpfen, Begierden widersteh'n, und seine Lüfte dämpfen? Ja, Sünder, es ist schwer; allein zu deiner Ruh' ist dieß der einz'ge Weg, und dem entsagest du? 3. Ist deine Pflicht von Gott, wie kannst du sie vergessen? Nach deinen Kräften selbst hat er sie abgemessen. Was weigerst Frrthum fern, daß du dich noch? Ist Gott denn ein Tyrann, der mehr von mir verlangt, als ich ihm leisten kann? 4. Sprich selbst, gewinnet Gott, wenn ich ihm kindlich diene und, seiner werth zu sein, im Glauben mich erfühne? Wenn du die Tugend übst, die Gott, dein Herr, gebeut, wem dienst du? ringst du nicht nach deiner Seligkeit? 8. Verleih' mir Schwachen Muth und Kraft, das Gute zu vollbringen! Hilf du mir jede Leidenschaft, die mich verführt, bezwingen und muthig tämpfen als ein Christ den Kampf, der mir verordnet ist, daß ich das Ziel erreiche! | J. A. V. Weigel. In eigener Melodie. 258.thum fern, daß ern sei Wahn und die Christen wären, welche Jesum zwar als Herrn mit dem Munde ehren, aber ihm nicht gleich gesinnt, nicht der Tugend Freunde find. 2. Schände nie, wer Jesum nennt, Jesum durch sein Leben! Wer den Göttlichen bekennt, sei ihm ganz ergeben, wandle nur der Tugend Bahn! Jesus ging sie selbst voran. 3. Gott, erleuchte meinen Geist, daß kein todter Glaube, der dich bloß mit Worten preist, mir den Eifer raube, christlich tugendhaft zu sein, jede böse That zu scheu'n! 4. Was wir säen, ernten wir. Gute Saaten geben guter Früchte Segen mir auch für's künft'ge Leben. Laß mich guten Saamen streu'n, und mich dort der Ernte freu'n! 5. G. Demme. 5. Was weigerst du dich noch, das Laster zu verlassen? Weil es dein Unglück ist, befiehlt Gott, es zu hassen. Was weigerst du dich noch, der Tugend Freund zu sein? Weil sie dich glücklich macht, befiehlt fie Gott allein. 6. Gott beut die Kraft dir an, das Gute zu vollbringen; soll er durch Allmacht dich, ihm zu gehorchen, zwingen? Er gab dir die Vernunft, und du verleugneft sie, Er sendet Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 259. Willst du die Buße dir dein Wort, und du ge= noch, die| horchst 142 Vom christlichen Glauben und Wandel. 7. Sprich nicht: Gott kennt| Sünder, der beharrt, nicht Gott mein Herz; ich hab' es ihm zuletzt dahin? verheißen, mich noch dereinst, mich bald vom Laster loszureißen; jetzt ist das Werk zu schwer. Doch diese Schwierigkeit, die heute dich erschreckt, wächst sie nicht durch die Zeit? 8. Je öfter du vollbringst, was Fleisch und Blut befohlen, je stärker wird der Hang, die That zu wiederholen. Scheuft du dich heute nicht, des Höchsten Feind zu sein, um wie viel weniger wirst du dich morgen scheu'n! 9. Ist denn die Buß ein Werk von wenig Augenblicken? Kann dich kein schneller Tod der Welt noch heut' entrücken? Ist ein Gebet zu Gott, ein Wunsch nach Besserung und Angst vor Strafen wol die wahre Heiligung? 10. Ift's g'nug zur Seligkeit, des Glückes der Erlösten, wenn uns der Tod ergreift, sich sicher zu getrösten; ist das Bekenntnis g'nug, daß uns die Sünde reut: so ist kein leichter Werk, als deine Seligkeit. 11. Doch fordert Gott von uns die Reinigkeit der Seelen; ist keine Seele rein, wo Glaub' und Liebe fehlen; ist dieses dein Beruf, Gott dienen, den du liebst: so zitt're vor dir selbst, wenn du dieß Werk verschiebst! 12. Der Glaube heiligt dich. Ist dieser dein Geschäfte? Nein, Mensch! und du verschmähst des Geistes Gottes Kräfte? Erschreckt dich nicht sein Wort? Gibt in verkehrten Sinn den 13. Hat Christus uns erlöst, damit wir Sünder bleiben und sicher durch sein Blut das Laster höher treiben? Gebeut uns Christi Wort nicht Tugend, Recht und Pflicht, so ist es nicht von Gott; Gott widerspricht sich nicht. 14. Noch heute, weil du lebst und seine Stimme hörest, noch heute strebe, daß du dich vom Bösen kehrest! Um Beistand bitte Gott, willst du zu deiner Pein, daß du dein Glück versäumt, nicht ewig noch bereu'n. 15. Entschließe dich beherzt, dich selber zu besiegen; der Sieg, so schwer er ist, bringt göttliches Vergnügen. Was zagst du, geht er gleich im Anfang langsam fort? Sei wacker! Gott ist nah' und stärkt dich durch sein Wort. 16. Ruf' ihn in Demuth an; er tilget deine Sünden; und läßt dich sein Geseß erst ihren Fluch empfinden, so widerstreb' ihm nicht; denn Gottes Traurigkeit wirkt eine Reu' in dir, die niemals dich gereut. 17. So süß ein Laster ist, so giebt's doch keinen Frieden, dem Tugendhaften nur hat Gott dieß Glück beschieden. Ein Mensch, der Gott gehorcht, erwählt das beste Theil; ein Mensch, der Gott verläßt, verläßt sein eignes Heil. 18. Die Buße führt dich nicht in eine Welt voll Leiden! Gott kennt und liebt dein Glück; sie führt zu deinen Freuden, Vom christlichen Glauben und Wandel. 143 ein Wort verführt. macht deine Seele rein, füllt| nicht rührt, hat oft ein Blick, dich mit Zuversicht, gibt Weisheit und Verstand und Muth zu deiner Pflicht. 19. Sprich selbst, ist dieß kein Glück, mit ruhigem Gewissen die Güter dieser Welt, des Lebens Glück genießen, und mäßig und gerecht in dem Genusse sein und sich der Seligkeit schon hier im Glauben freu'n? C.F. Gellert. 5. Oft schläft der Trieb in deinem Herzen, du scheinst von Rachsucht dir befreit; jetzt sollst du eine Schmach verschmerzen, und sieh, dein Herz wallt auf und dräut, und schilt so lieblos und so hart, als es zuerst gescholten ward. 6. Oft denkt, wenn wir der Stille pflegen, das Herz im Stillen tugendhaft; kaum lachet uns die Welt entgegen, so regt Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 260. Nicht jede Beſſerung sich unsre Leidenschaft; wir werden im Geräusche schwach, und geben endlich strafbar nach. ist Tugend, oft ist sie nur ein Wert der Zeit. Die wilde Hiße roher Jugend wird mit den Jahren Sittsamkeit, und was Natur und Zeit gethan, sieht unser Stolz für Tugend an. 7. Du opferst Gott die leichtern Triebe durch einen strengen Lebenslauf. Doch opferst du wol seiner Liebe auch gern die liebste Neigung auf? Dieß ist das Auge, dieß der Fuß, deß sich der Christ entäußern muß. 2. Oft ist die Aend'rung deiner Seele ein Tausch der Triebe der Natur. Du fühlst, wie Stolz und Ruhmsucht quäle, und dämpfst sie; doch du wechselft nur. Dein Herz fühlt einen andern Reiz; dein Stolz wird Wollust oder Geiz. 3. Oft ist es Kunst und Eigenliebe, was Andern strenge Tugend scheint; der Trieb des Neids, der Schmächsucht Triebe erwecken dir so manchen Feind; du wirst behutsam, schränkst dich ein, fliehst nicht die Schmähsucht, nur den Schein. 4. Du denkst, weil Reize dich nicht rühren, durch die des Nächsten Tugend fällt, so werde nichts dein Herz verführen; doch jedes Herz hat seine Welt. Den, welchen Stand und Gold 8. Du fliehst, geneigt zur Ruh' und Stille, die Welt, und wählst die Einsamkeit. Doch bist du, wär' es Gottes Wille, auch dieser zu entflieh'n bereit? Dein Herz haßt Habsucht, Neid und Zank, doch Unmuth nicht, noch Müßiggang. 9. Du scheinst gerecht, du bist bescheiden; übst du auch Sanft= muth und Geduld? Du dieneſt gern, wenn andre leiden; vergibst du Feinden auch die Schuld? Von allen Lastern sollst du rein, zu jeder Tugend willig sein. 10. Gott, heilige du mein Bestreben! Werd' ich durch Sinnlichkeit versucht, so wirst du Kraft zum Kampfe geben, zur Besserung und Glaubens Vom christlichen Glauben und Wandel. 144 frucht. Durch deines Sohnes Geift allein kann dir mein Thun gefällig sein. 11. Du bist's, der Trieb zum Guten schenket. Du bist's, der auch Vollbringen schafft. Der Schwache, den dein Beistand lenket, wird stark und reich an Glaubenskraft, und bringt durch diese Prüfungszeit zur fünftigen Vollkommenheit. C.F. Gellert. daß ich die Eitelkeit und ihren Reiz verachte! Das Irdische vergeht mit aller Herrlichkeit. Wer deinen Willen thut, der bleibt in Ewigkeit. 6. Gib mir ein frommes Herz, daß ich nicht von dir weiche! Gib Glaubensfestigkeit, daß ich das Ziel erreiche, und sond're durch dein Wort mich so vom Bösen ab, daß meine Frömmigkeit beharre bis ins Grab! 7. Heil, guter Vater, mir! dein Beifall wird mich segnen. Jm Tod und Leben wird dein Beistand mir begegnen. Dein Himmel wird mir einst versüßen jeden Schmerz. Erfüll', o Gott, mein Fleh'n: gib mir ein frommes Herz! 3. 8. Stard. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 261. Gib mir ein frommes ib mir ein frommes Herz, du Geber guter Gaben! Dieß sei mein größtes Gut, das ich begehr' zu haben. Dieß sei mein größter Zweck im Leben auf der Welt, weil Frömmigkeit vor dir nur wahren Werth behält. mir ein bei allem meinem Denken! Will 262. Gebet, und laß He Die vorige Melodie. err, höre mein mich mein eitler Sinn zu bösen Thaten lenken, so halte mich dein Wort ab von des Lasters Bahn, so treibe mich dein Geist zu Pflicht und Tugend an! es dir gefallen! Es ist mein ganzer Ernst, auf deiner Bahn zu wallen. Ergreife, leite, stärk' den Schwachen, der dir fleht; verwirf die Bitte nicht, die mir vom Herzen geht! 3. Gib mir ein frommes Herz, wenn sich Verführung zeiget, die auch ein gutes Herz täuscht und zum Bösen neiget! Hilf, guter Bater, mir das üble Bei spiel flieh'n. Wie Jesus fromm zu sein, sei ewig mein Bemüh'n! 4. Gib mir ein frommes Herz, daß, wenn ich Böses höre, mich auch Gewohnheit nicht verleite und bethöre! Du, Gott, du forderst selbst von Worten Rechenschaft; o laß im Reden auch mich sein gewissenhaft! 5. Gib mir ein frommes Herz, wenn ich die Welt betrachte, 2. Du willst, daß ich mich treu in jeder Tugend übe. Der Glaube, den du wirkst, soll fruchtbar durch die Liebe in wahrer Heiligkeit, in guten Werken sein; drum will ich dir, mein Gott, mein ganzes Leben weih'n. 3. Dieß will ich, und doch macht die Schwäche meiner Seele und der Verführung Reiz, daß ich so oft noch fehle. Ich seh' der Tugend Glück; ich wünsche gut zu sein; und Vom christlichen Glauben und Wandel. 145 doch gibt's immer noch so vieles| bin, der Freuden Fülle schauen, zu bereu'n! und wenn du ewig lohnst für jede gute That, frohlocken, daß mein Herz sich dir geheiligt hat. I. A. Cramer. 4. Das siehst du, Herr, mein Gott, o sieh' es mit Erbarmen, und stärke väterlich mit deiner Kraft mich Armen! Gib meiMel. Valet will ich dir geben 2c. nem Geiste Licht, gib meinem 263. Wünſch' ich als ich Christ leben, glücklicher mit Welt und Leidenschaft! 5. Eröffne den Verstand, stets heller einzusehen, daß Sünd' uns elend macht, daß wahres Wohlergehen und innrer Friede nur aus reinem Herzen fließt, daß du mit deiner Huld der Freuden Quelle bist! 6. Laß in Versuchung mich nicht zaghaft unterliegen! Ermunt're mich zum Muth, und hilf dem Schwachen siegen; mein Auge laß allein auf deine Weisheit schau'n, mein Herz dir folgsam sein, und dann dir froh vertrau'n! 7. Ich bin ein Pilger hier, umringt von vielen Sündern, ihr Beispiel könnte leicht der Tugend Eifer hindern. Wenn der Verführung Gift, des Leichtsinns frecher Spott dem Geist gefährlich wird, dann steh' mir bei, mein Gott! 8. Bewahre mein Gemüth, daß mich bis an mein Ende die falsche Fröhlichkeit der Eiteln nie verblende! Des Lasters Freud' und Glück erzeuget Reu' und Pein; laß diesen Wechsel mir doch stets vor Augen sein! 9. So werd' ich, Herr, mein Gott, dir nicht umsonst vertrauen; einst, wenn ich treu dir so muß ich alles scheu'n, was sündlich ist, und streben, untadelhaft zu sein; muß Gottes Wege wandeln, muß auch beim Haß der Welt nach seiner Vorschrift handeln, muß thun, was Gott gefällt. 2. Zeitlebens muß ich ringen, muß stets gewissenhaft die Welt und mich bezwingen und jede Leidenschaft; muß, daß ich überwinde, auf Gottes Willen seh'n, und jeden Reiz zur Sünde mit ihrer Lust verschmäh'n. 3. Der Sünde Täuschereien muß ich behutsam flieh'n und mich den Schmeicheleien der Eigenlieb' entzieh'n; muß mich in den Gefahren, die überall mir dräu'n, den Glauben zu bewahren, von Menschenfurcht befrei'n. 4. So soll ich stets auf Erden im Guten fertiger, gewissenhafter werden, Gott immer ähnlicher; im Glücke ftets bescheiden, mich weis' und mäßig freu'n, und prüft mich Gott durch Leiden, im Leiden standhaft sein. 5. Wie schwer ist dieß Geschäfte der wahren Besserung für meine schwachen Kräfte! wie schwer die Heiligung! Allein ich kämpf und ringe auch um das höchste Gut; und 10 Vom christlichen Glauben und Wandel. 146 daß ich es vollbringe, gibt Gott mir Kraft und Muth. 6. Ja, du wirst Kraft mir geben, o Gott, mein Vater du, zum tugendhaften Leben, und Muth und Seelenruh. Ich werde nie erliegen im Kampf, du stärkest mich. Durch dich, Gott, werd' ich siegen, und selig sein durch dich. 3. A. Cramer. mich feines Andern sein! Er hat mich dir erkaufet. 5. Durch ihn versöhnt und dir zum Ruhm erkauft mit seinem Leiden, will ich mich, Gott, dein Eigenthum, von dir nie wieder scheiden. Ge freuzigt werde mir die Welt, getödtet, was dir nicht gefällt, damit ich dir nur lebe! 6. Dieß wirte deine Kraft in mir und schaffe das Vermö gen, die Sünde, die, o Höchster, dir verhaßt ist, abzuMel. Es ist das Heil uns kommen 2c. 264. mein ein bin ich, Herr, und nimm ganz mich hin, gib mir einen neuen Sinn, damit ich dir gefalle! 7. So werd' ich, der ich finster war, ein Licht in deinem Lichte, besteh' einst mit der fleinen Schaar der Frommen im Gerichte, frohlocke dann und lobe dich, daß deine Gnad' und Treue mich gerecht und felig machte. 3. A. Cramer. 4. Dein Sohn erniedrigt sich und stirbt, und leidet uns're Strafen, büßt für die Laster und erwirbt Befreiung ihren Sclaven. Wie vielfach, Höchster, bin ich dein? O laß zum Opfer ganz ergeben, recht schaffen, fromm und rein will ich vor deinen Augen leben. Wie könnt' ich eines Andern sein? Bin ich nicht durch die Schöpfung dein? und dein durch die Erlösung? 2. Ich fiel und wandte mich von dir, zur Finsterniß vom Lichte; doch wandtest du dich, Gott, zu mir mit deinem Angesichte. Erbarmen war dein Mel. Ach Herr, mich armen Sünder zc. Angesicht, mich von der Fin-* 265. W enn Alle untreu werden, sterniß ins Licht zu dir zurück zu rufen. 3. Dein, dein ist die Barmherzigkeit, du liebest selbst die Sünder; du rufft: feid geistlich mir geweiht, und meiner Gnade Kinder! Bekehret euch und fasset Muth! dort fließet der Versöhnung Blut, von Sünden euch zu waschen. so bleib' ich dir doch treu, daß Dankbarkeit auf Erden nicht ausgestorben sei. Für mich umfing dich Leiden, du starbst für mich in Schmerz; drum geb' ich dir mit Freuden auf ewig dieses Herz. 2. Oft möcht' ich bitter weinen, daß du gestorben bist, und daß die Zahl der Deinen so klein auf Erden ist. Von Liebe nur durchdrungen, haft du so viel gethan; und doch, wie du gerungen, wie viele denken dran? Vom christlichen Glauben und Wandel. 147 eb'ner Bahn durch deinen Geist zu dir hinan! 3. Du stehst voll treuer| dir gefalle, und leite mich auf Liebe noch immer Jedem bei; wenn feiner treu dir bliebe, so bleibst du dennoch treu. Die treu'ste Liebe sieget; am Ende fühlt man sie, weint bitterlich und schmieget sich kindlich an dein Knie. 5. Es sei mein Ruhm, dir werth zu sein, was du gebeutst, zu üben; mein höchstes Gut, mich dein zu freu'n, von Herzen dich zu lieben, mein Trost, auf deinen Schutz zu trau'n, und meine Hoffnung, dich zu schau'n. 4. Ich habe dich gefunden; o lasse nicht von mir! Laß innig mich verbunden auf ewig sein mit dir! Einst schauen tausend Brüder auch wieder himmelwärts, und sinken liebend nieder, und fallen dir ans Herz. Novalis. Mel. Mach's mit mir, Gott 2c. 266. Bald ald oder spät des Todes Raub, wall' ich noch hier auf Erden, ich Sterblicher; doch dieser Staub soll einst unsterblich werden. Und dann ist mein bestimmtes Theil, o Gott! Verwerfung oder Heil. 2. Mit Ernst und Eifer soll der Christ nach seinem Heile ringen, verachten, was auf Erden ist, hinauf zu Gott sich schwingen, getroft den Pfad der Trübsal geh'n, und standhaft in Versuchung steh'n. 3. Noch weiß ich, daß ich laufen muß; noch bin ich in den Schranken, noch nicht zum Ziel, und ach! mein Fuß beginnet oft zu wanken. Herr, stärke mich durch deine Kraft auf dieser kurzen Pilgerschaft! 4. So lang' ich noch ein Fremdling hier in diesem Leibe walle, so schaff' ein reines Herz in mir, ein Herz, das 6. Die freche Thorheit dieser Zeit soll nie mehr meinen Glauben, den süßen Trost der Ewigkeit, des Himmels Hoffnung rauben. Was lindert sonst des Lebens Noth, und was verfüßt mir einst den Tod? 7. Was ist die Trübsal dieser Zeit und alles Leid der Erden, Gott, gegen jene Herrlichkeit, die kund an uns soll werden? Schnell flieht mein irdisch Leben hin. Wohl mir, wenn ich stets wachsam bin! 8. Bin ich nicht Gottes Eigenthum? Nichts soll von ihm mich scheiden, nicht Wollust, Güter oder Ruhm, nicht Schmach, nicht Tod noch Leiden. Ob dieser Leib in Staub zerfällt, kenn' ich doch eine beff're Welt. 9. Der uns in Christo alles gibt, Gott, wird mich nicht vernichten; der uns bis in den Tod geliebt, wird mich mit Gnade richten. Wenn Erd' und Himmel untergeh'n, werd' ich zum Leben aufersteh'n. 10. Du, der uns dieses Heil erwarb, laß, Jesu, mich's ererben! Du, der für alle Menschen starb, laß, jesu, dir mich sterben! Gib, daß ich dir im 10* Vom christlichen Glauben und Wandel. 148 Leben treu, getreu bis in den Tod dir sei! G. B. Funk. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele zc. 267. Nehre mich, Herr, beſſern Gütern trachten. recht bedenken, was wahrhafte Weisheit sei! Meinen Fleiß darauf zu lenken, stehe mir aus Gnaden bei! Denn die Klugheit, die die Welt ohne Grund für Weisheit hält, fördert nicht mein Wohlergehen und wird nie vor dir bestehen. 2. Weisheit ist's, wenn unsre Seelen sich, Herr, deines Wortes Licht nur allein zum Zeitstern wählen, und mit fester Zuversicht diesem Licht sich anvertrau'n. Denn die folgsam darauf schau'n, ihre Hoffnung darauf gründen, werden Heil und Leben finden. 3. Weisheit ist es, danach trachten, recht mit sich bekannt zu sein; sich nicht schon vollkommen achten, und den Eigendünkel scheu'n, gern auf seine Fehler seh'n, reuend sie vor Gott gesteh'n, eifrig stets nach Bess'rung streben, und sich deß doch nie erheben. 4. Weisheit ist es, Christum ehren, seiner Mittlerhuld vertrau'n, ſo auf ſeine Stimme hören und auf dieser Welt, nicht Gemächlichkeit und Geld für das wahre Wohlsein achten; nein, nach schau'n, daß man falsche Wege flieht und mit Eifer sich bemüht, seinem Bilde hier auf Erden immer ähnlicher zu werden. 5. Weisheit ist es, alles meiden, was mit Reu' das Herz beschwert, und sich hüten vor den Freuden, die der Sünden dienst gewährt; nicht die Ehre 6. Weisheit ist es, Gottes Gnade sich zu seinem Zweck erseh'n, und auf seiner Wahrheit Pfade diesem Glück entgegen geh'n, gerne Gottes Willen thun, froh in seiner Fügung ruh'n und, wenn Leiden uns beschweren, hoffend mit Geduld ihn ehren. 7. Weisheit ist's, im Erdenleben stets zum Himmel sich erzieh'n, nur nach wahrem Werthe streben, und den falschen Schimmer flieh'n, der uns zwar entgegen lacht, aber ewig elend macht, wenn wir unser Glück auf Sünden, nicht auf Recht und Tugend gründen. 8. Diese Weisheit ist auf Erden, Höchster, unser bestes Theil; die von ihr geleitet werden, deren Weg ist Licht und Heil. Solche Weisheit kommt von dir. Gott, verleihe sie auch mir; laß sie mich zu allen Zeiten auf den Weg zum Himmelleiten! 3. A. Freylinghausen, veränd. durch Bruhn. Mel. O Gott, du frommer Gott zc. 268. W er Gottes Wege geht, nur der hat großen Frieden. Wie herrlich ist sein Lohn ihm selbst von Gott beschieden! Voll Glaubens widersteht er jeder bösen Lust, ist seiner Tugend sich froh vor dem Herrn bewußt. 2. Er merkt auf seinen Gang, geht ihn mit festem Muthe; wird in der Schwach Vom christlichen Glauben und Wandel. 149 heit start, liebt immer mehr| kein Leid ihn schrecket, gibt ihm das Gute. Ihn machet Gottes Geist gerecht und tugendhaft, und er nimmt immer zu an Kenntniß und an Kraft. in Leiden Muth und stillet jeden Schmerz. Im Tode selbst frohlockt sein Gott ergeb'nes Herz. C.F. Gellert, verändert. 3. Gott hat er allezeit vor Mel. Ach Herr, mich armen Sünder zc. Augen und im Herzen, wacht 269. Wie ſchwach iſt meine Tugend; vor Er der Sünde Schmerzen. eilet, wenn er fällt, den Fall gleich zu bereu'n, sucht Gnad' und strebt nunmehr, der Tugend treu zu sein. 4. Getreu in seinem Stand, genießt er Gottes Gaben vergnügt, wenn And're gleich mehr Glück und Ansehn haben; durch Gott bei wenigem zufrieden, frei von Neid, von Habsucht und von Geiz, von Stolz und Eitelkeit. 5. Schenkt Gottes Hand ihm viel, so wird er Vielen nüßen, des Freundes Glück erhöh'n, verlass'ne Tugend schüßzen; auch selbst Beleidiger wird er in Noth erfreu'n; gut wie sein Gott gesinnt, wird er auch milde sein. 6. Er fränkt den Nächsten nie, schüßt seinen Ruhm, sein Leben; er trägt ihn mit Geduld, ist wil lig zum Vergeben. Und übereilt ihn auch ein Zorn, so faßt er sich und denket gleich: wie oft verschonet Gott auch mich! 7. Er suchet jedes Herz im Guten zu bestärken; und alle reizet er zu allen guten Werken. Mit allen suchet er vereiniget zu sein, mit ihnen eines Herrn und Heils sich einst zu freu'n. 8. Das Heil der Ewigkeit, das hier der Fromme schmecket, erhält ihn so getrost, daß auch wie leicht verirr' ich mich! Seit meiner frühen Jugend, wie oftmals strauchelt' ich; zum Guten oft zu träge, und finnlich bis ins Grab, führt mich vom rechten Wege gar leicht Verblendung ab. 2. Oft fehlt es mir an Muthe, zu thun nach meiner Pflicht; ich kenne wohl das Gute, und thu' es dennoch nicht; leicht laß ich mich verleiten, das Böse zu vollzieh'n, scheu' mich, es zu bestreiten, versäum', ihm zu entflieh'n. 3. Gott, laß mich eifrig streben, der Tugend treu zu sein, zur Ehre dir zu leben, des Guten mich zu freu'n; laß mich es nie vergessen, daß auch der Fromme fällt, der sich stolz und vermessen vor'm Falle sicher hält! 4. Um auch die kleinsten Sünden mit Vorsicht stets zu flieh'n, laß lebhaft mich empfinden, daß sie zu größern zieh'n; laß über meine Tri mich immer wachsam sein, erhalt' von Sündenliebe, Herr, meine Seele rein! 5. Wenn mir der Welt Gefahren und Eitelkeiten dräu'n; hilf mir mein Herz bewahren, und laß es standhaft sein! Laß mich Verführer scheuen, als falsche Freunde flieh'n, Vom christlichen Glauben und Wandel. 150 die mich durch Schmeicheleien in ihre Nebe zieh'n! 6. Mein Herz kann bald verzagen, bald wieder troßig sein; hier, was es nicht soll, wagen, dort, was es nicht darf, scheu'n; kann leicht mich hintergehen durch seiner Lüste Spiel; will, was es täuscht, nicht sehen, und trauet sich zu viel. 7. Gib, Gott, auch hier mir Schwachen Muth und Entschlossenheit, zu beten und zu wachen, daß mich kein Schritt gereut; gib, daß ich stets bemerfe, wenn sich mein Herz verirrt, und, stolz auf seine Stärke, selbst sein Verräther wird. 8. Dann werd' ich nicht erliegen; bei steter Wachsamkeit hilfft du, mein Gott, mir siegen in jedem schweren Streit. Von dir werd' ich nicht weichen, so sehr Gefahren droh'n, des droh'n, des Glaubens Ziel erreichen, mit ihm des Kampfes Lohn. 3. C. Grot. Mel. In allen meinen Thaten 2c. 270. Gebir biene, daß ich ib, Gott, wenn ich dir diene, daß ich mich nie erfühne, darüber stolz zu sein! Wer kann bei seinen Werken, wie oft er fehlet, merken? Wer ist von Mängeln völlig rein? 2. Such' ich stets deinen Willen so eifrig zu erfüllen, als es dein Wort gebeut? Trag' ich der Tugend Bürde aus Kenntniß ihrer Würde auch immer mit Zufriedenheit? 3. Entzieh' ich mich den Sünden auch stets aus rechten Gründen? aus wahrer Frömmigkeit? Oft sind die guten Triebe nicht Früchte deiner Liebe, nur Früchte der Natur und Zeit. 4. Der Sünden meiner Jugend, der Mängel meiner Tugend, o Herr, gedenke nicht! Willst du mit deinen Knechten, wie sie's verdienet, rechten, so trifft sie alle dein Gericht. 192 5. Doch wenn auch dir zur Ehre rein meine Tugend wäre, weß ist dieß Eigenthum? Wer ließ mich unterrichten? wer ließ in meinen Pflichten mein Glück mich seh'n und meinen | Ruhm? 6. Wer gab mir, dich zu lieben, und dein Gebot zu üben, die Lust und Freudigkeit? Wer stärkte meine Kräfte im Heiligungsgeschäfte? Wer gab mir Muth und Sieg im Streit? 7. Du schaffst, daß ich dich wähle; du rufft mich, wenn ich fehle, auf rechten Weg zurück; du ziehst mich ab von Sünden, und läss'st mich Gnade finden, und gibst zu meiner Besf'rung Glück. 8. Sollt' ich mich deß erheben, was du mir, Herr, gegeben? Gott, laß mich weiser sein und wahre Demuth üben, dich über alles lieben, und deiner Güte mich erfreu'n! C. F. Gellert. 9001007, 130 Erkenntniß Gottes. VII. Erkenntniß Gottes, Liebe und Ehrfurcht gegen Gott. Vertrauen auf Gott. Erkenntniß Gottes. Mel. Herzliebster Jesu, was 2c. as ist, o 271. 2 Erden, das so, wie du, verdient erkannt zu werden? Du führst allein Gedanken und Gefühle zum höchsten Ziele. im Himmel, was auf 272. Dist Seligkeit, und Mel. Ein Lämmlein geht 2c. ich kennen, Gott, sich zu dir erheben ist Wonne, die mein Herz erfreut, wirkt eifriges Bestreben, mich deinem Dienste ganz zu weih'n, und deiner Liebe werth zu sein, und froh es zu empfinden, daß du mein Herr und Vater bist, daß dir es wahre Freude ist, schon hier mein Glück zu gründen. 2. Leicht kann ich deiner Größe Spur bei jedem Blick entdecken; ich seh' den Vater der Natur in allen seinen Zwecken, seh' Ordnung und Zusammenhang in aller deiner Werke Gang, vom Staube bis zur Sonne; und alles, was ich seh' und hör', zeigt deine Größe immer mehr, führt mich zu neuer Wonne. 2. Dich suchen, ist die edelste der Sorgen. Zwar bist du unerforschlich und verborgen; doch willst du, wenn wir nur dein Licht nicht hassen, dich finden lassen. 3. Mit lauter Stimme lehren deine Werke uns, deine Weisheit, deine Güt' und Stärke; auch hast du selbst, sei hoch dafür gepriesen! uns unterwiesen. 4. Und immer mehr willst du dich offenbaren, wenn wir getreu, was du uns lehrst, bewahren; wenn wir, was deine Lehren wirken sollen, uns bessern wollen. 5. Ach möcht' ich, Gott, aus allen meinen Kräften dich suchen, ruh'n von Sorgen und Geschäften, und mein Gemüth, um mich zu dir zu schwingen, zur Stille bringen! 151 6. Ergreife mich, und leite meine Seele, daß sie den Weg zur Wahrheit nicht verfehle; gewähre mir, damit sie nie ermüde, Ernst, Lust und Friede! 7. Dann werd' ich immer besser dich erkennen, und täglich mehr von deiner Liebe brennen, dir gern gehorchen, fröhlich dich erheben, dir, Gott nur leben. S. A. Cramer. 3. Je mehr ich lerne, was du bist, je mehr ich deine Wege und was für mich dein Nathschluß ist, nachdenkend überlege: je mehr entdecket mir der Blick auf das mir einft beſtimmte Glück ein künftig beff'res Leben. Ich weiß: der mir geschenkte Geist, der sich dem Erdenstaub entreißt, wird sich zu dir erheben. 4. Ganz kann nicht meine Fassungskraft, Gott, deine Größe sehen, nicht alles, was dein Rathschluß schafft, ergründen und verstehen. Und wagt mein Forschen dann zu viel, will es das ihm gefeßte Ziel 152 aus Vorwitz überschreiten: so laß mich diesen Vorwitz scheu'n; du willst mir ja mehr Licht verleih'n nach dieses Lebens Zeiten. 5. Dann werd' ich, was ich hier nicht weiß, erfahren und verstehen; dann läßt des Geistes Forschungsfleiß mich immer weiter sehen. Dann wird ihm manches offenbar, was ihm hier immer dunkel war bei deiner Weisheit Wegen. Erhaben über Welt und Zeit, eilt er mit größ'rer Sicherheit dem hellern Licht entgegen. S. C. Grot. mel. Es ist das Heil uns zc. 273. Qobfinget Gott und betet an! Es danke, rühm' und finge, wer denken und empfinden kann, dem Schöpfer aller Dinge! Wie groß, wie stark ist seine Kraft! Wie herrlich, wie untadelhaft find alle seine Werke! Erkenntniß Gottes. 2. Wie schön, wie würdig seiner Macht find aller Himmel Heere! Wie strahlen sie voll Licht und Pracht dem, der sie schuf, zur Ehre! Das Auge sieht sich nimmer satt, fieht, was es auch gesehen hat, doch immer neue Wunder; 3. Nicht Wunder für das Aug' allein, auch Wunder für die Seele, damit es ihr, sich zu erfreu'n, an feiner Schönheit fehle. Wie kunstvoll ändert Gott sie ab, versagt dem, was er Andern gab, und doch ist jedes herrlich! 4. Wo ist ein Gras, wo nur ein Blatt, ein Stäubchen auf der Erde, wodurch nicht Gottes weiser Rath und Huld verherrlicht werde? O wie ist seine Macht so reich! Und was ist deiner Trägheit gleich, wenn du nicht siehst, nicht fühleft? 5. Gab diese Macht, die Schöpferin der Schönheit und des Lebens, dir deinen Geist, so manchen Sinn, so viel Gefühl vergebens? Für wen, für wen, als dich, erschafft, erhält und schmücket feine Kraft so viele schöne Werke? 6. Gott selbst bedarf nichts; seine Hand, die seine Schö pfung schmückte, gab dir Empfindung und Verstand, damit er dich beglückte. Willst du, mein Geist, nicht glücklich sein, willst du nicht gern dich immer freu'n, freu'n, und immer froher werden? 7. Er weckte selbst in deiner Brust die Sehnsucht nach Vergnügen. Er schuf auch Quellen, die voll Lust ftets fließen, nie versiegen. Gib nur auf seine Wunder Acht; wohlthätig ist des Schöpfers Macht; kann dir's an Freude mangeln? 8. Dir wohlzuthun, das ist ihr Ziel, laß dich zum Dank erwecken! O hättest du nur g'nug Gefühl, wie gut Gott ist, zu schmecken! Ist seiner Wohnung Vorhof schon so schön, wie wird dich einst sein Thron, wie wird er selbst entzücken! 3. A. Cramer. Mel. Gott des Himmels und zc. * 274. Liebe, die du mich 274. Lieb Bilde deiner Gottheit haft gemacht; Liebe, Ehrfurcht gegen Gott. 153 die du mich so milde nach dem Fall mit Heil bedacht; Liebe, Chrfurcht gegen Gott. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. dir ergeb' ich mich, dein zu 275. Dich, Höchfter, ehrerbietig 2. Liebe, die du mich ertoren, eh' ich noch geschaffen war; Liebe, die du Mensch geboren, und mir gleich wardst ganz und gar, Liebe, dir ergeb' ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 3. Liebe, die für mich gelitten und gestorben in der Zeit! Liebe, die mir hat erftritten ew'ge Lust und Selig keit; Liebe, dir ergeb' ich mich, dein zu bleiben ewiglich. ist unser Glück und uns're Pflicht. Kein Mensch kann deiner Huld sich freuen, scheut er dein heil'ges Auge nicht. Drum wirke, Vater, selbst in, mir durch deinen Geist die Furcht vor dir! 2. Sie leite mich auf meinen Wegen, sie sei mir Weisheit und Verstand, und treibe mich, das abzulegen, was ich Unheil'= ges an mir fand! Denn wer noch Lust zur Sünde hat, liebt wahrlich dich nicht in der That. 4. Liebe, die mit Licht und Leben mich erfüllet durch ihr Wort; Liebe, die den Geift gegeben mir zum Trost und Seelenhort; Liebe, dir ergeb' ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 3. Gib, daß ich stets zu Herzen nehme, daß du allgegenwärtig bist, und das vor dir zu thun mich schäme, was dir, mein Gott, zuwider ist! Was hilft das Lob der ganzen Welt, wenn dir mein Wandel nicht gefällt? 5. Liebe, die du überwunden meinen harten, stolzen Sinn; Liebe, die du mich gebunden, daß ich ganz dein eigen bin; Liebe dir ergeb' ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 196 4. Nie laß mich dein Gericht vergessen, mich nie mit Sündern fündlich freu'n, nie muthlos, doch auch nie vermessen, 6. Liebe, die mich ewig liebet, noch stolz in deinem Dienste die mich führet Schritt vor sein! Nie führe mich zur SicherSchritt; Liebe, die mir Friedenheit der Reichthum deiner Gügiebet, und mich kräftiglichtigkeit! vertritt; Liebe, dir ergeb' ich mich, dein zu bleiben ewiglich. 7. Liebe, die mich wird bedecken in des Grabes Dunkelheit; Liebe, die mich wird erwecken zu dem Glanz der Herrlichkeit; Liebe, dir ergeb' ich mich, dein zu bleiben ewiglich. Joh. Angelus. 5. Laß mich mit weiser Vorficht fliehen, was mich zu Sünden reizen kann, mich um ein reines Herz bemühen, und nimm dich meiner hilfreich an! So komm' ich in der Gnadenzeit durch dich zur wahren Seligkeit. 6. Erhalt' in mir ein gut Gewissen, das weder Spott noch 154 Trübsal scheu', und mache von den Hindernissen der wahren Tugend selbst mich frei! Nie störe Furcht und Lust der Welt mich, das zu thun, was dir gefällt! Chrfurcht gegen Gott. 7. Mit Ehrfurcht laß mich vor dir wandeln, und stets, ich sei auch, wo ich sei, nach deiner Vorschrift redlich handeln, entfernt von aller Heuchelei! Wer dich von Herzen liebt und ehrt, nur der ist dir, o Vater, werth. 4. Wenn Nacht und Dunkelheit dich decken, die dem Verbrecher Muth verleih'n, wird dich die Furcht des Herrn erwecken, dann auch, was un recht ist, zu scheu'n. Denk' nur, vor seinem Angesicht ist Finsterniß wie Mittagślicht! 5. Den Höchsten öffentlich verehren sowohl als in der Einsamkeit, auf des Gewissens Stimme hören und willig thun, was er gebeut: auch das lehrt dich die Furcht des Herrn, auch das thut, wer ihn fürchtet, gern. 6. Läßt dich die Welt Verachtung merken, wenn du dich fromm von ihr entfernst: die Furcht des Höchsten wird dich stärken, daß du die Welt verachten lernst. Wer Gott, dem Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 276. Willst du der Weis- Höchsten wohlgefällt, iſt glückheit lich bei nen? Die Ehrfurcht ist's vor Gott dem Herrn. Ein Weiser ist nur der zu nennen, der alle seine Pflichten gern, weil Gott sie ihm gebeut, vollbringt wenn gleich dazu kein Mensch ihn zwingt. Welt. 7. Sich stets vor dem Allmächt'gen scheuen, gibt Heldenmuth und Tapferkeit, wenn uns der Menschen stolzes Dräuen, was Gott mißfällt, zu thun gebeut. st Gott mein Schuß, mein Heil, mein Licht, so beb' ich vor den Menschen nicht. 8. In deiner Gnade laß mich sterben, so schreckt mich weder Tod noch Grab; so werd' ich jenes Leben erben, dazu dein Sohn sich für mich gab. Da werd' ich dann mich ewig freu'n und völlig in dir selig sein. B. Schmolke, veränd. durch Diterich. du sie oft versäumet haft. Wer Gott als Zeugen vor sich hat, der freut sich jeder guten That. 2. Lern' Gottes Größe recht empfinden, und fühle deine Niedrigkeit: so wirst du nie dich unterwinden, mit thörichter Verwegenheit zu tadeln, was sein Rath beschließt, der wunderbar, doch heilig ist. 3. Wirst du den Höchsten findlich scheuen, so wird dir keine Pflicht zur Last; nur das wirst du vor ihm bereuen, daß 8. Laß deine Furcht, Gott, mich regieren, mich stets auf dich, den Höchsten seh'n; laß sie mich zu der Weisheit führen: so werd' ich niemals irre geh'n. Wohl dem, der dich stets kindlich scheut! Dich fürchten, Gott, ist Seligkeit. 3. G. Zollikofer. Gid. Mel. Ich dank' dir schon durch zc. 277. Du Herr und Richter aller Welt, deß Auge alles siehet, dem nur der Redliche gefällt, der Trug und Lügen fliehet; schtingle Eid. 2. Laß mir den Eid stets heilig sein, auch dadurch dich zu ehren; mich nie aus Leichtsinn ihn entweih'n, nie aus Gewohnheit schwören! 3. Ehrwürdig sei dein Name mir! So oft ich ihn nur nenne, so sei's mit Ehrfurcht, Gott, vor dir, deß Hoheit ich erkenne. 4. Erfordern es Gesetz und Pflicht, bei dir es zu bezeugen, was Wahrheit sei: so laß mich nicht um Alles sie verschweigen! 05. Die deines Namens Herr lichkeit durch falschen Schwur entweihen, die trifft in ihrer Sicherheit mit Schrecken einst dein Dränen. 6. Drum sei stets meines Herzens Grund voll Ernst, dich, Gott, zu ehren; und fern sei stets von meinem Mund das unerlaubte Schwören! 155 Zeugen ruf', zum Rächer dich, der mich erschuf, durch den ich bin und lebe; dann sei von Trug und Heuchelei mein Herz und meine Zunge frei! 7. Laß mich bedenken, was ich thu', leichtsinnig niemals schwören! Des Eides Richter, Gott, bist du; dich will ich ewig ehren. K. A. Lavater, veränd. durch Diterich. 3115 2. Wenn Frevler da auch Gott noch schmäh'n, mit Lügen frech noch vor ihm steh'n, dann laß mein Herz erschrecken! Weh' dem, der Gott und Gottes Macht zum Spiegel seiner Bosheit macht, sie vor der Welt zu decken; Herz! schau' den Tod mit Zittern an, der Leib und Seel' verderben kann! da 3. Frech ist die Zunge, die spricht: ,, Gott siehet's nicht, Gott achtet's nicht." So lästern Spötterrotten. Ja, Gottes Langmuth ist bekannt; er lähmt nicht jede falsche Hand, doch läßt er sich nicht spotten; zum Strafen hat Gott lang' noch Zeit, zum Strafen in der Ewigkeit. 4. Doch folgt dem Frevler überall die Straf' und des Gewissens Qual schon hier in diesem Leben. Wie elend würd' ich dann nicht sein, dem Fluch und der Verdammung Bein von mir selbst übergeben! Wie tönnt' ich froh, wie mit Vertrau'n nach falschem Schwur den Himmel schau'n? Mel. O Ewigkeit, du Donnerwort zc. 5. Ich kann zwar Menschen hintergeh'n, du aber siehst, was sie nicht seh'n, das n nerste der Seelen. Kein Wort schwörend vor spricht je ein falscher Mund, dir steh', dir feierlich ins Ant- dir, Herzenskenner, ist es kund. lih seh', die Hand zum Himmel hebe; wenn ich dich, Gott, zum 278. W enn ich, Herr! Was kann ich dir verhehlen? Du bringst den Gräuel an das 156 Licht und fürchterlich ist dein Gericht. 6. Nein, Ehre nicht, nicht Macht und Geld, nicht Gunst und Schuß der ganzen Welt soll mich so weit bethören. Ich geb' um aller Welt Gewinn nicht Gott und meinen Himmel hin; und was nütt falsches Schwören? denn alles unrecht Gut zerrinnt, das Meineid und Betrug gewinnt. 7. Gott, lehr' du mich bei jedem Eid aus Furcht vor deiner Heiligkeit die Wahrheit pünktlich sprechen! Beschwör' ich heilig Amt und Pflicht, so laß mich auch im Kleinsten nicht die theure Zusag' brechen! Wer fälschlich schwört, kommt ins Gericht; der Redliche, der Fromme nicht. Aberglaube. Liebe Gottes. | pört! Dann werd' ich weise handeln, mit kluger Vorsicht wandeln, des Zufalls Spiel nicht sein. 4. Ich kann nicht alles wissen, was deiner Weisheit Rath nach heilig hohen Schlüs fen gewählt, geordnet hat; ich kann von deinen Zwecken gar viele nicht entdecken, die uner: forschlich sind. 3. Gern laß mich dem entfagen, was der Verstand nicht lehrt, auf's ungefähr nichts wagen, was die Vernunft em5. Doch Wunder zu begehren aus thöricht falschem Wahn, die mir kein Gott gewähren, ich nicht verlangen kann: das heißet zu vermessen verkennen und vergessen, du seist ein weiser Gott. 20710 ho 6. Jm kleinsten deiner Werke, o Vater der Natur, entdeck' ich Huld und Stärke und deiner Weisheit Spur. Du, der die Welt regieret und mich als Vater führet, lenkst aller Kräfte Gang. 7. O laß mich alles fliehen, was abergläubisch ist, dir nie mein Herz entziehen, der du mein Vater bist! Du, der mich stets beschüßet, du weißt auch, was mir nüßet, dir unterwerf ich mich. 3. C. Grot. Aberglaube. Mel. Herr Gott, nun sei zc. 279. Laß mich den Aberglauben, o Vater, ernstlich scheu'n, ihn mir das Glück nicht rauben, dein treues Kind zu sein, das Glück, dich, deine Lehren von Herzen zu verehren, zu thun, was du befiehlst! 2. Laß mich nach deinen Lehren, vom Aberglauben fern, dich kennen und verehren, dich, Liebe Gottes. Mel. Jesu, der du meine Seele zc. meinen Gott und Herrn, mich 280. Quelle der Vollkomwürdig von dir auf dich mein Zutraun lenken, doch unbesonnen nie! menheiten, Gott, mein Gott, wie lieb' ich dich, und mit welchen Seligkeiten sättigt deine Liebe mich!" Seel' und Leib mag mir verschmach ten:- hab' ich dich, werd' ich's nicht achten; mir wird Liebe deine Lieb' allein mehr als Erd' und Himmel sein. Gottes. 157 7. Noch lieb' ich dich unvollkommen; meine Seel' erkennt es wohl. Dort, im Vaterland der Frommen, lieb' ich dich, Herr, wie ich soll. Ganz werd' ich dort deinen Willen kennen, ehren und erfüllen. Dort empfang' an deinem Thron ich vollkommner Liebe Lohn. B. Münter. 2. Dent' ich deiner, wie erhebet meine Seele sich in mir! Wie getröstet, wie belebet fühl' ich mich, o Gott, von dir! Jeder Blick auf deine Werke, deine Güte, deine Stärke, wie entledigt er mein Herz von Bekümmerniß und Schmerz! 3. aus deiner Segensfülle mir nicht so viel Wohl: 281. Verehret, bent mein Mel. Alles ist an Gottes Segen 2c. den mein dem that zu? Daß ich ward, das war dein Wille; daß ich noch bin, das machst du. Daß ich denke, daß ich wähle, dafür dankt dir meine Seele; dankt dir, daß sie dich erkennt, und dich ihren Vater nennt. Leben angehöret, heilig sei mir dein Gebot, über alles dich zu lieben, deinen Willen gern zu üben und dir treu zu sein, o Gott! 4. Du erkauftest vom Verderben mich durch deinen Sohn, o Gott; ließest den Gerechten sterben, mir zum Leben ward sein Tod. Ewig dort mit ihm zu leben, hast du mir durch ihn gegeben, ewig deiner mich zu freu'n und von dir geliebt zu sein. 5. Sollt' ich dich nicht wieder lieben, der du mich zuerst geliebt, und mit mehr als Vatertrieben so unendlich mich geliebt? Könnt' ich ruhig hier auf Erden ohne deine Liebe werden, ohne sie nach dieser Zeit würdig sein der Seligkeit? 6. Heil mir, daß ich es empfinde, wie so liebenswerth du bist; daß mein Herz vom Haß der Sünde inniglich durchdrungen ist; daß auf dein Gebot ich achte und es zu erfüllen trachte! Heil mir, du verbirgest nicht einst vor mir dein Angesicht! 2. Ohne dich ist doch kein Friede, und die Seele strebt sich müde nach dem Blendwerk dieser Zeit. Ihren Durst kannst du nur stillen, und du willst ihn gern erfüllen, hier und auch in Ewigkeit. 3. Gib, daß schimmernd Glück der Erde nie für mich verführend werde! Deine Huld sei mehr mir werth! Sie nur ist das Glück der Seelen, und das werd' ich nie verfehlen, wenn mein Herz dich kindlich ehrt. 4. Friede werd' ich im Gewissen, hier den Himmel schon genießen, lieb' ich herzlich dich allein; such' ich dir, Gott, mehr als allen, such' ich dir nur zu gefallen: so sind deine Freuden mein. 5. Kann ich, wenn mich Andre hassen, mich auf dich nur, Gott, verlassen, und verdammt mein Herz mich nicht: o so bin ich voller Freude, und verlier', 158 auch wenn ich leide, nicht den Muth zu meiner Pflicht. Liebe Gottes. Dankbarkeit gegen Gott. Mel. O daß ich tausend Zungen zc. bohites" 283. D u, Vater deiner höchstes Menschenkinder, 6. Laß den Reiz der Eitelkeiten nie zu Lastern mich verleiten; bleibe du mein Gut! Hilf mir den Betrug der du die Liebe selber bist, und der Sünden seh'n und stand haft überwinden; gib dazu mir Kraft und Muth! dessen Herz auch gegen Sünder voll Langmuth und Erbarmen ist: laß mich von ganzem Herzen dein in wahrer Gegenliebe sein! ed eno dob 7. Lenke, Vater, mein Bestreben hin zu einem bessern Leben, lehre mich schon in der Zeit mich am Ewigen ergößzen, hier den Werth der Dinge schäßen, wie einst in der Ewigkeit! 2. Verleih, daß ich als Kind dich liebe, da du als Vater mich geliebt, und mich in jeder Tugend übe, die hier mein Heiland hat geübt! Was dir gefällt, gefall' auch mir; nichts J. K. Lavater. Mel. Ein' feste Burg ist unser Gott 2c. 282. Auf ewig iſt der Herrscheide mich, mein Gott, von dir! mein 3. Durch deine Liebe, Herr, befreie, mich von der Liebe dieser Welt, und mach' mich fest in meiner Treue, wenn Fleisch und Blut mir Netze stellt! In mir wohn' deine Liebe nur, nicht Liebe zu der Creatur! Führer und mein Tröster. Er ist mein Gott, mein Licht, mein Heil, und ich bin sein Erlöster. Du verwirfst mich nicht selbst im Gericht. Mit jenes Lebens Ruh' erquickst, beschattest du mich schon in diesem Leben. Dankbarkeit gegen Gott. Vergl. Ma 13. 15. 16. 2. Allgegenwärtig hast du mich, auch mich, den Staub, umgeben. Du siehst mich, ich empfinde dich; seh'n werd' ich dich und leben. Hier und dort und da ist Gott mir nah. Gedanke meiner Ruh', wie reich an Heil bist du! wie reich an Troste Gottes! 3. Ich lebe dir, ich sterbe dir! doch nicht durch meine Kräfte. Bin ich des Herrn, so ist in mir sein göttliches Geschäfte. Ja, ich lebe dir, ich sterbe dir! Ja, Vater, Vater, dein will ich auf ewig sein, auf ewig dein Erlöster!. G. Klopstock. 4. Laß mich um deiner Liebe willen gern üben, was dein Wort gebeut; kann ich's nicht, wie ich soll, erfüllen, so sieh auf meine Willigkeit! O rechne mir nach deiner Huld die Schwachheit, Vater, nicht zur Schuld! 5. Hilf, daß aus Lieb' ich Alles leide, was mir dein weiser Rath bestimmt! Du führst durch Trübsal den zur Freude, der Christi Kreuz gern auf sich nimmt. Ihm trägt das Leiden dieser Zeit einst Früchte der Gerechtigkeit. 6. In deiner Liebe laß mich sterben, dann ist auch Sterben mein Gewinn; dann werd' ich deinen Himmel erben, wo ich Dankbarfeit gegen Gott. 159 dir ewig nahe bin. Dort lieb'| licher Begier nach deiner Gnade ich reiner noch als hier, dich, Gott der Liebe, für und für. ringe, und mich allein in dir mag freu'n, Gott, meiner Seele Leben! Du allermeist fannst meinem Geist die beste Freude Mel. Was mein Gott will 2c. 284. pert, nimmt es geben. ier ist mein Herz, hin, dir hab' ich mich ergeben! Hinweg, o Welt, aus meinem Sinn, mit deinem schnöden Leben! Dein Thun und Tand hat nicht Bestand, deß bin ich worden innen, drum schwingt aus dir sich mit Begier mein freier Geist von hinnen.pl 2. Du, Gott, du bist das höchste Gut; nach dir steht Mel. Aus meines Herzens 2c. mein Berlangen. Ach, möcht 285. Groß ist des Höchsten Muth dir Güte! Wer fie immerfort anhangen! D wäre doch das Sündenjoch von mir hinweggenommen, damit einmal ich zu der Zahl der Sel'gen möchte kommen! 3. Jch seh', es kann die ganze Welt mit allen ihren Schäßen, und was den Sinnen wohlgefällt, die Seele nicht ergößen; ihr Glanz verschwind't wie Rauch im Wind, und Alles muß zerstieben; nur Gott allein wird ewig sein; wohl Allen, die ihn lieben! 4. Wie konnt' es doch zuvor gescheh'n, daß ich gefolgt den Lüsten? wie konnt' ich so weit irre geh'n, o Welt in deinen Wüsten! Nun seh ich ein: Es war nur Schein, was ich mir Glück ließ dünken; ich lief fürwahr dabei Gefahr, in ew'gen Tod zu finken. 6. Drum schwinde hin, was nichtig ist! Ich will es lassen fahren. Du Gott, der du mein Alles bist, du wirst mein Herz bewahren, daß es nicht acht' auf Lust und Pracht, nur dich allein verlange, und bis zum Tod dir, Herr und Gott, mit wahrer Treu' anhange. 5. Gib, daß ich meinen Sinn zu dir hinauf gen Himmel schwinge, mit Lieb' und herz: nicht achtete, welch fühllos Herz verriethe der Unerfenntliche! Sie rettet uns aus Noth, erquickt in allen Leiden, verwandelt sie in Freuden, versüßet selbst den Tod. 2. Und meine Lippen schwiegen von ihr? Ich raubte mir das himmlische Vergnügen, dir Dank zu bringen, dir? Nein, Herr, von meinem Dank sei jeder Morgen Zeuge, und jeden Abend steige zu dir mein Lobgefang! 3. Du wirst mich ferner leiten, so unwerth ich's auch bin; treu bleibt zu allen Zeiten dein milder Vatersinn. Ich hoffe stets auf dich; du wirst in Kümmernissen mir wohl zu helfen wissen; dir überlass' ich mich. 4. Ja, deine Huld ist größer, als wir versteh'n! auch ist dein weiser Rath stets besser, als was der Mensch beschließt. Herr, meine Zuversicht! Dir auf Gott. Er lenkt voll Huld der Welten Lauf, lenkt jeden Gang der Sonne. Was dich erfreuet, schenkt er dir; durch ihn nur sind und leben wir. Er ist allgegenwärtig. Vertrauen auf Gott. Mel. Seele, was ist schöner's noch zc. 2. Wenn du, zu thun, was 286. Was der gute Bater ihm gefällt, den frommen Borwenn 160 Vertrauen froh mich zu ergeben, dich dankbar zu erheben, sei Freude mir und Pflicht! L. F. Neander. Menschen liebt, der so gern mit milder Hand, was uns nüßet, gibt; was unser Gott, unser guter Bater thut, das ist weise, das ist gut. Vertraut auf Gott! 2. Er, der Thieren Wohlgefühl ihres Lebens gab, der, o Menschen, blickt auf euch liebevoll herab. Was unser Gott 2c. 3. Und verzweifeln sollten wir, wenn des Vaters Hand um des Lebens Rosen uns manche Dornen wand? Was unser Gott 2c. 4. Brüder, denen Sorg' und Gram jetzt am Herzen nagt, blickt zu Gottes Himmel auf und seid unverzagt! Was unser Gott 2c. 5. Hüllt die Zukunft sich in Nacht, auf der Bahn der Pflicht wandelt ihr durch Finsterniß einst zum hellern Licht. Was unser Gott 2c. Vater, wir vertrau'n auf dich! Sturm und Sonnenschein, was du, Vater, gibst und thust, muß uns heilsam sein. Gelobt sei Gott! Er verläßt die Seinen nicht, Gott ist unsre Zuversicht. Gelobt sei Gott! 5. G. Demme. Mel. Es ist das Heil uns 2C. 287. 3 schwing' dich auf Qu Gott, o Seele, schwing' dich auf, und werde Dank und Wonne! feit der Welt und jedes Laster hassest: so mangelt dir nie Licht noch Kraft; denn er, der das Vollbringen schafft, Gott ist allgegenwärtig. 3. Wenn er dir heit're Tage gibt und dieses Lebens Freuden, und wenn er deine Tugend übt so hoff' auf ihn und zage nicht; durch Prüfungen und Leiden: denn er schafft Finsterniß und Licht. Er ist allgegenwärtig. 4. Wenn Erd' und Himmel um dich her mit ihrer Pracht verschwinden; die Sinn' erstarren und nicht mehr dir dienen, nichts empfinden; wenn auch kein Freund mehr helfen kann: so schau' auf ihn, denn er ist dann, auch dann allgegenwärtig. zu ihm hinauf zu seines Him5. Dann schwingst du dich mels Wonne, beginneft einen neuen Lauf, siehst eine beff're Sonne, siehst ihn, der alle Welten lenkt, im Tod und Leben Freude schenkt. Er ist allge genwärtig. Fr. v. d. Necke. Mel. Was Gott thut, das ist zc. 288, A¹[ uf Gott und nicht auf meinen Rath will ich mein Glück stets bauen, und dem, der mich erschaffen hat, mit ganzer Seele trauen. Vertrauen auf Gott. Er, Welt Mel. In allen meinen Thaten zc. bält, wird mich in meinen Ta- 289. Aubauen, auf deine [ uf deine gen als Gott und Vater tragen. 2. Er sah von aller Ewigkeit, wie viel mir nüken würde, bestimmte meine Lebenszeit, mein Glück und meine Bürde. Was zagt mein Herz? Jft auch ein Schmerz, der zu des Glaubens Ehre nicht zu besiegen wäre? Güte trauen, das, Gott, gibt Troft und Muth. Du führest selbst durch Leiden zu wahren, sichern Freuden. Denn alles, was du thust, ist gut. 3. Gott kennet, was mein Herz begehrt, und hätte, was ich bitte, mir gnädig, eh' ich's bat, gewährt, wenn's seine Weisheit litte. Er sorgt für mich stets väterlich. Nicht, was ich mir ersehe, sein Wille, der geschehe! 4. 3st nicht ein ungestörtes Glück weit schwerer oft zu tragen, als selbst das widrige Geschick, bei dessen Last wir klagen? Die größte Noth hebt doch der Tod; und Ehre, Glück und habe verläßt mich doch im Grabe. 161 5. An dem, was wahrhaft glücklich macht, läßt Gott es Keinem fehlen; Gesundheit, Ehre, Reichthum, Pracht sind nicht das Glück der Seelen. Wer Gottes Rath vor Augen hat, dem wird ein gut Gewissen die Trübsal auch versüßen. 2. Vor dir ist nichts verborgen; was sollt' ich ängstlich sorgen, da du mein Vater bist? Du gabst mir, Gott, das Leben; du wirst auch alles geben, was mir zum Leben nöthig ist. 3. Wir streben oft nach Dingen, die, wenn wir sie erringen, sogar zur Last uns sind. Ein Schein, der uns bethöret und unsern Stolz nur nähret, macht uns für beff're Güter blind. 4. Dein Wille sei mein Wille; laß in Geduld und Stille nur deiner Huld mich freu'n! Es müsse, Herr, mir Armen dein Beistand, dein Erbarmen stets mehr als aller Reichthum sein! 5. Erleicht're meine Leiden durch deines Geistes Freuden, durch Muth und Hoffnung mir! Beugt mich die Last von Schmerzen, so sprich zu meinem Herzen: Ich, dein Erretter, helfe dir! 6. Was ist des Lebens Herrlichkeit? Wie bald ist sie ver= schwunden! Was ist das Leiden dieser Zeit? Wie bald ist's überwunden! Hofft auf den Herrn! er hilft uns gern. Seid fröhlich, ihr Gerechten! 6. Was soll ich mich betrüben? Den Menschen, die dich lieben, muß alles Segen sein. Ich bin ja dein Erlöster, sonst hab' ich keinen Tröster und feinen Schuß, als dich allein. F. Mudre, veränd. durch Cramer. Mel. Wenn mein Stündlein zc. der Herr hilft seinen Knechten. 290. Wie Gott, mich C. F. Gellert. führt, so will ich geh'n. Er wird, was gut 11 162 Vertrauen ist, wählen, hat, was mir nüßt, vorher gesehn, und das kann mir nicht fehlen. Wohin er führt, da geh' ich hin, verfichert, daß ich glücklich bin, wenn ich ihm findlich traue. 2. Wie Gott mich führt, so will ich gern von ihm mich als Fuß und Arm noch wankte. leiten lassen, kann ich gleich oft| te; du leitetest mich väterlich, den Weg des Herrn nicht ganz versteh'n und fassen. Mein Eigenwille weig're sich; in Gottes Rath ergeb' ich mich; ich bin ja nicht mein eigen. 3. Wie Gott mich führt, so folg' ich treu im Glauben, Hoffen, Leiden. Steht er mit seiner Kraft mir bei, was kann von ihm mich scheiden? Ich trau' auf seine Gnade fest; was er mir widerfahren läßt, muß mir zum Besten dienen! 4. Wie Gott mich führt, so wird er mich auch in den größten Stürmen, weil ich ihm traue, väterlich mit seiner Hand beschirmen. Genug, daß er den Geist erhält: d'rum lass' er, wie es ihm gefällt, mich leben oder sterben! 5. Wie Gott mich führt, so will ich geh'n durch Freuden oder Leiden. Hier kann ich nicht sein Antlig seh'n; dort schau' ich es voll Freuden. Dort seh' ich, daß sein Vaterrath mich treu und wohl geführet hat; das ist mein fester Glaube.. 3. F. Tiede. auf Gott. Seele dank' ich dir, mein Vater, mein Erhalter! 2. Mein Glück hast du von Ewigkeit allgütig abgewogen, und mich ins Leben dieser Zeit aus meinem Nichts gezogen. 3. Du bildetest, du nährtest mich, eh' ich dir stammelnd dank 4. Auf meiner Jugend glat tem Pfad warst du stets mein Gefährte, der, wenn ich etwas Böses that, mich fromm zu wandeln lehrte. 5. Durch dich konnt' ich Gefahr und Noth so glücklich überwinden und wider Krankheit, Fall und Tod erwünschte Rettung finden. 6. Und noch nimmst du dich meiner an auf allen meinen Wegen, und führst mich auf der Tugend Bahn dem höchsten Glück entgegen. 7. Du schaust noch immer gnadenvoll auf mich, dein Kind, hernieder und sorgst für meines Lebens Wohl, für Sinnen, Geist und Glieder. 8. Du wirst, ich trau' auf dich, mein Gott, auch in den fünft'gen Jahren stets mit mir sein, bis in den Tod mich segnen und bewahren. 3. S. Diterich. Mel. Ich finge dir mit Herz und zc. 292. Mein Geift erstaunt, Allmächtiger, wenn er die Gnade denkt, woMel. Ich dank' dir schon durch 2c. mit du mich, mein Gott und is hieher warst du Herr, so unverdient beschenkt. 291. Bisitets mit mir in 2. Dann ist mein Herz so hoch jedem Lebensalter; von ganzer erfreut, ganz deiner Güte voll, Vertrauen auf Gott. 163 und weiß vor heißer Dankbar| Preis! Ich will dein hohes Lob feit nicht, wie es danken soll. erhöh'n, so gut ich kann und weiß. 12. In Schrecken, Angst, Gefahr und Noth trau' ich allein auf dich; durch dich gestärkt, ist selbst der Tod mir nicht mehr fürchterlich. 13. Wenn frachend einst der Bau der Welt sich aus den Angeln reißt, will ich dich preisen, der mich hält, dich, der mich leben heißt, 3. Als ich noch in der Mutter Schooß in Nacht verborgen schlief, bestimmtest du für mich das Loos, das mich zum Leben rief. 4. Du wählst des Sterblichen Geschick, eh' er geboren ist; und so ward ich, o welch' ein Glück! schon als ein Kind ein Christ. 5. Eh' ich noch sprach, vernahmst du schon, was noch tein Flehen war, und neigtest zu des Weinens Ton dein Ohr erbarmend dar. 14. Dich, der mich bei der Welten Sturz mit starkem Arm erhob. Selbst Ewigkeiten sind zu kurz, o Höchster, für dein 3. F. W. Zachariä. 6. Wenn in der Jugend ich| Lob! vom Pfad der Tugend mich Mel. Allein Gott in der Höh' 2c. verirrt: hat mich höchſt lieb- 293.h' ich noch war, da darauf reich, zurückgeführt. 7. Du warst mein Schuß und meine Wehr vor Unglück und Gefahr und vor dem Laster, das noch mehr, wie fie, zu fürchten war. 8. Ich sah, von Krankheit bleich, durch dich mein Leben mir geschenkt, und deine Gnad' erquickte mich, wenn Sünden mich gekränkt. 9. Von Freudenstrahlen glänzt mein Blick, da du so hoch mich liebst, und mir der Erde bestes Glück in treuen Freunden gibst. 10. Und welche Wohlthat, Herr, ist nicht dieß Herz, das fühlen kann, dieß Herz, ganz dein, das dankbar spricht, was du an mir gethan! 11. Kein Tag soll froher mir vergeh'n, als, Höchster, dir zum und für mein Leben. Gott, welch' ein Trost, der Seele Ruh' und Freudigkeit zu geben! Du übersahst mein Schicksal, Herr, und wähltest das, Allliebender, was mir zum Besten diente. 2. Da wählte deine Huld für mich voll Weisheit meine Freuden. Für sie preist meine Seele dich, so wie für meine Leiden. Auch die sind heilsam mir und gut. Nur, Höchster, stärke meinen Muth, sie standhaft zu ertragen! 3. Der Welten schuf und sie beglückt, der ist's, auf den ich baue; er ist, wenn mich ein Kummer drückt, der Helfer, dem ich traue. Und scheint mir manches wunderbar, einst wird es mir doch offenbar, wie gut er mich geführet. sr. v. b. Necke. 11* 164 auf Gott. Wohlfein fehle. Genug zum noch Trost, mein Herz, für dich! 2. Was nüßt es, ängstlich sorgen und jeden neuen Morgen mit neuem Kummer seh'n? Du, Vater meiner Tage, weißt, eh' ich dir's noch sage, mein Leid und auch mein Wohlergeh'n. Vertrauen 294. 3 manche Thräne In eigener Melodie. war wird auf Gottes Welt geweint; doch laß den Muth nicht sinken, nein, wirke, Menschenfreund, voll Glaubens fort auf Erden! Es wird doch besser werden. 2. Nie werden wir hienieden, von allem Schmerz befreit, nur über Blumen wandeln. Vollkomm'ne Seligkeit erwartet nicht auf Erden! Doch besser wird es werden. 3. Wir schaffen selbst uns Leiden durch Unzufriedenheit, durch Leidenschaft und Thorheit und Ungerechtigkeit. Wenn wir nur weiser werden, wird's besser auch auf Erden. 4. Wenn wir bescheid'ner wünschen und uns zufried'ner Die vorige Melodie. freu'n, wenn Pflicht uns über 296. Was ist's, daß ich mich alles wird und heilig wenn wir selbst besser werden, wird's besser auch auf Erden. 5. Wenn nun des Irrthums Binde von unsern Augen fällt, wenn wir das Unrecht meiden, und dann zum Wohl der Welt vereinigt wirken werden: wird's besser auch auf Erden. 6. Uns selbst hier zu veredeln, und dann mit Thätigkeit zum Wohl der Welt zu wirken: dieß ist's, was Gott gebeut. Gott, laß uns deinen Willen zu unserm Heil erfüllen! H. G: Demme. 3. Auf deine Hand zu schauen, dir kindlich zu vertrauen, das, Herr, ist meine Pflicht. Ich will fie treulich üben, und dich, mein Vater, lieben; denn du verläßt die Deinen nicht. 4. Der du die Blumen kleidest und alle Thiere weidest, du Schöpfer der Natur, weißt, alles, was mir fehlet. Drum, Seele, was dich quälet, befiehl dem Herrn, und glaube nur! C. C. Sturm. Mel. In allen meinen Thaten 2c. 295, 23 as soll ich ängst lich klagen und in der Noth verzagen? Der Höchste sorgt für mich; er sorgt, daß meiner Seele kein wahres Vertraue Gott, o Seele! sei stark und unverzagt! Du weißt nicht, was dir nüßet; Gott weiß es, und Gott schüßet, er schüßzet den, der nach ihm fragt. 2. Er zählte meine Tage, mein Glück und meine Plage, eh' ich die Welt noch sah. Eh' ich mich selbst noch kannte, eh' ich ihn Vater nannte, war er mir schon mit Hilfe nah. 3. Die kleinste meiner Sorgen ist dem Gott nicht verborgen, der alles sieht und hält; und was er mir beschieden, das dient zu meinem Frieden, wär's auch die größte Laft der Welt. 4. Ich lebe nicht auf Erden, um glücklich hier zu werden; die Lust der Welt vergeht. Vertrauen auf Gott; Selbsterkenntniß. 165 Ich lebe hier, im Segen den| tragen, noch schwerer Haß und Grund zum Glück zu legen, das ewig wie mein Geist besteht. Spott: so harr' ich und bin stille zu Gott; denn nicht mein Wille! dein Wille nur gescheh', o Gott! 5. Was dieses Glück vermehret, sei mir von dir gewähret! Gott, du gewährst es gern. Was dieses Glück verleget, wenn's alle Welt auch schäget, sei, Herr, mein Gott, mir ewig fern! 6. Sind auch der Krankheit Plagen, der Mangel schwer zu 7. Du bist der Müden Stärke, und aller deiner Werke erbarmst du ewig dich. Was kann mir widerfahren, wenn Gott mich will bewahren! Und du, mein Gott, bewahrest mich! C.F. Gellert. VIII. Pflichtmäßiges Verhalten gegen uns selbst. Selbsterkenntniß. ist mein Herz vor Gott gesinnt? so schüße mich vor falMel. Wer nur den lieben Gott zc. 297. Wer bin ich, welche schem Wahn, der auch den Frage! täuschen kann! Gott, lehre sie mich recht verstehn! gib, daß ich mir die Wahrheit sage, und laß mich achtsam auf mich seh'n! Wer sich nicht selbst recht kennen lernt, bleibt von der Weisheit weit entfernt. 2. Ich bin ein Werk von deinen Händen. Du schufft mich, Gott, zu deinem Preis. Dazu mein Leben anzuwenden, das ist dein väterlich Geheiß; doch leb' ich als dein Eigenthum auch, wie ich soll, zu deinem Ruhm? 3. Ich zähle mich zu deinen Christen. Beweist es aber auch die That, daß dein Bekenner allen Lüsten und aller Sünd' entfaget hat? Geh', wenn ich Christi Sinn empfing, ich auch den Weg, den Christus ging? 4. Du fennest unsers Her zens Tiefen, die uns selbst unergründlich sind. Drum wenn ich frage, mich zu prüfen: wie 5. Wer alles weiß und doch verborgen und unbekannt sich selbst noch bleibt, wie will der für sein Bestes sorgen? Was ist, das den zur Bess'rung treibt? Sich selbst recht kennen, ist Verstand. Drum mache mich mit mir bekannt! 6. Was mir zu meinem Heile fehlet, laß, Gott, mich immer mehr versteh'n; hab' ich der Wahrheit Weg erwählet, so laß mich ihn auch standhaft geh'n! Ach, leite mich mit deinem Licht, so täuschen mich Verführer nicht! 7. Ich muß es einmal doch erfahren, was ich hier war und hier gethan; o laß mich's nicht bis dahin sparen, wo Reue nichts mehr helfen kann! Herr, mach' mich hier schon gut und flug und frei vom schnöden Selbstbetrug! 3. S. Diterich. 166 Vernünftige Selbstliebe; Sorge für die Seele. deine Gnade achtet! Der liebt allein sich recht, der findet in der Zeit schon wahre Ruh' und einst vollkommne Seligkeit. 7. Das sei mein Zweck, mein Fleiß; o segne mein Bemühen! so wird das wahre Wohl nie meinem Wunsch entfliehen. Dann, Vater, lieb' ich mich, so wie es dir gefällt, und über alles dich, mein Gott, und nicht die Welt. 3.. Diterich. S. Vernünftige Selbstliebe. 298. D'Gott, ich foll mich Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. ein Wille o selber lieben. O laß mich diese Pflicht nach deiner Vorschrift üben! Jch sehne mich nach Glück; laß das Verlangen rein, unsträflich meinen Fleiß, mich zu beglücken, sein! 2. Gib, daß mein ganzes Herz fich deiner Liebe weihe, und daß in allem ich dein Auge findlich scheue! Wer als ein Chrift fich liebt, der flieht auch Sorge für die Seele. Mel. In allen meinen Thaten 2c. als ein Christ, was wider dein 299. Du, Bater, wollst und deine Vorschrift ist. 3. Kein schnöder Eigennuß beherrsche meine Seele! Und wenn zu meinem Glück ich Weg und Mittel wähle, so laß mich stets dabei auf Recht und Wahrheit schau'n, auch nie mein Wohlergeh'n auf And'rer Elend bau'n. mir geben, was mich in diesem Leben zu jenem tüchtig macht! Ein mäßig Glück hienieden sei mir von dir beschieden, o du, der für mein Bestes wacht! 2. Ein dir geweihtes Herze, das selbst im bängsten Schmerze dich dankbar ehrt und liebt, das im beglückten Leben dir, seinem Gott, ergeben, die Tu gend treu und freudig übt; 3. Ein Herz voll edler Triebe, voll warmer Menschenliebe, entfernt von Haß und Neid; das nie den nächsten kränket, auf Rache niemals denket, gern Jedem dienet und verzeiht; 4. Ja, Herr, ein solch Gemüthe gib mir nach deiner Güte, mir, der nur darum fleht! O stärk' mich, deinen Willen stets freudig zu erfüllen! Erhör', 0 Vater, dieß Gebet! 4. Nie blende mein Gemüth der Eitelkeiten Schimmer! Die Welt mit ihrer Lust vergeht doch einst auf immer. Was hilft uns kurze Lust? Was hilft uns eitle Pracht? Nicht ein vergänglich Gut ist's, was uns glücklich macht. 5. Ein Gott ergebnes Herz, ein unverletzt Gewissen, nur das kann uns allein des Lebens Last versüßen; das bleibt uns auch im Tod, das folgt uns aus der Zeit, und schenkt uns Ruh' und Trost noch in der Ewigkeit. 6. O selig, wer danach mit Mel. Kommt her zu mir zc. heil'gem Eifer trachtet, und 300. as in mir forſcht, für sein größtes was in denkt, Sorge für die Seele. 167 hast du, mein Schöpfer, mir Mel. Allein Gott in der Höh' 2c. geschenkt, gib, daß ich dir's* 301, Nach meiner Seelen auch Wissen und Verstand; gib, daß der Gaben deiner Hand ich mich mit Demuth freue! 2. Ich ward durch deiner Allmacht Nuf das, was ich bin; nicht ich erschuf mir meiner Seele Kräfte. Sie fortzu bilden, wer verleiht, als du, mir die Gelegenheit, und Segen zum Geschäfte? 3. Wenn schnell und leicht und ohne Müh' mein Geist die Wahrheit faßt, laß nie mich Glücklichen vergessen: Gott schuf den Geist, Gott gab die Kraft, Gott wird am Tag der Rechenschaft nach meiner Kraft mich messen. 4. Wer viel von ihm empfangen hat, soll guter Werke reiche Saat rings um sich her verstreuen. Wer sicher schlummert, färglich sä't, der wird, erwacht er auch noch spät, sich feiner Ernte freuen. 5. Gott ist gerecht, wer ohne Schuld nur langsam wächst und in Geduld der Weisheit Früchte bringet, den wird( er war im Kleinen treu) einst Gott erhöh'n, wenn fesselfrei sein Geist zum Himmel dringet. 6. Viel oder wenig sei mein Theil, nur laß durch Trägheit mich mein Heil, mich's nie durch Stolz verscherzen! Laß mich nicht Arbeit scheu'n und Müh', und ach! Vermessenheit sei nie im leicht bethörten Herzen! H. A. Niemeyer. Herr, mich eifrig ringen! Sollt' ich die kurze Gnadenzeit in Sicherheit verbringen? Wie würd' ich einst vor dir besteh'n? Wer in dein Reich wünscht einzugeh'n, muß reines Herzens werden. 2. Erst an dem Schluß der Lebensbahn auf seine Sünden sehen, und, wenn man nicht mehr sünd'gen kann, Gott um Erbarmen flehen: das ist der Weg zum Leben nicht, den uns, o Gott, dein Unterricht in deinem Wort bezeichnet. 3. Du rufft uns hier zur Heiligung; drum laß auch hier auf Erden des Geistes wahre Besserung mein Hauptgeschäfte werden! Herr, stärke mir dazu den Trieb; nichts sei mir je so groß, so lieb, mich davon abwenden. 4. Gewänn' ich auch die ganze Welt mit allen ihren Freuden, und sollte das, was dir gefällt, o Gott, darüber meiden, was hälfe mir's? nie kann die Welt mit allem, was sie in fich hält, mir deine Gnad' ersetzen. 5. Was führt mich zur Zufriedenheit schon hier in diesem Leben? Was kann mir Trost und Freudigkeit in Noth, im Tode geben? Nicht Menschengunst, nicht irdisch Glück, nur Friede Gottes und ein Blick auf jenes Lebens Freuden. 6. Nach diesem Kleinod, Herr, laß mich vor allen Dingen 168 Sorge für die Seele. immer hoch mein Herz empor! trachten, und, was mir daran| Schöpfung Jubelchor schlag' hinderlich, mit edlem Muth verachten! Daß ich auf deinem Wege geh', und im Gericht der einst besteh', sei meine größte Sorge! 5. Wenn ich der Tugend reiche Saaten, zum Wohl der Menschheit ausgestreut, erblicke, wenn in edlen Thaten, vollendet für die Ewigkeit, der Menschheit Würde vor mir schwebt: wohl mir, wenn dann das Herz sich hebt! 7. Doch was vermag ich, wenn du nicht vor Trägheit mich beschüßest, und mich zur Treu' in dieser Pflicht mit Kräften unterstützeſt? O stärke mich, mein Gott, dazu, so find' ich hier schon wahre Ruh', und dort das ew'ge Leben. 6. Wenn ich verwandte Herzen finde, die für mich schlagen treu und warm, mein Dasein innig froh empfinde an ihrer 3. S. Diterich. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. rust, in ihrem Arm: auch dieß Gefühl sei dir geweiht und Uliebender, du gabst würdig der Unsterblichkeit! 302. A bem Herzen Gefühl für Erdenglück und Lust, du goffest auch für Gram und Schmerzen Empfindung in des Menschen Brust. Von dir kommt's, daß sie hoch bewegt, sich schneller hebt und stärker schlägt. 7. Mit tiefgefühlterem Grbarmen durchdringe mich der Brüder Schmerz; es breche bei der Noth des Armen mir immer mitleidvoll das Herz! Mein Mitleid werde Trost und Rath und die Empfindung Hilf' und That! 2. O Dank dir, daß für tausend Freuden empfindlich ich gebildet bin! Und fließen gleich, wenn sie nun scheiden, mehr Thränen auf die Wangen hin: so dank' ich, Vater, doch dafür selbst mit bethräntem Auge dir. 3. Nur müss' in meinen frohen Tagen dieß leicht bewegte Herz mir nie für Freuden, die du hasfest, schlagen. Gefühl für nied're Laster flieh', mit seiner wilden Taumellust, auf immer meine reine Brust! 8. Nie müss' ich mich der Regung schämen, die deine Lieb in mir erweckt, von der wir alles Gute nehmen, und wenn mich dein Gericht erschreckt, verwandle sich die Furcht in mir in kindliches Vertrau'n zu dir! 9. Allliebender, du gabst dem Herzen Gefühl für Erdenglück und Lust, du gossest auch für Gram und Schmerzen Empfindung in des Menschen Brust. Dir sei, der uns so mild bedacht, auch dafür Preis und Dank gebracht! EA. H. Niemeyer. 4. In dickbelaubten Schattenwäldern, auf bunter Au', auf grüner Flur, auf segensvollen großen Selbstbeherrschung. Mel. Von Gott will ich nicht lassen 2c. Tempel der Natur, bei deiner 303. Mich ſelbst muß ich bezwingen, um Selbstbeherrschung; Sorge für den Leib. 169 durch dich! J. C. Grot. dir, Gott, treu zu sein; das Gute| Lüste dämpfe: so sieg' ich, Gott, zu vollbringen, die Sündenlust zu scheu'n, muß ich mit edlem Muth mich auf den Kampfplaß wagen, mir manchen Wunsch versagen und jedes falsche Gut. 2. Sorge für den Leib. 2 Sch soll kein llebel fliehen, 304. Dund ihn nähren, Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. es Leibes wenn mir die Pflicht gebeut, mich ihm zu unterziehen; soll mit Entschlossenheit, auch wo Gefahren sind, selbst die Gefahr nicht scheuen, um mich des Lohns zu freuen, den Treu' im Kampf gewinnt. das ist, o Schöpfer, meine Pflicht. Durch eigne Schuld ihn zu zerstören, verbietet mir dein Unterricht. O stehe mir mit Weisheit bei, daß diese Pflicht mir heilig sei! 2. Sollt' ich mit Vorsatz das verlegen, was deine Hand mir anvertraut? Sollt' ich gering ein Kunstwerk schäßen, das du so wunderbar erbaut? Weß ist mein Leib! ist er nicht dein? ich sollte sein Zerstörer sein? 3. Ihn zu erhalten, zu beschüßen, gibst du mit milder Vaterhand die Mittel, die dazu uns nüßen, und zum Gebrauch gibst du Verstand. Dir ist die Sorge nicht zu klein: wie sollte sie denn mir es sein? 3. Wie schwer ist dieß Geschäfte der Selbstbeherrschung mir! Wie schwach sind meine Kräfte! Wer unterstüßt mich hier? Du, Vater, fannst allein zum eifrigen Bestreben mir Muth und Kräfte geben, und mir den Sieg verleih'n. 4. Laß mich die Lust verachten, die zu dem Laster führt, und nicht nach Gütern schmachten, die man so leicht verliert, und jede Leidenschaft in ihrem Anfang dämpfen, und sie als Christ bekämpfen, gestärkt durch deine Kraft! 5. Beim stärksten meiner Triebe laß mich behutsam sein und mich vor Eigenliebe und ihrem Lobspruch scheu'n! Will Wollust, Zorn und Geiz mein schwaches Herz berücken: so hilf fie unterdrücken, besiegen ihren Reiz! 6. Auf dich will ich stets sehen, laß nur in diesem Streit mich selbst nicht hintergehen, gib mir Entschlossenheit, und unterstüße mich, daß ich mein Herz bekämpfe, die Macht der 4. Gesunde Glieder, munt're Kräfte, o Gott, wie viel sind die nicht werth! Wer taugt für des Berufs Geschäfte, wenn Krankheit seinen Leib beschwert? Ist nicht der Erde größtes Gut Gesundheit und ein froher Muth? 5. Drum gib, daß ich mit Sorgfalt meide, was meines Körpers Wohlsein stört, daß nicht, wenn ich je Schmerzen leide, mein Geist den innern Vorwurf hört: du selbst biſt Störer deiner Ruh', du zogst dir selbst dein Uebel zu! 170 6. Laß jeden Sinn und alle Glieder mich zu bewahren achtsam sein! Drückt mich die Last der Krankheit nieder, so flöße selbst Geduld mir ein; gib guten Muth, und dann verleih', daß auch des Arztes Rath gedeih'! 7. Doch müss' ich niemals übertreiben, was auf des Leibes Pflege zielt; nein, stets in jenen Schranken bleiben, die dein Gesetz mir anbefiehlt. Des Leibes Wohl laß nie allein den Endzweck meiner Sorgfalt sein! Sorge für den Leib; Leben und Gesundheit. 8. Mein größter Fleiß auf dieser Erde sei meinem Geiste, Gott, geweiht, daß er zum Himmel weise werde noch hier in dieser Prüfungszeit! So wird sich Leib und Seele dein in jener bessern Welt erfreu'n. 3. S. Diterich. Mel. Herzliebster Jesu, was zc. 305. Mein ein Leib ist dein Geschenk, du haſt | damit ich nicht der Tugend Fleiß und Mühe verzärtelt fliehe. sein Leben zum Dienste meiner Seele mir gegeben. Ich soll| ihn, Gott, erhalten, vor Gefahren ihn treu bewahren. 2. Ich soll ihn pflegen, soll zu edlen Werken durch Nahrung ihn und auch durch Freude stärken, soll ihn durch keine Weichlichkeit entehren, nicht selbst zerstören. 3. Du gabst ihn zum Genusse vieler Freuden, doch auch zur Duldung mancher Erden leiden, damit ich unter ihrer schweren Bürde vollkommner würde. 4. Jch soll ihn härten, daß er Kraft gewinne, beherrschen männlich jede Lust der Sinne, 5. Drum laß mich ihn mit Mäßigkeit erquicken, und jeden Hang zur Trägheit unterdrükken; er sei im Alter wie in früher Jugend geweiht der Tugend! 6. Schleicht sich der Krankheit Gift in seine Glieder, so hilf, o Gott, mir zur Genesung wieder, wenn ich noch, Herr, durch sein erneuert Leben dich fann erheben! 7. Gib mir Geduld in allen seinen Schmerzen, daß ich voll Zuversicht in meinem Herzen auf deine Hilfe hoff' und seine Plage mit Muth ertrage! 8. Zerstör' ich ihn nur selbst nicht, o so werde er einst auch wieder, was er erst war:- Erde! Er wird im Grabe schlummern, nicht vergehen, wird auferstehen. 9. Er soll zum Anschau'n jener schönen Sonne der besser'n Welt hervorgeh'n, und voll Wonne soll er empfinden, frei von allen Leiden, des Himmels Freuden! I. A. Cramer. Leben und Gesundheit. Mel. In allen meinen Thaten zc. 306. XS W as ist mein zeitlich Leben, das du mir, Gott, gegeben? Ein unschäßbares Gut. Du gabst mir's, hier auf Erden zum Himmel reif zu werden, worauf mein wahres Glück beruht. 2. Hier wird die Saat gestreuet, dort, wenn sie wohl ge deihet, wird reich die Ernte sein. Sorge für den Leib. 171 Je länger ich hier lebe und gut| ich dir; nur du, mein Vater, zu handeln strebe, je größer wird mein Glück dort sein. haft es mir aus großer Huld geschenket. Dein ist's, daß ich noch munter bin, und mich tein Ulebel fränket. 3. Sollt' ich dieß Glück mir rauben? Herr, laß mir, im Glauben der künft'gen Erntezeit, mein Leben auf der Erden so werth und wichtig werden, als es mir selbst dein Wort gebeut! 4. Mir selbst es zu verkürzen, mich in den Tod zu stürzen, ist wider meine Pflicht. Ein redliches Gemüthe lohnt nie mit Undank Güte, entweicht auch dem Berufe nicht. 5. Was leicht in Krankheit stürzet, das Leben leicht verfürzet, laß mich mit Sorgfalt flieh'n, doch auch nicht ängstlich zagen, für meine Pflicht zu wagen, was du mir, Gott, für sie verlieh'n. 6. In deine Vaterhände be= fehl' ich, Herr, mein Ende und meiner Tage Lauf. Froh sei mein ganzes Leben dir hier zum Dienst ergeben; hilf du nur selbst der Schwachheit auf! 7. Was nüßt ein langes Leben, wenn man nicht Gott ergeben nach wahrer Tugend strebt? Wer Gott und Men schen liebet und sich im Guten übet, nur der hat lang und wohl gelebt. J. S. Diterich. 3. Erhalt dieß Glück mir fernerhin; gesund erhalte je= den Sinn, so lang ich leb" auf Erden; laß seines richtigen Gebrauchs mich nie beraubet werden! 4. Der Sünde folgt Verderben nach, bald dieß, bald jenes Ungemach, an Leib und Seele Seele Schmerzen. Fern sei's von mir, durch ihre Schuld Gesundheit zu verscherzen! 5. Ein gleicher Muth in Freud' und Leid, zufried'ner Sinn und Mäßigkeit und Ordnung in Geschäften, dieß sei mein Ruhm, so wird gewiß tein Laster mich entkräften. 6. Gib, daß ich meines Lebens Kraft, die deine Güte mir verschafft, aufs nüßlichste verwende, und meinen Lauf zu deinem Ruhm und And'rer Glück vollende! 7. Doch schickst du mir auch Krankheit zu, so gib Geduld, gib Seelenruh', das Leid mir zu versüßen! Mein Trost im Schmerz sei deine Huld und Ruhe im Gewissen! 8. Und bringt die Krankheit mir den Tod, so müsse mich Mel. In dich hab' ich gehoffet 2c. 307. em Gott Gefund- der Trost, o Gott, zum froheit hier verleiht, der hat von Gütern dieser Zeit gewiß die größte Gabe. Allgütiger, wie froh bin ich, daß ich dieß Kleinod habe! 2. Daß ich es habe, dank' hen Muth Nicht nicht Krankheit trifft mich mehr in jenem bessern Leben. F. G. Küster, veränd. durch Diterich. 172 Mäßigteit; Reuschheit. Mäßigkeit. Keuschheit. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. Mel. Was sorgit du ängstlich zc. 308. Wie mannigfaltig ie mannigfaltig 309. D er Wollust Neiz zu widerstreben, dieß, Jugend, liebst du Glück und Leben, laß täglich deine Weisheit fein! Entflieh der schmeichelnden Begierde; sie raubet dir des Herzens Zierde, und ihre Freuden werden Bein. die Gaben, womit, Herr, deine Huld uns nährt, und die, den Geist und Leib zu laben, uns täglich deine Hand gewährt! Auch das, was unser Mund genießt, zeigt uns, wie gut und mild du bist. 2. Doch laß die Kraft, uns zu vergnügen, die du in Speis' und Trank gelegt, mich nie, o Höchster, so besiegen, daß sie zum Schwelgen mich bewegt! Laß, deiner Gaben mich zu freu'n, mich mäßig im Genuffe sein! 3. Mit Speis' und Trank sein Herz beschweren, steht niemals wahren Christen an; dadurch wird das, was uns ernähren und unsern Geist erquicken kann, ein Gift, das in die Adern schleicht, und Krankheit, Schmerz und Tod erzeugt. 4. Die Schwelgerei zerstört die Kräfte zu dem, was uns die Pflicht gebeut, macht träge zum Berufsgeschäfte, stürzt oft in bitt're Dürftigkeit, zieht uns vom Dienst des Schöpfers ab, erniedrigt bis zum Thier herab. 5. So oft ich Speis' und Trank genieße, so laß es mit Vernunft gescheh'n, und daß ich beides mir versüße, mit Dank auf dich, den Geber, seh'n, auf dich, der du uns zärtlich liebst, und Nahrung und Erquickung gibst. J. S. Diterich. 2. Laß, ihr die Nahrung zu verwehren, nie Speis' und Trant dein Herz beschweten, und sei ein Freund der Nüchternheit! Versage dir, dich zu befiegen, auch öfters ein erlaubt Vergnügen, und steu're deiner Sinnlichkeit! 3. Laß nicht dein Auge dir gebieten, und sei, die Wollust zu verhüten, stets schamhaft gegen deinen Leib! Entflieh des Wißlings freien Scherzen, und such im Umgang edler Herzen dir Beispiel, Wiß und Zeitvertreib! 4. Der Mensch, zu Fleiß und Arbeit träge, fällt auf des Müssigganges Wege leicht in das Netz des Bösewichts. Der Unschuld Schußwehr find Geschäfte. Entzieh der Wollust ihre Kräfte im Schweiße deines Angesichts! 5. Erwacht ihr Trieb, dich zu bekämpfen, so wach' auch du, ihn früh zu dämpfen, eh' er die Freiheit dir verwehrt! Ihn bald in der Geburt ersticken, ist leicht; schwer ist's ihn unterdrücken, wenn ihn dein Herz zuvor genährt. 6. Begierden sind es, die uns schänden, und ohne daß Keuschheit. wir sie vollenden, verlegen wir schon unsre Pflicht. Wenn du vor ihnen nicht erröthest, nicht durch den Geist die Lüfte töbteſt: so rühme dich der 310. Standhaft sei, o Reuschheit nicht! Gott, mein Wille, züchtig, keusch und rein zu sein, in der Unschuld heitern Stille deiner Gnade mich zu freu'n! Keine Freude dieser Welt, wenn sie noch so sehr gefällt, laß mich wider mein Gewissen wünschen, suchen und genießen! 7. Erfülle dich, scheinst du zu wanken, oft mit dem mächtigen Gedanken: die Unschuld ist der Seele Glück. Einmal verscherzt und aufgegeben, verläßt sie mich im ganzen Leben, und keine Reu' bringt sie zurück. 8. Dent' oft bei dir: der Wollust Bande sind nicht nur dem Gewissen Schande, sie sind auch vor der Welt ein Spott! und könnt' ich auch in Finsternissen den Gräu'l der Wollust ihr verschließen: so fieht und findet mich doch Gott. 173 andern Tritte zu einem nahen Fall gethan. C. F. Gellert. 10. Sie raubt dem Herzen Muth und Stärke, raubt ihm den Eifer edler Werke, den Adel, welchen Gott ihm gab, und unter deiner Lüste Bürde finkst du von eines Menschen Würde zur Niedrigkeit des Thiers herab. 9. Die Wollust kürzt des Rebens Tage, und Seuchen 3. Unsre Kindheit, unsre werden ihre Plage, da Keusch- Jugend, unser Alter darf sich heit Heil und Leben erbt. Ich freu'n. Auch die Freude, Gott, will mir dieß ihr Glück erwerben! Den wird Gott wiederum verderben, wer seinen Tempel hier verderbt. ist Tugend; aber heilig muß sie sein, heilig, daß sie nicht bethört und des Lebens Kraft zerstört, daß sie wilde Lüste scheuet und die Seele nicht entweihet. 11. Drum fliehe vor der Wollust Pfade, und wach' und rufe Gott um Gnade, um Weisheit in Versuchung an! Erzitt're vor dem ersten Schritte! Mit ihm sind schon die 2. Gott, ich weiß, daß deine Güte, die so mild und freundlich ist, niemals etwas uns verbiete, was das Leben uns versüßt. Uns zum Besten nur gebeut dein Geset Enthaltsamkeit, Zucht und Ordnung im Genusse, Mäßigung im Üeberflusse. 4. Nur in einem reinen Herzen, nur in einer keuschen Brust toben nicht der Reue Schmerzen, wohnet wahre Ruh' und Lust. Unbeherrschte Sinnlichkeit tödtet die Zufriedenheit; sie vergiftet alle Freuden und verwandelt sie in Leiden. 9 5. Sittsamkeit und Unschuld schmücket mehr als Schönheit; fie verwehrt, daß uns nicht die Luft entzücket, die ver 174 Reuschheit. wirrt, beschämt, entehrt. Rei-| entehren! Bestimmt zum Opfer nes Herzens fließt der Quell jeder Wonne rein und hell, und sie können sicher trauen, Gott, dein Angesicht zu schauen. des Gebets und deines Lobes rede stets mein Mund, was nützt und bessert! 6. O hilf du mir darnach streben, reines Herzens stets zu sein, daß ich möge züchtig leben, jede schnöde Wollust scheu'n! Schüße vor Verführung mich, und mein Herz ergebe sich keiner schändlichen Begierde! Seelenreinheit sei mir Bierde! 4. Mein Ohr laß dir nur offen sein, taub bei der Wollust Bitten, mein Herz und meine Sitten rein, wie Josephs Herz und Sitten, daß ihrer Stimme Schmeichelei mir nicht durch ihre Zauberei der Unschuld Würde raube! 7. Dann umfäht mich Heil und Segen; göttliche Zufriedenheit leitet mich auf meinen Wegen noch zu größrer Seligkeit. Weih' ich, Gott, mein Herz nur dir; dann werd' ich getrost von hier mich zu deinem Throne schwingen, und dir Preis mit Freuden singen. J. S. Diterich. 5. Da, wo sie wandelt, haucht sie Gift; welch Elend, das die Sclaven unheiliger Begierden trifft in tausendfachen Strafen! O Gott, in welche Schande sinkt, wer ihren Zauberbecher trinkt, verstrickt in ihren Neßen! 6. Ach, wo die Unschuld flieht, da flieht der Tugend Ruh' und Stille; da, wo der Wollust Flamme glüht, fehlt selbst der Mel. Allein Gott in der Höh' 2c. 311. Mein Leib foll, Gott, gute Wille. Sie wüthet, tödTempel sein mit allen meinen Gliedern; ihn soll ich dir, zum Dienste weih'n, zum Dienst auch meinen Brüdern. Ogib, daß ich dein Heiligthum für sie und, Herr, für deinen Ruhm stets unbefleckt bewahre! 2. Gib eine keusche Seele mir, daß ich mit meinem Leibe nie frevle, daß er immer dir, o Gott, geheiligt bleibe, daß rein und keusch mein Auge sei und sittsam, daß ich's immer frei zu dir erheben könne! 3. Auch meine Lippe rede nie, was schändlich ist zu hören; nie soll der Unschuld Rechte sie durch frechen Scherz, als das Schwert zerstört, als Pest und Glut zerstören. 7. In seinem Taumel, Gott, vergißt der trunkene Verbre cher, daß du allgegenwärtig bist, ein Eiferer, ein Rächer, verstockt sich und verfolgt mit Spott die Tugend, höhnt dein Wort, o Gott, und seines Mittlers Ehre. 8. Heil dem, der deiner nie vergißt, nicht, Gott, dein Werk zerstöret, der immer reines Herzens ist, der deinen Tempel ehret! Es wird ihm hier schon wohlergeh'n, dort wird er Gott und Jesum seh'n; denn rein war seine Seele. s. A. Cramer. Sorge für das Vermögen. 175 Sorge für das Vermögen. Mel. Es ist das Heil uns zc. 312. Hetewisſenhaft mein sen! Von Sünden und Gewissenspein kann Reichthum err, laß mich doch nicht erlösen. Er hilft in Togewissenhaft mein desstunden nichts, und nichts zeitlich Gut verwalten! Gib am Tage des Gerichts. Da selbst mir Weisheit, gib mir schüßt er keinen Sünder. Kraft, damit so hauszuhalten, wie es mir nüßt und dir gefällt, damit ich nicht in jener Welt an ew'gen Gütern darbe! 7. Gib mir die weise Sparsamkeit, nicht Güter zu verschwenden, die du mir gabit, um in der Zeit sie nüßlich anzuwenden! Gib mir die Klugheit, daß ich hier dadurch dem Nächsten so wie mir des Lebens Müh' erleichtre! 2. Mein Hab und Gut kommt ja von dir und deinem milden Segen. Zu keinem Fallstrick gabst du mir mein zeitliches Vermögen; du gabst es mir zum wahren Wohl; drum gib, Herr, daß ich, wie ich soll, und christlich es gebrauche! 3. Ist nicht das hier geschenkte Gut vergänglich wie die Erde? Hilf, daß ich nie zum Uebermuth dadurch ver= leitet werde! Nie reiß' ein irbischer Gewinn mein Herz fo 313. Got so weit zum Eiteln hin, daß ich mein Heil vergeſſe! 4. Was hülfe mir die ganze Welt mit allen ihren Schäßen, verblendete mich Gut und Geld, mich dir zu widersetzen? Verschmäht' ich, was dein Wort begehrt, was mir ein ewig Heil gewährt, wie elend würd' ich werden! ein größtes Trachten, Herr, sei hier nach deines Geistes Gaben! Wie reich bin ich, o Galt, in dir, kann ich nur diese haben! Besiz' ich Höchster, deine Huld, bin ich voll Glauben und Geduld, was fehlt dann meinem Glücke? 8. Es kommt ein Tag der Rechenschaft; das laß mich stets erwägen! so brauch' ich, Gott, gewissenhaft den mir vertrauten Segen, damit ich in der Ewigkeit nicht von den Güteru dieser Zeit Fluch statt des Segens ernte. 3. S. Diterich. 6. Den Geiz laß ferne von mir sein, die Quelle alles BöMel. Gott des Himmels und 2c. die Güter dieser Erde sind Geschenke deiner Hand; daß uns jedes nüßlich werde, hast du sie uns zugewandt; ihr Besitz soll uns erfreu'n und zum Guten Antrieb sein. 2. Reichthum gibt uns keine Würde, wenn uns Tugendgröße fehlt. größe fehlt. Ohne sie wird er uns Bürde, Tand, der uns mit Sorgen quält, uns kein wahres Glück gewährt, Habsucht, Geiz und Stolz ernährt. 3. Durch ihn dem Verlassnen nüßen, für den sich kein Freund bemüht, durch ihn jeden unterstüßen, dem der Hoffnung Ziel entflieht, wird bis auf die spät'ste Zeit Quelle der Zufriedenheit. 176 4. Laßt uns And'rer Sorgen mindern und, eh' sie's von uns erfleh'n, ihres Herzens Kummer lindern, um sie, wie uns, froh zu seh'n; so wird uns der Reichthum Glück, Lohn ihr dankerfüllter Blick! Fleiß und Arbeitſamkeit. 5. Welche Freude, wenn wir eilen, unsern Güterüberfluß mit dem Hungrigen zu theilen, der sonst immer darben muß, manches, was er braucht, ent behrt, sich durch herben Gram verzehrt! 6. Welches Heil und welcher Segen wird der spätern Nach welt blüh'n, wenn wir auf der Tugend Wegen Waisen führen, sie erzieh'n, und, uns ihres Glücks zu freu'n, nicht der Sorgen Mühe scheu'n! 3. C. Grot. Fleiß und Arbeitsamkeit. Mel. Allein Gott in der Höh' zc. 314. Auch uns, o Gott, hast du bestimmt zum regen Fleiß auf Erden; in wem ein Lebensfunke glimmt, soll Andern nüßlich werden. O gib Verstand, gib Lust und Kraft, geschickt, getreu, gewissenhaft zu thun, was uns gebühret! 2. Hilf, daß vor träger Weichlichkeit ich standhaft mich bewahre, daß ich, wo Pflicht mir Müh' gebeut, nie meine Kräfte spare! Sind sie erschöpft, ach, dann will ich durch reine stille Freuden mich zu neuer Arbeit stärken. 3. Vorsichtig laß mich sein, und nicht in Eitelkeit und Träumen die Zeit, bestimmt zu meiner Pflicht, verschwenden und versäumen! Mich meinen Pflichten ganz zu weih'n, das müsse meine Sorge sein, mein Ruhm und mein Vergnügen! 4. Ein heil'ger Trieb beleb' auch mich, o Vater, meine Pflichten in deiner Furcht, gestärkt durch dich, mit Freuden zu verrichten! Ein Herz, das sich des Guten freut, gibt zu der Arbeit Munterfeit, versüßt uns ihre Lasten. 5. Gib, daß mein Fleiß in dem Beruf, dazu mich auf der Erde dein weiser Rath, mein Gott, erschuf, mir eine Stufe werde, worauf ich nach vollbrachter Zeit zu höherer Geschäftigkeit des bessern Lebens steige. E. S. 3. Borchard, verändert durch Diterich. Mel. In allen meinen Thaten 2c. 315.3 benvom Schöpfer um Fleiße ward das uns gegeben, und nicht zu träger Rast; dem Fleiße nur folgt Segen, wie Fruchtbarkeit dem Regen; ohn' ihn sind wir uns selbst zur Last. 2. Er stärkt des Leibes Kräfte, schenkt uns gefunde Säfte und ein vergnügtes Herz. Vor Gram und trüben Sorgen sind wir durch ihn geborgen; er schützt vor mancher Krankheit Schmerz. 3. Dem sündlichen Vergnügen läßt er uns nie erliegen; er lehrt, was mehr erfreut: den Armen zu beglücken, den Kranken zu erquicken, nur das sei reine Seligkeit! Sparsamkeit. 04. Drum laß, o Gott, auf Erden doch nie uns träge werden; du gabst der Kraft uns viel. Dich, unsern Herrn, zu ehren| und Menschenglück zu mehren, sei immer unser höchstes Ziel! 5. Nie werden wir dann zagen, wenn Andre trostlos klagen und Zeitverderb bereu'n; wenn Träge zittern müssen, dann spricht uns das Gewissen getrosten Muth und Leben ein. 6. Und wenn nun edle Thaten um uns gleich goldnen Saaten mit reichem Segen blüh'n, wenn Tausende sich freuen und heißen Dank uns weihen: wie froh wird unser Herz dann glüh'n! 3. D. Hartmann. Sparsamkeit. Mel. Kommt her zu mir zc. 316. er sich mit Ernst der Tugend weiht, ist auch ein Freund der Sparsamkeit und scheut sich, zu verschwenden; bei seiner Thätigkeit Bemüh'n nahm er, Gott, was du ihm verlieh'n, aus deinen Vaterhänden. 2. Dieß weiß er, und er sucht erfreut aus wahrer, frommer Dankbarkeit, was du ihm gibst, zu nüßen; er will es nur so, wie er soll, zu seinem Glück, zu Andrer Wohl erhalten und beschüßen. 3. Als Feind von jedem Ueberfluß bleibt er stets mäßig im Genuß der vielen Sinnen freuden. Er schränket, wo er soll, sich ein, wird jede Last der Schulden scheu'n, und lieber Mangel leiden. 177 4. Nie wird er sich so sehr entweih'n, Verschwender durch das Spiel zu sein; er flieht der Reue Schmerzen; er weiß, daß man Zufriedenheit, Gesundheit, Ehr' und Redlichkeit durch Spielfucht kann verscherzen. 5. In allem, was er thut, ein Christ, dem Prachtlust nie Bedürfniß ist, dem G'nügsamkeit nie fehlet, entbehrt er gern, was Eitelkeit, was Modesucht und leppigkeit zum Glück des Lebens zählet. 6. Bei Gütern, die vergänglich sind, sucht er das, was sein Fleiß gewinnt, mit Sorgfalt zu bewahren; er weiß, es droh'n in fünft'ger Zeit leicht Mangel ihm und Dürftigkeit und Krankheit und Gefahren. 7. Voll Eifer gegen jede Pflicht, spart er aus Geiz und Kargheit nicht, reicht seine milden Gaben den Brüdern, die ihr Kummer drückt, damit sie, wenn er sie erquickt, mehr Sebensfreuden haben. 8. So oft es ihm sein Herz gebeut, ist er ohn' Eigennuß bereit, den Freund zu unterstüßen, und sucht, damit er's sichrer kann, was er durch Sparsamkeit gewann, zu dessen Wohl zu nüßen. 9. Sollt' ich als Christ nicht sparsam sein, ich nicht auch die Verschwendung scheu'n, den Mißbrauch deiner Gaben? Gott, gib mir Kraft zu dieser Pflicht! so kann ich froh're Zuversicht zu dir im Mangel haben. 3. C. Grot. 12 178 Geiz und Habsucht. Geiz und Habsucht. härtet Herz schmeckt nie des Wohlthuns Freuden; dich rühMel. Mach's mit mir, Gott 2c. 317. Wohl dem, der beff're ret keines Andern Schmerz und liebt, als Schätze dieser Erde, der reich in Gott sich täglich übt, daß er vollkommen werde, und durch den Glauben, deß er lebt, sich über diese Welt erhebt! keines du hältst nicht, was dein Wort verspricht, und achtest selbst auf Eide nicht. 2. Gott wehrt es seinen Kindern nicht, hier Güter zu befißen. Er gibt sie, und gebeut die Pflicht, zum Guten sie zu nüßen. Sie sollen ihren Fleiß erfreu'n, sein Lohn und auch fein Antrieb sein. 8. Bist du ein Vater, ach, aus Geiz wirst du bei deinen Kindern, bethört durch deines Goldes Reiz, was ihnen nüßet, hindern; und hast du sie nur reich gemacht, so hältst du sie für wohlbedacht. 3. Doch nach den Gütern dieser Zeit mit ganzer Seele schmachten; nicht erst nach Heil und Seligkeit und wahrer Tugend trachten: das ist, o Herr, nicht der Beruf, zu dem uns deine Güte schuf. 4. Der Geiz erniedrigt unser Herz und seine besten Triebe. Die Liebe für ein schimmernd Erz verdrängt der Tugend Liebe. Wer: ,, Sei mein Gott!" zum Golde spricht, der achtet nie Gesetz und Pflicht. 5. Und brächte Geiz dir alles zu, er läßt dich's nicht genießen. Er wächst, bis er dir alle Ruh' und Heiterkeit entrissen. Der fleinste schmeichelnde Gewinn reißt dich zu jedem Frevel hin. 6. Du wirst, wenn du sein Sclave bist, nicht achten Treu' 9. Hast du ein richterliches Amt, aus Geiz wirst du Verbrechen, wie laut sie auch das Recht verdammt, verschonen und nicht rächen. Wie leicht erkauft der Unschuld Feind sich dann an dir nicht einen Freund? 10. Aus Geiz verlierst du Muth und Geist, die Wahrheit frei zu lehren, verstummst, wo sie dich reden heißt, wenn Spötter sie entehren, und wirst, wie sie, um schnödes Geld, ihr Schmeichler und die Best der Welt. 11. Regier', o Gott, mich, steh' mir bei, daß ich mir g'nügen lasse, entfernt von niedrer Habsucht sei, den Geiz von Herzen hasse! Ein weiser und zufriedner Muth ist dieses Lebens bestes Gut. C.F. Gellert, verändert. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. und Glauben; Arbeiter ihres 318. Laß mich doch nicht Gott, den Schäßen dieser Erden so sehr ergeben sein, daß sie mein Abgott wer den! Oft fehlt beim Ueberfluß doch die Zufriedenheit. Und berauben; wenn Wittwen oder Waisen fleh'n, selbst ihren Thränen widersteh'n. 7. Dein durch den Geiz ver Geiz und Habsucht; was ist ohne sie des Lebens Herrlichkeit? 2. Kann ein vergänglich Gut auch unsre Wünsche stillen? Es steht ja sein Besitz nicht blos in unserm Willen. Nicht stets wird's dem zu Theil, der ängstlich darnach ringt, und schnell verliert's oft der, dem sein Bemüh'n gelingt. 3. Ein Gut, das unsern Geist wahrhaftig soll beglücken, muß nicht vergänglich sein, muß für den Geist sich schicken. Der Thor hat Geld und Gut; er hat's und wünscht noch mehr, noch immer bleibt sein Herz von wahrer Ruhe leer. 4. O Gott, so wehre doch der Habsucht niedern Trieben, und heilige mein Herz, nie sclavisch das zu lieben, was man mit Müh' gewinnt, bald schwelgerisch verzehrt, verzehrt, bald ruhelos bewacht, und bald mit Fluch vermehrt. 5. Gin weises, frommes Herz, das sei mein Schaß auf Erden! Sonst alles, nur nicht dieß kann mir entrissen werden. Es bleibt im Tod auch mein, und folgt mir aus der Zeit zum seligsten Gewinn bis in die Ewigkeit. 6. Wenn dieser fehlt, dann ist das prächtigste Vergnügen den süßen Träumen gleich, die unsern Geist betrügen. Drum lenke, Gott, den Wunsch vom irdischen Gewinn durch deines Geistes Kraft zu ew'gen Gütern hin! C.F. Gellert, verändert durch Diterich. Zufriedenheit. 179 Zufriedenheit. Mel. Was Gott thut, das ist 2c. 319. Wa as Gottes ewig weiser Rath für mich bestimmt, ist Segen, nur er beglücket jede That, schüßt mich auf meinen Wegen. Wer Gott vertraut, fest auf ihn baut, hat Trost in Kümmernissen, wenn Andre zagen müssen. 2. Drum zag' ich nie, auch bitt' ich nicht um freudenvolles Leben; nur frohen Muth zu jeder Pflicht, den wolle Gott mir geben. Und sinkt mein Herz bei herbem Schmerz: dann wird mein Gott mich stärken zu neuen, guten Werken. 3. Auch bitt' ich nicht, Allliebender, um Güter dieser Erden; an Tugend laß, o Gott, mein Herr, mein Herz stets reicher werden! Vertrau'n zu dir, dieß gib du mir, und Kräfte, deinen Willen mit Freuden zu erfüllen! 4. Kein langes Ziel erfleh' ich mir. Ein dir geweihtes Leben ist nur mein Wunsch, um mich zu dir, dein würdig, zu erheben. Doch hat mein Ziel der Tage viel, so schenk mir reiche Saaten zu dir geweihten Thaten! 5. Und ist ein franker Leib mein Theil, find traurig meine Tage, so gib Geduld, o Gott, mein Heil, daß ich auch da noch fage: Gott ziehet mich durch Kreuz zu sich, ihn preis' ich selbst für Leiden; sie sind der Weg zu Freuden! Fr. v. d. Necke. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 320. Ich bin in meinem 12* Zufriedenheit. 180 mit dem, was er zu meinem Theil an Glück und Unglück hat beschieden, sein weiser Rath sucht stets mein Heil. Ob er mir oft gleich widrig scheint, so weiß ich, daß er's treulich meint. 7. Es mag mir gehen, wie sein Wille; ich nehm' es an, wie's ihm gefällt. Es bleibet meine Seele stille, wenn sie nur Jesum stets behält: so ist fie recht vergnügt und reich, und gilt ihr Glück und Unglück gleich. 8. Ich will dich fest im Glauben fassen, ich weiß, mein Jesus, du wirst mich auch weder hier noch dort verlassen, wo du mein Schatz bist ewiglich. Mein Herze sehnt sich für und für, mein Jesu, nimm mich bald zu dir! 2. Er weiß allein, wodurch auf Erden sein großer Name für und für muß herrlich und gepriesen werden; erreicht er diesen Zweck an mir, so bin ich ruhig und vergnügt mit allem, wie er's mit mir fügt. 3. Muß mir die Freudensonne scheinen, so dank' ich fröhlich seiner Huld. Und muß ich denn in Trübsal weinen, 321. 321. so nehm' ich's auch Geduld. Es ist, was seine Weisheit thut, mir dennoch alles nüß' und gut. 4. Ich weiß ja, was ich bin und habe, ist alles Gottes und nicht mein, so muß mir billig ja die Gabe nicht lieber als der Geber sein; was Gott mir gibt, das nehm' ich an, daß ich's ihm wiedergeben kann. 5. Mein Mittelpunkt, in dem ich lebe, und da mein Herze ruhig bleibt, ist Gottes Lieb', an der ich klebe, davon kein Kreuz und Noth mich treibt, die da in Christo Jesu ist, von dem mir alles Heil herfließt. 6. Von diesem soll Gefahr noch Leiden, kein Mensch, noch Engel, Angst noch Noth, und keine Creatur mich scheiden, auch weder Leben oder Tod. Bleibt dieser Schaß mir nur allein, so wird mir Jesus alles ſein. Mel. Wohl mir, Jesus, meine 2c. reudenleer scheint dir dein Leben, freudenleer dein Stand zu sein, und mit ängstlichem Bestreben ringst du, künftig dich zu freu'n; so verfließen deine Tage unter Wünschen, unter Klage. 2. Lerne mäßiger begehren, schränke deine Wünsche ein, lern' genießen, lern' entbehren, willst du froh und glücklich sein; deine Freuden, deine Schmerzen fließen dir aus deinem Herzen. 3. Hoher Stand und große Güter schaffen nicht zufriedenheit. Wahre Ruhe der Gemüther wohnt bei der Genügsamkeit, die mit Weisheit sich verbindet und ihr Glück auf Tugend gründet. 4. Froh genieß', was Gott beschieden, gern entbehr', was du nicht hast! Jeder Stand hat seinen Frieden, jeder Stand hat seine Last. Dulde standhaft deine Leiden, freu' dich dankbar deiner Freuden! 181 seine Huld damit verband! Er gibt dir Munterfeit und Kräfte, und nährt und stärkt dich väterlich. Sie brauchen, das ist dein Geschäfte, und ihr Gebrauch ist Glück für dich. 3. Hat Andern deines Vaters Segen mehr Güter anvertraut, als dir: darf dieß wohl deinen Neid erregen? Denk: wer ist Gott? und wer sind wir? Weiß er nicht besser, was dir nüßet, und was dem Nächsten nüßt, als du? Wenn er dich nährt, regiert und schüßzet, was fehlet dann noch deiner Ruh'? 4. Du prangest nicht in hohen Würden; beneide nicht der Großen Glück! Sie seufzen unter schweren Bürden, und oft stürzt sie ein Augenblick. Dir ward kein Ueberfluß gewähret; wünsch' ihn auch nicht aus Selbstbetrug! Wer gern, was er nicht braucht, entbehret, der ist beglückt und reich genug. 5. Herr, der du mir zum frohen Leben, so viel ich brauch', Mel. Wie groß ist des zc. 322. Entebre nicht, mein und mehr verlieh'n, laß täglich Herz, sich den Gott, der dich zum Glück erschuf! Des Lebens Mühe zu ertragen, und froh zu sein, ist dein Beruf. Erdulde standhaft die Beschwerden, die feine Klugheit hindern kann; streb' nur, daß sie dir nüßlich werden, und bete Gottes Willen an! Zufriedenheit. 5. Gott vertheilet seinen Segen stets mit weiser Vaterhand, nicht, wie wir's zu wünschen pflegen, doch wie er es heilsam fand. Dich hat er auch nicht vergessen, deinen Theil dir zugemessen. 6. Drum verzehre deine Kräfte nicht in Unzufriedenheit! Treibe deines Stands Geschäfte redlich; nüß' des Lebens Zeit! Lern' dich und die Welt beglücken, und auf Gräbern Blumen pflücken! 7. Freunde, um der Tugend willen ringet nach Zufrieden heit! Schwere Pflichten zu erfüllen, strebt nach Geistes= Heiterkeit! Trüber Unmuth macht die Herzen fühllos gegen Andrer Schmerzen. 8. Laß mich, Gott, in meinem Leben redlich meine Pflichten thun, und dann kindlich dir ergeben, fromm in deiner Fügung ruh'n! Und ein Blick auf ew'ge Freuden stärke mich in meinen Leiden! H. G. Demme. 2. Gott hat dir selbst dein Loos beschieden; nimm's dankbar an Hand! Erfülle jede Pflicht zufrieden, die sorgenvollen Gram zu flieh'n! In Demuth laß mein Herz sich üben, stets deiner Güte, Herr, mich freu'n! Dich fürchten, dir vertrau'n, dich lieben, müff' ewig meine Freude sein! B. F. Köhler. Mel. Gott des Himmels und der 2c. * 323. Weicht, und quält nicht, ihr Sorgen! mein Versorger lebt 182 und wacht. Wahrlich, ihm ist Nichts verborgen, was den traurig Was der Herr beſchließt und thut, 324. D", ehret ihn und ist mir gut. Zufriedenheit; weiser Lebensgenuß. 2. Eh' noch Erd' und Himmel waren, war mein Schicksal ihm bekannt, und den Lauf von meinen Jahren lenket täglich seine Hand. Nichts geschieht von ohngefähr; alles kommt von oben her. 3. Zähl', o Seele, deine Tage bis auf die Geburt zurück; zähle Kummer, Müh' und Plage; zähl' auch Freude, Heil und Glück! Sag', ob Gott nicht immerdar weise, mild und hilfreich war. 4. Widme Gott dein Thun und Leben, trau' auf ihn und sorge nicht! er ist Vater, er wird geben, was zum Leben dir gebricht. Geh' getroft zu ihm und sprich: ,, Gott, mein Vater, segne mich!" 5. Bet' und sei nicht zwei felmüthig, nicht des Meeres Wellen gleich! Sei getrost; denn er ist gütig; bist du dürftig, er ist reich. Fürchte Nichts; denn er weiß Rath, der auch Kraft zu helfen hat. 6. Ja, du kennst die Noth der Armen; ach, mein Gott, fie drückt auch mich. Doch ich kenne dein Erbarmen, weiß, du sorgest väterlich. Start Weiser Lebensgenuß. Mel. Nun danket alle Gott zc. 324. Dglückt, gern Freuu, der so gern beden uns bereitet, wie selig, wer von dir an Vaterhand geleitet nur dann sich glücklich fühlt, wenn er zu dir sich hält und jede Lust verschmäht, die nicht auch dir gefällt! 2. Wie selig, wenn sein Geist zu dir, durch den er lebet, durch den er denkt und wählt, fich oft und gern erhebet; wenn er die Freude kennt, sich einsam dir zu weih'n, erstaunt sich deiner Macht und deiner Huld zu freu'n! 3. Wie selig, wenn er selbst der Erde kleine Freuden mit Maß und Weisheit wählt! Ihr Uebermaß wird Leiden. Nach arbeitvoller Müh' ist schuldlos ihr Genuß. Wer nur der Freude lebt, fühlt Ekel und Verdruß. 4. O gib, Allgütiger, gib, daß auch meine Seele, wenn sie nach Freuden strebt, nie jene Freuden wähle, die endlich doch gereu'n! Es schlage meine Brust, vom Eiteln unverführt, nur für die rein're Lust! 5. Laß meine Tage mich durch eitles Spiel nicht tödten, nie vor der Tugend mich bei meinem Schmerz erröthen! Nach treu vollbrachter Pflicht darf ich der Ruh' mich freu'n, doch feinen Augenblick des durch diese Zuversicht zag' ich| Lasters Freuden weih'n. auch im Mangel nicht. 6. Vernunft und Tugend sei'n Gefährten meiner Freuden, dem Schwelger laß mich nie sein kurzes Glück beneiden!; Weiser Gebrauch der Lebenszeit. 183 Was mir an Reichthum fehlt,| zugezählt; die letzte weislich erseßt Zufriedenheit; der frohste uns verhehlt. Sinn wohnt stets bei stiller Häuslichkeit. 5. Drum weck' uns aus der Sicherheit, daß, eingedenk der Sterblichkeit, wir stets dem Tod entgegenseh'n und immer in Bereitschaft steh'n. 7. Der Tag der Fröhlichkeit sei niemals ganz verloren! Ich ward zum Dienst der Welt, zum Spiele nicht geboren. Erholung sei es mir, es stärke sich mein Muth, des Guten mehr zu thun, so oft ich ausgeruht! 6. Ist einst die Zahl der Tage voll, die jeder hier durchleben soll: so führ' uns aus der Prüfungszeit zu deiner frohen Ewigkeit! 8. Nie laß durch meine Lust den ärmern Bruder leiden! Der Tag, der mich beglückt, sei ihm auch Tag der Freuden! Ist er verlebt, wohl mir, wenn er mich nie gereut! Nie scheid' er ohne Dank für dich, der mich erfreut! 7. Da sind wir unsers Heils gewiß: da wechseln Licht und Finsterniß, wie hier auf Erden, ferner nicht; Herr, du biſt ewig unser Licht. C. 8. Neander. A. H. Niemeyer. Weiser Gebrauch der Lebenszeit. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen 2c. 325. nwiederbringlich schnell entflieh'n die Tage, die uns Gott ver lieh'n. Ein Jahr tritt ein und eilt davon. Wie manches ist bereits entfloh'n! 2. Dank sei dir, ewig treuer Gott, für deinen Beistand in der Noth, für tausend Proben deiner Huld und deiner schonenden Geduld! 3. Ach, oft verlegten wir die Pflicht; oft fehlten wir, und merkten's nicht; du siehst, Erbarmer, unsre Reu'; um Chrifti willen sprich uns frei! sze 4. Wir eilen mit dem Strom der Zeit stets näher hin zur Ewigkeit; du hast die Stunden Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 326. daß von meinen D Lebenstagen doch keiner ganz verloren sei! Verlorne Stunden, ach, sie nagen zu spät das Herz mit Gram und Reu', und den entfloh'nen Augenblick bringt kein Gebet, kein Fleh'n zurück. 2. Laß jeden meiner Augenblicke, o Gott, mir innig theuer sein! Laß mich die Zeit zu meinem Glücke nie durch der Sünde Dienst entweih'n, nie durch die Lust der Eitelkeit, die in der Welt das Herz zerstreut! 3. Noch ist es Tag, jetzt laß mich Werke der Tugend wirken, eh' die Nacht, wo Niemand wirkt, erscheint; jest stärke mich deine Lieb' und deine Macht! Wie viel ist noch für mich zu thun! und ich, ich sollte jest schon ruh'n? 4. Auf, auf, mein Geist! laß keine Stunde des Lebens ungenüßt vorbei! Auf, schwör' Weiser Gebrauch der Lebenszeit; Menschenliebe. 184 es jetzt mit Herz und Munde, und sei dem ernsten Schwur getreu: ,, Dir, Herr der Zeit und Ewigkeit, sei jeder Augenblick geweiht!" 5. Dann seh' ich an der Laufbahn Ende getroft auf meine Tage hin und sage: ,, Herr, durch deine Hände empfing' ich, was ich hab' und bin. Hier ist mein Tagewerk; nicht mein, dein ist der Ruhm, die Ehre dein!" A. H. Niemeyer. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 327. seilt der lette von den Tagen, die du hier lebst, o Mensch, herbei. Erkauf die Zeit und, statt zu klagen, sie sei zu kurz, gebrauch' sie treu! Nimm mit erkenntlichem Gemüth der nahen Stunde wahr, sie flieht. 4. Drum eil' und rette deine Seele, und denke nicht: Ein andermal! Sei wacker, bet' und überzähle der Menschentage kleine Zahl! Gesetzt, dein Ende wär' auch fern, sei fromm und wandle vor dem Herrn! 5. Mit jedem neu geschenkten Morgen erwecke dich zu dieser Pflicht! Sprich: Dir, o Gott, ist nichts verborgen, ich bin vor deinem Angesicht, und will, mich deiner Huld zu freu'n, mein Leben deinem Dienste weih'n. 6. Erleucht' und stärke meine Seele, weil ohne dich sie nichts vermag. Du gönnst, daß ich mein Heil erwähle, aus Gnaden mir noch diesen Tag. Was ist nur eine Stunde werth, die deine Langmuth mir gewährt! 7. Wohl mir, wenn ich aus vollen Kräften nach Gottes Reiche hier gestrebt, in gottgefälligen Geschäften die Pilgertage durchgelebt und einst im Glauben sagen kann:„ Du nimmst mich, Herr, zuEhrenan." 2. Getäuscht von eiteln Kleinigkeiten verlierst du deines Lebens Zweck, verschiebst dein Heil auf ferne Zeiten und wirfst so sorglos Jahre weg. Bist du, verwegner Sterblicher, des nächsten Augenblickes Herr? 8. Mein sprachlos Fleh'n 3. inst Ewigkeiten zu befi- bei meinem Ende vernimmst Ben, sollst du des kurzen Lebens du, Herzenskündiger. In deine Zeit als deine Saatzeit weiß- treuen Vaterhände befehl' ich lich nüßen und thun, was dir| meinen Geist, o Herr, er der Herr gebeut. Er ruft dir schwingt sich über Grab und menschenfreundlich zu: ,, Sieh', Welt, zu dir, wenn seine Hütte Eins ist Noth, was säumest du?" fällt. XI. Pflichtmäßiges Verhalten gegen unsre Nebenmenschen. Menschenliebe. vereinigt wirken Hand in Hand! Es schlinge fester sich Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 328. Qaß uns vereinigt, um Herzen der Menschenliebe meine Band! Menschenliebe. 185 uns unsre Pflicht, bis einst| so rühme dich der Tugend nicht, das Auge sterbend bricht! 2. Wir alle, alle find ja Kinder desselben Gottes, arm und reich, in jedem Stande, sind als Kinder des guten Gottes alle gleich, und sollen uns als Brüder freu'n, und wahre Menschenfreunde sein. und wisse, daß dir alles fehlet! Wenn Vortheil, Wollust, Eigensinn und Stolz dir nur das Gute rathen, so thue noch so gute Thaten, du hast vor Gott den Lohn dahin. 3. So schlage denn für Men schenfreude, für Menschenwohl auch unser Herz! Und leidet wo ein Mensch, wir wollen zu helfen eilen; seinen Schmerz zu mildern und ihm heitern Blick zu schaffen, sei uns eignes Glück! 2. Sei durch die Gaben der Natur das Wunder und das Glück der Erden: beglückest du die Menschen nur, um vor der Welt geehrt zu werden; erfüllt die Liebe nicht dein Herz, so bist du bei den größten Gaben des Geistes, wie sie Engel haben, vor Gott doch nur ein tönend Erz. 4. Wunsch des Menschenfreundes, werde Erfüllung! Menschen glücklich seh'n, selbst glücklich machen: Gottes Erde, dann wirst du noch einmal so schön! Ach, eine süß're, schön're Pflicht, als Menschenliebe, gibt es nicht! 5. Und nahet einst die ernste Stunde dir, Menschenfreund, so naht mit ihr ein Engel Gottes und verkündet den Lohn der Menschenliebe dir. Des Grabes Nacht wird dir erhellt; du sä'test hier für jene Welt. 6. Ja, Brüder, wer sein Herz hienieden der wahren Menschenliebe weiht, der streut zu einer reichen Ernte den Samen für die Ewigkeit. O laßt uns diesen Samen streu'n! D laßt uns Menschenfreunde sein! H. G. Demme. In eigener Melodie. 329. Mennzur Erfüllung deiner Pflicht dich Gottes Liebe nicht beseelet, 3. Bau' Häuser auf und brich dein Brod, das Volk der Armen zu verpflegen, entreiße Wittwen ihrer Noth, und sei der Waisen Schuß und Segen; gib alle deine Habe hin; noch hast du nichts vor Gott gegeben. Wenn Lieb' und Pflicht dich nicht beleben, so ist dir alles kein Gewinn. 4. Läg' Gott an unsern Werfen nur, so könnt' er uns, sie zu vollbringen, sehr leicht durch Fesseln der Natur, durch Kräfte seiner Allmacht zwingen; vor ihm, der alles schafft und gibt, gilt Weisheit nichts, nichts Macht und Stärke, er will die Absicht deiner Werke, ein Herz, das ihn verehrt und liebt. 5. Ein Herz von Eigenliebe fern, fern von des Stolzes eit'lem Triebe, geheiligt durch die Furcht des Herrn, und voll Vertrauen und voll Liebe: dieß ist's, was Gott von uns verlangt, und wenn wir nicht dieß Herz befißen, so wird ein 186 Leben uns nichts nüßen, das mit den größten Thaten prangt. 6. Drum täusche dich nicht durch den Schein, nicht durch der Tugend bloßen Namen! Sieh' nicht auf deine Werk allein, sich auf den Quell, aus dem sie kamen, und prüfe dich, ob Recht und Pflicht in dir die Selbstsucht überwieget. Dann erst hast du vor Gott gesieget, wenn dein Gewissen frei dich spricht. C.F. Gellert. Menschenliebe. ist für nichts zu schäßen, wenn darin der Liebe Geist sich nicht kräftig auch beweist. 4. Gäb' ich alle meine Habe auch den Armen freudig hin; opfert' ich mich selbst dem Grabe meinem Nächsten zum Gewinn; ließ ich meinen Leib gleich brennen, und ertrüge jeden Schmerz: ist von Liebe leer mein Herz, würd' es mir nichts nüßen können. Nur der Liebe reine That ist der wahren Freude Saat. Mel. Sollt' ich meinen Gott 2c. * 330. UGütern, die uns allen großen Christus zugetheilt, ist die Lieb' in den Gemüthern Himmelsbalsam, der sie heilt; ist ein Stern, der herrlich strahlet, und ein Kleinod, dessen Preis Niemand auszusprechen weiß, weil kein Gold es je bezahlet; ist die Macht, die Jedermann zwingen und erfreuen kann. 2. Liebe kann uns Alles geben, was auf ewig nüßt und ziert; sie kann unsre Seel' er= heben, fie ist's, die uns auf wärts führt. Menschen- oder Engelzungen, welche Kraft sie auch beseelt, wenn dabei die Liebe fehlt, sind noch nie in's Herz gedrungen; nur ein Erzund Schellenklang ist ihr flüchtiger Gefang. 3. Was ich von der Weis: 331. heit höre, die in alle Tiefen bringt, von geheimnißvoller Lehre, die sich auf zum Höchsten schwingt; selbst die Berge zu versehen durch des Glaubens starke Kraft, die der Wunder Fülle schafft: Alles 5. Glaube, Hoffnung, Liebe leiten uns nicht nur im Bilgerstand; ihre Kraft wird uns begleiten in das wahre Vaterland. Ja, es strecken ihre Grenzen sich bis in die Ewigkeit, und doch wird die Liebe weit über Glaub' und Hoffnung glänzen. Sie schafft Heil und Segen hier, sie beseligt für und für. 6. Odu Geist der reinen Liebe, Segensquell in Freud' und Schmerz! laß mich spüren deine Triebe, komm' und sent' dich in mein Herz, laß mich kräftig widerstreben Allem, was nicht gut es meint mit dem Freunde, mit dem Feind, und mich reizt, nur mir zu leben! Geist der Liebe, lenke hin zu der Liebe meinen Sinn! Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 331. Gib mir, o Gott, ein Herz, das jeden Menschen liebet, bei seinem Wohl sich freut, bei seiner Noth betrübet, ein Herz, das Eigennuß und Neid und Härte flieht und sich um Andrer Glück wie um sein Glück bemüht! Menschenliebe. 187 Glück erfreu'n, und seine Seligkeit auch meine Sorge sein! 2. Seh' ich den Dürftigen,| stärker müsse mich sein ewig so laß mich gütig eilen, von dem, was du mir gibst, ihm hilfreich mitzutheilen; nicht aus 8. Den, der im Glauben dem eitlen Trieb, groß vor der wankt, zu leiten und zu stärken; Welt zu sein, und mich verden, der noch sicher ist, bei sünehrt zu seh'n, nein, Menschen denvollen Werken, von der ver= zu erfreu'n. kehrten Bahn des Lasters ab3. Dieß sei mein Gottes- zuzieh'n: dazu verleih' mir Kraft dienst! Auch unbemerkt von und segne mein Bemüh'n! ihnen soll Andern stets mein Herz mit Rath und Hilfe dienen. Mich treibe nicht erst Dank zu milder Wohlthat an! Nein, was ich Brüdern thu', das sei dir, Gott, gethan! 4. Ein Trunk, mit dem mein Dienst dem Durstigen begegnet; ein Blick voll Troft, mit dem mein segnet; Mel. Mach's mit mir, Gott 2c. ein Rath, mit dem mein Mund 332. Wspricht: ich enn im Rummer Andre stärkt: nichts bleibt, so klein es ist, von dir, Herr, unbemerkt. 5. Sucht je ein böses Herz Unfrieden anzurichten, so laß mich sorgsam sein, der Brüder Zwist zu schlichten! Aus Schmähsucht fränke nie mein Mund des Nächsten Ruh'; er rühme sein Verdienst, deck' seine Fehler zu! liebe Gott, und haßt doch seine Brüder, der treibt mit Gottes Wahrheit Spott und handelt ganz dawider. ganz dawider. Gott ist die Lieb' und will, daß ich den Nächsten liebe gleich als mich. 2. Wer dieser Erde Güter hat, und sieht die Brüder leiden, und macht den Hungrigen nicht satt, läßt Nackende nicht kleiden, der ist ein Feind der ersten Pflicht und hat die Liebe Gottes nicht. 6. Fern sei's, o Gott, von mir, das Böse zu vergelten! Still, duldsam sei mein Sinn, wenn Menschen auf mich schelten! Gib, daß ich dem verzeih', der mir zu schaden sucht, den liebe, der mich haßt, den segne, der mir flucht! 7. Doch laß mich nicht allein auf zeitlich Wohlergehen mit eingeschränktem Blick bei mei= nem Nächsten sehen! Noch 9. heilige du selbst, Herr, meiner Seele Triebe durch deine Lieb' und Furcht zu wahrer Menschenliebe! Wer nicht den Nächsten liebt, geht nicht zum Himmel ein. Laß diese Wahrheit, Gott, mir stets vor Augen sein. C. F. Gellert. 3. Wer seines Nächsten Ehre schmäht und gern sie schmähen höret; sich freut, wenn sich sein Feind vergeht, und nichts zum Besten kehret; nicht dem Verleumder widerspricht: der liebt auch seinen Bruder nicht. 4. Wer zwar mit Rath und Trost und Schuß den Nächsten Menschenliebe. unterstüßet, doch nur aus Stolz,| alle Brüder. Gott schuf die aus Eigennuß, aus Weichlich- Welt nicht bloß für mich; mein keit ihm nüßet, nicht aus Ge- Nächster ist sein Kind, wie ich. horsam, nicht aus Pflicht: der liebt auch seinen Nächsten nicht. 5. Wer harret, bis, ihn anzufleh'n, ein Dürft'ger erst erscheinet; nicht eilt, dem Frommen beizusteh'n, der im Verborgnen weinet; nicht gütig forscht, ob's ihm gebricht, der liebt auch seinen Nächsten nicht. 11. Du schenkst mir täglich so viel Schuld, du Herr von meinen Tagen; ich aber sollte nicht Geduld mit meinen Brütdern tragen? dem nicht verzeih'n, dem du vergibst, und den nicht lieben, den du liebst? 6. Wer Andre, wenn er sie beschirmt, mit Härt' und Vorwurf quälet; wer ohne Nachficht straft und stürmt, sobald sein Nächster fehlet: wie bleibt bei seinem Ungestüm die Liebe Gottes wohl in ihm? 12. Was ich den Frommen hier gethan, den Kleinsten auch von diesen, das siehst du, mein Erlöser, an, als hätt' ich's dir erwiesen. Und ich, ich sollt' ein Mensch noch sein, und dich in Brüdern nicht erfreu'n? 7. Wer für der Armen Heil und Zucht mit Rath und That nicht wachet; dem Uebel nicht zu wehren sucht, das oft sie dürftig machet; nur sorglos ihnen Gaben gibt: der hat sie wenig noch geliebt. 8. Wahr ist es, du vermagst es nicht, ſtets durch die That 333. zu lieben; doch bist du nur geneigt, die Pflicht getreulich auszuüben, und wünschest dir die Kraft dazu, und sorgft dafür: dann liebest du. 188 9. Ermattet dieser Trieb in dir, so such' ihn zu beleben, Sprich oft: Gott ist die Lieb', und mir hat er sein Bild gegeben. Denk' oft: Gott, was ich bin, ist dein! Sollt' ich, gleich dir, nicht gütig sein? 10. Wir haben Einen Gott und Herrn, sind Eines Leibes Glieder. Drum diene deinem Nächsten gern; denn wir sind 13. Ein unbarmherziges Gericht wird über den ergehen, der nicht barmherzig ist, der nicht die rettet, die ihn flehen. Drum gib mir, Gott, durch deinen Geist ein Herz, das dich durch Liebe preiſt! C. F. Gellert. 333. Bestreben, nicht Mel. In allen meinen Thaten 2c. mein auch blos für mich zu leben, Menschenfreund zu sein, auch Andern gern zu nüßen, des Glücks, das sie besigen, mich wie des meinigen zu freu'n! 2. Laß mich bei Andrer Klagen nicht, eh' ich helfe, fragen: was wird mir, Herr, dafür?" Nein, eine reine Milde, die mich zu deinem Bilde verklären soll, gewähre mir! 3. Erzeig' ich Andern Güte, so bleibe mein Gemüthe von Stolz und Prahlerei, von Lust, sie zu beschämen, die Gutes Menschenliebe; Gerechtigkeit und Billigkeit. 189 von mir nehmen, und auch| und brauchest deine Majestät, von schnöder Lohnsucht frei! 4. Wenn ich des Dankes Zähre für Wohlthun auch ent= behre: so laß doch nie mein Herz des Wohlthuns müde werden, auch selber mit Beschwerden vermindr' es gern des Nächsten Schmerz! 3. A. Cramer. Mel. Ein Lämmlein geht 2c. 334. Djelber bist und gern die Menschen segnest, ja ſelbst dem, der dein Feind noch ist, mit Freundlichkeit begegnest; o bilde meinen Sinn nach dir, und laß mich, mein Erlöser, hier, wie du gewandelt, wandeln! Die können keine Christen sein, die sich nicht Andrer Wohlfahrt freu'n, und menschenfreundlich handeln. nur Segen auszubreiten. 4. O laß in meiner Bilgerschaft mich auf dein Vorbild sehen! Erfülle mich mit Luft und Kraft, dem Nächsten beizustehen, betrübter Herzen Trost zu sein, mich mit den Fröhlichen zu freu'n, mit Weinenden zu klagen, und dem, der mir sein Herz vertraut, die Redlichkeit, auf die er baut, nicht er du die Liebe treulos zu versagen! 5. Laß mich mit brüderlicher Huld des Nächsten Fehler decken, durch Sanftmuth, Mitleid und Geduld zur Besf'rung ihn erwecken; und sündiget er gegen mich, so freue meine Seele sich, ihm willig zu vergeben. So werd' ich dich, o Jesu Christ, der du die Liebe selber bist, auf's würdigste erheben. P. F. Hiller, veränd. durch Sturm und Diterich. 2. Dein Leben in der Sterb= lichkeit war für die Menschen Segen; dir folgten Lieb' und Freundlichkeit auf allen deinen Gerechtigkeit und Billigkeit. Mel. Kommt her zu mir 20. Wegen; wohin bu gingſt, ging 335. Gerechter Gott, laß du zu dein dein Werk und jeden Schritt begleitete Erbarmen; du übernahmst die schwerste Pein, uns vom Verderben zu befrei'n und starbst zum Heil uns Armen. 3. Auch jetzt noch, auf der Himmel Thron bist du das Heil der Sünder; auch da bleibst du, o Gottessohn, ein Freund der Menschenkinder. Du schaffst den Deinen wahre Ruh', und die Verirrten suchest du auf rechten Weg zu leiten. Du hörst der Seufzenden Gebet, dem, was recht und billig heißt, stets meine Seele lenken! Nie reiße mich die Habsucht hin, um einen blendenden Gewinn des Nächsten Recht zu kränken. 2. Pflanz' Redlichkeit in meine Brust und laß mich stets mit wahrer Lust der Liebe Pflichten üben! Ein Herz, das nur auf Unrecht denkt, nur Schaden sucht und And're kränkt, wie kannst du, Gott, das lieben? 3. Nie seufze Jemand über mich, mein ganzes Herz be 190 Gerechtigkeit und Billigkeit. strebe sich, dem Nächsten gern zu| Allen dienen, dem mit Hilfe, geben, was er mit Recht verlan- dem mit Rath, willig, jedes gen kann, und immerfort mit Unrechts Feind, aller Menschen jedermann in Einigkeit zu leben. wahrer Freund. 4. Laß mich beständig dahin 5. Lasset uns einander lieseh'n, mit jeglichem so umzu- ben, gern einander glücklich geh'n, wie ich's von ihm be- seh'n, Keinen kränken und begehre, damit ich keines Men-| trüben, keinen drücken, keinen schen Herz durch meine Härte schmäh'n, aller Zwietracht, je mit Schmerz und bangem alles Streits Feinde sein! Gram beschwere! denn Gott gebeut's. 6. Laßt uns halten Treu' und Glauben, flieh'n, was Andern schädlich ist, Arm' und Schwache nicht berauben durch Betrug, Gewalt und List; welch ein Gräu'l vor Gott ist nicht fal sches Maß und falsch Gewicht! 7. Laß uns nie, was wir versprechen, widerrufen, weil's uns reut, nie, was zugesagt ist, brechen, oder schänden unsern Eid, von Betrug und Tücken rein, lieber arm als treulos sein! 5. Herr, mit dem Maß, damit ich hier dem Nächsten messe, wirst du mir dereinst auch wieder messen; dieß reize mich zur Billigkeit, und lasse mich zu keiner Zeit der Liebe Pflicht vergessen. P. F. Hiller, verändert durch Diterich. Mel. Gott des Himmels und zc. 336. Theuer, wie mein eignes Leben, wie mein Nam' und Eigenthum, sei mir, Menschen, euer Leben, euer Gut und euer Ruhm, alles, was euch Gottes Rath gab und noch bestimmet hat! 2. Strebt schon in der Zeit der Jugend nach Verdiensten, und gewinnt durch Geschäftigkeit und Tugend, die die besten Schäße sind, werdet angeseh'n und reich; alles, alles gönn' ich euch. 3. Immer will ich, frei vom Neide und vom Eigennuße rein, eures Segens, eurer Freude, eures Glücks und Ruhms mich freu'n; froh, daß unser Gott euch liebt, euch so mild und reichlich gibt. 4. Allen möcht' ich helfen, ihnen wohlthun, wie mein Heiland that, Schaden wehren, 8. Haffen laßt uns alle Lügen, alle Schmähsucht; Jeder sei offenherzig und verschwie gen, in der Freundschaft fest und treu! Jeder nehme, wo er kann, der Verleumdeten sich an! 9. Laßt uns Gutes gern belohnen, wie es unser Gott belohnt, und der Brüder Fehler schonen, wie der Herr auch unser schont! Ach, er schont, mit welcher Huld, welcher Langmuth und Geduld! 10. Also laßt, von Gott getrieben, uns einander gern und treu uns als seine Kinder lieben, ohne Zwang und Heuchelei! chelei! O wie selig werden wir dann nicht werden dort und hier! 3. I. Cramer. Gerechtigkeit und Billigkeit. 191 Grabe nicht noch ein schreckMel. Alle Menschen müssen 2c. 337, Aller meiner Brüder licher Gericht? Rechte laß mir, Gott, stets heilig sein! Wenn ich sie zu kränken dächte, ihres Kummers mich zu freu'n, über sie mich zu erheben, oder üppiger zu leben: dann verletzt' ich meine Pflicht, ehrte deinen Willen nicht. 2. Könnt' ich, taub bei ihren Klagen, ihnen das aus Eigensinn oder Neid und Geiz versagen, was ich ihnen schuldig bin, könnt' ich ohne Treu' und Glauben Andern Gut und Ehre rauben: welchen Haß verdient' ich nicht! welch ein schreckliches Gericht! 3. Nein, ich will das Unrecht haffen, will gerecht sein, kein Tyrann, Jedem geben, jedem lassen, was er hat und fordern fann. Lieber will ich Unrecht leiden, als begehen, und mit Freuden lieber niedrig sein und bloß, als durch Unrecht reich und groß. 5. Eines Unterdrückten Thränen, o wie furchtbar sind nicht die! Eh'es Ungerechte wähnen, trifft, Herr, deine Strafe sie. Und wenn du nicht eilen folltest, wenn du, Richter, säumen wolltest: harrt dann mein am 6. Lehre mich gerecht und billig gegen alle Menschen sein! keinen drücken, lieber willig jedem, der mich kränkt, verzeih'n! Hab' ich macht, laß sie mich nüßen, die Bedrängten zu beschüßen, eilen, wo Verlaff'ne fleh'n, ihnen liebreich beizusteh'n. 7. Sichern laß mich meine Rechte, aber sanft und mit Geduld! Wir sind alle deine Knechte, und wie groß ist deine Huld! Du vergibst mir meine Schulden; sollt' ich denn kein Unrecht dulden? nicht gelind sein? mich nicht freu'n, wie du, Vater, zu verzeih'n? 8. Hilf mir immer richtig wandeln, Gott, vor dir, als meinem Herrn, billig stets mit Andern handeln, und von aller Härte fern! Denn du, Richter aller Welten, wirst mir alles einst vergelten, was ich meinen Brüdern that, wenn sich dein Gericht mir naht. 3. A. Cramer. 4. Würden der Bedrängten Zähren, würden ihre Seufzer nicht Rettung, Gott, von dir Mel. Herr Jesu Christ, mein's zc. begehren und beflügeln dein 338.jederzeit von aller Gericht? Würd' ich nicht stets zittern müssen? Würde nicht selbst mein Gewissen mir mit Angst und Schrecken dräu'n, und ihr erster Nächer sein? Ungerechtigkeit! Wie könnt' ich sonst der Deine sein und deiner Gnade, Gott, mich freu'n? 2. Wer seines Nächsten Rechte kränkt, auf seinen Schaden boshaft denkt, verleget des Gewissens Pflicht, und ehrt dich, Allgerechter, nicht. 3. Dein heil'ges Wort schärft mir es ein, tein schadenfroher Mensch zu sein; es droht der Güte und Wohlthätigkeit. Kränkung, dem Betrug des dem Betrug des| Hand dem Armen; was ihr Nächsten unfehlbarer Fluch. gebt, empfängt der Herr. Helft 4. Darum, mein Gott, be- und eilt, auch ungesehen euren wahre mich vor allem Unrecht Brüdern beizustehen! väterlich! Beging ich's je, so sei mir's leid, und zum Ersaß mein Herz bereit! 5. Wer Andern Schaden einst gethan, und irgend ihn erstatten kann, doch deß sich weigert, findet nicht vor dir Erbarmen im Gericht. 4. Hilfreich zu Bedrängten eilen, sie beschüßen und erfreu'n, Kummer lindern, Wunden heilen, wohlthun, trösten und verzeih'n, und dieß ohne Stolz verrichten: das sind unsre Christenpflichten. 5. Herr, wir geben von dem Deinen, was wir geben, laß uns nie fühllos sein, wo Brüder weinen! Unser Mitleid tröste sie, daß, wenn wir zu dir uns nahen, wir auch Trost und Hilf' empfahen. 192 6. Auf Buße, die er meint zu thun, kann nie dein Wohlgefallen ruh'n, wenn er nicht willig das ersetzt, womit er Andrer Recht verlegt. 7. Laß, Höchster, laß mein Leben rein von ungerechten Mel. Alle Menschen müssen sterben 2c. Thaten sein! Du bist gerecht, 340. Qaß, o Jeju, mich ich; in diesem Sinne stärke mich!$.&. Heeren. empfinden, welche Seligkeit es ist, daß du mir, um mich von Sünden zu befrei'n erschienen bist, daß ich Gottes Wege walle; daß du liebreich, eh' ich falle, die Gefahr mir offenbarst, mich ergreifest, mich bewahrst. 2. Doch wie könnt' ich dieß empfinden, und doch fühllos Menschen seh'n in der Sclaverei der Sünden Wege des Verderbens geh'n und nicht rufen, daß sie's hören: eilet, Freunde, umzukehren, wenn ihr selig werden wollt, wie ihr's werden könnt und sollt! * 339. ,, S Güte und Wohlthätigkeit. Mel. Herr ich habe mißgehandelt 2c. eid barmherzig!" Menschen, höret, hört das heilige Gebot, das uns Jesus Christus lehret; seid barmherzig! seid's, wie Gott! gebt, so wird auch euch gegeben, was euch nöthig ist zum Leben! 2. Soviel Menschen, soviel Brüder. Ein Gott ist's, der uns erschuf. Wir sind Eines Reiches Glieder, allgemein ist Gottes Ruf. Auch den Bösen, wie den Seinen läßt er seine Sonne scheinen. 3. Gleicht dem Vater im Erbarmen! seid barmherzig, seid's wie er! öffnet Herz und 3. Auch für meiner Brüder Seelen, und nicht für mein Heil allein, soll ich sorgen, wenn sie fehlen, wo ich kann ihr Führer sein. Wenn sie fündigen und sterben, und ich rief nicht vom Verderben, wo Güte und Wohlthätigkeit. 193 ich konnte, sie zu dir, forderst| sucht zu unterstüßen, Unterdu ihr Blut von mir. drückte zu beschüßzen! 3. Nicht nur denen, die euch lieben oder euch um Hilfe fleh'n, nein, von Menschenhuld getrieben, eilet Allen beizuſteh'n; auch die, die im Stillen leiden, führt zu unverhofften Freuden! 5. Hilf mir selbst sein Herz erweichen, und wenn meine Bitten nicht bis zu seinem Herzen reichen, sei mein Beispiel ihm ein Licht, daß an 4. D! wie lohnt's mit sansten Freuden, der Verlass'nen Helfer sein, seh'n, wie sie in ihren Leiden sich, durch uns geſtärkt, erfreu'n! Ein betrübtes Herz erquicken, welch ein himmlisches Entzücken! 5. Heil und Glück auf unmir er sehen möge, wie so heil- heit, Huld bei Menschen, Gotsern Wegen, innige Zufriedensam Gottes Wege Jedem, der fie lieb gewinnt und mit Treue wandelt, sind. tes Segen folgen auf Barmherzigkeit. Was ist Müh', was find Beschwerden, wenn sie so vergolten werden! 6. Laßt uns eilen, unsre Gaben, weil es Zeit ist, auszustreu'n! was wir hier gefäet haben, ernten wir dort reichlich ein. Seid barmherzig, helft den Armen, Gott will euer sich erbarmen! 3. L. Paulmann, veränd. d. Diterich. Mel. Mach's mit mir, Gott zc. Mel. Wohl mir, Jesus, meine 2c. 341. oblzuthun und mit" 342. oblthätigkeit iſt unsre zutheilen, Christen! das vergesset nicht! Mitleidsvoll und willig eilen, Armen beizusteh'n ist Pflicht, süße Pflicht, die Jesus lehret, und durch die man Gott verehret. 4. Von des Irrthums Finsternissen selbst errettet, will auch ich warnen, rühren deß Gewissen, der von deinem Wege wich; will ihm zeigen, was ihn blende, daß sein Herz zu dir sich wende, und zur wahren Seelenruh'. Gib du mir nur Kraft dazu! 6. Laß ihn seh'n an meinen Freuden, wie beglückt der Fromme ist, wie so heiter auch im Leiden, welch ein Trost du dann ihm bist, daß er sich der Lust der Erde noch entreiß' und heilig werde, felig auch wie ich zu sein, ewig deiner sich zu freu'n. 3. A. Cramer. 2. Speiset die, die Hunger leiden, und die durstig sind, die tränkt; eilt, die Nackenden zu kleiden; tröstet, die ihr Kummer fränkt! Schwache wenn wir Betrübte sehen. Gott, helf' ich den Bedrängten nicht, wenn sie um Hülfe flehen: so kann ich mich des Ruhm's nicht freu'n, Bekenner meines Herrn zu sein. 2. Kränkt mich nicht meines Nächsten Schmerz, fühl' ich nicht seine Leiden, so kennt auch nicht mein hartes Herz die edelste der Freuden; so tenn' 13 194 Güte und Wohlthätigkeit. ich dich, den Vater, nicht, und| achtet, fühllos bleibet bei der nicht der echten Liebe Pflicht. Noth der verlassinen Armen: der erwarte nicht von Gott Nachsicht und Erbarmen! 3. Rührt mich nicht der Verlaffnen Noth und nicht der Wittwen Zähre: so bin ich fern von dir, o Gott, und leugne deine Lehre; so bin ich gleich dem bösen Knecht, der nicht vergab, bin ungerecht. 2. Von dem Himmel schaut der Herr auf der Armen Plagen; ihre Thränen zählet er, höret ihre Klagen; sieht auch, wenn das harte Herz kummerfreier Reichen keine Thränen und kein Schmerz mildern und erweichen. 4. Jst's Geiz, ist's Trägheit, die mir's wehrt, den aus der Noth zu reißen, der mir das flagt, was ihn beschwert: kann ich ein Christ dann heißen? Wer Jesu wünschet gleich zu sein, muß auch so gern, wie er, erfreu'n. 3. Ach, das Urtheil ist gefällt: Nie des Himmels Erben, ist ihr Theil in jener Welt Jammer und Verderben. Können sie, wo Gott ist, sein? sie bei den Erlöften? fie, die Arme nicht erfreun, nicht Verlassne trösten? 4. Reiche, hört's, erbarmet euch, fleht zu euch der Arme, daß sein Gott auch über euch sich dereinst erbarme, weil ihr, da er zu euch schrie, auf sein Schreien höret, den Bedrängten halft und sie tränktet und ernährtet. 5. Bin ich bei And'rer Noth zu weich, und scheue ihre Leiden: so bin ich jenem Priester gleich, der, Mitleid zu vermeiden, den, welchen Blut und Schmerz umfing, von ferne sah, und seitwärts ging. 6. du, der voll Barmherzigkeit, so gern, was uns beschweret, uns mildert, und der Seele Leid so gern in Freude kehret, o bild' auch meinen Sinn nach dir! fern sei ein hartes Herz von mir! 5. Mitleidsvoll und hilfreich sein, seiner Miterlösten Retter werden und sich freu'n, Traurige zu trösten, Dant in ihrem 7. Wer so, wie du, barm- Angesicht und in ihren Blicken herzig ist, empfängt vor dei- Wonne seh'n: wie rührt das nem Throne, weil er nicht nicht! Reiche, welch' Entzücken! dein Gebot vergißt, ein ewig Heil zum Lohne. Doch den Berächter dieser Pflicht erkennst du für den Deinen nicht. mel. Diebster Vater, ich dein 2c. 343. er bes Lebens er des Lebens Güter hat, wenn sein Nächster schmachtet, doch nicht hilft mit Rath und That, seines Grams nicht 6. Aber, wer den Armen liebt, geb' aus freier Liebe, jei nicht mürrisch, wenn er gibt, daß er nicht betrübe! Eh' er seufzen hört, eil' er Armen froh entgegen; lieblich sei, das will der Herr, wie der Thau, sein Segen! 7. Christen, wenn ihr in der Zeit, mild wie Gott ge Achtung vor der Ehre und dem guten Rufe des Nächsten. 195 4. O Mensch, bedenke doch: Gott hört an jedem Orte, wo du nur immer bist, ein jedes deiner Worte! Und er, der alles sieht, er sollte dich nicht seh'n, wenn du dich frech erkühnst, die Unschuld selbst zu schmäh'n? 5. Wenn du der Frommen lachst, wenn du die Tugend schändest, dem Würdigen das Lob, das er verdient, entwendest: Verläumder, sieht's nicht Gott, wie zügellos dann du ihn in den Seinen schmähst? Dein Richter hört dir zu. sinnet, Schäße für die Ewigkeit sammelt und gewinnet: o wie groß wird euer Lohn, euer Glück auf Erden, und wie groß vor Gottes Thron die Vergeltung werden! 8. Dann sagt Jesus einst zu euch: Kommt, getreue Knechte! Erbet meines Vaters Reich! Erbet es, Gerechte! Was ihr meinen Brüdern gabt in dem ersten Leben, sie zu trösten, alles habt ihr auch mir gegeben! C. F. Gellert, veränd. durch Cramer. Achtung vor der Ehre und dem 6. Die Thränen zählt der Herr, die von gekränkten Frommen, die du entehrest hast, mit Seufzen vor ihn kommen. Es guten Rufe des Nächsten. Mel. O Gott, du frommer Gott zc. 344. Suchst du des Näch- kommt, es kommt ein Tag, wo Gott einst vor Gericht, im Angesicht der Welt, auch dir dein Urtheil spricht. sten Werth und Achtung nur zu schmälern, sprichst du aus Ehrsucht gern von deines Bruders Fehlern, verkleinerst ihn aus Stolz, beneidest seinen Ruhm, deckst seine Schwachheit auf: wo bleibt dein Christenthum? 7. Und du, du wolltest nicht des Nächsten Ehre schäßen? und wenn du sie verleßt, nicht schleunig sie ersetzen? Sie sei in Zukunft dir so werth als eigner Ruhm; beschüß, und rette sie stets als ein Heiligthum! 2. Wenn du aus Argwohn blos von ihm nur Böses denkest und durch ein falsch Gerücht ihm schadest und ihn kränkest, wenn ihn dein Neid, dein Haß, dein Stolz, dein Spott entehrt: bist du dann noch ein Christ, und dieses Namens werth? 3. Wenn du den Lästrer hörst und unter Spöttern fizest, und blos aus Menschenfurcht nicht Andrer Unschuld schüßzest, wenn aus Gefälligkeit du selbst Verleumder biſt, und nichts 345. W zum Besten kehrst: bist du dann noch einst Chriſt? 8. Wie hoch verbietet Gott den Mißbrauch unsrer Zungen! Drum hüte dich, o Christ, vor allen Lästerungen! Wer in dem Menschen Gott und seine Gaben ehrt, den ehrt auch Gott, und der ist seines Beifalls werth. I. 2. Paulmann, veränd. d. Diterich. Dankbarkeit. Me 1. Wer nur den lieben Gott 2c. enn Menschen streben, dir an Güte und Wohlthun, Vater, 13* Dankbarkeit; Wahrhaftigkeit und Redlichkeit. 196 gleich zu sein, und mich mit willigem Gemüthe durch ihren Rath und Trost erfreu'n: mit reichem Segen fegne dann sie, die ich nicht belohnen kann! 2. Es zeuge meine Freudenzähre von meines Herzens Dankbarkeit, mit welchem Eifer ich begehre, was sie beglückt, ihr Herz erfreut, mit welcher Inbrunst mein Gebet für sie zu dir, mein Vater, fleht! 3. Ich will mich aller ihrer Freuden und ihres Glücks von Herzen freu'n; vollKummer über ihre Leiden, gern, wie ich kann, ihr Tröfter ſein; und kann ich den will ich's thun, o Gott! 4. Ich will sie lieben, will fie ehren, will über mein Bedürfniß fie mit meinen Klagen nie beschweren, bescheiden sein und lästig nie; nie mürrisch, neidisch, noch betrübt, wenn ihre Hand auch andern gibt. 5. Kann ich, was ihnen schadet, hindern; befördern, was ihr Wunsch begehrt; erleichtern, was sie drückt, und lindern, was sie bekümmert und beschwert, frohlocken will ich, Vater, dann, wenn ich's durch deinen Beistand kann. 6. Und kann ich's nicht, o Gott, so dringe mein brünstiges Gebet zu dir! Und was sie wünschen, das gelinge; denn Herr, sie thaten wohl an mir! Auf jeden komme Freud' herab, der Freude gibt und Freude gab! 7. Umfange sie mit deiner Güte, und deine Huld verlaß fie nie! Sei stets ihr Helfer, und behüte vor Widerwärtigkeiten sie! Trifft dennoch sie Gefahr und Schmerz, so tröst' und heile selbst ihr Herz! 8. Nimm sie zu deines Reiches Erben, wenn sie entschlafen, gnädig an! Erquicke fie in ihrem Sterben; sie haben Menschen wohlgethan! Belohne sie vor deinem Thron; groß, herrlich, ewig sei ihr Lohn! J. A. Cramer. 346. Wahrhaftigkeit und Redlichkeit. Mel. Befiehl du deine Wege 2c. ohl dem, der ht richtig wandelt, der als der Wahrheit Freund in Wort und Werken handelt, und das ist, was er scheint; der Recht und Treue liebet, und von dem Sinn der Welt, die Trug und Falschheit übet, sich unbefleckt erhält! 2. Wohl ihm, daß sein Ge müthe, Herr, deine Rechte übt! Jhn leitet deine Güte, er wird von dir geliebt. Einst wirst du ihn erhöhen, wenn in der Wahrheit Licht beschämt die Falschen stehen, entdeckt durch dein Gericht. 3. D Herr, laß alles Lügen doch ferne von mir sein! Nie laß die Lippen trügen, nie ſei die Tugend Schein! Erinn're mein Gewissen, du haffest Heuchelei, damit ich stets befliffen der Treu' und Wahrheit sei! 4. Laß niemals mich versprechen, was ich nicht halten kann, mich nie Zusagen bre chen, die ich einmal gethan; und Redlichkeit. 197 7. Du bist sein Schirm und Schild, o Gott! Träf' ihn auch andrer Menschen Spott, träf' ihn auch Haß der ganzen Welt: was achtet's der, der dir gefällt? 8. Er wird vor deinem Angeficht einst strahlen wie der Sonne Licht, die früh in voller Herrlichkeit hervorbricht und die Nacht zerstreut. 9. Daß ich mich dieses Glücks erfreu', so steh' auch mir, mein Vater, bei! Laß mich von aller Falschheit rein, wie du ein Mel. Herr Jesu Christ, mein's 2c. 347. sein! ib Gott, daß ich 3. A. Cramer, veränd. durch Diterich. Mel. Valet will ich dir geben zc. laß mich nie348. Gottmals heucheln, laß mich aufrichtig sein, auch selbst dem Freund nicht schmeicheln, die Wahrheit nie entweih'n; mit eifrigem Bemühen laß mich der Falschheit List und die Verstellung fliehen, die dir mißfällig ist! Wahrhaftigkeit nie mich den Stolz verleiten und nie des Beispiels Macht, als Wahrheit zu verbreiten, was Falschheit ausgedacht! 5. Doch laß zu allen Zeiten auch deiner Weisheit Licht, Herr, meine Seele leiten, da mit ich meine Pflicht mit Klugheit üb' und wisse, wenn ich für And'rer Wohl und für mich reden müsse, und wenn ich schweigen soll! D. Bruhn. und redlich stets im Umgang sei, entfernt von der Verstellung List, die deinem Aug' ein Abscheu ist! 2. Verhaßt sei mir die Schmeichelei und glatter Worte Täuscherei; und was ich denke, ftreite nicht mit dem, was meine Zunge spricht! 3. Hilf mir auch des Betruges Schein mit Vorsicht flieh'n, und klug zwar sein, doch ohne Falsch, nach Jesu Rath, in Worten so wie in der That! 4. Vereint mit Offenherzigkeit sei auch bei mir Verschwiegenheit, daß ich zu meines Nächsten Wohl da schweige, wo ich schweigen soll! 5. Doch laß mich auch freimüthig sein, und keines Menschen Ansehn scheu'n, wenn irgendwo Gerechtigkeit der Unschuld Rettung mir gebeut! 6. Wer Wahrheit über alles schäßt, und nicht muthwillig fie verletzt, ist, Gott, dein Freund, und wird besteh'n, wenn alle Falschen untergeh'n. 2. In Worten und in Mienen gefällig, freundlich sein, und, soll man andern dienen, die kleinste Mühe scheu'n, sich Freund des Freundes nennen, und ins Geheim aus Neid ihm doch sein Glück nicht gönnen, ist nicht Aufrichtigkeit. 3. Wenn er aus edlen Gründen im Guten thätig ist, so darf ich's ruhmvoll finden als Menschenfreund und Christ; doch immer ihn erheben, und weil ihm Lob gefällt, ihm Lob und Beifall geben, ist Schmeichelei der Welt. 4. Ich muß mir das verbieten, was seinen Ruhm be 198 Wahrhaftigkeit und Redlichkeit; Demuth. fleckt, und alles gern verhüten,| Andre nie verachtet. Gott ehrt was ihm Verdruß erweckt. Ihn ihn wieder, sein Gebet wird nimhinterlistig kränken, perbeut mer von dem Herrn verschmäht, mir meine Pflicht; so redlich der auch auf's Niedre schauet. soll ich denken, als meine Zunge spricht. 5. Wenn er mir Zutrau'n gönnet und, wo er sich vergeht, mir sein Vergeh'n bekennet und um Verzeihung fleht; wie darf ich dann mich scheuen, so redlich, als er that, die Handlung zu bereuen, die ihn beleidigt hat! 6. Bei seinen edlen Zwecken soll ich durch keine List das suchen zu entdecken, was mir Geheimniß ist; sagt er's, soll ich's bewahren so treu, als wär' es mein; der Welt es offen baren heißt sein Verräther sein. 7. Ich soll den nicht belügen, der schwach aus Einfalt ist, mich scheu'n, ihn zu betrüben durch Falschheit und durch List; soll's treu und redlich meinen, von allen Ränken frei, so gut ich bin, auch scheinen und zeigen, daß ich's sei. 8. Dann fließet mir mein Leben in sanfter Ruh' dahin. Der Redlichkeit ergeben, fühl' ich, wie froh ich bin, vermehre Andrer Freuden, werd', was ich scheine, sein, und fürchte keine Leiden, die falschen Freunden dräu'n. 3. C. Grot. Demuth. Me L. Nun freut euch, lieben 2c. er gläubig ist und Demuth liebt, ist hoch bei Gott geachtet, wenn er, was recht und gut ist, übt und 349. 2. Den Stolz verfolgen Schmach und Spott gar oft schon auf der Erde; denn ihm, ihm widerstehet Gott, daß er erniedrigt werde. Wer, wenn ihn Gott in Würden setzt, sich seiner Gaben unwerth schäßt, an dem hat er Gefallen. hand viel Gaben dir gegeben, 3. Hat Gottes milde Vaterkannst du dnrch Ansehn und Verstand des Nächsten Glück erheben: was bist du? Immer Gottes Knecht! Dein Vorzug gibt dir nie ein Recht, den Kleinsten zu verachten. 4. Der Herr von göttlicher Gewalt ist auf der Welt erschienen arm, niedrig und in Knechtsgestalt, warum? um uns zu dienen! Er wehrte dem, der ihn erhob, und wählte für der Menschen Lob selbst Schmach, um sie zu retten. 5. Ich bin dein Jünger, Hei land, ich bekenne deinen Namen; sei du mein Beispiel, stärke mich, dein Vorbild nachzuahmen! Du rufft ja allen Menschen zu: Lernt Demuth, und ihr werdet Ruh' für eure Seelen finden! E. Liebich, veränd. durch Cramer. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 350. Von Welt gerufen, dir dieſe steh'n, Schöpfer, meine Brüder hier auf niedern und auf höhern Stufen der Kräfte, die du gabst, vor dir. Du machest Demuth. 199 arm, du machest reich, doch| stolze Feind; beglückt sind die, vor dir sind wir alle gleich. die sie vereint. J. A. Cramer. 2. Wer hat mich Andern vorIn eigener Melodie. gezogen? wer wieder and're 351. Was ist mein Stand, Menschen mir? Du thust's, durch freie Huld bewogen, denn alles Gute kommt von dir. Ich gab dir nichts zuvor, und ich bin alles, was ich bin, durch dich. 3. Und ich, ich sollte nicht bescheiden, ich stolz und übermüthig sein? ich den nicht achten, den beneiden? mich, weil er mehr empfing, nicht freu'n? Als wär' ich, hätt' ich mehr, als er, auch besser dann, auch seliger! 4. Laß, Gott, in meinem ganzen Leben mich meines Glücks und Vorzugs nicht zu Andrer Kränkung überheben, verkennen nie der Démuth Pflicht, nicht bloß auf meinen Vorzug seh'n, nicht And'rer Gaben stolz verschmäh'n! 5. Ja, meine Brüder will ich ehren, sie mögen noch so niedrig sein, denn ich kann ihrer nicht entbehren, will ich mich meines Lebens freu'n. Wär' keiner mir zum Dienst bereit, so lebt' ich selbst in Niedrigkeit. 6. Wen eitle Ehre nicht er gößet, wer auch an Niedern Tugend gern erkennt und nach Verdienst sie schäßet und ehret, der gefällt dem Herrn, den lohnt, getrübt von keinem Leid, die edelste Zufriedenheit. jede gute Gabe? Ein unverdientes Gut. Bewahre mich, o Gott, von dem ich alles habe, vor Stolz und Uebermuth! 2. Wenn ich vielleicht der Welt mehr als mein Nächster nüße: wer gab mir Kraft dazu? Und wenn ich mehr Verstand, als er besigt, besige, wer gab mir ihn, als du? 3. Wenn mir ein größres Glück, als ihn erfreut, begegnet: bin ich ein besfrer Knecht? Gibt deine Gütigkeit, die mich vor Andern segnet, mir wohl zum Stolz ein Recht? 4. Wenn ich geehrt und groß in Würden mich erblicke, Gott, wer erhöhte mich? Ift nicht mein Nächster oft bei seinem kleinen Glücke viel würdiger als ich? 5. Wie könnt' ich mich, o Gott, des Guten überheben und meines schwachen Lichts? Was ich besig, ist dein. Du sprichst, so bin ich Leben; du sprichst, so bin ich nichts. 6. Von dir kommt das Gedeih'n und jede gute Gabe von dir, du höchstes Gut! Bewahre mich, o Gott, von dem ich alles habe, vor Stolz und Uebermuth! C. F. Gellert. 7. Die Demuth ist der Schmuck der Jugend, des Alters reizendes Gewand; sie frönt mit Hoheit reine Tugend, der Neid reicht willig ihr die 352. Herr, deine Conte SanftHand; vor beugt sich muth ist nicht zu Versöhnlichkeit. Mel. Herzliebster Jesu, was 2c. 200 ermessen. Wie viel hast du vergeben und vergessen! Ach, führe mir doch deine große Güte recht zu Gemüthe! 2. Du segneteft mitleidig, die dich schmähten; man hörte dich für deine Mörder beten; du zeigtest unter deiner Feinde Toben der Sanftmuth Proben. 3. Ach glich' ich dir, o Heiland! Ich bekenne, daß ich noch oft von schnellem Zorn entbrenne, und mich vor dir, durch Trieb zur eignen Rache, verwerflich mache. Versöhnlichkeit. 4. Dir, Herzenskundiger, dir muß ich's klagen, wie wenig noch mein stolzes Herz kann tragen; wie schwer ich oftmals, wenn mich Andre hassen, mich weiß zu fassen. 5. So hilf mir denn die Rachbegier ersticken! Laß sich dein Bild in meine Seele drücken! so werd' ich mich verföhnlich finden lassen, nicht wieder hassen. 6. Flucht mir mein Feind, so gib, daß ich ihn segne, und seinem Grimm mit Freundlichkeit begegne, daß mich das Böse, das ich dann empfinde, nicht überwinde! unentledigt ihrer Sünden, nimmer vor dir Gnade finden. 2. Wie der Freund der Menschenkinder Böses nie vergolten hat; wie er für die größten Sünder, selbst für seine Mörder bat, so soll auch der Chrift verzeihen, und sich nicht der Rache freuen. 3. Wir geloben's dir mit Freuden: willig wollen wir verzeih'n, nie uns rächen, wenn wir leiden, nie zu dir um Rache schrei'n, wollen vor dein Antlig treten und für unsre Feinde beten. 4. Vater! mach' uns, deine Frommen, stark zu dieser schweren Pflicht! Wenn wir in Versuchung kommen, so besiege sie uns nicht. Laß sie uns gerüstet finden! Laß uns schnell sie überwinden! 5. Mach' in unserm ganzen Leben deinem Sohn uns gleich gesinnt, so stets willig zum Vergeben allen, die uns schuldig sind, wie wir dich bei unsern Sünden willig zum Vergeben finden. 6. Wohl uns, Gott verzeiht uns Sündern, zürnet mit uns Schwachen nicht, nimmt uns auf zu seinen Kindern, geht mit uns nicht ins Gericht. Laßt uns beten, laßt uns kämpfen, alle Rach' in uns zu dämpfen! B. Münter. Mel. Ach Herr, mich armen Sünder zc. 7. Verleih mir das um deiner Sanftmuth willen, so erb' ich auch im Lande deiner Stillen die Seligkeit. Dazu wird jenes Leben mich einst erheben. C. S. Ulber, veränd. durch Diterich. Mel. Herr, ich habe mißgehandelt zc. 353. Allen, welche nicht 354. vergeben, wirst du, Richter, nicht verzeih'n; trostlos werden sie im Leben, trostlos einst im Tode sein; fluchen, wenn mir mein Hasser flucht, nie dem zu schaden suchen, der mir zu schaden sucht. Ich will ihm Versöhnlichkeit. 201 sanft begegnen, nicht drohen, I beut, liebt Feinde, segnet und wenn er droht; schilt er, so will ich segnen, dieß ist des Herrn Gebot. 2. Mein Jesus, der Gerechte, vergalt die Schmach mit Huld, die Wuth ergrimmter Knechte ertrug er mit Geduld. Sollt' ich denn wieder schelten, da er nicht wieder schalt; mit Liebe nicht vergelten, wie er dem Feind vergalt? 3. Verleumdung dulden müssen ist schwer, doch diese Pflicht wird leicht, wenn das Gewissen für meine Unschuld spricht. Dieß will ich treu bewahren, so bessert mich mein Feind, und lehrt mich klug verfahren, indem er's böse meint. 4. Jch will die Fehler scheuen, die er von mir erfann; auch die will ich bereuen, die er nicht wissen kann. Durch Huld will ich mich rächen, an ihm das Gute seh'n, und Gutes von ihm sprechen. Wie könnt' er länger schmäh'n? 5. Ja, nie will ich ermüden, ihm thätig zu verzeih'n, und als ein Christ zum Frieden, zu Diensten willig sein. Wie wird es mich erquicken, wenn zur Versöhnlichkeit, mit reuerfüllten Blicken, er seine Hand mir beut! C. F. Gellert. WE O Mel. Mach's mit mir, Gott 2c. 355. Ve erbitt're dir dein Leben nicht, o Christ, durch eigne Rache! Vergeben ist des Menschen Pflicht, Bergelten Gottes Sache. Die Sanftmuth, die dein Wort geverzeiht. 2. Wahr ist's, empfindlich ist der Schmerz, von Menschen Unrecht leiden; und dennoch soll des Christen Herz am Borne sich nicht weiden, soll nicht sein eigner Richter sein, soll alles Unrecht gern verzeih'n. 3. So schwer auch diese Pflicht dir scheint, so mußt du sie doch üben; sonst bist du nicht des Heilands Freund, der dir sie vorgeschrieben. Empört dein Herz dawider sich, so sieh' auf ihn, befiege dich! 4. Wer hat wohl größern Widerspruch von Sündern hier erduldet, als er, der Herr, der Schmach und Fluch von Andern nie verschuldet? Und dennoch will er langmuthvoll, daß Keiner ewig sterben soll. 5. Jhm folgen ist ein wahrer Ruhm; Beleidigern verzeihen ist Ehre für dein Christenthum; sich ihres Falls nicht freuen, den, der dich schmäht, nicht wieder schmäh'n, gereicht dir selbst zum Wohlergeh'n. 6. Jm Zorn denkt niemand ernstlich nach, was Gott gefallen sollte; die Rache selbst vermehrt die Schmach, die man bestrafen wollte; kein Schimpf wird ungescheh'n gemacht, wenn deine Rachgier wild erwacht. 7. Die Rachgier reißt Gerechtigkeit, reißt Glauben aus dem Herzen, stört des Gemüths Zufriedenheit und straft mit bittern Schmerzen; sie hindert Dank, Gebet, Vertrau'n, und 202 raubt den Muth, auf Gott zu bau'n. Sanftmuth und Dienstwilligkeit. 8. Durch Sanftmuth, übe nur die Pflicht, wirst du den Feind besiegen. O raube deiner Seele nicht dieß göttliche Vergnügen! Dann wird der Herr auch dir verzeih'n, dein Vater und Vergelter sein. 9. Laß mich aus Liebe, Gott, zu dir das Unrecht selbst nicht rächen! Du wirst, verzeih' ich gern, auch mir ein gnäd'ges Urtheil sprechen. Von dir nur kommt der Sanftmuth Sinn; nach deiner Gnade gib mir ihn! S. F. Mudre. Sanftmuth und Versöhnlichkeit. Die vorige Melodie. * 356. De er du dem Tode nah', für die, die dich erwürgten, batest, der du bei deinem Vater fie, mein Heiland, selbft vertratest, o möcht' ich doch dir ähnlich sein, und meinem Feinde gern verzeih'n. 2. Wie könnt' ich hoffen, Trost im Tod, Huld im Gericht zu finden? zu dir noch flehen: richte, Gott, mich nicht nach meinen Sünden! hört' ich nicht deine Stimm' in mir: wie du vergibst, vergibt Gott dir. winden. Duld' und vergib: denn Gott verzeiht und straft nicht deine Sünden. Nicht Rache, Segen rufe du, Begnadigter, dem Feinde zu! 5. Auch mein Beleidiger hat Theil am Heiland aller Sünder, mit Blut erkauft' auch ihn zum Heil der Todesüberwinder. An mich und ihn ergeht der Ruf des Gottes, der | uns Beide schuf. 6. O könnt' ihn meine Sanftmuth noch zur Seligkeit befehren und ihn der Liebe sanftes Joch mit Freuden tragen lehren! Wie göttlich wird es mich erfreu'n; der Retter meines Feinds zu sein! 7. Wie wird er einst am Weltgericht mich Freund und Bruder nennen, mir danken und sich ewig nicht von meiner Seite trennen und Gott erhöhen, dessen Hand uns für die Ewigkeit verband! 8. Wie gern will ich, Gott, auf dein Wort Haß und Verfolgung leiden, wie gern verzeih'n, da du mir's dort vergilist mit solchen Freuden, wenn mir im Himmel nur ein Feind dankbare Freudenthränen weint! 3. Du Stimme Gottes, schalle mir durch meine ganze 357. De bienen, auf ſeine Mel. Herr Gott, nun sei zc. em 0 Seele, daß ich mit Ernst, Gott, vor dir d'rauf achte und dann wähle! Der wählt den Segen, der vergibt, und der den Fluch, wer Rache liebt. Wohlfahrt seh'n, fich nie aus Stolz erkühnen, den Niedern zu verschmäh'n: dieß will die Menschenliebe, und folg' ich ihrem Triebe, so handle ich als Christ. 4. Erwirb dir, Christ, die Fertigkeit, dich selbst zu über Sanftmuth und Dienstwilligkeit; Duldsamkeit. 203 2. Ich soll mich stets be-| dar! O Vater, Aller Vater! streben, aufrichtig, brüderlich für Andrer Wohl zu leben, und nicht allein für mich; soll ihnen rathen, nüßen, ihr Ansehn unterstüßen und helfen, wo ich kann. 3. Kein Vorwand darf mich hindern, auch nicht Bequemlichkeit den Eifer je vermindern, zu thun, was sie erfreut. Gern ihre Klagen stillen, gern ihren Wunsch erfüllen soll ich, so viel ich fann. 4. Im Umgang stets gefellig, vom Eigennuge frei, nicht mürrisch, gern gefällig und im Versprechen treu, soll ich ihr Glück vermehren, und keine Freuden stören, wenn sie unschuldig sind. 5. Herr, laß mich diese Pflichten, um Andre zu erfreu'n, gewissenhaft verrichten, das Herz der Menschheit weih'n! Laß mich bei Andrer Leiden, bei ihres Glückes Freuden nie hart und fühllos sein! 6. Dann seh' ich meine Freuden mit jedem Tag vermehrt, und lerne das vermei= den, was meine Ruhe ftört; weiß, daß zum bessern Leben du dann mich einst erheben und ewig segnen wirst. 3. C. Grot, veränd. durch Fröbing. gib, zu preisen dich, uns einen Trieb! 2. Dem rufst du laut und Jenem leise: Ein Gott ist, welcher dich erschuf! Nur der ist froh und gut und weise, der schweigend horcht auf deinen Ruf! Und Jeder, der dich findlich ehrt, deß Flehen wird von dir erhört. 3. Wo ist ein Vater, der dem Lallen des unschuldvollen Kindes dräut, der nicht mit frohem Wohlgefallen sein Aug' und Ohr und Herz erfreut? Wie schwach dieß Stammeln immer sei, er lohnet es mit Vatertreu'. 4. Rein Erdensohn hat andre Pflichten, als seinem Lichte treu zu sein! Wie könntest du den strenge richten, dem du dein Licht versagteſt? Nein! begnadigst du nicht selber den, der's wagte, dir zu widersteh'n? 5. Und wir, wir sollten strenge richten? wir lieblos sein, wo du verschonft? die Einfalt und die Tugend richten, die du vielleicht mit Ehre lohnst? den richten, der dich anders ehrt, als uns der Väter Glaube lehrt? 6. Voll Scham und Demuth vor dir stehen, o Menschenvater, wollen wir! Erbarmen wollen wir erflehen für uns, für alle Welt von dir. Du gabst uns, unser Herr und Gott, Duldsamkeit. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 358. Bater aller Geister! dieß weiſe, zärtliche Gebot. Ehre sei dir von deiner Kinder Schaar! Dir, Herr der hohen Sternenheere, bring' jeder Mund Anbetung 7. Wer heilig deinen Namen nennet, voll Ehrfurcht dich zu ehren meint, so gut dich ehrt, als er dich kennet, sei Bruder uns, 204 mit uns vereint! O wehe dem, der sie verdammt, die Andacht, die zum Himmel flammt! 8. Wer deinen Namen nennt, der bitte dich heißer jeden Tag: Es weich' Unglaube, Haß; mit jedem Schritte verbreite sich der Liebe Reich! Und jeder Christusehrer sei von jedem Joch und Laster frei! T Freundschaft. Freundschaft. Mel. Alle Menschen müssen 2c. einen * 359. Me Jesum will ich preisen, der's am besten mit mir meint. Ich will Ruhm und Ehr' er= weisen diesem meinem Herzensfreund, der mich von der Welt erforen, eh' ich noch zur Welt geboren, der mein Bruder worden ist, und mich nimmermehr vergißt. 2. Seine Freundschaft ist beständig, bleibt getreu bis in den Tod; Menschengunst ist wetterwendig und verliert sich in der Noth. Wenn uns Glück und Segen grünet, finden wir uns wohl bedienet, wenn herbei die Stürme zieh'n, fällt oft alle Freundschaft hin. 3. Gib mir, Gott, ein treu Gemüthe gegen meinen wahren Freund, das ihm Herz und Hand erbiete, wenn die Sonn' ihm auch nicht scheint; das in guten, bösen Tagen, ihm die Bürde helfe tragen, wenn du, wie ein Vater pflegt, ihm ein Kreuz haft auferlegt. 4. Gib mir auch nach deinem Willen einen Freund von solcher Treu', der mir, meinen Schmerz zu stillen, tröstlich und beständig sei; dem ich ohne Furcht und Grauen dürfe meine Last vertrauen, die mir auf dem Herzen liegt, und oft meinen Muth besiegt. 5. David's Trost und größtes Glücke war sein treuer Jonathan, der durch göttliches Geschicke ihn so herzlich liebgewann, daß er seines Vaters Willen nicht begehrte zu er füllen, nein mit Herz, mit Mund und Hand wie ein Fels bei David stand. 6. Herr, ich bitte dich, erwähle mir aus aller Menschen Zahl eine fromme, heil'ge Seele, die in diesem Jammerthal mir nach deinem Sinn und Geiste Freundschaft, Trost und Hilfe leiste, Trost, der in der Noth besteht, Hilfe, die von Herzen geht! 7. Wahre Freunde sind wie Stäbe, d'ran der Menschen Gang fich hält, d'ran der schwache Fuß sich hebe, der sonst leicht zu Boden fällt. Weh' dem, dem das Glück entgangen, solche Stäbe zu erlangen! der hat einen schweren Lauf; wenn er fällt, wer hilft ihm auf? 8. Jesu, laß mich dir gefallen, bleib' mein Freund bis in das Grab; bleib' mein Trost, bleib' unter Allen mein ge treuster, stärkster Stab! Wenn du dich mir willst verbinden, wird sich auch ein Herze finden, das, von deinem Geist gerührt, Freundschaft. 205 mich mit sich gen Himmel| ihre Freuden, ihre Thränen, führt! Paul Gerhard. ihre Leiseste Begier: alles dieß empfehl' ich dir. 5. Hebe, wenn der Tod die Bande, die uns binden, einst zerreißt, zu der Freundschaft Vaterlande über Sternen unsern Geist! Droben laß uns wiederfinden, was hier unsrer Lieb' entfloh, doppelt glücklich, doppelt froh, himmlischer uns dann verbinden, dort, o Vater, wo verklärt unsre Freundschaft ewig währt! a. H. Niemeyer. Mel. Sollt' ich meinem Gott zc. was wären meine 360. Freuden, theilte fie kein Freund mit mir! Und wie trüg' ich meine Leiden, irrt' ich öd' und einsam hier, wär' ich wie in Wüsteneien auf die Erde hingebannt, lebt' allein und unbekannt, müßte ohne Freund mich freuen, fände hier in Freud' und Schmerz nie ein gleichgestimmtes Herz? 2. Dank dir, Herr, mit Herz Mel. Vom Himmel hoch, da zc. und Munde, daß in treuer 361. welch ein Segen ist Freunde mir so manche sel'ge Stunde wie ein Augenblick verfloß, daß so viel der bessern Seelen, mir ein Segen und der Welt, Herr, von dir mir zugesellt, mich zu ihren Freunden zählen, treu, vom Eigennute rein, sich mir bis zum Grabe weih'n! 3. Daß sie mich zum Guten mahnen, mir auf steiler Tugendhöh' Wege durch ihr Beispiel bahnen, die ich sonst nur schwindelnd geh'; daß sie mir entgegeneilen auf der Trübsal rauhem Pfad, und mit hoher Weisheit Rath meiner Seele Wunden heilen: diese Wonne schufst du mir! Gott, mein Gott, wie dank' ich dir! 4. Alle, die mir Gutes wollen, die mich lieben, segne du! Jhnen, wenn sie leiden sollen, sende Trost und Hilfe zu! Ihrer Herzen stilles Sehnen, ihr Bedürfniß, ihr Gebet, das vielleicht für mich jetzt fleht, der, Gott, durch dich mit mir vereint, mich zärtlich und ver= traulich liebt, mit mir sich freuet und betrübt. 2. Der, fest vereinigt erst mit dir, in einem Geiste dann mit mir der Tugend hohes Leben lebt, mit mir nach einem Ziele ftrebt! 3. Gedanke, Neigung, Will' und That find eins in beiden, nur den Pfad, den wir in deinem Lichte seh'n, getreu und Hand in Hand zu geh'n. 4. Der Herzen Heil und Besserung, nicht eitler Lüſte Sättigung, der wahren Liebe Vorgefühl ist unsre Sehnsucht, unser Ziel. 5. Wir theilen brüderlich dein Licht, das uns erleuchtet, jede Pflicht uns zu erleichtern, jede Kraft, gleich fromm zu sein, gleich tugendhaft. 6. Er, in Gefahr, zu irren, hört auf meiner Liebe Ruf, 206 Freundschaft; Verschwiegenheit. und kehrt, durch meine Wach-| gung Gemeinschaft uns versamkeit gerührt, zurück vom binde, daß der Versuchung keiWege, der verführt. ner unterliege, daß jeder siege. 7. Und wenn ich strauchle, denn wie leicht fällt nicht der schwache Mensch! so reicht er seine Bruderhand auch mir, und führet mich zurück zu dir. 3. Laß ihren Eifer in der Tugend Werken auch meinen Fleiß und meinen Eifer stärken, um nicht, wenn sie den steilen Pfad ersteigen, zurückzuweichen! 8. Wir reizen, redlich, offen, frei, entfernt von aller Schmei-| chelei, uns täglich auf des Lebens Bahn zu höherer Veredlung an. 4. Laß mich mit Lust den Rath der Weisen hören! Gib, daß sie mir geneigt, mich gern belehren, und brauch' ich Trost, mich, ihren Miterlösten, mitleidig trösten. 9. Kein Streit, kein Mißtraun, kein Verdacht, nichts, was uns froh und traurig macht, auch nicht des Schicksals Unbestand trennt unfrer Liebe festes Band. 10. Wir theilen alles, Lust und Leid, in inniger Vertraulichkeit; und Jedes Zärtlichkeit versüßt dem Andern, was ihm schmerzlich ist. 11. Vollenden wir den Bilgerlauf, so nimmt uns dann ein Himmel auf. Unendlich ist die Seligkeit, die uns zugleich vor dir erfreut. 12. Da hab' ich ewig jeden Freund, der sich mit mir durch dich vereint, mir Herz um Herz, o Vater, gibt, mich Verschwiegenheit. Mel. Mach's mit mir, Gott 2c. zärtlich, treu und ewig liebt. 363.Vorsichtige Verſchwie 3. Cramer. ist Pflicht der Freunde; wer nicht des Schwägers Leichtsinn scheut, Mel. Herzliebster Jesu, was 2c. 362.J wie leicht der n deiner Liebe, Gott, will ich mich stets zu deinen Frommen halten, durch sie er Leuchtet, freudiger mit ihnen nur dir zu dienen. 5. Daß sie mich liebreich warnen, eh ich falle, und mir's entdecken, wie ich richtig walle, wie ich der wahren Tugend Hindernisse besiegen müsse! 6. Sind wir nicht darum deine Kinder, Brüder? Sind wir nicht alle eines Leibes Glieder, daß wir, um Einen Himmel zu besißen, einander nüßen? 7. Nur darum lağ, Erbarmer, uns zusammen einander stets zur Tugend mehr entflammen, und so vereint im Kampfe muthvoll ringen, zum Himmel dringen! s. x. Cramer. 2. Daß in dem Kampfe wider jede Sünde der HeiliEr, der stets unbedachtsam spricht, schont oft auch Andrer Ehre nicht. 2. Was er von seinem Freund erfährt, das weiß er zu verhehlen; bleibt immer seines Vaterlandsliebe; Pflichten der Obrigkeit u. Unterthanen. 207 zutrauns werth, und wird| laß mich das mit Fleiß, was das nie erzählen, was der ihm als Geheimniß sagt, so sehr man's zu erforschen wagt. er und ich allein nur weiß! 3. Wenn höh're Pflicht es nicht verbeut, es treulich zu bewahren, so wird es nie von ihm entweiht, wird es kein Mensch erfahren; und brächt's ihm auch Gewinn und Ruhm, es bleibt ihm doch ein Heiligthum. 9. Gib, daß ich stets durch wahre Treu' mir sein Vertrau'n verdiene, kein Schwäßer, kein Verräther sei, daß ich mich nie erkühne, aus Haß, aus Rachsucht und aus Groll zu reden, wenn ich schweigen soll! J. C. Grot. 4. Jst ihm der Freund gleich ungetreu, und bricht er sein Versprechen: wird er doch durch Verrätherei nie seine Treue Baterlandsliebe; Pflichten der Obrigkeit und Unterthanen. Vgl. №. 121. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. brechen, der Freundschaft Rechte 364.Jhr Brüder eines auch Staates, entweih'n, noch verschwiegen sein. 5. Jhm kann man stets mit Sicherheit geheime Sorgen sagen; er wird sie voll Bedachtsamkeit nicht zu entdecken wagen; auch dann, wenn er es nicht verspricht, kennt er noch immer seine Pflicht. 6. Was man nicht fordert, thut er doch aus eignem guten Willen; er wird aus Drang des Herzens noch des Freundes Wunsch erfüllen, der oft den besten Zweck verfehlt, wenn man ihn nicht der Welt verhehlt. 7. Verborg'ne Fehler wird er nie, merkt er sie gleich, entdecken, noch aus Geschwäßig keit durch sie des Nächsten Ruhm beflecken; auch, wenn man Böses von ihm spricht, verbreitet er das Böse nicht. 8. Laß mich des Nächsten, wie ich muß, Gott, auch im Reden schonen, und nicht durch Kummer und Verdruß ihm sein Vertrau'n belohnen; verbergen vereinigt euch zum Lobgesang, bringt unserm Vater frohe Lieder, sagt ihm für seine Gnade Dank, ihm, welcher uns mit weiser Hand vereinigt hat im Vaterland! 2. Der Mensch kann nicht allein sich bilden; nur Menschen Umgang bildet ihn; er wandelt einsam auf Gefilden, die ihm umsonst entgegenblüh'n. Nur Menschen lindern seinen Schmerz und gießen Freuden in sein Herz. = 3. Wie hilflos fängt er an zu leben, sich seiner selbst noch unbewußt! noch kennt er selbst nicht sein Bestreben, und schon ist er der Andern Lust; denn schon empfängt mit treuer. Hand den Lallenden das Vaterland. 4. Er wächst gleich einem jungen Baume, gepflegt in seinem Schuße, auf. Erwacht er aus dem Jugendtraume zu einem thät'gen Lebenslauf: so 208 Vaterlandsliebe; Pflichten der Obrigkeit u. Unterthanen. hat er, was zum Guten Kraft,| immer kann! Wer Freund des im Kampf der Tugend Stärke Vaterlandes ist, nur der ist schafft. Menschenfreund und Christ. 5. Ja, ihm kommt dann auf seinen Wegen die göttliche ReMel. Allein Gott in der Höh' zc. ligion mit ihrem Heile früh* 365. Gott voll Macht des und bens Werth und Lohn. Des hohen Glücks, ein Christ zu sein, kann er mit Tausenden fich freu'n. 6. Und tritt er nun zu dem Geschäfte, dazu die Vorsicht ihn erfor: vereinigt wirken feine Kräfte zum allgemeinen Wohl empor, und Ordnung und Zusammenhang vermehrt und stärkt der Thaten Drang. 7. Vereint zu einem gleichen Ziele wirkt jeder dann des Andern Glück, und jeder sieht mit Frohgefühle auf das gemeine Wohl zurück: und was Ein Mensch nicht wirken kann, das fangen sie vereinigt an. 8. Nicht alle haben gleiche Kräfte. Der müßt durch Einsicht und Verstand, ein Anderer durch sein Geschäfte, durch seine Kunst dem Vaterland; und doch vereinigt nüßen fie einander all' durch ihre Müh'. 9. danket Gott, der uns verbunden durch der Gesellschaft enges Band! Wir haben Glück und Ruh' gefunden in unserm theuern Vaterland, hier, wo als Bürger und als Christ ein Jeder Freund des Andern ist. 10. Nun lasset uns einander müßen auf der uns angewies'nen Bahn, das allgemeine Wohl beschüßen, so viel ein Jeder that! Es ist an allen Orten all' Obrigkeit aus weisem Rath von dir verordnet worden. D'rum kröne, Herr, die Obrigkeit, die du uns gabst für dieſe Zeit, mit Segen, Heil und Gnade! 2. Laß unter ihrer Hand und Wacht uns Heil und Wohlfahrt spüren, daß wir durch deine Lieb und macht ein stilles Leben führen, in Züchten und Gerechtigkeit, und Gutes üben allezeit nach rechter Christenweise! 3. Du wollest selbst ihr deinen Schuß, Kraft, Ehr' und Ansehn gönnen, daß weder Bosheit, List noch Truß ihr jemals schaden können. Halt' selber aufrecht dein Gebot, und wer sie ehrt, dem laß, o Gott, es wohlgeh'n hier auf Erden! 4. Verleih' dabei das große Gut, daß wir durch ihr Regieren mit Ehrfurcht, Lieb' und sanften Muth selbst deine Herrschaft spüren! Gib du ihr Weisheit und Geduld, daß sie durch recht Gericht und Huld an deiner Statt uns leite! 5. Laß uns dein Volk und Erbe sein, und hilf vor allen Dingen, daß Haupt und Glieder dir gedeih'n, dir Lob und Ehre bringen! Ja führe Herrn und Knecht zugleich dereinst in Pflichten der Lehrer und Zuhörer. 209 dein verklärtes Reich, um ewig| uns preisen; daß nicht allein dir zu dienen! * 366. ihr Unterricht, daß uns selbst ihres Beispiels Licht auf deine Wege leite! fiehe jetzt №. 121. 6. Laß stets, was ärgern kann, sie flieh'n, laß sie die Kinder lieben, wie Pflanzen fie für dich erzieh'n, sie früh 367. im Guten Geübt're weiter führen, sie zum Fleiß und Kampf entflammen, nie von dir zurückzuweichen! Pflichten der Lehrer und Zuhörer. Mel. Allein Gott in der Höh' zc. das uns erhellt; dein, Gott, das Amt der Lehrer. Welch ein Geschenk für deine Welt, für deines Worts Verehrer! Dieß lehr' uns deiner Boten Mund! So wird dein Recht uns allen kund, und kund der Weg zum Leben. 2. O welch ein Amt, Betrug und Wahn und Laster zu bestreiten, und Seelen auf der Wahrheit Bahn zu dir, o Gott, zu leiten! Wie edel, aber auch wie schwer! Dieß laß sie seh'n, und täglich mehr den hohen Ruf empfinden! 7. Trifft fie Verfolgung oder Spott, so laß sie dann mit Freuden, mit unerschrocknem Muth, o Gott, für deine Wahrheit leiden! Du sendest fie; fie ehren dich. Umsonst empört das Laster sich, die Wahrheit zu vertilgen. 8. Belohne gnädig sie schon hier; dein Segen sei mit ihnen! Doch laß sie ohne Lohnsucht dir und ihren Brüdern dienen! Gott, laß von Keinem sie betrübt, von allen Redlichen geliebt, geehrt von allen werden! 3. Gib ihnen deiner Weisheit Licht; mehr' ihnen alle Gaben, die sie für unsern Unterricht von dir empfangen haben! Laß ihre Lehren wahr und rein, fest ihren eignen Glauben sein, ihr Leben fromm und heilig! 9. Wenn sie mit Eifer und getreu, durch deines Geistes Gaben, einst von der Sünde Tyrannei befreit viel Seelen haben, so laß am Tage des Gerichts im Glanze deines Angesichts sie leuchten wie die Sterne! 4. Gib, daß mit sanfter Nachsicht sie der Schwachen Einfalt tragen und, keimt nicht gleich der Same, nie an seiner Frucht verzagen! Laß fie nicht 368. Derr, ist dein; dein 3. A. Cramer. Mel. Vom Himmel hoch zc. as Amt der müde werden; laß sie ohne Bitterkeit und Haß des Lasters Schande zeigen! soll auch Dank und Ehre sein, daß du der Kirche, die du liebst, noch immer treue Lehrer gibst. 5. Gib, daß mit Selbstgefühl und Lust, wenn sie uns unterweisen, sie, ihres Segens sich bewußt, der Tugend Werth 2. Gesegnet fei ihr Amt und Stand! Sie pflanzen, Herr, von dir gesandt, von Zeit auf 14 210 Pflichten der Lehrer und Zuhörer. Zeit dein heilig Wort, und Licht| Heuchelei in Wort und Werken mit ihm und Tugend fort. 3. Wie freut ein guter Lehrer sich, wenn er erleuchtet selbst durch dich, den Jüngern Jesu gleich gesinnt, viel Segen für dein Reich gewinnt! üben! Laß sie ihr Amt mit Freuden thun, auf ihnen deinen Frieden ruh'n; sei ihre Kraft und Stärke! Die vorige Melodie. 4. Wohl uns, wenn du auch 370. Schwer ist des Lehuns so liebst, daß du uns treue Führer gibst, die weise sind und tugendhaft, in Lehr' und That voll Geist und Kraft! rers hohe Pflicht und steil sein Pfad auf Erden. Es müsse unser Leichtsinn nicht ihm Quell des Kummers wer den! Er weiht uns liebreich Kraft und Fleiß. Auf, laßt uns seinen sauren Schweiß durch Folgsamkeit versüßen! 5. Laß ihres Unterrichts uns freu'n, gewissenhafte Hörer sein, befolgen, was dein Wort uns lehrt, das uns ihr Unterricht erklärt! 2. Nie widerstreb' ihm unser Herz, wenn er's zum Guten lenket, nie mach' ihm unsre Trägheit Schmerz! Ver treue Lehrer kränket, der kränket Gott, der sie uns gab, und Reue wird ihm bis ins Grab des Lebens Glück verbittern. 6. Dieß sei mit Lieb' und Dankbarkeit durch uns're ganze Lebenszeit für diesen treuen Unterricht, Gott, uns die angenehmste Pflicht! S. A. Cramer. Mel. Allein Gott in der Höh' 2c. * 369. wie uns're treuſten Freun3. Nein, nie soll unser Leichtfinn, nie der Undank sie betrü it treuer Liebe de sie zu ehren und zu lieben, sei unser Vorsatz allezeit; dann wird des Herzens Freudigkeit kein Unmuth uns verbittern. für uns, daß hier auf Erden dein heil'ger Wille, dein Gebot uns müsse kundbar werden. Du pflanztest dein so theures Wort durch's Lehramt immerwährend fort, das uns zum Guten führet. 2. So wollst du denn uns gnädig sein, und immer Lehrer geben, die treu sind, unverfälscht und rein im Lehren und im Leben. Verleih uns deinen Geist, daß wir sie willig hören, und allhier auf deinen Wegen wandeln! 3. Laß ihrem Wort uns stets getreu und folgsam sein, sie lieben, die Tugend ohne 4. Lehr' uns, o Gott, gewissenhaft auf unser Ziel zu blicken; gib unsern Lehrern Muth und Kraft, einst lohne sie Entzücken, wenn nun von Weisheit jeder Art durch sie ein großes Maß uns ward, uns und der Welt zum Segen. 5. Belohne sie an uns'rer Statt, daß ihre Wohlfahrt grünet! Was nur das Leben Fro hes hat, und was zum Heile dienet, das gib du ihnen in der Zeit! Einst noch in später 211 Schmerzen in dem Herzen dir uns lassen, und dann in Geduld uns fassen! 5. Gibst du uns ird'sches Glück ins Haus, so schließ den Stolz, die Weltlust aus, des Me L. Wie schön leuchtet der 2c. ch 371. J und mein Haus, Neichthums böſe Gäſte; denn wir sind bereit, dir, Herr, die ganze Lebenszeit mit Seel' und Leib zu dienen. Du sollst der Herr im Hause sein; gib deinen Segen nur darein, daß wir dir willig dienen! Eine kleine fromme, reine Hausgemeine mach' aus Allen! dir nur soll sie wohlgefallen. wenn das Herz an Demuth leer und voll von eitler Weltlust wär', so fehlte uns das Beste: jene schöne, tiefe, stille Gnadenfülle, die mit Schätzen einer Welt nicht zu erseßen. 6. Und endlich fleh'n wir allermeist, daß in dem Haus kein andrer Geist, als nur dein Geist regiere. Der ist's, der 2. Es wirke durch dein kräf- Alles wohl bestellt, der gute tig Wort dein guter Geist stets Zucht und Ordnung hält, der fort und fort an unser Aller alles liebreich ziere. Sende, Seelen; es leucht' uns wie das spende ihn uns Allen, bis wir Sonnenlicht, damit's am rech- wallen heim und droben dich ten Lichte nicht im Hause möge in deinem Hause loben! fehlen. Reiche gleiche Seelenspeise auch zur Reise durch dies Leben uns, die wir uns dir ergeben! Pflichten im ehelichen und häuslichen Stande. Ewigkeit seist du, Gott, ihr Vergelter! A. H. Niemeyer. Pflichten im ehelichen und häußlichen Stande. 3. Gieß' deinen Frieden auf das Haus und alle, die drin wohnen, aus, im Glauben uns verbinde; laß uns in Liebe allezeit zum Dulden, Tragen sein bereit, voll Demuth, sanft und linde! Liebe übe jede Seele! Keinem fehle, d'ran man kennet den, der sich den Deinen nennet! 4. Laß unser Haus gegründet sein auf deine Gnade ganz allein und deine große Güte! Auch laß uns in der Nächte Grau'n auf deine treue Hilfe schau'n mit kindlichem Gemüthe, selig, fröhlich selbst mit Spitta. Mel. Herr Jesu Christ, dich zu uns 2c. hr Eltern, hört, * 372. I was Christus J spricht: den Kindlein sollt ihr wehren nicht, daß sie sich meinen Armen nah'n, denn ich will segnend sie empfah'n. 2. Auch ihrer ist das Himmelreich, und was ist dem auf Erden gleich? Mit aller Weltlust, Pracht und Ehr' hat's bald ein End' und ist's nichts mehr. 3. Das Himmelreich sich nie verliert, darein uns Jesus Christus führt durch seine Lehr', dies ew'ge Wort, das uns macht selig hier und dort. 4. Gehorchet ihm, und bringt sie her, daß man von Jugend 14* 212 auf sie lehr' in Kirchen und in Schulen wohl, wie man Gott gläubig ehren soll. 5. Habt ihr sie lieb mit treuem Sinn, so führet sie zu Jesu hin; wer dieß nicht thut, ist ihnen feind, wie groß auch seine Liebe scheint. 6. Was hilft den Kindern großes Geld, wenn nicht ihr| Herz ist gut bestellt? Wer sie zu Gott recht führen läßt, der thut für sie das Allerbest. Pflichten im ehelichen und häuslichen Stande. Ludwig Helmbold. Me I. Gott des Himmels und zc. ater, du gabst mir mein Leben, gabst es durch die Neltern mir, und daß du mir die gegeben, o wie preis' ich dich dafür! Wie viel Freude, wie viel Heil wird durch diese mir zu Theil! 373. 2. Sie vergessen, mich zu schüßen, ihre eigne Sicherheit, widmen mir, um mir zu nüßen, ihre Kräfte, ihre Zeit; und mich weise zu erzieh'n, ist ihr eifrigstes Bemüh'n. 3. Gott, laß mich sie wieder lieben, ihnen immer dankbar sein, um ihr Herz nicht zu betrüben, jeden Ungehorsam scheu'n, das, was mir nicht strafbar schien, doch, weil sie's verlangen, flieh'n! 4. Leite mich in meiner Jugend, der so viel Gefahren droh'n, auf den ebnen Weg der Tugend, reize mich durch ihren Lohn, ihres Werths mich zu erfreu'n und des Lasters Feind zu sein! 5. Laß mich, Gott, nach dei nem Willen auch die kleinste | Kindespflicht immer treu und bald erfüllen, laß mich ja aus Leichtsinn nicht mich verblen den und vermessen, was mir Aeltern sind, vergessen! 6. Wenn sie mir Verweise geben, weil ich ungehorsam bin, o so lente mein Bestreben, Gott, zu meiner Beff'rung hin! Laß mich, was ich that, bereu'n, nie mehr ungehorsam sein! 7. Laß mich froh und willig ihnen Kräfte, Dienst und Tha ten weih'n; um nicht Strafen zu verdienen, ihrem Winke folgsam sein! Nie reiß' Hang zum Eigenfinn mich zum Troß, zum Zorne hin! 8. Sorge für ihr Wohlergehen, laß sie der Erziehung Müh' nicht durch mich vereitelt sehen; Vater, ach, belohne sie hier und einst nach dieser Zeit mit dem Glück der Seligkeit! S. C. Grot. * 374. Gott Mel. In allen meinen Thaten 2c. ott, deinen wei sen Willen soll Jeder hier erfüllen. Laß ihn mir heilig sein, und alle meine Kräfte von Herzen dem Geschäfte, zu dem du mich be: riefest, weih'n! 2. Du heißt mich andern dienen, und dien' ich treulich ihnen, so folg' ich dir, mein Gott. Drum hilf der Herrschaft Willen so gern und treu erfüllen, als deinen Willen, dein Gebot! 3. Lehr' ohne bittre Klagen des Lebens Last mich tragen und immer auf dich seh'n! Vernünftiges Verhalten gegen die Thiere. Fm Reden und im Schweigen laß mich stets so bezeigen, wie es mit Ehrfurcht kann besteh'n. 4. Der Herrschaft Wohlergehen zu fördern, zu erhöhen, sei meinem Herzen Lust; vor aller Schadenfreude, vor Argwohn, Stolz und Neide bewahre, Höchster, meine Brust! 5. In meinem Dienst auf Erden stets tüchtiger zu werden, sei Freude mir und Pflicht! Ich bin ja, wo ich wandle, bei allem, was ich handle, o Herr, vor deinem Angesicht. 6. Du bist stets der Gerechte, der Herr der Herrn und Knechte, und Aller Trost und Heil; der Niedrigste auf Erden kann groß im Himmel werden, hat, Fürsten gleich, an dir, Gott, Theil. 7. Laß mich dieß recht er messen, nie meine Pflicht vergessen, und recht zu thun, mich freu'n: so wirst du, Herr der Welten, es reichlich mir vergelten, und ich werd' ewig glücklich sein. D. J. A. Gramer. Vernünftiges Verhalten gegen die Thiere. 213 2. Sein Wille war, daß ihre Zahl sich allenthalben mehre. Sie füllten Wälder, Berg' und Thal und Seen, Flüff' und Meere; belebten hier die hohe Luft und dort der Erde tiefste Kluft und freuten sich des Lebens. 3. Nie kann des klügsten Menschen Sinn der Arten Anzahl wissen; zahl wissen;- doch sänk' auch nur die kleinste hin, so wär' das Band zerrissen, das in der weiten Gottes- Welt die Wesen an einander hält zu einem großen Ganzen. 4. Das kleinste Thier betritt die Welt mit mir auf gleiche Weise; es fühlt sein Dasein und erhält sich auch mit Trank und Speise, hat eben so, wie ich, ein Herz, hat Sinneskraft, fühlt Lust und Schmerz, verläßt, wie ich, das Leben. Mel. Es ist das heil uns 2c. 375. Debeffen Ruf einft er weise Schöpfer, dessen Ruf einst mächtig scholl: es werde! und aller Welt Bewohner schuf, bestimmte diese Erde nicht für die Menschen nur allein: auch Thiere schuf er groß und klein, des Lebens sich zu freuen. 5. Dem, der für alles Sorge trägt, dem Schöpfer aller Dinge ist nichts, was auf der Welt sich regt, zu klein und zu geringe. Er, dessen Huld kein Engel mißt, er, der des Menschen Vater ist, ist auch des Wurmes Vater. 6. Und er, der alle Wesen liebt, er sollte mir erlauben, dem Thiere das, was er ihm gibt, gedankenlos zu rauben? Was gäbe mir wol den Beruf, ein Leben, das die Allmacht schuf, leichtsinnig zu zerstören? 7. Nein, kein Geschöpf, das mit mir lebt, darf ich aus Frevel quälen, mag auch, was mich zur Menschheit hebt, mag die Vernunft ihm fehlen; sie macht Univ.- Bibl. Giessen 214 Wort Gottes. mich zu der Gottheit Bild, doch| großem Heer den Schöpfer zu lehrt sie mich auch, göttlich- mild Glück um mich her verbreiten. verehren. Wer stolz sein Mitgeschöpf verschmäht, das unter Gottes Aufsicht steht, entehrt auch seinen Schöpfer. 8. Vernunft, erhabne Seelenkraft, Geschenk aus Gottes Händen! ich müsse nie durch Leidenschaft selbst deine Würde schänden! Wer den erhabnen Zweck vergißt, wozu du ihm gegeben bist, der schändet deine 10. Wen eines Thieres Qual erfreut, der wird, das kann nicht fehlen, kalt und gefühllos mit der Zeit gewiß auch Menschen quälen. Wer frech ein Mitgeschöpf betrübt, und Härt' und Grausamkeit ver übt, der kann auch Gott nicht lieben. Würde. F. C. Fulda. 9. Vernunft, du sollst mich immer mehr die wahre Weisheit lehren, in der Geschöpfe X. Besserungs- und Tugendmittel. Wort Gottes. 376. Mewohnst in einem Mel. Wer nur den lieben Gott zc. du wohnst in einem Lichte, zu dem kein sterblich Auge dringt; doch gibst du uns zum Unterrichte dein Wort, das uns zur Weisheit bringt, die dich und unsrer Seele Werth und deinen Rath uns kennen lehrt. 2. Gib, daß ich nie dein Wort verachte, dieß Licht in meiner Finsterniß, und mache mich, wenn ich's betrachte, von seiner Göttlichkeit gewiß! Stets müss' ich mich der Wahrheit freu'n, stets ihren Lehren offen sein! 3. Dein Wort sei mir ein Licht zum Glauben, und hat's zum Glauben mich gebracht, so laß durch keinen Wahn mir rauben, was mich durch Jesum selig macht! Kein Zweifel sei mir hinderlich, kein Spötterwiß verführe mich. 4. Dich kennen und den Sohn ist Leben, und diese Weisheit hast du mir durch deinen Unterricht gegeben. Gr halte sie mir für und für: vermehre sie, bis du dereinst noch offenbarer mir erscheinst! 5. Sie müsse fruchtbar und lebendig zur Beff'rung meines Herzens sein! Voll Eifers müss' ich und beständig mein Leben deinem Dienste weih'n, und alles thun mit Ernst und Fleiß, was ich von deinem Willen weiß! 6. Was hilft ein aufgeklärt Verständniß dem, welcher ungebessert bleibt? Was nüßet jeder Wahrheit Kenntniß, die nicht zu deiner Liebe treibt? Drum hilf, daß ich der Wahrheit treu, im Glauben fest und thätig ſei! Wort Gottes. 215 lernen! 7. Daß ich dich kenne, laß| fernen und in Demuth glauben im Leiden die Lind'rung meines Kummers sein und noch, wenn Leib und Seele scheiden, mich deiner dann im Glauben freu'n! Dort seh' ich dich im hellern Licht, von Angesicht zu Angesicht. B. Schmolke, veränd. durch Diterich. 7. O verleihe mir die Kraft, deinem Wort gemäß zu handeln, und vor dir gewissenhaft als zu wanMel. Biebster Jesu, wir sind hier zc. 377. Herr, mein Richt, er deln! So wird einst in jenem Leben mich ein hell'res Licht umgeben. H. K. Hecker, veränd. durch Diterich. ich mich und dich erkenne, daß ich voll Vertrauen dich meinen Gott und Vater nenne! Höchster, laß mich doch auf Erden weise zu dem Himmel werden! Mejl. Liebster Jesu, wir sind hier 2c. 2. Lauter Wahrheit ist dein* 378. Sagt, was hat die weite Welt, das stehen! Hilf felbst meinem Forschen fort, deutlich daraus einzusehen, was zu meinem Heil mich führet, und mir, deinem Knecht, gebühret! 6. Laß mich, Herr, in deinem Licht immer rührender erkennen jener Herrlichkeit Gewicht, und wie glücklich der zu nennen, der danach mit Eifer trachtet und die Lust der Welt verachtet. 3. Aber laß mich nicht allein richtig seinen Sinn verstehen; laß mein Herz auch folgsam sein, den erkannten Weg zu gehen! Denn sonst würd' ich bei dem Wissen größ're Strafe leiden müssen. 4. Gib, daß ich den Unterricht deines Wortes treu bewahre; daß ich, was es mir verspricht, reichlich an mir selbst erfahre! Ja, es sei in meinen Leiden mir ein Quell von Trost und Freuden! 5. Hilf, daß sich von Zeit zu Zeit meine Kenntnisse vermehren; find' ich manche Dunkelheit bei geheimnißvollen Lehren, laß mich Zweifelsucht ent dem Worte Gottes gleichet? Was sind Ehre, Lust und Geld? Rauch, der in den Wind entweichet. Doch wenn Erd' und Himmel stürzen, nichts kann Gottes Wort verkürzen. 2. Dich erreicht kein Erdenpreis, theures Wort, von Gott gegeben! Größ'res hat kein Himmelskreis; du, o Wort, bist Geist und Leben, Trost der Armen, Kraft der Schwachen, fannst auf ewig selig machen. 3. Lebenswort, was gibt, wie du, Licht und Weisheit. Heil und Gnade? In Bedrängniß Seelenruh', Muth auf bangem Dornenpfade? Was kein Menschenwiß ergründet, wird in dir uns hell verkündet. 4. Wort voll Gotteskraft! durch dich wird das Herz sich aufgeschlossen, und ein Feld eröffnet sich, wo dem Himmel 216 Ernten sproffen. Keiner Weisheit kann gelingen, was du hilfst in Kraft vollbringen. 5. Selig, die an Gottes Wort findlich Geist und Herz erquicken, und vom Baum, der nie verdorrt, Blätter der Ge sundheit pflücken, und in seinen Weisheitsgründen immer neue Schäße finden! 6. Lehre mich, du Geist des Herrn, Gottes Wort vor Allem lieben, und, von Troß und Zweifeln fern, mich nach seiner Vorschrift üben, daß es all' mein Thun regiere, daß es mich zum Himmel führe! Garve. Wort Gottes. 4. Er, aller Wahrheit Gott, kann dich nicht irren lassen; lies, Christ, sein heilig Buch, lies oft, du wirst es fassen, soviel dein Herz verlangt, Gott ist's, der Weisheit gibt, wenn man sie redlich sucht, gewissenhaft sie liebt. 2. Merk' auf, als ob dir Gott, dein Gott gerufen hätte; merk' auf, als ob er selbst zu dir vom Himmel red'te, so lies, mit Ehrfurcht lies, mit Luft und mit Vertrau'n und mit dem frommen Ernst, in Gott dich zu erbau'n. 3. Sprich gläubig: Herr, vor dem ich meine Hände falte, gib, daß ich dein Gebot für dein Wort ewig halte, und laß mich deinen Rath im Geiste wohl versteh'n, die Wunder am Geset, am Wort vom Kreuze seh'n! 5. Lies frei von Leidenschaft und ledig von Geschäften, und sammle deinen Geist mit allen seinen Kräften! Der beste Theil des Tags, des Morgens Heiterfeit, und dann der Tag des Herrn, der sei der Schrift ge weiht! 6. Rührt dich ein tiefes Wort, so ruf es dir zum Glücke des Tags oft in dein Herz, im Stillen oft zurücke, Mel. O Gott, du frommer Gott 2c 379. Soll bein verderb- empfinde seinen Geist, und stärke dich durch ihn im wahren Glaubensmuth, das Gute zu vollzieh'n! tes Herz zur Heiligung genesen, Christ, so versäume nicht, das Wort des Herrn zu lesen; bedenke, daß dieß Wort das Heil der ganzen Welt, den Rath der Seligkeit, den Geist aus Gott enthält. 7. Des Herrn Gebot zu thun, dazu sind wir auf Erden. Thu', was die Schrift gebeut, dann wirst du inne werden, die Lehre sei von Gott, die dir verkündigt ist, und dann das Wort versteh'n, dem du gehorsam bist. 8. Spricht sie geheimnißvoll, o laß dich dieß nicht schrecken! Ein endlicher Verstand kann Gott nie ganz entdecken. Gott bleibt unendlich hoch; wenn er sich dir erklärt, so glaube, was er spricht, nicht, was dein Wiß begehrt! 9. Sich seines schwachen Lichts bei Gottes Licht nicht schämen, ist Ruhm, und die Vernunft alsdann gefangen Wort Gottes. 217 nehmen, wenn Gott sich offen| lieben lehrt; wir dürfen ihn bart, ist der Geschöpfe Pflicht, und weise Demuth ist's: das glauben, was er spricht. 10. Drum lasse dich, o Christ, durch keine Zweifel tränken! Hier bist du Rind, doch dort wird Gott mehr Licht dir schenken; dort wächst mit deinem Glück dein Licht in Ewigkeit; dort ist die Zeit des Schaun's und hier des Glaubens Zeit. 11. Verehre stets die Schrift, und siehst du Dunkelheiten, so laß dich einen Freund, der mehr als du siehst, leiten! Ein forschender Verstand, der sich der Schrift geweiht, ein angefocht'nes Herz hebt manche Dunkelheit. 12. Halt fest an Gottes Wort! Es ist dein Glück auf Erden, und wird, so wahr Gott ist, dein Glück im Himmel werden. Verachte christlich groß des Bibelfeindes Spott; die Lehre, die er schmäht, bleibt doch das Wort aus Gott! C. 8. Gellert. * 380. M. 344, 3.5.9. 10. fiehe Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 381. Religion, von Gott gegeben, wie bist du unserm Herzen werth! Ach, traurig ist das Erdenleben für den, der deinen Trost entbehrt! Du gibst uns Trost in jeder Noth, hilfft uns besiegen Grab und Tod. 2. Du bist es, die uns Gott erkennen, und unsern Schöpfer nun Vater nennen und hoffen, daß er uns erhört, uns Muth und Kraft zum Guten schenkt und unser aller Schicksal lenkt. 3. Durch dich erhebt der Geist im Glauben sich über Erde, Grab und Zeit. Die Hoffnung soll uns niemand rauben, die Hoffnung der Unsterblichkeit! Und wo uns nichts mehr trösten kann, da fängt dein rechter Trost erst an. 4. Religion, des Lebens Wonne, begleite du uns bis ans Grab! Einst strahle du, des Lebens Sonne, vor uns ins Todesthal hinab! Wir geh'n getrost an deiner Hand durch's Todesthal in's Vaterland. 5. Gott, laß uns diese heil'gen Lehren der Wahrheit immer theuer sein! Laß uns durch Frömmigkeit sie ehren, und dann uns ihres Segens freu'n! Es werde, Bater, deine Welt durch Wahrheit immer mehr erhellt! J. D. Thieß. Hiervon handelt auch M 111. Nachahmung Jesu. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen 2c. 382. Durchdenk' ich meines Heilands Leben, was fühlt für ihn mein liebend Herz! Welch Beispiel hat er mir gegeben, wie heldenmüthig ist sein Schmerz! Wie menschenfreundlich seine Freuden! Wie mitleidvoll, wie groß gesinnt selbst gegen die, die seiner Leiden und seines Todes Stifter sind! 218 Nachahmung Jesu. zueilen. Führ' uns an der Hand bis ins Vaterland! 2. 3war klagt er auch bei| verweilen, dir getreulich nachseinen Schmerzen; doch welche göttliche Geduld! Mit seinem ganzen edlen Herzen traut er auf seines Vaters Huld. Laß' diesen Kelch vorübergehen! ruft er in seiner Seelenpein; doch, Herr, dein Wille soll geschehen, der meine nicht, denn ich bin dein! 2. Soll's uns hart ergeh'n, laß uns fefte stehn, und auch in den schwersten Tagen niemals über Lasten klagen; denn durch Trübsal hier geht der Weg zu dir. 3. Die Freuden, die sein Herz empfindet, fie gründen bloß auf Wohlthun fich. Wo er Verlass'ne traurig findet, zeigt er als Rath und Helfer sich. Die Blinden suchet er zu leiten, den Hungrigen bricht er das Brod, er hält die aufrecht, welche gleiten, und hilft den Kranten in der Noth. 4. Und willig ist er zum Vergeben. Wie fleht er selbst 3. Rühret eigner Schmerz irgend unser Herz, kümmert uns ein fremdes Leiden, o so gib Geduld zu beiden; richte unsern Sinn auf das Ende hin! 4. Ordne unsern Gang, Liebster, lebenslang! Führst du uns durch rauhe Wege, gib uns auch die nöthige Pflege; thu' uns nach dem Lauf deine Thüre auf! Graf Zinzendorf. Mel. O Gott, du frommer Gott zc. auch noch für die, die ihm den 384. Erscheine meinem Herr, dich über sie!" dieß waren seine lebten Bitten, und so, so starb der Tugendheld, er, der zu unserm Heil gelitten, zu sein ein Beispiel für die Welt. Geift, erhabnes Bild der Tugend! Erhelle mir den Pfad, den schweren Pfad der Tugend! Ja, Jesus ging voran; o laßt uns seh'n auf ihn, auf seiner Bahn uns geh'n mit festem Muth und Sinn! 5. Ja dir, mein Heiland, nachzuahmen, verleih' mir Stärke, Muth und Treu', daß ich nicht nur bloß nach dem Namen ein Christ, nein, auch durch Thaten sei! Laß nie mich von der Tugend weichen auf dieser rauhen Lebensbahn, und selbst dein hohes Bild erreichen, soweit es meine Schwachheit fann! 2. Wie unschuldvoll, wie rein und unbefleckt von Sünde floß seine Jugend hin! Wie theuer war dem Kinde, wie lieb dem Jüngling schon, was Gottes Wille wählt! Doch ich, wie oft hab' ich, auch jung wie oft gefehlt! 3. So arm, so freudenlos, in Müh' und Kümmernissen, durch frühen Dienst geübt, was Andern ward, zu missen, Fr. v. d. Necke. Seelenbräutigam zc. sesu, geh' voran Mel. * 383. Juf Ber Lebens- entfloh'n bie Jahre ihm ber bahn, und wir wollen nicht jugendlichen Luft; da drücket Nachahmung Jeſu. 219 manches Leid schon seine fromme| gehst du auch wie er ins Reich Brust. der Seligkeit.. H. Niemeyer. 4. Doch er gehorsam stets, bereit, des Vaters Willen, wär' er auch Kreuzestod, mit Freuden zu erfüllen; er, er trug mit Geduld Verlust und Müh' und Schmerz, sah die Beglückteren, und neidlos war sein Herz. 5. Sein edles Herz, wer mag die hohe Schönheit fassen? die göttliche Geduld, so schonend, so gelassen, den himmlisch- reinen Sinn, von Eigennuß so fern? Wer würde ihn erhöh'n, der Gutes that so gern? 6. Hat je sein frommes Herz die kleinste Pflicht verleget? den Leidenden geseh'n und nicht mit Trost ergeßet? nicht gern gewarnt, belehrt, wo sich ein Mensch verirrt, und ihn mit Freundes Hand den bessern Weg geführt? 7. Versuchung ohne Zahl, hier Ruhm und Schmeicheleien, dort lockender Gewinn, hier bitt'rer Feinde Dräuen umgaben immer ihn; doch der Gedank' an Pflicht begleitete ihn stets, und er verließ ihn nicht. Mel. Alle Menschen müssen 2c. 385. Menschenfreund, Bilde bilde sich mein ganzer Sinn! Deine Sanftmuth, deine Milde sei mein köstlicher Gewinn! Unwerth wär' ich, dich zu kennen, liebt ich meine Brüder nicht, unwerth, mich nach dir zu nennen, wich ich von der Liebe Pflicht. 2. Jesu, wo du Menschen nahtest, folgte Wohlthun deiner Spur; wo du segnend Gutes thateft, in den Hütten, auf der Flur, an dem Lager kranker Brüder, wo du je nur hingeblickt, kehrte Freud' und Hoffnung wieder, und die Menschheit ward erquickt. 3. O du gütigster von allen, Keinen hast du je verschmäht! wer verirrt war, wer gefallen, wer um Trost zu dir gefleht, hat für alle seine Wunden, Herr, in deiner treuen Hand Rettung, Heil und Trost gefunden, Hilfe, wie er nirgends fand. 8. Voll wahrer Ruhe blieb bis an des Lebens Ende sein schuldlos Herz. Der Geist gab in des Vaters Hände sich ohne Beben hin. Vollendet war die Bahn. Sieh, Vater, meine Pflicht, rief er, hab' ich gethan! 9. Blick' hin, mein Geist, auf ihn, verschmäh' des Lasters Freuden! Seit treu bis in den Tod; kurz sind des Lebens Leiden. Wie Jesus, weihe Gott des Lebens kurze Zeit! Dann' 4. Brüder, kommt in meine Arme, wer da leidet, ruhe hier! wenn ich sein mich nicht erbarme, wende sich mein Gott von mir! Ohne Liebe ist kein Leben; liebend nur gleich ich dem Herrn. Sein Verschonen, sein Vergeben, o wie übt's mein Herz so gern! 5. Ob mich auch ein Bruder kränket, Jesus, fühl' ich, litt wohl mehr. Ob er Böses von mir denfet, besser will ich sein 220 Nachahmung Jeju. Gebet. wie er. Ob er Rummer mir| bete stets in Jesu Namen, wirf bereitet, irrt vielleicht nur sein Verstand; weil er strauchelt, weil er gleitet, braucht er öfter meine Hand. die Sorgen hinterwärts, Gott spricht schon das süße Amen; deines Jesu Tod und Blut macht dein Beten ächt und gut. 4. Deines Jesu Tod und Blut stillt die hell entbrannten Flammen, bete mit beherztem Muth, Gott kann dich nun nicht verdammen, sei getreu bis in den Tod, Beten hilft aus aller Noth. 6. Nimmer soll mein Herz ermüden, meinen Brüdern wohlzuthun. Es gewährt so hohen Frieden, ach, es läßt so süß sich ruh'n! Wer um Dank und Lohn nur ringet, hat ja seinen Lohn dahin; wen das Herz zur Liebe dringet, erntet dauernden Gewinn. 7. Zwar der Wehmuth Zähr' entfließet dem, der reiche Saat gestreut, wenn der Hoffnung Feld nicht sprießet, oder wenig Frucht ihm beut; aber wer beim Säen weinet, freut doch einst sich, wär's auch spät. Endlich, Brüder, endlich keimet, was die Liebe ausgesät. A. H. Niemeyer. Gebet. 386. Betes Herz, wenn Mel. Meinen Jesum laß ich zc. nur, betrübkrändich Angst und Kummer ten, klag' und sag' Gott deinen Schmerz, er wird endlich an dich denken, Gott wird dein Gebet und Fleh'n, ist es ernstlich, nicht verschmäh'n. 2. Gott wird dein Gebet und Fleh'n dir zur rechten Zeit gewähren; glaube nur, es wird gescheh'n, was die Frommen hier begehren; denn Gott fennet deinen Schmerz, bete nur, betrübtes Herz! 3. Bete nur, betrübtes Herz, 5. Beten hilft aus aller Noth, ei so bete ohne Zweifel; bist du arm, Gott schenkt dir Brod; schreckt dich Hölle, Welt und Teufel, bete nur, so wirst du seh'n, Gott wird dir zur Seite steh'n. 6. Gott wird dir zur Seite steh'n, vor wem sollte dir nun grauen? mußt du hier auf Dornen geh'n, endlich sollst du Rosen schauen, denn Gott kennet deinen Schmerz; bete nur, betrübtes Herz! 3. G. Krause. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 387. Denicht zu verscherHeil, zum zen, eil' gern und willig Gebet! Ein findlich Fleh'n aus reinem Herzen hat Gott, dein Vater, nie verschmäht. Er ist die Liebe selbst, er hört, was seiner Kinder Herz begehrt. 2. Welch' Glück, so hoch ge ehrt zu werden, und im Gebet vor Gott zu steh'n! Der Herr des Himmels und der Erden, bedarf der eines Menschen Fleh'n? Er will bloß deine Seligkeit, wenn er zu beten dir gebeut. 3. Sagt Gott nicht: Bittet, daß ihr nehmet? Der Bitten Gebet; Fürbitte für alle Menschen. 221 sein, das, das sei wahres Glück allein. Frucht ist einzig dein. Wer sich| fühle: Gott, dein Freund zu der Pflicht zu beten schämet, der schämt sich, Gottes Freund zu sein, und stößt das angebot'ne Glück muthwillig selbst von sich zurück. 3. Dann weichen auch die schwersten Sorgen, das bängste Leiden, das mich drückt; ich weiß, sie sind dem nicht verborgen, der in des Herzens Tiefen blickt. Der Gutes seinen Kindern gibt, bleibt Vater, wenn er sie betrübt. 4. Sein Heil von dir, o Gott, begehren, wie? ist das eine schwere Pflicht? Des Herzens Wünsche dir erklären, wie? stärkt das meine Seele nicht? Gebet gibt Muth, Gebet gibt Kraft zur Dämpfung jeder Leidenschaft. 5. Was kann zum Fleiß in guten Werken mir kräftiger den Muth erhöh'n? was mehr in Leidensstunden stärken, als flehend, Gott, auf dich zu seh'n? Ja, Vater, meine Seelenruh' nimmt durch Gebet beständig zu. 4. Ja, das Gebet gibt Kraft im Leiden, erhebt zur Tugend unsern Geist, und hilft uns alles, alles meiden, was uns der Tugend sonst entreißt; nur müssen uns're Bitten rein und eines Christen würdig sein. 5. Drum bitte ich in meinem Leiden: o Vater, nimm du fie von mir; und bitte ich in meinen Freuden: erhalte, Vater, diese mir: so gib mir, Gott, ein solches Herz, das dich verehrt in Freud' und Schmerz! Fr. v. d. Recke. Das Vaterunser usw. M 120. 6. Drum laß mich nicht mein Heil verscherzen, gib Lust und Kraft mir zum Gebet! Und wenn mein Mund aus frommen Herzen zu dir um Hilf' und Gnade fleht: so höre mich von deinem Thron durch Jesum Christum, deinen Sohn! C.F. Gellert, verändert. Die vorige Melodie. Fürbitte für alle Menschen. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen 2c. 388.28enn ich vor meinen 389. Für unsern Nächſten Schöpfer trete und hier in heil'ger Einsamkeit zu ihm aus voller Seele bete: was fühl' ich da für Seligkeit! Ganz werd' ich Geist, und alles flieht, was mich zur Erde niederzieht. beten wir, o Vater, wie für uns, zu dir. Gib, der du Aller Vater bist, gib Jedem, was ihm selig ist! 2. Dir opfert unser Lobgesang Anbetung, Ehre, Preis und Dank, daß du auch uns're Brüder liebst, und ihnen so viel Gutes gibst. 2. Dann lach' ich jener falschen Freuden, ich lache jener eitlen Pracht, um die sich Menschen oft beneiden und die fie nur zu Sklaven macht, und 3. Dank, daß, wo deine Sonne scheint, kein Auge ungesehen weint! Denn über 222 Morgenlieder. Meer und über Land, da waltet| der; nun will ich wieder thätig deine Vaterhand. sein; mit frohem Herzen will ich nun, was meine Pflicht erfordert, thun. 4. Deß freu'n wir uns und danken dir, und beten herzlicher zu dir für alle, die dein hoher Ruf wie uns, o Gott, zu Menschen schuf. 5. Nimm Aller väterlich dich an, und leite sie auf deiner Bahn! Sie sind ja, Herr, zu deinem Ruhm durch Chriftum dir ein Eigenthum. 6. Verirrte führe du zurück zu dir, zu ihrem wahren Glück, und wer von dir sich führen läßt, den mach' im Glauben treu und fest! 7. Entreiß des Lasters Tyrannei die Sünder, mache, Gott, sie frei, daß sie nur deine Pfade geh'n und einst dein Vaterantlig seh'n! 8. Gib Allen einen frohen Muth! Bewahr' ihr Leben und ihr Gut, ihr Haus, ihr Glück und Eigenthum und ihres Namens Ehr' und Ruhm! Morgen- Lieder. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 2. Gott, dir sei Dank für diesen Schlummer, und dir ergeb' ich mich auf's neu'! In deinem Schuß bin ich von Kummer, bin ich von allen Sorgen frei. Du weißt es, was mir nüglich ist, und gibst es, weil du gütig bist. 9. In ihrer Noth verlaß ott, ſie nie, und ſind ſie trauris, 391. Got tröste sie! Gieb ihnen hier Zufriedenheit, dort deines Himmels Seligkeit! 10. Wir alle, einst den Engeln gleich, erhöh'n, versetzet in dein Reich, dich ewig; ewig danken wir, o unser aller Vater, dir! 3. A. Cramer. 3. Du unterhältst mir meine Kräfte, damit ich sie gebrauchen soll, und, treib' ich redlich mein Geschäfte, o so geräth es immer wohl; bei Treu' und Fleiß gibst du Gedeih'n; drum will ich treu und fleißig sein. 4. Ich will es sein, so lang ich lebe, so lange du mir Kräfte schenkst, damit ich mir das Glück erstrebe, daß du mit Beifall an mich denkst. Dann hab' ich hier Zufriedenheit und dort vollkomm'ne Seligkeit. 3. K. Lavater. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen 2c. unter deiner Vaterhut hab' ich die Nacht so sanft geruht, daß ich erquickt nun in die Höh' der Morgensonn' entgegen seh'. und ladet mich zur Arbeit ein; der Schlaf erquickte meine Glie2. Wohin ich blicke, redest du mit Wohlthun mir und Güte zu; mein erster Hauch sei Lobgesang; mein letter Athemzug ſei Dank! 3. Du gießest Freuden wie ein Meer um alle deine Kinder 390. Diwedt mich wieder vergißt, daß du, Herr, ſein er frohe Morgen und nur allein der Erhalter bist. 4. Gib, daß ich diesen ganzen Abend- Lieder. 223 dir geweihter, frommer Dank! Tag mich deiner Güte freuen| auch mein künft'ges Leben sei mag; wend' Unglück ab nach deiner Huld, und wenn es kommt, gib mir Geduld! 5. Nur deine Hand theilt Segen aus. Gib Segen auch mir in mein Haus; laß gern mich nützen jedermann, und willig helfen, wo ich kann! 4. Hab' ich gefehlt, verzeihe dem Sterblichen, verleihe zur Bess'rung Kraft und Muth! Auch will ich Schuld erlassen, will Feinden, die mich hassen, verzeihen christlich fromm und gut. 6. Der Erde köstlichster Gewinn ist frohes Herz und reiner Sinn, und diesen, Vater, gib du mir! So wall' ich ruhig hin zu dir. 7. Du hast mir wieder neue Kraft zu meinem Tagewerk geschafft. Du weckst mich selbst. Wie könnt' ich nun in trägem Schlafe länger ruh'n! 8. Wenn einst nach meines Todes Nacht zu deinem Licht mein Aug' erwacht, so eil' ich, göttlich dann erfreut, zu jenes Lebens Ewigkeit. Hiervon handelt auch Na 116 u. 117. Seume. Abend- Lieder. Mel. In allen meinen Thaten 2c. 392. Die Ruhe senkt fich 5. Gib jeßt zu neuen Kräften in nüßlichen Geschäften des Schlafes Wohlthat mir! Mein Vater, ich empfehle mein Leben, Leib und Seele und alle meine Lieben dir. Erde nieder in stiller, dunkler Leiden 6. Erquickung Allen, denen das Schicksal heiße Thränen zu ihrem Loose gab! Gott, lind're jeden Kummer, und gieße sanften Schlummer auf jeden Leidenden herab! 7. So schlaf' ich dann in Frieden. Wie labend ist dem Müden die Ruh' in stiller Nacht! Sei einst der Feierabend des Lebens mir so labend, wenn alle Arbeit ist vollbracht! E. H. Demme. wieder auf unsre* 393 fiehe jest Anhang No. 706, V. 8. 9. 10. und ungezählten Freuden ist 394. Menich stets meine Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. Vater, abermals ein Tag vollbracht. 2. Mir sind des Tages Stunden nicht freudenleer verschwunden; mit lieber Vaterhand hast du mich, Herr, ge leitet, die Freuden mir bereitet, die ich an diesem Tage fand. Tage zählen; so werd' ich flug und fromm, und scheue mich, zu fehlen. Denn bringt nicht jeder Tag, bringt jede Stunde nicht mich näher, Gott, zu dir, mich näher zum Gericht? 3. Drum preis' ich deine Güte mit dankendem Gemüthe und herzlichem Gesang. Was du mir schon gegeben, und 2. Wie bald erschein' ich da, von dem, was ich im Leben begehrte, sprach und that, dir Rechenschaft zu geben! Ach, darum 224 Abend will ich selbst mich richten und mit Fleiß mich prüfen über das, was doch mein Richter weiß. 3. Als ich erwachte, Gott, war denn am stillen Morgen ein stiller Dank zu dir die erste meiner Sorgen? Du hattest mich bewahrt; erhob dich mein Ge sang? Und wenn's die Lippe that, war auch das Herz voll Dant? 4. Entschloß ich mich mit Ernst, im Guten mich zu üben? Dich, erstes, höchstes Gut, und was du liebst, zu lieben? Dich über alles, Herr, den nächsten so wie mich? Lebt' ich unsträflich, fromm, war mild und brüderlich? 5. Hielt ich auch heute mich zu dir und deinen Kindern? Floh ich die Welt? Floh ich den Umgang mit den Sündern? Entweihte meinen Mund tein sündliches Geschwätz? War meine Lust dein Wort? Bewahrt' ich dein Gesetz? 6. Blieb ich im Glauben fest, und that ich nie mit Wissen, was Sünder doch, und oft zu spät bereuen müssen? Sah ich nicht deinen Pfad für allzu mühsam an und wählte mir für ihn des Lasters breite Bahn? 7. Verließ ich auch, weil ich Vergnügen, Ruhm und Schätze mehr liebte, Gott, als dich, die Wege der Gesete? War meinen Lehrern ich gehorsam und getreu, auch allen Menschen hold, doch ohne Schmeichelei? 8. War Herz und Wandel keusch? War ich's in meinen Sitten? Demüthig, voll Ver# Lieder. trau'n, getrost in meinen Bitten? Wenn Hilfe mir gebrach, war ich geduldig auch, und nicht im Glücke stolz und mäßig im Gebrauch? 9. Betrübt' ich nie ein Herz? War auch bei Andrer Freuden mein Herz vom Neide frei? Litt ich bei ihren Leiden? War ich versöhnlich? War ich deiner Güte Bild, mitleidig, hilfreich, sanft und gegen Arme mild? 10. Erkauft' ich meine Zeit? Mißbraucht' ich deine Gaben? gewann ich oder war dein Pfund von mir vergraben? und lebt' ich immer, Gott, zur Rechenschaft bereit! Stürb' ich wol jetzt gewiß von meiner Seligkeit? 11. Jch zittre, Gott, vor mir bei allen diesen Fragen. Wie darf ich gegen dich emporzusehen wagen? Wollt' ich mir schmeicheln, Herr, und dächt', ich that genug: ach, wär' es nicht für mich der schändlichste Betrug? 12. Olehre selbst mich thun nach deinem Wohlgefallen. Laß mich nie wissentlich in eine Sünde fallen! Regier' und leite mich, daß ich in Glück und Noth dich nie verleugne, nie dein heiliges Gebot! 13. Jm Schlafe sei mein Schuß, im Wachen meine Stärte! Hinfort sei jeder Tag ein Tag voll guter Werke, ein Tag, der dir gefällt! Wie selig bin ich dann, wenn ich einst jedes Tags vor dir mich freuen kann! Aemilie Juliane, Gräfin zu S. R. veränd. durch Niemeyer. 1 Lied in Krankheit; Andenken an die Taufe. Andenken an die Taufe. Lied in Krankheit. Mel. In allen meinen Thaten 2c. mel. Liebster Jesus, wir sind hier 2c. 395.h Stunden bes ich hab' in guten* 396. Mein Erlöſer, der dir Lebens Glück empfunden und Freuden ohne Zahl. So will ich denn gelassen mich auch in Leiden fassen! Welch' Leben hat nicht seine Qual! mich zum Eigenthum erkaufet, als dein Jünger bin auch ich vormals auf dein Wort getaufet. Stärke mich, wie du zu handeln, als ein wahrer Christ zu wandeln! 2. Ja, Herr, ich bin ein Sünder, und stets strafft du gelinder, als es der Mensch 2. Laß mich, Jesu, dir geweiht, stets auf meinen Taufverdient. Will ich, beschwert| bund achten, und dies in der Prüfungszeit als mein größtes Glück betrachten, daß ich deinen heil'gen Willen treulich suche zu erfüllen! 3. Dieser Erde Gut und Ruhm kann uns nicht im Tode trösten. Nur ein wahres Christenthum führt zur Wonne der Erlösten, läßt, wenn wir im Glauben sterben, uns des Himmels Freuden erben. mit Schulden, kein zeitlich Weh erdulden, das doch zu meinem Besten dient? 225 3. Dir will ich mich ergeben, nicht meine Ruh, mein Leben mehr lieben als den Herrn. Dir, Gott, will ich vertrauen, und nicht auf Menschen bauen; du hilfft und du errettest gern. 4. Laß du mich Gnade finden, mich alle meine Sünden erkennen und bereu'n! Jeßt hat mein Geist noch Kräfte; sein Heil laß mein Geschäfte, dein Wort mit Trost und Leben sein! 6. Ich will dem Kummer wehren, Gott durch Geduld verehren, im Glauben zu ihm fleh'n. Ich will den Tod bedenken. Der Herr wird alles lenken und, was mir gut ist, wird gescheh'n. C. F. Gellert. 4. Allem, Herr, was dir gefällt, will ich denn mich ganz ergeben, und entfernt vom Sinn der Welt als dein treuer Jünger leben, daß auch ich, wenn ich einst sterbe, das verheiß'ne Leben erbe. 5. Wenn ich in Christo sterbe, bin ich des Himmels Erbe. Was schreckt mich Grab und Tod? Auch auf des Tog vertrau' ich deiner Me 1. Wer nur den lieben Gott 2c. Gnade; du, Herr, bist bei mir 397. Jeju Lehren, dich, Ich bin getauft nach in der Noth. Vater, deinen Sohn und Geist so zu bekennen und zu ehren, daß Herz und Mund und That dich preist, und dann des Glücks, ein Christ zu sein, mich hier und ewig zu erfreu'n. 2. Durch diese Stiftung deiner Gnade ward jedes Recht der Christen mein; du weih'test 15 226 Andenken an die Taufe; Heiliges Abendmahl. mich in diesem Bade zu deinem| ficherm Pfade des Glaubens Kind und Erben ein, und und der Heiligung! Gott meithatest in der Folgezeit an mir nes Heils, sei ewig mein, und noch mehr Barmherzigkeit. laß mich stets den Deinen sein! S. 3. Nambach, veränd. d. Diterich. 3. Die Lehre Jesu zu verstehen, gabst du mir Kraft durch deinen Geist; du gabst mir Licht, es einzusehen, wie man dich würdig ehrt und Heiliges Abendmahl. Mel. Ach Herr, mich armen Sünder zc. preiſt, und welches Heil dein 398. du, der bis zum dich ehrt, bereitet hat. 4. Daß nicht, von Leichtsinn hingerissen, undankbar dich mein Herz vergaß, erinnertest du mein Gewissen an seine Pflicht ohn' Unterlaß, und wecktest mich zum Tugendlauf durch deine Wahrheit mächtig auf. 5. Gelobt, mein Gott, sei deine Liebe, die mir, noch eh' ich dich gekannt, aus freiem väterlichen Triebe schon so viel Gutes zugewandt! Wie huldreich hast du mein gedacht und für mein mahres Wohl gewacht! 6. Wie sollt' ich dich denn nicht verehren, nicht dir ein Herz voll Liebe weih'n, nicht gern auf deine Stimme hören, nicht kindlich dir gehorsam sein? Was dich entehrt, sei sern von mir! Geheiligt sei mein Leben dir! 7. O stehe nur mit deinem Geiste, wie du verheißen hast, mir bei, daß ich, was ich versprech', auch leiste und treulich dir ergeben sei! Und fehl' ich, so verwirf mich nicht, mein Gott, vor deinem Angesicht! 8. Erwecke mich durch deine Gnade zum steten Ernst der Besserung, und leite mich auf auch uns geliebt, o du, zu jeder Tugend durch jeden Schmerz geübt! Wir nah'n voll heil'ger Andacht zu deinem Todes mahl, gedenken deiner Liebe, gedenken deiner Qual. 2. Wir weihen uns auf's neue zu deinem Eigenthum, wir möchten dir nur leben durch echtes Christenthum. Es ist auf Erden Keiner, der besser ist als du; es findet uns're Seele in dir die wahrste Nuh'. 3. Wenn, Herr, auf dich zu hören, sich unser Ohr verschließt, wenn, deinem Wink zu folgen, das Herz zu träge ist; wenn eitle Lust der Sinnen in uns'rer Seele wohnt: dann ernten wir die Früchte, womit die Sünde lohnt. 4. Von Eitelkeit umgeben, von Irrthum oft verführt, von Sinnlichkeit betrogen, wie leicht sind wir verirrt! Das Vorbild deiner Tugend vergaß so oft das Herz, verwarf die bes fern Freuden und wählte Neu' und Schmerz. 5. Doch heut', o Jesu, füh len wir deine Lieb auf's neu', empfinden ganz, wie selig dein treuer Jünger sei! Das Bild Heiliges Abendmahl. 227 von deinem Leben erneut sich| mich; o gib, daß meine Seele unserm Blick; wir seh'n auf uns're Schwächen mit Scham und Reu' zurück. sich deß ewig freuen möge! 2. Du läsfest mich in deinem Tod das wahre Leben finden. 6. O laß, wenn wir das Erlösung aus der größten Denkmal der höchsten Lieb' Noth, Vergebung aller Sünempfah'n, mit sünden- reinen den, Gewissensruh', zur Bess'Herzen uns alle zu dir nah'n!| rung Kraft: das hast du, Herr, Der Segen deines Todes wird dem nur, der, dir gleich, nach Gottes Reiche trachtet, des Lichts, der Tugend Reich. auch mir verschafft, da du am kreuze starbest. 7. Mit fester Treue hange hinfort an seiner Pflicht das Herz; nach Lust, nach Schmerzen frag' es im Kampfe nicht! So standhaft, wie du kämpftest, sei unsrer Tugend Streit, so herrlich, wie du siegtest, der Sieg, der uns erfreut! 3. Dein Abendmahl ist mir ein Pfand von dieser großen Güte. Wie viel hast du an mich gewandt! O stärke mein Gemüthe zum gläubigen Vertrau'n auf dich, daß ich, so lang' ich lebe, mich an deine Gnade halte! 8. Kommt, miterlöste Brüder, wir wandeln Hand in Hand dem großen Ziel entgegen ins rechte Vaterland, voll Bruderlieb' und Treue, mit füßem Vorgefühl des Lohn's bewährter Tugend, des Wiederseh'ns am Ziel! 4. Ich fühle, Herr, voll Reu' und Schmerz die Last von meinen Sünden. Laß mein von dir gebeugtes Herz den großen Trost empfinden, daß du, aus Gottes Vaterhuld, auch mir Vergebung meiner Schuld zur Bess'rung hast erworben! 5. Der Trost, den mir dein Tod verschafft, werd' ewig mir zum Segen! Er stärke mich mit neuer Kraft auf allen meinen Wegen, nur das zu thun, was dir gefällt, und alle Furcht und Lust der Welt standhaft zu überwinden. 9. Den herrlichen Vollender erhebe Lobgefang! Empfangt das Mahl der Liebe mit Preis und frohem Dank! Wir schauen hier im Bilde und dort von Angesicht; wir wandeln hier im Dunkeln, doch einst wird alles Licht. A. H. Niemeyer. 399.J Mel. Es ist das Heil uns kommen 2c. ch preise dich, o Herr, mein Heil, für deine Todesleiden. Hab ich an ihren Früchten Theil, was fehlt dann meinen Freuden? Du wardst ein Opfer auch für 6. Die Liebe, die du mir erzeigt, ist gar nicht zu ermessen. O mache selbst mein Herz geneigt, sie nimmer zu vergessen, daß ich aus echter Gegentreu dir bis zum Tod ergeben sei, und dir zur Ehre lebe! 7. Zum ew'gen Leben hast du dich für mich dahin gegeben; dein Abendmahl erwecke 15* 228 Erwägung der Glückseligkeit des Christen. mich, mit Ernst danach zu| dir sein, und nicht dein heil': streben! Herr, mache mich ges Mahl entweih'n! Gib du dazu geschickt, und werd' ich mir das Vollbringen! einst der Welt entrückt, so sei dein Tod mein Leben! S. C. Grot. 3. S. Diterich. Mel. Allein Gott in der Höh' 2c. 400. Seiland, desſen hohen Werth des Sünders Herz empfindet, der reuvoll sich zu Gott befehrt, sich seinem Dienst verbindet, auch ich Gebeugter suche dich. Erbarme dich auch über mich, und laß mich Gnade finden! 2. Ich nehm' an deinem Mahle Theil. Daß ich nicht trostlos bliebe, reichst du auch mir zu meinem Heil die Pfänder deiner Liebe. Jch nehme fie und denke dran, wie viel du auch an mir gethan, wie viel, mich zu beglücken! 3. O laß durch deines Mahles Kraft fich meinen Glauben stärken! Die Hoffnung, die es mir verschafft, treibt mich zu guten Werken, zum Eifer in der Heiligung, zur wahren Herzensbesserung, zum Kampf mit allen Lüften. 4. Wie? Sollt' ich diesen Lüsten noch zu meiner Schande dienen? Ich trüge noch ihr sclavisch Joch? Jch könnte mich erkühnen, den Heiland, der für mich auch starb, mir Gnade, Trost und Heil erwarb, durch Sünden zu verleugnen? Erwägung der Glückseligkeit des Christen. Mel. Valet will ich dir geben zc. 401. welch ein felig le ben Gott, dein Freund schon hier! Sein Glück, sein Ruhm, sein Streben ist Gnade, Herr, bei dir! Du weißt, was jedem nüßet, du weißt, was ihm gebricht. Wer deine Huld besiget, wie selig ist der nicht! 2. Jhm fehlt's an wahren Freuden, an inn'rer Ruhe nicht; gelassen und bescheiden hofft er voll Zuversicht: du wirst auf seinen Wegen sein Schutz und Führer sein, und ihn mit deinem Segen auch künftig noch erfreu'n. Forf 3. Er trauet deiner Güte, verzagt im Kummer nie; mit freudigem Gemüthe verläßt er sich auf sie; genießt das viele Gute auf dieser Erdenwelt mit immer frohem Muthe, das er von dir erhält. 4. Dir, der sein Schicksal lenket, ihn immer weise führt, ihm tausend Freuden schenket und väterlich regiert; dir dankt er seine Freuden, dir dankt er jedes Glück, und schaut bei sei nen Leiden auf jene stets zurück. 5. Wenn ihm sein Wunsch gelinget; wenn eifriges Be müh'n dem Ziel ihn näher bringet, das ihm noch ferne 5. Nein! göttlicher Erretter, nein! ich will die Sünde hassen, will jeden Reiz der Sünde scheu'n, und Muth zum Kampfe fassen! Dir will ich leben, treu| schien; wenn er sich nicht ver Erwägung der Glückseligkeit des Christen. 229 gebens der nahen Hoffnung| stehst du mir bei, wenn Berg freut: fühlt er das Glück des Lebens ganz mit Zufriedenheit. und Hügel weichen. 6. Geschieht, den Gram zu stillen, das, was er wünschet, nicht, so ehrt er deinen Willen, blickt auf zu dir und spricht: Gott, was dein Rathschluß lenket, muß gut und weise sein, und wenn es mich gleich kränket, mich doch zulegt erfreu'n. 7. So, Vater, hilf mir leben und mit Zufriedenheit mich kindlich dir ergeben in Freuden und in Leid; in Noth nie muthlos klagen und nie aus Eitelkeit zu kühne Wünsche wagen, die oft mein Herz bereut. S. C. Grot. 402. J Mel. In dich hab' ich gehoffet 2c. ch freue mich, mein Gott, in dir, du bist mein Trost, und was kann mir bei deiner Liebe fehlen? Du, Herr! bist mein, und ich bin dein; was mangelt meiner Seelen? 5. In Finsterniß bist du mein Licht; erfreust mein Herz, drum frag' ich nicht nach allem Tand der Erde. Herr, ohne dich ist nichts für mich, das mir erfreulich werde. 6. Du segneft mich, wenn man mir flucht, und wer mir auch zu schaden sucht, dem wird's doch nicht gelingen; selbst was mich kränkt, das muß, gelenkt von dir, mir Segen bringen. 7. Auf deiner Huld allein beruht mein ganzes Glück, mein höchstes Gut, in dir leb' ich zufrieden. So dort, als hier, Herr, bleiben wir in Liebe ungeschieden. 8. Du willst mein ew'ges Wohlergeh'n, einst werd' ich dich noch näher seh'n, du Ursprung wahrer Freuden! An dir wird sich dann ewiglich mein ganzes Herze weiden. B. Münter. Gott 2c. Mel. Wer nur den lieben 2. Du hast mich vor der Welt 403. Mit dir sobcho Höchster, Friede haund zugezählt; nie wirst du mein vergessen. Du liebst mein Wohl, haft gnadenvoll mein Glück mir zugemessen. 3. Du trägst mich liebreich mit Geduld, vergibst durch Christum mir die Schuld, wenn ich aus Schwachheit fehle. An seinem Heil hab' ich auch Theil; dieß tröstet meine Seele. 4. An dir hab' ich den treuen Freund, der es aufs Beste mit mir meint; wo find' ich deines Gleichen? Mit deiner Treu' * ben, und deiner Huld versichert sein, das ist die größte aller Gaben, die je des Menschen Herz erfreu'n; das bleibt auch in der Ewigkeit die Quelle der Zufriedenheit. 2. Wovor darf meiner Seele grauen, wenn du, Gott, mir nicht schrecklich bist? Kann ich getrost auf dich nur schauen, dem alles unterworfen ist, so seh' ich auch mit heiter'm Sinn auf alles and're ruhig hin. 3. Verklagt mich denn auch 230 mein Gewissen, so weiß ich, du verzeiheſt mir; erlieg' ich unter 404. Beglückter Erwägung der Glückseligkeit des Christen. mein Vertrau'n zu dir, daß du die Leiden dieser Zeit selbst lenkst zu meiner Seligkeit. 4. Froh seh' ich deinem höhern Segen, den deine Hand in jener Welt den Deinen aufbewahrt, entgegen, und wenn mein Leib in Štaub zerfällt, so zagt mein Herz doch darum nicht; denn du bist meine Zuversicht. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. Stand getreuer Seelen, die Gott allein zu ihrem Theil, zu ihrem Schaß und Ziel erwählen, und nur in Jesu suchen Heil, die nach des treuen Meisters Rath sich selbst verleugnen in der That! 2. Ach sollten wir bei Gott verlieren, der alles Guten Ursprung ist? Nein, Seele, nein, du wirst verspüren, wenn du nur deiner erst vergißt, daß Gott dir ist und will allein Gut, Ehre, Lust und Alles sein. 5. Mein Heil steht blos in deinen Händen, und dein ist, Vater, alle Macht, mir jedes Gute zuzuwenden, das deine Huld mir zugedacht. Nur du vollführst stets deinen Rath. Wohl dem, der dich zum Freunde hat! 3. Betrog'ne Welt, verblend'te Sünder! Ihr eilet einem Schatten nach, betrüget euch und eure Kinder, und stürzt euch selbst in Leid und Schmach; ihr tappt im Fin6. Dieß ist das Glück der rei- stern ohne Licht; ihr sorgt und nen Seelen, die sich mit Ernst sucht und findet nicht. vor Sünden scheu'n, nur dich zu ihrem Trost erwählen, und vor dir recht zu thun sich freu'n. Wer dich mit solchem Sinn verehrt, der ist dein Freund, der ist dir werth. 7. Der hat dich auch in allen Fällen gewiß zum Trost, und kann sein Herz in dir, o Gott, zufrieden stellen bei jeder Sorg, in jedem Schmerz; den wird zum ew'gen Wohlergeh'n unfehlbar deine Lieb' erhöh'n. 8. So hilf denn, daß ich, weil ich lebe, um deiner Gnade mich zu freu'n, nach einem reinen Herzen strebe, und präg' es mir| auf's tiefste ein: kein größ'res Glück sei auf der Welt, als wenn man dir, Gott, wohlgefällt. 4. Bei dir, o Gott, find' ich den Frieden, den mir die Welt nicht geben mag; du kennst, du labst, du stärkst die Müden; da wird es wahr, daß nur Ein Tag in deinem Vorhof sündenfrei viel besser als sonst tausend sei. 5. O süße Lust, die man empfindet, wenn erst das Herz zu Gott gelenkt, und sich im Glauben ihm verbindet, der sich uns selbst zu eigen schenkt! Kein Engel hat mehr Ehr' und Freud', als Christi Freunden ist bereit. 6. So reiß' mich doch, du theure Liebe, noch vollends aus dem Tand der Welt; vermehre deine süßen Triebe, daß mir nichts Eitles mehr gefällt; Erwägung der Glückseligkeit des Christen. 231 zeuch mich aus dieser Nichtig-| Bewußtsein, daß ich dir, Herr, keit zu dir und deiner Herrlichkeit! mein Gott, gefalle! Diese Herzensfreudigkeit, die ich zu dir habe, sei mein Heil in dieser Mel. Nun freut euch, lieben 2c. 405. Deines Gottes freue Zeit und mein Troft am Grabe! B. Münter. dich, ihm, meine Seele! Sorget er nicht Me I. In allen meinen Thaten 2c. väterlich, daß kein Gut dir fehle? 406. Ein ruhiges Gewissent nicht, laß, Herr, mich stets genießen; denn hab' ich dieses nur: so ist für mich in Tagen, wo And're ängstlich klagen, nichts Schreckliches in der Natur. wenn Gefahren drauen? Ift's nicht Seligkeit und Pflicht, seiner dich zu freuen? 2. Ja, mein Gott, ich hab' an dir, was mein Herz begehret: einen Vater, welcher mir, was mir nußt, gewähret, der mich durch sein göttlich Wort hier zum Guten lenket, und mit Himmelswonne dort meine Seele tränket. 3. Wenn ich dich, mein Herr, und Gott, kindlich ehr' und lie be, wenn ich redlich dein Gebot und mit Freuden übe: o wie ist mir dann so wohl! wie ist mein Gemüthe seliger Empfindung voll, voll von deiner Güte! 4. Dann darf ich mit Zuverficht nach dem Himmel blicken; meine Leiden fühl' ich nicht, wie sie mich auch drücken. Hoffnung und Zufriedenheit wohnen mir im Herzen, trösten und erhöh'n mich weit über alle Schmerzen. 5. Du bist mein! so jauchz' ich dann; wer ist, der mir schade? Heil mir, daß ich rühmen kann: Mein ist deine Gnade! Dir ist meine Wohlfahrt werth, du gabst mir das Leben, wirst auch, was mein Leben nährt und erfreut, mir geben! 6. Gib mir nur, so lang' ich hier in der Fremde walle, das 2. Sollt' ich solch' ruhig Leben für Lust der Sünde geben, und dann die inn're Pein, mich selber zu verklagen, in meinem Busen tragen? Gott, laß dieß ferne von mir sein! 3. Sein eignes Herz bekämpfen und seine Neigung dämpfen ist freilich schwere Pflicht; doch wenn wir uns besiegen, welch himmlisches Vergnügen gewährt die Uleberwindung nicht! 4. Nichts kann im Wohlergehen so unser Glück erhöhen, als ein geruhig Herz; das schafft uns inn're Freuden, und mildert auch in Leiden durch seinen Trost den größten Schmerz. 5. Die Güter zu verachten, wonach die Thoren schmachten, was gibt uns dazu Muth? Was tröstet Gottes Kinder beim Spotte frecher Sünder? Ein ruhig Herz, das beste Gut. 6. Zu dirgen Himmelschauen, o Gott, und mit Vertrauen sich rühmen: ich bin dein! im Glauben der Erlösten fich deiner 232 Huld zu trösten, welch Glück, mein Gott, fann größer sein? 7. Läßt du mich im Gewissen einst diesen Trost genießen, wenn alles von mir weicht; kann ich dann voll Vertrauen auf dich noch, Vater, schauen, so wird mir selbst das Sterben leicht. 8. O laß zu allen Zeiten mich deine Weisheit leiten, und mache selbst mich treu! Zum Fleiß in guten Werken laß mich die Hoffnung stärken, daß groß der Lohn im Himmel fei. C.F. Gellert. Erwägung der Glückseligkeit des Christen. Mel. In allen meinen Thaten 2c. * 407. felig 2008 hie nieden, wenn still in Gottes Frieden die Seele ficher ruht! Dem Glaubenskampf zum Lohne schmückt diese Siegeskrone schon hier der Jünger festen Muth. 2. Dann fühlt an Gottes Herzen, befreit von Sorg' und Schmerzen, das Herz ein reines Glück; ihm ist das ew'ge Leben in dieser Ruh' gegeben, es fehrt nicht mehr zur Welt zurück. 3. Was andre Seelen naget, mit Furcht und Hoffnung plaget, stört nicht des Jüngers Ruh. Was Chrifti Zeichen träget, was für sein Reich sich reget, dem lenkt sich seine Neigung zu.O 4. So wirkt der laut're Wille, und brennt in heit'rer Stille; nie flammt er stürmisch auf! Sich gern in allen Dingen dem Herrn zum Opfer bringen, das ist der Christen Lebenslauf. 5. Sie geh'n mit allen Kräften in des Berufs Geschäften, sich Gottes Ruhm zu weih'n, und dabei unverrücklich und ohne Störung glücklich im Umgang mit dem Herrn zu sein. 6. O wär' es ganz das meine, dieß auserkorne reine, dieß friedenvolle Loos! Weg Welt mit deiner Fülle! Mein Thun fei Gottes Wille, mein Ruheplaß sein Vaterschooß! In eigener Melodie. ch 408. Ah wie nichtig, ach wie flüchtig ist der Menschen Leben! Eilend fliehen unsre Stunden: kaum genossen, kaum empfunden, find sie uns auch schon verschwunden. 2. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig ist die Luft der Erde! Oft verwandeln unsre Freuden sich schon hier in bittre Leiden, und einst müssen wir doch scheiden. 3. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig ist der Menschen Schönheit! Seht die Rose, wie sie glühet!- Morgen ist fie schon verblühet, und der Jugend Reiz entfliehet. 4. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig ist auch Ehr' und Reichthum! Wer nach Beifall sehnlich schauet, wer auf Gunst und Gold vertrauet, hat sein Glück nicht fest gebauet. Gott 5. Eins nur bleibet. dieß Eine sei uns theu'r und heilig! Tugend, Tugend wird bestehen. Laßt der Erde Staub Betrachtung verwehen, Tugend kann nie untergehen. M. Franke, verändert durch Demme. Siehe auch No. 113 und No. 115. Betrachtung des Todes. Mel. Jesus, meine Zuversicht 2c. 409. Mei eine Lebenszeit verstreicht; stündlich eil' ich hin zum Grabe, und wie wenig ist's vielleicht, was ich noch zu leben habe! Dent, o Seele, an den Tod; säume nicht, denn eins ist noth! 2. Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst gelebt zu haben! Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir Menschen gaben, nichts kann dich im Tod erfreu'n. Diese Güter sind nicht dein. 3. Nur ein Herz, das Gutes liebt, nur ein ruhiges Gewissen, das vor Gott dir Zeugniß gibt, wird dir deinen Tod versüßen. Dieses Herz, von Gott erneut, gibt zum Tode Freudigkeit. 4. Wenn in deiner letzten Noth Freunde hilflos um dich beben; dann wird über Welt und Tod dich dieß reine Herz erheben. Dann erschreckt dich kein Gericht; Gott ist deine Zuversicht. 5. Daß du dieses Herz erwirbst, fürchte Gott und bet' und wache; sorge nicht, wie früh du stirbst; deine Zeit ist Gottes Sache. Lern' nicht nur den Tod nicht scheu'n; lern' auch seiner dich erfreu'n! des Todes. 233 6. Ueberwind' ihn durch Vertrau'n! Sprich: ich weiß, an wen ich gläube; und ich weiß, ich werd' ihn schau'n einst in diesem meinem Leibe. Er, der rief: Es ist vollbracht! nahm dem Tode seine Macht. 7. Tritt im Geist zum Grab oft hin, siehe dein Gebein verfenten! Bete, daß ich sterblich bin, lehre du mich, Herr, bedenken! Lehre du mich's jeden Tag, daß ich weiser werden mag. C.F. Gellert. Mel. O daß ich tausend Zungen 2c. 410. Ich sterbe täglich, und mein Leben eilt immer zu dem Grabe hin; wer kann mir sich're Bürgschaft geben, daß ich noch morgen lebend bin? der Tod kommt her, hin geht die Zeit, ach wär' ich täglich doch bereit! 2. Es schickt der Tod nicht immer Boten, eh' er die Sichern überfällt. Drum mußt du schnell ins Land der Todten, wohl dir, ist Herz und Haus bestellt! Oft hängt an einem Augenblick dein ew'ges Unglück oder Glück. 3. Herr aller Herren, Tod und Leben hast du allein in deiner Hand; wie lange du mir Frist gegeben, das ist und bleibt mir unbekannt; drum gib, Herr, daß ich jeden Tag an meinen Abschied denken mag! 4. Es fann vor Abend anders werden, als es den Morgen mit mir war; wo ich auch wandle hier auf Erden; steht neben mir die Todtenbar'. Ein Schritt nur ist es 234 Betrachtung bis dahin, wo ich des Grabes Beute bin. 5. Vielleicht kann ich kein Wort mehr sagen, wenn sich am Ziel mein Auge schleußt; d'rum bet' ich in gesunden Tagen: Herr! dir befehl' ich meinen Geist! Und wenn ich kaum noch seufzen kann, dann nimm des Heilands Fürsprach' an! 6. Kann ich nicht segnen dann die Meinen, so segne du fie, Herr, für mich; wenn um mich her sie zagend weinen, o Vater! so erbarme dich; dann laß auch der Verwaisten 412. ie ficher lebt der erSchrei'n hörlich sein! 7. Dringt endlich mir der Tod zum Herzen, so schließ' mir, Herr, den Himmel auf; verkürz' des letzten Kampfes Schmerzen, und führe mich zu dir hinauf! Dann sterb' ich ohne Angst und Bein, und selig wird mein Ende sein. B. Schmolke. Mel. Ach Herr, mich armen Sünder 2c. 3. Sprich nicht: ich denk' in Glück und Noth im Herzen oft an meinen Tod. den der 411. Das agen ist mit viel Lod nicht weiſer macht, hat Ziel von meinen leicht bald nah. Doch soll mein Geist nicht zagen, wär's auch schon heute da. Des Todes Bitterfeiten, wie bald verfliegen die! und gegen Ewigkeiten voll Wonne, was sind sie? des Todes. 3. Des Himmels Wonne lehret zwar Menschenweisheit nie, tein Ohr hat es gehöret, kein Aug' erblickte sie; wir kommen zu dem Freunde, der unser Glück erwarb, zu ihm, der selbst für Feinde noch flehte, da er starb. 4. Zu dem uns zu erheben, ist dieß nicht wahres Glück? D'rum wart' ich ohne Beben, Tod, keinen Augenblick. Wenn Freunde trostlos weinen, dann tröste dieß ihr Herz: der Tod wird uns vereinen, und heilen allen Schmerz. sr. v. d. Recke. Mel. Herr Jesus Christ, wahr'r Mensch zc. 2. Ja, guten, frommen Seelen gewährt der Tod nur Glück. Was kann sie weiter quälen? Sie schau'n befreit zurück. Der Erde Kümmernisse kennt jenes Leben nicht, und alle Finsternisse verwandeln sich in Licht. Staub! Sein Leben ist ein fallend Laub; und dennoch schmeichelt er sich gern, der Tag des Todes sei noch fern. 2. Der Jüngling hofft des Greises Ziel, der Mann noch seiner Jahre viel, der Greis zu vielen noch ein Jahr, und keiner nimmt den Frrthum wahr. nie mit Ernst an ihn gedacht. 4. Wir leben hier zur Ewigkeit, zu thun, was uns der Herr gebeut, und unsers Lebens kleinster Theil ist eine Pflicht zu unserm Heil. 5. Der Tod rückt Seelen vor's Gericht; da bringt Gott alles an das Licht, und macht, was hier verborgen war, den Rath der Herzen, offenbar. 6. Dr'um, da dein Tod dir täglich dräut, so sei stets wach Betrachtung sam und bereit, und prüfe dich, ob du ein Christ durch Glauben und durch Tugend bist. 7. Ein Seufzer in der letzten Noth, ein Wunsch durch des Erlösers Tod vor Gottes Thron gerecht zu sein, dieß macht dich nicht von Sünden rein. 8. Ein Herz, das Gottes Stimme hört, ihm folgt und sich vom Bösen kehrt, ein gläubig Herz, von Lieb' erfüllt, dieß ist es, was vor Gott einst gilt. 9. Ihm alle seine Tage weih'n, heißt eingedenk des Todes sein, und wachsen in der Heiligung ist wahre Tod'serinnerung. C.F. Gellert. Mel. Valet will ich dir geben 2c. 413. Die ie auf der Erde wallen, die Sterblichen sind Staub. Sie blühen auf und fallen, des Todes sichrer Raub. Verborgen ist die Stunde, da Gottes Stimme des Todes. 235 hilf mir in solcher Angst, für den du, Heil der Sünder, selbst mit dem Tode rangst! Und wenn des Kampfes Ende gewaltiger mich faßt, nimm mich in deine Hände, den du erlöset haft! 5. Heil denen, die auf Erden sich schon dem Himmel weih'n! die aufgelöst zu werden in Heiligkeit sich freu'n! Bereit, es ihm zu geben, wenn Gott, ihr Gott gebeut, fließt dieß ihr irdisch Leben hin zur Unsterblichkeit. 6. Des Himmels Wonn' und Freuden ermißt kein sterblich Herz. O Troft für kurze Leiden, für kurzen Todesschmerz! Dem Todesüberwinder sei ewig Preis und Dank, daß er für uns, die Sünder, den Kelch des Todes trank! G. B. Funk, verändert durch Krohn. Me I. Wenn mein Stündlein 2c. ruft, boch jebe, jede Stunde 414. Wie schnell verfließen bringt näher uns zur Gruft. sie, schnell, 2. Getroft geh'n Gottes Kinder die finst're Todesbahn, zu der die frechen Sünder verzweiflungsvoll sich nah'n, wo selbst der freche Spötter nicht mehr zu spotten wagt, und vor dem Gott der Götter er= zittert und verzagt. 3. Wenn diese Bahn zu gehen, dein Will' einst mir gebeut; wenn vor mir offen stehen Gericht und Ewigkeit; wenn meine Kräfte beben, und nun mein Herz schon bricht, Herr über Tod und Leben, o dann verlaß mich nicht! 4. Hilf, Todesüberwinder, die uns gelieh'nen Jahre! Dem Frommen ist die Aussicht hell; er blicket seine Bahre wie seinen Freund so traulich an, ist froh in dieser Welt auch dann, wenn Gott hinaus ihn winket. 2. Die Jahre dieser Pilgerzeit sind uns zum Heil gegeben; wir sollen mit Zufriedenheit nach weiser Tugend streben; uns jeder Gabe Gottes freu'n, ihm uns're ganze Seele weih'n, wie er die Menschen lieben. 3. Wenn wir sein göttliches Gebot gern zu befolgen eilen, wird er durch einen sanften Tod uns neues Glück ertheilen. 236 Betrachtung Zu höhern Freuden gehen wir durch's Todesthal, wenn wir schon hier die Tugend freudig übten. 4. Der Treubefund'nejauchzt nun da, wo ewig Freude wohnet, und ist des Frommen Stunde nah', die sein Ver: trau'n belohnet, die zu der kalten Todesgruft- nein! zu - nein! zu dem bessern Leben ruft, wie froh kann er entschlummern! 5. Ja, dieser Stunde harr' auch ich mit hoffnungsvoller Seele; sie führt zu einer Wonne mich, von der sich meine Seele nur schwach das Glück hier denken kann, das meiner wartet, wo mir dann ein ew'ges Erbtheil bleibet. Fr. v. d. Necke. des Todes. zage nicht; denn Gott ist selbst mein Heil und Licht. 3. Der Leib wird schwach, die morsche Hütte, in der mein Geist hier wohnt, zerfällt; schon gehen meine müden Schritte den Weg zu Gott aus dieser Welt. Ich bin getroft und 4. Wie kann ich vor dem Tode beben, da du, Erlöser, für mich starbst! Er ist durch dich der Weg zum Leben, das du am Kreuze mir erwarbst. Wie du ihn gingst, will ich ihn geh'n; wie du, werd' ich auch aufersteh'n. 5. Laß Qual und Leid mein Grab umringen und mir die leßten Stunden dräu'n; du halfft mir, Herr, die Welt be zwingen, den Tod darf ich mit dir nicht scheu'n. So nah' dem Lohn, den Gott verspricht, so nah' am Ziele sink' ich nicht. 6. Du wacheft über meine Seele, wenn ihre Stärke sich verliert, gibst deinem Engel schon Befehle, der sie zu deinen Freuden führt, des Todes Nacht um mich verscheucht und mir des Lebens Krone reicht. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 415. Ich will dich noch im erheben, am Grabe noch, Gott, dank' ich dir! Zum Segen gabst du mir mein Leben, zum Segen nimmst du es von mir. Mein Leben sucht' ich dir zu weih'n; mein Tod auch soll dir heilig sein. 2. Gott, welche feierlichen Stunden, wenn du mich nun der Welt entziehst; auf mich, den du getreu erfunden, voll schonender Erbarmung siehst! Allmächtiger, in dein Gericht Mel. Wer nur den lieben Gott zc. gehst du mit mir Verſöhntem 416. Parum erbebſt du nicht! meine Seele, bei dem Gedanken an das Grab? nicht dich umschließt einst ſeine Höhle, nur deine Hülle fintt hinab. Sie schuf der Allmacht Wink aus Staub; nun wird sie der Verwesung Raub. 7. Ich will dich noch im Tod erheben, selbst nah' am Grabe preif' ich dich; denn ewig werd' ich vor dir leben. Wie segnet dann dein Antlig mich! D Tod, o Sterben, mein Gewinn! wohl mir, daß ich erlöset bin! 3. J. Eschenburg. Betrachtung des Todes. 237 2. Du, zur Unsterblichkeit| Ruhme der Mensch, eh' er's beerlesen, schwingst dich empor zu Gottes Licht, und schaust den Ursprung aller Wesen von Angesicht zu Angesicht, bewunderst deines Gottes Macht in jener Welten Bau und Pracht. sorgt, ins Grab. Und, Seele, du mißbrauchst so leicht ein Leben, daß so schnell entfleucht? 3. Dann, Seele, wirst du das verstehen, was hier kein weiser Mund erklärt, was hier vollkommen einzusehen des des Wissens Trieb umsonst begehrt. Dann täuscht dich Wahn und. Frrthum nicht, und selbst die Finsterniß wird Licht. 4. Dann wirst du den, ach den erblicken, den hier allein der Glaube sieht; den, der, dich ewig zu beglücken, zum Spott gemacht, am Kreuz verschied. Dann jauchze, daß kein Wahn, kein Spott dich hier getrennt von deinem Gott! 3. Entziehe dich dem Weltgetümmel! Hier ist der Kampf; dort ist die Ruh'. Auf, streb' und ringe nach dem Himmel, eil' deiner bessern Heimat zu! Wie bald verfließt die Prüfungszeit, und ach, dann kommt die Ewigkeit. 4. Verschiebe niemals deine Pflichten! Was du zu thun jetzt schuldig bist, das eile heute zu verrichten; wer weiß, ob's morgen möglich ist? Nur dieser Augenblick ist dein; der nächste wird's vielleicht nicht sein. 5. So sei denn, Vater meines Lebens, die Warnung: Wachet, seid bereit! an meiner Seele nicht vergebens, verloren nicht der Gnade Zeit! Dann führt mich selbst ein schneller Tod zu deiner Seligkeit, o Gott. 5. Wenn nun der Tag des Herrn erscheinet, verläßt dein Leib der Gräber Ruh'. Zum zweiten Mal mit dir vereinet, wird er unsterblich so wie du. Seele, zittre länger nicht, 418. D 418. daß deiner Hütte Bau zerbricht! D. Schiebler. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. * 417. 9° och leb' ich; ob ich morgen lebe, ob bis zum Abend, weiß ich nicht. Wohl mir, wenn ich mich Gott ergebe! Dann thu' ich redlich meine Pflicht, und bin durch seines Geistes Kraft bereit zu meiner Rechenschaft. 2. Am Morgen blüht und glänzt die Blume und fällt oft schon am Abend ab. So finkt mit seinem Glück und Mel. Nun laßt uns den Leib zc. Des Todes Grau'n, flieht, Herr, vor deiner Wahrheit macht. Mein Geist erhellt von deinem Licht, bebt vor dem Tod und Grabe nicht. 2. Es falle nur die Hütte hin, mit der ich hier umgeben bin; ich selber, lebend, wie zuvor, schwing' aus den Trümmern mich empor. 3. Ein inn'res, mächtiges Gefühl verkündigt mir ein höh'res Ziel. Dieß Streben nach der Ewigkeit erhebt mich über Welt und Zeit. 238 Betrachtung 4. Ich habe dein Gebot erkannt, o Gott, und Vater dich genannt; in dieser Seelenwürde liegt ein Hoffnungsgrund, der nimmer trügt. 5. Dein Wort zeigt mir die beff're Welt; so ist mein Glaube fest gestellt. Wie herrlich wird Mel. Wie schön leuchtet der 2c. der Menschheit Werth durch 419. Wie wird mir dann, aufgeklärt! 6. Glücksel'ge Aussicht auch für mich! Entzückt hebt meine Seele sich; ich seh' im Geist des Frommen Lohn, ich sehe meinen Himmel schon. 7. Da find' ich, was dein guter Rath zu meinem Wohl geordnet hat, genieße deines Vaterblicks und der Vollendung meines Glücks. 8. Viel Freude gabst du mir schon hier, o Gütiger, wie dank' ich dir! Stets folgte kleiner'm Ungemach ein größ'rer, beff'rer Segen nach. 9. So hat schon dieser Kindheitstand der höhern Hoffnung Unterpfand; die Liebe, die mich hier beglückt, die bleibt und segnet unverrückt. 10. Des freudigsten Vertrauens voll, erwart' ich, was mir werden soll, wenn ich, von Sünd' und Noth befreit, nun reife zur Vollkommenheit. 11. Der Tod darf mir nicht schreckend sein; er führt zum wahren Leben ein. Durch Gottes Kraft besiegt mein Herz der Krankheit Last, der Trennung Schmerz. des Todes. frohes Wiederseh'n auf ewig unser Glück erhöh'n. 13. Herr unsrer Tage, führe du uns alle diesem Ziele zu, daß uns bei standhaft- frommer Treu' Unsterblichkeit erfreulich jei! 3. S. Spalding. 12. Wenn hier von uns, die Gott vereint, der letzte auch hat ausgeweint; dann wird ein sein, wenn ich, mich deiner ganz zu freu'n, in dir ent schlafen werde! Dann, Seele, wirst du ganz befreit von Sünde und von Sterblichkeit entfliehen dieser Erde. Freu' dich innig, stärke, tröste dich, Erlöste, mit dem Leben, das dir dann dein Gott wird geben! 2. Ich freue mich und bebe doch! So drückt mich meines Elends Joch, der Fluch der Sünde, nieder. Doch du, o Herr, erleichterst mir dieß Joch, mein Herz stärkt sich in dir, glaubt und erhebt sich wieder. Durch dich laß mich dahin stre ben, dir zu leben, dir zu sterben, und dein Himmelreich zu erben! 3. Verachte dann des Todes Grau'n, mein Geist! Er ist ein Weg zum Schau'n in jenem bessern Leben. Er sei dir nicht mehr fürchterlich! Zum Allerheiligsten wird dich der Herr dadurch erheben. Hier wird dein Hirt nach den Thränen, nach dem Sehnen dich Erlösten völlig und auf immer trösten. 4. Herr, Herr, ich weiß die Stunde nicht, die mich, wenn nun mein Auge bricht, zu deinen Todten sammelt; viel Betrachtung leicht umgibt mich ihre Nacht, eh' ich dieß Flehen noch vollbracht, mein Lob dir ausgestammelt. Mach' mich fertig! Ich befehle meine Seele deinen Händen, laß mich meinen Lauf gut enden! 5. Vielleicht find meiner Tage viel; ich bin vielleicht noch fern vom Ziel, an dem die Krone schimmert! Nun, es sei nahe oder weit, so sei mein Leben dir geweiht, bis einst mein Leib zertrümmert! Hilf mir, Herr, dir ganz mein Leben zu ergeben, daß ich droben dich ohn' Ende könne loben! des Todes. 239 bist du nur fromm, sind sie nur gut, dort oben, unter Gottes Hut, wirst du sie wiedersehen. 3. Des Frommen Seele trennt sich nicht von gleichgesinnten Frommen. Sie werden all in Gottes Licht auf's neu zusammen kommen, von keinem Tode mehr getrennt; Gott, der sie alle, alle kennt, vereinigt sie zuſammen. 4. Der fromme Wandrer findet dann dort den Gefährten wieder; der Gatte trifft den Gatten an, der Bruder seine Brüder. Die fromme Mutter küßt ihr Kind; denn alle gute Seelen sind in Gottes Stadt beisammen. 6. Wie wird mir dann, mein Heiland, sein, wenn ich, mich deiner ganz zu freu'n, dich dort anbeten werde! Dann bin ich frei von Sünd' und Leid, ein Mitgenoß der Herrlichkeit, nicht mehr der Mensch von Erde. Preis dir, daß mir durch dein Leiden jene Freuden offen stehen! Ewig will ich dich erhöhen. F. G. Klopstock, veränd. Mel. Wenn mein Stündlein 2c. 6. Seid froh, ihr Lieben! denn gewiß, wir werden uns dort finden, in Gottes Stadt, 420. Schwer liegt ber im Paradies, von Fesseln frei, Trennung Last auf mir; ich liebe sie, die Meinen. Olaß, mein Gott, mein Gott! vor dir mich diese Frage weinen: werd' ich nach meinem Tode gleich, werd' ich von Sünden. Ja, unser Staub wird aufersteh'n; o Wiederseh'n, o Wiederseh'n! wie tröstest du die Seele! F. D. Schubart. Mel. Alle Menschen müssen 2c. o Herr, in deinem Reich die 421. Gleich des Feldes 2. Wohl mir, o Gott, ich höre schon des Geistes Stimme wehen; ich höre sie in sanftem Ton: Du wirst sie wiedersehen! 5. Drum bitt ich euch mit Mund und Hand: seid fromm und gut, ihr meinen, damit wir dort im Vaterland uns ewig einst vereinen! Wie wird uns sein, wenn wir uns seh'n, wenn wir uns froh entgegengeh'n, und ewig Heil uns leuchtet! det, was da lebet rings umher, trauernd sucht der Freund und findet den geliebten Freund nicht mehr. Aber nur der Leib 240 Betrachtung des Todes, der Unsterblichkeit, Auferstehung zc. wird Erde. Mag es immer| legte wol schon heut. O laßt sein! Er werde, weil er irdisch ist, zerstäubt, wenn nur sein Bewohner bleibt. Gottes Weg uns wandeln, immer gut und redlich handeln, daß wir, wenn der Vater ruft, freudig sinken in die Gruft! 3. H. Vos. 2. Dieses Streben, dieses Trachten aufwärts zur Vollkommenheit, dieses Vorgefühl, dieß Schmachten, Brüder, nach Unsterblichkeit, dieser Geist, der Welten denket, würde mit in's Grab gesenket? Und geschaffen hätte Gott dieses alles nur zum Spott? 3. Nein, nicht spottend, nicht vergebens schufst du, Ewiger, dein Bild; weisheitsvoll haft du des Lebens ed'len Geist in Staub gehüllt. Diese Hülle wird vernichtet, und die freie Seele richtet zu der höhern Geister Chor freudig ihren Weg empor. 4. Auf von Moder und Verwesung blicke dort hinauf, mein Geist, wo im Friedensthal Genesung alles Erdenjammers fleußt; wo nicht Krieg, Erdbeben, Fluthen, Hunger, Best und wilde Gluthen, wo nicht Trennung mehr noch Tod liebenden Geliebten droht! 5. Ach, des Wonnetags, der wieder, was am Grabe hier geweint: Eltern, Kinder, Schwestern, Brüder, Freund' und Gatten fest vereint, wenn, gelehrt von Himmelsweisen, wir des Vaters Liebe preisen, der aus Irrthum, Schmach und Gram uns in seine Ruhe nahm. 6. Bald vielleicht, ach bald verschwunden ist auch uns're Lebenszeit, und wer weiß, von meinen Stunden kommt die Betrachtung der Unsterblichkeit, Auferstehung der Todten, des Weltgerichts und der ewigen Seligkeit. Mel. Meinen Jesus laß ich zc. 422. Hier ist nur mein Prüfungsstand, hier ist nicht mein bleibend Erbe. Dort, dort ist mein Vaterland, das erreich' ich, wenn ich sterbe. Dann bring' ich dir, Herr, mein Gott, Preis und Dank für meinen Tod. 2. Gottes Stadt, die droben ist, wo der Unsichtbare wohnet, wo mein Mittler, Jesus Christ, die Vollendeten belohnet! Gottes Stadt, nie denk' ich dein, ohn' in Hoffnung mich zu freu'n! 3. Er, dein König, der mich hier auf der Bahn des Friedens leitet, er, mein Heiland, hat in dir eine Stätte mir bereitet, und an deiner Bürger Heil hat auch meine Seele Theil. 4. Oft bat ich zu meinem Herrn: ach! wann stillst du mein Verlangen? bin ich noch vom Ziele fern? werd' ich bald die Kron' empfangen? Auf die Stunde harrt mein Geist, die mich aller Noth entreißt. 5. O wie wohl wird dann mir sein, wenn ich kann von hinnen scheiden, hinter mir Betrachtung der Unsterblichkeit, Auferstehung 2c. 241 der Erde Pein, vor mir sel'ge| des Gericht den Sündern, die Himmelsfreuden! Nach des schwülen Tages Last sucht der Wand'rer Ruh' und Rast. ihn hassen? So sollen seine Donner nicht des Sünders Scheitel fassen? So lebt der Thor in Ueberfluß, und Weisheit soll, wie Lazarus, nur betteln und dann sterben? 6. Nur die Kinder dieser Welt muß der Ruf zum Tod erschüttern. Wer an Gott sich gläubig hält, darf nicht bange sein und zittern. Eins mit Christo, fürcht' ich nichts an dem Tage des Gerichts. 5. Ist wol die Wahrheit nur ein Spiel, ein Scherz für unser Leben? Ist wol das sitt liche Gefühl uns nur zur Qual gegeben? Denn ewig herrscht das Laster dann, wenn nie die Tugend siegen kann, nie einen Retter findet. 7. Daß ich diese Freudigfeit bis an meinen Tod empfinde, mache siegreich mich im Streit, Jesu, gegen Welt und Sünde! Stärke mich in meinem Lauf, und am Ziele nimm mich auf! Mel. Es ist das Heil uns zc. 423. Seele, reiße bich ner Sclavenbürde, flieg' auf, Unsterbliche, sei groß, und fühle deine Würde! Es ist ein Gott und ein Gericht; d'rum sinke, meine Seele, nicht zum Staub der Erde nieder! 2. Sie, die in unerflog'ne Höh' fich zu den Sternen schwinget, und tief ins Unermeßliche mit edler Kühnheit dringet, die immer steigt und niemals ruht, die Seele, diese Gottesglut, foll einst verlöschen können? 3. Ein Geist, der sich in Tiefen senkt und in die Höhen fähret, ein Wesen, das den Schöpfer denkt, ein Wille, der ihn ehret, ein Herz, das sich in Wahrheit übt, und dich, Unendlicher, dich liebt: das soll der Tod zerstören? 4. So droht kein flammen-| 6. Entreiße dich, verzagter Geist, dem bangen Todesschauer! Selbst deine Zweifelsucht beweist der Seele ew'ge Dauer; und jeder Kummer, quält, das dir noch fehlt, spricht laut von deinem Adel. 7. Soll Gott, der jedes Wesen schafft, der Schöpfung Ruhm zu mehren, die Geister, seine beste Kraft, sein Meisterstück, zerstören? Zwar( fallen dich die Zweifel an) Gott ist es, der zerstören kann. Dich will er nicht zerstören! 8. Du Gott der Wahrheit! nur dein Wort kann alle Zweifel heben. Ich traue dir; es follen dort die Seelen ewig leben. Dort soll die Tugend glücklich sein, dem Laster eine Hölle dräu'n. So glaubt der Christ und schweiget. 9. Drum reiße dich, o Seele Los von deiner Sclavenbürde! Flieg' auf, Unsterbliche, fei groß, und fühle deine Würde! Es ist ein Gott und ein Ge16 Betrachtung der Unsterblichkeit, Auferstehung zc. erwählten weiden, die hier sich ihm geweiht. 6. Die Leiber seiner Frommen sind Saat von ihm gesät; die Freudenzeit wird kommen, da reif die Ernte steht. Dann wird der Erntetag ein neues, ew'ges Leben auch meinem Staube geben, der tief im Tode lag. 7. Mit dir steh' ich im Bunde, Herr, meines Lebens Fürst, der du mir einst die Stunde des Todes senden wirst. Erhalt' mich stets bereit im Glauben deiner Frommen, bis einst die Zeit wird kommen, die mich und sie befreit. 242 richt, drum sinke, meine Seele, nicht zum Staub der Erde nieder! F. D. Schubert. Mel. Von Gott will ich nicht lassen 2c. legte meiner * 424. Der Lage ist mir vielleicht nicht fern. D dann wird meine Klage ein Lobgesang dem Herrn; vollbracht ist dann mein Lauf; ich trete zu dem Throne, und Gott setzt mir die Krone der Ueberwinder auf. 2. Für seines Reiches Erben hat Jesus mich erklärt. Was fürcht' ich mich zu sterben, wie er mich sterben lehrt? Mir ist der Tod Gewinn. Daß ich ganz selig werde, entschwing' ich mich der Erde und geh' zum Himmel hin. 3. Nicht mich, nur meine Bürde verschließt die finst're Gruft; mich hebt zu höh'rer Würde mein Vater, der mich ruft. Er ruft mich durch den Tod; er reißt die Sündenglieder, den trägen Leib dars 425. Daßt das Siegeslied mich führt er zu erschallen! Jesus hat uns Sieg gebracht, uns, die noch auf Gräbern wallen, aufgehellt des Grabes Nacht. Uns hat er den Sieg errungen, und sein Werk ist ihm gelungen. Gott. 4. Ich, der Gefahr entronnen, geh' aus dem Kampf hervor, hoch über alle Sonnen hebt mich mein Glaub' empor. Da tret' ich in die Reih'n der Engel, meiner Brüder, in ihre hohen Lieder stimm' ich mit Jauchzen ein. 8. Dann geh' ich, frei von Kummer, des Todes dunkle Bahn; mir bricht nach kurzem Schlummer ein ew'ger Morgen an. Heil mir, er ist nicht fern, der letzte meiner Tage; er kommt, und alle Klage wird Lobgefang dem Herrn. Mel. Wohl mir, Jesus, meine 2c. 5. Gott schaut von seinem Throne mit Huld auf mich herab, dem er in seinem Sohne das Recht der Kindschaft gab. In seiner Ewigkeit wird er mit größern Freuden die Aus2. Gott! in welcher Son nenklarheit strahlt, was Jesus uns verheißt, strahlt die heil' ge, große Wahrheit: Ewig ist des Menschen Geist! Tugend reicht an Gottes Throne Frommen einst die Siegeskrone. 3. Stimmt nun keine Trauerlieder auf des Frommen Grabe an! Wir betreten sterbend, Betrachtung der Unsterblichkeit, Auferstehung 2. 243 Augenblicke? Brüder, eines bessern Lebens| kommnem Glücke nur für wenig Bahn. Zu der Wahrheit lichten Höhen müssen wir durch Gräber gehen. 4. Unsern Todestag hienieden feiern Selige erfreut als den Uebergang zum Frieden, als Geburt zur Seligkeit; weit vollkommner als auf Erden, edler sollen wir dort werden, 4. Nein, für wenig Augenblicke schufst du nicht des Menschen Geist. Du berufst zum ew'gen Glücke Alles, was dich Vater heißt. Seelen, Seelen sterben nie. Nach des kurzen Lebens Müh' wirst du jegliche zwar richten, aber feine je vernichten. 5. Soll'n in jener Geister 5. Dieser heiße Durst im Reihen uns dem himmlischen Herzen nach der UnvergängBeruf, dem Beruf der Tugendlichkeit, dieser Drang in Leid weihen, wozu Gott auch uns und Schmerzen nach vollerschuf, immer freudiger den kommner Seligkeit sind die Willen unsers Gottes zu er- sichern Bürgen mir, daß ich füllen. mich, mein Gott, zu dir, daß ich einst, wohin ich strebe, mich erheb' und ewig Lebe. H. G. Demme. 6. Ewig, ewig werd' ich leben; sicher der Unsterblichkeit, streb' ich mich emporzuheben über jeden Traum der Zeit. Wandeln will ich fest und still jeden Pfad der Tugend, will stets nach jenem Ziele streben, hier schon für den Himmel leben. Mel. Freu dich sehr, o meine Seele zc. 426. Stärke, Gott, mich in dem Glauben, daß ich nicht ganz sterblich sei! Laß mir ihn kein Blendwerk rauben, keines Leichtsinns Spötterei, als verschwinde, gleich dem Rauch, mit dem legten Odem auch das, was in mir denkt und lebet, dein sich freut, und dich erhebet! 7. Aber daß mein Fuß nicht wanke, stärke mich, o Herr, dein Wort und der selige Gedanke: dort ist meine Heimat, dort! Dort ist weder Schmerz noch Leid, Wonne nur und Herrlichkeit; dort ist, Herr, vor deinem Throne meines Kampfes Preis und Krone. 3. A. Cramer, veränd. durch Diterich. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 2. Geist, das ist mein hoher Name. Dieser Leib ist Hülle nur, eines bessern Leibes Same auf der Auferstehung Flur. Wie das Korn wird aufgelöst, Frucht zu tragen: so verwest auch mein Leib, dem höhern Leben einen edlern Keim zu geben. 427. Reboren, für eine zur 3. Freilich hört mit diesem Leben hier mein Geist zu wirken auf. Aber schließt mein ganzes Weben sich mit dieses Lebens Lauf? Gabst du, Gott, ihm Thätigkeit nur für diesen Traum beff're Welt bestimmt; mein Leben geht nicht ganz verloren, wenn gleich das Grab den der Zeit? Sehnsucht nach voll- Leichnam nimmt. Zu groß bin 16* 244 Betrachtung der Unsterblichkeit, Auferstehung zc. ich für diese Zeit, mein Schick| Wort; und da ich dieß hier sal ist Unsterblichkeit. 2. Was ist der Erde Glück und Ehre? Und wäre das auch alles mein, so blieb' es, wenn kein Himmel wäre, für meinen Wunsch doch viel zu klein. Mein Geist fühlt nicht im Staube Ruh', er eilt erhab'nern Gütern zu. 3. Mich schufja meines Got: tes Liebe zu höherm Glück, zu größ'rer Lust, und pflanzte selbst dazu die Triebe so stark und tief in meine Brust. Er, der den Geist mit Sehnsucht füllt, läßt fie fürwahr nicht ungestillt. 4. Der Wunsch, ihn ewig treu zu lieben, in größ'rer Klarheit ihn zu seh'n, der hier noch unerfüllt geblieben, muß einst noch in Erfüllung geh'n; trennt. 5. Er ist gerecht, der höchste Richter, die Tugend wird noch einst gekrönt, wenn gleich ein Haufe Bösewichter sie hier verwirft, verfolgt, verhöhnt. Der Heuchler, der hier triumphirt, wird dort vor sein Gericht geführt. vor mir habe, so fliehen alle Zweifel fort. Wie froh erhebt sich nun mein Geist, da Gott ihn selbst unsterblich heißt! Mel. Allein Gott in der Höh' 2c. ſo wahr Gott mein Verlangen 428. Schon ist der Tag Gott 6. Jst's möglich, kann Gott anders handeln? gilt denn kein Recht in seinem Reich? Die Frommen, die gerecht hier wandeln, sind sie den frechen Spöttern gleich? Nein, Tugend fiegt. Ich sterbe d'rauf: Gott weckt mich zur Vergeltung auf. 7. Er wedt mich auf aus meinem Grabe. Dies hofft mein Herz, dieß sagt sein 8. Mein Jesus lebt! Wer will mich tödten? Er fichert mir Unsterblichkeit. Sein Árm reißt mich aus Todesnöthen und führt mich hin zur Seligfeit. Auch dieser Leib muß aufersteh'n und schön verklärt zum Himmel geh'n. 9. Unbetend sink' ich, Vater, nieder; mein fester Glaube fürchtet nichts. Ich sehe einst den Morgen wieder, den Morgen jenes ew'gen Lichts. Dann fängt mein neues Leben an, und Gott, wie selig bin ich dann! I. A. Hermes. da, wer auf Erden wandelt, sein Loos aus Gottes Händen nimmt, nach dem er hier gehandelt. Er kommt, er kommt, des Menschen Sohn! Er kommt, und Wolken sind sein Thron, der Erden Kreis zu richten. 2. Hier, an dem Rand der Ewigkeit, hier steh'n die Millionen, die seit dem ersten Tag der Zeit auf dieser Erde wohnen, nur dem Allwissenden bekannt, unzählbar, wie am Meer der Sand, hier steh'n sie vor dem Richter. 3. Hier muß der falsche Wahn der Welt der Wahrheit unterliegen. Hier, wo das Recht die Wage hält, wird keine Sünde siegen. Hier ist zur Bess'rung Betrachtung der Unsterblichkeit, Auferstehung c. 245 nicht mehr Frist; hier gilt nicht Mel. Ewigkeit, du Donnerwort 2c. mehr Betrug und List; hier 429. Erhöhter Jesu, Sot Zeuge. Sohn, der du schon längst der Himmel Thron als Herrscher eingenommen, du wirst dereinst zu rechter Zeit in großer Kraft und Herrlichkeit vom Himmel wiederkommen. Gib, daß dann froh und mit Vertrau'n dich, Herr, auch meine Augen schau'n! 2. Wer faßt, o Heiland, jegzt die Pracht, die deinen Tag einst herrlich macht? Wie groß wirst du dich zeigen, wenn du auf lichten Wolken einst mit deiner Engel Heer erscheinst, die sich vor dir, Herr, beugen! Dann sieht die Welt die Majestät, dazu dich Gott, dein Gott, erhöht. 3. Dann tönt dein Ruf in jedes Grab mit allmachtvoller Kraft hinab und schafft ein neues Leben. Auf deinen Wink muß Erd' und Meer das unzählbare, große Heer der Todten wiedergeben. Sie steh'n, durch dich, Herr, neubeseelt, nun alle auf, und keiner fehlt. 4. Du sammelst sie vor deinem Thron, um jedem den bestimmten Lohn nach seiner That zu geben. Dann trifft den Bösen Schmach und Bein, den Frommen aber führst du ein in das verheißne Leben. Wer leugnet dann noch, Jesu Christ! daß du der Erde Richter bist? 4. Der Richter spricht, der Himmel schweigt, und alle Völker hören erwartungsvoll und tiefgebeugt. Kommt, erbt das Reich der Ehren! so spricht er zu der frommen Schaar; zu der, die widerspenstig war: Geht von mir, ihr Verfluchten! 5. O Herr, mit welcher Majestät wirst du dieß Urtheil fällen! Die Sünder, die dich hier verschmäht, geh'n dann gewiß zur Höllen. Hier trifft fie unerforschte Pein. Wer wird dann noch ihr Retter sein? Ihr Warten ist verloren. 6. Sie, die Gerechten, leuchten dann so wie der Glanz am Himmel. Du selbst nimmst sie zu Ehren an. welch' ein froh Getümmel! Nun seh'n sie mit erstauntem Blick, daß Glaub' und Liebe hohes Glück aus Gottes Hand ererben. 7. Sie geh'n nun in das sel'ge Reich, das Gott für sie bereitet, und seh'n auf ewig, Engeln gleich, ihr Wohlsein ausgebreitet. Das Stückwerk wird Vollkommenheit; fein Kummer, keine Traurigkeit stört ihre ew'ge Freude. 8. Mein Heiland, laß mich dein Gericht oft und mit Ernst bedenken! Es stärke meine Zuversicht, wenn mich die Leiden fränken! Es reize mich, ge-| wissenhaft und eingedenk der Rechenschaft nach deinem Wort zu wandeln. 3. S. Diterich. 5. O gib, wenn nun dein Tag erscheint, daß ich in dir dann einen Freund und Heiland wiederfinde; daß ich mit Freuden vor dir steh', mit dir in deinen Himmel geh', ganz 246 Betrachtung der Unsterblichkeit, Auferstehung zc. frei vom Fluch der Sünde! Brüder. Wen ich hier liebte, | Laß mich im Glauben stand- find' ich dort, wir kennen uns, haft sein und auch die kleinste und o! hinfort trennt uns kein Sünde scheu'n! Abschied wieder. C. S. Ulber, veränd. durch Diterich. Mel. Kommt her zu mir 2c. 7. Der Seligkeiten, Gott, wie viel! O Freuden ohne 430. Einst finkt der Leib Maß und Ziel, hoch über alles ins kühle Grab, der Staub zu anderm Staub hinab, nicht sterblich mehr zu leben; mit freiem Flug und freiem der entSehnen! Ewigkeit, o Ewigkeit! Was ist das Leben dieser Zeit! Wie nichts sind alle Thränen! 3. K. Lavater. bund'ne Geist zurück zu dem,* 431. frohen Zeit, da J Mel. Mach's mit mir, Gott 2c. ch mich der der ihn gegeben. ich werd' auferstehen. Dann werd' ich in der Herrlichkeit dich, Gott, mein Heiland, sehen; dann werd' auch ich, o Herr, durch dich, vereint mit allen Frommen, zur ew'gen Ruhe kommen. 2. O wohl ihm, wenn er fromm und gut durchaus von edler Arbeit ruht, und Thaten ihn begleiten, wenn er dir ähnlich, Jesu Christ, unsträflich, rein und würdig ist des Glücks der Ewigkeiten! 3. O hohes Glück, vor Gott zu steh'n! O Freude, Jesu, dich zu seh'n, und mit dir deine Glie der! Zu sehen dich in deinem Licht von Angesicht zu Angeficht, dich, Erster aller Brüder! 4. Wie wird mir dann zu Muthe sein, wenn alle Todten, groß und klein, vor dir versammelt stehen, du vor dem Vater mich bekennst, mir rufest, mich beim Namen nennst, zur Freude einzugehen! 5. Befreit und ewig fern von Qual, getränkt mit Freuden ohne Zahl, Gott immer, immer näher! Ja, dann steigt jeden Augenblick der Seele unaussprechlich Glück noch unaussprechlich höher. 6. Und aller fel'gen Geister Schaar, und wer auf Erden 2. Ja, Herr, du führst fie einst heran, die Stunde der Erlösung, die Stunde, da ich hoffen kann Trost, Freiheit und Genesung, da, Engeln gleich, im Himmelreich mich Ruhe Ruhe, Luft und Leben in Ewigkeit umgeben. 3. Der du die Auferstehung bist, du bist's, an den ich gläube. Ich weiß, daß ich durch dich, Herr Christ, im Tod nicht ewig bleibe. Auch werd' ich nicht vor dein Ge richt, wie die, die dich verschmähten, mit Angst und Schrecken treten. 4. Ich hoffe dann mit Freudigkeit vor dir, mein Haupt, zu stehen, und mit dir in die Herrlichkeit frohlockend einzugehen. O, hilf mir doch aus heilig war, sind alle meine| Gnaden noch, zum Glück der Betrachtung der Unsterblichkeit, Auferstehung 2c. 247 Ewigkeiten mich würdig zu be- auch mich hier in der Zeit geschickt zu dieser Seligkeit! reiten! Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 7. Mein Heiland, der du 432. Es ist noch eine Ruh' selbſt auf Erden der Leiden Joch vorhanden für jeden Gott ergeb'nen Geist, wenn er sich dieses Körpers Banden nach Gottes Willen einst entreißt, und nun nicht mehr so eingeschränkt als hier auf Erden lebt und denkt. getragen hast, will ich des Lebens müde werden, und fühl' ich dieser Tage Last: so stärke mächtig meinen Geist, daß er dem Unmuth sich entreißt! 8. Gieb, daß in Hoffnung jener Ruhe, die Gottes Volt 2. Die, Herr! zu dieser Ruhe verheißen ist, ich gern des Vakommen, wie selig sind dochters Willen thue, wie du darin alle die! In deinen Himmel mein Vorbild bist! so ernt' ich aufgenommen, ruh'n sie von nach der Prüfungszeit einst dieses Lebens Müh'. Nach aller ewige Zufriedenheit. Laft, die sie gedrückt, wird ewig mun ihr Herz erquickt. F. K. v. Moser, veränd. d. Diterich. Mel. Mach's mit mir, Gott 2c. 3. Wie Mütter ihre Kinder* 433. Herr, du bist meine segnet mit denheit auch deine Gnade die Erlösten nach überstand'ner Prüfungszeit; du selbst machst ihnen offenbar, wie gut hier deine Führung war. Zuversicht! Du lebst, auch ich soll leben. Du wirst mir, was dein Wort verspricht, Unsterblichkeit einst geben. Ein Christ kommt nimmer in's Gericht; dies stärket meine Zuversicht. 4. Da schweigen alle bangen Klagen, da bringt mit frohem Lobgesang selbst für die ausgestand'nen Plagen dir ihre Seele Preis und Dank. Nun jauchzen sie: es ist vollbracht! der Herr hat alles wohlgemacht! 2. Hier geh' ich oft mit Thränen hin, den Samen auszustreuen; dort wird der herrlichste Gewinn der Ernte mich erfreuen. Ich leide, doch verzag' ich nicht; denn du bist meine Zuversicht. 5. Forthin betrübet fie fein Leiden, kein Schmerz und keine Krankheit mehr. Gott führt fie zu vollkommnen Freuden und frönet fie mit Preis und Ehr'. Dunaussprechlich süße Ruh'! wie herrlich, Höchster, fegnest du! 6. Wer kann hier deine Gnade fassen? Du willst den, der dich redlich liebt, nicht ewig in der Unruh' lassen, die dieses Leben noch umgiebt. D mach' 3. Hier trag' ich deine sanfte Last, doch groß ist ChristenWürde; und diese Welt, die das nicht faßt, nennt's fälschlich eine Bürde. Einst trifft die Spötter dein Gericht, dann fieget meine Zuversicht. 4. Sink' immer hin, mein Leib in Staub! Gott wird dich neu beleben. Hier nur werd' ich des Todes Raub; 248 Betrachtung der Unsterblichkeit, Auferstehung zc. dort werd' ich ewig leben! Wie| werd' ich dann vor dir, mein hell strahlt dieses Trosteslicht! Heiland, stehen! dann nimmst Wie stark ist meine Zuversicht! du mich mit Ehren an, läßt in dein Reich mich gehen. Forthin von feiner Last beschwert, an Leib und Seele ganz ver flärt leb' ich bei dir dann ewig. 5. O welch' ein selig Theil ist mir in jener Welt bereitet! der Freuden Fülle ist bei dir. Von dir, o Herr, geleitet, werd' ich in deinem Himmelreich, un sterblich, deinen Engeln gleich, vollkomm'ne Lust genießen. 6. Denn, wo du bist, da sollen die, die dir hier folgen, leben, und ewig frei, von Schmerz und Müh', von Seligen umgeben, genießen deiner Herrlichkeit. O, was sind Leiden dieser Zeit, Herr, gegen jene Freuden? 5. Herr, diesen Segen dank' ich dir! Mich aus der Gruft zu heben, gingst du aus deinem Grab herfür; du lebst, und ich soll leben. Jch glaub' es dir, und zweif'le nicht; dein Wort ist meine Zuversicht. 6. In diesem Glauben stärke mich! Laß mich den Trost empfinden, den großen Trost, daß ich durch dich den Tod kann überwinden! Grab und Verwesung schreckt mich nicht, denn du bist meine Zuversicht. Mel. Wenn mein Stündlein 2c. * 434. Mein Heiland lebt, er hat die Macht des Todes ganz bezwungen, und siegreich aus des Grabes Nacht zu Gott sich aufgeschwungen. Er ist mein Haupt, sein Sieg ist mein, sein soll mein ganzes Leben sein, und ihm will ich auch sterben. 7. Laß die zukünft'ge Herr lichkeit mir stets vor Augen schweben, und oft in dieser Prüfungszeit, mein Herz dahin erheben, wo keine Schwachheit uns mehr drückt, wo wir, der Sterblichkeit entrückt, frohlockend vor dir wandeln! 2. Nicht ewig wird, wer dein Wort hält, den Tod, o Jesu, schauen. Das ist's, was mich zufrieden stellt, selbst bei der Gräber Grauen. Jch bin Ich bin getrost und unverzagt, weil du den Deinen zugesagt: ich leb' und ihr sollt leben. 3. Wird gleich mein Leib des Grabes Raub, er wird doch wieder leben, und einstens der Verwesung Raub sich neugebild't Mel. Gott des Himmels 2c. großer Lebensfürst, nun deinen 435. Jerusalem, du Todten rufen wirst, zum Leben aufzuwachen. schöne, da man Gott beständig ehrt, und das himmlische Getöne: Heilig! heilig, heilig! hört! Ach, wann 4. Wie froh und herrlich 8. Erwecke mich dadurch zum Fleiß, der Tugend nachzustre ben, und als dein Jünger, dir zum Preis, nach deinem Wort zu leben! Und fühl' ich hier noch Noth und Schmerz, so tröste selbst damit mein Herz: es kommt ein beff'res Leben. * Betrachtung der Unsterblichkeit, Auferstehung 2. komm' ich doch einmal hin zu deiner Bürger Zahl? 2. Hier, in diesen Pilgerhütten, in der heißen Prüfungszeit, hier gibt's, bis man ausgelitten, manche Noth und manchen Streit; hier wird oft die beste Kraft von dem Weinen weggerafft. 3. Ach, wie wünsch' ich dich zu schauen, Jesu, liebster Seelenfreund, dort auf deinen Salemsauen, wo man nicht mehr flagt und weint, sondern in dem höchsten Licht schauet Gottes Angesicht! 4. Komm' doch, führe mich mit Freuden, guter Hirt, an deiner Hand! Bringe mich nach vielen Leiden in das rechte Vaterland, wo dein Lebenswasser quillt, das den Durst auf ewig stillt! 5. Oder auserwählten Stätte voller Wonne, voller Zier! Ach, daß ich doch Flügel hätte, mich zu schwingen bald von hier nach der neuerbauten Stadt, welche Gott zur Sonne hat! 6. Sollt' ich aber länger bleiben auf dem ungestümen Meer, wo das schwache Schifflein treiben Sturm und Wellen hin und her, ach, so laß in Kreuz und Bein Hoffnung meinen Anker sein! 7. Dann werd' ich nicht untersinken, wär' das Meer auch noch so wild. Deine Leuchte wird mir winken von dem Ufer hell und mild, und in ihren Freudenschein führst du mich zum Port hinein. Johann Conrad Hiller. 249 436. We Seligkeit empor Mel. Allein Gott in der Höh' 2c. enn sich zu jener die Seele schwinget und Gott, von jenem Glück erfreut, schon hier ein Loblied singet: dann dünk' ich mich nur hier ein Gast, und leicht wird dieses Lebens Last, die sonst so oft ermüdet. 2. Zwar hier schon kann der selig sein, der sich im Guten übet; auf Erben schon darf der sich freu'n, der Gott und Tugend liebet. O Vorschmack jener Himmelslust, entflamme du in meiner Brust den Trieb zu jeder Tugend! 3. Dort, Gott, belohnst du mein Vertrau'n vor deinem Angesichte, führst mich vom Glauben hin zum Schau'n, vom Dunkeln zu dem Lichte. Dich seh' ich dann und deinen Sohn, der dir zur Rechten auf dem Thron der Macht und Ehre fizet. 4. An Kenntniß wie an Herrlichkeit wachs' ich durch Ewigkeiten; verwandelt ist in Glück mein Leid und in Triumph mein Streiten, und diese hohe Seligkeit hat nie ein End', ist ohne Zeit, kein Tod ist mehr, kein Weinen. 5. Dann heb' ich meine Händ' empor und falle jauchzend nieder, und stimme mit der Engel Chor in frohe Jubellieder, und unsern hohen Lobgesang voll Halleluja, Preis und Dank hallt jeder Himmel wieder. Fr. v. d. Necke. 250 437. 441. Anhang: Beim Anfange des Kirchenjahres. 443. fiehe jetzt №. 299. 445. fiehe jetzt №. 215. Anhang. Beim Anfange des Kirchenjahres. Mel. Erschienen ist der herrl'che zc. un kommt das neue * 3. Nu Kirchenjahr, des freut fich alle Christenschaar; dein König kommt, d'rum freue dich, du werthes Zion, ewiglich! Halleluja! 3. Wir hören noch das Gnadenwort vom Anfang immer wieder fort, das uns den Weg zum Leben weist; Gott sei für seine Gnad' gepreist! Halleluja! 3. Gott, was uns deine Wahrheit lehrt, die unsern Glauben stets vermehrt, laß in uns bleiben, daß wir dir Lob und Preis sagen für und für! Halleluja! Johann Dlearius. Sonntagslieder. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. * 4. Mohlauf, mein Herz, zu Gott dein' Ansiehe jest №. 395. fiehe jetzt №. 134. befohlen hat, zu beten; dein Bruder ist's, der dich vor ihn getroft heißt treten; der werthe Tröster ist's, der dir die Wort' gibt ein, drum muß auch dein Gebet gewiß erhöret sein. 3. Da siehst du Gottes Herz, das dir nichts kann versagen; sein Mund, sein theures Wort vertreibt ja alles Bagen; was dir unmöglich däucht, fann seine Vaterhand noch geben, die von dir so viel Noth abgewandt. 4. Komm nur, komm freudig her, in Jesu Christi Namen, sprich: Lieber Vater, hilf, ich bin dein Kind, sprich: Amen! Jch weiß, es wird gescheh'n, du wirst mich lassen nicht, du wirst, du willst, du kannst thun, was dein Wort verspricht. In eigener Melodie. dacht fröhlich bringe, daß dein* 6. Niebster Jefu, wir fin und Wolken dringe, weil dich Gott beten heißt, weil dich sein lieber Sohn so freudig treten heißt vor seinen Gnaden- Thron. dich und dein Wort anzuhören; lenke Sinnen und Begier auf die süßen Himmelslehren, daß die Herzen von der Erden ganz zu dir ge zogen werden! 2. Dein Vater ist's, der dir Anhang: Sonntagslieder. 251 2. Unser Wissen und Ver- und Lassen, seg'ne uns mit stand ist mit Finsterniß um- fel'gem Sterben, und mach' uns hüllet, wo nicht deines Geistes| zu Himmelserben! Hand uns mit hellem Licht erfüllet; Gutes denken, thun und dichten mußt du selbst in uns verrichten. Mart. Hartm. Schenck. 3. D du Glanz der Herrlichkeit, Licht vom Licht, aus Gott geboren, mach' uns allesammt bereit, öffne Herzen, Mund und Ohren; unser Bitten, Fleh'n und Singen laß, Herr Jesu, wohl gelingen! Tobias Clausniker. In eigener Melodie. 7. Her err Jesu Christ, dich zu uns wend', dein'n heil'gen Geist du zu uns send', mit Hilf' und Gnad' er uns regier', und uns den Weg zur Wahrheit führ'! 2. Thu' auf den Mund zum Lobe dein, bereit das Herz zur Andacht fein; den Glauben mehr', stärk' den Verstand, daß uns dein Nam' werd' wohl bekannt, 3. Bis wir singen, mit Gottes Heer: Heilig, heilig ist Gott, der Herr! und schauen dich von Angesicht, in ew'ger Freud' und sel'gem Licht. 4. Ehr' sei dem Vater und dem Sohn, dem heil'gen Geist in einem Thron, der heiligen Dreieinigkeit sei Lob und Preis in Ewigkeit! Wilhelm II., Herzog zu Sachsen- Weimar. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier 2c. 8. Infern Ausgang fegne nsern Ausgang Gott, unsern gang gleichermaßen, segne unser täglich Brod, segne unser Thun segne EinMel. Nun banket alle Gott 2c. ei stille, Sinn und Geist, und euch in Gott ergözet; heut' ist der Ruhetag, den er selbst hat geseßet; er will in stiller Furcht und Lieb' geehret sein, wofern er soll bei uns in Gnaden kehren ein. * 9. 2. Heut' ist der Tag des Heils, des Herren Wort zu hören; heut' ist es rechte Zeit, ihn öffentlich zu ehren; wer dieses unterläßt, freiwillig bleibt davon, versäumt sein eigen Heil und ehrt nicht Gottes Sohn. 3. Ich will in Gottes Haus mit seinen Kindern gehn, ich will in reinem Schmuck vor seinem Altar stehen, mein Herz soll kindlich froh in seinem Willen ruh'n, der Leib soll nur das Werk der Noth und Liebe thun. 4. Komm' heute in mein Herz, du König aller Frommen, laß mit dir Šegen, Heil und Seelenfrieden kommen! die Sonne dieser Gnad' kehr' heute bei mir ein, so wird denn dieser Tag ein rechter Sonntag sein. D. V. E. Löscher. Mel. Wo Gott der Herr nicht zc. epriesen seist du, Jesu Christ, daß nun der Tag erschienen, der unser werther Ruh'tag ist, dem großen Gott zu dienen. Hinweg mit aller Eitelkeit, mit * 12. Ge 252 allem, was den Geist zerstreut, laßt Hände- Arbeit liegen! Anhang: Adventslieder. 2. Dem Höchsten Herz, Gemüth und Sinn laßt heute sein ergeben; legt das, was fleischlich, von euch hin, dient Gott mit eurem Leben, auf daß er durch des Geistes Stärk hab' in uns seiner Gnaden Werk, und stetig ob uns walte! 3. Hört heute fleißig Gottes Wort mit Beten, Lesen, Singen; laßt uns dem Herren fort und fort der Andacht Opfer bringen; kommt, tretet hin zu dem Altar, und lasset mit der from men Schaar ein Sabbathslied erschallen! 4. An diesem Tag ist Jesus Christ vom Tode auferstanden, und hat des bösen Feindes List hierdurch gemacht zu Schanden; er hat dem Tode seine Macht genommen und uns wiederbracht, was leider war verloren. 5. Wir Christen müssen gleicher Weis' auch von der Sünd' aufstehen, und fünftig nun mit allem Fleiß auf guten Wegen gehen, auf daß wir dorten immerzu die höchst' gewünschte Sabbaths- Ruh' im Himmelreich begehen. herfür, laßt uns vor allen Dingen ihm Hofianna fingen mit heiliger Begier! 2. Auf, ihr betrübten Herzen, der König ist gar nah; hinweg all' Angst und Schmer zen, der Helfer ist schon da! Seht, wie so mancher Ort hochtröstlich ist zu nennen, da wir ihn finden können im Nachtmahl, Tauf' und Wort! 3. Auf, auf, ihr Vielgeplagten, der König ist nicht fern; seid fröhlich, ihr Verzagten, dort kommt der Mor= genstern; der Herr will in der Roth mit reichem Trost euch speisen, er will euch Hilf' erweisen, besiegen selbst den Tod. Armen, der König sorgt für 4. Frisch auf in Gott, ihr barmen euch machen groß und euch, er will durch sein Erreich; der an das Thier gedacht, der wird auch euch ernähren; was Menschen nur begehren, das steht in seiner Macht. 5. Frisch auf, ihr Hochbetrübten, der König kommt mit Macht; an uns, sein' Herzge= liebten, hat er schon längst gedacht. Nun wird kein Angst noch Pein, noch Zorn hinfort uns schaden, dieweil uns Gott aus Gnaden läßt seine Kinder fein. Adventslieder. Mel. Aus meines Herzens 2c. 6. Der König will bedenken 16. Auf, auf, ihr Reichs- bie, welch' er herzlich liebt, mit genossen! eu'r König kommt heran; empfahet unverdrossen den großen Wundermann! Ihr Christen, geht köstlichen Geschenken, als der sich selbst uns gibt durch seine Gnad' und Wort; ja, König, hoch erhoben, wir alle wollen Anhang: Adventslieder. loben dich freudig hier und dort. Joh. Nist. Mel. Valet will ich dir geben zc. 17. ie soll ich dich empfangen? und wie begegn' ich dir? o aller Welt Verlangen, o meiner o meiner Seelen Zier! o Jesu, Jesu, zünde mir selbst die Fackel an, damit ich recht ergründe, was dir gefallen kann! 2. Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin, und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn. Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preis, und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß. 3. Was hast du unterlassen zu meinem Trost und Freud'? Als Leib und Seele saßen in ihrem größten Leid, als mir das Reich genommen, da Fried' und Freude lacht, bist du, mein Heil, gekommen, und hast mich froh gemacht. 4. Jch lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los; ich stand in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß, und hebst mich hoch zu Ehren, und schenkst mir großes Gut, das sich nicht läßt verzehren, wie ird'scher Reichthum thut. 253 6. Das schreib dir in dein Herze, du hochbetrübtes Heer, bei deinem Gram und Schmerze, der sich häuft mehr und mehr; seid unverzagt, ihr habet die Hülfe vor der Thür; der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier. 5. Nichts, nichts hat dich getrieben zu mir vom Himmelszelt als das geliebte Lieben, womit du alle Welt in ihren tausend Plagen und großen Jammerlast, die kein Mund aus kann sagen, so fest um fangen hast. 7. Jhr dürft euch nicht bemühen, noch sorgen Tag und Nacht, wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes Macht; er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust, all' Angst und Noth zu stillen, die ihm an euch bewußt. 8. Auch dürft' ihr nicht erschrecken vor eurer Sündenschuld; nein, Jesus will sie decken mit seiner Lieb' und Huld; er kommt, er kommt, den Sündern zum Trost und wahren Heil, schafft, daß bei Gottes Kindern verbleib' ihr Erb' und Theil. 9. Was fragt ihr nach dem Schreien der Feind' und ihrer Tück? der Herr wird sie zerstreuen in einem Augenblick. Er kommt, er kommt, ein König, dem alle Macht und ist der Feinde viel zu wenig zum Widerstande ist. 10. Er kommt zum Weltgerichte, zum Fluch dem, der ihm flucht, mit Gnad' und süßem Lichte dem, der ihn liebt und sucht. Ach! komm', ach! komm', o Sonne! und hol' uns allzumal zum ew'gen Licht und Wonne in deinen Freudensaal! Paul Gerhard. 254 Anhang: Adventlieder. Mel. Aus meines Herzens zc. * 21. Nhr Frommen, zu un jauchzet, all'* 22. Michenfinder, das all' Mel. Von Gott will ich nicht lassen 2c. it Ernst, o dieser Gnadenzeit, weil unser Heil ist kommen, der Herr der Herrlichkeit, zwar ohne stolze. Pracht, doch mächtig, zu verheeren und gänzlich zu zer stören des Teufels Reich und Macht. Herz in euch bestellt! bald wird das Heil der Sünder, der wunderstarke Held, den Gott aus Gnad' allein der Welt zum Licht und Leben versprochen hat zu geben, bei Allen kehren ein. 2. Kein Scepter, keine Krone sucht er auf dieser Welt; im hohen Himmelsthrone ist ihm sein Reich bestellt; er will hier seine Macht und Majestät ver= hüllen, bis er des Vaters Willen gehorsam hat vollbracht. 3. Ihr Mächtigen auf Er den, wollt ihr berathen werden und geh'n die rechte Bahn, die zu dem Himmel führt; sonst, wo ihr ihn verachtet und nur nach Hoheit trachtet, des Herren Zorn euch rührt. 4. Jhr Armen und Elenden hienieden in der Zeit, die ihr an allen Enden müßt haben Angst und Leid, seid dennoch wohlgemuth, laßt eure Lieder klingen, und lobt den Herrn mit Singen, der ist eu'r höchftes Gut. 5. Er wird nun bald erscheinen in seiner Herrlichkeit, und alles Leid und Weinen verwandeln ganz in Freud'; er ist's, der helfen kann; halt' eure Lampen fertig, und seid stets sein gewärtig, er ist schon auf der Bahn. Michael Schirmer. 2. Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast, macht seine Stege richtig, laßt alles, was er haßt; macht alle Bahnen recht, das Thal laßt sein erhöhet, macht niedrig, was hoch stehet, was frumm ist, gleich und schlicht! liebet, bei Gott am höchsten 3. Ein Herz, das Demuth steht; ein Herz, das Hochmuth geht. Ein Herz, das richtig übet, mit Angst zu Grunde ist, und folget Gottes Leiten, das kann sich recht bereiten, zu dem kommt Jesus Christ. 4. Ach, mache du mich ArGüte und Erbarmen, Herr men in dieser Gnadenzeit aus Jesu, selbst bereit! Zeuch in mein Herz hinein! ruh' drin, wie in der Krippen, so wer den Herz und Lippen dir ewig dankbar sein. Valentin Thilo. 25. Mel. Meinen Jesum laß ich nicht zc. ofianna! Davids Sohn kommt in Zion eingezogen; ach, bereitet ihm den Thron, setzt ihm tausend Ehrenbogen. Streuet Palmen, machet Bahn, daß er Einzug halten kann! Anhang: Weihnachtslieder. 255 Benjamin Schmolke. 2. Hosianna! sei gegrüßt!| fianna! du bist da? ja, du komm', wir gehen dir ent- tömmst, Halleluja! gegen! Unser Herz ist schon gerüst, will sich dir zu Füßen legen. Zeuch zu unsern Thoren ein, du sollst uns willkommen sein! 3. Hosianna! Friedensfürst, Ehrenkönig, Held im Streite, Alles, was du schaffen wirst, das ist uns're Siegesbeute. Deine Rechte bleibt erhöht, und dein Reich allein besteht. 4. Hosianna, lieber Gast, wir sind deines Reichs Genossen, die du dir erwählet haft; ach so laß uns unverdrossen deinem Scepter zinsbar sein, herrsche du in uns allein! 5. Hosianna, komme bald, laß uns deine Sanftmuth küs sen; wollte gleich die Knechtsgestalt deine Majeſtät verschließen, ei so tennet Zion schon Gottes und auch Davids Sohn. 6. Hosianna! steh uns bei, o Herr, hilf, laß wohlgelingen, daß wir ohne Heuchelei dir das Herz zum Opfer bringen! Du nimmst keinen Jünger an, der dir nicht gehorchen kann. 7. Hosianna! laß uns hier an den Delberg dich begleiten, bis wir einstens für und für dir ein Psalmenlied bereiten. Dort ist unser Bethphage, Hofianna in der Höh'! 8. Hofianna! nah und fern, eile, bei uns einzugehen! Du Gesegneter des Herrn, warum willst du draußen stehen? HoWeihnachtslieder. In eigener Melodie. 26. Gelobet feift du, Jeſu daß du Mensch geboren bist von einer Jungfrau, das ist wahr, deß freuet sich der Engel Schaar. Halleluja! 2. Des ew'gen Vaters einzig Kind jetzt man in der Krippen findt, mit uns'rem armen Fleisch und Blut bekleidet sich das ew'ge Gut. Halleluja! 3. Den aller Welt Kreis nie beschloß, der liegt in Mariens Schooß; er ist ein Kindlein worden klein, der alle Ding' erhält allein. Halleluja! 4. Das ew'ge Licht dringt ein'n neuen Schein, es leuchtet nun herein, gibt der Welt mitten in der Nacht und uns leluja! des Lichtes Kinder macht. Hal5. Der Sohn des Vaters, Gott von Art, ein Gast in der Welt hie ward, und führt uns aus dem Jammerthal als Erben in den Freudensaal. Halleluja! 6. Er ist auf Erden kommen arm, daß er unser sich erbarm', uns in dem Himmel mache reich und seinen lieben Engeln gleich. Halleluja! 7. Das hat er alles uns gethan, sein' groß' Lieb' zu zeigen an: deß freu' sich alle Christenheit und dank' ihm deß in Ewigkeit! Halleluja! Martin Luther. 256 Anhang: Weihnachtslieder. Mel. Vom Himmel hoch, da zc. * 28. V om Himmel kam der Engel Schaar, erschien den Hirten offenbar; fie sagten ihn'n: ein Kindlein zart, das liegt dort in der Krippen hart. 2. Zu Bethlehem in Davids Stadt, wie Micha das verkündet hat; es ist der Herre Jesus Christ, der euer aller Heiland ift. 3. Deß sollt ihr billig fröhlich sein, daß Gott mit euch ist worden eins, er kommt zu euch in Fleisch und Blut, eu'r Bruder ist das ew'ge Gut. 4. Was kann euch thun die Sünd' und Tod? ihr habt mit euch den wahren Gott; laßt Teufel, Welt und Hölle dräu'n, Gott's Sohn will euer Helfer sein. 5. Er will und kann euch laffen nicht, setzt ihr auf ihn eur' Zuversicht; laßt euch anfechten noch so viel, troß dem, der euch nun schaden will! 6. gulegt müßt ihr doch haben Recht, ihr seid nun worden Gott's Geschlecht. Deß danket Gott in Ewigkeit, geduldig, fröhlich allezeit! Martin Luther. elend, nackt und bloß in seinem Krippelein. 3. Er äußert sich all' seiner G'walt, wird niedrig und gering, und nimmt an sich ein's Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding'. 2. Er kömmt aus seines Vaters Schooß und wird ein Kindlein klein; er liegt dort 4. Er liegt an seiner Mutter Brust, nimmt von ihr seine Speis, an dem die Engel seh'n ihr' Lust, denn er ist Davids Reiß, 5. Das aus sein'm Stamm entsprießen sollt' in dieser leßten Zeit, durch welchen Gott aufrichten wollt' sein Reich, die Christenheit. 6. Er wechselt mit uns wunderbar; Fleisch und Blut nimmt er an, und gibt uns in sein's Vaters Reich die klare Gottheit d'ran; 7. Er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel sein! wie konnte doch wol freundlicher dein Herz, o Jesu, sein? 8. Heut' schleußt er wieder auf die Thür' zum schönen Paradies, der Cherub steht nicht mehr dafür; Gott sei Lob, Ehr' und Preis! Nicol. Hermann. In eigener Melodie. Mel. Erschienen ist der herrl'che 2c. * 30. Nobt Gott, ihr Chri-* 42. Wir fingen dir, 3msten, allzugleich in seinem höchsten Thron, der heut' schleußt auf sein Himmelreich und schenkt uns seinen Sohn! manuel, du Lebensfürst und Gnadenquell, du Himmelsblum' und Morgenstern, du Jungfrausohn, Herr aller Herrn. Halleluja! 2. Wir fingen dir mit deinem Heer aus aller Kraft Lob, Preis und Ehr', daß du, o lang Anhang: Weihnachtslieder. 257 gewünschter Gast, dich nunmehr| doch deswegen her, daß sich der eingestellet hast. Halleluja! Sünder zu dir kehr'. Halleluja! 3. Von Anfang, da die Welt gemacht, hat so manch' Herz nach dir gewacht; dich hat gehofft so lange Jahr' der Väter und Propheten Schaar. Halleluja! 4. Nun, du bist hier, da liegest du, hältst in der Krippe deine Ruh'; bist klein und machst doch alles groß, be kleid'st die Welt und kommst doch bloß. Halleluja! -5. Du kehrst in fremder Wohnung ein, und sind doch alle Himmel dein; trinkst Milch aus einer Menschenbrust, und bist doch aller Engel Lust. Halleluja! 6. Du bist der treuste Menschenfreund, doch sind dir so viel Menschen Herodis Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. Heer hält dich für Greul, und 48. Dieß ist die Nacht, da bist doch nichts als lauter Heil. Halleluja! mir erschienen des großen Gottes Freundlichkeit; das Kind, dem alle Engel dienen, bringt Licht in meine Dunkelheit, und dieses Weltund Himmelslicht weicht hunderttausend Sonnen nicht. 7. Ich aber, dein geringster Knecht, ich sag" es frei und mein' es recht; ich liebe dich, doch nicht so viel, als ich dich gerne lieben will. Halleluja! 8. Der Will' ist da, die Kraft ist klein; doch wird dir nicht zuwider sein mein armes Herz, und was es kann, wirst du in Gnaden nehmen an. Halleluja! 9. Darum hab' ich so guten Muth, du wirst auch halten mich für gut; o Jesu Christ, dein frommer Sinn macht, daß ich so voll Troftes bin. Halleluja! 11. So faff' ich dich nun ohne Scheu, du machst mich alles Jammers frei, du trägst den Zorn, besiegst den Tod, verkehrst in Freud' all' Angst und Noth. Halleluja! 12. Du bist mein Haupt, hinwiederum bin ich dein Glied und Eigenthum, und will, so viel dein Geist mir gibt, stets dienen dir, wie dir's beliebt. Halleluja! 13. Ich will dein Halleluja hier mit Freuden fingen für und für, und dort in deinem Ehrensaal soll's schallen ohne Zeit und Zahl. Halleluja! Paul Gerhardt. 10. Bin ich gleich Sünd' und Laster voll, hab' ich gelebt nicht, wie ich soll, ei, kommst du 2. Laß dich erleuchten, meine Seele, versäume nicht den Gnadenschein, der Glanz in dieser kleinen Höhle streckt sich in alle Welt hinein; er treibet weg der Hölle Macht, der Sünden und des Kreuzes Nacht. 3. In diesem Lichte kannst du sehen das Licht der klaren Seligkeit; wenn Sonne, Mond und Stern' vergehen, vielleicht noch in gar kurzer Zeit wird dieses Licht mit seinem Schein dein Himmel und dein Alles sein. 17 258 Anhang: Weihnachtslieder; Neujahrslieder. 4. Laß nur in diesem helle| gen? was hat vom Himmelsscheinen dein Glaubens- und dein Liebes- Licht; mit Gott mußt du es treulich meinen, sonst hilft dir diese Sonne nicht; willst du genießen diesen Schein, so darfst du nicht mehr dunkel sein. thron dich in die Welt gezogen? Ach! deine große Lieb' und meine große Noth hat deine Glut entflammt, die stärker, als der Tod. 5. D'rum Jesu, schönste Weihnachtssonne, bestrahle mich mit deiner Gunst! Dein Licht sei meine Weihnachtswonne, und lehre mich die Weihnachtskunst, wie ich im Lichte wandeln soll, und sei des Weihnachts- Glanzes voll. C. Fr. Nachtenhöffer. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 50. D¹, gnadenreiches fang her gewesen, du Gott von Gott gezeugt, von Ewigkeit erlesen zum Heil der ganzen Welt, o mein Herr Jesu Christ, willkommen, der du mir zum geboren 2. Komm, gnadenreiches Wort und sprich in meiner Seelen, daß mir's in Ewigkeit an Trost nicht solle fehlen! Im Glauben wohn' in mir, und weiche nimmer nicht, laß mich auch nicht von dir abweichen, schönstes Licht! 3. Du, gnadenreiches Wort, warst bei Gott, eh' geleget der Grund der großen Welt, da sich dein Herz beweget zur Liebe gegen mich, ja du warst selber Gott, damit du machst im Fleisch Sünd', Höll' und Tod zu Spott. 4. Was hat vom Himmelsthron dich anfangs doch bewo5. Gib, daß ich dir zum Dienst mein ganzes Herz ergebe, auch dir allein zum Preis auf dieser Erde lebe! Ja, Jesu, laß mein Herz ganz neu geschaffen sein und dir bis in den Tod gewidmet sein allein! 6. Das Leben ist in dir, und alles Licht des Lebens. Laß an mir deinen Glanz, mein Gott, nicht sein vergebens! Weil du das Licht der Welt, so sei mein Lebenslicht, o Jesu, bis mir anbricht. C. Fr. Nachtenhöffer. Neujahrslieder. Mel. Wenn wir in höchsten Nöthen 2c. * 52. Das alte Jahr vergangen danken dir, Herr Jesu Christ, daß du uns in so großer G'fahr so gnädiglich behüt't dies Jahr. 2. Wir bitten dich, du ew'ger Sohn des Vaters in dem höchsten Thron, du woll'st dein' arme Christenheit bewahren ferner alle Zeit. 3. Entzieh uns nicht dein heilsam Wort, welch's ist der Seelen Trost und Hort; vor falscher Lehr', Abgötterei behüt' uns, Herr, und steh' uns bei! 4. Hilf, daß wir flieh'n die breite Bahn, und fromm zu werden fangen an, kein'r Sünd' im alten Jahr gedenk; ein gnadenreiches Jahr uns schenk! Anhang; Neujahrslieder. 259 5. Chriftlich zu leben, felig| ja von mir den Dank; deine lich zu sterben und hernach fröhlich am jüngsten Tage auf zusteh'n, mit dir im Himmel einzugeh'n, Weisheit kann mich stärken zu der Lieb' und guten Werken. 6. Zu danken und zu preisen dich mit allen Engeln ewiglich, o Jesu! unsern Glauben mehr' zu deines Namens Lob und Ehr! Joh. Steuerlein. Mel. Gott des Himmels und der 2c. * 58. Hilf ilf, Herr Jesu, laß gelingen, hilf, das neue Jahr geht an; laß es neue Kräfte bringen, daß aufs neu ich wandeln kann; neues Glück und neues Leben wollest du aus Gnade geben! 2. Alles, was ich zu begin nen und zu reden bin bedacht, all' mein Denken und mein Sinnen werde stets durch dich vollbracht, daß auch das, was ich gedenke, dich zu preisen stets sich lente! 3. Meiner Hände Werk' und Thaten, meiner Zunge Red' und Wort müsse nur durch dich gerathen und ganz glück lich gehen fort! Neue Kraft laß mich erfüllen, zu verrichten deinen Willen! 4. Was ich dichte, was ich mache, das gescheh' in dir allein! wenn ich schlafe, wenn ich wache, wollest du, Herr, bei mir sein! Geh' ich aus, woll'st du mich leiten; komm' ich heim, bleib' mir zur Seiten! 5. Laß mich, Herr, in deinem Namen fröhlich nehmen Speis' und Trank; Güter, die von dir herkamen, fordern 6. Laß mich beugen meine Kniee nur zu deines Namens Ehr'! Hilf, daß ich mich stets bemühe, dich zu preisen mehr und mehr! Laß mein Bitten und mein Flehen doch im Himmel vor dir stehen! 7. Laß dieß sein ein Jahr der Gnaden; laß mich büßen meine Sünd'; hilf, daß sie mir nimmer schaden und ich bald Verzeihung find', Herr, in dir: die Sünde mir vergeben. nur du, mein Leben, kannst 8. Herr, du wollest Gnade geben, daß dieß Jahr mir heilig sei, und ich christlich tönne leben, sonder Trug und Heuchelei, daß ich noch allhier auf Erden fromm und selig möge werden! 9. Laß mich armen Sünder ziehen deinen Weg der Frömmigkeit, laß mich Stolz und Hoffahrt fliehen, laß mich beten jederzeit, laß mich Schand' und Unzucht meiden, laß mich willig Unglück leiden! 10. Jesu, richte mein Beginnen, Jesu, bleibe stets bei mir, Jesu, zähme mir die Sinnen, Jesu, sei nur mein Begier, Jesu, sei mir in Gedanken, Jesu, lasse nie mich wanken! 11. Jesu, laß mich fröhlich enden dieses angefang'ne Jahr; trage stets mich auf den Händen, halte bei mir in Gefahr; freudig will ich dich umfassen, wenn ich soll die Welt verlassen. 17* 260 Anhang: Neujahrslieder; am Epiphanienfeste. Segen zu allen unsern Wegen, Mel. Nun laßt uns Gott 2c. 59. Nun laßt uns geh'n laß Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen! treten treten mit Singen und mit Beten zum Herrn, der unserm Leben bis hierher Kraft gegeben! 12. Sei der Verlass'nen Vater, der Jrrenden Berather, der Unversorgten Gabe, der Armen Gut und Habe! 2. Wir geh'n dahin und wandern von einem Jahr zum andern, wir leben und gedeihen vom alten zu dem neuen, 13. Hilf gnädig allen Kranten, gib fröhliche Gedanken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schwermuth quälen! 3. Durch so viel Angst und Plagen, durch Zittern und durch Zagen, durch Krieg und große Schrecken, die alle Welt bedecken; 4. Denn wie von treuen Müttern in schweren Ungewittern die Kindlein hier auf Erden mit Fleiß bewahret werden: 5. Also auch und nicht minder läßt Gott ihm seine Kinder, wenn Noth und Trübsal bligen, in seinem Schooße fißen. nicht dein' Augen machen. 7. Gelobt sei deine Treue, die alle Morgen neue, Lob sei den starken Händen, die alles Herzleid wenden! 8. Laß ferner dich erbitten, o Vater! und bleib' mitten in unserm Kreuz und Leiden ein Brunnen unsrer Freuden! 9. Gib uns und allen denen, die sich von Herzen sehnen nach dir und deiner Hulde, ein Herz, das sich gedulde! 14. Und endlich, was das Meiste, füll' uns mit deinem Geiste, der uns hier zeitlich ziere und dort zum Himmel führe! Am Epiphanienfeste. 6. Ach, Hüter unsers Lebens! Mel. Ach, was soll ich Sünder zc. fürwahr es ist vergebens mit 68. Mer im Herzen will wo 10. Schließ zu die Jammerpforten, und laß an allen Orten, auf so viel Blutvergießen, die Freudenströme fließen! 11. Sprich deinen milden 15. Das Alles wollst du geben, o unsers Lebens Leben! die Christenheit bewahre in diesem neuen Jahre! Paul Gerhardt. darum bekümmert ist, daß der König Jesus Christ sich in ihm mög' offenbaren, der muß suchen in der Schrift, bis er diesen Schaß antrifft. 2. Er muß gehen mit den Weisen, bis der Morgenstern aufgeht, und im Herzen stille steht, so kann er sich selig preisen, weil des Herren Angesicht glänzt von Klarheit, Recht und Licht. 3. Denn wo Jesus ist ge boren, da erweiset sich gar bald seine göttliche Gestalt, die im Herzen war verloren; seine Klarheit spiegelt sich in der Seele kräftiglich. Anhang: Am Epiphanienfeste; Mariä Reinigung. 261 4. Alles Fragen, alles Sagen| anbeten, der nichts suchet auf soll von diesem Jesu sein, und der Welt, als was seinem von seinem Gnadenschein, dem Herrn gefällt. fie fort und fort nachjagen, bis die Seele in der That diesen Schaß gefunden hat. 11. Jesu, laß mich nichts auf Erden eifrig suchen, als allein, daß du mögest in mir sein, und ich dir mög' ähnlich werden in dem Leben dieser Zeit und in jener Ewigkeit! 5. Ach, wie weit sind die zurücke, die nur fragen in der Welt: Wo ist Reichthum, Gut und Geld? Wo ist Anseh'n bei dem Glücke? Wo ist Wollust, Ruhm und Ehr? und nach solcher Thorheit mehr. 12. So will ich mit allen Weisen, welche die verkehrte Welt höhnet und für Thoren hält, dich anbeten, rühmen, preisen, bis ich dich im obern Licht selig schau' von Angesicht. Joh. Flittner. 6. Ja, unselig sind die Herzen und in ihrem Wandel blind, die also beschaffen sind, daß sie diesen Schaß verscherzen, der in jeder Seelennoth ihnen hilft, ja selbst im Tod. 7. Auch heißt nicht nach Jesu fragen, wenn man nur zur Kirchen geht und in der Versammlung steht, oder eine Beicht' hersagen, und darauf zum Nachtmahl geh'n, meinend, dann sei g'nug gescheh'n. 8. Nein, wenn dieß in deinem Leben nach Gewohnheit nur geschieht, so ist's noch nicht ausgericht't; du mußt dich Gott ganz ergeben, und im Glauben Nacht und Tag dei nem Jesu folgen nach. 9. Denn so läßt er sich bald finden in dem Tempel, bei der Beicht', in dem Nachtmahl, und er zeigt, daß die vorbegangnen Sünden sind vergeben und sein Blut reinigt Seele, Geist und Muth. 10. Denn so fann man freudig treten zu dem Gnadenstuhl und Thron, und den König in der Kron' als ein treuer Knecht Am Feste Mariä Reinigung. In eigener Melodie. nun 73. Herr Gott, schließ den Himmel auf! Mein' Zeit zum End' sich neiget; ich hab' vollendet meinen Lauf, daß sich mein' Seel' erfreuet; hab' g'nug gelitten, mich müd' gestritten; schick' mich fein zur ew'gen Ruh', laß fahren, was auf Erden; will lieber selig werden! 2. Wie du mir, Herr, befohlen hast, hab' ich mit wahrem Glauben hier meinen Heiland aufgefaßt ins Herz, um dich zu schauen, hoff' zu bestehen, will frisch eingehen vom Thränenthal zum Freudensaal, laß fahren, was auf Erden; will lieber selig werden. 3. Laß mich nur, Herr, wie Simeon, im Frieden zu dir fahren! Befiehl mich Christo, deinem Sohn, der wird mich wohl bewahren, wird mich recht 262 führen, im Himmel zieren mit Ehr' und Kron', d'rauf wag' ich's schon, laß fahren, was auf Erden, will lieber selig werden! Tobias Kiel. Anhang: Am Feste Maria Verkündigung. Leiden führen ins wahre Freudenland. 6. Er wird auch Herr ge nennet, dem alles unterthan; wodurch man frei bekennet, daß er ohn' eitlen Wahn auch Gott sei nach dem Wesen, durch ihn bloß wir genesen auf unsrer Pilgerbahn. Am Feste Mariä Verkündigung. Mel. Herr Gott, nun sei zc. 7. Laßt uns zusammen tre* 79. Laßt uns mit Ernst ten, des Allerhöchsten Sohn in den anzubeten, denn ist ja die Kron' der Ehr' und Macht gegeben. Gib, Herr, nach diesem Leben auch uns den Gnaden- Lohn! Grund der Seligkeit, und überaus groß achten den, der uns hat befreit von Sünden, Tod und Höllen, der sterbend auch zu fällen den Satan war bereit. 2. Der Jesus ward genenVom Leiden und Sterben Christi. In eigener Melodie. net, als er empfangen iſt, der 88. Ein Lämmlein geht wird von daß er sei Jesus Christ, der uns macht frei von Sünden, und läßt die Seel' empfinden viel Trost zu jeder Frist. 3. Es sollte Christus heißen der Heiland aller Welt, und Satans Reich zerreißen, bald als ein tapf'rer Held der Höllen Macht zerstören, dadurch den Himmel mehren, und thun, was ihm gefällt. und trägt die Schuld der Welt und ihrer Kinder, es geht und träget in Geduld die Sünden aller Sünder; es geht dahin, wird matt und krank, folgt seinen Würgern ohne Zwang, begibt sich aller Freuden; es nimmt auf sich Schmach, Hohn und Spott, Angst, Wunden, Striemen, Kreuz und Tod, will Alles gerne leiden. 4. Es sollte Jesus wehren der Sünd' und Missethat, Gerechtigkeit bescheren und, als des Vaters Rath, in Sieg den Tod verschlingen, auch alles wiederbringen, was man verloren hat. 5. Von Gott ist ihm gegeben das Scepter in die Hand, sein Königreich daneben, daß er in solchem Stand uns geistlich soll regieren und durch sein 2. Das Lämmlein ist der große Freund und Heiland meiner Seelen; den, den hat Gott zum Sündenfeind und Sühner wollen wählen. Wunderlieb', o Liebesmacht, du kannst, was nie kein Mensch gedacht, Gott seinen Sohn abzwingen: o Liebe, Liebe, du bist stark, du streckest den in's Grab und Sarg, vor dem die Felsen springen! Anhang: Vom Leiden und Sterben Jesu Christi. 263 Hirte leidet für die Schafe, die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, für seine Knechte. 3. Mein Lebetage will ich| doch diese Strafe; der gute dich aus meinem Sinn nicht lassen; dich will ich stets, gleich wie du mich, mit Liebesarmen fassen; du sollst sein meines Herzens Licht, und wenn mein Herz im Tode bricht, sollst du mein Leben bleiben; ich will mich dir, mein höchster Ruhm, hiermit zu deinem Eigenthum beständiglich verschreiben. 4. Ich will von deiner Lieblichkeit bei Nacht und Tage singen, mich selbst auch dir zu aller Zeit zum Freudenopfer bringen. Mein Bach des Lebens soll sich dir und deinem Namen für und für in Dankbarkeit ergießen, und was du mir zu gut gethan, das will ich stets, so tief ich kann, in mein Gedächtniß schließen. Paul Gerhardt. In eigener Melodie. 90. Herzliebster Jeju, was hast du verbrochen, daß man ein solch scharf Urtheil hat gesprochen? Was ist die Schuld? In was für Missethaten bist du gerathen? 2. Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet, in's Angesicht geschlagen und verhöh5. Der Fromme stirbt, der recht und richtig wandelt, der Böse lebt, der wider Gott mißhandelt, der Mensch verwirkt den Tod und ist entgangen, Christ wird gefangen. 6. O große Lieb', o Lieb' ohn' alle Maße, die dich gebracht auf diese Marterstraße; ich lebte mit der Welt in Lust und Freuden, und du mußt leiden. 7. Ach, großer König, groß zu allen Zeiten, wie kann ich g'nugsam solche Treu' ausbreiten; wie kann ich dir doch deine Liebesthaten im Werk erstatten? 8. Noch gibt es etwas, das dir angenehme: wenn ich des Fleisches Lüste dämpf' und zähme, daß sie auf's neu mein Herze nicht entzünden mit alten Sünden. 9. Weil's aber nicht besteht in eignen Kräften, fest die Begierden an das Kreuz zu heften, so gib mir deinen Geist, der mich regiere, zum Guten führe! Johann Herrmann. du mit Essig und mit Gall' geträntet, an's Kreuz 93. eben, Jeju, meines Mel. Jesu, der du meine Seele zc. meines Lebens gehentet. 3. Was ist doch wohl die Todes Tod, der du dich für Ursach' solcher Plagen? Ach, mich gegeben in die tiefſte meine Sünden haben dich ge- Seelennoth, in das äußerste schlagen; ich, o Herr Jesu, ich Verderben, nur daß ich nicht hab' dieß verschuldet, was du möchte sterben: Tausend, tauerduldet. sendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 4. Wie wunderbarlich ist 264 Anhang: Vom Leiden und Sterben Jesu Christi. 2. Du, ach du hast ausgestanden Lästerreden, Spott und Hohn, Speichel, Schläge, Strick und Banden, du gerechter Gottessohn, nur mich Armen zu erretten von des Teufels Sündenketten! Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 3. Wunden ließest du dir schlagen, ohne Maßen littest du, um zu heilen meine Plagen, um zu sehen mich in Ruh'. Ach, du haft zu meinem Segen lassen dich mit Fluch belegen. Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 4. Man hat dich sehr hart verhöhnet, dich mit großem Schimpf belegt, gar mit Dornen dich gekrönet; was hat dich dazu bewegt? Daß du möchteſt* 95. W mich ergößen, mir die Ehrenkron' aufsetzen. Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu Dank dafür! 5. Du hast wollen sein geschlagen, mich zu lösen von der Pein, fälschlich lassen dich anklagen, daß ich könnte sicher sein; daß ich möchte trostreich prangen, hast du sonder Trost gehangen. Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 6. Du hast mich mit Schmach bedecket, haft gelitten mit Geduld, gar den herben Tod geschmecket, nur zu büßen meine Schuld; daß ich würde los gezählet, hast du wollen sein gequälet. Tausend, tausendmal sei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 7. Deine Demuth hat ge büßet meinen Stolz und Ueber muth, dein Tod meinen Tod versüßet, es kommt Alles mir zu gut; dein Verspotten, dein Verspeien muß zu Ehren mir gedeihen. Tausend, tausend mal fei dir, liebster Jesu, Dank dafür! 8. Nun ich danke dir von Herzen, Jesu, für gesammte Noth, für die Wunden, für die Schmerzen, für den herben, bittern Tod, für dein Zittern, für dein Zagen, für dein tausendfaches Plagen, für dein Ach und tiefe Pein will ich ewig dankbar sein. C. E. Homburg. In eigener Melodie. enn meine Sünd' mich fränken, o mein Herr Jesu Christ, so laß mich wohl bedenken, wie du gestorben bist und aller meiner Schulden Last am Stamm des Heil'gen Kreuzes auf dich ge nommen hast. 2. Wunder ohne Maßen, wer es betrachtet recht! s hat sich martern lassen der Herr für seinen Knecht; selbſt seinen eignen Sohn gab Gott für mich verlornen Menschen in Marter, Schmach und Tod. 3. Was kann mir denn nun schaden der Sünden große Zahl? Ich bin bei Gott in Gnaden; die Schuld ist allzumal getilgt durch Chrifti theu res Blut, daß ich nicht mehr darf fürchten der Hölle Qual und Glut. Anhang: Vom Leiden und Sterben Jesu Christi. 4. Drum fag' ich dir von Herzen jeßt und mein Lebenlang für deine Bein und Schmerzen, o Jesu, Lob und Dank, für deine Noth und Angstgeschrei, für dein unschuldig Sterben, für deine Lieb' und Treu'. 5. Herr, laß dein bittres Zeiden mich reizen für und für, mit allem Ernst zu meiden die sündliche Begier, daß mir nie komme aus dem Sinn, wie viel es dich gekostet, daß ich erlöset bin! 6. Mein Kreuz und meine und meine Plagen, sollt's auch sein Schmach und Spott, hilf mir geduldig tragen; gib, o mein Herr und Gott, daß ich verleugne diese Welt und folge dem Erempel, das du mir vorgestellt! 7. Laß mich an Andern üben, was du an mir gethan, und meinen Nächsten lieben, gern dienen Jedermann ohn' Eigennuß und Heuchelschein, und wie du mir erwiesen, aus reiner Lieb' allein! 8. Laß endlich deine Wunden mich trösten kräftiglich in meinen leßten Stunden und deß versichern mich: weil ich auf dein Verdienst nur trau', du werdest mich annehmen, daß ich dich ewig schau'. 265 deine Pein, die erlaubet meinem Herzen mit der Sünde nicht zu scherzen. bitt'rer Tod geben mir zu allen Stunden Trost in Leib's- und Seelennoth; fällt mir etwas Arges ein, denk' ich bald an 2. Will sich dann in Wollust weiden mein verderbtes Fleisch und Blut, so gedenk' ich an dein Leiden, bald wird Alles wieder gut; kommt der Satan und sett mir heftig zu, halt' ich ihm vor deine Gnad' und Gnadenzeichen, bald muß er von dannen weichen. 3. Will die Welt mein Herze führen auf die breite Wollustbahn, da nichts ist als jubiliren, alsdann schau' ich emsig an deiner Marter Centner- Laft, die du ausgestanden hast, so kann ich in Andacht bleiben, alle böse Zust vertreiben. 4. Ja, für alles, was mich fränket, geben deine Wunden Kraft; wenn mein Herz hinein fich senket, krieg' ich neuen Lebenssaft; deines Trostes Süßigkeit wendet mir das bitt're Leid, der du mir das Heil erworben, da du bist für mich gestorben. 5. Auf dich setz' ich all mein Hoffen, du bist meine Zuversicht. Dein Tod hat den Tod getroffen, daß er mich kann tödten nicht, daß ich an dir habe Theil, bringet mir Trost, Schuß und Heil, deine Gnade wird mir geben Auferstehung, Licht und Leben. Justus Gesenius. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele zc. Resu! 97. Jeful beine tiefen un Herzen, du Brunn aller Güich dich in meinem tigkeit! so empfind' ich keine Schmerzen auch im letzten Kampf und Streit. Ich verberge mich in dich, kein Feind 266 Anhang: Vom Leiden und Sterben Jesu Christi. fann verlegen mich; wer sich| Kreuz ist meine Liebe, weil legt in deine Wunden, der hat ich mich im Glauben übe. glücklich überwunden. Johann Hermann. 2. Der am Kreuz ist meine Liebe; Frevler, was befremdet dich, daß ich mich im Glauben übe? Jesus gab fich selbst für In eigner Melodie. * 103. Lamm Gottes! mich, so wird er mein Frie D am dens- Schild, aber auch mein Lebensbild. Der am Kreuz ist meine Liebe, weil ich mich 8 im Glauben übe. Stamm des Kreuzes g'schlachtet, allzeit erfunden geduldig, wiewohl du warest verachtet; all' Sünd' hast du getragen, sonst müßten wir verzagen. Erbarm dich unser, o Jesu, o Jesu! ( Vers 2 und 3 ebenso; letzterer schließt: gib uns dein'n Frieden, o Jesu!) Nic. Decius. In eigener Melodie. 104. C Gottes, der but du trägst die Sünde der Welt, erbarm' dich unser! hriste, du Lamm mich im Glauben übe. ( Vers 2 und 3 ebenso; letzterer schließt: gib uns dein'n Frieden! Amen!) Mel.3 Liebster Vater, ich dein 2c. 106. Maß mich diese LeiSa denszeit fruchtbarlich bedenken, und voll Andacht, Reu und Leid, mich darüber tränken; auch dein Leiden tröste mich bei so vielem Jammer, bis nach allem Leiden ich geh' zur Ruhekammer! 3. Der am Kreuz ist meine Liebe; Sünde, du bist mir verhaßt; weh' mir, wenn ich den betrübe, der für mich am Kreuz erblaßt! Kreuzigt' ich nicht Gottes Sohn? Trät' ich nicht sein Blut mit Hohn? Der am Kreuz ist meine Liebe, weil ich Me 1. Freu dich sehr, o meine Seele zc. 111. D er am Kreuz ist meine Liebe, meine Lieb' ist Jesus Christ! weg, ihr ar= gen Seelendiebe, Satan, Welt und Fleischeslüft'! Eure Lieb' ist gar der Tod. Der am 4. Der am Kreuz ist meine Liebe, was ist mir noch fürchterlich; Schweig, Gewissen, er, die Liebe, Jesus opfert sich für mich. Schaue, wie er blutend ringt mit der Sünd' und sie bezwingt! Der am Kreuz ist meine Liebe, weil ich mich im Glauben übe. 5. Der am Kreuz ist meine Liebe; d'rum, Tyranne, folt're, stoß; Hunger, Blöße, Hentershiebe, nichts macht mich von Jesu los; nicht Gewalt, nicht Gold, nicht Ruhm, Engel nicht, kein Fürstenthum. Der am Kreuz ist meine Liebe, weil ich mich im Glauben übe. 6. Der am Kreuz ist meine Liebe; komm', Tod, komm', mein bester Freund! wenn ich wie ein Staub zerftiebe, wird mein Jesus mir vereint; da, da schau' ich Gottes Lamm, 267 Anhang: Vom Leiden und Sterben Jesu Christi. meiner Seelen Bräutigam. Der| ich nun erkalte, in dir mein am Kreuz ist meine Liebe, weil Ende sei. ich mich im Glauben übe. Johann Menger. Mel. Ach Herr, mich armen Sünder zc. 6. Wann ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir; wann ich den Tod soll * 113. Haupt voll Blut leiden, so tritt du dann herfür; wann mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Aengsten kraft deiner Angst und Pein! und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn; o Haupt zum Spott gebunden mit einer Dornenkron', o Haupt, sonst schön gekrönet mit höchster Ehr' und Zier, jetzt aber höchst verhöhnet, gegrüßet seist du mir! 7. Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod, und laß mich seh'n dein Bilde in deiner Kreuzesnoth; da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl. 2. Was du, o Herr, erduldet, ist alles meine Last, ich hab' es selbst verschuldet, was du getragen hast! Schau' her, hier steh' ich Armer, der Zorn verdienet hat; gib mir, o mein Paul Gerhardt. Mel. In allen meinen Thaten 2c. Erbarmer, den Anblick deiner* 115. Welt, fieh' hier D Gnad'! 3. Erkenne mich, mein Hüter; mein Hirte, nimm mich an! von dir, Quell aller Güter, ist mir viel Gut's gethan, dein Mund hat mich gelabet mit süßer Gnadenkost, dein Geist hat mich begabet mit mancher Himmelslust. dein Leben am Stamm des Kreuzes schweben! dein Heil sinkt in den Tod; der große Fürst der Ehren läßt willig sich beschweren mit Schlägen, Hohn und großem Spott. 4. Es dient zu meinen Freuden und thut mir herzlich wohl, wenn ich in deinem Leiden, mein Heil, mich finden soll! Ach möcht' ich, o mein Leben, an deinem Kreuze hier mein Leben von mir geben, wie wohl geschähe mir! 2. Tritt' her und schau' mit Fleiße! mit blut'gem Todesschweiße ist ganz sein Leib erfüllt; aus seinem edlen Herzen, vor unerschöpften Schmerzen, ein Seufzer nach dem andern quillt. 5. Ich danke dir von Herzen, o Jesu, liebster Freund, für deine Todesschmerzen, da du's so gut gemeint. Ach gib, daß ich mich halte zu dir und deiner Treu', und wann 3. Wer hat dich so geschlagen, mein Heil, und dich mit Plagen so übel zugericht't? du bist ja nicht ein Sünder, wie wir und uns're Kinder, von Ulebelthaten weißt du nicht. 4. Jch, ich und meine Sünden, die sich wie Körnlein finden des Sandes an dem 268 Anhang: Vom Leiden und Sterben Jesu Christi. Meer, die haben dir erreget| schlagen mit dir, und dem abdas Elend, das dich schläget, sagen, was meinem Fleisch ge und deiner Martern ganzes fällt; was deine Augen hassen, Heer. das will ich fliehn und lassen, gefiel es auch der ganzen Welt. 5. Du setzest dich zum Bürgen, ja läsfest dich erwürgen für mich und meine Schuld. Für mich läff'st du dich krönen mit Dornen, die dich höhnen, und leidest alles mit Geduld. 12. Es ström' aus deinen Wunden in meinen letzten Stunden mir Trost und Frie den zu; nimm mich an meinem Ende, o Herr! in deine Hände, s und führe mich zur ew'gen Ruh'! Paul Gerhardt. 6. Jch bin, mein Heil, verbunden all' Augenblick und Stunden dir überhoch und sehr. Was Leib und Seel' vermöMel. Wer nur den lieben Gott 2c. gen, das soll ich billig legen* 116. Mein Jesus ftirbt, an Ehr'. 7. Nun, ich kann nicht viel geben in diesem armen Leben, eins aber will ich thun: es soll dein Tod und Leiden, bis Leib und Seele scheiden, mir stets in meinem Herzen ruh'n. 8. Ich will's vor Augen sezen, mich stets daran ergößen, ich sei auch, wo ich sei. Es soll mir sein ein Spiegel der Unschuld und ein Siegel der Lieb' und unverfälschten Treu'. 9. Ich will dabei bedenken, wie ich mein Herz foll lenken zu stillem, sanstem Muth, und wie ich die soll lieben, die mich doch sehr betrüben mit Werken, so die Bosheit thut. 10. Wenn böse Zungen stechen, mir Glimpf und Namen brechen, so will ich zähmen mich; das Unrecht will ich dulden, dem Nächsten seine Schulden verzeihen gern und williglich. 11. Ich will an's Kreuz mich soll Leben? Mein Haupt erblaßt, wo bleibt sein Glied? Ach! soll ich ihm den Geist nicht geben, da jetzt sein Geist von dannen zieht? Ach ja, ich sterbe nur mit dir, mein Jesu, lebe du in mir! 2. Mein Jesus stirbt, die Augen brechen, ach! nimm den letzten Blick von mir; sein Mund verstummt, was soll ich sprechen? Mein letztes Wort ist Jesus hier. Ach! Jesu, Jesu, laß mich nicht, wenn mir der Tod das Herze bricht! 3. Mein Jesus neigt sein Haupt auf Erden; Welt, gute Nacht, ich scheide mit; soll er ein Raub des Todes werden, was scheu' ich dann den letzten Tritt? Jch küsse seinen blassen Mund, er stirbt, so sterb' ich auch jegund. 4. Mein Jesus wird ins Grab versenket, o legt ihn in mein Herze hin, und, daß man immer dran gedentet, daß ich mit ihm gestorben bin, so Anhang: Vom Leiden und Sterben Jeſu Christi. 269 7. Laß dein Herz mir offen steh'n, öffne deiner Wunden Thüre; da hinein will ich stets geh'n, wenn ich Kreuz und Me 1. Meinen Jesum laß ich zc. 120. Seele, geb' auf Gol: Noth verſpüre, wie ein Hirſch nach bis du erquicken wirst. gatha, dich unter Jesu Kreuze, und bedenke, was dich da für ein Trieb zur Buße reize. Willst du unempfindlich sein? o so bist du mehr als Stein. 8. Kreuzige mein Fleisch und Blut, lehre mich die Welt verschmähen, laß mich dich, du höchstes Gut, immer vor den Augen sehen; führ' in allem Kreuze mich wunderlich, nur seliglich! feßt mir diese Grabschrift bei, daß Jesu Tod auch mein Tod ſei! Benjamin Schmolke. 2. Schaue doch das Jammerbild zwischen Erd' und Himmel hangen, wie das Blut mit Strömen quillt, daß ihm alle Kraft entgangen. Ach, der übergroßen Noth! es ist gar mein Jesus todt. 3. D Lamm Gottes ohne Schuld! alles das hab' ich verschuldet, und du hast aus großer Huld Bein und Tod für mich erduldet; daß ich nicht verloren bin, gibst du dich ans Kreuze hin. Von der Auferstehung Jesu Christi. Mel. Jesu, der du meine Seele zc. 4. Unbeflecktes Gottes- Lamm! ich verehre deine Liebe; schaue* 131. Weg mit Schmerz von wie ich mich um dich betrübe! dein im Blute wallend Herz sebzet mich in tausend Schmerz. 5. Ich kann nimmer- nimmermehr diese Plagen dir vergelten, du verbindest mich zu sehr; schenkt' ich dir gleich tausend Welten; ach! das wäre nicht genung nur für deinen Gallen- Trunk. Endlich laß mich meine Noth auch geduldig überwinden; nirgends sonst wird mich der Tod als in deinen Wunden finden; wer sich hier sein Bette macht, spricht zuletzt: Es ist vollbracht! Benjamin Schmolke. 6. Nun ich weiß noch was für dich, ich will dir mein Herze geben, dieses soll beständiglich unter deinem Herzen leben; wie du mein, so will ich dein lebend, leidend, sterbend sein. den! Jesus lebt und herrschet nu; lauter Leben, lauter Freude bringt uns sein Erstehen zu. Gott hat uns den Sieg gegeben, den uns Christi Tod erwirbt, und ich weiß, ich werde leben, weil nun Christus nicht mehr stirbt. 2. Sein Tod läsfet uns erkennen, wie er bis an's End' geliebt; wer kann größ're Liebe nennen, als die Jesus ausgeübt? Liebe läffet er uns sehen, da er unsre Gräber weiht, Liebe bei dem Auferstehen, Liebe voller Herrlichkeit. 270 Anhang: Von der Auferstehung Jesu Christi. 3. Jesus ist nun auferstan-| vergnüget; denn meine Bürge den; mich erschrecket keine Gruft, fömmet los, der für mich im weil mich aus des Todes Ban- Grabe lieget. Aller Zorn ist den dieser Ueberwinder ruft. abgelehnt, und der Mensch mit Konnt' das Grab ihn nicht ver- Gott versöhnt. schließen, war der Riegel ihm zu schwach; muß auch ich des Siegs genießen, denn mein Jesus holt mich nach. 4. Sein Mundsaget mir: ich lebe, und ihr sollt auch lebend sein; dieß ist's, dem ich Glauben gebe, mein Herz schließt die Worte ein; es will solche feste fassen, und verlachet Tod und Grab; wenn es soll das Leben lassen, scheidet es mit solchen ab. 5. So leb' ich denn Gott ergeben und fahr' auch mit ihm dahin, Christus heißt und ist mein Leben und das Sterben mein Gewinn. Dieser Troft muß ewig bleiben: Jesus siegt und liebet mich; ich will in mein Herze schreiben: Jesus lebet und auch ich. Nacht der Furcht vertrieben; Christus, der begraben lag, ist im Tode nicht geblieben. Nunmehr bin ich recht getröst't; Jesus hat die Welt erlöst. 2. Nunmehr ist er Gottes Sohn, und hat dieses klar erwiesen. Allen Feinden auch zu Hohn sei er dafür hoch gepriesen; denn es kömmet in der That, was sein Mund geredet hat. 4. Sterben war der Sünden Sold; nun ist Christus unser Leben, der für mich nicht Geld nicht Gold, sondern sich hat selbst gegeben. Und sein Auferstehen macht, daß ich jetzt kein Sterben acht'. 3. Uns're Schulden sind wohl groß, aber doch ist Gott 5. Sterbe, was da sterben tann, Jesum werd' ich doch behalten; darum liegt mir wenig d'ran, ob die Meinen auch erkalten; wenn man alle Welt begräbt, weiß ich doch, daß Jesus lebt. 6. Ja, wenn Gott mich selber ruft, daß ich werde sollen sterben, fürcht' ich mich vor keiner Gruft, ich will doch den Him mel erben. Denn mein Simson hat bei Nacht Grab und Himmel aufgemacht. Mel. Meinen Jesum laß ich zc. 136. Auf, mein Herz! des deſſen Herz an meinem klebt, die von mir trennen. Darum hat es keine Noth, weil nun Jesus nicht mehr todt. 8. Tod, wo ist nun deine Kraft? Hölle, wo sind deine Retten? Hier ist Gott, der Hilfe schafft; hier ist einer, der kann retten, wenn gleich unser Fleisch und Bein lange wird verweset sein. 7. Dieser Erstgeborne lebt, den wir alle Bruder nennen, 9. Herr, dies glaub' ich dir zum Ruhm, und mein Trost ist nicht vergebens; denn ich bin dein Eigenthum, gleichwie Anhang: Von der Auferstehung Jesu Christi. du mein Fürst des Lebens. Dir auch sei viel Dank bereit jehund und in Ewigkeit! Caspar Neumann. mel. Valet will ich dir zc. 137. ch geh' zu deinem Grabe, bu großer Ofterfürst, weil ich die Hoffnung habe, daß du mir zeigen wirst, wie man kann fröhlich sterben und fröhlich aufersteh'n, auch mit des Himmels Erben in's Land des Lebens geh'n. 2. Du liegest in der Erde und hast sie eingeweiht, wenn ich begraben werde, daß sich mein Herz nicht scheut, auch in den Staub zu legen, was Asch' und Staub vermehrt, weil dir doch allerwegen die Erde zugehört. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 3. Du schläfest in dem Grabe, 140. Mp ich sterben? ein Jesus was an daß ich auch meine Ruh' diesem Orte habe, du drückst die Augen zu; so soll mir gar nicht grauen, wenn mein Gesicht vergeht, ich werde den wohl schauen, der mir zur Seiten steht. 4. Dein Grab schließt Stein und Siegel, und dennoch bist du frei, auch meines Grabes Riegel bricht einst dein Arm entzwei. Du wirst den Stein schon rücken, der auch mein Grab bedeckt, da werd' ich den erblicken, der mich vom Tode wedt. 271 lauter Kronen in deiner Hand auf mich. 6. O meines Lebens Leben, o meines Todes Tod, ich will mich dir ergeben in meiner Legten Noth. Ich will mein Bette machen in deiner Liebe Gruft, da werd' ich schon erwachen, wenn deine Stimme ruft. 7. Du wirst den Delberg zeigen, wo man gen Himmel fährt, da will ich fröhlich steigen, bis daß ich eingekehrt in Salem's Friedenhäuser, da heißt's: Halleluja! Da trägt man Siegesreißer; ach! wär' ich nur schon da! Benjamin Schmolke. 5. Du fährest in die Höhe und zeigest mir die Bahn, wohin ich endlich gehe, da ich dich finden kann. Dort ist es ficher wohnen, wo lauter Glanz um dich, da warten soll hier steht mein Haupt und triumphirt; so muß ich ja das Leben erben, weil Noth und Tod die Macht verliert; weg Traurigkeit! Bergnügen her! mein Jesus lebt, das Grab ist leer. 2. Mein Jesus siegt, d'rum liegt zu Füßen, was mir das Leben rauben kann; der Tod muß nun die Erde küssen, mir wird der Satan unterthan; der Höllen- Abgrund selbsten lebt, denn überall schallt's: Jesus lebt. 3. Mein Jesus lebt, das Grab ist offen, so geh' ich freudig in die Gruft; hier kann ich auch im Tode hoffen, daß mich sein Wort in's Leben ruft; wie süße schallt die 272 Stimme hier: Ich leb' und ihr lebt auch mit mir. 4. Mein Jesus bleibt also mein Leben, er lebt in meinem Herzen hier, und soll ich ihm das Leben geben, tömmt mir mein Tod nicht schrecklich vor, weil er mich in den Himmel hebt, so wahr als Jesus ist und lebt. Benjamin Schmolke. Anhang: Von der Auferstehung Jesu Christi. In eigener Melodie. Resus, meine Zuver7. Seid getroft und hocherfreut! Jesus trägt euch, seine Glieder. Gebt nicht Statt der 141. ihr, Jeſus ruft euch wieder, wenn einst die Posaun' erklingt, die durch alle Gräber dringt. 8. Lacht der finstern Erdentluft! lacht des Todes und der Höllen; denn ihr sollt euch aus der Gruft eurem Heiland zugesellen. Dann wird Schwachheit und Verdruß liegen unter eurem Fuß. 9. Nur daß ihr den Geist erhebt von den Lüsten dieser Erden, und euch dem schon jetzt ergebt, dem ihr beigefügt wollt werden. wollt werden. Schickt das Herze dahinein, wo ihr ewig wünscht zu sein! Louise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg. 4. Ich bin Fleisch und muß Mel. Erschienen ist der herrl'che zc. daher auch einmal zu Asche* 143. Wo willst du hin Abend doch wird er mich erwecken aus der Erden, daß ich in der Herrlichkeit bei ihm sein mög' allezeit. land, ist im Leben! dieses weiß ich; sollt' ich nicht darum mich zufrieden geben, was die lange Todesnacht mir auch für Gedanken macht? 2. Jesus, er mein Heiland lebt! ich werd' auch das Leben schauen, sein, wo mein Erlöser schwebt, warum sollte mir denn grauen; lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht? 3. Ich bin durch der Hoff nung Band zu genau mit ihm verbunden, meine starke Glaubenshand wird in ihn gelegt befunden, daß mich auch kein Todesbann ewig von ihm trennen kann. ner Liebe brennen. Nur die Schwachheit um und an wird von mir sein abgethan. 5. Dann werd' ich im hellern Licht Jesum, meinen Heiland, kennen; ich, ich selbst, ein Fremder nicht, werd' in sei6. Was hier kranket, seufzt und fleht, wird dort frisch und herrlich gehen. Jrdisch werd' ich ausgesä't, himmlisch werd' ich aufersteh'n; hier geh' ich natürlich ein, dort, da werd' ich geistlich sein. ist, o liebster Pilgrim, Jesus Christ? komm', laß mich so glückselig sein, und kehr' in meinem Herzen ein! Gelobt sei Gott! 2. Laß dich erbitten, liebster Freund, dieweil es ist so gut gemeint; du weißt, daß du Anhang: Von der Auferstehung Jesu Christi. 273 zu aller Frist ein herzenslieber| was uns dein Tod erworben, Gaft mir bist. Gelobt sei Gott! das stell' uns täglich vor! 3. Es hat der Tag sich sehr geneigt, die Nacht sich schon von ferne zeigt, drum wollest du, o wahres Licht! mich Armen ja verlassen nicht! Gelobt sei Gott! 4. Erleuchte mich, daß ich die Bahn zum Himmel ficher finden kann, damit die dunkle Sünden- Nacht mich nicht verführ', noch irre macht! Gelobt fei Gott! 5. Vor allem aus der letzten Noth hilf mir durch einen sanften Tod! Herr Jesu bleib, ich halt' dich fest, ich weiß, daß du mich nicht verläßt. Gelobt sei Gott! Mel. Christus der ist mein 2c. 148. illkommen, Held im Streite, aus deiner Grabeskluft! wir triumphiren heute um deine leere Gruft. 2. In der Gerechten Hütten schallt schon das Siegeslied, du trittst selbst in die Mitten und bringst den Ofterfried'. 3. Ach! theile doch die Beute mit deinen Gliedern aus, wir alle kommen heute deswegen in dein Haus. 4. Schwing' deine Siegesfahne auch über unser Herz, und zeig' uns einst die Bahne vom Grabe himmelwärts! 5. Laß unser aller Sünden in's Grab versenket sein, und einen Schaß hier finden, der ewig kann erfreu'n! 6. Wir sind mit dir gestorben, so leben wir mit dir; 7. Wir wollen hier ganz fröhlich mit dir zu Grabe geh'n, wenn wir nur dorten selig mit dir auch aufersteh'n. 8. Der Tod kann uns nicht schaden, sein Pfeil ist nunmehr stumpf, wir steh'n bei Gott in Gnaden, und rufen schon Triumph. Benjamin Schmolke. Von der Himmelfahrt Jesu Christi. Mel. Werde munter, mein 2c. err, auf Erden * 154. muß ich leiden, He und und bin voller Angst Weh, warum willst du von mir scheiden? warum fährst du in die Höh'? nimm mich Armen auch mit dir, oder bleibe doch in mir, daß ich dich und deine Gaben möge täglich bei mir haben! 2. Laß dein Herze mir zurücke, und nimm meines mit hinauf; wenn ich Seufzer zu dir schicke, mache selbst den Himmel auf, und so ich nicht beten kann, rede du den Vater an, denn du sit'st zu seiner Rechten, darum hilf uns, deinen Knechten! 3. Zeuch die Sinnen von der Erde über alles Eitle hin, daß ich mit dir himmlisch werde, ob ich gleich noch sterblich bin, und im Glauben meine Zeit richte nach der Ewigkeit, bis wir auch zu dir gelangen, wo du bist vorangegangen! 4. Dir ist alles übergeben, nimm dich auch der Deinen an, 18 274 Anhang: Von der Himmelfahrt Jesu Christi. hilf mir, daß ich chriftlich leben| ben. Bringe, zwinge mein und dir heilig dienen kann! Gemüthe, mein Geblüte, daß Kömmt der Satan wider mich, es preise, dir Lob, Ehr' und ach! so wirf ihn unter dich, zu Dank erweise! dem Schemel deiner Füße, daß er ewig schweigen müsse! 4. Zieh', Jesu, uns, zieh' uns nach dir, hilf, daß wir | künftig für und für nach deinem Reiche trachten; laß unser Thun und Wandel sein, daß wir mit Demuth geh'n herein, all' Ueppigkeit verachten; Unart, Hoffart laß uns meiden, christ lich leiden, wohl ergründen, wo die Gnade sei zu finden! 5. Sei, Jesu, unser Schuß und Schatz, sei unser Ruhm Mel. Wie schön leuchtet der 2c. 156. Ah, wundergroßer und fester Blaß, darauf wir uns verlassen; laß suchen uns, was droben ist; auf Erden wohnet Trug und List; es ist auf allen Straßen Lügen, Trügen, Angst und Plagen, die da nagen, die da quälen stündlich arme Christenseelen. 6. Herr Jesu! komm, du Gnadenthron, du Siegesfürst, Held, Davids Sohn, komm, ftille das Verlangen! Du, du bist allen uns zu gut, o Jesu, durch dein theures Blut in's Heiligthum gegangen. Komm schier, hilf mir; denn so sollen, denn so wollen wir ohn' Ende fröhlich klopfen in die Hände. E. C. Homburg. 5. Meine Wohnung mache fertig droben in des Vaters Haus, da ich werde gegenwärtig bei dir gehen ein und aus; denn der Weg dahin bist du, darum bringe mich zur Ruh', und nimm an dem letzten Ende meinen Geist in deine Hände! Sündenträger aller Welt! heut' hast du dich geseßet zur Rechten deines Vaters Kraft, der Feinde Schaar gebracht zur Haft, bis auf den Tod verleget; mächtig, prächtig triumphirest, jubilirest; Tod und Leben ist, Herr Christ, dir untergeben. 2. Dir dienen alle Cherubim, viel Tausend hohe Seraphim dich Siegesfürsten loben, weil du den Segen wiederbracht, mit Majestät und großer Macht zur Freude bist erhoben. Singet, flinget, rühmt und ehret den, der fähret auf gen Himmel, mit Posaunen und Getümmel! Pfingstlieder. 3. Du bist das Haupt, hingegen wir sind Glieder; ja es In eigner Melodie. kömmt von dir auf uns licht, 157. mm, heiliger Geit Troft und Fried' und Freude, Stärk' und Kraft, Erquickung, Labsal, Herzenssaft wird uns von dir gege= erfüll' Herzen deiner Gläubigen, und ent zünde in ihnen das Feu'r deiner göttlichen Liebe, der du Anhang: Pfingstlieder. durch Mannichfaltigkeit der Zungen die Völker der ganzen Welt versammelt hast in Einigkeit des Glaubens! Halleluja! Halleluja! Martin Luther. In eigener Melodie. Domm, heiliger Geist, Herre Gott, erfüll' mit deiner Gnaden Gut deiner Gläubigen Herz, Muth und Sinn, dein' brünstig Lieb' entzünd' in ihn'n! O Herr, durch deines Lichtes Glanz zu dem Glauben versammelt hast das Volk aus aller Welt Zungen, das sei dir, Herr, zu Lob gesungen! Halleluja! Halleluja! * 158. Kom 2. Du heiliges Licht, edler Hort, laß uns leuchten des Lebens Wort, und lehr' uns Gott recht erkennen, von Herzen Vater ihn nennen! Herr, behüt' vor fremder Lehr', daß wir nicht Meister suchen mehr denn Jesum mit rechtem Glauben, und ihm aus ganzer Macht vertrauen! Halleluja, Halleluja! 3. Du heilige Brunst, süßer Trost, nun hilf uns fröhlich und getroft in deinem Dienst beständig bleiben, daß Trübsal' uns nicht abtreiben! O Herr, durch dein' Kraft uns bereit, und stärk' des Fleisches Blödigkeit, daß wir hier ritterlich ringen, durch Tod und Leben zu dir dringen! Halleluja, Halleluja. M. Luther. 275 um den rechten Glauben allermeist, daß er uns behüte an unser'm Ende, wenn wir heimfahren aus diesem Elende. Erbarm' dich, Herr! * 160. Nu heiligen Geift 2. Du werthes Licht, gib uns deinen Schein, lehr' uns Jesum Chrift kennen allein, daß wir an ihm bleiben, dem treuen Heiland, der uns gebracht zum rechten Vaterland! Erbarm' dich, Herr! 3. Du süße Lieb', schenk uns deine Gunst, laß uns empfinden der Liebe Brunſt, daß wir uns von Herzen einander lieben, und in Frieden auf Einem Sinn bleiben! Erbarm' dich, Herr! 4. Du höchster Tröster in aller Noth, hilf, daß wir nicht fürchten Schand' noch Tod, daß in uns die Sinne nicht verzagen, wenn der Feind wird das Leben verklagen! Erbarm' dich, Herr! Martin Luther. Me L. Wie schön leuchtet der 2c. 164. beiger Geift, uns ein, und laß uns deine Wohnung sein, o komm, du Herzenssonne! Du Himmelslicht! laß deinen Schein bei uns und in uns kräftig sein zu steter Freud' und Bonne, daß wir in dir recht zu leben uns begeben und mit Beten oft deshalben vor dich treten! 2. Gib Kraft und Nachdruck deinem Wort, laß es wie Feuer In eigener Melodie. immerfort in unsern Herzen un bitten wir den brennen, daß wir Gott Vater, heiligen Geist seinen Sohn, dich, beider Geist 18 276 Anhang: Pfingstlieder. wollest du erhalten! in Einem Thron, für wahren| Liebe müsse walten; Freude Gott bekennen! Bleibe, treibe und behüte das Gemüthe, daß wir gläuben und im Glauben standhaft bleiben! 7. Gib, daß in reiner Heiligkeit wir führen unsre Lebenszeit; sei uns'res Geistes Stärke, daß uns forthin sei wohl bewußt, wie eitel sei des Fleisches Luft und seine Sündenwerke! Nühre, führe unsre | Sinnen und Beginnen von der Erden, bis wir Himmelserben werden! M. Schirmer. 3. Du Quell', d'raus alle Weisheit fließt, die sich in fromme Seelen gießt, laß deinen Trost uns hören, daß wir in Glaubens- Einigkeit auch Andern in der Christenheit dein wahres Zeugniß lehren! Höre, lehre, Herz und Sinnen zu gewinnen, dich zu Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. preisen, Gut's den Nächsten zu 166. eines Weſen, das O großer Gott, du erweisen! 4. Steh' uns stets bei mit deinem Rath, und führ' uns selbst den rechten Pfad, die wir den Weg nicht wissen! Gib uns Beständigkeit, daß wir getreu dir bleiben für und für, auch wenn wir leiden müssen! Schaue, baue, was zerrissen und beflissen, dir zu trauen und auf dich allein zu bauen! du die reinen Herzen dir zur steten Wohnung außerlesen, ach schaff' ein reines Herz in mir, ein Herz, das von der argen Welt sich rein und unbefleckt behält! 5. Laß uns dein' edle Balsamkraft empfinden und zur Ritterschaft dadurch gestärket werden, auf daß wir unter deinem Schuß begegnen aller Feinde Truß, so lang' wir sind auf Erden! Laß dich reichlich auf uns nieder, daß wir wieder Trost empfinden, alles Unglück überwinden! 6. Du süßer Himmelsthau, laß dich in unsre Herzen kräftiglich, und schenk' uns deine Liebe, daß unser Sinn verbunden fei dem Nächsten stets mit Liebe treu und sich darinnen übe! Rein Neid, kein Streit dich betrübe; Fried' und 2. Vor Allem mache mein Gemüthe durch ungefärbte Buße rein, und laß es, Herr! durch deine Güte und Christi Blut gewaschen sein! Dann mache mich zur Reinigkeit des Lebens fertig und bereit! 3. Regiere mich mit deinem Geiste, der mein getreuer Bei stand sei, und mir erwünschte Hilfe leiste; Gott, stehe mir aus Gnaden bei, und gib mir einen solchen Geift, der neu, gewiß und willig heißt! 4. Doch, weil ich meine Schwachheit merke, mein Vater, so verwirf mich nicht, und stoß' mich wegen meiner Werke ja nicht von deinem Angesicht! Laß mich hier in der Gnade steh'n und dort in deinen Himmel geh'n! Anhang: Pfingstlieder. 5. Nimm deinen Geist, den Geist der Liebe, ja nun und nimmermehr von mir! und leite mich durch seine Triebe, durch seinen Beistand für und für, ach, führe du mich durch die Zeit hin zu der reinen Ewigkeit! Joh. Dlearius. Mel. Jesu, der du meine Seele zc. 167. Gnaben- Seift, ach sein! willkommen, zieh' in uns're Herzen ein, da du wohl wirst aufgenommen, weil wir Trost bedürftig sein; tröste diese schwachen Glieder; löse, was gebunden, wieder; lenke, was da irrig heißt, o du sanfter Gnadengeist! 2. Zwar kein Mensch lebt auf der Erden, der des Geistes Gaben werth; soll'n die dem gegeben werden, der mit Sünden sich beschwert? Alles liegt an Christi Gnaden, denn der heilt der Seelen Schaden, der hat uns auch zugesandt Gottes Geist, das theure Pfand. 277 deines Trostes Kraft, der uns Todten Leben schafft. 5. Treuer Beistand unsrer Seelen, Stifter wahrer Einigfeit! wenn uns unsre Sünden quälen, so gib du zufriedenheit, daß wir in dir Ruhe finden, steu're du den Unglückswinden; brich hervor, du Gnadenschein, daß wir in dir selig 3. Ach! wir waren wilde Reben, gänzlich aus der Art gebracht. Tod und Fluch war unser Leben. Nun ist alles gut gemacht; was uns Sünder, was die Schwachen kann gerecht und selig machen, gibt uns in der Tauf der Geist, der der Geist der Gnaden heißt. 4. Nun, du Brunnquell aller Güter! Friedensgeift, du Le benswind! ach! besänft'ge die Gemüther, daß dein Licht sich d'rin entzünd', daß wir Sünder, daß wir Armen recht durch deine Huld erwarmen, schmecken 6. Wie ein Hirsch nach Wasser schreiet, wenn ihn Durst und Hiße plagt; so wird auch mein Herz erfreuet, wenn mich mein Gewissen nagt. Gnadengeist, ach! laß dich finden, komm, mit mir dich zu verbinden, daß ich jetzt und allezeit deinen Ruhm und Lob ausbreit'! P. Prätorius. Mel. Von Gott will ich nicht zc. * 168. 3 zu deinen Thoren, sei meines Herzens Gast, der du, da ich geboren, mich neu geboren hast! O hochgeliebter Geist des Vaters und des Sohnes, mit beiden gleichen Thrones, mit beiden gleich ge preist! 2. Zeuch ein, laß mich empfinden und schmecken deine Kraft, die Kraft, die uns von Sünden Hilf und Errettung schafft, entsünd' ge meinen Sinn, daß ich mit reinem Geiste die Ehr' und Dienste leiste, die ich dir schuldig bin! 3. Du bist ein Geist, der lehret, wie man recht beten soll; dein Beten wird erhöret, dein Singen klinget wohl; es steigt zum Himmel an, hält EPPER 278 Anhang: Pfingstlieder.-Trinitatisfeft.- Johannisfeft. an in Jesu Namen und bringt von dem ein Amen, der allen helfen kann. 4. Du bist ein Geist der Freuden, das Trauern liebst du nicht, erleuchtest uns in Leiden mit deines Trostes Licht; ach ja, wie manches Mal hast| Vater- Haus! Paul Gerhard. du mit süßen Worten mir auf gethan die Pforten zum güldnen Freudensaal! 7. Beschirm' die Obrigkeiten, bau' unsers Fürsten Thron, gib Glück zu unsern Zeiten: schmück' als mit einer Kron' die Alten mit Verstand, mit Frömmigkeit die Jugend, mit Gottesfurcht und Tugend das Volk im ganzen Land. 8. Erfülle die Gemüther mit reiner Glaubenszier, die Häuser und die Güter mit Segen für und für; vertreib' den bösen Geist, der dir sich widersetzet und, was dein Herz ergößet, aus unserm Herzen reißt! 9. Richt' unser ganzes Leben allzeit nach deinem Sinn, und wenn wir's sollen geben in Todes Hände hin, ist's hier dann mit uns aus, so hilf uns fröhlich sterben, und nach dem Tod ererben das ew'ge Am Trinitatisfeste. Siehe 191. 195. 197. 198. 199. 5. Du bist ein Geist der Liebe, ein Freund der Freundlichkeit, willst nicht, daß uns betrübe Zorn, Zank, Haß, Neid und der Am Johannisfeste. In eigener Melodie. biſt du feind, willſt, daß durch* 176. ewig loben, ich J ich will Herren Liebesflammen sich wieder thun zusammen, die voller Zwietracht sind. 6. Du, Herr, haft selbst in Händen die ganze weite Welt, fannst Menschenherzen wenden, wie dir es wohlgefällt; so gib doch deine Gnad' zu Fried' und Liebesbanden, verknüpf in allen Landen, was sich getrennet hat! will ihn preisen Tag und Nacht, denn seine Güt' ist hoch erhoben, der Herr hat selbst an uns gedacht. Er hat vom Himmel angesehen die, welche in der Frre gehen. O hochgepries'ner Gottesrath, der uns vom Fluch erlöset hat! 2. Er hat ein kräftig Reich gegründet, ein Horn des Heils, das seine Stärk' allein in dem Gesalbten findet, o wundergroßes Gnadenwerk! Aus Davids Haus ist dieser kommen, wie das versprochen war den Frommen, und der Propheten treuer Mund uns vor der Zeit gemachet fund. 3. Nun hat der Herr uns siegen lassen, er hat gedämpft der Feinde List und aller derer, die uns hassen; er macht uns frei zu dieser Frist, er findet wieder, was verloren, wie er den Vätern längst geschworen; auch seines Bund's hat er Anhang: Am Johannisfeste. gedacht, den er mit Abraham gemacht. 4. Dieweil uns aber ist erschienen die lang gewünschte Gnadenzeit, so lasset uns dem Herren dienen in Demuth und Gerechtigkeit! Da soll nun teiner sich beflecken, ja teine Furcht soll uns erschrecken; ein jeder schaff' in dieser Welt sein Leben lang, was Gott gefällt! 5. Und du, mein Kindlein, wirst genennet des Höchsten Seher und Prophet, ein Kind, das den Gesalbten kennet; ein Kind, das vor dem Herrn hergeht; ein Kind, das ihm den Weg bereitet, und seines Namens Chr' ausbreitet; ein Kind, das nach des Höchsten Rath wird strafen Sünd' und Misfethat. 6. Dein süßer Mund, der wird uns lehren, wie man durch wahre Buß' und Neu' allein zu Gott sich müsse kehren, und wo dann die Vergebung sei; auch daß die Gnad' und Rettung stehe nur bei dem Anfang aus der Höhe, der uns erschienen in der Zeit mit herzlicher Barmherzigkeit. 7. Das Volk, das ganz im Finstern lebte und seinen Schöpfer kannte nicht; das Volk, das nur im Schatten schwebte, das siehet jetzt ein großes Licht; ein schöner Glanz ist aufgegangen, der Väter Hoffnung und Verlangen; Nun wird man uns're Füße seh'n den fichern Weg des Friedens geh'n. Am Feste Mariä Heimsuchung. 279 Am Feste Mariä Heimsuchung. * 179. Me Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele zc. Feine Seele rühmt und preiset, und mein Geist ist hoch erfreut über das, was Gott erweiset, was mein Heiland mir bereit't; es erhebet mein Gemüth seine unermeß'ne Güt', und ihm sollen Herz und Sinnen einen Lobgesang beginnen. 2. Er hat übergroße Dinge mir erwiesen und gethan; ich war elend und geringe, und er sah mich gnädig an, daß er seines Namens Ehr' bei uns heil'ge und vermehr'; immer und zu allen Zeiten ist er gnädig frommen Leuten. 3. Stolzer Hochmuth nicht bestehet, wenn er seine Macht ausübt; der vermess'ne Geist vergehet, nur was niedrig, ihm beliebt. Demuth hebt er auf den Stuhl, Hoffahrt stürzt er in den Pfuhl; böser Reichthum muß verschwinden und die Armuth Nahrung finden. 4. Er gedenket seiner Treue und hilft seiner Christen Schaar, daß sie sich in ihm erfreue, wie es ihr verheißen war; seinem Diener Israel hilft er auf an Leib und Seel'; was er Abraham versprochen, hält er feſt und ungebrochen. 5. Wer im Glauben ihn empfähet, wer sich gläubig ihm ergibt, der allein bei ihm bestehet, und wird hoch von ihm geliebt; er verspüret seine Treu, die ist alle Morgen neu; willst du seiner Gnade leben, 280 Anhang: mußt du dich ihm ganz ergeben. 6. D'rum so preise, mein Gemüthe, was Gott hat an dir gethan, lobe seine große Güte, und nimm sie mit Freuden an, danke seiner Mildigkeit hier und dort in Ewigkeit; mit Maria mußt du singen und des Herzens Opfer bringen. ein'n Wohlgefall'n Gott an uns hat, nun ist groß' Fried' ohn' Unterlaß, all' Fehd' hat nun ein Ende. 2. Wir loben, preis'n, an beten dich, für deine Ehr' wir danken, daß du, Gott Vater, ewiglich regierst ohn' alles Wanken. Ganz ungemess'n ist deine Macht, fort geschieht, was dein Will' hat bedacht; wohl uns des feinen Herren! 3.0 Jesu Christ! Sohn eingebor'n deines himmlischen Vaters! Versöhner der'r, die war'n verlor'n, du Stiller unsers Haders! Lamm Gottes, heil'ger Herr und Gott, nimm an die Bitt' von uns'rer Noth, erbarm' dich unser aller! Von Gott. stus erlöset durch große Mart'r und bittern Tod; abwend' all' unsern Jamm'r und Noth! darauf wir uns verlassen. Von Gott. In eigener Melodie. 3. Es segne uns Gott, unser Gott, es segne uns Gott, und 191. Allein Gott in der gebe uns seinen Frieden! Amen! Höh' sei Ehr' und Dank für seine Gnade, darum, daß nun und nimmermehr uns rühren 4. D heil'ger Geist, du höchstes Gut, du allerheilsamster Tröster! vor's Teufels G'walt fortan behüt', die Jesus ChriNicolaus Decius. In eigener Melodie. * 194. Gott sei uns gnädig und geb' uns seinen göttlichen Segen! 2. Er lasse uns sein Antlit leuchten, daß wir auf Erden erkennen seine Wege! Mel. Nun freut euch, lieben 2c. 195. heiligſte Dre faltigkeit, voll * Majestät und Ehren! Wie kann doch deine Christenheit dein Lob genug vermehren? du bist sehr groß und wundersam, ganz unbegreiflich ist dein Nam', dein Wesen unerforschlich. 2. O Vater der Barmherzigkeit! Du Ursprung aller Dinge, thust deine Wunder weit und breit, deß sind wir zu geringe. Auch sprichst du vor der Füll' der Zeit von deinem Sohn in Ewigkeit: heut' hab' ich dich gezeuget." 3. Durch ihn hast du der Erde Kreis gemacht nach deinem Willen und Menschen drauf zu deinem Preis, daß fie dein Lob erfüllen. Auch wird durch deines Mundes Wort dies alles immer fort und fort erhalten und regieret. 11 4. O Jesu Christe, Gottes Sohn, von Ewigkeit geboren! 11 Anhang: Von Gott. 281 du, der für uns auf Gottes| Licht, mein Leben, mein SchöThron zum Mittler auserkoren, wend', Herr, zu uns dein Angesicht! du bist das Leben und das Licht, das ew'ge Wort vom Vater. pfer, der mir hat mein Leib und Seel' gegeben, mein Vater, der mich schüßt von Mutterleibe an, der alle Augenblick' viel Gut's an mir gethan! 2. Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Heil, mein Leben, des Vaters liebster Sohn, der sich für mich gegeben, der mich erlöset hat mit seinem theuern Blut, der mir im Glauben schenkt sich selbst, das höchste Gut! 5. Du bist als Gottes Ebenbild herab vom Himmel kommen; da hast du, als die Zeit erfüllt, das Fleisch an dich genommen, haft uns erworben Gottes Huld, bezahlet uns're Sündenschuld durch dein unschuldig Sterben. 6. heil'ger Geist im Himmelsthron! Erleuchte meine Sinnen, der du vom Vater und dem Sohn ausgehest ohn' Beginnen. Du bist allmächtig und ohn' End', der Vater und der Sohn dich send't, im Glauben uns zu leiten. 7. Herr, du gebierest durch die Tauf' uns wiederum auf's neue, auch hilfst du uns von Sünden auf durch wahre Buß' und Reue, durch dich wird unsre Hoffnung fest, und wenn uns alle Welt verläßt, bleibst du bei uns im Herzen. 8. Gott Vater, Sohn und heil'ger Geist! Für alle Gnad' und Güte sei immerdar von uns gepreist mit heiligem Gemüthe! Im Himmelsheer dein Lob erklingt, das heilig, heilig heilig! singt, so thun wir auch auf Erden. 3. Gelobet jei der Herr, mein Gott, mein Trost, mein Leben, des Vaters werther Geist, den mir der Sohn gegeben, der mir mein Herz erquickt, der mir gibt neue Kraft, der mir in aller Noth Rath, Trost und Hilfe schafft! 197. 5. Haupttheil M.* 81. Mel. Nun danket alle Gott 2c. 4. Gelobet sei der Herr, mein Gott, der ewig lebet, den alles rühmt und lobt, was in den Lüften schwebet; gelobet sei der Herr, deß Name heilig heißt, Gott Vater, Gott der Sohn und Gott der werthe Geist! 5. Dem wir Halleluja mit Freuden lassen klingen, und mit der Engelschaar das Heilig, Heilig! singen; den herzlich lobt und preist die ganze Christenheit, gelobet sei mein Gott in alle Ewigkeit! 3. Dlearius. Mel. Wie schön leuchtet der 2c. " 199. Halleluja! ob, Preis und Ehr' Gott je mehr und alle seine Werke! 198. zu ſei sei unserm elobet sei der Herr, mehr für 282 von uns Allen ihm bereit Dank, Weisheit, Kraft und Stärke! Klinget, singet: herrlich, gnädig, heilig, heilig, heilig ist Gott, unser Herr, der Herr Zebaoth!! Anhang: Von Gott. 2. Halleluja! Preis, Ehr' und Macht sei auch dem Got teslamm gebracht, in dem wir find erwählet, das uns mit feinem Blut erkauft, damit gesprenget und getauft und sich mit uns vermählet! Heilig, selig ist die Freundschaft und Gemeinschaft, die wir haben, und darin wir uns erlaben. 3. Halleluja! Gott, heil'ger Geist, sei ewiglich von uns gepreift, durch den wir neu geboren, der uns mit Glauben ausgeziert, den Bräutigam uns zugeführt, zur Herrlichkeit erforen! Heil uns! Heil uns! Da ist Freude, da ist Weide, da ist Manna und ein ewig Hofianna. 4. Halleluja, Lob, Preis und Ehr' sei unserm Gott je mehr und mehr und seinem großen Namen! Stimmt an mit aller Himmelsschaar, und finget nun und immerdar mit Freuden Amen! Amen! Klin get, finget: herrlich, gnädig, heilig, heilig, heilig ist Gott, unser Herr, der Herr Zebaoth! In eigener Melodie. * 201. Sollt ich meinem Gott nicht fingen? sollt' ich ihm nicht dankbar sein? denn ich seh' in allen Dingen, wie so gut er's mit mir mein'; ist doch nichts als lauter Lieben, das sein treues Herze hegt, das ohn' Ende hebt und trägt, die in seinem Dienst sich üben. Alles Ding währt seine Zeit; Gottes Lieb' in Ewigkeit. 2. Wie ein Adler sein Ge fieder über seine Jungen streckt: also hat auch hin und wieder mich des Höchsten Arm bedeckt, alsobald im Mutter- Leibe, da er mir mein Wesen gab, und das Leben, das ich hab', und noch diese Stunde treibe. Alles Ding währt seine Zeit; Gottes Lieb' in Ewigkeit. 3. Sein Sohn ist ihm nicht zu theuer, nein, er gibt ihn für mich hin, daß er mich vom ew'gen Feuer durch sein theures Blut gewinn'. du unergründ'ter Brunnen! wie will doch mein schwacher Geist, ob er sich gleich wohl befleißt, deine Tief' ergründen können? Alles Ding währt seine Zeit; Gottes Lieb' in Ewigkeit. 4. Seinen Geist, den edlen Führer, gibt er mir in seinem Wort, daß er werde mein Regierer durch die Welt zur Himmelspfort', daß er mir mein Herz erfülle mit dem hellen Glaubenslicht, das des Todes Macht zerbricht, und die Hölle selbst macht stille. Alles Ding währt seine Zeit; Gottes Lieb' in Ewigkeit. 5. Meiner Seelen Wohlergehen hat er ja recht wohl bedacht! will dem Leibe Noth zustehen, nimmt er's gleichfalls wohl in Acht; wenn mein Können, mein Vermögen nichts vermag, nichts helfen kann, Anhang: Von Gott. kömmt mein Gott und hebt mir an sein Vermögen beizulegen. Alles Ding währt seine Zeit; Gottes Lieb' in Ewigkeit. 6. Himmel, Erd' und ihre Heere hat er mir zum Dienst bestellt; wo ich nur mein Aug' hinkehre, find' ich, was mich nährt und hält, Thier und Kräuter und Getreide; in den Gründen, in der Höh', in den Büschen, in der See, überall ist meine Weide. Alles Ding währt seine Zeit; Gottes Lieb' in Ewigkeit. 7. Wann ich schlafe, wacht sein Sorgen und ermuntert mein Gemüth, daß ich alle lieben Morgen schaue neue Lieb' und Güt. Wäre mein Gott nicht gewesen, hätte mich sein Angesicht nicht geleitet, wär' ich nicht aus so mancher Angst genesen. Alles Ding währt feine Zeit; Gottes Lieb' in Ewigkeit. 8. Wie so manche schwere Plage wird vom Satan hergeführt, die mich doch mein Lebetage niemals noch bisher berührt. Gottes Engel, den er sendet, hat das Böse, was der Feind anzurichten war gemeint, in die Ferne weg gewendet. Alles Ding währt seine Zeit; Gottes Lieb' in Ewigkeit. Von den Engeln. 283 mein Flehen mit der Ruth' und nicht mit dem Schwerte rächen. Alles Ding währt seine Zeit; Gottes Lieb in Ewigkeit. 10. Seine Strafen, seine Schläge, ob sie mir gleich bitter sind, dennoch, wenn ich's recht erwäge, find es Zeichen, daß mein Freund, der mich liebet, mein gedenke, und mich von der schnöden Welt, die uns hart gefangen hält, durch das Kreuze zu ihm lente. Alles Ding währt seine Zeit; Gottes Lieb' in Ewigkeit. - 11. Das weiß ich fürwahr! und lasse mir's nicht aus dem Sinne geh'n, Christenkreuz hat seine Maße, und muß endlich stille steh'n: wann der Winter ausgeschneiet, tritt der schöne Sommer ein; also wird auch nach der Bein, wer's erwarten kann, erfreuet. Alles Ding währt seine Zeit; Gottes Lieb' in Ewigkeit. 12. Weil denn weder Ziel noch Ende sich in Gottes Liebe find', ei so heb' ich meine Hände zu dir, Vater, als dein Kind, bitte, wollst mir Gnade geben, dich aus aller meiner Macht zu umfangen Tag und Nacht hier in meinem ganzen Leben, bis ich dich nach dieser Zeit lob' und lieb' in Ewigkeit. Paul Gerhard. 9. Wie ein Vater seinem Kinde sein Herz niemals ganz entzeucht, ob es gleich verführt zur von dem rechten Von den Engeln. Mel. Meinen Jesum laß ich zc. Pfade weicht: also hält auch* 209. Hebeinem Reich err, du hast in mein Verbrechen mir mein frommer Gott zu gut', will große Schaaren heil'ger Engel. 284 Anhang: Von den Engeln. Diesen bin ich noch nicht gleich,| mich dann in deinem Reich denn mein Herz ist voller Mängel; ach! wann werd' ich auch deinen heil'gen Engeln gleich! Mel. Was mein Gott will 2c. ſo rein wie die lieben Engel* 213. Nun dankt, ihr Christen alle, Gott mit Herzen und mit Munde! Lobt unsern Herren Zebaoth, weil er zu aller Stunde in der Ge fahr uns immerdar erweiſet Gnad' und Segen, auch durch die Macht der Engel- Wacht uns schüßt auf unsern Wegen. 2. Mich beschweret Fleisch und Blut; hilf mir, daß ich geistlich werde! Gib mir einen hohen Muth, der sich trenne von der Erde, daß ich, als dein liebes Kind, allzeit himmlisch sei gesinnt! 3. Mache mir dein Wort bekannt durch des heil'gen Geistes Gabe, daß ich Weisheit und Verstand wie ein Engel Gottes habe, bis wir einst in jenem Licht völlig seh'n dein Angesicht! 4. Herr, dein Wille soll gescheh'n wie im Himmel, so auf Erden; darum laß uns dahin seh'n, daß wir dir gehorsam werden, und gib, daß ich dir dabei wie die Engel dienstbar sei! 5. Unsre Welt ist voll Gefahr, denn sie hat viel böse Stellen; sende deiner Engel Schaar, daß mich Niemand könne fällen; wenn mein Auge schläfet ein, laß sie meine Wächter sein! SEP 6. Stelle, wenn ich sterben muß, deine Helden mir zur Seite, daß sie mir, wie Lazarus, freudig geben das Geleite, und mich zu der ew'gen Ruh' tragen deinem Himmel zu! 7. Laß mich, Herr, vor deinem Stuhl bei den Auserwählten stehen, wenn die Bösen in den Pfuhl mit dem Satan müssen gehen; mach' 2. Ist das nicht große Gütigkeit, daß Engel uns bewa chen? Jst das nicht Lieb' und Freundlichkeit, daß sie sich um uns machen mit starker Macht und sind bedacht, wie sie von allem Bösen, von Angst und Noth, auch oft vom Tod. uns kräftiglich erlösen? 3. Nun fürchten wir uns nimmermehr, weil sie mit Satan streiten, und dies so heil'ge Himmelsheer den Herrn hat stets zur Seiten; der kann das Feld, wenn's ihm gefällt, ohn' alle Müh' behalten. Es fehlt ihm nicht; wenn er nur spricht, muß ob uns Hilfe walten. 4. Darum will ich auf mei nen Gott in aller Trübsal bauen, und ihm in der Gefahr und Noth Leib, Seel' und Gut vertrauen; gar nichts acht' ich, wenn wider mich auch alle Feinde stehen; thut's Engelheer nur Gegenwehr, muß alles wohl ergehen. 5. Ach, Herr, laß mir an meinem End' auch diesen Schuß gedeihen, den deine Güte mir zusend', aus Angst mich zu befreien! Laß sie von hier fein Anhang: Vom Menschen. 285 sanft zu dir in deinen Schooß| daß mich der Tod noch nicht mich tragen, so will ich dir und sie mit mir Dank ewiglich dort sagen. gefällt. Ich stehe noch und preise dich, denn deine Rechte schüßet mich. 6. Jch bin nicht werth der großen Güte, die du, mein Gott, an mir gethan; dich preist mein Herz und mein Gemüthe, ach, nimm mein Dankesopfer Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 215. Gott, desſen Allmacht an! Bewahre mich auch fort und Lebens Hort! wie preis' ich dich doch nach Gebühr! Ich bin die Arbeit deiner Hände, mein ganzes Wesen kommt von dir; du hast mich wunderbar erbaut, und mir viel Gaben anvertraut. 7. Vor dir fall' ich in Demuth nieder; vergib, vergib, was ich vollbracht! Denn ich ja leider! meine Glieder zu Sündengliedern oft gemacht. Sch wich von dir in schnellem Lauf, und du nahmst mich doch wieder auf. Vom Menschen. 2. Dir, Wundergott, hab' ich's zu danken, daß du mich zubereitet hast, als mich des Mutterleibes Schranken und dunkle Wände noch umfaßt. Ich preise deine Wundermacht, die mich an's Tageslicht gebracht. 3. Du gabst mir die vernünft'ge Seele, das theure Pfand, das ewig lebt, das noch in meiner Leibeshöhle, so lang es Gott gefällig, schwebt; du hast mir Sinnen und Verstand und Leib und Leben zugewandt. 4. Du, liebster Vater in der Höhe! mein Geist wird in mir ganz entzückt, wenn ich des Leibes Bau ansehe, den du mit deiner Hand geschmückt; mein Sinn erstaunet jederzeit vor dieses Baues Trefflichkeit. 5. Du hast durch dein so gnädig Walten, o Herr der groß und kleinen Welt! mich, dein Gebäude, wohl erhalten, 8. So hab' ich auch mit bösem Wesen mein Herze, leider! sehr entweiht, mein Herz, das du dir außerlesen zum Tempel deiner Heiligkeit; doch strafteſt du mich nicht darum, und heiligtest mich wiederum. 9. Hilf, großer Gott, durch den ich lebe, hilf, daß ich thu', was dich erfreut, und Geist und Leib und Glieder gebe zu Waffen der Gerechtigkeit, daß ich dir bis in Tod getreu und stets ein Kind des Lichtes sei. 10. Fällt dieses Leibes Hütte nieder, wenn ich vollende meinen Lauf, o Gott, so richte du sie wieder in fröhlicher Verklärung auf! Laß mich in's Haus des Himmels geh'n und stets dein heilig Antlig seh'n! 286 Anhang: Fürsorge und Regierung Gottes. Von der Fürsorge und Regierung| kein Unfall unter allen wird Gottes. mir zu harte fallen, ich will ihn freudig übersteh'n. In eigener Melodie. allen meinen 8. Jhm hab' ich mich erge 217." Thten laß ich ben, zu ſterben und zu leben, sobald er mir gebeut; es sei heut' oder morgen, dafür laß ich ihn sorgen, er weiß gar wohl die rechte Zeit. 9. So sei nun, Seele! seine, und traue dem alleine, der dich geschaffen hat; es gehe, wie es gehe, dein Vater in der Höhe, der weiß zu allen Sachen Rath. paul Flemming. Mel. Ach Herr, mich armen Sünder 2c. den Höchsten rathen, der alles kann und hat; er muß zu allen Dingen, soll's anders wohl gelingen, uns selber geben Rath und That. 2. Nichts ist es spät und frühe um alle meine Mühe, mein Sorgen ist umsonst. Er mag's mit meinen Sachen nach seinem Willen machen, ich stell' es blos in seine Gunst. 3. Es kann mir nichts ge= 219. Befiehl du deine erschehen, als was sehen, und was mir selig ist; ich nehm' es, wie er's giebet, was ihm von mir beliebet, das hab' ich willig auserkiest. Wege, dein Herze kränkt, der allertreusten Pflege deß, der den Himmel lenkt; der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. 4. Jch traue seiner Gnaden, die mich vor allem Schaden, vor allem Uebel schüßt. Leb' ich nach seinen Sähen, so wird mich nichts verlegen, noch etwas fehlen, was mir nüßt. 5. Er wolle meiner Sünden in Gnaden mich entbinden, durchstreichen meine Schuld; er wird auf mein Verbrechen nicht stracks das Urtheil sprechen, und haben noch mit mir Geduld. 2. Dem Herrn mußt du vertrauen, wenn dir's soll wohlergeh'n! Auf sein Werk mußt du schauen, wenn dein Werk soll besteh'n. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein läßt Gott sich gar nichts nehmen, es muß erbeten sein. 3. Dein' ew'ge Treu' und Gnade, o Vater, weiß und sieht, was gut sei oder schade dem sterblichen Geblüt, und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held! und bringst zu Stand und Wesen, was deinem Rath gefällt. 6. Leg' ich mich späte nieder, erwach' ich frühe wieder, lieg' oder zieh' ich fort, in Schwachheit und in Banden, und was mir stößt zu Handen, so tröste mich sein süßes Wort. 7. Hat er es denn beschlossen, so will ich unverdrossen 4. Weg' hast du allerwean mein Verhängniß geh'n;| gen, an Mitteln fehlt dir's Anhang: Fürsorge und Regierung Gottes. 287 nicht; dein Thun ist lauter| und für in Angst und Nöthen Segen, dein Gang ist lauter schweben, als frag' er nichts Licht, dein Werk kann niemand nach dir; hindern, dein' Arbeit darf nicht ruh'n, wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst thun. 5. Und ob gleich alle Teufel hier wollten widersteh'n, so wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke geh'n; was er sich vorgenommen, und was er haben will, das muß doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel. 10. Wird's aber sich befinden, daß du ihm treu verbleibst, so wird er dich entbinden, da du's am mind'sten gläubst; er wird dein Herze lösen von der so schweren Last, die du zu keinem Bösen bisher getragen hast. 11. Wohl dir, du Kind der Treue! du haft und trägst davon mit Ruhm und Dankgeschreie den Sieg und Ehrenfron'. Gott gibt dir selbst die Palmen in deine rechte Hand, und du fingst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt. 12. Mach' End', o Herr, mach' Ende an aller uns'rer Noth, stärk' unsre Füß' und Hände, und laß bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu' empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiß zum Himmel ein. Paul Gerhard. Mel. Liebster Bater, ich dein 2c. gente, der alles führen soll;* 220. Sorge, Bater, forim Regimente, und führet alles wohl. 8. Jhn, ihn laß thun und walten, er ist ein weiser Fürst, und wird sich so verhalten, daß du dich wundern wirst, wenn er, wie ihm gebühret, mit wunderbarem Rath das Werk hinaus geführet, daß dich bekümmert hat. für mein Sorgen; sorge, Jesu, sorge nu, sorge heut' und morgen! Sorge für mich allezeit, forge für das Deine, o du Gott der Freundlichkeit, sorge du alleine! 6. Hoff, o du arme Seele! hoff' und sei unverzagt; Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn' der schönsten Freud'. 7. Auf, auf! gib deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht, laß fahren, was das Herze betrübt und traurig macht; bist du doch nicht Re9. Er wird zwar eine Weile mit seinem Trost verzieh'n und thun an seinem Theile, als hätt' in ſeinem Sinn er deiner sich begeben, als sollst du für 2. Sorge, Herr! der Tag anbricht, für mein Leib und Seele; sorge, daß ich niemand nicht sie als dir befehle; sorge, lieber Gott! allhier auch für meine Sinne; sorge, daß zu wider dir ich ja nichts beginne! 3. Sorge doch und laß mir auch dein Wort bis an's Ende, 288 Anhang: Fürsorge und Regierung Gottes. laß mir auch den rechten Brauch| traut, der hat auf keinen Sand deiner Sacramente; sorge für gebaut. die Obrigkeit, Diener deines Wortes, und dazu für alle Leut' jedes Stands und Ortes! 4. Sorge, großer Menschen freund, für uns, deine Kinder! forge, Herr, für Freund und Feind, sorge für uns Sünder; sorge für mein Stücklein Brot, sorge doch für Alle, die da sind mit mir in Noth; forge, wenn ich falle! 2. Was helfen uns die schwe ren Sorgen, was hilft uns unser Weh und Ach? was hilft es, daß wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach; wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit. 3. Man halte nur ein wenig stille, und sei doch in sich selbst vergnügt, wie unsers Gottes Gnadenwille, wie sein' Allwisfenheit es fügt; Gott, der uns sich hat auserwählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt. 4. Er fennt die rechten Freudenstunden, er weiß wohl, was uns nüßlich sei; wenn er uns nur hat treu erfunden, und merket keine Heuchelei, so kömmt Gott, eh' wir's uns verseh'n, und lässet uns viel Gut's gescheh'n. 5. Dent' nicht in deiner Drangsalshize, daß du von Gott verlassen seist, und daß der Gott im Schooße size, der sich mit stetem Glücke speiſt; die Folgezeit verändert viel und sehet Jeglichem sein Ziel. 6. Es sind ja Gott sehr schlechte Sachen, und ist dem Höchsten alles gleich, den Reichen klein und arm zu machen, den Armen aber groß und reich! Gott ist der rechte Wundermann, der bald erhöh'n, bald stürzen kann. 7. Sing', bet' und geh' auf Gottes Wegen, verricht' das Deine nur getreu, und trau' des Himmels reichem Segen, 5. Sorge, wenn sich schließen zu meine Augenlider; forge, wenn ich bin zur Ruh' und er wache wieder; sorge für mein Amt und Stand, Wort, Vernunft und Dichten, für die Arbeit meiner Hand, Lassen und Verrichten! 6. Sorge für mein Hab' und Gut, Ehr' und guten Namen; sorge, wenn mir Leides thut die Welt und ihre Samen; sorge, wenn zu Sünd' und Spott mich mein Fleisch will leiten; sorge, wenn ich mit dem Tod ringen soll und scheiden! 7. Sorge, Herr! wenn mich ansicht Satan auf der Erde; sorge, wenn vor dein Gericht ich gefordert werde; sorge für mein Grab- Stättlein, sorge immerforten, forge für mich, du bist mein, sorge aller Orten! Ludamilia Elisabeth, Gr. z. S. R. In eigener Melodie. 221. er nur den lieben Gott läßt walten, und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderlich erhalten in allem Kreuz und Traurigkeit; wer Gott dem Allerhöchsten Anhang: Fürsorge und Regierung Gottes. so wird er bei dir werden neu, denn welcher seine Zuversicht auf Gott seßt, den verläßt er nicht. G. Neumark. Mel. Lobt Gott, ihr Christen 2c. 223. Ich finge bir mit Herz und Mund, meines Lebens Luft! ich fing' und mach' auf Erden kund, was mir von dir bewußt. 2. Ich weiß, daß du der Brunn der Gnad' und ew'ge Quelle seist, daraus uns allen früh und spat viel Heil und Gutes fleußt. 3. Wer sind wir doch, was haben wir auf dieser ganzen Erd', das uns, o Vater! nicht von dir allein gegeben werd'? 4. Wer hat das schöne Himmelszelt hoch über uns geſetzt? Wer ist es, der uns unser Feld mit Thau und Regen nett? 5. Wer wärmet uns in Kält' und Frost? Wer schützt uns vor dem Wind? Wer macht es, daß man Del und Most zu seinen Zeiten find't? 6. Wer gibt uns Leben und Geblüt? Wer hält mit seiner Hand den gold'nen, werthen, edlen Fried in unserm Vaterland? 7. Ach, Herr, mein Gott! das kömmt von dir; du, du mußt alles thun, du hältst die Wach' an uns'rer Thür, und läßt uns ficher ruh'n. 8. Du nährest uns von Jahr zu Jahr, bleibst immer fromm und treu, und stehst uns, wenn wir in Gefahr gerathen, treulich bei. 289 9. Du strafft uns Sünder mit Geduld und schlägst nicht allzusehr, ja endlich nimmst du unsre Schuld, und wirfft sie in das Meer. 10. Wenn unser Herze seufzt und schreit, wirst du gar leicht erweicht, und gibst uns, was uns hoch erfreut und dir zur Ehr' gereicht. 11. Du zählst, wie oft ein Christe wein', und was sein Kummer sei; kein Zähr- und Thränlein ist so klein, du hebst und legst es bei. 12. Du füllst des Lebens Mangel aus mit dem, was ewig steht, und führst uns in des Himmels Haus, wenn uns die Erd' entgeht. 13. Wohlauf, mein Herze! sing' und spring' und habe guten Muth! Dein Gott, der Ursprung aller Ding', ist selbst und bleibt dein Gut. 14. Er ist dein Schatz, dein Erb' und Theil, dein Glanz und Freudenlicht, dein Schirm und Schild, dein Hilf und Heil, schafft Rath und läßt dich nicht. 15. Was fränkst du dich in deinem Sinn und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg' und wirf sie hin auf den, der dich gemacht! 16. Hat er dich nicht von Jugend auf versorget und ernährt? Wie manchen schweren Unglücksfall hat er zurückgefehrt! 17. Er hat noch niemals was verseh'n in seinem Regiment, nein! was er thut und 19 Anhang: Fürsorge und Regierung Gottes. 290 läßt gescheh'n, das nimmt ein gutes End'. und Klein in reger Kraft be stehen; was er nicht hält, das bricht und fällt und muß in Nichts vergehen. 5. Zudem ist Weisheit und Verstand bei ihm ohn' alle Maßen; Zeit, Ort, und Stund' ist ihm bekannt, zu thun und Paul Gerhard. Me 1. Was mein Gott will 2c. * 227. Ich hab' in Gottes auch zu lasſen; er weiß, wenn Herz und Sinn er weiß, wenn Leid mein Herz und Sinn ergeben; uns, seinen Kindern, diene, was böse scheint, ist mir Ge- und was er thut, ist alles gut, winn, der Tod selbst ist mein ob's noch so traurig schiene. Leben, denn Gott ist mein, und ich bin sein, was ist nun, das mir schade? Ob er gleich schlägt und Kreuz auflegt, bleibt doch sein Thun voll Gnade. 18. Ei nun, so laß ihn ferner thun, und red' ihm nichts darein, so wirst du hier in Frieden ruh'n, und ewig selig sein. 2. Das kann mir fehlen nimmermehr, mein Vater muß mich lieben; schickt er auch Trübsal groß und schwer, so will er mich nur üben, will mein Gemüth in seiner Güt' gewöhnen, fest zu stehen; halt' ich dann Stand, weiß seine Hand mich wieder zu erhöhen. 3. Ist, was ich bin und habe, mein? Gab ich mir felbst das Leben? Sein Werk bin ich, er hat allein mir Seel' und Leib gegeben. Ich gab mir nicht des Geistes Licht, er läßt es in mir scheinen; wer so viel thut, deß Herz und Muth kann's nimmer böse meinen. 4. Wer schützt mich in Gefahr und Noth? Es ist sein gnäd'ges Walten! Jch wäre längst schon talt und todt, hätt' er mich nicht erhalten. Sein Arm allein läßt Groß 6. Du denkest zwar, wenn du nicht hast, was Fleisch und Blut begehret, als sei mit einer großen Last dein Lebensgang beschweret; haft spät und früh viel Sorg' und Müh', zu deinem Wunsch zu kommen, und denkest nicht, daß, was geschieht, gescheh' zu deinem Frommen. 7. Fürwahr, der dich ge schaffen hat, und ihm zur Ehr' erbauet, der hat schon längst in seinem Rath ersehen und beschauet aus wahrer Treu', das dienlich sei dir und den Deinen allen; laß ihm doch zu, daß er nur thu' nach seinem Wohlgefallen! 8. Es kann bei lauter Sonnenlicht das Feld nicht Früchte tragen; so reift auch Menschenwohlfahrt nicht bei lauter guten Tagen. Wie bitter ſei die Arzenei, schafft sie doch neues Leben; so muß das Herz sich oft durch Schmerz zu Gottes Heil erheben. 9. Ei nun, mein Gott, so fall' ich dir getrost in deine Hände; nimm du mich auf und mach's mit mir, wie du willst, bis an's Ende! Nur du, Herr, weißt, wodurch dem Geist sein wahres Heil entstehe, und deine Ehr' sich mehr und mehr vor aller Welt er höhe. Anhang: Fürsorge und Regierung Gottes. 10. Willst du mir geben Sonnenschein, so nehm' ich's an mit Freuden; soll's aber Kreuz und Trübsal sein, will ich's geduldig leiden. Willst du allhier das Leben mir zum späten Ziel erhalten: wie du mich führst und führen wirst, so laß ich gern dich walten. 11. Und soll ich einst des Todes Weg und finst're Straße gehen, so zeige du mir Bahn und Steg, und laß dein Licht mich sehen! Du bist mein Hirt, der Alles wird zu solchem Ende kehren, daß droben ich dir ewiglich lobsing' in Engelschören. Paul Gerhard, veränd. Mel. In dich hab' ich gehoffet 2c. 228. J ch weiß, mein Gott, daß all' mein Thun und Werk auf deinem Willen ruh'n, von dir kommt Glück und Segen; was du regierst, das geht und steht auf rechten, guten Wegen. 2. Es steht in feines Menschen Macht, daß sein Rath werd' in's Werk gebracht, und seines Gang's sich freue; des Höchsten Rath, der macht's allein, daß Menschenrath gedeihe. 3. Oft denkt der Mensch in seinem Muth, dieß oder jenes sei ihm gut, und ist doch weit gefehlet; oft sieht er auch für * 291 schädlich an, was Gott doch selbst erwählet. 4. So fängt auch oft ein weiser Mann ein gutes Werk gar fröhlich an, und bringt's doch nicht zu Stande; er baut ein Schloß und festes Haus doch nur auf lauterm Sande. 5. Wie mancher ist in seinem Sinn fast über Berg und Spißen hin, und eh' er sich's versiehet, so liegt er da und hat sein Fuß vergeblich sich bemühet. 6. D'rum, lieber Vater, der du Kron' und Scepter trägst im Himmelsthron, und aus den Wolken blitest, vernimm mein Wort, und höre mich vom Stuhle, da du fizest! 7. Verleihe mir das edle Licht, das sich von deinem Angesicht in fromme Seelen strecket, und das der rechten Weisheit Kraft durch deine Kraft erwecket! 8. Gib mir Verstand aus deiner Höh', auf daß ich ja nicht ruh', und steh' auf meinem eignen Willen! Sei du mein Freund und treuer Rath, was gut ist, zu erfüllen! 9. Brüf' alles wohl, und was mir gut, das gib mir ein; was Fleisch und Blut erwählet, das verwehre! Der höchste Zweck, das beſte Theil sei deine Lieb' und Ehre! 10. Was dir gefällt, das laß auch mir, o meiner Seelen Sonn' und Zier, gefallen und belieben! Was dir zuwider, laß mich nicht in Werk und That verüben! 19* 292 11. Jft's Wert von dir, so hilf zum Glück; ist's Menschenthun, so treib's zurück, und änd're meine Sinnen; was du nicht wirkst, pflegt von sich selbst in Kurzem zu zerrinnen. Paul Gerhard. * Anhang: Fürsorge und Regierung Gottes. 6. Gott sei Lob, der mich erfreuet, daß ich glaube festiglich: er, mein Vater, sorgt für mich! Preis ihm! der d Trost erneuet, daß ich weiß: Gott liebet mich. Gott versorgt mich ewiglich. Joh. Dlearius. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. Mel. Ach, was soll ich Sünder 2c. 229. Soll ich meinem 234. Mwart auf deine Fein Gott, ich nicht Stunde, die jetzt noch nicht gekommen ist. Ich habe diesen Trost zum Grunde, daß du voll Raths und Hilfe bist. Dein Wort wird endlich doch erfüllt, die Stunde komme, wenn du willt. trauen, der mich liebt so väterlich, der so herzlich sorgt für mich? Sollt' ich auf den Fels nicht bauen, der mir ewig bleibet fest, der die Seinen nicht verläßt? 2. Er weiß Alles, was mich drücket, all' mein Wünschen, meine Noth; er steht mir bei bis zum Tod; er weiß, was mein Herz erquicket; seine Lieb' und Vatertreu' bleibt mir alle Morgen neu. 3. Der die Vögel all' ernähret, der die Blumen, Laub und Gras kleidet schön ohn' Unterlaß, der uns Alles Gut's bescheeret, sollte der verlassen mich? Nein, ich trau' ihm sicherlich! 4. Wenn nach seinem Reich ich trachte, wenn ich in Gerechtigkeit suche meine Seligkeit, und die Lust der Welt verachte, segnet mein Gott früh und spat Wort und Werke, Rath und That. 5. Darum sorg' ich nicht für morgen; denn was noch zukünftig ist, irrt mich nicht; ich bin ein Christ. Meinen Gott nur laß ich sorgen; denn es g'nügt, daß jeder Tag seine Plage haben mag. * 2. Ich bin, mein Gott, in deinen Händen, mach's nur mit mir, wie dir's gefällt! Ich will zu dir allein mich wenden, es sei dir alles heimgestellt! Die Hilfe kommt allein von dir; mein bester Helfer, hilf du mir! 3. Wenn Furcht und Hoffnung in mir streiten, heißt mich der Glaube stille sein; ich sehe deine Hand von wei tem, die wird mir Troft und Kraft verleih'n. Ich werde, Herr( es wird gescheh'n), noch Lust an deiner Gnade seh'n. 4. Wie Jacob geh' ich dir entgegen, mein Glaube ringt und kämpft mit dir; ich laß dich nicht, gib mir den Segen, dein Segen ruh' und bleib' auf mir; dein Segen ist's, der mir die Nacht zur schönen Morgenröthe macht. 5. Nur deiner Allmacht will ich trauen, die allen Kummer ändern kann. Auf dein Wort Anhang: Fürsorge und Regierung Gottes. will ich Felsen bauen, du hast gesaget: ,, Ruf' mich an!" Ich hoffe nun, und rufe nun: du wirst nach deinem Worte thun. 6. Such' du mich immer heim mit Schmerzen; war Jesus doch der Schmerzensmann! Und diesem geht mein Schmerz zu Herzen, ich weiß, daß er's nicht lassen kann; sein Herze bricht, sein Mund verspricht: Ich lass' dich nicht!"- Ach, laß mich nicht! B. Schmolke. 293 5. Gedenke meiner, wenn ich leide! Wen hab' ich sonst, als dich allein, der bei der Menschen Haß und Neide mein Freund und Tröster könnte sein? Und hab' ich dich, so lacht mein Muth, wenn Welt und Teufel böse thut. 4. Gedenke meiner, wenn ich falle, und wirf mich nicht im Borne hin; weil ich, wie and're Menschen alle, im Fleische schwach und blöde bin, so förd're meinen Gang und Stand durch Kraft und Stärke deiner Hand! 6. Gedente meiner auch in allem, woran ich nicht gedenken kann, und blicke mich mit Wohlgefallen in meinem ganzen Leben an! denn gibst du mir, was dir gefällt, so ist's um mich recht wohl bestellt! Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 236. Mei ein lieber Gott, gedenke meiner 7. Gedenke meiner, wenn ich im Besten jetzt und allezeit; sterbe; und wenn mich alle denn außer dir ist nirgends Welt vergißt, versete mich in Einer, der mich mit Rath und| jenes Erbe, wo du mein Theil Trost erfreut; dein Wort macht mich voll Zuversicht und sagt mir: du vergißt mein nicht. und Erbe bist; denn bleibst du nicht im Himmel mein, so wollt' ich nie geboren sein. 2. Gedenke meiner, wenn ich höre dein süßes Evangelium, und mache mir die Himmelslehre zu Saft und Kraft im Christenthum, daß so dein Same mohlgelingt und tausendfache Früchte bringt! 8. Ich will mich über nichts betrüben; in deine Hände hast du mich zum Heil und Segen eingeschrieben, drum sieht die Hoffnung bloß auf dich, und denkt im Glauben ungekränkt, daß Gott im Besten meiner denkt. C. Neumeifter. 3. Gedenke meiner, wenn ich bete, und merk' in deiner Gnade drauf; weil ich in Christo vor dich trete, so schließ dein Herz und Ohren auf! doch gib mir Vom Sohne Gottes. In eigener Melodie. nichts, als dies allein, was* 245. Seelenbräutigam, mir gut Lamm! Habe Dank für deine Liebe, die mich zieht mit deinem Triebe aus der Sünden Schlamm, Jesu, Gottes Lamm! 2. Deine Liebesgluth ftärket Muth und Blut, wenn du freundlich mich anblickest, und an deine Brust mich drückest, 294 Anhang: Vom macht mich wohlgemuth deiner Liebe Gluth. 3. Wahrer Mensch und Gott, Trost in Noth und Tod! Du bist darum Mensch geboren, zu erseßen, was verloren, durch dein Blut und Tod, wahrer Mensch und Gott! 4. Meines Glaubens Licht laß verlöschen nicht! Salbe mich mit Freudenöle, daß hinfort in meiner Seele ja verlösche nicht meines Glaubens Licht! 5. So werd' ich in dir bleiben für und für; deine Liebe werd' ich ehren, und dein hohes Lob vermehren, weil ich für und für bleibe, Herr, in dir! Sohne Gottes. 10. Bin ich freudig hier, freust du dich mit mir, zeigst im Geist mir Zions Höhe, wo ich ohne Furcht und Wehe wohnen darf bei dir, Jesu, für und für! 8. Nun ergreif' ich dich, du mein ganzes ch! Ich will nimmermehr dich lassen, sondern gläubig dich umfassen; Herr, sei du mein Ich! Ich ergreife dich! 9. Wenn ich weinen muß, wird dein Friedensgruß meine Thränen auch begleiten, und zu deinen Wunden leiten, wo mein Thränenfluß bald sich stillen muß. 11. Hier durch Spott und Hohn, dort die Ehrenkron', hier im Hoffen und Vertrauen, dort im Haben und im Schauen. Denn die Ehrenkron' folgt auf Spott und Hohn. 12. Jesu, hilf, daß ich allhier ritterlich alles durch dich überwinde, und in deinem Sieg empfinde, wie so ritterlich du gekämpft für mich! 13. Jesu, meine Ruh', ew'ge Liebe du! Nichts als du soll mir gefallen, dein ist all' mein Thun und Wallen, Jesu, meine Ruh', ew'ge Liebe du! Adam Drese. 6. Deinen Frieden gib uns aus großer Lieb', uns, den Deinen, die dich kennen, und nach dir sich Christen nennen, deinen Frieden gib, denen du biſt lieb! Mel. Seelenbräutigam 2c. und sich treu bewirbt, dir zu leben und zu trauen, der wird bald mit Wonne schauen, daß kein Herz verdirbt, was der Welt abstirbt. 7. Wer der Welt abſtirbt 246. er ist wohl wie W du, Jesu, süße Ruh! Unter vielen ausertoren, Leben derer, die verloren, und ihr Licht dazu, Jesu, süße Ruh'! 02. Leben! das den Tod, mich aus aller Noth zu erlösen, hat geschmecket, meine Schulden zugedecket, und mich aus der Noth hat geführt zu Gott! 3. Glanz und Herrlichkeit, du bist vor der Zeit zum Erlöser uns geschenket, und in unser Fleisch versenket in der Füll' der Zeit, Glanz der Herrlichkeit! 4. Höchste Majestät, König Anhang: Vom Sohne Gottes. Vom heiligen Geiste. 295 und Prophet! deinen Scepter| reiten, daß ich einst mag seh'n will ich füssen, ich will sigen dir zu Füßen, wie Maria thät, höchste Majeſtät! mich zur Rechten steh'n. Vom heiligen Geiste. 5. Laß mich deinen Ruhm, als dein Eigenthum, durch des Geistes Licht erkennen, stets Mel. Liebster Jesu, wir sind hier zc. in deiner Liebe brennen, als 252. Go Gott! ott! du hast in deinem Sohn dein Eigenthum, allerschönster Ruhm! 6. Deiner Sanftmuth Schild, deiner Demuth Bild mir anlege, in mich präge, daß kein Zorn noch Stolz sich rege! Vor dir sonst nichts gilt, als dein eigen Bild. 7. Steure meinem Sinn, der zur Welt will hin, daß ich nicht mög' vor dir wanken, sondern bleiben in den Schranken; sei du mein Gewinn, gib mir deinen Sinn! 8. Wecke mich recht auf, daß ich meinen Lauf unverrückt zu dir fortsetze und mich nicht in seinem Neße Satan halte auf; förd're meinen Lauf! 9. Deines Geistes Trieb in die Seele gib, daß ich wachen mög' und beten, freudig vor dein Antlig treten; ungefärbte Lieb' in die Seele gib! 10. Einen Heldenmuth, der da Gut und Blut gern um deinetwillen lasse und des Fleisches Lüfte hasse, gib mir, höchstes Gut, durch dein theu res Blut! Joh. Anaft. Freilinghausen. 11. Soll's zum Sterben geh'n, wollst du bei mir steh'n, mich durch's Todesthal begleiten und zur Herrlichkeit bemich von Ewigkeit erwählet. Sende nun von deinem Thron, was noch meinem Heile fehlet, und gib mir des Geistes Gaben, sodann werd' ich alles haben! 2. Ach, ich bin lebendig todt und zum Guten ganz verloren. Heil'ger Geist, mein Herr und Gott! mache du mich neu geboren; denn das Fleisch ist mein Verderben, und kann nicht den Himmel erben. 3. Treibe weg die finst're Nacht meiner irrigen Gedanfen! Dämpfe das, was Gott veracht', halte die Vernunft in Schranken; daß ich anders nicht als gerne selbst von dir die Weisheit lerne! 4. Was mein Herze thut und tracht't, ist von Jugend auf nur böse; aber hilf, daß deine Macht mich auch von mir selbst erlöse, und zu allen guten Dingen gib mir Wollen und Vollbringen! 5. Schaffe mir ein reines Herz, daß ich stets an Gott gedenke, und mich oft mit Reu' und Schmerz über meine Sünden kränke; doch nach den betrübten Stunden führe mich in Jesu Wunden! 6. Pflanze mich daselbst in 296 Anhang: Von der Buße. ihn als ein Glied an seinem| nicht bauen, auf ihn will ich Leibe, und wenn ich sein eigen bin, hilf mir, daß ich es auch bleibe! Er sei Stock und ich die Rebe, daß ich ganz in Jesu lebe. 7. Hierzu bitt' ich diese drei, Glaube, Hoffnung und die Liebe; steh' auch sonst mir also bei, daß kein Teufel mich betrübe! Gib mir Demuth, Fried' und Freude, und auch Sanftmuth, wenn ich leide! 8. Hilf mir reden recht und wohl, auch zuweilen gar nichts sagen; hilf mir beten, wie ich foll, hilf mir auch mein Kreuze tragen! Wenn es Zeit ist, hilf mir sterben, und dabei den Himmel erben! Casp. Reumann. Von der Buße. In eigener Melodie. * 262. Aus tiefer Noth ich zu dir, Herr Gott, erhör' mein Rufen! Dein gnädig Ohr heig' her zu mir und meiner Bitt' es öffne! Denn so du willt das sehen an, was Sünd' und Unrecht ist gethan, wer kann, Herr, vor dir bleiben? 2. Bei dir gilt nichts denn Gnad' und Gunst, die Sünde zu vergeben; es ist doch unser Thun umsonst auch in dem besten Leben; vor dir niemand fich rühmen kann, deß muß dich fürchten jedermann, und deiner Gnade leben. 3. Darum auf Gott will hoffen ich, auf mein Verdienst verlassen mich und seiner Güte trauen, die mir zusagt sein werthes Wort, das ist mein Trost und treuer Hort, deß will ich allzeit harren. 4. Und ob es währt bis in die Nacht und wieder an den Morgen, noch soll mein Herz an Gottes Macht verzweifeln nicht, noch sorgen. So thu' Israel rechter Art, der aus dem Geist erzeuget ward und seines Gottes harre. 5. Ob bei uns ist der Sünden viel, bei Gott ist viel mehr Gnade. Sein' Hand zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch sei der Schade. Er ist allein der gute Hirt, der Israel erlösen wird aus seinen Sünden allen. Mart. Luther. In eigener Melodie. * 263. Ach Gott und Herr schwer sind mein' begang'ne wie groß und Sünden! da ist niemand, der helfen kann, in dieser Welt zu finden. 2. Lief' ich gleich weit in dieser Zeit bis an des Erdreichs Ende, und wollt' los sein des Elends mein, würd' ich's doch so nicht wenden. 3. Zu dir flieh' ich. Verstoß mich nicht, wie ich's wohl hab' verdienet! Ach Gott, zürn' nicht, geh' nicht in's G'richt, dein Sohn hat mich verfühnet. 4. Soll's ja so sein, daß Straf' und Bein auf Sünde folgen müssen: so fahr' hier fort; und schone dort! und laß mich hier wohl büßen! Anhang: Von der Buße. 297 5. Gib auch Geduld, vergiß| höchsten Thron, dem Vater die Schuld, verleih ein g'horsam Herze, daß ich mein Heil, mein bestes Theil, durch Murren nicht verscherze! aller Güte, und Jesu Christ, sein'm lieben Sohn, der uns allzeit behüte, und Gott, dem werthen heil'gen Geist, der uns sein' Hilfe all'zeit leift', daß wir ihm wohlgefällig sein, hier in der Zeit, und einst auch in der Ewigkeit! 6. Mach' du's mit mir, wie's dünket dir, durch dein' Gnad' will ich's leiden; laß mich nur nicht dort ewiglich von dir sein abgeschieden! M. Rutilius. In eigener Melodie. 265. Allein zu dir, Herr 288. S Jesu Christ, mein' Hoffnung steht auf Erden. Ich weiß, daß du mein Tröster bist; kein Trost mag mir sonst werden. Von Anbeginn ist nichts erfor'n, auf Erden ist kein Mensch gebor'n, der mir aus Nöthen helfen kann. Dich ruf ich an, zu dem ich mein Vertrauen hab'. 2. Mein' Sünd' sind schwer und übergroß, und reuen mich von Herzen. Derselben mach' mich frei und los durch deine Todes- Schmerzen! Nimm du dich mein bei'm Vater an, der du genug für mich gethan, so werd' ich los der Sündenlast. Herr, halt' mir fest das, was du mir versprochen hast! 3. Gib mir nach dein'r Barmherzigkeit den wahren Christenglauben, auf daß ich deine Freundlichkeit mög' inniglich anschauen, vor allen Dingen lieben dich und meinen Nächsten gleich als mich! Am letzten End' dein Hilf' mir send', damit behend' des Todes Grau'n sich von mir wend'! 4. Ehr' sei Gott in dem Johann Schneefing. Mel. Vater unser im Himmelreich 2c. ( o wahr ich lebe, spricht dein Gott, mir ist nicht lieb des Sünders Tod; vielmehr ist dies mein Wunsch und Will', daß er von Sünden halte ftill, von seiner Bosheit kehre sich und lebe mit mir ewiglich. 2. Dieß Wort bedent', o Menschenkind, verzweifle nicht in deiner Sünd'! Hier findest du Trost, Heil und Gnad', die Gott dir zugesaget hat, und zwar mit seinem theuren Eid; o selig, dem die Sünd' ist leid! 3. Doch hüte dich vor Sicherheit, denk' nicht: zur Buß' ist wohl noch Zeit, ich will erst fröhlich sein auf Erd'; wenn ich des Lebens müde werd', alsdann will ich bekehren mich; Gott wird wohl mein erbarmen sich. 4. Wahr ist's, Gott ist wohl stets bereit dem Sünder mit Barmherzigkeit; doch wer auf Gnade sündigt hin, fährt fort in seinem bösen Sinn, und seiner Seelen selbst nicht schont, dem wird mit Ungenad' geLohnt. 5. Gnad' hat dir zugesaget Univ.- Bibl. Giessen 298 Anhang: Von der Buße. Gott von wegen Christi Blut| verfühnet; laß nimmer-, nimund Tod; zusagen hat er nicht mer-, nimmermehr mich fallen gewollt, ob du bis morgen als dein Kind so sehr, daß du leben sollt; daß du mußt ster= es von dir würfest! ben, ist dir kund, verborgen ist die Todesstund'. hst an 6. Heut' lebst du, heut' be kehre dich! eh' morgen kommt, kann's ändern sich. Wer heut' ist frisch, gesund und roth, ist morgen frank, ja wohl gar todt. So du nun stirbest ohne Buß', dein Seel' und Leib dort brennen muß. 2. Gib mir auch einen neuen Geist, der wie du sei gesinnet, der stets dir anhang' allermeist, und was du willst beginnet; gib, daß er hasse Fleisch und Blut, den Glauben üb' und sanften Muth, Zucht, Demuth, Hoffnung, Liebe! is 4. Den heil'gen Geist nimm nicht von mir, den bösen Geist vertreibe, daß ich, als nie entfernt von dir, stets deine sei und bleibe; beherrsch' mein Herze, Sinn und Muth durch deinen Geist, so ist es gut im Leben und im Sterben! 7. Hilf, o Herr Jesu, hilf du mir, daß ich noch heute komm' zu dir, und Buße thu' den Augenblick, eh' mich der schnelle Tod hinrück', auf daß ich heut' und jederzeit zu meiner Heimfahrt sei bereit! C. Johann Herrmann. Mel. Nun freut euch, lieben 2c. 6. Dein Freudengeist erhalt' mich doch mit seinem FreudenDele, damit nicht das Ver289. Schaff in mir, Gott, zweiflungs- Joch verderbe meine ein Seele; mein Freund, mein Herz ist ganz verderbet, o Herr, allein! ach, laß mich es fühlt von Sünden großen ganz dein eigen sein, und führe Schmerz, die ihm sind ange- mich zur Freude! erbet, und die es noch thut ohne Scheu; ach, mach' es, daß es wieder sei, wie du es haft erschaffen! Ludämilia Elisabeth, Gr. z. S. R. 3. Verwirf' von deinem Angesicht, ob ich es gleich verdienet, mich, allerliebster Vater! nicht, weit Jesus mich 5. Mit deiner Hilfe tröste mich, hilf und vergib die Sünden! Und sucht dann meine Seele dich, so laß dich von ihr finden und dein Verdienst, Herr Jesu Christ, darinnen Trost und Leben ist troß Sünde, Tod und Teufel! 290. Junder an! jaMel. Meinen Jesum laß ich zc. die get doch dieß Trostwort allen, welche von der rechten Bahn auf verkehrten Weg gefallen; hier ist, was fie retten kann, Jesus nimmt die Sünder an. 2. Keiner Gnade sind wir werth; doch er hat in seinem Worte eidlich sich dazu erklärt. Sehet nur, die Gnadenpforte ist hier völlig aufgethan: Jesus immt die Sünder an! Anhang: Von der Buße. 299 3. Wenn ein Schaf verloren Me I. Allein Gott in der Höh' zc. ift, fuchet es ein treuer Hirte; 291. Bater der BarmJesus, der uns suchet treulich das verirrte, daß es nicht verderben fann; Jesus nimmt die Sünder an! ich falle dir zu Fuße; verstoß' den nicht, der zu dir schreit und thut noch endlich Buße! Was ich begangen wider dich, verzeih' mir alles gnädiglich durch deine große Güte! 4. Rommet alle, kommet her, kommet ihr geängsten Sünder! Jesus rufet euch, und er macht aus Sündern Gottes Kinder; gläubet's doch und denket dran: Jesus nimmt die Sünder an! 5. Jch Betrübter komme hier und betenne meine Sünden; laß, mein Heiland, mich bei dir Gnade zur Vergebung finden, daß dieß Wort mich trösten tann: Jesus nimmt die Sünder an! 6. Ich bin ganz getrosten Muths. Wenn die Sünden blutroth wären, müssen sie, traft deines Bluts, dennoch sich in schneeweiß kehren, da ich gläubig sprechen kann: Jesus nimmt die Sünder an! 7. Mein Gewissen beißt mich nicht, Moses darf mich nicht verklagen; der mich frei und ledig spricht, daß die Schulden abgetragen, daß mich nichts verdammen kann: Jesus nimmt die Sünder an! 8. Jesus nimmt die Sünder an! mich auch hat er angenommen, und den Himmel aufgethan, daß ich selig zu ihm kommen und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an! C. Neumeister. 2. Durch deiner Allmacht Wunderthat nimm von mir, was mich quälet; durch deine Weisheit schaffe Rath, worin es mir sonst fehlet; gib Willen, Mittel, Kräft' und Stärk', daß ich mit dir all' meine Werk anfange und vollende! 3. O Jesu Christe, der du hast am Kreuze für mich Armen getragen aller Sünden Last, willst meiner dich erbarmen! wahrer Gott, o Davids Sohn, erbarm' dich mein, und mein verschon', fieh an mein fläglich Rufen! 4. Laß deiner Wunden theures Blut, dein Leiden, Pein und Sterben mir kommen träftiglich zu gut, daß ich nicht muß verderben; bitt' du den Vater, daß er mir im Zorn nicht lohne nach Gebühr, wie ich es hab' verschuldet! 5. O heil'ger Geist, du wahres Licht, Regierer der Ge= danken, wenn mich die Sündenlust anficht, laß mich von dir nicht wanken; verleih', daß nun und nimmermehr Begierd' nach Wollust, Geld und Ehr' in meinem Herzen herrsche! 6. Und wenn mein Stündlein kommen ist, so hilf mir treulich kämpfen, daß ich des 300 Anhang Vom Glauben. Satans Trug und List durch| als ein Glanz hervor, scheint Christi Sieg mag dämpfen, auf daß mir Krankheit, Angst und Noth, und dann der letzte Feind, der Tod, nur sei die Thür zum Leben! als der helle Morgen, erweiset seine Kraft, macht Christo gleich gefinnt, erneuert Herz und Muth, wird durch ihn Gottes Kind. D. Denike. Vom Glauben. In eigener Melodie. 309. Wir glauben all' an einen Gott, Vater, Sohn, heiligen Geist, welchen der Cherubinen Rott' und die Schaar der Engel preift, der durch seine große Kraft alles wirket, thut und schafft. 3. Er schöpft aus Christo Heil, Gerechtigkeit und Leben, und will, was er empfing, gern Andern wiedergeben. Dieweil er überreich in Chrifto worden ist, preist er die Gnade hoch, betennet Jesum Chrift. 4. Er nimmt mit Freuden kündet; der Zweifel muß entan, was Gott im Wort verflieh'n, die Hoffnung wird be 2. Wir gläuben auch an Je- gründet; die hält in jeder Noth fum Christ, Gottes und ma- sich an dem Worte fest, daß Gott uns alle Ding zum Besten rien Sohn, welcher vom Vater dienen läßt. kommen ist, und uns führt in's Himmels Thron, der uns durch sein Blut und Tod hat erlöst aus aller Noth. 2. Der Glaube ist ein Licht, im Herzen tief verborgen, bricht 5. Aus Hoffnung wächst die Lieb', man nimmt aus Gottes Händen sein Loos vertrauend an, was er uns auch mag fenden. Und weil in's Herz so hell die Hoffnungssonne scheint, so neigt sich unser Herz mild gegen Freund und Feind. 3. Wir gläuben all' an heil'gen Geist, der von beiden gehet aus, uns all'zeit Trost und Beistand leist't wider alle Furcht und Graus. Heilige Dreifal tigkeit! sei gepriesen allezeit! Tobias Clausniger. Mel. O Gott, du frommer Gott zc. 6. Wir waren ohne Gott; er gibt uns in dem Sohne Erbarmung ohne Maß, und * 310. Versucht und prüft ladet uns zum Throne. Wer in hat erkannt, fürwahr, deß Herz wird auch von Gegenlieb entbrannt. selbst, ob ihr im Glauben stehet, ob ihr auf Christum nur und auf sein Vorbild sehet? Fragt, ob ihr in Geduld, in Demuth, Freundlichkeit dem Nächsten ohne Falsch zu dienen seid bereit? 7. Wie nun uns Gott gethan, thun wir dem Nächsten eben; droht er uns mit dem Tod, wir zeigen ihm das Leben; flucht er, so segnen wir; in Schaden, Kreuz und Anhang: Vom Glauben. Hohn ist Jesus unser Trost, und unser Schild und Lohn. 8. Prüft, läutert uns der Herr, gibt er ein Kreuz zu tragen, so tragen wir's getrost und ohne zu verzagen; statt finst'rer Ungeduld wird das Gebet erweckt, weil Gott schon aller Noth ein festes Ziel gesteckt. 9. Da lernet unser Herz sein Elend recht verstehen, lernt nur auf Gnade bau'n, hält an mit Bitten, Flehen, verzaget an sich selbst, vertraut nur Christi Kraft, die auch im tiefsten Tod noch neues Leben schafft. 10. Da ehrt man Christi Blut, erlanget Geist und Stärke, zu meiden böse Lust, zu üben gute Werke, tritt ab vom Eigenfinn, flieht die Vermessenheit, bewahret Gottesfurcht in Glück und schwerer Zeit. 11. So prüfe dich denn wohl, ob Christus in dir lebet? denn Christi Leben ist's, wonach der Glaube strebet; erst machet er gerecht, dann heilig, wirket Luft zu allem guten Werk; fieh', ob du auch so thust! 12. Gib diesen Glauben mir, o Herr, verleih' ihm Stärke; er bringe stets in mir die Frucht der guten Werke! Da, wo ein Feuer brennt, strahlt auch des Lichtes Schein; wo wahrer Glaube ist, da müssen Werke jein. 301 tes Gnad' und Güte; der bloße Beifall thut es nicht; es muß Herz und Gemüthe durchaus zu Gott gerichtet sein; und gründen sich auf ihn allein, ohn' Wanken und ohn' Zweifel. 2. Wer sein Herz also stärkt und steift im völligen Vertrauen, und Jesum Christum recht ergreift, auf sein Verdienst thut bauen: der hat des Glaubens rechte Art, und kann zur sel'gen Himmelfahrt sich schicken ohne Grauen. Mel. Nun freut euch lieben 2c. 315. Duversicht zu Got3. Das aber ist kein Menschenwerk, Gott muß es uns gewähren; d'rum bitt', daß er ihn in dir stärk' und täglich wolle mehren; laß aber auch des Glaubens Schein in guten Werken an dir sein; sonst ist dein Glaube eitel. 4. Es ist ein schändlich böser Wahn, des Glaubens sich nur rühmen, und gehen auf der Sünderbahn; dieß Christen nicht kann ziemen. Wer das thut, der soll wissen frei, daß sein Glaub' nur sei Heuchelei und werd' zur Höll' ihn bringen. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 317. Herz, ſei getreu in deinem Glauben, er Glaub' ist eine bleib' in demselben feste steh'n, Zuversicht zu Got laß diesen Beitstern dir nicht 5. D'rum lasse sich ein frommer Christ mit Ernst sein angelegen, daß er aufrichtig jeder Frist sich halt' in Gottes Wegen, daß sein Glaub' ohne Heuchelei vor Gott dem Herrn rechtschaffen sei und vor dem Nächsten leuchte! A. Gotter. 302 Anhang: rauben, sonst kannst du nicht in Himmel geh'n. Halt' dich an Gott, sprich ohne Scheu: ich bleibe Gott im Glauben treu! 2. Herz, sei getreu in deinem Leben, verlaß die breite Lasterbahn, sei der Gottseligkeit ergeben, dein Wandel gehe him melan; dieß Wort sei ohne Heuchelei: ich bleibe Gott im Leben treu! 3. Herz, sei getreu in deinem Leiden, der beste Trost ist nur Geduld! das Leiden muß doch endlich scheiden, nur halt dich fest an Gottes Huld, und sage dieß getroft dabei: ich bleibe Gott im Leiden treu!" 4. Nun, das soll auch die Losung bleiben im Leben und bis in den Tod: nichts, nichts soll mich von Gott abtreiben, so bin ich fröhlich in der Noth, so leb' ich furcht- und sorgenfrei, und bleibe meinem Gott getreu. 3. M. Schumann. Vom Gebet. In eigener Melodie. * 319. Da ater unser im Himmelreich, der du uns alle heißest gleich Brüder sein und dich rufen an und willst das Beten von uns han, gib, daß nicht bet' allein der Mund, hilf, daß es geh' aus Herzensgrund! 2. Geheiligt werd' der Name dein, dein Wort bei uns hilf halten rein, daß wir auch leben heiliglich nach deinem Namen würdiglich! Behüt' uns, Herr! Vom Gebet. vor falscher Lehr', das arm' verführte Volt bekehr'! 3. Es komm' dein Reich zu dieser Zeit, und dort hernach in Ewigkeit! Der heil'ge Geist uns wohne bei mit seinen Gaben mancherlei; des Satans Zorn und groß' Gewalt zer= brich, vor ihm dein' Kirch' erhalt'! 4. Dein Will' gescheh', Herr Gott! zugleich auf Erden wie im Himmelreich; gib uns Geduld in Leidenszeit, gehorfam sein in Lieb und Leid! Wehr und steur' allem Fleisch und Blut, das wider deinen Willen thut! 5. Gib uns heut' unser täglich Brod, und was man darf zur Leibesnoth! B'hüt' uns, Herr! vor Unfried' und Streit, vor Seuchen und vor theurer Zeit, daß wir in gutem Friede steh'n, der Sorg' und Geizes müßig geh'n! 6. All' unser Schuld vergib uns, Herr, laß sie uns nicht betrüben mehr, wie wir auch unsern Schuldigern ihr' Schuld und Fehl vergeben gern; zu dienen mach' uns all' bereit in rechter Lieb und Einigkeit! 7. Führ' uns, Herr, in Versuchung nicht, wenn uns der böse Geist ansicht; zur linken und zur rechten Hand hilf uns thun starken Widerstand, im Glauben fest und wohlgerüst und durch des heil'gen Geistes Trost! 8. Von allem Uebel uns erlös', es sind die Zeit und Tage bös; erlös' uns von dem Anhang: Vom Gebet. ew'gen Tod, und tröft' uns in der letzten Noth, bescher' uns auch ein sel'ges End', nimm' uns're Seel' in deine Händ'! 9. Amen! das ist: ,, Es werde wahr", stärk' unsern Glauben immerdar, auf daß wir ja nicht zweifeln d'ran, was wir hiermit gebeten han! auf dein Wort in dem Namen dein, so sprechen wir das Amen fein. Martin Luther. Pforte mit Seufzen, Fleh'n, und Bitten an! Ich halte mich an deine Worte: ,, klopf an, so wird euch aufgethan." Ach, öffne mir die Gnadenthür! in Jesu Namen steh' ich hier. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. * 323. Bergib ein Gott, ich 2. Wer kann doch etwas Gutes haben, das nicht von dir den Ursprung hat? Du bist der Geber aller Gaben, bei dir ist immer Rath und That. Du bist der Brunn, der immer quillt, das Gut, das alle Sehnsucht stillt. 3. Drum nah' ich dir mit meinem Beten, das herzlich, gläubig, kindlich ist. Der mich heißt freudig vor dir treten, ist mein Erlöser Jesus Christ; und der in mir das Abba" schreit, ist, Herr, dein Geist der Freudigkeit. 4. Gib, Vater, gib nach deinem Willen, was deinem Kinde nöthig ist! Nur du tannst mein Verlangen stillen, weil du die Segensquelle bist. Doch gib, o Geber, allermeist, 303 was mich dem Sündendienst entreißt! 5. Verleih' Beständigkeit im Glauben, laß meine Liebe innig sein! Will Satan mir das Kleinod rauben, so halte der Versuchung ein, damit mein schwaches Fleisch und Blut dem Feinde nicht den Willen thut! 6. Verleihe mir ein gut Gewissen, das weder Welt noch Teufel scheut! Wenn Züchtigungen folgen müssen, so schick' sie in der Gnadenzeit! Blut, und mach' mein Böses wieder gut! 7. Ich darf nicht bloß um Freude bitten, und daß mich Kreuz verschonen soll; mein Heiland hat ja selbst gelitten, d'rum leid' ich mit ihm freudenvoll. Doch wird Geduld mir nöthig sein, die wollest du mir, Herr, verleih'n! 8. Das And're wird sich alles fügen, ich möge arm sein oder reich. An deiner Huld laß ich mir g'nügen; die macht mir Glück und Unglück gleich. Trifft auch das Glück nicht häufig ein, so laß mich doch zufrieden sein! 9. Jch bitte nicht um langes Leben, nur daß ich christlich leben mag; laß mir den Tod vor Augen schweben und des Gerichtes großen Tag, damit mein Ausgang aus der Welt den Seligen mich zugesellt! 10. Gott, was soll ich mehr begehren? Du weißt schon, was ich haben muß. 304 Anhang: Du wirst nur Gutes mir gewähren, denn Jesus macht den frohen Schluß: ich soll in seinem Namen fleh'n, so werde, was mir nüßt, gescheh'n. Christe, erbarme dich, Ewiger, erbarme dich! Christe, erhöre uns! Herr Gott Vater im Himmel, erbarm' dich über uns! Herr Gott Sohn, der Welt Heiland, Die Litaney. Wir armen Sünder bitten: * 325. Ewiger, erbarme Erhöre uns, Herr, Herr, unser dich; erbarm' dich über uns! Herr Gott heiliger Geist, erbarm' dich über uns! Sei uns gnädig! Verschon' uns, Herr, Herr, unser Gott! Die Litaney. durch deinen Todeskampf und blutigen Schweiß, durch dein Kreuz und Tod, durch deine Auferstehung und Himmelfahrt, vor allem Uebel, vor des Teufels Trug und List, vor bösem schnellen Tod, behüt' uns, Herr, Herr, unser Gott! in unsrer letzten Noth, am jüngsten Gericht, hilf uns, Herr, Herr, unser Gott! Vor Pestilenz und theurer Zeit, vor Krieg und Blutvergießen, vor Aufruhr und Zwietracht, vor Hagel und Ungewitter, vor Feuer und Wassersnoth, vor dem ewigen Tod, behüt' uns, Herr, Herr, unser Gott! Durch dein' heil'ge Geburt, Du wollest deine heilige christliche Kirche regieren und führen, alle Irrige und Verführte wiederbringen, den Satan unter unsre Füße treten, treue Arbeiter in deine Ernte senden, Sei uns gnädig! Hilf uns Herr, Herr, unser deinen Geist und Kraft zum Gott! vor allen Sünden, vor allem Irrthum, alle Lehrer in Kirchen und Schulen im heilsamen Wort und heiligen Leben erhalten, allen Rotten und Aergernissen wehren, Worte geben, allen Betrübten und Blöden helfen und sie trösten, erhör' uns, Herr, Herr, unser Gott; Allen Fürsten wollest du Fried' und Eintracht geben, Unsern Landesherrn mit allen seinen Räthen und Beamten leiten und schützen, unsere Stadt, Schul' und Gemeine segnen und behüten; erhör' uns, Herr, Herr, unser Gott! Allen, so in Noth und Ge fahr sind, mit Hülf' erscheinen, Anhang: Die Litaney.- allen Schwangern und Säugern fröhliche Frucht und Gedeihen geben; aller Kinder und Kranken pflegen und warten; alle unschuldig Gefangene los und ledig lassen, alle Wittwen und Waisen vertheidigen und versorgen, aller Menschen dich erbarmen, erhör' uns! Herr, Herr, unser Gott! Unsern Feinden, Verfolgern und Lästerern vergeben und sie bekehren, die Früchte auf dem Lande geben und sie bewahren, und uns gnädiglich erhören, erhör' uns, Herr, Herr, unser Gott! O Jesu Christe, Gottes Sohn, erhör' uns, Herr, Herr, unser Gott! verleih' uns steten Frieden! Christe, erhöre uns! Ewiger! erbarme dich! Christe, erbarme dich! Ewiger, erbarme dich! Amen. Martin Luther. Von der christlichen Kirche. 305 deinen Sohn, wollen ftürzen von deinem Thron! 2. Beweis dein' Macht, Herr Jesu Christ, der du Herr aller Herren bist, beschirm' dein' arme Christenheit, daß sie dich lob' in Ewigkeit! O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, erbarm' dich über uns! O du Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, erbarm' dich über uns! du Lamm Gottes, das der 330. Cin' feſte Burg int Von der christlichen Kirche. In eigener Melodie. 327a. rhalt' uns, Herr, bei deinem Wort und steure deiner Feinde Mord, die Jesum Christum, 3. Gott heil'ger Geist, du Tröster werth, gib Einen Sinn doch deiner Herd', steh' bei uns in der letzten Noth, leit' uns in's Leben aus dem Tod! Martin Luther. In eigener Melodie. * 327⁰. V erleih' uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten, es ist ja doch kein and'rer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine. 2. Gib unser'm Landesherrn und aller Obrigkeit Fried' und gut' Regiment, daß wir unter ihnen ein g'ruhig und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit! Amen. Martin Luther. gute Wehr und Waffen; er hilft uns frei aus aller Noth, die uns ißt hat betroffen. Der alte böse Feind mit Ernst er's ißt meint, groß' Macht und viel List sein' grausam' Rüstung ist; auf Erd'n ist nicht sein's Gleichen. 2. Mit uns'rer Macht ist nichts gethan, wir sind gar bald verloren. Es streit't für uns der rechte Mann, den Gott selbst hat erforen. Fragst du, 20 306 Anhang: Von der christl. Kirche.- Vom Worte Gottes. wer er ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein and'rer Gott, das Feld muß er behalten. 3. Und wenn die Welt voll Teufel wär', und wollt'n uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen. Der Fürste dieser Welt, wie sauer er sich stellt, thut er uns doch nichts, das macht, er ist gericht'. Ein Wörtlein kann ihn fällen. 4. Das Wort sie sollen lassen stah'n, und kein'n Dank dazu haben. Er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben. Nehmen fie uns den Leib, Gut, Ehr', Kind und Weib; laß fahren dahin! fie haben's kein'n Gewinn. Das Reich muß uns doch bleiben. 3. Und was sich sonst verirret hat, das suche du mit deiner Gnad', mach' ihr verwund't Gewissen heil, am Himmel laß sie haben Theil! 4. Den Tauben öffne das Gehör, die Stummen richtig reden lehr', auf daß sie alle sagen frei, was ihres Herzens Glauben sei! 5. Erleuchte, die da sind verblend't; bring her, die sich von uns getrennt; versammle, die zerstreuet geh'n; hilf allen, die im Zweifel steh'n! 6. So werden sie mit uns zugleich auf Erden wie im Himmelreich, hie zeitlich und dort ewiglich, für deine Gnade preisen dich! Joh. Hermann. Vom Worte Gottes. 5. Preis, Ehr' und Lob dem höchsten Gott, dem Vater aller Gnaden, der uns aus Lieb' In eigener Melodie. gegeben hat, sein'n Sohn für 336. Es wolle Gott unsern Schaden; dem Tröster heil'gen Geist, von Sünd' er uns reißt, zum Reich Gott's uns heißt, den Weg zum Himmel weist, der helf' uns fröhlich! Amen. Martin Luther. uns gnädig sein und seinen Segen geben; sein Antlig uns mit hellem Schein erleucht' zum ew'gen Leben, daß wir erfennen feine Werk' und was ihm lieb auf Erden, und Jesu Christi Heil und Stärk' bekannt den HeiMel. Herr Jesus Christ wahr'r 2c. * 334. Jesu Christe, den werde, und sie zu Gott wahres Licht! erleuchte, die dich kennen nicht, und bringe sie zu deiner Heerd', deiner Heerd', auf daß ein jeder selig werd'! 2. Erfülle, die im Frrthum fein, mit deinem Geist und Gnadenschein: auch die, so heimlich noch ficht an in ihrem Sinn ein falscher Wahn! befehre. 2. So danken dir und Loben dich, Herr Gott, die Völker alle, der ganze Erdkreis freuet sich und singt mit großem Schalle, daß du auf Erden Richter bist, und läßt die Dein Sünd' nicht walten. Wort die Hut und Weide ist, Anhang: Vom Worte Gottes. 307 die alles Volk erhalten, in| Held, daß wir dem Feind zum rechter Bahn zu wallen. Truße besiegen Sünd' und Welt! 3. Es danke, Gott, und lobe dich das Volk in guten Thaten; das Land bring' Frucht und beff're fich; dein Wort laß wohl gerathen! Uns segne Vater und der Sohn, uns segne Gott der heil'ge Geist, dem alle Welt die Ehre thu"," 342. Raß mich dein ſein vor ihm sich fürchte allermeist, du nun sprecht von Herzen Amen! Martin Luther. treuer Gott und Herr, von dir laß mich nichts treiben, halt mich bei reiner Lehr'! Herr, Mel. Ach Herr, mich armen zc. 339. Dir, Seju, foll Dank bleiben, daß dein Wort mir bekannt! Laß mich nur standhaft gläuben dem, der dich hat gesandt: so laß mich nur nicht wanken, gib mir Beständigkeit! dafür will ich dir danken in alle Ewigkeit. Nic. Selnekker. Mel. Allein Gott in der Höh' 2c. muß es mir gelingen, wie bein 343. Mensch, wie ist D Eid wahrlich spricht, ich muß in's Leben dringen und komm' nicht in's Gericht. dein Herz bestellt? Hab' Achtung auf dein Leben! Was trägt für Frucht dein Herzensfeld? Sind's Dornen oder Reben? Denn aus der Mel. Christus der ist mein 2c. 341. 2, bleib' mit dei Frucht kennt man die Saat, ner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, daß uns hinfort nicht schade des bösen Feindes Lift! wer das Land befäet hat, Gott, oder der Verderber. 2. Ist nun dein Herze gleich dem Weg und einer harten Straße, da auf dem breiten Lasterweg die Vögel zieh'n zum Fraße? Ach! prüfe dich! es ist fein Scherz! Steht's also um dein armes Herz, so bist du zu beweinen. 3. Ist auch dein Herz von Felsenart, verhärtet durch die Sünden, so ist der Same schlecht verwahrt auf solchen Felsengründen. Ein Felsenstein hat keinen Saft, d'rum hat der Same keine Kraft, zu sprossen und zu reifen. 2. Ach, bleib' mit deinem Worte bei uns, Erlöser, werth, daß uns beid' hier und dorte sei Troft und Heil beschert! 3. Ach, bleib' mit deinem Glanze bei uns, du werthes Licht, dein' Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht. 6. Ach, bleib' mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott, Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Noth! Josua Stegmann. Mel. Ach Herr, mich armen Sünder 2c. 4. Ach, bleib' mit deinem Segen bei uns, o reicher Herr, dein Gnad' und all's Vermögen in uns reichlich vermehr'! 5. Ach bleib' mit deinem Schuße bei uns, du starker 20* 308 Anhang: Vom Worte Gottes. 4. Oft ist das Herz auch| Knechte, daß durch sie würde dornenvoll, mit Sorgen angefüllet; oft lebet es in Reichthum wohl; da wird die Saat verhüllet; ja, fie ersticket ganz und gar, und wird nicht einmal offenbar; o wehe solchen Seelen! wohl bekannt dein Will' und deine Rechte. Zum letzten ist dein lieber Sohn, o Vater! von des Himmels Thron selbst kommen, uns zu lehren. 3. Für solches Heil sei, Herr, gepreist, laß uns dabei verbleiben, und gib uns deinen guten Geist, daß wir dem Worte gläuben, dasselb' annehmen jederzeit mit Sanftmuth, Ehre, Lieb' und Freud' als Gottes, nicht der Menschen. 4. Hilf, daß der lose SpötterHauf' uns nicht vom Wort abwende, weil ihr Gespötte endlich d'rauf mit Schrecken nimmt ein Ende. Gib du selbst deinem Donner Kraft, daß deine Lehre in uns haft', auch reichlich bei uns wohne! 5. Deffn' uns die Ohren und das Herz, daß wir das Wort recht fassen, in Lieb' und Leid, in Freud' und Schmerz es aus der Acht nicht lassen, daß wir nicht Hörer nur allein des Wortes, sondern Thäter sein, Frucht hundertfältig bringen! 6. Am Wege wird der Same fort vom Teufel hingenommen, in Fels und Steinen kann das Wort die Wurzel nicht bekommen; der Same, so auf Dornen fällt, von Sorg' und Wolluft dieser Welt verdirbet und ersticket. 7. Ach hilf, Herr! daß wir werden gleich allhie dem guten Lande, und sei'n an guten Werfen reich in unserm Amt und Stande, viel Früchte bringen 5. Doch ist auch noch manch gutes Land auf dieser Welt zu finden, das Gott dem Herrn allein bekannt, in stillen Herzensgründen, da Same, den Gott eingelegt, noch hundert fältig Früchte trägt; o das sind sel'ge Herzen! 6. Wer Ohren hat, der höre doch, und prüfe sich ohn' Heucheln, so lang' es heute heißet noch; hier darf sich feiner schmeicheln; die Zeit vergeht; das Ende naht; fällt auf kein gutes Land die Saat, so mußt du ewig sterben. 7. Herr Jesu, laß mein Herze sein zerknirschet und zerschlagen, damit der Same dring' hinein, und laß ihn Früchte tragen, die mir in Himmel folgen nach, daß ich fie finde tausendfach, das ist mein heiß Verlangen. Mel. Es ist das Heil uns 2c. 344. Mir Menschen find zu dem, o Gott, was geistlich ist, untüchtig, dein Wesen, Wille und Gebot ist viel zu hoch und wichtig; wir wissen und verstehen nicht, wo uns dein göttlich Wort und Licht den Weg zu dir nicht weiset. 2. D'rum sind vor Zeiten ausgesandt Propheten, deine Anhang: Vom Wort Gottes. in Geduld, bewahren deine Lehr' und Huld in einem guten Herzen. wir Mel. Nun danket alle Gott zc. leben hier, den Weg der Sün- 346. Mesot und preiſe ein Herze, der meiden; gib, daß wir halten fest an dir in Anfechtung und Leiden; rott' aus die Dornen allzumal, hilf uns die Weltsorg' überall und böse Lüfte dämpfen! seinen Namen! Er gibt dir Himmelsbrod und streuet seinen Samen in deinem Herzen ein; der Acker ist bereit; er wird auch Kraft verleih'n zur rechten Fruchtbarkeit. 9. Dein Wort laß alle Wege sein die Leuchte unsern Füßen; erhalt' es bei uns klar und rein, hilf, daß wir d'raus genießen Kraft, Rath und Trost in aller Noth, daß wir im Leben und im Tod hierauf beständig bleiben! 10. Laß sich dein Wort zu deiner Ehr', o Gott! sehr weit ausbreiten; hilf, Jesu! daß uns deine Lehr' erleuchten mög' und leiten; o heil'ger Geist! dein göttlich Wort, laß in uns wirken fort und fort Geduld, Lieb', Hoffnung, Glauben! Mel. Erhalt' uns Herr, bei deinem 2c. 345. Herr, err, öffne mir die Herzens- Thür! zieh' mein Herz durch dein Wort zu dir! Laß mich dein Wort bewahren rein, laß mich dein Kind und Erbe sein! 2. Dein Wort bewegt des Herzens Grund, dein Wort macht Leib und Seel' gesund, dein Wort ist's, das mein Herz erfreut, dein Wort gibt Trost und Seligkeit. 309 Dreifaltigkeit sei Lob und Preis in Ewigkeit! 3. Dlearius. 3. Chr' sei dem Vater und dem Sohn! dem heil'gen Geist in einem Thron! Der heiligen 2. Behalte nur das Wort in einem guten Herzen, und tröste dich hinfort in allen Kreuzes- Schmerzen, daß du den Schaß nun hast, der reich und fröhlich macht, daß man bei aller Last auch in den Dornen lacht! 3. Geh' nur getrost dahin mit diesem Wanderstabe; ergöße deinen Sinn mit dieser Himmelsgabe! Erinnere dich oft, was Jesus zu dir sprach; sein Wort stillt unverhofft des Kreuzes Ungemach. 4. Auf dieses Wort kannst du nun leben und auch sterben; es gibt der Seele Ruh' und warnet vor Verderben. Das Wort, dein Weg, dein Licht; geh'st du auf dieser Bahn, so irret dein Fuß nicht, so geh'st du himmelan. 5. O Jesu! laß in mir dieß theure Wort bekleiben; mein Herze soll hinfür an dieser Rede bleiben, bis du im Himmel dort, du theurer Lebensfürst! noch gar ein ander Wort mit mir erst reden wirst. Benjamin Schmolke. 310 Anhang: Vom Worte Gottes. Mel. Laßt uns den Herren loben 2c. 352. Densonne, wahr err Jesu, Gnadensonne, wahrhaftes Lebenslicht! Gib Leben, Licht und Wonne dem blöden Angesicht! Nur du kannst mich erfreuen und meinen Geist erneuen; mein Gott, versag' mir's nicht! Von der heiligen Taufe. 2. Vergib mir meine Sünden, demüthig bitt' ich dich; laß allen Zorn verschwinden, Mel. Es ist das Heil uns 2c. und hilf mir gnädiglich; Laß 366. Gott Bater, Sohn deine Friedensgaben mein armes Herze laben! Ach, Herr, erhöre mich! 3. Vertreib' aus meiner Seele den alten, bösen Sinn, daß ich nur dich erwähle zum seligen Gewinn! Dir will ich mich ergeben, und dir zur Ehre leben, weil ich erlöset bin. 4. Beförd're dein' Erkennt niß in mir, mein Seelenhort! und öffne mein Verständniß, Herr, durch dein heilig Wort, damit ich an dich gläube, in deiner Wahrheit bleibe, und wachse fort und fort! 5. Ach, zünde deine Liebe in meiner Seele an, daß ich aus inn'rem Triebe dich ewig lieben kann, und dir zum und dir zum Wohlgefallen beständig möge wallen auf rechter Lebensbahn! Von der heiligen Taufe. 7. Darum, du Gott der Gnaden, du Vater aller Treu', wend' allen Seelenschaden, und mach' mich täglich neu; gib, daß ich deinen Willen beständig mög' erfüllen, und steh' mir kräftig bei! 6. Nun, Herr, verleih' mir Stärke, verleih' mir Kraft und Muth! denn das sind Gnadenwerke, die dein Geist in mir thut. Hingegen mein Beginnen, mein Denken und mein Sinnen ist sündig, und nicht gut. Geist, du Gott von hoher Güte, sei jeßt und immerdar gepreist mit dankendem Gemüthe, daß du aus unverdienter Gnad' mich durch das heil'ge Wasser bad von Sünden abgewaschen! 2. Herr Jesu Christ! dein theures Blut wäscht mich von meinen Sünden; kraft dessen macht die Wasserfluth den schweren Fluch verschwinden, den ich hab' von Natur ver= schuld't, und setzt mich in des Vaters Huld, die Adant hat verloren. 3. O heil'ger Geist, ich danke dir für diese edle Gabe, daß ich nun seliglich in mir dein träftig Zeugniß habe, dadurch ich meinen Schöpfer kann ge trost und freudig rufen an, und sagen: ,, Abba, Vater!" 4. Weil in der Tauf' auch Jesus Christ von mir ist an gezogen, so hilf, daß durch des Satans List ich nimmer werd' betrogen! Denn die nun Gottes Tempel sind, die bleiben vor dem bösen Feind in deiner Gnade sicher. Anhang: Vom heiligen Abendmahle. 5. O Herr, an diese Würdigkeit, die du mir wolltest schenken, laß jetzo mich und allezeit von ganzer Seele den ken, daß ich dadurch ein Herze fass' und immer mich darauf verlaß, daß du mir Gnad' versprochen! 6. Ich hab' auch bei dem Wasserbad mich dir zum Dienst verbunden; d'rum gib, daß keine Missethat in mir werd' herrschend funden! Gib, daß für deine Güt' und Treu' ich den Gehorsam stets erneu', den ich dir angelobet! 7. Herr, so ich was aus Schwachheit thu', das woll'st du mir verzeihen, und mir es ja. nicht rechnen zu; den Beistand auch verleihen, daß ich an mir beständig bleib', bis du die Seele von dem Leib hinauf zu dir wirst nehmen. Vom heiligen Abendmahle. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. u bleibst, o Jesu 370. D Christ, wie ich dich stets befunden, der allertreuste Freund, der sich mir fest verbunden; wenn uns die größte Noth den Freund am besten weist, hast du jetzt wohl gezeigt, daß du recht treue seist. 2. Gott hat uns nicht gesetzt zum Zorn, noch zum Verderben; er will, ein jeder soll die Seligkeit ererben; hingegen hatt' ich selbst zum Zorne mich geseßt, indem ich Gottes Bund so oft und grob verlegt. * 311 3. Dennoch wollt' seine Güt' mich noch zur Buße leiten, und du, mein Freund, halfft mir, mich wohl dazu bereiten; wer sich zu dir nur kehrt, verläßt die Lasterbahn, der ist dir angenehm, du nimmst die Sünder an. 4. Dir ist die größte Freud', dein Schäflein wieder finden. Du nimmst, du trägeſt es, du machst es frei von Sünden; wie ist doch deine Lieb', mein Freund, so herrlich groß! ich bin nun durch dein Blut von Schuld und Strafe los. 5. Die hat an deiner Statt dein Diener mir vergeben; ich hätt' den Tod verdient, und du schenkst mir das Leben. O Treue! nun bin ich durch dich mit Gott versühnt, mein allerbester Freund! was hast du mir verdient! 6. Nun ist an mir nichts mehr Verdammliches zu sehen, ich kann durch dich, mein Freund! bei Gott nun wohl bestehen; und gibst mir überdieß zum Pfand das höchste Gut, dein eigen Leib und Blut, seht, was die Freundschaft thut! 7. Die helf auch meines Theils mich allezeit festhalten, den Eifer, den ich spür', laß nimmermehr erkalten, und ob ich nicht allhier vollkommen werden kann, so nimm doch mein Bemüh'n indessen von mir an! 8. Laß stets dein Lob und Ruhm in meinem Munde leben, es bleibe, was ich bin, dir eigen übergeben; nimm Herz 312 Anhang: Vom heiligen Abendmahle. und Seele ein, mein alles bist| Lieben dich vom Himmel her du mir, mein Leben richte sich, mein Freund, allzeit nach dir! getrieben, daß du willig hast dein Leben in den Tod für uns gegeben, und dazu ganz unverdrossen hast dein Blut für uns vergossen, das uns jetzt kann kräftig tränken, deiner Liebe zu gedenken. In eigener Melodie. 375. Schmücke dich, o liebe Seele! laß die dunkle Sündenhöhle! Komm ans helle Licht gegangen, fange herrlich an zu prangen! Denn der Herr voll Heil und Gnaden will zu seinem Tisch dich laden; der den Himmel fann verwalten, will jetzt Einzug bei dir halten. 2. Dürstend nach der Gnade Segen, eile deinem Freund entgegen, der mit seiner Liebe Gaben kommt, dich Menschenfind zu laben. Deffne ihm des Herzens Pforte, sprich: ,, nach deinem Gnadenworte komm ich, Heiland, dir zu nahen; laß mich deinen Trost empfahen!" 3. Ach, wie hungert mein Gemüthe, Menschenfreund, nach deiner Güte! Ach, wie pfleg' ich oft mit Thränen mich nach deinem Tisch zu sehnen! Ach! wie pfleget mich zu dürsten nach dem Trant des Lebensfürsten, daß in diesem Brod und Weine Christus sich mit mir vereine! 4. Jesu, meine Lebenssonne! Jesu, meine Freud' und Wonne! Jesu, du all' mein Beginnen, Lebensquell und Licht der Sinnen! Hier fall' ich zu deinen Füßen; laß mich würdiglich genießen dieser deiner Himmelsspeise, mir zum Heil und dir zum Preise! 5. Herr! es hat dein treues 6. Jefu, wahres Brod des Lebens! hilf, daß ich doch nicht vergebens oder mir wohl gar zum Schaden sei zu deinem Tisch geladen! laß mich durch dieß Seelenessen deine Liebe recht ermessen, daß ich auch, wie jeßt auf Erden, mög' dein Gast im Himmel werden! Johann Frank. Mel. Allein Gott in der Höh' zc. * 376. D" u Lebensbrod, Herr Jesu Christ, mag dich ein Sünder haben, der nach dem Himmel hungrig ist, und sich an dir will laben: so bitt' ich dich demüthiglich, du wollest recht bereiten mich, daß ich deß würdig werde. 2. Auf grüner Aue wolleft du, Herr, diesen Tag mich leiten, den frischen Wassern führen zu, den Tisch für mich bereiten. Ich bin zwar fündig, matt und krank; doch laß mich deinen Gnadentrank aus deinem Kelche schmecken! 3. Herr Jesu Christ, du Himmelsbrod, du wollest mir verleihen, daß ich in meiner Seelen- Noth zu dir mag kindlich schreien! Dein Unschuldskleid bedecke mich, auf daß ich möge würdiglich an deiner Tafel sizen! Anhang: Vom heiligen Abendmahle. 4. Tilg' allen Haß und Bitterkeit fortan aus meinem Herzen; laß kämpfen mich den guten Streit, nie mit der Sünde scherzen! Und ob ich Ulebels viel gethan, fang' ich ein göttlich Leben an, wenn du dich mein erbarmest. 5. Zwar bin ich deiner Gunst nicht werth, als der ich jetzt erscheine, mit Sünden allzuviel beschwert, die schmerzlich ich beweine; in solcher Trübsal tröstet mich, Herr Jesu! daß du gnädiglich der Sünder dich erbarmest. 6. Ich bin ein Mensch, krank von der Sünd', laß deine Hand mich heilen, erleuchte mich, denn ich bin blind, du kannst mir Gnad' ertheilen; ich bin verdammt, erbarme dich! ich bin verloren, suche mich, und hilf aus lauter Gnaden! 7. Du Sebensbrod, Herr Jesu Christ! komm selbst, dich mir zu schenken; o Blut! das du vergossen bist, komm eiligst mich zu tränken; ich bleib' in dir, und du in mir, d'rum wirst du, meiner Seelen Zier! auch mich zum Leben wecken. Mel.: Freu' dich sehr, o meine Seele zc. err, du haft für 377. Her, alle Sünder einen reichen Tisch gedeckt, wo dein Brod die armen Kinder neu zu Freud' und Liebe weckt. Hier erschein' ich als ein Gast, welchen du geladen hast. Laß mich nicht mit falschem Herzen deine große Huld verscherzen! 2. Höre mich, o Herr der Güte! Mache mich vom Eiteln 313 frei, daß voll Andacht mein Gemüthe und mein Herz dir heilig sei! Nur zu dir steht mein Vertrau'n; lehr' mich gläubig auf dich schau'n, und laß deinen Tisch auf Erden mir des Himmels Vorschmack werden! 3. Gnadenvoll willst du mir schenken deinen Leib, dein theures Blut! D'rum so laß mich wohl bedenken, was hier deine Liebe thut, und verleihe, daß ich nicht eff' und trinke zum Gericht, was du doch zum Heil und Leben mir im Abendmahl willst geben! 4. Wirke heilige Gedanken in der Seele, die dich ehrt! Halte die Vernunft in Schranken, wenn mich Furcht und Zweifel stört! Fühl' ich immer Sünden- Noth, so erquicke mich dies Brod, dieser Kelch mit deinem Blute; denn es floß auch mir zu gute. 5. Ohne dich ist ja kein Leben. Gib mir neue Lebenskraft! Ich bin mit Gefahr umgeben; du bist's, der mir Hilfe schafft. Arm am Geist, komm' ich zu dir, laß dein Abendmahl auch mir, bei so mancher Last auf Erden, Herr, zu großer Stärkung werden! 6. Laß mich deine Liebe schmecken und die Güter jener. Welt! Oder, wenn ja Furcht und Schrecken mich dabei noch überfällt, so verleihe mir dein Blut einen rechten Freudenmuth, daß ich meinen Trost im Glauben mir durch Niemand lasse rauben! 7. Tief will ich's zu Herzen 314 Anhang: Vom heiligen Abendmahle. fassen, daß dein Tod mein| nossen, ja flöß' mir selbst in Leben ist; keinen meiner Brüder Herz und Mund, was du für hassen, der mit mir Ein Brod mich vergossen! Ach! speis genießt. Deiner will ich mich und tränke gnädiglich, mein erfreu'n, bis ich werde bei dir Freund! zum ew'gen Leben sein und die Fülle deiner Ga- mich mit diesen theuren Gaben! ben, meinen Gott, und Alles haben. 6. Gib, daß ich jetzt und allezeit mög' bei mir wohl bedenken, wie du zum Pfand der Seligkeit dich ganz mir wollen schenken, daß meine Sünden groß und klein vergeben und vergessen sein, und durch dein Blut getilget! Mel.: Allein Gott in der Höh' sei Ehr'. 389. H ier stellt ein Gast sich bei dir ein, den du selbst hast geladen, mein Freund! er wünscht gelabt zu sein bei deinem Tisch der Gnaden; wer hungrig ist, erlangt hier Speis'; wer dürftet, der fann gleicher Weis' Trank und Erquickung haben. 2. Er weiß, daß er nicht würdig scheint, zu diesem Mahl zu kommen, doch tröstet ihn, daß du, mein Freund, stets Sünder angenommen; d'rum naht er 7. So komm, mein Freund! und labe mich, ich warte mit Verlangen, mein Geist und Seele sehnet sich, dich würdig zu empfangen. Uch! komm' und bleibe stets in mir; mein Herze soll alleine dir zur eignen Wohnung dienen. fich in Demuth hier, und$ 393. Gott het geleent In eigener Melodie. ſei glaubt dabei, er werd' von dir niemalen sein verstoßen. und gebenedeiet! 3. Ich bin, mein Freund, der arme Gast, der zu dir jetzt sich findet; ich bin's, den du gerufen hast, der auf dein Wort sich gründet, daß es den müden Seelen glückt, und daß man bei dir sieht erquickt Mühsehl'ge und Belad'ne. 4. Hier steh' ich denn voll Zuversicht, und wart' auf deine Gaben, Aug' und Herz ist zu dir gericht't, und wünschet dich zu haben; laß mit und unter Brod und Wein dein Leib und Blut gereichet sein mir ist auf mein Verlangen! 5. Hilf mir, daß es zu dieser Stund' recht würdig werd' geder uns selber hat gespeiſet mit seinem Fleische und mit seinem Blute, das gib uns, Herr Gott! zu Gute; Kyrie Eleison! 2. Herr! durch deinen heiligen Leichnam, der von deiner Mutter Maria kam, und durch das heilige Blut, hilf uns, Herr, aus aller Noth; Kyrie Eleison! 3. Der heil'ge Leichnam ist für uns gegeben zum Tod, daß wird dadurch leben. Nicht größ're Liebe tkönnte er uns schenken, dabei wir sein sollen gedenken; Kyrie Eleison! 4. Herr! deine Lieb' so groß dich gezwungen hat, daß dein Anhang: Von der Rechtfertigung. 315 Blut an uns groß' Wunder| richte gehen, so bin ich ein ver= that, und bezahlet uns're lorner Knecht; wie könnt' ich Schuld, daß uns Gott ist doch vor ihm bestehen? An mir worden huld; Kyrie Eleison! ist alles ungerecht; doch ist das meine Zuversicht: wer gläubet, kommt nicht in's Gericht. 5. Gott geb' uns allen seinen Gnaden- Segen, daß wir geh'n auf seinen Wegen in rechter Lieb' und brüderlicher Treue, daß uns die Speis' nicht gereue; Kyrie Eleison! 6. Herr! dein'n heil'gen Geist uns immer laß, der uns geb' zu halten rechte Maß, daß dein' arme Christenheit leb' in Fried' und Einigkeit! Kyrie Eleison! 5. Gott siehet ja nicht auf die Sünden, ob man derselben viel gethan; viel Schuld soll viel Vergebung finden; nur Reu' und Glauben sieht er an; reißt gleich die Sünde mächtig ein, soll doch die Gnade mächt'ger sein. 6. Auf diesen Glauben will ich leben, so sterb' ich auch und anders nicht; mein Jesus wird mir alles geben, was meiner Schwachheit noch gebricht; ich habe nichts, doch er allein muß Von der Rechtfertigung. Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 432.[ lo bat Gott bie alles mir in allem sein. A Welt geliebet, daß er sein eingebor'nes Kind für alle zur Versöhnung giebet, die der Verdammniß schuldig sind; wer gläubt, der soll von Sünden rein und jenes Lebens Erbe sein. 7. So ruhet mein erschreckt Gewissen, so hat mein Geist getroften Muth; so will mich Gottes Liebe füssen; so wird mein End' und alles gut. Das ist mein Trost und Freudenlicht: ich lasse meinen Jesum nicht. 2. Also hat Gott auch mich geliebet, und liebt mich diese E. Neumeister. In eigener Melodie. Stunde noch; ob mein Gewis-* 439. Wie wohl ist mir, mich betrübet, ach! erfreut mich dieses doch: Ich habe Christi theures Blut, das macht mein Böses alles gut. 3. Ich weiß, der Sünden meiner Jugend gedenkt mein lieber Gott nicht mehr. Ach! ich verließ den Weg der Tugend, und alle Lafter liebt' ich jehr. Nun ist mir alles herzlich leid, ich suche blos Barmherzigkeit. Freund der Seele, wenn ich in deiner Liebe ruh'! Ich steig' aus dunkler Schwermuthshöhle, und eile deinen Armen zu. Da muß die Nacht des Trauerns scheiden, wann mit der Fülle sel'ger Freunden die Liebe strahlt aus deiner Brust. Hier ist mein Himmel schon auf Erden. Dem muß ja volle G'nüge werden, der in dir suchet Ruh' und Lust. 4. Zwar will Gott ins Ge2. Die Welt mag sich mir 316 feindlich zeigen; es sei also; ich acht' es nicht. Will sie sich freundlich zu mir neigen, ich flieh' ihr trügend Angesicht. In dir vergnügt sich meine Seele, du bist mein Freund, den ich erwähle; du bleibst mein Freund, wenn Freundschaft weicht; auch in den stärksten Trübsalsquellen kann Jesuslieder. In eigener Melodie. deine Treu' mich ſicher ſtellen, 451. M einen Jesum laß die mir den festen Anker reicht. ich nicht. Weil er sich für mich gegeben, so er fordert meine Pflicht, unverrückt nur ihm zu leben. Er ist meines Lebens Licht, meinen Jesum laß ich nicht. Anhang: Von der Rechtfertigung. 3. Will mich die Last der Sünden drücken, bligt auf mich des Gesetzes Weh'; so eil' ich, Herr, auf dich zu blicken, und steige gläubig in die Höh'. Ich fliehe, Herr, zu deinen Wunden; da hab' ich schon den Ort gefunden, wo mich kein Fluchstrahl treffen kann. Tritt Alles wider mich zusammen! du bist mein Heil, wer will verdammen? Die Liebe nimmt sich meiner an. 4. Lenkst du durch Wüsten meine Reise, ich folg' und lehne mich auf dich. Du gibst mir aus den Wolken Speise, und tränkest aus den Felsen mich. Ich traue deinen Wunderwegen, sie enden sich in Lieb' und Segen. Genug, wenn ich dich bei mir hab'! Ich weiß, wen du willst herrlich zieren, und über Sonn' und Sterne führen, den führest du zuvor hinab. 5. Der Tod mag andern düster scheinen, ich seh' ihn an mit frohem Muth; denn du, o Gott, verlässest keinen, deß Herz und Leben in dir ruht. Wie kann des Weges Ziel mich schrecken, da aus Jesuslieder. der Nacht, die mich wird decken, ich eingeh' in die Sicherheit? Mein Licht, so will ich denn mit Freuden aus dieser fin stern Wildniß scheiden zur Ruhe deiner Ewigkeit! - 2. Jesum laß ich nimmer nicht, weil ich soll auf Erden leben; ihm hab' ich voll zuversicht, was ich bin und hab', ergeben! Alles ist auf ihn gericht't, meinen Jesum laß ich nicht. 3. Laß vergehen das Gesicht, Hören, Schmecken, Fühlen weichen; laß das letzte Tageslicht mich auf dieser Welt erreichen; wenn der Lebensfaden bricht, meinen Jesum laß ich nicht. 4. Ich werd' ihn auch lassen nicht, wenn ich nun dahin gelanget, wo vor seinem Angesicht meiner Eltern Glaube pranget; mich erfreut sein Angesicht, meinen Jesum laß ich nicht. 5. Nicht nach Welt, nach Himmel nicht meine Seele wünscht und sehnet; Jesum wünsch' ich und sein Licht, der mich hat mit Gott verföhnet und befreiet vom Ge Anhang: Jesuslieder. richt; meinen Jesum laß ich nicht. 6. Jesum laß ich nicht von mir, geh' ihm ewig an der Ludämilia Elisabeth, Gr. z. S.-R. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. Seiten; Christus läßt mich für" 473. Ich will ich den lieben, meine Stärke, zu dem Lebensbrunnen leiten. Selig, der mit mir so spricht: Meinen Jesum laß ich nicht! Christ. Keimann. 2. Einer ist es, dem ich lebe, den ich liebe früh und spat; Jesus ist es, dem ich gebe, was er mir gegeben hat; ich bin in dein Blut gehüllt, führe mich, Herr, wie du willt! Mel. Gott des Himmels 2c. 452. Jesus, Jejus, nichts Herz im Tode bricht. als mein Wunsch sein und mein Ziel! jeßund mach' ich ein Verbündniß, daß ich will, was Jesus will. Denn mein Herz, mit ihm erfüllt, rufet nun: Herr, wie du willt! 3. Scheinet was, es sei mein Glücke, und ist doch zuwider dir, ach! so nimm es bald zurücke, Jesu! gib, was nüßet mir; gib dich mir, Herr Jeſu, mild! nimm mich dir, Herr, wie du willt! 317 Schild! wie du willt! Herr, wie du willt! 4. Und vollbringe deinen Willen in, durch und an mir, mein Gott! deinen Willen laß erfüllen mich im Leben, Freud' und Noth, sterben als dein Ebenbild, Herr, wann, wo und wie du willt! 5. Sei auch, Jesu, stets ge priesen, daß du dich und viel dazu hast geschenkt und mir erwiesen, daß ich fröhlich singe nu: Es geschehe mir, mein dich, meiner Seele Ruhm und Zier, ich will dich lieben durch die Werke und mit der heiligsten Begier; ich will dich lieben, schönstes Licht, bis mir das 2. Ich will dich lieben, o mein Leben, als meinen allerbesten Freund; ich will dich lieben und erheben, so lange mich dein Glanz bescheint; ich will dich lieben, Gotteslamm, das für mich litt am Kreuzeßstamm. 3. Ach, daß ich dich so spät erkannte, du hochgelobte Liebe, du! daß ich nicht früher mein dich nannte, du höchstes Gut und wahre Ruh'! O wie ist nun mein Herz betrübt, daß es so spät erst dich geliebt? 4. Jch ging verirrt und war verblendet; ich suchte, doch ich fand dich nicht; ich hatte mich von dir gewendet, und liebte das geschaff'ne Licht. Doch nun ist es durch dich gescheh'n, daß ich im Glauben dich erseh'n. 5. Jch danke dir, du wahre Sonne, daß mir dein Glanz das Licht gebracht; ich danke dir, du Himmelswonne, daß du mich froh und frei gemacht; ich danke dir, du Gotteskraft, die neues Leben in mir schafft. 6. Erhalte mich auf deinen Stegen, und laß mich nicht mehr irre geh'n, laß meinen Fuß in deinen Wegen nicht. 318 Anhang: Jesuslieder.- Berufslieder. straucheln oder stille steh'n; erleuchte meine Seele ganz mit deinem reinen Himmelsglanz. 7. Ich will dich lieben, meine Krone, dich lieben, meinen Herrn und Gott, dich lieben auch bei Schmach und Hohne und in der allergrößten Noth; ich will dich lieben, schönstes Licht, bis mir das Herz im Tode bricht. Ehestandslieder. hoch zu schäßen, als Jesum, der mein Alles heißt; ich leb' und sterbe voll Ergeßen; denn er nimmt den erlösten Geist in seine Hände selig an, wo ich ihn ewig lieben kann. Benjamin Schmolke. Berufslieder. 483. Mel. Liebster Jesu, wir sind hier zc. ang' dein Werk mit Jesu an, was Fang Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 479. Ergest euch nur, ihr zum Segen soll gereichen; dieſer eitlen Beistand will und kann Wege Rath und Hilfe zeigen; alles läffet sich vollenden mit Gott, der es hat in Händen.. 2. Vater, Sohn und heil' ger Geist! gib zu des Berufes Werke, wie dein wahres Wort verheißt, dein Gedeihen, Kraft und Stärke! So wird Müh' uns nicht verdrießen, die dein Segen will versüßen. 3. Nun, so werf' ich aus mein Neß, Herr, auf dein Wort und Verheißen; dein Be fehl ist mein Geset, deinen Beistand will ich preisen! Denn mein Mund soll dir zu Ehren sich stets dankend lassen hören. Ehrenfest Dürr. sucht die schnöde Lust der Welt! Mein Herz soll sich was Besfres wählen, das fich's zu seinem Trofte stellt, mein Jesus ist's; denn er allein soll mir in allem alles sein. 2. Kein Gold noch Gut soll mich bethören, in Jesu steht mein einzig Heil; er ist die Krone meiner Ehren, der Seelen Schatz, des Herzens Theil! Was nicht von Jesu weiß und spricht, dasselbe mag und will ich nicht. 3. Hier will ich ihn im Glauben küssen, und bleiben bis in Tod getreu, das besser ist, denn alles Wissen; sein Wort er= leuchtet mich dabei, und macht mich aller Weisheit voll, die ein Gerechter wissen soll. Chestandslieder. Mel. Werde munter, mein 2c. 4. Zieh, liebſter Jeſu, meine 511. er den stand will 28 erwählen, daß er Sinne von der himmelwärts! Ich kann die Welt nicht liebgewinnen; denn wo mein Schatz, da ist mein Herz. Du bleibest mein, ich bleibe dein; was kann mir doch vergnügter sein?. 5. So weiß ich dann nichts ihn bei guter Ruh', ohne Sorge, Gram und Quälen möge glücklich bringen zu, fange es mit Beten an, so ist es recht wohl gethan, und Gott wird es also fügen, daß er beide kann vergnügen. Anhang: Chestandslieder. 2. Denn es ist wohl angefangen, wenn Gebet und reifer Rath beiderseits vorhergegangen; da verspürt man in der That, daß Gott selbst das Liebesband fnüpfet und aus seiner Hand Segen und ein friedlich Leben will dem neuen Paare geben. 3. Dieser Friede, dieser Segen bringet Ehre, Gut und Freud'; wo man bleibt auf Gottes Wegen, gibt er auch die Seligkeit. Glücklich geht die Heirath an, wenn's heißt: das hat Gott gethan, Gott, der hat es so gefüget, daß zwei Herzen sind vergnüget. D. Dlearius. Vom christlichen Wandel. 319 4. Der Himmel treufle Segen auf unsern Ehestand, führ' uns auf allen Wegen durch deine Vaterhand! Stört uns der arge Feind', so treib' ihn in die Wüsten, und laß uns nicht gelüsten, was dir zuwider scheint! 5. Gib uns vergnügte Herzen in Lieb' und auch im Leid; versüße auch die Schmerzen, des Kreuzes Bitterkeit; schenkst du uns Thränen ein, und schlägst uns eine Wunde, so kommt doch wohl die Stunde, da Wasser wird zu Wein. 6. Laß uns in Frieden leben, so schlage du mit ein; wenn wir die Hand d'rauf geben, so schlage du mit ein; Mel. Von Gott will ich nicht lassen 2c. * 512. Gott, du bist selbst dein: Amen! sei das Wort, das Siegel uns'rer Liebe! wir folgen deinem Triebe: hier ist der Segens- Ort. die Liebe; wer liebet ohne dich und folgt nicht deinem Triebe, der ladet Fluch auf sich. Du mußt der Anfang sein und auch das Ende machen bei allen meinen Sachen durch deinen Gnadenschein. 2. Wir opfern unsre Herzen vor deinem Throne hier; zünd' an die Liebes- Kerzen, verbind' uns erst mit dir, und gib uns deinen Geist, der unsern Sinn regiere, zum rechten Zweck uns führe, der wahre Biebe heißt! Aemilie Juliane, Gr. 3. S.-R. 3. Du bist ein reines Wesen, mach' unsre Herzen rein; was Vom christlichen Wandel. In eigener Melodie. uns wird vorgeleſen, drück'in 536. Gott, du frommer die denken an den Eid; was wir vor dir versprechen, das laß uns nimmer brechen, bis Grab und Tod uns scheid't! Mel. Allein Gott in der Höh' zc. $ 520. Her err segne uns und uns behüt' an Seel' und an dem Leibe! Herr, uns erleucht' nach deiner Güt' und allzeit gnädig bleibe! Herr, heb' auf uns dein Angesicht, und deinen Frieden auf uns richt' im Leben und im Tode! quell aller Gaben! ohn' den nichts ist, was ist, von dem wir alles haben; gesunden Leib gib mir, und daß in solchem 320 Anhang: Vom christlichen Wandel. Leib ein' unverletzte Seel' und| deinen Freuden! Dem Leib ein rein Gewissen bleib'! Räumlein gönn' bei frommer Christen Grab, auf daß er seine Ruh' an ihrer Seite hab'! 8. Wenn du an jenem Tag die Todten wirst erwecken, so thu' auch deine Hand zu mei nem Grab ausstrecken; laß hören deine Stimin', und meinen Leib weck auf, und führ' ihn schön verklärt zum auserwählten Hauf! 2. Gib, daß ich thu' mit Fleiß, was mir zu thun gebühret, wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet! Gib, daß ich's thue bald, zu der Zeit, da ich soll, und wenn ich's thu', so gib, daß es gerathe wohl! 3. Hilf, daß ich rede stets, womit ich kann bestehen; laß kein unnüßes Wort aus mei nem Munde gehen; und wenn in meinem Amt ich reden soll und muß, so gib den Worten Kraft und Nachdruck ohn' Verdruß! 4. Find't sich Gefährlichkeit, so laß mich nicht verzagen, gib einen Heldenmuth, das Kreuz hilf selber tragen! Gib, daß ich meinen Feind mit SanftJohann Hermann. Mel. Wo Gott der Herr nicht zc. muth überwind', und wenn ich 541. Ho chic's mit mir err, wie du willst, Rath bedarf, auch guten Rath erfind'! so 5. Laß mich mit Jedermann in Fried' und Freundschaft leben, soweit es christlich ist! Willst du mir etwas geben an Reichthum, Gut und Geld, so gib auch dieß dabei, daß von unrechtem Gut nichts untermenget sei! im Leben und im Sterben! Allein zu dir steht mein Begier, laß mich, Herr, nicht verderben! Erhalt' mich nur in deiner Huld; sonst, wie du willst, gib mir Geduld, denn dein Will' ist der beste. 6. Soll ich auf dieser Welt mein Leben höher bringen, durch manchen sauren Tritt hindurch in's Alter dringen, so gib Geduld! vor Sünd' und Schanden mich bewahr', daß ich mit Ehren trag' all' meine grauen Haar'! 2. Zucht, Ehr' und Treu' verleih' mir, Herr, und Lieb' zu deinem Worte! Behüt' mich, Herr, vor falscher Lehr', und gib mir hier und dorte, was dient zu meiner Seligkeit; wend' ab all' Ungerechtigkeit in meinem ganzen Leben! 7. Laß mich an meinem End' auf Christi Tod abscheiden, die Seele komm' zu dir hinauf zu 9. Gott Vater! dir sei Preis hier und im Himmel oben! Gott Sohn, Herr Jesu Christ! ich will dich allzeit loben; Gott heil'ger Geist! dein Ruhm erschalle mehr und mehr. O Herr, dreiein'ger Gott, dir sei Lob, Preis und Ehr'! 3. Soll ich einmal nach deinem Rath von dieser Welt abscheiden, verleih' mir, Herr, nur deine Gnad', daß es gescheh' mit Freuden! Mein' Leib Anhang: Vom christlichen Wandel. und ich o Mel. Ach, was soll ich Sünder 2c. yerr, ein felig's End' gib mir 552. Jicht, mein Leben, esus mein durch Jesum Chriftum! Amen! Martin Schalling. Jesus, meiner Seelen Zier, spricht: Kommt her, lernt all' von mir! Jesus, dem ich mich Mel. Werde munter mein 2c. * 550. mein und Gerechtigkeit, Lehrt mich selbst die Frömmigkeit. 2. Ach, wie ist mein Herz verderbet, wie fest hält das Sündenband Leib und Seel', Sinn und Verstand; was von Adam angeerbet, sündlich Wesen, Fleisch und Blut, bleibt Fleisch und thut nimmer gut. 3. Mein Gott! hilf du mir ausrotten alles Unkraut, Haß und Neid, Hochmuth, Ungerechtigkeit! Laß den Satan mich nicht spotten; mach' du mein Herz täglich neu, mach' mich aller Bosheit frei! 4. Pflanz' in mein Herz und Gemüthe deine große Freundlichkeit, die Geduld und Frömmigkeit, deine Liebe, deine Güte, Andacht, Treu' und Heiligkeit, Wahrheit und Gerechtigkeit! 5. Laß mich dir zu Ehren leben, Jesu, meines Herzens Licht, mein Trost, Heil und Zuversicht! Laß mich dir allein ergeben, laß mich sterben dieser Welt, laß mich thun, was dir gefällt! 6. Führe mich auf deinen Wegen, gib mir deinen guten Geist, der mir Hilf' und Beistand leist'; laß mich deine Gnad' und Segen stets empfinden früh und spat, segne Denken, Wort und That, 7. Bis ich endlich werde 21 schen, der nicht wandelt in der Gottvergessnen Rath! Wohl dem, der nicht unrecht handelt, noch tritt auf der Sünder Pfad, der der Spötter Freundschaft fleucht, und aus ihrer Mitte weicht; der von Herzen liebt und ehret, was uns Gott vom Himmel lehret. 2. Wohl dem, der mit Lust und Freude das Gesetz des Höchsten treibt, welcher, wie auf füßer Weide, stets in Gottes Worte bleibt. Er ist einem Baume gleich, der an edlen Früchten reich, dessen Zweige sich verbreiten an des klaren Baches Seiten. 3. Also wird gedeih'n und grünen, wer in Gottes Wort sich übt; Luft und Sonne muß ihm dienen, bis er reife Früchte gibt. Werden seine Blätter alt, bleiben sie doch wohlgestalt't; Gott gibt Glück zu seinen Tha ten, Alles muß ihm wohlgerathen. 321 4. Aber wen die Sünd erfreuet, dessen Glück kann nicht besteh'n; wie die Spreu vom Wind zerstreuet, wird er plößlich untergeh'n. Kommt der Herr und hält Gericht, so entrinnt der Sünder nicht, und es werden nur die Frommen in sein Reich dort aufgenommen. 322 Anhang: Vom christlichen Wandel. kommen aus der Unvollkom| den Lauf vollende zu meiner menheit zu des Himmels Herrlichkeit, da ich dann mit allen Frommen deine große Gütigteit preisen will in Ewigkeit. 3. Dlearius. Mel. Herr Jesu Christ, mein's 2c. 561. Christo nennt und hr, die ihr euch nach euch zu seiner Lehr' bekennt, die ihr seid durch sein Blut erkauft, und auch auf seinen Tod getauft, 2. Führt nicht den Namen nur allein; ihr müßt auch rechte Christen sein, wenn ihr einst wollt nach dieser Zeit eingeh'n zu Christi Herrlichkeit. 3. Wer dort mit Christo herrschen will, der muß ihm auch hier halten still in Lieb' und Leid, und geh'n die Bahn, die er gegangen ist voran. 4. Wer ewig will bei Christo sein, der muß ihm leben hier allein und nicht dem Satan seine Zeit anfopfern in der Eitelkeit. 5. Wer seinem Jesu sich ergibt, ihn jederzeit von Herzen liebt, ein christlich- frommes Leben führt, der ist ein Christ, wie sich's gebührt. 6. Wer Jesum Christum recht erkennt und christlich seine Zeit anwend't, wird sanft und selig schlafen ein, im Himmel bei Gott ewig sein. 3. Mitter. Mel. O Gott, du frommer Gott 2c. 562. Ah Sott, verlaß mich nicht, gib mir die Gnadenhände! Ach, führe mich, dein Kind, daß ich Seligkeit; sei du mein Lebenslicht, mein Stab, mein Hort, mein Schutz! Ach Gott, verlaß mich nicht! 2. Ach Gott, verlaß mich nicht, regiere du mein Wallen! Ach, laß mich nimmermehr in Sünd' und Schande fallen; gib mir den guten Geist, gib Glaubenszuversicht, sei meine Stärk' und Kraft! Ach Gott, verlaß mich nicht! 3. Ach Gott, verlaß mich nicht! ich ruf' aus Herzensgrunde. Ach, Höchster, stärke mich in dieser bösen Stunde Wenn mich Versuchung plagt und meine Seel' ansicht, so weiche nicht von mir! Ach Gott, verlaß mich nicht! 4. Ach Gott, verlaß mich nicht! ach, laß dich doch bewegen! Ach, Vater, kröne doch mit reichem Himmelssegen die Werke meines Amts, die Werke meiner Pflicht, zu thun, was dir gefällt! Ach Gott, verlaß mich nicht! 5. Ach Gott, verlaß mich nicht! ich bleibe dir ergeben. Hilf mir, o großer Gott, recht glauben, christlich leben, und felig scheiden ab, zu seh'n dein Angesicht! Hilf mir in Noth und Tod! Ach Gott, verlaß mich nicht! S. Franke. Mel. O Gott, du frommer Gott zc. 564. Du sagit: ich bin ein Christ;-wohlan, wenn Werk und Leben dir dessen, was du sagst, Beweis und Zeugniß geben, so steht es wohl um dich. Ich wünsche, Anhang: Vom christlichen Wandel. was du sprichst, zu werden alle Tag: nämlich ein guter Christ. 2. Du sagst: ich bin ein Christ. Der ist's, der Jesum fennet und seinen Gott und Herrn ihn nicht alleine nennet; sondern thut auch mit Fleiß, was fordert sein Gebot; thust du nicht auch also, ist, was du sagst, ein Spott. 3. Du sagst: ich bin ein Christ. Wer sich's will nennen lassen, muß lieben, was gut ist, mit Ernst das Böse hassen. Der liebet Christum nicht, der noch die Sünde liebt, ist auch kein Christ, ob er sich gleich den Namen gibt. 4. Du sagst: ich bin ein Christ; denn ich bin ja besprenget mit Wasser in der Tauf, mit Christi Blut vermenget. Ja wohl, hast aber du gehalten auch den Bund, den du mit Gott gemacht in jener Gnadenstund'? 5. Hast du ihn nicht vorlängst gar oft und viel gebrochen? Hast du als Gottes Kind dich, wie du hast versprochen, in allem Thun erzeigt, dem Guten nachgestrebt? Hat nicht der alte Mensch bisher in dir gelebt? 6. Du sagst: ich bin ein Christ, weil Gottes Wort und Lehre ohn' allen Menschentand ich fleißig les' und höre. Ja, Lieber! thust du auch, wie dieses Wort dich lehrt? Nicht, der hört, sondern thut, der ist bei Gott geehrt. 7. Du sagst: ich bin ein Christ; ich beichte meine Sün323 den und laß beim Beichtstuhl mich auch oftermalen finden. Find't aber sich, mein Freund! ich bitte, sag' es mir, nach abgelegter Beicht' die Bess'rung auch bei dir? 8. Ach, du bleibst nach wie vor; die Worte, Werk' und Sinnen sind oftmals ärger noch, dein Vorsatz und Beginnen geht nach dem alten Trieb, und was noch gut soll sein, ist, wenn man's recht besieht, nur lauter Heuchelschein. 9. Du sagst: ich bin ein Christ; lass' speisen mich und tränken mit dem, was Christus uns im Abendmahl will schenken. Wohl, aber zeige mir: ob Christi Leib und Blut in dir zur Heiligung auch seine Wirkung thut? 10. Du sagst: ich bin ein Christ; ich bete, les' und singe, ich geh' in's Gotteshaus: sind das nicht gute Dinge? Sie sind es, aber wenn sie werden so verricht't, daß Gott stets auch dabei ein reines Herze sieht. 11. Du sagst: ich bin ein Christ. Ich kann dir's nicht gestehen, es sei denn, daß ich's werd' aus deinem Wandel sehen. Wer sagt und rühmet, daß er Christo angehör' und auch sein Jünger sei, muß wandeln gleichwie er. 12. Bist du ein solcher Christ, so mußt du sein gesinnet, wie Jesus Christus war. Wenn reine Liebe rinnet aus deines Herzens Quell, wenn du demüthig bist von Herzen wie der Herr, so sag', du seist ein Christ. 21* 324 Anhang: Vom christlichen Wandel. 13. So lang ich aber noch| ben, dir zu leben; ach mach' an dir erseh' und spüre, daß in mir, Herr, alles neu! Ach Stolz und Ulebermuth dir Sinn wirk' in mir 2c. und Herz regiere; wenn's an der Sanftmuth fehlt, sich zeiget Haß und Neid, so bist du ganz gewiß vom Christenthum sehr weit. 14. Du sagst: ich bin ein Christ, und rühmst dich deß mit Freuden; thust aber du auch mehr als andre klugen Heiden? Ach, öfters nicht so viel, als Gutes fie gethan; fie werden dorten dich gewißlich klagen an. 15. Sag' nicht: ich bin ein Christ, bis daß dir Werk und Leben auch dessen, was du fagst, Beweis und Zeugniß geben. Die Wort' sind nicht genug; ein Christ muß ohne Schein das, was er sich ge= nennt, im Wesen selber sein. 16. Ach, mein Gott! gib Genad', mich ernstlich zu befleißen, zu sein ein wahrer Christ, und nicht nur so zu heißen; denn welcher Nam' und That nicht hat und führt zugleich, der kommet nimmermehr zu dir in's Himmelreich. A. Haslocher. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 566. Mein Gott, ach lehre Selbstbetrug und Heuchelschein, daß Viele, die sich Christen nennen, mit nichten Christi Glieder sein. Ach wirk' in mir zu deinem Ruhm, mein Gott, das wahre Christenthum! 3. Reiß du mein Herz los | von der Erden, und nimm mich von mir selber hin; laß einen Geist mit dir mich werden, und gib mir meines Heilands Sinn! Ach wirk' in mir 2c. 4. Ach führe mir Herz, Leib und Seele, damit ich Christo folge nach, daß ich den schmalen Weg erwähle und Ehre such' in Christi Schmach! Ach wirk' in mir 2c. 2. Hilf, daß ich dir allein ergeben, und mir ganz abgesaget sei! laß mich mir ster5. Hilf, daß ich Fleisch- und Weltgeschäfte ertödt' und dir verbleibe treu, daß ich an Christi Kreuz mich hefte, und mir die Welt gefreuzigt ſei! Ach wirk' in mir 2c. 6. Laß meinen Glauben, Hoffnung, Liebe lebendig, fest und thätig sein, daß ich bis an mein Sterben übe das Christenthum ohn' Heuchelschein! Ach wirk' in mir 2c. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. mich erkennen den* 567. W fich mit Ernst ohl dem, der bemühet, daß er ein Jünger Christi sei, der Christum als ein Kleid anziehet im Glauben, und durch ihn wird frei, der Christum sich zum Vorbild segt, ihn über Welt und Himmel schäßt! 2. Wohl dem, der ihn zum 7. So hab' ich schon auf dieser Erde den Himmel und das Paradies; wenn ich mit Gott vereinigt werde, schmeck' ich des Himmels Lustgenieß. Ach wirk' in mir 2c. Anhang: Von der Ergebung in Gottes Willen. Licht und Wege erwählet, und ihm folget nach auf der Verleugnung schmalem Stege, und auf sich nimmet seine Schmach; der sich befleißt an seinem Heil im Glauben stets zu haben Theil! 3. Was hilft's uns, daß er ist empfangen, und Fleisch und Blut theilhaftig ward, wenn wir nicht auch darzu gelangen, daß er in uns sich offenbart? Doch soll er in dir kehren ein, so muß dein Herz rechtschaffen sein. 4. Was hilft's, daß Christus uns geboren, und uns die Kindschaft wiederbringt, wenn, da dies Recht schon längst verloren, man darnach nicht im Glauben ringt, wenn nicht sein Geist uns neu gebiert, und man kein göttlich Leben führt? 5. Was hilft dem Menschen Christi Lehre, wenn er ein Sclav' der Sünde bleibt, nach eigner Weisheit, Wahn und Lehre sein Leben, Thun und Wandel treibt? Ein Christ, der die Verleugnung ehrt, folgt dem nur, was ihm Christus lehrt. 6. Was hilft uns Christi Thun und Leben, was seine Demuth, Freundlichkeit, wenn wir dem Stolz und Haß ergeben, und schänden seine Heiligkeit? Was hilft's, nur mit dem Mund allein, und nicht im Werk ein Christ zu sein? 7. Was hilft uns Christi Angst und Leiden, wenn man nicht will an's Leiden geh'n? Nur nach der Bein sind süß die 325 Freuden, und nach der Schmach steht Purpur schön; wer nicht den alten Menschen fränkt, dem wird die Krone nicht geschenkt. 8. Was hilft uns Christi Tod und Sterben, wenn wir uns selbst nicht sterben ab? Du liebst dein Leben zum Verder= ben, führst du die Luft nicht in ihr Grab; es bleibt dir Christi Tod ein Bild, wenn du dir selbst nur leben willt. 9. Was hilft sein Lösen und Befreien, wo man nicht bleibt im Bunde steh'n? Was hilft Herr, Herr, Herr und Meister! schreien, wenn man stets will zurücke seh'n? Was hilfts dem, daß er ist verfühnt, der noch der Welt und Sünde dient? 10. Was hilft dir Christi Auferstehen, bleibst du noch in dem Sünden- Tod? Was hilft dir sein gen Himmel gehen, klebst du noch an der Erden Koth? Was hilft dir sein Triumph und Sieg, führst du mit dir nicht selber Krieg? 11. Wohlan, so lebe du und leide, wie Christus dir ein Vorbild war; sieh, daß dich seine Unschuld kleide, so bleibst du in der Seinen Schaar; wer Christi ist, sucht nur allein im Leben Christo gleich zu sein. Von der Ergebung in Gottes Willen. In eigener Melodie. 569. Was mein Gott will, gescheh' allzeit! Sein Will, der ist der beste. Zu helfen ist er dem 326 Anhang: Von der Ergebung in Gottes Willen. bereit, der an ihn gläubet feste. Er hilft aus Noth, der fromme Gott, und tröst't die Welt mit Maßen; wer Gott vertraut, fest auf ihn baut, den wird er nicht verlassen. 2. Gott ist mein Trost, mein' Zuversicht, mein' Hoffnung und mein Leben! was mein Gott will, das mir geschicht, will ich nicht widerstreben. Sein Wort ist wahr; denn all' mein Haar er selber hat gezählet. Er hütet, wacht, nimmt uns in Acht, daß es an nichts uns fehlet. 3. Nun muß ich Sünder von der Welt hinfahr'n nach Gottes Willen zu meinem Gott, wenn's ihm gefällt, will ich ihm halten stille; mein' arme Seel' ich Gott befehl in meinen legten Stunden; du frommer Gott, Sünd', Höll' und Tod hast du mir überwunden. 4. Noch eins, Herr, will ich bitten dich, du wirst mir's nicht versagen: wenn mich der böse Feind ansicht, laß mich, Herr, nicht verzagen; hilf du, und wehr, ach Gott, mein Herr, zu Ehren deinem Namen! Wer das begehrt, dem wird's gewährt; drauf sprech' ich fröhlich Amen! 2. Geht's gleich nicht stets nach meinem Willen, stürmt gleich ein Unfall auf mich zu, so soll mich Gottes Wille stil len und setzen in vergnügte Ruh'; weil ich mit allem, was Gott fügt, von ganzem Herzen bin vergnügt. 3. Bin ich gleich nicht so hoch geschäßet, und nicht wie and're groß und reich; mein kleines Gütchen mich ergößet, als wär' ich jenem Eröfus gleich, ich bin mit Wenigem vergnügt, weil Gott nicht mehr für mich gefügt. 4. Wie mancher fällt in Seelenschaden durch das erscharrte Geld und Gut! Wie mancher fällt aus Gottes Gnaden durch Reichthum in die Höllengluth! deshalben bin ich wohl vergnügt mit dem, wie Gott mit mir es fügt. 5. Ich strebe nicht nach hohen Stufen, weil sicherer der Mittelstand; wie mich der Himmel hat berufen, wie mich ge führet Gottes Hand, und wie er es mit mir gefügt, so bin ich auch sehr wohl vergnügt. 6. Jch achte nicht des Glückes Lachen, wie freundlich es auch immer sei; auch laß ich mich nicht zaghaft machen durch seinen Grimm und Wütherei, Albrecht, Markgraf zu Brandenburg. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 572. I laffe Gott in indem ich lebe wohlvergnügt, wie getreuer fügt. ch Allem walten, er mach' es nur, wie's ihm gefällt; ich will ihm gerne stille halten, so lang' ich leb' in dieser Welt; wie er, mein lieber Gott, es fügt, so bin ich auch sehr wohl vergnügt. 7. In Gottes Hand steh' ich geschrieben, er hat all' meine Haar gezählt; drum kann kein Unfall mich betrüben, ohn' seinen Willen mich nichts quält; 327 Anhang: Von der Ergebung in Gottes Willen. ich leb' in allem wohl vergnügt,| in Kreuz und Glücke, Geduld wie mein getreuer Gott es fügt. 8. Mein Wille soll sich recht verpflichten, sowohl im Leben als im Tod, nach Gottes Willen sich zu richten, so hat es mit mir keine Noth, weil ich mit dem, wie Gott es fügt, im Leben, Sterben, bin vergnügt. Aemilie Juliane, Gräfin zu Schwarzb.- Rudolstadt. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. und Demuth jederzeit, womit ich mich gehorsam schicke zu wahrer Gottgelassenheit, und achte weder Wohl noch Weh', wenn ich in Gottes Gnaden steh'. N. E. von Günderode. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. ch halte 576. Gott in allem stille; er liebet mich in Freud' und Schmerz. Wie gut ist Gottes Vaterwille, 574. Gott weiß es alles wie freundlich sein holdſelig's Herz! Er ist mein Hort und meine Zier; was Gott gefällt, gefällt auch mir. wohl zu machen, als der nicht Böses je gethan; wer nur sein Weinen und sein Lachen nach Gottes Fügung fügen kann, der hält in Glück und Unglück still und will, was Gottes Wille will. 2. Mein Gott weiß alles wohl zu machen, er ist der ewig treue Freund; er läßt mich nach dem Weinen lachen; was er mir thut, ist wohlgemeint. Sein Lieben währet für und für; was Gott gefällt, gefällt auch mir. 3. Sein Wille bleibet mein Vergnügen, so lang' ich leb' auf dieser Welt. Was kann mein eigner Wille fügen, der das nicht will, was Gott gefällt? Ich dent' an meine Christgebühr; was Gott gefällt, gefällt auch mir. 2. Kann doch kein Unfall mir begegnen, es sei denn Gottes Will' dabei; auch kann mich niemand anders segnen, als meines Schöpfers Vatertreu'; so geh' mir's nun wohl oder trüb', geliebt's nur Gott, ist mir's auch lieb. 3. Zwar zähle ich wol tausend Proben von meines Schö pfers Gütigkeit, die ich nicht alle weiß zu loben in meiner Unvollkommenheit, daraus unfehlbar schließen kann: was Gott thut, das ist wohlgethan. 4. Ergeßen mich die Freudenzeiten, beherrsche ich des Glückes Schoos, dann schaden nicht zu Zeiten Leiden, es würde sonst der Muth zu groß; auch prüfet Gottes Prüfestein, was recht bewährte Christen ſein. 5. D'rum wünsch' ich mir 4. Er will und wird mich ewig lieben; er weiß, was Seelen nüßlich sei, er hat mich in die Hand geschrieben mit lautrem Golde seiner Treu; weg, eigner Wille, weg mit dir! Was Gott gefällt, gefällt auch mir. 5. Gott will, daß mir geholfen werde, er will der Seelen Seligkeit; d'rum reiß' ich mich von dieser Erde durch wahre Gottgelassenheit. Sein Anhang: Von der christlichen Geduld. ruhig sein; will er mir auf der Welt nichts geben, ei nun, so bleibt der Himmel mein! ja bleibet Gott nur mein Ge ie Gott will, also winn, so fahr' auch Welt und 328 Will' ergehet dort und hier; was Gott gefällt, gefällt auch mir. B. W. Cranz. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 578. We will ich fagen; Himmel hin! wie Gott will, also ist mein Ziel; was sollt' ich mich mit Sorgen plagen? fie helfen nichts und schaden viel. Zudem bin ich nicht selber mein, d'rum soll ich gottgelassen sein. 2. Wie Gott will, also will ich gläuben, sein Wort betrügt mich nimmermehr; das will ich mir in's Herze schreiben, so ist es nie vom Troste leer. Wer Gottes Wort zum Labsal hat, den machet keine Trübsal matt. 3. Wie Gott will, also will ich leiden, denn ohne Leiden ist kein Christ; ich will mich dessen gern bescheiden; g'nug, daß mich Gottes Liebe füßt, so daß der bitt're Kelch zuletzt Von der christlichen Geduld. Me I. Ach Gott vom Himmel zc. mit ſüßer Freude mich ergößt.* 591. Es ist gewiß ein töh 4. Wie will lich Ding, recht ich hoffen; wer weiß, wo noch mein Glücke lacht? Sein treues Auge stehet offen, das über mich zum Segen wacht, und den gewünschten Ort schon sieht, wo mein beständig Wohlsein blüht. 5. Wie Gott will, also will ich warten, denn Rosen bricht man mit der Zeit. Gott führt mich endlich in den Garten, wo seine Gnade mich erfreut, und wo mein Wunsch, den ich gethan, sich in Vergnügen weiden kann. 6. Wie Gott will, also will ich leben, so muß das Leben 7. Wie Gott will, also will ich sterben; denn, wenn man mich zu Grabe trägt, werd' ich die Krone dort ererben, die er mir ewig beigelegt; so kommt der Tod, wo, wann und wie, mir nicht zu spät und nicht zu früh. 8. Wie Gott will, sag' ich stets mit Freuden; wie Gott will, glaub' ich auf sein Wort; wie Gott will, trag' ich alles Leiden; wie Gott will, hoff' ich immer fort; wie Gott will, wart' und leb' ich still, und sterb' auch endlich, wie Gott will. Benjamin Schmolke. in Geduld sich fassen, und Got tes heil'gem Rath und Wink sich willig überlassen, wie in dem heitern Sonnenschein, so auch bei trüber Noth und Bein. Geduld erhält das Leben. 2. D'rum auf, mein Herz, verzage nicht, wenn Sorg' und Zeid dich drücket! Auf! fliehe zu dem ew'gen Licht, das kräftiglich erquicket! Halt in Geduld dem Vater still, wenn er durch Zucht dich läutern will. Geduld bringt Muth und Kräfte. 3. Nur frisch im Glauben fortgekämpft, bis sich die Stür Anhang: Verleugnung der Welt. Verlangen nach Gott. 329 me legen, durch Kreuz wird alle Lust gedämpft, die sich im Fleisch will regen, der Geist vom Eiteln abgelenkt, daß er sich ganz in Gott versenkt. Geduld erringt die Gnade. 4. Vom Herrn wird keiner dort gekrönt, der nicht für ihn gestritten, der, wenn die Spötter ihn verhöhnt, nicht gern mit ihm gelitten; wer aber Jesu Kreuz hier trägt, dem wird sein Schmuck dort angelegt. Geduld erlangt die Krone. 5. Gott hilft dir auch bei aller Noth, dem kannst du sicher trauen; er übergibt dich nicht dem Tod, du sollst das Leben schauen; er steht bei dir, er tröftet dich, beweiset sich recht väterlich. Geduld ist voller Segen. 6. Erwarte nur die rechte Zeit, so wirst du wohl empfinden, wie Gott in Sieb' und Freundlichkeit sich wird mit dir verbinden. Er wird, nach ausgestandner Pein, dein Labsal unaufhörlich sein. Geduld wird nicht zu Schanden. J. G. Wolf. - 2. Rath' mir nach deinem Herzen, o Jesu, Gottes Sohn! Soll ich ja dulden Schmerzen, hilf mir, Herr Christ, davon; verkürz' mir alles Leiden, stärk' meinen blöden Muth, laß selig mich abscheiden, seg' mich in dein Erbgut! 3. In meines Herzens Grunde dein Nam' und Kreuz allein glänzt alle Zeit und Stunde; d'rauf kann ich fröhlich sein. Erschein' mir in dem Bilde, zum Trost in meiner Noth, wie du, Herr Christ, so milde, für mich erblaßt im Tod! 4. Birg' meine Seel' aus Gnaden in deiner off'nen Seit', rück' sie aus allem Schaden zu deiner Herrlichkeit! Der ist wohl hie gewesen, wer kommt in's Himmelsschloß; ja ewig ist genesen, wer bleibt in deinem Schooß. 5. Schreib' meinen Nam'n auf's beste in's Buch des Lebens ein, und laß mein' Seel' gar feste im Bunde derer sein, die in den Himmel grünen und vor dir leben frei; so will ich ewig rühmen, wie treu dein Herze sei. Herberger. Von der Verleugnung der Welt. In eigener Melodie. 598. Valet will ich dir geben, bu arge, 611. a du Habe falsche Welt; dein sündlich böses Leben durchaus mir nicht gefällt. Im Himmel ist gut wohnen, hinauf steht mein Begier; da wird Gott herrlich lohnen dem, der ihm dient allhier. Vom Verlangen nach Gott. Mel. Singen wir aus Herzens 2c. abe deine Lust am Herrn, denn er gibt dir herzlich gern, was dein Herz von ihm begehrt; alles, alles wird gewährt, was dir gut und selig ist, daß du hier ein wahrer Christ, und dort ewig selig bist. 2. Hab' an seinem Worte Lust, sent es tief in deine 330 Anhang: Verlangen nach Brust, denn es stellet Gott sich dir in demselben deutlich für! Ach, in diesem Schaße liegt, was die Seele so vergnügt, daß man alle Noth besiegt. 3. Habe Lust an seiner Macht, alles wird durch ihn vollbracht. Schaue seine Wunder an, die man täglich sehen fann; denn durch ihn besteht die Welt und das weite Himmelszelt, daß nichts vor der Zeit zerfällt. 4. Habe Lust an Christi Heil; denn durch ihn wird dir zu Theil, was er für die Missethat uns zu gut erworben hat. Wenn man sein Verdienst er= wägt, so wird eine Lust erregt, die den Himmel in sich trägt. 5. Wohnet nun in deiner Brust eine wahre Jesuslust, so wird, wenn der Glaube kämpft, Welt- und Fleisches Lust gedämpft; und es hält dich Gott so werth, daß dir, was dein Herz begehrt, in Genaden widerfährt. 6. Gott wird geben, was zur Zeit dich in deiner Selig feit täglich fester seben kann. O da liegt sehr viel daran! Er wird geben, daß sein Geist dir den Weg zum Himmel weist, und dich von der Weltluft reißt. 7. Er wird geben, daß dein Fleiß dir zum Nußen, ihm zum Preis, immer wohl von Statten geht und der Ausgang gut besteht. Er wird geben, daß der Schluß deines Lebens ohn' Verdruß dir gar sanfte werden muß. Gott. Nachfolge Christi. 8. Nun, mein Gott! so zieh' du mich durch den Glauben fest an dich, und erweck' in meiner Brust eine wahre Jesuslust, daß dein Kind hier in der Welt alles, was dir wohlgefällt, dort die Himmelslust erhält! Gottfried Hoffmann. - Von der Nachfolge Christi. Mel. Mach's mit mir, Gott 2c. nach! spricht 612. M Chriftus, unfer Held, mir nach, ihr Christen alle! verleugnet euch, verlaßt die Welt, folgt meinem Ruf und Schalle! nehmt euer Kreuz und Ungemach auf euch, folgt meinem Wandel nach! leucht' euch für mit heil'gem 2. Ich bin das Licht, ich Tugendleben; wer zu mir kömmt Finstern schweben. Ich bin und folget mir, darf nicht im der Weg, ich weise wohl, wie man wahrhaftig wandeln soll. 3. Mein Herz ist voll De müthigkeit, voll Liebe meine Seele, mein Mund, der fleußt zu jeder Zeit von süßem Sanftmuthöle; mein Geist, Gemüthe, Kraft und Sinn ist Gott ergeben, schaut auf ihn! 4. Jch zeig' euch das, was schädlich ist, zu fliehen und zu meiden, und euer Herz von arger List zu reinigen und scheiden; ich bin der Seelen Fels und Hort, und führ' euch zu der Himmelspfort'! 5. Fällt's euch zu schwer? ich geh' voran, ich steh' euch an der Seite, ich kämpfe selbst Anhang: Von der Nachfolge Christi. ich brech' die Bahn, bin alles in dem Streite. Ein böser Knecht, der still darf steh'n, wenn er den Feldherrn sieht angeh'n. 6. Wer seine Seel' zu finden meint, wird sie ohn' mich verlieren; wer sie in mir verlieren scheint, wird sie in Gott einführen. Wer nicht sein Kreuz nimmt und folgt mir, ist mein nicht werth und meiner Zier. 7. So laßt uns denn dem lieben Herrn mit Leib und Seel' nachgehen, und wohlgemuth, getroft und gern bei ihm in Leiden stehen; denn wer nicht fämpft, trägt auch die Kron' des ew'gen Lebens nicht davon. Johann Scheffler. 331 3. Lasset uns mit Jesu sterben, sein Tod uns vom andern Tod rettet und von Seelverderben, von der ewiglichen Noth. Laßt uns tödten, weil wir leben, unser Fleisch, ihm sterben ab, so wird er uns aus dem Grab in das Himmelsleben heben. Jesu, sterb' ich, sterb' ich dir, daß ich lebe für und für. Mel. Sollt' ich meinen Gott 2c. 614. aſſet uns mit Jeſu ziehen, seinem Vorbild folgen nach, in der Welt der Welt entfliehen, auf der Bahn, die er uns brach, immerfort zum Himmel reisen, irdisch noch, doch himmlisch sein, glauben recht und leben fein, in der Lieb' den Glauben weis sen. Treuer Jesu, bleib' bei mir! gehe für! ich folge dir. 2. Vaffet uns mit Jesu leiden, seinem Vorbild werden gleich; nach dem Leiden folgen Freuden. Armuth hier macht dorten reich. Thränensaat, die machet Lachen, Hoffnung tröstet in Geduld. Es kann leichtlich Gottes Huld aus dem Regen Sonne machen. Jesu! hier leid' ich mit dir, dort theil' deine Freud' mit mir! geben. 4. Lasset uns mit Jesu leben! Weil er auferstanden ist, muß das Grab uns wiedergeben. Jesu, unser Haupt du bist! wir sind deines Leibes Glieder; wo du lebst, da leben wir; ach, erkenn' uns für und für, trauter Freund, für deine Brüder! Jefu, dir ich lebe, hier, dorten ewig auch bei dir. S. v. Birken. Mel. Es ist das Heil uns 2c. 616. Seele, schaue Jesum an! hier kannst du recht erkennen, was wahre Demuth heißen kann, und was wir Sanftmuth nennen. Er stellt sich dir zum Muſter dar. Wie Jesus Christ gesinnet war, so sei du auch gefinnet! 2. Er war des großen Gottes Sohn, der Brunnquell aller Güte; doch senkt' er sich von seinem Thron in menschliches Geblüte. Er prangte nicht mit der Gewalt, er ging in einer Knechtsgestalt; so sei du auch gefinnet! 3. Er sah die ganze Lebenszeit auf seines Vaters Willen, und sucht' in tiefer Niedrigkeit denselben zu erfüllen. Denn alles, was er redt' und that, 332 geschah auf seines Vaters Rath. So sei du auch gesinnet! Anhang: Von der Treue und Beständigkeit. 4. Sein ganzes Thun bestand darin, daß er uns Menschen diente; er hielt ihm dieses für Gewinn, wenn unser Glücke grünte. Er nahm die größten Sünder an, hat auch den Feinden Gut's gethan; so sei du auch gesinnet! 5. Das Böse sucht er also bald mit Gutem zu vergelten; man hörte, wenn die Welt ihn schalt, ihn niemals wieder schelten. Er gibt es seinem Vater hin, so sanft ist deines Jesu Sinn; so sei du auch gesinnet! 4. Sei Gott getreu in dei nem Stand, darein er dich gesetzet. Wenn er dich hält mit seiner Hand, wer ist, der dich verleget? wer seine Gnad' zur Brustwehr hat, kein Teufel kann ihm- schaden. Wen dieß Panier beschüßet hier, dem bleibet wohlgerathen. 5. Sei Gott getreu, sein liebes Wort standhaftig zu bekennen, steh' fest darauf an allem Ort, laß dich davon Von der Treue und Beständigkeit. nicht trennen; was diese Welt in Armen hält, muß Alles Mel. Was mein Gott will 2c. * 621. Sei Gott getreu, doch vergehen; sein liebes Wort bleibt immerfort ohn' alles Wanten stehen. halt' seinen Bund, o Mensch! in deinem Leben, leg' diesen Stein zum ersten Grund, bleib' ihm allein ergeben, denk' an den Kauf in deiner Tauf', da er sich dir verschrieben bei einem Eid, in Ewigkeit als Vater dich zu lieben. 6. Sei Gott getreu, als welcher sich läßt treu und gnädig finden; streit' unter ihm nur ritterlich, laß über dich den Sünden ja wider Pflicht den Zügel nicht. Wär' ja der Fall geschehen, so sei bereit, durch Buß' bei Zeit nur wieder aufzustehen! 7. Sei Gott getreu bis in den Tod und laß dich nichts 6. Nun, Seele, wenn der Hochmuth sich in dir gewaltig reget, so stärke der Erlöser dich, so wird der Feind erleget. Ach, nimm doch dieses Wort in Acht; denn er hat alles wohl gemacht. So sei du auch gesinnet! Gottfried Hoffmann. willst du mehr begehren? dieß höchste Gut macht rechten Muth; kann keine Huld dir werden, nichts Besser's ist, mein lieber Christ, im Himmel und auf Erden. 3. Sei Gott getreu von Jugend auf, laß dich kein' Lust noch Leiden in deinem ganzen Lebenslauf von seiner Liebe- scheiden; sein' alte Treu' wird täglich neu, sein Wort steht nicht auf Schrauben; was er verspricht, das bricht er nicht, das sollst du fühnlich glauben. 2. Sei Gott getreu, der Kreuzes Wind darf dich von ihm nicht fehren; ist er dein Vater, du sein Kind, was Anhang: Sorge für die Seligkeit. abwenden! Er wird und kann in aller Noth dir treuen Beistand senden; und kämt' auch gleich das höll'sche Reich mit aller Macht gedrungen, wollt' auf dich zu, o glaube du, so bleibst du unbezwungen. 8. Wirst du Gott also bleiben treu, wird er sich dir erweisen, daßß er dein lieber Vater sei, wie er dir hat verheißen, und eine Kron' zum Gnadenlohn im Himmel dir aufseßen, da wirst du dich dort ewiglich in seiner Treu' ergößen. Michael Frank. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 623. alt an, mein Herz, in deinem Glauben, Beständigkeit ist Kronen werth; wer sich den Anker läfset rauben, der wird im Schiffbruch leicht gefährd't. Wer aber fest an Jesu hält, der steht, wenn Erd' und Himmel fällt. 2. Halt ein mit deinen Jammerklagen, der Himmel liebet die Geduld; wenn wir die Last gelassen tragen, gewinnen wir des Schöpfers Huld; da der sein Herze nur verlegt, der Gott sich murrend widersetzt. 3. Halt aus, das Kreuze währt nicht immer, die Hoffnung sieget ganz gewiß; auf Sturm folgt heller Sonnenschimmer, der Kreuzweg führt in's Paradies, und endlich wird nichts anders d'raus; d'rum heißt's: halt an, halt ein, halt aus! B. Schmolke. 333 - Sorge für die Seligkeit. Mel. Freu' dich sehr, o meine Seele zc 624. affet, schaffet, Menschenkinder, schaffet eure Seligkeit; bauet nicht, wie freche Sünder, nur auf gegenwärt'ge Zeit, sondern schauet über euch, ringet nach dem Himmelreich, und bemühet euch auf Erden, wie ihr möget selig werden! 2. Daß nun dieses mag geschehen, müßt ihr nicht nach Fleisch und Blut und desselben Neigung gehen, sondern was Gott will und thut, das muß einig und allein eures Lebens Richtschnur sein, es mag Fleisch und Blut in Allen übel oder wohl gefallen. 3. Jhr habt Ursach, zu bekennen, daß in euch noch Sünde steckt, daß ihr Fleisch vom Fleisch zu nennen, daß euch lauter Elend deckt, und daß Gottes Gnaden- Kraft nur allein das Gute schafft, ja, daß außer seiner Gnade in euch nichts denn Seelen- Schade. 4. Selig, wer im Glauben kämpfet; selig, wer im Kampf besteht und die Sünden in sich dämpfet, selig, wer die Welt verschmäht! Unter Christi Kreuzes Schmach jaget man dem Frieden nach; wer den Himmel will ererben, muß zuvor mit Christo sterben. 5. Werdet ihr nicht treulich ringen, sondern träg' und lässig sein, eure Neigung zu bezwingen, so bricht eure Hoffnung ein; ohne tapfern Streit und Krieg folget niemals recht 334 Anhang: Von der geistlichen Wirksamkeit. ter Sieg; wahren Siegern| und Stärk' und regiere selbst wird die Krone beigelegt zum das Werk, daß ich wache, bete, Gnadenlohne. ringe und also zum Himmel dringe. Ludwig Andr. Gotter. 6. Mit der Welt sich lustig machen, findet nicht bei Christen Statt; sündlich Reden, üpAch! pig Lachen schwächt den Geist Von der geistlichen Wachsamkeit. und macht ihn matt. bei Christi Kreuzes- Fahn' geht es wahrlich niemals an, daß man mit noch frechem Herzen sicher wolle thun und scherzen. 7. Furcht muß man vor Gott stets tragen; denn er kann mit Leib' und Seel' uns zur Hölle niederschlagen; er ist's, der des Geistes Del und, nachdem es ihm beliebt, Wollen und Vollbringen gibt. O so laßt zu ihm uns gehen, ihn um Gnade anzuflehen! 8. Und dann schlagt die Sündenglieder, welche Adam in euch regt, in des KreuzesTod darnieder, bis ihm seine Macht gelegt. Hauet Händ' Hauet Händ' und Füße ab; was euch ärgert, senkt in's Grab, und denkt stets an Jesu Worte: ,, gehet ein zur engen Pforte!" 9. Bittern will ich vor der Sünde und dabei auf Jesum seh'n, bis ich seinen Beistand finde, in der Gnade zu besteh'n. Ach, mein Heiland! geh' doch nicht mit mir Armen in's Gericht; gib mir deines Geistes Waffen, meine Seligkeit zu schaffen. 10. Amen, es geſchehe! Amen! Gott versiegle dies in mir, auf daß ich in Jesu Namen so den Glaubenskampf ausführ'. Er, er gebe Kraft In eigener Melodie. * 627. achet auf! ruft uns die Stimme der Wächter von der hohen Zinne, wach' auf, du Stadt Jerusalem! Mitternacht heißt diese Stunde, fie rufen uns mit hellem Munde: wo seid ihr klugen Jungfrauen? Wohlauf! der Bräut'gam kömmt! Steht auf, die Lampen nehmt! Halleluja! Macht euch bereit zu der Hochzeit; ihr müsset ihm entgegen geh'n! 2. Zion hört die Wächter singen, das Herz thut ihr vor Freuden springen, sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig, ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm', du werthe Kron', Herr Jesu, Gottes Sohn! Hosianna! Wir folgen all' zum Freudensaal und halten mit das Abendmahl. 3. Lob und Preis sei dir gesungen mit Menschen- und mit Engel- Zungen, mit Harfen und mit Cymbeln schön. Von zwölf Perlen sind die Thore an deiner Stadt, wir steh'n im Chore der Engel hoch um deinen Thron. Kein Aug' hat je geseh'n, fein Ohr hat je gehört solche Freude; d'rum jauchzen Anhang: Von der wahren Freundschaft. 335 wir und singen dir das Hal-| bald sich heucheln und in leluja für und für. Philipp Nicolai. Hoffahrt schmeicheln. 7. Bete aber auch dabei mitten in dem Wachen; denn der Herre muß dich frei von dem allen machen, was dich * 628. und daß du schläfrig bleibest und sein Werk nicht treibest. 8. Ja, er will gebeten sein, wenn er soll was geben; er verlanget unser Schrei'n, wenn wir wollen leben, und durch ihn unsern Sinn, Feind, Welt, Fleisch und Sünden kräftig überwinden. Mel. Straf mich nicht in deinem 2c. ache dich, mein wache, fleh' und bete, daß dich nicht die böse Zeit unverhofft betrete; denn es ist Satans List über viele Frommen zur Versuchung kommen. 2. Aber wache erst recht auf von dem Sündenschlafe; denn es folget sonst darauf eine harte Strafe; und die Noth sammt dem Tod möchte dich in Sünden unvermuthet finden. 3. Wache auf, sonst kann dich nicht unser Herr erleuchten; wache, sonsten wird dein Licht dir noch ferne däuchten; denn Gott will für die Füll' seiner Gnadengaben off'ne Augen haben. 4. Wache, daß dich Satans List, nicht im Schlaf mag finden, weil's ihm sonst ein Leichtes ist, dich zu überwinden. Und Gott gibt, die er liebt, oft in seine Strafen, wenn sie sicher schlafen. 5. Wache, daß dich nicht die Welt durch Gewalt bezwinge, oder, wenn sie sich verstellt, wieder an sich bringe; wach' und sieh', damit nie viel von falschen Brüdern unter deinen Gliedern. 6. Wache dazu auch für dich, für dein Fleisch und Herze, damit es nicht freventlich Gottes Gnad' verscherze; denn es ist voller List, und kann 9. Doch wohl gut, es muß uns schon alles glücklich gehen, wenn wir ihn durch seinen Sohn im Gebet anflehen; denn er will alle Füll' seiner Gunst ausschütten, wenn wir glaubend bittend. 10. D'rum so laßt uns immerdar wachen, flehen, beten, weil die Angst, Noth und Gefahr immer näher treten; denn die Zeit ist nicht weit, da uns Gott wird richten und die Welt vernichten. 3. A. Freistein. Von der wahren Freundschaft. Mel. Werde munter, mein 2c. 631. I joll ich sagen? bu desu! ach! was bist doch der beste Freund, der's in gut' und bösen Tagen all'zeit treulich mit mir meint. Mir zu helfen aus der Noth, littest du ja selbst den Tod; deine Güte, Lieb' und Treue ist mir auch noch täglich neue. 336 Anhang: Wahre Freundschaft. 2. Untreu, listig, falsch, verlogen ist im Gegentheil die Welt; denen ist sie zwar gewogen, wo sie findet Gut und Geld; wo sie Nußen haben kann, stellet sie sich freundlich an, und der, dem das Glücke grünet, wird von ihr sehr wohl bedienet. 3. Aber wenn das Blatt sich wendet, kehrt sich auch die Freundschaft um; ihre Liebe sich gleich endet, wenn ein kleines Ungestüm oder Ungemach aufsteigt; alsdann sie zurückeweicht, und des Un glücks dessen lachet, welcher Hoffnung auf fie machet. 4. Treuer Jesu, ach! behüte mich vor einem solchen Sinn, daß ich nicht falsch vom Gemüthe, noch untreu von Herzen bin; Heuchelei und falscher Schein müssen ferne von mir sein; Unbeständigkeit vor allen laß mir jederzeit mißfallen. Vertrauen auf Gott. 7. Laß mich Davids Glück erleben, gib mir einen Jonathan, der mir mag sein Herze geben, dem ich mich vertrauen kann, der bei mir in Wohl und Weh als ein Felsen treulich steh', der, was ich ihm of fenbare, bei sich im Geheim bewahre. 5. Solche Freundschaft laß mich pflegen, die nicht blos das Glücke liebt, oder eines Unfalls wegen sich des Freundes stracks begibt, daß, wenn Unglück findet sich, ich ja meiner Freunde mich nicht entziehe oder schäme, vielmehr ihrer mich annehme. 8. Herr! ich bitte dich, erwähle doch aus allen Menschen mir eine solche fromme Seele, die mir treu ist für und für, die da ohne Heuchelei recht mein ander Herze sei, und nach deinem Sinn und Geiste mir beständig Freundschaft leiſte. 9. Hab' ich Schwachheit und Gebrechen, ach! so lenke meinen Freund, mich in Güte zu besprechen; laß mich's auch als wohlgemeint, was er mich erinnern wird und mir zu Gemüthe führt, wohl aufnehmen, und im Leben nachmals darauf Achtung geben. 10. Wohl dem, welchem hier auf Erden ist ein solcher Freund beschert! dem wird er gegeben werden, wer dich, Je su! liebt und ehrt. Jesu! sei du nur mein Freund; alsdenn auch wohl welche sind, die, von deinem Geist getrieben, mich als Freunde werden lieben. 6. Gib mir aber gleichermaßen einen Freund, auf dessen Treu' ich mich sicher kann verlassen, dem ich ohne alle Scheu Vom Vertrauen auf Gott. In eigener Melodie. mein Anliegen klagen mag,* 640. Auf meinen lieben Gott trau' ich der am als am guten bei mir bleibe, den kein Unglück von mir treibe. in Angst und Noth; er kann mich allzeit retten aus Trüb Anhang: Vertrauen auf Gott. 337 sal, Angst und Nöthen; mein| Christ, mein Trost du bist in Unglück kann er wenden; steht all's in seinen Händen. 2. Ob mich mein Sünd' anficht, will ich verzagen nicht; auf Christum will ich bauen und ihm allein vertrauen; ihm thu' ich mich ergeben im Tod und auch im Leben. 3. Ob mich der Tod nimmt hin, ist Sterben mein Gewinn, und Chriftus ist mein Leben; dem thu' ich mich ergeben. Ich sterb' heut' oder morgen; mein' Seel' wird er versorgen. 4. Ach mein Herr Jesu Christ, der du geduldig bist für mich am Kreuz gestorben, haft mir das Heil erworben und bringst uns all' zu gleiche zum ew'gen Himmelreiche. 5. Erhöre gnädig mich, mein Trost, das bitt' ich dich; hilf mir am letzten Ende, nimm mich in deine Hände, daß selig ich abscheide zur ew'gen Himmelsfreude! 6. Amen zu aller Stund' sprech' ich aus Herzensgrund'. Du wolleft selbst uns leiten, Herr Christ, zu allen Zeiten, auf daß wir deinen Namen ohn' Ende preisen. Amen. Sigmund Weingärtner. In eigener Melodie. 642. 2 er Gott ver= traut, hat wohl gebaut im Himmel und auf Erden; wer sich verläßt auf Jesum Christ, dem muß der Himmel werden. Darum will ich allein auf dich mein Hof fen treulich seßen. Herr Jesu Todesnoth und Schmerzen. 2. Und wenn's gleich wär' dem Teufel sehr und aller Welt zuwider, dennoch so bist du, Jesu Christ, der sie all' schlägt darnieder. Und wenn ich dich nur hab' um mich mit deinem Geist und Gnaden, so kann fürwahr mir ganz und gar nicht Tod noch Teufel schaden. 3. Dein tröst' ich mich ganz ficherlich, denn du kannst mir wohl geben, was mir ist noth, du treuer Gott, hier und in jenem Leben. Gib wahre Reu', mein Herz erneu', errette Leib und Seele! Ach höre, Herr, dieß mein Begehr, daß meine Bitt' nicht fehle! Johann Mühlmann. In eigener Melodie. 644. V nicht laffen, denn on Gott will ich er läßt nicht von mir, führt mich auf rechter Straßen, da ich ging in der Jrr', er reicht mir seine Hand, den Abend und den Morgen will er mich wohl versorgen, wo ich auch sei im Land. * 2. Wenn Menschenhuld und Lieben in Ungunst fich verkehrt, ist er doch treu geblieben dem, der ihn liebt und ehrt; hilft mir aus aller Noth, errett't von Sünd' und Schanden, von Ketten und von Banden, und wenn's auch wär' der Tod. 3. Auf ihn will ich vertrauen in meiner schweren Zeit. Es kann mir nimmer grauen, er wendet alles Leid; ihm sei 22 338 Anhang: Vertrauen auf Gott. Lob- u. Danklieder. es heimgestellt; mein Leib, mein' Seel', mein Leben sei Gott dem Herrn ergeben. Er mach's, wie's ihm gefällt! 4. Es kann ihm nichts gefallen, denn was mir nüßlich ist; er meint's gut mit uns allen, schenkt uns den Herren Christ, ja seinen lieben Sohn, durch den er uns bescheret, was Leib und Seel' ernähret; lobt ihn in's Himmels Thron! 5. Lobt ihn mit Herz und Munde für alles, was er schenkt, das ist ein' sel'ge Stunde, darin man sein gedenkt; verlor'n ist sonst all' Zeit, die wir zubring'n auf Erden, wir sollen selig werden und bleib'n in Ewigkeit. 6. Darum, ob ich schon dulde hie Widerwärtigkeit, wie ich auch wohl verschulde, kommt doch die Ewigkeit, ist aller Freuden voll; dieselb' ohn' einig's Ende, dieweil ich Christum kenne, mir widerfahren soll. 7. Das ist des Vaters Wille, der uns geschaffen hat; sein Sohn hat Gut's die Fülle erworben uns aus Gnad'; auch Gott, der heil'ge Geist, im Glauben uns regieret, zum Reich der Himmel führet. Ihm sei Lob, Ehr' und Preis! 2. Helmbold. - hält ganz unverletet einen freien Heldenmuth. 2. Der mich hat bisher ernähret und so manches Glück bescheret, ist und bleibet ewig mein; der mich wunderlich geführet und noch leitet und regieret, wird forthin mein Helfer sein. 3. Viel' bemühen sich um Sachen, die nur Sorg' und Unruh' machen und ganz unbeständig sind; ich begehr' nach dem zu ringen, was mir kann Genüge bringen, und was jetzt man selten find't. 4. Hoffnung kann das Herz erquicken; was ich wünsche, wird sich schicken, so es anders Gott gefällt. Meine Seele, Leib und Leben hab' ich seiner Gnad' ergeben und ihm alles heimgestellt. 5. Er weiß schon nach seinem Willen mein Verlangen zu erfüllen; es hat alles seine Zeit. Ich hab' ihm nichts vorzuschreiben; wie Gott will, so muß es bleiben; wenn Gott will, bin ich bereit. 6. Soll ich länger allhier leben, will ich ihm nicht wi derstreben; ich verlasse mich auf ihn. Ist doch nichts, das lang bestehet; alles Irdische vergehet, und fährt wie ein Strom dahin. In eigener Melodie. 647. Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad' gelegen über alles 658. Numit Herzen, Mund Lob- und Danklieder. In eigener Melodie. un danket Geld und Gut. Wer auf Gott sein' Hoffnung setzet, der beund Händen, der große Dinge Anhang: Lob- und Danklieder. lich! thut an uns und allen Enden,| dich und lobe Gott herzinnigder uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zu gut und jezo noch gethan. 2. Der ewig reiche Gott woll' uns bei unferm Leben ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben, und uns in seiner Gnad' erhalten fort und fort, und uns aus aller Noth erlösen hier und dort! 3. Lob, Ehr' und Preis sei Gott, dem Vater und dem Sohne, und dem, der beiden gleich im hohen Himmelsthrone, dem dreieinigen Gott, als er ursprünglich war, und ist und bleiben wird jegund und immerdar! Mart. Ninckard. 5. Dir sei, o allerliebster Vater! unendlich Lob für Seel' und Leib! Lob sei dir, mildester Berather, für allen edlen Zeitvertreib, den du mir in der ganzen Welt zu meinem Nugen hast beſtellt! 6. Mein treuster Jesu! sei gepriesen, daß dein erbarmungsvolles Herz sich mir so hilfreich hat bewiesen, und mich durch Blut- und TodesMel. Wer nur den lieben Gott 2c. * 659. daß ich tau schmerz von aller Teufel Grausamkeit zu deinem Eigenthum befreit. send Bungen hätte und einen tausendfachen Mund! so stimmt' ich damit um die Wette vom allertiefsten Herzensgrund ein Loblied nach dem andern an von dem, was Gott an mir gethan. 7. Auch dir sei ewig Ruhm und Ehre, o heilig- werther Gottesgeist! für deines Trostes süße Lehre, die mich ein Kind des Lebens heißt; denn wo was Gut's von mir geschicht, das wirket nur dein göttlich Licht. 2. O daß doch meine Stimm' erschallte bis dahin, wo die Sonne steht! daß mein O Blut mit Jauchzen wallte, so lang' es noch im Laufe geht! Ach! wär' ein jeder Puls ein Dank und jeder Odem ein Gesang! 8. Wer überströmet mich mit Segen? bist du es nicht, o reicher Gott? Wer schüßzet mich auf meinen Wegen? du, du, o starker Zebaoth! du trägst mit meiner Sündenschuld unsäglich gnädige Geduld. 3. Was schweigt ihr denn, ihr, meine Kräfte? Auf, auf! braucht allen euren Fleiß, und stehet munter im Geschäfte zu Gottes, meines Herren, Preis; mein Leib und Seele, schické 9. Wie sollt' ich nun nicht voller Freuden in deinem ſteten Lobe steh'n? wie sollt' ich auch im tiefsten Leiden nicht 339 4. Jhr grünen Blätter in den Wäldern, bewegt und regt euch doch mit mir! Jhr schwanken Gräschen in den Feldern, ihr Blumen, laßt doch eure Zier zu Gottes Ruhm belebet sein, und stimmet lieblich mit mir ein! 22* 340 Anhang: Lob- und Danflieder. triumphirend einhergehn? Und fiele auch der Himmel ein, so will ich doch nicht traurig sein. 10. Drum reiß' ich mich jetzt aus der Höhle der schnöden Eitelkeiten los und rufe mit erhöhter Seele: mein Gott! du bist sehr hoch und groß! Kraft, Ruhm, Preis, Dank und Herrlichkeit gehört dir jetzt und allezeit! 11. Ich will von deiner Güte fingen, so lange sich die Zunge regt; ich will dir Freudenopfer bringen, so lange sich mein Herz bewegt; ja, wenn der Mund wird kraftlos sein, so stimm' ich noch mit Seufzen ein. 12. Ach! nimm das arme Lob auf Erden, mein Gott, in allen Gnaden hin! im Himmel soll es besser werden, wenn ich ein guter Engel bin. Da sing' ich dir im höhern Chor viel tausend Halleluja vor. Joh. Menger. 3. Was unser Gott geschaffen hat, das will er auch erhalten; darüber will er früh und spat mit seiner Gnade walten; in seinem ganzen Königreich ist alles recht und alles gleich. Gebt unserm Gott die Ehre! 4. Ich rief dem Herrn in meiner Noth: Ach Gott, vernimm mein Schreien; da half mein Helfer mir vom Tod, und ließ mir Trost gedeihen; drum dank', ach Gott! drum dank' ich dir. Ach, danket, danket Gott mit mir! Gebt unserm Gott die Ehre! 5. Der Herr ist nah und nimmer nicht von seinem Volk geschieden, er bleibet ihre Zuversicht, ihr Segen, Heil und Frieden; mit Mutterhänden leitet er die Seinen stetig hin und her. Gebt unserm Gott die Ehre! 6. Wenn Trost und Hilf ermangeln muß, die alle Welt Mel. Es ist das Heil uns 2c. 663. Sei Lob und Ehr' erzeiget, so kömmt, so hilft dem höchsten Gut, dem Vater aller Güte, dem Gott, der alle Wunder thut, dem Gott, der mein Gemüthe mit seinem reichen Trost erfüllt, dem Gott, der allen Jammer stillt! Gebt unserm Gott die Ehre! der Ueberfluß, der Schöpfer selbst, und neiget die Vateraugen denen zu, die sonsten nirgends finden Ruh'. Gebt unserm Gott die Ehre! 2. Es danken dir die Himmelsheer', o Herrscher aller Thronen! und die auf Erden, Luft und Meer in deinem Schatten wohnen, die preisen deine Schöpfersmacht, die alles also wohl bedacht. Gebt unserm Gott die Ehre! 7. Ich will dich all' mein Lebenlang, o Gott! von nun an ehren! man soll, o Gott! den Lobgefang an allen Orten hören. hören. Mein ganzes Herz, ermuntre dich! mein Geist und Leib erfreue sich! Gebt unserm Gott die Ehre! 8. Jhr, die ihr Chrifti Namen nennt, gebt unserm Gott die Ehre! Jhr, die ihr Gottes Anhang: Lob- und Dank- Lieder.- Tischlieder. 341 Macht bekennt, gebt unserm| todt, bis in der Ernte Jung Gott die Ehre! die falschen Gößen macht zu Spott! der Herr ist Gott, der Herr ift Gott. Gebt unserm Gott die Ehre! und Alt erlanget seinen Unterhalt. 9. So kommet vor sein Angesicht mit jauchzenvollem Springen, bezahlet die gelobte Pflicht und laßt uns fröhlich fingen: Gott hat es alles wohl bedacht, und alles, alles recht gemacht, gebt unserm Gott die Ehre! 5. Nun, Herr, was soll man erst bedenken? der Wunder ist hier gar zu viel; so viel als du kann niemand schenken, und dein Erbarmen hat kein Ziel; denn immer wird uns mehr beschert, als wir zusammen alle werth. Paul Gerhard. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 669. Gott, von dem wir alles haben, die Welt ist ein sehr großes Haus; du aber theilest deine Gaben recht. wie ein Vater drinnen aus; dein Segen macht uns alle reich: ach lieber Gott, wer ist dir gleich? Tischlieder. In eigener Melodie. 2. Wer kann die Menschen alle zählen, die heut' bei dir 671. Herr Gott, mun fei zu Tische geh'n? Doch muß die Nothdurft keinem fehlen, denn du weißt allen vorzusteh'n, und schaffest, daß ein jedes Land sein Brod bekömmt aus deiner Hand. gepriesen! Wir sagen frohen Dank, daß du uns Gnad' erwiesen, gegeben Speis' und Trank', dein mildes Herz zu merken, den Glauben uns zu stärken, daß du sei'st unser Gott. 3. Du machst, daß man auf Hoffnung säet und endlich auch die Frucht genießt; der Wind, der durch die Felder wehet, die Wolke, so das Land begießt, des Himmels Thau, der Sonnenstrahl sind deine Diener allzumal. 6. Wir wollen's auch kein Mal vergessen, was uns dein Segen träget ein; ein jeder Bissen, den wir essen, soll deines Namens Denkmal sein, und Herz und Mund soll Lebenslang für unsre Nahrung sagen Dank. C. Reumann. 4. Und also wächst des Menschen Speise, der Acker selbst wird ihm zu Brod; es mehret sich vielfält'ger Weise, was anfangs schien, als wär' es 2. Ob Jemand was genommen vielleicht im Uebermaß, wär' undankbar gekommen, wollst du nicht strafen das! Walt' über uns in Gnaden, wahr' uns vor Sünd' und Schaden durch Christum, deinen Sohn! 3. Auch wollest du ernähren die Seelen allermeist, und Lebensbrod bescheren, Herr, durch dein Wort und Geist, daß wir nicht Mangel leiden, 342 Anhang: Tischlieder. Morgenlieder. stark sei'n in Leid und Freu-| Segen nach Vermögen reichen den, und leben ewiglich. 4. O Bater aller Frommen, geheiliget seist du! Laß dein Reich zu uns kommen, Gehorsam gib dazu! Gib Brot, vergib die Sünde; kein Arges uns entzünde; lös' uns aus aller Noth! Nicolaus Selnekker. * Mel. Liebster Jesu, wir sind hier zc. un, wir 673.viemal fatt, da auch Morgenlieder. In eigener Melodie. uns Gott vergnügt geſpeiſet, 675. Aus meines Herzens und hat, seine Güte sei gepreiset! Gott wird ferner unserm Leben unserm Leben Speis' und Trank nach Nothdurft geben. 2. Ach! wenn ja bei unsrer Lust auch was Sündlich's vor= gegangen, Gott! so ist dir's wohlbewußt; aber laß uns Gnad' erlangen, und den Leib zum Seelenschaden seine Kost nicht in sich laden! 3. Mache deine Vatertreu' so am Abend, wie am Morgen, gegen deine Kinder neu, die dich lassen für sich sorgen, und in allen ihren Werken sich aus deinem Segen stärken! 4. Laß den Wunsch nicht leer von dir, ja wir trinken oder effen, ach! so wirke stets, daß wir deiner Liebe nicht vergessen, die uns alle Tage nähret, und viel tausend Gut's bescheret! mögen! 6. Ach! du wolleft fort und fort uns die rechte Speise geben, Gott! dein theures, werthes Wort, so wird unsre Seele leben, bis wir himmlisch Manna speisen, und dich ewig selig preisen. 5. Reiche deine milde Hand, liebster Vater! auch den Armen, laß den fümmerlichen Stand gleichfalls unser Herz * erbarmen, daß wir ihnen einen * sag' ich dir Lob und Dank in dieser Morgenstunde und all' mein Lebenlang. Preis dir auf deinem Thron, du Vater aller Ehren, durch Christum, unsern Herrn, den eingebornen Sohn! 2. Preis dir, daß du aus Gnaden in der vergang'nen Nacht mich vor Gefahr und Schaden behütet und bewacht! Wollst auch die Missethat barmherzig mir vergeben, die dich in meinem Leben so oft erzürnet hat. 3. Du wollst mich auch behüten an diesem ganzen Tag. vor Satans List und Wüthen, vor Sünden und vor Schmach; vor Feu'r- und Wassersnoth, vor Armuth und vor Schanden, vor Krankheit und vor Banden, vor bösem, schnellem Tod. 4. Mein Leib und Seel' und Leben, mein Weib( Mann), Gut, Ehr' und Kind sei dir, Herr, übergeben, dazu mein l'Hausgesind;( du hast es mir Anhang: verlieh'n,) mein' Eltern und Verwandte, Geschwister und Bekannte, und was ich hab' und bin! 5. Laß deinen Engel bleiben, und weichen nicht von mir, Versuchung abzutreiben, die mich verlockt von dir! Umschließ mich überall! so wird mich nichts betrüben, so werd' ich Gutes üben, so komm' ich nicht zu Fall. 6. Gott will ich lassen rathen, der alle Dinge lenkt; er segne meine Thaten, und was mein Herz gedenkt. Dir sei es heimgestellt, Leib, Seele, Geist und Leben, und was du mir gegeben! Mach's, wie es dir gefällt! Morgenlieder. 343 4. Du willst ein Opfer haben. Hier bring' ich meine Gaben, in Demuth fall' ich nieder, und bringe Fleh'n und Lieder. Johann Mathesius. * 7. Darauf so sprech' ich Amen! und zweifle nicht daran: Gott führt in Jesu Namen mein Herz auf ebner Bahn. D'rauf ich aus die fang' an mein Werk in Frie 685. und der Erden, Paul Gerhard. In eigener Melodie. ott den, wie Gott es mir beschieden in meinem Pilgerstand! Vater, Sohn und heil'ger Geist! der es Tag und Nacht läßt werden, Sonn' und Mond uns scheinen heißt, dessen starke Hand die Welt, und was drinnen ist, erhält. Mel. Nun laßt uns Gott 2c. 677. Wers, und finge ach' auf, mein dem Schöpfer aller Dinge, dem Geber aller Güter, dem frommen Menschenhüter! 2. Du sprachst: mein Kind, nun schlafe! Ich hüte meine Schafe; schlaf' wohl, laß dir nicht grauen; die Sonne sollst du schauen!" 5. Die wirst du nicht verschmähen, du kannst in's Herz mir sehen, und weißest, daß zur Gabe ich ja nichts Beff'res habe. 6. So wollst du nun vollenden dein Werk an mir, den senden, der mich an diesem Tage auf seinen Händen trage. 3. Dein Wort, Herr, ist geschehen, ich kann das Licht noch sehen, von Noth bin ich befreiet, dein Schuß hat mich erneuet. 7. Sprich Ja" zu meinen Thaten; hilf selbst das Beste rathen; den Anfang, Mittel, Ende, ach Herr, zum Besten wende! 8. Mit Segen mich beschütte, mein Herz sei deine Hütte, dein Wort sei meine Speise, bis ich gen Himmel reiſe! 2. Gott, ich danke dir von Herzen, daß du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Angst, Noth und Schmerzen haft behütet und bewacht, daß des bösen Feindes List mein nicht mächtig worden ist. 3. Laß die Nacht auch meiner Sünden heut' mit dieser Nacht vergeh'n; o Herr Jesu, laß mich finden deine Wunden offen steh'n, da alleine 344 Anhang: Morgenlieder. Hilf' und Rath ist für meine| täglich mich ernährt, würd' ich Missethat! auch deiner Gnade werth! 4. Hilf, daß ich mit diesem Morgen geistlich auferstehen mag, und für meine Seele sorgen, daß, wenn nun dein großer Tag uns erscheint und dein Gericht, ich davor erschrecke nicht! 3. Dein Auge siehet mich aufstehen; es leite mich in dieser Welt! Ich weiß nicht, was mir wird geschehen; Herr, schicke du, was dir gefällt! Schließ' mich in deine Vorsicht ein; dein will ich todt und lebend sein! 4. Vergib mir, Vater, meine Sünden, und siehe meinen Mittler an; laß mich in ihm Erbarmen finden, weil er für mich genug gethan! Wenn ich bei dir in Gnaden bin, so geh' ich froh und ruhig hin. 5. Hilf mir in allen Dingen rathen, denn ich bin selber mir nicht flug! behüte mich vor Missethaten, vor Teufelslist und Menschentrug! Laß mich den Tag wohl wenden an, und Gutes wirken, weil ich kann! 5. Führe mich, o Herr! und leite meinen Gang nach deinem Wort, sei und bleibe du auch heute mein Beschüßer und mein Hort; nirgends als von dir allein kann ich recht be wahret sein. 6. Meinen Leib und meine Seele, sammt den Sinnen und Verstand, großer Gott, ich dir befehle unter deine starke Hand; Herr, mein' Ehre und mein Ruhm, nimm mich in dein Eigenthum! 7. Deinen Engel zu mir sende, der des bösen Feindes Macht, List und Anschläg' von mir wende, und mich hab' in guter Acht, der auch endlich mich zur Ruh' trage nach dem Himmel zu! Heinr. Albert. 6. Bewahre mir Leib, Seel' und Leben, Verwandte, Freunde, Hab' und Gut; den Himmel laß den Segen geben, wenn meine Hand das Ihre thut; sei mir in Allem Trost und Licht; du wirft es thun; ich zweifle nicht! Mel. Wer nur den lieben Gott zc. 698. ein Gott, nun Me ist es wieder Morgen, die Nacht vollendet ihren Lauf; nun wachen alle Caspar Neumann. Me 1. Gott des Himmels zc. meine Sorgen auf einmal wie 702. Gro Proßer Gott von ist der mit mir auf; die Ruh' aus, der Schlaf ist hin; ich sehe wieder, wo ich bin. alten Zeiten, dessen Hand die Welt regiert, dessen Treu' auf allen Seiten mich von Jugend auf geführt, heute weckt des Tages Lauf mich zu lauter Andacht auf. 2. Ach! wie lieb' ich diese Stunden! denn sie sind des 2. Ich bin noch immer auf der Erde, wo jeder Tag sein Elend hat, wo ich nur immer älter werde, und niemals rein von Missethat. O Gott, der Anhang: Morgenlieder. Abendlieder. Herren Fest, das mit soviel Trost verbunden, da mein Gott mich ruhen läßt, und durch seinen guten Geist mir den Weg zum Leben weist. 3. Doch das bloße Müssiggehen und der Kleider leere Pracht werden schlecht bei Gott bestehen, der das Eitle wenig acht't. Herr! ich bringe, was ich kann; nimm du nur mich selber an! 4. Habe Dank für diesen Morgen, der mir Zeit zum Guten schenkt; das sind uns're besten Sorgen, wenn der Mensch an Gott gedenkt, und von Herzen bet't und singt, daß es durch die Wolken dringt. 5. Was ist schöner, als Gott dienen? Was ist süßer, als sein Wort, da wir sammeln, wie die Bienen, und den Honig tragen fort? Selig ist, wer Tag und Nacht also nach dem Himmel tracht't. 6. O mein Gott! sprich selber Amen! denn wir sind dein Eigenthum. Alles preise deinen Namen, alles mehre deinen Ruhm, bis es künftig wird gescheh'n, daß wir dich im Himmel seh'n. Caspar Reumann. Abendlieder. Mel.: Freu' dich sehr, o meine Seele zc. 706. Werde munter, mein the, und ihr Sinne, geht herfür; daß ihr preiset Gottes Güte, die er hat gethan an mir, daß er diese Tageszeit vor so 345 manchem schweren Leid durch sein gnadenvolles Walten mich beschirmet und erhalten. 2. Lob und Dank sei dir gesungen, Vater der Barmherzigkeit, daß mein Werk mir ist gelungen ohne Pein und Herzeleid! vor den Sünden mancher Art hast du treulich mich bewahrt, auch die Feinde weggetrieben, daß ich unversehrt geblieben. 3. Keine Weisheit kann er= gründen deine Güt' und Wunderthat, und kein Menschenmund verkünden würdig deinen hohen Rath. Deiner Wohl= that ist zu viel, sie hat weder Maß noch Ziel. Dennoch will ich ich dich erheben, dir in Schwachheit Ehre geben. 4. Dieser Tag ist hingegangen, und die Finsterniß bricht ein; fern ist deiner Sonne Prangen und ihr freudenreicher Schein. Stehe mir, o Vater, bei, daß es heiter in mir sei, daß mich deines Lichtes Quelle auch in dieser Nacht erhelle! 5. Hab' ich gleich oft Zorn verdienet, stell' ich mich doch wieder ein, denn dein Sohn hat mich verfühnet durch des Kreuzes bittre Pein. Ich verleugne nicht die Schuld; aber deine Gnad' und Huld ist viel größer als die Sünde, die ich in und an mir finde. 6. O du Licht der frommen Seelen! O du Glanz der Ewigkeit! Dir will ich mich ganz befehlen diese Nacht und allezeit. Bleibe doch, mein Gott, 346 Anhang: bei mir und erhalte mich in dir; decke mich mit deiner Liebe, daß kein Jammer mich betrübe! 7. Wenn sich auch die Augen schließen und ermüdet schlafen ein, soll mein Herz dich doch genießen, und auf dich gerichtet sein. Meine Seele mit Begier träume ftets, o Gott, von dir, daß ich innig an dir hange, und auch schlafend dich umfange! 8. Laß mich diese Nacht empfinden eine sanfte, süße Ruh'; alles Uebel laß verschwinden, decke mich mit Se gen zu! Leib und Seele, Muth und Blut, all' die Meinen, Hab' und Gut, Freunde, Feind' und Hausgenossen sei'n in deinen Schutz geschlossen! 9. Ach, bewahr' uns doch vor Schrecken, schüzz' uns, Herr, vor Ueberfall; laß uns keine Krankheit wecken; halte fern des Krieges Schall! Wende Feu'r und Wassersnoth, Bestilenz und schnellen Tod; laß in Sünden keinen sterben, noch an Seel' und Leib verderben! Abendlieder. Menschen, Städt' und Felder, es schläft die müde Welt. Jhr aber, meine Sinnen, auf! ihr follt noch beginnen, was eurem Schöpfer wohlgefällt. 2. Wo bist du, Sonne, blie ben? die Nacht hat dich vertrieben, die Nacht, des Tages Feind. Fahr' hin, du Erdensonne, wenn Jesus, meine Wonne, nur hell in meinem Herzen scheint! 3. Der Tag ist nun vergangen; die goldnen Sterne prangen am blauen Himmels faal. Also werd' ich auch ste hen, wann mich wird heißen gehen mein Gott aus diesem Jammerthal. 4. Der Leib eilt nun zur Ruhe, legt Kleider ab und Schuhe, das Bild der Sterblichkeit. Die zieh' ich aus; da gegen wird Christus mir anlegen das Kleid der Ehr' und Herrlichkeit. 5. Das Haupt, die Füß' und Hände sind froh, daß nun zu Ende des Tages Arbeit sei. Herz, freu' dich! du sollst wer| den vom Elend dieser Erden und von der Sündenarbeit frei. 10. O du großer Gott, erhöre, was dein Kind gebeten hat! Jesu, den ich stets verehre, bleibe du mein Schuß und Rath! Und du, werther, heil'ger Geist, der du Freund und Tröster heiß'st, höre doch mein sehnlich Flehen! Amen, ja, es soll geschehen. Joh. Nift, veränd. Mel. In allen meinen Thaten zc. 7. Die Augen steh'n verdrossen, im Nu sind sie ge schlossen; wo bleibt nun Leib Fun ruhen alle und Seel'? Nimm du sie hin * 708. Naber, vieh, in Gnaden, ſei gut für allen Wälder, 6. Nun geht, ihr matten Glieder, geht hin, und legt euch nieder! des Bettes ihr begehrt. Es kommen and're Zeiten, da man euch wird be reiten zur Ruh' ein Bettlein in der Erd'. Anhang: Schaden, du Aug' und Wächter Israel! 8. Ruh' du zu meiner Seite, die Flügel um mich breite, und hülle mich darein! will mich der Feind verschlingen, so laß die Engel singen: dieß Kind soll unverletet sein! 9. Auch euch, ihr meine Lieben, soll heute nicht be trüben ein Unfall noch Gefahr; euch Fernen und euch Nahen woll' unser Gott umfahen mit seiner lichten Engelschaar! 9. Und also leb' und sterb' ich dir, o Herr, Gott Zebaoth! Fm Tod und Leben hilf du mir aus aller Angst und Noth! Joh. Friedr. Herzog. Mel. Werde munter, mein 2c. err! von Paul Gerhard. Mel. Lobt Gott, ihr Christen zc. * 722. Hmeinem Leben * 720. un fich der Tag wiederum ein Tag dahin; lehre mich nun geendet hat und keine Sonne scheint, schläft Alles, was da müd' und matt, und was zuvor geweint. 2. Nur du, mein Gott, wachst über mir; du schläfft und schlummerst nicht. Finsterniß ist nicht bei dir, denn du bist selbst das Licht. ob ich fromm gewesen bin; zeige mir's auch selber an, so ich was nicht recht gethan, und hilf jetzt in allen Sachen guten Feierabend machen! Die 3. Gedenke, Herr, nun auch an mich in dieser dunkeln Nacht, und schirme du mich gnädiglich mit deiner Engel Wacht! 2. Freilich wirst du Manches finden, das dir nicht gefallen hat; denn ich bin noch voller Sünden in Gedanken, Wort und That. Ach wie oft verging ich mich, mein Erbarmer, wider dich! Wer kann merken, wer kann zählen, wann wir und wie oft wir fehlen? 4. Zwar fühl' ich meine Sündenschuld, sie klagt vor dir mich an; doch dent' an deines Sohnes Huld, der für mich g'nug gethan! Abendlieder. 347 7. Weicht, nichtige Gedanken, hin! Wo habt ihr euren Lauf! Jch baue jetzt in meinem Sinn Gott einen Tempel auf. 8. Soll diese Nacht die letzte sein in diesem Jammerthal, so führ' mich, Herr, im Himmel ein zur auserwählten Zahl! 5. Jhm set' ich dir zum Bürgen ein, wenn ich muß vor Ge= richt. Ich kann ja nicht verloren sein in solcher Zuversicht. 6. Darauf schließ ich die Augen zu, und schlafe fröhlich ein. Mein Gott bewachet meine Ruh'. Wer wollte traurig sein? 3. Aber, o du Gott der Gnaden, habe noch mit mir Geduld! heile meinen Seelenschaden, und vergib mir meine Schuld! Deine große Vatertreu' werd' auch diesen Abend neu! Hilf mir künftig deinen Willen treulicher, als heut', erfüllen! 4. Heilige du mein Gemüthe, daß mein Schlaf nicht sündlich sei! Steh' mit deiner 348 Anhang: Abendlieder. großen Güte auch in dieser| Jhre für. Mein Gott, ich breite Nacht bei mir! Lösche Feu'r und Lichter aus, und bewahre selbst das Haus, daß ich morgen mit den Meinen nicht im Unglück müsse weinen! Herz und Hände im Namen Jesu aus vor dir; weil ich dich Vater nennen kann, so nimm mein findlich Seufzen an! 5. Steure den gottlosen Leuten, die im Finstern Böses thun! Sollte man gleich was bereiten, uns zu schaden, wenn wir ruh'n, so zerstöre du den Rath, und verhindre selbst die That, wend' auch alle andre Schrecken, die der Satan kann erwecken! 6. Herr, dein Auge geht nicht unter, wenn es bei uns Abend wird; denn du bleibest ewig munter, und bist uns ein guter Hirt, der auch in der finstern Nacht über seine Herde wacht. Darum hilf uns, deinen Schafen, daß wir Alle ficher schlafen! 3. Der Tag ist hin mit sei nen Plagen, der Abend bricht vergnügt herein; da manche über Unglück klagen, kann ich doch gutes Muthes sein; denn Gott beschützt mich väterlich, und seine Liebe krönet mich. 4. Nun, Gott! vom Grunde meiner Seelen stimm' ich ein Lob- und Danklied an! gern wollt' ich alles das erzählen, was deine Huld an mir ge than; doch, lieber Gott, un zählig ist, was Seel' und Leib von dir genießt. 5. Vergib mir alle meine Sünde; mein Jesus nimmt die Schuld auf sich. Darum in diesem deinem Kinde, getreuer Gott, erbarme dich! Jch weiß, du gehest mit mir nicht um seinetwillen ins Gericht. 7. Laß uns, Herr, gesund erwachen, wann es rechte Zeit wird sein, daß wir ferner unsre Sachen richten dir zu Ehren ein! Oder haft du, lieber Gott, heut' bestimmet meinen Tod, so befehl' ich dir am Ende Leib und Seel' in deine Hände. 6. D'rauf schlaf' ich unter deiner Liebe, und was mir lieb, befehl' ich dir! Sieht's um mein Lager schwarz und trübe, bricht doch dein Gnadenglanz herfür, der Nacht und Dunkel lichte macht und schüßt mich Casp. Neumann. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. 723. Gott Lob, ber Tag durch der Engel Wacht. ist nun beschlos sen, die Ruhestunde stellt sich ein! Viel Gutes hab' ich heut' genossen, Gott muß dafür gepriesen sein. An Gott und an fein Lob gedacht bringt eine rechte gute Nacht. 7. Wohlan! ich will der Ruh' genießen. Soll diese Nacht die legte sein, da ich mein Leben muß beschließen, so trifft mein eignes Wünschen ein; das Leben ist mir kein Gewinn, als bis ich erst gestorben bin. 2. Des Leibes Arbeit ist zu Ende, die Seele nimmt das 8. So geb' ich mich in deine Hände, ich leb' und sterbe, wie Anhang: Reiselied. Von der Demuth. 349 du willst; ich weiß, daß aus| sich führet, daß mir zu Wasser dem Lebensende des rechten Lebens Anfang quillt. So schlaf' ich nun auf Jesum ein, d'rum muß mein Schlaf gesegnet sein. oder Land den Weg zu thun gebühret; bring' mich gesund, dahin ich soll, mein Werk laß mich verrichten wohl, und glücklich wiederkommen. E. Neumeister. Reiselied. 6. Wend' unterdeß all' Unglück ab von meinen Anverwandten, die ich zu Haus geMel. Nun freut euch, lieben 2c. 740. von und Bekannten! laß dir sie, Gott! befohlen sein, hilf, daß ich sie und all' das Mein' in gutem Zustand finde! men Jesu Christ reis' ich nun meine Straßen; mein Hüter und mein Hirt du bist, du wirst mich nicht verlassen; mein Leib und Seel' befehl ich dir, mein Ehr' und Gut und was du mir auf dieser Welt bescheeret. 2. Ich weiß, daß ich allhier auf Erd' bin mit Gefahr umfangen, zu keiner Zeit auch völlig werd' die Ruh' daselbst erlangen; ich bin ein Pilgrim, der stets muß fortseßen seinen Stab und Fuß, der nirgends hat sein Bleiben. 3. Doch hilfst du, daß ich immerzu die Noth noch überwinde, bis daß ich dort die wahre Ruh' und rechte Heimat finde; da ist denn Müh' und Sorge aus, da bin ich eigentlich zu Haus, die Unruh hat ein Ende. 4. An solche Ruhstätt' denk' ich hier jekund bei meinem Wallen; ich bitt', o Herr! mich so regier', daß dir es mög' gefallen! Leit' mich allzeit auf rechter Bahn, und alles, was ich fange an, das segne du von oben! 5. Dir ist am besten, Herr! bekannt, was mein Amt mit 1 7. Darneben mir auch dies verleih', daß ich behutsam wandle, und immerdar vorsichtig sei in allem, was ich handle; durch deines heil'gen Geistes Gnad' gib rechte Zeit, Verstand und Rath zu meinem Thun und Lassen! 8. Schick' deinen Engel vor mir her, den Weg mir zu bereiten; befiehl, daß er dem Satan wehr' und allen bösen Leuten; nimm mich, o Herr, in deinen Schuß, daß ihre List, Gewalt und Truß mir nimmer könne schaden! 9. O Vater! dir ergeb' ich mich, du kannst mir Hilfe senden; bewahr' und hilf mir gnädiglich hier und an allen Enden, und laß mich bald, wie dir's gefällt, nach dieser Unruh in der Welt, bei dir dort Ruh erlangen! Joh. Gesenius. Von der Demuth. 748. liebt, liebt Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. er Demuth Anhang: Von der Demuth. 350 eine Quelle, aus der so manche| Tugend fließt; denn keine Tugend scheint so helle, als die aus Demuth sich ergießt; ja aller Tugend Licht und Pracht ist ohne sie wie finstre Nacht. 2. Wer Demuth liebt, verbirgt die Gabe, die ihm der Himmel zuerkannt; er spricht: das alles, was ich habe, kömmt her von meines Vaters Hand; denn was ich bin, kann oder weiß, ist Gottes Werk, nicht Menschenfleiß. 3. Das Auge, eins der schönsten Glieder, bewundert nie sein helles Licht; die Harfe spielt viel süße Lieder, doch hört sie solche selber nicht; und wenn ein Christ was Gut's gethan, so stellt er d'rum kein Wunder an. 4. Sein Beten und Almosengeben, sein Glaube, Zucht und sanfter Muth, sein Hoffen, Fleiß und stilles Leben sind Werke, die er täglich thut, und dennoch legt sein from mer Sinn stets Mosis Decke drüber hin. 5. Wer Demuth liebt, hält alle Dinge für Eitelkeit und weiter nichts. Gesetzt, daß man ein Ding erzwinge, was ist es? Glas, wie bald zerbricht's! Wie lange währt es? wie ein Blatt, das doch der Baum nicht ewig hat. 6. Wir Menschen selbst sind wie ein Schemen, wir sind nicht immer stark und roth. Wer kann die Schönheit mit sich nehmen? wer sitzt in Würde ohne Noth? Und dieß bemerkt, wer Demuth liebt, wenn er dem Hochmuth Abschied gibt. 7. Wer Demuth liebt, strebt nicht nach Ehren durch Heuchelei, Gewalt und List; er denkt, die Würde mag gehö ren dem, der der Ehre würdig ist; er harret mit Gebet und Fleiß, weil Gott ihn schon zu suchen weiß. 8. Der Meister, der den Bau bereitet, sest manchen Stein sehr hoch hinein, und mancher, der weit mehr be deutet, muß unten in der Tiefe sein; doch wird sein Meister nicht befragt, dieweil es ihm also behagt. 9. Der Künstler, der des Gartens pfleget, kennt jede Blume da und dort, und setzt, nachdem er's wohl erwäget, bald die, bald jene Pflanze fort, und läßt er denn manch Pflänzlein stehn, wer will mit ihm zum Richter geh'n? 10. Wer Demuth liebt, hält sich hernieder zu dem, der in der Tiefe steht, er hält fie durch und durch für Brüder, auch den, der nach dem Brode geht; und dieses ist, was Gott gefällt, weil Demuth sich herunter hält. 11. Wer Demuth liebt, verachtet Feinen, er sei auch im mer, wer er sei; denn aus der Haut, aus Fleisch und Beinen erkennt er leicht, was einerlei; man sei veracht't, arm oder klein, die Demuth will nicht besser sein. 12. Hat Jener Reichthum, Geld und Mittel, vielleicht ist Anhang: Wohlthätigkeit. Vom Leiden der Christen. 351 Der am Glauben reich; ist| ich geben, weil ich einen Scherf Jener groß und hat viel Titel, vermag; läßt mich einmal Zeit vielleicht kommt Dem kein Ti- und Tag hier ein größ'res tel gleich; denn frommer See- Glück erleben, soll nicht Mamlen bester Ruhm heißt: Gottes mon, Gott allein Meister meiKind und Eigenthum. ner Güter sein! v. E. Löscher. G. Schneegas. Wohlthätigkeit. Mel. Ach, was soll ich Sünder zc. Vom Leiden der Christen. Mel. Sesus, meine Zuversicht 2c. 750. oblzuthun und 768., mein Herze! mitzutheilen ist der Christen Schuldigkeit; ich bin auch dazu bereit. Händ' und Füße sollen eilen, und mein Herz soll niemals ruh'n, armen Christen wohlzuthun. gib dich d'rein! überlaß dich Gottes Willen! nur dein Jesus kann allein alle deine Sorgen stillen. Richte dich nach seiner Huld; er gibt Trost und auch Geduld. 2. Ach, wir sind ja alle Glieder, und das Haupt ist Jesus Chrift, der die Liebe selber ist; ja durch ihn sind wir auch Brüder; Glieder aber helfen sich, Brüder lieben brüderlich. 3. Nun, mein Bruder, dem der Vater wenig zugeworfen hat, glaube, er ist in der That doch ein treuer Wohlberather; denn was er dir nicht gethan, dazu hält er Andre an. 4. Gib dich demnach nur zufrieden, armer Bruder, wer du bist. Aber du, mein rei cher Christ, dem der Herr so viel beschieden, denke nicht, daß alles dein! Du sollst An= dern nüßlich sein. 5. Thut euch demnach auf, ihr Hände, die des Höchsten Segen füllt, macht, daß euer Brünnlein quillt! Denn zu eben diesem Ende machet Gott, dem alles gleich, Einen arm, den Andern reich. 6. Ich bin arm, doch will 2. Gehst du hier die Dornenbahn, ist dein Trank vermischt mit Gallen, nimm es nur geduldig an, also hat es Gott gefallen. Glaube nur: was dieser thut, es ist alles recht und gut. 3. Bleibe deinem Gott getreu! Ob das Kreuze bringet Schmerzen, hast du dennoch stets dabei Ruh' und Trost in deinem Herzen; nichts besiegt auf dieser Welt einen Sinn, der Gott gefällt. 4. Schicke dich in Gottes Brauch! Chriften müssen dulden, hoffen; hat doch deinen Heiland auch manches Ungemach betroffen! D, er weiß, wie dir es thut; leide nur mit frohem Muth! 5. Kronen folgen auf den Streit, fämpfe nur mit festem Glauben! Jesus ist nicht immer weit, niemand kann sein Herz dir rauben; bete, leide, lebe rein, selig wird dein Ende sein! B. Schmolke. 352 Anhang: Von allgemein. Landplagen.- Troft in Noth u. Leiden. Von allgemeinen Landplagen. In eigener Melodie. * 776. W enn wir in höchsten Nöthen sein und wissen nicht, wo aus noch ein, und finden weder Hilf' noch Rath, ob wir gleich sorgen früh und spat; grämen? hab' ich doch Christum noch, wer will mir den nehmen? Wer will mir den Himmel rauben, den mir schon Gottes Sohn beigelegt im Glauben? 2. So ist dieß unser Trost allein, daß wir im Glauben insgemein anrufen dich, o treuer Gott, um Rettung aus der Angst und Noth. 3. Und heben unser Aug' und Herz zu dir in wahrer Reu' und Schmerz, und bitten um Begnadigung und aller Strafen Linderung, 4. Die du verheißest gnädiglich all' denen, die d'rum bitten dich, durch unsern Herren Jesum Christ, der unser Heil und Mittler ist. 5. D'rum kommen wir, o Herre Gott, und klagen dir all' unf're Noth, weil wir jekt steh'n verlassen gar in großer Trübsal und Gefahr. 6. Sieh nicht an unsr'e Sünden groß, sprich uns davon aus Gnaden los, steh' uns in uns'rem Elend bei, mach'| uns von allen Vlagen frei, 7. Auf daß von Herzen können wir nachmals mit Freuden danken dir, gehorsam sein nach deinem Wort, dich allzeit preisen hier und dort. Paul Eber. Von Trost in Noth und Leiden. In eigener Melodie. arum sollt' ich mich denn * 852. 20 2. Nackend lag ich auf dem Boden, da ich kam, da ich nahm meinen ersten Odem; nackend werd' ich auch hinziehen, wenn ich werd' von der Erd' als ein Schatten fliehen. 3. Gut und, Blut, Leib, Seel' und Leben ist nicht mein, Gott allein ist es, der's gegeben. Will er's wieder zu sich kehren, nehm' er's hin, ich will ihn dennoch fröhlich ehren. 4. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen, dringt herein Angst und Pein, sollt' ich d'rum verzagen? Der es schickt, der wird es wenden, er weiß wohl, wie er soll all' mein Unglück enden. 5. Gott hat mich bei guten Tagen oft ergößzt, sollt' ich jetzt auch nicht etwas tragen? Fromm ist Gott und schärft mit Maßen sein Gericht, kann mich nicht ganz und gar verlassen. 6. Satan, Welt und ihre Rotten können mir nichts mehr hier thun, als meiner spotten. Laß sie spotten, laß sie lachen; Gott, mein Heil, wird in Eil' sie zu Schanden machen. 7. Unverzagt und ohne Grauen soll ein Christ, wo er ist, stets sich lassen schauen; wollt' ihn auch der Tod auf reiben, soll der Muth dennoch gut und fein stille bleiben. 8. Kann uns doch kein Tod nicht tödten, sondern reißt un Anhang: Vom Troft in Noth und Leiden. sern Geist aus vielen tausend Nöthen, schließt das Thor der bittern Leiden und macht Bahn, da man kann geh'n zu Himmelsfreuden. 9. Allda will in süßen Schäßen ich mein Herz auf den Schmerz ewiglich ergößen. Hier ist kein recht Gut zu finden; was die Welt in sich hält, muß im Nu verschwinden. 10. Was sind dieses Lebens Güter? Eine Hand voller Sand, Kummer der Gemüther. Dort, dort sind die edlen Gaben, da mein Hirt, Christus, wird mich ohn' Ende laben. 11. Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden, du bist mein, ich bin dein, niemand kann uns scheiden. Ich bin dein, weil du dein Leben und dein Blut mir zu gut in den Tod gegeben. 12. Du bist mein, weil ich dich fasse, und dich nicht, o mein Licht, aus dem Herzen lasse. Laß mich, laß mich hingelangen, da du mich und ich dich ewig werd' umfangen! Paul Gerhard. 353 bald geben, wonach ihre Kinder streben, so gibt Gott auch, wann er will; harre seiner, und sei still! nen, als verließe Gott die Seinen, o, so glaub' und weiß ich dieß: Gott hilft endlich noch gewiß. 2. Hilfe, die er aufgeschoben, hat er d'rum nicht aufgehoben; hilft er nicht zu jeder Frist, hilft er doch, wenn's nöthig ist. 3. Gleichwie Väter nicht 4. Seiner kann ich mich getrösten; wenn die Noth am allergrößten, ist er gegen mich, sein Kind, mehr als väterlich gesinnt. 5. Will mir Satan bange machen, ich kann seine Macht verlachen; dünkt mich schwer des Kreuzes Joch; Gott, mein Vater, lebt ja noch. 6. Mögen mich die Menschen kränken und auf mein Verderben denken, sind sie mir ohn' Ursach feind, Gott im Himmel ist mein Freund. 7. Will die Welt mich nim= mer leiden, mag sie höhnen mich und neiden, mag sie Tod und Rache dräu'n; Gott, mein Gott, wird Richter sein. 8. Will sie mich gleich von sich treiben, muß mir doch der Himmel bleiben; ist der Himmel mein Gewinn, geb' ich gern das And're hin. 9. Welt, ich will dich gerne lassen; was du liebest, will ich hassen; deine Güter brinIn eigener Melodie. 859. Sollt es gleich gen Noth; laffe mir nur meibisweilen Gott! 10. Ach, Herr, wenn ich dich nur habe, bleib' ich freudig bis zum Grabe; legt man mich in's Grab hinein, g'nüget mir's: ich dein, du mein! Christoph Titus. In eigener Melodie. 863. 2 as Gott thut, das ist wohlge23 354 Anhang: Vom Trost in Noth und Leiden. than, es bleibt gerecht sein| Gott mich ganz väterlich in Wille; wie er fängt meine seinen Armen halten, d'rum Sachen an, will ich ihm hal- laß ich ihn nur walten. Samuel Rodigast. ten stille. Er ist mein Gott, der in der Noth mich wohl Mel. Valet will ich dir geben 2c. weiß zu erhalten; d'rum laß* 865. It Gott für mich, ich ihn nur so trete gleich alles wider mich; so oft ich ruf' und bete, weicht alles hinter sich. Hab' ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir thun der Feinde und Widersacher Rott'? 2. Nun weiß und glaub' ich feste, ich rühm's auch ohne Schen, daß Gott, der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sei, und daß in allen Fällen er mir zur Rechten steh', und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh. 2. Was Gott thut, das ist wohlgethan, er wird mich nicht betrügen; er führet mich auf rechter Bahn, so laß ich mich begnügen an seiner Huld und hab' Geduld; er wird mein Unglück wenden, es steht in seinen Händen. 3. Was Gott thut, das ist wohlgethan, er wird mich wohl bedenken; er, als mein Arzt und Wundermann, wird mir nicht Gift einschenken für Arzenei, Gott ist getreu; d'rum will ich auf ihn bauen, und seiner Gnade trauen. 4. Was Gott thut, das ist wohlgethan, er ist mein Licht, mein Leben, der mir nichts Böses gönnen kann, ihm will ich mich ergeben in Freud' und Leid; es kommt die Zeit, da öffentlich erscheinet, wie treulich er es meinet. 5. Was Gott thut, das ist wohlgethan; muß ich den Kelch| gleich schmecken, der bitter ist nach meinem Wahn, laß ich mich doch nicht schrecken, weil doch zuletzt ich werd' ergößt mit süßem Trost im Herzen, da weichen alle Schmerzen. 6. Was Gott thut, das ist wohlgethan, dabei will ich verbleiben; es mag mich auf die rauhe Bahn Noth, Tod und Elend treiben; so wird 3. Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und sein Blut; das machet, daß ich finde das ew'ge, wahre Gut. An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd'; was Christus mir gegeben, das ist der Liebe werth. 4. Mein Jesus ist mein' Ehre, mein Glanz und helles Licht; wenn der nicht in mir wäre, könnt' ich bestehen nicht. In ihm kann ich mich freuen, hab' einen Heldenmuth, darf kein Gerichte scheuen, wie sonst ein Sünder thut. 5. Sein Geist wohnt mir im Herzen, regieret meinen Sinn, vertreibt mir Sorg' und Schmerzen, nimmt allen Kummer hin, gibt Segen und Anhang: Vom Trost in Noth und Leiden. 355 Gedeihen dem, was er in mir| Sprüngen und kann nicht schafft, hilft mir das Abba schreien aus aller meiner Kraft. 6. Und wenn an meinem Orte sich Furcht und Schwachheit find't, so seufzt und spricht er Worte, die unaussprechlich sind mir zwar und meinem Munde, Gott aber wohl betraurig sein, ist voller Freud' und Singen, sieht lauter Sonnenschein; die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ; das, was mich fingen machet, ist, was im Himmel ift. Paul Gerhard. Mel. Mach's mit mir, Gott 2c. wußt, der an des Herzens 870. Wo ohl dem, der Grunde erfiehet feine Gott zum Freunde hat, ihn über alles liebet! Der findet bei ihm Trost und Rath, wenn ihn die Welt betrübet. Denn Menschengunst welkt wie ein Blatt; wohl dem, der Gott zum Freunde hat! 2. Wohl dem, der herzlich ist vergnügt mit dem, was Gott bescheret, und Unglück mit Geduld besiegt, wenn er damit beschweret! Er nimmt es an, wie Gott es fügt; wohl dem, der herzlich ist vergnügt! 3. Wohl dem, der fest fich hält an Gott, wann böse Zungen stechen und durch Verachtung, Hohn und Spott ihm Glimpf und Namen brechen! Gott findet schon die böſe Rott', wohl dem, der sich festhält an Gott! 4. Wohl dem, der in der Demuth bleibt, und läßt die Prahlereien, wie sie die Welt in Blindheit treibt! Gott wird ihn doch erfreuen, wann Stolz und Uebermuth zerstäubt. Wohl dem, der in der Demuth bleibt! 7. Sein Geist spricht meinem Geiste manch süßes Trostwort zu, wie Gott dem Hilfe leiste, der bei ihm suchet Ruh', und wie er hab' erbauet ein' edle, neue Stadt, da Aug' und Herze schauet, was es geglaubet hat. 8. Da ist mein Theil, mein Erbe mir prächtig zugericht't; wenn ich gleich fall' und sterbe, fällt doch mein Himmel nicht. Muß ich auch gleich hier feuchten mit Thränen meine Zeit, du Jesu, durch dein Leuchten versüßest mir mein Leid. 9. Die Welt mag mich verlassen, du bleibst mir ewiglich; tein Drohen, Schmähen, Hassen soll trennen mich und dich; kein Hunger und kein Dürsten, kein' Armuth, keine Pein, fein Zorn des großen Fürsten soll mir ein' Hind'rung sein. 10. Kein Engel, keine Freuden, kein Thron, kein' Herrlichkeit, kein Lieben und kein Leiden, kein' Angst, kein Herzeleid, was man nur kann erdenten, es sei flein oder groß, der keines soll mich lenken aus deinem Arm und Schooß. 11. Mein Herze geht in 5. Wohl dem, der nach dem Himmel tracht't, und täglich 23. 356 darnach ringet, der, wenn man ihn darob verlacht, vor Christo dennoch singet: Gott ist mein Trost in Kreuz und Nacht! Wohl dem, der nach dem Himmel tracht't. Anhang: Vom Trost in Noth und Leiden. 6. Wohl dem, der Jesum herzlich sucht, wenn ihn die Sünde drücket, der, wenn ihn das Gesetz verflucht, an Gnade sich erquicket, an Christi Heil und Kreuzesfrucht. Wohl dem, der Jesum herzlich sucht! 7. Wohl dem, der fest an Jesu hält mit Glauben, Lieben, Loben! Wenn dann einst seine Hütte fällt, geht es mit ihm nach oben, hinauf in's schöne Himmelszelt; wohl dem, der fest an Jesu hält! 8. Herr Jesu, nun du bleibest mein im Leben und im Sterben! Dein Blut und bittre Todespein läßt mich den Himmel erben. Das ist und bleibt mein Trost allein: Mein Jesus ist und bleibet mein! C. Gerber. Mel. Wer nur den lieben Gott 2c. nen Schluß, daß ich einmal von hinnen muß. 3. Hier hab' ich Lebenslang zu lernen, mich von der Sünde abzuzieh'n, mich von der Erde zu entfernen und um den Himmel zu bemüh'n, dieweil der Tod allein beweist, was Christenthum und Glauben heißt. 893. Heret mine Lage, nest meine Tage, du siehst, daß ich, dein schwaches Kind, den Schatz in solchen Schalen trage, die irdisch und zerbrechlich sind; d'rum mache du mich allezeit zum Sterben fertig und bereit! 2. Laß mich nach der Erfenntniß streben, daß du mir haft mein Ziel beſtimmt, und daß mein ungewisses Leben vielleicht gar bald ein Ende nimmt! ja lehre du mich dei 4. Ich muß ja nach der Wohnung trachten, allwo ich ewig bleiben kann; d'rum lehr' mich auf den Himmel achten, den seh' ich als mein eigen an; so wird mein Haus hier auf der Welt und auch im Himmel wohlbestellt. 6. Wohlan! so will ich täglich sterben; ich lebe so, als lebt' ich nicht, und also kann ich nicht verderben, wenn mir der Tod die Augen bricht. Mein Ende err Gott, du fen- kommt mir süßer für, denn du, mein Jesu, lebst in mir. 7. Dein Bote kann mich nicht erschrecken, die Welt erstaune vor sei'm Bild; mir soll er lauter Luft erwecken, weil du durch ihn mich holen willt; wo man mit ihm Bekanntschaft hat, da hat das Schrecken feine Statt. 8. Ei kommt, ihr angenehmen Stunden! komm, eile, mein Erlösungstag! da ich von aller Noth entbunden, zum Leben sterbend dringen mag; da find' 5. Mein Herz ist nur im Himmel droben, denn da ist auch mein Schaß und Theil, den hat mir Jesus aufgehoben, dort ist mir das versprochne Heil. Die Weltluft ist mir viel zu schlecht; im Himmel ist mein Bürgerrecht. Anhang: Vom Tod und Sterben. ich in des Höchsten Hand mein Eden und gelobtes Land. 9. Doch, Herr, dir will ich mich ergeben, dir, dessen Eigenthum ich bin! Du, liebster Jesu, bist mein Leben, und Sterben bleibet mein Gewinn. Ich lebe dir, ich sterbe dir; sei du nur mein, so g'nüget mir! 10. Willst du mich länger leben lassen, so geb' ich mich geduldig d'rein! und soll ich heute noch erblassen, so wird dein Schluß mein Wille sein; wer deinen Rath erkennt und ehrt, der ist zum Himmelreich gelehrt. 11. Laß dich mich und die Welt erkennen! dich, daß du mir mein Alles bist, mich, daß ich Staub und Nichts zu nennen, die Welt, daß sie mein Kerfer ist. Wer dich, sich und die Welt erkennt, der macht ein richtig Testament. 2. N. v. Senfft. 357 Blut: mach's nur mit meinem Ende gut! 3. Herr! lehr' mich stets mein End' bedenken und wenn ich einsten sterben muß, die Seel' in Jesu Wunden senfen, und ja nicht sparen meine Buß'! Mein Gott! ich bitt' durch Christi Blut: mach's nur mit meinem Ende gut! 4. Laß mich bei Zeit mein Haus bestellen, daß ich bereit sei für und für, und sage frisch in allen Fällen: Herr! wie du willst, so schick's mit mir! Mein Gott! ich bitt' durch Christi Blut: Mach's nur mit meinem Ende gut! 5. Mach' mir stets zuckersüß den Himmel, und gallenbitter diese Welt, gib, daß mir in dem Weltgetümmel die Ewigfeit sei fürgestellt! Mein Gott, ich bitt' durch Chrifti Blut: mach's nur mit meinem Ende gut! Vom Tod und Sterben. 6. Ach, Vater, deck' all' meine Sünde mit dem Verdienſte Jesu zu, darin ich mich festMel. Wer nur den lieben Gott zc. 897. er weiß, wie gläubig winde, das gibt mir nahe mir mein Ende? Hingeht die Zeit, her kömmt der Tod; ach! wie geschwinde und behende kann tommen meine Todes- Noth! Mein Gott! ich bitt' durch Christi Blut: mach's nur mit meinem Ende gut! 2. Es kann vor Nachts leicht anders werden, als es am hellen Morgen war; denn weil ich leb' auf dieser Erden, leb' ich in steter Tod'sgefahr. Mein Gott! ich bitt' durch Christi Gott, ich bitt' durch Christi Blut: mach's nur mit meinem Ende gut! 7. Ich weiß, in Jesu Blut und Wunden hab' ich mir recht und wohl gebett't. Da find' ich Trost in Todesstunden, und alles, was ich gerne hätt'. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: mach's nur mit meinem Ende gut! 8. Nichts ist, das mich von Jesu scheide, nichts, es sei 358 Anhang: Vom Tod und Sterben. Leben oder Tod; ich leg' die| ich aufgeben, dazu mein'n Leib Hand in seine Seite, und und Leben vertrau'n in Gotsage: Mein Herr und mein tes gnäd'ge Hand. Gott! Mein Gott! ich bitt' durch Christi Blut: mach's nur mit meinem Ende gut! 9. Ich habe Jesum angezogen schon längst in meiner heil'gen Tauf'; du bist mir auch daher gewogen, haft mich zum Kind genommen auf. Mein Gott, ich bitt' durch bitt' durch Christi Blut: mach's nur mit meinem Ende gut! 10. Ich habe Jesu Fleisch gegessen, ich hab' sein Blut getrunken hier; nun kann er meiner nicht vergessen, ich bleib' in ihm und er in mir. Mein Gott, ich bitt' durch Christi Blut: mach's nur mit meinem Ende gut! 4. Auf Gott steht mein Vertrauen, sein Antlig werd' ich schauen, gewiß durch Jesum Christ, der für mich ist gestorben, des Vaters Huld erworben, mein Mittler er auch worden ist. 5. Die Sünd' kann mir nicht schaden, erlöst bin ich aus Gnaden, umsonst, durch Christi Blut; kein Werk kömmt mir zu Frommen, d'rum will ich zu ihm kommen allein durch wahren Glauben gut. I. Hesse. Mel. Wenn mein Stündlein zc. Le Kümmerniß; mir g'nüget, wie 903. Ach Gott! men dit, ben steht bei es Gott glaub' und bin es ganz gewiß: durch deine Gnad' und Christi Blut machst du's mit meinem Ende gut. Aemilie Suliane, Gr. z. S.-R. 11. So fomm' mein End' heut oder morgen, ich weiß, daß mir's mit Jesu glückt; ich bin und bleib' in deinen Sorgen mit Jesu Blut schön ausgeschmückt. Mein Gott! ich bitt' durch Christi Blut: mach's nur mit meinem Ende gut! 12. Jch leb' indeß in dir vergnüget, und sterb' ohn' alles 2. Mein' Zeit ist nun vollendet, der Tod das Leben endet, Sterben ist mein Gewinn. Kein Bleiben ist auf Erden; das Ew'ge muß mir werden, mit Fried' und Freud' ich fahr' dahin. 3. Ob mich die Welt betrogen und von Gott abgezogen durch Sünden mancherlei; ich will doch nicht verzagen, vielmehr im Glauben sagen, daß mir die Sünd' vergeben sei. Mel. Nun ruhen alle Wälder zc. * 902. D Welt, ich muß dich lassen, ich gehe meiner Straßen in's ew' ge Vaterland; den Geist will du hast es abgemessen; du wirst die Liebe gegen mir im Tode nicht vergessen; d'rum sorge für die kurze Frist, und wenn das Ziel vorhanden ist, so denke mein im Beſten! 2. Du bist mein Vater, ich dein Sohn, warum willst du mich lassen? Kann doch ein Anhang: Vom Tod und Sterben. Töpfer seinen Thon nicht gern verderben lassen. D'rum weil dich selbst die Ehre treibt, daß dein Geschöpf in Ehren bleibt, so denke mein im Besten! 3. Denn Jesus ist mein Licht und Heil, den kannst du nicht betrüben; er hat mir sein erworbnes Theil vom Himmel zugeschrieben; er ist mein bestes Ehrenkleid, mein Pfand der theuern Seligkeit; d'rum denke mein im Besten! 4. Ich merke deinen Freu-" 906. Herlangen nach Mel. Ach Herr, mich armen zc. erzlich thut mich einem sel'gen End', weil ich hier bin umfangen mit Trübsal und Elend. Jch hab' Lust abzuscheiden von dieser argen Welt, sehn' mich nach ew'gen Freuden; o Jesu, komm' nur bald! dengeist, wenn er im Herzen schreiet, und dich den rechten Vater heißt, der sich des Lebens freuet; wenn dieser Tröster was verspricht, so wanket deine Wahrheit nicht; d'rum denke mein im Besten! 5. Hab' ich in meiner Sicherheit bisweilen dein vergessen, und hab' ich bei der Eitelkeit dir zum Verdruß gesessen: so trage noch mit mir Geduld! vergiß der schweren Sündenschuld, und denke mein im Besten! 359 nimm den letzten Seufzer an! gedenke mein im Besten! 8. Wohlan! hat Jesus nichts gespart, wird er auch für mich beten, und wird nach seiner Himmelfahrt sein Mittleramt vertreten. D'rum, wenn du mir die Gnade schenkst, und nur an meinen Jesum denkst, so denkst du mein im Besten. Chr. Weise. 6. Du hast ja schon an mich gedacht, eh' ich von mir was wußte; denn Jesus hat mich werth gemacht, der mich vertreten mußte; d'rum denke nochmals in der Zeit der ewigen Barmherzigkeit! gedenke mein im Besten! 7. Ich denke zwar an meinen Tod, und wünsche wohl zu sterben; doch laß mich in der letzten Noth nicht unversehns verderben! Ja, wenn ich nicht mehr reden kann: so 2. Du hast mich ja erlöset, du bist mein ew'ges Heil; es hat dein Blut gekostet, d'rum hab' ich an dir Theil. Warum sollt' mir denn grauen vor Hölle, Tod und Sünd'? Weil ich auf dich thu' bauen, bin ich ein selig Kind. 3. Wenn gleich süß ist das Leben, der Tod sehr bitter mir, will ich mich doch ergeben, zu sterben willig dir. Ich weiß ein besser Leben, da meine Seel' fährt hin; deß freu' ich mich gar eben; der Tod ist mein Gewinn. 4. Der Leib zwar in der Erden von Würmern wird verzehrt, doch auferwecket werden durch Christum, schön verklärt, wird leuchten als die Sonne und leben ohne Noth in ew' Anhang: Vom Tod und Sterben. 360 ger Freud' und Wonne; was schadet mir der Tod? 5. Ob mich die Welt auch reizet, zu leben länger hier, und mir auch immer zeiget Ehr', Geld, Gut, all' ihr Zier; doch ich das gar nicht achte, es währt nur kurze Zeit. Nach deinem Reich ich trachte, das bleibt in Ewigkeit. 6. Hilf, daß ich gar nicht wante vor dir, Herr Jesu Christ; den schwachen Glauben stärke in mir zu aller Frist! Hilf ritterlich mir ringen, dein' Hand mich halt' mit Macht, daß ich mög' fröhlich singen: Gottlob, es ist vollbracht! Chr. Knoll. Mel. Ach Herr, mich armen Sünder zc. * 907. J ch bin ein Gast auf Erden und hab' hier keinen Stand; der Himmel soll mir werden, da ist mein Vaterland. Hier muß ich Unruh' haben, hier geh' ich ab und zu. Dort wird mein Gott mich laben mit ew'ger Sabbathruh'. 2. Was ist mein ganzes Wesen von meiner Jugend an als Müh' und Noth gewesen? So lang' ich denken kann, hab' ich so manchen Morgen, so manche liebe Nacht mit Kummer und mit Sorgen des Herzens zugebracht. 3. So ging's den lieben A ten, an deren Fuß und Pfad wir uns doch täglich halten, wenn's fehlt an gutem Rath. Wie mußten die sich plagen, in was für Weh und Schmerz, in was für Furcht und Zagen sank oft ihr armes Herz! 4. Die frommen, heil'gen Seelen, die gingen fort und fort und änderten mit Quälen den erst bewohnten Ort; sie zogen hin und wieder, ihr Kreuz war immer groß, bis daß der Tod sie nieder legt' in des Grabes Schooß. 5. Ich habe mich ergeben in gleiches Glück und Leid; was will ich besser leben als solche große Leut'? Es muß ja durchgedrungen, es muß gelitten sein; wer nicht hat wohlgerungen, geht nicht zur Freude ein! 6. So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt, doch denk' ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt; ich wandre meine Straßen, die zu der Heimat führt, wo mich ohn' alle Maßen mein Vater trösten wird. 7. Mein' Heimat ist dort oben, wo aller Engel Schaar den großen Herrscher loben, der alles ganz und gar in seinen Händen träget und für und für erhält; auch alles hebt und leget, nachdem's ihm wohlgefällt. 8. 3u dem steht mein Verlangen, da wollt' ich gerne hin; die Welt bin ich durchgangen, daß ich's fast müde bin; je länger ich hier walle, je wen'ger find' ich Freud', die meinem Geist gefalle; das Meist' ist Eitelkeit. 9. Die Herberg' ist zu böse, der Trübsal ist zu viel; ach Anhang: Vom Tod und Sterben. komm', mein Gott, und löse mein Herz, wenn dein Herz will! Komm', mach' ein selig's Ende an meiner Wanderschaft, und was mich kränkt, das wende durch deinen Arm und Kraft! 10. Wo ich bisher gesessen, ist nicht mein rechtes Haus; wenn mein Ziel ausgemessen, so tret' ich dann hinaus, und was ich hie gebrauchet, das leg' ich alles ab, und wenn ich ausgehauchet, dann senkt man mich ins Grab. 11. Du aber, meine Freude, du meines Lebens Licht, du zeuchst mich, wenn ich scheide, hin vor dein Angesicht, ins Haus der ew'gen Wonne, wo ich stets freudenvoll, gleich als die helle Sonne, mit andern leuchten soll. 361 2. D'rum so will ich dieses Leben, weil es meinem Gott beliebt, auch ganz willig von mir geben, bin darüber nicht betrübt. Denn in meines Jesu Wunden hab' ich schon Erlösung funden, und mein Trost in Todesnoth ist des Herren Christi Tod. 3. Christus ist für mich gestorben, und sein Tod ist mein Gewinn; er hat mir das Heil erworben; d'rum fahr' ich mit Freuden hin, hin aus diesem Weltgetümmel in den schönen Gotteshimmel, da ich werde allezeit schauen Gottes Herrlichkeit. 12. Da will ich immer wohnen, und nicht nur als ein Gast, bei denen, die mit Kronen du ausgeschmücket haft; da will ich herrlich singen von deinem großen Thun und frei von schnöden Dingen in meinem Erbtheil ruh'n. Paul Gerhard. 4. Da wird sein das Freudenleben, da vieltausend Seelen schon sich mit Himmelsglanz umgeben, dienen Gott vor seinem Thron; da die Seraphinen prangen und das hohe Lied anfangen: heilig, heilig, heilig heißt Gott der Vater, Sohn und Geist; 5. Da die Patriarchen wohnen, die Propheten allzumal; wo auf ihren Ehrenthronen siget der zwölf Boten Zahl; wo in soviel tausend Jahren alle Frommen hingefahren; da wir unserm Gott zu Ehr'n In eigener Melodie. * 914. Que Menschen ewig Halleluja hör'n. müssen sterben, alles Fleisch vergeht wie Heu; was da lebet, muß verderben, soll es anders werden neu. Dieser Leib, der muß verwesen, wenn er anders soll genesen zu der großen Herr lichkeit, die den Frommen ist bereit. 6. O Jerusalem, du schöne, ach, wie helle glänzest du! Ach, wie lieblich Lobgetöne hört man da in sanfter Nuh'! O der großen Freud' und Wonne! Jezund gehet auf die Sonne, jetzund gehet an der Tag, der kein Ende nehmen mag. 7. Ach, ich habe schon er 362 blicket alle diese Herrlichkeit; In eigener Melodie. jego werd' ich schön geſchmücktet" 953. Nun laßt uns den Leib begraben, mit dem weißen Himmelskleid, mit der güld'nen Ehrenkrone, stehe da vor Gottes Throne, schaue solche Freude an, die fein Ende nehmen kann. und daran kein'n Zweifel haben, er werd' am jüngsten Tag aufsteh'n, und unverweslich hervorgeh'n. 3. G. Albinus. In eigener Melodie. 2. Erd' ist er und von der Erden, wird auch zur Erd' * 918. Chriftus, der ist wieder werden, und von der Erd' wieder aufsteh'n, wenn Gott's Posaune wird angeh'n. mein Leben, Sterben ist mein Gewinn; dem will ich mich ergeben, mit Freud' fahr' ich dahin. 2. Mit Freud' fahr' ich von dannen zu Christ, dem Bruder mein, daß ich mög' zu ihm kommen und ewig bei ihm sein. 3. Sein' Seele lebt ewig in Gott, der sie allhier aus lauter Gnad' von aller Sünd' und Missethat durch seinen Sohn erlöset hat. 3. Nun hab' ich überwunden Kreuz, Leiden, Angst und Noth; durch seine heil'gen Wunden bin ich versöhnt mit Gott. Anhang: Vom Tod und Sterben. 4. Wenn meine Augen brechen, mein Athem geht schwer aus, und kann kein Wort mehr sprechen, Herr, nimm mein Seufzen auf! 5. Wenn mir Sinn und Gedanken vergehen wie ein Licht, das hin und her muß wanken, weil Nahrung ihm gebricht: 6. Alsdann fein sanft und stille laß mich, Herr, schlafen ein nach deinem Rath und Willen, wenn kommt mein Stündelein! 7. Ach, laß mich gleich den Reben anhangen dir allzeit und ewig bei dir leben in deiner Himmelsfreud'! Anna von Stollberg. 4. Sein Jammer, Trübsal und Elend ist kommen zu ein'm fel'gen End', er hat getragen Christi Joch, ist geſtorben und lebet noch. 5. Die Seele lebt ohn' alle Klag', der Leib schläft bis am jüngsten Tag, an welchem Gott ihn verklären, und ew'ge Freud' wird gewähren. 6. Hier ist er in Angst ge wesen, dort aber wird er genesen, in ew'ger Freud' und Wonne leuchten als die helle Sonne. 7. Nun lassen wir ihn hie schlafen, und geh'n all' heim unser Straßen, schicken uns auch mit allem Fleiß, denn der Tod kömmt uns gleicher Weis'! 8. Das helf' uns Christus, unser Trost, der uns durch sein Blut hat erlöst von's Teufels G'walt und ew'ger Pein, ihm sei Lob, Preis und Ehr' allein! Michael Weiß. Anhang: Vom Tod und Sterben. 363 Mel. Uch Herr, mich armen Sünder 2c. durch Buße mich bereiten, * 966. Bedenke, Mensch, und täglich sterben mag. Im be das denke deinen Tod! Der Tod kömmt oft behende; wer heute frisch und roth, kann morgen, ja geschwinder, hinweg gestorben sein; bilde dir, Tod und vor Gerichte steh' mir, o Jesu, bei, daß ich im Himmelslichte zu wohnen würdig sei! Sünder! ein täglich Ster- 972. Megreude ist der Mel. Gott des Himmels und 2c. Feines Lebens beſte o ben ein! Himmel, Gottes Thron; meiner Seele Trost und Weide ist mein Jesus, Gottes Sohn; was mein Herze recht erfreut, ist in jener Herrlichkeit. 2. Andre mögen sich erquicken an den Gütern dieser Welt, ich will nach dem Himmel blicken und zu Jesu sein gesellt! Denn der Erden Gut vergeht; Jesus und sein Reich besteht. 3. Reicher kann ich nirgends werden, als ich schon in Jesu bin; alle Schäße dieser Erden sind ein schnöder Angstgewinn; Jesus ist das rechte Gut, das der Seelen sanfte thut. 4. Glänzet gleich das Weltgepränge, ist es lieblich anzuseh'n, währt es doch nicht in die Länge, und ist bald damit gescheh'n; plößlich pfle= get aus zu sein dieses Lebens Glanz und Schein. 5. Aber dort des Himmels Gaben, die mein Jesus innen hat, können Herz und Seele laben, machen ewig reich und satt; es vergeht zu keiner Zeit jenes Lebens Herrlichkeit. 6. Rost und Motten, Naub und Feuer schaden auch der Freude nicht, die mein Jesus, 2. Bedenke, Mensch, das Ende, bedenke das Gericht! Es müssen alle Stände vor Jesu Angesicht. Kein Mensch ist ausgenommen; dort muß ein Jeder nah'n, und wird den Lohn bekommen, nach dem er hier gethan. 3. Bedenke, Mensch, das Ende, der Hölle Angst und Leid, daß dich nicht Satan blende mit seiner Eitelkeit! Hier sind nur kurze Freuden; dort aber ewiglich im Feuer pfuhle Leiden; ach, Sünder, hüte dich! 4. Bedenke, Mensch, das Ende; bedenke doch die Zeit, damit kein Tand dich wende von jener Herrlichkeit! Dort wird von Gottes Throne der Glaube nur besteh'n. Dort wird die Lebenskrone nur der Gerechte seh'n. 5. Herr, lehre mich erwägen, des Lebens letzte Zeit, daß ich zum ew'gen Segen mich mache früh bereit! Laß mich den Tod betrachten und deinen Richterstuhl; laß mich auch nicht verachten der Hölle Feuerpfuhl! 6. Hilf, Gott, daß ich in Zeiten auf meinen letzten Tag 364 Anhang: Vom Tod und Sterben. mein Getreuer, und sein Him-| nicht, aber nach dem Himmel mel mir verspricht; dort ist alles ausgethan, was die Seele fränken kann. ringen und auf Jesum sein gericht, ist der Seelen schönste Zier, geht auch aller Freude für. 7. Einen Tag bei Jesu sißen ist viel besser, als die Welt tausend Jahr in Freuden nügen; aber ewig sein gestellt zu des Herren rechter Hand, bleibt ein auserwählter Stand. 9. Ach, so gönne mir die Freude, Jesu, die dein Himmel hegt! Sei du selber meine Weide, die mich hier und dort verpflegt, und in ihr recht 8. Trinken, essen, tanzen, froh zu sein, nimm mich in springen labet meine Seele| den Himmel ein! S. Lisko. Zweiter Anhang. A. Mission. Mel. In allen meinen Thaten zc. 1. uf, laßt uns 3ion bauen mit fröhlichem Vertrauen im Namen Jesu Christ! Zion muß größer werden, so groß, daß auf der Erden kein Mensch mehr außer Zion ist. 2. Ach seht! die armen Heiden ermangeln noch der Wei den für ihr troftloses Herz. Sie hören nichts von Gnade und wandeln auf dem Pfade, deß Ende ew'ge Qual und Schmerz. 3. O rettet diese Armen, und sendet aus Erbarmen zu ihnen Gottes Wort! Laßt euer Herz entflammen, und tragt mit Lust zusammen, und sendet Glaubensboten fort! 4. Jhr nennet Jesum euer; ist er euch wirklich theuer und wollt ihr seinen Ruhm, so dürft ihr es nicht sehen, daß Tausende hingehen ohn' Licht und Evangelium. 5. Auf, laßt uns Zion bauen mit freudigem Vertrauen, die schöne Gottesstadt! Wenn wir an's Werk erst gehen, wird sie bald fer tig stehen. Wohl dem, der mitgebauet hat! Mel. Nun ruhen alle Wälder zc. 2. Du großer Zionstönig, dem unterthänig und übergeben ist, vor dem die Erd' sich beuget, dem sich der Himmel neiget, hör' unser Fleh'n, Herr Jesu Christ! 2. Laß, Herr, dein Wort recht kräftig und deinen Geist geschäftig in unsern Herzen sein! Laß immer mehr die Deinen auf dich nur sich ver= einen, durch Bruderliebe sich erfreu'n! 3. Die, Herr, nach dir sich nennen, dich aber noch nicht kennen, erleucht' mit deinem Wort! Weck' auf die todten Herzen, die Zeit nicht zu verscherzen zum Seligwerden hier und dort! 4. Tritt unter deine Füße das Reich der Finsternisse, zu deines Namens Ruhm! Durchdring' der Heiden Herzen. zum Lohne deiner Schmerzen mit deinem Evangelium! 5. Stärk, Heiland, deine Knechte, zu fördern deine Rechte, zu kämpfen in Geduld; gib Allen Muth und Kräfte zum großen großen Heilsgeschäfte, zum und labe sie mit deiner Huld!. 366 6. Ach, höre unser Flehen, o Herr, und laß geschehen, was unser Herz begehrt, daß bald die ganze Erde dein Gottestempel werde! wer's glauben kann, dem wird's gewährt. Mission. Mel. Valet will ich dir geben 2c. 3. D er du zum Heil erschienen der aller ärmsten Welt und von den Cherubinen zu Sündern dich gesellt; den sie mit frechem Stolze verhöhnt für seine Huld, als du am dürren Holze versöhntest ihre Schuld, 2. Im schönen Hochzeit kleide, von allen Flecken rein, führst du zu deiner Freude die Völkerschaaren ein; und welchen nichts verkündigt, kein Heil verheißen war, die bringen nun entsündigt dir Preis und Ehre dar. 3. Und siehe, tausend Fürsten mit Völkern ohne Licht stehn in der Nacht und dürsten nach deinem Angesicht. Auch sie hast du gegraben in deinen Priesterschild, am Brunnquell sie zu laben, der dir vom Herzen quillt. 4. Drum kann nicht Ruhe werden, bis deine Liebe siegt, bis dieser Kreis der Erden zu deinen Füßen liegt, bis du im neuen Leben die ausgeföhnte Welt dem, der sie dir gegeben, vor's Angesicht geſtellt. dann dir sein, o Erde, wenn der Tag erscheinen wird! freue dich, o kleine Herde, mach' dich auf und werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. 2. Hüter, ist die Nacht noch fern? Schon ergrünt es auf den Weiden, und die Herrlichkeit des Herrn nahet dämmernd sich den Heiden; blinde Pilger fleh'n um Licht; Jesus hält, was er verspricht. 3. Komm, o komm, getreuer Hirt, daß die Nacht zum Tage werde! Ach wie manches Schäflein irrt fern von dir und deiner Herde! Kleine Herde, zage nicht! Jesus hält, was er verspricht. 4. Sieh', das Heer der Nebel flieht vor des Morgenrothes Helle, und der Sohn der Wüste knie't dürstend an der Lebensquelle; ihn umleuchtet Morgenlicht; Jesus hält, was er verspricht. 5. Gräber harren aufge than; rauscht, verborrete Ge beine! Macht dem Bundesengel Bahn; großer Tag des Herrn, erscheine! Jesus ruft: Es werde Licht!" Jesus hält, was er verspricht. 6. O des Tags der Herrlichkeit! Jesus Christus, du die Sonne und auf Erden weit und breit Licht und Wahrheit, Fried' und Wonne! Mach' dich auf! Es werde Licht! Jesus hält, was er verspricht. Mel. Jesus meine Zuversicht 2c. Mel. Alles ist an Gottes Segen 2c. 4. Cine Serbe und ein 5. Treuer Heiland voll ErHirt! barmen, was Mission. 367 wir, deine Armen, uns auch| zusleh'n; drum hör' o Herr, diese Stund' erflehn: Schüße deine Kirch' von oben, laß sie trotz der Feinde Toben wie ein Berg im Meere stehn! 2. Laß den weiten Kreis der Erden voll von deiner Ehre werden, und dein Wort mit Macht ergehn! Sende immer neue Knechte, die auf dein Gesetz und Rechte männlich, wie auf Felsen, stehn! 3. Deffne, Herr, der Heiden Augen, daß sie klar zu sehen taugen deines Wortes Herrlichkeit! Sammle deine kleine Herden aus dem Nachtthal dieser Erden für dein Reich der Seligkeit! Mel. Dir, dir, Jehovah, will ich zc. 6.Ma ach auf, du Geist der ersten Zeugen, die auf der Mau'r als treue Wächter stehn, die Tag und Nächte nimmer schweigen, und die getrost dem Feind entgegen gehn; ja, deren Schall die ganze Welt durchdringt und aller Völker Schaaren zu dir bringt. 2. O daß doch bald dein Feuer brennte! O möcht' es doch in alle Lande gehn! Ach Herr, gib doch in deine Ernte viel Knechte, die in treuer Arbeit stehn! O Herr der Ernte, siehe doch darein! Die Ernt' ist groß, da wenig Knechte sein. 3. Dein Sohn hat ja mit klaren Worten uns diese Bitte in den Mund gelegt. O siehe, wie an allen Orten sich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt, dich herzinbrünstig hierum anund sprich: es soll gescheh'n! 4. So gib dein Wort mit großen Schaaren, die in der Kraft Evangelisten sein; laß eilend Hilf uns widerfahren, und brich in Satans Reich und Macht hinein! O breite, Herr, auf weitem Erdenkreis dein Reich bald aus zu deines Namens Preis! Mel. Befiehl du deine Wege zc. 7. Der er du in Todesnächten | erkämpft das Heil der Welt und dich als den Gerechten zum Bürgen dargestellt, der du den Feind bezwungen, den Himmel aufgethan, dir stimmen unsre Zungen ein Halleluja an. 2. Jm Himmel und auf Erden ist alle Macht nur dein, bis alle Völker werden zu deinen Füßen sein, bis die von Süd und Norden, bis die von Ost und West sind deine Gäste worden worden bei deinem Hochzeitsfest. 3. Noch werden sie geladen, noch gehn die Boten aus, um mit dem Ruf der Gnaden zu füllen dir dein Haus. Es ist kein Weg zu schwer, hinauszustreun dein Feuer ins weite Völfermeer. 4. O sammle deine Herden dir aus der Völkerzahl, daß viele selig werden und ziehn zum Abendmahl! Schließ auf die hohen Pforten, es strömt dein Volk heran; wo's noch nicht Tag geworden, da zünd' dein Feuer an! 368 Gustav Adolf- Verein. = S B. Gustav- Adolf- Verein. Mel. Alles ist an Gottes Segen 2c. ater! fieh auf unsre 8. Wat Brüder auch von deinem Thron hernieder, wo sie in der Drangsal sind; schüße sie in Schmach und Schanden, rette sie aus allen Banden, weil man bei dir Hilfe find't! 2. Unter ihrer Feinde Schnauben gründ' und mehre ihren Glauben, ihre Hoffnung und Geduld; halte sie in deinem Sohne, zeige ihnen jene Krone, tröste sie mit deiner Huld! 3. Stärke sie mit Lebensworten, sei ihr Licht in dunfeln Orten; fülle fie mit deinem Geiste; höre ihr geheimes Sehnen, zähle ihre stillen Thränen, laß sie sehn, was du verheiß'st! 4. Laß fie deinen Ruf stets wecken, daß kein Locken oder Schrecken ihren Seelen schädlich sei! Steh' im Reden oder Schweigen, im Erdulden und im Zeugen ihnen als Fürsprecher bei! 5. Jesu, der du selbst gelitten und vor uns auf blut'= gen Schritten aus der Welt zum Vater gingst, zeige ihnen von dem Throne, daß du dort die Lebenskrone auch für ihr Haupt schon empfingst! Ph. F. Hiller. Mel. Es ist das Heil uns 2c. oder: Allein Gott in der Höh' zc. 9. Herr und Gott, wir D preisen dich für deines Sohnes Lehre. Hilf, daß sein Reich der Wahrheit sich weithin verbreit' und mehre; und wer sich treu zu ihm bekennt und sich ein Kind des Lichtes nennt, erhalt' ihn in der Wahrheit! 2. Dort draußen stehn der Brüder viel, die sich zu ihm bekennen. Wie drohen Kämpfe, heiß und schwül, die treue Schaar zu trennen! Erhalte sie im Glauben wach, und ſtärke fie in Noth und Schmach zum freudigen Bekenntniß! 3. Die Noth, die unsre Brüder drückt, muß unsre Herzen rühren, durch Werke, die die Liebe schmückt, Trost ihnen zuzuführen. Und du, der unsre Liebe sieht, o tröste du auch ihr Gemüth mit deiner Lieb' und Gnade! 4. Wie kämpfen sie mit starkem Muth für ihrer Väter Glauben! O möcht' auch uns dieß theure Gut kein Feind der Wahrheit rauben! Wir, die wir ihre Kämpfe sehn, wir, auch Erlöste Jesu, flehn: stärk' unsern schwachen Glauben! 5. Vereine deine Christenheit in ungefärbter Liebe, auf Gustav Adolf- Verein. = daß fortan kein Haß und Streit, Herr, deinen Geist betrübe. Den Brüdern hier, den Brüdern dort gelt' unser treues Bruderwort: Gott segn' euch, theure Brüder! A. F. Koch. Mel. Nun freut euch, lieben zc. 10. der nicht, die Pro2 ir Brüteſtanten heißen, bis uns das 11. in Gin Ein Herz im Tode bricht, von unvon un serm Herzen reißen. Reicht her zum Brüderbund die Hand, er soll umfangen jedes Land; wir stehen fest zusammen! Nach G. Nasmus von W. Andreä. Mel. Wie groß ist des Allmächt'gen zc. großes Werf, daran wir bauen! Werk, das seine Meister lobt! Es wölbet sich von Gau zu Gauen, wie auch der Sturm der Zeiten tobt. So wollen wir uns denn um= schlingen, wie Brüder, treu in Kampf und Noth und freudig unser Banner schwingen: Ein' feste Burg ist unser Gott." 2. Bu lang schon standen sie verwaist, vergessen und versäumet. Auf! evangel'scher Brudergeist, hol nach, was du versäumet; heran zum Bunde Mann für Mann, wer solche Schmach nicht dulden kann: wir stehen fest zusammen. 2. 3. Es tönt ein lauter Hilfeschrei aus vielen, vielen Landen: ,, Helft uns, ihr Brüder, kommt herbei, wir sind auch Protestanten!" Und Antwort schallt von Nord und Süd: „ Wir helfen euch, wir sind erglüht, wir stehen fest zusammen." Wie auf Thüringens lichten Höhen ein frischer Hauch den Busen schwellt, so mag der Liebe Odem wehen durch unsres Bundes Erntefeld! Und ob die Wälder sich entlauben, und ob fich neigt des Jahres Lauf, wir huldigen dem schönen Glauben: Die Liebe höret nimmer auf." 4. Ob lagern böse Mächte sich um Gustav Adolf's Fahne, wie unser Held dem Feind nicht wich, weich' Wahrheit nicht dem Wahne! Was nur sich evangelisch nennt, und wem die Lieb' im Herzen brennt: wir stehen fest zusammen. 369 Gott im Himmel still, nicht finstrer Macht gewärtig. Nur Eintracht" sei das Loosungswort, sie mach' uns start, sei unser Hort: wir stehen fest zusammen! 5. Mag kommen, was da kommen will, wir sind zur Wehre fertig. Wir trauen 3. In diesem Glauben laßt uns treiben das Segenswert, das uns vereint! In diesem Glauben laßt uns bleiben, wie dunkel auch die Zukunft scheint! Dann wird kein Sturm das Band zerreißen, das wir geknüpft mit Hand und Mund, und noch die späten Enkel preisen, wie wir, den Gustav Adolfs- Bund. H. Schwerdt. 3 24 bint Amer m $ 50 Register. 10 ( Mit Hinweisung auf die Nummern der Lieder.) Ach abermals bin ich 150 60 240 Ach endlich, Dulder Ach mein Jesu, welch Ach, wenn werd' ich von 135 Ach wie nichtig, ach wie 408 Allen, welche nicht vergeben 353 Aller meiner Brüder Rechte 337 Alliebender, du gabst dem 302 Allmächt'ger Gott und Herr 97 Allmächtig großer Gott 233 Allseliger Gott, vor der Zeit 198 Am Ziel ist er! es wehen 154 Anbetung sei dir, Herrlichster 14 Anbetungswürdiger, mit 201 An deine Leiden denken wir 48 Auch uns, o Gott, hast du 314 Auf, Christen, auf und fühlt 68 Auf, Christen, bringet Preis 15 Auf deine Weisheit bauen 289 Auferstehn, ja auferstehn 165 Auf ewig ist der Herr mein 282 Auf, freue dich, mein Geist 254 Auf Golgatha, will ich mich 56 Auf Gott, und nicht auf 288 Auf, hebe deinen frohen 177 Auf, sammelt euch im 109 Auf, schicke dich recht feierlich 26 Auf, singt mit frohen Chören 64 Auf, stimme du mit frohem 31 Aus deiner milden 188 Bald oder spät des Todes 266 Beglückter Stand getreuer 404 Bekenner Jesu, werdet nie 51 Bereite dich, o Christ, wir 55 Betend nahen wir uns dir 123 Bete nur, betrübtes Herz 386 Bis hierher warst du stets 291 Blickt auf! In Millionen 170 Bringt Gott, ihr Christen 108 Dank dir, Herr, für die 366 Das Amt der Lehrer, Herr 368 Das Grab ist leer, des 67 Das Jahr ist hingeschwunden 34 Da stehen wir, die Deinen 161 Das Ziel von meinen Tagen 411 Dein bin ich, Herr, dir will 264 Deines Gottes freue dich 405 Dein Heil, o Christ, nicht 387 Dein ist das Licht, das uns 367 Dein Lob, o Gott, ertönen 5 Dein Wille ist, o Gott, ich 298 Dein Wort, o Höchster, ist 125 Dem Nächsten, gerne dienen 367 Der du dem Tode nah 356 Der du die Liebe selber bist 334 Der du so oft mir schon 136 Der du zu den beglückten 246 DerErde mütterlicher Schoos178 Register. 371 Du, Jesu, kennst die schwere 52 Du kömmst, o Jesu, in die 47 Durchdenk' ich meines 382 Der frohe Morgen weckt 390 Der Herr ist Gott und keiner 203 Der Herr schwingt sich mit 73 Der Himmel Ruf erzählt 222 Der hohe Himmel dunkelt 181 Der Krieg im blutigen 192 Der lette meiner Tage 424 Der Mächtige, der Gott und 180 Der weise Schöpfer, dessen 375 Der Wollust Reiz zu 309 Des Aberglaubens Finsterniß 22 Des Jahres erster Morgen 35 Des Leibes Warten und ihn 304 Des Todes Graun, des 418 Dich beten, Gott, die Himmel 1 Dich, Gott, täuscht Wahn 216 Dich, Höchster, ehrerbietig 275 Dich kennen, Gott, ist 273 Die auf der Erde wallen 413 Die Feinde deines Kreuzes 90 Die ihr Jesu Jünger seid 144 Die Ruhe senkt sich wieder 392 Dieß, Christen, ist der Tag 3 Dieß ist der Tag, den Gott 27 Dieß ist der Tag zum Segen 2 Dir dank' ich für mein Leben 232 Dir Gott der Huld und 172 Dir, Herr, sei dieses Kind 122 Dir jauchzet froh die Dir, unserm Gott, sei Dank 9 Du bester Trost der Armen 191 Du bist, o Gott, gerecht, du 214 Du bist's, dem Ruhm und 13 Du, deiner Kirche Haupt 252 Du, den meine Seele liebt 138 Du, der so gern beglückt 324 Du, dessen Herz voll Liebe 49 Du, deß sich alle Himmel 120 Du, Gott, du bist der Herr 33 Du hast Erleuchtung uns 89 Du Hauch vom Vater Du Herr und Richter aller 277 80 76 urch dich, höchstes Gut 148 Du schöne Welt, wie herrlich 169 Du Stifter heil'ger Ehe 150 Du Vater deiner 283 Du Vater, wollst mir geben 299 Du weiser Schöpfer aller 212 255 231 257 206 121 Eh' ich noch war, da 293 Ehre sei Gott in der Höhe 28 Ein helles Licht ist auch für 40 Ein milder Regen sinket 184 Ein ruhiges Gewissen lağ 406 Eins ist noth, o Herr 113 Einst selig dort zu werden 112 Einst sinkt der Leib ins 430 Ein Wetter zieht am Himmel 179 Entehre nicht mein Herz 322 Erblicke ich der Welten Erfreuender Gedanke! Erfüllt, mein Gott, mit Erhaben über Welt und Erhalt uns, Herr, die Erhebt, erhebt den Herrn Erheb' uns zu dir, du, der Erhöhter Jesu! Gottes Erinn're dich, mein Geist Er kommt, der Lehrer und Erlöser, der im Staube Ermuntre dich, mein Geist Erscheine meinem Geist 384 Erschienen ist ein neues Jahr 38 Erschienen ist Jesus, der 24 Ertönt, ihr Freudenlieder 186 Erwache nun, o Christenheit 23 Erwacht zum neuen Leben 167 Es baut, o Gott, auf dein 176 Es eilt der letzte von den 327 Es ist noch eine Ruh' 432 194 6 117 24* 429 66 21 57 372 Es lebt ein Gott Ewig, ewig bin ich dein Register. 195 133 Fern sei mein Leben 338 Fern sei Wahn u. Jrrthum 258 Freudenleer scheint dir dein 321 Froh eilen wir mit unsern 99 Frohlockend sing' ich, Vater 98 Frohlockt dem Herrn, bringt 63 Für unsern Nächsten 389 173 164 Geerntet ist der Felder Gebt dem Tode seinen Gedanke, der uns Leben 249 Geheiligt, werde Gott, dein 10 Geist vom Vater und vom 78 Gelobt, gelobt seist du 107 Gelobet sei der Herr 85 Gelobet feist du, Jesu Christ 30 Gelobt sei, der den Frühling 168 Gelobt sei Jesus Christus 244 Gerechter Gott, laß deinen 335 Gefund mit frohem muthe 230 Geweiht zum Christenthume 124 347 Gib, Gott, daß ich der Gib, Gott, wenn ich dir 270 Gib ihm, o Vater, Glück 153 Gib mir ein frommes Herz 261 Gib mir, o Gott, ein Herz 331 Gleich des Feldes Blumen 421 Glück auf, der Schöpfer Gnadengeist, ach sei Gott, deine Güte reicht Gott, deinen weisen Willen 374 Gott, der du unser Vater Gott der Juden, Gott der Gott, dessen Macht des 104 167 118 95 Gott, die Güter dieser Erde 313 Gott, du bist von Ewigkeit 207 Gott ist mein Hort 111 41 193 SELE Gott ist mein Lied, er ist 202 348 Gott, laß mich niemals Gott, mir gab deine Baterhand 86 Gott, mit allen seinen 37 Gott, nur eines Menschen 238 Gott ruft der Sonn' und 36 Gott sei Dank in aller Welt 46 Gott, sie wollen dir geloben 132 Gott, unter deiner Vaterhut 391 Gott Vater, Sohn und Geist 82 Gott, vor dessen Angesichte 215 Gott, wo ist Noth, wo Elend 92 Groß ist des Höchsten Güte! 219 Groß istd.Höchsten Güte! Wer285 147 Halt im Gedächtniß Jesum 114 Heiland, groß an Huld Herr, deine Allmacht reicht 208 Herr, deine Sanftmuth ist 352 Herr, dessen Augen flossen 54 433 Herr, du bist meine Herr, du erforschest mich, dir b.210 Herr, du erforschest mich, dir k.256 Herr, es gescheh' dein Wille 50 Herr Gott, dich loben wir 12 196 Herr Gott, du bist von Herr Gott, nun sei gepriesen 182 Herr, höre mein Gebet, und 262 Herr, ich bin dein Eigenthum 241 Herr Jesu, Licht der Heiden 43 Herr, laß mich doch gewissenh.312 Herr, mein Licht, erleuchte 377 Herr, öffne selbst uns Ohr 380 Herr, ohne Glauben kann 253 Herr, segne mein Bestreben 333 247 Herr, stärke mich, dein Herr, unser Gott, wer ist 205 Hier bin ich, Jesu, zu erfüllen 146 Hier ist mein Herz, Herr 384 422 Hier ist nur mein Hier sind wir, dich zu ehren 19 Register. Hier sind wir, Gott und 7 Hilf uns, Herr, in allen 187 Himmel, Erde, Luft u. Meer 221 Höchster, denk' ich an die Güte 94 Höchster Gott, dir danken wir 126 Höchster Tröster komm 77 Ich bin getauft auf deinen 143 Ich bin getauft nach Jesu 397 Ich bin in meinem Gott 320 Ich bin, o Gott, dein 237 Ich bin zur Ewigkeit 427 Ich freue mich der frohen 431 Ich freue mich, mein Gott 402 Ich habe nun den Grund 250 Ich hab' in guten Stunden 395 Ich preise dich, o Herr 399 Ich sterbe täglich und mein 410 Ich und mein Haus, wir 341 Ich weiß, an wen ich glaube 160 Ich will den Bund mit 141 Ich will dich noch im Tod 415 Jesu, geh' voran 383 Jesus ist gekommen! dankt 25 Jesus lebt, mit ihm auch ich 65 Ihr Bürger eines Staates 364 Ihr Eltern, hört, was 372 In deinem Tempel will ich 4 In deiner Liebe, Gott 362 In unsern Nöthen fallen 189 373 Laß, o Jesu, mich empfinden 340 Laßt d. Siegeslied erschallen 425 Laßt uns den Schöpfer loben 100 Laßt uns vereinigt, meine 328 Lehre mich, Herr, recht 267 Laß deinen Geist mich stets 58 Lasset nur den weisen Gott 213 Laß Luft und Wolken, Gott 183 Liebe, die du mich zum Bilde 274 Lob, Preis und Ehre bringen 83 Lobsinget Gott und betet 274 Lobsingt, denn Gottes Huld 110 359 376 434 174 MeineLebenszeit verstreicht 409 Meinen Jesum will ich Mein Erlöser, der du mich 396 Mein erst Gefühl ſei 116 Mein ganzes Herz erhebet Mein Geist erstaunt Mein Gott, du wohnst in Mein Heiland lebt Mein Herz, hab' Acht Mein Leib ist dein Geschenk 305 Mein Leib soll, Gott, dein 311 Mein Vater, lehre mich 394 Menschenfreund, nachdeinem385 Mich selbst muß ich bezwingen303 Mit dir, o Höchster, Friede 503 Mit fröhlichem Gemüthe 218 Mit frohem Dank erschein' 145 Mit frommem Herzensdank 243 Mitten unter deinen 53 Mit treuer Liebe sorgst du 369 87 292 Kommet, kommet, spricht 134 Nach einer Prüfung kurzer 155 Kommt heut an eurem 42 Kommst du, großer Gottes 45 Kommt, kommt, den Herrn 226 301 Nach meiner Seelen Naht mit Andacht im Nicht für der Felder Segen Nicht jede Besserung ist Nicht um ein flüchtig Gut 79 Nie bist du, Höchster, von 209 Nie will ich wieder fluchen 354 Nimm an den Dank, o Gott 129 144 175 260 374 Noch leb' ich, ob ich morgen 417 Noch nie hast du dein Wort 220 Nun danket alle Gott, der 105 Register. O Allerheiligster, wir 93 O daß von meinen Lebenst. 326 Odu, der bis zum Tode 398 O Gott, du kannst den 185 O Gott, ich preise deine Güte 236 O Gott, voll Macht und 365 O Heiland, dessen hohen 400 O Jerusalem, du Schöne 435 O meine Seel' erhebe dich 200 O Mensch, ermuntre deinen 242 O Schöpfer, jedes deiner 228 O Seele, reiße dich doch los 423 Oselig Loos hienieden 407 O Vater aller Geister! 358 O Vater, Gott von Ewigkeit 81 O was wären meine Freuden360 O welch ein Glück, ein 234 O welch ein Segen ist ein 361 O welch ein selig Leben 401 O wenn doch bei der reichen 101 O wesentliche Liebe 151 Preis dem Todesüberwinder 62 103 Preist, Christen, mit Preist Gott! er schuf und er 84 Preist, Menschen, preist den 227 Preist, Menschen, preist im 29 75 Preist, Völker, die ihr Quelle der Vollkommenh. 280 Religion, von Gott gegeben 381 Sagt, was hat die weite 387 Schon ist der Tag von Gott 428 Schrecklich ist der Tod, der 159 Schüße die Deinen, die nach 91 Schwer ist des Lehrers hohe 370 Schwer liegt der Trennung 420 Sehn wir nur Leiden um uns 96 Sei ewig, o mein Geist 251 Seid barmherzig, Menschen 339 Sie nah'n sich, deine Kinder 131 Singt Jesu Christo nah und 245 Soll dein verderbtes Herz 379 So wirst du liebes, holdes 162 Stärke, denn oft will er 255 Stärke, Gott, mich in dem 425 Standhaft sei, o Gott, mein 310 Staub bei Staube wirst du 163 Suchst du des Nächsten 344 Theurer, wie mein eignes 336 Theures Wort aus Gottes 130 Triumph, ihr Himmel, freuet 72 Umsonst, umsonst verhüllst 211 Unsern Gott, den Gott der 17 Unter allen großen Gütern 330 Unwiederbringlich schnell 281 Vater, den mein Herz Vater, dir sei Preis und 8 Vater, du gabst mir mein 373 Verbittre dir dein Leben 355 18 Vest steht dein Bund, wie Voll Andacht laßt uns beten 128 Vollendeter, bei deinen 61 Vollendet freudig euren Lauf 74 Vollendet ist dein Werk Vom Grab, an dem wir Vom Sündendienst uns zu 284 Von dir auf diese Welt 350 Von dir, du Gott der Von Freud' und Dank 71 32 149 16 Register. Von Herzen preis' ich dich 126 Vorsichtige Verschwiegenheit 363 Warum erbebst du meine 416 Was der gute Vater thut 286 Was der Menschenvater thut 20 Was Gottes ewig weiser 319 Was in mir forscht, was 300 Was ist mein Stand, mein 351 Was ist mein zeitlich Leben 306 Was ist, o Gott, im Himmel 271 Was ist's, daß ich mich 296 Was kann ich, Jesu, dir 39 Was soll ich ängstlich klagen 295 Was sorgst du ängstlich für 156 Was zagst du? Gott regiert 224 Weicht ihr Berge, fallt ihr 115 Weicht und quält mich nicht 323 Weit um mich her ist alles 171 Wem Gott Gesundheit hier 307 Wenn alle untreu werden 265 Wenn einst in meinem Grabe 69 Wenn ich, Herr, schwörend 278 Wenn ich, o Schöpfer, deine 229 Wenn ich vor meinen 388 Wenn jemand spricht 332 Wenn meine Seele zweifelnd 70 Wenn Menschen streben 345 Wenn sich zu jener Seligkeit 436 Wenn zur Erfüllung deiner 329 Wer bin ich, welche wicht'ge 297 Wer des Lebens Güter hat 343 Wer gläubig ist und Demuth 349 Wer Gottes Wege geht Wer ist dir gleich, du 268 204 375 158 316 239 197 157 Wer mit Luft und Eifer Wer sich mit Ernst der Wer Sünde thut, liebt Wer zählt der Engel Heere 88 Wiedersehn! sei uns gesegnet 166 Wie fürcht' ich mich, mein 139 Wie Gott mich führt, so 290 Wie groß ist des Allmächt'gen 217 Wie groß ist Gottes Herrlicht.223 Wie herrlich ist, o Gott Wie mannigfaltig sind die 308 Wie sanft sehn wir den Wie schnell verfließen sie Wie schwach ist meine Wie sicher lebt der Mensch 412 Wie wird mir dann, mein 419 Wie wichtig ist doch mein 235 Willst du der Weisheit 276 Willst du die Buße noch 259 Wir eilen mit dem Strom 44 Wir kommen, deine Huld zu 102 Wir kommen, Helfer, dir 190 Wohl deinem Volk, daß du 152 Wohl dem, der beff're Schätze317 Wohl dem, der richtig 346 342 Wohlthäigkeit ist unsre Wohlzuthun u. mitzutheilen 341 Wo ist ein Gott, wie du Wo soll ich hin 199 137 Wünsch ich als Christ zu 263 414 269 3u dir erheben sich der 11 Su dir, Unendlicher, zu dir 106 Zu Gott, o Seele, schwing' 287 Zum Fleiße ward das Leben 315 Zwar wird noch manche 294 376 Register. Anhang. 903 Ach bleib mit deiner Gnade 341 Ach Gott, mein Leben Ach Gott und Herr 263 Ach Gott, verlaß mich nicht 562 Ach, mein Herze, gib dich 768 Ach wundergroßer Siegesh. 156 Alle Menschen müssen sterben 914 Allein Gott in der Höh' sei 191 Allein zu dir, Herr Jesu 265 Alles ist an Gottes Segen 647 Also hat Gott die Welt 432 Amen, das ist: es werde 319 Auf, auf, ihr Reichsgenossen 16 Auf meinen lieben Gott 640 Auf, mein Herz, des Herren 136 Aus meines Herzens Grunde675 Aus tiefer Noth schrei' ich 262 Bedenke, Mensch, das Ende 966 Befiehl du deine Wege 219 Christe, du Bamm Gottes 104 Christus, der ist mein Leben 918 Ergeßt euch nur, ihr eiteln 479 Erhalt' uns Herr, bei deinem 327 591 Es ist gewiß ein köstlich Es wolle Gott uns gnädig 336 325 Ewiger, erbarme dich Fang' dein Werk mit Jeſu 483 Gelobet sei der Herr 198 Gelobet seist du Jesu Christ 26 Gepriesen seist du Jesu Christ 12 Gnadengeist, ach sei 167 Gott des Himmels und der 685 Gott, dessen Allmacht sonder 215 Gott, du bist selbst die Liebe 512 Gott, du haft in deinem Gottlob, der Tag ist nun Gott sei gelobet und Gott sei uns gnädig und Gott Vater, Sohn und Gott weiß es alles wohl Großer Gott von alten 252 Ein' veste Burg ist unser 330 Ein Lämmlein geht und trägt 88 723 393 194 366 574 702 623 Habe deine Lust am Herrn 611 Das alte Jahr vergangen ist 52 Halleluja, Lob, Preis und 199 Der am Kreuz ist meine 111 Halt an, mein Herz, in Der Glaub' ist eine 315 Dieß ist die Nacht, da mir 48 Dir, Jesu, soll Dank 339 Du bleibst o Jesu Christ 370 Du gnadenreiches Wort 50 Du Lebensbrod, Herr Jesu 376 Du sagst, ich bin ein Christ 564 Du wesentliches Wort Herr, auf Erden muß ich Herr, du hast in deinem Herr, du hast für alle Herr, es ist von meinem Herr Gott, du kennest 50 154 209 377 722 893 Herr Gott, nun schleuß den 73 Herr Gott, nun sei gepriesen 671 Herr Jesu Christ, dich zu uns 7 Herr Jesu, Gnadensonne 352 Herr, öffne mir die 345 Herr, segne uns, und uns 520 Register, 541 Herr, wie du willt Herzliebster Jesu, was hast 90 Herzlich thut mich verlangen 906 Herz, sei getreu in deinem 317 Hier stellt ein Gast sich bei 389 Hilf, Herr Jesu, laß gelingen 58 Hosiannah, David's Sohn 25 Ich bin ein Gast auf Erden 907 Ich geh zu deinem Grabe 137 Ich hab' in Gottes Herz und 227 Ich halte Gott in allem 576 Ich lasse Gott in allem 572 Ich finge dir mit Herz und 223 Ich weiß, mein Gott, daß 228 Ich will den Herren ewig 176 Ich will dich lieben, meine 473 Jesu, ach was soll ich 631 Jesu, deine tiefen Wunden 97 Jesu, meines Lebens Leben 93 Jesus, Jesus, nichts als 452 Jesus, meine Zuversicht 141 Jesus nimmt die Sünder an 290 Jesus selbst, mein Licht, mein 552 Ihr, die ihr euch von Christo 561 In allen meinen Thaten 217 Ist Gott für mich 865 Komm, heil'ger Geist, erfüll' 157 Komm, heiliger Geist, Herr 158 342 Lasset uns mit Jesu ziehen 614 Laß mich dein sein und Laß mich diese Leidenszeit 106 Laßt uns mit Ernst betrachten 79 Liebster Jesu, wir sind hier 6 Lobt Gott, ihr Christen, alle 30 377 Meine Seele rühmt und 179 Meines Lebens beste Freude 972 Mein Gott, ach lehre mich 566 Mein Gott, ich klopf' an 323 Mein Gott, ich wart' auf Mein Gott, nun ist Mein Herze, danke Gott Mein Jesus lebt, was soll Mein Jesus stirbt Mein lieber Gott, gedenke 236 Mir nach, spricht Christus 612 Mit Ernst, o Menschenkinder 22 Mache dich, mein Geist 628 Meinen Jesum laß ich nicht 451 234 698 346 140 116 658 213 21 3 Nun bitten wir den heil'gen 160 Nun danket alle Gott Nun dankt, ihr Christen Nun jauchzet all' ihr Nun kömmt das neue Nun laßt uns den Leib Nun laßt uns gehn und Nun ruhen alle Wälder Nun sich der Tag geendet 720 Nun, wir sind auch diesmal 673 953 59 708 O daß ich tausend Zungen 659 O Gott, du frommer Gott 536 O Gott, im Namen 700 669 166 113 O Gott, von dem wir O großer Gott, du reines O Haupt voll Blut und Oheil'ger Geist, kehr' bei Oheiligste Dreifaltigkeit O Jesu Christe, wahres O Lamm Gottes! unschuldig 103 O Mensch, wie ist dein Herz 343 O Seele, schaue Jesum an 616 O Vater der Barmherzigkeit 291 Welt, ich muß dich lasseu 902 O Welt, sich hier dein Leben 115 164 195 334 Schaffet, schaffet, Menschenk.624 Schaff in mir Gott ein 289 Register. 378 375 120 245 621 Schmücke dich, o meine Seele, geh auf Golgatha Seelenbräutigam, Jesu Sei Gott getreu, halt 669 Sei Lob und Ehr' dem Sei stille, Sinn und Geist 9 Sollt' es gleich bisweilen 859 Sollt' ich meinem Gott nicht fingen Sollt' ich meinem Gott nicht trauen 201 229 220 Sorge Bater, sorge du So wahr ich lebe, spricht 288 Unsern Ausgang jegne Gott 8 Valet will ich dir geben 598 Vater unser im Himmelreich 319 Verleih uns Frieden 327a Versucht und prüft euch 310 Vom Himmel kam der Engel 27 Von Gott will ich nicht lassen 644 Wach' auf, mein Herz und 677 Wachet auf, ruft uns die 627 Warum sollt' ich mich Was Gott thut, das ist 852 863 Zweiter 1 7 Auf, laßt uns Zion bauen Der du in Todesnächten Der du zum Heil erschienen 3 Du großer Zionskönig Eine Herde und ein Hirt Ein großes Werk, daran 2 4 11 Was mein Gott will 569 95 Weg mit Schmerz und allem 131 Wenn meine Sünd' mich Wenn wir in höchsten Werde munter, mein Wer Demuth liebt, liebt Wer den Ehstand will Wer Gott vertraut 776 706 748 511 642 Wer im Herzen will erfahren 68 246 Wer ist wohl wie du Wer nur den lieben Gott 221 Wer weiß, wie nahe mir 897 Wie Gott will, also will ich 578 Wie soll ich dich empfangen 17 Wie wohl ist mir, o Freund 439 Willkommen, Held im Streite 148 Wir gläuben all an einen 309 Wir Menschen sind zu dem 344 Wir singen dir, Immanuel 42 Wohlauf, mein Herz, zu Gott 4 Wohl dem, der Gott zum 870 Wohl dem, der sich mit Ernst 567 Wohl dem Menschen, der 550 Wohlzuthun u. mitzutheilen 750 143 Wo willst du hin, weil's 3euch ein zu deinen Thoren 168 Anhang. 9 O Herr und Gott, wir Treuer Heiland voll Erbarmen 5 Vater! Sieh auf unsre Brüder 8 Wach auf, du Geist der Wir lassen unsre Brüder 6 10 Gebete für die öffentliche und häusliche Andacht. Rudolstadt, Druck und Verlag der F. priv. Hofbuchdruckerei. 1876. IV Inhalt. III. Gebete für die häusliche Andacht. Morgensegen Abendsegen. Morgenandacht am Sonntage Abendandacht am Sonntage ♦ Morgenandacht an Wochentagen Abendandacht an Wochentagen Gebet um Gedeihen der Früchte + ♦ Am Geburtstage. Beim Abendmahle Nach dem Abendmahle Gebet der Eltern für ihre Kinder Danksagung für die Gesundheit In Krankheit. ♦ ♦ Seite 36 37 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 I. Allgemeine Kirchengebete. Allgemeine Beichte. Allmächtiger Gott, barmherziger Vater! ich armer, elender, sündiger Mensch bekenne dir alle meine Sünde und Missethat, damit ich dich jemals erzürnt und deine Strafe zeitlich und ewiglich verdient habe. Sie sind mir aber alle herzlich leid, und reuen mich sehr, und ich bitte dich durch deine grundlose Barmherzigkeit und durch das heilige, unschuldige, bittere Leiden und Sterben deines lieben Sohnes Jesu Christi: du wollest mir armen Sünder gnädig und barmherzig sein, mir alle meine Sünden vergeben und mir zu meiner Besserung deines Geist Kraft verleihen. Amen. Absolution. Auf solch euer Bekenntniß verkündige ich euch allen, die ihr eure Sünden herzlich bereut, an Jesum Christum fest glaubet und den ernsten Vorsatz habet, euer Herz und Leben zu bessern, kraft meines Amtes, als ein berufener und verordneter Diener des Wortes, die Gnade Gottes und vergebe euch, anstatt und auf Befehl meines Herrn Jesu Christi, alle eure Sünden im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Gebet an Sonntagen. 1. Mit dankbarer Seele preisen wir dich, Allgütiger, daß du unseren Verstand durch die Wahrheit erleuchtest und uns zur Erkenntniß deines Willens und unserer Pflicht führest. Besonders danken wir dir, daß du einst Jesum, den großen Lehrer des menschlichen Geschlechtes, auch zum Segen für uns in die Welt gesandt hast, daß du die unter seinen Nachfolgern gestifteten tirchlichen Einrichtungen noch fortdauern lässest, und daß wir auch jetzt an heilsame Wahrheiten seiner bessernden und beruhigenden Religion erinnert worden sind. Erhalte unter uns die reine Lehre des Evangeliums; laß sie ferner wirksam sein zur Besserung und Erfreuung unserer Allgemeine Kirchengebete Gemüther, und gib, daß durch fortgesetzten Unterricht in unserer Religion die Unwissenheit und der Irrthum immer mehr zerstreuet, die Liebe des Rechtes und der Tugend allgemeiner geweckt und das freudige Vertrauen zu dir, unserem weisen und gütigen Vater, unter uns erhalten und gestärkt werde. 6 Dir und deiner beschüßenden Obhut empfehlen wir unseren theuersten Fürsten. Leite du ihn selbst durch den Geist der Weisheit, der Gerechtigkeit und der Milde, und gewähre ihm die belohnende Freude, daß die Seinem Schuße anvertrauten Menschen immer besser und dir wohlgefälliger werden! Segne Ihn und Sein ganzes Fürstliches Haus. Regiere die Gehilfen Seiner Regierung, die Räthe und Diener des Landes, damit durch ihren vereinigten Eifer Gerechtigkeit und Wohlstand überall befördert, dem Unrechte und der Gewaltthätigkeit gesteuert werde und wir immer ein stilles und zufriedenes Leben in Gottseligkeit und Ehrbarkeit führen mögen. Dir befehlen wir auch unser gesammtes deutsches Vaterland. Segne den deutschen Kaiser; sei des deutschen Reiches starker Schuß und Schirm; wahre ihm den Segen des Friedens, erhalte seine Fürsten und Völker in deiner Furcht und Liebe, und laß Glauben und Treue, Kraft und Einigkeit des Vaterlandes Ruhm und Ehre sein. Wir bitten dich, Allgütiger, auch um die Befriedigung unserer leiblichen Bedürfnisse. Erhalte und segne die Früchte des Feldes. Gib gedeihliche Witterung. Laß Friede unter den Völkern und in unserm Lande herrschen. Steuere der Zwietracht, wenn sie ihr Haupt erhebt. Erhalte unter uns den Geist der Ordnung und des stillen, regelmäßigen Fleißes, und bringe ihn zurück, wenn er gewichen ist. Vermehre Kenntnisse und Aufklärung, und laß sie wohlthätigen Einfluß auf jedes menschliche Gewerbe äußern. Gib deinen väterlichen Segen besonders dazu, daß unter uns jede häusliche und öffentliche Tugend, daß Achtung und Treue unter Gatten, Sorgfalt in der Erziehung, Gehorsam und Dankbarkeit gegen Aeltern, Rechtschaffenheit und Wohlwollen unter Mitbürgern und Nachbarn, Gewissenhaftigkeit in jedem öffentlichen Amte und erleuchteter Eifer für jede, die gemeinschaftliche Wohlfahrt befördernde, Anstalt herrsche, damit Erkenntniß und Ausübung der Tugend in gleichem Grade wachse und unser Wohlfein dauerhaft gegründet werde! Von dir, Allgütiger, der du mehr thun fannst, als wir bitten, erwarten wir die Erfüllung unserer Wünsche. Amen. an Sonntagen. 7 2. Allmächtiger und barmherziger Gott und Vater! Wir fallen nieder vor dem Throne deiner Majestät und verehren dich in demüthiger Anbetung als den Schöpfer und Erhalter der Welt. Wir loben und preisen dich für die unzähligen Wohlthaten, die du uns, vom Anfang unseres Lebens bis auf diesen Tag, an Leib und Seele erwiesen hast. In findlichem Vertrauen auf deine Güte und im Namen Jesu Christi, deines Sohnes, nahen wir uns auch jetzt zu dir und bitten dich um alles, was wir zu unserem Heile bedürfen. Erhalte uns dein Wort, den edelsten Schatz unserer Seelen, und erleuchte alle, die es uns verkündigen. Leite uns durch deinen heiligen Geist, und laß uns in der Erkenntniß deines Willens, im Glauben an deine Verheißungen und in allen christlichen Tugenden täglich wachsen, daß wir in deiner Gnade unser Leben getrost fortsetzen und selig vollenden mögen. Vater der Liebe, beglücke alle deine Kinder auf Erden und an jedem Orte der Welt. Regiere nach deiner Gnade unsern theuersten Landesherrn. Erfreue Ihn durch deine Güte, und schenke Jhm bei einer glücklichen Regierung Gesundheit und ein langes Leben. Segne Jhn und Sein ganzes Fürstliches Haus. Gib allen Obern, die von unserem Regenten bestellt sind, Weisheit, Frömmigkeit und Menschenliebe, damit durch sie deine Ehre und die Wohlfahrt der Unterthanen befördert werde. Hilf, daß wir alle die Pflichten unseres Standes und Berufes treulich erfüllen und allezeit thun, was recht ist vor deinem Angesichte. Fördere eine jede gute und heilsame Unternehmung, und laß deinen himmlischen Segen nie von uns weichen. Sieh mit erbarmender Gnade auf uns und alle Einwohner dieses Landes herab. Sei du unser Schußz, unser Helfer und Erretter in aller Trübsal. Dir befehlen wir auch unser gesammtes deutsches Vaterland. Segne den deutschen Kaiser; sei des deutschen Reiches starker Schutz und Schirm; wahre ihm den Segen des Friedens, erhalte seine Fürsten und Völker in deiner Furcht und Liebe, und laß Glauben und Treue, Kraft und Einigkeit des Vaterlandes Ruhm und Ehre sein! Bewahre uns vor Seuchen, vor Theuerung, vor Wassersund Feuersnoth und anderen Plagen. Gib gesunde und gedeihliche Witterung, und laß uns die Früchte des Landes in Friede und Ruhe mit Danksagung genießen. Erbarme dich aller elenden, verlassenen und nothleidenden Menschen. Tröste die Betrübten; erquicke die Kranken; versorge die Wittwen und Waisen, nimm dich der Schwangern und Säugenden an. Alle, 8 Allgemeine Kirchengebete die in Unwissenheit und Irrthum leben, erleuchte mit deinem Lichte. Alle sicheren Sünder erwecke durch deine Kraft, daß feiner deines ewigen Heils verlustig werde. Allwissender, allmächtiger und allgütiger Vater, alle unsere Sorgen im Frdischen und Himmlischen übergeben wir dir. Dir empfehlen wir unsern Leib und unsern Geist. Alles, was du für uns heilsam erkennst, das schenke uns und allen deinen Kindern auf Erden um Jesu Christi willen. Amen. 3. Barmherziger Gott und Vater! mit andachtsvollem Herzen treten wir vor dich und danken dir für alle Huld und Gnade, womit du uns erfreuest; vornehmlich aber dafür, daß du an jedem heiligen Tage uns durch dein Evangelium den Weg des Heiles leiten läsfest. Gib, daß wir seine Wahrheit immer richtiger erkennen und würdiger gebrauchen. Sende uns und unsern Nachkommen treue Hirten und Lehrer, die sie mit Kraft verkündigen, und laß geschehen, warum wir täglich bitten, daß dein Name geheiliget, dein Reich vermehrt und dein Wille vollbracht werde! Wir bitten dich auch für alle weltliche Obrigkeit, besonders für unsern theuersten Landesherrn und Sein ganzes Fürst liches Haus, für alle Seine treuen Räthe und Diener, daß du sie in Frieden, Freude und Wohlsein erhalten, mit langer und glücklicher Regierung segnen und alle ihre weisen Rathschlüsse zum Besten unseres Landes zu einer gedeihlichen Ausführung kommen lassen mögest. Dir befehlen wir auch unser gesammtes deutsches Vaterland. Segne den deutschen Kaiser; sei des deutschen Reiches starker Schuß und Schirm; wahre ihm den Segen des Friedens, erhalte seine Fürsten und Völker in deiner Furcht und Liebe, und laß Glauben und Treue, Kraft und Einigkeit des Vaterlandes Ruhm und Ehre sein! Nimm dich mit Vatermilde aller Armen und Verlassenen, aller Wittwen und Waisen, aller Schwangern und Säugenden, aller Kranken und Elenden an, sonderlich in dieser Gemeinde. Sei selbst ihr Rath und Trost, ihr Helfer und Versorger. Erwecke aber auch in uns christliche Liebe und from men Eifer, dein Arm zu sein, und ihnen, wo wir fönnen, mit Rath und That zu dienen. Allen Kindern gib christlich gesinnte Eltern und weise Lehrer, damit Gottesfurcht und Frömmigkeit von einem Geschlechte auf das andere übergehe und sich auf Erden immer weiter verbreite. Segne jeden unter uns in seinem Berufe und Stande, und laß uns alle das Glück der Ruhe und des Friedens mit dankbar frommen - an Sonntagen. 9 Herzen genießen. Schenke den Früchten der Erde gedeihliche Witterung und gutes Wachsthum. Behüte uns vor allem Unfall und Uebel, und was du prüfend über uns verhängst, das laß zu unserem Besten dienen. Erbarme dich des ganzen menschlichen Geschlechts und aller deiner gläubigen Berehrer. Erleuchte die Unwissenden, und führe die Frrenden zur Wahrheit. Hilf allen Gefallenen auf, und unterstüße die sinkende Schwachheit. Tröste die, so um des Guten willen leiden, und vertilge unter uns den Geist des Hasses und der Rache. Zieh' unser Herz immer mehr zu dir empor, und wenn dies Leben vorüber ist und unser letztes Stündlein kommt, so steh' uns bei mit deiner Kraft, und hilf uns aus zu deinem himmlischen Reiche! Amen! 4. Wir sind vor dir versammelt, Vater unseres Herrn Jesu Christi, und erkennen mit dankbarem Herzen die Größe und den Segen deiner Liebe gegen die Menschen. Also hast du die Welt geliebt, daß du deines eingebornen Sohnes nicht schontest, sondern ihn für uns alle dahin gabst. Laß uns in deiner Liebe zu uns doch Ermunterung finden, unser Gewissen rein zu erhalten, der Sünde abzusterben, nach dem Vorbilde deines Sohnes zu wandeln, und so das ewige Leben zu erhalten. Aller Menschen Wohlfahrt steht in deinen Händen; bist du doch der Vater über Alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden. Laß alle Menschen, unsere Brüder, immer mehr den erkennen, den du uns gesandt hast, damit sie zur Wahrheit, Tugend und Gottseligkeit gelangen. Vereinige sie und uns zu einerlei Geist unter einander, daß wir nicht blos Herr, Herr sprechen, sondern deinen Willen thun und gemeinschaftlich mit Tugenden trachten nach dem ewigen Leben. Segne alle Fürsten und Obrigkeiten, und besonders unsern theuersten Landesherrn und Seine Regierung. Alle Verordnungen, die der Unterthanen Bestes betreffen, die Recht und Gerechtigkeit befördern und des Uebels unter uns weniger machen, segne mit dem glücklichsten Erfolge. Dir befehlen wir auch unser gesammtes deutsches Vaterland. Segne den deutschen Kaiser; sei des deutschen Reiches starker Schuß und Schirm; wahre ihm den Segen des Friedens, erhalte seine Fürsten und Völker in deiner Furcht und Liebe und laß Glauben und Treue, Kraft und Einigkeit des Vaterlandes Ruhm und Ehre sein. Allgemeine Kirchengebete Erhalte und befestige unsern Glauben, und laß uns nie vergessen, daß du weißt, was wir thun, daß du selbst unseres Herzens Gedanken erforschest. Und durch diesen Glauben bewahre uns auch vor heimlichen Sünden, vor Neid und Tücke, vor Rache und Unversöhnlichkeit, vor Verleumdung, Unkeuschheit und jeder sündlichen Begierde, damit wir ein unverleßt Gewissen haben vor dir und den Menschen! 10 Erhalte uns den Frieden, der die menschliche Wohlfahrt gründet und befördert, das rechtmäßige Gewerbe unterstützt und Nahrung gibt, den Fleiß des Arbeiters belohnt, Leben und Eigenthum schützt, und vor dem Verzagen an dir und der Tugend bewahrt. Laß unsere Werke gedeihen, wenn sie in dir beschlossen und unternommen werden. Fruchtbare und gesunde Witterung erhalte unsere Hoffnung für die Früchte des Landes, und bewahre uns vor Seuchen und Krankheiten. Dem Traurigen gib Trost, dem Schwachen sei Stärke! Dem Nothleidenden und Kranken, der verlassenen Wittwe und dem Säuglinge sei Hilfe und Schutz! Ruft der Tod uns einst auf deinen Wink, Herr über Tod und Leben, laß uns nicht von dem Glauben weichen: selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben von nun an. Der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen ihnen nach. Amen. 5. Herr, unser Gott! Du Geber aller guten und vollkomme nen Gabe! Gelobt seist du, daß du uns diesen schönen Tag gegeben hast und durch seine Feier unsere Herzen zum Himmel erheben willst! Wie lieblich sind deine Wohnungen, o Herr! wie selig die Ruhe, die du deinen Dienern hier bereitest! Hilf auch ferner deinem Volke gnädiglich und segne dein Erbtheil! Wache über deine Kirche, und sende treue Arbeiter in deine Ernte, die dein Reich verherrlichen und mehren! Auch im Leiblichen hast du uns mit Vatergüte angesehen. Du lässest uns unter einem christlichen Regiment in Gesundheit und Frieden wohnen. Du krönst das Jahr mit deinem Gut und erfüllest unsere Herzen mit Speise und Freude. Wir danken dir für deinen gnädigen Schuß, für deine treue Hülfe, für deinen milden, unverdienten Segen. Siehe auch ferner nicht an unsere Würdigkeit, sondern deine Barmherzigkeit, und ziehe deine freundliche Hand nicht von uns ab. Laß deine Augen beständig offen stehen über unserm theuersten Landesherrn und Seinen hohen Anverwandten. Seße sie unter uns zu einem Denkmal deiner Güte, daß Fürst und Unterthan sich deiner Erbarmung trösten, und alle in an Sonntagen. 11 einem stillen, gottseligen Wandel, unter deinem Schuße, ihres Lebens und Wirkens froh werden. Dir befehlen wir auch unser gesammtes deutsches Vaterland. Segne den deutschen Kaiser; sei des deutschen Reiches starker Schutz und Schirm; wahre ihm den Segen des Friedens, erhalte seine Fürsten und Völker in deiner Furcht und Liebe, und laß Glauben und Treue, Kraft und Einigkeit des Vaterlandes Ruhm und Ehre sein! Gib, daß wir bei allen deinen Wohlthaten deiner Huld gedenken und uns durch dieselbe zu einer freudigen Erfüllung deiner heiligen Gebote erwecken lassen. Stehe den Bedrängten bei, beschüße die Wittwen, nimm dich der Waisen an, schaffe dem Unterdrückten sein Recht, dem Armen sein tägliches Brod! Hilf gnädiglich allen Kranken, stärke die Schwachen, bessere die Sünder, bringe die Abtrünnigen zurück! Hilf, das wir leben in deiner Furcht, sterben in deinem Frieden, aufersteh'n durch deine Kraft und erben das ewige Leben, zu welchem du uns berufen hast durch Jesum Christum, unsern Erlöser und Seligmacher. Amen. 6. Herr Gott, himmlischer Vater, wir bitten dich, du wollest deine christliche Kirche mit allen ihren Lehrern und Dienern durch deinen heiligen Geist regieren, daß sie bei der reinen Lehre deines Wortes erhalten, der wahre Glaube in uns erweckt und gestärkt werde, auch die Liebe gegen alle Menschen in uns erwachse und zunehme. Laß, o Herr, deine Gnade groß werden über unsern theuersten Fürsten und das ganze Fürstliche Haus, mit allen, die ihm verwandt und zugethan sind. Sezze sie, bei gesundem und langem Leben, zum beständigen Segen und christlichen Vorbilde deinem Volke für und für. Verleihe unserm geliebtesten Landesvater eine lange und gesegnete Regierung, ein weises Herz, fürstliche Gedanken, heilsame Rathschläge, gerechte Werke, einen tapferen Muth, starken Arm, verständige Räthe, treue Diener und gehorsame Unterthanen, damit wir noch lange Zeit unte seinem Schutz und Schirm ein geruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligseit und Ehrbarkeit. Beschütze alle trene Diener des Fürsten und Vaterlandes. Laß ihre Dienste gesegnet sein zu deiner Ehre und des Vaterlandes Besten, auf daß Recht und Gerechtigkeit gehandhabt, und hingegen alles ungerechte Wesen durch ihren Dienst getilgt werde, und stehe ihnen bei mit deiner väterlichen Hülfe, daß der Sünden und Seufzer des Landes weniger, und dein Segen unter uns vermehrt werde. Dir befehlen wir auch 12 Allgemeine Kirchengebete unser gesammtes deutsches Vaterland. Segne den deutschen Kaiser; sei des deutschen Reiches starker Schuß und Schirm; wahre ihm den Segen des Friedens, erhalte seine Fürsten und Völker in deiner Furcht und Liebe, und laß Glauben Treue, Kraft und Einigkeit des Vaterlandes Ruhm und Ehre sein! Segne alle Stände deiner Christenheit. Segne in Gnaden die Unterweisung und Auferziehung der Jugend, daß sie aufwachse in deiner Furcht und zum Preise deines Namens. Fördere alle ehrlichen Gewerbe, und laß dabei einen jeden mit allem guten Gewissen vor dir wandeln und sich redlich nähren. Wende in Gnaden von uns ab alle Landplagen, Krieg, Hunger, Feuer, Wassersnoth, und gedenke in deiner Güte an Alle, die in Trübsal, Armuth, Verlassenheit, Krankheit und anderer Noth sich befinden; auch an die, so um deiner evanlischen Wahrheit willen angefochten werden oder sonst Verfolgung leiden. Du wollest sie alle, o Gott alles Trostes, mit deinem heiligen Geiste kräftig trösten, in Geduld und Glauben stärken, und endlich daraus erlösen nach deinem väterlichen Wohlgefallen. Gib gedeihliche Witterung, und laß wohlgerathen die Früchte der Erde. Sei ein Heiland aller Menschen, sonderlich seiner Gläubigen. Bewahre uns vor einem bösen, unbußsertigen Tode, und bereite uns je mehr und mehr, durch deinen Geist und Gnade, zu einem seligen Ende. Gib also, getreuer Gott, daß wir leben in deiner Furcht, sterben in deiner Gnade, dahinfahren in deinem Frieden, ruhen im Grabe unter deinem Schuß, auferstehen durch deine Kraft, und darauf ererben die selige Hoffnung, das ewige Leben, um deines lieben Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi willen, welchem sammt dir und dem heiligen Geiste sei Lob und Preis, Ehre und Herrlichkeit! Amen. In den Betstunden oder nach den Wochen: predigten. 1. Wir danken dir, gütiger Gott und Vater, für die Wohlthat, daß wir dein Wort hören und aus demselben Anleitung und Kraft zu allem Guten schöpfen können. Mache uns immer aufmerksamer auf deinen heiligen Willen und immer eif riger, unser ganzes Leben nach demselben einzurichten. Schenke 13 in den Betstunden. uns Muth, die guten Gedanken und Vorsäße festzuhalten und auszuführen, die wir vor deinem Angesichte fassen, damit wir nicht vergeßliche Hörer, sondern rechtschaffene Thäter deines Wortes werden mögen. Sei ferner auch im Zeitlichen unser Gott und Wohlthäter. Gib uns Gesundheit und frohen Muth, damit wir bei einem frommen, arbeitsamen Leben unser Brod mit Freuden essen können. Segne unser ganzes Land! Segne und erhalte unseren Fürsten, seine Räthe und Alle, die du uns zu Oberen gegeben hast! Laß uns unter ihrem Schuße ein ruhiges Leben führen und deiner väterlichen Segnungen recht froh werden. Laß uns hier in deinem Hause gern zusammenkommen, dich zu preisen, durch Unterricht weiser und durch bessere Vorsäge im Guten fester und durch das Andenken an deine Wohlthaten gerührt und ermuntert zu werden, als deine Kinder dir zu folgen in frohen und traurigen Tagen. Erhöre uns, Herr unser Gott, durch Jesum Christum! Amen. 2. Gütiger Gott und Vater, der du uns durch dein göttliches Wort unterweisen willst zur Seligkeit, mit dankbarem Herzen preisen wir dich, daß du uns auch heute Licht, Trost und Kraft in demselben haft finden lassen. Wirke in uns durch deinen heiligen Geist, daß wir deine heilsame Wahrheit in unseren Herzen bewahren, sie durch stilles Nachdenfen uns immer mehr zu eigen machen, und in unserm ganzen Leben rechtschaffene Früchte der Besserung bringen. Laß dazu, o Gott, dein Wort an uns allen und überall, wo es verkündigt wird, gesegnet sein. Nimm dich des ganzen Menschengeschlechts väterlich an. Breite das Evangelium deines Sohnes immer weiter aus, damit durch seine göttliche Kraft dein Name unter den Menschen geheiligt werde, und zu allen Völkern dein Reich komme. Deiner Gnade und Treue befehlen wir unser Vaterland. Segne unsern geliebten Fürsten, sei mit Seinem Fürstlichen Hause, und leite Ihn und alle Obrigkeiten des Landes und unser ganzes Volk nach deinem heiligen Wohlgefallen. Dir empfehlen wir insbesondere alle Anstalten zum Unterrichte und zur Erziehung der Jugend, zur Verpflegung der Hülfsbedürftigen, zur Besserung der Verirrten und Lasterhaften. Sei mit denen, die daran arbeiten, und laß sie deines Segens inne werden. Aller Augen warten auf dich, Herr, daß du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit; segne den Ackerbau und alle Gewächse 14 Allgemeine Kirchengebete der Erde, die Nahrung, das Gewerbe und die nütliche Thätigkeit jedes Standes, und laß auch den Niedrigsten im Volke seiner Arbeit und seines Fleißes froh werden. Nimm den Hausstand in deine gnädige Obhut, damit er nicht durch Schuld der Menschen eine Quelle des Unglücks und Jammers werde, sondern reichen Segen schaffe für Zeit und Ewigkeit. Gib allen Ehegatten ein Herz nach deinem Sinne, daß sie in treuer Liebe bei einander wohnen. Gib allen Eltern christliche Weisheit und Geduld, allen Kindern frühes Wachsthum in allem Guten. Lehre alle Herrschaften bedenken, daß auch sie einen Herrn im Himmel haben; lehre allen Dienenden dienen nicht blos vor Augen, als den Menschen, sondern dir, dem allwissenden Gott. Vereinige uns Alle durch das Band der Liebe immer einiger mit einander, damit unsere Geschäfte leichter, unsere Freuden süßer, unsere Leiden erträglich werden durch gegenseitige, herzliche Theilnahme. Und wie für uns, so beten wir für Alle. Vater, erbarme dich aller Menschen! Ach, es fließt so manche Thräne, die wir nicht trocknen können; trockne du sie. So mancher Seufzer steigt aus beklemmtem Herzen empor; höre du ihn. Dem Armen verhilf zu seinem Unterhalte, dem Unterdrückten zu seinem Rechte, dem Betrübten zur Beruhigung. Du bist der Herr des Lebens und des Todes. In diesem Glauben stärke sich der Kranke und überwinde der Sterbende. Wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern die zukünftige suchen wir. So mag uns denn auf Erden noch begegnen, was da will, Herr! dein Wille geschehe! Mag der Tod früher oder später uns abrufen, wir folgen freudig; denn wir sind gewiß: weder Leben noch Tod kann uns scheiden von deiner Liebe, Allgütiger, die du uns verheißen hast durch Jesum Christum. Amen. Am Bustage. Herr! Herr! Gott! barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Güte und Treue, der du Gnade erweiseſt in tausend Glied und vergibst Missethat, Uebertretung und Sünde, und vor welchem Niemand unschuldig ist, siehe, wir liegen hier vor dir mit unserm Gebet, nicht im Bertrauen auf unsere Gerechtigkeit, die wie ein beflecktes Kleid ist, sondern auf deine große Güte, Gnade und Barmherzigkeit, die nimmer ein Ende hat. Wir bekennen vor dir mit Mund und Herzen, daß wir deine heiligen Gebote mannichfaltig übertreten, deine unermeßlichen, täglich neuen Wohlthaten am Bußtage. 15 vielfach gemißbraucht, verkannt und verachtet haben. Auch wir haben zu der schweren Plage von Sünden mit beigetragen, die zu unserer Zeit durch Verachtung deines Worts, durch Frechheit und Eigenliebe, Ueppigkeit und Wollust die Welt drücket und uns immer mehr zur Strafe reif macht. Ach, Herr, du langmüthiger Gott und Vater, du hättest längst des Erbarmens müde werden, uns deine Wohlthaten entziehen und uns hinwegraffen können von der Erde. Denn wolltest du ins Gericht gehen mit deinen Knechten, Herr! wer würde vor dir bestehen? vor dir, der in die Tiefe des Herzens schauet, und vor dem auch die Himmel nicht rein sind? Vielleicht siehest du auch unter uns Greuel von Sünden, die deinen Zorn verdienen; Thränen der Armen, dir wir erpressen; ungerechtes Gut, das wider uns zeuget; böse Gewohnheiten, die den Gang unseres Lebens verrücken und verderben; Vernachlässigung unserer Pflichten in Aemtern und Ständen; Aergernisse und böse Erempel, wodurch wir die Krankheiten unseres Herzens auch auf die, so uns anvertraut sind, fortpflanzen. Vielleicht siehest du unter uns so manche befleckte Herzen; schreiende oder über der Sünde verstummte Gewissen, bis zum ewigen Tode kranke Seelen; Wahnsinnige, die dich verspotten; Elende, die auch das Elend nicht zu dir treibt. Aber, o Herr, du hast keinen Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern du willst, daß er sich zu dir bekehre und lebe. Du hast deinen Sohn in die Welt gesandt, daß er ein Arzt der Kranken, ein Führer der Frrenden, ein Retter und Heiland unglücklicher Herzen und Gewissen werde. Das ist je gewißlich wahr und ein theuer, werthes Wort, daß Jesus Christus kommen ist in die Welt, Sünder selig zu machen, unter welchen auch wir sind, daß auch uns Barmherzigkeit widerfahre. Unter seinem Kreuze knieen wir vor dir, du Richter der Welt, als vor dem Throne der allgemeinen Gnade und Versöhnung, und sprechen mit geprüfter, gerührter Seele: Bater, ich habe gesündigt im Himmel und vor dir, und bin nicht werth, daß ich dein Kind heiße; aber um Jesu willen, um seiner Unschuld, seines Blutes und Todes willen nimm uns wieder zu Gnaden an, und vergib uns unsere Schuld. So hoch der Himmel über der Erde ist, laß deine Erbarmung über uns walten; so fern der Abend ist vom Morgen, laß unsere Uebertretung von uns sein. Herr, erweiche selbst mein Herz, wo es hart ist; öffne meine Augen, wo sie blind sind; erforsche mich, Herr, und erfahre mich, prüfe und erfahre mich, wie ich's meine, 16 Besondere Kirchengebete. und siehest du, daß ich auf bösem Wege bin, so leite du mich zum richtigen Wege. Deffne mein Ohr, daß ich deine Stimme höre, so lange ich sie noch hören kann. Reinige auch mein Herz und meine Hände, daß ich sie noch heute unbefleckt zu dir erhebe und thätig meine Buße zeige. Gib mir Gnade und Kraft, daß ich bessere, was ich verderbt, einhole, was ich versäumt, und dir wiedergebe, was ich dir sonst, vielleicht auf ewig, geraubt hätte. Nimm dich selbst, o Gott und Vater, deiner verfallenen Christenheit an, und rotte aus in allen Ständen und Aemtern, was dich erzürnt und deinen Namen entehrt. Rotte auch unter uns aus alle Greuel herrschender Sünden, die Verachtung deines Wortes und deiner heiligen Sacramente, die Entweihung deines Sabbaths und Tempels, Uneinigkeit und Unzucht, böse Gesellschaften und Gelegenheiten zur Verführung der Unschuld und Jugend. Mindere du selbst die Schuld unseres Landes und unserer Gemeine, daß dein Segen sich mehren könne und die Seufzer der Armen und Elenden sich in Dank und Freude verwandeln. Bekehre du uns, Herr, so werden wir bekehrt. Hilf du uns, so ist uns geholfen! II. Besondere Kirchengebete. Beim Anfange des Kirchenjahres und der Adventszeit. Preis, Ehre und Dank sei dir, allmächtiger Gott, barmherziger Vater, der du dich unser so gnädig angenommen, und aus großer Liebe deinen eingebornen Sohn gesendet hast, uns deine Herrlichkeit zu offenbaren, und dein Volk selig zu machen von ihren Sünden. In tiefer Demuth gedenken wir heute aufs Neue seiner gnadenreichen Ankunft, und freuen uns in gläubiger Zuversicht des kündlich großen Geheimnisses: Gott ist geoffenbaret im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubet von der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit. Ja, gepriesen sei dein göttliches Erbarmen, Herr Jesus Christus, du König der Ehren, daß du dich erniedriget und Knechtsgestalt angenommen hast, auf daß du zu uns kommest als ein Gerechter und Helfer und wir bei dir Ruhe finden für unsere Seelen. Wir freuen uns deiner, und warten im Glauben auf deine immer herrlichere Offenbarung. Ziehe ein in der Adventszeit; am Weihnachtsfeste. 17 in unser ganzes Land, in unsere Kirchen und Schulen, in unsere Häuser und Herzen. Laß das Licht des Evangeliums unter uns nicht erlöschen, und die Wohnung deines Namens bei uns bleiben für und für. Du König aller Könige, verherrliche deine Gnade an unserm geliebten Fürsten und an seinem ganzen Fürstlichen Hause. Segne ihn fernerhin, so wie du ihn bisher gesegnet hast, nach dem Reichthume deiner Barmherzigkeit. Komm zu den Obrigkeiten unseres Landes und erfülle sie mit dem Geiste der Weisheit und Gerechtigkeit. Komm zu den Lehrern deiner Gemeinden und erleuchte, stärke und segne fie in ihrem heiligen Amte. Komm zu Allen, zu Hohen und Niedern, und erwecke sie kräftiglich zu aufrichtiger Buße und gründlicher Besserung. Komm zu den betrübten und angefochtenen Herzen, tröste die Traurigen, erquicke die Mühseligen und Beladenen, hilf den Kranken und vollende die Sterbenden. Einst aber, wenn du in großer Kraft und Herrlichkeit wiederkommen, und alle Völker versammeln wirst vor dem Richterstuhl: dann, o Herr und Heiland, verwirf uns nicht vor deinem Angesicht, sondern gib, daß wir mit Freuden und Jauchzen dir entgegen rufen: Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosiannah in der Höhe! Am Weihnachtsfeste. 1. Ewiger Gott, himmlischer Vater! Wir treten vor Deinen Thron, um dir unsere Lob- und Dankopfer darzubringen für alle deine Wohlthaten, die du uns sterblichen Sündern täglich und reichlich erweisest. Insbesondere aber für die heilsame Gnade, die uns in deinem Sohne, Jesu Christo, erschienen ist. Das Allertheuerste aus den Schäßen deiner erbarmungsvollen Liebe, deinen eigenen Sohn hast du zu unserer Erlösung uns geschenket. O mache du selber uns tüchtig zu einem dir wohlgefälligen Danke für diese höchste und seligste Gabe. Hochgelobter Heiland, du Eingeborner vom Vater, voller Gnade und Wahrheit! Mit Freuden feiern wir das Gedächtniß deiner Geburt, und verehren in tiefer Demuth das gottselige Geheimniß: Gott ist geoffenbaret in Fleisch. Offenbare dein göttliches Leben auch in unseren Seelen, und bleibe bei uns allezeit, damit wir im Laufe der Heiligung von Gnade zu Gnade, von Kraft zu Kraft fortschreiten, bis wir zu dir in die Seligkeit kommen. Du bist der Fürst des Friedens; darum laß dein Heil aufgehen unserm ganzen 2 Besondere Kirchengebete Vaterlande. Segne unsern theuersten Fürsten und alle seine hohen Angehörigen mit Gnade und Friede und laß Hohe und Niedere am heutigen Festtage auf's Neue in Demuth und Gehorsam dir huldigen. Lege Kraft auf das Zeugniß deiner Diener von deinem holdseligen Namen, und mache sie zu Friedensboten, die da Gutes predigen, und deinem Volke geben Erkenntniß des Heils, die da ist in Vergebung der Sünden. Gib, daß Eltern und Lehrer um deinetwillen die Kinder hoch und theuer achten, damit sie keinem dieser Kleinen ein Aergerniß geben, sondern sie dir gerne zuführen und so aus ihrem Munde frühe schon ein Lob dir zugerichtet werde. Alle Lande wollest du erfüllen mit deiner Ehre, und allen Völkern, die noch in Finsterniß sißen und im Schatten des Todes, bald dein Licht anbrechen lassen. Ja, vom Aufgang und Niedergang führe deine Erlösten herbei zum seligen Erbtheil der Heiligen im Lichte, wo wir zum Lob und Preis deines Namens mit ihnen und allen Heerschaaren das ewige Halleluja anstimmen werden. Amen. 18 2. Allmächtiger, ewiger, barmherziger Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi! wir sagen dir von Herzen Lob und Dank, daß du deinen eingeborenen Sohn um unserer Seligkeit willen in die Welt gesendet und in ihm deine unaussprechliche Liebe gegen, das ganze Menschengeschlecht erwiesen hast. Was sind wir doch, wir arme, schwache, verirrte Menschen, daß du so viel zu unserm Heile gethan hast, und womit können wir uns deiner unaussprechlichen Güte dankbar beweisen? Wir haben, o du Allbarmherziger! für dein Geschenk keine andere Gegengabe, als die Empfindung des gerührten Herzens und die Bitte um neue Seg nungen. Nimm gnädig an dies Opfer unseres Dankes und erhöre väterlich deiner Kinder Flehen. Bewahre in uns die Freude an dem himmlischen Lichte, welches in dei nem Sohne der Welt aufgegangen ist. Erwecke um uns her die Schlafenden, daß sie mit uns sich weiden lernen an dem Morgenglanze, auf welchen ein heller Tag folgt. Erhalte in unserem Lande und in der ganzen Welt, dir zur Ehre und uns zum Segen, die Kirche deines eingeborenen Sohnes und in ihr die treneste Liebe zu allem, was er auf Erden verkündigt und vollbracht hat. Segne die christlichen Obrigkeiten in ihrem Sorgen und Wirken zu diesem Zwecke. Segne alle Könige und Regenten, besonders aber walte mit deiner reichen Huld über uns'rem theuersten Fürsten und am Jahresschlusse. seinem ganzen Hause. Laß unter seinem Scepter Gerechtigkeit und Liebe herrschen, christliche Zucht und Ehrbarkeit zunehmen und dein Reich in Staat und Kirche, in Schule und Haus in Frieden erbauet werden. Alle Räthe und Beamten, sowie die Obrigkeit unserer Stadt, sammt ganzer Gemeinde, wollest du mit deinem Geiste erleuchten und zu heiligem Willen beleben, daß ein jeder in seinem Berufe und Stande dir dienen möge, sein Leben lang, nach deinem Wohlgefallen. Herr, laß alle deine Führungen in Stadt und Land immerdar unsern Glauben stärken und unsere Treue gegen dich befestigen, bis wir durch Jesum Christum getrost in deiner Gnade einschlafen und also das Ende unseres Glaubens davonbringen, welches da ist der Seelen Seligkeit. Das wollest du thun nach deiner Barmherzigkeit, der du die Liebe bist von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 19 Am Jahresschluſſe. Ewiger Gott! Du warest, ehe die Himmel wurden und die Welt gegründet war, du bist und wirst sein von Ewigkeit zu Ewigkeit. Unsere Tage aber sind wie eine Hand breit und unser Leben ist wie nichts vor dir. Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! Wir gedenken der Zeit des dahingeschwundenen Jahres, beugen uns und erkennen es: deine Güte ist es, daß wir nicht gar aus sind, und deine Barmherzigkeit hat noch kein Ende. Noch läsfest du dein Heil uns verkündigen, daß sich die Sünder zu dir bekehren. Du hast uns, bei zahllosen Uebertretungen deiner Gebote, mit Geduld und Langmuth getragen, und dein heiliger Geist ist nicht müde geworden, an uns'ren Herzen zu arbeiten, mit Erweckung und Zucht, mit Lehre und Trost. Auch im Irdischen hast du das Jahr mit deinen Gütern gekrönet, und bist mit uns gewesen, daß uns nichts gemangelt hat. ( Du hast uns auch in Mangel und Theuerung nicht verlassen, noch versäumt.) Du hast unser Vaterland unter dem Schatten deiner Flügel beschirmt und uns allen viel Gutes gethan. Unseres Lebens hast du gnädig wahrgenommen, aus Gefahr uns errettet, in Noth uns gestärket, und auch durch Kreuz und Leiden uns nur zu dir gezogen. Für alle diese Wohlthaten loben wir deinen heiligen Namen; für die Barmherzigkeit, die du an uns gethan, für die Treue, womit du unserer Armen, der Wittwen und Waisen dich angenommen, für den Trost, womit du unsere Leidenden erquickt haft und nahe gewesen bist denen, die unter heißen Kämpfen um ihr Heil bekümmert waren, für die Hülfe, die 2* 201 20 Besondere Kirchengebete du unseren Kranken verliehen, für das Erbarmen, womit du unseren Sterbenden beigestanden. Ja, Herr, Wunder der Gnade hast du an uns gethan; wir aber haben deine Güte und Langmuth oft gemißbraucht. Unser Gewissen flagt uns an, unser Herz verdammet uns. Sünder find wir alle vor dir, Vorgesetzte und Untergebene, Lehrer und Zuhörer, Alte und Junge, Reiche und Ärme. Ach Herr, Herr Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnad' und Treue, verwirf uns nicht vor deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von uns! Vergib uns unsere Missethat, Uebertretung und Sünde; laß sie durch den Tod deines Sohnes getilgt sein, damit ihrer auf ewig nicht mehr gedacht werde. Vater der Liebe! Dein guter Geist helfe uns, daß keines unter uns dieses Jahr vollende, ohne sich im Lichte deiner Wahrheit geprüft und vor dir gedemüthigt zu haben, keines, ohne seine Sünden mit dem alten Jahre hinter sich zu lassen! Erneuere uns im Geist unseres Gemüths, und ziehe uns selbst den neuen Menschen an, der nach dir geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Unsere Zeit vergehet; verlaß uns nicht, und entziehe uns nicht deine Gnade. Umgib mit deinem allmächtigen Schuß und Segen unſern theuersten Landesherrn und sein ganzes Fürstliches Haus. Segne alle Obrigkeiten und Unterthanen, Prediger und Gemeinden, Lehrer und Schüler, Eltern und Kinder, Frohe und Traurige, Gesunde und Kranke, Lebende und Sterbende! Vater der Ewigkeiten! Deine Jahre nehmen kein Ende; aber die unseren schwinden wie ein Schatten, und bleiben nicht. Lehre uns unsere Tage zählen, damit wir dein Werk wirken, ehe die Nacht kommt, und dereinst in der Stunde der Rechenschaft, als treue Haushalter erfunden werden! Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Behüte uns vor allem Uebel, behüte unsere Seelen! Herr, behüte unsern Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Am Neujahrsfeſte. Barmherziger Gott und Vater in Christo! Beim Antritte dieses neuen Jahres unserer Wallfahrt kommen wir vor dein Angesicht mit Danken, und rühmen deinen herrlichen Namen. Wir gedenken all' der unverdienten Güte und Treue, welche du unser Lebenlang, und insbesondere am Neujahrsfeste. 21 im verflossenen Jahre an uns bewiesen hast. Leben und Wohlthat hast. du an uns gethan, und dein Aufsehen hat unsern Odem bewahret. Du hast uns mit deinen Gütern gesättiget, und das Werk unserer Hände gefördert. Du hast unserem Lande den Frieden erhalten, und uns mächtig errettet aus( mancher) Noth und Gefahr. Da hast deiner Gemeinde nicht mangeln lassen das Wort der Wahrheit und die Predigt zur Buße, selig zu machen Alle, die daran glauben. Wir aber müssen mit Beschämung unsere große Schuld bekennen, daß wir durch Mißbrauch deiner Gnade uns oft an dir versündigt haben. Heiliger Gott, gehe nicht mit uns ins Gericht; handle nicht mit uns nach unſern Sünden, und vergilt uns nicht nach unserer Missethat; sondern gedenke unser nach deiner Barmherzigkeit, um Jesu Christi, deines geliebten Sohnes, willen! Wir bitten dich allgütiger Vater, verlaß uns nicht, entzieh uns deine Hülfe nicht in dem neuen Jahre, das du uns schenkest! Laß Stadt und Land deinem allmächtigen Schuß empfohlen sein, daß Glaube, Lieb' und Treu' in unserer Mitte wohne, und der Friede nicht aus unseren Grenzen weiche. Walte mit deiner Gnade über unserm theueren Vaterlande; laß freundlich dein Antlitz leuchten über unserm geliebten Fürsten! Dein Segen sei mit ihm und dem ganzen Fürstlichen Hause! Gib allen Dienern des Fürsten und des Vaterlandes Kraft und Weisheit, daß sie ihres Amtes warten in deiner Furcht, dir zum Wohlgefallen und ihnen und uns zum Segen. Behüte unser gesammtes deutsches Vaterland. Segne den deutschen Kaiser; sei des deutschen Reiches starker Schuß und Schirm; wahre ihm den Segen des Friedens, erhalte seine Fürsten und Völker in deiner Furcht und Liebe und laß Glauben und Treue, Kraft und Einigkeit des Vaterlandes Ruhm und Ehre sein! Nimm unter deinen Schuß die Kirche unseres Baterlandes. Hilf, daß die Kinder deines Wortes mit freudigem Aufthun ihres Mundes verkündigen das seligmachende Evangelium. Laß auch in diesem Jahre viele Seelen Trost, Erbauung, Stärkung finden hier in deinem Heiligthum, damit dein Reich immer mehr unter uns gegründet werde. Bekehre durch deinen Geist die unbußfertigen Sünder, bringe die Frrenden zurecht, befestige die Bekehrten, damit deine Gemeinde etwas werde zum Lobe deiner herrlichen Gnade. Segne einen Jeden in seinem Stand und Beruf. Laß die Ehegatten verbunden sein in deinem Frieden, durch Gottseligkeit in Christo Jesu. In allen Häusern und Schulen gib Gedeihen zur Erziehung 2015 22 Besondere Kirchengebete und zum Unterricht unserer Kinder; wache über ihren Seelen, damit deren keines verloren gehe. Barmherziger Vater, sei der Versorger der Wittwen und Waisen, die Hülfe der Armen und Nothleidenden, der Trost der Kranken und Ange fochtenen. Erquicke sie mit dem Worte des Lebens, und laß sie es mit jedem Tage dieses Jahres auf's Neue erfahren, daß deine Barmherzigkeit noch kein Ende hat, und deine Gnade währet für und für. Unsere Zeit eilet dahin; unsere Tage verschwinden, wie ein Schatten. O so gieb einen tiefen Eindruck der Ewigkeit in unsere Seelen, daß wir unsere Gedanken und Sor gen himmelwärts richten. Und wenn unsere Lebensjahre vollendet sind, nimm unsern Geist hinweg in Frieden und laß uns selig einschlafen in Christo Jesu, unserem Herrn. Amen. Am Epiphaniasfeste. Vater des Lichts, von welchem alles Licht, alles Leben und alle Seligkeit ausströmt, wir kommen mit Lob und Dank vor dein Angesicht, daß du dich deiner Kinder so gnadenvoll erbarmt und uns in Jesu Christo den Stern gezeigt hast, der da ewiglich leuchten soll in aller Finsterniß auf Erden. Sein freuen und rühmen wir uns in jeder leben- schaffenden Erkenntniß, sein Licht erquickt uns in jeder Nacht der Trübsal durch himmlischen Trost, sein Glanz stärket uns durch eine Hoffnung, die nimmer zu Schanden werden läßt. Wir danken dir, himmlischer Vater, daß du uns wandeln lässest in solchem Lichte, und bitten dich, du wollest es unter uns kräftigen und mehren, daß es unsere Seele ganz erwärme und durchdringe und sie verkläre zu himmlischer Klarheit. Du wollest auch dieses Licht hell aufgehen lassen über alle Völker, die jetzt noch sißen in Finsterniß und Schatten des Todes, daß auch sie schauen die Herrlichkeit deß, den du gesandt hast und ihm ihre Schäße bringen nicht Gold, Weihrauch und Myrrhen, sondern ein kindliches Herz und einen offenen, empfänglichen Geist, damit du, himmlischer Vater, an allen Orten und Enden der Erde deine Verehrer habest, die dich anbeten im Geist und in der Wahrheit. Also mögen dich auch anbeten, du allmächtiger Herrscher in allen Landen, alle, die du auf Erden zu deinen Dienern und Vertretern gesetet hast, daß sie deine Völker weiden Verin Recht und Gerechtigkeit, die dir wohlgefällig ist. leihe durch deine Gnade, daß sie aufrichtig und von gan zem Herzen nach deinem Sohne fragen, daß sie ihn neben in der Passionszeit. 23 sich sigen lassen auf dem Stuhle ihres Thrones und nach seinem Rathe walten und regieren in allen irdischen und himmlischen Dingen. Sei insbesondere mit unserem geliebten Fürsten und Landesvater und laß es ihm und seinen theuern Angehörigen nie an deinem Schuß und Segen fehlen. Herr Zebaoth, der du die himmlischen Schaaren führest, ja laß die Gnadensonne deines Sohnes aufgehen überall, wo Nacht ist. Laß ihr helles Lebenslicht fallen in alle Seelen, die mit Zweifel und Versuchung kämpfen; laß es in deinem heiligen Worte eindringen in die Herzen der Sünder, wie ein zweischneidiges Schwert, daß sie Buße thun und ihre Seligkeit schaffen lernen mit Furcht und Zittern; laß es leuchten allen Völkern, den jetzigen und denen, die du nachmals kommen läsfest, daß sie alle eine Herde werden durch Jesum Christum und er ihnen laufthue die Pforten des Lebens! Amen! Erhöre uns! Amen. In der Passionszeit. Herr Jesus Christus, Heiland der Welt! Wir danken dir, daß du uns arme und verlorene Menschen ohne all' unser Verdienst und Würdigkeit durch dein heiliges Leiden und Sterben so theuer erlöset hast. Ach Herr! Wie groß war dein Leiden, wie schwer deine Pein, wie bitter und schmerzlich dein Tod, und wie unaussprechlich in dem allem deine Liebe gegen uns! Du bist der Sohn des Allerhöchsten, und hast dich um unsertwillen so tief erniedriget; du warest unschuldig, unbefleckt und von den Sünden abgesondert, und haft aus Erbarmen unsere Sünde getragen und unsere Schuld auf dich genommen. Du bist betrübt worden bis in den Tod, hast vor großer Seelenangst gezagt, daß dein Schweiß, wie Blutstropfen, zur Erde fiel. Du hast dich freiwillig in der Sünder Hände übergeben, hast dich von einem ungerechten Richter zum andern führen, fälschlich verklagen, verurtheilen und verspotten, ja in dein heiliges Angesicht mit Fäusten schlagen lassen. Ach! um unserer Missethat willen bist du verwundet und zerschlagen, um unserer Sünde willen bist du, der Heilige und Gerechte, als ein Fluch an das Kreuzesholz geheftet und noch in deinem Sterben verhöhnt worden. Die Strafe lag auf dir, auf daß wir Friede hätten, und durch deine Wunden sind wir geheilet. Herr Jesu! Für all' diese erduldete Marter und Bein sagen wir dir Lob und Dank, und bitten dich demüthig, laß uns das Gedächtniß deines bittern Leidens und Todes nicht 24 Besondere Kirchengebete aus dem Sinne kommen. Gib vielmehr, daß wir uns desselben jederzeit zur Beruhigung unserer Gewissen trösten, und die feste Hoffnung unserer Begnadigung und der Versöhnung mit Gott darauf bauen mögen. Laß aber auch durch der Anblick deines Kreuzes alle bösen Lüste in uns gedämpft, und dagegen alle Tugenden deines Lebens uns eingepflanzet werden, auf daß wir, der Sünde abgestorben, hinfört der Gerechtigkeit leben. Insbesondere schenke uns, du getreuer Heiland, den Sinn, dir auch an unserem Theile dein Kreuz willig nachzutragen, bis wir endlich nach dieser Zeit Leiden mit dir zur Herrlichkeit erhoben werden. Dazu wollest du in Gnaden uns aushelfen um deines theuren Verdienstes willen. Amen. Am Gründonnerstage. Getreuer Hirt deiner Herde! der du noch am Abende vor deinem Tode ein Segensmahl gestiftet hast, daß wir dabei deiner Liebe gedenken, mit dir in die innigste Gemeinschaft treten, dich vor den Menschen bekennen und deinen Tod verkündigen sollen, bis daß du kommest; mit dankerfüllten Herzen gedenken wir heute aller der Stärkungen und Tröstungen und der himmlischen Segnungen, die wir von jeher bei deinem Gnadenmahle genossen haben. Ach, erhalte uns dieß heilige Sacrament und seinen würdigen Gebrauch. Erwecke in aller Herzen das rechte Verlangen darnach. Dein Geist bereite uns, wenn wir uns deinem Tische nahen und erwecke uns zu aufrichtiger Selbstprüfung, amit wir nie als Unwürdige uns selber das Gericht essen und trinken, sondern dein durch Leid und Tod vollbrachtes Erlösungswerk in rechter, frommer Andacht erwägen, zu dir, dem vollkommensten Vorbilde aller Tugenden, ehrfurchtsvoll aufsehen, dein göttliches Wort in unsere Seelen aufnehmen und in deine Gemeinschaft kommen, so daß du unser Haupt werdest und wir deine Glieder, daß du der Weinstock seiest und wir seine Reben.- Hohe und Niedere, Reiche und Arme, allzumal nahen wir uns, deiner Gnade bedürftig, zu deinem Tische. So gib denn, daß ein jeder in dir, der du das Brod des Lebens bist, die rechte Sättigung finde, und an ihm dein Wort erfüllet werde: ,, Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten." Den verwundeten und zerstoßenen Herzen gib Trost und Hoffnung, den schwachen und wankenden Gemüthern sende Stärkung in deiner Kraft, den reumüthigen und gebeugten Sünder richte auf durch dein Gnadenwort und wirke am Charfreitage. 25 in ihm rechtschaffene Früchte der Buße, daß über ihn sei Freude im Himmel und auf Erden. Stifte du selbst Freundschaft unter den Feinden, Versöhnung unter den sich Hassenden, Frieden unter den Beleidigten und ihren Widersachern, daß uns allen vergeben werde unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern, und erwecke und rühre du selbst unsere Herzen durch deine grundlose Liebe, daß unter uns ein Bund des brüderlichen Wohlwollens, des Friedens und der Eintracht aufgerichtet und wir alle unter einander verschlungen werden in der Liebe, welche das Band der Vollkommenheit ist. Laß bei uns Allen den inneren Menschen durch die Nahrung an deinem Tische wachsen und zunehmen und führe uns endlich, erfüllt mit Früchten des Glaubens und der Gerechtigkeit, die du in uns wirkest, ein in dein himmlisches Reich, daß wir dort ewig bei dir seien, wie du verheißen hast. Amen. Am Charfreitage. Heiliger, allmächtiger Gott! wir bitten dich, schaue gnädig herab auf diese deine Gemeinde, für welche dein Sohn Jesus Christus den Kreuzestod erduldet hat. O laß uns der so theuer erworbenen Vergebung unserer Sünden theilhaftig werden; reinige uns von aller Untugend durch das Blut deines Sohnes; heilige uns, daß wir allem andern absterben, und dir allein leben und dienen. Vater unsers Herrn Jesu Christi, und in ihm auch unser Vater! Nimm die Gebete gnädig an, die wir vor dich bringen für die ganze Kirche und alle Glieder derselben, für uns und alle Menschen. Erfülle mit der Liebe Jesu Christi Alle, welche du zu Hirten und Lehrern eingesetzt hast; gib und erhalte deinen Segen dem Amte, das die Versöhnung predigt. Alle Gläubigen vereinige unter dem Kreuze Jesu Christi durch den Geist des Friedens und der Eintracht, und gib, daß sie das Salz der Erde und Lichter in der Welt seien. Die Unbußfertigen erwecke zur Buße, damit auch sie Antheil haben an der Versöhnung, die durch Jesum Christum geschehen ist. Laß allen denen, die noch nicht an den Heiland der Sünder glauben, das Wort vom Kreuz eine Gotteskraft werden, sie selig zu machen von ihren Sünden. Erhöre alle Traurigen und Leidtragenden, die in irgend welcher Noth und Bedrängniß zu dir flehen; ja hilf uns in all' unserem Anliegen um unseres Mittlers und Heilandes, Jesu Christi, willen. Vater der Barmherzigkeit! An diesem großen Versöhnungstage flehen wir dich an für alle Menschen und für alle Völter, die noch nicht an den heilbringenden Namen deines 26 Besondere Kirchengebete Sohnes glauben. Verherrliche deine Gnade auch an ihnen, und gib, daß sie die Friedensbotschaft annehmen, wenn der Ruf an ihr Herz dringt: Lasset euch versöhnen mit Gott! Herr Jesu, du großer Hirte deiner Schafe, der du dein Leben daran gegeben haft zum Heil für alle Menschen, versammele die Schafe, die noch nicht in deiner Herde sind, daß endlich Ein Hirt und Eine Herde werde, und, wenn die Fülle der Völker eingegangen ist in deine Kirche, jeder Mund dich lobe, und jede Zunge dich preise als den Herrn und Heiland, zur Ehre deines himmlischen Vaters. O Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, erbarme dich über uns alle, und gib uns deinen Frieden. Amen. Am Osterfeste. Allmächtiger, ewiger Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, der du ein unerschöpflicher Brunnquell alles Guten bist und bleibest; wir danken dir von Herzen, daß du deines eingebornen Sohnes nicht verschonet, sondern ihn um unserer Sünde willen dahin gegeben und um unserer Gerechtigkeit willen auferwecket hast. Mit froher Rührung und Bewegung unserer Seele schauen wir hente im Geiste in dein leeres Grab und freuen uns, daß du ihn so gnadenreich verherrlichet, die Rathschläge der Bosheit so wunderbarlich zu nichte gemacht und durch ihn, den Auferstandenen, dem Tode die Macht genommen und Gerechtigkeit, Leben und Seligkeit wiedergebracht hast! Wir bitten deine grundlose Barmherzigkeit, du wollest solche deine himmlischen Wohlthaten nicht an uns lassen verloren sein, sondern durch festen Glauben uns derselben theilhaftig sein und bleiben lassen. Erwecke uns durch die Kraft deines Geistes, daß wir vom Schlafe der Sünden, alter Irrthümer und böser Gewohnheiten aufstehen und durch Jesum Christum im neuen Leben wandeln. Segne auch die heutige Feier der Auferstehung deines Sohnes an uns Allen und laß durch sie deine Kirche und die Gemeine deiner Heiligen unter uns vermehrt werden. Sende treue Arbeiter und Hirten in deine Herde und steure durch sie aller falschen Lehre und Verführung. Du wollest auch die christlichen Regenten und alle Obrigkeiten, insonderheit unsern theuersten Fürsten und Landesherrn nebst allen hohen Anverwandten, an Leib und Seele segnen; desgleichen seine Räthe und Diener, die Beamten des Landes, einen ehrbaren Rath dieser Stadt( dieses Orts) sammt ganzer Gemeine dir lassen be fohlen sein; über den gesammten Hausstand, Bater, Mütter, am Himmelfahrtsfeſte. 27 Kinder und Gesinde dein Segenswort aussprechen und ihnen deinen Frieden verleihen. Gib bei jetzt anbrechendem Frühlinge der Erde neue Kraft, den Früchten Wachsthum und Gedeihen, uns allen aber neuen Muth, neuen Fleiß und neue Hoffnung. Stärke uns im freudigen Vertrauen auf die Verheißung deines Sohnes: Ich lebe und ihr sollt auch leben!" und lass' uns im Glauben an dieselbe unsere Laufbahn fröhlich und getrost vollenden, bis wir einst in jener Welt den Auferstandenen in seiner Herrlichkeit schauen. Amen. Am Himmelfahrtsfeste. Sohn des Ewigen, Heiland der Welt, Ueberwinder aller deiner Feinde! wir freuen uns, daß du die Pforten der Hölle siegreich zerbrochen und, erhöht zur Rechten des himmlischen Baters, einen Namen gewonnen hast, der über alle Namen ist, daß in deinem Namen sich beugen sollen Aller Kniee, die im Himmel, auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß du der Herr seiest, zur Ehre Gottes des Vaters. Deß frenen wir uns heute und danken dir für alle die unaussprechlichen Segnungen, welche du auf Erden verbreitest hast und auch jetzt noch verbreitest, nachdem du aufgefahren bist zu deinem Vater und zu unserm Vater, zu deinem Gott und zu unserm Gott. Herr, segne immerdar dein Volk und erfülle deine Gemeine mit Licht und Leben, Kraft und Sieg, Fried' und Freude, auf daß dein Leben unser Leben, deine Erhöhung unsere Erhöhung werde. Der Geist der Wahrheit, den du verheißen hast, lehre und führe, stärke und tröste uns, auf daß wir an deinem seligmachenden Worte festhalten und unser irdisches Dasein durch dich verklärt werde. Sende trene Arbeiter in deine Ernte und gib zu ihrem Wirken Kraft und Gedeihen. Beschirme uns und unser theures Vaterland. Erfülle insbesondere unsern theuersten Fürsten mit deiner Weisheit, Gerechtigkeit und Liebe und segne ihn und sein ganzes Haus mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern. Uns Allen sei deine Erhöhung eine stete Anmahnung, daß wir unsere Augen und Herzen vom Irdischen und Vergänglichen dieser Welt hinwegwenden und vor allem nach dem trachten, was droben ist. Zeuch uns dir nach! Erfülle uns mit heiligem Verlangen, daß wir uns auf den Flügeln des Glaubens und der Hoffnung über das Irdische zum Himmlischen emporschwingen; dem vorgesteckten Ziele eifrig nachjagen; dem Kleinode, welches vorhält die himm 28 Besondere Kirchengebete lische Berufung Gottes, immer näher kommen, und endlich, wie du, triumphirend aus dem Vorhofe der Seligkeit in das Allerheiligste gelangen. Amen. Am Pfingstfeste. Herr, unser Gott! Lob, Preis und Ehre sei dir geſagt von uns allen, daß du an diesem Tage der Pfingsten deinen heiligen Geist über die Apostel ausgegossen, und sie er leuchtet und geheiliget hast zu deinen Boten, die da Frieden verkündigen, und allem Volke zurufen: Laßt euch verföhnen mit Gott! Von ganzem Herzen danken wir dir, daß deine Heilsbotschaft auch zu uns gekommen ist, und wir durch deinen Geist geheiligt, und zu deiner Gemeinde versammelt sind. Deine Kirche stehet fest in deiner Kraft; denn du bist bei ihr allezeit. Du bist ihre Zuversicht und ihre Hülfe; darum wird sie wohl bleiben. Gott aller Gnade! Gieße den Geist Jesu Christi immer reichlicher aus über uns und alle Menschen, daß alle Lande voll werden von deiner Erkenntniß, und alle Herzen sich dir öffnen, wenn du einziehest mit dem Sohne, um bleibende Wohnung bei uns zu machen. Insbesondere bitten wir dich für unser theures Vaterland. Segne, allmächtiger Gott, das Leben und die Regierung unsres Fürsten durch den Geist deiner Weisheit und deines Friedens. Nimm das ganze Fürstliche Haus in deine Obhut. Gib allen Räthen und Dienern des Fürsten erleuchtete Augen des Verständnisses, und einen festen, frommen Sinn, daß sie Recht und Gerechtigkeit üben zu deines Namens Ehre. Salbe mit deinem Geiste alle Diener und Lehrer deines heiligen Evangeliums, damit dein göttliches Wort unter uns wachse und zunehme, und sich als ein Wort des Lebens zum Leben erweise an Allen, die es verkündigen, und die es hören. Heilige alle Haushaltungen und Schulen zu Tempeln, darin ein frommes Geschlecht unter uns aufblühe zum Lobe deiner herrlichen Gnade. Schenke den Geist der Geduld allen Bekümmerten und Angefochtenen; tröste die Traurigen; richte die Leidtragenden auf; laß uns alle jederzeit durch den Geist deines Sohnes einen freien Zugang zu dir finden. Barmherziger Gott und Vater! Rüste uns aus mit deinem freudigen Geiste, dem Geiste der Verheißung und der Hoffnung auf die Zeit der lezten Noth, daß wir unsern Lauf selig vollenden, und tüchtig werden, einzugehen in die am Trinitatisfeste. 29 Versammlung der Gerechten, da man dich sammt den Sohn und heiligen Geist lobet von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Am Trinitatisfeste. Gott, der du in einem Lichte wohnest, da niemand zukommen kann, Lob und Dank sei dir gesagt von allen deinen Gläubigen, daß du dich uns geoffenbaret hast als Vater, Sohn und Geist. Gott, unser Vater! wir preisen dich, daß du durch deine Allmacht Alles, was da ist im Himmel und auf Erden, erschaffen haft und weislich regierest, daß du auch unser Schöpfer und unser erbarmender Vater bist und in alle Ewigfeit bleibest. Laß es uns nie vergessen, daß deine Allmacht uns trägt und hält, daß deine Weisheit uns väterlich leitet, und deine Güte uns auf lauter Liebeswegen zu dem himmlischen Ziele führet, zu welchem du uns berufen hast. Preis und Ehre sei dir, Herr Jesus Christus, du Sohn Gottes und Abglanz seiner Herrlichkeit, daß du bist ein Mensch und uns gleich geworden, um uns zu erlösen von Sünde und Tod. Du bist in diese Welt gekommen als das wahrhaftige Licht, alle Menschen zu erleuchten, und hast Macht gegeben, Kinder Gottes zu werden Allen, die an dich glauben. Wir danken dir mit der ganzen irdischen und himmlischen Gemeinde, die du erkauft hast durch dein Blut, und lobsingen deinem heiligen Namen. O gib, du treuer und untrüglicher Zeuge der Wahrheit, daß wir mit fester Zuversicht an dein gewisses Wort uns halten, daß wir uns deines göttlichen Erlösungswerkes danbar getrösten, und deinem Bilde, du Erstgeborner unter den Kindern Gottes, immer ähnlicher werden. Laß uns dir, unserem Herrn im Himmel, hier auf Erden leben und vertrauen, bis du bei deiner Zukunft zum Gericht uns aufnehmen wirst in deine Herrlichkeit. Preis und Anbetung sei dir, Geist Gottes, heiliger Geist der Wahrheit und des Lebens! Unsere Erleuchtung, Erneuerung und Heiligung ist dein Gnadenwerk an uns. Hochgelobet seist du, daß du in unsrer Schwachheit unsre Stärke, und unter allen Trübsalen dieser Zeit unser Helfer und Tröster und das Unterpfand unseres himmlischen Erbes bist. laß deine kräftigen Wirkungen an uns nicht vergeblich sein. Heilige und reinige uns je mehr und mehr, und gib jederzeit unserm Geiste das tröstliche Zeugniß, daß wir Gottes Kinder sind, durch dich versiegelt auf den Tag unserer Erlösung. Dreieiniger Gott, Vater, Sohn und Geist! Nimm unsere Loblieder und Gebete gnädig an, die wir dir darbringen, 30 Besondere Kirchengebete noch allenthalben umgeben von Sünde und Schwachheit. Erhalte uns bei deinem Bekenntniß, bis wir dich einst schauen werden in dem vollkommenen Lichte von Angesicht zu Angesicht, und würdiger dich preisen und anbeten mit allen Heiligen und Engeln des Himmels. Amen. Am Johannisfeste. Erhebet den Herrn, unsern Gott! betet an den Hocherhabenen und Heiligen! Der Himmel ist sein Thron und die Erde seiner Füße Schemel! Er hat Propheten geſendet, daß sie vor dem Herrn hergingen und ihm den Weg bereiteten; er hat alles weislich gefügt, daß erscheinen möchte auf Erden der Aufgang aus der Höhe und unsere Füße gerichtet würden auf den Weg des Friedens. Ja, gelobet feist du, Herr, unser Gott, daß du besuchet und erlöset hast dein Volk und uns aufgerichtet ein Horn des Heils; gelobt seist du für die Sendung aller deiner Boten und auch dessen, durch welchen du zuletzt hingewiesen hast auf ihn, der da kommen sollte in deinem Namen, voller Gnade und Wahrheit. O du Gnädiger und Barmherziger! laß uns durch den Beistand deines Geistes deine unaussprechlichen Wohlthaten, welche du uns in der Vorbereitung und Vollendung des großen Erlösungswerkes erwiesen hast, zu unserm Segen gebrauchen und ferne wandeln von den Finsternissen und Schatten des Todes. Mache dir durch treue Diener und Arbeiter in deinem Werke auch ferner ebene Bahn in unserm Herzen, daß der Herr, unser Heiland, bei uns stets leichten Eingang finde, daß wir in ihm deine Herrlichkeit schauen und sie an uns erfahren in reicher Frucht zum ewigen Leben. Laß uns durch ihn, aus der unergründlichen Tiefe deiner väterlichen Liebe, Schutz und Schirm zufließen wider alle Sünde, Kraft und Stärke zu allem Guten und zur Ueberwindung aller knechtischen Furcht. Immer mehr spiegle sich in uns die Klarheit des Herrn, damit wir einst auch im Tode noch fröhlich in Hoffnung ausrufen mögen: Gelobet sei Gott, der Allmächtige und Allgütige, der besuchet hat und erlöset sein Volk, in Ewigkeit! Amen. Am Erntefeste. 1. Allmächtiger Gott, Vater aller Gnade! Wir bringen heute vor deinen Thron unsern demüthigen Dank für deine ewig am Erntefeste. 31 reiche Liebe, womit du auch in diesem Jahre deine milde Hand über uns aufgethan, und Alles, was da lebet, mit Wohlgefallen gesättiget hast. Deine Güte reicht, soweit der Himmel ist, und deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen. Du hast vom Himmel uns Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, den Segen unserer Felder uns treulich behütet, und unsere Herzen erfüllet mit Speise und Freude. Du hast Großes an uns gethan; deß sind wir fröhlich, und sagen dir von Grund unseres Herzens Lob und Dank dafür. Herr, was ist der Mensch, daß du sein gedenkest, und des Menschen Kind, daß du dich seiner also annimmst! Dich sollen wir finden und fühlen in deinen Wohlthaten; aber mit tiefer Beschämung müssen wir bekennen, daß wir deiner Gaben nicht werth sind, daß wir deiner oft vergessen, oft ängstlich gesorgt und gezagt, oft den Reichthum deiner Güte verachtet oder gemißbraucht haben. Vergib uns, o Bater, unsere Sünden. Bewahre uns vor dem Leichtsinn, der deiner Gebote vergißt, vor der Trägheit, die deine Gnade versäumt, vor der Unmäßigkeit, die deine Güter mißbraucht, vor dem Geize, der Herz und Hand dem Bruder verschließt. Dein Segen allein machet reich, und niemand lebet davon, daß er viele Güter hat. Wann du unsere Seelen von uns forderst, weß wird es sein, das wir gesammelt haben? Oso hilf uns reich werden in dir, unserem Gott; laß deine Güte uns zur Buße leiten, und höre nicht auf, uns zu segnen. Gib ferner fruchtbare Zeiten; bewahre uns väterlich vor Mangel und Theuerung, und laß uns deinen Segen in Frieden und guter Gesundheit genießen. Walte mit deiner Gnade über uns'rem geliebten Fürsten und seinem ganzen Hause, und laß ihn von jeder Saat, die er zum Besten deines Volkes ausstreut, reiche Früchte ernten. Du machest fröhlich, was da lebet: o so erfreue nach dem Reichthum deiner Liebe auch die Herzen aller Armen, Verlassenen und Betrübten, und laß sie inne werden, daß keines vergessen sei von dir. Hilf uns durch deine Gnade, daß wir nicht auf das Fleisch säen, sondern auf den Geist, damit wir vom Geiste das ewige Leben ernten, und in der himmlischen Freudenernte dich reiner und feuriger loben, durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen. 2.1 Allmächtiger Gott, Herr des Himmels und der Erde! Du hast uns in so vielen fruchtbaren Jahren mit dem Reichthum deiner Güter gesegnet. Auch das, was wir in diesem 32 Besondere Kirchengebete Jahre an Früchten der Ernte und des Herbstes noch einsammeln durften, ist ein unverdientes Geschenk deiner Gnade. Zwar hat uns manche Frucht des Feldes gefehlt, und die Erde uns nicht gegeben, was wir gewünscht haben. Deine Gedanken sind nicht unsere Gedanken und unsere Wege find nicht deine Wege. Aber es sind Gedanken des Friedens und nicht des Leides, die du über uns hast, und all' dein Thun ist lauter Güte und Treue. So bewahre uns denn, barmherziger Gott, daß wir nicht murren wider dich, und meinen, wir hätten sollen mehr empfangen. Bist du doch unser Vater, der da reich ist an Barmherzigkeit. Du hast deine Hand noch nicht von uns abgezogen, und Leben, Gesundheit und Frieden uns bisher erhalten; du wirst es auch in Zukunst wohl machen. Du hast Mittel und Wege genug, zu helfen, und weißt, was wir bedürfen. Deine Augen sehen auf die, so dich fürchten, die auf deine Güte hoffen, daß du ihre Seele errettest vom Tode, und ernährest sie in der Theuerung. Unsere Seele harret auf dich, du bist unsere Hilfe und Schild. Deine Güte, Herr, sei über uns, wie wir auf dich hoffen. Auch bitten wir dich noch vertrauensvoll um deinen himmlischen Segen für unsern theuersten Landesherrn und sein Fürstliches Haus, für das ganze Vaterland und für uns Alle. Laß uns in jedem Wechsel der Schicksale, durch welche du uns führest, reif werden zu jener Ernte, welche du einst unter uns halten willst, und verleihe durch Jesum Christum, daß wir dann reiche Garben dir darbringen. Amen. Am Kirchweihfeste. Allmächtiger Gott, Vater unsers Herrn Jesu Christi! Zu dir heben wir unsere Augen auf, und sagen dir Lob und Dank für alle Barmherzigkeit und Treue, die du an uns gethan hast. Insonderheit rühmen und preisen wir deine große Güte, nach welcher du auch in dieser Gemeinde ein Haus dir erbauest hast, das durch deinen Gnadenschuß stehet bis auf diesen Tag. Dir gebühret Lob und Ehre und Preis und Dank für die unaussprechlichen und herrlichen Gaben, die du an dieser Stätte durch deinen heiligen Geist unsern Vätern und uns mitgetheilt hast. Ja, gelobet sei dein heiliger Name für jedes Wort der Wahrheit, die du in unsere Herzen gepflanzt, für jede Mahnung, durch die du unser Gewissen hier erweckt und gerührt, für jeden Trost, womit du die Mühseligen und Beladenen hier erquickt, für jede Kraft zum Glauben und Beten, zum Wollen und Vollbringen, die du uns hier geschenkt, und am Kirchweihfeste. für die ungestörte Freiheit, in der wir unsern evangelischen Glauben hier jederzeit bekennen durften. 33 Wir bitten dich, o Gott, wache auch ferner über diesem Hause, da deine Ehre wohnet, und umgib es mit deinem allmächtigen Schuße. Vergib uns alle Sünden der Zerstreuung, des Leichtsinns, der Trägheit, womit wir diese Stätte bisher entheiligt haben. Bewahre uns besonders in diesen Tagen vor Unordnung, Unmäßigkeit, Thorheiten und Ausschweifungen, vor fündlichen Worten und Werken und allen Aergernissen, damit unsere Gemeinde nicht gerichtet werde durch das Wort deines Sohnes: Wehe der Welt der Aergerniß halber! Herr Jesu Christe, du Hirte und Bischof unserer Seelen, laß die Herde, die du an diesem Orte dir gesammelt haſt, dir auch fernerhin befohlen sein. Rufe die Verirrten herbei, die dein Wort verachten und deine Wohnung fliehen. Strafe die verstockten durch deinen Geist, daß sie nicht sterben in ihren Sünden, sondern eilen, ihre Seelen zu erretten. Erhalte uns dein heiliges Wort, und gib, daß dein Evangelium allezeit frei und lauter verkündigt und von Herzen geglaubt, und deine heiligen Sacramente nach deiner Einsegung gebraucht werden. Walte mit deiner Gnade und Wahrheit über unserm geliebten Fürsten, daß er dein Reich unter uns mehre, und mit seinem ganzen Hause und Volke deines Heiles sich freue. Lenke die Gedanken der Obrigfeiten, daß sie als deines Reiches Amtleute Recht halten und thun nach deiner Ordnung. Sei mit den Lehrern und Predigern, daß sie, in der Gemeinschaft deines Geistes und Lebens, durch Wort und That den Gemeinden vorleuchten. Lege deinen Segen auf unsere Versammlungen in deinem Hause, und laß diese Stätte uns und unsern Nachkommen eine Pforte des Himmels werden. Ja, sammle dir in jedem Hause eine Gemeinde, und weihe jedes Herz zu deinem Tempel, daß wir in Furcht und Freudigkeit dir dienen unser Leben lang. Erquicke mit dem Troste deiner Gnade alle Angefochtenen und Bekümmerten; sei nahe den Sterbenden im letzten Kampfe und richte ihren Blick hinauf zum Himmel, wo die Gerechten leuchten werden, wie die Sonne, in ihres Vaters Reich. Du hast deine Gemeinde theuer erkauft; heilige sie durch dein Wort und deine Sacramente, damit du sie einst rein und unsträflich darstellen mögest vor dein heiliges Angesicht. Dir sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 3 Besondere Kirchengebete: Am Reformationsfeste. Preis und Dank sei dir, ewiger Vater des Lichtes und aller geistigen Gaben, für alles, was du von Anbeginn gethan haft für dein himmlisches Reich auf Erden. Preis und Dank für das reine Licht des Evangeliums, das unsern Geist erhellt und unser Herz erwärmt, wenn wir nicht das Auge unseres Geistes seinem göttlichen Strahle verschließen. Du hast es durch deinen Sohn der Welt gegeben als eine Leuchte allen denen, die den rechten Weg zu dir, zu Heil und Seligkeit suchen, als eine frohe Botschaft selbst dem Sünder. Du hast, da es der armen Christenheit durch Menschenlist und Trug entzogen war, es ihr wiedergegeben durch die frommen, heldenmüthigen Wahrheitskämpfer, deren Gedächtniß wir dankbar feiern. Ja, du warst es, Herr des Lichtes und aller Kraft, der sie weckte, rüstete und stärkte zum schweren Kampfe gegen den Fürsten der Finsterniß. Dem Rufe deines Geistes im Gewissen folgend, stritten und siegten sie mit dir. O welch ein Sieg, den sie im Vertrauen auf dich und die göttliche Macht der Wahrheit und im lebendigen Glauben an deinen Sohn Jesum Christum errangen! Wie viel Segen hat seit jenem Siege, den wir heute dankbar feiern, dein göttliches Wort allen denen gebracht, die es mit Mund und Herz bekannten; wie so manchen Strahl hat es in die Nacht des Kummers gesendet, wie so manche Erquickung und Stärkung geängsteten Seelen, wie viel kräftige Mahnung den Menschen gegeben, auf deinen Wegen zu wandeln, mitten im Irdischen das Himmlische zu suchen, um aus dem Kampfe des Lebens davonzubringen der Seele Heil und Seligkeit. Herr, sei uns gnädig und barmherzig! laß ferner uns leuchten das Licht des Evangeliums und gib, daß es in allen Schulen und Kirchen unseres Vaterlandes und der ganzen Christenheit immer lauterer und kräftiger verkündigt werde, damit dein Reich, das Reich des Lichtes und der Liebe, der Wahrheit und Gerechtigkeit, unter uns sich mehre und überall stehe nicht in Worten, sondern in Kraft. Gib, daß der Sieg, den wir heute feiern, sich fort und fort erweitere durch deinen heiligen Geist, der uns über den Buchstaben erhebt zur Wahrheit, durch Wahrheit zu jener Freiheit, die in Christo Jesu ist. Bewahre uns vor aller falschen Lehre, vor Aberglauben und Unglauben und steure allen Feinden, die uns den hellen Schein des Evangeliums verdunkeln wollen. Gib uns zum lauteren Sinne für Licht und Wahrheit den Geist der Liebe, der dem Glaubensstolze und falschen Glaubenseifer wehrt, 34 am Todtenfeste. 35 und uns antreibt, jedem unserer Menschenbrüder die Hand zu reichen, der dich fürchtet und recht thut; ja laß uns nie vergessen, daß, wer nur deine Gebote hat und hält, einig mit dir und Jesu Christo ist. Regiere, erleuchte und heilige Alle, welche Gewalt und Macht über die Menschen haben, daß sie voll Achtung vor des Menschen heiligsten Gütern, vor der Freiheit des Gewissens und Glaubens, ihre Gewalt nie mißbrauchen, dieselbe vielmehr als von dir verliehen, nach deinem Willen dazu anwenden, die gute Sache des Lichtes, der Wahrheit und des Rechtes zu fördern, eingedenk der Rechenschaft, die sie dir schuldig sind. Segne zu so heiligem Zwecke unsern theuersten Fürsten und sein ganzes Fürstliches Haus, und gib, daß erleuchtete Frömmigkeit als sein erhabenster Schmuck freudig gerühmt werde von den spätesten Enkeln. Regiere, erleuchte und heilige alle Lehrer des Wortes in Kirchen und Schulen, daß sie selbst glauben und thun, was sie lehren, daß ihr klarster, kräftigster Unterricht ihr frommer, rechtschaffener Wandel sei. So, Vater im Himmel, so wollest du uns und Alle, die den Namen Jesu Christi bekennen, erbauen zu einer Gemeine der Heiligen, die dich preist durch Gesinnung und Wandel und würdig ist, zu empfahen das unvergängliche, unbefleckte und unverwelkliche Erbe, das behalten wird im Himmel. Amen. Am Todtenfeste. Herr unser Gott, der du allein Unsterblichkeit hast und im ewigen Lichte thronst! Wir gedenken heute am Schlusse des Kirchenjahres und bei der Gedächtnißfeier unserer Tod ten mit Schmerz und Traurigkeit daran, daß wir Staub und Asche vor dir sind. Der Tag, den wir heute feiern, mahnt uns an die Flucht aller unserer Tage, und lenkt unsere Herzen empor zu dir, der du bleibest wie du bist und dessen Jahre kein Ende nehmen. Wir rufen dich an um Trost und Kraft in der Traurigkeit, die unsere Seelen beugt. Wir tragen Leid um unsere Abgeschiedenen, wir blicken ihnen mit Sehnsucht nach in die Ewigkeit, in die sie eingegangen sind. Ach laß das bange Gefühl, verwaist und verlassen zu sein, nicht herrschend werden in uns! Begegne uns auf unseren schweren Gängen, du Fürst des Lebens und Todesüberwinder, und rufe uns zu das erquickende Wort: Friede sei mit Euch! Du bist der Erste und der Lezzte, die Auferstehung und das Leben. Wer an dich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe. Hilf, daß wir das von ganzem Herzen 3* 36 Gebete für die häusliche Andacht: glauben, und in diesem Glauben einen festen, frohen Muth gewinnen! Wir danken dir, Herr, für Alles, was du nach deiner Gnade und Barmherzigkeit an unseren Heimgegangenen in ihrem zeitlichen Leben gethan hast. Laß ihr Gedächtniß unter uns in Segen bleiben, und hilf, daß es zu einem kräftigen Antriebe für uns werde, nachzujagen dem vorgesteckten Ziel, und zu ergreifen das ewige Leben, dazu wir berufen sind. O du treuer und liebreicher Heiland und Herr, der du uns die tröstliche Verheißung gegeben hast, daß du bei uns sein und bleiben willst bis an das Ende der Welt; erhalte und befestige uns durch deinen heiligen Geist in der innigen Gemeinschaft mit dir und deinem und unserem Vater, und breite deine Hände schüßend und segnend über uns aus. Wende Unheil und Verderben gnädig von uns ab, und gib uns Geduld, die Leiden dieser Welt standhaft zu ertragen. Leuchte uns vor mit deinem Bilde auf den Wegen unseres Berufes, daß wir wie du freudig wirken, so lange es Tag ist, ehe die Nacht kommt, da niemand wirken kann. Gott der Gnade, Gott des Segens! Vater, Sohn und heiliger Geist! segne uns und behüte uns! Segne die Predigt deines Wor tes, segue Kirchen und Schulen, segne Hohe und Niedere, Obrigkeit und Unterthanen, insbesondere aber unsern theuersten Fürsten und das ganze Fürstliche Haus. Nimm uns Alle in deinen mächtigen Schuß, regiere und führe uns auf allen unsern Wegen, verlaß uns nicht in Noth und Tod, und wenn unser Feierabend kommt, so verleihe uns, daß wir sanft und ruhig entschlafen, und uns der Stimme freuen, die da ruft: Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, und ererbet das Reich, das euch bereitet ist vom Anbeginn der Welt. Amen. III. Gebete für die häusliche Andacht. Morgensegen. Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, daß du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünde und allem Uebel, daß dir all mein Thun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Abendsegen; Morgenandacht an Sonntagen. 37 Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen. Abendsegen. Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, daß du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünden, wo ich unrecht gethan habe, und mich diese Nacht gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, daß der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen. Morgenandacht an Sonntagen. Gnädiger und barmherziger Gott! ich komme an diesem Tage vor dein heiliges Angesicht mit Loben und Danken dafür, daß du mich die vergangenen sechs Tage hindurch so gnädig erhalten und die Arbeit meiner Hände so reichlich gesegnet hast. Du hast meinen Ein- und Ausgang bewahrt, auf meinen Wegen mich behütet, und mir an Leib und Seele viel Gutes erwiesen; dafür lobe und preise ich dich von Grund meines Herzens. Begleite und schüße mich auch heute auf allen meinen Wegen. Laß diesen Tag besonders einen Erbauungs- und Erquickungstag für meine Seele sein. Du haft nach deiner erbarmenden Liebe diesen Tag von leiblicher Arbeit frei gemacht, damit du dein Werk in mir haben mögest. O! darum erleuchte, heilige und lehre meine Seele, damit ich Schäße sammeln möge, welche mich in Noth und Tod, in Kreuz und Leiden erquicken können, welche weder Motten noch Rost fressen, bei denen die Diebe nicht nachgraben oder fie stehlen. Mein Gott! es soll heute meine Lust sein, dein Wort zu hören, in dir mich zu erbauen, dir zur Ehre Lobund Danklieder anzustimmen, eifrig zu beten, und mein Herz dir zu schenken. Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Bebaoth! Meine Seele freuet sich in dem lebendigen Gott; laß mich aber kein vergeßlicher Hörer sein, sondern ein Thäter des Worts werden, öffne mir das Herz, damit ich den Samen des Worts mit Freuden aufnehme, schließe sodann mein Herz zu, damit mir ihn Satan nicht wieder raube. Laß mich heute in meinem Christenthum, in der Erfenntniß Jesu Christi, im Glauben, in der Liebe, in der Verleugnung meiner selbst, im Absterben der Welt einen festen 38 Gebete für die häusliche Andacht: Grund legen, damit ich die künftige ganze Woche daran gedenke, es ausübe, und gute Früchte bringe. Bewahre mich vor Verführungen, wenn der Satan seine Werkzeuge an mich schickt, damit ich meine dir geheiligten Stunden der Welt nicht überlasse, oder ihrer sündlichen Gesellschaft die Zeit, die ich dir zur Ehre hinbringen soll, aufopfere, und eben damit einen schweren Fluch auf mich lade, welcher mich die ganze Woche noch drücken könnte. Ach! laß meinen öffentlichen und häuslichen Gottesdienst, mein Beten, Hören, Lesen und Singen dir gefallen. Hilf, daß ich so einen Sonntag und Sabbath nach dem andern feiere, bis du mich in die ewige Himmelsfreude zu dem ewigen Sabbath durch Jesum, meinen einigen Erlöser und Seligmacher einführen wirst. Amen. Abendandacht am Sonntage. Herr, bleibe bei mir, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget. Odu lebendiger, allmächtiger Gott, wie unbegreiflich sind deine Werke, wie unaussprechlich ist deine Güte, welche du den Menschenkindern erzeigest! Sch kann von Gnade und Wahrheit, von Liebe und Barmherzigkeit sagen, indem du den vergangenen Tag mir viel Gutes an Leib und Seele erwiesen hast. Du hast meine Seele gespeiset mit dem Brode des Lebens, und mir aus der lebendigen Quelle zu trinken gegeben; dein Wort ist meinem Munde süßer gewesen denn Honig und Honigseim. Ach laß dein Wort mein ganzes Leben hindurch ein Licht auf meinen Wegen bleiben, daß ich darnach meinen Gang richte, so werde ich nicht straucheln, oder aus deiner Gnade fallen. Du bist auch mein Erretter, mein Beistand im Leiblichen gewesen, daß ich gesund diesen Abend erreicht habe. Ich bin nicht werth aller Barmherzigkeit, die du an mir gethan hast. Wenn sich nun meine Glieder zur Ruhe legen, so tritt du, o mein Hüter, mir zur Seiten; hab' Acht auf mich und schließ mich in deinen Schuß ein. Laß mich beständig ein Licht in dem Herrn sein und keine Gemeinschaft haben mit den unfruchtbaren Werken der Finsterniß. Laß dein Wort, das ich gehöret, in mir als einen heiligen Samen aufgehen, dessen Früchte man an meinem Leben, in der Frömmigkeit, Gottesfurcht, Absterben der Welt und einer heiligen Hingebung an dich wahrnehmen möge. Sei mein Schirm und Schatten wider die Hiße und Anfechtung und wider die feurigen Pfeile des Satans. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Morgenandacht an Wochentagen. 39 Kraft, vor wem sollte mir grauen? Wende Feuers- und Wassersnoth und alles Unglück von mir und den Meinigen ab, und laß alle Betrübten, Kranken und Sterbenden deine reiche Gnade genießen: so soll morgen früh unser aller Mund deines Ruhmes voll sein, und wir wollen erzählen, was du Gutes uns an Leib und Seele gethan hast. Vergib, wenn ich nicht mit solchem Eifer dir heute gedienet, wie ich billig gesollt, und nimm deswegen deine Gnade nicht von mir. Laß in der neuen Woche Alles neu an mir sein, schenke mir neue Liebe und Verlangen nach dir, neuen Trieb dir zu dienen und zu gehorchen; laß mich die in der vorigen Woche begangenen Sünden meiden und fliehen, damit jedermann erkenne, daß ich den Sonntag nicht vergebens hingebracht habe. Hilf, daß ich fleißig erwäge, daß ich eine unsterbliche Seele habe, damit ich mehr um die Seele, als um den Leib bekümmert sei. Ich sehne mich, mein Gott, nach meiner Ruhestatt, ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfft mir, daß ich sicher wohne. Also werd' ich auch ruhen in meinem Grabe, bis du mich an dem frohen, jüngsten Tag zum ewigen Leben erwecken wirst. Dahin, zu dieser Ruhe, die du deinem Volke bereitet hast, wollest du mich vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen, um deiner Gnade willen. Amen. Morgenandacht an Wochentagen. Barmherziger Gott, dessen Güte und Treue alle Morgen neu ist! ich sage dir mit dem Herzen und mit dem Munde Lob und Dank, daß du mich an diesem Morgen wieder gesund von meinem Lager haft aufstehen lassen, und meinen Leib vor Schaden und meine Seele vor Sünden bewahrt haft. Wie groß ist deine Güte, Herr! daß Menschen unter dem Schatten deiner Flügel trauen, und unter demselben so mächtig bewahrt werden. Ich schaue nach der Finsterniß wieder das Sonnenlicht; gib mir Gnade, daß ich an diesem ganzen Tage in deinem Lichte wandle, und alle Werke der Finsterniß fliehe. Ich achte den Tag für verloren, an welchem ich der Welt gedient, und meinen Mund, meine Glieder und Sinnen nach der Welt Gewohnheiten und Thorheiten eingerichtet habe, worüber ich einst vor deinem Gerichte eine schwere Rechenschaft ablegen muß. Ich opfere mich dagegen dir ganz zu deinem Dienste mit Leib und Seele auf; laß mich nichts wollen, nichts vornehmen und denken, als was dir gefällt, auf daß der ganze Tag dir geheiligt sein möge. Ja, laß mich allezeit so leben, reden und thun, als ob ich heute noch 40 Gebete für die häusliche Andacht: sterben müßte. Und da ich nach der finstern Nacht, in der ich als Kind in deinen Armen gelegen, nun wieder von neuem lebe, so weiß ich nirgends hin als zu dir: ich klopfe an deine Gnadenthür; ich wende mich wieder zu der Segensquelle, aus welcher ich einen Segen nach dem andern, eine Hülfe nach der andern nehme; denn was du, Herr! segnest, das ist ewig gesegnet; wenn du deine Hand austhust, so wird Alles mit Wohlgefallen gesättigt. Gib mir guten Rath, wenn ich eines Raths bedarf; richte meine Anschläge und Vornehmen nach deinem Willen ein. Entzünde in mir die Flamme deiner göttlichen Liebe, damit ich an diesem Tage meinen Glauben in den Werken zeige, und in wahrer Liebe gegen dich und den Nächsten verharre, auf daß ich ohne Gewissenswunden den Abend erreiche. Wenn ich zu dir, Herr, mein Gott! rufe, so verbirg dein Antlig nicht vor mir. Höre die Stimme meines Flehens, wenn ich meine Hände zu dir emporhebe. Laß das Gebet der Elenden, Traurigen, Kran ken, und auch das Gebet der Meinigen und aller Frommen vor deinem Gnadenthrone Erhörung finden, um Jesu Christi, deines lieben Sohnes willen. Amen. Abendandacht an Wochentagen. Barmherziger, gnädiger Gott und Vater, ich sage dir Lob und Dank, daß du Lag und Nacht geschaffen, Licht und Finsterniß unterschieden hast, den Tag zur Arbeit und die Nacht zur Ruhe, auf daß sich deine Creatur darin erquicken möchte. Ich lobe und preise dich in allen deinen Wohlthaten und Werken, daß du mich durch deine göttliche Gnade und Schuß den vergangenen Tag haft vollenden, und seine Last und Plage überwinden und zurücklegen lassen. Es ist ja genug, lieber Vater, daß ein jeder Tag seine eigene Plage habe. Du hilfst ja immer eine Last nach der andern ablegen, bis wir endlich zur Ruhe und zum ewigen Tage kommen, da alle Plage und Noth aufhören wird. Ich danke dir von Herzen für alles das Gute, das ich diesen Tag von deiner Hand empfangen habe. Ach Herr, ich bin zu geringe aller deiner Barmherzigkeit, die du täglich an mir thust. Ich danke dir auch für die Abwendung des Bösen, so mir diesen Tag hätte begegnen können, und dafür, daß ich unter dem Schatten des Höchsten und dem Schirme des Allmächtigen vor allem Unglück und vor schweren Sünden behütet geblieben bin; ich bitte dich herzlich und findlich: vergib mir alle meine Sünde, die ich diesen Tag begangen habe mit Gedanken, Um Gedeihen der Früchte. 41 Worten und Werken. Viel Böses habe ich gethan, viel Gutes habe ich versäumt. Ach sei mir gnädig, mein Gott, sei mir gnädig! Laß heute alle meine Sünden mit mir absterben, und gib, daß ich immer gottesfürchtiger, heiliger, frömmer und gerechter wieder aufstehe; daß mein Schlaf kein Sündenschlaf sei, sondern ein heiliger Schlaf; daß meine Seele und Geist immer zu dir wache, mit dir rede und handle. Soll ich nach deinem göttlichen Gefallen noch länger leben, so laß mich morgen durch deine Gnade gesund und fröhlich wieder aufwachen und dich mit freudigem Herzen loben und preisen. Wenn aber diese Nacht nach deinem unerforschlichen Rathschluß die legte sein soll, und mein Stündlein vorhanden ist, so verleihe mir einen seligen Schlaf und eine selige Ruhe in Jesu Christo, meinem Herrn. Amen. Um Gedeihen der Früchte. Herr, allmächtiger Gott, du König Himmels und der Erden, der du durch deine überschwengliche Güte den ganzen Erdboden mit allerlei Früchten zierest nnd erfüllest, davon Menschen und Thiere ihre Nahrung haben: ich bitte dich um deiner Barmherzigkeit willen, du wollest unser Land segnen, daß es seine Früchte gebe, denn wir von uns selber können nicht ein Körnlein aus der Erde hervorbringen oder demselbigen helfen, wo du nicht das Gedeihen gibst. Darum verleihe den lieben Früchten gedeihliche Witterung, daß sie wachsen und wohlgerathen, behüte sie vor Hagel und Ungewitter, vor Verheerung, vor allem Ungeziefer und Schaden, laß das Land nicht unfruchtbar bleiben und nicht wüste liegen. Schließ den Himmel nicht zu um unserer Sünden willen, daß er nicht werde wie Eisen und die Erde so hart wie Erz, sondern gib uns Früh- und Spätregen, dazu fruchtbare Zeiten, suche das Land heim, wässere es und mache es sehr reich. Herr, laß unser Getreide wohlgerathen, denn also bauest du das Land, tränke unsere Furchen und feuchte sein Gepflügtes, mit Regen mache es weich und segne seine Gewächse, kröne das Jahr mit deinem Gute, laß die Auen dicke stehen mit Korn, daß man jauchzet und singet. So laß dir auch, lieber Gott, in deinen gnädigen Schuß befohlen sein den lieben Samen und alle Früchte des ganzen Erdreichs; erhalte sie in Frost, Kälte, Eis, Schnee und Wind, Hitze und Dürre, in Regen und allem vorfallenden Wetter, daß sie nicht beschädigt werden, behüte uns vor Mißwachs, vor Theuerung, vor Hunger und Kummer. Siehe, wir bekennen unsere Sünde 42 Gebete für die häusliche Andacht: mit reuigem Herzen und rufen zu dir, unserm Gott, du wollest hören im Himmel und gnädig sein deinem Volke, uns nicht verlassen mit leiblicher Nahrung, sondern unser Leben erhalten und uns versorgen mit aller Nothdurft, auf daß wir in allen Dingen deine göttliche Kraft und milde Hand mit Danksagung erkennen und dich preisen, der du uns reichlich ernährest an Leib und Seel' hier zeitlich und dort ewiglich. Amen. Am Geburtstage. Ewiger, allgütiger und allbarmherziger Gott! ich habe heute durch deine Gnade wiederum den Tag erlebt, an welchem du mich an das Licht gebracht und durch deine Allmacht mir das Dasein geschenkt hast. Darum soll dieser Tag ein Lob, Bet- und Danktag für mich sein. Lobe den Herrn, meine Seele! und was in mir ist, seinen heiligen Namen; lobe den Herrn, meine Seele! und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat. Preiset mit mir den Herrn, und lasset uns mit einander seinen Namen erhöhen. Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Sollte ich dich nicht loben und preisen, mein Gott! daß du mich nicht allein mit gesunden Gliedern, wohlgestaltetem Leibe, welches eine große Wohlthat ist, sondern auch von christlichen Eltern hast lassen geboren werden, welche mich zu deiner Erkenntniß, o dreieiniger Gott! von Jugend auf angeleitet haben. Du hast mir unzählige Wohlthaten an Leib und Seele erwiesen, du hast mich vor manchem Unglück bewahrt, in mancher Gefahr mir beigestanden, hast mir Nahrung und Kleidung gegeben und bis diesen Tag mich gnädiglich erhalten. Ach! mein Gott! ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan hast. Dein Geist hat mich gelehret, regieret, geführet und, wenn ich fündigen wollte, mich innerlich bestraft und zurückgezogen. Gedenke ich nun heute deiner vielen und unverdienten Segnungen, so gedenke ich auch an meine vielen und schweren Sünden, die ich mein Lebtag begangen habe. Ach! verzeihe mir dieselben um Jesu Wunden willen; tilge sie mit seinem heiligen Blute, und laß mich um seinetwillen Gnade finden. Verleihe mir deine Barmherzigkeit, daß ich die noch übrigen Tage meines Lebens, welche du mir in deinem Buche angeschrieben hast, in wahrer Gottesfurcht und Frömmigkeit hinbringe, auf daß dir all' mein Thun und Lassen wohlgefallen möge. Und weil ich nicht weiß, wie viel meiner Tage auf Erden werden sollen, hingegen aber gewiß bin, daß du Beim Abendmahl. 43 mir ein Ziel geseßzet hast, welches ich nicht übergehen kann, so bewahre mich, daß ich es mir nicht abkürze durch Zorn, Unmäßigkeit, Verwegenheit und andere Sünden, sondern laß mich meine bestimmten Lebensjahre in Gesundheit, in deinem Segen, unter deinem Schuß glücklich erreichen, bis du mir für dieses irdische und vergängliche Leben das ewige und himmlische Leben geben wirst um Jesu Christi, deines lieben Sohnes willen. Amen. Beim Abendmahl. O Jesu! indem ich jetzt dein heiliges Liebesmahl empfange, so empfange ich es auch zu deinem Gedächtniß. Ich denke an deine Liebe, wie du mir zu Gut in die Welt gekommen bist, damit du mich zum Erben des ewigen Lebens machen möchtest. Ich denke an deine Marter, Pein, Blut und Wunden, wodurch meine Sünden und Strafen von mir genommen worden sind und deine Gerechtigkeit mir geschenkt worden ist. Ich gedenke an deinen Tod und an deine Auferstehung, wodurch mir Leben und Seligkeit mitgetheilt worden ist. Ich weiß, o Jesu! um deinetwillen erlange ich Gnade, die Kindschaft, den Frieden und des Himmels Freude. Ich werde nicht verloren werden, wenn ich in dir, o Jesu, bin und du in mir. Ach! so bleibe nun in meinem Herzen, wohne in meinem Herzen, lebe und regiere darin, laß mich dein Eigenthum sein in Zeit und Ewigkeit. Dein heiliger Leib speiſe mich, dein heiliges Blut tränke und erquicke mich zum ewigen Leben. Hilf, daß ich diesen Schatz nimmermehr wieder verliere, sondern daß du, mein Jesu! hinfort mit mir leben, regieren und wohnen mögest. Reinige mein Herz durch wahren Glauben, durch wahre Buße, Liebe und Demuth, damit ich dieses Seelenband würdig empfangen, und beständig zu meines Glaubens Stärkung, zu meines Lebens Heiligung und zu meiner Seligkeit Versicherung behalten möge. O werther heiliger Geist! erhalte mich in solcher Gnade bis an mein seliges Ende. Bewahre mich, daß ich nicht wieder muthwillig fündige, aus der Gnade falle, und das Lette mit mir nicht ärger werde als das Erste, sondern daß sah ich im Glauben an den dreieinigen Gott, in Liebe gegen den Nächsten und in der Frömmigkeit beharre bis an meinen Tod, damit ich des Glaubens Ende, der Seele Seligkeit davon tragen möge. Amen. Gebete für die häusliche Andacht: Nach dem Abendmahl. Allmächtiger, barmherziger Gott und Vater, der du mich nun abermal um deines Sohnes willen zu Gnaden angenommen, und deiner Huld und aller himmlischen Gnadenschäße von neuem im heiligen Abendmahl versichert hast: wie soll ich doch diese hohen Wohlthaten vergelten und mich gegen dich dankbar erzeigen? Liebster Bater, du forderst ja nichts von mir, als daß ich dich fürchte und in allen deinen Wegen wandle, daß ich dich liebe, dir von ganzem Herzen und von ganzer Seele diene, deine Gebote halte und dir anhange, auf daß es mir wohlgehe; denn es ist mir ja deutlich gesagt, was gut ist und was du, Herr, von mir forderst, nämlich dein Wort halten, Liebe üben und demüthig sein vor dir. Ja, Vater, meine Begierde wäre wohl, von Sünden zu lassen und nach deinem Willen zu leben: ich finde aber soviel Stärke und Vermögen nicht in mir. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen finde ich nicht. Darum benge ich meine Kniee vor dir und bitte demüthiglich, du wollest wir ein anderes Herz, nämlich statt des alten steinernen, ein neues fleischernes Herz und einen neuen Geist geben, und einen solchen Menschen aus mir machen, der dich erkenne, dir treulich folge, und in deinen Geboten wandle und darnach thue. Gib mir, o Herr, dein Geseß und deine Furcht in mein Herz, daß ich nicht mehr von dir abweiche, sondern deinem Wort und deiner Stimme gehorche, dir treulich und rechtschaffen diene und dir allein anhange. Hilf, daß ich den alten Menschen ablege, des Fleisches Geschäfte tödte, hingegen im Geist meines Gemüths mich erneuere und den neuen Menschen anziehe, der nach dir geschaffen in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Regiere mich, o Vater, mit deinem heiligen Geiste, daß ich mich hinfort nicht mehr verunreinige mit allerlei Sünden und Lastern und dadurch mich selbst verwerflich mache, sondern daß ich solche Greuel von deinem Angesichte wegthue, meine Hand vom Unrechten kehre und nach deinen Geboten wandle. Gib, daß ich hinfort nicht mir selbst lebe, sondern dir und deinem lieben Sohne Jesu Christo, der für mich gestorben und auferstanden ist, und jeßt wiederum mich mit seinem Fleisch und Blut zu einem neuen Leben gespeiset und getränket hat. Gib, daß ich an meinem Leib und in meinem Geist dich preise und dir diene die ganze Zeit meines Lebens in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die dir gefällig ist. Dazu verleih mir deine göttliche Gnade und Kraft um Jesu Christi willen. Amen. 44 45 Gebet der Eltern für ihre Kinder. Gebet der Eltern für ihre Kinder. Herr, allmächtiger Gott, du Vater der Barmherzigkeit! du hast unter anderen Gnadengaben mir auch Kinder gegeben, wofür ich dich herzlich lobe und dir danke, welche ich aber als theure Pfänder betrachte, die du mir vertraut hast, und welche du von meiner Hand wieder fordern wirst; ich sehe sie als Seelen an, die Jesus mit seinem theuern Blute erkauft, die der heilige Geist in der heiligen Taufe geheiligt hat, und welche du zu deinen Kindern angenommen hast, darum bin ich bekümmert, daß ich ja keines durch meine Schuld verlieren möge. Du sagst zu mir und allen Eltern: nimm dieses Kind in Acht; wo man sein missen wird, da soll deine Seele anstatt seiner Seele sein. Darum, o Vater aller Gnade! komme ich zu dir, und trage in meinem herzlichen Gebete meine Kinder dir vor; ich will thun, was ich kann, ich will sie zu deinen Ehren erziehen, sie ermahnen, strafen unterrichten, und für sie beten; aber ach, Herr, Herr! thue du das Beste. Segne meine Kinder, begleite sie, wenn sie aus- und eingehen; erhalte sie in deiner heiligen Furcht, daß sie ihr Gewissen nimmermehr mit Sünden beladen, dich nie beleidigen, oder gar aus deiner Gnade fallen mögen. Behüte sie vor Verführung und böser Gesellschaft; erinnere sie allezeit durch deinen heiligen Geist an deine allerheiligste Gegenwart, damit sie gedenken, du seiest bei ihnen zu Hause, in der Fremde, in der Kammer, bei Tag, bei Nacht, in der Gesellschaft und in der Einsamkeit. Sollte es dir aber gefallen, mir in meinen Kindern ein Kreuz aufzulegen, entweder durch ihre Krankheit oder ihr Dahinscheiden, oder ein Unglück, das ich an ihnen sehen muß- so verleihe mir in solchem Leiden Geduld, damit ich gedenke, daß ohne dich nichts geschehe, und daß die Kinder eher dein gewesen seien, bevor sie mein geworden sind, und daß du auch freie Macht habest, sie wieder zu dir zu nehmen. Willst du aber mich durch meiner Kinder Leiden, Unglück und Tod zu dir ziehen, daß ich auch an ihnen die Vergänglichkeit der sichtbaren Gaben erkennen, und dadurch aufgemuntert werden soll, dich allein als das wahre und vollkommenste Gut zu lieben: so erhalte mich auf diesem Dornenwege in festem Vertrauen und Hoffnung auf deine Allmacht, daß du Alles, auch meiner Kinder Leiden, enden und wenden könnest. Ertheile ihnen auch im Leiblichen deinen Segen; versorge sie; pflege ihrer; gib ihnen Nahrung und Kleidung, und thue wie ein mächtiger himmlischer Vater an ihnen. Sei ihr 46 Gebete für die häusliche Andacht: Helfer in Gefahren und Unglück, ihr Arzt in Krankheit und ihr Rathgeber, wenn sie guten Raths bedürftig sind. Gib meinen Kindern ein frommes Herz und hilf, daß sie immer dich und deine heiligen Gebote vor Augen haben und in keine Sünde willigen. Ach Gott! Erhöre mein Gebet; und gedenke, es sind ja nicht nur meine, sondern auch deine Kinder, darum wollest du auch mein Seufzen für sie vor dem Throne deiner Gnade erhören. Bewahre mich, o Gott! daß ich keine Schande an meinen Kindern haben möge, weder bei meinen Lebzeiten, noch nach meinem Tode. Laß mich am jüngsten Tage mit allen meinen Kindern zu deiner Rechten stehen, und zu deinem Preise sagen: Siehe, hier bin ich, mein Gott, und die Kinder, die du mir gegeben hast; ich habe deren keines verloren. Ja, mein Gott, verleihe mir Gnade, daß keines meiner Kinder verloren gehe, sondern daß sie alle mit mir und ich mit ihnen zu deiner Herrlichkeit eingehen mögen. Amen. Danksagung für die Gesundheit. Gnädiger und barmherziger Gott; wie groß ist deine Liebe und Güte, die du an mir erweisest, indem du mich nicht allein in deinem Schuß und in deiner Gnade erhältst, sondern auch ein Jahr nach dem andern in guter Gesundheit vollenden und wieder anfangen lässest. Nun, mein Gott! ich erkenne, daß mir dieses eine der guten Gaben ist, welche von dir, o Vater des Lichts, von oben herab kommen. Herr, Herr! wer bin ich, daß du mir solche Barmherzigkeit widerfahren lässest? Sehe ich doch täglich vor meinen Augen Menschen, die kränklich, elend und schwach sind; höre ich doch viele klagen, daß sie in großen Schmerzen und in langwieriger Krankheit auf dem Krankenbette ihr Leben hinbringen müssen, welche vielleicht viel gottesfürchtiger und frömmer sind als ich, und viel andächtiger beten als ich; mir aber gibst du gute Gesundheit, Kraft und Stärke. Ach Herr! ich bin allzu gering deiner Barmherzigkeit, die du bisher an mir gethan hast, und noch thust. Bewahre mich, o lieber Gott, daß ich diese edle Gabe der Gesundheit nicht zur Ueppigkeit, Wollust, Hoffart und zur Frechheit mißbrauche, sondern gib mir wohl zu erkennen, daß du mich dadurch zur Dankbarkeit und Frömmigkeit ermuntern wollest. Hilf, daß ich in Zukunft und in der ganzen Zeit meines Lebens meine Gesundheit zu deinem Lob und zu deinen Ehren, zum Nußen meines Nächsten und zu Vollbringung der Geschäfte meines Berufs anwenden möge. Erhalte mir Gebet in Krankheit. nach deinem heiligen Rath und Willen meine Gesundheit und meine unverletzten Glieder, damit ich ungehindert und eifrig dein Haus besuchen, und in deinem Tempel Lobund Danklieder anstimmen kann. Gib mir deinen heiligen Geist, daß ich meine gesunden Glieder und Kräfte zu deinem Dienst, und meinen gesunden Verstand zum Wachsthum in deiner Erkenntniß heilige und verwende. O mein Gott! gib mir Kraft und Stärke, an dem inwendigen Menschen zuzunehmen, damit ich gesund im Glauben, aufrichtig in der Liebe gegen dich und den Nächsten, andächtig im Gebete, christlich im Leben, geduldig in Trübsal, fröhlich in der Hoffnung und getrost im Tode sei. Ach! heilige mich, segne mich, und dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Amen. 47 In Krankheit. Ach, mein Herr und mein Gott! du siehst, wie mich Schmerz und Leid umgeben hat, und wie meine Plage alle Morgen neu da ist; meine Krankheit weicht nicht und ich weiß nicht, ob dieses Lager vielleicht mein letztes Lager sein soll. Dieses nun stelle ich in deinen heiligen Willen; ich will leben und sterben, wenn es dir gefällt. Meine Tage sind eine Hand breit vor dir. Meine Jahre stehen in deinen Händen; du hast mir ein Ziel gesetzt, das werde ich nicht übergehen. Du hast auf dein Buch geschrieben, wie viel meiner Lebenstage werden sollen, als ihrer noch keiner da war; jedoch laß ich deswegen den Muth nicht sinken, sondern ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hülfe fommt; meine Hülfe kommt vom Herrn. Ich weiß, daß du ein allmächtiger Gott bist, daß Leben und Tod in deiner Hand stehen, aber daß du durch deine Allmacht auch Todte erwecken, die allergefährlichsten Kranken wieder gesund machen, und das größte Elend und Leiden lindern und aufheben kannst. Ach ja, des Herrn Hand ist nicht verkürzt, der Helfer in Israel tann allen Jammer wenden, ja er kann überschwänglich thun über Alles, was wir bitten und verstehen. Er kann alle erretten, die zu ihm treten, deswegen schaue ich auf diesem meinem Lager nicht um mich auf schwache Menschen; nicht auf mich, denn ich bin krank und elend: sondern über mich, zu dir, meinem Gott und Herrn. Ich spreche auch jetzt mit dem gläubigen Hauptmann im Evangelio: Herr, sprich nur ein Wort, so wird dein Knecht gesund, ja, sprich ein Wort, so werde ich leben; ich werde von allen meinen Leiden befreit werden. 48 Gebete für die häusliche Andacht. Ich weiß, bei dir ist kein Ding unmöglich. Ach Herr! siehe mich in Gnaden an, erbarme dich meiner, verziehe nicht mit deiner Hülfe, jedoch also, wie es dir wohlgefällt; ich weiß, du fannst es nach deiner Allmacht thun, und du wirst es auch nach deiner Güte thun, wenn es meiner Seele nüßlich ist. Jndessen bete ich zu dir im Glauben: Auf meinen lieben Gott trau ich in Angst und Noth, Er kann mich all'zeit retten aus Trübsal, Angst und Nöthen. Mein Unglück fann er wenden, es steht in seinen Händen. Amen. Allmächtiger Gott, himmlischer Vater, weil du uns geboten hast und gesprochen: ,, Rufe mich an in der Noth, so will ich dich erhören und du sollst mich preisen," deswegen rufe ich zu dir in dieser meiner großen Noth, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, und bitte dich, du wollest mich armen, fündigen Menschen nicht verlassen. So nun diese meine Krankheit nicht zum Tode ist, so hilf mir auf, daß ich genese um deiner Barmherzigkeit willen, auf daß ich deine Macht und Kraft an mir verkündige und preise. Wo es mir aber nüglicher ist zeitlich zu sterben, denn allhier in diesem Jammerthal und elenden Leben zu bleiben, so geschehe, Herr, dein göttlicher Wille, wie im Himmel also auch auf Erden. Verleihe mir nur Gnade, daß ich mich in deinen Willen, der allezeit der beste ist, gänzlich ergebe. Erhalte mich fest im christlichen Glauben und wahrer Erkenntniß bis an mein Ende. Laß mich von dir nimmermehr abgeschieden werden, sondern nimm meine Seele zu dir in dein Reich, durch deinen lieben Sohn Jesum Christum, unsern Herrn. Amen. Episteln und Evangelien auf alle Sonn- und Festtage des ganzen Jahres. Als Anhang: die Passions- Geschichte. Rudolstadt. Buchhandlung der F. priv. Hofbuchdruckerei. 1877. Episte I am 1. Sonntage des Advents. Röm. 13, V. 11-14, Qieben Brüder, weil wir solches wissen, nämlich die Zeit, daß die Stunde da ist, aufzustehn vom Schlaf, fintemal unser Heil iht näher ist, denn da wir's glaubten. Die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbei kommen: So lasset uns ablegen die Werke der Finsterniß, und anlegen die Waffen des Lichts. Lasset uns ehrbarlich wandeln, als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid; sondern ziehet an den Herrn Jesum Christ, und wartet des Leibes, doch so, daß er nicht geil werde. Evangelium Matth. 21, V. 1-9. Da a sie nun nahe bei Jerusalem tamen gen Bethphage an den Delberg, sandte Jesus seiner Jünger zween, und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch lieget und bald werdet ihr eine Eselin finden angebunden und ein Füllen bei ihr, löset sie auf und führet sie zu mir. Und so euch jemand etwas wird sagen, so sprecht: Der Herr bedarf ihr, so bald wird er fie euch lassen. Das geschah aber alles, auf daß erfüllet würde, das gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmüthig, und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin. Die Jünger gingen hin und thaten wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen, und legten ihre Kleider drauf, und saßzten ihn darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg, die andern hieben Zweige von den Bäumen und streueten sie auf den Weg. Das Volk aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohne David, gelobet ſei, der da kommt im Namen des Herrn, Hosianna in der Höhe! Epistel am 2. Sonnt. des Advents, Röm. 15, 4-13. Mas aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben. Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, daß ihr einerlei gesinnet seid unter einander, nach Jesu Christ. Auf daß ihr einmüthiglich mit einem Munde lobet Gott und den Vater unsers Herrn Jesu Christi. Darum nehmet euch unter einander auf, gleichwie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe. Ich sage aber, daß Jesus Christus sei ein Diener gewesen der Beschneidung um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen. Daß die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht: Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinen Namen fingen. Und abermal spricht er: Freuet euch, ihr Heiden, mit seinem Volk. Und abermal: Lobet den Herrn alle Heiden und preiset ihn alle Völker. Und abermal spricht Esaias: Es wird sein die Wurzel Jeffe, und der auferstehen wird zu herrschen über die Heiden, auf den werden die Heiden hoffen. Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Friede im Glauben, daß ihr völlige Hoffnung habt durch die Kraft des heiligen Geistes. 1* Episteln und Evangelien. Evangelium, Lucas 21, V. 25-36. De er Herr Jesus sprach zu seinen Jüngern. Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne, Mond und Sternen. Und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen, und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die da kommen sollen auf Erden, denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wann aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf und hebet eure Häupter auf, darum, daß sich eure Erlösung nahet. Und er sagte ihnen ein Gleichniß: Sehet an den Feigenbaum und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihr es an ihnen, und merket, daß jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies Alles sehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß es alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, daß eure Herzen nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch: Denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, daß ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. 4 Epistel am 3. Sonntage des Advents, 1 Cor. 4, V. 1-5. afür halte uns jedermann, nämlich für Christi Diener, und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun suchet man nicht mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden. Mir aber ist es ein Geringes, daß ich von euch gerichtet werde, oder von einem menschlichen Tage; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir wohl nichts bewußt, aber darinnen bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr ist es aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rath der Herzen offenbaren; alsdann wird einem jeglichen von Gott Lob widerfahren. Evangelium, Matth. 11, V. 2-10. Da ja aber Johannes im Gefängnisse die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zween, und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortet: und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johanni wieder, was ihr sehet und höret: Die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussäßigen werden rein, und die Tauben hören, die Todten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volke von Johanne: Was seid ihr hinaus gegangen in die Wüste zu sehen? Wollet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her wehet? Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wollet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Wollet ihr einen Propheten sehen? Ja ich sage euch, der auch mehr Episteln und Evangelien. ist, denn ein Prophet. Denn dieser ist es, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten ſoll. 5 Epistel am 4. Sonnt. des Advents, Phil. 4, V. 4-7. reuet euch in dem Herrn allewege, und abermal sage ich: Freuet euch, Euere Lindigkeit lasset kund sein allen Menschen. Der Herr ist nahe. Sorget nichts, sondern in allen Dingen lasſet euere Bitte im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist, denn alle Vernunft, bewahre euere Herzen und Sinne in Christo Jesu. Evangelium, Joh. 1, v. 19-28. Un nd dies ist das Zeugniß Johannis, da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten: Wer bist du? Und er bekannte und leugnete nicht; und er bekannte: Ich bin nicht Christus. Und sie fragten ihn: Was denn? Bist du Elias? Er sprach: Ich bin's nicht. Bist du ein Prophet? Und er antwortete: Nein. Da sprachen sie zu ihm: Was bist du denn? Daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst? Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste. Richtet den Weg des Herrn, wie der Prophet Esaias geſagt hat. Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern, und fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufest du denn, so du nicht Christus bist, noch Elias, noch ein Prophet? Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser, aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet: Der ist's, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, deß ich nicht werth bin, daß ich seine Schuhriemen auflöse. Dieß geschah zu Bethabara, jenseit des Jordans, da Johannes taufte. Epistel zur heil. Christ- Nacht, Ef. 9, V. 2-7. as Volk, so im Finstern wandelt, siehet ein großes Licht, und über die, die da wohnen im finstern Lande, scheint es helle. Du machest der Heiden viel, damit machest du der Freuden nicht viel. Vor dir aber wird man sich freuen, wie man sich freuet in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austheilet. Denn du hast das Joch ihrer Last, und die Ruthe ihrer Schulter, und den Stecken ihres Treibers zerbrochen, wie zur Zeit Midian. Denn aller Krieg mit Ungestüm, und blutig Kleid wird verbrannt und mit Feuer verzehret werden. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, welches Herrschaft ist auf seiner Schulter, und er heißt wunderbar Rath, Kraft, Held, ewig Vater, Friedefürst, auf daß seine Herrschaft groß werde, und des Friedens kein Ende, auf dem Stuhle David und seinem Königreiche, daß er es zurichte und stärke mit Gerechtigkeit, von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird thun der Eifer des Herrn Zebaoth. Epistel am heil. Christtage, Tit. 2, V. 11-14. Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen; und züchtiget uns, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen, und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottfelig leben in dieser Welt, und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Episteln und Evangelien. Heilandes Jesu Christi, der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlöfete von aller Ungerechtigkeit, und reinigte ihm selbst ein Volk zum Eigenthume, das fleißig wäre zu guten Werken. Evangelium, Lucas 2, V. 1-14. 6 C. s begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot vom Kaiser Augusto ausging, daß alle Welt geschäzzet würde. Und dieſe Schäzung war die allererste; und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land, zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum, daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn, und wickelte ihn in Windeln, und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Heerde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volke widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen, ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend. Und alsobald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerschaaren, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! Epistel am 2. Weihnachtsfeiertage, am Tage St. Stephani, Ap. Gesch. 6, V. 8-15 und 7, V. 55-59. tephanus aber, voll Glaubens und Kräfte, that Wunder und große Zeichen unter dem Volke. Da standen etliche auf von der Schule, die da heißt der Libertiner, und der Cyrener, und der Alexanderer, und derer, die aus Cilicia und Asia waren, und befragten sich mit Stephano. Und sie vermochten nicht zu widerstehen der Weisheit, und dem Geiste, aus welchem er redete. Da richteten sie zu etliche Männer, die sprachen: Wir haben ihn gehöret 2ästerworte reden wider Mosen und wider Gott. Und be wegten das Volk, und die Aeltesten, und die Schriftgelehrten; und traten hinzu, und rissen ihn hin, und führten ihn vor den Rath; und stelleten falsche Zeugen dar, die sprachen: Dieser Mensch höret nicht auf, zu reden Lästerworte wider diese heilige Stätte, und das Geset. Denn wir haben ihn hören sagen: Jesus von Nazareth wird diese Stätte zerstören, und ändern die Sitten, die uns Moses gegeben hat. Und sie sahen auf ihn alle, die im Rathe saßen, und sahen sein Angesicht, wie eines Engels Angesicht. Als er aber voll heiligen Geistes war, sah er auf gen Himmel, und fah die Herrlichkeit Gottes, und Jesum stehen zur Rechten Gottes, und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen, und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Sie schrieen aber laut, und hielten ihre Ohren zu, und stürmeten einmüthiglich zu ihm ein, stießen ihn Episteln und Evangelien. 7 zur Stadt hinaus, und steinigten ihn. Und die Zeugen legten ab ihre Kleider zu den Füßen eines Jünglings, der hieß Saulus. Und stetnigten Stephanum, der anrief und sprach: Herr Jesu, nimm meinen Geist auf! Er fniete aber nieder, und schrie laut: Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht! Und als er das gesagt, entschlief er. Evangelium, Matth. 23, V. 34-39. D er Herr Jesus sprach: Darum siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise, und Schriftgelehrte; und dieselben werdet ihr etliche tödten und freuzigen, und etliche werdet ihr geißeln in eueren Schulen, und werdet sie verfolgen von einer Stadt zu der andern; auf daß über euch komme alles das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blute an des gerechten Abels, bis aufs Blut Zacharias, Barachiä Sohn, welchen ihr getödtet habt zwischen dem Tempel und Altare. Wahrlich, ich sage euch, daß solches alles wird über dieß Geschlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem, die du tödtest die Propheten, und steinigest, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt! Siehe, euer Haus soll euch wüste gelassen werden. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprechet: Gelobet sei, der da kömmt im Namen des Herrn! Ein anderes Evangelium, Luc. 2, V. 15-20. nd da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die uns nun und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kund gethan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Mariam und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegend. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es fam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte, und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehreten wieder um, priesen und lobten Gott um Alles, das sie gehöret und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. Epistel am Sonntage nach dem Christtage, Gal. 4, V. 1-7. ieben Brüder, ich sage aber, so lange der Erbe ein Kind ist, so ist unter ihm und einem Knechte kein Unterschied, ob er wohl ein Herr ist aller Güter; sondern er ist unter den Vormündern und Pflegern bis auf die bestimmte Zeit vom Vater. Also auch wir, da wir Kinder waren, waren wir gefangen unter den äußerlichen Satzungen. Da aber die Zeit erfüllek ward, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe, und unter das Gesetz gethan, auf daß er die, so unter dem Gesetze waren, erlösete, daß wir die Knechtschaft empfingen. Weil ihr denn Kinder seid, hat Gott gefandt den Geist seines Sohnes in euere Herzen, der da schreit: Abba, lieber Vater! Also ist nun hier kein Knecht mehr, sondern eitel Kinder. Sind es aber Kinder, so sind es auch Erben Gottes durch Christum. Evangelium, Lucas 2, V. 33-40. Und nd sein Vater und Mutter wunderten sich deß, das von ihm geredet ward, und Simon segnete sie und sprach zu Maria, 8 Episteln und Evangelien. seiner Mutter: Siehe, dieser wird gesetzt zu einem Falle und Auferstehen vieler in Israel, und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird.( Und es wird ein Schwert durch deine Seele dringen) auf daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden. Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuel, vom Geschlechte Asers, die war wohl betaget, und hatte gelebet sieben Jahre mit ihrem Manne, nach ihrer Jungfrauschaft, und war nun eine Wittwe bei vier und achtzig Jahren, die kam nimmer vom Tempel, dienete Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Dieselbige trat auch hinzu zu derselbigen Stunde, und pries den Herrn und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung zu Jerusalem warteten. Und da sie es alles vollendet hatten nach dem Gesetze des Herrn, fehrten sie wieder in Galiläam zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Kind wuchs und ward stark im Geiste, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm. Epistel am Neujahr- Tage, Gal. 3, V. 23-29. he denn aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gefeße offenbaret werden. Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christum, daß wir durch den Glauben gerecht würden. Nun aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. Denn ihr seid alle Gotteskinder durch den Glauben an Christo Jesu. Denn wie viel euer getauft sind, die haben Christum angezogen. Hier ist kein Jude noch Grieche, hier ist kein Knecht noch Freier, hier ist kein Mann noch Weib, denn ihr seid allzumal Einer in Christo Jesu. Seid ihr aber Christi, so ſeid ihr ja Abrahams Samen und nach der Verheißung Erben. Evangelium, Luc. 2, V. 21. nd da acht Tage um waren, daß das Kind beschnitten würde, von dem Engel, ehe denn er im Mutterleibe empfangen ward. Epistel am Sonnt. nach dem Neuen Jahre, Tit. 2, V. 11-14. Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen; und züchtiget uns, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen, und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt, und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes unseres Heilandes Jesu Christi; der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlösete von aller Ungerechtigkeit, und reinigte ihm selbst ein Volk zum Eigenthum, das fleißig wäre zu guten Werken. Von der Flucht Christi in Aegypten. Eine andere Epistel aus Tit. 3, V. 4-7. Da a aber erschien die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, unseres Heilandes, nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir gethan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit macht er uns selig, durch das Bad der Wiedergeburt und Er neuerung des heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum, unseren Heiland: Auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seien des ewigen Lebens nach der Hoffnung. Das ist gewißlich wahr. 9 Episteln und Evangelien. Evangelium, Matth. 2, v. 13-15. a die Weisen hinweg gezogen waren, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traume und sprach: Stehe auf und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir, und fliehe in Aegyptenland, und bleibe allda, bis ich dir sage; denn es ist vorhanden, daß Herodes das Kindlein suche, dasselbe umzubringen. Und er stand auf, und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich, bei der Nacht, und entwich in Aegyptenland, und blieb allda bis nach dem Tode Herodes, auf daß erfüllet würde, das der Herr durch den Propheten geſagt hat, der da spricht: Aus Aegypten habe ich meinen Sohn gerufen. Von der Taufe Christi auf diesen Sonntag. Eine andere Epistel, 1. Petri am 3., V. 20-22. n der Arche Noä wurden wenig, das ist, acht Seelen behalten durchs Wasser, welches nun auch uns selig macht in der Taufe, die durch jenes bedeutet ist. Nicht das Abthun des Unflaths am Fleische, sondern der Bund eines guten Gewissens mit Gott, durch die Auferstehung Jesu Christi, welcher ist zu der Rechten Gottes in den Himmel gefahren, und sind ihm unterthan die Engel und die Gewaltigen und die Kräfte. Evangelium von der Taufe Christi, Matth. 3, V. 13-17. u der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johanni, 3 ihm, und sprach: ich bedarf wohl, daß ich von dir getaufet werde, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß jetzt also sein; also gebühret es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er es ihm zu. Und da Jesus getaufet war, stieg er bald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da that sich der Himmel auf über ihm. Und Johannes sah den Geist Gottes gleich als eine Taube herabfahren, und über ihn kommen. Und fiehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe. Epistel am Tage der heil. drei Könige, Ef. 60, V. 1-6. Mache dich auf, werde Licht, denn dein Licht kömmt, und die Herrlichkeit des Herrn gehet auf über dir. Denn siehe, Finsterniß bedecket das Erdreich, und Dunkel die Völker: Aber über dir gehet auf der Herr und seine Herrlichkeit erscheinet über dir. Und die Heiden werden in deinem Lichte wandeln; und die Könige im Glanze, der über dir aufgehet. Hebe deine Augen auf, und siehe umher, diese alle versammelt kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen, und deine Töchter zur Seite erzogen werden. Denn wirst du deine Last sehen, und ausbrechen, und dein Herz wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich die Menge am Meere zu dir bekehret, und die Macht der Heiden zu dir kommt. Denn die Menge der Kameele wird dich bedecken, die Läufer aus Midian und Epha. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen, und des Herrn Lob verkündigen. Evangelium, Matth. 2, V. 1-12. Da a Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenlande gen Jerusalem, und sprachen: Wo ist der neu Episteln und Evangelien. geborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande, und sind kommen, ihn anzubeten. Da das der König Herodes hörete, erschrak er und mit ihm das ganze Jerusalem. Und ließ versammeln alle Hohenpriester und Schrift gelehrten unter dem Volke, und er forschete von ihnen, wo Christus sollte geboren werden. Und sie sagten ihm: zu Bethlehem im jüdischen Lande. Denn also stehet geschrieben durch den Propheten: Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist mit nichten die Kleinste unter den Fürsten Juda, denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sei. Da berief Herodes die Weisen heimlich, und erlernte mit Fleiß von ihnen, wenn der Stern erschienen wäre. Und wies sie gen Bethlehem und sprach: Ziehet hin und forschet fleißig nach dem Kindlein, und wenn ihr's findet, so saget es mir wieder, daß ich auch komme, und es anbete. Als sie nun den König gehöret hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis da er kam und stund oben über, da das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreuet, und gingen in das Haus, und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder, und beteten es an, und thaten ihre Schäße auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen. Und Gott befahl ihnen im Traume, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken, und sie zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Land. 10 Epistel am 1. Sonntage nach den heil. drei Königen, oder Epiphaniä, Röm. 12, V. 1-6. ch ermahne euch, lieben Brüder, durch die Barmherzigkeit lebendig, heilig, und Gott wohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Verneuerung eueres Sinnes, auf daß ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gottes Wille. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedermann unter euch, daß niemand weiter von ihm halte, denn sich gebühret zu halten, sondern, daß er von ihm mäßiglich halte, ein jeglicher, nachdem Gott ausgetheilet hat das Maß des Glaubens. Denn gleicher Weise, als wir in einem Leibe viele Glieder haben, aber alle Glieder nicht einerlei Geschäfte haben: Also sind wir viele ein Leib in Christo, aber unter einander ist einer des anderen Glied, und haben mancherlei Gaben, nach der Gnade, die uns gegeben iſt. Evangelium, Luc. 2, V. 41-52. 11nd nd seine Eltern gingen alle Jahre gen Jerusalem auf das Osterfest. Und da er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf gen Jerusalem, nach Gewohnheit des Festes. Und da die Tage vollendet waren, und sie wieder zu Hause gingen, blieb das Kind Jesu zu Jerusalem, und seine Eltern wußten es nicht. Sie meineten aber, er wäre unter den Gefährten. Und kamen eine Tagereise, und suchten ihn unter den Gefreundten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wiederum gen Jerusalem, und suchten ihn. Und es begab sich nach dreien Tagen, fanden sie ihn im Tempel sißen mitten unter den Lehrern, daß er ihnen Episteln und Evangelien. zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhöreten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antwort. Und da sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das gethan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Was ist es, daß ihr mich gesucht habt? Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, was meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er mit ihnen redete. Und er ging mit ihnen hinab, und kam gen Nazareth, und war ihnen unterthan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. 11 Epistel am 2. Sonnt. n. d. heil. 3 Königen, Röm. 12, 7-16. ieben Brüder! Hat Jemand Weissagung, so sei sie dem Glauben ähnlich. Hat Jemand ein Amt, so warte er des Amtes. Lehret jemand, so warte er der Lehre. Ermahnet jemand, so warte er des Ermahnens. Gibt jemand, so gebe er einfältiglich. Regieret jemand, so sei er sorgfältig. Uebet Jemand Barmherzigkeit, so thue er es mit Lust. Die Liebe sei nicht falsch. Hasset das Arge, hänget dem Guten an. Die brüderliche Liebe unter einander sei herzlich. Einer komme dem Andern mit Ehrerbietung zuvor. Seid nicht trage, was ihr thun sollt. Seid brünstig im Geiste. Schicket euch in die Zeit. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübfal. Haltet an am Gebet. Nehmet euch der heiligen Nothdurft an. Herberget gern. Segnet, die euch verfolgen. Segnet, und fluchet nicht. Freuet euch mit den Fröhlichen, und weinet mit den Weinenden. Habt einerlei Sinn unter einander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den Niedrigen. Evangelium, Joh. 2, V. 1-11. nd am dritten Tage war eine Hochzeit zu Cana in Galiläa, war und wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es am Weine gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht Wein. Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch saget, das thut. Es waren aber alda sechs steinerne Wasserkrüge gesett, nach der Weise der jüdischen Reinigung; und gingen je in einen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie fülleten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun, und bringet es dem Speisemeister; und sie brachten es. Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht von wannen er kam,( die Diener aber wußten es, die das Wasser geschöpft hatten), rufet der Speiſemeister den Bräutigam, und spricht zu ihm: Jedermann gibt zum ersten guten Wein, und wenn sie trunken worden sind, alsdann den geringeren; du hast den guten Wein bisher behalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus that, geschehen zu Cana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubeten an ihn. Epistel am 3. Sonnt. n. d. heil. 3 Königen, Röm. 12, V. 17-21. Halte altet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemand Böses mit Bösem, fleißiget euch der Ehrbarkeit gegen jedermann. Ist's 12 Episteln und Evangelien. möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen Menschen Friede. Rächet euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorne Gottes, denn es stehet geschrieben: Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr. So nun dein Feind hungert, so speiſe ihn; dürftet ihn, so tränke ihn. Wenn du das thust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Laß dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Evangelium, Matth. 8, V. 1-13. Da a Jesus vom Berge herab ging, folgete ihm viel Volk nach. Und siehe, ein Aussäßiger kam und betete ihn an und sprach: Herr, so du willst, kannst du mich wohl reinigen. Und Jesus streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach: Ich will's thun, fei gereiniget! Und alsbald ward er von seinem Aussage rein. Und Jesus sprach zu ihm: Siehe zu, sage es niemand, sondern gehe hin und zeige dich den Priestern, und opfere die Gabe, die Moses befohlen hat, zu einem Zeugniß über ste. Da aber Jesus einging zu Capernaum, trat ein Hauptmann zu ihm, der bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gichtbrüchig, und hat große Qual. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht werth, daß du unter mein Dach gehest, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn ich bin ein Mensch, dazu der Obrigkeit unterthan, und habe unter mir Kriegsknechte; noch wenn ich sage zu einem: Gehe hin, so gehet er; und zum andern: Komme her, so kommt er; und zu meinem Knechte: Thue das, so thut er's. Da das Jesus hörete, verwunderte er sich, und sprach zu denen, die ihm nachfolgeten: Wahrlich, ich sage euch, solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden. Aber ich sage euch, Viele werden kommen vom Morgen und vom Abend, und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreiche siben. Aber die Kinder des Reiches werden ausgestoßen in die äußerste Finsterniß hinaus, da wird sein Heulen und Zähneklappern. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Gehe hin, dir geschehe, wie du geglaubet hast. Und sein Knecht ward gesund zu derselbigen Stunde. Epistel am 4. Sonntage n. d. heil. 3 Königen, Röm. 13, V. 8-10. eid niemandem etwas schuldig, denn daß ihr euch unter einander liebet. Denn wer den andern liebet, der hat das Geſetz erfüllet. Denn das da gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht tödten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugniß geben; dich soll nichts gelüsten. Und so ein ander Gebot mehr ist, das wird in diesem Worte verfasset: Du sollst deinen Nächsten lieben, als dich selbst. Die Liebe thut dem Nächſten Nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. Evangelium, Matth. 8, V. 23- 27. nd trat und Und siehe, da erhob sich ein groß Ungestüm im Meere, also daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward, und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm, und weckten ihn auf, und sprachen: Herr, hilf uns, wir verderben. Da sagte er zu ihnen: Ihr Klein Episteln und Evangelien. 13 gläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Und er stand auf, und bedrohte den Wind und das Meer, da ward es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich, und sprachen: Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam iſt? Epistel am 5. Sonnt. n. d. heil. 3 Königen, Col. 3, V. 12-17. Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demuth, Sanftmuth und Geduld. Und vertrage einer den anderen; und vergebet euch unter einander, so jemand Klage hat wider den anderen; gleich wie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. Uleber alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Gottes regiere in eueren Herzen, zu welchem ihr auch berufen seid in einem Leibe, und seid dankbar. Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit; lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen, und geistlichen, lieblichen Liedern, und singet dem Herrn in eueren Herzen. Und alles, was ihr thut mit Worten oder mit Werken, das thut alles in dem Namen des Herrn Jeſu, und danket Gott und dem Vater durch ihn. Evangelium, Matth. 13, V. 24 30. Der er Herr Jesus legte ihnen ein anderes Gleichniß vor, und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säete. Da aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säete Unkraut zwischen den Weizen, und ging davon. Da nun das Kraut wuchs, und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gefäet? woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: das hat der Feind gethan. Da sprachen die Knechte: Willst du denn, daß wir hingehen und es ausjäten? Er sprach: Nein, auf daß ihr nicht zugleich den Weizen mit ausraufet, so ihr das Un= kraut ausjätet. Lasset beides mit einander wachsen bis zu der Ernte, und um der Ernte Zeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammlet zuvor das Unkraut, und bindet es in Bündlein, daß man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheuren. Epistel am 6. Sonnt. n. d. heil. 3 Königen, 2. Petr.1, 3.16-21. Lieben ieben Brüder, wir haben nicht den klugen Fabeln gefolget, da wir euch kund gethan haben die Kraft und Zukunft unseres Herrn Jesu Christi; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen, da er empfing von Gott dem Vater Ehre und Preis, durch eine Stimme, die zu ihm geschah von der großen Herrlichfeit dermaßen: Dieß ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehöret vom Himmel gebracht, da wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. Wir haben ein festes prophetisches Wort und ihr thut wohl, daß ihr darauf achtet, als auf ein Licht, das da scheinet in einem dunkeln Ort, bis der Tag anbreche, und der Morgenstern aufgehe in eueren Herzen. Und das sollt ihr für das Erfte wissen, daß keine Weissagung in der Schrift geschieht aus eigener Auslegung. 14 Episteln und Evangelien. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen, hervorgebracht; sondern die heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem heiligen Geiste. Evangelium, Matth. 17, V. 1-9. Uns nd nach sechs Tagen nahm Jesus zu sich Petrum, und Jacobum und Johannem, seinen Bruder, und führete sie beiseits auf einen hohen Berg, und ward verkläret vor ihnen. Und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß als ein Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Moses und Elias, die redeten mit ihm. Petrus aber antwortete und sprach zu Jeſu: Herr, hier ist gut sein; willst du, so wollen wir drei Hütten machen, dir eine, Moses eine, und Elias eine. Da er noch also redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören. Da das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht, und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührete sie an, und sprach: Stehet auf und fürchtet euch nicht. Da sie aber ihre Augen aufhuben, sahen sie niemand, denn Jesum allein. Und da sie vom Berge herab gingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt dieß Gesicht niemand sagen, bis des Menschen Sohn von den Todten auferstanden ist. Epistel am Sonntage Septuagesimä, 1. Cor. 9, V. 24-27, und 10, V. 1-5. misset ihr nicht, daß die, so in den Schranken laufen, die laufen alle, aber einer erlanget das Kleinod; Laufet nun also, daß ihr es ergreifet. Ein jeglicher aber, der da kämpfet, enthält sich alles Dinges, jene also, daß sie eine vergängliche Krone empfangen, wir aber eine unvergängliche. Ich laufe, aber also, nicht als auf's Ungewisse; ich fechte also, nicht als der, der in der Luft streichet, sondern ich betäube meinen Leib und zähme ihn, daß ich nicht den anderen predige und selbst verwerflich werde. Ich will euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten, daß unsere Väter sind alle unter der Wolke gewesen, und sind alle durchs Meer gegangen, und sind alle unter Mofen getauft mit der Wolke, und mit dem Meere, und haben alle einerlei geistliche Speisen gegessen, und haben alle einerlei geistlichen Tranf getrunken. Sie tranken aber von dem geistlichen Fels, der mir folgete, welcher war Christus. Aber an ihrer vielen hatte Gott keinen Wohlgefallen, denn sie sind niedergeschlagen in der Wüsten. Evangelium, Matth. 20, V. 1-16. er Herr Jesus sprach: das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu miethen in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Tagelohne, fandte er sie in seinen Weinberg. Und ging aus um die dritte Stunde, und sah andere an dem Markte müßig stehen, und sprach zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg, ich will euch geben, mas recht ist; und sie gingen hin. Abermal ging er aus um die sechste und neunte Stunde, und that gleich also. Um die eilfte Stunde aber ging er aus, Episteln und Evangelien. 15 und fand andere müßig stehn, und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hier den ganzen Tag müßig? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand gedinget. Er sprach zu ihnen: Gehet auch ihr hin in den Weinberg, und was recht sein wird, soll euch werden. Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinberges zu seinem Schaffner: Rufe die Arbeiter, und gib ihnen den Lohn: und hebe an an den Lezzten, bis zu den Ersten. Da kamen die, so um die eilfte Stunde gedinget waren, und es empfing ein jeglicher seinen Groschen. Da aber die Ersten famen, meineten sie, sie würden mehr empfangen, und sie empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da sie den empfingen, murreten sie wider den Hausvater, und sprachen: Diese Letten haben nur eine Stunde ge= arbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hiße getragen haben. Er antwortete aber, und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich thue dir nicht unrecht, bist du nicht mit mir eins worden um einen Groschen? Nimm, was dein ist, und gehe hin. Ich will aber diesen Letten geben, gleich wie dir. Oder habe ich nicht macht, zu thun, was ich will mit dem Meinen? Siehest du darum scheel, daß ich so gütig bin? Also werden die Letzten die Ersten, und die Ersten die Letten sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet. Epistel am Sonntage Sexagesimä, 2. Cor. 11, V. 19-33, und 12, V. 1-9. hr vertraget gern die Narren, dieweil ihr flug seid. Jhr vertraget, so euch Jemand zu Knechten machet, so euch jemand schindet, so euch jemand nimmt, so euch jemand trobet, so euch jemand ins Angesicht streichet. Das sage ich nach der Unehre, als wären wir schwach worden. Worauf nun jemand kühn ist ( ich rede in Thorheit), darauf bin ich auch kühn. Sie sind Ebräer, ich auch, sie sind Israeliten, ich auch, sie sind Abrahams Same, ich auch. Sie sind Diener Christi;( ich rede thörlich) ich bin wohi mehr. Ich habe mehr gearbeitet, ich habe mehr Schläge erlitten, ich bin öfters gefangen, oft in Todesnöthen gewesen. Von den Juden habe ich fünfmal empfangen vierzig Streiche weniger einen. Ich bin dreimal gestäupet, einmal gesteiniget, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, Tag und Nacht habe ich zugebracht in der Tiefe des Meeres. Ich habe oft gereiset. Jch bin in Gefahr ge= wesen zu Wasser, in Gefahr unter den Juden, in Gefahr unter den Heiden, in Gefahr in den Städten, in Gefahr in der Wüste, in Gefahr auf dem Meere, in Gefahr unter den falschen Brüdern. In Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße. Ohne was sich sonst zuträget, nämlich, daß ich täglich werde angelaufen und trage Sorge für alle Gemeinen. Wer ist schwach, und ich wäre nicht schwach? Wer wird geärgert und ich brenne nicht? So ich mich je rühmen soll, will ich mich meiner Schwachheit rühmen. Gott und der Vater unseres Herrn Jesu Christi, welcher sei gelobet in Ewigkeit, weiß, daß ich nicht füge. Zu Damascus, der Landpfleger des Königes, Aretas, verwahrete die Stadt der Damascer, und wollte mich greifen, und ich ward in einem Korbe zum Fenster aus durch die Mauer niedergelassen, und entrann aus seinen Händen. Episteln und Evangelien. Cap. 12, V. 1-9. Es ist mir ja das Rühmen nichts nüße, doch will ich kommen auf die Gesichte und Offenbarungen des Herrn. Ich kenne einen Menschen in Christo, vor vierzehn Jahren( ist er in dem Leibe gewesen, so weiß ich es nicht; oder ist er außer dem Leibe gewesen, so weiß ich es auch nicht, Gott weiß es); derselbige ward entzückt bis in den dritten Himmel. Und ich kenne denselbigen Menschen, ( ob er in dem Leibe, oder außer dem Leibe gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weiß es). Er ward entzückt in das Paradies, und hörete unaussprechliche Worte, welche kein Mensch sagen kann. Davon will ich mich rühmen, von mir selbst aber will ich nichts rühmen, ohne meine Schwachheit. Und so ich mich rühmen wollte, thäte ich darum nicht thörlich; denn ich wollte die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber deß, auf daß nicht jemand mich höher achte, den er an mir siehet, oder von mir höret. Und auf daß ich mich nicht der hohen Offenbarungen überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlage, auf daß ich mich nicht überhebe. Dafür ich dreimal dem Herrn geflehet habe, daß er von mir wiche. Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Christi bei mir wohne. Evangelium, Luc. 8, V. 4-15. 16 Da a nun viel Volks bei einander war und aus den Städten zu ihm eileten, sprach er durch ein Gleichniß: Es ging ein Säe mann aus, zu säen seinen Samen; und indem er säete, fiel etliches an den Weg, und ward zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen es auf. Und etliches fiel auf den Fels; und da es aufging, verdorrete es, darum, daß es nicht Saft hatte. Und etliches fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf, und erstickten es. Und etliches fiel auf ein gutes Land; und es ging auf und trug hundertfältige Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Es fragten ihn aber seine Jünger, und sprachen, was dieses Gleichniß wäre? Er aber sprach: Euch ist es gegeben, zu wissen das Geheimniß des Reiches Gottes: den andern aber in Gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht verstehen, ob sie es schon hören. Das ist aber das Gleichniß: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Wege sind, das sind, die es hören; darnach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihren Herzen, auf daß sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels, sind die: wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an; und die haben nicht Wurzel; eine Zeitlang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel, sind die, so es hören, und gehen hin unter den Sorgen, Reichthum und Wollust dieſes Lebens, und ersticken und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Lande, sind die das Wort hören und behalten in einem feinen guten Herzen, und bringen Frucht in Geduld. Epistel am Sonntage Quinquagesimä, oder Estomihi, 1. Cor. 13, V. 1-13. enn ich mit Menschen und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht: so wäre ich ein tönendes Erz oder eine Episteln und Evangelien. 17 klingende Schelle. Und wenn ich weissagen fönnte, und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntniß, und hätte allen Glauben, also daß ich Berge versehe, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe, und ließe meinen Leib brennen, und hätte der Liebe nicht: so wäre mir es nichts nüße. Die Liebe ist langmüthig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibet nicht Muthwillen, sie blähet sich nicht, sie stellet sich nicht ungeberdig, sie suchet nicht das Ihre, fie läßt sich nicht erbittern, sie trachtet nicht nach Schaden, sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, fie freuet sich aber der Wahrheit. Sie verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles. Die Liebe höret nimmer auf, so doch die Weissagungen aufhören werden, und die Sprachen auf hören werden, und das Erkenntniß aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser Weissagen ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, und war flug wie ein Kind, und hatte kindische Anschläge; da ich aber ein Mann ward, that ich ab, was kindisch war. Wir sehen jeßt durch einen Spiegel in einem dunkelen Worte; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jeht erkenne ich es stückweise; dann aber werde ich es erkennen, gleichwie ich erkannt bin. Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größeste unter ihnen. Evangelium, Luc. 18, V. 31- 43. er Herr Jesus nahm aber zu sich die Zwölfe, und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, das geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden; und er wird verspottet und geschmähet und verspeiet werden; und sie werden ihn geißeln und tööten, und am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen der keins, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was da gesagt war. Es geschah aber, da er nahe zu Jericho kam, saß ein Blinder am Wege und bettelte. Da er aber hörete das Volk, das durchhin ging, forschte er, was da wäre. Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber. Und er rief und sprach; Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Die aber vorne an gingen, bedroheten ihn, er sollte schweigen. Er aber schrie viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Jesus aber stand stille und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe bei ihn brachten, fragte er ihn, und sprach: Was willst du, daß ich dir thun soll? Er sprach: Herr, daß ich sehen möge. Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend; dein Glaube hat dir geholfen. Und alsobald ward er sehend, und folgte ihm nach, und pries Gott. Und alles Volk, das solches jahe, lobete Gott. Epistel am 1. Sonntage in der Fasten, oder Invocavit, 2. Cor. 6, V. 1-10. Mir ermahnen aber euch, als Mithelfer, daß ihr nicht vergeblich er in der angenehmen Zeit erhöret, und habe dir am Tage des Heiles geholfen. Sehet, jeßt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heiles. Lasset uns aber niemand irgend ein Aergerniß geben, auf 18 Episteln und Evangelien. daß unser Amt nicht verlästert werde. Sondern in allen Dingen laßt uns beweisen als die Diener Gottes in großer Geduld, in Trübsal, in Nöthen, in Aengsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhren, in Arbeit, in Wachen, in Fasten, in Reuschheit, in Erkenntniß, in Langmuth, in Freundlichkeit, in dem heiligen Geiste, in ungefärbter Liebe, in dem Worte der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken! durch Ehre und Schande, durch böse Gerüchte und gute Gerüchte: als die Verführer, und doch wahrhaftig; als die Unbekannten, und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die gezüchtigten, und doch nicht ertödtet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nicht inne haben, und doch alles haben. Evangelium, Matth. 4, V. 1-11. a ward Jesus vom Geiste in die Wüste geführt, auf daß er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß dieſe Steine Brod werden. Und er antwortete und sprach: Es stehet geschrieben: Der Mensch lebet nicht vom Brode allein, sondern von einem jeglichen Worte, das durch den Mund Gottes gehet. Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt, und stellete ihn auf die Zinne des Tempels, und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab; denn es stehet geschrieben: Er wird seinen Engeln über dir Befehl thun, und sie werden dich auf den Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum stehet auch geschrieben: Du sollst Gott deinen Herrn nicht versuchen. Wiederum führete ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg, und zeigete ihm alle Reiche der Welt, und ihre Herrlichkeit; und er sprach zu ihm: Dieß alles will ich dir geben, so du niederfällst, und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir, Satan; denn es stehet geschrieben: Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen. Da verließ ihn der Teufel, und siehe, da traten die Engel zu ihm, und dieneten ihm. Epistel am 2. Sonntage in den Fasten, Reminiscere, 1. Thess. 4, V. 1-8. Meiter, lieben Brüder, bitten wir euch, und ermahnen in dem ihr von wie ihr sollt wandeln und Gott gefallen), daß ihr immerdar völliger werdet. Denn ihr wisset, welche Gebote wir euch gegeben haben, durch den Herrn Jesum. Denn das ist der Wille Gottes, eure Huldigung, daß ihr meidet die Hurerei, und ein jeglicher unter euch wisse sein Faß zu behalten in Heiligung und Ehren, nicht in der Lustseuche, wie die Heiden, die von Gott nichts wissen; und daß niemand zu weit greife, noch vervortheile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist der Rächer über das alles; wie wir euch zuvor gesagt und bezeuget haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung. Wer nun verachtet, der ver achtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen heiligen Geist gegeben hat in euch. Episteln und Evangelien. Evangelium, Matth. 15, V. 21-28. e er Herr Jesus ging aus von dannen, und entwich in die Gegend Tyrus und Sidon. Und siehe, ein Cananäisches Weib ging aus derselbigen Grenze, und schrie ihm nach und sprach: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner; meine Tochter wird vom Teufel übel geplagt. Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten zu ihm seine Jünger, baten ihn und sprachen: Laß sie doch von dir, denn sie schreiet uns nach. Ér antwortete aber und sprach: Ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlorenen Schafen von dem Hause Israel. Sie tam aber und fiel vor ihm nieder, und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht fein, daß man den Kindern ihr Brod nehme, und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr! aber doch essen die Hündlein von den Brosamlein, die von ihrer Herren Tische fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Weib! dein Glaube ist groß! dir geschehe, wie du willst. Und ihre Tochter ward gesund zu derselbigen Stunde. 19 Epistel a. 3. Sonnt. in der Fasten, Oculi, Ephef. 5, V. 1-9. o seid nun Gottes Nachfolger, als die lieben Kinder, und wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns hat geliebet, und sich selbst dargegeben für uns, zur Gabe und Opfer, Gott zu einem jüßen Geruche. Hurerei aber und alle Unreinigkeit, oder Geiz, lasset nicht von euch gesaget werden, wie den Heiligen zustehet; auch schandbare Worte und Narrentheidinge, oder Scherz, welche euch nicht ziemen, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer oder Unreiner, oder Geiziger( welcher ist ein Gözendiener), Erbe hat an dem Reiche Christi und Gottes. Lasset euch niemand verführen mit vergeblichen Worten, denn um dieser Willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Darum seid nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr waret weiland Finsterniß, nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn. Wandelt wie die Kinder des Lichtes. Die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit, und Gerechtigkeit, und Wahrheit. Evangelium, Luc. 11, v. 11-28. Der einen es geschah, da der Teufel ausfuhr, da redete der Stumme. Und das Volk verwunderte sich. Etliche aber unter ihnen sprachen: Er treibet die Teufel aus durch Beelzebub, den Obersten der Teufel. Die anderen aber versuchten ihn, und begehrten ein Zeichen von ihm vom Himmel. Er aber vernahm ihre Gedanken, und sprach zu ihnen: Ein jegliches Reich, so es mit ihm selber uneins wird, das wird wüste, und ein Haus fällt über das andere. Jst denn der Satanas auch mit ihm selbst uneins, wie will sein Reich bestehen? Dieweil ihr saget, ich treibe die Teufel aus durch Beelzebub. So aber ich die Teufel durch Beelzebub austreibe, durch wen treiben fie eure Kinder aus? Darum werden sie eure Richter sein. So ich aber durch Gottes Finger die Teufel austreibe, so kommt je das Reich Gottes zu euch. Wenn ein starker Gewappneter seinen Palast bewahret, so bleibet das Seine mit Frieden. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt, und überwindet ihn, so nimmt er ihm seinen Harnisch, darauf er sich verließ, und theilt den Raub 2* 20 Episteln und Evangelien. aus. Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreuet. Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausfähret, so durchwandelt er dürre Städte, suchet Ruhe und findet sie nicht; so spricht er: Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er es mit Besemen gekehret und geschmücket. Dann gehet er hin, und nimmt sieben Geister zu sich, die ärger sind, denn er selbst, und wenn sie hinein kommen, wohnen sie da, und wird her: nach mit demselbigen Menschen ärger denn vorhin. Und es begab sich, da er solches redete, erhob ein Weib im Volke die Stimme, und sprach zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast. Er aber sprach: Ja, selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Epistel am 4. Sonnt. in den Fasten, Lätare, Gal. 4, 21-31. ( agt mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt, habt ihr das Gesetz nicht gehört? Denn es stehet geschrieben, daß Abraham zween Söhne hatte; einen von der Magd, den anderen von der Freien. Aber der von der Magd war, ist nach dem Fleische geboren; der aber von der Freien, ist durch die Verheißung geboren. Die Worte bedeuten etwas. Denn das sind die zwei Testamente, eines von dem Berge Sinai, das zur Knechtschaft gebieret, welches ist die Agar. Denn Agar heißt in Arabien der Berg Sinai, und langet bis gen Jerusalem, das zu dieser Zeit ist, und ist dienstbar mit seinen Kindern. Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie, die ist unser aller Mutter. Denn es stehet geschrieben: Sei fröhlich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierest, und brich hervor und rufe, die du nicht schwanger bist, denn die Einsame hat viel mehr Kinder, denn die den Mann hat. Wir aber, lieben Brüder, sind, Ifaac nach, der Verheißung Kinder. Aber, gleichwie zu der Zeit, der nach dem Fleische geboren war, verfolgte den, der nach dem Geiste geboren war, also gehet es jetzt auch. Aber was spricht die Schrift: Stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohne; denn der Magd Sohn soll nicht erben mit dem Sohne der Freien. So sind wir nun, lieben Brüder, nicht der Magd Kinder, sondern der Freien. Evangelium, Joh. 6, V. 1-15. Da anach fuhr Jesus weg über das Meer an der Stadt Tiberias in Galiläa und es zog ihm viel Volks nach, darum, daß sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken that. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern. Es war aber nahe die Ostern, der Juden Fest. Da hob Jesus seine Augen auf, und siehet, daß viel Volks zu ihm kommt, und spricht zu Philippo: wo kaufen wir Brod, daß diese essen?( Das sagte er aber, ihn zu versuchen; denn er wußte wohl, was er thun wollte). Philippus antwortete ihm: Zweihundert Pfennige werth Brodes ist nicht genug unter sie, daß ein jeglicher unter ihnen ein wenig nehme. Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder Simonis Petri: Es ist ein Knabe hier, der hat 5 Gerstenbrode und zween Fische; aber was ist das unter so viele? Jesus aber sprach: Schaffet, daß sich das Volk lagere. Es war aber viel Gras an dem Orte. Da lagerten sich bei fünftausend Mann. Jesus aber nahm die Brode, dankte, und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen, die sich gelagert hatten; desselbigen gleichen auch von den 21 Episteln und Evangelien. Fischen, wie viel er wollte. Da sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammlet die übrigen Brocken, daß nichts umkomme. Da sammelten sie und fülleten zwölf Körbe mit Brocken, von den fünf Gerstenbroden, die überblieben denen, die gespeiset wurden. Da nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus that, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, daß sie kommen würden, und ihn haschen, daß sie ihn zum König machten: entwich er abermal auf den Berg, er selbst allein. Epistel am 3. Sonnt. in den Fasten, Judica, Hebr. 9, 11-15. Christus ift gekommen, daß er ſei ein Hoherprieſter der zukünftigen Güter, mit der Hand gemacht ist, das ist, die nicht also gebauet ist. Auch nicht durch der Böcke oder Kälber Blut, sondern er ist durch sein eigenes Blut einmal in das Heilige eingegangen, und hat eine ewige Erlösung gefunden. Denn so der Ochsen und der Böcke Blut, und die Asche von der Kuh gesprenget, heiliget die Unreinen zu der leiblichen Reinigkeit: wie vielmehr wird das Blut Christi, der sich selbst ohne allen Wandel durch den heiligen Geist Gott geopfert hat, unser Gewissen reinigen von den todten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott? Und darum ist er auch ein Mittler des neuen Testamentes, auf daß durch den Tod, so geschehen ist zur Erlösung von den Uebertretungen, die unter dem ersten Testamente waren, die, so berufen sind, das verheißene ewige Erbe empfangen. Evangelium, Joh. 8, V. 46-59. er Herr Jesus sprach zu den Juden: Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen? So ich euch aber die Wahrheit sage, warum glaubet ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der höret Gottes Wort: darum höret ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott. Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Samariter bist, und hast den Teufel? Jesus antwortete: Ich habe keinen Teufel, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr unehret mich. Ich suche nicht meine Ehre; es ist aber einer, der sie suchet und richtet. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: So jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Da sprachen die Juden zu ihm: nun erkennen wir, daß du den Teufel hast; Abraham ist gestorben und die Propheten, und du sprichst: So jemand mein Wort hält, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich. Bist du mehr, denn unser Vater Abraham, welcher gestorben ist? und die Propheten sind gestorben: Was machst du aus dir selbst? Jesus antwortete: So ich mich ſelbſt ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehret, welchen ihr sprechet: er sei euer Gott, und kennet ihn nicht, ich aber kenne ihn, und so ich würde sagen: ich kenne ihn nicht, so würde ich ein Lügner, gleichwie ihr seid Aber ich kenne ihn, und halte sein Wort. Abraham, euer Vater, ward froh, daß er meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn, und freute sich. Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht funfzig Jahre alt, und hast Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe denn Abraham ward, bin ich. Da 22 Episteln und Evangelien. hoben sie Steine auf, daß sie auf ihn würfen. Aber Jesus verbarg sich, und ging zum Tempel hinaus, mitten durch sie hinstreichend. Epistel am Palmsonntage, Phil. 2, 3. 5- 11. in jeglicher sei gesinnet, wie Jesus Christus auch war. Welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, hielt er es nicht für einen Raub, Gott gleich sein; sondern äußerte sich selbst, und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein anderer Mensch, und an Geberden als ein Mensch erfunden. Er erniedrigte sich selbst, und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuze. Darum hat ihn auch Gott erhöhet, und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist: daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden, und unter der Erde sind; und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes des Vaters.( Evangelium am PalmSonntage findest du zu Anfange am ersten Sonntage des Advents). Epistel am grünen Donnerstage, Coena Domini, 1. Cor. 11, V. 23-32. Ich habe es vor dem Herrn empfangen, das ich euch gegeben habe. Herr Jesus in der Nacht, er nahm er das Brod, dankete und brach es, und sprach: Nehmet, effet, das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird; solches thut zu meinem Gedächtniß. Desselbigen gleichen auch den Kelch, nach dem Abendmahle, und sprach: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blute, solches thut, so oft ihr es trinket, zu meinem Ge dächtniß. Denn so oft ihr von diesem Brode effet, und von diesem Kelche trinket, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. Welcher nun unwürdig von diesem Brodě isset, oder von dem Kelche des Herrn trinket, der ist schuldig an dem Leibe und Blute des Herrn. Der Mensch prüfe aber sich selbst, und also esse er von diesem Brode und trinke von diesem Kelche. Denn welcher unwürdig isset und trinket, der iffet und trinket ihm selber das Gericht, damit, daß er nicht unterscheidet den Leib des Herrn. Darum sind auch so viele Schwache und Kranke unter euch, und ein gut Theil schlafen. Denn so wir uns selber richteten, ſo würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem Herrn gezüchtiget, auf daß wir nicht sammt der Welt verdammet werden. Evangelium, Joh. 13, V. 1-17. Mor Por dem Feste aber der Ostern, da Jesus erkannte, daß seine Zeit gekommen war, daß er aus dieser Welt ginge zum Vater; wie er hatte geliebet die Seinen, die in der Welt waren, so liebete er sie bis ans Ende. Und nach dem Abendessen, da schon der Teufel hatte dem Juda Simonis Ischarioth ins Herz gegeben, daß er ihn verriethe, wußte Jesus, daß ihm der Vater hatte alles in seine Hände gegeben; und daß er von Gott gekommen war, und zu Gott ginge; stand er vom Abendmahle auf, legte seine Kleider ab, und nahm einen Schurz, und umgürtete sich. Darnach goß er Wasser in ein Becken, hob an, den Jüngern die Füße zu waschen und trocknete sie mit dem Schurze, damit er umgürtet Episteln und Evangelien. 23 war. Da kam er zu Simon Petro, und derselbe kam zu ihm: Herr, solltest du mir meine Füße waschen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich thue, das weißt du jezt nicht, du wirst es aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen. Jesus antwortete ihm: Werde ich dich nicht waschen, so hast du kein Theil mit mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt. Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, der darf nicht, denn die Füße waschen, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle. Denn er wußte seinen Verräther wohl, darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein. Da er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider, und setzte sich wieder nieder, und sprach abermal zu ihnen: Wisset ihr, was ich euch gethan habe? Ihr heißet mich Meister und Herr, und saget recht daran, denn ich bin es auch: So nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe: so sollt ihr auch euch unter einander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr thut, was ich euch gethan habe. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr, noch der Apostel größer, denn der ihn gesandt hat. So ihr solches wisset, selig seid ihr, so ihr es thut.( Am Char- Freitage wird statt der Epistel das 53. Capitel Jesaiä, und anstatt des Evangelii der 22. Psalm erklärt). Epistel am heiligen Ostertage, 1. Cor. 5, v. 7-8. gleichwie ihr ungesäuert seid. Denn wir haben auch ein Osterlamm, das ist Christus, für uns geopfert. Darum lasset uns Ostern halten, nicht im alten Sauerteige, auch nicht im Sauerteige der Bosheit und Schaltheit, sondern in dem Süßteige der Lauter= feit und der Wahrheit. Evangelium, Marc. 16, V. 1-8. Und nd da der Sabbath vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria Jacobi und Salome Specerei, auf daß sie kämen und salbeten ihn. Und sie kamen zum Grabe, an einem Sabbather sehr frühe, da die Sonne aufging. Und sie sprachen unter einander: Wer wälzet uns den Stein von des Grabes Thür? Und fie sahen dahin, und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzet war, denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sizzen, der hatte ein langes weißes Kleid an; und sie entsetten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzet euch nicht. Ihr suchet Jesum von Nazareth, den Gefreuzigten; er ist auferstanden, und ist nicht hier. Siehe da die Stätte, da sie ihn hinlegten. Gehet aber hin, und saget es seinen Jüngern und Petro, daß er vor euch hingehen wird in Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen schnell heraus, und flohen vor dem Grabe: denn es war sie Zittern und Entsetzen angekommen, und sagten niemand etwas, denn sie fürchteten sich. Epistel am Ofter- Montage, Ap. Gesch. 10, V. 34-41. Bet etrus aber that seinen Mund auf, und sprach: Nun erfahre ich mit der Wahrheit, daß Gott die Person nicht ansiehet; sondern in allerlei Volk, wer ihn fürchtet und recht thut, der ist ihm Episteln und Evangelien. angenehm. Ihr wisset wohl von der Predigt, die Gott zu den Kindern Ifrael gesandt hat, und verkündigen lassen den Frieden durch Jesum Christum( welcher ist ein Herr über alles), die durch das ganze jüdische Land geschehen ist, und angegangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes predigte. Wie Gott denselbigen Jesum von Nazareth gefalbet hat mit dem heiligen Geiste und Kraft, der umhergezogen ist, und hat wohlgethan, und gesund gemacht alle, die vom Teufel überwältigt waren, denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen alles des, das er gethan hat im jüdischen Lande, und zu Jerusalem. Den haben sie getödtet, und an ein Holz gehänget. Denselben hat Gott auferwecket am dritten Tage, und ihn lassen offenbar werden, nicht allem Volke, sondern uns, den vorerwählten Zeugen von Gott, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden ist von den Todten. Evangelium, Luc. 24, V. 13-35. 24 Und nd siehe, zween aus den Jüngern gingen an demselbigen Tage in einen Flecken, der war von Jerusalem sechzig Feldweges weit, dessen Namen heißt Emmahus. Und sie redeten mit einander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, da sie so redeten, und befragten sich mit einander, nahete Jesus zu ihnen, und wandelte mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht kannten. Er sprach aber zu ihnen, was sind das für Reden, die ihr zwischen euch handelt unter Weges, und seid traurig? Da antwortete einer, mit Namen Kleophas, und sprach zu ihm: Bist du allein unter den Fremdlingen zu Jerusalem, der nicht wisse, was in diesen Tagen darinnen geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Welches? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jesu von Nazareth, welcher war ein Prophet, mächtig von Thaten und Worten, vor Gott und allem Volke; wie ihn unsere Hohenprieſter und Obersten überantwortet haben zur Verdammniß des Todes und gekreuziget, wir aber hofften, er sollte Jfrael erlösen. Und über das alles ist heute der dritte Tag, daß solches geschehen ist. Auch haben uns erschrecket etliche Weiber der Unseren, die sind frühe bei dem Grabe gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben ein Gesicht der Engel gesehen, welche sagen, er lebe. Und etliche unter uns gingen hin zum Grabe und fanden es also, wie die Weiber sagten: aber ihn fanden sie nicht. Und er sprach zu ihnen: O ihr Thoren und träges Herzens, zu glauben allem dem, das die Propheten geredet haben. Mußte nicht Christus solches leiden, und zu seiner Herrlichkeit eingehen? Und fing an von Mose und allen Propheten, und legte ihnen alle Schriften aus, die von ihm gesagt waren. Und sie kamen nahe zum Flecken, da sie hineingingen; und er stellte sich, als wollte er weiter gehen. Und sie nöthigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brod, dankete, brach es, und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen unter einander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete? Und sie standen auf zu derselbigen Stunde, kehreten wieder gen Jerusalem und fanden die Eilfe versammelt, und die bei ihnen waren, welche Episteln und Evangelien. 25 sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden, und Simoni erschienen. Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war, und wie er von ihnen erkannt wäre an dem, da er das Brod brach. Epistel am 1. Sonnt. nach Ostern, Quasimodogeniti, 1. Joh. 5, V. 4-12. A [ lles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Wer ist aber, der die Welt überwindet, ohne der da glaubet, das Jesus Gottes Sohn ist? Dieser ist es, der da kommt mit Wasser und Blut, Jesus Christus, nicht mit Wasser allein, sondern mit Wasser und Blut. Und der Geist ist es, der da zeuget, daß Geist Wahrheit ist. Denn drei sind, die da zeugen im Himmel: der Vater, das Wort und der heilige Geist; und diese drei sind Eins. Und drei sind, die da zeugen auf Erden: der Geist und das Wasser, und das Blut; und die drei sind beisammen. So wir der Menschen Zeugniß annehmen, so iſt Gottes Zeugniß größer; denn Gottes Zeugniß ist das, daß er ge= zeuget hat von seinem Sohne. Wer da glaubet an den Sohn Gottes, der hat solches Zeugniß bei sich. Wer Gott nicht glaubet, der macht ihn zum Lügner; denn er glaubet nicht dem Zeugnisse, das Gott zeuget von seinem Sohne. Und das ist das Zeugniß, daß uns Gott das ewige Leben hat gegeben, und solches Leben ist in seinem Sohne. Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben, wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. Evangelium, Joh. 20, V. 19-31. Am [ m Abende aber desselbigen Sabbathes, da die Jünger versammlet und die Thüren verschlossen waren, aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten ein, und spricht zu ihnen: Friede ſei mit euch! Und als er das sagte, zeigte er ihnen die Hände, und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und da er das fagte, blies er sie an, und spricht zu ihnen; Nehmet hin den heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Thomas aber, der Zwölfen einer, der da heißt der Zwilling, war nicht bei ihnen, da Jesus kam. Da sagten die anderen Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Es sei denn, daß ich in seinen Händen sehe die Nägelmale, und lege meinen Finger in die Nägelmale, und lege meine Hand in seine Seite, will ich es nicht glauben. Und über acht Tage waren abermal seine Jünger darinnen, und Thoma mit ihnen. Kommt Jesus, da die Thüren verschlossen waren und tritt mitten ein, und spricht: Friede sei mit euch! Darnach spricht er zu Thoma: Reiche deinen Finger her, und siehe meine Hände; und reiche deine Hand her, und lege sie in meine Seite; und sei nicht ungläubig sondern gläubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr, und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen hast, Thoma, so glaubeſt du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Auch viele andere Zeichen that Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buche. Diese aber sind geschrieben, daß ihr glaubet, Jesus sei Christ, der Sohn Gottes; und daß ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen. 26 Episteln und Evangelien. Epistel am 2. Sonnt. nach Ostern, Misericordias Domini, 1. Petri 2, V. 21-25. De enn dazu seid ihr berufen. Sintemal auch Christus gelitten hat für uns, und uns ein Vorbild gelassen, daß ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; welcher keine Sünde gethan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden. Welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht drohte, da er litte, er stellte es aber dem heim, der da recht richtet, welcher unsere Sünde selbst geopfert hat an seinem Leibe auf dem Holze, auf daß wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben, durch welches Wunder ihr seid heil worden. Denn ihr waret wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehret zu dem Hirten und Bischof euerer Seelen. Evangelium, Joh. 10, V. 12-16. Cesus sprach zu den Pharisäern: Ich bin ein guter Hirt. Ein der nicht Hirt ist, des die Schafe nicht eigen sind, siehet den Wolf kommen, und verläßt die Schafe und fliehet: und der Wolf erhaschet und zerstreuet die Schafe. Der Miethling aber fliehet: denn er ist ein Miethling und achtet der Schafe nicht. Ich bin ein guter Hirt, und erkenne die Meinen und bin bekannt den Meinen. Wie mich mein Vater kennet, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle. Und dieselbigen muß ich herführen, und sie werden meine Simme hören, und wird eine Herde und ein Hirte werden. Epistel am 3. Sonnt. n. Ostern, Jubil., 1. Petr. 2, 3. 11-17. ieben Brüder, ich ermahne euch als die Fremdlinge und Pilgrimme: streiten, und führet einen guten Wandel unter den Heiden, auf daß die, so von euch afterreden, als von Uebelthätern, eure guten Werke sehen und preisen, wenn es nun an den Tag kommen wird. Seid unterthan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem Könige als dem Obersten, oder den Hauptleuten als den Gesandten von ihm zur Rache über die Uebelthäter, und zu Lobe der Frommen. Denn das ist der Wille Gottes, daß ihr mit Wohlthun verstopfet die Unwissenheit der thörichten Menschen, als die Freien, und nicht als hättet ihr die Freiheit zum Deckel der Bosheit, sondern als die Knechte Gottes. Thut Ehre jedermann. Habt die Brüder lieb. Fürchtet Gott. Ehret den König. Evangelium, Joh. 16, V. 16-23. esus sprach zu seinen Jüngern: Ueber ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen; und aber über ein Kleines, so werdet ihr mich sehen; denn ich gehe zum Vater. Da sprachen etliche unter seinen Jüngern unter einander: Was ist das, daß er sagt zu uns: Ueber ein Kleines, so werdet ihr mich nicht sehn, und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen, und daß ich zum Vater gehe? Da sprachen fie: Was ist das, daß er sagt über ein kleines? Wir wissen nicht, was er redet. Da merkte Jesus, daß sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Davon fragt ihr unter einander, daß ich gesagt habe: Ueber ein kleines, so werdet ihr mich nicht sehen, und aber über ein kleines, so werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird Episteln und Evangelien. sich freuen; ihr aber werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehrt werden. Ein Weib, wenn sie gebieret, so hat sie Traurigkeit, denn ihre Stunde ist gekommen; wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, daß der Mensch zur Welt geboren ist. Und ihr habt auch nun Traurigkeit, aber ich will euch wieder sehen, und euer Herz soll sich freuen, und euere Freude soll niemand von euch nehmen. Und an demselbigen Tage werdet ihr mich nichts fragen. 27 Epistel am 4. Sonnt. n. Ostern, Cantate, Jac. 1, V. 17-21. ieben Brüder, alle gute Gaben und alle vollkommene Gabe kommt ist Veränderung, noch Wechsel des Lichtes und Finsterniß. Er hat uns gezeiget nach seinem Willen, durch das Wort der Wahrheit, auf daß wir wären Erstlinge seiner Creaturen. Darum, lieben Brüder, ein jeglicher Mensch sei schnell zu hören, langsam aber zu reden, und langsam zum Zorne. Denn des Menschen Zorn thut nicht, was vor Gott recht ist. Darum, so leget ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit; und nehmet das Wort an mit Sanftmuth, das in euch gepflanzet ist, welches kann euere Seelen selig machen. Evangelium, Joh. 16, V. 5-15. er Herr Jesus sprach zu seinen Jüngern: Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und Niemand unter euch fraget mich: Wo gehest du hin? Sondern dieweil ich solches zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauerns geworden. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch gut, daß ich hingehe. Denn so ich nicht hingehe, so kömmt der Tröster nicht zu euch. So ich aber hingehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, der wird die Welt strafen, um die Sünde, und um die Gerechtigkeit, und um das Gericht. Um die Sünde, daß sie nicht glauben an mich. Um die Gerechtigkeit aber, daß ich zum Vater gehe, und ihr mich hinfort nicht sehet. Um das Gericht, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen, aber ihr könnet es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit Leiten. Denn er wird nicht von sich selber reden: sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Derselbige wird mich verklären: denn von dem Meinen wird er es nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein; darum habe ich gesagt: Er wird es von dem Meinen nehmen, und euch verkündigen. Epistel am 5. Sonnt. n. Ostern, Rogate, Jac. 1, V. 22-27. Qieben Brüder, seid aber Thäter des Wortes, und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbst betrüget. Denn so jemand ist ein Hörer des Wortes, und nicht ein Thäter, der ist gleich einem Mann, der sein leibliches Angesicht im Spiegel beschauet. Denn nachdem er sich beschauet hat, geht er von Stund an davon und vergißt, wie er gestaltet war. Wer aber durchschauet in das vollkommene Gesetz der Freiheit, und darinnen beharret, und ist nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Thäter: derselbige wird selig sein in seiner That. So aber sich jemand unter euch läßt dünken, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaume, sondern verführt sein Herz: deß Episteln und Evangelien. Gottesdienst ist eitel. Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott dem Vater ist der: die Waisen und Wittwen in ihrer Trübsal besuchen, und sich von der Welt unbefleckt behalten. Evangelium, Joh. 16, V. 23-30. De er Herr Jesus sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, wahrlich, ich fage euch: So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er es euch geben. Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei. Solches habe ich zu euch durch Sprichwort geredet. Es kommt aber die Zeit, daß ich nicht mehr durch Sprichwort mit euch reden werde; sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. Am demselbigen Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will. Denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, darum, daß ihr mich liebet, und glaubet, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen, und komme in die Welt; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater. Sprechen zu ihm seine Jünger: Siehe, nun redest du frei heraus, und sagest kein Sprichwort. Nun wissen wir, dağ du alle Dinge weißt, und bedarfst nicht, daß dich jemand frage. Darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist. 28 Epistel am Tage der Himmelf. Christi, Ap. Gesch. 1, v.1-11. Die ie erste Rede habe ich zwar gethan, lieber Theophile, von allem dem, das Jesus anfing, beides zu thun und zu lehren. Bis an den Tag, da er aufgenommen ward, nachdem er den Aposteln ( welche er hatte erwählet), durch den heiligen Geist Befehl gethan hatte. Welchen er sich nach seinem Leiden lebendig erzeiget hatte, durch mancherlei Erweisungen, und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang, und redete mit ihnen vom Reiche Gottes. Und als er sie versammelt hatte, befahl er ihnen, daß sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die Verheißung des Vaters, welche ihr habt gehöret, sprach er, von mir. Denn Johannes hat mit Wasser getauft; ihr aber sollt mit dem heiligen Geiste getauft werden, nicht lange nach diesen Tagen. Die aber, so zusammen gekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr wirst du auf diese Zeit wieder aufrichten das Reich Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebühret euch nicht zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat. Sondern ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird; und werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem, und in ganz Judäa und Samaria, und bis an das Ende der Erde. Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehends, und eine Wolke nahm ihn auf, vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen gen Himmel fahren, siche, da standen bei ihnen zween Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr, und fehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren. Evangelium, Marc. 16, V. 14-20. uleht, da die Eilfe zu Tische saßen, offenbarte sich Jesus, und nicht geglaubet hatten denen, die ihn gesehen hatten auferstanden: 3 und Episteln und Evangelien. 29 und sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt, und prediget das Evangelium aller Creatur: Wer da glaubet und getaufet wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden. Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: In meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Zungen reden, Schlangen vertreiben, und so sie etwas tödtliches trinken, wird es ihnen nicht schaden: auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wird es besser mit ihnen werden. Und der Herr, nachdem er mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben gen Himmel, und sizet zur rechten Hand Gottes. Sie aber gingen aus und predigten an allen Orten: und der Herr wirkte mit ihnen, und bekräftigte das Wort durch mitfolgende Zeichen. Epistel am 6. Sonnt. n. Ostern, Eraudi, 1. Petri 4, V. 8 11. ( o feid nun mäßig und nüchtern zum Gebete. Vor allen Dingen aber habt unter einander eine brünstige Liebe; denn die Liebe decket auch der Sünden Menge. Seid gastfrei unter einander ohne Murmeln. Und dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. So jemand redet, daß er es rede aus Gottes Wort. So jemand ein Amt hat, daß er es thue als aus dem Vermögen, das Gott darreichet, auf daß in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesum Christum, welchem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen! Evangelium, Joh. 15, V. 26-27 und 16, V. 1-4. er Herr Jesus sprach zu seinen Jüngern: wenn aber der Tröster kommen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgehet; der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen, denn ihr seid vom Anfange bei mir gewesen. Solches habe ich zu euch geredet, daß ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch in den Bann thun. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tödtet, wird meinen, er thue Gott einen Dienst daran. Und solches werden sie euch darum thun, daß sie weder meinen Vater noch mich erkennen. Aber solches habe ich zu euch geredet, auf daß, wenn die Zeit kommen wird, daß ihr daran gedenket, daß ich es euch gesagt habe. Solches aber habe ich euch vom Anfange nicht gesagt, denn ich war bei euch. Epistel am heil. Pfingst- Tage, Ap. Gesch. 2, V. 1-13. Und nd als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren die Jünger alle einmüthig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllete das ganze Haus, da sie saßen. Und man sah an ihnen die Zungen zertheilet, als wären sie feurig. Und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen. Und wurden alle voll des heiligen Geistes, und fingen an zu predigen mit anderen Zungen, nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer, aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen, und wurden verstürzt; denn es hörte ein jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten. Sie entsetzten sich aber alle, ver: wunderten sich, und sprachen unter einander: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa: Wie hören wir denn ein 30 Episteln und Evangelien. jeglicher seine Sprache, darinnen wir geboren sind? Parther und Meder, und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamien, und in Judäa, und Capadocien, Pontus und Asien, Phrygien und Pamphylien, Aegypten, und an den Enden der Libyen, bei Kyrene, und Ausländern von Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber; wir hören sie mit unseren Zungen die großen Thaten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle, und wurden irre, und sprachen einer zu dem anderen: Was will das werden? Die andern aber hatten ihren Spott, und sprachen: Sie sind voll süßen Weines. Evangelium, Joh. 14, V. 23-31. Der Herr Jesus sprach: Wer mich liebet, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen, und Wohnung bei ihm machen. Wer aber mich nicht liebet, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat. Solches habe ich zu euch geredet, weil ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, derselbe wird es euch alles lehren, und euch erinnern alles des, das ich euch gesagt habe. Den Frieden laſſe ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht, und fürchte sich nicht. Ihr habt gehöret, daß ich euch gesagt habe: Ich gehe hin und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe: Jch gehe zum Vater; denn der Vater ist größer, denn ich. Und nun habe ich es euch gesagt, ehe es denn geschieht, auf daß, wenn es nun geschehen wird, daß ihr glaubet. Ich werde hinfort mehr nicht viel mit euch reden; denn es kommt der Fürst dieser Welt, und hat nichts an mir. Aber auf daß die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe, und ich also thue, wie mir der Vater geboten hat, stehet auf und lasset uns von hinnen gehen. Epistel am Pfingst- Montage, Ap. Gesch. 10, V. 42-48. nd er hat uns geboten zu predigen dem Volke, und zu zeugen, der Todten. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen. Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der heilige Geist auf alle, die dem Worte zuhöreten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Betro gekommen waren, entsetten sich, daß auch auf die Heiden die Gabe des heiligen Geistes ausgegossen ward. Denn sie höreten, daß sie mit Zungen redeten und Gott hoch priesen. Da antwortete Petrus: Mag auch Jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getauft werden, die den heiligen Geist empfangen haben, gleichwie auch wir? Und befahl sie zu taufen in dem Namen des Herrn. Evangelium, Joh. 3, V. 16-21. De er Herr Jesus sprach zu Nicodemo: Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte; sondern daß die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubet, der wird nicht gerichtet, wer aber nicht glaubet, Episteln und Evangelien. 31 der ist schon gerichtet, denn er glaubet nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, daß das Licht in die Welt kommen ist, und die Menschen liebten die Finsterniß mehr denn das Licht. Denn ihre Werke waren böse. Wer Arges thut, der hasset das Licht, und kommt nicht an das Licht, auf daß seine Werke nicht gestraft werden. Wer aber die Wahrheit thut, der kommt an das Licht, daß seine Werke offenbar werden; denn sie sind in Gott gethan. Epistel am Feste der heil. Dreieinigkeit oder Trinitatis, Römer 11, V. 33-36. welch eine Tiefe des Reichthums, beides der Weisheit und Erfenntniß Gottes. Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte, und unerforschlich seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt? Oder, wer ist sein Rathgeber gewesen? Oder, wer hat ihm etwas zuvor gegeben, daß ihm wieder werde vergolten? Denn von ihm, und durch ihn, und in( zu) ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit. Amen. Evangelium, Joh. 3, V. 1-15. C. s war aber ein Mensch unter den Pharisäern, mit Namen Nikodemus, ein Oberster unter den Juden: der kam zu Jesu bei der Nacht, und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, daß du biſt ein Lehrer von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen thun, die du thust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er auch wiederum in seiner Mutter Leib gehen, und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus dem Wasser und Geiste, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleische geboren wird, das ist Fleisch, und was vom Geiste geboren wird, das ist Geist. Laß dich's nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: Jhr müsset von neuem geboren werden. Der Wind bläset, wo er will, und du hörest sein Sausen wohl, aber du weißt nicht, von wannen er kommt, und wohin er fährt. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geiste geboren ist. Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag solches zugehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bist du ein Meister in Israel, und weißt das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, das wir wissen, und zeugen, das wir gesehen haben; und ihr nehmet unſer Zeugniß nicht an. Glaubet ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie würdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen würde? Und niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel hernieder gekommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist. Und wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhet hat, also muß des Menschen Sohn erhöhet werden, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Epistel am 1. Sonnt. n. Trinit., 1. Joh. 4, V. 15-21. Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott, und Gott in ihm. Daran ist die Liebe völlig bei uns, 32 Episteln und Evangelien. auf daß wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichtes; denn gleichwie Er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibet die Furcht aus; denn die Furcht hat Pein. Wer sie aber fürchtet, der ist nicht völlig in der Liebe. Lasset uns ihn lieben; denn er hat uns erst geliebet. So jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasset seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet; wie kann er Gott lieben, den er nicht siehet? Und dies Gebot haben wir von ihm, daß wer Gott liebet, daß der auch seinen Bruder liebe. Evangelium, Luc. 16, V. 19-31. Jefus esus sprach zu den Pharisäern: Es war ein reicher Mann, der kleidete sich mit Purpur und köstlicher Leinwand, und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer, mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Thür voller Schwären, und begehrte sich zu sättigen von den Brosamen, die von des Reichen Tische fielen; doch kamen die Hunde, und leckten ihm seine Schwären. Es be: gab sich aber, daß der Arme starb, und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schooß. Der Reiche aber starb auch, und ward begraben. Als er nun in der Hölle und in der Qual war, hub er seine Augen auf und sah Abraham von ferne, und Lazarum in seinem Schooße. Rief und sprach: Bater Abraham, erbarme dich mein, und sende Lazarum, daß er das Neußerste seines Fingers ins Wasser tauche, und kühle meine Zunge, denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Gedenke Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, und Lazarus dagegen hat Böses empfangen. Nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeiniget. Und über das alles ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestiget, daß die da wollten von hinnen hinabfahren zu euch, können nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüber fahren. Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch fünf Brüder, daß er ihnen bezeuge, auf daß sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. Abraham sprach zu ihm: Sie haben Mosen und die Propheten, laß sie dieselbigen hören. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham; sondern, wenn einer von den Todten zu ihnen ginge, so würden sie Buße thun. Er sprach zu ihm: Hören sie Mosen und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, ob jemand von den Todten auferstünde. Epistel am 2. Sonnt. n. Trinit., 1. Joh. 3, V. 13-18. erwundert euch nicht, meine Brüder, ob euch die Welt hasset. Wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben gekommen sind; denn wir lieben die Brüder. Wer den Bruder nicht liebet, der bleibet im Tode. Wer seinen Bruder hasset, der ist ein Todtschläger; und ihr wisset, daß ein Todtschläger nicht hat das ewige Leben bei ihm bleibend. Daran haben wir erkannt die Liebe, daß er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat, und siehet seinen Bruder darben, und schließt sein Herz vor ihm zu: wo bleibt die Liebe Gottes bei ihm? Meine Kindlein, lasset uns nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge, sondern mit der That und mit der Wahrheit. Episteln und Evangelien. Evangelium, Luc. 14, V. 16-24. s war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu. Und sandte seine Knechte aus, zur Stunde des Abendmahles, zu sagen, den Geladenen: Kommt, denn es ist alles bereit. Und sie fingen an, alle nach einander sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft, und muß hinausgehen, und ihn besehen, ich bitte dich, entschuldige mich. Und der andere sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und gehe jetzt hin, sie zu besehen, ich bitte dich, entschuldige mich. Und der dritte sprach: Ich habe mir ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam, und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig, und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus bald auf die Straßen und Gaffen der Stadt, und führe die Armen und Krüppel, und Lahmen, und Blinden herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe auf die Landstraßen und an die Zäune, und nöthige sie herein zu kommen, auf daß mein Haus voll werde. Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken wird. 33 Epistel, am 3. Sonnt. n. Trinit., 1. Petri 5, V. 6-11. o demüthiget euch unter die gewaltige Hand Gottes, daß er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle euere Sorge werfet auf ihn; denn er forget für euch. Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, gehet umher wie ein brüllender Löwe, und fuchet, welchen er verschlinge. Dem widerstehet fest im Glauben, und wisset, daß eben dieselbigen Leiden über euere Brüder in der Welt gehen. Der Gott aber aller Gnade, der uns berufen hat zu feiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, derselbige wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, vollbereiten, stärken, kräftigen, gründen. Demselbigen sei Ehre und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Evangelium, Luc. 15, V. 1-10. G s naheten aber zu ihm allerlei Zöllner und Sünder, daß sie ihn höreten. Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murreten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isset mit ihnen. Er sagte aber zu ihnen dies Gleichniß und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat, und so er deren eins verlieret, der nicht lasse die neunundneunzig in der Wüste, und hingehe nach dem verlorenen, bis daß er es finde? Und wenn er es gefunden hat, so legt er es auf seine Achseln mit Freuden. Und wenn er heim kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn, und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch, also wird auch Freude im Himmel sein über Einen Sünder, der Buße thut, vor neun und neunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen. Oder, welches Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie der einen verliert, die nicht ein Licht anzünde, und kehre das Haus, und suche mit Fleiß, bis fie ihn finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freuet euch mit mir, denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte. Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße thut. 8 Episteln und Evangelien. Epistel am 4. Sonnt. n. Trinit., Röm. 8, V. 18-23. ieben Brüder, ich halte es dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht werth sei. die an uns soll geoffenbaret werden. Denn das ängstliche Harren per Creatur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Sintemal die Creatur unterworfen ist der Eitelkeit, ohne ihren Willen, sondern um deß willen, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung. Denn auch die Creatur frei werden wird von dem Dienste des vergänglichen Wesens, zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß alle Creatur sehnet sich mit uns, und ängstet sich immerdar. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlinge, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft, und warten auf unseres Leibes Erlösung. 34 Evangelium, Luc. 6, V. 36-42. er Herr Jesus sprach: Darum seid barmherzig, wie auch euer gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr auch nicht verdammet. Vergebet, so wird euch vergeben. Gebet, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssig Maß wird man in euren Schooß geben: denn eben mit dem Maße, da ihr mit meffet, wird man euch wieder messen. Und er sagte ihnen ein Gleichniß: Mag auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger ist nicht über seinen Meister; wenn der Jünger ist wie sein Meister, so ist er vollkommen. Was siehst du aber einen Splitter in deines Bruders Auge und des Balkens in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt stille, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehest selbſt nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, ziehe zuvor den Balken aus deinem Auge, und befiehe dann, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest. Epistel am 5. Sonnt. n. Trinit., 1. Petr. 3, V. 8-15. Endlich aber jeid allesammt gleich geſinnet, mitleidig, brüderlich, freundlich. Scheltwort mit Scheltwort; sondern dagegen segnet, und wisset, daß ihr dazu berufen seid, daß ihr den Segen beerbet. Denn, wer leben will und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, daß sie nichts Böses rede, und seine Lippen, daß sie nicht trügen. Er wende sich vom Bösen, und thue Gutes; er suche Frieden, und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren auf ihr Gebet; das Angesicht aber des Herrn siehet auf die, so Böses thun. Und wer ist, der euch schaden könnte, fo ihr dem Guten nachkommet? Und ob ihr auch leidet um der Ge rechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch aber vor ihrem Troben nicht, und erschrecket nicht. Heiliget aber Gott den Herrn in euerem Herzen. Evangelium, Luc. 5, V. 1-11. Cs s begab sich aber, da sich das Volk zu ihm drang, zu hören das Wort Gottes, und er stand am See Genezareth, und sahe zwei Schiffe am See stehen; die Fischer aber waren ausgetreten, und wuschen ihre Nebe: Trat er in der Schiffe eines, welches Episteln und Evangelien. 35 Simons war, und bat ihn, daß er es ein wenig vom Lande führte. Und er setzte sich und lehrete das Volk aus dem Schiffe. Und als er hatte aufgehört zu reden, sprach er zu Simon: Fahre auf die Höhe und werfet euere Neße aus, daß ihr einen Zug thut. Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen. Und da sie das thaten, beschlossen sie eine große Menge Fische und ihr Netz zerriß. Und sie winkten ihren Gesellen, die im anderen Schiffe waren, daß sie kämen, und hülfen ihnen ziehen. Und sie kamen, und fülleten beide Schiffe voll, also, daß sie sanken. Da das Simon Petrus sah, fiel er Jesu zu den Knieen, und sprach: Herr, gehe von mir hinaus, ich bin ein sündiger Mensch. Denn es war ihm ein Schrecken angekommen, und alle, die mit ihm waren, über diesen Fischzug, den sie mit einander gethan hatten. Desselbigen gleichen auch Jakobum und Johannem, die Söhne Zebedäi, Simonis Gesellen. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht, denn von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie führten die Schiffe zu Lande, und verließen alles, und folgeten ihm nach. Epistel am 6. Sonnt. nach Trinit. Röm. 6, V. 3-11. Misset ihr nicht, daß alle, die wir in Jesum Christ getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir je mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie Christus ist auferwecket von den Todten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir aber sammt ihm gepflanzet werden zu gleichem Tode: so werden wir auch der Auferstehung gleich sein; dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch sammt ihm gefreuziget ist, auf daß der fündige Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht dienen. storben ist, der ist gerechtfertigt von der Sünde. mit Christo gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden; und wissen, daß Christus, von den Todten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod wird hinfort über ihn nicht herrschen. Denn daß er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben zu einem Male; daß er aber lebet, das lebet er Gott. Also auch ihr, haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seid, und lebet Gott in Christo Jesu, unserem Herrn. Denn wer geSind wir aber Evangelium, Matth. 5, V. 20-26. D er Herr Jesus sprach zu seinen Jüngern: Ich sage euch: Es sei denn eure Gerechtigkeit besser, denn der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Jhr habt gehöret, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht tödten; wer aber tödtet, der soll des Gerichtes schuldig sein. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichtes schuldig. Wer aber zu seinem Bruder sagt: Racha, der ist des Raths schuldig; wer aber saget: Du Narr, der ist des höllischen Feuers schuldig. Darum wenn du deine Gabe auf dem Altare opferst, und wirst allda eindenken, daß dein Bruder etwas wider dich habe, so laß allda vor dem Altare deine Gabe und gehe zuvor hin, und versöhne dich mit deinem Bruder; und alsdann komme und opfere deine Gabe. Sei willfährig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist, auf daß dich der 3* Episteln und Evangelien. Widersacher nicht dermaleins überantworte dem Richter, und der Richter überantworte dich dem Diener, und werdest in den Kerker geworfen. Ich sage dir: Wahrlich, du wirst nicht von dannen heraus kommen, bis du auch den letzten Heller bezahlest. 36 Epistel am 7. Sonnt. n. Trinit., Röm. 6, V. 19-23. ieben Brüder, ich muß menschlich davon reden, um der Schwachgeben habt zum Dienste der Unreinigkeit, und von einer Ungerechtigkeit zu der anderen: also begebet nun auch euere Glieder zum Dienste der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden. Denn da ihr der Sünde Knecht waret, da waret ihr frei von der Gerechtigkeit. Was hattet ihr nun zu der Zeit für Furcht, welcher ihr euch jetzt schämet? Denn das Ende derselbigen ist der Tod. Nun ihr aber seid von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden, habt ihr euere Frucht, daß ihr heilig werdet, das Ende aber das ewige Leben. Denn der Tod ist der Sünden Sold: aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben, in Christo Jesu, unserm Herrn. Evangelium, Marc. 8, V. 1-9. 3" u der Zeit, da viel Volks da war und hatten nichts zu essen, rief Jesus seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert des Volkes, denn sie haben nun drei Tage bei mir verharret, und haben nichts zu essen; und wenn ich sie ungegessen von mir heim ließe gehen, würden sie auf dem Wege verschmachten. Denn etliche waren von ferne gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brod hier in der Wüste, daß wir sie sättigen? Und er fragte sie: Wie viel habt ihr Brode? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volke, daß sie sich auf die Erde lagerten. Und er nahm die sieben Brode, und dankte, und brach sie, und gab sie seinen Jüngern, daß sie dieselbigen vorlegten. Und sie legten dem Volke vor. Und hatten ein wenig Fischlein; und er dankete, und hieß dieselbigen auch vortragen. Sie aßen aber und wurden satt; und hoben die übrigen Brocken auf, sieben Körbe. Und ihrer waren bei vier tausend, die da gegessen hatten; und er ließ sie von sich. Epistel am 8. Sonnt. n. Trinit., Röm. 8, V. 12-16. o sind wir nun, lieben Brüder, Schuldner, nicht dem Fleische, daß wir nach dem Fleische leben. Denn wo ihr nach dem Fleische lebet, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tödtet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibet, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtlichen Geist empfangen, daß ihr euch abermal fürchten müßtet, sondern ihr habt einen findlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Derselbige Geist Sind giebt Zeugniß unserem Geiste, daß wir Gottes Kinder sind. wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben, und Miterben Christi; so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. Evangelium, Matth. 7, V. 15-23. D er Herr Jesus sprach: Sehet euch vor, vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen; inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen von Episteln und Evangelien. 37 den Disteln? Also ein jeglicher guter Baum bringt gute Früchte; aber ein fauler Baum bringet arge Früchte. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen; sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweisfaget? Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Thaten gethan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt, weichet alle von mir, ihr Uebelthäter. Epistel am 9. Sonnt. n. Trinit., 1. Cor. 10, V. 6-13. Nieben Brüder, das ist aber uns zum Vorbilde geschehen, daß wir uns nicht gelüsten lassen des Bösen, gleich wie jene gelüſtet hat. Werdet auch nicht Abgöttische, gleichwie jener etliche wurden; als geschrieben stehet: Das Volt sette sich nieder zu essen und zu trinken, und stand auf zu spielen. Auch lasset uns nicht Hurerei treiben, wie etliche unter jenen Hurerei trieben, und fielen auf einen Tag drei und zwanzig tausend. Laßt uns aber auch Christum nicht versuchen, wie etliche von jenen ihn versuchten, und wurden von den Schlangen umgebracht. Murret auch nicht, gleichwie jener etliche murreten, und wurden umgebracht durch den Verderber. Solches alles widerfuhr ihnen zum Vorbilde; es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf welche das Ende der Welt gekommen ist. Darum, wer sich läßt dünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. Es hat euch noch keine, denn menschliche Versuchung, betreten: aber Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr es könnet ertragen. Evangelium, Lucas 16, V. 1—9. De er Herr Jesus sprach aber auch zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter, der ward vor ihm berüchtigt, als hätte er ihm seine Güter umgebracht. Und er forderte ihn und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Thue Rechnung von deinem Haushalte, denn du kannst fortan nicht mehr Haushalter sein. Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich thun? Mein Herr nimmt das Amt von mir; graben mag ich nicht, so schäme ich mich zu betteln. Ich weiß wohl, was ich thun will, wenn ich nun von dem Amte gesetzt werde, daß sie mich in ihre Häuser nehmen. Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn, und sprach zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert Tonnen Oel. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, sebze dich, und schreibe flugs fünfzig. Darnach sprach er zu dem anderen: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreibe achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, daß er flüglich gethan hätte. Denn die Kinder dieser Welt sind klüger, denn die Kinder des Lichtes in ihrem Geschlechte. Und ich sage euch auch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, auf daß, wenn ihr nun darbet, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. 38 Episteln und Evangelien. Epistel am 10. Sonnt. n. Trinit., 1. Cor. 12, 3. 1-11. Vo on den geistlichen Gaben will ich euch, lieben Brüder, nicht verhalten. Ihr wisset, daß ihr Heiden seid gewesen, und hingegangen zu den stummen Gözen, wie ihr geführet wurdet. Darum thue ich euch fund, daß niemand Jesum verfluchet, der durch den Geist Gottes redet! und niemand kann Jesum einen Herrn heißen, ohne durch den heiligen Geist. Es sind mancherlei Gaben, aber es ist ein Geist. Und es sind mancherlei Nemter, aber es ist Ein Herr. Und es sind mancherlei Kräfte, aber es ist Ein Gott, der da wirket alles in allem. In einem jeglichen erzeigen sich die Gaben des Geistes zum gemeinen Nußen. Einem wird gegeben, durch den Geist zu reden von der Weisheit; dem anderen wird gegeben zu reden von der Erkenntniß, nach demselbigen Geiste; einem anderen der Glaube, in demselbigen Geiste; einem anderen die Gabe gesund zu machen, in demselbigen Geiste; einem anderen Wunder zu thun; einem anderen Weissagung; einem anderen Geister zu unterscheiden; einem anderen mancherlei Sprachen; einem anderen die Sprachen auszulegen. Dies aber alles wirkt derselbige einige Geist, und theilt einem jeglichen seines zu, nachdem er will. Evangelium, Luc. 19, V. 41-48. nd als er( der Herr Jesus) nahe zu Jerusalem kam, sahe er die du es wüßtest, so würdest du auch bedenken zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet. Aber nun ist es vor deinen Augen verborgen. Denn es wird die Zeit kommen, daß deine Feinde werden um dich und deine Kinder mit dir eine Wagenburg schlagen, dich belagern, und an allen Orten ängsten; und werden dich schleifen und keinen Stein auf dem anderen lassen; darum daß du nicht erkannt haft die Zeit, darinnen du heimgesucht bist. Und er ging in den Tempel, und fing an auszutreiben, die darinnen verkauften und kauften, und sprach zu ihnen: Es stehet geschrieben: Mein Haus ist ein Bethaus; ihr aber habt es gemacht zur Mördergrube. Und er lehrete täglich im Tempel. Aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und die Vornehmsten im Volke trachteten ihm nach), daß sie ihn umbrächten, und fanden nicht, wie sie ihm thun sollten, denn alles Volk hing ihm an, und hörete ihn. Epistel am 11. Sonnt. n. Trinit., 1. Cor. 15, 3. 1-10. ch erinnere euch aber, lieben Brüder, des Evangelii, daß ich in welchem ihr auch stehet, durch welches ihr auch selig werdet, welcher Gestalt ich es verkündiget habe, so ihr es behalten habt, es wäre denn, daß ihr es umsonst geglaubet hättet. Denn ich habe euch zuvörderst gegeben, welches ich auch empfangen habe, daß Christus gestorben sei für unsere Sünden nach der Schrift; und daß er begraben sei, und daß er auferstanden sei am dritten Tage nach der Schrift; und daß er gesehen worden ist von Kephas, darnach von den Zwölfen. Darnach ist er gesehen worden von mehr denn fünf hundert Brüdern auf einmal, derer noch viele leben, etliche aber sind entschlafen. Darnach ist er gesehen worden von Jacobo, darnach von allen Aposteln. Am letzten nach allen ist er auch von mir, als einer unzeitigen Geburt, gesehen worden. Denn ich bin der Geringste unter den Aposteln, als der ich nicht werth bin, Episteln und Evangelien. 39 daß ich ein Apostel heiße, darum, daß ich die Gemeine Gottes verfolget habe. Aber von Gottes Gnade bin ich, das ich bin, und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet, denn sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. Evangelium, Luc. 18, V. 9-14. Der Herr Jesus sagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, fromm wären, Gleichniß: Es gingen zween Menschen hinauf in den Tempel zu beten: einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei fich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin, wie andere Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner; ich faste zweimal in der Woche, und gebe den Zehnten von allem was ich habe. Und der Zöllner stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel; sondern schlug an seine Brust, und sprach: Gott, fei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertiget in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöhet, der wird erniedriget werden; und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet werden. Epistel am 12. Sonnt. n. Trinit., 2. Cor. 3, 3. 4-11. Liebe ieben Brüder, ein solches Vertrauen aber haben wir durch Christum zu Gott. Nicht, daß wir tüchtig sind von uns selber, etwas zu denken, als von uns selber; sondern, daß wir tüchtig sind, ist von Gott, welcher auch uns tüchtig gemacht hat, das Amt zu führen des Neuen Testamentes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tödtet, aber der Geist macht lebendig. So aber das Amt, das durch die Buchstaben tödtet und in die Steine ist gebildet, Klarheit hatte, also, daß die Kinder Ifrael nicht konnten ansehen das Angesicht Mofis, um der Klarheit willen seines Angesichtes, die doch aufhöret; wie sollte nicht vielmehr das Amt, das den Geist gibt, Klarheit haben? Denn so das Amt, das die Verdammniß prediget, Klarheit hat: vielmehr hat das Amt, das die Gerechtigkeit prediget, überschwengliche Klarheit. Denn auch jenes Theil, das verkläret war, ist nicht für Klarheit zu achten gegen dieser überschwenglichen Klarheit. Denn so das Klarheit hatte, das da aufhöret, vielmehr wird das Klarheit haben, das da bleibe. Evangelium, Marc. 7, V. 31-37. den Tyrus und Sidon, kam er an das Galiläische Meer, mitten unter die Grenze der zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem Volke besonders, und legte ihm die Finger in die Ohren, und spüßete, und rührete seine Zunge. Und sahe auf gen Himmel, seufzete und sprach zu ihm: Hephata! das ist: thue dich auf. Und alsbald thaten sich seine Ohren auf und das Band seiner Zunge ward los, und redete recht. Und er verbot ihnen, sie sollten es niemand sagen. Je mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten und verwunderten sich über die Maßen, und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend, und die Sprachlosen redend. Episteln und Evangelien. Epistel am 13. Sonnt. n. Trinit., Gal. 3, V. 15-21. ieben Brüder, ich will nach menschlicher Weise reden: Verachtet wenn es 40 ist, und thun auch nichts dazu. Nun ist je die Verheißung Abraham und seinem Samen zugesagt. Er spricht nicht durch die Samen, als durch viele, sondern als durch einen, durch deinen Samen, welcher ist Christus. Jch sage aber davon: das Teſtament, das von Gott zuvor bestätiget ist auf Christum, wird nicht aufgehoben, daß die Verheißung sollte durch das Gesetz aufhören, welches gegeben ist über vierhundert und dreißig Jahre hernach. Denn so das Erbe durch das Geset erworben würde, so würde es nicht durch Verheißung gegeben. Gott aber hat es Abraham durch Verheißung frei geschenkt. Was soll denn das Gesetz? Es ist dazu gekommen um der Sünde willen, bis der Same käme, dem die Verheißung geschehen ist, und ist gestellet von den Engeln durch die Hand des Mittlers. Ein Mittler aber ist nicht eines einigen Mittler; Gott aber ist einig. Wie? Ist denn das Gesetz wider Gottes Verheißung? Das sei ferne! Wenn aber ein Gesetz gegeben wäre, das da könnte lebendig machen: so käme die Gerechtigkeit wahrhaftig aus dem Gesetze. Aber die Schrift hat es alles beschlossen unter die Sünde, auf daß die Verheißung käme durch den Glauben an Jesum Christum, gegeben denen, die da glauben. Evangelium, Luc. 10, V. 23-27. Und nd er( Jesus) wandte sich zu seinen Jüngern, und sprach insonderheit: Selig sind die Augen die da sehen, das ihr sehet. Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, das ihr sehet, und haben es nicht gesehen; und hören, das ihr höret, und haben es nicht gehöret. Und siehe, da stand ein Schrifte gelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß ich thun, daß ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Wie stehet im Geseß geschrieben; Wie liefest du? Er antwortete und sprach: Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften, und von ganzem Gemüthe, und deinen Nächsten als dich selbst. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet, thue das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen, und sprach zu Jesu: Wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho, und fiel unter die Mörder: die zogen ihn aus und schlugen ihn, und gingen davon, und ließen ihn halb todt liegen. Es be gab sich aber von ungefähr, daß ein Priester dieselbige Straße hinabzog; und da er ihn sah, ging er vorüber. Desselbigen gleichen auch ein Levit, da er kam bei die Stätte, und sah ihn, ging er vorüber. Ein Samariter aber reisete, und kam dahin: und da er ihn sah, jammerte ihn sein, ging zu ihm, verband ihm seine Wunden, und goß drein Del und Wein; und hob ihn auf sein Thier, und führete ihn in die Herberge, und pflegte sein. Des anderen Tages reiste er, und zog heraus zween Groschen, und gab sie dem Wirthe, und sprach zu ihm: Pflege sein; und so du was mehr wirst darthun, will ich dir es bezahlen, wenn ich wieder komme. Welcher dünkt dich, unter diesen breien der Nächste fei gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war? Er sprach: Episteln und Evangelien. 41 Der die Barmherzigkeit an ihm that. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin, und thue desgleichen. Epistel am 14. Sonnt. n. Trinit., Gal. 5, v. 16-24. Lieben Brüder, ich sage euch aber: Wandelt im Geiſte, ſo werdet Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, und der Geist wider das Fleisch. Dieselbigen sind wider einander, daß ihr nicht thut, was ihr wollt. Regieret euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gefeße. Offenbar aber sind die Werke des Fleisches, als da sind Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zank, 3wietracht, Rotten, Haß, Mord, Saufen, Fressen, und dergleichen, von welchen ich euch habe zuvor gesagt und fage noch zuvor, daß, die solches thun, werden das Reich Gottes nicht ererben. Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmuth, Keuschheit. Wider solche ist das Geset nicht. Welche aber Christo angehören, die freuzigen ihr Fleisch, sammt den Lüften und Begierden. Evangelium, Luc. 17, V. 11-19. Und nd es begab sich, da er( Jesus) reisete gen Jerufalem, zog er mitten durch Samaria und Galiläa. Und als er in einen Markt kam, begegneten ihm zehn aussäßige Männer, die standen von fern und erhoben ihre Stimme, und sprachen: Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser. Und da er sie sahe, sprach er zu ihnen: Gehet hin, und zeiget euch den Priestern. Und es geschah, da sie hingingen, wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, da er sah, daß er gefund geworden war, fehrete er um, und pries Gott mit lauter Stimme, und fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen, und dankte ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: Sind ihrer nicht zehn rein worden? Wo find aber die Neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehre und gebe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling? Und er sprach zu ihm: Stehe auf, gehe hin, dein Glaube hat dir geholfen. Epistel am 15. Sonnt. n. Trinit., Gal. 6, V. 1-10. ( o wir im Geiste leben, so lasset uns auch im Geiste wandeln. Lasset uns nicht eitler Ehre geizig sein, unter einander zu entrüsten und zu haffen. Lieben Brüder, so ein Mensch etwa von einem Fehler übereilt würde, so helfet ihm wieder zurechte mit sanftmüthigem Geiste, die ihr geistlich seid. Und siehe auf dich selbst, daß du nicht auch versuchet werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. So aber sich jemand läßt dünfen, er sei etwas, so er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Ein jeglicher aber prüfe selbst sein Werk; und alsdann wird er an ihm selbst Ruhm haben, und nicht an einem andern. Denn ein jeglicher wird seine Last tragen. Der aber unterrichtet wird mit dem Worte, der theile mit allerlei Gutes dem, der ihn unterrichtet. Jrret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch säet, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch säet, der wird von dem Fleische das Verderben ernten. Wer aber auf den Geist säet, der wird von dem Geiste das ewige Leben ernten. Lasset uns aber Gutes thun, und nicht 42 Episteln und Evangelien. müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören. Als wir denn nun Zeit haben, so lasset uns Gutes thun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen. Evangelium, Matth. 6, V. 24-34. iemand kann zween Herren dienen. Entweder er wird einen hassen, und den anderen lieben; oder wird einem anhangen, und den anderen verachten. Jhr könnet nicht Gott dienen, und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr, denn die Speise? Und der Leib mehr, denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an, sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheuern, und euer himmlischer Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? Wer ist unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen möge, ob er gleich darum forget? Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen, sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derselbigen eine. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute stehet und morgen in den Ofen geworfen werden wird: sollte er das nicht vielmehr euch thun? O ihr Kleingläubigen! Darum follt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr deß alles bedürfet. Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes, und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Darum forget nicht für den anderen Morgen, denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe. Epistel am 16. Sonnt. n. Trinit., Ephes. 3, V. 13-21. Liebe ieben Brüder, darum bitte ich, daß ihr nicht müde werdet um meiner Trübfalen willen, die ich für euch leide, welche euch eine Ehre sind. Derhalben beuge ich meine Kniee gegen den Vater unseres Herrn Jesu Christi, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, daß er euch Kraft gebe nach dem Reichthume seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, und Christum zu wohnen durch den Glauben in eueren Herzen, und durch die Liebe eingewurzelt und gegründet zu werden. Auf daß ihr be greifen möget mit allen Heiligen, welches da sei die Breite und die Länge, und die Tiefe, und die Höhe. Auch erkennen, daß Christum lieb haben, viel besser ist, denn alles Wissen, auf daß ihr erfüllet werdet mit allerlei Gottesfülle. Dem aber, der überschwenglich thun kann über alles, das wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirket, dem sei Ehre in der Gemeine, die in Christo Jesu ist, zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen. Evangelium, Luc. 7, V. 11-17. nd es begab sich darnach, daß er( Jesus) in eine Stadt mit und viel Volkes. Als er aber nahe an das Stadtthor kam, siehe, Episteln und Evangelien. 43 da trug man einen Todten heraus, der ein einziger Sohn war seiner Mutter; und sie war eine Wittwe, und viel Volkes aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sahe, jammerte ihn derselbigen, und sprach zu ihr: Weine nicht. Und trat hinzu, und rührete den Sarg an, und die Träger standen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf. Und der Todte richtete sich auf, und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner Mutter. Und es kam sie alle eine Furcht an, und priesen Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk heimgesucht. Und diese Rede von ihm erscholl in das ganze jüdische Land, und in alle umliegende Länder. Epistel am 17. Sonnt. n. Trinit., Ephes. 4, V. 1-6. ( o ermahne nun euch ich Gefangener in dem Herrn, daß ihr wandelt, wie sichs gebühret, euerem Berufe, darinnen ihr berufen seid, mit aller Demuth und Sanftmuth, mit Geduld, und vertraget einer den andern in der Liebe Und seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geiste, durch das Band des Friedens. Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid auf einerlei Hoffnung eueres Berufes. Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater unser aller, der da ist über euch alle, und durch euch alle, und in euch allen. Evangelium, Luc. 14, V. 1-11. nd es begab sich, daß er( Jesus) kam in ein Haus eines Obersten sie hielten auf ihn. Und siehe, da war ein Mensch vor ihm, der war wassersüchtig. Und Jesus antwortete und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharisäern und sprach: Ist es auch recht auf den Sabbath heilen? Sie aber schwiegen still. Und er griff ihn an und heilete ihn, und ließ ihn gehen. Und antwortete und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem sein Ochs oder Esel in den Brunnen fällt, und er nicht allsobald ihn heraus ziehet am Sabbathtage? Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben. Er sagte aber ein Gleichniß zu den Gästen, da er merkte, wie sie erwähleten oben an zu siten, und sprach zu ihnen: Wenn du von jemand geladen wirst zur Hochzeit, so sebe dich nicht oben an, daß nicht etwa ein Ehrlicherer, denn du, von ihm geladen ſei, und sodann kommt, der dich und ihn geladen hat, spreche zu dir: Weiche diesem, und du müsseft dann mit Scham unten an sizen. Sondern, wenn du geladen wirst, so gehe hin und sehe dich unten an, auf daß, wenn da kommt, der dich geladen hat, spreche zu dir: Freund, rücke hinauf. Dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit dir zu Tische sitzen. Denn wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden; und wer sich selbst erniedriget, der soll erhöhet werden. Epistel am 18. Sonnt. n. Trinit., 1 Cor. 1, V. 4-9. ch danke meinen Gott allezeit euernthalben, für die Gnade I ihn an allen Stücken reich gemacht, an aller Lehre und in aller Erkenntniß. Wie denn die Predigt von Christo in euch kräftig geworden ist, also, daß ihr keinen Mangel habt an irgend einer Gabe und wartet nur auf die Offenbarung unseres Herrn Jesu 44 Episteln und Evangelien. Christi; welcher auch wird euch fest behalten bis ans Ende, daß ihr unsträflich seid auf den Tag unseres Herrn Jesu Christi. Denn Gott ist treu, durch welchen ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesu Christi, unseres Herrn. Evangelium, Matth. 22, V. 34-46. Da a aber die Pharisäer höreten, daß er( Jesus) den Sadducäern. das Maul gestopft hatte, versammelten sie sich. Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und sprach: Meiſter, welches ist das vornehmste Gebot im Gesez? Jesus aber sprach zu ihm: Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüthe. Dies ist das vornehmste und größeste Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. In diesen zweien Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten. Da nun die Pharisäer bei einander waren, fragte sie Jesus und sprach: Wie dünft euch um Christo? Weß Sohn ist er? Sie sprachen: Davids. Er sprach zu ihnen: Wie nennet ihn denn David im Geiste einen Herrn, da er sagt: Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Seze dich zu meiner Rechten, bis daß ich lege deine Feinde zum Schemel deiner Füße. So nun David ihn einen Herrn nennet, wie ist er denn sein Sohn? Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, und durfte auch niemand von dem Tage an hinfort ihn fragen. Epistel am 19. Sonnt. n. Trinit., Ephes. 4, V. 22-28. o leget nun von euch ab, nach dem vorigen Wandel, den alten Menschen, der durch Lüste in Irrthum sich verderbet. Erneuert euch aber im Geiste eueres Gemüthes, und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Ge rechtigkeit und Heiligkeit. Darum leget die Lügen ab und redet die Wahrheit, ein jeglicher mit seinen Nächsten, sintemal wir unter einander Glieder sind. Zürnet und sündiget nicht; laſset die Sonne nicht über euerem Zorne untergehen. Gebet auch nicht Raum dem Lästerer. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr; sondern arbeite und schaffe mit den Händen etwas Gutes, auf daß er habe zu geben dem Dürftigen. Evangelium, Matth. 9, V. 1-8. D a trat er( Jesus) in das Schiff, und fuhr wieder herüber, und tam in seine Stadt. Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gichtbrüchigen: der lag auf einem Bette. Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Sei getrost, mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Und siehe, etliche unter den Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott. Da aber Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denket ihr so Arges in eueren Herzen? Welches ist leichter zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben; oder zu sagen: Stehe auf und wandele? Auf daß ihr aber wisset, daß des Menschen Sohn Macht habe auf Erden, die Sünden zu vergeben, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: Stehe auf, hebe dein Bette auf, und gehe heim. Und er stand auf und ging heim. Da das Volk das sah, verwunderte es sich, und pries Gott, der solche Macht dem Menschen gegeben hat. Episteln und Evangelien. 45 Epistel am 20. Sonnt. n. Trinit., Ephes. 5, B. 15-21. o sehet nun zu, wie ihr vorsichtlich wandelt, nicht als die Unweisen, sondern als die Weisen. Und schicket euch in die Zeit, denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern verständig, was da sei des Herrn Wille. Und saufet euch nicht voll Weines, daraus ein unordentliches Wesen folgt; sondern werdet voll Geistes, und redet unter einander von Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singet und spielet dem Herrn in eueren Herzen; und saget Dank allezeit für alles, Gott und dem Vater, in dem Namen unseres Herrn Jesu Christi! Und seid unter einander unterthan in der Furcht Gottes. Evangelium, Matth. 22, V. 1-27. nd Jesus antwortete und redete abermal durch Gleichnisse zu der seinem Sohne Hochzeit machte; und sandte seine Knechte aus, daß sie die Gäste zur Hochzeit riefen; und sie wollten nicht kommen. Abermal sandte er andere Knechte aus, und sprach: Saget den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet und alles bereitet; kommet zur Hochzeit. Aber sie verachteten das, und gingen hin, einer auf seinen Acker, der andere zu seiner Handthierung. Etliche aber griffen seine Knechte, höhneten und tödteten sie. Da das der König hörete, ward er zornig, und schickte seine Heere aus, und brachte diese Mörder um, und zündete ihre Stadt an. Da sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereitet: aber die Gäste waren es nicht werth. Darum gehet hin auf die Straßen, und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet. Und die Knechte gingen aus auf die Straßen, und brachten zusammen, wen sie fanden: Böse und Gute. Und die Tische wurden alle voll. Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen, und sahe allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitliches Kleid an, und sprach zu ihm: Freund, wie bist du herein gekommen und hast doch kein hochzeitliches Kleid an? Er aber verstummete. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werfet ihn in die äußerste Finsterniß hinaus, da wird sein Heulen und Zähneklappen. Denn Viele sind berufen, aber Wenige sind auserwählet. Epistel am 21. Sonnt. n. Trinit., Ephes. 6, V. 10-17. ulest, meine Brüder, seid stark in dem Herrn, und in der Macht seiner Stärke. Ziehet an den Harnisch Gottes, daß ihr bestehen könnet gegen die listigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsterniß dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Um deswillen, so ergreifet den Harnisch Gottes, auf daß ihr an dem bösen Tage Widerstand thun, und alles wohl ausrichten, und das Feld behalten möget. So stehet nun, umgürtet euere Lenden mit Wahrheit, und angezogen mit dem Krebse der Gerechtigkeit, und an Beinen gestiefelt, als fertig zu treiben das Evangelium des Friedens, damit ihr bereitet seid. Vor allen Dingen aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnet alle feurige Pfeile des Bösewichtes. Und nehmet den Helm des Heiles, und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. 3μ⁰ Episteln und Evangelien. Evangelium, Joh. 4, V. 47-54. Und nd es war ein Königischer, deß Sohn lag krank zu Capernaum. Dieser hörete, daß Jesu kam aus Judäa in Galiläa und ging hin zu ihm, und bat ihn, daß er hinab käme und helfe seinem Sohne; denn er war todtkrank. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht. Der Königische sprach zu ihm: Herr, komm hinab, ehe denn mein Kind stirbt. Jesus spricht zu ihm: Gehe hin, dein Sohn lebet. Der Mensch glaubte dem Worte, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und indem er hinab ging, begegneten ihm seine Knechte, verkündigten ihm und sprachen: Dein Kind lebet. Da forschte er von ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm geworden war. Und sie sprachen zu ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkte der Vater, daß es um die Stunde wäre, in welcher Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebet. Und er glaubte mit seinem ganzen Hause. Das ist nun das andere Zeichen, das Jesus that, da er aus Judäa in Galiläa kam. Epistel am 22. Sonnt. n. Trinit., Phil. 1, v. 3-11. ch danke meinem Gott, so oft ich euer gedenke( welches ich allezeit thue in allem meinem Gebete für euch alle, und thue das Gebet mit Freuden), über euere Gemeinschaft am Evangelio, vom ersten Tage an bisher. Und bin desselbigen in guter Zuversicht, daß, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollführen, bis an den Tag Jesu Christi. Wie es denn mir heilig ist, daß ich dermaßen von euch allen halte; darum, daß ich euch in meinem Herzen habe, in diesem meinem Gefängnisse, darinnen ich das Evangelium verantworte und bekräftige, als die ihr alle mit mir der Gnade theilhaftig seid. Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch allen verlanget von Herzensgrunde in Jesu Christo. Und darum bete ich, daß euere Liebe je mehr und mehr reich werde in aller Erkenntniß und Erfahrung, daß ihr prüfen möget, was das Beste sei; auf daß ihr seid lauter und unanstößig bis auf den Tag Christi; erfüllet mit Früchten der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum geschehen( in euch) zur Ehre und zum Lobe Gottes. Evangelium, Matth. 18, V. 23-35. 46 esus sprach zu Petro: Das Himmelreich ist gleich einem Könige, Jefus der mit seinen Knechten rechnen wollte. Und da er anfing zu rechnen, kam ihm einer vor, der war ihm zehntausend Pfund schuldig. Da er es nun nicht hatte zu bezahlen, hieß der Herr verkaufen ihn, und sein Weib, und seine Kinder, und alles, was er hatte, und bezahlen. Da fiel der Knecht nieder, und betete ihn an, und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Da jammerte den Herrn desselbigen Knechtes, und ließ ihn Los und die Schuld erließ er ihm auch. Da ging derselbige Knecht hinaus, und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen schuldig; und er griff ihn an und würgete ihn und sprach: Bezahle mir, was du mir schuldig bist. Da fiel sein Mitknecht nieder, und bat ihn, und sprach: Habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Er wollte aber nicht; sondern ging hin, und warf ihn ins Gefängniß, bis daß er bezahlete, was er schuldig war. Da aber seine Mitknechte solches sahen, wurden sie sehr betrübt, und kamen, und brachten vor ihren Herrn alles, was Episteln und Evangelien. 47 sich begeben hatte. Da forderte ihn sein Herr vor sich, und sprach zu ihm: Du Schalksknecht, alle diese Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich batest; solltest du denn dich nicht auch erbarmen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmet habe? Und sein Herr ward zornig, und überantwortete ihn den Peinigern, bis daß er bezahlete alles, was er ihm schuldig war. Also wird euch mein himmlischer Vater auch thun, so ihr nicht vergebet von eueren Herzen, ein jeglicher seinem Bruder seine Fehler. Epistel am 23. Sonnt. n. Trinit., Phil. 3, V. 17-21. olget mir, lieben Brüder, und sehet auf die, die also wandeln wie ihr uns habt zum Vorbilde. Denn viele wandeln, von welchen ich euch oft gesagt habe, nun aber sage ich auch mit Weinen, die Feinde des Kreuzes Christi; welcher Ende ist die Verdammniß, welchen der Bauch ihr Gott ist, und ihre Ehre zu Schanden wird, derer, die irdisch gesinnet sind. Unser Wandel aber ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi, des Herrn, welcher unseren nichtigen Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe, nach der Wirkung, damit er kann auch alle Dinge ihm unterthänig machen. Evangelium, Matth. 22, V. 15-22. Da a gingen die Pharisäer hin, und hielten einen Rath, wie sie ihn( Jesum) fingen in seiner Rede. Und sandten zu ihm ihre Jünger, sammt Herodes Dienern, und sprachen: Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist, und lehrest den Weg Gottes recht, und du fragest nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen. Darum sage uns, was dünket dich? Ist es recht. daß man dem Kaiser Zins gebe oder nicht? Da nun Jesus merkte ihre Schalkheit, sprach er: Ihr Heuchler, was versuchet ihr mich? Weiset mir die Zinsmünze. Und sie reichten ihm einen Groschen dar. Und er sprach zu ihnen: Weß ist das Bild und die Ueberschrift? Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Da sie das höreten, verwunderten sie sich, und ließen ihn, und gingen davon. Epistel am 24. Sonnt. nach Trinit., Ephes. 1, V. 9-14. Derohalben auch wir, von dem Tage an, da wir es gehöret haben, nicht zu erfüllet werdet mit Erkenntniß seines Willens, in allerlei geistlicher Weisheit und Verstand; daß ihr wandelt würdiglich dem Herrn zu allem Gefallen, und fruchtbar seid in allen guten Werken, und wachset in der Erkenntniß Gottes, und gestärket werdet mit aller Kraft nach seiner herrlichen Macht, in aller Geduld und Langmüthigkeit mit Freuden. Und danksaget dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erbtheile der Heiligen im Lichte: Welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsterniß, und hat uns versetet in das Reich seines lieben Sohnes, an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. Evangelium, Matth. 9, V. 18-26. er( Jesus) solches mit ihnen redete, siehe, da kam der Obersten einer und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, meine Tochter iſt jetzt gestorben, aber komm, und lege deine Hand auf sie, so Dº a 48 Episteln und Evangelien. wird sie lebendig. Und Jesus stand auf, und folgte ihm nach, und seine Jünger. Und siehe ein Weib, daß zwölf Jahre den Blutgang gehabt, trat von hinten zu ihm, und rührte seines Kleides Saum an. Denn sie sprach bei sich selbst: Möchte ich nur sein Kleid anrühren, so würde ich gesund. Da wandte sich Jesus um, und sah sie, und sprach: Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und das Weib ward gesund zu derselbigen Stunde. Und als er in des Obersten Haus kam, und sah die Pfeifer und das Getümmel des Volkes, sprach er zu ihnen: Weichet, denn das Mägdlein ist nicht todt, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn. Als aber das Volk ausgetrieben war, ging er hinein, und ergriff sie bei der Hand; da stand das Mägdlein auf. Und dies Gerücht erscholl in dasselbige ganze Land. Epistel am 25. Sonnt. n. Trinit., 1. Thess. 4, V. 13-18. Mir wollen euch aber, lieben Brüder, nicht verhalten von denen, anderen, die keine Hoffnung haben. Denn so wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist: also wird Gott auch die, die da entschlafen sind durch Jesum, mit ihm führen. Denn das sagen wir euch, als ein Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und überbleiben in der Zukunft des Herrn, werden denen nicht vorkommen, die da schlafen. Denn er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und Stimme des Erzengels, und mit der Pofaune Gottes hernieder kommen vom Himmel, und die Todten in Christo werden auferstehen zuerst, darnach wir, die wir leben und überbleiben, werden zugleich mit denselben hingerückt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet euch nun mit diesen Worten unter einander. Evangelium, Matth. 24, V. 15- 28. esus sprach zu seinen Jüngern: Wenn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung, davon gesagt ist durch den Propheten Daniel, daß er stehe an der heiligen Stätte;( wer das lieset, der merke darauf!) Alsdann fliehe auf die Berge, wer im jüdischen Lande ist. Und wer auf dem Dache ist, der steige nicht hernieder, etwas aus seinem Hause zu holen. Und wer auf dem Felde ist, der kehre nicht um, seine Kleider zu holen. Wehe aber den Schwangern und Säugern zu der Zeit. Bittet aber, daß euere Flucht nicht geschehe im Winter, oder am Sabbathe. Denn es wird alsdann eine große Trübsal sein, als nicht gewesen ist vom Anfange der Welt bis her, und als auch nicht werden wird. Und wo diese Tage nicht würden verkürzet, so würde kein Mensch selig; aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzet. So als dann jemand zu euch wird sagen: Siehe, hier ist Christus, oder da; so sollt ihr es nicht glauben. Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen, und große Zeichen und Wunder thun, daß verführet werden in den Irrthum( wo es möglich wäre) auch die Auserwählten. Siehe, ich habe es euch zuvorgesagt. Darum, wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste, so gehet nicht hinaus: Siehe, er ist in der Kammer, so glaubet es nicht. Denn gleich wie der Blitz ausgehet vom Aufgange und scheinet bis zum Niedergange: also wird auch sein die Zukunft des Menschen Sohnes. Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die Adler. Episteln und Evangelien. 49 gebr Epistel am 26. Sonnt. n. Trinit., 2. Petri 3, V. 3-13. hr Lieben, wisset das aufs erste, daß in den letzten Tagen kommen werden Spötter, die nach ihren eigenen Lüsten wandeln und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Zukunft? Denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es vom Anfange der Creatur gewesen ist. Aber Muthwillens wollen sie nicht wissen, daß der Himmel vor Zeiten auch war, dazu die Erde aus Wasser, und im Wasser bestanden durch Gottes Wort: dennoch ward zu der Zeit die Welt durch dieselbigen mit der Sündfluth verderbet. Also auch der Himmel jezund und die Erde werden durch sein Wort gesparet, daß sie zum Feuer behalten werden am Tage des Gerichtes und der Verdammniß der gottlosen Menschen. Eins aber sei euch unverhalten, ihr Lieben, daß ein Tag vor dem Herrn ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verziehet nicht die Verheißung, wie es etliche für einen Verzug achten; sondern er hat Geduld mit uns, und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern, daß sich jedermann zur Buße kehre. Es wird aber des Herrn Tag kommen als ein Dieb in der Nacht, in welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen, die Elemente aber werden vor Hize zerschmelzen, und die Erde und die Werke, die darinnen sind, werden verbrennen. So nun das alles soll zergehen, wie sollt ihr denn geschickt sein mit heiligem Wandel und gottfeligem Wesen, daß ihr wartet und eilet zu der Zukunft des Tages des Herrn, in welchem die Himmel vom Feuer zergehen, und die Elemente vor Hize zerschmelzen werden. Wir warten aber eines neuen Himmels, und einer neuen Erde, nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnet. Evangelium, Matth. 25, V. 31-36. Menn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle heilige Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhle seiner Herrlichkeit. Und werden vor ihm alle Völker versammelt werden, und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet. Und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, und die Böcke zur Linken. Da wird denn der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommet her ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist vom Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig ge= wesen, und ihr habt mich gespeiset. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränket. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherberget. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin frank gewesen, und ihr habt mich besuchet. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen, und haben dich gespeiset? Oder durstig, und haben dich getränket? Wann haben wir dich einen Gast gesehen, und beherberget? Oder nackend, und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich krank oder gefangen gesehen, und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich ich sage euch: Was ihr gethan habt einem unter diesen, meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht 4 50 Episteln und Evangelien. gespeiset. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränket. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich nicht beherberget. Ich bin nackend gewesen, und ihr habt mich nicht be fleidet. Ich bin frank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besuchet. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig oder durstig, oder einen Gast, oder nackend, oder krank, oder gefangen, und haben dir nicht gedienet? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: was ihr nicht gethan habt einem unter diesem Geringsten, das habt ihr mir auch nicht gethan. Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben. Epistel am 27. Sonnt. n. Trinit., 2. Cor. 5, V. 1-10. W ir wissen aber, so unser irdisches Haus dieser Hütte zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben von Gott erbauet, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. Und über demselbigen sehnen wir uns auch nach unserer Behausung, die vom Himmel ist, und uns verlanget, daß wir damit überkleidet werden; so doch, wo wir bekleidet, und nicht bloß erfunden werden. Denn dieweil wir in der Hütte sind, sehnen wir uns, und sind beschweret; sintemal wir wollten lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden, auf daß das Sterbliche würde verschlungen von dem Leben. Der uns aber zu demselbigen bereitet, das ist Gott, der uns das Pfand, den Geist gegeben hat. Wir sind aber getrost allezeit, und wissen, daß, dieweil wir im Leibe wohnen, so wallen wir dem Herrn. Denn wir wandeln im Glauben, und nicht im Schauen. Wir sind aber getrost, und haben vielmehr Lust außer dem Leibe zu wallen, und daheim zu sein bei dem Herrn. Darum fleißigen wir uns auch, wir sind daheim, oder wallen, daß wir ihm wohlgefallen. Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhle Christi, auf daß ein jeglicher empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse. Das Evangelium am 27. Sonnt. n. Trinit. von der Verklärung Christi, Matth. am 17., V. 2-9, suche droben am 6. Sonntage nach dem der Heil. 3 Könige. Oder: Evangelium, Matth. 24, V. 37-51. die aber, wie es ſein Zukunft des Menschen Sohnes. Denn gleichwie sie waren in den Tagen vor der Sündfluth, sie aßen, fie tranken, sie freieten und ließen sich freien, bis an den Tag, da Noah zu der Arche einging; und sie achteten es nicht, bis die Sündfluth kam, und nahm sie alle dahin; also wird auch sein die Zukunft des Menschen Sohnes. Dann werden zween auf dem Felde sein; einer wird angenommen, und der andere wird verlassen werden. Zwo werden mahlen auf der Mühle; eine wird angenommen, und die andere wird verlassen werden. Darum wachet, denn ihr wisset nicht, welche Stunde euer Herr kommen wird. Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausvater wüßte, welche Stunde der Dieb kommen wollte, so würde er ja wachen und nicht in sein Haus brechen lassen. Darum seid ihr auch bereit, denn des Menschen Sohn wird kommen zu einer Stunde, da ihr es nicht meinet. Welcher ist aber nun ein treuer und kluger Knecht, den sein Herr gesetzt hat über sein Ge sinde, daß er ihnen zu rechter Zeit Speise gebe? Selig ist der Episteln und Evangelien. 51 Knecht, wenn sein Herr kommt, und findet ihn also thun. Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen. So aber jener, der böse Knecht, wird in seinem Herzen sagen: Mein Herr kommt noch lange nicht; Und fängt an zu schlagen seine Mitknechte, isset und trinket mit dem Trunkenen. So wird der Herr desselbigen Knechts kommen an dem Tage, deß er sich nicht versiehet, und zu der Stunde, die er nicht meinet, und wird ihn zerscheitern und wird ihm seinen Lohn geben mit den Heuchlern. Da wird sein Heulen und Zähneklappen. Ein anderes Evangelium, Matth. 25, V. 1-13. ann wird das Himmelreich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren thöricht, und fünf waren flug. Die Thörichten nahmen ihre Lampen; aber sie nahmen nicht Del mit sich. Die Klugen aber nahmen Oel in ihren Gefäßen, sammt ihren Lampen. Da nun der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig, und entschliefen. Zur Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kommt; gehet aus, ihm entgegen. Da standen diese Jungfrauen alle auf, und schmückten ihre Lampen. Die Thörichten aber sprachen zu den Klugen: Gebet uns von euerem Dele, denn unsere Lampen verlöschen. Da antworteten die Klugen und sprachen: Nicht also, auf daß nicht uns und euch gebreche. Gehet aber hin zu den Krämern, und kauft für euch selbst. Und da sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam, und welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit; und die Thür ward verschlossen. Zulegt kamen auch die anderen Jungfrauen, und sprachen: Herr, Herr, thue uns auf. Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht. Darum wachet; denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird. Episteln und Evangelien, welche an den sogenannten kleinen Festen in der Kirche gelesen werden. Epistel am Tage der Reinigung Mariä, Mal. 3, V. 1-4. iehe, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr suchet, und der Engel des Bundes, deß ihr begehret. Siehe, er kommt, spricht der Herr Zebaoth. Wer wird aber den Tag seiner Zukunft erleiden mögen? Und wer wird bestehen, wenn er wird erscheinen? Denn er ist wie das Feuer eines Goldschmiedes, und wie die Seife der Wäscher. Er wird sitzen und schmelzen, und das Silber reinigen; er wird die Kinder Levi reinigen und läutern, wie Gold und Silber. Dann werden sie dem Herrn Speisopfer bringen in Gerechtigkeit, und wird dem Herrn wohlgefallen das Speisopfer Juda und Jerusalem, wie vorhin und vor langen Jahren. 4* Episteln und Evangelien. Evangelium, Luc. 2, V. 22-32. U nd da die Tage ihrer Reinigung nach dem Gefeße Moses kamen, 52 dem Herrn;( wie denn geschrieben steht in dem Gesetze des Herrn: Allerlei Männlein, das zum ersten die Mutter bricht, soll dem Herrn geheiliget heißen). Und daß sie gäben das Opfer; nachdem gesagt ist im Gesetze des Herrn, ein paar Turteltauben, oder zwo junge Tauben. Und siehe, ein Mensch war zu Jerusalem, mit Namen Simeon: und der Mensch war fromm und gottesfürchtig, und wartete auf den Trost Ifraels, und der heilige Geist war in ihm; und ihm war eine Antwort geworden von dem heiligen Geiste, er sollte den Tod nicht sehen, er hätte denn zuvor den Christ des Herrn gesehen. Und kam aus Anregen des Geistes in den Tempel. Und da die Eltern das Kind Jesum in den Tempel brachten, daß sie für ihn thäten, wie man pfleget nach dem Gesetze: da nahm er ihn auf seine Arme, und lobte Gott und sprach: Herr, nun läsfest du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast. Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zu erleuchten die Heiden, und zum Preise deines Volkes Israel. Epistel am Tage der Verkündigung Mariä, Jes. 7, V. 10-16. nd der Herr redete abermals zu Ahas und sprach: Fordere dir Hölle, oder oben in der Höhe. Aber Ahas sprach: Ich will es nicht fordern, daß ich den Herrn nicht versuche. Da sprach er: Wohlan, so höret ihr vom Hause David: ist es euch zu wenig, daß ihr die Leute beleidiget: ihr müsset auch meinen Gott beleidigen? Darum so wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger, und wird einen Sohn gebären, den wird sie heißen Immanuel. Butter und Honig wird er essen, daß er wisse Böses zu verwerfen, um Gutes zu erwählen. Denn ehe der Knabe lernet Böses verwerfen, und Gutes erwählen, wird das Land, davor dir grauet, verlassen sein von seinen zwei Königen. Evangelium, Luc. 1, v. 26-38. Und nd im sechsten Monate war der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertrauet war einem Manne, mit Namen Joseph, vom Hause Davids, und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel fam zu ihr hinein, und sprach: Gegrüßet seist du, Holdselige, der Herr ist mit dir, du Gebenedeiete unter den Weibern. Da sie ihn aber sah, erschrak sie über seine Rede, und gedachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden im Leibe, und einen Sohn gebären, deß Namen sollst du Jesus heißen. Der wird groß, und ein Sohn des Höchsten genannt werden, und Gott, der Herr, wird ihm den Stuhl seines Vaters David geben; und er wird ein König sein über das Haus Jakob ewiglich; und seines Königreiches wird kein Ende sein. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, sintemal ich von keinem Manne weiß? Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Darum auch das Heilige, das Episteln und Evangelien. 53 von dir geboren wird, wird Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Gefreundete, ist auch schwanger mit einem Sohne in ihrem Alter; und gehet jetzt im sechsten Monate, die im Geschreie ist, daß sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du mir gesagt haft. Und der Engel schied von ihr. Epistel am Tage Johannis des Täufers, Jes. 40, V. 1-5. euer salem freundlich, und prediget ihr, daß ihre Ritterschaft ein Ende hat. Denn ihre Missethat ist vergeben; denn sie hat zweifältiges empfangen von der Hand des Herrn, um alle ihre Sünde. Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste. Bereitet dem Herrn den Weg, macht auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserem Gott. Alle Thale sollen erhöhet werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was ungleich ist, soll eben, und was höckricht ist, soll schlecht werden. Denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbar werden, und alles Fleisch mit einander wird sehen, daß des Herrn Mund redet. Evangelium, Luc. 1, v. 57-80. Und nd Elisabeth kam ihre Zeit, daß sie gebären sollte; und sie ge= bar einen Sohn. Und ihre Nachbarn und Gefreundeten höreten, daß der Herr große Barmherzigkeit an ihr gethan hatte, und freueten sich mit ihr. Und es begab sich am achten Tage, kamen sie zu beschneiden das Kindlein; und hießen es nach seinem Vater Zacharias. Aber seine Mutter antwortete und sprach: Mit nichten, sondern er soll Johannes heißen. Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner Freundschaft, der also heiße. Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn wollte heißen lassen. Und er forderte ein Täflein, schrieb und sprach: Er heißt Johannes. Und sie verwunderten sich alle. Und alsobald ward sein Mund und seine Zunge aufgethan, und redete, und lobete Gott. Und es kam eine Furcht über alle Nachbarn, und diese Geschichte ward allen ruchbar auf dem ganzen jüdischen Gebirge. Und alle, die es hörten, nahmen es zu Herzen, und sprachen: Was, meinest du, will aus dem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm. Und sein Vater Zacharias ward des heiligen Geistes voll, weissagete, und sprach: Gelobet sei der Herr, der Gott Jsraels, denn er hat besuchet und erlöset sein Volk. Und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heiles, in dem Hause seines Dieners Davids. Als er vor Zeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten. Daß er uns errettete von unseren Feinden, und von der Hand aller, die uns hassen; und die Barmherzigkeit erzeigte unseren Vätern, und gedächte an seinen heiligen Bund, und an den Eid, den er geschworen hat unserem Vater Abraham, uns zu geben. Daß wir, erlöset aus der Hand unserer Feinde, ihm dieneten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist. Und du Kindlein wirst ein Prophet des Höchsten heißen; du wirst vor dem Herrn hergehen, daß du seinen Weg bereitest, und Erkenntniß des Heiles gebeft seinem Volke, die da ist in Vergebung ihrer Sünden, durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch welche uns besucht hat der Aufgang aus der Höhe, auf daß er erscheine denen, die da sizen in Finsterniß und 54 Episteln und Evangelien. Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Und das Kindlein wuchs, und ward stark im Geiste, und war in der Wüste, bis daß er sollte hervortreten vor das Volk Israel. Epistel am Tage der Heimsuchung Mariä, Jes. 11, V. 1-5. Und nd es wird eine Ruthe aufgehen von dem Stamme sai, und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf welchem wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rathes und der Stärke, der Geist der Erkenntniß und der Furcht des Herrn. Und sein Riechen wird sein in der Furcht des Herrn. Er wird nicht richten, nach dem seine Augen sehen, noch strafen, nach dem seine Ohren hören. Sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen, und mit Ge richte strafen die Elenden im Lande, und wird mit dem Stabe seines Mundes die Erde schlagen, und mit dem Oden seiner Lippen den Gottlosen tödten. Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein, und der Glaube der Gurt seiner Nieren. Evangelium, Luc. 1, V. 39-56. Maria aber stand auf in den Tagen, und ging auf das Gebirg zu charias, und grüßte Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Mariä hörete, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth ward des heiligen Geistes voll, und rief laut, und sprach: Gebenedeiet bist du unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht deines Leibes. Und woher kommt mir das, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Siehe, da ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte mit Freuden das Kind in meinem Leibe. Und o selig bist du, die du geglaubet hast, denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem Herrn. Und Maria sprach: Meine Seele erhebet den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes meines Heilandes. Denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindesfinder. Denn er hat große Dinge an mir gethan, der da mächtig ist und deß Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währet immer für und für bei denen, die ihn fürchten. Er übt Gewalt mit seinem Arme, und zerstreuet, die hoffärtig sind in ihres Her zens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Stuhle und erhebet die Niedrigen. Die Hungrigen füllet er mit Gütern, und läsfet die Reichen leer. Er denket der Barmherzigkeit, und hilft seinem Diener Israel auf; wie er geredet hat unseren Vätern, Abraham und seinem Samen ewiglich. Und Maria blieb bei ihr drei Monate; darnach kehrete sie wieder heim. Und Epistel am St. Michaelis- Tage, Off. Joh. 12, V. 7-12. nd es erhob sich ein Streit im Himmel; Michael und seine Engel stritten mit dem Drachen, und der Drache stritt und seine Engel. Und siegeten nicht, auch ward ihre Stätte nicht mehr gefunden im Himmel. Und es ward ausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt der Teufel und Satanas, der die ganze Welt verführet; und ward geworfen auf die Erde, und seine Engel wurden auch dahin geworfen. Und ich hörete eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil, und die Kraft, und das Reich unseres Gottes, und die Macht seines Christus Episteln und Evangelien. 55 geworden; weil der Verkläger unserer Brüder verworfen ist, der fie verklaget Tag und Nacht vor Gott. Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut, und durch das Wort ihres Zeugnisses; und haben ihr Leben nicht geliebet bis an den Tod. Darum freuet euch, ihr Himmel, und die darinnen wohnen. Evangelium, Matth. 18, V. 1-11. u derselbigen Stunde traten die Jünger zu Jesu, und sprachen: 3 Kind zu sich, und stellte es mitten unter sie. Und sprach: Wahrlich, ich sage euch, es sei denn, daß ihr euch umkehret, und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer sich nun selbst erniedriget wie dies Kind, der ist der Größeste im Himmelreiche. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehänget, und er ersäufet würde im Meere, da es am tiefsten ist. Wehe der Welt, der Äergerniß halber! Es muß ja Aergerniß kommen; doch mehe dem Menschen, durch welchen Aergerniß kommt! So aber deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab und wirf ihn von dir. Es ist dir besser, daß du zum Leben lahm, oder ein Krüppel eingehest, denn daß du zwo Hände oder zween Füße habest, und werdest in das ewige Feuer geworfen. Und so dich dein Auge ärgert, reiß' es aus und wirf es von dir. Es ist dir besser, daß du einäugig zum Leben eingehest, denn daß du zwei Augen habest, und werdest in das höllische Feuer geworfen. Sehet zu, daß ihr nicht Jemand von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. Denn des Menschen Sohn ist gekommen, selig zu machen, was verloren ist. Epistel am Tage der Kirchweihung, Offenb. Joh. 21, V. 2-8. Und nd ich Johannes sah die heilige Stadt; das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel Herab fahren, zubereitet als eine geschmückte Braut ihrem Manne, und hörete eine große Stimme von dem Stuhle, die sprach: Siehe da, eine Hütte Gottes bei den Menschen, und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein: und Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen; und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen wird mehr sein, denn das erste ist vergangen. Und der auf dem Stuhle saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu, und er spricht zu mir: Schreibe; denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß. Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird es alles ererben; und ich werde sein Gott sein, und er wird sein Sohn sein. Den Verzagten aber, und Ungläubigen, und Gräulichen, und Todtschlägern, und Hurern, und Zauberern, und Abgöttischen, und allen Lügnern, deren Theil wird sein in dem Pfuhle, der mit Feuer und Schwefel brennet, welches ist der andere Tod. Evangelium, Luc. 19, V. 1-10. nd Jesus zog hinein, und ging durch Jericho. Und siehe, da war ein Mann, genannt Zachäus, der war ein Oberster der 56 Episteln und Evangelien. Zöllner, und war reich, und begehrte Jesum zu sehen, wer er wäre, und konnte nicht vor dem Volke, denn er war klein von Person. Und er lief vorhin und stieg auf einen Maulbeerbaum, auf daß er ihn sähe, denn allda sollte er durchkommen. Und als Jesus kam an dieselbige Stätte, sah er auf, und ward seiner gewahr, und sprach zu ihm: Zachäe, steige eilend hernieder; denn ich muß heute zu deinem Hause einkehren. Und er stieg eilend hernieder; und nahm ihn auf mit Freuden. Da sie das sahen, murreten sie alle, daß er bei einem Sünder einkehrete. Zachäus aber trat dar, und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und so ich jemand betrogen habe, das gebe ich vierfältig wieder. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist dieſem Hause Heil widerfahren, sintemal er auch Abrahams Sohn ist. Denn des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, das verloren ist. Geschichte von dem bitteren Leiden und Sterben unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi. ( Nach den 4 Evangelisten in 5 Hauptstücke abgetheilt.): Das erste Hauptstück. Von Zubereitung des Osterlammes. && s war aber nahe das Fest der süßen Brode, das da Ostern heißet. Und Jesus sprach zu seinen Jüngern: Ihr wisset, daß nach zween Tagen Ostern wird, und des Menschen Söhn muß überantwortet werden, daß er gefreuziget werde. Da versammelten sich die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und die Aeltesten im Volke in dem Palaste des Hohenpriesters, der da heißet Caiphas, und hielten Rath, wie sie Jesum mit List griffen und tödteten, denn sie fürchteten sich vor dem Volke. Sie sprachen aber: ja nicht auf das Fest, auf daß nicht eine Aufruhr werde im Volke. Und da nun Jesus war zu Bethanien im Hause Simonis des Aussäßigen, trat zu ihm ein Weib, das hatte ein Glas mit ungefälschtem und köstlichem Nardenwasser; und sie zerbrach das Glas und goß es auf sein Haupt, da er zu Tische saß. Da das seine Jünger sahen, wurden sie unwillig und sprachen: Was soll doch dieser Unrath? man könnte das Wasser mehr denn um dreihundert Groschen verkauft haben, und dasselbe den Armen geben, und murreten über sie. Da das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: Laffet sie zufrieden, was bekümmert ihr das Weib? Sie hat ein gutes Werk an mir gethan. Ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollet, fönnet ihr ihnen Gutes thun: mich aber habet ihr nicht allezeit; sie hat gethan, was sie gekonnt. Denn, daß sie dieſes Wasser hat auf meinen Leib gegossen, damit ist sie zuvor gekommen, meinen Leichnam zu salben zu meinem Begräbnisse. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch sagen zu ihrem Gedächtnisse, was sie gethan hat. Episteln und Evangelien. 57 Es war aber der Satanas gefahren in Judas, genannt scharioth, der da war aus der Zahl der Zwölfen, und er ging hin, und redete mit den Hohenpriestern und mit den Hauptleuten, daß er ihn verriethe, und sprach: Was wollet ihr mir geben, ich will ihn euch verrathen. Da sie das höreten, wurden sie froh: und sie boten ihm dreißig Silberlinge. Und er versprach sich. Und von dem an suchte er Gelegenheit, daß er ihn überantwortete ohne Aufsehen. Aber am ersten Tage der süßen Brode, auf welchem man mußte opfern das Osterlamm, traten die Jünger zu Jesu, und sprachen zu ihm: Wo willst du, daß wir hingehen, und dir bereiten, das Osterlamm zu essen? Und er sandte Petrum und Johannem, und sprach: Gehet hin in die Stadt, sehet, wenn ihr hinein kommt, wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Wasserkrug: folget ihm nach in das Haus, da er hineingehet, und saget zu dem Hauswirthe: Der Meister läßt dir sagen: Meine Zeit ist herbeigekommen, ich will bei dir die Ostern halten. Wo ist das Gasthaus, darinnen ich das Osterlamm essen möge mit meinen Jüngern? Und er wird euch einen großen gepflasterten Saal zeigen, daselbst bereitet es. Sie gingen hin und fanden, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Osterlamm. Und am Abende kam er und setzte sich zu Tische mit den zwölf Aposteln, und sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlanget, das Osterlamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide. Denn ich sage euch, daß ich hinfort nicht mehr davon essen werde, bis daß erfüllet werde im Reiche Gottes. Und er nahm den Kelch, dankete und sprach: Nehmet denfelben und theilet ihn unter euch; denn ich sage euch: Ich werde nicht trinken von dem Gewächse des Weinstockes, bis das Reich Gottes komme, an dem Tage, da ich es neu trinken werde mit euch in meines Vaters Reich. Und indem sie aßen in der Nacht, da er verrathen war, nahm der Herr Jesus das Brod, dankete und brach es, und gab es den Jüngern und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird, solches thut zu meinem Gedächtnisse. Desselbigen gleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahle, dankete, gab ihnen den, und sprach: Trinket alle daraus; dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blute, das für euch und für viele vergossen wird, zur Vergebung der Sünden. Solches thut, so oft ihr's trinket, zu meinem Gedächtnisse. Und sie tranken alle daraus. Vor dem Feste aber der Ostern, das ist, auf demselbigen Abende, da Jesus erkennete, daß seine Zeit gekommen war, daß er aus dieser Welt ginge zum Vater; wie er hatte geliebet die Seinen, die in der Welt waren, so liebete er sie bis ans Ende. Und nach dem Abendessen, da schon der Teufel hatte dem Judas Simonis Jfcharioth ins Herz gegeben, daß er ihn verriethe, wußte Jesus, daß ihm der Vater hatte alles in seine Hände gegeben, und daß er von Gott gekommen war, und zu Gott ging, stand er vom Abendmahle auf, legte seine Kleider ab, und nahm einen Schurz, und umgürtete sich. Darnach goß er Wasser in ein Becken, hob an den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurze, damit er umgürtet war. Da kam er zu Simon Petro, und derselbe sprach zu ihm: Herr, solltest du mir die Füße waschen? Jesus antwortete und 58 Episteln und Evangelien. sprach zu ihm: Was ich thue, das weißt du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen. Jesus antwortete ihm: Werde ich dich nicht waschen, so hast du kein Theil mit mir. Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt. Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, der darf nicht denn die Füße waschen, sondern er ist ganz rein; und ihr seid rein, aber nicht alle. Denn er wußte seinen Verräther wohl, darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein. Da er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider, und setzte sich wieder nieder, und sprach abermal zu ihnen: Wisset ihr, was ich euch gethan habe? Ihr heißet mich Meister und Herr, und saget recht daran, denn ich bin's auch. So ich nun, euer Meister und Herr, euch die Füße gewaschen habe, sollet ihr auch euch unter einander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr thut, wie ich euch gethan habe. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer, denn sein Herr, noch der Apostel größer, denn der ihn gesandt hat. So ihr solches wisset, selig seid ihr, so ihr's thut. Nicht sage ich euch von allen; ich weiß, welche ich erwählet habe; sondern, daß die Schrift er füllet würde: Der mein Brod isset, der tritt mich mit Füßen. Jetzt sage ich's euch, ehe denn es geschieht, auf daß, wenn es geschehen ist, ihr glaubet, daß ich's bin. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer aufnimmt, so ich jemand senden werde, der nimmt mich auf: wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Da solches Jesus gesagt hatte, ward er betrübt im Geiste, und zeugete und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch, der mit mir isset, der wird mich verrathen. Siehe, die Hand meines Verräthers ist mit mir über Tische. Und die Jünger wurden sehr traurig, sahen sich unter einander an, und ward ihnen bange, von welchem er redete. Und sie fingen an zu fragen unter sich selbst: Welcher es doch wäre unter ihnen, der das thun würde? Und sagten zu ihm einer nach dem anderen: Herr, bin ich's? und der andere: Herr, bin ich's? Er antwortete und sprach: Einer aus den Zwölfen, der mit mir in die Schüssel tauchet, der wird mich verrathen. Des Menschen Sohn gehet zwar dahin, wie von ihm beschlossen und geschrieben ist: doch wehe dem Menschen, durch welchen des Menschen Sohn verrathen wird; es wäre ihm besser, daß derselbe Mensch noch nie geboren wäre. Da antwortete Judas, der ihn verrieth, und sprach: Bin ich's, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst's. Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische saß, an der Brust Jesu, welchen Jesus lieb hatte, dem minkte Simon Petrus, daß er forschen sollte, wer es wäre, von dem er sagte, denn derselbige lag an der Brust Jesu, und sprach zu ihm: Herr, wer ist's? Jesus antwortete: Der ist's, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er tauchte den Bissen ein, und gab ihn Juda Simonis Ischarioth. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du thust, das thue bald. Dasſelbige aber wußte niemand über dem Tische, wozu er's ihm sagte. Etliche meineten, dieweil Judas den Beutel hatte, Jesus spräche zu ihm: Kaufe, was uns noth ist auf's Fest; oder, daß er den Armen etwas gäbe. Da er nun den Bissen genommen hatte, ging er sobald hinaus, und es ward Nacht. Episteln und Evangelien. 59 Da aber Judas hinaus gegangen war, erhob sich ein Zank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für den Größesten gehalten werden? Er aber sprach zu ihnen: die weltlichen Könige herrschen, und die Gewaltigen heißet man gnädige Herren; ihr aber nicht also, sondern der Größeste unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener. Denn welcher ist der Größeste, der zu Tische sitet, oder der da dienet? Jst's nicht also, daß der zu Tische sizet? Ich aber bin unter euch wie ein Diener! ihr aber seid's, die ihr beharret habet bei mir in meinen Anfechtungen: und ich will euch das Reich bescheiden, wie mir's mein Vater beschieden hat, daß ihr essen und trinken sollet über meinem Tische in meinem Reiche, und sizen auf Stühlen, und richten die zwölf Geschlechter Israel. Da sprach aber Jesus: Nun ist des Menschen Sohn verkläret, und Gott ist verkläret in ihm. Ist Gott verkläret in ihm, so wird ihn Gott auch verklären in ihm selbst, und wird ihn bald verklären. Lieben Kindlein, ich bin noch eine kleine Weile bei euch: ihr werdet mich suchen, und wie ich zu den Juden sagte, wo ich hingehe, da könnet ihr nicht hinkommen. Und sage euch nun: Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch unter einander liebet, wie ich euch geliebet habe, auf daß ihr euch unter einander lieb habet. Dabei wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe unter einander habt. Spricht Simon Petrus zu ihm: Herr, wo gehest du hin? Jesus antwortete ihm: Da ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht folgen, aber du wirst mir hernachmals folgen. Spricht Petrus zu ihm: Herr, warum kann ich dir auf diesmal nicht folgen? Ich will mein Leben für dich lassen. Jesus antwortete ihm: Solltest du dein Leben für mich lassen? Simon, Simon, siehe, der Satan hat euer begehret, daß er euch möchte sichten wie den Weizen; ich aber habe für dich gebeten, daß dein Glaube nicht aufhöre; und wenn du dich dermaleinst bekehrest, so stärke deine Brüder. Er aber sprach zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängniß und in den Tod zu gehen. Er aber sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, Peter, der Hahn wird heute nicht krähen, ehe denn du dreimal verleugnet hast, daß du mich kenneſt. Und er sprach zu ihnen: So oft ich euch gesandt habe ohne Beutel, ohne Taschen und ohne Schuhe, habt ihr je Mangel gehabt? Sie sprachen: Nie, keinen. Da sprach er zu ihnen: Aber nun, mer einen Beutel hat, der nehme ihn, desselbigen gleichen auch die Tasche, wer aber nicht hat, der verkaufe sein Kleid, und kaufe ein Schwert. Denn ich sage euch: Es muß das auch noch an mich vollendet werden an mir, das geschrieben stehet: Er ist unter die Uebelthäter gerechnet. Denn was von mir geschrieben ist, das hat ein Ende. Sie sprachen aber: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerte. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug. Das andere Hauptstück. Vom geistlichen Leiden Christi am Oelberge. nd da sie den Lobgesang gesprochen hatten, ging Jesus hinaus nach seiner Gewohnheit, über den Bach Kidron an den Delberg. Es folgten ihm aber seine Jünger nach. Da sprach er zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr euch alle ärgern an mir. Denn Und 60 Episteln und Evangelien. es stehet geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen. Wenn ich aber aufstehe, will ich vor euch hingehen in Galiläam. Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sie auch sich alle an dir ärgerten, so will ich mich doch nimmermehr ärgern. Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen. Er aber redete noch weiter: Ja, wenn ich auch mit dir sterben müßte, wollte ich dich nicht verleugnen. Desselbigen gleichen fagten auch alle Jünger. Da kam Jesus mit ihnen zu einem Hofe, der hieß Gethsemane, da war ein Garten, darein ging Jesus und seine Jünger. Judas aber, der ihn verrieth, wußte den Ort auch; denn Jesus versammelte sich oft daselbst mit seinen Jüngern. Da sprach Jesus zu ihnen: Sezzet euch hier, bis daß ich dort hingehe und bete. Und er nahm zu sich Petrum und Jacobum und Johannem, die zwee Söhne Zebedät, und fing an zu trauern und zu zittern und zu zagen, und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod; bleibet hier, und wachet mit mir; betet, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Und er riß sich von ihnen bei einem Steinwurfe, und kniete nieder, fiel auf sein Angesicht auf die Erde, und betete: daß, so es möglich wäre, die Stunde vorüber ginge, und sprach: Abba, mein Vater! es ist dir alles möglich, überhebe mich dieses Kelches, doch nicht, was ich will, sondern, was du willst. Und er kam zu seinen Jüngern, und fand sie schlafend, und sprach zu Petro: Simon, schläfest du? Vermöchtest du denn nicht eine Stunde mit mir zu wachen? Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Denn der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Zum anderen Male ging er aber hin, betete und sprach: Mein Vater, ist's nicht möglich, daß dieser Kelch von mir gehe? Jch trinke ihn denn, so geschehe dein Wille. Und er kam, und fand sie abermal schlafend, und ihre Augen waren voll Schlafes, und wußten nicht, was sie ihm antworteten. Und er ließ sie und ging aber hin, und betete zum drittenmale dieselbigen Worte und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe! G3 erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkete ihn. Und es kam, daß er mit dem Tode rang, und betete heftiger. Es war aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde. Und er stand auf von dem Gebete, und kam zu seinen Jüngern, und fand sie schlafend vor Traurigkeit, und sprach zu ihnen: Ach! wollt ihr nun schlafen und ruhen? Was schlafet ihr? Es ist genug. Sehet, die Stunde ist gekommen, und des Menschen Sohn wird überantwortet in der Sünder Hände. Stehet auf, und lasset uns gehen; siehe, der mich verräth, ist nahe. Betet aber, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet. Und alsbald, da er noch redete, stehe, Judas, der Zwölfen einer, da er nun zu sich genommen hatte die Schaar und Diener der Hohenpriester und Pharisäer, der Aeltesten und Schriftgelehrten, ging er zuvor der Schaar und kommt mit Fackeln, Lampen, Schwertern, und mit Stangen. Der Verräther aber hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist's, den greifet, und führet ihn gewiß. Als nun Jesus wußte alles, was ihm begegnen sollte, ging Episteln und Evangelien. er hinaus, und sprach zu ihnen: Wen suchet ihr? Sie antworteten ihm: Jesum von Nazareth. Jesus sprach zu ihnen: Ich bin's. Judas aber, der ihn verrieth, stand auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: Ich bin's, wichen sie zurück, und fielen zu Boden. Da fragte er sie abermal: W suchet ihr? Sie sprachen: Jesum von Nazareth. Jesus antwortete: Ich hab's euch gesagt, daß ich's sei. Suchet ihr denn mich, so lasset diese gehn. Auf daß das Wort erfüllet würde, welches er sagte: Ich habe der keinen verloren, die du mir gegeben haft. Und Judas nahete sich zu Jesu, ihn zu küssen, und alsbald trat er zu ihm, und sprach: Gegrüßet seist du, Rabbi, und küssete ihn. Jesus sprach zu ihm: Mein Freund, warum bist du gekommen? Juda, verräthst du des Menschen Sohn mit einem Kusse? Da traten sie hinzu, und legten die Hände an Jesum, und griffen ihn. Da aber sahen die um ihn waren, was da werden sollte, sprachen sie zu ihm: Herr, sollen wir mit dem Schwert drein schlagen? Da hatte Simon Petrus ein Schwert, und zog es aus, und schlug nach des Hohenpriesters Knecht, und hieb ihm sein rechtes Ohr ab, und der Knecht hieß Malchus. Jesus aber ant wortete und sprach: Laßt sie doch ferner so machen. Und er sprach zu Petro: Stecke dein Schwert in die Scheide; denn wer das Schwert nimmt, der soll durch's Schwert umkommen. Oder meinest du nicht, daß ich könnte meinen Vater bitten, daß er mir zuschickte mehr denn zwölf Legionen Engel? Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat? Wie würde aber die Schrift erfüllet? Es muß also geschehen. Und er rührete sein Ohr an und heilete ihn. 61 Zu der Stunde sprach Jesus zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels, und den Aeltesten, die über ihn gekommen waren: Jhr seid als zu einem Mörder mit Schwertern und mit Stangen ausgegangen, mich zu fahen; ich bin doch täglich gesessen bei euch, und habe gelehret im Tempel, und habet keine Hand an mich geleget. Aber das ist euere Stunde, und die Macht der Finsterniß, auf daß die Schrift erfüllet werde. Da ist aber alles geschehen, auf daß erfüllet würden die Schriften der Propheten. Da verließen ihn alle Jünger und flohen. Und es war ein Jüngling, der folgte ihm nach, der war mit Leinwand bekleidet, auf der bloßen Haut, und die Jünglinge griffen ihn. Er aber ließ die Leinwand fahren, und floh bloß von ihnen. Das dritte Hauptstück. Was in Caiphas Hof vorm Concilio der geistlichen Prälaten mit Christo vorgegangen. Die ie Schaar aber, und der Oberhaupimann, und die Diener der Juden nahmen Jesum an und banden ihn, und führeten ihn aufs erste zu Hannas, der war Caiphas Schwäher, welcher des Jahres Hoherpriester war. Es war aber Caiphas, der den Juden rieth, es wäre gut, daß ein Mensch würde umgebracht für das Volk. Und sie führeten ihn zu dem Hohenpriester Caiphas, das ist, zum Fürsten der Priester, dahin alle Hohenpriester und Schriftgelehrten und Aeltesten sich versammelt hatten. Simon Petrus aber folgte Jesu von ferne, und ein anderer Jünger bis an den Palast des Hohenpriesters. Derselbige Jünger 62 Episteln und Evangelien. war dem Hohenpriester bekannt, und ging mit Jefu hinein in des Hohenpriesters Palast. Petrus aber stand draußen vor der Thür. Da ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus, und redete mit der Thürhüterin, und führte Petrum hinein. Es standen aber die Knechte und Diener, und hatten ein Kohlenfeuer gemacht danieden im Palaste: denn es war kalt, und wärmeten sich. Petrus aber stand bei ihnen und wärmete sich, auf daß er sähe, wo es hinaus wollte: die magd aber des Hohenpriesters, die Thürhüterin, sah Petrum bei dem Lichte, da er sich wärmete, und sah eben auf ihn, und sprach: Und du warst auch mit dem Jesu von Galiläa; bist du nicht auch dieses Menschen Jünger einer? Er leugnete aber vor allen, und sprach: Weib, ich bin's nicht, ich kenne sein nicht, ich weiß auch nicht, was du sagest. Aber der Hohepriester fragte Jesum um seine Jünger, und um seine Lehre. Jesus antwortete, ich habe frei und öffentlich geredet vor der Welt; ich habe allezeit gelehret in der Schule und in dem Tempel, da alle Juden zusammen kommen, und habe nichts in Winkel geredet. Was fragst du mich darum? Frage die darum, die mich gehöret haben, was ich zu ihnen geredet habe; siehe, diefelbigen wissen, was ich gesagt habe. Da er aber solches redete, gab der Diener einer, die dabei standen, Jesu einen Backenstreich, und sprach: Sollst du dem Hohenpriester also antworten? Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise es, daß es unrecht sei. Habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich? Hannas hatte ihn gebunden gesandt zu dem Hohenpriester Caiphas. Simon Petrus aber stand, und wärmete sich. Und über eine kleine Weile, nach dem ersten Verleugnen, als er hinaus ging nach dem Vorhofe, krähete der Hahn. Und eine andere Magd sah ihn, und hob abermal an zu sagen denen, die dabei standen: Dieser war auch mit dem Jesu von Nazareth. Da sprachen sie zu ihm: Bist du nicht seiner Jünger einer? Und ein anderer sprach: Du bist auch der einer. Und er leugnete abermal, und schwur dazu, und sprach: Mensch! ich bin's nicht, und ich kenne auch des Menschen nicht. Und über eine kleine Weile, bei einer Stunde, beträftigte es eine andere mit denen, die da standen, und sprachen: Wahrlich, du bist ein Galiläer, denn deine Sprache verräth dich. Spricht des hohenpriesters Knecht, ein Gefreundeter des, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sah ich dich nicht im Garten bei ihm? Da fing er an, sich zu verfluchen, und zu schwören: Ich kenne des Menschen nicht, von dem ihr saget. Und alsbald, da er noch redete, krähete der Hahn zum anderenmale. Und der Herr wandte sich und sah Petrum an. Da gedachte Petrus an das Wort Jesu, als er zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal krähet, wirst du mich dreimal verleugnen, und ging hinaus, und weinete bitterlich. Die Hohenpriester aber, und die Aeltesten, und der ganze Rath, suchten falsch Zeugniß wider Jesum, auf daß sie ihm zum Tode hülfen, und fanden keines, wiewohl viele falsche Zeugen herzu traten; denn ihre Zeugnisse stimmeten nicht überein. Zuletzt standen auf und traten herzu zween falsche Zeugen, und gaben falsche Zeugnisse wider ihn und sprachen: Wir haben gehöret, daß er sagte: Ich kann und will abbrechen den Tempel Gottes, der mit Händen gemacht ist, und in dreien Tagen einen anderen bauen, Episteln und Evangelien. der nicht mit Händen gemacht ist. Und ihre Zeugnisse stimmeten noch nicht überein. 63 Und der Hohepriester stand auf unter sie, und fragte Jesum und sprach: Antwortest du nichts zu dem, das diese wider dich zeugen? Jesus aber schwieg still und antwortete nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Bist du Christus, der Sohn des Hochgelobten? Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du seiſt Christus, der Sohn Gottes? Jesus sprach: Du sagst's, ich bin's. Doch sage ich euch: Von nun an werdet ihr sehen des Menschen Sohn sizen zur Rechten Hand der Kraft, und kommen in den Wolken des Himmels. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat Gott gelästert, was dürfen wir weiter Zeugniß? Siehe, jetzt habet ihr seine Gotteslästerung gehöret; was dünket euch? Sie aber verdammeten ihn alle und sprachen: Er ist des Todes schuldig. Die Männer aber, die Jesum hielten, verspotteten ihn, und speieten aus in sein Angesicht, und schlugen ihn mit Fäusten; etliche aber verdeckten ihn und schlugen ihn ins Angesicht, besonders die Knechte, und sprachen: Weissage uns, Christe: Wer ist's, der dich schlug? und viele andere Lästerungen sagten sie wider ihn. Des Morgens aber sammelten sich alle Hohenpriester, Schriftgelehrten und die Aeltesten des Volkes, dazu der ganze Rath, und hielten einen Rath über Jesum, daß sie ihn zum Tode hülfen, und führeten ihn hinauf vor ihren Rath, sprachen: Bist du Christus? Sag's uns. Er sprach zu ihnen: Sag' ich's euch, so glaubet ihr nicht; frage ich aber, so antwortet ihr nicht, und lasset mich dennoch nicht los. Darum von nun an wird des Menschen Sohn fißen zur rechten Hand der Kraft Gottes. Da sprachen sie alle: Bist du denn Gottes Sohn? Er sprach zu ihnen: Ihr saget's, denn ich bin's. Sie aber sprachen: Was bedürfen wir weiter Zeugniß? Wir haben's selbst gehört aus seinem Munde. Das vierte Hauptstück. Was vor Pontio Pilato, als vor weltlicher Obrig= feit, mit Christo sich zu getragen. nd der ganze Haufe stand auf, und banden Jesum, führeten dem Landpfleger Pontio Pilato, und es war noch früh. Da das Judas sah, der ihn verrathen hatte, daß er verdammet war zum Tode, gereuete es ihn, und brachte herwieder die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und den Aeltesten, und sprach: ich habe übel gethan, daß ich unschuldig Blut verrathen habe. Ste sprachen: Was gehet uns das an? da siehe du zu. Und er warf die Silberlinge in den Tempel, hob sich davon und erhenkte sich selbſt, und ist mitten entzwei geborsten, und sein Eingeweide ausgeschüttet. Und die Hohenpriester nahmen die Silberlinge und sprachen: Es taugt nicht, daß wir sie in den Gotteskasten legen; denn es ist Blutgeld. Sie hielten aber einen Rath, und kauften um die Silberlinge, um den Lohn der Ungerechten, eines Töpfers Acker zum Begräbniß der Pilger. Und es ist fund geworden allen, die zu Jerusalem wohnen, also, daß derselbige Acker genennet wird auf ihre Sprache Ackeldama, das ist ein Blutacker bis auf den 64 Episteln und Evangelien. heutigen Tag. Da ist erfüllet, das gesagt ist durch den Propheten Jeremiam, der da spricht: Sie haben genommen dreißig Silberlinge, damit bezahlt war der Verkaufte, welchen sie kauften von den Kindern Israel, und haben sie gegeben um eines Töpfers Acker, als mir der Herr befohlen hat. Die Juden aber gingen nicht in das Richthaus, auf daß sie nicht unrein würden, sondern die Ostern essen möchten. Da ging Pilatus zu ihnen heraus, und sprach: Was bringet ihr für eine Klage wider diesen Menschen? Sie antworteten aber und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Uebelthäter, wir hätten dir ihn nicht überantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmet ihr ihn hin und richtet ihn nach euerem Gesetze. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen Niemand tödten. Auf daß erfüllet würde das Wort Jesu, welches er sagte, da er deutete, welches Todes er sterben würde. Da fingen an die Hohenpriester und Aeltesten, ihn hart zu verklagen, und sprachen: Diesen finden wir, daß er das Volk abwendet, und verbeut den Schoß dem Kaiser zu geben, und spricht: er sei Christus, ein König. Da ging Pilatus wieder hinein in das Richthaus, und rief Jesum, und fragte ihn, und sprach: Bist du der Juden König? Jesus stand vor ihm und antwortete: Redest du das von dir selbſt, oder haben es dir andere von mir gesagt? Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet, was hast du gethan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt: Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden drob kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von dannen. Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ja ein König. Ich bin dazu geboren, und auf die Welt gekommen, daß ich die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? Und da er das gesagt, ging er wieder hinaus zu den Juden, und spricht: Ich finde keine Schuld an ihm. Und da er verklaget ward von den Hohenpriestern und Aeltesten, antwortete er nicht. Pilatus fragte ihn abermal, und sprach: Antwortest du nichts? Siehe, wie hart sie dich verklagen? Hörest du nicht? Und er antwortete ihm nicht auf ein Wort mehr, also, daß sich auch der Landpfleger sehr verwunderte. Sie aber hielten an und sprachen: Er hat das Volk erreget, damit, daß er gelehret hat hin und her im ganzen jüdischen Lande, und hat in Galiläa angefangen bis hierher. Da aber Pilatus Galiläam hörte, fragte er: Ob er aus Galiläa wäre? Und als er vernahm, daß er unter Herodis Obrigkeit wäre, übersandte er ihn zu Herodes, welcher in denselbigen Tagen auch zu Jerusalem war. Da aber Herodes Jesum sah, ward er sehr froh; denn er hätte ihn längst gern gesehen; denn er hatte viel von ihm gehöret, und hoffte, er würde ein Zeichen von ihm sehen, und er fragte ihn mancherlei. Er antwortete ihm aber nichts. Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten standen und verklagten ihn hart. Aber Herodes mit seinem Hofgesinde verlachte und verspottete ihn, legte ihm ein weißes Kleid an, und sandte ihn wieder zu Pilato. Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde mit einander; denn zuvor waren sie einander feind. Episteln und Evangelien. 65 Pilatus aber rief die Hohenpriester, und die Obersten, und das Volk zusammen, und sprach zu ihnen: Ihr habet diesen Menschen zu mir gebracht, als der das Volk abwendet, und sehet, ich habe ihn vor euch verhöret, und finde an dem Menschen der Sache keine, die ihr ihn beschuldiget, Herodes auch nicht; denn ich habe euch zu ihm gesandt, und sehet, man hat nichts auf ihn gebracht, das des Todes werth sei; darum will ich ihn züchtigen und losgeben. Auf das Fest aber mußte der Landpfleger, nach Gewohnheit, dem Volke einen Gefangenen losgeben, welchen sie begehrten. Er hatte aber zu der Zeit einen Gefangenen, der war fast rüchtig, nämlich einen Uebelthäter und Mörder, der hieß Barrabas, der mit dem Aufrührerischen war ins Gefängniß geworfen, welcher im Aufruhre, der in der Stadt geschah, einen Mord begangen hatte. Und das Volk ging hinauf, und bat, daß er thäte, wie er pflegte. Und da sie versammelt waren, antwortete ihnen Pilatus: Ihr habt eine Gewohnheit, daß ich euch einen losgebe auf Ostern; welchen wollt ihr, daß ich euch losgebe? Barrabam oder Jesum, den König der Juden, den man nennet Christum? Denn er wußte, daß ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet hatten. Und da er auf dem Richterstuhle saß, schickte sein Weib zu ihm, und lies ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; ich habe heute viel erlitten im Traume von seinetwegen. Aber die Hohenpriester und die Aeltesten überredeten und reizten das Volk, daß sie um Barrabam bitten sollten, und Jesum umbrächten. Da antwortete nun der Landpfleger, und sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr nun unter diesen Zweien, den ich euch soll losgeben? Da schrie der ganze Haufe und sprach: Hinweg mit dieſem, und gib uns Barrabam los. Da rief Pilatus abermal zu ihnen, und wollte Jesum loslassen, und sprach: Was soll ich denn machen mit Jesu, den man Christum nennt? Sie schrieen abermal: Kreuzige, freuzige ihn! Er aber sprach zum drittenmale zu ihnen: Was hat er denn Uebels gethan? Jch finde keine Ursache des Todes an ihm, darum will ich ihn züchtigen und loslassen. Aber sie schrieen noch vielmehr, und sprachen: Kreuzige ihn! Und sie lagen ihn an mit großem Geschrei und forderten, daß er gekreuzigt würde. und ihr, und der Hohenpriester Geschrei nahm überhand. Da nahm Pilatus Jesum und geißelte ihn. Die Kriegsknechte aber des Landpflegers führten ihn hinein in das Richthaus, und riefen zusammen die ganze Rotte, und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an, und flochten eine Krone von Dornen, und setzten sie auf sein Haupt, und gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand, und beugten die Kniee vor ihm und spotteten ihn, und fingen an ihn zu grüßen und sprachen: Gott grüße dich, lieber König der Juden. Und schlugen ihn in's Angesicht, und speieten ihm an, und nahmen das Rohr, und schlugen damit sein Haupt, und fielen auf die Knie, und beteten ihn an. Da ging Pilatus wieder heraus, und sprach zu ihnen: Sehet, ich führe ihn heraus zu euch, daß ihr erkennet, daß ich keine Schuld an ihm finde. Also ging Jesus heraus, und trug eine Dornenkrone und Purpurkleid, und er sprach zu ihnen: Sehet, welch ein Mensch! Da ihn die Hohenpriester und Diener sahen, schrieen sie und sprachen: Kreuzige, freuzige ihn! Pilatus spricht zu ihnen: Nehmet ihr ihn hin und kreuziget ihn, denn ich finde feine Schuld an ihm. Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Geseß, und nach 5 66 Episteln und Evangelien. dem Gesetze soll er sterben, denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht. Da Pilatus das Wort hörete: fürchtete er sich noch mehr, und ging wieder hinein in das Richthaus und spricht zu Jesu: Von wannen bist du? Aber Jesus gab ihm keine Antwort. Da sprach Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, daß ich macht habe, dich zu freuzigen, und macht habe, dich loszugeben? Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von oben herab gegeben. Darum, der mich dir überantwortet hat, der hat es größere Sünde. Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn losließe. Die Juden aber schrieen und sprachen: Lässest du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht; denn wer sich zum Könige macht, der ist wider den Kaiser. Da Pilatus das Wort hörte, führte er Jesum heraus, und setzte sich auf den Richterstuhl an die Stätte, die man heißet Hochpflaster, auf Hebräisch aber Gabbatha. Es war aber der Rüsttag in den Ostern, um die sechste Stunde, und er spricht zu den Juden: Sehet, das ist euer König. Sie schrieen aber: Weg, weg mit dem, freuzige ihn! Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich eueren König kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König, denn den Kaiser. Da aber Pilatus das sah, daß er nichts schaffte, sondern daß ein viel größer Getümmel ward, gedachte er dem Volke genug zu thun, und urtheilete, daß ihre Bitte geschehe; nahm Wasser, und wusch die Hände vor dem Volke und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten, sehet ihr zu. Da antwortete das ganze Volk, und sprach: Sein Blut sei über uns und unsere Kinder. Da gab er ihnen Barrabam los, der um Aufruhres und Mordes willen war ins Gefängniß geworfen, um welchen sie baten, Jesum aber, gegeißelt und verspottet, übergab er ihrem Willen, daß er gefreuziget würde. Das fünfte Hauptstück. Da Von der Ausführung und Kreuzigung Christi. a nahmen die Kriegsknechte Jesum, zogen ihm den Mantel aus, und zogen ihm seine Kleider an, und führeten ihn hin, daß sie ihn kreuzigten, und er trug sein Kreuz. Und indem sie hinausgingen, fanden sie einen Menschen, der vorüberging, von Cyrene, mit Namen Simon, der vom Felde kam, der ein Vater Alexander und Ruffi war, den zwangen sie, daß er ihm sein Kreuz trüge, und legten das Kreuz auf ihn, daß er's Jesu nachtrüge. Es folgten ihm aber nach ein großer Haufe Volkes und Weiber, die klagten und beweineten ihn. Jesus aber wandte sich um zu ihnen, und sprach: Ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst, und über euere Kinder. Denn sehet, es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren, und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht gesäuget haben. Dann werden sie anfangen zu sagen zu den Bergen: Fallet über uns! und zu den Hügeln: Bedecket uns! Denn so man das thut am grünen Holze, was will am dürren werden? Es wurden aber auch hingeführt zween andere Uebelthäter, daß sie mit ihm abgethan würden. Und sie brachten ihn an die Episteln und Evangelien. Stätte, die da heißt auf Ebräisch Golgatha, das ist verdolmetschet, Schädelstätte, und sie gaben ihm Essig oder vermyrrhten Wein zu trinken mit Gallen vermischt, und als er es schmeckte, wollte er es nicht trinken. 67 Und sie kreuzigten ihn an der Stätte Golgatha, und zween Uebelthäter mit ihm, einen zur rechten und einen zur linken Hand, Jesum aber mitten innen. Und die Schrift ist erfüllet, die da saget: Er ist unter die Uebelthäter gerechnet. Und es war um die dritte Stunde, da sie ihn kreuzigten. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun. Pilatus aber schrieb eine Ueberschrift, geschrieben, was man ihm Schuld gab, die Ursach seines Todes, und setzte sie auf das Kreuz oben an zu seinem Haupte. Es war aber geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Uleberschrift Lasen viele Juden; denn die Stätte war nahe bei der Stadt, da Jesus gekreuzigt ist; und es war geschrieben in ebräischer, griechischer und lateinischer Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilato: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern daß er gesagt habe: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. Die Kriegsknechte, da sie Jesum gekreuziget hatten, nahmen sie seine Kleider, und machten vier Theile, einem jeglichen Kriegsknechte ein Theil, dazu auch den Rock. Der Rock aber war ungenähet, von oben an gewirket durch und durch. Da sprachen sie unter einander, laffet uns den nicht zertheilen, sondern darum loosen, weß er sein soll. Auf daß erfüllet werde die Schrift, die da faget: Sie haben meine Kleider unter sich getheilet, und haben über meinen Rock das Loos geworfen. Und sie saßen allda und hüteten sein. Solches thaten die Kriegstnechte, und das Volk stand, und sah zu. Es stand aher bei dem Kreuze Jesu seine Mutter, und seiner Mutter Schwester, Maria, Cleophas Weib, und Maria Magdalene. Da nun Jesus seine Mutter sah, und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, das ist dein Sohn. Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter. Und von Stund' an nahm sie der Jünger zu sich. Die aber vorüber gingen, lästerten ihn, und schüttelten die Köpfe, und sprachen: Pfui doch, wie fein zerbrichst du den Tempel, und bauest ihn in dreien Tagen; hilf dir selber; bist du Gottes Sohn, so steig' herab vom Kreuze. Desgleichen auch die Hohenpriester verspotteten ihn unter einander, mit den Schriftgelehrten und aeltesten sammt dem Volke, und sprachen: Er hat anderen geholfen und kann sich selber nicht helfen; ist er Christ, der König von Ifrael, der Auserwählte Gottes, so helfe er sich selber, und steige herab vom Kreuze, auf daß wir sehen und glauben ihm. Er hat Gott vertrauet, der erlöse ihn nun, lüstet es ihn; denn er hat gesaget: Ich bin Gottes Sohn. Dasselbe rückten ihm auch auf die Mörder, die mit ihm gefreuziget waren, und schmäheten ihn. Es verspotteten ihn auch die Kriegsknechte, traten zu ihm, und brachten ihm Effig, und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber. Aber der lebelthäter einer, die da gehenkt waren, lästerte ihn und sprach: Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns. Da antwortete der andere, strafte ihn und sprach: und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammniß bist? und zwar wir sind billig drinnen, denn wir em5* 68 Episteln und Evangelien. pfahen, was unsere Thaten werth sind; dieser aber hat nichts Ungeschicktes gehandelt. Und sprach zu Jesu: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Und da es um die sechste Stunde kam, ward eine Finsterniß über das ganze Land, bis um die neunte Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein. Und um die neunte Stunde rief Jesus laut, und sprach: Eli! Eli! Lama Asabthani? das ist verdolmetschet: Mein Gott, mein Gott! warum hast du mich verlassen? Etliche aber, die da standen, da sie das höreten, sprachen sie: Er ruft den Elias. Darnach, als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, daß die Schrift erfüllet würde, sprach er: Mich dürftet. Da stand ein Gefäß voll Essig, und bald lief einer unter ihnen hin, nahm einen Schwamm, und füllete ihn mit Essig und Isopen, und steckte ihn auf ein Rohr, und hielt's ihm dar zum Munde, und tränkete ihn und sprach mit den anderen: Halt, laßt sehen, ob Elias komme, und ihn herabnehme? Da nun Jesus den Effig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und abermal rief er laut, und sprach: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. Und als er das gesagt, neigte er das Haupt und gab seinen Geist auf. Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke, von oben an bis unten aus, und die Erde bebete, und die Felsen zerrissen, und die Gräber thaten sich auf, und standen auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen, und gingen aus den Gräbern, nach seiner Auferstehung, und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen. Aber der Hauptmann, der dabei stand, gegen ihm über, und die bei ihm wären, und bewahreten Jesum, da sie sahen, daß er mit solchem Geschrei verschied, und sahen das Erdbeben, und was da geschah, erschrafen sie sehr, und preiseten Gott, und sprachen: Wahrlich, dieser ist ein frommer Mensch gewesen, und Gottes Sohn. Und alles Volk, das dabei war, und zusah, da sie sahen, was da geschah, schlugen sie an ihre Brust und wandten wieder um. Es standen aber alle seine Verwandten von ferne, und viele Weiber, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles; unter welchen war Maria Magdalena und Maria, des kleinen Jakobs und Joses Mutter, und Salome, die Mutter der Kinder Zebedäi, welche ihm nachgefolget, da er in Galiläa war, und gedienet hatten, und viele andere, die mit ihm hinauf gen Jerufalem gegangen waren. Die Juden aber, dieweil es der Rüsttag war, daß nicht die Leichname auf dem Kreuze blieben den Sabbath über( denn desfelbigen Sabbathstag war groß), baten sie Pilatum, daß ihre Beine gebrochen und abgenommen würden. Da kamen die Kriegsknechte, und brachen dem ersten die Beine, und dem anderen, die mit ihm gefreuziget waren. Als sie aber zu Jesum kamen, da sie sahen, daß er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht, sondern der Kriegsknechte einer öffnete feine Seite mit einem Speere, und alsbald ging Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeuget, und sein Zeugniß ist wahr, und derselbige weiß, daß er die Wahrheit gesaget, auf daß auch ihr glaubet. Denn solches ist geschehen, daß die Schrift erfüllet würde: Jhr Episteln und Evangelien. 69 sollt ihm kein Bein zerbrechen. Und abermal spricht eine andere Schrift: Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben. Darnach am Abende, dieweil es der Rüsttag war, welcher iſt der Vorsabbath, kam Joseph von Arimathia, der Stadt der Juden, ein reicher Mann, ein Rathsherr, ein guter, frommer Mann, der hatte nicht verwilligt in ihren Rath und Handel, welcher auf das Reich Gottes wartete; denn er war ein Jünger Jesu, doch heimlich aus Furcht vor den Juden. Der wagte es, und ging hinein zu Pilato, und bat, daß er möchte abnehmen den Leichnam Jeſu. Pilatus aber verwunderte sich, daß er schon todt war, und rief den Hauptmann, und fragte ihn, ob er längst gestorben wäre? Und als er's erfundigt von dem Hauptmanne, gab er Joseph den Leichnam Jesu, und befahl, man sollte ihn ihm geben. Und Joseph kaufte eine Leinwand. Es kam aber auch Nikodemus, der vormals bei der Nacht zu Jesu gekommen war, und brachte Myrrhen und Aloe unter einander, bei hundert Pfunden. Da nahmen sie den Leichnam Jesu, der abgenommen ward, und wickelten ihn in reine Leinwand, und banden ihn mit leinenen Tüchern, und mit den Specereien, wie die Juden pflegten zu begraben. Es war aber an der Stätte, da er gefreuziget ward, ein Garten, und im Garten ein Grab, das war Josephs, welches er hatte lassen hauen in einen Fels, in welches niemand je gelegt war; daselbst hin legten sie Jesum, um des Rüsttages willen der Juden, da der Sabbath anbrach, und das Grab nahe war. Und wälzten einen großen Stein vor die Thür des Grabes, und gingen davon. Es war aber allda Maria Magdalena, und Maria Joses, die setzten sich gegen das Grab, auch andere Weiber, die da Jesus auch waren nachgefolget von Galiläa, beschaueten, wohin und wie sein Leib gelegt war. Sie kehreten aber um, und bereiteten die Specereien und Salben, und den Sabbath über waren sie still nach dem Gesetze. Des anderen Tages, der da folget nach dem Rüsttage, kamen die Hohenpriester und Pharisäer sämmtlich zu Pilato, und sprachen: Herr, wir haben gedacht, daß dieser Verführer sprach, da er noch lebete: Ich will nach dreien Tagen auferstehen. Darum befiehl, daß man das Grab verwahre, bis an den dritten Tag, auf daß nicht seine Jünger kommen, und stehlen ihn, und sagen zum Volke: Er ist auferstanden von den Todten, und werde der letzte Betrug ärger denn der erste. Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Hüter, gehet hin und verwahret es, wie ihr wisset. Sie gingen hin und verwahreten das Grab mit Hütern und versiegelten den Stein. Geschichte von der Auferstehung Chriſti. der Sabbath vergangen war, kaufte Maria Magdalena und die andere Maria, welche genennet wird Jacobi und Salome, und Johanna und andere mit ihnen, die mit Jesu kommen waren aus Galiläa, Specereien, auf daß sie kämen und salbeten Jesum, denn den Sabbath über waren sie still nach dem Gesetze. Die Weiber aber sprachen unter einander: Wer wälzet uns den Stein von des Grabes Thür? denn er war sehr groß, und Da a 70 Episteln und Evangelien. fie sahen dahin, und wurden gewahr, daß der Stein abgewälzet war vom Grabe, und sie gingen hinein in das Grab, und fanden den Leib des Herrn Jesu nicht. Maria aber stand vor dem Grabe, und weinete draußen; als sie nun weinet, gucket sie in das Grab, und siehet zwei Engel in weißen Kleidern siten, einen zu dem Haupte, und den anderen zu den Füßen, da sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten, und dieselbigen sprachen zu ihr: Weib, was weinest du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Und als sie das sagte, wandte sie sich zurück, und siehet Jesum stehen, und weiß nicht, daß es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Weib, was weinest du? Wen suchest du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn hinweggetragen, so sage, wo hast du ihn hingelegt? so will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um, und spricht zu ihm: Rabbuni, das heißt Meister. Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Gehe aber hin zu meinen Brüdern, und sage ihnen: ich fahre auf zu meinem Vater, und zu euerem Vater, zu meinem Gott, und zu euerem Gott. Und sie ging hin, und verkündigte es denen, die mit ihm gewesen waren, die da Leid trugen und weineten, daß sie den Herrn gesehen hätte, und solches hätte er zu ihr gesagt. Und dieselbigen, da sie höreten, daß er lebe, und wäre ihr erschienen, glaubeten sie nicht. Die Weiber aber gingen hinein in das Grab, und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sizen, der hatte ein lang weißes Kleid, und sie entsetzten sich. Es war aber der Engel des Herrn. Er aber sprach zu ihnen: Entsetet euch nicht, ich weiß, daß ihr suchet Jesum von Nazareth, den Gekreuzigten, er ist nicht hier, er ist auf erstanden, wie er gesagt hat, kommt her und sehet die Stätte, da der Herr gelegen hat, und gehet schnell hin und saget es seinen Jüngern und Petro, daß er auferstanden sei von den Todten, und siehe, er wird für euch hingehen in Galiläam, da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat: siehe, ich hab's gesagt. Und sie gingen schnell zum Grabe hinaus mit Furcht und großer Freude, und liefen, daß sie es seinen Jüngern verkündigten, denn es war sie Zittern und Entsetzen ankommen, und sagten niemand etwas, denn sie furchten sich. Und da sie gingen, es seinen Jüngern zu verkündigen, siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßet. Und sie traten zu ihm, und griffen an seine Füße, und fielen vor ihm nieder. Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht, gehet hin und verkündiget es meinen Brüdern, daß sie gehen in Galiläam, daselbst werden sie mich sehen. Und siehe, zween aus ihnen gingen an demselbigen Tage in einen Flecken, der war von Jerusalem sechzig Feldwegs weit, deß Namen heißt Emahus. Und sie redeten mit einander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, da sie so redeten, und be fragten sich mit einander, nahete Jesus zu ihnen und wandelte und sprach mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie ihn nicht kannten, denn in einer andern Gestalt erschien er ihnen. Und sie kamen nahe zum Flecken, da sie hingingen. Und er stellete sich, als wollte er fürdergehen, und sie nöthigten und Episteln und Evangelien. 71 sprachen: Bleib' bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brod, dankte, brach's, und gab's ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und erkenneten ihn, und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen unter einander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift eröffnete? Und sie stunden auf zu derselbigen Stunde, kehreten wieder gen Jerusalem, und fanden die Eilfe versammelt, und die bei ihnen waren, welche sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden, und Simoni erschienen. Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war, und wie er von ihnen erkannt wäre an dem, da er das Brod brach; und denen glaubten sie auch nicht. Es war aber am Abende desselbigen Sabbathes, und die Thüren waren verschlossen, da die Jünger versammelt waren, aus Furcht vor den Juden. Da aber die Jünger noch davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie, und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschrafen aber, und fürchteten sich, meineten, sie sähen einen Geiſt. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in eure Herzen? Sehet meine Hände und meine Füße, ich bin's selber; fühlet mich und sehet, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß ich habe. Und da er das saget, zeigte er ihnen Hände und Füße, und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen. Da sie aber noch nicht glaubeten für Freuden und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen? Und sie legten ihm vor ein Stück von gebratenem Fische und Honigseimes. Und er nahm's und aß vor ihnen. Er aber sprach zu ihnen: Das sind die Reden, die ich zu euch sagte, da ich noch bei euch war. Denn es muß alles erfüllet werden, was von mir geschrieben ist im Gesetze Mosis, in den Propheten und in den Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständniß, daß sie die Schrift verstunden. Und er sprach zu ihnen: Also ist's geschrieben und also mußte Christus leiden, und auferstehen von den Todten am dritten Tage, und predigen lassen in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen Völkern, und anheben zu Jerusalem. Ihr aber seid deß alles Zeugen, und abermal sprach er zu ihnen: Friede sei mit euch! Gleichwie mich der Vater ge= sandt hat, so sende ich euch. Und da er das fagte, blies er sie an, und sprach zu ihnen: Nehmet hin den heiligen Geist; welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Von der Himmelfahrt Christi. nd als er sie versammelt hatte, befahl er ihnen, daß sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die Verheißung des Vaters, und sprach: Sehet, ich will auf euch senden die Verheißung meines Vaters, welchen ihr habt gehöret von mir, ihr aber sollt in der Stadt Jerusalem bleiben: bis daß ihr angethan werdet mit Kraft aus der Höhe, denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem heiligen Geiste getauft werden, nicht lange nach diesen Tagen. Episteln und Evangelien. Er führete sie aber hinaus bis gen Bethania, und hob die Hände auf und segnete sie, und es geschah, da er sie segnete, nachdem er nun genugsam mit ihnen geredet hatte nach seiner Auferstehung, schied er von ihnen, und ward aufgehoben zusehends, und fuhr gen Himmel, und eine Wolke nahm ihn vor ihren Augen, und hat sich zur rechten Gottes geseßt. Und als sie ihm nachsahen gen Himmel fahren, siehe, da standen bei ihnen zween Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr hier und sehet gen Himmel? Dieſer Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, der wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren. Sie aber beteten ihn an und kehreten wieder gen Jerusalem mit großer Freude von dem Berge, der da heißt der Delberg, welcher ist nahe bei Jerusalem, und liegt einen Sabbather Weg davon. 72 Die Sendung des heiligen Geistes. Und nd als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmüthig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und er erfüllete das ganze Haus, da sie saßen. Und man sah an ihnen die Zungen zertheilet, als wären sie feurig, und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen, und wurden alle voll des heiligen Geistes, und fingen an zu predigen mit anderen Zungen, nachdem ihnen der Geist gab auszuſprechen. Es waren aber Juden, zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer, aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Da nun die Stimme geschah, kam die Menge zusammen und wurden verstürzt, denn es hörete ein jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten. Sie entfaßten sich aber alle, verwunderten sich, und sprachen unter einander: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache, darinnen wir geboren sind? Parther und Meder, und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamia, und in Judäa und Capadocia, Ponto und Asia, Phrygia und Pamphilia, Aegypten und an den Enden der Libyen, bei Cyrenen, und Ausländer von Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber, wir hören sie mit unseren Zungen die großen Thaten Gottes reden. Sie entsatten sich alle, und wurden irre, und sprachen einer zum anderen: Was will daraus werden? Die andern hielten's für einen Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weines. Sie gingen aber aus und predigten an allen Orten, und der Herr wirkte mit ihnen, und bekräftigte das Wort durch mitfolgende Zeichen. Christus lebet, ein König ewiglich. Antiphonien oder Verse und Sprüche, welche an Sonn- und Festtagen vor den Collecten gesungen werden. www Zum Anfange des N. Kirchenjahres oder auch sonst. Hilf ilf uns, Gott unseres Heils, um deines Namens Ehre willen, Hall. Errette uns und vergib uns unsre Sünde um deines Namens willen, Hall. Oder: Erzeige uns, Herr, deine Barmherzigkeit, Hall. Und gib uns Gnade, Heil und Seligkeit, Hall. Auf die Adventzeit. Machet die Thore weit und die Thüren in der Welt hoch, Hall. Daß der König der Ehren einziehe, Hall. Am 1. Adventsonntage. Bereitet den Weg dem Herrn, Hall. Machet seine Steige richtig, Hall. Oder: Hostanna, dem Sohne David, Hall. Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn, Hall. Am 2. Adventsonntage. Himmel und Erde vergehen, Aber meine Worte vergehen nicht. Am 3. Adventsonntage. Siehe, ich sende meinen Engel vor mir her, Der deinen Weg vor dir bereiten soll. Am 4. Adventsonntage. Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüsten: Bereitet den Weg dem Herrn, wie der Prophet Jesaias gesagt hat. Auf Weihnachten. Ein Kind ist uns geboren, Hall. Ein Sohn ist uns gegeben, Hall. Oder: Das Wort war Fleisch, Hall. Und wohnet unter uns, Hall. Oder: Preise, Jerusalem, den Herrn, Hall. Lobe, Zion, deinen Gott, Hall. Oder: Euch ist heute der Heiland geboren, Hall. Welcher ist Christus, der Herr in der Stadt David, Hall. Oder: Kündlich groß ist das gottselige Geheimniß, Hall. Gott ist offenbaret im Fleische, Hall. Oder: Also hat Gott die Welt geliebet, Hall. Daß er seinen eingeborenen Sohn gab, Hall. Oder: Ehre sei Gott in der Höhe, Hall. Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen, Hall. Am Sonnt. nach dem Christtage. Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, Ist zum Ecksteine worden. Auf den Neujahrs- Tag. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, Hall. Und seine Güte währet ewiglich, Hall. 2 Antiphonien. Oder: Du krönest das Jahr mit deinem Gute, Hall. Und deine Fußstapfen triefen von Fett, Hall. Oder: Wünscher Jerusalem Gitic, Hall. Es müsse wohlgehen denen, die dich lieben, Hall. Am Sonnt. nach dem N. Jahre, von der Taufe Christi. Dies ist mein lieber Sohn, An welchem ich Wohlgefallen habe. Oder: Wer ist, der den Herrn fürchtet: Er wird ihn unterweisen den besten Weg. Am Feste der Erscheinung Christi. Lobet den Herrn alle Heiden, Hall. Preiset ihn alle Völker, Hall. Oder: Alle Könige werden den Herrn anbeten, Hall. Alle Heiden werden ihm dienen, Hall. Oder: Mache dich auf, werde Licht, denn dein Licht kömmt, Hall. Und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir, Hall. Am 1. Sonntage nach der Erfcheinung Christi. Der Herr ist groß zu Zion, Und hoch über alle Völker, Oder: Herr! wir wollen nicht von dir weichen: Laß uns leben, so wollen wir deinen Namen anrufen. Am 2. Sonntage nach der Erscheinung Chrifti. Wohl dem, der den Herrn fürchtet, Und auf seinen Wegen gehet. Oder: Herr, wenn ich nur dich habe: So frag' ich nicht nach Himmel und Erde. Am 3. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Herr, ich bin nicht werth, daß du unter mein Dach gehest, Sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Oder: Gelobet sei Gott, der mein nicht Roch seine Gülte von mir wendet. Am 4. Sonntage nach der Erscheinung Chriſti. Herr, hilf uns, wir verderben! Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Oder: Rufe mich an in der Noth: So will ich dich erretten, und du sollst mich preisen. Oder: Mache dich auf, Herr, und hilf uns: Und erlöse uns um deiner Güte willen. Oder: Erwecke dich, Herr! warum schläfest du? Wache auf und verstoße uns nicht gar. Am Feste der Reinigung Mariä. Herr, nun läsfest du deinen Diener in Friede fahren, Hall. Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, Hall. Oder: Gelobet sei der Herr, der Gott Israel, Hall. Von nun an bis in Ewigkeit, Hall. Am 5. Sonntage nach der Erscheinung Christi. Des Menschen Sohn wird seine Engel senden! Und sie werden sammeln aus seinem Reiche alle Aergernisse. Oder: Herr, ich behalte dein Wort in meinem Herzen: Auf daß ich nicht wider dich fündige. Am 6. Sonntage nach der Erscheinung Chriſti. Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Den sollt ihr hören. Oder: Dienet dem Herrn mit Furcht. Und freuet euch mit Zittern. Antiphonien. Am Sonntage Septuagesimä. Herr, halt' im Bau deinen Weinstock, den deine Rechte gepflanzet hat. Und den du vestiglich erwählet hast. Am Sonntage Seragefimä. Das Wort, so aus meinem Munde gehet, soll nicht leer wieder. zu mir kommen: Sondern soll thun, was mir gefällt, und soll ihm gelingen, wozu ich's sende. Am Sonntage Quinquagesimä. Herr, ich muß um deinetwillen leiden Für die Heiligen, so auf Erden sind. Oder: Fürwahr, er trug unsere Krankheit. Und lud auf sich unsere Schmerzen. Oder: Gott hat seines eigenen Sohnes nicht verschonet. Sondern hat ihn für uns alle dahin gegeben. Am Sonntage Invocavit. Du sollst anbeten Gott deinen Herrn, Und ihm allein dienen. Oder: Der Mensch lebet nicht vom Brode allein, Sondern von einem jeglichen Worte, das durch den Mund Gottes geht. Am Sonntage Reminiscere. Gedenke, Herr! an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, Die von der Welt her gewesen ist. Oder: Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, Und das glimmende Docht wird er nicht auslöschen. Am Sonntage Deuli. Die Gefangenen sollen dem Riesen genommen werden, Und der Raub des Starken soll los werden. Oder: Meine Augen sehen stets nach dem Herrn: Denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen. 3 Am Sonntage Lätare. Ich will ihre Speise segnen, Und ihren Armen Brod genug geben. Oder: Die Elenden sollen essen, daß sie satt werden: Und die nach dem Herrn fragen, werden ihn preisen. Am Feste der Verkündigung Mariä. Siehe! eine Jungfrau ist schwanger, Hall. Und wird einen Sohn gebären, Hall. Oder: Der Herr wird ein Neues im Lande schaffen, Hall. Das Weib wird den Mann umgeben, Hall. Oder: Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat, Hall. Laffet uns freuen und fröhlich darinnen sein, Hall. Am Sonntage Judica. So Jemand mein Wort wird halten, Der wird den Tod nicht sehen ewiglich. Oder: Herr, dein Wort ist meines Fußes Leuchte: Und ein Licht auf meinem Wege. Am Sonntage Palmarum. Gelobet sei, der da kömmt, ein König, im Namen des Herrn, Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe. Oder: Freue dich sehr, du Tochter Zion, Hall. Und du, Tochter Jerusalem, jauchze, Hall, Am grünen Donnerstage. Sp oft ihr von diesem Brode effet, und von diesem Kelche trinket, Sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis daß er kommt. Oder: Er hat ein Gedächtniß gestiftet seiner Wunder: Der gnädige und barmherzige Gott. Von dem Leiden Christi. Christus ist um unserer Missethat willen verwundet. Antiphonien. 4 Und um unserer Sünde willen geschlagen. Oder: Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Friede hatten, Und durch seine Wunden sind wir geheilet. Oder: Christus hat geliebet die Gemeine. Und hat sich selbst für sie gegeben. ( Siehe oben Quinquagesimä.) Auf das Osterfest. Christus, von den Todten auferwecket, stirbt hinfort nimmer, Hall. Der Tod wird hinfort über ihn nicht herrschen, Hall, Oder: Christus hat dem Tode die Macht genommen, Hall. Und das Leben wieder ans Licht gebracht, Hall. Oder: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, Hall. Und er wird mich hernach aus der Erde erwecken, Hall. Oder: Christus ist auferstanden von den Todten, Hall. Und ist der Erstling worden unter denen, die da schlafen, Hall. Oder: Ich will sie erlösen aus der Höllen, Hall. Und vom Tode erretten, Hall. Oder: Christus ist um unserer Sünde willen dahin gegeben, Hall. Und um unserer Gerechtigkeit wil= len auferwecket, Hall. Oder: Bleibe bei uns, Herr! denn es will Abend werden: Und der Tag hat sich geneiget. Am Sonntage Quasimodogeniti. Christus ist aus der Angst und Gerichte genommen. Wer will seines Lebens Länge ausreden? Oder: Selig sind, die nicht sehen: Und doch glauben. Am Sonntage Misericordias Domini. Meine Schafe werden meine Stimme hören. Und es wird eine Herde und ein Hirte werden. Oder: Der Herr ist mein Hirte: Mir wird nichts mangeln. Am Sonntage Jubilate. Iht werdet traurig sein, Doch eure Traurigkeit soll in Freude verkehret werden. Am Sonntage Cantate. Singet dem Herrn ein neues Lied, Singet dem Herrn alle Welt. Am Sonntage Rogate. So ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, So wird er's euch geben. Oder: Bittet, so werdet ihr nehmen. Daß euere Freude vollkommen sei. An Christi Himmelfahrt. Christus ist aufgefahren in die Höhe, Hall. Und hat das Gefängniß gefangen geführet, Hall. Oder: Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, Hall. Oder: Gott fähret auf mit Jauchzen, Hall. Und der Herr mit heller Posaunen, Hall. Oder: Ich fahre auf zu meinem Vater, und zu eurem Vater, Hall. 3u meinem Gott, und zu euerem Gott, Hall. Am Sonntage Exaudi. Du höchster Trost in aller Noth, Hilf, daß wir nicht fürchten Schand' und Tod. Oder: Gott, sei nicht ferne von mir, wenn ich dich anrufe: Eile mir beizustehen, Herr! meine Hilfe! Auf das Pfingstfest. Schaff' in mir, Gott! ein reines Herze, Hall. Antiphonien. Und gib mir einen neuen gewissen Geist, Hall. Oder: Herr, lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen, Hall. Denn du bist mein Gott, dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn, Hall. Oder: Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid? Hall. Und der Geist Gottes in euch wohnet? Hall. Am andern Pfingsttage. Also hat Gott die Welt geliebet. Hall. Daß er seinen eingebornen Sohn gab, Hall. Am dritten Pfingsttage. Ich bin die Thür zu den Schafen, Hall. So jemand durch mich eingehet, der wird selig werden, Hall. Auf das Fest Trinitatis. Wir loben die heilige Dreifaltigfeit, Gott Vater, Sohn und heil. Geist, Hall. Und preisen sie von nun an bis in Ewigkeit, Hall. Oder: Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr Zebaoth, Hall. Alle Lande sind seiner Ehre voll. Am 1. Sonntage nach Trinitatis. Wohl dem, der sich des Dürftigen annimmt. Den wird der Herr erretten zur bösen Zeit. Oder: Brich den Hungrigen dein Brod: Und die, so im Elende find, führe ins Haus. Am 2. Sonntage nach Trinitatis. Du bereitest für mich einen Tisch gegen meine Feinde: Du salbest mein Haupt mit Del, und schenkest mir voll ein. Oder: Wirket Speise, die nicht vergänglich ist: Sondern die da bleibet in Ewigkeit. 5 Am 3. Sonntage nach Trinitatis. So wahr ich lebe, spricht der Herr, ich will nicht den Tod des Sünders. Sondern daß er sich bekehre und lebe. Oder: Es wird Freude sein im Himmel über einen Sünder, der Buße thut; Für neun und neunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen. Am 4. Sonntage nach Trinitatis. Barmherzig und gnädig ist der Herr, Geduldig und von großer Güte. Oder: Lasset euer Licht leuchten vor den Leuten: Daß sie eure guten Werke sehen, und euren Bater im Himmel preisen. Am Tage Johannis des Täufers. Bereitet den Weg dem Herrn, Hall. Machet seine Steige richtig, Hall. Oder: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, Hall. Der deinen Weg vor dir bereiten soll, Hall. Oder: Gelobet sei der Herr, der Gott Jsrael, Hall. Denn er hat besucht und erlöset sein Volk, Hall. Am 5. Sonntage nach Trinitatis. Wir haben die ganze Nacht ge= arbeitet und nichts gefangen: Aber auf dein Wort will ich das Netz auswerfen. Oder: Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knechte: Denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Am Tage der Heimsuchung Mariä. Meine Seele erhebet den Herrn, Hall. Und mein Geist freuet sich Gottes meines Heilandes, Hall. Oder: Lobe den Herrn, meine Seele, Hall. Und was in mir ist, seinen heiligen Namen, Hall. 6 Antiphonien. Am 6. Sonntage nach Trinitatis. Das Gesetz des Herrn ist ohne Wandel, Das Zeugniß des Herrn ist gewiß. Oder: Herr, zeige mir deine Wege; Und lehre mich deine Stege. Am 7. Sonntage nach Trinitatis. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie, Wenn du deine Hand aufthu'st, so werden sie mit Güte gesättigt. Oder: Ich will ihnen ihre Speise ſegnen: Und will ihren Armen Brodes genug geben. Am 8. Sonntage nach Trinitatis. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen. Und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Oder: Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr! Herr! in das Himmelreich kommen: Sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. Am 9. Sonntage nach Trinitatis. Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, Auf daß, wenn ihr nun darbet, fie euch aufnehmen in die ewigen Hütten. Am 10. Sonntage nach Trinitatis. Mein Haus ist ein Bethaus allen Völkern, Ihr aber habt es gemacht zu einer Mördergrube. Oder: Herr, deine Güte reichet, so weit der Himmel ist: Und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Am 11. Sonntage nach Trinitatis. Ich sprach: ich will dem Herrn meine Uebertretung bekennen: Da vergabst du mir die Missethat meiner Sünden. Oder: Wer sich selbst erhöhet, der wird erniedrigt werden: Und wer sich selbst erniedriget, der wird erhöhet werden. Am 12. Sonntage nach Trinitatis. Herr, thue meine Lippen auf, Daß mein Mund deinen Ruhm verkündige. Oder: Er hat Alles wohl gemacht: Die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend. Am 13. Sonntage nach Trinitatis. Du sollst Gott deinen Herrn fieben von ganzem Herzen, Und deinen Nächsten, als dich selber. Am 14. Sonntage nach Trinitatis. Wasche mich wohl, Herr! von meiner Missethat, Und reinige mich von meiner Sünde. Am 15. Sonntage nach Trinitatis. Habe deine Lust an dem Herrn, Der wird dir geben, was dein Herz wünschet. Oder: Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit. So wird euch das andere alles zufallen. Am 16. Sonntage nach Trinitatis. Das Verlangen der Elenden hörest du, Herr! Ihr Herz ist gewiß, daß dein Ohr darauf merket. Oder: Herr, lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, Auf daß wir flug werden. Am 17. Sonntage nach Trinitatis. Wenn du nicht thust, was mir gefällt, an meinem heiligen Tage: So wird es ein lustiger Sabbath heißen, den Herrn zu heiligen und zu preisen. Oder: Hilf mir, Gott, durch deinen Namen: Und schaffe mir Recht durch deine Gewalt. Antiphonien. Am 18. Sonntage nach Trinitatis. Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten. Oder: Der Herr kennet den Weg der Gerechten; Aber der Gottlosen Weg vergehet. Am Tage Michaelis. Der Herr hat seinen Engeln befohlen über dir, Hall. Daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen, Hall. Oder: Lobet den Herrn, ihr, seine Engel, Hall. Ihr starken Helden, die ihr ſeinen Befehl ausrichtet, Hall. Am 19. Sonntage nach Trinitatis. Wohl dem, dem die Uebertretungen vergeben sind, Dem die Sünde bedecket ist. Oder: Herr, sei mir gnädig, denn ich bin schwach: Heile mich, Herr, denn meine Gebeine sind erschrocken. Am 20. Sonntage nach Trinitatis. Christus hat geliebet die Gemeinde, Und sich selbst für sie gegeben. Oder: Viele sind berufen: Aber wenig auserwählet. Am 21. Sonntage nach Trinitatis. Wir werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade, Durch die Erlösung, so durch Christum Jesum geschehen ist. Oder: In der Angst ruf' ich den Herrn an: Und der Herr erhöret und tröſtet mich. Am 22. Sonntage nach Trinitatis. Ach Herr! straf' mich nicht in deinem Zorne, Und züchtige mich nicht in deinem Grimme. Oder: Wohl dem, der nicht wandelt im Rathe der Gottlosen; Noch tritt auf den Weg der Sünder. 7 Am 23. Sonntage nach Trinitatis. Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, Und Gott, was Gottes ist. Am 24. Sonntage nach Trinitatis. Wir haben einen Gott, der da hilft, Und einen Herrn, der vom Tode errettet. Am 25. Sonntage nach Trinitatis. Gleichwie der Blitz aufgehet vom Aufgange, und scheinet bis zum Niedergange: Also wird auch sein die Zukunft des Menschen Sohnes. Oder: Mache dich auf, Herr, und hilf uns: Und erlöse uns um deiner Güte willen. Am 26. Sonntage nach Trinitatis. Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters: Ererbet das Reich, das euch vom Anbeginne bereitet ist. Oder: Der Herr wird den Erdboden richten mit Gerechtigkeit, Und mit Recht die Völker. Am 27. Sonntage nach Trinitatis. Siche, der Bräutigam kommt: Gehet aus, ihm entgegen. Oder: Selig sind, die reines Herzens sind; Denn sie werden Gott schauen. An Buß- und Bettagen. Herr, handle nicht mit uns nach unsern Sünden: Und vergilt uns nicht nach unserer Missethat. Oder: Wir haben gesündiget mit unseren Vätern, Wir haben gemißhandelt und sind gottlos gewesen. Für die Früchte der Erde. Aller Augen warten auf dich, Herr, Und du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit. 8 Antiphonien. Um, den Frieden. Gott! gib Fried' in deinem Lande, Glück und Heil zu allem Stande. Zur Kinderlehre oder auch bei der Taufe. Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht; Denn solcher ist das Reich Gottes. Bei Begräbnissen. Herr, lehre mich, daß ein Ende mit mir haben muß: Und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß. Oder: Herr, deine Todten werden leben, Und mit dem Leichname auferstehen. Oder: Herr! lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, Auf daß wir flug werden. Oder: Selig sind die Todten, die im Herrn sterben von nun an: Der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen ihnen nach. ( Mehr suche oben bei Ostern.) Bei geschwinden Todesfällen. Des Herrn Zorn währet einen Augenblick. Danksagung für erlangten Sieg. Lobet den Herrn in seinem Heiligthume, Hall. Lobet ihn in der Feste seiner Macht, Hall. Um fruchtbare Zeiten. Herr! es wartet alles auf dich, daß du ihnen Speise gebeft zu seiner Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie, wenn du deine Hand aufthust, so werden sie mit Güte gesättigt. Um Regen und gut Wetter. Herr, du feuchtest die Berge von oben her: Und machest das Land voll Früchte, die du schaffest. Oder: Gedenke, Herr! an deine Barmherzigkeit: Und an deine Güte, die von der Welt her gewesen ist. Oder: Herr! erzeige uns deine Gnade und Güte, und hilf uns: Auf daß unser Land seine Gewächse gebe. Zur Erntezeit. Laffet uns den Herrn unseren Gott fürchten, der uns Frühregen und Spatregen zu rechter Zeit gibt, Und uns die Ernte treulich und jährlich behütet. Oder: Die Elenden sollen effen, daß sie satt werden; Und die nach dem Herrn fragen, werden ihn preisen. Vom jüngsten Tage. Der Herr hat einen Tag gesetzet, an welchem er wird richten den Kreis des Erdbodens mit Gerechtigkeit Durch einen Mann, durch welchen er's beschlossen hat. Zum Beschlusse. Der Herr segne dich und behüte dich: Der Herr erleuchte sein Angesicht über dich, und sei dir gnädig: Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich, und gebe dir Frieden. Amen. Oder: Der Name des Herrn jei gelobet und gebenedeiet von nun an bis in Ewigkeit. Amen. Rudolstadt, zu haben in der F. priv. Hofbuchdruckerei. 55059/ 512 cecomsccrccccccccccrrcccccceedmork 12 Glaubelirbehoffe CCCCCCCCCCCCEFFOor ess 3 3000 Inches ESPEELFCERE ECHCCOLECECECCH 1 Centimetres Blue 12 3 Paul Sömmering FO Cyan 2 6 7 Farbkarte# 13 Green 3 5 Bla 8 Yellow 9 10 Red 779 11 12 LO 5 13 Magenta 14 6 15 White 16 17 7 3/ Color 18 19 B.I.G. Black 8